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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

&lt;*

26

6. J u l i 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan;

Amerikanische Aktion Im Golf diente der Selbstverteidigung

- Brief des Präsidenten an die Parteiführer im Kongreß -

HINTERGRUNDMATERIAL

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

Bush verspricht Außenpolitik des "Friedens durch Stärke'
- Auszüge aus einer Rede in San Francisco -

*

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Nationale Strategie im Kampf gegen HIV Epidemie
- Bericht der Watkins-Kommission mit fast 600 Empfehlungen

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
%

'"v"

Dokumentation

Ä&lt;

26

6. Juli 19S8
REAGAN:

AMERIKANISCHE AKTION IM GOLF DIENTE DER SELBSTVERTEIDIGUNG

- Brief des Präsidenten an die Parteiführer im Kongreß WASHINGTON - (AD) - In seinem Schreiben an den Vorsitzenden des Repräsentantenhauses und den Senatspräsidenten pro tempore vom 5. Juli 1988 erklärte Präsident Reagan, die von den amerikanischen Streitkräften als Erwiderung
auf den Angriff iranischer Schnellboote im Persischen Golf durchgeführte Aktion, bei der es bedauerlicherweise zum Abschuß eines iranischen Zivilflugzeuges kam, "wurde im Einklang mit unserem verbrieften Recht auf Selbstverteidigung durchgeführt".
Der Präsident erläuterte in seinem Schreiben: "wir betrachten diesen Zwischenfall als beendet, obwohl amerikanische Streitkräfte weiterhin in Bereitschaft bleiben werden, um zusätzliche Verteidigungsaktionen zum Schutz unserer
Einheiten und desraililtärischenPersonals durchzuführen". Reagan wiederholte
in seinem Brief das tiefe Bedauern der Vereinigten Staaten über "den tragischen Verlust von Menschenleben" am 3. Juli.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut des Briefes:
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrter Herr Präsident,
Am 3. Juli 1988 befanden sich die
USS VINCENNES und die USS ELMER
MONTGOMERY in internationalen Gewässern im Einsatz - im Persischen Golf
in der Nähe der Straße von Hormus.
(Am 2. Juli hatte die MONTGOMERY das
Notsignal
eines
von
iranischen
Schnellbooten angegriffenen dänischen
Tankers beantwortet und einen Warnschuß abgegeben, woraufhin der Angriff
abgebrochen
wurde.)
Der
VINCENNES lagen Anzeichen dafür vor,
daß sich etwa ein Dutzend iranischer
Schnellboote zum Angriff auf Handelsschiffe formierten, und sie entsandte
einen Hubschrauber des Typs Mark III
LAMPS zum Zweck der Lagebeurteilung
zu einem Patrouillenflug in den in-

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ternationalen Luftraum. Um 10.10 Uhr
Ortszeit (im Golf) wurde dieser von
iranischen Schnellbooten beschossen,
als er sich bis auf vier Seemeilen
näherte (die VINCENNES befand sich zu
dieser Zeit etwa zehn Seemeilen vom
Schauplatz des Geschehens entfernt).
Der LAMPS-Hubschrauber wurde nicht
beschädigt und kehrte sofort auf die
VINCENNES zurück.
Als sich die VINCENNES und die
MONTGOMERY den iranischen Schnellbooten um etwa 10.42 Uhr Ortszeit (im
Golf) näherten, nahmen mindestens
vier Schnellboote Kurs auf die amerikanischen Kriegsschiffe und begannen
mit deren Einkreisung.
Zu dieser
Zeit eröffneten beide amerikanischen
Schiffe das Feuer auf die Schnellboote, wobei zwei versenkt und ein drit-

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Telex: 8-85432

�tes getroffea wurde. Bedauerliche)—
weise wurde im Verlauf der amerikanischen Erwiderung das iranischen Augriffs von der VIKCENNES ein iranischej: Zivi lf .ugzeug abgeschossen,
die zum Zweck ihrer Selbstverteidigung ein Objekt beschoß, das sie für
ein feindliches iranisches Kampfflugzeug hielt.
Wir bedauern zutiefst
den tragischen Verlust von Menschenleben.
Das Verteidigungsministerium
wird eine eingehende Untersuchung
durchführen.
Die
von
den
amerikanischen
Streitkräften a .s Erwiderung auf den
Angriff iranischer Schnellboote im
Persischen Golf durchgeführte Aktion
wurde im Einklang mit unserem verbrieften Recht auf Selbstverteidigung
durchgeführt, gemäß Artikel 51 der
Charta der Vereinten Nationen und im
Rahmen meiner verfassungsmäßigen Autorität im Hinblick auf die Wahrnehmung der auswärtigen Beziehungen und
als Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
Es gab keine weiteren feindlichen
Aktionen
der
iranischen
Streitkräfte, und wir betrachten diesen Zwischenfall als beendet, obwohl
amerikanische Streitkräfte weiterhin
in Bereitschaft bleiben werden, um
zusätzliche Verteidigungsaktionen zum
Schutz unserer Einheiten und des militärischen Personals durchzuführen.
Auf seiten der amerikanischen Streitkräfte gab es keine Verluste oder
Schäden.
Seit März 1987 haben Mitglieder
meiner Regierung und ich im Zusammenhang mit den Entwicklungen im Persischen Golf und den Aktivitäten der
amerikanischen Streitkräfte in der
Region dem Kongreß Briefe und Berichte zugeleitet, Informationsgespräche
geführt und Reden gehalten.
Gemäß
meinem Wunsch, daß der Kongreß auch
weiterhin
in dieser Angelegenheit
vollständig informiert sein soll, lege ich diesen Bericht im Einklang mit
der Resolution über die Kriegsvollmacht vor. Ich sehe der Zusammenarbeit mit dem Kongreß an unserem gemeinsamen, vorrangigen Ziel des Friedens und der Stabilität im Persischen
- 2

Golf gerne entgegen,
Hochachtungsvoll
(gez.) Ronald Reagan

*****

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

6. Juli 1980

26

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
BUSH VERSPRICHT AUSSENPOLITIK DES "FRIEDENS DURCH STARKE"
- Auszüge aus einer Rede in San Francisco WASHINGTON - (AD) - Nachstehend bringen wir einen vom US-Informationsamt
(USIA) herausgegebenen Beitrag im Rahmen einer Reihe von Veröffentlichungen,
in denen die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1988 ihre
Positionen zur Außenpolitik und anderen Themen von internationalem Interesse
in ihre eigenen Worten darlegen können. In der heutigen Ausgabe bringen wir
Auszüge aus einer am 29. Juni 1988 gehaltenen Rede des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Bush vor dem World Affairs Council in San Francisco, in der dieser die Aufrechterhaltung der militärischen Stärke der Vereinigten Staaten und der Politik des Friedens durch Stärke fordert. Obwohl
Raum für "gedämpften Optimismus" bestehe, erklärte Bush, "ist der Kalte Krieg
noch nicht vorüber".
Die Auszüge haben folgenden Wortlaut:

Ich möchte mit drei kleinen Geschichten beginnen, drei Episoden aus
meiner Erfahrung als Vizepräsident,
die - wie Schnappschüsse in einem Fotoalbum - eine längere Geschichte erzählen, in diesem Fall die Geschichte
unserer Vision von der Außenpolitik
der Vereinigten Staaten, ihrer Durchführung und ihrer Ziele.
Die erste Geschichte spielt in
Wien im Jahr 1983, der letzten Station einer Reise, die mich in die
Hauptstädte Jugoslawiens, Ungarns und
Rumäniens geführt hatte, hinter ein
Gebilde, das wir so anschaulich als
den "Eisernen Vorhang" beschreiben.
In einer Rede in der Hofburg sprach
ich von der unnatürlichen Teilung Europas, von der Mauer, die das Herz
dieses Kontinents durchschneidet und

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nicht nur den hinter ihr gefangengehaltenen Menschen Gewalt antut, sondern alle Normen des menschlichen Anstands verletzt.
Ich erklärte damals, wir könnten
"eine legale Teilung Europas nicht
anerkennen" und würden uns mit einem
solch grundlegenden moralischen Unrecht nicht arrangieren. Denjenigen,
die von "Realpolitik" sprachen, antworteten wir, daß sich die einzig
wahre Form des politischen Realismus
auf das beständige Engagement für die
amerikanischen Ideale der Freiheit
und Demokratie gründet, und daß die
Preisgabe dieser Ideale hieße, die
Ziele Amerikas - das hieße, Amerika
selbst - preiszugeben.
Wir würden
weiterhin, so sagte ich damals, alle
Parteien des Abkommens von Jalta -

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�das freie Wahlen und Selbstbestimmung
für alle Staaten Europas, Ost und
West, garantierte - beim Wort nehmen.
In jener Rede brachte ich auch zum
ersten Mal die amerikanische Politik
der Differenzierung zum Ausdruck
eine aktive Politik, um die Länder
des Ostblocks zu ermutigen, ihre Haltung zu ändern, zu beginnen, ihre geschlossenen Gesellschaften zu öffnen
und mehr Unabhängigkeit von der sowjetischen Linie anzustreben.
Bild 2: Krefeld in der Bundesrepublik Deutschland, etwas später im
selben Jahr. Das Auto, in dem Bundeskanzler Kohl und ich sitzen, wird
von Demonstranten angegriffen und der
Bus mit unserem Begleitstab mit Steinen beworfen. Die Demonstranten protestieren gegen die geplante Stationierung der Pershing-Mittelstrecjcenraketen in Europa. Zum Glück wurde
niemand verletzt und wir entkamen mit
lediglich ein paar zerbrochenen Fenstern und einigen schockierten Mitarbeitern. Zu jener Zeit konnten wir
nicht sicher sein, daß die NATO ebenso intakt bleiben würde.
Als Reaktion auf die einseitige,
durch die Einführung der sowjetischen
SS-20 in Osteuropa hervorgerufene Eskalation hatten die Verbündeten sich
auf eine zweigleisige Politik von
Verhandlungen und damit einhergehenden Stationierungen geeinigt.
Die
Sowjets verfolgten jedoch ihre eigene
Doppelstrategie - Blockierung der
Verhandlungen und Ausübung all des
ihr zur Verfügung stehenden politischen Einflusses, um das Bündnis zu
entzweien und uns an der Stationierung zu hindern.
Kaum ein Monat
schien zu vergehen, ohne daß in irgendeiner
europäischen
Hauptstadt
eine Massendemonstration gegen die
amerikanischen
Raketen
mobilisiert
wurde. Die Grünen in der Bundesrepublik Deutschland, die Labor Party
in England, verschiedene Parteien in
den Niederlanden und Dänemark sowie
einige in unserem Land übten enormen
Druck für ein "Einfrieren" der Potentiale aus, das den sowjetischen Vorteil festgeschrieben und die INF-Ver-

handlungen zum Scheitern verurteilt
hätte. Die Sowjets hatten 1 000 Gefechtsköpfe gegen den Westen in Stellung gebracht. Der Westen hatte Mull
Gefechtsköpfe gegen den Osten stationiert.
Der sowjetische Plan sohlen zu
funktionieren: Die Europäer bekamen
den Druck zu spüren und wurc.en immer
unsicherer, ob sie den politischen
Folgen der Stationierung standhalten
könnten. Sie mußten von der Verläßlichkeit
der
Vereinigten
Staaten
überzeugt werden, davon, daß wir die
Verpflichtung
zur
Stationierung
ernstnahmen und bereit waren, sie umzusetzen. Sie konnten es sich nicht
leisten, das Risiko einzugehen, daß
wir ihnen den Boden unter cen Füßen
wegziehen könnten, wie dies die vorherige Administration bei der Absage
an die Neutronenbombe getai hatte.
Das war meine Aufgabe in Europa.
Bei unserer Rückkehr war ich ein
wenig überrascht, ein Lob von ungewohnter Stelle zu bekommen - ein
Leitartikel in der Washington Post
verkündete:
"George schafft es."
Natürlich spielte auch der Außenminister eine wichtige Rolle. Zum Erfolg führte schließlich die Entschlossenheit des Präsidenten und das
standhafte Engagement der gesamten
Administration. Da sie dieses Engagements versichert waren, führten die
Verbündeten die Stationierung wie geplant durch. Endlich gaben auch die
Sowjets ihre Taktik der Verzögerung
und Einschüchterung auf - und zusammen unterzeichneten wir schließlich
den ersten Vertrag in der Geschichte,
durch den eine gesamte Kategorie von
Atomraketen nicht nur reduziert, sondern gänzlich beseitigt wird.
Bild 3:
San Salvador im Jahr
1983, die Residenz von Präsident
Magana, im Hintergrund kann man den
Lärm des Krieges hören. Vom Balkon
seines schwer bewachten Hauses waren
die Berge zu sehen, in denen es kurz
zuvor zu schweren Kämpfen zwischen
der salvadoranisehen Armee und der
Guerrilla gekommen war.

- 2 -

�Kurze Zeit zuvor hatte das Volk
von El Salvador In zwei Wahlen mutig
den Kugeln und Todesdrohungen der
Kommunisten widerstanden und war in
Rekordzahlen an die Wahlurnen geströmt, um mit überwältigender MehrheLt für die Demokratie zu stimmen gerade als die Demokratie in höchster
Gefahr schwebte. Mit Hilfe der Kubaner steigerte die Regierung der kommunistischen Sandinisten in Nicaragua
ihren Waffennachschub an die Kommunisten in El Salvador weiter. Auf die
Intensivierung des Linksterrorismus
reagierte die Rechte mit wiederauflebender Aktivität der Todesschwadronen, und da es schien, daß einige Militärs daran beteiligt sein könnten,
stoppte der Kongreß die Hilfe für die
zerbrechliche neue Demokratie.
Ohne die Hilfe der Vereinigten
Staaten war das Schicksal El Salvadors eindeutig vorgezeichnet - ein
kurzes, blutige Intermezzo sich steigernder Gewalttätigkeit auf der Linken und auf der Rechten, bevor das
zerrissene und übel zugerichtete Land
für immer dem Zugriff des sowjetischkubanischen Lagers anheimfallen würde, ein weiteres Nicaragua auf dem
amerikanischen Festland.
In der Residenz von Präsident Magana führte ich Unterredungen mit
führenden Vertretern von Regierung
und Militär. Das Ziel unserer Administration bestand darin, in unzweifelhaften Formulierungen klarzustellen, daß sie ihr eigenes Haus in Ordnung bringen mußten, daß entweder die
Todesschwadronen ihre Handlungen oder
die Vereinigten Staaten ihre Hilfe
einstellten. Sie hatten die Wahl.
Nachdem sie des amerikanischen
Engagements nochmals versichert worden waren, wurden die demokratischen
Kräfte in El Salvador gestärkt, die
gewalttätige Rechte in großem Maß unterdrückt, und der Kongreß verabschiedete die Hilfe.
Für El Salvador begann ein neues
Zeitalter, und
der heute schwer
krebskranke Napoleon Duarte wies den

Weg. Ich habe ihn kürzlich im Krankenhaus besucht und mußte dabei an
die dramatischen Fortschritte zur Demokratie denken, die in El Salvador
erzielt worden waren.
Ich fragte
mich, ob die Welt diesem noblen und
heroischen Mann jemals die Anerkennung zuteil werden lassen wird, die
er verdient.
Ich erzähle diese drei Episoden,
weil jeder ein gemeinsamer Tenor zugrundeliegt - die Notwendigkeit amerikanischer Stärke, Verpflichtung und
Entschlossenheit. Es sind drei Fallstudien in den Annalen des Friedens
durch Stärke, Beweise dafür, wie die
Vereinigten Staaten in den vergangenen acht Jahren die manchmal so bezeichnete "Kräftekorrelation" dramatisch zu ihrem Vorteil umgekehrt haben, so daß heute die Freiheit, die
sich einstmals in der ganzen Welt auf
dem Rückzug befand, jetzt wieder auf
dem Vormarsch ist.
Wir sollten die durch amerikanische Schwäche gegen Ende der siebziger Jahre hervorgerufene Vertrauenskrise niemals vergessen. Eine unstete Außenpolitik, die ihre moralische Richtung verloren zu haben
schien, rief die Verachtung unserer
Feinde wie auch unserer Freunde hervor. Während der Kongreß ständig unsere militärische Einsatzbereitschaft
für innenpolitische Ausgabenprogramme
opferte, wurden unsere Streitkräfte
gefährlich schwach. Ich werde nicht
noch einmal die inzwischen weithin
bekannte
Litanei
aufzählen:
von
Flugzeugen, die wegen Ersatzteilmangel nicht fliegen konnten, Schiffen,
die aufgrund von Treibstoffmangel ihre Häfen nicht verlassen konnten und
der schwer angeschlagenen Moral unserer Soldaten.
Während die Sowjets ihre militärische Aufrüstung weiter betrieben
und sich in vielen wichtigen Bereichen uns gegenüber einen Vorteil verschafften, wurden in unserem Land
wichtige
Waffensysteme
abgeschafft
oder auf Eis gelegt.
RUstungskontrollverhandlungen trugen nur in ge-

- 3 -

�ringem Maße zur Verlangsamung der sowjetischen Eskalation bei - es wurde
vielfach behauptet, damit sei nur das
gegenwärtige Ungleichgewicht festgeschrieben worden.
Nach Jahren der
Verhandlungen wurde SALT II vom Kongreß verworfen.
Mit dem schwindenden amerikanischen Engagement für den Schutz der
Freiheit auf der ganzen Welt wurde
der Tyrannei Vorschub geleistet. Die
Sowjets erkannten die günstige Gelegenheit und ergriffen sie: In Afghanistan, Nicaragua, Kambodscha, dem
SüdJemen, Äthiopien und Angola. Unsere Reaktion darauf: Gespräche über
einen Abzug amerikanischer Truppen
aus Südkorea. Es schien, als ob Amerika vorsätzlich seine Rolle als
WeLtmacht und Beschützer der freien
Welt aufgeben wollte.
•
Der
amerikanische
Machtverlust
hat die Welt nicht sicherer, sondern
gefährlicher werden lassen. Er hat
den Rüstungswettlauf nicht aufgehalten, sondern nur dazu geführt, daß
die Sowjets glaubten, ihn gewinnen zu
können.
Wir haben 1981 unser Amt mit dem
Mandat zum Wiederaufbau unseres Militärs angetreten. Wir haben die Produktion wichtiger neuer Waffensysteme
wie etwa dem B-1-Bomber erweitert und
deutlich gemacht, daß die einzige Position, aus der heraus wir verhandeln
wollen, die Position der Stärke ist.
Unsere
militärische
Aufrüstung
war kostspielig, aber um wieviel höher wäre der Preis gewesen, wenn wir
die weitere Vernachlässigung unserer
Streitkräfte
zugelassen
hätten
nicht der Preis in Dollar, sondern
die dauerhafte Lähmung der amerikanischen Macht. Es sollte nicht vergessen werden, daß wir bei unserem
Amtsantritt 1981 eine Krisensituation
zu meistern hatten - wir mußten
schnell und entschlossen handeln.
Heute beobachten wir mit gedämpftem Optimismus die Veränderungen, von
denen in der Sowjetunion gesprochen

wird. Vieles davon ist imoer loch
Gerede, aber in einer totalii ären Gesellschaft kann bereits Gerede revolutionär sein.
Die Stahltür hat sich einen Spalt
geöffnet und die frische "Mit d"-.r
Freiheit bahnt sich ihren Weg - vird
die Tür wie in der Vergangenheit nieder zuschlagen oder sich ;u einem
neuen Zeitalter der Hoffnung öffnen,
einem neuen Zeitalter, für das der
Frieden auf seiner einzig wehren und
dauerhaften Grundlage prognostiziert
wird - den gemeinsamen Interessen und
der
Interdependez
freier
Gesallschaften.
Wir können das jetzt nicht wissen
- aber wir sollten wissen, daß die
Versprechen
von
Glasnost
und
Perestrojka nicht in einem Vakuum abgegeben wurden, sondern im Kontext
der wiederhergestellten Stärke Amerikas. Ende der siebziger Jahre, am
Tiefpunkt amerikanischer Macht, müssen die Sowjets geglaubt haben, den
Wettbewerb um die Welt gewinnen zu
können. Aber ich denke, daß dieser
Traum schnell zerrann, als Amerika
den Absprung aus der zerrütteten
Wirtschaft der siebziger Jahre in die
aufstrebende,
von
Unternehmergeist
geprägte Wirtschaft
der achtziger
Jahre
schaffte,
als
wir
unsere
Streitkräfte wiederaufgebaut hatten
und der sowjetischen Aggression und
Subversion auf der ganzen Welt mit
neuer Entschlossenheit entgegengetreten sind, um diejenigen zu unterstützen, die für ihre Freiheit und die
Sicherung der Freiheit aller Menschen
kämpfen.
Mit eben dieser Unterstützung
konnte die afghanische Widerstandsbewegung die Sowjetunion zwingen, ihre
Truppen aus Afghanistan abzuziehen.
Der UdSSR zufolge ist der Abzug auf
eine neue Betrachtungsweise regionaler Konflikte zurückzuführen. Vielleicht wird es dazu kommen, aber nur,
wenn die Freiheit weiterhin starke
Unterstützung auf der ganzen Welt erhält.
Wo unsere Unterstützung und
unsere Führungsrolle stark waren -

�wie etwa In Afghanistan, im Golf und
in El Salvador - schließen unsere
Verbündeten wie auch die Staaten der
Region sich mit uns zusammen, und die
Freiheit triumphiert. Wo das nicht
der Fall ist - wie In Nicaragua trifft das Gegenteil zu.
Mit SDI haben wir Technologie als
unsere große Stärke - und die große
Schwäche der Sowjets - zum Kern des
Wettbewerbs gemacht. Obwohl die Sowjets über 200 Milliarden Dollar für
ihre strategische Verteidigung ausgegeben haben, war es ihnen klar, daß
sie den Wettkampf in der Technologie
niemals gewinnen können, wenn sie uns
nicht zur Aufgabe unseres Programms
veranlassen können - wie sie es in
Reykjavik versucht haben.
Ich lege Wert auf die Feststellung, daß es die acht Jahre amerikanischer Stärke waren, die die Sowjets mit dem wahren Preis der Aggression und der Notwendigkeit für
Reformen konfrontiert
haben.
Aus
diesem Grunde war der Moskauer Gipfel
eine so passende Krönung der Amtszeit
des Präsidenten, da sich die Hoffnungen dieses Gipfels auf acht Jahre moralischer Entschlossenheit und harter
Arbeit
zum
Wiederaufbau
amerikanischer Macht gründen.
Trotzdem müssen wir uns vor Augen
führen, daß der Kalte Krieg nicht
vorbei ist. Wir müssen wagemutig genug sein, um im Hinblick auf Veränderungen die Gelegenheit zu ergreifen,
aber gleichzeitig auf das vorbereitet
sein, was ein Experte in seinem Artikel "Der verschleppte Konflikt" nannte. Wir sollten daran denken, daß
Amerikas militärische Stärke nicht
nur ein Titel in unserem Haushalt
ist, sondern der Preis für die Verteidigung unserer Freiheit.

* * * * * *

- 5

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

6. Juli 1988

26

NATIONALE STRATEGIE IM KAMPF GEGEN HIV-EPIDEMIE
- Bericht der Watkins-Kommission mit fast 600 Empfehlungen -

WASHINGTON - (AD) - Mit nahezu 600 Empfehlungen hat die im September 1987
von Präsident Reagaa eingesetzte AIDS-Kommission Ende Juni 1988 ihren Abschlußbericht vorgelegt. Das 13köpfige Gremium unter Vorsitz von Admiral a.D.
James D. Watkins verbrachte allein 43 Tage mit der Anhörung von mehr als 500
Experten verschiedenster Fachrichtungen und suchte sich an zahlreicnen Orten
selbst ein Bild von der Situation der Betroffenen sowie auch von den Problemen
in Forschung, Therapie, Pflege und Gesundheitsvorsorge zu verschaffen.

Die Notwendigkeit der möglichst
frühzeitigen Erfassung und Behandlung
einer HIV-Infektion (HIV - Immunschwäche auslösendes Virus) wird in
dem Bericht ebenso hervorgehoben wie
die Dringlichkeit einer Therapie, bei
der die diskrete und einfühlsame Behandlung des Erkrankten gewährleistet
ist. Die intensive Erforschung des
Wesens dieser Krankheit und die Ausweitung der Bemühungen um Vorsorge,
Beratung, Pflege und Information seien ungemein wichtig.
Als überholt
müsse die ursprüngliche Bezeichnung
AIDS (erworbenes Immunschwäche-Syndrom) angesehen werden, weil sie nur
einem Teilaspekt gilt, nicht aber das
gesamte, weite Spektrum umfaßt. Weil
man sich nur auf AIDS konzentriert
habe, sei "die Nation bisher nicht in
der Lage gewesen, sich angemessen mit
der Epidemie zu befassen". Und da

United States Information Service
Embassy of the United States of America

intravenöser
Rauschgiftabusus
eine
der Hauptquellen für eine HIV-Infektion sei, müsse Vorbeugung gegen
Fixen und die Therapie solcher Süchtigen "zur nationalen Priorität werden" .
Im Folgenden veröffentlichen wir
eine Zusammenfassung des Berichtes:
Die HIV-Epidemie wird auf Jahre
hinaus eine Herausforderung im amerikanischen Leben bedeuten und sollte
allen Amerikaner ein Anliegen sein.
Neuen Schätzungen zufolge sind bis
1992 fast 500 000 Amerikaner der
Krankheit zum Opfer gefallen oder befinden sich in einem fortgeschrittenen
HIV-Erkrankungsstadium.
Aber
nicht einmal diese unglaubliche Zahl
zeigt an, wie ernst die Probleme ge-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�genwärtitg sind. 1 bis 1,5 Millionen
Amerikaner dürften mit dem HI-Virus
infiziert sein, sind aber noch nicht
so krank, daß sie dies realisieren.

sourcen
mie ist
weniger
Nutzung

Mit ihren Empfehlungen will die
Kommission ein ausgewogenes Verhältnis zwischen unseren Verpflichtungen
als Gesellschaft gegenüber den HIVinfizierten
Mitbürgern
und
jenen
schaffen, die das Virus nicht haben.
Die Verlangsamung oder das Ende seiner Ausbreitung, angemessene medizinische Versorgung der Infizierten und
Schutz der Rechte von infizierten und
nicht infizierten Personen erfordern
eine sorgfältige Ausbalancierung von
Interessen in einer überaus komplexen
Gesellschaft.

Für Leser, die keine Zeit zur
Sichtung des gesamten Materials haben, hat die Kommission 20 ihrer
wichtigsten
Resultate
und
Empfehlungen aufgelistet, von denen
jedoch kein Punkt allein stehen oder
außer acht gelassen werden la-fctJ. Sie
werden im Gesamtbericht im Detail erläutert und ergeben zusammen eine umfassende nationale Strategie, zur
wirksamen Bekämpfung der HIV-Epidemie.

Wissen ist eine ganz wichtige
Waffe gegen HIV - Wissen um das Virus
und wie es übertragen wird, Wissen um
die Erhaltung der Getsundheit des einzelnen, Wissen um den persönlichen
Infektionsstatus.
Auch
ist
von
großer Bedeutung, daß Wissen zur Verantwortung gegenüber sich selbst und
anderen führt. Es ist die Verantwortung aller Amerikaner, über HIV informiert zu sein. Es ist die Verantwortung der Infizierten, andere nicht
anzustecken. Es ist die Verantwortung aller Bürger, daß die HlV-Infizierten respektvoll und einfühlsam
behandelt werden.
Jeder einzelne
sollte für seine Handlungen und deren
Konsequenzen verantwortlich sein.
In der ausführlichen Fassung des
Berichtes der Kommissions werden fast
600 Empfehlungen zur Verhinderung
einer weiteren Ausbreitung des Virus,
zur Pflege der HlV-Infizierten und
zur Verbesserung unserer Anstrengungen zur Auffindung von Heilungsmöglichkeiten aufgeführt.
Die Dringlichkeit und Bandbreite der nationalen Anstrengungen in der HIV-Forschung als Reaktion der amerikanischen Regierung auf eine Krise im
Zusammenhang mit einer Infektionskrankheit ist ohne Parallele in der
Geschichte. Aber von allen notwendigen Antworten sind wir noch weit entfernt. Die Aufwendung von mehr Res-

zur Bewältigung dieser Epideein kritischer Punkt. Nicht
bedeutsam ist die gerechte
solcher Ressourcen.

- Die Bezeichnung "AIDS" ist überholt.
"HIV-Infektion" definiert
das Problem besser. Die führenden Persönlichkeiten in der Ärzteschaft, im Öffentlichen Gesundheitswesen, in Politik und Kommunalverwaltungen müssen sich auf
den gesamten Verlauf der HIV-Infektion anstatt nur auf die späteren Stadien der Krankheit (ARC
und AIDS - d.h. "AIDS"-assoziierter Symptomkomplex und die Vollerkrankung an AIDS) konzentrieren.
Da fortgesetzt AIDS im
Brennpunkt stand, nicht aber das
ganze Spektrum der HIV-Infektion,
war unsere Nation bisher nicht
fähig, sich in angemessener Weise
mit der Epidemie zu befassen.
Die Anstrengungen von Bund und
Einzelstaaten im Hinblick auf die
Sammlung von Daten müssen sich
jetzt auf frühe HIV-Berichte konzentrieren;
gleichzeitig
sind
weiterhin Daten über symptomatische Krankheitsphänomene zusammenzutragen.
- Die frühzeitige Diagnose der HIVInfektion ist nicht nur für die
angemessene medizinische Therapie
und Beratung der infizierten Person, sondern auch für die angemessene
Folgebeobachtung
durch
die Gesundheitsbehörden von entscheidender Bedeutung. Eine HIVInfektion kann wie jede andere
chronische Erkrankung
- Herzkrankheit, Bluthochdruck, Diabe-

�tes, Krebs - wirksamer behandelt
werden, wenn man sie frühzeitig
erkennt.
Deshalb sollten medizinische Stellen regelmäßige HIVTests anbieten, um den gegenwärtig kleinen Anteil jener Infizierten, die sich der Tatsache
bewußt sind und entsprechend betreut werden, zu erhöhen.
Da
sich viele Manifestationen von
HIV für eine Behandlung eignen,
sollten Infizierte ungehinderten
Zugang zur Behandlung der opportunistischen Infektionen haben, die sich häufig für Personen
mit HIV als tödlich erweisen.
- Besseres Verständnis der tatsächlichen Häufigkeit und der Schwerpunkte von HIV-Infektionen spielt
eine Schlüsselrolls und kann nur
durch sorgfältiges Zusammentragen
von Daten aus stark ausgeweiteten
Tests erworben werden. Tests mit
Qualitätsgarantien sollten leicht
zugänglich, vertraulich, freiwillig sowie mit angemessener Beratung und mit Pflegeleistungen
verbunden
sein.
Gegenwärtig
kennt nur ein kleiner Prozentsatz
von HlV-Infizlerten seinen Infektionsstatus. Zum eigenen Schutz
und zum Schutz der nicht Infizierten sollten große Anstrengungen unternommen werden, um freiwillige Tests leicht zugänglich
zu machen. Viele der detaillierten Vorschläge im vorliegenden
Bericht in bezug auf Tests zielen
auf die Erhöhung dieses Prozentsatzes ab.
- HIV ist eine Behinderung und
sollte im öffentlichen und privaten Sektor im Bundes- und Einzelstaatsrecht als solche behandelt
werden. Angst hat zur Diskriminierung von Personen geführt, von
denen man weiß, daß sie infiziert
sind. Diese Reaktion ist unangemessen.
Infizierte
Personen
sollten zur Fortsetzung normaler
Aktivitäten wie Arbeit oder Schule ermutigt werden und so lange,
wie sie dazu in der Lage sind, in
der eigenen Wohnung bleiben. Die

- 3-

durchschnittliche Zeitspanne zwischen Infektion und klinischen
Symptomen bemißt man derzeit auf
sieben bis acht Jahre - Jahre,
die produktiv sein sollten.
- Im Bundes- und Staatsrecht ist
strikterer Schutz der Privatsphäre HlV-Infizierter in der Form
erforderlich,
daß
Verletzungen
der
Vertraulichkeitsnormen
mit
beachtlichen Strafen belegt werden, aber auch notwendige Ausnahmen in den Vorschriften klar
definiert sind. Diese Ausnahmen
sind im Detail in Kapitel 9 unseres Berichtes aufgeführt, d.h. im
Abschnitt
über
Schweigepflicht
bzw. vertrauliche Behandlung.
- Einige Vorbeugungsmaßnahmen müssen sofort in Angriff genommen
werden.
- Behörden des Öffentlichen Gesundheitsdienstes überall in den Vereinigten Staaten müssen sofort
mit der vertraulichen Partner-Information beginnen. Dies ist ein
Warnsystem in bezug auf Intimkontakte von Personen, die Träger
sexuell übertragbarer Krankheiten, einschließlich HIV, sind.
- Dienststellen, die medizinische
Einrichtungen
genehmigen
und
überwachen, müssen sofort Maßnahmen ergreifen, mit denen jede
dieser Einrichtungen verpflichtet
wird, alle Personen, die seit
1977 Bluttransfusionen erhielten,
davon zu unterrichten, daß sie
möglicherweise einer HIV-Infektion ausgesetzt waren und Tests
sowie
gegebenenfalls
Beratung
notwendig seien.
- Vorbeugung und Therapie bei intravenösem Rauschgiftabusus, mit
dem der HIV-Epidemie wichtiger
Vorschub geleistet wird, muß zu
einer
nationalen
Aufgabe
von
höchster Priorität werden. Verstärkte Anstrengungen im Rechtsvollzug zur Unterbindung des Angebotes an Rauschgiften müssen

�mit erheblich erweiterter Therapie und Therapiemöglichkeiten mit
dem Ziel einer "Behandlung auf
Verlangen" gekoppelt werden, um
Süchtige wieder ein gesundes Leben zu ermöglichen.
- Der Konsum illegaler Drogen wie
der Mißbrauch von Alkohol erleichtern die Ausbreitung von
HIV, indem sie das Urteilsvermögen beeinträchtigen und das Immunsystem schwächen.
Die Bemühungen von Bund und ELnzelstaaten
um eine Eindämmung der HIV-Verbreitung müssen nichtige Maßnahmen zu Bereich enthalten. Erziehung gegen Alkohol- und Drogenmißbrauch mit entsprechender Information ist für alle Schulkinder und Heranwachsenden, für Angehörige von Minderheiten wie für
alle übrigen Amerikaner lebenswichtig.
- Neue bundes- und einzelstaatliche
Stipendien und Darlehen müssen
sofort im Bereich der Krankenpflege
eingeführt
werden, um
Pflegepersonal zum Dienst in Bereichen mit großer HIV-Häufigkeit
zu ermutigen und gleichzeitig das
Problem des Mangels an Pflegepersonal anzugehen, der auch in allen anderen Bereichen eine wirksame Gesundheitsfürsorge beeinträchtigt. Krankenschwestern und
Pfleger
leisten innerhalb und
außerhalb der Krankenhäuser einen
hohen Anteil zur Betreuung der
HIV-Kranken.
Gegenwärtig
existiert ein gravierender Mangel an
Pflegekräften, der in den nächsten zehn Jahren noch erheblich
zunehmen dürfte.
- Die
Tätigkeit
des
"National
Health Service Corps", das medizinische Fachkräfte in unterversorgte Gebiete schickt, soll gegenwärtigen Plänen zufolge eingestellt werden. Diese müßte jedoch verlängert
und erheblich
ausgeweitet werden. Die im Gesundheitswesen tätigen Verbände
und Berufsgruppen sollten der An-

werbung und Ausbildung von Fachkräften aus Minderheitengruppen
besondere Beachtung schenken.
- Aggressive biomedizinische Forschung ist der Schlüssel zu den
Rätseln und Ungewißheiten, die
mit der Suche nach einem Impfstoff und einer Heilung von HIV
noch verbunden sind. Die Medizinischen Bundesforschungsanstalten
(National
Institutes
of
Health) brauchen mehr administrative Flexibilität, zur Verwirklichung ihrer Forschungszielen.
Schadensrechtliche
Hindernisse
müssen aus dem Weg geräumt und
klinische Versuche stark ausgeweitet werden, um eine größere
Bandbreite der infizierten Bevölkerung einzubeziehen.
- Eine gerechtere und kosteneffektivere Finanzierung der Betreuung
HlV-Infizierter ist zu prüfen,
und zwar durch eine Reihe neuer
oder erweiterter Programme im
Rahmen derer bedürftigen Patienten Zuschüsse von Bundesregierung
und Staatsbehörden zu privaten
Versicherungsleistungen
sowie
größere Beiträge zu Risikofonds
gewährt werden. Es ist wichtig,
auf ein durchorganisiertes Betreuungssystem hinzuarbeiten, in
dem die Individualbehandlung ein
wesentliches
Hilfsmittel
darstellt, um Kosten unter Kontrolle
zu halten und qualifizierte Betreuung zu ermöglichen.
- Die Anliegen der im Gesundheitswesen tätigen Personen müssen auf
allen Behördenebenen sowie vom
privaten Sektor mehr angesprochen
werden. Ihnen allen - vom Sanitätswagenfahrer und anderen für
Erste Hilfe zuständigen Personen
bis zu Ärzten, Krankenschwestern,
Zahnärzten,
Laborpersonal, Sozialarbeitern,
Geistlichen
und
allen übrigen Angehörigen von Berufen im Gesundheitsdienst bis zu
Gynäkologen und Chirurgen, die
invasiv vorgehen müssen - sollten
komplette Informationen über HIV

�und ein angemessener Schutz in
bezug auf Materialien und Arbeitsbereich gewährt werden, so
daß eine umfassende und humane
Betreuung der Kranken möglich ist.
- Die sichere Versorgung mit Spenderblut muß von der Bundesregierung
kontinuierlich
sichergestellt werden. Die Bandesbehörde
für
Lebens- und
Arzneimittel
(Food and Drug Administration FDA) sollte die Prüfung neuer,
weniger zeitaufwendiger Tests zum
Aufspüren von HIV vorrangig behandeln. Darüber hinaus muß ein
umorganisierter Beratungsausschuß
für Blutprodukte mit der FDA zusammenarbeiten, un Verfahrenswege
zum Schutz von Kenservenblut kontinuierlich zu überprüfen.

i

- In Kliniken und anderen Einrichtungen
des
Gesundheitswesens
sollte alles unternommen werden,
um eine Transfusion von Fremdblut
(homologe Transfusion) zu vermeiden und statt dessen nach Möglichkeit
Eigenblut
(autologe
Transfusion) zu Infundieren. Zu
den gegenwärtig verfügbaren Methoden einer autologen Transfusion zählen eine vorherige Spende
von Eigenblut, die Rezirkulation
von Eigenblut während der Operation
(intraoperative
autologe
Transfusion), Blutverdünnung (Hämodilution) sowie nachoperatives
Sammeln von Blut: des Patienten
zur Retransfusion. Die Einrichtungen
des
Gesundheitswesens
sollten ihre Mitarbeiter besonders gut und gründlich in diesen
Techniken ausbilden, und der Patient, der seine Zustimmung zu
einer Transfusion von Blut oder
Blutkomponenten gibt, sollte sowohl über das Risiko in Verbindung mit der Transfusion als auch
über die Alternativen zur homologen Transfusion informiert werden.
- Informationsprogramme müssen weiterhin für die nahe Zukunft entwickelt und angewandt, aber auch
im Hinblick auf größte Wirksam- 5 -

keit bei der nächsten Generation
konzipiert werden. Altersgerechte, umfassende Programme zur gesundheitlichen Aufklärung in unseren Schulen - vom Kindergarten
bis zur letzten Schulklasse
sollten als nationale Aufgabe mit
Vorrang behandelt werden.
- Das Problem der HlV-infizierten
"Heimbabies" zählt zu den erschütternsten, denen die Kommission begegnet ist. Diese Kinder
verbringen ihr gesamtes kurzes
und tragisches Leben im Krankenhaus, mit Ärzten und Schwestern
als ihrer einzigen Familie. Die
10 000 bis 20 000 HlV-inf izierten
Neugeborenen, mit denen man 1991
zu rechnen hat, lenken außerdem
die Aufmerksamkeit auf die so
dringend benötigten Pflegeheime.
Wenn die Probleme der Benachteiligten nicht angesprochen werden,
wird die HIV-Epidemie weiterhin
in diese Bevölkerungsgruppen eindringen, und wir werden es mit
einem erheblichen Anstieg sowohl
pädiatrischer als auch drogenassoziierter
HIV-Erkrankungen
zu
tun bekommen.
- Die Probleme von Teenagern, insbesondere von Jugendlichen, die
von Zuhause weggelaufen sind,
sind ein spezielles Risiko der
HIV-Exposition und müssen aggressiv angegangen werden. Die HIVAusbreitung in der heterosexuellen Bevölkerung muß besser definiert, die allgemeine Öffentlichkeit muß korrekt und ausreichend
informiert
werden.
Unrichtige
und irreführende Verlautbarungen,
denenzufolge HIV nicht durch heterosexuelle Kontakte verbreitet
werden könne, sind als unqualifiziert abzulehnen.
- Die HIV-Epidemie wirft Schlaglichter auf eine Reihe ethischer
Überlegungen und Pflichten, u.a.
- die Verantwortung der HlV-infizierten, andere nicht anzustecken;

�- die Verantwortung der im Gesundheitswesen tätigen, allen HlV-infizierten Personen umfassende und
humane Hilfe zukommen zu lassen;
und
- die Verantwortung aller Bürger,
HlV-infizierten Personen respektvoll und einfühlsam zu begegnen.
- Internationale Anstrengungen zur
Bekämpfung
der
HIV-Infektion
sollten von den Vereinigten Staaten durch unsere Wissenschaftler
und unseren nationalen Beitrag
zur
Weltgesundheitsorganisation
und den weltweiten AIDS-Programmen ermutigt werden.
Die Kommission ist überzeugt, daß
eine uneingeschränkte Verwirklichung
der Empfehlungen dieses Berichtes das
schwierige Gleichgewicht zwischen den
komplexen Notwendigkeiten und die
sich für die gesamte Gesellschaft im
Hinblick auf ihre Reaktion auf die
HIV-Epidemie
ergebenden
Pflichten
herzustellen vermag.
Unmittelbar nach Erhalt des Berichtes der Kommission beauftragte
Präsident Ronald Reagan Dr. Ian Macdonald, Berater für Drogenfragen und
im Stab des Weißen Hauses zuständig
für Drogenpolitik, innerhalb von 30
Tagen Pläne zur Durchführung der Kommissionsempfehlungen vorzulegen.

* * * * * *

- 6

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: amerikanische Aktion im Golf diente der Selbstverteidigung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Brief des Präsidenten an die Parteiführer &lt;br /&gt;im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush verspricht Außenpolitik des "Friedens durch Stärke"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus einer Rede in San Francisco&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nationale Strategie im Kampf gegen HIV Epidemie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht der Watkins-Kommission mit fast 600 Empfehlungen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

26

6. Juli 1994

BEVÖLKERUNG

CLINTON DRÄNGT AUF UMFASSENDE,
GLEICHZEITIGE
INANGRIFFNAHME
GLOBALER PROBLEME
Rede des Präsidenten vor der
National Academy of Sciences

VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

WELTWEITE POLIZEILICHE ZUSAMMENARBEIT IST SCHLÜSSEL FÜR ERFOLGREICHE
VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
Rede von FBI-Direktor Freeh

NAFTA

NAFTA - DIE HERAUSFORDERUNG FÜR
EUROPA
Rede von Botschafter Eizenstat

PORTRAT

PANETTA ZUM STABSCHEF DES WEISSEN
HAUSES ERNANNT
Clinton entscheidet Nachfolge von McLarty

GERGEN HAT"AUSGEPRÄGTES GESPÜR"
FÜR VERMITTLUNG VON ZIELSETZUNGEN
Porträt des neuen außenpolitischen
Sonderberaters

NEUE DIREKTORIN DER HAUSHALTSBEHÖRDE SETZT SICH FÜR ABBAU DES
HAUSHALTSDEFIZITS EIN
Porträt von Alice Rivlin

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-334102

�BEVÖLKERUNG
6. Juli 1994

CLINTON DRÄNGT AUF UMFASSENDE, GLEICHZEITIGE
INANGRIFFNAHME GLOBALER PROBLEME
Rede des Präsidenten vor der National Academy of Sciences
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton drängt die Staats- und Regierungschefs der Welt, ein breites
Spektrum von Problemen gleichzeitig als einzigen Weg zur Förderung eines höheren Lebensstandards weltweit
in Angriff zu nehmen.
"Die Verringerung des Bevölkerungswachstums ohne die Bereitstellung von wirtschaftlichen Chancen
funktioniert nicht. Ohne Bildung kann man sich kaum vorstellen, wie eine grundlegende Gesundheitsfürsorge
je greifen wird", erklärte Präsident Clinton in einer Rede vor der National Academy of Sciences am 29. Juni
1994.
Clintons Rede behandelte vornehmlich Themen, die bei der in einigen Monaten in Kairo stattfindenden
Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung angesprochen werden. "Unsere Bevölkerungspolitik gründet sich
auf die Idee, daß die Familie das Kernstück unserer Zielsetzungen sein sollte", stellte der Präsident fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Clinton im Wortlaut.

Ich habe versucht, die Vorbereitungen für den G-7Gipfel in Neapel zu treffen. Und ich habe mindestens seit anderthalb Jahren - seitdem ich im Amt
bin - darauf hingearbeitet, daß diese Gruppe sich
zunächst kurzfristig auf globales Wachstum konzentriert - auf das, was wir in unseren Nationen und
gemeinsam tun können - und dann darüber nachdenkt, wie die Welt im nächsten Jahrhundert aussehen wird, und was wir tun müssen. Ich muß
zugeben, ich bin hin- und hergerissen. Ich bin
glücklich und stolz, daß ich an der Konferenz teilnehmen und sagen kann, daß das von uns Vereinbarte funktioniert. Mittelfristig funktioniert es eindeutig.

der Zusammenarbeit und daß unsere Nation das
Glück hat, den Weg zu weisen.

40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der G-7
entfällt auf die Vereinigten Staaten. Aber im vergangenen Jahr hatten wir 75 Prozent des Wachstums und nahezu 100 Prozent der Arbeitsplätze, die
doppelte Investitionsrate, eine doppelt so hohe
Zuwachsrate bei Exporten und die höchste Zuwachsrate bei der Produktivität. Wir hatten das zweitniedrigste Defizit, im nächsten Jahr werden wir das
niedrigste Defizit aller G-7-Länder haben. Dies alles
ist ermutigend für mich. Und die Volkswirtschaften
der Gruppe stehen besser da als je zuvor in den
vergangenen vier Jahren. Es herrscht das Gefühl

Von vielen in diesem Artikel enthaltenen Aspekten
war ich ebenso fasziniert wie von der mehr wissenschaftlichen Abhandlung von Professor Homer Dixon
zum selben Thema. Ich versuche mir vorzustellen,
wie es sein würde, Kinder in diesem oder jenem Land
in diese Welt zu setzen. Das ist das Problem, mit
dem wir uns auseinandersetzen müssen. Und wenn
ich darüber nachdenke, arbeitet mein Gehirn in
Gedankengängen, die einigen Leuten zufolge undiszipliniert, meines Erachtens aber produktiv sind.

AMERIKA DIENST 26

Wenn Sie sich jedoch die langfristigen Tendenzen
betrachten, die sich auf der Welt abzeichnen - wenn
Sie Artikel wie den vor einigen Monaten von Robert
Kaplan in The Atlantic lesen, der einigen zufolge zu
streng ist - wenn Sie sich wirklich betrachten, was
geschieht, könnten Sie sich eine Welt vorstellen, in
der wenige Millionen von uns in solchem Überfluß
leben, daß wir alle Stars in nächtlichen Seifenopem
sein könnten. Und der Rest von uns sieht aus, als
wäre er in einem von Mel Gibsons "Road Warrior"Filmen.

Seite 1

�Wenn Sie sich die Landschaft der Zukunft betrachten
und sagen, wir müssen die Familien auf der ganzen
Welt stärken, wir müssen gerechtes und starkes
Wachstum ermutigen, wir müssen grundlegende
Gesundheitsfürsorge bereitstellen, wir müssen die
weitere Ausbreitung von AIDS verhindern, wir müssen Wasservorräte erschließen und den Ernteertrag
verbessern, wir müssen den Flüchtlingsstrom eindämmen und die Umwelt schützen und so weiter
und so weiter - dann bekommt man Kopfschmerzen.
Und natürlich muß man - werden Sie sagen, wenn
Sie sich die Zahlen betrachten - die Zuwachsrate der
Bevölkerung verringern.
Tim hat das Thema Haiti angeschnitten. Meine
Tochter und ich haben vor einigen Monaten über
Haiti gesprochen, und ich habe ihr erzählt, daß ihre
Mutter und ich vor vielen Jahren kurz nach unserer
Hochzeit dorthin gereist sind, wieviel Trauer und
Hoffnung ich dort gleichzeitig gesehen habe, und
wieviel seitdem geschehen ist. Sie sagte zu mir, das
weiß ich alles, Dad, weil ich Luftaufnahmen aus dem
All gesehen habe. Wenn man auf die Insel blickt,
sieht man, wo die Dominikanische Republik endet
und wo Haiti anfängt. Und es kann nicht soviel
Umweltzerstörung ohne all die anderen Probleme
geben, über die Du gesprochen hast. Es war eine
erstaunliche Aussage aus der Perspektive eines
amerikanischen Schulkindes, die alles zusammenfaßt.
Ich erwähne dies, um folgendes Argument anzubringen: Wir müssen Disziplin walten lassen, wenn wir
sagen, wieviel Zeit, Geld und Energie wir haben, und
wir müssen unsere Prioritäten setzen. Wir können
jedoch nicht so naiv sein zu denken, es sei so leicht,
eines dieser Themen von dem gesamten Komplex
abzutrennen und die Zukunft der Welt werde über
Nacht gelöst.
Wenn Sie sich das Tempo betrachten, mit dem die
Rohstoffe erschöpft werden, und wenn Sie das
Tempo betrachten, mit dem die Kluft zwischen arm
und reich größer wird, wenn Sie sich die Tatsache
verinnerlichen, daß sich die Weltbevölkerung verdoppelt hat, seit nur 74 Nationen vor 40 Jahren in
Rom zusammenkamen, ist es klar, daß wir einen
umfassenden Ansatz für die Zukunft der Welt
benötigen. Wir fassen ihn unter dem Schlagwort
umweltverträgliche Entwicklung zusammen, nehme
ich an, aber es gibt keinen Weg, wie wir das Morgen
angehen können, wenn wir nicht mindestens unsere
gemeinsame Verantwortung in all diesen Bereichen
im Auge behalten.
Während der bevorstehenden neuntägigen Kairoer
Konferenz werden über zwei Millionen Menschen auf
die Welt kommen. Mehr als zwei Millionen Babys

Seite 2

werden in eine Welt geboren, in der ein Drittel
unserer Kinder bereits Hunger hat, 40 Prozent der
Menschen auf der Welt nicht einmal Kanalisation
haben und große Teile der Welt nur einen Arzt pro
35.000 oder 40.000 Einwohner. Eine Umkehrung
dieser Politik wird Innovation, Engagement und
Entschlossenheit verlangen, das zu tun, was wir über
einen langen Zeitraum hinweg tun können, während
wir alle auf der Welt mit unseren eigenen Belangen
innerhalb unserer Grenzen beschäftigt sind.
Es wird erforderlich sein, daß wir neu über die
Beziehungen der menschlichen Entwicklung im
Hinblick auf das nachdenken, was in diesen Nationen
geschieht. Wir müssen viele Ideen der Vergangenheit verwerfen - als es immer eine Versuchung war
zu glauben, es gäbe eine einzige Lösung, die wir
über Nacht anwenden könnten, die alles ins Lot
rücken würde.
Um gemeinsamen Wohlstand herbeizuführen, wie
Professor Homer Dixon geschrieben hat, müssen die
Nationen der Welt schlicht und einfach an vielen
Fronten gleichzeitig Fortschritte erzielen. Die Verringerung des Bevölkerungswachstums ohne die
Bereitstellung von wirtschaftlichen Chancen funktioniert nicht. Ohne Bildung kann man sich kaum
vorstellen, wie eine grundlegende Gesundheitsfürsorge je greifen wird. Wenn man sie ignoriert,
werden diese Herausforderungen weiterhin Menschen
voneinander trennen. Wir müssen einfach diese
Probleme zusammen lösen.
Ich bin wirklich stolz auf die Tatsache, daß die G-7
vereinbart hat, einige dieser Probleme in dieser
Woche in Neapel ernsthaft anzusprechen.
Wir
werden erörtern, was wir innerhalb der G-7 tun
können, um nicht nur Wachstum, sondern auch mehr
Arbeitsplätze zu schaffen - weil ein Großteil der
wohlhabenden Länder feststellt, daß sie keine Arbeitsplätze hervorbringen können, selbst wenn ihre
Volkswirtschaft wächst. Und wenn sie das nicht
können, verlieren sie die Lobby zu Hause, um die
übrige Welt zu engagieren.
Wir werden darüber sprechen, wie wir eine wirtschaftliche Infrastruktur für das 21. Jahrhundert
aufbauen. Wie sieht diese neue Welthandelsorganisation aus, die wir im Rahmen des GATT gründen
werden? Und was sollten die Weltbank und der IWF
tun? Wir werden auch diskutieren, wie wir den im
Übergang befindlichen Volkswirtschaften helfen
können, wie den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, und was wir mit den Volkswirtschaften tun
können, die sich nicht im Umbruch befinden oder in
die falsche Richtung gehen, um unsere gemeinsame
Verantwortung anzusprechen.

AMERIKA DIENST 26

�Dies ist in der Tat ziemlich einzigartig für die modernen Nationen der Welt. Und ich freue mich, daß
trotz der zahlreichen Wirtschaftsprobleme in vielen
Ländern diese bereit sind, ernsthaft darüber nachzudenken, wo wir in 10 oder 20 Jahren stehen sollten weit über die Wiederwahlchancen aller dort anwesenden Staats- und Regierungschefs hinaus. Bei
den Vorbereitungen der in Kairo anberaumten
Bevölkerungskonferenz muß uns derselbe Ansatz
leiten. Die von uns unterstützte Politik muß auf
dauerhaften Werten basieren - Förderung stärkerer
Familien, vermehrte Verantwortung für den einzelnen
Bürger, Achtung der Menschenrechte, Vertiefung
des Gemeinschaftsgefühls. Dort liegt die Zukunft in
unserem Land und auf der ganzen Welt - angefangen bei unseren Familien. Wenn sie intakt sind und
funktionieren, sorgen sie für uns. Sie dienen als
Modell. Sie vermitteln Werte und gestatten den
Menschen, in Frieden zusammenzuleben und sich
zusammen für gemeinsame Ziele einzusetzen. Aus
diesem Grund ist dies das Wichtigste, was wir
unternehmen können.
Seit der Amtsübernahme dieser Administration
haben wir an der Förderung von Maßnahmen
gearbeitet, die den Familien eine Stärkung ihrer
Rolle im In- und Ausland gestatten. Ich habe die
sogenannte Mexiko-Stadt-Politik revidiert, weil
meiner Ansicht nach Ärzte und medizinisches
Personal weltweit in der Lage sein sollten, wirklich
etwas im Bereich der Familienplanung zu unternehmen und auf diesem Gebiet umfassende Informationen zu geben.
Seitdem haben wir trotz haushaltspolitischer Engpässe den Etat für Familienplanung und unterstützende
Dienstleistungen des Amts für internationale Entwicklung um ungefähr 50 Prozent erhöht. Zur Unterstützung der Familien hier im Land haben wir eine
beträchtliche Erhöhung des
Einkommensteuerfreibetrags bewilligt, um 15 Millionen Familien von
der Sozialhilfe unabhängig zu machen, aus der
Armut zu befreien und in die erwerbstätige Bevölkerung einzugliedern. Wir haben die Ernährungs- und
andere Programme von Head Start auf Zehntausende von Kindern ausgeweitet, Unterstützungszahlungen für straffällige Kinder drastisch reduziert und die
Impffonds erhöht, damit die Zahl der geimpften
Kinder um mehr als eine Million erhöht werden kann.
Wir bemühen uns um die Reduzierung außerehelicher Geburten und Schwangerschaften von Teenagern. Durch das Gesetz über Urlaub aus familiären
Gründen ermöglichen wir es den Menschen, erfolgreiche Arbeitnehmer und erfolgreiche Eltern zu sein eine äußerst wichtige Frage in einer Welt, in der
mehr und mehr Eltern berufstätig sind. Jede Gesellschaft, die die Menschen zu einer Entscheidung

AMERIKA DIENST 26

zwischen diesen beiden Möglichkeiten zwingt, ist zum
Scheitern verurteilt. Wenn die Menschen keine
Alternative zur Berufstätigkeit haben - und für uns alle
ist es von Bedeutung, daß die Menschen weiterhin
Kinder bekommen - müssen alle Eltern erfolgreiche
Arbeitnehmer sein, und alle Arbeitnehmer müssen als
Eltern Erfolg haben.
Unsere Bevölkerungspolitik gründet sich auf die Idee,
daß die Familie das Kernstück unserer Zielsetzungen
sein sollte. Aus diesem Grund müssen wir das
Konzept der Verantwortung unterstützen - der Eltern
für ihre Kinder, der Männer und Frauen füreinander,
und unserer derzeitigen Generation für künftige
Generationen.
Fortschritt bringt Freiheit, Freiheit erfordert mehr
Disziplin und Verantwortung. Und wir müssen unsere
jungen Menschen lehren, kluge Entscheidungen zu
treffen, und ihnen sagen, daß auch Enthaltsamkeit zu
ihren Auswahlmöglichkeiten gehören muß. Unsere
Politik war immer in den ethischen Prinzipien des
Mitgefühls, der Gerechtigkeit und Achtung der Menschenrechte verwurzelt. Wir haben die Würde und
den Wert jedes einzelnen unterstützt und werden uns
auch weiterhin jeglicher Zwangsausübung bei der
Familienplanung widersetzen und sie verurteilen.
Die Verwirklichung dieser Prinzipien ist die Forderung, mit der Vizepräsident Gore im September nach
Kairo gehen wird.

Niemand ist für diese Aufgabe

besser geeignet als er. Er hat sich für diese langfristigen Herausforderungen eingesetzt und in breitem
Kontext über sie nachgedacht, lange bevor sie
politisch unpopulär wurden oder auch nur Quelle
zahlreicher gegenwärtiger Diskussionen.
In Kairo schließen wir uns der internationalen Staatengemeinschaft bei der Verfolgung eines neuen
Aktionsplans an, das Bevölkerungsproblem als Teil
des größeren Problems umweltverträglicher Entwicklung anzugehen. An erster Stelle unserer Tagesordnung wird unsere aktive Unterstützung für Investitionen in die Frauen dieser Welt stehen. Vielleicht wird
langfristig gesehen die wichtigste Forderung von
Kairo lauten, daß jede Nation Bestrebungen zur
Erziehung ihrer Kinder auf der Grundlage der Gleichberechtigung unternimmt und der weitverbreiteten
Praxis Einhalt gebietet, die Mädchen vor den Jungen
von der Schule zu nehmen und zur Arbeit zu zwingen.
Um sicherzustellen, daß sich die Nationen schneller
entwickeln können, wird jeder einzelne von uns
aufgerufen, die Arbeit und Entwicklung von Frauen
anzuerkennen und sie voll in die erwerbstätige
Bevölkerung zu integrieren. Dadurch werden den
Frauen umfassende Bürgerrechte garantiert, und die

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�Diskriminierung wird beendet, die noch nahezu
überall existiert und den Fortschritt hemmt.
In Kairo werden die Vereinigten Staaten auch gemeinsam mit der internationalen Staatengemeinschaft neue, qualitativ hochwertige und freiwillige
Familienplanungs- und Gesundheitsprogramme für
werdende Mütter ins Leben rufen. Es ist unser Ziel,
bis zum Beginn des kommenden Jahrhunderts diese
Programme allen Bürgern zugänglich zu machen.
Eltern müssen das Recht haben, frei und verantwortlich über die Zahl ihrer Kinder und den zeitlichen
Abstand zwischen ihren Geburten zu entscheiden.
Ich möchte mich deutlich ausdrücken: Im Gegensatz
zu manchen Behauptungen sind wir keine Befürworter eines Schwangerschaftsabbruchs als Methode
der Familienplanung. Wir respektieren jedoch die
vielfältigen nationalen Gesetze mit Ausnahme
jeglicher Zwangsausübung. Unsere Politik in den
Vereinigten Staaten vertritt die freie Wahl des
einzelnen, nicht das Diktat der Öffentlichkeit. Ich
habe bereits vielfach darauf hingewiesen, daß
Schwangerschaftsabbrüche sicher, legal und selten
sein sollten.
In anderen Ländern, wo es Schwangerschaftsabbrüche gibt, ist Sicherheit unseres Erachtens ein wichtiger Punkt. Wenn man sich die Sterblichkeitsziffern
anschaut, muß man sich dieses Problems annehmen. Ferner sind wir der Ansicht, daß die Versorgung der Frauen mit Verhütungsmitteln mehr als
alles andere zur Reduzierung von Schwangerschaftsabbrüchen beitragen wird.
Abschließend möchte ich darauf hinweisen, daß wir
in Kairo dasselbe grundlegende Engagement zeigen
müssen, jedem Bürger der Welt eine Gesundheitsfürsorge anzubieten, wie wir das in den öffentlichen
Debatten in unserem Land getan haben. Unter den
Vertretern der 174 Teilnehmerstaaten der Kairoer
Konferenz besteht weniger Uneinigkeit als hier unter
den 535 Abgeordneten unseres Kongresses. Vielleicht können wir diesen Geist mit nach Hause
bringen.
Die Erfahrung lehrt, daß Investitionen in Gesundheitsfürsorge für Mütter, pränatale Dienstleistungen
und Vorsorgemaßnahmen bei Kindern nicht nur

*

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Leben retten, sondern den Menschen letztlich die
erforderliche Zuversicht geben, daß ihre Kinder
überleben werden. Und dadurch wird die Einstellung
gegenüber der Kindererziehung verändert. Jedes
Land hat sich zur Verbesserung der Gesundheitsfürsorge seiner Frauen und Kinder verpflichtet. Und
wer das wirklich getan hat, konnte ein absinkendes
Bevölkerungswachstum und steigenden Wohlstand
beobachten.
Die Kairoer Konferenz kann daher viel zur Förderung
unserer Vision umweltverträglicher Entwicklung und
stabilen Bevölkerungswachstums unternehmen, um
die Vision einer Welt intakter Familien Realität
werden zu lassen, in der für jedes Mitglied gesorgt
wird - einer Welt, die mit Klugheit und Stärke die
Herausforderungen direkt angeht, anstatt über sie zu
sprechen und mit Worten die Menschen so zu
spalten, daß sie sich nicht wirklich mit ihnen befassen, eine Welt, die zu Chancengleichheit und Wohlstand für alle führt.
Als Präsident Roosevelt im Jahr 1945 starb, fand
man ein getipptes Manuskript seiner letzten Rede, in
dem nur ein Satz von ihm mit der Hand geschrieben
war. Es war der letzte Satz der letzten Rede Franklin
Roosevelts, die er nie gehalten hat. Sein handgeschriebener Satz lautete: "Die einzige Grenze
unserer Realisierung der Zukunft sind unsere heutigen Zweifel. Wir wollen mit Stärke und aktivem
Glauben Fortschritte erzielen." Angesichts so vieler
scheinbar hartnäckiger Probleme ist sicherlich die
Versuchung groß, diese Zweifel überhandnehmen zu
lassen.
Mir scheint jedoch, daß auch Sie heute abend mit mir
die Ansicht teilen, daß wir Lösungen suchen und
finden können, die kommenden Generationen helfen
werden. Präsident Roosevelt regierte zu einer Zeit,
in der Zweifel ein Luxus war, den sich das amerikanische Volk nicht erlauben konnte. Ich sage Ihnen
heute, daß Zweifel einen Luxus darstellt, den sich die
Welt nicht länger erlauben kann.
Ich begrüße ihr Mitgefühl und ihr Engagement und
rufe Sie auf, diesen Glauben in Taten umzuwandeln
und mir bei meiner Arbeit beizustehen, dasselbe zu
tun.

* * *

*

AMERIKA DIENST 26

�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
6. Juli 1994

WELTWEITE POLIZEILICHE ZUSAMMENARBEIT IST
SCHLÜSSEL FÜR ERFOLGREICHE
VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

Rede von FBI-Direktor Freeh
BERLIN - (AD) - Der Direktor des FBI (Federal Bureau of Investigation), Louis J. Freeh, betonte die
Notwendigkeit weltweiter polizeilicher Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden, um auf allen
Ebenen erfolgreiche Verbrechensbekämpfung durchführen zu können.
Freeh traf mit einer Delegation amerikanischer Strafverfolgungsbeamter am 28. Juni 1994 mit deutschen
Regierungsvertretern zusammen, um über schwierige Fragen zu beraten, die für beide Länder von Interesse
sind.
Der FBI-Direktor wies darauf hin, daß die Vereinigten Staaten im Bereich der Verbrechensbekämpfung mit
enormen Problemen konfrontiert sind und äußerte: "Ich möchte zu Beginn verdeutlichen, daß ich diese Reise
nicht angetreten habe, um europäische Länder zu kritisieren, weil sie Kriminalitätsprobleme haben, oder um
vorzugeben, die Vereinigten Staaten hätten keine."
Nachfolgend veröffentlichen wir die im Berliner Roten Rathaus gehaltene Rede von FBI-Direktor Freeh.

Lassen Sie mich zu Beginn den Dank der amerikanischen Regierung dafür zum Ausdruck bringen, daß
die Möglichkeit zu einem Treffen mit deutschen Vertretern geschaffen wurde, um Kriminalitätsprobleme
von beiderseitigem Belang zu diskutieren.
Wir wissen die Bemühungen von Herrn Staatssekretär Lintner außerordentlich zu schätzen, der die
vor kurzem beendeten Gespräche am Runden Tisch
arrangiert hat.

die bei gemeinsamen Bemühungen mit einigen
Ländern bereits erarbeitet worden sind, und neue
Programme mit Ländern auszuarbeiten, mit denen wir
bisher im Bereich der Strafverfolgung nur relativ
wenig zusammengearbeitet haben. Darüber hinaus
unterstützen Präsident Clinton, Justizministerin Reno,
Außenminister Christopher und Verteidigungsminister
Perry diese Reise uneingeschränkt, und ich werde
dem Präsidenten Bericht erstatten, der - wie Sie
wissen - dieser Stadt am 12. Juli einen historischen
Besuch abstatten wird.

Ferner möchten wir uns sehr herzlich bei dem
Regierenden Bürgermeister von Berlin, Eberhard
Diepgen, und dem Berliner Senat für deren Unterstützung bedanken, besonders dafür, daß das Rote
Rathaus als Konferenzort für die Gespräche zur
Verfügung gestellt wurde.

Die Zusammensetzung der amerikanischen Delegation verdeutlicht, wie ernst mein Land diese neuen
Bestrebungen nimmt, Zusammenarbeit gegen ein
breites Spektrum bestehender und möglicher zukünftiger Verbrechen aufzubauen.

Die heutigen Gespräche sind der Beginn einer Reihe
von Erörterungen mit Strafverfolgungsbeamten aus
elf europäischen Ländern. Unsere Delegation hofft,
wesentlich auf den Grundlagen aufbauen zu können,

Ein Mitglied der Delegation ist Ronald K. Noble,
Abteilungsleiter für Strafverfolgung im Finanzministerium, der so wichtige Bundesbehörden leitet wie
das Büro für Alkohol, Tabak und Schußwaffen, das

AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�amerikanische Bundeszollamt sowie den Secret
Service. Wir können uns glücklich schätzen, daß er
auch in Zukunft diesen Verantwortungsbereichen
weiter als Staatssekretär im Finanzministerium
vorsteht, zu dem er befördert wird.
Ein weiteres Mitglied ist Botschafter Robert S.
Gelbard, Abteilungsleiter für den Bereich internationale Betäubungsmittel. Er führt die Bestrebungen
des Außenministeriums an, mit diplomatischen
Mitteln internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung von Drogen und anderen schweren Verbrechensproblemen aufzubauen.
Ein drittes wichtiges Mitglied unserer Gruppe ist
Thomas A. Constantine, der Leiter der Drogenbekämpfungsbehörde, die das wichtigste Amt zur
Bekämpfung des Drogenhandels in den Vereinigten
Staaten ist.
Und ich bin der Direktor des amerikanischen Bundeskriminalamtes, das für die Bekämpfung des
organisierten Verbrechens, der Gewaltverbrechen
und einer großen Anzahl weiterer Verbrechen
verantwortlich ist.
Unser heutiger Besuch wäre nicht möglich gewesen
ohne die Unterstützung und Förderung eines amerikanischen Regierungsvertreters, der in engem
Kontakt zu Vertretern der deutschen Seite steht Botschafter Richard C. Holbrooke. Sein Beitrag zu
unserem Kampf gegen das unsere beiden Länder
betreffende Problem Kriminalität wird noch bedeutsamer werden, da er gerade von Präsident Clinton
zum Abteilungsleiter für europäische Angelegenheiten im Außenministerium nominiert wurde.
Es ist durchaus angebracht, unsere Reihe von
Gesprächen mit europäischen Ländern in Deutschland zu beginnen. Im vorigen Jahr, kurz nachdem
ich Direktor des FBI geworden war, lud mich der
Präsident des Bundeskriminalamtes, Hans Zachert,
nach Deutschland ein. Wir führten sehr konstruktive
Gespräche, und ich traf ebenfalls mit Innenminiser
Kanther und Staatssekretär Lintner zusammen. Die
Diskussionen und Informationsgespräche beim
Bundeskriminalamt haben mir wertvollen Einblick in
die Erfahrungen deutscher Strafverfolgungsbehörden
mit kriminellen Banden aus Italien und Osteuropa
vermittelt.
Ich möchte zu Beginn verdeutlichen, daß ich diese
Reise nicht angetreten habe, um europäische
Länder zu kritisieren, weil sie Kriminalitätsprobleme
haben, oder um vorzugeben, die Vereinigten Staaten

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hätten keine. Ganz im Gegenteil, die Vereinigten
Staaten sind mit enormen Kriminalitätsproblemen
konfrontiert. Seit den zwanziger Jahren ist das
organisierte Verbrechen eine nationale Geißel. Der
Konsum von illegalen Drogen hat ein Ausmaß
erreicht, das einen internationalen Skandal darstellt.
Die Zahl der Gewaltverbrechen ist eine Schande für
die zivilisierte Welt.
Wir sind aus gutem Grund hierher gekommen. Wir
möchten von den europäischen Ländern lernen. Und
wir möchten uns mit den Europäern austauschen
über die bitteren Lektionen, die wir in den Vereinigten
Staaten lernen mußten.
Wir möchten den Ländern Europas jede nur mögliche
Unterstützung anbieten, um gemeinsame Programme
gegen Kriminalitätsprobleme zu entwickeln, die uns
alle betreffen und in der Zukunft unermeßliches Leid
hervorrufen können. Unsere Besorgnis konzentriert
sich auf drei große Problembereiche:
Erstens die Möglichkeit, daß Atomwaffen oder
Nuklearmaterial in Regionen der ehemaligen
Sowjetunion gestohlen und in die Hände von
Terroristen oder verbrecherischen Nationen
gelangen könnten.
Zweitens die Zunahme und Verbreitung des
organisierten Verbrechens in Rußland und anderen Teilen Osteuropas - organisiertes Verbrechen,
das großes Leid hervorrufen und sogar die Stabilität von Regierungen untergraben kann.
Drittens das Wiederauftreten von Haßverbrechen,
die eine Bedrohung für alle anständigen Menschen der Welt darstellen.
Die Polizeibehörden in den Vereinigten Staaten, in
Europa und anderen Teilen der Welt sind mit neuen
und schwierigen Herausforderungen konfrontiert - und
die Probleme werden in den kommenden Jahren
bestimmt noch größer werden. Traditionell hat sich
jedes Land allein um seine Probleme gekümmert,
ohne nennenswerte Kooperationsprogramme, die
grenzüberschreitend arbeiteten. Was man als transnationale polizeiliche Überwachung beschreiben
könnte, hat bis vor etwa zehn Jahren nicht existiert.
Dies begann erst lange nach den Erfolgen im Bereich
internationales Verbrechen. In weiten Teilen der Welt
ist die Strafverfolgung immer noch sehr rückständig.
Unter anderem müssen wir klar die Gefahr erkennen,
die das internationale Verbrechen für alle Nationen
darstellt, und Maßnahmen ergreifen, um es zu

AMERIKA DIENST 26

�bekämpfen und letztlich zu besiegen. Dieser Kampf
wird nicht leicht sein.
Vor dreißig Jahren war es ein nennenswerter Vorgang, wenn einige Kilogramm Heroin in ein Land
geschmuggelt wurden. Heute können Verbrechersyndikate ein vollkommen neues Drogenverteilungsnetz in verschiedenen Teilen der Welt aufbauen
bevor die Verbrechensbekämpfungsbehörden dies
überhaupt aufspüren können. Die Polizeikräfte der
zivilisierten Nationen - der Nationen, die nach den
Gesetzen eines Rechtsstaates leben - müssen eine
neue Zielsetzung erarbeiten. Es muß neue Ebenen
der zwischenstaatlichen Kooperation geben, und
Strafverfolgung muß in ihren Dimensionen internationaler werden, wenn wir es mit beispiellosen
Verbrechen in nie dagewesenem Ausmaß aufnehmen wollen.
Wechsel. Das ist das Schlüsselwort, auf das sich
die Polizeikräfte aller Länder konzentrieren müssen.
Polizeiliche Überwachung unterscheidet sich heute
sehr stark von derjenigen der siebziger Jahre. Und
sie wird sich wiederum von der polizeilichen Überwachung des bald beginnenden 21. Jahrhunderts
stark unterscheiden.
Die Polizei in den Vereinigten Staaten unterhält
bereits seit einiger Zeit enge Beziehungen zu England, Italien, Deutschland und Kanada. Es muß
jedoch zu einer Erweiterung der internationalen
polizeilichen Zusammenarbeit kommen - nicht nur
einige Staaten, sondern die ganze Weltgemeinschaft
gesetzestreuer Staaten muß sich zusammenschließen im Kampf gegen den gemeinsamen Feind
Kriminalität. Länder mögen sich in ihrer Ideologie
oder Politik unterscheiden. Aber es ist inzwischen
sehr klar geworden, daß Kriminelle Grenzen nicht
anerkennen, außer um sie für ihre Zwecke zu
handhaben. Kriminelle beachten keine Gesetzessysteme oder Ideologien, außer um sie auszunutzen.

In den Vereinigten Staaten benutzen wir den Begriff
"cop", wenn wir von einem Polizeibeamten reden.
Was wir brauchen sind weltweite "cop-to-cop"Beziehungen, die Grenzen überschreiten und
Ermittlungen präzisieren, "cop-to-cop"-Beziehungen,
die darauf abzielen, die gesetzestreuen Bürger aller
Nationen zu schützen. Ebenso wichtig sind die
zwischenstaatlichen Beziehungen von Staatsanwälten und anderen Justizbeamten. All dies muß in
Teamarbeit geschehen.

AMERIKA DIENST 26

Hierbei muß das Hauptaugenmerk auf der Aufdekkung, der Untersuchung und der Festnahme liegen kurz, auf solider Ermittlungsarbeit, basierend auf der
Kooperation zwischen Nationen. Die Prioritäten einer
solchen Kooperation müssen Bemühungen zur
Bekämpfung von Drogenhandel, organisierter Kriminalität, Mord, Erpressung und weiterer Gewaltverbrechen sowie die Bekämpfung des Diebstahls von
Massenvernichtungswaffen einschließen, seien dies
gestohlene Atomwaffen, biologische oder chemische
Waffen oder deren hochgefährliche Komponenten.
Unabhängig davon, welche Unterschiede Nationen in
bezug auf Ideologie und Politik aufweisen, gibt es
einen fundamentalen Bedarf zum Aufbau dieser "copto-cop"-Programme. Kriminelle werden alles tun, um
ihre Ziele zu erreichen, und sie werden sich nicht um
die Politik derjenigen kümmern, die sie vernichten.
Professionelle Strafverfolgungsbeamte jeder rechtsstaatlichen Nation benötigen dringend die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Mittel, um ihr
Konzept der internationalen Strafverfolgung von
einem Schlagwort in die Praxis umzusetzen. Niemand muß seine nationale Autonomie aufgeben. Ich
rede hier von Kooperation. Um ein Beispiel zu
geben: Was passiert, wenn ein Polizeibeamter oder
Staatsanwalt im Land A einen Plan zur Entführung
oder zum Mord an einem Kind, das Bürger des
Landes B ist, aufdeckt? Der Beamte des Landes A
wird seinen Kollegen im Land B anrufen, und das
Leben des potentiellen Mordopfers retten. Dies hat
nichts mit Ideologie oder Politik zu tun. Es hat etwas
damit zu tun, was jeder professionelle Polizeibeamte
und Justizbeamte in jedem Land als seine vorrangige
Verantwortung ansieht: Rechtsstaatlichkeit und der
Schutz der Unschuldigen und Gesetzestreuen.
Lassen Sie mich erklären, was ich unter den Begriffen "professioneller Polizeibeamter" und "Justizbeamter" verstehe. Er ist unbestechlich. Er ist fair.
Widmet sich der Beweissuche und der Überführung
von Tätern mehr als irgend etwas anderem. Diese
Polizei- und Justizbeamten widmen sich vollständig
der Verbrechensbekämpfung. Unabhängig davon,
welche anderweitigen Unterschiede existieren mögen,
haben die Polizei- und Justizbeamten aller Länder
einen gemeinsamen Feind - und dieser gemeinsame
Feind ist das Verbrechen. Strafverfolgungsbeamte
haben dies vor langer Zeit erkannt. Es ist Zeit, daß
alle dies erkennen.
Kriminelle Organisationen nehmen zu und breiten
sich aus. Kriminelle Gruppen verzweigen und verbünden sich mit anderen kriminellen Gruppen in
einem noch nicht dagewesenen Ausmaß. Kriminelle
Gruppierungen entwickeln Arbeitsbeziehungen,

Seite 3

�Geschäftsbeziehungen, Kartelle, Joint-ventures,
Zusammenschlüsse - alles, was ihnen hilft, Profit zu
machen, ihre Gegner zu töten, die Polizei zu neutralisieren und de facto Regierungen zu zerstören.
Organisierte kriminelle Banden arbeiten daran,
Regierungen zu verdrängen - und jede Regierung,
die dies ignoriert, tut das auf eigene Gefahr.
Das organisierte Verbrechen ist nicht an der Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen
interessiert. Gruppen des organisierten Verbrechens
scheren sich nicht darum, ob ihre Aktivitäten den
Lebensstandard senken, eine große Anzahl Menschen zu Drogenabhängigen machen, die Menge
der ganzen Bevölkerungen zur Verfügung stehenden
Lebensmittel reduzieren, die Schulerziehung verhindern, oder die Gesundheit der Menschen durch eine
großflächige Vergiftung der Umwelt bedrohen. Um
all diese Bedrohungen bekämpfen zu können,
müssen Strafverfolgungsbeamte in allen Ländern
neue Ebenen der Zusammenarbeit entwickeln.
Ich sehe einen Strafverfolgungsbeamten als jemanden, der effektiv, ehrlich, über jeden Zweifel erhaben, offen und dem Wohlergehen der Bevölkerung
verpflichtet ist. Am anderen Ende dieser Skala ist
der Geheimpolizist, der sich nicht um das Gesetz
kümmert, nicht um die Unantastbarkeit menschlichen
Lebens und die Rechte der Menschen. Strafverfolgungsbeamte können nicht wirkungsvoll arbeiten,
solange sie nicht von den Menschen respektiert
werden, die zu schützen sie geschworen haben. Die
Geschichte lehrt uns, daß ein Polizeiapparat nie
über einen längeren Zeitraum erfolgreich war, wenn
er nicht die Unterstützung der Menschen genoß. In
einem totalitären Staat mag die Geheimpolizei
denken, sie sei erfolgreich, weil die Menschen sie
fürchten, und auf kurze Sicht mag eine solche
Geheimpolizei auch in einigen Dingen erfolgreich
sein. Auf lange Sicht jedoch bringt sich eine solche
Geheimpolizei selbst zu Fall, denn sie wird nicht
respektiert, nicht unterstützt, und sie wird sich selbst
in einer Lage wiederfinden, in der sie größtenteils
nicht fähig ist, die Wahrheit, verläßliche Zeugen oder
stichhaltige Beweise zu ermitteln. Tatsächlich verfälscht eine Geheimpolizei, ähnlich einer Diktatur, die
Realität binnen kurzer Zeit so sehr, daß sie die
Wahrheit noch nicht einmal mehr erkennen würde,
wenn sie über sie stolperte.
Eine Inschrift im Innenhof des FBI-Gebäudes in
Washington beschreibt die jetzt erforderliche Philosophie. Sie lautet: "Die effektivste Waffe gegen das
Verbrechen ist die Zusammenarbeit... die gemeinsamen Bestrebungen aller Strafverfolgungsbehörden

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mit Unterstützung und Verständnis des amerikanischen Volkes." In der Vergangenheit hat das FBI
nicht immer gemäß dieser wichtigen Regel gehandelt.
Aber wir sind jetzt dazu entschlossen, mit anderen
Strafverfolgungsbehörden und anderen Nationen
zusammenzuarbeiten und permanent für die Erhöhung der Sicherheit und das verbesserte Wohlergehen der Menschen zu arbeiten.
Nationen, die Freiheit als ein wichtiges Gut erachten,
sind mit einer sehr schwierigen Verbrechensproblematik konfrontiert. Einige Beobachter gehen sogar
davon aus, daß die Mächte des Guten nicht gewinnen werden. Aber ich glaube an das Gegenteil - daß
sich die Rechtsstaatlichkeit durchsetzen wird. Die
Geschichte zeigt, daß die Freiheit jetzt die Oberhand
gewinnt.
Vor fünfzig Jahren lag Westeuropa nach dem Ende
des Zweiten Weltkrieges in Trümmern. Die Menschen jedoch waren fest entschlossen: Durch eigene
harte Arbeit und Unterstützung von anderen leisteten
die Länder Europas ihren Wiederaufbau. Und als
integralen Bestandteil dieses Wiederaufbaus behielten sie demokratische Systeme bei. Durch die
Demonstration dessen, was freie Menschen auch
unter schwierigsten Umständen zu leisten in der Lage
sind, wurde uns allen ein Beispiel gegeben. Und dies
war ein kleiner, jedoch wichtiger Faktor im letztlichen
Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa.
Wo einst Kommunismus herrschte, sind wir jetzt
Zeuge der Gründung demokratischer Nationen und
weitreichender Freiheitsregungen. Demokratie kann
jedoch nicht ohne harte Arbeit existieren. Demokratie
muß genährt und geschützt werden. Im komplexen
Prozeß der Demokratie muß Strafvollzug eine zentrale Rolle spielen. Ich glaube fest daran, daß wir
heute einen neuen Ansatz brauchen, eine neue
Dimension der Zusammenarbeit von Nationen gegen
die schlimmsten Arten von Gesetzlosigkeit.
Ich habe eine internationale Allianz gegen das
Verbrechen vor Augen. Es wäre ein noch nicht
dagewesenes Programm: Die Nationen Europas und
die Vereinigten Staaten würden 24 Stunden am Tag
alles in ihrer Macht Stehende gegen die schlimmsten
Verbrechen unternehmen. Wo jetzt umfangreiche
Kriminalitätsprobleme existieren, würden wir all
unsere Erfahrung, unsere Informationen und Kooperationsmöglichkeiten zusammenfassen, um diese
Probleme gemeinsam zu lösen. Wo neue Kriminalitätsprobleme auftreten, würden wir umgehend gemeinsam dagegen angehen, bevor sie große Ausmaße erreichen.

