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                    <text>A

M

R R

I

K A

D I E N S T

S/6 - April 1950
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL
DES "AMERIKA DIENST"
vom 1. Januar 1950 - 3 1 . März 1950

ACHTUNG REDAKTIONEN!
Um Ihnen das Auffinden von Nachrichten und Artikeln
aus früheren Nummurn des "AMERIKA DIENST" zu erleichtern,
bringen wir Ihnen ein Inhaltsverzeichnis des Materials,
das Ihnen im ersten Quartal 1950 zugegangen ist. Durch
eine Aufgliederung nach Sachgebieten 30II Ihnen die spätere Verwendung des einen oder anderen nicht allzu zeitgebundenen Artikels ermöglicht werden.

Redaktion
"AMERIKA DIENST"
(U.S. Feature Service).

�S/6 - April 1950
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTERMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. Januar 1950 - 3 1 . März 1950
Seite
1.) Leben in den U.S.A.
2.) Wissenschaft
Portrait der Woche
Kunst, Musik, Theater, Pilin, Literatur
5.) Das neue Buch
6.) Europäisches Wiederaufbauprogramm
Wirtschaft
7.)
8.) Arbeit
9.) Politik
10.) Architektur
11.) Erziehung
12,) Medizin
13.) Meilensteine auf unserem Wege
14.) Amerikanische Städte
15.) Unser modernes Zeitalter
16.) Rundfunk
17.) Religion
18.) Sport
19.) Zu Ihrer Information
20.) Artikel für die Frau
21.) Kurznachrichten für die Prau
22.) Landwirtschaftliche Nachrichten
23.) Kurznachrichten für den Landwirt
24.) Die amerikanische 'Wirtschaft
25.) Kurzberichte aus der amerikanischen Wirtschaft
26.) Gewerkschaftliche Nachrichten aus den Vereinigten
Staaten
27.) Geistiges Leben
28.) Jugend
29.) Sondernummern
+ + + + + + + + + + + + + +

1
2
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8
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16
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18
18
20
21

�1.2 LEBEN PLDENJJ.S^A,
4/1/50

+) 1) "Warenhaus der Gedanken* ... die amerikanische
Tageszeitung*
2) Gefängniszellen nach persönlichem Geschmack.
6/1/50 +) Die amerikanische Kleinstadt.
9/1/50
Das Atom der Demokratie — Eine Stadt psyohoanarlysiert sich selbst.
11/1/50
Fernsehen verdrängt Wochenschau,
13/1/50
Cahokia, Illinois, ist die älteste Siedlung am
Mississippi.
16/1/50 +) 1) Louisiana, der*europäische* Staat.
2) Wohnwagen mit Klimaanlagen und Brausebad.
18/1/50 +) Das kulturhistorische Museum im Albuquerque,
20/1/50
1) Filmstar für zwei Minuten.
+) 2) Amerikas Wintersport No. 1 - Basketball.
23/1/50 +) "Der weiße Traum" - Kunsteisbahnen in den
Vereinigten Staaten.
25/1/50
1) Aus der Geschichte des Bronx-Zoo.
2) Kampf dem Großstadtlärm.
27/1/50 +) 1) Altes und neues Kalifornien.
2) Sträflinge können durch nützliche Arbeit
ihre Haft verkürzen.
31/1/50
1} Landbriefträger in den Rocky Mountains.
+) 2) Freiheitsstatue in neuer Umgebung —
Bedloe's Island im New Yorker Hafen wird
renoviert.
+ + + + + + + + + + + + +
2/2/50
4/2/50
7/2/50
9/2/50
14/2/50
16/2/50
18/2/50
21/2/50
23/2/50
25/2/50
28/2/50

Skiwettkämpfe in Lake Plaoid, New York, und Aspen,
Colorado.
+) Kalifornien - der Weinberg Amerikas.
1) Ölbohren ist Glückssache,
2) Vermont: Ein Laboratorium des Fortschritte,
Hotel Waldorf Astoria - "die Bühne der Welt".+) Seattle - das Tor nach Alaska.
Amerikanische Organisation zur Behebung rassisoher
und politischer Vorurteile.
Die Maulesel-Hochschule am Grand Canyon.
+) Zwanzig Millionen Kegler.
+ ) Death-Valley - Das Tal des Todes.
Kleine Kulturgeschichte aus dem Speisezettel.
Höfliche Telefonvermittlung ist die zugkräftigste
Reklame.
+ + + + + + + + + + + + +

- 1 -

�LEBEN IN DEN UoSoAo
2/3/50
Eingefrorener Fisch begründet eine Industrie.
4/3/50
Der letzte Postreiter des Wilden Westens.
7/3/50 + ) Millionen Mensohen besuchten das Empire State
Building.
9/3/50
Klimawechsel auf der ganzen Welt wirkt sioh auoh
in den TJoSoA. aus».
11/3/50 +) "Drüben im Westen" — Cowboys leben im Volkstum,
in Liedern und Tänzen weiter.
14-/3/50 +) Amerikanische Großstädte beschleunigen Fernverkehrsstraßehbau.
16/3/50
Die Stadt im Park — ein Musterbeispiel moderner
Stadteplanungo
18/3/50
DP's passen sich leicht an.
21/3/50 +) Das Bürohaus der Zukunft.
23/3/50 +) Landwirtschaft: mit Idealismus. - Leistungen und
Ziele des 4-H-Clubs.
25/3/50 +) Eine deutsche Studentin berichtet von ihren Eindrücken auf einer amerikanischen Universität.
28/3/50
Ein Dorf, das sich weigert, eine Stadt zu werden Carmel.
30/3/50
Im Kapitol von Washington gibt es keine Hofetikette,
aber 75 "Pagen".
+ + + + + + + + + + + + +
2.) WISSENSCHAFT
4/1/50
6/1/50
9/1/50
11/1/50
13/1/50
16/1/50
18/1/50
23/1/50
25/1/50
31/1/50

+)
+)
+)
+)

Anwendungsmöglichkeiten der Atomwissenschaft in der
Textilindustrie.
Fata Morgana — Trugbild am Himmel.
Sprachunterricht an Elektronengeräten.
Neues Kleinflugzeug mit vorzüglichen Flugeigenschaften.
Das amerikanische Telefonsystem.
Bomben gegen Waldbrände.
Die Antarktis — ein zweites Alaska?
Das Riesenauge auf dem Mount Palomar.
Laminator rettet Dokumente.
Expedition in eine zweitausendjährige Vergangenheit.
+ + + + + + + + + + + + +

- 2 -

�WISSENSCHAFT
2/2/50
4/2/50
9/2/50
11/2/50
14/2/50
16/2/50
21/2/50
28/2/50

Weltraumstrahlung im Salzbergwerk.
Zukunft lichter denn je — Hoffnungsvolle Prognose
eines Harvard Professors.
Psychiater prüfen die Wiedergabetreue in der Hypnose.
Dreimal wöchentlich zum Nordpol.
Die wichtigsten Entdeckungen des Jahres 1949»
Zu viel und zu wenig — Haben Sie das richtige Verhältnis zu sich selbst?
Land aus der Tiefe - Schöpfungsgeschichte - von einem Physiker verfaßt.
+) Heliumgefüllter Kunststoffballon erreicht 31 000
Meter Höhe.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50
4/3/50
7/3/50
14/3/50
18/3/50
21/3/50
28/3/50

Erdbeben — das Sicherheitsventil der Erde.
Atomkraftwerk Sonne - Nach einem Bericht der HarvardSternwarte.
+) Vielseitiger Kunststoff - Teller, Reagenzgläser,
Flaschen und Stoffgewebe aus Polyaethylen.
Auch ein "Atomgeheimnis" - Amerikanische Wissenschaftler entdeckten das neutrale Meson.
Mach gute Miene zum bösen Spiel! - Gefühle und ihre
sichtbaren Äußerungen stehen in mannigfacher Wechselwirkung.
Ein praktischer Professor. - Maschinen im Dienste
der Shakespeareforschung.
+) Kostbarer Schnee - Reiche Schneefälle im Gebirge
bedeuten gute Ernten für Tausende von Farmern.
+ + + + + + + + + + + + +

3.) PORTRAIT DER WOCHE.
6/1/50
9/1/50
13/1/50
20/1/50
27/1/50

+) Aus Walt Disneys Zauberkabinett.
Zum 74. Geburtstag Jack Londons am 12. Januar 1950.
+) Benjamin Franklin — Wissenschaftler und Staatsmann.
Zum lOOsten Geburtstag Samuel Gompers, des Begründers
und Präsidenten der AFI.
Zum 75. Geburtstag Fritz Kreislers am 1. Februar 1950.
Von Louis Po Lochner.
+ + + + + + + + + + + + +

- 3 -

�PORTRAIT DER WOCHE
16/2/50

+) John Dos Passos —

Revolutionär und Inidividualist.

+ + + + + + + + + + + + +
11/3/50
16/3/50

+) Dr. William A. Hinton — bekannter Syphilisforscher.
+) Auf den Spuren Carusos -- Mario Lanza, ein junger
amerikanischer Tenor»
+ + + + + + + + + + + + +

4.) Kunst, Musik, Theater, Film, Literatur
4/1/50
13/1/50
23/1/50
25/1/50
31/1/50

Einem Steckenpferd Picassos verdankt Baltimore sein
Museum moderner Kunst.
Das Land der Symphonie-Orchester.
Das Negerproblem im amerikanischen Film.
Harmonisches Familienleben auf dem Konzertpodium.
+) Robert Flahertys Filmwerk: "Louisiana Story".
+ + + + + + + + + + + + +

2/2/50
4/2/50
7/2/50
9/2/50
11/2/50
14/2/50

25/2/50

Auftakt der New Yorker Musiksaison.
Ausstellungen von Rembrandt und Pioasao in New York.
+) Das Museum für moderne Kunst in New York feiert sein
zwanzigjähriges Bestehen.
+) Lawrence Tibbett - erster Bariton der MetropolitanOper.
In einer halben Stunde Star der Metropolitan Opera Interview mit dem Sängerehepaar Ferdiand Franz und
Helena Braun.
Hollywoods ungekrönter König schuf neuen Monumentalfilm — De Milles "Samson" eröffnet einen Kreuzzug
für Erziehung und Kultur.
New York ist ein schwieriger Filmstar.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50
9/3/50
9/3/50
18/3/50
23/3/50
28/3/50

+) Tanglewood — Eine Volkshochschule der Musik.
Das Wandertheater im Mittelwesten der Vereinigten
Staaten«.
+) Ein Amerikaner erschließt die deutsche Kunst.
+ ) Die Navajo-Indianer in Nordamerika haben sich ihre
Stammeseigentümlichkeiten erhalten.
Hollywoods Ton-Ingenieure«,
Was sagt New York zum "Dritten Mann"?
+ + + + + + + + + + + + +

- 4 -

�5) DAS NEUE BUCH
11/1/50
18/1/50

Alice Herdan: Die Farm in den Grünen Bergen.
Conway Zirkle: "Der Tod einer Wissenschaft in
Russland".
+ + + + + + + + + + + + +

18/2/50
4/3/50
7/5/50

14/3/50

Ideen und Atombomben - Das Glaubensbekenntnis von
David E. Lilienthal, Vorsitzender der amerikanischen
Atomenergiekommission.
+) Will Rogers - Das »Enfant terrible* Amerikas.
"Der Gott der keiner war" - verfaßt von Arthur
Koestler, Ignazio Silone, Richard Wright, Andre" Gide,
Louis Fischer und Stephen Spender.
"Warum ich entfloh", von Peter Pirogow.
+ + + + + + + + + + + + +

6) EUROPÄISCHES WIEDERAUFBAUPROGRAMM
23/2/50

Einzelheiten zum ECA-Programm für Technische Hilfe.
+ + + + + + + + + + + + +

11/3/50

ERP-Plakatausschreiben -- Ein internationaler Wettbewerb zur Hebung des Lebensstandards.
+ + + + + + + + + + + + +

7) WIRTSCHAFT
9/1/50
16/1/50
20/1/50
25/1/50

Große Projekte für die Entwicklung Afrikas im Rahmen
des Marshall-Planes.
Die meisten Amerikaner haben Ersparnisse.
Amerika und seine Minderbemittelten.
Wiedererrichtung der StTJa Poikilä von Athen mit Hilfe
des Marshallplans.
+ + + + + + + + + + + + +

4/2/50

Hindernisse der Liberalisierung des Handels in Europa.
+ + + + + + + + + + + + +

23/3/50

Eine Rückschau der AFL auf das vergangene Jahr.
+ + + + + + + + + + + + +

- 5 -

�8) ARBEIT
31/1/50

40-Stunden-Woche für die amerikanischen Eisenbahner.
+ + + + + + + + + + + + +

25/2/50

Wird die 40-Stundenwoche den Errungenschaften der
modernen Technik gerecht?
Regelung von Arbeitsstreitigkeiten einmal anders.

28/2/50

+ + + + + + + + + + + + +

4/3/50

Die Statistik der Ü.S.A. paßt sich den veränderten
Kaufgewohnheiten an.
Amerikaner nehmen zum Pensionsproblem Stellung.
Ein Weltplan zur Verhütung der Arbeitslosigkeit.
Im Dienste der Gesundheitsfürsorge. - Ein Großambulatorium für Werktätige.

9/3/50
14/3/50
21/3/50

+ + + + + + + + + + + +

9)

+

POLITIK

13/1/50
23/1/50

Parlamentarische Spielregeln in U.S.A.
Die Hauptereignisse des Jahrhunderts.
+ + + + + + + + + + + + +

7/2/50
11/2/50
21/2/50

Politiker der kommunistisch beherrschten Welt suchen
Asyl in den Vereinigten Staaten.
+) Das Wagnis der Freiheit. Von Felix Frankfurter, Richter am Obersten Bundesgericht.
Die Sowjetunion gibt ihren Untertanen ideologische
Halbbildung.
+ + + + + + + + + + + + +

11/3/50
16/3/50
28/3/50

"Der Zug nach Westen" findet im Parlament seine Bestätigung.
Eindrücke von einer Deutschlandreise. — Von Ernst
Hoffmeister, politischer Kommentator der "Stimme
Amerikas".
Wie setzt sich der amerikanische Kongreß zusammen?
+ + + + + + + + + + + + +

_ 6 -

�10) ARCHITEKTUR
18/2/50

Das Sekretariatsgebäude der UN.
+ + + + + + + + + + + + +

11) ERZIEHUNG
6/1/50

Amerikanisches Außenministerium erweitert Austauschdienst«
Aus der Arbeit des Internationalen Studentenhilfsfonds«

11/1/50

+ + + + + + + + + + + + +
16/3/50

Über die Erziehung zum Verständnis außenpolitischer
Fragen.

30/3/50

Neue akustische Methode erleichtert das Sprachstudium.
+ + + + + + + + + + + + +

12) MEDIZIN
4/1/50
6/1/50
16/1/50
18/1/50
20/1/50

Operation unter Novokain und Mozart.
Gesunde Hornhaut von der "Augenbank".
Hormone und Geschlechtscharakter.
Die Arbeit der Gesellschaft zur Betreuung Schwerhöriger in San Francisco«
+ ) Krebsheilung mit Elektronenschleuder.
+ + + + + + + + + + + + +

2/2/50
9/2/50
14/2/50
25/2/50

Ein erfolgreiches Schnupfenheilmittel.
Aufklärungsfilme als Waffe im Kampf gegen Brustkrebs.
Wie der Gesundheitsdienst gefährliche Epidemien verhütet.
+ ) Amerikanische Kriegsblinde arbeiten wie ihre sehenden
Kameraden.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50

11/3/50
23/3/50
25/3/50

30/3/50

Neue Gesichtspunkte in der Hirnforschung —
Dr. Wendeil J.S. Krieg, ein Nervenanatom der
Universität Chicago, berichtet über seine Arbeit.
Alkoholismus als Krankheit.
Krebserreger entdeckt?
Organisation zur Bekämpfung von Herzkrankheiten klärt
amerikanische Bevölkerung über neueste Heilmethoden
auf.
Europas Gesundheitszustand besser als je zuvor. —
Aus dem Jahresbericht des U.S.-Sozialversicherungsamtes.
+ + + + + + + + + + + + +

- 7-

�13) MEILENSTEINE AUF UNSEREM WEGE
7/2/50 +) Lincolns Amerika — Die Zeit des großen Präsidenten
formte die Grundlage der heutigen Vereinigten Staaten.
16/2/50 +) George Washington - der 1. Präsident der U.S.A.
+ + + + + + + + + + + + +
2/3/50

Thomas G. Masaryk - zum 100» Geburtstag des ersten
Präsidenten der Tschechoslowakei
+ + + + + + + + + + + + +

14) AMERIKANISCHE STÄDTE
23/2/50 +) Milwaukee.
+ + + + + + + + ++ + + +
18/3/50

Cincinnati, die ehemalige Königin des Westens
+ + + + + + + + + + + + +

15) UNSER MODERNES ZEITALTER
18/2/50

BENELUX wird SKANDANGLIOES - Eine Meditation über
Schlangenwörter•
+ + + + + + + + + + + + +

21/3/50

Ein akustischer Querschnitt durch die Jahre 1945
bis 1948»
+ + + + + + + + + + + + +

16) RUNDPUNK
21/2/50

"Morgen wird der Nordpol entdeckt" - Eine RadioSendereihe vermittelt Geschichte in lebendigster
Form«
+ + + + + + + + + + + + +

7/3/50
25/3/50
30/3/50

Die "Stimme Amerikas" und ihre Hörerbriefe.
Ärztliche Ratschläge für erkrankte Seeleute auf dem
Punkweg«,
+) Fernsehsendungen für Kinder.
+ + + + + + + + + + + ++

17) RELIGION
25/2/50

Der moderne Katechismus - Er gibt den amerikanischen
Katholiken die Antwort der Kirche auf Fragen ihres
Verhaltens als Staatsbürger, Arbeitnehmer und Ehepartner.
+ + + + + + + + + + + + +
- 8 -

�18) SPORT
25/3/50

+) Die Basketballartisten der Harlem Globetrotters&lt;&gt;
+ + + + + + + + + + + + +

19) ZU IHRER INFORMATION
4/1/50
6/1/50
9/1/50
11/1/50
13/1/50
16/1/50

18/1/50
20/1/50
23/1/50

25/1/50
27/1/50

31/1/50

Wortlaut der "State of the Union" Ansprache von
Präsident Truman.
Ziele der amerikanischen Innenpolitik.
Von John L. Mortono
Formosa — Die Debatte über die Verteidigung der
Insel beschäftigt die öffentliche Meinung Amerikas&lt;,
Von John L. Mortono
Wortlaut jenes Teils der Budget-Botschaft Präsident
Trumans, der sioh mit internationalen Angelegenheiten
und Finanzfragen befaßt .
Weitere Opfer» heftige Debatten — Zur zweiten Sitzung
periode des amerikanischen Kongresses.
Von John L 0 Mortono
1) Oberstleutnant Walter R. dePorest, Chef der Unterabteilung für medizinische Angelegenheiten für
öffentliche Gesundheit und Wohlfahrt, HICOG, berichtet über das öffentliche Gesundheitswesen in
Deutschland von 1945 - 49°
2) Wieder einmal die alten Gerüchte.
Von John L. Morton.
Altersversicherung in Amerika.
Es geht um Europa, nicht um Einzelheiten
Von John L. Morton.
1) Die spanische Frage - Diplomatische Beziehungen
sind kein Bruderkuß. Von John L. Morton.
+) 2) Zum Gedenken Franklin D. Roosevelts, dessen Geburtstag am 30. Januar in den Vereinigten Staaten
festlich begangen wird.
Bericht über den Fortschritt in Deutschland. Voller
Wortlaut der Rundfunkansprache Mr. John J. McCloys,
gehalten am 23. Januar in Washington.
Wortlaut der Ansprache Mr. John J. McCloys vor dem
"United Council for International Affairs" in Boston
am 26. Januar.
Völkermord — Rückhaltlose Offenheit allein kann zu
einer besseren Welt führen. Von John L. Morton.
+ + + + + + + + + + + + +

�IHRER INFORMATION
2/2/50

4/2/50

7/2/50
9/2/50
11/2/50

14/2/50
16/2/50
18/2/50

21/2/50
23/2/50

25/2/50
28/2/50

Wortlaut des am 25« Januar vom amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Dokumentenmaterials
über die sowjetische Infiltration der vier nordchinesischen Provinzen,
1) Wortlaut der Truman- Erklärung zur Unterzeichnung
der Verteidigungshilfsabkommen.
2) Die Antwort: Kollektive Sicherheit.
Von John L. Morton.
Die SPD und der Europarat. Von John I, Morton»
HalbJahresbericht des U.S.-Atomausschusses.
1) Surrealistische Politik. Von John 1. Morton.
2) Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Außenministers Aoheson vom 8. Februar in Washington.
Ernste Mahnung. Von John L. Morton.
Eine Lanze für McCloys Deutschland-Bericht.
Von Eric M. Warburg, New York.
1) Die Neue "Tatsache" - Der Kreml und die Wasserstoffbombe. Ton John L. Morton.
2) Voller Wortlaut eines von Arthur Krocks in der
"New Tork Times" veröffentlichten Truman-Interviews.
Weltfriede oder Weltuntergang. Von John L. Morton.
Amerikabesuch hat viele Anregungen gegeben.
Von Franz Blücher, Vizekanzler und Bundesminister
für Marshallplan-Angelegenheiten.
Diplomatie im Satellitenland. Von John L. Morton.
1) Truman und das Taft-Hartley-Gesetz.
Von John L. Morton.
2) Voller Wortlaut der Rede Präsident Trumans vom
22.2. anläßlich der Enthüllung eines George
Washington-Denkmals in Alexandria (Virginia).
3) Voller Wortlaut der Erklärung, die der Leiter
der ECA-Sonderkommission Robert M. Hanes am 24.2.
in Washington abgab.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50
4/3/50
7/3/50
9/3/50

11/3/50

Die Erfordernisse des Friedens. Von Warren R. Austin,
Die amerikanische Öffentlichkeit und die Wahlen in
Großbritannien. Von John L. Morton.
Einheit - nur in Freiheit. Von John L. Morton.
Amerikas Einheit beruht auf Mannigfaltigkeit.
Von James Bryant Conant, Präsident der HarvardUniversität»
Hinter dem Rücken der deutschen Kinder.
Von John L. Morton.
- 10 -

�IHRER INFORMATION
14/3/50

16/3/50

18/3/50
21/3/50

25/3/50
28/3/50
30/3/50

"Ein neuer Ausgangspunkt"• Die Forderung der freien
Wahlen in Ostdeutschland darf nicht vergessen werden.
Von John L. Morton.
Darlegung der Prinzipien und Ziele der Republikanischen Partei.
Angenommen von den republikanischen Mitgliedern des
Repräsentantenhauses und des Senats in Übereinstimmung mit den Mitgliedern des republikanischen Nationalkomitees, vom 6. Februar 1950.
"Die Russen sprengen den Kontrollrat".
Von John L. Morton.
1) Fünf Kurzbiographien maßgebender HICOG-Beamter:
a) Major General George P. Hays, stellvertretender amerikanischer Hochkommissar für Deutschland.
b) Benjamin J. Buttenwieser, Assistent des Hoch•)
kommissars für Deutschland.
o) James E. King, Exekutivsekretär im Amt des
+&gt;
amerikanischen Hochkommissars für Deutschland.
d) Oberstleutnant H.A. Gerhardt, Sonderbeauftrag•)
ter des Hochkommissars für Deutschland.
e) Major General James P. Hodges, amerikanischer
+)
Vertreter im Alliierten Militärischen Sicherheit samt für Deutschland.
2) "Totale Diplomatie" - Acheson appelliert an das
amerikanische Volk. Von John L. Morton.
"Massenvertreibungen - ein beliebtes Kampfmittel der
Sowjets." - Von John L. Morton.
Ein neuer Impuls - Zu den Bonner Vorschlägen für gesamtdeutsche Wahlen. Von John L. Morton.
Wortlaut eines Sohreibens des amerikanischen Senators
Arthur H. Vandenberg an den Leiter der ECA, Mr. Paul
G. Hoffman.
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der
"AMERIKA DIENST" kostenlos Bildmaterial zur
Verfügung stellen.

- 11 -

�20) ARTIKEL PUR DIE FRAU.

9/1/50

!0
2

Eine Reporterin macht Karriere.
Mehr Familiensinn.
3 . ) Amerikas Spielzeugindustrie Im Jahre 1949*
ideale Kücheneinrichtung.
*•} Die
Griechische Modenschau in Frankreich und Amerika.»

0

50

16/1/50 . 1 0 Ständig wachsender Einfluß der Frau in Politik und

Yerwaltungswesen der Vereinigten Staaten.
2 . ) Gleicher Lohn hei gleicher Beschäftigung. - Die
Forderung der amerikanischen Frauen.
3 0 Kein Kind Ist völlig untalentiert. - Zeichnen, Musik, Theaterspiel und schöpferische Betätigung anderer Art fördern die Entwicklung.
4.) Knabenmode auf neuen Wegen. - Jeder Junge will ein
Miniatur-Cowboy sein.
50 Müdigkeit kann gefährlich sein. - Kleine Winke für
Schlaflose
6.) Fußböden wie neu. - Torzüge und Nachteile von Lack,
Schellack und Tränklösungen.

+)

23/1/50 «•&gt;XO Das begabte Kind, - Schule und Elternhaus müssen

gemeinsam die bei der Erziehung hochbegabter Kinder auftauchenden Probleme zu lösen suchen.
Kinderehen, in den Vereinigten Staaten»
\ : \ Selbst Millionäre und brave Hausfrauen werden
mitunter zu Ladendieben.
Keine Angst vor Frühgeburten.
Freiwillige Mitarbeit der amerikanischen Frauen
in der CIO.
6.) Tiefkühlanlage schlägt Weckapparat.

fci
+)

30/1/50
+)
•)

7/2/50

U/2/50

w
50
*0
50
60
10
2
0
50
40
10

Die Gesetzgebung für Frauenarbeit in den U.S.A.
Am schönsten ist es doch zu Hause. - Gemeinsames
Erleben von Freud und Leid schafft ein engeres
Familienleben.
Elizabeth Blackwell - Ein Pionier der Wissenschaft.
Wird ihr Kind Freundschaften schließen?
Das Geheimnis des Charmes.
Kunststoffe ersetzen Porzellan und Steingut«
+ + + + + + + + + + + + +
Gleichberechtigung der Frau soll in U.S.A.
konstitutionell verankert werden.
Die Frau in der amerikanischen Journalistik.
Zu alt für ein Kind?
Längeres Leben durch bessere Ernährung.

Amerikanische Frauen werben für gleiche Entlohnung der Frauen in der deutschen Industrie
2 . ) Mrs. McCloyj Die deutschen Frauen müssen politisch aktiver sein.
30 Die Schule Terpsichores. - Die Akademie für volkstümliche Tanzkunst in New York geht neue Wege
zum Verständnis exotischer Tänze.
Mein Kind mag keinen Orangensaft.
Wie wird man Filmstar?
Kariert - Kariert. - Ausblick auf die New lorker
Frühjahrsmode•
Besseres Wachstum durch neues Vitamin. - Kinderheilstätte in U.S.A. führt Versuche mit Vitamin
B-12 durch.
- 12 ~

�ARTIKEL PUR DIE FRAU.
Frauenorganis,atio:nen in den UoS.A.
Zahl der weiblichen Arbeitskräfte in U.S.A.
ansteigend»
3.) Frau Detektivln. - Aus der Arbeit eines weiblichen
Mitglieds des New Yorker Polizeibüros.
Laßt eure Kinder nicht zu früh lesen!
+)
Sind sie nicht selbst Schuld an ihrer Blauen-Montags-Stimmung?
6») Große Wäsche - wenig Arbeit.

21/2/50 +)

28/2/50

l.J "Family Court" rettet Ehen.
Neue Rich2.) Von Peking bis zur Heiligen Pforte.
tungen in der Hutmode.
3.) In der guten alten Z#it.
4.) Angstgefühle und wie sie überwunden werden.
5.) Versuchen sie es einmal mit Käse. - Das Pinale
einer Mahlzeit muß nicht immer süß sein.
+ + + + + + + + + + + + +
1.) Prauen im Kongreß der Vereinigten Staaten.
2.J Kinder sind gar nicht ungezogen.
3*) Von der Kittelschürze zum Hauskleid«
4.) Die Wechseljahre, der Schrecken vieler Prauen.
5.) Farbenfroh und widerstandsfähige - Neuer Kunststoffbodenbelag für Wohnungen und gewerbliche
Räume.
6.) Schwedische Ehrung für Mrs„ Eleanor Roosevelt.

14/3/50

1.)
2.)
3.)
4.)
5.)

Amerikas Frauenorganisationen und der Kongreß.
Ein moderner Vater wie ersein soll.
Von der Krinoline bis zur tiefen Taille.
Wie steht es mit ihrem Schlaf.
Alles zur Entlastung der Hausfrau. - Amerikanische Fabrikanten zeigen die neuesten technischen
Erfindungen für das Heim.

21/3/50 + ) 1.) Amerika hilft
50 Millionen Kinder warten auf
Hilfe.
"Die Stunde des gemeinsamen Opfers".
Kinder spielen überalle
Frühgeburten und Erblindung.
+) 5.) Das Gesetz für Lebensmittel und Heilmittel schützt
die Gesundheit des amerikanischen Bürgers.
6.) Hilfe für zerrüttete Ehen. - Geschiedene Frauen
wollen andere vor der Scheidung bewahren.
Sonne und frische Luft für Wollsachen.
28/3/50 +)

Berufstätige Frauen in den U.S.A.
Ehrung für fünf hervorragende Ärztinnen in den U.S.A.
Das Soroptimisten-Haus in Los Angeles. - Das Heim
für minderbemittelte Studentinnen«
+) 4.) Eine alte Volkskunst erwacht zu neuem Leben. MrSo Mary Meigs Atwater, die Mutter der amerikanischen Handweberei.
+) 5.) Jede Frau kann schön sein, wenn sie es nur will. 1. Folge einer Artikelserie von Terry Hunt.
+ + + + + + + + + + + + +
- 13 -

�21) KURZNACHRICHTEN FÜR DIE FRAU.
9/1/50

a) Mrs. Eleanor Roosevelt: Der deutsche VolksCharakter
kann nicht von heute auf morgen geändert werden.
b) Spielzeugsammlung der "American Legion41.
c) Wildreis-Ernte in den U.S.A.

16/1/50

a) Die Frauenorganisationen der Vereinigten Staaten.
&lt; setzen internationale Zusammenarbeit fort.
b) Die Nähmaschine in der Handtasche.
c) Amerikanische Firma bringt nunmehr auch Kaffeebeutelchen auf den Markt.
d) Aus Konservendosen wurden technische Kleinanlagen.

23/1/50

a) Anteil der amerikanischen Frau am Wirtschaftsleben.
Schottisch - die große Kindermode.
Kleine Winke für die Küche»

30/1/50

a) "Perma" statt Stärke.
Der Heiße-Würstel-Automat.
Für den eleganten Herrn.
Einkaufen mit dem Schubkarren.
+ + + + + + + + + + + +
a) "Zigarettensichere" Tischplatte.
b) Hauswirtschaftssachverständige gehen in die Vereinigten Staaten.
c) Das festliche Nachmittagskleid.
d) "Flair" - ein s ensationelles 50-Cent-Maga^in.

7/2/50

14-/2/50

a) Die erste Schiffsladung Spielzeug für Europa hat
Amerika Verlassen.
Wußten Sie eigentlich, daß...
Neues für Kinderzimmer.
Frauen leben länger als Männer.

21/2/50

a) Amerikanische Studentinnenvereinigung finanziert
das Studium von 155 ausländischen Frauen.
Das lauwarme Bad.
Ratschläge für Leckermäuler.
Ahornzucker.

28/2/50

a) Wunschhaus, Modell 1950
b) Zionistische Frauenbewegung in den U.S.A. ehrt
Norwegen.
c) Claudette Colbert als Regisseurin.
d) Lieber Orangen als Äpfel.
+ + + + + + + + + + + + +
a) Salat- und Speiseöl aus Reisschalen und Spelzen.
Dosenfisch hat keinen Abfall.
Essig aus ganzen Äpfeln.
KiMderkopfwäsche ein Vergnügen.
Kinderstuhl mit Tischplatte ringsherum.

7/3/50

14/3/50

a) Das Budget eines amerikanischen Durchschnittshaushalts .
b) Kunststoffaser für Decken.
c) Filme für Kindergarten und Hochschule.
d) Die 6 populärsten Frauen in den Vereinigten Staaten.
e) Über 3»5 Millionen Kinder wurden im Jahre 1949
in den Vereinigten Staaten geboren.
- 14 -

�KDBZHA0HBICET5H FÜR SIE FRAU«
21/3/50

a) 2 400 Frauen befinden sich unter den bekanntesten
sur Zelt lebenden Amerikanern«
bj Giyl S@ou.ts spenden Schulmappen für deutsche Kinder«
c) türso Ele&amp;nor Booeevelt übernimmt den Vorsitz für
die Feierlichkeiten am Tag der Vereinten Kationen«

28/3/50

a) Amerikanische "Modestudenten" kommen nach Europa«
Amerikanische Kriegswaisen besuchen Suropa«
Kleine linke - Große Hilfet
lo Bügeln leicht gemacht«
2« Wie reinige loh meine Möbel?

• • • • • • • • • + + • •
Zu den mit •) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial sur Verfügung stellen«
22) LANDWIRTSCHAFTLICHE NACHRICHTEN.
12/3/50

26/1/50

1.) Die Landwirtschaft der Marshallplanländer 'Ein besonderer Schützling der U.S.A.
2.) "Round upM - Die große Zeit des Cowboys.
3.) Hygienische Schweinehaltung.
• 4.) Elektrische Beheizung von Mistbeeten.
5.) Radioisotope entochleiern das Geheimnis der Aufnahme und Verteilung von Nährstoffen in Bäumen.
Kunstdünger aus Maisstroh.
: ) TJreaform verhindert Feuchtwerden von Kunstdünger.
lo)
+) 2.)
3.)
4.)
5.)
6.)

Grand National Rodeo - Die größte Schau der Welt.
Die Biene - Helferin des Farmers.
Hybridenzucht bei Haustieren.
Passen sich Gräser dem Klima an?
Unkrautbekämpfung.mit dem Flammenkultivator.
Die "kalte" Pasteürisation.
+ + + + + + + + + + + + + +
21/2/50
1.) Modernisierung der Landwirtschaft - Europäische
Fachleute informieren sich in TJ.S.A.
2, Kann man die Legetätigkeit der Hühner erhöhen?
3. Ahornzuckerernte in den Vereinigten Staaten.
4. Der Weg der Milch - Vom Erzeuger zum Verbraucher.
5. Amaryllis als Zimmerpflanze.
+ + + + + + + + + + + + +
24/3/50
1.) Landwirtschaftliche Informierung der europäischen Bauern durch den Marshallplan.
Neues Preisstützungsgesetz für Farmprodukte.
Vollwertige Frischmilch - Monate nach dem Melken.
Neues amerikanisches Milchkonservierungsverfahren.
+) 4.) Rindertuberkulose ~ In Amerika heute kein Problem mehr.
Künstliche Brut bei Hühnern.
+) 5
Die "innere Bräune". - Eine ernste Tomatenkrank6
heit.
+ + + + + + + + + + + + +

:}

l)

•1

- 15 -

�23) KURZNACHRICHTEN FÜR DEN LANDWIRT.
12/1/50

a) Farmer trägt zur Vertiefung internationaler
Freundschaft bei.
b) Gesamtergebnis der letzten amerikanischen Ernte
günstig.
c) Wuchsstoffe als Konservierungsmittel.

26/1/50

a) Amerikanische Fachleute studieren Lage der europäischen Landwirtschaft.
b) Intensive Weidewirtschaft führt zur Bodenverhärtung.
c) Unkrautbekämpfung durch Flugzeuge.
+ + + + + + + + + ++ + +
a) Kartoffelschälen - wissenschaftlich gesehen.
b) Zwei Lammwürfe im Jahr?
c) Garantiert reine Wolle von 7-9 cm im Jahr.
+ + + + + + + + + + + + +
a) Wissenswertes für den Bauern. - Neuer Impfstoff
gegen Bang*sehe Krankheit
b) Lieblingsspeise für Schafe.
c) Überwintern im offenen Stall.
•*• + + + + + + + + + + + +

21/2/50

24/3/50

24) DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
5/1/50

19/1/50

LWirtschaftsbericht zum Jahresende. - Von U.S.-Handelsminist er Charles Sawyer.
Europa im 2. Marshallplanjahr. - Westdeutschland
auf den 3. Platz der ECA-Bewilligungsliste gerückt .
3 Europa erforscht den Dollarmarkt.
Die Lücke im amerikanischen Staatshaushalt. 4
Bundesdefizit übersteigt Präsident Trumans
Schätzungen.
Sozialabgaben in U.S.A. steigen. - Alters- und .
Hinterbliebenenrenten sollen den Lebenshaltungskosten angeglichen werden.
6. Der magnetische Manschettenknopf.
1.
2.
3.
4.
5.
6.

Weltfriede durch Welthandel. - Ist Amerika autark?
von Thomas J. Watson, Sr., Präsident der IBM
Corporation.
Der Fiskus wacht auch in U.S.A. - Ein Dollar
Gewinn gleich 38 Cent Steuern,
Kammerjäger mit Hubschrauber.
Direkte Auslandsinvestitionen bevorzugt. Strukturwandel des amerikanischen Privatkapitals
im Ausland.
Vergrößerung der amerikanischen Passagierflotte. 1950 wird ein 60 000 t Luxusdampfer auf Kiel
gelegt.
Zu ihrer Information: ECA-Liste deutscher Ausfuhrwaren .
+ + + + + + + + + + + + +

- 16 -

�I

24) DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
7/2/50

1949 - Das beste Jahr des amerikanischen Verbrauchers. - U.S»»Handelsminister Sawyer über
die Entwicklung des Konsumentenmarktes in U.S.A.
2. ERP-Portschritt unter der Lupe. - Der neueste
ECA-Bericht über die wirtschaftliche Entwicklung der Marshallplan-Länder.
Koteletts
aus dem Laboratorium. - Speiseeis aus
+ ) 3.
Schweineschwarten und andere Merkwürdigkeiten.
4. Der amerikanische Staatshaushalt für 1950/51. Soziallasten steigen - Defizit soll verringert
werden»
5. Die Arbeitsanalyse. - Eine Studie über die Bewertung der Arbeitsleistung in U.S.A. Teil I.
6. Zu ihrer Information: Voller Text der Messeordnung für die erste internationale Handelsmesse der Vereinigten Staaten in Chicago.
+ + + + + + + + + + + + + +
1/3/50
1. Die Steuervorschläge Präsident Trumans. - Einkommensteuer unverändert - Erleichterungen für
Mittelbetriebe u
2. Die Bevorratung kriegswichtiger Rohstoffe in
den U.S.A» - Mitte 1950 werden über 50$ des
Solls erreicht.
3. Neuer amerikanischer Ozeanriese verspricht
Rekordleistungen. - Mit 31 Knoten ein Anwärter
auf da3 Blaue Band.
4. Sparen - Die große Losung Hollywoods. - Produktionskosten seit 1946 um 2C$ gesenkt.
5. Die Margarineschlacht ist gewonnen. - In den
U.S.A. wird die Margarinesteuer abgeschafft.
6. Die Arbeitsanalyse. - Teil II.
+ ++ + + + + + + + + + +
Gesicherter Arbeitsfriede im amerikanischen
15/3/50
Bergbau.2, Betriebe werben bei ihren Angestellten.
Wissenschaftliche und praktische Kraftstoff3
Forschung in U.S.A.
Die Arbeitsanalyse. - Teil III - Der Bewert ungsauBschuß.
Zu ihrer Information: Voller Text des ECA-Vorschlags zur Bildung einer Europäischen Zahlungsunion.
+ + + + + + + + + + + + + +
25) KURZBERICHTE AUS DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT.
5/1/50

X.

a) Werbung durch Fernsehen.
b) Rekordzahl neu zugelassener Kraftwagen in U.S.A.
c) Rücklagen der amerikanischen Lebencversicherungsgesellschaften.
. d) Export technischer Daten aus U.S.A. teilweise
kontrolliert.
e) Westdeutschland erhält technische Schriften durch
ERP.
f) Amerikanischer.Architektenverband will Wiederaufbau Europas unterstützen.
-17-

�25) KURZBERICHTS AUS DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT.
a) Die amerikanische Streikbilanz des Jahres 1949.
b) Leichtbau-Eisenbahnwagen setzten sich durch.
Neue Verbrennungsturbine für Luftschraubenbetrieb.
Mesaeleitung in Chicago beginnt mit Zuweisung
der Stände.

19/1/50

+ + + + + + + + + + + + +
Einwohnerzahl der Ü..S.A. 17?« höher als 1940.
Gesamtauflage aller amerikanischen Zeitungen
seit Kriegsende um 6fi gestiegen.
c) Europa-Saison für U.S.-Touristen beginnt früher
als erwartet.

1/3/50

a)
b)
c)
d)

15/1/50

U.S.A. beseitigen Elendsviertel.
Steuererleichterungen für U.S.-Auslandsinvestitionen,
U.S.-Außenhandel im Januar.
Vorläufig keine neuen Panama-Kanalgebühren.

+ + + + + + + + + + + + +
26) GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.
1/3/50

1.) CIO unterstützt U.S.-Außenpolitik.
2.) Schutzbestimmungen für Kinderarbeit in U.S.A.
3.) Was leistet der Sozialfonds der amerikanischen
Stahlarbeiter?
4.) CIO-Erklärung zur Arbeit der UN.
5.) V/eitere Verbesserung der amerikanischen Sozialgesetzgebung gefordert»
6.) ECA-Missionschefs berichten über ERP-Fortschritte.

15/3/50

1.) Fortschrittliche Betriebsführung - Belegschaft
eines chemischen Betriebes in U.S.A. erhält
Mitbestimmungsrecht.
2.) Lehrgänge für Unfallverhütung.
3.) Gewerkschaftsfragen in der amerikanischen Presse.
4.) Kostensenkung und Produktionssteigerung.
5.) Arbeitslosenunterstützung bei außerberuflicher
Krankheit.
+ + + + + + + + + + + + + +

27) GEISTIGES LEBEN.
10/1/50 +).

John Deweys Bedeutung für die Pädagogik.
Charles Munch, der neue Dirigent des Bostoner
Symphonieorchesters".
3.) Gottes Wort auf telefonischen Anruf.
4.) Der kürzeste Weg zur Kunst.
5.) Fünf Autoren geben Beispiel für die Integration
des Theaters«,

I]

:)

24/1/50 + ) 1.) Robert M. Hutchins, der "Heilige Thomas von Chicago.11
2.) Vier Millionen Papiere aus Roosevelts Nachlaß
für die Geschichtsforschung.
3.). Filmprüfer werden geprüft.
+) 4.) Vierhändiges Klavierspiel, ein versunkener Schatz.
+) 5.) Moderne Kunst kritisch betrachtet.
- 18 -

�27) GEISTIGES LEBEN.
8/2/50

+) 1.) Franz Lieber, der Brockhaus Amerikas0
2.) Zehn Filme, die die Welt begeisterten - «in
halbes Jahrhundert amerikanischen Films«
Keine Religion ohne Kunst und Symbol»
+) 3
Ein nicht-zerstreuter Professor macht Schule.
4
+) 5, Völkerverständigung im 3/4 Takt»

Ein fort für die moderne
24/2/50 +) lo) Musik ist kein Baldrian
Musik von Aaron Coplandc
) Ein amerikanischer Trappist erzäilt die Geschichte
+)
seines Ordens.
+) 3 ) Marsden Hartley - Er malte die tausend Gesichter
der Erde.
) Schule und Leben - zwei neue pädagogische Versuche •
*) 5 ) Adalbert Stifter und Henry Thoreau. Von
Johannes Urzidil, New Xorko
+ + + + + + + + + + + • +
8/3/50
1.) Akademische Verbindungen mit Ansprüchen» Studenten ohne Kiesewetter und Bierkomment0 Von
Dr. Frederick Lehner, Professor am West Virginia
State College.
Es führen viele Wege nach Damaskus.
+) : ) Eliel Saarinen -- Architektur ein seelisches
Problem.
4.) a) Haydn-Renaissance in Amerika.
b) 100 000 Dollar Koussevitzky-Stiftung für
+)
zeitgenössische Musik.
5.) Moderne Kunst durchdringt den Alltag.
22/3/50

Die Sonntagsschule in Amerika.
Die Verantwortung des katholischen Romanschriftstellers.
Charles Ives - ein musikalischer Außenseiter.
Die Wahrung bürgerlicher Rechte und Freiheiten.
Die Entwicklung des Bühnentanzes in Amerika.
+ + + + + + + + + + •••••

Zu den mit + bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.
27) KÜRZNACHRICHTEN.
24/1/50

8/2/50

a) Internationale Zentrale des Baugewerbes.
Manuskripte und Kunst des Altertums auf Mikrofilmen.
Klassikerübersetzungen der UNESCO vor dem Forum
der Fachleute.
d) Kunst Unterricht in den Schulen der Welt.
+ + + + + +,+ + + + + + +
a) Picasso und der letzte Weltkrieg.
b) Die Sprachen des New Yorker Rundfunks.
G) Politische Filme nicht gefragt,
dj Film über Helen Keller geplant.
e) Flaherty bearbeitete den deutschen MichelangeloFilm.

-

1 9 =•

�*

27) KURZNACHRICHTEN.
24/2/50

8/3/50

a) Rotaryklub stiftet Stipendien.
Afrikanischer Literaturpreis.
Haiti feiert die Menschenrechte.
Indien wird das Dezimalsystem einführen.
+ + + + + + + + + + + + +
a) General Eisenhower als Maler,
Revision des Bibeltextes in Vorbereitung.
Amerikanische Archäologen durchforschen
Südwestarabien.

22/3/50

a) Columbia wird der freien Universität Berlin
helfen.
b) Kampf im Warschauer Ghetto wird verfilmt.
c) David E. Lilienthal gegen Atompsychose.
+ + + + + + + + + + + + +
Zu den mit + bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
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28) JUGEND.
10/2/50

1.) Die Reise der kleinen Hütte: Eine Pfadfindergeschichte.
+) 2.) Generaldirektoren mit 16 Jahren: Jugendliche
in Amerika lernen das Geschäftsleben aus eigener
Erfahrung kennen.
+ ) 3. ) Amerikas "Camp-Eire-Girls": Arbeit und Ziele eines amerikanischen Jugendverbandes für Mädchen.
Kindermuseum in Amerika:
4
Jungen lernen kochen:
5
6, Text einer Ansprache, die Mrs. John J. McCloy,
die Gattin des U.S.-Hochkommsissars in Deutschland, vor dem Deutsch-Amerikanischen Jugendklub
in Nürnberg hielt.
7.) D.S. Wilson zum Portschritt der Jugendarbeit
in Deutschland.
8.) Versuch's mal: Kleines Experiment mit einer Kerzenflamme .
+ + + + + + + + + + + + +
10/3/50
Pluto besucht den Präsidenten.
Was ist Demokratie?
Boys' Ranch - ein Bubenparadies.
Howe Caverns - Ein Nationalwunder Amerikas.
Die Erv/achsenen sollen ihren Hader begraben.
Dringendstes Erfordernis der deutschen Jugend:
Wiederherstellung des Kontaktes mit der Außenwelt .
Reiseführer für Kinder.
8.) Versuch's mal. Die unsichtbare Schrift.
+ + + + + + + + + + + + +
Zu den mit + bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.

- 2o -

�29) SONDERNUMMERN.
Januar 1950 Die Verwendung der ERP-Gegenwertgelder.
(Das von der ECA-Mission in Deutachland im Anschluß an das ERP-Abkommen genehmigte Investierungsprogramm der Deutschen Bundesrepublik.)
+ + + + + + + + + + + + +
7/2/50
Ansprache des Amerikanischen Hochkommissars für
Deutschland, Mr. John J. McCloy, anläßlich der
Eröffnung des Amerika-Hauses in Stuttgart.
18/2/50

16/3/50

Text eines von Arthur Krocks am 15.2.50 in der
"New York Times" veröffentlichten Berichts über
sein Interview mit Präsident Truman.
+ + + + + + + + + + + + +
Rede des U.S.-Außenministers Dean Acheson anläßlich
der Konferenz für internationale Zusammenarbeit
zur Entwicklung der Weltwirtschaft.
(Gehalten am 16. März 1950 an der Universität von
Kalifornien).
+ + + + + + + ++ + + + +

- 21 -

�S/8 - Juli 1950
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. April 1950 - 30. Juni 1950

1.
2.
3.
4
5:
6

7.

8.

9.
10.
li.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
22.
23.
24.
25.
26.
27.
28.
29.
30.

Seite
Leben in den U.S.A.
1
Wissenschaft
2
Portrait der Woche
3
Kunst, Musik, Theater, Film, Literatur, Tanz
3
Das neue Buch
4
Europäisches Wiederaufbauprogramm
4
Wirtschaft
5
Arbeit
5
Architektur
6
Erziehungawesen
6
Medizin
••
6
Meilensteine auf unserem Wege
7
Sport
7
Psychologie
7
Industrie und Technik
7
Verkehrswesen, Plugwesen
8
Amerikanische Rechtspflege
8
Internationale Verständigung
8
Presse
8
Vereinte Nationen
8
Kommentare von John L. Morton
'
9
Zu Ihrer Information
10
Artikel für die Frau
12
Kurznachrichten für die Frau
15
Landwirtschaftliche Nachrichten
18
Die amerikanische Wirtschaft
19
Kurzberichte aus der amerikanischen Wirtschaft
21
Gewerkschaftliche Nachrichten aus den Vereinigten Staaten 22
Geistiges Leben
23
Jugend
25
+ + + + + + + + + + + + +

�1.) LEBEN IN DEN U.S.A*
1/4/50
4/4/50
6/4/50
8/4/50
15/4/50
18/4/50
20/4/50
22/4/50

+)

25/4/50
27/4/50

+)
+)

+)
+)
+)

29/4/50

Mit dem Auto ins "Drive-In-Theater".
Enttäuschen Wunderkinder?
Von der Tätigkeit des amerikanischen Landmessers.
Lachszucht in Kalifornien.
Der "geräuschvollste" Mann der Welt.
West Point, die amerikanische Militärakademie.
Deutsche Mystiker als Sohwerindustrielle.
Millionen Menschen besuchen jährlich das
Washington Denkmal«
Die "Hofkirche" des Weißen Hauses.
Das BlutSpenderprogramm des Amerikanischen
Roten Kreuzes.
Materialprüfung und Zerreißproben zu Porschungszwecken.
+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50
4/5/50
6/5/50
9/5/50
11/5/50
13/5/50
16/5/50
18/5/50

+)
+)
+)
•)

+)

20/5/50
23/5/50

+)

25/5/50
27/5/50

+)

+)

Prauen leben länger und hören besser.
Treffpunkt im Drugstore.
Volksbücherei auf Rädern.
Das Community Center - die Volkshochschule Amerikas.
Wahiawa, die Ananashauptstadt der Welt.
Die Gasfernleitung, Kaliforniens Lebenslinie.
Die malerische Nordküste von Massachusetts.
1.) Die Stadt New York als Angeklagte.
2.) 12-jähriges lettisches Mädchen als Ehrengast bei
den Feierlichkeiten zum amerikanischen Staatsbürgertag am 22. Mai in Washington.
Auf den Spuren der Ureinwohner Amerikas.
Überall in den U.S.A. blühen um diese Zeit die "State
Flowers", die Wappenblumen der 48 Einzelstaaten.
Das Auskunftsbüro des New Yorker Automobilolubs.
Das gemeinnützige Reisebüro der U.S.A.
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKi DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

- 1 -

�LEBEN IN DEN Ü„S»A0
1/6/50
3/6/50
8/6/50
10/6/50
22/6/50
27/6/50

+)

+)
+)

Die Fertighaussiedlung vor den Toren New Yorks.
Fünfjahresplan in Detroit — Die Bedeutung des neuen
General Motors-Kollektivvertrages.
Emigrantensöhne im U.S.A.-Kongreß.
Paradies der Edelsteinjäger.
Eine Idee wird zur Weltstadt - 150 Jahre Washington.
Moderne Romantik am Mississippi.
+ + + + + + + + + + + + +

2.) WISSENSCHAFT
4/4/50
8/4/50

25/4/50

Die Riesenlibelle, das Flugzeug der Zukunft.
Mr. Kearney ist Spezialist für die Wiederentdeckung
gestohlenen Radiums.
Erforschung des Milchstraßensystems.
Das Smithsonian Institut.
DDT., das weltbekannte Schädlingsbekämpfungsmittel,
wirkungslos bei bestimmten Moskitoarten.
Amerikanische Expedition begann Ausgrabungen in Arabien.

27/4/50

Druckerschwärze mit Fichtennadelduft.

15/4/50
18/4/50
22/4/50

+)

+ + + + + + + + + + + + +
6/5/50
9/5/50
16/5/50
18/5/50

Deutsche Psychiater besuchen die Vereinigten Staaten.
Das 97. Element (Berkelium) in den Vereinigten
Staaten entdeckt.
+ ) Künstlicher Regen für New York.
Wird die Erde wärmer? - Ein amerikanischer Chemiker
begründet eine neue Theorie.

23/5/50

Die Chemie der kleinsten Organismen.
+ + + + + + + + + + + + +

I/6/5O
13/6/50
15/6/50
20/6/50

+)

Die "Amerikanische Stiftung für Naturwissenschaften".
Verbilligung des synthetischen Benzins durch verbessertes Herstellungsverfahren.
Akustische Versuche im Kleinen.
Ein hessischer Hauptmann beschrieb den Unabhängigkeitskrieg.
+ + + + + + + + + + + + +

- 2 -

�3.) PORTRAIT DER WOCHE
1/4/50
22/4/50
29/4/50

+) Peroy I» Julian, Chemiker und Forscher.
+) Der amerikanische Karikaturist Herbert Block.
+) Der fliegende Botschafter - W. Averell Harriman.
+ + + + + + + + + + + + +

6/5/50
Hamburgs Bürgermeister Max Brauer.
11/5/50 +) Roger Duvoisin, einer der führenden amerikanischen
Buchillustratoren.
18/5/50 + ) Prof. Dr. Shuster, Bayerns neuer Landeskommissar.
23/5/50 +) Japans MacArthur.
Nathaniel Currier und Merritt Ives - die ersten
27/5/50
Bildreporter Amerikas.
+ + + + + + + + + + + + +
10/6/50
17/6/50
20/6/50

+) Hüter der Macht des gedruckten Worts: Kent Cooper Generaldirektor von Associated Press.
+ ) Der "wilde Mann" in der amerikanischen Literatur William Paulkner erhielt hohe Auszeichnung.
+) Capus M. Waynick, Direktor des Punkt-Vier-Programms.
+ + + + + + + + + + + + +

4.) KUNST, MUSIK, THEATER, FILM, LITERATUR, TANZ
4/4/50
6/4/50
15/4/50
18/4/50
20/4/50
25/4/50

Ein Kino, das nichts einbringen soll.
+
Ruth St. Denis, Ted Shawn und ihre Tanzgruppe, die
"Denisshawn Dancers".
+) Die bildende Kunst hat eine große Zukunft in Amerika.
Hollywood wählte die besten Filmkünstler der letzten
50 Jahre.
Ein Regenschirm für 9 500. - Die regensiohere Freilichtbühne von Pittsburgh,
New Yorker Ausstellungen geben Einblick in das Schaffen
moderner Bildhauer.
+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50
4/5/50
13/5/50
16/5/50

+) Ivan Mestrovic, der große kroatische Bildhauer, wirkt
heute in den Vereinigten Staaten.
+) Ferdinand Schäfer, der Gründer des Indianapolis
Symphonie-Orchesters.
+) Bürokratie nach Noten. - Gian-CarD Menotti, die
große Hoffnung der modernen Oper.
"Tonys" statt "Oskars" — Preisverteilung an amerikanischen Bühnen.
- 3 -

�KUNST, MUSIK, THEATER,_FILM,_LITERATUR1 TANZ_
20/5/50
25/5/50

Die Pulitzerpreise von 1950.
+)

Das Negerspiritual, echtester Ausdruck der Seele
des schwarzen Menschen.
+ + + + + + + + + + + + +

1/6/50
3/6/50
10/6/50
15/6/50
17/6/50
27/6/50
29/6/50

Die Theater-Arbeitsgemeinschaft in New York.
+

Der luftbrückenfilnwVom Rechte, das mit uns geboren . . . Professor
R.M. Maciver: Great Expressions of Human Rights.

+ ) Singendes Amerika.
Hollywood in Deutschland.
+ ) Louis Armstrong, der König der Trompete.
+)

Die Ruhmeshalle des Films in New York.City.
+ + + + + + + + + + + + +

5.) DAS NEUE BUCH
8/4/50

"Der Sprung in die Freiheit" — Oksana Kosenkina erzählt ihr Leben.
Das Ende eines Ghettos — Zu John Heraeys Roman
"Die Mauer".

27/4/50

+ + + + + + + + + + + + +
9/5/50

In fünfzehn Jahren Abflug zum Mond — Besprechung des
Buches von Willy Ley "Conquest of Space" (Eroberung
des Weltenraumes.)
+ + + + + + + + + + + + +

24/6/50

+)

John Foster Dulles: Krieg oder Frieden.
+ + + + + + + + + + + + +

6.) EUROPÄISCHES WIEDERAUFBAUPROGRAMM
13/4/50

+)
+)

Rote Kreuze im Kalender - Chronik des Marshallplans.
Marshallplan auf vollen Touren. Von Robert M.Hanes,
Chef der ECA-Sondermission in Westdeutschland.
Der Weg nach Europa — Zwei Jahre ERP für
Deutschland. Von John L. Morton.
ERP-Mittel für den deutschen Wohnungsbau —
Von Wilhelm Weisser.
Überblick über die Marshallplanhilfe und den
Wiederaufbau der deutschen Industrie.
Westdeutschlands erstes internationales Abkommen —
Mit dem ERP-Vertrag begann eine neue Phase des
deutschen Wiederaufbaus.
- 4 -

�EUROPAISCHES WIEDERAUFBAUPROGRAMM
I3/4/5O

+)

7o) Qualitätsschuhe am laufenden Band — ERP-Lederlieferungen helfen der deutschen Schuhindustrie.
8.) Europahilfe — eine moralische Aufgabe —
Marshall-Rede zum 2. Jahrestag der Gründung der
OEEC.
9.) Auszüge aus Marshalls großer Rede in Harvard
am 5. Juni 1947.
+ + + + + + + + + + + + +

11/5/50
27/5/50

"Die Anderen und Du" - Ein Lehrheft für Schüler über
Aufbau, Ziel und Zweck des Marshallplanes.
+)

Europareisen im Zeichen des Marshallplans.
+ + + + + + + + + + + + +

6/6/50

Technische Unterstützung fördert den Wiederaufbau.
+ + + + + + + + + + + + +

7.) WIRTSCHAFT
I5/4/5O
22/4/50
25/4/50

+ ) Ein Land macht Inventur — 17- Volkszählung in den
Vereinigten Staaten.
Die erste Weltbevölkerungs-Zählung hat begonnen.
Jährlich 23 Milliarden Kilowatt aus den Niagara-Fällen.

29/4/50

Prozeß der U.S»-Regierung gegen den A &amp;P-Zonzern.
+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50
20/5/50
25/5/50

+)

Was ECA in Europa leistet.
Seifenfreie Seifen.
Eine Erziehungskampagne der UNESCO über die Ernährungsprobleme der Welt.
+ + + + + + + + + + + + +

20/6/50

Zahlungsunion gegen Dollarknappheit.
+ + + + + + + + + + + + +

8.) ARBEIT
6/4/50
8/4/50
20/4/50

Lehrgänge über Gewerkschaftsfragen an amerikanischen
Hochschulen.
Neue Verteilung der Werkpausen in amerikanischen
Betrieben.
Vollbeschäftigung und wirtschaftliches Wachstum.
+ + + + + + + + + + + + +

- 5 -

�ARBEIT
4/5/50
13/5/50

Kollektivvertragliche Regelung von Werkküchenpreisen.
+) Gewerkschaften bauen Arbeiterwohnungen.
+ + + + + + + + + + + + +

22/6/50

Amerikas Arbeiter und ~Euopa - Von William Green,
Präsident des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL.
+ + + + + + + + + + + + +

9.) ARCHITEKTUR
29/4/50

+)

"Helix", das Rundhaus der Zukunft.
+ + + + + + + + + + + + +

10.) ERZIEHUNGSWESEN
1/4/50

Aufgaben und Leistungen der amerikanischen öffentlichen
Bibliotheken.
Gewerkschaften sollen am Aufbau des neuen Schulsystems
in Deutschland mitarbeiten.

4/4/50

+ + + + + + + + + + + + +
13/5/50

Die Whittler-School, Versuchsgrundschule der Universität in Berkeley, California.
+ + + + + + + + + + + ++

24/6/50

+)

Schulunterricht für körperbehinderte Kinder.

11.) MEDIZIN
1/4/50
18/4/50
27/4/50

+) Medizinmann hilft dem Arzt. Ein modernes Krankenhaus
für Indianer.
Die neuerrichtete Veteranenheilanstalt in Chelsea,
Massachusetts.
Kampf der Müdigkeit.
+ + + ++ + + + + + + + +

4/5/50
27/5/50

Neue Präparate gegen Lepra.
Neue Waffen gegen Tuberkulose.
+ + + + + + + + + + + + +

13/6/50

+) Keine Angst vor'm Zahnarzt.
+ + + + + + + + + + + + +

- 6 -

�12.) MEILENSTEINE AUF UNSEREM WEGE
6/4/50

+)

Wallfahrt nach Hyde Park — Zum 5- Todestag des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt am
12. April.
+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50

+)

Der Präsident der Vereinigten Staaten und sein Werk,
+ + + + + + + + + + + + +

8/6/50

+)

20/6/50

+)

27/6/50

+)

14. Juni - Flaggentag in Amerika. - Von der Entstehung der amerikanischen Nationalflagge.
Amerikanische Verfassung und "Bill of Rights" zum 162. Jahrestag der Ratifizierung der Verfassung
der Ü.S.A.
Geburtstag einer Nation - Der Unabhängigkeitstag in
Amerika.
+ + + + + + + + + + + + +

13.) SPORT
20/4/50

Wie schnell ist ein Skispringer? + + + + + + + + + + + + +
Fünfzig Jahre Entwicklung im amerikanischen Boxsport.
Sportreporter anno dazumal.

6/6/50
24/6/50

+ + + + + + + + + + + + +
14.) PSYCHOLOGIE
6/5/50
20/5/50

Wie groß ist Ihr "Reizbarkeitsfaktor"?
Maurice Reddy vom Amerikanischen Roten Kreuz beobachtet das Verhalten des Publikums bei Katastrophen.
+ + + + + + + + + + + + +

15.) INDUSTRIE UND TECHNIK
9/5/50

+)

11/5/50
16/5/50

+)

18/5/50

+)

10 t - Lastkraftwagen mit Turbinenantrieb verläßt
den Prüfstand.
Die synthetischen Fasern Orion, Vinyon und Saran.
Unterirdische Kleinbahnen versehen den städtischen
Güterverkehr Chicagos.
Der Grand Coulee-Damm, die größte Energiequelle der
Vereinigten Staaten
+ ++ + + + + + + + + + +

- 7-

�INDUSTRIE UND TECHNIK
25/5/50

+)

Die Bedeutung des Films als Lehrmittel in der Industrie
der U.S.A.
+ + + + + + + + + + -)- + +

6/6/50
22/6/50
29/6/50

Orgelspielen leicht gemacht.
Ein neues Straßenpflaster.
+ ) Wunderstoff Glas.
+ + + + + + + + + + + + +

16.) VERKEHRSWESEN, PLUGWESEN
18/5/50
25/5/50

+)

Unfallverhütung in den Vereinigten Staaten.
Verkehrsluftfahrt nach 1955.
+ + + + + + + + + + + + +

3/6/50

+)

17/6/50

Windkanal und Überschallgeschwindigkeit — Aus der
Luftfahrt-Forschung der U.S.A.
"Weltflughafen der Freundschaft" - Riesenflughafen
in Neu England.
+ + + + + + + + + + + + +

17^)_AMERIKANI3CHE_RECHTSPFLEGE
13/6/50

+)

Das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten.
+ + + + + + + + + + + + +

18.) INTERNATIONALE VERSTÄNDIGUNG
15/6/50

Amerika im Bild - für Europa. Fernsehnetz als Schwesterunternehmen der "Stimme Amerikas."
+ + + + + + + + + + + + +

19.) PRESSE
17/6/50
24/6/50

+)

Heiße Würstchen im Kalten Krieg. Die amerikanische
Zeitschrift "Newsweek" über das Pfingsttreffen der FDJ,
Hugh Baillie, Chef der United Press - Nachrichtenfreiheit und gewappneter Frieden.
+ + + + + + + + + + + + +

20_.)_VEREINTE NATI0NEN_
29/6/50
UNESCO plant einheitliches Urheberrecht.
+ + + + + + + + + + + + +
- 8 -

�21.) KOMIENTARE VON JOHN L. MORTON
1/4/50
4/4/5O

Der europäische Gedanke &lt;,
Wo bleibt das Verfassungsgericht? — Ein System der
Kontrolle und Ausgleiche Bedingung
für das Vertrauen
zu Bonn.
Wirtschaftsstrategie nach dem Marshall-Plan.
Freie Bahn für ein neues Experiment»
"Wenn das Geschrei verhallt, wird West-Berlin nach
immer frei sein."
Die Suche in der Ostsee.
"Das amerikanische Volk hat nicht vergessen . . . "
Wer sabotiert die Vereinten Nationen?

8/4/50
15/4/50
18/4/50
20/4/50
25/4/50
29/4/50

+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50
4/5/50
9/5/50
11/5/50
16/5/50
20/5/50
23/5/50
27/5/50

+)

Außenminister Acheson erklärt sein Programm.
Diener - nicht Herren des Volkes.
Zur Londoner Konferenz der Außenministero
Sowjetische Rache nach fünf Jahren»
Europa — Theorie und Wirklichkeit•
Zur Londoner Außenministerkonferenz. Ein freies
Deutschland in einem freien Europa0
Im Osten: Unmenschliche Härte.
"Ich habe die Ehre . . . " Weltfrieden und Volkspolizei.
+ + + + + -1- + + + + + + +

1/6/50
3/6/50
6/6/50
10/6/50
15/6/50
17/6/50
20/6/50
22/6/50
27/6/50
29/6/50

"Hottentotten-Gerede". Herr Ulbricht zum Frieden und de
Einheit Deutschlands.
Heute - Kartoffelkäfer! Morgen - vielleicht das Ungeheuer von Loch Ness?
Flaschen mit zu engem Hals0
DIVIDE ET IMPERA - Das Warschauer Abkommen - ein
schwarzer Tag für Deutschlandc
Was die Kommunisten am meisten fürchten.
Deutschland sagt Ja»
Berlin und kulturelle Freiheit.
Zahlen, die für sich selbst sprechen - Der sowjetische
Haushaltspläne
Immer wieder das alte Lied - die Ostzonenpresse und
der Kongreß für kulturelle Freiheit.
Die Vorgeschichte de» Korea-Konflikts in Tatsachen.
+ + + + + + + + + + + + +

�22.) ZU IHRER INFORMATION
6/4/50

Wortlaut der Ansprache Mr. McCloys. beim Essen der
Pilgrim's Society in London.
1.) Wortlaut der U.S.-Note an Moskau.
2.) Wortlaut einer mündlichen Erklärung des Sprechers
im amerikanischen Außenministerium, Michael McDermott.
Wortlaut der Rede Präsident Trumans vor dem Verband
der amerikanischen Redakteure.
Wortlaut der Rede des U.S.-Außenministers Dean
Acheson vor dem Verband amerikanischer Redakteure
am 22. April in Washington.

22/4/50

25/4/50
27/4/50

+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50
6/5/50
13/5/50

16/5/50
18/5/50
20/5/50

25/5/50
27/5/50

+)

Auszug aus einer Ansprache John Poster Dulles' über
Probleme der U.S.-Außenpolitik.
Deutsche Bundestagsmitglieder in Washington.
Auszug aus dem Congressional Record vom 25. April 1950.
Voller Wortlaut der Rede "Bericht aus Deutschland"
des Direktors des Amtes für öffentliche Angelegenheiten, Mr. Ralph Nicholson, vom 12. Mai 1950, auf
der 19. Jahrestagung des Institutes für auswärtige
Angelegenheiten an der Earlham-rUniversität in
Richmond, Indiana.
Der amerikanische Kongreß schafft ein Gesetz. Von
Francis J. Myers, U.S.-Senator für den Staat Pennsylvanien.
Wortlaut der Londoner Kommuniques.
1.) Entschlüsse von historischer Tragweite in London.
2.) Wortlaut der Rede des stellvertretenden amerikanischen Hochkommissars für Deutschland, Benjamin
J. Buttenwieser, am 18. Mai -1950 in White Sulphur
Springs (West Virginia.)
Wortlaut der Ansprache des amerikanischen Hochkommissars für Deutschland, John J. McCloy, zur Eröffnung des Amerika-Hauses in Hannover.
Wortlaut der amerikanischen Protestnote an die
Sowjetunion.
+ + + + + + + + + + + + +

1/6/50
3/6/50
8/6/50

Die Hochkömmissare der Westmächte übermitteln Tschuikow
einen Plan zur Wiederherstellung der deutschen Einheit.
Wortlaut der Rede des U.S.-Außenministers Dean
Acheson vor dem U.S.-Kongreß«
Voller Wortlaut der Rede des amerikanischen Außenministers Dean Acheson in einer gemeinsamen Sitzung der
Senatsausschüsse für außenpolitische Angelegenheiten
und für die bewaffneten Streitkräfte»

- 10 -

�ZU IHRER INFORMATION
10/6/50
13/6/50

15/6/50

22/6/50
27/6/50

V/ortlaut der Rede Präsident Trumans vom 9. Juni 1950
über Friedensbemühungen der U.3.A.
1.) Amerikanische Erklärungen zur Oder^Neiße-Linie.
2.) Voller Wortlaut der Ansprache Präsident Trumans
über die Außenpolitik der U..S.A. (10.6.1950 in
St. Louis, Missouri.)
Zusammenschluß der freien Welt. Von Neal Stanford.
Wortlaut der großen außenpolitischen Rede des U.S.Außenministers Dean Acheson in Dallas am 14.6.1950.
Ein weiterer Schritt zur Linderung der Flüchtlingsnot.
Das Punkt-Vier-Programm.
+ + + + + + + + + + + + +

- 11 »

�23

ARTIKEL PUR DIE FRAUo
4/4/50

1.)

"Wir, die Völker der Erde ..."-Eine Erklärung von Mrs.Eleanor Roosevelt zu
dem internationalen Gesetzesvorsohlag, der die
Grundrechte des Individuums für alle Menschen
der Erde garantieren soll.

2.

Die Frau auf dem Wege zur politischen Gleichberechtigung»
Pearl Eileene Primus, die amerikanische Tanzwissenschaftlerin, zwisohen afrikanischem Busch
und Universitätc.

+)

4.

Kinder lesen mit den Händen»

5.

Eierspeisen einmal anders»

6.

Sei immer du seibat,.
Von Terry Hunt» (2.Folge)

1.

Die Stellung der Frau im politischen Leben
der U.S.A»

2.

Hunter College, die älteste und zugleich modernste Mädchenschule der U.S.A»

3.

Über die Höflichkeit der Kinder.

+)

4.

Haben sie eine anständige Zahnbürste?

+)

5.

Kostüm, Kleid und Mantel in diesem Frühjahr
betont jugendlich und weioh.

6.

Kummer und Sorgen - Feinde der Schönheit.
Von Terry Hunt. (3»Folge)

1.

Rektor eines Frauen-College berichtet aus
seinen Erfahrungen.

2.

Wir adoptieren ein Baby

3.

Eine Frau auf Eisbärjagd.

+)

4.

Die amerikanische Küche Das moderne Labor des Haushalts.

0

5.

Schöne Figur durch richtiges Essen»
Von Terry Hunt. (4«Folge)

+&gt;

13/4/50

•0

18/4/50

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

- 12 -

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU.
Amerikanerin verschafft 240 europäischen
DP-Familien Unterkunft und Brot.

25/4/50

Der werbliche Einfluß im politischen Leben
Kaliforniens.

+)

3.

Dezente Kundenwerbung in den U.S.A.

4.

Wenn Kinder streiten.

5.

Amerikanische Innenarchitekten lösen das
Raummangelproblem der Einzimmerwohnung.

6.

Gute Kleidung die beste Kapitalsanlage auf
dem Konto der Schönheit.
Von Terry Hunt. (5.Folge)

7.

Leiterin der Frauenabteilung beim U.S.- Hochkommissar für Deutschland spricht über ihre
Arbeit.
+ + + + + +'+ + + + + + +

2/5/50 +)

1.

Der erste Mai in den Vereinigten Staaten.

2.

Mrs. Elizabeth Packt, eine bekannte Pädagogin
der U.S.i^., berät deutsche Gruppen in Frauenangelegenheiten.

3.

Die Füsse deines Kindes.
Probleme der Sexualerziehung der Jugendlichen.

«

9/5/50

+)

5.

Florenoe Wiokham, die einzige Opernkomponistin
der U.S.A., zur Situation der Opernkomponisten
in den Vereinigten Staaten.

6.

Kleines Schönheitshievier»
Von Terry Hunt. (6.Folge)

7.

Kleine Winke - große Hilfe.

8*

Kleine Vitamintabelle für das Frühjahr.

1.

Flüchtlinge und Arbeitslose — Die Sorgenkinder
von Mrs. Scheyer» Expertin für Wiederansiedlungsfragen beim Pariser Büro der EGA.

2.

Wachsender Einfluß der Frauen in U.S.-Gewerkschaften.

3.

Glanz und Elend eines Photomodells.

4.

Warum sind wir lufthungrig?

- 13 -

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU.

5.

Sechs Prozent berühmte Frauen im amerikanischen
Nachschlagewerk "Who is Who"..

6.

Wie entfernt man Flecke?

1.

Frauen und Demokratie^

2.

Flugstewardess, ein begehrter Beruf in Amerika.

3.

Illusion und Wirklichkeit.

4.

Der amerikanische Kühlschrank von heute.

5.

Zitronenspeise - Götterspeise.

23/5/50 +)

1.

Bauklötzchen als Lernmittel.

+)

2.

Mrso Eleanor Roosevelt — Eine vielgeehrte Frau.

3.

Sensationelle Schuhmode.

9/5/50

16/5/50
+)

+)

Amerika propagiert den "nude look".
Schönheitsmittel wie vor 5 000 Jahren.
5.
Der Tod in der Streichholzschachtel.
6,
Blau bevorzugt»
Das Ergebnis einer Chicagoer Rundfrage.
+ + + + + + + + + + + + +
1.)

Der Gleichberechtigung der Frau entgegen»

+)

2.)

Bundestagsmitglied Frau Irma Keilhack über ihre
Eindrücke in- UoSoA.

+)

3.)

Entwicklung und ästhetische Ausdrucksform.

4.)

Gelenkrheumatismus und Schwangerschaft.

5.)

Ferien vom Ich.
Minna entpuppt sich alB bekannte Schriftstellerin
und «- Lebenskünstlerin.

1.)

Die Liga der amerikanischen Wählerinnen.

2.)

Rose Markward Knox, die Präsidentin der
M
Knox~GeIatine-Gesellschaft"&lt;&gt;

1/6/50

13/6/50
+)

+). 3.)

Am Badestrand» Spitzen und Leinen.

4.)

Ratschläge für die Stilltechnik.

5.)

Auch "Er" kocht und putzt und wäscht.

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU«
20/6/50

+) 1.
2.

Säuglingspflege und Kindererziehung

3.

Wissenswertes über den Sonnenbrand»

4.

Frauen-Nebenberufe in den U.S.A.

+ ) 5o
27/6/50

Amerikanische Farmersfrauen begehen die
"Woche des Haushalts"»

1,
+ ) 2c

Zum 70ten Geburtstag Helen Kellers«,
Mrs. Roosevelt und der Tag der UN.
Die Frühgeburten-Station des Michael-Reese»
Krankenhauses in Chicago*

3.

Geschichte eines modernen Aschenbrödels»

4.

Ein kleines "Haushaltsarohiv" erspart viel
Ärger.

5.

Zweimal Kunstseide*
+ + + + + + + + + + + + +

KURZNACHRICHTEN FÜR DIE FRAU,
4/4/50

1.)

Modisches aus den U.S.A.

2o)

Mutter gehen mit ihren Kindern zur Schule.

.)

13/4/50

Fast 1,5 Millionen amerikanische Frauen sind
freiberuflich tätig.

4.)

Margaret
Trumans-Stimme erstmals auf Schallplatten aufgenommen.

1.)

Gleichberechtigung der amerikanischen Frau
auch im Bankgewerbe gefordert.

2.)

Pandora Tsaldarls spricht über ihre Eindrücke
in den Vereinigten Staaten,
Ungewöhnliche Auszeichnung für Schwester
Elizabeth Kenny.

3a)

- 15 -

�KURZNACHRICHTEN FÜR DIE FRAU,
18/4/50

+)

25/4/50

1.

Vereinte Nationen erhalten Ü.S.«Vorschlag«
zur Frage der Staatsangehörigkeit der Frau
bei Heirat und Scheidung.

2.

Mrs. Roosevelt, die einflußreichste Frau
Amerikas»

3.

Vertreter der Amerikanischen Legion beschenken
Patienten der Kinderklinik in Mammolshain.

1.

"Philadelphia (Pennsylvania) Inquirer" über
die Frauenemanzipation in der Ostzone.

2.

Amerikanische Negerin wird ausgezeichnet.

3.

Metallimprägnierte Textilien.

4.

Eine Frau erhält hohe wissenschaftliche
Auszeichnung.
+ + + + + + + + + + + + +

9/5/50

16/5/50

23/5/50

1.

Präsident Truman ehrt verdiente Amerikanerinnen.

2.

HalbIndianerin die "Mutter des Jahres*.

3.

Ahorn-Sirup.

4.

Kleiner Modebrief.

1.

Die Axt im Hause ....

2.

Sonnenbrille mit schwenkbarer Linse.

3.

Weibliches Sexualhormon aus Süßholz.

1.

Lies ist wahrhaft Dienst am Kunden.
Abendhütchen bis Zulupuppe, das Telefonbuch
weiß es.

2.

Kleine Kniffe - große Hilfe.
+ + + + + + + + + + + + +

- 16 -

�KURZNACHRICHTEN FÜR DIE PRAU.
1/6/50

13/6/50

20/6/50

27/6/50

1.

Deutsche Vertreterinnen auf der Jahresversammlung des Verbandes amerikanischer Frauenklubs.

2.

Ernährung und Fruchtbarkeit.

3.

Neue psychologische Demonstrationsmethode:
Kasperlefiguren.

4.

Kleinkühlschränke für Kraftwagen.

5.

Gloria Swanson, der Vamp des frühen Tonfilms,
wieder hoch in Kurs.

+) 1.

Katharine F.Lenroot, Leiterin des U.S.-Bundesamtes für Kinderfürsorge, ausgezeichnet.

2.

Tiefgekühltes Gulasch - Vollständige Mahlzeiten,
samt Teller in amerikanischen Lebensmittelgeschäften zu kaufen.

3.

Tips für Hausfrauen und Junggesellen.- Über den
Umgang mit Nagelfeilen, Kleiderbügeln und
Alkoholflecken auf Möbeln.

4.

Neue Reinigungsmittel für automatische Geschirrwäscher.

1.

Deutschlandbesuch der Vizepräsidentin des YWCA.

2.

Qualitätskleider billig von der Stange.

3.

Ist Orion ein Konkurrent für Nylon?

4.

Schuhe mit auswechselbarem Oberteil.

1.

Das Textil-Archiv in New York City.

2.

Regenschirm mit auswechselbaren Bezügen.

3.

Der Wert der Spieltherapie»

+ + + + + + + + + + + + +
Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST*
kostenlos Bildmaterial liefern.

�LANDWIRTSCHAFTLICHE NACHRICHTEN,
April 1950 + )

+•)

1«

Rasche Ernte erhält Nährwerte.

2.

Mehr Fleisch duroh verbesserte S c h w e i n e fütterung.
"ölperle*, die künstliche B u t t e r .

4.

Junge Hühnchen auf alter Streu»

5.

Häufige Verwendung der richtigen S p r i t z mittel sichert eine gute Obsternte«

6.

Pflanzen wachsen ohne Erde.

7.

Bestand a n Milchkühen in den U.S.A. nimmt zu»

8.

Eßt Gras &lt;&gt; . .

9.

Statistische Erfassung der amerikanischen
Landwirtschaft»
+ + + + + + + + + + + + +

Mai 1950

1«)

Die landwirtschaftliche Revolution in
den UoSoAo

2.)

Entdeckung vitaminprcduzierender
in einer Abfallgrube»

3»)

Erfolgreiche

4-.)

Radiometer zur Verhütung v o n Frostschäden»

5.)

D i e Sojabohne erobert die W e l t .

6.)

Die Kultur von Himbeeren und Brombeeren.

7.)

Zuchtversuche mit Tomaten»

8.)

Landbevölkerung der U.SoA. 19# der Gesamteinwohnerzahl»

9.)

Neue Grassamenbeize.

10.)

Bakterien

Rattenbekämpfung»

Kühleier ebenso haltbar wie gewöhnliche.
+ 4-4 + 4 4 4 4

4 + 4 4

+

Zu den m i t +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
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- 18 -

�LANDWIRTSCHAFTLICHE NACHRICHTEN«
Juni 1950

1.

Für und wider die Preisstützung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

2.

Neuartiger Silobau in den U.S.A.

3.

Mehr Schweinefleisch in Aussicht.
Senkung der Gewichtsverluste und Steigerung
des Wollertrages bei Schafen.

5.

Neue Kartoffelsorten aus den U.S.A.

6.

Fischfabrik auf See.

7.

Der Blütenwecker*

8.

DDT steigert den Kartoffelertrag.

9.

"Heu-Kanonen" helfen dem Farmer»
+ + + + + + + + + + + + +

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26) DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
April 1950/1

1.)

Die amerikanische Wirtschaftslage Anfang 1950.

20

Das Jahrhundert der Konservendose.

30

Deutsche Steuern echrecken U.S.-Privatkapital
ab.

4.)

Europa wirbt in U.S.A»
Deutsches Markenporzellan wird in Denver gezeigt»

50

Amerikanisches Kapital für Europa.
Investitionsprogramme für 1950 wesentlich erweitert»

6.)

Die ECA-Freigaben im Februar»

- 18 -

�DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
April 1950/11

•0

lo]

Am Wendepunkt des Marshallplanes«

2.)

8,6 Milliarden Dollar für Europa.

3.:

Deutsche Kohle für den Marshallplan.
Der westdeutsche Bergbau - ein wichtiger
Paktor im ERP.

4.:1

Leistungssteigerung durch Erfahrungsaustausch«

5.; 1

Marshallplangelder für europäische
Inveetitionsprogramme.

6.;

Gegenwertmittel gegen Kapitalnot und
Inflation.

7.:

ECA beschafft strategische Rohstoffe.
H + + + + + + + + + + + +

Mai 1950/1

i. I

Zollsenkung und Liberalisierung.

2. )

Elektrische Leitfähigkeit, Lichtempfindlichkeit und Strahlendurchlässigkeit
als bestimmende Merkmale neuer Gläser.

+) 3. )

Mai 1950/11

Die Kapazität der amerikanischen Stahlindustrie»

4. )

Die Lebensmittel der Zukunft, tiefgekühlt.

5. )

Amerikanisches Versuchslaboratorium
trägt zur Reduzierung der Produktionskosten bei.

1. )

U.S.A. untersuchen Export-Möglichkeiten
des Auslandes.

2. )

Marshallplanmittel für Westeuropas
Kolonien,

3. )

Amerikanische Werbefirmen im Dienst der
Allgemeinheit»

4. )

Turbinen verdrängen Kolbenmotor»

5. )

Senkung der Verbrauchersteuern in U.S.A.

- 20. -

�DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT..
Juni 195o/l

Juni 1950/11

1«

UoSo-Sozialversicherung vor der Neuordnung.

2,

13 Milliarden für Neuinvestitionen in U.S.A«

+) 3«

Das Fertighaus erobert den amerikanischen
Markt zurück.

+)

4.

Schiffsverkehr zwischen U.S.A. und Deutschland nimmt zu.

5.

Wirtschaftskalender - Mai 1950*

1.

"Brookings Institution" fordert Neugestaltung der amerikanischen Bundessteuern«

2.

Neue Gesichtspunkte bei der Auswahl von
Baugrundstücken in U.SoA»

3.

Das größte amerikanische Versandhaus hat
147 Millionen Kunden in aller Welt.

4.

Ein geschäftstüchtiger Geflügelhändler.
+ + + + + + + + + + + + +

27)

KURZBERICHTE AUS DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT.

April 1950/1

1.

U.S.-Amt für Arbeitsstatistik zur Arbeitslosenfrage •

2.

U.So--Samengroßhandlung gründet Zweigniederlassung in Italien.

3.

Neue Gleichstrom-E-Lok in U.S.A.

4.

Kunderfertige Fleischportionen bevorzugt.

5e

Gold aus Meerwasser«

6.
Mai 1950/1

1.
2.
3.
4.

Spanien und Portugal Hauptabnehmer für
überschüssige U.S.-Kartoffeln.
+ + + + + + + + + + + + +
2,5 Millionen U.S.-Patente.
U.S.-Öffentlichkeit billigt Privatgewinne.
Rückgang des Barsparens in U.S.A.
U.S.-Handelskammer weniger "Isolationistisch"•

- 21

�KURZBERICHTE AUS DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT.
Mai 1950/11

1.

Der -unfehlbare "Denkroboter".

2.

Fernsehen und Bierverbrauch.

3.

Was hält der Aktionär vom Jahresbericht?

+ + + + + + + + + + + + +
Juni 1950/11.

Juni 1950/11

1.

Boston erhält Warenhaus mit modernsten
technischen Einrichtungen.

2.

Der Einwanderer spart - Eine Gewohnheit»
die er in die neue Welt mitbringt.

3.

Wäschewaschen ohne Seife.

A.

"Amprobe", der neue Kleinststrommesser.

1.

Erdölbohrungen in Nordafrika.

2.

Eisgekühltes ohne Eis.
+ + + + + + + + + + + + +

28) GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.

April 1950/1

1.)

CIO fordert Unterstützung des Auslandshilfegesetzes durch U.S.-Repräsentantenhaus.

2.)

Gewinnbeteiligung für Arbeitnehmer in den
U.B.A.

3.)

Schwedische Gewerkschaftler besuchen U.S.A.

4.)

Facharbeiter von morgen.

5.)

Generaldirektor der ILO gibt Rechenschaftsbericht.

6.)

Sparmarken für Aktienerwerb und Urlaubsfinanzierung.

7.)

Mai 1950/1

U.S.-Seeleutegewerkschaften fordern Maßnahmen
gegen kommunistische Störversuche.
+ + + + + + + + + + + + +

lc)

AFI» und CIO gratulieren Berlin.

2.)

Die öffentlichen Gewerkschaftsorgane in den
U.S.A.

3.)

AFL-Gewerkschaftsausstellung in Philadelphia.
- 22 -

�GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN,

Mai 1950/1

4&gt;

AFL-Gewerksehaft erörtert antikommunistisohen Aktionsplan0
AFL lobt "freien Gewerkschaftsbund im Exil"*

Mai 1950/11

Juni 1950/1

6.

Amerikanische Arbeiter sind zahlungskräftige
Touristen,

1,

UAfvKollektivvertrag mit General.-Mot.crs lebhaft
begrusst.

2.

AFL-Erklärung zum Deutsohlandproblem.

5.

AFL-Erklärung zur internationalen Lage.
+ + + + + + + + + + + +

1.

Die amerikanischen Gewerkschaften und das
Punkt &lt;=4~Programm&lt;&gt;

2.

Goldenes GewerkschaftsJubiläum in U.S.A.

3.

AFL schlägt Studium der Altersfürsorge vor.

4.

Unfallziffer im U.S.-»Bergbau rückläufig.

5.

U.S.-Elektroarbeiter stimmen gegen Kommunismus.

Juni 1950/11 1.
+)

2.

U.S.-Arbeiter werden Kampf gegen den Kommunismus fortsetzen
U.S.-Konferenz für Invalidenfürsorge fordert
"totale Neueinschulung" der Arbeitsinvaliden.

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
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29) EISTIGES LEBEN.
April 1950/1 1.)

Grau ist alle Theorie»

+)

2.)

Mystik —

durchaus unmysteriös.

+)

3.)

Volkskunst in Amerika und anderswo.

4.)

Die Krise der Kunst ist keine Krankheit
zum Tode.

5.)

Die Grundzüge des Liberalismus.

- 23 -

�JJEISTIOES_LEBEN
April 1950/11 +)l.
2.

Der schöpferische Neger.
Langston Hughes,
Der Neger spricht von den großen Strömen
Amerikanische Notenbibliothek für deutsche
Musiker»

4.
5.
6,

Seminar für Amerikakunde in Salzburg.
Das Land ohne Mittelstand.
In zwei Jahren 150 neue amerikanische
Hochschulen.
Täuschungen als Quelle der Erkenntnis»
+ + + + + + + + + + + + +

Mai 1950/ I

1.

Rot und Schwarz oder Der tödliche Bruderkuß.

2.

Strawinsky für die Kleinen.
Ein Schallplattenclub für Kinder.

+) 3 .
4.

Mai 1950/11

Von der babylonischen Hieroglyphe bis zum
Schundroman.
Amerikanische Pädagogen in Deutschland
eingetroffen.

+) 5»

Malerei aus dem Geiste der Musik.
Das Lebenswerk Lyonel Peiningers in New York.

+) 6.

Helen Keller in Paris.

+) 1.

Die Oper ist tot: Es lebe die Oper.
Von Gian Carlo Menotti.

2,

+) 3,

Das kirchliche Leben in Amerika.
Hochkommissar McCloy vor der Evangelischen
Akademie in Hermannsburg«.
Die Summe des menschlichen Denkens Ein Philosoph sichtet das Gedankengut
unserer Welt.

+) 5,

Paul Klees, der Palmström der Palette.

6,

Mikrofilmexpedition ins 5» JahrhundertAuf dem Sinai werden anderthalb Jahrtausend
alte Manuskripte photographiert.

7.)

Dr. Read fordert pädagogische Zusammenarbeit
im Sinne hundertjährigen deutsch-amerikanischen Gedankenaustausches.

- 24

�GEISTIGES LEBEN.
1.)

Juni 1950/1
+)

2.)

Lebendige Ordnung — Zum Kongreß für kulturelle Freiheit. Berlin 26.-30. Juni 1950
Das am meisten umstrittene Bild des Jahre»..
Salvador Dalis Madonna für Port Lligat.

3.)

Der Weg des großen Musikhistorikers
Alfred Einstein.

4.)

Das amerikanische Buch im Nachkriegedeutschland.

5.)

Wer hat den "Pythagoras" zuerst bewiesen?

6.)

Die hochsinnige Rothaut-»

7.)

Freierer Geist in den deutschen Schulen.

8.)

UNESCO erweitert ihre Arbeit in Deutschland.
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
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30) JUGEND.
April 1950

+)

1.)

Maxi, der glücklichste Hund der Welt.

2.)

Die deutsche Jugend und das
problem.

3.)

Fachausbildung für die amerikanische Jugend.

4.)

Erziehung zum praktischen Leben.

5.)

Die schönsten Jahre unseres Lebens*

6.)

Amerikanische Marine-Pfadfinder erhalten
Unterricht in Navigationslehref.*

7.)

"Campfire-Girls" begehen ihr 40-Jähriges
Bestehen.

8.)

Versuches mal.
Luft?

Wie groß ist der Druck der

+ + + + + + + + + + +•+ +

- 25 -

Arbeitslosen-

�JUGEND.
Mai 1950

Der Holzfäller und die Hexe»
Ein« Schule kommt zu den Schülern,
Die Calvert-Schule unterrichtet Kinder in
aller Welt,
Amerikanische Organisation zur Förderung der
Wissenschaften unterstützt junge Talente»
4.

Bleistifte ohne Blei.

+)

5.

Ringling Bros, und Barnum &amp; Bailey in New York»

+)

6.

Sommerlager in den Vereinigten Staaten.

7»

"So leicht" ... - nein, "so schwer wie Luft",
müßte es heißen!
+ + + + + + + + + + + + +

1.

Der kleine Ralph und der Mammutbaum.

2*

Erziehung und internationale Verständigung.

+)

3»

Sommerlager des amerikanischen Quäkerhilfskomitees»

+)

4.

Ein Kindertheater auf Rädern.

58

Im Kindertiergarten von New York.
Eintritt nur in Begleitung von Kindern.

Juni 1950

Versuch's mal. Die tanzende Haarnadel.
+ + + + + + + + + + + + +
Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern»

- 26 -

�M

l&lt;: R

I

K

A

D I E N S T

Oktober 1950
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTSNMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. Juli 1950 - 30. September 1950

Seite
Leben in den USA.

Wissenschaft
Politik',
r Kunst und Theater».
W -tsoha.f t«
P rtrait der Woche,
Arbe
Medizin.
Presse, Rundfunk. Fernsehen,
'i :e &amp; Technik.
Amerikanische Staaten,, Amerikanische Städte .
Gesundheitswesen,
Erziehungswesen
Psy &gt;h I gie
Wohnung s oav
Das neue Buoh
17-) Jugend Ja Amerika..
18«, 1 Kriminalistik

IBm) Bpo:
19.)
20..)
2 1 .)
22. J
23 )

Die öffentliche Meinung»
Vereinte Nationen,,
Bur pä'; sches Wiederaufbauprogramm,.
Komme- : are von John L... Morton*
Zu Ihrer Information.-

24 ) Artikel für die Fraiju

2
3
3
4
4
4
4
5
5
5
5
6
6
6
6
6
6
6
6
7
7
8

29 ) Die amerikanische Wirtschaft

10
12
14
15
16
18

30 ) Gewerkschaftliche Nachrichten aus den Vereinigten
S • aaten.-

19

25.) Kurznachrichten für die Prau;.
26 ) Geistiges Leber27 ) Landwirtschaftliche Nachrichten
28. ) Jugend

+ + + + + + +

+ + +

�1.) LEBEN IN DEN USA,
4/7/50
6/7/50
8/7/50
11/7/50
13/7/50 *
15/7/50 *
18/7/50
20/7/50
22/7/50
25/7/50
27/7/50
29/7/50

*

1/8/50
3/8/50
5/8/50
16/8/50
19/8/50

*
*
*

23/8/50
26/8/50
30/8/50

*

Was sagt der Rundfunkhörer? — Neuartige Meinungsforschung in den USA.
Auf den Spuren des Wilden Westens.
Was ist ein Yankee?
Die fremdsprachige Zeitung in den USA.
Das amerikanische Rote Kreuz.
Kalifornien, der goldene Staat des amerikanischen
Westens«,
Amerika sucht Lösung des Altersproblems.
Die Entwicklung der Negerfrage im Süden der Vereinigten Staaten.
Die Handelskammer - das Planungszentrum der amerikanischen Stadt.
Der modernste Unterwassertunnel der Welt.
Die Himmelspolizei von New York.
Austauschprogramm führt deutsche Polizisten nach
Michigan,
+ + + ++ + + + + + ++ +
Der Yosemite-Naturschutzpark.
Die Indianerschule in Chicale.
Höhlenbewohner in Alaska.
Das Handelsmuseum in Philadelphia weiß alles.
Die ersten vorläufigen Ergebnisse der amerikanischen
Volkszählungc
Mannslcut und Wcibsmensch, Buwe und Maed. — "Pennsylfawnische Deitch" als Muttersprache.
Indianertreffen in New Mexico.
Ein Hund mit Bankkonto — "Cappy" - ein Stück New
Yorker Leben.
+ + + + + ++ + +

2/9/50
6/9/50
13/9/50
16/9/50
20/9/50

*

+ + +

1.) Der Tag der Arbeit in den Vereinigten Staaten.
2.) Präsident Truman an die Arbeiter der USA.
Sängerfest jenseits des Ozeans.
Aus der amerikanischen Mythologie — Riesen formten
das Antlitz Amerikas.
"Sprechende Bücher" für Blinde.
Zwei-Mann-Ingenieurbüro mit Rekordkontrakten.

Zu den mit *) bezeichneten Artikeln kenn der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

- 1 -

�LEBEN IN DEN USA.
23/9/50
27/9/50
30/9/50

*

Rotary International - "Nur v/er wahrhaft dient, kann
Lohn erwarten"»
"Phi Beta Kappa", die älteste und berühmteDte amerikanische Vereinigung von Studenten und Akademikern»
Madison Square Garden.
+ + + + + + + + + + + + + +

2.) WISSENSCHAFT.
1/7/50
4/7/5C

*

11/7/50
2C/7/50
25/7/50
27/7/50

Probleme der Raumschiffahrt vom Standpunkt dos Arztes»
Wandlungen der Weltwirtschaft durch die chemische
Industrie.
Fluorverbindungen - neue Zaubermittel der Chemie.
Medizinische Möglichkeiten der Atomenergie.
Uransuche aus der Luft — Das Geigerzählrohr im
Plugzeug.
Malariabekämpfung in Sardinien.
+ + + + + + + + + + + + + +

1/8/50
9/8/50

Psychologische Tests mit Tauben.
Tausendjährige Wolkenkratzer.
+ + + + + + + + + + + + + +

6/9/50
13/9/50
27/9/50 *

Der Mars und seine Geheimnisse.
Was sagt die Wissenschaft über die Hypnose?
Aus dem Leben des Biologen, Forschungsreisenden und
Schriftstellers William Beebe.
+ + + + + + + + + + + + + +

3.) POLITIK .
1/7/50
11/7/50

Mr. McCloys erstes Jahr.
Errichtung eines wissenschaftlichen Stabes im amerikanischen Außenministerium vorgeschlagen.
Die weiß-blaue Flagge der Vereinten Nationen.
+ + + + + + + + + + + + + +

22/7/50
9/8/50
12/8/50

*

Durchschaute "Friedenspetition".
Die politische und wirtschaftliche Entwicklung der
Hawaiischen Inselgruppe.
+ ++ + + + + + + + + + + +

30/9/50

*

Friedensnobelpreisträger Ralph Bunche»
+ + + + + + + + + + + + + +

- 2 -

�4.)

Literatur, Kunst, Musik und Theater.

1/7/50 *
6/7/50 *
15/7/50
18/7/50 *
25/7/50

*

Robert Prost - der 75jährige Dichter Neu-Englands.
Kulturleben ohne Sommerpause,
Amerikanische Studenten führen 'Parsifal' auf.
Bergmannslieder gehören zur Volksliedsammlung der
amerikanischen Kongreßbibliothek.
Amerikanische Maler stellen in Venedig aus.
+ + + + + + + + + + + ++ +

3/8/50 *
9/8/50 *
23/8/50

Landgemeinde v/ird Kulturzentrum,
Amerikanisches Gespräch mit Gerhard Marcks.
Die Arena des Altertums - letzte Errungenschaft am
Broadway.
+ + ++

2/9/50
20/9/50
23/9/50
30/9/50

*
*

+ + + + + + + + +

Robert Russell Bennett, eine der eigenwilligsten Gestalten des amerikanischen Musiklebens.
Brooklyn Library in New York verleiht Reproduktionen
der schönsten Bilder der Welt.
Die "Met" - Amerikas repräsentativstes Opernhaus.
Edward Hopper — Realistischer Romantiker.
+ + + + + +++

+ + + + + +

5.) WIRTSCHAFT.
3/8/50
16/8/50
19/8/50
23/8/50
26/8/50

2/9/50
20/9/50

*

Kohle, die zweimal arbeitet.
Ab 1. September wieder deutsches Generalkonsulat in
New York,
Freies Unternehmertum und soziale Sicherheit.
Berlin führt mit amerikanischen Hilfsgeldern sein
Notprogramm durch.
Nahrungsreserven aus dem Meer«
+ + + + +++ + + ++ + + +
Der internationale Boden von New York. Schiffe bringen zollfreien Wüstensand und Bombenschutt.
"Planktonsandwich" - die Nahrung der Zukunft?
+ + + + + + + + + + + + + +

- 3 -

�6.) PORTRAIT DER WOCHJS.
8/7/50 +
15/7/50 +
20/7/50 +
22/7/50 +
16/8/50 +

Milton Katz, der neuernannte ECA--3onderbotschaf ter
für Europa;
James Thomas Farrell, Schriftsteller und Essayist.
Charles M, Spoffcrd, der neuernannte Vertreter der
USA im Exekutivausschuß des Nordatlantikrates
Mit Schreibmaschine und Zeichenstift - Der unnachahmliche Ludwig Bemelmans.
+ + + + + ++ + + + + + +
Mr. Shepard Stone, der neue Direktor des Amtes für
Öffentliche Angelegenheiten bei der US-Hochkommission
für Deutschlands
+ + + + + + + + +'+ + + +

6/9/50 +
16/9/50 +

General Walton Harris Walker, Oberkommandierender der
UN-Landstreitkräfte in Korea»
Percy Aldrich Grainger, der markanteste Kopf auf
Amerikas Konzertpodium.
+ + + + + + + + + + + + +

7.) ARBEIT
13/7/50
22/7/50
27/7/50
5/8/50
19/8/50
16/9/50
27/9/50

Frauen im Staatsdienst der USA.
Zinsfreie Darlehen für amerikanische Elektroarbeiter.
Das US-Arbeitsministerium»
+ + + -fr + + + + + + ++•
Hohe Produktion sichert hohe Einkommen und gesteigerten
Lebensstandard der amerikanischen Arbeiterschaft„
Das Bankett für den Boss,
+ + + + + + ++*+ + + + +.
Sommer-Seminare für amerikanische Gewerkschaftler»
Streiks., die beim Abendessen beigelegt werden.
+ + ++ + + + + + + + + +

8,) MEDIZIN,
8/7/50
15/7/50 +
18/7/50

Überragende Heilwirkungen bei Blinddarmentzündung durch
Aureomycin«
Neue Wege bei der Behandlung der Kinderlähmung,
Alkoholische TrugSchlüsse - Die Medizin widerlegt
die Ausreden der Gewohnheitstrinker.
+ + + + + + + + +_+ + + +

9 ) PRESSE, RUNDPUNK, FERNSEHEN.
4/7/50
6/7/50

Die. "Leichenhalle" - letzte Zuflucht des Redakteurs
Im Sendewagen durch Amerika. - Neue Sendefolge der
"Stimme Amerikas"*
+ +
+ + + + + +
„ 4 ..

�PRESSE, RUNDPUNK; FERNSEHEN,
1/8/50
16/9/50
23/9/50

Spezialaender für schwere Musik«,
+ ++ + + + + + + + + + +
Tcscaninischüler über klassische Musik und die
Televisiono
"TIME" über den Berliner Oberbürgermeister, Professor
Drt, Ernst Reuter0
+ + + + + + + + + + + + +

10,) INDUSTRIE &amp; TECHNIK.
13/7/50
16/8/50
9/9/50

Elektrische Anlagen im neuen Sekretariatsgebäude der UN.
+ + + + + + + + + + + + +
Der Radioapparat am Handgelenke
+ + ++ + + + + + + + + +
Amerikanische Wissenschaftler untersuchen die Unfallgefährdung in modernen Personenkraftwagen..
+ + + +-!»-+. + + + + + + +

11,) AMERIKANISCHE STAATEN, AMERIKANISCHE STÄDTE.
20/7/50 +
12/8/50

Maine - der Staat der Kiefernc
+ + + + •• + +• + + + +
Brooklyn - der Irrgarten auf long Islando
+ + + + + + + + + + + + +

12,) GESUNDHEITSWESEN.
9/8/50
26/8/50 +

Der Gesundheitsstand der Negerbevölkerung in den
Vereinigten Staaten„
Keine Panik bei Kinderlähmung - Amerikanische Spezialisten geben praktische Ratschläge0
+ + + + + + + + + + + + +

13 . ) ERZIEHUNGSWESEN.,
13/7/50
22/7/50
6/9/5^ +
9/9/50 +
13/9/50 •!-

Eine Universität für Taubstumme &lt;,
Die internationale Arbeitstagung für Sozialkunde in
Heidelberg.'
+ + + + + + + + + + + + +
Das internationale Studentenheim in Boston«.
Psychologie der Farbe.
Columbia-Universität plant für die Zukunft.
'+ + + + +

+ + +«*• + + + +

�14.) PSYCHOLOGIE,

30/8/50
9/9/50

Amerikanischer Psychologe mißt den menschlichen
Charakter.
+ + + + + + + + + + + + +
Der Geburtsschein trügt.
+ + + + + + + + + + + + +

15.) WOHNUNGSBAU.
29/7/50 +

Aufschwung der amerikanischen Fertighausindustrie»
+ + + + + + + + + + + + +

16.) DAS NEUE BUCH.
29/7/50

12/8/50

Heitere Betrachtung über
Your Age". Von Dr. Corey
.+ + + + + + + +
Ethos und Wissenschaft —
nischen Physikers Robert
H. Compton.
+ + + + + ++ +

das Altern. Aus "How to Guess
Ford.
+ + + + +
Ein Lebensbild des amerikaA. Millikan. - Von Dr» Arthur
+ + + + +

17.) JUGEND IN AMERIKA.
5/8/50 +

Jugendherbergen in den Vereinigten Staaten.
+ + + + + + + + + + .+ + +

18.) KRIMINALISTIK.
8/7/5 » +

AI Valanis - der Detektiv, der Verbrecher mit dem
Bleistift fängt.
+ + + + + + + + + + + + +

18.) S.PORT.
30/9/50 +

Ein Weltmeister ist abgetreten — Joe Louis schiffte
es nicht.
+ + + +'+ + + + + + + + +

19.) DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG.
30/9/50

Überwiegende Mehrheit der Deutschen auf der Seite
des Westens.
+ + + + + +•+++

+ + + +

20.) VEREINTE NATIONEN.
23/9/50

Der Rund funknachr ich tendienst der Vereinten Nationen
sendet in 27 Sprachen«
+ + + + + + + + + + + + +
- 6 -

�21.) EUROPÄISCHES WIEDERAUFBAUPROGRAMM.
23/9/50 +

Schleswig-Holstein baut zehntausend Fluchtlingswohnungen mit Hilfe von ERP-Mitteln.
+ + + + + + ++++ + + +

22.) KOMMENTARE VON JOHN I. MORTON.
1/7/50
6/7/50
13/7/50
15/7/50
18/7/50
22/7/50
25/7/50
29/7/50
1/8/50
5/8/50
9/8/50
12/8/50
16/8/50
19/8/50
23/8/50
26/8/50
30/8/50
6/9/50
9/9/50
13/9/50
16/9/50
20/9/50
23/9/50
27/9/50

Aktive Seihritte zur Friedenssicherung — USA handeln
im Rahmen der UN.
Frischer Wind in Washington.
Amerikanische Politik der Gegenwart - Die Vereinten
Nationen beweisen große Entschlossenheit.
"Sie lispeln 'Frieden', wenn sie lügen..."
Feldzug der Wahrheit wider die lüge.
Die Antwort auf falsche Friedensfühler.
Wir sind alle im gleichen Boot.
Die amerikanische Wirtschaft stellt sich um.
+ + + + + + + + + + + + +
Überflüssige Spekulationen.
Fünfte Kolonne unter der Lupe.
Auf dem Wege zu einem geeinten Europa — Straßburg:
Symbol für eine künftige bessere Welt.
Aus Schwarz mach Weiß — Aber die Tatsachen über Korea
lassen sich nicht verdrehen.
Erinnerung an eine kurze Freundschaft.
Westdeutschland muß sich entscheiden.
Volkswahlen ohne Volk.
'Demokratie' an den Ufern der Donau.
Sie sind nicht vergessen — Die Kriegsgefangenenfrage
vor den Vereinten Nationen.
+ + + + + + + + + + + + +
Eine Warnung an den Kreml — Gegen die Wahrheit ist
kein Kraut gewachsen.
Nicht Divisionen allein
Die einzige Sprache, die der Kreml versteht.
Sie irren, Herr General.
Politische Pathologie im Osten.
Es geht voran.
Neuer Ku: 3?
+ + + + + + + + + + + + +

- 7 -

�23.) ZU IHRER INFORMATION,
1/7/50

11/7/50

22/7/50
3/8/50
16/8/50
19/8/50

23/8/50

30/8/50

2/9/50
6/9/50
9/9/50

13/9/50

1.) Voller V/ortlaut der Erklärung Präsident Trumans
vom 27c6.1950 und der Resolution vom gleichen
Tage, die die USA dem Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen vorlegten.
2.) Voller Wortlaut der Rede des US-Außenministers
Dean Acheson, gehalten am 29.6»1950 vor der
"American Newspaper Gruild" in Washington.
1.) Voller Wortlaut der offiziellen Note der Regierung
der Vereinigten Staaten an die Sowjetunion über
den angeblichen Kartoffelkäferabwurf über Ostdeutschland (überreicht am 7.7.1950).
2.) Voller Wortlaut einer Erklärung des US-Außenministeriums zum Kartoffelkäferabwurf über Deutschland,
die der Presse am 6. Juli 1950 übermittelt wurde.
Wortlaut der Einführung zum Weißbuch der USA über
Korea (veröffentlicht am 20. Juli 1950).
+ + + + + + + + + + + + +
Wortlaut einer Rundfunkansprache des republikanischen
Beraters des US-Außenministers, John Poster Dulles,
gehalten am 31- Juli 1950 in San Francisco, California»
Die zehn großen Lügen Maliks. (Aus "New York Times"
vom 10. August 1950).
1.) Das Problem der japanischen Kriegsgefangenen»
2.) Präsident Truman übermittelt dem US-Kongreß den
achten Quartalsbericht der ECA. (17. August 1950).
3 0 Liste der Gedenktage für September 19 r 0.
Zwei Jahre Republik Korea.
Die kommunistische Presse in Westdeutschland. Von F.
Grardner Cox» jr0
I. United Nation** sollen das Kriegsgefangenen-Problem
erörtern.
II. Bundesrepublik lacht Fortschritte — Der zweite
Viertel Jahresbericht McClojSc,
III. Präsident Truman über die Ziele der amerikanischen
Chim politik.
+ + + + + + + + + + + + +
Die Wahrheit über Moskaus Friedensieidzug»
Präsident Truman: Keine Weltkriegsgefahr. (Wortlaut
der Rundfunkanspräche Präsident Trumans vom 1. September 1950).
Die öffentliche Meinung in Deutschland. VierJahresbericht der Abteilung für Erforschung der öffentlichen
Meinung bei der amerikanischen Hochkommission in
Deutschland.
Präsident Truman: Für die Verteidigung Opfer bringen...
(Voller Wortlaut der Rundfunkansrräche Präsident Trumans
vom 9« September 1950)

- 8 -

�ZU IHRER INFORMATION.
16/9/50

20/9/50

23/9/50

a) Wortlaut des Zwischenkommuniqu^s vom 14. September
1950 der drei Außenminister der Vereinigten Staaten,
Großbritanniens und Prankreichs.
b) Wortlaut eines offenen Briefes an die "New York
Times", in dem Irvin Shaw sein Friedensstück
"Begrabt die Toten" vom Spielplan zurückzieht.
Bevölkerung der US-Zone befürwortet deutsche Trappen
für westeuropäische Verteidigung. - Resultate einer
von der Abteilung für Meinungsforschung im Amt für
öffentliche Angelegenheiten, HICOG, durchgeführten
Befragung der Bevölkerung der US-Zone.
Kämpfer gegen die Unmenschlichkeit.
Die internationale Frauentagung in Bad Reichenhall
vom 25. - 30. September.1950. . .
+ + + + + ++ + + + + + +

- 9-

�24.) ARTIKEL FÜR DIE FRAU«
4/7/50 + 1.)

+

Ellen McCloy. Die Gattin des amerikanischen Hochkommissars für Deutschlando

2,

Psychisches Trauma der Kindheit.

3

Richtige Ernährung.

4.

Der waschbare Wintermantel aus - Orion.,

Deutsche Studentinnen schreiben aus den Vereinigten
Staaten«
Die amerikanische Dichterin Emily Dickinson. Von
Co Hanseno
2.. Das "einzige*1 Kind.
5. Küchen werden größer und wohnlicher»
"Vicara" - ein neuer Konkurrent für Schafwolle.
4c
5. Kühlende Mischgetränke.
5,

11/7/50 4

18/7/50

lc

2.
3c

*

4«
5.

25/7/50 * 1.
2.

4.
5c

1/8/50 &lt;
2,
3
4&lt;
5o

8/8/5C .

Frauen im Berufsleben.
Gloria Swansons "come-back".
"Mein Gott, wie du gewachsen bist"»
Von der Dekoration zur Form.
Viele Ursachen können zu Kopfschmerzen führen.
Kinder von UN-Angestellten spielen miteinander und
kennen kein Veto.
Hauswirtschaftierinnen in Maryland sind am Weltgeschehen interessierte
Ausblick auf die kommende Herbstmode in den USA.
Getreidekörner als SchuhmaJ3 - Absonderliche Größeneinheiten.
Um die Gleichberechtigung des Mannes im Kinderzimmer«
Ein amerikanischer Sommerkurs für Eltern und Kinder,
Der internationale Kampf gegen die spinale Kinderlähmung,, Von Eleanor Roosevelt.
Betty Hutton - Von der Straßensängerin zum Star«
Amerika entwickelt den "echten" Fahrstuhl«
Waschmittel wollen richtig benutzt sein»

1.
2.
3

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.
Der Angsttraum.
Amerikanische Studentin wird Star-Mannequin bei
Christian Dior.
4.) Warum Frühstück? Eine zu Unrecht vernachlässigte
Mahlzeit.
10 -

�ARTIKEL F'JR DIE FRAU,
8/8/50

5.

New Yorker Psychologe schlägt Ehetauglichkeitsgesetz vor«

Die Aufgaben der Frau im Wechselspiel des modernen
Lebens»
2. Hormone und Charakter., Amerikanische Psychologen
antwickeln den Mann-Frau-Test.
Die Frau im amerikanischen G-ewerkschaftsleben.
3o
4. Ein unmuseales Museum - Neue Wege zur Kunsterziehung.
Dunkelblau — vornehm, schick und praktisch.
5c

16/8/50

1.

+
23/8/50 +

]
3*
4.
5.

30/8/50

1.
+ 2.
3«
+

4,
+ ' 5.

Gwendolyn Brooks - Eine junge amerikanische Dichterin.
Vorschriften und Privilegien für Jugendliche.
Das Traumhaus von Mr„ und Mrs» Mathias in Jackson.
Hundert Jahre Panama-Hüte&lt;&gt;
Sin Wort für die ledige Frau.
D.i e USA nehmen sich heimat- und elternloser europäischer Kinder an.,
Ein amerikanischer Filmstar und seine Familie.
Von Joel McCrea«
Neuzeitliche Babywiege mit Klimaanlage und Sendestation.
Antike Möbel mit modernem Zubehör»
Backfisch- und Schulmoden in den USA.
Über den Umgang mit Schnittblumen.
+ 4- r-r + + + + + + + + +

6/9/50 +

1.
2,
3.
4.
5.

Lehrfach: Pamilienglück«
Kinder, Eltern und das Gesetz*
Probleme gehören nicht ins Bett.
Chance für Drillinge: 1 zu 9 400.
Pfannen, Töpfe, Tiegel - und v/as man darüber wissen
mußo
6., Amerikanische Farmersfrauen auf der Kopenhagener
Konferenz..
7. Amerikanischer Frauenverband befürwortet UN-Aktion
in Korea.,

13/9/50
2.
3o

4.
5.

Sozialarbeit in den Vereinigten Staaten.
Wie lebt eine Arbeiterin in New York?
Das US-Bundesamt für Frauenfragen.
Die Ursache des Bettnässens.
Selbsterkenntnis, Selbsterziehung und Toleranz, drei
bedeutsame Faktoren im Berufsleben.
- 11 -

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU.
13/9/50

6.
7.

Oberlin in USA unterstützt Gronenberg in Holstein.
Hollywoods größter Star - Dorothy Ford.

20/9/50

1.
2.
3.
4.

Das Werk der Schriftstellerin Edna Ferber.
Ein Loblied auf die 'Separates'.
"Und vor allem, Konrad, hör...."
Für und wider die sexuelle Aufklärung durch die
Schule.
Die amerikanische Frau im Berufsleben.
Pearl 3. Bucks "Haus des Willkommens" in Pennsylvanien.

+

+

27/9/50

5.
6.

Die Gesellschaft für den Dienst an der Familie.
US-Bundesamt für Frauenfragen beschafft erforderliche Unterlagen für eventuelle kriegswirtschaftliche Maßnahmen.
3. Shirley Graham: Amerikanische Opernkomponistin und
Biographin.
4. Vorschau auf die New Yorker Hutmode der kommenden
Saison.
5. Wie gewöhnt man einem Kind häßliche Ausdrücke ab.
+ + + + + + + + + + + + +

1.
2.

+
+

25-' KURZNACHRICHTEN FÜR DIE FRAU.
4/7/50

1..
2.
3.
4.

Hundert Jahre amerikanische Frauenschule für Medizin
Der Pappteller wird gesellschaftsfähig.
Fortschrittliches Amerika.
Churchills Tochter filmt in Hollywood.

11/7/50

1.
2.
3.
4.

Hauptberufsarten der Frauen in den Vereinigten Staaten,
Lampenschirm: waschbar und unzerbrechlich.
Fürs Badezimmer.
Die Weste stirbt aus.

18/7/50

1.
2.
3.

Luftiger Regenschutz.
Einkochen in kürzerer Zeit mit Subtilin.
Ein neues Dämpftuch zum Entglänzen von Anzügen.

25/7/50

1.
2.
3.

Colleen Townsend filmt wieder.
Der Vitamin-C-Gehalt der Kartoffel.
Eine 67-jährige Negerin - Washingtons "Mutter des
Jahres.

- 12 -

�KURZNACHRICHTEN FJR DIE FRAUo
1/8/50

1.
2.

Gebackene Bananen.
Salatschale für heiße Sommertage«

8/8/50

1.

Frau Wolle-Egenlof spricht über die Rechtsstellung
der amerikanischen Frau.
Das Fashion Institute of Technology in New York.
Automatische Orangenpressen«

2.
3.
16/8/50

1.. US-Pfadfinderführerin besucht Deutschland.
2. Gekocht in New York City - serviert in Dakar, Buenos
Aires und Lissabon,,
3, Das Portrait auf dem Kopftuch.

23/8/50

1.
2,
3»
4.
5.

30/8/50
2.
3-

20/9/50

27/9/50

Das weibliche Hilfskorps der amerikanischen Streitkräfte ,
Verboten der Herbstmode.,
6 140 Frauen aus 125 Ländern besuchten im Laufe des
letzten Jahres die USA.
Elektrisch beheizte Teppiche.
Dr. John Ethel L. Nixon, die erste farbige Ärztin
der John Hopkins-Universitätsklinik in Baltimore.
Amerikanische Jugendkonferenz mit starker Auslandsbeteiligung,
Gute Berufsaussichten für Sozialarbeiterinnen in den
USA.
Amerikanische Farmer wollen auf ihre "Porch" nicht
verzichteno
June Allyson - Filmstar No. 1.
Jane V/yman wird Stewardess.

4»
5.
1.' Amerikanische Jugendheime vorbildlich für Deutschland,
2. New Yorks Frauen gegen kommunistische Lügenpropaganda.
3, Was heißt "Denier"?
4o
Ernährung und Knochenbau.
1.
2..
3,
4 ,

Kupferhaltige Nahrung verhindert graue Haare.
Penicillinhaltiges Zahnpulver gegen Zahnkaries«
Kleiderkäufe - nicht planmäßig«,
Wenn der Schuh drückt,
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit + ) bezeichneten Artikeln
kostenlos Bildmaterial liefern«

kann der "AMERIKA DIENST«

�26_. 'GEISTIGES LEBEN._
Juli 1950/1

Kongreß für kulturelle Freiheit (Berlin)
1.) Manifest der Freiheit des Geistes.
2.) Die Fragestellung des Kongresses.
3.) Scheidung der Geister.
4.) Wesen und Weg der Freiheit.
+ + + + + + + + + + + + +

Juli 1950/11

1.) Die UNESCO und ihre Ziele.
2.) Die UNESCO und die Vereinigten Staaten.
+ .+ + + + + + + + + + + +

August 1950/1

*)

1.) Ed"vard Munch - schwere Kost für Amerika.
2.) Theater auf Schallplatten.
3.) Werkstatt der Toleranz.
4.) Internationale Arbeitsgemeinschaft für
Studentenverwaltung und Studentenselbsthilfe.
+ + + + + + + + + + + + +

August 1950/11

*)

1.) Das Glück als Aufgabe der Wissenschaft.

*)

2.) Sonntagsmalerei und Psychoanalyse.
3.) Die verzwickteste aller Fragen:
"Wer sind Sie?»

*)

4.) "Zu wenig Wissensdurst"
Einstein klagt über die jüngeren Kollegen.
5.) Atomphysiker als Archäologen.
+ + + + + + + + + + + + + +

September 1950/1

Internationale Arbeitstagung für Sozialkunde
in Heidelberg.
1.) Die Forderung der Gegenwart an die
Schule: Soziale Erziehung.
2.) Humanismus und soziale Erziehung.
Von Dr. James M. Read.
3.) Über die Gemeinschaft.
Von Dr. Theodor Bäuerle.
- 14 -

�GEISTIGES LEBEN.
4.) über einige Fragen der Schulreform.
Von Jean Barbas.

September 1950/1
September 1950/11

*) 1.) Moderne deutsche Kunst in New York
und Venedig.
2.) Zukunftsmusik - im wahrsten Sinne
des Wortes.
3.) Der Krieg beginnt im Klassenzimmer.
4.) Sprache, die jeder versteht, und Orakel.
5.) Soziologie in den Vereinigten Staaten,
Von Kurt H. Wolff, Professor an der
Staateuniversität Columbus, Ohio.
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit *) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

27.^ LANDWIRTSCHAFTLICHE NACHRICHTEN.
Juli 1950

*)

1.) Die Reiserzeugung der Welt steigt.

*)

2.) Bullenauswahl schon bei Jährlingen.
3.) Getreideernte zur richtigen Zeit.
4.) Patente für Mais und Rosen.
5.) Konserven - besser und haltbarer.
6.) Kampf den Fliegen.
+ + + + + + + + + + + + +

August 1950

*)

1.) Ausreichende Ernährung für die ganze
Welt - das Ziel der FAO.

*)

2.) Landwirtschaftswochen in den
Vereinigten Staaten.
3«) Wundersamen für Amerikas Gärten.
4.) Mehr Obst durch Hormone.
5.) Landwirtschaftliche Abfallprodukte
in der KunstStoffindustrie.
6.) Rosenhecken als Erosionsschutz und
Weidezaun.
- 15 -

�LANDWIRTSCHAFTLICHE NACHRICHTEN.
Juli 1950

KURZNACHRICHTEN
1.) Mietenanlage ohne Erdbewegung.
2.) Jedem Landbezirk sein eigenes
Laboratorium für Bodenanalysen.
3.) Mehr Rauhfutter für Schafe.

August 1950

KURZNACHRICHTEN
1.) Spezialflugzeug für die
Landwirtschaft.
2.) Sollen Mastschweine einen
Auslauf haben?
3.) Geschorene Schafe nehmen nicht
rascher zu.
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit *) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

38L JUGSgD^
Juli 1950

*
*

August 1950/1

1.) Die Geschichte vom ersten Specht.
2.) Forscher kämpfen im Dschungel für Edison^
erste elektrische Lampe.
3.) Dan Beard, der Pfadfinder.
4-.) Football - rauh aber herzlich.
5 ) Wildwesthelden helfen im Haushalt«
6 ) Zv/ei Blechbüchsen und eine lange Schnur.,
und fertig ist dar- Haustelephon.
7.) Zehn Cent und fünfzig Dollar.
8.) Deutsche Jugendla^er fördern internationale Verständigung.
+ + + +++ + + + + + + + +
1.) Wie Kana Sonne, Mond und Sterne wiederbrachte. Eine Hawaiische Volkssage.
2.) Von der Urwaldtromnel zum Telephon.
3.) Wir fahren zurück nach Galeton
Eine Stodt lädt Kinder als Feriengäste
ein.
4.) Mit Federschmuck und Tomahawk. 'Vaterund-Sohn"-Bewegung in den USA.

�JUGEND.
August 1950/1

*

5. Der Marschallstab im Zeitungsbeutel.
Zahlreiche Berühmtheiten Amerikas waren
einmal Zeitungsjunge.
6. Versuch's mal! Eine Nadel steht auf dem
Kopf.

August 1950/11

1. Vom Zug, der nicht auf den Schienen
bleiben wollte.
2. "Voll beglichen".
3. Eine Schule auf Rädern.
4. Ein paar neue Spiele im Freien.
5. Wir bauen uns ein echtes Indianerzelt.
6. Versuch1s mal! Die Chemie des Feuers.
+ + + + + + + + + + + + +

September 1950/1

*

1.

*

2.

*

3.

*

4.

Boots und die Brandeisen.
Alfred Haenle, der deutsche SeifenkistlDerby-Champion, erlebt die USA.
Geliebte Puppe. Die alten Puppen sind
doch immer die liebsten.
Neuzeitliche Methoden zur Rettung aus
Seenot.
Präsident Truman empfängt Mädchen aus
allen Teilen der USA.
Versuch's mal! Assimilierende Pflanzen.

5.
*
6.
+ + ++ + + + + +++ + + +
September 1950/11 •

*

1. Der historische Prozeß gegen den amerikanischen Journalisten John Peter Zenger.
2. Korea - Land der Morgenstille.
3. Das Haus der sieben Säulen. Von Daniel
L. Marsh, Präsident der Universität Boston.
4.) Die Geschichte des Madison Square-Jugendclubs.

+ + + + + + + + + + + + +

+

Zu den mit *) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

- 17-

�29.) DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
Juli

Juli

1950/1

Aufgaben der Gesellschaft zur Förderung des
deutsch-amerikanischen Handels m.b.H.

1.
+ ) 2.

Die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft
seit 1850.

+) 3.

"Florists' Association" versendet Blumen
in die ganze Welt.

1950/11

4.

Naohwuchsausbildung in der amerikanischen
Industrie. (Teil I;

1.

Die wirtschaftspolitischen Absichten
Präsident Trumans.

2.

ECA garantiert Konvertierbarkeit von »(-Erlösen amerikanischer Spielfilme.

3.

Synthetischer Gummi wieder stark gefragt.

4.

Der radioaktive Golfball.

5.

Nachwuohsausbildung in der amerikanischen
Industrie. (Teil II)

6.)

Mehr als sechstausend Grundstücke seit
Januar 1948 in der US-Zone freigegeben.
+ + + + + + + + + + + + +

August 1950/1

DER WIRTSCHAFTLICHE HALBJAHRESBERICHT
PRÄSIDENT TRUMANS FÜR DAS ERSTE HALBJAHR 1950

August 1950/11 1.)

Die Bilanz von Chicago.
Westdeutsche Aussteller erhielten Aufträge
für-4 Millionen Dollar.

2.)

ERP-Hilfe ermöglicht Wiederherstellung des
Berliner Fernsprechnetzes und Aufbau der
Telephonindustrie.

3.)

10 000 amerikanische Kreditvereine.

4.)
5.)

Public Relation Ein Sprachrohr der am©rikanisehen Wirtiohaft.
Sie 0oilalltintungen der USA.

6.)

Entkohlen von Verbrennungemotoren.
+ + + + + + + + + + + + +

- 18 -

�DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
September 1950/1

1.)

ERP - Gegenwertkredite für die Berliner
Industrie.

2.)

Die Lage auf dem amerikanischen Baumarkt.
Aus der Werkstatt der Dollarfabrikanten.

September 1950/11

4.)

Neue amerikanische Textilmaschinen.

5.)

ECA verbilligt ölliöferungen aus dem
nahen Osten.

6.)

Lohnanreizsysteme in USA.

1.)

Neue Anforderungen an die amerikanische
Wirtschaft.
Produktionssteigerung - Steuererhöhimg Inflati onsb ekämpfung.

+) 2.)

Hamburger Ölindustrie baut mit ERP-Krediten.

3.)

Papier aus Hühnerfedern.
USA entwickeln neue Ausgangsstoffe
für die Papierherstellung.

4.)

Lohnanreizeystem in USA.
Teil I
Arten des Lohnanreizes

+ + + + + + + + + + + + +
30.) GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN,
DIE "DRITTE KRAFT" IN DER WELT

Juli 1950/1

Juli 1950/11

1.)

Der stellvertretende US-Arbeitsminister,
John Gibson, zur internationalen Aufgabe
der freien Gewerkschaften.

2.)

AFL und CIO für Steigerung der amerikanischen Importe.

1.)

AFL-Präsident Green zum Korea-Konflikt.

2.)

US-Gewerkschaften fordern garantiertes
Jahreseinkommen.

3.)

ECA-Beamter fordert europäische Gewerkschaften zur Mitarbeit am Marshallplan
auf.

- 19 -

�GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.
Juli 1950/II

4«)

Gewerkschaftemarken schützen die Interessen der Arbeiterschaft und der Konsumenten.

August 1950/11

1.)

Pur Freiheit und Demokratie in Korea.

+ )2.)

Kampf dem Unfall»
Sicherheitsmaßnahmen in amerikanischen
Betrieben.

3.)

Statistik erleichtert Kollektiwerhandlungen.

4.)

Eine Gewerkschaft filmt ihre Geschichte.

September 1950/1 1.)

Unbedingte Loyalität des amerikanischen
Arbeiters»

2.)

Die Beilegung Ton Lohnstreitigkeiten in
der amerikanischen Atomindustrie.

3«)

US=Arbeitsminister fordert Erfassung aller
Arbeitskräfte»

4.)

Zur Lage in Korea»
Von Victor G. Reuther»

5.)

Weibliche Arbeitskräfte in USA wieder
gefragt.

September 1950/11 1.)

Der neue Reuther-Plan zur Verteidigung der
Demokratie.

2.)

Vorschläge der Gewerkschaften zur Steigerung
der Produktivität.

3.)

Höchste Unfallrate bei Mittelbetrieben»

+ + + + + + + + + + + + +
Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der
kostenlos Bildmaterial liefern»

- 20 -

"AMERIKA DIENST«

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1*1 R K

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K

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IN S

S/6 - April 1950
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENliATERIAL UND ARTIKEL
DES "AMERIKA DIENST"
vom 1. Januar 1950 - 31. März 1950

ACHTUNG REDAKTIONEN!
Um Ihnen das Auffinden von Nachrichten und Artikeln
aus früheren Nummern des "AMERIKA DIENST" zu erleichtern,
bringen wir Ihnen ein Inhaltsverzeichnis des Materials,
das Ihnen im ersten Quartal 1950 zugegangen ist. Durch
eine Aufgliederung nach Sachgebieten soll Ihnen die spätere Verwendung des einen oder anderen nicht allzu zeitgebundenen Artikels ermöglicht werden.

Redaktion
"AMERIKA DIENST«
(U.S. Feature Service).

I

�S/6 - April 1950
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
«AMERIKA DIENST"
vom 1. Januar 1950 -31« März 1950
Seite
Leben in den U.S.A.
Wissenschaft
Portrait der Woche
Kunst, Musik, Theater, Film, Literatur
Das neue Buch
Europäisches Wiederaufbauprogramm
Wirtschaft
8.) Arbeit
9.) Politik
10.) Architektur
Erziehung
Medizin
Meilensteine auf unserem Wege
Amerikanische Städte
Unser modernes Zeitalter
Rundfunk
Religion
Sport
Zu Ihrer Information
Artikel für die Prau
Kurznachrichten für die Prau
Landwirtschaftliche Nachrichten
Kurznachrichten für den Landwirt
Die amerikanische Wirtschaft
Kurzberichte aus der amerikanischen Wirtschaft
Gewerkschaftliche Nachrichten aus den Vereinigten
Staaten
Geistiges Leben
Jugend
Sondernummern
+ + + + + + + + + + + + + +

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�1.) LEBEN IX JE&amp;JJ •?•.*&lt;
4/1/50

+) 1) "Warenhaus der Gedanken" ... die amerikanische
Tageszeitung.
2) Gefängniszellen nach persönlichem Geschmack.
6/1/50 +) Die amerikanische Kleinstadt.
9/1/50
Das Atom der Demokratie — Eine Stadt psyohoana^
lysiert sich selbst.
H/l/50
Fernsehen verdrängt Wochensohau.
13/1/50
Cahokia, Illinois, ist die älteste Siedlung am
Mississippi.
16/1/50 +) 1) Louisiana, der*europäische' Staat.
2) Wohnwagen mit Klimaanlagen und Brausebad.
18/1/50 +) Das kulturhistorische Museum im Albuquerque.
20/1/50
1) Filmstar für zwei Minuten.
+) 2) AmerikasWintersport No. 1 - Basketball.
23/1/50 +) HDer weiße Traum" - Kunsteisbahnen in den
Vereinigten Staaten.
25/1/50
1) Aus der Geschichte des Bronx-Zoo.
2) Kampf dem Großstadtlärm.
27/1/50 +) 1) Altes und neues Kalifornien.
2) Sträflinge können duroh nützliche Arbeit
ihre Haft verkürzen.
31/1/50
1) Landbriefträger in den Rocky Mountains.
+) 2) Freiheitsstatue in neuer Umgebung —
Bedloe's Island im New Yorker Hafen wird
renoviert.
+ + + + + + + + + + + + +
2/2/50
4/2/50
7/2/50
9/2/50
14/2/50
16/2/50
18/2/50
21/2/50
23/2/50
25/2/50
28/2/50

Skiwettkämpfe in Lake Plaoid, New York, und Aspen»
Colorado.
+ ) Kalifornien - der Weinberg Amerikas.
1) Ölbohren ist Glüokssache.
2) Vermont: Ein Laboratorium des Fortschritt«•
Hotel Waldorf Astoria - "die Bühne der Welt".f) Seattle - das Tor nach Alaska.
Amerikanische Organisation zur Behebung rassieohsr
und politischer Vorurteile.
-^ Die Maulesel-Hochschule am Grand Canyon.
+) Zwanzig Millionen Kegler.
+) Death-Valley - Das Tal des Todes.
Kleine Kulturgeschichte aus dem Speisezettel.
Höfliche Telefonvermittlung ist die zugkräftigste
Reklame.
+ + + + + + + + + + + + +

- 1 -

�LEBEN IN DEN UoSoA,
2/3/50
4/3/50
7/3/50
9/3/50
11/3/50
14/3/50
16/3/50
18/3/50
21/3/50
23/3/50
25/3/50
28/3/50
30/3/50

Eingefrorener Fisoh begründet eine Industrie.
Der letzte Postreiter des Wilden Westens.
+ ) Millionen Menschen besuchten das Empire State
Building.
Klimawechsel auf der ganzen Welt wirkt sioh auoh
in den ü,SoAJ'aus»
+) "Drüben im Westen" — Cowboys leben im Volkstum,
in Liedern und Tänzen weiter.
+) Amerikanische Großstädte beschleunigen Fernverkehrsstraßenbau.
Die Stadt im Park — ein Musterbeispiel moderner
Stadteplanungo
DP's passen sich leicht an.
+) Das Bürohaus der Zukunft.
+) Landwirtschaft: mit Idealismus. - Leistungen und
Ziele des 4-H-Clubs.
+) Eine deutsche Studentin berichtet von ihren Eindrücken auf einer amerikanischen Universität.
Ein Dorf, das sich weigert, eine Stadt zu werden Carmel.
Im Kapitol von Washington gibt es keine Hofetikette,
aber 75 "Pagen".
+ + + + + + + + + + + + +

2.) WISSENSCHAFT
4/1/50
6/1/50
9/1/50
H/l/50
13/1/50
16/1/50
18/1/50
23/1/50
25/1/50
31/1/50

Anwendungsmögliohkeiten der Atomwissenschaft in der
Textilindustrie.
Fata Morgana — Trugbild am Himmel.
Sprachunterricht an Elektronengeräten.
+) Neues Kleinflugzeug mit vorzüglichen Flugeigenschaften.
+) Das amerikanische Telefonsystem.
+ ) Bomben gegen Waldbrände.
+) Die Antarktis — ein zweites Alaska?
Das Riesenauge auf dem Mount Palomar.
Laminator rettet Dokumente.
Expedition in eine zweitausendjährige Vergangenheit.
+ + + + + + + + + + + + +

- 2 -

�WISSENSCHAFT
2/2/50
4/2/50
9/2/50
11/2/50
14/2/50
16/2/50
21/2/50
28/2/50

Weltraumstrahlung im Salzbergwerk.
Zukunft lichter denn je — Hoffnungsvolle Prognose
eines Harvard Professors.
Psychiater prüfen die Wiedergabetreue in der Hypnose.
Dreimal wöchentlich zum Nordpol.
Die wichtigsten Entdeckungen des Jahres 1949«
Zu viel und zu wenig — Haben Sie das richtige Verhältnis zu sich selbst?
Land aus der Tiefe - Schöpfungsgeschichte - von einem Physiker verfaßt.
+ ) Heliumgefüllter Kunststoffballon erreicht 31 000
Meter Höhe.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50
4/3/50
7/3/50
14/3/50
18/3/50
21/3/50
28/3/50

Erdbeben — das Sicherheitsventil der Erde.
Atomkraftwerk Sonne - Nach einem Bericht der HarvardSternwarte.
+) Vielseitiger Kunststoff - Teller, Reagenzgläser,
Plaschen und Stoffgewebe aus Polyaethylen.
Auch ein "Atomgeheimnis" - Amerikanische Wissenschaftler entdeckten das neutrale Meson.
Mach gute Miene zum bösen Spiel! - Gefühle und ihre
sichtbaren Äußerungen stehen in mannigfacher Wechselwirkung.
Ein praktischer Professor. - Maschinen im Dienste
der Shakespeareforschung.
+) Kostbarer Schnee - Reiche Schneefälle im Gebirge
bedeuten gute Ernten für Tausende von Farmern.
+ + + + + + + + + + + + +

3.) PORTRAIT DER WOCHE.
6/1/50
9/1/50
13/1/50
20/1/50
27/1/50

+) Aus Walt Disneys Zauberkabinett.
Zum 74o Geburtstag Jack Londons am 12. Januar 1950.
+) Benjamin Franklin — Wissenschaftler und Staatsmann.
Zum 100sten Geburtstag Samuel Gompers, des Begründers
und Präsidenten der AFL.
Zum 75o Geburtstag Fritz Kreislers am 1. Februar 1950.
Von Louis Po Lochner.
+ + + + + + + + + + + + +

- 3-

�PORTRAIT DER WOCHE
16/2/50

+) John Dos Passos —

Revolutionär und Inidividualist.

+ + + + + + + + + + + + +
11/3/50
16/3/50

+) Dr. William A. Hinton — bekannter Syphilisforschtr.
+) Auf den Spuren Carusos — Mario Lanza, ein junger
amerikanischer Tenor.
+ + + + + + + + + + + + +

4.) Kunst, Musik, Theater, Film, Literatur
4/1/50
13/1/50
23/1/50
25/1/50
31/1/50

Einem Steckenpferd Picassos verdankt Baltimore sein
Museum moderner Kunst.
Das Land der Symphonie-Orchester.
Das Negerproblem im amerikanischen Film.
Harmonisches Familienleben auf dem Konzertpodium.
+) Robert Flahertya Filmwerk: "Louisiana Story".
+ + + + + + + + + • + + +

2/2/50
4/2/50
7/2/50
9/2/50
11/2/50
14/2/50

25/2/50

Auftakt der New Yorker Musiksaison.
Ausstellungen von Rembrandt und Pioasao in New York.
+) Das Museum für moderne Kunst in New York feiert sein
zwanzigjähriges Bestehen.
+) Lawrence Tibbett-- erster Bariton der MetropolitanOper.
In einer halben Stunde Star der Metropolitan Opera Interview mit dem Sängerehepaar Ferdiand Franz und
Helena Braun.
Hollywoods ungekrönter König schuf neuen Monumentalfilm — De Milles "Samson" eröffnet einen Kreuzzug
für Erziehung und Kultur.
New York ist ein schwieriger Filmstar.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50
9/3/50
9/3/50
18/3/50
23/3/50
28/3/50

+) Tanglewood — Eine Volkshochschule der Musik.
Das Wandertheater im Mittelwesten der Vereinigten
Staaten.
+) Ein Amerikaner erschließt die deutsche Kunst.
+) Die Navajo-Indianer in Nordamerika haben sich ihre
Stammeseigentümlichkeiten erhalten.
Hollywoods Ton-Ingenieure•
Was sagt New York zum "Dritten Mann"?
+ + + + + + + + + + + + +

- 4 -

�5) DAS NEUE BUCH
11/1/50
18/1/50

Alice Herdan: Die Farm in den Grünen Bergen.
Conway Zirkle: "Der Tod einer Wissenschaft in
Russland".
+ + + + + + + + + + + + +

18/2/50

4/3/50
7/3/50

14/3/50

Ideen und Atombomben - Das Glaubensbekenntnis von
David E. Lilienthal, Vorsitzender der amerikanischen
Atomenergiekommission.
+ ) Will Rogers - Das 'Enfant terrible' Amerikas.
"Der Gott der keiner war" - verfaßt von Arthur
Koeatler, Ignazio Silone, Eichard Wright, Andre" Gide,
Louis Fischer und Stephen Spender.
"Warum ich entfloh", von Peter Pirogow.
+ + + + + + + + + + + + +

6) EUROPÄISCHES WIEDERAUPBAUPROGRAMM
23/2/50

Einzelheiten zum EOA-Programm für Technische Hilfe.
+ + + + + + + + + + + + +

11/3/50

ERP-Plakatausschreiben — Ein internationaler Wettbewerb zur Hebung des Lebensstandards.
+ + + + + + + + + + + + +

7) WIRTSCHAFT
9/1/50
16/1/50
20/1/50
25/1/50

Große Projekte für die Entwicklung Afrikas im Rahmen
des Marshall-Planes.
Die meisten Amerikaner haben Ersparnisse.
Amerika und seine Minderbemittelten.
Wiedererrichtung der StXFa Poikilä von Athen mit Hilfe
des Marshallplans.
+ + + + + + + + + + + + +

4/2/50

Hindernisse der Liberalisierung des Handels in Europa.
+ + + + + + + + + + + + +

23/3/50

Eine Rückschau der AFL auf das vergangene Jahr.
+ + + + + + + + + + + + +

- 5 -

�8) ARBEIT
31/1/50

40-Stunden-Woche für die amerikanischen Eisenbahner.
+ + + + + + + + + + + + +

25/2/50

Wird die 40-Stundenwoche den Errungenschaften der
modernen Technik gerecht?
Regelung von Arbeitsstreitigkeiten einmal anders.

28/2/50

+ + + + + + + + + + + + +
4/3/50

Die Statistik der Ü.S.A. paßt sich den veränderten
Kaufgewohnheiten an.
Amerikaner nehmen zum Pensionsproblem Stellung.
Ein Weltplan zur Verhütung der Arbeitslosigkeit.
Im Dienste der Gesundheitsfürsorge. - Ein Großambulatorium für Werktätige.

9/3/50
14/3/50
21/3/50

+ + + + + + + + + + ++ +
9)

POLITIK

13/1/50
23/1/50

Parlamentarische Spielregeln in Ü.S.A.
Die Hauptereignisse des Jahrhunderts.
+ + + + + + + + + + + + +

7/2/50
11/2/50
21/2/50

Politiker der kommunistisch beherrschten Welt suchen
Asyl in den Vereinigten Staaten.
+ ) Das Wagnis der Freiheit. Von Felix Frankfurter, Richter am Obersten Bundesgericht.
Die Sowjetunion gibt ihren Untertanen ideologische
Halbbildung.
+ + + + + + + 4- + + + + +

11/3/50
16/3/50
28/3/50

"Der Zug nach Westen" findet im Parlament seine Bestätigung.
Eindrücke von einer Deutschlandreise. — Von Ernst
Hoffmeister, politischer Kommentator der "Stimme
Amerikas".
Wie setzt sich der amerikanische Kongreß zusammen?
+ + + + + + + + + + + + +

- 6 -

�10) ARCHITEKTUR
18/2/50

Das Sekretariatsgebäude der UN.
+ + + + + + + + + + + + +

11) ERZIEHUNG
6/1/50

Amerikanisches Außenministerium erweitert Austauschdienst.
Aus der Arbeit des Internationalen Studentenhilfsfonds.

11/1/50

+ + + + + + + + + + + + +
16/3/50

Über die Erziehung zum Verständnis außenpolitischer
Fragen.

30/3/50

Neue akustische Methode erleichtert das Sprachstudium.
+ + + + + + + + + + + + +

12) MEDIZIN
4/1/50
6/1/50
16/1/50
18/1/50
20/1/50

Operation unter Novokain und Mozart.
Gesunde Hornhaut von der "Augenbank".
Hormone und Geschleohtscharakter.
Die Arbeit der Gesellschaft zur Betreuung Schwerhöriger in San Francisco.
+ ) Krebsheilung mit Elektronensohleuder.
+ + + + + + + + + + + + •

2/2/50
9/2/50
14/2/50
25/2/50

Ein erfolgreiches Schnupfenheilmittel.
Aufklärungsfilme als Waffe im Kampf gegen Brustkrebs.
Wie der Gesundheitsdienst gefährliche Epidemien verhütet.
+) Amerikanische Kriegsblinde arbeiten wie ihre sehenden
Kameraden.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50

11/3/50
23/3/50
25/3/50

30/5/50

Neue Gesichtspunkte in der Hirnforschung —
Dr. Wendeil J.S. Krieg, ein Nervenanatom der
Universität Chicago, berichtet über seine Arbeit.
Alkoholismus als Krankheit.
Krebserreger entdeckt?
Organisation zur Bekämpfung von Herzkrankheiten klärt
amerikanische Bevölkerung über neueste Heilmethoden
auf.
Europas Gesundheitszustand besser als je zuvor. —
Aus dem Jahresbericht des U.S.-Sozialversicherungsamtes.
+ + + + + + + + + + + + +

�13) MEILENSTEINE AUF UNSEREM WEGE
7/2/50
16/2/50

+) Lincolns Amerika — Die Zeit des großen Präsidenten
formte die Grundlage der heutigen Vereinigten Staaten.
+) George Washington - der 1. Präsident der U.S.A.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50

Thomas G. Masaryk - zum 100. Geburtstag des ersten
Präsidenten der Tschechoslowakei
+ + + + + + + + + + + + +

14) AMERIKANISCHE STÄDTE
23/2/50

+) Milwaukee.
+ + + + 4 + + + ++ + + +

18/3/50

Cincinnati, die ehemalige Königin des Westens
+ + + + + + + + + + + + +

15) UNSER MODERNES ZEITALTER
18/2/50

BENELUX wird SKANDANGLIOES - Eine Meditation über
Schlangenwörter.
+ + + + + + + + + + + + +

21/3/50

Ein akustischer Querschnitt durch die Jahre 1945
bis 1948»
+ + + + + + + + + + + + +

16) RUNDPUNK
21/2/50

"Morgen wird der Nordpol entdeckt" - Eine RadioSendereihe vermittelt Geschichte in lebendigster
Form.
+ + + + + + + + + + + + +

7/3/50
25/3/50
30/3/50

Die "Stimme Amerikas" und ihre Hörerbriefe.
Ärztliche Ratschläge für erkrankte Seeleute auf dem
Funkweg.
+) Fernsehsendungen für Kinder.
+ + + + + + + + + + + + +

17) RELIGION
25/2/50

Der moderne Katechismus - Er gibt den amerikanischen
Katholiken die Antwort der Kirche auf Fragen ihres
Verhaltens als Staatsbürger, Arbeitnehmer und Ehepartner.
+ + + + + + + + + + + + +

�18) SPORT
25/3/50

+) Die Basketballartisten der Harlem Globetrotters,
+ + + + + + + + + + + + +

19) ZU IHRER INFORMATION
4/1/50
6/1/50
9/1/50
11/1/50
13/1/50
16/1/50

18/1/50
20/1/50
23/1/50

25/1/50
27/1/50

31/1/50

Wortlaut der "State of the Union" Ansprache von
Präsident Truman.
Ziele der amerikanischen Innenpolitik.
Von John L. Morton.
Formosa — Die Debatte über die Verteidigung der
Insel beschäftigt die öffentliche Meinung Amerikas«
Von John L. Morton.
Wortlaut jenes Teils der Budget-Botschaft Präsident
Trumans, der sich mit internationalen Angelegenheiten
und Finanzfragen befaßt.
Weitere Opfer, heftige Debatten -- Zur zweiten Sitzungsperiode des amerikanischen Kongresses.
Von John L. Morton.
1) Oberstleutnant Walter R. deForest, Chef der Unterabteilung für medizinische Angelegenheiten für
öffentliche Gesundheit und Wohlfahrt, HICOG, berichtet über das öffentliche Gesundheitswesen in
Deutschland von 1945 - 49«
2) Wieder einmal die alten Gerüchte.
Von John L. Morton.
Altersversicherung in Amerika.
Ea geht um Europa, nicht um Einzelheiten.
Von John L. Morton«
1) Die spanisohe Frage - Diplomatische Beziehungen
sind kein Bruderkuß. Von John L. Morton.
+ ) 2) Zum Gedenken Franklin D. Roosevelts, dessen Geburtstag am 30. Januar in den Vereinigten Staaten
festlioh begangen wird.
Bericht über den Fortschritt in Deutschland. Voller
Wortlaut der Rundfunkansprache Mr. John J. McCloys»
gehalten am 23. Januar in Washington.
Wortlaut der Ansprache Mr. John J. McCloys vor dem
"United Council for International Affairs" in Boston
am 26. Januar.
Völkermord —» Rückhaltlose Offenheit allein kann zu
einer besseren Welt führen. Von John L. Morton.
+ + + + + + + + + rf + + +

- 9.

�ZU IHRER INFORMATION
2/2/50

4/2/50

7/2/50
9/2/50
11/2/50

14/2/50
16/2/50
18/2/50

21/2/50
23/2/50

25/2/50
28/2/50

Wortlaut des am 25* Januar vom amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Dokumentenmaterials
über die sowjetische Infiltration der vier nordchinesischen Provinzen.
1) Wortlaut der Truman- Erklärung zur Unterzeichnung
der Verteidigungshilfsabkommen.
2) Die Antwort: Kollektive Sicherheit.
Von John L. Morton.
Die SPD und der Europarat. Von John L. Morton*
HalbJahresbericht des U.S.-Atomausschusses.
1) Surrealistische Politik. Von John L. Morton.
2) Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Außenministers Aoheson vom 8. Februar in Washington.
Ernste Mahnung. Von John L. Morton.
Eine Lanze für McCloys Deutschland-Bericht.
Von Erio M. Warburg, New York.
1) Die Neue "Tatsache" - Der Kreml und die Wasserstoffbombe. Ton Joan 1. Morton.
2) Voller Wortlaut eines von Arthur Krocks in der
"New lork Times" veröffentlichten Truman-Interviews.
Weltfriede oder Weltuntergang. Von John L. Morton.
Amerikabesuch hat viele Anregungen gegeben.
Von Franz Blücher, Vizekanzler und Bundesminister
für Marshallplan-Angelegenheiten.
Diplomatie im Satellitenland. Von John L. Morton.
1) Truman und das Taft-Hartley-Öesetz.
Von John L. Morton.
2) Voller Wortlaut der Rede Präsident Trumans vom
22.2. anläßlich der Enthüllung eines George
Washington-Denkmals in Alexandria (Virginia).
3) Voller Wortlaut der Erklärung, die der Leiter
der ECA-Sonderkommission Robert M. Hanes am 24.2.
in Washington abgab.
+ + + + + + + + + + + + +

2/3/50
4/3/50
7/3/50
9/3/50

11/3/50

Die Erfordernisse des Friedens. Von Warren R. Austin.
Die amerikanische Öffentlichkeit und die Wahlen in
Großbritannien. Von John L. Morton.
Einheit - nur in Freiheit. Von John L. Morton.
Amerikas Einheit beruht auf Mannigfaltigkeit.
Von James Bryant Conant, Präsident der HarvardUniversität.
Hinter dem Rücken der deutsohen Kinder,
Von John L. Morton.
- 10 -

�ZU IHRER INFORMATION
14/3/50
16/3/50

18/3/50
21/3/50

25/3/50
28/3/50
30/3/50

"Ein neuer Ausgangspunkt"• Die Forderung der freien
Wahlen in Ostdeutschland darf nicht vergessen werden.
Von John L. Morton.
Darlegung der Prinzipien und Ziele der Republikanischen Partei*
Angenommen von den republikanischen Mitgliedern des
Repräsentantenhauses und des Senats in Übereinstimmung mit den Mitgliedern des republikanischen Nationalkomitees, vom 6. Februar 1950.
"Die Russen sprengen den Kontrollrat".
Von John L. Morton.
1) Fünf Kurzbiographien maßgebender HICOG-Beamtert
a) Major General George P. Hays, stellvertretender amerikanischer Hochkommissar für Deutschland.
b) Benjamin J. Suttenwieser, Assistent des Hoch•)
kommissars für Deutschland.
o) James E. King. Exekutivsekretär im Amt des
•)
amerikanischen Hochkommissars für Deutschland.
d) Oberstleutnant H.A. Gerhardt, Sonderbeauftrag•)
ter des Hochkommissars für Deutschland.
e) Major General James P. Hodges, amerikanischer
Vertreter im Alliierten Militärischen Sicherheit samt für Deutschland.
2) "Totale Diplomatie" - Acheson appelliert an das
amerikanische Volk. Von John L. Morton.
"Massenvertreibungen - ein beliebtes Kampfmittel der
Sowjets." - Von John L. Morton.
Ein neuer Impuls - Zu den Bonner Vorschlägen für gesamtdeutsche Wahlen. Von John L. Morton.
Wortlaut eines Schreibens des amerikanischen Senators
Arthur H. Vandenberg an den Leiter der ECA, Mr. Paul
G. Hoffman.
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der
"AMERIKA DIENST" kostenlos Bildmaterial zur
Verfügung stellen.

- 11 -

�20) ARTIKEL PUR DIE FRAU.
9/1/50

1.)
2.)
3.)
4.)
5.)

Eine Reporterin macht Karriere.
Mehr Familiensinn.
Amerikas Spielzeugindustrie im Jahre 1949»
Die ideale Kücheneinrichtung.
Griechische Hodenschau in Frankreich und Amerika»

16/1/50. 1.) Ständig wachsender Einfluß der Frau in Politik und
Verwaltungswesen der Vereinigten Staaten.
2.) Gleicher Lohn hei gleicher Beschäftigung. - Die
Forderung der amerikanischen Frauen.
+)
3.) Kein Kind ist völlig untalentiert. - Zeichnen, Musik, Theaterspiel und schöpferische Betätigung anderer Art fördern die Entwicklung.
4 0 Knabenmode auf neuen Wegen. - Jeder Junge will ein
Miniatur-Cowboy sein.
5.) Müdigkeit kann gefährlich sein. - Kleine Winke für
Schlaflose
6.) Fußböden wie neu. - Vorzüge und Nachteile von Lack,
Schellack und Tränklösungen.

23/V501 K)10 Das begabte Kind«, - Schule und Elternhaus müssen

gemeinsam die bei der Erziehung hochbegabter Kinder auftauchenden Probleme zu lösen suchen.
Kinderehen: in den Vereinigten Staaten«,
Selbst Millionäre und brave Hausfrauen werden
mitunter zu Ladendieben.
Keine Angst vor Frühgeburten.
Freiwillige Mitarbeit der amerikanischen Frauen
in der CIO.
Tiefkühlanlage schlägt Weckapparat.

1:1

ti
+&gt;

30/1/50
+)
•)

7/2/50

14/2/50

+)

60

1:1

Die Gesetzgebung für Frauenarbeit in den Ü.S.A.
Am schönsten ist es doch zu Hause. - Gemeinsames
Erleben von Freud und Leid schafft ein engeres
Familienleben.
Elizabeth
Blackwell - Ein Pionier der Wissenschaft.
50 Wird ihr Kind
Freundschaften schließen?
40 Das Geheimnis des
Charmes.
50 Kunststoffe ersetzen
Porzellan und Steingut.
60
+ + + + + + + + + + + + +
1 0 Gleichberechtigung der Frau soll in Ü.S.A.
konstitutionell verankert werden.
2.) Die Frau in der amerikanischen Journalistik.
Zu alt für ein Kind?
50 Längeres
Leben durch bessere Ernährung.
40

1 0 Amerikanische Frauen werben für gleiche Ent-

lohnung der Frauen in der deutschen Industrie
Mrs.
McCloy: Die deutschen Frauen müssen po2.)
litisch aktiver sein.
30 Die Schule Terpsiehore*. - Die Akademie für volkstümliche Tanzkunst in New York geht neue Wege
zum Verständnis exotischer Tänze.
Mein Kind mag keinen Orangensaft.
Wie wird man Filmstar?
Kariert - Kariert. - Ausblick auf die New Yorker
Frühjahrsmode.
7.) Besseres Wachstum durch neues Vitamin. - Kinderheilstätte in U.S.A. führt Versuche mit Vitamin
B-12 durch.

!':i

_ 1o

-

�ARTIKEL PUR DIE FRAU.
Frauenorganis.ationen in den U.S.A.
Zahl der weiblichen Arbeitskräfte in U.S.A.
ansteigende
3.) Frau Detektivin. - Aus der Arbeit eines weiblichen
Mitglieds des New Yorker Polizeibüros.
Laßt eure Kinder nicht zu früh lesen!
+)
Sind sie nicht selbst Schuld an ihrer Blauen-Mont ags-St ixnmung?
6.) Große Wäsche - wenig Arbeit.

21/2/50 +)

28/2/50

7/3/50

14/3/50

1.) "Family Court" rettet Ehen.
Von Peking bis zur Heiligen Pforte. - Neue Rich2.) V&lt;
tungen in der Hutmode.
In der guten alten Z#it.
Angstgefühle und wie sie überwunden werden.
Versuchen sie es einmal mit Käse. - Das Finale
einer Mahlzeit muß nicht immer süß sein.
+ + + + + + + + + + + + +
Frauen im Kongreß der Vereinigten Staaten.
Kinder sind gar nicht ungezogen.
Von der Kittelschürze zum Hauskleid.
Die Wechseljahre, der Schrecken vieler Frauen.
) Farbenfroh und widerstandsfähig. - Neuer Kunststoffbodenbelag für Wohnungen und gewerbliche
Räume.
6.) Schwedische Ehrung für Mrs„ Eleanor Roosevelt.
1.)
2,)
3.)
4.)
5.)

Amerikas Frauenorganisationen und der Kongreß.
Ein moderner Vater wie ersein soll.
Von der Krinoline bis zur tiefen Taille.
Wie steht es mit ihrem Schlaf.
Alles zur Entlastung der Hausfrau. - Amerikanische Fabrikanten zeigen die neuesten technischen
Erfindungen für das Heim.

21/3/50 +) 1.) Amerika hilft
50 Millionen Kinder warten auf
Hilfe.
2.) "Die Stunde des gemeinsamen Opfers".
3.) Kinder spielen überall.
4.) Frühgeburten und Erblindung.
+) 5.) Das Gesetz für Lebensmittel und Heilmittel sdiützt
die Gesundheit des amerikanischen Bürgers.
6.) Hilfe für zerrüttete Ehen. - Geschiedene Frauen
wollen andere vor der Scheidung bewahren.
7.) Sonne und frische Luft für Wollsachen.
28/3/50 +) 1.) Berufstätige Frauen in den U.S.A.
2.) Ehrung für fünf hervorragende Arztinnen in den U.S.A.
3.) Das Soroptimisten-Haus in Los Angeles.'- Das Heim
für minderbemittelte Studentinnen.
+) 4.) Eine alte Volkskunst erwacht zu neuem Leben. MrSo Mary Meigs Atwater, die Mutter der amerikanischen Handwebereio
+) 5.) Jede Frau kann schön sein, wenn sie es nur will. 1. Folge einer Artikelserie von Terry Hunt.
+ + + + + + + + + + + + +
- 13 -

�21) KURZNACHRICHTEN FliR DIE FRAU.
9/1/50

a) Mrs. Eleanor Roosevelt: Der deutsohe VolksCharakter
kann nicht von heute auf morgen geändert werden.
b) Spielzeugsammlung der "Amerioan Legion11.
c) Wildreia-Ernte in den U.S.A.

16/1/50

a)
1
b)
c)

23/1/50

a) Anteil der amerikanischen Frau am Wirtschaftsleben.
b) Schottisch - die große Kindermode.
c) Kleine Winke für die Küche.

30/1/50

a

7/2/50

Die Frauenorganisationen der Vereinigten Staaten.
setzen internationale Zusammenarbeit fort.
Die Mähmaschine in der Handtasche.
Amerikanische Firma bringt nunmehr auch Kaffeebeutelchen auf den Markt.
4) Aus Konservendosen wurden technische Kleinanlagen.

"Perma" statt Stärke.
Der Heiße-Würstel-Automat.
c. Für den eleganten Herrn.
dj Einkaufen mit dem Schubkarren.
+ • + + + + + + + + + +
"Zigarettenaichere" Tischplatte.
Hauswirtschaftssachverständige gehen in die Vereinigten Staaten.
Das festliche Nachmittagskleid.
"Flair" - ein sensationelles 50-Cent-Maga/in.

b]

I
14/2/50

a) Die erste Schiffsladung Spielzeug für Europa hat
Amerika verlassen.
Wußten Sie eigentlich, daß...
Heues für Kinderzimmer.
Frauen leben länger als Männer.

21/2/50

a) Amerikanische Studentinnenvereinigung finanziert
das Studium von 155 ausländischen Frauen.
Das lauwarme Bad.
Ratschläge für Leckermäuler.
Ahornzucker.

28/2/50

a) Wunschhaus, Modell 1950
b; Zionistische Frauenbewegung in den U.S.A. ehrt
Norwegen.
c) Claudette Colbert als Regisseurin.
d) Lieber Orangen als Äpfel.
+ + + + + + + + + + + + +
a) Salat- und Speiseöl aus Reissohalen und Spelzen.
Dosenfisch hat keinen Abfall.
Essig aus ganzen Äpfeln.
Kinderkopfwäsche ein Vergnügen.
e) Kinderstuhl mit Tischplatte ringsherum.

7/3/5O

14/3/50

a) Das Budget eines amerikanischen Durchschnittshaushalts.
b) Kunststoffaser für Decken.
c) Filme für Kindergarten und Hochschule.
d) Die 6 populärsten Frauen in den Vereinigten Staaten.
e) Über 3,5 Millionen Kinder wurden im Jahre 1949
in den Vereinigten Staaten geboren.
- 14 -

�IDH2BA0HBICHTEN PUB DIE fBAU*
21/3/50

a) 2 400 Frauen befinden sich unter den bekanntesten
rar Zeit lebenden Amerikanern,,
bj Girl Seouts spenden Schulmappen für deutsche Kinder«
c) lurso Eleanor Boosevelt übernimmt den Torsits für
die Feierlichkeiten am lag der Vereinten Kationen.

28/3/50

a) Amerikanische "Modsstudenten" kommen nach Europa«,
Amerikanische Kriegewaisen besuchen Suropa.
Kleine linke - Großs Hilfst
lo Bügeln leicht gemacht»
2. Wie rsinigs loh meine Möbel?

• • • • • + • • • • • + •
Zu dsn mit •) bssslohneten Artikeln kann dsr "AMEBIKA DIEBST"
kostsnlos Bildmaterial rar Verfügung stellen»
22) LANDWIBTSCHAFTLICHE NACHHICHTEN.
12/1/50

1.)
*
2.)
3»)
- 4.)
5.)
:)

26/1/50

lo)
+) 2.)
3.)
4.)
5.)
6.)

21/2/50

1.)

:i
24/3/50

2
3
4.
5
1.)

•) 4.)
5.)
6.)

Die Landwirtschaft der Marshallplanländer Ein besonderer
Schützling der U.S.A..
"Bound upM - Die große Zeit des Cowboys.
Hygienische Schweinehaltung.
Elektrische Beheizung von Mistbeeten«
Badioisotope entschleiern das Geheimnis der Aufnahme und Verteilung von Nährstoffen in Bäumen.
Kunstdünger aus Maisstroh.
Ureaform verhindert Feuchtwerden von Kunstdünger,
Grand National Bodeo - Die größte Schau der Welt.
Die Biene - Helferin des Farmers.
Hybridenzucht bei Haustieren.
Passen sich Gräser dem Klima an?
Unkrautbekämpfung mit dem Flammenkultivator.
Die "kalte" Pasteurisation.
+ + + + + + + + + + + + + +
Modernisierung der Landwirtschaft - Europäische
Fachleute informieren sich in U.S.A.
Kann man die Legetätigkeit der Hühner erhöhen?
Ahornzuckerernte in den Vereinigten Staaten.
Der Weg der Milch - Vom Erzeuger zum Verbraucher.
Amaryllis als Zimmerpflanze.
+ + + + + + + + + + + + +
Landwirtschaftliche Informierung der europäischen Bauern durch den Marshallplan.
Neues Preisstützungsgesetz für Farmprodukte.
Vollwertige Frischmilch - Monate nach dem Melken. •
Neues amerikanisches Milchkonservierungsverfahren.
Bindertuberkulose - In Amerika heute kein Problem mehr.
Künstliche Brut bei Hühnern.
Die "innere Bräune". - Eine ernste Tomatenkrankheit.
+ + + + + + + + + + + + •

- 15 -

�23) KURZNACHRICHTEN PUR DEN LANDWIRT.
12/1/50

a) Farmer trägt zur Vertiefung internationaler
Freundschaft bei.
b) Gesamtergebnis der letzten amerikanischen Ernte
günstig.
c) Wuchsstoffe als Konservierungsmittel.

26/1/50

a) Amerikanische Fachleute studieren Lage der europäischen Landwirtschaft.
b) Intensive Weidewirtschaft führt zur Bodenverhärtung.
c) Unkrautbekämpfung durch Flugzeuge.
+ + + + + + + + + + + + +
Kartoffelschälen - wissenschaftlich gesehen.
Zwei Lammwürfe im Jahr?
Garantiert reine Wolle von 7-9 cm im Jahr.
+ + + + + + + + + + + + +
Wissenswertes
für den Bauern, - Neuer Impfstoff
a)
gegen Bang'sehe Krankheit
Lieblingsspei8e für Schafe.
Oberwintern im offenen Stall.

21/2/50

24/3/50

+ + + + + + + + + + + + +
24) DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
5/1/50

19/1/50

LWirtschaftsbericht zum Jahresende. - Von U.S.-Handelsminist er Charles Sawyer.
Europa im 2. Marshallplanjahr. - Westdeutschland
auf den 3. Platz der ECA-Bewilligungsliste gerückt.
3. Europa erforscht den Dollarmarkt.
4 Die Lücke im amerikanischen Staatshaushalt. Bundesdefizit übersteigt Präsident Trumans
Schätzungen.
Sozialabgaben in U.S.A. steigen. - Alters- und .
Hinterbliebenenrenten sollen den Lebenshaltungskosten angeglichen werden.
6. Der magnetische Manschettenknopf.
1.
2.
3.
4.
5.
6.

Weltfriede durch Welthandel. - Ist Amerika autark?
von Thomas J. Watson, Sr., Präsident der IBM
Corporation.
Der Fiskus wacht auch in U.S.A. - Ein Dollar
Gewinn gleich 38 Cent Steuern.
Kammerjäger mit Hubschrauber.
Direkte Auslandsinvestitionen bevorzugt. Strukturwandel des amerikanischen Privatkapitals
im Ausland.
Vergrößerung der amerikanischen Passagierflotte. 1950 wird ein 60 000 t Luxusdampfer auf Kiel
gelegt.
Zu ihrer Information: ECA-Liste deutscher Ausfuhrwaren.
+ + + + + + + + + + + + +

- 16 -

�24) DIE AMERIKASISCHE WIRTSCHAFT,
7/2/50

1949 - DaB beste Jahr des amerikanischen Verbrauchers. - U.S.-Handelsminister Sawyer über
die Entwicklung des Konsumentenmarktes in U.S.A.
2. ERP-Portschritt unter der Lupe. - Der neueste
ECA-Bericht über die wirtschaftliche Entwicklung der Marshallplan-Länder.
Koteletts
aus dem Laboratorium. - Speiseeis aus
•) 3.
Schweineschwarten und andere Merkwürdigkeiten.
4. Der amerikanische Staatshaushalt für 1950/51. Soziallasten steigen - Defizit soll verringert
werden.
5. Die Arbeitsanalyse. - Eine Studie über die Bewertung der Arbeitsleistung in U.S.A. Teil I.
6. Zu ihrer Information: Voller Text der Messeordnung für die erste internationale Handelsmesse der Vereinigten Staaten in Chicago.
+ + + + + + + + + + + + + +
1/3/50
1. Die Steuervorschläge Präsident Trumans. - Einkommensteuer unverändert - Erleichterungen für
Mittelbetriebe.
2. Die Bevorratung kriegswichtiger Rohstoffe in
den U.S.A. - Mitte 1950 werden über 50# des
Solls erreicht.
3. Neuer amerikanischer Ozeanriese verspricht
Rekordleistungen. - Mit 31 Knoten ein Anwärter
auf das Blaue Band.
4. Sparen - Die große Losung Hollywoods. - Produktionskosten seit 1946 um 205* gesenkt.
5. Die Margarineschlacht ist gewonnen. - In den
U.S.A. wird die Margarinesteuer abgeschafft.
6. Die Arbeitsanalyse. - Teil II.
+ ++ + + + + + + + + + +
Gesicherter Arbeitsfriede im amerikanischen
15/3/50
Bergbau.Betriebe werben bei ihren Angestellten.
2
Wissenschaftliche
und praktische Kraftstoff3
Forschung in U.S.A.
Die Arbeitsanalyse. - Teil III - Der Bewert ung saus sc huß .
Zu ihrer Information: Voller Text des ECA-Vorschlags zur Bildung einer Europäischen Zahlungsunion.
+ + ++ + + + + + + + + + +
25) KURZBERICHTE AUS DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT.
5/1/50

1.

Werbung durch Fernsehen.
Rekordzahl neu zugelassener Kraftwagen in U.S.A.
Rücklagen der amerikanischen Lebensvarsicherungsgesellschaften.
Export technischer Daten aus U.S.A. teilweise
kontrolliert.
Westdeutschland erhält technische Schriften durch
ERP.
Amerikanischer.Architektenverband will Wiederaufbau Europas unterstützen.
- 17 -

�25) KURZBERICHTE AUS DER AMERIKANISCHER WIRTSCHAFT.
19/1/50

a) Die amerikanische Streikbilanz des Jahres 1949.
Leichtbau-Eisenbahnwagen setzten sich durch.
Neue Verbrennungsturbine für Luftschraubenbetrieb.
Messeleitung in Chicago beginnt mit Zuweisung
der Stände.
+ + + + + + + + + + + + +
a) Einwohnerzahl der ü.S.A. 17^ höher als 1940.
b) Gesamtauflage aller amerikanischen Zeitungen
seit Kriegsende um 6$ gestiegen.
c) Europa-Saison für U.S.-Touristen beginnt früher
als erwartet.

1/3/50

15/1/50

a)
b)
c)
d)

U.S.A. beseitigen Elendsviertel.
Steuererleichterungen für U.S.-Auslandsinvestitionen,
U.S.-Außenhandel im Januar.
Vorläufig keine neuen Panama-Kanalgebühren.
+ + + + + + + + + + + + +
26) GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.

1/3/50

CIO unterstützt U.S.-Außenpolitik.
Schutzbestimmungen für Kinderarbeit in U.S.A.
Was leistet der Sozialfonds der amerikanischen
Stahlarbeiter?
CIO-Erklärung zur Arbeit der UN.
7/eitere Verbesserung der amerikanischen Sozialgesetzgebung gefordert.
ECA-Missionschefs berichten über EEP-Fortschritte.

15/3/50

Fortschrittliche Betriebsführung - Belegschaft
eines chemischen Betriebes in U.S.A. erhält
Kitbestimmungsrecht.
Lehrgänge für Unfallverhütung.
Gewerkschaftsfragen in der amerikanischen Presse.
Kostensenkung und Produktionssteigerung.
Arbeitslosenunterstützung bei außerberuflicher
Krankheit.
+ + + + + + + + + + + + + +

2,

3.
4,
5.

27) GEISTIGES LEBEN.
John Deweys Bedeutung für die Pädagogik.
Charles Munch, der neue Dirigent des Bostoner
Symphonieorchesters".
3«) Gottes Wort auf telefonischen Anruf.
4.) Der kürzeste weg zur Kunst.
5.) Fünf Autoren geben Beispiel für die Integration
des Theaters.

10/1/50 +).

9

:l

24/1/50 +) 1.) Robert M. Hutchins, der "Heilige Thomas von Chicago."
2.) Vier Millionen Papiere aus Roosevelts Nachlaß
für die Geschichtsforschung.
3.). Filmprüfer werden geprüft.
4.) Vierhändiges Klavierspiel, ein versunkener Sohatz.
5.) Moderne Kunst kritisch betrachtet.

:J

- 18 -

�27) GEISTIGES LEBEN„
8/2/50

+)

t)

•) 5
4
+&gt; 5

Franz Lieber, der Brockhaus Amerikas .
Zehn Filme^ die die Welt begeisterten - «in
halbes Jahrhundert amerikanischen Films.
Keine Religion ohne Kunst und Symbol.
Ein nicht-zerstreuter Professor macht Schule.
Völkerverständigung im 3/4 Takt.

24/2/50 •) lo) Musik ist kein Baldrian - Ein fort für die modern«
Musik von Aaron Copland.
2.) Ein amerikanischer Trappist erzaalt die Geschichte
seines Ordens.
3 0^-marsden Hartley - Er malte die tausend Gesichter
y
der Erde.
4.) Schule und Leben - zwei neue pädagogische Versuche •
)
Adalbert Stifter und Henry Thoreau. Von
*&gt; 5
Johannes Ursidil, New York*
+ + + + + + + + + + + • +
8/3/50
Akademische
Verbindungen mit Ansprüchen. Studen1.)
ten ohne Kiesewetter und Bierkomment. Von
Dr. Frederick Lehner, Professor am West Virginia
State College.
Es führen viele Wege nach Damaskus.
Eliel Saarinen - Architektur ein seelisches
Problem.
4.) a) Haydn-Renaissance in Amerika.
b) 100 000 Dollar Koussevitzky-Stiftung für
•)
zeitgenössische Musik.
5.) Moderne Kunst durchdringt den Alltag.

:1

22/3/50

1:1

Die Sonntagsschule in Amerika.
Die Verantwortung des katholischen Romanschriftstellers.
Charles Ives - ein musikalischer Außenseiter.
Die Wahrung bürgerlicher Rechte und Freiheiten.
5! Die Entwicklung des Bühnentanzes in Amerika.
+ + • + + + •»• + + + +

••

Zu den mit + bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
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27) KÜRZNACHRICHTEN.
24/1/50

8/2/50

a) Internationale Zentrale des Baugewerbes.
Manuskripte und Kunst des Altertums auf Mikrofilmen.
Klassikerübersetzungen der UNESCO vor dem Forum
der Fachleute.
d) Kunst Unterricht in den Schulen der Welt.
+ + + • + +.+ + • + • + +
a) Picasso und der letzte Weltkrieg.
b) Die Sprachen des New Yorker Rundfunks.
e) Politische Filme nicht gefragt.
d) Film über Helen Keller geplant.
e) Flaherty bearbeitete den deutschen MichelangeloFilm.

- 19

�27) KURZNACHRICHTEN.
24/2/50

8/3/50

a) Rotaryklub stiftet Stipendien.
Afrikanischer Literat urpreis.
Haiti feiert die Menschenrechte.
Indien wird das Dezimalsystem einführen.
+ + + + + + + + + + + + +
a) General Eisenhower als Maler.
Revision des Bibeltextee in Vorbereitung.
Amerikanische Archäologen durchforschen
Südwestarabien.

22/3/50

a) Columbia wird der freien Universität Berlin
helfen.
b) Kampf im Warschauer Ghetto wird verfilmt.
c) David E. Lilienthal gegen Atompsychose.
+ + + + + + + + + + + + +
Zu den mit + bezeichneten Artikeln liefert der •'AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.

28) JUGEND.
10/2/50

1.) Die Reise der kleinen Hütte: Eine Pfadfindergeschichte.
+) 2.) Generaldirektoren mit 16 Jahren: Jugendliche
in Amerika lernen das Geschäftsleben aus eigener
Erfahrung kennen.
+) 3.) Amerikas "Camp-Plre-Girls": Arbeit und Ziele eines amerikanischen Jugendverbandes für Mädchen.
4.) Kindermuseum in Amerika:
5.) Jungen lernen kochen:
6.5 Text einer Ansprache, die Mrs. John J. McCloy,
die Gattin des U.S.-Hochkommsissars in Deutschland, vor dem Deutsch-Amerikanischen Jugendklub
in Nürnberg hielt.
7.) L.S. Wilson zum Portschritt der Jugendarbeit
in Deutschland.
8.) Versuch's mal: Kleines Experiment mit einer Kerzenflamme.
+ + + + + + + + + + + + +
1 . Pluto besucht den Präsidenten.
10/3/50
2. Was ist Demokratie?
3 . Boys* Ranch - ein Bubenparadies.
4 . Howe Caverns - Ein Nationalwunder Amerikas.
5 . Die Erwachsenen sollen ihren Hader begraben.
6. Dringendstes Erfordernis der deutschen Jugend:
Wiederherstellung des Kontaktes mit der Außenwelt.
Reiseführer für Kinder.
: ) Versuch's mal. Die unsichtbare Schrift.
+ + + + + + + + + + + + +
Zu den mit + bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.

- 2o -

�29) SONDERNUMMERN.
Januar 1950 Die Verwendung der ERP-Gegenwertgelder.
(Das von der ECA-Mission in Deutschland im Anschluß an das ERP-Abkommen genehmigte Investierungsprogramm der Deutschen Bundesrepublik.)
+ + + + + + + + + + + + +
7/2/50
Ansprache des Amerikanischen Hochkommissars für
Deutschland, Mr. John J. McCloy, anläßlich der
Eröffnung des Amerika-Hauses in Stuttgart.
18/2/50

16/3/50

Text eines von Arthur Krocks am 15.2.50 in der
"New York Times" veröffentlichten Berichte über
sein Interview mit Präsident Truman.
+ + + + + + + + + + + + +
Rede des U.S.-Außenministers Dean Acheson anläßlich
der Konferenz für internationale Zusammenarbeit
zur Entwicklung der Weltwirtschaft.
(Gehalten am 16. März 1950 an der Universität von
Kalifornien).
+ + + + + + ++ + + + + +

- 21 -

�S/8 - Juli 1950
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. April 1950 - 30. Juni 1950

1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
21.
22.
23.
24.
25.
26.
27.
28.
29.
30.

Seite
Leben in den U.S.A.
1
Wissenschaft
2
Portrait der Woche
3
Kunst, Musik, Theater, Film, Literatur, Tanz
3
Das neue Buch
4
Europäisches Wiederaufbauprogramm
4
Wirtschaft
5
Arbeit
5
Arohitektur
6
Erziehungswesen
6
Medizin
.*
6
Meilensteine auf unserem Wege
7
Sport
7
Psychologie
7
Industrie und Technik
7
Verkehrswesen, Plugwesen
8
Amerikanische Rechtspflege
8
Internationale Verständigung
8
Presse
8
Vereinte Nationen
8
Kommentare von John L. Morton
9
Zu Ihrer Information
10
Artikel für die Frau
12
Kurznachrichten für die Frau
15
Landwirtschaftliche Nachrichten
18
Die amerikanische Wirtschaft
19
Kurzberichte aus der amerikanischen Wirtschaft
21
Gewerkschaftliche Nachrichten aus den Vereinigten Staaten
22
Geistiges Leben
23
Jugend
25
+ + + + + + + + + + + + +

�1.) LEBEN IN DEN U.SoA.
1/4/50

+)

Mit dem Auto ins "Drive-In-Theater".

4/4/50

Enttäuschen Wunderkinder?

6/4/50

Von der Tätigkeit des amerikanischen Landmessers.

8/4/50
15/4/50
18/4/50
20/4/50
22/4/50

+)
+)

West Point, die amerikanische Militärakademie.

+)

Deutsche Mystiker als Sohwerindustrielle.
Millionen Menschen besuohen jährlich das
Washington Denkmal.

25/4/50

+)

Die "Hofkirche" des Weißen Hauses.

27/4/50

+)

Das Blutspenderprogramm des Amerikanischen
Roten Kreuzes.

Lachszucht in Kalifornien.
Der •'geräuschvollste" Mann der Welt.

29/4/50

Materialprüfung und Zerreißproben zu Forsohungszwecken,

+ + + + + + + + + + + + +
2/5/50

Frauen leben länger und hören besser.

4/5/50

+)

6/5/50
9/5/50
11/5/50

+)
+)
+)

13/5/50
16/5/50
18/5/50

+)

20/5/50
23/5/50

+)

Treffpunkt im Drugstore.
Volksbücherei auf Rädern.
Das Community Center - die Volkshochschule Amerikas.
Wahiawa, die Ananashauptstadt der Welt.
Die Gasfernleitung, Kaliforniens Lebenslinie.
Die malerische Nordküste von Massachusetts.
1.) Die Stadt New York als Angeklagte.
2.) 12-jähriges lettisches Mädchen als Ehrengast bei
den Feierlichkeiten zum amerikanischen Staatsbürgertag am 22. Mai in Washington.
Auf den Spuren der Ureinwohner Amerikas.

+ ) Überall in den U.S.A. blühen um diese Zeit die "State
Flowers", die Wappenblumen der 48 Einzelstaaten.
Das Auskunftsbüro des New Yorker Automobilolubs.

25/5/50
27/5/50

+)

Das gemeinnützige Reisebüro der U.S.A.
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

- 1 -

�LEBEN IN DEN U.S.A.
1/6/50
3/6/50
8/6/50
10/6/50
22/6/50
27/6/50

+ ) Die Fertighaussiedlung vor den Toren New Yorks.
Fünfjahresplan in Detroit — Die Bedeutung des neuen
General Motcrs-Kollektivvertrages.
Emigrantensöhne im U.S.A.-Kongreß.
Paradies der Edelsteinjäger.
+) Eine Idee wird zur Weltstadt - 150 Jahre Washington.
+ ) Moderne Romantik am Mississippi.
+ + + + -)• + + + + + + + +

2.) WISSENSCHAFT
4/4/50
8/4/50
15/4/50
18/4/50
22/4/50
25/4/50
27/4/50

Die Riesenlibelle, das Flugzeug der Zukunft.
Mr. Kearney ist Spezialist für die Wiederentdeokung
gestohlenen Radiums.
Erforschung des Milchstraßensystems.
+) Das Smithsonian Institut.
DDT„ das weltbekannte Schädlingsbekämpfungsmittel,
wirkungslos bei bestimmten Moskitoarten.
Amerikanische Expedition begann Ausgrabungen in Arabien.
Druckerschwärze mit Fichtennadelduft.
+ + + + + + + + + + + + +

6/5/50
9/5/50
16/5/50
18/5/50
23/5/50

Deutsche Psychiater besuchen die Vereinigten Staaten.
Das 97. Element (Berkelium) in den Vereinigten
Staaten entdeckt.
+) Künstlicher Regen für New York.
Wird die Erde wärmer? - Ein amerikanischer Chemiker
begründet eine neue Theorie.
Die Chemie der kleinsten Organismen.
+ + + + + + + + + + + + +

1/6/50
13/6/50
15/6/50
20/6/50

+) Die "Amerikanische Stiftung für Naturwissenschaften' 1 .
Verbilligung des synthetischen Benzins durch verbessertes Herstellungsverfahren.
Akustische Versuche im Kleinen.
Ein hessischer Hauptmann beschrieb den Unabhängigkeitskrieg.
+ + + + + + + + + + + + +

- 2 -

�3.) PORTRAIT DER WOCHE
I/4/5O
22/4/50
29/4/50

+ ) Percy L« Julian, Chemiker und Forscher.
+) Der amerikanische Karikaturist Herbert Block.
+) Der fliegende Botschafter - W. Averell Harriman.
+ + + + + + + + + + + + +

6/5/50
11/5/50
18/5/50
23/5/50
27/5/50

Hamburgs Bürgermeister Max Brauer.
+) Roger Duvoisin, einer der führenden amerikanischen
Buchillustratoren.
+ ) Prof. Dr. Shuster, Bayerns neuer Landeskommissar.
+) Japans MacArthur.
Nathaniel Currier und Merritt Ives - die ersten
Bildreporter Amerikas.
+ + + + + + + + + + + + +

10/6/50
17/6/50
20/6/50

+) Hüter der Maoht des gedruckten Worts: Kent Cooper Generaldirektor von Associated Press.
+) Der "wilde Mann" in der amerikanischen Literatur William Paulkner erhielt hohe Auszeichnung.
+) Capus M. Waynick, Direktor des Punkt-Vier-Programms,
+ + + + + +++ + + + + +

4.) KUNST,_MUSIK, THEATER,_FILM&gt;_LITERATUR_L TANZ_
4/4/50
6/4/50 +;
15/4/50
18/4/50
20/4/50
25/4/50

Ein Kino, das nichts einbringen soll.
Ruth St. Denis, Ted Shawn und ihre Tanzgruppe, die
"Denisshawn Dancers".
+ ) Die bildende Kunst hat eine große Zukunft in Amerika.
Hollywood wählte die besten Filmkünstler der letzten
50 Jahre.
Ein Regenschirm für 9 500. - Die regensichere Freilichtbühne von Pittsburgh.
New Yorker Ausstellungen geben Einblick in das Schaffen
moderner Bildhauer.
+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50
4/5/50
13/5/50
16/5/50

+)

Ivan Mestrovic, der große kroatische Bildhauer, wirkt
heute in den Vereinigten Staaten.
+) Ferdinand Schäfer, der Gründer des Indianapolis
Symphonie-Orchesters.
+) Bürokratie nach Noten. - Gian-Carl) Menotti, die
große Hoffnung der modernen Oper.
"Tonys" statt "Oskars" — Preisverteilung an amerikanischen Bühnen.
- 3 -

�KUNST,_MUSIK_, THEATER,_PILM,_LITERATUR_L TANZ_
20/5/50
25/5/50

Die Pulitzerpreise von 1950.
+)

Das Negerspiritual, echtester Ausdruck der Seele
des schwarzen Menschen.
+ + + + + + + + + + + + +

1/6/50

Die Theater-Arbeitsgemeinschaft in New York.

3/6/50

+) Der LuftbrückenfilnuVom Rechte, das mit uns geboren . . . Professor
R.Mo Maciver: Great Expressions of Human Rights.

10/6/50
15/6/50
17/6/50

+ ) Singendes Amerika.
Hollywood in Deutschland.

27/6/50
29/6/50

+)
+)

Louis Armstrong, der König der Trompete.
Die Ruhmeshalle des Films in New York,City.
+ + + + + + + + + + + + +

5.) DAS NEUE BUCH
"Der Sprung in die Freiheit" — Oksana Kosenkina erzählt ihr Leben.
Das Ende eines Ghettos — Zu John Herseys Roman
"Die Mauer".

8/4/50
27/4/50

+ + + + + + + + + + + + +
In fünfzehn Jahren Abflug zum Mond — Besprechung des
Buches von Willy Ley "Conquest of Space" (Eroberung
des Weltenraumes.)

9/5/50

+ + + + + + + + + + + + +
24/6/50

+)

John Foster Dulles: Krieg oder Frieden.
+ + + + + + + + + + + + +

6.) EUROPÄISCHES WIEDERAUFBAUPROGRAMM
13/4/50

+)
+)

Rote Kreuze im Kalender - Chronik des Marshallplans.
Marshallplan auf vollen Touren. Von Robert M.Hanes,
Chef der ECA-Sondermission in Westdeutschland.
Der Weg nach Europa — Zwei Jahre ERP für
Deutschland. Von John L. Morton.
ERP-Mittel für den deutschen Wohnungsbau —
Von Wilhelm Weisser.
Überblick über die Marshallplanhilfe und den
Wiederaufbau der deutschen Industrie.
Westdeutschlands erstes internationales Abkommen —
Mit dem ERP-Vertrag begann eine neue Phase des
deutschen Wiederaufbaus.
- 4

�EUROPAI3CHES WIEDERAUFBAUPROGRAMM
13/4/50

+)

7.) Qualitätsschuhe am laufenden Band — ERP-Lederlieferungen helfen der deutschen Schuhindustrie.
8.) Europahilfe — eine moralische Aufgabe —
Marshall-Rede zum 2. Jahrestag der Gründung der
OEEC.
9.) Auszüge aus Marshalls großer Rede in Harvard
am 5. Juni 1947.
+ + + + + + + + + + + + +

11/5/50
27/5/50

"Die Anderen und Du" - Ein Lehrheft für Schüler über
Aufbau, Ziel und Zweck des Marshallplanes.
+ ) Europareisen im Zeichen des Marshallplans.
+ + + + + + + + + + + + +

6/6/50

Technische Unterstützung fördert den Wiederaufbau.
+ + + + + + + + + + + + +

7.) WIRTSCHAFT
15/4/50
22/4/50
25/4/50
29/4/50

+ ) Ein Land macht Inventur — 17. Volkszählung in den
Vereinigten Staaten.
Die erste Weltbevölkerungs-Zählung hat begonnen.
Jährlich 23 Milliarden Kilowatt aus den Niagara-Fällen.
Prozeß der U.S»-Regierung gegen den A &amp;P-Konzern.
+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50
20/5/50
25/5/50

+)

Was ECA in Europa leistet
Seifenfreie Seifen.
Eine Erziehungskampagne der UNESCO über die Ernährungsprobleme der Welt.
+ + + + + + + + + + + + +

20/6/50

Zahlungsunion gegen Dollarknappheit.
+ + + + + + + + + + + + +

8.) ARBEIT
6/4/50
8/4/50
20/4/50

Lehrgänge über Gewerkschaftsfragen an amerikanischen
Hochschulen.
Neue Verteilung der Werkpausen in amerikanischen
Betrieben.
Vollbeschäftigung und wirtschaftliches Wachstum.
+ + + + + + + + + + + + +
- 5

�ARBEIT
4/5/50
13/5/50

Kollektivvertragliche Regelung von Werkküchenpreisen.
+) Gewerkschaften bauen Arbeiterwohnungen.
+ + + + + + + + + + + + +

22/6/50

Amerikas Arbeiter und "Euopa - Von William Green,
Präsident des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFI.
+ + + + + + + + + + + + +

9.) ARCHITEKTUR
29/4/50

+)

"Helix", das Rundhaus der Zukunft.
+ + + + + + + + + + + + +

10.) ERZIEHUNGSWESEN
1/4/50

Aufgaben und Leistungen der amerikanischen öffentlichen
Bibliotheken.
Gewerkschaften sollen am Aufbau des neuen Schulsystems
in Deutschland mitarbeiten.

4/4/50

+ + + + + + + + + + + + +
Die Whittler-School, Versuchsgrundschule der Universität in Berkeley, California.

13/5/50

+ + + + + + + + + + + + +
24/6/50

+)

Schulunterricht für körperbehinderte Kinder.

11.) MEDIZIN
1/4/50
18/4/50
27/4/50

+) Medizinmann hilft dem Arzt. Ein modernes Krankenhaus
für Indianer.
Die neuerrichtete Veteranenheilanstalt in Chelsea,
Massachusetts.
Kampf der Müdigkeit.
+ + + ++ + + + + + ++ +

4/5/50
27/5/50

Neue Präparate gegen Lepra.
Neue Waffen gegen Tuberkulose.
+ + + + + + + + + + + + +

13/6/50

+) Keine Angst vor'm Zahnarzt.
+ + + + + + + + + + + + +

- 6 -

�12.) MEILENSTEINE AUF UNSEREM WEGE
6/4/50

+)

Wallfahrt nach Hyde Park — Zum 5« Todestag des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt am
12. April.
+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50

+)

Der Präsident der Vereinigten Staaten und sein Werk.
+ + + + + + + + + + + + +

8/6/50

+)

20/6/50

+)

27/6/50

+)

14. Juni - Flaggentag in Amerika. - Von der Entstehung der amerikanischen Nationalflagge.
Amerikanische Verfassung und "Bill of Rights" zum 162. Jahrestag der Ratifizierung der Verfassung
der Ü.S.A.
Geburtstag einer Nation - Der Unabhängigkeitstag in
Amerika.
+ + + + + + + + + + + + +

13a)_SP0RT
20/4/50

Wie schnell ist ein Skispringer? + + + + + + + + + + + + +

6/6/50
24/6/50

Fünfzig Jahre Entwicklung im amerikanischen Boxsport,
Sportreporter anno dazumal.
+ + + + + + + + + + + + +

14O_PSYCH010GIE
6/5/50
20/5/50

Wie groß ist Ihr "Reizbarkeitsfaktor"?
Maurice Reddy vom Amerikanischen Roten Kreuz beobachtet das Verhalten des Publikums bei Katastrophen.
+ + + + + + + + + + + + +

15.) INDUSTRIE UND TECHNIK
9/5/50

+)

11/5/50
16/5/50

+)

18/5/50

+)

10 t - Lastkraftwagen mit Turbinenantrieb verläßt
den Prüfstand.
Die synthetischen Fasern Orion, Vinyon und Saran.
Unterirdische Kleinbahnen versehen den städtischen
Güterverkehr Chicagos.
Der Grand Coulee-Damm, die größte Energiequelle der
Vereinigten Staaten
+ + + + + + + + + + + + +

- 7 -

�INDUSTRIE UND TECHNIK
25/5/50

+)

Die Bedeutung des Films als Lehrmittel in der Industrie
der UcS.A.
+ + + + + + + + + +

6/6/50
22/6/50
29/6/50

+)

H- + +

Orgelspielen leicht gemacht.
Ein neues Straßenpflaster.
Wunderstoff Glas.
+ + + + + + + + + + + + +

l6i)_VERKEHRSWESENi FLUGWESEN
18/5/50
25/5/50

+)

Unfallverhütung in den Vereinigten Staaten.
Verkehrsluftfahrt nach 1955.
+ + + + + + + + + + + + +

3/6/50
17/6/50

+ ) Windkanal und Üherschallgeschwindigkeit — Aus der
Luftfahrt-Forschung der U.S.A.
»Weltflughafen der Freundschaft" - Riesenflughafen
in Neu England.
+ + + + + + + + + + + + +

i7l)_AMERIKANISCHE_RECHTSPFLEGE
13/6/50

+)

Las Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten,
+ + + + + + + + + + + + +

18._)_INTERNATIONALE VERSTÄNDIGUNG
15/6/50

Amerika im Bild - für Europa. Fernsehnetz als Schwesterunternehmen der "Stimme Amerikas."
+ + + + + + + + + + + + +

19j_PRESSE
17/6/50
24/6/50

+)

Heiße Würstchen im Kalten Krieg. Die amerikanische
Zeitschrift "Newsweek" über das Pfingsttreffen der FDJ.
Hugh Baillie, Chef der United Press - Nachrichtenfreiheit und gewappneter Frieden.
+ + + + + + + + + + + + +

20_.)_VEREINTE NATIONEN_
29/6/50
UNESCO plant einheitliches Urheberrecht.
+ + + + + + + + + + + + +
- 8 -

�21.) KOMMENTARE VON JOHN Lo MORTON
1/4/50
4/4/50

Der europäische Gedanke»
Wo bleibt das Verfassungsgericht? — Ein System der
Kontrolle und Ausgleiche Bedingung
für das Vertrauen
zu Bonn0
Wirtschaftsstrategie nach dem Marshall-Plan.
Freie Bahn für ein neues Experimente
"Wenn das Geschrei verhallt, wird West-Berlin nach
immer frei sein."
Die Suche in der Ostsee.
"Das amerikanische Volk hat nicht vergessen . . . "
Wer sabotiert die Vereinten Nationen?

8/4/50
15/4/50
18/4/50
20/4/50
25/4/50
29/4/50

+ + + + + + + + + + + + +

2/5/50
4/5/50
9/5/50
11/5/50
16/5/50
20/5/50
23/5/50
27/5/50

+)

Außenminister Acheson erklärt sein Programm.
Diener - nicht Herren des Volkes.
Zur Londoner Konferenz der Außenminister.
Sowjetische Rache nach fünf Jahren.
Europa -- Theorie und Wirklichkeit.
Zur Londoner Außenministerkonferenz. Ein freies
Deutschland in einem freien Europa.
Im Osten: Unmenschliche Härte.
"Ich habe die Ehre . . . " Weltfrieden und Volkspolizei.
+ + + + + i- + + + + + + +

1/6/50
3/6/50
6/6/50
10/6/50
15/6/50
17/6/50
20/6/50
22/6/50
27/6/50
29/6/50

"Hottentotten-Gerede"c Herr Ulbricht zum Frieden und der
Einheit Deutschlands.
Heute - Kartoffelkäfer! Morgen - vielleicht das Ungeheuer von Loch Ness?
Flaschen mit zu engem Hals*
DIVIDE ET IMPERA - Das Warschauer Abkommen - ein
schwarzer Tag für Deutschland.
Was die Kommunisten am meisten fürchten.
Deutschland sagt JaBerlin und kulturelle Freiheit.
Zahlen, die für sich selbst sprechen - Der sowjetische
Haushaltsplan.
Immer wieder das alte Lied • die Ostzonenpresse und
der Kongreß für kulturelle Freiheit.
Die Vorgeschichte de» Korea-Konflikts in Tatsachen.
+ + + + + + + + + + + + +

_ 9_

�22.) ZU IHRER INFORMATION
6/4/50

Wortlaut der Ansprache Mr. McCloya beim Essen der
Pilgrim's Sooiety in London.
1.) Wortlaut der U.S.-Note an Moskau.
2.) Wortlaut einer mündlichen Erklärung des Sprechers
im amerikanischen Außenministerium, Michael MoDermött.
Wortlaut der Rede Präsident Trumans vor dem Verband
der amerikanischen Redakteure.
Wortlaut der Rede des U.S.-Außenministers Dean
Acheson vor dem Verband amerikanischer Redakteure
am 22. April in Washington.

22/4/50

25/4/50
27/4/50

+ + + + + + + + + + + + +
2/5/50
6/5/50
13/5/50

16/5/50
18/5/50
20/5/50

25/5/50
27/5/50

+)

Auszug aus einer Ansprache John Poster Dulles1 über
Probleme der U.S.-Außenpolitik.
Deutsche Bundestagsmitglieder in Washington.
Auszug aus dem Congressional Record vom 25. April 1950.
Voller Wortlaut der Rede "Bericht aus Deutschland"
des Direktors des Aiptes für öffentliche Angelegenheiten, Mr. Ralph Nicholson, vom 12. Mai 1950, auf
der 19. Jahrestagung des Institutes für auswärtige
Angelegenheiten an der Earlham-rUniversität in
Richmond, Indiana.
Der amerikanische Kongreß schafft ein Gesetz. Von
Francis J. Myers, U.S.-Senator für den Staat Pennsylvanien.
Wortlaut der Londoner Kommuniques.
1.) Entschlüsse von historischer Tragweite in London.
2.) Wortlaut der Rede des stellvertretenden amerikanischen Hochkommissars für Deutschland, Benjamin
J. Buttenwieser, am 18. Mai -1950 in White Sulphur
Springs (West Virginia.)
Wortlaut der Ansprache des amerikanischen Hochkommissars für Deutschland, John J. McCloy, zur Eröffnung des Amerika-Hauses in Hannover.
Wortlaut der amerikanischen Protestnote an die
Sowjetunion.
+ + + + + + + + + + + + +

1/6/50
3/6/50
8/6/50

Die Hochkommissare der Westmächte übermitteln Tschuikow
einen Plan zur Wiederherstellung der deutschen Einheit.
Wortlaut der Rede des U.S.-Außenministers Dean
Acheson vor dem U.S.-Kongreß .
Voller Wortlaut der Rede des amerikanischen Außenministers Dean Acheson in einer gemeinsamen Sitzung der
Senatsausschüsse für außenpolitische Angelegenheiten
und für die bewaffneten Streitkräfte*.

- 10 -

�ZU IHRER INFORMATION
10/6/50
13/6/50

15/6/50

22/6/50
27/6/50

Wortlaut der Rede Präsident Trumans vom 9. Juni 1950
über Friedensbemühungen der U.S.A.
1.) Amerikanische Erklärungen zur Oder-^Neiße-Linie.
2.) Voller Wortlaut der Ansprache Präsident Trumans
über die Außenpolitik der U.S.A. (10.6.1950 in
St. Louis, Missouri.)
Zusammenschluß der freien Welt. Von Neal Stanford.
Wortlaut der großen außenpolitischen Rede des U.S.Außenministers Dean Acheson in Dallas am 14.6.1950.
Ein weiterer Schritt zur Linderung der Flüchtlingsnot.
Das Punkt-Vier-Programm.
+ + + + + + + + + + + + +

•- 11 -

�23

ARTIKEL FÜR DIE FRAUo
1.)

"Wir, die Völker der Erde ..»"-Eine Erklärung von Mrs.Eleanor Roosevelt zu
dem internationalen Gesetzesvorsohlag, der die
Grundrechte des Individuums für alle Menschen
der Erde garantieren soll.

2.)

Die Frau auf dem Wege zur politischen Gleichberechtigung»

3.)

Pearl Elleene Primus, die amerikanische Tanzwissenschaftlerin, zwisohen afrikanischem Busch
und Universität.

4.)

Kinder lesen mit den Händen*

5.)

Eierspeisen einmal anders»

6.)

Sei immer du selbst»
Von Terry Hunt» (2.Folg«)

1.)

Die Stellung der Frau im politischen Leben
der U.S.A»

2»)

Hunter College, die älteste und zugleioh mo^
dernste Mädchenschule der U.S.A»

3.)

Über die Höflichkeit der Kinder.

•)

4.)

Haben sie eine anständige Zahnbürste?

+)

5.)

Kostüm, Kleid und Mantel in diesem Frühjahr
betont jugendlich und weich.

6.)

Kummer und Sorgen - Feinde der Schönheit*
Von Terry Hunt. (3»Folge)

1.)

Rektor eines Frauen-College berichtet aus
seinen Erfahrungen.

2.)

Wir adoptieren ein Baby

3.)

Eine Frau auf Eisbärjagd.

+)

4.)

Die amerikanische Küche Das moderne Labor des Haushalts.

+)

5.)

Schöne Figur durch richtiges Essen»
Von Terry Hunt. (4-Folge)

4/4/50

+&gt;

+&gt;

13/4/50
•)

18/4/50

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

- 12

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU.
Amerikanerin verschafft 24-0 europäisehen
DP-Familien Unterkunft und Brot.

25/4/50

Der werbliche Einfluß im politischen Leben
Kaliforniens.

+)

3.

Dezente Kundenwerbung in den Ü.S.A»

4.

Wenn Kinder streiten.

5.

Amerikanische Innenarchitekten lösen das
Raummangelproblem der Einsimmerwohnung.

6.

Oute Kleidung die beste Kapitalsanlage auf
dem Konto der Schönheit.
Von Terry Hunt. (5.Folge)

7.

Leiterin der Frauenabteilung beim U.8.- Hochkommissar für Deutschland sprioht über ihre
Arbeit.
+ + + + + +' + + + + + + +

2/5/50 +)

1.

Der erste Mai in den Vereinigten Staaten.

2.

Mrs. Elizabeth Faekt, eine bekannte Pädagogin
der U.S.A,., berät deutsche Gruppen in Frauenangelegenheiten.

3.

Die Füsse deines Kindes.
Probleme der Sexualerziehung der Jugendlichen.

«

9/5/50

+&gt;

5.

Florence Wiokham, die einzige Opernkomponistin
der Ü.S.A», zur Situation der Opernkomponisten
in den Vereinigten Staaten.

6.

Kleines Schönheitahievier.
Von Terry Hunt. (6.Folge)

7.

Kleine Winke - große Hilfe.

8«

Kleine Vitamintabelle für

1.

Flüchtlinge und Arbeitslose — Die Sorgenkinder
von Mrs. Scheyer, Expertin für Wiederanaiedlungsfragen beim Pariser Büro der EGA.»

2.

Wachsender Einfluß der Frauen in U.S.-Gewerkschaften.

3.

Glanz und Elend eines Photomodells.

4.

Warum sind wir lufthungrig?

- 13 -

das Frühjahr.

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU.

5.

Seohs Prozent berühmte Frauen im amerikanischen
Nachschlagewerk Mfho is Who"»

6.

Wie entfernt man Flecke?

1.

Frauen und Demokratie.

2.

Flugstewardess, ein begehrter Beruf in Amerika.

3.

Illusion und Wirklichkeit.

4.

Der amerikanische Kühlschrank von heute.

5.

Zitronenspeise - Götterspeise.

23/5/50 +)

1.

Bauklötzchen als Lernmittel.

+)

2.

Mrs. Eleanor Roosevelt — Eine vielgeehrte Frau.

3.

Sensationelle Schuhmode.

9/5/50

16/5/50
+&gt;

+)

Amerika propagiert den "nude look".
4.
Schönheitsmittel wie vor 5 000 Jahren.
5.
Der Tod in der Streichholzschachtel»
6.
Blau bevorzugt.
Das Ergebnis einer Chicagoer Rundfrage.
+ + + + + + + + + + + + +
1.

Der Gleichberechtigung der Frau entgegen.

+)

2.

Bundestagsmitglied Frau Irma Keilhack über ihre
Eindrücke in Ü.S.A.

-0

3.

Entwicklung und ästhetische Ausdrucksform.

4.

Gelenkrheumatismus und Schwangerschaft.

5.

Ferien vom loh.
Minna entpuppt sich als bekannte Schriftstellerin
und - Lebenskünstlerin.

1.

Die Liga der amerikanischen Wählerinnen.

2.

Rose Markward Knox, die Präsidentin der
"Knox-Gelatine-Gesellschaft".

1/6/50

13/6/50
+)

+). 3.

Am Badestrandt Spitzen und Leinen.

4.

Ratschläge für die Stilltechnik.

5.

Auoh "Er" kocht und putzt und wäscht.

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU.
20/6/50

+ ) 1.
2.

Säuglingspflege und Kindererziehung

3.

Wissenswertes über den Sonnenbrand»

4.

Frauen-Nebenberufe in den U.S.A.

+ ) 5»
27/6/50

Amerikanische Farmersfrauen begehen die
"Woche des Haushalts".

1.
+) 2o

Zum 70ten Geburtstag Helen Kellers.
Mrs. Roosevelt und der Tag der UN«
Die Frühgeburten-Station des Michael-ReeseKrankenhauses in Chicago.

3.

Geschichte eines modernen Aschenbrödels.

4.

Ein kleines "Haushaltsarohiv" erspart viel
Ärger.

5.)

Zweimal Kunstseide.
+ + + + + + + + + + + + +

KURZNACHRICHTEN FÜR DIE FRAU,
4/4/50

1.)

Modisches aus den U.S.A.

2.)

Mütter gehen mit ihren Kindern zur Schule.

.)

13/4/50

Fast 1,5 Millionen amerikanische Frauen sind
freiberuflich tätig.

4.)

Margaret
Trumans Stimme erstmals auf Schallplatten aufgenommen.

1.)

Gleichberechtigung der amerikanischen Frau
auch im Bankgeweroe gefordert.

2.)

Pandora Tsaldaris spricht über ihre Eindrücke
in den Vereinigten Staaten..
Ungewöhnliche Auszeichnung für Schwester
Elizabeth Kenny.

3.)

- 15 -

�KURZNACHRICHTEN PUR DIE FRAU.
18/4/50

+)

25/4/50

1.

Vereinte Nationen erhalten UeS.-Vorschläge
zur Frage der Staatsangehörigkeit der Frau
bei Heirat und Scheidung.

2.

Mrs. Roosevelt, die einflußreichste Frau
Amerikas.

3.

Vertreter der Amerikanischen Legion beschenken
Patienten der Kinderklinik in Mammolshain.

1.

"Philadelphia (Pennsylvania) Inquirer" über
die Frauenemanzipation in der Ostzone.

2.

Amerikanische Negerin wird ausgezeichnet.

3.

Metallimprägnierte Textilien.

4.

Eine Frau erhält hohe wissenschaftliche
Aus z e i chnung.
+ + + + + + + + + + + + +

9/5/50

16/5/50

23/5/50

1.

Präsident Truman ehrt verdiente Amerikanerinnen»

2.

HalbIndianerin die "Mutter des Jahres*.

3.

Ahorn-Sirup.

4.

Kleiner Modebrief.

1.

Die Axt im Hause ....

2.

Sonnenbrille mit schwenkbarer Linse.

3.

Weibliches Sexualhormon aus Süßholz.

1.

Dies ist wahrhaft Dienst am Kunden.
Abendhütohen bis Zulupuppe, das Telefonbuch
weiß es.

2.

Kleine Kniffe - große Hilfe.
+ + + + + + + + + + + + +

- 16 -

�KURZNACHRICHTEN FÜR DIE FRAU.
1/6/50

13/6/50

20/6/50

27/6/50

1.)

Deutsche Vertreterinnen auf der Jahresversammlung des Verbandes amerikanischer Frauenklubs.

2.

Ernährung und Fruchtbarkeit.

3.

Neue psychologische Demonstrationsmethodet
Kasperlefiguren.

4.

Kleinkühlschränke für Kraftwagen.

5.

Gloria Swanson, der Vamp des frühen Tonfilms,
wieder hoch in Kurs,

+) 1.

Katharine F.Lenroot, Leiterin des U.S.-Bundesamtes für Kinderfürsorge, ausgezeichnet.

2.

Tiefgekühltes Gulasch - Vollständige Mahlzeiten
samt Teller in amerikanischen Lebensmittelgeschäften zu kaufen.

3.

Tips für Hausfrauen und Junggesellen.- über den
Umgang mit Nagelfeilen, Kleiderbügeln und
Alkoholfleoken auf Möbeln.

4,

Neue Reinigungsmittel für automatische Geschirrwäscher.

1»

Deutschlandbesuch der Vizepräsidentin des YWCA.

2.

Qualitätskleider billig von der Stange.

3.

Ist Orion ein Konkurrent für Nylon?

4.

Schuhe mit auswechselbarem Oberteil.

1.

Das Textil-Archiv in New York City.

2.

Regenschirm mit auswechselbaren Bezügen.

3.

Der Wert der Spieltherapie»

+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST1*
kostenlos Bildmaterial liefern.

�LANDWIRTSCHAFTLICHE NACHRICHTEN,
April 1950 +)

+)

1,

Rasch* Ernte erhält Nährwerte.

2.
3.

Mehr Fleisch durch verbesserte Schweinefütterung.
"ölperle", die künstliche Butter,

4.

Junge Hühnchen auf alter Streu.

5.

Häufige Verwendung der richtigen Spritzmittel sichert eine gute Obsternte»

6.

Pflanzen wachsen ohne Erde.

7.

Bestand an Milchkühen in den U.S.A. nimmt zu»

8,

Eßt Gras . . „

9.

S t a t i s t i s c h e Erfassung der amerikanischen
Landwirtschaft»
+ + + + + + + + + + + + +

Mai 195Q

1.)

Die landwirtschaftliche Revolution in
den U.S.A.

2.)

Entdeckung vitaminproduzierender
in einer A b f a l l g r ü b e .

3»)

Erfolgreiche Rattenbekämpfung.

4-.)

Radiometer zur Verhütung v o n Frostschäden»

5.)

D i e Sojabohne erobert die Welt»

6.)

Die Kultur von Himbeeren und Brombeeren.

7.)

Zuohtversuche mit Tomaten.

8.)

Landbevölkerung der U.S.A. 19# der Gesamteinwohnerzahl.

90

Neue Grassamenbeize.

10.)

Bakterien

Kühleier ebenso haltbar wie gewöhnliche.
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

- 18 -

�LANDWIRTSCHAFTLICHE NACHRICHTEN.
Juni 1950

1»

Für und wider die Preisstützung landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

2.

Neuartiger Silobau in den Ü.S.A,

3.

Mehr Schweinefleisch in Auesicht.

4.

Senkung der Gewichtsverluste und Steigerung
des Wollertrages bei Schafen.

5.

Neue KartoffelBorten aus den TJ.S.A.

6.

Fischfabrik auf See.

7.

Der Blütenwecker»

8»

DDT steigert den Kartoffelertrag.

9.

"Heu-Kanonen" helfen dem Farmer,
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern»
26^ DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
April 1950/1

l.)

Die amerikanische Wirtschaftslage Anfang 1950.

2.)

Das Jahrhundert der Konservendose»

3.)

Deuteche Steuern echrecken U.S.-Privatkapital
ab.

4.)

Europa wirbt in U.S.A»
Deutsches Markenporzellan wird in Denver gezeigt.

5.)

Amerikanisches Kapital für Europa.
Investitionsprogramme für 1950 wesentlich erweitert»

6.)

Die ECA-Freigaben im Februar»

- 19 -

�DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
April 1950/11

+)

!•]

Am Wendepunkt des MarshallplaneB«

2.)

8,6 Milliarden Dollar für Europa.

3.]

Deutsche Kohle für den Marshallplan.
Der westdeutsche Bergbau - ein wichtiger
Faktor im ERP.

4.;

Leistungssteigerung durch Erfahrungsaustausch.

5.;1

Marshallplangelder für europäische
Investitionsprogramme.

6.: i

Gegenwertmittel gegen Kapitalnot und
Inflation.

7.: i

ECA beschafft strategische Rohstoffe.

H+ + + + + + + + + + + +
Mai 1950/1

+)

Mal 1950/11

i.]l

Zollsenkung und Liberalisierung.

2.; i

Elektrische Leitfähigkeit, Liohtempfindlichkeit und Strahlendurchlässigkeit
als bestimmende Merkmale neuer Gläser.

3. )

Die Kapazität der amerikanischen Stahlindustrie»

4. )

Die Lebensmittel der Zukunft, tiefgekühlt.

5. )

Amerikanisches Versuchslaboratorium
trägt zur Reduzierung der Produktionskosten bei.

1. )

U.S.A. untersuchen Export-Möglichkeiten
des Auslandes.

2. )

Marshallplanmittel für Westeuropas
Kolonien.

3. )

Amerikanische Werbefirmen im Dienst der
Allgemeinheit»

4. )

Turbinen verdrängen Kolbenmotor»

5. )

Senkung der Verbrauchersteuern in U.S.A.

- 20. -

�DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
Juni 195o/l

Juni 1950/11

1.

U.S.-»Sozialversicherung vor der Neuordnung.

2.

13 Milliarden für Neuinvestitionen in Ü.S.A.

+)

3.

Das Fertighaus erobert den amerikanischen
Markt zurück.

+&gt;

4.

Schiffsverkehr zwischen Ü.S.A. und Deutschland nimmt zu.

5»

Wirtschaftskalender - Mai 1950»

1.

"Brookings Institution" fordert Neugestaltung der amerikanischen Bundessteuern.

2.

Neue Gesichtspunkte bei der Auswahl von
Baugrundstücken in U.S.A.

3»

Das größte amerikanische Versandhaus hat
147 Millionen Kunden in aller Welt.

4.

Ein geschäftstüchtiger Geflügelhändler.
+ + + + + + + + + + + + +

27)

KURZBERICHTE AUS DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT.

April 1950/1

1.

U.S.-Amt für Arbeltsstatistik zur Arbeit slosenfrage *

2.

U.8.-Samengroßhandlung gründet Zweigniederlassung in Italien.

3.

Neue Gleichstrom-E-Lok in U.S.A.

4.

Kundenfertige Fleisohportionen bevorzugt.

5.

Gold aus Meerwasser»

6.
Mai 1950/1

1.
2.
3.
4.

Spanien und Portugal Hauptabnehmer für
überschüssige U.S.-Kartoffeln.
+ + + + + + + + + + + + +
2,5 Millionen U.Su-Patente.
U.S.-Öffentlichkeit billigt Privatgewinne.
Rückgang des Barsparens in U.S.A.
U.S.-Handelskammer weniger "'isolationistisch"»

- 21 -

�KURZBERICHTE AUS DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT.
Mai 1950/11

1.

Der unfehlbare "Denkroboter".

2.

Fernsehen und Bierverbrauch.

3.

Was hält der Aktionär vom Jahresbericht?

+ + + + + + + + + + + + +
Juni 1950/11

Junl 1950/11

1.

Boston erhält Warenhaus mit modernsten
technischen Einrichtungen.

2.

Der Einwanderer spart - Eine Gewohnheit»
die er in die neue Welt mitbringt.

3.

Wäschewaschen ohne Seife.

4.

"Amprobe", der neue KleinstStrommesser.

1.

Erdölbohrungen in Nordafrika.

2.

Eisgekühltes ohne Eis.
+ + + + + + + + + + + + +

28) GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.

April 1950/1

1.)

CIO fordert Unterstützung des Auslandshilfegesetzes durch U.S.-Repräsentantenhaus.

2.)

Gewinnbeteiligung für Arbeitnehmer in den
U.S.A.

3»)

Schwedische Gewerkschaftler besuchen U.S.A.

4.)

Facharbeiter von morgen.

5.)

Generaldirektor der ILO gibt Rechenschaftsbericht.

6.)

Sparmarken für Aktienerwerb und Urlaubsfinanzierung.

7«)

U.S«-Seeleutegewerkschaften fordern Maßnahmen
gegen kommunistische Störversuche.
+ + + + + + + + + + + + +

Mai 1950/1

1.)

AFL und CIO gratulieren Berlin.

2.)

Die öffentlichen Gewerkschaftsorgane in den
U.S.A.

3.)

AFL-Gewerkechaftsausstellung in Philadelphia.
- 22 -

�GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.

Mai 1950/1

Mai 1950/11

Juni 1950/1

4»

AFL-Gewerkschaft erörtert antikommunistischen Aktionsplan.

%

AFL lobt "freien Gewerkschaftsbund im Exil".

6.

Amerikanische Arbeiter sind zahlungskräftige
Touristen.

1.

UAfvKollektiwertrag mit General-Motors lebhaft
begraset.

2.

AFL-Erklärung zum Deutsohlandproblem.

3.

AFL-Erklärung zur internationalen Lage.
+ + + + + + + + + + + +

1.

Die amerikanischen .Gewerkschaften und das
Punkt-4-Programmo

2.

Goldenes GewerkschaftsJubiläum in U.S.A.

3.

AFL schlägt Studium der Altersfürsorge vor.

4.

Unfallziffer im U.S.-Bergbau rückläufig.

5.

U.S.-Elektroarbeiter stimmen gegen Kommunismus.

Juni 1950/11 1.
+)

2.

U.S.-Arbeiter werden Kampf gegen den Kommunismus fortsetzen«
U.S.-Konferenz für Invalidenfürsorge fordert
"totale Neueinschulung" der Arbeitsinvaliden.

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.
29) EISTIGES LEBEN.
April 1950/1 1.)

Grau ist alle Theorie.

+)

2.)

Mystik —- durchaus unmysteriBs.

+)

3.)

Volkskunst in Amerika und anderBWO.

4.)

Die Krise der Kunst ist keine Krankheit
zum Tode.

5.)

Die Grundzüge des Liberalismus.

- 25 -

�«

GEISTIGES„LEBEN.
April 1950/11 +)l.

Der schöpferische Neger.

2.

Langston Hugh.es.
Der Neger spricht von den großen Strömen

3.

Amerikanische Notenbibliothek für deutsche
Musiker.

4.

Seminar für Amerikakunde in Salzburg.

5.

Das Land ohne Mittelstand.

6.

In zwei Jahren 150 neue amerikanische
Hochschulen.

7.

Täuschungen als Quelle der Erkenntnis»
+ + + + + + + + + + + + +

Mai 1950/1

1.

Rot und Schwarz oder Der tödliche Bruderkuß.

2.

Strawinsky für die Kleinen.
Ein Schallplattenolub für Kinder.

+) 3 .

4.

Mai 1950/11

Von der babylonischen Hieroglyphe bis zum
Schundroman.
Amerikanische Pädagogen in Deutschland
eingetroffen.

+) 5.

Malerei aus dem Geiste der Musik.
Das Lebenswerk Lyonel Feiningers in New York.

+) 6.

Helen Keller in Paris.

+) 1.

Die Oper ist tott Es lebe die Oper.
Von Gian Carlo Menotti.

2.
+) 3.

Das kirchliche Leben in Amerika.
Hochkommissar McCloy vor der Evangelischen
Akademie in Hermannsburg»

4.

Die Summe des menschlichen Denkens Ein Philosoph sichtet das Gedankengut
unserer Welt.

+) 5.

Paul Klee, der Palmström der Palette.

6.

Mikrofilmexpedition ins 5* JahrhundertAuf dem Sinai werden anderthalb Jahrtausend
alte Manuskripte photographiert..

7.)

Dr. Read fordert pädagogische Zusammenarbeit
im Sinne hundertjährigen deutsch-amerikanischen Gedankenaustausches.

- 24 ~

�GEISTIGES LEBEN.
1.)

Juni 1950/1
+)

2.)

Lebendige Ordnung — Zum Kongreß für kulturelle Freiheit. Berlin 26.-30. Juni 1950
Dae am meisten umstrittene Bild des Jahre»..,
Salvador Dalie Madonna für Port Lligat-

3.)

Der Weg des großen Musikhistorikers
Alfred Einstein.

4.)

Las amerikanische Buch im Nachkriegs—
deutschland.

5.)

Wer hat den "Pythagoras" zuerst bewiesen?

6.)

Lie hochsinnige Rothaut»

7.)

Freierer Geist in den deutschen Schulen.

8.)

UNESCO erweitert ihre Arbeit in Deutschland»
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

30) JUGEND,
April 1950

1.)

Maxi, der glücklichste Hund der Welt.

2.)

Die deutsche Jugend und das
Problem.

3.)

Fachausbildung für die amerikanische Jugend.

4.)

Erziehung zum praktischen Leben.

5.)

Die schönsten Jahre unseres Lebens.

Arbeitslosen-

+) 6.)

Amerikanische Marine-Pfadfinder erhalten
Unterricht in Navigationelehre»«

7.)

"Campfire-Girls" begehen ihr 40-jähriges
Bestehen.

8.)

Versuch*s mal.

Wie groß ist der Druck der

Luft?
+ + + + + + + + + + +•+ +

- 25 -

�JUGEND.
Mai 1950

1.

Der Holzfäller und die Hexe.

2.

Eint Schule kommt zu den Schülern.
Die Calvert-Schule unterrichtet Kinder in
aller Welt.

3.

Amerikanische Organisation zur Förderung der
Wissenschaften unterstützt junge Talente.

4.

Bleistifte ohne Blei.

+)

5.

Ringling Bros, und Barnum &amp; Bailey in New York,

+)

6.

Sommerlager in den Vereinigten Staaten.

7.

"So leicht" ... - nein, "so schwer wie Luft",
müßte es heißen!
+ + + + + + + + + + + + +

1.

Der kleine Ralph und der Mammutbaum.

2.

Erziehung und internationale Verständigung.

+)

3.

Sommerlager des amerikanischen Quäkerhilfskomitees.

+)

4.

Ein Kindertheater auf Rädern.

5-

Im Kindertiergarten von New York.
Eintritt nur in Begleitung von Kindern.

6„

Versuch*s mal. Die tanzende Haarnadel.

Juni 1950

+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

- 26 -

�Oktober 1950
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1 Juli 1950 - 30. September 1950
Seite
1
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3
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5
5
6
6
6
6
6

Leben in den USA,
Wissenschaft,,
Polin*'.
•era^ur Kunst und Theater^
lirteohaft,
P rtrai^ der Woche,
Arb e
Medizin.Presse, Rundfunk, Fernsehen,
Industrie &amp; Teohnik,
Amerikanische Staaten., Amerikanische Städte,
Gesundheitswesen
Erziebungswesen
Psy »hologie.
W.'hnungsba
Das neue Buoh
Jugend in Amerika^
Kr.:.mj na ixstik
Spi r + ,
Die öffentliche Meinung,,
Vereinte Nationen.,
Eur • pä.i sches Wiederaufbauprogramm,,
Kommentare von John 1 Morton,,
Zu Ihrer Information,

.

Artikel für die Frau,,
znachrichten für die Frau-,

6
6
6
7
7
8
10
12

Geistiges Leber

14

Landwirtschaftliche Nachrichten..

15

Jugend o

16

Die amerikanische Wirtschaft..

18

Gewerkschaftliche Nachrichten aus den Vereinigten
S aaten,

19

+ + + + + + + + + + + H ••

�1;)

LEBTEN I N DEN USA.

4/7/50

6/7/50
8/7/50
11/7/50
13/7/50 •
15/7/50 *
18/7/50
20/7/50
22/7/50
25/7/50
27/7/50
29/7/50

*

Was saßt der Rundfunkhörer? — Neuartige Meinungsforschung in den USA.
Auf den Spuren des Wilden Westens.
Was ist ein Yankee?
.Die fremdsprachige Zeitung in den USA.
Das amerikanische Rote Kreuz.
Kalifornien, der goldene Staat des amerikanischen
Westens»
Amerika sucht Lösung des Altersproblems.
Die Entwicklung der Negerfrage im Süden der Vereinigten Staaten.
Die Handelskammer - das Planungszentrum der amerikanischen Stadt.
Der modernste Unterwassertunnel der Welt.
Die Himmelspolizei von New York.
Austauschprogramm führt deutsche Polizisten nach
Michigan.

+ + + ++ + + + + + ++ +
1/8/50 *
3/8/50 *
5/8/50 *
16/8/50
19/8/50
23/8/50
26/8/50
30/8/50

2/9/50
6/9/50
13/9/50
16/9/50
20/9/50

*

Der Yocemite-Naturschutzpark.
Die Indianerschule in Chicale.
Höhlenbewohner in Alaska.
Das Handelsmuseum in Philadelphia weiß alles.
Die ersten vorlaufigen Ergebnisse der amerikanischen
Volkszählung.
Mannslcut und Weibsmensch, Buwe und Maed. — "Pennsylfawnische Deitch" als Muttersprache.
Indianertreffen in New Mexico.
Ein Hund mit Bankkonto — "Cappy" - ein Stück New
Ycrker Leben.
+ + + + + + + + + + ++ +
1.) Der Tag der Arbeit in den Vereinigten Staaten.
2.) Präsident Truman an die Arbeiter der USA.
Sängerfest jenseits des Ozeans.
Aus der amerikanischen Mythologie — Riesen formten
da3 Antlitz Amerikas.
'Sprechende Bücher" für Blinde.
Zwei-Mann-Ingenieurbüro mit Rekordkontrakten.

Zu den mit *) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial liefern.

1

�LEBEN IN DEN USA.
23/9/50

Rotary International - "Nur wer wahrhaft dient, kann
Lohn erwarten".
"Phi Beta Kappa", die älteste und berühmteste amerikanische Vereinigung von Studenten und Akademikern.
Madison Square Garden.

27/9/50
30/9/50

*

+ + + + + + + + + + + + + +

2.) WISSENSCHAFT.
1/7/50
4/7/5C

Probleme der Raumschiffahrt vom Standpunkt des Arztes.
Wandlungen der Weltwirtschaft durch die chemische
Industrie.
Fluorverbindungen - neue*Zaubermittel der Chemie.
Medizinische Möglichkeiten der Atomenergie.
Uransuche aus der Luft — Das Geigerzählrohr im
Plugzeug.
Malariabekämpfung in Sardinien.

*

11/7/50
2C/7/50
25/7/50
27/7/50

+ + + + + + + + + + + + + +

1/8/50
9/8/50

t

6/9/50
13/9/50
27/9/50 *

Psychologische Tests mit Tauben.
Tausendjährige Wolkenkratzer.
+ + + + + +++ + + + + + +
Der Mars und seine Geheimnisse.
Was sagt die Wissenschaft über die Hypnose?
Aus dem Leben des Biologen, Forschungsreisenden und
Schriftstellers William Beebe.
+ + + + + + + + + + + + + +

3.) POLITIK.
1/7/50
11/7/50

Mr. McCloys erstes Jahr.
Errichtung eines v/issenschaftlichen Stabes im amerikanischen Außenministerium vorgeschlagen.
Die weiß-blaue Plagge der Vereinten Nationen.

22/7/50

+ ++ + + + + + + + + + + +

9/8/50
12/8/50

*

30/9/50

*

Durchschaute "Friedenspetition".
Die politische und wirtschaftliche Entwicklung der
Hawaiischen Inselgruppe.
+ + + + + ++ + + + + + + +
Friedensnobelpreisträger Ralph Bunche.
+ + + + + + + + + + + + + +

- 2 -

�4.)

Literatur, Kunst, Musik und Theater.

1/7/50 *
6/7/50 *
15/7/50
18/7/50 *
25/7/50

*

Robert Frost - der 75jährige Dichter Neu-Englands.
Kulturleben ohne Sommerpause.,
Amerikanische Studenten führen 'Parsifal' auf.
Bergmannslieder gehören zur Volksliedsammlung der
amerikanischen Kongreßbibliothek.
Amerikanische Maler stellen in Venedig aus.
+ + + + + + + + + + + ++ +

3/8/50 *
9/8/50 *
23/8/50

Landgemeinde wird Kulturzentrum.
Amerikanisches Gespräch mit Gerhard Marcks.
Die Arena des Altertums - letzte Errungenschaft am
Broadway.
+ + ++

2/9/50
20/9/50
23/9/50
30/9/50

*
*

+ + + + + + + + +

Robert Russell Bennett, eine der eigenwilligsten Gestalten des amerikanischen Musiklebens.
Brooklyn Library in New York verleiht Reproduktionen
der schönsten Bilder der Welt,
Die "Met" - Amerikas repräsentativstes Opernhaus.
Edward Hopper — Realistischer Romantiker.
+ + + + + +++

+ + + + + +

5.) WIRTSCHAFT.
3/8/50
16/8/50
19/8/50
23/8/50
26/8/50

*

Kohle, die zweimal arbeitet.
Ab 1. September wieder deutsches Generalkonsulat in
New York, j
Freies Unternehmertum und soziale Sicherheit.
Berlin führt mit amerikanischen Hilfsgeldern sein
Notprogramm durch.
Nahrungsreserven aus dem Meer«
+ + + + +++

2/9/50
20/9/50

+ + ++ + + +

Der internationale Boden von New York. Schiffe bringen zollfreien Wüstensand und Bombenschutt.
"Flanktonsandwich" - die Nahrung der Zukunft?
+ + + + + + + + + + + + + +

- 3 -

�6.)

PORTRAIT DER Y/OCHE.

Milton Katz, der neuernannte ECA-Sonderbotschafter
für Europa.
James Thomas Farrell, Schriftsteller und Essayist.
Charles M, Spoffcrd, der neuernannte Vertreter der
USA im Exekutivausschuß des Nordatlantikrates
Mit Schreibmaschine und Zeichenstift - Der unnachahmliche Ludwig Bemelmans»
+ + + + + ++ + + + + + +
Mr, Shepard Stones der neue Direktor des Amtes für
öffentliche Angelegenheiten hei der US-Hochkommission
für Deutschland»
+ + + + + + + + +'+++ +
General Walton Harris Walker, Oberkommandierender der
UN-Landstreitkräfte in Korea»
Percy Aldrich Grainger, der markanteste Zopf auf
Amerikas Konzertpodium.
+ ++ + + + ++ + + + + +

8/7/50 +
15/7/50 +
20/7/50 +
22/7/50 +
16/8/50 +

6/9/50 +
16/9/50 +

7.) ARBEITo
13/7/50
22/7/50
27/7/50
5/8/50
19/8/50 +
16/5/50
27/9/50

Frauen im Staatsdienst der USA.
Zinsfreie Darlehen für amerikanische Elektroarbeiter.
Las US-Arbeitsministerium«
+ + + -^ + + + + + + + +
Hohe Produktion sichert hohe Einkommen und gesteigerten
Lebensstandard der amerikanischen Arbeiterschaft»
Das Bankett für den Boas,
+ + + + + + ++*+ + + + + .
Sommer-Seminare für amerikanische Gewerkschaftler«
Streiks, die beim Abendessen beigelegt werden,*
+ + ++ + + + + + + + + +

8,-) MEDIZIN.
8/7/50
15/7/50 +
18/7/50

Überragende Heilwirkungen bei Blinddarmentzündung durch
Aureomycin,
Neue Wege bei der Behandlung der Kinderlähmung.
Alkoholische Trugschlüsse - Die Medizin widerlegt
die Ausreden der Gewohnheitstrinker»
+ + + + ++ + + + + + + +

9 ) PRESSE, RUNDPUNK, FERNSEHEN.
4/7/50
6/7/50

^Die. "Leichenhalle" - letzte Zuflucht des Redakteurs
Im Sendewagen durch Amerika. - Neue Sendefolge der
"Stimme Amerikas"»
+ + + + + + + + + + + + +
- 4

�PRESSE, RUNDFUNK, FERNSEHEN.
1/8/50
16/9/50
23/9/50

Spezialsender für schwere Musik»
+ ++ + + ++ + + + + + +
Tcscaninischüler über klassische Musik und die
Television»
"TIME" über den Berliner Oberbürgermeister, Professor
Dr&lt; Ernst Reuter»
+ + + + + + + + + + + + +

10.) INDUSTRIE &amp; TECHNIK.
13/7/50
16/8/50
9/9/50

Elektrische Anlagen im neuen Sekretariatsgebäude der UN,
+ + + + + + + + + + + + +
Der Radioapparat am Handgelenko
+ + ++++.+ + + + + + +
Amerikanische Wissenschaftler untersuchen die Unfallgefährdung in modernen Personenkraftwagen«
+ + + +-fc--fc + + + + + + +

llo) AMERIKANISCHE STAATEN, AMERIKANISCHE STÄDTE.
20/7/50 +
12/8/50

Maine - der Staat der Kiefern»
+ + + + + + + +++ + + +
Brooklyn - der Irrgarten auf Long Island•
+ + ++ + + + + + + + + +

12,) GESUNDHEITSWESEN,
9/8/50
26/8/50 +

Der Cesundheitsstand der Negerbevölkerung in den
Vereinigten Staaten»
Keine Panik bei Kinderlähmung - Amerikanische Spezialisten geben praktische Ratschläge»
+ + + + + + + + + + + + +

13.) ERZIEHUNGSWESEN,
13/7/50
22/7/50

6/9/5Ö •
9/9/50 +
13/9/50 +

Eine Universität für Taubstummet
Die internationale Arbeitstagung für Sozialkunde in
HeidelbergJ
+ + + + + + + + + + + + +
Das internationale Studentenheim in Boston»
Psychologie der Farbe.
Columbia--Universität plant für die Zukunft,
+ + + + + + ++•* + + + +

- 5-

�14.) PSYCHOLOGIE,

30/8/50
9/9/50

Amerikanischer Psychologe mißt den menschlichen
Charakter.
+ + + + + + + + + ++ + +
Der Geburtsschein trügt.
+ + + + + + + + + + + + +

15.) WOHNUNGSBAU.
29/7/50 +

Aufschwung der amerikanischen Fertighausindustrie.
+ + + + + + + + + + + + +

16.) DAS NEUE BUCH.
29/7/50
12/8/50

Heitere Betrachtung über
Your Age". Von Dr. Corey
.+ + + + + + + +
Ethos und Wissenschaft —
nischen Physikers Robert
H. Compton.
+ + + + + ++ +

das Altern. Aus "How to Guess
Ford.
+ + + + +
Ein Lebensbild des amerikaA. Millikan. - Von Dr. Arthur
+ + + + +

17.) JUGEND IN AMERIKA.
5/8/50 +

Jugendherbergen in den Vereinigten Staaten.
+ + + + + + + + + + .+ + +

18.) KRIMINALISTIK.
8/7/5 » +

AI Valanis - der Detektiv, der Verbrecher mit dem
Bleistift fängt.
+ + + + + + + + + + + + +

18.) S.P0RT.
30/9/50 +

Ein Weltmeister ist abgetreten — Joe Louis sohtffte
es nicht.
+ + + +'+ + + + + + + + +

19.) DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG. .
30/9/50

Überwiegende Mehrheit der Deutschen auf der Seite
des Westens.
+ + + + + + +++ + + + +

20.) VEREINTE NATIONEN.
23/9/50

Der Rundfunknachrichtendienst der Vereinten Nationen
sendet in 27 Sprachen.
+ + + + + + + + + + + + +

- 6-

�21.) EUROPÄISCHES WISDERAUFBAUPROGRAMM.
23/9/50 +

Schleswig-Holstein baut zehntausend Flüchtlingswohnungen mit Hilfe von ERP-Mitteln.
+ + + + + + + +++ + + +

22.) KOMMENTARE VON JOHN I. MORTON.
1/7/50
6/7/50
13/7/50
15/7/50
18/7/50
22/7/50
25/7/50
29/7/50
1/8/50
5/8/50
9/8/50
12/8/50
16/8/50
19/8/50
23/8/50
26/8/50
30/8/50
6/9/50
9/9/50
13/9/50
16/9/50
20/9/50
23/9/50
27/9/50

Aktive Seihritte zur Friedenssicherung — USA handeln
im Rahmen der UN.
Frischer Wind in Washington.
Amerikanische Politik der Gegenwart - Die Vereinten
Nationen beweisen große Entschlossenheit.
"Sie lispeln 'Frieden', wenn sie lügen..."
Feldzug der Y/ahrheit wider die lüge.
Die Antwort auf falsche Friedensfühler.
Wir sind alle im gleichen Boot.
Die amerikanische Wirtschaft stellt sich um.
+ + + + + + + + + + + + +
Überflüssige Spekulationen.
Fünfte Kolonne unter der Lupe.
Auf dem Wege zu einem geeinten Europa — Straßburg:
Symbol für eine künftige bessere Welt.
Aus Schwarz mach Weiß — Aber die Tatsachen über Korea
lassen sich nicht verdrehen.
Erinnerung an eine kurze Freundschaft.
Westdeutschland muß sich entscheiden.
Vclkswahlen ohne Volk.
'Demokratie' an den Ufern der Donau.
Sie sind nicht vergessen — Die Kriegsgefangenenfrage
vor den Vereinten Nationen.
+ + + + + + + + + + + + +
Eine Warnung an den Kreml — Gegen die Wahrheit ist
kein Kraut gewachsen.
Nicht Divisionen allein
Die einzige Sprache, die der Kreml versteht.
Sie irren, Herr General.
Politische Pathologie im Osten.
Es geht voran.
Neuer Ku: 3?
+ + + ++ + + + + + + + +

- 7 -

�23.) ZU IHRER INFORMATION.
1/7/50

11/7/50

22/7/50

1.) Voller Wortlaut der Erklärung Präsident Trumans
vom 27.6.1950 und der Resolution vom gleichen
Tage, die die USA dem Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen vorlegten.
2.) Voller Wortlaut der Rede des US-Außenministers
Dean Acheson, gehalten am 29.6.1950 vor der
"American Newspaper Guild" in Washington.
1.) Voller Wortlaut der offiziellen Note der Regierung
der Vereinigten Staaten an die Sowjetunion über
den angeblichen Kartoffelkäferabwurf über Ostdeutschland (überreicht am 7.7.1950).
2.) Voller Wortlaut einer Erklärung des US-Außenministeriums zum Kartoffelkäferabwurf über Deutschland,
die der Presse am 6. Juli 1950 übermittelt wurde.
Wortlaut der Einführung zum Weißbuch der USA über
Korea (veröffentlicht am 20. Juli 1950).
+ + + + + + + + + + + + +

3/8/50
16/8/50
19/8/50

23/8/50

30/8/50

2/9/50
6/9/50
9/9/50

13/9/50

Wortlaut einer Rundfunkansprache des republikanischen
Beraters des US-Außenministers, John Poster Dulles,
gehalten am 31. Juli 1950 in San Francisco, California.
Die zehn großen Lügen Maliks. (Aus "New York Times"
vom 10. August 1950).
1.) Das Problem der japanischen Kriegsgefangenen.
2.) Präsident Truman übermittelt dem US-Kongreß den
achten Quartalsbericht der ECA. (17. August 1950).
3 0 Liste der Gedenktage für September I S O .
Zwei Jahre Republik Korea.
Die kommunistische Presse in Westdeutschland. Von F.
Gardner Cox, jr.
Io United Natior.j sollen das Kriegsgefangenen-Problem
erörtern.«
II. Bundesrepublik lacht Fortschritte — Der zweite
Viertel Jahresbericht MCCIOJB,
III. Präsident Truman über die Ziele der amerikanischen
Chim politik.
+ + + + + + + + + + + + T
Die Wahrheit über Moskaus Friedensfeidzug.
Präsident Truman: Keine Weltkriegsgefahr. (Wortlaut
der Rundfunkansprache Präsident Trumans vom 1. September 1950).
Die öffentliche Meinung in Deutschl-md. VierJahresbericht der Abteilung für Erforschung der öffentlichen
Meinung bei der amerikanischen Hochkommission in
Deutschland.
Präsident Truman: Für die Verteidigung Opfer bringen...
(Voller Wortlaut der Rundfunkansrrache Präsident Trumans
vom 9« September 1950)

�ZU IHRER INFORMATION.
16/9/50

20/9/50

23/9/50

a) Wortlaut des Zwischenkommuniqu^s vom 14. September
1950 der drei Außenminister der Vereinigten Staaten,
Großbritanniens und Prankreichs.
b) Wortlaut eines offenen Briefes an die "New York
Times", in dem Irvin Shaw sein Friedensstück
"Begrabt die Toten" vom Spielplan zurückzieht.
Bevölkerung der US-Zone befürwortet deutsche Trappen
für westeuropäische Verteidigung. - Resultate einer
von der Abteilung für Meinungsforschung im Amt für
öffentliche Angelegenheiten, HICOG, durchgeführten
Befragung der Bevölkerung der US-Zone.
Kämpfer gegen die Unmenschlichkeit.
Die internationale Frauentagung in Bad Reichenhall
vom 25. - 30. September 1950. . .
+ + + + + + + + + + + + +

�24.) ARTIKEL FÜR DIE FRAU.
4/7/50 *

1)

Ellen McCloy. Die Gattin des amerikanischen Hochkommissars für Deutschland•

+

2.

Psychisches Trauma der Kindheit.

+

3

Richtige Ernährung.

4»

Der waschbare Wintermantel, aus - Orion.

5. Deutsche Studentinnen schreiben aus den Vereinigten
11/7/50 4

1.

5.
18/7/50

lo
2.
3c

i
25/7/50 t

1/6/50

4.
5.

Frauen im Berufsleben«
Gloria Swansons "come-back".
"Mein Gott, wie du gewachsen "bist"«
Von der Dekoration zur Form.
Viele Ursachen können zu Kopfschmerzen führen.

1.

Kinder von UN-Angestellten spielen miteinander und
kennen kein Veto»
2.. Hauswirtschaftlerinnen in Maryland sind am Weltgeschehen interessiert»
3. Ausblick auf die kommende Herbstmode in den USA.
4, Getreidekömer als SchuhmaJ3 - Absonderliche Größeneinheiten.
5c
Um die Gleichberechtigung des Mannes im Kinderzimmer»

1. Ein amerikanischer Sommerkurs für Eltern und linder,
2. Der internationale Kampf gegen die spinale Kinder-

3
4.
5o

6/8/50 ;•

Staaten«,
Die amerikanische Dichterin Emily Dickinson. Von
Cc Hansen•
Das "einzige" Kind.
Küchen werden größer und wohnlicher,
"Vicara" - ein neuer Konkurrent für Schafwolle.
Kühlende Mischgetränke»

lähmung» Von Eleanor Roosevelt,
Betty Hutton - Von der Straßensängerin zum Star„
Amerika entwickelt den "echten" Fahrstuhl,
Waschmittel wollen richtig benutzt sein.

1. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen.
Der Angsttraum.
Amerikanische Studentin wird Star-Mannequin bei
Christian Dior.
4.) Warum Frühstück? Eine zu Unrecht vernachlässigte
Mahlzeit.
2.
3

- 10 -

�ARTIKEL P'JR DIE FRAU,
New Yorker Psychologe schlägt Ehetauglichkeitsgesetz vor»

8/8/50

1. Die Aufgaben der Frau im Wechselspiel des modernen

16/8/50

2.
3&lt;
+

*.

5.
23/8/50 + 3
2.
3o
5o

30/8/50

1,
+ 2.

3.
4.
6,

Lehens.
Hormone und Charakter Amerikanische Psychologen
entwickeln den Mann-Frau-Test.
Die Frau im amerikanischen G-ewerkschaf tsleben.
Ein unmuseales Museum - Neue Wege zur Kunsterziehung.
Dunkelblau — vornehm, schick und praktisch.
Gwendolyn Brooks - Eine junge amerikanische Dichterin.
Vorschriften und Privilegien für Jugendliche.
Das Traumhaus von Mr. und Mrs. Mathias in Jackson.
Hundert Jahre Panama-Hüte«.
Sin Wort für die ledige Frau.
D.i e USA nehmen sich heimat- und elternloser europäischer Kinder an»
Ein amerikanischer Filmstar und seine Familie.
Von Joel McCrea«
Neuzeitliche Babywiege mit Klimaanlage und SendeStation.
Antike Möbel mit modernem Zubehör.
Backfisch- und Schulmoden in den USA.
über den Umgang mit Schnittblumen.
t + rt- + + + + + + + + +

6/9/50 +

13/9/50

1.
2,
3.
4.

Lehrfach: Familienglück.
Kinder, Eltern und das Gesetz.
Probleme gehören nicht ins Bett.
Chance für Drillinge: 1 zu 9 400.
5. Pfannen, Töpfe, Tiegel - und was man darüber wissen
mußu
Amerikanische Farmersfrauen auf der Kopenhagener
Konferenz»
7. Amerikanischer Frauenverband befürwortet UN-Aktion
in Korea..
1.
2.
3.
4.
5.

Sozialarbeit in den Vereinigten Staaten.
Wie lebt eine Arbeiterin in New York?
Das US-Bundesamt für Frauenfragen.
Die Ursache des Bettnässens.
Selbsterkenntnis, Selbsterziehung und Toleranz, drei
bedeutsame Faktoren im Berufsleben.
- 11 -

�ARTIKEL F J R DIE FRAU.
13/9/50

6.
7.

Oberlin in USA unterstützt Gronenberg in Holstein.
Hollywoods größter Star - Dorothy Ford.

20/9/50

1.
2.
3.
4.

Das Y/erk der Schriftstellerin Edna Ferber.
Ein Loblied auf die 'Separates'.
"Und vor allem, Konrad, hör...."
Für und wider die sexuelle Aufklärung durch die
Schule.
Die amerikanische Frau im Berufsleben.
Pearl 3. Bucks "Haus des Willkommens" in Pennsylvanien.

+

+

27/9/50

5.
6.
1.
2.

+

3»

+

4.
5.

Die Gesellschaft für den Dienst an der Familie,
US-Bundesamt für Frauenfragen beschafft erforderliche Unterlagen für eventuelle kriegswirtschaftliche Maßnahmen.
Shirley Graham: Amerikanische Opernkomponistin und
Biographin.
Vorschau auf die New Yorker Hutmode der kommenden
Saison.
Wie gewöhnt man einem Kind häßliche Ausdrücke ab.
+ + + + + + + + + + + + +

2&lt;T KURZNACHRICHTEN FÜR DIE FRAU.
4/7/50

1,
2,
3.
*.

Hundert Jahre amerikanische Frauenschule für Medizin
Der Pappteller wird gesellschaftsfähig.
Fortschrittliches Amerika.
Churchills Tochter filmt in Hollywood.

11/7/50

1.
2.
3.
4.

Hauptberufsarten der Frauen in den Vereinigten Staaten.
Lampenschirm: waschbar und unzerbrechlich.
Fürs Badezimmer.
Die Weste stirbt aus.

18/7/50

1.
2.
3.

Luftiger Regenschutz.
Einkochen in kürzerer Zeit mit Subtilin.
Ein neues Dämpftuch zum Entglänzen von Anzügen.

25/7/50

1.
2.
3.

Colleen Townsend filmt wieder.
Der Vitamin-C-Gehalt der Kartoffel.
Eine 67-jährige Negerin - Washingtons "Mutter des
Jahres.

- 12 -

�KURZNACHRICHTEN FÜR DIE FRAUo
1/8/50

1.
2.

Gebackene Bananen.,
Salatschale für heiße Sommertage,»

1,

Frau Wolle-Egenlof spricht über die Rechtsstellung
der amerikanischen Frau,
Das Fashion Institute of Technology in New York.
Automatische Orangenpressen.

•

8/8/50

2»
3.
16/8/50

1.. US-Pfadfinderführerin besucht Deutschland.
2. Gekocht in New York City - serviert in Dakar, Buenos
Aires und Lissabon»
Das Portrait auf dem Kopftuch.
3.

23/8/50

1.
2»
3.
45.

30/8/50

1.

Das weibliche Hilfskorps der amerikanischen Streitkräfte ,
Vorboten der Herbstmode.
6 140 Frauen aus 125 Ländern besuchten im Laufe des
letzten Jahres die USA.
Elektrisch beheizte Teppiche^
Dr. John Ethel 1. Nixon, die erste farbige Ärztin
der John Hopkins-Universitätsklinik in Baltimore.

4.
5.

Amerikanische Jugendkonferenz mit starker Auslandsbeteiligung.
Gute Berufsaussichten für Sozialarbeiterinnen in den
USAAmerikanische Farmer wollen auf ihre "Porch" nicht
verzichtenc
June Allyson - Filmstar No. 1.
Jane V/yman wird Stewardess.

20/9/50

1,
2.
3»
4.

Amerikanische Jugendheime vorbildlich für Deutschland.
New Yorks Frauen gegen kommunistische Lügenpropaganda.
Was heißt "Denier"?
Ernährung und Knochenbau•

27/9/50

1,
2,
3.
4.,

Kupferhaltige Nahrung verhindert graue Haare.
Penicillinhaltiges Zahnpulver gegen Zahnkaries.
Kleiderkäufe - nicht planmäßige
Wenn der Schuh drückt.

2.

3.

Zu den mit +) bezeichneten Artikeln

kann der "AMERIKA DIENST"

kostenlos Bildmaterial liefern»

- 13 -

�26/GEISTIGES LEBEN.
Juli

1950/1

Kongreß für kulturelle Freiheit (Berlin)
1.) Manifest der Freiheit des Geistes.
2.) Die Fragestellung des Kongresses.
3.) Scheidung der Geister.
4.) Wesen und Weg der Freiheit.
+ + + + + + + + + + + + +

Juli 1950/11

1.) Die UNESCO und ihre Ziele.
2.) Die UNESCO und die Vereinigten Staaten.
+ + + + + + + + + + + + +

August 1950/1

*)

1.)

EdTsrard Munch - schwere Kost f ü r Amerika.

2.) Theater auf Schallplatten.
3.) Werkstatt der Toleranz.
4.) Internationale Arbeitsgemeinschaft für
Studentenverwaltung und Studentenselbsthilfe.
+ + + + + + + + + + + + +
August 1950/11

*)

1.) Das Glück als Aufgabe der Wissenschaft.

*)

2.) Sonntagsmalerei und Psychoanalyse.
3.) Die verzwickteste aller Fragen:
"Wer sind Sie?"

*)

4.) "Zu wenig Wissensdurst"
Einstein klagt über die jüngeren Kollegen.
5.) Atomphysiker als Archäologen.
+ + + + + + + + + + + + + +

September 1950/1

Internationale Arbeitstagung für Sozialkunde
in Heidelberg.
1.) Die Forderung der Gegenwart an die
Schule: Soziale Erziehung.
2.) Humanismus und soziale Erziehung.
Von Dr. James M. Read.
3.) Über die Gemeinschaft.
Von Dr. Theodor Bäuerle.
- 14 -

�GEISTIGES LEBEN.
September 1950/1
September 1950/11

4.
•) 1.

über einige Prägen der Schulreform.
Von Jean Barbas.
Moderne deutsche Kunst in New York
und Venedig.

2.

Zukunftsmusik - im wahrsten Sinne
des Wortes.

3.

Der Krieg beginnt im Klassenzimmer.

4.

Sprache, die Jeder versteht, und Orakel.

5.

Soziologie in den Vereinigten Staaten.
Von Kurt H. Wolff, Professor an der
Staateuniversität Columbus, Ohio.

+ + + + + + + + + + + + +
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27») LANDWIRTSCHAFTLICHE. NACHRICHTEN..
Juli 1950

)

1.) Die Reiserzeugung der Welt steigt.
2.) B&amp;llenauswahl schon bei Jährlingen.
3.) Getreideernte zur richtigen Zeit.
4.) Patente für Mais und Rosen.
5.) Konserven - besser und haltbarer.
6.) Kampf den Fliegen.
+ + + + + + + + + + + + +

August 1950

1.) Ausreichende Ernährung für die ganze
Welt - das Ziel der FAO.
•)

2.) Landwirtschaftswochen in den
Vereinigten 8taaten.
3.) Wundersamen für Amerikas Gärten.
4.) Mehr Obst durch Hormone.
5.) Landwirtschaftliche Abfallprodukte
in der KunstStoffindustrie.
6.) Rosenhecken als Erosionsschutz und
Weidezaun.
- 15 -

�LANDWIRTSCHAFTLICHE NACHRICHTEN.
Juli 1950

KURZNACHRICHTEN
1.) Mietenanlage ohne Erdbewegung.
2.) Jedem Landbezirk sein eigenes
Laboratorium für Bodenanalysen.
3.) Mehr Rauhfutter für Schafe.

August 1950

KURZNACHRICHTEN
1.) Spezialflugzeug für die
Landwirtschaft.
2.) Sollen Mastschweine einen
Auslauf haben?
3.) Geschorene Schafe nehmen nicht
rascher zu.
+ + + + + + + + + + + + +

Zu den mit *) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
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38L} JUGEND .
Juli 1950

1.) Die Geschichte vom ersten Specht.
2.) Forscher kämpfen im Dschungel für Edisonj
erste elektrische Lampe.
3.) Den Beard, der Pfadfinder.
4.) Football - rauh aber herzlich.
5.) Wildwecthelden helfen im Baushalt.
6.) Zv/ei Blechbüchsen und eine lange Schnur.,
und fertig ist dar. Haustelephon.
7.) Zehn Cent und fünfzig Dollar.
8.) Deutrehe Juccndla^er fördern internationale Verständigung.
+ + + +++

Aucust 1950/1

+ + + + + + + +

1.) Wie Kana Sonne, Mond und Sterne wiederbrachte. Eine Hawaiische Volkssage.
2.) Von der Urwaldtrommel zum Telephon.
3.) Wir fahren zurück nach Caleton
Eine Stadt lädt Kinder als Feriengäste
ein.
4.) tut Federschmuck und Tomahawk. "Vaterund-Sohn"-Bev7egung in den USA.
-* 1 6 -

�JUGEND.
August 1950/1

*

5.) Der Marschallstab im Zeitungsbeutel.
Zahlreiche Berühmtheiten Amerikas waren
einmal Zeitungsjunge.
6.) Versuch's mal! Eine Nadel steht auf dem
Kopf.

August 1950/11

1.) Vom Zug, der nicht auf den Schienen
bleiben wollte.
2.) »Voll beglichen".
3.) Eine Schule auf Rädern.
4.) Ein paar neue Spiele im Freien.
5.) Wir bauen uns ein echtes Indianerzelt.
6.) Versuch's mal! Die Chemie des Feuers.
+ + + + + + + + + + + + +

September 1950/1

1.) Boots und die Brandeisen.
2.) Alfred Haenle, der deutsche SeifenkistlDerby-Champion, erlebt die USA.
3.) Geliebte Puppe. Die alten Puppen sind
doch immer die liebsten.
4.) Neuzeitliche Methoden zur Rettung aus
Seenot*
5.) Präsident Truman empfängt Mädchen aus
allen Teilen der USA.
6.) Versuch's mal! Assimilierende Pflanzen.
+ + + + + + + + ++ + + + +
*

1.) Der historische Prozeß gegen den amerikanischen Journalisten John Peter Zenger.
2.) Korea - Land der Morgenstille.
3.) Das Haus der sieben Säulen. Von Daniel
L. Marsh, Präsident der Universität Boston
*
4.) Die Geschichte des Madison Square-Jugendclubs.
+ + + + + + + + + + + + + +

September 1950/11 *

Zu den mit *) bezeichneten Artikeln kann der "AMERIKA DIENST"
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- 17-

�29.) DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
Juli

Juli

1950/1

Aufgaben der Gesellschaft zur Förderung des
deutsch-amerikanischen Handels m.b.H.

1.)

•) 2.)

Die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft
seit 1850.

+ ) 3.)

"Florists1 Association" versendet Blumen
in die ganze Welt.

1950/11

4.)

Naehwuchsausbildung in der amerikanischen
Industrie. (Teil I)

1.)

Die wirtschaftspolitischen Absichten
Präsident Trumans.

2.)

ECA garantiert Konvertierbarkeit von »-Erlösen amerikanischer Spielfilme«

3.)

Synthetischer Gummi wieder stark gefragt.

4.)

Der radioaktive Golfball.

5.)

Nachwuchsausbildung in der amerikanischen
Industrie. (Teil II)

6.)

Mehr als sechstausend Grundstücke seit
Januar 1948 in der US-Zone freigegeben.

+ + + + + + + + + + + + +
August 1950/1

DER WIRTSCHAFTLICHE HALBJAHRESBERICHT
PRÄSIDENT TRUMANS FÜR DAS ERS-TE HALBJAHR 1950

August 1950/11 1.)

Die Bilanz von Chicago.
Westdeutsche Aussteller erhielten Aufträge
für-4 Millionen Dollar.

2.)

ERP-Hilfe ermöglicht Wiederherstellung des
Berliner Fernsprechnetzes und Aufbau der
Telephonindustrie.

3.)
4.)

10 000 amerikanische Kreditvereine.

Publio Relation Sin Sprachrohr der amerikanischen Wirtschaft«

5.)

Die Sozialleistungen der USA«

6«)

Entkohlen von Verbrennungsmotoren«

+ + + + + + + + + + + + +

- 18 -

�DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT.
September 1950/1

1.)

ERP - Gegenwertkredite für die Berliner
Industrie.

2.)

Die Lage auf dem amerikanischen Baumarkt«

•0 50

September 1950/11

Aus der Werkstatt der Dollarfabrikanten.

4.)

Neue amerikanische Textilmaschinen.

5.)

ECA verbilligt ölliöferungen aus dem
nahen Osten.

6.)

Lohnanreizsysteme in USA«

1.)

Neue Anforderungen an die amerikanische
Wirtschaft.
Produktionssteigerung - Steuererhöhung Inflationsbekämpfung.

+ ) 2.)

Hamburger Ölindustrie baut mit ERP-Krediten.

5.)

Papier aus Hühnerfedern.
USA entwickeln neue AusgangsStoffe
für die Papierherstellung.

4.)

Lohnanreizsystem in USA.
Teil I
Arten des Lohnanreizes

+ + + + + + + + + + + + +
50.) GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.
DIE "DRITTE KRAFT» IN DER WELT

Juli 1950/1

Juli 1950/11

1.)

Der stellvertretende US-Arbeitsminister,
John Gibson. zur internationalen Aufgabe
der freien Gewerkschaften.

2.)

AFL und CIO für Steigerung der amerikanischen Importe.

1.)

AFL-Präsident Green zum Korea-Konflikt.

2.)

US-Gewerkschaften fordern garantiertes
Jahreseinkommen.

5.)

ECA-Beamter fordert europäische Gewerkschaften zur Mitarbeit am Marshallplan
auf.

- 19 -

�GEWERKSCHAFTLICHE NACHRICHTEN AUS DEN VEREINIGTEN STAATEN.
Juli 1950/II

4.)

Gewerkschaftsmarken schützen die Interessen der Arbeiterschaft und der Konsumenten.

August 1950/11

1.)

Für Freiheit und Demokratie in Korea.

+)2.)

Kampf dem Unfall.
Sicherheitsmaßnahmen in amerikanischen
Betrieben.

3«)

Statistik erleichtert Kollektiwerhandlungen.

4.)

Eine Gewerkschaft filmt ihre Gesehiehte.

September 1950/1 1.)

Unbedingte Loyalität des amerikanischen
Arbeiters.

2.)

Die Beilegung von Lohnstreitigkeiten in
der amerikanischen Atomindustrie.

3.)

US-Arbeitsminister fordert Erfassung aller
Arbeitskräfte.

4.)

Zur Lage in Korea.
Von Victor G. Reuther.

5.)

Weibliche Arbeitskräfte in USA wieder
gefragt.

September 1950/11 1.)

Der neue Reuther-Plan zur Verteidigung der
Demokratie.

2.)

Vorschläge der Gewerkschaften zur Steigerung
der Produktivität.

3.)

Höchste Unfallrate bei Mittelbetrieben.

+ + + + + + + + + + + + +
Zu den mit +) bezeichneten Artikeln kann der
kostenlos Bildmaterial liefern.