AMERIKA DIENST 26

�Ein wichtiger Punkt, auf den wir uns bei unseren
Bemühungen um eine internationale Allianz gegen
das Verbrechen konzentrieren müssen, sind die
Länder, die durch den Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion entstanden sind, sowie die vormals
hinter dem Eisernen Vorhang existierenden Staaten.
Diese neue internationale Allianz muß engere Beziehungen zwischen den Strafverfolgungsbehörden aller
Staaten Westeuropas entwickeln - Staaten, die mit
wachsenden Kriminalitätsproblemen konfrontiert sind,
vor allem mit Drogenmißbrauch.
Vor einigen Jahrzehnten sagten Kritiker in den
Vereinigten Staaten, wir würden die Strafverfolgung
mühelos bewältigen. Der entsetzliche Preis, den wir
in der Folge in Form von Gewaltverbrechen und
Drogenmißbrauch zahlen mußten, verdeutlicht den
Fehler, den wir begingen, indem wir viel zu spät viel
zu wenig taten.
Wir unternehmen heute umfangreiche Anstrengungen, um das Verbrechen zu bekämpfen, aber die
Probleme sind sehr ernst. Zum Beispiel wurden in
den Vereinigten Staaten im Jahr 1992, dem letzten
Jahr, für das uns Daten zur Verfügung stehen, der
Polizei insgesamt fast zwei Millionen Gewaltverbrechen gemeldet. In dieser Zahl sind 23.700
Morde, 109.000 Vergewaltigungen, 672.000 Raubüberfälle und 1,1 Millionen Fälle schwerer Körperverletzung enthalten.
Sie werden jetzt sicherlich genau verstehen, warum
ich betone, daß ich die Staaten Europas nicht wegen
ihrer Kriminalitätsprobleme kritisiere. Die Vereinigten
Staaten haben Kriminalitätsprobleme, die manchmal
jenseits des Begreifbaren liegen. Letzten Endes
muß jedes Land seine Heilmittel und seine Methode
zu seiner Rettung selbst entwickeln. Aber alle
freiheitsliebenden Nationen können einiges tun, um
sich gegenseitig zu helfen. Die Vereinigten Staaten
müssen dabei helfen, durch harte Strafverfolgung ein
Beispiel zu setzen: Der hohe Drogenkonsum in den
Vereinigten Staaten erhöht beispielsweise die Macht
des organisierten Verbrechens in großen Teilen der
Welt. Das darf nicht so weitergehen. Wir müssen
den Drogenhandel und -konsum einschneidend und
permanent verringern. Ein möglicher Schritt wäre
die Weitergabe des den Vereinigten Staaten verfügbaren Wissens an andere Nationen, um deren
Fähigkeiten zur Verbrechensbekämpfung und
-reduzierung zu verbessern. Dies ist der Weg, um
einer neuen internationalen Allianz gegen das
Verbrechen sofort Wirkung zu verschaffen. Wir
werden anderen Nationen unsere fortschrittlichste
Technik zur Verfügung stellen und umgekehrt.

AMERIKA DIENST 26

Dadurch können wir unschätzbar zum Aufbau demokratischer Institutionen beitragen, die auch in den
stärksten Stürmen bestehen können. Trotz ihrer
gravierenden eigenen Kriminalitätsprobleme haben
die Vereinigten Staaten Polizeitechniken entwickelt,
die für viele Nationen von großem Nutzen sein
könnten. Nachfolgend einige Beispiele:
Neue Ermittlungstechniken zur Bekämpfung von
Gewaltverbrechen,
neue Techniken zur Bekämpfung komplizierter
Geldwäsche- und Finanzverbrechen,
Entwicklung nachrichtendienstlicher Mittel zur
erfolgreichen Bekämpfung des organisierten
Verbrechens,
Mittel zur Verhinderung und Aufdeckung von
Korruption in Polizei- und Regierungsapparaten,
neue Techniken im Bereich der Gerichtsmedizin,
die großartigen Möglichkeiten der Verbrechensaufklärung durch DNA-Tests,
das Wissen zur Installierung eines umfassenden,
automatisierten Fingerabdrucksystems.
Zukünftig können die Vereinigten Staaten einen noch
größeren Beitrag zu bereits bestehenden Programmen leisten, Polizeibeamte und weiteres Justizpersonal anderer Länder an den Ausbildungsakademien
unserer Strafverfolgungsbehörden auszubilden.
Dadurch können wir bei dem Kampf gegen einen
gemeinsamen Feind helfen - das organisierte Verbrechen, das sich in einigen Teilen Osteuropas
ausbreitet und sich nach Westeuropa und in die
Vereinigten Staaten ausweitet.
Warum messen wir der Zusammenarbeit bei der
Verbrechensbekämpfung eine so große Bedeutung
bei?
Die Gefahren sind groß. Wir wollen nicht, daß das
organsierte Verbrechen aus Rußland und Eurasien
eine Machtposition in den Vereinigten Staaten
erlangt. Ebenso wollen wir nicht, daß das organisierte Verbrechen die Länder Europas ruiniert. Wir
haben tragische Erfahrungen mit dem organisierten
Verbrechen in unserem Land gemacht - wir sahen,
wie es ein beinahe unauslöschlicher Teil unserer
Gesellschaft wurde. Wir brauchen keine weiteren

Seite 5

�derartigen Probleme - und die Staaten Europas
ebenfalls nicht.
Die Länder Osteuropas müssen sich jedoch auch
selbst helfen. Sie müssen einen festen Entschluß
zum Kampf gegen das Verbrechen fassen, der durch
nichts umgeworfen werden kann. Darüber hinaus
müssen sie entsprechende Ressourcen für ihre
Polizeibehörden zur Verfügung stellen. Wir müssen
soviel wie möglich unternehmen um sicherzustellen,
daß die Staaten über entsprechendes Training,
Ausrüstung, Gesetze und demokratische Systeme
verfügen, in denen Polizeibehörden aus den Ruinen
ehemaliger Regierungen entstanden sind, deren
Herrschaft auf Terror basierte.
Es gibt klare Unterschiede zwischen diesen beiden
Systemen. Die alten Systeme basierten auf Unterdrückung, auf der Verletzung der Menschenrechte.
Die neuen Systeme basieren auf Freiheit, der
Achtung der Rechte aller und dem Schutz der Allgemeinheit. Die alten Geheimpolizeisysteme schienen
einem Kafka-Roman entnommen, und wir hoffen,
daß sie für immer der Vergangenheit angehören.
Der Wunsch allein genügt nicht. Aber die harte
Arbeit aller freiheitsliebenden Menschen wird Demokratie und Recht gedeihen lassen.
Trotz der Beendigung des Kalten Krieges wissen wir,
daß die Notwendigkeit weiterbesteht, unsere nationale Sicherheit auch künftig aufrechtzuerhalten.
Gleichzeitig wird es für alle ehemaligen Gegner aus
der Zeit des Kalten Krieges möglich sein, einen Teil
ihres Budgets, das vormals für den Kalten Krieg
eingesetzt wurde, auf Projekte zur Strafverfolgung
und Verbrechensreduzierung umzuverteilen. So
weiß ich, daß für die Vereinigten Staaten eine
nationale Notwendigkeit besteht, die ebenso bedeutsam ist wie die der nationalen Sicherheit: Die
dringende und wachsende Notwendigkeit, unsere
innere Sicherheit effektiver zu gewährleisten und
unsere Bürger vor den verheerenden Auswirkungen
von Verbrechen zu schützen. Ein Teil der Haushaltsmittel aus der Zeit des Kalten Krieges wäre
auch von anderen Ländern gut angelegt, wenn er
zum Schutz der Bevölkerung vor Verbrechen und
zur erfolgreichen Entwicklung neuer demokratischer
Institutionen verwendet würde. Es wäre ebenso
möglich, daß für Verbrechensbekämpfungsprogramme Personal und einige der Technologien zur
Verfügung gestellt würden, die zuvor für den Kalten
Krieg eingesetzt wurden. Es gibt sehr gute Gründe
dafür, daß wir uns alle bei diesen Bemühungen
zusammenschließen. Der gemeinsame Feind Verbrechen hat erschreckende Dimensionen angenom-

Seite 6

men. Gelingt es nicht, ihn unter Kontrolle zu bekommen, wird er eines Tages unter Umständen als Rivale
der Grausamkeiten alter Ideologien auftreten, die nun
verworfen worden sind.
Falls wir ein Beispiel dafür benötigen, welche Ausmaße ein Verbrechen erreichen kann, so müssen wir
nur den Fall annehmen, daß eine Atomwaffe in die
Hände eines Terroristen oder eines terroristischen
Staates gelangt. Sollte dies geschehen, dann könnte
nahezu jeder Staat auf diesem Planeten Ziel dieser
Waffe werden, oder ein Ziel der nächsten Waffe, die
gestohlen wird. Auch könnte eine terroristische
Nation zu dem Schluß gelangen, sie ihrerseits könne
Ziel einer anderen terroristischen Gruppe werden.
Wir müssen uns fragen, wer diese Atom-Terroristen
sein könnten. Es mag ein terroristischer Staat sein.
Oder es könnten Revolutionäre sein. Es könnten
Menschen sein, die von rassistischem, religiösem
oder politischem Haß getrieben werden. Wir müssen
uns fragen, was die potentiellen Ziele dieser Terroristen sein könnten. Es existieren eine Menge möglicher Ziele. Jede Regierung hat Feinde. Wo könnte
die erste terroristische Atomwaffe explodieren? Wir
brauchen uns nur die Weltkarte anzusehen. Die
befürchtete nukleare Explosion kann sich überall
ereignen: In Ihrer Heimatstadt ebenso wie in meiner.
Der Schlüsselfaktor bei der Bekämpfung von Verbrechen und Terrorismus ist die Zusammenarbeit
aller Nationen dieser Welt. Wir wissen, daß Anständigkeit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sich auch
nach den größten Katastrophen durchsetzen können.
Und um ein Beispiel zu nennen, brauchen wir unseren Blick nur auf diese großartige Stadt zu richten, in
der wir heute zusammengekommmen sind.
Berlin und Deutschland sind nach dem Zweiten
Weltkrieg aus den Trümmern der Nazi-Herrschaft
entstanden. Ostdeutschland und Ost-Berlin überlebten das lange Zwielicht des Kommunismus. Heute
ist Deutschland vereint, frei und demokratisch. Es ist
mir eine große Ehre, in dieser historischen Stadt
begrüßt zu werden, die wieder Ihre Hauptstadt
geworden ist.
Während der Zeit des Kalten Krieges wurden in
Berlin enorme Ressourcen verbraucht. Tausende
von Polizeibeamten bewachten die Mauer - auf
beiden Seiten. Polizist stand gegen Polizist. Lassen
sich mich eine Möglichkeit nennen für die Art von
Aktionen, die wir alle anstreben sollten.

AMERIKA DIENST 26

�Alle Länder Europas könnten einige dieser Ressourcen aus Zeiten des Kalten Krieges zur Verbrechensbekämpfung nutzen. Sie könnnten sich zusammenschließen zum Kampf gegen katastrophale
Verbrechen - Drogen, Gewalt, Korruption, Terrorismus. Und die Vereinigten Staaten werden sich
ihnen bei diesen Bestrebungen anschließen.
Sollten wir uns nicht in dieser internationalen Allianz
zusammenfinden, um diese Probleme direkt anzugehen, dann werden internationale Verbrecherbanden Fuß fassen. Haben sie sich erst einmal
etabliert, sind diese Gruppen sehr schwer zu besiegen.
Auf dieser historischen Reise von Strafverfolgungsbeamten in elf Länder, denen wir unsere Freundschaft und Hilfe anbieten, wollen wir unseren neuen
Partnern praktische Hilfe und Unterstützung "cop-tocop" anbieten. Einzige Voraussetzung hierfür ist
unser fortgesetztes Engagement für Rechtsstaatlichkeit sowie die Ablehnung von Geheimpolizei und
repressiven polizeilichen Praktiken.

Gruppen begingen schwere Verbrechen und bedrohten gesetzestreue Bürger, oft ohne von der
Polizei daran gehindert zu werden. Dies alles hat
sich natürlich geändert, als der Kongreß damit
begann, Bürgerrechtsgesetze zu erlassen, und das
FBI schließlich zu einer harten strafrechtlichen
Verfolgung derjenigen überging, die Schwarze,
Juden, Katholiken und andere im Süden terrorisierten. Doch selbst heute noch sind Haßverbrechen ein
ernstes Problem in den Vereinigten Staaten. Das FBI
hat ein Programm zur statistischen Auswertung
solcher Verbrechen gestartet. Die neuesten Zahlen,
die soeben veröffentlicht wurden, zeigen, daß im Jahr
1993 in den Vereinigten Staaten mehr als 7.600
Haßverbrechen begangen wurden. Wir alle müssen
aus der Vergangenheit lernen, um das bestmögliche
Strafverfolgungssystem zu entwickeln.

Ich möchte nicht unterstellen, die Nationen Europas
seien die einzigen, die sich in der Vergangenheit
oder der Zukunft Kriminalitätsproblemen gegenübersehen, oder daß einige europäische Nationen die
einzigen seien, die Menschenrechte verleugnen.
Beispielsweise hat es im Nuklearbereich seit Jahren

Die Polizei muß sich dem Schutz der Bürger widmen.
Sie muß ehrlich sein. Sie muß frei sein von Korruption und jeglicher Vorbelastung. Sie muß an die
Rechtsstaatlichkeit glauben. Und sie muß sich dem
gleißenden Licht der öffentlichen Überprüfung stellen.
Menschen, die erst seit kurzem in Freiheit leben,
empfinden genau wie solche, die eine lange Zeit in
Freiheit lebten: Sie möchten Freiheit und Demokratie
nicht aufgeben. Sie möchten nicht zurück in die
schlechte Vergangenheit.
Freie Menschen sind
jedoch auch fordernd. Sie möchten in Sicherheit
leben, um die Vorzüge der Demokratie genießen zu

Berichte gegeben, daß in den Vereinigten Staaten

können. Sie sind nicht bereit, die Versklavung durch

Nuklearmaterial gestohlen wurde. Die Vereinigten
Staaten werden schlicht und einfach in größerem
Maße gewährleisten müssen, daß sich solche
Diebstähle in Zukunft nicht mehr ereignen. Ein
anderer besorgniserregender Bereich ist eine Reihe
von "-ismen", die Europa erlebt hat, und die zu
fürchterlichen Ungerechtigkeiten führten.
Heute
bieten Neo-Nazis, Skinheads und andere Gruppen
Anlaß zu ernster Besorgnis.

die Politik einzutauschen gegen eine Versklavung
durch Drogen oder eine Diktatur der Angst, die ihnen
von organisierten Kriminellen aufgezwungen wird.
Wo es keine Rechtsstaatlichkeit gibt, regiert nur das
Chaos. Und aus Chaos kann nur eine Diktatur
entstehen. Eine Diktatur führt nur zu Terror, Angst,
Leiden und Tod.

Dieses Problem besteht jedoch nicht nur in Deutschland. In den Vereinigten Staaten gibt es ebenfalls
große Ungerechtigkeiten. So hat es unsere Polizei
im Süden der Vereinigten Staaten jahrzehntelang
nicht geschafft, Schwarze und andere Bevölkerungsgruppen zu schützen. Der Ku-Klux-Klan und andere

*

AMERIKA DIENST 26

*

Die Entscheidung ist eindeutig. Wir können den
dunklen Kräften durch Nachlässigkeit zum Sieg
verhelfen. Oder wir können eine Polizei und ein
Strafverfolgungssystem aufbauen, das die Menschen
schützt, Verbrecherbanden besiegt und die Vorzüge
der Freiheit sichert. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Der Feind hat die Tore bereits eingerissen.
Wir sind mit Problemen konfrontiert, die über Leben
und Tod entscheiden.

*

*

Seite 7

�NAFTA
6. Juli 1994

NAFTA - DIE HERAUSFORDERUNG FÜR EUROPA
Rede von Botschafter Eizenstat
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Botschafter Stuart E. Eizenstat, dem Vertreter der
Vereinigten Staaten bei der Europäischen Union, am 23. Juni 1994 in Frankfurt bei einer Konferenz des
International Bankers Forum gehaltene Rede.

Ich gratuliere den Organisatoren zu dem bei der
Vorbereitung dieser Konferenz gezeigten Engagement. Meines Erachtens wird die Bedeutung des
Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North
American Free Trade Agreement - NAFTA) auf
dieser Seite des Atlantiks unterschätzt, und diese
Konferenz sollte entscheidend zu einer Beseitigung
der Mißverständnisse und Mythen beitragen.
Ich ziehe es vor, das NAFTA nicht als "Herausforderung" für Europa, sondern als Chance für die
europäische Wirtschaft und potentielle Inspiration für
die Handelspolitik Europas anzusehen. Zudem
können die Vereinigten Staaten und Europa gemeinsam auf der Grundlage des NAFTA und Europas
eigenen Freihandelsvereinbarungen mit Mittel- und
Osteuropa stabilere transatlantische Wirtschaftsbeziehungen aufbauen.
Aus meiner eigenen Perspektive stellt die erfolgreiche Annahme des NAFTA durch den Kongreß nach
dem langen und erbitterten, von Präsident Clinton
mutig angeführten Kampf einen bedeutenden Impuls
für den Abschluß der Uruguay-Runde des GATT dar.
Sie überzeugte die EU von unserer Bereitschaft, für
den freien Handel politische Opfer zu bringen.
Das NAFTA - eine bahnbrechende Handelsvereinbarung
Das 1.100 Seiten umfassende Nordamerikanische
Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten, Kanada und Mexiko trat am 1. Januar 1994
in Kraft. Das NAFTA setzt neue Maßstäbe für
Handelsvereinbarungen und ist das erste Abkommen
seiner Art, das auf dem Text des ehemaligen GATTGeneraldirektors Dunkel aufbaut, obwohl die Runde
noch nicht abgeschlossen war, als die NAFTAUnterhändler ihre Arbeit beendeten.

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Das NAFTA erreicht das allen Freihandelsabkommen
gemeinsame Ziel: Die Abschaffung von Zöllen und
Quoten unter seinen Unterzeichnerstaaten. Das
NAFTA tut jedoch noch viel mehr und eröffnet damit
bedeutende neue Chancen für europäische Investoren, Exporteure von Waren und Dienstleistungen
sowie Finanzinstitutionen.
Meines Erachtens sind für die Europäer die folgenden
Merkmale des NAFTA von größter Bedeutung:
Das NAFTA schafft ausnahmslos alle Zölle und
Quoten ab, wobei den wenigen besonders sensitiven Produkten längere Auslaufphasen gewährt
werden. Ein beträchtlicher Teil des Handels
wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1994 zollfrei:
50 Prozent der amerikanischen Exporte nach
Mexiko und 70 Prozent der mexikanischen Exporte in die Vereinigten Staaten. Für den größten
Teil des verbleibenden Handels werden die Zölle
über einen Zeitraum von 10 Jahren abgebaut, bei
wenigen Produkte über einen Zeitraum von 15
Jahren. Das entscheidende Konzept ist jedoch
eine Politik, die keine Ausnahmen zuläßt.
Vereinfachte Herkunftsregeln und Unterlagenführung sollen es den Unternehmen erleichtern, den
nordamerikanischen Inlandsanteil der Produkte
nachzuweisen. Das NAFTA ist in dieser Hinsicht
das erste Handelsabkommen, das mit Blick auf
das konkrete Rechnungswesen von Firmen
entwickelt wurde und das insbesondere die Last
der Befolgung von Vorschriften für kleine und
mittelständische Betriebe beschränken soll.
Das Abkommen baut in einer Übergangszeit die
weitreichenden Erfordernisse der mexikanischen
Autoindustrie an ausgeglichene Handelsbilanzen
und Inlandsanteile ab. Ferner soll nicht länger
gefordert werden, daß der Export von Autos und
Autoteilen doppelt so hoch sein muß wie die

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�entsprechenden Importe. Auch die Beschränkungen im Hinblick auf Inlandsanteil und Eigentumsrechte werden abgeschafft, die Kosten erhöhten
und die Flexibilität ausländischer Autohersteller in
Mexiko beschränkten.
Das NAFTA ist das erste Freihandelsabkommen,
das die Vertragsparteien verpflichtet, die meisten
Dienstleistungssektoren für in anderen NAFTAMitgliedstaaten errichtete Unternehmen zu öffnen.
Von besonderem Interesse für Sie sind die bahnbrechenden Vorschriften des NAFTA im Bereich
der Finanzdienstleistungen. Bei den Finanzdienstleistungen
a) werden erstmals seit über 50 Jahren Finanzunternehmen mit Sitz in den Vereinigten Staaten
und Kanada - einschließlich der in europäischem
Besitz befindlichen - in der Lage sein, unter
denselben Anlagebedingungen wie mexikanische
Firmen vollkommen in ihrem Besitz befindliche
Unternehmen in Mexiko zu errichten,
b) werden Finanzunternehmen mit Sitz in einem
der NAFTA-Länder in der Lage sein, in ganz
Mexiko tätig zu werden und dieselbe Dienstleistungspalette anzubieten wie in mexikanischem
Besitz befindliche Firmen,
c) werden verbleibende Beschränkungen hinsichtlich Größe und Marktanteil von Finanzinstitutionen in den NAFTA-Staaten nach einer kurzen
Übergangszeit aufgehoben.
Das Kapitel im NAFTA über Investitionen umfaßt
Firmen, die ihren Sitz in einem NAFTA-Land
haben und ungeachtet der Eigentumsverhältnisse
in einem anderen investieren. Amerikanische
Tochtergesellschaften europäischer Unternehmen
haben folglich Vorteile aus dem im Kapitel über
Investitionen vorgesehenen freien Transfer und
den nationalen Behandlungsgarantien, und die
Investoren haben im Falle von Streitigkeiten über
die Anwendung dieser Bestimmungen direkten
Zugang zu Schlichtungsverfahren.
Das Abkommen zeigt Normen und Vorschriften
auf, die in den drei nordamerikanischen Ländern
umgesetzt werden. Regelungen über Kündigungsfristen und weitere Verfahrensvorschriften
werden sicherstellen, daß alle Unternehmen,
einschließlich der europäischen, ein wirkliches
Mitspracherecht bei der Formulierung von Normen und technischen Vorschriften erhalten.
Jedes Land behält seine eigenen Gesetze und
Vorschriften über unfairen Handel - Antidumpingund Ausgleichszölle - bei, aber die betroffenen

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Parteien in anderen NAFTA-Mitgliedstaaten
(einschließlich europäischer Firmen) erhalten
Zugang zu unparteiischen binationalen Überprüfungsgremien, um eine faire, gerechte und
rechtzeitige Beilegung von Streitigkeiten sicherzustellen.
Weltweiter Wohlstand und Wachstum basieren in
zunehmendem Maße auf Wissen. Das NAFTAKapitel über geistiges Eigentum beinhaltet internationale Normen für den Schutz von Patenten
(20 Jahre), Warenzeichen, Urheberrechten,
Tonaufzeichnungen, Satellitensignalen, Industriedesign, Design von integrierten Schalteinrichtungen für Halbleiter und Geschäftsgeheimnissen.
Die Inhaber geistigen Eigentums in Europa ziehen
ebenso wie die in Amerika, Kanada und Mexiko
Vorteile aus der Umsetzung dieser Normen.
Die NAFTA-Zusatzabkommen über Arbeit und
Umwelt
Von besonderer Bedeutung sind auch die von den
Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada erzielten
Fortschritte bei der Verknüpfung der Handelsliberalisierung mit parallelen Bestrebungen zum Schutz der
Umwelt und der Beibehaltung von Arbeitsnormen.
Präsident Clinton machte bei seiner Amtsübernahme
deutlich, seiner Ansicht nach sollten die Handelsvereinbarungen mit Abkommen über den Schutz der
Umwelt und Arbeitsnormen untermauert werden.
Die 1993 ausgehandelten Zusatzabkommen legten
Ziele und Verfahren zur Zusammenarbeit beim
Umweltschutz und der Durchsetzung von Arbeitsnormen fest. Die drei Vertragsparteien einigten sich
auf die Einrichtung von Kommissionen für Arbeit und
Umwelt, die mit der Vertiefung der Zusammenarbeit
zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Institutionen
auf diesen Gebieten betraut werden und zur Prüfung
von Beschwerden über Sonderfälle ermächtigt
werden, in denen die Arbeits- und Umweltgesetze
eines Landes nicht angemessen umgesetzt werden.
Ein wichtiger Aspekt dieser Zusatzabkommen ist, daß
die Kommissionen Geldstrafen verhängen können,
wenn ein NAFTA-Staat sich auf Dauer der Durchführung der Gesetze widersetzt und, falls diese nicht
umgehend gezahlt werden, die Zurücknahme der
entsprechenden Handelskonzessionen veranlassen
können.
Die Vereinigten Staaten halten aufgrund der relativ
guten Zusammenarbeit und substantiellen Verbesserungen bei der Umsetzung von Gesetzen ein
Zurückgreifen auf diese extremen Maßnahmen für
unwahrscheinlich. Dennoch war ihre Wiederaufnahme in die Abkommen ein Beweis für die Weige-

AMERIKA DIENST 26

�rung der NAFTA-Unterzeichnerstaaten zu tolerieren,
daß Umwelt- und Arbeitsnormen zum Zwecke der
Erzielung eines komparativen Vorteils nicht durchgeführt werden.
Ferner ist es wichtig festzustellen, was in diesen
Abkommen nicht vorgesehen ist: Sie setzen keinen
einheitlichen Mindestlohn für Nordamerika fest. Der
amerikanische Handelsbeauftragte Kantor stellte im
Zusammenhang mit dem GATT fest, wir hätten im
Hinblick auf Arbeitsnormen keine protektionistischen
Motive und strebten keinen Widerstand gegen
komparative Vorteile an. Unserer Ansicht nach kann
umfassende Unterstützung für Maßnahmen zur
Ausweitung des Handels dadurch sichergestellt
werden, daß alle die Vorteile des Handels genießen
und Arbeitnehmer durch international anerkannte
Arbeitnehmerrechte umfassend geschützt werden.
Da Mexiko und Kanada über ausgereifte nationale
Gesetzes- und Durchführungsbestimmungen zum
Schutz von Umwelt und Arbeitsnormen verfügen,
war unsere Aufgabe innerhalb des NAFTA-Gebietes
eindeutig einfacher, als sie in der Weltgemeinschaft
sein wird. Dennoch stellen die NAFTA-Zusatzabkommen einen wichtigen Schritt beim Umgang mit
dieser Wechselbeziehung dar.
Die umfassendere Bedeutung des NAFTA
Über diese spezifischen Merkmale des Abkommens
und seiner Zusatzabkommen

hinaus sollte

das

NAFTA jedoch auch in einem größeren Kontext
gesehen werden. Das NAFTA ist bedeutend als
Modell, als Vorläufer einer umfassenden Bewegung
zu wirtschaftlicher Integration in der ganzen westlichen Hemisphäre sowie als Beispiel dafür, wie
regionale Abkommen in Zukunft die Liberalisierung
auf globaler Ebene stärken können. Nachdem sich
Mexiko mutig von jahrhundertelanger Importsubstitution und staatlich gelenkten Entwicklungsstrategien befreit hatte, dem GATT beigetreten war und
seine Handelsschranken abgebaut hatte, wuchs es
und entwickelte sich in wenigen Jahren mit einer
Geschwindigkeit, die in den achtziger Jahren für
unwahrscheinlich gehalten wurde. Höhepunkt dieser
Entwicklung war die Aufnahme des Landes in die
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD).
Das NAFTA ist integraler Bestandteil dieser historischen Umgestaltung Mexikos und trägt dazu bei
sicherzustellen, daß Mexiko in der westlichen
Hemisphäre weiterhin eine führende Rolle spielt.
Europa und die Vereinigten Staaten haben ein
großes Interesse an einer Fortsetzung dieser Dynamik. Dieses Jahr beispielsweise haben wir Mexiko
als Mitglied der OECD willkommen geheißen.
Ferner ist das Land dem Forum für asiatisch-pazifi-

AMERIKA DIENST 26

sche wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) beigetreten und nahm damit seinen Platz in der pazifischen Gemeinschaft ein.
Im Laufe dieses Verfahrens wurde Mexiko ein wichtiger - und schnell wachsender - Markt für Waren und
Dienstleistungen der Europäischen Union.
Die
Exporte der EU nach Mexiko sind seit 1966 jährlich
um 18 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr
nahm Mexiko der EU Waren und Dienstleistungen im
Wert von 7 Milliarden Dollar ab, die europäischen
Importe aus Mexiko beliefen sich auf 3 Milliarden
Dollar, was zu einem beträchtlichen Überschuß in der
bilateralen Handelsbilanz zugunsten Europas führte.
Umsetzung des Freihandelsabkommens
Die Umsetzung des NAFTA hat einen guten Anfang
gemacht, insbesondere angesichts der erforderlichen
Änderungen und der zur Verfügung stehenden kurzen
Zeit. Mexiko stand wahrscheinlich vor der größten
Herausforderung, da die Vereinigten Staaten und
Kanada bereits über Erfahrungen mit dem amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommen verfügen.
Auf einigen Gebieten gab es Probleme, beispielsweise bei sanitären und phytosanitären Normen und
dem Zollwesen; die drei Länder bemühten sich
jedoch entschlossen um ihre schnelle Beilegung.
Obwohl es noch viel zu früh ist, die gesamten Auswirkungen des NAFTA einzuschätzen, ist es ermutigend zu sehen, daß die Handelsstatistiken von
Januar bis März einen Anstieg des Handels auf dem
gesamten Kontinent ausweisen. Die amerikanischen
Warenexporte nach Kanada stiegen im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum um 9 Prozent an, die Importe
kanadischer Güter um 8,5 Prozent. Unser Handel mit
Mexiko war trotz des langsamen Wachstums der
mexikanischen Wirtschaft sogar noch ausgeprägter.
Die amerikanischen Exporte nach Mexiko stiegen um
15,7 Prozent auf die Rekordzahl von 11,85 Milliarden
Dollar an, die mexikanischen Exporte in die Vereinigten Staaten um 22,5 Prozent auf 11,29 Milliarden
Dollar.
Auch Europa profitiert davon. Der Wirtschaftsteil der
Zeitungen berichtet über die im Zusammenhang mit
dem NAFTA stehenden Handels- und Investitionsaktivitäten europäischer Unternehmen: Angesichts
des fortschreitenden Abbaus der strengen Vorschriften für die mexikanische Automobilindustrie kann
General Motors den Export des Opel Corsa aus
Spanien nach Mexiko planen, bis sein neues OpelWerk den Betrieb aufnimmt.
Die europäischen
Autoteilehersteller Kiekert GmbH und Sommer Allibert
investieren in Mexiko, um den nordamerikanischen
Markt beliefern zu können. Ein Joint-venture von
Continental-Pirelli mit vier Fabriken und 1.000 Ver-

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�kaufssteilen ist der größte Autoreifenhändler in
Mexiko. Spanische und niederländische Banken
sowie schwedische Versicherungsunternehmen
haben vor kurzen beträchtliche Investitionen im
mexikanischen Finanzsektor angekündigt.
Die
europäischen Großhändler Carrefour und Promodes
bauen riesige Supermärkte. Im Energiesektor gehört
das spanische Ingenieurbüro Mecapena einem
Konsortium an, das an der Ausschreibung für den
Bau eines neuen Elektrizitätswerkes im Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Versorgungsunternehmen Southern Electric (ein durch das NAFTA für
ausländische Investitionen geöffneter Sektor) teilnimmt, und Thyssen modernisiert für einen mexikanischen Stahlhersteller mexikanische Koksgruben.
Die Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada haben
sogar eine vorgezogene Verhandlungsrunde zur
weiteren Beschleunigung der Zollsenkungen für
einige NAFTA-Produkte eingeleitet. Dies sollte den
Exporteuren der drei Länder echte Vorteile verschaffen. In drei Runden ähnlicher Verhandlungen im
Rahmen des amerikanisch-kanadischen Freihandelsabkommens vereinbarten die Vereinigten Staaten
und Kanada die vorzeitige Abschaffung von Zöllen
für den bilateralen Handel von Waren im Wert von
rund 9 Milliarden Dollar mit uneingeschränkter
Unterstützung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern
auf beiden Seiten der Grenze.
Darüber hinaus sind die durch das Zusatzabkommen
zum NAFTA ins Leben gerufenen Kommissionen für
Arbeit und Umwelt ebenfalls ein guter Anfang.
Die nationalen Verwaltungsbüros (National Administrative Offices - NAOs) der drei Regierungen sind
seit dem 3. Januar 1994 in den Arbeitsministerien
geöffnet. Arbeitsminister Reich kam am 21. März
mit seinen Amtskollegen in Washington zusammen
und kündigte an, daß das Arbeitssekretariat seinen
Sitz in Dallas haben wird. Die Arbeitsminister haben
auch bei der Definition der Organisationsstruktur
dieses Sekretariats beträchtliche Erfolge erzielt.
Die Leiterin des amerikanischen Umweltschutzamts

Carol Browner traf mit den kanadischen und mexikanischen Umweltministern bei der Eröffnungssitzung
am 23. März in Vancouver zusammen, wo gute
Fortschritte bei institutionellen Fragen gemacht
wurden. Montreal wird der Sitz des Umweltsekretariats. Die erste Ratssitzung der Umweltkommission
wird Ende Juli in Washington abgehalten.
Am 15. April gab das amerikanische Arbeitsministerium die Prüfung von zwei im Februar eingegangenen
Anträgen bezüglich der angeblichen Verletzungen
des mexikanischen Arbeitsrechts bekannt.
Ein
Antrag wurde von der Gewerkschaft der Lastwagen-

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fahrer, der andere von der Gewerkschaft der Elektrizitätsarbeiter gestellt. Beide betreffen mexikanische
Tochtergesellschaften amerikanischer Firmen. Dem
Arbeitsministerium stehen bis zu 180 Tage für die
Durchführung der Ermittlungen zur Verfügung.
Viele Freihandelsbeziehungen
Es ist unbestreitbar, daß angeregt durch das NAFTA
und die Abkommen der Europäischen Union mit
Mittel- und Osteuropa regionale und bilaterale Handelsvereinbarungen in der internationalen Staatengemeinschaft große Mode sind. In der vergangenen
Woche unterzeichneten Mexiko, Venezuela und
Kolumbien ein Freihandelsabkommen, das die
früheren mexikanischen Abkommen zum Abbau von
Handelsschranken mit Chile und Costa Rica ergänzt.
Einige Kommentatoren haben angedeutet, daß dieses
vielleicht durch das NAFTA verkörperte neue Interesse am Abbau der Handelsschranken eine Bedrohung des multilateralen Handelssystems darstellen
könnte. Meines Erachtens ist diese Befürchtung aus
mehreren Gründen unangebracht:
Erstens wurde das NAFTA in vollständigem Einklang
mit den Bedingungen von Artikel XXIV des GATT
über Zollunionen und Freihandelsabkommen formuliert. Insbesondere deckt es den gesamten Handel
ab, nicht nur "praktisch den gesamten", wie es das
GATT fordert.
Zweitens errichten das NAFTA und andere in unserer
Hemisphäre erwogene Freihandelsabkommen keine
Hemmnisse gegen den Handel anderer Nationen.
Die Außenzölle der Vereinigten Staaten, Kanadas
und Mexikos bleiben vom NAFTA unberührt: In der
Tat sollten sie infolge der Umsetzung des Abkommens der Uruguay-Runde bald maßgeblich sinken.
(Im übrigen möchte ich darauf verweisen, daß die
Runde die durchschnittlichen Zölle zwischen den
Vereinigten Staaten und der EU um die Hälfte senken
wird).
Drittens enthält das NAFTA selbst eine Komponente,
die einen Druck nach unten auf die Außenzölle der
Parteien ausüben sollte, vor allem im Hinblick auf
Einzelteile, Komponenten und im Fertigungsbereich
verwendete Kapitalausrüstung.
Das Abkommen
fordert die Aufhebung von Zollrückvergütungssystemen durch die Parteien, die als Anreiz für Investitionen von zur Endfertigung benötigten Komponententeilen benutzt wurden. Nicht länger in der Lage,
höhere Außenzölle auf Komponenten und Kapitalausrüstung zu vergüten, die für die Produktion von in
andere NAFTA-Mitgliedstaaten exportierte Waren
verwendet werden, würden die Länder mit diesen
höheren Zöllen mit der Zeit ein weniger wünschens-

AMERIKA DIENST 26

�werter Standort für Investitionen, nicht zuletzt aus
Europa. Angesichts dieser Perspektive werden die
Länder versuchen, ihre Außenzölle auf das niedrigste in der NAFTA-Region vorherrschende Niveau zu
senken (für gewöhnlich das amerikanische Niveau).

prüfen, wie die Landwirtschaft dieser Länder für die
eventuelle Integration in die gemeinsame Agrarpolitik
vorbereitet werden könnte.
Wir begrüßen das
Engagement der Bundesregierung, in diesem Prozeß
eine Führungsrolle zu übernehmen.

Aus diesem Grund ist das NAFTA insgesamt nicht
nur kompatibel mit dem multilateralen System, es
kann auch als Verstärkung der Wachstumstendenz
der moderneren Entwicklungsländer angesehen
werden, den Weg der Zoll-Liberalisierung in Gruppen
von zwei, drei oder sogar mehr Ländern zu Ende zu
gehen. Das "ohne-Ausnahme"-Prinzip des NAFTA
hat darüber hinaus unter Beweis gestellt, daß es
möglich ist, die sensitivsten Industriezweige im
Kontext eines allgemeinen liberalisierenden und
Wachstum fördernden Abkommens in Angriff zu
nehmen. Lange Auslaufphasen, Anpassungshilfen
und Umschulungsprogramme können bei der Bewältigung der Arbeitslosigkeit helfen.

Neben Mittel- und Osteuropa sowie traditionellen
Ländern des Assoziierungsabkommens im Mittelmeer
wurde Europa jetzt von Mexiko und den Ländern der
südamerikanischen Zollunion Mercosur angesprochen. Sowohl Mercosur als auch Mexiko scheinen
interessiert an der Sondierung unterschiedlicher
Wege zur Lockerung des Handels zwischen ihnen
und den Ländern der Europäischen Union. Dies wird
im nächsten Jahr ein wichtiges handelspolitisches
Thema für die Union werden.

Europa hat bisher ein anderes Modell beim Entwurf
seiner freieren Handelsabkommen mit den Ländern
Mittel- und Osteuropas gewählt. Im allgemeinen
hatte die EU eine Tendenz, die Handelsabkommen
mit ihren Nachbarn im Osten als evolutionär, nicht
definitiv, anzusehen. Es wurden Fortschritte erzielt.
In den bisher abgeschlossenen "Europa-Abkommen"
werden beispielsweise alle Zölle und andere Restriktionen auf Industriegüter bis zum 1. Januar 1995
aufgehoben, außer bei Textilien, Stahl und Landwirtschaft. Um jedoch eine große Kraftprobe zu vermeiden, wurde der am stärksten geschützte Sektor die Landwirtschaft - während der ersten Phase im
großen und ganzen ausgenommen, und es wurden
in der Übergangsperiode sehr viel mehr quantitative
Restriktionen verwendet, selbst in industriellen
Sektoren. In einer am 19. Juni in der Schweiz
gehaltenen Rede beschuldigte der tschechische
Ministerpräsident Vaclav Havel die EU des zunehmenden Protektionismus mit der Aussage: "Jeden
Tag gibt es konkrete Fälle, in denen die Europäische
Union unsere Exporte von Textilien, landwirtschaftlichen Maschinen und Zement blockiert." (Wall Street
Journal, S.g, 20. Juni 1994).
Der evolutionäre Ansatz ist zwar bequem für die
Verhandlungsprobleme und die Zustimmung zu
einem Handelsabkommen, hat jedoch den gravierenden Nachteil, daß nur die sensitiven Sektoren zu
einem späteren Zeitpunkt getrennt behandelt werden, ohne die politische Unterstützung eines umfassenderen "Pakets". Die "ohne-Ausnahme"-Politik
des NAFTA würde eine Alternative und für mich ein
bevorzugtes Modell darstellen. Wir waren aber
dennoch beeindruckt von den Bestrebungen der
Union, jetzt Wege zur Verbesserung des Handelszugangs für Mittel- und Osteuropa zu suchen und zu

AMERIKA DIENST 26

Schlußbemerkung: Europa und das NAFTA
Vor vierzig Jahren begannen die europäischen
Nationen mit der Gründung der Montanunion einen
Prozeß des progressiven Abbaus von Handelsschranken. Sie erkannten, daß die Schaffung größerer
Märkte Ihren Firmen Kostenersparnisse durch optimale Betriebsvergrößerungen bringen und zum Anreiz
von Investitionen in die Modernisierung zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in einem globalen
Markt beitragen könnte. Aus dem Experiment wurde
die Europäische Gemeinschaft, die erfolgreichste
Zollunion der Welt und die Grundlage für die Schaffung der Europäischen Union.
Von Anfang an haben die Vereinigten Staaten die
Gründung der Europäischen Gemeinschaft und jetzt
der Europäischen Union uneingeschränkt unterstützt.
Wir wurden Zeuge der Beseitigung von Handelshemmnissen und später der Schaffung eines europäischen Binnenmarktes, mehr Wirtschaftswachstums
für Europa und eines gesünderen Marktes für unsere
Exporte. Dabei waren mehr als nur kommerzielle
Erwägungen im Spiel. Wir erkannten, daß die
Senkung von Handelsschranken ein sichereres,
kooperativeres Europa untermauern würde, das unser
Partner in internationalen Angelegenheiten sein
könnte. Unsere heutige transatlantische Partnerschaft basiert auf dieser Grundlage.
Im Einklang mit unseren eigenen Traditionen und
institutionellen Erfordernissen haben wir in Nordamerika zwei große Schritte zur Schaffung eines
größeren nordamerikanischen Markts unternommen:
Das amerikanisch-kanadische Freihandelsabkommen
und jetzt das Nordamerikanische Freihandelsabkommen. Angesichts unserer unterschiedlichen Erfahrungen und Bestrebungen ist das NAFTA nicht der
Vorläufer einer solideren Union, wie die Montanunion
es wurde. Aber ebenso wie die Europäische Gemeinschaft für amerikanische Firmen und Exporteure

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�offen war, ist das NAFTA für europäische Firmen
offen. Europa ist bereits der größte nichtnordamerikanische Investor in den Vereinigten Staaten,
Kanada und Mexiko, so wie es die Vereinigten
Staaten seit Jahrzehnten in Europa waren. Unser
schnelleres Wachstum wird mehr Exportchancen für
Europa bedeuten, insbesondere beim Prozeß der
Globalisierung der Produktion. Ebenso wie während
der industriellen Revolution weisen unsere Automobilunternehmen erneut den Weg.
Unsere Unterstützung der europäischen Integration
hat die transatlantischen Beziehungen gestärkt. Die
europäische Unterstützung und Begeisterung für das
NAFTA wird die amerikanisch-europäischen Beziehungen entsprechend fördern. Mit dem NAFTA
tätigen die europäischen Unternehmen neue Investitionen in ganz Nordamerika. Aufgrund der vom
NAFTA ausgehenden Impulse widmen europäische
Firmen und Regierungen den Chancen in der
gesamten westlichen Hemisphäre neue Aufmerksamkeit. Sie erkennen das Wachstumspotential von
freiem Handel und die damit einhergehenden sicherheitspolitischen Konsequenzen kompromißloser
Handelsbeziehungen.
Darüber hinaus bietet Europa mit der Anwendung
der Prinzipien eines umfassenden Freihandels den
Ländern Mittel- und Osteuropas, Rußland und den
neuen unabhängigen Staaten das Ziel eines freieren
Marktzugangs und die Herausforderung für die
Integration in den Weltmarkt.
Ebenso wie Europa das NAFTA unterstützt und
begrüßt, unterstützen und begrüßen wir die Erweiterung der Union, in jüngster Zeit um Österreich,
Finnland, Schweden und Norwegen, und in Zukunft
um die Länder Mittel- und Osteuropas. Daß wir
jeder die Abkommen aus der Perspektive unserer
GATT-Rechte prüfen, schmälert in keiner Weise
unsere Bewunderung und Unterstützung für die
Initiativen. Denn Europa und Amerika sind sich
gleichermaßen bewußt, daß solche Abkommen kein
Ersatz für die Fortsetzung der lebenswichtigen
Bestrebungen zur Stärkung des multilateralen
Handelssystems sind, so wichtig freier Handel in
unseren Verhandlungen mit unseren Nachbarn und
Partnern auch sein mag.

*

Seite 6

Obwohl wir historische Schritte zu freiem Handel mit
unseren Nachbarn unternommen haben - wir mit dem
NAFTA und Sie mit der Erweiterung der Union um
Österreich, Finnland, Schweden und Norwegen haben wir eng dabei zusammengearbeitet, die Welt
auf das noch wichtigere Ziel der Uruguay-Runde
hinzuführen. Und so sollte es sein: Regionale
Integration macht uns stärker, zu selbstbewußteren
Konkurrenten und enthusiastischer über den Abbau
von Handelshemmnissen auf globaler Ebene. Und
entsprechend verstärken unsere Erfahrungen bei der
Inangriffnahme des Schutzes von Arbeitsrechten und
der Umwelt im Zusammenhang mit freierem Handel
unsere Überzeugung, daß die multilaterale Handelsgemeinschaft dieses Vorgehen als Priorität in der
Welthandelsorganisation betrachten sollte.
Durch Zusammenarbeit und gegenseitige Ermutigung
werden die Vereinigten Staaten und die Europäische
Union weiterhin Chancen zum Abbau von Handelsschranken ergreifen. Europa vornehmlich mit Mittelund Osteuropa, die Vereinigten Staaten mit den
anderen Ländern der westlichen Hemisphäre. Diese
Abkommen müssen auch in Zukunft umfassend im
Einklang mit den GATT-Regeln stehen und im
Hinblick auf die Investitionsvorteile nichtdiskriminierend sein. Während wir dies tun, werden die Vereinigten Staaten darüber hinaus Wege zum Senkung
ihrer Handelsschranken mit Mittel- und Osteuropa
sondieren und Investitionen in diesen Ländern
ermutigen. Ich gehe davon aus, daß Europa ebenfalls nach Wegen zum Abbau der Handelshemmnisse
in der westlichen Hemisphäre suchen und Investitionen dort ermutigen wird. Wir werden ferner weiterhin
eng bei der unerläßlichen Aufgabe zusammenarbeiten, die Welthandelsorganisation ins Leben zu rufen
und die Herausforderungen des multilateralen Handelssystems zu meistern.
Das NAFTA kann und wird daher eine Quelle der
Stärke für die transatlantischen Beziehungen und
eine Chance für europäische Unternehmen sein.
Ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 26

�PORTRAT
6. Juli 1994

PANETTA ZUM STABSCHEF DES WEISSEN HAUSES
ERNANNT
Clinton entscheidet Nachfolge von McLarty
WASHINGTON - (AD) - Mit der Ernennung von
Leon Panetta zum Nachfolger von Thomas McLarty
als Stabschef des Weißen Hauses hat Präsident
Clinton von einem Jugendfreund aus Arkansas zu
einem Washingtoner Profi gewechselt.
Der Kontrast ist beeindruckend: McLarty und Clinton
haben zusammen im Sandkasten gespielt, Panetta
ist in der Bundeshauptstadt seit den ersten Tagen
von Richard Nixons Präsidentschaft bekannt.
Inzwischen 56, war Panetta 16 Jahre lang in Kongreß tätig, bis Präsident Clinton ihn nach seiner
Wahl im Jahr 1992 für die schwierige Aufgabe des
Direktors der Haushaltsbehörde unter der neuen
Administration gewann.
Fortschritte bei der Bewältigung des Haushaltsdefizits werden weithin als der bisher größte Erfolg
der Clinton-Administration angesehen, und Panetta
wird ein Großteil des Verdienstes zugeschrieben, die
Pläne des Präsidenten in die Praxis umgesetzt zu
haben.
Als Leiter der Haushaltsbehörde brachte Panetta die
geplanten Ausgaben der jeweiligen Behörden in der
Haushaltsvorlage in Einklang und leistete dann
ebenso entscheidende Überzeugungsarbeit bei
seinen Kollegen im Kongreß zur Unterstützung der
Maßnahme - die mit äußerst knapper Mehrheit im
Repräsentantenhaus und Kongreß verabschiedet
wurde.
Panetta gebührt auch das Verdienst für den realistischen Ansatz, innerhalb der Administration selbst auf
Zurückhaltung bei den Ausgaben unter den Kabinettsmitgliedern zu bestehen.
In jüngster Zeit wurde Panetta zum öffentlichen
Fürsprecher der umstrittenen Gesundheitsreform des
Präsidenten - ein Thema, dem er in seinem neuen
Amt voraussichtlich beträchtliche Aufmerksamkeit
widmen wird.

AMERIKA DIENST 26

Panetta war Vorsitzender des Haushaltsausschusses
des Repräsentantenhauses, als Clinton seine überraschende Entscheidung für ihn als Direktor der
Haushaltsbehörde traf. Während seiner Amtszeit im
Repräsentantenhaus hatte er sich bereits den Ruf
erworben, der Experte des Landes für Haushaltsfragen zu sein.
Panetta war einer der Unterhändler des Kongresses
bei den langen und häufig kontroversen Haushaltsverhandlungen mit der Bush-Administration im Herbst
1990, die ein bahnbrechendes Fünfjahres-Abkommen
zur Folge hatten. Die Vereinbarung sollte Präsident
Bush in ernsthafte politische Schwierigkeiten bringen
und eine Abkehr von seinem im Wahlkampf 1988
gegebenen Versprechen signalisieren, während
seiner Amtszeit gebe es "keine neuen Steuern".
Davor war Panetta einer der entscheidenden Verhandlungspartner des Repräsentantenhauses mit
dem Senat und dem damaligen Präsidenten Reagan
bei dem dann als Gramm-Rudman bekanntgewordenen Haushaltsausgleichsgesetz.
Panetta gelingt es, seine realistische Inangriffnahme
von Themen mit dem Talent auszugleichen, sich über
sich selbst und die Probleme der Regierungsführung
lustig zu machen. Eine pointierte Bemerkung, gefolgt
von einem kurzen Lachen, war der Standardauftakt
bei seinen häufigen Pressegesprächen in seiner Zeit
als Kongreßabgeordneter, und selbst die von ihm als
Haushaltsdirektor verordneten
einschneidenden
Kürzungen konnten seinen Sinn für Humor nicht
trüben.
Panetta unterhält gute Beziehungen zu vielen seiner
ehemaligen Kollegen auf dem Capitol Hill - ein Plus,
das der Administration weiterhin einen guten Dienst
erweisen sollte.
George Miller, Mitglied des Repräsentantenhauses,
der einmal gemeinsam mit Panetta ein Appartement
in Washington bewohnte, äußerte der Washington

Seite 1

�Post gegenüber: "Meines Erachtens wird er die
Fähigkeit des Weißen Hauses maßgeblich verbessern, die Spieler und das auf dem Capitol Hill gespielte Stück richtig zu verstehen, was erreicht
werden kann und was nicht, wann man fest bleiben
und wann man verhandeln muß."
Inzwischen als gemäßigter bis liberaler Demokrat
eingeschätzt, begann Panetta seine politische Karriere als Republikaner.
Panetta war Rechtsberater von Thomas Küchel,
einem republikanischen Senator aus Kalifornien, und
später unter Präsident Nixon als Leiter des amerikanischen Büros für Bürgerrechte tätig. Von dieser
Aufgabe wurde er 1970 entbunden, nachdem er sich
über die zu langsamen Bestrebungen der Administration zur Aufhebung der Rassentrennung be-

schwert hatte.
Partei.

Im Jahr darauf wechselte er die

Panetta wurde als Sohn italienischer Einwanderer in
Monterey (Kalifornien) geboren, dem Wahlkreis, den
er später vertrat. Er machte 1960 seinen Abschluß
an der University of Santa Clara und legte dort 1963
sein juristisches Examen ab. Von 1964 bis 1966
diente er in der US-Armee.
Nachdem er von der Nixon-Administration entlassen
worden war, wurde er persönlicher Referent des New
Yorker Bürgermeisters John Lindsay und praktizierte
dann bis zu seiner Kandidatur für den Kongreß im
Jahr 1976 in einer Rechtsanwaltskanzlei.
Panetta ist verheiratet und hat drei Söhne.

* * * * *

Seite 2

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�PORTRAT
6. Juli 1994

GERGEN HAT "AUSGEPRÄGTES GESPÜR" FÜR
VERMITTLUNG VON ZIELSETZUNGEN
Porträt des neuen außenpolitischen Sonderberaters

WASHINGTON - (AD) - David Gergen hat "ein
ausgeprägtes Gespür, wie diese Administration ihre
außenpolitischen Zielsetzungen besser vermitteln
kann", erklärte Außenminister Christopher.
Der Außenminister stellte fest, in der neugeschaffenen Position eines Sonderberaters des Präsidenten
und Außenministers werde Gergen auch "ein Sagen
bei der Formulierung der Politik haben, von der die
amerikanische Führungsrolle in der Welt geleitet
wird".
Präsident Clinton, der Gergen im vergangenen Jahr
als Berater zur Imageverbesserung seiner Administration ins Weiße Haus holte, äußerte, der republikanische Journalist und Kommentator, der Gerüchten zufolge in die Privatwirtschaft zurückkehren
wollte, werde jetzt bis zum Ende des Jahres bleiben
und "seine gesamte Energie auf die außenpolitische
Bühne konzentrieren".
In den vergangenen Monaten, so Clinton, habe er
Gergen "bei der Konzeption, Formulierung und
Vermittlung nationaler Sicherheitsbelange immer
mehr schätzen gelernt" und er wolle, daß der altgediente Washingtoner Insider "eine größere Rolle
spielt und meinem Team als Hauptberater in diesem
Bereich beitritt".
In seiner neuen Position wird Gergen vom Außenministerium aus arbeiten und Außenminister Christopher direkt Bericht erstatten, jedoch weiterhin ein
Büro im Weißen Haus behalten. Er wird an Gesprächen des Außenministeriums auf hochrangiger
Ebene sowie denen des Hauptausschusses - dem
höchsten außenpolitischen Beratergremium im
Weißen Haus - teilnehmen.
Gergen wird Präsident Clintons wichtigste Reisen ins
Ausland sowie Veranstaltungen vorbereiten und
könnte auch zu Talkshows im Fernsehen eingeladen
werden.

AMERIKA DIENST 26

Während des Jahres als Berater des Präsidenten
nutzte Gergen seine gemäßigten Ansichten, bisherige
Erfahrung im Weißen Haus und überparteilichen
Kontakte, um eine günstigere Presseberichterstattung
über die Administration zu bewirken. Viele der
älteren Journalisten in Washington erachten ihn als
glaubwürdig, und die Reporter hatten während seiner
Amtszeit das Gefühl, das Weiße Haus gehe besser
auf ihre Fragen ein.
Während der Anfangsmonate wurde die Administration von den Medien relativ kritisch beurteilt, und dies
hatte einen niedrigeren Beliebtheitsgrad bei öffentlichen Meinungsumfragen zur Folge. Nachdem die
Berichterstattung positiver wurde, nahm auch der
Beliebtheitsgrad zu, und Gergen erwarb den Ruf, zur
steigenden Popularität von Präsident Clinton beigetragen zu haben.
Einige Demokraten mißtrauten Gergen jedoch mit
dem Argument, ihm fehle das Engagement für die
liberalere Tagesordnung der Administration. Gergen
bezeichnet sich selbst als "politischen Pragmatiker"
und verweist darauf, daß er seine politische Karriere
als Demokrat begonnen habe, der in der Bürgerrechtsbewegung in seinem Heimatstaat North Carolina aktiv war.
Eigenen Aussagen zufolge hat Gergen vor dem
Beitritt zur Clinton-Administration versucht, "eine
unabhängige Meinung, eine ausgewogene Sichtweise
von Politik und öffentlichen Angelegenheiten zur
entwickeln. Ich stellte jedoch fest, daß viele unserer
nationalen Probleme keine demokratische oder
republikanische Lösung erfordern, sondern einfach
neues Denken."
Gergen hatte Freunden und Kollegen gegenüber
geäußert, er werde das Weiße Haus lieber verlassen
als in die Parteipolitik der Wahlen im November
hineingezogen zu werden.

Seite 1

�Zu Beginn seiner Karriere war Gergen als Redenschreiber für Präsident Nixon und Kommunikationsdirektor für die Präsidenten Ford und Reagan tätig.
Ferner war er Chefredakteur und Kolumnist der
Zeitschrift U.S. News and World Report, Kommentator der Fernsehsendung The MacNeil/Lehrer
Newshour und Dozent sowohl am American Enterprise Institute, einer konservativen Denkfabrik, als
auch der liberalen John F. Kennedy School of Government an der Harvard University.

Seit dem Rüstungskontrollexperten Paul Nitze in den
achtziger Jahren ist Gergen der erste, der den
Doppeltitel eines Sonderberaters des Präsidenten
und des Außenministers innehat.
Gergen ist verheiratet und hat zwei erwachsene
Kinder.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�PORTRAT
6. Juli 1994

NEUE DIREKTORIN DER HAUSHALTSBEHÖRDE SETZT
SICH FÜR ABBAU DES HAUSHALTSDEFIZITS EIN
Porträt von Alice Rivlin
WASHINGTON - (AD) - Als Alice Rivlin von ihrer
Nominierung durch Präsident Clinton am 27. Juni
1994 als Nachfolgerin von Leon Panetta erfuhr, war
sie einem Mitarbeiter zufolge "begeistert". "Das ist
genau die Aufgabe, die sie anstrebte", erklärte er.
Stanley Collender, Direktor für staatliche Haushaltspolitikdes großen Wirtschaftsprüfungsunternehmens
Price Waterhouse, der Rivlin schon lange beobachtet
hatte, bezeichnete sie als "eine Frau, die sich ihr
ganzes Leben mit Haushaltsfragen beschäftigt und
auf dieses Amt vorbereitet hat".
Im Falle ihrer Bestätigung durch den Kongreß wird
Rivlin eines der mächtigsten Mitglieder der ClintonAdministration.
Dem offiziellen Regierungshandbuch zufolge besteht
die Aufgabe der Haushaltsbehörde in der "Auswertung, Formulierung und Koordinierung von
Managementverfahren und Programmzielen innerhalb aller Bundesministerien und -behörden
sowie untereinander. Ferner kontrolliert sie die
Verwaltung des Bundeshaushalts und gibt dem
Präsidenten regelmäßig Empfehlungen im Hinblick
auf Haushaltsvorschläge und entsprechende gesetzliche Verfügungen."
Während ihrer anderthalbjährigen Amtszeit als
stellvertretende Direktorin der Haushaltsbehörde
unter Panetta erwarb sich Rivlin den Ruf, zu den
unerbittlichsten "Falken" der Administration zu
gehören, die sich für einen Abbau des Haushaltsdefizits einsetzen.
Sie führte vehement Argumente für größere Ausgabenkürzungen im Vergleich zu den im Fünfjahresplan vorgesehenen 500 Milliarden Dollar an, die
1993 nur mit knapper Mehrheit vom Kongreß gebilligt wurden.

AMERIKA DIENST 26

Es wird behauptet, sie habe Präsident Clinton bisweilen persönlich gefragt, ob die von ihm für Investitionsprogramme vorgesehenen Milliarden Dollar nicht
besser für die Senkung des Haushaltsdefizits verwendet werden sollten. Ferner setzte sie sich für die
Kürzung landwirtschaftlicher Subventionen ein,
bekämpfte Haushaltstricks und bestand darauf, daß
eine Reform des staatlichen Gesundheitswesens
nicht zu einer Erhöhung des Haushaltsdefizits führen
dürfe.
Rivlin führt schon seit langem einen aggressiven und
vehementen Kreuzzug gegen das Haushaltsdefizit.
Unter anderem sprach sie sich für die Kürzung so
populärer Leistungen wie die Gesundheitsfürsorge für
ältere Menschen (Medicare) aus.
In ihrem Buch "Reviving the American Dream" (Die
Wiederbelebung des Amerikanischen Traums), das
sie vor ihrem Beitritt zur Clinton-Administration
veröffentlichte, unterbreitete Rivlin den Vorschlag,
den Bundesstaaten die Verantwortung für die Verwaltung und Finanzierung von Programmen wie
Berufsausbildung und Personenverkehr zu übertragen, die teilweise über eine nationale Verbrauchssteuer finanziert werden, welche zwischen den
Bundesstaaten und der Bundesregierung aufgesplittet
werden sollte.
Während ihrer Tätigkeit von 1975 bis 1983 als erste
Direktorin des überparteilichen Haushaltsbüros des
Kongresses erwarb Rivlin Anerkennung als eine der
führenden Haushaltsexperten. Unter ihrer Leitung
erhielt das Büro den Ruf, Haushaltsfragen streng
unter Kontrolle zu halten, sie klar und wirksam zu
formulieren und objektiv zu sein - die Grundlage für
die Achtung des Haushaltsbüros innerhalb und
außerhalb des Kongresses.
Nach ihrer Amtszeit im Haushaltsbüro kehrte Rivlin
an die Brookings Institution zurück, eine Forschungsinstitution mit Sitz in Washington, der sie seit 1957

Seite 1

�mehrmals angehört hatte. Kurz vor ihrem Beitritt zur
Clinton-Administration war sie als Gastprofessorin für
Politologie an der George Mason University im
Norden Virginias tätig. Die Abgängerin des Bryn
Mawr College promovierte in Wirtschaftswissen-

schaften an der Harvard University. Von 1966 bis
1969 war sie unter der Johnson-Administration als
Abteilungsleiterin im Ministerium für Gesundheit,
Erziehung und Soziales tätig.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

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                <text>&lt;strong&gt;1. Bevölkerung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton drängt auf umfassende, gleichzeitige Inangriffnahme globaler Probleme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor der National Academy of Sciences&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Verbrechensbekämpfung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltweite polizeiliche Zusammenarbeit Schlüssel für erfolgreiche Verbrechensbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von FBI-Direktor Freeh&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NAFTA - die Herausforderung für Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Eizenstat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Panetta zum Stabschef des weißen Hauses ernannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Clinton entscheidet Nachfolge von McLarty&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gergen hat "ausgeprägtes Gespür" für Vermittlung von Zielsetzungen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen außenpolitischen Sonderberaters&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Direktorin der Haushaltsbehörde setzt sich für Abbau des Haushaltsdefizits ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Alice Rivlin&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

3
3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

36

6. August 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Carter:

Sowjets haben Prinzipien von Helsinki mißachtet

- Erklärungen zum 5. Jahrestag der Unterzeichnung der Schlußakte Muskie gibt überblick über amerikanische Außenpolitik
- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß

INFORMATION
Gemeinschaftsprojekt:

Synthesebrennstoff-Produktion

- Abkommen zwischen Bundesrepublik, Japan und USA in Washington
unterzeichnet -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Billigeres Verfahren zur Abscheidung von Staub

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�36

6. August 1980

CARTER: SOWJETS HABEN PRINZIPIEN VON HELSINKI MISSACHTET
Erklärungen zum 5. Jahrestag der Unterzeichnung der Schlußakte -

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat anläßlich des

5. Jahrestages der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki darauf hingewiesen, daß die Sowjetunion die von ihr selbst unterzeichneten Übereinkommen
zum Abschluß der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) im eigenen Lande und durch die Invasion Afghanistans mißachtet
habe.

Die brutale Besetzung Afghanistans, so erklärte der Präsident auf

einer Gedenkfeier im Weißen Haus am 29. Juli 1980, könne weder mit den
Prinzipien der Schlußakte noch mit der Charta der Vereinten Nationen
vereinbart werden.
Zuvor hatten in einer Feierstunde im State Department auch der
amerikanische Außenminister Edmund Muskie sowie der Berater des Außenministeriums, Botschafter Rozanne L. Ridgway zu den amerikanischen Zielen
auf der KSZE-Folgekonferenz im November dieses Jahres in Madrid Stellung
genommen. Muskie nannte den Fortschritt in den Menschenrechten, verstärkte
menschliche Kontakte, einschließlich der Familienzusammenführung sowie

Postfach 20 03 00 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�sowie weitere vertrauensbildende Maßnahmen auf militärischem Gebiet,
die nicht nur "kosmetisch" sein duften, als die drei Hauptziele der
Vereinigten Staaten für Madrid.
Botschafter Ridgway wies auf den einzigartigen Charakter der Schlußakte hin, die den Zusammenhang zwischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Menschenrechte und der Zusammenarbeit auf anderen Gebieten, wie Wirtschaft
und Sicherheit, herstelle.

Die USA würden auch die anderen Gebiete

neben den Menschenrechten in Madrid nicht hintanstellen.
Die Erklärung Präsident Carters auf der Feierstunde im Weißen Haus
hat folgenden Wortlaut:
Ich freue r, ich, daß Sie heute nach Washington kommen konnten, um
über den Prozeß zu sprechen, der vor fünf Jahren in Helsinki eingeleitet
wurde.
Sie sind jetzt mit den Leuten zusammengekommen, die an der Spitze
der amerikanischen Delegation auf der Madrider Folgekonferenz stehen
werden.

*

Sie und die neueiMitglieder aus der Öffentlichkeit, die hier

anwesend sind, gehören alle zu dem Team, auf das wir uns stützen, wenn
es um die Förderung der Sache von Helsinki gegen jede Opposition im Ausland
geht - und gegen die Skepsis, die sie im eigenen Lande bei einigen anderen
findet, die die fundamentale Wahrheit nicht begreifen, daß Frieden und
Förderung der Menscrenrechte Hand in Hand gehen.
der Menschenrechte bestärken sich gegenseitig.

Frieden und Förderung
Sie können beide nicht

unabhängig von einander erfolgreich vorangebracht werden.
Diese Überzeugung steht über der Partei politik - wie die Geschichte
des Helsinki-Prozesses erwiesen hat. Eine republikanische Administration
unterzeichnete die Übereinkommen; eine demokratische Administration verwirklichte sie. Die Übereinkommen verkörpern Ziele und Werte, an die

- 2 -

*

�die die Amerikaner als Menschen glauben, die um den Aufbau einer besseren,
menschlicheren Welt kämpfen.
Die auf dem Gipfeltreffen vor fünf Jahren in Helsinki von 35 Nationen
übernommenen Verpflichtungen wurden nicht leichtfertig eingegangen.
können nicht leichtfertig aufgegeben oder mißachtet werden.

Sie

Das Dokument,

das dort unterzeichnet wurde, ist, obwohl es als die Schlußakte bezeichnet
wird, nicht das Ende unserer Arbeit, sondern ein Neubeginn.
Die Konferenz in Madrid in diesem Jahr soll dazu dienen, Bilanz zu
ziehen, welche Fortschritte erreicht worden sind, und - wenn möglich das Tempo des Fortschritts und sein Ausmaß zu vergrößern.

Wie die Konferenz

in Belgrad 1977/78 bietet Madrid eine Gelegenheit, sorgfältig zurückzublicken, damit wir mit Nachdruck in die Zukunft gehen können.
Es gibt Leute, die gesagt haben, wir sollten nicht nach Madrid gehen daß wir aus dem Helsinki-Prozeß ausscheiden sollten. Solche Gedanken
entspringen dem Unwissen über die Bedeutung von Madrid. Manche Leute
haben die Konferenz sogar mit der Olympiade in Moskau verglichen und
gemeint, wenn amerikanische Sportler nicht nach Moskau gehen, dann sollten
amerikanische Diplomaten auch nicht nach Madrid gehen.
Das ist ein Trugschluß. Als Gastgeber der Olympiade hat die Sowjetunion versucht, sowohl die Früchte der Aggression in Afghanistan als
auch das Prestige und den Propagandawert als Veranstalter olympischer Spiele
einzuheimsen. Amerikanische Sportler und Sportler aus rund 50 Ländern
lehnten diese Gleichung als ungehörig ab. Ich spreche ihnen meine Anerkennung
aus. Sie blieben unter großen Opfern zuhause - und ohne sie wurde das
imposante Schauspiel in Moskau zum pathetischen Spektakel.
Aber Madrid wird kein Propagandafestival eines Aggressors werden»
Die Gastgeber sind die Spanier, nicht die Sowjets. Die Sowjetunion wird

- 3 -

�wird dort vertreten sein - wie die anderen 34 Staaten dort vertreten sein
werden -, um Rechenschaft abzulegen über die Art und Weise, wie sie ihre
Verpflichtungen erfüllt oder nicht erfüllt hat.
Es würde sicherlich jenen, die sich am meisten der Verletzung der
Menschenrechte schuldig gemacht haben, gefallen, von der Rechenschaft über
ihr Handeln vor dar Weltöffentlichkeit in Madrid befreit zu sein.
In Madrid werden keine Medaillen verliehen.

Hier geht es nicht um

Ringkämpfe oder turnerische Wettbewerbe für Diplomaten.

*

Die Prüfung

gilt dem Fortschritt in der internationalen Tagesordnung der Sicherheit
und Zusammenarbeit und der Festigkeit der Prinzipien, zu denen sich die
35 Beteiligten verpflichtet haben.
Beim Verfolg der Sache der Menschenrechte durch die Übereinkommen
von Helsinki gibt es keine Abkürzungen. Der Weg, den wir gehen, ist der
richtige. Als die Belgrader Konferenz zu Ende ging, bemerkte Dante
Fascell, daß "das Eintreten für die Menschenrechte kein Fingerschnippen
ist... Hier bieten sich keine leichten Siege an." Und doch müssen wir
diesen Weg gehen. Und in Madrid werden wir diesen Weg gehen.
Als ich Präsident wurde, unterstrich ich unsere Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten als ein fundamentales Gebot unserer Außenpolitik.
Diese Verpflichtung ist mir heute so wichtig, wie sie mir damals war.
Sie ist heute so zentral für die Interessen Amerikas, wie sie es war,
als unser Land geboren wurde.
Damals wie heute war und ist unsere Verpflichtung weltweit, über
Europa hinaus haben wir uns in Afrika, Asien und Lateinamerika bemüht,
hinter den Grundprinzipien der Achtung jeder Person, des fairen Prozesses,
der politischen Freiheit und der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit
zu stehen. Wir haben klargemacht, daß die Vereinigten Staaten der Überzeugung

. 4 -

�Überzeugung sind, daß Folter unter keinen Umständen geduldet werden kann,
daß ein amtlich gebilligtes "Verschwinden" in jeder Gesellschaft abscheulich
ist.

Und so wie wir Liberall auf dem Recht der Freizügigkeit bestanden

haben, so haben wir uns hart darum bemüht, den Flüchtlingen der Welt die
vor Unterdrückung und Not fliehen mußten, Hilfe zu leisten.
Wir verfolgen diese Politik, weil wir erkannt haben, daß unser Land
und unsere Welt sicherer sind, wenn die Grundwerte des Menschen international
geachtet werden.
Wenn wir für unsere Werte eintreten, dann treten wir für unsere
Sicherheit ein. Möge niemand daran zweifeln, daß unsere Werte und unsere
Taten nich+ ihre Spuren hinterlassen haben. Viele Regierungen haben politische
Gefangene freigelassen. Andere haben den Belagerungszustand aufgehoben willkürliche Verhaftungen eingeschränkt - weniger gefoltert. Weil wir
Führung gezeigt haben, hat die Verteidigung der Menschenrechte heute ihren
rechtmäßigen Platz auf der moralischen Tagesordnung unserer Zeit. Jene,
die dem einzelnen seine Rechte zu verwehren suchen, müssen heute wegen ihres
Handelns Antwort geben. Jene tapferen Männer und Frauen, die, oft unter
größten Schwierigkeiten, für die Freiheit kämpfen, wissen, daß sie nicht
allein sind.
Zusammen mit den 35 Staaten von Helsinki in Nordamerika, Osteuropa
und Westeuropa verfolgen wir die gleichen Ziele mit dem gleichen Nachdruck.
Die Übereinkommen von Helsinki verpflichten die Signatarstaaten, militärische
Bedrohungen und internationale Spannungen abzubauen, den Fortschritt zu
fördern und die Menschenrechte, die Grundfreiheiten und die Selbstbestimmung
der Völker zu achten.
Wir haben niemals mit einem ununterbrochenen Fortschritt gerechnet.
Vor allem das Verhalten der Sowjetunion hat die Prinzipien der Übereinkommen
von Helsinki mißachtet - innerhalb und außerhalb ihrer Grenzen.
Die
- 5 -

�Die sowjetische Invasion Afghanistans und die zunehmend brutale
Besetzung dieses einst freien Landes kann ebenso wenig mit den Verpflichtungen
von Helsinki wie mit der Charta der Vereinten Nationen vereinbart werden.
Für dsn Überfall auf einen Nachbarn steht die Sowjetunion vor der Welt als
verurteilt da - und die Welt hat den sofortigen und vollständigen Abzug
der sowjetischen Truppen gefordert.

Wenn sie zum Zeitpunkt der Madrider

Konferenz noch dort sein werden, dann werden wir weiterhin ihren Abzug
fordern.
Auch im eigenen Lande haben die sowjetischen Behörden ihre Unterdrückung der Freiheiten intensiviert, die zu fördern sie 1n Helsinki versprochen haben.
Die Verbannung von Andreij Sacharow, einem großen Wissenschaftler
und großen Humanisten, ins innere Exil ist der bekannteste aber leider
nicht der einzige Fall einer solchen Verletzung der Übereinkommen von
Helsinki,

über 40 mutige Männer und Frauen sind heute im Gefängnis oder

im Exil, weil sie in privaten Gruppen daran gearbeitet haben, die sowjetische
Regierung dazu zu bewegen, ihre Verpflichtungen von Helsinki zu erfüllen.
Sie sind zum Schweigen gebracht - aber in Madrid kann niemand ihre Sache
zum Schweigen bringen.
Die Madrider Konferenz wird eine nüchterne Konferenz sein. Es wird
offen und klar geredet werden - aber, so hoffen wir, auch ohne Polemik.
Wir streben nach Fortschritt, nicht nach Propaganda.

»
*

Natürlich gibt es auch einigen Fortschritt, den wir begrüßen können.
Einige vertrauensbildende Maßnahmen sind durchgeführt worden.

Die über-

einkommen von Helsinki haben dem langwierigen Prozeß des Abbaus der
Schranken zwischen Ost und West und der Erleichterung des Flusses von
Menschen und Ideen über einst geschlossene Grenzen hinweg Auftrieb gegeben.

So

sind beispielsweise im vorigen Jahr Tausende von Menschen aus

7 6 -

�aus osteuropäischen Ländern im Einklang mit den Verpflichtungen von
Helsinki nach dem Westen ausgewandert.

Es hat jüngst Anstrengungen einer

Reihe von Staaten gegeben, offene Fälle der Familienzusammenführung mit
den Vereinigten Staaten zu lösen, und wir begrüßen auch das.

Die Be-

stimmungen von Helsinki haben auch sowjetischen Juden zur Auswanderung
verholfen, obwohl die ermutigenden Rekordhöchststände, die 1979 erzielt
wurden, dieses Jahr nicht erreicht werden.

In Madrid werden wir eine

Erklärung für diesen Rückgang und eine Verpflichtung zum

Positiven ver-

langen.
Bei all diesen Fragen können wir in Madrid auf die Unterstützung
der großen Mehrheit der Teilnehmerstaaten rechnen.

Sie teilen mit uns

die Auffassungen über die internationalen Beziehungen, die den Absprachen
von Helsinki zugrunde liegen.

Ja, die Bemühungen um die Aushandlung

der Abkommen von Helsinki und nunmehr um die Garantie ihrer Durchführung
haben Westeuropa und die Vereinigten Staaten deutlicher denn jemals zuvor
die politischen und moralischen Werte und Interessen erkennen lassen,
die wir gemeinsam haben.

Zu einer Zeit, da häufig von westlicher Disharmonie

die Rede ist, kann das Folgetreffen von Madrid unserer Einigkeit über
fundamentale Werte und Zielsetzungen klaren Ausdruck verleihen.
Mit dieser Unterstützung können wir in Madrid die Ziele weiterverfolgen, denen wir uns in Helsinki verschrieben haben.
Wir wollen zu Fortschritten bei der Verwirklichung der Menschenrechte
seitens der Sowjetunion und ihrer Verbündeten ermutigen, und wir zögern
überhaupt nicht, in Madrid unsere eigene Bilanz den anderen zur Prüfung
vorzulegen.

Wir sind nicht perfekt, und wir sind mit Nachdruck und laufend

um Verbesserungen bemüht, weil die Wahrung und die Erweiterung der Menschenrechte Herz und Seele unseres gesamten Systems darstellen.
In

- 7 -

�In Madrid werden wir den KSZE-Prozeß nutzen, um noch mehr Schranken
gegenüber menschlichen Kontakten zwischen Ost und West niederzureißen
und um die Wiederzusammenführung von Familien sowie die Freizügigkeit, den
Fluß von Ideen und die LÖusng von Auswanderungsfragen zu fördern.
Als Teil eines ausgewogenen Ergebnisses werden wir versuchen, praktische
Fortschritte auf dem Gebiet der militärischen Sicherheit zu erreichen.

Das

Helsinki-Gremium sollte nicht in erster Linie zu einem Rüstungskontrollforum werden, aber die Vereinigten Staaten sind bereit, die Möglichkeit
zu prüfen, ob bedeutsame, verifizierbare und umfassende vertrauensbildende
Maßnahmen getroffen werden können, die zur Förderung der Sicherheit in
Europa beitragen.
Madrid bietet uns eine wichtige Gelegenheit, sowohl unseren echten
Wunsch nach besseren Ost-West-Beziehungen als auch unsere feste Ansicht
bezüglich der Grundsätze der Gegenseitigkeit und der beiderseitigen Zurückhaltung zu bekräftigen, auf denen sich praktisch durchführbare Bindungen
gründen müssen.
In Madrid wird es scharfe Gegensätze zwischen den Werten geben, die
wir hochhalten, und jenen, die die kommunistischen Länder zu fördern
versuchen. Wir werden jedoch nicht nach Madrid gehen, um Konflikte zu
suchen. Wir gehen vielmehr nach Madrid mit der Bereitschaft, Fortschritte
zu erzielen, und fühlen uns nur einem einzigen Wettstreit verpflichtet:
Dem Kampf um die Förderung der Freiheit und, durch Freiheit, der gegenseitigen Sicherheit.
Die Abkommen von Helsinki beinhalten für uns das Versprechen auf
ein freieres, humanereres und somit sichereres Europa - das nicht nur
auf einer Anpassung der Supermächte, sondern auf den fundamentalen
Grundsätzen des internationalen Verhaltens basiert.

- 8 -

Diese Prinzipien

�Prinzipien erfordern, daß die einzelnen Länder den Respekt ihrer Nachbarn
dadurch gewinnen, daß sie ihre Staatsbürger mit voller Achtung ihrer Rechte
und ihrer Würde als Einzelperson behandeln.
Mein eigenes Vertrauen in das letztliche Ergebnis dieses langen
Kampfes ist ungetrübt.
gezogen werden.

Die Rolle unseres Landes darf niemals in Zweifel

Um mit Archibald MacLeish zu sprechen:

"Es gibt Leute, die sagen werden, daß die menschliche Freiheit die Freiheit des Einzelnen und seines Geistes - nichts als ein Traum ist.
Und sie haben recht, es ist ein Traum. Es ist der amerikanische Traum."

+ + + + +

- 9 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. August 1980

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MUSKIE GIBT ÜBERBLICK ÜBER AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie hat
in einer längeren Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses einen Überblick über die Außenpolitik der Vereinigten Staaten gegeben.

In seinen Ausführungen am 30. Juli 1980 befaßte er sich dabei

in erster Linie mit der sowjetischen Invasion Afghanistans, mit den amerikanischen Geiseln in Teheran und mit den Bemühungen um einen Frieden im
Nahen Osten.
Die Ausführungen des amerikanischen Außenministers vor dem Ausschuß
haben folgenden Wortlaut:
Ich trete heute vor Sie mit der chronischen Beschwerde, daß ich in zu
kurzer Zeit über zu viele Dinge sprechen muß.
Das ist mir in den letzten zweieinhalb Monaten eigentlich immer passiert.
Heute möchte ich Sie mit meinen jüngsten Tätigkeiten, vor allem meine
jüngsten Gespräche im Ausland, vertraut machen.
Bevor

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�Bevor ich mich jedoch diesen Reisen zuwende, möchte ich einige Worte
zu drei Themen sagen, die diese Gespräche bestimmten:

die sowjetische Be-

setzung Afghanistans, die amerikanischen Geiseln im Iran und der Verhandlungsprozeß im Nahen Osten.
Zuerst zu Afghanistan:
Ich brauche nicht auf die Geschichte eingehen.
dere haben unsere Auffassung klar dargelegt:

Der Präsident und an-

Die sowjetische Invasion ist

nicht nur ein Angriff auf das Volk von Afghanistan, sondern sie ist auch ein
Angriff auf die fundamentalen Prinzipien der internationalen Ordnung und
des internationalen Wohl Verhaltens.

Sie stellt eine ernsthafte potentielle

Bedrohung für den Weltfrieden und lebenswichtige westliche Interessen im
Gebiet des Persischen Golfes dar.
Aus all diesen Gründen haben die Vereinigten Staaten fest reagiert.
Wir haben Restriktionen für Getreide-, Hochtechnologie- und Phosphatexporte
nach der Sowjetunion verhängt.

Wir boykottierten die Olympischen Spiele

in Moskau und haben mitgeholfen, 59 weitere Staaten davon zu überzeugen,
das gleiche zu tun. Wir sind für die weitverbreitete Verurteilung der
sowjetischen Invasion durch die internationale Gemeinschaft eingetreten und
haben uns ihr angeschlossen.

Wir haben den vollständigen Abzug der sowje-

tischen Streitkräfte aus Afghanistan und eine politische Lösung der Krise
gefordert.
Welches sollten die Elemente einer solchen politischen Lösung sein?
Nach unserer Auffassung sind vier Elemente wesentlich:

sofortiger und voll-

ständiger Abzug aller sowjetischen Streitkräfte; Nichteinmischung in die
inneren Angelegenheiten Afghanistans durch ausländische Mächte; eine für
das afghanische Volk akzeptable Regierung und schließlich ein unabhängiges
und blockfreies Afghanistan.

- 2 -

�Wir sind bereit, über Übergangsregelungen für die Wiederherstellung
des Friedens in Afghanistan zu sprechen.

Solche Vereinbarungen könnten

zusammen mit dem sofortigen Abzug der sowjetischen Truppen verwirklicht
werden.
Aber ich sehe keine Anzeichen, daß die Sowjetunion an irgend etwas
anderem interessiert wäre, als dieses Land in ihrem militärischen Griff
zu halten
Nach unserem Urteil bedeutet der im vorigen Monat verkündete
"Abzug" nur eine Redislozierung von Truppen - meist von Einheiten, die für
diese Art Krieg nicht geeignet sind. Auf die sowjetische Ankündigung erfolgten keinerlei Schritte, die darauf schließen ließen, daß die Sowjets
bereit wären, über eine politische Lösung zu sprechen. In den letzten Tage
scheinen sich die Kämpfe sogar verstärkt zu haben. Der Widerstand des
afghanischen Volkes wächst weiterhin.
Daher halten wir es für wesentlich, den Druck aufrechtzuerhalten,
mit den Sanktionen fortzufahren und der Sowjetunion für ihre Aggression
einen anhaltenden Preis aufzuerlegen.
Wir werden auch weiterhin andere Staaten zu einer standhaften Haltung
drängen.
Und wir werden fortfahren, Aufmerksamkeit und Unterstützung für die
Sicherheit von über einer Million afghanischer Flüchtlinge zu fordern, die
derzeit heimatlos in Pakistan und im Iran leben.
Im Iran tragen das noch immer andauernde Festhalten der amerikanischen
Geiseln und das anhaltende revolutionäre Chaos zusätzlich zur Instabilität
der Region bei und verlängern die Krise zwischen unseren beiden Ländern.
Die Führung des Iran wird durch diese

hausgemachte Krise davon abgelenkt,

sich mit. den wirklichen Bedrohungen seiner Unabhängigkeit und Sicherheit
ausei nanderzusetzen.

Zu

�Zu diesem Zeitpunkt können wir einfach noch nicht vorhersagen, welche
Wirkung - wenn überhaupt eine - der kürzliche Tod des Schah auf die Lage
haben könnte, auch wenn iranische Persönlichkeiten in Führungspositionen
sagen, daß dies keinen Einfluß auf ihre Entscheidung hinsichtlich der Freilassung der Geiseln haben wird.
Wir drängen über alle uns offenen Wege auch weiterhin auf eine baldige
Freilassung der Geiseln.

Und wir erlegen auch weiterhin wirtschaftliche

Sanktionen auf, die dem Zweck dienen, den Führungspersonen des Iran die
Kosten klarzumachen, die diese Krise für ihre ureigensten Interessen mit
sich bringt.

Die meisten der wichtigsten Handelspartner des Iran haben in

großem Maß eine Politik der Isolierung des Iran unterstützt.
Gleichzeitig haben wir klarqestellt, daß wir und die Welt bereit sind,
uns auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts mit dem Iran auseinanderzusetzen, sobald unsere Geiseln erst einmal freigelassen sind,

Es ist das

Festhalten der Geiseln, was den Iran daran hindert, sich besserer Beziehungen zu seiner Mitwelt zu erfreuen.
nisiert sich.

Das neue iranische Parlament orga-

Es gibt etwas Hoffnung, daß die Aussicht auf Freilassung

der Geiseln sich verbessern wird, wenn der interne Machtkampf innerhalb
des Iran einigermaßen entschieden ist. Jetzt und in den kommenden Wochen
werden wir alle diplomatische Quellen nützen, um die iranischen Führer zu
drängen, die Krise zu beenden.
Ich wünschte, ich könnte davon berichten, daß die kürzliche Freilassung
von Richard Queen zugleich vielversprechendere Folgerungen für die anderen
52 Geiseln habe.
tionen anstellen.

In der Tat können wir jedoch ganz einfach keine SpekulaWir sind ermutigt dadurch, daß die iranischen Autoritäten

Mitleid mit dem Leiden einer Geisel zeigten: wir hoffen, daß sie die fundamentale menschliche Dimension der ganzen Lage erkennen und rasch zur Freilassung der verbleibenden 52 schreiten.
Die iranischen Führer haben gesagt, sie hätten keinen Streit mit dem
amerikanischen Volk. Aber sie müssen einsehen , daß es gerade das ameri-

�amerikanische Volk ist, das die Freilassung der Geiseln fordert, solange
diese festgehalten werden.

Es sind Menschen wie Richard Queen und seine

Familie, die gelitten haben und die ihrer Freude Ausdruck geben werden,
wenn die Krise vorüber ist.
Ein dritter Bereich anhaltender Sorge, Herr Vorsitzender, ist der Nahe
Osten.

Die Camp David-Vereinbarungen von 1978 stellen einen historischen

Schritt in Richtung auf den Frieden dar.

Der Vertrag zwischen Ägypten und

Israel trägt auch weiterhin Früchte; er hat die Gefahr eines Krieges im
Nahen Osten vermindert.
Wie wir erwartet haben, haben sich die Verhandlungen hinsichtlich der
Autonomie für die Bewohner der West Bank und des Gaza-Streifens als schwierig und komplex erwiesen.
Aber es gibt Zeichen der Hoffnung.

Unsere Verhandlungsdelegation

hat sich in der Region aufgehalten und hat sich mit Israelis und Ägyptern
in intensiven Gesprächen über rechtliche, wirtschaftliche Themen und Probleme der Sicherheit sowie über die groben Umrisse
halten.

eines Abkommens unter-

Bei diesen Gesprächen haben beide Seiten eine neue Ernsthaftigkeit

ihrer Zielsetzung und die Bereitwilligkeit gezeigt, zu erwägen, wie man an
die schwierigen noch verbliebenen Probleme in neuer Weise herangehen kann.
Wenn die Gespräche in dieser positiven Weise weitergehen, dann erwarten
wir, daß die Leiter der Delegationen erneut mit Botschafter Linowitz etwa
Mitte August zusammentreffen werden.

Wir werden in den kommenden Monaten

weiterhin alles in unseren Kräften stehende tun, um ein Abkommen über die
Autonomie für die Bewohner der West Bank und des Gaza-Streifens zustandezubringen:

ein Abkommen, das die Sicherheitsbelange Israels voll berücksich-

tigen, das aber auch zu einem bedeutsamen und echten Wandel in der Situation
der Palästinenser führen muß.
In

- 5 -

�In unserem Bemühen, reale Verhandlungschancen zu fördern, werden wir
fest in unserer Haltung gegen einseitige Resolutionen über den Nahen Osten
in den Vereinten Nationen bleiben, wie gegenüber der einen soeben auf der
Sondersitzung der Vollversammlung vorgebrachten.
unausgewogen,
für eine

Diese Resolution war völlig

Sie berücksichtigte nicht die Resolution 242 als die Grundlage

Friedenslösung.

Sie anerkannte auch nicht das Existenzrecht Israels.

Wir stimmten gegen sie und waren erfreut, daß eine beträchtliche Zahl anderer
Mitglieder der Auffassung waren, sie könnten diese Resolution nicht unterstützen.

Solche Versuche werden uns dem Frieden nicht näher bringen.

Noch ein anderer Grundsatz gilt eindeutig für unsere Verhandlungsbemühungen.

Es ist der folgende:

Während die Verhandlungen geführt werden,

müssen alle Parteien einseitige Aktionen vermeiden, die dazu bestimmt sind,
den Ausgang der Verhandlungen zu präjudizieren, oder die bewirken könnten,
die Atmosphäre für erfolgreiche Verhandlungen zu verschlechtern.

Verhand-

lungen können nie zum Erfolg führen, wenn einer der Partner am Verhandlungstisch versucht, gleichzeitig einseitige Erfolge auf dem Terrain zu erzielen.
Sollten die Partner zu keinem Erfolg gelangen oder sollte der Prozeß
von Camp David durch mißgeleitete Interventionen zum Scheitern kommen,
dann könnte dies allerdings sehr ernsthafte Folgen haben.

Denn die Inter-

essen der gesamten Welt sind im Nahen Osten zutiefst engagiert.

Ein andau-

ernder Konflikt in dieser Region bedroht diese Interessen, gefährdet die Zukunft unserer Freunde in dieser Region, bringt die Gefahr einer Intervention
durch auswärtige Mächte - und gefährdet den Frieden der Welt.
Ich beginne mit der Erwähnung dieser drei gefährlichen Situationen,
Herr Vorsitzender, weil sie bei vielen meiner in jüngster Zeit geführten
außenpolitischen Diskussionen - und auch bei denen des Präsidenten - hier wie
im Ausland den Hintergrund gebildet haben.
Afghanistan, beispielsweise, war eindeutig das vordringlichste politische
Thema auf der Tagesordnung bei dem jüngsten Gipfeltreffen in Venedig. Ich

- 6 -

�Ich möchte kurz über das Treffen in Venedig - und über die anschließenden
Diskussionen in Ankara, wo die NATO-Minister zusammenkamen, berichten; ferner in K'a"!- Lumpur, wo ich mit den Außenministern der ASEAN-Staaten zusammentraf, und in Tokio, wo Präsident Carter dem verstorbenen Ministerpräsidenten Ohira die letzten Ehren erwies und mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Hua Guofeng zusammenkam.
Die Ergebnisse des Gipfeltreffens von Venedig, denen in der Öffentlichkeit am meisten Aufmerksamkeit zuteil wurde, waren die von den Staatschefs abgegebenen gemeinsamen Erklärungen zur Wirtschafts- und Energiesituation; und in der Tat haben Wirtschafts- und Energiefragen zwei der drei Gesprächsabschnitte des Gipfels beansprucht.
Die Ei&gt; r g«

hc+. in der Tat über 7 5 Prozent der Tagesordnung der Wirt-

schaftsgespräche eingenommen.

Das Resultat der Diskussion war ein klares,

starkes und un \vt.ide'jtiges Übereinkommen auf Seiten der großen Industriestaaten, bestimmte Ziele einzeln und im Verein zu verfolgen.

Die Staatschefs

kamen überein, auf eine beträchtliche Verringerung in ihrer Abhängigkeit
von ausländischem öl - innerneu o dieses Jahrzehnts - hinzuarbeiten; auf große
Energiecinsparungsanstrengungen zu drängen und wo möglich andere

Energie-

quellen als das öl zu nutzen - Kohle, Kernenergie, synthetische und erneuerbare Energiequellen.
Die Gespräche i" Venedig beschäftigten sich auch mit anderen Wirtschaftsfragen - vor allem r '~. der Inflation, !em Devisenmarkt v^ den schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemen der weniger entwickelten Länder.
Ich will nicht den Versuch unternenmen, das zu wiederholen, was bereits
in den Kommuniques gesagt worden ist.

Lassen Sie mich lediglich unterstreichen,

was wir als die wesentliche Leistung dieser Wirtschaftsgespräche ansehen.
Erstens stellen sie einen Neubeginn dar - eine konzertierte Anstrengung der
Industriestaaten zur gemeinsamen Analyse ihrer wirtschaftlichen Probleme und
zur Erstellung gemeinsamer Ziele zu deren Lösung.

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Zweitens sind die Kommu-

�Kommuniques in Einklang mit unseren eigenen Energie- und Wirtschaftspolitiken, ja, sie verstärken sie sogar.
Die politischen Gespräche in Venedig waren von einer ähnlichen Einheitlichkeit gekennzeichnet. Am Vorabend des Gipfeltreffens kündigten die Sowjets
ihren beabsichtigten Truppenabzug an.
war standhaft.

Die westliche Antwort kam rasch und

Die Führer forderten die Sowjetunion zu einem vollständigen,

nicht nur kosmetischen Abzug auf, falls sie wünschte, den durch die afghanische

Invasion hervorgerufenen Bruch zu heilen.

Lassen Sie mich kurz einen anderen Aspekt des Gipfeltreffens in Venedig
aufgreifen, der für die Vereinigten Staaten von großer Bedeutung war: die
Initiative der Europäischen Gemeinschaft zum Nahen Osten.
Die Vereinigten Staaten haben vor, während und nach den Treffen in
Venedig, hart daran gearbeitet, einen Punkt klarzustellen:

daß wir Initia-

tiven begrüßen, die den Camp David-Prozeß unterstützen - und daß wir nachdrücklich von Initiativen abraten, die diesen Prozeß untergraben könnten.
Nach Klarstellung dieses Punktes habe ich die Erklärung des italienischen
Premierministers Cossiga begrüßt, wonach die Europäische Gemeinschaft den
Camp David-Prozeß unterstützen möchte,.
Vorige Woche entschlossen sich die neun europäischen Außenminister,
den Außenminister von Luxemburg, Herrn Thorn, darum zu ersuchen, eine
Erkundungsmission in den Nahen Osten zu unternehmen. Wir gehen davon aus,
daß es sich um eine Mission handelt, die Tatsachen zusammenträgt, die die
Europäische Gemeinschaft in die Lage versetzen, sich ein klareres Bild davon zu machen, was man im Nahen Osten über den Friedensprozeß denkt.
Während diese Erkundung ihren Lauf nimmt, bleibt die Position der Vereinigten Staaten auch weiterhin klar und beständig:

wir sind der Meinung,

daß die Anstrengung der Europäer höchst konstruktiv sein wird, solange sie

- 8 -

�sie auf den laufenden Verhandlungen aufbaut.
ligung an diesen Verhandlungen begrüßen.

Wir würden eine größere Betei-

Aber wir glauben, daß es ein

schwerer Fehler wäre, eine Lösung zu ermutigen, die nicht ausgehandelt werden kann, oder die zentrale Tatsache zu ignorieren, daß die komplexen politischen Verhältnisse bereits in autonomen Verhandlungen in Angriff genommen
werden.
Gleich nach dem Gipfeltreffen in Venedig flog ich nach Ankara zum Ministertreffen des Nordatlantikrates - das erste Treffen dieser Art in der
Türkei seit 1960.
In Ankara unterstrich ich so nachdrücklich wie möglich die Bedeutung
der Schritte unserer Verbündeten für unser gemeinsames Ziel der Abschreckung
weiterer sowjetischer Aggression. Nach einer äußerst freimütigen Diskussion
einigten sich die Minister auf ein standhaftes, Afghanistan betreffendes
Kommunique, das auf der Erklärung von Venedig aufbaute.
Ich nützte meine Anwesenheit in Ankara zu einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Demirel und dem griechischen Außenminister
Mitsotakis.

Ich unterstrich ihnen gegenüber die Bedeutung der Stärkung des

südöstlichen Flügels der NATO; daß es zur Erreichung dieses Zieles nötig
sei, daß Griechenland seine aktive Teilnahme an der NATO wiederaufnimmt und
daß Griechenland und die Türkei weiter an der Lösung ihrer Gegensätze arbeiten.

Sie wiederum betonten erneut ihre Verpflichtung, auf diese Ziele hinzu-

wirken - und nach dem NATO-Ministertreffen führten der türkische und der
griechische Außenminister längere Gespräche, die, soweit ich hörte, recht
positiv verlaufen sind.
Nach dem Abflug von Ankara reiste ich um die halbe Welt nach Kuala Lumpur.
Dort traf ich die Außenminister der ASEAN-Staaten - Thailands, Malaysias,
Singapurs, Indonesiens und der Philippinen, sowie mehrerer anderer Staaten,
die den Dialog mit ASEAN unterstützen - Australien, Neuseeland, Kanada und
Japan.
Diese
- 9 -

�Diese Gespräche fanden angesichts des vietnamesischen Angriffs über die
thailändische Grenze hinweg statt - eines Angriffs, den wir zutiefst verurteilen.

Ich kündigte in Kuala Lumpur eine Reihe konkreter Schritte zur Stär-

kung der thailändischen Verteidigung an.

Diese beinhalten zwei Millionen

Dollar Soforthilfe, beschleunigte Lieferung von Panzern und anderen Waffen
sowie verbesserte Kreditbedingungen für Thailand.
Die zehn Außenminister veröffentlichten in Kuala Lumpur außerdem ein
gemeinsames Ersuchen an Generalsekretär Waldheim, um das Prestige seines
Amtes einzusetzen, damit die Nahrungsmittel lieferungen zur Unterstützung
Tausender verzweifelter kambodschanischer Flüchtlinge entlang der thailändischen Grenze wieder aufgenommen werden.

Ich bestätigte erneut unsere Ab-

sicht, nach Konsultationen mit dem Kongreß im Haushaltsjahr 1981

168 000

Flüchtlinge aus Südostasien aufzunehmen und so mitzuhelfen, die gewaltige
Last etwas zu vermindern, die die ASEAN-Staaten als erste Zufluchtstätte
tragen.
Der Besuch in Kuala Lumpur verwirklichte mehrere Absichten.

Er unter-

strich die Bedeutung, die wir unseren Beziehungen zu Asien beimessen.
stärkte unsere wachsende Beziehung zu ASEAN.

Er

Und er demonstrierte Hanoi

und Moskau unsere fortgesetzte Unterstützung der Unabhängigkeit und Integrität des nicht-kommunistischen Südostasiens.
Am 29. Juni kehrte ich von Kuala Lumpur nach Hause zurück. Am 9. Juli
reiste ich erneut in den pazifischen Raum, um Präsident Carter nach Tokio
zum Begräbnis von Präsident Ohira zu begleiten.
Mit Rücksicht auf Japans offizielle Trauer wurden keine Gespräche mit
den Japanern anberaumt.

Doch glaube ich, daß der lebendige Ausdruck unseres

Respekts für Ministerpräsident Ohira und für unsere Freundschaft zu Japan
durch den Präsidenten eine äußerst günstige Atmosphäre des guten Willens in
unseren Beziehungen geschaffen hat.
In
- 10 -

�In Tokio traf Präsident Carter zum ersten Mal mit dem Ministerpräsidenten
der Volksrepublik China, Hua Guofeng, zusammen.
drucksvolle Weise entspannt und herzlich.

Dieses Treffen war auf ein-

Es bestätigte, daß die strate-

gischen Ansichten unserer beiden Länder an mehreren wichtigen Punkten übereinstimmen.

Wir sind beispielsweise einer Meinung hinsichtlich der Bedeu-

tung der Unterstützung von Staaten, die durch Aggression an ihren Grenzen
unter Druck gesetzt werden, wie etwa Thailand und Pakistan.

Und wir sind

einer Meinung darüber, daß die chinesisch-amerikanischen Beziehungen gute
Fortschritte machen.
Die Treffen, die ich beschrieben habe, unterschieden sich in vieler
Hinsicht, Herr Vorsitzender.

Aber zusammenfassend glaube ich, einige ge-

meinsame Nenner zu finden.
Erstens:

obwohl es ohne Frage unterschiedliche Auffassungen zwischen

uns und unseren Freunden und Verbündeten über die Art und Weise der Reaktion
gibt, so habe ich doch eine eindrucksvolle Übereinstimmung auf beiden Seiten
der Erde hinsichtlich eines Punktes gefunden:

daß die Sowjetunion Kräfte

und Ereignisse in Bewegung gesetzt hat, die die Weltstabilität bedrohen,
die eine Gefahr für die Interessen und die Sicherheit freier und unabhängiger Staaten sind - und denen es sich zu widersetzen gilt.

Ich glaube, es

gelang mir, meinen Kollegen unsere Absicht deutlich zu machen, uns unserer
Verantwortung zu stellen, und wie wichtig es ist, daß sie ihr Teil beitragen.
Zweitens: auf beiden Seiten der Welt habe ich eindrucksvolle Unterstützung für die Ansichten und Positionen der Vereinigten Staaten gefunden.
Das Zeitalter der Einheit im Gleichschritt zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren Verbündeten ist vorbei - das ist sicher. Die verstärkte wirtschaftliche und politische Macht der anderen Industriestaaten und die Wahrnehmung
ihrer eigenen Interessen machen dies unvermeidlich. Die gegenwärtige Lage
aber als "Verwirrung" oder "Uneinigkeit" zu beschreiben, würde bedeuten, den
wirklichen Zustand unserer Beziehungen völlig zu verkennen. Unter dem Strich
stehen nach Venedig und Ankara und den anderen erwähnten Treffen gegenseitiger

- 11 -

�gegenseitiger Respekt und Kooperation.

Darüber sollte es keine Zweifel geben.

Lassen Sie mich damit schließen, Herr Vorsitzender, daß ich mich von
den speziellen Themen und Ereignissen ab- und der Diskussion zweier allgemeinerer Probleme zuwende: dem Zustand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und dem Zustand unserer bedeutendsten kooperativen Struktur, des NATOBündnisses.
Daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
äußerst angespannt sind, kann nicht geleugnet werden.

Und daß diese Spannung

zum großen Teil durch das sowjetische Verhalten hervorgerufen wurde, ist
ebenfalls nicht zu leugnen.
Was bedeutet diese derzeitige Spannung für die Zukunft?

Lassen Sie mich

kurz einige Punkte aufführen.
Die Beziehung zwischen den beiden Großmächten hat den wohl entscheidendsten
Einfluß auf den Frieden in der Welt. Daher bleibt eine stabile, ausgewogene
Beziehung zwischen unserem Land und der Sowjetunion unser Ziel.
Wir bleiben auch weiterhin an einer Verminderung der Spannung und der
sich ausweitenden Zusammenarbeit mit der Sowjetunion interessiert. Wie aber
der Präsident letztes Frühjahr in Philadelphia sagte: "Entspannung muß aufbauen auf einer stabilen Grundlage der Abschreckung". Die Sowjets müssen begreifen, daß sie nicht rücksichtslos den Weltfrieden bedrohen können, daß sie
keine Aggression begehen und dennoch sich der Vorteile der Zusammenarbeit
mit den Vereinigten Staaten und dem Westen erfreuen können.
Sie müssen begreifen, daß die Invasion Afghanistans eine tiefgreifend
negative Auswirkung auf die öffentliche Meinung der Welt - einschließlich
Amerikas - hatte.
Lassen Sie mich nach dieser Feststellung klarmachen, daß der Weg zu besseren Beziehungen offen steht, wenn die Sowjets ihr Verhalten ändern.
- 12 -

Diesen

�Diesen Wag ziehen wir eindeutig vor.

Wir sind bereit, die Sowjetunion als

eine große Weltmacht mit eigenen legitimen Interessen zu akzeptieren.

Wir

haben ke&gt;n Interesse an einem unversöhnlichen kalten Krieg, in dem die
Sowjetunion für alle Instabilitäten der Welt verantwortlich gemacht wird.
Wir wissen sehr wohl, daß die Welt für solche simplen Vorstellungen zu kompliziert ist.
Aber wir werden darauf beharren, daß Moskau die legitimen Interessen anderer Nationen respektiert und daß es seinen eigenen Vorteil nicht auf eine
Weise verfolgt, die das Gewebe des Weltfriedens bedroht.
».

Kurz gesagt, wir streben nach Verhandlungen und besseren Beziehungen
zur Sowjetunion. Aber wir haben nicht die Absicht, unsere Interessen, unseren
gesunden Menschen.erstand und unsere langfristigen Friedensaussichten im
Namen der Entspannung zu opfern.
Diese Haltung wird ganz deutlich in unserer Einstellung zu einer akuten
Ost-West-Frage:

die Frage der nuklearen Raketensysteme in Europa.

Im Dezember vorigen Jahres haben die NATO-Verbündeten, wie Sie wissen,
den Beschluß gefaßt, in einem zweigleisigen Verfahren das militärische Ungleichgewicht in Europa, das durch die sowjetische Aufrüstung mit SS-20-Raketen und Backfire-Bombern hervorgerufen wurde, anzupacken.
Das erste Verfahren besteht darin, die NATO-Streitkräfte mit Pershing
II-Raketen und Boden-LuFt-Marschflugkörpern aufzurüsten, und dieser Beschluß
ist in der Durchführung.
Das zweite Verfahren besteht im Streben nach Verhandlungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion im Zusammenhang mit SALT III-Verhandlungen über eine Begrenzung landgestützter Fernraketen.
Im vorigen Monat verzichteten die Sowjets auf ihre Forderung, daß solche Gespräche nicht stattfinden könnten, bevor die NATO ihre Modernisierungs- 13 -

�Modernisierungspläne eingestellt oder aufgegeben habe.

Wir und unsere Ver-

bündeten betrachten dies als einen Erfolg unserer zweifachen Verpflichtung,
ein stabiles militärisches Gleichgewicht und gleichzeitige Rüstungsbegrenzungen anzustreben.
Wir bereiten uns jetzt auf diesen ersten Gedankenaustausch vor.

Wir

werden uns eng mit unseren Verbündeten konsultieren, ehe wir mit den Sowjets
zusammenkommen.

Wenn SALT II ratifiziert sein wird - ein Ziel, dem wir fest

verpflichtet bleiben - kann dieser erste Gedankenaustausch zu formellen Verhandlungen und, wie wir hoffen, zu einer echten Begrenzung der TNF im Rahmen
von SALT III führen.
Wir sind der Überzeugung, daß die Klugheit unserer Politik - einer Politik der Festigkeit und der Bereitschaft zu kooperativen Vereinbarungen durch die Ereignisse bestätigt worden ist.
Es ist wichtig, sich darüber klar zu werden, daß dies auch die Grundeinstellung unserer Verbündeten ist.

Die Sowjetunion würde einen großen

Fehler machen, wenn sie glaubte, daß sie uns in grundlegenden Fragen von
unseren Verbündeten trennen könnte.

Die Ergebnisse von Venedig und Ankara

machen das ganz deutlich - und die Erklärungen von Bundeskanzler Schmidt bei
seinem Besuch in Moskau bekräftigten diesen Punkt.
Lassen Sie mich ganz offen reden.

Wir und unsere Verbündeten haben

vor einigen Monaten eine schwierige Periode durchgemacht.

Wir stießen auf

Schwierigkeiten, weil wir vor einer beispiellosen Situation standen.

Die

sowjetische Invasion Afghanistans war eine Herausforderung unserer gemeinsamen
Interessen, wenn auch nicht unseres kollektiven Territoriums.

Und wir such-

ten nach Wegen, um eine gemeinsame Antwort auf diese neue Herausforderung
zu finden, und dabei entstanden Differenzen zwischen uns.
Wir haben diese Schwierigkeiten überwunden.

In Venedig und Ankara zeig-

ten die Verbündeten sich als fähig, gemeinsam zu handeln und zu sprechen.

- 14 -

Wir

�Wir signalisierten den Sowjets, daß wir es mit Afghanistan ernst meinen und mit der weitergehenden Frage der Einhaltung der Regeln des internationalen Verhaltens.
Heute stehen die Verbündeten in Fragen des Interesses zusammen, das
jenseits der Grenzen des Vertragsgebietes liegt.
Und sicherlich stehen wir zusammen, wenn es zur Verteidigung dieses
Gebietes kommt.

Die Verpflichtungen der NATO in den letzten Jahren sind ein

deutlicher Beweis dafür:

das Langfristige Verteidigungsprogramm; die gemein-

same Verpflichtung zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben um real drei Prozent pro Jahr; die Entscheidung vom Dezember vorigen Jahres, das TNF-Gleichgewicht in Europa durch die Dislozierung neuer Raketen und durch Verhandlungen über eine Begrenzung der Raketenstreitkräfte wiederherzustellen.
Es wird ein zentrales Problem bleiben, die Sowjets daran zu hindern,
unser Bündnis zu spalten - und der verführerischen aber gefährlichen Illusion
zu widerstehen, daß Europa eine stabile Insel der Entspannung bleiben könne,
während die Sowjets anderswo gefährliche Situationen schaffen. Um mit diesem Problem fertig zu werden, wird es einer nachhaltigen und subtilen Diplomatie bedürfen; es wird vom amerikanischen Volk Geduld und Klugheit verlangen.
Aber wir sind auf dem richtigen Wege.
Diese Regierung, Herr Vorsitzender, hat sich einer Außenpolitik verschrieben, die gleichzeitig stark und großzügig ist.
Wir verfolgen das ehrgeizigste militärische Programm seit zwei Jahrzehnten.

Aber wir werden uns dagegen wehren, in einen Kreis neuerlichen Wett-

rüstens eingeschlossen zu werden - denn ein ungezügeltes Wettrüsten würde
Amerika im eigenen Lande bedrohen, ohne unsere Sicherheit zu erhöhen.
Wir
- 15 -

�Wir arbeiten mit unseren Verbündeten in einer Atmosphäre gegenseitiger
Anhörung und Unterstützung zusammen.

Aber wir lehnen die Illusion ab, daß

wir zu der Art von Vorherrschaft zurückkehren könnten - oder sollten - derer
wir uns erfreuten, als sich unsere Verbündeten noch vom Zweiten Weltkrieg
erholten.
Wir wenden uns nachdrücklich gegen sowjetisches Abenteurertum.

Aber

wir haben kein Interesse an einer Politik sturer Feindseligkeit, die hinter
jedem dritten Stein in der Welt einen Russen sieht.
Und schließlich, Herr Vorsitzender, arbeiten wir daran, Frieden und Stabilität aufzubauen - in Afrika, im Nahen Osten, in Mittelamerika und in anderen Unruhegebieten.
In jedem dieser Gebiete haben wir das Verständnis und die Zusammenarbeit
dieses Ausschusses gefunden und, Herr Vorsitzender, Ihre Unterstützung für
die Mittel, die für den Erfolg notwendig sind.
Wir begrüßen diese anhaltende Unterstützung, denn ich bin, Herr Vorsitzender, überzeugt, daß wir die beste Politik für heute und für das kommende Jahrzehnt machen.

Und ich bin überzeugt, daß diese Politik der Aus-

druck der Meinung und des Willens, des Realismus und des gesunden Menschenverstandes der großen Mehrheit des amerikanischen Volkes ist.

- 16 -

�Information

vO

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

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6. August 1980

GEMEINSCHAFTSPROJEKT: SYNTHESEBRENNSTOFF-PRODUKTION
Abkommen zwischen Bundesrepublik, Japan und USA in Washington
unterzeichnet

WASHINGTON - (AD) - Die Regierungen und einige Firmen der Länder Bundesrepublik, Japan und Vereinigten Staaten sind an dem Gemeinschaftsprojekt zur
Herstellung synthetischer Flüssigbrennstoffe aus Kohle beteiligt, zu dem
am 31. Juli 1980 in Washington im Rahmen einer Zeremonie im Weißen Haus die
endgültige Vereinbarung von Präsident Carter, dem deutschen Botschafter
Peter Hermes und dem japanischen Botschafter Yoshiro Okawara unterzeichnet
wurde.

Das erste internationale Programm für diesen Bereich der Technik

sieht den Bau einer Demonstrationsanlage zur Kohleverflüssigung in Morgantown
(West-Virginia) vor, die 1984 in Betrieb genommen werden soll.
werden mit 1,4 Milliarden Dollar veranschlagt.

Die Kosten

Bei einem Tagesdurchsatz von

6000 Tonnen Kohle von hohem Schwefel- und Aschegehalt will man pro Tag
20 000 Faß Syntheseöl erzeugen.

Das Produkt eignet sich u.a. zur Gewinnung

von Benzin, leichtem Heizöl und Kesselheizöl.

Die Firmen Gulf Oil Corpo-

ration (USA), Ruhrkohle AG und VEBA (Bundesrepublik) sowie Japan SRC, Inc.
(ursprünglich vertreten durch das japanische Unternehmen Mitsui) sind die
industriellen Partner des Projekts.
Es

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�Es gilt als ein wichtiger Schritt der drei Länder, um ihre starke
Abhängigkeit von Importöl abzubauen, und den auf den Wirtschaftsgipfelkonferenzen von Tokio und Venedig eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen.

Gleichzeitig werden sich durch die Zusammenarbeit neue Impulse

zur Intensivierung der Handelsbeziehungen der drei Staaten ergeben.

Das

in Morgantown demonstrierte Verfahren dürfte von Japan und der Bundesrepublik auch in eigenen Verflüssigungsanlagen für Kohle angewandt werden.
Die Bundesrepublik Deutschland und Japan übernehmen je ein Viertel
der Kosten.

Die Gulf Oil Corporation, die bereits im Stadium von Pilot-

projekten über ihre Tochtergesellschaft "Pittsburg and Midway Coal Mining
Company" das Verflüssigungsverfahren erprobte, wird eng mit den deutschen
und japanischen Firmen zusammenarbeiten und 100 Millionen Dollar zum Bau
und Betrieb der Anlage beisteuern.

Die restlichen Kosten für das Projekt

selbst und die einschlägigen Forschungsarbeiten, d.h. etwa 43 Prozent des
1,4 Milliarden-Dollar-Programms, übernimmt das US-Energie-Ministerium.
Im Werk Morgantown kommt als SRC-Prozeß (Abkürzung von "Solvent
Refined Coal") ein Verfahren zur Anwendung, das die direkte Kohleverflüssigung unter Vermeidung des Umwegs über die Kohlevergasung ermöglicht.
Pittsburg &amp; Midway leisteten bereits Anfang der sechziger Jahre Pionierarbeit auf diesem Gebiet und haben die Methode seitdem mit finanzieller
Unterstützung durch die US-Regierung ständig weiter verbessert. Die erste
Versuchsanlage wurde 1965 in Merriam (Kansas) in Betrieb genommen; seit
1974 arbeitet eine Pilotanlage mit einem Kohledurchsatz von 50 Tonnen pro
Tag in Fort Lewis bei Tacoma (Bundesstaat Washington).
Das SRC-Verfahren zeichnet sich dadurch aus, daß es nicht nur wirtschaftlicher ist als die Mehrzahl der bisher entwickelten Hydrierprozesse,
sondern auch die Umwandlung hoch schwefel- und aschehaltiger Kohle zuläßt.
Bei den älteren Verfahren bereiten diese Beimengungen erhebliche Schwierigkeiten. Beim SRC-Prozeß werden in einer Reaktorkammer, dem sog. Dissolver,
bei hoher Temperatur und unter hohem Druck auf direktem Wege flüssige

- 2 -

�flüssige Brennstoffe erzeugt.

Dabei entstehen Kohlenwasserstoffe verschie-

dener Viskosität und Flüchtigkeit - vom Heizöl bis zum Methan.

Der in der

Kohle enthaltene Schwefel wird größtenteils in Schwefelwasserstoff umgewandelt, der leicht abzuscheiden ist. Das SRC-Verfahren ist so angelegt, daß
es Lösungsmittel, Katalysator und Wasserstoff, die dafür benötigt werden,
selbst produziert.
Wie Robert Hänfling vom US-Energieministerium erklärte, zählt der SRCProzeß zu den relativ umweltschonenden Verfahren der Kohleumwandlung. Das
Hydrierwerk emittiert nur einen Bruchteil dessen an Schwefeldioxid und
Kohlendioxid, was Anlagen abgeben, die Kohle verbrennen. Stoffe, die während des SRC-Prozesses entstehen, können zurückgeführt oder am Standort
des Werks beseitigt werden.
16 Elektrizitätswerke haben sich bisher bereit erklärt, als Teil eines
Forschungs- und Entwicklungsprogramms SRC-Produkte vom Werk Morgantown abzunehmen und einen Aufschlag von zwei Dollar zum Weltmarktölpreis zu bezahlen.

Das Firmenkonsortium für Morgantown beabsichtigt, sofern sich in den

ersten zwei Betriebsjahren keine besonderen Schwierigkeiten ergeben, das
Hydrierwerk auf eine Kapazität von 30 000 Tonnen Kohledurchsatz pro Tag zu
erweitern.

Die Produktion im großtechnischen Ausmaß könnte, so Hänfling,

wahrscheinlich 1989 beginnen.

Der Tagesausstoß einer solchen Anlage ent-

spräche etwa dem einer Erdölraffinerie mit 100 000 Faß pro Tag; eine Produktionskapazität dieser Größenordnung würde ausreichen, um pro Jahr bis
zu 35 Millionen Faß Importöl zu ersetzen.

- 3 -

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3

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

36

6. August 1980

BILLIGERES VERFAHREN ZUR ABSCHEIDUNG VON STAUB

- (AD) - Ein neues, kostengünstigeres Verfahren zur Entstaubung der
Abluft kohlebefeuerter Heizkessel in der Industrie wurde von der amerikanischen Firma General Motors Corporation entwickelt.

Wie ein Sprecher des

Unternehmens bekanntgab, wird die neue SpezialVorrichtung, ein sogenannter
Seitenstrom-Separator, mit den heute üblichen mechanischen Staubsammlern
an Kesseln mit Stokerfeuerung gekoppelt.

Dadurch wird es möglich, aus der

Abluft Staubteilchen auszufiltern, die kleiner sind als 10 Micron (1/100 mm),
Der Kostenaufwand für den Einbau einer solchen Anlage ist um 30 bis 60 Prozent geringer als bei anderen Vorrichtungen für die Emissionskontrolle
- beispielsweise bei der Verwendung elektrostatischer Staubabscheider oder
verschiedener anderer Systeme.
Die General Motors Corp., deren Ingenieure den Seitenstrom-Separator
ursprünglich zur Anwendung in ihren Karosserie-Werken entwickelt hatten,
erklärten sich bereit, das Verfahren dem US-Bundesamt für Umweltschutz
(EPA) und interessierten amerikanischen Firmen, die Kessel mit Stokerfeuerung verwenden, kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen hofft,
auf diese Weise dazu beitragen zu können, daß in der Industrie die Umstellung von öl- auf Kohlefeuerung beschleunigt vorgenommen wird. Gegenwärtig
sind in den Vereinigten Staaten etwa 7500 kohlebefeuerte Kesselanlagen, davon 4800 mit Stokerfeueruno.. in Betrieb.
Postfach 2 0 0 3 OO
D 5 3 0 0 Bonn 2

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: Sowjets haben Prinzipien von Helsinki mißachtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen zum 5. Jahrestag der Unterzeichnung der Schlußakte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Muskie gibt Überblick über amerikanische Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuß -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinschaftsprojekt: Synthesebrennstoff-Produktion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Abkommen zwischen Bundesrepublik, Japan und USA in Washington unterzeichnet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Billigeres Verfahren zur Abscheidung von Staub</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
6. August 1997

15

USA-DEUTSCHLAND

BESUCH VON BUNDESPRÄSIDENT HERZOG
IN DEN USA
Erklärung des Weißen Hauses

ABSCHIEDSREDE
von J.D. Bindenagel

NATO

COHEN ERÖRTERT GRUNDE FÜR DIE NATOERWEITERUNG
Rede des Verteidigungsministers

BOSNIEN

DIE IMPLEMENTIERUNG DES DAYTONER
ABKOMMENS
Übersicht des US-Außenministeriums

HANDEL

AMERIKANISCH-EUROPAISCHE WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
Rede von Jeffrey Lang

UMWELT

ENTWICKLUNGSLÄNDER MÜSSEN EBENFALLS TREIBHAUSGASE REDUZIEREN
Rede von Staatssekretär Timothy Wirth

ZIVILANGELEGENHEITEN

BETRACHTUNGEN DER ZUKUNFT
von H. Allen Holmes

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�USA-DEUTSCHLAND
6. August 1997

Besuch von Bundespräsident Herzog in den USA
Erklärung des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Erklärung des Pressesprechers des Weißen
Hauses aus Anlaß des Staatsbesuchs von Bundespräsident Roman Herzog in den Vereinigten Staaten, in
dessen Rahmen er am 24. Juli 1997 mit Präsident Clinton zusammentraf.

Zusammenkunft Präsident Clintons mit Bundespräsident Herzog

in der Ukraine und die Stärkung der Partnerschaft
zwischen der NATO und der Ukraine hin.

Präsident Clinton empfing heute Bundespräsident
Herzog im Weißen Haus. Die beiden Präsidenten
führten im Oval Office ein Gespräch, dem ein Arbeitsessen im Old Family Dining Room folgte.

Die Präsidenten waren sich über die Notwendigkeit
einer beschleunigten Implementierung des Daytoner
Abkommens in Bosnien einig, wobei der Rückkehr der
Flüchtlinge besonderes Gewicht zukommt.
Sie
berieten sich über die Bestrebungen Deutschlands und
der Vereinigten Staaten zur Vergrößerung der Chancen von Minderheiten und zur Förderung ethnischer
Toleranz.

Die beiden Präsidenten stimmten im Hinblick auf die
grundlegende Bedeutung der Partnerschaft zwischen
Deutschland und den Vereinigten Staaten überein. Sie
bekräftigten ihr gemeinsames Engagement für die
Erlangung von Demokratie und Freiheit in ganz Europa
sowohl durch die Erweiterung der NATO und der
Europäischen Union um die neuen Demokratien
Zentral- und Osteuropas als auch durch die Förderung
der Demokratie in Rußland. Ferner wiesen sie auf die
Bedeutung der Unterstützung von Wirtschaftsreformen

In Anerkennung der Anwesenheit mehrerer renommierter Privatpersonen in der deutschen Delegation
unterstrichen die Präsidenten auch den Wert von
persönlichen Kontakten, Austauschprogrammen und
Besuchen von Parlamentariern für die Stärkung der
engen Bande der Freundschaft zwischen Deutschland
und den Vereinigten Staaten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 15

Seite 1

�USA-DEUTSCHLAND
6. August 1997

Abschiedsrede
von J.D. Bindenagel

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 17. Juli 1997 im Gästehaus der Landesvertretung Berlin
gehaltene Abschiedsrede von Charge dAffaires J.D. Bindenagel.

Herr Bundesminister Bohl, Frau Staatssekretärin
Boucsein, liebe Freunde,
mein fünfter Abschied von Deutschland gibt mir die
Gelegenheit, meine letzten drei Jahre in Bonn Revue
passieren zu lassen und - wenn Sie gestatten - ein
paar Worte über die ersten 25 Jahre meiner Tätigkeit
in drei Deutschlands zu sagen.
Als ich vor drei Jahren nach Deutschland kam,
verabschiedeten wir die Berlin Brigade, die nahezu 50
Jahre lang in Berlin Wache gestanden hatte. Die
Europäer arbeiteten an der Wiederherstellung des
Friedens in Bosnien ohne die amerikanischen Streitkräfte oder die Bundeswehr.
Wir unternahmen
Bestrebungen zur Verstärkung der wirtschaftlichen und
kulturellen Präsenz der Vereinigten Staaten in den
neuen Bundesländern und riefen deutsch-amerikanische "Neue Traditionen" in Berlin ins Leben. Wir
hatten gerade mit dem Aufbau einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur mit neuen NATO-Mitgliedern begonnen, ebenso wie dem Entwurf einer
Grundakte zwischen der NATO und Rußland sowie
der NATO und der Ukraine und internen Anpasssungen der Befehlsstruktur des Bündnisses.
Heute, nur wenige Tage nach dem NATO-Gipfel in
Madrid, steht die europäische Sicherheit auf einer
neuen, soliden Grundlage. Auf dem Balkan mag der
Frieden noch nicht Fuß gefaßt haben, aber wenn das
der Fall sein wird, haben die Bundeswehr und die
amerikanischen Streitkräfte dazu beigetragen.
Lassen Sie mich hier noch ein paar Worte über die
bedeutende Rolle Deutschlands in der NATO sagen.
Nach dem Ende des Kalten Krieges und der Vereinigung Deutschlands wurde immer deutlicher, daß

AMERIKA DIENST 15

die Bundesrepublik zusammen mit den anderen
Bündnismitgliedern Streitkräfte zu diesen Krisenreaktions- und Friedenssicherungsbestrebungen beisteuern kann und sollte, wenn die Stabilität in Europa
in Gefahr ist. Das Bundesverfassungsgericht hat
bewundernswürdig klare Richtlinien dafür gegeben,
wie die Bundeswehr in solchen Situationen eingesetzt
werden darf, und wir respektieren die Notwendigkeit,
daß das Militär ein Mandat vom Bundestag erhält. Die
erfolgreiche Beteiligung der Bundeswehr an der IFOR
und der SFOR zeigt, daß Deutschland in eine neue
Rolle hineinwächst.
Im wirtschaftlichen Bereich der "Neuen Traditionen"
sind die Vereinigten Staaten zum größten ausländischen Investor in den neuen Bundesländern geworden. Die Botschaft hat in enger Zusammenarbeit mit
der American Chamber of Commerce drei amerikanische Wirtschaftskonferenzen in Leipzig, Weimar und
Erfurt sowie Potsdam veranstaltet. Für Oktober ist
eine weitere in Dessau geplant. Wir arbeiten gemeinsam an der Bereitstellung von Chancen für amerikanische und deutsche Unternehmen im Telekommunikations- und Energiesektor,
einschließlich
der
amerikanischen Beteiligung an der BEWAG in
Berlin.
Und da Berlin nicht nur Hauptstadt ist, sondern auch
Sitz der Regierung wird, sehen wir dem Umzug
unserer Botschaft an den Pariser Platz neben dem
Brandenburger Tor erwartungsvoll entgegen. Unser
Umzug nach Berlin symbolisiert unsere Bestrebungen,
die amerikanische Präsenz in Deutschland an neue
Gegebenheiten hier anzupassen. Auf kulturellem
Gebiet werden amerikanische Institutionen wie die
neue Amerikanische Akademie und die Fulbright-

Seite 1

�Kommission neben dem Aspen Institute ihren Sitz in
Berlin haben.
Obwohl Wandel in der Welt nach dem Ende des Kalten
Krieges zum Schlagwort geworden ist, hat sich die aus
dem Fall des Kommunismus resultierende tiefgreifende
Umgestaltung in Europa und Amerika als ziemlich
beunruhigend erwiesen. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß unsere Geschichte - die fünf Jahrzehnte
lange Geschichte der deutsch-amerikanischen
Zusammenarbeit - uns eine hervorragende Basis zur
Bewältigung dieser Herausforderungen bietet. Die
Stärke unserer Beziehungen liegt in unserer Verpflichtung zur Demokratie.
Die Bundesrepublik
Deutschland kann mit ihrer Ablehnung von Totalitarismus und Unterstützung der Demokratie voll Stolz
auf ihre Geschichte zurückblicken, während sie sich
den Herausforderungen der Zukunft stellt.

Verpflichtung zu ewiger Wachsamkeit, sie zu schützen,
verbinden Amerikaner und Deutsche jetzt und für
immer.
Als Enkel eines Präriepioniers und ausgewandertem
Pommer, der in mir ein starkes Gefühl für die Werte
der Prärie und ein preußisches Pflichtbewußtsein
weckte, bin ich stolz, diese erste Hälfte meiner Laufbahn an vielen der wichtigsten politischen Entwicklungen in Deutschland beteiligt gewesen zu sein. Mein
Schicksal ist es, ein Amerikaner in Deutschland zu
sein. Ich beklage mich nicht. Es ist ein großartiges
Schicksal, weil ich es mit vielen von Ihnen teilen kann.
Ich habe mein erstes Vierteljahrhundert deutschamerikanischer Tätigkeit sehr genossen:
ob in Bremen, wo meine Frau herausfand, daß
ihr Vorfahr kurz vor dem amerikanischen
Bürgerkrieg bremischer Konsul in Philadelphia
gewesen war und wo die "Grünen" zum ersten
Mal in eine Bürgerschaft gewählt wurden;

Ein geschätzter Freund von mir ließ sich kürzlich auf
eine Auseinandersetzung mit mir über meinen Versuch
ein, die zeitgenössische Geschichte Deutschlands und
die Differenzierung zwischen meinen eigenen Aufgaben in den drei Deutschlands unter dem Begriff
"Berliner Republik" zusammenzufassen. Der Begriff
"Berliner Republik", von meinem Freund Daniel
Hamilton 1994 bei der Carnegie-Stiftung geprägt, wird
sicherlich weiter diskutiert.

oder in Bonn während der unruhigen Zeit der
großen Demonstrationen gegen Bundeskanzler Kohls Entscheidung zur Stationierung von
Pershing-Raketen;
oder in der Studiengruppe "Deutschland und
Amerika" des Aspen Institute, in der ich zahlreiche Freundschaften schloß, darunter die zu
Hildegard Boucsein, Wolfgang Ischinger,
Dieter Spöri und vielen anderen;

Wir haben alle die politischen Debatten der vergangenen drei Jahre beobachtet oder uns daran beteiligt, bei
denen die politischen Entscheidungsträger von
geopolitischen Kräften, der Geschichte und den
demokratischen Prinzipien hin- und hergerissen
wurden, während sie versuchten, dieses neue
Deutschland in einem neuen Europa zu definieren.
Symbolischerweise repräsentiert Berlin alle drei
Elemente dieser dynamischen politischen Diskussion
über Maßnahmen für das neue Europa. Geographisch
liegt Berlin näher an Osteuropa und Rußland. Historisch war es die Hauptstadt der preußischen Hegemonie sowie der Nazi- und SED-Diktatur.
Für Amerikaner ist Berlin das Berlin des Kalten Krieges
und die Verkörperung unseres gemeinsamen Kampfes
für Freiheit. Wir kennen die Geschichte des Kalten
Krieges, weil es unsere gemeinsame Geschichte ist die Luftbrücke, der Aufstand des 17. Juni, die Berliner
Mauer, John Kennedy, das Viermächteabkommen,
Präsident Reagans Appell an Präsident Gorbatschow,
die Berliner Mauer niederzureißen, die demokratische
Revolution von 1989 und die Vereinigung Deutschlands. Aus der Bonner Republik heraus wurde das
vereinte Deutschland in Freiheit geboren. Unser
gemeinsames Engagement für Freiheit und unsere

*

Seite 2

*

oder in Ostberlin, als die Deutschen in der
DDR die Berliner Mauer niederrissen und
meine Teilnahme an den Gesprächen ermöglichten, die zur Vereinigung Deutschlands
führten;
oder wiederum in Bonn als "amtierender"
amerikanischer Botschafter oder Charge
d'Affaires ad infinitum.
Bald ist es an der Zeit für mich, Ihnen und Deutschland
erneut "Auf Wiedersehen" zu sagen. Jean und ich
gehen mit vielen schönen Erinnerungen an unsere Zeit
in allen drei Deutschlands. Und wir ergeben uns
glücklich in unser Schicksal. Mein Wunsch ist: Mögen
diese beruflichen und persönlichen amerikanischen
Verbindungen zu Deutschland immer stark bleiben.
Ihnen möchte ich alles Gute wünschen, und als
geübter Deutschlandwiederkehrer sage ich "Dankeschön und auf Wiedersehen!"

*

*

AMERIKA DIENST 15

�NATO

6. August 1997

Cohen erörtert Gründe für die NATO-Erweiterung
Rede des Verteidigungsministers

SAN FRANCISCO - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Verteidigungsminister William Cohen
vor dem Commonwealth Club of California am 21. Juli 1997.

Vor wenigen Jahren, inmitten der Ruinen des sowjetischen Imperiums und der Trümmer der Berliner Mauer
schrieb Francis Fukayama, daß der Lauf der
Geschichte zu Ende gehe und der wirtschaftliche und
politische Liberalismus des Westens die Welt als neue
universelle Kultur erfassen würde. Seine These wurde
von einem südafrikanischen Akademiker namens
Peter Vale etwas umgangssprachlicher aufgegriffen,
der kommentierte: "Freut Euch, meine Freunde, oder
weint aus Trauer. Was Kalifornien heute ist, wird die
Welt morgen sein."

Diese Vision zu untermauern ist die unerläßliche
Voraussetzung für ein weiteres Engagement der
Vereinigten Staaten in internationalen Angelegenheiten
und zur Einflußnahme auf die Aktionen anderer Freunde und Feinde - die unser nationales Wohlergehen beeinflussen können. Heute gibt es einige,
die unseren Rückzug aus der Welt wünschen und die
zentralen Lektionen dieses Jahrhunderts vergessen:
Wenn Amerika die Probleme der Welt vernachlässigt,
legt die Welt häufig ihre Probleme vor Amerikas
Türschwelle.

Obwohl Fukayama Unrecht hatte, trifft es zu, daß wir
heute wirklich an einem Wendepunkt in der Geschichte
stehen. Auf der einen Seite der Welt bieten sich
enorme Chancen mit florierenden Märkten, atemberaubenden Technologien und mutigen neuen Demokratien. Aber auf der anderen Seite der Welt gibt es
beunruhigende neue Gefahren, zunehmende ethnische Konflikte, regionale Aggressoren und Terrorismus. Und wir - die Vereinigten Staaten - stehen vor
der Herausforderung, über die Denkweise der Zeit
nach dem Kalten Krieg hinauszugehen und uns für ein
neues Jahrhundert neu zu orientieren. Wir müssen
Amerikas Vision für dieses neue Jahrhundert artikulieren und dann auf ihre Verwirklichung hinarbeiten - von
den neuen Chancen profitieren und neue Gefahren
vermeiden.

Diese Lektion wurde von der Generation von Amerikanern gut verstanden, die den Zweiten Weltkrieg
gewonnen hatten. Diese Generation artikulierte eine
Vision für Frieden und Stabilität in Europa und der
asiatisch-pazifischen Region. Auf beiden Kontinenten
gründete diese Vision auf der Prämisse, daß Amerika
nicht nur mit starken Streitkräften vorne stationiert,
sondern auch ein Amerika war, das eine helfende
Hand reichte und den Wiederaufbau besiegter Feinde
wie Deutschland und Japan anstrebte.

Als Verteidigungsminister kann ich Ihnen sagen, daß
die Sicherheitsvision der Vereinigten Staaten für
dieses neue Jahrhundert ziemlich einfach ist: Wir
streben eine Welt an, in der es mehr Stabilität in mehr
Regionen, mehr Demokratie und mehr Wohlstand in
mehr Nationen und daher weniger Bedrohungen der
amerikanischen Interessen gibt.

AMERIKA DIENST 15

Heute besteht die beste Art, in der wir diese Generation des Zweiten Weltkriegs ehren können, in der
Vollendung der globalen Vision für Frieden, die sie
artikulierte - sowohl in Europa als auch in der
asiatisch-pazifischen Region. Damit würden wir auch
der ersten Generation des nächsten Jahrhunderts ein
großes Geschenk machen.
Dieser wichtigen Aufgabe wurde durch die Tatsache
noch mehr Bedeutung verliehen, daß die Technologie
die Welt miniaturisiert und die riesigen Ozeane, die an
unsere Küsten schwappen, zu bloßen Teichen gemacht hat. Heute können wir uns nicht einfach in

Seite 1

�einen kontinentalen Kokon einspinnen und die Entfaltung der Welt auf CNN beobachten.
Vor Jahrhunderten entdeckte Archimedes das Geheimnis der Hebelwirkung und erklärte: "Gebt mir
einen Ort, an dem ich stehen kann, und ich werde die
Welt bewegen." Heute hat die Geschichte den
Vereinigten Staaten einen Ort gegeben, an dem sie
stehen können. Wenn wir unsere Ideale, unsere
Diplomatie und unsere militärische Macht als Hebel
einsetzen, haben wir die einzigartige Chance, die Welt
zu bewegen, nicht nur zum Besseren der anderen,
sondern zu unserem eigenen Besseren.
In der Tat ist es unsere Pflicht und unser Schicksal,
diesen Hebel anzusetzen und sowohl die atlantische
als auch die pazifische Region in die Gestaltung eines
neuen Jahrhunderts einzubeziehen.
Ein neues
Jahrhundert, das nicht durch Konflikte, sondern
Zusammenarbeit definiert ist. Nicht durch seine
Gefahren, sondern seine Versprechen.
In der asiatisch-pazifischen Region Archimedes zu
sein, bedeutet eine Stärkung des amerikanischjapanischen Sicherheitsbündnisses - wie wir es mit
unseren andauernden Verhandlungen tun, um es an
die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen - und sicherzustellen, daß es weiterhin eine
beruhigende Kraft für Frieden und Stabilität in der
gesamten Region ist.
Es bedeutet die Bewahrung eines starken Bündnisses
mit der Republik Korea, die Einsatzbereitschaft für
einen Spannungsfall in absehbarer Zukunft und die
Bereitschaft zur Förderung unserer gemeinsamen
Interessen auf lange Sicht, selbst nach Beendigung
der Teilung der Halbinsel.
Es bedeutet die Erweiterung unserer Beziehungen zu
Freunden und Verbündeten in Südostasien - der
Region, die bald anstelle von Europa unser zweitgrößter Exportmarkt sein wird und von wachsender
Bedeutung für die amerikanische Sicherheit ist.

Im Juni 1947, als das vom Krieg zerstörte Europa den
Wiederaufbau versuchte, wagte Marshall, sich Europa
als einen neuen Kontinent vorzustellen - geheilt,
ungeteilt und frei - im Frieden mit sich selbst und der
Welt und mit Amerika über eine Brücke der Hilfe,
Hoffnung und des gemeinsamen Erbes verbunden.
Marshalls Vision wurde zum Marshallplan. Die Hälfte
Europas nahm den Plan an und baute starke Demokratien, starke Volkswirtschaften und ein starkes
Bündnis namens NATO auf. Aber der anderen Hälfte
Europas wurde der Marshallplan verweigert, als
Joseph Stalin den Eisernen Vorhang auf Amerikas
helfende Hand fallen ließ.
Vor zwei Wochen unternahmen die Vereinigten
Staaten und ihre europäischen Verbündeten in Madrid
historische Schritte zur Vollendung von Marshalls
Vision.
Erstens bekräftigte die NATO ihre Verpflichtung zur
Entwicklung echter Zusammenarbeit mit Rußland und
der Ukraine. Die im Mai unterzeichnete Grundakte mit
Rußland und die in Madrid unterzeichnete Charta
zwischen der NATO und der Ukraine werden die
NATO auf einen künftigen Kurs der Konsultationen und
Kooperation mit diesen beiden großartigen europäischen Nationen bringen, Moskau ein Mitspracherecht aber kein Vetorecht und keine Stimme - in Brüssel
einräumen und der NATO engere Beziehungen zu
einer Ukraine ermöglichen, die rasch zu einem Modell
für die Förderung paneuropäischer Zusammenarbeit
wird. Gemeinsam widerlegen diese beiden Dokumente entschieden das Argument, daß die NATO-Erweiterung "neue Trennlinien" in Europa schafft.
Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, als ich direkt
nach dem Gipfel von Madrid nach Lviv reiste, um an
einer Übung der Partnerschaft für den Frieden mit
Streitkräften der Vereinigten Staaten, der Ukraine und
neun anderen Nationen des ehemaligen Warschauer
Pakts teilzunehmen, die alle zusammenkamen, wo
einstmals das größte sowjetische militärische Übungsgelände war.

In der asiatisch-pazifischen Region Archimedes zu
sein bedeutet auch, eine Strategie des Engagements
für China zu verfolgen: Zusammenarbeit mit China,
wenn möglich, Meinungsverschiedenheiten, wenn
nötig, und alles in unserer Macht Stehende zur
Gewährleistung einer Zukunft zu tun, in der China
einen Beitrag zu wirtschaftlichem Aufschwung, Kooperation und Vertrauen leistet, die sich jetzt im pazifischen Becken abzeichnen.

Sie sollten wissen, daß die amerikanischen Streitkräfte
der kalifornischen Nationalgarde angehörten, die eine
Partnerschaft mit den Streitkräften der Ukraine geschlossen hat. Es war ein wirklich erhebender Anblick.
Auf Boden, der einst unter dem Tritt der Truppen aus
einer Hälfte Europas erbebte, die für einen Krieg mit
der anderen Hälfte übten, kamen Streitkräfte aus ganz
Europa zusammen, um für den Frieden zu üben.

Auf der anderen Seite des Globus - über den Atlantik
hinweg in Europa - bedeutet die Rolle des Archimedes,
daß die Vereinigten Staaten zusammen mit ihren
NATO-Verbündeten den Traum vollenden, von dem
George Marshall als Erster sprach, als er vor 50
Jahren zum Podium in Harvard schritt.

Aber natürlich war der größte von der NATO in Madrid
zur Vollendung von Marshalls Vision unternommene
Schritt die Einladung an drei neue Demokratien Polen, Ungarn und die Tschechische Republik - zur
Aufnahme von Beitrittsverhandlungen, die zur Vollmitgliedschaft in der NATO führen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 15

�Durch die Entscheidung für diese drei Länder erkannte
das Bündnis die enormen Fortschritte an, die diese
beim Aufbau ihrer neuen Demokratien, der Öffnung
ihrer Volkswirtschaften und Modernisierung ihrer
Streitkräfte erzielt haben. Die NATO machte in Madrid
aber auch vollkommen deutlich, daß die ersten neuen
Mitglieder nicht die letzten sein werden. Die Tür zur
NATO-Mitgliedschaft muß und wird für alle offen
bleiben, die zur Übernahme der mit einer Mitgliedschaft einhergehenden Pflichten in der Lage sind.
Als Präsident Clinton, Außenministerin Albright und ich
in den Tagen nach dem Madrider Gipfel den europäischen Kontinent bereisten, überbrachten wir sowohl
den für eine Mitgliedschaft ausgewählten Nationen als
auch den anderen, die noch den Weg vor sich haben,
die Botschaft, daß die mit der NATO-Mitgliedschaft
einhergehenden Pflichten tatsächlich sehr groß sind.
Erweiterung bedeutet die Ausweitung der feierlichsten
Garantien, die eine Nation abgeben kann - die Verpflichtung zur Gewährleistung der Sicherheit eines
anderen Landes. Daher unterstrichen der Präsident,
die Außenministerin und ich in Warschau, Prag und
Budapest, daß der Beitritt zum Bündnis bedeutet,
einen Beitrag zur Sicherheit zu leisten und nicht nur ihr
Nutznießer zu sein. Wir betonten die Notwendigkeit für
diese Länder, die Modernisierung ihrer Streitkräfte
fortzusetzen und sie mit denen der NATO interoperabel zu machen. Ich kann Ihnen versichern: Ich
habe keinen Zweifel, daß zum Zeitpunkt des Beitritts
dieser drei Nationen zum Bündnis im Jahr 1999 die
Hinzufügung ihrer Streitkräfte die NATO nicht nur
größer, sondern auch stärker machen wird.
Die Vorteile einer größeren, stärkeren NATO sind
enorm - sowohl für Europa als auch für Amerika.
Wir brauchen nur in die Geschichtsbücher zu schauen
um zu sehen, daß Amerika sicherer ist, wenn Europa
sicher ist. Und wenn der Frieden in Europa bedroht ist,
dann ist er das auch in Amerika. Präsident Clinton
erklärte bereits im Mai, daß das Schicksal Europas
und die Zukunft Amerikas untrennbar miteinander
verbunden sind.
Zweimal in diesem Jahrhundert haben Tausende von
Amerikanern für die Verteidigung der Freiheit in
Europa gekämpft und sind dafür gestorben. In den
letzten 50 Jahren floß jedoch kein amerikanisches Blut
mehr bei einem Krieg in Europa. Der Grund dafür ist
die NATO. Außenministerin Albright erklärte: "Wir
haben gelernt, daß Bündnisse die Androhung von
Gewalt glaubwürdiger machen und daher der Einsatz
von Gewalt weniger wahrscheinlich ist - daß durch die
Zusage, falls nötig zu kämpfen, es weniger nötig wird,
zu kämpfen."

NATO-Erweiterung wird dazu beitragen, Bedrohungen
dieser Interessen abzuschrecken. Sie beinhaltet das
Wissen, daß eine Ausweitung der Freiheit eine
Gewährleistung der Freiheit ist. Und sie wird die
künstlichen Trennlinien, die den Kontinent teilten,
durch ein größeres Sicherheitsfeld ersetzen, das das
Bündnis stärkt und besser in die Lage versetzt, den
Frieden zu schützen und zukünftige Kriege zu verhindern.
Der zweite Grund für die NATO-Erweiterung besteht in
der Verteidigung der europäischen Errungenschaften
bei Demokratie und Wohlstand. Eine erweiterte NATO
kann für ganz Europa das leisten, was die NATO
bereits für Westeuropa getan hat: Gewährleistung von
Sicherheit und Stabilität, damit die neuen Demokratien
prosperieren können, ebenso wie es früher bei
Deutschland, Italien und Spanien geschah.
Diese Sicherheit und Stabilität sind auch die Schlüsselelemente für die Förderung des Wohlstands in den
Vereinigten Staaten und Europa. Die Europa von der
NATO gebotene Stabilität hilft uns nicht nur bei der
Vermeidung der Kosten zukünftiger Kriege, sondern ist
auch die Grundlage für Investitionen, Handel und
Wirtschaftswachstum, die Amerikanern und Europäern
gleichermaßen zugute kommen - von Berkeley bis
Budapest und darüber hinaus.
Der dritte Grund für die NATO-Erweiterung besteht
darin, auf dem gesamten Kontinent ein Klima des
Friedens zu schaffen, örtliche Rivalitäten zu verhindern, Anreize für einen Rüstungswettlauf zu vermindern und ein Gebiet des Vertrauens und der
Zusammenarbeit zu schaffen, in dem die Mitglieder
ihre Differenzen durch Verhandlungen anstatt durch
Konfrontation lösen können.
Allein die Aussicht auf eine Erweiterung war während
der letzten Jahre eine mächtige Kraft für Frieden und
veranlaßte die Länder zur dramatischen Verbesserung
der Beziehungen zu ihren Nachbarn und Umstrukturierung ihrer Militärs unter demokratischer ziviler Kontrolle. Diese Dynamik bewirkte die Beilegung alter
Streitigkeiten zwischen Polen und Litauen, Polen und
der Ukraine, Ungarn und Rumänien, Italien und
Slowenien sowie Deutschland und der Tschechischen
Republik.
Dies sind dieselben Streitigkeiten, die den Ersten
Weltkrieg auslösten, die Hitler ausnutzte, um den
Zweiten Weltkrieg zu beginnen, und die im ehemaligen
Jugoslawien zu dem schlimmsten Morden seit dem
Zweiten Weltkrieg führten. Heute veranlaßt der
Erweiterungsprozeß die Nationen zur Beilegung dieser
Streitigkeiten, damit sie nicht weiter schwelen oder
durch engstirnige Nationalisten geschürt werden
können.

Niemand bezweifelt, daß Amerika in Zentral- und
Osteuropa wichtige Sicherheitsinteressen hat. Die

AMERIKA DIENST 15

Seite 3

�Schließlich wird die NATO-Erweiterung das Unrecht
der Vergangenheit wiedergutmachen und den Nationen Sicherheit und Stabilität bieten, die fünf Jahrzehnte
lang unter der sowjetischen Unterdrückung gelitten
haben. Die NATO nicht zu erweitern, würde einer
Bestätigung der 1945 von Joseph Stalin gezogenen
Trennlinie gleichkommen, für deren Überwindung zwei
Generationen von Amerikanern und Europäern
gekämpft haben. Dadurch würden - mit den Worten
von Außenministerin Albright - "während eines halben
Jahrhunderts auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gebrachte Opfer zunichte gemacht und es
würde eine ständige Quelle für Spannungen im Herzen
Europas geschaffen."
Manche behaupten, trotz dieser Vorteile einer erweiterten NATO wären die Kosten für Amerika einfach
zu hoch - sowohl in finanzieller Hinsicht als auch im
Hinblick auf mögliche Opfer. Das ist einfach nicht
wahr. Den günstigsten Schätzungen des Verteidigungsministeriums zufolge werden sich die direkten
Grenzkosten für die Vereinigten Staaten für den
Zeitraum von 10 Jahren auf 100 bis 200 Millionen
Dollar belaufen. Diese Zahlen könnten sich ändern,
wenn wir ein besseres Verständnis dafür entwickeln,
was benötigt wird, damit neue Mitglieder besser
gemeinsam mit den Streitkräften der NATO operieren
und diese im Krisenfall besser in ihrem Land tätig
werden können. Tatsächlich sind einige unserer
technischen Experten der Ansicht, daß wir die möglichen Kosten überschätzt haben.
Ich kann Ihnen jedoch versichern, daß eine angemessene Verteidigung zwar immer teuer ist, Bündnisse sie
jedoch billiger machen - weil die Kosten geteilt werden
und weil interoperable Streitkräfte effektiver und
effizienter sind. Und ich kann Ihnen versichern, daß
die Kosten der NATO-Erweiterung im Vergleich zu
unseren finanziellen und menschlichen Opfern eines
möglichen Krieges in Europa lächerlich gering sind ein durch Instabilität verursachter Krieg, den wir nicht
verhinderten, weil wir das Bündnis nicht erweiterten.

*

Seite 4

Die Natur der Amerika konfrontierenden Herausforderung jenseits des Atlantiks und des Pazifiks
wurde in einer auf der anderen Seite der Bucht - in
Berkeley - gehaltenen Rede gut dargelegt. Der
Redner stellte fest, "in Europa, ... im Nahen Osten, in
Indonesien, in China, ... in Japan und Korea sind
Charakter und Stärke der (amerikanischen) Führungsrolle in der gegenwärtigen Situation möglicherweise
entscheidend. Sich der Frage durch Passivität zu
entziehen ... würde unsere dominante Führungsposition aushöhlen und uns damit eine sekundäre
Rolle zuweisen - eine Rolle, die jeden von uns zweifelsohne der amerikanischen Grundsätze von Freiheit
und Gerechtigkeit berauben würde, die wir immer mit
allen Mitteln hochgehalten haben." Und ich möchte
hinzufügen, daß sie uns der Früchte des Wirtschaftswachstums berauben würde.
Diese Rede wurde 1948 bei den Feierlichkeiten aus
Anlaß des Jahrestags der Gründung der University of
California von George Marshall in Berkeley gehalten,
als er das Land bereiste, um Unterstützung für seinen
Plan zu gewinnen. Heute finden Marshalls vorausschauende Worte über die Jahrzehnte hinweg bei uns
ihren Widerhall und unterstreichen die Bedeutung, das
Licht der Geschichte hochzuhalten, damit wir auf dem
Weg in die Zukunft nicht stolpern.
Abschließend möchte ich die Äußerung Winston
Churchills bei einem von ihm vor vielen Jahren zu
Ehren des Journalisten Stuart Alsop gegebenen
Abendessens widergeben. Nach dem Essen, als man
Champagner und etwas Brandy getrunken hatte,
erklärte Churchill: "Amerika. Amerika. Ein großartiges
und mächtiges Land. Wie ein starkes Pferd zieht es
die übrige Welt aus dem Morast der Verzweiflung zu
Frieden und Wohlstand." Dann richtete er seine kalten
blauen Augen anklagend auf Alsop und fragte: "Aber
wird Amerika den Kurs halten?" Nahezu fünfzig Jahre
später können wir seine Frage beantworten. Amerika
hat den Kurs gehalten, weil das unsere Pflicht ist. Wir
werden den Kurs halten, weil das unser Schicksal ist.

* * *

*

AMERIKA DIENST 15

�BOSNIEN
6. August 1997

Die Implementierung des Daytoner Abkommens
Übersicht des US-Außenministeriums

(AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Übersicht wurde am 1. August 1997 vom Büro des Sondergesandten von
Präsident Clinton und Außenministerin Albright für die Implementierung des Daytoner Abkommens, Robert S.
Gelbard, herausgegeben.

Wichtige Leistungen
Die Kämpfe wurden eingestellt, die verfeindeten
Streitkräfte entflochten und die schweren Waffen
eingelagert.
Das reale Bruttoinlandsprodukt hat sich seit 1995
nahezu verdoppelt. Die Arbeitslosigkeit ist von 90 auf
50 Prozent gesunken.
Die internationalen Geber führen ein dreijähriges
vorrangiges Wiederaufbauprogramm in Höhe von 5,1
Milliarden Dollar durch.
Die Infrastruktur wird wiederaufgebaut.
Bei den Wahlen im September 1996 wurden neue
nationale, regionale und kantonale Regierungen
gewählt, die jetzt zu funktionieren beginnen.

Ungefähr 150.000 Flüchtlinge sind aus dem Ausland
nach Bosnien und über 160.000 Vertriebene in ihre
Häuser zurückgekehrt.
Das von den Vereinigten Staaten unterstützte Open
Broadcast Network ist zu einem tragfähigen Fernsehnetz geworden.
Der Schiedsspruch von Brcko wurde friedlich umgesetzt, und der internationale Monitor hat seine Arbeit
aufgenommen.
Militärische Stabilität
Die Kämpfe wurden eingestellt und die verfeindeten
Truppen entflochten.
Schwere Waffen wurden unter internationaler Kontrolle
eingelagert und mehr als 2.000 schwere Waffensysteme zerstört.

Die logistischen Vorbereitungen der OSZE für die
diesjährigen Kommunalwahlen verlaufen nach Plan.
2,5 Millionen Wähler sind registriert, und ungefähr
20.000 Kandidaten stellen sich in 136 Kommunen zur
Wahl.

Zunächst die IFOR und dann die SFOR haben den
Frieden mit nur minimalen Verlusten erhalten. Die
Zusammenarbeit vor Ort mit der IFOR/SFOR war
ausgezeichnet.

In der Föderation werden eine gemeinsame Polizei, ein
gemeinsames Militär, ein gemeinsamer Zoll und
integrierte Finanzinstitutionen geschaffen.

Durch eine Kombination von Rüstungskontrolle mit
dem Ausbildungs- und Ausrüstungsprogramm wurde
ein stabiles militärisches Gleichgewicht geschaffen.

Im Rahmen des Ausbildungs- und Ausrüstungsprogramms wurde militärisches Gerät im Wert von
über 300 Millionen Dollar für die Bosnische Föderation
beschafft, und es wurden internationale Ausbildungsbestrebungen koordiniert.

Illegale ausländische Streitkräfte wurden aus dem
Land vertrieben, und Bosnien hat die militärische und
nachrichtendienstliche Zusammenarbeit mit dem Iran
und anderen extremistischen Ländern eingestellt.

AMERIKA DIENST 15

Seite 1

�Das Gesetz über die Verteidigung der Föderation
wurde im Juli 1996 verabschiedet, es wurden Abkommen über die Truppenstruktur der Föderation und
die gemeinsame Befehlsstruktur geschlossen sowie
vertrauensbildende Maßnahmen, beispielsweise die
Einrichtung einer Hotline in den verschiedenen
militärischen Hauptquartieren, durchgesetzt.
Wirtschaftswachstum
Das reale Bruttoinlandsprodukt hat sich seit 1995
nahezu verdoppelt. Für 1997 wird ein Wachstum des
Bruttoinlandsprodukts von ungefähr 30 Prozent
erwartet. (Der Großteil des Wirtschaftswachstums
findet in der Föderation statt.)

Das Amt hofft, bis Ende dieses Jahres 10 Millionen
Dollar monatlich als Anleihe zur Verfügung stellen zu
können.
Bis Ende 1997 werden im Rahmen des Programms
von AID für städtische Infrastruktur und Dienstleistungen größere Projekte in mehr als 38 Kommunen
abgeschlossen und über 10.000 neue Arbeitsplätze
geschaffen.
Unter der Führung der Vereinigten Staaten richten sich
nahezu alle Geber nach unseren Bedingungen, denen
zufolge nur denjenigen Hilfe gewährt wird, die das
Daytoner Abkommen einhalten. Infolgedessen gingen
1996 nur drei Prozent der Gelder an die Republika
Srpska.

Die Arbeitslosenquote sank von 90 auf 50 Prozent.
Neue staatliche Institutionen
Die Löhne und Gehälter in der Föderation haben sich
mehr als vervierfacht (von 46 DM monatlich auf 260
DM monatlich).

Bei den Wahlen im September 1996 wurden neue
nationale, regionale und kantonale Regierungen
gewählt.

Die Infrastruktur wird wiederaufgebaut.
Einer Absichtserklärung des IWF wurde zugestimmt,
und die Umschuldung des Londoner Clubs wurde
abgeschlossen.
Internationale Wiederaufbaubestrebungen
Internationale Geber unter Führung der Weltbank
arbeiteten ein dreijähriges vorrangiges Wiederaufbauprogramm in Höhe von 5,1 Milliarden Dollar aus. Seit
Anfang 1996 haben die Geber 3,2 Milliarden Dollar für
dieses Programm zugesagt.
In den ersten beiden Jahren des Programms leisteten
die Vereinigten Staaten einen Beitrag von 524 Millionen Dollar und werden im Haushaltsjahr 1998 weitere
200 Millionen Dollar beisteuern.

Das bosnische Staatspräsidium und der Ministerrat
kommen in regelmäßigen Sitzungen zusammen.
Das Verfassungsgericht hat die Arbeit aufgenommen.
Die parlamentarische Versammlung wurde gebildet
und hat vor kurzem ein Paket von Wirtschaftsgesetzen
erlassen.
Der Ständige Ausschuß für militärische Angelegenheiten hat während des jüngsten Besuchs von Außenministerin Albright in Sarajevo seine Eröffnungssitzung
abgehalten.
Die Zentralbank wurde eingerichtet.
Strukturen der Föderation und Integration

1996 wurden mehr als 320 Kilometer Straße und
15.000 Wohneinheiten erneuert (darunter mehr als
2.500 durch das Amt für internationale Entwicklung -

Auf Föderations- und Kantonsebene wurden Regierungsstrukturen eingeführt.

AID), und in weiteren 32.000 wurde die Heizung

Es werden eine gemeinsame Polizei, ein gemeinsames Militär, ein gemeinsamer Zoll und integrierte
Finanzinstitutionen geschaffen.

wieder instand gesetzt. 400 Schulgebäude wurden
repariert, und in 40 Städten wurde die Wasserversorgung und Kanalisation ausgebessert.
1996 nahmen fünf Kraftwerke ihren Betrieb wieder auf,
und in allen größeren Städten und vielen ländlichen
Gebieten wurde die Stromversorgung wiederhergestellt. Ungefähr 776.000 Menschen (etwa ein Viertel
der Gesamtbevölkerung Bosniens) bekamen dank von
Gebern finanzierter
Energieversorgungsprojekte
wieder Strom.
AID gewährte 95 mittelständischen bosnischen
Unternehmen Kredite in Höhe von 52 Millionen Dollar,
wodurch fast 10.000 Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Seite 2

Im Rahmen des Ausbildungs- und Ausrüstungsprogramms wurde militärisches Gerät im Wert von
über 300 Millionen Dollar für die integrierte Verteidigungsstreitmacht der Bosnischen Föderation beschafft, und es wurden internationale Ausbildungsbestrebungen koordiniert.
Öffentliche Sicherheit
Die Polizei der Föderation wird im Einklang mit internationalen Polizeinormen unter der Aufsicht der interna-

AMERIKA DIENST 15

�tionalen Polizei-Einsatztruppe (IPTF) der Vereinten
Nationen von Grund auf neu aufgebaut.
Zwei der 10 Föderationskantone (Sarajevo und
Gorazde) haben die Anfangsphase der Umstrukturierung abgeschlossen. Erwartungsgemäß wird dies in
den übrigen Kantonen bis September 1997 geschehen.
Die Polizei von Mostar wurde ethnisch integriert, und
im Juli 1997 wurden gemeinsame Patrouillen bosnischer und bosnisch-kroatischer Beamten eingeführt.
Die gute Koordinierung zwischen den Parteien - der
IPTF und der IFOR - bei der Planung der öffentlichen
Sicherheit führte im September 1996 zur sicheren
Durchführung von Wahlen.
In Sarajevo wurden von der US-Regierung geförderte
Ausbildungsprogramme über die Wahrung der
menschlichen Würde und grundlegende Qualifikationen eingeführt. Der IPTF wurde die Befugnis erteilt,
angebliche Menschenrechtsverletzungen durch die
Polizei im Dezember zu überprüfen, und sie arbeitet
mit der örtlichen Polizei bei der Entwicklung eigener
Fähigkeiten zusammen.
Flüchtlinge
Ungefähr 150.000 Flüchtlinge sind aus dem Ausland
nach Bosnien und über 160.000 Vertriebene in ihre
Häuser zurückgekehrt.
Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen und die US-Regierung haben gemeinsam die
ersten drei "offenen Städte" bestimmt, die rückkehrende ethnische Minderheiten aufnehmen. Viele andere
Gemeinden haben ihr Interesse an dem Programm
bekundet.
Seit dem 2. Juli 1997 sind 164 bosnische Familien in
ihre Heimat auf der serbischen Seite der Schutzzone
im Gebiet um Brcko zurückgekehrt. Die ersten 16
bosnischen Familien sind nach Stolac zurückgekommen - einer der vier Föderationsgemeinden, die in
Dayton als "Pilotprojekt" für die Rückkehr bestimmt
wurden und die am widerwilligsten zurückkehrende
Flüchtlinge aufnimmt.
Die Präsidentin der Republika Srpska, Plavsic, hat der
Implementierung von Projekten in Sipovo zugestimmt,
die die Rückkehr der Bosniaken ermöglichen.
Minenräumung
Die Vereinigten Staaten waren bei der Einrichtung
einer effektiven Struktur zur Minenräumung vor Ort
behilflich. Regionale Minenräumtrupps haben im
November 1996 mit der Überwachung und Räumung
von Minen begonnen.

AMERIKA DIENST 15

Demokratisierung
Die nationalen, regionalen und kantonalen Wahlen im
vergangenen Jahr verliefen ohne Zwischenfälle, und
gewählte Regierungsvertreter haben ihr Amt angetreten.
Die logistischen Vorbereitungen der OSZE für die
diesjährigen Kommunalwahlen verlaufen nach Plan.
2,5 Millionen Wähler sind registriert und ungefähr
20.000 Kandidaten stellen sich in 136 Kommunen zur
Wahl.
Verschiedene Geber bieten aufstrebenden politischen
Parteien Unterstützung.
Die finanzielle und personelle Unterstützung für
Anhang 6 des Berichts der Menschenrechtskommission hat die Respektierung der Menschenrechte und
Rechtsstaatlichkeit verbessert.
Medien
Das von den Vereinigten Staaten unterstützte Open
Broadcast Network ist zu einem tragfähigen Fernsehnetz geworden.
Der Betrieb von VOA und RFE sowie von Gebern
geförderte Medienprojekte vor Ort tragen weiterhin zur
Informationsvielfalt in Bosnien bei.
Das Amt für internationale Entwicklung leistet den
kleinen alternativen Rundfunksendern in Banja Luka,
Doboj, Bijeljina und Prijedor lebenswichtige Unterstützung.
Die Vereinigten Staaten und andere Geber haben
Dutzende bosnischer Journalisten in journalistischen
Praktiken und Medienbetrieb des Westens unterrichtet.
Brcko
Der Schiedsspruch wurde friedlich umgesetzt. Der
internationale Monitor und seine Mitarbeiter haben ihre
Arbeit aufgenommen.
Ein IPTF-Kontingent wurde auf volle Stärke aufgestockt und ist vor Ort.
Infrastrukturprojekte wurden eingeleitet und Häuser für
die Flüchtlinge wiederaufgebaut.
Die Rückkehrverfahren für die Flüchtlinge wurden
genehmigt, mit internationaler Finanzhilfe werden neue
Häuser gebaut und viele Flüchtlinge zur Rückkehr
aufgefordert.
Die Häuserkommission hat die Arbeit aufgenommen
und entscheidet über Eigentumsansprüche.