- 20 -

"AMERIKA DIENST«

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ARBEITSNITTEILUHGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757. Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 2

Frankfurt, 12. Januar 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Gewerkschaften Amerikas unterstuetzen Verteidigungsproduktion - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

1

Amerikanische Gewerkschaften helfen am Punkt-VierProgramm mit - - - - - - - - - - - - - - - - - -

3

Die Bedeutung der Lehrlings- und Berufsschulausbildung fuer die Verteidigung Amerikas - - - - -

5

Zahl der weiblichen Arbeitskräfte in Amerika stellt

e

In England entscheiden die Bergleute selbst ueber
ihre Zukunft - - - - - - - - - - - - - - - - - -

9

Gerechtes Akkordsyster. steigert Produktionsleistung

11

I'eany zur Rolle des Rundfunk- und Fernsehwesens - -

13

Amerikanische Gewerkschaftsfuehrer unterstreichen
die Bedeutung der Arbeiterbildung - - - - - - i*
Ausbildungsinstitut fuer die wirtschaftliche Planung
asiatischer Entwicklungsprojekte - - - - - - - 15
Indische Gewerkschaften erkennen die kommunistische
Gefahr —
- - - - - - - - - - - - - —
_.-_

16

GEWERKSCHAFTEN AMERIKAS UNTERSTULIZEN VERTEIDIGÜNGSPRODUKTICN
Die Nachrichten von der bejahenden Haltung der Gewerkschaftsbewegung einer gesteigerten Verteidigungsproduktion gegenueber
und ihrer Bereitwilligkeit, notwendige Preis- und Lohnkontrollen
zu akzeptieren, nehmen in der amerikanischen Gewerkschaftspresse
einen breiten Paum ein.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bekennt sich zu
dem Motto des ersten Wirtschaftsberaters Praesident Trumans, Leon
Keyserling: "Produktion, mehr Produktion und noch mehr Produktion."
- 1-

�Die Gewerkschaften haben ihre uneingeschraenkte Zusammenarbeit bei der Steigerung der Produktion zugesichert, damit Amerika
und die ganze freie Welt gegen alle feindlichen Absichten gefeit
sind. Noch bevor die Kommunisten die Republik Korea angegriffen
hatten, war die Produktion in Amerika auf einen Hoechststand gestiegen, und das nationale Einkommen - einschliesslich der Lohnsumme - ging
wie nie zuvor in die Hoehe.
Heute haben die Ausgaben der Unternehmer zur Ausdehnung ihrer
Produktionskapazitaet eine Stufe erreicht, die ueber der des zweiten Weltkrieges und des Jahres 1948 liegt, als die Nachfrage nach
Waren aller Art eine ungeheure Ausdehnung der Industrie erforderlich machte. Und jetzt wird diese vermehrte Nachfrage nach Waren
fuer den Inlandbedarf noch durch die zwingende Notwendigkeit gesteigert, die freie Welt wirtschaftlich und militaerisch zu staerken, um den kommunistischen Imperialismus abwehren zu koennen.
Auch diese Absicht hat die begeisterte Zustimmung der amerikanischen Gewerkschaften gefunden.
Diese rekordbrechende Ausdehnung der amerikanischen Produktivitaet schafft neue Arbeitsplaetze und stellt die Gewerkschaften
auf Grund des sich hieraus ergebenden Mangels an Arbeitskraeften
in eine guenstige Position. Die Gewerkschaften nutzen diese
groessere Macht jedoch nicht dazu aus, um unberechtigte Forderungen
zu stellen.
Nachdem Praesident Truman den nationalen Notstand erklaert
hatte, kamen etwa 10.000 Eisenbahner im Interesse der nationalen
Verteidigung dem Ersuchen des Praesidenten nach, ihren Streik zu
beenden.
Im August wurden die Bahnen von der Regierung uebernomnen, um
einen nationalen Streik der Gewerkschaft des Zugpersonals und der
Zugfuehrer zu verhindern. Seit dieser Zeit arbeiten sie unter
der Kontrolle der Regierung.
Die Gewerkschaften wuenschen fuer die Lagerarbeiter der Eisenbahn eine volle Verguetung fuer 48 Arbeitsstunden bei einer
40-Stunden-Woche und eine 20$ige Tariferhoehung fuer die Streckenarbeiter. Augenblicklich verdienen die Zugbegleiter durchschnittlich 1,58 Dollar in der Stunde und woechentlich 75 Dollar. Der
durchschnittliche Wochenlohn aller Industriearbeiter belaeuft sich
gegenwaertig auf 62 Dollar. Nach Ausbruch des Streiks der Eisenbahner wurden Tag und Nacht im Weissen Haus Besprechungen zwischen
den Eisenbahngesellschaften und den Gewerkschaften gefuehrt, an
denen auch der Berater des Praesidenten, Dr. John R. Steelman,
teilnahm. Man rechnete damals bereits mit einer raschen Beilegung
des Streiks.
William Green, der Praesident der AFL, versprach, dass die
acht Millionen Mitglieder dieses Gewerkschaftsbundes waehrend
des Notstandes von Streiks absehen wuerden, wenn Praesident Truman
sie darum ersuchte. Er fuegte hinzu, dans die Arbeiterschaft
bereit sei, "mehr als die Haelfte des '"eges" zu einer Vereinigung
mit den Unternehmern und Farmern zurueckzulegen, um die Programme
zur Steigerung der Ruestungsproduktion zu foerdern.
Green bestand jedoch darauf, dass eine "Gleichheit" zwischen
Loehnen und Preisen hergestellt werden muesse, bevor irgendein
Lohns tabilisierungsprosramm durchgefuehrt werden koenne^
Philip Murray, der Vorsitzende des CIO, versprach ebenfalls
Hoechstproduktion zur Unterstuetzung Praesident Trumans und der
Vereinten Nationen in dem ges-enwaertigen Kampf zur Abwehr aller
Aggressionen.
- 2 -

�Der CIO-Vorsitzende fuehrte aus:
T o r fuenf Jahren erst haben wir den Kampf um die Freiheit
gegen die nazistischen und japanischen Imperialisten gewonnen.
In diesem Kampf spielte die Produktivkraft der amerikanischen Industrie und der amerikanischen Arbeiter eine wesentliche Rolle.
"Heute werden wir wieder dafuer arbeiten, die freien Voelker
und die freien Ttenschen vor dem Angriff des kommunistischen Imperialismus zu schuetzen. Die amerikanischen Arbeiter wissen,
dass Kommunismus Sklavenarbeit bedeutet, die freien Gewerkschaften zerstoert und den Arbeitern das Recht nimmt, zu streiken. 3o
wie Hitler schutzlose Voelker ueberfiel, sind es nun die Kommunisten, die nach Sued-Korea und Indo-China eindringen."
Der CIO-Vorsitzende brachte zum Ausdruck, dass die amerikanischen Arbeiter keineswegs ihre Handlungsfreiheit einbuessen,
wenn sie sie Regierung in dieser kritischen Zeit unterstuetzen.
Sie werden auch in Zukunft verlangen, dass Ungerechtigkeiten in
der Bezahlung korrigiert werden, und dass die Arbeiterschaft an der
Formulierung und Verwaltung der Richtlinien und Programme in allen
Behoerden der Regierung in groesserem Masse beteiligt wird. Sie
werden fordern, da3s die durch den Notstand auferlegten Lasten
unter alle sozialen Gruppen gerecht verteilt werden.
"'.Venn die amerikanischen Arbeiter ihre Unternehmer oder ihre
Regierung kritisieren, dann glauben Sie nicht, dass Amerika uneinig ist. Unsere Demokratie is*t stark, weil jeder Buerger das
Recht hat, ohne Furcht zu sprechen, ueber oeffentliche Probleme
zu diskutieren und abzustimmen. Die Freiheit schwaecht uns nicht.
Sie verleiht uns Staerke, weil wir wissen, wofuer wir arbeiten und
kaemofen. In diesen schweren Zeiten wird die hoehere Produktivkraft der amerikanischen Arbeiter zusammen mit dem Industriepotential der amerikanischen Industrie die notwendigen militaerischen
und wirtschaftlichen Mittel wieder einmal produzieren, mit denen
die freiheitsliebenden Voelker der ganzen v;elt unterstuetzt werden.
Um es erneut zu sagen:
Wir werden stark und siegreich sein, weil
wir fuer das Recht kaempfen."
Die Gewerkschaftsbewegung fordert nun energisch eine staendig groessere Beteiligung in allen Phasen der 'Mobilisierung der
Hilfsquellen und Machtmittel Amerikas. Das Vereinigte Komitee
fuer Arbeitsgesetzgebung, das sich aus Vertretern der AFL, der
CIO und der selbstaendigen Gewerkschaften zusammensetzt, wurde zu
dem Zweck gebildet, sich mit den Problemen der Mobilisierung zu befassen.
Program Service Section
Labor News Rounduo £ 75
12/20/50
AMERIKANISCHE G£.V5RKSCKi,rTEN HELFEN ,&gt;M PIT-TCT-VIER-PROCRA:?- MIT
Jacob 3. Potofsky, der Vorsitzende der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika (CIO), und Lewis G. Hines, der Sondervertreter der AFL, gehoeren zu den 12 Mitgliedern des neuen Beratungsau-schusses fuer Internationale Entwicklungen, der von Praesident
Truman ernannt worden war, um sich mit dem Punkt-Vier-Programm zur
Entwicklung rueckstaendirer Gebiete als eines wichtigen Mittels
zur endgueltigen Sicherung von Frieden, Wohlstand und Sicherheit
in der '"elt zu befassen.
- 3-

�Auf einer Konferenz mit Potofsky, Hines, dem Vorsitzenden
Melson A. Rockefeiler und anderen Mitgliedern des Ausschusses erklaerte Praesident Truman:
"Die Anregung zu wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt
in den unterentwickelten Gebieten ist eines der wichtigsten Probleme, denen die freie Welt gegenuebersteht. Dies trifft besonders fuer jene asiatischen Laender zu, in denen die ko::imunistische
Gefahr so gross ist.
"Die Steerkung der unterentwickelten Gebiete und die Steerkung der freien Voelker der ganzen »Veit stehen in einem direkten
Abhaengigkeitsverhaeltnis zueinander. Zwei Drittel der Weltbevoelkerung leben in diesen Gebieten. Sie leiden an Funger, Krankheit, Unwissenheit und Armut. Diese Voelker haben bereits beschlossen, dass eine Wendung eintreten muss, komme, was da wolle."
Zu diesem Problem erklaerte der ^raesident ferner, dass seine
Dringlichkeit in Anbetracht der chinesisch-kommunistischen Aggression
in Korea verdopoelt sei.
"Es dreht sich jetzt um die Frage, aus welcher Richtung diese Wendung kommen soll -" fuehrte er aus, "ob sie sich ungeachtet
der vielen Werte vollziehen soll, die dem freien Menschen teuer
geworden sind, oder ob sie zu einer friedlicheren Welt ia Wohlstand
beitragen soll. Wir in den Vereinigten Staaten koennen ueber diese Frage nicht entscheiden: sie kann nur von den Bewohnern der
unterentwickelten Gebiete selbst entschieden werden. Aber ich
c.laube, dass wir ihnen unsere Hilfe anbieten koennen, wenn sie
darum kaempfen, dem Zlend zu entrinnen, und wir koennen ihnen auch
den Weg zeigen, den andere zur Srringung der Freiheit, Menschenwusrde und Wohlfahrt gegangen sind."
Die Bedeutung der Worte des Praesidenten wurde in dem Bericht
de3 Statistischen Bueros der Vereinten Kationen unterstrichen, in
dem festgestellt wurde, dass die Produktion der 25 eermsten Laender der Welt mit de\r Htelfte der Weltbevoelkerunr nur ein Zehntel
aller Nationaleinkommen betrae^t.
China hatte zum Beispiel ein Mationaleinkommen von nur 27
Dollar jaehrlich pro Kopf der Bevoelkerung; in Indien sind es 57
Dollar. Von allen industrialisierten und halbindustrialisierten
Kationen der .irde hat, abgesehen von Polen, Russland das gerinn"te
Fationaleinko-nmen pro Kopf der Bevoelkerung (SOS Dollar). Die
Vereinigten Staaten stehen dank ihrer Messen^roduktionsmaschinen
und dank des Draengens der Gewerkschaften und anderer Gru^nen nach
gerechter Verteilun-* dessen, wcs produziert wird, alt 1.453 Dollar
nro Kopf der Bevoelkerung an erster Stelle. Kit anderen '.','orten,
das Durchschnittseinkommen der Amerikaner ist fuenfmel so hoch
wie das der Durchschnittsrussen.
In einer Srklaerung des «Tahreskon^resses der CIO, auf dem
dem Praesidenten die uneinge-chraenkte Unterstuetzung dieser Organisation fuer das Punkt-Vier-Programm zugesprochen wurde, hiess
£&gt;
c* •
w -J •

"Unser Sxport industrieller Methoden im Rahmen des Punkt-VierPronramms bietet uns und unseren Freunden im Ausland groesste Vorteile, wenn Hand in Hand mit ihnen jene sozial- und arbeitsnolitischen Methoden eingefuehrt werden, durch die das amerikanische
Volk unser eigenes System der Lenkung und des Gleichgewichts unserer industriellen Zivilisation entwickelt hat."
- 4 -

�Ebenso erklaerte die AFL:
"Wir fordern, dass das Punkt-Vier-Programm so durchgefu- *•
wird, dass es die Erziehung, die nationale Kultur, die Volksgesundheit, die technische Ausbildung, Gerechtigkeit und Arbeitsnormen foerdern kann. In allen Gebieten Asiens und Afrikas, die noch
nicht ihre voellige Unabhaengigkeit erlangt haben, sollen Vertreter der eingeborenen Bevoelkerung das Recht haben mitzureden, und
sie sollen in wirksamer Weise an der Planung und Durchfuehrung
des Punkt-Vier-Programms beteiligt werden."
Program Services Section
Labor News Roundun # 73

m/6/50

DIS HEDEUTUNG DER LEHRLINGS- UND BERUFSSCHTLAUSBILDUNG FUER DIE
VERTEIDIGUNG AMERIKAS
(Auszuege aus einer Ansnrache des Leiters des Bueros fuer
Lehrlingswesen im U.S. Arbeitsministerium V« F. Patterson, die
er auf dem Kongress der Vereinigung der amerikanischen B/erufsschullehrer hielt.)
Die Gruppe fuer Berufsschulung sowie die bundesstaatlichen
und staatlichen Behoerden, die sich mit dem Lehrlingswesen befassen, haben in diesem Augenblick die schwerste Probe zu bestehen,
der sie sich je gegonueberge3tellt sahen. Im Zweiten Weltkrieg
hatte Amerika mehrere Jahre zur Verfuegung, um seine militaerischen Kraefte zu organisieren und seine Wirtschafts- und Produktionsquellen zu mobilisieren. In der gegenwaertigen ungeklaerten
Situation weiss niemand, ob ein Krieg in den naechsten Monaten
oder Tagen oder eine Zeit kritischer Ungewissheit bevorsteht, die
sich ueber 10 oder 15 Jahre erstrecken kann.
Jeder, der mit den Fragen der Ruestungsnroduktion vertraut
ist, weiss, dass die Schlagkraft einer militaerischen Streitmacht
an der Front von einer ununterbrochenen Versorgung mit Industrienroduktion abhaengig ist: Waffen, Maschinen, Munition, Lebensmittel, Bekleidung und anderem Kriegsmaterial. Um diesen Materialstrom in Fluss halten zu koennen, ist eine Riesenzahl an Arbeitskraeften notwendig, von der ein grosser Prozentsatz gekernte
Facharbeiter sein mue^sen. Der Schluessel zum wirksamen Einsatz
dieser Arbeitskraefte ist, wie allgemein bekannt, die Berufsschulung und Berufsausbildung. Wenn die Berufsausbildung in wirksamem Masse schnell und gruendlich durchrefuehrt werden soll, muessen
alle die, die mit diesen beiden Gruppen verbunden sind, in genauer
Kenntnis ihrer Funktionen, in enger Harmonie und Gleichschaltung
aller Bemuehungen zusammenarbeiten - andernfalls wird es nicht gelingen, die schwere und dringende Aufgabe, die gestellt ist, zu
loesen.
Es ist vielleicht angebracht, wenn kurz auf die Arbeit dieser
beiden Gruppen in den vergangenen Jahrzehnten eingegangen wird.
Das Aufkommen dez Fabriksystems und der Methoden der Massenproduktion hatten nicht unmittelbar eine Neuorientierung des Erziehungssystems zur Folge. Es dauerte in der Tat viele Jahrzehnte, bevor im Erziehungssystem Beweise fuer die Notwendigkeit erkennbar wurden, Maenner und Frauen durch eine entsprechende Ausbildung auf ihre Arbeit in der Industrie vorzubereiten,30 wie fuer
akademische Berufe eine Ausbildung an einer Hochschule ebenso notwendig wie selbstverstaendlich ist. Weitere Jahre vergingen, bevor
- 5-

�auf Grund dieser Erkenntnis Aenderungen in den Erziehungs- und
AusbildungsDrogramraen vorgenommen wurden. Folglich hatten die
Grundschulausbildung und die der hoeheren Schule fest ausschliesslich das Ziel, auf die Aufnahme in eine Hochschule vorzubereiten.
In gewissem Grade sind sich die Erzieher noch immer nicht der
Bedeutung der beruflichen Schulung innerhalb des allgemeinen Erziehungssystems bewusst. Die jetzige Auseinandersetzung mit
diesen Fragen ist ein Beweis fuer den Fortschritt auf dem Gebiet
der Berufsschulung, fuer das Ausmass, in dem diese durchgefuehrt
wird, und fuer die bedeutende Rolle, die sie auf erzieherischem
Gebiet spielt.
Wie wertvoll die Berufsschulen fuer das allgemeine Lehrlingswesen sind, wurde bereits in einer Veroeffentlichung des Bundesstaatlichen Amtes fuer BerufsSchulung mit dem Titel "Lehrlingsausbildung" vom Juni 1923 beschrieben. Man war sich im klaren
darueber, dass, wenn des Lehrlingswesen seinen ihm gebuehrenden
Platz einnehmen sollte, bestimmte Aspekte einer besonderen Betrachtung unterzogen werden mussten. Wenn mit genuegendem Nachdruck betont wird, dass der Lehrling ein im Arbeitsverhaeltnis
stehender Arbeitnehmer ist, muss irgendeine Behoerde mit der besonderen Aufgabe betreut werden, ein diesem Zweck entsprechendes Programm zu entwickeln und zu foerdern. Dieser Notwendigkeit war
man sich weitgehend bewusst, was zur Entstehung des heutigen Zimtes fuer Lehrlingswesen fuehrte. Allen jenen, die auf dem Gebiet
der Berufserziehung taetig sind und sich unablaessig fuer ein
besseres gegenseitiges Verstaendnis der beiden Grupnen eingesetzt
haben, muss eine besondere Anerkennung ausgesprochen werden:
Dr. Stratton, John McCarthy, Clarence Greiber, Howard Campion,
Walter Sahlin und viele andere, die nicht namentlich genannt werden koennen, die fortwaehrend mitgeholfen haben, das nationale
Lehrlingsprogramm und seine Ideen und Ziele zu foerdern.
In einer Zeitspanne von mehr als 16 Jahren sind die beiden
Gruppen zu der Erkenntnis gekommen, dass es nicht notwendig und
nicht ratsam ist, Schwierigkeiten und Missverstaendnisse einfach
zu ignorieren. Auch waere es unklug, nicht zugeben zu wollen, dass
diese Missverstaendnisse fortbestehen, nur weil keine Versuche
unternommen werden, sie in ehrlicher und offener Aussprache zu
beseitigen.
Die Oeffentlichkeit wird sich daran erinnern, dass in der
ersten Zeit des Bestehens der beiden Grupnen mit mehreren tuechtigen Fachleuten eine Vereinbarung ausgearbeitet wurde, in der die
Funktionen der beiden Gruppen gemaess der Auffassung ueber die
Stellung eines Lehrlings, ob Arbeitnehmer oder Schueler, festgelegt wurden. Dieses Dokument hat sich bei der Umgrenzung der
beiderseitigen Taetigkeitsbereiche als ungeheuer wertvoll erwiesen.
Auch die oertlichen und staatlichen Behoerden fuer Berufsschulung, die staatlichen Lehrlingsaemter und die Mitglieder des
^ersonalstabes, die mit der Aussenarbeit betraut sind, koennen
nicht Plenum Anerkennung fuer die aussergewoehnliche Umsicht erfahren, mit der sie an gemeinsame Probleme herangingen, ihre Ansichten austauschten, wo es noetrig war, konstruktive Kritik uebten,
und in vielen Faellen Schwierigkeiten durch schriftliche Abmachungen beseitigten, in denen sie festlegten, in welcher Form zusammengearbeitet werden sollte. Noch in den letzten Jahren sind Beauftragte der Vereinigung der amerikanischen Eerufsschullehrer
in etwa sechs Faellen mit fuehrenden Mitgliedern des Amtes formoll
zusammengetreten, um die gegenseitigen Beziehungen zu eroertern
und freundschaftliche und praktische Abmachungen ueber die beiderseitige Politik und die gemeinsame Arbeit zu treffen. Das Buero
- 6-

�fuer Lehrlingswesen ist immer stolz auf diese guter. Beziehungen gewesen und bemueht sich, die getroffenen Abmachungen auch ff«wls?ex&gt;
haft einzuhalten.
Eines der Probleme, die beide Teile gemeinsam interessierten und bei zahlreichen Gelegenheiten besprochen wurden und fuer
das die Berufsschullehrer ausschliesslich verantwortlich sind,
ist die Berufsschulausbildung fuer Lehrlinge. Die Schwierigkeiten sind durchaus bekannt, die die staatlichen und oertlichen
Berufsschullehrer hatten, um genuegend Geldmittel fuer diesen
Zweck zu bekommen. Niemals ist die Tatsache verkannt worden,
dass die Berufsschulausbildung ein notwendiger und grundlegender
Bestandteil des Lehrlingswesens ist, und die Allgemeinheit ist
ueberzeugt, dass ihre Bedeutung weit groesser ist, als die Zeit
vermuten laesst, die man ihr im allgemeinen widmet. Wenn von
der Berufsschulausbildung gesprochen wird, muss darauf hingewiesen werden, dass ihr mehr Zeit gewidmet werden muesste. Es ist
das Bestreben des Amtes, jedem Lehrling in den Vereinigten Staaten eine Berufsschulausbildung zuteil werden zu lassen, die an
Q,ualitaet und ^uantitaet nichts zu wuenschen uebriglaesst. Dies
war jedoch immer und muss auch immer eine Funktion der Berufsschulen sein. Der wertvolle Beitrag der Berufsschullehrer zum
Lehrlingswesen wird in dieser Richtung trotz verwirrender und
oft unueberwindlich erscheinender Schwierigkeiten stets geschaetzt.
Es ist ein Glueck fuer die Vereinigten Staaten, dass sie
heute ueber die Erfahrungen einer 16-jaehrigen Zusammenarbeit
verfuegen, denn in dieser gefaehrlichen Situation von heute kommt
es darauf an, noch enger als bisher zusammenzuarbeiten.. Man muss
alle Gefahren ins Auge fassen, die sich ergebenden Konsequenzen
daraus ziehen und versuchen, entsprechend ausgerichtete wirksame
Programme vorzubereiten. Wenn die USA in eine entscheidende
Krise verwickelt werden, werden alle Kraefte bis zum Aeussersten
angespannt werden muessen, um der Industrie zu helfen, dass sie
die Arbeitskraefte zur Produktion der riesigen Mengen an V/aren,
die gebraucht werden, richtig einsetzt. In diesem Fall muss die
gemeinsame Arbeitsgruppe, die bereits erwaehnt wurde, aeusserst
aktiv sein und sehr oft zusammentreten.
Wenn die USA in Kuerze einer umfassenden Krise gegenueberstehen sollten, werden die Probleme, die geloest werden muessen,
sehr verschieden von denen sein, die vor 10 oder 15 Jahren bewaeltigt werden mussten.
Unmittelbar vor dem 2. V/eltkrieg verfuegten die Vereinigten
Staaten ueber ein grosses Reservoir an Arbeitskraeften, die der
Industrie zugefuehrt werden konnten. Es gab z.B. eine betraechtliche Zahl Arbeitsloser. Mehrere Millionen Frauen waren zuvor
nie erwerbstaetig gewesen. Es gab ausserdem viele Personen,
die auf Grund ihres Alters oder koerperlicher Maengel zwar nicht
arbeiteten, aber doch bis zu einem gewisaen Grade arbeitsfaehig
waren. 100.000 dieser Leute wurden in Berufsschulen ausgebildet
und daraufhin in Ruestungsfabriken beschaeftigt. Ohne diese Reserve waeren die Bemuehungen zur Steigerung der Ruestungsproduktion niemals so erfolgreich gewesen.
Heute verfuegen die USA nicht ueber diese umfangreichen Reserven. Eine Arbeitslosigkeit besteht praktisch nicht. Viele
Frauen und Koeroerbehinderte sind bereits laengst berufstaetig.
Im uebrigen werden mehrere Millionen junger Leute dem Arbeitsmarkt
entzogen, um bei den militaerischen Streitkraeften Maschinengewehre zu bedienen, Schiffe zu bemannen und Flugzeuge zu steuern.
- 7 -

�Wenn die Produktionsleistung unter solchen Bedingungen gesteigert-worden soll, gibt es keine andere Moeglichkeit, als die
Faehigkeiten der bereits Beschaeftigten zu erhoehen.
Dieses Problem der Berufsausbildung im Dienst der amerikanischen Industrie kann bearbeitet werden, ohne dass zu diesem
Zwecke neue Behoerden gebildet werden. Seit dem 2. Weltkrieg
haben sich die beiden Gruppen ausdruecklich und unbedingt an
diesen Grundsatz gehalten. Es ist lediglich erforderlich, die
Richtlinien so auszuarbeiten und die Taetigkeiten so zu lenken,
dass ein derartiger Schritt nicht notwendig wird.
Die Maenner und Frauen, die "auf diesen Gebieten taetig sind,
sind sich bewusst, dass sie nicht nur einen Arbeitsolatz ausfuellen, sondern dass sie gemeinsam ein Ziel erstreben. Sie wollen
weiter arbeiten, wie sie es auch in der Vergangenheit getan haben, wobei folgende Ziele ihnen vorschweben moegen: Den nationalen Wohlstand zu foerdern, das wirtschaftliche Wohlergehen des
amerikanischen Volkes zu verbessern und dem Lande eine unueberwindliche Verteidigung zur Verfuegung zu stellen.
U.S. Arbeitsministerium
12/1/50
ZAHL DER WEIBLICHEN AR3EITSKRAEFTE IN AMERIKA STEIGT
Prozentualer Anteil der weib
liehen Arbeitskraefte an der
Erwerbsbevoelkerung der Vereinigten Staaten in den Jahren 1870-1949

1870-1949

Dem statistischen Buero der
Vereinigten Statten zufolge hat
sich die Zahl der weiblichen Bevoelkerunr im Alter von ueber 14
Jahren in der Zeit von Oktober
1949 bis Oktober 1950 um 680.000
erhoeht.
vIm gleichen Zeitraum ist die
Zahl der erwerbstaetigen Frauen
um 1.093.000 angestiegen, deren
Zahl sich damit im Oktober 1950
auf insgesamt 18.668.000 belief.
Die ^roesste Besehteftigunfszunähme in diesen 12 Moneten ist bei
jenen Freuen zu verzeichnen, die
in nichtlandwirtschaftlichen Industriezweigen beschaeftigt sind.
Ihre Zahl steigerte sich um 599.000
insgesamt, damit heben die Frauen
im Oktober 1950 die 16 1/2 Millionen Orenze ueberschritten. Die
weiblichen Arbeitnehmer in der
Landwirtschaft, deren Zahl sich
im Oktober 1950 auf insgesamt
1.902.000 belief, hetten seit dem
gleichen Monat des Vorjahres eine
Zunahme von 494.0C0 zu"verzeichnen.

Die__Zahl der berufstaetigen
Frauen in den bereinigten Statten
uebertrifft somit die Gesamtzahl
der deutschen Berufstaetigen einschliesslich aller 'rbe'tslosen.
Labor Information Bulletin
XII/50

�IN ENGLAND ENTSCHEIDEN DIE BERGLEUTE SELBST ÜKBER IHRE ZUKUNFT
Die Besprechungen ueber den englischen Fuenfzehnjahresplan
werden von den Mitgliedern der Beratungsausschuesse der Kohlenbergwerke gefuehrt, die alle ein Exemplar dieses groessten Programms auf weite Sicht erhalten haben, das die britische Industrie
je gekannt hat.
Die ersten Erkl&amp;erungen zu dem Programm wurden im November
den Mitgliedern des Landes-Beratungskomitees von dem Vorsitzenden
der obersten Kohlenbehoerde gegeben. Die gemeinsame Beratung
wird fortgesetzt, und die Betriebsleiter und Arbeiter .1eder Abteilung studieren die Einzelheiten, die von unmittelbarer Bedeutung fuer sie sind.
Die Bergarbeitergewerkschaft hat bereits offiziell dieses
ausgeglichene Programm der Kapitalentwicklung gebilligt, das den
Zweck hat, Arbeitskraefte, Geld und Maschinen so zu verwenden,
dass die besten Ergebnisse erzielt werden koennen.
YJie ein Sprecher erklaerte, waren sich die Bergarbeiter immer
der Bedeutung der Herausstellung der Leistungsfaehigkeit bewusst,
und sehen nun eine Gelegenheit, ihre Hoffnungen zu verwirklichen.
Der ""lan kann jedoch nur gelingen, wenn er von der Industrie
wohlmeinend mit allen Mitteln unterstuetzt wird.
Die Vorschlaege zu diesem Fuenfzehn Jahresprogramm, das an
sich nicht an feste Quoten gebunden ist, sehen eine Steigerung
der jaehrlichen Kohlenfoerderung Englands um 36 Millionen Tonnen
bei einer Senkung der Zahl der Bergarbeiter um 80.000 vor.
Es wird weniger Gruben geben, aber mehr Destillierwerke. Es
werden sich groessere Stollen in den Gruben finden, zum Zerkleinern und Abtransport der Kohle wird weitgehend von elektrischer
Energie Gebrauch gemacht werden. Den Bergarbeitern werden in
groesserem Masse Badeeinrichtungen an den Ausgaengen der Gruben
zur Verfuegung stehen, sie werden mit groesserer Sicherheit arbeiten, und man wird sich eingehender als bisher mit Wohlfahrtseinrichtungen fuer sie befassen.
Diese Aenderungen koennen nicht sofort vorgenommen werden;
es kann bis zu zehn Jahren dauern, bis ein rrosses, modernes Kohlenbergwerk in vollem Ausmass produzieren kann.
Weil eine groessere Mechanisierung hoeheren Ausstoss mit
sich bringt, werden die Gestehungskosten fuer jede Tonne Kohle
um deben Schillinge fallen.
Nicht alle Gewinne werden in Form niedriger Teise der Oeffentlichkeit zufliessen. Die Maenner, die im Bergbau arbeiten, werden
besonders beruecksichtift werden, da die oberste Kohlenbehoerde
den Grundsatz akzeptiert hat, dass die Loehne im gleichen Masse
erhoeht werden, in dem die Produktionsleistung steigt.
Den Hauotanteil der Gestehungskosten fuer Kohle bilden die
Loehne (nahezu zwei Drittel). Obwohl das Komitee sich nicht verpflichten wuerde, eine bestimmte Lolinoolitik zu betreiben, hat es
beschlossen, bei der Errechnung der Gestehungskosten an Hand der
Loehne drei Voraussetzungen zugrundezulegen:
Die Unterschiede in den Lohnt&amp;rifen der einzelnen Gebiete
werden ausgeglichen, die verschiedenen Lohnstufen werden jetzt
bleiben, und die Loehne als Ganzes werden nur erhoeht, wenn auch
- 9 -

�die Produktionsleistung steigt, wobei jedes Gebiet mit Kohlevorkommen getrennt behandelt wird.
Die groesste Aufgabe wird es sein - dessen ist sich auch die
Behoerde bewusst - die Belegschaftsstaerke der Bergwerke beizubehalten.
In vielen Faellen wird es schwierig sein, neue Arbeiter einzustellen. Die Behoerde rechnet damit, dass nur in wenigen Bezirken ueberzaehlige Bergarbeiter Schwierigkeiten haben werden,
einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Als ein Hauptproblem sieht
man die Tatsache an, dass man im allgemeinen bestrebt ist, ueberzaehlige Arbeiter zu halten, anstatt sie zu veranlassen, in anderen Industrien Arbeit zu finden.
Die Gefahr einer weitverbreiteten Arbeitslosigkeit ist sehr
gering. Allgemein gesprochen, wird Neuorganisierung nichts weiter
bedeuten als eine Reihe von Arbeitsplatzwechseln in andere Gruben.
Fuer solche Wechsel ist den Arbeitern versprochen, dass ihnen alle
interessierten Stellen der naechsten Umgebung beratend zur Seite
stehen werden.
Die Kohlenbehoerde hat in ihren Richtlinien jede Rueckkehr
zu jenen Tagen von vornherein ausgeschlossen, als die Bergwerke
ueberbelegt waren und die Bergleute bei geringerer Nachfrage nach
Kohle arbeitslos wurden. Dadurch, dass man die Arbeiter je nach
den Schwankungen im Absatz zu Produktions- oder Ausbauarbeiten
heranzieht, will man die Fuenftage-Yvoche beibehalten und eine
stabile Beschaeftigtenziffer sichern.
Der Plan ist nicht unabaenderlich festgelegt, sondern er unterliegt fortwaehrenden Veraenderungen, da die Richtigkeit der Erwartungen staendig nach^eprueft wird.
Dadurch, dass man den Preis fuer jede Hauptkohlensorte in jedem Absatzgebiet so weit wie moeglich in Uebereinstimmung mit den
Produktions- und Transportkosten festlegt, will die Behoerde dafuer sorgen, dass jede Verbrauchergrupoe fuer die Kohle, die sie
braucht, einen angemessenen Preis zahlt. Die Preise fuer die einzelnen Absatzgebiete werden jedoch nicht endgueltig festgelegt
werden, sie werden aber mit den Veraenderungen in der Versorgung
mit verschiedenen Kohlensorten und der Nachfrage schwanken. Andere Faktoren, die berücksichtigt wurden, waren das erforderliche
Kapital und natuerliche Hilfsquellen. Die Behoerde hofft, die noetigen Ausruestungen und Finanzmittel fuer ihre Projekte zu bekommen, zumal Untersuchungen ergeben haben, dass ein Mangel an Kohlevorkommen fuer viele Generationen unwahrscheinlich ist.
Eine Besorgnis erregende Tatsache ist jedoch, da3s die be^te
und billigste Kohle bereits abgebaut ist, insbesondere jene Sorten, die sich zu Hartkoks fuer die Stahlindustrie verarbeiten
lassen. Auf der anderen Seite hofft die Kohlenbehoerde, die
Schwierigkeiten, die zur Zeit durch die Nachfrage der Verbraucher
nach besonderen Kohlensorten entstanden sind, ueberwinden zu koennen. Unter anderem beabsichtigt man, durch eine Form der Preisrsgelung, eine bessere Verteilung der einzelnen Sorten und verbesserte Methoden beim Mischen der Kohle der gesamten Nachfrage gerecht
werden zu koennen.
Das Programm der Neuorganisation enthaelt keine Angaben ueber
die Gruben, die geschlossen oder wiederaufgebaut werden sollen.
Diese Entscheidungen bleiben den oertlichen Betriebsleitungen
ueberlassen, die fuer die Durchführung der Einzelphasen des ^lanes
verantwortlich sind.
- 10 -

�Die oberste Kohlenbehoerde ist der Auffassung, dass sie bei
der Ausarbeitung dieses Programms auf lange Sicht sich konservativ verhalten hat. Man erwartet von den Arbeitern in der Zukunft
keine groesseren Anstrengungen als sie zur Zeit fuer ihre Arbeit
aufwenden. ?.fen hat sich auch nicht auf technische Erfindungen
gestuetzt, die gerade im richtigen Augenblick zu Hilfe gekommen
waeren.
Um noch weiterzugehen, erklaert die Behoerde, 3ie habe in
"einem Gemisch vernuenftiger Erwartung und hoffnungsvollen Denkens" gehandelt. Nachdon sich nun die Produktionsmoeglichkeiten
und die Tendenzen in der Nachfrage klar abgezeichnet haben, kann
der Plan abgeaendart werden. Er wird in jedem Falle staendigen
Revisionen unterliegen.
'7ie vorsichtig die Schaetzungen auch sein moegen, so hat
die Kohlenbehoerde doch ein Problem in Angriff genommen, das unbedingt einer Loesung bedarf.
«Tedes kleinare und einzelne Projekt zur Neuorganisierung und
Vodernisierung haette die Produktion nur auf den niedrigen Stand
von 1945 herabgedrueckt. Und der Preis fuer Kohle, der in den
letzten Jahren gesunken ist, wuerde erneut ansteigen, wie es 70
•Jahre lang der Fall war. Innerhalb von fuenf Jahren haette er
ohne einen derartigen Plan fuenfmal so hoch sein koennen.
Da3 Programm muss nun einer gröndlichen Untersuchung unterzogen wuerden, und zwar nicht nur von Persoenlichkeiten der Industrie, sondern auch von den Vertretern der Oeffentlichkeit in
den Ausschuessen fuer Kohleverbraucher und dem Ministerium fuer
Brennstoff und elektrische Energie. "Wir werden auch in Zukunft,"
erklaerte der Vorsitzende der obersten Kohlenbehoerde, "uns nach
neuen Ideen umsehen und solche Ideen begrusssen, soweit es sich
um gesunde und vernuenftige Vorschlaege handelt."
Labour
XII/50
GERECKTES AKKORDS TOTEM STEIGERT PRODUKTIONSLEISTUNG
Die Produktionsziffern der englischen Industrie gehen staendig in die Hoehe. Wie ist dies ohne zusaetzliche Arbeitskraefte
und ohne schwerere Arbeit moeglich? Das Staatliche Buero fuer
Virtschaftsinformationen hat sich mit 107 Firmen in Verbindung
gesetzt und hat drei eindeutige, aber keineswegs nagelneue Antworten auf diese Frage erhalten:
Gemeinsame Beratung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern,
gerechte Akkord-Systeme und Betriebsinformationen.
Die Untersuchungen haben dieses Buero zu einer grossen Zahl
groesserer und kleinerer Betriebe gefuehrt. Ein Fuenftel der
Betriebe zaehlen mehr als 1000 Arbeiter, ein Viertel weniger als
250. Auch die Art der Waren, die sie produzieren, ist sehr verschieden.
Unter Zuhilfenahme der Geschaeftsbuecher der einzelnen Firmen
ist eine Liste zusammengestellt worden, aus der zu ersehen ist,
wie die Produktion gesteigert, die Gestehungskosten und Preise
gesenkt und die Loehne der Arbeiter erhoeht worden sind.
- 11

�Diese Zusammenstellung ist sehr aufschlussreich. In 75 Firmen fuehren Vertreter der Unternehmer und Arbeiter gemeinsame Besprechungen. Gerechte Akkordsysteme spielen in 72 Faellen eine
bedeutende Rolle, waehrend 45 Firmen ihre Produktionsziffern dadurch steigern, dass sie ihre Arbeiter uebar die Erzeugnisse des
Betriebes, den Absatz, die ^roduktionsquoten, die Gestehungskosten und die bereits erzielten Erfolge eingehen unterrichten.
Viele Firmen bedienten sich dieser drei Methoden mit grossem
Erfolg. Zwei Beispiele zeigen, wie fortschrittliche Unternehmer
mit einsichtigen Arbeitern eintraechtig zusammenarbeiten, um die
Produktionsleistung zum Nutzen der Firma, ihrer Arbeitnehmer und
ihrer Kunden zu steigern.
Die Technischen Werke in Leeds z.B. koennen von einer ^roduktivitaetssteigerung um 44% seit 1947 berichten. Der Mangel an
Treibstoff, der in jenem .Tahre geherrscht hat, ist fuer dieses Unternehmen zur Veranlassung geworden, seine 55 Kilowatt-Dieselgeneratoren zu normen. Das Erzeugnis der Firma ist ab heute geaendert, um eine guenstigere Verwendung des Rohmaterials zu gewaehrleisten, und um die Produktion des genormten Produktes zu beschleunigen, ist eine umwaelzende Neuordnung der Betriebsanlügen
durchgefuehrt worden.
Frueher sind spezialisierte Werkzeugmaschinen nur im beschraenkten Kasse verwendet worden, um Einzelteile fuer eine Vielzahl von Maschinen herzustellen. Nach der Neuorganisation sind
die Werkzeugmaschinen, in Gruppen geordnet aufgestellt, in voraus
sorgfaeltig eingerichtet, damit die maschinelle Arbeit im ununterbrochenen Fliessbandsysten ausgefuehrt werden kann. Die Arbeiter
sind waehrend dieser Neuorganisation genauestens ueber die einzelnen Vorgaenge unterrichtet worden, ebenso sind die Plaene dem
gemeinsamen Produktionsausschuss laufend vorgelegt worden. Auf
diese "'eise ist es moeglich gewesen, sich die Mitarbeit der Belegschaft bei dieser Neuorganisation zu sichern.
Und die Ergebnisse? Fuer die Verbraucher eine 25%ige Preissenkung, fuer den Unternehmer eine 10%ige Verminderung der Produktionskosten und fuer 1800 Arbeitnehmer eine Steigerung ihrer Loehne um durchschnittlich sechs Schillinge bis zu einem ^fund Sterling,
wobei die Lohnverbes3erungen im Rahmen des nationalen Lohngesetzes
nicht beruecksichtigt sind.
Im Suedwe3ten Englands sehen wir das zweite Beispiel: In
Avonmouth (Bristol) werden den Arbeitern fuer die Erzeugung von
Zink, Schwefelsaeure und Industrie-Chemikalien Leistungspraemien
gezahlt. Die Zinkproduktion hat sich seit dem Kriege um 20% und
die der Schwefelsaeure um 25% gesteigert. Die Wochenloehne der
Arbeiter sind dadurch an einen Betrag von dreissig Schillingen bis
zu zwei Pfund Sterling in die Hoehe gegangen.
Die Leistungspraemien werden in den verschiedenen Industriezweigen nicht eher eingefuehrt, als bis in Sondersitzungen mit
Unternehmer- und Gewerkschaftsvertretern alle Einzelheiten des
Systems ausgearbeitet sind und eine Abmachung zustande gekommen
ist, zu der sich 90% der 1500 Arbeiter dieses Betriebes bekennt
haben. Leistungs-raemien koennen auch in den Warenlagern gezahlt
vyerden und sind selbst fuer die jungen Leute vorgesehen, die mit
dem Fahrrad Botengaenge ausserhalb der Fabrik verrichten.
Praktisch ist jede Arbeit in diesen Betrieben vom Hofreinirer
bi3 zum Reparieren der Pumoen und V.'iederaufbauen der Retorten georueft und zeitlich bemessen worden. In allen Faellen ist es den
- 12 -

�Arbeitern moeglich, sich an die Zeitnehmer zu wenden und eine Anpleichurig der Zeit zu erwirken, wenn dies erforderlich ist.
Fuer die Maschinentechniker, Klempner, Maurer und andere
Handwerker sind Akkordsysteme eingefuehrt worden, denen eine Untersuchung ausschlaggebender Leistungseinheiten zu Grunde liegt.
In jedem dieser Systeme ist der Vorarbeiter der wichtigste
Mann. Er prueft die Zeiten, die fuer die Arbeitsgaenge gebraucht
werden. Wenn die Ausfuehrung der Arbeit schlecht ist, kann er
darauf bestehen, dass sie noch einmal verrichtet wird oder die
Praemie nur fuer den Teil gezahltvwird, der zufriedenstellend ausfaellt. Der Vorarbeiter selbst arbeitet nach einem Leistungspraemien-System, das sich auf die Arbeitsleistung seiner Arbeiter
gruendet.
Diese 105 Faelle, die man untersucht hat, sind ein klarer
Beweis dafuer, dass die englische Industrie ueber ein grosses Mass
an Erfahrung und Wissen verfuegt, das ausgewertet werden kann wenn es die Unternehmer nicht fuer erniedrigend halten, mit den
Vertretern ihrer Arbeiter neue Methoden zu besprechen, bevor
die Fabriken in Betrieb gesetzt werden, und wenn die Arbeiter
nicht zu misstrauisch oder zu konservativ sind, sich damit einverstanden zu erklaeren, eine neue Idee auszuprobieren, nachdem
sie sie sorgfaeltig geprueft haben.
Labour
6/50
MEANY ZUR ROLLE DES RUNDFUNK- UND FERNSSKWESENS
"Dieses neue und maechtige Beeinflussungsmittel darf nicht
voellif der Industrie als Propagandawerkzeug zur Steigerung ihres
Absatzes ueberlassen werden."
Dies sagte George Meany, der Hauptkassierer der AFL, vor
der bundesstaatlichen Kommission fuer Rundfunk- und Fernsehwesen.
Er schloss sich der Bitte einer Grupoe Erzieher an, dass ein gewisser Prozentsatz der Fernsehsendungen ausschliesslich fuer erzieherische Zwecke verwendet werden soll. "Wir wollen, dass
unsere Kinder durch die Fernseheinrichtungen mehr lernen koennen
als nur die Kenntnis einer ausgezeichneten Geschaeftsreklame."
"Die Regierung ist dem amerikanischen Volke sehr vieles
schuldig. Sie sollte die Kinder der Nation und die Erwachsenen
vor dem uebertriebenen Haendlergeist bewahren, dem sie zur Zeit
ausgesetzt sind."
Meany stellte fest, dass die bestehenden Fernsehstationen
es versaeumt hastten, sich zu einem Forum fuer die verrchiedenen
Meinungen zu den nationalen und internationalen Problemen zu
entwickeln, und erklaerte: "Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, finden in dem IIei..leben zahlloser amerikanischer Familien und den I^rziehunpsmoeglichkeiten der kommenden Genorationen ihren Niederschlag."
ir wies ferner darauf hin, dass die amerikanische Arbeiterschaft das Erziehunrswesen immer unterstuetzt hat, weil sie zu
der Erkenntnis gekommen ist, deas "ein intelligentes Volk aufgeklärt sein nuss." lir betonte, dass es "die arbeitenden ?'aenner und Frauen Amerikas waren, die den Kampf fuer die irrichturg
eines freien und oeffentlichen Schulsystems gefueh/rt haben.*'
—

Xo

�Die Gewerkschaften haben sich fuer der üeffentlichkeit zugaengliche Hochschulen eingesetzt und sind heute an den üniversitaeten
und Volkshochschulen ausserordentlich interessiert.
Durch die Entwicklung des Rundfunks und des Fernsehwesens
sind die Erziehungs- und Informationsmoeglichkeiten sehr stark
ausgedehnt worden, man habe jedoch zur Foerderung der allgemeinen
Erziehung und zur Propagierung sozialpolitischer Programme nur
in beschraenktem Masse von den Rundfunk- und Fernseheinrichtuncen
Gebrauch gemacht, und "die Geschichte der letzten £5 Jahre hat gezeigt, dass der Rundfunk nicht die grosse erzieherische Rolle gespielt hat, die man von ihm erwartete."
"Die fortschrittliche amerikanische Arbeiterschaft ist der
Auffassung, dass hoehere Loehne und bessere Arbeitsbedingungen, so
lebenswichtig sie sind, weder das einzige Interesse der Arbeiter
darstellen, noch die einzige Verantwortlichkeit sind, die die Unternehmer ihren Arbeitern gegenueber zu tragen haben. Die Gewerkschaften wie auch die Unternehmer vertreten die Auffassung, dass
die Erziehung fuer den Arbeiter von vordringlicher 7/ichtigkeit ist.
Ein aufgeklaerterer Arbeiter ist leistungsfaehiger. Er lernt in
kuerzerer Zeit mehr, verrichtet seine Arbeit besser und steht innerhalb der Gemeinschaft auch nachdruecklicher seinen Mann."
Daily News Service
XIl/6/50
AMKR1&amp;AW13CHK GE":ERKSCH;,FTSFU2ERER UNTERSTREICHEN DIE BEDEUTUNG
DER ARBEITERSTLDUNÖ""^
Bei der feierlichen Uebergabe des Samuel-Gompers-Oedaechtnisfonds an das Roosevelt-College in Chikago, der sich auf 100.000
Dollar belaeuft, erklaerten fuehrende Funktionaere der Gewerkschaften, der Fortschritt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
haenge groesstenteils von der Ausbildung ab, die den Gewerkschaftsmitgliedern zuteil werde.
William Green, der Vorsitzende der AFL, fuehrte in diesem
Zusammenhang aus: "»ir waren bisher vielleicht zu sehr geneigt,
unseren Fortschritt nach den Mitgliederzahlsn allein zu bemessen d.h. eher nach quantitativen als nach qualitativen Normen
Nur in dem Masse, in dem wir erziehen und auch werbend wirken,
koennen wir die Gewissheit haben, dass die Struktur der organisierten Gewerkschaftsbewegung in Amerika erhalten bleibt und sich fortwaehrend verbessert."
Der Vorsitzende des CIO, Philip Murray, wies darauf hin, da-?s
"unsere hoeheren Lehrinstitute bis vor kurzem noch der Gewerkschaftsbewegung gegenueber entweder unfreundlich oder irgendwie gleichzeitig eingestellt waren oder ihr sogar den Ruecken kehrten."
Im Roosevelt-College wird die Arbeiterbildung auf der gleichen
Basis wie die Ausbildung in Kuensten und '..'issenschaf ten betrieben.
Sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften sind im Treuhaenderausschuss vertreten. 'Valter Reuther, der Vorsitzende der ^utomobilarbeitergewerkschaft de3 CIO, und Morris Bialis von den Damenoberbekleidungsarbeitern der AFL sind Mitglieder dieses Ausschusses.
V.'eekly Labor News Digest
Vol. V - Nr. 51
XII/20/50

- 14 -

�AUS3ILDUNGS INSTITUT FUL'R DIE WIRTSCHAFTLICHE PL^ÜPG ASIATISCHER
3NT ','IC KLUNG 5 PR 0J5KTE
In Lahors (Pakistan) ist das erste regionale Schulungsprogramm fuer Volkswirtschafter, Techniker und Verwaltungsbeamte angelaufen, die sich mit der Planung und Finanzierung landwirtschaftlicher Entwicklungsprogramme hefassen. An dem Lehrgang nehmen mehr als 50 Regierungsbeamte aus vorderasiatischen Laendern
und dem Fernen Osten teil. Es handelt sich um eines der ersten
groe^seren Schulungsprogramme, die durch das erweiterte technische
Unterstuetzungsprogramm unter der Schirmherrschaft der Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen
und der Internationalen Bank fuer wirtschaftlichen Wiederaufbau
und Entwicklung ermoeglicht wurden. Zweck dieses Lehrganges ist,
die Beamten asiatischer Laender in der Vorbereitung wirtschaftlicher Entwicklungsprojekte zu unterrichten und ihre Fähigkeiten
auf diesem Gebiet zu vervollkommnen, da:.;it derartige "Projekte
von den staatlichen Verwaltungsbehoerden und den internationalen
Finanz-Instituten bosser bearbeitet werden koennen. Es ist oftmals von verschiedenen Finanzinstituten - wie z.B. der Internationalen Bank - darauf hingewiesen worden, dass schlecht ausgearbeitete Skizzen ueber wirtschaftliche Entwicklungsprojekte eins erhebliche Schwierigkeit fuer den wirtschaftlichen Fortschritt
unterentwickelter Laender darstellen.
Dsr Lshrplan des Instituts umfasst folgende Gebiete:
a) Die Auswirkung besonderer Projekte auf die wirtschaftlichen Verhaeltnisse eines Landes und die ~laene fuer die
zukuenftige Entwicklung bestimmter Industriezweige und Projekte, bestehender und geplanter Absatzmöglichkeiten,
Transportwesen, Kredit-Institute fuer die Landwirtschaft
sowie Schulen und andere staatliche Einrichtungen.
b) Voraussichtliche Kosten und Gewinne aus wirtschaftlichen
Entwicklungsprojekten. Kostenvoranschlaege fuer technische
Plaene, Bau- und Arbeitsprojekte und technische Produktionseinrichtungen, das Studium landwirtschaftlicher Projekte
unter Berücksichtigung der daraus entstehenden Einnahmen;
zusammenfassende Finanzberichte ueber Ausgaben und Einnahmen.
c) Besondere Probleme und die verschiedenen Arten der Entwicklungsprojekte. Kuenstliche Be- und Sntwaesserung, Flussregulierung, Bodenkultivierung, Vertriebs- und weiterverarbeitende Unternehmen, die kombinierte Ausbeute der natuerlichen Hilfsquellen, Transport- und Informationswesen, Gesundheitsprobleme, agronomische Fragen in- und auslaendischer
Maerkte zum Absatz der Erzeugnisse und die indirekte Auswirkung aller dieser Probleme auf die Staatseinnahmen.
d) Organisation und Verwaltung der Projekte. Gerichtsbarkeit, Organisationsform, Machtbereich und Aufgaben, PersonalPolitik, Ueberwachung und Rechnungsfuehrung, Beziehungen zur
Landwirtschaft und anderen Industrie-Zweigen, Auswahl und
Ausbildung der Siedler, Vorarbeiter, Mechaniker, die Bearbeitung von Kolonisierungs- sowie Ein- und Auswanderungsoroblemen.
e) Finanzfragen. Direkte Rueckerstattungen an die Farmer,
Siedler und andere Personen, die Erzeugnisse oder Dienstleistungen in Anspruch genommen haben, direkte Projekteinnahmen
in weichen und harten Waehrungen. Bedarf an inlaendischen
und auslaendischen Dienstleistungen und Materialien sowie
Kapitalien fuer nationale und internationale Finanzierungen,
- 15 -

�Finanzierungsmethoden eines Projektes und die Verwendung des
zur Verfuegung stehenden Kapitals.
f) Zusammenfassung aller Gesichtspunkte eines wirtschaftlichen Entwicklungsprojektes in einer Abhandlung, in der technische, verwaltungsmaessige und finanzielle Einzelheiten
festgelegt sind.
Den Teilnehmern an diesen Lehrgaengen wird die Moeglichkeit
geboten, besprochene Grundsaetze und Methoden bei der Bearbeitung
praktischer Entwicklungsprobleme und Projekte anzuwenden. Zusaetzlich zu den Informationen, die ueber ausnev.aehlte Projekte
anzuwenden. Zusa9tz_*ich zu den Informationen, die ueber ausgewaohlte Projekte in Pakistan der Schule zur Verfuegung stehen
werden, erwartet man von den Lehrgangsteilnehmern aus ,anderen
Ltendern, dass sie moeglichst ausfuehrliche Informationen ueber
eine oder mehrere Entwicklungsprojekte in ihrem eigenen Lande
zu diesem Zwecke vorlegen.
Economic and Social Problems
in the United States
Ho. 10 Vol. 2
10/50
INDISCHE GEWERKSCHAFTEN ERKENNEN DIE KOMMUNISTISCHE GEFAHR
Hariharnath Shastri, der Generalsekretaer des Indischen Nationalen Gewerkschaftskongresses lINTUC) gab vor kurzem eine Erklaerung ab, in d^r er ausfuehrte:
"Die Kommunisten greifen unsere Unabhaengi?keit unmittelbar
an; und das gleiche tun sie auf der ganzen Welt. Sie sind eine
Gefahr fuer die ganze Welt.
"Amerika und England repraesentieren die demokratischen
Kraefte. Einige sind der Auffassung, dass sie die kapitalistischen Kraefte repraesentieren. Das mag vor Jahren so gewesen sein;
die Verhältnisse haben sich jedoch geaendert. Sie habon ihre
imperialistischen Ansprueche laengst aufgegeben. Nun versuchen
sie ihr Bestes, um dio demokratischen Kraefte in der Welt zu staerken.
Amerika wuenscht, seine Stellung in der gesamten 'Veit auf demokratischer Basis beizubehalten. In der Rede Praosident Trumans sind
unlaeng^t die falschen Vorstellungen von
angeblichen Machtanspruechen Amerikas zurueckgewiesen worden.n
Generalsekretaer Shastri, der kuerzlich auf dem Kongress des
INTUC von 2.000 Delegierten wiedercewaehlt worden war, fuhr fort:
"Fuer England, Amerika und Indien besteht eine gemeinsame Gefahr,
der wir ins Auge sehen muessen. Eine einzige Nation bedroht den
Frieden der Welt. Diese Macht i3t fuer England und Amerika weniger gefaehrlich als fuer Asien. Starke Nationen koennen sich
selbst verteidigen, wir koennen es jedoch nicht."
Khandubhai Desai, der zum Vorsitzenden des INTUC wiedergev/aehlt wurde, brachte die gleichen Ansichten zum Ausdruck.
In den vergangenen 18 Monaten sind 15 Gewerkschaften mit rund
100.000 Mitgliedern von insgesamt 1.434.000 aus dem INTUC ausgeschlossen worden, weil sie der von Moskeu diktierten kommunistischen Linie folgten.
Program Services Section
Labour News Roundup # 73

XXX/6/50
- 16 -

H1J0O (li-l-Jl) CCT* S k l C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge «na der amerikanischen Presse und anderen Quellen der und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
MANPOWER-P.R.O.
OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, njeh irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen,

I I - k5

Frankfurt, 13. Januar I950

INHALTSVERZEIC

HNIS

Truman fuer weiteren sozialen F o r t s c h r i t t —
Jugendschutz i n U.S.A. - - - - - - - - - Walter Reuther zur Deutschlandfrage

—

- - - - -

1

. . - -

4

- - - - - - - - -

5

Englische Schneider berichten ueber amerikanische
Produktionsleistung
Ifarahallplan Barometer

8
- - - - - - - - - - - - - - - -

Gewerkschaft3funk eines New-Yorker Senders

- - - - - -

Moderner Stoerungssucher - - - - - - - - - - - - - - -

9
10
11

TRUMAN FUER WEITEREN SOZIATjffrJ FfffiTSflURTT 1 .
(WASHINGTON, 9« Januar) - In seiner heutigen Budgetbotschaft an den Zbngress
stellte Praesident Harry S. Truman fest, dass "wir mit Zuversicht der Zukunft
entgegensehen koennen". Diese Botschaft enthaelt das finanzielle Programm febr
Durchfuehrung der Plaene und Massnahmen, die der Praesident in seiner Botschaft
ueber "die Lage in der Union" (State of the Union Message) vorige Woche vorgeschlagen hatte*
Fuer internationale Programme forderte der Praesident 4#7 Billionen Dollar.
Er sagte, dass das Europa Hilfsprogramm I95I mit einer Billion Dollar weniger
finanziert werden koennte als im Jahre I950, weil durch unsere Unterstuetzung
der wirtschaftliche Wiederaufbau angekurbelt und gefoerdert worden sei. Dies
haeite eine Hebung des Lebensstandards und groessere politische Stabilitaet in
Westeuropa zur Folge gehabt«
- 1-

�Der Praesident erinnerte den Kbngress jedoch daran, dass noch grosse Hindernisse zu ueberwinden seien und die Gefahr einer Aggression noch immer, bestehe.
Die Laender Kuropas benoetigten nach diesem Kriege Rohstoffe und Waren, die zum
groessten T e i l nur von den Vereinigten Staaten g e l i e f e r t werden koennten.
Diese Laender seien jedoch nicht dazu i n der Lage, die exportierten Gueter mit
Waren oder Dienstleistungen zu bezahlen. "Wenn wir diesen Voelkern nur soviel
l i e f e r t e n , wie sie bezahlen koennen, dann wuerde i h r Lebensstandard rapide
sinken und Unsicherheit und destruktivem wirtschaftlichem Hationalismus der
Weg geebnet."
Der Praesident u n t e r s t r i c h von neuem die Notwendigkeit, den Welthandel auszudehnen, und e r ersuchte den Kbngress, die Charta der Internationalen Handelsorganisation zu akzeptieren und die dazu noetigen Gesetze zu e r l a s s e n . Er e r k l a e r t e , "dass sowohl die laender Buropas a l s auch die uebrigen Nationen und das
amerikanische Volk s e l b s t weitsichtige und durchgreifende Massnahmen treffen
muessten, um einen gesteigerten internationalen Waren- und Investitionsaustausch
zu ermoeglichenj a l l e i n auf dieser Basis koennten gesunde, i n t e r n a t i o n a l e Wirtschaftsbeziehungen e r r i c h t e t werden." Er fuegte hinzu, dass die im Budget geforderten Geldmittel, die zur Fortsetzung des europaeischen Hilf sprogramms noetig
waeren, fuer den weiteren F o r t s c h r i t t von ausschlaggebender Bedeutung seien.
Durch die Binschraenkung der Taetigkeiten der Internationalen Fluechtlingsorganisation (IRO) koennten die Zuwendungen der Vereinigten S t a a t e n um 6555 gekuerzt werden. Mr. Tnunan wiederholte jedoch seine Forderung, dass der Kbngress
das Gesetz fuer Fluechtlinge abaendern und die entsprechenden Geldmittel bewilligen moege.
Die Erfolge der technischen Unterstuetzung i n den Republiken Amerikas und
i n Europa beweisen, dass das Punkt-Vier-Programm wertvoll und durchfuehrbar i s t ,
sagte der P r a e s i d e n t . In seinem Haushaltsplan sind 25 Millionen Dollar vorgesehen, da sich die Vereinigten Staaten an dem Programm zur technischen Unterstuetzung b e t e i l i g e n , das nun von den Vereinten Nationen b e w i l l i g t wurde. Er
u n t e r s t r i c h die Notwendigkeit, Kapital i n rueckstaendigen Gebieten zu investieren
und einen Plan zu entwerfen, nach dem zur Foerderung von Investierungen die
Export-Import Bank die Garantie fuer diese Kapitalanlagen uebernehmen s o l l . Bei
Mangel an P r i v a t k a p i t a l schlug e r die Verwendung oeffentlicher Geldmittel vor.
Obwohl der Praesident die Notwendigkeit wirtschaftlicher S t a b i l i t a e t i n
•anderen Laendern hervorhob, betonte e r , dass e s damit nicht genug s e i . ^Die
wirtschaftliche Wiedergesundung i s t Grundbedingung fuer die Erhaltung der F r e i h e i t und S t a b i l i t a e t i n Westeuropa und anderen Laendern, die fuer uns von l e benswichtiger Bedeutung sind; aber die wirtschaftliche Lebensfaehigkeit a l l e i n
genuegt n i c h t , um sich vor Aggressionen schuetzen zu koennen. Eine starke m i l i taerische Verteidigung i s t notwendig. Ohne fremde Hilfe koennen diese Laender
jedoch nicht eine a l l e n Angriffen gewachsene Verteidigung aufbauen, ohne ihren
Wiederaufbau dadurch betraechtlich zu verzoegern,•
Fuer das gegenseitige Verteidigungsprogramm forderte Praesident Truman 1,1
Billionen D o l l a r Ü u e r das Haushaltsjahr 1951. Br e r k l a e r t e , dass diese Forderung die frueheren Schaetzungen weit u e b e r t r e f f e , weil das neue Programm zur
nationalen Verteidigung, wie es im Gesetz zur nationalen Sicherheit (National
S e c u r i t y Act) niedergelegt i s t , e r s t spaet gesetzlich genehmigt wurde. Mr,
Truman empfahl Ausgaben in einer Hoehe von 13 Billionen D o l l a r , was den groessten Betrag i n seinem Budget d a r s t e l l t .
Fuer Soziale Sicherheit^
Der Praesident verlangte vom Kbngress die Finanzierung des Programms der
sozialen Sicherheit und e r k l a e r t e , dass etwa B% a l l e r beschaeftigen Personen
von diesem Plan e r f a s s t wuerden. Damit wuerde die Notwendigkeit einer Unterstuetzung aulsToeffentlichen Mitteln laufend r e d u z i e r t . Vor allem muessen a l l e

- 2 -

�Bauern, Lohnempfaenger und selbstaendigen Arbeiter erfasst werden. Die Unterstuetzungen muessen bedeutend hoeher und a l l e Personen auch gegen Arbeitsunfaehigkeit v e r s i c h e r t s e i n . Er forderte aufs neue eine Gesetzgebung, die die
bundesstaatliche Hilfe fuer o e r t l i c h e Gesundheitsdienste steigern und fuer d i e
medizinisehen und verwandten Schulen f i n a n z i e l l e Unterstuetzung vorsehen s o l l ,
um die Ausbildung zusaetzlichen, medizinischen Personals zu foerdern. "Um eine
Hauptluecke i n unserem System der sozialen Sicherheit zu s c h l i e s s e n , " sagte der
Praesident, "empfehle ich nochmals dringend, ein vernuenftiges System fuer im
voraus bezahlte Krank enversicherungsgelder .gesetzlich festzulegen. Es muss in
unser soziales Versicherungsprogramm miteinbezogen und in e r s t e r Linie von Arbeitgebern und Arbeitnehmers f i n a n z i e r t werden» •
Mr. Truman e r k l a e r t e , dass sich seine Forderungen fuer Zwecke der Sozialversicherung im Jahre I95I auf schaetzungsweise 271 Millionen Dollar belaufen,
die i n Form von Zuschuessen den einzelnen Staaten zuzuleiten waeren.
Wohnungsbau«
Er b e t o n t e , dass es notwendig s e i , mehr Wohnungen zu schaffen. Er forderte
die bundesstaatliehe Genehmigung von Unterstuetzungen fuer Genossenschaften und
anderen Gesellschaften, die ohne Gewinn an Bau- und Wohnungsbauprojekten a r b e i t e n .
Er v e r l a n g t e , dass die Bundesregierung fuer die technische Beratung der entstehenden Baugenossenschaften sorge und die entsprechenden Massnahmen zu i h r e r Finanzierung t r e f f e . Mit dem vom Kbngress im l e t z t e n Jahre verfolgten Grundsatz,
•ein anstaendiges Heim und eine passende Umgebung fuer jede amerikanische Familie
zu schaffen,« sei e i n guter Anfang gemacht worden. Wir muessten jedoch schnellstens daran gehen, diese Plaene zu verwirklichen. Er forderte fuer das gesamte
Wohnungsbauprogramm, . e i n s c h l i e s s l i c h Gemeinde- und Reinigungsarbeiten, insgesamt
1,3 Billionen D o l l a r .
Bessere Schulausbildung.
Fuer erzieherische Zwecke i n den verschiedenen Staaten belief sich die Forderung des Praesidenten fuer I951 auf 434 Millionen Dollar gegenueber 125 M i l l i o nen fuer 1950« ^Die Nation kann es sich nicht l e i s t e n , menschliche Faehigkeiten
und Kraefte zu vergeuden, wie wir es augenblicklich tun,* sagte e r , "indem wir
versaeuman, Millionen von Kindern i n Grund- und hoeheren Schulen auszubilden
und Hunderttausenden von jungen Menschen zu helfen, die durch eine bessere Schulausbildung vorwaertskommen koennten.•
Hilfe fuer den A r b e i t e r .
Mit der Forderung von 243 Millionen Dollar fuer das Programm der Arbeit im
Jahre I95I fuehrte der Praesident ausi "Die Plaene der Bundesregierung auf dem
Gebiet der Arbeit sind dazu bestimmt, den wirksamen Gebrauch unserer wichtigsten
produktiven Kraft zu foerdern, der Leistung des' amerikanischen A r b e i t e r s , mit
dem Endziel, eine hoehere Produktion und damit einen hoeheren Lebensstandard zu
e r r e i c h e n . " Er sprach sich fuer die Beibehaltung eines freien Arbeitsvermittlungsdienstes "fuer Industrie und Landwirtschaft a u s , fuer eine Versicherung gegen
den Totalverlust des Einkommens infolge zeitweiliger A r b e i t s l o s i g k e i t , und fuer
gerechte Normen der Arbeitszeit und -bedingungen, durch die ein Schlichtungsdienst bei i n d u s t r i e l l e n S t r e i t i g k e i t e n und ein Mittel gegen ungerechte Arbeitsverfahren gewaehrleistet wuerde. Er fuegte dem Haushaltsplan eine Million Dollar
zur Finanzierung uer Kommission fuer gerechte Beschaeftigungsbedingungen b e i ,
deren Schaffung er schon s e i t langem dem Kongress nahegelegt h a t t e . Er wiederholte seinen diesbezueglichen Vorschlag i n der heutigen Botschaft. Ferner
empfahl e r , den Staaten Unterstuetzungen fuer Programme der i n d u s t r i e l l e n Sicherh e i t zu gewaehren und wies darauf h i n , dass die Bundesregierung und die Staaten
j a e h r l i c h Millionen von Dollar fuer v e r l e t z t e Arbeiter ausgaeben. "Allein unser
gesunder Menschenverstand," sagte e r , "muesste uns veranlassen, a l l e s zur Verhinderung von Unfaellen zu t u n . •

- 3 -

•

�Seine Forderung zur Erv/ei terung des Arbeitsministeriums durch den r.ogenannten "Labor Extension Service", durch den die gesunden Wechselbeziehungen Arbeitnehmer-Arbeitgeber gefoerdert werden s o l l e n , schaetzte er fue.r. das könnende
Haushaltsjahr auf 3 Millionen D o l l a r .
. . . . . . . . . . . . . und Bauern»
Der Praesident erklaerte, dass die Preisunterstuetzung fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse ein wichtiger Faktor zur Verhinderung einer Nachkriegskrise der
gesamten Wirtschaft gewesen sei, zu einer Zeit, als der Uebergang von der Kriegszur Friedensproduktion eine Preissenkung fuer landwirtschaftliehe Produkte hervorgerufen hatte. Er nimmt jedoch an, dass eine Preisunterstuetzung fuer diese Waren
im kommenden Jahre weniger notwendig sei und verminderte deshalb fuer 1951 die
Budgetforderungen des Jahres 195° u"1 4^5 Millionen Dollar. Es handelt sich hierbei jedoch nur um Schaetzungen, da auch nur geschaetzt werden kann, ob und wieweit
eine Preisunterstuetzung notwendig sein wird» Er schlug vor, der "Commodity Credit
Corporation" weitere Anleihen zu bewilligen, wenn sie diese fordern sollte. Die
Erweiterung des ElektrifizierungsSystems auf dem Lande wird nach seinen Schaetzungen im Jahre 1951 Anleihen im Werte von 427 Millionen Dollar gegenueber 3$0 Millionen im Jahre 1950 erfordern. Der Praesident ersuchte ferner um die Bewilligung von
50 Millionen Dollar fuer das Programm zur Errichtung eines Telephonnetzes auf dem
Lande und fuer die Bodenerhaltung und Flussregulierung schlug er eine Erhoehung
der 64 Millionen Dollar fuer 1950 auf 68 Millionen fuer I951 vor.

JUGENDSSHPTZ DJ U,S.A.
WASHINGTON, 1. Dezember 19!$ (US Information Service) - Auf der l6, Nationalkonferenz der Arbeitsgesetzgebung wurde beute beschlossen, das Gesetz ueber Kinderarbeit zu foerdern, das ohne Ausnahme fuer alle Minderjaehrige n, die Lohnempfaenger sind, Gueltigkeit hat. Bs besagt, dass kein Jugendlicher beschaeftigt
werden darf, der nicht aerztlich untersucht und fuer die betreffende Arbeit fuer
tauglich befunden worden ist.
Vertreter aus 2jD Staaten, dem Distrikt Columbia, aus Alaska, HaTjai und Portoriko nehmen an dieser Konferenz teil, die hier die letzte ihrer 3-taegigen Sitzungen abhaelt.
Mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen fuer Minderjaehrige zu verbessern, billigte die Konferenz einstimmig die Eilt Schliessung ihres Sonderausschusses fuer
Kinderarbeit, die fuer jegliche Beschaeftigung waehrend der Schulzeit ein Mindestalter von 10 Jahren und fuer Beschaeftigung ausserhalb der Schulzeit ein
Alter von mindestens 14 Jahren vorsieht. In Fertigungs-, mechanischen und solchen Betrieben, in denen am laufenden Band hergestellt wird, duerfen Jugendliche
erst ab 16 Jahren beschaeftigt werden.
Minderjaehrige unter 18 Jahren duerfen hoechstens 8 Stunden pro Tag und
2,0 Stunden pro Woche arbeiten, Sie auerfen nicht laenger als 5 Stunden ununterbrochen ohne Mahlzeit oder Ruhepause beschaeftigt werden.
Die EntSchliessung verbietet die Arbeit von Jugendlichen unter 16 Jahren
zwischen sieben Uhr abends und sieben Uhr morgens, ausserdem untersagt sie Beschaef tigungen, die eine Gefahr fuer die Gesundheit, Moral oder die Sicherheit
des Jugendlichen unter 18 Jahren darstellen. Die Konferenz nahm auch den Vorschlag ihres Ausschusses fuer Arbeiter ohne festen Wohnsitz an, der zum Zweck
hat, die Arbeitsbedingungen und den Lebensstandard der Arbeiter zu verbessern,
die saisonbedingte Beschaeftigungen, wie zum Beispiel in der Landwirtschaft,
der Nahrungsmittelindustrie oder als Holzfaeller ausueben«
In einer Empfehlung der Konferenz wird ferner zum Ausdruck gebracht, dass
diese Arbeiter durch staatliche Gesetze zur Regelung der Mindestloehne und Lohnzahlungen geschuetzt werden muessen, damit sie einen festen Lohn als Rueckhalt

- - 4
«

�haben« der auch nicht b i s zum Ende der Saison einbehalten werden darf. Fuer Arb e i t e r ohne festen l o h n s i t z s t r e b t man ausserdem weitere Sicherheiten wie Arbeitslose nunterstuetzung, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung und Gesundheitsund Wohlfahrtsdienste a n .
Sin anderer Ausschuss der Konferenz (Ausschuss fuer i n d u s t r i e l l e Sicherheit
und Gesundheit) hat die Vorschlaege der Praesidentenkonferenz ueber i n d u s t r i e l l e
S i c h e r h e i t , die h i e r im Maerz dieses Jahres s t a t t f a n d , wieder aufgegriffen, die
besagen, dass Anstrengungen gemacht werden s o l l e n , um die Zahl der Unfaelle i n
der Industrie der Vereinigten Staaten im Laufe der naechsten zwei oder drei Jahre
um 1 Million zu reduzieren. Dieser Ausschuss r i e f die s t a a t l i c h e n und bundess t a a t l i c h e n Behoerden zur Zusammenarbeit auf, um durch die erforderliche Gesetzgebung oder Massnahmen dieses Ziel zu erreichen.

WALTER RBOTHER ZOR DEDTSCHIANDFRAGB.
Der Vorsitzende des U.S. Automobil Arbeiter Verbandes Walter Reuther besuchte
Berlin« a l s er gelegentlich der Gruendungskonferenz der neuen Gewerkschaftsinternationale i n Europa w e i l t e . In einem Radio Interview u n t e r b r e i t e t e er seine
Auffassungen der Berliner Arbeiterschaft, Da wir die Stellungnahme dieses jungen
und bedeutenden amerikanischen Arbeiterfuehrers von allgemeinem I n t e r e s s e h a l t e n ,
drucken wir s i e nachstehend fuer unsere Leser a b .
Herz,
Ansagers

Mr. Reuther, wir hoerten, dass Sie gerade am Köngress der freien Gewerkschaften in London teilgenommen haben und j e t z t zu einem kurzen Besuch
nach Deutschland gekommen sind, und nun sind Sie s e i t gestern Nachmittag i n Berlin» Mr. Reuther, was i s t der Zweck Ihres Berlin-Besuches?

Reuthert

Ich wollte eine Gelegenheit haben, die Berliner UGO an der Arbeit zu
sehen und kennenzulernen. Bei dieser Gelegenheit bin ich auch sehr
e r f r e u t , die Moeglichkeit zu haben, zu den Arbeitern der Sowjet-Zone
zu sprechen. Leider i s t aber mein Deutsch nicht so g u t , dass ich a l l e
Fragen hundertprozentig beantworten kann. Sie muessen deshalb mit dem
Dolmetscher sprechen«

Herzt

Mr. Reuther, wir freuen uns, dass Sie waehrend Ihres kurzen Aufenthalt e s in Berlin Zeit gefunden haben, zu uns zu konmen, und dass Sie selbst
gewuenscht haben, gerade von h i e r aus auch zu der Bevoelkerung i n der
sowjetischen Besatzungszone zu sprechen. Warum, Mr. Reuther, haben
Sie gerade diesen Wunsch?

Reuther.

Ich moechte zu der Bevoelkerung der Sowjet-Zone sprechen, weil ich s i e
der lebhaften Anteilnahme der maechtigen amerikanischen Gewerkschaften
an ihrem Schicksal versichtern moechte« Sie sollen wissen, dass wir mit
ihnen und a l l e n f r e i e n Laendern der Welt kaempfen werden, um sie endg u e l t i g von der sowjetischen Diktatur zu befreien, damit sie der Dinge
t e i l h a f t i g werden koennen, die das Glueck der freien Voelker auemachen. Wir i n der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sind uns darueber im k l a r e n , dass jedermann nur frei sein kann, wenn a l l e Voelker
der Erde f r e i sind« und deshalb i s t es mir ein Beduerfnis, mich an
die Arbeiter der Sowjet-Zone zu wenden und Sie wissen zu lassen, dass
wir mit ihnen kaempfen, und dass auch sie eines Tages ihre F r e i h e i t
wiedererlangen koennen«

Herzt

Mr, Reuther, das i s t eine sehr wichtige F e s t s t e l l u n g , die unsere
Hberer i n der Ostzone sehr begierig und sehr gerne hoeren werden. Sie
kommen j e t z t gerade aus England, von der Gruendungskonferenz des freien
Weltgewerkschaftsbundes. V i e l l e i c h t koennen Sie ganz kurz unseren
Hberern sagen, wie es zu dieser neuen Gruendung kommen musste«

-5-

�Reuthen

Der Londoner Gewerkschaftskongress s e t z t sich aus Vertretern von 83
Nationen der ganzen Welt zusammen. Diese freien Gewerkschafter sind
gekomaen, um einen neuen, f r e i e n , demokratischen Gewerkschaftsbund
zu b i l d e n , der a l l e f r e i e n Gewerkschaften der Welt miteinander i n
Verbindung b r i n g t . Wir wollen gemeinsam kaempfen und a r b e i t e n , um
eine Welt zu schaffen, in der die freien Arbeiter ein besseres leben
fuehren koennen. Wir werden gegen die Kommunisten kaempfen, weil
sie der Menschheit den Weg versperren, der zu frieden und F r e i h e i t
i n der Welt fuehrt. Angesichts der taeglichen Probleme der Arbeiter
der ganzen Welt wird unser Kampf nicht negativ sondern p o s i t i v s e i n ,

Herz.

Der neugegruendete f r e i e Weltgewerkschaftsbund i s t also gegenueber
dem bisherigen kommunistischen Weltgewerkschaftsbund i n einer aehnl i c h e n Situation wie die Berliner Unabhaengige Gewerkschaftsorganisation» die UGO, gegenueber dem FDGB i n der Ostzone und im Ostsektor
B e r l i n s . Es i s t doch nun s o , dass die UGO b e r e i t s i n London auch anwesend gewesen i s t , und dass ihre Arbeit aus diesem Grunde aus i h r e r
besonderen Erfahrung heraus v i e l l e i c h t besonders zu begruessen waere,

Reuthen

Die freien Gewerkschaften der ganzen Welt sahen sich i n ihrem Kampf
gegen die kommunistische Sabotage den gleichen Grundproblemen gegenueber wie die UGO i n B e r l i n , und wir Gewerkschafter Amerikas fuehren
denselben Kampf gegen die Kommunisten, die immer wieder versucht
haben, die Bemuehungen unserer Gewerkschaftsbewegung zur Unterstuetzung der Arbeiter zu sabotieren. Im Jahre 1946 haben die Arbeiter der
•General Motors", des groessten Unternehmens.Amerikas, i n einem v i e r monatigen Streik um ihre Rechte gekaempft. Und waehrend wir gegen
die "General Motors" kaempften, sabotierten die Kommunisten innerhalb
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung diesen S t r e i k . In den grossen S t a h l s t r e i k s setzten sich d i e Gewerkschaften der S t a h l a r b e i t e r
kuerzlich mit der "United S t e e l Corporation", der "Bethlehem S t e e l
Corporation" und anderen grossen Stahlunternehmen auseinander. Und
wieder sabotierte die kommunistische P a r t e i den Streik der Stahlarbeiter-Gewerkschaften gegen Wall S t r e e t und die Stahlkompanien,
Deshalb koennen wir auch genau die Art von Kampf, den die UGO i n
Berlin zu fuehren h a t . Und wir sind gluecklich, die drei Delegierten der UGO i n dem neuen f r e i e n , demokratischen Gewerkschaftsbund i n
London begruessen zu koennen* Sie sitzen dort mit Gewerkschaftsvert r e t e r n aus der ganzen Welt und arbeiten zusammen an gemeinsamen
Problemen und Rechten, die der f o r t s c h r i t t l i c h e n Entwicklung i n der
Welt dienen.

Herzt

Ich sehe a l s o , Mr. Reut her, dass i n Amerika die Kommunisten genau die
gleichen Methoden verfolgen, wie ueberall sonst auf der Welt, und i c h
sehe auch w e i t e r , dass Sie sehr gut wissen, wie es i n der Ostzone
h i e r zugeht. Wird die Entwicklung i n der sowjetischen Besatzungszone denn allgemein so aufmerksam verfolgt?

Reut her 1 Der Durchschnittsamerikaner weiss sehr v i e l von der Sowjet Zone und
es l i e g t den amerikanischen Arbeitern sehr v i e l daran, dass die Arb e i t e r der Ostzone auf a l l e moegliche Art u n t e r s t u e t z t werden, damit
sie ihre Probleme loesen und eines Tages ihre F r e i h e i t zurueckgewinnen koennen. Dann koennen s i e mit den uebrigen f r e i e n , demokratischen
Gewerkschaften am Frieden und der Sicherheit der Welt a r b e i t e n .
Herz.

Sie sagen a l s o , dass i n Amerika die sowjetische Besatzungszone keineswegs abgeschrieben i s t , Mr. Reuther. Leider besteht augenblicklich
gar keine M ö g l i c h k e i t einer wirklichen Hilfe fuer die Bevoelkerung i n

.6-

�der sowjetischen Besatzungszone, wie es in Westdeutschland j e t z t vor
allem durch den Marshall Plan moeglich i s t . Koennten Sie v i e l l e i c h t
i n diesem Zusammenhang noch sagen, wie die amerikanischen Gewerkschaften zu diesem grossen iiilf sprogramm fuer Europa stehen?
Reuther i

Die amerikaniscaen Gewerkschaften unterstuetzen den Marsuall Plan, und
es t u t uns l e i d , dass wir diese Kilfe nicht auf die Sowjet Zone ausdehnen koennen, wo die Bevoelkerung unter Hunger fcnd anderen Problemen zu
leiden h a t . Die Verantwortung hierfuer t r a e g t die russische Regierung,
die willkuerlich die Ostzone von der Hilfe abgeschnitten h a t , die die
amerikanischen Arbeiter und das amerikanische Volk der Sowjet Zone durch
den Marshall Plan zu l e i s t e n imstande waeren, und die ihre Not lindern
koennte. Ausserdem a r b e i t e n wir in London mit Vertretern f r e i e r E x i l gewerkschaftsgruppen der Sowjet Zone und der uebrigen Laender h i n t e r dem
Eisernen Vorhang zusammen, und wir werden a l l e s tun, was i n unserer
Macht s t e h t , um den Aufbau demokratischer und f r e i e r Gewerkschaftsgruppen
i n diesen Laendern zu foerdern und zu u n t e r s t u e t z e n , damit die Arbeiter
h i n t e r dem Eisernen Vorhang eines Tages b e f r e i t und in die Familie der
freien Gewerkscuaften der ganzen Welt aufgenommen werden koennen.

herzt

Nur noch eine Frage, Mr. Reuther: Die kommunistische Propaganda behaupt e t immer, die amerikanischen Gewerkschaften haben auf die Gestaltung
der wirtschaftlichen und politischen Verhaeltnisse Amerikas ueberhaupt
keinen E i n f l u s s . Sie kennen j a auch die Verhaeltnisse in der Sowjet
Union aus eigener Anschauung. Wie i s t es denn eigentlich mit der Einflussnahme und den Moeglichkeiten der sogenannten Gewerkscnaften im
Sowjetsystem, im Vergleich zu den Gewerkschaften i n Amerika?

Reutheri

Die Kommunisten propagieren i n grosser Aufmachung die Einflussnahme der
sowjetischen Gewerkschaften auf grundlegende Beschluesse der Regierung.
Tatsache i s t jedoch, dass sie ueberhaupt keine Moeglichkeit haben, ihren
Einfluss bei wichtigen Entscheidungen geltend zu machen. Ich besitze
mehr a l s nur theoretische Kenntnisse ueber die Sowjet Union und den
Einfluss der Gewerkschaften. Ich habe f a s t zwei Jahre in einer r u s s i schen Automobilfabrik i n Nischnij-Nowgorod g e a r b e i t e t , i n der das Ford
Modell A h e r g e s t e l l t wird. Und ich kenne genau den Einfluss und die
Macht der russischen Gewerkschaften, die n i c h t s mehr bedeuten a l s p o l i tische Betriebsorganisationen, mit deren Hilfe die Staatsbuerokratie,
die der Kontrolle des P o l i t Bueros u n t e r s t e h t , die Beschluesse des P o l i t
Bueros innerhalb der arbeitenden Klasse zur Ausfuehrung b r i n g t . Wenn
wir i n Amerika unsere Loehne fuer zu niedrig h a l t e n , schalten sich die
freien Gewerkschaften ein und wir koennen mit dem Unternehmer verhandeln. Wir koennen s t r e i k e n , um unseren Forderungen Nachdruck zu verl e i h e n . In der Sowjet Union sieht es ganz anders a u s , denn die Gewerkschaften sind machtlos. Wenn i n einer Fabrik, i n der ich i n Russland
beschaeftigt war, der P a r t e i s e k r e t a e r der Kommunistischen P a r t e i , den
Gewerkschaftssekretaer e r s u c h t e , die Forderungen der Arbeiter rueckgaengig zu machen, b e e i l t e sich der Gewerkscnaftssekretaer, diesem Ersuchen unverzueglich nachzukommen. Denn die Gewerkschaften Russlands
sind keine Gewerkschaften. Es sind s t a a t l i c h e Einrichtungen, denen die
Durchfuehrung der buerokratisehen EntSchliessungen des Staates unter den
Arbeitern o b l i e g t , und ich kann nur sagen, dass die Kommunisten bewusst
eine Propaganda t r e i b e n , die nur den Zweck bftt, die arbeitende Klasse an
der Nase herumzufuehren. Wenn Sie die russische Automobilfabrik kennenlernen koennten, i n der ich gearbeitet habe, und wenn es Ihnen moeglich
waere, die Satzungen und den Einfluss i h r e r Gewerkschaften mit denen
zu vergleichen, wie wir sie i n D e t r o i t , i n den "General Motors*, i n
den Chrysler Werken oder bei Ford vorfinden, dann koennten Sie diesen
Unterschied wie zwischen Tag und Nacht sehen, den Unterschied zwischen
den freien Arbeitern i n Amerika, die wirkliche p o l i t i s c h e und w i r t schaftliche Macht haben, und den Arbeitern der Sowjet Union, die sich
der s t a a t l i c h e n Buerokratie zu fuegen haben,in der die Gewerkschaften

- 7 -

�nichts mehr als Dekorationen sind, unfaehig, den Einfluss des Arbeiters bei irgendeiner wichtigen Entscheidung geltend zu machen.
Herzt

Herr Reuther, ich glaube angesichts des dichten PropagandaSchleiers,
den die kommunistische Propaganda dauernd ueber alle Gebiete legt,
auf die sie Einfluss hat, war es sehr noetig, dass Sie das einmal
gesagt haben, und ich bin sicher, dass Ihre Worte gerade die arbeitende Bevoelkerung in der Sowjet Zone sehr interessiert haben.

Beutheri

Ich hoffe, dass ich eines Tages Gelegenheit finden werde, einer Gewerkschaft skonferenz beiwohnen zu koennen, in der ich zu den nun in
der sowjetischen Zone lebenden Arbeitern sprechen kann. Im naechsten
Sommer werden die Automobilarbeiter eine Tagung veranstalten, und wir
hoffen, dort alle Automobilarbeiter der Welt vertreten zu sehen.
Nichts waere uns lieber, als Vertreter von jenseits des Eisernen Vorhangs anzutreffen und ihnen die Unterschiede zwischen den Verhaeltnissen der freien Arbeiter diesseits des Eisernen Vorhangs und ihren
eigenen vor Augen zu fuehren. Die Vertreter der Automobilarbeiter
hinter dem Eisernen Vorhang werden jedoch im naechsten Sommer nicht
zugegen sein, weil ihre Herren es ihnen nicht erlauben werden, und
weil sie nicht Mitglieder freier Gewerkschaften sind.

Herzt

Unsere Hoerer in der Ostzone werden sehr erfreut sein, Sie am Mikrophonkennengelernt zu haben. Mr. Reuther, haben Sie die Absicht, bald
wieder einmal nach Deutschland zu kommen und dann direkt in der Sowjet
Zone zu sprechen?

Reuther t Ich hoffe, im Fruehjahr 1950 wieder in Berlin zu sein, und wenn eine
Moeglichkeit besteht, im befreiten Mitteldeutschland zu sprechen, werde ich es tun. Im Namen aller Arbeiter in den Vereinigten Staaten
gruesse ich die Arbeiter in der Sowjetischen Zone.

ENGLISCHE SCHNEIDER BERICHTEN UEBER AISERIKANISCHB PRODUKTIONSLEISTUNG.
Die Produktionsleistung in vielen Herren-Bekleidungsfabriken der Vereinigten Staaten ist im allgemeinen hoeher als in der gleichen Industrie in England.
Diese Feststellung wird in einem vorlaeufigen Bericht getroffen, der von der 8.
englisohon Productivity Team in Washington veroeffentlicht wurde. Diese Gruppe
hatte die Vereinigten Staaten unter der Schirmherrschaft des Anglo-Amerikanischen Produktivitaetsrates, der Marshall Plan Verwaltung und der englischen
Regierung zum Studieren der Produkt!vitaet besucht.
In dem Bericht werden als Ursachen fuer die Erfolge in der amerikanischen
Produktionsleistung folgende Faktoren angefuehrtt hohe Akkordpraemien, die in
gegenseitiger Vereinbarung von Gewerkschaften und Unternehmern festgesetzt
werden, eine relativ grosse Anzahl erfahrener Arbeitskraefte, die Anwendung
zusaetzlicher und zu besonderen Zwecken geeigneter Maschinen, der hoehere Grad
der Standardisierung und die guten Beziehungen zwischen Arbeiterschaft und
Unternehmern.
Bei einer Pressekonferenz in New York gab spaeter ein Arbeitermitglied der
Gruppe, Francis G. Mulligan, von Beruf Schneidereibuegler, einen zusaetzlichen
Kommentar und erklaerte, dass die amerikanischen-Arbeiter mehr Minuten pro
Stunde an der Arbeit sind als die Arbeiter Englands, weil sie wissen, dass Produktionssteigerung mehr Lohn bedeutet. Er sagte t
•Wir wissen, dass Tausende von Arbeitern in der amerikanischen Bekleidungsindustrie von Uebersee in dieses Land kamen. Es lag ihnen daran, moeglichst
schnell das Buergerrecht zu erwerben. Damit machten sie sich die amerikanischen

- 8 -

�Ideen zu eigen und versuchten, als Ihre Mitbuerger zu denken und zu leben.
Heute finden wir 3ie in anstaendigen Wohnungen in guten Vierteln ihrer Staedte
und Gemeinden« Ihre Haeuser sind aussen und innen gut gepflegt. Sie besitzen
moderne Kuechen mit elektrischen Kuehlschraenken und anderen Einrichtungen* die
zu guten Lebensverhaeltnissen gehoeren. Sie haben eigene Wagen und genuegend
Treibstoff und Freizeit, um zu reisen, wohin es ihnen beliebt,
•Die Kosten all dieser Dinge koennen nach Arbeitsstunden und Sonderleistungen berechnet werden, durch die eine Mehrproduktion von Bekleidungsstuecken
und Einzelteilen fuer Herrenbekleidung ermoeglicht wird. Alles was sich ein
amerikanischer Arbeiter wuenscht, und was nach seinen Begriffen zum taeglichen
Leben gebeert, kann er zu einem bestimmten Preis kaufen; deshalb arbeitet er
lange und schwer genug, un in den Besitz dieser Ware gelangen zu koennen. Meiner Meinung nach ist dies eine bedeutende Ursache fuer die hohe Produktionsleistung hier in den Vereinigten Staaten, •
Mulligan erklaerte, dass er besonders von den ausgezeichneten Beziehungen
zwischen Arbeiterschaft und Unternehmern in den von der Gruppe besuchten Fabriken beeindruckt sei.
•Erst nach langem Kampf ist es den einzelnen Gruppen gelungen zu erkennen,
dass sie gegenseitige Interessen haben. Und wenn eine neue Maschine eingesetzt wird, die mehr Bekleidungsstuecke herstellt, dann teilen sich Arbeitgeber
und Arbeitnehmer in den zusaetzlichen Gewinn, der daraus entsteht.
•Es ist besonders bemerkenswert, dass festgesetzte Praemien fuer Stueckarbeit unbedingt eingehalten werden muessen. Auch wenn ein amerikanischer Arbeiter viel mehr produzieren kann, als man bei der Festsetzung der Tarife erwartet hatte, muss ihm dennoch der volle Betrag seines erworbenen Lohnes ausbezahlt werden. Praemien fuer Stueckarbeit koennen nicht ohne die Zustimmung
der Gewerkschaft gekuerzt werden.•
Mulligan erklaerte, dass weder er noch andere Mitglieder der Gruppe den
Eindruck haetten, man habe in der amerikanischen Herrenbekleidungsindustrie
die Qualitaet zugunsten der Quantitaet vernachlaessigt. "Wir waren angenehm
ueberrascht, feststellen zu koennen, dass trotz der Massenproduktion die Qualitaet ihrer Waren hinter der unsrigen nicht zuruecksteht," sagte er.
•Das handwerklicheEöannen ist bei Ihnen sehr gut. Die maschinelle Ausrüstung Ihrer Betriebe ist, im ganzen gesehen, weit moderner als bei uns.
Die Beaufsichtigung ist ausreichend. Das Ergebnis ist Bekleidung hoher Qualitaet, die wir, offen gesagt, hinter Ihrem System der Massenproduktion tragfertiger Kleidung nicht vermutet haetten.•

EGA Labor Information
7, Dezember l9i#

tlü^aiALLMAN'! BAROMETER.
Die Marshallplan Verwaltung gab bekannt, dass mehr a l s e i n Fuenftel der im
Monat Oktober fuer den europaeischen Wiederaufbau b e w i l l i g t e n Waren und Dienstl e i s t u n g e n Maschinen und Ausruestungen waren.
Der Gesamtwert der den l6 Marshall Plan Laendern Westeuropas im Monat Oktober zum Einkauf bewilligten Waren b e l i e f sich\auf 109.200.000 D o l l a r , sodass
die gesamten Bewilligungen b i s zum 3 1 . Oktober 7.O85.400.OOO Dollar ausmachten.
Die b i s zum 22. November genehmigten Waren haben einen Wert von 7 »380.500,000
Dollar,
Die gesamten, fuer Oktober bewilligten Dollarbetraege setzen sich wie folgt
zusammen! Lebensmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse 5 8 « 3 0 0 « 0 0 0 D o l l a r ,
- 9 -

�oder ungefaehr 53 %; gewerbliche Gueter 47«500»000 Dollar, oder nahezu 44 %;
und Schliff gerächten 3.300.000 D o l l a r , oder etwa 3 %,
Die zum Einkauf von Maschinen und Ausmästungen bewilligten Dollarbetraege
im Oktober betrugen 23,500,000 D o l l a r . Fast die Haelfte dieser Betraege,
11.400,000 D o l l a r , war fuer Frankreich bestimmt und folgendermassen v e r t e i l t 1
3.200,000 Dollar fuer Industrie-Maschinen, e i n s c h l i e s s l i c h Bueromaschinenj
2,200,000 Dollar fuer Bau- und Bergwerksausruestungenj 1,500,000 Dollar fuer
landwirtschaftliche Zugmaschinen; 1,400,000 Dollar fuer Wasserkraftmaschinen
und Turbinen; 1,200,000 Dollar fuer Werkzeugmaschinen; und der Rest fuer
Metallbearbeitungs-Maschinen, e l e k t r i s c h e Ausruestung, landwirtschaftliche
Mabihinen ausser Traktoren, Generatoren, Motore und Traktoren fuer nicht-landwirtschaftliche Zwecke.
Andere Laender, d i e im gleichen Monat Bewilligungen fuer Maschinen und Ausr ü s t u n g e n e r h i e l t e n , waren« Belgien-Luxemburg mit 6.900,000 D o l l a r , davon 3
Millionen fuer Industrie-Maschinen; Norwegen mit 3»900,000 D o l l a r , nauptsaechl i c h fuer Industriemaschinen, Bau- und Bergwerksausruestungen und I t a l i e n mit
2,9 Millionen fuer Metallbearbeitungs-Maschinen, mit Ausnahme von Werkzeugmaschinen .
Die zweitgroesste Warengruppe bei den Oktober-Bewilligungen war Baumwolle,
e i n s c h l i e s s l i c h Rohbaumwolle, Baumwollabfall und Linters im Werte von insgesamt
20,900,000 D o l l a r . Hiervon e r h i e l t England 3^,2 Millionen D o l l a r . Ferner e r h i e l t e n Einkaufsbewilligungen fuer Baumwollet Belgien-Luxemburg* 3 Millionen
Dollar, und Holland, 2,100,000 D o l l a r ,
Weitere Gesamtbetraege an Guetern, die im Oktober b e w i l l i g t wurden, warena
14,500»000 Dollar fuer F l e i s c h , von denen 12,2 Millionen auf England e n t f i e l e n ;
3,800,000 Dollar fuer F e t t e und Oele, davon 2,6 Millionen, fuer Sojaoel, das an
Westdeutschland g e l i e f e r t wurde; 3*4 Millionen Dollar fuer Brotgetreide, davon
2,8 Millionen fuer Weizen fuer Norwegen; 4t5 Millionen Dollar fuer Rohoel und
Petroleumerzeugnisse, davon 3 , 1 Millionen Dollar fuer Irland und 9,9 Millionen
fuer Tabak, wovon 8,1 Millionen fuer England bestimmt waren,
ECA Information

GEWERK3CHAFTSFÜNK EINES NSW-YORKER SENDERS.
Etwas Neuartiges auf dem Gebiete der gewerkschaftlichen Beziehungen zur
Oeffentlichkeit hat i n New-York seinen Anfang genommen. Jeden Abend um 6,15
Uhr wird der Oeffentlichkeit i n einer Sendung einer kleinen Gruppe von Gewerkschaften (darunter auch der Bezirk 15 des Internationalen Metallarbeiter
Verbandes) ueber die Rundfunkstation WFDR von 'gewerkschaftlichen Problemen
und Taetigkeiten b e r i c h t e t ,
Joe Michaels, Nachrichtenredakteur des WFDR, hat die Leitung dieser Gewerkschaft ssendung. Die Gewerkschaften greifen jede Woche e i n Aufgabengebiet
aus ihrem Taetigkeitsbereich heraus, wie zum Beispiel Beschwerdeverfahren,
bezahlter Urlaub, schiedsrichterliche Schlichtung, Mitbestimmung, usw. An
aufeinanderfolgenden Abenden berichten die einzelnen Gewerkschaften von i h r e r
Arbeit auf dem betreffenden Gebiet, In der e r s t e n Woche war Beschwerdeverfahren Gegenstand der Sendungen,
Die Sendung des Internationalen Metallarbeiter Verbandes findet Mittwochs
abends s t a t t , Sie wird von Michaels mit folgenden Warten eroeffnetj
"Hier
i s t Joe Michaels mit den Nachrichten, die Ihnen der Internationale Metallarbeit e r Verband im Dienste fuer d i e Oeffentlichkeit u e b e r m i t t e l t . Dieser Verband
i s t eine anerkannte amerikanische Gewerkschaftsvereinigung, die sich fuer ein
besseres Amerika e i n s e t z t , *
- 10 -

�Nach den einleitenden Worten und dem geschaeftlichen Teil erklaert der
Ansager von WFDR, warum ein Arbeiter 1 auf seine Gewerkschaft angewiesen i s t ,
wenn er eine Beschwerde durchbringen will«
•unsere Grossvaeter arbeiteten gewoehnlich in kleinen Werkstaetten, in
denen Jeder Jeden kannte. Wenn sie eine Beschwerde vorzubringen hatten, gaben
sie diese ihrem Chef persoenlich. Die Zeiten haben sich jedoch g e a e n d e r t . , . . .
Bs i s t heutzutage moeglich, dass der Mann oder die Frau i n einem Betrieb n i e mals oder nur einmal im Jahr ihren Arbeitgeber s e h e n . . . . . . . . . In solchen Faellen muessen sich die Gewerkschaften einschalten. Wie s i e das tun, davon berichten wir i n einem spaeteren Abschnitt unseres Programms."
Nach den Nachrichten erklaert der Ansager Schritt fuer S c h r i t t , wie der
Bezirk 15 des Metallarbeiter Verbandes bei Beschwerden seiner Mitglieder i n
Gross New-York verfaehrt, und wie die gerechte Behandlung von Beschwerden
nicht nur dem Gewerkschaftsmitglied, sondern auch dem Arbeitgeber und dem ganzen Volke dienlich i s t « ,
Auf dieselbe Art und Weise berichteten in dieser ersten Woche die Gewerkschaften der Bueroange s t e l l t e n des ünzelhandels, der Seefahrer u.a. ueber ihre
Taetigkeiten, und warum sie sich mit den Beschwerden ihrer Mitglieder befassen«
•Wir konzentrieren uns auf das einfache ABC der Gewerkschaft, um das
scheinbar nur sehr wenig Leute, die ausserhalb dieser Bewegung stehen, wissen,*
erklaerte Hartley Samuels von WFDR gegenueber einem Vertreter dieser Zeitung.
(•The !.'ACRTNIST"). »Wir glauben, dass die an diesen Sendungen beteiligten
Gewerkschaften mithelfen, nicht nur ihre eigenen Beziehungen zur Oeffentlichk e i t , sondern die der gesamten Gewerkschaftsbewegung zu verbessern.'
"The Machinist* (Woechentliches
Organ des Internationalen
Metallarbeiter Verbandes)
8. Dezember 1949

MODERNER SrOEKUNGSSÜCHER.
R u s s e l l Arthus Powles, Freileitungs-Obermonteur bei der Transformatorens t a t i o n Ipswich, hatte durch einen einstuendigen Flug zusammen mit einem Arbeiter der D e t r o i t Bdison Company i n D e t r o i t , Michigan, G e l e g e n h e i t , p e r s o e n l i c h
die Arbeitsweise e i n e s Stoerungssuchers kennenzulernen.
Mr. Powles h a t t e e r f a h r e n , dass d i e s e Company i n D e t r o i t e i n 2-Passagier
Flugzeug e i n s e t z t , um damit Freileitungsstoerungen oder -brueche zu suchen,
monatliche Pruefungen vorzunehmen, zerbrochene I s o l a t o r e n oder andere Fehler
f e s t z u s t e l l e n . Kr a e u s s e r t e daraufhin den Wunsch, das Flugzeug bei der Arbeit
sehen zu koennen. Die Company ermoeglichte e s Mr. Powles, den P i l o t e n auf

einem seiner Stoerungssuchfluege zu begleiten.
•Bevor ich den Flug antrat, bezweifelte ich die Wirksamkeit dieser Methode,
d i e , wenigstens fuer unsere Industrie, etwas ganz Neues d a r s t e l l t , * berichtete
Mr. Powles, a l s er mit der Besuchergruppe in New York ankam, um von dort am
10. Dezember die Heimreise nach England anzutreten. "Nachdem ich jedoch einen
Flug hinter mir habe, kann ich berichten, dass das Flugzeug tatsaechlich wirksam a r b e i t e t . Es hatte sehr gute Ergebnisse zu verzeichnen«"
Mr. Powles erklaerte ferner, dass "der Bericht der Produktivitaetsgruppe,
der zu Anfang naechsten Jahres erscheinen wird, Vorschlaege zur schnelleren

-11

.

�Behebung von Stoerungen an Freileitungen oder Ausruestung enthalten wird,*
Die Besuchergruppe besteht aus 32 Mitgliedern, die aus der englischen
Industrie der Stromerzeugung, Stromverteilung und Transmission kommen« . Es
ist das neunte Team, das auf Veranlassung der britischen Regierung, des AngloAmerikanisehen Produktivitaetsausschusses und der Marshall Plan Verwaltung
die Vereinigten Staaten besucht.

BGA Labor Information

-12 -

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

QFFICIAL

�internationale
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I I - 2£

Frankfurt, 2 0 . Januar I950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Amerikanische Briefmarke zu Ehren Gompers1 - - - - - Hoehere Produktion durch hoehere Kaufkraft — - - - Macht und F o r t s c h r i t t der daenischen Gewerkschaften - V e r e i n h e i t l i c h t e s t a t i s t i s c h e Methoden i n Buropa? • - Leon Jouhaux - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - AFL warnt vor f a l s c h e n Erklaerungen - - - - - - - - - - 1

1
2
3
5
7
2

AMERIKANISCHE BRIEFMARKE 233 BHREN GOMPERS'.
(Washington) - Der Generalpostmeister Jesse M. Donaldson hat d i e Herausßabe einer
neuen 3 Cent-Briefmarke zur Erinnerung an den 1 0 0 . Geburtstag Samuel Gompers',
d e s Gruenders und e r s t e n Praesidenten des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL, genehmigt*
Die Briefmarke wird zum erstenmal i n Washington, D . C . , verkauft werden, und
zwar am 2 7 . Januar 1950, dem 100» Jahrestag der Geburt Mr. Gompers' i n London,
Ueber Groesse, Farbe und Aufdruck der Marke wird spaeter b e r i c h t e t werden.
Wahrscheinlich wird aie d i e Groesse der "beruehmten amerikanischen" Serien haben
und Mr. Gompers' P o r t r a i t t r a g e n .
Die Herausgabe d i e s e r Briefmarke wurde von dem Praesidenten der AFL William
Green und dem Finanzsekretaer George Meany im Auftrag e i n e s AFL Komitees veranl a s s t , das aus Anlass des 1 0 0 , Geburtstages Gompers1 g e b i l d e t wurde.
Praesident Truman u n t e r s t u e t z t e d i e s e Forderung, d i e e i n e von 400 Gesuchen
fuer Erinnerungsbriefmarken fuer I950 d a r s t e l l t . Der Praesident war der A n s i c h t ,
d a s s , wenn nur eine Erinnerungsmarke i n diesem Jahre herausgegeben wuerdei der
Mann geehrt werden s o l l t e , der die AFL gruendete, das d a u e r h a f t e s t e , a e l t e s t e
und g r o e s s t e nationale Gewerkschaftszentrum i n der amerikanischen Geschichte.
E i n z e l h e i t e n ueber den Verkauf am e r s t e n Tage und die entsprechende Stempelung werden noch bekanntgegeben werden.
AFL Weekly News S e r v i c e
- 1 -

�HQEHBHB SOIUKTION DJRCH HOEiilRE

Produktion
Jndex
1935-1939*100

KJJFKRAFT.

Löhne u.6ehälter
i

.240-1- 4

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1

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(inBillion
Dollar)

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..Sept.iÖ49i)
(^In Dollar na^dejn St and von

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1949

Diese Skizze veranschaulicht einen bedeutenden E r f o l g der Gewerkschaften.
Die Kaufkraft der Arbeiter Amerikas (obere L i n i e ) konnte t r o t z des a l l g e meinen Geschaeftsrueckganges beibehalten werden. Die Gewerkschaften haben nicht
nur Lohnkuerzungen verhindert, sondern s i e haben darueberhinaus Lohnerhoehungen
e r z i e l t * durch d i e das Gesamteinkommen der Arbeiter Amerikas um Hunderte von
M i l l i o n e n Dollars erhoeht wurde. Waehrend d i e Lebenshaltungskosten von September 19^8 b i s Februar 1949 niedriger wurden, s t i e g die Kaufkraft der Arbeiter
l e i c h t an*
Die Produktion (untere L i n i e ) ging von Oktober 1948 b i s J u l i 1949 stark
zurueck, da d i e Verkaufslaeden keine Auftraege mehr gaben, sondern z u e r s t d i e
a l t e n Bestaende verkauften.
Die Arbeiter hatten jedoch Geld und kauften w e i t e r , und durch diese starke
Nachfrage nach Waren waren d i e Laeden bald gezwungen, neue Waren von den Fabriken anzufordern. Die Produktion i s t s e i t J u l i stark a n g e s t i e g e n , und das Geschaeft hat s i c h wieder e r h o l t . Anfang Dezember waren f a s t a l l e unternehmen,
die g e s c h l o s s e n h a t t e n , wieder i n B e t r i e b .
I n den e r s t e n 10 Monaten von 1949 hat die AFL Lohn- und andere Forderungen
fuer etwa 5 M i l l i o n e n Arbeiter durchgesetzt und damit nicht nur zur Wohlfahrt
der A r b e i t e r , sondern auch zur Wiederbelebung der Wirtschaft b e i g e t r a g e n . Ihre
Arbeit i s t a l s o dem ganzen Lande zugute gekommen.
A r t i k e l aus Labor*s Monthly Survey,
erschienen i n AFL Weekly News Service
2 . Dezember 1949
- 2 -

�MACHT UND PORSCHRITT DER DAENISCHEN GEWERKSCHAFTEN.
E i l e r J e n s e n , d e r P r a e s i d e n t des Daenischen Gewerkschaftsbundes,
s p r a c h a l s Gast vor dem 6 8 . Gewerkschaftskongress d e r AFL. Wir
geben h i e r w i c h t i g e Auszuege aus s e i n e r Rede w i e d e r .
Gegen Ende d e s J a h r e s 1948 umfasste der Daenische Gewerkschaftsbund 72
Gewerkschaften m i t rund 625*000 M i t g l i e d e r n . Das h e i s s t , j e d e r s i e b e n t e Bewohner - vom S a e u g l i n g b i s zum G r e i s - oder j e d e r V i e r t e im A l t e r von 18 b i s zu
60 J a h r e n gehoeren dem Daenischen Gewerkschaftsbund a n .
Glued-clicherweise i s t u n s e r e Bewegung niemals a u s r e l i g i o e s e n oder n a t i o n a l e n Grueaden a u f g e s p a l t e n gewesen. Wir sind uns b e w u s s t , d a s s d i e s e i n e r
d e r Gruende war, weshalb d i e Deutschen waehrend der Besetzung Daenemarks von
1940 b i s 1945 n i c h t mit Gewalt gegen d i e d a e n i s c h e Gewerkschaftsbewegung v o r gegangen s i n d ; i h r e Waffen waren vielmehr L i s t und Durchdringung, d i e I h r e n
Zweck jedoch g a e n z l i c h v e r f e h l t e n .
I n Norwegen war e s a n d e r s , w e i l d i e Gewerkschaftsfuehrer wegen d e r offenen
F e i n d s e l i g k e i t e n i n diesem Lande f l i e h e n mussten; und d i e Nazis g r i f f e n die Gewerkschaftsbewegung h e f t i g a n . Schweden b l i e b e b e n f a l l s von d i e s e n Uebergriffen
verschont.
Haben Macht und E i n f l u s s der daenischen Gewerkschaftsbewegung zugenommen?
Hat d i e s e Bewegung e i n e Aenderung der w i r t s c h a f t l i c h e n Bedingungen d e r a r b e i t e n den Klasse b e w i r k t ? Waehrend wir f r u e h e r nur unser Z i e l d a r i n s a h e n , d i e Kett e n a b z u t u n , d i e uns a n g e l e g t waren, koennen wir uns heute f r a g e n , ob e s t a t s a e c h l i c h gelungen i s t , - oder schon 1939 gelungen war, - w e s e n t l i c h e Verbesserungen u n s e r e r L e b e n s v e r h a e l t n i s s e zu e r z i e l e n .
Auf dem daenischen Gewerkschaftskongress im Jahre 1937 f u e h r t e der darial i g e A r b e i t s m i n i s t e r , Th. S t a u n i n g , i n s e i n e r Rede u . a . a u s i
•Der Lebensstandard der o r g a n i s i e r t e n A r b e i t e r i n Daenemark, gemessen an
d e r Kaufkraft e i n e s S t u n d e n l o h n e s , d u e r f t e von allgemeinem I n t e r e s s e s e i n . So
muss zum B e i s p i e l e i n A r b e i t e r fuer e i n e n Anzug 70 Stunden a r b e i t e n , fuer d i e
Monatsmiete e i n e r Wohnung etwa 40 Stunden, f u e r e i n Pfund B u t t e r 1 S t u n d e , e i n
Pfund Zucker ungefaehr 4 Minuten und fuer e i n Paar Schuhe rund 10 Stunden.
•Was wir h e u t e mit dem E r l o e s e i n e r A r b e i t s s t u n d e an B u t t e r oder Brot
kaufen koennen, k o s t e t e im J a h r e 1872 v i e r Stunden A r b e i t . F e r n e r h i n z u z u f ü gen sind d i e k u e r z e r e A r b e i t s z e i t und d i e s o z i a l e Gesetzgebung fuer U n f a l l - ,
I n v a l i d e n « , S o z i a l - und A r b e i t s l o s e n v e r s i c h e r u n g , f u e r K i n d e r w o h l f a h r t , U n t e r s t ü t z u n g der Kinder von Witwen, d e r B l i n d e n , Taubstummen, usw.
Qawerkschaf t e n im D i e n s t d e s ganzen V o l k e s .
Eine Verbesserung der w i r t s c h a f t l i c h e n und k u l t u r e l l e n Lage der arbeitend«
Klasse k a m t d e r gesamten d a e n i s c h e n Nation z u g u t e .
Die d a e n i s c h e n Gewerkschaften haben t a t s a e c h l i c h g r o s s e s o z i a l e und n a t i o n a l e Aufgaben g e l o e s t . &gt;
Im Handwerk, der I n d u s t r i e und t e i l w e i s e auch im Handel und T r a n s p o r t wesen sind gemeinsame P r o d u k t i o n s a u s s c h u e s s e g e b i l d e t worden«
Unsere Zusammenarbeit mit Skandinavien h a t s i c h a l s sehr w e r t v o l l e r w i e s e n . Wir s t e h e n s t a e n d i g i n enger Verbindung m i t den Gewerkschaftszentren
Norwegens, Schwedens und F i n n l a n d s und u n t e r h a l t e n a e h n l i c h e Beziehungen zu
dem i s l a e n d i s c h e n N a t i o n a l z e n t r u m .

- 3 -

�Wir sind mit dem Internationalen Arbeitsamt und seinen i n d u s t r i e l l e n Auss c h ü s s e n eng verbunden und haben einen Vertreter in der daenischen Delegation,
die an der Jahresversammlung der Vereinten Nationen teilnimmt.
Hinsichtlich der i n t e r n a t i o n a l e n , gewerkschaftlichen Zusammenarbeit denken
und empfinden die skandinavischen Gewerkschaften - und auch die der anderen
demokratischen Laender Europas - genau wie ade. Es i s t uns deshalb eine grosse
Freude, in der im Entstehen begriffenen, neuen internationalen Gewerkschaftsorganisation mit a l l e n bedeutenden Gewerkschaften Amerikas vereinigt sein zu
koennen.
Die daenischen Gewerkschaften haben immer danach g e t r a c h t e t , die Loehne zu
verbessern, ohne sich jedoch auf ein bestimmtes Preisniveau festzulegen. Wir
waren immer der Ansicht, dass uns i n steigendem Masse unser Anteil an den angenehmen Dingen des taeglichen Lebens gesichert werden muss. Wenn durch technischen F o r t s c h r i t t m a t e r i e l l e oder k u l t u r e l l e Gewinne e r z i e l t werden, - ob es
sich um Fahrraeder, Strassenbahnen, Autos, Telephon, Radio, Gruenanlagen, oeffentliche Baeder, Schwimmbaeder, bessere Haeuser mit modernen Einrichtungen,
Schulen, Buecher, Zeitungen, usw. handelt - dann verlangen wir unseren Anteil
daran.
Stueckarbeit s e t z t sich durch.
Unternehmer und Arbeiter Daenemarks erkennen, dass Stueckarbeit b i s zu
einem gewissen Grade v o r t e i l h a f t i s t , und die Haelfte a l l e r Arbeiter i n Daenemark werden heute i h r e r Leistung entsprechend bezahlt. Der Arbeiter kann durch
persoenliche Anstrengung sein Einkommen erhoehen. Sie a l l e i n genuegt jedoch
n i c h t . Werkzeuge, Ausruestungen und die Organisation der Werkstaetten muessen
modernisiert werden. Die daenischen Gewerkschaften haben schon immer die
grosse Bedeutung dieser Forderung erkannt.
Wir waren s t e t s an dem Verhaeltnis von Loehnen zu Preisen i n t e r e s s i e r t .
Gegen Preissteigerungen sind wir deshalb besonders auf der Hut. Wir haetten
gerne einen feststehenden Preisindex - oder einen fallenden} wenn die Produkt i o n s l e i s t u n g sich s t e i g e r t , muessen auch die Löhne erhoeht werden. Wir haben
zwei Vertreter im Preis-Index^Ausschuss, der sich mit Fragen des Verbrauchs und
der Kalkulation des Preisindexes b e f a s s t .
Eines der Ziele der daenischen Gewerkschaftsbewegung i s t , dass die Gewinne
gerecht v e r t e i l t werden. Wir sind deshalb lebhaft daran i n t e r e s s i e r t , dass
unter unserem Einfluss s o z i a l p o l i t i s c h e Massnahmen getroffen werden, denen
a l l e Klassen unterworfen sind.
•
Die Gewerkschaftsbewegung kann •ihre Probleme nicht a l l e i n lasen. Sie muss
mit der Regierung zusammenarbeiten. Wir muessen uns die Notwendigkeit einer
f i n a n z i e l l e n ünterstuetzung gewisser hilfebeduerftiger Industrien vor Augen
halten.
Viele Gewerkschaftler sind Mitglieder des daenischen Parlaments und beeinflussen die Gesetzgebung zugunsten der Arbeiter.
Wir sind s t o l z darauf, dass Ihr Praesident Franklin Roosevelt Mind andere
Staatsmaenner in der Krisenzeit von 1930 die daenische Sozialgesetzgebung stud i e r t haben, und dass viele unserer sozialen Grundsaetze von Ihrem Lande uebernommen worden sind.
Die daenischen Arbeiter sind sich v o l l der Tatsache bewusst, dass hoehere
Produktionsleistung fuer einen hoeheren und besseren Lebensstandard von ausschlaggebender Bedeutung i s t . Wir haben schwer g e a r b e i t e t , um uns vom Krieg und
seinen Folgen zu erholen, und die Produktionsleistung pro Mann und Stunde hat
sich s e i t Kriegsende 19 A5 v^ 20JK erhoeht. Sie hat damit t r o t z zahlreicher
Schwierigkeiten den gleichen Stand wie vor dem Kriege e r r e i c h t .

-

4-

�Die Wieäergesundung unseres Landes i s t durch die grosszuegige H i l f e , die
uns die Vereinigten Staaten i n Form des Marshall Planes z u t e i l werden l a s s e n ,
aufs hoechste beschleunigt worden. In fuenf Jahren der Besetzung gingen unsere
Vorxaete zur Neige und die verbrauchten Maschinen könnten n i c h t durch neue e r setzt werden. Dank dem Marshall Plan war es uns moeglich, die Luecke i n
unseren Vorraeten wieder aufzufuellen und die maschinelle Ausruestung zu e r neuern.
Der Hauptgrund unseres Besuches i s t , von Ihnen zu lernen, wie Sie die
Produktion planen und a l l e technischen Moeglichkeiten ausnutzen. Auch moechten
wir herausfinden, welche Stellung der Mensch a l s Faktor i n der hohen Produktiv i t a e t i n Arierika einnimmt.
Gewerkschaften Daenemarks und Marshall Plan.
Die daenische Gewerkschaftsbewegung s e t z t sich ueberall fuer eine wirksame
Verwendung der Marshall Hilfe e i n . Wir sind durch unsere Mitglieder bei a l l e n
Aucschuessen und Raeten v e r t r e t e n , sei es i n Kopenhagen oder P a r i s , und wir
arbeiten aufs engste mit der daenischen Arbeiterregierung zusammen*
Die daenische Regierung wird weitgehendst von dem Mann auf der Strasse unt e r s t u e t z t , und ich moechte hinzufuegen, dass die Kommunisten heute kein Problem
mehr fuer uns in Daenemark bedeuten. Wenn wir die Vollbeschäftigung aufrechterhalten koennen, dann sind wir der Ansicht, dass dieses Problem auch i n Zukunft
nicht mehr auftauchen wird. Der Kommunismus koennte nur dann zur Gefahr werden,
wenn A r b e i t s l o s i g k e i t unser Land bedrohen sollte»
Die Gewissheit, dass* die Marshall Hilfe i n ausreichendem Masse noch einige
Jahre f o r t g e s e t z t wird, i s t fuer unsere Zukunft wichtig. Die Kuerzung, die wohl
das Ergebnis von Besprechungen im Kongress i s t , wird in unserem Lande und i n
den uebrigen Teilnehmerstaaten fuehlbar werden; noch wichtiger i s t jedoch
wahrscheinlich, wie die Entwicklung der Dinge i n der Zeit b i s 1952 verlaufen
wird. Wir waren sehr gluecklich, in Veroeffentlichungen verantwortlicher Gewerkschaf tsfuehrer dieses Landes lesen zu koennen, dass die amerikanischen
Arbeiter den Marshall Plan v o l l unterstuetzen und volles Verstaendnis fuer
unsere Prot lerne haben«
Unsere kleine Gruppe i s t h i e r , um zu lernen und Gedanken mit unseren amerikanischen Freunden auszutauschen, und wir sind dankbar, dass uns diese Gelegenheit dank I h r e r Hilfe und Gastfreundschaft geboten wurde«
• Das, was Sie fuer ganz Europa getan haben und tun, - besonders fuer unser
eigenes Land, - e r f u e l l t uns mit Dankbarkeit. Dies i s t ein sehr wichtiger
S c h r i t t auf dem Wege zur allgemeinen Verstäendigung zwischen a l l e n freien Voelkern. Der daenischen Gewerkschaftsbewegung war inner sehr v i e l an diesem gegens e i t i g e n Verstehen gelegen.
«International Free Trade Union News
Dezember 1949

VEREINHEITLICHTE STATISTISCHE METHODEN IN EUROPA?
Die Marshall Plan Verwaltung gab heute bekannt, dass auf dem Gebiet der
internationalen Zusammenarbeit ein neues Projekt in Angriff genommen worden
i s t , durch die die a r b e i t s s t a t i s t i s c h e n Methoden verbessert und ihre Vergleichbarkeit gefoerdert werden s o l l . Zu diesem Zwecke werden V e r t r e t e r von zehn
Marshall-Plan-Laendern im Rahmen des Programms zur Technischen Unterstuetzung
eine Studienreise nach den Vereinigten Staaten unternehmen. Das Projekt i s t
von der Marshall Plan Verwaltung genehmigt worden und s o l l von der Organisation

�fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Buropa (GEBC) u n t e r s t u e t z t werden. Dadurch wird europaeischen S t a t i s t i k e r n die Moeglichkeit geboten, die Arbeitsmethoden des S t a t i s t i s c h e n Bueros im TB Arbeitsministerium kennenzulernen. Sie werden
Vorteile der amerikanischen Methode der Sammlung und Auswertung s t a t i s t i s c h e r
Angaben studieren. Hauptzweck i h r e r Studie i s t , die s t a t i s t i s c h e Arbeit i n den
Marsha 13-Plan Laendern zu verbessern und das B e r i c h t e r s t a t t e n zvi Vergleichszwecken ueber Lebenshaltungskosten, Beschaeftigung, A r b e i t s l o s i g k e i t , Loehne,
A r b e i t s z e i t und Produktionsleistung zu e r l e i c h t e r n .
Laut OEEC wuerde durch dieses Projekt den MarshalL-Plan-Laendern geholfen,
ihre W i r t s c h a f t s s t a t i s t i k e n zu vergleichen und ihre s t a t i s t i s c h e n Untersuchungen
besser auszuwerten, um die Ursachen der Schwankungen im Produktivitaetsstand
der verschiedenen Nationen e r m i t t e l n zu koennen. Die S t a t i s t i k e r werden nach
i h r e r Rueckkehr nach Buropa der OEEC und ihren eigenen Regierungen Bericht e r statten.
Von zustaendigen S t e l l e n der BGA wird e r k l a e r t , dass in dem Antrag der
GEEC bezueglich d i e s e s Projektes der Wunsch zum Ausdruck gebracht wird, dass sich
die MarshalL-Plan-Laender zu gesunden inter-europaeisehen Wirtschaftsmethoden
bekennen und sich dabei nicht von individuellen, nationalen Ueberlegungen l e i ten lassen moegen, die ihren Wiederaufbau nur verzoegerten.
Voraussichtlich werden sich folgende Laender an dem Projekt b e t e i l i g e n !
Oe st erreich
Bundesrepublik Deutschland
Norwegen
Belgien
Schweden

Daenemark
Italien
Bngland
Frankreich
Holland

Die S t a t i s t i k e r , die die Vereinigten Staaten besuchen werden, werden i n
mindestens 3 Gruppen e i n g e t e i l t . Die e r s t e Abordnung s o l l Ende dieses Monats
und die beiden anderen Gruppen voraussichtlich im April und Juni in den Staaten
ankommen. Der Aufenthalt jeder Gruppe wird 3 Monate dauern.
Folgende 11 S t a t i s t i k e r aus 4 Laendern bilden die e r s t e Delegation!
Englara

(^

Dr. L, Rostas, Board of Trade, (Handelsministerium)
Dr. T. B. Easterfield, Department of Scientific and Industrial Research,
(Amt fuer Wissenschaftliche und Industrielle Forschung)
A. M. Cassie, Electrical Research Association,(Gesellschaft fuer Elektrische
Forschung)
A. D. Murray, Boot and Shoe Research Association, (Gesellschaft fuer Forschung in der Schuh- und Stiefelindustrie)
Mr. Norris, Ceramics Research Association, (Forschungsgesellschaft der
Keramischen Industrie)

Schweden (l)
Marianne Kristina Gustavsson, Assistant to Office Chief of Swedish Royal
Social Board, (Assistentin des Chefs des Koeniglichen Sozialrates Von
Schweden)
Erik Harald Ruist, Actuary in Swedish I n s t i t u t e for I n d u s t r i a l , Social and
Econordc Research, (Aktuar im Schwedi sehen I n s t i t u t fuer I n d u s t r i e l l e ,
Soziale und Wirtschaftliche Forschung)
, Arne Gustav Henrikson, Business Economist with Confederation of Swedish
Trade Unions, (Geschaeftsoekonome im Schwedischen Gewerkschaftsbur ,v

�Paenemark (2)
Flemming Otto Branth Claussen, Head Technical Department Federation of
Danish I n d u s t r i e s and Secretary Danish National Committee of S c i e n t i f i c
Management, (Chef der Technischen Abteilung des DaeniBchen Industrieverbandes und Sekretaer des Daenischen Nationalkomitees fuer Wissenschaftliche Betriebsleitung)
Hans Niels Skade, Head of Section i n Danish S t a t i s t i c a l Department,
(Leiter einer Unterabteilung des S t a t i s t i s c h e n Amtes i n Daenemark)
Norwegen (J,)
Sven Fredrik Brenna, Secretary Central Bureau of S t a t i s t i c s , (Sekretaer
im Zentralbuero fuer S t a t i s t i k )
Die Ausgaben der ECA fuer die e r s t e Gruppe, e i n s c h l i e s s l i c h Reise und
Lebensunterhalt ( belaufen sich schaetzungsweise auf 12j.»500 D o l l a r .
Telegramm des U.S. Aussenministeriums
10. Januar I950

LEON JOUHAUX,
Als Leon Jouhaux im Jahre 1945 v o n Buchenwald nach Frankreich zurueckkehrt e , fand er ein Land vor, das dem Ruin nahestand, dessen Arbeiter f a s t am Verhungern waren, und dessen Gewerkschaften unter kommunistischem Binfluss standen«
Die •schoenen Zeiten" der Kollaboration waren fcrueber, und die Kommunisten
hatten nach der Befreiung des Landes keine Zeit verloren, aus dem Untergrunde
aufzutauchen| ihre Funktionaere gingen schleunigst daran, sich i n den Reihen
des franzoesisehen Gewerkschaftsbundes (CGT) festzusetzen. Trotzdem uebernahm
Leon Jouhaux, der alternde franzoesische Arbeiterfuehrer, wieder seine Stellung
a l s Generalsekretaer der CGT, die er f a s t i;0 Jahre lang innegehabt h a t t e . Und
e r ging an die Arbeit«
Wie so viele andere Gewerkschaf tsfuehrer der demokratischen Icender h a t t e
er gehofft, zum allgemeinen Wohl der Arbeiter ein Zusammenarbeiten mit den
Kommunisten armoeglichen zu koennen. Er wusste, dass ihm ein schwerer Kampf
bevorstand. Die franzoesisehen A r b e i t e r , die Soldat gewesen waren, fanden
nicht die Vorrechte v o r , die den amerikanischen Soldaten bei seiner Heimkehr
erwarteten. Jenen waren Hunger und schwere Arbeit beschieden. Was die Kommun i s t e n versprachen, klang den verzweifelten und hungrigen Menschen wie Musik
in den Ohren. Die reaktionaeren Kraefte waren jedoch auf keinen F a l l t o t , Es
war wichtig, die Arbeiterschaft zuerst zu einigen«
Jouhaux versuchte es zwei Jahre lang. Aber so wie Russland bei den Vereinten Nationen einen Plan nach dem andern durch sein Veto zun Scheitern bracht e , so taten es auch seine franzoesi sehen Marionetten i n der CGT, Jouhaux's
Anhaenger hatten allmaehlich genug, und s i e drohten damit, aus der CGT auszut r e t e n . Er bat s i e , zu warten und immer wieder nach einer Verstaendigung zu
suchen.
Als der Aussenminister Marshall im Juni 1947 i n der weitentfernten Harvard
Universitaet in schlichten Worten von •einem Plan zur Unters tue tzung der Selbsth i l f e Europas" sprach, e r b l i c k t e Frankreich einen Hoffnungsstrahl h i e r i n .
Jouhaux und mit ihm viele andere Gewerkschaf tsfuehrer Europas dankten Gott
fuer diese Chance«

-7 -

�Er ging mit neuem Hut an die Arbeit, um die Arbeiterschaft auf einer Strasse
zu vereinigen, die sie aus dem Unglueck herausfuehren sollte, und die man ihnen
schon lange versprochen hatte. Die franzoesisehen Kommunisten zoegerten und
warteten auf die Weisungen Moskaus. Ihre Antwort auf dem Kongress der CGT im
November lautete» "Nieder mit dem Marshall Plan." "Bin WalL-Street Trick, um
die ueberschuessigen Waren Amerikas loszuschlagen! • "Komplott des Grosskapitals
zur Kolonisierung Frankreichs»•
Die franzoesi sehen Arbeiter waren verwirrt. "Was ist dast Marshall Plan?"
fragten sie sich gegenseitig. Die Kommunisten waren in allen lokalen Gewerkschaften mit Antworten schnell zur Handt "Es ist ein Plan, der Buch um Sure
Arbeit bringt. Sin Plan, der unser Land mit amerikanischen Waren ueberschwemnwi
wird und Euch zu Sklaven der auaerikanisehen Geldgier macht.»
Die Anhaenger Jouhaux's waren empoert. "Wir werden nur dann die Wahrheit
durchsetzen koennen, wenn wir unsere eigene Gewerkschaft bilden," beteuerten
sie. Wieder riet ihnen Jouhaux, sich zu gedulden«
•Wenn wir sie verlassen, gehen uns alle Vorteile einer Organisation verlöten, die wir selbst aufgebaut haben," sagte er, "und wir muessen ganz von vorne
anfangenj kein Buero, kein Finanzbuero, keine Zeitung, nichts. Es ist klueger,
von innen her fuer die Wahrheit zu kaempfen.•
Ende November kamen neue Befehle von Moskaui "Vollstaendiger nationaler
Streik, bevor es zu spaet ist," Die franzoesisehen Arbeiter wurden gezwungen,
die Bergwerke, Eisenbahnen und die Industriebetriebe zu verlassen. Jouhaux
fuegte sich in das ünabaenderliche. Als seine demokratischen Kollegen im Dezember beschlossen, "von ganz vorne wieder anzufangen" und einen franzoesisehen
Gewerkschaftsbund zu gruenden, der frei von kommunistischem Einfluss sein soll,
schloss auch er sich ihnen an und wurde ihr Praesident.
Heute steht Leon Jouhaux mit 70 Jahren an der Spitze der jungen, aber wachsenden "CGT-Force Ouvriöre". Um Jouhaux zu kennen, muss man die Geschichte der
alten CGT kennen, dejön die Geschicke beider sind in den Annalen der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung unentwirrbar miteinander verflochten.
Jugendjahre.
•Der General", wie er schon Jahre lang von den ihn verehrenden franzoesisehen
"Arbeitern genannt wird, wurde am 1. Juli 1&amp;79 i&amp; Paris geboren. Als Sohn einer
grossen-, armen Arbeiterfamilie wurde er schon in seiner Jugend mit den sozialen
Ungerechtigkeiten vertraut. Als er zwoelf Jahre alt war, traten die Arbeiter
der Zuendholzfabrik in dem Vorort Aubervilliers, zu denen auch sein Vater, seine
Schwester und sein Schwager gehoerten, in den Streik. Der kleine Leon war gezwungen, seine Studien aufzugeben und in einer anderen Fabrik zu arbeiten, um
seiner Familie helfen zu koennen.
Jouhaux studierte des Nachts, bestand die Aufnähmepruefung einer der
schwierigsten Ingenieurschulen und konnte schliesslich wieder zu seinen Bueehern
zurueckkehren. Seine Schullaufbahn verlief glaenzend. Seine Lehrer sahen fuer
ihn eine grosse Zukunft als Ingenieur. Aber noch einmal, nach Ablauf von zwei
Jahren, war er gezwungen, die Schule zu verlassen, um dieses Mal in der gleichen
Fabrik zu arbeiten, in der auch seine Angehoerigen beschaeftigt waren«
Der junge Student las begierig alles, was in seinen Bereich kam« Er schloss
sich Diskussionsgruppen an und befasste sich eingehend Jnit der Philosophie des
kleinen Mannes. Seine Gewerkschaft war es jedoch, die ihm zum erstenmal wirklich
Gelegenheit bot, seine Energie und sein schoepferisches Talent unter Beweis zu.
stellen. Asl ein Sekretaer fuer den Ortsverband gesucht wurde, schlug Papa Jouhaux, ein Gewerkschafter mit Leib und Seele, seinen Sohn vor, der "auf der Schule
gewesen war." Und so wurde Leon, - bereits Gewerkschaftsmitglied aber zum Funktionaer zu jung - mit 16 Jahren •halb-amtlicher" Ptotokollfuehrer bei Sitzungen.
- 8 -

�Gruendung der CGT.
Ipi gleichen J a h r e , 1095 t wurde auf einer bedeutenden Tagung i n Limoges,
Frankreich, die CGT i n s Leben gerufen. Franzoesische Gewerkschafter, die der
nutzlosen S t r e i k s muede geworden waren, beschlossen, sich i n e i n e r nationalen
Union zusammjinzuschliessen« Niemand konnte zu jenem Zeitpunkt ahnen, dass der
Knabe von A u b e r v i l l i e r s zum Fuehrer und Beschuetzer dieser jungen Organisation
im ganzen Verlaufe i h r e r beweiften Entwicklung werden wuerde. Aber Leon Jouhaux
trug b e r e i t s den Stempel eines Mannes, der dazu berufen i s t , Menschen zu fuehren«
Als er von seinem 1-jaehrigen M i l i t a e r p f l i c h t d i e n s t zurueckkehrte, wurde er
zum Sekretaer des Nationalen Verbandes der Zuendholzmacher gewaehlt und wurde damit Mitglied des Nationalen Komitees der CGT, So entstand eine Verbindung, die
i n seinem Leben zu einem beherrschenden Faktor werden s o l l t e *
Zu jener Zeit waren die Gewerkschaften auf der ganzen Welt im Anwachsen beg r i f f e n , und Regierungen und p o l i t i s c h e Parteien versuchten, diese wachsende Bedrohung i h r e r Machtstellung im Zaume zu halten oder zu b e s e i t i g e n . Im Jahre 1906
berief die franzoesische CGT eine denkwuerdige Sitzung i n Amiens e i n . Die Arbeit e r stimmten dort fuer die beruehmte ^Charta von Amiens 1 , in der proklamiert wurd e , dass die CGT sich auf k e i n e r l e i p o l i t i s c h e Beeinflussung oder Bevormundung
einlassen wuerde« Dieses Prinzip b i l d e t e den Grundpfeiler der P o l i t i k der CGT,
a l s Leon Jouaaux im Jahre I908 zum erstenmal zum nationalen Funktionaer gewaehlt
wurde. Zs s o l l t e den Kommunisten einen S t r i c h durch i h r e wiederholten Versuche
machen, die CGT zu einem Werkzeug des Politbueros zu erniedrigen.
Jouhaux an dar Spitze der CGT«
Nach einem Jahr a l s Finanzsekretaer wurde Jouhaux zum Generalsekretaer gewaehlt» Seine e r s t e Amtszeit hatte seinen Anhaengern bewiesen, dass s i e ihren
Mann gefunden h a t t e n . Fast v i e r Jahrzehnte lang wurde e r Jahr fuer Jahr wiedergewaehlt«
Von Anfang an war Jouhaux lebhaft an der internationalen Gewerkschaftsbewegun/
i n t e r e s s i e r t und wurde bald zu einem ihrer bedeutendsten Fuehrer« Im Verlauf des
Krieges war er immer mehr davon ueber'zeugt, dass e i n gerechter Friede auch die
endgueltigen Rechte der Gewerkschaften der ganzen Welt sichern musste« I9I9 bot
sich ihm die Moeglichkeit, seine Ueberzeugung i n die Tat umzusetzen« Als Frankr e i c h s Vertreter bei dem SoziaL-Ausschuss des Friedensvertrages t r a f er mit dem
l e t z t e n Samuel Gompers, dem Praesidenten des amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL zusammen« Diese beiden grossen Fuehrer, die einzigen Gewerkschaftsvertreter,
die anwesend waren, waren gemeinsam bemueht, den beruehmten •Artikel 1 1 " des
Friedensvertrages, der zur internationalen Charta der Gewerkschaften werden s o l l t e ,
zu inspirieren« Dieses grundlegende Dokument, das das Recht der arbeitenden Menschen e n t h a e l t , sich zum Zwecke der F r e i h e i t , des sozialen F o r t s c h r i t t e s und der
Gerechtigkeit zusammenzuschliessen, b i l d e t e den Schluesselsteln der Internationalen
Arbeitsorgarisation«
Als einer der Gruendungsvaeter der Internationalen Arbeitsorganisation begann
Jouhaux seinen unaufhoerlichen Kampf fuer i n t e r n a t i o n a l e Sozialgesetzgebung, um
der Ausbeutung der Arbeiter ein Ende zu b e r e i t e n . Im Voelkerbund s e t z t e er sich
von neuem a l s Mitglied des wirtschaftlichen Beratungsausschusses fuer d i e Arbeiter
e i n , indem e r sich bemuehte, i n t e r n a t i o n a l e Plaene fuer oeffentliche Arbeiten zu
entwerfen, um den Menschen in rueckstaendigen Gebieten Beschaeftigungsmoeglichkeiten zu verschaffen«
Im Kampf geilen Kommun? TMR 11 f T f 1111
Die Zeit von 1920 brachte an der nationalen Front S t r e i t und Unruhe mit
s i c h . Von der Geburtsstunde der bolschewistischen Revolution an hatten die Kommunisten wie ein summendes Nest von Moskitos versucht, ihre Fuehler i n den Gewerkschaftsreihen Frankreichs sowohl a l s auch i n den uebrigen Laendera auszustrecken«

9 -

�Mehrmals zerdrueckt und unfaehig, in ihrem Mutterlande Blut zu saugen, f l a t t e r ten die franzoesisehen Kommunisten 1922 aus der CGT heraus, um sich der Roten
Internationale Moskaus anzuschHessen»
Diese vielgepriesene Gewerkschaft geb bei der Loesung i h r e r Probleme jedoch
nur traurige Beweise ihrer Befaehigung. In ihren Tiraden v e r e i n i g t konnten die
Kommunisten hoechstens versuchen, sich gegenseitig auszuschreien. Wieder und wieder baten sie den EseJcutivrat der CGT# sie wieder i n ihren Reihen a l s eine selbstaendige Gruppe aufzunehmen. Doch Jouhaux e r k l a e r t e ihnen immer wieder, dass
die CGT nicht nach der "Befehl-vom-Bauptquartier-Moskau" Theorie handeln wuerde,
und dass nur die Lokalgewerkschaften EntSchliessungen treffen koennten. Und wieder und wieder beriefen sich d i e Arbeiter auf ihren Gewerkschaftskongressen auf
die "Charta von Amiens" und verweigerten den Kommunisten die Rueckkehr.
« « . . « « . » . » . » . • »und Faschismus»
Im Jahre 1934 tauchte jedoch eine neue Gefahr auf - eine Gefahr, die den
Bestand der franzoesi sehen Republik gefaehrdete. "Die Feuerkreuze* mit dem franzoesischen Faschisten, Colonel de la Roque, an der Spitze tauchten sozusagen
ueber Nacht auf, um, wie sie offen zugaben, das Parlament zu stuerzen. Die Einigk e i t der Arbeiterschaft wurde zur dringenden Notwendigkeit. In Frankreich und
vielen anderen demokratischen Staaten erkannten Liberale und Kommunisten die Notwendigkeit, gemeinsam gegen die wachsende Gefahr des Faschismus Front zu machen»
So nahm die CGT im September I935 die Kommunisten wieder in ihre Reihen auf
unter der Bedingung, dass sie sich den Anordnungen der CGT fuegten» Auf der Konvention von Toulouse im Maerz I936 e r h i e l t e n s i e zwei von den 8 S i t z e n im Exekut i v r a t dieser nationalen Koerperschaft» Einer ihrer beiden Mitglieder war
Benoit Frachon, der heutige Seknetaer der kommunistischen CGT»
Bluetezeit.
Das folgende Jahr brachte den franzoesisehen Arbeitern die Belohnung. Die
faschistischen Bestrebungen wurden unterdrueckt, und an ihre S t e l l e t r a t die
langerwartete Volksfront-Regierung unter der Fuehrung des Sozialisten Leon Blum.
Dieser Zeitabschnitt war der Himmel auf Erden fuer die Arbeiter Frankreichs»
Die s e i t langem e r s t r e b t e n Reformen - f r e i e Tarifverhandlungen, soziale S i c h e r h e i t , Krankheitsgelder - wurden endlich durchgefuehrt• Fast ueber Nacht wuchs
die Mitgliederzahl der CGT von eineinhalb auf sechs Millionen an. Die langersehnte Vereinigung der l i b e r a l e n Elemente im Interesse des kleinen Mannes schien
zu guter Letzt in dem Kampf gegen den Faschismus zur Wirklichkeit geworden zu s e i n .
Der zweite Weltkrieg.
Da kam der Pakt Russlands mit Hitler und fuehrte einen vernichtenden Schlag
gegen diese E i n h e i t . Die franzoesisehen Kommunisten, v o e l l i g unvorbereitet,
stutzten» Einige t r a t e n voll Ueberdruss aus der P a r t e i a u s . Die anderen schlössen jedoch die Augen und wandelten tastend auf dem a l t e n Wege w e i t e r .
Von dem Augenblick a n , a l s der Pakt im Jahre I939 unterzeichnet wurde, b i s
zu seiner Rueckkehr aus deutscher Gefangenschaft, ungefaehr 8 Jahre spaeter, sah
Jouhaux niemals Benoit Frachon, Die Kommunisten verschwanden i -&gt;n der Oberflaeche.
Ma^ d r o h t e , diejenigen, die s i c h offen zum Verrat Moskaus beto .mten, einzusperren,
und so begnuegten sich die Kommunisten damit, Gruppen von Kb"..aboratoren i n verborgenen Zusammenkuenften aufzuhetzen. Waehrend des schweren Janres 1940 beschwatzten sie die franzoesi sehen A r b e i t e r , um sie dem faschistischen Joch gefuegig zu
machen. Ihre Untergrundzeitung, "La Vie Ouvriere" war weitverbreitet und v i e l gelesen. Wie anders war die Melodie, die ein paar Monate spaeter gesungen werden
s o l l t e 1 Inzwischen h a t t e der Chef der Kollaboratoren, Marshall P o t a i n , die CGT
auf deutschen Befehl hin aufgeloest. Die f r e i e Gewerkschaftsbewegung ganz Frankr e i c h s war damit gezwungen, zur Untergrundbewegung zu werden»

-10-r

�Tag und Nacht bei der Arbeit, organisierten Jouhaux und diejenigen, die
ihm Beistand l e i s t e t e n , von Anfang an den Widerstand. I n Juni I94I brach H i t l e r
in Russland s i n , aber e r s t ein Jahr spaeter hoerten die im Kampfe stehenden Gewerkschafter wieder von den Kommuni s t e n . Aber natuerlich noch nicht von Frachon,
Er war sorgf a e l t i g verborgen, aber ein Bote ueberbrachte die Aufforderung zur
•Einheit gegen den Faschismus». Vorhaben, d i e dem Wohle der Allgemeinheit dienen
konnten, wurden durchgefuehrt, aber inzwischen hatte Jouhaux b e r e i t s den offenen
Widerstand gegen die Deportation franzoesischer Arbeiter nach deutschen Arbeitslagern o r g a n i s i e r t . Seinen Bemuehungen i s t es zu verdanken, dass Geld erhoben
wurde, um sie verstecken und fuer ihre Familien sorgen zu koennen. Das Ergebnis
war, dass Leon Jouhaux nach wiederholten Verhaftungen mit etwa 15«000 demokratischen Fuehrern der CGT im Jahre 1943 nach Deutschland d e p o r t i e r t v/urde. Die
Kommunisten blieben zum groessten T e i l im Land, um einen Untergundkrieg zu kaempfen - und um im r i c h t i g e n Moment b e r e i t zu sein, - zu uebernehmen , #
Leon Jouhaux kaempft weiter.
Die Nachkriegsversuche, die Einigkeit der Arbeiterschaft t r o t z der kommunistischen Machenschaften zustandezubringen, i s t ein Kapitel in der Gejachichte der
CGT. auf das Leon Jouhaux stolz i s t . Nachdem er jede Moeglichkeit erschoepf t
h a t t e , ojine vor der kommunistischen P a r t e i kapitulieren zu muessen, fing er im
Alter von 70 Jahren a l s Fuehrer der Force Ouvriere von vorne a n , e r , der ein
Leben Land gearbeitet h a t . Diese Organisation i s t noch k l e i n , aber sie waechst»
Und der Griff der kommunistischen Klauen um die o r g a n i s i e r t e franzoesische Arbeiterschaft beginnt sich zu loesen.
Dank i h r e r Staerke s p i e l t die Force Ouvriere b e r e i t s eine i n t e r n a t i o n a l e
R o l l e . Leon Jouhaux iot Mitglied des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses des
Marshall Planes. Dieses Komitee wurde I948 i n London gegruendet und i s t der Organisation fuer Europaeische Wirtschaftliche Zusammenarbeit angeschlossen, der
Kberperschaf t , die den Vermittler der Maraballl-Plan-Laender im Europaeisehen
Wiederaufbau Programm d a r s t e l l t . Ausserdem findet Jouhaux noch Z e i t , a l s P r a e s i dent des Nationalen Wirtschaftsrates zu fungieren, eine Organisation, die sich
aus V e r t r e t e r n von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammensetzt und nach dem
Kriege gegruendet wurde, um die franzoesische Regierung i n f a s t a l l e n Angelegenh e i t e n , die d i e nationale Wirtschaft b e t r e f f e n , zu beraten.
Heute i s t der Marshall Plan zur Wirklichkeit geworden, und, - was die Kommunisten befuerchteten, - Frankreich macht staendig F o r t s c h r i t t e im Wiederaufbau. Der fxanzoesische Arbeiter hat b i s j e t z t jedoch nur gsnig Nutzen aus dieser
Entwicklung gezogen. Ein Land kann nicht ueber Nacht aus wirtschaftlichem Ruin
wiederaufgerichtet werden.
Waehrend Frankreich klugerweise versucht, den Wert der Rohstoffe anzuerkennen, die ihm von dem Marshall Plan g e l i e f e r t werden, und die es b e n o e t i g t , um
seine Industrien ueber Winter in Gang halten zu koennen, weiss der franzoesische
Arbeiter nur', dass d i e Dinge zwar nicht ganz so schlecht wie im l e t z t e n Jahre
l i e g e n , e r aber trotzdem immer noch a r b e i t e n , und sogar noch schwerer a r b e i t e n
muss. V i e l l e i c h t wird er etwas Kohle fuer diesen Winter kaufen.koennen, seine
lj.0 Dollar pro Monat muessen jedoch stark gestreckt werden, um seine Familie e r naehren, bekleiden und sichern zu koennen. Was man auch a l l e s vom Marshall
Plan erzaeh2.en mag, der Arbeiter weiss nur, dass ihm niemand etwas gibt—dass
er fuer jeden Franc arbeiten muss. Die Tatsache, dass das Material, mit dem
er a r b e i t e t , nur mit Geldern des Marshall Plan3 in seine Haende gelangt, i s t
fuer ihn nicht l e i c h t zu verstehen. Und doch I s t die Versorgung mit diesen
Materialien,, die auf eine andere Art nicht beschafft werden koennen, heute die
Lebensader des.wirtschaftliehen Lebens Frankreichs.
«

Es i s t nicht l e i c h t , dem franzoesisehen Arbeiter seine S i t u a t i o n zu erklaer e n , besonders deshalb, weil die Kommunisten 3 Zeitungen haben und die Force
- 11 -

�Ouvriere nur einej ausserdem verfuegen sie ueber einen grossen Verwaltungsapparat
und genuegend Geldmittel, um eine grosse Zahl vollbeschaeftigter Organisatoren bezahlen zu koennen. Die Wahrheit wird sich jedoch zur Oberflaeche durchringen,
weil Jouhaux und die Force Ouvriere weiterkaempfen*
ECA Labor Information
H.I2.I949
AFL WARNT VOF W&amp;Mi

BPttTAERONGEN.

William Green, der Praesident der AFL, gab in. Washington folgende Erklaerung
abj "Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL unterstuetzt den Marshall Plan mit
a l l e n Mitteln und t u t a l l e s , was zum erfolgreichen Gelingen dieses Planes getan
werden kann und muss«
•Wenn eine Wiederbelebung des Handels innerhalb eines vereinigten Europas
zur Foerderung des Marshall Planes notwendig i s t , dann i s t d i e AFL b e r e i t , a l l e s
zu tun, was i n ihren Eraeften s t e h t , um diesem Vorhaben* zum Erfolg zu verhelfen.
Ein Aufleben des Handels i n einem vereinigten Europa haengt von vielen Dingen a b .
Mit Verstaendnis und Planung muss diese Aufgabe in Angriff genommen werden« Es
i s t nicht gesagt, dass sich ein Programm i n ungerechter Weise zum Nachteil irgendeiner Schicht der amerikanischen oder europaeischen Bevoelkerung auswirken muss.
"Und wenn eine Organisation das Recht h a t , die R i c h t l i n i e n , die die AFL befolgte auszuarbeiten und zu g e s t a l t e n , dann i s t es die AFL selbst und keine andere
Organisation« Ich hoffe, dass sich die Arbeiterschaft Europas nicht durch Verlautbarungen oder Entschliessungen verwirren l a e s s t , die von irgendeiner anderen
Organisation stammen koennten und Plaene, Richtlinien und Ziele der AFL betreffen.
••Der Amerikanische Gewerkschaftsbund i s t der festen Ueberzeugung, dass Handelsbeziehungen zwischen den U.S.A. und anderen Laendem auf einer gesunden,
freundschaftlichen und gut fundierten Grundlage basieren muessen. Dieses Ziel
kann dadurch e r r e i c h t werden, dass man sich eingehend mit den bereitstehenden
Handelsbeziehungen der verschiedenen Nationen der Welt b e f a s s t , die durch offene
Aussprache und sorgfaeltige Forschung und Untersuchungen zu stände gekommen s i n d .
Telegramm des US Aussenministeriums
vom 9 • Januar 195 0
- 12 -

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757 •

OFFICIAL

U1CO0 0-OOTb i. J i &gt; SO

�Internationale

ARIBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel steilen Auszöge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exesaplare können kostenlos bei
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OMGUS, Berlin-Dahlem,
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteüungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Militärregierung, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

H-47

Frankfurt, 27. Januar I950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Deutsche Gewerkschaftlcr t r i e b e n Amerika - - - - 1
Europa im 2 . Marshallplanjahr - - - - - - - - 2
Kommunistisch« Rechenmanoever - - - - - - - - 3
Hollaendische Gewerkschafter besuchen die Vereinig- .
ten Staaten - - - - - - - - - - - - - - - - - k
Die Verwendung des Reservefonds von 150 W i l l . D o l l a r 5
Das Frauenbutro ces Arbeitsministeriums der Vereini g t e n Staaten von Nordamerika
Proäuktionssteigerung i n Europa- - - —
- - 7
Der Generalsekretaer der QewerkBChaftsinternationa l e i J. H. Oldenbroek
8
Hoffman« "Fuer hoeheren Lebensstandard» - - - - 10
U.S. Gewerkschaft prophezeit dem neuen Weltgewerkschaftsbund eine grosse Zukunft - - - - - - - - 11

DEUTSCHE GEWERKSCHAFTLER ERLEBEN AMERIKA
New York — (Amerika D i e n s t ) — Eine Gruppe deutscher Gewerkschaftler
w e i l t e unlaengst zu Studienzwecken i n den U.S.A. und hatte Gelegenheit, den i n zwisch n abgeschlossenen S t r e i k i n der amerikanischen S t a h l i n d u s t r i e mitzuerleben.
Die Gewerkschaftler hatten die M ö g l i c h k e i t , i n einem der g r o e s s t e n S t a h l b e t r i e b e
bei Pittsbui'gh f e s t z u s t e l l e n , wie die amerikanischen Arbeiter zu dem S t r e i k standen.
Einige von ihnen wohnten bei Arbeiterfamilien und konnten s o die inneren Zusammenhaenge des S t r e i k s kennenlernen. S i e a l l e waren s i c h darin e i n i g , anzuerkennen,
dass der amerikanische Arbeiter g e w i l l t war, durchzuhalten, b i s die durch die
Gewerkschaften a u f g e s t e l l t e n Forderungen, die s i c h vornehmlich mit der Frage der
Pensionen b « f a s s t e n , aurchgekaempft raren.
Frau Margarete Kaempel aus Karlsruhr e r k l a e r t e , dass ihr besonders die S t e l l u n g
der Frauen imponiert habe, die den Kampf der Maenner u n t e r s t u e t z t e n , ja sogar b e r e i t
waren, s e l b s t e i n z u g r e i f e n , und wenn n o e t i g , S t r e i k p o s t e n zu s t e h e n .
Der Be-.sirkslf i t e r fuer Chemie, Papier, Keramik i n Wuerttemberg-Baoen, iirnst
Schwarz, b e r i c h t e t e , dass er vor v i e l e n Geschaeften 3 t r - i k p o s t e n mit S c h i l c e r n g e sehen habe, und u n t e r s t r i c h , riass gerade Frauen mit lauter Stimme die Parole des
S t r e i k s a u s ^ r u f e n haben.
- 1 -

�Der S t r e i k , der darum g i n g , die arbeitenden Menschen im A l t e r oder bei l n v a l i d i t a e t zu versorgen, wurde zu einer Zeit abgeschlossen, a l s die deutschen Gewerkschaft
l e r nooh im Lande w e i l t e n , und es e r f u e l l t e die Besucher mit grosser Freud«, dass die
S t a h l i n d u s t r i e die Forderungen der amerikanischen Gewerkschaften ohne Einschraenkun.3
e r f u e l l t e . Aus Unterredungen und aus den Mitteilungen der presse erfuhren d i e deutsch
Gaeste E i n z e l h e i t e n ueber d i e s e Forderungen der Gewerkschaften und e r h i e l t e n davon
Kenntnis, dass j e t z t d i e Mindestpension e i n e s S t a h l a r b e i t e r s insgesamt 100 Dollar
monatlich b e t r a e g t , die s i c h aus s t a a t l i c h e n und privaten Mitteln zusammensetzen.
Eine Gewerkschaftsfuehrerin sprach dann darueber, dass i n Amerika die Frau eine
ganz andere Anerkennung f i n d e t a l s i n Deutschland. »Die Frau i n Deutschland rauss
bedeutend mehr l e i s t e n a l s e i n Mann, ehe s i e die g l e i c h e S t e l l u n g bekleiden kann. In
Amerika l a e s s t der Mann die Frau v i e l eher mitkommen . . . » Die Sprecherin b e r i c h t e t e
von einem CIO-Kongress, auf dem verhaeltnlsmaessig v i e l e Frauen a l s D e l e g i e r t e zu
finden waren, obgleich ihrer Meinung nach amerikanische Frauen i n den Gewerkschaften
a l s Funktionaare prozentual nicht zahlreicher v e r t r e t e n s e i e n a l s i n Deutschland.
S i e glaubte den Hauptgrund darin zu finden, dass die Erziehung der Frauen von Kind
auf schon wesentlich anders i s t a l s i n Deutschland.

EUROPA IM 2 . MARSHALLPLANJAHR
Westdeutschland auf den 3 . P l a t z der ECA-Bewilliguna;sliste gerueckt
• Washington — (Amerika D i e n s t ) — Die von den westreuropaeischen Laendern waehrend
des Jahres 1949 i n Anspruch genommenen Marshallplangelder v e r t e i l e n s i c h , wie aus
einem von der Verwaltung fuer w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit (ECA) v e r ö f f e n t l i c h t e n
B e r i c h t , der mit dem 20* Dezember d i e s e s Jahres a b s c h l i e s s t , hervorgeht, f a s t g l e i c h maessig auf i n d u s t r i e l l e Gueter sowie auf Lebensmittel und l a n d w i r t s c h a f t l i c h e Erzeugnisse.
I n d u s t r i e l l e Gueter

1.1.49 b i s 20.12.1949
1 810 072 000 Dollar

3*4« b i s 31.12.1946
1 908 000 000 Dollar

Lebensmittel und landwirts c h a f t l i c h e Erzeugnisse

1 767 233 000 Dollar

1 799 000 000 Dollar

Schiffstransporte

278 962 000 Dollar
337 800 000 Dollar

Technisch« Hilf«

10 9ß2 000 Dollar
Summe 1

3 867 249 000 Dollar

4 044 800 000 Dollar

In der Hoehe der z u g e t e i l t e n Dollarbetraege war 1949 •*&amp; d e u t l i c h e r Rueckgang
gegenueber dem Jahre 1948 f e s t z u s t e l l e n , i n dem die Zuwendungen s i c h auf «inen Z e i t raum von nur 9 Monaten, vom Beginn des llilfsProgramms im April 1948 bis zum 3 1 . Dezember, v e r t e i l t e n . Diese Massnahme beleuchtet e i n grundlegendes P r i n z i p der
Marshallplanhilfe, d i e Zuteilung von Geldern an die europaeischen S t a a t e n mit der
fortschreitenden Erholung ihrer Wirtschaft immer mehr herabzusetzen.
Grossbritannien, Frankreich, die Trizon* und I t a l i e n e r h i e l t e n 1949 d i « groessten
Zuweisungen aus Marshallplanmitteln, waehrend die Trizone I94Ö i n der Reihenfolge an
4« S t e l l e hinter I t a l i e n r a n g i e r t e . In den erstem 11 Monaten d i e s e s Jahres standen
bei den Zuteilungen von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen an e r s t e r
Stellei
Baumwolle mit
490»9 Millionen Dollar und
Brotgetreide mit
398,7 Millionen D o l l a r , waehrend
Maschinen und Maschinenteile oft 397t7 Millionen Dollar und
Erdoel u.Erdoelkraftstoffe mit 382,8 Millionen Dollar
die L i s t e der i n d u s t r i e l l e n Gueter anfuehrten.
- 2 -

�Die groessten Zuteilungen zum Einkauf von Baumwolle erhielten Grossbritannien
mit 146,3 Millionen Dollar und Frankreich mit 117,4 Millionen Dollar, waehrend die
Hselfte des freigegebenen Brotgetreides im Werte von 196,4 Millionen Dollar von
Orossbritannien eingefuehrt wurde. Der Wert der Zuteilungen an Maschinen und Maschinenteilen betrug in Prankreich 117.3 Millionen Dollar, in Italien 57.4 Millionen
Dollar, in Holland 44*6 Millionen Dollar und in Belgien und Luxemburg 42,4 Millionen
Dollar. Orossbritannien erhielt Erdoel und Erdoelerzeugnisse im Werte von 122,7
Millionen Dollar und Frankreich im Werte von 102,5 Millionen Dollar.
Nachstehende Tabelle bringt eine Zusammenstellung der Zuweisungen, die die
einzelnen Staaten aus Mitteln des Mershallplanes erhielten.

Grossbritannien
Frankreich
Deutschland, Trizone
Italien
Holland
Belgien und Luxemburg
Oesterreich
Griechenland
Norwegen
Daenemark
Schweden
Tuerkei
Irland
Triest
Island

1.1.
1 112
733
402
352
330
294
152
119
87
77
64
61
' 59
13
5

1242

bis
182
556
094
463
061
588
218
450
915
883
539
976
420
111
463

20.12.1949
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar

3.4.
1 093
951
400
494
371
138
212
145
66
91
10
1
51
9
5

bis
400
000
200
200
700
900
500
700
000
100
000
700
600
500
400

1948
31.12.1948
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar
000 Dollar

KOMMUNISTISCHE RECHENMANOEVER

Einer Nielsen, Tizepraesident des Daenischen Gewerkschaftsbundes, brandmarkte
in einem Artikel, der am 27« Dezember 1949 i m "Social-Demokraten" erschienen war,
die kommunistische Methode, falsche statistische Angaben ueber Arbeitslosigkeit
und andere wirtschaftliche Faktoren zu veröffentlichen, um das wirksame Zusammenarbeiten bei den Tagungen der Vereinten Nationen zu verzoegern und zu sabotieren.
Nielsen kehrt* kuerzlich von einer Sitzung der Vereinten Nationen in New York
zurueck. wo ex als daenischer Delegierter in Ausschuessen taetig war, die sich mit
sozialen und wirtschaftlichen Problemen befassen.
Nielsen berichtete, wie daenische Kommunisten statistische Angaben geliefert
hatten, die von sowjethoerigen Delegierten als Basis benutzt wurden, von der aus
sie ihre Angriffe gegen die demokratischen Entwicklungen des Westens richteten.
Die ukrainische Abordnung zum Beispiel versuchte, den Marshall Plan als
Ursache weitverbreiteter Arbeitslosigkeit hinzustellen und erklaerte, dass von
April 1948 bis Maerz 1949 die Erwerbslosenziffer um 90% angestiegen sei.
Nielsen nimmt hierzu folgendermessen Stellung! "Diese Behauptung ist ebenso
richtig, wie es richtig ist zu sagen, dass ein kleines Kind, das seinen zweiten Zahn
bekennen hat) die Zahl seiner Zaehne um 100% vermehrt hat. Is waere jedoch richtiger gewesen, wenn der Vertreter der Ukraine seinen Zuhoerern mitgeteilt haette,
dass der Hundertsatz der Arbeitslosen im April 1948 2,6 und im Maerz 1949 4*7 betrug.
Seine Darstellung haette besser der Wirklichkeit entsprochen, wenn er ausserdem zugegeben haette, dass im Monat April der Vorkriegs jähre von I930 bis 1940 der Prozentsatz an Erwerbslosen niemals unter 10. sondern vielmehr des oefteren nahe bei 20
gelegen hatte. Aber das waere natuerlich keine alarmierende Nachricht gewesen."
Nielsen hebt in seinen Berichten ueber den kommunistisch beherrschten Welt«
gewerkschaftebund und seine Versuche, die Arbeit der Vereinten Nationen zu beeinflussen, hervor, dass dieser von den Wortfuehrern der kommunistischen Partei in den
verschiedenen Laendern und nicht von den Gewerkschaftsbewegungen informiert wird.

-3

�In einem Falle in Daenemark, sagte er, haette es sich herausgestellt, dass die
Angaben einer kleinen kommunistischen Veroeffentlichung, "Ugens Ekko", vom
18. Februar 1949* entstamnten. Diese Veroeffentlichung, die als Organ der Konmunistisehen Partei fuer die daenische Insel Sjaelland diente, bestehe seit einiger
Zeit nicht mehr, fuegte Nielsen hinzu*
"Wenn sich die Sowjets mehr an die Tatsachen hielten und dementsprechend
handelten, koennten wir groessere Erfolge erzielen. Unter den jetzigen Verhaeltnissen muessen wir ataendig gegen Anschuldigungen auf der Hut sein. ... Es ist
natuerlich, dass unter solchen Umstaenden, in denen wir staendig TOT falsche Beschuldigungen gestellt werden, unsere Arbeit in den Vereinten Nationen mehr Zeit
in Anspruch nehmen nuss. Sitzungen dehnen sich oft unendlich lange aus, und es
gibt mehr solcher Versammlungen, als noetig waere. Xs ist aber ebenso wahr, dass
wir trotz alledem Erfolge in unserer Arbeit verzeichnen koennen."
EGA Labor Information
4« Januar 1&amp;0

H0LLAENDI3CHE GEWERKSCHAFTER BB3UCHEN DIE VEREINIGT™ • &lt; W ' W 7 '
Dreizehn hollaendische Gewerkschafter sprachen sich kuerzlich in New York
mit Begeisterung fuer eine europaeische Wirtschaftseinheit aus, nachdem sie einen
Monat lang amerikanische Produktivitaetsmethoden und Arbeitnehmer-Arbeitgeber
Beziehungen studiert hatten.
Mit der Erklaerung, dass diese Einheit "fuer die Wohlfahrt Westeuropas Ton
wesentlicher Bedeutung sei, fuegten die daenischen Gewerkschafter hinzu, dass ihr
eigener Erfolg in der Zusammenfassung der Wirtschaften der Beneluz«&lt;3taaten "ein
Beweis fuer den hohen Grad an Zusammenarbeit sei, den die europaeisohen Nationen
erreichen koennten."
Zahlreiche Laender luropaa "muessen Zoll- und andere Handelsschranken einschraenken oder beseitigen, um einen freieren Warenaustausch unter den einzelnen
Laendern zu ermoeglichen," sagte J.J. DeWit, Praesident der Katholischen Gewerkschaft der Bueroangestellten. Er betonte, dass die Marsha11-Plan-Laender ihre
Wirtschaften vereinigen mueasten, weil "unsere Inlandmaerkte, getrennt voneinander.
zu klein sind."
Roelf Hagoort Utrecht, Generalsekretaer der Christlichen Nationalgewerkschaft,
gab zu, dasa diese Aufgabe schwierig ist, dass aber "... unbedingt ein Weg gefunden
werden muss, durch Beseitigung dieser Hindernisse einen einzigen Absatzmarkt fuer
ganz Europa zu schaffen.•
Ein anderer Sprecher, Jan J.A. Berger, Sekretaer in der Nationalen Hollaendisohex
Gewerkschaft, brachte zum Ausdruck, dass eine Massenproduktion in amerikanischem
Sinne in Holland unmoeglich sei, "solange die Händelsbeschraenkungen unter den Laendern Europas nicht eingeachraenkt oder aufgehoben werden.* Auch Dirk W. Qrmel, von
der Christlichen Nationalen Gewerkschaft in Amsterdam, erklaerte, dass die europaeisohen Maerkte erweitert werden mueasten.

Die dreizehn holla endischen Gewerkschaftsfuehrer, die Vertreter der Transport-,
Teitil-, Nahrungsmittel- und Bauarbeiter sind, trafen bei ihrem Besuch der Hauptindustriegebiete der Vereinigten Staaten mit Gewerkschaftsführern dea CIO in Detroit
zusammen. Sie waren Mitglieder eines Team, die die Vereinigten Staaten im Rahmen des
ECA-Progranms zur Technischen Unterstuetzung bereiste. Ein Mitglied der Gruppe
fuehrte aus, dass der Lebensstandard Hollands "dank der Marshall Plan Hilfe gehalten
werden konnte,
und wir hoffen, im Jahre 1952 auf unseren eigenen Fuessen stehen
su koennen." "Aber," fuegte er hinzu, »oh»den Marshall Plan haetten wir unter grosse
wirtschaftlicher Unordnung zu leiden gehabt."
Infolge des wirtschaftlichen Fortachrittes in Holland haetten die Kommunisten
dort einen grossen Teil ihres Gefolges verloren, sagte ein Mitglied der Team. Ein

�anderer Gewerkschaftsführer erklaerte, dass die hollaendische Produktionsleistung
dank des Marshall Planes den Torkriegsstand um 3QC ueber troffen habe. "Die Konnnunist en koennen nur aus der Armut Nutzen ziehen. ... Deshalb bekaempfen sie den
Marshall Plan. ... Dessenungeachtet unterstuetzt weitaus der groesste Teil der
hollaendischen Arbeiter von ganzem Herzen das ECA Programm»"
Im Verlaufe ihrer Reise durch die amerikanischen Industriezentren kamen die
hollaendischen Gewerkschaftsfunktionaere auch nach dem grossen Stahlzentrum von
Pittsburgh, Pe., wo kurz zuvor Verhandlungen ueber neue Vertraege zwischen dem
Verband der Vereinigten Stahlarbeiter und den grossen Stahlfirmen stattgefunden
hatten, Sie 2* igten grosses Interesse fuer die Einzelheiten der Pensions- und
SozialTeraicherungsplaene, die den Arbeitern zugestanden wurden. Amerikanisch«
Gewerkschaftsfunktionaere berichteten, dass die gesamten Kosten fuer die Pensionen
ron den Firmen getragen werden und im SozialTersioherungs-Programm Krankenhausaufenthalt und Krankengelder fuer die halbe Million Stahlarbeiter und ihre Angehoerigen
Targesehen sind.
Das hollaendische Team verweilte lange bei den Arbeitern der AFL und des CIO
in den Tersohiedenen Werken, die sich nahe Pittsburgh ueber ein Gebiet Ton 100 Meilen
erstrecken, man unterhielt sich mit dem Praesidenten der Stahlarbeiter, Philipp
Murray, studierte Produktionsmethoden und besprach Organisation und Verhandlungsmethoden mit amerikanischen Gewerkschaftsfunktionaeren, Bei einem Besuch der
"Tennessee Valley Authority" erfuhren die daenischen Gewerkschafter, dass starke
Gewerkschaften der AIL dort alle Arbeitsprobleme ohne Arbeitseinstellungen geloest
hatten, und dass die Betriebsleitung der TVA* obwohl sie in den Haendea der Regierung liegt, weder "TOH oben herab" noch wil neuerlich gehandhabt wird»
Die hollaendischen Gewerkschafter, die den Hollaendischen Oewerkschaftsbund und
zwei christliche O-ewerkschafteverbaende (alle nichtkommunistisch) vertreten, besuchten 35 Industrieunternehmen in den Vereinigten Staaten»
Jan Bergor erzaehlte TOT seiner Abreise in New York Berichterstattern, dass
sie hinsichtlich der Produktivitaet viel gelernt haetten, und dass "unsere Inspektionsreise sich gelohnt hat." H.C» Kaper, von der Bauarbeiter-Gewerkschaft, erklaerte
dass sich alle Mitglieder der hollaendlachen Gruppe nach ihrer Rueckkehr nach Holland
fuer die Wirtschaftliehe Vereinigung Europas einsetzen wuerden»

ECA Labor Information

DIE VERWENDUNI DBS RESERVEFONDS VON [150 MILLIONEN PfT.T|pT
Die Marshall Plan Verwaltung gab am 18» Oktober bekannt, dass sie in der
zweiten Haelfte des Haushalt Jahres 1949/1950 weitere Geldmittel zur Verfuegung
stellen werdej zugrundegelegt wird dieser Massnahme eine Studie ueber die gegen*
waertige Wirtschaftslage in den ERP-Laendern und ueber deren Erfolg in dem wirksamen
Gebrauch der Hilfe, um die Ziele des Wiederaufbau Programms erreichen zu koennen»
Zu gleicher Zeit wurde von der Marshall Plan Verwaltung angekuendjgt, dass ein Reservefonds von 150 Millionen Dollar bereitgestellt worden sei. Mit diesem Reservefonds
muessten drei Aufgaben geloest werdent
1» Die schnellstmoegliche Liberalisierung des intereuropaeisohen Handels
und Zahlungsverkehrs durch Garantien gegen unvorhergesehene, mit der Liberalisierung
verbundene Risiken zu foerdern.
2» Intereuropaeische Verbesserungsprojekte finanzieren zu helfen, die die
nationalen Grenzen unberueoksichtigt lassen und deshalb von den einzelnen Laendern
nicht uebernemnen werden«
3» Projekte zu finanzieren, durch die Gebiete in Uebersee, öle den Teilnehmerstaaten am Europaeischen Wiederaufbauprogramn gehoeren, entwickelt werden sollen«
Wie wir nun von der Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa
(OEEC) erfahren, werden 10 Millionen Dollar aus diesem Reservefonds fuer die Finanzierung eines dringenden, internationalen Elektrizitaetsprogranms aufgewendet werden,
in dem der Bau von Kraftwerken vorgesehen ist, die nicht in dem Lande liegen, das

-5 -

�ihr direkter Abnehmer ist. Es handelt sich hierbei um ein Notprogramm zur Errichtung von Waermekraftwerken, das in eineinhalb Jahren beendet sein soll«
Weitere 10 Millionen Dollar werden zur Foerderung der Entwicklung von Ueberseegebieten freigegeben.
Hinsichtlich der finanziellen Hilfe zur Liberalisierung des intereuropaeisohen
Handels beabsichtigt die Marshall Plan Verwaltung, die Bildung von Zollunionen anzuregen. In einer vor ein paar Tagen in Paris erschienenen Verlautbarung der ECA hiess
es, dass man regional Handeisgruppen wie Benelux und Fritalux zu unterstuetzen wuensche, aus denen sich unter Umstaenden Gebiete mit freiem Handelsverkehr entwickeln
koennten. Dies wird bestimmt auch fuer "Uniscan" zutreffen, deren Ziel der freie
Warenaustausch zwischen Grossbritannien und den skandinavischen Laendern ist. Die
ECA erklaerte sich dazu bereit, diese regionalen Handeisgruppen aus dem 150 Millionen
Dollar Fonds finanziell zu unterstuetzen. Sie wird jedoch nur dann den Gesuchen
um finanzielle Hilfe aus diesem Fonds stattgeben, wenn die betreffenden Nationen
positive Leistungen vollbringen, wie zum Beispiel niedrigere Zoelle oder beachtlichen
Fortschritt bei der Gestaltung eines freien Waren- und Zahlungsverkehrs.

DAS FRAUENBUERO DE3 ARBEITSMINIST ERIÜM5 DER VEREINIGTEN STAATEN VON NORDAMERIKA
Die ersten Anfaenge
Das Frauenbuero wurde 1920 durch ein Sondergesetz des Kongresses geschaffen
und seine Aufgaben wurden ebenfalls gesetzlich festgelegt. Es ist berechtigt,
Grundsaetze und Ausfuehrungsbestimmungen zu schaffen, die der Wohlfahrt der arbeitenden Frauen dienen, ihre Arbeitsbedingungen verbessern, ihre Arbeitsleistungen
steigern und entlohnte Arbeitsmoeglichkeiten erweitern* Das Buero untersucht alle
Probleme, die sich auf Frauenarbeit und auf Arbeitnehmerinnen beziehen und berichtet
darueber dem Arbeitsminister, Sein Programm ist jeweils den veraenderten oekonomischen Bedingungen angepasst* Seine Taetigkeit basiert auch auf der Tatsache, dass
die Situation der arbeitenden Frauen unloeslich mit der Wohlfahrt und mit der Weiterentwicklung der Nation verbunden ist, Das Buero arbeitet auf drei Hauptgebieten.
Statistische Erhebungen und Untersuchungen
Frauenarbeitsgesetzgebung und die Stellung der Frauen
im buergerliehen und politischen Leben
Besondere Aufgaben und Veröffentlichungen
Internationale Zusammenarbeit
(Die internationalen Aufgaben des Bueros sind ein Teil.des Programms der
Zusammenarbeit der Regierung der Vereinigten Staaten mit anderen Staaten).
Arbeitsbereich
Das Buero vertritt die Interessen aller arbeitenden und arbeitsuchenden Frauen
ungeachtet ihrer Rasse« ihres Glaubens oder ihres Ehestandes. Es beschaeftigt sich
mit Frauen in allen Arten von Arbeitszweigent Fabrikarbeit, Dienstleistungen, Hausarbeit« Landarbeit, Handel und Gewerbe und freie Berufe* Es beschaeftigt sich mit
den Maedchen, die von der Schulbank her gerade ihre erste Arbeit angenommen haben
und mit der aelteren Arbeiterin, sowie mit Frauen* die sowohl berufstaetig sind als
auch einen Haushalt zu besorgen haben«
TErhi hnnyn

Experten fuehren dauernd Nachforschungen und Erhebungen durch, um das Buero
in der Aufstellung von Qrundsaetzen und Programmen zu unterstuetzen* Einige Untersuchungen haben das besondere Ziel, Aufklaerungen ueber Angebot und Nachfrage von
Arbeiterinnen fuer bestimmte Berufe zu schaffen, andere betreffen Loehne und Arbeitsbedingungen in den einzelnen Industrien. Aufstellungen ueber Gesundheitsfragen im
Zusammenhang mit berufstaetigen Frauen, Berufsaenderungen, Methoden zur Festsetzung
von Loehnen, die finanzielle Verantwortung der Frauen fuer den Familienunterhalt und
ihre Teilnahme an der Gewerkschaftsarbeit werden ebenfalls züaaamengestellt. Die
Informationen auf denen sich Uebersichten und Berichte aufbauen, werden aus verschiedenen offiziellen Quellen zusammengetragen, von Arbeitsplaetzen wie Fabriken,

-6-

�Bueros, Laeden,, Waeschereien usw. und durch Interviews mit berufstaetigen Frauen.
Eine andere wichtige Arbeit ist die Zusamraensteilung und Analyse statistischen
Materials ueber berufstaetige Frauen, das von Bundesbueros herausgegeben wird,
wie z.B. dem Buero fuer Arbeitsstatistik, dem Buero fuer Volkszaehlung, dem U.S.Arbeitsvermittlungsdienst und von den einzelnen staatlichen Arbeitsministerien»
Frauengesetzgebung und die Stellung der Frauen
im bürgerlichen und politischen Leben
Das Buero fuehrt nicht die Gesetze aus. Es nacht jedoch gruendliche Studien
'
bereits bestehander Gesetze und Ausfuehrungen und der Notwendigkeit, Gesetze zu
schaffen» die »owohl den Arbeitsstandard der Frauen als auch ihre zivile und politische Rechtsstellung haben sollen. Um bei der Verbreitung fortschrittlicher Arbeitsgesetze fuer Frauen mitzuhelfen und eine bessere Anwendung solcher Gesetze zu erreichen
verhandeln die Experten des Bueros mit verantwortlichen Vertretern der Arbeitsministerien« Gewerkschaften! Frauenorganisationen und Koerperschaften des Bundes. Das
Buero analysiert und empfiehlt bestehende und geplante Arbeitsgesetze und Verordnungen* die auf dLe erwerbstaetigen Frauen Bezug haben. Hauptfragen, ueber die das
Buero Material zusammenstellt und Anregungen gibt, sind Fragen der gleichen Bezahlung, der Mindftstloehne, der Arbeitszeit und der Gesetze, die sich auf die politische
und ziviIrecht11che Stellung der Frauen beziehen.
Besondere Aufgaben und Veröffentlichungen
Das Buero als die verantwortliche Regierungsstelle fuer das Studium, die
Gewaehrleistung und die Foerderung der Interessen der Frauen auf den verschiedensten
Gebieten der Beschaeftigung, schickt regelmaessig Informationen aller Art aus. Es
funktioniert als technischer Ratgeber fuer alle jene, die sich mit den Fragen der
wirtschaftlichen und rechtlichen Stellung der Frauen beschaeftigen, wie z.B. Behoerden, Gewerkschaften, Frauenorganisationen, Arbeitgeber und die Oeffentlichkeit im
allgemeinen. Internationale Organisationen wenden sich an das Buero um Rat in Angelegenheiten der Beschaeftigungstendenz und der rechtlichen Stellung der Frauen.
Das Buero sendet Material an die presse und an den Rundfunk. Seine veröffentlichten, Berichte ueber «eine Untersuchungen, Arbeitsgesetze fuer Frauen, Rechtsstellung
der Frauen usw. werden an die Interessentengruppen ausgeschickt.
Internationale Zusammenarbeit
Die internationale Abteilung des Frauenbueros arbeitet mit den Regierungsstellen der anderen Staaten, sowie mit allen Organisationen, die sich mit der
Besserung der Bedingungen fuer arbeitende Frauen beschaeftigen, zusammen. Diese
Arbeit wird durch einen Austausch von Informationen und Publikationen gefoerdert,
durch Schulungskurse fuer leitende weibliche Angestellte der Arbeitsministerien
und durch Hilfe und Unterstuetzung der Besucher, die von den verschiedenen Staaten
kommen.
(Ausgabe Juni 194&amp; mit einigen Aenderungen)
Fuer Auskuenfte ueber die Arbeit und die Veröffentlichungen des
Frauenbueros wenden Sie sich an das
Frauenbuero (Women's Bureau)
U. S. Department of Labor
Washington 25, D. C.

PRQDUKTIQNSSTEIGERUNG IN EUROPA
Die Marshall Plan Verwaltung gab heute in ihrer November Ausgabe der
•Recovery Guides" bekannt, dass, verglichen mit der entsprechenden Periode letzten
Jahres, die Marshall-Plan-Laende- im Sommer 1949 eine Steigerung der industriellen
Produktion um. IIA zu verzeichnen naetten.
•Westdeutschland und Griechenland zeigen besonders gute Ergebnisse im Vergleich
zu 19i|8 naemlich 40 bezw. 30*,« heisst es in dem Bericht. «In Daenemark erreichte
der monatliche Produktionsindex im September einen neuen Nachkriega-Hoechststand.
Der uebliche, saisonbedingte Abstieg trat, wie erwartet, in den Sommermonaten ein«

-7-

�Die Wiederaufbautendenz hielt jecoh unvermindert an. Aus allen wichtigen Sektoren
des wirtschaftlichen Lebens wurden Erfolge gemeldet«•
Die Preise im Gross- und Einzelhandel haetten den ganzen September hindurch
nur geringe Schwankungen gezeigt« faehrt man in dem Bericht fort, und waehrend die
Exporte maessig zurückgingen, waere eine groessere Reduktion der Importe festzustellen, dem Ergebnis, dass die Teilnehmerstaaten ihre Handelsbilanz mit dem uebrigen
Teil der Welt haetten verbessern koennen.
Angesichts der Abwertung ihrer Waehrungen gegen Ende September ist den ERPLaendern nun die Moeglichkeit geboten, weitere Schritte zur Schaffung des Gleichgewichtes und des freien Warenaustausches im Welthandel zu unternehmen.
Dies« Massnahmen werden in ihrer Form erheblich untereinander -variieren, ihr
gleiches Siel nuss jedoch sein«
Erstens - Rohstoffquellen und Produktion nicht auf die inlaendischen Maerkte
zu beschraenken, sondern ihnen, die Maerkte im Ausland wieder zu erschliessen, sie
von den Gebieten mit unstabilen Waehrungen in diejenigen mit stabiler Waehrung zu
verlagern und
Zweitens - den Welthandel von Zollschranken, Beschraenkungen der Einfuhr, Kontrolle des Zahlungswechsels, der unterschiedlichen Behandlung bezueglich Preisfestsetzung und ungeeigneter Produktion zu befreien.
EGA Press Release
23. November 1949

DER GENHUISEKRETAER DER GEWERKSCHAFT INT IRNATIQNALBl J« H. OLDENBROEK.
Als der Internationale Bund Freier Gewerkschaften im Dezember seine Gruendungskonferenz in London beschloss, schienen alle Delegierten von einer Idee beseelt zu
sein« Sie hatten ein soziales und wirtschaftliches Programm vereinbartj ai« hatten
eine Verfassung entwarfen und viele interessante und bedeutsame Reden gehoert«
Aber, wie viele von ihnen sagten, "nicht schiene Worte, sondern vernuenftigea.
energisches Handeln werden dieser Organisation die Lebenskraft verleihen«*
Zur Durchfuehrung der EntSchliessungen dar Konferenz waehlten die Vertreter
von ueber 5° Millionen, in freien Gewerkschaften organisierten Arbeitern einen Exakut iv-Ausschuss, in dem alle Teile der Welt vertreten sind. Einstimmig fiel ihre
Wahl fuer einen Genaralsekretaer auf Jacobus H. Oldenbroek.
J. H. Oldenbroek wurde IÖ97 in Holland als Sohn eines Zigarrenmachera geboren.
Natuerlich war sein Vater ein guter Gewerkschafter. Mit 14 Jahren trat Oldenbroek
aus der Schule aus und hatte vier Jahre lang verschiedene Beschaeftigungen bei
Amsterdamer Handelsfirmen.

Oldenbroek schloss sich bald darauf der Niederlaendischen Gewerkschaft dar
Handels» und Buero-Angestellten an und stuerzte sich mit ganzem Herzen in die organisatorische Arbeit, durch die die Amsterdamer Zweigstelle zur groessten lokalen Gewerkschaft in jenen Tagen wurde. Er wurde ehrenamtlicher Organisationssekretaer
dieses Ortsverbandes und wirkte bei der Errichtung einer gewerkschaftseigenen HandelsAbendschule fuer Fortgeschrittene mit - eines der erfolgreichsten Unternehmen daa
Verbandes«

Inzwischen war Oldenbroek im Alter von lö Jahren Vorstandsmitglied des Niederlaendischen Gewerkschaftsbundes geworden. Der damalige Flnanzsekretaer war Edo Fimmes
Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges betraute-der Internationale Gewerkschaftsbuud
Fimmen mit der Stelle des Generalsekretaers und mit der schwierigen Aufgabe, das vom
Krieg zerstoerte Gebilde wiederaufzubauen. Er nahm Oldenbroek mit sich in sein neues

Amt«
- 8-

�Ton 1919 bis I923 war Flamen Sakrataar sowohl baim Internationalan Gewerkschaftsbund als auch dem Internationalen Transportarbeiter Verband (ITF). 1921 ernannte er
Oldenbroek zum Geschaeftsfuehrer des ITF, und Ton dieser Zeit an bis zu seiner Wahl
zum Generalsekretaer des neuen freien Weltgewerkschaftsbundes diente er dem Internationalen Transportarbeiter Verband.
In den 20er Jahren widmete sich Oldenbroek neben seiner Taetigkeit als Geschaeftsfuehrer auch eingehend den Problemen der Seeleute und wurde Sekretaer der SeeleuteAbteilung des ITF« 1938 wurde er zum stellvertretenden Generalsekretaer des ITF gewaehlt, und al£ Timmen 1942 starb, wurde er amtierender Generalsekretaer. auf dem
ersten Nachkriogskongress des ITF im Jahre 1946 brachten die Delegierten ihre Anerkennung gegenueber Oldenbroek und seiner Taetigkeit als ihr Fuehrer zum Ausdruck»
indem sie ihn »um Generalsekretaer mit eigener Exekutivgewalt waehlten.
In der gespannten Zeit zwischen Hitlers Machtergreifung und dem Ausbruch des
Krieges unternahm Oldenbroek haeufig heimliche Reisen nach Deutschland, um dan Kontakt
mit den dortigen Transportarbeitern aufrechtzuerhalten und ihre versteokten Organisationen zu unterstuetzen. Seine Freunde aus jenen gefaehrliehen Tagen, die den
Nazismus ueberlebten, sind haute prominente Fuehrer in den bedeutenden Transportarbeiter Gewerkschaften des Nachkriegsdeutschland.
Als die Nazis ihren Krieg begannen, verlegte der ITF sein Hauptquartier nach
London, und von dieser belagerten Stadt aus half er den Seeleuten der Gewerkschaft
bei ihrer Flucht vor den Deutschen, um sich der alliierten Kriegsmarine zur Verfuegung
stellen zu koe:inen. Oldenbroek selbst war Berater der alliierten Regierungen bei dar
Loesung ihrer iseemaennisehen Probleme, und man brachte ihm grosses Vertrauen entgegen.
In Anerkennung seiner Verdienste, wurde ihm die Koenigliche Freiheitsmedaille von
Koenig Georg dem Sechsten von England verliehen.
Waehrend der Kriegs Jahre wurde Oldenbroek ausserdem als Delegierter dar hollaendischen Arbeiterschaft zu den Internationalen Arbeitskonferenzen entsandt und in dan
Exekutivrat dar Internationalen Arbeitsorganisation gewaehlt. 1945 gehoerte er au
den Delegierten dar Internationalan Arbeitsorganisationen, als auf einer Tagung inSan
Franzisko die Vereinten Nationen gegruendet wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die meisten demokratischen Gewerkschafter gehofft, mit den Russen in einem Weltgewerkschaftsbund zusammenarbeiten zu koennen.
Ein schlagender Beweis fuer die Redlichkeit der Russen und ihrer Verbuendeten im
Weltgewerkschaftsbund wurde jedoch gegeben, als die Frage der Beziehungen des Weltgewerkschaftsbundes zu den internationalen Berufssekretariaten aufgeworfen wurde zum TTF und anderen Organisationen, in denen Arbeiter nach ihrer Industriezugehoerigkeit ueber die nationalen Grenzen hinaus zusammengeschlossen sind. Oldenbroek war
wie viele andere Fuehrer dieser Sekretariate bereit, mit dem Weltgewerkschaftsbund
zusammenzuarbeiten, bestand jedoch darauf, dass ihren Organisationen die erforderliche
Selbststaendigkeit innerhalb der internationalen Gewerkschaftsbewegung gewaehrt bleibegerade so, wie jade Gewerkschaft auf ihre Rechte innerhalb des nationalen Verbandes,
zu dem sie gehoert, besteht.
Bald wurde jedoch klar, dass die Kommunisten nicht die Absicht hatten« die
Rechte dar einzelnen Fachgruppen zu respektieren. Oldenbroek ging deshalb daran,
dan ITF zu staerken, seine Dienstleistungen fuer die Gewerkschaften der Seeleute,
Eisenbahn- und anderer Transportarbeiter zu verbessern, und den kommunistischen
Versuchen entgegenzuwirken, die darauf zielten, internationale, politische Streiks
der Transportarbeiter heraufzubeschwoeren.
Dar endgueltiga Bruch zwischen der demokratischen Gewerkschaftsbewegung und dan
von dan Russen beherrschten Gewerkschaften kam 1947 und 1948. Die Kommunisten gaben
ihre Absicht zu erkennen, den Weltgewerkschaftsbund als ein Mittel zur Sabotage das
fuer dan europaeischen Wiederaufbau bestimmten Marshall Planes zu benutzen. Dia
demokratische.!, europaeischen und amerikanischen Gewerkschaften im Weltgewerkschaftsbund schlössen sich mit ehrlich gesinnten Gewerkschaften zusammen, die niemals zum
Weltgewerkschaftsbund gehoert hatten, um das Gewerkschaftliche Beratungskomitee im
Europaeischen Wiederaufbau Programm zu bilden. Dann begannen sie, mit Gewerkschaften
aus anderen Teilen der Welt in Verbindng zu treten und legten damit den Grundstock
fuer den Internationalen Weltbund Freier Gewerkschaften,

-9-

�In dieser schweren Zeit erfuellten die internationalen Berufssekretariate
unter der Fuehrung von Leuten wie Oldenbroek nicht nur ihre eigenen fachlichen
Funktionen, sondern sie setzten sich auch fuer den Fortbestand der gesamten demokratischen« internationalen Gewerkschaftsbewegung ein. Die Fuehrer der gewerkschaftlichen Zentren fanden eine staendig zunehmende, allgemeine Anerkennung fuer ihre
Leistungen«
Es war deshalb ganz natuerlich, dass bei der Qruendung des. neuen Internationalen
Weltbundes Freier Gewerkschaften im Dezember vorigen Jahres die Wortfuehrer der
Arbeiter aus mehr als 50 verschiedenen Laendern J. H. Oldenbroek, den befaehigten
und erfahrenen Fuehrer des Internationalen Transportarbeiter Verbandes baten, das
Steuer der neuen Organisation in die Hand zu nehmen« Nicht nur seine Erfahrung im
ITF und in der hollaendischen Gewerkschaftsbewegung sprachen fuer ihn, sondern auch
die Tatsache, dass er die europaeisohen Sprachen beherrscht und mit Gewerksehaftsfuehrern und Staatsmaennern aus der ganzen Welt persoenlich befreundet ist. Seine
entschieden ablehnende Haltung dem Totalitarismus gegenueber, ob in faschistischer
oder kommunistischer Form und die Hingabe, die er den demokratischen, gewerkschaftlichen Prinzipien entgegenbringt, geben die Gara-tie, dass der neue Weltgewerkschaftsbund nicht zum politischen Fussball wird. Seine Vergangenheit laesst keinen Zweifel
darueber, dass der neue Weltbund Freier Gewerkschaften das Banner der freien Arbeiterschaft in die entferntesten Ecken der Erdkugel tragen wird, um bei der Organisierung der Arbeiter in den rueckstaendigen Gebieten mitzuhelfen, den bestehenden
Gewerkschaften die engere Zusammenarbeit zu erleichtern, und um den Lebensstandard
der arbeitenden Menschen der ganzen Welt zu verbessern*
ECA Labor Information
16, Januar 1950

HOFFMINt

«EUER HQEHEREN LEBENSSTANDARD.»

•Eine schnelle Hebung des europaeischen Lebensstandards ist heute das dringendsti
Problem der Märshall Plan Verwaltung," erklaerte der Administrator der EGA» Paul G.
Hoffman, in einem Jahresabschlussbericht ueber Marshall Plan Taetigkeiten.
Mit der Mahnung, »dass der europaeische Lebensstandard zu niedrig sei - zu
niedrig fuer die Ansprueche der Europaeer und den Frieden der Welt," erklaerte
Mr. Hoffman weiten "Solange der Lebensstandard nicht gehoben ist, wird es keine
politische Stabil!taet in Europa geben."
MP. Hoffman sagte, dass zur Hebung des Lebensstandards drei Dinge erforderlich
seien« 1) groessere Produktionsleistung pro Mann und pro Stunde} 2) Vereinigung
der Wirtschaften Europas zur Schaffung eines einzigen Verbrauchermarktes der europaeischen Industrie und Landwirtschaft und 3) gesteigerten Verkauf in den Dollargebieten.
Der ECA Administrator erklaerte, dass der Marshall Plan nun "an erster Stelle
der Tagesordnung stuende. ... Die Ernaehrungslage der Menschen ist im allgemeinen
besser geworden. Die Menschen in Europa schaffen und schaffen sogar schwer. Sie
haben Arbeit. ... Die Produktion in Westeuropa liegt 5PjS hoeher als zu Beginn des
Marshall Planes und 2Q5S ueber dem Vorkriegsstand,"
Im Gegensatz hierzu beschrieb Mr. Hoffman die Zustaende in Europa vor dem
Inkrafttreten der Marshall Plan Hilfe. Er fuehrte aus« "Die Ernaehrungslage war
in viele» Laendern aeusserst unzureichend. Die Produktion blieb aus. ... Es
herrschte Inflation in hoechstem Grad. ..."
Mr. Hoffman beschloss seine Rede Bit der Feststellung, dass "ein bluehendes,
gesichertes Europa und ein klug kooperierendes Amtrika unerlaessliehe Faktoren im
Aufbau des Friedens seien."
ECA Labor Information
16. Januar 1950
- 10 -

�U.S. GEWERKSCHAFT PROPHEZEIT DEL' IvTUEN WELTGEWERKSCHAFTSBUND EINE GROSSE ZUKUNFT
Welche Bedeutung hat der neue Internationale Weltbund Freier Gewerkschaften
fuer die Arbeiter Amerikas und der Welt?
Eine besonders bezeichnende Antwort auf diese Frage gab in dieser Woche der
Praeaident der amerikanischen Gewerkschaft der Eisenbahn-Bueroangestellten,
George H. Harrison, der zusammen mit anderen amerikanischen Gewerkschaftsführern
von der 14-taogigen Gruendungskonferenz des neuen Weltgewerkschaftsbundes in London
zurueckkehrte,,
•Ich denke, wir haben mit der Gruendung der neuen Organisation einen entscheidenden Schlag fuer dir-freie und demokratische GewerkschaftsOrganisation gefuehrt,"
erklaerte Harrison bei seinem Aufenthalt in New York einem Vertreter von •LABOR"
gegenueber.
»Der neu» Bund muss eine dynamische Kraft im Dienste der arbeitenden Bevoelkerung der ganzen Welt und ein Bollwerk gegen die weitere Ausdehnung des Kommunismus
oder eines anderen Totalitarismus darstellen. Eine solche Organisation kann fuer
die Arbeiter Amerikas und der anderen Laender von grossem Vorteil sein."
Harmonische Zusammenarbeit
Harrison war einer der beiden Praesidenten der Eisenbahn-Gewerkschaften, die
an den Londoner Besprechungen teilnahmen. Der andere yraesident war Charles J»
MacGowan von der Gewerkschaft der Kesselschmiede; letzterer kehrte nach seiner
Landung in Gotham direkt nach Kansas City, Kan., dem Sitz seines GewerkschaftsVorstandes zuruesk. Die amerikanische Delegation setzte sich aus acht weiteren
Gewerkschaftsfuchrern der AFL und zehn Fuehrern des CIO zusammen.
"Ungeachtet dessen, dass die Verhältnisse in den Laendern der einzelnen Teilnehmer ganz verschieden sein moegen, arbeiteten wir in London in ausgezeichneter Harmonie zusammen,• sagte Harrison. "Wir wurden uns eigentlich ueber jede Frage einig."
Die Hoffnungen der Kommunisten, dass die Konferenz durch Streitigkeiten gestoert
wuerde, wurden schnell zerstreut, erklaerte Harrison»
"Es war wirklich ein erhebender Anblick zu sehen, wie bei 260 Delegierten aus
53 Laendern der ganzen Welt ueber alle Fragen mit ganz geringfuegigen Ausnahmen
voellige Uebereinstimmung bestand. Ich denke, dass dies eine Tatsache von vielversprechender Bedeutung fuer die neue Organisation ist*
Transportwesen stark vertreten
•LABOR" hat bereits frueher von den wichtigsten in den Verhandlungen erörterten Problemen berichtet, von der Wahl des Vorstandes, der Wahl Bruessels als dessen
Sitz und von der Formulierung der Aufgaben des neuen Weltgewerkschaftsbundes.
"Besonders bezeichnend," sagte Harrison, "ist die Tatsache, dass wir die in
der Weltgeschichte groesste Organisation freier Gewerkschaften gebildet haben. Sie
stellt die Stimme von 50 Millionen arbeitenden Menschen dar, und wir sind der festen
Ueberzeugung, dass sie laufend anwachsen wird."
Die Fuetxer der Eisenbahner- und anderer Transportarbeiter Gewerkschaften
haetten in der Konferenz eine fuehrende Rolle gespielt, fuehrte Harrison aus. Mindestens 35 Delegierte waeren Gewerkschafter aus dem Transportwesen gewesen»
Es sei eine- der groessten Aufgaben des neuen Weltgewerkschaftsbundes, fuegte
Harrison hinzu, die freien, unabhaengigen Gewerkschaften in den Laendern aufbauen
zu helfen, in denen die Arbeiterbewegung augenblicklich schwach sei - wie zum Beispiel in Latcin-Amirrika, dem Fernen Osten und Afrika. Erfolge in dieser Hinsicht
wuerden mithelfen, der kommunistischen Ausdehnung einen Riegel vorzuschieben.
Erfolge der Labour Regierung
Wie sehen die Bedingungen in England unter der Labour Regierung aus? "Wir
hatten zwischen den einzelnen Sitzungen nicht viel Gelegenheit, uns selbst ueber
11 -

�di* dortig*n Verha*ltniss* zu informieren," gab Harrison zui' Antwort. "Aber i c h
kann sagen, dass «in* beachtlich* Verbesserung s e i t zwei Jahren, a l s i c h England
zum letztenmal besucht*, e i n g e t r e t e n i s t *
"Jeder hat A r b e i t . Di* Wohnungsnot i s t durch Wohnungsbau g e l i n d e r t worden«
Di* B e k l e i d u n g - und Erna*hrungslag* hab*n s i c h *twas g e b e s s e r t , und *s g i b t j * t z t
weiter* s o z i a l * Einrichtungen, wi* zum B e i s p i e l kostenlos* a e r z t l i c h e Versorgung,
Die Truemmer i n d*n ausgebombt*n B*zirk*n sind b e s e i t i g t worden, und die durch den
Kri*g v*rursacht*n Verwurstungen sind weniger e r k e n n t l i c h .
•Natuerlich l i * g t d*r Lebensstandard d*r Engla*nd*r unter d*m d*r
Amrikaner»
Die Loehne sind v i e l n i e d r i g e r . Di* Lebensweise i s t e i n f a c h e r ; aus d*m einfachen
Grund, w e i l England nicht ueber s o v i e l M i t t * l v*rfu*gt wi* wir i n Amerika."
Harrison b e r i c h t e t * , dass d i * D e l e g i e r t e n d i e i n England uebliche einfach*
Kost h a t t * n , obwohl s i e i n *in*m d*r « r s t e n Londoner Hotels l e b t e n - Suppe zum
Fruehstueck und Fisch od&lt;r auch manchmal Huhn zu den anderen Mahlzeiten. F l e i s c h
gab es f a s t ueberhaupt n i c h t j auch wurden kein* f r i s c h e n Eier s e r v i e r t .
In einer Beziehung wenigstens s t e l l t e Harrison eine Ä h n l i c h k e i t zwischen
England und den "Staaten" f e s t -"und zwar s c h e i n t die f r e s s e i n beiden La*ndern
g l e i c h reaktionaer zu s e i n . »
"Die meisten Zeitungen", sagte e r , "behaemmerten und beschmierten di* Labour
Regierung Tag fuer Tag, gerade s o wie die Handelspresse i n unserem Land auf der
Truman Regierung h*rumdrischt. S i * vollfu*hr*n sogar dass*lb* unsinnig* (3*schr*i
ueber den "Wohlfahrtsstaat". Ich bezweifle jedoch, dass s i c h jemand von e i n e r
d e r a r t i g e n Propaganda b e e i n f l u s s e n l a * s s t - i n England sowohl wi* hi*r b*i uns."
LABOR
24. D*z*mber 1949

- 12 -

Offic* of Labor Affairs
HICOG, APO 757

OFFICIAL

hlCOO 0-0i?o i, « r J a &lt;0 U ^1

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplar« können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
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H-48

Frankfurt, 3 . Februar 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
B r i t i s c h e r , franzoesischer oder deutscher Motor fuer e i n
i n t e r n a t i o n a l e s Automodell e i n e r amerikanischen F '»•ma - - l
Äuropaeische Wirtschaftseinheit und Zcllverbaende - - - - - 2
Erwerbslosenyersicherung und ihre Probleme i n den U.S.A»- - 3
Europas Vorstellungen Tom amerikanischen Jirbeiter beginnen
s i c h zu aendern - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 4
I n t e r n a t i o n a l e r Austausch - - - - - - - - - - - - - - - - 4
Kranken- und Altersversicherung der amerikanischen Metallarbeiter - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 5
Ernest Schwartztrauberi Ohne Gewerkschaften keine
Demokratie - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 8
A n t e i l der amerikanischen Frau am Wirtschaftsleben - - - - 9
Beitrag von E.R.F.-Gegenwertfonds fuer Wohnungsbau i n Westeuropa
- - - _
- - _ • • _ - - - - - 1 0
Daenische Gewerkschaften weisen Kommunisten zurecht - - - - 11
U.S. Automobilarbeiter fuer Erschliessung unentwickelter
Gebiete - - - - - - - - - - - - - - _ - _ - - - . .
-12

BRITISCHIIR. FRANZOESISCHER ODER DEUTSCHER MOTOR FUER EIN INTERNATIONALES
AI7T0M0DEJX EINER AMERIK»NISCHEN FIRMA
B r i t i s c h e Motore, Getriebekaesten und Hinterachsen der Standard Motor
Company La Coventry werden wahrscheinlich verwendet werden fuer e i n neues
i n t e r n a t i o n a l e s Kleinwagenmodell, welches die Nash Corporation i n D e t r o i t
h o f f t , zum Preise von 1000 Dollar auf den Markt bringen zu koennen. Die
G e s e l l s c h a f t muss d i e Garantie e i n e s Jahresverkaufs von 100.000 Wagen, und
mehr a l s d i e Haelfte davon i n den Vereinigten S t a a t e n , haben, um d i e s e
Produktion i n Angriff zu nehmen. Es g i b t keinen amerikanischen Motor
passender Groesse, aber er kann i n England, oder auch i n Frankreich, I t a l i e n
und v i e l l e i c h t Deutschland angekauft werden« Die Standard Motor Company
s i e h t d i e M ö g l i c h k e i t , dass s i e zur Lieferung von anfaenglich 1.000 Motoren
und Getriebekaesten pro Woche aufgefordert wird, welche im Bedarfsfalle auf
2.000 pro Woche erhoeht werden koennte. Befriedigende Abschluesse mit der
Nash Corporation wuerden der Standard-Gesellschaft im e r s t e n Jahr e i n e
Einnahme von ungefaehr 10 Millionen Dollar ermoeglichen«
Gewerkschaftliches Nachrichten-Bulletin
ueber den europaeischen H i l f s p l a n
1 . / 1 5 . Januar 1950
- 1 -

�EOBOPAEISCHE WIRTSCHAFTSEINHEIT UND ZOLLVERBAENDE
Ansicht des Norwegischen Qewerksohaftsbunds
ueber e i n e Nordische Zollunion
Die Versuche zur g r o e s s e r e n 'Vereinheitlichung der westeuropaeischen Wirtschaft
sind Ton Anf«ne a n a u f grosse Schwierigkeiten gestossen, da s i e eine gegenseitige
Anpassung der verschiedenen Volkswirtschaften erfordert» Sobald diese einmal
erreicht i s t . werden rationelle Produktion auf breiter Basis, Verringerung der
Gestehungskosten und ein weites westeuropaeisches Marktgebiet die Wirtschaft Westeuropas s t a b i l i s i e r e n und damit zur Prosperitaet und zur Bebung des Lebensstandards
der Bevoelkerung beitragen« Sie v i e l f a e l t i g e n Probleme, die mit der wirtschaftlichen Vereinheitlichung verbunden sind, werfen bereits einen Schatten auf die
ersten Versuche der O.E.E.C. auf dem Gebiet der westeuropaeischen WirtschaftsZusammenarbeit. Die Koordinierung der Investitionen i n einigen bestimmten Schluessel
Industrien, die freiere Gestaltung des Handels durch Verminderung der Handelsschranken, die s c h l i e s s l i c h auf ihre voellige Abschaffung h i n z i e l t , und die Umwechselbarkeit der westeuropaeischen Waehrungen begegnen ernsthaften Zinwaenden seitens e i n zelner Regierungen, die ihre nationalen Interessen verteidigen. Die I.C.A. verfolgt
mit grossem Interesse jede weitere Entwicklung auf dem Wege zu einer staerkeren
Vereinheitlichung der westeuropaeischen Wirtschaft und ermutigt die erneuten Schritte
einiger E.R.P.-Laender, regionale Zollverbaende zu bilden, wie zum Beispiel Benelux
und Fritalux (Finebel) oder die Zusammenarbeit der skandinavischen Staaten, welche
l e t z t l i e h zu einer Zollunion fuehren s o l l .
Dieser Weg» durch die Bildung regionaler Handelsgruppen zur Wirtschaftseinheit
zu gelangen, scheint indessen nicht leichter zu s e i n . Es s t e l l e n sich dieselben
Probleme, wenn auch auf geographisch kleinerem Gebiet« Und von Seiten der Gewerkschaf taorganisationen wird hier dieselbe Wachsamkeit geboten s e i n wie in Bezug
auf die Wirtschaftspolitik fuer ganz Westeuropa« Die Gewerkschaften werden sieh
mit allen diesen Problemen, und im besonderen mit denen« die ihre eigenen Interessen
betreffen« befassen und s i e i n ihrer Bewegung diskutieren muessen«
Die Regierungen der skandinavischen Staaten hatten bereits Anfang 1%8 eine
engere Zusammenarbeit der nordischen Inender im Auge, als e i n Sachverstaendigenkondtee der drei beteiligten Laender gebildet wurde, um die ganze Frage eingehend
zu pruefen und einen Bericht darueber zu verfassen« Obgleich dieses Komitee bisher
noch nicht zu irgendeinem abschliessenden Ergebnis gekommen i s t , interessierte
sich die oeffentliehe Meinung von neuem fuer die Aussichten einer solchen Zusammenarbeit, nachdem Grossbritannien die I n i t i a t i v e ergriffen und die skandinavischen
Laender aufgefordert hatte, ueber die Bildung einer regionalen Handelsgruppe zu
verhandeln. Damit wurde auch das Interesse wieder wach, alle mit der nordischen
Zusammenarbeit verbundenen Probleme gruendlich zu pruefen«
Dies r i e f besonders in Norwegen eine lebhafte Diskussion hervor, aus der
geschlossen werden kann, dass Norwegen einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit
mit seinen Nachbarländern wohl zustimmt, der Bildung einer Zolunion jedoeh ziemlich
skeptisch gegenuebersteht. Waebrend es fuer wuenschenswert gehalten wird« das
Problem der Zusammenarbeit auf industriellem Gebiet in Angriff zu nehmen« wird die
Oeffnung der Grenzen fuer Freihandel und freien —beitsmarkt als Teil einer Wirtschaftspolitik auf weite Sicht angesehen, die noch lange und sorgfaeltige Ueberlegung erfordert. Gleichwohl findet die Zusammenarbeit auf Gebieten, wo neue Produktionszweige oder aber Erweiterungen der bestehenden Fabriken geplant sind, allgemeinere Zustimmung und stoesst nicht auf die Einwaende, welche gegen eine Zollunion
angefuehrt werden« weil bei dieser eine nachteilige Konkurrenz zwischen den e i n z e l nen Volkswirtschaften befuerchtet wird.
Der Norwegische Gewerkschaftsbund veroeffentlichte in der Dezembernummer
•einer Zeitung seine Ansicht ueber eine Nordische Zollunion, und zwar in einem
Artikel von 004 Goethe, dem Leiter der Wirtschaftsabteilung. Der Hauptvorteil
einer Zollunion i s t die Erweiterung des Absatzgebiets fuer die Industrien der bet e i l i g t e n Laender. Dies wieder fuehrt zu einer rationelleren Arbeitsteilung. Die
Frage i s t aber, ob die konkurrierenden Industrien wirklich konkurrieren oder ob
s i e Kartelle bilden und auf diese Weise in Wirklichkeit zu einer Teilung des Markts
beitragen werden.
- 2 -

�In Anbetracht ihrer Zweifel an freier Konkurrenz in einer Zollunion fragt sich
die norwegische Gewerkschaftszentrale, ob diejenigen Unternehmungen, welche jetzt
schon an fuehrender Stelle sind, bei freier Konkurrenz nicht den Vorzug geniessen
und die Existenz der Industriebetriebe in den anderen Laendern gefaehrden wuerden.
Vom norwegischen Gesichtspunkt ist dies eine Frage von grosser Bedeutung, da die
norwegischen Unternehmungen gegenueber den schwedischen und daenischen bereits jetzt
im Rueckstand sind. Dies ist darauf zurueckzufuehren, dass Norwegen waehrend des
Kriegs viel staerker zerstoert worden ist als Daenemark, waehrend Schweden ueberhaupt keine Kriegsschaeden erlitten hat« Hinzu kommt, dass die norwegische Wiederaufbaupolitik bezueglich der Investitionen den Exportindustrien den groessten Vorrang
einreeumte, auf Kosten derjenigen Industrien, welche Gueter fuer den Inlandsmarkt
herstellten und auf Grund der strengen Einfuhrkontrolle nur wenig Aussichten hatten,
mit neuen Maschinen und Werkzeugen ausgeruestet zu werden. Diese Industrien werden
deshalb noch einige Jahre lang nicht in der Lage sein, auf gleichem Fuss mit den
anderen skandinavischen Laendern in Konkurrenz zu treten«
Im weiteren wies der Norwegische Gewerkschaftsbund darauf hin, dass eine
unvermeidliche Folge der Zollunion ein gemeinsamer Arbeitsmarkt der skandinavischen
Laender sein wuerde« Verhandlungen ueber diese Frage sind zwischen den skandinavischen Regierungen bereits aufgenommen worden und haben zur Aufstellung eines
Abkommens ueber einen gemeinsamen Arbeitsmarkt gefuehrt. Dieses ist bis jetzt nur
von Schweden und Daenemark gutgeheissen worden« Fuer Norwegen aber ist die Lage
einigermassen schwierig. Im Jahre 1947 betrug die Zahl der in Schweden beschaeftigten norwegischen Arbeitskraefte 9.500, im Jahre 1949 waren es 13.751} 880 Norweger
waren in Daenenark angestellt. Auf der anderen Seite hat Norwegen 111 Schweden und
1«350 Daenen die Arbeitserlaubnis erteilt. Zweifellos wuerde bei freiem Arbeitsmarkt eine grosse Anzahl von norwegischen und daenischen Arbeitskraeften versuchen,
in Schweden Beachaeftigung zu finden. Dies wuerde aber ernste Rueckwirkungen auf
den Wiederaufbau Norwegens haben, wo es schon jetzt an Arbeitakraeften fehlt.
Darueber hinaus ist es klar, dass ein freier Arbeitsmarkt nicht ohne Einfluss
bleiben wuerde auf die Gewerkschaftspolitik der drei Laender, und somit auf ihre
Lohn- und Steuerpolitik. Es besteht zwar eine enge Zusammenarbeit zwischen den
skandinavische;! Gewerkschaftsorganisationen} jedoch ist die Erweiterung dieser Zusammenarbeit zu einer Koordinierung ihrer Politik noch eine offene Frage, welche in
den skandinavischen Gewerkschaftsbewegungen von der niedersten bis zur hoechsten
Stufe noch eingehend eroertert werden muss. Endgueltige Beschluesse muessen von
den Gewerkschaftskongressen der drei Laender getroffen werden«
Der Gesichtspunkt der daenischen Regierung, welcher dahingeht, zuerst eine
Zollunion zu gruenden und spaeter die notwendigen Anpassungen vorzunehmen, wird
seitens der skandinavischen Gewerkschaftsbewegung kaum Unterstuetzung finden.
Gewerkschaftliches Nachrichten-Bulletin
ueber den Europaeischen Hilfsplan
1./15« Januar 1950

ERWERBSLOSENVERSICHERUNG UND IHRE PROBLEME IN DEN U.S.A.
(Washington, 15. Januar 1950) - Arbeitsminister Maurice J. Tobin erklaerte heute
in einer nationalen Rundfunksendung, dass vom Kongress in allen Staaten Mindestbetraege
fuer Erwerbslcaenunterstuetzungen festgesetzt und die jetzigen Unterstuetzungen erhoeht werden muessten.
In einem Programm des Amerikanischen Rundfunk Forums sagte der Arbeitsministert
•Die Erwerbslosenverischerung in den einzelnen Staaten, die ein gesundes Prinzip und
eine Hilfe fuer das Privatunternehmen darstellt, muss durch Festsetzung von Mindestunterstuetzungen durch den Kongress eine in allen 48 Staaten gleich wirksame, soziale
Einrichtung sein.
"Es wird somit unmoeglich sein, dass einzelne Staaten mit niedrigeren Unterstuetzungssaetzen ihre Gesetze unveraendert lassen, ohne die Erhoehung der Lebenshaltungskosten zu beruecksichtigen, die seit der Entstehung dieses Gesetzes im
Jahre 1935 eingetreten ist. Die Erhoehung der Lebens-

-3 -

�haltungskoeten ist zum groessten Teil dem Umstand zuzuschreiben, dass man nach
Beendigung des Krieges voreilig die Preiskontrolle aufgehoben hat,
•Mit dem neuen Gesetz wollte man im Jahre 1935 dem erwerbslosen Arbeiter
etwa 50£ seines Lohnes sichern. Zu demselben Zweck wird heute im Programm des
Praesidenten vorgeschlagen, dem Erwerbslosen etwa 5Q!C bis zu 30 Dollar pro Woche,
zu zahlen. Auch wenn ein Arbeiter mehr als 60 Dollar pro Woche verdient, erhaelt
er aus der Erwerbslosenversicherung nicht mehr als 30 Dollar woechentlich.
"Es gibt einen Staat, in dem man noch ein Unterstuetzungsmazimum von 15 Dollar
pro Woche hat. E3 stanant aus dem Jahre 193&amp;» als in diesem Staat das erste Erwerbslosenversicherungs-Gesetz erlassen wurde. Diese Hoechstgrenze ist 14 Jahre lang
unveraendert geblieben. Damit erhaelt der Durchachnittsarbeiter in jenem Staat
eine Unterstuetzung, die, gemessen an den Lebenshaltungskosten aus dem Jahre 1939,
einer Kaufkraft von 8,22 Dollar pro Woche entspricht.
•Nach vierzehn Jahren, in denen die einzelnen Staaten Erfahrungen sammeln
konnten und Gelegenheit hatten, ausreichende Unterstuetzungen einzufuehren, ist es
nun an der Zeit, dass die Bundesregierung zum Schutze der Wirtschaft und des Arbeiter
Minde3tbetraege der Erwerbslosenversicherung festsetzt,
EUROPAS VORSTELLUNGEN VOM AMERIKANISCHEN ARBEITER BEGINNEN SICH ZU AENDERN
Washington — (Amerika Dienst) — In einem Leitartikel befasst sich •Washington
Pgst" mit der Beobachtung, dass die auf Grund der kommunistischen Propaganda in
Europa herrschenden falschen Vorstellungen vom Lebensstandard des amerikanischen
Arbeiters langsam einem wahrheitsgetreuen Bild zu weichen scheinen. Das Blatt
schreibt u.a.»

"Es ist eine ausgesprochene Freude zu erfahren, dass die einflussreiche Zeitung
der franzoesischen Sozialisten •Le populaire*, die von dem ehemaligen Premierminister
Leon Blum herausgegeben wird, kuerzlich geradezu ein Loblied der Lebensbedingungen
des amerikanischen Arbeiters gesungen hat. Der amerikanische Durchschnitts 3 arbeit er
ist, 'Le populaire' zufolge, der bestgenaehrte, bestangezogene und mit den meisten
Annehmlichkeiten des taeglichen Lebens versorgte Arbeiter der Welt. Seine Kaufkraft
sei tatsaechlich vier- bis fuenfmal groesser als die seines franzoesischen Kollegen,
Die einzigen Schattenseiten seien die Wohnungsknappheit,., und seine staendigen
Zahlungsverpflichtungen auf Grund haeufiger Kreditkaeufe von Luxusartikeln wie Wagen,
Kuehlschraenke, Waschmaschinen usw.
•Washington Post" faehrt nach einem Hinweis auf die Berechtigung dieser gelinder
Kritik fort: "Die Franzosen wuerden vielleicht gern erfahren, imaa der Kongress
kuerzlich Wohnungsbaugesetze in Kraft gesetzt hat, die die Gestellung von Wohnraum
auch fuer die niedrigeren Einkommensklassen ermoeglichen... Zu der Gewohnheit, auf
Kredit zu kaufen, sollte man darauf hinweisen, dass auf diese Art die hohe Beschaeftigungsziffer beibehalten werden kann. Ohne Zweifel betrachtet der amerikanische
Arbeiter auf Grund seines Lebensstandards Dinge als einfach zum taeglichen Leben
gehoerig, die anderweitig als extravaganter Luxus angesehen werden."

INTERNATIONALER AUSTAUSCH
Schwedische Gewerkschaften treffen Vorbereitungen zum Besuch von 31 schwedischer
Arbeitern in den Vereinigten Staaten und umgekehrt von 35 amerikanischen Arbeitern
in Schweden, Zweck dieses gegenseitigen Besuches ist das Studium der Gewerkschaftsbewegungen und der allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen in den beiden Laendern.
Das Projekt wurde von der Tageszeitung des Schwedischen Gewerkschpftsbundes,
"Aftontidningen", angekuendigt. Dieser Austausch von Arbeitern, die aus den unteren
Reihen der Gewerkschaftsbewegung kosmen, wird von dem volkstuemlichen, woechentlicher
Magazin "Folket i Bild" und von 31 sozialdemokratischen Tageszeitungen der Gewerkschaften Schwedens befuerwortet.
Obwohl voellig unabhaengig, haben ciesr Plaene fuer einen gegenseitigen Besuch
doch grosse Aehnlichkeit mit den Austauschprojekten, die im Rahmen des ECA-Programms
zur Technischen Unterstuetzung laufen. Unter dieser Phase des Marshall Planes werder
Gewerkschafter, Techniker und Unternehmervertretungen nach den Vereinigten Staaten

- k-

�g e s c h i c k t , um i n d u s t r i e l l e Methoden und Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen u n t e r
d e r gemeinsame:! S c h i r m h e r r s c h a f t d e r ECA und d e r am e u r o p a e i s c h e n Wiederaufbauprogramm b e t e i l i g t e n Nationen zu s t u d i e r e n .
Waehrend an den meisten P r o j e k t e n nur e i n e e i n z e l n e Nation b e t e i l i g t war, s i n d
e i n i g e i n gemeinsamer Zusammenarbeit zwischen d e r O r g a n i s a t i o n fuer W i r t s c h a f t l i c h e
Zusammenarbeit i n Europa und der Marshall Plan Verwaltung durchgefuehrt worden. Von
besonderem I n t e r e s s e fuer d i e Arbeiterbewegung i s t das g e g e n w a e r t i g e , d i e Laender
Europas umfassende Programm z u r t e c h n i s c h e n ü h t e r s t u e t z u n g , u n t e r dem fuehrende
E x p e r t e n auf dem Gebiet der S t a t i s t i k aus 10 Marshall Plan Laendern d i e Arbeitsmethoden des S t a t i s t i s c h e n Bueros im U . S . - A r b e i t s m i n i s t e r i u m s t u d i e r e n werden.
ECA Labor Information
1 1 . Januar 1950
KRANKEN- UND ALTERS VERSICHERUNG DER AMERIKANISCHEN METALLARBEITER
Welche s o z i a l e n F o r t a c h r i t t e konnten d i e amerikanischen S t a h l a r b e i t e r und
andere CIO Gewerkschaften (Automobil, Gummi u . a . ) durch K o l l e k t i v v e r h a n d l u n g e n
e r z i e l e n ? Die V e r e i n i g t e n B e k l e i d u n g s a r b e i t e r (Amalgamated C l o t h i n g Workers)
uebernahmen d i e s o z i a l e Fuehrung vor ueber 20 J a h r e n , a l s e s ihnen g e l a n g , mit den
A r b e i t g e b e r n Vereinbarungen zu t r e f f e n , d i e d i e s e zur F i n a n z i e r u n g von U n t e r s t u e t zungsfonds v e r a n l a s s t e n , mit dem Zweck, d i e G e w e r k s c h a f t s m i t g l i e d e r vor w i r t s c h a f t l i c h e n U n s i c h e r h e i t e n zu bewahren. Auch d i e T e x t i l a r b e i t e r Gewerkschaft konnte fuer
d i e m e i s t e n i h r e r M i t g l i e d e r Vertraege a b s c h l i e s s e n , d i e Versicherungsbestimmungen
e n t h i e l t e n . I n i h r e n E i n z e l h e i t e n s i n d d i e Plaene d e r Gewerkschaften s e h r v e r s c h i e d e n . Die im (Setober 1949 zwischen den V e r e i n i g t e n S t a h l a r b e i t e r n von Amerika und
d e r Bethlehem S t e e l Company g e t r o f f e n e n Vereinbarungen koennen a l s t y p i s c h e s Beis p i e l fuer d i e gesamte S t a h l i n d u s t r i e g e l t e n .
Dieser V e r t r a g b e s t e h t aus zwei T e i l e r n im e r s t e n h a n d e l t e s s i c h um Pensionen
und Unterstuei;zungen b e i t o t a l e r A r b e i t s u n f a e h i g k e i t , im z w e i t e n um d i e S o z i a l v e r s i c h e r u n g im a l l g e m e i n e n .
Im folgenden s i n d e i n i g e bezeichnende Bestimmungen des Pensionsprograrams wiedergegeben.
Die Pensionen werden a u s s c h l i e s s l i c h vom Unternehmer b e z a h l t . Die A r b e i t e r
haben k e i n e r l e i B e i t r a e g e zu e n t r i c h t e n . Der A r b e i t e r i s t n i c h t v e r p f l i c h t e t , mit
65 J a h r e n d i e Arbeit e i n z u s t e l l e n , e r kann auch ueber d i e s e s A l t e r hinaus a r b e i t e n ,
wenn er e s w u r n s c h t . Jedem A r b e i t e r mit 25 D i e n s t J a h r e n wird e i n e Mindestpension
von 100 D o l l a r , e i n s c h l i e s s l i c h A l t e r s r e n t e , z u g e s i c h e r t . Wenn e r b e i E r r e i c h e n
des p e n s i o n s f a e h i g e n A l t e r s l a e n g e r a l s 25 Jahre b e s c h a e f t i g t i s t , kann s e i n e
Pension hoeher s e i n . Hat e r weniger a l s 2 5 , aber n i c h t weniger a l s 15 D i e n s t j a h r e ,
s o wird s e i n e Pension e n t s p r e c h e n d g e r i n g e r s e i n . So wird zum B e i s p i e l e i n A r b e i t nehmer, d e r s i c h mit 15 D i e n s t j ä h r e n im A l t e r von 65 J a h r e n p e n s i o n i e r e n l a e s s t , .
e i n e Mindestpension, e i n s c h l i e s s l i c h A l t e r s r e n t e , von 60 D o l l a r monatlich b e z i e h e n .
Fuer jedes z u s a e t z l i c h e D i e n s t j a h r e r h o e h t s i c h d i e Pension monatlich um 4 D o l l a r .
Mit anderen Worten, e r e r h a e l t mit 16 D i e n s t j a h r e n 64 D o l l a r , mit s i e b z e h n 68 D o l l a r
u s w . , b i s zu 100 D o l l a r Pension bei 25 D i e n s t j ä h r e n .
In dem V e r t r a g d e r Bethlehem S t e e l Company wird f e s t g e l e g t , d a s s d i e vor d e r
Unterzeichnung des V e r t r a g e s p e n s i o n i e r t e n A r b e i t e r e b e n f a l l s u n t e r d e s s e n Bestimmungen f a l l e t . . In den meisten der anderen V e r t r a e g e werden a l l e A r b e i t e r , d i e im
Verlauf d e r v e r f l o s s e n e n zwei Jahre p e n s i o n i e r t wurden, i n dem neuen Programm b e rücksichtigt .
Die i n der S t a h l i n d u s t r i e abgeschlossenen Vetrtraege - d e r Bethlehem Plan i s t
e i n t y p i s c h e s B e i s p i e l - sehen Pensionen von mehr a l s 100 D o l l a r , e i n s c h l i e s s l i c h
A l t c r s r w n t e , v o r . Folgende Berechnung l i e g t dabei zugrunde 1 Man e r m i t t e l t den
D u r c h s c h n i t t der Monatseinkommen des A r b e i t e r s w&amp;ehrend der l e t z t e n zehn J a h r e .
1% d i e s e s D u r c h s c h n i t t s v e r d i e n s t e s , mit der Gesamtzahl d e r Jahre ununterbrochenen
D i e n s t e s v e r v i e l f p . c l t i g t , e r g i b t d i e zu zahlende P e n s i o n . Ein B e i s p i e l « Angenommen,

-5 -

�das Durchschnitsseinkommen eines Arbeiters in den l e t z t e n zehn Jahren betrug
300 Dollar monatlich. 152 davon sind 3 Dollar. Wenn der Arbeiter 25 Dienstjahre
a b g e l e i s t e t h a t , hat er Anspruch auf eine Ptnsion von 75 Dollar pro Monat. Der
Vertrag g a r a n t i e r t jedoch ein Minimum von 100 Dollar, und der Arbeiter erhaelt
auch diesen Betrag. Nehmen wir nun an, ein Arbeiter mit demselben Durchschnittseinkconen i s t s e i t 35 Jahren ununterbrochen beschaeftigt. Ihm steht demnach eine
Pension von 1% von 300 Dollar - 3« m u l t i p l i z i e r t mit 35 - 105 Dollar, e i n s c h l i e s s l i c h Altersrente, zu.
Die Pensionen sind auf Lebensdauer zu zahlen, auch wenn der Tarifvertrag nicht
erneuert wird oder das Unternehmen zu bestehen aufhoert. Verschiedene Plaene sind
ausgearbeitet worden, um den Pensionsberechtigten nach i h r e r Pensionierung eine
laufende Zahlung aus Fonds zu sichern, d i e mit genuegend Geldmitteln ausgestattet
wurden. Der Vertrag s i e h t vor, dass ein Arbeiter, der durch irgendeinen Uhfall,
s e l b s t einen Autounfall, dauernd erwerbsunfaehig i s t , Anspruch auf eine Uhterstuetzung h a t , wenn er 15 oder mehr Jahre ununterbrochenbeschaeftigt gewesen i s t . Dabei
i s t g l e i c h g u e l t i g , in welchem Alter die Erwerbsunfaehigkeit e i n t r i t t . Seine monatliche Unterstuetzung betraegt mindestens 5 ° Dollar, solange er noch nicht 65 Jahre
a l t i s t . Mit Erreichen des 65. Lebensjahres g i l t der Erwerbsunfaehige a l s r e g e l rechter Pensionaer und f a e l l t unter di» Bestimmungen des entsprechenden Programm.
Solange ein Arbeiter auf der Seniorenliste eines Unternehmens b l e i b t , zaehlen die
Jahre fuer seinen Pensionsplan. Mit anderen Worten, seine Dienstjahre bei dem
Unternehmen zaehlen ununterbrochen weiter, solange er auf dieser Liste gefuehrt
wird« Das bedeutet» dass ein Arbeitnehmer unter gewissen Umstaenden in einem Jahr
nur sechs oder gar nur drei Monate a r b e i t e t , und seine Dienstzeit trotzdem nicht a l s
unterbrochen g i l t .
Bei der Ermittlung der durchschnittlichen monatlichen Unterstuetzung wird, wie
b e r e i t s erwaehnt, der Durchschnitt der Einkommen in den der Pensionierung vorangehenden zehn Jahren zugrundegelegt. Damit dieser Durchschnitt dem tatsaeChilenen Verdienst so weit wie moeglich e n t s p r i c h t , auch wenn der Arbeiter nicht immer ununterbrochen gearbeitet h a t , wird von vornherein ein Jahr der fehlenden Zeit nicht in
Anrechnung gebracht.
Ein medizinischer Schiedteusschuss wird gebildet werden, der bestimmt, ob ein
Arbeitnehmer dauernd erwerbsunfaehig i s t und er deshalb Anspruch auf die entsprechend*
laufende UntersStietzung h a t . Zuerst wird er von dem Betriebsarzt untersucht, dann
vom Gewerkschaftsarzt5 und wenn keine uebereinstimmende Entscheidung getroffen wurde,
zieht man einen d r i t t e n Arzt zu Rate, der von den beiden ersten ausgewaehlt wird.
Unter Anwendung der ueblichen Beschwerde- und Schiedsverfahren werden Fragen g e l o e s t ,
die die Begriffe "ununterbrochene Dienstzeit*, "durchschnittliches Monatseinkommen",
"Alter" und "unvermeidliche Ursache" der dauernden Erwerbsunfaehigkeit mit sich
bringen koennen. Probleme, die i n der Auslegung der Vertragsbestimmungen zur Durchfuehrung der Psnsionsvorschriften entstehen, - ausser wenn es sich um dauernde Erwerbi
unfaehigkeit handelt, - s o l l e n von dem ueblichen Beschwerdekomitee beerb i t e t werden
und unterliegen der s c h i e d r i c h t e r l i c h e n Entscheidung nach Massgabe des normalen Kollel
tirrerträges,
Sozialversicherungs-Programm
Fuer jeden Arbeitnehmer und jede gearbeitete Stunde werden insgesamt 5 Cents
i n einen Zentralfonds einbezahlt, um tinen groesstmoeglichen Anteil am Sozialversicherungs-Programm zu erwerben. Im allgemeinen sind die Unternehmer mit zweieinhalb Cents an diesem Betrag b e t e i l i g t und die Arbeitnehmer mit den r e s t l i c h e n
zweieinhalb Cents. Es i s t noch nicht genau bestimmt, welche Anrechte an der S o z i a l versicherung mit den 5 Cents pro Arbeitsstunde und pro Arbeitnehmer erworben werden
koennen, man i s t im allgemeinen jedoch uebereingekommen, sieben verschiedene Versicherungsarten i n ein oder der andern Form vorzusehen«
(1)
(2)
(3)
(4)
(5)
(6)
(7)

Lebensversicherung, solange der Arbeiter beschaeftigt i s t ,
eine "paid-up" Lebensversicherung nach der Pensionierung,
Kranken- und Unfallversicherung
Krankenversich r rung fuer die Familie,
Mutterschaftsversorgung
Anspruch auf Krankenhausbehandlung und
Unfallschutz.

-6-

�I\ton s c h ä t z t , das?, in dem neuen Plan ein Lebensversicherun&amp;sbetrag i n Hoehe von
mindestens 2000 Dollar und hoechstens 4500 Dollar vorgesehen i s t ; der Durchschnittsbetrag fuer den Durcnschnittsarbeiter beliefe sich demnach auf 3000 Dollar. Er kann
hoeher oder niedriger s e i n , da er von vielen Faktoren abhaengt. .Auch kann der durchs c h n i t t l i c h e Betrag in verschiedenen Unternehmen verschieden s e i n , je nach der Zusammensetzung der Arbeitskraef te - Alter, Geschlecht, Dienst jähre, usw. Diese Form
der Lebensversicherung i s t in Kraft, solange der Arbeiter tatsaechlich beschaeftigt
i s t . Mit anderen Worten, es handelt sich um eine Lebensversich rung im Rahmen des
Sozialver3icherungsprogramms, die den Arbeit r mit etwa 3000 Dollar v e r s i c h e r t .
Nachdem der Arbeiter pensioniert i s t , seir.e Mindestpension von 100 Dollar pro
Monat bezieht, und Iceina Praemien mehr in die Sozialversicherung z a h l t , erhaelt er
eine sogenannte •paid-up* Lebensversicherung in einer Hoehe von etwa 1250 - 1500
Dollar. Eine "paid-up" Lebensversicherung b i e t e t zusaetzliche S i c h e r h e i t , und einer •
ihrer Vorzuege i s t , dass die Sicherheit nach der Pensionierung des Arbeiters besteht.
Man hofft, dass ein Arbeiter 26 Dollar pro Woche fuer eine Dauer von 26 Wochen
ausbezahlt bekommt, wenn er krank oder v e r l e t z t wird. (Einige Staaten haben b e r e i t s
Kranken- und ürifallversicherungsprogramme, und in allen Staaten besteht irgendeine
Form von Versicherung der Arbeiter.) Diese Faelle werden bei der Einfuehrung des
neuen Programms beruecksichtigt werden, Unfall- und Krankengelder werden auch gezahlt,
wenn die Krankheit oder der Unfall nicht unmittelbar durch die Arbeit bedingt sind.
Der Schutz des Arbeiters gegen Unfall oder Krankheit, die i n der I n d u s t r i e entstanden
sind, i s t durch Gesetze gewaehrleistet. Nach den Bestimmungen des SozialversicherungsProgrammsueber Uhterstuetzungen bei Krankheit oder Unfall hat der Arbeiter 26 Wochen
lang auf 26 Dollar pro Woche Anspruch.
Ausserdem hofft man, dass ein die gesamte Nation umfassendes HospitalisierungsFrogramm des Blauen Kreuzes durchgefuehrt werddn kann, damit waere fuer den Arbeiter,
seine Frau und seine Angehoerigen, e i n s c h l i e s s l i c h unverheirateter Kinder bis zu
19 Jahre, im Krankheitsfalle fuer Behandlung in einem Krankenhaus gesorgt. Jede
Krankenhausbehandlung, die nicht laenger a l s 70 Tage dauert, wird von der Versicherung
finanziert.
Mutterschaftsversorgung i s t auf 10 Tage begrenzt. Das neugeborene Kind wird
solange betreut, wie sich die Mutter im Krankenhaus befindet. Anspruch auf diese
/ersergung hat sowohl die Frau eines Arbeiters als auch die v e r h e i r a t e t e , berufstaetige Frau.
Krankenhausgeld s c h l i e s s t B e t t - , Verpflegungs- und allgemeine Pflegekosten in
halb-privaten Anstalten e i n . Enthalten darin sind ferner Kosten fuer die Benutzung
äes Operations- und Entbindungsraumes, Narkose und Verbaende, Arzneien und Laboratoriumsuntersuchungen, die zur Behandlung des Patienten notwendig s i n d .
Im Falle siner Verletzung durch Unfall wird eine Notbehandlung in einem Krankenaaus innerhalb 2k Stunden nach dem Umfall g a r a n t i e r t .
Diese Sozialversicherungsprogramme t r e t e n am 1. Januar 1950 l&gt; Kraft und werden
lern Arbeiter und seiner Familie einen sicheren Schutz bieten. Man i s t eben dabei,
Jie genauen Einzelheiten auszuarbeiten.

Wir gaben eine Beschreibung einiger Bestimmungen, die in den Vertraegen der
Stahlarbeiter mit den groessten Stahlfirmen enthalten sind. Die Vereinbarungen, die
i i e Vereinigten Automobilarbeiter mit den Ford-Werken b e r e i t s frueher treffen konnten,
sind im Prinzip denen der S t a h l i n d u s t r i e sehnlich. Der Vertrag mit den Ford-Werken
sieht eine monatliche Pension von 100 Dollar, e i n s c h l i e s s l i c h A l t e r s r e n t e , vor, wenn
ler Arbeiter 65 Jahre a l t i s t und 30 Dienstjahre h a t , Arbeiter, die mit 5$ Jahren
lauernd arbeitsunfaehig sind, e r h a l t e n eine laufende Unterstuetzung von 50 Dollar
pro Monat, vorausges&lt; t z t , dass s i e 30 Jahre lang ununterbrochen beschaeftigt s i n d .
Der Vertrag enthaelt ferner eine von dem Unternehmer finanzierte Krankenversicherung,
i i e dem Arbeiter bei einer einzelnen Krankheit, die eine Aufnahme in ein Krankenhaus
erforderlich nacht, taeglich 4 Dollar bis zu einem Gesamtbetrag von 280 Dollar bezahlt.

�Diese Leistungen stellen einen Zusatz zu den Unterstuetzungen des Blauen Kreuzes,
Blauen Schildes und der Lebens-, Unfall- und Krankenversicherungen dar, die in dem
bestehenden Versicherungsplan bereits Aufnahme gefunden haben. Hat der Arbeiter
weniger als 30 Dienstjähre, dann wird seine Pension in entsprechendem Verhaeltnis
reduziert, wie es in den Vertraegen der Stahlindustrie der Fall ist. Die Pensionsund Sozialversicherungsvertraege sowohl in der Stahl- als auch in der Automobilindustrie laufen fuenf Jahre, Eine Wiederaufnahme der Lohnverhandlungen ist in den
Vertraegen der Stahlindustrie fuer den X« November 1950 vorgesehen, mit dem Recht,
am 31. Dezember 1950 zu streiken, wenn keine zufriedenstellenden Abmachungen getroffe
wurden. Nach Verlauf von zwei Jahren kann das Unternehmen sein Recht geltend machen,
Abeenderungen des Pensionsplanes vorzunehmen; zu gleicher Zeit kann die Gewerkschaft
von ihrem Streikrecht Gebrauch machen. Wird nach zwei Jahren der Pension3plan jedoch
nicht abgeeendert, verlaengert sich seine Gueltigkeit bis zum 31» Oktober l$5k»
Praesident Murray erklaerte bei Verhandlungen, die er mit dem LohnfestsetzungsKomitee ueber die Vertraege in der Stahlindustrie fuehrtei
•Der Vertrag mit der Stahlindustrie ist einer der wichtigsten und weitreichendst
Erfolge, die unsere Gewerkschaft im Dienste des amerikanischen Volkes je erzielen kor
»Er bedeutet natuerlich einen Riesenschritt vorwaerts auf dem Wege, die Aelterer
Kranken und Arbeitsunfaehigen zu beschuetzen, die von der Stahlindustrie abhaengig
sind. Aber es ist unmoeglich abzuschaetzen, was dieser Sieg fuer Millionen anderer
bedeuten wird, die vielleicht seine Auswirkungen spueren und die Fruechte unserer
Arbeit ernten werden,•
Economic Outlook (CIO)
Dezember 1949

ERNEST SCHWARTZTRAUBER i OHNE GEWERKSCHAFTEN KEINE DEMOKRATIE
Ernest Schwaitztrauber ist Direktor der beruehmten
Universitaet der Schule fuer Arbeiter in Wisconsin,
die kuerzlich ihr 25-jaehriges Bestehen feierte.
In den folgenden Auszuegen, die einer Broschuere
ueber die Arbeit der Schule entnoanen sind, bringt
Schwärtztrauber zum Ausdruck, dass sein Glaube
in die Gewerkschaftsbewegung unerschuetterlich ist.
Er spricht in Worten, die allen Gewerkschaftern zu
Herzen gehen muessen.
Demokratie und Totalitarismus der Rechten und Linken sind gegenwaertig in
einen Kampf um Sein oder Nichtsein verwickelt. Mit der Demokratie werden all
jene Elemente erhalten bleiben, die einen Teil ihrer Existenz bilden, und ohne
die sie nicht lebensfaehig waere.
Die Gewerkschaftsbewegung ist eines jener Elemente; ohne sie waere die Demokratie mit einem Mann zu vergleichen, der nur ein Bein hat und mit einem gewandten
und verschlagenen Riesen kaempfen muss, Die Gewerkschaftsbewegung, ebenso wie die
Demokratie, ist jedoch nicht nur ein Begriff oder eine Idee; si&lt;= wird von Millionen
von Menschen getragen, - von Arbeitern, die sich auB ihrem alten Stand, in dem sie
nichts anderes als einfache Steinhauer oder Wassertraeger waren, zu einem Status
emporgearbeitet haben, derihnendie ihnen zukommende Teilhaberschaft an der demokratischen Gesellschaft zusammen mit den anderen Klassen sichert.
Wenn dem Arbeiter woo der Industrie, in der er beschaeftigt ist, oder dem
Buerger von der Gemeinde, in der er wohnt, seine demokratischen Rechte streitig
gemacht werden, dann heisst das, dass die menschliche Persoenlichkeit dort ueberhaupt nicht zaehlt. Und im Kielwasser dieser Verweigerung fliessen all die anderen
Kraefte, die ein demokratisches Staatsgebilde unterminieren.
Die demokratische Gewerkschaftsbewegung ist damit von lebenswichtiger Bedeutung
fuer eine wahrhaft demokratische Gesellschaft. Ihr Vorhandensein und ihr staendiges
Anwachsen garantieren, dass in dem demokratischen, politischen Staat sich kein auto- 8 -

�kretisches, industrielles Gebilde entwickeln kann« Sie bieten mit aie Gewaehr
dafuer, dass jede Parsoenlichkeit die Gelegenheit hat, sich ihren Faehigkeiten
entsprechend v o l l zu entwickeln. Und das i s t letzten Endes die sicherste Grundlage fuer die Demokratie«
•The Machinist»
Woechentlich.es Nachrichtenblatt des
Internationalen Metallarbeiterverbandes Amerikas
19« Januar 1950
ANTEIL DER AFRIKANISCHEN FRAU IM WIRTSCHAFTSLEBEN
Washington — (Amerika Dienst) — 18 Millionen Frauen - 28 Prozent der gesamten Arbeitskraefte der U.S.A. - sind heute, wie Frida S. Miller, die Leiterin
des Bueros fuer Frauenarbeit im U.S.-Arbeitsministerium, vor kurzem berichtete,
erwerbstaetig. In vielen lebenswichtigen Industrien und Gewerbe zwei gen bilden
Frauen die Mehrheit der Arbeiterschaft.
Der Anteil der weiblichen Negerbevoelkerung am amerikanischen Wirtschaftsleben betrug im Jahre 1947 2i Millionen Negerinnen« Obwohl dafuer genaue Unterlagen
noch nicht vorhanden sind, lassen, wie Miss Miller erklaert, die bisher vorliegenden
Ziffern bereits erhebliche Veraenderungen seit dem Jahre 1940 erkennen. Dabei ist
vor allem der verhaeltnismaessig geringe Prozentsatz der in der Landwirtschaft
beschaeftigten Negerinnen - nur 7 Prozent im Jahre 1947 gegenueber 21 Prozent im
Jahre 1940 - bemerkenswert«
Eine weitere Verschiebung ergab sich auch bei den Negerinnen, die als Hausgehilfinnen taetig sind. Waehrend 1940 noch ungefaehr 70 Prozent der Hegerinnen,
die nicht in der Landwirtschaft beschaeftigt waren, als Haushalthilfen Verdienst
fanden, waren es 1947 nur etwa 50 Prozent.
Der Prozentsatz der Negerinnen, die als Bueroangesteilte oder als Verkäuferinnen taetig sind, hat sich in der gleichen Zeit mehr als verdreifacht| mehr als
verdoppelt hat sich die Zahl der Nagerinnen, die als Fabrikarbeiterinnen, und
nahezu verdoppelt jener, die als Schoenheitspflegrinnen und Koechinnen arbeiten«

FRANZOSEN STUDIEREN AMERIKANISCHE PRODUCTIONSMETHODEN
Gewerkschaftsvertreter aus Frankreich, die als Mitglieder einer Produktivitaets-Team ihren 5-woechigen Besuch in den Vereinigten Staaten gerade beendet haben,
berichteten, dass amerikanische Produktionsmethoden auch in Frankreich mit Erfolg
angewendet werden koennten.
Die franzoesiche Team setzte sich aus Vertretern der Werkzeugmaschinenindustrie
zusammen. Im Rahmen des unter der Schirmherrschaft der franzoesichen Regierung und
der Marshall Plan Verwaltung stehenden Programms zur Technischen Unterstuetzung
studierten sie Arbeitsmethoden des gleichen Industriezweiges in Amerika«
Die technische Leistungsfaehigkeit amerikanischer Unternehmen erregte die
Aufmerksamkeit des 28 Jahre alten Ingenieurs Jean Marie Groslambert, der Mitglied
des Verbandes der Technischen Leiter (Confederation Generale des Cadres) ist. Auf
die unterschiede eingehend, die zwischen den amerikanischen und franzoesisehen
Methoden bestehen, fuehrte er aust
•Massgebliche Faktoren der hohen Produktionsleistung in den Vereinigten
Staaten sine u.a. die Gruppierung der Betriebsanlagen und das ein-Etage System.
Dadurch wird ein reibungsloser Ablauf des Produktionsprozesses gewaehrleistet.
Fuer jeden Mann und jede Maschine steht mehr Raum zur Verfuegung, und breite
Passagen erleichtern den Transport von Material und Maschinen«
•Eine vorbildliche Gruppierung gleicher Maschinen vermeidet unnoetige Bewegungen im Produktionsprozess und erspart Zeit und Instandhaltungskosten, indem man die
Arbeit hochqualifizierter Facharbeiter, die zur Instandhaltung der Maschinen eingesetzt werden, lokalisiert. Fuer den Materialtransport bedient man sich in Amerika

9-

�weitgehendst mechanischer Hilfsmittel, wie Aufzuege, Kreene, gabelfoermige Heber
und kleine Zugmaschinen. In Frankreich ist es nicht leicht, solche Ausrüstungen zu beschaffen, und der fuer diese Einrichtungen erforderliche Raum ist
aeusserst begrenzt.
•Kleine, elektrisch oder mit Pressluft betriebene Handwerkzeuge sind in den
amerikanischen Fabriken weitverbreitet und befinden sich in greifbarer Naehe des
Arbeiters. Die Maschinen sind im allgemeinen ziemlich neu, und eine Maschine
wird nur fuer einen Arbeitsgang verwendet. In Frankreich sind die Einrichtungen
aelter, und man ist gezwungen, eine Maschine fuer mehrere Zwecke zu verwenden.
Man verliert daher Zeit durch Umbau und Auswechseln von Maschinenteilen.*
Georges Bonnet, ein 26 Jahre alter franzoesischer Fraeser, ist Mitglied der
•Force Ouvriere" und gehoerte ebenfalls zur Produktivitaets-Team. Er schenkte
dem in Amerika gebraeuchlichen Klassifizierungssystem besondere Beachtung und
nahm dazu fclgendermassen Stellung» *Es ist sehr interessant, sich mit den amerikanischen Systemen der Arbeitsbewertung und Klassifizierung nach Verdienst zu befassen. Sie kcennten zum Teil auch in Frankreich angewendet werden. Die laufende
Bewertung einzelner Arbeiter mit aehnlichen Beschaeftigungen in irgendeinem Betrieb
und ein sehr einfaches Punktsystem zur Lohnfestsetzung sind vorteilhafter als das
System, das man in Frankreich hat, wo sich die Hoehe .der Loehne nach der Produktionsleistung des gesamten Unternehmens, manchmal sogar auf nationaler oder Industriebasis, richtet.»
Louis Fahy, 37 Jahre alt, Vorarbeiter und Mitglied der Franzoesichen Foederation Christlicher Arbeiter (Confederation Francaise des Travailleurs Chretiens),
befasste sich in seinem Kommentar mit der Produktionsleistung. Er wiess darauf
hin, dass amerikanische Firmen mehrere Typen von Maschinen herstellen, waehrend
ein Unternehmen in Frankreich das Bestreben hat, nur einen Typ zu produzieren,
um die Nachfrage decken zu koennen, die auf dem inlaendischen Markt heute noch
groesser ist als die Produktion. Er unterstrich die Tatsache, dass die "Produktion der franzoesischen Werkzeugmaschinen- und metallverarbeitenden Industrie den
Vorkriegsstand bereits uebertroffen hat, obwohl dieser Industriezweig nur zu 75%
wiederhergestellt ist.» Er gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, dass diese erhoehte
Produktionsleistung in Frankreich der groesseren Normung der hergestellten Maschine ntypen zuzuschreiben sei.
ECA Labor Information
18. Januar 1950

BEITRAG VON E.R.P.-GEGENWERTFONDS FUER WOHNUNGSBAU IN WESTEUROPA
Im Rahmen des Marshallplans sind bis jetzt mehr als 100 Millionen Dollar
in Gegenwertfonds fuer den Wohnungsbau in Westeuropa freigegeben worden.
Unter dem E.CA.-Programm sind bereits Neubauten von kleinen Haeusereinheiten
in allen E.R.P.-Laendern begonnen worden. Diesen wurde ausserdem zusaetzliche
Hilfe in Form von Baumaterialien zuteil, fuer welche die E.C.A. seit Beginn des
Europaeischen Hilfsplans Ankaufsermaechtigungen erteilt hat. Die wichtigsten
Posten dieses Beitrags sind bis jetzt Bauholz im Werte von 93 Millionen Dollar
und nichteisenhaltige Metalle im Wert von 446 Millionen Dollar gewesen.
Die meisten der aur Zeit in Ausfuehrung begriffenen Wohnungsbauprojekte
stehen in Verbindung mit industriellen Entwicklungsprogrammen. In Frankreich
zum Beispiel hat die Freigabe von Gegenwertfonds in Hoehe von mehr als 14 Millionen Dollar dazu gedient, den Neubau von 3»000 Haeusereinheiten in den Kohlengebieten in Lothringen und den Departementen Nord und Pas-de-Calais zu finanzieren.
Ferner 30II der Frankengegenwert von etwa 6 Millionen Dollar verwendet werden
fuer ArbeiterWohnungen im Zusammenhang mit dem Sollac-Stahlprojekt in Lothringen.
Weitere betraechtliehe Sumruen werden dem Wohnungsbau fuer Bergleute der Pottaschegruben im Elsass dienen.

- 10 -

�Es koennten noch zahlreiche andere Beispiele in verschiedenen E,R.P.-Laend e m sngefuehrt werden, u.a. das umfassende Wiederaufbauprojekt Ton Arbeiterwohnungen in den vom Kriege zerstoerten Gebieten der Niederlande, der E.C.A.Beitrag fuer einen ausgedehnten Wohnungsbauplan fuer italienische Arbeiter
und grosse Wohnungsbauprojekte in ganz Westdeutschland.

Gewerkschaftliches NachrichtenBulletin ueber den Europaeischen
Hilfsplan
1./15. Januar 1950

D1ENISCHB GEW1SRIS CHAFTEN WEISEN KOMMUNISTEN ZURECHT
Hans Rasmussen, Praesident der Metallarbeiter Gewerkschaft, beschuldigte
kuerzlich die Kommunisten Daenemarks, die zur Zeit gefuehrten Vertragsverhandlungen absichtlich stoeren und sabotieren zu wollen.
Rasmussei schreibt in einem Artikel, der in dem Organ seiner Gewerkschaft,
•Der Metaller beiter^, veroeffentlicht wurde« "In den dreissig Jahren des Bestehens
der Komnunistischen Partei Daenemarks ist es ihr niemals gelungen, etwas fuer
die Arbeitersshaft zu tun."
Bezugnehmend auf die gegenwaertigen Versuche des Daenlschen Gewerte chaftsbundes, durch Verhandlungen eine Erneuerung aller Ar beitsvertraege zu erwirken,
unter deren B9Stimmungen praktisch saemtliche Mitglieder des Gewerkschaftsbuches
(600.000) fallen, fuehrte Rasmussen aust »Die organisierten Arbeiter muessen
sich darauf gefasst machen, dass die Wortfuehrer der Kommunistischen Partei
allen Vorschlaegen zu einem Debereinkommen ablehnend gegenueberstehen werden.1
Rasmussen, einer der bedeutendsten Fuehrer der Gewerkschaften und der
Sozialdemokratischen Partei Daenemarks, brachte seinen Gewerkschaftsmitgliedern
gegenueber genz offen zum Ausdruck, dass »die Forderungen der Arbeiter nach ausreichenden Lcehnen, kuerzerer Arbeitszeit und besseren Urlaubsbestimmungen nicht
von den Kommunisten erfunden seien, obwohl sie dies beteuerten. Es sind die
traditionellen Forderungen der Arbeiter, und die Gewerkschaften haben immer
wieder versucht, sie zu verwirklichen, soweit dies nach den gegebenen Verhaeltnissen moeglich war.*
Der Praesideni der Metallarbeiter beschwerte sich ueber die Gewohnheit der
Kommunisten, Arbeitsvertrage ausser acht zu lassen, wenn es ihren zersetzenden ,
Absichten dienlich sei. In dieser Beziehung bestehe ein grosser Unterschied
zwischen den daenlschen und sowjetischen Kommunisten, die bei Nichtbeachtung der
vertraglichen Verpflichtungen schwer bestraft wuerden. Er machte auf die Tatseche aufmerksam, dass der Sekretaer des sowjetischen Gewerkschafts-Zentralkomitees, Sjwernik, den russischen Arbeitern gesagt hätte,"ein Vertrag sei ein regelrechtes Versprechen, und die Arbeiter haetten dessen Bedingungen unbedingt zu
erfuellen.•
' Rasmussen legte ferner den Kommunisten zur Last, immer dann eine oppositionelle Haltung einzunehmen, wenn man bemueht sei, die Arbeiter zu einem Bleiben
an ihrem Arbeitsplatz oder zu der Einhaltung einer Kuendigungsfrist von einem
Monat anzuhalten. Er erklaertei »In der Sowjetunion ist es kein Verbrechen,
wenn die Gewerkschaft und die Regierung von dem Arbeiter verlangen, seine Besehaeftigung beizubehalten, denn, so sagen sie, nur dadurch kann die Produktion
ataendig verbessert werden,•
•Sobald man jedoch in Daenemark diese Forderung aufstelle', sagte er,
•verfolgen die Kommunisten nicht mehr diesen Grundsatz.*
Labor Information
11. Januar 1950
- 11 -

�U»S. AOTOMOBILüpBEITER FOT» ERSCHLIESSUNG UNENTWICKELTER GEBIETE
Die Vereinigten Automobilarbeiter, die groesste amerikanische Gewerkschaft
und Fuersprecherin der Marshall Plan Hilfe, kuendigte kuerzlich an, dass sie
mit allen Mitteln ein anderes internationales Wiederaufbau Projekt, naemlich
Praesident Trumans Punkt-Vier-Programm, unterstuetzen wird*
In einer Rede rar dem Aussenpolitischen Ausschuss in den ersten Tagen
der zweiten Sitzungsperiode des 81* Kongresses erklaerte Donald Montgomery,
Direktor der Zentrale Washington der Automobilarbeiter Gewerkschaft! •Das PunktVier-Programm ist ein Friedensbekenntnis. Es soll den Wert und die Staerke der
Demokratie zum ersten Male vor Hunderten von Millionen Menschen der ganzen Welt
unter Beweis stellen.•
Mr. Montgomerys Erklaerung, die er im Namen einer halben Million organisierter Gewerkschaftsmitglieder der Vereinigten Automobilarbeiter abgab, ist eine
neue Bereitschaftserklaerung der demokratischen Gewerkschaftsorganisationen Amerikas, internationale Wiederaufbau- und Erschliesaungs-Frojekte zu unterstuetzen.
Mit dem Punkt-Vier-Programm stellen die Vereinigten Staaten sich zur Aufgabe, die technische Hilfe und industrielle Erfahrung auf unentwickelte und in
der Industrie rueckstÄndige Gebiete der Welt auszudehnen, mit dem Bestreben, den
Lebensstandard der Bewohner jener Gebiete zu verbessern« Zu diesem Zweck muss
Kapital investiert werden, um die Rohstoffquellen dieser Laender erschliessen
zu koennen.
ECA Labor Information
19. Januar 1950
- 12 -

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

OFFICIAL

HI00C-0Ü.9 L * B r«b 50 16 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

II - 49

Frankfurt, 10. Februar 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Veraenderung im Verhaaltnis der Ausgabeposten
des Knglaenders
- - ___

• - X

Entstehung und Entwicklung des internationalen
Gewerkschaf tswesens

-2

Robert Nathan: "Lebensstandard des amerikanischen
Arbeiters kann und muss erweitert werden- - -

4

Arbeiter Israels studieren Produkt!onsmethöden
im Ausland

-5

Lebenshaltungskosten i n Polen

- 5

-

- -

- -

'Vas i s t falsch am Taft-Hartley Gesetz?
Samuel Gompers' Lebensgeschichte - - -

6
_ _ _ -

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Sin norwegisches Produktivitaets-Team besucht Amerika- 10
Hoher Warenverbrauch i n Amerika

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VERASNDSPUNG IM VERHAKT.TNIS DER AUSGABEP0ST3N DES EHGLA3KDERS
Die nachstehenden Indexziffern zeigen eine grosse Veraenderung im Verhaeltnis der Ausgabeposten der b r i t i s c h e n Bevoelkerung. Die rosten, welche
durch den Index 1914 nicht gedeckt waren, s t e l l e n hauptsaechlich Ausgaben
fuer Kultur, Erziehung und Unterhaltung dar. Die geringere Verhaeltniszahl
fuer Nahrungsmittelausgaben i s t zurueckzufuehren auf das hoehere Einkommen
der britischen Bevoelkerung s e i t 1914.
Index 1914
Teber.smittel
Miete und Gemeindesteuern
Kleidung
licht und Heizung
Andere Posten im Index 1914
Im Index 1914 gedeckte Posten
insgesamt ....
Im Index 1914 nicht gedeckte Posten
Insgesamt

Neuer Index auf der Basis
der Preise vom Juni 1947

60
16
12

35
9
9

8
_4.

7
16

100
24

100
Gewerkschaftliches Nachrichten Bulletin
ueber den Suropaeisehen Hilfsplan - 1/15«Jan.
1950

�Mit den Augen eines Ensrlaenders gesehen t
ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG DES INTERNATIONALEN GEWERK5CHAFT3WESEN5
Als man vor 86 Jahren die erste Arbeiter-Internationale aus der Taufe hob,
war dies der Initiative der englischen Gewerkschaften zu verdanken, I863 kamen
zwei Delegierte von Frankreich nach London, um von den englischen Gewerkschaften
Hilfe fuer Polen zu erbitten. Nach einer erfolglosen Auflehnung gegen die Zarenherrschaft hatte die dortige Regierung drastische Unterdrueckungsmassnahmen ergriffen.
Auf einer Tagung in London am 28. September I864 wurde formell die Internationale Artflitervereinigung (International Association of Working Men) gegruendet.
In den folgenden 6 Jahren wurden Zweigstellen in fast allen europaeischen
Laendern und in Vereinigten Staaten von Amerika errichtet. Die Verwaltung des
I.A.W.M. lag in den Haenden eines Verwaltungsretes, der $$ Mitglieder zaehlte
und seinen Sitz in London hatte. Diese Koerperschaft hatte jedoch nur wenig Kontrolle ueber die verschiedenen nationalen Zentren.
Im Jahre I870 war Odger Praesident und Applegarth Vorsitzender dieses Verwaltungsrates. Dem Verband fehlte jedoch die allgemeine Unterstuetzung Seitens
der englischen Gewerkschaften, von denen viele fuer dessen politische Philosophie
kein Interesse zeigten, ihr feindlich gegenueberstanden oder unschluessig zwischen
dem Kommunismus von Marx und dem Anarchismus von Bakunin hin- und herschwankten*
Als auf dem Jahreskongress 1872 im Haag beschlossen wurde, den Sitz des
Verwaltungsretes nach New York zu verlegen, konnte man im Grunde nicht mehr von
einer Unterstuetzung der Organisation durch die englischen Gewerkschaften sprechen.
Im Jahre I876 wurde die Assoziation in Philadelphia formell aufgeloest.
Die im Jahre I889 gegruendete Zweite Internationale hatte offensichtlich
polititischen Charakter, obwohl sie teilweise von Gewerkschaften getragen wurde.
Sie verfolgte in erster Linie sozialistische Ziele und machte es sich zur Aufgabe,
anarchistische und andere Elemente auszuschliessen, die der parlamentarischen
Demokratie feindlich gesinnt waren.
Aus dieser Organisation heraus *urde schliesslich die Internationale der
Arbeiter und Sozialisten geboren (Labour and Socialist International), die von
1923 bis 1940 bestand.
Zuvor war jedoch auf Veranlassung des Britischen Gewerkschaftsbundes der
Versuch gemacht worden, eine internationale Zusammenarbeit auf rein gewerkschaftlicher Basis zu verwirklichen.

1888 wurde vom parlamentarischen Ausschuss des Britischen Gewerkschaftsbundes eine internationale Gewerkschaftskonferenz nach London einberufen, an der
123 Delegierte teilnahmen, (davon waren 79 Englaender). Sie repraesentierten etwa
l.loo.ooo Gewerkschafter, darunter 850.000 englische. Die Gewerkschaften Deutschlands, Oesterreichs und Russlands waren von dem Britischen Gewerkschaft3bund nicht
eingeladen worden, und in dieser Tatsache ist einer der Gruende fuer die Zwistigkeit zwischen den Delegationen des Kontinents und den meisten englischen Abordnungen zu suchen. Aus diesem Grunde kam auf dieser Konferenz auch keine Organisation zustande, und ein anderer von den franzoesischen Gewerkschaften zwoelf
Jahre spaeter unternommener Versuch, hatte ebensowenig Erfolg. Dann kam J. Jensen,
der- Praesident der Daenischen Gewerkschaften, im Jahre 1900 nach Glasgow, um an
dem Kongress des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes (General Federation of Trade
Unions) teizunehmen. Er besprach mit Isaac Mitchell, dem Sekretaer dieses Bundes,
die Notwendigkeit einer Gewerkschaftsintrrnationale. Das Ergebnis dieser Besprechungen war die internationale Gewerkschaftskonferenz in Kopenhagen im Jahre 19c

- 2 "

�Damit war e i n wirklicher .Anfang gemacht worden. Man beschloss in Kopenhagen, die naechste Konferenz zusammen mit dem Kongress des G.F.T.U. im
darauffolgenden Jahr in S t u t t g a r t abzuhalten. Es i s t interessant festzus t e l l e n , daas die Einladung des deutschen Gewerkschaftszentrum an die anderen
Organisationen die Bitte um Schweigen und Geheimhaltung vor der Konferenz e n t h i e l t , um nicht die •unwillkommene Aufmerksamkeit• der deutschen Polizeibehoerden zu erregen.
Bis zum Jahre 1913 fanden regelmaessig Kongresse der Internationale i n
den verschiedenen Laendern s t a t t . In diesem Jahre beschloss die in Zuerich
zusammentreffende Konferenz, die Bezeichnung "Internationaler Gewerkschaftsbund" ( I n t e r n a t i o n a l Federation of Trade Unions) zu tragen. Bevor die neue
Organisation wieder eine Konferenz abhalten konnte, war der Erste Weltkrieg
ausgebrochen. Die Haltung der deutschen Gewerkschaften, die einen Angriffskrieg ihres Landes ohne Vorbehalt befuerwarteten, wirkte umsoraehr demoralisierend, als es das deutsche Gewerkschaftszentrum war, das man zum S e k r e t a r i a t
des Internationalen Gewerkschaftsbundes erwaehlt h a t t e .
Im Jahre I917 beschloss der Britische Gewerkschaftsbund, sich nach dem
Kriege fuer die Wiedergruendung i n t e r n a t i o n a l e r Gewerkschaftsverbaende einzusetzen, und man t r a f mit dem G.F.T.U. eine Vereinbarung, wonach beide Organisationen in diesen Verbaenden gemeinsam vertreten sein s o l l t e n . Kurz vor
Beendigung des Krieges unternahm man schon dahingehende S c h r i t t e . In Anbetracht
der aussergewoehnlichen Lage konnte der e r s t e Msahkriegskongress der Internationalen Gewerkschaften jedoch e r s t am 28. Juli 1919 i a Amsterdam s t a t t f i n d e n .
Dort begruendeten Delegierte aus 14 Laendern erneut den Internationaler: Gewerkschaftsbund (IFTU).
Im Jahre 1922 gehoerten b e r e i t s 24 Laender dem IFTU an; mit Ausnahme von
vier waren es europaeische Nationen. Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL,
der bis 1914 dem IFTU angehoert h a t t e , war ausgetreten und schloss sich ihm
e r s t wieder 1937 an.
Durch den Faschismus in I t a l i e n und spaeter den Nationalsozialismus in
Deutschland gingen der Organisation Millionen von Mitgliedern verloren. Die
Ivütgliederzahl des Internationalen Gewerkschaftsbundes f i e l von 23 Millionen
im Jahre 1921 auf 8 Millionen im Jahre 1934« 1937 war s i e jedoch wieder auf
19i Millionen angestiegen.
Die i n t e r n a t i o n a l e Gewerkschaftsbewegung wurde durch die Gruendung der
Roten Gewerkschaftsinternationale (Reo Intern tional cf Labor Unions), die
nichts weiter a l s eine F i l i a l e der Komintern d a r s t e l l t , stark in Mitleidenschaft
gezogen. Dessenungeachtet versuchte man, (hierbei s p i e l t der Britische sewerk3chaftsbund eine hervorragende Rolle), eine Ver3taendigung zustande zu bringen.
Die Delegation des Internationalen .Gewerkschaftsbundes, die 1937 Moskau besuchte,
hatte i n dieser Hinsicht jrdoch nur wenig Erfolg.
Nachkriegsentwicklunffen
Als Frankreich 1940 ueberrannt wurde, befand sich der S i t z de« I n t e r nationalen Qewerkschaftsbundes in P a r i s . Mitglieder des S e k r e t a r i a t s konnten
nach London entkommen, wo ihnen der Britische Gewerkscheftsbund Bueroraeume
zur Verfügung s t e l l t e . Waehrend dca Krieges versammelten s i e Gewerkschafter
um s i c h , die es vorgewogen hatten, das von den Nazis besetzte Europa zu verlassen. Die Propasandataetigkeit wurde f o r t g e s e t z t . Dann e r l e b t e der Weltgewerkschaftsbund (World Federation of Trade Unions) im Jahre 1945 seine Auferstehung.
. Warum die Gewerksvhaften Englands und der anderen Laender aus dem Weltgewerkschaftsbund austraten, um eine neue Gewerkschaftsinternationale zu bilden,
die frei von kommunistischer Beherrschung und Bevormundung war, wurde b e r e i t s
in Eerichten g e s c h i l d e r t , die dem Bridlington Kongress des Britischen Gewerkachaftsbundes im September 1949 vorgelegt wurden. Mit ueberwaeltigender
3timir.enmrhrheit wurde cort der Entschluss des Verrcaltun.^srates gutgeheissen.
"Labour"
Magazin des Britischen Gewerkschaftsbundes, Dezember 1949

�ROBERT NATHAN* »LEBETESTMg)ARD DES AMERIKANISCHEN ARBEITERS KANN UND MU53
ERWEITERT WERDEN."

Wir geben Auszuege aus einer Rundfunkansprache des Volkswirtschaftlers Robert R. Nathan wieder, der jede Woche im
Namen des CIO ueber die Rundfunkstation WCFM in Washington spricht.
In den vergangenen zwei Wochen haben Praesident Truman und seine Berater
Dokumente veroeffentlicht, die wohl die wichtigsten wirtschaftlichen Feststellungen enthalten, die die Regierung je herausgegeben hat. Dazu gehoeren
die Botschaften des Presidenten ueber den Haushalt, die Wirtschaft und die
allgemeine Lage in den Vereinigten Staaten, der Jahresbericht und der Rückblick des Wirtschaftlichen Beratungssusschusaes. In all dem «erden die
Vorgaenge der Vergangenheit beleuchtet, Schlussfolgerungen fuer die Gegenwert
gebogen und Vorschlaege fuer die Zukunft gemacht.
Ein gemeinsames Thema laeuft wie ein Faden durch all diese Dokumentet
Erweiterung und Fortschritt. Es wird darin wiederholt betont, dass wir die
jetzige Produktion und die Iebensstandarde erweitern koennen und muessen, und
dass diese Erweiterung allen Schichten unserer Gesellschaft zugute kommen amss.
Wenn man sich hoehere Produktionsziele fuer die Zukunft gesteckt hat, so
war es nicht noetig, dunkle Zauberkuenste hierfuer in Anspruch zu nehmen. Man
braucht nur die Vergangenheit zu studieren, um sich eine vernuenftige Basis
schaffen zu koennen, von der aus man die Moeglichkeiten der kommenden Jahre
ueberblicken kann. Da* Neuartige liegt in der Tatsache, dass der Praesident
dieser maechtigen Vereinigten Staaten die nationalen Ziele klar umrissen
und erklaert hat, wie sie erreicht werden koennen«
•

Das Vertrauen in das System der freien Wirtschaft wird erneut zum Ausoruck gebracht. Das Anwachsen und die Entwicklung der Geschaeftstaetigkeit
werden empfohlen. Man ruft zur Zusammenarbeit zwischen Geschaeft und Regierung
auf. Man spricht Geschaeftsleuten. Arbeitern und Bauern fuer ihre groessere
Einsicht und Zurueckhaltung in dem "sicheren Uebergang von der Inflation zur
groesseren Stabilitaet," Anerkennung aus. So sieht Praesident Truman die
Entwicklung im Jahre 1949»
Heiast das alles, dass die Regierung versucht, das Geschaeft mit freundlichen Worten und Schmeicheleien fuer politische Zwecke zu gewinnen? Ich denke
nicht.
Umsichtige Fuehrer der Geschaeftswelt wissen, welche Gefahren mit einem
rapiden Aufschwung oder Rueckgang verbunden sind. Sie sind sich darueber im
klaren, doss arbeitslose ?.fenschen arme Verbraucher sind. Die grosse Frage
heiast hier jedochi Was muss getan werden, um die Stabilitaet zu foerdern, und
wer mu3S es tun?
Ueber die Rolle, die der Regierung in dieser Aufgabe zufaellt, ist man
sich keineswegs einig. Der Wirtschaftliche Beratungsausschuss haelt an seinem
Standpunkt fest, dass die Regierung eine Umgebung schaffen muss, in der Geschaefts
leute, Arbeiter und Bauern an dem ununterbrochenen Fortschritt Anteil haben
koennen.
Das bedeutet einfach, dass die Regierung die seit 15 Jahren cestohende
Forderung der amerikanischen Oeffentlichkeit nicht uebergehen kann, - naemlich,
dass sie sich eine» wichtigen Verantwortung unterziehen muss und eine aktive
Rolle in wirtschaftlichen Angelegenheiten zu spielen hat.
Ausgedehnte Kapitalanlagen fuehren zur Erweiterung der Unternehmen und
ihrer Ausruestung an Maschinen. Diese erhoehte Kapazitaet wird jedoch nur
von Vorteil sein, wenn.auch der Verbrauch eine entsprechende Steigerung erfaehrt.