Seite 3

�HANDEL
6. August 1997

Amerikanisch-europäische
wirtschaftliche Zusammenarbeit
Rede von Jeffrey Lang

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede, die der Stellvertretende
US-Handelsbeauftragte Jeffrey Lang am 23. Juli 1997 bei einer Anhörung im Handelsunterausschuß des
Repräsentantenhauses hielt.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
ich freue mich über die Gelegenheit, dem Unterausschuß die Ansichten der US-Handelsbeauftragten über
die Auswirkungen unserer Handelspolitik auf die neue
transatlantische Agenda (New Transatlantic Agenda NTA) und damit in Zusammenhang stehende Initiativen

Handel und Investitionen zwischen den Vereinigten
Staaten und den 15 Mitgliedstaaten der EU übersteigt
eine Billion Dollar. Die EU bildet den größten Absatzmarkt für amerikanische Waren und Dienstleistungen - und umgekehrt. 1996 belief sich der
Handel mit Waren und Dienstleistungen in beide

darzulegen.

Richtungen auf nahezu 400 Milliarden Dollar.

Ich werde mich kurz fassen, damit ich

anschließend noch eventuelle Fragen der Ausschußmitglieder beantworten kann.
Zunächst möchte ich folgende Feststellung machen:
Während die sicherheitspolitische Zusammenarbeit
der Vereinigten Staaten mit Europa die Grundlage des
nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffenen Friedens
war, bildeten die amerikanisch-europäischen Handelsbeziehungen die Verankerung des internationalen
Handelssystems seit dem Inkrafttreten des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) im Jahr
1947. Die Vereinigten Staaten und die Europäische
Gemeinschaft - seit dem Vertrag von Maastricht als
Europäische Union bezeichnet - sind die beiden
größten Akteure der Weltwirtschaft und haben beide
von den fortlaufenden Bestrebungen zur Liberalisierung des multilateralen Handels profitiert. Man kann
zweifelsohne behaupten, daß die amerikanischen
Anstrengungen zur weiteren Liberalisierung des
multilateralen Handels ohne die aktive Beteiligung der
EU keine Fortschritte machen können.
Die Richtigkeit dieser Behauptung wird offensichtlich,
wenn man sich die Dimension der transatlantischen
Wirtschaftsbeziehungen betrachtet. Wenn die EU ein
Nationalstaat wäre, würde dieser mit den Vereinigten
Staaten die lebhaftesten Handels- und Investitionsbeziehungen der Welt unterhalten. Die Zahlen sind auf
jeden Fall beeindruckend. Das Gesamtvolumen von

AMERIKA DIENST 15

Die

amerikanischen Warenexporte in die Europäische
Union betrugen in demselben Jahr 127,5 Milliarden
Dollar - ein Anstieg um 3,9 Milliarden Dollar oder 3,2
Prozent im Vergleich zu 1995. Die Importe aus der
EU beliefen sich 1996 auf 142,7 Milliarden Dollar. Im
Durchschnitt hielt sich in der Nachkriegszeit der
Handel in beide Richtungen ungefähr die Waage. Die
ausländischen Direktinvestitionen der Vereinigten
Staaten in der EU betrugen 1996 315,4 Milliarden
Dollar. Die Vereinigten Staaten und die EU tätigten
1995 jeweils etwa die Hälfte ihrer Auslandsinvestitionen bei dem anderen Wirtschaftspartner. Um dies in
die richtige Perspektive zu rücken, sollte man berücksichtigen, daß 1996 der Handel mit Waren und
Dienstleistungen zwischen den Vereinigten Staaten
und Kanada in beide Richtungen 327 Milliarden Dollar
und 1995 mit China 62 Milliarden Dollar betrug. Eine
der grundlegenden Botschaften, die ich Ihnen heute
übermitteln möchte, lautet, daß das enorme Ausmaß
der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen ungeachtet anderer sich uns in der Welt eröffnender
Chancen gebietet, daß wir die wirklich vitalen Wirtschaftsinteressen der Vereinigten Staaten bei ihren
Beziehungen zu Europa im Auge behalten müssen.
In Anerkennung der möglicherweise großen Vorteile
einer Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Regionen für beide Seiten erklärten
Präsident Clinton und die Staats- und Regierungschefs

Seite 1

�der EU beim amerikanisch-europäischen Gipfel im
Dezember 1995 in Madrid Initiativen im Handels- und
Investitionsbereich zum integralen Bestandteil der
neuen transatlantischen Agenda. Grund für die
^Stellung der neuen transatlantischen Agenda ist der
'unsch fühlender Politiker auf beiden Seiten, die
; iarken historischen Bande zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa zu bekräftigen und ihre Vision von
einem Europa nach dem Ende des Kalten Krieges auf
der Grundlage von Demokratie und freier Marktwirtschaft umzusetzen. Die Wahrung und Förderung des
transatlantischen Wohlstands wurde als Schlüsselelement jeglicher Bestrebungen zur Gestaltung der
transatlantischen Beziehungen im Zeitalter nach dem
Ende des Kalten Krieges und im 21. Jahrhundert
gesehen.
Nach vielen innenpolitischen und transatlantischen
Gesprächen entschieden sich die Vereinigten Staaten
und die EU für einen pragmatischen Ansatz bei der
Aufgabe einer Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen. Da Kooperation das wichtigste Konzept für die
Belebung der neuen transatlantischen Agenda darstellt, arbeiteten wir an einer Reihe multilateraler und
transatlantischer Fragen, bei denen wir positive
gemeinsame Schritte unternehmen können und ließen
dabei das Gezänk und die gegenseitigen Beschuldigungen hinter uns, die oft unsere Handelsbeziehungen
charakterisierten. Das Resultat findet in dem "gemeinsamen Aktionsplan" der neuen transatlantischen
Agenda seinen Niederschlag. Der Wirtschaftsfragen
behandelnde Teil des Plans verleiht der Absicht beider
Seiten Ausdruck, zur Förderung der weiteren Evolution
des multilateralen Handelssystems zusammenzuarbeiten. Ferner führt er die zur Vertiefung der
transatlantischen
Beziehungen
eingegangenen
Verpflichtungen auf - die zusammengenommen als
"Initiative neuer transatlantischer Markt" bezeichnet
werden. Als Ergänzung dieser zwischenstaatlichen
Bestrebungen befürwortete die neue transatlantische
Agenda auch eine größere Rolle der europäischen und
amerikanischen Wirtschaft durch die Mitwirkung am
transatlantischen Wirtschaftsdialog. Obwohl ich die
allgemeine Analyse des Prozesses der neuen transatlantischen Agenda dem Außenministerium überlassen will, möchte ich doch kurz auf jede dieser drei
wichtigen Komponenten zu sprechen kommen.
Der Wirtschaftsteil des gemeinsamen Aktionsplans
beinhaltet multilaterale und transatlantische Bestrebungen der Wirtschaft, von denen viele 1996 eingeleitet
wurden und bis 1997 und darüber hinaus andauern.
Unter anderem werden folgende Aktionen zur Stärkung des multilateralen Handels- und Investitionssystems durchgeführt: Konsolidierung der Welthandelsorganisation, Prüfung von Wegen zum weiteren Abbau der Zölle, einschließlich eines Abkommens
über die Abschaffung von Zöllen auf Informationstechnologieprodukte (das Informationstechnologieabkommen oder ITA), Aufnahme der Arbeit an neuen

Seite 2

internationalen Richtlinien zum Schutz des Rechts auf
geistiges Eigentum und für die staatliche Auftragsvergabe sowie Einigung auf gemeinsame Bestrebungen im Rahmen der OECD zum Abschluß eines
multilateralen Investitionsabkommens.
Die vor dem Hintergrund des neuen transatlantischen
Marktes ergriffenen Aktionen zur Vergrößerung der
amerikanisch-europäischen wirtschaftlichen Chancen
umfassen eine laufende gemeinsame Untersuchung
der verbleibenden Hemmnisse für transatlantischen
Handel und Investitionen sowie Wege zu ihrem Abbau;
die Umsetzung eines Abkommens über Zusammenarbeit im Zollwesen; die Stärkung der Bestrebungen
zur Beilegung bestehender Handelsstreitigkeiten als
Bestandteil eines vertrauensbildenden Prozesses und
der Abschluß von Abkommen über gegenseitige
Anerkennung (Mutual Recognition Agreements MRAs) zur Verringerung der Belastung der Unternehmen durch Vorschriften. Andere Verpflichtungen im
Zusammenhang mit dem neuen transatlantischen
Markt beinhalten die Ausweitung des derzeitigen
Dialogs über die Informationsgesellschaft (Information
Society Dialogue) zur Ankurbelung von Innovation und
Gewährleistung von gegenseitigen Verbindungen und
Interoperabilität sowie die Gründung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe für Beschäftigung und Arbeitsfragen.
Der transatlantische Wirtschaftsdialog ist ein Forum, in
dem führende amerikanische und europäische Wirtschaftsvertreter zusammentreffen und über Wege zum
Abbau der Hindernisse für amerikanisch-europäischen
Handel und Investitionen sprechen können. Die 1995
in Sevilla veranstaltete Konferenz über den transatlantischen Wirtschaftsdialog leitete einen Prozeß der
Beurteilung von Hindernissen für die Wirtschaft in
Europa und Amerika durch den Privatsektor ein. Das
Ergebnis war eine Reihe von Empfehlungen der
Wirtschaft für staatliche Aktionen zur Beseitigung
dieser Hemmnisse.
Was wurde durch die von mir beschriebenen Initiativen
in den anderthalb Jahren seit der Bekanntgabe der
neuen transatlantischen Agenda erreicht?
Vom
Standpunkt eines US-Handelsbeauftragten aus würde
ich sagen, daß die Ergebnisse gemischt sind, was wir
aber zu diesem Zeitpunkt des Prozesses nicht anders
erwartet hätten. Zweifelsohne profitieren die Vereinigten Staaten von den bemerkenswerten Erfolgen
im multilateralen Kontext. Der Abschluß des Informationstechnologieabkommens und das WTO-Abkommen über Basistelekommunikationsdienste stellen
große Fortschritte für unsere Hochtechnologieunternehmen dar, die zu unseren konkurrenzfähigsten
zählen. Wie ich eben sagte, hätten solche Meilensteine nicht ohne die Beteiligung der EU erreicht
werden können. Beim Ministertreffen der WTO in
Singapur im Dezember vergangenen Jahres schlössen
wir einen meines Erachtens funktionierenden Kompro-

AMERIKA DIENST 15

�miß mit der EU über die Behandlung sogenannter
"neuer Fragen" wie Handel und Umwelt, Handels- und
Arbeitsnormen, Handel und Investitionen sowie Handel
und Wettbewerb durch die WTO.
Unter der Rubrik neuer transatlantischer Markt wurde
zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union ein Abkommen über Zusammenarbeit im
Zollwesen geschlossen, das unseren Zollbeamten
durch die Umstrukturierung ihrer Operationen und
Förderung der Bestrebungen zu seiner Durchsetzung
helfen wird. Ferner schlössen wir unter großen
Schwierigkeiten ein Veterinäräquivalenzabkommen,
das zwar nicht so ehrgeizig wie erhofft ist, aber
dennoch viel zur Erleichterung des Handels mit
lebenden Tieren und Tierprodukten beiträgt. Wir
haben eine gemeinsame Studie über Wege zum
Abbau von Hemmnissen für den transatlantischen
Handel initiiert, indem wir uns auf eine ausgewählte
Gruppe von Sektoren für die anfängliche Untersuchung einigten. Natürlich steht die Aktion neuer
transatlantischer Markt, der von Privatsektor und
Regierungen gleichermaßen große Aufmerksamkeit
gewidmet wurde, für das Bestreben, die Verhandlungen über MRAs abzuschließen.
Dieser Versuch wurde von den am transatlantischen
Wirtschaftsdialog beteiligten amerikanischen und
europäischen Unternehmen als oberste Priorität auf
der transatlantischen Agenda und als wichtigstes
Handelsanliegen von Präsident Clinton und den
Staats- und Regierungschefs der EU angesehen. Das
von uns nach drei langen Jahren erst letzten Monat
erzielte Verhandlungsergebnis schafft einen Präzedenzfall in der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit
bei Reformen des Regelwerks, die die Belastung der
Unternehmen maßgeblich erleichtern werden.
So umfangreiche und verzweigte internationale
Wirtschaftsbeziehungen wie die zwischen den Vereinigten Staaten und Europa können nicht ohne
Probleme funktionieren. Die bloße Dynamik, die diese
Maschinerie antreibt, führt unweigerlich zu gewissen
Spannungen, insbesondere da sich das Tempo von
Innovation und Anpassung in der Geschäftswelt
weiterhin beschleunigt. Und in der Tat sehen wir uns
mit einer Vielfalt von Problemen im Hinblick auf unsere
Beziehungen zur EU konfrontiert. Diese Meinungsverschiedenheiten können ernsthafter Natur sein.
Manchmal kann - wie bei der Haltung der EU zur
Regulierung des Handels mit biotechnologisch manipulierten Nahrungsmitteln - Handel im Wert von
Millionen Dollar auf dem Spiel stehen.
Viele unserer Differenzen bestehen seit langem und
stehen auf die eine oder andere Weise in Zusammenhang mit der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU.
Einige Meinungsverschiedenheiten im Agrarbereich
leiten sich auch aus der Haltung der Europäer gegenüber dem Schutz der Umwelt und der menschlichen

AMERIKA DIENST 15

Gesundheit her. Die europäische Einstellung zum
Artenschutz führte zu einer Drohung der EU, amerikanische Pelzexporte zu unterbinden. Wir erhalten
häufig Beschwerden von amerikanischen Unternehmen bezüglich der europäischen Praxis, auf EU- und
Mitgliedstaatenebene Standards einzuführen - daher
das beträchtliche Interesse der Unternehmen an den
MRAs.
Europäische Industriesubventionen, insbesondere für die Flugzeug- und Schiffbauindustrie,
sind seit langem eine Quelle der Frustration für
amerikanische Firmen.
Im multilateralen Bereich sind wir über gewisse
Anzeichen besorgt, daß die EU, die wiederholt ihre
Verpflichtung zur erfolgreichen Umsetzung der
Uruguay-Runde und zum reibungslosen Funktionieren
der WTO zum Ausdruck gebracht hat, durch ihre
Aktionen das internationale Handelssystem unter
Druck setzt, dem dieses System nicht standhalten
könnte. Wir finden jüngste Bestrebungen der EU
besonders beunruhigend, Streitfälle, die mehr politischer als kommerzieller Natur sind, der WTO vorzulegen. Das schafft einen schlechten Präzedenzfall,
der die harte Arbeit unterminieren könnte, die alle
Seiten in die Gestaltung der WTO als objektives, auf
Vorschriften gründendes System zur Verwaltung
globalen Handels einbringen.
Wenn handelsbezogene Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Vereinigten Staaten und der EU andere
heikle Bereiche der Außenpolitik berühren, riskieren
wir eine Verschlechterung des generellen Geschäftsklimas. Glücklicherweise erzielten wir im Frühjahr
Übereinstimmung mit den Europäern bezüglich ihrer
Vorbehalte gegenüber unseren Sanktionen gegen
Kuba, Iran und Libyen - jedoch erst nach Monaten
häufig harter Kritik seitens der EU. Wir hoffen weiterhin, daß die Differenzen über die Fusion von
Boeing/McDonnell-Douglas so rasch wie möglich
beigelegt werden können.
In den kommenden Monaten haben wir viele Chancen,
unsere Fähigkeit zur gemeinsamen Lösung von
Problemen und Förderung der Handelsliberalisierung
unter Beweis zu stellen. Die WTO-Verhandlungen
über Finanzdienstleistungen wurden wieder aufgenommen, und wenn wir zusammenarbeiten, können die
Vereinigten Staaten und die EU im Dezember den bei
den Basistelekommunikationsdiensten erzielten Erfolg
für die Finanzdienstleistungen wiederholen.
Wir
müssen bis zu dem festgesetzten Termin im Frühjahr
gemeinsam auf den Abschluß eines multilateralen
Abkommens über Investitionen in der OECD hinarbeiten. Wir blicken auch auf Europa, damit wir
zusammen Fortschritte bei der vorgeschlagenen
OECD-Konvention über Bestechung und offizielle
Korruption erzielen können. In der WTO gibt es eine
Vielzahl von Bereichen, in denen ein gemeinsamer
amerikanisch-europäischer Ansatz einen Unterschied
bei der Aufnahme neuer Mitglieder bewirken kann -

Seite 3

�von staatlicher Beschaffung über Marktzugangsinitiativen bis zu der unbeendeten Tagesordnung der
Uruguay-Runde. In diesem Zusammenhang möchte
ich die bevorstehende Aufnahme neuer WTO-Agrarhandelsgespräche besonders erwähnen. Wie in der
Vergangenheit wird die Zusammenarbeit der EU im
Agrarbereich eindeutig den Unterschied zwischen
Erfolg und Mißerfolg ausmachen.
Im transatlantischen Kontext können wir die Suche
nach neuen Chancen zur Erweiterung der wirtschaftlichen Wechselbeziehungen fortsetzen. Wir beabsichtigen, die gemeinsame Studie über den Abbau von
Handels- und Investitionshemmnissen aktiv zu verfolgen und erwarten, vorläufige Empfehlungen für
staatliche Aktionen bis Ende dieses Jahres vorliegen
zu haben. Der Erfolg der MRA-Verhandlungen hat
bereits zu der gemeinsamen Verpflichtung geführt,
zusätzliche Sektoren zu prüfen, die von dieser Art
regulierender Zusammenarbeit profitieren könnten.
In hoffe, daß die Vereinigten Staaten und Europa über
ihre Differenzen hinausblicken und das umfassendere
Ziel der Erweiterung transatlantischen und globalen
Wohlstands im Auge behalten können. Europa hat bei
der Bewältigung der internen Angelegenheiten in den
kommenden Jahren über vieles nachzudenken. Unser
aufrichtiger Wunsch ist, daß diese Konzentration auf
innere Angelegenheiten nicht eine konstruktive Rolle
für Europa im transatlantischen und globalen Kontext
ausschließt.
Wir auf der amerikanischen Seite werden weiterhin die
Lösung anhängiger Dispute und wenn möglich die
Entschärfung von Situationen anstreben, bevor sie zu
einer Krise eskalieren. Niemand - am wenigsten
Unternehmen und Arbeitnehmer - profitiert von einer
spannungsgeladenen Atmosphäre.
Wir werden
natürlich versuchen, Meinungsverschiedenheiten in
der WTO auszuräumen - dafür haben wir das WTOSystem geschaffen - und werden alles in unserer
Macht Stehende tun um sicherzustellen, daß es die
ihm zugedachte Aufgabe erfüllt.
Ferner müssen wir weiterhin über diese Meinungsverschiedenheiten hinaus auf die Chancen blicken, die
Europa für unsere Unternehmen bietet. Dies ist
besonders angebracht angesichts der möglichen
Verhandlungen über den Beitritt Zentral- und Osteuropas zur EU und der zur Vervollständigung dieses
Prozesses erforderlichen internen EU-Reformen. Die
Erweiterung der EU um viele der zentral- und osteuropäischen Staaten sollte zu beträchtlichen neuen
Marktchancen für amerikanische Firmen führen.
Man kann andere Möglichkeiten für die Vereinigten
Staaten und die EU in Erwägung ziehen - Zusammenarbeit, um die übrige Welt der Offenheit und Transparenz zu öffnen, die die transatlantischen Geschäfts-

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beziehungen heute generell charakterisieren. Wir
haben in Drittländern beispielsweise viele gemeinsame
Interessen. Ein klarer Fall, bei dem die Vereinigten
Staaten und die EU durch die Einnahme einer gemeinsamen Haltung sehr viel erreichen können, ist die
Aufnahme neuer Mitglieder in die WTO - vor allem
China, Rußland und die Ukraine.
Abschließend möchte ich noch einige Worte zum
transatlantischen Wirtschaftsdialog sagen. Nach
meiner Teilnahme an der ersten Konferenz des
transatlantischen Wirtschaftsdialogs in Sevilla war ich
sehr beeindruckt von diesem Prozeß, Regierungsvertretern auf beiden Seiten des Atlantiks wirtschaftliche
Belange und Ideen zugänglich zu machen. Ich war
besonders beeindruckt von dem Engagement europäischer Unternehmen, die für gewöhnlich nicht die
Möglichkeit hatten, etwas in den offiziellen Entscheidungsprozeß einzubringen, was amerikanische
Unternehmen inzwischen als gegeben ansehen. Der
transatlantische Wirtschaftsdialog stellte unter Beweis,
wie bedeutend Liberalisierung als Kraft im Verlauf der
MRA-Verhandlungen sein kann. Hätte es den guten
Rat und die starke, rechtzeitige Intervention des
transatlantischen Wirtschaftsdialogs nicht gegeben,
hätten die MRA-Gespräche - so kann man fairerweise
sagen - keinen Erfolg haben können.
Der Dialog ist zuallererst ein Forum für Debatten
zwischen Unternehmen. Das ist gut so. Die Regierungen können vielleicht nicht immer alles tun, was der
Dialog möchte. Ich möchte nur auf die kluge Einschätzung der amerikanischen Regierung des großen
Potentials für eine konstruktive Beteiligung des Dialogs
und des Privatsektors beider Kontinente an der
Förderung der transatlantischen und globalen Liberalisierung des Marktes verweisen. An den transatlantischen Wirtschaftsdialog gewandt sage ich: Sie haben
sich als wertvoll erwiesen, und wir hoffen, daß sie
diese gute Arbeit fortsetzen.
Ich möchte den Unterausschuß bitten zu berücksichtigen, daß diese umfassenden und größtenteils äußerst
erfolgreichen Wirtschaftsbeziehungen zu europäischen
Märkten einen enormen Beitrag zu unserem nationalen
Wohlstand leisten und ein großes Potential für künftiges Wachstum bieten. Um dieses Potential vollständig
auszuschöpfen, sollten wir meines Erachtens weiterhin
mit der EU durch den Prozeß der neuen transatlantischen Agenda und andere geeignete Foren zusätzliche multilaterale und transatlantische Ziele bei der
Handelsliberalisierung sondieren. Die Zustimmung
des Kongresses zu einem neuen Fast-track-Mandat
würde natürlich die Bereiche beträchtlich erweitern, in
denen wir gemeinsam tätig werden könnten. Schließlich ist es an den Vereinigten Staaten und Europa, das
Tempo für die internationale Wirtschaft zu bestimmen,
und wir sollten uns dieser Verantwortung nicht entziehen.

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�UMWELT
6. August 1997

Entwicklungsländer müssen ebenfalls
Treibhausgase reduzieren
Rede von Staatssekretär Timothy Wirth

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache von Staatssekretär Timothy
Wirth bei einer Anhörung des Ausschusses für internationale Beziehungen des Repräsentantenhauses am 24.
Juli 1997.

Ich freue mich, heute mit Ihnen die andauernden
Verhandlungen über die nächsten Schritte gemäß der
UN-Rahmenkonvention über den Klimawandel erörtern
zu können. Diese Verhandlungen wurden im August
1995 aufgenommen und sollen im Dezember bei der
dritten Konferenz der Parteien in Kyoto mit der Verabschiedung eines neuen Protokolls oder anderen
rechtlichen Instruments zu Ende gehen.
In seiner Rede vor der Sondersitzung der UN-Generalversammlung im vergangenen Monat erklärte Präsident Clinton, "die wissenschaftlichen Fakten sind klar
und überzeugend", und verpflichtete die Vereinigten
Staaten zu einer Führungsrolle bei der Bewältigung
der Probleme des Klimawandels. Der Präsident
verpflichtete sich zu einem Dialog mit dem amerikanischen Volk und dem Kongreß zur Erörterung der
realen und drohenden Gefahren des Klimawandels,
der damit einhergehenden wirtschaftlichen Kosten und
Nutzen sowie der Chancen, die amerikanische
Technologie und Innovation bieten können. Der
Präsident verpflichtete sich ferner, "ein starkes amerikanisches Engagement für realistische und bindende
Obergrenzen in die Konferenz von Kyoto einzubringen,
die unsere Treibhausgasemissionen beträchtlich
reduzieren werden".
In den vergangenen Wochen hat sich das Interesse an
den Verhandlungen intensiviert, insbesondere im
Kongreß. Die Administration begrüßt dieses Interesse,
möchte für unsere Arbeit an einem neuen Abkommen
in Kyoto einen möglichst intensiven Dialog ermutigen
und fordert die Vorsitzenden des Senats und des
Repräsentantenhauses zur Einrichtung von Beobachtergruppen auf, mit denen wir in den kommen-

AMERIKA DIENST 15

den Wochen und Monaten noch enger zusammenarbeiten können.
Ich möchte mich heute auf zwei Anliegen konzentrieren - erstens die Berücksichtigung spezifischer
umweltpolitischer Ziele unserer im Rahmen der
Klimakonvention ausgehandelten Aktionen und
zweitens die Notwendigkeit, daß die Entwicklungsländer ihrer Rolle bei der Erlangung dieser Ziele
besser gerecht werden.
Ich möchte mit der Wissenschaft beginnen, weil die
Wissenschaftler diejenigen waren, die als Erste unsere
Aufmerksamkeit auf den Klimawandel gelenkt haben,
und weil wir weiterhin unsere Maßnahmen auf die
besten wissenschaftlichen Beweise und genauesten
Analysen gründen. Obwohl ich weiß, daß vielen von
Ihnen die grundlegenden Fakten bekannt sind, könnte
es meines Erachtens nützlich sein, einige der entscheidendsten Punkte zu wiederholen, die von den
Wissenschaftlern dargelegt wurden.
Der "Treibhauseffekt" wird durch Gase wie Kohlendioxid, Methan und Stickoxid verursacht, die sich in der
Atmosphäre ansammeln und die Rückstrahlung der
Sonnenenergie verhindern, wodurch der Planet sich
mehr als sonst erwärmt. Die natürlichen Konzentrationswerte dieser Treibhausgase in der Atmosphäre
halten die Temperaturen auf einem Niveau, bei dem
Leben gedeihen kann. Ohne den Hintergrundeffekt
der Treibhausgase in unserer Atmosphäre wäre die
Erdtemperatur rund 33° C kälter.
Menschen erhöhen die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre vor allem durch die

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�Verbrennung von fossilen Brennstoffen - Kohle, Öl und
Erdgas - sowie durch eine Reihe anderer industrieller
Prozesse. Veränderte Landnutzuhg, insbesondere
Abholzung und Bodenerosion, spielen ebenfalls eine
Rolle, indem sie die Fähigkeit der natürlichen Umwelt
zur Absorption von Kohle aus der Atmosphäre verringern. Seit der industriellen Revolution Im 18. Jahrhundert ist die Konzentration von Kohlendioxid in der
Atmosphäre um 30 Prozent angestiegen. Während
des gleichen Zeitraums hat sich die Methankonzentration verdoppelt, und die Stickoxidkonzentrationen
haben sich' ÜrH rÜrld 15 Prozeht erhöht.

bis zum Jahr 2100 nahezu verdreifachen und höher
steigen als zu jedem anderen Zeitpunkt in den vergangenen 50 Millionen Jahren. Veränderungen unseres
Klimasystems würden sich auch über die von aktuellen
Studien vorhergesagten Auswirkungen hinaus bemerkbar machen. Die Risiken würden sich dramatisch
vergrößern, während die Konzentrationen weiterhin
ansteigen. Ferner gibt es keinen Grund zu der
Annahme, daß diese zusätzlichen Effekte linear sein
werden. Sie werden höchstwahrscheinlich unberechenbare und äußerst unerfreuliche Wege einschlagen.

Seit der vorindustriellen Zeit hat sich die Erde um rund
0,5° C erwärmt. Wissenschaftler glauben, daß der
beobachtete Anstieg wahrscheinlich nicht ausschließlich auf natürliche Ursachen zurückzuführen ist. In
seiner jüngsten wissenschaftlichen Einschätzung
gelangte der zwischenstaatliche Ausschuß für Klimawandel (lPCC) zu der Schlußfolgerung, daß die
Beweise unter dem Strich auf einen beträchtlichen
menschlichen Einfluß auf das Klimasystem deuten.

Ich möchte jetzt auf die Teilung der Verantwortung
zwischen Industrie- und Entwicklungsländern eingehen.

Projektionen für künftigen Klimawandel auf der Grundlage von komplexen Klimamodeflen und unserem
besten Verständnis der Physik des Klimasystems
legen bis zum Jahr 2100 einen Anstieg von weiteren 1 °
- 3,5° C mit einer durchschnittlich größeren Zunahme
als in den vergangenen 10.000 Jahren nahe. Die
Erwärmung erfolgt nicht einheitlich - sie wird wahrscheinlich an höheren Breitengraden und an den Polen
größer sein.
Anhand dieser Erwärmungstrends wird der Meeresspiegel aufgrund der thermischen Ausdehnung der
Meere und des Schmelzens von Gletschern und
Eisdecken bis zum Jahr 2100 voraussichtlich um 0,45
cm ansteigen. Dadurch würden ohne Präventivmaßnahmen hier in den Vereinigten Staaten - vor allem in
Florida und Louisiana - 18.500 km2 Küstengebiete
überschwemmt und jedes Jahr ungefähr 100 Millionen
Menschen weltweit Opfer von Stürmen.
Mit anderen Worten gibt der Weg, auf dem wir uns
befinden, Anlaß zu beträchtlicher Sorge. Der Klimawandel wird wahrscheinlich weitreichende und meistenteils negative Auswirkungen auf die menschliche
Gesundheit haben. Sowohl das natürliche als auch
das künstliche Ökosystem sind in Gefahr. Die Lebensfähigkeit und Ansiedelung von Wäldern und landwirtschaftlichen Gebieten wird sich maßgeblich verändern.
Darüber hinaus konzentrieren sich praktisch alle
Studien über die Auswirkungen der Störung des
Klimas auf die prognostizierte Verdoppelung der
atmosphärischen Konzentration von Treibhausgasen.
Aber wenn Anfang des nächsten Jahrhunderts keine
einschneidenden Maßnahmen ergriffen werden, ist es
sehr wahrscheinlich, daß sich die atmosphärischen
Konzentrationen verglichen mit der vorindustriellen Zeit

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Wie ich bereits ausführte, wissen wir, daß die vom
Menschen verursachten Emissionen die Konzentration
um rund 30 Prozent erhöhen - von 280 ppm in vorindustriellen Zeiten auf ungefähr 336 ppm heute. Wir
wissen, daß die Industrieländer das meiste Kohlendioxid in die Atmosphäre emittieren und das C0 2 dort
für 100 bis 150 Jahre verbleibt. Wir wissen, daß die
Vereinigten Staaten die meisten Treibhausgase
emittieren. 4 Prozent der Weltbevölkerung leben in den
Vereinigten Staaten, und auf uns entfallen 22 Prozent
der Kohlendioxidemissionen. Wir wissen auch, daß
die Entwicklungsländer angesichts der derzeitigen
Trends die Industrienationen in rund 30 Jahren als
Emittent überholen werden. (Dann leben ungefähr 70
Prozent der Weltbevölkerung in den Entwicklungsländern). China, mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern,
wird wahrscheinlich die Vereinigten Staaten gegen
Ende des ersten Quartals des neuen Jahrhunderts
überholen.
Daher werden Aktionen der Industrieländer allein uns
nicht auf den Weg zu sicheren Konzentrationen von
Treibhausgasen bringen. Wir benötigen auch Aktionen
der Entwicklungsländer. Aus unseren bisherigen
Diskussionen und Verhandlungen wird jedoch sehr
deutlich, wenn die Industrienationen mit ihrer derzeitigen wirtschaftlichen Kapazität, ihren technischen
Fähigkeiten und ihrem energieverschwendenden
Lebensstil nicht zuerst handeln - ein Beispiel geben
und die Emissionen verringern - dann werden die
Entwicklungsländer auch nicht handeln. Wir müssen
den Weg anführen. Und wir müssen schnell handeln.
Andernfalls wird eine Verdoppelung der Konzentrationen sicher sein, und wir begeben uns auf den
Weg zu einer Verdreifachung oder noch höheren
Konzentrationswerten - deren Konsequenzen unsicher, wahrscheinlich aber katastrophal sind.
1992 verabschiedete die internationale Staatengemeinschaft die UN-Rahmenkonvention über den
Klimawandel in dem Bestreben, diese Umweltbedrohung in den Griff zu bekommen. In der Konvention
einigten sich die Entwicklungsländer auf eine Reihe

AMERIKA DIENST 15

�von Aktionen zur Abschwächung des Klimawandels
und Erleichterung der Anpassung an seine Auswirkungen. Die Industriestaaten stimmten zu, dieselben Maßnahmen zu ergreifen, wollen jedoch darüber
hinaus Schritte unternehmen, um ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2000 auf den Stand von 1990
zu senken.
1995 beschlossen die Unterzeichnerstaaten der
Klimakonvention, daß die unter dem Vertrag bestehenden Verpflichtungen zur Bewältigung der Bedrohung
nicht ausreichen. Dementsprechend einigten sie sich,
einen Prozeß zur Aushandlung der nächsten Schritte
einzuleiten. Da das für die Industriestaaten gesetzte
"Ziel" nur bis zum Jahr 2000 gültig ist, begannen sie
mit der Erörterung von Zielen, die ihre Bestrebungen
im ersten und eventuell zweiten Jahrzehnt des nächsten Jahrhunderts leiten sollen. Die Industriestaaten
einigten sich auf die Festsetzung quantitativer Ziele für
die Beschränkung und Verringerung von Treibhausgasemissionen bis zu einem noch zu bestimmenden
Zeitpunkt - wie 2005, 2010 oder 2020. Damals
forderten die Entwicklungsländer - von denen viele
gerade erst mit der Umsetzung bestehender Verpflichtungen im Rahmen der Konvention begonnen
hatten - der Verhandlungsprozeß sollte nicht zu neuen
Verpflichtungen für sie führen.
Sie stimmten jedoch der Förderung einer Umsetzung
ihrer bestehenden Verpflichtungen zu.
Die Vorschläge der Vereinigten Staaten bei den
derzeitigen Verhandlungen zielen auf eine Fortsetzung
des Prozesses ab. Der amerikanische Vorschlag
erkennt an, daß die 1992 in Anhang I der Konvention
aufgeführte Liste der "Entwicklungsländer", die
Unterzeichnerstaaten sind, nicht mehr den derzeitigen
Gegebenheiten entspricht. Eine Reihe von Entwicklungsländern gehört bereits durch die Mitgliedschaft in
der OECD und auf andere Weise zur entwickelten
Welt, und andere stehen kurz davor. Unser Vorschlag
zur Ausarbeitung eines "Anhang B" würde solche
Länder auf freiwilliger Basis in die Lage versetzen,
ihren derzeitigen Status - bei dem sie nicht unter.
Anhang I aufgeführt sind - zu überwinden und bindende Verpflichtungen zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen einzugehen, was ihren sich
schnell verändernden wirtschaftlichen Status widerspiegelt und ihnen ermöglicht, sich mit den Industriestaaten auf Vergünstigungen für eine Verringerung der
Treibhausgasemissionen zu einigen.
In ähnlicher Weise fordert Artikel 16 des amerikanischen Vorschlags von den Unterzeichnerstaaten aus
dem Kreis der Entwicklungsländer, bis zum Jahr 2005
bindende Verpflichtungen einzugehen, damit alle
Vertragsparteien quantitative Bestimmungen über ihre
Treibhausgasemissionen haben und es einen Mechanismus oder "Auslöser" für die automatische Anwen-

AMERIKA DIENST 15

dung dieser Bestimmungen auf der Grundlage vereinbarter Kriterien gibt.
Indem sie diese "evolutionäre" Politik fordern, sind die
Vereinigten Staaten fast allen Ländern weit voraus und
werden dementsprechend kritisiert. Beispielsweise
sind mehrere Industriestaaten der Ansicht, daß unser
Vorschlag den Entwicklungsländern unfaire Lasten
auferlegt. Die meisten Entwicklungsländer sind der
Ansicht, daß "Evolution" über die Klimakonvention und
das Berliner Mandat hinausgeht. Meines Erachtens
haben wir das richtige Konzept: Niemand sollte
ausgenommen werden; da wir die größten Emissionen
haben, sollten wir als erste handeln, aber andere
müssen sich uns im Laufe der Zeit anschließen.
Die gesamten Verhandlungen über den Klimawandel
sind äußerst kompliziert - die kompliziertesten, die ich
seit 25 Jahren im öffentlichen Leben gesehen habe und der Aspekt der "Evolution" ist vielleicht der
wichtigste von allen. Wir haben - ebenso wie einige
Kongreßabgeordnete - Vorschläge unterbreitet. Jetzt
müssen wir einen endgültigen Vorschlag und eine
Verhandlungsposition ausarbeiten. Wir begrüßen Ihre
Beiträge, Ihre Unterstützung und Kreativität bei der
Lösung dieses Problems. Und ich sehe Ihren Ideen,
Fragen und Kommentaren erwartungsvoll entgegen.
Die Frage ist nicht, ob die Entwicklungsländer, insbesondere die großen und in schnellem Wachstum
begriffenen, eine quantitative Verpflichtung zur Begrenzung oder Verringerung ihrer Treibhausgasemissionen eingehen sollten - zweifelsohne wird es
unmöglich sein, die Bedrohung des Klimawandels zu
verringern, wenn sie das nicht tun. Die Frage lautet,
wann solche Verpflichtungen gültig werden sollten,
welche Kriterien angelegt werden und auf wen sie
anwendbar sind.
Es gibt signifikante Unterschiede zwischen dem
Volkseinkommen der Industriestaaten und der Entwicklungsländer. Und es gibt enorme Unterschiede
bei der Emission von Treibhausgasen pro Kopf. Einige
Entwicklungsländer argumentieren, diese Kluft müsse
schmaler werden, bevor sie Verpflichtungen zur
quantitativen Emissionsbeschränkung oder -Verringerung akzeptieren.
Obwohl dieses Argument verständlich ist, läßt es zwei
wesentliche Punkte außer Acht. Erstens kann die
durch den globalen Klimawandel hervorgerufene
Bedrohung nicht abgewendet werden, wenn die
Nationen erst handeln, wenn das Volkseinkommen
oder die pro-Kopf-Emissionen irgendwann in der
Zukunft übereinstimmen.
Zweitens werden die
Industrienationen einfach keine signifikanten Bestrebungen zur Verringerung ihrer Treibhausgasemissionen unternehmen, wenn ihre Anstrengungen durch
den unbegrenzten Anstieg von Emissionen in den
Entwicklungsländern unterminiert werden.

Seite 3

�Die Rahmenkonvention - die von Präsident Bush
unterzeichnet wurde, an der der Senat beratend
mitwirkte und zu der er seine überwältigende Zustimmung gab - stellte den Grundsatz auf, daß die
Nationen der Welt im Hinblick auf den Klimawandel
gemeinsame aber voneinander abgegrenzte Pflichten
und unterschiedliche Fähigkeiten haben. Es ist weder
realistisch noch mit der vom Senat gebilligten Konvention vereinbar, darauf zu bestehen, daß die Entwicklungsländer umgehend bindende Emissionsziele
akzeptieren, die die Industriestaaten aushandeln
wollen. Darauf zu bestehen, daß die Entwicklungsländer, die jetzt in zunehmendem Maße zum globalen
Anstieg von Treibhausgasen beitragen, erst dann
handeln müssen, wenn sie ein bestimmtes Volkseinkommen oder bestimmte pro-Kopf-Emissionen erreichen, ist jedoch ebenso unrealistisch und mit dem
Hauptziel der Konvention nicht vereinbar.

Das Abkommen von Kyoto kann die Nationen mit den
erforderlichen Instrumenten versehen, damit sie
wesentliche, bindende Verpflichtungen zur Beschränkung und Verringerung der Treibhausgasemissionen
eingehen. Dazu zählen über mehrere Jahre gehende
Pläne für Treibhausgasemissionen, die jährliche
Fluktuationen ausgleichen. Das beinhaltet vollständige
nationale Flexibilität bei der Auswahl von Maßnahmen
zur Erlangung solch bindender Emissionspläne.
Ferner zählen dazu Vergünstigungen für Nationen mit
bindenden Emissionsplänen unter Beteiligung des
Privatsektors, um dadurch die Kosten der Umsetzung
zu senken. Und das umfaßt die gemeinsame Durchführung zum Nutzen der Nationen mit bindenden
Emissionsplänen gegenüber denjenigen, die noch
keine solchen Pläne haben - sowohl zur Senkung der
Kosten der Umsetzung als auch zur Förderung von
Wirtschaftsentwicklung und Umweltschutz.

Das in Kyoto zu erzielende Abkommen wird das
Problem des globalen Klimawandels nicht lösen.
Ungeachtet dessen, wie ehrgeizig es ist, wird es nur
ein zweiter Schritt auf einem viel längeren Weg zur
Erreichung des übergeordneten Ziels der Klimakonvention sein. Bei unseren Vorbereitungen auf
Kyoto müssen wir auch weitere, darüber hinausgehende Schritte vorbereiten. Insbesondere müssen wir
gewährleisten, daß alle Nationen, die einen beträchtlichen Teil der Verantwortung für die globalen Treibhausgasemissionen tragen, die Notwendigkeit der
Begrenzung oder Verringerung ihrer Emissionen
akzeptieren und sich in diese Richtung bewegen.

Herr Vorsitzender, wir haben für die nächsten Monate
tatsächlich einen ehrgeizigen Kurs eingeschlagen. Die
enormen Gefahren für unseren Planeten erfordern
nichts Geringeres. Ich bin zuversichtlich, daß wir mit
Ihrer fortgesetzten Unterstützung und der anderer
Kongreßabgeordneter in Kyoto zu Ergebnissen
kommen werden, die auf dem weitaus längeren Weg
zur Rettung des Klimasystems der Erde für gegenwärtige und künftige Generationen einen beträchtlichen
Schritt darstellen. Ich danke Ihnen.

* *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 15

�ZIVILANGELEGENHEITEN
6. August 1997

Betrachtungen der Zukunft
von H. Allen Holmes

WASHINGTON - (AD) - In einer Welt abnehmender militärischer Konfrontationen widmet das amerikanische
Militär dem Wiederaufbau vom Krieg zerstörter Infrastrukturen wie dem Bau von Brücken und Brunnen sowie der
Räumung von Minen zunehmende Aufmerksamkeit. In einer Rede vor der internationalen Konferenz über
Zivilangelegenheiten 1997 erörtert der Abteilungsleiter für SpezialOperationen und unterschwellige Konflikte im
US-Verteidigungsministerium, H. Allen Holmes, die zivile Dimension heutiger Militäroperationen in vielen Teilen
der Welt.

An der Schwelle zum 21. Jahrhundert sehen sich die
Vereinigten Staaten mit einem dynamischen und
instabilen Sicherheitsumfeld konfrontiert. Wir befinden
uns in einer Periode strategischer Chancen. Mit dem
Ende des Kalten Krieges und der Auflösung des
Warschauer Pakts hat die Bedrohung eines globalen
Krieges abgenommen. Die von uns geschätzten
Werte - Demokratie und Marktwirtschaft - werden in
vielen Teilen der Welt übernommen. Und gleichzeitig
verändern die sich wandelnde Weltwirtschaft und die
Verbreitung
internationaler
Informationssysteme
weiterhin die Kultur, den Handel und globale Interaktionen.

vier Jahren konnten wir die zunehmende Bedeutung
von Zivilangelegenheiten bei militärischen Operationen
- abgesehen von Kriegen - beobachten. In Anerkennung des Werts von Zivilangelegenheiten befassen
sich die Stabsoffiziere und Planer unserer Streitkräfte
darüber hinaus immer mehr mit der Planung der zivilen
Dimension von Militäroperationen. In Bosnien beispielsweise wurde die Planung der militärischen
Unterstützung der Wahlen von Mitarbeitern der
Abteilungen Operationen, Strategie und Politik durchgeführt, während unser Personal für Zivilangelegenheiten das entscheidende Bindeglied zwischen den
militärischen und zivilen Planern darstellte.

Dennoch ist die Welt weiterhin ein äußerst unsicherer
Ort mit immer komplexeren und gefährlicheren Bedrohungen der nationalen Sicherheit. Wir sehen uns
nach wie vor mit einer Vielzahl gravierender regionaler
Gefahren in Südwestasien, im Nahen Osten und
Ostasien konfrontiert. Wie wir in Somalia, im ehemaligen Jugoslawien und vor kurzem an Orten wie Zaire
beobachten konnten, drohen darüber hinaus gescheiterte oder scheiternde Staaten Instabilität, interne
Konflikte und menschliche Krisen hervorzurufen. In
einigen Fällen verlieren die Regierungen ihre Fähigkeit
zur Wahrung der öffentlichen Ordnung und Erfüllung
der Bedürfnisse des Volkes und schaffen die Voraussetzungen für Bürgerunruhen, Hungersnöte, massive
Migrationsströme über internationale Grenzen hinweg
und aggressive Aktionen von Nachbarstaaten.

In den vergangenen Jahren lernten viele Länder
außerhalb der Vereinigten Staaten den Wert amerikanischer Zivilmissionen schätzen und führen solche
Einheiten in ihrem eigenem Militär ein, wobei ihnen
unsere Streitkräfte für Zivilangelegenheiten als Modell
dienen. Einige Länder haben die Bedeutung von
Zivilangelegenheiten erkannt und ihr militärisches
Personal an das U.S. Army John F. Kennedy Special
Warfare Center and School geschickt, mobile Übungsteams angefordert und unsere Einheiten für Zivilangelegenheiten besucht um herauszufinden, warum
unsere Zivilangelegenheiten für Befehlshaber so
nützlich sind. Zwei unserer wichtigsten Verbündeten,
Großbritannien und die Republik Korea, sind hier bei
dieser internationalen Konferenz vertreten. Andere,
darunter Frankreich und Deutschland, haben großes
Interesse zum Ausdruck gebracht.

In diesem Kontext wurde die Arbeit unserer Streitkräfte
für Zivilangelegenheiten immer herausragender. In nur

AMERIKA DIENST 15

Seite 1

�Eine unserer künftigen Herausforderungen besteht
darin, unsere Einheiten für Zivilangelegenheiten darauf
vorzubereiten, von einer multinationalen Perspektive
aus zu arbeiten. Unsere Planer für Zivilangelegenheiten müssen Unterschiede in den Doktrinen für Zivilangelegenheiten bei unseren Verbündeten antizipieren
und auf Zusammenarbeit zur Erlangung übergeordneter Ziele vorbereitet sein.
Die vor kurzem abgeschlossene vierteljährliche
Umstrukturierung unserer Verteidigung war eine
umfassende Überarbeitung der amerikanischen
Verteidigungserfordernisse bis zur Jahrhundertwende.
Im Rahmen dieser Überarbeitung formulierte Verteidigungsminister William Cohen eine klare Vision für das
Verteidigungsministerium bis zum Jahr 2015 und
unterbreitete einen Plan für ein strategisch orientiertes,
ausgewogenes und finanzierbares Verteidigungsprogramm. Indem wir eine nationale Sicherheitsstrategie für unser Engagement befolgen, werden wir
weiterhin ein starke Führungsrolle in der internationalen Staatengemeinschaft übernehmen und alle
Dimensionen unserer Fähigkeiten nutzen, um auf das
gesamte Spektrum von Spannungsfällen zu reagieren,
das internationale Sicherheitsumfeld zu gestalten und
uns auf die Bewältigung der Herausforderungen einer
ungewissen Zukunft vorzubereiten. Diese drei Komponenten - Reaktion, Gestaltung und Vorbereitung bilden die strategische Grundlage der vierteljährlichen
Umstrukturierung und unserer künftigen Verteidigungsstrategie.
Reaktion auf Krisen
Jüngste Erfahrungen am Golf, in Haiti und Bosnien
haben das Ausmaß unter Beweis gestellt, in dem
unsere Streitkräfte für SpezialOperationen und insbesondere unser Personal für Zivilangelegenheiten die
Effektivität unserer konventionellen Kampftruppen bei
der Reaktion auf Krisen verbessern und, nachdem die
Krise vorüber ist, unseren Diplomaten bei der Gestaltung des Sicherheitsumfelds behilflich sind.
Während der Operation Wüstensturm unterstützten
unsere Streitkräfte für SpezialOperationen beispielsweise eine größere Kampfoperation der Koalitionsstreitmacht erstmals nach ihrer Wiedereinsetzung.
Unsere Streitkräfte für Zivilangelegenheiten waren
während des Stadiums von Wüstensturm nach dem
Konflikt maßgeblich daran beteiligt, der kuwaitischen
Regierung bei der Bereitstellung elementarer Dienstleitungen für das kuwaitische Volk und der Wiederherstellung ihrer Amtsgewalt behilflich zu sein.
Im Anschluß daran waren unsere Streitkräfte für
Zivilangelegenheiten bei der Reaktion auf ein breites
Spektrum humanitärer Krisen behilflich - zum Beispiel
mit der Operation Provide Comfort, bei der unser
Personal für Zivilangelegenheiten bei der Rückführung
der Kurden half, und kleineren Operationen wie Pacific

Seite 2

Heaven, bei denen wir andere Kurden umsiedeln
halfen, die uns nachrichtendienstliche Erkenntnisse
und andere Hilfe für Guam zur Verfügung gestellt
hatten.
In Haiti führten unsere Soldaten für Zivilangelegenheiten Aktivitäten durch, die von der Wiederherstellung
der Elektrizität im ganzen Land bis zur Bereitstellung
von Experten für 12 Ministerien reichten.
In Bosnien-Herzegowina war das amerikanische
Personal für Zivilangelegenheiten unter der Führung
eines britischen Korpskommandeurs während der Zeit
der IFOR bei der Koordinierung des militärischen
Engagements für den Wiederaufbau der zivilen
Infrastruktur und der Bereitstellung von Hilfe für über
500 internationale, Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen behilflich.
Während der IFOR lag das Augenmerk der Einheiten
für Zivilangelegenheiten auf friedenssichernden Operationen und kleinen Gemeindeprojekten in Gebieten,
in denen Truppen stationiert waren. Mit der Stationierung der SFOR gab es eine Verlagerung der Aufmerksamkeit zu Zielen auf nationaler Ebene. Aus diesem
Grund nutzt die SFOR die zivil-militärische Einsatztruppe als ihr Verbindungsglied zu zivilen Einrichtungen bei der Förderung der wirtschaftlichen Erholung
und dem Wiederaufbau des Landes, bei der Unterstützung der Rückkehr der Flüchtlinge und dem Aufbau
dauerhafter Institutionen für den Frieden. Die von
einem amerikanischen Kommandeur befehligte
Einsatztruppe war an buchstäblich Hunderten größerer
Projekte zur Unterstützung der SFOR und an der
Förderung der zivilen Implementierung der Abkommen
von Dayton beteiligt.
Unsere jüngsten Erfahrungen verweisen auf die
Möglichkeit, daß das amerikanische Militär zur Beteiligung an komplexeren, nicht herkömmlichen
Operationen aufgefordert wird - die enge Verbindungen zu anderen amerikanischen Regierungsbehörden,
nichtregierungsabhängigen
und
internationalen
Organisationen sowie unseren Verbündeten beinhalten. Damit weist die von uns in der Vergangenheit
geleistete Arbeit eindeutig den Weg zu dem künftigen
Sicherheitsumfeld, mit dem wir uns konfrontiert sehen.
In diesem Zusammenhang haben unsere Einheiten für
Zivilangelegenheiten viel zu bieten. Die Art und Weise,
in der diese Streitkräfte eingesetzt werden, muß jedoch
sehr sorgfältig erwogen werden, bevor wir uns an einer
Operation beteiligen. Dies kann zum Teil in den frühen
Planungsphasen einer Operation durch die Einbeziehung von Mechanismen für die Übergabe der
Verantwortung von unserem Militär an die entsprechenden amerikanischen Regierungsbehörden und
letztlich zurück an den Aufnahmestaat angesprochen
werden. Das bedeutet die Beteiligung der zuständigen

AMERIKA DIENST 15

�Büros im US-Außen-, Justiz- und anderen Ministerien,
wenn wir eine Operation planen.
Gestaltung des internationalen Sicherheitsumfelds
Die Arbeit unserer Einheiten für Zivilangelegenheiten
am Golf, in Haiti und Bosnien-Herzegowina zeigt, wie
gut diese das internationale strategische Umfeld
gestalten können, nachdem upsere traditionellen
Streitkräfte auf eine Krise reagiert haben. Ebenso
wichtig ist die tägliche Arbeit unserer Einheiten für
Zivilangelegenheiten vor Krisenbeginn.
Unsere
weltweiten humanitären Bestrebungen zur Minenräumung sind ein eindrucksvolles Beispiel für den von
unserem Personal für Zivilangelegenheiten geleisteten
signifikanten Beitrag.
Die durch Antipersonenminen ausgelöste Krise hat von
Bevölkerungen und Regierungen auf der ganzen Welt
einen enormen Tribut gefordert. Das Versäumnis oder
die Unfähigkeit eines Landes, sich mit der Weiterverbreitung von Antipersonenminen zu befassen, verursacht ganz offensichtlich nicht nur persönliches Leid,
sondern macht den Landwirten auch die Nutzung ihrer
Felder unmöglich, was die Wiederaufnahme der
landwirtschaftlichen Produktion behindert, den Zugang
zu Märkten verhindert, das Vertrauen der Öffentlichkeit
in neue Regierungen untergräbt und viele andere
Hürden für eine Nation aufbaut, die die Wunden des
Krieges heilen möchte. Zusätzlich zu den Menschen
zugefügten Verletzungen und den daraus entstehenden medizinischen Kosten treiben Minenfelder ganze
Gesellschaften in hilflose Armut, aus der es keinen
Ausweg zu geben scheint.
Die humanitären Bestrebungen zur Minenräumung
sind eine der grundlegendsten Missionen, an denen
sich die Vereinigten Staaten beteiligen können, und
haben für die Clinton-Administration hohe Priorität. Es
ist unser Ziel, die Länder beim Aufbau einer dauerhaften heimischen Infrastruktur zu unterstützen, mit deren
Hilfe die Bevölkerung lernen kann, sich vor Landminen
zu schützen, die Gefahren durch Landminen abzuwehren und in verminten Gebieten den früheren
Zustand wiederherzustellen.

unseren humanitären Minenräumprogrammen zu
spielen. Das Personal für Zivilangelegenheiten dient
als Verbindungsglied zwischen unseren Minenräumteams, der Regierung des Aufnahmestaats und der
US-Botschaft. Darüber hinaus verfügen die Streitkräfte
für Zivilangelegenheiten über die erforderlichen
Fähigkeiten, um Personal des Aufnahmestaats
auszubilden, heimische Minenräumeinheiten aufzustellen und langfristig autonome Programme
aufrechtzuerhalten, was das höchste Ziel dieses
entscheidenden Programms darstellt.
Unser Personal für Zivilangelegenheiten bringt auch
unmittelbare, direkte und greifbare Vorteile für Aufnahmestaaten auf der ganzen Welt: Es werden
Straßen und Schulen gebaut, Brunnen ausgehoben,
Regierungen stabilisiert, Chaos und Verwirrung
beseitigt und die Ordnung wiederhergestellt. Indem sie
für das Leben der Bevölkerung vor Ort wirklich einen
Unterschied bewirken, untermauern die Mitarbeiter
unserer Einheiten für Zivilangelegenheiten den
Goodwill der Vereinigten Staaten in den Augen der
Welt - unsere Streitkräfte für Zivilangelegenheiten
stellen zweifelsohne wertvolle diplomatische Multiplikatoren dar.
Im Hinblick auf die Zukunft ist es von entscheidender
Bedeutung, daß wir unsere Präsenz aufrechterhalten
und in Regionen Beziehungen aufbauen, die für
unsere nationalen Interessen wichtig sind. Unsere
Herausforderung besteht darin, trotz haushaltspolitischer Engpässe weltweit eine effektive militärische Präsenz beizubehalten. Zu diesem Zweck
müssen wir kostenintensive Lösungen vermeiden und
verstärkte internationale Zusammenarbeit anstreben.
Genau das gestattet uns unser Personal für Zivilangelegenheiten.

Das Programm hilft dem Aufnahmestaat bei der
Entwicklung aller Aspekte der Aufklärung der Bevölkerung über Minen und von Minenräumprogrammen
unter dem Vorbehalt, daß kein amerikanisches
Personal Landminen entschärft oder scharfe Minenfelder betritt. Streitkräfte für SpezialOperationen sind
die Hauptquelle des amerikanischen Militärs für die
Ausbildungsprogramme.

Eine Momentaufnahme zeigt, wie das Personal für
Zivilangelegenheiten in Ruanda und Namibia als Teil
humanitärer Minenräumteams tätig ist, im Aufnahmeland Mali als Vermittler bei einer Operation zur Verbesserung der medizinischen Infrastruktur dient, in
Belize an kleinen Bauprojekten wie Brunnenbau und
Straßenausbesserung mitwirkt, an der Wahlvorbereitung in Bosnien beteiligt ist, die Zuweisung
humanitärer Hilfe für Kambodscha koordiniert und der
kambodschanischen Regierung beim Aufbau einer
Infrastruktur behilflich ist, dank derer der Staat den
Menschen die erforderlichen Dienste anbieten kann.
Und sie zeigt, wie das Personal mit nichtstaatlichen
Behörden und privaten Trägern an Zivilprojekten in
Laos zusammenarbeitet, wo vor einem Jahr noch kein
amerikanisches Militär zugelassen war.

Als wir vergangenes Jahr zu diesem Zeitpunkt zusammentrafen, war unser Personal für Zivilangelegenheiten erst vor kurzem in die Minenräumteams einbezogen worden. Jetzt beginnen unsere Soldaten für
Zivilangelegenheiten allmählich eine Schlüsselrolle bei

Die Arbeit unseres Personals für Zivilangelegenheiten
spielt eine entscheidende Rolle bei der Förderung
regionaler Stabilität, Verhinderung oder Entschärfung
von Konflikten und Bedrohungen, Abschreckung von
Aggression und Gewalt weltweit. Die Fähigkeiten der

AMERIKA DIENST 15

Seite 3

�Einheiten für Zivilangelegenheiten wiederum bieten
unseren regionalen Kommandeuren, Botschaftern und
Politikern ein breites Spektrum von Optionen.

partner von der Unterstützung unserer Bestrebungen
abzuhalten oder uns größere Opfer als erwartet zuzufügen, um unsere nationale Entschlossenheit zu
schwächen. In Anbetracht dieser nichtmilitärischen
Bedrohungen gewinnt die Arbeit unserer Streitkräfte für
Zivilangelegenheiten zunehmend an Bedeutung, da ihr
Verständnis für den zivilen Sektor größer ist als das
unserer konventionellen Streitkräfte.

Vorbereitung auf eine ungewisse Zukunft
Ebenso wie die Streitkräfte für SpezialOperationen
früherer Jahre, werden auch die von heute mit ungewöhnlichen Herausforderungen konfrontiert.
Sie
müssen sich auf die heutigen nichttraditionellen
Herausforderungen einstellen und gleichzeitig die
Kampffähigkeit und Reservestruktur der Amerikaner
verändern, damit sie künftigen Herausforderungen
effektiv begegnen können.

Vergangenes Jahr habe ich erwähnt, daß das Personal für Zivilangelegenheiten eine bedeutende Rolle
dabei übernehmen kann, andere Regierungen und ihre
Bürger auf den Umgang mit Terrorangriffen vorzubereiten. Ich fordere Sie dringend auf, weiter nach
Wegen zu suchen, wie Sie auf diesem Gebiet einen
Beitrag leisten können.

Um darauf vorbereitet zu sein, die Kriege unserer
Nation zu führen und zu gewinnen, um eine Reihe
schwieriger Operationen in Spannungsfällen durchzuführen, um zur Unterstützung unserer Freunde und
Verbündeten in der Dritten Welt bei der Schaffung
eines sicheren Umfelds bereit zu sein, müssen wir
ständig neue Taktiken und Ausrüstung entwickeln, die
der Kriegführung des neuen Zeitalters, mit der wir im
21. Jahrhundert konfrontiert sein werden, angemessen
sind.

Ferner fordere ich Sie eindringlich dazu auf, bei dieser
Konferenz den Rednern gut zuzuhören, die zukünftige
Herausforderungen und verfügbare Mittel erörtern,
welche Ihnen bei Ihrer Arbeit helfen könnten. Ich
möchte Sie ermutigen, Fragen zu stellen, Kommentare
abzugeben, auf Ihren Erfahrungen basierende Vorschläge zu machen und neue Ideen zu unterbreiten.
Dies wird Politikern aller Behörden und den Oberbefehlshabern hilfreiche Anregungen bieten.

Wir müssen damit rechnen, daß unsere Gegner sich in
zunehmendem Maße ungewöhnlicher Mittel oder
unkonventioneller Ansätze bedienen werden, um
unsere Stärken zu umgehen oder zu unterminieren
und unsere Schwächen auszunutzen. Um die direkte
militärische Konfrontation mit den Vereinigten Staaten
zu vermeiden, könnten uns unsere Gegner mit terroristischen Gewalttaten, dem Einsatz von Massenvernichtungswaffen oder nachrichtendienstlicher Kriegführung zur Erlangung ihrer Ziele drohen. In einem
konventionellen Krieg könnten diese Mittel auch
eingesetzt werden, um unseren Zugang zu entscheidenden Einrichtungen zu verzögern oder zu
verhindern, unsere Kommando- und Kontrollnetze zu
zerstören, Verbündete und potentielle Koalitions-

* *

Seite 4

Die kommenden Jahre werden unsere gesamten
Streitkräfte auf eine harte Probe stellen. Kürzungen im
Verteidigungshaushalt werden den Wert von Anpassungsfähigkeit und unserer Fähigkeit zum Umgang
mit dem Wandel erhöhen. Ich bin zuversichtlich, daß
die heutigen Streitkräfte für Zivilangelegenheiten über
die Kreativität, Flexibilität und Professionalität verfügen, neue unkonventionelle Aufgaben zu bewältigen
und gleichzeitig ihre traditionellen Fähigkeiten zu
bewahren. Und ich bin zuversichtlich, daß die Streitkräfte für Zivilangelegenheiten aus dem nächsten
Jahrzehnt stark und mit einem neuen Zielbewußtsein
in einer geänderten Welt hervorgehen werden.

*

AMERIKA DIENST 15

�Frciü

Gaby N i e s e n
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Besuch von Bundespräsidenten Herzog in den USA &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abschiedsrede&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von J.D. Bindenagel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Cohen erörtert Gründe für die NATO-Erweiterung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Implementierung des Daytoner Abkommens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Jeffrey Lang&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Entwicklungsländer müssen ebenfalls Treibhausgase reduzieren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Timothy Wirth&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Zivilangelegenheiten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Betrachtungen der Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von H. Allen Holmes&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

Information

Godesbergl,

89-3240

Service

Postfach 300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

Nummer 34

6 . S e p t e m b e r 1973

Inhalt
WIRTSCHAFT
Shultz rechnet mit baldiger Einigung über Währungsreform
- Exklusiv-Interview des US-Finanzministers Neuentdeckung des US-Marktes für ausländische Investoren
Von Sam Burks

HINTE RGRUNDMATE RIAL

*

Arbeitsreiche Wochen für den amerikanischen Kongreß
- Die Sommerpause ist auch in Washington vorbei Von James S. Aldrich

•n
i
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Seerechtsvertrag vordringlich
Ultravioletteinstrahlung und Hautkrebs-Häufigkeit
Umfangreiche Studie in den USA in Angriff genommen
Mini-Apparatur soll Bauchspeicheldrüse ersetzen

Um Obersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�i a m e r i k a dienst
j*

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Wirtschaft

300

08-85432

34/1973

SHULTZ RECHNET MIT BALDIGER EINIGUNG ÜBER WÄHRUNGSREFORM
- Exklusiv-Interview des US-Finanzministers -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
rechnet damit, daß bis zum Frühjahr kommenden Jahres eine Einigung über die
allgemeinen Grundsätze eines neuen Weltwährungssystems erzielt werden kann.
Shultz umriß am 30. August den Standpunkt der Vereinigten Staaten zur Reform
des internationalen Währungssystems in einem Exklusiv-Interview mit unserem
Korrespondenten Eugene Brake wie folgt:

"Frage: Herr Minister, was sollten nach Ihrer Auffassung die Endziele
der Reform des internationalen WährungsSystems sein? Mit anderen Worten,
welches sind die Kriterien für ein gut funktionierendes internationales Währungssystem?

Antwort: Ein Währungssystem dient dem Zweck, den Fluß des Handels und der
Investitionen und anderer finanzieller Transaktionen unter den Ländern zu erleichtern. Es hat keinerlei Selbstzweck, sondern es soll den Fluß der Dinge erleichtern, die sich in Geld ausdrücken - Handel, Investitionsprogramme, Hilfsprogramme usw.

Frage: Könnten Sie uns etwas darüber sagen, wie sich die amerikanischen
Vorschläge für eine internationale Währungsreform zu diesen Zielen verhalten?

Antwort:

�Antwort: Ein WährungsSystem sollte diesen Fluß des Handels, der Hilfe
und der Investitionen erleichtern, indem es sicherstellt, daß all diese Dinge,
wenn sie zusammenkommen und zusammen die Zahlungsbilanz darstellen, auch wirklich in einem echten Gleichgewicht sind. Das heißt, wenn Länder in ein großes
Defizit geraten, dieses System die Situation so im Griff hat, daß sie etwas
tun, um diese Defizite abzubauen. Auf der anderen Seite sollte das System in
derselben Weise die Korrektive an die Hand geben, die gewährleisten, daß ein
Land, das einen großen Überschuß ansammelt, etwas gegen diesen Überschuß tut.
Das System sollte also gewährleisten, daß insgesamt in dem Fluß des Handels
und anderer Transaktionen die Gesamtsummen in einem vernünftigen

Gleichgewicht

stehen - genauso wie in unserem persönlichen Leben, wo wir Geld verdienen und
Geld ausgeben und wo wir wissen, daß in einer gewissen Zeitspanne diese Dinge
so oder so ausgeglichen sein müssen.

Frage: Glauben Sie, daß unter den Ländern des Zwanziger-Ausschusses (des
IWF) für die internationale Währungsreform allgemeine Übereinstimmung über die
Ziele und die amerikanische Einstellung zu diesen Fragen herrscht?

Antwort: Es herrscht allgemeine Übereinstimmung über die Wichtigkeit der
Neugestaltung des Währungssystems sowie darüber, daß wir ein Währungssystem
brauchen, zu dem die Völker, die die Händler und Investoren der Welt sind, Zutrauen haben. Das ist das Ziel aller. Es wird viel darüber argumentiert, wie
dieses Währungssystem im einzelnen aufgebaut sein sollte. Wir haben eine Reihe
von Ansichten darüber dargelegt, und diese Ansichten sind, wie ich meine, begrüßt und sehr ernst genommen und sorgfältig geprüft worden. Ich glaube, daß
zumindest einige Länder diese Ansichten überzeugend gefunden haben. Wir haben
auch die anderen angehört. Es hat im Zwanziger-Ausschuß ein guter Austausch von
Informationen und Ideen stattgefunden.

Frage: Haben die Vereinigten Staaten ihre Gedanken über die Währungsreform
aufgrund dieses Meinungsaustausches modifiziert?

Antwort: Wir haben an einem Gesprächsprozeß teilgenommen, wir haben zugehört, und wo wir gefunden haben, daß wir die Auffassung anderer akzeptieren
- 2-

�akzeptieren können, haben wir versucht, sie in unsere eigenen Gedankengänge
aufzunehmen. In diesem Sinne kann ich Ihre Frage mit Ja beantworten.
Frage: Der Zwanziger-Ausschuß hat in den Mittelpunkt des neuen internationalen WährungsSystems die Formulierung 'stabile, aber regulierbare Nennwerte' gestellt. Gibt es über diesen Begriff eine gewisse Übereinstimmung hinr
sichtlich seiner Bedeutung oder gibt es unterschiedliche Interpretationen?

Antwort: Als diese Formulierung eingebracht wurde, bedeutete dies - zumindest meiner Auffassung nach - mehr oder weniger, daß einige recht wesentliche Meinungsunterschiede sozusagen übertüncht worden sind, obwohl diese Formel
in Einklang mit der Vorstellung stand, daß wir von dem neuen Wechselkurssystem
erwarten, daß es weit flexibler sein wird als das alte und größere Möglichkeiten
bieten wird, die Kurse zu verändern. Aber zu jenem Zeitpunkt bestanden große
Meinungsverschiedenheiten darüber, wie der Anpassungsprozeß im einzelnen genau
funktionieren sollte und würde. Seither scheinen sich eine Menge dieser Meinungsverschiedenheiten mehr oder weniger von selbst gelöst zu haben. Heute herrscht
eine sehr viel größere Übereinstimmung darüber, was diese Formel in der Praxis
tatsächlich bedeuten könnte.

Frage: Könnten Sie uns etwas über die Art des sich offensichtlich abzeichnenden Konsenses darüber sagen, was stabil

und regulierbar bedeuten würde?

Antwort: Worauf es hinausläuft ist, daß wir mehr und mehr Arbeit eben dem
Problem gewidmet haben, wie Wechselkursveränderungen vorgenommen würden, wieviel Druck erzeugt würde, um Anpassungen zu erreichen und wie dieser Druck erzeugt werden sollte. Von unserem Standpunkt aus gesehen, war es sehr wichtig,
uns mit den Gedanken aller vertraut zu machen, daß es Veränderungen geben
würde und daß man sie sich symmetrisch -vorstellen müsse, d.h., daß sie sowohl
die Überschußländer als auch die Defizitländer betreffen müssen. Ich glaube,
daß dieser Punkt anerkannt worden ist. Es war interessant, daß die Franzosen,
die allgemein als im Gegensatz zu uns stehend geschildert wurden, einen Negativzins für übermäßig große Reserven vorgeschlagen haben, was ein hartes Korrektiv gegen Überschußländer wäre. Das ist genau die Art von Maßnahmen, auf die

�&lt;

die wir abzielten. Wir meinten, daß der französische

Vorschlag recht inter-

\

essant sei und haben ihn unterstützt.
Frage: Manche Leute haben in der Vergangenheit offensichtlich geglaubt,
daß sehr stabile Kurse oder sogar festgelegte Kurse notwendig seien, um den
Handel zu erleichtern. Die Vereinigten Staaten sind offensichtlich der Auffassung, daß wir mehr Flexibilität brauchen. Warum ist diese Flexibilität so
wichtig?

Antwort: Damit die Wechselkurse voraussagbarer werden, und damit sie einen
Stand erreichen, der dazu beiträgt, eine Anpassung in den Handels- und Investitionsflüssen - mit anderen Worten, der Zahlungsbilanz - herbeizuführen. Die
Welt nach dem zweiten Weltkrieg beruhte auf einem System sogenannter fester
Wechselkurse, aber in Wirklichkeit veränderten sich diese Wechselkurse recht
oft und zwar konvulsivisch. Jedermann verteidigte den Mythos, sie seien fest.
Noch am Abend vor einer großen Änderung pflegte der Finanzminister des betroffenen Landes laut zu erklären, daß er den Wechselkurs niemals ändern würde.

*

Am nächsten Tag pflegte er ihn dann zu ändern. Es gab sehr viel Bewegung,
aber sie war immer mit großen Schmerzen und großer Agonie verbunden. Und so

i

dachten wir also, daß die Notwendigkeit für Veränderungen der Wechselkurse auf
der Hand lag und daß wir eine Methode finden müßten, daß sie öfter und in kleineren
Spannen vorgenommen werden konnte, und vor allem ohne die konvulsivischen Auswirkungen, die sie vorher begleitet hatten.

Frage: Liegt irgendein Vorteil für ein Land darin, ein Zahlungsbilanzdefizit zu haben, oder liegt irgendein Vorteil für ein Land darin, einen Zahlungsbilanzüberschuß zu haben? Ich glaube, daß man in der Vergangenheit davon
ausgegangen ist, die Vereinigten Staaten hätten ihr Defizit gerne, und ich
glaube, man ist auch davon ausgegangen, daß einige Länder ihre Überschüsse aufrechterhalten wollten.

Antwort: Es gibt eine Art von neuem Marktantilismus in der Welt, der offensichtlich zu predigen scheint, daß Überschüsse wünschenswert seien. Nach meiner
Überzeugung ist ein Überschuß, der durch mehr Exporte als Importe geschaffen

�geschaffen wird, nicht unbedingt wünschenswert. Der Grund, warum man exportiert,
ist, daß man importieren will. Man arbeitet sozusagen, weil man ein Einkommen
haben möchte, das es einem ermöglicht, die Dinge zu kaufen, die man haben will.
Wenn sich also die Welt damit zufriedengäbe, uns auf ewig ihre Güter zu geben
und niemals die Gegenrechnung aufzustellen, dann wäre das eine große Sache
für die Vereinigten Staaten. Aber wir wissen, daß sich Menschen nicht über
einen längeren Zeitraum so verhalten. Früher oder später werden sie sagen, 'Moment mal, wir sollen Euch nicht immer unser gutes Erdöl und unsere Rohstoffe
und Automobile und Luxuserzeugnisse geben und nie etwas anderes als Bezahlung
erhalten als Papierdollar, die wir niemals einlösen. Wir wollen auch etwas dafür bekommen können'. Man kann also nicht auf ewig im Defizit leben.

Frage: Ich möchte sie gerne zwei Dinge fragen, die, wie ich meine, im Ausland immer ganz und gar mißverstanden wurden: das eine ist die 'Automatik'.
Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, daß der Stand der Reserven eines
Landes als 'objektiver Indikator' dafür beobachtet werden sollte, ob eine
Zahlungsbilanzanpassung notwendig ist. Aber soweit ich weiß, haben weder Sie
noch irgendein anderer Sprecher der amerikanischen Regierung je vorgeschlagen,
daß die zu treffenden Maßnahmen schon vorher genau vorgeschrieben und festgelegt würden, so daß die betroffene Regierung keine Freiheit der Wahl hätte.

Antwort: Das ist richtig. Wir haben in aller Deutlichkeit gesagt, daß es
nicht nur keine absolute Automatik geben würde, sondern daß das, was angezeigt
werden würde, die Notwendigkeit einer Anpassung wäre, und daß es wichtig wäre,
der einzelnen Regierung einen weiten Auswahlbereich zu lassen, wie sie mit dem
Problem fertig werden möchte.

Frage: Bei dem anderen, was ich Sie noch fragen möchte, handelt es sich
um das Problem der Konsultation als ersten Schritt zur Anpassung. Warum erklären die Vereinigten Staaten, daß es wichtig sei, daß die Indikatoren, sofern sie einen bestimmten Punkt erreichen, zur berechtigten 'Annahme' für ein
Tätigwerden seitens des betroffenen Landes führen sollten - sei es im Sinne einer
Wechselkursanpassung oder einer anderen Maßnahme? Warum würden Konsultationen
nicht genügen?
Antwort:

- 5-

�Antwort: Wir halten es für wichtig, daß es Konsultationen gibt und wir

»

haben angeregt, die Ebene der Beteiligung der Länder im Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhöhen, damit diese Konsultationen mehr Bedeutung gewinnen
können. Aber wir sind auch der Auffassung, daß wir darauf bedacht sein müssen,
nicht immer nur zu konsultieren und niemals Maßnahmen zu treffen. Wenn es ein
ernstes Problem gibt, dann ist es sehr leicht, eine Konferenz einzuberufen
und zu konsultieren und zu erklären, 'wir hatten ein gutes Gespräch1 und dann
auseinanderzugehen, wenn es eigentlich so hätte sein müssen, daß irgendetwas
getan worden wäre. Konsultationen sind schon recht, aber wir müssen so etwas
wie ein festes Gerüst in diesem Prozeß haben. Darum haben wir uns so intensiv
mit den Indikatoren befaßt - Indikatoren, die eine Voraussetzung dafür schaffen
würden, daß auch wirklich Maßnahmen getroffen würden, und darum hat uns der
französische Vorschlag eines Negativzinses für übertrieben große Reserven so
gut gefallen - weil diese Dinge wirklich Maßnahmen auslösen.

Frage: So wie ich es sehe, lassen die jüngsten öffentlichen Formulierungen
des amerikanischen Standpunktes erkennen, daß der Hauptindikator der Stand der
Reserven eines Landes wäre, daß jedoch einem Signal dieses Indikators nicht unausweichlich eine Anpassung folgen müßte. Aus einer Veröffentlichung des, amerika- »
nischen Finanzministeriums geht hervor, daß die internationale Gemeinschaft
die Vollmacht haben würde, den Indikator zu überstimmen, wenn er als falsch
angesehen würde. Wie würde das funktionieren? Wer würde die Entscheidung treffen,
daß in einem bestimmten Fall keine Maßnahme zu treffen wäre?

Antwort: Das wäre die Auffassung des Konsultativgremiums. Irgendein Gremium
des IWF würde sich mit dem Problem befassen - vielleicht die Exekutivdirektoren
oder wenn eine stärkere Beteiligung durch eine Gruppe auf höherer Ebene gegeben
ist, könnten es Fälle geben, in denen sich diese Gruppe damit befassen würde.

Frage: Warum erklären die Vereinigten Staaten, daß die Überschußländer
ebenso aktiv an der Korrektur von Ungleichgewichten teilnehmen sollten wie die
Defizitländer? Würde das System nicht funktionieren, wenn einfach nur die. Defizitländer abwerten und keine Aufwertungen erfolgen?

&lt;

• n&lt;
••

•

• •

Antwort:
- 6 -

•'.

* i,.~

�Antwort: Nein, dieser Meinung sind wir nicht. Wir sind der Auffassung,
daß eine Anpassung von beiden Seiten eine raschere Anpassung und eine gerechtere
Anpassung gewährleisten würde. Es könnte beispielsweise so sein, daß ein Land
einen Überschuß hat, weil es hohe Schranken gegen Importe errichtet hat und
seine Exporte sehr stark fördert. Hier muß vielleicht ein Druck ins Spiel gebracht werden, um einen Abbau dieser Importschranken zu erreichen. Das ist einer
der Wege, auf dem eine Anpassung stattfinden wird. Es ist ein Hauptmittel der
Anpassung und wir sollten es nicht wegwerfen.

Frage: Manche Leute scheinen der Ansicht zu sein, daß das oberste Problem
der internationalen Währungsreform die Konvertibilität sei, d.h. die Schaffung
eines Systems, in dem die Vereinigten Staaten nicht in der Lage wären, ihre
Defizite durch die Ansammlung von Dollar durch andere Länder zu finanzieren.
Welchen Standpunkt nehmen die Vereinigten Staaten zu dem Thema der Konvertibilität ein?

Antwort: Wir haben erklärt, daß wir durchaus bereit sind, an einem konvertiblen System teilzunehmen und den ßollar konvertierbar zu halten, wenn die Bedingungen in Ordnung sind. Wenn versucht werden sollte, uns heute konvertierbar zu machen, dann hätten wir nicht die Reserven,um alle die draußen stehenden
Dollar einzutauschen. Daher kann es nicht funktionieren. In einem gewissen Sinne
ist die Konvertibilität etwas, was am besten funktioniert, wenn man es nicht
braucht,und nicht funktioniert, wenn die Leute es verzweifelt herbeizuwünschen
scheinen. Ich möchte jedoch annehmen, daß, wenn man ein System erreichen kann,
das die Aussicht auf ein Gleichgewicht in sich trägt, die Konvertibilität mit
dazu hilft, ein wirksames Korrektiv einzuführen, das dieses Gleichgewicht aufrechterhält, wenn man es erst erreicht hat - wenn es einen echten Druck zur
Anpassung gibt und wenn die Forderung nach Symmetrie erfüllt wird, über deren
Notwendigkeit wir bereits gesprochen haben.

Frage: Im September vorigen Jahres haben Sie, wenn ich mich recht erinnere,
vom Floating als von etwas gesprochen, das man vielleicht auf einer doch eher
kurzfristigen Basis zu tun wünsche. Sind Sie jetzt, nachdem fast jeder seit
6 Monaten floatet, etwas gelassener bezüglich des Floating? Oder schätzen die
- 7-

�die Vereinigten Staaten heute die Nützlichkeit des Floatens anders ein als
vor einem Jahr?

Antwort: Unser Vorschlag sah zwei Arten des Floating vor: Das eine ist ein
zeitweiliges Floaten, bei dem ein Land einen Stand der Wechselkurse erreicht
hat, diese aber aus dem Gleichgewicht geraten sind und man nicht weiß, welches
der richtige Kurs für sie ist, um sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sie
floaten also eine Zeit lang, mit anderen Worten, sie lassen ihre Wechselkurse
nach Angebot und Nachfrage auf den Devisenmärkten sich frei bewegen - und durch
das Floating wird der Wechselkurs festgelegt.

Wir hatten auch das Konzept, daß ein Land über einen längeren Zeitraum
floatet, wie es beispielsweise Kanada und Großbritannien getan haben. Wir haben
beides in unserem Plan. Und ich glaube, daß die jüngste Erfahrung, nachdem
die Welt mehr auf der Basis eines floatenden Wechselkurses war, als es dies
seit langer Zeit gegeben hat, den Vorteil gezeigt hat,über diese Möglichkeit
zu verfügen.

Ich glaube, es ist bemerkenswert, daß bei all den Veränderungen und mit
all der Aufregung im WährungsSystem, die wir im letzten Jahr erlebt haben,
der Handel im Gegensatz zu den Voraussagen vieler sich weiterhin ausgeweitet
hat - und sich stark ausgeweitet hat. Das Floating-System scheint also ganz
gut funktioniert zu haben. Es hat den Handel nicht abgedrosselt. Die Leute
haben Mittel und Wege gefunden, sich aus der Affaire zu ziehen und mit einer
sehr viel flexibleren Situation fertig zu werden. Auf der anderen Seite haben
sich - wie ich meine - viele Leute bei der Floating-Situation etwas unwohl
gefühlt und haben die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß es wichtig sei,
doch einige Spielregeln für das Floating festzulegen, wenn es denn ein solches
geben soll»und diese Regeln sichtbarer zu machen als bisher.