Das heisst mit anderen Worten, dass wir mit der Erhoehung unserer Produktions
kapazitaet mehr und mehr »erbrauchen muessen, wenn diese Kapazitaet voll und

-k-

�laufend v e r w e r t e t werden s o l l .
Der W i r t s c h a f t l i c h e Beratungsausschusa z i e h t h i e r a u s n a t u e r l i o h d i e S c h l u s s f o l g e r u n g , daaa es durch p r i v a t e und o e f f e n t l i e h e Bemuehungen g e l i n g e n muss,
den Verbrauch zu s t e i g e r n , d e r a u g e n b l i c k l i c h n i c h t hoch genug l i e g t , um d i e
V o l l b e s c h a e f t i g u n g g e w a e h r l e i s t e n zu koennen.
Wenn aber der Absatzmarkt n i c h t das a b s o r b i e r e n kann, was i n u n s e r e r
I n d u s t r i e p r o d u z i e r t werden kann, dann l i e g t das n i c h t an unserem Volk, weil
es etwa nich - 5 wuenscht, mehr zu v e r b r a u c h e n . Es l i e g t vielmehr an der Kaufk r a f t und der V e r t e i l u n g u n s e r e s Gesaitvermoegens. I c h bin g e w i s s , dass nur
wenige u n s e r e r Zuhoerer e s a l s Haerte empfinden wuerden, g r o e s s e r e und b e s s e r e
Wohnungen und mehr und b e s s e r e Kleidung und Nahrungsmittel zur Verfuegung zu
haben. Es d r e h t s i c h um d i e M i t t e l , um d a s , was wir benfttigen und wuenschen,
kaufen zu koennen.
Es s c h e i n t uns u n s i n n i g , d a s s wir uns mit dem Krebsging u n s e r e r W i r t s c h a f t ,
mit A r b e i t s l o s i g k e i t und g e s c h l o s s e n e n B e t r i e b e n abfinden s o l l e n , nur w e l l wir
k e i n e P o l i t i k t r e i b e n und Methoden a u s a r b e i t e n w o l l t e n , d i e eine ausreienende
Kaufkraft ge;3ichert h a e t t e n .
•The CIO News"
1 6 . Januar 1949
ARBEITER ISRAEL3 STUDIEREN PRODUKTIONSMETHODEN IM AUSLAND
Eine Gruppe von 5 0 - 55 A r b e i t e r n I s r a e l s wird i n s Ausland g e s c h i c k t werden,
um i n v e r s c h i e d e n e n I n d u s t r i e s t a a t e n Produkt!onsmethoden im Rahmen e i n e s Prograirms
zu s t u d i e r e n , das H i s t a d r u t , d e r Gewerkscbaftsbund J u e d i s c h e r A r b e i t e r In I s r a e l ,
angekuendigt h a t .
Die Arbeiterhochschule d i e s e s Gewerkschaftsbundes gab im Dezember e i n e n
1 0 - t a e g i g e n Lehrgang, an dem nahezu 100 g e l e r n t e F a b r i k a r b e i t e r aus 75 W e r k s t a e t t e n
und B e t r i e b e n d e r M e t a l l - , T e x t i l - , L e d e r - , D r u c k e r e i - , G l a s - und N a h r u n g s m i t t e l i n d u s t r i e t e i l n a h m e n . Dieser Lehrgang s t e l l t einen T e i l e i n e s Programms d a r ,
das v o r s i e h t , i n den B e t r i e b e n gemeinsame Produkt!onsausschuesse zu b i l d e n und
A r b e i t e r v e r t r e t u n g e n zum Studium von P r o d u k t i v i t a e t s m e t h o d e n i n s Ausland zu
schicken.
Die Teilnehmer d i e s e s Lehrgangs wurden von l o k a l e n Gewerkschaftsvorstaenden
und n a t i o n a l e n Gewerkschaften i n Beratung mit dem GewerkschHftsbund H i s t a d r u t
ausgewaehlt«, Nach Beendigung des Lehrgangs kehren a i e zu i h r e n A r b e i t s p l a e t z e n
z u r u e c k , wo s i e s i c h a k t i v an der g e p l a n t e n Bildung gemeinsamer P r o d u k t ! o n s a u s s c h u e s s e b e t e i l i g e n werden.
S p a c t e r h i n wird man 5 0 * 55 d i e s e r Lehrgangsteilnehmer aussuchen, d i e mit
fcrbeitervertretungen
v e r s c h i e d e n e Laender besuchen s o l l e n , um d o r t mehrere Monate
lang Erfahrungen sammeln und s i c h a u s b i l d e n zu koennen. In jedem Lande wird man
es ihnen ermoeglichen, e i n e Z e i t l a n g i n solchen B e t r i e b e n p r a k t i s c h a r b e i t e n zu
koennen, d i e i h r e n eigenen i n I s r a e l i n Groesse und Art a e h n l i c h s i n d .
•The CIO News»
6 . Januar 1950
LEbEJ)BHALTLT:-r^K03TEN IN POLEN
N e u e r l i c h e n Schaetzungen ueber d i e Kosten d e r w i c h t i g s t e n Nahrungsmittel i n
Polen zufolge muss man i n Polen d u r c h s c h n i t t l i c h d r e i - b i s viermal solange wie i n
Westeuropa a r b e i t e n , um d i e notwendigen L e b e n s m i t t e l kaufen zu koennen. Diese
Angaben s t a r n e n von A. S k r o d z i , einem ehemaligen p o l n i s c h e n GewirkschaftsfurJctionaer,
der 3 i c h nun im E x i l i n F r a n k r e i c h a u f h a e l t .
Unter Zugrundelegung e i n e r vom z e n t r a l p o l n i s e h e n s t a t i s t i s c h e n Buero veroeff e n t l i c h t e n P r e i s l i s t e und d e r o f f i z i e l l e n Durchschnittseinkommen i n Polen e r m i t t e l t e Mr. S k r o d z i achaetzungsweise d i e Kaufkraft d e r Arbeiter i n d i e s e r Nation
h i n t e r den E i s e r n e n Vorhang. S e i n B e r i c h t wurde i n e i n e r neueren Ausgabe des

-5 -

�»Exilgewerkschafter" v e r o e f f e n t l i c h t , e i n e Z e i t u n g , d i e von e i n e r Qrüppe von
Gewerkschaftern i n P a r i s herausgegeben wird, d i e aus den kninrmj.nl3tisch
b e h c r r a c h t e n Laendern geflohen sind*
Ein V e r g l e i c h der S t a t i s t i k e n Mr. S k r o d z i s ueber Polen und s o l c h e r aus
westeuropaeischen Laendern, d i e von z u v e r l a e s s i g e n s t a t i s t i s c h e n D i e n s t s t e l l e n
zusammengetragen wurden, w e i s t eine g r o s s e U n t e r s c h i e d l i c h k e i t i n d e r Kaufkraft
d e r A r b e i t e r d i e s - und j e n s e i t s des E i s e r n e n Vorhangs auf«
E i n e r k u e r z l i c h i n den f r e i e n Laendern durchgefuehrten Erhebung zufolge
ueber d i e Kaufkraft fuer L e b e n s m i t t e l , gemessen an dem Stundenlohn e i n e s
A r b e i t e r s , s t e h e n A u s t r a l i e n und d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n an e r s t e r , bezw,
zweiter S t e l l e . Frankreich hat die vierzehnte S t e l l e i n d i e s e r Liste inne..
Und t r o t z d e m l i e g e n d i e V e r h a e l t n i s s e fuer den f r a n z o e s i s c h e n Durchs c h n i t t s a r b e i t e r weit b e s s e r a l s fuer den p o l n i s c h e n , wie d i e folgenden
V e r g l e i c h e beweisen!
Um zwei Pfund Schweineschmalz kaufen zu koennen, muss d e r f r a n z o e s i s c h e
A r b e i t e r zwei Stunden a r b e i t e n gegenueber s i e b e n S t u n d e n , d i e der p o l n i s c h e
A r b e i t e r zum Kauf d i e s e r Ware b e n o e t i g t ; fuer Margarine (2 Pfund) - i n
F r a n k r e i c h 2\ Stunden, i n Polen 6 S t u n d e n ; Zucker (2 Pfund) - i n F r a n k r e i c h
1 S t u n d e , i n Polen 3 Stunden; Kaffee (2 Pfund) - i n F r a n k r e i c h 4» i n Polen
22 Stunden; F i s c h (2 Pfund) - i n F r a n k r e i c h l£ S t u n d e , i n Polen 6£ S t u n d e n ;
Milch ( 1 L i t e r ) - i n F r a n k r e i c h 22 Minuten, i n Polen 5 0 Minuten; E i e r
( 1 Dutzend) - i n F r a n k r e i c h 1 Stunde und 45 Minuten und i n Polen 4 Stunden
und 45 Minuten«
ECA Labor I n f o r m a t i o n
3 0 . Januar 1950
WAS IST FALSCH AM TAFT-HARTLEY GSSETZ7
(Von Maurice J . Tobin, U3 A r b e i t s m i n i s t e r )
Anmerkung des Herausgebers 1 Der folgende A r t i k e l s t e l l t
e i n e Zusammenfassung der E r k l a e r u n g des US A r b e i t s m i n i s t e r s
Tobin d a r , d i e e r mit Bezug auf das T a f t - H a r t l e y Gesetz vor
dem Kongress abgegeben h a t . Er s o l l e i n e Beantwortung d e r
z a h l r e i c h e n Anfragen s e i n , i n denen man den M i n i s t e r um s e i n e
gegenwaertige Stellungnahme zu diesem Gesetz und d i e Eegruendung s e i n e r Meinung g e b e t e n h a t t e . Das T a f t - H a r t l e y - G e s e t z
b e d e u t e t e i n e s o w e s e n t l i c h e V e r s c h l e c h t e r u n g der a m e r i k a n i schen A r b e i t s g e s e t z g e b u n g , d a s s es nicht, nur e i n e n E n t r u e s t u n g a sturm i n n e r h a l b der amerikanischen A r b e i t e r s c h a f t h e r v o r r i e f ,
sondern p r a k t i s c h zur p o l i t i s c h e n M o b i l i s i e r u n g der f r u e h e r
p o l i t i s c h n e u t r a l e n Gewerkschaften f u e h r t e . S e i t der Verabschiedung des T a f t - H a r t l e y Gesetzes s i n d , d i e beiden amerikan i s c h e n Gewerkschaf tsbuende p o l i t i s c h a u s s e r o r d e n t l i c h a k t i v .
Wie i c h b e r e i t s vor dem Kongress e r k l a e r t h a b e , h a t das T a f t - H a r t l e y
Gesetz e i n e Einschraenkung des Rechtes d e r A r b e i t e r zur Folge g e h a b t , s i c h
zu o r g a n i s i e r e n und Kollektiv-Verhandlungen zu f u e h r e n . Das Gesetz war das
Ergebnis e i n e r a r b e i t e r f e i n d l i c h e n E i n s t e l l u n g und H y s t e r i e . I c h e r i n n e r e
an S e n a t o r Aiken, d e r am 12. Mai 1?47 v ° r dem S e n a t e r k l a e r t e t
•Es i s t e r s t a u n l i c h , deas M i t g l i e d e r des S e n a t s i h r e n Gleichmut bewahren
koenren und nach b e s t e u Gewissen fuer d i e s e s Gesetz stimmen, nur w e i l s i e
d e r i n t e n s i v s t e n , umfassendsten und b o e s a r t i g s t e n Propaganda a u s g e s e t z t waren,
mit der man je e i n e n Kongress b e e i n f l u s s t hat»
•Ich spreche n i c h t von dem Pxcpagandafeldzug der Gewerkschaften, obwohl
i c h auch davon n i c h t v i e l h a l t ? . Wt« i c h meine, i s t e i n e Propaganda, d i e wohl
M i l l i o n e n D o l l a r g e k o s t e t h a t . I c h w^ere n i c h t u e b e r r a s c h t , wenn s i c h d i e
Gesaiiitkosten fuer d i e s e Kampagne auf IOC M i l l i o n e n D o l l a r b e l i e f e n . Im

- 6 -

�Fruehjahr vorigen Jahres berichtete ich dem Senat, dass a l l e i n der Werbefeldzug
im Maerz, den der Nationale Fabrikantenverband gegen die Arbeiterschaft gefuehrt
hat, 2 Millionen Dollar kostete; und diese Behauptung hat man bis heute noch
nicht widerlegen koennen, obwohl seitdem ein Jahr verstrichen i s t . »
Das Taft-Hartley Gesetz muss vom Kongress widerrufen werden. "The Christian
Science Monitor« s t e l l t e in einem Leitartikel am 17. Januar 1949 f e s t i
"Seit der grossen Streikwelle und dem Entstehen des Taft-Hartley Gesetzes in
den Jahren 1946 und 1947 i s t v i e l Wasser ins Meer geflossen. Etliche, allgemeine
Mutmassungen haben sich nicht e r f u e l l t . Es duerfte inzwischen eigentlich klar
geworden sein, dass die grosse Masse der Arbeiter Amerikas wuenscht, Gewerkschaften
anzugehoeren und zwar aus eigenem, freien Entschiusa heraus; dass die Arbeiterschaft im allgemeinen ihren Fuehrern verschreibt, was s i e tun s o l l e n , und sie
unterstuetzt; und dass ferner die amerikanische Arbeiterschaft, mit ganz wenig
Ausnahmen, politische Streiks oder kommunistische Machenschaften ebenso wenig
liebt wie die Amerikaner im allgemeinen«
Wie wahr diese Feststellungen sind, beweisen die Ergebnisse der Arbeiterabstimmungen ueber das •union-shop" Svstem (nach diesem System verpflichtet
sich der Arbeitnehmer bei seiner Einstellung, der Gewerkschaft innerhalb einer
bestimmten Frist beizutreten), die von dem Bundeseusschuss fuer Arbeitsfragen
(National Labor Relations Board) nach Inkrafttreten des Taft-Hartley Gesetzes
durchgefuehrt wurden.
Dieses Gesetz hat Verwirrungen auf dem Gebiet der Wechselbeziehungen der
Arbeiter zu den Gewerkschaften mit sich gebracht, es hat die Möglichkeiten
des Eollektiwerhandelns begrenzt, die Regierung unnoetigerweise mit Arbeitss t r e i t i g k e i t e n in Verbindung gebracht und die Hechte der Arbeiter beschnitten«
Zu den grundlegenden Fehlern des Gesetzes zaehlen folgendet
1« Das Verbot der WohlfahrtsVereinbarungen der Gewerkschaften, die sieh
s e i t mehr als hundert Jahren nutzbringend - sowohl fuer den Arbeiter als auch
fuer den Unternehmer - erwiesen haben.
2. Die besondere Betonung, die in dem Gesetz auf die Anwendung von Verordnungen gelegt wird, um Arbeitsstreitigkeiten beizulegen.
3*

Die Abtrennung des Bueros fuer Schlichtungswesen vom Arbeitsministerium.

4* Die unbesehrsenkten Vollmachten, mit denen das Gesetz den Obersten
Anwalt des Hundesaussehr3ses fuer Arbeitsfragen ausgestattet hat, und die ihn,
man koennte sagen, zu einem "Zaren der Arbeiterschaft" machen.
5* Die Bestimmung des Gesetzes, zahlreiche Wahlen durchzufuehren, die eine
staendig ungeklaerte Situation in den Wechselbeziehungen Arbeitnehmer-Arbeitgeber schaffen.
6. Diu Bezeichnung der friedlichen Streikposten als gesetzmaessig unzulaessig.
7»

Dan Verbot, Beitraege fuer die Gewerkschaft vom Lohn abzuziehen.

8. Die Verweigerung des Wahlrechts
lichen Streiks befinden.

fuer Leute, die sich in wirtschaft-

9» Das Recht der Arbeitgeber, Abstimmungen ueber BetriebsVertretungen
zu beantragen.
10.

Die den Stanken- und Wohlfahrtskassen auferlegten Einschraenkungen.

11. Die Moeglichkeit, die bundesstaatliche Gerichtsbarkeit aufzugeben,
wenn die staatlichen Gesetze den Wohlfahrtsvereinbarungen der Gewerkschaften
groessere Eies ehr Senkungen auferlegen.
- 7

�12. Das allgemeine Verbot politischer Zuwendungen und Ausgaben der
Gewerkschaften»
13»

Das Recht, Schadenersatzansprueche an die Gewerkschaften zu stellen.

14. Die unterschiedslose Aechtung aller mittelbarer Boykotts, ob sie
berechtigt sind oder nicht.
15» Die mandatmaessigen Verordnungen, die im Falle gewisser unfairer
Methoden der Gewerkschaften erlassen werden koennen.
16. Die eingehenden, nicht zu umgehenden Untersuchungsverfahren, einschliesslich einer Wartezeit von 80 Tagen, die bei dringenden Streitfällen
durch Verordnung auferlegt werden; dazu das Verbot, Untersuchungsausschuesse
hinzuziehen» die den Parteien helfen koennten, solche Streitigkeiten beizulegen.
In einem Leitartikel der "Business Week" vom 18. Dezember hiess est
"•Der grosse Fehler des Taft-Hartley Gesetzes ist, dass es zu weit ging. Es
hat den Charakter eines Gesetzes verloren, das fuer sich beansprucht, nur zu ordne
und nicht zu zerstoeren.
-

"Bei einer Arbeitslosigkeit mehrerer Millionen und einer Regierung in
Washington, die nicht fuer die Gewerkschaften eingestellt war* kann man sich
vorstellen, dass dieses Gesetz die Gewerkschaftsbewegung haette zugrunde richten
koennen.
•Die folgenden Bestimmungen des Taft-Hartley Gesetzes waren dazu angetan,
diese Zerstoerung zu bewerkstelligen! (1) durch Verordnungen kann es verhindert
werden, Streikposten zu stellen; (2) die Arbeitnehmer koennen eine Abstimmung
fuer oder gegen Kollektiwerhandlungen verlangen; (3) Streikenden kann das Wahlrecht abgesprochen werden - damit zaehlen nur die Stimmen der NichtStreikenden;
und wenn (k) die Wahlen zuungunsten der Gewerkschaft ausfallen, muss die Regierung dieses Ergebnis fuer gueltig und gesetzlich erklaeren.
"Sobald ein Reservoir an ueberzaehligen Arbeitskraeften besteht, mit denen
ein Arbeitgeber die Streikenden zumindest symbolisch ersetzen kann, koennen diese
vier Bestimmungen, zusammen angewendet, vermutlich eine Gewerkschaft zugrunde
richten.
"Indem das Gesetz soweit geht, macht es sich selber wertlos."
Das Taft-Hartley Gesetz ist auch aus einem anderen Grunde unwirksam. Man
versuchte damit, Millionen von Arbeitern Verhaltungsmassregeln aufzuzwingen, mit
denen sie und Millionen ihrer amerikanischen MLtbuerger nicht einverstanden sind.
Man liess ausser acht, dass die Arbeiter die ueberwaeltigende Mehrheit unseres
Volkes ausmachen und das Rueckgrat der Nation darstellen. Die erdrueckende
Mehrheit von 15 Millionen organisierter Arbeiter der Vereinigten Staaten wendet
sich mit Entschiedenheit gegen das Taft-Hartley Gesetz. Ihre Auffassungen und
Beduerfnisse koennen nicht einfach uebergangen werden. Wie Abraham Lincoln
sagtet "Alles, was fuer die Arbeiterschaft von Nutzen ist, dient der gesamten
Nation» Alles, was der Arbeiterschaft zum Nachteil gedeiht, ist Verrat» Zwischen
diesen beiden ist kein Kompromiss moeglich,»
Das Taft-Hartley Gesetz stellt eine ungesunde und zersetzende Macht dar»
Die Aufhebung des Gesetzes wuerde die guten Beziehungen zwischen Arbeitern und
Unternehmern foerdern»
Labor Press Service
U.S» Department of Labor
Woche des 12. Dezember 1949

- 8 -

�SAMUEL GOMPIRS' LEBHCGlSCrllCIirE
Wie nur wonigen Maennern war es Samuel Gompers v e r g o e n n t , zu e i n e r
h i s t o r i s c h e n Z e i t e i n e r Armee von Menschen auf e i n e r bedeutsamen S t r a s s e
a l s leuchtendes B e i s p i e l v o r a n z u s c h r e i t e n . S e i n Banner wird nun von acht
M i l l i o n e n Arbeitern g e t r a g e n und z i e h t d i e Blicke der gesamten Welt auf s i c h .
So s i s h t , kurz zusammengefasst, s e i n e Lebensgeschichte aust
Samuel Gompers e r b l i c k t e an 27 # Januar I850 im Londoner Osten das Licht
der Welt. Er war der Sohn des Solomon und d e r Sarah (Rood) Gompers, d i e
beide aus Holland stammten. Seine E l t e r n und deren Vorfahren waren A r b e i t e r .
Nach e i n e r S c h u l a u s b i l d u n g von nur v i e r Jahren war Samuel im A l t e r von
10 Jahren b e r e i t s gezwungen, d i e Buerden s e i n e r Familie t r a g e n zu h e l f e n . Er
e r l e r n t e d a s Schuhmacherhandwerk, ohne jedoch G e f a l l e n an diesem Beruf zu
f i n d e n . So wandte e r s i c h dem Handwerk s e i n e s Vaters zu und wurde Z i g a r r e n raacher.
Üfl Gompers 13 Jahre a l t war, wanderte s e i n e Familie nach Amerika a u s .
Nachdem der junge Mann das Zigarrenmacherhandwerk u n t e r d e r Leitung s e i n e s
Vaters e r l e r n t h a t t e , wurde e r G e s e l l e und t r a t i n d i e e n g l i s h s p r e c h e n d e
ZigarrenmachTgewerkschaft d e r S t a d t New York, d i e ehemalige Lokalge werkschaft
Nr. 1 5 , e i n .
Z u e r s t s t a r k von d e r menschenfreundlichen Arbeit d e r W o h l f a h r t s v e r e i n i gungen angezogen, widmete s i c h d e r junge Gompers den guten Werken d e r Logeng e s e l l s c h a f t e n . Als e r jedoch d i e k o n s t r u k t i v e n Moeglichkeiten erkannt h a t t e ,
d i e ihm d i e Gewerkschaft boten* s t e l l t e e r a l l s e i n e n E i f e r und s e i n e F a e h i g k e i t e n i n den Dienst d e r Gewerkschaftsbewegung. Z u e r s t wurde e r Fuehrer e i n e r
Lokalgöwerkschaft und s p i e l t e dann i n a l l e n A r b e i t s a n g e l e g e n h e i t e n d e r S t a d t
New York e i n e massgebliche R o l l e .
Er a r b e i t e t e s i c h i n s e i n e r i n t e r n a t i o n a l e n B e r u f s o r g a n i s a t i o n , der
I n t e r n a t i o n a l e n Zigarrenmachergewerkschaft, empor und erwarb s i c h einen Ruf
und e i n Ansehen, d i e es ihm e r m o e g l i c h t e n , an den allgemeinen Bemuehungen
zur Gruendung e i n e s n a t i o n a l e n Gewerkschaftsbundes im Jahre 1881 m i t z u a r b e i t e n .
Er b e t a e t i g t e s i c h a k t i v i n d i e s e r O r g a n i s a t i o n , war 3 Jahre P r a e s i d e n t und
2 Jahre Mitglied des gesetzgebenden Ausschusses. Nach d e r Verschmelzung des
a l t e n Bundes mit neuen Gewerkschaften, d i e den Namen American F e d e r a t i o n of
Labor t r u g e n , war e r s t a e n d i g , mit Ausnahme des J a h r e s 1895• d e r e n P r a e s i d e n t ,
Samuel Gompers a r b e i t e t e b i s zum A l t e r von 37 J a h r e n . a l s Zigarrenmachor.
A l l s e i n e F r e i z e i t widmete e r d e r o r g a n i s a t o r i s c h e n Arbeit und o p f e r t e sogar
d i e wenigen Stunden s e i n e s F a m i l i e n l e b e n s , d i e den Arbeitern der damaligen
Z e i t zur Verfuegung s t a n d e n . Er s t a n d v i e l e Jahre an der S p i t z e s e i n e r
i n t e r n a t i o n a l e n Gewerkschaft. T r o t z z a h l r e i c h e r G e l e g e n h e i t e n , p o l i t i s c h e
P o s i t i o n e n zu b e k l e i d e n und s i c h an unternehmen zu b e t e i l i g e n , d i e ihn e i n e n
r e i c h e n Kann gemacht h a e t t e n , h i e l t Gompers an seinem I d e a l f e s t , das d a r i n
b e s t a n d , das Leben des A r b e i t e r s zu v e r b e s s e r n .
»
1886' wurde er zum e i n z i g e n , dauernd a n g e s t e l l t e n V e r t r e t e r des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL b e s t e l l t . Von d i e s e r Z e i t an war er unentwegt
damit b e s c h a e f t i g t , d i e Entwicklung e i n e r w i r t s c h a f t l i c h e n Arbeiterbewegung
zu f o e r d e r n . Unter s e i n e r z i e l b e w u s s t e n , k o n s t r u k t i v e n Fuehrung wurden wirkl i c h e Erfolge e r z i e l t .
Er e r k a n n t e , d a s s d i e w i r t s c h a f t l i c h e O r g a n i s a t i o n a l l e n E r f o r d e r n ! ä s e n
d e r Gewerkschaft g e r e c h t werden k o e n n t e , und b e f ü r w o r t e t e d e s h a l b d i e Mobil i s i e r u n g der w i r t s c h a f t l i c h e n Kraefte d e r a r b e i t e n d e n Klasse auf p o l i t i s c h
n e u t r a l e r B a s i s . Als Fuehrer e i n e r a g g r e s s i v e n , p o l i t i s c h n e u t r a l e n A r b e i t e r bewegung b r a c h t e e r im Jahre 1906 b e i den z u s t a e n d i g e n p o l i t i s c h e n Fuehrerns e i n e Beschwerden i n Form e i n e s Antrages v o r .
Diese P o l i t i k wurde mit zunehmendem E r f o l g w e i t e r g e f u e h r t , und d e r
Kongress e r l i e s s w e s e n t l i c h e A r b e i t s g e s e t z e .

- 9 -

�Samuel Campers ist es hauptsaechlich zu verdanken, wenn dieses grundlegende Prinzip gesetzlich verankert wurde, das besagt, dass die menschliche
Arbeit keine verkaeufliehe Ware ist.
Erfahrungsgemaess und aus Sympathie war Samuel Gompers Pazifist. Als im
Jahre 1916 jedoch die Moeglichkeit eines Krieges auftauchte, war er mit einer
der ersten, die ihrem Lande ihre volle Unterstuetzung versprachen, und zwar
tat er dies in seinem eigenen Namen und im Namen der Organisation, deren Fuc-hrer
er war.
Seinem Einfluss und seiner Entschlossenheit war es grösstenteils zu verdanken, dass die Arbeiterbewegung ungeschwaecht blieb trotz geschickter und
verlockender Propaganda, die den Alliierten haette verderblich werden koennen.
Die Arbeiterschaft stand hinter der Regierung, und unter der Fuehrung von
Samuel Gompers gab sie ihr Bestes zum Wohle der Demokratie. Unter Einsatz
«eines eigenen Lebens unternahm er waehrend des Kriege* mehrere Seereisen,
um in einer gefahrlichen Stunde die Arbeiter der alliierten Laender zusamnenschliessen zu helfen*
Er wurde von Praesident Wilson zum Mitglied der Kommission fuer Internationale Arbeitsgesetzgebung bei der Friedenskonferenz in Versailles ernannt«
Auf der ersten Tagung der Kommission wurde er einstimmig zum Praesidenten gewaehlt« Die Kommission entwarf die im Friedensvertrag festgelegte Charta fuer
Arbeitsangelegenheiten, die den Arbeitern aller Laender gleiche Möglichkeiten
fuer bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen garantierte.
Im ersten Nachkriegsjähr half Gompers tatkraeftig mit, die Zeit der Arbeitslosigkeit und Unruhen zu ueberwinden, die ohne seine Unterstuetzung von aufkeimenden revolutionaeren Ideen gefaehrdet worden waere, die zu jener Zeit die
ganze Welt bedrohten.
Es gelang ihm, die Moral innerhalb seiner Organisation aufrechtzuerhalten
und alle Anschlaege abzuwehren, die dazu bestimmt waren, die Gewerkschaftsbewegung im Verlaufe ihrer Neuordnung zu zerschlagen. Mit besonderem Interesse
setzte er sich fuer eine Stabilisierung der Produktion ein, um somit den Arbeitern der ganzen Welt einen hoeheren Lebensstandard ermoeglichen zu koennen.
Die internationalen Demonstrationen in El Paso, Juarez und Mexiko City,
die die ganze Welt aufhorchen Hessen, stellten eine Vollendung hoechsten Grades
der Plaene und Taetigkeiten Gompers dar, die sich ueber viele Jahre erstreckt
hatten. Er half, einen mexikanischen Gewerkschaftsbund zu bilden und wohnte
den Feierlichkeiten bei der ersten konstitutionellen Amtsuebernahme durch einen
Praesidenten beij und dieser Praesident war von den Arbeitern Mexikos gewaehlt
worden.
Als Gompers am 13. Dezember 1924 starb, wurde er mitten aus seiner Arbeit
herausgerissen. Er war gerade einstimmig zum Praesidenten des Amerikanischen
Gewerkschaftsbundes AFL .und des Panamerikanischen Gewerkschaftsbundes, dessen
Gruender ,er gewesen war, wiedergewaehlt worden. Seine letzten Worte galten
der Republik, die ihm so sehr ans Herz gewachsen wari
•

"Gott segne unseren amerikanischen S t a a t .
zu g r o e s s e r e r Vollkommenheit e n t w i c k e l n . »

Moege e r s i c h von Tag zu Tag

•American F e d e r a t i o n of Labor"
Weekly News S e r v i c e
3 . Januar 1950
EINE NORWEGISCHE PRODUKTIVST teTS-TEAM BESUCHT AMERIKA
Norwegen h o f f t , durch g r o e s s e r e i n d u s t r i e l l e L e : s t u n g s f a e h i g k e i t und g e s t e i g e r t e P r o d u k t i o n s l e i s t u n g den h e r r s c h e n d e n Mangel an A r b e i t s k r a e f t e n beheben
zu koennen. Zu diesem Zweck b e r e i t e t man s i c h nun darauf v o r , e i n aus 14 Techn i k e r n . A r b e i t e r v o r g e s e t z t e n und A r b e i t e r n bestehendes Team nach den V e r e i n i g t e n
S t a a t e n zu s c h i c k e n , um d o r t 6 Wochen l a n g Arbf itsmethoden i n Maschinenwerk-^a-,. t t e r
zu s t u d i e r e n «
- 10 -

�Dieaer vt.n der Marahall-Plan-Verwaltung im Rahmen dea Programms zur
Techniachen Unterstuetzung ermceglichte Beauch wird am 8. Februar beginnen.
Die Mitglieder der Abordnung gehoeren der Schiffabau- oder stahlerzeugenden
Induatrie Norwegena an.
Die Studien werden sich auf amerikanische Methoden zur Schaffung besserer
Arbeitsbedingungen und auf verbesserte Betriebsleitungsmethoden in Maschinenwerkataetten konzentrieren» Ala die Arbeiterregierung Norwegens um die Genehmigung dieaea Frojektea erauchte, wiea aie darauf hin, daaa ihre Bemuehungen
zur Steigerung der allgemeinen Produktionsleistung Hand in Hand gingen mit dem
Bestreben, die Leiatungafaebigkeit jedes einzelnen Arbeiters zu erhoehen, und
daaa man hoffe, mit dieaer grcesaeren Leistungsfaehigkeit den besorgniserregenden Mangel an Arbeitakraeften beseitigen zu koennen.
Bevor die Delegation Norwegen verlaesst, aehen aich die einzelnen Mitglieder
in zahlreichen norwegischen Betrieben um, um die in ihrem Lande angewendeten
Methoden mit denen Amerikas vergleichen zu koennen. Die Delegierten wurden
auaaerdem ueber die Verhaeltniaae in den entsprechenden Industriezweigen in
Kenntnis gesetzt und in Methoden unterrichtet, die ea ihnen in wirksemer
Weise ermceglichen aollen, den Arbeitern und Unternehmern nach Beendigung
ihrer Reise die Brgebniaae ihrer Studien mitzuteilen»
3CA Labor Information
27. Januar 1950

HOHER WARENVEKPRATUH IN AMERIKA.
"Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten funktioniert am besten, wenn
die Geschaeftaleute die Preise ihrer Produkte niedrig halten, um dadurch
den Verbrauch zu steigern," erklaerte der amerikanische Handelsminister
Charlea Sawyer in einer Ansprache, die er unlaengst vor einer Konvention von
GeschaeftBleuten in Atlantic City, N.J., gehalten hat.
Durch die Erhoehung der Lcehne und die Senkung der Preiae in den Vereinigten
Staaten im Jahre 1949 f &gt;r dieaea Jahr daa beate, das der Durchachnittaverbraucher
in der Wirtschaftsgeschichte Amerikas je erlebt hat, versicherte der Handelsminister. Bei niedrigen Preiaen und hoeherem Verbrauch waere ea den Verbrauchern
moeglich gewesen, mit weniger Arbeit mehr Waren und Dienatleistungen kaufen zu
koennen»
Mr. Sawyer berichtete, dasa das allgemeine Preisniveau de8 Jahrea 1949
gegenueber dem vorangehenden Jehr gesunken sei, was den Wert des Dollars
fuer die Millionen amerikanischer Kaeufer erhoeht haette. Er fuegte hinzu»
•Viel neue und verbesserte Erzeugnisse fanden zum ersten Mal den Weg zum
Merkt. Sa bestand eine weit groeaserc Auswahl an Typen und Q,ualitaeten ala
je zuvor.»
An Hand von Zahlen zeigte er, dass im Laufe der letzten zehn Jahre der
Durchschnittsverbrauch zahlreicher Waren gestiegen ist und schloss mit den
""orten 1 "Diese Art von Fortachritt ist fuer den Verbraucher von grosser
Bedeutung."
ECA Labor Information
1. Februar 1950

GRCESSERS SICHERHEIT DER ARBEITER IN ENGLAND QEFCRDERT.
"Sicherheit der Arbeit fuehrt zu groesserer Produktionsleistung," erklaerte
G.P. Barnett, der Chef der Inapektionsabteiiung, die in den Fabriken "nglanda
Untersuchungen anateilt, in eine« kuerzlich erschienenen Bericht ueber die
Sicherheitsverhaeltniaaa in den Betrieben Englands. Jer Bericht zeigt, dasa
die Zahl der Eetriabaunfaelle in dem Jahr, waehrend dessen die Untersuchungen
durohgefuehrt wurden, um 2CCC gesunken ist.

- 11 -

�T

r . B a r n e t t w i d e r l e g t e d i e Behauptungi dass " d i e Beachtung d e r S i c h e r h e i t s m a s s r e g e l n von d e r e i g e n t l i c h e n Produktion a b l e n k t . "
"Angesichts d e r
U n f a l l s t a t i s t i k i s t d i e s e Behauptung v o e l l i g unbegruendot," s a g t e e r .
"Abgesehen
von derr Verlust an A r b e i t s k r a e f t e n durch I L f a e l l e , hat man f e s t g e s t e l l t , dass
g r o e s s e r e Beachtung s i c h e r e r Arbeitsmetti öden zu w i r k s t r e r Produktion f u e h r t , "
B©r I n s p e k t o r b e r i c h t e t e ! dass nennenswerte F o r t s c h r i t t e gemacht werden
s e i e n , indem d i e Zahl d e r B e t r i e b s u n f a e l l e zurueckgegangen und b e s s e r e S i c i i e r heitsmaesnahmen f u s r d i e A r b e i t e r g e t r o f f e n worden s e i e n . Er wies jedoch
darauf h i n , dass noch v i e l g e t a n werden muesse, um i n den e n g l i s c h e n F a b r i k e n
einen hohen Grad an S i c h e r h e i t und S a u b e r k e i t zu e r r e i c h e n . .Maschinen v e r u r s a c h t e n noch z a h l r e i c h e U n f a e l l e .
Xm Baugewerbe e r e i g n e t e n s i c h noch zu v i e l U n f a e l l e , w e i l s i c h die A r b e i t e r
unnoetigen Gefahren a i s s e t z t e n , f u e h r t e Mr. Barnett w e i t e r a u s . Er s c h l u g v o r ,
die A r b e i t e n im Baugewerbe b e s s e r zu ueberwachen und die A r b e i t e r davon zu
ueberzeugen, dass die Sicherheitsbestimmungen ihnen p e r s o e n l i c h zugute kommen...
Deshalb s e i es unumgaenglieh, dass s i e n i t h e l f e n wuerden, s o l c h e Massnahmen
einzufuehren und s i e zu befolgen.
Der I n s p e k t o r b e r i c h t e t e , di.ss man z a h l r e i c h e Firmen ueberzeugt oder g e zwungen h a e t t e , ungeeignete oder g e f a e h r l i c h e Fabrikgebaeude zu raeumen, und
dass man i n den m e i s t e n F a e l l e n andere Unternehmer g e h i n d e r t h a e t t e , d i e s e
Gebaeude wieder zu b e z i e h e n . Ausserdem s e i e n v i e l e Fabriken neu a n g e s t r i c h e n
und i h r e B e l e u c h t u n g s e i n r i c h t u n g e n v e r b e s s e r t worden. Er b e z e i c h n e t e zu
g r e l l e s L i c h t oder mangelhafte Beleuchtung a l s d i e h a e u f i g s t e n Misstaende, d i e
r a n noch i n v i e l e n W e r k s t a e t t e n a n t r e f f e n koenne«
EGA Labor I n f o r m a t i o n ,
27. Januar 1%0.
- 12 -

Office of Labor
HIC0O, APO 757

Affair,

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Press« und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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.
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission f&amp;r Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

11-50

Frankfurt, 17« Februar 1950
IWH A LT 3 V ERZ E I C HN I S

Marshall Plan Komitee fuer Berlin

. . . . . . . g

Praesldent Trumans neues Wohnungsbauprogramm

Schwedischer Aufruf zum Exportieren

- - - 2

- - - - - - - - 3

Zempel und Werts In fuehrenden Positionen des
Bueros fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten - 5
Ein Interessanter Briefwechsel . . . . . . . . .

.6

AFI fuer Solldarltaet der Arbeiterschaft der
ganzen Welt - - - -

— . - - . . - . . - - - - -

Unabhaengigkelt der Arbeltsrichter gefordert

- 1 -

-u

- - -18

�MARSHALL PLAN KOMITEE FUER BERLIN
(Berlin, 12. Januar 1950) - Howard P. Jones, Direktor der
Wirtschaftsabteilung Im Amt der Hohen Kommission In Berlin und
Generalvertreter der Marshall Plan Verwaltung In Berlin, gab
heute bekannt, dass ein Berliner Beratungsausschuss fuer den
Marshall Plan gebildet wurde, der sich aus 12 Mitgliedern zusammensetzt«
Die zwei wichtigsten Aufgaben dieses Komitees werden sein:
(1) Ein Programm fuer langfristige Kapitalinvestierungen
fuer Berlin zu entwerfen, das die Stadt in das gesamteuropaeische
Marshall Hilfsprogramm einbeziehen soll.
(2) Den amerikanischen Oberkommandierenden In Berlin, Generalmajor D. Taylor, und Mr. Jones beratend zur Seite zu stehen«
Das Komitee setzt sich aus Vertretungen der verschiedenen,
mit der Marshall Hilfe in Verbindung stehenden Gruppen Berlins
zusammen, das helsst, Vertretern der Gross- und Klein-Industrie,
des Handels, der Arbeiter und Unternehmer, der Banken und Finanzaemter und des Magistrats.
In Kuerze wird eine Konferenz stattfinden, bei der der Vorsitzende aus den Reihen des Komitees gewaehlt und die organisatorische Arbeit zur Durchfuehrung der gestellten Aufgaben erledigt
wird. Die Bildung eines solchen Komitees .war noetig, weil der
Stadt bereits insgesamt 150 Millionen D-Mark zur Verfuegung gestellt worden sind (95 Millionen aus ECA Gegenwertfonds und 55
Millionen fuer das Westberliner Elektrizitaetswerk, und well im
Fruehjahr weitere Geldmittel angefordert werden muessen«
Die Mitglieder des Komitees sind: Stadtrat Dr. Klingelhoefer,.Wirtschaftsabteilung des Berliner Magistrats; Dr. Paul
Hertz, Magistratsdirektor im Berliner Magistrat; Herr Otto Busack,
Wirtschaftsabteilung des Berliner Magistrats; Dr. Friedrich Ernst,
Vorsitzender des Vorstandes der Berliner Zentralbank; Dr. Franz
Seume, Vizepraesident der Berliner Zentralbank; Direktor Georg
Leipersberger, Siemens-Schuckertwerke A.G.; Direktor Friedrich
Spennrath, AEG; Herr Heinrich Walter, Typograph G.m.b.H.; Herr
Walter Cobler, Turhonwerke; Herr Henneberg, Elektromeister;
Herr Erwin Combe, Obermeister; Herr Heinrich Vockel; Herr Ernst
Scharnowski, UGO; Herr Hans Lips, UGO und Herr Heinrich Galle.
PRAESIDENT TRUMANS NEUES WOHNUNGSBAUPROGRAMM
Das neue, von Praesldent Truman zur Bewilligung eingereichte
Wohnungsbauprogramm scheint im Kongress grossen Anklang gefunden
zu haben.
Die Antraege wurden von Maybank, einem Konservativen aus
Sued-Karolina, und von Spence, einem fortschrittlichen Demokraten
aus Kentucky, dem Senat bzw. dem Repraesentantenhaus vorgelegt«
Man will damit Familien der mittleren Einkommensgruppen ermoeglichen, mit Unters tuet zung von Genossenschaften in den Besitz
anstaendiger Wohnungen zu erschwinglichen Preisen zu kommen«
Diese Familien befanden sich hinsichtlich ihrer Wohnungsmoegllchkeiten bisher in einer Art "Niemandsland"• Ihre Einkommen waren naemlich nicht niedrig genug, um in den Genuss aus
oeffentlichen Mitteln finanzierter Wohnungsmoeglichkeiten bisher
in einer Art "Niemandsland"• Ihre Einkommen waren naemlich nicht
niedrig genug, um in den Genuss aus oeffentlichen Mitteln finanzierter Wohnungen kommen zu koennen; andererseits war es ihnen
mfSfeSeJd2rnzS°k13f5n!i,tn • * * " 0 « « l l c h . *°d«ne Wohnungen zu
- 2 -

�Der Amerikanische Gewerkt haftsbund AFL bezeichnet das neue
Programm als Loesung der ungeklaerten Lage, In der sich diese
Familien befanden, und befuerwortet es unbedingt. Dieser bedeutende
Gewerte chaftsbund hat schon seit einiger Zelt auf die Notwendigkeit
hingewiesen, derartige Genossenschaften zu gruenden.
Praesldent William Green erklaerte hierzu: "Durch langfristige
Kredite mit niedrigen Zinssaetzen, wie sie in dieser Gesetzesvorlage vorgesehen sind, wird es Arbeitern, Veteranen und anderen
Familien mit mittleren Einkommen moeglich sein, sich bei monatlichen
Zinszahlungen oder Mieten von 50 bis 60 Dollar Wohnheime zu bauen
oder neue Wohnungen zu mieten."
Er hob besonders hervor, dass es zur Durchfuehrung des Programms
keinerlei finanzieller Unterstuetzung seitens der Regierung bedarf.
Der Senator John J. Sparkman, Alabama, und das Kongressmitglied Spence, die sich Im Kampf um das Recht auf anstaendige Wohnungen besonders hervorgetan haben, hatten urspruenglich staatliche
Darlehen fuer die Wohnungsbaugenossenschaften vorgeschlagen. Nach
dem neuen Programm sollen die Darlehen von einer buhdesstaatlichen
Gesellschaft ausgegeben werden, die gemeinsames Eigentum der Regierung und der Wohnungsbaugenossenschaften ist und von beiden
gemeinsam verwaltet wird.
Gewerkschaftsmitglieder und all anderen, die Wohnungen benoetigen, sollen sich zusammenschliessen und Genossenschaften bilden«
Die dazu notwendige technische Unterstuet zung sowie die Planung des
Wohnungsbaus werden von der Finanzverwaltung fuer Haus und Wohnungsbau uebernommen.
Natuerlich wird jedes Mitglied eine bestimmte Anfangssumme
in geringer Hoehe zu entrichten haben, um "die Sache ins Rollen zu
bringen." Dann wird die Genossenschaft bei der "Nationalen Hypothekenbank fuer Wohnungsbaugenossenschaften" (National Mortgage Corporation for Houslng Cooperatives) eine Anleihe beantragen. Nach
deren Bewilligung koennten Bauplaetze gekauft und mit dem Bau begonnen werden.
"Ich halte dies fuer eine Idealloesung", erklaerte Senator
Sparkman. "Menschen wuerden in den Besitz guter Wohnungen kommen,
die sie zur Zeit am dringendsten benoetigen.
"Die Bereinigung von Elendsvierteln und oeffentlicher Wohnungsbau fuer Familien der niedrigen Einkommensgrüppen sind bereits gesetzlich geregelt worden. Fuer die Wohlhabenden ist diese Frage
natuerlich auch geloest.
"Wenn dieses Programm verwirklicht wird, koennen wir zum erstenmal in der Geschichte Amerikas mit gutem Gewissen behaupten, dass
die Wohnungsfrage zur Zufriedenheit aller bei uns geloest ist."
•LABOR"
14. Januar 1950
SCHWEDISCHER AUFRUF ZUM EXPORTIEREN
Die schwedischen Gewerkschaften und ihre Presse setzten sich
zusammen mit der dortigen Arbeiterregirung in einer umfassenden
Kampagne fuer eine Steigerung des Exports nach den Dollargebieten
ein. Sie haben an der Planung und Veroeffentlichung dieses nationalen Programms groessten Anteil.
Die schwedischen Exporte im Jahre 1949 lagen bereits um 14g
hoeher als 1948. Die schwedische Regierung hat in dieser neuen
Kampagne nun alles daran gesetzt, die Exportziffern noch wesentlich
zu erhoehen.

�"Der Fortschritt, den wir erzielen konnten, Ist grösstenteils
dem Marshall Plan zu verdanken,• sagte Premierminister Tage Erlander
kuerzllch in einer Rede, in der er den Zweck dieser Propagandakampagne auseinanderlegte. Er wies darauf hin, dass der hohe Lebensstandard Schwedens zum grossen Teil auf den Aussenhandel und die
damit verbundenen Auftraege zurueckzufuehren sei, und erklaerte:
"Ein freierer Aussenhandel wuerde zu einer Verringerung der Produktionskosten und zu niedrigeren Preisen fuehren."
Schweden befuerwortete den Marshall Plan, da er als ein Mittel
zu werten sei, das den freieren Handel unter den Nationen erleichtert." Wir sahen in den Ziehungsrechten eine Moeglichkeit, den
Handel In natürlichere Bahnen zu lenken."
Alle Hoffnungen Schwedens seien Jedoch nicht erfuellt worden,
fuhr der Regierungssprecher fort. Er beanstandete folgendes: "Wenn
auch der Marshall Plan von grossem Wert fuer Europa ist, so darf
doch nicht vergessen werden, dass Handelsbeschraenkungen und das
System der gegenseitigen HandelsVereinbarungen seit Beginn des Marshall
Planes kaum vermindert wurden." Er drueckte seine Genugtuung darueber
aus, dass sich die Marshall Plan Beamten mit dieser Situation nicht
zufrieden gegeben haetten, sondern daran gegangen seien, den freieren Handel durch Anregung des Exports zu ermoegllchen.
Die wichtigsten Projekte der gegenwaertigen Exportkampagne
Schwedens sind folgende: (1) die Teilnahme an einer Exportausstellung, die die Marshall Plan Laender durch Vermittlung ihrer gemeinsamen Organisation fuer Europaelsche Wirtschaftliche Zusammenarbeit
(OEEC) im August in Chikago planen; (2) ein nationaler Propagandafeldzug, um die Oeffentlichkeit mit dem Exportproblem vertraut zu
machen und alle Schichten der Bevoelkerung davon zu ueberzeugen, dass
es, vom wirtschaftlichen Standpunkt gesehen, wesentlich ist, sich
im ganzen Land auf die Produktion von Exportwaren zu konzentrieren;
und (3) hat die schwedische Regierung zur Steigerung des Exports
besondere Belohnungen fuer die Geschaeftsleute vorgesehen, die zur
Exportsteigerung beitragen. Dazu gehoeren: Dollar-Importlizenzen,
die 25%. des Ertrages ihrer in den Vereinigten Staaten verkauften
Waren entsprechen; die Genehmigung von Vorrechten; und die Bewilligung von Bauvorhaben und Zuteilung von Material.
Die Gewerkschaften und die Gewerkschaftspresse unterstuetzen
diese Projekte ausnahmslos und beteiligen sich an deren Planung
und Durchfuehrung. Der Hauptzweck der Exportmesse besteht darin,
den Dollarabnehmern der Vereinigten Staaten Waren zu zeigen, die
die europaeischen Nationen anzubieten haben; sie hoffen damit, den
Exporthandel fuer Europa zu foerdern und den Mangel an Dollars reduzieren zu helfen.
Zwei prominente schwedische Gewerkschaftsfunktlonaere sind
Mitglieder eines von der Regierung gegruendeten Komitees, das
Schwedens Beteiligung an dieser Messe vorbereiten und organisieren
soll und Moeglichkelten, sich an weiteren amerikanischen Messen zu
beteiligen, in Erwaegung zieht. Knut Larsson, Praesldent der schwedischen Holzindustriearbeiter Gewerkschaft, und Helga Johansson,
Finanzsekretaerin der Gewerkschaft der Zivilangestellten, gehoeren
zu dem Komitee, das sich aus 22 Mitgliedern, der Regierung, Industrie
und des Handels zusammensetzt. Mr. Larsson gehoert ausserdem zu dem
sechs Mitglieder zaehlenden Arbeitsausschuss fuer die Ausstellung der
OEEC, und Larsson sowie Johansson sind bereits frueher in den Vereinigten Staaten gewesen. '

Inzwischen hat es sich ein anderes, wichtiges Komitee, in dem
die Gewerkschaften vertreten sind, naemlich das Wirtschafts-Informations-Komitee, zur Aufgabe gemacht, die inlaendische Propagandakampagne zur Steigerung des Exports einzuleiten. In diesem Komitee
arbeiten Vertreter der Regierung und des Unternehmerverbandes mit
zwei der groessten Gewerkschaftsorganisationen Schwedens, dem Schwedischen Gewerkschaftsbund und der Zentralgewerkschaft der AnÄe«t«»nt«n
zusammen.
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4 -

�Dieses Komitee widmet seine Arbeit der Verwirklichung der
Ziele des Marshall Planes und bedient sich in Verbindung mit der
Exportkampagne aller ihm zur Verfuegung stehender Mittel zur Informierung der Oeffentllchkeit. Vier Filme sind von diesem Gremium
produziert worden. Zwei davon, "Die Wahrheit ueber Johansson" und
"Warum ist es falsch, montags nicht zu arbeiten?" behandeln das
Thema Fernbleiben von der Arbeit. "Wo sind die Haende?" stellt in
erzaehlender Form dar, wie wichtig es ist, einen Beruf zu erlernen
und nicht fortwaehrend die Beschaeftigung zu wechseln. Diese drei
Filme werden in oeffentlichen Lichtspielhaeusern und bei Tagungen
von Gewerkschaften und genossenschaftlichen, politischen und Erziehungs-Organisationen vorgefuehrt.
Der vierte Film, mit dem Titel "Gruppenarbeit", zeigt, wie die
Arbeiter an der Verbesserung der Produktionsverfahren Anteil und
Nutzen haben koennen, und soll nur vor Arbeitergruppen vorgefuehrt
werden.
Das Informations-Komitee hat eine Broschuere ueber die wirtschaftliche Vereinigung veroeffentlicht. Sie traegt den Titel
"Wir ziehen alle am gleichen Strang" und ist reich illustriert.
Die Gewerkschaftspresse hat den gesamten Inhalt der Broschuere
gedruckt und als Zeitungsbeilage veroeffentlicht. Mit saemtlichen
Gewerkschaftszeitungen und den allgemeinen Arbeiterzeitungen, die
diese Beilage fuehrten, gelangte sie in den Besitz von 1.550,000
Gewerkschaftern Schwedens. 20.000 Unternehmer erhielten ebenfalls
Kopien.
Das Komitee hat vier eindrucksvolle Plakate entworfen, die
die Notwendigkeit der gesamtnationalen Zusammenarbeit zum Wiederaufbau dramatisieren. 35.000 Kopien eines Jeden Plakates sind zur
Verteilung gelangt. Mit Zeitungsreklamen, Illustrierten, Broschueren
und vielen anderen Mitteln hat man diese Propaganda aktiviert.
Zum Informations-Komitee gehoeren: als Vorsitzender Sven Anderson, Minister ohne Portefeuille, Folke Allard und Rudolph Meldner
vom Schwedischen Gewejrkschaftsbund und T. E. Bergstrom, Angestelltengewerkschaft.
EGA Labor Information
ZEMPEL UND WERTS IN FUEHRENDEN POSITIONEN DES BUEROS FUER
INTERNATIONALE ARBEITSANGELEGENHEITEN
Arbeltsminister Maurice J. Tobin gab heute bekannt, dass zwei
Schluesseisteilungen in der Abteilung fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten im U. S. Arbeitsministerium besetzt worden seien.
Arnold ^. Zempel wurde zum Direktor und Leo R. Werts zum stellvertretenden Direktor der Abteilung fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten ernannt.
Unter der Gesamtleitung Philip M. Kaisers, des mit internationalen Fragen beauftragten, stellvertretenden Arbeitsministers,
wird Zempel fuer die Leitung und Koordinierung der internationalen
Taetigkeiten aller Dienststellen und Bueros der Abteilung verantwortlich sein. Werts unterstuetzt Zempel und fungiert waehrend
seiner Abwesenheit als Direktor«
Das Buero fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten ist fuer
die Entwicklung der Politik und die technische Beratung in internationalen Arbeitsangelegenheiten verantwortlich. Es ist in fuenf
Referate unterteilt: Vereinte Nationen, Internationales Gewerkschaftswesen, Handelsvertraege, Technische Unterstuetzung und Auslandsdienst.
- 5 -

�In allen Fragen der Aussenpolitik ist das Arbeitsministerium
an den Arbeiten der Vereinten Nationen und ihrer Pachabteilungen
unter der Gesamtleitung des Aussenministerlums beteiligt. Das
Arbeitsministerium ist in erster Linie fuer die Mitarbeit der
Vereinigten Staaten innerhalb der Internationalen Arbeitsorganisa- tion verantwortlich. Es verfolgt die Entwicklungen des internationalen Gewerkschaftswesens und spielt in der Organisation eine
Rolle, deren Aufgabe es ist, das Programm der gegenseitigen Handelsvertraege zu entwerfen und durchzufuehren. Andere Dienststellen
des Ministeriums beschaeftigen sich mit den Programmen anderer
Laender zur technischen Unterstuetzung auf dem Gebiet der Arbeit und
der Arbeltskraefte. Nach den Bestimmungen des Gesetaes von 1945
ueber den Auslandsdienst ist das Ministerium zusammen mit den
Ministerien fuer Landwirtschaft, Handel und dem Aussenministerium,
Mitglied des Rates fuer den Auslandsdienst. Innerhalb dieses
Gremiums ist das Arbeitsministerium hauptsaechlich fuer das Programm
"Arbeit im Ausland" verantwortlich.
Zempel stammt aus Wisconsin und promovierte 1927 an der Universitaet von Wisconsin. An der gleichen Universitaet machte er
spaeter seinen volkswirtschaftlichen Doktor. Von 1935 bis 1942
lehrte er Arbeitswissenschaft und -Statistik an der Washington
Universitaet in St. Louis, Missouri. 1943 gehoerte Zempel dem
nationalen Ausschuss fuer Arbeitsfragen im Kriege (National War
Labor Board) in Kansas City, Missouri, an. Waehrend des Krieges
war er Major bei der Militaerregierung und war als Beamter fuer
Arbeitsangelegenheiten in Italien und Deutschland eingesetzt. Seit
1946 war Zempel im Amt fuer Internationale Arbeitsangelegenheiten
taetig. Vor seiner Ernennung zum Direktor war er stellvertretender
Direktor in diesem Amt und nahm als Mitglied der US Delegationen
an mehreren Tagungen der Internationalen Arbeitsorganisation teil.
Werts, gebuertig aus Ohio, promovierte 1929 am George Williams
College ih Chicago, Illinois, und spaeter wurde ihm von der Universitaet Chikago der Titel "Bachelor of Philosophy " (Ph 3) verliehen. Von 1941 bis 1945 war er ununterbrochen in der Abteilung fuer
Arbeit im Buero fuer Produktionsleitung taetig, ferner im Aufsichtsrat fuer Kriegsproduktion und in dem Ausschuss zur Ueberwachung der
Arbeltskraefte im Kriege. Von 1945 bis zu seiner jetzigen Ernennung
amtierte Werts als Direktor der Abteilung fuer Arbeit im Amt der
amerikanischen Militaerregierung und unterstand von 1946 bis zu
seinem Amtsantritt im Arbeitsministerium unmittelbar dem Militaergouverneur, General Lucius D. Clay.
Informationsdienst des
U.S. Arbeitsministeriums
19. Januar 1950
EIN INTERESSANTER BRIEFWECHSEL
Berlin - Es folgt der Text eines Briefes, den
die Kommandanten Westberlins an den sowjetischen
KOILMandanten Ostberlins, Generalmajor Kotikow,
gerichtet haben:
Generalmajor A. Kotikow
Garnisonskommandeur und
Milltaerkommandant des
sowjetischen Sektors Berlins
Betrifft:

13. Januar 1950

Verletzung des Abkommens zur Beilegung des Berliner
Eisenbahnerstreiks. "

Wir stellen mit Bedauern fest, dass sie sich in Ihrem Brief
vom 19. Dezember 1949 erneut weigern, dem feierlichen Versprechen

�der sowjetischen Behoerden nachzukommen, das die Basis zur Beendigung des Berliner Eisenbahnerstreiks bildete.
Sie versichern, dass die Aussenminister auf ihrer Konferenz
in Paris die Beilegung des Berliner Eisenbahnerstreiks nicht als
einen wesentlichen Faktor zur Normalisierung des Lebens in Berlin
betrachteten. Das entspricht nicht den Tatsachen. Am 15. Juni
wurde das Problem des Berliner Eisenbahnerstreiks in einer Sondersitzung der vier Aussenminister in Paris besprochen. Bei dieser'
Gelegenheit erklaerte der amerikanische Aussenminister, dass die
vier Aussenminister an einem Modus vivendi fuer Deutschland arbeiteten, der, wie es Mr. Wyschinsky bezeichnete, ein Abkommen
unter Gentlemen sei, das den guten Willen der Beteiligten erfordere.
Wenn die vier Maechte keine Einigung erzielen koennten, die diesen
Streik beenden kann, dann haette angesichts einer solchen Unfaehigkeit, sich ueber eine praktische Angelegenheit zu einigen, auch
Jede andere Vereinbarung, die sie treffen koennten, wenig Wert.
Diese klare Feststellung, der sich auch die Aussenminister Englands
und Frankreichs anschlössen, kann keinen Zweifel darueber gelassen
haben, dass das weitere Gelingen der Viermaechtezusammenarbeit in
Berlin von einem aufrichtigen Beweis seitens der sowjetischen Behoerden abhaengig ist, dass sie wirklich daran interessiert sind,
normale Bedingungen in Berlin zu schaffen, wobei die Beilegung des
Eisenbahnerstreiks eine wesentliche Rolle spielt.
Was die einzelnen Bestimmungen des Abkommens betrifft, nach
dem der Streik beendet werden sollte, so ist es angesichts der in
Ihrem Brief enthaltenen Ungenauigkeiten notwendig, diese noch
einmal zu wiederholen und auf die zahlreichen Versuche der Kommandanten Westberlins hinzuweisen, bei den sowjetischen Behoerden die
Erfuellung dieser Bestimmungen zu erwirken.
Sie geben in Ihrem Briefe an:
(a) dass sich dieses Eisenbahnabkommen nicht auf die Eisenbahner bezieht, die in den Westsektoren wohnen und im Ostsektor
und in der Ostzone arbeiten.
(b) dass die West marke innahaen der Verwaltung der staedtlschen
Bahnen Berlins nicht einmal ausreichten, um 60# der Loehne und Unterstuetzungen den Elsenbahnern zahlen zu koennen, die in den Westsektoren leben und arbeiten, und
(c) dass den Arbeitern, die an dem Streik teilgenommen haben,
kein Nachteil durch Entlassung oder Versetzung entstanden sei, und
dass es nur Versetzungen einzelner Arbeiter im Rahmen normaler
Verwaltungsvorgaenge gegeben habe*
Mit Bezug auf Punkt (a) schrieb General Howley an General
Kvashnln am 10. Juni 1949 folgendes:
''Ich nehme zur Kenntnis, dass die Reichsbahndirektion weiterhin
allen Elsenbahnern, die in den Westsektoren Berlins wohnen, folgendes
zusichert:
Die Reichs bahndirekt Ion zahlt mindestens 60£ der. Loehne in
Westmark fuer die in den Westsektoren Berlins wohnenden Arbeiter
vom Tage ihrer Wiederaufnahme der Arbeit an. Diese Zusicherung soll
allen Eisenbahnern, die in der Westzone wohnen, ohne Ruecksicht auf
Ihre Gewerkschaftszugehoerigkeit, gegeben werden."

- 7 -

�General Kvashnln bestaetlgte diese Feststellung muendlich
General Howley gegenueber und gab spaeter In einem Brief vom
20. Juni 1949 erneut seine Zustimmung. In diesem Brief hiess es:
"Ich bestaetige, dass der Inhalt der Vorschlaege der Reichsbahndirektion in Ihrem Briefe richtig wiedergegeben wurde."
Diese Vereinbarung war kaum getroffen worden, als sie auch
schon durch die Anordnung der Reichsbahndirektion vom 30. Juni
verletzt wurde, in der befohlen wurde, dass "diejenigen Eisenbahner,
die in den Westsektoren wohnen, aber im Ostsektor arbeiten, ausschliesslich in Ostmark bezahlt werden." Die Westkommandanten
machten in ihrem Brief vom 19, Juli die sowjetischen Behoerden
auf diesen offenkundigen Bruch des Abkommens aufmerksam. Der
Generaldirektor VoevudskiJ versuchte in seinem Antwortschreiben
vom 2. August den eindeutigen Wortlaut des urspruenglichen Abkommens durch den Beweis zu entstellen, dass sich die Anordnung nur
auf Arbeiter und Angestellte der Eisenbahn beziehe, die In den
Westsektoren wohnten und arbeiteten*
In unseren Briefen vom 9« September, 21. September, 28. September und 21. November ersuchten wir die Sowjetbehoerden vergeblich, sich an ihre formellen Versprechen zu halten« Sie sind
leider nicht auf unsere eindringlichen und wiederholten Gesuche
zur Einberufung einer weiteren Beratungskonferenz der Vierermaechte
eingegangen* Deshalb ist es Ihnen zuzuschreiben, wie wir auch
schon in unserem Briefe vom 28* September zum Ausdruck brachten,
wenn wir heute annehmen muessen, dass die Sowjetbehoerden nicht an
einer Regelung dieser hoechst wichtigen Angelegenheit interessiert
sind, die einen Hauptfaktor in der Normalisierung des Lebens in
dieser Stadt darstellt* Und aus diesem Grunde teilten wir Ihnen
auf Anordnung unserer Hohen Kommissare mit, dass wir nicht gewillt
seien, die Besprechungen ueber die Normalisierung des Lebens in
Berlin fortzusetzen, solange wir uns nicht darauf verlassen koennten,
dass frei vereinbarte Abmachungen von den Sowjetbehoerden in Geist
und Tat respektiert werden.
Was die ungenuegenden Einnahmen in Westmark betrifft, (Punkt b),
stellen wir fest, dass Sie sich in Ihrem Brief nur auf die Einnahmen der "staedtischen Bahnen" beziehen. Wenn Sie damit die
Westmarkeinnahmen der S-Bahn meinen, ist es wohl moeglich, dass
diese tatsaechlich unzureichend sind* Wir moechten Sie jedoch auf
die urspruengliche Vereinbarung der Reichsbahndirektion aufmerksam
machen, auf die sich General Kvashnln in seinem Brief vom 20* Juni
bezieht, und die besagt, "dass sich die GeneraldirektIon der Reichsbahn von nun an verpflichtet, 60£ der Loehne und Gehaeiter der Angestellten und Arbeiter der Reichsbahn, die in Westberlin wohnen,
bis zu einer allgemeinen Regelung des Berliner Waehrungsproblems
in Westmark zu zahlen* Dieser Prozentsatz kann, je nach den Westmarkeinnahmen der Reichsbahn, erhoeht werden." Wir stellen mit
Genugtuung fest, dass die Westmarkeinnahmen der Reichsbahn mehr als
zureichend sind, um die Bedingungen dieser Abmachung erfuellen zu.
koennen*
Was die Frage der Vergeltungsmassregeln betrifft, (Punkt c),
so sind unseres Wissens mehrere hundert Eisenbahnarbeiter, die an
dem Streik teilnahmen, durch Entlassung oder Versetzung in schlechtere Stellungen bestraft worden. Wenn Sie diese grausame Massnahme
als "einen normalen, uebllchen Vorgang in der Verwaltung bezeichnen,"
so deutet dies in genuegendem Masse auf die Gleichgültigkeit hin,
mit der die sowjetischen Behörden der Wohlfahrt des Arbeiters gegenüberstehen. Ausserdem wissen wir, dass sich noch eine Anzahl
dieser Eisenbahnarbeiter im Ostsektor und in der Ostzone in Gefaengnlssen des Ostsektors und der Ostzone befinden, ohne dass ihre Lage
.durch ein gerichtliches Verfahren geklaert wird.

- 8 -

�Was Ihre Stellungnahme zu unserer Anordnung betrifft, In
der wir die Uebergabe von Eisenbahnmaterial ohne unsere vorherige
Genehmigung verboten haben, so muessen Sie wissen, dass wir zu
dieser Handlung gezwungen waren, um die helmliche Beseitigung von
Reichsbahneigentum zu verhindern. Auch musste gegen Angestellte
der Reichsbahn gesetzlich vorgegangen werden, die solche Vergehen heimlich beguenstigten.
Angesichts der hiermit gemachten Betrachtungen muessen wir
erneut darauf bestehen, dass sich die sowjetischen Behoerden an
das geschriebene Wort in General Kvashnins Brief vom 20. Juni 1949
halten. Wir wiederholen, dass, wenn die Sowjetbehoerden einen
fuehlbaren Beweis ihrer Absicht geben, die Abmachungen vom letzten
Juni vorigen Jahres zur Beilegung des Eisenbahnerstreiks einzuhalten, wir bereit sein werden, Sachverstaendige zu bestimmen,
die mit General Kvashnin die Einzelheiten unserer Beschwerden
hinsichtlich der Behandlung der Eisenbahnarbeiter besprechen
sollen. Ohne diesen Beweis sind wir der Ansicht, dass von einer
Fortsetzung dieses Briefwechsels keine erspriesslichen Ergebnisse
zu erwarten sind.
England
Generalmajor
G.K. BOURNE

USA
Generalmajor
MAXWELL D. TAYLOR

Frankreich
Divisionsgeneral
GANEVAL

Und nun Generalmajor Kotlkows Schreiben vom 19. Dezember
an die drei Kommandanten Westberlins:
Generalmajor Maxwell »• Taylor
Chef der amerikanischen
Mllitaerverwaltung In Berlin

Berlin-Karlshörst, 19.Dez.1949

Sehr geehrter Herr General:
Ihr Schreiben vom 21. November 1949 kann nichts an meiner
Meinung aendern, die ich bereits frueher zum Ausdruck gebracht
habe, naemlich dass eine einseitige EntSchliessung der drei
Kommandanten Westberlins zur Abbrechung der Besprechungen ueber
Angelegenheiten, die sich auf die Normalisierung des Lebens in
Berlin beziehen, nicht gerecht ist; eine solche EntSchliessung
steht vielmehr im Widerspruch zu dem Beschluss des Aussenministerrates in Paris und stellt eine Verletzung ihrerseits der
Interessen der Berliner Bevoelkerung dar.
Die in Ihrem Brief enthaltene Bemerkung, dass der Rat der
Aussenminister in Paris sich in Anbetracht der damaligen Lage
der Eisenbahner in den WestSektoren Berlins entschlossen habe,
sich mit der Mormalisierung des Lebens In Berlin zu befassen,
entspricht weder dem Text der EntSchliessung, auf die Sie sich
beziehen, noch dem gegenwaertigen Stand der Verhandlungen ueber
die Berliner Frage auf der Aussenministerkonferenz, wie Sie aus
dem stenographischen Bericht der betreffenden Konferenz ersehen
koennen. Ihr Schreiben vom 21. November 1949 kann deshalb nur
als ein Versuch angesehen werden, sich fuer den von Ihnen verursachten Abbruch der Viermaechte Beratungskonferenzen ueber die Normalisierung des Lebens in Berlin nachtraeglich zu rechtfertigen.
Ich kann deshalb nur wiederholen, dass die Verantwortung fuer
den Abbruch der Besprechungen ausschliesslich den Kommandanten
der Westsektoren zufaellt, die sich nun ohne jegliche Berechtigung
als Vertreter der Eisenbahner aufspielen.
Ihre Behauptung, die Berliner Eisenbahnverwaltung verletze
ein Abkommen, das mit Bezug auf die Lohnzahlung in Westmark an die
- 9 -

�Elsenbahner der Westsektoren getroffen worden sei, steht in Widerspruch zu den Tatsachen; die Eisenbahnverwaltung zahlt, wie vereinbart, regelmaessig 60# der Loehne an diejenigen Eisenbahner,
die in den Westsektoren wohnen und arbeiten» Der stellvertretende
Chef der Transportabteilung (SMAG) teilte Ihnen bereits in einem
Brief vom 2. August 1949 mit, dass die Abmachungen zwischen der
Hauptverwaltung der Deutschen Eisenbahnen in der Sowjetzone und
der Eisenbahnergewerkschaft sich nur auf Arbeiter und Angestellte
erstreckten, die in den Westsektoren wohnen und arbeiten, und dass
in diesem Abkommen nicht die Zahlung von 60# der Loehne und Unterstützungen fuer diejenigen Eisenbahnarbeiter vorgesehen sei, die
in den Westsektoren wohnen, aber im Ostsektor arbeiten.
Und es ist selbstverstaendlicn, dass dem so ist, denn die
Berliner Eisenbahnverwaltung konnte sich gar nicht damit einverstanden erklaeren, die obengenannte Vereinbarung auch auf diejenigen Eisenbahner auszudehnen, die in den Westsektoren wohnen
und im Ostsektor arbeiten, da die Westmarkeinnahmen der Verwaltung
der staedtischen Bahnen Berlins nicht einmal ausreichen, um 60tf
der Loehne und Unterstuetzungen selbst den Eisenbahnern zahlen zu
koennen, die in den Westsektoreh wohnen und arbeiten. So beliefen
sich z.B. die Einnahmen der Berliner Stadtbahnen im Monat November
1949 auf 1.843.000 in Westmark. Die durchschnittliche monatliche
Lohnrechnung fuer Eisenbahner, die in den Westsektoren
wohnen und
arbeiten, belaeuft sich jedoch auf 1.878.000 westmark.
Eine Annahme Ihrer Vorschlaege, die in dem Abkommen nicht angegeben sind, wuerde deshalb zu einer wirtschaftlichen Desorganisierung der Berliner Eisenbahnen fuehren.
Auch muss ich Ihre Behauptung zurueckweisen, die Berliner
Eisenbahnverwaltung haette angeblich Repressalien gegen die an dem
Streik Beteiligten ergriffen, indem man sie entlassen oder versetzt
, haette.
Solche Behauptungen entbehren jeder Grundlage, da Versetzungen
einzelner Eisenbahner einen normalen Vorgang in der Verwaltung und
ein Verfahren darstellen, das bereits vor den obenerwaehnten Ereignissen bestand.
Zu gleicher Zelt fuehle ich mich gezwungen, Ihr« Aufmerksamkeit
auf das von den Kommandanten der Westsektoren erlassene gesetzeswidrige Verbot zu lenken, Eisenbahnmaterial und Ersatzteile aus
Bahnhoefen der Westsektoren in solche des Ostsektors zu befoerdern.
Ich mache Sie ebenfalls auf die Anordnung der Westkommandanten auf*
merksam, Wohnungen und Mieten zu beschlagnahmen, die der Reichsbahnverwaltung durch Vermietung von Grundstuecken an Inhaber von Imbisstuben,
Restaurants, Zeitungsstaenden, etc. zufHessen. Solche Massnahmen
gehoeren nicht In den uebllchen Aufgabenbereich einer Eisenbahnverwaltung •
Wenn Sie jedoch ueber irgendeine Frage betreffs der Berliner
Elsenbahnen im Unklaren sind, wird General Kvashnin, wie mir mitgeteilt wurde, jederzeit bereit sein, einen Vertreter von Ihnen zu
empfangen, um mit ihm ueber die betreffenden Fragen zu beraten.
Briefe gleichen Inhalts habe ich an Generalmajor Bourne und
Divisionsgeneral Ganeval gesandt.
Hochachtungsvoll
gez. A. Kotikow
Generalmajor
Informationsabteilung der Amerikanischen
Hohen Kommission in Berlin
14. Januar 1950
- 10 -

�AFL FUER SOLIDARITAET DER ARBEITERSCHAFT DBB GANZE» WELT
(Miami, Florida) — Der Verwaltungsrat des Amerikanischen
Gewericschaftsbundes A*L forderte, dass wir uns mit "verdoppelten
Kraeften" fuer die Solldarltaet der Gewerkschaftsbewegung der ganzen
Welt einsetzen* Er unternahm Schritte, die den AFL in seinem
Kampf um bessere Lebensbedingungen in Amerika unter st uetzen sollen«
Kurz vor Beendigung der WinterSitzungsperiode trafen die
Mitglieder des Verwaltungsrates folgende Bitschliessung:
1. In 60 Tagen soll der Internationale Metallarbeiter Verband
dazu eingeladen werden, sich mit seinen 600*000 Mitgliedern dem
AFL wieder anzuschliessen*
8* Indien soll unterstuetzt werden, damit es seine gegenwaertigen ErnaehrungsSchwierigkeiten ueberwinden, sein staatliches
Erziehungssystem ausbauen und die allgemeine Gesundheitslage verbessern kann*
3* Der Im Dezember letzten Jahres in London gegruendete
Internationale Weltbund Freier Gewerkschaften soll mit allen Mitteln
unterstuetzt werden*
4. Franco-Spanien und das kommunistische China sollen von
den Vereinigten Staaten nicht anerkannt werden*
5* Der US Senat soll die Konvention der Vereinten Nationen
ratifizieren, die Massenmord an nationalen, rassischen und religloesen Gruppen verbietet*
6* Der Kongress soll sofort die Steuern fuer Transport»
Theaterkarten und verschiedene Verbrauchsgueter abschaffen«
7« Das Gesuch soll befuerwortet werden, in dem der Administrator des nationalen Gesundheitswesens, Oscar Swing, fordert, dass
die Mitglieder des AFL ueber das von dieser Organisation unterstuetzte Krankenversicherungsprogramm konkrete Informationen enthalten«
8« Staatssekretaer Williard L. Thorpe berichtete von der
Tragweite und den Auswirkungen des Internationalen Handelsabkommens,
das im vorigen Jahre in Havanna in Kraft getreten ist*
Der Verwaltungsrat und die ihm angeschlossenen Referate bearbeiteten waehrend ihrer hiesigen Sitzungen eine Menge wichtiger
Angelegenheiten, die noch Im Rueckstand waren«
Die fuehrende Rolle hervorhebend, die der AFL in Internationalen
Angelegenheiten spielt, brachte der Verwaltungsrat zum Ausdruck, dass
die 8 Millionen Mitglieder des AFL von der Regierung der Vereinigten
Staaten erwarteten, dass sie sich dem Kommunismus und dem Faschismus
ueberall da, wo er in der Welt auftreten sollte, entschlossen entgegenstellt*
Schliesslich erklaerte sich der Verwaltungsrat erneut dazu
bereit, Praesldent Trumans Punkt-Vler-Programm zu billigen, mit dem
unentwickelten Wirtschaftsgebieten geholfen werden soll« Betont
wurde die Notwendigkeit, dass auch die Gewerkschaften bei der Ausarbeitung der Plaene zur technischen unterstuetzung dieser Gebiete
vertreten sein muessen*
Aus dem woechentliehen Nachrichtenblatt
des AFL,"American Federatlon of Labor"
7* Februar 1950

- 11 -

�UWABHAENGIGKEIT DER ARBEITSRICHTER GEFORDERT

In seiner Sitzung vom 8. Februar 1950 befasste sich der
•beitsgerichtfcarkeit hauptberuflich t a e t i g e n Rictvtei
In einer IntSchliessung zu einem im Bundesjustizministerium
z.Zt. Torilegenden Entwurf eines Richtergesetzes fordert der
Ausschuss die Sicherung der v o l l e n persoenllchen Unabhängigk e i t auch fuer die In der Arbeitsgerichtsbarkeit hauptberuflich
taetigen Richter,

- 12 -

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Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

«uwe o- a*s i t i M w i T «

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission fflr Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

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Frankfurt, 84. Februar 1950

INHALTSVERZEICHNIS
"Waffenstillstand' 1 zwischen zwei grossen
U.S. Gewerkschaften - - -

g

AFL gegen Anerkennung Franco-Spaniens - - -

4

Zwei Gewerkschaftsführer treten aus den
Kommunistischen Elektriker-Verband Amerikas
aus - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

5

Gewerkschaften in Belgien - - - - - - - - -

8

Kommission des internationalen Arbeitsamtes
zur Wahrung der gewerkschaftlichen Rechte -

$en.:

- 1 -

11

�"WAFFENSTILLSTAND" ZWISCHEN ZWEI GROSSEN U.S. GEWERKSCHAFTEN
Die Frage der Zustaendigkeit bestimmter Gewerkschaften fuer
bestimmte Industrien spielt eine grosse Rolle in den innerorganisatorischen Beziehungen der amerikanischen Gewerkschaften. Schwere
Kaempfe und sogenannte "jurisdictional" (Zustaendigkeit) Streiks
haben die amerikanische Gewerkschaftsbewegung oft geschaedigt.
Jetzt haben zwei der groessten U.S. Gewerkschaften, die ernsthafte
Meinungsverschiedenheiten auf diesem Gebiet hatten, einen "Waffenstillstand" geschlossen. Der nachstehende Bericht gibt die Einzelheiten des Abkommens wieder.
ET OIA ,OODIH

Der U.S. Arbeitsminister Maurice J. Tobin gab bekannt, dass
zwei der groessten amerikanischen Gewerkschaften, der Internationale
Metallarbeiterverband (IAM) und die Vereinigten Automobilarbeiter
(UAW-CIO), freiwillig durch ein Abkommen die Frage der Zustaendigkeit geklaert haetten. Der Arbeitsminister fuehrte im einzelnen aus:
"Dieser Pakt ist zwischen zwei bedeutenden Gewerkschaften zustande gekommen, ohne dass die Regierung in irgendeiner Form vermittelt oder einen Druck ausgeuebt haette. Ich glaube, dass dieses
Abkommen wesentlich zum industriellen Frieden beitragen kann, indem
es unnoetige Streitigkeiten wegen der Zustaendigkeit unmoeglich macht.
Jeder denkende Buerger unseres Landes wird es mit grosser Befriedigung begruessen. Es ist ein Beweis dafuer, dass die Gewerkschaften
Ihre eigenen innerorganisatorischen Angelegenheiten aus freiem Entschluss heraus und ohne Vermittlung der Regierung regeln koennen«
"Ich moechte hiermit den Beamten und Mitgliedern beider Organisationen meine Anerkennung aussprechen. Sie haben ilire Faehigkeiten
unter Beweis gestellt, indem sie ein solches Abkommen und damit
eine Loesung ihrer Zustaendigkeitsprobleme zustande brachten, die
die Bewegung so oft von ihren eigentlichen Aufgaben abgelenkt haben."
Gleichzeitig veroeffentlichte der Arbeitsminister folgende
gemeinsame Erklaerung der Praesidenten dieser beiden Gewerkschaften,
AI Hayes (IAM) und Walter P. Reuther (UAW-CIO):
"Unsere Organisationen haben freiwillig diesen Vertrag geschlossen, der dem gemeinsamen Wohle unserer Mitglieder und der
Foerderung des industriellen Friedens und der wirtschaftlichen
Stabilitaet dienen soll. Er stellt einen Beitrag zum wirtschaftlichen Wohlergehen unseres Volkes und unseres Landes dar. Wir waren
immer der Auffassung, dass die Arbeiterschaft ihre innergewerkschaftlichen Angelegenheiten ohne die Regierung loesen kann."
Es folgt der ungekuerzte Wortlaut des Vertrages:
In dem Bestreben, die Wohlfahrt der Arbeiter, die durch unsere
beiden Organisationen vertreten sind, zu foerdern und ihre Arbeitsbedingungen, Loehne und Arbeitszeit zu verbessern, und
Zur Foerderung der Solidaritaet der Arbeiterschaft durch Organisierung der noch nicht Organisierten und durch Vereinigung der
gesamten Gewerkschaftsbewegung
Wird folgendes gemeinsam beschlossen:
1. Wenn eine der beiden Organisationen mit einem Unternehmer
in den Vereinigten Staaten in vertraglich festgelegten Beziehungen
steht, oder ihr von dem Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen (national
Labor Relations Board) die Zustaendigkeit als Tarifpartner zuerkannt
- 2 -

�/

wurde, darf sich die andere Organisation auf keinen Fall in diese
Beziehungen einmischen, indem ihre Beamte, Vertreter oder Mitglieder um die Mitgliedschaft der der anderen Organisation zustehenden
Arbeiter werben, Aufnahmeantraege annehmen oder Irgendwelche Taetigkeiten ausueben oder unterstuetzen, die dazu bestimmt sind, solche
Beziehungen zu stoeren.
2. In allen gewerkschaftlich nicht organisierten Betrieben
steht es beiden Organisationen frei, Werbetaetigkeit auszuueben,
um die Arbeiter dieser Betriebe in ihre Gewerkschaft aufzunehmen
und als Tarifpartner anerkannt zu werden. Es wird vereinbart, dass
beide Organisationen im Verlaufe solcher Werbekampagnen so handeln
muessen, dass es moeglich ist, ein loyales Verhaeltnls dieser Arbeiter zu den Gewerkschaften zu schaffen, und dass sie nicht versuchen duerfen, durch eine bestimmte Taktik und Methoden organisatorische Vorteile zu erlangen, die auf lange Sicht gesehen die
Interessen der Gewerkschaftsbewegung beeintraechtigen.
3. Weiterhin wird vereinbart, dass sich die beiden Organisationen fuer eine groesstmoegliche Zusammenarbeit einsetzen sollen,
um die Programme und die Politik foerdern zu koennen, die den Interessen unserer Mitglieder und unserer Nation dienen.
4. Dieser Vertrag ist fuer alle Betriebe in den Vereinigten
Staaten, mit Ausnahme der unten Genannten gueltig. Die Betriebe
unter "A" werden erfasst werden, sobald die Streitigkeiten ueber
die Betriebsvertretungen beendet sein werden. Ausgenommen von
diesem Vertrag sind ohne Einschraenkung folgende Unternehmen:
Duplex Division of the Goss Printing Press Company of Battle Creek,
Michigan, und International Harvester Company, Stockton Works,
Stockton, Kalifornien. Es bleibt vorbehalten, ueber das letztgenannte Unternehmen spaeterhin zu beraten und eine Ueberpruefung
durch beide Partner vorzunehmen.
"A"

Auto Lite Plant, Lockland, Ohio
Carter Carburetor Corp., St. Louis, Missouri
International Harvester Company, Melrose Park Branch,
Melrose Park, Illinois
Meuller Brass Company, Port Huron, Michigan

5. Beide Parteien verpflichten sich, dieses Abkommen nach bestem
Willen einzuhalten, und keine der beiden Organisationen darf durch
irgendwelche Manipulationen versuchen, sich einer dieser Bestimmungen
zu entziehen. Sollten sich irgendwelche Probleme oder Streitigkeiten aus diesem Vertrag ergeben, dann treten die fuehrenden Beamten
beider Organisationen zusammen, um im Geiste dieses Vertrages ueber
diese Probleme oder Streitigkeiten zu beraten.
6. Dieser Vertrag ist von unbegrenzter Dauer. Er kann bei
einer Kündigungsfrist von mindestens 60 Tagen abgeaaadert oder
ausser Kraft gesetzt werden. Die Organisation, die die Abaenderung
oder Aufhebung wuenscht, hat die Kuendigung bei der anderen Organisation nach vorausgegangener Konferenz zwischen den bevollmaechtigten Vertretern beider Organisationen einzureichen.
Woechentliches Organ des
Internationalen Metallarbeiter
Verbandes, "The Machinist"
9. Febiuar 1950

�AFL GEGEN ANERKENNUNG FRANCO-SPANIENS

Der Verwaltungsrat des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL ersuchte die US Regierung, an der Politik der Nichtanerkennung
Franco-Spaniens festzuhalten.
Im einzelnen wurde zu diesem Thema folgendermassen Stellung
genommen:
"Der Verwaltungsrat des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL hat sich erneut mit der Frage befasst, ob unsere Regierung
die faschistische Diktatur Spaniens unter dem Generalissimus
Franco diplomatisch voll anerkennen soll.
"Wir bringen erneut zum Ausdruck, dass wir eine Anerkennung
ablehnen und fordern das Aussenministerium auf, die Politik der
Nichtanerkennung unbedingt beizubehalten. Wir ersuchen den P r e sidenten der Vereinigten Staaten und die aussenpolitischen Ausschuesse des Senats und Repraesentantenhauses, alles zu tun, was
in ihrer Macht steht, um die Fortsetzung der bisher eingeschlagenen Politik der Nichtanerkennung des Falangistenregimes in Spanien
zu gewaehrleisten.
"Es ist unsere feste Ueberzeugung, dass unsere Regierung
einen Fehler nach dem anderen begehen wuerde, wenn sie sich erst
einmal zu einem solchen Schritt verleiten liesse und ihn auch
zu entschuldigen suchte. Wir koennen uns nicht vorstellen, dass
angesichts der gegenwaertigen, explosiven, internationalen Lage in der der kommunistische Totalitarismus die groesste Kriegsgefahr darstellt - eine Anerkennung Franco-Spaniens durch die füehrende Demokratie der Welt ueberhaupt keine moralischen Folgen
haben soll.
"Unsere Regierung koennte dann ebensogut die kommunistischen
Usurpatoren anerkennen, die mit Russlands Hilfe die verfassungsgemaesse Regierung Chinas gestuerzt haben. Und China war das
allererste Land, das sich der totalitaeren Agression widersetzt hat.
"Auch muessen wir die Behauptung zurueckweisen, ein amerikanischer Botschafter in Madrid koenne mithelfen, eine politische
und wirtschaftliche Reform, in Spanien zu beschleunigen.
"Ganz im Gegenteil, eine solche Anerkennung wuerde eine ausgedehnte finanzielle Unterstuetzung einer verabscheuungswuerdigen
Gewaltherrschaft bedeuten, die sich nun in einer Krise befindet
und ohne fremde Hilfe zugrunde gehen muss.
•Gerade in diesem Augenblick, in dem Russland versucht, mit
dem kommunistischen China als Kugelfang ganz Asien in erschreckendem Tempo unter das Joch des totalitaeren Kommunismus zu bringen,
wuerde eine Anerkennung Francos verheerende Reaktionen im Fernen
Osten hervorrufen.
"Die amerikanischen Gewerkschaftsdelegierten auf dem Londoner
Kongress des Internationalen Weltbundes Freier Gewerkschaften
sprachen sich einstimmig und nachhaltig gegen die Anerkennung der
Franco-Diktatur aus und taten damit den Willen der internationalen
freien Gewerkschaftsbewegung kund. Die demokratischen Gewerkschafter
koennen naemlich nicht vergessen, dass in Franco-Spanien keine Gewerkschaften bestehen duerfen, gewerkschaftliche Taetigkeiten verboten sind und die Anhaenger des Gewerkschaftswesens eingekerkert
und sogar hingerichtet werden.
- 4 -

�"Wir koennen es nicht stark genug betonen, dass eine Anerkennung Francos durch die Vereinigten Staaten den Diktatoren
Latein-Amerikas nur mehr Macht in ihre brutalen Faeuste geben
wuerde. Diese Diktatoren sind gefaehrllche Feinde der Demokratie
in der westlichen Hemisphaere. Es ist kein Zufall, dass die ausgepraegtesten Diktaturen Latein-Amerikas - Argentinien, Dominikanische Republik und Peru - diejenigen sind, die diplomatische Ver- •
treter in Madrid haben. Franco stellt eine gefaehrllche, totalitaere Macht nicht nur in Europa und Afrika, sondern auch in LateinAmerika dar, wo er intime Freunde hat, die in ihm einen vorbildlichen Diktator sehen, waehrend sie unserer demokratischen Lebensweise feindlich gegenueberstehen. Jegliche Politik, die die demokratischen Kraefte der Neuen Welt schwaecht, wird auch unsere Regierung in ihrer Faehlgkeit stark beeintraechtigen, eine wirksame
Fuehrung Im Kampf um die Wahrung der persoenlichen Freiheit auf
der ganzen Welt auszuueben.

Jh.

JäG.

Gerade in dem Augenblick, in dem sich die Weltmaechte der
Demokratie und der freien Gewerkschaften fester zusammenschliessen,
darf unsere Regierung sie nicht entzweien. In dem Monat, in dem
noch weitere Millionen von Menschen mit Vertrauen und Hoffnung auf
unser Land als den wuerdigen Verteidiger der persoenlichen Freiheit
blicken, duerfen wir sie nicht enttaeuschen und entmutigen.
••Mit aller uns zu Gebote stehender Aufrichtigkeit und Eindringlichkeit wenden wir uns an den Praesidenten der Vereinigten Staaten,
an die aussenpolitIschen Ausschuesse des Senats und des Repraesentantenhauses und an das Aussenministerium mit der Bitte, treu und
unbeirrbar an der gegenwaertigen Politik der Vereinigten Staaten
gegenueber der faschistischen Diktatur Spaniens festzuhalten.
Woechentliches Nachrichtenblatt
des AFL,
"American Federation of Labor"
7. Februar 1950
ZWEI GEWERKSCHAFTSFUEHRER TRETEN AUS DEM KOMMUNISTISCHEN
ELEKTRIKER-VERBAND AMERIKAS AUS
Der Elektriker-Verband (ÜB) und sein kommunistisches Parteigefuege erlitten einen schweren Schlag, als am 5. und 7. Januar
zwei langjaehrige Fuehrer des UE ploetzlich ihren Ruecktritt erklaerten. Einer der beiden trat zu gleicher Zeit aus der Kommunistischen Partei aus.
Die Ruecktrittserklaerungen beider Funktionaere waren von
bitteren Vorwuerfen begleitet ueber die direkte kommunistische
Bevormundung der Chikagoer Geschaeftsstellen des UE, ueber die
totalitaere Diktatur und die Zugehoerigkeit zahlreicher UE Fuehrer
zur Kommunistischen Partei.
Die beiden Gewerkschaftsfuehrer sind:
Irving Krane, Rechtsvertreter und Geschaeftsfuehrer des UE
Ortskartells 1150 waehrend der letzten 7 Jahre; Delegierter bei den
UE Konventionen in den Jahren 1947 und 1948; Mitglied oder Teilnehmer zahlreicher getarnter kommunistischer Hilfsorganisationen,
darunter mehrere, die von dem amerikanischen Oberstaatsanwalt als
umstuerzlerisch bezeichnet wurden.
Lee Lundgren, Gewerkschaftssekretaer des UE Ortskartells 1150,
Organisator und Funktionaer dieser Organisation seit 1944; anerkanntes
Mitglied der Kommunistischen Partei und Mitglied verschiedener ge- 5 -

�tarnter kommunistischer Hilfsorganisationen,
Der wie eine Bombe einschlagende Ruecktritt Kranes und Lundgrens wirkte auf den gesamten Apparat der Kommunistischen Partei
im Bezirk Chlkago und auf die gesamte Fuehrerschaft des UE wie
eine Betaeubung; zuerst glaubten sie nicht daran, und dann befuerchteten sie, dass dieses Ereignis im ganzen Lande aehnliche
Auflehnungen der kommunistischen UE Fuehrer hervorrufen koennte.
Die unterschriebenen Austrittserklaerungen Kranes und Lundgrens lieferten einen ueberzeugenden Beweis fuer die Richtigkeit
der von UE Fuehrern der Rechten und IUE Fuehrern (IUE - Internationale Gewerkschaft der Elektroarbeiter, (nichtkommunistisch) )
gemachten Vorwuerfe, dass der UE jahrelang voelllg unter dem
Einfluss kommunistischer Parteikommissare gestanden habe.
Austrittserklaerung Irving Kranes;
An die Mitglieder der Gewerkschaft der Elekrtoarbeiter,
Orts kartell 1150:
Ab sofort lege ich mein Amt als Geschaeftsfuehrer des UE
Orstkartells 1150 nieder, das ich waehrend der letzten sieben
Jahre ununterbrochen innehatte.
Ich lehnte es ab, in diesem Jahre noch einmal fuer diese
Stellung zu kandidieren, obwohl mir von den Mitgliedern der Gewerkschaft versichert wurde, dass ich mit grosser Mehrheit wiedergewaehlt wuerde, wenn ich die von dem Betriebsvorsitzenden von
Sunbeam und mehreren Mitgliedern der groessten Betriebe mir angebotene Kanditatur annehmen wuerde.
Meinen Entschluss, die Kanditatur abzulehnen und mein Amt
niederzulegen, begruende ich folgendermassen:
Ich kann nicht laenger mitansehen, dass es den Mitgliedern
des UE einfach nicht gestattet ist, in ihren eigenen Gewerkschaftsangelegenheiten zu bestimmen und die Politik ihrer eigenen Gewerkschaft vorzuschreiben.
Der UE steht unter der Kontrolle der Kommunistischen Partei,
und zwar dermassen, dass es seinen Mitgliedern unmoegllch ist, von
ihrem Grundrecht freien Gebrauch zu machen, innerhalb ihrer Gewerkschaft so zu handeln, wie es ihnen am geeignetsten erscheint.
Unsere Mitglieder sind erstaunt, dass fuer die jetzige Wahl
Innerhalb des Ortskartells nur diese eine Liste von Kandidaten
aufgestellt wurde.
Sie werden jedoch nicht mehr erstaunt sein, wenn ich ihnen
sage, dass diese Liste im voraus von der Kommunistischen Partei
und von Ernest DeMalo zusammengestellt worden ist, ohne dass man
dem Grundrecht der Gewerkschaftsmitglleder, ihre Kandidaten selbst
zu bestimmen, Rechnung getragen hat.
Am 16. ^ezember wurde im Verlaufe einer nichtoffiziellen Besprechung von Sa, Kushner, dem ehemaligen Geschaeftsfuehrer des
Ortskartells 1119 und gegenwaertlgen hauptberuflichen Organisator
der Kommunistischen Partei, berichtet, dass Gil Green und andere
Fuehrer der Kommunistischen Partei wegen politischer Meinungsverschiedenheiten gegen meine Kandidatur waeren.

- 6 -

�Daraufhin wurden in dieser Konferenz die Kandidaten fuer
die bevorstehende Wahl im Ortskartell 1150 bestimmt.
Dass DeMalo die Kommunistische Partei unterstuetzt, ist
durch die Taetigkeiten der UE Vorstandsmitglleder bewiesen, die
unter seiner Fuehrung arbeiten.
Im gesamten Verlauf meiner Amtszelt war die Wohlfahrt der
Arbeiter oberstes Gebot fuer mich. Dafuer habe ich schriftliche
Beweise.
Da ich der Ansicht bin, dass ich mich nicht 1 aenger dem
undemokratischen Treiben in dem UE anschliessen kann, fuehle ich
mich gezwungen, meinen Austritt zu erklaeren.
Mit herzlichem, kollegialem Gruss verbleibe ich
Euer
Irving Krane.
Au3trittserklaerung Lee Lundgrens:
Mit dem heutigen Tage erklaere ich meinen Ruecktrltt als
Gewerkschaftssekretaer des UE Ortskartells 1150 und meinen Austritt aus der Kommunistischen Partei.
Als Gewerkschafter bin ich der Meinung, dass man nicht zwei
Herren dienen kann. Meine Zugehoerlgkelt zur Kommunistischen
Partei machte es mir unmoegllch, den wahren Interessen der Arbeiter zu dienen und eine demokratische Gewerkschaft aufzubauen,
deren Leitung in den Haenden ihrer Mitglieder liegt, und die sich
ausschliesslich der Wohlfahrt der Arbeiterschaft widmet. Ich bin
nun voellig ueberzeugt, dass die Kommunisten die Arbeiter des UE
dem Abgrund entgegenfuehren.
Durch meine Erfahrungen, die ich seit 1944 sammeln konnte,
bin ich zu dieser Schlussfolgerung gekommen. Damals half ich mit,
den Betrieb, in dem ich beschaeftigt war, in dem UE zu organisieren* Ich war Betriebsratvorsitzender in der Firma Goodman, vier
Jahre lang Finanzsekretaer des Ortskartells 1150 und hauptberuflicher
Gewerkschaftssekretaer seit 1945.
Kurz nach meinem Amtsantritt als Gewerkschaftssekretaer Im UE,
nahm mich Pat Amato, Praesldent des Ortskartells 1150, in die
Kommunistische Partei auf.
Ich trat in die Partei ein, weil man mir sagte, dass sie
die Interessen der Arbeiter am besten vertreten wuerde und ich
auf diese Weise den Arbeitern bei der Loesung ihrer taegllchen
Probleme besser beistehen koennte.
Als Parteimitglied nahm ich an zahlreichen, nichtoffiziellen
Besprechungen der Kommunistischen Partei teil, in deren Verlauf
innere Angelegenheiten des UE offen besprochen und geplant wurden«
Diese Besprechungen zeigten deutlich, dass es hier hauptsaechllch
um die Interessen der Kommunistischen Partei ging und die Wohlfahrt
der Gewerkschaftsmitglieder nur von untergeordneter Bedeutung war.
Diesen Konferenzen der Kommunistischen Partei wohnten u.a. bei:
Praesldent Pat Amato; Alice Smith, der Sekretaer des Bezirksvorstandes Nr. 11 des UE; Fred Dutner, ein UE Organisator fuer internationale Angelegenheiten; und Sam Kushner, ein Organisator der
Kommunistischen Partei.
- 7 -

�Auf einer solchen Konferenz der Kommunistischen Partei wurde
kuerzlich erklaert, dass Irving Krane "politisch unzuverlaessig"
sei und Fred Dutner sein Nachfolger werden solle.
Wenn Pat Amato vor kurzem erklaerte, Irving Krane sei deshalb nicht zum Geschaeftsfuehrer vorgeschlagen worden, weil er
"unbefaehigt" sei, so ist dies eine typische kommunistische Luege.
Ich war Jahrelang Mitglied dieser Gewerkschaft und weiss aus eigener Erfahrung, dass Krane die besten Vertraege in diesem Ortskar*
teil abgeschlossen hat. Es ist nicht schwierig, an Hand der Akten
diese Tatsache zu beweisen.
Fred Dutner dagegen hat, soviel mir bekannt ist, in seinem
Leben keinen einzigen Gewerkschaftsvertrag zustande gebracht.
Die Absicht, Krane aus einer fuehrenden Position in unserem
Ortskartell zu verdraengen, ist nichts weiter als der letzte Punkt
in einer langen Liste, der mich endgueltig davon ueberzeugt hat,
dass der ELektriker«»verband voellig unfaehig ist, ehrlich und
aufrichtig zu handeln. Solange ich zu dieser Gewerkschaft gehoerte,
hat sich Ernest DeMaio, der Praesident des Distrikts 11, kein einziges Mal den Beschluessen der Kommunistischen Partei widersetzt,
die fuer die gewerkschaftlichen Angelegenheiten ausschlaggebend
sind.
Deshalb rate ich den Mitgliedern des UE dringend, sich der
kommunistischen Bevormundung zu entziehen und sich der CIO anzuschliesseh. Ichftinbereit, sie hierbei mit allen mir zur Verfuegung stehenden Mitteln zu unterstuetzen.
gez. Lee Lundgren
H

The IUE - CIO News"
Organ des Internationalen Verbandes
der Elektroarbeiter (CIO)
9. Januar 1950
GEWERKSCHAFTEN IN BELGIEN
Der folgende Artikel von Rene Colntre, dem
Sekretaer fuer Forschung im Allgemeinen Belgischen Gewerkschaftsbund, erschien in dem
Magazin "Soclallst Commentary". Er wird
hiermit zu Ihrer Informierung und evtl.
Verwendung veroeffentlicht. Die Wiederveroeffentlichung ist gestattet worden.
Vier Gewerkschaftsfoederationen vertreten die Interessen
der 1.100.000 organisierten Arbeiter Belgiens. Die groesste ist
der Allgemeine Belgische Gewerkschaftsbund (F.G.T.B.;, der 600.000
Mitglieder umf Jtsst; an zweiter Stelle stehen die Christlichen
Gewerkschaften; die uebrlgen beiden sind unbedeutend. Vor dem
Kriege war der F.G.T.B. der Sozialistischen Partei angeschlossen.
Aber als er 1945 wiedergegruendet wurde und neue Gruppen mit
kommunistischen Tendenzen hinzugekommen waren, wurde die Unabhängigkeit von saemtlichen Parteien und die Respektierung der politischen und religioesen Einstellung zu den Grundprinzipien des
F.G.T.B. erklaert. Politische Entwicklungen und besonders die
Frage ueber Koenig Leopolds Rueckkehr haben vor kurzem jedoch den
F.G.T.B. der Sozialistischen Partei wieder naeher gebracht, und
diese beiden Organisationen haben sich der sozialistischen Ein-

tote
— 8—

�heltsbewegung und den sozialistischen Wohlfahrtsgesellschaften
angeschlossen, um sogenannte "Aktionsausschuesse" zu bilden,
die sich der Rueckkehr des Koenigs widersetzen und fuer die
Rechte der Arbeiter eintreten.
In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf einige wirtschaftliche und soziale Probleme, mit denen sich die belgischen
Gewerkschaften seit Kriegsende befassen.
Lohnpolitik
^s ist allgemein bekannt, dass sich Belgien nach der Befreiung in einer weit guenstigeren Situation als seine Nachbarstaaten befand. Die Deutschen hatten keine Zeit gehabt, viele
Produktionsquellen Belgiens zu zerstoeren, und die Industrie
konnte deshalb nach dem Kriege sofort wieder auf volle Touren
gebracht werden, wenn auch Betriebe und Maschinen veraltert
waren. Ausserdem wurden die Auslagen fuer die in Belgien stationierten Truppenkontingente der Alliierten in harter Waehrung
zurueckerstattet, und damit hatte Belgien ausgedehnte Dollarland Goldreserven. Es konnten also Waren aus Uebersee eingefuehrt
und die vom Kriege herruehrenden Beschraenkungen schnell gelockert
und beseitigt werden.
Zu jener Zeit war die realistische Einstellung der Gewerkschaften zum Lohnproblem von grosser Bedeutung, die besonders in
der Verhuetung der gefaehrlichen Aufwaertsbewegung von Loehnen
und Preisen zum Ausdruck kam. Von 1944 bis 1947 waren die
Gewerkschaften mit einer Lohnregelung durch die Regierung einverstanden; Bedingung war Jedoch, dass durchgreifende Massnahmen
zur Senkung der Preise ergriffen wuerden. Auf diese Weise sollte
die Kaufkraft der breiten Masse stabilisiert und allmaehlich gesteigert werden. Die Gewerkschaften forderten zugleich einen
gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Sie erklaerten sich niemals
mit dem von der Regierung seit 1946 eingefuehrten totalen Lohnstop
einverstanden. Im Gegenteil, sie taten ihr Moeglichstes, um die
notwendig gewordenen Abeanderungen vorzunehmen, und die Regierung
bewilligte diese Forderungen teilweise. Die Verbesserungen der
sozialen Einrichtungen stellen einen weiteren, indirekten Fortschritt dar. Und als sich die Regierung nicht mehr auf weitere
Preissenkungen einliess, forderten die Gewerkschaften die Rueckkehr zum System der freien Lohnverhandlungen. Obwohl das Lohnstopgesetz noch besteht, sind bereits die ersten Vertraege zwischen
Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Kraft getreten, in denen bestimmt wird, dass sich die Loehne nach einem Warenpreisindex zu
richten haben.
Die "Nationale Konferenz der Arbeit".
Die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
wurde durch die Schaffung der sogenannten "Nationalen Konferenz
der Arbeit" gefoerdert, eine Einrichtung, die am 16. September 1944
gegruendet wurde. Seitdem haben acht Versammlungen stattgefunden
und zahlreiche Konflikte konnten auf diese Weise vermieden werden.
Durch diese Institution, in der Regierung, Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertreten sind, haben Gewerkschaftsdelegierte die Moeglichkeit, ihre Faelle vorzubringen und Beschluesse zugunsten der Arbeiter zu erwirken, wie z.B.: im Jahre 1944 eine allgemeine Lohnerhoehung von 60#, 1945 weitere 20g, (der Lohnstabilisierung und
bestimmte Abaenderungen folgten), ein gesetzlich festgelegter
Mindestlohn; eine Preissenkung von 10g im Jahre 1946, bezahlter
Urlaub, und zwar zuerst acht und dann 10 Tage jaehrlich, Erhoehung
der Familienunterstuetzungen und Pensionen.

- 9 -

�Vor dem Kriege haetten solche Forderungen langwierige Verhandlungen Innerhalb eines Bezirkes oder einer Fabrik nach sich
gezogen. • Durch die Nationale Konferenz der Arbelt dagegen Ist
es moeglich geworden, dieselben Forderungen auf nationaler Ebene
und fuer alle Arbeiter durchzusetzen. Damit koennen die Gewerkschaften in wirtschaftlichen Angelegenheiten weit mehr Einfluss
ausueben als je zuvor. Und wenn der Zentrale Wirtschaftsrat und
die einzelnen Fachausschuesse in Taetigkeit treten werden, werden
die Gewerkschaften noch eine weit einflussreichere Stellung einnehmen.
Der Zentrale Wirtschaftsrat, der am 21.September 1949 offiziell
gegruendet wurde, ist eine beratende Koerperschaft, die sieh aus
50 Mitgliedern zusammensetzt. 44 davon vertreten Unternehmer und
Arbeiter, waehrend die restlichen 6 Experten sind, die von den 44
Mitgliedern gewaehlt werden. Auf Antrag der Minister oder des
Parlaments oder aus eigener Initiative heraus soll dieses Gremium
Probleme studieren, die mit der nationalen Wirtschaft in Zusammenhang
stehen« Die Fachausschuesse ueben eine beratende Taetigkeit bei der
Behandlung von Fragen aus, die in das Spezialgebiet der Wirtschaft
fallen, fuer das sie vorgesehen sind.
Diese Institutionen sind zweifellos sehr wertvoll, aber sie
entsprechen nur In geringem Masse dem, was der FGTB erstrebt. Wir
sind der Ansicht, dass unsere Forderung nach wirksamer Beteiligung
der Arbeiter an der Betriebsleitung auf allen Gebieten nur verwirklicht werden kann, wenn die gesamte Produktion und die Verteilung
sozialisiert werden« Inzwischen setzen sich die Gewerkschaften
fuer alle Reformen ein, die unter den gegebenen Verhaelthlssen
durchzufahren sind.
Soziale Errungenschaften.
Nach harten Auseinandersetzungen konnten Betriebsraete, in
denen Arbeiter und Unternehmer vertreten sind, eingefnehrt werden,
und sie sind In allen Betrieben, die eine Belegschaft von mehr als
50 Mann haben, obligatorisch« Sie befassen sich mit Massnahmen,
die die Organisation des Betriebes und die Arbeltsbedingungen
betreffen, und sind berechtigt, von der Betriebsleitung Informationen
ueber die Produktionsleistung und andere wirtschaftliche und finanzielle Probleme zu fordern. Sie haben das Recht, die bei der Einstellung und Entlassung angewendeten Methoden zu ueberwachen und
alle sozialen Einrichtungen des Betriebes zu kontrollieren. Ausser
in dem letztgenannten Punkt haben sie nur beratende Vollmachten.
Die wichtigste Aufgabe besteht nun darin, die Arbeiter so zu erziehen, dass sie diese Rechte wirksam geltend machen koennen. Es
genuegt nicht, dass sie etwas ueber ihren eigenen Betrieb wissen;
sie muessen darueberhinaus mit den allgemeinen sozialen und wirtschaftlichen Problemen unserer Zeit vertraut sein« Deshalb hat der
FGTB einige Dutzend Schulen eroeffnet, in denen die zukuenftigen
Delegierten geschult werden«
Bezueglich der sozialen Sicherheit konnten die Gewerkschaften
beachtliche Erfolge erzielen« In dem Sozialversicherungssystem,
das 1944 eingefuehrt wurde, sind Arbeitslosen-, Kranken-, Invalidenund Altersversicherung, ausserdem bezahlter Urlaub, Kinderbeihilfen,
Krankenhaus- und Sterbegelder vorgesehen. Dieses System wird nicht
vom Staate finanziert, (die Katholiken lehnen dies ab) sondern von
den Arbeitern und Unternehmern, die Beitraege in Hoehe von S bis
8.5 fC bzw. 15 y0 der Arbeitsloehne entrichten. Die ersten 4000
Francs des Arbeiterlohnes werden bei der Errechnung der Beitraege
nicht in Anrechnung gebracht.

10 -

�Und schliesslich noch einiges ueber das Schlichtungswesen.
Seit 1919 bestanden Ausschuesse, In denen Arbeiter und Unternehmer parltaetlsch vertreten waren. Zuerst hatten sie die Aufgabe, sich mit der Reduktion der Arbeltszelt zu befassen, jedoch
erweiterte sich bald Ihr Aufgabenbereich. 1945 wurden diese
Kommissionen neu gebildet und erhielten Gesetzesstatut. Sie haben
sich - es sind vierzig - zu wesentlichen Organen des sozialen
Lebens entwickelt. Ihre Hauptaufgabe besteht nun darin, In solchen
Arbeltsproblemen schiedsrichterlich zu entscheiden, die der freien
Verhandlung unter den beteiligten Partnern ueberlassen bleiben;
damit sollen Konflikte in der Industrie verhuetet oder beigelegt
werden.
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Der FGTB ist lebhaft und aktiv an internationalen Angelegenheiten Interessiert, besonders an dem europaeise'ien Wiederaufbau,
wo es viele Probleme gibt, die in das Interessengebiet der Gewerkschaften fallen, wie z.B. die rationelle Verteilung der Arbeitskraefte, Verbesserung der sozialen Bedingungen, Produktionsleistung und Export. Der Initiative des FGTB und aehnlicher Organisationen in den anderen Beneluxstaaten war es zu verdanken,
dass eine europaelsche Gewerkschaftskonferenz im Maerz 1948 nach
London einberufen wurde, um den Plan des Europaeischen Wiederaufbauprogramms zu ueberpruefen. So hat der FGTB auch eine aktive
Rolle bei den Vorbereitungen zur neuen Gewerkschaft Sinter nationale
gespielt, und es ist Paul Finet, der Generalsekretaer des FGTB,
der den vorbereitenden Kongress in London am 28. November 1949
eroeffnet hat.
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ECA Labor Information
6. Februar 1950
KOMMISSION »ES INTERNATIONALEN ARBEITSAMTES ZUR WAHRUNG DER

al«IC«fltfTTJCflfl&gt; RECHTET
Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes wird in
Kuerze die erste internationale Kommission aufgestellt haben, die
zu der Frage des Versammlungsrechtes Ermittlungen anstellen und
Vermittlungsdienste leisten wird.
fi&amp;ßtei'Zü sGJteissn' nerioelaloq
leib floitfßsslt
Der Verwaltungsrat billigte im Januar in seiner 110. Sitzung
In Mysore, (Indien; die Richtlinien, nach denen bei der Bildung
einer 9-Mann Kommission vorgegangen werden soll, die sich mit
Verletzungen der gewerlschaftlichen Rechte befassen wird.
Die Tagesordnung der 111. Sitzung, die am 8. Maerz in Genf
eroeffnet werden wird, sieht die Wahl der Mitglieder dieser Kommission vor. Gewaehlt werden soll, wer die persoenliche Befaehlgung
besitzt, und von dem man erwarten kann, dass er seine Aufgaben in
vollkommener Unabhaengigkeit erledigt.
Der Wirtschafts- und Sozialausschuss der Vereinten Nationen
forderte im August vorigen Jahres das Internationale Arbeitsamt
auf, die Bildung der Kommission sowohl im Namen der Vereinten Rationen als auch des Internationalen Arbeitsamtes vorzunehmen.
In aer Sitzung von Mysore wurde die Kommission fuer das
Internationale Arbeltsamt zusammengestellt und zu gleicher Zeit die
Bildung einer aehnlichen Koerperschaft auch fuer die Vereinten
Nationen in Aussicht gestellt.
In den vom Verwaltungsrat entworfenen Satzungen der Kommission
wird sie als ein Gremium bezeichnet, das in erster Linie die Aufgabe hat, Ermittlungen anzustellen. Ausserdem wird es jedoch
auch ermaechtigt, mit der Regierung Angelegenheiten zu besprechen,
die den Zweck haben, auftretende Schwierigkeiten durch ein Abkommen
zu beheben.
- 11 -

�Beschwerden ueber eine angebliche Verletzung der gewerkschaftlichen Rechte koennen sowohl vom Verwaltungsrat als auch von der
Generalversammlung des Internationalen Arbeitsamtes an die Kommission ueberwiesen werden. $SB
Jede Regierung, gegen die eine Beschwerde gefuehrt wird, kann
ebenfalls die Kommission zu Rate ziehen.
Gewerkschaften und Arbeitgeberverbaende koennen vorschlagen,
bestimmte Faelle der Kommission zu uebergeben. Vorschlaege dieser
Art und solche der Regierung muessen zuerst, von den Beamten des
Verwaltungsrates geprueft werden. Sie entscheiden, ob sie dem
gesamten Verwaltungsrat vorgelegt werden oder nicht.
Wenn eine Eingabe in Umlauf gesetzt worden ist, kann jedes
Mitglied des Verwaltungsrates beantragen, dass sie der Kommission
zur Bearbeitung ueberwiesen wird.
Nach einer langen Diskussion wurde beschlossen, dass Beschwerden nur mit Zustimmung der betreffenden Regierungen zur Pruefung
und Bearbeitung an die Kommission weitergeleitet werden koennen«
^enn eine Regierung ihre Zustimmung verweigert, wird der Verwaltungsrat entsprechende Massnahmen in Erwaegung ziehen, um die
umstrittenen Rechte zu wahren. Hierzu gehoert auch, dass er den
Fall an die Oeffentlichkeit bringen kann.
Die Kommission wird dem Verwaltungsrat Bericht erstatten,
der erwaegen wird, welche weiteren Schritte in Jedem Falle unternommen werden sollen*
Der Verwaltungsrat billigte ferner Vorschlaege, nach denen
sich die Kommission den Vereinten Nationen zur Verfuegung stellen
soll, wenn es sich um Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen handelt,
die nicht Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisationen sind.
Diesen Vorschlaegen zufolge haetten die Generalversammlung und der
Wirtschafts- und Sozialausschuss die Moeglichkeit, ueber den Verwaltungsrat Beschwerden an die Kommission zu ueberweisen.
Die Delegation der polnischen Regierung erklaerte sich mit
den Beschluessen ueber die Satzungen der Kommission nicht einverstanden.
Nachrichtenblatt des Internationalen
Arbeitsamtes, Genf, Februar-Maerz 1950
- 12 OFFICIAL

Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757

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ARBEITSNITTEILUNCEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I - 52

Frankfurt,

3 . Maerz 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
C l O - P r a e s i d e n t zu den V e r f a h r e n gegen kommunistische
Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1
S t a t i s t i s c h e Unterlagen e r l e i c h t e r n K o l l e k t i w e r handlungen - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 2
W i s s e n s c h a f t l i c h e H i l f s t r u p p e n fuer d i e Gewerks c h a f t e n i n U.S.A.
—
5
P a r l a m e n t a r i s c h e S p i e l r e g e l n i n U. S . A . - - - - - 7
G l e i c h e r Lohn fuer F r a u e n a r b e i t - - - - - - - - - 9
Wird d i e 40-Stundenwoche den E r r u n g e n s c h a f t e n der
modernen Technik g e r e c h t ? - - - - - - - - - - - - - 9
B i l a n z des M a r s h a l l p l a n s
- - - - - - - - - - - - - - 1 0
E i n z e l h e i t e n u e b e r das ECA-Programm f u e r t e c h n i s c h e
Hilfe
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CI0-PRAE3IDENT ZU DEN VERFAHREN GEGEN KOMMUNISTISCHE GEWERKSCHAFTEN
Der C l O - P r a e s i d e n t P h i l i p Murray l i e s s v o r kurzem e i n e Erk l a e r u n g v e r ö f f e n t l i c h e n , d u r c h d i e a l l e U n k l a r h e i t e n ueber d i e
gegenwaertig gegen 10 kommunistisch o r i e n t i e r t e CIO-Gewerkschaften
a n g e s t r e n g t e n V e r f a h r e n b e s e i t i g t werden s o l l e n . Darin h e i s s t es
u.a.:
" I n Uebereinstimmung mit dem Willen d e r Mehrzahl s e i n e r M i t g l i e d e r t r a c h t e t d e r CIO g r u n d s a e t z l i c h danach, j e d e Verbindung
mit den von d e r TCP b e h e r r s c h t e n Gewerkschaften abzubrechen.
"Den Gewerkschaften, denen vorgeworfen w i r d , d a s s s i e von d e r
KP und i h r e n Agenten b e h e r r s c h t werden, s t e h e n . a l l e Wege o f f e n ,
um d i e gegen s i e erhobenen Anklagen durch T a t s a c h e n zu w i d e r l e g e n .
S t a t t d e s s e n bedienen s i e s i c h der Mittel der t r a d i t i o n e l l e n Feinde
d e r o r g a n i s i e r t e n A r b e i t e r s c h a f t , um Unruhe i n d i e Reihen d e r CIO
zu t r a g e n . S i e v e r s u c h e n , u n s e r e O r g a n i s a t i o n i n M i s s k r e d i t zu
b r i n g e n , s i c h i n d i e T a e t i g k e i t des CIO e i n z u m i s c h e n , d i e muehsam
erkaempften V o r t e i l e zu b a g a t e l l i s i e r e n und d i e e r l i t t e n e n Ruecks c h l a e g e aufzubauschen."
Amerika Dienst
7 . Februar 1950

�STATISTISCHE UNTERLAGEN ERLEICHTERN KOLLEKTIWERHANDLUNGEN.
Wir geben in grossen Zuegen den Inhalt einer Ansprache
wieder, die Ewan Clague, Beauftragter fuer Arbeitsstatistik im US Arbeitsministerium am 31. Januar 1950 vor dem
Ersten Nationalen Jahresforum gehalten hat, auf dem
Arbeitsfragen im Transportgewerbe zur Debatte standen,
"Kollektiwerhandeln bestand in frueheren Zeiten einzig und
allein aus dem gegenseitigen Ausspielen der wirtschaftlichen
Kraefte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Dieses Verhaeltnis
wurde spaeter nach und nach durch wirtschaftliches Denken ergaenzt.
Das will nicht heissen, dass wirtschaftliches Erwaegen das gegenseitige Ausspielen der Kraefte vollstaendig ersetzt hat. Die
freie Ausuebung der wirtschaftlichen Macht der verschiedenen
Interessengruppen unserer Wirtschaft muss auch weiterhin ein
charakteristisches Merkmal unserer demokratischen Lebensfuehrung
bleiben. Was Jedoch in den letzten Jahren hinzugetreten ist, ist
die Ergaenzung der wirtschaftlichen Macht durch die Beweisfuehrung
an Hand von statistischen Tatsachen. Dies ist besonders seit der
Verabschiedung des National Labor Relatlons Act (Gesetz zur Regelung
der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern) im Jahre
1935 in Erscheinung getreten. Dieses Gesetz verpflichtete die
Arbeitgeber, die Verhandlungen mit ihren Arbeitnehmern nach bestem
Willen zu fuehren. Das bedeutete, dass die Vereinbarungen, die
getroffen wurden, — ob sie mit anderweitig entstandenen Abkommen
uebereinstimmten oder nicht — durch irgendwelche Ueberlegungen
und Tatsachen begruendet sein mussten.
Wirtschaftliche Verhandlungen koennen auf der Grundlage von
Beweismaterial gefuehrt werden, das entweder von beiden in die
Streitigkeit verwickelten Partnern oder von dritter Seite geliefert
wird. Von der Regierung geliefertes statistisches Material ist
bei Kollektiwerhandlungen besonders wertvoll, weil es auf unparteiischer Basis und ohne Beeinflussung durch die herrschende Situation
auf dem Gebiet der Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehungen entstanden
ist. Das Statistische Buero im US Arbeitsministerium arbeitet
wirtschaftsstatistische Berichte aus, die in der amerikanischen
Industrie auf folgende drei Arten Anwendung finden:
1.

Allgemeine Wirtschaftsinformationen.

Diese Art von Informationen steht mit dem Kollektivverhandlungswesen nicht in unmittelbarem Zusammenhang. Das Statistische Buero
ist bestrebt, den oeffentlichen Bedarf an aktuellen Wirtschaftsstatistiken, die irgendwelchen ELnfluss auf Arbeitsfragen haben
koennen, so weit wie moeglich zu decken. Die Gross- und Kleinhandelspreise fuer die verschiedensten Waren werden veroeffentlicht.
Sie koennen als Unterlage dienen, wenn Entscheidungen zur Preisregelung getroffen werden, die ihrerseits wiederum Entscheidungen
in Kollektivverhandlungen beeinflussen koennen. Zur Informierung
des Baugewerbes zum Beispiel veroeffentlicht das Buero Statistiken
ueber Preise und Kosten bei Neubauunternehmen, einschliesslich
privater Wohnungsbau, oeffentliche Bauten und Industrieanlagen*
Hieraus ist z.B. ersichtlich, wie sich der Umfang der Bautaetigkeit
indirekt aber doch sehr nachhaltig auf das Transportwesen auswirken
kann. Es wird fuer Sie von Interesse sein zu wissen, dass im
Jahre 1949 ein neuer Rekord im Wohnungsbau aufgestellt wurde es wurden mehr als eine Million neuer Wohnungsbauten begonnen.
Die Aussichten fuer das Jahr 1950 sind ebenfalls gut.
2.

Allgemeine Informationen ueber Kollektiwerhandlungen.

Das Statistische Buero veroeffentlicht ausserdem eine Reihe
sogenannter "indicator" (anzeigende) Statistiken, die mit dem
- 2 -

�Kollektivverhandlungswesen in engerem Zusammenhang stehen. Obwohl
diese Art von statistischen Berichten Ihre eigenen Probleme kaum
beruehren, koennen sie doch wertvolle Hilfsmittel sein, indem sie
Ihnen zeigen, was Sie erreicht haben im Vergleich zu anderen, die
vielleicht den gleichen Problemen wie Sie gegenueberstehen.
a. Beschaeftigtenzahl und Lohnlisten» Die Statistiken
ueber die Beschaeftigtenzahl und die Lohnlisten stellen eine der
aeltesten Veroeffentlichungen dar, die ohne Unterbrechung vom
Statistischen Buero herausgegeben wurde. Es besteht kein Zweifel,
dass die Beschaeftigtenzahl einen der bedeutendsten wirtschaftlichen Faktoren unserer Zeit bildet. Die Geschaeftsleute muessen
wissen, wie der Stand der Beschaeftigtenzahl ist, wo er fluktuiert,
mit steigender oder fallender Tendenz, und wie er in den verschiedenen Teilen des Landes verschieden ist. Auch ist ,die Beschaeftigtenzahl ein wirtschaftlicher Faktor, der bei der Bestimmung der oeffentlichen Wirtschaftspolitik eine Rolle spielt.
Auf Grund von Berichten von Unternehmern veroeffentlicht das
Statistische Buero fuer den Gebrauch im ganzen Land monatliche
Schaetzungen der Beschaeftigtenzahl, Lohnlisten, Wochenverdienste
und Arbeitszeit in etwa 200 verschiedenen Industriezweigen.
Die zustaendigen Behoerden der einzelnen Staaten erhalten ebenfalls
Berichte von den Unternehmern, die sie zusammenstellen und in
aehnlicher Weise fuer die Industrien in ihrem Staat veroeffentlichen.
Um zu vermeiden, dass diese Berichte in doppelter Form von den
Unternehmern eingereicht werden muessen, hat das Statistische
Buero mit den Regierungsstellen der verschiedenen Staaten Vereinbarungen getroffen, nach denen die Berichte der Unternehmer zuerst
an den betreffenden Staat geschickt und dann von dort aus an das
Statistische Buero im Arbeitsministerium weitergeleitet werden, wo
sie bei statistischen Berechnungen auf nationaler Ebene verwendet
werden. Fuer Sie duerften die statistischen Angaben fuer das
Bau- und Transportgewerbe und fuer den Gross- und Kleinhandel von
besonderem Interesse sein«
b. Produktionsleistung. Die Produktionsleistung ist ein
Faktor, dem seit dem Kriege in zunehmendem Masse Aufmerksamkeit
geschenkt werden musste. Damit ist nicht nur der Anteil des
Arbeiters an der gesteigerten Produktionsleistung gemeint. Einbegriffen sind vielmehr alle Faktoren der technologischen Entwicklung: Betriebsleitung, Maschinen, Versorgung mit Rohstoffen
und die Leistung des Arbeiters. Dies alles zusammen gestaltet
das Gesamtbild der industriellen Produktionsleistung. Die
Entwicklungen der allgemeinen Produktionsleistung werden von dem
Statistischen Buero ueberwacht, um sich einen Gesamtueberblick
ueber die Kosten der Arbeitseinheit verschaffen zu koennen.
Darueberhinaus beschaeftigt sich das Statistische Buero mit den
direkten Arbeitskosten einer beschraenkten Anzahl von Produkten.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden in einer Form veroeff entlicht, die die fuer die Herstellung von Standardartikeln
erforderliche Arbeitsleistung pro Mann und pro Stunde erkennen
laesst.
c. Unfaelle in der Industrie. Sicherheitsprogramme sind fuer die
amerikanische Industrie von wesentlicher Bedeutung. Sowohl die
Gewerkschaften als auch die Unternehmer haben es sich viel Zeit und
Geld kosten lassen, um Programme durchzufuehren, die die Zahl der
Verletzungen bei der Arbeit und der industriellen Unfaelle reduzieren Sollen. Das Statistische Buero veroeffentlicht regelmaessig
statistische Angaben ueber Verletzungen und Unfaelle in der Industrie.
3.

Spezifische Statistiken fuer Kollektiwerhandlungen.

Fuer Kollektivverhandlungen werden bestimmte statistische Unterlagen benoetigt, die fuer die Besonderheit der Probleme geeigneter
- 3 -

�sind als die bis jetzt beschriebenen allgemeinen Informationen.
Bei den Verhandlungen, aus denen die Tarlfvertraege entstehen,
koennen die folgenden Arten von Statistiken wertvolle Dienste
leisten:
a. Preisindex fuer Verbrauchsgueter» Während des Krieges
bestand ein lebhaftes Interesse fuer die Lebenshaltungskosten,
und der vom Statistischen Buero regelmaesslg aufgestellte Preisindex fuer Verbrauchsgueter galt als Richtschnur bei der Festsetzung der Tarife. Als die staatliche Lohnkontrolle nach Beendigung des Krieges aufgehoben wurde, haette man erwarten koennen,
dass auch das Interesse hlerfuer nachlassen wuerde. Das war
jedoch nicht der Fall, well die Lebenshaltungskosten bei Kollektivier handlungen auch weiterhin in Betracht gezogen wurden.
Unternehmer und Gewerkschaften sahen in den Lebenshaltungskosten
einen Faktor, der bei der Festsetzung der Tarife berueckslchtigt
werden muss. Der 2-Jaehrige Vertrag, der Im Mal 1948 zwischen
der "General Motors Corporation" und der Gewerkschaft der Vereinigten Automobilarbeiter abgeschlossen wurde, sieht in ganz
praeziser Form die Berücksichtigung des Verhaeltnisses zwischen
Loehnen und Preisindex fuer Verbrauchsgueter vor. Kein anderes
Unternehmen und keine andere Gewerkschaft haben derartig genaue
Masstaebe angelegt; die Berücksichtigung der Preise fuer Verbrauchsgueter kommt jedoch bnchstaeblich in Tausenden von Vertraegen in einer Form oder der anderen zum Ausdruck, so haben
zum Beispiel verschiedene Unternehmen bei der Anglelchung der
Lohntarife nichtorganisierter Arbeiter diesen gleichen Preisindex
zu Hilfe genommen.
Der monatliche, nationale Index fuer Veraenderungen der
Lebenshaltungskosten von Familien der mittleren Einkommengruppen
stuetzt sich in erster Linie auf statistische Angaben, die In
34 groesseren Staedten von Beamten gesammelt werden. Der monatliche Bericht enthaelt eine sorgfaeltig zusammengestellte Aufstellung der Ausgaben einer Familie. Die Verbrauchsgueter werden
einzeln nach Art und Qualitaet beschrieben und der betreffende
Preis jeden Monat in Geschaeften festgestellt, deren sich
Familien der mittleren Einkommensgruppen bedienen«
b. Statistiken ueber Loehne und Lohntarife. Eines der
kritischsten Wirtschaftsprobleme der Nachkriegszeit ist das der
Loehne und Lohntarife. Sobald die Lohnkontrolle der Regierung
nach Beendigung des Krieges aufgehoben war, bestand auf Seiten •
der Gewerkschaften die Tendenz, allgemein hoehere Lohntarife
zu erzielen. Der Druck von dieser Seite wurde verstaerkt durch
die Reduzierung der Arbeitszelt, den Wegfall der Bezahlung fuer
Ueberstunden, was in vielen Industriezweigen ein Zusammenschrumpfen der Lohntueten der Arbeiter zur Folge hatte, und
ausserdem durch das Ansteigen der Lebenshaltungskosten. Die
gegenteiligen Meinungen ueber die Hoehe der Lohntarife fuehrten
dazu, dass man mehr und mehr vom Statistischen Buero Informationen,
ueber Tarife, nach Berufen und Industrien geordnet, verlangte.
Informationen ueber Loehne koennen die Aussenbeamten direkt
bei den Unternehmern durch Einsicht ihrer Lohnlisten einholen.
Sie sind hierzu nach den Bestimmungen eines Programms der Zusammenarbeit berechtigt, das schon viele Jahre besteht und dazu
bestimmt ist, aktuelle Angaben ueber die Lohnverhaeltnlsse in
den verschiedenen Industrien des Landes zu liefern. Die veroeffentlichten Ergebnisse gewaehren Einblick in die Lohntarife jedes
Industriezweiges. Sie sind nach den verschiedenen Berufen in
der Industrie geordnet. Ausserdem sind die Tarife fuer die verschiedenen Beschaeftigungsarten in ihrer genauen Hoehe angegeben.
Also sind nicht nur der allgemeine Durchschnitt und die hohen und
niedrigen Tarife, sondern auch die einzelnen Stufen im Tarifsystem
ersichtlich.
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�c. Tarifvertraege. Die "Industrial Relations Division"
(Referat fuer Arbeitnehmer-Arbeitgeber Wechselbeziehungen) im Statistischen Buero des Arbeitsministeriums ist im Besitz von Abschriften vieler Tausender von Tarifvertraegen, die in den verschiedensten
Unternehmen abgeschlossen wurden und gueltig sind. Von dieser
Dienststelle werden typische Vertragsbestimmungen veroeffentlicht,
die Bezug haben auf Pensionen, Sicherheit der Gewerkschaft, Urlaub,
Feiertage, Akkordloehne, Zeitstudium, Ausbildung von Lehrlingen,
Befoerderung, Entlassungen, Abwesenheitsurlaub, Anpassung der Loehne,
Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaft und Betriebsleitung, Leistungsfaehigkeit des Betriebes, Seniorenrechte, Streiks und Aussperrungen,
Sicherheit, Gesundheit und sanitaere Einrichtungen. Eine Sammlung
von Tarifvertraegen steht der Oeffentlichkeit zur Einsicht offen,
damit jeder, der sich unterrichten will, auch eine bestimmte Phase
des kollektiven Verhandlungswesen studieren kann, die in den veroeff entlichten Berichten noch nicht behandelt wurde.
US Arbeitsministerium
Statistisches Buero
WISSENSCHAFTLICHE HILFSTRUPPEN FUER DIE GEWERKSCHAFTEN IN U.S.A.
Die amerikanischen Gewerkschaften ziehen mehr
und mehr erstklassige Volkswirtschaftler,
Betriebswirtschaftler und Spezialisten fuer
besondere Gutachten heran, wenn sie Lohnforderungen erheben. Der Elektriker-Verband hat
kuerzlich einen der bekanntesten Wirtschaftskenner in einem solchen Falle zu Rate gezogen,
und wir geben den folgenden interessanten Bericht der "CIO News" darueber wieder:
Der bekannte Volkswirtschaftler Robert R. Nathan hat fuer
den Internationalen Elektriker-Verband (IUE-CIO) einen Bericht
ausgearbeitet, in dem er beweisst, dass das Unternehmen "General
Electric" auf Grund seiner enormen Gewinne es sich leisten kann,
seinen Arbeitnehmern hoehere Loehne zu zahlen und dabei noch gute
Einnahmen aus seinem investierten Kapital zu beziehen.
Es ist das erste Mal, dass ein Gutachten in dieser Form den
Arbeitern der "General Electric" zur Verfuegung gestellt wurde.
Die Gewerkschaft der Vereinigten Elektroarbeiter (UE), die wegen
ihrer kommünistischen Tendenzen aus den Reihen der uebrigen Gewerkschaften ausgestossen wurde, hat weder die Moeglichkeit noch
die Zeit, derartige Untersuchungen durchfuehren zu lassen. Ausserdem wuerde sich kein anstaendiger Volkswirtschaftler dieser Organisation zur Verfuegung stellen.
In dem Bericht Nathans an den Internationalen Elektriker Verband IUE-CIO heisst es:
Die durchschnittlichen, Jaehrlichen Realeinkommen der Arbeiter
der "General Electric" lagen 1948 nur um 2,2# hoeher als im Jahre
1939. (Das heisst, die Kaufkraft ihres Einkommens ist, gemessen
an der aus dem letzten Jahre vor dem Kriege, nur um 2,2 % gestiegen.)
Sie liegen damit weit hinter dem durchschnittlichen Einkommen in der
gesamten elektrischen Industrie zurueck, die um 14# gestiegen sind.
In anderen Industrien liegen die Loehne noch viel hoeher; in der
gesamten Fertigwarenindustrie z.B. haben sich die Einkommen um 29,8#
erhoeht.
Die Gewinne der "General Electric" haben sich in der Zeit
zwischen 1939 und 1948 mehr als verdreifacht. Steuerunterlagen
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�haben bewiesen, dass die "General Electric* ihre gesamten Kapitalanlagen innerhalb von drei Jahren verdoppeln koennte.
Im Gegensatz zu der Erhoehung der jaehrlichen, durchschnittlichen Realeinkommen der Arbeiter um 2,2$, hatten sich die Gewinne
der Aktionaere dieser Gesellschaft im Jahre 1948 um 87$ seit dem
Jahre 1937 vermehrt - und dieser Zahl ist ebenfalls die Kaufkraft
des Dollars von 1939 zugrunde gelegt.
Die "General Electric" liegt bezueglich der Steigerung ihres
Verkaufs weit an der Spitze vor den anderen Unternehmen. Von 1939
bis 1948 haben sich die Verkaeufe um 377$ erhoeht - das bedeutet,
dass fuer jeden im Jahre 1939 eingegangenen Dollar fast 5 Dollar
im Jahre 1948 eingenommen wurden. Dabei ist der Verkauf, verglichen
mit der BeschaeftigungsZiffer, um mehr als das Doppelte angestiegen.
Die Aktiven der "General Electric" haben sich fast verdreifacht.
Nathan kam zu der Schlussfolgerung, dass die Arbeiter dieser
Gesellschaft auf eine wesentliche Erhoehung ihrer Realloehne Anspruch haetten und erklaertet, dass "die Aussichten fuer Geschaeftstaetigkeiten und Gewinne der "General Electric" im Jahre 1950 und
auch danach ausgezeichnet seien, und zwar nicht nur wegen der voraussichtlich allgemein guenstigen Geschaeftslage im Jahre 1950,
sondern auch wegen der vielversprechenden Aussichten fuer die
elektrische Industrie auf dem Gebiet der Licht - und Starkstromversorgung im besonderen."
James B. Carey, Vorsitzender des Verwaltungsrates des IUE-CIO,
und andere Vorstandsmitglieder dieser Organisation waren in enger
Zusammenarbeit mit Nathan an der Ausarbeitung des Berichtes ueber
die "General Electric" beteiligt.
Nachdem man sich eingehend mit den Realeinkommen der Arbeiter
der Gesellschaft befasst hatte, erklaerte Carey: "Es ist nicht
verwunderlich, dass die "General Electric" mit einer schwachen
Organisation zu verhandeln wuenscht, die sich nicht fuer die Arbeiter einsetzt, wie zum Beispiel mit dem UE."
Carey und Nathan erklaerten, dass es das Ziel in den vom
IUE-CIO gefuehrten Verhandlungen sei, den Arbeitern ihren gerechten
Anteil am Gewinn zu sichern. "Ein Arbeiter sollte die Ware, die
er herstellt, kaufen koennen,1* sagte Carey.
Nathans Bericht ist in drei Hauptabschnitte unterteilt:
Im ersten werden die Lebensbedingungen der Arbeiter der
"General Electric" mit denen der Arbeiter im allgemeinen verglichen.
Der zweite Abschnitt zeigt, dass das Unternehmen absolut in
der Lage ist, bessere Loehne, ausreichende Pensionen, eine Wohlfahrtskasse und andere soziale Verbesserungen zu finanzieren.
Und im dritten Abschnitt wird darauf hingewiesen, dass eine
Verbesserung der Bensbedingungen der Arbeiter des Unternehmens nicht
nur den Arbeitern selbst, sondern auch dem Unternehmen und dem ganzen Lande zugute kaeme, da damit die Kaufkraft erhoeht wuerde.
In einer Rundfunksendung des CIO erklaerte Nathan vor kurzem:
"Der wirtschaftliche Beratungsausschuss des Praesidenten befürwortet Massnahmen zur Anregung der GeschaeftsInvestierungen
und sieht ganz richtig im Gewinn einen Ansporn zur Kapitalanlage.
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�Er weisst jedoch darauf hin, dass trotz der hohen Gewinne die
Geschaeftsleute mit einer Erweiterung ihres Unternehmens so
lange zurueckhalten, bis sich die Aussichten fuer den Absatz
besser gestalten. Einige Unternehmer geben sich mit der jetzigen
Groesse ihres Unternehmens und dem Umfang ihrer geschäftlichen
Taetigkeit zufrieden. Die meisten moechten sich vergroessern.
"Ein umsichtiger Geschaeftsmann wird seine Fabrik jedoch nicht
erweitern, wenn er nicht auch die Gewissheit hat, dass er seine
Produkte verkaufen kann. Derjenige, der Geld anlegen will, wird
kein Wohnhaus bauen, ohne einlgermassen sicher zu sein, dass er
Mieter finden wird, die die Miete bezahlen koennen. Die Kapitalanlage ist unbedingt vom Verbrauch abhaengig.
"Ich persoenlich bin der Ansicht, dass wir in Amerika waehrend
der letzten zwei bis drei Jahre unsere Produktionskapazitaet im
Vergleich zu den Absatzmöglichkeiten viel zu schnell erweitert
haben. Wir koennen zum Beispiel nicht unsere Produktionskapazitae*
fuer Radiogeraete um eine weitere Million Einheiten pro Jahr erhoehen, waehrend die VerbrauchsSteigerung fuer diesen Artikel nur eine
i Million pro Jahr betraegt. Ein solches Verhaeltnls ist unsinnig.
"Der Wirtschaftsausschuss stelle fest, - und ich bin der
gleichen Meinung, - dass sich der Verbrauch schneller vergroessern
muesse als Fabriken und deren Einrichtungen, dass beide Jedoch
unaufhoerlich wachsen muessten. Diese Erkenntnis ist von grundlegender Bedeutung.
Die Schlussfolgerung des Ausschusses hieraus heisst natuerlich,
dass es durch private und oeffentliche Massnahmen gelingen muss,
das Verbrauchsniveau zu heben, das augenblicklich nicht hoch genug
ist, um die Vollbeschaeftigung gewaehrleisten zu koennen.
"Wenn der Markt die Erzeugnisse der Industrie nicht absorbieren
kann, dann liegt dies nicht etwa daran, dass das Volk nicht mehr
verbrauchen moechte, als es zur Zeit verbraucht. Es liegt vielmehr an der Kaufkraft und der Verteilung unseres Gesamtvermoegens.
Ich bin ueberzeugt, dass nur wenige unserer Hoerer es als eine
Haerte empfinden wuerden, groessere und bessere Wohnungen und mehr,
und bessere Kleidung und Nahrungsmittel zur Verfuegung zu haben.
"Es fehlen uns vielmehr die Mittel, um das kaufen zu koennen,
was wir haben moechten. Es scheint uns unsinnig, dass wir uns
mit dem Krebsgang unserer Wirtschaft, mit Arbeitslosigkeit und
geschlossenen Betrieben abfinden sollen, nur weil wir keine Massnahmen treffen wollten, die eine ausreichende Kaufkraft gesichert
haetten.
"In dem Bericht des Ausschusses wird der Ausgeglichenheit
der wirtschaftlichen Faktoren besondere Bedeutung zugemessen und
die Frage, wohin unsere Einkommen gehen, und wie sie verwendet
werden, findet besondere Beruecksichtigung. Damit hat man unser
wirtschaftliches Problem mitten ins Herz getroffen."
Organ des Internationalen ElektrikerVerbandes, "The IUE-CIO News,"
23. Januar 1950
PARLAMENTARISCHE SPIELREGELN IN U.S.A.
Letzte Beleidigung im Senat fiel 1888.
Washington — (Amerika Dienst) —
Als Dr. Schumacher durch
seine scharfe Kritik an Bundeskanzler Adenauer die Aufmerksamkeit
der Welt auf sich zog, haben manche politischen Beobachter in
- 7 -

�I

Washington sich die Frage vorgelegt, was passieren wuerde, wenn
ein amerikanischer Senator sich von der Debatte hinreissen und die
traditionellen Hoeflichkeitsregeln ausser acht lassen wuerde.
Nach den vorliegenden Senatsprotokollen ereignete es sich 1888
zum letzten Mal, dass ein Senator wegen Beleidigung eines Kollegen
disziplinarisch bestraft wurde. Er hatte ein anderes Mitglied
des Hauses als "Luegner und dreckigen Hund" bezeichnet. Der Beleidiger wurde daraufhin prompt von der Sitzung ausgeschlossen. Nach
zwei Tagen entschuldigte er sich und nahm seine Arbeit wieder auf.
Die Verfahrensregeln des Senates bestimmen, dass: "...kein
Senator im Verlauf der Debatte direkt oder indirekt einem oder
mehreren anderen Senatoren in i/rgendeiner Form ein Verhalten oder
Motiv unterstellen soll, das eines Senators unwuerdig oder fuer
ihn ungehoerlg ist.
In der Praxis ist diese Regel natuerlich verletzt worden.
Durch Erfahrungen hat der Senat gelernt, dass im Rahmen gewisser
Grenzen heftige Debatten und temperamentvolle Ausbrueche oft dazu
beigetragen haben, die wirklichen Kernpunkte einer zur Diskussion
stehenden Frage ans Tageslicht zu bringen. Es ist daher nicht ueblich, dass der Senat mit einem Angehoerigen des Hauses, dem in der
Hitze des Gefechtes sein Temperament durchgeht, drastisch verfaehrt.
Man weiss, dass das demokratische Gesetzgebungsverfahren das Ergebnis von MeinungsVerschiedenheiten, Debatten und Kompromissen ist.
Keine Beamtenbeleidigung in U.S.A.
Der Bonner Vorschlag, ein Gesetz zu schaffen, das die Kritik
an deutschen Beamten strafbar machen soll, wurde hierzulande in
parlamentarischen Kreisen mit unglaeubigem Staunen entgegengenommen.
Kein Mitglied der Regierung der Vereinigten Staaten einschliesslich
des Praesidenten ist immun gegen Angriffe aus dem Kongress. Doch
haben Brauch und Tradition ein ungeschriebenes Gesetz entstehen
lassen, das den Praesidenten vor Verbalinjurien in den Kongresssaelen bewahrt. Kennern des parlamentarischen Verfahrens ist kein
Fall bekannt, in dem ein Kongressabgeordneter wegen Anwuerfen gegen
den Praesidenten haette zur Ordnung gerufen werden muessen.
Die Mitglieder des Kabinetts des Praesidenten geniessen keinerlei Immunitaet gegen Angriffe. Wenn auch Kabinettsmitgliedern nicht
gestattet ist, zur Abgabe von Erklaerungen als Redner im Kongress
aufzutreten, werden sie doch haeufig vor Kongressausschuessen *ur
Auskunfterteilung gerufen, wo sie sich eingehenden Fragen und oft
auch scharfer Kritik stellen muessen.
Seit dem Buergerkrieg von 1861 - 1365 ist noch nie wieder ein
Mitglied des amerikanischen Senates ausgestossen worden. Im Verlauf seiner ganzen Geschichte hat der Senat nur achtzehn seiner
Mitglieder ausgestossen - die meisten waren Senatoren, die in die
Armee der Suedstaaten eingetreten waren und somit des Hochverrates
gegen die anerkannte Staatsregierung beschuldigt wurden.
Nur fuenfmal seit 1789 haben die Bestimmungen, die die Redefreiheit im Kongress regeln, unbedeutende Aenderungen erfahren und
seither haben keine Aenderungen mehr stattgefunden. Doch behalten
sich beide Haeuser des Kongresses das* Recht vor, mit einer Zweidrittelmehrheit Parlamentsmitglieder auszuschliessen, die sich
eines unparlamentarischen Verhaltens schuldig gemacht haben. Gegen
eine solche Entscheidung gibt es keine Berufung.
"Amerika Dienst"
13. Januar 1950

�GLEICHE LOHN FUER FRAUENARBEIT
Zahlreiche Kollektiwertraege, die zwischen amerikanischen
Gewerkschaften und Unternehmern abgeschlossen wurden, beinhalten
Bestimmungen ueber die Gleichstellung von Frauen bei der Bezahlung.
Einzelne Bundesstaaten haben waehrend des Krieges diesbezügliche
Gesetze erlassen, und drei weitere Staaten sowie das Territorium
Alaska verabschiedeten derartige gesetzliche Bestimmungen im Jahre
1949. Auf diese Art und Weise besitzen 12 der Bundesstaaten Gesetze,
die eine gleiche Bezahlung von Frauen im privaten Arbeitsverhaeltnis vorsehen« Zwei Staaten beschlossen derartige Gesetze bereits
im Jahre 1919.
Viele der 48 Bundesstaaten dehnen nunmehr den Grundsatz der
gleichen Bezahlung fuer Frauen auch auf den Dienst In Behoerden
aus« Die Bundesregierung setzte bereits im Jahre 1923 ein Gehaltsschema fest, das fuer alle Dienstraenge entsprechende gleiche Bezahlung ohne Unterschied des Geschlechts vorsieht«
Zur Zeit steht Im amerikanischen Kongress ein Gesetzesvorschlag zur Beratung, der eine Erweiterung des Grundsatzes der
gleichen Bezahlung fuer den zwischenstaatlichen Handel (Betriebe,
die Waren herstellen, die von einem Bundesstaat geliefert werden)
beinhaltet. Der Vorschlag wird sowohl von der AFL als auch vom
CIO, den beiden groessten Gewerkschaftsverbaenden der U.S.A«,
unterstuetzt.
Amerika Dienst
7. Februar 1950
WIRD DIE 40-STUNDENWOCHE DEN ERRUNGENSCHAFTEN DER MODERNEN
TECHNIK GERECHT?
Washington — (Amerika Dienst) — In einer Denkschrift an
die Vereinten Nationen forderte der amerikanische Gewerkschaftsverband AFL eine Herabsetzung der Arbeitszeit in der ganzen Welt«
Die AFL, einer der beiden groessten amerikanischen Gewerkachaftsverbaende, verlangt die allgemeine Elnfuehrung der 40-Stunden-Woche,
die dann im Laufe der Zeit auf 30 Stunden herabgesetzt werden koennte.
Die Verkuerzung der Arbeitswoche in der ganzen Welt waere
eine Aufgabe, die vom UN-Wirt Schafts- und Sozialrat in Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation in Angriff genommen werden muesste. Die Internationale Arbeitsorganisation
hatte bereits «im Jahre 1935 eine Konvention zur Billigung des
Grundsatzes der 40-Stunden-Woche gefordert. "Trotzdem steht die
vorgeschlagene Aenderung noch laengst nicht vor ihrer Verwirklichung", heisst es in dem Memorandum«
In Australien, Kanada und Amerika kommt man der 40-StundenWoche am naechsten; in anderen Laendem"muesste die Arbeitswoche
erheblich verkuerzt werden, um die Bedingungen der Konvention der
Internationalen Arbeitsorganisation aus dem Jahre 1935 zu erfuellen."
Wie AFL betont, wurde die Beschaeftlgtenzahl in Amerika von
der Kuerzung der Arbeitswoche auf durchschnittlich 40 Stunden
nicht beruehrt« In den U.S.A. ist gesetzlich festgelegt, dass
Arbeiter, die mit der Herstellung von Guetern fuer den zwischenstaatlichen oder Exporthandel beschaeftigt sind, das l£-fache
ihres regulaeren Stundenlohns bekommen, wenn sie ueber 40 Stunden
pro Woche arbeiten. In einigen Industriezweigen wurde auf Grund
von Kollektivverhandlungen eine weitere Herabsetzung der Arbeitszeit erreicht. So arbeiten z.B. die Angestellten der Bekleidungs1
Industrie nur 35 Stunden in der Woche«
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�In dem Memorandum wird ausserdem darauf hingewiesen, dass
die Kuerzung der Arbeltswoche In Amerika von einem staendlgen
Fortschritt der Lelstungsfaehlgkelt und der Produkt Ionskapazitaet begleitet war. In den NachkriegsJahren ist die Produktion
um 2,3g pro Jahr gestiegen.
Auch wird In dem Memorandum betont, dass das augenblickliche
Industrielle Zeltalter Immer produktlonsfaehlgere Einrichtungen
hervorbringt, die auf Grund Ihrer staendlg zunehmenden Mechanisierung weniger Betriebspersonal erforderlich machen.
Bezueglich der ausserordentlichen Wirkungen des technischen
Fortschrittes weist da* Memorandum auf die Juengsten Entwicklungen
in der Physik hin, "die fuer die Zukunft der Industrie und die
Befriedigung der menschlichen Beduerfnlsse von weittragender
Bedeutung sind." Diese Entwicklungen beziehen ein: die Atomspaltung, Ultraschall und eine grosse Anzahl von Erscheinungen,
die man unter dem Namen Hochfrequenztechnik zusammenfasst.
"Es setzt sich langsam die Anschauung durch, dass die zunehmende Verwendung von Hochfrequenzgeraeten nicht nur fuer Wissenschaft und Technik, sondern auch fuer Oeschaeft und Regierung von
grosser Bedeutung sein wird. Immer mehr gelangt man zu der Ueberzeugung, dass diese neuen Maschinen eine zweite industrielle Revolution einleiten."
Amerika Dienst
24. Februar 1950
BILANB DES MARSHALLPLANS
Im folgenden geben wir im Auszug eine Erklaerung
wieder, die der Leiter der ECA-Sondermisslon fuer
Westdeutschland, Robert M. Hanes am 24. Februar
in Washington abgab.
"Seitdem zum letzten Mal ein BDA-Miss Ions-Chef fuer Deutschland vor dem Kongress erschien, sind in diesem Land grundsaetzllche
Veraenderungen eingetreten. Westdeutschland hat eine eigene Regierung, und der voellige Zusammenschluss der amerikanischen, britischen und franzoeslschen Zone ist nahezu vollendet. Die Militaerregierung wurde durch eine zivile Institution, die Alliierte Hochkommission, ersetzt.
Die deutsche Bundesregierung nimmt nunmehr mit allen Rechten
und Verpflichtungen am Marshallplan und seinen Organisationen teil.
Im Oktober 1949 wurde die Bundesrepublik ein vollberechtigter Partner in der Organisation fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Europas (OEBC), wo sie nunmehr eine eigene Stimme hat und nicht
mehr durch die Alliierten vertreten wird. Im Dezember 1949 wurde
ein zweiseitiges Abkommen zwischen der Regierung der Vereinigten
Staaten und der deutschen Bundesrepublik geschlossen.
Der gewaltige Aufschwung in der Industrieproduktion, der
die Zeit vom Juni bis Dezember 1948 bestimmte, Hess waehrend der
ersten Haelfte des Jahres 1949 nach. Im Laufe der letzten sechs
Monate des gleichen Jahres war jedoch ein Wiederansteigen der
Produktion festzustellen. Die deutsche Produktion hat sich mehr als
verdoppelt, seitdem das Europaelsche Wiederaufbauprogramm gestartet
wurde.

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�Im Mai 1948 erreichte der Produktionsindex eine Hoehe von
47 Prozent des Standes von 1936, im November 1949 hatte er einen
Hoechststand von 98 Prozent erreicht. Durch diesen Anstieg konnte
Deutschland einen Anfang damit machen, wieder die wichtige Rolle
zu spielen, die es frueher als Produzent und Verbraucher in der
europaeischen Wirtschaft innehatte, und wieder einer der Hauptpartner des europaeischen Handelsaustausches zu werden. Durch den
Produktionsanstieg konnte ein grosser Teil des angestauten Bedarfs,
besonders auf dem Sektor der Verbrauehsgueter, befriedigt werden.
Waehrend des letzten Jahres sind die Preise im allgemeinen stabil
geblieben, und in den letzten Monaten sind sogar Preisrueckgaenge
eingetreten. Fuer Verbrauc hsguet er wurden Rationierung und Preis«*
kontrollen abgeschafft. Heute bestehen derartige Kontrollen nur
noch fuer Treibstoffe und einige landwirtschaftliche und industrielle Gueter. Der gegenwaertige Stand des Nahrungsmittelverbrauchs
und der landwirtschaftlichen Produktion ist bedeutend hoeher als
noch vor einem Jahr. Die taeglich zur Verfuegung stehende Lebensmittelmenge betraegt etwa 2 500 Kalorien gegenueber 2 900 vor dem
Krieg. Obwohl qualitaetsmaessig der Stand der Vorkriegstage noch
nicht wieder erreicht wurde, bietet der heute zur Verfuegung stehende Speisezettel genau soviel Abwechslung wie damals. Allerdings ist diese Verbesserung der Lebensmittelsituation das Ergebnis
der Nahrungsmittelimporte und ungewoehnlich guter Wetterverhaeltnisse. Sie beruht nicht auf irgendwelchen grundlegenden Verbesserungen von Produktions-Methoden oder -Planung in der deutschen
Landwirt sc haft•
Auf monetaerem Gebiet war das hervorstehendste Merkmal des
letzten Jahres die Tendenz von der Inflation zur Deflation. Die
Waehrungsreform vom Juni 1948 hat einen Ansturm der Kaeufer ausgeloest, der gegen Ende des gleichen Jahres ueberaus ernste Formen
anzunehmen drohte. Die Einfuehrung einer strengen Kreditkontrollpolitik und das Nachlassen der abnormen Verbrauc hernachfrage vermochten die inflationistische Tendenz zu stoppen und die Situation
zu stabilisieren. Tatsaechlich machte sich in den folgenden Monaten ein deflationistischer Druck bemerkbar. Um nunmehr dieser
Deflationstendenz zu begegnen, wurden ECA-Gegenwertmittel fuer
Investitionszwecke freigegeben und die Kreditpolitik ü b e r a u s iert.
Im Zahlungsverkehr mit dem Ausland wurde die deutsche Waehrung im
Herbst 1949 abgewertet. Damit folgte Deutschland dem Beispiel
anderer europaeischer Laender und verbesserte die Konkurrenzfaehigkeit der deutschen Exporteure auf den Weltmaerkten.
Die Frage der Dollarknappheit stellt auch heute noch das
schwierigste Problem Deutschlands dar. Nur ein Zehntel der deutschen Dollar-Importe werden durch Exporte nach Laendern mit harter
Waehrung gedeckt. Der Fehlbetrag wird durch amerikanische Hilfe
aufgebracht, der das unmittelbare Verdienst fuer die bisher erzielte wirtschaftliche Erholung zukommt, doch es verbleiben noch
immer ernste Schwierigkeiten auf wirtschaftlichem Gebiet, die
ueberwunden werden muessen.
Ich moechte in diesem Zusammenhang kurz auf die Punkte eingehen, die wir gegenwaertig als die wichtigsten wirtschaftlichen
Probleme Westdeutschlands ansehen:
1.

Produktion:

Westdeutschland muss seine landwirtschaftliche und seine
industrielle Produktion steigern, wenn es ohne Hilfe von aussen
weiter leben soll. Es kann niemals mehr als rund 65 Prozent
- 11 -

�seines eigenen Nahrungsmittelbedarfes selbst erzeugen* Um die
NahrungsmittelImporte zu verringern und die heimische Produktion
zu steigern, werden gegenwaertig entschiedene Anstrengungen unternommen. Hemmende Faktoren auf dem landwirtschaftlichen Sektor
sind die Festpreise, besonders fuer Getreide, die weder einen
Anreiz fuer die deutsche Erzeugung derjenigen Nahrungsmittel bieten,
die andernfalls mit Dollarimporten beschafft werden muessten, noch
deren uebermaessigen Verbrauch verhindern helfen. Die deutschen
landwirtschaftlichen Methoden sind veraltet, die wissenschaftliche
Forschung auf dem Gebiete der Landwirtschaft und die Unterrichtung
der Lebensmittelerzeuger in den letzten 15 Jahren voellig ungenuegend. Durch technische HilfsProgramme werden gegenwaertig alle
Anstrengungen unternommen, um die Landbevoelkerung mit modernen
technischen Methoden vertraut zu machen.
Mangelhafte Technisierung fuehrte zu hohen Gestehungskosten
und ist daran schuld, dass die Programme zur Urbarmachung und
Bodenverbesserung nur langsame Fortschritte machen. Schaetzungsweise 200 000 Hektar Land koennten unter Verwendung moderner Methoden zusaetzllch urbar gemacht werden. Die Rueckstaendlgkelt Deutschlands auf diesem Sektor laesst sich an gewissen Gebieten, zum Beispiel an der hollaendisehen Grenze, aufzeigen. Auf hollaendischer
Seite wurden hohe Ertraege aus dem Land herausgeholt, waehrend der
deutsche Teil nur als Oedland anzusprechen ist. Geldmittel aus dem
ECA-Gegenwertfonds wurden fuer Bodenverbesserungsmassnahmen und zur
Beschaffung von landwirtschaftlichen Maschinen bereitgestellt.
Die Produktion der Industrie, die allerdings einen relativ
viel besseren Leistungsgrad als die Landwirtschaft aufweist, ist
nach amerikanischen Masstaeben noch Immer ungenuegend und unrentabel. Nach gegenwaertlgen deutschen Vorhersagen rechnet man
bei Abschluss des ERP damit, einen Stand von 107 Prozent der
Erzeugung von 1938 erreicht zu haben. Dies ist unserer Meinung
nach weit weniger, als erreicht werden kann. Die Industrielle
Produktion kann und muesste zumindest auf 120 Prozent des Standes
von 1936 gebracht werden. Hindernisse wie teure Handarbeit und
Mangel an InvestitIonskapital muessen ueberwunden werden. Das Problem Westdeutschlands ist es, geeignete Waren nach geeigneten Laendern zu exportieren und die Ausfuhrgueter zu Selbstkosten zu produzieren, die sie auf den Weltmaerkten konkurrenzfaehig machen«
Dazu ist eine Umgestaltung und Neuorientierung des Denkens der
deutschen Industrie noetlg, das sich bisher nur Innerhalb der Grenzen geschuetzter Maerkte, der Monopole und Kartelle bewegte und
nie in vollem Umfang der Wirklichkeit eines wahrhaft freien und
konkurrenzbestimmten Marktes ausgesetzt war.
Die Vertreter der deutschen Industrie halten noch immer am
Gedanken eines niedrigen Umsatzes bei hoher Gewinnspanne fest,
statt sich zu einer ausgedehnten Produktion bei niedriger Gewinnspanne zu entscheiden. Darueber hinaus wird der deutsche Export
noch immer durch das Fehlen geeigneter Handelsorganisationen gehemmt sowie durch das unzulaengliche Wissen um moderne Verkaufsmethoden und in einem gewissen Grade auch durch den Im Ausland
noch Immer allgemein verbreiteten, wenn auch abnehmenden Wiederstand gegen deutsche Waren.
2.

KapitalInvestierungen:

Der Mangel an InvestitIonskapital ist im Hinblick auf das
Problem einer Produktionssteigerung sehr bedenklich. Steht solches
Kapital zur Verfuegung, so sind die Zinssaetze sehr hoch, und in
allzu vielen Faellen wurde mit dem gefaehrlichen Mittel gearbeitet,
kurzfristige Kredite zu langfristigen Investitionen zu verwenden.
Ein Mangel an langfristigen Krediten verzoegert den Wiederaufbau
von Fabrikanlagen sowie die Wiederinstandsetzung und Modernisierung
der Produktionsausruestung. Um diesen Mangel einigermassen zu lindern, sind erhebliche Mittel aus dem ECA-Gegenwertfonds freige- 12 -

�geben worden. Aber die Mittel des Gegenwertfonds koennen das
Problem allein nicht loesen. Auf dem Kapitalmarkt koennen nur
kleine Betraege an Investitionskapital beschafft werden. Weder
die Privatbanken noch die oeffentliche Hand sind in der Lage,
grosse Kredite zu gewaehren. Die einzig greifbare Hoffnung auf
Abhilfe scheint auf der Bank Deutscher Laender zu beruhen, aber
auch diese Loesung ist weder von Dauer, noch kann sie als ausreichend bezeichnet werden.
Die Kapitalknappheit spiegelt sich auch in zwei der dringendsten Probleme Westdeutschlands wider, naemlich dem Wohnraummangel und der Arbeitslosigkeit. Wir stehen heute vor der paradoxen Situation, dass in einem Land, in dem 5 Millionen Wohnungen
fehlen, Bauarbeiter entlassen werden. Gegenwaertig werden Mittel
aus dem Gegenwertfonds verwendet, um das Wohnungsbauprogramm zu
foerdern, es muss aber noch weit mehr getan werden, wenn sehr gefaehrliche soziale und politische Folgen vermieden werden sollen.
Die Zahl der Arbeitslosen hat eine Hoehe von 2 Millionen
oder ungefaehr 10 Prozent der Gesamtzahl der Werktaetigen erreicht.
Der anhaltende Zustrom von Fluechtlingen aus der Sowjetzone und
den Laendern hinter dem Eisernen Vorhang - etwa 20 000 im Monat hat zu dieser Lage wesentlich beigetragen. Waehrend die Fluechtlinge etwa 18 Prozent der Gesamtbevoelkerung Westdeutschlands
ausmachen, stellen sie 35 Prozent der Erwerbslosen. Sie verstaerken den Druck auf den Wohnungs- und Arbeitsmarkt und werden von
der einheimischen Bevoelkerung als Aussenstehende und Eindringlinge angesehen. Die Fluechtlinge schaffen Ressentiments, und
diese Ressentiments werfen schwere soziale und wirtschaftliche
Probleme auf. Abgesehen von seinen rein menschlichen Aspekten
hat dieses Problem, das fuer Westdeutschland ueberaus brennend
ist und fuer andere ERP-Laender nicht zutrifft, weitreichende
politische Auswirkungen. Nur durch die gemeinsame Anstrengung,
diese Menschen in die Wirtschaft und den Volkskoerper einzugliedern, koennten Unruhe und ausgesprochen extremistische Tendenzen
im politischen Denken dieser Gruppe verhindert werden. Mit dieser
Frage muss zwar die deutsche Regierung aus eigener Kraft fertig
werden, ich bin aber dennoch der Ansicht, dass dieses Problem
bei der Zuteilung der ameriknaischen Hilfe besondere Beachtung
verdient. Das Fehlen langfristigen Kapitals fuer den Wohnungsbau
und die Erweiterung der industriellen Kapazitaet, das allmaehliche
Schwinden der ueberschuessigen Kaufkraft und ein noch nicht voeilig
entwickelter Export haben zur Verschlimmerung des Arbeitslosenproblems beigetragen. Zahlreiche Arbeitslose, in der Hauptsache
Fluechtlinge, leben in landwirtschaftlichen Gebieten, wo sie
unerwuenscht sind und keine Arbeitsplaetze zur Verfuegung stehen.
In vielen Faellen ist es auf Grund der schlechten Wohnverhaeltnisse
unmoeglich, sie in andere Gegenden umzusiedeln, wo bessere Arbeitsmoeglichkeiten bestehen und sogar Arbeitskraefte fehlen.
Sowohl fuer die ECA-Mission als auch fuer die deutsche Bundesregierung stellt die Arbeitslosenfrage ein ueberaus wichtiges Problem dar. Nach meiner Ansicht kann sich weder die wirtschaftliche
noch die soziale Situation Westdeutschlands stabilisieren, wenn
nicht mit aller Energie an dieses Problem herangegangen wird. Ein
umfassendes Wohnbauprogramm, das zum Teil aus dem ECA-Gegenwertfonds finanziert wird, ist eine der Massnahmen, die getroffen wurden,
um der dringendsten Not zu begegnen. Auf lange Sicht muss man jedoch die bestehenden Uebel und Misstaende an der Wurzel packen.
Dies erfordert grosse Geschicklichkeit und Umsicht von Seiten der
Bundesregierung. Alle Schritte muessen auf der einen Seite darauf
- 13 -

�abgestimmt sein, die vorhandenen Moeglichkelten bis aufs aeusserste
auszunuetzen, auf der anderen Seite muss jedoch mit der noetigen
Vorsicht zu Werke gegangen werden, um die Stabilitaet der Waehrung
nicht zu gefaehrden.
,
Vor allem muss die Produktion erhoeht und die Produktivitaet
verbessert werden. Meiner Ansicht nach wuerde die gegenwaertige
Finanzlage unter der Voraussetzung, dass ausreichende fiskalische
Sicherungen bestehen, eine wesentliche Kreditexpansion fuer langfristige Investierungen gestatten. Das Steuereinnahmesystem muss
gefestigt und die Steuerstruktur so gestaltet werden, dass der
Verbrauch von Luxusguetern gesenkt wird und mehr Mittel fuer Investierungen zur Verfuegung stehen.
Kreditmoeglichkeiten muessten fuer diejenigen Projekte geschaffen werden, die fuer die gesamte Wirtschaft von besonderem
Nutzen sind und durch die zusaetzliche arbeitsintensive und produktive Industrien geschaffen werden koennen.
Schliesslich muss ein energischer Feldzug eingeleitet werden,
um die Exporte, und im besonderen-die Exporte in das Dollargebiet,
zu steigern.
3.

Aussenhandel und Ausgleich der Zahlungsbilanz.

Falls Westdeutschland seine Ziele im Rahmen des Europaeischen
Wiederaufbauprogramms erreichen soll, muessen die Exporte, und
besonders die Dollarexporte, ausserordentlich gesteigert werden.
Das in diesem Zusammenhang bereits erwaehnte Zehn-zu-eins-Verhaeltnis
der Dollarimporte zu den Dollarexporten muss drastisch herabgesetzt
werden. Auf Grund der gegenwaertig von Westdeutschland verfolgten
Politik einer weitgehenden Liberalisierung des Handels ist seine
Zahlungsbilanz mit anderen europaeischen Laendern unausgeglichen.
Die ECA-Mission vertraut jedoch darauf, dass in naher Zukunft andere
europaeische Nationen mehr von Deutschland kaufen werden, wodurch
die gegenwaertige Entwicklung aufgehalten und tatsaechlich ein
deutscher Exportueberschuss im Handel mit Westeuropa geschaffen
werden koennte.
i

Deutschland muss sich jedoch enger dem Dollargebiet anschliessen und den groessten Teil seiner Anstrengungen hierauf verwenden.
Die westdeutsche Bevoelkerung muss jetzt diese 'Linie des geringsten Widerstandes1 verlassen und sich mit dem Problem der
Selbsterhaltung nach Beendigung der amerikanischen Hilfe befassen.
Um den westdeutschen Exporteuren zu helfen, entsendet die ECA Experter
verschiedenster Fachgebiete nach Deutschland, die im Rahmen des
technischen Hilfsprogrammes die deutschen Industriefachleute. Gewerkschaftsvertreter und Landwirte mit den modernsten Produktionsmethaden
vertraut machen. Darueber hinaus muss das deutsche Volk dazu bewegt werden, dass es unmittelbare eigene Vorteile auf Kosten der
Exportsteigerung zurueckstellt.
Um seine Handelsbilanz halbwegs ausgleichen zu koennen, muss
Deutschland nach neuen Importmoeglichkeiten suchen. Osteuropa,
Suedamerika und andere ERP-Laender stellen Hilfsquellen dar, die
dazu beitragen koennen, Deutschlands Dollarbestaende zu schonen.
Von groesster Wichtigkeit fuer den Fortbestand des Landes ist
der Uebergang zu einem freieren Wirtschaftssystem. Das uebervoelkerte Gebiet Vifestdeutschlands kann sich das zur Foerderung der

- 14 -

�Autarkie des Reiches in der Zeit vor dem Krieg geschaffene System
von Schutzzoellen nicht mehr laenger leisten. Diese in Verruf geratene Politik muss durch ein System ersetzt werden, das geeignet
ist, dem westdeutschen Export neue Maerkte zu erschliessen und
dabei gleichzeitig die zur Finanzierung gewichtiger Nahrungsmittelund Rohstoffimporte erforderlichen Devisen zu erbringen. Zu diesem
Zweck muessen die quantitativen Beschraenkungen des Imports- besonders
bei Nahrungsmitteln - langsam aufgehoben und Kartelle und Monopole
abgeschafft werden, um die Beschraenkungen von Industrie und Handel
zu beseitigen. Damit soll ausserdem der Fortbestand der Kleinbetriebe gesichert und ihre Wettbewerbsfaehigkeit erhalten werden.
Auch fuer Exporteure muss ein gewisser Anreiz geschaffen werden.
Deutschland nimmt einen ganz besonderen Platz innerhalb des
Marshallplans ein. Niemals vorher hat eine Siegernation ein positives Programm eingeleitet, um einen besiegten Gegner wieder aufzurichten. Wir haben uns auf dieses einmalige Abenteuer eingelassen,
weil die fuenfjaehrige Besatzungserfahrung uns den aussergewoehnlichen Einfluss vor Augen fuehrte, den die Verhaeltnisse in Deutschland auf Westeuropa als Ganzes ausueben. Deutschland steht im Mittelpunkt des europaeischen Problems. Um das deutsche und auch das
europaeische Problem zu loesen, muss Westdeutschland so eng wie nur
moeglich an Westeuropa angeschlossen werden. Es darf ihm nicht mur
gestattet, sondern es muss auch ermutigt werden, auf den Maerkten
der Welt zu kaufen und zu verkaufen.
Wir haben viele Milliarden Dollar ausgegeben, um den Nazismus
in der Welt zu vernichten. Es scheint daher durchaus angebracht,
einen Bruchteil jener Summe dafuer zu verwenden, um in Westdeutschland die Grundlage einer Wirtschaftsstruktur zu legen, die das
Wiederaufleben irgendeiner extremistischen, den Weltfrieden bedrohenden Ideologie verhindert."
Amerika Dienst
28. Februar 1950
EINZELHEITEN UEBER DAS ECA-PROGRAMM FUER TECHNISCHE HILFE
Frankfurt — (Amerika Dienst) —
Die ECA-Mission fuer Westdeutschland gab kuerzlich Anweisungen bekannt, die die Teilnahme
Deutschlands an dem ECA-.Programm fuer technische Hilfe betreffen.
In Form einer Direktive wurden diese Anweisungen vom Amt fuer
oeffentliche Angelegenheiten und dem Amt fuer Wirtschaftsangelegenheiten, HICOG, gemeinsam ausgearbeitet und von den Direktoren dieser
beiden Aemter, Mr. Ralph Nicholson, bezw. Mr. Robert M. Hanes, unterzeichnet«
Wie in der Direktive besonders unterstrichen wird, koennen
Antraege fuer Projekte von alliierter oder von deutscher Seite gleicherweise gestellt werden. Die vorgeschlagenen Projekte muessen jedoch "technischer oder beruflicher Natur sein und in absehbarer Zeit
zum Wiederaufbau beitragen." Ausserdem werden Projekte nur genehmigt,
wenn die erforderliche technische Hilfe und Beratung eine Reise nach
den Vereinigten Staaten notwendig machen.
Einzelpersonen oder Organisationen, die Antraege fuer technische
Hilfsprojekte einreichen wollen, muessen diese dem zustaendigen Ministerium der deutschen Bundesregierung vorlegen. Den Antraegen
muessen jeweils vollstaendige Beschreibungen ueber Art und Umfang
der erbetenen Hilfe, die Berechtigung hinsichtlich der Dringlichkeit fuer den Wiederaufbau und Angaben darueber, wie die erlangten
Erfahrungen weitervermittelt und ausgenutzt werden sollen, beiliegen.
Weiterhin sind die Zahl des erforderlichen Personals, das vorgeschlagene Datum fuer den Beginn und die Dauer des Projektes anzugeben.
- 15 -

�Die ECA-Sondermission prueft alle Antraege sorgfaeltig auf
die Zweckmaessigkeit des Projektes und seinen technischen Wert. Alle
vorgeschlagenen BCA-Projekte werden auch von den Austauschabteilungen im Amt fuer oeffentliche Angelegenheiten im Hinblick auf ihre
Beziehung zum allgemeinen Austauschprogramm ueberprueft.
Die endgueltige Entscheidung ueber Genehmigung oder Ablehnung
wird von der BCA-Abteilung fuer technische Hilfe in Washington gefaellt, die die Projekte auf Grund der allgemeinen BDA-Planung auswertet.
Die Teilnehmer an den Austauschprogrammen erhalten in den Vereinigten Staaten ein Tagesgeld von 12 r - Dollar. Ausserdem bezahlt
ECA saemtliche in den U.S.A. entstehenden Fahrtauslagen und sonstigen Kosten. Im allgemeinen jedoch haben die deutschen Stellen, auf
deren Vorschlag die Entsendung der Teilnehmer erfolgt, den Gegenwert dieser von ECA zur Verfuegung gestellten Dollarbetraege in
Deutscher Mark auf das Gegenwertkonto der Bank Deutscher Laender
einzuzahlen.
Nach ihrer Ankunft in den Vereinigten Staaten werden die
deutschen Sachverstaendigen von Beamten der Arrangements Branch,
ECA, die Ihre Dienststellen in.Washington und New York hat, empfangen.
Von diesen Beamten wird ihnen auch das Naehere ueber ihren AmerikaAufenthalt in Form von kurzen Unterweisungen mitgeteilt. Innerhalb
eines Monats nach Beendigung der Projekte muessen von den deutschen
Teilnehmern vorlaeuflge Berichte ausgearbeitet werden. Diese muessen
Einzelheiten ueber die bei der Durchfuehrung des Projektes gesammelten praktischen und theoretischen Kenntnisse und Informationen sowie
ausserdem Angaben enthalten, inwiefern die Verbreitung der erworbenen
Erfahrungen allgemein als Beitrag zum wirtschaftlichen Wiederaufbau
gewertet werden kann.
Amerika Dienst
23. Februar 1950

- 16 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFICIAL

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
»

III - 1

Frankfurt, 10, Maerz 1950

INHALTSVERZEICHNIS
CIO fordert groessere soziale Sicherheit fuer
mehr amerikanische Buerger - - - - - - - - - - 1
Gewerkschaften i n Holland - - - - - - - - - - 4
David Dubinsky - - - - - - - - - - - - - 9
Der Verbraucherpreisindex wird modernisiert- - - 13
CIO fordert "energische, demokratische Massnahmen
zur Sicherung des Weltfriedens
- - - - - - - - - 1 4

CIO FORDERT GROESSERE SOZIALE SICHERHEIT FUER MEHR AMERIKANISCHE
BUERGER
Der Sozialausschuss des CIO forderte vorige Woche bedeutende
Erhoehungen der AltersPensionen. Diese Forderung wurde zusammen
mit anderen Vorschlaegen zur allgemeinen Verbesserung des S o z i a l versicherungsgesetzes eingebracht,
Fuehrende Komitees verlangten die Ausdehnung der A l t e r s - ,
Hinterbliebenen- und InvalidenversicherungsProgramme auf " a l l e
Amerikaner - so, dass eine g e s e t z l i c h e Berechtigung auf Pensionen
besteht,"
Neue Methoden zur Festsetzung von Pensionssaetzen wurden i n
Vorschlag gebracht, um den " a e l t e r e n Arbeitern eine ausreichende
Bezahlung zu s i c h e r n , d i e ihnen einen Lebensstandard nach amerikanischen Begriffen ermoeglichtf" Der e r s t e S c h r i t t in d i e s e r Richtung b e s t e h t d a r i n , dass man vorschlaegt, b e i der Festsetzung der
Pensionen den d u r c h s c h n i t t l i c h e n Monatslohn der besten fuenf aufeinanderfolgenden Jahre des Arbeiters zugrunde zu legen, und zwar
b i s zu einem Jahreseinkommen von hoechstens 4.800 Dollar.
- 1 -

�"Fuer die ersten 100 Dollar des durchschnittlichen Monatseinkommens sollen 50g und fuer den restlichen Betrag bis zu 400
Dollar pro Monat 20g bei einem zusaetzlichen Zuschlag von 1%
fuer jedes VersicherungsJahr gezahlt werden", erklaerte Vorsitzender Emil Rieve im Namen des Komitees. Rieve ist Praesident der
Textilarbeiter Gewerkschaft.
Ein aelteres Ehepaar, das waehrend seiner fuenf besten aufeinanderfolgenden Jahre ein Monatseinkommen von 300 Dollar bezogen
hat, wuerde dem CIO Programm zufolge nach 20 Jahren Zugehoerigkeit
zur Sozialversicherung eine monatliche Pension von 162 Dollar erhalten. Die Mindestpension, die in diesem Programm fuer einen in den
Ruhestand versetzten Arbeiter vorgesehen ist, beliefe sich auf
50 Dollar monatlich. Der Hoechstbetrag der zu zahlenden Pensionen
waeren 80g des durchschnittlichen Monatseinkommens.
Ausserdem schlug der Sozialausschuss vor:
1. Die Qualifizierungsbedingungen zu liberalisieren und die Reduktionen der Pensionen wegen zeitweiliger Nichtzugehoerigkeit zur
Sozialversicherung zu begrenzen.
2. Das pensionsfaehige Alter fuer Frauen von 65 auf 60 Jahre
herabzusetzen.
3. Solche Personen zu unterstuetzen, die von Invalidenrentnern
wirtschaftlich abhaengig sind.
4. Soziale Bestimmungen zur Unterstuetzung arbeitsunfaehiger
Personen zu erlassen, um ihnen durch aerztliche Hilfe und Berufsumschulung wieder die Moeglichkeit zu geben, Geld zu verdienen.
5. Ein Programm nach den von der Truman-Verwaltung vorgeschlagenen
Richtlinien aufzustellen, das eine zeitweilige Versicherung fuer
Arbeitsunfaehige vorsieht.
6. Ein System zur Unterstuetzung der Armen einzufuehren, das
"diesen Leuten nicht nur ermoeglicht, zu bestehen, sondern anstaendig zu leben." Den einzelnen Staaten sollen genuegend Mittel
von der Bundesregierung zur Verfuegung gestellt werden, damit sie
in allen Faellen ausreichende Unterstuetzungen auszahlen koeimen.
Ferner forderte der Sozialausschuss die Vereinheitlichung der
Sozialbestimmungen im gesamten Bundesgebiet, um die Hilfsbeduerftigen besser unterstuetzen und die unnoetlgen Aufenthaltsbedingungen
und EigentumsPfandrechte gegenueber Unterstuetzungsempfaengern beseitigen zu koennen.
Diese Vorschlaege wurden einen Tag vor Eroeffnung der Sitzung
gemacht, in der dem konservativen Finanzausschuss des Senats die
Erweiterung der Sozialversicherungsgesetzgebung vorgetragen werden
sollte. Die entsprechende Gesetzesvorlage war in der letzten
Sitzung des Repraesentantenhauses bereits gebilligt worden. Nun
hatte der Senat darueber zu entscheiden.
Arthur J. Altmeyer, Beauftragter fuer Sozialversicherung,
nahm als erster Referent vor dem Ausschuss'des Senats zu diesem
Thema Stellung. Er sprach sich unter anderem fuer ein ausgedehnteres Sozialversicherungsprogramm aus, das frueheren Vorschlaegen
des CIO sehr nahe kommt. Er schlug vor, 5£ Millionen Farmverwalter,
Landarbeiter und viele Hausangestellte in die Sozialversicherung
aufzunehmen, wie es der CIO bereits getan hat. Er erwaehnte dabei
nicht bestimmte Gruppen gelernter Arbeiter, die bis jetzt noch ausgeschlossen sind, aber vom CIO fuer versicherungsberechtigt erachtet werden.
- 2 -

�Altmeyer schlug ferner vor, die Bestimmungen zu liberalisieren, nach denen die Unterstuetzungsberechtigung fuer solche
Personen festgelegt ist, die die mittleren Altersgruppen ueberschritten haben; statt Armenunterstuetzungen sollten ihnen
Pensionen gezahlt werden. In der vom Repraesentantenhaus genehmigten Gesetzesvorlage ist zur Zeit ein fuer Sozialversicherung
zu versteuernder Hoechstbetrag von 3000 bzw. 3600 Dollar vorgesehen. Altmeyer setzte sich fuer eine Erhoehung des sozialversicherungspflichtigen Hoechstbetrages auf 4800 Dollar ein. Er
ist ferner fuer die Beibehaltung des Zuschlages zu den Monatspensionen von 1# fuer jedes VersicherungsJahr gegenueber dem i#igen Zuschlag, wie er in der Gesetzesvorlage des Repraesentantenhauses vorgesehen ist.
Altmeyer forderte hoehere Leistungen der Sozialversicherung
im allgemeinen, sodass z.B. ein Arbeiter, der seit 1937 ununterbrochen beschaeftigt war und ein durchschnittliches Monatseinkommen von 200 Dollar hatte, jetzt eine monatliche Pension von
111 Dollar erhalten soll, wenn seine Frau ebenfalls das pensionsfaehige Alter erreicht hat. Fuer Alleinstehende soll die Pension
74 Dollar betragen.
Altmeyer erklaerte, dass ein Teil der durch die Erhoehung
der Unterstuetzungen und die Ausdehnung der Unterstuetzungsberechtigung entstandenen Mehrkosten dadurch gedeckt wuerden, dass man
die Zuschuesse an die einzelnen Staaten fuer die Armenhilfe reduzieren koenne. Er schaetzt, dass sich die Gesamtkosten dieses
Programms auf 6£ der Gesamtsumme der Loehne belaufen wuerden«
wenn sich die Loehne in den naechsten 50 Jahren in demselben
Masse wie in den vergangenen 50 Jahren erhoehten« Die Kosten
wuerden 7,2# der Loehne ausmachen, wenn dieselben unveraendert
blieben. Die Kosten fuer die Gesetzesvorlage des Repräsentantenhauses wurden bei gleichbleibendem Lohnniveau auf 6,2# der Loehne
geschaetzt.
Nachfolgende Tabelle zeigt die vom Sozialausschuss des CIO
vorgeschlagenen Pensionssaetze der Sozialversicherung im Vergleich
zu den augenblicklich gueltigen und den in der Gesetzesvorlage
des Repräsentantenhauses vorgeschlagenen Leistungen. Die Angaben
beziehen sich auf eine alleinstehende Person mit 20 VersicherungsJahren:
Durchschnittl.

Monatseinkommen

$100
150
200
250
300
400

P e n s i o n e n
l t . Vorschlag nach dem gegenGesetzesvorlage
des CIO
waertigen S o z i a l des Repraesentanversicherungsgesetz tenhauses
$30
36
42
48
48
48

$60
72
84
96
108
132

"The CIO News"
2 3 . Januar 1950

- 3 -

$55
60.50
66
71.50
77
77

�GEWERKSCHAFTEN IN HOLLAND
Der folgende Artikel von D. Roemers, Direktor
der Abteilung fuer Forschung im Hollaendischen
Gewerkschaftsbund (N.V.V.), erschien in dem
Magazin "Socialist Commentary,,. Er wird hiermit zu Ihrer Informierung und evtl. Verwendung
veroeffentlicht. Die Wiederveroeffentlichung
ist gestattet.
Nach der deutschen Besetzung Hollands war wenig von der
hollaendlschen Gewerkschaftsbewegung uebriggeblieben. Die Deutschen
hatten die Gewerkschaften unterdrueckt und versucht, sie durch
die "Arbeitsfront" zu ersetzen. Ihr Erfolg war ueberraschend gering.
Von den 685.300 Gewerkschaftsmitgliedern wurden weniger als 100.000
in die Arbeitsfront aufgenommen. Das gesamte Eigentum der Gewerkschaften war jedoch beschlagnahmt und vergeudet worden, und so
musste im Jahre 1945 ganz von vorn angefangen werden.
In der hollaendlschen Gewerkschaftsbewegung bestanden schon
immer Spaltungen. Waehrend des Krieges wurden zwar Vorbereitungen
fuer eine Vereinigung der verschiedenen Richtungen getroffen, ihre
Verwirklichung scheiterte jedoch an dem Widerstand der christlichen
Gewerkschaften. Dagegen wurde ein gemeinsamer Ausschuss fuer gemeinsame Beratung gebildet. Es ist der sogenannte Rat der Gewerkschaftsverbaende.
Am 1. Januar 1949 hatten die drei grossen Gewerkschaftsverbaende folgende Mitgliederzahlen: Hollaendischer Gewerkschaftsbund (N.V.V.) 365.000, Katholische Arbeiterbewegung Hollands
263.000 und die Christlich Nationale Gewerkschaft etwa 150.000
Mitglieder. (Die gesamte erwerbstaetige Bevoelkerung Hollands
zaehlt 3,5 Millionen).
Vor dem Kriege stand der N.V.V. in engen Beziehungen mit der
Sozialdemokratischen Partei. Diese offizielle Verbindung wurde
jedoch nach dem Kriege in gegenseitigem Einvernehmen aufgehoben.
Das Verhaeltnis zwischen beiden Organisationen blieb jedoch auch
weiterhin herzlich. Obwohl der N.V.V. grundsaetzlich gegen konfessionelle Gewerkschaften ist, liegt ihm sehr daran, mit den
protestantischen und katholischen Gruppen unter den Arbeitern
zusammenzuarbeiten, die die konfessionelle Grundlage ihrer Bewegungen zu erhalten wuenschen. Es besteht noch ein vierter Gewerkschaftsverband, E.V.C., der etwa 100.000 Mitglieder zaehlt und
angeblich dazu dient, die Einheit in der Gewerkschaftsbewegung
herzustellen. In Wirklichkeit hat er alle Versuche, eine Einigung
zu erzielen, sabotiert. Dieser Verband ist praktisch voellig von
den Kommunisten beherrscht, und es besteht keine Veranlassung mehr,
eine Verstaendigung mit dieser Organisation zu suchen.
Waehrend die Meinungsverschiedenheiten ueber soziale Fragen
zwischen dem N.V.V. und den christlichen Gewerkschaften nicht
wesentlich sind, bestehen einige bedeutsame Differenzen in wirtschaftspolitischen Fragen. Der N.V.V. tritf'mehr oder weniger
auf derselben Linie wie die Labour Party", fuer die Planwirtschaft
ein. Die konfessionellen Gewerkschaften dagegen gehen nur mit
Vorsicht und Zoegern an diese Frage heran und neigen mehr zu den
rechtsgerichteteren Parteien hin. In dem "Stichting van de Arbeid",
einer auf freiwilliger Basis entstandenen Koerperschaft ohne jegliche Exekutivgewalt, beraten die drei Gewerkschaftsverbaende mit
den nationalen Unternehmerverbaenden ueber soziale Angelegenheiten.
Die Verbesserung der Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern hatte-nach der Befreiung des Landes in der Bildung dieser
Organisation ihren Niederschlag gefunden. Sie wurde bald danach,
im Juli 1945, von der Regierung als eine oeffentlich-rechtliche,
beratende Koerperschaft anerkannt.
- 4 -

�In dem Kampf um ihr Neuerstehen - unter den verarmten und
chaotischen Verhaeltnissen der NachkriegsJahre wahrlich ein
schwerer Kampf - konzentrierten sich die hollaendischen Gewerkschaften auf drei Punkte: Regelung von Loehnen und Preisen,
soziale Verbesserungen und bessere Interessenvertretung der
Arbeiter. Was ist auf diesen drei Gebieten erreicht worden?
Loehne und Preise
Die Gewerkschaftsbewegung war sich bewusst, dass sie in
ihrer Politik eine wirtschaftliche Lage zu beruecksichtigen hatte,
die eine Nachwirkung der Besetzung und des Krieges darstellte:
ein niedrigerer Lebensstandard, minierte Produktionsbetriebe,
wenig Vorraete, die Ueberschwenmung von 10£ der landwirtschaftlichen Anbauflaeche, Erschoepfung des Ackerbodens infolge Mangels
an Kunstduengern, zerstoerte Haeuser, Liangel an Transportmitteln
und anderen Materialien. Ausserdem haben die Umwaelzungen in
der Weltwirtschaft das Land schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Besonders das Abflauen des Handels mit Deutschland und Indonesien,
den beiden Hauptstuetzen der hollaendischen Wirtschaft, konnte
nicht ohne Nachwirkungen bleiben. Es bestand nicht die Aussicht,
die Vorkriegsverhaeltnisse schnell wiederherstellen zu koennen.
Infolge der fortschreitenden Industrialisierung in vielen Ueberseestaaten wurden die Exportmoeglichkeiten geringer. Da es aus
all diesen Gruenden fuer Holland unmoeglich war, wirtschaftlich
auf seinen eigenen Fuessen zu stehen, beschlossen sowohl der
N.V.V. als auch die christlichen Gewerkschaften ohne Zoegern,
am Marshall Plan mitzuarbeiten.
Hohe Investitionen erforderlich
Zwar ist es wahr, dass der Wiederaufbau grosse Fortschritte
gemacht hat - die Industrieproduktion hat den Stand von 1935
um 20% ueberschritten, und die landwirtschaftliche Produktion
liegt ebenfalls ueber dem Vorkriegsstand - trotzdem steht zweifellos fest, dass Holland ohne fremde Hilfe seinen VorkriegsLebensstandard noch nicht erreichen kann. Bedeutende Einnahmequellen sind verlorengegangen, und die Einwohnerzahl hat sich
von 8.800.000 im Jahre 1940 auf 9.900.000 im Jahre 1949 erhoeht.
In den kommenden Jahren muss fuer 40.000 Menschen Arbeit gefunden werden, und nach 1955 wird die Zahl der zu Beschaeftigenden
auf 60.000 ansteigen. Da die Moeglichkeiten einer Ausdehnung
der Landwirtschaft sehr beschraenkt sind, muss die Erhoehung
der Beschaeftigtenzahl in der Industrie stattfinden und zwar
in erster Linie in der' Exportindustrie. Das bedeutet, dass ein
bedeutender Teil des nationalen Einkommens fuer die Industrialisierung verwendet werden muss.
Zur Frage, wie das zu diesem Zweck benoetigte Kapital beschafft werden soll, ist man geteilter Meinung. Die kapitalistische Presse spricht sich gegen staatliche Investierungen aus
und wuenscht, die privaten Ersparnisse zu vermehren. Sie fordert zum Beispiel die Aufhebung der Dividendensperre und die
Beendigung der Finanzpolitik der billigen Kredite. Diese Vorschlaege wuerden die Ungleichheit der Einkommen noch vergroessern.
Der N.V.V. ist der Ansicht, dass man nicht erwarten kann, dass
das Volk im Interesse der industriellen Entwidmung mit einer
Beschraenkung des Verbrauchs sich einverstanden erklaert, aber nur
unter der Bedingung, dass die aus dieser Entwicklung entstehenden Gewinne der gesamten Nation zugutekommen und die wohlhabenderen Gruppen auch einen Teil der Lasten tragen muessen. Das
erforderliche Kapital muesste deshalb hauptsaechlich aus oeffentlichen Mitteln zur Verfuegung gestellt werden.

�Wir moechten nun einen Blick auf die Lohn- und Preispolitik
werfen, die die Regierung seit Kriegsende eingeschlagen hat. Eine
bedeutende Rolle bei der Festsetzung der Loehne spielt das "College van Rijksbemiddelaaps" (Staatlicher Vermittlungsausschuss) ein nicht ganz zutreffender Name, da dieser Ausschuss keine vermittelnde Taetigkeit ausuebt; diese Bezeichnung wurde von Vorgaengern uebernommen, die in Arbeitsstreitigkeiten vermittelten.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer eines Industriezweiges uebersenden
ihre Vorschlaege fuer neue Tarifvertraege dieser oeffentlichrechtlichen Koerperschaft der Regierung. Bevor der Ausschuss eine
Entscheidung faellt, wird der Stichting zu Rate gezogen, der ein
Fachkomitee hat, in dem Vertreter nationaler Arbeitgeberverbaende
und Gewerkschaften sind, die sich mit solchen Fragen befassen.
Die Entscheidungen de» Stichtings unterliegen allgemeinen Massregeln, die in praktischer Zusammenarbeit zwischen dem Stichting
und dem Vermittlungsausschuss ausgearbeitet worden sind. Mehr
alseeinmal hat der Vermittlungsausschuss Vorschlaege zu Lohnerhoehungen mit dem Hinweis abgelehnt, dass sie die allgemeine
Lohnpolitik der Regierung gefaehrden.
Verstaendnis fuer die wirtschaftliche Lage
Dass man Lohnforderungen wirtschaftspolitischen Erwaegungen
unterordnet, stellt eine voellig neue Entwicklung in der hollaendischen Gewerkschaftsbewegung dar. Grundsaetzlich befuerworten
alle den Hauptverbaenden angeschlossenen Gewerkschaften diese
Politik, wenn auch in bestimmten Faellen Meinungsdifferenzen
hinsichtlich ihrer Anwendung aufgetreten sind. Die Gewericschaften
sind zu der Auffassung gelangt, dass es weniger wichtig ist, wieviel Gulden ein Arbeiter verdient, alt vielmehr, welche Kaufkraft
sein Lohn besitzt. Sie wissen, dass eine sofortige Lohnerhoehung
zur Inflation fuehren muesste, und dass es die Arbeiter waeren,
die darunter am meisten zu leiden haetten. Ausserdem haben sie
erkannt, dass Holland versuchen muss, seine Exporte zu erhoehen
und gleichzeitig die Preise konkurrenzfaehig zu halten. Schliesslich sind sie sich im klaren darueber, dass es sich verhaengnisvoll auswirken wuerde, wenn jede Gewerkschaft ihre eigene Lohnpolitik verfolgte. Wir geben zu, dass Arbeiter in sicheren Stellungen ihre Loehne nach oben schrauben koennten; diese hohen Loehne,
die zu erhoehten Preisen fuehrten, wuerden jedoch nicht von den
Arbeitgebern, sondern von Arbeitern in weniger guenstigen Arbeitsverhaeltnissen bezahlt werden.. Um die Ausbeutung von Arbeitern
durch andere Arbeiter zu verhindern, ist ein vernuenftiges Lohnverhaeltnis der verschiedenen Industrien von wesentlicher Bedeutung.
Die Gewerkschaften haben sich deshalb fuer einen umfassenden
Ausgleich im Lohnsystem eingesetzt. Der Index fuer Stundenloehne
in der Industrie ist, verglichen mit den Vorkriegstarifen, auf 181
gestiegen, waehrend er in der Landwirtschaft die Ziffer 270 erreicht hat - und heute wird den Landarbeitern zum erstenmal ein
anstaendiger Lohn gezahlt. Ausserdem sind die Loehne der Industrie
in den Provinzen weit mehr angestiegen als in den grossen Staedten,
wenn sie auch noch weit davon entfernt sind, gleich zu sein. (Der
Lohnunterschied zwischen Land und Staedten ist von etwa 8 Gulden
auf 6 Gulden pro Woche reduziert worden). Man wird auch weiterhin
auf dem Lande darauf dringen, bezueglich der Loehne den Staedtern
gleichgestellt zu werden; es wird jedoch schwierig sein, dieses
Ziel in naechster Zukunft verwirklichen zu koennen, da sich die
Arbeiter der Staedte gegen eine Senkung ihrer Lebensstandards, die
die unausbleibliche Folge waere, wehren werden. Darueberhinaus,
ist eine bedeutende Anpassung der Loehne fuer gelernte und ungelernte Arbeiter vorgenommen worden, und die hollaendischen Gewerk-

�Schäften haben sich bemueht, allen Arbeitern ein Lohnminimum
zu garantieren. Hierin, soffirdvon verschiedenen Seiten behauptet, ist man zu weit gegangen; es steht ausser Zweifel, dass
es in manchen Faellen den Arbeitern am Ansporn fehlt, um die Opfer
zu bringen, die die Ausbildung fuer einen gelernten Beruf erfordert.
Werden die hollaendischen Gewerkschaften ihre Lohnpolitik
auf der gleichen Linie beibehalten, wenn die gegenwaertigen,
anormalen Schwierigkeiten ueberwunden sein werden? Die Lohnpolitik ist unseres Erachtens ein wesentlicher Bestandteil der Planwirtschaft und unerlaesslich zur Sicherung der Vollbeschäftigung.
Die Inflation kann nicht vermieden werden, wenn die Bereitwilligkeit nicht vorhanden ist, der Lohnerhoehung Grenzen zu setzen.
Ausserdem muss, wenn man einen Mindestlohn fuer notwendig erachtet, dieser Mindestlohn in entsprechendem Verhaeltnis zu den Lebenshaltungskosten stehen, und ein unbegrenztes Steigen der Loehne
muss vermieden werden. Deshalb muss irgendeine planende Behoerde
fuer die Lohnpolitik verantwortlich sein.
Sozialpolitik
Die hollaendische Gewerkschaftsbewegung hatte fuer die schlechte
Lage des Landes nach dem Kriege Verstaendnis und ging nur aus diesem Grunde auf diese bedeutende Zugestaendnisse in ihrem traditionellen Kampf fuer hoehere Loehne ein. Dafuer legte man groessere'
Betonung auf soziale Verbesserungen, und erzielte in dieser Beziehung
beachtliche Erfolge. So zahlen zum Beispiel die Arbeitgeber jetzt
einen Betrag fuer die soziale Versorgung, der 20# der Loehne entspricht, waehrend ihr Anteil vor dem Kriege nur 6# betrug. Fast
jeder Arbeiter hat jetzt auf 6 aufeinanderfolgende und sechs einzelne
Urlaubstage im Jahr Anspruch. Die Zeit, in der Krankengeld gezahlt wird, ist nach dem Gesundheitsgesetz von 26 auf 53 Wochen
verlaengert worden; die Invalidenrenten wurden erhoeht, und fuer
Alterspensionen sind vorlaeufige Regelungen getroffen worden, die
noch endgueltig gesetzlich verankert werden. Ausserdem hat das
Parlament kuerzlich ein Arbeitslosengesetz bewilligt. Ein Betrieb
kann nun gezwungen werden, eine Pensionskasse fuer seine Arbeiter
einzurichten. Diese Bestimmung ist auch in der Landwirtschaft
gueltig» Der Plan, der wahrscheinlich bewilligt werden wird,
sieht zusaetzlich zu d/sn Pensionskassen der Betriebe, eine Grundpension nach einem allgemeinen Gesetz fuer AltersPensionen vor.
Weitere Reformen sind in Vorbereitung, deren wichtigste Aufgabe
die SozialVersorgung fuer selbstaendige Arbeiter ist, die bisher
nicht unter die Sozialgesetze fielen. In diesem Punkte sind die
verschiedenen Gewer 1s chaftsverbaende geteilter Auffassung. Die
Christlichen Gewerkschaften bestehen auf einem VersicherungsSystem, waehrend der N.V.V. wuenscht, Familienunterstuetzungen und
Pensionen aus einem Fonds zu aahlen, der mit besonderen Steuern
finanziert werden soll. Den selbstaendigen Arbeitern, die am
meisten der Unterstuetzung beduerfen, waere es naemlich kaum
moeglich, die in einem Versicherungssystem notwendigen Beitraege
zu eruebrigen.
Die Tatsache, dass der Lebensstandard des hollaendischen
Arbeiters trotz des rapiden Absinkens der allgemeinen Prosperitaet nicht zurückgegangen ist, ist als ein Ergebnis all dieser
sozialen Reformen zu werten.

- 7 -

�Das Mitbestimmungsrecht
Schliesslich kommen wir zu dem erhoehten Einfluss, den die
Arbeiter sowohl in der Industrie als auch in privaten Unternehmen
gewonnen haben. Angesichts der Entwicklung zu einer Planwirtschaft ist das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter in der Industrie
von groesster Bedeutung. Nicht weniger wichtig jedoch, ist der
groessere Einfluss des Arbeiters in Betrieben und Bueros, wenn
man von der Ueberlegung ausgeht, dass die Persoenlichkeit des
Arbeitnehmers damit hoehere Anerkennung findet.
Die Entwicklung zur Planwirtschaft hat nicht erst vor kurzer
Zeit begonnen. Seit mindestens zwanzig Jahren hat der Staat mehr
und mehr in wirtschaftlichen Angelegenheiten der modernen, westeuropaeischen Laender mitgeredet, und man hat erkannt, dass die
Parlamente die Durchfuehrung der Regierungsvorschriften nicht
im einzelnen ueberwachen koennen. Die Gefahr zunehmender Buerokratiesierung und unbeaufsichtigter Macht in den Haenden von
Beamten ist offensichtlich geworden und wurde von der hollaendischen
Sozialistenbewegung schon vor langer Zeit erkannt. Sowohl dl«
Sozialisten als auch die Gewerkschafter sind der Auffassung, dass
dieser Gefahr durch eine Dezentralisierung der Funktionen der
Regierungsdienststellen durch die Errichtung einer Koerperschaft
fuer jede Industrie begegnet werden muss, in der Vertreter der
Nation liegen muss, sollen auch die beiden Teile der Industrie
einen bedeutenden Einfluss ausueben. Diese Idee ist dem gegenwaertigen System zugrundegelegt worden. Bis jetzt war die tatsaechliche Macht der Unternehmer jedoch so gross, (sie ist durch
die allgemein reaktionaere Tendenz in politischen Angelegenheiten
noch gestaerkt worden), dass sie allein den Haupteinfluss hinter
den Kulissen ausuebten.
Ein Gesetzentwurf, der die allgemeine Struktur eines solchen
Systems vorsieht, ist dem Parlament vorgelegt worden und stellt
trotz ernsthafter Schwaechen einen weiteren Schritt auf das richtige Ziel hin dar. Der N.V.V. (und nicht die christlichen Gewerkschaften) kritisiert die UnzulaengHenkelt der Mitbestimmung,
die den Regierungsvertretern in den Vorstaenden der vorgeschlagenen
Koerperschaften gewaehrt ist, und damit auch die unzureichenden
Vollmachten, mit denen sie ausgestattet werden sollen.
Eine andere Gesetzesvorlage ueber gemeinsame Beratungsausschuesse in einzelnen Unternehmen wird ebenfalls zur Zeit vom
Parlament bearbeitet. Es besteht bereits eine grosse Anzahl
solcher Ausschuesse, in denen Arbeltgeber und Arbeitnehmern zusammenarbeiten. Das neue Gesetz sieht jedoch vor, sie fuer alle
Betriebe mit ueber 25 Arbeitnehmern fuer obligatorisch zu erklaeren. Es ist audruecklich anerkannt worden, dass diese Ausschuesse nicht nur, wie bisher, bei der Loesung sozialer, sondern
auch wirtschaftspolitischer Fragen mitzureden haben, ohne dass
sie jedoch irgendwelche Beschlussfaehigkeit besitzen. Der N.V.V.
erklaert sich mit dieser Bestimmung einverstanden, weil er der
Auffassung ist, dass das Privatunternehmen nicht in den Haenden
einer bestimmten Gruppe des Volkes liegen darf, sondern von Behoerden kontrolliert werden muss, die im Interesse der Oeffentlichkeit handeln und fuer die Durchfuehrung der Bestimmungen
zur Planwirtschaft verantwortlich gemacht werden koennen. Solche
Behoerden, auch wenn sie in ihrer gegenwaertlgen Form noch unvollkommen sind, sind es wert, ,von den Gewerkschaften unterstuetzt
zu werden, weil sie in das System de3 Privatunternehmens, sowwie
es bis jetzt bestand, eine Bresche geschlagen haben. Die Aussichten, sie weiter auszubauen, moegen weit geringer als im Jahre 1945
sein, aber die Macht der wirtschaftlichen Faktoren selbst wird
in st^endig wachsendem Masse denen zu Hilfe kommen, die sich fuer
eine wirtschaftliche Planung einsetzen.
ECA Labor Information
2. Februar 1950
- 8 -

�DAVID DUBINSKY
David Dubinsky, der kleine, explosive Gewerkschaftsführer
der amerikanischen 4-Billionen-Dollar Industrie fuer Damenbekleidung, kaempft nun seit ueber 43 Jahren gegen die Willkuerherrschaft.
Zeit und Erfahrung haben seinen jugendlichen Sozialismus zum
Reifen gebracht und ihn gelehrt, Kompromisse zu schliessen. Dubinsky und seine Gewerkschaft haben die Anerkennung der Arbeiter und
Unternehmer im ganzen Lande gefunden. Doch der kleine Schneider
aus Lodz hat niemals den Kampf gegen den Totalitarismus aufgegeben.
Dubinsky wurde 1892 in Brest-Litowsk (Russisch Polen) als Sohn
eines verarmten Baeckers geboren. Die ersten politischen Eindruecke
gewann er in einem Lodzer Gefaengnis und pspaeter in sibirischer
Verbannung, noch bevor er 16 Jahre alt war.
Er war noch ein kleines Kind, als seine Familie nach Lodz
umzog, wo er die Volksschule besuchte und Polnisch, Russisch und
Jiddisch lesen und schreiben lernte. Mit 11 Jahren musste er die
Schule verlassen und als Baeckergehilfe fuer seinen Vater arbeiten.
Nach drei Jahren wurde er Baeckermeister, und man waehlte ihn zum
Sekretaer der Lokalgewerle chaft von Lodz. Dubinsky sagt, dass er
auf Grund seiner Sprachkenntnisse diese Stellung bekommen habe.
Der junge David hatte sich bereits fuer die Probleme des
Arbeiters interessiert und war ein begeisterter Anhaenger der
revolutionaeren, Sozialistischen Partei Polens. Bald nach seiner
Ernennung zum Gewerkschaftsfunktionaer half er mit, einen Baeckerstreik zu organisieren, dem sich ausser den uebrigen Baeckereien
auch die seines Vaters anschloss. Die Streikenden gewannen. Aber
kurz nach dem Siege wurden die meisten derjenigen, die den Streik
organisiert hatten, festgenommen. Dubinsky verbrachte zehn Tage
im Gefaengnis. Seinem Vater gelang es, ihn durch Bestechung des
Lodzer Polizeichefs und durch das Versprechen freizubekommen, dass
sein Sohn sofort die Stadt Lodz verlassen wuerde.
David wuerde zu einem Onkel nach Brest-Litowsk geschickt.
Nach drei Monaten kehrte er jedoch heimlich nach Lodz zurueck, um
die Organisierung der Baecker fortzusetzen. Nach weniger als einem
Jahr wurde er erneut wegen Teilnahme an einer illegalen Tagung der
Baecker festgenommen. Diesmal war sein Vergehen schwerwiegender,
und er wurde in die Verbannung nach Sibierien geschickt, wo er fast
zwei Jahre lang von einem Gefaengnis aum andern verlegt wurde.
In dieser Zeit fasste Dubinsky den Entschluss, sein Leben
dem Kampf um soziale Gerechtigkeit und persoenliche Freiheit zu
widmen.
Dubinsky sagt hierzu: "Sie muessen sich vorstellen, dass ich
kaum 17 Jahre alt war; es war nicht leicht fuer mich, die inneren
Kraefte, die die revolutinnaere Bewegung trugen, zu verstie hen. Ich
glaube jedoch, dass die Jahre, die ich in Lodz verbrachte, und
anschliessend der Gefaengnisaufenthalt mir die Augen oefiten halfen.
Bereits als Kind erkannte ich, was Willkuerherrschaft und Diktatur
bedeuten... Die heute angewendeten, totalitaeren Methoden unterscheiden sich nicht sehr von dem, was ich in meiner fruehesten
Jugend sah; keine Gedankenfreiheit, keine Pressefreiheit, keine
freien Gewerkschaften, keine Buecher ausser den vom Staate genehmigten... Sklavenarbeit kann nicht zum Sozialismus fuehren. Ich
habe stets gegen Willkuerherrschaft und Ungerechtigkeit gekaeinpft,
und deshalb kaempfe ich nun gegen den Totalitarismus."
- 9 /

�Im Jahre 1910 gelang es Dubinsky, aus Sibirien zu fliehen.
Er schmuggelte sich ueber die Grenze und floh mit Hilfe eines
Bruders nach Amerika, wo er zu einer der besten Kraefte der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung werden sollte.
In New York fing er als Tellerwaescher an, fand jedoch bald
Anstellung in einem Konfektionsgeschaeft und ging schliesslich
unter die Zuschneider - die'"Aristokratie des Handwerks". Im
Jahre 1911 trat er in die Lokalgewerkschaft der Zuschneider ein,
die der Internationalen Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft
angeschlossen ist. 1918 wurde Dubinsky Funktionaer seiner Lokalgewerkschaft, und schon nach 14 Jahren hatte er sich zur hoechsten
Stellung in dem internationalen Gewerkschaftsverband emporgearbeitet,
eine Stellung, die er nun seit 18 Jahren innehat.
Dubinsky wurde zu einem Zeitpunkt Praesident, als" es sehr
schlecht um diese Organisation bestellt war. Ein kostspieliger
Kampf innerhalb der Gewerkschaft zwischen Sozialisten und Kommunisten und ein 23 Wochen langer Streik in New York hatten die
Gewerkschaft ruiniert. Nach Beendigung des Streiks hatten die
Kommunisten keinen Einfluss mehr; die Mitgliederzahl war jedoch
auf 40.000 gesunken, und die Schulden der Gewerkschaft beliefen
sich auf 2 Millionen Dollar. Zu jener Zeit war Dubinsky Fuehrer
der einzigen New Yorker Lokalgewerkschaft, die noch ueber ausreichende Mittel verfuegte, und in der die Kommunisten keinen
Einfluss hatten. Logischerweise fiel die Wahl fuer die Praesidentenstelle auf ihn.
Diese Stellung galt nicht als begehrenswert. Die Arbeiter
waren dem Schicksal der Gewerkschaft gegenueber so pessimistisch
eingestellt, dass man Dubinsky scherzhafterweise zu seiner Ernennung
zum "Totengraeber" beglueckwuenschte.
Dubinskys Gewerkschaft blieb jedoch bestehen.
Im Jahre 1933 wurde unter Praesident Franklin D. Roosevelt
das Gesetz zur Nationalen Wirtschaftlichen Wiederaufrichtung (National Recovery Act) erlassen, dessen beruehmter Paragraph 7A
die Industrie verpflichtete, mit den Gewerkschaften KollektivVerhandlungen zu fuehren.
Dubinsky machte sich sofort diese Bestimmung zunutze. Er
nahm bei einer Bank eine Anleihe von 10.000 Dollar auf und startete
damit einen grossangelegten Werbefeldzug, der seiner Gewerkschaft
innerhalb von sechs Monaten 160.000 Mitglieder einbrachte. Auch
danach hat Dubinsky niemals aufgehoert, fuer seine Gewerkschaft
zu werben. Heute verfuegt diese Organisation ueber mehr als
26 Millionen Dollar und vertritt ueber 450.000 Arbeiter der Damenbekleidungsindustrie.
Dubinskys Verdienste um die Arbeitei koennen jedoch nicht nur
in Mitgliedszahlen und Bankkonten ausgedrueckt werden.
In einer Industrie, die die englische Sprache um den Ausdruck
"sweat-shop" ("Ausbeuterbetrieb") bereichert hatte, ist es der
Internationalen Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft unter Dubinskys
Fuehrung gelungen, das vollkommenste Wohlfahrtsprogramm einzufuehren,
das in den Vereinigten Staaten besteht.
Frtther mussten Maenner und Frauen in schmutzigen, ungeluefteten
Hoehlen von fuenf Uhr morgens bis nach Mitternacht arte iten, um in
der Woche neun Dollar zu verdienen. Heute hat die normale Arbeitswoche 35 Stunden; der durchschnittliche Wochenlohn belaeuft sich,
auf 70 Dollar. Die Arbeiter'haben Anspruch auf Urlaubsgeld, Kran- 10 -

�kenverSicherung, Alterspensionen und Sterbegelder. Gewerkschaftsvertreter ueberwachen die Betriebe, um dafuer zu sorgen, dass die
sanitaeren Vorschriften beachtet werden. Die Zeit ist vorbei,
in der die Arbeiter ihre Mahlzeit an ihren Maschinen einnahmen,
um beim Essen weniger Zeit zu verlieren.
Die Gewerkschaft selbst ist fuer den Arbeiter zur Schule,
zum Krankenhaus und zum Zentrum des sozialen und politischen
Lebens geworden.
Die internationale Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft hat
Lehrinstitute in New York, Boston, Philadelphia, Chikago und anderen
Grosstaedten. Den Arbeitern werden dort nach der Arbeitszeit Kurse
in den verschiedensten Faechern, von der Literatur, Psychologie und
Wirtschaftslehre bis zur Schauspielkunst und den bildenden Kuensten,
geboten. Ausserdem ermoeglicht die Gewerkschaft eine Ausbildung
an der Harvard- und Wisconsin- Universitaet. Man hat nun auch
eine Gewerkschaftsschule zur Ausbildung von Gewerkschaftsorganisator an eroeffnet. Ausserdem unterhaelt die Gewerkschaft in 12 grossen
Staedten Krankenhaeuser, in denen die Mitglieder bei einem Preis von
nur einem Dollar pro Visite aerztlich behandelt werden koennen.
Viele Lokalgewerkschaften besitzen Erholungsheime und mieten Betten
in Krankenhaeusern. Im Er holung sprog ramm der Gewerkschaft ist alles
vom Wandern bis zum Tanzen, vorgesehen. Ein eigenes Ferienheim, das
"Unity House", steht in den Bergen von Pennsylvanier. zur Verfuegung.
Ein Mitglied kann in diesem Heim fuer 38 Dollar, einschliesslich
Mahlzeiten, Schwimmen, Bootfanren, Tennisspielen und Tanzen, eine
Woche seines Jahresurlaubs verbringen.
Dubinsky hat seine Mitglieder auch politisch geschult. Obwohl
die Internationale Damenkonfektionsarbeiter Gewerkschaft dem Amerikanischen Gewerkschaftsbund AFL angeschlossen ist, in dem man gegen
die politische Betaetigung des Gewerkschaftlers war, hat Dubinsky
immer betont, dass es nicht genuegt, wenn sich nur eine Gruppe
von Arbeitern hoeherer Loehne und besserer Arbeitsbedingungen erfreut. "Alles, was den Arbeiter angeht, ist fuer alle Arbeiter und
ueberall von Interesse," dagt Dubinsky.
Um die Wiederwahl Roosevelts unterstuetzen zu koennen, trat
Dubinsky im Jahre 1936 aus der sozialistischen Partei aus und
half bei der Bildung der Amerikanischen Arbeiterpartei im Staate
New York. Als die Kommunisten spaeter diese Partei uebernahmen,
unteistuetzte er die neugegruendete Liberale Partei. (Praesident
Truman weiss, was er der Liberalen Partei schuldig ist, und zeigt
sich ihr gegenueber erkenntlich, indem er Dubinsky oft um seine
Meinung und seinen Rat befragt).
Dubinsky hat sich schon immer fuer eine groessere Anteilnahme der Gewerkschaften an internationalen Angelegenheiten eingesetzt. Als der Weltgewerkschaftsbund den Kommunisten in die
Haende fiel, widmete er sich der Schaffung des neuen Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften. Als die italienischen Gewerkschaf tsfuehrer im Jahre 1948 wuenschten, sich von dem kommunistisch
beherrschten Gewerkschaftsbund loszusagen, wurden sie von Dubinsky
mit der ansehnlichen Summe von 250.000 Dollar unterstuetzt. Die
Zuwendungen an die"Force Ouvriere" und die Sozialisten Leon Blums
belaufen sich seit Kriegsende auf 150.000 Dollar. Mit Geldern der
Gewerkschaft Dubinskys wurden ferner ein Waisenhaus in China und
eine Berufsschule in Frankreich eingerichtet. Auch eine Jungenstadt in Italien wurde finanziell unterstuetzt.
Obwohl Dubinsky staendig fuer bessere Bezahlung und bessere
Arbeltsbedingungen seiner Gewerkschaftsmitglieder gekaempft hat,
- 11 -

�ist er auch einer der ersten amerikanischen Gewerkschaftsführer,
die einsehen, dass die Wohlfahrt des Arbeiters mit der der Industrie
und Unternehmer eng verbunden ist. In dieser Erkenntnis hat Dubinsky
viel Zeit, Energie und Geld aufgewendet, um die Produktivitaet und
Leistungsfaehigkeit in der Damenbekleidungsindustrie zu erhoehen.
Im Jahre 1940 zum Beispiel war die wirtschaftliche Lage der
New Yorker Bekleidungsindustrie sehr schlecht. Die Arbeiter dieses
Industriezweiges konnten nur- 30 bis 35 Wochen im Jahr beschaeftigt
werden; viele Betriebe mussten schliessen, und noch viele mehr
verloren Geld.
Dubinsky hatte Produktionssachverstaendige zu Rate gezogen,
die die Industrie ueberwachen sollten. Sie stellten Maengel fest unzulaengliche Ueberwachung der Maschinen, schlechte Materialtransportmoeglichkeiten, unzureichende Finanzkontrolle.
Die Internationale Damenkonfe'ctionsarbeiter Gewerkschaft
teilte ihre Beobachtungen den Unternehmern mit und arbeitete schliesslich ein gemeinsames Programm fuer groessere Leistungsfaehigkeit
in diesem Industriezweig aus. Die Unternehmer veroflichteten sich,
pro Jahr 1 Million Dollar zur Errichtung des New YorkerBekleidungsinstituts zur Verfuegüng zu stellen, dessen Aufgabe es waere, Reklameaktionen einzuleiten. Ausserdem richtete die Gewerkschaft eine
gewerkschaftliche, technische Abteilung ein, auf Jahresbasis arbeitet
und Produktionsmethoden studiert und Mittel und Wege ersinnt, um
Verluste zu reduzieren und die Produktionsleistung zu erhoehen.
Diese technische Abteilung stellte in vielen Faellen fest,
dass verbesserte Arbeitsmethoden automatisch zu hoeheren Loehnen
fuehren. In einem Falle zum Beispiel beschwerten sich die Arbeiter,
weil ihre Loehne niedriger waren als in anderen Betrieben der gleichen Branche, obwohl in ihrem Betrieb hoehere Akkordsaetze gezahlt
wurden als in anderen Unternehmen, Die technische Abteilung fuer
Produktion befasste sich mit diesem Fall. . Sie entdeckte, dass die
schlechte Qualitaet des in den Naehmaschinen verwendeten Garnes
zu haeufig ein Reissen des Fadens und damit ein Neueinfaedeln verursachte. Man verwendete eine bessere Qualitaet, und die Loehne
gingen in die Hoehe.
Dubinsky weiss auch, dass es zur Sicherung eines hohen Lebensstandards des industriellen Friedens bedarf. Obwohl frueher in
jeder Saison die Bekleidungsindustrie unter einem Streik zu leiden
hatte, und obwohl Dubinsky selbst seine Gewerkschaftslauf bahn begann,
indem er einen Baeckerstreik in Lodz fuehrte, fand in der Bekleidungsindustrie seit 14 Jahren kein groesserer Streik statt.
Dubinsky hat den Unternehmern klargemacht, dass er bei rein
gewerkschaftlichen Forderungen seinen Standpunkt immer vertreten
wird, andererseits aber auch vernuenftigen Erwaegungen Gehoer
schenken und die Rechte der Oeffentlichkeit, in entsprechendem
Masse beachten wird.
Wie sehr die Unternehmer diesen einzigartigen Sozialisten
schaetzen, beweist die folgende Begebenheit in Philadelphia Im
Winter 1946: In der Mantel- und Anzugsindustrie Stand ein Streik
bevor. Er wurde abgewendet, weil sich die Unternehmer mit einem

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�Schiedsverfahren einverstanden erklaerten. Doch das ist nicht
alles. Die Unternehmer akzeptierten als Schiedsrichter David
Dubinsky, den Praesidenten der in diese Streitigkeiten verwickelten Gewerkschaft.
David Dubinsky, der revolutionaere Kaempfer aus Lodz, hat
mitgeholfen, die Gewerkschaftsbewegung zu dem zu machen, was sie
heute in Amerika darstellt. Und er hat bewiesen, dass Gewerkschaften
und Unternehmer zur Besserung des Lebensstandards Aller friedlich
zusammenarbeiten koennen.
BCA Labor Information
17. Februar 1950
DER VERBRAUCHERPREISINDEX WIRD MODERNISIERT
Die Statistik der U.S.A. passt sich den
veraenderten Kaufgewohnheiten an.
Washington — (Amerika Dienst) — Eine deutlich erkennbare
Veraenderung in den Kaufgewohnheiten der amerikanischen Bevoelkerung hat die Statistiker der U.S.A. veranlasst, den offiziellen
Verbraucherpreisindex einer Revision zu unterziehen. Um die Mitte
der dreissiger Jahre kaufte man Dinge, die heute kaum mehr gefragt
werden, waehrend umgekehrt fuer den Durchschnittsamerikaner von
heute der Erwerb mancher Waren eine Selbstverstaendllchkeit ist,
die vor 15 Jahren noch nicht bekannt oder zumindest fuer den "kleinen Mann" nicht erschwinglich waren. Der Leiter des amerikanischen
Statistischen Amtes, Ewan Clague, erwaehnte vor kurzem unter anderem,
dass frueher beispielsweise allgemein Eiskaesten zum Fuellen gekauft wurden, aber kaum elektrische Kuehlschraenke. Die Zahl der
Familien, die Fernsprechanschluss haben oder ein Radio besitzen,
ist gewaltig gestiegen; vielfach hat man schon Fernsehapparate.
Der technische Fortschritt hat in diesen Faellen bedeutsame Veraenderungen mit sich gebracht. Frauen kauften damals Seidenstruempfe
in grosser Zahl, waehrend heute der Nylonstrumpf den Markt beherrscht.
Lebensmittel, die in den dreissiger Jahren nur zu bestimmten Jahreszeiten erhaeltlich waren, kann man heutzutage jederzeit bekommen.
Tiefkuehlobst und -gemuese waren in jener Zeit praktisch unbekannt; es gab auch weder so viele Spezialnaehrmittel fuer Kleinkinder noch etwa die heute in den U.S.A. so weitverbreiteten "Nachtischpulver", aus denen - aehnlich wie bei Puddingpulver - eine
Nachspeise oder ein Kuchen schnell und ohne weitere Zutaten hergestellt werden kann. Speiseeis wurde frueher allgemein in viel
kleineren Mengen verkauft, als dies heute der Fall ist.
Aehnliche Veraenderungen hat es im Wohnungswesen gegeben.
Die Mieten, die heute kontrolliert werden, geben kein echtes Bild
der Kosten fuer die Unterkunft. Bedeutend mehr Amerikaner sind
Besitzer von Eigenheimen oder haben die Abzahlung der Raten bereits
begonnen; fuer sie kann daher die Berücksichtigung der Mieten
die Veraenderung der Wohnungskosten nicht widerspiegeln.
Alle diese Erwaegungen haben das dem U.S.-Arbeitsministerium
angeschlossene Amt fuer Arbeitsstatistik veranlasst, die Grundlagen des VerbraucherIndexes auf ihre Gueltigkeit zu uber-pruefen
und die notwendigen Verbesserungen vorzunehmen. Zum letztenmal
wurde eine derartige Untersuchung in den Jahren 1934 bis 1936
durchgefuehrt. Im Zuge der jetzt beabsichtigten Erhebungen, die
insgesamt drei Jahre in Anspruch nehmen werden, soll in rund
500 000 amerikanischen Wohnungen festgestellt werden, welche dort
befindlichen Gegenstaende als typisch fuer den amerikanischen Lebmsund Wohnbedarf anzusehen sind. Die Ausgaben von ueber 20 000 Familien sollen genau erfasst werden und weitere Schluesse zulassen.
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�In Tausenden von Einzelhandelsgeschaeften und Dienstleistungsbetrieben werden mehr als 600 000 Preise zu ermitteln sein. Um
einen fuer den Gesamtbereich der Vereinigten Staaten gueltigen
Durchschnitt zu erhalten, werden die Ergebungen in elf sorgfaeltig ausgewaehlten Staedten vorgenommen werden.
Ewan Clague erklaerte in diesem Zusammenahng, dass eine
Familie etwa 1 400 bis 1 500 verschiedene Waren kauft, beziehungs
weise Dienstleistungen in Anspruch nimmt, von denen 200 in den
Verbraucherindex aufgenommen werden. Da sich nicht alle Preise
gleichmaessig veraendern, muessen nicht nur die im Verbraucherindex enthaltenen Waren selbst wirklich einen allgemein gueltigen
Durchschnitt darstellen, es muss vielmehr auch ihre Wichtigkeit
fuer den Verbraucher genau in Betracht gezogen werden. Wuerde
zum Beispiel jenen Waren, deren Preise nur langsam steigen oder
fallen, zu viel Gewicht beigemessen, dann wuerde der Index nachhinken; ueberschaetzte man andererseits die Bedeutung von Waren,
deren Preise starken Schwankungen ausgesetzt sind, dann koennte
der Index eine zufaellige Konjunktur widerspiegeln und an Allgemeingueltigkeit verlieren.
Der Verbraucherpreisindex wird monatlich vom Amt fuer ArbeitsstatLstik veroeffentlicht und gilt als offizieller Masstab
der fuer die Lebenshaltungskosten ausschlaggebenden Preise; er
verzeichnet die Preisveraenderungen bei jenen Waren und Dienstleistungen, die regelmaessig auf dem Ausgabeaetat von Lohn- oder
Gehaltsempfaengern der niedrigeren Einkommensklassen stehen.
Ausschlaggebende Bedeutung kommt ihm oft als authentischstem
Vergleichsmasstab bei Lohnverhandlungen, Gesetzesdebatten und
anderen Diskussionen ueber Probleme der Sozialpolitik zu,
Amerika Dienst
4. Maerz 1950
CIO FORDERT "ENERGISCHE. DEMOKRATISCHE MASSNAHMEN ZUR SICHERUNG
DES WELTFRIEDENS
Der amerikanische Gewerkschaftsverband CIO ueberreichte
dem Aussenminister Dean Acheson eine Erklaerung, in der gefordert
wird, dass sich die Regierungrtunablaessig und aktiv" fuer die Weltabruestung einsetzt.
Eine "Stellungnahme des CIO zu internationalen Problemen" wurde
veroeffentlicht und Mr. Acheson bei einer inoffiziellen Konferenz
vorgelegt. Dieser Konferenz wohnten ferner bei: der Praesident
des CIO, Philip Murray; der Vorsitzende des neugegruendeten Internationalen Ausschusses des CIO, Jacob S. Potofsky; und der CIO
Direktor fuer Internationale Angelegenheiten, Michael Ross.
In dieser Erklaerung wird die Ansicht des CIO zum Ausdruck
gebracht, "dass angesichts des gegenwaertigen Standes der Weltsicherheit der Wasserstoffbombe und anderer Waffen Anteil zu
nehmen."
Es wurde jedoch hinzugefuegt, dass "wir ebenso wie die Arbeiter
aller anderen Laender wissen, dass die Wasserstoffbombe keine Sicherheitsgarantie bietet und kein rettendes Mittel darstellt. Eine
Weltzivilisation, die sich auf die Wasserstoffbombe oder auf irgendeine andere Art von Waffe stfttzt, ist eine Zivilisation, deren
Jahre gezaehlt sind.

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�"Ohne wirkliches gegenseitiges Verstaendnis unter der
gesamten Menschheit ist ein dauernder Friede unmoeglich."
Der CIO erklaerte sich erneut bereit, die Vereinten Nationen
als "das beste Mittel zur Entwicklung einer geordneten Welt ausserhalb des jetzigen Durcheinanders neidischen und uebertriebenen
Nationalismus" zu unterstuetzen. Die "nuetzliche Arbeit, die
von den Vereinten Nationen geleistet wird, sollte nicht durch
politische Spekulationen, den skrupellosen Gebrauch des Vetorechtes, harte Worte und zeitweiliges Boykottieren gestoert
werden,"
Latein-Amerika wurde in dem Bericht besonders erwaehnt und
mit dem Hinweis auf den wachsenden Einfluss diktatorischer
oder reaktionaerer Kraefte die wirtschaftliche Unterstuetzung
dieses Gebietes als "unbedingt erforderlich" bezeichnet.
"Amerika kann durch die Fortsetzung und Durchfuehrung
wirksamer Hilfsmassnahmen fuer die Bewohner Puerto Ricos in
Latein-Amerika ein lobenswertes Beispiel fuer demokratische
Handlungsweise geben", heisst es weiter in dem Bericht. Der
CIO sei davon ueberzeugt, dass die Voelker Latein-Amerikas
"unser Verhalten In Puerto Rico genau beobachtet, um sich ein
Bild von dem machen zu koennen, was man amerikanische Hilfe und
Freundschaft nennt."
Der CIO forderte die umfassende wirtschaftliche Unterstuetzung dieser Insel und die Errichtung einer Gewerkschaftsschule, der nicht nur Studenten aus Puerto Rico, sondern auch
aus anderen Teilen Latein-Amerikas zustroeaen wuerden. Eine
derartige Schule, sagt der CIO, "haette dramatische und unmittelbare Auswirkungen auf die latein-amerikanische Gewerkschaftsbewegung •"
Die wichtigsten, in der CIO Erklaerung enthaltenen Forderungen sind:
1.

Die rapide Aktivierung des Punkt-Vier-Programms.

2.

Zivile Kontrolle der Atom-Energie, -Forschung und
-Entwicklung. Die Auswertung der Atomkraft fuer
aufbauende Zwecke.

- . 3.

4.

Widerstand gegen beschwichtigende Elemente, die die
demokratischen Traditionen der Vereinigten Staaten
im Interesse "zeitweiligen und unsicheren Verhandeins"
mit faschistischen oder kommunistischen Regimes opfern.
Die Einleitung aller moeglicher Massnahmen, um dem
israelitischen Volke zu helfen.

5. Wirtschaftliche Unterstuetzung Latein-Amerikas.
6.

Untersuchung und Richtigstellung zu der "angeblich
weitverbreiteten Unzufriedenheit" ueber'die Durchfuehrung des Programms, nach dem Arbeiter ohne
staendigen Wohnsitz aus Latein-Amerika nach den
Vereinigten Staaten gebracht werden sollen.

- 15 -

�7.

Die Anstellung spanischsprechender Beamten fuer
Arbeltsfragen an den Gesandtschaften der Vereinigten Staaten in Latein-Amerika.

8. Verbesserung der Arbeitervertretungen in US Behoerden, die sich mit internationalen Problemen
befassen.

CIO Press Releasa
19. Februar 1950

- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFICIAL

H1CJ0 Ü-0M1 L H

Marc K) 17 C

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNOEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 2

Frankfurt, 17. Ilaerz 1950

INHALTSVERZEICHNIS
Amerikanische Arbeiter fuer "Union Shop1* System - 1
Amerikaner nehmen zum Pensionsproblem Stellung - - 2
Ottmarsheim - - - - - - - - - - - - - - - - - - 2
Amerikanische Gewerkschaften verhindern Wirtschaftskrise - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -- 4
Belgische Papierarbeiter Gewerkschaft i n t e r e s s i e r t
sich fuer Gewinnbeteiligung der Arbeiter - - - - 5
Stahlarbeitergewerkschaft unterstuetzte Streikende
Bergleute mit 500.000 Dollar
—
- 6
Bergson: "Es gibt kein gutes Monopol" - — - - — 7
"Force Ouvriere" im Kampf gegen Kommunisten - - - 9
ERP h i l f t der britischen Baumwollindustrie - - - - 11

AMERIKANISCHE ARBEITER FUER "UNION SHOP" SYSTEM ~
Dem Jahresbericht des Bundesausschusses fuer Arbeitsfragen
(National Labor Relations Board) zufolge entschied man s i c h
in mehr a l s 96g der von dieser Behoerde im Laufe des am 30. Juni
1949 endenden Haushaltsjahres organisierten "union Shop" Wahlen
fuer "union Shop" Vertraege. (Ein "union Shop" Vertrag enthaelt
die Bestimmung, dass die Einstellung nur unter der Bedingung
e r f o l g t , dass der Arbeitnehmer innerhalb einer festgesetzten
Frist der Gewerkschaft b e i t r i t t . ) Der Bericht zeigt ferner,
dass von Insgesamt 15.074 "union Shop" Abstimmungen 14.581
zugunsten dieses Systems ausfielen.

U. S. Arbeltsministerium
"Weekly Labor News Digest"

�AMERIKANER NEHMEN ZUM PENS IONSPROBLEM STELLUNG
Washington — (Amerika Dienst) —
In letzter Zeit wurde
bei zahlreichen Gelegenheiten in den U.S.A. zum Pensionsproblem
Stellung genommen, wobei vor allem eine Novellierung des Bundesgesetzes ueber die Sozialversicherung, soweit dieses die Zahlung
von Ruhegeldern betrifft, und eine Erweiterung des Kreises der
Anspruchsberechtigten vorgeschlagen wurde«
Der Vorsitzende der CIO-Vereinigung fuer den Staat New York;
Louis Hollander, forderte die Regierung dieses Bundesstaates auf,
das Bundes-Penslonssystem der U.S.A. so zu ergaenzen, dass jeder
in den Ruhestand getretene Arbeitnehmer eine Pension von mindestens 100 Dollar im Monat beziehen kann. Auch Emil Rieve, der
Vorsitzende der CIO-TextUarbeitergewerkschaft, schloss sich diesem Vorschlag an. In einer Ansprache in New York legte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Gummiarbeiter, I.S. Buckmaster, den
Standpunkt des CIO zu diesem Problem dar: "Erstens draengen wir
auf eine Verbesserung des amerikanischen Sozialversicherungsprogramms, zweitens - und das ist derzeit eine zwingende Notwendigkeit - treten wir fuer die Regelung der Pensionsfrage im Wege
von Kollektiwertraegen ein. Unsere grundsaetzliche Einstellung
ist klar: die Bundesgesetzgebung soll bei Pensionen fuer Arbeiter
und fuer die uebrige amerikanische Bevoelkerung eine Untergrenze
bestimmen. "Darueber hinaus hat der Arbeiter jedoch noch Anspruch
auf eine Anerkennung »einer bisherigen langjaehrlgen Taetigkeit
bei einer Firma in Form eines zusaetzlichen Ruhegeldes."
In Boston schlug Arbeitsminister Tobin vor, durch eine Erweiterung des Bundesgesetzes ueber die Sozialversicherung jeder
aus dem Berufsleben ausscheidenden Person in den Vereinigten
Staaten eine Pension im Betrag von 100 Dollar zu sichern. Auch
der Leiter der Abteilung fuer Arbeltsstatistik im U.S.-Arbeitsministerium, Ewan Clague, höh in einer Rede in Washington die
Notwendigkeit hervor, die Sozialversicherungsbestimmungen auf
alle in den Ruhestand tretenden Arbeiter auszudehnen, die Unterstuetzungssaetze zu erhoehen und sie ausserdem durch Beitraege
der Unternehmer zu ergaenzen. Senator Taft nahm in der Presse
zu der Frage Stellung, welche Kosten mit der Einfuehrung von
allgemeinen Pensionen in der Hoehe von 100 Dollar verbunden sind,
und behauptete, dass die einzige Moeglichkeit, den Millionen
Menschen, die in den Ruhestand getreten sind und demnach nicht
mehr arbeiten, Pensionen zu bezahlen, darin bestehe, die erforderlichen Mittel aus dem Verdienst der Arbeitenden aufzubringen*
Er empfahl, den Finanzausschuss des amerikanischen Senats mit
dem Studium dieses Problems zu beauftragen.
Amerika Dienst
9. Maerz 1950
OTTMARSHEIM
Ein 50 Jahre alter Traum geht nun in Frankreich in Erfuellung. An seiner Verwirklichung arbeiten 4.000 franzoesische
Arbeiter und amerikanische Dollars.
Das Flussbett des Rheines wird auf der 105 km langen Strecke
von Kembs bis nach Strassburg verlegt.
Nach der Fertigstellung dieses Projektes wird der "neue"
Fluss nicht nur fuer Frankreich, sondern auch fuer den groessten
Teil des uebrlgen Europas von Nutzen sein. Neue Wasserkraftwerke werden Frankreich mit der dringend benoetigten ELektrizi*
taet versorgen. Ein neuer, waehrend des ganzen Jahres schiffbarer Waserweg wird fuer Europa entstehen, denn in dem zementierten Flusskanal wird es keine Untiefen mehr geben, die die
- 2 -

�Rheinschiffahrt bei Hochwasser so oft stillgelegt haben. Allen
Nationen wird es erlaubt sein, den "neuen" Fluss zu benutzen«
Seit fast einem halben Jahrhundert beschaeftigen sich franzoesische Techniker mit dem Gedanken, den Rhein umzubetten. Jedoch erst im Jahre 1932 konnte der erste Abschnitt dieses Vorhabens im Gebiet von Kembs vollendet werden - — der Hauptdamm,
ein Kraftwerk, zwei Schleusen und ein Kanal von etwa 8 km Laenge.
Danach kam die Wirtschaftskrise und es trat eine Stockung im Bau
ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Damm bei einem waghalsigen
Flugunternehmen der R.A.F. ueber dem ELsass durch eine Bombe
zerstoert*
Nach dem Kriege Hess die franzoesische Regierung diese
Schaeden so schnell wie moeglich ausbessern. Dann ging die
nationalisierte ELektrizitaetsgesellschaft daran, die zweite
Phase des acbt Einzelprojekte umfassenden Planes zu beginnen und zwar in Ottmarsheim.
Ottmarsheim stellt den wichtigsten Teil des historischen
Umbettungsprojektes dar, und man kann dort nun die Dollar Amerikas
am Werk sehen. Alle Arten moderner Geraete und Maschinen zur Befoerderung von Erde sind zum Einsatz gekommen - riesige Seilbagger
mit Kuebeln, die ein Fassungsvermoegen von sechs Kubikmetern haben,
Kratzer, Schaufeln, Planierraupen, Zugmaschinen usw. - alles laeuft
auf Hochtouren. Der groesste Teil der Maschinen ist amerikanischer
Herstellung*
Ottmarsheim galt von Jeher als ein Vorhaben groessten Umfangs.
Es musste ein bewaehrter Betonkanal von 30 Meter Breite gebaut
werden, der auch fuer grosse Schleppzuege tief genug ist. Er muss
genuegend Wassermengen mit sich fuehren, um vier Turbinen von
Je 53.000 PS treiben zu koennen, die Jaehrlich eine Elaktrizitaetsmenge von 900 Millionen Kilowattstunden erzeugen werden. Ausserdem waren zwei Schleusen von dar Groesse derjenigen im Panama
Kanal zu errichten. 12 Millionen Kubikmeter Erde mussten bewegt
und 450.000 Kubikmeter Beton verarbeitet werden. Die Gesamtkosten
wurden auf ueber 60 Millionen Dollar geschaetzt.
Zur Ausfuehrung eines Projektes solchen Umfangs waren bestimmte schwere Ausruestungsgeganstaende notwendig, die Frankreich
nur von den Vereinigten Staaten beziehen konnte. Und die franzoesiche Regierung hatte bereits vor Inkrafttreten des Marshall
Planes etwa 3 Millionen aus seinen geringen Dollarreserven fuer
Maschinen aus den Vereinigten Staaten aufgewendet. Ausserdem
wurden spaeter amerikanische Maschinen im Werte von einer weiteren
Million Dollar mit Marshall Plan Mitteln gekauft.
Es wurden Jedoch noch Millionen von Dollar fuer Ottmarsheim
benoetigt, selbst als die erforderlichen Maschinen im Ausland gekauft worden waren. Da kamen die unter dem Marshall Plan geschaffenen Gegenwert Fonds zu Hilfe, mit denen der groesste Teil der
Kosten fuer Ottmarsheim gedeckt werden konnte - Kosten fuer die
erforderliche franzoesiche Ausruestung und Materialien und fuer
die Loehne der franzoesischen Arbeiter.
Im Jahre 1948 wurde das Projekt Ottmarsheim mit 9 Millionen
Dollar unterstuetzt. 1949 entsprachen die Zuschuesse in franzoesichen Francs aus den Marshall Plan Gegenwert Fonds ainem Werte
von 15 Millionen Dollar.
ECA Labor Information
88 Februar 1950

�AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN VERHINDERN WIRTSCHAFTSKRISE
In einem Artikel, der kuerzllch Im "American Federationist",
dem offiziellen Organ des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFI
erschienen war, wird erklaert, dass es der hohen-Lohn-Politik
der amerikanischen Gewerkschaften mit zu verdanken sei, dass
die Wirtschaftskrise Im vorigen Jahre In den Vereinigten Staaten
verhindert wurde.
Der Verfasser dieses Artikels ist George T. Brown, Direktor
des Referats fuer Forschung In der Gewerkschaft der Spengler
und Installateure. Seiner Abhandlung liegt der vor kurzem dem
Kongress ueberreichte Wirtschaftsbericht Praesident Trumans
zugrunde •
Der Bericht des Praesidsnten zeigte nach Ansicht Browns,
dass eine Nachkriegs-WirtSchaftskrise Mitte 1949 abgebogen
worden war. Gegen Ende des Jahres war wieder ein allmaehliches
Anziehen der industriellen Produktion, der Bautaetigkeit, der
Beschaeftlgtenzahl und des Absatzes zu verzeichnen. Insbesondere
waren es die Loehne, die auf verhaeltnismaasslg gleicher Ebene
gehalten wurden.
Brown fuehrt aus, dass dieser Bericht "eine dramatische
Geschichte erzaehlt, eine Geschichte, in der die organisierte
Arbeiterschaft eine Hauptrolle spielt.•• Eine Entwicklung, die
zu einer umfassenden Wirtschaftskrise haette fuehren koennen,
konnte deshalb so schnell beendet werden, well man nicht zu dem
in der Geschichte immer wieder ueblichen Mittel der Lohnkuerzung
griff."
"Die Gewerkschaften", fuhr Brown fort, "bildeten das Bollwerk, hinter dem die Arbeiter der Nation ihren Lebensstandard
verteidigten. Eine Folge dieser Kraftanstrengung war, dass der
groesste Teil der in Arbeit befindlichen Lohnempfaenger fortfuhr
zu kaufen." Brown sagte, nicht nur Amerika, sondern auch dam
groessten Teil Europas kaeme die Tatsache zugute, dass die amerikanische Kaufkraft eine Krise verhindert hat, die durchaus haette
eintreten koennen.
"Haette man sich den Lohnkürzungen nicht energisch widersetzt," fuehrte Brown warnend aus, "dann wuerde die Lebenswelse
nicht nur Amerikas, sondern auch der üebrigen Welt einer Zerruettung entgegengehen und damit Moskau ein groesserer Gefallen
erwiesen werden als irgendeiner anderen Hauptstadt der freien
Welt."
Brown warnte die Gewerkschaften davor, ihre Arbelt als beendet zu betrachten; das "zukuenftlge Wohlergehen der organisierten Arbeiter - und damit der gesamten arbeitenden Menschheit
haenge von der groesseren Leistungsfaehigkeit und dem besseren
Kollektiwerhandeln ab." Er wies darauf hin, dass hoehere Leistung sfaehigkeit "Lohnerhoehungen und deshalb eine groessere
Kaufkraft mit sich bringen muss." Und abschliessend sagte er:
"Damit die gesteigerte Produktionsleistung auch wirklich den
Lohnempfaengern in Form bedeutender Lohherhoehungen zugute kommt,
Ist es notwendig, dass die Kollektlwerhandlungen auf wirksame
und kluge Art und Weise gefuehrt werden."
ESA Labor Information
28, Februar 1950

�BELGISCHE PAPIERARBEITER GEWERKSCHAFT INTERESSIERT SICH FUER
GEWINNBETEILIGUNG DER ARBEITER.
Emil de Bondt nimmt als belgischer Gewerkschaftsvertreter
an einem Team technischer Sachverstaendiger teil, das sich zur
Zeit auf einer zweimonatigen Reise zur Besichtigung der Papierindustrie in den Vereinigten Staaten befindet. Sein Hauptinteresse gilt den amerikanischen Methoden der Beteiligung der
Arbeiter an den aus gesteigerter, industrieller Produktionsleistung entstandenen Uebergewinnen. Diese Besichtigungsreise
im Rahmen des Technischen Hilfsprogramms der Marshall Plan Verwaltung steht unter der Schirmherrschaft der Organisation fuer
wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas«
Mr. de Bondt, der sich in der letzten Woche vor seiner
Abreise nach den Vereinigten Staaten in Paris aufhielt, erklaerte,
dass die gesteigerte, industrielle Produktionsleistung in Europa
sowohl fuer die Gewerkschaftsbewegung als auch fuer das Unternehmertum, die Regierungen und fuer Europa als Gesamtheit von
hervorragender Bedeutung sei«
Der durch das vorliegende Projekt ermoeglichte Informationsund Erfahrungsaustausch von Gewerkschaftern, Unternehmern und
technischen Vertretern aus 12 Laendern sei ein konkretes Beispiel dafuer, dass die europaeischen Nationen aus einer engen
Zusammenarbeit zur Loesung gemeinsamer Probleme tatsaechllchen
Nutzen ziehen koennten.
Der 46-Jaehrige, belgische Gewerkschaftsvertreter ist
Generalsekretaer der Christlichen Belgischen Gewerkschaft der
Papierarbeiter und Graphiker. Er hat diese Stellung seit 12 Jahren
inne und ist seit 1935 Funktionaer seiner Gewerkschaft. Davor
war er 16 Jahre lang als Buchdrucker und Schriftsetzer taetig.
Mr. de Bondt wies auf die in den vergangenen Jahren von den
belgischen Papierarbeitern erzielten Erfolge und auf die noch
zu loesenden Probleme hin und eroerterte dann die allgemeine
Frage der Beteiligung der Arbeiter an den aus der hoeheren Produktionsleistung entstehenden Uebergewinnen.
Der Gewerkschaftsfunktionaer berichtete, dass die Produktionsleistung der belgischen Industrie der Papierherstellung
und —Verarbeitung zu 115 bis 125# des Standes von 1936-1938
gesteigert worden sei. Er unterstrich die Tatsache, dass bereits
drei der 24 Betriebe in Belgien ihre Arbeiter an dieser Produktivitaetssteigerung beteiligt haetten, und zwar in Form von
Bonuszuteilungen, und dass sie damit endgueltig den Beweis erbracht haetten, dass die Arbeiter fuer ihre Mithilfe bei der
Senkung der Produktionskosten durch Gewinnbeteiligung belohnt
werden koennten.
Mr. De Bondt erklaerte, dass seine Gewerkschaft, die etwa
ein Drittel der 10.000 belgischen Arbeiter der papierherstellenden und -verarbeitenden Industrie vertritt, die Gewinnbeteiligung durch Erhoehung des Grundlohnes den Bonuszuteilungen
vorziehe und fuegte hinzu, dass ihm besonders daran gelegen
sei, entsprechende Methoden in den Vereinigten Staaten zu
studieren.
Nur 50# der belgischen Arbeiter der papierherstellenden
und -verarbeitenden Industrie seien gewerkschaftlich organisiert.
Mr. de Bondt ist der Ansicht, dass diese niedrige Zahl auf das
Fehlen sowohl des "closed-shop" Systems als auch des "union-shop"
Systems zurueckzufuehren sei. (In Amerika uebliche Systeme,
nach denen entweder nur Mitglieder einer bestimmten Gewerkschaft
vom Arbeitgeber eingestellt werden duerfen (closed-shop), oder
die Einstellung nur unter der Bedingung erfolgt, dass der Arbeit- 5 -

�nehmer innerhalb einer bestimmten Frist der Gewerkschaft beitritt
(union-shop).
Ausser anderen wichtigen Gewerkschaftsproblemen wird sich
der belgische Gewerkschaftsfunktionaer in Amerika mit der Mehrbezahlung fuer Nachtarbeit - die es in Belgien noch nicht gibt und mit Fragen der Bezahlung von Sonn- und Feiertagen beschaeftigen, die in Belgien erst im Laufe der letzten drei Jahre als
Ergebnis von Forderungen der Gewerkschaften durchgesetzt werden
konnte.
Mr. de Bondt wird ausserdem die Organisierung des Arbeitsanfalls und der Schichtarbeit studieren und insbesondere Vergleiche mit der zur Zeit in Belgien ueblichen 48-Stunden Woche
der belgischen Arbeiter der papiererzeugenden und- herstellenden
Industrie anstellen. Die Arbeiterschaft Belgiens fordert dringend
die Abaenderung des gegenwaertigen Systems der Schichtarbeit.
Mr. de Bondt ist einer der vier Gewerkschaftsvertreter, die
sich zum Studium der amerikanischen Industrie der Papierherstellung
und -Verarbeitung nach den Vereinigten Staaten begeben. Die drei
anderen Gewerkschaftler dieses Industriezweiges kommen aus Eng» land, Westdeutschland und Italien.
BCA Labor Information
13. Februar 1950
SIAHLARBEIT5RGEWERK3CHAFT UNTERSTUETZTE STREIKENDE BERGLEUTE

Mir Böo.ööö DOLLAR.
Obwohl der U.S. Bergarbeiter Verband weder
dem AFL noch der CIO angeschlossen ist« haben
die amerikanischen Gewerkschaften den Bergarbeitern ihre Sympathie und Solidaritaet in
dem kuerzlich beendeten Bergarbeiterstreik
nicht versagt, wie aus dem nachstehenden Bericht
hervorgeht.
Die Stahlarbeitergewerkschaft (CIO) hat dem Bergarbeiter
Verband 500.000 Dollar geschenkt, "um hilfsbeduerftige Bergleute und ihre Familien in ihrem Kampf gegen die Bergwerksbesitzer zu unterstuetzen."
Nach einer telegraphisch durchgefuehrten Abstimmung des
Vorstandes der Stahlarbeitergewerkschaft uebersandte der Praesident des amerikanischen Gewerkschaftsbundes CIO, Philip Murray,
dem Finanzsekretaer des U.S. Bergarbeiter Verbandes einen Scheck
ueber i Million Dolla'r.
Gleichzeitig erliess Murray einen Aufruf an alle Lokalgewerkschaften der eine Million Mitglieder zaehlenden Stahlar-'
beitergewerkschaft, noch mehr Geld zur Unterstuetzung der Bergleute zu spenden.
"Die Not ist gross. Ihr muesst nach besten Kraeften helfen,"
heisst es in dem Aufruf Murrays an die Mitglieder der Stahlarbeitergewerkschaft.
In seinem Brief an Finanzsekretaer Owens vom Bergarbeiter
Verband fuehrte Murray aus:
H

Ich habe mich an unsere angeschlossenen Lokalgewerkschaften
mit der Bitte gewandt, den Bergarbeitern und ihren Familien jede
nur meogliche finanzielle und moralische Unterstuetzung zukommen
zu lassen, und hoffe, dass ihre Hilfe ein Beitrag zu dem endgueltigen Sieg der amerikanischen Bergarbeiter sein moege."
- 6 -

�Mitte Januar natte sich Murray heftig gegen die Methoden
des Hauptanwaltes des Bundesausschusses fuer Arbeitsfragen,
Robert Denham, gewandt, der das Streikverbot beantragt hatte.
Daraufhin beschuldigte der Praesident des CIO Denham,
"dass er die gesetzlichen Rechte und Interessen aller Gewerkschaftler angegriffen habe."
"Ich habe den Generalanwalt der CIO angewiesen, die Rechtsabteilung des Bergarbeiter Verbandes bei der Verteidigung der
auf dem Spiele stehenden, fundamentalen, gewerkschaftlichen
Prinzipien und bei der Bekaempfung der von Denham eingeleiteten
Verfahren so weit wie moeglich zu unterstuetzen«"
Am 9. Februar wurde das Streikverbot erlassen«
Seitdem wurde zweimal vergeblich versucht, die Kollektivverhandlungen zwischen Unternehmern und Bergarbeitern wieder
aufzunehmen. Ein Uritersuchungsausschuss, wie er in den Bestimmungen des Taft-Hartley- Gesetzes zum "nationalen Notstand" vorgesehen ist, wurde gebildet. Im Laufe dieser Woche wird man
ein Streikverbot von 80 Tagen beantragen.
Der Kampf der Gewerkschaften geht um hoehere Loehne, erhoehte Beitraege der Unternehmer zu den Wohlfahrtskassen und
die Beibehaltung einiger in dem alten Vertrag enthaltener Bestimmungen. Ein grosser Teil der Bergleute hatte mehrere Monate
lang nur drei oder noch weniger Tage pro Woche gearbeitet.
Murray wies in seinem Schreiben an die lokalen Dienststellen der Stahlarbeiter Gewerkschaft auf "die bittere Not der
Bergarbeiter und ihrer Familien" hin.
"Diese Lage fordert gebieterisch, dass unsere Gewerkschaft
und ihre Mitglieder den Bergarbeiter Verband in seinem bedeutungsvollen Kampf gegen diese maechtigen Kraefte mit allen
Mitteln unterstuetzen," schrieb Murray.
"Der Krieg, der zur Zelt gegen ihre Gewerkschaft gefuehrt
wird, kann sich gegen unsere eigene Gewerkschaft und gegen alle
anderen richten, sobald es den Wohlhabenden, die ihn fuehren,
zweckmaesslg erscheint."
Der Praesident der Stahlarbeiter fuhr fort: "Es ist von
groesster Wichtigkeit, dass Sie und unsere Lokalgewerkschaften
diesem Aufruf prompt Folge leisten«"
In der Verfassung der Stahlarbeitergewerkschaft ist fesgelegt, dass derartige Geschenke dem Internationalen Gewerkschaftsvorstand zu ueberwelsen sind, von wo sie den Empfaengern zugeleitet werden.
•The CIO News"
13. Februar 1950
BERGSON:

"E3 GIBT KEIN GUTES MONOPOL."
Wir bringen nachstehend einen Artikel der
"CIO News" ueber Monopole, weil das Problem
der Kartelle und Monopole in Deutschland
im Augenblick wieder sehr diskutiert wird
und eine Stellungnahme zu diesem Problem notwendig
ist.
Die Redaktion.
- 7 -

�Der Generalstaatsanwalt McGrath und sein Stellvertreter
Bergson erklaerten vor der Vereinigung der Rechtsanwaelte des
Staates New York (New York State Bar Association), dass Kartelle eine Bedrohung der Anti-Trust Gesetze darstellten, weil
ein grosses Unternehmen die Konkurrenz leichter auf illegale
Art und Weise ausschalten kann, als dies einem kleinen Unternehmen moeglich ist.
Indem diese beiden hohen Anklaeger des Monopols darlegten,
was ihre Aufgaben und Absichten sind, betonten sie besonders,
dass sie das Kartell nicht als solches, sondern als den Wegbereiter des Monopols bekaempften. Die beiden Erklaerungen, die
von der Tagespresse groesstenteils verschwiegen oder entstellt
wurden, geben zum erstenmal klaren Aufschluss ueber den Kampf
der Regierung gegen das Monopol.
"Das Monopolproblem ist "nach dem der Arbeitslosigkeit das
dringlichste, innerstaatliche Wirtschaftsproblem unserer Zeit,"
sagte McGrath.
"Wir wissen natuerlich, dass die Zusammenballung Wirtschaft- .
licher Kraft kein Verbrechen ist. Andererseits sind wir uns aber
auch im klaren darueber, - auch der Oberste Gerichtshof ist dieser
Auffassung - dass "wirtschaftliche Staerke leicht missbraucht
werden kann und wird deshalb staendig gegen solchen Missbrauch
auf der Hut sein muessen."
McGrath hielt einen Rueckblick auf die Geschichte und
Entstehung der Anti-Trust Gesetze und berichtet, wie der Oberste
Gerichtshof im Jahre 1920 die Durchfuehrung dieser Gesetze erschwerte, indem er im Falle der HU. S. Steel Corporation" entschied, dass "die Kartellisierung innerhalb der Stahlindustrie
solange keine Verletzung des "Sherman Act"(Anti-Trust Gesetz)
darstelle, wie die Unternehmer von dieser Macht keinen nachweisbaren Gebrauch machten."
McGrath fuegte hinzu und sprach damit wohl die bedeutsamsten
Worte, die ein Generalstaatsanwalt seit Jahren ausgesprochen hat:
"Ich persoenlich bin der Auffassung, dass man hiermit nichts anderes
sagen moechte, als dass nach dem "Sherman Act" nur schlechte Monopole gesetzwidrig seien. Der Wortlaut dieses Gesetzes besagt jedoch eindeutig das Gegenteil."
Bergson, der beauftragt ist, die Einhaltung der Anti-Trust
Gesetze zu ueberwachen, erklaerte: "Unsere Erfahrungen haben uns
gezeigt, dass es kein "gutes Monopol" gibt. Bei allen Monopolen
konnten wir feststellen, dass sie demeigennuetzigen Privatgewinn
und nicht dem Allgemeinwohl dienten."
M

Das Kartell an und fuer sich ist kein Verbrechen im Sinne
der Anti-Trust Gesetze, " sagte Bergson. "Auch der Besitz eines
Jagdgewehrs ist kein Verbrechen. Aber so wie mit dem Gewehr ein
Verbrechen veruebt werden kann, so kann auch die wirtschaftliche
Macht der Unternehmer zur Verletzung der Anti-Trust Gesetze verwendet werden. In beiden Faellen fuehrt das, was vorher gesetzlich und erlaubt war, zu unzulaessigen Auswirkungen und wird
Gegenstand gerichtlicher Verfolgung.
"Die meisten von uns werden zugeben, dass die Kartellisierung
illegales Handeln erleichtert, wenn auch haeufig die Anti-TrustGesetze von kleineren Unternehmen uebertreten werden. Bin grosses
Unternehmen kann einer Industrie eher illegale Bedingungen auferlegen, als ein kleineres Unternehmen.
- 8 -

�"In einer solchen Situation stellt nicht die Groesse des
Unternehmens als solche eine Uebertretung dar. Anklagepunkt
ist vielmehr die monopolistische Macht oder die Beeintraechtigung des Handels, die durch die wirtschaftliche Macht des
Unternehmens gefoerdert wurden. Wir sind der Meinung, dass
es nicht nur logisch, sondern auch erforderlich ist, mit Hilfe
seit langem bestehender Bestimmungen der Anti-Trust Gesetze die
Mittel unwirksam zu machen, die ein Vergehen im Sinne dieser
Gesetze erst ermoeglichen."
Bergson zeigte an Hand von Beispielen, wie die Anti-Trust
Abteilung in Gerichtsverfahren gegen monopolistische Methoden
grosser Unternehmen vorgegangen ist. "Einige Verfechter der
•guten Monopol-Theorie' stellen sich auf den Standpunkt, " so
fuehrte Bergson aus, "dass die Leistungsfaehigkeit von erstranginger Bedeutung sein muss, und dass eine Verletzung der
Anti-Trust Gesetze uebergangen werden kann, wenn diese Gesetze
die Leistungsfaehigkeit beeintraechtigen.
"Die Deutschen begingen diesen Fehler. Durch ihr Kartellisierungssystem und ihre vielgepriesene Leistungsfaehigkeit war
es ihnen moeglich, eine Zeitlang die groesste wirtschaftliche
Macht in den Haenden zu halten. Die Verherrlichung dieser Anschauung warf Jedoch ihre gesamte Philosophie ueber den Haufen
und brachte Ihrem Lande schliesslich Chaos und Zerstoerung."
"The CIO News"
6. Februar 1950
"FORCE OUVRIERE" IM KAMPF GEGEN KOMMUNISTEN
Der franzoesfche Gewerkschaftsbund "Force Ouvriere" hat
seit seiner Gruendung im Jahre 1948 gegen den kommunistischen
Allgemeinen Gewerkschaftsbund CGT (Confederation Generale des
Travailleurs) um die Mitgliedschaft der franzoesischen Arbeiter .
gekaempft. Der Kampf war nicht leicht, wenn man bedenkt, dass
"Force Ouvriere" zu Beginn weder organisiert war, noch ueber
Raeumlichkeiten und Geldmittel verfuegte. Trotzdem konnten •
Fortschritte erzielt werden.
Das Strassburger Zentralbuero der "Force Ouvriere" befindet sich im zweiten Stockwerk eines schaeblgen Buerogebaeudes.
Das Personal setzt sich zusammen aus zwei Stenographen, einem
teilbeschaeftigten Buchhalter und Rene Kunkel, der sowohl Bezirks sekretaer als auch Organisator und Versammlungsredner
ist. Kunkels alter Privatwagen ist das einzige fuer dienstliche Zwecke verfuegbare Transportmittel.
Das ist der gesamte Stab der "Force Ouvriere" und zwar
nicht nur fuer Strassburg, eine Stadt von 200.000 Einwohnern,
sondern auch fuer das umliegende, elsaesslsche Department Bas-Rhln,
ein Landwirtschafts- und Industriegebiet mit weiteren 700.000
Bewohnern.
Kunkel berichtete, dass das Strassburger Buero der CGT
ueber weit mehr Mittel verfuegt und. vier oder fuenf vollbeschaeftigte, maennliche Angestellte und acht oder neun Kraftfahrzeuge
hat. Kunkel Ist 41 Jahre alt und Gewerkschaftsmitglied seit
dem Tage, an dem er zu arbeiten begann. Wir sehen in ihm einen
typischen FunJdiaonaer der "Force Ouvriere". Wenn er von seiner
Arbeit spricht, sagt er, dass er "immer zu viel zu tun und
immer zu wenig Mittel hat". Das finanzielle Problem spielt in
allen Angelegenheiten seiner Organisation eine Rolle. Jede
- 9 -

�Gewerkschaft der "Force Ouvriere" setzt ihre eigenen Mitgliedsbeitraege fest. Sie betragen durchschnittlich 100 Franken
(DU 1,20) pro Monat* Fuer die Geschaeftsfuehrung einer Gewerkschaft ist das nicht viel; fuer die franzoesischen Arbeiter
Jedoch, die nur 14,000 Franken (etwa DM 165, — ) verdienen,
bedeutet dieser Betrag in Anbetracht der sehr hohen Preise ein
Opfer, Die CGT hat es in dieser Beziehung besser. Einige der
finanziell besserstehenden Gewerkschaften der CGT haben laut
Kunkel sogar "Werbewochen" veranstaltet, in denen sie die Mitgliedsbeitraege praktisch auf ein Nichts reduzierten, um auf
diese Weise neue Mitglieder au koedern.
Trotz dieser Widerstaende hat die "Force Ouvriere" in
Kunkels Department ueber 10.000 Mitglieder fuer sich gewinnen
koennen. Fast alle sind in Strassburg ansaessig; um ausserhalb
der Stadt organisatorisch wirken zu koennen, waren weder Geldmittel noch Personal vorhanden. Einer der grundlegenden Unterschiede zwischen der CGT und der "Force Ouvriere" besteht darin,
dass die kommunistische Organisation gegen den Marshall Plan
ist, waehrend er von der "Force Ouvriere" unterstuetzt wird.
Tausenden franzoesicher Gewerkschafter kommt die amerikanische Hilfe zugute, erklaert Kunkel* Sie wissen , dass sie
einen grossen Teil dieser Unterstuetzung Tausenden amerikanischer
Gewerkschafter zu verdanken haben. Unter diesen Ümstaenden glaubt
Kunkel nicht an die Gefahr einer "Uebernahme" Frankreichs durch
die Vereinigten Staaten, mit der die Kommunisten so gerne ihre
ablehnende Haltung dem Marshall Plan gegenueber begruenden.
Der Marshall Plan stellt einen Brennpunkt in dem staendigen Kampf zwischen CGT "Force Ouvriere" dar. Die CGT verfuegt
wie alle von den Kommunisten beherrschten Organisationen ueber
eine gut funktionierende Propagandamaschine, die dazu bestimmt
ist, den Marshall Plan zu unterminieren. Ausserdem besteht fuer
die CGT ein Anreiz darin, dass sie die "Force Ouvriere" in Misskredit bringen kann, wenn es ihr gelingt, die franzoesischen
Arbeiter von der Wertlosigkeit des Marshall Planes zu ueberzeugen.
Charles Henck, der seit 45 Jahren Gewerkschafter ist und
der Transportarbeiter Gewerkschaft der "Force Ouvriere" in
Strassburg angehoert, berichtet, dass jedesmal, wenn eine
Stockung im Transport entsteht, die Kommunisten den Marshall
Plan dafuer verantwortlich machen.
Es ist ein wenig schwerer, die Arbeiter aus dem Baugewerbe
an der Nase herumzufuehren, sagt Friedrich Klein, ein anderes
Mitglied der "Force Ouvriere", denn die meisten von ihnen wissen,
dass der um Strassburg im Werk befindliche Wiederaufbau und
Neubau zum grossen Teil direkt oder indirekt durch die amerikanische Hilfe erst ermoeglicht wurde. Fuer sie ist die Parole:
kein Marshall Plan keine Arbeit,
"Sie moegen es glauben oder nicht," sagt Klein, "selbst
wenn wir wegen Frost die Arbeit einstellen muessen, erfinden (
die Kommunisten irgendwelche Geschichten, die den Marshall
Plan als Ursache der Arbeitseinstellung hinstellen*"
In Strassburgs bedeutendem Hafen ist es schon ein wenig
schwieriger, gegen den Marshall Plan zu argumentieren und Leute
zu finden, die diesen Argumenten Glauben schenken, erklaert der
staemmige Alfred Fulssel, ein Flusskapitaen und ueberzeugter
Anhaenger der "Force Ouvriere". Ein grosser Teil der franzoesichen Rheinflotte war waehrend des Krieges zerstoert worden, so
- 10

�erzaehlt er, und jeder, der in dem Hafen heute beschaeftigt
ist, muss unwillkuerlich an der wiederhergestellten Flotte und
dem geschaeftigen Treiben im Hafen einen Beweis fuer die amerikanische Hilfe sehen.
Wer wird in diesem Kampf um die Mitgliedschaft der franzoesischen Arbeiter den Sieg davontragen? Hoeren wir Gustave Boulier,
ein anderes Mitglied der "Force Ouvriere" und langjaehriger Gewerkschafter, der uns diesbezueglich einen kleinen Hinweis gibt.
Boulier gehoert zur Gewerkschaft der staatlichen Angestellten.
Vor einigen Wochen wurde eine Betriebswahl unter den Zivilangestellten der franzoesischen Armeewerkstaetten in Strassburg abgehalten.
Die CGT erhielt dabei 176 Stimmen, waehrend der Katholische Gewerkschaftsverband (CFTG) (ebenfalls anti-kommunistisch und pro Marshall Plan) 156 und die "Force Ouvriere" 140 Stimmen fuer sich
buchen konnten. Vor einigen Monaten, berichtet Boulier, hatte
die "Force Ouvriere" kaum ein Mitglied in diesen BetrAen, die
als komnunistische Hochburgen galten.
"Gebt uns noch einige Monate Zeit," sagt er zuversichtlich,
"und wir werden in diesem Betrieb viel mehr als 140 Stimmen haben.
Und sie (die CGT) werden viel weniger als 176 haben." Zwei Jahre
sind vergangen und noch immer wird ein zaeher Kampf gefuehrt.
Besser gesagt, der Kampf ist schwer, weil die "Force Ouvriere"
zwei Schlachten zu schlagen hat. Die eine gegen die Kommunisten
und die andere, um die Verbesserung der Lebensbedingungen des
franzoesischen Arbeiters - und die Moeglichkeiten zu verbessern
sind sehr gross.
Wichtig ist, dass die "Force Ouvriere" weiterkaempft und
an beiden Fronten erfolgreich ist.
EEA Labor Information
28. Februar 1950
ERP HILFT DER BRITISCHEN BAUMWOLLINDUSTRIE
Sam Lowe schuettelte seinem Besucher herzlich die Hand.
Lowe ist Weber in Lancashire. Er arbeitet nun seit fast 50 Jahren
in den dortigen Webereien. Sein Besucher fragte ihn, wie sich
die Hilfe Amerikas in der englischen Baumwollindustrie bemerkbar
gemacht habe.
"Sehen Sie sich den geschwaerzten Himmel an»1* sagte Lowe,
indem er nach dem Russ und Rauch deutete, der ueber den Fabriken .
hing. "Das ist ein gutes Zeichen fuer eine Industriestadt. Es
bedeutet, dass die Betriebe in Gang sind - und dass die Bewohner
unserer Stadt Arbeit haben."
"Wenn wir durch den Marshall Plan keine Rohbaumwolle bekommen
haetten," fuhr er fort, "waere ein grosser Teil dieser Fabriken
Jetzt geschlossen."
Im Jahre 1949, erklaerte Lowe, haette Lancashire - das Herz
der Baumwollindustrie Englands - seine Produktion dermassen gesteigert, dass die Exporte aus diesem Bezirk um 20£ haetten erhoeht werden koennen. Gleichzeitig sei auch der Bedarf der britischen Industrien an Rohbaumwolltextilien gedeckt worden. Nur
wenige Leute wuessten, dass mehr als die Haelfte der Baumwollarbeiter in Lancashire fuer die Industrie und nicht fuer die
Kleidungsherstellung arbeiten.