Frage: An was für Regeln würden Sie denken?
Antwort: Ich würde an Regeln für die Ansammlung von Reserven denken, sowie die Art und Weise und das Ausmaß einer Intervention. Man kann einen soge- 8-

�sogenannten floatenden Kurs haben, wenn es aber starke Marktinterventionen
um
durch das entsprechende Land gibt,/dafür zu sorgen, daß der Kurs sich nicht
wirklich ändert, sondern auf einem bestimmten Punkt bleibt, dann ist das in
Wirklichkeit kein Floating. Es erfüllt nicht den Zweck, den Kurs durch den
Markt beeinflussen zu lassen. Und daher braucht man gewisse Regeln, damit ein
Floating nicht irgendwie dazu benutzt wird, einen besonderen Vorteil aus einer
Situation zu ziehen.
Frage: Hat man daran gedacht, sich mit dem Euro-Dollar zu befassen, wie
etwa durch eine Regulierung des Euro-Dollar-Marktes?

Antwort: Das ist sicherlich ein großes Problem, das noch im Hintergrund
steht. Es steht ein großer Betrag an über die ganze Welt verteilten Dollar aus,
mit dem man, wenn es ein System geben soll, das auf einer internationalen Reserve beruht, wohl in irgendeiner Weise fertig werden muß. Dies stellt ein
Übergangsproblem dar, dem wir und andere uns stellen müssen, und es handelt
sich um ein recht schwieriges Problem.

Wir meinen, daß wir eine gewisse Konsolidierung der Dollar-Guthaben im
Ausland haben müssen, die zum Teil die Grundlage für den Euro-Dollar-Markt bilden.
Das würde darauf abzielen, diesen Markt bis zu einem gewissen Ausmaß auszutrocknen. Aber es ist die Frage, wieweit man diesen Markt austrocknen will.

Frage: Warum sind die Vereinigten Staaten der Auffassung, daß es ausländischen
Regierungen gestattet sein sollte, Dollar in ihren Reserven zu halten, wenn sie
das wollen?

Antwort: Weil wir der Auffassung sind, daß es dem System etwas mehr
Elastizität geben wird, etwas mehr Raum für die Anpassung, etwas mehr Spielraum, als wenn man alles auf die Grundlage einer festen Zahl von Sonderziehungsrechten stellen würde, die periodisch ausgegeben werden, nämlich gerade einer
ganz bestimmten Zahl. Wenn man zuläßt, daß ein relativ kleiner fluktuierender
Betrag von Devisen in dem System präsent

ist, dann bringt das eine gewisse

Elastizität.
Wir
- 9-

�Wir haben vorgeschlagen, daß, wenn das ausgebende Land keine Einwände
erhebt, es für ein Land möglich sein sollte, Währungen in seiner Reserve
zu halten, wenn es dies wünscht. Andere sind nun wieder der Auffassung, daß
dies keine gute Idee sei und das ist ein gewisser Streitpunkt.

Frage: Gäbe es nach dem amerikanischen Plan eine gewisse Grenze für den
Betrag an Dollar, den andere Länder halten könnten?

Antwort: Nein, wir haben keine spezifische Begrenzung vorgeschlagen.
Selbstverständlich gäbe es schon per defihitionen in dem Plan eine Grenze,
und zwar in dem Sinne, daß wir oder jedes andere Land in der Lage wären, zu
sagen, 'nein, ich will nicht, daß Ihr mehr von meiner Währung haltet'. In
diesem Falle würden andere alle zusätzlichen Beträge, die sie erhalten haben,
zurückgeben müssen.
-

.

Frage: Würden Sie etwas zu dem Zeitplan von Monsieur M. Giscard d'Estaing
für die Verhandlungen über die internationale Währungsreform sagen?

Antwort: Nun, ich möchte sagen, es ist ein vernünftiger Zeitplan und es
ist ein Zeitplan, der viel erörtert wurde: daß wir in Nairobi zusammenkommen
werden, daß wir ein bestimmtes Pensum schaffen werden, daß wir wahrscheinlich
irgendwann im Spätherbst erneut zusammenkommen werden, und daß wir bis zum
Frühjahr ein vereinbartes Paket von Grundsätzen entwickelt haben werden, die
eindeutig genug sind, daß die Juristen die Sache übernehmen und damit beginnen,
Abkommen usw. zu entwerfen. Ich bin überzeugt, daß dies eine Art von Konsens
war, der sich aus der Ministertagung des Zwanziger-Ausschusses ergeben hat,
die wir vor etwa einem Monat in Washington abgehalten haben, und an der auch
Monsieur Gistard d'Estaing teilnahm. Dies stellt seitens vieler Leute ein neues
Denken dar, da viele glaubten, daß es länger dauern würde, diese Aufgabe zu
lösen. Es mag vielleicht länger dauern, aber gegenwärtig sind die Leute einigermaßen optimistisch, daß ein Abkommen erreicht werden kann.

Frage: Wie stellen sich die Vereinigten Staaten vor, daß diese Währungsvorschläge nicht durch Handeln oder Nichthandeln auf dem Gebiet des Handels und
- 10 -

&gt;

�(

und der Investitionen blockiert oder aufgehoben werden?

Antwort: Wir beginnen gleichzeitig mit einer neuen multinationalen Runde
von Handelsverhandlungen. Sie werden im September in Tokio beginnen. Ich bin
sicher, daß die Währungsfragen gelöst sein werden, bevor die Verhandlungsrunde
über Handelsfragen abgeschlossen ist, aber wir haben erklärt, daß diese beiden
Dinge zusammengesehen werden müssen und wir werden weiterhin diesen Punkt in
den GATT-Verhandlungen vorbringen und darauf achten, wie das Währungssystem
nicht nur in der Vereinbarung, sondern auch in seiner Durchführung aussehen
wird."

+ + + + +

- 11 -

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34/1973

NEUENTDECKUNG DES US-MARKTES FÜR AUSLÄNDISCHE INVESTOREN
Von Sam B u r k s

WASHINGTON - (AD) - Eine immer größere Zahl ausländischer Unternehmer
hat erkannt, welche günstige Investitionsmöglichkeiten der amerikanische Markt
ihnen heute bietet. Und wie in den Aufbaujahren der amerikanischen Wirtschaft
beginnen sie diese Möglichkeiten auch zu nutzen.

Nach Schätzungen eines namhaften Bankhauses in New York beliefen sich die
Aufwendungen ausländischer Unternehmer für den Kauf oder die Ausweitung von
Fertigungsanlagen in den Vereinigten Staaten allein im ersten Quartal 1972 und
im ersten Quartal dieses Jahres zusammen auf 1,5 Milliarden Dollar, wobei etwa
zwei Drittel dieser ausländischen Investitionen mit ausländischen Mitteln finanziert wurden.

Die ausländischen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten haben
sich nach Angaben eines New Yorker Marktforschungsinstituts in den letzten zehn
Jahren nahezu verdoppelt und beliefen sich Ende 1972 auf rund 14 Milliarden
Dollar. Nach Ansicht des Instituts deuten alle Anzeichen darauf hin, daß diese
Entwicklung sich in den nächsten zehn Jahren noch beschleunigen wird. Unter
den Begriff Direktinvestitionen fallen nicht die Anlagen ausländischer Investoren
in amerikanischen Wertpapieren, die Ende 1972 rund 38 Milliarden Dollar betrugen.
Die von dem Institut - dem Conference Board - vorgenommenen Erhebungen zeigen
weiter, daß sich die Erträge aus diesen ausländischen Investitionen in den USA

- 1 -

�USA seit 1962 verdreifacht haben und daß etwa die Hälfte dieser Erträge von
den ausländischen Investoren abgezogen wurde.

In Kreisen amerikanischer Anlageberater ist man fast einstimmig der Auffassung, daß gerade im Augenblick der Erwerb amerikanischer Fertigungsunternehmen für Ausländer besonders attraktiv ist. Als Grund hierfür wird das Zusammenfallen einer Reihe besonders günstiger Faktoren angeführt. Einmal, so wird
betont, haben die beiden letzten Dollar-Abwertungen dazu geführt, daß für den
Erwerb amerikanischer Firmen oder die Übernahme einer Beteiligung weit weniger
Devisen erforderlich sind, als dies vor dem August 1971 der Fall war. Aber auch
das niedrige Kursniveau an der New Yorker Börse läßt den Erwerb größerer Aktienpakete und damit die Übernahme einer Beteiligung heute erheblich attraktiver
erscheinen.

Das britische Finanzmagazin "The Economist" stellt in seiner Ausgabe vom
14. Juli 1973 fest, daß die Kurse an der New Yorker Börse seit Jahresbeginn um
rund 16 Prozent gefallen und Aktien, wie General Motors, Ford, Chrysler oder
andere führende Werte besonders günstig erhältlich sind. Für DM, so schreibt

die Zeitschrift, sind amerikanische Firmen heute um rund 30 Prozent billiger
erhältlich

als noch vor zwei Jahren und bei japanischen Yen um circa 25 Pro-

zent. Selbst bei Bezahlung mit britischen Pfund Sterling ergibt sich noch eine
Ersparnis von etwa sechs Prozent.

Ausländische Firmen sind, so betonen diese Kreise, aber auch deshalb am
Erwerb amerikanischer Fabriken interessiert, weil sie hoffen, so etwaige Zollmauern umgehen zu können, die bei einer eventuellen Zunahme protektionistischer
Strömungen in den USA zu Handelsbeschränkungen und damit einer Verschlechterung
ihrer Wettbewerbsposition führen könnten, die sich gerade erst aufgrund der
Dollar-Abwertungen erheblich verbessert hatte. Auch verfügten zahlreiche ausländische Unternehmen bereits vor diesen Dollar-Abwertungen über beträchtliche
Dollarbeträge, so daß sich jetzt für sie die Möglichkeit ergibt, die entstandenen
Abwertungsverluste durch Ankauf amerikanischer Wertpapiere auszugleichen, deren
Kursniveau augenblicklich relativ niedrig ist und bei denen mit einem erheblichen
Kursgewinn gerechnet werden kann, wenn der derzeitige Wirtschaftsaufschwung in
den USA anhält.
Em
- 2-

�Ein weiterer Anreiz für Ausländer zu Investitionen in den USA ist nach
Auffassung dieser Kreise die relativ niedrige Inflationsrate in den Vereinigten
Staaten. Wie die Organisation für Europäische Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) in ihrem Augustbericht betont hat, war die Inflationsrate in Amerika im
Juni trotz erheblicher Preissteigerungen immer noch eine der niedrigsten aller
nichtkommunistischen Ländern. Die von der OECD veröffentlichten Statistiken
zeigen weiter, daß die Vereinigten Staaten in den Jahren von 1968 bis 1972 im
Durchschnitt eine jährliche Inflationsrate von 4,5 Prozent aufzuweisen hatten,
während sie in der Bundesrepublik 5,9 Prozent und in Japan 4,8 Prozent betrug.

Ein weiterer, für ausländische Investoren interessanter Punkt ist die Tatsache, daß die Arbeitskosten in den USA in der letzten Zeit weit langsamer gestiegen sind als in den meisten anderen großen Industriestaaten. Sie erhöhten
sich zum Beispiel in Japan seit 1967 um 82 Prozent und in der Bundesrepublik
um 85 Prozent, während die Zunahme in den Vereinigten Staaten von 1968 bis
1972 lediglich 16 Prozent betrug. Zu einem großen Teil ist dies natürlich ebenfalls auf die Dollar-Abwertungen zurückzuführen.

Aber auch die Bemühungen der amerikanischen Regierung, durch Lockerung
einzelner Bestimmungen ein günstiges Klima für ausländische Investitionen zu
schaffen, haben ihren Zweck nicht verfehlt.

Diese und andere Entwicklungen haben eine Reihe großer ausländischer
Konzerne veranlaßt, sich entweder über Aktienkäufe oder durch direkten Erwerb
eigene Fertigungsanlagen in den Vereinigten Staaten zu verschaffen. So haben eine
britisch-amerikanische Firma den Warenhauskonzern Gimbel Brothers, Lloyds die
Western Bank and Trust Company of Los Angeles, und die schweizer Firma Nestle
die Stouffer Foods, einen bedeutenden Hersteller von Tiefkühlnahrungsmitteln
übernommen. Der Erwerb der Texasgulf Inc. durch die kanadische Development
Corporation und die Übernahme der Ronson Corporation durch die italienische
Firma Liguigas stehen bevor und Michelin, Siemens, Sony sowie weitere bedeutende
Unternehmen haben angekündigt, daß sie eigene Produktionsanlagen in den Vereinigten Staaten errichten wollen. Aber auch zahlreiche andere holländische,

- 3-

�holländische, schweizer, italienische, kanadische und skandinavische Gesellschaften intensivieren ihr USA-Geschäft. Volvo wie auch die Volkswagen AG
haben ihr Interesse an eigenen Montagewerken in den Vereinigten Staaten bekundet.

+ + + + +

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34/1973

ARBEITSREICHE WOCHEN FÜR DEN AMERIKANISCHEN KONGRESS
- Die Sommerpause ist auch in Washington vorbei -

Von James S. Aldrich

WASHINGTON - (AD) - Der 93. Kongreß der Vereinigten Staaten, der am
5. September nach seiner einmonatigen Sommerpause wieder zusammentrat, steht
vor arbeitsreichen Wochen, die auch einiges an Konflikten bringen dürften.
Innenpolitischen Zündstoff enthalten vor allem die Fragen der Abgrenzung der
verfassungsmäßigen Rechte des Präsidenten und des Kongresses: das Recht des
Einsatzes amerikanischer Truppen, die Sperrung von Mitteln, die vom Kongreß
bereits bewilligt wurden, die Billigung von Abkommen, die nicht die Natur von
Verträgen haben, usw. Etwas kontrovers dürften auch geplante gesetzliche Bestimmungen für die Finanzierung von Wahlfeldzügen sein. Weitere innenpolitische
Vorlagen betreffen den Bau einer fast 1300 km langen Pipeline durch Alaska,
Massenverkehrsprojekte und schließlich die eventuelle Umstellung der USA auf
das metrische System. Großen Raum werden natürlich Verteidigungsfragen, die
Auslandshilfe und vor allem das neue Handelsgesetz einnehmen.

Von unmittelbarem und aktuellem Interesse werden jedoch die Anhörungen
und Beratungen über die Nominierung von Dr. Henry Kissinger zum Außenminister
der Vereinigten Staaten sein, die bereits am 7. September beginnen sollen und
sich bis in die kommende Woche erstrecken werden.

Auf

- 1-

�Auf dem Gebiet der nationalen Verteidigung steht die Finanzierung wichtiger Projekte im Mittelpunkt, wie die Entwicklung eines neuen Jagdflugzeuges,
des neuen B-1-Bombers, eines neuen Flugzeugträgers mit Nuklearantrieb und der
neuen Unterseeboote des Typs Trident.

Das Repräsentantenhaus hat sich bei der Verabschiedung eines Beschaffungsgesetzes in Höhe von 20,5 Milliarden Dollar geweigert, eine Höchstgrenze für
im Ausland - vor allem in Europa - stationierte Truppen festzulegen. Der Senat
erwägt jedoch eine Kürzung der amerikanischen Streitkräfte in Übersee - wiederum vor allem in Europa - um 150 000 Mann. Die Frage der Stationierung im Ausland wird wohl das schwerste Hindernis für den Vermittlungsausschuß beider
Häuser darstellen, wenn er im Herbst eine gemeinsame Fassung beider Vorlagen
erarbeiten muß.

Auch eine Einigung beider Häuser in der Frage der Auslandshilfe wird
nicht ganz einfach werden. Das Repräsentantenhaus hat bereits eine Vorlage
verabschiedet, die von der Konzeption ausgeht, daß den Menschen selbst - bilateral - geholfen werden soll, während große Entwicklungsprojekte mehr Aufgabe der multinationalen Hilfsprogramme wären. Einige Senatoren - vor allem
der Fraktionsführer der demokratischen Mehrheit, Mike Mansfield, und der einflußreiche demokratische Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses , William
Fulbright, - treten für eine stärkere amerikanische Beteiligung an multilateralen Hilfsprogrammen ein, während beispielsweise Senator Hubert Humphrey
eine Vorlage unterstützt, die sich den Vorstellungen des Repräsentantenhauses
nähert.

Präsident Nixon hat für das Hilfsprogramm 2,936 Milliarden Dollar angefordert. Die Vorlage des Repräsentantenhauses sieht 2,833 Milliarden Dollar
für diese Programme vor, von denen 1,046 Milliarden Dollar auf die Wirtschaftshilfe, 1,155 Milliarden Dollar auf die Militärhilfe und 632 Millionen Dollar
auf den Wiederaufbau in Indochina nach Beendigung des Krieges in diesem Jahr
sntfallen sollen. Es ist damit zu rechnen, daß der Senat diese Beträge noch
beschneiden wird.
Der

�1
I

/
L

Der Senat wird außerdem über eine Vorlage abstimmen, die 50,2 Millionen
Dollar für die Tätigkeit des Senders Radio Free Europe und Radio Liberty vorsieht, die die weitere Ausstrahlung von Programmen nach den osteuropäischen
Ländern und der Sowjetunion ermöglichen soll. Nach den Bestimmungen dieser
Vorlage soll ein fünfköpfiges Gremium eingesetzt werden, das die Tätigkeit
der beiden Sender überwacht und die Mittel für ihren Betrieb verteilt.

Senator Fulbright, dessen Ausschuß die Vorlage gegen seine Einwände
billigte, erklärte, daß er einen Zusatzantrag einbringen werde, wonach die
finanziellen Beiträge der amerikanischen Regierung mit Beginn des Jahres
1974 fünfzig Prozent der Ausgaben für die beiden Sender nicht übersteigen
dürften; die restliche Summe sei dann von den europäischen Regierungen und
privaten Quellen aufzubringen.

Das neue Handelsgesetz, das unter anderem Präsident Nixon und seinen Beauftragten die Vollmacht zu Verhandlungen über eine Senkung der Zoll- und
Handelsschranken geben soll, wird voraussichtlich diesen Herbst in der zweiten
Kammer verabschiedet werden. Der Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses
hat seine Beratungen darüber schon fast abgeschlossen. Die endgültige Verabschiedung dürfte Anfang nächsten Jahres erfolgen. Das Haus wird in den nächsten
Wochen auch ein Gesetz über die amtliche Festlegung des Wertes des Dollar in
Gold und Sonderziehungsrechten, die Erlaubnis zum privaten Goldbesitz in den
USA, die Meldepflicht von Währungstransaktionen durch multinationale Firmen
sowie die Forderung nach einer internationalen Währungsreform behandeln. Auch
eine Vorlage über Exportkontrollen für knappe Erzeugnisse (Weizen, Sojabohnen
usw.) steht an.

Völlig umstritten ist eine Vorlage über die Bewilligung der Mittel für
das Außenministerium, da hier durch Zusätze ein Verbot künftiger Stützpunktabkommen mit anderen Ländern - es sei denn mit ausdrücklicher Billigung durch
den Senat - sowie eine Offenlegung der Akten für Kongreßausschüsse vorgesehen
wären. Sollte die Vorlage in dieser Form verabschiedet werden - die Chancen
im Repräsentantenhaus stehen 50 zu 50 - dann ist ein Veto des Präsidenten
sicher. Der Präsident wird sich das in der bisherigen Verfassungspraxis ge- 3-

�r
•\

J
geübte Recht des Abschlusses von Abkommen nicht nehmen lassen. Der Billigung
durch den Senat bedürfen nur feierliche internationale Verträge im Sinne des
Völkerrechts.
Ob verfassungsrechtliche Fragen oder finanzielle Fragen, Präsident und
Kongreß werden gemeinsam gangbare Wege finden müssen. Weniger Aufregung aber
sicherlich viel Mühe wird mit einer Vielzahl von Vorlagen verbunden sein, die
eine Verbesserung von Pensionsplänen, Wohnbauförderung für sozial schwache
Bevölkerungsschichten, die Schaffung eines Verbraucherschutzamtes, Massenverkehrsprojekte, Maßnahmen bei Rohölverknappung usw. vorsehen.

Was den "Anschluß" der Vereinigten Staaten an das metrische System angeht,
so

ist die

Ausschuß-Behandlung im Repräsentantenhaus praktisch abgeschlossen,

und die Befürworter hoffen auf eine baldige Debatte im Plenum. Der Senat hat
sich allerdings mit diesem Problem überhaupt noch nicht befaßt.

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34/1973

NEUER SEERECHTSVERTRAG VORDRINGLICH

- (AD) - Nach Ansicht der Vereinigten Staaten dürfen die geplanten Verhandlungen über die Formulierung eines neuen internationalen Seerechts nicht
länger hinausgeschoben werden, nachdem am 24. August 1973 die sechste und
letzte vorbereitende Konferenz in Genf zu Ende gegangen ist. An dieser Tagung
des UN-Komitees für den Meeresboden nahmen die Vertreter von 91 Ländern teil.
Die eigentlichen Verhandlungen über den neuen Seerechtsvertrag sollen im April
*

1974 in Santiago de Chile beginnen. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen
wird im November in New York eine Organisationssitzung abhalten, auf der auch
die zuständigen UN-Vertreter gewählt werden sollen.

Schon vor drei Jahren machte Präsident Nixon darauf aufmerksam, daß in der
Unzulänglichkeit des geltenden Seerechts die Wurzel zu möglichen internationalen
Konflikten liege. Der Meeresboden-Ausschuß der Vereinten Nationen, der sich
bisher mit den daraus erwachsenden Problemen befaßte, vermochte jedoch keine
Einigung über neue Formulierungen zu Fragen wie der Ausdehnung der Hoheitsgewässer, der Durchfahrt durch Meerengen, Navigation, Schutz der marinen Umwelt,
Meeresforschung, wirtschaftliche Anrechte von Küstenstaaten auf Gebiete jenseits der Hoheitsgrenze auf See oder eine internationale Verfügungsgewalt und
Behörde für den Meeresboden außerhalb nationaler Hoheitsgrenzen zu erzielen.
Dies veranlaßte eine Reihe von Nationen, vor Beginn der eigentlichen Konferenz
die Einlegung einer siebten Vorverhandlungsrunde zu fordern.

Damit

-

I

-

�Damit würden die allgemeinen Verhandlungen über ein neues Seerecht wieder
hinausgeschoben, was John R. S. Stevenson, der Leiter der US-Delegation für
die Meeresbodenkonferenz, wegen der dann zu erwartenden Fortsetzung der von
mancher Seite praktizierten Willkürhandlungen auf See und der unsicheren Situation für zahlreiche Staaten für gefährlich hält.

Schon während der sechsten Verhandlungsphase gab Mr. Stevenson zu verstehen, daß zwar die ganze Welt daran interessiert sei, wenigsten "Mindestvereinbarungen" über die wichtigsten Fragen zu erreichen, daß es jedoch "keine befriedigende Alternative zu einem internationalen Abkommen gibt." Dieses könne
nur funktionsfähig sein, wenn darin die Interessen aller Nationen im größtmöglichen Umfang berücksichtigt werden. Ein nur mit Stimmenmehrheit angenommener
Vertrag wäre wenig sinnvoll, weil sich dann möglicherweise einflußreiche Länder,
die ihn ablehnen, nicht an seine Bestimmungen halten.

Zu den noch ungelösten alten Problemen, die seit der letzten großen
Konferenz im Jahr 1960 mitgeschleppt werden, sind durch die neuen Nutzungsmöglichkeiten für die Weltmeere weitere hinzugekommen. Etwa 50 Prozent der Erdölvorkommen der Welt werden im Meeresboden vermutet. Die wichtigsten Reserven
der Zukunft für Kupfer und Nickel sieht man in den Manganknollen-Teppichen, die
auf dem Grund der Tiefsee - außerhalb nationaler Hoheitsgewässer - liegen. Industrie- und Entwicklungsländer, seefahrende Nationen und Binnenstaaten sind
an ihrer Ausbeutung interessiert, für die nun ein für alle akzeptabler Modus
gefunden werden muß. Manche Entwicklungsländer fordern, daß einer internationalen
Behörde das ausschließliche Abbaurecht für die Tiefsee-Mineralien übertragen
werden und daß diese Behörde entscheidet, wer die Vorkommen in welchem Umfang
abbauen dürfe. Industrienationen wie die USA dagegen sind der Auffassung, die
Behörde solle im Rahmen eines Lizenzierungs- und Verordnungssystems die Abbauaktivität regeln und dafür Sorge tragen, daß die internationale Gemeinschaft
in erster Linie durch die Verteilung von Gewinnen und Angebote auf technische
Hilfe Nutzen davon habe.

Mit der starken Ausweitung des Schiffsverkehrs und der industriellen Aktivität im ozeanischen Raum nimmt die MeeresVerschmutzung und die Gefährdung der

�der marinen Umwelt zwangsläufig ernste Ausmaße an, wenn dieser Entwicklung
nicht durch Maßnahmen auf internationaler Ebene Einhalt geboten wird. Den
organisatorischen Rahmen dazu soll eine Konferenz von UN-Mitgliedstaaten erarbeiten, die am 4. September 1973 begann.

Auch die Hochseefischerei gibt immer wieder Anlaß zu Streitigkeiten. Die
Vereinigten Staaten nehmen den Standpunkt ein, daß Küstenländer

das erste An-

recht an Fischbeständen in ihren jeweiligen wirtschaftlichen Interessengebieten
vor der Küsten haben. Bei Fischarten wie Lachs, die in küstennahen Flüssen
laichen, aber Wanderzüge über Tausende von Seemeilen unternehmen, sollten dem
Herkunftsland die Fangrechte vorbehalten sein, während für andere Spezies wie
Thunfisch, die ebenfalls Wanderzüge über große Entfernungen unternehmen, eine
internationale Kontrolle vorzusehen ist. Dies alles sind nur Einzelbeispiele
für die Unmenge von Fragen und Probleme, die mit der Formulierung eines neuen
Seerechts aus der Welt geschafft werden sollen.

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ULTRAVIOLETTEINSTRAHLUNG UND HAUTKREBS-HÄUFIGKEIT
Umfangreiche Studie in den USA in Angriff genommen

- (AD) - Seit langem wird vermutet, daß ein Zusammenhang zwischen Ultravioletteinstrahlung der Sonne und Hautkrebs besteht. Um diesen nach Möglichkeit auch beweisen und definieren zu können, installierten kürzlich Wissenschaftler der US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung (NOAA) ein Netz
von Meßgeräten, mit denen die jeweilige Menge der ultravioletten Einstrahlung
ermittelt und die Ozonschicht in der Atmosphäre sondiert wird. Gleichzeitig
wird mit Hilfe besonders empfindlicher Dosimeter, die die Reaktion der Hautrötung beim Menschen unter Sonneneinstrahlung nachvollziehen, das Auftreten
und der Grad von "Sonnenbrand" in den von der Überwachungsaktion erfaßten Gebieten registriert. Denn der Verdacht, daß jener Strahlungsanteil des Sonnenlichts, der zu Sonnenbrand führt, auch die Entwicklung von Hautkrebs begünstigt,
scheint nicht unbegründet zu sein.
Die NOAA-Wissenschaftler arbeiten bei diesem Projekt eng mit dem Nationalen
Krebsforschungsinstitut, einer Abteilung der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH) sowie der Temple-Universität in Philadelphia (Pennsylvanien)
und dem Nationalen Wetterdienst zusammen. Die Studie wird z.T. vom US-Verkehrsministerium finanziert, das durch sein Sonderprojekt zur Bewertung klimatischer
Einflüsse ("Climatic Impact Assessment Program") die möglichen Auswirkungen von
Abgasen sehr hochfliegender Flugzeuge auf das Klima

und die normale Struktur

der Atmosphäre zu ergründen sucht.
Das
- 1 -

�Das US-Verkehrsministerium ist deshalb an der Studie besonders interessiert, weil immer wieder die Befürchtung geäußert wird, daß künftige Flotten
von Überschall-Transportflugzeugen und Passagiermaschinen, die zur Erreichung
von Überschallgeschwindigkeiten in großen Höhen fliegen müssen, die schützende
Ozonschicht "verdünnen" oder gar zerstören könnten. An der Erdoberfläche würde
man sehr viel größere Mengen von ultravioletter Strahlung empfangen, wenn diese
nicht von der Ozonschicht absorbiert würde.
Dr. Lester Macha, der Direktor des NOAA-Instituts für Atmosphärenforschung
in

Boulder (Colorado), erklärte in diesem Zusammenhang, daß man genau ermitteln

wolle, wie sich die Sonnenbrand verursachende Sonnenstrahlung mit der geographischen Breite, mit dem Ozongehalt der Luft, mit Staub- und Aerosolkonzentrationen in der Atmosphäre sowie mit verschiedenen meteorologischen Faktoren
verändert. Diese Informationen werden zu Daten in Beziehung gesetzt, die das
Nationale Krebsforschungsinstitut über Art, geographische Verteilung und Häufigkeit von Hautkrebs zusammenstellt.

Die Spezialinstrumente messen Ultraviolettstrahlung im Wellenlängenbereich zwischen 2800 und 3200 Sngström. Der Teil des Spektrums, der Hautkrebs
verursacht, ist allerdings nicht genau bekannt. Jedoch ist anzunehmen, daß
exakte Beobachtungen der unter bestimmten Einstrahlungsbedingungen auftretenden
Hautrötung (eine Folge von Überfüllung und Verstopfung der Kapillaren) und
gründliche Erhebungen zur Frage "Sonnenbrandreaktionen der Haut und Hautkrebs"
die Wissenschaft ein gutes Stück voranbringen werden.

Auffallend ist, daß in südlichen Breiten Hautkrebs häufiger vorkommt
als in den gemäßigten und polnäheren Breiten. Im allgemeinen sprechen diese
Formen von Krebs gut auf Behandlung an und sind nicht lebensbedrohlich. Dennoch
warnen der öffentliche Gesundheitsdienst der USA und die "American Cancer
Society" immer wieder vor dem ausgedehnten Sonnenbad, um einen der möglichen
Faktoren für die Entstehung von Hautkrebs auszuschalten.

Parallel zu den beschriebenen Untersuchungen laufen unter Verwendung der
'.', .eichen Instrumente verschiedene Studien, mit denen man eine Reihe anderer

�anderer biologischer Reaktionen auf Ultraviolettlicht untersuchen will.
Eines dieser Forschungsgebiete ist die Aufdeckung von Zusammenhängen zwischen
Pflanzenwachstum und UV-Einstrahlung. An diesen Projekten sind jedoch keine
NOAA-Wissenschaftler beteiligt.

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MINI-APPARATUR SOLL BAUCHSPEICHELDRÜSE ERSETZEN

- (AD) - Wissenschaftler des "Joslin Research Laboratory" in Boston
(Massachusetts) entwickelten und erproben derzeit eine Apparatur, die wichtige Funktionen der Bauchspeicheldrüse übernehmen soll. Wie Dr. J. Stuart
Soeldner, Forschungsdirektor des Instituts, in einem Interview mit der "Stimme
Amerikas" erklärte, handelt es sich dabei um ein winziges, implantierbares
Gerät, das fortlaufend den Blutzuckerspiegel ermitteln und entsprechend des
jeweiligen Meßwertes eine Mikrodosis von Insulin in den Körper des Diabetikers
einschleusen soll.

Durch dieses neue Behandlungsverfahren versucht man die beim LangzeitDiabetes häufig auftretenden Komplikationen wie Nierenversagen, Herz- und
Gefäßleiden - oft verbunden mit einer immer stärkeren Beeinträchtigung der
Sehfähigkeit - zu mildern oder ganz auszuschalten. Sie ergeben sich im Laufe
der Zeit, weil der Diabetiker bei der herkömmlichen Behandlung mit InsulinInjektionen einfach nicht in der Lage ist, den Blutzuckerspiegel ständig innerhalb der günstigsten, normalen Grenzwerte zu halten.

Das Projekt der Forschergruppe um Dr. Soeldner, an dem auch zwei Raumfahrtwissenschaftler (Dr. Chang und Dr. Eisenberg) beteiligt sind, befindet
sich noch im Experimentierstadium. Aber die Wissenschaftler sind sehr optimistisch, daß es ihnen gelingen wird, die "künstliche Bauchspeicheldrüse"
so klein zu halten, daß die Apparatur ohne Schwierigkeit im Unterhautgewebe
am Magen implantiert und ihr Insulinvorrat von außen regelmäßig ergänzt
werden kann.
Dr. Soeldner

�Dr. Soeldner verweist darauf, daß 2, 3 und selbst 4 Insulinspritzen pro
Tag keine Garantie dafür bieten, den Blutzuckerspiegel normal zu halten."Mit
der Funktionstüchtigkeit der gesunden Bauchspeicheldrüse, insbesondere ihrer
Beta-Zellen in den sogenannten Langerhansschen Inseln, konnte sich bisher auch
die beste Therapie mit einer stets aufs Sorgfältigste vorgenommenen Insulineinstellung nicht messen. Es habe, so Dr. Soeldner, den Anschein, als ob die
Beta-Zellen, die das Insulin produzieren, speichern und freisetzen, auch die
Fähigkeit hätten, kontinuierlich den Blutzuckerspiegel zu messen. Und entsprechend dem jeweiligen "Meßwert" geben sie ebenso kontinuierlich die Menge
Insulin ab, die zur Aufrechterhaltung des Normalwertes erforderlich ist.

Die fortlaufende Ermittlung des Glukose-Spiegels ist die eine Schlüsselfunktion der neuen Apparatur, die Freigabe der entsprechenden Menge Insulin
aus dem Nachfüllbehälter die zweite. Der dafür erforderliche Mechanismus wurde
von Dr. Chang und Dr. Eisenberg entwickelt. Er sollte ohne bewegliche Teile
und mit minimalem Energieaufwand funktionieren; außerdem durfte er keinerlei
toxische Verbindungen enthalten oder erzeugen. Das Nachfüllen, das vorläufig
einmal pro Tag erfolgt, soll mit weiterer Vervollkommnung der Apparatur später
auf einmal pro Woche beschränkt werden können. Der Blutzuckerspiegel des
Patienten soll auf diese Weise zu jeder Tages- und Nachtzeit auf dem Normalstand gehalten werden. Wahrscheinlich bedeutet das für ihn auch die Einhaltung
einer weniger strikten Diät - von der Befreiung von ernsten Komplikationen
einmal ganz abgesehen.

+ + + + +

- 2-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Kernwaffenversuche&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Theorie und Praxis&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wiederaufnahme der Atomtests in der Atmosphäre in der Sicht von Wissenschaftlern aus West und Ost&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Leben in den USA&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die USA statistisch gesehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aus der Arbeit des statistischen Bundesamtes der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Das Buch&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Immer das gleiche Lied&lt;br /&gt;- Furcht und Bevormundung sind die Begleiterscheinungen kommunistischer Regime&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Die amerikanische Raumfahrtindustrie meldet:&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Plasmamotor für Weltraumreisen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Automatisches Landesystem für Raumschiffe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Raumgleiter Dyna-Soar landet auf Drahtbürsten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Messgerät für Höchstvakuum&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Größte Feststoffrakete im Standversuch erprobt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gasschmierung ermöglicht höhere Arbeitstemperaturen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diamanten als Halbleiter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Beobachtungskamera für Flugkörper</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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und
Dokumentation

Service

Postfach

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

Nummer 1 8

6. Oktober 1976

Inhalt

DOKUMENTATION:
Rede von Außenminister Kissinger am 30. September 1976 vor der UNVollversammlung
- Wortlaut .)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Antarktisforschung 1976/77
Schwerpunktprogramme der USA:

Ross-Eisschelf und Trockentäler

"ENTERPRISE" - Debüt des US-Raumtransporters

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

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G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

18/1976

REDE VON AUSSENMINISTER KISSINGER AM 30. SEPTEMBER 1976
VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister
Henry A. Kissinger hat am 30. September in einer richtungweisenden Rede vor
der Vollversammlung der Vereinten Nationen zur weltpolitischen Lage Stellung
genommen und die Weltorganisation aufgefordert, sich von den ideologischen
Taktiken und den Konfrontationen der Vergangenheit freizumachen und auf ein
gemeinsames Aktionsprogramm zu konzentrieren.
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, hochverehrte Außenminister und
Delegierte:
Lassen Sie mich diesem Gremium zunächst zur Wahl von Botschafter Amerainche
aus Sri Lanka zum Präsidenten dieser 31. Sitzungsperiode der Vollversammlung
gratulieren. Er genießt als Diplomat großes internationales Ansehen und hat
neben zahlreichen Erfolgen bei den entscheidend wichtigen Verhandlungen über
das Seerecht eine bedeutende führende Rolle übernommen.
Ich möchte ferner dem Generalsekretär für seine unermüdlichen Bemühungen
um die Völkergemeinschaft der Welt meine Hochachtung aussprechen.

- 1-

Ihm ist es

�»

es gelungen, die in der Charta niedergelegten Prinzipien der Fairness, der
Unparteilichkeit und der Hingabe an die Sache eines weltweiten Friedens und
der Menschenwürde in seiner Person zu verkörpern.
Die Vereinten Nationen wurden aus der Überzeugung geboren, daß der Friede
unteilbar ist und mehr als lediglich Stabilität bedeutet, daß Friede, wenn er
von Dauer sein soll, dem Streben der Menschheit nach Gerechtigkeit, Freiheit,
wirtschaftlichem Wohlstand, Herrschaft des Rechts und Förderung der Menschenrechte Erfüllung bringen muß.

Aber die Geschichte dieser Organisation brachte

immer mehr zu Bewußtsein, daß die Menschheit sich nicht zwangsläufig zu einem
gemeinsamen einheitlichen Vorgehen in Richtung auf diese Ziele bereitfinden
würde.
Die Vereinten Nationen haben 30 Jahre gewaltiger Veränderungen in dem
internationalen System überdauert - und zur Herbeiführung dieser Veränderungen
beigetragen.

Sie haben die schwere Zeit des Kalten Krieges überstanden.

Sie

haben eine entscheidend wichtige Rolle bei der Auflösung der Kolonialreiche gespielt.

Sie haben zur Milderung von Konflikten beigetragen,und ihre Truppen

besetzen Waffensti11 Standslinien in Krisengebieten der Welt.

Sie haben einzig-

artige Anstrengungen auf Gebieten wie dem öffentlichen Gesundheitswesen, der
Entwicklungshilfe und der technischen Zusammenarbeit unternommen.
Aber die wichtigste Aufgabe dieser Organisation liegt noch vor uns: die
positiven und hohen Ziele der Menschheit zu verteidigen und den Völkern bei der
Errichtung einer neuen auf Verständigung beruhenden Gemeinschaft zu helfen.
Durch die modernen Kommunikationsmittel ist das Streben der Menschen zu
einer gemeinsamen Erfahrung für die Völker in allen Teilen dieses Planeten geworden. Wir haben gemeinsam Teil an den Wundern der Wissenschaft und Technologie, den Bemühungen um Industrialisierung und sozialen Wandel und sind uns
ständig des Schicksals und der Hoffnungen unserer Mitmenschen bewußt.
Die Entfernungen auf der Welt sind geschrumpft, aber die Völker der Welt
sind einander nicht näher gekommen.

Es ist paradox, daß der Nationalismus gera-

- 2 -

�gerade in dem Augenblick zugenommen hat, da die meisten schwerwiegenden Fragen, denen wir alle uns gegenübersehen, nur gelöst werden können, wenn wir
uns unserer Interdependenz bewußt sind.

Der moralische und politische Zusam-

menhalt unserer Welt scheint gerade in dem Moment zu schwinden, in dem ein
Gefühl der Gemeinsamkeit unerläßlich geworden ist.
Die Zersplitterung hat selbst vor diesem Gremium nicht haltgemacht. Die
Völker haben Entscheidungen en bloc oder auf regionaler Basis nach starren
ideologischen Gesichtspunkten getroffen, ohne zuvor auch nur den Debatten in
diesen Hallen zuzuhören. Bei zahlreichen Fragen ist bereits vorher eine Entscheidung auf früheren Konferenzen getroffen worden, an denen über die Hälfte
der Mitglieder der Vereinten Nationen teilnahmen. Es besteht eine weitverbreitete Tendenz, hierherzukommen, um zu kämpfen und nicht um zu verhandeln. Wenn
dieser Trend anhält, wird die Hoffnung der Völkergemeinschaft der Welt zerstört
und wird der moralische Einfluß dieser Organisation immer mehr zurückgehen.
Dies wäre eine Tragödie. Die Mitglieder dieser Organisation befassen
sich heute mit einer Vielzahl von Initiativen, gerechte Lösungen für die komplexen und explosiven Probleme zu finden. Noch herrscht eine scheinbare Ruhe,
aber unter ihrer Oberfläche wird sie durch die fundamentalen Kräfte des Wandels
in Frage gestellt - technologische, wirtschaftliche, soziale. Mehr denn je zuvor leben wir in einer Zeit, in der es der Staatskunst und der Zurückhaltung,
der Ausdauer, aber auch des Wagemutes bei dem Streben nach Frieden und Gerechtigkeit bedarf. Die Dogmen vom immerwährenden Streit führen nur zu Blutvergießen und Verbitterung; sie lösen Kräfte der Zerstörung und Unterdrückung aus
und legen die Saat für künftige Konflikte. Appelle des Hasses - sei es auf
der Basis der Rassen, der Klassen, der Hautfarbe, der Nationalität oder der
Ideologie - schlagen letztlich auf die zurück, von denen sie ausgingen und werden die Sache der Freiheit und der Gerechtigkeit auf der Welt keineswegs fördern.
Lassen Sie uns niemals vergessen, daß die Vereinten Nationen den kleineren
und schwächeren Ländern am meisten nützen.

Gerade sie haben am meisten unter

ihrem Versagen zu leiden, denn ohne die Herrschaft des Rechts werden Streitig-

�Streitigkeiten auf eine Weise beigelegt werden, wie sie in der Geschichte nur
allzu oft und schmerzhaft beigelegt worden sind - nämlich durch Machtproben.
Es sind nicht die Schwachen, die in einer Welt des Chaos die Oberhand behalten
würden.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß diese 31. Vollversammlung sich von den ideologischen Taktiken und Konfrontationen freimachen muß,
die kennzeichnend für einige frühere Vollversammlungen waren, und sich zu
einem gemeinsamen Aktionsprogramm bekennen muß.
Die Vereinigten Staaten kommen zu dieser Vollversammlung mit der Bereitschaft, an gemeinsamen Aktionsprogrammen mitzuarbeiten.
Vorschläge vorlegen.

Wir werden konkrete

Wir werden den Ideen anderer Gehör schenken.

Wir werden

uns jedem Druck widersetzen und die Zusammenarbeit anstreben.
Lassen Sie mich jetzt die drei Hauptaufgaben erörtern, vor denen wir
stehen - das Problem des Friedens, die Aufgabe, wirtschaftlichen Wohlstand zu
schaffen und die Agenda für eine globale Interdependenz.
Das Zeitalter der Vereinten Nationen ist auch ein Zeitalter häufiger
Konflikte gewesen. Wir sind von einem dritten Weltkrieg verschont geblieben,
aber wir können nicht von der Annahme ausgehen, daß diese Verhältnisse für
immer und ohne Anstrengungen so bleiben werden.
Ein Zeitalter thermonuklearer Waffen und ständiger nationaler Rivalitäten
erfordert von uns äußerste Anstrengungen, um die Geißel des Krieges unter Kontrolle zu halten. Unsere Generation muß aus der Vielzahl von Ländern ein System
von Beziehungen schaffen, das die Kräfte der Nationen und Völker für die positiven Aufgaben freisetzt, ohne daß man sich vor einem Krieg fürchten muß oder
ein solcher droht.
Im Mittelpunkt der amerikanischen Außenpolitik stehen unsere Schwesterdemokratien, die Industriestaaten Nordamerikas, Westeuropas, des südlichen Pazifik
und Japan sowie unserer traditionellen Freunde in der westlichen Hemisphäre. Wir

�Wir sind mit diesen Nationen durch die Bande der Geschichte, der Zivilisation,
der Kultur, durch gemeinsame Prinzipien und eine Generation gemeinsamer Anstrengungen verbunden.
Unsere Bündnisse, auf dem Fels der gemeinsamen Sicherheit begründet, reichen jetzt über die gemeinsame Verteidigung hinaus und erstrecken sich auf eine
Vielzahl neuer Fragen:

die sozialen Aufgaben, die sich den hochentwickelten

technologischen Gesellschaften gemeinsam stellen; gemeinsame Initiativen zum
Abbau der Spannungen gegenüber unseren Gegnern; die Gestaltung positiver Beziehungen zu den Entwicklungsländern.

Die gemeinsamen Anstrengungen der in-

dustriellen Demokratien sind nicht auf exklusive Ziele gerichtet, sondern sind
eine Brücke zu einem umfassenderen, sichereren und kooperativen internationalen
System sowie zur Ausbreitung der Freiheit und des Wohlstands auf alle Nationen
Die Vereinigten Staaten sind stolz auf ihre historischen Freundschaften
in der westlichen Hemisphäre.

Im modernen Zeitalter müssen sie - und sie sind

es - auf Gleichberechtigung und beiderseitigem Vorteil begründet sein.

Wir

haben eine einzigartige Gelegenheit, daß der große Dialog zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern seine schöpferische Lösung in der Hemisphäre
finden kann, wo die moderne Demokratie geboren wurde und wo die Zusammenarbeit
zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern, zwischen kleinen und großen,
eine seit langem bestehende Tradition ist.
Immer wieder haben in der Geschichte Ideologie und Macht die Länder in die
Versuchung geführt, sich einen einseitigen Vorteil zu verschaffen. Aber die
zwingende Lehre des nuklearen Zeitalters ist, daß die Politik der Machtproben
sich mit dem überleben der Menschheit nicht mehr vereinbaren läßt. Traditionelle Machtpolitik wird irrational, wenn der Krieg das zivilisierte Leben vernichten kann und wenn keine Seite einen entscheidenden strategischen Vorteil
erlangen kann.
Daher fällt den großen nuklearen Mächten eine besondere Verantwortung in
bezug auf Zurückhaltung und Einsicht zu.

Sie sind in der Lage, das volle Aus-

maß der Katastrophe zu ermessen, die die Menschheit vernichten könnte.

Sie

�Sie müssen aufpassen, daß sie, wenn sie ihre Rivalitäten mit den bisher üblichen Methoden austragen, nicht die Dispute weiter schüren.

Wenn sie ört-

liche Konflikte zum Gegenstand globalen Wettstreits machen, dann wird früher
oder später dieser Wettstreit außer Kontrolle geraten.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die Zukunft der Menschheit eine Koexistenz mit der Sowjetunion erfordert.

Alte Schlagworte können

die Notwendigkeit konstruktiverer Beziehungen nicht verschleiern.

Wir werden

darauf bestehen, daß die Zurückhaltung auf Gegenseitigkeit beruht, nicht nur
in bilateralen Beziehungen, sondern überall auf der Welt.
tive Entspannung geben.
beibehalten.

Es kann keine selek-

Wir müssen unsere Verteidigung und unsere Wachsamkeit

Aber wir wissen, daß harte Worte nicht Stärke bedeuten, daß wir

den künftigen Generationen hoffnungsvollere Aussichten schuldig sind, als sie
ein hauchdünnes Gleichgewicht furchtbarer Streitkräfte bietet.
Frieden setzt ein Gleichgewicht strategischer Stärke voraus.
die Vereinigten Staaten aufrechterhalten.

Dies werden*

Aber die Vereinigten Staaten sind

überzeugt, daß das Ziel eines strategischen Gleichgewichts sich weit sicherer
durch Abkommen als durch ein Wettrüsten erreichen läßt.

Die Verhandlungen

über die Begrenzung der Rüstungen stehen daher im Mittelpunkt der amerikanischsowjetischen Beziehungen.
Es sind in der Vergangenheit Abkommen über die Begrenzung und Kontrolle
der nuklearen Waffen erreicht worden, wie sie in der Geschichte ohne Beispiel
sind. Gegenwärtig wird ein historischer Versuch unternommen, eine Höchstgrenze für die strategischen Arsenale beider Seiten festzulegen, die im Einklang
mit dem Abkommen von Wladiwostok steht. Und wenn dies erst einmal erreicht
ist, sind wir bereit, sofort einen Abbau des Standes der strategischen Rüstungen anzustreben.
Die Vereinigten Staaten begrüßen den kürzlichen Fortschritt, der bei der
weiteren Einschränkung der Kernwaffenversuche und bei der erstmaligen Festsetzung eines Verfahrens für friedliche Kernexplosionen erzielt worden ist.
Die beiden Verträge, die jetzt unterzeichnet worden sind und noch der Ratifi-

�Ratifizierung bedürfen, sollten die Grundlage für weiteren Fortschritt auf
diesem Gebiet bilden.
Zusammen mit mehreren unserer europäischen Verbündeten setzen wir die Bemühungen fort, eine ausgewogene Reduzierung der militärischen Streitkräfte zu
erreichen, die sich in Mitteleuropa gegenüberstehen. In gewisser Beziehung
sind dies die schwierigsten Verhandlungen über eine Rüstungsbegrenzung, die
je unternommen worden sind. Wir hoffen, daß durch geduldige Bemühungen, auf
Gegenseitigkeit beruhende Truppenkürzungen bald erreicht werden können, die
die Sicherheit aller beteiligten Länder noch verbessern.
Die Vereinigten Staaten bleiben weiterhin der Arbeit des Genfer Abrüstungsausschusses verpflichtet. Wir begrüßen den dort gemachten Fortschritt, jede
Veränderung der Umwelt für destruktive Zwecke zu ächten. Wir werden alle Ideen
ernsthaft prüfen, gleichgültig von wem sie kommen, die die Rüstungslasten senken könnten. Wir werden unsere eigenen Initiativen vorantreiben, nicht aus
Propagandagründen oder wegen einseitiger Vorteile, sondern um Frieden und Sicherheit für alle zu fördern.
Aber Koexistenz und Verhandlungen über die Kontrolle der Rüstungen finden
nicht in einem Vakuum statt. Wir sind beunruhigt über die weitere Anhäufung
von Waffen und die jüngsten Fälle militärischer Interventionen zur Beeinflussung der Entscheidungen bei lokal begrenzten Konflikten in weit entfernten Erdteilen. Wir haben unverhüllte Versuche erlebt, die diplomatischen Absichten
zu entstellen und den hoffnungsvollen Fortschritt in Richtung auf eine friedliche Lösung schwieriger Fragen zu verhindern. Solche Bemühungen verstärken
nur die Spannungen; sie lassen sich nicht mit einer Politik zur Verbesserung
der Beziehungen vereinbaren. Wenn Koexistenz etwas mehr als ein unsicherer
Waffenstillstand sein soll, müssen beide sich darüber klar sein, daß Ideologie
und Machtpolitik im Gegensatz zu den Realitäten des nuklearen Zeitalters stehen
und daß ein Streben nach einseitigen Vorteilen nicht akzeptiert werden kann.
In
- 7 -

�In den letzten Jahren haben die neuen Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Volksrepublik China große Bedeutung für die weltweite Sicherheit erlangt.
Wir kamen zusammen aus der Notwendigkeit und dem beiderseitigen Glauben
heraus, daß die Welt frei von militärischer Erpressung und dem Streben nach Hegemonie bleiben soll. Wir haben einen neuen Weg beschritten - durch weitreichende Konsultationen, bilateralen Austausch, die Eröffnung von Büros in unseren
beiden Hauptstädten und Beschleunigung der Schritte zur Normalisierung.

Und wir

haben daraus für uns beide Vorteile gezogen - wir haben ein klareres Verständnis
für das Streben unserer Völker gewonnen, bessere Aussichten auf ein internationales Gleichgewicht erreicht, die Spannungen in Asien abgebaut und die Möglichkeiten für gleichlaufende Schritte bei globalen Fragen verbessert.
Diese Elemente bilden die Grundlage für wachsende und dauerhafte Beziehungen, die auf einem objektiven gemeinsamen Interesse fußen. Die Vereinigten
Staaten haben sich verpflichtet, die Bindungen zwischen uns zu stärken und
auf dem Wege zur Normalisierung unserer Beziehungen in strikter Übereinstimmung mit den Prinzipien des Kommuniques von Schanghai fortzufahren. Im Zuge dieses
Prozesses muß jede Seite Zurückhaltung zeigen sowie die Interessen und Überzeugungen des anderen respektieren. Wir werden uns der chinesischen Interessen
bei allen internationalen Fragen bewußt bleiben und werden unser äußerstes tun,
um sie zu berücksichtigen. Wenn jedoch diese Beziehungen sich verstärken sollen, dann muß es ein ähnliches Verständnis für unsere Ansichten und Belange
geben.
Auf dieser Grundlage wird die progressive Entwicklung unserer Beziehungen
zum volkreichsten Land der Welt ein entscheidendes Element der Außenpolitik der
Vereinigten Staaten sein.
Die Welt ist heute Zeuge kontinuierlicher regionaler Krisen.
ihnen könnte in einen größeren Konflikt ausufern.

Jede von

Jede verlangt unsere sorg-

samsten Bemühungen um Aussöhnung und Zusammenarbeit.

Die Vereinigten Staaten

haben eine aktive Rolle bei der Suche nach Frieden in zahlreichen Gebieten cje_i
- 8 -

�gespielt - im südlichen Afrika, im Nahen Osten, in Korea und auf Zypern - und
werden diese Rolle auch weiterhin spielen.
Rassische Ungerechtigkeit sowie die widerwillige Aufgabe kolonialer Macht
haben das südliche Afrika zu einem bitteren Test der Hoffnungen der Welt auf
Frieden und Gerechtigkeit unter der Charta der Vereinten Nationen werden lassen.
Eine große Zahl von Stimmen ist hier in diesem Saal gehört worden, die warnend
darauf hinwiesen, daß - wenn wir nicht schnell Lösungen für die Krisen in
Namibia und Rhodesien fänden - dieser Teil der Welt zu einem unheilvollen Kampffeld mit Konsequenzen für jeden Teil der Welt werden könnte.
Ich war auf Ersuchen von Präsident Ford soeben in Afrika, um festzustellen,
was wir tun können, um den Völkern jenes Kontinentes bei der Verwirklichung ihres Strebens nach Freiheit und Gerechtigkeit zu helfen.
Es besteht gegenwärtig eine Chance, von dem Rand des Abgrundes zurückzuweichen. Ich bin der Ansicht, daß Afrika jetzt vor dem Preis steht, um den es
solange gerungen hat, nämlich vor der Möglichkeit für die Afrikaner, sich eine
Zukunft des Friedens, der Gerechtigkeit, der rassischen Harmonie und des Fortschrittes zu schaffen.
Die Vereinten Nationen haben sich seit ihrer Gründung mit der NamibiaFrage befaßt. 30 Jahre lang war dieses Gebiet ein Prüfstein für die Fähigkeit
dieser Institution, ihre Entscheidung in die Praxis umzusetzen.
In den vergangenen Monaten waren die Vereinigten Staaten mit Nachdruck
bemüht, den betroffenen Parteien dabei zu helfen, den Prozeß in Richtung auf
die Unabhängigkeit Namibias zu beschleunigen.

Die Vereinigten Staaten sprechen

sich für folgendes aus: Die Unabhängigkeit Namibias innerhalb eines festgelegten kurzfristigen Zeitraums; die Einberufung einer verfassungsgebenden Konferenz an einem neutralen Ort unter der Ägide der Vereinten Nationen und die
Beteiligung aller authentischen nationalen Kräfte, einschließlich insbesondere
auch der Swapo, an dieser Konferenz.
Fortschritte erzielt worden.

Bei der Erreichung all dieser Ziele sind

Wir werden unsere Anstrengungen darauf richten,
- 9 -

�richten, die noch vorhandenen Hindernisse zu beseitigen und eine Konferenz
zustandezubringen, die dann mit gutem Willen und Klugheit einen Plan für den
neuen Staat Namibia und seine Beziehungen zu den Nachbarn ausarbeiten kann.
Wir unterstreichen hiermit unsere anhaltende Sorge um die Unabhängigkeit von
Namibia, damit es schließlich zu einem stolzen Erfolg dieser Organisation und
einem Symbol der internationalen Zusammenarbeit werden kann.
Vor noch nicht einer Woche kündigten die rhodesischen Behörden an, daß sie
bereit seien, mit den nationalistischen Führern von Simbabwe zusammenzutreffen,
um eine Übergangsregierung zu bilden, die innerhalb von zwei Jahren eine Mehrheitsregierung zustande bringen soll.

Mit ihrer Forderung nach unmittelbaren

Verhandlungen haben die afrikanischen Präsidenten gezeigt, daß sie bereit sind,
diese Gelegenheit für eine Regelung zu ergreifen, und indem die britische Regierung ihre Bereitschaft zur Einberufung einer Konferenz kund tat, hat sie ihr
großes Verantwortungsbewußtsein und ihre Sorge um eine schnelle und gerechte
Unabhängigkeit Rhodesiens gezeigt.
Es ist unvermeidlich, daß nach 10 Jahren der Auseinandersetzungen der Argwohn tief wurzelt.. Viele Hindernisse müssen noch überwunden werden. Großmut
zu zeigen, ist niemals leicht, und schon gar nicht nach einer Generation der
Bitterkeit und des rassischen Konfliktes. Aber wir dürfen nicht aus den Augen
verlieren, was schon erreicht worden ist: Die Verpflichtung für eine Mehrheitsregierung innerhalb von zwei Jahren, die Verpflichtung, unverzüglich eine Übergangsregierung mit einer afrikanischen Mehrheit im Kabinett und einem afrikanischen Ministerpräsidenten zu bilden, die Bereitschaft, hierauf eine verfassungsgebende Konferenz folgen zu lassen, die den rechtlichen Rahmen eines unabhängigen Simbabwe definiert.
Die Vereinigten Staaten haben in Zusammenarbeit mit anderen Ländern wesentliche Anstrengungen geleistet, und wir werden auch in Zukunft unser äusserstes tun, um den hoffnungsvollen Prozeß, der nun möglich ist, zu unterstützen. Aber es sind die Menschen in Afrika, die ihre Zukunft gestalten müssen.
Die Bevölkerung Rhodesiens und die Nachbarstaaten stehen jetzt vor einer außerordentlich großen Herausforderung. Ihre Fähigkeit, zusammenzuarbeiten, und
- 10 -

�und ihre Fähigkeit, sich zu vereinigen, wird in den kommenden Monaten wie
niemals zuvor auf die Probe gestellt.
Es mag einige Länder geben, die eine Chance darin sehen, aus der Anfachung der Flammen des Krieges und des Rassenhasses Vorteile zu ziehen.

Was

sie dazu veranlaßt, ist jedoch nicht die Sorge um die Völker Afrikas oder um
den Frieden.

Sollten sie Erfolg haben, dann könnten damit Möglichkeiten zu-

nichte gemacht werden, die vielleicht nie wiederkehren.
In Südafrika selbst nimmt das Tempo der Veränderungen zu. Das System der
Apartheid - oder welchen Namen es immer tragen mag - verneint unsere gemeinsame
Humanität und ist ein Stachel für das Gewissen der Menschheit. Veränderungen
sind unvermeidlich. Die führenden Politiker Südafrikas haben eine kluge Haltung bei der Herbeiführung einer friedlichen Lösung in Rhodesien an den Tag
gelegt. Die Weitgemeinschaft nimmt dies zur Kenntnis und fordert, während es
noch Zeit ist, dieselbe Klugheit, um eine Rassengerechtigkeit nach Südafrika
zu bringen.
Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so sind wir davon überzeugt, daß
unseren Werten und Interessen am besten gedient wird durch ein Afrika, das sich
um die Gestaltung seines eigenen Geschickes frei von äußeren Interventionen bemüht. Deshalb werden wir keine Gruppierungen unterstützen, weder in Rhodesien
noch anderswo. Wir werden auch nicht versuchen, irgendwo Lösungen aufzuzwingen
Es liegt bei den Afrikanern, über die Führung und die Zukunft eines unabhängigen Simbabwe wie auch für den Rest von Afrika zu entscheiden. Die Vereinigten
Staaten werden sich an deren Entscheidung halten. Wir fordern alle anderen
nichtafrikanischen Staaten auf, dies ebenfalls zu tun.
Die Vereinigten Staaten wollen keine Sonderposition und auch keine Einflußsphäre.

Wir respektieren die afrikanische Einheit.

Die Rivalität und die

Einmischung nichtafrikanischer Mächte würden dem schwer gewonnenen Kampf um Unabhängigkeit von fremder Herrschaft Hohn sprechen.

Dies würde unvermeidlich

zu Widerstand führen und eine direkte Bedrohung der fundamentalsten Grund- 11-

�Grundsätze, auf denen sich die Vereinten Nationen begründen, darstellen.
Jede Nation, die die Charta unterzeichnet hat, ist verpflichtet, den Nationen Afrikas, deren Völker so viel Leid ertragen mußten, endlich die Erfüllung ihrer Träume von Unabhängigkeit, Frieden, Einheit und Menschenwürde zu
gestatten und zwar auf deren eigene Weise und nach eigenen Entscheidungen.
Seit ihrer Gründung sind die Vereinten Nationen in den chronischen Nahost-Konflikt hineingezogen worden.

Jeder sich daraus ergebende Krieg hat grös-

sere Bedrohungen mit sich gebracht und die vergrößerte Gefahr einer Konfrontation der Großmächte sowie immer ernstere weltweite wirtschaftliche Verzerrungen.
Auf Ersuchen der betroffenen Parteien haben sich die Vereinigten Staaten
aktiv in die Suche nach Frieden im Nahen Osten eingeschaltet.

Seit dem Krieg

des Jahres 1973 hat das staatsmännische Verhalten aller Seiten zu bisher einzigartigen Schritten auf dem Wege zur Lösung dieses bitteren Konfliktes geführt.
Es gibt Abkommen, die die Kriegsgefahr verringern, und es wurden beiderseitige
Verpflichtungen eingegangen, um den Verhandlungsprozeß mit Dringlichkeit
weiterzuführen, bis ein endgültiger Friede erreicht worden ist.

Als Ergebnis

hiervon sind wir dem Ziel des Friedens näher gekommen als zu irgend einem anderen Zeitpunkt seit einer Generation.
Die Rolle der Vereinten Nationen war von entscheidender Bedeutung. Die
Genfer Konferenz trat im Jahre 1973 unter ihrer Ägide zusammen,und die Verwirklichung entsprechender Abkommen ist in den einzelnen Arbeitsgruppen behandelt
worden. Die Resolutionen des Sicherheitsrates bilden den einzigen vereinbarten
Verhandlungsrahmen. Die Friedenstruppen der Vereinten Nationen, die Beobachtergruppen sowie die Waffensti11 Standsüberwachungskommission tragen gegenwärtig
dazu bei, daß der Frieden an den Waffenstillstands!inien bewahrt bleibt. Ich
möchte den Generalsekretär sowie seine Mitarbeiter in New York, Genf und im
Nahen Osten selbst zu ihrer energischen Unterstützung des Friedensprozesses in
kritischen Augenblicken beglückwünschen.
Die
- 12 -

�Die Vereinigten Staaten bleiben ihrer Verpflichtung treu, den betroffenen
Parteien bei der Erreichung einer Lösung zu helfen.

Die schrittweisen Ver-

handlungen der letzten drei Jahre haben uns an einen Punkt gebracht, wo umfassende Lösungen möglich erscheinen.

Wir stehen jetzt vor der Entscheidung,

wie die nächste Phase von Verhandlungen in Gang gebracht werden kann.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich an einer baldigen Wiederaufnahme
der Arbeit der Genfer Konferenz zu beteiligen. Wir sind der Ansicht, daß eine
vorbereitende Konferenz für eine Erörterung der Struktur künftiger Verhandlungen
nützlich sein könnte, aber wir sind anderen Vorschlägen stets offen. Die zu
treffenden Schritte müssen sorgfältig vorbereitet werden, damit - nachdem der
Prozeß einmal in Gang gesetzt worden ist - die betroffenen Länder stetig auf
dem Wege zu einem Abkommen vorankommen.
Die bereits gelegten Grundlagen stellen eine historische Chance dar.

Die

Vereinigten Staaten werden alles in ihren Kräften stehende tun, um sicherzustellen, daß zu dem Zeitpunkt, da diese Vollversammlung im nächsten Jahr wieder
zusammentritt, es möglich sein wird, über weitere bedeutsame Fortschritte in
Richtung auf einen gerechten und dauerhaften Frieden im Nahen Osten zu berichten.
Seit die Vollversammlung zum letzten Mal hier zusammentraf, hat die Bevölkerung im Libanon unsägliches Leid befallen. Die Vereinigten Staaten unterstützen mit Nachdruck die Souveränität, Einheit und territoriale Integrität
dieses geplagten Landes. Wir sind gegen eine Teilung. Wir hoffen, daß die
libanesischen Angelegenheiten schon bald wieder in die Hände des libanesischen
Volkes gelegt werden. Alle Mitglieder der Vereinten Nationen und alle sich im
Konflikt befindlichen Parteien im Libanon haben die Verpflichtung, die Bemühung
des neuen libanesischen Präsidenten um Wiederherstellung des Friedens und den
Einsatz aller Energien für den Wiederaufbau des Landes zu unterstützen. Und die
Sonderorganisationen der Vereinten Nationen können bei diesem Wiederaufbaubemühen eine wichtige Rolle spielen.
Die
- 13 -

�Die Konfrontation zwischen Nord- und Südkorea stellt weiterhin eine Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Stabilität dar.
wichtigen Interessen von Weltmächten berühren sich in Korea.

Die lebens-

Ein Konflikt

dort bedeutet unvermeidlicherweise die Drohung eines größeren Krieges.
Wir und zahlreiche andere UN-Mitglieder begrüßen die Tatsache, daß in
diesem Herbst eine von Streit bestimmte und sterile Debatte über Korea vermieden werden wird.

Lassen Sie uns diese Möglichkeit also dazu benutz n, das

zentrale Problem anzugehen, wie das koreanische Volk selbst über seine Zukunft
bestimmen und sein letztliches Ziel einer friedlichen Wiedervereinigung ohne
eine Erneuerung des bewaffneten Konfliktes erreichen kann.
Unsere eigenen Ansichten über das Koreaproblem sind wohlbekannt.

Wir

haben uns für die Wiederaufnahme eines ernsthaften Dialoges zwischen Nordund Südkorea ausgesprochen.

Wir haben erweiterte Verhandlungen zur Förderung

der Sicherheit und zum Abbau der Spannungen gefordert.

Wir sind bereit, das

Kommando der Vereinten Nationen auflösen zu lassen, solange das Waffenstillstandsabkommen - das die einzige existierende legale Vorkehrung ist, durch
die die betroffenen Parteien zur Wahrung des Friedens verpflichtet werden entweder gewahrt oder durch dauerhaftere Abmachungen ersetzt wird.

Wir sind

bereit, unsere Beziehungen zu Nordkorea zu verbessern, vorausgesetzt, daß
seine Verbündeten ebenfalls bereit sind, ähnliche Schritte gegenüber der Republik Korea zu machen.

Wir sind bereit, mit Nordkorea über die Zukunft der

Halbinsel zu sprechen; wir werden dies jedoch nicht ohne die Beteiligung der
Republik Korea tun. .
Im Herbst letzten Jahres haben die Vereinigten Staaten eine Konferenz vorgeschlagen, die alle am direktesten betroffenen Parteien - Nord- und Südkorea,
die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China - einschließen sollte und
auf der Möglichkeiten einer Anpassung des Waffensti11 Standsabkommens an die
neuen Verhältnisse sowie dessen Ersatz durch permanentere Abmachungen erörtert
werden sollten.

Am 22. Juli habe ich unsere Bereitschaft erklärt, unverzüglich

mit diesen Parteien zusammenzutreffen, um den angemessenen Rahmen für eine solche Konferenz zu erörtern.

Diese Bereitschaft bekräftige ich heute.
Sollte
- 14 -

�Sollte sich eine solche Konferenz zu diesem Augenblick als unpraktikabel
erweisen, so würden die Vereinigten Staaten ein phasenweises Vorgehen unterstützen. Vorbereitende Gespräche zwischen Nord- und Südkorea, einschließlich
einer Diskussion über den Rahmen und Umfang der Konferenz, könnten sofort beginnen. In dieser Phase könnten die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik
China als Beobachter oder in einer beratenden Rolle fungieren. Sollten diese
Erörterungen zu konkreten Ergebnissen führen, dann könnten sich die Vereinigten
Staaten und China den Gesprächen offiziell anschließen. Dies wiederum könnte
den Rahmen für eine weitergefaßte Konferenz bilden, an der sich andere Länder
mit Vorkehrungen beteiligen könnten, die einen dauerhaften Frieden auf der
koreanischen Halbinsel garantieren.
Wir hoffen, daß Nordkorea und andere betroffene Parteien positiv auf dieses vorgeschlagene Verfahren reagieren oder einen konstruktiven Alternativvorschlag unterbreiten werden.
Die Weltgemeinschaft ist tief besorgt darüber, daß sich keinerlei Fortschritt in der Lösung des Zypernproblems zeigt.
Innenpolitischer Druck, nationalistische Zielsetzungen und internationale
Rivalität haben die betroffenen Parteien daran gehindert, auch nur die elementarsten Schritte in Richtung auf eine Lösung zu ergreifen. Bei den wenigen Gelegenheiten, da Vertreter der beiden zypriotischen Gemeinschaften zusammengetroffen sind, verfielen sie in Verfahrensstreitfragen, die zu nichts führten.
Das Verstreichen der Zeit hat nur dazu geführt, die innenpolitischen Schwierigkeiten zu komplizieren und die Möglichkeiten für eine konstruktive Aussöhnung
zu verringern. Die Gefahr eines Konfliktes zwischen Griechenland und der
Türkei hat sich auch auf andere Fragen ausgedehnt, wie wir dies kürzlich in
der Ägäis erlebt haben.
Alle Betroffenen müssen sich auf die Verpflichtung konzentrieren, die
alles überragenden Ziele zu erreichen, nämlich das Wohlergehen des leidenden
zypriotischen Volkes und den Frieden im östlichen Mittelmeer.
Eine
- 15 -

�Eine Lösung muß von den zypriotischen Gemeinschaften selbst kommen.

Sie

müssen entscheiden, wie die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Regierung
ihrer Insel wieder aufgebaut werden.

Sie müssen über das letztliche Verhält-

nis der beiden Gemeinschaften sowie über die territoriale Ausdehnung der beiden Bereiche entscheiden.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, dabei mitzuwirken, daß der Verhandlungsprozeß neue Schwungkraft erhält.

Wir sind der Ansicht, daß die Zustimmung

zu einer Reihe von Grundsätzen den Parteien helfen könnte, die Verhandlung wieder aufzunehmen.

Wir möchten hier einige Konzeptionen vorschlagen:

- eine Regelung sollte die Unabhängigkeit, die Souveränität und die territoriale Integrität Zyperns wahren;
- die gegenwärtigen Trennungslinien auf Zypern müssen neu geregelt werden,
um das zur Zeit von der türkischen Seite kontrollierte Gebiet zu verringern;
- die territoriale Regelung sollte die wirtschaftlichen Erfordernisse und

.

die humanitären Belange der beiden zypriotischen Gemeinschaften berücksichtigen,
einschließlich der Not derjenigen, die Flüchtlinge bleiben;
- eine verfassungsmäßige Regelung sollte Bedingungen schaffen, unter denen
die beiden zypriotischen Gemeinschaften in Freiheit leben können und eine größere
Stimme in ihren eigenen Angelegenheiten haben; und
- es sollten Sicherheitsvorkehrungen vereinbart werden, die den Abzug ausländischer Streitkräfte außer denen, die sich dort im Rahmen internationaler
Abmachungen befinden, gestatten.
Ich habe dieses Vorgehen mit dem Generalsekretär und mit verschiedenen
westlichen Staatsmännern besprochen. In den vor uns liegenden Tagen werden die
Vereinigten Staaten auf dieser Grundlage mit allen interessierten Parteien Konsultationen pflegen. Inzwischen fordern wir den Generalsekretär auf, seine
entschlossenen Bemühungen fortzusetzen.
Wirtschaftliche
_ 16 -

�Wirtschaftliche Entwicklung und Fortschritt
Die wirtschaftliche Teilung unseres Planeten in eine nördliche und eine
südliche Hemisphäre sowie die Teilung in Industrie- und in Entwicklungsländer
ist eine der dominierenden Fragen unserer Zeit.

Unsere gegenseitige Abhängig-

keit um der Prosperität willen ist eine Realität, kein Slogan.

Das sollte uns

veranlassen, unser Bestes zu tun, um gemeinsam Fortschritte zu erzielen.

Wir

müssen uns dem Streben verpflichten, den Traum der Menschheit von einem besseren Leben noch in unseren Lebzeiten der Verwirklichung näher zu bringen.
Es gibt viele Gründe,warum die Zusammenarbeit nicht viel weiter gediehen
ist:
- Die industriellen Demokratien waren manchmal eher dazu bereit, von der
Aufgabe der Entwicklung zu reden, als ihre Reden mit den tatsächlichen Ressourcen in Einklang zu bringen.
Die Erdölförderlander verfügen über große Reichtümer, und manche von ihnen
tragen großzügig zur internationalen Entwicklung bei.

Ihre Gesamtleistung - was

die Aufgabe angeht, jenen Reichtum positiven Verwendungszwecken zuzuführen bleibt gemessen an deren Größe aber unzureichend.
- Die Länder mit nicht-marktorientierten Volkswirtschaften sind stets zu
verbalen Angriffen bereit, ihre Leistungen aber stehen in einem umgekehrten Verhältnis zu ihren Reden.
minimal.

Ihr echter Beitrag zur Entwicklungshilfe war bisher

Im vergangenen Jahr zum Beispiel haben die nicht-marktorientierten

Länder nur etwa 4 Prozent der staatlichen Hilfe aufgebracht, die den Entwicklungsländern zugeflossen sind.
- Die Entwicklungsländer fühlen sich angesichts Armut, Analphabetentums
und Seuchen verständlicherweise frustriert und sind unzufrieden. Sie haben
aber allzu oft Forderungen nach Veränderungen erhoben, die ebenso sehr auf Konfrontation abzielen, wie sie unrealistisch sind. Sie sprechen manchmal von
einer neuen Wirtschaftsordnung, als ob Wachstum ein Schnell- und Allheilmittel
- 17 -

�Allheilmittel wäre und als ob es dazu nur einer richtigen Neuverteilung der
Schätze der Erde bedürfe - in der Form von Kräfteproben statt in der eines
Prozesses der Selbsthilfe über Generationen hinweg.

Im Endeffekt verlieren

sie mit solchen taktischen Manövern mehr als sie gewinnen, weil sie auf diese
Weise die Sympathien der Allgemeinheit in den industriellen Demokratien verlieren, die im Hinblick auf die Bereitstellung der Ressourcen und den Zugang
zu deren Märkten - für die es anderswo keinen Ersatz gibt und die für
ihre Entwicklung dringend benötigt werden - wichtig sind.
Die Zielsetzungen der Entwicklungsländer sind klar:

Ein rascher An-

stieg des Einkommens ihrer Bevölkerung; eine größere Rolle bei internationalen
Entscheidungen, die sie berühren; und fairer Zugang zu den wirtschaftlichen
Chancen der Welt.
Die Zielsetzungen der Industrienationen sind ebenso klar:

Ein leistungs-

fähiges und offenes System des Welthandels und der internationalen Investitionen; eine Ausweitung der wirtschaftlichen Möglichkeiten der Produktion sowohl auf der nördlichen als auch auf der südlichen Halbkugel; die zuverlässige
und gerechte Entwicklung der Ressourcen der Welt an Nahrungsmitteln, Energie
und Rohstoffen; und eine Weltwirtschaft, in der die Prosperität so universell
verbreitet ist, wie Einbildungskraft und Energie uns dies gestatten.
Diese Ziele ergänzen sich gegenseitig, ja sie müssen sich sogar ergänzen,
da keine von beiden Seiten ihre Ziele auf Kosten der Gegenseite zu erreichen
vermag. Sie lassen sich nur in Zusammenarbeit verwirklichen.
Wir haben in diesem Jahr auf der siebten Sondersitzung dieser Vollversammlung gemeinsam einen wichtigen Schritt nach vorne unternommen, und wir
haben seither die Entwicklung in vielen Bereichen weiter vorangetrieben:
- Wir haben Schritte unternommen, die wirtschaftliche Sicherheit der Entwicklungsländer vor den Folgen zyklischer Finanzkatastrophen zu bewahren.

Die

neuerlich erweiterten kompensatorischen Finanzfazilitäten des Internationalen
Währungsfonds haben allein in diesem Jahr den Entwicklungsländern über zwei
- 18 -

�zwei Milliarden Dollar zugewandt.
- Ein Treuhänderfonds des Internationalen Währungsfonds, der aus Goldverkäufen finanziert wird, wurde zugunsten der Länder mit geringem Einkommen
eingerichtet.
- Die erneute Aufstockung der Einlagen der Weltbank, der Interamerikanischen Entwicklungsbank und der Asiatischen Entwicklungsbank wird weitere
Mittel für Entwicklungszwecke bereitstellen helfen.
- Die weltweite Nahrungsmittelhilfe wurde weiter ausgedehnt. Wir haben
uns verpflichtet, die Weltnahrungsmittel Versorgung zu erweitern. Mit einem
Beitrag der Vereinigten Staaten in Höhe von 200 Millionen Dollar haben wir den
Internationalen Fonds für Agrarentwicklung so weit gefördert, daß er bald seine
Tätigkeit aufnehmen kann.
- Die wichtigsten Industriestaaten haben Vorkehrungen getroffen, um die
Handelschancen

der Länder der Dritten Welt zu verbessern.

Wir haben uns

feierlich verpflichtet, die Liberalisierung des Welthandels im Rahmen der
Tokio-Runde gegenseitiger Handelsverhandlungen bis nächstes Jahr zum Abschluß
zu bringen.

Die Vereinigten Staaten haben ein System allgemeiner Präferenzen

eingerichtet, das allein im Jahre 1975 Exporte aus Entwicklungsländern nach
den Vereinigten Staaten im Umfang mehrerer Milliarden Dollar bewirkt hat.
Die Vereinigten Staaten führen diesen Prozeß insofern fort, als sie auf
der vierten Ministerkonferenz der Vereinten Nationen über Fragen des Handels
und der Entwicklung (UNCTAD) im Mai 1976 eine Reihe neuer Vorschläge machten.
Wir schlugen einen umfassenden Plan zur Verbesserung der Kapazität der Entwicklungsländer vor, geeignete technologische Methoden für ihre Entwicklung auszuwählen und diese anzupassen, zu verbessern und anzuwenden.

Wir verpflichteten

uns, unsere Hilfe in qualitativer Hinsicht zu verbessern, und schlugen gleichzeitig vor, daß ein größerer Prozentsatz der Hilfe an die armen Länder in
Form von nicht-rückzahlbaren Zuwendungen und frei von der Einkaufsverpflich- 19 -

�Einkaufsverpflichtung im Geberland gewährt werden solle. Wir erklärten uns
mit ernsthaften Bemühungen einverstanden, die Märkte von 18 grundlegend wichtigen Rohstoffen zu verbessern.
Diese Maßnahmen, die wir in der Zeit seit unserer letzten hiesigen Zusammenkunft vor einem Jahr unternommen haben, werden den Völkern der Erde
helfen, die gegenwärtig größte Anstrengung

machen, die Ketten der Armut ab-

zuschütteln. Wir helfen nicht mit Reden und Versprechungen, sondern auf praktische und konkrete Art und Weise.
Es bleibt noch viel zu tun übrig:
Erstens, die Anwendung der Erkenntnisse der Naturwissenschaften und der
Technologie ist der eigentliche Ausgangspunkt eines jeden Entwicklungsprozesses.
Die Vereinigten Staaten haben deshalb im Bewußtsein ihrer Pionierrolle auf dem
Gebiet der Technologie drei Grundprinzipien aufgestellt, für die wir Geld und
Talente aufzubieter. willens sind:
- um Kräfte auszubilden, die die künftige Technologie der Entwicklungsländer feststellen, auswählen und handhaben können;
- um beim Aufbau nationaler und internationaler Institutionen zu helfen,
die fähig sind, heimische Technologien zu entwickeln und ausländische Konstruktionen und Erfindungen den heimischen Erfordernissen anzupassen; und
- um den privatwirtschaftlichen Sektor anzuspornen, einen größtmöglichen
Beitrag zur Entwicklung und zur Weitergabe des technologischen Fortschritts
zu leisten.
Um diese Zielsetzungen erreichen zu können, laden wir heute zu einer Weltkonferenz über Fragen der Wissenschaft und Technologie für Entwicklungszwecke
(World Conference on Science and Technology for Development) ein, die 1979
hier in meinem Lande zusammentreten soll.

In Vorbereitung auf jene Konferenz

haben wir im Bereich Naturwissenschaften tätige Vertreter der Industrie, der
- 20 -

�der Hochschulen und der Berufsverbände aus allen Teilen der Vereinigten Staaten
für November 1976 nach Washington eingeladen.

Sie werden dort wichtige Initia-

tiven überprüfen, die mein Land ergreifen kann, um die technologische Basis für
die Entwicklung zu erweitern; und sie werden sich ferner bemühen, neue Methoden
zu entwickeln.
Zweitens, die Ministertagung der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (Conference on International Economic Cooperation) in
Paris sollte neue Impulse erhalten.

Wir machen diesbezüglich mehrere neue Vor-

schläge:
- Wir werden bemüht sein, jenen Nationen zu helfen, die sich einem ernsten
Schuldenberg gegenübersehen. Für akute Fälle werden wir Richtlinien für die
Führung von Schuldenverhandlungen vorschlagen. Für Länder, die sich langfristigen Problemen gegenübersehen, werden wir eine systematische Überprüfung
möglicher Abhilfemaßnahmen vorschlagen, zu denen auch eine Verstärkung der Hilfe gehört.
- Wir werden neue Vorstellungen für eine erweiterte Zusammenarbeit auf
dem Energiesektor unterbreiten, darunter Regeln und Verfahren für den Informationsaustausch unter Energieproduzenten und -Verbrauchern sowie den erweiterten Transfer energiebezogener Technologien auf energiearme Entwicklungsländer.
Drittens, die industrialisierten Demokratien waren nur allzu bereit, auf
Forderungen von Entwicklungsländern zu warten, statt eigene Vorschläge zu
machen.

Nunmehr aber sind die OECD-Länder auf Anregung der Vereinigten Staaten

übereingekommen, die langfristige

Entwicklungsplanung zu überprüfen und eine

einheitliche und umfassendere Haltung zur Frage des weltweiten Wachstums und
der universellen wirtschaftlichen Gerechtigkeit zu entwickeln.
Viertens, Naturkatastrophen fordern Jahr für Jahr tausende von Opfern und
verursachen Verluste in Höhe von Milliarden Dollar.