- 11 -

�••Damit", sagt Lowe, "schafft der Weber von Lancashlre
mit HUfe amerikanischen Geldes Arbeitsmoeglichkeiten fuer die
Arbeiter in anderen Teilen Englands."
Lowe fuehrte seinen Besucher in "seinen" Betrieb. Es ist
eine verhaeltnismaessig kleine Fabrik in einem Vorort von Manchester; 400 Arbeiter sind darin beschaeftlgt. Lowe leigte
mit nicht wenig Stolz die Kantinen, Baeder und Aufenthalt sraeume
fuer die Belegschaft; auch den Kindergarten, in dem die Kinder
erwerbstaetlger Muetter Aufnahme finden koennen. Sam ist der
Meinung, dass die Arbeitgeber nach dem Kriege mehr Interesse
fuer das Wohlergehen ihrer Arbeitnehmer gezeigt haetten. Dies
sei zum Teil auf den Mangel an Arbeltskraeften zurueckzufu ehren,
denn heutzutage sei jedermann beschaeftlgt. "Auch dafuer koennen
wir dem Marshall Plan danken", sagte Lowe.
BCA Labor Information
2. Maerz 1950
- 18 -

Office of Labor Affairs, HJDOG
APO 757

OFFICIAL

UCOO O-mm L t 1 H»rch &gt;)0 IT C

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Aaszüge aus dar amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschahsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 3

Prankfurt, 24. Maerz 1950
INHALTSVERZEICHNIS

Hollaendische Gewerkschaften zum WiederaufbauProgramm - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Neue Wohnhaeuser fuer Lothringische Bergleute Axel Strand
—

1
3
3

Bruessel - Welthauptstadt der Gewerkschaftsbewegung - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 7
Innergewerkschaftlicher Kampf der Arbeiter gegen
den Kommunismus - - - - - - - - - - - - - - - 9
Die franzoesische Rheinflotte - - - - —
- - - 10
Amerikanische Gewerkschaften zu internationalen
Fragen - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 1

HOLLAENDISCHE GEWERKSCHAFTEN ZUM WIEDERAUFBAUPROGRAMM
Der groesate der drei bedeutendsten hollaendischen Gewerkschaf tsverbaende hat seinen Verwaltungsrat aufgefordert, "die
wirtschaftliche Zusammenschliessung der Laender Westeuropas in
jeder Hinsicht zu foerdern."
In Amsterdam wurde kuerzlich von den Vorstaenden des Niederlaerd.sehen Gewerkschaftsbundes N.V.V. eine Resolution angenommen, in der zum Ausdruck gebracht wird, dass "sowohl der
Wiederaufbau und die wirtschaftliche Wiedergesundung als auch
der dazu erforderliche Zusammenschluss Westeuropas nur durch die
dauernde Unterstuetzung durch den Marshall Plan moeglich sind."
Die Vorstaende wiesen ihre Mitglieder an, "bei den zustaendigen Stellen dahingehend zu wirken, dass die mit Hilfe des
Marshall Planes erzielten Erfolge auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Westeuropas und insbesondere Hollands
nicht gaenzlich oder teilweise durch eine Beschraenkung oder fruehzeitige Beendigung dieser Hilfe zunichte gemacht werden."
"Der Marshall Plan," heisst es weiter in der Resolution,
"ist ein unentbehrlicher und wirksamer Beitrag zum wirtschaftlichen
Wiederaufbau Hollands."
Die Fortsetzung dieser Hilfe wird als eine "dringende Notwendigkeit fuer die weitere Festigung der wirtschaftlichen Stellung
Hollands und fuer die Sicherung und Konsolidierung der bisher erzielten Erfolge" bezeichnet.

�NEUE WOHNHAEÜSER HIER LOTHRINGISCHE BERGLEUTE

Wie aus kuerzlich veroeffentlichten Statistiken hervorgeht,
sind insgesamt 245 Billionen Franken dem Gegenwert Fonds Frankreichs zur Verwendung Im nationalen Investierungsprogramm 1949
entnommen worden.
Hiervon gingen mehr als 45 Billionen zur Beschaffung von
Ausruestung und zur Modernisierung an "Charbonnages de France",
d.h. an die staatseigenen Kohlenbergwerke. Hinter diesen nuechternen Zahlenangaben liegt jedoch eine menschliche Geschichte, ein Teil der Geschichte vom Marshall Plan, der dem franzoesischen
Volke hilft, sich selbst und einer den andern zu unterstuetzen.
So liegt z.B. in der Nordost-Ecke Frankreichs,nahe an der Grenze
des Saargebietes, die Stadt Merlebach. Von ihren 9.500 Einwohnern
sind 2.400 Bergleute. Ausserdem arbeiten noch viele andere aus
den umliegenden Ortschaften in den Merlebacher Kohlegruben.
Der Beruf des Bergmanns ist ein sehr schwerer, und deshalb
verlangt der Kumpel nicht nur einen entsprechenden Lohn, sondern
auch eine anstaendige Wohnung. Nach dem Kriege war es jedoch nicht
leicht, in Merlebach eine annehmbare Wohnung zu finden. Heute ist
das anders geworden. Einige Wohnbioecke von der Bürgermeisterei
entfernt ist eine gesamte "Neustadt" aus der Erde gewachsen. In
erhoehter Lage, ueber der dichten Rauchdecke, die den Industriebezirk bedeckt, stehen Hunderte neuer Wohnhaeuser fuer die Bergleute. Diese Haeuser sind zwar einfach in der Bauweise, aber zu
jedem gehoert ein Hof und ein Garten. In den zuerst beendeten
Abteilungen sind bereits hohe Hecken und Straeucher gewachsen.
In den Haeusern befinden sich moderne Badezimmer und fliessendes
warmes Wasser, Kuechen mit eingebauten Herden und Schraenken, und
behagliche Wohn- und Schlafzimmer.
Die Strassen der "neuen Stadt" sind breit und gewunden. Man
sieht neue Laeden und Schulen, die in ihrer Bauweise den Wohnhaeusern angepasst sind.
Diese neuen Haeuser fuer die Bergleute von Merlebach wurden
in Frankreich entworfen, hergestellt und zusammengesetzt. Insgesamt sind etwa 15.000 aehnliche Einheiten fuer franzoesische Bergleute erstellt worden, davon mehr als 4.000 in Lothringen. Die
franzoesische Regierung beabsichtigt, fuer diejenigen, die die
franzoesische Kohle graben, noch mehr solcher Wohnungen zu bauen,
und zwar jaehrlich fuenftausend bis zum Jahre 1955. Die Wohnungen
sind mietfrei, und Brennmaterial wird kostenlos zur Verfuegung gestellt. Das Wohnungsbauprogramm fuer Bergleute - das auch Krankenhaeuser, Apotheken, Schulen und Erholungsheime vorsieht, ist sehr
kostspielig. Die jaehrliche Rechnung belaeuft sich auf etwa 14 Billionen Franken (40 Millionen Dollar). Fuenf Billionen Franken
hiervon werden aus dem Marshall Plan Gegenwert Fonds fuer Frankreich gestellt.
Merlebach und die lothringischen Kohlengebiete bilden nur
einen kleinen Teil Frankreichs. Trotzdem ist in den neuen Wohnhaeusern fuer die Bergleute ein weiteres Beispiel dafuer zu sehen,
wie der Marshall Plan Frankreich hilft, sich selbst zu helfen.
ECA Labor Information
2. Maerz 1950

- 2 -

�AXEL STRAND
Die Laufbahn und gegenwaertige Taetigkeit, der Charakter
und die Persoenlichkeit des Praesidenten des Schwedischen Gewerkschaft sbund es ("LG-'1), Axel Strand, geben in wirkungsvoller
Weise die Geschichte der schwedischen Gewerkschaftsbewegung
wieder.
Das Datum seines Eintritts in die Gewerkschaftsbewegung
im Alter von 16 Jahren faellt mit dem denkwuerdigsten Datum der
Geschichte der schwedischen Gewerkschaften zusammen. Es war im
Jahre 1909, als das eintrat, was alle Schweden heute noch als den
•Grossen Streik" bezeichnen. Es war ein Kampf zwischen Unternehmern und Gewerkschaften, der endgueltig entscheiden sollte, wer
der Staerkere war - so dachte man wenigstens damals darueber.
Die Unternehmer hielten die Zeit fuer gekommen, der aufkommenden, organisierten Gewerkschaftsbewegung den Todesstoss
zu versetzen. Sie schlössen sich zusammen und begannen mit einer
Reihe von Aussperrungen. Die Antwort der Gewerkschaften hierauf
war ein Generalstreik. Der Streik missglueckte, und in diesem
Sinne zogen die Gewerkschaften den Kuerzeren. Sie erlitten schwere
Verluste an Geld und auch an Mitgliedern, da die Unternehmer ruecksichtslos schwarze Listen aufgestellt hatten. Zu jener Zeit wanderte ein grosser Teil der schwedischen Arbeiter nach Amerika aus,
weil man sie zu Hause nicht beschaeftigen wollte. Aber auch die
Unternehmer verloren in einer gewissen Beziehung, denn es gelang
ihnen nicht, die Gewerkschaftsbewegung zu zerstoeren. Die Gewerkschaften hielten noch immer zusammen. Fuenf Jahre dauerte es,
bis sie sich von diesem Schlag erholt hatten, aber dann kamen sie,
staerker als je zuvor, wieder.
Der junge Axel Strand war im Jahre des "Grossen Streiks" Mitglied der Gewerkschaft der Moebelschreinsr geworden. Zu gleicher
Zeit trat er in die Sozialdemokratische Partei ein.
Er arbeitete in seinem Beruf in Lund, dem historischen Kulturzentrum der suedschwedischen Provinz Skane und der zweitaeltesten Universitaets. Stadt des Landes. Er war in dem Dorf Burlov
geboren, wo er bis zu dem ueblichen Alter von 14 Jahren zur Schule
ging. Sein Vater war Hobler in einem Betriebe,in dem Inneneinrichtungen fuer Eisenbahnwagen hergestellt wurden.
Der Bedeutung von Skane entsprechend haben Maenner dieser
Provinz (es ist u.a. die am staerksten bevoelkerte) im Leben des
Landes grosse Rollen gespielt. Per Albin Hansson, der beliebte
Demokrat, der viele Jahre lang bis zu seinem Tode im Jahre 1946
Premierminister war, stanmte aus Skane. Ebenso Gustav Moller, der
als Minister fuer Soziale Wohlfahrt der Architekt der schwedischen
Sozialreformen ist; ausserdem Per Edvin Skold, zur Zeit Finanzminister. Hansson war ebenso wie die beiden andern Genannten
Soz ialdemokrat.
Nach dem Ersten Weltkrieg, im Jahre 1919, begab sich Strand
nach Stockholm, wo er seitdem immer gelebt hat. Er blieb in seinem Handwerk bis zum Jahre 1923 taetig, als er Organisator der
Stockholmer Zentrale seiner Gewerkschaft wurde.
Im gleichen Jahr heiratete er Emilie Lindkvlst. Das Ehepaar
hat zwei Toechter; die aelteste, 25 Jahre, ist verheiratet, die
andere Tochter ist 20 Jahre alt und lebt zu Hause.
Ein Jahr speater wurde Strand zum Finanzsekretaer der nationalen Gewerkschaft der Moebelschreiner ernannt, und diese Stellung

�bekleidete er 12 Jahre lang. Dann wurde er im Jahre 1936 zum
Finanzsekretaer des Schwedischen Gewerkschaftsbundes LO gewaehlt
und hatte diese Stel lung bis zu seiner Ernennung zum Presidenten im Jahr 1947 inne.
Waehrend der Gewerkschaftslaufbahn Strands ist diese Bewegung laufend und stetig angewachsen. Von dem Rueckschlag Im
Jahre des "Grossen Streiks" an (die Mitgliederzahl war von 186*000
im Jahre 1908 auf 80.000 Im Jahre 1911 zurueckgegangen) begann der
Aufstieg der Gewerkschaftsbewegung zu ihrer gegenwaertigen hohen
Machtstellung. Die fruehere, zahlenmaessige Staerke wurde waehrend des Ersten Weltkrieges wieder erreicht. Nach dem Kriege, im
Jahre 1919, wurden 259.000 Mitglieder gezaehlt. Zehn Jahre spaeter
hatte sich diese Zahl verdoppelt. In den dreissiger und vierziger
Jahren, in Krisen und Krieg wuchs die Bewegung staendig. (Eine
einzige Ausnahme bildete 1933, das schlimmste Jahr der Krisenzeit,
in dem ein Absinken der Mitgliederzahl um 5.000 eintrat). Bei
Beendigung der ersten Haelfte des Jahrhundertet hatte der 52 Jahre
alte Schwedische Gewerkschaftsbund 1.244.000 Mitglieder zu verzeichnen. Davon sind 95# Arbeiter.
Auch die Zentralgewerkschaft der Angestellten, TCO, ist von
40.000 Mitgliedern im Jahre 1937, als sie gegruendet wurde, auf
255.000 Mitglieder, das ist fast die Haelfte aller Angestellten,
angewachsen. Damit machen die Gewerkschaftsmitglieder nahezu
ein Fuenftel der gesamten Bevoelkerung Schwedens (7 Millionen)
aus.
Mit dem zahlenmaessigen Ansteigen der Gewerkschaften ging
die Entwicklung zu Einfluss und Prestige Hand in Hand. Diese
Entwicklung ist gekennzeichnet durch ein gesamtnationales Kollektivverhandlungswesen zwischen dem LO und den organisierten
Unternehmern. In dieser Tatsache spiegelt sich die Umwaelzung
wider, die innerhalb des LO stattgefunden hat und aus einer verhaeltnismaessig lockeren Vereinigung selbststaendiger Koerperschaften eine Organisation mit betraechtlicher Zentralgewalt
entstehen liess.
Das Verhaeltnis der Gewerkschaften zu den Unternehmern
hat sich im Laufe der Jahre geaendert. Frueher bestand eine
Feindschaft zwischen diesen beiden Parteien, waehrend heute
jede von ihnen die Rolle billigt, die der andere im wirtschaftlichen Leben spielt. Beide erkennen aus sozialen Erwaegungen
heraus die Notwendigkeit an, Loesungen fuer Probleme zu finden,
die aus den entgegengesetzten Interessen entstehen. Die gegenwaertigen Beziehungen sind in einem Grundvertrag niedergelegt,
der im Jahre 1939 zwischen Vertretern des LO und des Schwedischen Arbeitgeberverbandes entstanden war. Sie arbeiteten Richtlinien fuer das Verhalten bei Streiks und andere grundlegende
Arbeitsprobleme aus. Dieser Vertrag hat sich gut bewaehrt, denn
er schuf einen hohen Grad an Stabilitaet in den Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern, ohne dass sich die
Regierung dabei einzuschalten hatte.
Die Autoritaet, mit der der LO ausgestattet ist, hat nicht
zu einer Beherrschung "von oben her" gefuehrt, weil die Macht
des LO weit davon entfernt ist, absolut zu sein; das Ergebnis
der Verhandlungen mit den Unternehmern wird in Empfehlungen
zusammengefasst, die zwar ueberzeugend sein koenne, aber nicht
hindend fuer die angeschlossenen Verbaende sind, denen eine
betraechtliche Selbststaendigleit bleibt.

�Ausserdem Ist die Demokratie ein angeborenes Merkmal der
schwedischen Gewerkschaftsbewegung. Die Fuehrer erklimmen nicht
Hoehen, in denen sie keine Verbindung mehr mit der breiten Masse
haetten. Wie Strand sagt, "spricht Jeder aus der Gewerkschaftsbewegung den anderen, auch wenn es ein Funktionaer ist, mit "Du"
an."
Strands Tuere sowohl als auch die der anderen Funktionaer«
des LO steht zu jeder Zelt allen Gewerkschaftlern offen. Diese
scheuen sich nicht, zu ihnen zu kommen, wenn sie ihnen ihre Meinung
mitteilen moechten. Funktionaere und einfache Gewerkschaftler
besprechen gemeinsam Angelegenheiten, wann und wo sie sich auch
immer begegnen; nicht nur in Versammlungshallen, sondern auch in
der Strassenbahn und auf der Strasse.
So wie Axel Strand in die Sozialdemokratische Partei eintrat,
als er Gewerkschaftler wurde, so haben auch die Arbeiter Schwedens
die wirtschaftliche Tetigkeit mit der politischen kombiniert. Das
Ergebnis auf politischem Gebiet war, dass diese Partei auf Grund
ihrer Mehrheit im Riksdag (Parlament) seit 1932 das Kabinett gebildet hat. Eine Ausnahme stellen die KriegsJahre dar, in denen
eine Koalitionsregierung bestand. Die Gesetzgebung und die Massnahmen der Regierung waren unter dem Einfluss der Sozialdemokratischen Partei auf Vollbeschaeftigung, Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter und Ausdehnung der sozialen Sicherheit
ausgerichtet.
Strand und viele andere Gewerkschaftsfuehrer betreten bei
Wahlkaempfen die Rednertribüne und werben fuer sozialdemokratische
Kandidaten. Er selbst wurde fuer die Zeit von 1936 bis 1938 in
den Stadtrat gewaehlt. Dann gehoerte er mit sechs anderen Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei zu der 14 Mann starken
Vertretung in der Ersten Kammer des Riksdag. Seitdem war er Immer
im Riksdag und staendig Mitglied des Gesetzes- und Verfassungsaußschusses, der sich mit der sozialen Gesetzgebung befasst. Ausserdem gehoert Strand seit 1946 zum AussenpolitIschen Ausschuss.
Strands aktive Rolle als politischer Fuehrer wird durch
die Tatsache bekundet, dass er seit 1944 Mitglied des Exekutivausschusses seiner Partei ist.
Seine Einstellung wirtschaftlichen und politischen Fragen
gegenueber hat Strand selbst in folgenden Worten zum Ausdruck
gebracht:
"Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei und die Gewerkschaftsbewegung arbeiten seit dem Tage zusammen, an dem beide Organisationen
gegruendet wurden. Diese Zusammenarbeit wurde nicht in irgendeiner
Verfassung genau festgelegt, sondern hat sich aus der Interessengemeinschaft ergeben, die die politischen und gewerkschaftlichen
Ziele der Arbeiter miteinander verbindet. Als die Sozialdemokratie
die Regierung uebernahm, war es ganz natuerlich, dass die Arbeiterregierung und die Gewerkschaftsbewegung ebenso wie Regierung und
SozaildemokratIsche Partei zusammenarbeiteten. Es gab fuer uns
Immer gemeinsame Probleme und Interessen. Die Zusammenarbeit ist
unseres Erachtens in einer Zeit, in der die Arbeiter regieren,
gerade so-notwendig, wie zu einer Zeit, in der sie sich in der
Opposition befinden."
In der Nachkriegszeit standen die wirtschaftlichen Probleme
bei den Diskussionen in dem Ausschuss im Vordergrund, sagt Strand.
Vor dem Kriege befasste man sich.In groesserem Masse mit politischen
Angelegenheiten.
- 5 -

�Beide Gewerkschaftsverbaende, LO und TCO, vertreten die
Arbeiter Schwedens im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften,
der im Dezember vorigen Jahres in London gegruendet wurde. Strand
war natuerlich auch in London und zwar als Mitglied der achtkoepfigen
schwedischen Delegation. Er arbeitete in dem Verfassungsausschuss,
der wohl die wichtigsten Funktionen der gesamten Konferenz hatte.
Strands Auslandsreisen, ausser den bereits genannten, sind
ein Beispiel fuer die Anteilnahme der schwedischen Gewerkschaften
an internationalen Angelegenheiten. Auf Einladung der Marshall
Plan Verwaltung flog er zusammen mit 11 weiteren Gewerkschaftlern
nach den Vereinigten Staaten, um amerikanische Industriebetriebe
zu besuchen. 1947 verbrachte er 14 Tage in der britischen Besatzungszone Deutschlands, um die Nachkriegsverhaeltnlase zu studieren.
In den letzten zwoelf Jahren bereiste er ferner Frankreich, Belgien,
Holland, Schweiz, Oesterreich, Tschechoslowakei und Ungarn.
Zu der internationalen, wirtschaftlichen Zusammenarbeit und
der Haltung der schwedischen Gewerltthaft zu dieser Frage nimmt
Strand folgendermassen Stellung:
"Unsere Teilnahme am Marshall Plan und unsere Unterstuetzung
der einzelnen Massnahmen im Rahmen dieses Projektes gruenden sich
auf die feste Ueberzeugung, dass die internationale Zusammenarbeit
auf wirtschaftlichem Gebiet unerlaesslich ist, wenn wir eine Welt
aufbauen wollen, in der die Sicherheit und Wohlfahrt der Menschheit garantiert ist. Durch die ungeheuren Zerstoerungen des
Krieges war es den Nationen Europas unmoeglich, den Wiederaufbau
mit eigenen Mitteln und innerhalb einer im voraus zu bestimmenden
Frist durchzufahren. Wir begruessen deshalb dankbar das grossartige Hilfsprogramm des amerikanischen Volkes und sind bereit,
alles zu tun, um es zu einem Erfolg werden zu lassen."
Im Wesen und der Haltung Strands finden wir vieles, was fuer
die Schweden charakteristisch ist. Er ist ruhig,und gelassen. .
Von guter Erscheinung, ueber mittelgross, kahlkoepfig, mit grossen,
dunklen, forschenden Augen, koennte er leicht fuer einen Professor
oder Doktor gehalten werden. Nach schwedischer Art sind seine
oeffentlichen Reden weder laut noch rhetorisch, sondern ruhig und
ueberzeugend.
Alle, die ihn kennen, bezeichnen ihn als einen Mann von
grosser Intelligenz und einem umfassenden Allgemeinwissen, das
laufend durch seine Wissbegierde genaehrt wird. Sein Humor wird
von einem Freund als eine Art bezeichnet, "die andere Leute zum
Lachen bringt, waehrend er selbst todernst dabei bleibt."
Strand ist ein einfacher Mann. Auf die Frage, welche Faktoren
zu seinem Aufstieg bis zur hoechsten Stellung im LO gefuehrt haben,
erklaert er, wie die Praesidentensteile durch den Tod eines Vorgaengers frei war und er vom Verwaltungsrat des LO zum Presidenten gewaehlt wurde. Alle jedoch, die Axel Strand kennen, wissen
dass die Erklaerung fuer seinen Aufstieg zur fuehrenden Persoenlichkeit in der schwedischen Gewerkschaftsbewegung in der Tatsache
liegt, dass "er wirklich auf Draht ist»"
ECA Labor Information
27. Januar 1950

- 6 -

�BRUESSEL - WELTHAUPTSTADT DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Vor sechs Jahren waere in Bruessel eine Gewerkschaftsmitgliedskarte wohl das Letzte gewesen, was ein Arbeiter in seiner
Tasche getragen haette - es sei denn, er hatte das Verlangen,
einem deutschen Erschiessungskommando gegenüberzustehen. Die einst maechtigen, belgischen Gewerkschaften waren aufgeloest, die Mitgliederlisten zerstoert und jegliche gewerkschaftliche Taetigkeit verboten. Gewerkschaftsfuehrer, die dem Tode,
dem Kerker oder der Verbannung durch die Besatzungsbehoerden
entgangen waren, hielten sich verborgen. Die Gestapo war ihnen
Tag und Nacht auf der Spur.
Es bestand lediglich eine "Gewerkschaft" in Belgien, die
von den Nazis gegruendete Gewerkschaft der Hand- und Kopfarbeiter
(Union des Travailleurs Manuels et Intellectuels). Es war eine
"Unternehmergewerkschaft" im wahrsten Sinne, und der Unternehmer,
dem sie diente, war Adolf Hitler. Wenig belgische Arbeiter
wuenschten, mit der verhassten "UTMI" irgendetwas zu tun zu
haben, da sie im Dienste der Nazis und der Wehrmacht stand.
Heute gibt es in Belgien drei grosse Gewerkschaftsverbaende,
und fast die Haelfte der 2.600.000 Arbeiter des Landes tragen
stolz ihre Mitgliedskarten. Die belgische Hauptstadt ist Hauptquartier der beiden groessten Gewerkschaftsverbaende, des
Belgischen Gewerkschaftsbundes und des Bundes Christlicher
Gewerkschaften, die zusammen ueber eine Million Mitglieder
zaehlen.
Mit der Errichtung des staendigen Sitzes des neugegruendeten Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in Bruessel,
ist diese Stadt nun auch zur Welthauptstadt der Gewerkschaftsbewegung geworden.
Die neue, demokratische Arbeiterinternationale wurde im
- Dezember in London organisiert, als 261 Gewerkschaftsdelegierte
aus 53 verschiedenen Laendern gemeinsam beschlossen, einen
neuen Weltbund zu gruenden, dessen Aufgabe es sein sollte, "die
wirtschaftliche und politische Freiheit der arbeitenden Menschen
auf der Welt zu erringen und zu sichern." Vom 28. November bis
. zum 10. Dezember vorigen Jahres trafen sich in der County Hall
in London Delegierte als Vertreter von 50 Millionen Arbeitern
der Welt. Sie ernannten Paul Finet, den 52-jaehrigen Werkzeugmacher und Generalsekretaer des Belgischen Gewerkschaftsbundes,
zu ihrem ersten Praesidenten und waehlten Bruessel zum staendigen Sitz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Generalsekretaer der neuen Organisation ist J. H. Oldenbroek
aus Holland, der tatkraeftige Sekretaer des Internationalen Transportarbeiter Verbandes. Ein Stab von 40 bis 50 Mitgliedern wird
ihm bei der Verwaltung der neuen Gewerkschaftsinternationale
von Bruessel aus zur Seite stehen.
Die dynamische, junge Organisation ist die kuehne Antwort
der freien Gewerkschaften an den von den Kommunisten beherrschten
Weltgewerkschaftsbund, der sich nach vergeblichen Versuchen der
Gewerkschaften des Westens, mit den Kommunisten zusammenzuarbeiten, in das Kielwasser der russischen Intrigenten begab. Der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften lehnt, wie es sein
Name schon sagt, den Totalitarismus in allen Formen und jegliche
Art kontrollierten Gewerkschaftswesens ab. Sein klar vorgezeichnetes Ziel ist die wirtschaftliche Sicherheit ohne den Verlust
der persoenlichen Freiheit. Der hartnaeckige Widerstand des
Weltgewerkschaftsbundes
- 7 -

�dem Marshall Plan gegenueber, gepaart mit einer ruecksichtslosen
kommunistischen Diktatur und der bekannten Ausbeutung der Arbeiter
in den Laendern hinter dem Eisernen Vorhang, veranlassten schliesslich die Gewerkschaften der westlichen Laender im Februar vorigen
Jahres, aus dem Weltgewerkschaftsbund auszutreten»
In seiner Praesidentenbotschaft an den Londoner Kongress erklaerte Paul Finet: "Fuer diejenigen von uns, die sich noch immer
verzweifelt bemuehten, die Einheit zu erhalten und fuer die stalinistischen Intrigen im Weltgewerkschaftsbund eine weniger verletzende Erklaerung zu finden, beseitigte die Einstellung dieser Organisation zum Mars hall Plan auch die letzten Illusionen. Ihrer Haltung dem ERP gegenueber ist es zuzuschreiben, dass der Weltgewerkschaftsbund auseinanderbrach.•
"Brot, Friede,und Freiheit11 ist der Kampfruf, mit dem der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften ins Leben sprang. Das
achtseitige Manifest wirtschaftlicher und sozialer Forderungen, das
auf der Londoner Konferenz entworfen wurde, bezeichnet ••Brot" als
"die wirtschaftliche Sicherheit und soziale Gerechtigkeit fuer Alle",
fordert "Freiheit" durch wirtschaftliche und politische Demokratie"
und"Frieden" in Freiheit, Gerechtigkeit und Anerkennung der persoenlichen Wuerde fuer Alle." Es fordert die Arbeiter auf, "sich
zusammenzuachliessen, um eine Welt aufzubauen, in der die Menschen
frei sind von Tyrannei.... von Totalitarismus und von der Bevormundung und Ausbeutung durch.... Kartelle und Monopole." Es ruft
dazu auf, den "Ueberfluss zu mobilisieren, dessen sich die industriell fortgeschrittenen Nationen der Welt erfreuen, um allen
Menschen Vollbeschäftigung, Sicherheit gegen Not, Alter und
Krankheit zu garantieren und ihnen einen staendig steigenden
Lebensstandard und ein reicheres und besseres Leben zu bieten."
Das sind die Ziele der neuen Gewerkschaftsinternationale,
die ihren Sitz in Belgien hat. Ihrer Verwirklichung ist die Organisation in Bruessel gewidmet, die das Sprachrohr der gesamten
freien, organisierten Arbeiterschaft der Welt darstellt.
Mit der Wahl Bruessels zur Hauptstadt hat der Internationale
Bund Freier Gewerkschaften eine glueckliche Hand gehabt. Als
Hauptstadt einer der kleinsten Nationen Europas ist Bruessel eine
Stadt mit einer Million Einwohnern, in der der Charme der alten
Welt mit dem aeusseren Bild einer vorwaertsstrebenden, modernen
Metropole harmonisch zusammenwirkt. Neue amerikanische Automobile bewegen sich in den altertuemlichen, engen Strassen und wetteifern mit klingenden elektrischen Strassenbahnen und furchtlosen
Radfahrern, die sich durch den Verkehr schlaengeln. Die Laeden
sind mit Waren gefuellt, vom amerikanischen, elektrischen Kuehlschrank und der Waschmaschine bis zu feinen englischen Stoffen.
Freundliche, kleine Cafes locken Kaeufer, Touristen und Geschaeftsleute.
Bruessel ist wie New York City kein ausgesprochenes Industriezentrum. Ausser der Leichtmetallindustrie ist wenig Industrie
in der Stadt selbst. Der groesste Teil der erwerbstaetigen Bevoelkerung, deren Zahl sich auf fast eine Viertelmillion belaeuft,
ist in den grossen Finanz- und Handelsunternehmen der Hauptstadt
beschaeftlgt oder arbeitet in den Verwaltungsstellen der belgischen
Regierung. Bruessel ist seit dem Mittelalter ein bluehendes Zentrum
des kontinentalen Handels. Abgesehen von seiner Bedeutung fuer
Finanz und Handel und von seinen grossen Sehenswürdigkeiten fuer
Touristen, ruehmt sich diese Stadt einer Atmosphäre des guten
Lebens und der erfolgreichen Arbeit.
- 8 -

�Das kleine Belgien, das erst seit 1830 als unabhaengige
Nation besteht, hat 8£ Millionen Einwohner. Ein Viertel hiervon
lebt in den vier grossen Staedten Bruessel , Antwerpen, Luettich und
Gent. Man findet in diesem Land sowohl die Schwer- als auch die
Leichtindustrie, - beide produzieren fuer den Export - eine ausgedehnte Landwirtschaft und den zweitgroessten Seehafen des Kontinents.
Durch Antwerpen geht ein grosser Teil der Produktion Westeuropas
in die ganze Welt.
Belgien produziert in normalen Zeiten genuegend Ezportwaren,
um seine Importe damit bezahlen zu koennen. Sein Problem bestand
Jedoch nach dem Kriege darin, dass es keine Kaeufer fand, die
diese Waren abnehmen konnten. Der Marshall Plan hat Belgien geholfen, indem er anderen Laendern Europas ermoeglichte, belgische
Exportwaren zu kaufen. M. Gaston Eyskens, der Premierminister
Belgiens, erklaerte unlaengst: "Im ganzen gesehen ist 100.000
belgischen Arbeitern durch die Marshall Plan Hilfe Arbeit gegeben
worden - 100.000 Arbeiter deren Produktion in den Dienst des
Wiederaufbaus Belgiens und Europas gestellt werden konnte. In
dieser schweren Zeit bedeutet diese Hilfe die Rettung Belgiens."
Obwohl Belgiens neun Provinzen in drei Sprach- und Kulturgebiete aufgeteilt sind, bilden deren Bewohner trotzdem eine einzige
Nation, die gelernt hat, Notzeiten durch enges Zusammenarbeiten
zu ueberstehen. Die Flamen der noerdlichen Provinzen, die fransoesichsprechenden Wallonen aus dem Sueden und die deutschsprechende Bevoelkerung des aeussersten oestlichen Teiles des Landes sie alle sind zu alte rerst Belgier.
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften wird bei seinen
Tagungen in Bruessel eine freundliche Aufnahme finden, denn
Belgien ist ein Land, in dem sich die Gewerkschaften einer grossen
Sympathie nicht nur seitens der Regierung sondern der gesamten
Nation erfreuen.

INNERGEWERKSCHAFTLICHER KAMPF DER ARBEITER GEGEN DEN KOMMUNISMUS
Nach Ansicht des amerikanischen Sonderbeauftragten in Europa,
W. Avereil Harrlman, hat der Kommunismus in Europa seine groesste
Niederlage innerhalb der Gewerkschaftsbewegung'erlitten. In
einem Bericht an den auasenpolitisehen Ausschuss des Senats, in dem
Harriman zu der Fortsetzung des Wiederaufbau Programms fuer das
Jahr 1950-1951 Stellung nimmt, spricht er sich anerkennend ueber
den Kampf der europaeischen Arbeiter "um ein freies Leben" aus.
"In Italien und Frankreich", berichtet Harriman, "hatten sich
die Kommunisten der Herrschaft ueber die bedeutendsten Gewerkschaftsverbaende bemaechtigt, bevor der Marshall Plan angelaufen war. Nun
verlieren sie an Boden, und die nichtkommunistischen Gewerkschaften
gewinnen schnell an Staerke. In Frankreich hat es sich die "Force
Ouvriere" zusammen mit anderen nichtkommunistischen Gewerkschaften
zur Aufgabe gemacht, die franzoesische Gewerkschaftsbewegung von
den Kommunisten zu befreien. In Italien haben sich zwei bedeutende
nichtkommunistische Gewerkschaftsverbaende von dem kommunistischen
Gewerkschaftsbund losgesagt und mobilisieren nun die Kraefte der
freien italienischen Arbeiter."
Harrison fuehrt auch an, wie die deutschen Gewerkschaften
auf einer Konvention im Oktober vorigen Jahres dem Kommunismus
einen schweren Schlag versetzt haben, indem sie sich im Deutschen
Gewerkschaftsbund ausammenschlossen. Auf dieser Konvention, berich- 9 ,.

�tet Harriman, "brachten die Kommunisten nur eine Handvoll von
Delegierten auf."
"In anderen Laendern," faehrt er fort, "wie Oesterreich,
Belgien und Norwegen, in denen die Kommunisten einst stark waren,
ist ihr Einfluss in der Gewerkschaftsbewegung heute zu einem unbedeutenden Nichts zusammengeschmolzen." Harrison erklaert weiter,
dass "die zunehmende Entschlossenheit der Arbeiter, die kommunistischen Agenten aus den einflussreichen Stellungen in der Gewerkschaftsbewegung zu vertreiben, in der ganzen Welt Reaktionen ausgeloest hat."
Als Beispiele fuehrt er den Austritt der freien Gewerkschaften
aus dem einst maechtigen, kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund an, den er als "ein Werkzeug der Intrige" bezeichnet,
und die Gruendung des Internationalen Weltbundes Freier Gewerkschaften, der, wie er sagt, "der Foerderung der Arbeiterwohlfahrt
und der Bekaempfung der kommunistischen Machtgelueste dient."
ECA Labor Information
3. Maerz 1950
DIE FRANZOESISCHE RHEINFLOTTE
Die franzoesische Rheinschiffahrt ist wieder in Betrieb dies ist zum grossen Teil durch die Hilfe Amerikas ermoeglicht
worden. Am Ende des Krieges war ein Drittel der Rheinflotte
vollkommen zerstoert, und Frankreich war es nicht moeglich, die
zum Schiffsbau notwendigen Arbeiten allein zu finanzieren. Von
den 120 benoetigten Lastkaehnen wurden 47 in amerikanischen Schiffswerften in Einzelteilen hergestellt und in hollaendischen und franzoesischen Haefen zusammenmontiert. Die restlichen werden in Frankreich fast ausschliesslich mit amerikanischem Material gebaut.
Die Kosten fuer das gesamte Programm zum Bau von Lastkaehnen
belaufen sich auf 18.797.000 Dollar; hiervon werden 17.938.000
Dollar von Amerika in verschiedenen Formen, einschliesslich Marshall
Plan, zur Verfuegung gestellt.
Auch die von und nach Belgien, Holland, Schweiz, Deutschland
und Frankreich auf dem Rhein verfrachteten Gueter sind zum grossen
Teil von Amerika bezahlt.
Das Flottenbauprogramm bedeutet also Wiederaufleben des Rheinhandels fuer alle Uferstaaten. Es bedeutet Arbeit fuer Hunderte von
Schiffern und Werftarbeitern. Der Lebensstandard der Schiffer ist
dank dieses Programms verbessert worden.
Da ist zum Beispiel George Vaeth. Er ist Kapitaen der "Chinon",
einer der in den Vereinigten Staaten in Einzelteilen hergestellten
Lastkaehne. Vaeth ist auf der "Chinon" zuhause; mit Stolz wird er
Ihnen sein Schiff zeigen. Es ist glaenzend weiss, hat eine buntgestrichene Kueche mit einem Herd mit Oelfeuerung und einem schimmernd
weissen Kuehlschrank; ausserdem ein modernes Badezimmer mit Dusche,
ein geraeumiges Doppelschlafzimmer und zwei zusaetzlichen Schlafkajueten mit je 2 uebereinanderliegenden Betten.
Vaeth, ein Elsaesser mittleren Alters, ist ein lakonischer
Mensch. Wenn Sie ihn fragen, was er vom Marshall Plan haelt, wird
er Ihnen nur erwidern, dass dies eine bedeutende und gute Angelegenheit ist.
- 10 -

�Hoeren wir jedoch seine Frau. "Wo an Land koennten wir uns
all das leisten?" fragt sie, indem sie stolz ihre saubere Kueche,
ihr "luxurioeses" Badezimmer und ihren Kuehlschrank zeigt. All
das haben wir der Hilfe Amerikas zu verdanken."
Der Leiter der Personalabteilung der Rheinflottenverwaltung
kann besser erklaeren, was die "neue" Rheinflotte fuer diejenigen
bedeutet, die durch sie Arbeit gefunden haben. Auf die Frage, was
Kapltaen Vaeth, seine Besatzung und die Kapitaene und Mannschaften
der uebrigen Schiffe tun wuerden, wenn es keinen Marshall Plan
gaebe, antwortete er:
"Ich nehme an, dass sich die meisten nach Arbeit in irgendeiner Fabrik umsehen muessten."
BGA Labor Information
2. Maerz 1950
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN ZU INTERNATIONALEN FRAGEN
In kuerzlich angenommenen Resolutionen sprachen sich die
Verwaltungsraete der beiden Hauptgewerkschaftsverbaende der Vereinigten Staaten, AFL und CIO, fuer die Beteiligung der freien
Gewerkschaftsbewegung an internationalen Angelegenheiten aus.
Fuehrende Funktionaere der AFL und des CIO stimmten fuer die
Unterstuetzung des neuen Internationalen Weltbundes Freier Gewerkschaften, befürworteten erneut den Marshall Plan, forderten die
Bewilligung des von Praesident Truman vorgeschlagenen Punkt-VierProgramms zur Unterstuetzung rueckstaendiger Gebiete und brachten
erneut ihr Vertrauen in die Vereinten Nationen zum Ausdruck, Gleichzeitig lehnten die beiden grossen amerikanischen Gewerkschaften
eine Ausdehnung der wirtschaftlichen Unterstuetzung und die diplomatische Anerkennung Franco Spaniens ab.
Der Verwaltungsrat der AFL forderte auf seiner Tagung in
Miami (Florida) den Kongress auf, sich mit Nachdruck fuer die
Genehmigung des Punkt-Vier-Programms einzusetzen, und die Gewerkschaften an der Planung und Verwaltung dieses Programms teilnehmen
zu lassen. In seiner Bereitschaftserklaerung sich hinter den
Marshall Plan und das Programm zur Unterstuetzung der in Not befindlichen Gebiete der Welt zu stellen, erklaerte der Verwaltungsrat im einzelnen:
"Die bis jetzt mit Hilfe des Europaeischen WiederaufbauProgramms
erzielten Erfolge, die in der Produktionssteigerung in den unterstuetzten Laendern erkennbar sind, unterstreichen die Notwendigkeit, jetzt fuer die Zeit nach Beendigung des Marshall Planes als
solchen vorzubereiten. Es ist klar, dass die demokratischen Nationen
im Interesse der Entwicklung einer gesunden und ausgeglichenen
Wirtschaft in dem freien Teil der Welt keine Zeit verlieren duerfen,
die verschiedenen unter dem ERPund demPunkt-Vier-Programm getroffenen
Massnahmen zu kombinieren. Eine wirksame Vereinigung der Wirtschaften
des demokratischen Europa ist unmoeglich, solange keine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit Westeuropas mit Afrika, Amerika und den
demokratischen Laendern und Gebieten Asiens zustandekommt. Es muss
Westeuropa in zunehmendem Maase gelingen, fuer seine produzierten
Waren Absatzmaerkte in den wirtschaftlich unentwickelten Gebieten
zu erschllessen. Bei diesen gemeinsamen Moeglichkeiten wuerden die
verschiedenen europaeischen, nationalen Wirtschaften, die in vieler
Hinsicht miteinander konkurrieren, eher versuchen, sich zusammenzuschliessen."
- 11 -

�Der Verwaltungsrat des CIO billigte in Washington die Prinzipien des Punkt-Vier-Programms, warnte jedoch davor, die den
rueckstaendigen Gebieten gewaehrte Hilfe nur "stueckweise" zukommen zu lassen. In der Resolution heisst es u.a.:
"Praesident Trumans Punkt-Vier-Programm, das vorsieht, den
rueckstaendigen Gebieten unsere wissenschaftlichen und industriellen Fortschritte zu ihrer Verbesserung und ihrem Gedeihen zur
Verfuegung zu stellen, stellt einen Anfang dar. nenn wir jedoch
erfolgreich sein wollen, darf diese Unterstuetzung nicht nur
"stueckweise" gewaehrt werden.
"Unser Programm muss, wie das Europaeische Hilfsprogramm,
wohl durchdacht und mit Umsicht geplant sein. Seine Durchfuehrung
wird ungeheure Kapitalanlagen erfordern. Die Armut dieser rueckstaendigen Gebiete stellt eine Gefahr und eine Bedrohung fuer
sie selbst sowohl als auch fuer uns dar. Wir sind ueberzeugt,
dass Friede und Prosperitaet unzertrennliche Begriffe sind."
Die beiden Gewerkschaftsverbaende sprachen sich rueckhaltlos
fuer die Unterstuetzung des neuen Internationalen Weltbundes Freier
Gewerkschaften aus, den Vertreter von etwa 50 freien Gewerkschaftsbewegungen der ganzen Welt im vorigen Jahr in London ins Leben
riefen.
Die AFL begruesste die Gruendung dieser Organisation als ein
"Ereignis von unschaetzbarer Bedeutung in der Geschichte des Weltgewerkschaf tswesens • *•
Der Verwaltungsrat des CIO erklaerte:
"Wir sind der Ueberzeugung, dass diese Organisation freier
und demokratischer Gewerkschaften berufen ist, dem Wohle der Arbeiter auf der ganzen Welt zu dienen, und die Angriffe auf ihre
Organisationen von totalitaeren Quellen her abzuwehren.
ECA Labor Information
2. Maerz 1950
- 12 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFKIAL

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Materini kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankhirt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auck einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmltteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 4

Frankfurt, 3 1 . Maerz 1950

INHALTSVERZEICHNIS
William Green zum Marshall Plan - - - - - 1
S c h i e d s r i c h e r t l i c h e Schlichtung, ein wesentl i c h e r Bestandteil der K o l l e k t i w e r t r a e g e - 3
Gewerkschaften Hollands fuer Steigerung der
Produktion
- - - - - - - - - - - - - - - - - 4
Vollbeschaeftigung
- - - - - - - - - - - - - 5
SOS - Hilferuf aus Ostdeutschland - Sachsen 6
Englische Weber s t u d i e r e n amerikanische Produktionsmethoden - - - - - - - - - - - - - - 7
Amerikanische Gewerkschaften u n t e r s t u e t z e n das
Neue I s r a e l - - - - - - — - - - - - — - 8
CIO Resolution zu i n t e r n a t i o n a l e n Problemen 10

WILLIAM GREEN ZUM MARSHALL PLAN
William Green, der Praesident des Amerikanischen
Gewerkschaftsbundes AFL, u e b e r r e i c h t e v e r s c h i e denen Ausschuessen des Kongresses der Vereinigt e n Staaten folgende Erklaerung, in der er d i e
Fortsetzung des Marshall Planes f o r d e r t :
"Acht Millionen Maenner und Frauen der AFL u n t e r s t u e t z e n den
Marshall Plan. Die beiden e r s t e n Jahre dieses Programms beweisen,
dass s i c h i h r e Muehe gelohnt h a t . Nach Vollendung der Haelfte
des Europaeischen Wiederaufbau Programmes s t e l l e n wir mit Genugtuung f e s t , d a s s :
• der Stand der i n d u s t r i e l l e n Produktion ein Fuenftel ueber
dem des besten VorkriegsJahres l i e g t ;
• d i e l a n d w i r t s c h a f t l i c h e Produktion den Vorkriegsstand f a s t
e r r e i c h t hat;
• eine I n f l a t i o n vermieden wurde;
• der Handel u n t e r den ERP-Laendern zunimmt.
Fuer die 135 Millionen Arbeiter bedeutet d i e s :
• Beschäftigung
• eine gesicherte Ernaehrung und
• ein Lebensstandard, der seit 1943, dem Beginn des
Marshall Planes, immer besser wurde.
- 1 -

�Ein fuehlbarer Beweis fuer die wirtschaftliche Wiedergesundung der ERP Laender ist in dem Schwinden der kommunistischen
Macht in ganz Westeuropa zu sehen. Positiv ausgedrueckt heisst
das, dass die wachsende Macht der demokratischen Gewerkschaften
ein Gradmesser fuer das Gelingen des Wiederaufbauprogrammes ist,
in Laender, in denen die Kommunisten noch vor zwei Jahren die
Gewerkschaftsbewegung fast voellig beherrschten.
So wie die vergangenen zwei Jahre die Staerke des Wiederaufbau
Programms unter Beweis gestellt haben, so haben sie auch dessen
Schwaechen und Problem« gezeigt, die in den noch bleibenden zwei
Jahren in Angriff genommen werden muessen.
Mit einer der schwersten Fehler ist die ungleiche Methode,
nach der Min bei der Verteilung der Geldmittel aus dem Wiederaufbauprogramm vorgegangen ist. Dies ist besonders in Frankreich,
Italien, Deutschland und Griechenland der Fall. Der franzoesische
Arbeiter zun Beispiel hat nicht nur unter einem niedrigeren
Lebensstandard als vor dem Kriege zu leiden, man verlangt von ihm
sogar, dass er sich geduldet, waehrend andere Gruppen innerhalb
der Wirtschaft in Wohlstand leben. Er weiss sehr wohl, dass die
Durchfuehrung des staatlichen Programms zur wirtschaftlichen
Stabilisierung nicht nur Preiskontrolle geht. Was in Frankreich
der Fall ist, trifft auch in geringerem Masse fuer andere ERP
Laender zu, die keine Arbeiter- oder Arbeiter-Koalitionsregierungen
haben. Selbst da,,wo fuer alle Teile der Wirtschaft Erfolge erzielt werden konnten, hat die ungleiche Beteiligung der verschiedenen Gruppen an den Gewinnen, wobei den Arbeitern in vielen Faellen
der geringste Prozentsatz zufiel, Anlass zur Unzufriedenheit in
Arbeiterkreisen gegeben.
Der ungleichen Verteilung der Wiederaufbaukosten kann durch
eine gerechtere Besteuerung abgeholfen werden; damit wuerden die
Arbeiter von einer uebermaessigen Belastung durch Steuern befreit;
ein intensiviertes Bauprogramm soll den grossen Wohnraummangel in
Laendern wie Italien, Frankreich, Deutschland und Griechenland
beheben; hoehere Realloehne sollen einen höheren Lebensstandard
fuer die Arbeiter und die Errichtung eines inlaendischen Absatzmarktes ermoeglichen. Die europaeische Industrie und gewisse
Regierungen muessen sich Jetzt darueber klar werden, dass die
Staerke und Stabilitaet der Wirtschaft von einer hohen Kaufkraft
der Masse des Volkes abhaengig ist.
Das Problem der gegenwaertig angestrebten, wirtschaftlichen
Zusammenschliessung ist fuer die amerikanischen Gewerkschaftler
ebenso von grossem Interesse. Wir billigen das Prinzip des freien
Handels innerhalb Europas zur Schaffung eines Massenabsatzmarktes.
Wir moechten aber auch die Beamten der ECA und die europaeischen
Regierungen darauf hinweisen, dass es entsprechender Massnahmen
bedarf, um der durch die internationale Konkurrenz entstehenden
wirtschaftlichen Not von Arbeitern zu begegnen, die fuer eine
gewisse Zeit ihren Arbeitsplatz verlieren koennten.
Wir sind uns bewusst, dass unsere Regierung Verantwortlichkeiten zu uebernehmen hat, indem sie einen umfangreicheren Handel
zwischen Europa und den Vereinigten Staaten ermoeglicht. Wir wissen,
wie wichtig es ist, unsere Importe zu steigern, damit Europa Gelegenheit hat, die von uns gekauften Waren zu bezahlen. Als amerikanische Arbeiter sind wir an diesem Programm hoechst interessiert
und beieLt, zu seinem Gelingen beizutragen, wenn im voraus Massnahmen
zur Vermietung von Krisen fuer solche Leute getroffen werden, fuer
die sich das Programm unguenstig auswirken kann. Dies sind Probleme,
denen wir uns in den kommenden Monaten mit gesteigerter Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. Sie aendern jedoch nicht das Geringste
an unserer Unterstuetzung des Marshall Planes und seines Endzieles,
der Hebung des Lebensstandards der europaeischen Voelker. Wir fordern deshalb vom Kongress, dass er der Marshall Plan Verwaltung
- Z -

�die Unterstuetzung und die finanziellen Mittel nicht versagt,
die notwendig sind, um dieses Programm bis zu seinem festgesetzten
Ablauf im Jahre 1952 weiterfuehren zu koennen. Jeglicher Versuch,
die Mittel zu kuerzen, die die Marshall Plan Verwaltung fuer erforderlich haelt, um das Programm im kommenden Jahre weiterfuehren
zu koennen, waere nach unserer Meinung falsche Wirtschaftspolitik.
Wir erinnern den Kongress daran, dass die unvermeidlichen Folgen
einer Aufhebung oder starken Reduzierung der Europahilfe zu diesem Zeitpunkt folgende waeren:
• • ein-starker Rueckgang der Produktion und Beschaeftigtenziffern wegen Mangel an Rohstoffen, Maschinen, etc.
. als Ergebnis der Arbeitslosigkeit und der schlechteren
Ernaehrung ein Absinken der Lebensstandarde
• ein Abnehmen des internationalen Handels auf Grund
strenger Kontrollen durch dde Regierungen, die ihre
beschraenkten Reserven an Devisen schuetzen moechten
• ein Wiederaufleben des Kommunismus als unvermeidliche
Folge des wirtschaftlichen Rueckgangs in Europa.
Die Notwendigkeit einer Verstaerkung der amerikanischen,
militaerischen Verteidigung eines geschwaechten Europas wuerde
letzten Endes weit kostspieliger sein als die Finanzierung eines
Aufbauprogramms, das Europa auf seine eigenen Fuesse stellen soll.
Aus diesen Gruenden fordert der Amerikanische Gewerkschaftsbuno AFL den Kongress auf, den Marshall Plan auch weiterhin zu
unterstuetzen und die zum Wiederaufbau Europas notwendigen Geldmittel zu bewilligen.'1
«.

ECA Labor. Information
13. Maerz 1950

SCHIEDSRICHTERLICHE SCHLICHTUNG. EIN WESENTLICHER BESTANDTEIL
DER KOLLEKTIWERTRAEGE
Das S t a t i s t i s c h e Buero des U. S. Arbeitsministerium b e r i c h t e t ,
dass e i n e r kuerzlich durchgefuehrten Erhebung zufolge i n mehr a l s
acht von j e zehn g u e l t i g e n Tarifvertraegen i n den Vereinigten
S t a a t e n zur Beilegung von A r b e i t s s t r e i t i g k e i t e n eine s c h i e d s r i c h t e r l i c h e Entscheidung vorgesehen i s t . Bast 1.500 Vertraege, die
ueber d r e i Millionen Arbeiter umfassen, wurden der Erhebung zugrundegelegt. Neun von j e zehn der geprueften Vertraege - aus
den Industriezweigen Kleidung, T e x t i l i e n , Leder, Transport (ausser
Automobil), Gummi, Papier, Druck und Veroeffentlichungen, Nahrungsm i t t e l und oeffentliche Dienste - verlangen eine s c h i e d s r i c h t e r l i c h e Entscheidung bei S t r e i t i g k e i t e n , die mit dem Vertrag i n
Zusammenhang stehen.
Im allgemeinen besteht die Aufgabe des S c h i e d s r i c h t e r s d a r i n ,
S t r e i t f r a g e n ueber die Auslegung und Anwendung der bestehenden
Vertragsbestimmungen zu klaeren. In 80f0 der der Erhebung zugrundegelegten Vertraege komut dies zum Ausdruckt Nach einem von je 10
Vertraegen i s t der S c h i e d s r i c h t e r ermaechtigt, F a e l l e zu b e a r b e i t e n , wie z . B . allgemeine Lohnveraenderungen - d i e nicht d i r e k t i n dem
Vertrag vorgesehen s i n d . Einige Vertraege (2#) g e s t a t t e n den
S c h i e d s r i c h t e r n , - wenn Verhandlungen zwischen beiden P a r t e i e n zu
keinem Ergebnis gefuehrt haben,- d i e Bedingungen fuer neue oder
r e v i d i e r t e Vertraege auszuarbeiten.

3

�Die gelaeufigste Form des Schiedsspruchverfahrens ist der
Sonder- oder "ad hoc"- (nur fuer den betreffenden Fall) Ausschuss,
der sich gewoehnlich aus drei oder mehr Mitgliedern zusammensetzt.
In wenig mehr als der Haelfte (52*o) der ueberprueften Vertraege
mit Schiedsrichterbestimmungen wird festgelegt, dass derartige
Ausschuesse dann einzusetzen sind, wenn eine Streitfrage auftaucht,
die nach dem ueblichen Beschwerdeverfahren zwischen Gewerkschaft
und Unternehmer nicht beigelegt werden kann. In nur 4# der Vertraege sieht man sogenannte "dauernde Ausschuesse" vor, die berechtigt sind, auf mehr oder weniger dauernder oder regelmaessiger
Basis einen Schiedsspruch bei Streitigkeiten zu faellen, die sich
im Laufe der Vertragsdauer ergeben. 27# der Vertraege bestimmen
die Einsetzung eines einzelnen "ad hoc" Schiedsrichters, (statt
eines Schiedsrichterausschusses), waehrend in einem von je 10 Vertraegen ein dauernder Schiedsrichter oder unparteiischer Vorsitzender vorgesehen ist»
Zwei Drittel der Vertraege enthalten irgendwelche Bestimmungen, nach denen eine unparteiische Behoerde zu Rate gezogen
werden muss, deren Auswahl Sache des Schiedsrichters ist, wenn
sich die Parteien nicht selbst ueber die Wahl einig werden koennen.
Meistens kommt hierfuer das Bundesstaatliche Schlichtungs- und
Vermittlungsamt (Federal Mediation and Conciliation Service) in
Frage, das in. mehr als 30# der Vertraege genannt wird. Weniger
haeufig spricht man von staatlichen oder lokalen Regierungsdienststellen oder von privaten Organisationen. Die unter diesen
haeufigst Erwaehnte ist die Amerikanische Vereinigung der Schiedsrichter (American Arbitration Association).
Gemaess der Erhebung des Statistischen Bueros herrscht die
Gewohnheit vor, Unternehmer und Gewerkschaft gleichermassen mit
den Schiedsrichterkosten zu belasten. In fast Dreiviertel der
Satzungen ueber Schiedsrichter verfaehrt man nach dieser Methode.
Einige Vertraege, - weniger als lf0 - bestimmen, dass die verlierende Partei die gesamten Schiedsrichterkosten allein zu tragen
hat. Nach den meisten der letztgenannten Vertraege ist es erforderlich, dass in der schiedsrichterlichen Entscheidung die
verlierende Partei genannt wird.
Wenig mehr als 1.000 der 1.483 analysierten Vertraege sind
von Herstellerfirmen abgeschlossen. Alle Vertraege der Erhebung
waren teilweise oder ganz waehrend des Jahres 1949 in Gueltigkeit.
Der vollstaendige Bericht ueber die von dem Arbeitsstatistischen Buero durchgefuehrte Untersuchung der Satzungen fuer
Schiedssprechung in Vertraegen zwischen Gewerkschaft und Unternehmer wird gegen Ende des Monats in der Februarausgabe des
"Monthly Labor Review", der offiziellen Veroeffentlichung des
Bueros fuer Arbeitsstaistik, erscheinen.
Information des Statistischen
Bueros im U.S. Arbeitsministerium
Februar 1950
GEWERKSCHAFTEN HOLLANDS FUER STEIGERUNG DER PRODUKTION
Der Hollaendische Gewerkschaftsbund hat einen Aufruf erlassen,
in dem "alle Schichten des hollaendischen Volkes aufgefordert
werden, sich mit allen zur Verfuegung stehenden Mitteln fuer
eine Steigerung der Produktion einzusetzen." Darin wird die
Bevoelkerung Hollands warnend darauf aufmerksam gemacht, dass
"die Vollbeschaeftigung nicht gesichert und infolgedessen der
gegenwaertige Verbrauchsstand nicht beibehalten werden kann,
- 4 -

�wenn die Produktion nicht in erheblichem Masse gesteigert wird."
In der Verlautbarung des Hollaendischen Gewerkschaftsbundes,
des groessten der drei bedeutenden Gewerkschaftsverbaende Hollands,
heisst es weiter: "Der Lebensstandard muss mit der Steigerung der
Produktion Schritt halten, damit die Produktionsleistung der Arbeiter gesichert ist, die von wesentlicher Bedeutung ist und
ihrerseits den Industrien Hollands ermoeglichen muss, auf dem
Weltmarkt zu konkurrieren." Eine Finanzpolitik der Regierung wurde
gefordert, die geeignet ist, die Arbeiterschaft an den aus der
Produktion entstehenden Gewinnen zu beteiligen.
In seinem Aufruf zu hoeherer Produktion.fuehrte der Hollaendische Gewerkschaftsbund aus:
"Trotz beachtlicher Fortschritte im wirtschaftlichen Wiederaufbau in den Jahren 1945 bis 1949 liegen Verbrauchs- und Investierung svolumen noch immer ueber dem der Produktion... Holland,
dessen Reserven erschoepft sind, kann sich diesen Defizit nur auf
Grund des Europaeischen Wiederaufbauprogramms erlauben; dieses
Programm wird jedoch im Jahre 1952 beendet werden... Es gilt jetzt,
einerseits den Verbrauch und die Investierungen einzuschraenken
und andererseits die Produktion so zu erhoehen, dass bis zum Jahre
1952 das Gleichgewicht in der Zahlungsbilanz hergestellt werden
kann...."
"Das heisst," erklaerte der Praesident des Hollaendischen
Gewerkschaftsbundes, H. Oosterhuis, "wenn wir zehn Laib Brot verbrauchen, muessen wir auch zehn bezahlen koennen und nicht nur
acht, wie es in den vergangenen Jahren der Fall war."
Der Hollaendische Gewerkschaftsbund verpflichtete sich, mit
den Arbeitgebern Besprechungen zu fuehren, um herauszufinden, wie
er zu einer Steigerung der Produktion beitragen kann. Er erbot
sich zum Beispiel, ueber eine zeitweilige Erweiterung des Systems*
der Schichtarbeit zu verhandeln; eine groessere Differenzierung
der Loehne fuer Arbeiten hoeherer und niedriegerer Klassen zu besprechen; die Frage der Verbesserung der Ausruestungen und der
Leistungsfaehigkeit von Betrieben zu eroertern; und schliesslich
eine Verbesserung der Organisation innerhalb der einzelnen Abteilungen zu diskutieren."
ECA Labor Information
17. Jiaerz 1950
VOLLBESCHAEFTIGUNG
In seiner Abhandlung ueber einen kuerzlich erschienen Bericht
der Vereinten Nationen ueber nationale und internationale Massnahmen zur Vollbeschaeftigung warnte der amerikanische Delegierte
Isador Lubin die Vertreter der Kommission fuer Wirtschaft und
Vollbeschaeftigung bei den Vereinten Nationen vor der Auffassung,
dass die Vollbeschaeftigung allein wirtschaftliche Stabilitaet
und wirtschaftliches Gedeihen sichern koenne. Es muesse vielmehr
auf dem Gebiet der internationalen Wirtschaften ein Maximum an
Produktion und Kaufkraft angestrebt werden.
Mr. Lubin bezeichnete das U # 3, Gesetz zur Vollbeschaeftigung von 1946 als einen Beweis dafuer, dass viele grundlegende,
wirtschaftliche Fragen bei der Formulierung dieses Gesetzes der
Vereinigten Staaten beruecksichtigt worden seien.
- 5 -

�"Dieses Gesetz," sagte er, "stellt ein nationales Bekenntnis
zu unserer Politik der Aufrechterhaltung nicht nur der Vollbeschaeftigung,, sondern auch eines Maximums an Produktion und Kaufkraft dar. Nach den Bestimmungen dieses Gesetzes ist die Wirtschaft
der Vereinigten Staaten unter staendiger Beaufsichtigung gehalten
worden. Ferner wurden der Wirtschaft Ziele gesetzt in Bezug auf
Produktion, Beschaeftigung und Kaufkraft. Dem Kongress wurden
Vorschlaege fuer gesetzliche Massnahmen unterbreitet, die erforderlich waren, "um diese Ziele erreichen zu koennen."
"Die seit dem Kriege in den Vereinigten Staaten erzielten
Rekordziffern fuer Beschaeftigung, Produktion und Kaufkraft sind
von vielen Faktoren abhaengig. Meiner Meinung nach hat auch das
Gesetz zur Vollbeschaeftigung von 1946 zu diesem Ergebnis beigetragen."
Das grosse Interesse des amerikanischen Volkes, an der Frage
der Vollbeschaeftigung erklaerte Mr. Lubin damit, dass dieselbe
"nicht nur fuer die Wohlfahrt des amerikanischen Volkes sondern
auch fuer den Weltfrieden von grosser Bedeutung sei."
Der von Sachverstaendigen der Mitgliedsstaaten der Vereinten
Nationen verfasste Bericht war in zwei Abschnitte unterteilt. Der
eine handelt von Massnahmen, die Jedem einzelnen Land empfohlen
werden, waehrend in dem anderen Vorschlaege zu internationalen
Fragen dargestellt werden.
Mit Bezug auf den erstgenannten Abschnitt des Berichtes sagte
Mr. Lubin: "In dem Bericht wird die Instabilitaet der privaten
Investierung als wesentlichster Faktor in den periodischen (Beschaeftigungs-) Fluktuationen bezeichnet. Ohne die Bedeutung der
privaten Investierung als Faktor in solchen Fluktuationen schmaelern
zu wollen, bin ich der Ansicht, dass noch bedeutsamer die Tatsache
ist, dass man es zu oft versaeumt hat, die Kaufkraft so zu steigern, wie es durch die Vergroesserung der Fabriken und Einrichtungen
erzielte Produktionssteigerung erfordert haette»
Der Delegierte der Vereinigten Staaten forderte alle Mitgliedstaaten auf, "weitere Schritte zu unternehmen... wenn es unsgelingen
soll, die Vollbeschaeftigung zu erreichen, wozu uns die Charta
der Vereinten Nationen verpflichtet." Er billigte die in dem
Bericht getroffene Feststellung, dass "die geforderten Massnahmen
zur Foerderung der Vollbeschaeftigung in Laendern mit freier Wirtschaft mit den Verhaeltnissen dieser Laender durchaus vereinbar
sind." Zum dauernden Gelingen der freien Wirtschaft gehoert nicht
nur die Vollbeschaeftigung," sagte er, "sondern sie ist sogar von
ausschlaggebender Bedeutung."
ESA Labor Information
13. Februar 1950
S O S - HILFERUF AUS OSTDEUTSCHLAND - SACHSEN
Am 6.12.49. morgens 5.30 Uhr hoerte ich vom Sender RIAS das
Gespraech mit dem amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer (Walter
Reuther). Trotzdem die Sendung 3ehr gestoert wurde, habe ich
viel Aufschlussreiches gehoert und verstanden. Richte an Euch
die Bitte, befreit uns bald von den russischen Sklavenhaltern
und ihren Aufpassern (SED-Funktionaeren).

- 6 -

�Durch eine f r e i e demokratische Wahl, die wir h i e r i n der
Ostzone nicht a l l e i n durchfuehren koennen, h e l f t unsj Ich glaube,
dass ich d i e Z e i l e n im Sinne von 60g der Ostzonen-Bevoelkerung
schreibe.
Meinen Namen kann ich auch n i c h t nennen, da i c h in Ungnade
g e f a l l e n b i n . Meine Arbelt habe i c h auch schon v e r l o r e n . Wenn
wir f r e i s i n d , kann i c h Rede und Antwort stehen. Ich moechte so
gerne d i e Ostzone v e r l a s s e n , bin aber v e r h e i r a t e t und habe Kinder
und auch kein Geld.
Viele moechten nach dem Westen a b .
b e i Euch h a l t e n v i e l e im Osten.
F r e i h e i t

Die grosse Wohnungsnot
11

Am 15.12.49. die Sendung Menschenrecht und Freiheit. In der
Ostzone gibt es fuer keine ein Recht und Freiheit. Von oben bis
unten (ueberhaupt nicht) wird der Mensch gefuehrt (Kommandiert)
von der Besatzungsmacht*
Viele Arbeiter wuerden gerne mit denen im Westen tauschen
(sagt das Euren Arbeitern, die sich nach dem Arbeiter-Paradies
sehnen).
Jawohl, es gibt alles im Radio und auf dem Papier bei uns
im Osten, das ist die Wahrheit. Das schreibt ein ehemaliger SED»
Mann. Die Arbeiter im Westen wissen es ja garnicht, wie gut sie
es haben.
ENGLISCHE WEBER STUDIEREN AMERIKANISCHE PRODUKT IONSMETHODEN
Ein Hauptfaktor in der staendigen Steigerung der Produktionsleistung der amerikanischen Industrie ist die Bereitwilligkeit
der Arbeiter, mit der sie sich mit Veraenderungen der Arbeitsbedingungen einverstanden erklaeren, die eine hoehere Produktion
zur Folge haben. Dies ist einer der Schlussfolgerungen, die
sechzehn Vertreter der englischen Kunstseidenindustrie aus ihrer
6-woechigen Studie der Industrie der Vereinigten Staaten gezogen
haben. Ihre Reise wurde gemeinsam von dem Anglo-Amerlkanlschen
Produkt ivitaetsrat, der englischen Regierung und der Verwaltung
fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit organisiert.
Die englische Gruppe stellte fest, dass die allgemeine Beteiligung der amerikanischen Arbeiter an den aus hoeherer Produktion
entstehenden Gewinnen in Form von Lohnerhoehungen und Bonuszuteilungen einen Ansporn fuer sie darstelle, mehr zu produzieren.
Ausser den zahlreichen arbeitssparenden Methoden, die den amerikanischen Arbeitern helfen, pro Stunde mehr als ihre Kollegen
in England zu produzieren, wird nach Ansicht der Besucher die Produktion dadurch erhoeht, dass man Facharbeitern ermoeglicht, sich
auf diejenigen Arbeiten zu konzentrieren, die einen Hoechstgrad
an Fertigkeit erfordern. Wie es auch in anderen Laendern der Fall
ist, besteht die Hauptverantwortung der amerikanischen Weber darin,
die Produktion und die Qualitaet der Stoffe auf demselben Stand
zu halten. Da er jedoch nicht gezwungen ist, zahlreiche andere
Nebenarbeiten zu verrichten, wie es bei den englischen Webern
der Fall ist, kann der Amerikaner mehr Webstuehle ueberwachen
und mehr produzieren als der Weber in England.

- 7 -

�Unter den Hilfsmitteln zur Erzielung einer hoeheren Produktionsleistung, die in England bereits in Gebrauch sind, in der
amerikanischen Industrie jedoch besser entwickelt sind, nannten
die englischen Besucher die Verbesserung der Arbeitsmethoden
durch das Studium der Arbeitszeit und des Arbeitsganges.
In dem Bericht der Gruppe heisst es weiter, dass die Methode
des Zergliederns der Arbeitsgaenge in die einzelnen Elemente zur
Vermeidung unnoetiger Arbeiten und Verbesserung der uebrigen in
einigen der groesseren Webereien soweit entwickelt sei, dass man
die einzelnen Arbeitsvorgaenge photographiere. Verbesserungen,
die man auf Grund dieser Filme beschlossen habe, wuerden dadurch
ausgewertet, dass man die Arbeiter in der neuen Methode unterweist.
Die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen waren nach Ansicht
der britischen Gruppe sowohl in Betrieben mit gewerkschaftlich
organisierter Belegschaft als auch in nichtorganisierten im allgemeinen gut. Dem Bericht zufolge sind in einigen Webereien Glaszellen eingerichtet worden, um dem Arbeiter das Rauchen zu ermoeglichen, ohne dass er seinen Arbeitsplatz verlassen muss. In
groesseren Unternehmen sei es ausserdem den Arbeitern moeglich,
viele der von ihrer Firma hergestellten Produkte zu Grosshandelspreisen zu kaufen.
Besonders hervorgehoben wurden in dem Bericht die Auswirkungen des riesigen amerikanischen, inlaendischen Absatzmarktes
auf die amerikanische Kunstseidenindustrie. Daraus ergibt sich
fuer die Webereien die Moeglichkeit, sich auf weniger Sorten von
Garnen und Stoffen zu spezialisieren, laengere produktivere Arbeitsgaenge anzuwenden und durch diese grossangelegte Produktion die
Gestehungskosten zu.reduzieren. Aus all diesen Gruenden ist
Amerika in den Augen der britischen Fachleute Europa so weit in
der Produktionsleistung voraus.
ECA Labor Information
16. Maerz 1950
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN UNTERSTUETZEN DAS NEUE ISRAEL
Praesident William Green vom Amerikanischen Gewerkschaftsbund AFL und der Praesident des CIO, Philip Murray, veroeffentlichten nach einer Besprechung mit Praesident Harry S. Truman
folgende gemeinsame Erklaerung:
Im Namen der ueberwaeltigenden Mehrheit der organisierten
Arbeiterschaft in Amerika haben wir heute dem Praesidenten erklaert,
dass wir geschlossen hinter dem neuen demokratischen Staat von
Israel stehen, und dass wir besorgt sind, diesen Staat und die
Menschen des Mittleren Ostens durch das unnoetige Wettruesten der
Regierungen Aegyptens und anderer arabischer Laender des Mittleren
Ostens bedroht zu sehen.
Auf Grund massgeblicher Zeitungsberichte und anderer zuverlaessiger Informationsquellen sind wir zu der Ueberzeugung gelangt,
dass das Ziel dieser militaristischen Tendenzen ein zweiter Krieg
gegen den israelitischen Staat ist.
Wir sind der Ansicht, dass diese Erklaerung eine Bedrohung
darstellt nicht nur der neuen, demokratischen Republik Israel,
sondern auch der Hoffnungen des amerikanischen Volkes auf Stabilitaet und friedlichen Fortschritt ueberall da, wo dies in der
Welt moeglich ist.

�Die Gewerkschaften Amerikas,- sowohl AFL als auch CIO-, treten
seit langem fuer eine Wiedererrichtung der juedischen Souverraenitaet in Palaestina ein. Es war uns eine grosse Genugtuung, als
unsere Regierung sich prompt entschloss, den neuen Staat Israel
anzuerkennen und zu unterstuetzen, der als Ergebnis jahrhundertealten, juedischen Strebens und juedischer Hoffnungen zu werten
ist. Mit lebhaftem Interesse und Beifall haben wir die Bemuehungen
der demokratischen Regierung Israels verfolgt, ihren Buergern
Frieden und Fortschritt zu bringen. Wir sind soweit, dass wir
die israelitische Republik als ein Bollwerk unserer Hoffnungen
zum Schutze der demokratischen Entwicklung im Mittleren Osten
betrachten. Enge und freundschaftliche Beziehungen verbinden
uns mit Histadrut, dem hervorragenden Gewerkschaftsbund Israels,
der fuer die Wohlfahrt seiner Mitglieder und den neuen Staat als
Ganzes Grosses leistet.
Wir hatten gehofft, dass es Israel nach Beendigung seines
gerechten Kampfes um nationale Unabhaengigkeit moeglich wuerde,
seine menschlichen und natuerlichen Kraefte in Frieden und Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn zu entwickeln.
Die wachsende Gefahr einer neuen militaerischen Einmischung
seitens reaktionaerer, illegaler Nachbarregierungen - wovon in der
Presse in allen Einzelheiten berichtet wurde - wirken mehr und
mehr alarmierend.
Diese neue militaerische Bedrohung richtet sich gegen einen
Staat, der wirksamer als irgendein anderer des Mittleren Ostens
daran arbeitet, seinem Volke einen hoeheren Lebensstandard, ein
besseres Erziehungswesen und bessere Wohn- und Gesundheitsbedingungen zu ermoeglichen. In den ersten 18 Monaten seines JBestehens
hat dieser Staat ungeheure Fortschritte erzielen koennen, und weitere Erfolge sindtzu erwarten, wenn der Friede in diesem Gebiet
erhalten bleibt.
Die wirksame Foerderung des Lebens- und Kulturstandards in
Israel wird Verbesserungen im Leben von Millionen anderer Menschen
des Mittleren Ostens zur unvermeidlichen Folge haben, die zum
groessten Teil in Unwissenheit, Armut und Krankheit dahinvegetieren.
Wenn Praesident Trumans Punkt-Vier-Prograrnm, das wir unbedingt
befuerworten, bewilligt wird und zur Ausfuehrung kommt, dann waere
Israel in der Tat dazu berufen, in der Entwicklung der Energiequellen des Mittleren Ostens eine fuehrende Stellung einzunehmen.
Zeitungsberichten und anderen glaubwuerdigen Quellen zufolge
unterstuetzt die Regierung Grossbritanniens Aegypten, Trans Jordanien,
den Irak und andere arabische Laender, die Israel feindlich gesinnt
sind, mit umfangreichen Waffenlieferungen. Wir ersuchten den
Praesidenten, entsprechende Vertretungen im Namen unserer Regierung
bei der englischen Regierung vorstellig werden zu lassen, um die
Belieferung dieser arabischen Laender mit Kriegsmaterial zu Aggressionszwecken zu unterbinden, das offensichtlich dazu bestimmt ist,
gegen Israel eingesetzt zu werden.
Da die Waffenlieferungen nach den arabischen Laendern noch
fortgesetzt werden, baten wir den Praesidenten, den Verkauf von
Waffen an die Regierung Israels zu genehmigen, um der taeglich
wachsenden Bedrohung der Sicherheit dieses Landes zu begegnen«
Wir sehen keinen Grund, dass Israel nicht die Moeglichkeit haben
soll, sich Mittel zu seiner Verteidigung zu beschaffen, waehrend
sich das Waffendepot seiner Nachbarn staendig zu Aggressionszwecken
vergroessert.

- 9

�Auch gaben wir dem Praesidenten gegenueber unserer Hoffnung
Ausdruck, dass Amerika mithelfen moege, einen gerechten und
dauernden Frieden zwischen der Regierung Israels auf der einen
Seite und Aegypten, Transjordanien und den anderen arabischen
Laendern auf der anderen Seite zustandezubringen. Wir vertrauen
fest darauf, dass die Regierung der Vereinigten Staaten ihre vernuenftlge und einsichtsvolle Haltung in Bezug auf die Lage Jerusalems beibehalten wird, damit der unausfuehrbare Beschluss der
Vereinten Nationen hinsichtlich dieser Stadt abgeaendert wird.
Ebenso stellten wir die Forderung nach zusaetzlicher, finanzieller Unterstuetzung fuer Israel. Dieser kleine und neue Staat
hat waehrend der 13 Monate seines Bestehens 365.000 juedische
Emigranten aufgenommen, Sie kamen aus den Verschlepptenlagern
Deutschlands, den Ghettos der arabischen Laender, oder waren vor
der immer groesser werdenden Diskriminierung in den Satellitenstaaten der Sowjets gefluechtet. Die Anleihe der Export-Import
Bank ueber 100 Millionen Dollar, fuer die sich der Praesident
In grosszuegiger Welse eingesetzt hatte, ist nun aufgebraucht. Die
von der juedischen Bevoelkerung Amerikas geleistete Hilfe kann den
dringenden, grossen Bedarf nicht decken.
Wir hoffen, dass unsere Regierung erneut eine neue Anleihe
bei der Export-Import und der Weltbank beantragen wird, um dem
Staate Israel zu ermoeglichen, mit seinen zahlreichen Problemen
fertig zu werden.
Amerikanischer Einfluss und amerikanische Hilfe koennen mitwirken, den Frieden und die Demokratie im Mittleren Osten zu bewahren und Stabilitaet, Fortschritt und Aufklaerung in Jenen Teil
der Welt zu bringen. Als Gewerkschaftler, die an den Frieden und
den Sieg der Demokratie glauben, hoffen wir, dass sich unsere
Regierung weiteren Angriffen gegen den israelitischen Staat und
das mutige, verstaendlge israelistische Volk widersetzen wird, das
ebenso wie wir nach einer geordneten Wirtschaft und restlosen
Ausnutzung der natuerlichen Hilfsquellen zum Wohle der Menschheit
strebt.
Information Service
10. Februar 1950

CIO RESOLUTION ZU INTERNATIONALEN PROBLEMEN
Die ku erzlich abgehaltene Vorstands Sitzung des CIO
in den Vereinigten Staaten fasste folgende EntSchliessung:
"Zu einer Zeit, in der die Ziele der demokratischen Nationen,
Wiederaufbau, Demokratie und dauerhafter Friede, von ihrer Verwirklichung noch weit entfernt sind, gibt der CIO erneut seiner
tiefen Ueberzeugung Ausdruck, dass sich unsere Nation mit allen
ihr zur Verfuegung stehenden Mitteln fuer Abruestung und Frieden
einsetzen muss. Der Entschluss, die Wasserstoffbombe und andere
Massenvernichtungswaffen weiter zu entwickeln, bestaerkt uns in
unserem Willen, mit noch mehr Interesse die hoechst kritische,
internationale Lage im Auge zu behalten.
Wir verlangen von unserer Regierung, dass sie auf dem Wege
ueber die Vereinten Nationen und ihre angeschlossenen Kommissionen
und Dienststellen in ihren Bemuehungen um die WeltSicherheit nicht
nachlaesst. Die Vereinten Nationen unterstuetzt und in ihrer Arbeit

- 10 -

�zu Enttaeuschangen Anlass gegeben haben. Diese Organisation hat
die Moeglichkeit, eine geordnete Welt aufzubauen, in der nicht
uebertrieben nationalistische Tendenzen ein Chaos heraufbeschwoeren
koennen. Man sollte keine' Gelegenheit voruebergehen lassen, die
Koerperschaften der Vereinten Nationen in den Dienst des Friedens
und der Prosperitaet der Welt zu stellen.
Unsere Hoffnungen und Wuensche koennen nicht erfuellt werden,
wenn wir die Augen vor 4er Wirklichkeit verschliessen. Wir muessen
einsehen, dass jeglicher Vorschlag zur wahren internationalen Ruestungskontrolle, zur Welt Sicherheit und der Entwicklung einer internationalen Kontrollbehoerde von der Sowjetunion und ihren Satelliten unterdrueckt und abgelehnt wurde.
Waehrend die sowjetischen Agenten von sogenannten "FriedenskonferenzenM sprechen, versucht die Sowjetunion, die Brandherde in
Buropa, Asien und den Mittleren Osten noch zu vergroessern. Dieses
Land mit seinen Satelliten verspricht auf der einen Seite in heuchlerischer Weise den Arbeitern den langersehnten Frieden und betreibt
zugleich - oder drohte damit - eine Aggressionspolitik gegen
Griechenland, Jugoslawien, Korea und Indochina.
Wir begruessen jeden Vorschlag, wie der Friede durch ein Abkommen erhalten werden kann. Wir duerfen jedoch auch in Zukunft
Vereinbarungen nicht ueberschaetzen, die mit solchen Staaten getroffen wurden, die sich ruehmen, dass ihre Unterschriften nicht
von dauernder Gueltigkeit seien. Die Vereinigten Staaten muessen
auch weiterhin an ihrer Politik festhalten, die darin besteht,
sich selbst und ihre gleichgesinnten Nachbarn in der ganzen Welt
zu staerken.
Aus diesen Gruenden unterstuetzte der CIO den Atlantik Pakt
und das Militaerische Hilfsprogramm, die zwischen unserer Regierung
und den demokratischen Nationen Europas abgeschlossen wurden. Wir
stehen absolut bejahend dem Programm unserer Regierung gegenueber,
das die Belieferung der demokratischen Nationen mit den Waffen
vorsieht, die notwendig sind, um sich selbst gegen die Gefahr
einer totalitaeren Aggression verteidigen zu koennen.
Der CI Ü fordert die Regierung der Vereinigten Staaten auf,
in Zukunft in noch verstaerktem Masse die fortschrittlichen Bewegungen in der ganzen Welt in ihrem Kampf gegen den ueberholten
Imperialismus zu unterstuetzen. In Asien, Afrika und dem Mittleren
Osten lehnen sich die Voelker gegen fremde Bevormundung auf. Wir
Wir erkennen das Recht aller Voelker auf voellige nationale Freiheit und Selbstregierung an und werden alle Bemuehungen unterstuetzen,
die auf die schnellstmoegliche Verwirklichung dieses Rechtes gerichtet sind.
Es liegt in der Macht der Vereinigten Staaten, dafuer zu sorgen,
dass die Befreiung der Kolonialvoelker vom alten Imperialismus nicht
zu ihrer Unterwerfung unter den sowjetischen Imperialismus fuehrt,
den man ihnen als eine Form der Befreiung vorsetzt. Die Voelker,
die um ihre nationale Unabhaengigkeit kaempfen und das Recht, ihre
eigenen Wirtschaften nach ihrem Gutduenken zu entwickeln, sollten
aus unserer Handlungsweise ersehen, dass sie in den Vereinigten
Staaten einen Freund haben.
Der CIO stimmt mit ganzem Herzen den folgenden Forderungen zu,
die der neugegruendete Internationale Bund Freier Gewerkschaften in
seinem Manifest gestellt hat.

-11 -

�"Die industriell fortschrittlichen Nationen haben die Pflicht,
jenen grossen Gebieten der Welt und ihren Millionen von Bewohnern vorwaertszuhelfen, die an der industriellen Revolution keinen materiellen
Anteil hatten. Noch viele dieser Nationen geniessen weder politische
Freiheit noch nationale Unabhängigkeit. Einige schmachten unter
altmodischer, militaerischer Diktatur, andere unter modernem Totalitär! smus. Viele sind Kolonien der fortgeschrittenen Laender, denen
zwar mehr oder weniger das Recht der Selbstbestimmung zusteht, deren
natuerlicher Wunsch nach Unabhängigkeit jedoch noch nicht erfuellt
ist. Den Millionen von Arbeitern in diesen Laendern, die noch nicht
in den Genuss voelliger Freiheit gekommen sind, versprechen wir hiermit unsere unumschraenkte Hilfe.
"Wir sind der Auffassung, dass der wirtschaftliche Fortschritt
in diesen Gebieten oberstes Gebot ist. Wir befuerworten kuerzlich
gemachte Vorschlaege zur technischen Unterstuetzung unentwickelter
Laender und alle anderen Massnahmen, die demselben Zwecke dienen*
Wir bestehen darauf, dass diese Laender im Geiste gegenseitiger Zusammen
arbeit und nicht im Geiste des Imperialismus entwickelt werden. So
duerfen zum Beispiel diesen Laendern in der Verwendung der von ihnen
erzeugten Waren keine Beschraenkungen auferlegt werden. Die Kapitalinvestierung in diesen Gebieten ist von wesentlicher Bedeutung, sie muss
jedoch mit den Interessen des Volkes und im besonderen den Rechten der
Arbeiter in den durch diese Investierungen entstehenden Unternehmen
vereinbar sein. Die Bemuehungen der Voelker, ihre eigenen politischen
und wirtschaftlichen Probleme selbst zu loesen, sollen durch dieses
Kapital nicht ersetzt, sondern ergaenzt werden.
Praesident Trumans Punkt-Vier-Programm, das vorsieht, unsere
wissenschaftlichen und industriellen Fortschritte den unentwickelten
Gebieten zu ihrer Verbesserung und ihrem Gedeihen zur Verfuegung zu
stellen, stellt einen Anfang dar. Wenn wir jedoch erfolgreich sein
wollen, darf diese Hilfe nicht stueckwelse gegeben werden. Unser
Programm muss, wie das Europaeische Hilfsprogramm, wohl durchdacht
und mit Umsicht geplant sein. Seine Durchfuehrung wird ungeheure
Kapitalanlagen erfordern. Die Armut dieser rueckstaendigen Gebiete
stellt eine Gefahr und eine Bedrohung fuer sie selbst sowohl als auch
fuer uns dar. Wir sind ueberzeugt, dass Friede und Prosperltaet nicht
voneinander zu trennende Begriffe sind."
- 12 -

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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienstetelle der Regierung der Vereinigten Staaten
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III-5

Frankfurt, 7. April 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Ein schwedisches Urteil ueber die deutschen
Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - 1
Amerikanische Gewerkschaftler arbeiten am
Wiederaufbau Europas - - - —
-- - —
.«•&gt;.* 9
Interamerikanische Gewerkschaftstagung - - - - 4
Die O.E.E.C. und die internationalen Fachabteilungen - - - - - - - - - - - - - - - - 5
Grosszuegiges Wohlfahrtsprogramm der AFL Gewerkschaft der Kraftfahrer
- - - - - - - - - - 8
Franzoesische Gewerkschaften draengen auf
Wohnungsbau - - - - - - - - - - - - —
----9
Hollaendische Gewerkschaftsführer sprechen
sich anerkennend ueber den CIO aus - - - - - 10

EIN SCHWEDISCHES URTEIL UEBER DIE DEUTSCHE GEWERKSCHAFTEN
"Die Gewerkschaftsbewegung muss zum Rueckgrat der neuen
deutschen Demokratie werden."
Zu dieser Schlussfolgerung kam Algot Joensson, der Ausbildungsleiter des Schwedischen Gewerkschaftsbundes (Svenska Handelsarbetareforbundet), nachdem er sich in Deutschland drei Wochen
lang mit den Problemen des Wiederaufbaus befasst hatte.
Joensson, der in den dreissljer Jahren auf dem Gebiet der
Erziehung taetig war, und dessen Arbelt den Zweck hatte, nazistische Gewaltideen in Schweden nicht Wurzel fassen zu lassen,
erklaerte warnend, dass drei grundlegende Probleme geloest werden
muessten, wenn ein Wiederaufleben des Nazismus in Deutschland
verhindert werden soll. Diese drei Probleme seien: Arbeitslosigkeit, Wohnraummangel und zu niedrige Realloehne.
Joensson, sagte: "Die Gewerkschaftsbewegung als die staerkste,
konstruktivste und demokratischste Macht in Deutschland muss
nicht nur bei der Loesung dieser Probleme eine entscheidende Rolle
spielen, sondern es ist auch ihre Aufgabe, das demokratische
Denken in Deutschland und besonders unter der deutschen Jugend
zu foerdern."
/

�Drei Faktoren nannte Joensson, die in Deutschland bereits
eine "gute Grundlage fuer eine Entwicklung nach demokratischen
Grundsaetzen" geschaffen haetten: die Waehrungsreform, der,
wie er sagte, das Wiederaufleben der deutschen Wirtschaft und
die befriedigende Ernaehrungslage zu verdanken seien.
Er wies jedoch darauf hin, dass noch "viel zu viel Menschen
keine Wohnung haetten" oder in ueberbevoelkerten Vierteln lebten,
und das in einem Land, in dem genuegend Baumaterial zur
Verfuegung stuende. Waren seien in ausreichendem Masse vorhanden,
die Preise fuer den Arbeiter jedoch unerschwinglich, und die Arbeitslosigkeit nehme bedrohliche Ausmasse an«
Wenn diese Probleme nicht geloest wuerden, warnte Joensson,
dann wuerde,sich keine Demokratie, sondern etwas "ganz Verschiedenartiges und Unerwuenschtes" in Deutschland entwickeln.
Er hob besonders die Notwendigkeit einer Betaetigung der
Gewerkschaften und anderer demokratischer Elemente in Deutschland
auf dem Gebiet der Erziehung und Aufklaerung hervor»
"Demokratie ist nicht nur eine Frage der materiellen Verhältnisse eines Volkes, sondern vielmehr eine Angelegenheit
seines geistigen Lebens. Es hat den Anschein, als ob der Anfang
auf geistigem Gebiet viel schwerer als der auf materiellem sei.
Das schwierigste Problem, sagte Joensson, stelle die Jugend
dar, die in nazistischen Organisationen sozial geschult wurde.
"Diese jungen menschen hoerten waehrend der Nazizeit soviel Unwahrheiten ueber die Gewerkschaftsbewegung und die Demokratie,
dass sie heute den Gewerkschaften skeptisch und unentschlossen
gegenueberstehen.
Hauptsaechlich in der Gewerkschaftsbewegung fand Joensson
"erfahrene und zielbewusste Demokraten, die von dem wirklich guten
Willen beseelt waren, eine sichere Grundlage fuer die Zukunft
zu schaffen." Er stellte deshalb die Forderung, dass die Militaerregierung die Gewerkschaften mehr und mehr unterstuetze.
Gleichzeitig legte er den Gewerkschaftsfuehrern nahe, in verstaerktem Masse unter den Arbeltern und in der Gemeinde erzieherisch
zu wirken. Er verlangte ausserdem mehr Selbstkritik innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung und erklaerte, dass der allgemeinen
Tendenz, die nach seiner Meinung darin besteht, dass man selbst
geringfuegigere ArbeitsStreitigkeiten durch das Gesetz beizulegen
sucht, ein Ende gemacht werden muesse.

"Damit meine ich natuerlich nicht, dass die Gewerkschaften
in ihrem Bereich jegliche Anwendung des Gesetzes ablehnen sollen.
Im Gegenteil: die soziale Gesetzgebung ist als Ergaenzung der
Lohnpolitik der Gewerkschaften zu werten. Wenn Jedoch Probleme in
gegenseitigem Einvernehmen der Parteien des Arbeitsmarktes geloest
werden koennen, dann sollte dies um der Demokratie willen geschehen.
Trotz aller Schwierigkeiten, die zwoelf Jahre Naziherrschaft
heraufbeschworen haetten, sprach Joensson mit Zuversicht von dem
Wiederaufleben der Demokratie in Deutschland. Die Tatsache, dass
die Mitgliederzahl der Gewerkschaften seit der Waehrungsreform
gestiegen ist, sei eines der Anzeichen, die zu Hoffnungen berechtigen.
"Zwar sind nur etwa 35# der Beschaeftigten zur Zeit gewerkschaftlich organisiert, trotzdem hat man Beweise dafuer, dass
die Arbeiter mit zunehmendem Vertrauen in den Gewerkschaften die
Vertreter ihrer Interessen sehen."
ECA Labor Information
24. Maerz 1950
- 2 -

�AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTLER ARBEITEN AM WIEDERAUFBAU EUROPAS
"Das gemeinsame Streben der freien Voelker Europas nach
wirtschaftlicher Stabilltaet, Selbststaendlgkelt und Einheit
muss von den demokratischen Einrichtungen dieser Laender getragen
werden, zu denen In erster Linie die nichtkommunistische Gewerkschaftsbewegung gehoert."
So helsst es In einer Direkt' Ive der Mars hall Plan Verwaltung,
(ECA), In der von Massnahmen gesprochen wird, die die Beteiligung der Gewerkschaften am Europaalschen Wiederaufbau Programm
erwirken sollen«
Mit dem Hinwels auf die 30 Millionen Maenner und Frauen In
den Gewerkschaften der Marshall Plan Laender helsst es In der
Direktive der ECA: "Keine andere Gruppe hat ein groesseres Interesse am Gelingen des Europaeischen Wiederaufbauprogramms, und
keine andere Gruppe hat eine bedeutendere Rolle zu spielen, um
diesem Programm zum Erfolg zu Verhelfen." üeber 50 Personen aus
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung bekleiden jetzt wichtige
Stellungen In der Mars hall Plan Verwaltung« Einige arbeiten In
den Hauptquartieren Washington und Paris, andere sind in die
Missionen der einzelnen Marshall Plan Laender berufen. Drei von
ihnen sind Leiter einer solchen Mission.
Die Gewerkschaftler in diesen Aemtern sind angewiesen, mit
den demokratischen Elementen In den Gewerkschaften der Teilnehmerstaaten zusammenzuarbeiten, um sich Ihre Mitarbeit und Unterstuetzung fuer das. Programm zu sichern« Sie sind dafuer verantwortlich, dass die freien GewerkschaftsOrganisationen bezueglich
des Programms auf dem Laufenden gehalten werden« Sie muessen sich
von diesen Organisationen In Problemen beraten lassen, die im
taegllchen Leben der europaeischen Arbeiter In Zusammenhang mit
dem Programm entstehen.
Die Marshall Plan Verwaltung ist der Auffassung, dass zur
wirksamen Einschaltung der ERP Laender in den Welthandel eine
hohe Produktion bei niedrigen Gestehungskosten von ausschlaggebender Bedeutung ist. Sie legt deshalb ihren Gewerkschaftlern
in den Missionen der einzelnen Laender nahe, die in den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der Wechselbeziehungen der Arbeit
gemachten Erfahrungen den europaeischen Gewerkschaften zur Verfuegung zu stellen. Es handelt sich hier In erster Linie um die
Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern, die zur
Erreichung einer hohen Produktion notwendig ist.
In der Direktive wird betont, dass sowohl Arbeiter und
Verbraucher als auch Industrielle und Unternehmer ihren rechtmaesslgen Anteil an den aus der erhoehten Produktionsleistung
entstehenden Gewinnen erhalten muessen. Die Leiter der Aemter
fuer Arbeltsangelegenheiten In den einzelnen Missionen werden
der Arbeiterschaft und den Unternehmern die Vorteile dieser
Methode klarlegen. Ausserdem werden sie mithelfen, die Produktionsgebiete einander anzugleichen und die Probleme in der Steigerung der Produktionsleistung zu loesen.
Die Marshall Plan Verwaltung strebt unter Berueckslchtlgung
der persoenlichen Rechte des Arbeiters eine hoechst wirksame
Verwendung der Arbeitskraefte an. Durch die Staerkung von
Grundstoffindustrien, durch wesentliche Verbesserungen und die
Belieferung mit Rohmaterial und Produktionswerkzeugen werden
Beschaeftigungsmoeglichkeiten geschaffen. Diese Massnahmen
dienen der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhaeltnisse in
den Marshall Plan Laendern«

�In enger Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen
beschaeftigen sich die BCA Aemter fuer Arbeitsangelegenheiten mit
dem Problem der Wiederansiedlung verschleppter Personen oder des
Austausches von Arbeitern. Massregeln und Mindestnormen werden
ausgearbeitet, um die fuer die freiwillig umgesiedelten Arbeiter
entstehenden Schwierigkeiten auf ein Minimum zu reduzieren, um
die Beschaeftigungsmoeglichkeiten auf ein gleiches Mass zu bringen
oder den Mangel an Arbeitskraeften in bestimmten Gebieten oder
Berufssparten zu beheben.
Die Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas
und die betreffenden Regierungen werden von den BCA Aemtern fuer
Arbeitsfragen in der Schaffung besserer, oeffentlicher Arbeitsaemter unterstuetzt. Diesen oeffentlichen Behoerden obliegt die
Aufgabe, die Ueberweisung von Arbeitern in lebenswichtige Industrien zu organisieren und Facharbeiter aus Ueberschussgebieten
in Mangelgebiete zu versetzen»
Durch den Krieg entstand ein Mangel an gelernten Arbeitern.
Viele Maenner wurden so jung zum Militaerdienst einberufen, dass
sie heute keinerlei industrielle Erfahrung oder Ausbildung besitzen. Anderen, die die Kriegsjahre in Uniform verbrachten, sind
die neuen, technischen Methoden unbekannt. Um den dauernden Bedarf
an Facharbeitern decken zu koennen und den Arbeitern zu ermoeglichen
eintraeglichere Arbeiten zu verrichten, arbeiten die ECA Aemter
fuer ArbeitsangeDqgenheiten mit den Gewerkschaften, Unternehmern
und Regierungen an der Planung von BerufsausbildungsProjekten.
Um der kommunistischen Propaganda entgegenzuwirken, die den
Arbeitern laufend aufgetischt wird, hat die Marshall Plan Verwaltung
hervorragende Informationsleute nach Europa geschickt, deren Aufgabe es ist, die Arbeiterschaft ueber die Ziele und Erfolge des
Wiederaufbau Programms genau zu unterrichten. Sie berichten von
der Hilfe und Unterstuetzung, die die amerikanische Arbeiterschaft
diesem Programm zuteil werden laesst.( Sie sorgen fuer Redner,
Broschueren, Filme und andere Informationsmittel.
Labor Information Bulletin
U.S. Arbeitsministerium
Oktober 1949
INTERAMERIKANISCHE GEffERKSCHAFTSTAGUNG
Der Exekutiv-Ausschuss des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes (C.I.T.) trat in der Zeit vom 36.-38. Januar 1950 in Havanna
(Cuba) zusammen. Er billigte in einer Resolution das Programm zur
Industrialisierung Latein-Amerikas, den kontinentalen Agrarplan,
den Plan zur Bekaempfung diktatorischer Tendenzen in Latin-Amerika
und eine Resolution, die gegen das Franco Regime in Spanien gerichtet ist.
Der Ausschuss liess sich von der Teilnahme einer Anzahl von
C.I.T. Delegierten an der Internationalen Gewerkschaftskonvention
im Dezember 1949 in London berichten, wo der Internationale Bund
Freier Gewerkschaften gegruendet wurde. Man beschloss, alle dem
Interamerikanischen Gewerkschaftsbund angeschlossenen Verbaende
aufzufordern, der neuen internationalen Gewerkschaftsorganisation
beizutreten und sich so weit wie moeglich an den Taetigkeiten dieser
Organisation zu beteiligen. Was die Gruendung einer regionalen
Organisation des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften fuer
die westliche Hemisphaere betrifft, beschloss der Exwkutivausschuss,
grundsaetzlich an Jeder Konferenz teilzunehmen, die von dem Inter-

4

�national«! Bond Freier Gewerkschaften zu diesem Zweck einberufen
wuerde.
Nachstehende Einzelheiten ueber die Resolution zur Indust r i a l i s i e r u n g Latein-Amerikas wurden von dem Exekutivausschuss
veroeff e n t l i e h t :
Der Exekutlrausschuss des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes b i l l i g t die Resolution zur Industrialisierung Latein-Amerikas, die von unserem Zweiten Kongress bis zu dieser Konferenz vertagt worden war; In Ergaenzung hierzu gibt er folgende Erklaerung
ab:
1* per Interamerikanische Gewerkschaftsbund I s t der Auffassung, dass zur Foerderung der Industriellen Entwicklung In
Latein-Amerika auslaendlsches Kapital erforderlich I s t , um unserer
Wirtschaft einen Auftrieb geben zu koennen. Wir haben nichts gegen
eine P o l i t i k , die Sicherheitsgarantien fuer diese Investitionen
vorsieht, aber zu gleicher Zeit sind wir der Ansicht, dass s i e
d i e allgemeine Wohlfahrt unserer Laender foerdern, den Lebensstandard der Arbeiter heben und g l e i c h z e i t i g eine angemessene
Sicherheit und den aus der GewerkschaftsOrganisation fuer die
Arbeiter entstehenden Nützen sichern s o l l t e . Nur so kann die
arbeitende Klasse eine verantwortliche und konstruktive Rolle
i n der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Nationen s p i e l e n .
2. Der Interamerikanische Gewerkschaftsbund fordert die
aktive Mitbeteiligung der Gewerkschaftsbewegung an der Formulierung einer neuen Wirtschaftspolitik, insbesondere an der
Durchfuehrung des Punkt-Vier-Programms Praesldent Trumans, das
fuer wirtschaftlich und i n d u s t r i e l l rueckstaendlge Laender finanz i e l l e und wirtschaftliche Hilfe v o r s i e h t . Die Richtigkeit unserer
Einstellung i s t durch die bejahende Haltung bewiesen, die die
Arbeiter dem Marshall Plan gegenueber eingenommen haben.
3 . Der Interamerikanische Gewerkschaftsbund wird sich gegen
die Staerkung der P r i v i l e g i e n des Kapitals oder gegen die Entwicklung gewerkschaftsfeindlicher P o l i t i k s e i t e n s der Regierungen
wenden, auf deren Land s i c h das internationale Programm zur Industrialisierung Latein-Amerikas erstreckt. Wir sind deshalb
der Meinung, dass Regierungen, die die Freiheit der arbeitenden
Klasse beeintraechtIgen, weder technische noch f i n a n z i e l l e Hilfe
erhalten duerfen.
4 . Der Interamerikanische Gewerkschaftsbund s t e l l t f e s t ,
dass Programme zur wirtschaftlichen Unterstuetzung oder Investierung s e i t e n s anderer Regierungen oder Internationaler Behoerden
in Latein-Amerika bisher nicht von der organisierten Arbeiterschaft unterstuetzt wurden, und wir fordern, dass man s i c h in
Zukunft bei der Durchfuehrung aehnlicher Programms um die i d e e l l e
und aktive Beteiligung der Arbeiterorganisationen bemueht.
Inter-Amerlcan Labor News
Februar 1950
DIE O.E.E.C. UND DIE INTERNATIONALEN FACHABI EILUNGEN
Nachstehender Artikel von M.O. Bolle, dem
Sekretaer des Internationalen Gewerkschaftsbundes der Arbeitnehmer des Oeffentlichen
Dienstes erschien im Maerz Im Monatsbericht
dieser Organisation.
Der Kopenhagener Kongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes der Arbeitnehmer des Oeffentlichen Dienstes nahm f a s t ein-

�stimmig bei nur zwei Stimmenthaltungen) eine Resolution zugunsten
des Europaelschen Wiederaufbauprogramms an. Damit bekundete er,
welche ungeheuren Auswirkungen auf den Lebensstandard der Arbeiter
aller an dem Programm beteiligten Laender durch das Wiederaufbau
Programm hervorgerufen wurden. Ausserdem wird die Notwendigkeit
hervorgehoben, der Gewerkschaftsbewegung sowohl auf nationaler
als auch auf Internationaler Ebene Gelegenheit zu geben, bei der
Durchfuehrung des Programms Ihre Meinung geltend zu machen.
Mit Becht hat unser Kongress diesen Punkt besonders betont,
denn es besteht keinerlei Zweifel, dass Lohnfragen und Angelegenheiten der sozialen Gesetzgebung mit vielen der Entscheidungen,
die von den ERP Organisationen und Im besonderen von der Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas getroffen
werden, in Zusammenhang stehen.
Die Frage ist aufgeworfen worden, warum eine Internationale
Fachabteilung wie die unsrlge zu dem Europaelschen Wiederaufbau
Programm Stellung nehmen sollte. Es gibt natuerlich eine eindeutige und ausfuehrliche Antwort auf diese Frage. Erstens besteht nicht der geringste Zweifel, dass die Internationalen Fachabteilungen an den Problemen der allgemeinen Politik tatsaecblich
interessiert sind, obwohl sie sich natuerlich eingehender mit
Fragen befassen, die den besonderen Berufsinteressen ihrer eigenen
Mitglieder naheliegen. Hierzu bedarf es wohl kaum einer Erklaerung.
Eine einzelne, nationale Gewerkschaft nimmt selbstverstaendlich
an der allgemeinen Einstellung und faetlgkeit der nationalen
Gewerkschaftsvereinigung groessten Anteil, der sie angegliedert
ist. Das ist nicht verwunderlich, denn die allgemeine Einstellung
und Taetigkeit des nationalen Gewerkschaftszentrums wirkt sich
unmittelbar auf die Arbeit dar einzelnen Gewerkschaften aus, die
sie zum Wohle Ihrer eigenen Mitglieder leisten.
Dasselbe Argument trifft auch fuer die internationale
Gewerkschaftsbewegung zu. Die Politik und die Taetigkeit einer
allgemeinen, internationalen Gewerkschaftsorganisation, wie des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften oder irgendeiner
Kombination nationaler Gewerkschaftszentren (wie zum Beispiel die
Gewerkschaftsverbaende der Laender der O.E.E.C.) wirken sich unmittelbar auf die Taetlgkelten der Internationalen Fachabteilungen
aus.
Ich moechte dies an Hand nur eines Beispieles erlaeutern,
das mit dem Europaelschen Wiederaufbau Programm in Zusammenhang
steht: Die Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europat
hat den gewerkschaftlichen Beratungsausschuss des ERP anerkannt,
der von den in Frage kommenden nationalen Zentren gebildet worden
war. Dieser Ausschuss hat eine Anzahl Internationaler Fachabteilungen zu Rate gezogen, die ihn in seinen Beziehungen zu den technischen Komitees der O.E.E.C. unterstuetzen sollen. Diese technischen Komitees sind fuer bestimmte Industriezweige zusammengestellt worden, wie zum Beispiel Bergbau, Textilindustrie, Transport
und Elektrlzitaet. Obwohl das Statut, das der Gewerkschaftsbewegung innerhalb der Organisation fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas gegeben wurde, noch lange nicht zufriedenstellend
ist, bleibt die Tatsache bestehen, dass sowohl die betreffenden*
nationalen Zentren, als auch die Internationalen Fachabteilungen
der in Frage kommenden Industriezweige an Beratungen teilnehmen,
die dem Europaelschen Wiederaufbau Programm gelten, das wiederum
direkten Einfluss auf die Arbeltsbedingungen ihrer Gewerkschaftsmitglieder hat.

- 6 -

�Wenn es auch augenblicklich schwierig Ist, auf diesem Gebiet
Wesentliches zu erreichen, so sind wir doch anerkannt und nehmen
an den erwaehnten Beratungen teil. Der gewerkschaftliche Beratungsausschuss des ERP Ist zur Zelt dabei, genaue Richtlinien bezuegllch der europaelschen, wirtschaftlichen Zusammenarbeit auszuarbeiten. Die Internationalen Fachabteilungen sind durch Ihr koordinierendes Komitee hinzugezogen worden, um bei der Formulierung dieser Richtlinien mitzuhelfen. Viele von Ihnen nehmen ein sehr
lebhaftes Interesse an der Arbelt der O.E.E.C. In Bezug auf bestimmte Industriezweige, und sie sind sich bewusst, dass sie der
O.E.E.C. wertvolle HUfe leisten koennen, wenn es sich um diese
bestimmten Industriezweige oder um Irgendwelche Internationalen
Vereinbarungen handelt, die die O.E.E.C. In Bezug auf diese
Industriezweige treffen moechte. Wir duerfen nicht vergessen,
dass die Frage der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der europaelschen
Laender nicht nur eine rein technische Angelegenheit Ist - zu Ihr
gehoeren vielmehr die Lohnfrage, die soziale Gesetzgebung, kurz,
sie wirkt sich auf den Lebensstandard der Arbeiter In diesen Industriezweigen aus.
Als Ich dieses Problem auf dem Kopenhagener Kongress zur
Sprache brachte, fragte man mich, ob es zu rechtfertigen sei,
dass die Gewerkschaftsbewegung an dem Europaelschen Wiederaufbau
Programm Interessiert ist und sich an seiner Durchfuehrung beteiligt. Meine Antwort war "Ja". Ich erklaerte In diesem Zusammenhang unter anderem:
"Das Europaelsche Wiederaufbau Programm soll den Interessen
der gesamten Bevoelkerung der daran beteiligten Laender
dienen. Alle Schichten der Bevoelkerung muessen sich deshalb
fuer dieses Programm interessieren. Sie sind fuer sein Gelingen, aber auch fuer sein Misslingen verantwortlich. Die
meisten Schichten der Bevoelkerung dieser Laender koennen
ihr aktives Interesse durch ihre sie vertretenden Organisationen unter Beweis stellen; sie koennen sich konstruktiv
an der Loesung aller bestehenden Probleme beteiligen, indem
sie sich zu diesem Zweck ihrer Organisationen bedienen oder,
wenn noetlg, sie fuer diesen Zweck einsetzen, und Indem sie
die notwendigen Koerperschaften gruenden, die ihren Bemuehungen
auf diesem Gebiet praktische Wirksamkeit verleihen'koennen.
"Alle Verantwortungsbewussten und ehrlichen Gewerkschaftsbewegungen der an dem Programm beteiligten Laender haben sich
nun dieser Verantwortung unterzogen - und ich moechte fast
sagen, sie haben es mit grossem Eifer getan. Denn sie wissen,
dass sie mehr als jede andere Organisation in der Gemeinschaft fuer die Wahrnehmung der wirtschaftlichen, sozialen
und kulturellen Interessen der vielen Millionen Maenner,
Frauen und Kindern verantwortlich sind, deren Leben und
Zufriedenheit von der Verbesserung und Stabilisierung der
Wirtschaften ihrer Laender abhaengt. Die Gewerkschaftsbewegung wuerde sich in der Tat einer grossen Verpflichtung
entziehen und wenig Verstaendnis fuer ihre Aufgaben und
Verantwortlichkelten zeigen, wenn sie nicht die enormen
Moeglichkeiten wahrnehmen wuerde, die das Europaelsche
Wiederaufbau Programm bietet
Moeglichkeiten, die zerrüetteten Wirtschaften der Laender wieder aufzubauen, die
so sehr unter der grausamen nationalsozialistischen und
faschistischen Aggression und den verheerenden Folgen von
fuenf Kriegsjahren und feindlicher Besatzung gelitten haben»"

- 7 -

�I

Unsere Aufgabe ist folgende: Wir muessen unseren Mitgliedern
klarmachen, was das EuropaeIsche Wiederaufbau Programm fuer sie
bedeutet und zwar an Hand von Angaben ueber Brot, Butter und Bekleidung und soziale und wirtschaftliche Sicherheit; ausserdem,
welche Bedeutung es fuer die Zukunft ihrer Kinder hat. Wir muessen
sie davon ueberzeugen, dass dieses Programm der einzige Weg zu
einem dauerhaften, wirtschaftlichen Wiederaufbau in allen in Frage
kommenden Laender ist. Das Wort "dauerhaft" ist dabei zu betonen,
denn es handelt sich nicht nur darum, das wirtschaftliche und
soziale Elend voruebergehend zu beheben, das heisst Atem schoepfen
zu koennen, bevor das naechste Unglueck ueber uns hereinbricht.
Was wir benoetigen, ist ein stabiler Lebensstandard auf der Grundlage einer gut organisierten europaeischen Gemeinschaft, auf der
wir ein sicheres Sozialsystem und die Existenzsicherheit fuer Alle
aufbauen koennen.
Wir haben gehoert, dass man das Europaeische Hilfsprogramm
und die Bejahung desselben seitens der Gewerkschaftsbewegung kritisiert hat. Wir wissen natuerlich, dass durch dieses Programm
unsere wirtschaftliche Schwierigkeiten bisher noch nicht restlos
beseitigt werden konnten. Es bleibt noch viel zu tun, und Gefahren
und Ungewissheiten bestehen noch, die ueberwunden werden muessen.
Ueber eine Tatsache koennen wir uns Jedoch vollkommen klar sein:
der Strom von Nahrungsmitteln, Rohmaterialien und technischen
Ausruestungen nach Europa hat viele Laender des Westens vor dem
voelligen wirtschaftlichen und politischen Chaos bewahrt. Noch
etwas anderes muessen wir uns vor Augen halten: kein anderes
Land der Erde als die Vereinigten Staaten von Amerika haette diesen
Laendern nur einen Bruchteil dessen liefern koennen, was sie benoetigen, um ein Chaos zu verhueten.
Der Kernpunkt ist folgender: fast ausschliesslich durch
amerikanische Hilfe und durch das Europaeische Wiederaufbau Programm ist Westeuropa vor Elend und Chaos bewahrt worden. Diejenigen, die sich dem ERP widersetzten und es auch noch tun, waren
niemals in der Lage, einen befriedigenden Ersatz fuer die amerikanische Hilfe in Vorschlag zu bringen.
Eine Ablehnung der amerikanischen Hilfe und des Europaeischen
WiederaufbauProgramms, ohne zu gleicher Zeit einen annehmbaren
Gegenvorschlag zu machen, haette in vielen Laendern bedeutet,
dass man sich bewusst mit Elend und Chaos abfindet.
Wir gehoeren nicht zu jenen, die glauben, dass Elend und
Chaos eine Grundlage bilden, auf der eine glueckliche Gemeinschaft
aufgebaut werden kann.
ECA Labor Information
25. Maerz 1950
GROSSZUEGIGES WOHLFAHRTSPROGRAMM DER AFL GEWERKSCHAFT DER
KRAFTFAHRER
(Chikago) —
Das groesste und umfassendste, von Unternehmern
finanzierte Wohlfahrtsprogramm, das je im Kraftwagen-Transportgewerbe zustandekam, wurde am 5. Maerz von dem Zentralverband der
Kraftfahrer (Central States Drivers Council) und dem Suedlichen
Bezirksverband dieser Gewerkschaft (Southern Conference of Teamsters) unterzeichnet. Die New Yorker Unfallversicherungsgesellschaft "Union Casualty Co." wird fuer die Durchfuehrung der Krankheits- und Krankenhausbestimmungen des Vertrages als verantwortlich

�zeichnen. Das in dem Vertrag enthaltene Lebensyerslcherungsprogramm
Ist der Versicherungsgesellschaft "United States Insurance Co."
zur Ausfuehrung uebertragen worden. Sie wird jedem Mitglied einen
Versicherungsvertrag ueber 2.000 Dollar aushaendlgen.
Ueber 30.000 Gewerkschaftsmitglieder aus 18 Staaten werden
von dem Programm erfasst werden, In dem Unterstuetzungen fuer
Krankheit, Unfall, Krankenhausaufenthalt, aerztllche Behandlung
und eine Lebensversicherung vorgesehen sind. Man plant gegenwaertlg, den Vertrag auch auf die uebrlgen Mitglieder des Central
States Drivers Council auszudehnen. Im ganzen sollen mehr als
100.000 Kraftfahrer in den Genuss dieses Programms kommen.
Die Gesamtpraemie des ersten Jahres wird sich auf ueber
1.500.000 Dollar belaufen, die ausschliesslich von den Unternehmern In einen Wohlfahrtsfonds gezahlt werden. Der Satz betraegt
1 Dollar pro Woche fuer jedes Mitglied. Dieser Fonds wird von
dem Zentralverband der Kraftfahrer (Central States Drivers Council)
verwaltet werden.
Drelsslg der bedeutendsten Versicherurgsgesellschaften des
Landes wurden von dem Zentralverband um ihr Angebot gebeten, und
schliesslich entschied man sich nach eingehenden Beratungen, Studien und Pruefungen fue r "Union Casualty Co." und die "United States
Insurance Co."
Die Vertragsbestimmungen bezueglich Krankheit,und Unfall, die
zwei Jahre Gueltigkelt haben, wurden von A. F. Hudson, dem Exekutivsekretaer des Zentralverbandes der Kraftfahrer, und von William
Smith und Dr. Leo Perlman, dem Finanzsekretaer bzw. Vizepresidenten der "Union Casualty Co." unterzeichnet. Man erwartet, dass
dieser Vertrag als der umfassendste, der je Im Kraftwagen-Transportgewerbe abgeschlossen wurde, ueber 400.000 Kraftfahrern in den
Vereinigten Staaten als Musterbeispiel dienen wird.
Etwas frueher in der gleichen Woche war fuer die in der
Getraenkeverteilung beschaeftigten Fahrer ein aehnlicher Vertrag
abgeschlossen worden, In dem eine Lebensversicherung, Unterstuetzungen
bei Arbeitsunfaehigkelt, Krankenhausaufenthalt und aerztllcher
Behandlung vorgesehen sind. Die fuer dieses Programm erforderlichen
Ausgaben werden auf 50.000 Dollar geschaetzt. Es stellt zusammen
mit dem Vertrag des Central States Drivers Council einen wesentlichen Erfolg In den Bemuehungen der Gewerkschaft der Fahrer um
Wohlfahrtsunterstuetzungen fuer schaetzungswelse eine Million
Mitglieder Im ganzen Lande dar.
American Federation of Labor
Weekly News Service
21. Maerz 1950
FRANZOESISCHE GEWERKSCHAFTEN DRAENGEN AUF WOHNUNGSBAU
Der Franzoesische, Christliche Gewerkschaftsbund (Confederation des Travailleurs Chretiens) hat die franzoesische Regierung
aufgefordert, den dringend notwendigen Wohnungsbau einzuleiten.
Als Auftakt seiner Kampagne zur Foerderung des Wohnungsbaus
zeigte der C.F.T.C. kuerzlich in Paris zwei Wochen lang eine
Ausstellung, die die kritische Wohnraumlage des ffanzoesIschen
- 9 -

�Volkes in ansehnlicher Welse darstellte.
Den Eroeffnungsfelerlichkelten der Ausstellung wohnten der
franzoesische Premierminister Bidault und Barry Bingham, Chef
der ECA Sondermission in Frankreich, bei. Ferner waren anwesend:
Boris Shishkin, Direktor der Abteilung fuer Arbeit im Amt des
Sonderbeauftragten der Vereinigten Staaten in Europa, und Ken Douty
und AI Desser, die amerikanischen Gewerkschaftsvertreter im franzoesischen Missionsstab der BCA.
Als Sprecher der amerikanischen Gewerkschaftsgruppe sprach
Shishkin dem C.F.T.C. seine Anerkennung dafuer aus, dass er sich
an fuehrender Stelle fuer die Loesung des Wohnraumproblems einsetze.
Er wies darauf hin, dass die amerikanischen Gewerkschaften durch
aehnliche Bemuehungen viel zu einem beschleunigten Wohnungsbauprogramm in Amerika beigetragen haetten.
Gleichzeitig gab der C.F.T.C, der 750.000 franzoesische Arbeiter vertritt, eine detailierte "Charta'' fuer ein Wohnungsbauprogramm in Frankreich bekannt. Er forderte, um das Wohnraumproblem
loesen zu koennen, 'teLnen Jaehrlichen Staatszuschuss, Geldmittel aus
den Marshall. Plan Gegenwertfonds und Unterstuetzungsgelder aus den
Gemeinde- und Departementskassen."
Die Gewerkschaft zeigte an Hand offizieller, statistischer
Angaben, dass Frankreich mehr als drei Millionen Wohnungen benoetlgt,
um die durch Kriegseinwirkung beschaedigten, verfallenen oder ungesunden Wohnbauten ersetzen und uebervoelkerte Stadtgebiete auflockern
und Fluechtlingen Wohnungen verschaffen zu koennen.
Das Ziel dieses Programms soll dem C.F.T.C. zufolge die Erstellung von 20.000 Wohnungen pro Monat sein. Die Gewerkschaft versicherte, dass es nach ihrem Plan moeglich sei, dieses Ziel zu erreichen. Schaetzungen des franzoesIschen Wiederaufbauministeriums
zufolge sieht man in den gegenwaertigen Plaenen der Regierung den
Bau von 60.000 bis 70.000 Haeusern im Jahre 1950 vor. Seit 1947
sind in Frankreich insgesamt 74.000 neue Wohnungen erstellt worden.
Nach dem Plan des C.F.C.T. waere der Minister fuer Wiederaufbau
und Wohnungsbau fuer die Leitung des Wohnungsbauprogramms allgemein
verantwortlich. Die Gewerkschaft schlaegt die Schaffung eines
obersten Wohnungsbauausschusses zur Unterstuetzung des Ministers
und die Gruendung von zwei getrennten Zentral Organisationen vor:
eine Zentralbank fuer Wohnungsbau und einen Nationalfonds zur
Foerderung des Wohnungsbaus. Der C.F.T.C. beabsichtigt, seine
Vorschlaege der Nationalversammlung zur gesetzlichen Genehmigung
zu unterbreiten.
BCA Labor Information
20*. Februar 1950

HOLLAENDISCHE GEWERKSCHAFTSFUEHRER SPRECHEN SICH ANERKENNEND
UEBER DEN CIO AUS
Eine Gruppe hollaendischer Gewerkschaftsfuehrer besuchte die
Vereinigten Staaten und war tief beeindruckt von der Macht und
Staerke des CIO, seiner gut funktionierenden, Inneren Organisation
und seiner weitsichtigen Einstellung zur Sozialreform. Dies kommt
in einem Artikel von H. Ponsen zum Ausdruck, der unlaengst in

- 10 -

�"Het Frije Volk" (Das Freie Volk), dem offiziellen Tagesorgan
des Hollaendischen, Sozialdemokratischen Gewerkschaftsbundes,
erschienen war. Ponsen hatte als Mitglied der oeben erwaehnten Delegation an dem Besuch In Amerika teilgenommen« Er
spricht In seinem Bericht von dem "enormen Elnfluss* der
organisierten Arbeiterschaft auf das soziale und wirtschaftliche Leben In den Vereinigten Staaten« Er weist darauf hin,
dass sich das Anwachsen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung von drei Millionen Mitgliedern Im Jahre 1930 auf mehr als
15 Millionen Innerhalb von 20 Jahren nachhaltig auf die Entwicklung der Innen- und Aussenpolltlk der Vereinigten Staaten
ausgewirkt hat.
Mr. Ponsen besuchte mit 12 anderen hollaendischen Gewerkschaftlern die Vereinigten Staaten, um einen Monat lang amerikanische Produktivltaetsmethoden und Arbeitnehmer- ArbeltgeberBeziehungen zu studieren. Diese Reise fand auf Veranlassung
der hollaendischen Regierung und der ECA statt. In dem Artikel
wird von einem Besuch bei Herman Mulllns berichtet», der Funktlonaer einer CIO-Lokalgewerkschaft der Textilarbeiter in
Knexvllle (Tennessee) Ist. Fuer die hollaendischen Gewerkschaftler stellte Mulllns die "Personifizierung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung• dar, besonders deshalb, well
er wie der Schreiber feststellt, nicht einer der "grossen"
Fuehrer in den nationalen Vorstanden war. Mulllns Geschichte
von seinen Kaempfen, um die 1.500 Arbeiter in seiner Textilfabrik organisieren zu koennen, und sein endgueltlger Erfolg,
fuer seine Gewerkschaft das Recht der Mitbestimmung erringen
zu koennen, war fuer die Besucher ein leuchtendes Beispiel fuer
die "dynamische Energie und den Machtgewinn des noch Jungen CIO."
In dem Artikel heisst es welter, dass die hollaendischen
Gewerkschaftsfuehrer auch von der umfassenden Forschungstaetigkelt des CIO sowohl in den nationalen Vorstaenden als auch
innerhalb der angeschlossenen Gewerkschaften beeindruckt
gewesen seien. Erwaehnt wurden weiterhin die wertvollem
Dienste, die ein Riesenaufgebot an Wirtschaftlern, Rechtsvertretern, Technikern und Politikern den Gewerkschaftsfuehrern
leisten, und die Unterweisung der gesamten MitgliederSchaft
in grundlegenden Wirtschaftsfragen. Der Artikel spricht
mit Anerkennung von dem "ehrlichen Versuch der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung, das Negerproblem zu loesen" und billigt
die Politik des CIO, die auf Foerderung der Prosperltaet durch
ein umfassendes Programm der Sozialgesetzgebung gerichtet ist«
Bezugnehmend auf das immerwaehrende Problem der Vereinigung der bedeutendsten amerikanischen GewerkschaftsOrganisationen, berichtet der Schreiber, dass sowohl ein grosser Teil
der Gewerkschaftsmitglieder als auch der Funktionaere eine
Zusammenschiiesseung aller Gewerkschaften in einem grossen
Bund befuerworteten.

ECA Labor Information
16. Maerz 1950

- 11 -

�Office of Labor Affairs, HICOG,
APO 757

- 12 -

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« (olgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 6

Frankfurt, 14. April 1950
INHALTSVERZEICHNIS

200.000 Arbeitsplaetze fuer i t a l i e n i s c h e Arbeiter
der Schuh- und Lederindustrie durch den Marshall Plan
Der Londoner Kongress
- - - - - - - - - - - - - - - CIO's "Wendung nach der Rechten" : Ein Maerchen - - Noch immer keine Reform des deutschen Beamtensystems
ECA foerdert Berufsausbildung in Europa - - - - - - Ein Weltplan zur Verhuetung der A r b e i t s l o s i g k e i t - -

200.000 ARBEITSPLAETZE FUER ITALIENISCHE ARBEITER DER
SCHUH- UND LEDERINDUSTRIE DURCH DEN MARSHALL PLAN
Mft Hilfe der f i n a n z i e l l e n Unters tu etzung durch die Vere i n i g t e n Staaten und die Marshall Plan Verwaltung werden
nahezu 200.000 Arbeiter i n i t a l i e n i s c h e n Schuhfabriken und
Gerbereien ihren Arbeitsplatz beibehalten und 700.000 Paar
Schuhe fuer h i l f s b e d u e r f t i g e i t a l i e n i s c h e Kinder h e r s t e l l e n
koennen.
Dieses Projekt wird die Beschaeftigung i n den Schuh- und
Lederindustrien s i c h e r s t e l l e n , die augenblicklich von konjunkt u r e l l e r A r b e i t s l o s i g k e i t betroffen sind.
Aus dem I n t e r n a t i o n a l e n Fonds fuer notleidende Kinder
wurde I t a l i e n Leder fuer d i e Herstellung von Schuhen im Gesamtwerte von 500.000 Dollar zur Verfuegung g e s t e l l t . Zum
Gerben des Leders und aur Herstellung der Schuhe wurden
685 Millionen Lire (1 Million Dollar; aus dem Marshall Plan
Gegenwert Fonds I t a l i e n s aufgebracht.
Die e r s t e Sendung von 40.000 Paar Schuhen gelangte waehrend
der Osterferien zur Verteilung.

ECA Labor Information
20. Februar 1950
- 1 -

�Mit den Augen eines Amerikaners:
DER LONDONER KONGRESS
Von Jay Lovestone.
Jay Lovestone, der Exekutivsekretaer des AFLKomitees der Freien Gewerkschaften, war Sekretaer der Delegation der AFL auf der Gruendungskonferenz des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften in London. Wir geben nachstehend seinen Bericht wieder, der am 1. Januar
1950 in "Justice", dem Organ der Internationalen
Gewerkschaft der Damenbekleidungsarbeiter (AFL),
veroeffentlicht worden war.