Sie treffen größtenteils

jene, die sich solche Opfer am wenigsten leisten können: die ärmsten Länder der
Erde.

Die hieraus resultierende Belastung wird durch eine große Reihe von
- 21 -

�von weltweiten Problemen zusätzlich erschwert: die Übervölkerung, den Nahrungsmittelmangel, Umweltschäden und die wirtschaftliche Unterentwicklung.
Die Vereinten Nationen haben die einmalige Fähigkeit, sich diesen globalen
Nöten zuzuwenden und auf diese Weise die Position des Menschen im Ringen gegen
die Natur zu verbessern.

Wir fordern diese Körperschaft auf, sich an die

Spitze der Bemühungen um die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit zu
stellen, um Naturkatastrophen zu verhüten und ihre Folgen zu mildern.
Unser Traum geht dahin, daß alle Kinder dieser Erde in Hoffnung und mit
größeren Entwicklungschancen aufwachsen können.

Keine Nation kann dieses Ziel

für sich allein erreichen; und keine Gruppe von Völkern kann es über Konfrontationen erreichen.

Gemeinsam aber haben wir echte Aussichten auf große Fort-

schritte - und das noch im Laufe dieser Generation.
Wechselseitige Abhängigkeit und Gemeinsamkeit
Es ist eine Ironie unserer Zeit, daß ein Zeitalter ideologischer und
nationalistischer Rivalitäten gleichzeitig Raum für eine große Zahl von Herausforderungen bietet, denen kein Volk für sich allein entgegenzutreten vermag:
- Die Weiterverbreitung der Möglichkeit des Kernwaffenbaus fügt der Gefahr
politischer Konflikte regionalen und weltweiten Ausmaßes eine neue Dimension
hinzu;
- während uns die Technologie Zugang zu den Weltmeeren erleichtert, bedrohen uns im Widerstreit befindliche nationale Forderungen oder Interessen
mit Chaos;
- der Erfindungsreichtum des Menschen brachte ein neues entsetzliches
Instrument des Terrors hervor, das unschuldige Opfer auf allen Kontinenten
fordert; und
- die
- 22 -

�- die Menschen-

und die Bürgerrechte werden weitgehend mißbraucht und

bilden deshalb heute eine allenthalben akzeptierte Sorge der Weltgemeinschaft.
Lassen Sie mich die Haltung der Vereinigten Staaten zu diesen Fragen darlegen:
Die wachsende Gefahr der Weiterverbreitung von Kernwaffen gibt Anlaß zu
ernsten Fragen bezüglich der Fähigkeit des Menschen, seinen eigenen Fortbestand zu gewährleisten.
Wir haben drei gefährliche Jahrzehnte durchlebt, in denen die Katastrophe
eines Kernwaffenkrieges trotz strategischer Rivalitäten unter relativ wenigen
Nationen vermieden werden konnte.
Nunmehr aber sehen wir uns vor eine völlig neue Situation gestellt. Viele
Nationen haben das Potential, Kernwaffen zu bauen.

Wenn sie dieses Potential

voll und ganz ausschöpfen sollten, könnten Drohungen mit dem Einsatz von Kernwaffen im Verein mit sich gegenseitig verstärkenden Mißverständnissen zu einem
ständig wiederkehrenden Charakteristikum lokaler Konflikte in allen Teilen der
Erde werden.

Es bestünde dann die steigende Gefahr von Zwischenfällen, Er-

pressungsversuchen, Diebstahl und nuklearem Terrorismus.
Sofern sich die derzeitigen Entwicklungstendenzen nicht rasch ändern,
wird die Wahrscheinlichkeit der Vernichtung durch Kernwaffen in den künftigen
Jahren stetig wachsen.
Wir müssen uns erst einmal um die Wurzeln des Problems kümmern:
- Seit der Energiekrise von 1973 und der drastischen Anhebung der ölpreise
erblicken sowohl die Industrie- als auch die Entwicklungsländer in der Nuklearenergie ein Mittel zur Senkung der Strompreise und zur Verminderung der Abhängigkeit von Einfuhröl.
- In
- 23 -

�- In einem Zeitalter des wachsenden Nationalismus sehen manche den Erwerb und die Nutzung der Kernenergie als Symbol eines gesteigerten nationalen
Prestiges an.

Und es ist klar, daß manche Nationen angesichts der Beherrschung

der friedlichen Technologie auch den Wunsch empfinden können, sich für die Zukunft die Option zum Erwerb von Kernwaffen offen zu halten.
Erwirbt ein Land das Potential zur Schaffung von Kernwaffenkapazitäten,
muß es die Folgen seines Handelns tragen:

Es löst damit zwangsläufig kompen-

satorische Maßnahmen seitens seiner Nachbarn und damit eine weitere Proliferation aus und beschleunigt auf diese Weise einen Prozeß, der letztlich seine
eigene Sicherheit untergräbt.

Es ist wenig einfallsreich, nukleare Anlagen,

die offenkundig massiver militärischer Zerstörungen fähig sind, als "friedlich"
ausgeben zu wollen.

Die Errichtung von Kernreaktoren und von Brennstoffaufbe-

reitungskapazitäten, vor allem bei Fehlen offensichtlicher wirtschaftlicher Notwendigkeiten und in Verbindung mit ehrgeizigen und mehrdeutigen politischen
und militärischen Motiven,droht eine Profileration von Kernwaffen und alle
damit einhergehenden Gefahren heraufzubeschwören.
Die Zeitfrage spielt hier eine wichtige Rolle.

Auf keinem Gebiet von

internationalem Belang hängt die Zukunft dieses Planeten so unmittelbar von
dem ab, was die derzeitige Generation tut - oder zu tun verabsäumt.

Wir

müssen deshalb an drei Fronten zugleich vorangehen:
Erstens müssen wir die internationalen Sicherheitsvorkehrungen verstärken
und für deren strenge Einhaltung sorgen. Die Belieferung mit Kernmaterialien,
die für zivile Kernenergieprogramme benötigt werden, und deren Verwendung müssen sorgfältigen Kontrollen unterstellt werden, damit sie nicht umgangen
werden können.
Die Lieferstaaten von Kernmaterialien müssen sich selbst größte Zurückhaltung auferlegen und dürfen es nicht zulassen, daß die Versuchung in Gestalt
kommerzieller Vorteile gegenüber den Risiken der Proliferation die Oberhand
gewinnt.

Die physische Sicherheit von Kernmaterialien - ob im Gebrauch, auf_
- 24 -

�auf Vorratslager oder im Transfer - muß verbessert werden.

Die Internatio-

nale Atomenergiebehörde (IAEA) muß die volle Unterstützung aller Länder in
dem Bemühen erhalten, diese Sicherheitsvorkehrungen wirksam, verläßlich und
universal anwendbar zu machen.

Jedes Land, das gegen die Sicherheitsvorschrif-

ten der IAEA verstößt, muß unmittelbarer und drastischer Strafen gewärtig sein.
Zweitens, die Befolgung der Sicherheitsvorschriften, wiewohl von größter
Wichtigkeit, bietet keinen sicheren Schutz vor künftigen Proliferationen. Wir
müssen in unseren Bemühungen fortfahren, internationale Vorkehrungen gegen den
Erwerb oder die Weitergabe von Aufbereitungsanlagen zu treffen, die Plutonium
getrennt darzustellen vermögen, und auch von Anreicherungsanlagen, die stark
angereichertes Uran zu erzeugen geeignet sind - weil beide für den Bau von
Kernwaffen verwendet werden können.
Drittens müssen wir anerkennen, daß einer der Hauptanreize für das Streben
nach dem Besitz waffenfähiger Aufbereitungs- und Anreicherungstechnologien die
Angst ist, daß entscheidende nicht-waffenfähige Materialien, insbesondere reaktorverwendungsfähige Uranbrennstoffe, nicht garantiert jederzeit verfügbar
sein werden.

Länder, die ihr internationales Verantwortungsbewußtsein durch

Annahme wirksamer Beschränkungen unter Beweis stellen, haben ein Recht, eine
verläßliche Belieferung mit friedlichen Kernreaktoren und den zugehörigen nichtwaffenfähigen Brennstoffen zu wirtschaftlich vertretbaren Preisen zu erwarten.
Die Vereinigten Staaten sind als einer der Hauptlieferanten dieser Dinge bereit, in dieser Hinsicht verantwortungsbewußt zu verfahren.
In naher Zukunft wird Präsident Ford ein umfassendes Programm für ein
internationales Vorgehen im Hinblick auf die Nicht-Proliferation verkünden,
das die weltweite Forderung nach einer garantierten Versorgung mit Kernmaterialien mit den weltweiten Erfordernissen nuklearer Kontrollen in Einklang
bringen soll.

Wir nehmen zu der Problematik der Proliferation auch weiterhin

eine Haltung ein, die auf der Anerkennung der Verantwortlichkeit basiert, die
wir und die anderen Nuklearmächte tragen - sowohl hinsichtlich der Begrenzung
unserer eigenen Waffenarsenale als auch hinsichtlich der Gewähr, daß die Segnungen der friedlichen Nutzung der Kernenergie allen Ländern innerhalb eines
- 25 -

�eines gemeinsamen Rahmens wirksamer internationaler Sicherheitsvorkehrungen
zugute kommen.

Auf diese Art und Weise kann das Atom einmal mehr als ein Se-

gen und nicht als Bedrohung für die Menschheit angesehen werden.
Eine weitere Frage von umfassenden weltweiten Konsequenzen ist das Seerecht.

Die Verhandlungen,die gerade erst in New York vertagt worden sind,

stellen ein

vielschichtiges und ehrgeiziges diplomatisches Unterfangen dar

- eines der wichtigsten der gesamten Geschichte.

Man braucht nur zu überle-

gen, um was es hier geht:
- Die Menschheit versucht eine internationale Regelung zu treffen, die
nahezu dreiviertel der Erdoberfläche angeht.
- Rund 150 Länder nehmen an diesem Unterfangen teil, die die unterschiedlichsten nationalen Perspektiven, Ideologien und praktischen Sorgen der Länder
dieser Erde vertreten.
von betroffen:

Ein umfassender Bereich von Lebensinteressen ist hier-"

die wirtschaftliche Entwicklung, die militärische Sicherheit,

die Freiheit der Meere, entscheidend wichtige und im Schwinden begriffene Nah-"
rungsmittelquellen, die anfällige Ökologie der Meere, die Meeresforschung und
ein ungeheures Potential

an Mineral schätzen.

- Die Weltgemeinschaft ist bemüht, wichtige neue internationale juristische Prinzipien aufzustellen: die Ausweitung der vor langer Zeit festgesetzten Hoheitsgewässer, die Schaffung völlig neu konzipierter, 200 Meilen
breiter Wirtschaftszonen und die Anerkennung des Tiefseebettes als "gemeinsames
Erbe der Menschheit".
Wir sind in diesen Verhandlungen in den letzten Jahren ein außerordentliches Stück vorangekommen - nicht zuletzt dank des Geschicks und der Hingabebereitschaft des hervorragenden Präsidenten dieser Versammlung.

Es besteht

bereits Übereinstimmung hinsichtlich gewisser Schlüsselkonzeptionen: Ausweitung
der Hoheitsgewässer auf 12 Meilen; ungehinderte Durchfahrt über und unter
Wasser durch die Meerengen; eine 200 Meilen breite Wirtschaftszone und wichtige Kontrollen zur Verhütung von Verschmutzung.
- 26 -

Auf vielen Gebieten haben

�haben wir ideologische Debatten durch ernste Anstrengungen zu ersetzen vermocht, konkrete Lösungen zu treffen.

Und es herrscht wachsende Übereinstim-

mung darüber, daß die anstehenden Probleme auf der nächsten Sitzung gelöst
werden müssen.
Dennoch besteht kein Grund zur Selbstgefälligkeit.

Wichtige Fragen

stehen noch offen, die, sofern sie nicht geregelt werden, Anlaß dazu geben
könnten, den unter großen Mühen erzielten Fortschritt wieder zu verspielen.
Die Seerechtkonferenz muß sich erst noch auf den Ausgleich zwischen den Rechten des Küstenstaates und dem internationalen Recht innerhalb der Wirtschaftszone einigen; auf die Freiheit der wissenschaftlichen Meeresforschung; auf
einen Mechanismus zur Bereinigung von Streitfragen und, was noch entscheidender
ist, auf eine Regelung betreffend der Ausbeutung der Tiefseeböden.
Die Vereinigten Staaten haben wichtige Vorschläge zur Lösung der Frage
der Tiefseeböden gemacht. Wir haben dem Gedanken zugestimmt, die Tiefseeböden
als ein gemeinsames Erbe der gesamten Menschheit anzusehen.

Wir haben ein

duales System für die Ausbeutung der in den Tiefseeböden lagernden Mineralien
vorgeschlagen, demzufolge die Hälfte der Tiefsee-Lagerstätten einer internationalen Behörde zugesprochen werden soll, während die andere Hälfte von einzelnen
Ländern und deren Staatsangehörigen auf der Basis ihrer technischen Fähigkeiten
erschlossen werden könnte.

Wir haben das Angebot gestellt, Finanzierungsmög-

lichkeiten aufzuzeigen und die Technologie bereitzustellen, die notwendig ist,
einen internationalen Abbau in der Praxis zu verwirklichen.

Und im Licht der

vielen Unsicherheiten, die vor uns liegen, schlugen wir ferner vor, daß eine
Revision beispielsweise in 25 Jahren zulässig sein solle, um festzustellen,
ob

.ie Bestimmungen über den Abbau auf den Tiefseeböden in der Praxis gerecht

gehandhabt werden.
In Erwiderung hierauf haben einige Nationen sowohl ihre Forderungen als
auch die Streitbarkeit verstärkt, mit der sie diese vertreten.
Ich muß hier in aller Deutlichkeit erklären, daß es Grenzen gibt, über
die hinauszugehen keine amerikanische Administration je bereit oder fähig sein
- 27 -

�sein wird.

Sollte man Konzessionen erzwingen wollen, die jenseits dieser

Grenzen liegen, wird es zwangsläufig zu einseitigen Maßnahmen kommen.
die in voraussehbarer Zukunft keinerlei technologische

Länder,

Kapazitäten zum Ab-

bau von Mineralien auf dem Tiefseeboden besitzen werden, sollten nicht darauf
aus sein, jenen Nationen, die allein über solche Kapazitäten verfügen und
die aus freien Stücken angeboten haben, sich in diesen mit anderen zu teilen,
die Doktrin einer völligen Internationalisierung aufzuzwingen.

Die Vereinigten

Staaten haben ein Interesse an der progressiven Entwicklung des internationalen
Rechts,an einer stabilen Ordnung und an weltweiter Zusammenarbeit.

Wir sind

bereit, hierfür Opfer zu bringen - sie können aber nicht über die Grenzen dessen
hinausgehen, was recht und billig ist.
Deshalb sollten wir taktische Verzögerungsmaßnahmen und Pressionen aufgeben und stattdessen den Weg der Zusammenarbeit beschreiten.

Wenn wir den

Weitblick aufbringen, einen Vertrag zu schließen, der von der ganzen Menschheit als fair und gerecht empfunden wird, dann kommt unseren Bemühungen tiefe
Bedeutung zu: nicht nur für den Meereshaushalt, sondern auch für die Bemühungen
um den Aufbau einer friedlichen, kooperationsbereiten und prosperierenden
Völkergemeinschaft.

Die Vereinigten Staaten werden die Konferenzpause dazu

nutzen, ihre Position erneut zu überprüfen und rechtzeitig vor der nächsten
Sitzung auf politischer Ebene Fühlung mit anderen Nationen aufnehmen, um die
bestmöglichen Vorbedingungen für einen erfolgreichen Abschluß der Konferenz zu
schaffen.
Eine Generation, die vom Weltfrieden und vom wirtschaftlichen Fortschritt
träumt, wird geplagt durch eine neue brutale, feige und blindwütige Form der
Gewalt - durch den internationalen TerrOrismus. Kleine Gruppe von Menschen
haben die Normen des zivilisierten Verhaltens zurückgewiesen und in brutaler
Weise das Leben von schütz- und wehrlosen Männern, Frauen und Kindern genommen - von unschuldigen Opfern, in deren Macht es nicht stand, den Ablauf der
Ereignisse zu beeinflussen. In dem Jahr, seit ich zuletzt vor diesem Gremium
sprach, hat es elf Flugzeugentführungen, 19 Personenentführungen, 42 bewaffnete
Angriffe und 112 Bombenattentate gegeben, die durch internationale Terroristen
ausgeführt wurden, über 70 Menschen haben ihr Leben verloren und über 200
- 28 -

�200 wurden verletzt.
Es ist an der Zeit, daß diese Organisation der Welt erklärt, daß die
heimtückische Ermordung sowie der Mißbrauch unschuldiger Menschen nicht
durch die Berufung auf hehre Motive gerechtfertigt oder entschuldigt werden
kann.

Verbrecherische Maßnahmen gegen die Menschlichkeit, welches Ziel auch

immer dafür angegeben werden mag, können von keiner zivilisierten Nation entschuldigt werden.
Dieser Bedrohung durch den Terrorismus sollte mit Hilfe der kooperativen
Anstrengung aller Länder begegnet werden. Es müssen jetzt strengere Maßnahmen
ergriffen werden,um den Flugzeugentführern und den Terroristen eine sichere
Zuflucht zu verwehren. Zusätzliche Maßnahmen sind erforderlich, um den Passagieren sowohl in den Durchgangs- wie in den Endflughäfen als auch während des
Fluges Schutz zu gewähren.
Die Vereinigten Staaten werden sich innerhalb der internationalen Zivilluftfahrtsorganisation (ICAO) bemühen, ihre gegenwärtige technische Unterstützung so auszuweiten, daß sie die Sicherheit der Flugzeuge und der Einrichtungen
am Endflughafen einschließen. Wir fordern die weltweite Verwirklichung der
Luftsicherheitsnormen, die die ICAO angenommen hat. Wir sind bereit, die Bemühungen anderer Regierungen um die Verwirklichung dieser Normen zu unterstüzen.
Die Vereinigten Staaten werden neue Initiativen unterstützen, die die
Sicherheit des Unschuldigen garantieren sollen. Der Vorschlag des hochverehrten Außenministers der Bundesrepublik Deutschland, Maßnahmen gegen die
Geiselnahme zu ergreifen, verdient die ernsthafteste und wohlwollendste Beachtung dieser Vollversammlung.
Die Vereinigten Staaten werden alles in ihrer Kraft stehende tun, um
in den Vereinten Nationen und anderen internationalen Gremien in Zusammenarbeit mit anderen darauf hinzuwirken, daß der Geißel des Terrorismus ein Ende
gesetzt wird.

Aber wir haben auch die Verpflichtung, das Leben unserer Bürger
- 29 -

�Bürger zu schützen, wenn sie hier im Inland oder im Ausland reisen, und wir
beabsichtigen voll und ganz dieser Verpflichtung nachzukommen.

Wenn deshalb

multilaterale Anstrengungen durch diejenigen behindert werden, die ihre Zielsetzung ohne Rücksicht auf Leiden oder Tod verfolgen, werden die Vereinigten
Staaten im Rahmen ihrer eigenen legislativen Verfahren und in Obereinstimmung
mit anderen handeln, die willens sind, sich uns anzuschließen.
Der Terrorismus ist ein internationales Problem.

Es ist einfach undenk-

bar, daß eine Organisation der Nationen der Welt keine wirksamen Maßnahmen
dagegen treffen wird.
Der letzte Maßstab für all unser gemeinsames Tun, ist selbstverständlich
der Mensch selbst.

Unsere gemeinsamen Anstrengungen, um die Rechte des Men-

schen zu definieren, zu wahren und ihre Respektierung zu fördern, stellen somit eine letztliche Probe der internationalen Zusammenarbeit dar.
Wir Amerikaner sind uns im Jahr unseres 200jährigen Bestehens unserer
Traditionen bewußt und stolz auf sie. Unsere Gründerväter schrieben vor 200
Jahren von der Gleichheit und den unveräußerlichen Rechten aller Menschen.
Seither sind die Ideale der Freiheit und der Demokratie zu universellen und
unzerstörbaren Zielen der Menschheit geworden.
Aber die einfache Wahrheit - eine Wahrheit von tragischen Proportionen ist, daß die Menschenrechte in weitesten Teilen des Erdballs gefährdet sind.
Willkürliche Verhaftung, Verweigerung der fundamentalen Verfahrensrechte,
Sklavenarbeit, Unterdrückung der Religionsfreiheit, rassische Ungerechtigkeit,
politische Unterdrückung, Anwendung von Folter und Behinderungen der Kommunikation und des Ausdrucks - diese Mißbräuche sind nur allzu vorherrschend.
Die Leistungen des Systems der Vereinten Nationen beim Schutz der Menschenrechte haben bei weitem nicht das erbracht, was man im Blick hatte, als diese
Organisation gegründet wurde.
klar genug.

Die Prinzipien der weltweiten Deklaration sind

Aber ihre Heranziehung und Anwendung in den allgemeinen Debatten

dieses Gremiums sowie in den Foren der Menschenrechtskommission sind durch
- 30 -

�durch Heuchelei, DoppeTdeutigkeit und Diskriminierung beeinträchtigt worden.
Die flagrante und ständige Vorenthaltung der Menschenrechte ist in dem einen
Land oder dem einen sozialen System nicht weniger abscheulich als in einem
anderen.

Auch ist sie nicht akzeptabler, wenn sie unter den Mitgliedern der-

selben Rasse praktiziert wird, als wenn die eine Rasse sie einer anderen zufügt.
Die internationale Völkergemeinschaft hat eine einzigartige Aufgabe.
Die Anwendung der Prinzipien und Normen der weltweiten Menschenrechtserklärung sollte gerechten und fähigen internationalen Gremien übertragen werden.
Aber lassen Sie uns gleichzeitig sicherstellen, daß diese Gremien nicht zu
Plattformen werden, von denen aus Nationen, die die schlimmsten Missetäter
sind, heuchlerische Urteile über die angeblichen Fehler anderer abgeben.
Lassen Sie uns gemeinsam nach praktischen Methoden suchen:
- um auf den in früheren Vollversammlungen und von der Menschenrechtskommission gelegten Grundlagen aufzubauen, damit die verabscheuungswürdige
Praxis offiziell sanktionierter Folterungen eingeschränkt wird;
- um die Annahme von Verfahren zum Schutz der Rechte von Inhaftierten
zu fördern, wie den Zugang zu Gerichtshöfen, Rechtsbeistände und den Besuch
von Familienangehörigen, eine eventuelle sofortige Freilassung oder ein gerechtes öffentliches Verfahren;
- um die Arbeitsverfahren internationaler,mit den Menschenrechten befaßter Gremien zu fördern, damit sie in fairer und wirksamer Weise Anwendung
finden;
- um die Fähigkeit der Vereinten Nationen zu stärken, sich mit den tragischen Problemen der immer größer werdenden Zahl der Flüchtlinge zu befassen,
denen die Menschenrechte durch Kriege und Konflikte in fast jedem Kontinent
genommen worden sind.
Die
- 31 -

�Die Vereinigten Staaten bekräftigen ihre energische Unterstützung dieser
Bemühungen.

Schlußbemerkung:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, hochverehrte Delegierte:
Die Herausforderung an das staatsmännische Verhalten dieser Generation
besteht darin, von der Bewältigung von Krisen zum Aufbau einer stabileren und
gerechteren internationalen Ordnung vorzudringen - einer Ordnung, die sich
nicht auf die Macht, sondern auf die Zurückhaltung von Macht stützt, nicht auf
die Stärke von Waffen, sondern auf die Stärke des menschlichen Geistes.
Globale Kräfte des Wandels formen jetzt unsere Zukunft. Es bieten sich
zwei Wege für das Zustandekommen einer Ordnung: entweder sie wird durch die
Starken und Rücksichtslosen aufgezwungen oder aber durch den klugen und weitblickenden Einsatz internationaler Institutionen herbeigeführt, durch die
die Sphäre der gemeinsamen Interessen vergrößert und der Gemeinschaftssinn gefördert werden.
Es ist einfach und verlockend, rücksichtslos auf nationale Vorteile zu
drängen. Es ist unendlich viel schwieriger, in Anerkennung und Respektierung
der Rechte anderer zu handeln.
Im Laufe der Geschichte ist die Größe von Menschen und Nationen in Zeiten
aktiver Gefahr an deren Taten gemessen worden.
die bewältigt werden müßte.

Heute gibt es keine Einzelkrise,

Stattdessen gibt es eine ständige Herausforderung

von beunruhigender Komplexität: die Notwendigkeit, eine universelle Gemeinschaft
zu schaffen, die sich auf Zusammenarbeit, Frieden und Gerechtigkeit stützt.
Wenn wir schwanken, dann werden zukünftige Generationen für unser Ver-

- 32 -

�Versagen den Preis zahlen müssen.

Wenn wir jedoch Erfolg haben, dann haben

wir uns den Hoffnungen der Menschheit würdig erwiesen.
Ich bin überzeugt, daß wir Erfolg haben können.
Und es ist hier, in der Vollversammlung der Nationen, wo wir beginnen
sollten.

- 33 -

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18/1976

ANTARKTISFORSCHUNG 1976/77
Schwerpunktprogramme der USA: Ross-Eisschelf und Trockentäler

- (AD) - Einen Vorstoß in die ewige Nacht des Ross-Meeres unter der
420 m mächtigen Schelfeisdecke will eine internationale Wissenschaftlergruppe
während der Forschungssaison 1976/77 in der Antarktis unternehmen.

Wie die

amerikanische Nationale Wissenschaftsstiftung (NSF) bekanntgab, sollen unter
der Leitung von Prof. John W. Clough (Geophysiker an der Universität Nebraska)
das Schelfeis durchbohrt, meereskundliche Untersuchungen in verschiedenen
Wasserschichten des darunter liegenden 250 m tiefen Ross-Meeres vorgenommen
sowie Bohrproben aus dem Meeresboden geholt werden.
Aus den Bohrkernen von der Oberfläche bis zum Grund des Eispanzers über
dem Rossmeer, der mit 516 000 qkm Ausdehnung ungefähr der Größe Spaniens entspricht, hoffen die Wissenschaftler das Alter des Eises bestimmen sowie seine
Geschichte rekonstruieren zu können. Man möchte z.B. wissen, welche Gase und
Asche- bzw. Staubteilchen es als Einschlüsse enthält, wie dick die einzelnen
Schichten sind, worin sie sich voneinander unterscheiden. Dies wiederum läßt
zahlreiche Rückschlüsse auf Klimaveränderungen, geophysikalische und geologische
Prozesse in der jüngeren Geschichte, d.h. in den letzten paar Millionen Jahren
nicht nur in der Region der Antarktis, sondern auch auf der ganzen Erde zu.
Parallel

�Parallel zum Projekt RISP (Ross Ice Shelf Project) läuft ein Teil des
1973 begonnenen Projektes RIGGS (Ross Ice Shelf Geological and Glaciological
Survey) weiter, mit dem vor allem die Schelfeisdicke in dem Dreieck zwischen
Marie Byrd-Land, Transantarktik-Gebirge und dem freien Rossmeer, die Tiefe des
Wassers unter dem Schelfeis und die Tonographie des Meeresbeckens bestimmt
wurden.

Ziel der Untersuchungen war u.a., Anhaltspunkte für die Perioden und

Größenordnungen

der Zunahme und Verringerung der gesamten Eismasse der Ant-

arktis zu uekommen.

Die Kenntnis des "Verhaltens" der Antarktis-Eisdecke ist

deshalb wichtig, weil davon das Klima und die Höhe des Meeresspiegels auf der
ganzen Erde beeinflußt werden.

Eine Anzahl von Wissenschaftlern vertritt die

Meinung, daß sich das Antarktiseis in einer Abbauphase befinde.
Einer der wesentlichen Punkte des RISP-Programms sind jedoch biologische
Untersuchungen. Denn es wäre durchaus denkbar, daß selbst in dem kalten Wasser
unter dem Schelfeis, zu dem seit Jahrmillionen kein Lichtstrahl vordringen
konnte, Lebewesen existieren. Sie aufzufinden wäre von besonderem wissenschaftlichen Interesse, da bei ihnen ja biologische Prozesse im Spiel sein müßten,
die in ewiger und völliger Dunkelheit ablaufen. "Vielleicht entdecken wir auch
bisher unbekannte Wechselwirkungen zwischen Organismen", meint Dr. Clough. In
der Isolation könnten sich Lebensformen entwickelt haben, bei denen beispielsweise für den Prozeß der Photosynthese Licht benutzt wird, das Leuchtbakterien
oder andere, mit Leuchtorganen ausgestattete Lebewesen abgeben. "Es gibt kaum
einen Bereich in der irdischen Biosphäre", so Dr. Clough, "der sich in bezug
auf Isolation und Eigenart mit dem Ross-Eisschelf messen kann - nicht einmal
Tiefseegräben oder unterirdische Höhlen."
Man will herausfinden, inwieweit und in welcher Weise Wechselwirkungen
zwischen biologischer Aktivität unter dem Schelfeis mit biologischer Aktivität
in den freien Regionen des angrenzenden Ross-Meeres und Pazifischen Ozeans bestehen.
Die RISP-Forschergruppe wird außerdem zu klären versuchen, ob und inwieweit durch Untersuchungen am Schelfeis selbst, an den darunter liegenden
- 2 -

�liegenden Wassermassen und den pflanzlichen und tierischen Populationen Umfang und Wirkungsweisen der weltweiten Umweltverschmutzung besser zu erkennen
und zu verstehen sind.

Vom Wasser unter dem Ross-Eisschelf werden Temperatur-

und Tiefenprofile sowie die chemischen Merkmale der einzelnen Wasserschichten
bestimmt.

Auch die Strömungsverhältnisse unter dem Eis werden untersucht,

ebenso Dicke und Art der Ablagerungen am Meeresboden.

Letztere können u.a.

Aufschluß über geologische Strukturen in dieser Region der Erde geben.
An der RISP-Station, die jetzt nach dreijähriger Vorbereitung ca. 780 km
südöstlich der großen US-Forschungsbasis McMurdo eingerichtet wird, sollen
drei Bohrungen im Eis niedergebracht werden. Die erste dringt bis in 300 m
Tiefe vor. Das Eis wird schichtweise geschmolzen, das Alter des Schmelzwassers
und der freigesetzten Gase durch Radioisotope bestimmt. Dann wird das Schmelzwasser zur Oberfläche gepumpt, um feste Einschlüsse auszufiltern und zu analysieren.
Durch die zweite Bohrung gewinnt man Bohrkerne von 5 und 7,5 cm Durchmesser von der Oberfläche bis zum Grund des 420 m dicken Eispanzers. Die Eisproben gehen nach einer ersten Untersuchung auf Aussehen und einige physikalische Merkmale in Kühlbehältern an die Staatsuniversität New York, von wo aus
sie an Forschungsinstitute für detaillierte Analysen weiterversandt werden.
Die dritte Bohrung (Durchmesser 30 cm) öffnet den Wissenschaftlern den Zugang
zum Wasser unter dem Ross-Eisschelf und zum Meeresboden, aus dem man Bohrkerne
bis zu 30 m Tiefe zu gewinnen hofft.
Für das Vorhaben wurden Spezialbohrausrüstungen entwickelt.

Die Bohrungen

laufen Tag und Nacht unter einem Schutzbau, damit Stürme, Kälte und Schnee nicht
zu einer Unterbrechung der Arbeit zwingen können.

Für die Wissenschaftler sind

feste Quartiere errichtet. Mit Hilfe eines Wärmeaustausches wird das 30-cmBohrloch offengehalten, um den Zugang zum Wasser unter der 420 m dicken Eisdecke zu sichern.
Wenn alles nach Plan verläuft, wird am 14. Dezember eine UnterwasserFernsehkamera hinabgelassen, um zum ersten Mal die Unterseite des Eises und
- 3 -

�und den Meeresboden zu inspizieren.

Die zwei Objektive der Kamera ermöglichen

Aufnahmen nach unten und nach der Seite.
Wasser ca. 9 m betragen.

Die Sichtweite wird bei klarem

Mit Netzen, Fallen und mit Ködern besetzten Leinen

hofft man, Lebensformen in dieser geheimnisvollen Welt unter dem Eis auf die
Spur zu kommen.

Einige der Wissenschaftler werden vier Monate an der RISP-

Station ausharren.

Nach einer achtmonatigen Winterpause sollen die Unter-

suchungen 1977/78 fortgesetzt werden.
Angesichts der Bedeutung des RISP-Projekts (eines von 85 Projekten im
diesjährigen Antarktis-Forschungsprogramm der Vereinigten Staaten) haben bereits während der Planungsphase Wissenschaftler anderer Länder großes Interesse daran bekundet.

Jetzt nehmen neben Amerikanern Forscher aus Australien,

der Bundesrepublik Deutschland, Dänemark, England, Japan, Neuseeland, Norwegen,
der Sowjetunion und der Schweiz daran teil.

Eis- und schneefreie Trockentäler
Was die sogenannten Trockentäler im südlichen Victoria-Land, einem Teil
des Transantarktik-Gebirges nahe der US-Station an der McMurdo-Bucht, eisund schneefrei hält, ist noch nicht geklärt. Die Analysen der Bohrkerne, die
amerikanische Forscher im Verlauf der letzten vier Jahre gemeinsam mit Kollegen
aus Japan und Neuseeland aus dem Boden geholt haben,sind erst jetzt voll angelaufen. Die Ergebnisse werden Mitte 1978 anläßlich eines Seminars in Japan
bekanntgegeben. In der diesjährigen Forschungssaison werden die Bohrlöcher
benutzt, um den Wärmefluß im Boden und die Ausbreitungsgeschwindigkeit seismischer Wellen zu studieren.
Eine weitere amerikanische Forschergruppe von der Universität Nebraska
hat bereits damit begonnen, vulkanisches Gestein im Gebiet der Trockentäler
kartographisch zu erfassen, seine Herkunft zu bestimmen und die Radioaktivität
der Gesteine im Hinblick auf Uran- und Thoriumvorkommen zu messen. Geologen
des Geologischen Bundesamtes der USA befassen sich damit, die sogenannte Dufek-

�Dufek-Intrusion zu bestimmen.

Dabei handelt es sich um Intrusivgestein

aus dem Schmelzfluß von ausgequollenem und erstarrtem Magma, aus dem die
Nordhälfte des Pensocola-Gebirges (am Südende des Ronne-Eisschelfs am
Weddell-Meer) besteht und das sich unter den Eismassen angrenzender Gebiete
fortsetzt.

Die Geologen sind daran interessiert, Anhaltspunkte für die Vor-

gänge zu bekommen, die zur Einlagerung der Intrusivmassen in das Erdkrustengestein führten.
Auf den Gebieten Meteorologie, Atmosphären- und Weltraumforschung, Biologie und Meeresforschung werden z.T. bereits früher begonnene Projekte weitergeführt. Ein Forschungsinstitut aus Reno (Nevada) entsendet eine Gruppe von
vier Wissenschaftlern zur Palmer-Station auf der den Orkney-Inseln gegenüberliegenden Antarktischen Halbinsel, wo eine Wetter-Radarstation installiert
wird. Sie arbeitet mit 3 cm-Wellen, so daß beispielsweise Schnee- und Eiskristalle in der Luft und See-Eis beobachtet werden können.
Die Halbinsel gilt als eine Region mit starken Wechselwirkungen zwischen
großen Gebieten offenen Wassers und kalten, darüberstreichenden Luftmassen,
die sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen. Das Projekt ist Teil des Versuchs, ein
weltweites meteorologisches Beoabachtungsnetz zu schaffen, bei dem auch Methoden der Fernerkundung eingesetzt werden. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist jedoch die Entwicklung zuverlässiger Verfahren für die Datengewinnung
und die Koordinierung sämtlicher Beobachtungsprogramme. Die Anwendung eines
solchen Programms hätte nicht nur für die Beobachtung der Eisbewegungen in den
Meeren um die Antarktis, sondern auch für kurzfristige Wettervorhersagen und
möglicherweise auch langfristige Klima-Voraussagen Bedeutung. Später wird
die Arbeit dieser Radarstation auf die Beobachtung von Zugvögeln ausgedehnt.

+ + + + +

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18/1976

"ENTERPRISE" - DEBÜT DES US-RAUMTRANSPORTERS

- (AD) - Die amerikanische Öffentlichkeit hatte zum ersten Mal Gelegenheit, das erste Orbiter-Gerä't des Raumtransporters
Werksgelände der "Rockwell International Space

zu besichtigen.

Auf dem

Divison" in Palmdale (Kalifor-

nien) wurde der in schwarz, grau und weiß gehaltene Flugkörper am 17. September
1976 aus der Halle gerollt.

In Anwesenheit von NASA-Chef Dr. James C. Fletcher,

Mitgliedern des US-Kongresses und prominenten Vertretern von Industrie und
Wirtschaft wurde das Raumschiff auf den Namen "ENTERPRISE" getauft.
Es ist das Modell Nr. 101, mit dem die ersten Testserien und Probeflüge
durchgeführt werden.
ten.

Erst das zweite Gerät wird in eine Erdumlaufbahn eintre-

Es soll im Jahr 1980 das bei ERNO in Bremen unter Beteiligung von 10 euro-

päischen Ländern gebaute Raumlabor ("SPACELAB") in einen niedrigen Erdorbit
bringen.

Dieses Unternehmen wird eine Ära einleiten, in der Projekte der be-

mannten Raumfahrt zur Routinesache werden und der Erfüllung zahlreicher wissenschaftlicher und industriell-technischer Aufgaben dienen.
Das Raumschiff ENTERPRISE startet senkrecht mit zwei riesigen Feststoffraketen, die nach dem Brennschluß abgeworfen und zur Wiederverwendung geborgen
werden.

Die drei eigenen, mit flüssigem Treibstoff arbeitenden Haupttriebwerke

des Orbiter beschleunigen das Gerät weiter, bis es Kreisbahngeschwindigkeit er- l -

�erreicht und in den Erdorbit in ca. 185 km Höhe eintreten kann. Auch der 50 m
lange Flüssigtreibstoff-Tank wird abgeworfen.

Der flugzeugähnliche Orbiter

kann mit vier Mann Besatzung und zwei bis vier Wissenschaftler-Passagieren bis
zu 30 Tagen in der Umlaufbahn bleiben.
ENTERPRISE ist mit 37,19 m Länge etwa so groß wie eine DC-9. Sie ist
mit Delta-Tragflächen ausgerüstet, deren Spannweite im Heckbereich 23,8 m beträgt.

Bei der Rückkehr zur Erde vermag sich der Orbiter in der allerletzten

Phase des Durchgangs durch die Atmosphäre wie ein antriebsloses Flugzeug der
Landebahn zu nähern.

Er kann mehrfach wiederverwendet werden, was gegenüber

allen bisherigen bemannten Raumfahrtunternehmen - noch dazu im Hinblick auf die
hohe Nutzlastkapazität von ca. 27 Tonnen - erhebliche Kosteneinsparungen bedeutet.
Die systematische "Vereinfachung" und Arbeitsteilung bei den Flugaufgaben war eine Voraussetzung dafür, daß beispielsweise europäische Wissenschaft-"
ler an solchen Flügen teilnehmen und im SPACELAB, einer 18 m langen, mehrfach
unterteilten Druckzelle, eigene Forschungsprojekte durchführen können.

Die

beiden Hauptsegmente der ENTERPRISE sind der doppelstöckige Kabinenteil und der
sich anschließende 365 cbm große Nutzlastraum, der sowohl für die Aufnahme des
SPACELAB als auch für andere Nutzlasten, z.B. offene Instrumenten-Arrangements,
während der Operationen im Erdorbit, verwendbar ist. Dadurch ist es möglich,
Satelliten zu transportieren, die im Weltraum abgesetzt oder eingeholt werden
sollen, Reparatur- und Montagegerät für die Wartung von Erdsatelliten mitzunehmen und große Forschungsapparaturen außerhalb der Druckzeilen in Betrieb zu
halten.
Im Oberdeck des Cockpits (Rauminhalt: 71,7 cbm) befinden sich die Steuerungs- und Überwachungsinstrumente für die Bordsysteme, im Unterdeck die Aufenthalts-, Schlaf- und Arbeitsräume für Besatzung und Wissenschaftler-Passagiere.

Letztere werden sich vor allem mit Aufgaben aus den Gebieten Astronomie,

Astrophysik, Sonnenforschung, Biologie und Medizin, Werkstofftechnik und Fernerkundung der Erde befassen.
Die

�Die NASA hat inzwischen Wissenschaftler in aller Welt aufgefordert, Vorschläge zu Experimenten für spätere Orbiter-Missionen einzureichen.

Im Ge-

gensatz zum ersten Einsatz wird dann keine Druckkabine benutzt, sondern die
Instrumente sind auf Paletten montiert und dem Weltraumvakuum direkt ausgesetzt.

Sie werden vom Cockpit aus kontrolliert und ferngesteuert.

Die kana-

dische Regierung läßt bereits ein Manipulatorsystem bauen, mit dem Ausrüstungen
und Transportgüter bewegt oder versetzt werden können.
Die Erprobung des jetzt vorgestellten Modells 101 der ENTERPRISE soll im
Januar 1977 beginnen. Im April unternimmt der Orbiter (unbemannt) den ersten
Huckepack-Flug auf einer Boing 747. Nach 15 solcher Testflüge, die bis Ende
Juni 1977 abgeschlossen sein sollen, gehen erstmals Astronauten an Bord, um
weitere Huckepack-Flüge im Cockpit des Orbiters zu absolvieren. Für Juli 1977
ist der erste freie Flug geplant - d.h., die ENTERPRISE wird in 8400 m Höhe nahe
der Landebahn von der Boing 747 gelöst, macht eine U-Kehre und führt das Landemanöver selbständig durch.
Der erste Start in den Weltraum ist mit Modell Nr. 2 für März 1979 vorgesehen.

Nach

sechs weiteren Testflügen des Orbiters wird der Raumtransporter

1980 einsatzbereit sein.

Die ersten Piloten kommen aus dem Team der AP0LL0-

Astronauten (im Johnson-Raumflugzentrum in Houston, Texas, sind derzeit noch 28
Astronauten stationiert); die NASA hat jedoch inzwischen mit der Auswahl von
15 weiteren Piloten sowie von 15 Nutzlast-Spezialisten begonnen.

Interessenten

- auch Frauen sind zugelassen - können ihre Bewerbungen bis zum 30. Juni 1977
einreichen.

+ + + + +

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 06.10.1976</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede von Außenminister Kissinger am 30. September 1976 vor der UN-Vollversammlung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Antarktisforschung 1976/77&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schwerpunktprogramme der USA: Ross-Eisschelf und Trockentäler&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"ENTERPRISE" - Debüt des US-Raumtransporters</text>
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DI Ell

t

Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Oktober 1982

39
'*
I N H A L T
&lt;\

DOKUMENTATION
Shultz: Nahostregelung lebenswichtig für den Weltfrieden
- Rede des US-Außenministers vor der UN-Vollversammlung Die amerikanische Außenpolitik auf neuem Kurs
- Von John Kornblum Direktor für mitteleuropäische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Erdgasleitung:

Weißer Elefant oder Trojanisches Pferd?

- Von Wilfried Prewo Wick:

USIA um Freiheit im ideologischen Wettbewerb bemüht

Von unserer Korrespondentin Valerie Kreutzer

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Satel1i ten-Di rektempfang
- US-Bundesbehörde erteilt Privatfirma erste Genehmigung

Um Über/endung von
ßelegeKemploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Oktober 1982

39

SHULTZ: NAHOSTREGELUNG LEBENSWICHTIG FÜR DEN WELTFRIEDEN
- Rede des US-Außenministers vor der UN-Vollversammlung •

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister
George Shultz hat in einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York am 30. September 1982 nachdrücklich darauf hingewiesen, daß
es in der Welt keinen Frieden und keine Sicherheit geben könne, wenn es im
Nahen Osten nicht zu einer ausgehandelten Lösung komme.

In seiner ersten Re-

de vor den Vereinten Nationen seit seinem Amtsantritt betonte Shultz, daß
die amerikanische Außenpolitik realistisch sei. Ein wichtiges Gebot für die
ganze Welt sei die Abrüstung.
Die grundlegenden Ausführungen des amerikanischen Außenministers haben
folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, sehr geehrte Delegierte, meine
Damen und Herren!
Ich möchte zunächst unserem neuen Generalsekretär, der bereits in seiner
kurzen Amtszeit diesem Amt so viel Würde gebracht hat, meine Anerkennung zollen.

Dag Hammarskjoeld hat einmal vor der Vollversammlung erklärt, daß all

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�daß all die Worte "Unabhängigkeit, Unparteilichkeit, Objektivität" - welches
man auch wählen mag -die wesentlichen Aspekte dessen beschreiben, was ohne
Ausnahme die Haltung des Generalsekretärs kennzeichnen muß. Javier Perez de
Cuellar, ein Mann der Dritten Welt, und, wie ich voller Stolz feststellen
darf, ein Mann der Neuen Welt, hat bereits die strikte Einhaltung dieses hohen Maßstabes bewiesen.

Damit hat er die höchste Wertschätzung meiner Regie-

rung und die Dankbarkeit aller verdient, die an die Zielsetzungen der Charta
der Vereinten Nationen glauben.
Ich möchte auch Herrn Hollai aus Ungarn zu seiner Wahl als Präsident
der 37. Vollversammlung gratulieren.
Wenn ich heute vor Ihnen stehe, dann muß ich unwillkürlich an meine Beziehung zu dieser Stadt und diesem Gebäude denken.
von hier geboren.

Ich wurde vier Meilen

Ich wuchs nicht weit von hier, auf der anderen Seite des

Hudson, auf und ging dort zur Schule.

Und ich machte hier eine Besucherfüh-

rung mit - kurz nachdem dieses Gebäude im Jahr 1952 eröffnet wurde als realer Ausdruck der Hoffnung, daß man zumindest den Krieg abschaffen könne.
Als ich Anfang der fünfziger Jahre durch dieses Gebäude schritt, galt
ein großes Interesse der Öffentlichkeit dem sogenannten "Meditationsraum".
Wie ich höre, gibt es diesen Raum noch. Aber in den Jahren seither ist diese Einrichtung - die Vereinten Nationen - berühmter geworden durch Reden als
durch Meditation. In diesem Saal wurden große Ideen mit großer Beredsamkeit
vorgetragen. Es wurden ebenso Hinterhältigkeiten, Platitüden und hohle Beteuerungen der Unschuld vorgetragen - nur zu oft, um ungeheuerliche und inhumane Akte zu tarnen.
Aber wir dürfen Worte nicht lächerlich machen.

Ich bin der Überzeugung,

daß der größte Fortschritt in der Menschheitsgeschichte nicht die Erfindung
des Rades, der Elektrizität oder der Verbrennungsmaschine war.

So unerläß-

lich sie für den Fortschritt gewesen sein mögen, so war doch unsere bemerkenswerteste Leistung die langsame, mühsame aber doch triumphierende Schaffung

- 2 -

�triumphierende Schaffung der Sprache.

Es waren die Worte, die unsere Vor-

fahren aus den Fesseln der Einsamkeit erlösten.

Worte gaben uns die Mittel

an die Hand, unseren Kindern und der Zukunft das krönende Juwel der menschlichen Existenz weiterzugeben:

Wissen.

Der Kodex des Hammurabi, die Bibel,

die Lehren des Konfuzius, die Lehren des Buddha, der Koran, die Einsichten
Shakespeares ,die Überzeugungen von Mahatma Gandhi oder Martin Luther King all das wurde in Worten ausgedrückt.
Es ist zutiefst enthüllend, daß die ersten Opfer von Tyrannen Worte sind.
Niemand kennt die Bedeutung der Freiheit besser als diejenigen, die wegen dessen, was sie gesagt haben, gefangengenommen oder geschlagen, eingesperrt oder
ins Exil geschickt wurden.

Ein einziger Mensch, der seine Stimme erhebt - ein

Lech Walesa zum Beispiel - ist gefährlicher als eine Panzerdivision.
Wir alle hier - gleich, ob sie, wie ich, in einem kurzen, einstündigen
Flug hierher kamen oder von der anderen Seite des Globus, wie viele von Ihnen,
betreten dieses Auditorium wegen eines ganz bestimmten Zweckes:

Nämlich über

das zu sprechen, was für unsere Regierungen die vor uns liegenden Probleme sin
und wie wir sie lösen sollten.

Zumindest in einem Punkt können wir alle über-

einstimmen - die Probleme sind vielzähl ig und schwierig.

Ich werde nicht den

Versuch machen, in den auf mich entfallenden Minuten im einzelnen alle diese
Fragen oder auch nur die meisten von ihnen anzugehen.
Stattdessen möchte ich Ihnen eine Vorstellung von den Grundsätzen und
der generellen Linie geben, auf der sich die Vereinigten Staaten bei unseren
gemeinsamen Problemen bewegen.
Amerikaner sind aus ihrer Geschichte und aus ihrer Neigung heraus ein
praktisches und ein pragmatisches Volk - aber auch ein Volk mit einer Vision.
Es ist die Vision - normalerweise schlicht und manchmal naiv -, die uns so
oft zu Abenteuer und Leistung geführt hat.

Die Haltung von Präsident Reagan

in der Außenpolitik gründet sich voll und ganz auf den Maßstäben, die sich
aus der pragmatischen Erfahrung der Amerikaner ergeben.
schon gesagt hat:

Wie de Tocqueville

Zur Erreichung seiner Ziele verläßt sich Amerika auf die
- 3 -

�auf die Interessen des einzelnen und läßt die Stärke und die Vernunft des
Individuums uneingeschränkt herrschen. Dies gilt heute noch ebenso wie vor
150 Jahren, als es geschrieben wurde. Unser wichtigstes Instrument ist heute
wie damals die Freiheit. Unsere Gegner sind die Unterdrücker, die Totalitaristen und die Taktiker der Furcht und des Druckes.
Auf dieser Grundlage sind die Gedanken Präsident Reagans und die
seiner Außenpolitik so frei und offen, daß diejenigen von uns, die im
Kleinkram verstrickt sind, sie leicht aus den Augen verlieren können.
tut der Präsident nie; er bringt uns immer wieder zum Grundsätzlichen
Ich will heute über diese Grundsätze sprechen. Sie bestehen aus vier
die unsere Handlungen lenken:

Struktur
täglichen
Dies
zurück.
Gedanken,

- Unser Ausgangspunkt ist die Realität;
- unsere Handlungen kommen aus der Stärke - sowohl hinsichtlich der Macht
als auch der Zielsetzung;
- unsere Betonung liegt auf dem unerläßlichen Bedürfnis, den Konsens zu
fördern, zu Vereinbarungen zu gelangen und über zentrale Fragen zu verhandeln; und
- wir handeln in dem Glauben, daß Fortschritt möglich ist, auch wenn der
Weg dorthin lang und beschwerlich ist.

I. Die Realität
Wenn wir die Welt verändern wollen, müssen wir sie zunächst verstehen.
Wir müssen uns der Realität stellen - mit all ihrer Qual und all ihren Möglichkeiten. Unser Zeitalter braucht diejenigen, die, wie Perikles einst sagte,
die deutlichste Vorstellung von dem haben, was vor ihnen liegt - Ruhm genau
wie Gefahr - und die dennoch darauf zugehen.
Die Realität

�Die Realität ist weder eine Illusion noch ein Taschenspielertrick, auch
wenn viele möchten, daß wir dies anders sähen.

Die gewaltige, zermalmende

Maschinerie der sowjetischen Propaganda versucht Tag für Tag, die Realität
zu verzerren und die Wahrheit für ihre eigenen Zwecke zu verbiegen. In unserer
Welt gibt es viel zu viele Regierungen, die versuchen, die Wahrheit vor ihrem
eigenen Volk zu verhüllen.

Sie möchten die Realität einsperren, indem sie das

kontrollieren, was man lesen oder sprechen oder hören kann.

Sie möchten uns

in dem Glauben belassen, daß schwarz weiß ist und oben unten.
Ein großer Teil der heutigen Realität ist unschön.

Die Bedingungen so

zu beschreiben, wie wir sie sehen - wie ich dies heute tue, und wie es Präsident Reagan im Lauf seiner Präsidentschaft immer getan hat -, bedeutet nicht,
die Konfrontation zu suchen.

Weit davon entfernt!

Unser Ziel ist es, Mißver-

ständnisse zu vermeiden und die notwendigen Vorbedingungen für einen Wandel
zu schaffen.
Und deshalb werden wir eine Aggression, wenn wir sie sehen, auch Aggression nennen.
nen.

Wenn wir eine Subversion sehen, werden wir sie Subversion nen-

Und wenn wir eine Repression sehen, werden wir sie Repression nennen.
- Die Ereignisse in Polen zum Beispiel können nicht ignoriert oder hin-

wegerklärt werden.

Das polnische Volk möchte sein eigener Herr sein.

der systematischen Tyrannei konnten diesen Wunsch nicht unterdrücken.
auch das Kriegsrecht wird es nicht tun.

Jahre
Und

Aber im heutigen Polen muß sich die

Wahrheit im stillen Winkel verstecken.
- Wir können uns auch nicht einfach abwenden und wegschauen, während
sowjetische Divisionen in Afghanistan die gesamte Bevölkerung brutal unterdrücken.

Der Widerstand des afghanischen Volkes ist eine heldenhafte Saga un-

serer Zeiten.

Wir würdigen diese Tapferkeit herab, wenn wir nicht ihren Ur-

sprung erkennen.
- Und sowjetische Stellvertreter intervenieren in vielen Ländern, wobei
sie ein neues Zeitalter des Kolonialismus zu einem Zeitpunkt der Geschichte
- 5 -

�der Geschichte schaffen, da die Völker auf der ganzen Welt diese Last abgeschüttelt hatten.
- Wir werden auch nicht davor zurückscheuen, andere Probleme anzusprechen,
die die freie Welt und die Entwicklungswelt angehen.
- In weiten Teilen der Entwicklungswelt gibt es die Bedrohung durch eine
Vertrauenskrise in die Finanzinstitutionen und durch die beengenden Wirkungen
der vom Staat kontrollierten Volkswirtschaften.
- Die normalerweise pulsierenden Volkswirtschaften vieler westlicher
Staaten genau

wie der Handel zwischen den Haupthandelspartnern der Welt wer-

den durch Rezession und steigenden Protektionismus bedroht.
- Und die wichtigsten Bündnisse, die die Stabilität und das Wachstum
der Welt beschirmen -, die Partnerschaft auf unserer Hemisphäre, die NATO sowie die westlichen Industriedemokratien und Japan -, sind sowohl durch neue
als auch alte Belastungen herausgefordert.
Schließlich verdunkelt der Schatten des Krieges noch immer unser aller
Zukunft.
- Es gibt bei einem ständig in Frage gestellten nuklearen Gleichgewicht
des Schreckens keine letztliche Sicherheit. Zu einer Zeit, da immer mehr
Staaten den Eindruck machen, zu einem Einsatz ihrer Armeen in Schlachten bereit zu sein, deren Gründe lokaler Natur zu sein scheinen, die aber Auswirkungen auf die regionale und sogar globale Harmonie haben, herrscht auch ein
geistiger Unruhezustand.
Die Liste der Unruhen ist lang, die Gefahr der Verzweiflung groß.

Aber

es gibt auch noch eine andere Seite der derzeitigen Realität; es ist eine Realität der Hoffnung.

Wir leben in einer phantastischen Zeit der Möglichkeiten.
Die Historiker

�Die Historiker zukünftiger Zeiten werden sicherlich Großes über die
Leistungen schreiben, die von der Menschheit in der zweiten Hälfte dieses
Jahrhunderts erreicht wurden.

Wir haben die Grenzen des Denkens ausgedehnt

- in den Naturwissenschaften, in der Biologie, in der Technik, in der bildenden Kunst, der Musik und Mathematik, bei Technologie und Architektur - weit
über den Punkt hinaus, den vorauszusagen man gewagt oder auch nur gehofft
hätte.

Heute wissen wir viel über Ozeane und Wälder und geologische Schich-

ten, die die Geschichte unserer Vergangenheit in sich tragen.

Wir wissen

mehr über ein Kleinkind oder über das Gehirn, als in den Jahrtausenden vor
uns zusammengetragen wurde.

Wir sind dabei zu lernen, Nahrungsmittel für uns

alle zu produzieren; wir stehen nicht mehr hilflos vor den Gefahren von Krankheiten; und wir erforschen wie selbstverständlich unser Universum.
schäftigen uns mit der Natur der Natur selbst.
tig.

Wir be-

Die Möglichkeiten sind gewal-

Auch dies ist eine eindeutige Realität.
So zeigt uns der Realismus eine Welt in großer Unruhe, aber zugleich auch

Gründe für Hoffnung.

Aber es gibt eine notwendige Vorbedingung:

Der einzige

Weg, auf dem wir das menschliche Potential erhöhen und erweitern können, geht
über die Bewahrung, die Verteidigung und die Ausweitung der kostbarsten Vorbedingungen - Freiheit und Friede.

II. Stärke
Amerikas Verlangen nach Frieden führt uns jedoch nicht dazu, beim Aufbau
unserer Stärke zu zögern oder sie, falls notwendig, auch einzusetzen.

Ja, Klar-

heit über die Größe der vor uns liegenden Probleme führt unvermeidlicherweise
zu einer realistischen Einschätzung der Bedeutung amerikanischer Stärke.

Die

Stärke der freien Welt zwingt zu Zurückhaltung, lädt zu Entgegenkommen ein
und bietet denjenigen Sicherheit, die sich an der kreativen Arbeit beteiligen
wollen, die kostbarer Ausfluß der Freiheit ist.
Stärke bedeutet, daß die militärischen Streitkräfte sicherstellen, daß
kein anderes Land uns, unsere Interessen oder unsere Freunde bedrohen kann.
- 7 -

�bedrohen kann.

Aber wenn ich von Stärke spreche, so meine ich nicht allein

militärische Macht.

Für uns Amerikaner kommt Stärke zugleich auch aus einer

soliden wirtschaftlichen Grundlage und sozialer Vitalität sowohl zu Hause
als auch mit unseren Partnern; und, was am wichtigsten ist:

Die echte Quelle

der Stärke liegt in der moralischen Verpflichtung Amerikas.
Das Bollwerk der Stärke Amerikas ist die militärische Macht für den Frieden.
Das amerikanische Volk hat niemals Schwäche, Zögern oder Verzicht akzeptiert.

Wir werden unser Geschick nicht in die Hände von Unbarmherzigen legen.

Heute sind die Amerikaner mit Nachdruck geeint in der Notwendigkeit einer
starken Verteidigung.

Der Verteidigungshaushalt dieses Jahres wird sicherstel-

len, daß die Vereinigten Staaten ihren Freunden und Verbündeten dabei helfen,
sich selbst zu verteidigen; er wird sicherstellen, daß der Frieden von allen
deutlich als der einzig einschlagbare Kurs der Weltpolitik angesehen wird.
Hand in Hand mit militärischer Bereitschaft und militärischer Kapazität
muß die Bereitschaft gehen, diese auch für die Sache des Friedens, der Gerechtigkeit und der Sicherheit einzusetzen.

Heute helfen in Beirut die ame-

rikanische Marinesoldaten - zusammen mit unseren Verbündeten Italien und
Frankreich - der libanesischen Regierung und ihren Streitkräften, die Sicherheit der Einwohner dieser gequälten Hauptstadt sicherzustellen.

Ich sage es

mit Bedauern, daß ich gerade von dem Tod eines Angehörigen des Marinekorps und
der Verwundung mehrerer anderer durch eine Minenexplosion auf dem Beiruter
Flughafen

gehört habe.

Aber unsere Marinesoldaten stellen eine Ausweitung

amerikanischer Macht nicht zum Zweck des Krieges, sondern zur Sicherung des
Friedens dar.

Sie sind dort, um so schnell wie möglich den Augenblick herbei-

zuführen, an dem alle ausländischen Streitkräfte den Libanon verlassen.

Es muß

bald zu einer Übereinkunft über einen Zeitplan für die umfassende Anerkennung
der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität kommen.

Der

Libanon verdient die Hilfe der ganzen Welt - um den Frieden zu sichern und
um wieder eine gedeihliche Gesellschaft aufzubauen.
Amerika wird

-

BJ

�Amerika wird auch weiterhin seine Stärke mit Klugheit, Beständigkeit
und Ausgewogenheit einsetzen.

Unsere Absicht ist es, den Respekt unserer

Gegner zu erlangen und uns das Vertrauen von Verbündeten und Partnern zu verdienen.
Der Motor der amerikanischen Stärke ist eine gesunde Wirtschaft.
In einer Zeit der Rezession werden die Industrienationen genau wie die
weniger entwickelten Länder von exzessiver Inflation, begrenzten Märkten, unausgelasteten Kapazitäten, stagnierendem Handel, wachsendem Drang nach Protektionismus und dem mächtigsten Feind der Expansion, einer durchdringenden
Unsicherheit,heimgesucht.
Die Vereinigten Staaten mit ihren gewaltigen Human- und Wissenschaftsressourcen können eine Zeit des wirtschaftlichen Haders und der wirtschaftlichen Rückschläge überstehen. Aber unsere moralische Verpflichtung und
unser Eigeninteresse erfordern von uns, unsere technologischen und produktiven Fähigkeiten einzusetzen, um im Inland dauerhaften Wohlstand zu schaffen
und im Ausland zu einer soliden Wirtschaftslage beizutragen.
Präsident Reagan hat ein mutiges Programm aufgestellt, um wieder Schwung
in die amerikanische Wirtschaft zu bringen.

Unsere Inflationsrate ist deut-

lich gesunken, und wir werden sie niedrig halten.

Dies wird dem Dollarkurs

zusätzliche Stabilität verleihen und den internationalen Finanzmärkten größere
Zuversicht geben.
Der kürzliche Fall der amerikanischen Zinsen wird sowohl im Inland wie
im Ausland zu neuen Investitionen anregen.

Einsparungen im Energiebereich

durch marktwirtschaftliche Preisgestaltung hat die Nachfrage der Vereinigten
Staaten nach Energie auf den Weltmärkten verringert.
Rezession hinter uns zu bringen.

Wir sind dabei, die

Eine wachsende und offene amerikanische Wirt-

schaft wird den andernorts produzierten Gütern und Dienstleistungen neue
Märkte bieten und neue Möglichkeiten für Auslandsinvestitionen.

Genau wie wir

von der weltweiten Erholung profitieren, werden andere durch unsere weitere
- 9 -

�unsere weitere Genesung begünstigt.
Damit dieser günstige Trend anhält, müssen wir gemeinsam die folgenden
internationalen Fragen angehen:
- Es gilt, sich den Gefahren einer protektionistischen Handelspolitik zu
widersetzen - ganz gleich, ob in Form offener Importrestriktionen oder Exportsubventionen oder durch subtilere inländische Programme. All dies kann
nur den Welthandel verzerren und das Wachstum überall schädigen. Machen wir
mit Entschlossenheit das GATT-Ministertreffen im November zu einer Gelegenheit,
bei der diesem protektionistischen Druck entgegengewirkt wird und die positiven Anstrengungen für ein offeneres Handelssystem erneut gekräftigt werden!
- Die Auswirkungen der Schulden vieler Staaten im Ausland gilt es zu
analysieren. Die drängendsten Schuldprobleme sind in den Griff zu bekommen,
wenn wir den gesunden Menschenverstand einsetzen und destabilisierende Maßnahmen vermeiden. Aber die Höhe der Auslandsschulden wird nahezu unvermeidlicherweise die verfügbaren Mittel vermindern, die in Zukunft zu Entwicklungszwecken zur Vergabe vorhanden sein werden. Wirtschaftliche Anpassungsmaßnahmen
sind notwendig. Der Internationale Währungsfonds kann bei den Anstrengungen
aller Länder entscheidende Hilfe und Führung geben, den Anpassungsprozeß so
reibungslos wie möglich zu vollziehen.
- Schließlich gilt es, die Notwendigkeit einer Verminderung staatlicher
Eingriffe in den freien Markt zu sehen. Jeder Staat hat das Recht, seine Gesellschaft in der Weise zu organisieren, wie es die Bevölkerung will; aber
zugleich dürfen ökonomische Tatbestände auch nicht ignoriert werden. Und diese Tatbestände zeigen, daß die Zwangswirtschaften dieser Erde zutiefst dabei
versagt haben, den Bedürfnissen der dort lebenden Menschen zu entsprechen.
Die in Wohlstand lebenden Industrienationen sind zugleich auch diejenigen mit
den freiesten und offensten Märkten.
Das Fundament unserer Stärke ist unser moralischer und geistiger Charakterzustand.
Die Quellen
- 10 -

�Die Quellen echter Stärke liegen tiefer als in der wirtschaftlichen
oder militärischen Macht - sie liegen in der Entschlossenheit freier Menschen,
die sich ihrer Verantwortung bewußt sind.

Die Institutionen Amerikas sind

offen, zugänglich für jedermann; die Regierung ist Diener des Volkes, diesem
verantwortlich.

Chancengleichheit, Gleichheit vor dem Gesetz, öffentliche

Geschworenengerichtsbarkeit, Glaubens-, Redens- und Versammlungsfreiheit unsere Bill of Rights, unsere Garantien für Freiheit und begrenzte Staatsvollmachten wurden in Jahrhunderten der Prüfung geschmiedet.

Und weil wir um un-

serer selbst willen für diese Werte Sorge tragen, müssen wir uns legitimerweise auch mit der Mißachtung von Freiheit, Gerechtigkeit und humanitären Grundsätzen jenseits unserer Grenzen auseinandersetzen.

Deshalb werden wir uns mit

Wort und Tat für jene einsetzen, die ihrer Überzeugung wegen eingesperrt sind,
werden gegen den Terrorismus und gegen die brutale Art und Weise auftreten,
in der die sowjetischen Überwachungsgruppen der Helsinki-Schlußakte zum Schweigen gebracht wurden.

Und deshalb sind wir auch ängstlich um eine regelmäßige

Überprüfung bemüht, wie die Menschenrechte bei uns und bei den anderen verwirklicht werden. Wir begrüßen eine Untersuchung unseres eigenen Systems.
Wir sind nicht vollkommen und wissen das, aber wir haben auch nichts zu verbergen.
Unser Glaube an die Freiheit leitet unsere Politik hier in den Vereinten
Nationen genau wie andernorts.

Deshalb werden die Vereinigten Staaten vor

diesem Forum auch weiterhin auf Fairness, Ausgewogenheit und Ehrlichkeit bestehen. Wir nehmen die Debatte über die Menschenrechte ernst. Wir bestehen
auf Ehrlichkeit im Umgang mit der Sprache; wir werden auf Widersprüche, auf
verschiedene Maßstäbe und auf Lügen hinweisen.

Und wir werden uns nicht bei

unserer Verpflichtung zur Wahrheit kompromittieren lassen.

III. Bereitschaft zur Problemlösung
In dieser Welt gibt es genug Arbeit zu tun für Realisten, Pragmatiker
und Freie. Mit einem klaren Verständnis für die schwierige Lage dieser Zeit
und mit gestärkter Fähigkeit zum Handeln bedürfen wir noch der Vision, über die
- 11 -

�über die unmittelbare Gegenwart hinauszublicken.
Wir alle hier vertreten Staaten, die die Notwendigkeit zu fairem Engagement
für die vor uns liegenden Fragestellungen und darüber hinaus der gemeinsamen
Anstrengung in Richtung auf gemeinsame Ziele hin einsehen und akzeptieren müssen. Gleich, ob wir den Versuch unternehmen, in einem regionalen Konflikt
Frieden zu schaffen oder eine Resolution über Handelsdifferenzen zu verabschieden:

Die Zeit der zwangsweise auferlegten Lösungen ist vorüber.

Eroberung,

Druck, Anpassung durch Nötigung waren in Jahrzehnten üblich, die noch nicht
lange der Vergangenheit angehören - aber nicht mehr heute. Nicht jedermann,
der möchte, daß seine Besorgnisse behandelt werden sollten, wird uns hierfür
automatisch empfänglich finden.

Aber wenn es um ordentliche Verhandlungen geht,

wird Amerika bereit sein, an der globalen Tagesordnung mitzuarbeiten - und dies
in einer Weise, daß alle am Ende besser und sicherer dastehen als zuvor.
Wir werden unsere Probleme vernünftiger und mit größerem gegenseitigem
Verständnis in den Griff bekommen, wenn wir zu der Erkenntnis gelangen, daß
sie Ausdruck des grundlegenden Dilemmas der Menschheit sind. Wir stehen nur
selten vorder schlichten Frage nach falsch oder richtig, nach gut oder böse.
Nur diejenigen, die nicht die unmittelbare Last der Verantwortung für eine Entscheidung und für eine Maßnahme tragen, können sich in den Details einer solchen
Realität ergehen. Aufgabe des Staatsmannes ist es, zwischen zwei - und mehreren - Anliegen zu vermitteln, bei denen oft genug jede ihre legitimen Ansprüche hat.
Und gerade auf dieser Grundlage sind die Vereinigten Staaten bereit, bei
der Lösung der Probleme unserer Zeit einen Versuch zu machen - das Chaos, die
Entbehrungen und die vermehrte Gefahren einer Ära zu überwinden, in der Ideologien und Kulturen zu oft aufeinanderzustoßen scheinen und die Technologien die
Gefahr mit sich bringen, unsere Kontrollinstanzen hinter sich zu lassen.
Wir unternehmen Verhandlungen und Anstrengungen, Antworten auf Fragen zu
finden, die jeden Teil dieser Erde berühren und jeden Aspekt des Lebens auf
ihr. Lassen Sie mich zusammen mit Ihnen nur zwei davon berühren.
Die Agonie

�Die Agonie des Nahen Ostens übersteigt derzeit die Fähigkeit, sie in Nachrichten-Bulletins oder Reden zum Ausdruck zu bringen; sie ist eine brennende
Wunde unseres Gewissens.
Gärung.
Hader.

Die Region befindet sich in einem Dauerzustand der

Unruhe entzündet sich zu Gewalt, Terror, Aufruhr und öffentlichem
Krieg folgt auf Krieg.

Für jedermann in diesem Raum hier ist klar,

daß es nicht wirklich zu Weltfrieden, Sicherheit und Zusammenarbeit kommen
kann, solange dieser schreckliche regionale Konflikt nicht gelöst ist.
Wir alle sind in den vergangenen Monaten Zeuge einer deutlichen Erinnerung
an die Notwendigkeit praktischer Friedensverhandlungen im Nahen Osten geworden.
Unter den Staaten dieser Welt, die Frieden brauchen und verdienen, steht Israel
sicherlich mit an vorderster Stelle.

Unter den Völkern dieser Welt, die einen

Platz brauchen und verdienen, mit dem sie sich wirklich identifizieren können,
ist der palästinensische Anspruch unleugbar.
Aber Israel kann einen dauerhaften Frieden nur in einem Kontext haben,
in dem das palästinensische Volk auch seine legitimen Rechte wiederfindet.
Desgleichen wird das palästinensische Volk nur in einem Kontext seine legitimen
Rechte erhalten können, der Israel das gibt, was zu verlangen es so offenkundig ein Recht hat - nämlich zu existieren, und zwar in Frieden und in Sicherheit
zu existieren.
Dieser komplizierteste aller internationalen Konflikte kann nicht durch
Gewalt gelöst werden; weder der Macht von Armeen noch der Gewalt von Terroristen
kann es gelingen, den Schwachen den Willen der Starken aufzuzwingen.

Der

Konflikt kann auch nicht nur einfach durch die Rhetorik selbst der sorgfältigst formulierten Dokumente geregelt werden.

Er kann nur gelöst werden

durch das Geben und Nehmen direkter Verhandlungen, die zur Schaffung praktischer Vorkehrungen an Ort und Stelle führen.
Mit anderen Worten:

Er kann nur durch harte Arbeit gelöst werden.

Für

diejenigen, die daran glauben, daß kein Widerspruch besteht zwischen Frieden
für Israel und den legitimen Rechten des palästinensischen Volkes und für diejenigen, die glauben, daß beides von entscheidender Bedeutung für den Frieden
- 13 -

�den Frieden ist und daB das eine nicht ohne das andere zu erreichen ist,
kann diese Aufgabe wahrhaft zu einer Arbeit werden, die gern getan wird.
Am 1. September hat Präsident Reagan die am arabisch-israelischen Konflikt beteiligten Parteien aufgefordert, einen Neubeginn auf dem Wege zum
Frieden im Nahen Osten zu machen.

Die Abkommen von Camp David, die fest auf

der Resolution 242 des Weltsicherheitsrates mit der Formel Frieden und Territorium ruhen, stehen auch weiterhin denen offen, die diesem Appell zustimmen,
den Weg mit uns zu gehen.

Dieser Weg wird nicht leicht sein, aber in seiner

Erklärung unterbreitete Präsident Reagan eine Reihe von Vorschlägen, die für
diejenigen, die bereit sind, sich diesem Bemühen anzuschließen, den Weg
sicherer und leichter machen.
Ich appelliere an alle Betroffenen, diesem Aufruf Präsident Reagans zuzustimmen und die Verwirklichung eines echten Friedens im Nahen Osten zu beschleunigen.
Zusätzlich zu dieser dringenden Notwendigkeit, regionale Probleme zu
lösen, gibt es ein gleichermaßen wichtiges, globales Gebot: Der weltweiten
Aufrüstung Einhalt zu gebieten und sie ins Gegenteil umzukehren. Als Amerikaner bin ich mir über die Tatsache im klaren, daß den beiden mächtgsten Nationen, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, eine besondere Verantwortung für die Rüstungskontrolle und die Abrüstung zukommt. Und als Amerikaner
kann ich berichten, daß wir unserer Verantwortung nachkommen, eine Begrenzung
und Reduzierung konventioneller und nuklearer Waffen auf den geringstmöglichen
Stand anzustreben.
Mit diesem Ziel vor Augen hat Präsident Reagan ein umfassendes Programm
für ausgehandelte Rüstungsreduzierungen eingeleitet. In Mitteleuropa, dem
am schwersten bewaffneten Gebiet auf diesem Planeten, bemühen sich die westlichen Verbündeten um wesentliche Verringerungen der Truppen der NATO und des
Warschauer Paktes auf ein gleiches Niveau. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir kürzlich einen neuen Vorschlag unterbreitet, der darauf abzielt, die
Wiener Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Reduzierungen der Truppen- 14 -

�der Truppenstärken wiederzubeleben.
Auf dem Gebiet der strategischen Waffen haben die Vereinigten Staaten
ebenfalls die Initiative ergriffen, indem sie die Verringerung der Anzahl
der nuklearen Gefechtsköpfe um ein Drittel forderten, die amerikanische und
sowjetische ballistische Raketen ins Ziel tragen können.

Und bei den Genfer

Gesprächen über nukleare Mittel Streckensysteme sind die Vereinigten Staaten
sogar noch weiter gegangen, indem sie die Sowjetunion aufgefordert haben, einem kühnen Vorschlag für die Beseitigung einer gesamten Waffenkategorie aus
den Arsenalen der beiden Seiten zuzustimmen.
Aber so wichtig diese Verhandlungen auch sind, das Problem der Rüstungskontrolle kann nicht den beiden Supermächten überlassen bleiben.

Die Gefahr

der nuklearen Proliferation erstreckt sich praktisch auf die ganze Welt und
erfordert die Aufmerksamkeit und die Energie aller Regierungen.

Dies ist

nicht allein, nicht einmal in erster Linie ein Anliegen der Supermächte.
Die Nicht-Atomstaaten werden nicht sicherer sein, wenn die nukleare Einschüchterung noch zu den bereits tödlichen regionalen Konflikten hinzukommt.
Die Entwicklungsländer werden keineswegs eine größere Priorität erlangen,
wenn knappe Ressourcen und wissenschaftliches Können für Atomwaffen und Trägersysteme abgezweigt werden.
Leider wird die Aufgabe, je wichtiger sie wird, auch umso schwieriger.
Es werden immer größere Mengen gefährlichen Materials produziert, und es treten neue Lieferanten auf, die keine klare Verpflichtung zur Nichtweiterverbreitung an den Tag legen.

Aber die Technologie, die zur Schaffung dieser

Probleme beitrug, kann auch die Antworten dazu liefern.

Tatkräftige Schritte

zur Stärkung der einer Aggression entgegenstehenden Hindernisse und Schranken
sowie Maßnahmen zur friedlichen Lösung von Streitfällen können die Unsicherheiten beseitigen, die die Wurzel des Problems sind.

Die Vereinigten Staaten

werden ihrerseits darauf hinwirken, die Exportkontrollen zu verstärken, eine
größere Zustimmung zu den Sicherheitsvorkehrungen zu fördern, sinnvolle Maßnahmen zu fördern, wenn Abkommen verletzt werden, und die Internationale Atomenergiebehörde zu stärken.

(Wie unsere Aktion in Wien in der vergangenen Woche
- 15 -

�vergangenen Woche verdeutlichte, werden wir keine Versuche zur Politisierung
- und damit zur Schwächung solcher lebenswichtiger Institutionen akzeptieren.)

IV. Fortschritt
Der vielleicht allgemeingültigste Satz ,der in über zwei Jahrhunderten
des nationalen Lebens von Amerikanern geprägt wurde, lautet:
kann man nicht aufhalten."

"Den Fortschritt

Unser Volk war stets von der Überzeugung

erfüllt,

daß die Zukunft eines freien Volkes gut sein müsse.
Auch weiterhin bietet Amerika der Welt diese Vision an.

Mit einer sol-

chen Vision und mit der Freiheit, kreativ zu handeln, erfüllt, gibt es nichts,
was Menschen guten Willens zu fürchten hätten.
Ich will hier jedoch nicht behaupten, daß der Weg leicht ist oder schnell
zurückgelegt werden kann oder daß die Zukunft unbedingt hell und leuchtend
sein muß. Es gibt ein Gedicht von Carl Sandburg, in dem ein Reisender die
Sphinx auffordert, den Extrakt der Weisheit aller Zeitalter zu enthüllen.
Die Sphinx antwortet tatsächlich. Ihre Worte sind "Erwarte nicht zuviel."
Das ist ein guter Rat für uns alle. Dies bedeutet nicht, daß große
Leistungen außerhalb unserer Reichweite lägen. Wir können dazu beitragen,
konstruktivere internationale Beziehungen zu schaffen und unseren Kindern eine
bessere Lebenschance zu bieten. Es heißt jedoch auch, daß Wagnisse, Schmerzen, Kosten und vor allem Ausdauer nötig sind, um diese Leistungen zu vollbringen.
Wir müssen uns über den komplexen und beunruhigenden Charakter dieser
Welt im klaren sein. Wir sollten nicht in Bildern der Perfektion oder in unerfüllbaren Plänen schwelgen oder Lösungen nachgeben, die durch Druck erreicht wurden. Es ist die Verantwortung der führenden Politiker, nicht noch
den immer größer werdenden Appetit auf leichte Versprechungen oder großartige

�oder großartige Zusicherungen zu fördern. Die einfache Wahrheit ist vielmehr:

Wir

sehen uns der Aussicht gegenüber, daß es nur allzu wenige ent-

scheidende und dramatische Durchbrüche geben wird; wir sehen uns der Notwendigkeit gegenüber, unsere Energien und unsere Kreativität einem sich hinziehenden Kampf um den letztlichen Erfolg zu widmen.
Das ist die Einstellung meines Landes, weil wir nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die Möglichkeit sehen, auf breiter Front wichtige Fortschritte zu erzielen.

Zum Beispiel:

- Trotz tiefgehender Meinungsunterschiede zwischen uns und der Sowjetunion stehen Unterhändler beider Seiten in einem ernsthaften und sachlichen Bemühen um die Rüstungskontrolle.
- Präsident Reagan hat zu einer internationalen Konferenz über Militärausgaben aufgerufen.

Die Schaffung eines gemeinsamen Systems zur Er-

fassung und Offenlegung ist die Voraussetzung für ein Abkommen über die
Begrenzung oder Kürzung der Verteidigungshaushalte.
- Die Initiative für das Karibische Becken schafft die entscheidend wichtige Verbindung zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und wirtschaftlicher Freiheit.

Dies kann ein Modell werden für faire und produktive

Zusammenarbeit zwischen Volkswirtschaften, die nach Umfang und Natur
überaus unterschiedlich sind.
- Und der diplomatische Weg ist offen, um im südlichen Afrika Stabilität
und Fortschritt für Namibia durch Unabhängigkeit unter international
akzeptablen Bedingungen zu schaffen.
Realismus sowie die Bereitschaft, lange und hart für faire und frei vereinbarte Lösungen zu arbeiten - das ist unser Rezept für den Optimismus. Das
ist die Botschaft und auch das Angebot, das meine Regierung Ihnen heute unterbreitet.
Herr Präsident,
- 17 -

�Herr Präsident, Herr Generalsekretär, sehr geehrte Delegierte und Freunde:
Ich habe meine Ausführungen hier und heute mit einem informellen, persönlichen
Wort begonnen.

In diesem Geiste möchte ich auch meine Bemerkungen abschließen.

Wir müssen entschlossen und zuversichtlich sein. Wir müssen uns auf
Schwierigkeiten einstellen, aber immer optimistisch bleiben.

Nur auf diese

Weise kann das Großartige, das der menschliche Geist und die Vorstellungskraft
des Menschen hervorbringt, von all den Rassen und Nationen geteilt werden, die
wir hier in diesem Raum vertreten.
Einer meiner Vorgänger als amerikanischer Außenminister, dessen Bild in
meinem Büro hängt, hat der Welt das Wesen der Einstellung Amerikas zu den Gefahren und Zwangslagen unseres Planeten übermittelt.

Er sagte, wir würden

"mit festem Herzen und einem reinen Gewissen handeln und niemals verzweifeln."
Das hat John Quincy Adams vor etwa 150 Jahren gesagt. Ich darf Ihnen
heute persönlich versichern, daß wir in diesem Geist unsere Arbeit fortführen
werden, mit dieser Entschlossenheit und mit diesem Vertrauen in die Zukunft.

+ + + + +

18

�6. Oktober 1982

39

DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK AUF NEUEM KURS
- Von John Kombi um Direktor für mitteleuropäische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium

Nachfolgend die Wiedergabe eines Vortrages, den John Kornblum am 4. Oktober
1982 im Haus Rissen in Hamburg gehalten
hat.

- (AD) - Die 37 Jahre seit Ende des Zweiten Weltkrieges waren eine Zeit
des dramatischen Wandels. Aber sie waren auch eine Ära der bemerkenswerten
Kontinuität in den grundlegenden Beziehungen zwischen den Völkern, vor allem
den Völkern der atlantischen Welt.
Ein Grundprinzip der amerikanischen Außenpolitik bleibt die Aufrechterhai tung der Sicherheit und Freiheit für die Vereinigten Staaten und für
ihre Verbündeten. Gleichzeitig suchen sie geduldig nach Lösungen der vielen
Probleme,die uns heute konfrontieren.
Um es

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Um es ganz direkt zu sagen:

Unsere Politik hat sich darauf konzentriert,

den Zusammenhang des Atlantischen Bündnisses als der stärksten Partnerschaft
demokratischer Staaten in der Welt aufrechtzuerhalten.

Es ist und bleibt un-

sere feste Überzeugung, daß der demokratische Pluralismus die beste Hoffnung
auf menschlichen Fortschritt und Gerechtigkeit für die ganze Menschheit bietet.
Von dieser Grundlage ausgehend versuchen wir, die Konfrontation mit Gegnern abzubauen und dazu beizutragen, den neuen und aufstrebenden Nationen der
sogenannten Dritten Welt Stabilität, Wachstum und Demokratie zu bringen.
Das ist eine schwierige Aufgabe.
einigten Staaten noch erschwert.

Sie wird für eine Nation wie die Ver-

Unsere Lebensweise, unsere Partnerschaft

mit Europa und unser Engagement in der Welt basieren nicht nur auf militärischer Macht oder Berechnungen des weltweiten Kräfteverhältnisses, sie basieren vielmehr auf einem Ideal - dem demokratischen Ideal, das es unserer Nation ermöglicht hat, zu ihrer heutigen Stärke zu gelangen.
Aber eine Weltmacht wird oft vor eine schwere Wahl gestellt. Es ist
nicht immer möglich, an einem reinen Ideal festzuhalten angesichts militärischer Bedrohungen, erdrückender Armut oder der Instabilität emporstrebender Gesellschaften. In Fällen, in denen unsere Gegner selbst sich nicht nach
den Spielregeln der Demokratie verhalten, müssen wir oft andere Ziele - wie
etwa die Vermeidung der Subversion oder des Zusammenbruchs befreundeter Länder - noch vor das Festhalten am reinen Ideal setzen.
Von besonderer Wichtigkeit ist die Aufrechterhaltung der Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten und des Vertrauens in sie. Eine Nation, die
keine klaren und erreichbaren Ziele aufstellt, kann nicht erwarten, die anhaltende Unterstützung von Partnern zu erhalten, so stark ihre Ideale auch
sein mögen. Und eine Nation, die keine klaren Grenzen ihrer Toleranz setzt,
kann nicht erwarten, erfolgreich mit Gegnern umzugehen, so ehrlich sie auch
Kooperation und Frieden wünscht.
Als die

�Als die Reagan-Administration im Jahr 1981 ihr Amt antrat, wurden die
Glaubwürdigkeit und Klarheit der amerikanischen Politik in der ganzen Welt
in Zweifel gezogen.
Unsere Partner waren durch große Umschwünge in den Zielen der Vereinigten Staaten verwirrt.

Sie beklagten sich laut über den Mangel an Klarheit

und Führung seitens der Vereinigten Staaten.
Unsere Gegner hatten zu glauben begonnen, daß die Vereinigten Staaten
ihre Verantwortung für die Verteidigung der - politischen und militärischen Interessen der westlichen Welt nicht mehr ernst nehmen würden.

Einige Jahre

des Schwankens und der Vernachlässigung hatten der Sowjetunion insbesondere
den Eindruck vermittelt, wir würden auf die Steigerung der militärischen
Stärke der Sowjetunion oder auf die zunehmende Subversion in der Dritten Welt
nicht reagieren.
Und schließlich hatten ein Nachlassen der Wirtschaftstätigkeit und
fragwürdige Aussichten auf Wachstum stark an dem Vertrauen unserer eigenen
westlichen Gesellschaften gezehrt. Wir begannen uns darauf zu konzentrieren,
was an unserer westlichen Demokratie falsch sein könnte, statt darauf, was
richtig ist. Oft schienen die innere Auseinandersetzung und der innere Wettstreit

über die Kooperation vorzuherrschen.

Im Westen machte sich zunehmend

ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit breit.
Angesichts dieser Situation übernahm Präsident Reagan sein Amt in der
Entschlossenheit, die negativen Trends amerikanischer Führung umzukehren.
Er sah, daß die Lage in den achtziger Jahren sich grundsätzlich von der in
den vorangegangenen Jahrzehnten unterschied.

Wir standen vor neuen Heraus-

forderungen wie wirtschaftliche Instabilität, verstärkte militärische und politische Bedrohungen durch die Sowjets und die unsichere Situation der Dritten
Welt.

Diese neue Lage hätte Unklarheit und Uneinigkeit noch verstärkt, wenn

die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten nicht zu den ursprünglichen Prinzipien ihrer Zusammenarbeit zurückgekehrt wären.
Um diesen

�Um diesen Herausforderungen zu begegnen, erstellte der Präsident folgende Prioritäten:
- Aus der Einsicht heraus, daß eine wirtschaftliche Schwäche Amerikas
unsere Bemühungen im Ausland lähmen würde, schlug er ein umwälzendes
Programm zur Wiederherstellung eines nicht-inflationären wirtschaftlichen Wachstums vor.
- Eine wesentliche Grundlage dieses Ansatzes war die Überzeugung, daß
wirtschaftlicher Wiederaufschwung von einer sofortigen Korrektur von
Mängeln unserer militärischen Position begleitet werden mußte.

Eine

Wiederherstellung des Vertrauens in die Fähigkeit Amerikas - und des
Westens -,den Herausforderungen der achtziger Jahre zu begegnen, erforderte von uns, unsere Fähigkeit zur Aufrechterhaltung des militärischen Gleichgewichts wiederherzustellen.
- Gleichzeitig war der Präsident entschlossen, das Niveau der militärischen Konfrontation auf den niedrigstmöglichen Stand zu senken auf der Basis der Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts zwischen Ost
und West. Er schlug vor, daß sich die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion auf echte Verringerungen der Rüstungen konzentrieren sollten, statt auf eine simple Bestätigung des Status quo.
- Aus der Erkenntnis der bleibenden wichtigen Aufgaben in der Dritten
Welt verpflichtete sich der Präsident, jenen Nationen Ermutigung und
Hilfe zukommen zu lassen, die sich wahrhaft einer nationalen Entwicklung verschrieben haben. Gleichzeitig lehnte er die These ab, daß jede sogenannten "nationale Befreiungsbewegung" als positiv betrachtet
werden müsse, einfach weil sie vorgibt, gegen Ungerechtigkeit zu
kämpfen.
- Und schließlich unterstrich der Präsident - was am wichtigsten ist -»
daß die Sicherheit unserer eigenen Gesellschaft und die der ganzen
Welt nur durch die engste Zusammenarbeit der demokratischen Industrie- 4 -

�demokratischen Industriestaaten des Westens aufrechterhalten werden
kann.

Die Neubelebung der atlantischen Partnerschaft nahm den ersten

Platz auf der außenpolitischen Prioritätenliste des Präsidenten ein.

Das Bündnis
Wieviel

wir erreichen können, wird von der Gesundheit und der Vitali-

tät des Nordatlantischen Bündnisses abhängen.
Aus diesem Grunde bleibt das Nordatlantische Bündnis das Kernstück der
amerikanischen Außenpolitik.

Das war in der Vergangenheit so, das ist heute

so, und das wird auch in absehbarer Zukunft so sein.
Dafür gibt es drei Gründe:
- Erstens, die Mitglieder des Bündnisses sind nicht durch Gewalt oder
durch reine Zweckdienlichkeit vereint, sondern durch eine gemeinsame
Geschichte, Kultur, Wertskala und Interessen.
- Zweitens, die Sicherheit Westeuropas und Amerikas ist unteilbar.
- Drittens, eine Kernfrage unserer gemeinsamen Interessen bleibt die Bedrohung der westeuropäischen und amerikanischen Sicherheit durch die
Sowjetunion.
Wir sind der Überzeugung, daß das Bündnis das wirksamste und am wenigsten
kostspielige Instrument ist, um den Herausforderungen unserer gemeinsamen
Sicherheit zu begegnen.
Wir sind der Überzeugung, daß die Fragen, in denen wir unterschiedlicher
Meinung sind, auch weiterhin wesentlich weniger bedeutsam sein werden als
unser anhaltendes Engagement für die transatlantische Zusammenarbeit und
Sicherheit.
Die Verteidigung

�Die Verteidigung Europas beruht heute noch immer fest auf drei Säujlen:
Kollektive Sicherheit, nukleare Abschreckung und amerikanisches Engagement.
Wenn die Ziele des Bündnisses hin und wieder in Amerika und Westeuropa
kritisiert werden, dann deshalb, weil das Bündnis im Laufe der Jahre so gut
funktioniert hat, daß seine Kritiker seinen Erfolg einfach voraussetzen.
Aber auch eine so erfolgreiche Partnerschaft muß sich auch auf neue Gegebenheiten einstellen. Die neue Lage der achtziger Jahre verlangt eine
tiefgreifende Diskussion der Prioritäten und Methoden unserer Zusammenarbeit.
Inmitten all der dunklen und düsteren Kommentare über die Zukunft dieser Beziehungen ist es wichtig, sich daran zu erinnern, daß dies nicht das
erste Mal ist, daß eine solche Debatte stattgefunden hat. Obwohl man natürlich stets Übereinstimmung bevorzugt, muß man doch auch sehen, daß diese
Debatten im Grunde dazu dienen, das Bündnis zu revitalisieren.
Die Konzeptionen, auf denen der Westen seine Sicherheit und seine Zusammenarbeit gründet, können ihre Lebensfähigkeit nicht behalten, wenn sie
nicht immer wieder von jeder neuen Generation herausgefordert und neu belebt
werden.
Das ist die Grundlage des demokratischen Prozesses - und die Quelle
der westlichen Stärke.
Die Herausforderung besteht darin, einen neuen Konsens über die Interessen des Bündnisses zu entwickeln und dann wirkungsvollere Mittel auszuarbeiten, die diese Interessen schützen und fördern.
Die Entwicklung der internationalen Lage geht neue Wege. Das veränderte Kräfteverhältnis in Europa, das Auftreten der Sowjetunion als globale
Macht,die wachsende Stärke und der zunehmende Reichtum Westeuropas und die
zunehmende strategische Bedeutung von Ereignissen in der Entwicklungswelt all dies macht es notwendig, die Strategie und die Ziele des Bündnisses mit

�Bündnisses mit neuen Augen zu betrachten.
Sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus politischen Gründen muß der
Westen zu einem neuen Verständnis der Pflichten innerhalb des Bündnisses
gelangen, wobei Europa einen größeren Teil der Last übernehmen muß - nicht
nur bei der Bereitstellung einer angemessenen Verteidigung, sondern auch
beim Schutz der umfassenderen westlichen Interessen in der Welt.

Die Ost-West-Beziehungen
Wie in der Vergangenheit, so wird auch in Zukunft das Bemühen um ein
konstruktiveres Verhältnis zum Osten von höchster Bedeutung sein. Diese Anstrengungen stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bemühen um Rüstungskontrolle und um ein militärisches Gleichgewicht. Diese drei Zielsetzungen
verstärken sich gegenseitig und stehen keineswegs in Konkurrenz zueinander.
Westliche Bemühungen müssen sich vor allem auf die Sowjetunion konzentrieren - nicht wegen unserer ideologischen Unterschiede, sondern weil Moskau
die größte Quelle internationaler Unsicherheit darstellt.
Die Bereitschaft der Sowjetunion, Gelegenheiten zum einseitigen Vorteil
auszunützen - sogar wenn dies die Förderung und die Ausnutzung von Gewalt und
Unruhe bedeutet -, bleibt eine große Gefahr für den Weltfrieden.
Zu lange ließen uns idealistische und wohlmeinende Hoffnungen im Glauben an eine grundlegende Änderung der sowjetischen Ziele.
Zu lange glaubten wir, daß ein Nachlassen der Spannungen in Europa uns
immun gegenüber den sowjetischen Versuchen zu einer Veränderung des Machtgleichgewichts machen würde.
Zu lange hegten wir die Hoffnung, daß der Rüstungskontroilprozeß in und
durch sich selbst dieses entscheidende Gleichgewicht bewahren würde.
Die Ergebnisse
- 7 -

�Die Ergebnisse des Jahrzehnts der sogenannten Entspannung zeigen ein anderes Bild.
Entwicklungen der letzten Jahre machen jetzt deutlich, in welchem Umfang
die ursprünglichen Hoffnungen auf Entspannung enttäuscht worden sind:
- Das vergangene Jahrzehnt sah die gewaltigste sowjetische Aufrüstung
in der Geschichte.
- Sowjetische Streitkräfte oder diejenigen von sowjetischen Stellvertretern sind in Aktion - von Afghanistan bis Kampuc^ea und Mittelamerika.
Die militärische Subversion ist zu einem Hauptwerkzeug der sowjetischen
Außenpolitik geworden.
- In Europa ist die Sowjetunion direkt für die Verhängung des Kriegsrechts und für die Unterdrückung der Demokratie in Polen verantwortlich.
- Während der Westen einseitig Zurückhaltung übte und die Dislozierung
neuer Waffen aufschob, haben die Sowjets ihre nuklearen und ihre konventionellen Streitkräfte weit über ihre legitimen Verteidigungserfordernisse hinaus ausgebaut, einschließlich der Einführung von SS-20-Raketen
in Europa - ein Schritt, der die strategische Situation in Europa gewaltig destabilisiert hat.
•

- Während die Sowjets und ihre Verbündeten öffentlich ihr Eintreten für
Frieden und Abrüstungen betonen, unterdrücken sie Friedensbewegungen
zu Hause durch Verhaftung oder Ausweisung.
Offenkundig galt es, Maßnahmen zu einer Korrektur zu ergreifen. Es ist
deutlich, daß die Taten der Sowjetunion klar im Gegensatz zu dem stehen, was
sie als ihre wohlmeinenden Absichten ausgibt.
Wir haben erkannt, daß es nicht ausreicht, gute Absichten zu verkünden
und von der anderen Seite zu erwarten, schon dies allein zu honorieren. Wir

�Wir haben eingesehen, daß sich die Hoffnungen auf Fortschritt nur dann erfüllen können, wenn es auf unserer Seite eine klare Bereitschaft gibt, auf
Verletzungen solcher Vereinbarungen zu reagieren.
Unser höchstes Ziel bleibt Abbau der Spannungen und die größtmögliche
Zusammenarbeit zwischen Ost und West.

Aber wir müssen die Ost-West-Beziehun-

gen mit Deutlichkeit so definieren, daß jede Seite die legitimen Interessen
der anderen anerkennt.
Wir müssen mit der Sowjetunion einen ständigen Dialog führen, um ihr
unsere Besorgnisse zu erklären und um unsere Einwände gegen das sowjetische
Verhalten zum Ausdruck zu bringen.
Von gleicher großer Bedeutung ist es, daß wir bereit sind, klar zu demonstrieren, daß wir sowjetische Überschreitungen nicht ignorieren werden.
Hinter unseren Einwänden muß mehr stehen als bloße Worte.
Verhalten darf nicht belohnt werden.

Unangemessenes

Der Westen kann nicht so tun, als sei

trotz sowjetischer Übertretungen nichts geschehen - und als könnte er erwarten,
dabei noch seine Glaubwürdigkeit zu behalten.
Das ist das Grundprinzip hinter der Haltung der Reagan-Administration
in den Ost-West-Beziehungen.

Wir suchen keine Konfrontation oder militärische

Überlegenheit.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten wünschen ein konstruktives
Verhältnis zur Sowjetunion und ihren Verbündeten. Wir möchten zu einer Ausweitung der Zusammenarbeit in allen Bereichen des beiderseitigen Interesses
gelangen.
Aber ein solches Verhältnis muß sich gründen auf ein sicheres militärisches Gleichgewicht, auf Respekt vor der Unabhängigkeit anderer, auf Enthaltsamkeit der Anwendung von Gewalt und auf Gegenseitigkeit beim Abschluß
und bei der Einhaltung von Abkommen.
Als Teil
- 9 -

�Als Teil dieser Anstrengung müssen wir Jahre der Vernachlässigung revidieren und durch die Stärkung unserer eigenen konventionellen und strategischen Position auf die sowjetische Aufrüstung reagieren.
Das ist keine starre Haltung der Konfrontation gegenüber der Sowjetunion.
Es ist eine realistische Politik, gegründet auf unserer Bereitschaft, ausgewogene, verifizierbare Rüstungskontroll- und Abrüstungsmaßnahmen zu verfolgen,
um die Notwendigkeit neuer Waffen und weiterer Streitkräfte zu vermindern.

Rüstungskontrolle
In Einklang mit dieser Haltung hat der Präsident eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, die dazu dienen sollen, das Gleichgewicht mit dem
Osten wieder herzustellen, den Frieden zu bewahren und vor Abenteuer in anderen Weltgegenden zu warnen.
Er hat den Bau eines neuen Bombers genehmigt, die Entwicklung neuer
seegestützter Raketen beschleunigt, die Verbesserung des strategischen Befehls- und Leitsystems der USA angeordnet und die Modernisierung unserer landgestützten Raketenstreitmacht durch die Dislozierung der MX-Raketen genehmigt.
Gleichzeitig hat er Schritte unternommen, um der Verpflichtung des Bündnisses zu bedeutsamer Rüstungskontrolle Substanz zu verleihen. Während des
vergangenen Jahres hat er ein umfassendes Programm zur Verminderung der
Rüstung in allen Bereichen - sowohl nuklear als auch konventionell - aufgestellt. Dieses Programm wurde vom gesamten NATO-Bündnis auf dem Bonner
Gipfel am 10. Juni 1982 gebilligt.
Diese Vorschläge basieren auf klaren Prinzipien: Sie müssen ausgewogen
und militärisch bedeutsam sein; sie müssen die Streitkräfte auf deutlich niedrigerem Niveau stabilisieren; und sie müssen verifizierbar sein.
Derzeit verhandeln

�Derzeit verhandeln wir mit der Sowjetunion über ein neues Abkommen
bei den strategischen Streitkräften (START),das dazu dienen soll, auf dem Erreichten der Vergangenheit aufzubauen, das aber zugleich deutlich darüber hinausgehen soll, um bedeutsame Verminderungen bei den strategischen Waffen beider Seiten zu erreichen.
Wir verhandeln ferner mit der Sowjetunion über ein Abkommen zur Beseitigung der sowjetischen nuklearen Mittelstreckenraketen (INF),die in der Lage
sind, Europa zu bedrohen - im Austausch für eine Einstellung der Pläne des
Bündnisses, amerikanische nukleare Mittel Streckensysteme (INF) in Westeuropa
zu dislozieren.
In Berlin verkündete der Präsident eine neue Initiative zur Verminderung
der Gefahr eines unbeabsichtigten Atomkrieges durch Verhandlungen mit den
Sowjets über eine Reihe von "vertrauensbildenden Maßnahmen im Nuklearbereich".
In Wien legten die westlichen Teilnehmer einen neuen Vorschlag für die
beiderseitigen und ausgewogenen Truppenverminderungen (MBFR) vor, der niedrigere Obergrenzen bei den Streitkräften der NATO und des Warschauer Paktes
bringen würde.
In enger Zusammenarbeit mit unseren Alliierten

diskutieren wir auf der

KSZE-Folgekonferenz in Madrid die Modalitäten einer Konferenz über Abrüstung
in Europa (KAE).

Wir sind bereit,einer solchen Konferenz zuzustimmen, voraus-

gesetzt, die Sowjetunion zeigt an, daß der Osten bereit ist, den bereits bestehenden Verpflichtungen gemäß der Schlußakte von Helsinki gerecht zu werden.
Diese Beispiele sind nicht vollständig, zeigen jedoch, daß die Vereinigten Staaten einen festen, aber realistischen und konstruktiven Standpunkt
einnehmen, um die Ost-West-Spannungen abzubauen.

Die Dritte

- 11 -

�Die Dritte Welt
Das Entstehen der Dritten Welt als ein Gebiet, an dem der Westen ein
entscheidend wichtiges Interesse hat,ist eine der bedeutsamsten Entwicklungen
der letzten Jahrzehnte.
In einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne gelangte der größte Teil
der Bevölkerung, des Territoriums und der Ressourcen der Welt unter die
Kontrolle von Nationen, die völlig unabhängig vom Westen sind und - in einigen Fällen - ihm feindlich gegenüberstehen.

Unser Interesse an diesen Re-

gionen umfaßt das ganze Spektrum von Investitionen, Handel, Menschenrechten
sowie politischen, sicherheitspolitischen und strategischen Anliegen.
Ein erstes großes Gebiet beiderseitiger Interessen ist der wirtschaftliche Bereich.

Genauso wie wir den Zugang zu den Ressourcen der Dritten Welt

brauchen, so wollen die Entwicklungsländer erweiterte Märkte im Ausland und
technische Erfahrungen und fachmännisches Können des Westens.
Unser Ansatz bei diesen Problemen ist nicht auf eine einzelne Strategie
oder Ideologie fixiert. Wir glauben, daß - genau wie im Westen - die zukünftige wirtschaftliche und soziale Entwicklung auch in der Dritten Welt durch
eine Mischung von Methoden am besten garantiert werden kann. Häufig bieten
Investitionen des privaten Sektors die beste Hoffnung für die Entwicklung.
Beispiele wie Singapur, Taiwan und Brasilien zeigen, daß private Investitionen
eine wichtige Rolle bei der Ankurbelung der wirtschaftlichen Entwicklung
spielen können.
In anderen Fällen gibt es keinen Ersatz für staatliche Unterstützung
entweder direkt oder durch die bestehenden internationalen Organisationen.
Institutionen wie der Internationale Währungsfonds oder die Weltbank können
eine entscheidende Rolle dabei spielen, die erforderliche Unterstützung für
die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der aufstrebenden Länder zu gewähren.
Die Vereinigten
- 12 -

�Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit ihren Partnern und den Nationen
der freien Welt in dem Bemühen zusammenzuarbeiten, die größtmögliche Unterstützung für die wirtschaftliche Entwicklung zu gewähren.

Wir hoffen auch,

daß die Sowjetunion und ihre Verbündeten sich endlich für die friedliche Entwicklung der Dritten Welt engagieren wird.

Wie so oft in der Vergangenheit

bewiesen worden ist, Waffenlieferungen sind kein Ersatz für echte wirtschaftliche und technische Hilfe.
Die Initiative des Präsidenten in bezug auf das Karibische Gebiet ist ein
Beispiel für jene Form gemischter Ansätze, die nach unserer Oberzeugung am
besten funktioniert.

Im Rahmen dieser Initiative sollen direkte Unterstützung

sowie Handelsvorteile gewährt und Hilfe angeboten werden, um produktive private Investitionen in der so wichtigen karibischen Region zu fördern.

Auch in

anderen Gebieten, wie dem südlichen Afrika und dem Nahen Osten, können wir auf
gute Fortschritte verweisen; die gemeinsame Friedenstruppe der USA, Frankreichs und Italiens, die sich gegenwärtig im Libanon aufhält, ist ein gutes
Beispiel dafür, wie wir und unsere Verbündeten außerhalb Europas zusammenarbeiten.
Ein zweiter großer Bereich beiderseitiger Interessen ist die Suche nach
Frieden und Sicherheit, insbesondere nach Freiheit vor ausländischer Intervention. Unser Ziel ist es, die Anwendung von Gewalt von außen in regionalen
Konflikten zu begrenzen und die Ausbeutung solcher Konflikte für einseitige
Zwecke zu verhindern.
Trotz allem hat der Westen bisher noch keine konzertierte Politik für
die Verteidigung und Förderung seiner Interessen in diesem Gebiet entwikkelt.

Obwohl der Westen sich allmählich in diese Richtung bewegt, hinkt

der Prozeß immer noch weit hinter den realen Veränderungen des Nord-Süd-Kräfte-Verhältnisses und seinem Zusammenhang mit den Ost-West-Problemen hinterher. Wir müssen zu einem gemeinsamen Verständnis der Auswirkungen der NordSüd-Fragen und der Ereignisse in der sich entwickelnden Welt für uns alle gelangen, insbesondere hinsichtlich der Versuche der Sowjetunion, jene Gebiete
direkt oder durch Stellvertreter zu durchdringen.
Abschließende Bemerkungen
- 13 -

�Abschließende Bemerkungen
Meine Ausführungen konnten notwendigerweise nur eine kurze Zusammenfassung des weltpolitischen Standpunktes der Vereinigten Staaten sein, wie
er sich gegen Ende des Jahres 1982 darstellt.
Zahlreiche Einzelheiten mußten ausgelassen werden, und viele komplizierte Probleme wurden stärker verkürzt,als dies gerechtfertigt ist.
Ich habe versucht, die grundlegenden Prinzipien darzulegen, die hinter
der Außenpolitik der Reagan-Administration stehen.
Es ist eine Politik, die auf der festen Überzeugung beruht, daß alle
Länder Zurückhaltung sowohl im Inland als auch im Ausland üben müssen, wenn
sich das internationale Klima verbessern soll.
Es ist eine Politik, die auf klaren Prinzipien basiert - auf dem Prinzip der Einigkeit unter demokratischen Nationen, auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit bei Gegnern

und vor allem auf der Respektierung der Interessen

aller souveränen Nationen, welchem politischen System sie auch angehören
mögen.
Und was vielleicht das Wichtigste ist, es ist eine Politik, die sich naturgemäß auf der amerikanischen Tradition begründet.

Sie basiert auf der

festen Überzeugung, daß die gerechteste und erfolgreichste Form des menschlichen Zusammenlebens eine Gesellschaft ist, die die frei estmögliche Entwicklung des Einzelmenschen zuläßt und das bestmögliche Anpacken eines Problems gestattet.
Sie werden daher nicht ein einziges amerikanisches Konzept für die Lösung aller Weltprobleme erkennen.

Es wird keine weltweiten Vorschläge oder

Anstrengungen geben, um alle Nationen zu einer Lösungsform zu zwingen.
Statt dessen
- 14 -

�Statt dessen möchten wir zur Vielfalt ermutigen - auch zu einer Vielfalt, die nicht notwendigerweise mit unseren Ansichten übereinstimmt -, solange diese Vielfalt keinen Übergriff auf die Rechte anderer darstellt.
Unserer Überzeugung nach bietet eine solche Strategie die beste Hoffnung auf Frieden und Fortschritt in der Welt von heute. Wir teilen diese
Ziele mit unseren Partnern und werden eng mit ihnen zusammenarbeiten. Wir
hoffen, daß unsere Gegner ebenfalls einsehen werden, daß es keine totale
Kontrolle der Welt oder ihres Umfeldes gibt; daß Toleranz und Zusammenarbeit
letztlich viel erfolgreicher sind als Kontrolle und Unterdrückung.
Die Herausforderungen der achtziger Jahre sind zu verschiedenartig und
zu kompliziert, als daß man eine einzige Antwort darauf wüßte. Wir sind bereit, eng mit allen zusammenzuarbeiten, die ehrlich die Probleme anpacken
wollen, vor denen wir heute stehen. Wir sind aber auch entschlossen, unsere
Sicherheit und unsere Lebensweise gegen all denjenigen zu verteidigen, die
sie gefährden.

+ + + + +

- 15 -

�6. Oktober 1982

39

DIE ERDGASLEITUNG: WEISSER ELEFANT ODER TROJANISCHES PFERD?
- Von Wilfried Prewo -

Wilfried Prewo ist Energiewissenschaftler
am Kieler Institut für Weltwirtschaft.
Nachdruck mit Erlaubnis des Wall Street
Journal,
(C) Dow Jones and Company, Inc., 1982,
alle Rechte vorbehalten
- (AD) - Die Befürworter des Erdgasgeschäftes mit der Sowjetunion - zu denen
europäische Gaslieferfirmen, Ausrüstungsfirmen und Banken gehören - brauchten
nur wenig konkrete Information einzusetzen, um die öffentliche Meinung in Europa
zu ihren Gunsten umzustimmen.
Uns Westeuropäern wurde gesagt, daß es sich bei der Gasleitung um ein
kommerziell solides Unternehmen handele, daß die Risiken (der Versorgung, der
Unterbrechung oder der Kürzung) entweder unbedeutend oder in den Griff zu
bekommen seien und daß - falls es noch immer Zweifel geben sollte - keine Alternativen vorhanden seien. Wir haben amerikanische Bitten beiseite geschoben, uns
das Gasgeschäft doch einmal genauer anzusehen und haben amerikanische Gegenvorschläge

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�amerikanische Gegenvorschläge zurückgewiesen. Schließlich beschimpfen wir
Ronald Reagan für seinen unerschütterlichen Versuch, das Projekt zu blockieren.
Sicherlich, bei Stil und Ton, in dem die amerikanischen Gegenargumente dargelegt wurden, gab es eine Menge Raum für Verbesserungen. Manche amerikanische
Gegenvorschläge, wiewohl gut gemeint, waren in ihrem Entwurf schlecht

und

ausgesprochen unzureichend vorgelegt: Flüssiggas von Alaska nach Europa mit
Unterseeboot-Tankern zu transportieren, kommt hiesigen Schiffsbauern (auch wenn
sie in der U-Boot-Technologie nicht völlig unerfahren sind) wie reine Zukunftsmusik vor. Und die Aufforderung an die Norweger, diese sollten, anstatt den
Russen bei ihrer Suche nach öl und Gas in der Barentsee zu helfen, auf norwegischem
Meeresboden ein umfassendes Gasförderungsprogramm in die Wege leiten, versucht
es ihnen gegenüber ebenfalls auf falsche Weise: Deren Stolz in ihre eigenen
Möglichkeiten geht so weit, daß sie zu der Befürchtung kommen, eine solche
Förderung käme letztlich einer Preisgabe gleich.
Man muß die europäische Haltung gegenüber der sowjetischen Erdgasleitung
im Kontext der amerikanischen Außenpolitik der jüngsten Vergangenheit sehen. Die
Westeuropäer, die sich noch immer nicht von dem Auf und Ab der Außenpolitik unter
Präsident Carter erholt haben, stehen jetzt erstaunt vor der Entschlossenheit und
Vorhersagbarkeit eines Präsidenten, der wie eine Neuauflage von Gary Cooper in
"Zwölf Uhr mittags" erscheint. Die Argumente und Gegenargumente hinsichtlich der
Gasleitung werden nur allzu häufig immer wieder zitiert. Was nötig ist, ist eine
klare Bewertung der Argumente, die zugunsten der Gasleitung vorgebracht werden.
Eine bessere wirtschaftliche Lage, unbedeutende Verbraucherrisiken und~lJaT
Fehlen von Alternativen. Umfang und Preise: Die Gaslieferungen gemäß den neuen
sowjetischen Gasverträgen sollen 25 Jahre lang erfolgen - von 1984 bis 2008. Die
Sowjets hatten gehofft, jährlich bis zu 40 Milliarden cbm zu verkaufen, sobald die
für 1988 geplante Plateauphase erreicht sein würde. Die Hauptabnehmer sollten die
Bundesrepublik sein (10,5 Milliarden cbm plus 0,7 Milliarden cbm für Berlin),
sowie Frankreich (8 Milliarden cbm) und Italien (8,4 Milliarden cbm), der Rest
sollte an kleinere europäische Länder gehen. Die gesamten europäischen Gaslieferungen sollten nicht in einem einzigen Vertrag zusammengefaßt werden, sondern in
einer Reihe von nationalen Verträgen.
Seit dem

�Seit dem vergangenen Jahr wurde der Gesamtumfang wegen mangelnder Nachfrage,
geringeren sowjetischen Käufen von Ausrüstungsgütern, wie dies zunächst erwartet
worden war, und Zweifeln an den politischen Folgen des Projektes zurückgeschraubt.
Die Lieferungen werden wahrscheinlich auch in der Plateauphase nicht zwei Drittel
des ursprünglich geplanten Volumens - etwa 26 Milliarden cbm pro Jahr - übersteigen.
Der von 40 Milliarden cbm auf 26 Milliarden cbm zurückgeschraubte Umfang wird
es den Sowjets erleichtern, vertragsgemäß zu liefern; diese geringeren Mengen können
mit nur einer Leitung und mit einem geringer als geplanten Druck geliefert werden,
wodurch der Bedarf an amerikanischer Kompressorentechnologie verringert wird. Jedoch
müssen die Sowjets auf ganz beträchtliche Gewinne in harter Währung verzichten, da
die größere Menge zu niedrigen Zusatzkosten hätte geliefert werden können. In der
Plateauphase dürften diese Einnahmen wahrscheinlich eher bei 5 Milliarden Dollar
als bei 10 Milliarden Dollar liegen. Daher sind die Vereinigten Staaten - auch
wenn das Embargo viel von seinem ursprünglichen Biß verloren hat - ihrem Ziel ein
gutes Stück näher gekommen, die Deviseneinnahmen der Sowjetunion zu vermindern.
Die bislang genannten Vertragspreise variieren aufgrund der Preisstruktur der Verträge und aufgrund der Veränderungen bei den Wechselkursen. Bei dem Vertrag für
deutsche Lieferungen wurden Leitpreise festgelegt, jenem Vertrag, der als erster
unterzeichnet wurde und das größte Volumen der Lieferungen abdeckt.
Der Vertrag beinhaltet einen Basispreis und einen Minimalpreis, wobei der
letztere den Sowjets eine Mindesteinnahme für ihre Investitionen garantiert. Sowohl
Basis- wie Minimalpreis wurden in Deutscher Mark festgelegt - zu 0,34 DM und
0,39 DM pro cbm. Bei einem Wechselkurs am Tag der Unterschrift entsprechen die
Basis- und Minimalpreise

(cif bis deutsche Grenze) jeweils etwa 4,70 Dollar und

5,70 Dollar je Million britischer Wärmeeinheiten (BTU). Diese Zahlen hängen auch
von dem tatsächlichen Wärmewert ab, der bisher nicht konkret genannt wurde. Der
Basispreis (Basis: 1. Juli 1981) soll nach einem Index ansteigen, der als Maßgabe
die Preise für Heizöl enthält: Rohöl (20 Prozent), schweres Heizöl (40 Prozent)
und leichtes Heizöl (40 Prozent). Diese Aufschlüsselung spiegelt den erwarteten
zukünftigen Gasverbrauch wider.
Der Minimalpreis

- 3 -

�Der Minimal preis wird nur dann angewendet, wenn der gestiegene Basispreis
niedriger als der Minimalpreis zu dem Zeitpunkt sein wird, wenn die Lieferungen
gegen 1988 die Plateauphase erreicht haben. Sollten die Energiepreise real mit
2 bis 3 Prozent jährlich steigen, so besteht wenig Gefahr, daß der Minimalpreis
den gestiegenen Basispreis übersteigt. Bei einem Basispreis von 4,70 Dollar je
Million BTU ist das sowjetische Gas auf der Grundlage seines Verbrennungsäquivalents
wettbewerbsfähig. Aber es gibt andere Aspekte, die mit in Betracht gezogen werden
müssen. Erstens waren die sowjetischen Gaslieferungen bisher antizyklisch, da sie
ihren Höhepunkt im Sommer erreichten. In der Vergangenheit haben die Sowjets im
Winter häufig ihre Lieferungen zurückgeschraubt, wobei sie technische Gründe hierfür
angaben. Die europäischen Käufer haben wenig Flexibilität bei einer Klausel, die
bei 80 Prozent der Vertragsmenge nach dem Prinzip des "Take-or-pay" geht.
Zweitens ist der sowjetische Gaspreis nicht niedrig genug, um zusätzliche
Kosten abzudecken - wie etwa die Ausweitung des derzeitigen europäischen Gassicherungssystems, das eine wesentliche Sicherung gegen Versorgungsunterbrechungen
darstellt. Da das sowjetische Gas im Gegensatz zum inländischen, holländischen oder
norwegischen Erdgas ein politisches Risiko mit sich bringt, sollten die Kosten fUr
ein Sicherungsnetz gänzlich durch den sowjetischen Erdgaspreis getragen werden.
Risiken: Die Befürworter dieses Gasgeschäftes tendieren dazu, diese Risiken
mit dem Argument zu ignorieren, daß die gesamten sowjetischen Lieferungen (bestehende "alte" Verträge mit den Sowjets plus die neuen Verträge) nicht 30 Prozent
des gesamten Gasverbrauchs übersteigen und nicht mehr als 6 Prozent des gesamten
Verbrauchs an Primärenergie ausmachen. Bei solchen Anteilsgrößen könnten, so das
Argument, Lieferungseinschnitte leicht durch unterbrechbare Verträge mit der
Industrie sowie durch Anlagen aufgefangen werden, die auf zweierlei Weise zu befeuern sind.
Dieses Argument ist irreführend. Betrachten wir die deutsche Situation. In
Bayern, der Eintrittsstelle des sowjetischen Erdgases, beläuft sich der Anteil des
Gases aus bestehenden sowjetischen Verträgen bereits auf 95 Prozent des gesamten
Verbrauchs. Sicherlich können Versorgungsunterbrechungen nicht durch unterbrechbare

- 4 -

�durch unterbrechbare Verträge aufgefangen werden.(Im Jahr 1979 stellten Verträge
dieser Art nur 11 Prozent der deutschen Käufe dar.) Daher wird es nötig sein, die
Einlagerungen für Notfälle zu erhöhen und ein erweitertes Verteilungsnetz zu bauen.
Was die deutschen Lagerungen für Krisenfälle angeht, so können sie Lieferunterbrechungen nur für wenige Tage auffangen. Derzeit betragen diese Einlagerungen
lediglich 3 Prozent des jährlichen Gasverbrauchs; durch die geplante Ausweitung
wird sich dieser Anteil auf 6 Prozent erhöhen. Dies ist eine mehr als bescheidene
Zahl, wenn man sie mit der amerikanischen vergleicht, wo die Lagerkapazitäten 25 Prozent des Jahresverbrauches noch übersteigen. Allen Beteuerungen zum Trotz hat
Europa kein gemeinsames Netz mit Querverbindungen, das ausreichend wäre, Versorgungsunterbrechungen aufzufangen. Das gegenwärtige weiträumige Transportsystem läuft in
zwei Richtungen, bedingt durch die beiden wichtigsten Gasquellen: vom Norden nach
Süden für das Gas aus dem holländischen und dem norwegischen Teil der Nordsee und
von Osten nach Westen für das sowjetische Gas. Wäre es möglich, im Falle eines
Leerlaufs der Ost-West-Leitung durch verstärkte Lieferungen aus der Nordsee zu
kompensieren? Derzeit ja, aber nicht in Zukunft: Mitte der achtziger Jahre werden
die Nord-Süd-Leitungen angefüllt sein mit zusätzlichen, vertraglich bereits vereinbarten Nordseelieferungen.
Berlin ist ein besonderer Fall. Dort ist alles Gas Stadtgas. Aber gemäß dem
neuen Vertrag ist eine Leitung geplant, die von der Tschechoslowakei aus - nahe
dem Endpunkt der Sowjetleitung - durch Ostdeutschland laufen soll. Diese Süd-NordLeitung braucht Kompressorenstationen in Ostdeutschland. Politisch motivierte
Lieferungskürzungen nach Westberlin könnten leicht mit technischem Versagen erklärt
werden. Eine Alternative zu dieser Gasleitung hätte darin bestanden, Berlin über
eine West-Ost-Leitung aus Norddeutschland zu versorgen, wobei das Gas aus Westdeutschland gekommen wäre.
Diese Leitung wäre kürzer als die, für die man sich entschieden hat, und man
hätte keine Kompressorenstationen in Ostdeutschland gebraucht. Unterbrechungen in
der Versorgung hätten nur durch einen direkten Angriff auf die Leitung geschehen
können. Wirft es nicht ein interessantes Licht auf die Intentionen der Sowjets, daß
sie (und die Ostdeutschen) uns diesen Weg verwehrt haben?
Alternativen: Es

�Alternativen: Es ist trivial festzustellen, daß es derzeit nicht möglich ist,
eine alternative Gasquelle ins Spiel zu bringen, die Gasfelder zu erschließen und
das Gas bis 1984 auf den europäischen Markt zu bringen, dem zweifelhaften Startdatum für die neuen sowjetischen Lieferungen. Aber darum geht es gar nicht. Die
Frage ist,ob, wann und zu welchem Preis Gas aus anderen Quellen zur Verfügung gestellt werden kann, um unsere erhöhte Abhängigkeit vom Sowjetgas zu verringern.
Bei dem Preisniveau des sowjetischen Gases ist es sicher wirtschaftlich, Gas
aus einer ganzen Reihe anderer Länder zu beziehen.
Auf der einen Seite wären hier die Nordsee und die neuen Gaslager vor
Nordnorwegen zu nennen, wobei dieses Gas entweder über Gasleitungen oder als
Flüssiggas nach Mitteleuropa transportiert würde. Auf der anderen Seite sind der
Südatlantik (vor den Küsten Südargentiniens oder Südchiles),die kanadische Arktik
und das Golfgebiet (Katar). In der Mitte liegt Westafrika (Kamerun, Nigeria).
überlegen wir uns zur Illustration die Wirtschaftlichkeit der Ausbeutung
von Gaslagern vor den Küsten der beiden extremen Fälle, nämlich Nordnorwegen oder
SUdatlantik. In beiden Fällen könnte das Gas vor der Küste über Leitungen an Land
gebracht werden, könnte dort verflüssigt, dann nach Westeuropa verschifft und
schließlich am zentralen Terminal wieder in Gas umgewandelt werden. Legt man einen
cif-Preis zugrunde, der dem sowjetischen Preis entspricht, und zieht die Kosten
(einschließlich eines 15prozentigen Realertrages der Investitionen) für die Wiedervergasung, den Transport, die Verflüssigung und die Gasproduktion ab, so würde im
Fall von Nordnorwegen der Nettowert im ersten Produktionsjahr auf 2,60 Dollar je
Million BTU kommen.
Für ein einziges Projekt von 5 Milliarden cbm Flüssiggas würde dies einen
Jahresertrag von 700 Millionen Dollar bedeuten, die Norwegen in Form von Gewinnanteilen und anderen Steuereinnahmen erzielen würde. Fünf Projekte dieser Größe
(insgesamt 25 Milliarden cbm) würden 3,5 Milliarden Dollar erbringen, eine Zahl,
die sich wahrscheinlich mit den Einnahmen vergleichen läßt, die die Sowjets schließlich aus der Gasleitung erzielen werden.
Was den

�Was den Fall Südatlantik mit seinen höheren Transportkosten und einer Gasförderung in einer Umgebung angeht, die genauso unfreundlich ist wie die Nordsee,
läge der Nettoertrag zunächst bei 1,20 Dollar je Million BTU (in Dollar des Jahres
1982 ausgedrückt). Für Länder wie Argentinien und Chile mit, wenn überhaupt, nur
wenigen Alternativen für die Verwendung ihres Gases, ist dies immer noch interessant.
Fünf solcher Projekte gebündelt wären notwendig, damit sich ein Gesamtvolumen
ergäbe, das den neuen sowjetischen Verträgen entspricht. Dies wäre indessen kein
Nachteil, sondern würde große Vorteile beinhalten.
Erstens vermindert eine Diversifikation der Lieferquellen das Risiko einer
Unterbrechung der Versorgung. Zweitens könnten diese Projekte schrittweise vorangetrieben werden und dadurch eine reibungslose Anpassung an die neue Versorgungslage ermöglichen. Drittens käme es dadurch zu einem echten innereuropäischen
Leitungsnetz: Das Gas aus den Golfstaaten würde in Italien angelandet und dann
nordwärts transportiert werden; das Gas aus Westafrika und Südamerika käme in
Frankreich an und ginge von dort nach Norden, Osten und Süden; und das Gas aus
Nordnorwegen käme nach Norddeutschland und von dort nach Süden und Westen.
Es ist überflüssig zu sagen, daß das neue Gasnetz weit weniger verletzlich
und dabei weit flexibler als das derzeitige System wäre. Zudem beseitigt die
geographische Diversifikation für jedes einzelne Land die Notwendigkeit, seine
Exploration zu erhöhen.
So würden zum Beispiel im Falle Norwegen zwei oder drei Projekte dieser Größe
noch immer gut innerhalb der konservativen Produktionspolitik liegen und dabei
noch auf einem neuen Technologiesektor Beschäftigungsauswirkungen hervorrufen, die
für die norwegische Regierung höchste Priorität haben. Dieser Vorschlag kommt auch
Norwegens Wunsch entgegen, neue Aktivitäten im Energiebereich in seine nördliche
Gebiete zu verlagern.
Diese Projekte sind keine Phantome. Die notwendigen Gasreserven und die
Technologie stehen zur Verfügung. Die Zeit für die Verwirklichung dieser Projekte
würde etwa acht Jahre betragen, das Minimum wären fünf Jahre. Deshalb
- 7 -

können

�Deshalb können sie nicht von Anfang an das neue Sowjetgas ersetzen.
Dies sind jedoch Überlegungen im kurzfristigen Rahmen,und wie die Sowjets
sollten auch wir uns stattdessen eine langfristige Sicht zu eigen machen: In
einigen Jahren wird es darum gehen, die Verträge für das Gas der neunziger Jahre
und später auszuhandeln. Mit ihrem dann vorhandenen vergrößerten Leitungssystem
wird die Sowjetunion um eine weitere Erhöhung ihres Marktanteiles wetteifern. Die
Sowjets hoffen darauf, daß unser Blickwinkel eng und verschwommen bleibt. Wenn die
Westeuropäer aber tief Luft holen und aktiv die Alternativen verfolgen, haben wir
eine gute Chance, daß die sowjetische Gasleitung in den neunziger Jahren eher zu
einem kostspieligen Luxus - einem Weißen Elefanten - wird als zu einem trojanischen
Pferd.
+ + +

�39

6. Oktober 1982

WICK: USIA UM FREIHEIT IM IDEOLOGISCHEN WETTBEWERB BEMÜHT
Von unserer Korrespondentin Valerie Kreutzer

CHICAGO - (AD) - Nach den Worten des Direktors des US-Informationsamtes
(USIA), Charles Z. Wick, stehen die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten
in einem Wettbewerb um "die Vorstellung vom Menschen."

In einem Gespräch mit

Zeitungsverlegern anläßlich des Abschlußbanketts des 40. Jahrestreffens des
Interamerikanischen Presseverbandes (IAPA) sagte Wick am 1. Oktober 1982:
"Der Krieg mit Raketen und der Krieg mit Waffen ist nicht der richtige
Weg, um die Unterschiede zwischen unseren beiden Gesellschaften aufzuheben.
Wenn dies je nötig wäre, würden alle Verlierer sein:
legene und die ganze Menschheit.

Der Sieger, der Unter-

Aus diesem Grund muß es zu einem Wettstreit

der Gedanken kommen, und unsere Waffen, unsere Munition sind Informationen
und Ideen."
Durch die "Stimme Amerikas" (VOA), die Teil des US-Informationsamtes
ist, würden zur Unterstützung der freien Presse und der Demokratie den Menschen Informationen zur Verfügung gestellt.

Die VOA hat 7700 Mitarbeiter und

strahlt ihre Programme über 106 Sender in 42 Sprachen aus, wobei sie pro
Woche 957,5 Stunden sendet.
Im Gegensatz

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Im Gegensatz hierzu, so sagte Wick weiter, beschäftige die Sowjetunion
für ihre Sendungen 70 000 Mitarbeiter und gebe dafür 3,4 Milliarden Dollar
aus - im Gegensatz zur VOA, die ein Jahresbudget von lediglich 100 Millionen
hat.
Die Sendungen der "Stimme Amerikas" haben sich an einer Charta des
amerikanischen Kongresses zu orientieren, die Genauigkeit, Fairness und Ausgewogenheit fordert.
"Unser Land glaubt daran, daß die beste Waffe, über die wir in dem Wettstreit der Gedanken verfügen, die Waffe der Wahrheit ist.
die VOA, stets beide Seiten eines Problems aufzuzeigen.

Demzufolge versucht

Wir sehen ein, daß

unsere Gesellschaft nicht vollkommen ist, und wir lassen dies auch andere Völker sehen, denn nur eine freie Information fördert die Demokratie", betonte
Wick.
Neben der "Stimme Amerikas" gibt USIA noch 10 Zeitschriften in 18
Sprachen heraus, unterhält 136 Bibliotheken in 192 Ländern und verwaltet das
Fulbright-Austauschprogramm. Mit Hilfe eines internationalen Besucherprogramms
erreicht das US-Informationsamt Tausende von ausländischen Besuchern. Zudem
sind nahezu 400 Politiker in 100 Ländern und 35 derzeitige Staatschefs ehemalige Teilnehmer von Programmen, die von USIA gefördert wurden.
In jüngster Zeit hat USIA nach den Worten seines Direktors auch Satelliten
eingesetzt, um seine Botschaft in die Welt hinauszutragen. Das Fernsehprogramm
"Laßt Polen Polen sein", das zur Unterstützung der polnischen Gewerkschaftsbewegung "Solidarität" in diesem Jahr ausgestrahlt wurde, hatte zum Ziel, "die
übrige Welt dazu anzuspornen, die Sowjetunion von unserer Entrüstung über die
Unterdrückung in Polen wissen zu lassen", erklärte Wick. 15 Führungspersönlichkeiten der freien Welt nahmen an dem Programm teil.
Auch die Rede von Präsident Reagan vom November letzten Jahres, in der
er die Sowjetunion dazu aufforderte, ihre Atomraketen in Europa abzubauen,
und anbot, die amerikanischen Raketen in einem zweiten Schritt ebenfalls abzu- 2 -

�ebenfalls abzubauen, wurde per Satellit übertragen.
"Meine Aufgabe besteht darin, den Menschen die Wahrheit zu sagen. Und
Wahrheit ist, daß sich die sowjetische Raketenkapazitat in Europa in einer
Position des Erstschlags und außerhalb amerikanischer Reichweite befindet",
sagte Wick.

+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Oktober 1982

39

SATELLITEN-DIREKTEMPFANG
- US-Bundesbehörde erteilt Privatfirma erste Genehmigung -

- (AD) - Die erste Genehmigung für den Bau eines Systems zum SatellitenDirektempfang wurde jetzt von der zuständigen amerikanischen Bundesbehörde an die
"Satellite Television Corporation" erteilt, eine Tochterfirma von COMSAT
(Communications Satellite Corporation). Systeme für den Satelliten-Direktempfang
(DBS - Direct Broadcast Satellite) unterscheiden sich von den gegenwärtigen
Systemen von Nachrichtensatelliten und Bodenstationen insofern, als Satelliten
mit extrem hoher Sendeenergie die Verwendung relativ kleiner Empfangsantennen am
Boden zulassen. Die dafür erforderlichen Parabolantennen haben nur etwa 70 cm
Durchmesser, können an Wohnhäusern montiert und vom Hausbesitzer gemietet oder
käuflich erworben werden. Sie ermöglichen den direkten Empfang von speziellen
Fernsehprogrammen, die über Satelliten gesendet werden.
Die Satellite Television Corporation will ab 1986 im östlichen Teil der
Vereinigten Staaten Fernsehprogramme über drei Kanäle anbieten. Vom Jahr 1990 an
hofft das Unternehmen,das ganze Land mit Fernseh-Direktempfang via Satellit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�via Satellit bedienen zu können. Das neue Verfahren kommt vor allem jenen Fernseh
teilnehmern in abgelegenen Gebieten zugute, die schlechten Fernsehempfang haben
und deshalb gegenwärtig auf die Kabel Verbindung zu einer großen Erdestation angewiesen sind. Die für den Direktempfang erforderlichen Frequenzbereiche sowie der
DBS-Orbit der Hochleistungssatelliten werden den Vereinigten Staaten auf einer
Regionaltagung der Internationalen Fernmeldeunion im Juni 1983 zugeteilt.
Als Gebühren für die Dienstleistungen der Satellite Television Corporation
dürften nach Schätzungen des Unternehmens etwa 25 Dollar pro Monat anfallen, was
die Programmgebühren und die Leihgebühr für die elektronischen Anlagen in und am
Haus einschließt. Die Einrichtungsgebühr dürfte 100 Dollar betragen.
Bei der US-Bundeskommission für das Fernmeldewesen sind inzwischen Anträge
auf Genehmigung von DBS-Systemen von acht weiteren amerikanischen Firmen eingegangen. Ähnliche Systeme werden derzeit in der Bundesrepublik Deutschland, in
Frankreich, Luxemburg und England entwickelt. Kanada und Japan haben bereits
umfangreiche Versuche mit Ausrüstungen für den Satelliten-Direktempfang durchgeführt.
+ + +

�</text>
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dienet

HeratfigSber: U.S. Information Service
j f l ö ö a ^ t o t t h e United States of America

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5*70*
Z 12462 C

40

RUSSLAND

6. Oktober 1993

CLINTON MACHT RUZKOI FÜR GEWALT
IN MOSKAU VERANTWORTLICH
Erklärung des Präsidenten

USA HOFFEN AUF FORTSETZUNG DER
DEMOKRATISIERUNG IN RUSSLAND
Anberaumung von Wahlen beste Lösung

AUSSENPOLITIK

ENGAGEMENT IN DER WELT IM
AMERIKANISCHEN INTERESSE
Rede von Anthony Lake
USA WERDEN WENN MÖGLICH DIPLOMATIE,
WENN NÖTIG GEWALT EINSETZEN
Rede von Botschafterin Albright

SOMALIA

USA ENTSENDEN ZUSÄTZLICHES
MILITÄR NACH SOMALIA
Erklärung des Verteidigungsministers

NAHER OSTEN

NAHOSTKONFERENZ DEMONSTRIERT
GLOBALE UNTERSTÜTZUNG FÜR
FRIEDENSABKOMMEN
Eröffnungsansprachen des Vizepräsidenten und des Außenministers

ATOMTESTVERBOT

USA BEDAUERN CHINAS
UNTERIRDISCHEN ATOMTEST
Stellungnahmen des Weißen Hauses

USIA

DUFFEY SIEHT ENTSCHEIDENDE ROLLE
FÜR FULBRIGHT-PROGRAMM
Neudefinition der Aufgaben nach dem Kalten Krieg

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�RUSSLAND
6. Oktober 1993

CLINTON MACHT RUZKOI FÜR GEWALT IN
MOSKAU VERANTWORTLICH
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat Alexander Ruzkoi für den Ausbruch von Gewalt in Moskau seitens
der den ehemaligen Vizepräsidenten Rußlands, Alexander Ruzkoi, unterstützenden Streitkräfte verantwortlich
gemacht.
In einer am 3. Oktober 1993 vor der Erstürmung des Parlamentsgebäudes durch Jelzintreue Truppen abgegebenen Erklärung verlieh Präsident Clinton seiner Unterstützung für Jelzin Ausdruck und warnte davor, "ins
Wanken zu geraten" oder diejenigen zu ermutigen, die ganz offensichtlich den Wahlprozeß stören und die
Reformen in Rußland behindern wollen.
Clinton gab seine Erklärung vor dem Beginn einer dreitägigen Reise nach Kalifornien ab.
veröffentlichen wir seine Äußerungen im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, ich bin gerade ausführlich
über den Stand der Ereignisse in Rußland informiert
worden und möchte hierzu einen Kommentar abgeben. Erstens ist offensichtlich, daß die Streitkräfte von
Ruzkoi und Chasbulatow für den Ausbruch von Gewalt
verantwortlich sind und es heute in Moskau beträchtliche Gewaltanwendung gegeben hat. Es ist ebenfalls
klar, daß Präsident Jelzin von Anfang an alles versucht
hat, um den Einsatz von Gewalt zu vermeiden, und ich
bin immer noch überzeugt, daß die Vereinigten Staaten Präsident Jelzin sowie freie und faire Wahlen unterstützen müssen. Wir können es uns zur Zeit nicht
erlauben, ins Wanken zu geraten, zurückzuschrecken
oder diejenigen zu ermutigen, die ganz offensichtlich
den Wahlprozeß stören und die Reformen in Rußland
behindern wollen. Daher verfolgen wir ununterbrochen die Ereignisse. Wir Sie wissen, können wir uns
über die Berichterstattung im Fernsehen auf dem
Laufenden halten. Das ist jedoch alles, was ich weiß,
und das ist unsere Position.
Frage: Herr Präsident, glauben Sie, daß Jelzin überleben wird, und werden Sie im Falle seiner Absetzung
die Hilfe einstellen?
Antwort: Also, ich erwarte nicht, daß er abgesetzt
wird. Ich würde zum jetzigen Zeitpunkt nicht überreagieren. Meines Erachtens unterstützen die Menschen
ihn viel mehr als Ruzkoi und Chasbulatow, und letztere

genießen unseres Wissens keine organisierte militärische Unterstützung. Daher müssen wir die weiteren
Entwicklungen abwarten. Ich sehe jedoch keinen
Grund, seine Absetzung zu erwarten.
Frage: Herr Präsident, haben Sie mit Präsident Jelzin
gesprochen?
Antwort: Nein. Ich bin sicher, daß er jetzt Wichtigeres
zu tun hat als mit mir zu sprechen, und meines Erachtens sollten die Vereinigten Staaten nicht an jeder
Stufe der Bewältigung der Krise beteiligt sein. Ich
möchte Präsident Jelzin jedoch meine fortgesetzte
Unterstützung und die der Vereinigten Staaten versichern.
Frage: Was kann die US-Regierung zum jetzigen
Zeitpunkt unternehmen?
Antwort: Erstens können wir so schnell wie möglich
alle verfügbaren Informationen über die Ereignisse
erhalten und unser Bestes tun, um die Sicherheit der
Amerikaner vor Ort und unserer Botschaft zu gewährleisten, auf die wirunsere Aufmerksamkeit richten. Die
bisherigen Berichte sind gut.
Frage: Haben Sie irgendwelche Pläne, Ihre Reise
abzusagen oder zu verschieben?
Antwort: Nein.

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Nachfolgend

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�RUSSLAND
6. Oktober 1993

USA HOFFEN AUF FORTSETZUNG DER
DEMOKRATISIERUNG IN RUSSLAND
Anberaumung von Wahlen beste Lösung

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten hoffen, daß sich die Ereignisse in Rußland im Geiste von
Demokratie und nationaler Aussöhnung fortsetzen,
nun da ein 'tragischer Augenblick in der russischen
Geschichte" anscheinend "ein Ende gefunden hat",
erklärte der Außerordentliche und Bevollmächtigte
Botschafter Strobe Talbott.

Die russischen Truppen stürmten am 4. Oktober das
von Alexander Ruzkoi und anderen kompromißlosen
Gegnern Jelzins gehaltene Parlamentsgebäude - einen Tag, nachdem Ruzkoi unterstützende Demonstranten die Absperrungen der Sicherheitskräfte um
das Gebäude mit Gewalt durchbrochen hatten.

Talbott zufolge wurden die Vereinigten Staaten "unab"Wir hoffen sehr, daß es keine Gewaltakte mehr gibt hängig" unterrichtet, daß Ruzkoi - der vom Parlament
und die Ordnung wiederhergestellt wird", erklärte Tal- zum amtierenden Präsidenten ernannt worden war bott am 4. Oktober 1993 im Außenministerium gegen- und Ruslan Chasbulatow - der Parlamentssprecher über Journalisten und bestätigte, die Regierungstrup- inhaftiert seien. "Wir hoffen und erwarten, daß sie in
pen hätten die Kontrolle über das von der Jelzin- einer Weise behandelt werden, die mit den internatioOpposition gehaltene russische Parlamentsgebäude nalen Rechtsnormen im Einklang steht", stellte er fest.
wiedergewonnen.
Der Botschafter unterstrich, die Vereinigten Staaten
Talbott, Berater von Außenminister Christopher fürdie seien "offensichtlich äußerst erleichtert, daß diese
neuen unabhängigen Staaten, versicherte, Präsident Situation beendet wurde. Obwohl die unmittelbare
Clinton und Außenminister Christopher seien "über- Krise zugunsten der Regierungstruppen behoben
zeugt", daß sich die Ereignisse auf die "Bekräftigung scheint, bestehen gleichzeitig immer noch einige
des Engagements der russischen Regierung zur Fort- Unwägbarkeiten."
setzung des Demokratisierungsprozesses" konzen"Wir haben Vertrauen, daß die russischen Regietrierten.
rungsbehörden die Konsolidierung der bürgerlichen
"Politische Differenzen, die eindeutig bestehen", könn- Ordnung fortsetzen werden", erläuterte Talbott und
ten am besten durch demokratische und freie Wahlen fügte hinzu, die Vereinigten Staaten hätten "Präsident
beigelegt werden, stellte der Botschafter fest und Jelzin, seine Reformregierung und die Reformer in
unterstrich, die Vereinigten Staaten seien sicher, daß ganz Rußland" im gesamten Verlauf dieser "tragiPräsident Jelzin diesem demokratischen Prozeß ver- schen Episode uneingeschränkt unterstützt".
pflichtet ist.
"Es bestand niemals irgendein Zweifel, daß die OppoJelzin, der das Parlament am 21. September aufgelöst sitionskräfte die Unruhen und Gewaltakte vom 3. Oktober
hatte, fordere Parlamentswahlen im Dezember, er- provoziert und angeführt haben", so der Botschafter.
klärte Talbott und fügte hinzu: "Wir hoffen sehr, daß
dieser Wahlprozeß eine Periode sein wird, die zur Presseberichten zufolge wurden bei den Kämpfen
mindestens 30 Menschen getötet und mehrere HunHeilung und nationalen Aussöhnung beiträgt".
dertverletzt, darunterfünf Amerikaner. "Wirbedauern
"Von Anbeginn dieser jüngsten Episode haben wir das zutiefst den Verlust an Menschenleben und das BlutGefühl gehabt,... daß das russische Volk seine Zu- vergießen der letzten 24 Stunden".
kunft selbst entscheiden muß, äußerte der Botschafter. "Genau das hat Präsident Jelzin vorgeschlagen, Talbott würdigte die Bestrebungen der russischen
und aus diesem Grund unterstützen wir ihn weiterhin." Regierungsbehörden, "nur so viele Truppen einzusetAMERIKA DIENST 40

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�zen wie absolut erforderlich, um den Ausbruch von
Gewalt zu beenden."

Ihm zufolge will die Clinton-Administration ihre Polititk
zur Unterstützung der Reformen in Rußland fortsetzen
und "alles in ihrer Macht Stehende für die anderen 11
"Es war ziemlich klar und tröstlich in einer ansonsten neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetextrem beunruhigenden Situation, daß die Regierung union tun, weil wir die Unterstützung der Reformen in
Jelzin alles in ihrer Macht Stehende unternommen hat, diesen Ländern ebenfalls als äußerst wichtig erachum Blutvergießen zu verhindern", erklärte der Bot- ten". Au ßenminister Christopherwerde "mit ziemlicher
schafter.
Sicherheit" Rußland und die anderen neuen unabhängigen
Staaten noch in diesem Monat besuchen.
"Das russische Volk bezahlte einen Preis vornehmlich
für die Rücksichtslosigkeit und die Bereitschaft zum Talbott zufolge hat das "business as usual" zwischen
Blutvergießen seitens der Aufständischen im Parla- den Vereinigten Staaten und Rußland Auswirkungen
mentsgebäude."
auf die bilateralen Angelegenheiten in Washington
gehabt
sowie die Tatsache, daß zwei amerikanischDie Ereignisse vom 4. Oktober bestätigten, so Talbott,
russische Kommissionen in Moskau geblieben seien.
die amerikanischen Analysen, daß Jelzin die SchlüsEnergieministerin Hazel O'Leary und ihre Delegation
selinstitutionen des politischen Lebens in Ru ßland und
seien seines Wissens am 3. Oktober nach Moskau
"eine beträchtliche Mehrheit des russischen Volkes
abgereist.
auf seiner Seite hatte".
"Jelzin wird dies jedoch natürlich im nächsten Jahr
praktisch erproben, wenn er für die Wahl kandidiert",
fügte der Botschafter hinzu.

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AMERIKA DIENST 40

�AUSSENPOLITIK
6. Oktober 1993

ENGAGEMENT IN DER WELT IM
AMERIKANISCHEN INTERESSE
Rede von Anthony Lake
WASHINGTON - (AD) - Die amerikanischen "Interessen und Ideale" in der Zeit nach dem Kalten Krieg "zwingen
uns nicht nur zum Engagement, sondern auch zu einer Führungsrolle", erklärte der Nationale Sicherheitsberater
Anthony Lake.
In seiner Rede vor der Fakultät für moderne internationale Studien (School of Advanced International Studies
- SAIS) der Johns Hopkins University in Washington am 21. September 1993 erklärte Lake, der Doktrin des
Containment müsse eine Strategie der Ausweitung der freien Gemeinschaft demokratischer Marktwirtschaften
der Welt folgen, die aus vier Komponenten bestehe.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Nationalen Sicherheitsberaters in wesentlichen Auszügen.

"Ich spreche heute zu Ihnen, weil ich der Ansicht bin,
daß unsere nationale Politik gegenüber der Welt an
einem historischen Scheideweg angekommen ist. Seit
einem halben Jahrhundert konzentrierte sich das
amerikanische Engagement in der Welt auf die Eindämmung einer feindlich gesinnten Sowjetunion. Unsere
Bestrebungen trugen zur Blockierung des sowjetischen Expansionismus, der Beendigung der kommunistischen Unterdrückung und der Erlangung eines
großen Sieges für die Freiheit des Menschen bei.

schlagen. Aus diesem Grund hat Präsident Clinton
sich in seinem Wahlkampf nicht nur zu einer innenpolitischen Rennaissance verpflichtet, sondern auch zu
einem aktiven Engagement in der Welt, um unseren
Wohlstand zu mehren, unsere Sicherheitsarrangements zu modernisieren und die Demokratie im Ausland zu fördern.
Förderung amerikanischer Interessen im Ausland

In den acht Monaten seit seinem Amtsantritt hat Präsident
Clinton diese Ziele entschieden verfolgt. Wir
Der Zusammenbruch der Sowjetunion erhöht ganz
haben
eine umfassende Überprüfung unserer Militäroffensichtlich unsere Sicherheit. Er erfordert von uns
strategie
und unserer Streitkräfte durchgeführt. Wir
jedoch auch ein neues Denken, da wir in einer neuen
haben
die
weltweiten Bemühungen angeführt, um die
Welt leben.
historischen Reformen in Rußland und den anderen
Nach dem Ende des Kalten Krieges besteht im ameri- neuen Staaten zu unterstützen. Wir haben an der
kanischen Volk nicht länger ein Konsens darüber, Verteidigung der Demokratie in Haiti und Guatemala
warum und sogarob unsere Nation sich weiterhin aktiv mitgewirkt und wichtige Zusatzabkommen abgeschlosin der Welt engagieren sollte. Aufgrund ihrer Geogra- sen, die den Weg für die Umsetzung des Nordameriphie und ihrer Geschichte haben die Amerikaner sich kanischen Freihandelsabkommens ebnen. Wir haben
stets vor Verstrickungen in ausländische Angelegen- zu den großen Fortschritten beim Friedensprozeß im
heiten gehütet. Jetzt wird diese Vorsicht auch noch Nahen Osten beigetragen, mit unseren arabischen
durch wirtschaftliche Schwierigkeiten geschürt. Die Partnern zusammengearbeitet und gleichzeitig unsere
Rufe der Rechten und der Linken, zu Hause zu bleiben, Bande zu Israel verstärkt. Wir haben gemeinsam mit
anstatt sich im Ausland zu engagieren, werden noch unseren Partnern in der G-7 Schritte zur Ankurbelung
des Weltwirtschaftswachstums unternommen. Wir
von der Rhethorik der Neo-Nichtswisser verstärkt.
haben unsere Beziehungen zu Japan auf eine neue
Diejenigen unter uns, die an das Gebot unseres inter- Grundlage gestellt und die Vision einer neuen pazifinationalen Engagements glauben, müssen zurück- schen Gemeinschaft entworfen. Wir setzen praktiAMERIKA DIENST 40

Seite 1

�sehe politische Maßnahmen zum Schutz der Umwelt
und zur Verhinderung der Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen um. Wir haben einen
weitreichenden Abbau der Atomwaffen erreicht und
ein Atomtestmoratorium bis zur Aushandlung eines
umfassenden Atomtestverbots festgesetzt. Wir haben mit der komplexen Tragödie in Bosnien zu kämpfen. Und wir wirken auf die Vollendung unserer Aufgabe hin, auf Dauer ein Ende der Hungersnot in Somalia
zu erreichen.

am Montag (27. September) möchte ich einige allgemeine Grundsätze darlegen, die als Beitrag zu einem
unerläßlichen nationalen Dialog über unsere Ziele in
der Welt gemeint sind."

Im folgenden Teil seiner Rede charakterisierte Lake
das neue Zeitalter, das ihm zufolge vier Hauptmerkmale aufweist: Die Ausweitung von Demokratie und
Marktwirtschaft weltweit, die Führungsrolle Amerikas
in der Welt, die explosionsartige Ausbreitung ethnischer Konflikte sowie eine dramatische BeschleuniEngagement allein ist jedoch nicht genug. Wir müssen gung der Ereignisse und des Wandels.
auch erneut darlegen, warum dieses Engagement so
wichtig ist. Tun wir das nicht, können die Reaktionen In einer solchen Welt löst ihm zufolge die Strategie der
unserer Regierung auf Ereignisse im Ausland unzu- Ausweitung die der Eindämmung ab. Die Interessen
sammenhängend erscheinen, einzelne Rückschläge und Ideale der Vereinigten Staaten zwängen diese,
scheinen das Ganze zu definieren, die Unterstützung sich nicht nur zu engagieren, sondern eine Führungsrolle zu übernehmen. Und in einer schnellebigen Welt
der Öffentlichkeit für unser Engagement würde wahrsei
es um so wichtiger, daß diese Führungsrolle eine
scheinlich nachlassen und Amerika könnte Schaden
klare
Zielsetzung habe, erklärte Lake, und fuhr fort:
nehmen aufgrund von steigendem Protektionismus,
unkluger Beschneidung unserer Streitkräfte oder ihrer
"Diese Zielsetzung war während des ganzen JahrhunEinsatzbereitschaft, dem Verlust der für unsere Diploderts das Grundprinzip unseres Engagements. Beim
matie erforderlichen Ressourcen • und somit aufgrund
Kampf gegen Aggressoren und die Eindämmung des
der Erosion des Einflusses der Vereinigten Staaten im
Kommunismus wurde unser Engagement im Ausland
Ausland.
sowohl von machtpolitischen Erwägungen als auch
Eine Darlegung unserer Zielsetzung ist weder ein von der folgenden Überzeugung geleitet: In dem
akademisches noch ein rhetorisches Unterfangen. Maße, in dem Demokratie und Marktwirtschaft in anderen
Unsere Aktionen außerhalb unserer Grenzen haben Nationen vorherrschen, wird unsere eigene Nation
sicherer, wohlhabender und einflußreicher, während
direkte und dauerhafte Auswirkungen auf alle Ameridie
Welt als ganzes humaner und friedlicher wird.
kaner. Wie der Präsident schon oft betont hat, sind
Innen- und Außenpolitik nicht länger voneinander zu
trennen. Unsere Entscheidungen im Hinblick auf die
amerikanische Außenpolitik werden folgende Angelegenheiten beeinflussen:
Ob das Realeinkommen der Amerikaner sich wie in den sechziger Jahren - alle 26 Jahre
verdoppelt oder alle 36 Jahre - wie in den
siebziger und achtziger Jahren.
Ob die Zahl der 25 im Besitz von Massenvernichtungswaffen befindlichen Länder noch weiter ansteigen oder abnehmen wird.

Die Ausweitung der Marktwirtschaft im Ausland ku rbelt
unsere Exporte an und schafft Arbeitsplätze in Amerika, verbessert gleichzeitig die Lebensbedingungen
und verstärkt die Forderungen nach politischer Liberalisierung im Ausland. Die Entstehung neuer Demokratien erhöht unsere Sicherheit, weil Demokratien normalerweise nicht miteinander Krieg führen oder dem
Terrorismus Vorschub leisten. Sie sind im diplomatischen Bereich vertrauenswürdiger und haben größere
Achtung vor den Menschenrechten ihrer Völker.

Diese Dynamik ist der Kern von Woodrow Wilsons
scharfsinnigsten Erkenntnissen. Obwohl seine moraOb die nächsten 25 Jahre von einem Anstieg lischen Grundsätze seine Argumente bisweilen aboder einem Rückgang des Terrorismus gekenn- schwächten, verstand er, daß unsere eigene Sicherzeichnet sein werden, der im vergangenen Vier- heit vom Charakter ausländischer Regime beeinflußt
teljahrhundert mehr als 2.000 Amerikanern das wird. Tatsächlich haben die meisten Präsidenten nach
Leben kostete.
ihm - Republikaner und Demokraten gleichermaßen verstanden, daß wir Demokratie und Marktwirtschaft
Ob die Nationen der Welt besser oder schlech- in der Welt fördern müssen, weil sie unsere Interessen
ter in der Lage sein werden, mit regionalen Strei- und unsere Sicherheit schützen und die Werte reflektigkeiten, humanitären Erfordernissen und der tieren, die sowohl amerikanisch als auch universell
Zerstörung der Umwelt fertigzuwerden.
sind.

Ich will heute nicht die gesamte Außenpolitik der
Administration darlegen. Aber nach der gestrigen (20.
September) Rede von Au ßenminister Christopher und
im Vorgriff auf die anstehende Rede des Präsidenten
vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen

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Im gesamten Verlauf des Kalten Krieges haben wir
eine globale Bedrohung der demokratischen Marktwirtschaften eingedämmt; jetzt streben wir ihre größere Reichweite an, insbesondere an Orten, die für uns
von Interesse sind.

AMERIKA DIENST 40

�Einer Doktrin der Eindämmung mu ß eine Strategie der
Ausweitung folgen - die Ausweitung der Weltgemeinschaft freier marktwirtschaftlicher Demokratien.
Während des Kalten Krieges verstanden sogar die
Kinder die sicherheitspolitische Aufgabe Amerikas.
Wenn sie auf die Landkarten in ihren Klassenzimmern
blickten, wußten sie, daß wirdie schleichende Ausbreitung dieses großen roten Klekses einzudämmen versuchten. Heute könnten wir unsere sicherheitspolitische Aufgabe auch auf die Gefahr einer starken Vereinfachung hin als die Förderung der Ausweitung der
"blauen Gebiete" marktorientierter Demokratien beschreiben. Der Unterschied ist natürlich, daß wir nicht
eine Ausweitung der Reichweite unserer Institutionen
mit Hilfe von Gewalt, Subversion oder Unterdrückung
anstreben.

verfolgen, sondern auch durch Hilfestellung,
damit Demokratie und Marktwirtschaften in
Regionen Fuß fassen, die Anlaß zu größter
Besorgnis im humanitären Bereich geben.
Bei der Strategie der Ausweitung müssen wir folgendes beachten: Einmal müssen wir Geduld zeigen. Die
Gelehrten haben beobachtet, daß den Wellen demokratischen Fortschritts oftmals die gegenläufigen Wellen
demokratischen Rückschritts folgen. Wir müssen auf
ungleichmäßige Fortschritte und sogar auf direkte
Rückschläge vorbereitet sein.

Unsere Strategie muß pragmatisch sein. Unser Interesse an Demokratie und Marktwirtschaft steht nicht
allein. Andere amerikanische Interessen werden bisweilen von uns fordern, uns zum gegenseitigen Vorteil
Wir dürfen nicht zulassen, daß dieses übergeordnete mit nichtdemokratischen Staaten zu befreunden und
Ziel uns zu übertriebenen Handlungen veranlaßt. Eine sie sogar zu verteidigen.
Strategie der Ausweitung muß, wenn sie erfolgreich
Unsere Strategie muß einer weitgefaßten Auffassung
sein soll, Unterscheidungen treffen und Prioritäten
von Demokratie entsprechen - einem System, das
setzen. Sie muß unsere großen Ziele der Förderung
nicht nur Wahlen, sondern auch Merkmale wie eine
von Demokratie und Marktwirtschaft mit unseren tradiunabhängige Justiz und den Schutz der Menschentionelleren geostrategischen Interessen kombinieren.
rechte umfaßt.
Und sie muß vorschlagen, wie unsere großen, aber
dennoch begrenzten nationalen Sicherheitsressour- Unsere Strategie muß auch die Vielfalt respektieren.
cen - die finanziellen, diplomatischen und militärischen Demokratie und Marktwirtschaft können zahlreiche
- am besten eingesetzt werden können.
legitime Varianten haben. Die Freiheit hat viele Gesichter.
In den vergangenen Jahren haben die Diskussionen
über den Einsatz von Gewalt eine Reihe lebenswich- Ich möchte alle vier Komponenten dieser Strategie im
tiger Fragen darüber ausgelöst, ob unsere Streitkräfte einzelnen erörtern.
unseren Zielen angemessen sind, ob wir kämpfen und
in einer akzeptablen Zeit gewinnen können, ob wir Bei Wahlkämpfen ist es ein Axiom, daß man mit der
einen vernünftigen Ausweg haben, falls nicht, ob wir Konsolidierung der politischen Basis beginnt. Dasseldie Unterstützung der Öffentlichkeit und des Kongres- be gilt für die internationale Politik. Aus diesem Grund
sesgenießen. Wir haben jedoch eine vorrangige, stra- muß die oberste Priorität einer Strategie der Ausweitegische Frage übersehen - die Frage des "wo" -, die tung die Stärkung des Kernstücks führender marktden Rahmen für derartige militärische Beurteilungen wirtschaftlicher Demokratien, der Verbindungen zwischen ihnen und ihres Gefühls gemeinsamer Interessetzt.
sen sein.
Meines Erachtens enthält die Strategie der AusweiDie Erneuerung beginnt im Inland. Unsere Bestrebuntung vier Komponenten:
gen, unserem Volk Macht zu verleihen, die Wirtschaft
Erstens sollten wir die Gemeinschaft führender wiederzubeleben, unser Defizit abzubauen und die
Marktwirtschaften stärken - einschließlich unse- Regierung neu zu erfinden, haben tiefgreifende Ausrer eigenen - die den Kern und Ausgangspunkt wirkungen auf unsere globale Stärke und die Attraktider Ausweitung darstellen.
vität von Demokratie und Märkten weltweit. Unsere
innenpolitische Erneuerung wird auch Einfluß darauf
Zweitens sollten wir neue Demokratien und haben, wieviel ihres hart verdienten Geldes die AmeMarktwirtschaften wo immer möglich fördern rikaner für unser Engagement im Ausland aufwenden.
und konsolidieren, insbesondere in Staaten von
besonderer Bedeutung und mit speziellen Chan- Das Gebot, den demokratischen Kern zu stärken,
cen.
unterstreicht auch die Bedeutung der Erneuerung der
Verbindungen zwischen unseren wichtigsten demoDrittens müssen wirdie Aggression von Staaten
kratischen Verbündeten. Unsere Beziehungen zu
abwehren, die Demokratie und freien Märkten Europa, Kanada und Japan sind heute im wesentligegenüber feindlich gesinnt sind und ihre Libe- chen solide. Sie leiden jedoch unter einem wirtschaftralisierung unterstützen.
lichen und einem militärischen Problem.
Viertens müssen wir unsere humanitäre TagesDas Wirtschaftsproblem sind schleppendes Wirtschaftsordnung nicht nur durch Bereitstellung von Hilfe wachstum in unseren Ländern und die politischen
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Seite 3

�Kosten, die es demokratischen Regierungen abverlangt. Im vergangenen Jahrzehnt haben viele europäische Nationen beispielsweise unter dem Strich keinen
einzigen Arbeitsplatz geschaffen. Zum Teil infolgedessen verfügen unsere wichtigsten Verbündeten jetzt
über eine dünne Finanzdecke und knappe politische
Mehrheiten. Wirtschaftliche Stagnation und ihre politischen Konsequenzen unterminieren die Fähigkeit
der führenden demokratischen Mächte, bei vielen
unserer gemeinsamen Herausforderungen entschieden vorzugehen, vom GATT bis zu Bosnien.
Glücklicherweise leiten viele unserer demokratischen
Verbündeten ebenso wie wir Überprüfungen staatlicher Verfahren und der Innenpolitik in die Wege. Diese
Bestrebungen sollten mutig vorangebracht werden nicht nur um der Gerechtigkeit und des Wohlstands in
jeder unserer Nationen willen, sondern auch, damit
unsere demokratische Gemeinschaft wieder mit Energie und Entschlossenheit handeln kann.
Aus diesem Grund führen wir die Bestrebungen zu
einem erfolgreichen Abschluß des GATT-Abkommens
bis zum Jahresende an. Und deshalb ist die Verabschiedung des NAFTA eine der obersten Prioritäten
des Präsidenten.
Aber obwohl diese spezifischen Abkommen von enormer Bedeutung sind, geht die Notwendigkeit für wirtschaftliche Erneuerung noch weiter. Wir befinden uns
im Anfangsstadium so tiefgreifender Veränderungen
der Weltwirtschaft wie am Ende des Zweiten Weltkriegs. Und angesichts harter Zeiten in all unseren
Nationen könnten wir einen Teufelskreis internationalen wirtschaftlichen Handelns produzieren. Wenn die
führenden demokratischen Marktwirtschaften nicht
gemeinsam handeln - internationale Wirtschaftsinstitutionen modernisieren, makroökonomische Maßnahmen koordinieren und harte, aber faire Geschäfte
anhand der Grundregeln des offenen Handels abschließen - könnte uns der gnadenlose Wettbewerb
der neuen Weltwirtschaft zusammen mit unserer inzwischen überholten gemeinsamen Zielsetzung aus
den Zeiten des Kalten Krieges in eine länger anhaltende Stagnation oder sogar eine wirtschaftliche Katastrophe treiben.

Clinton im Januar anberaumten NATO-Gipfeltreffen
die Modernisierung der NATO anstreben, so daß
hinter der Ausweitung der demokratischen Marktwirtschaften die entscheidende kollektive Sicherheit bestehen bleibt.
Förderung neuer Demokratien und Marktwirtschaften
Neben der Konsolidierung unserer Basis besteht das
zweite Gebot unserer Strategie in Hilfestellung bei der
Ausweitung von Märkten und ihrem Überleben andernorts, wo wir die größten Sicherheitsbedenken
haben und den größten Unterschied bewirken können.
Dies ist nicht ein demokratischer Kreuzzug - es ist eine
programmatische Verpflichtung, dazu beizutragen, daß
die Freiheit dort Fuß faßt, wo sie uns am meisten hilft.
Aus diesem Grund müssen unsere Bestrebungen darauf
abzielen, Staaten behilflich zu sein, die unsere strategischen Interessen betreffen, wie die in geographischer Hinsicht entscheidenden mit großen Volkswirtschaften, Nuklearwaffen oder dem Potential, Flüchtlingsströme in unser Land oder die Länder unserer
wichtigsten Freunde und Verbündeten zu verursachen. Wir müssen unsere Bestrebungen auf die
Gebiete konzentrieren, in denen wir den größten Einfluß haben. Und unsere Bestrebungen müssen nachfrageorientiert sein - sie müssen sich auf Nationen
konzentrieren, deren Bevölkerung auf Reformen drängt
oder sie bereits verwirklicht hat.
Das wichtigste Beispiel ist die ehemalige Sowjetunion
- und sie erfüllt die gerade von mir genannten Kriterien.
Wenn wir demokratische und Marktreformen in Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten
unterstützen und zu ihrer Konsolidierung beitragen,
können wir eine bisherige Bedrohung in eine Region
mit wertvollen diplomatischen und wirtschaftlichen
Partnern umwandeln. Darüber hinaus erhöhen unsere
Bemühungen in Rußland, der Ukraine und den anderen Staaten die Wahrscheinlichkeit weiterer Reduzierungen von Nuklearwaffen und die Einhaltung internationaler Vereinbarungen zur Nichtverbreitung.

Die neuen Demokratien in Mittel- und Osteuropa sind
ein weiteres deutliches Beispiel angesichts ihrer Nähe
zu den großen demokratischen Mächten WesteuroDas militärische Problem betrifft die NATO. Seit einem pas.
halben Jahrhundert hat sich die NATO als effektivstes
militärisches Bündnis in der Geschichte der Mensch- Da unsere Verbindungen überden Pazifikhinweg nicht
heit erwiesen. Wenn die NATO ein Anker für europä- weniger wichtig sind als die über den Atlantik, ist die
ische und atlantische Stabilität bleiben soll, was sie Ausweitung im asiatischen Pazifik ein drittes Beispiel.
dem Präsidenten zufolge muß, müssen ihre Mitglied- Der Präsident hat diesen Punkt im Juli in Japan und
staaten sich für die Modernisierung der Rolle der Korea in seiner Beschreibung einer neuen pazifischen
NATO in diesem neuen Zeitalter engagieren. Wenn Gemeinschaft unterstrichen.
die NATO mit der Zeit nicht zur Übernahme einer
umfassenderen Rolle bereit ist, wird sie die Unterstüt- Die Fortsetzung der großen Schritte zu Demokratie
zung der Öffentlichkeit verlieren, und all unsere Natio- und Märkten in unserer aufstrebenden Gemeinschaft
nenwerden ein lebenswichtiges Bindeglied transatlan- von Demokratien auf der westlichen Hemisphäre muß
tischer und europäischer Sicherheit verlieren. Aus ebenfalls ein wichtiges Anliegen sein. Und wir sollten
diesem Grund werden wir bei dem von Präsident nach solchen Staaten Ausschau halten, deren Beitritt
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�zu dem Lager der demokratischen Marktwirtschaften
die künftige Richtung einer ganzen Region beeinflussen kann. Südafrika und Nigeria haben jetzt dieses
Potential im Hinblick auf Afrika südlich der Sahara.

Wir können davon ausgehen, daß die Förderung von
Demokratie und Märkten scharfe Reaktionen von
denjenigen bewirkt, deren Macht sich nicht aus dem
Volk ableitet. Die um sich greifende Demokratiebewegung in Burma führte zur Inhaftierung seiner prominenWie sollten die Vereinigten Staaten zur Konsolidierung testen Verfechterin, Aung San Suu Kyi. Die russiund Ausweitung von Demokratie und Märkten in die- schen Reformen haben den Widerstand der Nomensen Regionen beitragen? Die Antworten sind so klatura geweckt.
unterschiedlich wie die betroffenen Nationen, es gibt
jedoch gemeinsame Elemente. Wir müssen weiterhin Zentralisierte Macht verteidigt sich selbst. Sie setzt
die Bestrebungen zur Mobilisierung internationaler nicht nur Instrumente der Staatsgewalt wie militärische
Ressourcen anführen, wie wir es in Rußland und den Macht, Inhaftierung aufgrund politischer Überzeugung
anderen neuen Staaten getan haben. Wir müssen und Folterung ein, sondern beutet auch die intoleranbereit sein, unverzüglich öffentlich Stellung zu bezie- ten Energien von Rassismus, ethnischen Vorurteilen,
hen, um verläßliche Entwicklungen zur Demokratie zu religiöser Verfolgung, Fremdenfeindlichkeit und Irrefördern, wie wir sie in Haiti, Guatemala und Nigeria dentismus aus. Derjenige, dessen Macht durch die
beobachten. Wir müssen den demokratischen Natio- Ausbreitung von Demokratie und Märkten bedroht ist,
nen den gesamten Nutzen der Integration in ausländi- wird immer ein persönliches Interesse daran haben,
sche Märkte bieten. Dies ist unter anderem der Grund, mit leidenschaftlicher Intensität Widerstand gegen diese
warum wir NAFTA und GATT so hohe Priorität auf Praktiken zu leisten.
unserer Sicherheitstagesordnung einräumen. Wir
müssen besseren Zugang zu den technologischen Wenn solche Machthaber regionale Mächte anführen
Märkten mit der Verpflichtung zur Einhaltung der Nicht- wie Iran und Irak, können sie auf Gewalt und Gesetzverbreitungsnormen kombinieren. Und wir müssen losigkeit zurückgreifen, die die Vereinigten Staaten
diesen Nationen helfen, die Pfeiler einer bürgerlichen und andere Demokratien bedrohen. Solche reaktionäGesellschaft zu stärken, ihre Marktinstitutionen zu ren Staaten neigen eher zur Förderung von Terrorisverbessern sowie Korruption und politische Unzufrie- mus sowie zu Schmuggel mit Massenvernichtungsdenheit durch die Praktik der guten Regierungsfüh- waffen und ballistischer Raketentechnologie. Sie
tendieren mehr zur Unterdrückung ihres Volkes, dem
rung zu bekämpfen.
Schüren ethnischer Rivalitäten und der Bedrohung
Bei all diesen Bestrebungen sollte die Politik der Aus- ihrer Nachbarn.
weitung eine zweite Bedeutung erhalten: Wir sollten
unsere Ziele durch einen erweiterten Kreis verfolgen, In dieser Welt sich multiplizierender Demokratien,
der sich nicht nur aus Regierungsvertretem, sondern erweiternder Märkte und beschleunigten Handels sehen
auch aus privaten und nichtstaatlichen Gruppen zu- sich die Herrscher reaktionärer Staaten mit einer
sammensetzt. Privatfirmen sind natürliche Verbünde- unangenehmen Entscheidung konfrontiert. Sie könte bei unseren Bemühungen zur Stärkung der Markt- nen versuchen, ihr Volk von diesen befreienden Kräfwirtschaften. Entsprechend hat unser Ziel, Demokra- ten zu isolieren. Wenn sie dies tun, schneiden sie sich
tie und eine bürgerliche Gesellschaft zu stärken, einen jedoch selbst den Weg zu eben den Kräften ab, die
natürlichen Verbündeten in Gewerkschaften, Men- Wohlstand und soziale Dynamik schaffen. Solche
schenrechtsgruppen, Umweltschützern, Handelskam- Staaten tendieren dazu, von innen heraus zu verrotten
mern und Wahlbeobachtern. Ebenso wie wir bei der - sowohl wirtschaftlich als auch geistig. Während sie
Verteidigung auf Streitkräftemultiplikatoren zurückgrei- schwächer werden, können sie jedoch auch verzweifen, sollten wir diese "Diplomatiemultiplikatoren" wie felter und gefährlicher werden.
die Nationale Stiftung für Demokratie (National En- Unsere Politik gegenüber solchen Staaten muß, sodowment for Democracy) begrüßen.
lange diese so handeln, in ihrer diplomatischen, militärischen, wirtschaftlichen und technologischen Isolierung bestehen. Sie muß die Betonung auf NachrichDas dritte Element unserer Strategie der Ausweitung tendienste, Terrorismusbekämpfung und multilaterale
sollte darin bestehen, die Fähigkeit der nicht zum Kreis Exportkontrollen legen. Sie muß globale Normen
der Demokratien und Marktwirtschaften gehörenden bezüglich der Massenvernichtungswaffen anwenden
Staaten, sie zu bedrohen, auf ein Minimum zu be- und ihre Durchsetzung sicherstellen. Obwohl einige
dieser Bestrebungen unilateral erfolgen, sind internaschränken.
tionale Regeln erforderlich und könnten bei der DurchDemokratie und Marktwirtschaften waren immer sub- setzung von Sanktionen, Transparenz und Exportkonversive Ideen für diejenigen, die ohne Zustimmung trollen besonders wirksam sein, wie die Arbeit der
herrschen. Diese Ideen sind für sie weiterhin subver- Internationalen Atomenergie-Organisation im Irak
siv. Jeder Diktator, Theokrat, Kleptokrat oder zentra- beweist.
ler Planer eines ungewählten Regimes hat Grund zur
Sorge, daß seine Untertanen plötzlich die Freiheit Wenn die Aktionen solcher Staaten unsere Bürger,
fordern, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.
unsere Streitkräfte und unsere vitalen Interessen diDie reaktionären Staaten

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Seite 5

�rekt bedrohen, müssen wir eindeutig in der Lage sein,
entschieden und im Alleingang zurückzuschlagen, wie
wir es taten, als der Irak den ehemaligen Präsidenten
Bush zu ermorden versuchte. Wir müssen stets die
zur Abschreckung oder gegebenenfalls Bekämpfung
von Aggression seitens dieser Regime erforderliche
Militärmacht beibehalten. Weil die Ursachen solcher
Bedrohungen vielfältig und unberechenbar sein werden, müssen wir sicherstellen, daß unsere Streitkräfte
immer einsatzbereiter, mobiler, flexibler und intelligenter sind, wie der Präsident und Verteidigungsminister
Aspin unterstrichen haben.

unsere Sicherheit als auch unsere Wirtschaftsinteressen in Asien stark beeinflussen. Es liegt im Interesse
unserer beiden Nationen, daß China seine wirtschaftliche Liberalisierung fortsetzt und gleichzeitig die
Menschenrechte seiner Bürger und die internationalen
Regeln des Waffenverkaufs respektiert. Aus diesem
Grund haben wir die Handelsvorteile Chinas bedingt
erweitert, seine Raketenexporte sanktioniert und die
Gründung von Radio Free Asia vorgeschlagen. Wir
streben engere Beziehungen zu China an, die sowohl
unsere Werte als auch unsere Interessen widerspiegeln.

Ich möchte kurz verdeutlichen, was die amerikanischen Streitkräfte in diesem Augenblick tun, an dem
wir hier zusammenkommen: In Südkorea sind rund
37.000 amerikanische Soldaten gegen Aggression
aus dem Norden in Stellung. Im Persischen Golf sind
der Trägerverband der Abraham Lincoln und andere
Streitkräfte immer noch infolge der Operation Wüstensturm stationiert. Und während wir neue Nahostfriedensabkommen in die Wege leiten, tragen ungefähr
1.000 amerikanische Soldaten zur Friedenssicherung
auf der Sinaihalbinsel bei. Solche Streitkräfte kosten
Geld. Einige mögen bedauern, daß unsere neue
Streitkräftestrategie (Bottom Up Review) nicht beträchtlich kleinere oder billigere Streitkräfte vorsah.
Tatsache ist jedoch, daß diese Streitkräfte - die besten
der Welt - ein Teil des erforderlichen Preises der
Sicherheit und Führungsrolle in der Welt sind.

Unsere Politik gegenüber der islamischen Welt ist ein
weiteres Beispiel. Ich möchte folgenden Punkt unterstreichen: Unsere Nation respektiert die zahlreichen
Beiträge, die der Islam in den vergangenen 1.300
Jahren geleistet hat, und wir würdigen die engen
Bande der Werte und Geschichte zwischen dem Islam
und dem jüdisch-christlichen Glauben der meisten
Amerikaner. Wir werden den Anhängern des islamischen Glaubens in jeder Weise unsere Freundschaft
anbieten, die in Frieden und Toleranz leben. Aber wir
werden jeden nur erdenklichen Widerstand gegen
Militante leisten, die die islamische Lehre verzerren
und ihren Einfluß durch Gewalt zu erweitern suchen.
Die humanitäre Tagesordnung

Der vierte Teil unserer Strategie der Ausweitung betrifft unsere humanitären Ziele, die eine wichtige Rolle
Während einige reaktionäre Staaten versuchen wer- bei der Förderung unserer Bestrebungen zur Ausbreiden, sich gegen Einfluß von außen abzuschirmen, tung von Demokratie und Märkten spielen. Unsere
werden andere antidemokratische Staaten sich für humanitären Aktionen fördern die Unterstützung der
größeren Wohlstand durch die Liberalisierung ihrer amerikanischen Öffentlichkeit für unser Engagement
Wirtschaftsregeln entscheiden. Früher oder später im Ausland. Unsere humanitären Bemühungen könwerden diese Staaten jedoch mit der Notwendigkeit nen auch als Anreiz für die Entwicklung von Demokrazur Liberalisierung ihres Informationsflusses in und tie und Marktwirtschaft in vielen Teilen der Wert dieinnerhalb ihrer Nation konfrontiert und sehen sich nen. Die Welt vertraut unserer Führungsrolle bei
gezwungen, den Aufstieg einer unternehmerischen diesen umfassenderen Bestrebungen letztlich zum
Mittelklasse zu tolerieren. Beide Entwicklungen schwä- Teil aufgrund der Tatsache, daß sie Zeuge unserer
chen die despotische Herrschaft und führen mit der humanitären Taten wird: Sie weiß, daß unsere ReakZeit zu einer ansteigenden Nachfrage nach Demokra- tion auf Hunger und Leiden von Bangladesch über
tie. Chiles Erfahrung unter General Pinochet beweist, Somalia bis zu Tschernobyl Ausdruck dessen sind,
daß Marktwirtschaft eine Zeitlang ohne Demokratie wer wir als Nation sind. Unsere humanitären Bestregedeihen kann. Sowohl unser Instinkt als auch die bungen müssen weiterhin ein breites Spektrum von
jüngere Geschichte Chiles, Südkoreas und anderer Programmen beinhalten - Wirtschafts- und Militärhilfe,
Staaten lehrt uns jedoch, daß dies nicht auf ewig Katastrophenhilfe sowie Hilfsprojekte für die Bereiche
Bildung, Ernährung und Gesundheit. In den kommenfunktioniert.
den Monaten beabsichtigen wir, mit dem Kongreß
Wir können Regimen, die sich anscheinend für eine zusammenzuarbeiten, um diese Palette von HilfsproLiberalisierung entscheiden, nicht die Demokratie grammen strategischer und effizienter auf die Fördeaufzwingen, aber wir sind vielleicht in der Lage, einige rung von Demokratie und Märkten, umweltverträgliche
von ihnen auf diesen Weg zu bringen und die Strafe für Entwicklung und frühzeitige Reaktionen auf soziales
Unterdrückung und aggressives Verhalten zu erhö- und wirtschaftliches Chaos auszurichten.
hen. Diese Bemühungen haben eine besondere
Bedeutung im Hinblick auf unsere Beziehungen zu Wir werden in diesem Zeitalter mit großen HerausforChina. Diese Beziehung ist aufgrund der wachsenden derungen an unseren humanitären Instinkt konfrontiert
Bedeutung Chinas als Weltmacht eine der wichtigsten und entschieden weniger Handlungshindernissen als
und zusammen mit unseren Beziehungen zu Japan während der Zeit des Wettbewerbs unter den Superund Korea wird unsere Beziehung zu China sowohl mächten. Der Druck der Öffentlichkeit auf mehr
Seite 6

AMERIKA DIENST 40

•

�humanitäres Engagement mag zunehmend von Fernsehbildern genährt werden, die wiederum von Überlegungen abhängen wie der, wohin CNN seine Kamerateams entsendet. Wir müssen jedoch auch andere
Überlegungen einbeziehen: Kosten, Durchführbarkeit
und Dauerhaftigkeit der durch unsere Hilfe erzielten
Verbesserungen, die Bereitschaft regionaler und internationaler Gremien, das Ihrige zu tun sowie die Wahrscheinlichkeit, daß unsere Aktionen die Sicherheit der
betreffenden Menschen und Region erhöhen.

Letztlich können wir den dramatischen neuen Wandel,
der jetzt einen großen Teil der Entwicklungsländer
erfaßt hat, durch unsere Förderung von Demokratie
und umweltverträglicher Entwicklung am besten unterstützen. In Afrika waren wir beispielsweise vor kurzem
Zeuge der Entstehung von Demokratie in Namibia und
von pluralistischen Wahlen in über einem Dutzend
afrikanischer Länder. Diese Entwicklungen bergen
kombiniert mit den neuen Bemühungen zur regionalen
Konfliktlösung und einer Abwendung von der Planwirtschaft wirklich Hoffnung, daß Afrika südlich der Sahara
Wir werden in zunehmendem Maße zur Hilfe für die endlich sein enormes Potential nutzt. Ein Schlüssel für
Beendigung des Blutvergießens und des Leidens in diesen Fortschritt wird Südafrika sein, das jetzt seine
ethnischen Konflikten aufgefordert, und obwohl wir historische und wirklich wunderbare Reise zu einer
stets unsere Diplomatie einsetzen, lassen diese Krite- nichtrassischen Demokratie begonnen hat. Ebenso
rien vermuten, daß es relativ wenige ethnische Konflik- wie unsere Strategie der Ausweitung sich auf entscheite innerhalb eines Landes geben wird, die eine militä- dende Ansatzpunkte stützt, muß sich unsere Strategie
rische Intervention unsererseits rechtfertigen. Letzt- gegenüber Afrika auf die Übernahme einer internatiolich werden wir unter diesen und anderen humanitären nalen Führungsrolle zur Unterstützung des Übergangs
Erfordernissen die Wahl treffen müssen.
in Südafrika konzentrieren."
Dort, wo wir etwas bewirken können, wie in Somalia
und im Nordirak, sollten wir einen Einsatz unserer
Streitkräfte zu humanitären Zwecken nicht ablehnen,
nur weil diese Missionen den großen Kriegen um die
Kontrolle von Territorium nicht ähneln. Solche Missionen beinhalten immer ein Risiko, aber wie bei allen
anderen Aspekten unserer Sicherheitspolitik ist unsere militärische Führung zur Übernahme zumutbarer
Risiken im Dienste unserer nationalen Ziele bereit.

* *

AMERIKA DIENST 40

Abschließend ging Lake auf die aktuellen außenpolitischen Entwicklungen - insbesondere in Bosnien und
Somalia - ein und erläuterte Gründe für ein Engagement der Vereinigten Staaten in der Welt nach dem
Kalten Krieg.

* *

Seite 7

�AUSSENPOLITIK
6. Oktober 1993

USA WERDEN WENN MÖGLICH DIPLOMATIE,
WENN NÖTIG GEWALT EINSETZEN
Rede von Botschafterin Albright
WASHINGTON - (AD) - Die Außenpolitik der Clinton-Administration erhält der jeweiligen Situation entsprechend
einen neuen Rahmen und wird "wann immer möglich auf Diplomatie, wenn absolut notwendig auf Gewalt
zurückgreifen", führte die Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine
Albright, in einer am 23. September 1993 vor dem National War College in Washington gehaltenen Rede aus.
"In der Erkenntnis, daß globale Probleme globaler Lösungen bedürfen, wird sich Amerika bei seiner Au ßenpolitik
sowohl unilateraler als auch multilateraler Instrumente bedienen", erklärte Albright und fügte hinzu, "im Einklang
mit ihrer ein halbes Jahrhundert zurückreichenden Tradition der Überparteilichkeit werden die Vereinigten
Staaten sich weiterhin in der Welt engagieren" und sich nicht, so die Botschafterin, "nach dem Kalten Krieg in
den Schützengraben zurückziehen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Albright im Wortlaut.
Für mich ist dieses Auditorium - diese militärische
Institution - der richtige Ort, um die außenpolitischen
Ziele der Clinton-Administration zu erörtern und das
entscheidendste aller Themen anzusprechen: Den
Einsatz militärischer Gewalt in der Zeit nach dem
Kalten Krieg. Meines Erachtens muß unser nationaler
Dialog gewährleisten, daß die Außenpolitik dieser Nation
von denjenigen richtig verstanden wird, die aufgefordert werden könnten, ihr Leben dafür zu riskieren. Und
Politiker sollten nicht nur erklären, sondern auch zuhören - sich die Zeit nehmen, den Sorgen unseres Militärs
zuzuhören und dessen Fragen zu beantworten.
Wenn wir über Außenpolitik sprachen, haben wir das
nahezu ein halbes Jahrhundert lang stets im Kontext
des Kalten Krieges getan. Ein völlig neues Vokabular
von Eindämmung und Abschreckung, Nutzlast und
Raketenlücken, Zersetzung und Dominotheorien wurde geschaffen. Und die Militäraktionen der Vereinigten
Staaten standen fast immer - direkt oder indirekt - im
Zusammenhang mit der sowjetischen Bedrohung. Die
Welt war ein Schachbrett und die beiden Supermächte
bewegten die Figuren.

verwirrend als erfreulich ist. Sie können keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten ausmachen, die nicht
zu den Bedrohungen des Kalten Krieges gehört. Sie
blicken auf den leeren Stuhl auf der anderen Seite des
Schachbretts und raten uns, uns zurückzulehnen, die
Fü ße auf den Tisch zu legen und das Interesse an der
Welt dort draußen zu verlieren.
Offenkundig ist Amerika sicherer als früher. Jeder, der
Nostalgie für den Kalten Krieg empfindet, sollte sich
besser auf seinen Geisteszustand hin untersuchen
lassen. Aber jeder, der zu der Schlußfolgerung gelangt, ehemalige Gegner, Konflikte oder Katastophen
beträfen uns nicht, mißinterpretiert die Vergangenheit,
mißversteht die Gegenwart und wird den Zug der Zeit
verpassen.

Präsident Clinton hat in der Tat häufig überdie Ähnlichkeit dieses historischen Augenblicks und der ersten
Tage der Truman-Administration unmittelbar nach dem
Zweiten Weltkrieg gesprochen. Damals wie heute sah
ein neuer Präsident eine dramatisch veränderte Welt,
versuchte, die amerikanischen Interessen in dieser
neuen Welt neu zu definieren und handelte, um diese
Aber dann verließ unser Schachgegner den Tisch. Interessen vor einer steigenden Welle isolationistiDas Spiel hat sich verändert und die Regeln für das schen Denkens zu schützen. Und damals wie heute
neue Spiel werden noch geschrieben. Die meisten von gründeten die Entscheidungen des Präsidenten auf
uns weinen der Zeit des Kalten Krieges keine Träne einer Analyse neuer Bedrohungen, der Anerkennung
nach. Aber jetzt gibt es diejenigen auf allen Seiten des unserer dauerhaften Interessen und dem Diktat des
politischen Spektrums, für die die neue Welt eher Engagements.
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Seite 1

�Was also sind diese neuen Bedrohungen und wie
sollte die Antwort der Vereinigten Staaten lauten?

kraft Europas belastet und die Sicherheit unserer
wichtigsten europäischen Verbündeten bedroht.

Der Kalte Krieg ist vorüber, Massenvernichtungswaffen gibt es jedoch immer noch. Der mögliche aggressive Einsatz solcher Waffen ist wahrscheinlich weiterhin die größte Bedrohung für den internationalen Frieden und unsere Sicherheit. Die Enthüllungen über das
Waffenprogramm des Irak müßten sogardie Selbstzufriedensten unter uns schockiert haben. Neben dem
Irak gehen ernsthafte Bedrohungen der Weiterverbreitung von Staaten wie Nordkorea aus, die die Zukunft
fürchten, Staaten wie dem Iran, die zum Faustpfand
von Extremen wie Intoleranz geworden sind und Staaten wie in Südasien, die in regionale Spannungen
verstrickt sind.

Diese Konflikte haben auch eine moralische Dimension, die am dramatischsten durch die mutigen Menschen in Sarajevo und Mostar unter Beweis gesteift
wird, jedoch auch durch die Millionen anderer verkörpert wird, die täglich fernab des Scheinwerferlichts
unter den Verwüstungen der Gewalt leiden.

Neben destruktiven Waffen gibt es destruktiven Haß.
Vor weniger als zwei Monaten hat das FBI eine Gruppe
mit offensichtlichen Verbindungen zum Ausland festgenommen, die einen Bombenanschlag auf das Gebäude plante, in dem ich arbeite. Das jüngste Nahostabkommen wird sicherlich diejenigen noch weiter in
Rage versetzen, deren Unsicherheit und Extremismus
sie blind gegenüber dem Versprechen des Friedens
und offen für Terroranschläge machen. Die terroristische Bedrohung wird durch den technologischen
Fortschritt und die Verfügbarkeit von Waffen jeglicher
Bauart noch verschärft. Ich weiß, daß wir weiterhin
gegen Terroranschläge ungeschützt sind, und ich weiß,
daß sie unsere lebenswichtigsten Interessen betreffen
können - unsere Väter, Mütter, Ehegatten, Töchter
und Söhne.
Wir sehen uns ebenfalls mit Gewalt ethnischer und
nationaler Splittergruppen konfrontiert. Wohin wir uns
auch wenden, kämpft jemand oder droht, einen anderen zu bekämpfen. Diese Dispute mögen sich fernab
unserer Grenzen abspielen, aber in dem internationalen Dorf der heutigen Zeit ist Chaos eine ansteckende
Krankheit. Obwohl Gewalt in einem gescheiterten
Staat wie Somalia manchem trivial erscheinen mag,
muß unser Interesse - sei es politischer oder humanitärer Art - anhalten, wenn Gewalt mit Unruhen im
Sudan, in Ruanda, Liberia, Bosnien, Georgien und so
weiter kombiniert wird.
Als die demokratische Regierung in Haiti entmachtet
wurde, explodierte der Drogenhandel, nahmdie Unterdrückung zu und das Risiko eines massiven neuen
Flüchtlingsstroms nach Amerika wuchs. In Somalia
gibt es Anzeichen, daßzwischen Aidids Anhängern, im
Sudan ansässigen Terroristen und der iranischen
Regierung ein taktisches Bündnis geschlossen wird.
Die derzeitige Gewalt in Aserbaidschan droht, die
Türkei, Iran und Ru ßland auf eine Weise in den Konflikt
einzubeziehen, die sehr wohl unsere Interessen direkt
bedrohen könnte. Und es besteht weiterhin die Möglichkeit, daß der Krieg im ehemaligen Jugoslawien sich
auf die Nachbarregionen und -nationen ausweitet, den
Flüchtlingsstrom weiter ansteigen läßt, die Wirtschafts-

Seite 2

Offenkundig können weder wir noch irgendein anderer
jedes Übel beheben. Es würde auch keinen Sinn
ergeben, wenn wir es versuchten. Wir sollten jedoch
nie so sehr von den täglichen Sorgen in Anspruch
genommen werden, daß wir unser grundlegendstes
Interesse aus den Augen verlieren, das nicht nur die
Bewahrung der amerikanischen Führungsrolle, sondern auch der amerikanischen Zielsetzung ist.
Vor zehn Tagen nahm ich in Washington an einem
Mittagessen anläßlich der feierlichen Unterzeichnung
eines Abkommens zwischen Israel und der PLO teil ein Tag, den ich nie im Leben vergessen werde. Ich
werde mich insbesondere an eine Bemerkung des
israelischen Außenministers Shimon Peres über die
Zielsetzung der Vereinigten Staaten erinnern. Wenn
die Geschichtsbücher geschrieben werden, so Peres,
"wird niemand die Vereinigten Staaten verstehen. Sie haben so viel Macht und eroberten
dennoch kein fremdes Gebiet. Sie haben so viel
Macht und beherrschten dennoch nicht andere
Menschen. Sie haben Ihre eigenen Probleme
und haben dennoch den Problemen anderer nie
den Rücken zugekehrt".
Wir sollten stolz sein, daß ein Großteil der Welt Amerika so sieht wie Außenminister Peres.
Denn unsere Führungsrolle ruht heute auf derselben
soliden Grundlage von Prinzipien und Werten - demselben aufgeklärten Eigeninteresse - das den Militärdienst für die Vereinigten Staaten von Valley Forge
(Winterlager während des Revolutionskrieges, Anm.
d. Red.) bis zur Operation Wüstensturm nicht nur zu
einem Beweis des Muts, sondern auch zur Ehre gemacht
haben.
Wie Außenminister Christopher und der Nationale
Sicherheitsberater Tony Lake in dieser Woche erklärten, hat die amerikanische Außenpolitik vier übergreifende Ziele: Erstens die Verbindungen zwischen den
Ländern zu stärken, aus denen sich die wachsende
Gemeinschaft führender marktwirtschaftlicher Demokratien zusammensetzt, zweitens den aufstrebenden
Demokratien dabei behilflich zu sein, Fuß zu fassen,
drittens die verbrecherischen Staaten zu reformieren
oder zu isolieren, die Stabilität und Wohlstand der
größeren Gemeinschaft zu unterminieren versuchen
und viertens, das Chaos einzudämmen und das Leiden in den Regionen zu mildem, die zu größter humanitärer Besorgnis Anlaß geben. ZusammengenomAMERIKA DIENST 40

�men hat unsere Strategie die Ausweitung von Demokratie und Märkten im Ausland zum Ziel.

Ich bin sicher, daß wir unter der Führung von Verteidigungsminister Aspin Streitkräfte beibehalten werden,
die modern, flexibel, einsatzbereit und stark sind. Die
Zur Erlangung dieser Ziele, so wird von einigen argu- Politik des Pentagon besteht in der Aufrechterhaltung
mentiert, müssen wir harte Entscheidungen zwischen eines Militärs, das zusammen mit den Verbündeten
unilateral und multilateral, global und regional, Gewalt vor Ort fähig genug ist, zwei größere regionale Kriege
und Diplomatie treffen. Dies trifft jedoch nicht zu. In zu führen u nd zu gewinnen. Die Existenz einer solchen
diesem neuen Zeitalter haben wir die Flexibilität, einen Streitmacht - und die glaubwürdige Androhung ihres
vernünftigen Kurs zwischen den Beratern zu steuern, Einsatzes - ist der sicherste Weg zu verhindern, daß
die uns am liebsten überall intervenieren sähen und unsere Interessen überhaupt erst bedroht werden.
denjenigen, die nirgendwo eine amerikanische Zielsetzung ausmachen. Wir verfügen über die gesamte Seit Jahren drehte sich die Debatte darum, ob es
Bandbreite außenpolitischer Instrumente, mit denen erforderlich ist oder nicht, eine Reihe spezifischer
wir arbeiten können und werden diejenigen auswäh- Gegebenheiten - eine Checkliste - aufzuführen, unter
len, die im jeweiligen Fall am effektivsten sind.
denen die Vereinigten Staaten den Einsatz militärischer Gewalt in Erwägung ziehen oder verwerfen
Als Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten bei würden.
den Vereinten Nationen habe ich eindeutig klargestellt,
daß wir weiterhin der Sache des Friedens und dem Diese Administration hat klugerweise der Versuchung
Prinzip verpflichtet sind, Konflikte ohne Gewalt zu widerstanden, eine detaillierte Liste der Umstände zu
lösen, wo immer dies möglich ist.
erarbeiten, unter denen militärische Gewalt angewendet werden könnte, oder den Fehler des AußenminiDas Ende des Kalten Krieges bietet uns in dieser steriums bezüglich Korea von vor 43 Jahren zu wiederHinsicht neue und wichtige Chancen. Kooperation, holen, als es den Umfang der amerikanischen Interesnicht Konfrontation ist jetzt im Sicherheitsrat der Ver- sen und Belange zu eng definierte. Zu viele präzise
einten Nationen die Regel. Infolge unserer selbstbe- Aussagen in der Öffentlichkeit, so wohlmeinend sie
wußten Diplomatie erhielten wir die globale Unterstüt- auch sein mögen, können die Flexibilität des Oberbezung für Sanktionen gegen Libyen aufgrund der Ab- fehlshabers einschränken oder gefährliche Fehleinschirmung derdes Bombenanschlags auf Flug 103 der schätzungen im Ausland bewirken.
Pan Am Verdächtigen, gegen den Irak aufgrund der
andauernden Nichteinhaltung seiner Verpflichtungen Niemand sollte jedoch Zweifel hegen, daß dieser
im Anschlu ß an den Golfkrieg und gegen Haiti vor dem Präsident wenn nötig zum unilateralen Einsatz von
kürzlich geschlossenen Abkommen zur Wiederher- Gewalt bereit ist.
stellung der demokratischen Herrschaft. Sanktionen
wurden auch vermehrt im Falle Angolas eingesetzt, wo Im vergangenen Juni verfügte der Präsident einen
unser Ziel darin besteht, eine bewaffnete Oppositions- Angriff auf Saddam Husseins nachrichtendienstliches
gruppe zur Einhaltung der Ergebnisse freier Wahlen zu Hauptquartier als Reaktion auf den Komplott des Irak
ermutigen und natürlich in Serbien, wo sie die Volks- zur Ermordung des ehemaligen Präsidenten Bush.
wirtschaft des Aggressorstaats drastisch geschwächt Wir holten von niemandem die Erlaubnis zur Durchführung dieses Luftangriffs ein, wir baten niemanden um
haben.
Hilfe, wir haben ihn unter Einsatz unserer eigenen
Diplomatie wird stets Amerikas erste Wahl sein, und Streitkräfte in Ausübung unseres Rechts auf Selbstdie Möglichkeiten für diplomatische Leistungen sind verteidigung durchgeführt. In seiner Rede vor der UNheute vielfältig. Die Geschichte lehrt uns jedoch, daß Generalversammlung hat der Präsident erklärt, die
es immer Zeiten geben wird, in denen Worte nicht Vereinigten Staaten würden wenn möglich militärisch
genug sind, in denen Sanktionen nicht genug sind, in mit anderen einschreiten, aber "im Alleingang, wenn
wir müssen". Diese Verpflichtung galt damals und sie
denen Diplomatie nicht genug ist.
gilt noch heute.
Die oberste Mission unserer Regierung - ihre konstitutionelle Pflicht - besteht im Schutz des Territoriums, Wenn in Zukunft die vitalen Wirtschaftsinteressen
der Menschen und des Lebensstils unserer Nation. Amerikas auf dem Spiel stehen, wie es am Golf der Fall
Wir können diese Mission nicht erfüllen, wenn wir nicht war, oder das Leben amerikanischer Bürger gefährdet
sowohl die Fähigkeit zum effektiven Einsatz von Gewalt ist, wie in Panama, oder Terroristen aufgespürt werals auch den Willen haben, wenn nötig entsprechend den müssen, wie zu dem Zeitpunkt, als Präsident
zu handeln. Wenn weder unsere Fähigkeit zu kämpfen Reagan den Einsatz von Gewalt gegen die Entführer
noch unsere Entschlossenheit dazu bezweifelt wer- der Achille Lauro anordnete, wird Präsident Clinton
den, können wir am sichersten sein, nicht nur diejeni- nicht zögern zu handeln, wie ein Oberbefehlshaber
gen zu besiegen, die uns bedrohen, sondern auch zum Schutz Amerikas und der Amerikaner handeln
diejenigen abzuschrecken, die zu einem solchen Vor- muß.
gehen versucht sind.

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Seite 3

�In der Rede vor den Vereinten Nationen wies der Präsident ebenfalls darauf hin, daß wir den Einsatz von
Streitkräften auf multilateraler Basis unterstützen, wenn
dies in unserem Interesse liegt. Wie Außenminister
Christopher formulierte, ist unserer Ansicht nach multilaterales Handeln "ein Mittel, nicht der Zweck". Niemand versteht die Vorteile des Multilateralismus besser als die Vereinigten Staaten. Aus diesem Grund
schlugen wir die NATO vor und beteiligten uns an der
Gründung der Vereinten Nationen. Die zugrundeliegende These der Strategie der Eindämmung nach
dem Zweiten Weltkrieg, das Vermächtnis führender
Politiker wie Präsident Truman, General Marshall und
General Eisenhower war, daß Amerikas Stärke noch
zunimmt, wenn es Mitglied starker Bündnisse ist und
zusammen mit anderen Nationen Anstrengungen zur
Verfolgung gemeinsamer Ziele unternimmt.

tial, als "Streitkräftemultiplikator bei der Förderung
des Interesses an Frieden und Stabilität tätig zu werden, das wir mit anderen Nationen teilen.

Die Geschichte des Persischen Golfs während der
letzten drei Jahre ist hierfür ein klassisches modernes
Beispiel. Ich weiß, daß einige der heute hier Anwesenden an der Planung und Durchführung von Operationen während dieses Krieges beteiligt waren, einschließlich der in der Geschichte vielleicht entscheidendsten
Luftoperation, sowie der schwierigen Verlagerung großer
Kampfeinheiten aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Sprachen an die Frontlinien. Ich beglückwünsche Sie zu Ihren Fähigkeiten und der Professionalität bei dieser wirksamsten Kampagne der Koalition. Am Golf profitierte die amerikanische Führungsrolle in hohem Maße von der Unterstützung anderer
Staaten vor, während und nach dem Krieg. Die UNOSanktionen stärkten unsere Sache in politischer Hinsicht, die Unterstützung der Alliierten verteilte die
Lasten in militärischer Hinsicht und der Beitrag der
arabischen Staaten, Deutschlands und Japans senkte
die Kosten des Krieges und seiner Folgen in finanzieller Hinsicht.

In der Vergangenheit haben die UNO-Missionen wichtige Ziele an ganz verschiedenen Orten erreicht Naher Osten, Namibia, El Salvador und Kambodscha.
In dem Maße wie friedenssichernde Missionen in
Zukunft erfolgreich sind, werden sie die Belastung von
Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte und des
amerikanischen Steuerzahlers durch die gemeinsamen Sicherheitsoperationen auf der Welt entscheidend verringern.

Die UN-Friedensmissionen können bestenfalls sehr
effektiv sein. Sie können jedoch offensichtlich kein
Ersatz dafür sein, daß wir unsere eigenen Kriege
führen oder gewinnen, und wir dürfen auch nicht
zulassen, daß die Existenz einer kollektiven Fähigkeit
zur Friedenssicherung zu einer Verringerung unserer
eigenen militärischen Stärke führt. Die Bemühungen
der Vereinten Nationen beinhaften jedoch das Poten-

Haushaltswesens,' verläßlichere Quellen für militärisches und ziviles Personal, bessere Ausbildung, bessere Nachrichtendienste, bessere Kommando- und
Kontrollstrukturen, bessere Ausrüstung und mehr Geld.
Diese Beschränkungen sind nicht systemimmanent,
sondern korrigierbar, und die Administration trägt ihren
Teil hierzu bei.

Wie ich bereits ausführte, sind territoriale Streitigkeiten, bewaffnete ethnische Konflikte, Bürgerkriege und
der totale Zusammenbruch der Regierungsautorität in
einigen Staaten heute die größten Gefahren für den
Weltfrieden. Die Vereinten Nationen spielen in vielen
dieser Situationen eine konstruktive Rolle indem sie
bei Streitigkeiten vermitteln, einen Waffenstillstand
herbeiführen und in einigen Fällen ein umfassendes
Friedensabkommen erreichen. Das erfordert oftmals
die Anwesenheit von für die Friedenssicherung zuständigen UN-Vertretern oder -Beobachtern, um entweder einen Frieden auszuhandeln oder seine Einhaltung zu sichern.

Insbesondere in einer Situation, in der eine Gefahr für
den Weltfrieden besteht, die uns zwar betrifft, jedoch
unsere Bürger und unser Territorium nicht direkt bedroht, liegt ein partnerschaftliches Vorgehen zusammen mit den Vereinten Nationen oder anderen geeigneten Organisationen in unserem Interesse, um der
Bedrohung zu begegnen und sie hoffentlich beseitigen
zu können. In einem solchen Fall werden wir nicht nur
Vorteile durch die Lastenteilung haben, sondern auch
durch die Fähigkeit, die Gemeinschaft der Nationen
um Unterstützung für die Sache bitten zu können, für
die
wir uns einsetzen.
Das Ende des Kalten Krieges hat eine weitere Möglichkeit für multilaterale Zusammenarbeit eröffnet, die Als Vertreterin der Vereinigten Staaten bei der UNO
lange durch die Rivalität zwischen den USA und der bin ich mir gleichzeitig bewußt, daß die Fähigkeiten
Sowjetunion versperrt war - die UN-Friedenssiche- dieser Organisation nicht mit ihren Pflichten Schritt
rung. In den letzten Jahren gab es einen dramatischen gehalten haben - und ich habe dieses Problem bei
Anstieg von Bitten an die Vereinten Nationen um Hilfe vielen vorherigen Gelegenheiten erörtert. Diejenigen,
bei der Lösung ethnischer und anderer Konflikte. Die die die Ziele der Vereinten Nation unterstützen, tun
Daten sind uns bereits bekannt: Mehr Friedensopera- dieser Institution keinen Gefallen, wenn sie nicht ihre
tionen in den letzten fünf Jahren als in den vergange- Stimme erheben, wenn die Möglichkeiten der UNO
nen 43, ein siebenfacher Anstieg der Streitkräfte, ein wiederholt überschritten werden. Die Vereinten Natiozehnfacher Anstieg der Haushaltsmittel, ein dramati- nen gingen aus dem 40jährigen Kalten Krieg aufgescher, jedoch nicht meßbarer Anstieg von Gefahr und bläht und aus der Form geraten hervor. Heutzutage
Komplexität.
benötigen die UN-Friedensmissionen eine Reform des

Seite4

AMERIKA DIENST 40

�Wir sind beispielsweise der Ansicht, daß der Entscheidungsfindungsprozeß der UNO im Bereich der Friedenssicherung gründlich überprüft werden muß. Wenn
die Entscheidung für oder gegen eine UN-Friedensmission oder -Resolution getroffen werden soll, müssen unserer Überzeugung nach bestimmte grundlegende Fragen gestellt werden, bevor man neue Verpflichtungen eingeht - nicht danach. Dazu zählen die
folgenden:
Besteht eine wirkliche Bedrohung für Frieden
und Sicherheit auf der Welt, sei es aufgrund internationaler Aggression, humanitärer Katastrophen in Begleitung von Gewalt oder plötzlicher,
unerwarteter und gewaltsamer Eingriffe in eine
etablierte Demokratie?
Verfolgt die vorgeschlagene Friedensmission
klar abgesteckte Ziele und kann ihr Umfang
deutlich definiert werden?
Gibt es einen Waffenstillstand und haben die
Konfliktparteien der Anwesenheit von UN-Friedenstruppen zugestimmt?
Stehen die zur Durchführung der Mission erforderlichen finanziellen und menschlichen Ressourcen zur Verfügung?
Ist ein Ende der UN-Mission absehbar?
Diese Fragen sind Beispiele für die - zur Zeit noch nicht
existenten - beständigen Kriterien, die die Vereinten
Nationen unserer Ansicht nach bei der Prüfung neuer
Friedensmissionen in Betracht ziehen sollten. Wir
bereiten Richtlinien für die Teilnahme Amerikas vor,
die auf speziellen Gebieten wie Logistik, Ausbildung,
Nachrichtendienst, Kommunikationswesen und Öffentlichkeitsarbeit von großer Hilfe zu sein verspricht.
Obwohl die Administration die Überprüfung unserer
Politik im Hinblick auf UN-Friedensmissionen noch
nicht ganz abgeschlossen hat, kann ich Ihnen eins
versichern: Diese Administration ist der Ansicht, daß
junge Männer und Frauen nicht ohne eine klar definierte Aufgabe, kompetente Kommandeure, vernünftige
Regeln für das Engagement und die erforderlichen
Mittel für eine gefährliche Aufgabe eingesetzt werden
sollten, sei die Operation multilateraler oder unilateraler Art und seien die eingesetzten Soldaten Amerikaner oder anderer Nationalität. Die Glaubwürdigkeit der
UN-Friedensmissionen sollte nicht von der Anzahl der
Missionen bestimmt werden, sondern von der Qualität
der Planung, der Professionalität des Verhaltens und
dem Ausmaß, in dem die Ziele der Mission erreicht
werden.
Das Amerika unter Präsident Clinton wird die Vereinten Nationen entschieden unterstützen. Wir nehmen
das Versprechen ernst, das Präsident Truman der
ersten Generalversammlung gab - daß Amerika den

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Vereinten Nationen "nicht als vorübergehender Notbehelf, sondern als dauerhafter Partner" beistehen wird.
Gleichzeitig wissen wir, daß es Grenzen für das gibt,
was diese Partnerschaft für die Vereinigten Staaten
bewirken kann. Adlai Stevenson pflegte die Vereinten
Nationen als den Treffpunkt der Familie der Menschheit" zu bezeichnen, was sie in der Tat auch sind, aber
es ist eine sehrgroße Familie. Die UNO ist die höchste
Instanz. Sie reflektiert die breiteste Palette unterschiedlicher Ansichten. Als Amerikaner verfügen wir
dort wegen unserer Macht und der Macht unserer
Ideale über enormen Einfluß. Wir können uns jedoch
nicht auf die Vereinten Nationen als stellvertretender
Garant für die vitalen Interessen der Vereinigten Staaten verlassen. Die Berliner Mauer würde immer noch
stehen, wenn wir uns zur Eindämmung des Kommunismus auf die Vereinten Nationen verlassen hätten.
Jene Zeremonie vor zwei Wochen vor dem Weißen
Haus hätte niemals stattgefunden, wenn Amerika
anderen die Aufgabe übertragen hätte, Israel bei seinem Kampf ums Überleben beizustehen.
Die Entsendung amerikanischer Streitkräfte in gefährliche Situationen ist die schwierigste Entscheidung, die
ein Präsident je treffen kann. Die Geschichte lehrt uns,
daß die Unterstützung in der öffentlichkeit für derartige Entscheidungen von essentieller Bedeutung ist und
die Amerikaner in solchen Situationen ein Recht auf
Information haben.
Die Administration hat das jüngste Ersuchen des Senats,
unsere Politik in Somalia zu überprüfen, begrüßt und
nimmt es sehr ernst. Wir haben auch eine Serie
regelmäßiger enger Konsultationen mit dem Kongreß
und einen Dialog mit der Öffentlichkeit über unsere
Bosnienpolitik begonnen und werden sie weiter fortsetzen.
Ich bin in meinen Reden in der Öffentlichkeit und im
Kongreß ausführlich auf diese beiden Themen eingegangen, und bei beiden wird zur Zeit eine neue Phase
eingeleitet. Für Bosnien könnte ein Frieden ausgehandelt werden, der die internationale Staatengemeinschaft mit einer ungeheuer beängstigenden Friedenssicherungsmission konfrontieren könnte. Gestern nahm
der Sicherheitsrat eine Resolution an, die klar definiert,
daß das Hauptziel der UNO in Somalia in der Herbeiführung einer politischen Versöhnung in diesem schon
seit langem leidenden Land besteht, teilweise durch
die Errichtung fundamentaler bürgerlicher Institutionen wie einem funktionierenden Justiz- und Polizeiwesen.
In den kommenden Wochen werden wir unsere Konsultationen über Somalia, Bosnien und die ganze
Palette der Fragen zu nationaler Sicherheit und Friedenssicherung fortsetzen.
Nun möchte ich meine heutige Botschaft an Sie zusammenfassen.

Seite 5

�Die Welt hat sich gewandelt, und das aus der Zeit des
Kalten Krieges stammende System der nationalen
Sicherheit ist jetzt veraltet. Die Clinton-Administration
arbeitet an einem System, das vielfältiger und flexibler
als das alte ist, das die amerikanischen Interessen
fördert, amerikanische Werte schützt und die amerikanische Führungsrolle fortsetzt. Wir werden die Mittel
auswählen, um dieses System je nach Fall anzuwenden und dabei wann immer möglich auf Diplomatie,
wenn absolut notwendig auf Gewalt zurückgreifen.
Wenn die Männer und Frauen der amerikanischen
Streitkräfte in den Kampf geschickt werden, erhalten
sie die ganze Ausbildung, Ausrüstung, Unterstützung
und die Führung, die sie für ihre Aufgabe benötigen.
In der Erkenntnis, daß globale Probleme globaler
Lösungen bedürfen, wird sich Amerika bei seiner
Außenpolitik sowohl unilateraler als auch multilateraler
Instrumente bedienen. Andere Nationen und Institutionen können und sollten gebeten werden, einen
substantiellen Teil der Lasten zur Förderung gemeinsamer Interessen zu tragen. Wir haben guten Grund,
beim Aufbau von zunehmend fähigen und effektiven
Vereinten Nationen mitzuwirken, aber Amerika wird
sein Schicksal niemals in die Hände anderer legen.

•

Seite 6

Im Einklang mit ihrer ein halbes Jahrhundert zurückreichenden Tradition der Überparteilichkeit werden die
Vereinigten Staaten sich weiterhin in der Welt engagieren.
Diesen Monat vor fünfzig Jahren unterstützte die
Mehrheitsfraktion der Republikaner im Kongreß in
Erinnerung daran, welche Auswirkungen die periodisch auftretende Tendenz Amerikas zum Isolationismus auf den Völkerbund hatte, die Gründung einer
internationalen Organisation mit dem Ziel, "militärische Aggression zu verhindern und dauerhaften Frieden zu erlangen". Senator Arthur Vandenberg unterstützte diese Resolution, um - mit seinen Worten - "der
unglücklichen Vorstellung ein Ende zu setzen... daß
die Partei der Republikaner sich in ihren Schützengraben zurückzieht, nachdem der letzte Schuß in diesem
Krieg abgefeuert wurde und sehenden Auges zuläßt,
daß die Welt in ihrer eigenen Anarchie dahinsiecht".
Unter der Clinton-Administration wird unsere Nation
sich nicht nach dem Kalten Krieg in den Schützengraben zurückziehen. Unterder Führung des Präsidenten
werden wir zur Zusammenarbeit aufgefordert - Republikaner und Demokraten, Zivilisten und Militärs, Staatsbeamte und Privatpersonen - zum Schutz Amerikas
und zum Aufbau einer besseren Welt.

* * *

*

AMERIKA DIENST 40

�SOMALIA
6. Oktober 1993

USA ENTSENDEN ZUSÄTZLICHES
MILITÄR NACH SOMALIA
Erklärung des Verteidigungsministers
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten verlegen zusätzliche militärische Fähigkeiten nach Somalia,
äußerte Außenminister Aspin in einer am 4. Oktober 1993 veröffentlichten Erklärung, um die Kampfsituation
"unverzüglich abzustützen und sich der amerikanischen Streitkräfte anzunehmen, die einem gewissen Risiko
ausgesetzt sind".
Aspin zufolge erwarten die Vereinigten Staaten, daß Oberstabsfeldwebel Mike Duran, der nach dem Abschuß
eines amerikanischen Hubschraubers gefangengenommen wurde, "mit demselben Respekt behandelt wird, den
die Vereinten Nationen den somalischen Gefangenen zugesichert haben".
Aspin erläuterte, zu den zusätzlich nach Somalia verlegten Fähigkeiten zählten "eine mechanisierte Kompanie
mit einem Panzerzug", luftgestützte Artillerieplattformen, Ersatzhelikopter und "ungefähr 200 Mann Ersatzpersonal".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Verteidigungsminister Aspin im Wortlaut.
Sicherlich haben viele von Ihnen das beunruhigende und Verteidigung unserer Streitkräfte in Somalia erforVideoband über Oberstabsfeldwebel Duran gesehen. derlich.
Wir erwarten, daß er mit demselben Respekt behandelt wird, den die Vereinten Nationen den somalischen Dazu zählen:
Gefangenen zugesichert haben.
eine mechanisierte Kompanie mit einem Panzerzug, um die Fähigkeit unserer Streitkräfte
Wir werden alle Personen, die amerikanische Soldazur Durchquerung Mogadischus zu verbessern
ten gefangennehmen, für deren ordentliche Behand(4 M-1/A-1-Panzer und 14 Bradley-Kampffahrlung zur Rechenschaft ziehen, einschließlich medizinizeuge),
scher Versorgung und Besuchen des Internationalen
Roten Kreuzes.
luftgestützte Artillerieplattformen für rasche
Reaktionen und als Nachtkampffähigkeit (2 ACWir stehen in Konsultationen mit den Vereinten Natio130),
nen, unter deren Kontrolle die amerikanischen Soldaten operieren, im Hinblick auf die erforderlichen SchritErsatzhelikopter und
te zur Sicherstellung der ordentlichen Behandlung und
unverzüglichen Übergabe aller Gefangenen.
ungefähr 200 Mann Ersatzpersonal.
Die US-Regierung behält sich das Recht zur Ergreifung geeigneter Maßnahmen vor, um zu gewährleisten, daß die internationalen Normen für die Behandlung der Soldaten eingehalten werden und um zu
reagieren, falls es Anzeichen dafür gibt, daß dies nicht
der Fall ist.

Wir werden weiterhin mit den Vereinten Nationen und
den 24 Nationen zusammenarbeiten, die Truppen in
Somalia stationiert haben, um Sicherheitsbedingungen zu schaffen, die das Wiederauftreten von Anarchie und Hungersnöten verhindern können, während
wir gleichzeitig in den kommenden Monaten auf die
amerikanische Präsenz zurückgreifen.

Wir werden vehement einschreiten, wenn den Gefangenen irgendein Leid zugefügt wird.
Derzeit überprüfen wir Optionen zur Unterstützung
dieser
Politik.
Die Entwicklungen der vergangenen Tage machen die
Verlegung zusätzlicher Fähigkeiten zur Unterstützung
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�NAHER

OSTEN
6. Oktober 1993

NAHOSTKONFERENZ DEMONSTRIERT GLOBALE
UNTERSTÜTZUNG FÜR FRIEDENSABKOMMEN
Eröffnungsansprachen des Vizepräsidenten
und des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Die Konferenz zur Unterstützung des Friedens im Nahen Osten "demonstriert die Stärke"
des Engagements der internationalen Staatengemeinschaft zur "Unterstützung des zwischen Israel und den
Palästinensern erzielten Abkommens", stellte Vizepräsident Gore in seiner Eröffnungsansprache bei der
eintägigen Konferenz am 1. Oktober 1993 in Washington fest und fügte hinzu, aus der Sicht der Vereinigten
Staaten sollte die Konferenz "eine kontinuierliche und sehr viel größere Rolle spielen, als nur das Überlebendes
Abkommens sicherzustellen. Unseres Erachtens kann sie Fortschritte im Friedensprozeß für alle betroffenen
Staaten bei den Friedensverhandlungen unterstützen und weiter erleichtern."
Außenminister Christopher erklärte gegenüber den Vertretern und Organisationen aus 46 Ländern, ihre
Anwesenheit sei eine "Demonstration der überwältigenden moralischen und politischen Unterstützung für das
Abkommen und eine umfassende Friedenslösung."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprachen von Vizepräsident Gore und Außenminister Christopher im Wortlaut.

Gore: Ich möchte zunächst Außenminister Christopher und Finanzminister Bentsen sowie Minister Fjodorow danken, der unseren Ko-Veranstalter, die Russische Föderation, vertritt. Und ich möchte offiziell
jeden Teilnehmer bei dieser wichtigen Konferenz
begrüßen.

Hemden mit ihren Friedenssymbolen, die Bilder der
den Rasen überquerenden drei Politiker, und natürlich
Ministerpräsident Rabin und der PLO-Vorsitzende Arafat,
die sich vor Präsident Clinton die Hände zu dem
berühmten Händedruck reichen.

Wir alle, die wir dort versammelt waren, wußten, daß
wir Zeuge eines Wendepunktes in der Geschichte
geworden waren - eine überwältigende Demarkationslinie zwischen Krieg und Frieden, zwischen Verzweiflung und Hoffnung war überschritten worden. Als in
dem Moment des Händedrucks spontan auf dem
Diejenigen unter Ihnen, die den Westflügel des Wei- Rasen applaudiert wurde, wu ßte jeder dort, daß ebenßen Hauses kennen - und ich sehe viele hier versam- so wie der Fall der Berliner Mauer sofort zu einer
melt, die dem Weißen Haus regelmäßig Besuche Metapher geworden war, der die Hoffnung nährte, daß
abstatten - wissen, daß es Sitte im Weißen Haus ist, alle anderen Mauern, die fallen müssen, eines Tages
die Wände mit Fotos der großen Ereignisse des Monats fallen werden, dieser historische Händedruck zu einer
zu dekorieren.
Metapher für alle anderen Bestrebungen zur Versöhnung werden würde, die heute manchmal in unserer
Für gewöhnlich hängen die Bilderdort einige Wochen
Welt unmöglich erscheinen, aber stattfinden müssen
lang, werden dann abgenommen und durch andere
und können, wenn diese stattgefunden hat. Und sie
ersetzt. Irgendwann werden auch die Fotos dieses
haben stattgefunden.
Monats abgehängt, aber sie werden einen ständigen
Platz in unserem Gedächtnis und in unserem Herzen Die Vertreter Israels und Palästinas haben eine histobehalten: Die Bilder der palästinensischen, ägypti- rische und mutige Entscheidung getroffen. Ministerschen und israelischen Jugendlichen in ihren grünen präsident Rabin hat für uns alle gesprochen, als er
Sie kommen nach Washington in einer Zeit, in der
diese Stadt sich noch im Glänze des wunderbaren
Abkommens sonnt, das vor wenigen Wochen auf dem
Rasen des Weißen Hauses unterzeichnet wurde.

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�sagte: "Genug des Blutvergießens und der Tränen.
Genug."

Es ist heutzutage schwierig, Geld selbst für die dankenswerteste Sache aufzutreiben. Dies wissen wir alle
nur zu gut. Unsere Entscheidungen sind daher die
Und so sage ich zu den heute hier anwesenden Israelis Folge einer Verpflichtung zur Sache des Friedens, der
und Palästinensern: Ihr Handeln verdient den Re- sich nicht in Worten erschöpft.
spekt, die Bewunderung und den Dank aller friedliebenden Menschen auf der Welt.
Es ist schwer, sich eine dankbarere Sache vorzustellen. Das palästinensische Volk benötigt unsere Hilfe.
Auch die internationale Staatengemeinschaft trifft heute Es braucht Nahrungsmittel. Es braucht Kleidung. Es
eine Entscheidung. Wir haben uns für die Unterstüt- braucht Medikamente. Es benötigt Hilfe beim Aufbau
zung des zwischen Israel und den Palästinensern der öffentlichen Infrastruktur, die der Schlüssel zu
erzielten Abkommens entschieden. Wir unterstützen langfristiger Entwicklung sein wird. Es benötigt Hilfe,
es politisch und wir unterstützen es wirtschaftlich. um den Privatsektor durch Investitionen zu stärken.
Diese Konferenz demonstriert die Stärke unseres Die Regierungen können eine entscheidende Rolle bei
Engagements. Wenn ich in diesem Saal um mich der Schaffung eines Umfelds spielen, in dem Privatinblicke und die Vielfalt der vertretenen Nationen sehe, vestitionen Früchte tragen.
bin ich sicher, die ganze Welt wird unsere Botschaft
verstehen, daß der Frieden im Nahen Osten andauern Den Regierungen sind jedoch Grenzen gesetzt. Letztsoll.
lich kann die Frage, in welchem Maße die Marktkräfte
dazu beitragen werden, daß die Menschen ihr tägliDiese Konferenz wird eine entscheidende Rolle bei der ches Leben leben können, den wirtschaftlichen Erfolg
Verwirklichung der israelisch-palästinensischen De- oder sein Scheitern bestimmen.
klaration spielen. Aus der Sicht der Vereinigten Staaten sol It e diese Konferenz jedoch auch eine kontinu ier- Diese Lektion ist nicht an den Privatsektor vergeudet.
liche und sehr viel größere Rolle spielen, als nur das Als persönliche Randbemerkung möchte ich hinzufüÜberleben des Abkommens sicherzustellen. Unseres gen, daß wir am Tag der Unterzeichnung des AbkomErachtens kann sie Fortschritte im Friedensprozeß für mens anschließend eine Informationsveranstaltung
alle betroffenen Staaten bei den Friedensverhandlun- im Weißen Haus für eine Gruppe von amerikanischen
gen unterstützen und weiter erleichtern.
Führungskräften arabischer und jüdischer Abstammung hatten, wobei beide Gruppen in demselben
Die Anwesenheit so vieler Parteien aus dem Nahen Raum versammelt waren - in der Tat war es das erste
Osten und anderen Ländern sendet uns ein starkes Mal, daß die beiden Gruppen in demselben Raum
Signal der Hoffnung. Dieses Signal an sich bietet waren. Weil sich der Terminplan nach der UnterzeichUnterstützung für den Friedensprozeß - Unterstüt- nungszeremonie etwas verzögert hatte, mußten die
zung, die unabdingbar ist, während Israelis und Palä- beiden Gruppen eine Stunde lang warten, bevor die
stinenser auf die Schaffung einer festen wirtschaftli- Informationsveranstaltung begann. Und während dieser
chen Grundlage für den Frieden hinarbeiten.
Stunde lernten sie sich als menschliche Wesen kennen, als Einzelpersonen, als Männer und Frauen. Zu
Wir sind bereit, das Unsrige zu tun. Wie Präsident
dem Zeitpunkt, als wir die Veranstaltung eröffnen
Clinton erklärt hat, werden die Vereinigten Staaten
wollten, war die Stimmung in dem Raum elektrisievoraussichtlich in den nächsten fünf Jahren 500 Milliorend. Die Versöhnung auf persönlicher Ebene hatte
nen Dollar beisteuern, um den mit der Durchführung
bei Dutzenden stattgefunden, die die durch den Händes israelisch-palästinensischen Abkommens einherdedruck vor dem Weißen Haus bekräftigte symboligehenden wirtschaftlichen Bedarf zu decken. Das
sche und echte Versöhnung für sich wiederholten.
Geld wird dringend benötigt, sowohl in Jericho als auch
im Gazastreifen. Aus diesem Grund werden wir eine In dieser Atmosphäre sprach ich die Möglichkeit von
Reihe von Aktivitäten finanzieren, mit denen wir unver- Privatinvestitionen an und erhielt sofort eine Antwort
züglich beginnen können, und in einigen Fällen werden von der arabischen und der jüdischen Gruppe im
wir dies sofort tun. Dazu zählen der Wiederaufbau von Raum - sie hatten sich bereits gemischt - und die
Schulen sowie die Renovierung von Krankenhäusern Reaktion beider Gruppen war spontan, enthusiastisch
und Wohnungen.
und direkt. Seitdem sollen landesweit in Städten und
Gemeinden in den Vereinigten Staaten Gespräche
Wir sind nicht allein. Andere Länder haben bereits geführt worden sein, die die Versöhnung und gemeinbeträchtliche Beiträge angekündigt. Wir hoffen, daß same Anstrengungen zum Ziel haben, wirtschaftliche
bei der heutigen Konferenz auch noch andere Länder Unterstützung des Privatsektors für den Wiederaufbekanntgegeben werden.
bau und die wirtschaftlichen Aktivitäten im Gazastreifen
und in Jericho bereitzustellen.
Denjenigen, die bereits Beiträge zugesagt haben und
denjenigen, die heute entsprechende Ankündigungen
machen werden, entbieten die Vereinigten Staaten Dieses Engagement ist nicht allein auf Altruismus
zurückzuführen. Vielmehr liegt es in der Ansicht
ihren aufrichtigen Dank. Die Welt dankt ihnen.
erfolgreicher Investoren begründet, daß es dort ein

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�Reservoir von Fähigkeiten und Talent gibt, von Märkten ganz zu schweigen, die es wert sind, erforscht zu
werden. Der Präsident hat mich gebeten, diesen
privaten Prozeß zu ermutigen und unsere guten Dienste zur Unterstützung dieser Bemühungen anzubieten.

graphen die nächste Krise oder die nächste Feier
dokumentieren und die meisten Namen derjenigen,
die so hart an dieser Erklärung gearbeitet haben,
bedauerlicherweise in Vergessenheit geraten sind,
beide Völker in Harmonie und Wohlstand leben, daran
denken und wissen, daß sie und ihre führenden Politiker das Risiko um des Friedens willen nicht umsonst
In den kommenden Wochen werde ich mit denjenigen, eingegangen sind, daß dieses Risiko von anderen
die an einer Zusammenführung von Unternehmern führenden Politikern aus anderen Ländern auf der
und anderen in den jüdisch- und arabisch-amerikani- ganzen Welt geteilt wurde, die auf ihre eigene Art
schen Gemeinden in diesem Land interessiert sind, ebenfalls den in einer historischen Zeit erforderlichen
Beratungen abhalten, und ich bin der Ansicht, daß die Mut zeigten und den Friedensprozeß unterstützten.
Talente und Bestrebungen dieser Gemeinden dies
wert sind und eine substantielle Quelle für die materiel- Christopher: Sehr geehrte Abgeordnete, liebe Freunle und geistige Unterstützung des Friedensprozesses de. An diejenigen gerichtet, die mich noch nicht
darstellen könnten.
kennen, ich bin Warren Christopher, Außenminister
und einer der Vorsitzenden dieses Ereignisses.
In der Zwischenzeit rufe ich Sie alle auf, ähnliche
Initiativen im Privatsektor ihrer eigenen Länder zu Die Unterzeichnung des Friedensabkommens vor zwei
ermutigen, und möchte sie vor Beendigung meiner Wochen stellt uns alle vor die Herausforderung, den
Ausführungen noch zu etwas anderem auffordern. Augenblick zu nutzen und ihn in einen wirklichen
Um die Versprechungen der Zukunft in die Tat umzu- Wendepunkt in der unruhigen Geschichte des Nahen
setzen, müssen wir die Relikte unserer Vergangenheit Ostens zu verwandeln. Als diese bewegende Zeremohinter uns lassen.
nie endete und das Scheinwerferlicht abgestellt wurde,
hatte die essentielle und praktische Aufgabe des AufEs gibt viele Dinge, einschließlich des Boykotts von baus von Frieden gerade erst begonnen.
Israel, die in einer den Frieden anstrebenden Welt
keinen Platz haben. Die Entscheidung, die ersten Wir vertreten hier die Menschen aus der Region und
Schritte für den Frieden zu unternehmen, erforderte der ganzen Welt, um diejenigen zu unterstützen, die
außergewöhnlichen Mut. Es erfordert Mut, Kompro- den Mut zur Unterzeichnung des israelisch-palästimisse einzugehen. Es erfordert Mut, einige der in der nensichen Friedensabkommens aufbrachten. Wir
Vergangenheit erhobenen Forderungen gegen die müssen ihnen helfen, die Grundsatzerklärung in eine
Versprechung einer besseren Zukunft einzutauschen. neue Realität umzuwandeln.
Dieses Treffen von Amerikanern arabischer und jüdi- Für die Israelis und die Palästinenser hat die dringliche
scher Abstammung nur wenige Stunden nach der und harte Arbeit an Versöhnung und Wiederaufbau
Unterzeichnungszeremonie war denkwürdig und fast gerade erst begonnen. Wir müssen ihnen helfen, die
ein Wunder. Ich sah diese Gruppe an und ein Mann, greifbaren Vorteile des Friedens zu zeigen und dabei
der mir im Gedächtnis bleiben wird, erhob sich - ein schnell vorgehen, wenn die Befürworter des Friedens
Einwohner des Gazastreifens. Er schaute auf die gestärkt und die Feinde des Friedens isoliert und in
Sitze der Vertreter der jüdischen Gruppe und auf fast Mißkredit gebracht werden sollen.
ein halbes Jahrhundert der Bitterkeit und erklärte: "Ich
Durch unser Treffen am heutigen Tag und - noch
sage 'Schalom'."
wichtiger - durch unsere Bereitschaft zu sofortigem
Eine Jüdin, eine Professorin, zitierte sehr ergriffen aus Handeln, sendeten wir den Arabern und den Israelis
dem Gedächtnis die Bibel auf Hebräisch und übersetz- gleichermaßen ein starkes Signal, daß die internatiote dann ins Englische. Eswardie Passage, in der Gott nale Staatengemeinschaft in ihren Bemühungen um
sagt:"... daß ich dir Leben und Tod vorgelegt habe,... den Frieden nicht nachlassen wird.
und du sollst das Leben wählen ...". Und sie fuhr fort:
46 Länder und Organisationen aus der ganzen Welt
"Wir haben heute die Wahl getroffen".
sind hier vertreten - auf einer der ersten Konferenzen
Ich rufe alle hier vertretenen Parteien dazu auf, alles in der Geberländer, meines Wissens vielleicht der erihrer Macht Stehende zu tun, um den auf beiden Seiten sten, an der die Menschen freiwillig teilnehmen. Und
gezeigten Mut, der sich in diesem wunderbaren Hän- wir sind Ihnen allen dankbar für Ihre Teilnahme.
dedruck manifestierte, zu belohnen. Wir müssen alles
uns Mögliche tun, um sicherzustellen, daß die Palästi- Ich weiß, daß es mir niemand übelnehmen wird, wenn
nenser und Israelis auf den 13. September 1993, den ich insbesondere die Anwesenheit der Vertreter Norsonnigen Tag vor dem Weißen Haus, mit Stolz und wegensund seines Außenministers Holst würdige, der
Zufriedenheit zurückschauen, und um sicherzustellen, so viel dazu beigetragen hat, die Zeremonie vor dem
daß an dem Tag, an dem die Bilder von den Wänden Weißen Haus und in der Tat diesen Tag möglich
des Westflügels abgenommen worden sind, die Foto- werden zu lassen.

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�Ihre Anwesenheit hier und Ihre sofortige Reaktion auf
unsere Einladung ist eine Demonstration der überwältigenden moralischen und politischen Unterstützung
für das Abkommen und eine umfassende Friedenslösung.
Natürlich endet unsere Verantwortung nicht mit der
Feier. Jetzt müssen wir alle die erforderliche wirtschaftliche Unterstützung bereitstellen. Wir müssen
wirkliche Versprechen abgeben und schnell umsetzen. Die von uns geschaffenen Strukturen für die
Organisation und Gewährung der Hilfe müssen flexibel
und effektiv sein, und die israelisch-palästinensischen
Strukturen müssen diese aufnehmen und sie wirksam
und glaubwürdig nutzen können.
Diese Konferenz demonstriert unsere kollektive Anerkennung eines historischen Moments sowie die Not-

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Seit» 4

wendigkeit, alles in unserer Macht Stehende zu tun,
um ihn zu einem unumkehrbaren Wendepunkt in der
Geschichte zu machen. Diese außergewöhnlich vielfältige Versammlung von Nationen und Institutionen ist
ein Beweis für den Umfang und die Tiefe dieser
Verpflichtung. Sie zeigt, daß diejenigen, die eine
politische Investition in die Verhandlungen tätigen, die
Dividenden der internationalen Unterstützung erhalten
werden. Diejenigen wiederum, die sich für Gewalt und
Ablehnung entscheiden, werden nur Isolation und
Scheitern vorfinden.
Die Vereinigten Staaten sind stolz darauf, ein vollwertiger Partner für den Frieden zu sein. Wir beglückwünschen die Israelis und Palästinenser zu ihren Verhandlungen und verpflichten uns zur Fortsetzung unserer
aktiven und entschiedenen Bestrebungen, auf diesem
Abkommen einen umfassenden Frieden aufzubauen.

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AMERIKA DIENST 40

�ATOMTESTVERBOT
6. Oktober 1993

USA BEDAUERN CHINAS UNTERIRDISCHEN
ATOMTEST
Stellungnahmen des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten bedauern zutiefst den von China am 5. Oktober 1993
durchgeführten unterirdischen Atomtest und erklären, sie müßten eventuell ihre eigenen Atomwaffenversuche
wiederaufnehmen, wenn das globale Moratorium für diese Tests nicht eingehalten wird.
In einer vom Pressereferenten des Weißen Hauses abgegebenen Erklärung heißt es, Präsident Clinton habe
das Energieministerium angewiesen, sich auf Atomtests im kommenden Jahr einzustellen, falls er sich hierfür
entscheiden würde, und die Reaktion Chinas und anderer Staaten auf den Appell der Vereinigten Staaten zur
Einhaltung des Moratoriums werde ein seine Entscheidung beeinflussender Faktor sein.
Zur Zeit halten sich die Vereinigten Staaten an ein Moratorium für Atomtests, das durch den Hatfield-ExonMitchell-Zusatzartikel verhängt wurde. Der Präsident kann jedoch mit Zustimmung des Kongresses die
Atomtests wiederaufnehmen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungnahme des Pressereferenten des Weißen Hauses.

Letzte Nacht führte China auf dem Atomwaffenversuchsgelände Lop Nur im Nordwesten Chinas einen
unterirdischen Atomtest durch, obwohl 20 Nationen,
einschließlich der Vereinigten Staaten, sich entschieden dagegen ausgesprochen hatten.
Die Vereinigten Staaten bedauern diese Aktion zutiefst. Wir fordern China dringend dazu auf, weitere
Atomtests zu unterlassen und gemeinsam mit den
anderen Atommächten das globale Moratorium einzuhalten. Ein solches Moratorium wird dazu beitragen,
das erklärte Ziel der Administration zu verwirklichen,
bis 1996 einen Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot abzuschließen.
Der Präsident hat heute das Energieministerium angewiesen, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen,
damit die Vereinigten Staaten im kommenden Jahr
Atomtests durchführen können, falls die im HatfieldExon-Mitchell-Zusatzartikel festgelegten Voraussetzungen im Hinblick auf Notifizierung und Überprüfung
im Frühjahr 1994 gegeben sind.
Die endgültige Entscheidung des Präsidenten über die
Durchführung von Atomtests wird sich auf grundlegende nationale Sicherheitsinteressen der Vereinigten
Staaten gründen, die folgende Fakten berücksichtigen:
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Den Beitrag, den weitere Tests zur Verbesserung der Sicherheit und Zuverlässigkeit der amerikanischen Arsenale bei der Vorbereitung eines
Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot
(Comprehensive Test Ban Treaty - CTB) leisten
würden.
Die Reaktion Chinas und anderer Staaten auf
den Appell der Vereinigten Staaten zu einem
globalen Moratorium für Atomtests.
Fortschritte bei den CTB-Verhandlungen.
Die Auswirkungen weiterer amerikanischer
Atomtests auf unsere umfassenderen Nichtverbreitungsziele.
Regierungsvertreter werden unverzüglich Konsultationen mit dem Kongreß und unseren Verbündeten zu
diesen Fragen aufnehmen.
Erklärung des Weißen Hauses
In einer getrennten Erklärung stellte das Weiße Haus
fest, die Clinton-Administration sei weiterhin dem Ziel
verpflichtet, bis 1996 einen Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot abzuschließen. Die Erklärung hat
folgenden Wortlaut:

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�Die Clinton-Administration ist weiterhin dem Ziel verpflichtet, bis 1996 einen Vertrag über ein umfassendes
Atomtestverbot abzuschließen. Die Vereinigten Staaten fordern China auf, von weiteren Atomtests Abstand
zu nehmen und gemeinsam mit den anderen Atommächten das globale Moratorium einzuhalten.
Die Vereinigten Staaten haben seit Juli zusammen mit
zahlreichen anderen Nationen die Vorbereitung multilateraler CTB-Verhandlungen begonnen. Die Genfer
Abrüstungskonferenz entschied am 10. August mit starker
Unterstützung der Vereinigten Staaten und der anderen
vier Nuklearwarfenstaaten, dem Ad-hoc-Komrtee für

ein Atomtestverbot ein Mandat zu verleihen, diese
Verhandlungen im Januar 1994 aufzunehmen. Wir
arbeiten femer zusammen mit anderen Nationen an
einer Resolution der UN-Generalversammlung zu einem Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot,
der - so hoffen wir - breite Unterstützung erhalten wird.
Wir hoffen und erwarten, daß China sich am Zustandekommen eines CTB beteiligt und die Verpflichtungen in
d i e P r a x i s umsetzt, die es Außenminister Christopher
gegenüber eingegangen ist, bis 1996 einen Vertrag
ü b e r e j n umfassendes Atomtestverbot auszuhandeln e i n Zielt d a s w i r u n s ebenfalls gesetzt haben,

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�USIA
6. Oktober 1993

DUFFEY SIEHT ENTSCHEIDENDE ROLLE
FÜR FULBRIGHT-PROGRAMM
Neudefinition der Aufgaben nach dem Kalten Krieg

WASHINGTON - (AD) - Dem Direktor des US-Informationsamtes (United States Information Agency - USIA),
Dr. Joseph Duffey, zufolge werden das Fulbright- und
ähnliche Austauschprogramme weiterhin eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der auswärtigen Beziehungen der Vereinigten Staaten in einer postkommunistischen Welt spielen.

Duffey erwartet den Bericht einer Arbeitsgruppe, die
bis zum nächsten Frühjahr das Fulbright-Programm
untersucht. Er prognostizierte, insgesamt werde das
Fulbright-Programm weder von einschneidenden
Kürzungen betroffen sein noch große Zuschüsse
erhalten.

Er erklärte, die Administration wolle sich bei der Überprüfung des Fulbright-Programms nicht auf die Quantität des Austausches, sondern "auf die Qualität des
Programms"konzentrieren um sicherzustellen, daß es
gut konzipiert und effiziert ist.

die Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft,

Duffey erinnerte die Konferenzteilnehmer daran, daß
Duffey erklärte auf einer Konferenz der Fulbright- Amerika seit der Ausdehnung seiner Grenzen nach
Gesellschaft am 2. Oktober 1993 in Washington, die Westen starkes Wirtschaftswachstum erlebte. Dank
Clinton-Administration werde sich nach wie vor in der dieser Ausdehnung, stellte er fest, konnte die Nation
Welt engagieren und strebe "eine Neudefinition und "die reichhaltigen kulturellen Ressourcen" genießen
Umstrukturierung" der zukünftigen Aufgaben des US- sowie sich eines "bemerkenswert widerstandsfähigen
politischen Systems" erfreuen, das den Bedürfnissen
Informationsamtes an.
von Einwanderern und Minderheiten Rechnung trägt.
"USIA hat meines Erachtens während der Offensive
des Kalten Krieges eine wichtige Rolle gespielt", er- Obwohl zur Zeit alles darauf hindeutet, daß die ameriklärte Duffey. Die jetzige Aufgabe des Amtes, fügte er kanische Wirtschaft sich kurzfristig konsolidieren wird,
hinzu, müsse die einzelnen Funktionen" stärker ab- prognostizierte er, die Bestrebungen der Nation könngrenzen", und Austauschprogramme wie das Fulbright- ten nicht umgesetzt werden, "wenn wir nicht zu der Art
Programm würden "wichtiger". Infolge der Haushalts- von Wirtschaftswachstum kommen", die durch "eine
engpässe wird "das US-Informationsamt in den kom- neue Welthandelsordnung" entsteht.
menden Monaten und Jahren in zunehmendem Maße
mit dem Privatsektor" eine "aktive Zusammenarbeit" Duffey erläuterte vor der Gruppe die drei außenpolitischen Säulen der Administration:
anstreben.

Duffey zufolge muß das Fulbright-Programm "die Vielfalt
der amerikanischen Kultur" widerspiegeln und sich auf
"den Anteil amerikanischer Studenten" an dem Austausch konzentrieren. Er wies auch auf "beispiellose
Chancen"fürdie Ausweitung der Fulbright-Austauschprogramme auf ehemals kommunistische Nationen
hin und betonte, der "zentrale Mechanismus" der
amerikanischen Annäherung an die ehemals kommunistischen Staaten werde weiterhin "der durch Austauschprogramme geschaffene Kontakt" sein.
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"Sicherheitsfragen" in einem globalen Umfeld
sowie
das konstruktive Engagement anderer Nationen mit "gemeinsamen Zielen".
In einem während der Fulbright-Konferenz am Nachmittag tagenden Ausschuß über "regionale Konflikte
und die Verantwortung der Welt" erklärte Elspeth
Rostow, Professorin für Staatsrecht an der University
of Texas, die Welt sei an einem Punkt angelangt, an
dem zwei Vermächtnisse Woodrow Wilsons - "die Idee
internationalerOrganisationen"unddie"Selbstbestim-

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�mu ng" der Völker - die derzeitige internationale Debatte einrahmten.
Innerhalb dieses Rahmens stellte Rostow einen
"bemerkenswerten Kontrast zwischen den Elementen
der Integration", die von Foren wie den Vereinten
Nationen repräsentiert werden, und den "Elementen
der Desintegration" fest. Die Welt habe zur Zeit nicht
nur mit "Nationalismus", sondern auch mit "nationalen
Splittergruppen" zu kämpfen, und die Vereinigten Staaten
strebten einen "neuen Kurs" in ihren außenpolitischen
Angelegenheiten an, während sie gleichzeitig sicherzustellen versuchten, "was unsere Verantwortung" bei
Konflikten nationaler Splittergruppen ist, erklärte sie.
John Stremlau, stellvertretender Direktor für politische
Planung im Außenministerium, wies darauf hin, daß
"die traditionellen Großmächte sich heutzutage nicht

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gegenseitig bedrohen - eine erstaunliche Leistung in
der Geschichte der Menschheit". Er räumte jedoch
ein, daß es zur Zeit mindestens 24 Konflikte auf der
Welt gebe, die meisten von ihnen ethnischer Natur. Er
stimmte mit Rostow darin überein, daß die Vereinigten
Staaten bei ihrer Bewältigung "unsere Verpflichtung
als Volk" herausfinden müßten.
Edib Korkut, Arzt und Aktivist für den Schutz der
Menschenrechte in Bosnien, rief die internationale
Staatengemeinschaft dazu auf, "Stellung zu beziehen"
und die Wiederherstellung eines friedlichen, muttiethnischen Bosnien-Herzegowina zu fordern. Er warnte,
Bosnien könnte jetzt "sehr wohl mit der Tschechoslowakei des Jahres 1938 verglichen werden" und Makedonien "das Polen" dieser historischen Analogie werden, wenn die Aggression in der Region weiterhin
unkontrolliert fortgesetzt werde.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton macht Ruzkoi für Gewalt in Moskau verantwortlich &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA hoffen auf Fortsetzung der Demokratisierung in Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anberaumung von Wahlen beste Lösung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Engagement in der Welt im amerikanischen Interesse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Anthony Lake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden wenn möglich Diplomatie, wenn nötig Gewalt einsetzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafterin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Somalia&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA entsenden zusätzliches Militär nach Somalia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nahostkonferenz demonstriert globale Unterstützung für Friedensabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprachen des Vizepräsidenten und des Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Atomtestverbot&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA bedauern Chinas unterirdischen Atomtest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahmen des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. USIA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Duffey sieht entscheidende Rolle für Fulbright-Programm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neudefinition der Aufgaben nach dem Kalten Krieg&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Medizin&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Anthropologie auf neuen Wegen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wichtige Erkenntnisse durch serologische Forschung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Massenaktion zur Krebsbekämpfung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kurz berichtet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Cassebeers Drug Store stammt aus Göttingen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Entdeckung in der New Yorker City&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aluminium im Eigenheimbau&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vergangenheit und Gegenwart des amerikanischen Theaters (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die frühen Jahre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;1. Folge einer vier Artikel und eine Chronologie umfassenden Publikationsserie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kulturkurznachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Frostiana", ein neues Choralwerk&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Piston aufgeführt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Elia Kazan wird Theaterdirektor in New York&amp;nbsp;</text>
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