Nahezu 300 Delegierte als Vertreter von 59 nationalen Gewerkschaf tszentren und anderen nationalen GewerkschaftsOrganisationen in 53 Laendern kamen vom 38. November bis 9. Dezember
1949 in der beruehmten County Hall in London zusammen, um den
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften zu gruenden. Diese
Versammlung von Maennern und Frauen, die im Zeichen des Kampfes
und des Fortschritts der Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt
stand, hat. in der Tat Geschichte gemacht. Die Vereinigung der
freien Gewerkschaften der Welt stellt mehr als einen Abschnitt
in den Annalen der Gewerkschaftsbewegung dar. Sie symbolisiert
und dramatisiert die Notwendigkeit, sich auf die Schaffung einer
lebenswichtigen Macht mit ausgedehnten Moeglichkeiten zu konzentrieren, die eine entscheidende Rolle in einer friedlichen und
menschlichen Loesung der schweren Krise spielen koennte, die
die Menschheit jetzt durchzumachen hat.
In geschichtlich bedeutungsvollen, internationalen Versammlungen dieser Art herrscht so etwas wie eine ••Weltatmosphaere".
Alles erscheint wie in einem aufregenden Schauspiel, - dramatisch
angesichts der zu einem Ganzen vereinten Masse, die doch jedem
Einzelnen soviel freie Hand laesst, dass er seinen individuellen
Beitrag zum Ganzen leisten kann.
Die Vorbereitungen zu dieser Konferenz liegen Jahre zurueck Jahre des Ueberlegens, Planens, der Arbeit und des Kampfes fuer
Maenner und Frauen, die ihre feste Ueberzeugung und das tiefe
Vertrauen in die Sache der Gewerkschaften und des Friedens nicht
aufgegeben haben. Und nun kam die langerwartete Stunde - die
Eroeffnung der Konferenz.
Die christlichen Gewerkschaften
Nachdem die Eroeffnungsformalitaeten beendet waren, nahmen
die Vertreter der demokratischen Gewerkschaften ihre schwierigen,
umstrittenen Probleme in Angriff. Der erste Antrag wurde von
David Dubinsky, dem Praesidenten der Internationalen Gewerkschaft
der Damenbekleidungsarbeiter, im Namen der vereinten.AFL- und
CIO-Delegationen eingebracht. Die Zusammenarbeit war hervorragend.
In diesem Antrag handelte es sich um das Verhaeltnis, zwischen den
christlichen Gewerkschaften und der freien Weltgewerkschaftsorganisation, die formell gegruehdet werden sollte. Es war dies jedoch kein formelles Problem, dem die Delegationen gegenübergestellt worden waeren. Viele andere Fragen waren damit verknuepft.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren lediglich die franzoesichen, christlichen Gewerkschaften von der Vorbereitenden Kommission zu der
Konferenz eingeladen worden. Einwaende waren erhoben worden, und
deshalb lud man nicht die anderen christlichen Gewerkschaften,
wie diejenigen Belgiens und Hollands, zur Teilnahme ein.
-

2

-

•

�Die Konferenz waere unter einem falschen Vorzeichen begonnen
worden, wenn gleich zu Anfang Uneinigkeit in dieser Frage geherrscht
haette. Auch konnte man in diesem Augenblick nicht ausweichen.
Nicht nur ein Zusammenprall der Beteiligten musste vermieden, sondern auch eine vernuenftige und gerechte Loesung gefunden werden.
Und was noch mehr bedeutet, diese Loesung musste fuer Alle tragbar
sein, denn es handelte sich hier um eine freiwillige Versammlung
und nicht etwa um eine von einer totalitaeren, imperialistischen
Grossmacht fuer ihre Zwecke einberufene Tagung. Die Hauptaufgabe
bestand darin, dem Zank und Streit ein Ende zu machen, der aus
laengst ueberlebten Verhaeltnissen stammte. Um der neuen Situation mit ihren neuen Problemen Herr werden zu koennen, mussten
wir dem im Entstehen begriffenen neuen Weltbund freier Gewerkschaften auf breitester Basis die groesatmoegliche Unterstuetzuhg
Aller zuteil werden lassen. Einige Delegationen mussten einen
hohen Preis hierfuer zahlen. Seither bestehende Vorurteile, Verdaechtlgungen und Zustaendigkeitsstretigkeiten - all das musste
geklaert werden, denn die Aussoehnung und Zusammenarbeit auf der
Basis der praktischen Gegenwart hatte an erster Stelle zu stehen.
In diesem Geiste und mit diesem Ziel im Auge schlug Dubinsky,
unterstuetzt vom CIO, Sondermassnahmen vor, die die Konferenz zu
schnellem Handeln veranlassen sollten. In einer oeffentlichen
Sitzung wurde In einer schnell getroffenen Vereinbarung mit dem
Britischen Gewerkschaftsbund festgelegt, wie verfahren werden
sollte. Der Mandatskommission wurden zwei Tage Zeit gegeben, um
dies als erste Frage zu behandeln und ihren Bericht darueber der
gesamten Konferenz vorzulegen.
Letztere bescbloss daraufhin einstimmig, die anderen christlichen Gewerkschaftsorganisationen zur Teilnahme an der Konferenz
einzuladen. Ausserdem wurde ihnen das Recht zugesprochen, sich
dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften anzuschliessen,
vorausgesetzt, dass sie innerhalb der naechsten zwei Jahre - das
waere bis zum naechsten Kongress - ihre Mitgliedschaft beim
Internationalen Bund Christlicher Gewerkschaften aufgeben. Nach
diesem Zeitpunkt kann also keine nationale Gewerkschaft ihre Mitgliedschaft bei zwei internationalen Verbaenden aufrechterhalten.
Dieser Beschluss würde von dem bekannten, italienischen Gewerkschaf tsfuehrer, Giulio Pastore, und von Gaston Tessier und M. Bouladoux, den Delegierten des franzoesischen, christlichen Gewerkschafts bundes, gutgeheissen. Auch sozialistisch gesinnte Gewerkschaftler, wie der Belgier Louis Major und andere Delegierte aehnlicher politischer Einstellung aus der Schweiz und Holland zeigten
sich mit dieser Loesung einverstanden.
Das gemeinschaftliche Vorgehen und die dynamische und konstruktive Initiative der AFL- und CIO-Delegationen gaben den
Sitzungen ihr besonderes Gepraege. In vielen Kreisen hatte man
sich gefragt, wie AFL und CIO in London wohl miteinander auskommen
wuerden. Die AFL war der entschlossenste Gegner des Moskauhoerlgen
Weltgewerkschaftsbundes gewesen und war zweifellos die treibende
Kraft in der Trennung der demokratischen Gewerkschaften von dieser
Kreml-Behoerde.
Die Einigkeit der amerikanischen Gewerkschaftsdelegationen
war eine Quelle, aus der nicht nur die Vertreter der verhaeltnismaessig Juengeran und schwaecheren Gewerkschaften in Asien und
Afrika Anregung und grosse Ermutigung schoepften. Diese kraftvolle, amerikanische Einheit - die auch noch von dem Delegierten
der Vereinigten Bergarbeiter unterstuetzt wurde' - gab den erfahreneren und festgelegten Gewerkschaften Westeuropas den festen

- 3

�Glauben an den Fortbestand der fuehrenden entscheidenden Rolle,
die die amerikanischen Gewerkschaften in der demokratischen,
internationalen Gewerkschaftsbewegung zu spielen haben. Wir
durften nicht mehr Beteiligte oder Aussenstehende, - voruebergehende sozusagen - nicht blosse Beitragszahler und im besten
Falle passive Teilnehmer sein. In den Augen des Kongresses des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften hatte die amerikanische Gewerkschaftsbewegung schliesslich den hoechsten Grad an
Verantwortlichkeit und Autoritaet im Geltungsbereich der Weltgewerkschaftsbewegung erreicht.
Das lebhafte Interesse und die begeisterte Aufnahme, die
die Rede des Praesidenten der AFL, William Green, fand, gaben
hierfuer den besten Beweis. Seine Erklaerung war in vielen
Beziehungen die umfassendste, uebersichtlichste und positivste
Richtliniengebung der gesamten Versammlung. Ein ins Einzelne
gehender Bericht ueber die wirtschaftliche Lage Amerikas, fuer
die sehr grosses Interesse besteht, war in seinen Ausfuehrungen
enthalten. Greens Worte waren aufrichtig und zuversichtlich.
Er zeigte der Gewerkschaftsbewegung einen Weg zum Fortschritt, in
dem sich nicht fruchtlose Schwaetzereien und sinnverwirrende Phrasen
der toten Vergangenheit als Hindernisse in den Weg stellten. Er
sagte der totalitaeren Tyrannei direkt den Kampf an und zeigte
an Hand eines bestimmten Programms, wie sich die arbeitenden Menschen
aller Laender verhalten muessen, um die Menschheit von der Furcht
vor der Tyrannei, der Armut und dem Kriege und deren schrecklichen
Folgen befreien zu koennen.
Einmuetigkeit statt Einheitlichkeit
Die Verfassung des Internationalen Bundes, Freier Gewerkschaften
und die Festlegung der Grundziele wurden ausfuehrlich besprochen.
Den Problemen der regionalen Organisation und der Beziehungen
zu den internationalen Fachabteilungen wurde besondere Beachtung
geschenkt. Diese Debatten waren von Erfolg gekroent. Die in
Vorschlag gebrachten Resolutionen wurden einstimmig angenommen,
und es herrschte eine echte, tiefverwurzelte Einmuetigkeit. Diese
darf nicht mit der Einheitlichkeit verwechselt werden, die fuer
alle totalitaeren Organisationen und Bewegungen charakteristisch
ist. Natuerlich gab es auch Meinungsverschiedenheiten. Diese wurden
Jedoch auf wahrhaft demokratische Weise beseitigt. Es war eine
Konvention gl eichgesinnt er Vertreter der freien Gewerkschaften.
Im Gegensatz zu dem Gruendungskongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes vor vier Jahren in der gleichen Halle handelte es
sich hier um einen Kongress der Gewerkschaften und nicht um eine
Ansammlung fremdartiger Elemente mit grundverschiedenen Meinungen,
Ideen und Interessen, die durch den Gang der Ereignisse und durch
machiavellistische Intrigen fuer eine gewisse Zeit zusammengeworfen
waren.
Als zum Beispiel die Sitzung begann, war allgemein bekannt,
dass betraechtliehe Meinungsverschiedenheiten zu der Frage, wo
der Sitz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften sein
sollte, zu erwarten waren. Unsere Kollegen vom Britischen Gewerkschaftsbund - mit nicht geringer Unterstuetzung seitens anderer
Delegationen - behaupteten nachdruecklich und halsstarrig ihren
Standpunkt. Niemand konnte ihnen widerlegen, dass London wirklich
ein Vfeltzentrum ist. Auch konnte nicht ernsthaft bezweifelt werden,
dass die ilacht und Erfahrung des Britischen Gewerkschaf tsbundes
T.U.C. dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften eine wirkliche Stuetze waeren,- besonders solange diese Organisation noch
in ihren Kinderschuhen steckt.

4 -

�Die amerikanischen Gewerkschaftsverbaende AFL und CIO, die
Delegationen der kanadischen Verbaende und eine ganze Anzahl anderer Delegierter aus anderen Teilen der Welt warfen jedoch ein,
dass die Erfahrungen mit dem alten Internationalen Weltgewerkschaftsbund und besonders mit dem Weltgewerkschaftsbund gelehrt haetten,
dass man vor allem organisatorische oder politikbestimmende Massnahmen vermeiden muesse, die zugunsten von Uachtgeluesten und Beherrschungsbestrebungen grosser Organisationen in der neuen Gewerkschaftsinternationale ausgelegt werden oder auch zu diesen
Uebeln fuehren koennten.
Die Amerikaner hatten erst Paris zum
Hauptquartier vorgeschlagen. Wir wuenschten, dem Weltgewerkschaftsbund in direktem Konflikt die Stirne zu bieten und diese
Fuenfte Kolonne des imperialistischen Russlands zu bekaempfen.
Die endgueltige, einstimmige Wahl Bruessels zum Hauptquartier
befriedigte nicht nur die Amerikaner, sondern insbesondere die
Delegationen der kleineren Laender und Kolonien.
% n e maechtige, repraesentative, internationale Fuehrerschaft
wurde von dem Kongress gewaehlt. Es ist bezeichnend, dass die
durch den letzten Krieg hervorgerufenen Gegenerschaften bei der
Zusammensetzung dieser maechtigen Koerperschaft keine Rolle spielten.
Eine besonders willkommene Entwicklung stellt die Beteiligung der
freien Gewerkschaften aus Afrika und dem Fernen und Mittleren
Osten an der exekutiven Fuehrung dar.
Abschliessend seien die bewegenden Wort wiedergegeben, die
Praesident Green zu.Beendigung der Konferenz an die Versammelten
richtete:
"Wir haben auf diesem historischen Kongress ein Gebauede
errichtet, in dem die Gewerkschaften der ganzen Welt zusammenleben
und zusammenarbeiten koennen, um die Lebensbedingungen aller
Arbeiter der Welt zu verbessern."
International Free Trade Union News
Februar 1950
CIO's "WENDUNG NACH DER RECHTEN";

EIN MAERCHEN

Von Allan L. Swim
Wir veroeffentlichen den nachstehenden Leitartikel
des offiziellen CIO Organs, weil er Einwaende
widerlegt, die auch von deutschen Kommunisten
wiederholt erhoben worden sind.
Die Schriftleitung.

Zweck dieser Abhandlung ist es, mitzuhelfen, das Maerchen
von "einer endgueltigen Wendung des CIO nach der Rechten" zu
widerlegen.
Dieses Maerchen war in der Hitze des Gefechtes und der Verwirrung entstanden, die Begleiterscheinungen des Feldzuges des
CIO zur Saeuberung oder Ausstossung kommunistisch beherrschter
Gewerkschaften waren. Die Kommunisten hatten natuerlich alles
Moegliche zur Verbreitung des Gedankens getan, dass sich der
CIO nicht nur dem Konservativismus zuneige, sondern auch mit der
Reaktion herzliche Freundschaft geschlossen habe, Zeitungsschreiber,
die den CIO gerne weniger aktiv sehen moechten, haben ihrer Be- 5 -

�geisterung freien Lauf gelassen, und von einer "Wendung nach der
Rechten" geschrieben. Diese "Wendung" war ein Frontmachen gegen
den Kommunismus, aber keine Neigung zur Reaktion*
Die einzige, bemerkbare Veraenderung der Politik des CIO
waehrend der vergangenen Jahre besteht darin, dass er seine
Toleranz den Kommunisten gegenueber aufgegeben hat. Und das kam
nur deshalb, weil die Roten versuchten, den CIO den Befehlen
der russischen Regierung gefuegig zu machen - Befehle, die die
Zerstoerung der Vereinigten Staaten zum Ziele hatten. Es war
in der Tat kein Umschwung nach der Rechten, denn die Kommunisten
sind in vielen Beziehungen ebenso reaktionaer wie die "Chikago
Tribüne (Reaktionaere Chikagoer Zeitung). Ueberzeugen wir uns
an Hand von Tatsachen und Berichten, welche Richtung der CIO
bisher eingeschlagen hat. Die Organisation unterstuetzte staerkstens
Praesident Roosevelt und sein New Deal Programm. (Die Kommunisten
waren sowohl fuer als auch gegen Roosevelt, entsprechend der Jeweiligen Einstellung ihrer Partei). Der CIO befuerwortete ausserdem das Fair Deal Programm Praesident Trumans, welches in mancherlei Hinsicht mehr als das New Deal nach der "Linken" neigt.
Im Verlauf des vergangenen Jahres beteiligten sich die
Stahlarbeiter und andere CIO Gewerkschaften massgeblich an dem
Kampf fuer verbesserte soziale Sicherheit. Augenblicklich betaetigt sich die Organisation mit zunehmender Aktivitaet an einem
politischen A^tionsfeldzug, der den Liberalen in den Kongresswahlen dieses Jahr zu mehr Stimmen verhelfen soll« An dem Beschluss des CIO, das verhasste Taft-Hartley Gesetz ausser Kraft
zu setzen, hat sich nicht das Geringste geaendert. Mit gesteigertem Nachdruck setzt sich der CIO fuer eine Verbesserung der b ü r gerlichen Rechte ein. Eine ihrer Hauptaufgaben sieht die Organisation in der Beseitigung der Wohnungsnot durch Foerderung des
Wohnungsbaus fuer Empfaenger niedriger und mittlerer Einkommen
und durch die Fortsetzung der Mietkontrolle. Der Kampf gegen
die wachsende Monopolkontrolle seitens des "Big Business" ist
ununterbrochen weitergefuehrt worden. Die Unternehmer, die mit
CIQ-Ausschuessen Verhandlungen gefuehrt haben, haben erkannt,
dass die Aktivitaet dieser Organisation, die die Kommunisten
faelschlicherweise fuer sich beanspruchen moechten, alles andere
als tot ist.
Wenn die Kommunisten in außenpolitischen Angelegenheiten
die "Linke" vertreten, dann hat sich der CIO der "Rechten" zugewandt. Dies ist Jedoch eine seltsame "Rechte". Der CIO hat
eine Politik verfolgt, deren Ziel die wirtschaftliche Gesundung
der Voelker der Welt und die Errichtung einer wahren Demokratie
in Jedem Lande ist. Er hat sich den totalitaeren Machtgeluesten
und der Idee widersetzt, dass sich das Volk dem Polizeistaat
unterwerfen muesse. Er kaempft gegen die Versuche der Kommunisten
an, die Gewerkschaften zu unterwuerfigen Dienern des Staates zu
machen. Der CIO steht hinter dem Europaeischen Wiederaufbau
Programm und den Plaenen Praesident Trumans zur Versorgung der
"rueckstaendlgen" Nationen mit technischer und anderer Hilfe.
Er hat gegen die Anerkennung Spaniens und die zunehmende Macht
diktatorischer Regimes der aeussersten Rechten Jenseits des
Rio Grande gekaempft.
Um es unverbluemt zu sagen, Geruechte ueber unsere "Wendung
nach der Rechten" sind vollkommener Unsinn. Vielleicht sind
einige nutzlose, linksgerichtete Anhaengsel inzwischen verschwunden. Unsere Organisation wendet nicht die politische Streiklinie
an. Und verantwortungsbewusste CIO Fuehrer werden weder aufruehrische Tumulte inszenieren, noch Gewalt anwenden, um auf diese
- 6 -

�Welse zu demonstrieren, dass das arme Proletariat von den Kapitalisten zertreten wird» Selbstverstaendlich ist der CIO im
Verhaeltnis zu frueher gereifter. Er hat gelernt, dass man sich
keiner Aufgabe entledigt, indem man viel Laerm schlaegt. Aber er
hat deshalb noch lange nicht nach rechts umgeschwenkt. m Sein Platz
ist immer noch links von der Mitte, aber nicht an der aeussersten
Unken. Und das ist wohl der richtige Platz fuer eine Arbeiterorganisation.
"The CIO News"
6. Itaerz 1950
NOCH TMMER KEINE REFORM DES DEUTSCHEN BEAMTENSYSTEMS
Von Joseph Mire, Volkswirtschaftler in der
U.S. Gewerkschaft der Angestellten des
Oeffentlichen Dienstes.
(Nachstehender Artikel handelt von dem deutschen Beam
tentum und seinem Einfluss auf die demokratische
Entwicklung in Deutschland. Der Verfasser ist
Volkswirtschaftler im Dienste der Gewerkschaften.
Frueher war er Berater der Militaerregierung.)

Im Jahre 1935 veroeffentlichte ein gewisser Dr. Hans Globke
in Muenchen einen Kommentar zu den neuen deutschen Rassengesetzen.
"Diese Gesetze", erklaerte Dr. Globke zustimmend, "sind eine
Abkehr von der liberalistischen Idee der Gleichheit der menschlichen Wesen.... Eine Nation kann m r gedeihen, wenn die Fuehrung
ihrer Elite anvertraut ist.... Nur diejenigen, die deutschen
Blutes sind, koennen Buerger sein." Fuer die ungluecklichen
Opfer der deutschen Rassengesetzgebung fand Dr. Globke die folgenden, trostreichen Worte: "Sie haetten in der Wahl ihrer
Eltern vorsichtiger sein solleni"
Heute ist dieser gleiche Dr. Globke Leiter des Personalamtes der westdeutschen Regierung und Verfasser des neuen deutschen
Beamtengesetzes, mit dem sich nun das deutsche Parlament beschaeftigt. öas neue Gesetz und sein Verfasser beweisen, dass es uns
nicht gelungen ist, das deutsche Beamtensystem zu reformieren
und es von Nazi Anhaengern wirksam zu saeubern.

Das deutsche Beamtentum war schon immer ein Traeger der
Reaktion. Es diente der Monarchie und ungeachtet dessen, dass es
ein Nebenprodukt des autoritaeren Staates ist, blieb es fast ohne
Aenderung unter der Weimarer Republik und dem Naziregime bestehen.
Mit grossen Privilegien ausgestattet, wie Anstellung auf Lebensdauer, unkuendbar selbst bei offensichtlicher und totaler Unfaehigkeit, automatische Befoerderung ohne Ruecksicht auf Dienst Verrichtung, entwickelte sich das Beamtentum zu einem Kastensystem,
unter dem die Bediensteten des Staates eher Herren als Diener
des Volkes waren.
Ihre bevorrechtigte Stellung wurde noch gestaerkt durch
ihren Einfluss in den gesetzgebenden Koerperschaften und in allen
starken, politischen Parteien Deutschlands. (In einigen deutschen
Staaten setzen sich die gesetzegebenden Organe zu 45 bis 50£ aus
Beamten zusammen.)
- 7 -

�Zur Kroenung all dessen gewaehrt das deutsche Strafgesetzbuch den Beamten einen besonderen Schutz gegen Beleidigungen.
Es ist schon eine Sache in Deutschland, jemanden zu beleidigen,
aber weit schwerwiegender ist das Vergehen, wenn sich diese Beleidigung gegen einen Beamten richtet. Es herrscht eine kaum
ertraegliche Atmosphaere, die sich die Beamten voll und ganz
zunutze machen, und aus der heraus die allgemein verbreitete
Furcht und Scheu zu verstehen ist, die das Verhaeltnis zwischen
den gewoehnlichen Buergern und den Beamten in Deutschland beherrscht.
Genau so wie der deutsche Militarismus und die preussischen
Junker bildeten auch die Beamten einen wesentlichen Bestandteil
derjenigen Kraefte in Deutschland, die zweimal in einer Generation
den Weltfrieden gestoert haben. Die amerikanische Militaerregierung war sich dessen voll bewusst. Sie wusste, dass ohne eine
gruendliche Reform der oeffentlichen Verwaltung in Deutschland ein
wahrhaft demokratischer Gesellschaftsaufbau unmoeglich sei.
Die meisten Beobachter sind sich darueber einig, dass der
Durchschnittsdeutsche die Meinung der Militaerregierung teilte
und fuer die Beamten nur wenig Sympathie hatte« Leider versaeuraten wir, schnell und durchgreifend zu handeln. Jahrelang warteten
wir geduldig auf einen annehmbaren Reformplan der Deutschen selbst.
Da sie jedoch dieses. Problem nicht in allgemeinen, gegenseitigem
Einvernehmen loesen konnten, wurde von uns schliesslich das
Kontrollratsgesetz Nr. 15 erlassen, das dazu bestimmt war, das
deutsche Beanitensystem von Grund auf zu aendern. Dies geschah
jedoch erst am 15. Maerz 1949.
Die Reaktionen auf dieses Gesetz waren in Deutschland verschieden. Diejenigen, die eine wirkliche Reform wuenschten, waren
der Ansicht, dass man in diesem Gesetz nicht weit genug gegangen
war, waehrend die Beamten selbst aufatmend feststellten, dass man
nicht so weit gegangen war, wie sie befuerchtet hatten. Das Gesetz stellte einen Schritt in der richtigen Richtung dar, leider
war dieser Schritt jedoch zu klein und kam zu spaet. Im Sommer
1949 hatte sich das politische Klima in Deutschland derartig geaendert, dass die Beamten es sich leisten konnten, das Gesetz zu
ignorieren und es zu uebergehen.
#• * ; # v # #

Seit dem Bestehen der neuen deutschen Regierung hat der
Innenminister Dr. Heinemann den auf sehr zweifelhafter Rechtsgrundlage basierenden Standpunkt vertreten, das Gesetz Nr. 15
sei auf die Beamten der neuen deutschen Bundesverwaltung nicht
anwendbar. Der gesetzliche Gesichtspunkt spielt keine Rolle, denn
es ist unbestreitbar wahr, dass das neue deutsche Parlament die
volle Befugnis hat, ein neues Beamtengesetz zu erlassen.
Und das tut man gerade jetzt in Deutschland, und alles laesst
darauf schliessen, dass in Kuerze der Beamte seine fuehrende Machtstellung wiedergewonnen haben wird. Das zur Zeit in Bearbeitung
befindliche Gesetz - von Dr. Globke entworfen - ist ein Duplikat
des von Hitler im Jahre 1937 erlassenen Gesetzes, in welches die
wesentlichen autoritaeren Bestandteile des Beamtengesetzes von
1873 aufgenommen worden waren.
Es liegt nun klar auf der Hand, dass wir eines unserer Hauptziele in Deutschland verfehlt und den verhaengnisvollen Fehler
der Weimarer Republik wiederholt haben, die es ebenfalls, zu ihrem
eigenen Verhaengnis, versaeumt hatte, die oeffentliche Verwaltung
in Deutschland zuverlaessigen Freunden und Anhaengern demokratischer
Ideen und Prinzipien in die Haende zu geben.
- 8

�Die Situation koennte vielleicht noch durch Anwendung der
von der Militaerregierung in Deutschland sich vorbehaltenen
Rechte gerettet werden, wenn sich unsere politischen und militaerischen Fuehrer zum Handeln entschliessen wuerden. Die Zeit
draengt Jedoch sehr in Deutschland.
"ADA Uorld"
Herausgegeben von Amerikanern
fuer Demokratische Aktion.
(Americans for Democratic Action)
20. Maerz 1950
ECA FOERDERT BERUFSAUSBILDUNG IN EUROPA
Die Berufsausbildung Junger Maenner und Frauen ist fuer die
Wiederbelebung der europaeischen Industrien von wesentlicher
Bedeutung. Die Regierungen der ularshall Plan Laender und die
Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit ECA arbeiten gemeinsam an der Ausbildung Junger Menschen in jedem Sektor der
Industrie und Landwirtschaft.
Das Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten hat sich
ebenfalls durch sein Buero fuer Lehrlingswesen an diesem Programm
beteiligt. Sechs Griechen studieren zwei Monate lang Lehrlingsausbildungsmethoden in den Vereinigten Staaten. Ihre Reise und
Schulung wird von diesem Buero organisiert.
Die griechische Regierung und die ECA haben in gemeinsamer
Zusammenarbeit Berufsschulen in den wichtigsten Industriezentren
Griechenlands eingerichtet. In Athen gibt es sieben Berufsschulen,
in denen eine vierjaehrige Ausbildung fuer hochqualifizierte
Mechaniker und Ingenieure vorgesehen ist. In der Berufsschule
von Sevitanedios werden 120 Schueler in zweijaehrigen Kursen
praktisch und theoretisch fuer 40 verschiedene Berufe ausgebildet. In Amerika hergestellte Maschinen und 'Werkzeuge im Werte
von etwa 30.000 Dollar sind diesen Schulen zur Verfuegung gestellt
worden. Die Automobilabteilung liefert im Durchschnitt pro Tag
einen Autobus und ist mit 57# an der Wiedererstellung der griechischen Autobusparks beteiligt. Aus anderen Abteilungen kommen
erstklassige Nieter, Maler und Elektriker.
Traktoren, Pfluege und Erntemaschinen werden im Rahmen des
Marshall Planes nach der Tuerkei geschickt, um die landwirtschaftliche Produktion in diesem Lande zu erhoehen. Die tuerkische
Regierung bildet Junge Leute zwischen 19 und 26 Jahren zu Mechanikern fuer landwirtschaftliche Maschinen aus. Sechzig beendeten
den ersten dieser Lehrgaenge erfolgreich, und an dem zweiten Lehrgang nehmen 92 Schueler teil. Bevorzugt werden Jugendliche von
Bauernhoefen, die mit modernen Maschinen ausgeruestet werden sollen,
oder die dieselben bereits besitzen; ausserdem solche, die ihr
Talent in motorisierten militaerischen Einheiten unter Beweis
gestellt haben*
In Daenemark arbeitet die Gewerkschaft der Metallarbeiter
an einem Berufsausbildungsprogramm fuer ungelernte Arbeiter, um
im Rahmen der nationalen Wiederaufbaubestrebungen dem Mangel an
Facharbeitern zu begegnen. Die 50.000 Mitglieder zaehlende
Gewertechaft hat alle noetigen Vorsichtsmnssnahmen zum Schutze der
gelernten Handwerker getroffen. Der Praesident dieser Gewerkschaft, Hans Rasmussen, erklaerte: "Grundsaetzlich vertreten wir
die Ansicht und haben dies auch in den getroffenen Vereinbarungen
- 9 -

�geltend zu machen versucht, dass ein ungelernter Arbeiter, der
eine Fachkenntnisse erfordernde Beschaeftigung ausuebt, auch
nach dem fuer diesen Fachberuf gueltigen Tarif bezahlt werden
muss. Zweitens haben wir darauf bestanden, dass ein gelernter
Arbeiter, der an einen anderen Arbeitsplatz ueberwiesen wird,
weil seine Arbeit von einem ungelernten Arbeiter verrichtet
wird, den gleichen Lohn wie frueher erhalten muss. Ausserdem
ist in den meisten Faellen vereinbart worden, bei Arbeitsmangel die gelernten Arbeiter zuerst mit Beschaeftigung zu
versorgen."
Durch dieses Programm sind bereits 3.000 zusaetzliche
Arbeiter fachlich geschult worden, die von einem Schiffsbauunternehmen benoetigt werden, damit es die ihm gesteckten Ziele
in der Produktion erreichen kann.
In den Ausbesserungswerften von Triest werden zur Zeit
Fischereifahrzeuge gebaut. Zur Bemannung dieser Schiffe hat
die Fischergenossenschaft mit der Hilfe des Marshall Planes,
deren Wert sich auf 600.000 Dollar belaeuft, eine Fischereischule errichtet. Die Schule wird von 50 Studenten besucht,
die in Geographie, Navigation, Technik und Meeresbiologie
unterrichtet werden. Ausserdem lernen sie, wie man Netze herstellt und aisbessert und werden mit allen praktischen Fragen
der Hochseefischerei vertraut gemacht.
Oesterreichische Jungen und Maedchen werden, in Jungbauernklubs zusammengefasst. Dort hoeren sie von den modernen Methoden der Gross- und Kleinviehzucht, und wie man besser und
mehr Wqizen, Roggen, Gerste, Mais, Kartoffeln und Zuckerrueben
erzeugt. Die Maedchen lernen Hausarbeit, das Naehen von
Kleidern und Konservieren von Fleisch, Gemuese und Fruechten.
Die Lehrkraefte dieser Klubs sind oesterreichische Experten
der Landwirtschaft.
Labor Information Bulletin
US Arbeitsministerium
Maerz 1950

EIN WELTPLAN ZUR VERHUETUNG DER ARBEITSLOSIGKEIT
Von Mac R. Johnson
Washington—(Amerika Dienst)— Fuenf hervorragende
Volkswirtschaftler haben einen Mobilisierungsplan ausgearbeitet, der zur Anwendung kommen soll, sobald eine steigende
Arbeitslosigkeit das Herannahen einer Wirtschaftsdepression
ankuendigt; dieser Plan ist zur Beratung durch den Wirtschaftsund Sozialrat der Vereinten Nationen bestimmt.
Ber Bericht, der den Titel "Nationale und Internationale
Massnahmen fuer Vollbeschaeftigung" traegt, wurde auf Veranlassung des Generalsekretaers der Vereinten Nationen, Trygve
Lie, von unabhaengigen Fachleuten verfasst.

- 10 -

�Die Initiatoren des Planes sind: Prof. John Maurice Clark
von der Columbia-Universitaet, Prof. Arthur Smithies von der
Harvard-Universitaet, Nicholas Kaldor von King's College,
Cambridge, Pierre Uri vom Commissariat General du Plan, Paris,
und E. Renald Walker vom australischen Aussenministerium, der
den Vorsitz fuehrte.
Bach diesem Programm sollen sich die teilnehmenden Regierungen verpflichten, im voraus festzustellen, was sie zu
tun gedenken, wenn der Beschaeftigungsgrad unter eine bestimmte
Hoehe sinkt. Diese geplanten Massnahmen muessten durch entsprechende Gesetze vorbereitet und geeignet sein, die Nachfrage nach Guetern zu steigern. (z.B. Steuerermaessigungen).
Eine Voraussetzung sei allerdings die Bekaempfung der
Dollarknappheit an ihren Wurzeln, und zwar nicht nur in
Europa, sondern auf weltumfassender Grundlage.
Als nationale Massnahmen werden empfohlen:
1.

Die Feststellung eines Ausmasses von Mindestbeschaeftigung, das erreicht werden soll.

2.

Die Bekanntgabe eines Gesamtplanes fuer die Erreichung
der Vollbeschaeftigung.

3*

Die Bekanntgabe zusaetzlicher Massnahmen fuer den
.Fall, dass dieses Ziel nicht erreicht wird. «

4. Die Bekanntgabe der Plaene fuer die Stabilisierung
der Preise.
5.

Die Schaffung der notwendigen legislativen und administrativen Voraussetzungen fuer die Durchfuehrung.

Als Internationale Massnahmen werden vorgeschlagen:
1.

Ein Programm zur Beseitigung der gegenwaertigen
strukturellen Gleichgewichtsstoerung im Welthandel.

2.

Die Schaffung eines staendigen Zuflusses von Investitionskapital in wirtschaftlichen zurueckgebliebene
Gebiete, hauptsaechlich durch die Welthank.

3.

Ein Plan, nach dem die Ausbreitung internationaler
Wirkungen einer deflationistischen Politik mit Hilfe
des Internationalen Waehrungsfonds verhindert werden
kann.

In einer zusaetzlichen Erklaerung schrieb Prof. Clark:
Wir uebernehmen wahrscheinlich ein grosses Risiko, wenn
wir durch staatliche Finanzpolitik zu viel erreichen wollen.
Wir laufen aber ein ebenso grosses Risiko, wenn wir fuer die
Stabilisierung des Einkommens und des Beschaeftigungsgrades
auf einem hohen Niveau zu wenig tun.
Die Vereinigten Staaten koennten wohl geneigt sein, ein
gewisses Mass von Unregelmaessigkeit auf sich zu nehmen und
sich bei der Ueberbrueckung der Arbeitslosigkeit auf ihr

- 11 -

�SozlalversicherungsSystem zu verlassen. Als gute Weltbuerger
aber duerfen wir mit Ruecksicht auf die Wirkungen, die eventuelle Veraenderungen in unserer Wirtschaft auf andere Laender
ausueben, solche Fragen nicht entscheiden, als ob es sich nur
um uns selbst handelte.
Die Weltlage legt vielmehr den industriell fuehrenden
Laendern die Verpflichtung auf, mehr zu tun, als sie es vielleicht auf Grund von nur innerpolitischen Erwaegungen moechten.
Diese Ueberlegung soll uns davon abhalten, zu wenig zu
tun, und uns veranlassen, lieber das Risiko zu uebernehmen,
bisher noch nicht genuegend erprobte Wege der Finanzpolitik
zu beschreiten. In diesem Sinne unterschreibe ich den Bericht.
"Amerika Dienst" - Arbeit
14. Llaerz 1950

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFICIAL

- 12 -

UGOS t n ; 1 4 1 April SO 1' s.

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Ottice of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission fflr Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 7

Frankfurt, 2 1 . April 1950
INHALTSVERZ

EICHNIS

Dubinsky prphezeit schweren Kampf gegen den r o t e n
Weltgewerkschaftsbund - - - - - - - - - - - - - —
Warum b l e i b t Hlstadrut Im kommunistischen Weltgewerkschaftsbund - - - - - - - - - - - - - - - - Walter Reuther - - - - - - - - - - - - - - - - - F e r n u n t e r r i c h t durch die Gewerkschaften - - - - - Ein Kommunist schwenkt u m - —
- - - - - - - - - - 1

1
8
4
7
1

DUBINSKY PROPHEZEIT SCHWEREN KAMPF GEGEN DEN ROTEN WELTGEWERKSCHAFTSBUND
Von dem New Yorker Korrespondenten des Nachrichtendienstes der AFL, Arnold Beichmann.
(New York)— David Dubinsky, der Praesident der I n t e r n a t i o n a l e n Bekleidungarbeiter Hewerkschaft (AFL), i s t der Auffassung, dass der "vor kurzem gegruendete I n t e r n a t i o n a l e Bund
F r e i e r Gewerkschaften eine kategorische Abkehr von dem Maerchen
d a r s t e l l e , der sowjetische T o t a l i t ä r Ismus s e i eine f o r t s c h r i t t l i c h e Idee, oder das kommunistische System b i e t e irgendeine
Moeglichkeit, die I n t e r e s s e n der i n t e r n a t i o n a l e n Arbeiterklasse
zu foerdern."
Dubinsky, der Mitglied der AFL Delegation war, die den
neuen I n t e r n a t i o n a l e n Bund F r e i e r Gewerkschaften o r g a n i s i e r e n
half, schrieb i n der Aprilausgabe der v i e r t e l , ) a e h r l i c h e r s c h e i nenden e i n f l u s s r e i c h e n Veroeffentlichung, "Foreign A f f a i r s " :
" D e l e g i e r t e , d i e 50.000.000 Arbeiter in mehr a l s 50 v e r schiedenen Laendern v e r t r e t e n , haben nun den Bolschewismus a l s
den Erbfeind der Arbeiterschaft gebrandmarkt. Damit moegen s i e
dem Vorwand e i n Ende b e r e i t e t haben, u n t e r dem der Bolschewismus
mehrere Jahrzehnte lang die meisten seiner Erfolge errungen hat •
naemlich, dass er e i n Freund der Arbeiter der Welt s e i . "

- 1 -

�Der Chef der Internationalen Damenbekleidungsarbeiter
Gewerkschaft wandte sich gegen Franco Spanien, indem er
erklaerte, "die freien Gewerkschaften der ganzen Welt seien
der Ansicht, dass sich Nazismus, Faschismus, Falangistentum
und Kommunismus im wesentlichen gleich seien", und er versicherte, dass "eine unentschlossene Haltung, wie sie kuerzlich von unserem Aussenministerium Franco Spanien gegenueber
an den Tag gelegt worden sei, unter der Arbeiterschaft Europas
und Asiens schwerwiegende Missverstaendnlsse der von Amerika
verfolgten Ziele ausloesen koennten."
Dubinsky wies warnend auf die Gefahr bin, dass der Kampf
zwischen der freien Gewerkschaftsbewegung und dem sowjetischen
Weltgewerkschaftsbund" an Heftigkeit und Erbitterung zunehmen
muesse."
"Beide Organisationen sind in einen Kampf um den hoechsten
Bes itz der Welt verwickelt - um die Herzen und Seelen von Millionen von arbeitenden Menschen in vielen Laendern der Welt.
Moskau koennte dem Rest der Welt nicht den totalitaeren Kommunismus aufzwingen, ohne erst die noch bestehenden freien Gewerkschafts Organisationen an die Kette zu legen,"
"Damit waere der Untergang des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften besiegelt, der nun das Herz und den
Kopf der internationalen demokratischen Gewerkschaften bildet.
Die neue Internationale ist sich der schwerwiegenden Bedeutung
dieser Bedrohung voll und ganz bewusst. Das Ringen ist besonders
schwer, da es dem Weltgewerkschaftsbund erlaubt ist , gegen die
freien Gewerkschaften in den demokratischen Laendern zu operieren,
wahrend dem Internationalen Bund Freier GewerkscKaften die
Strasse zu allen Laendern hinter dem Eisernen Vorhang versperrt
ist."
Mr. Dubinsky fuegte hinzu, dass der Weltgewerkschaftsbund
in Italien, Frankreich und einigen Teilen Asiens und Afrikas
noch starke Positionen halte, die die Kommunisten "waehrend
der vier Jahre eroberten, in denen ihre Verbindung mit den
freien Gewerkschaften sie mit dem Mantel der Redlichkeit umgab."
Weekly News Service der AEL
28. M&amp;rz 1950
WARUM BLEIBT HISTADRUT IM KOMMUNISTISCHEN WELTGEWERKSCHAFTSBUND?
Chikago — Der Finanzsekretaer der AFL, George Meany, erklaerte, dass die amerikanischen Freunde des israelitischen
Gewerkschaftsbundes "Histadrut" geradezu verbluefft seien, dass
diese Arbeiterorganisation immer noch Mitglied des kommunistisch
beherrschten Weltgewerkschaftsbundes aei, atatt dem neuen
antikommunistischen Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
anzugehoeren.
Mr. Meany sprach anlaesslich eines Essens, das von der
Gewerkschaftsabteilung des israelitischen Histadrut in Chikago
gegeben wurde, ueber die seit langem bestehende]Freundschaft
und tatkraeftige Unterstuetzung seitens der AFL fuer Israel
und Histadrut.

- 8 -

�• Jedoch," so fuehrte er aus, "ist Hlstadrut von allen
nationalen Gewerkschaftszentren das einzige, welches seine
Mitgliedschaft In dem von den Kommunisten kontrollierten Weltgewerkschaftsbund aufrechterhaelt."
Mr. Meany sagtet
"Ich habe Verstaendnis fuer die Probleme des neuen Staates
Israel und des Gewerkschaftsbundes Hlstadrut, der eine so bedeutende Rolle in diesem Lande spielt« Ich weiss, dass die
Juedischen Gewerkschaftler Israels um das Los ihrer Brueder sehr
besorgt sind, die sich hinter dem Eisernen Vorhang befinden und
von den Russen als Geiseln zurueckgehalten werden. Wir geben
zu, dass die neue Republik, die noch keine zwei Jahre alt und
von feindlichen Nachbarn umringt ist, vor schweren Problemen
steht. Wir koennen und wollen all dies verstehen.
"Waehrend wir jedoch diesen Problemen die ihnen gebuehrende
Bedeutung zumessen, koennen wir nicht verstehen, dass sich Hlstadrut zu der Ausbreitung der Sklavenarbelt auch in anderen
Laendern als der modernen Heimat der Sklaverei, dem kommunistischen Russland, schweigend oder neutral verhaelt.
"Wir koennen nicht verstehen, wie Hlstadrut der Methode des
Kreml zur Vernichtung der Menschen schwelgend mitzusehen kann.
Auch koennen wir nicht verstehen, dass Hlstadrut neutral bleibt,
wenn das kommunistische Russland Juedischen Arbeltern die Einwanderung nach Israel verweigert, obwohl es deren Wunsch und
gutes Recht ist.
"Schliesslich fragen wir uns: Wie kann Hlstadrut moegllcherweise neutral sein, wenn die Juden In Sowjetrussland
zur Zelt aktiven und brutalen Verfolgungen ausgesetzt sind?"
"Hlstadrut ist eine demokratische, freie Gewerkschaftsbewegung," sagte Mr. Meany. "Sie hegt weder fuer den Kommunismus
noch fÜBr eine andere Form des Totalitarlsmus Sympathien* Auch
ist sie kein Werkzeug der kommunistischen Partei. Deshalb lat
•s seltsam, unvereinbar und - seien wir ehrlich - befremdend,
wenn wir sehen, wie Hlstadrut versucht, in dem Ringen zwischen
dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften und dem Satelliten des Kreml, dem Weltgewerkschaftsbund, eine neutrale Stellung
einzunehmen.
"Ich habe ausfuehrlich und offen ueber diese Frage gesprochen.
Wir bewundern Hlstadrut und versagen ihm nicht unsere Anerkennung
fuer seine heroischen Leistungen im Laufe der vergangenen 30 Jahre.
Wir moechten ihm auch in Zukunft unsere Achtung und Freundschaft
bewahren.
"Als Freund Israels und seines Gewerkschaftsbundes Hlstadrut
bin ich gewiss, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung in
ihren Hoffnungen nicht getaeuscht werden wird, die demokratische
Gewerkschaftsbewegung Israels bald an ihrem Platze in der freien
Gewerkschaftsbewegung der Welt zu sehen - dem Vorkaempfer einer
friedlichen, freiheitsliebenden Menschheit.
"Hlstadrut gehoert zu dem Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften, und seine Mitarbeit in dieser Organisation ist
unerlaesslich."
Weekly News Service der AFL
28. Maerz 1950
- 3 -

�WALT gl REUTHER
Walter Reuther stammt aus einer Familie von Gewerkschaftlern, und die Berufung zu organisieren liegt Ihm Im Blut.
Aber er musste kaempfen, — mit Worten, Ideen und Faeusten —
um sich seinen Weg an die Spitze einer der groessten Gewerkschaften der Welt zu bahnen -- der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas, Zweimal musste er wegen gewerkschaftlicher
Betaetigung seinen Arbeitsplatz verlassen; mehrere Male wurde
er schwer misshandelt und einmal waere er beinahe einem
Mordanschlag zum Opfer gefallen. Selbst seine Ausbildung
musste sich Reut her er kaempfen« Mit 15 Jahren war er gezwungen
zu arbeiten; trotzdem beendete er die hoehere Schule und besuchte drei Jahre lang die Unlversitaet, waehrend er in einer
Automobilfabrik in Detroit arbeitete. Spaeter sollte er mit
Tatsatehen und Zahlen kaempfen, um seine Gewerkschaft vor dem
Untergang zu bewahren.
Aber immer wieder hatte er das Beduerfnis zu organisieren.
Als Reuther noch dabei war, die Tausende der schlecht
bezahlten Automobilarbeiter In Detroit zu organisieren, wurde
er einmal von den Unternehmern gebeten, einen Streik zu beenden,
durch den die Montageabteilung lahmgelegt war. Reut her begab
sich in diese Fabrik, versammelte die Arbeiter um sich und
begann, ihnen eine Gewerkschaftsrede zu halten. "Hoeren Sie",
unterbrach ihn der Sprecher der Betriebsleitung, "Sie sind
hierher gerufen worden, um den Streik zu beenden und nicht
eine Gewerkschaft zu organisieren."
Gelassen ueberging Reuther diese Unterbrechung.
"Ich versuche, sie wieder an die Arbeit zu bringen,"
sagte er. "Aber zuerst muss ich sie organisieren."
Reuther wurde am 1. September 1907 in Wheeling, (West
Virginia), dem Herzen der amerikanischen Stahl- und Kohlenindustrie«, geboren. Sein Vater war bereits Gewerkschaftler. Mit
33 Jahren wurde Valentine Reuther Praesident des Berufs- und
Arbeiterverbandes von Ohio. Sein Bruder, Victor Reuther,
ist Leiter der Abteilung fuer Ausbildung in der Gewerkschaft
der Verinigten Automobilarbeiter von Amerika. Reuther selbst
arbeitet In derselben Richtung weiter. Im Jahre 1936 heiratete
er ein Maedchen namens May Wolf, die ebenfalls Gewerkschaftlerin
ist und mit ihm schon in den fruehesten Tagen seiner Gewerkschaftslaufbahn zusammengearbeitet hatte.
Mit 15 Jahren verliess Reuther die hoehere Schule und
lernte Werkzeug- und Schnittmacher in seiner Geburtsstadt.
Fast zur gleichen Zeit begann er, die Arbeiter im Protest gegen
die Sonn- und Feiertagsarbeit zu organisieren. Dieses erste
Experiment gewerkschaftlicher Taetlgkeit beendete seine Laufbahn in Wheeling. Er wurde entlassen. Daraufhin ging der
entschlossene junge Gewerkschaftler nach Detroit, dem Zentrum
der Automobilindustrie Amerikas. Dort arbeitete er erfolgreich
sechs Jahre lang bei "General Motors", in verschiedenen Werkzeugfabrlken und schliesslich bei Ford. Abends ging er zur
Schule.
Aber selbst waehrend seiner Schulzeit vennachlaesslgte
Reuther nicht seine erste Liebe - die Gewerkschaft. Er schuf
den "Club fuer Soziale Probleme"; dann schulte er seine Mitglieder im Gewerkschaftswesen an Hand von praktischen Beispielan
Bei Streiks zum Beispiel setzte er sie als Streikposten ein.
- 4 -

�Inzwischen war Reuther ein erfahrener Techniker geworden
und wurde In der Werkzeugmacherel der Ford Werke als Vorarbeiter eingesetzt. Aber noch einmal wurde seine Laufbahn als
Arbeiter auf Grund seiner gewerkschaftlichen laetlgkelt unterbrochen. 1938 wurde er wegen Versuchs, die Arbeiter zu organisieren, erneut entlassen.
Daraufhin entschloss sich Reuther, sich mehr praktische
Erfahrung in der Gewerkschaftsarbelt anzueignen. Mit seinem
Bruder Victor unternahm er eine Reise per Rad durch Europa
und Asien. Die beiden Brueder arbeiteten In allen moeglichen
Unternehmen, beobachteten die Arbeltswelse In Auto- und Maschinenfabriken und befassten sich eingehend mit den Gewerkschaftsbewegungen In England, Deutschland, Russland, Zentralasien, China
und Japan — ihre Reise Ist In gewisser Beziehung mit den heutigen
Studienreisen der BCA zu vergleichen.
Drei Jahre spaeter kehrte er nach Detroit zurueck, um seine
Kenntnisse In die Tat umzusetzen. Zusammen mit anderen Arbeltern, die versuchten, die Automobilarbeiter zu organisieren,
gruendete er Im Westen von Detroit eine Lokalgewerkschaft und
machte sich an die Arbelt. Innerhalb eines Jahres hatte er
30.000 Arbeiter In seiner damals beruehmten Lokalgewerkschaft 174
organisiert.
Ausserdem spielte Reuther eine aktive Rolle bei der
Organisierung der Arbeiter der Radfabrik Kelsey-Hayes. Als
sich die Betriebsleitung dieses Unternehmens weigerte, den
Forderungen der Gewerkschaften stattzugeben, setzten sich die
Arbeiter an Ihren Arbeltsplaetzen nieder und weigerten sich zu
arbeiten oder sich von der Stelle zu ruehren. Zehn Tage lang
streikten sie und wurden von Ihren Frauen und Gewerkschaftskollegen verpflegt» Die Unternehmer waren machtlos» Schliesslich kapitulierten sie und erklaerten sich damit einverstanden,
die Gewerkschaft anzuerkennen und Maennern und Frauen einen
Anfangstarif von 75 i pro Stunde zu zahlen. Dies waren zu
jener Zelt die besten Loehne, die In der Industrie gezahlt wurden.
1936 wurde Reuther In den Internationalen Exekutivausschuss
der jungen Gewerkschaft der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas
gewaehlt. Im folgenden Jahre stand er Im Mittelpunkt der Handlung,
als es galt, die Arbeiter von Ford zu organisieren. Ford war
die letzte Hochburg der nlchtorganlslerten Automobilfabriken.
(Zu jener Zelt hatte die Gewerkschaft bereits Vertraege mit den
beiden anderen zwei der drei grossen Automobilunternehmen abgeschlossen - den "General Motors* und "Chrysler" und ausserdem
mit den meisten der kleineren Automobilfabriken.) Indem er half,
auch Ford zu organisieren, machte Reuther Geschichte fuer die
Gewerkschaften. Er veranstaltete die erste Gewerls chaftsSendung,
die je von einem Flugzeug aus gegeben werden sollte. Er ueberflog die Fabrik "Ford River Rouge" In Dearborn, In der Naehe
von Detroit. Ausserdem hatte er die Aufgabe, eine Flugschrift
seiner Gewerkschaft In diesem Werk zu verteilen. Dabei wurden
er und mehrere andere Gewerkschaftler von der Werkspolizei misshandelt.
Ein Jahr spaeter wurde er nochmals von Maennern verpruegelt,
die waehrend einer Geburtstagsfeier In sein Haus eingedrungen
waren.

�Reuther wollte Jedoch den Frieden und keine Gewalttaetigkelten. 1939 wurde er zum Leiter der Gewerkschaft Innerhalb
der General Motors ernannt. In dieser Stellung arbeitete er
mit seinem Personal an der Loesung der Arbeltsprobleme von etwa
300,000 Arbeltern In 100 verschiedenen Werken dieses Unternehmens.
Waehrend dieser Zelt herrschten in den Werken der "General Motors"
die besten und friedlichsten Beziehungen zwischen Arbeitnehmern
und Arbeitgebern in der Industrie. Reuther gelang es, die
"General Motors" zu veranlassen, einen unparteiischen Schiedsrichter zur Beilegung nichtwirtschaftlicher Streitigkeiten einzusetzen, die zwischen den Arbeitern und ihren Unternehmern
aufkommen koennen. Dieses Schiedsrichtersystem wurde spaeter
in viele andere Gewerkschaftsvertraega uebernommen und half mit,
Frieden in die von Streitigkeiten erschuetterte Industrie zu
bringen.
Obwohl jedoch Reuther den Frieden suchte, konnte er ihn
niemals finden. Zwei politische Kaempfe standen ihm noch bevor,
die er fast nicht bestanden haette. Es war ein erbitterter
Kampf Innerhalb der Gewerkschaft, ein lange andauernder Streik
nach dem Kriege. Ausserdem haette Reuther beinahe seinen Arm
verloren, als man einen Mordanschlag auf ihn veruebte.
Auch gegen Ende des Krieges sah Reuther die Dinge mit den
richtigen Augen und stellte seine Umsicht unter Beweis. Lange
vor dem Waffenstillstand hatte er die wirtschaftlichen Probleme
studiert, die sich fuer Amerika nach dem Kriege vermutlich
ergeben wuerden. Er schlug die Bildung eines Ausschusses fuer
FriedensproduktIon vor, der die amerikanische Wirtschaft waehrend
dieser schweren Zeit leiten sollte, und forderte die Umstellung
der staatseigenen Ruestungsbetriebe auf die Massenproduktion
von Wohnungsbau- und rollendem Eisenbahnmaterial. Dieser Plan
wurde jedoch nicht ausgefuehrt. Viele Gewerkschaftsfuehrer
sind der Ansicht, dass mit diesem vorgeschlagenen Programm ein
grosser Teil der Wohnungsprobleme haette geloest werden koennen,
denen sich Amerika nach dem Kriege gegenuebersah.
Gegen Ende des Jahres 1945 hatten die Automobilarbeiter
einen weiteren Kampf zu bestehen. Die Kaufkraft der Arbeiter
in den Industrien der Massenproduktion sank erheblich, well
die waehrend des Krieges gezahlten Praemien wegfielen und die
Tarife im allgemeinen als Folge des Einsteilens der Kriegsproduktion zurueckgingen. Walter Reuther und die Arbeiter von
"General Motors" nahmen diese grosse Aufgabe in Angriff, die
sich ihnen als erste nach dem Kriege bot. Reuther arbeitete mit
seinen Kollegen der Automobilarbeiter Gewerkschaft eine gründliche wirtschaftliche Analyse aus, die zeigte, dass die "General
Motors" In der Lage waren, hoehere Loehne aus ihren hohen Gewinnen
zu zahlen, ohne die Preise steigern zu muessen. Sie erboten sich,
ihre Forderungen herabzuschrauben, wenn die Gesellschaft ihre
Buecher zur Einsichtnahme zur Verfuegung stellen und den Beweis
liefern wuerde, dass sie nicht In der Lage ist, die Forderungen
der Gewerkschaft zu erfiueilen.
Die Gesellschaft lehnte diesen Vorschlag ab, und es kam
zu einem 113-taegigen Streik, der den Mittelpunkt eines nationalen,
politischen Problems und eines inneren Gewerkschaftskämpfes zwischen den Anhaengern Reuthers und der sogenannten linken Fraktion
der Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas bildete , die in
Wirklichkeit eine Kombination von konservativen Funktionaeren
und Kommunisten war; die Letzteren waren dabei tonangebend. Obwohl ein vom Praesidenten eingesetzter Untersuchungsausschuss

�festgestellt hatte, dass die "General Motors" den Stundenlohn
um 19$£ erhoehen koennten, ohne die Automobilpreise steigern
zu muessen, weigerte sich die Gesellschaft, auf diese Bedingungen
einzugehen. Schliesslich gewaehrten sie doch eine Stundenlohnerhoehung von 18£#, weigerten sich jedoch, die Preise auf dem
gleichen Niveau zu halten.
Die Beilegung des Streiks in den Werken der "General Motors"
fuehrte zu aehnllchen Lohnerhoehungen in. anderen Zweigen der
Schwerindustrie, wodurch viele amerikanische Arbeiter in der
Lage waren, ihren Lebensstandard trotz der vermehrten Lebenshaltungskosten beizubehalten. Der Linksfraktion der Vereinigten
Automobilarbeiter Amerikas gelang es nicht, den Streik zuungusten
Reuthers zu wenden, der im Fruehjahr 1946 zum Praesidenten der
Gewerkschaft gewaehlt wurde. Die Laufbahn der Kommunisten in
den Vereinigten Automobilarbeiter Amerikas fand auf der Konvention
von 1947 ihr Ende, auf der Reuther und seine Anhaenger die Kontrolle ueber die Gewerkschaft endgueltig in die Hand bekamen.
Reuther selbst bezeichnet sich als einen "Mittelwegler",
einen Mann, der weder an die Extremen der Rechten noch Linken
glaubt. Ein Mittelwegler hat jedoch immer Feinde.
In der Nacht des 20. April 1946 wurde Reuther, als er von
einer Gewerkschaftssitzung heimkehrte, durch Schuesse aus einem
im Hinterteil seines Hauses gelegenen Fenster verletzt. Sein
Arm wurde fast abgerissen und an der Brust wurde er verwundet.
Reuther ist der Ansicht, dass der Angreifer wahrscheinlich ein
Extremist der Rechten oder Linken ist. Noch ist er nicht voellig
genesen, doch die Taeter konnten niemals gefasst werden.
Aber Reuther steht noch immer im Kampf. Er hat seine Zeit
und seine Energie in den Dienst des neuen Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften gestellt. £r arbeitet fuer den Tag, an
dem das wirtschaftliche Mitbestimmungsrecht der Gewerkschaften
in Amerika Wirklichkeit werden wird; an dem die Loehne hoeher
und die Preise und Gewinne niedriger und Arbeiter und Bauern
Amerikas und der ganzen Welt sich die Haende reichen und zusammenarbeiten werden.
ECA Labor Information
9. Maerz 1950
FERNUNTERRICHT DURCH DIE GEWERKSCHAFTEN
Uns wird geschrieben:
Eine der vordringlichsten und wichtigsten Aufgaben der
modernen Gewerkschaftsbewegung ist die gruendliche Schulung ihrer
Mitglieder und Funktionaere. Es ist schwer zu entscheiden, welche
Gebiete im Vordergrund dieser Schulungsarbeit stehen sollen: die
berufliche Weiterbildung des Arbeiters und Angestellten in seiner
Funktion als Produzent oder seine mitbuergerliche, soziale und
wirtschaftliche Schulung als Staatsbuerger.
Von den Verhaeltnlssen in Deutschland aus gesehen sind beide
Gebiete gleich wichtig. Wir brauchen den guten lualitaetsarbeiter,
um hochwertige Produkte sowohl fuer den Inlandsverbrauch wie fuer
den Export herstellen zu koennen und wir brauchen den gut orientierten, zuverlaessigen Mitbuerger, um unser Staatswesen auf
echter demokratischer Basis aufzubauen.

�Es ist selbstverstaendlich, dass die Gewerkschaften an der
Loesung beider Probleme interessiert sind. Eine qualitativ
gute Produktion ist eine der Voraussetzungen zur Hebung des
Lebensstandards.;-die demokratische Entwicklung des Staates
ist die Voraussetzung fuer den Bestand der Gewerkschaften*
Echte freie Gewerkschaften koennen nur in der frischen und
sauberen Luft der Demokratie existieren und ihre Aufgaben
erfuellen.
Um diese so wichtige Schulungs- und Bildungsarbeit durchfahren zu koennen, haben sich die Gewerkschaften verschiedene
Institute geschaffen. Auch der Fernunterricht wurde in den
Dienst dieser Aufgabe gestellt. Es wurde ein besonderes Institut "Die Brief schule" errichtet, die ihre Bueros im Gewerkschaftshaus in Frankfurt a.M., Wilhelm Leuschnerstr. 69/77 hat.
Durch den Fernunterricht der Brief schule ist es jedem
Arbeiter und Angestellten moeglich, sich in seiner Freizeit
sowohl beruflich als auch auf dem Gebiete des Allgemeinwissens
weiterzubilden. Um das zu koennen, braucht er nun nicht unbedingt eine Schule zu besuchen, denn die "Schule" kommt in Form
von Studienheften der Briefschule zu ihm ins Haus.
Bei der Organisierung und Propagierung des Fernunterrichts
der Brief schule wird versucht, die Kursteilnehmer zu Arbeitsgemeinschaften zusammenzuschliessen. Sie werden Immer wieder
darauf aufmerksam gemacht, dass es sich am besten in der
Gemeinschaft lernt. Ausserdem sind die oertlichen und betrieblichen Organisationen der Gewerkschaften bemueht, solche Arbeitsgemeinschaften oder Studienzirkel,zu bilden. Es soll nicht verschwiegen werden, dass es noch lange nicht genug dieser Studienzirkel gibt und dass noch viel Organisationsarbeit notwendig
ist, um sie populaer zu machen.
"Die Briefschule" hat bisher 15 Kurse herausgebracht. An
der Erweiterung des Kursprogramms wird staendig gearbeitet und
zum Herbst wird eine Reihe neuer Kurse erscheinen.
Aus Raummangel muss darauf verzichtet werden, die einzelnen
Kurse zu besprechen. Wir muessen uns darauf beschraenken, sie
lediglich anzufuehren:

Gewerksohaftskunde (7 Studienhefte) gibt einen Ueberblick
ueber die geschichtliche Entwicklung der deutschen Gewerkschaftsbewegung und ihrer Aufgaben in der Vergangenheit und in der Gegenwart.
Einfuehrung in die Nationaloekonomie (3 Studienhefte) ist
ein kleiner Kurs, der die Aufgabe hat, den Fernschueler mit den
nationaloeknnomischen Grundbegriffen bekannt zu machen und ihn
wirtschaftlich denken zu lehren.
Grundfragen der Psychologie (3 Studienhefte) beschaeftigt
sich in der Hauptsache mit den Moeglichkeiten und Grenzen psychologischer Forschung.
Die Frau im Erwerbsleben (3 Studienhefte) ist ein Kurs,
der einen Ueberblick gibt ueber die soziologische Stellung der
Frau in der modernen Gesellschaft. Er soll ein Beitrag sein
im Kampfe der Frau um ihre Gleichberechtigung.
Die Freie Rede (4 Studienhefte). Mit Hilfe dieses Kurses

- 8 -

�s o l l der ungeuebte und befangene Redner das Selbstvertrauen
gewinnen, das er braucht, um Im oeffentllchen Leben mit Erfolg
taetlg s e i n zu koennen.
Versarnmlungstechnik (3 Studienhefte). Nicht Jeder Vors i t z en^e~^änn~eTnTTeTs8jnmlung richtig und einwandfrei l e i t e n .
Deshalb werden mit Hilfe dieses Kurses die guten parlamentarischen
Regeln der Versarnmlungstechnik populaer gemacht.
Betriebswirtschaft (4 Studienhefte). Die Forderung nach
wirtschaftlicher Mitbestimmung der Arbeitnehmer macht es notwendig, dass ihre Vertreter einiges davon verstehen. Dieser Kurs
gibt jedem die Moeglichkeit, sich das Wissen anzueignen, das
er braucht, um die Interesses der Arbeitnehmer auch von einem
hoeheren Gesichtspunkt aus zu verstehen und wahrzunehmen.
Genossenschaftswesen (4 Studienhefte) macht den Leser mit
dem Wert und den Vorteilen genossenschaftlicher Organisationen
vertraut. Im Mittelpunkt der Eroerterungen steht die Konsumgenossenschaftsbewegung.
Zeichensetzung und Rechtschreibung (4 Studienheftö w i l l
dazu beitragen, die Maengel zu beseitigen, die das infolge des
Nazismus und des Krieges verschlechterte Schulwesen hinterlassen
hat.
Arbeitsyerwaltung und Arbeitspolitik (5 Studienhefte)
macht die Interessenten mit den Problemen des Arbeitsmarktes
und der Lenkung der Arbeitskraft bekannt. Der Kurs dient vor
a l l e n Dingen der Schulung des Personals, das in der oeffentl l c h e n Arbeitsverwaltung beschaeftigt i s t .
Englisch fuer Anfaenger (6 Studienhefte) i s t ein vorbildl i c h e r Sprachkurs, der auch a l l e n Jenen willkommen s e i n wird,
die schon etwas englisch sprechen, denen es aber an grammatikal i s c h e n Kenntnissen f e h l t .
Kurse, die ganz s p e z i e l l der beruflichen Weiterbildung
dienen s o l l e n sind: Technisches Rechnen I (4 Studienhefte)
und Technisches Rechnen II (3 Studienhefte).
Y

on der Skizze zur technischen Zeichnung I . und ILV Teil
(7 Studienhefte), sowie Kaufmaennlsches Rechnen (5 Studienhefte).
Zum Schlüsse s o l l erwaehnt werden, dass die Briefschule
Jederzeit bereit i s t , Auskuenfte ueber ihre Arbeit zu geben.
Prospekte koennen ebenfalls kostenlos angefordert werden.
Die Anschrift der Briefschule i s t : "DIE BRIEFSCHJLE",
Frankfurt a.M», Wilhelm LeuschnerStrasse 69/77.
Den folgenden interessanten Artikel entnehmen wir der
"New York Herald Tribüne'* vom 8. April 1950:
VERWALTUNG DER GEWERKSCHAFTSFONDS IST HAUPTPROBLEM IN DEN
VfiRtltilGTBW MAAtfiN
Gesamtkapital der GewerkschaftsOrganisationen wird auf

drei bis v i e r Billionen Dollar geschaetzt.
Von H. Eugene Dickhuth

(New York- 7. April) - Das Gewerkschaftswesen i s t zum

�Grossgeschaeft geworden. Das Gesamtkapital aller Gewerkschaften
in den Vereinigten Staaten wird zur Zeit auf drei bis vier Billionen Dollar geschaetzt, und die neuen Pensionsvertraege, ob sie
bereits abgeschlossen oder noch in Bearbeitung sind, werden
dieses Kapital voraussichtlich um 500 Millionen Dollar vermehren.
Die Verwaltung dieser riesigen Summen wird damit zu einem
Problem von hervorragender Bedeutung. Diese und aehnliche
Fragen bilden Gegenstand einer Erhebung, die gerade unter der
Leitung von Alexander S. Lipsett, amtierender Direktor des Bueros
fuer Oeffentliche-und Arbeitsbeziehungen (Public and Labor Relatlons Bureau), beendet wurde.
Die Ergebnisse dieser Erhebung sind von der Floyd L. Carlisle G.m.b.H. veroeffentlicht worden, "um die Gewerkschaftsführer sowohl als auch die breite Masse der Gewerkschaftler
ueber die voraussichtliche Hoehe der gewerkschaftseigenen Wohlfahrts- und Pensionsfonds zu informieren, fuer die Investierungsmoeglichkeiten gesucht werden sollen."
Verschiedene Maklerfirmen im ganzen Lande haben diese
Tendenz bereits erkannt, und man sah in den vergangenen Monaten
in Gewerkschaftszeitungen die ersten Reklamezeigen von Finanzfirmen.
Diese Entwicklungen sind gelegentlich noch durch Veroeffentlichungen in der Gewerkschaftspresse gefoerdert worden, in denen
zu dieser Frage Stellung genommen wurde. Auch haben einige Investitionsberater der Wall Street die Verwaltung des Kapitals
der Gewerkschaften bereits in die Hand genommen.
Die Ergebnisse der Erhebung Lipsett wurden unter der Ueberschrift "Teilhaberschaft der Gewerkschaften an der Industrie"
veroeffentlicht. Sie zeigen, dass der ueberwiegende Teil des
Gewerkschaftskapitals gegenwaertig in Regierungen und Gemeindeverwaltungen investiert und in bar vorhanden Ist, und dass ein
Drittel der gesamten Aktiva Eigentum von nationalen und internationalen Organisationen ist, waehrend zwei Drittel den Lokalgewerkschaften gehoeren.
In dieser Veroeffentlichung wird geschaetzt, dass in allernaechster Zukunft Pensionskassen fuer etwa eine Million Stahlarbeiter, eine Million Automobilarbeiter und 500-ooo Bergleute
bestehen werden, und dass sich das Gesamtkapital, welches in
diese Kassen fHessen wird, auf rund eine halbe Billion Dollar
belaufen wird.
Die Lipsett Erhebung enthaelt eine Aufstellung der Kapitalien
von 42 nationalen Gewerkschaften. Diese Angaben geben auf keinen
Fall ein Gesamtbild der amerikanischen Gewerkschaftsfinanzen,
sie bitten jedoch in gewisser Hinsicht einen Masstab.
In diesem Xapital sind die Geldreserven der Gewerkschaft
fuer Unterstuetzungen bei Todesfaellen oder Arbeitsunfaehigkeit,
der Grundstue&amp;ks- und sonstige Besitz wie Banken, Alters- und
Erholungshelme, Rundfunksender, kuenstlerische Unternehmen etc.
enthalten.

-10-

�Die n a t i o n a l e Organisation der Gewerkschaft des Zugpersonals mit 1.100 Lokalgewerkschaften s t e h t mit einem Kapital, von
55.500.000 Dollar i n dieser Aufstellung an der S p i t z e ; es f o l g t
die Gewerkschaft der Heizer und Lokomotivfuehrer mit einem Vermoegen von 35.300.000 Dollar. Der I n t e r n a t i o n a l e Verband der
Kraftfahrer b e s i t z t 81 Millionen Dollar, die Vereinigten Berga r b e i t e r 20 Millionen. Die I n t e r n a t i o n a l e Gewerkschaft der
Drucker f o l g t mit 16.600.000 Dollar. An l e t z t e r S t e l l e stehen
die Gewerkschaften der Hausangestellten und B r a u e r e i a r b e i t e r ,
die über ein Kapital von j e 1 Million verfuegen.
Die Einnahmen der Gewerkschaften scheinen eine fragwuerdige
Angelegenheit zu s e i n . In diesem Zusammenhang h e l s s t es in der
Erhebung: "Im Jahre 1943 meldeten etwa 29.000 GewerkschaftsOrganisationen den Flnanzbehoerden ein Bruttoeinkommen von rund 400 M i l l i onen Dollar. S e i t dieser Zeit wurde Jedoch kein umfassender
Bericht von der Regierung herausgegeben."
Eine Aufstellung ueber d i e I n v e s t i t i o n e n der Gewerkschaften
weist auf, dass von den 55.500.000 Dollar der Gewerkschaft des
Zugpersonals etwa 42 Millionen in s t a a t l i c h e n und staedtischen
Schuldverschreibungen, und nur 9.800.000 Dollar anderweitig angel e g t s i n d . Die Drucker mit einem Gesamtvermoegen von 16.600.000
Dollar haben s t a a t l i c h e und s t a e d t i s c h e Schuldverschreibungen im
Werte von a l l e i n 13.300.000 Dollar aufgekauft.
Angesichts dieser sicheren und n i e d r i g v e r z i n s t e n K a p i t a l anlagen, deren 3ich die meisten Gewerkschaften bedienen, schlaegt
man eine r e a l i s t i s c h e r e I n v e s t i t i o n s p o l i t i k durch Investierung
b e t r a e c h t l i c h e r Geldbetraege i n privaten Unternehmen vor.
M

DamitH , e r k l a e r t e Mr. L i p s e t t , "wuerden die Gewerkschaften
mehr Zinsen beziehen, waeren gegen ein Absinken der Kaufkraft des
Dollars g e f e i t , und in der I n d u s t r i e wuerden durch diesen K a p i t a l zustrom mehr Beschaeftigungsmoeglichkeiten geschaffen."
All dies kann in der Tat zu einer Teilhaberschaft der
Gewerkschaften an der I n d u s t r i e fuehren. Es koennte eine a k t i v e
und eine passive Teilhaberschaft s e i n , was im Grunde jedoch genau
das Gleiche waere.
New York Herald Tribüne
8. April 1950
EIN KOMMUNIST SCHWENKT UM
Die Vorwuerfe, die der ehemalige Eunktionaer e i n e r kommun i s t i s c h beherrschten, franzoesisehen Gewerkschaft, Andre Miffre,
gegen die Fuehrer d i e s e r Gewerkschaft erhob, l i e f e r n einen weit e r e n Beweis dafuer, dass es in den demokratischen Laendern
einige Kommunisten g i b t , die i h r e Einstellung zum Marshall Plan
und seinen Auswirkungen auf die Wirtschaft Europas aendern.
Miffre war aus der kommunistischen P a r t e i a u s g e t r e t e n und
h a t t e s e i n Amt a l s Generalsekretaer des Gewerkschaftsverbandes
der Chemischen I n d u s t r i e n (CGT) n i e d e r g e l e g t , weil er davon
ueberzeugt war, dass die Fuehrer d i e s e r Gewerkschaft nicht die
Interessen Frankreichs Im Auge h a t t e n . Er e r k l a e r t e , dass er zu
einer gewissen Z e i t e r n s t l i c h an der Marshall Plan Hilfe gezweifelt habe.

- 11 -

�"Die Erfahrung hat uns jedoch gelehrt," sagte er, "dass
ohne die Hilfe Amerikas unsere Industrie niemals in der Lage
gewesen waere, unseren Mindestbedarf zu decken. Unsere Rohoelund Petroleumimporte
werden in Dollars bezahlt, die uns zu 85#
von Amerika zur verfuegung gestellt werden. Durdh die Hetze
gegen den Marshall Plan kann die Arbeitslosigkeit in unseren
Raffinierien, dem Vefteilungssystem und im Transportwesen
nicht beseitigt"werden."
Miffre wandte sich in aller Schaerfe gegen die Jetzigen
Fuehrer der kommunistisch gefuehrten Gewerkschaft der Chemiearbeiter. Um seiner franzoesichen Heimat treu sein zu koennen,
erklaerte er, habe er sich gezwungen gesehen, seine fruehere
Meinung zu aendern und sein Amt als Gewerkschaftssekretaer
aufzugeben.
ECA Labor Information
2. Maerz 1950

- 12 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG,
APO 75V

OFFICIAL

dit-uli tt-rlib U

I IU| U IT c

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 8

Frankfurt, 28. April 1950
INHALTSVERZEICHNIS

Der Weltarbeitsmarkt - Mangel und Ueberschuss
an Arbeitskraeften - - - - - - - - - - - - - -

z

Internationaler Bund Freier Gewerkschaften in
die Vereinten Nationen berufen —
AFL fuer hoehere Kaufkraft

—

—

- - - - - -

3

- - - - -

3

Marshall Hilfe fuer Rotterdam

4

Neuer Gewerkschaftsvertreter im Anglo-Amerikanischen Produktivitaetsrat

—

6

Der Krisenausschuss des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften

- - -

— --

—

- - -

AFL g e i s e l t rote Sabotage an der Waffenhilfe Faliero Pinguentini —

—

-- —

Der Marshall Plan, ein "Programm des Volkes" -

7
8
10
11

Hoffman beglueckwuenscht die freien Gewerkschaften
— 12

�. DER WELTARBEITSMARKT - LIANGEL UND UEBERSCHUSS AN ARBEITSKRAEFTEN
Eine Erhebung ueber Mangel und Ueberschuss an Arbeitskraeften
auf der ganzen Welt wurde kuerzlich von der Internationalen Arbeitsorganisation zu Ende gefuehrt.
Umfragen wurden bei 31 Regierungen durchgefuehrt und der Erhebung zugrundegelegt. Diese zeigt, dass fuenf europaeische
Laender - Frankreich, Luxemburg, Schweden, Schweiz und England im Laufe des Jahres 1950 8.900 Arbeiter besonderer Berufsgruppen
in ihre Wirtschaft eingliedern koennten. Man schaetzt ausserdem,
dass allein Australien, wo nach eigenen Angaben immer noch Mangel
an Arbeitskraeften herrscht, waehrend der sechs Monate bis zum
Dezember 1949 72.000 Einwanderer aufgenommen hat. Die Vereinigten
Staaten meldeten keinen Mangel an Arbeitskraeften, ihren Schaetzungen zufolge kamen jedoch im Laufe des Jahres 1949 153.000 Personen als regelrechte Einwanderer im Rahmen des nationalen Einwanderung sprogramms ins Land. In Norwegen herrscht Mangel an
Facharbeitern, der Wohnraummangel macht jedoch augenblicklich
ein Einwanderungsprogramm groesseren Umfangs unmoeglich.
Kanada, Chile, Israel und Neuseeland berichteten ebenfalls,
dass sie Arbeiter aufnaehmen, konnten jedoch keine genauen Angaben ueber ihren Bedarf oder ihre Moeglichkeiten machen. In
Kanada habe der Arbeitsmarkt im Jahre 1949 bewiesen, dass die
Zeit ernsthaften Mangels an Arbeitskraeften vorbei sei. Es wurde
jedoch darauf hingewiesen, dass sie Quoten fuer Heimatvertriebene
in zwei Berufssparten noch nicht erfuellt seien - fuer gelernte
Handwerker des Baugewerbes stuenden 800 Arbeitsplaetze und fuer
Hausgehilfen 2.300 freie Arbeitsplaetze zur Verfuegung. Israel
berichtete, dass es seine Politik der freien Einwanderung fuer
Juden fortsetzen und soviel Menschen wie moeglich in das wirt- ,
schaftliche Leben seines Landes eingliedern werde. Auch in
Neuseeland wird der Zustrom von Einwanderern anhalten, die sich
hauptsaechlich aus Englaendern und Heimatvertriebenen zusammensetzen.
Laender mit ueberzaehligen Arbeitskraeften, wie Oesterreich,
Holland und die Schweiz, berichteten, dass 61.500 Arbeiter auswandern koennten. Ausserdem befinden sich 234,110 Heimatvertriebene unter der Obhut der Internationalen Fluechtlingsorganisation in Oesterreich, Italien und Deutschland. Diese Zahl enthaelt nicht die auf 10.000 geschaetzten deutschsprechenden Fluechtlinge in Oesterreich und nicht die ueberzaehligen Arbeiter unter
der einheimischen, italienischen Bevoelkerung.
In Italien, Hawai, Burma, den Philippinen und Finnland ist
das Problem der Arbeitslosigkeit besonders schwierig. Zu den
Laendern, die weder einen Ueberschuss an Arbeitskraeften, noch
einen Bedarf an Arbeitern aus fremden Laendern meldeten, gehoereü
Indochina, Iran, Belgien, Tschechoslowakei, Daenemark, Finnland
und Polen.
Die Aufgliederung der Laender, die zusaetzlich Arbeitskraefte
verwenden koennten, ist wie folgt:
Frankreich hat Bedarf an 3.600 Bergleuten fuer Kohlenbergwerke. Nach Luxemburgs Angaben koennen dort 2.600 staendige Landarbeiter und 1.000 Hausbedienstete eingestellt werden. Schweden
koennte 50 gelernte Metallarbeiter, 60 Textilspinner, 50 Krankenpflegerinnen und 100 Hausgehilfen absorbieren.

- 2

�Die Schweiz beabsichtigt, im Jahre 1950 11.500 Arbeiter
fuer dauernd zu engagieren. Gleichzeitig sind dort 7.300 Arbeiter fuer die Auswanderung verfuegbar. Englands Bericht
zeigt, dass dort im Laufe des Jahres 1950 2.500 weibliche Arbeiter
aufgenommen werden koennen und zwar: fuer die Textilindustrien
1.700, in Strumpffabriken 200, in der Toepfereiindustrie 100 und
500 Krankenpflegerinnen und Krankenhausbedienstete. England
schaetzt ausserdem, dass im Jahre 1949 45.000 Personen mit Unterstuetzung der Regierung nach Australien ausgewandert sind.
ECA Labor Information
23. März 1950
INTERNATIONALER BUND FREIER GEWERKSCHAFTEN IN DIE VEREINTEN
NATIONEN BERUFEN
Der Wirtschafts - und Sozialausschuss der Vereinten Nationen
beschloss in dieser Woche einstimmig, den neugegruendeten Internationalen Bund Freier Gewerkschaften als beratendes Mitglied
aufzunehmen. Der Interationale.Bund Freier Gewerkschaften ist
nicht Vertreter irgendeiner Regierung und gehoert damit zu den
Organisationen der "Kategorie A". Er kann in dieser, seiner
neuen Eigenschaft Vorschlaege fuer die Tagesordnung des Ausschusses
einreichen, die mit vielen der Probleme in Zusammenhang stehen,
welche fuer die Gewerkschaften von Interesse sind. Sowohl die
AFL als auch der CIO sind Mitglieder des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften. Die Praesidenten dieser Gewerkschaftsverbaende, William Green (AFL) und Philip Murray (CIO), gehoeren
zu dem 7 Mitglieder umfassenden Exekutivausschuss der neuen
Gewerkschaftsinternationale. Bevor die Resolution ueber die
Aufnahme des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften als
Organisation der"Kategorie A" angenommen worden war, hatte man
vereinbart, dass die AFL eine aehnliche Stellung, die sie in
diesem Ausschuss der Vereinten Nationen innehatte, aufgeben
sollte.
Als Chiles Mitglied im Ausschuss dem Weltgewerkschaftsbund
"wahrhaft demokratischer" Gewerkschaftsbewegung seine Anerkennung
aussprach, hiessen die meisten Mitglieder des Wirtschafts- und
Sozialausschusses der Vereinten Nationen den Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften herzlich willkommen.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest"
AFL FUER HOEHERE KAUFKRAFT
In diesem "Probejahr der freien Wirtschaft" sieht der
Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL in der Erhoehung der Loehne
eine wesentliche Notwendigkeit, um die wirtschaftlichen Probleme
loesen zu koennen, denen die Gewerkschaften im Jahre 1950 gegenüberstehen.
"Tatsaechliche" Lohnverbesserungen koennen nur erreicht
werden, wenn die Preise stabil bleiben, sagte die AFL, und
weist auf die Tatsache hin, dass sich die nationale Wirtschaft
nun in einer "Periode stabiler Lebenshaltungskosten" befindet.
Fuer Unternehmen, deren Einkommen nicht ausreicht, um "wesentliche Lohnerhoehungen" gewaehren zu koennen, schlaegt die AFL .
gemeinsame Programme der Arbeitnehmerund Arbeitgeber zur Reduzierung der Gestehungskosten wor.

�Aus AFL Kreisen verlautet ferner, dass durch den gegenwaertlgen Werbefeldzug, der der AFL eine weitere Million von
Mitgliedern einbringen soll, die allgemeine Lohnverbesserung
gefoerdert werden koenne. Der Beweis hlerfuer sei durch das
praktische Nbusiness unionism" (geschaeftliches Gewerkschaftswesen) in der Vergangenheit gegeben. Unter Hinwels auf das
statistische Material, das von 1945 bis 1949 durch Erhebungen
des Statistischen Bueros des US Arbeitsministeriums zusammengetragen wurde, stellt die AFL fest, dass die Durchschnittslohntarife der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ueber
denen der nichtorganisierten Arbeitnehmer lagen. So wurde
zum Beispiel fuer jeden Dollar, den ein nichtorganisierter
Arbeiter der Zieglstein- und ZiegelIndustrie verdiente, 1, 20
Dollar durchschnittlich an die gewerkschaftlich organisierten
Arbeiter dieses Industriezweiges gezahlt, waehrend die entsprechenden Tarife der organisierten Arbeiter der Getreidemuehlen 1,26 Dollar, der organisierten Baeckereiarbeiter 1,23
Dollar und der organisierten Arbeiter der Fleischkonservdnfabriken 1,29 Dollar betrugen.
In der wachsenden Arbeitslosenziffer sieht der AFL einen
Grund zur Beunruhigung; sie koenne ungehemmt ansteigen, da
sich "die industrielle Aktivltaet nicht schnell genug ausbreiten wuerde." Zwei Millionen Arbeitsplaetze mehr als im Jahre
1949 wuerden benoetigt, um die Vollbeschaeftigung verwirklichen
zu koennen.
Amerikanisches Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest"
MARSHALL HILFE FUER ROTTERDAM
Der Lebensstandard der hollaendisehen Arbeiter ist 10 bis 15g
hoeher, als er ohne die Marshall Plan Unterstuetzung gewesen
waere, sagt einer der fuehrenden Gewerkschaftler Hollands.
Hendrik Westeriaken, der Vorsitzende der Sozialistischen
Gewerkschaft der Transportarbeiter ( N W ) , erklaert ausserdem,
dass der groesste Teil der zur Zeit in Gang befindlichen Wiederaufbauarbeiten am ausgebombten Rotterdam ohne die Marshall Plan
Gelder undurchfuehrbar gewesen sei.
Rotterdam war die erste Satd des Westens, die die Wucht
des Blitzkrieges zu spueren bekam, und es war eine der letzten
Staedte, die in nazistischen Todeskampf noch schwer zu leiden
hatte. Dazwischen lag es im Bombenhagel der Alliierten. Im Mai
1940 wurde Rotterdam, ohne vorher gewarnt zu werden, von den
Nazis bombardiert. Rund 25.000 Haeuser, 2,350 Laeden, 2.000
kleinere Fabriken und Lagerhaeuser und 1.450 Buerogebaeude
fielen in Schutt und Asche. Nahezu 80.000 Menschen waren obdachlos. Waehrend der Besatzung wurde die Stadt von den Bomben der
Alliierten schwer und oft getroffen. Dann sprengten die fliehenden deutschen Besatzungstruppen im September 1944 die Hafenanlagen in die Luft - Kaianlagen in einer Laenge von 6,5 km
mit Kraenen, Trockendocks und allem Zubehoer.
Um all dies wiederaufzubauen, werden Millionen von Dollars
benoetigt. Ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten laege der
groesste Teil der Arbeiten still und viele Arbeiter haetten
keine Beschaeftigung.

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�Westeriaken hob.ganz besonders Folgendes hervor: "Wenn
wir den Marshall Plan nicht haetten, waere unser Lebensstandard
um 10 bis 15g niedriger als gegenwaertig." Zwoelfhundert Arbeiter sind allein beim Wiederaufbau der Kais beschaeftlgt. Dreizehntausend Bauarbeiter beseitigten die Truemmer, die die Deutschen
hinterlassen hatten, und bauen nun das neue Rotterdam auf. Die
Stadt wuenscht, Ihren Wiederaufbau so schnell wie moeglich zu
vollenden. Den Bauarbeiten werden deshalb besonders gute Loehne
geboten, und sie werden bei der Wohnraumzuteilung bevorzugt behandelt. Aus der Marshall Hilfe sind mindestens 40 Millionen
Gulden (10.500.000 Dollar) in Form von Gegenwertfonds fuer den
Wiederaufbau des Hafens und der Bahnhoefe von Rotterdam bereitgestellt worden.
Arbeiter, die an Marshall Plan Projekten beschaeftlgt sind,
wie zum Beispiel an den Kaianlagen,des Rotterdamer Hafens, verdienen 45 und 50 Gulden woechentlich. Der Wochenlohn eines
Hafenarbeiters betraegt durchschnittlich 60 Gulden. Beide beklagen sich darueber, dass die Preise weit schneller als die
Loehne angestiegen seien. Einer Forderung nach einer allgemeinen
Lohnerhoehung um 5g wurde kuerzllch stattgegeben, jedoch sind nicht
alle Industriezweige verpflichtet, diese Erhoehung zu gewaehren.
Es gibt vier grosse Gewerkschaften in Holland; der Gewerkschaftsbund ( N W ) mit 400.000 Mitgliedern, die Christliche
(oder Protestantische) CNV Gewerkschaft mit 155.000 Mitgliedern,
die Katholische Union (290.000 Mitglieder) und eine kommunistische
Gewerkschaft (EVC), deren Mitgliederzahl sich angeblich auf
160.000 belaeuft. Die ersteren drei Gewerkschaften haben sich
zum Zwecke gemeinsamen Kollektiwerhandelns im Gewerkschaftsrat
zusammengeschlossen. Dieser Rat bearbeitet Streitfragen zusammen
mit Vertretern der Unternehmer, die ebenfalls eine "Gewerkschaft"
haben. Wenn keine Einigung erzielt werden kann, wird ein Ausschluss der Regierung als Schiedsrichter hinzugezogen. Alle Gewerkschaften ausserder kommunistischen haben sich offiziell mit
den Zielen des Marshall Planes einverstanden erklaert und ihre
Bereitwilligkeit zum Ausdruck gebracht, am Marshall Plan mitzuarbeiten. Sie sind im Gewerkschaftlichen Beratungsausschuss
des ERP vertreten.
Die Arbeiter sind sich voll und ganz der Bedeutung des
Marshall Planes bewusst und wissen, was sie diesem Programm
in den vergangenen beiden Jahren zu verdanken hatten. Abraham
Baars, der Mitglied der CNV ist und an den Rotterdamer Kaianlagen
arbeitet, erklaerte: •Ohne die Marshall Plan Hilfe haetten wir
die Schwierigkeiten dieser Nachkriegszeit nicht ueberwlnden koennen.
Unser Lebensstandard ist zwar nocht nicht gut* Stellen Sie siah
vor, wie er ohne das ERP gewesen waerei" Jilles van Dalen, Mitglied
des Gewerkschaftsbundes N W , ist der Ansicht, dass "nachdem die
Deutschen das Land verwuestet hatten, die Marshall Hilfe unerlaesslich war, wenn die Wirtschaft wieder auf die Fuesse gestellt
werden sollte."
Die Arbeiter sagen, dass ihnen der LIarshall Plan Arbeit
gegeben hat, dass die Preise Jedoch schneller als die Loehne
gestiegen seien und es selbst mit Lohnerhoehung fuer den Arbeiter
schwierig sei, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, da nach
Kriegsende niemand mehr Ersparnisse besass. Van Dalen sagte:
"Vor dem Kriege habe ich woechentlich 3g,50 Gulden verdient. Fuer
einen GüUen konnte ich aber einen Schinken von 7 Pfund kaufen.
Nun verdiene ich nach Abzug der Steuern 46,31 Gulden, ein Pfund
Schinken kostet mich jedoch 1,50 Gulden. Mein Lohn ist hoeher,

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�und trotzdem geht es mir schlechter. Durch die Marshall Hilfe
gibt es wieder Nahrungsmittel und Kleidung, aber wir brauchen
niedrigere Preise, um zu unserem alten Lebensstandard zurueckkehren zu koennen."
Die Sozialversorgung fuer Gewerkschaftsmitglleder Ist verbessert, worden. Es gibt von der Regierung getragene, besondere
Lebensversicherungen fuer Arbeiter; Druckerelen, die Tages- und
Gewerkschaftszeitungen veroeffentlichen, Berufsschule und Erholungshelme wurden eingerichtet. Ein privates Sanatorium fuer
TB Kranke Ist von der Katholischen Union erbaut worden. Dem
Gewerkschaftsrat Ist es gelungen, das Jahreseinkommen der Arbeiter um eine Feiertagszulage von Qg zu erhoehen» Die Arbeltgeber
zahlen jetzt einen Betrag, der SOg des Jahreseinkommens des Arbeiters entspricht, fuer soziale Einrichtungen, wie zum Beispiel
Alterspensionen. Fuer 80g aller Arbeiter Hollands werden die
Loehne jetzt In Tarlfvertraegen festgelegt.
Die Arbeiter von Rotterdam spielen eine wichtige Rolle.
Die Krlegsschaeden In Rotterdam allein machen 3Q&lt; der gesamten
Krlegsschaeden Hollands aus. Die Kaianlagen sind jedoch bereits
wiederhergestellt; es gibt heute mehr schwimmende Trockendocks,
mehr Oellager mit groesserem Fassungsvermoegen und mehr Getreideheber als vor dem Kriege. Weiterhin beachtenswert sind Kraene
und Lagerhaeuser. Viel Ist zur wirksameren Nutzung des vorhandenen
Materials getan worden, um die Kapazitaet des Hafens wiederherzustellen. Massgebliche Behoerden schreiben die Geschwindigkeit,
mit der der Wiederaufbau vonstatten geht, der Tatsache zu, dass
Rotterdam mit Hilfe des Marshall Planes versucht hat, den Arbeltern eine Chance zu geben.
ESA Labor Information
8. Maerz 1950
NEUER GEgERKSCHAFTSVBRTRErER IM ANGLO-AMERIKANISCHEN PRODUK-

•*\Mi3«&amp;te
Laut einer Mitteilung des Administrators der Europahilft,
Paul G. Hoffman, ist A. j. Hayes, ein amerikanischer Gewerkschaftsführer und Praesldent des Internationalen Metallarbeiter Verbandes
zum Mitglied der Amerika Abteilung im Anglo-Amerikanischen Produktlvitaetsrat ernannt worden.
Mr. Hayes ist der Nachfolger Harvey Browns, des frueheren
Praesidenten des Internationalen Metallarbeiter Verbandes, der
das Amt eines Beraters fuer Arbeitsfragen des amerikanischen Hohen
Kommissars fuer Deutschland, John J. McCloy, uebernommen hat
und zugleich Hauptberater fuer Arbeitsfragen in der deutschen
Marshall Plan Mission ist.
Der Produktivttaetsrat wurde Im September 1948 gebildet,
um durch den Austausch technischer Erfahrungen und Methoden
zwischen der amerikanischen und englischen Industrie die Produktionsleistung der Industrie steigern zu helfen. Im Verlauf des
Jahres 1949 besuchten nahezu 300 Vertreter der Gewerkschaften und
Unternehmer Englands als Mitglieder von 14 Produktlvltaets-Teams
die Vereinigten Staaten. Sie studierten die Methoden zur Steigerung der Produktionsleistung in den Industriezweigen Metall,
mechanische und elektrische Ausrüstungen, Textilien und Kunstduengemlttel. Wie Administrator Hoffman mitteilte, beabsichtigt
man, das Programm Im Jahre 1950 unter Auswertung der Ergehnisse

- 6 -

�des l e t z t e n Jahres zu erweitern. Die Kosten fuer die Studienreisen werden gemeinsam von den beiden Regierungen, der Marshall
Plan Verwaltung und den Arbeltgebern der Teilnehmer getragen.
ECA Labor Information
2 . Februar 1950
DER KRgENAUSSCHUSS DBS INTERNATIONALEN BUNDES FREIER GEWERK*

Dar nachstehende Bericht ist von Pat Frayne, der an einer
Sitzung des Krisenausschusses des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften in Bruessel vom 16« - 18. Maerz teilnahm. Dieser
Bericht soll Sie über die letzten Vorgaenge Innerhalb der Gewerkschaft sinternationale Informieren. Der obengenannte Krisenausschuss ist berechtigt, im Namen der 50 Millionen organisierter
Arbeiter Probleme zu loesen, dl« unerwartet auftreten koennen
und dringend einer Loesung beduerfen.

Der Ausschuss nahm eine Resolution an, in der er erneut
seine Bereitwilligkeit zum Ausdruck brachte, den Atlantik
Pakt zu unterstuetzen« In dieser Resolution heisst es: "Der
Sabotagefeldzug der Kommunisten gegen den Waffentransport Im
Rahmen des Atlantik Paktes stellt eine direkte Beeinträchtigung des Rechtes der freien Voelker dar.
"Als demokratische Buerger bestehen wir vom Internationalen
Bund Freier Gewerkschaften auf dem Recht der freien Nationen,
sich zur Abwehr Irgendeiner Aggression zusammenzuschliessen.
Die Slgnatarmaechte des Atlantik Paktes haben sich nach dem
auf demokratische Welse zum Ausdruck gebrachten Willen Ihrer
Voelker zum Zwecke der Selbstverteidigung verbuendet."
"Das Kominform und der sogenannte Weltgewerkschaftsbund
sind Werkzeuge der russischen Aussenpolltlk. Kommunistische
Versuche, die Waffenlieferungen zu unterbrechen, stellen eine
Art Taetigkeit einer Fuenften Kolonne und einen über die
ganze Welt sich ausbreitenden Feldzug dar, der die freien,
demokratischen Laender der Welt entzweien und schwaechen und
damit die sowjetische Expansion erleichtern soll."
In der Verlautbarung des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften heisst es weiter, dass die Kommunisten In heuchlerischer Welse den Frieden auf ihre Fahne schreiben, "waehrend
sie alle Moeglichkelten ausnutzen, die Sowjet Union und ihre
Satelliten bis an die Zaehne zu bewaffnen."
Alle Arbeiter der Welt werden in derReaolution aufgerufen,
sich der kommunistischen Sabotageoffensive entgegenzustellen.
Diese Resolution zum Atlantik Pakt bildete den Hoehepunkt in
der dreltaeglgen Sitzung des Krisenausschusses.
Ausserdem nahm der Ausschuss noch die folgenden EntSchliessungen an:
Der Sowjet Regierung wurde zur Last gelegt, das Moskauer
Abkommen von 1943 verletzt zu haben, indem sie den Abschluss

�eines Staatsvertrages mit Oesterreich sabotierte. Die sofortige
Wiederherstellung der österreichischen Unabhängigkeit und der
Abzug aller Besätzungstruppen wurde gefordert. Mit allem Nachdruck wendete man sich gegen Tendenzen, die darauf zielen, die
gegen das Franco Hegime in Spanien gerichtete Resolution der
Vereinten Nationen abzuaendern, und man forderte die Beibehaltung
der "kompromisslosen feindseligen Haltung" gegenueber der Franco
Regierung.
Alle angeschlossenen Gewerkschaften der Welt wurden aufgefordert, gemeinsam gegen die "unwuerdigen Handlungen und Methoden*
der Regierung von Argentinien zu protestieren, wo Arbeiter eingekerkert und misshandelt werden, ein Gewerkschaftler sterben musste
und demokratische Zeitungen unterdrueckt werden. .Es wurde beschlossen, eine Delegation nach Sued-Ost Asien zur Unters tue tzung
und Staerkung der freien Gewerkschaften zu entsenden. Zur Besprechung der Ruhrprobleme wurde eine Konferenz von Gewerkschaftsorganisationen aus den an dieser Frage interessierten Laendir
zum 22. und 23. Mai nach Duesseldorf einberufen. Die Entsendung
eines Vertreters nach Griechenland zur Unterstuetzung der griechischen Gewerkschaftsbewegung wurde genehmigt. In New York soll
ein Buero des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften eingerichtet werden, das die freien Gewerkschaften der Welt im Wirtschafts
und Sozialrat der Vereinigten Staaten vertreten soll. Mit den
Internationalen Sekretariaten wurde ein Abkommen zur gegenseitigen
Unterstuetzung auf dem Gebiet der GewerkschaftsOrganisation getroffen.
Die Veroeffentlichung eines zwei-woechentlichen Nachrichtenblattes und eines Monatsberichtes in vier Sprachen, naemlich
Spanisch, Franzoesisch, Deutsch und Englisch wurde angekuendlgt.
Ausserdem soll ein Programm zur Ausbildung und Erziehung aufgestellt und eine Konferenz ueber diese Angelegenheit unter Teilnahme der angeschlossenen Organisationen einberufen werden. Eine
Sitzung des Exekutivausschusses in Bruessel am 25. und 26. Mai
wurde angekuendlgt. Die Errichtung eines Bueros des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften in Genf zur Vertretung der Arbeiter
in der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wurde geplant.
An den exekutiven Sitzungen nahmen teil: Der Praesident
Paul Finet (Belgien), Hans Boeckler (Deutschland), Irving Brown
(USA-AFL), Eimer Cope (USA-CIO), Leon Jouheaux (Frankreich),
Deven Sen (Indien), Sir Vincent Tewson (Grossbritannien) und der
Generalsekretaer J.H. Oldenbroek. Francisco Aguirre (Kuba) war
verhindert an der Sitzung teilzunehmen.
Saemtliche Mitglieder des Ausschusses erschienen zu einer
Pressekonferenz, die in drei Sprachen - Englisch, Franzoesisch
und Deutsch - abgehalten wurde. Der Generalsekretaer Oldenbroek
leitete die Konferenz und berichtete von Zweck und Ziel des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften und der vom Krisenausschuss geleisteten Arbeit.
ECA Labor Information

AFL GEISELT ROTE SABOTAGE AN DER WAFFENHILFE
Das Komitee fuer I n t e r n a t i o n a l e Wechselbeziehungen der Arbeit
im Amerikanischen Gewerkschaftsbund AEL v e r o e f f e n t l i c h t e nach
einer Sitzung in Washington eine Erklaerung, in dem das Programm
der Nordatlantischen S t a a t e n der Unterstuetzung zur gegenseitigen

-

3 -

�Verteidigung voll und ganz gebilligt und die kommunistischen
Versuche, dieses Programm zu sabotieren, angeprangert werden.
Die Erklaerung wendet sich gegen die Versuche der Kommunisten,
"Chaos, Verwirrung und Schwaeche zu schaffen, in denen der Kommunismus gedeihen kann," Indem sie die Hilfe der Vereinigten Staaten
fuer die Westeuropaeischen Nationen In Form des Marshall Planes,
den Nordatlantik Pakt und das Waffenhilfsprogramm zu sabotieren
versuchen. Die AFL als der Repraesentant Millionen amerikanischer
Arbeiter erklaerte, dass "der sowjetische Imperialismus seit 1945
seine Fuehler ueber weite Gebiete in Osteuropa und Asien ausgestreckt habe, die von nahezu 600 Millionen Menschen bewohnt
seien."
"Die gegenwaertige, sogenannte "Friedensoffensive" des
Kominform und seiner Helfershelfer, insbesondere des Weltgewerkschaftsbundes und der "Kaempfer fuer den Frieden", heisst es in
der Verlautbarung des AFL, "ist von hinterlistigen, diplomatischen
Manoevern begleitet, die die Illusion erwecken sollen, der Kreml
wuensche eine friedliche Beilegung der Streitigkeiten mit den
Vereinigten Staaten und anderen Nationen."
Die U.S. Gewerkschaft nahm zu den kommunistischen Versuchen
Stellung, In Europa und insbesondere in Frankreich und Italien
politische Streiks zu organisieren, die angeblich den Zweck
haben sollen, den Abzug der franzoesIschen Truppen aus Indochina, der britischen Truppen aus den Malaienstaaten und Burma,
der hollaendlschen Truppen aus Indonesien und der amerikanischen
Truppen aus Korea und Japan zu erzwingen. Der wahre Zweck dieser
kommunistischen Manoever, sagt die AFL, ist," diese asiatischen
Laender und Westeuropa fuer eine eventuelle Einverleibung in
das sowjetische Gebiet reif zu machen."
"Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung lehnt den kolonialen Imperialismus ab," lautet die Erklaerung weiter, "und
besteht auf dem Recht dieser und aller anderen Laender, unabhaengig zu sein. Wenn Jedoch in diesem Augenblick die Truppen
aus diesen Gebieten zurueckgezogen wuerden, dann wuerden sie dem
sowjetischen Imperialismus zum Opfer fallen, was fuer sie weit
schlimmer als alles waere, was man in der Geschichte bisher
gekannt hat."
Die AFL spricht den italienischen und franzoesisehen
Hafenarbeitern ihre Anerkennung dafuer aus, dass sie dem kommunistischen Aufruf nicht Folge leisteten und sich nicht weigerten,
Waffenlieferungen zu entladen und Material nach Indochina zu
verschiffen.
i

'•Die amerikanischen Arbeiter stehen den Arbeitern Westeuropas in ihrem Kampf um hoehere Loehne zur Seite. Wir sind der
Ansicht, dass der durch die Marshall Plan Hilfe ermoeglichte
Wiederaufbau diese wirtschaftlichen Forderungen rechtfertigt....
"Unsere Ziele und ihre Ziele sind die gleichen —
die
Garantie der Menschenrechte, Fortschritt zu allgemeiner Prosperitaet und Aufrechterhaltung des Friedens... Sechzehn Millionen
amerikanische Arbeiter stehen entschlossen hinter den freien Arbeitern Europas. Wir werden dafuer sorgen, dass sie die Waffen erhalten, die sie brauchen, um ihre Freiheit verteidigen zu koennen»"
Sieben ameriknaische Seefahrergewerkschaften gaben kuerzlich
das Versprechen ab, Hder europaeischen freien Gewerkschaftsbe-

�wegung in ihrem Kampf gegen die kommunistische Diktatur Jedmoegllche Unterstuetzung zukommen zu lassen und ihr Waren
zu bringen," wie sie im Marschall Plan und dem Hilfsprogramm
zur gegenseitigen Verteidigung vorgesehen sind.
Washington, 3. April 1950
FALIERO PINGUENTINI
Faliero Plnguentlni, der Sekretaer der sozialistischen
Gewerkschaft von Trlest, ist ein altbewaehrter Kaempfer, der
sich sowohl im Kriege als Angehoerlger gegen die Nazis gerichtteten Untergrundbewegung, als auch in dem gegenwaertigen Kalten
Kriege gegen die Kommunisten Verdienste erworben hat.
Wr wurde in Trlest am 10. Juli 1988 als Sohn eines Werkzeug- und Schnittmachers geboren, der ueberdies Gewerkschaftler
mit Leib und Seele war. Plnguentlni folgte seinem Vater sowohl
im Beruf als auch in seiner Laufbahn als Gewerkschaftler.
Waehrend des Krieges arbeitete er in den Schiffswerften
von Trlest. Er schloss sich der Widerstandsbewegung an und
kaempfte gegen die Deutschen. Nach der Befreiung kehrte er
nach Trlest zurueck und machte sich sofort daran, eine demokratische Gewerkschaftsbewegung als Opposition gegen die korrnunistisch beherrschten Syndikate zu organisieren.
Als die Kommunisten im Jahre 1945 die Herrschaft ueber
die Schiffswerften in die Hand bekamen, war Plnguentlni gezwungen,
seine Arbeit in der Maschinenfabrik St. Andrea niederzulegen«
1946 wurde er wieder eingestellt und zum Betriebsratvorsitzenden
gewaehlt. Auf Grund seiner kompromisslosen Einstellung gegen
politische Streiks wurde ihm mehrere Male von den Kommunisten
gedroht. Als diese versuchten, sich die Herrschaft ueber die
Gewerkschaftskammer zu siehern, eine Koerperschaft, in der alle
nichtkommunistischen Gewerkschaften in Trlest vertreten sind,
kaempfte Plnguentlni mit aller Macht gegen diese Versuche an.
Die Folge davon war, dass er heinahe einem Mordanschlag zum
Opfer gefallen waere.
Seit 1947 ist Plnguentlni Sekretaer der Arbeltskammer«
Er und die beiden anderen Sekretaere, Llvio Novell! und Giuseppe
Bazzato, nahmen als Delegierte an der Gruendungskonferenz des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in London teil und
sind nun Mitglieder des Verwaltungsrates der neuen Gewerkschaftsinte rnatlonale.
LIVIO NOVELLI. Sekretaer der katholischen Gewerkschaft von
Trlest, ist von Beruf Rechtsanwalt und stammt aus dem Mittelstand von Trlest.
Er begann seine Gewerkschaftslaufbahn nach dem Kriege,
als er zum Vorsitzenden des Gewerkschaftsrates fuer Tarifvertraege und ArbeitStreitigkeiten gewaehlt wurde. Waehrend der
letzten fuenf Jahre gingen praktisch alle von der katholischen
Gewerkschaft abgeschlossenen Vertraege durch seine Haende, und
Novelli hat es sich trotz seines jugendlichen Alters zur Aufgabe gemacht mit allen Problemen der Arbeiter von Trlest vertraut
zu werden. Solange er Gewerkschaftler ist, war er immer ein stand
hafter Antikommunist und hat sich entschieden gegen alle Versuche
gewandt, die Gewerkschaftsbewegung fuer politische Zwecke zu
verwenden.

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�1947 wurde Novelll zum stellvertretenden Sekretaer der
Arbeltskammer von Trlest gewaehlt. Kuerzlich wurde er Sekretaer
und nahm, In dieser Eigenschaft, wie bereits oben erwaehnt, an
der Gruendungskonferenz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in London teil. Er wurde ebenfalls in den Verwaltungsrat dieses Internationalen Gewerkschaftsbundes berufen.
BCA Labor Information
9. Maerz 1950
DER MARSHALL PLAN. EIN "PROGRAMM DES VOLKES".
Philip Murray, der Praesident des CIO, erklaerte, "der
Marshall Plan sei eine Art ehrlich gemeinten, schoepferischen
Programms, welches von kleinen Leuten gestaltet sein koennte,
die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ein Weltproblem zu
loesen."
Murrays Rede wurde anlaesslich des zweiten Jahrestages
des Europaeisehen Wiederaufbauprogramms in einer Sendung der
"Stimme Amerikas" uebertragen. Ausserdem sprach Michael Ross,
der CIO-Repraesentant fuer Internationale Angelegenheiten.
"Selten haben sich Nationen ploetzlich und unerwartet ueber
die laestigen Kleinigkeiten hinweggesetzt, die die internationalen Beziehungen staendig stoeren, um geradewegs und unerschrocken die Loesung des Problems des Weltfriedens in Angriff
zu nehmen," sagte Murray. "Hierin liegt die Groesse des Marshall
Planes... Nichts von Buerokratie, von behandschuhter Diplomatie
und engstirniger Tradition haftet ihm an, wie wir es an Dingen
von weltpolitischer Bedeutung schon ganz gewoehnt sind."
Murray erklaerte, dass die sechs Millionen Mitglieder des
CIO "stolz darauf seien, ihren Teil zu der Entwicklung des
Marshall Planes beigetragen zu haben," und dass sie die Europaeer zu ihrem grossen Erfolg beglueckwuenschten, "der selbst
die Vorhersagen unserer Statistiker und Staatsmaenner uebertroffen hat."
Indem er wiederholte, was Murray schon zum Ausdruck gebracht hatte, fuehrte Michael Ross aus: "Unseren Arbeitskollegen
in Europa moechte ich noch einmal sagen, dass die Gewerkschaften
Amerikas entschlossen hinter der Europaeischen Wiederaufbau
Programm stehen."
"Wir unterstuetzen dieses Programm deshalb, weil wir wissen,
dass es das Wohlergehen der Menschen in Europa foerdern und
ihren Lebensstandard verbessern wird." Ross erklaerte, dass
der CIO darauf bedacht sei, die staendige Zusammenarbeit der Arbeiterschaft an diesem Programm zu gewaehrleisten. Er hielt
einen Rueckblick auf die Erfolge des Marshall Planes waehrend
der beiden ersten Jahre seines Bestehens und wies besonders
auf "das Band der Freundschaft hin, welches sich durch die ECA
enger und dauerhafter zwischen unseren Laendern gestaltet habe.
Das traefe besonders fuer die Gewerkschaftsbewegungen der betreffenden Staaten zu."
"Noch muessen viele Hindernisse ueberwunden werden," erklaerte Mr. Ross, "aber an diesem Wendepunkt des ERP haben wir
allen Grund zu hoffen und zu glauben, dass das gemeinsame
Streben unserer Voelker nach Freiheit und wirtschaftlichem Wohlstand alle Hindernisse beseitigen wird, die einem gluecklichen,
unabhaengigen Europa noch im Wege stehen."
ECA Labor Information
21. April 1950
- 11 -

�HOFFMAN BEGLUECKWUENSCHT t)IE FREIEN GEWERKSCHAFT Bf
"Der Anteil der freien Gewerkschaftler Europas und ihrer
amerikanischen Brueder an den wirklich bemerkenswerten Erfolgen
im Wiederaufbau ganz Westeuropas waehrend der vergangenen Jahre
ist nicht gering."
Mit diesen Worten gruesste der ECA Administrator Paul
Hoffman die dritte Volkskonferenz des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses des Europaeischen Wiederaufbauprogramms, die
kuerzlich in Rom stattfand."
"Ich kann nicht genug betonen," fuhr Mr. Hoffman fort,
"wie sehr ich die bedeutende Mitarbeit der arbeitenden Maenner
und Frauen aller am ERP teilnehmenden Nationen anerkenne und
schaetze."
Mr. Hoffman fuegte hinzu, dass zur erfolgreichen Durchfuehrung des Marshall Planes nur noch wenig Zeit zur Verfuegung
stuende und zwei besonders schwierige Aufgaben geloest werden
mftssten.
"Wir muessen erstens die Produktionsleistung steigern,"
sagte er. "Und dann muessen wir, um die erhoehte Produktionsleistung auch wirklich zur Geltung kommen zu lassen, die Schranken
einschraenkender, veralteter Methoden niederreissen, die es den
europaeischen Wirtschaftslaendern unmoeglich machen, an einem
starken und gesunden System zum Wohle aller ihrer Voelker gemeinsam zu arbeiten."
"Im Vertrauen auf Ihre Hilfe und Mitarbeit stelle ich Ihnen
diese doppelte Aufgabe," schloss er.
Mr. Hoffmans Gruesse an die dreitaegige Konferenz wurden
telegraphisch von Washington uebermittelt.
ECA Labor Information
19. April 1950

- 18 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFIdlAL

ucoe «-e?9 L t 1 i m W IT C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUHCEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

111

"9

Frankfurt, 5. Kai 1950

ZWEI JAHRE MARSHALL-PLAN
Der Marshall Plan auf halbem Wege - - - 1
Die Stimme einer freien Welt - - - - - - 3
Leon Jouhaux: Der Marshall Plan, eine neue
Art internationaler Solidaritaet - - - - - 5
Produktivitaet und Dollarkluft —
-- —
7
Schwedische Gewerkschaften zum europaeischen Hilfsprogramm - - - - - - - - - - 11

DER MARSHALL PLAN AUF HALBEM WEGE
Radio-Vortrag von Walter Schevenels
Anlaesslich der am 18., 19. und 20. April 1950 in Rom
stattfindenden Dritten Vollkonferenz der ERP Gewerkschaftsorganisationen und der Tatsache, dass der Marshällplan auf halbem
Wege angelangt ist, hielt Walter Schevenels, Sekretaer des
Pariser Verbindungs-Bueros des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses fuer den Europaeischen Hilfsplan, am 24. Maerz am Radio
folgenden Vortrag:
"Im naechsten Monat wird in Rom eine Vollkonferenz der am
ERP teilnehmenden Gewerkschaftsorganisationen abgehalten, um
den Bericht ueber die zweijaehrige Taetigkeit des Gewerkschaft-

�liehen Beratungsausschusses zu diskutieren, der im Maerz 1943
als offizielle Vertretung der europaeischen Gewerkschaften
in allen die Durchfuehrung des Marshallplans betreffenden Angelegenheiten gebildet wurde. Die Konferenz wird einen Bericht
ueber die Gewerkschaftspolitik hinsichtlich der aktuellen Probleme diskutieren, die sich durch die gegenwaertige Entwicklung
des Europaeischen Hilfsplans stellen. Es ist ein glueckliches
Zusammentreffen, dass diese grosse Gewerkschaftskonferenz zu
eben der Zeit stattfindet, wo der Marshallplan auf halbem Wege
angelangt ist."
"Aus diesem Grunde ist es angebracht, einen kurzen Ueberblick ueber die bisherigen Ergebnisse des Marshallplans zu geben.
Bei dieser Gelegenheit werden die europaeischen Gewerkschaften
von mir als Sekretaer ihres Ausschusses sicher erwarten, in
ihrem Namen von der Erkenntnis zu sprechen, dass das Bestehen
des Marshallplans hauptsaechlich auf die Unterstuetzung seitens
der amerikanischen Gewerkschaften zurueckzufuehren ist und dass
diese eine wichtige Rolle gespielt haben, indem sie dem ERP seine
wirkliche Bedeutung als uneigennuetzige, grosszuegige Hilfe an
notleidende Voelker gaben."
"Die natuerlichen und materiellen Hindernisse und Schwierigkeiten, welche der Marshallplan zu ueberwinden hatte, waren ungeheuer. Die Arbeit wurde noch schwieriger gestaltet durch die
aeusserst boshafte und gemeine Sabotage der Kommunisten, die
jedes in ihrer Macht stehende Mittel anwandten, um das wirtschaftliche Chaos zu verschlimmern, wobei sie auf die Not und
Verzweiflung der europaeischen Voelker spekulierten, um die Eroberung Europas durch die Kommunisten zu foerdern. Sie stempeln
den Marshallplan als eine Bemuehung der Amerikaner, die europaeischen Voelker zu versklaven, mit dem Ziel kapitalistischer
und imperialistischer Ausbeutung und der Vorbereitung eines neuen
Krieges. Wir wollen unsere Zeit nicht damit vergeuden, diese
dummen und kriminellen Behauütungen zu widerlegen, welche nur die
taeuschen koennen, die getaeuscht werden wollen, oder diejenigen,
die aufgehoert haben, selbst zu denken."
"Trotz all dieser Schwierigkeitren kann gesagt werden, dass
von den ERP-Laendern in den letzten zwei Jahren beachtenswerte
Fortschritte erzielt wurden, und schneller, als man erwartete.
Die industrielle und landwirtschaftliche Produktion ist um 30%* und
mehr angestiegen. Grosse Fortschritte sind auf dem Gebiet der
inneren Waehrungsstabilisierung gemacht worden. Das Vertrauen
in die Zukunft Europas ist wieder hergestellt worden. Ohne den
Zustrom von Nahrungsmitteln und Rohstoffen in diesen zwei Jahren
haette die Arbeitslosigkeit ein Ausmass angenommen, dem zu steuern
unmoeglich gewesen waere. Dank der Marshallhilfe konnte die Inflation in Grenzen gehalten werden. Jetzt wissen all diejenigen,
welche die Inflation in Deutschland und Oesterreich in der Zeit
zwischen den beiden Kriegen gesehen oder von ihr gehoert haben,
welches Elend insbesondere den europaeischen Arbeitern geblieben
ist."
"Aus diesen zwei Gruenden, neben vielen anderen, koennen
die europaeischen Arbeiter, und die Bevoelkerung Europas Im allgemeinen, dem amerikanischen Volk und der amerikanischen Arbeiterschaft dankbar sein fuer ihre konstruktive und grosszuegige Tat
internationaler Solidaritaet."

�DIE STIMME EINER FREIEN WELT
Gewerkschaftsführer zu beiden Seiten des Atlantiks gaben
in diesem Monat gemeinsam das Versprechen ab, den Marshall Plan
auch weiterhin zu unter3tuetzen und sich dafuer einzusetzen,
dass die Arbeiter auch in den Genuss der diesem Plan entspringenden Vorteile in Form von Vollbeschaeftigung und hoeherer
Realloehne kommen.
Dies kam in einer Reihe von Ansprachen zum Ausdruck, die
von verschiedenen Rednern sowohl im Namen der europaelschen
als auch der amerikanischen Arbeiter anlaesslich des zweiten
Jahrestages des Beginns des Marshall Plans gehalten wurden, mit
dem auch gleichzeitig die erste Haelfte dieses Programms abgelaufen ist. Diese Reden sollen in der "Stimme Amerikas" im
Rundfunk uebertragen werden.
Die amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer erklaerten, dass
die Arbeiterschaft Amerikas das Programm mit ganzem Herzen unterstuetzt haette und dies auch in Zukunft tun wuerde. Sie betonten
Jedoch, dass es letzten Endes den Bemuehungen der Europaeer selbst
zu verdanken sei, wenn Europa auf dem Weg zum Wiederaufbau vorwaertsgekommen sei. Als geradezu wunderbar bezeichneten die
amerikanischen Redner die bereits erzielten Erfolge.
"Wenn ich an die dunklen Jahre zurueckdenke, die dem Krieg
unmittelbar folgten," sagte James Carey, Sekretaer des CIO, "dann
erinnere ich mich nur zu gut an die ungeheuren Probleme, vor die
sich Europa gestellt sah. Die Voelker Europas waren erschoepft,
die Menschen heimatlos und hungrig« Die langen Kriegsjahre
hatten ihren Zoll von ihnen gefordert..."
*

Carey wies darauf hin, dass "die amerikanischen Gewerkschafts Organisationen von Anfang an Verstaendnis fuer die Not
der Europaeer gehabt und eine bedeutsame Rolle in der Entwicklung und Gestaltung des Marshall Planes gespielt haetten... "Das
amerikanische Volk war von diesem Programm so ueberzeugt," sagte
er, "dass es fuer den Wiederaufbau Europas einen Betrag angebracht hat, der einem Durchschnitt von 100 Dollar fuer Jeden
Mann, jede Frau und jedes Kind nahekommt. Wir sind uns jedoch
bewusst, dass selbst mit all diesem Geld Europa nicht wiederaufgebaut werden koennte, wenn sich die Menschen Europas nicht durch
schwere Arbeit und Opfer an diesem Programm beteiligten. Heute,
nach Vollendung der ersten Haelfte des Programms, sagen wir mit
Stolz und Bewunderung, dass der groesste Anteil an Europas erstaunlichem Fortschritt den Europaeern zukommt."
Auch William Green und George Meany, Praesident und Vizepresident des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL, lobten
die Einigkeit der Arbeiter der ganzen Welt in der Unterstuetzung
des Marshall Planes.
"In den ersten beiden Jahren der EGA," erklaerte Green,
"ist Europa aus der Hungerzone herausgerissen worden. Die Produktion ist erheblich angestiegen. Der Wiederaufbau ist in
•ollem Gange. Die internationale Freundschaft wurde gefoerdert.
Eine bessere Gueterverteilung ist gesichert und eine gesunde
Basis fuer ein grosses, neues Zeitalter der Prosperität geschaffen worden. Ich bin stolz, dass amerikanische Gewerkschaften an diesen Erfolgen beteiligt sind."

v

- 3 -

�Meany hob besonders hervor, dass der Marshall Plan "von allen
demokratischen Gewerkschaften der Welt unterstuetzt wuerde."
"Damit Ist diesem gigantischen Unternehmen die aktive
Unterstuetzung von mehr als 50 Millionen freien Arbeltern
aus ueber 53 Nationen der Welt gesichert. Mit einem solchen
Rueckhalt nimmt es kaum Wunder, dass die Marshall Plan Verwaltung heute mit einem Gefuehl der Befriedigung auf die In
diesen beiden Jahren erzielten Erfolge zurueckblicken kann."
Arlon Lyon sprach im Namen der organisierten Eisenbahnarbeiter Amerikas und versprach, den Marshall Plan "fuer die
Gesamtdauer" zu unte rstuetzen. "Das Programm," sagte er, hat
den amerikanischen Arbeitern und der Gesamtheit unseres Volkes
einige Opfer abverlangt, wir sind jedoch davon ueberzeugt, dass
diese Opfer nicht umsonst gebracht wurden. Auf dem Wege zur
Demokratie und Freiheit sind in allen Marshall Plan Laendern
grosse Fortschritte erzielt worden. Wir sind der Auffassung,
dass es ein schwerer Fehler waere, wenn man versaeumte, dieses
Programm fortzusetzen, oder es durch unzureichende Geldmittel
kuerzte. Die Arbeit ist erst zur Haelfte getan."
Auch von der europaeischen Seite des Ozeans kamen Stimmen,
die den Marshall Plan priesen. Die Gewerkschaften versprachen,
das Programm auch in Zukunft zu unte rstuetzen. Die Forderung
wurde laut, sich noch mehr fuer eine Zusammenarbeit unter den
Nationen Europas einzusetzen und den Lebensstandard der Lohnempfaenger zu verbessern.
Evert Kupers, der Praesident des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses' fuer den Europaeischen Hilfsplan, rief die
grossen Arbeiterorganisationen dazu auf, den Gedanken eines
Vereinigten Westeuropas zu foerdern und anzuregen. Er sprach
den Gewerkschaften zu beiden Seiten des Atlantiks seine Anerkennung fuer ihre Zusammenarbeit in der Unters tuetzung des
Marshall Planes aus, "um den durch den letzten Krieg zugrundegerichteten Laendern neuen Wohlstand zu bringen"; gleichzeitig
wies er jedoch auch warnend darauf hin, dass die beteiligten
Laender enger zusammenarbeiten muessten, wenn sie nicht Gefahr
laufen wollten, innerhalb weniger Jahre vor einer neuen wirtschaftlichen Krise 8u stehen, die massenhafte Arbeitslosigkeit
mit sich braechte, deren Folgen nicht abzusehen waeren."
Der italienische Gewerkschafts Sprecher, Enrico Parri,
forderte die italienischen Arbeiter auf, dafuer zu sorgen, dass
die Geldmittel der EGA in seinem Lande so zweckmaesslg wie
moeglich verwendet wuerden. Er erklaerte, dass «der Zustrom
von Rohmaterialien (durch die Marshallhilfe), der Aufschwung,
den der Wiederaufbau der Eisenbahnen genommen habe, und die
allgemeine Belebung des Handels zweifellos den Lebensstandard,
den Verbrauch und die individuelle Leistungsfaehigkeit des
italienischen Arbeiters bereits gesteigert haetten."
Der Praesident der Norwegischen National-Gewerkschaft
Konrad Nordahl sagte, dass sich der Marshall Plan fusr Norwegen
am guenstigsten ausgewirkt haette, weil durch ihn der internationale Handel wiederbelebt worden sei. "Es gibt auf der
Welt wohl kein zweites Land, welbhes von einem ausgedehnten,
internationalen Handel So abhaengig ist wie Norwegen,- erklaerte
er. Die Erfolge des Marshall Planes haetten alle Erwartungen
bereits weit uebertroffen.

- 4 -

�Mart Ruppert, der Vorsitzende der Hollaendischen, Protestantischen, Christlichen Gewerkschaft sprach mit uneingeschraenkter Begeisterung von den Ergebnissen, die die Marshall Plan Verwaltung bereits fuer sich buchen koennte. "Ich moechte feststellen," fuehrte er aus, "dass meiner Meinung nach die Bedeutung
des Programms zum Wiederaufbau Baropas nichthoch genug eingeschaetzt werden kann. Dieses Programm hat vor allem Europa
und viele Millionen von Europaeern vor dem Untergang bewahrt.
Es hat ausserdem die Produktionsleistung in Europa wieder hochgebracht. Ihm ist die Bereitwilligkeit und der Wunsch der
europaeischen Voelker, enger zusammenzuarbeiten, zuzuschreiben.
Diese Arbeit darf nicht abgebrochen werden."
Auch Louis Major vom Allgemeinen Belgischen Gewerkschaftsbund sprach sich anerkennend zu den Erfolgen des Planes aus.
Auch er stellte Jedoch die Forderung, entscheidende Schritte
zu einer europaeischen Vereinigung zu unternehmen. "Wenn wir
in dieser Hinsicht untaetig bleiben," erklaerte er warnend,
"dann muessen wir ernstlich befuerchten, dass die Ergebnisse
ebenso katastrophal sein werden, als wenn uns Amerika seine
Hilfe versagte."
"Die Erkenntnis, dass Elend in irgendeinem Teil der Welt
letzten Endes Elend fuer die ganze Welt bedeutet," sagt Ludwig
Rosenberg aus Deutschland, "und die Anerkennung der Notwendigkeit, gemeinsam gegen Hunger und Verzweiflung zu kaempfen, —
dies waren die wichtigsten Beweggruende, die das amerikanische
Volk veranlassten, Europa zu helfen. Es war deshalb keineswegs
ueberraschend, dass die Gewerkschaften in Jenen Laendem, in
denen die Vernunft noch nicht dem Dogma eines Systems untergeordnet ist, mit unter den Ersten waren, die sich bereit erklaerten, den Marshall Plan fuer Europa zu unterstuetzen."
J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer vdes Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften sprach im Namen der 50 Millionen,
in diesem Bund organisierten Arbeiter und erklaerte, dass die
Geschichtsschreiber der Zukunft nicht vergessen werden, "zu bemerken, dass die grossen Gewerkschaftsorganisationen der Vereinigten Staaten - AFL und CIO - ebenso wie die freien Gewerkschaften
Westeuropas ueberzeugte Anhaenger des Marshall Planes waren...."
Aber auch er forderte eine andere Art gemeinsamen Handelns unter
den Nationen. "Europa hat noch einen langen Weg vor sich," so
prophezeite er, "bevor die Ziele des Marshall Plans erreicht
sein werden. Enge wirtschaftliche Zusammenarbeit wird unbedingt
notwendig sein, wenn das Programm zum vollan Erfolg werden soll.
Kein Land Westeuropas hat einen Teil seiner Souverenitaet eingebuesst oder ist zum Satelliten eines anderen Landes geworden auch besteht nicht die Gefahr hierzu. Unter Beibehaltung ihrer
eigenen Kultur und Einrichtungen muessen die Laender Europas
Jedoch bereit sein, ihre wirtschaftlichen Kraefte zu vereinigen
und eine gerechte Verteilung von Arbeit und Dienstleistungen im
besten Interesse Aller vorzunehmen."
ECA Labor Information
LEON JOUHAUX; DER MARSHALL PLAN. EINE NEUE ART INTERNATIONALER
SOLIDARITÄET
•Eine neue Art der Zusammenarbeit unter den Nationen - die
nicht darin besteht, Kriege vorzubereiten, sondern das menschliche Los zu verbessern und die Furcht vor Hunger und Elend zu
beseitigen - ist durch den Marshall Plan ins Leben gerufen worden."-

- 5 -

�So urteilt Leon Jouhaux, Praesident des groessten franzoesischen
Bundes freier Gewerkschaften, "Force Ouvriere."
"Skeptiker und Parteigaenger moegen mit den Achseln zucken,"
sagte Jouhaux in einem Rueckblick auf die beiden ersten Jahre
des Marshall Planes in Frankreich. "Sie moegen von dem Kapitalismus reden, der einen letzten Versuch unternimmt, um am Leben zu
bleiben; vom Imperialismus, der seine beherrschende Stellung zu
festigen sucht. Wozu soll ich mich jedoch mit weit hergeholten
Argumenten befassen. Ich halte mich an die Tatsachen."
Der Haupterfolg des Marshall Planes sei darin zu sehen,
dass er den Begriff der Solidaritaet von nationaler auf internationale Basis ausgedehnt habe, - der Solidaritaet, die darin
besteht, dass die arbeitende Menschheit fuer ein gemeinsames Ziel
zusammenarbeitet.
"Nationale Finanzen," fuehrte er weiter aus, "wurden gewoehnlich lediglich zur Unterhaltung öiner Polizeimacht und zur Kriegsvorbereitung verwendet. Dieser Zustand ist Jedoch laengst ueberholt. Heute ist es fuer jeden Franzosen selbstverstaendlich, dass
zum Beispiel die Strassen und Schulen der Gebirgsgegenden Frankreichs zum groessten Teil mit Steuern finanziert werden, die aus
den franzoesischen Industrie- und Landwirtschaftsgebieten kommen."
Warum sollten sie es nicht auch als selbstverstaendlich
ansehen, dass ein aehnlicher Plan nicht nur fuer eine Nation,
sondern fuer das gesamte Europa in Anwendung gebracht wird?
Und das sei gerade das, was im Marshall Plan verwirklicht
wuerde.
"Bisher bestand die gegenseitige Unterstuetzung der Nationen
lediglich in dem Austausch von Kriegsmaterial - und zwar mechanisches oder Menschenmat.erial. Die Gegner des Marshall Planes
weigerten sich nicht, d,ie Panzer und Flugzeuge anzunehmen, die
uns Amerika in den Jahren von 1941 bis 1945 geschickt hat. Mit
welcher Begruendung koennten wir also jetzt das Angebot abweisen,
unsere Ruinen wiederaufzubauen, unsere Industrie wieder in Gang
zu bringen, unsere Landwirtschaft zu modernisieren und unsere
Ausruestung zu erneuern?"
•"Wir nahmen diese Hilfe an," fuhr Jouhaux fort. "Allein im
Jahre 1949 erhielten wir von den Vereinigten Staaten 243 Billionen Francs im Gegenwertfonds.... sie dienten dazu, unsere Versorgung mit ELektrizitaet, Kohle und Gas sicherzustellen, unsere
Eisenbahnen, unsere Handelsmarine, unsere privaten Industrien,
unsere Landwirtschaft und unsere Kolonien wiederaufzubauen."
Jouhaux kritisierte die Regierungen der europaeischen Laender,
die versaeumt haetten, die aus diesen Verbesserungen entstehenden
Gewinne gleichmaessig zu verteilen.
"Wir,als die Vertreter der Arbeiterklasse," erklaerte er,
"sind der Auffassung, dass die grosse Masse der europaeischen
Arbeiter nicht in genuegendem Masse an dem beteiligt worden ist,
was die amerikanischen Arbeiter fuer sie geopfert haben; wir sind
der Ansicht, dass der europaeische Lebensstandard nicht in demselben Verhaeltnis wie die industrielle und landwirtschaftliche
Produktion angestiegen ist."

- 6 -

�"Wir sagen es offen und eindeutig, dass die Steigerung der
Produktionsleistung in allererster Linie dazu dienen muss, den
Lebensstandard des Volkes im allgemeinen und des Arbeiters im
besonderen zu heben, und dass wir ueberzeugt sind, dass dies
gegenwaertig der Fall ist."
Jouhaux erklaerte, es sei Aufgabe der Mitglieder der Gewerkschaftsbewegung, diesen Misstand zu beseitigen. Sie wuerden unaufhoerlich daran arbeiten, dieses Ziel zu erreichen.
ECA Labor Information
5. April 1950
PRODUKTIVITAEX UND DOLLARKLUFT
Ansprache des Botschafters Milton Katz,
amerikanischer Vice-Sondervertreter in Europa,
vor der Dritten Vollkonferenz der ERP Gewerkschaftsorganisationen.
Es freut mich, heute als Mitarbeiter im gemeinsamen Werk
des europaeischen Wiederaufbaues zu Ihnen zu sprechen. Wir sind
auf zweifache Art miteinander verbunden. Als gewerkschaftlicher
Beratungsausschuss des ERP sind Sie das offizielle Sprachrohr,
durch welches die Stimme der freien Gewerkschaften Europas in
den Raeten der OEEC gehoert werden kann. Darueber hinaus gibt
es zwischen uns ein weniger foermliches, dafuer Jedoch tieferes
Band der Gemeinschaft. Die freien Gewerkschaften stehen an der
Spitze des Kampfes fuer Freiheit, Sicherheit undeinen anstaendigen Lebensstandard, welches die Hauptziele des Marshallplanes
sind.
Der Kampf fuer diese Hauptziele ist unermesslich, vielseitig
und endlos. Alle Menschen, die guten Willens sind, in allen
Laendern von Europa und Amerika, sind an ihm beteiligt. Sie
haben Ihren Anteil an der Aufgabe - es gibt keinen, der wichtiger
waere; und die OEEC und ECA haben den ihren.
Ich moechte unter den zahlreichen Unternehmungen zwei
herausgreifen, durch welche die OIEC und ECA versuchen, unsere
gemeinsamen Ziele zu erreichen. Es sind dies die Bemuehungen,
in Europa zu einem groesseren Mass von Einheit zu gelangen, and
die europaeische Produktivitaet zu steigern. Sie haben von
diesen Programmen unter den Namen MWirtschafliche Vereinigung",
"Liberalisierung des Handels und der Zahlungen", "Harmonisierung
der Wirtschaftspolitik" und "Produktivitaetssteigerung" gehoert.
Nur durch hoehere Produktivitaet (Produktionsleistung)
koennen die Europaeer besser und sicherer leben und Europa
in der Welt wirtschaftlich unabhaengig werden. Europa kann mit
keinen anderen Mitteln hoffen, seine Einfuhren von Nahrungsmitteln und Rohmaterialen bezahlen und den Lebensstandard seiner
Arbeiter erhoehen zu koennen. Die Produktivitaet wird von vielem
beeinflusst, und es gibt keinen einzig dastehenden und einfachen
Weg, sie zu verbesser. "DerFeldzug zur ProduktivitaetsSteigerung"
ist ein Programm, das sich zur Aufgabe stellt, das Problem direkt
am Arbeitsplatz anzufassen. Es bedeutet, ein besseres Verhaeltnis
zwischen Menschen, Geld, Material, Maschinen und Zeit herzustellen, um mit gleicher Anstrengung groessere Mengen von Waren
zu produzieren und zur Verteilung zu bringen. Auf diese Art
wuerde die gesamte Arbeitskraft, vollbeschaeftigt, mehr erzeugen
und mehr verteilen. Dieser besondere Ueberschuss an Produktivitaet

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�koennte auf verschiedene Arten verwendet werden. Er koennte
teilweise dazu benuetzt werden, mehr Gueter zu niedrigeren
Preisen fuer den Verbrauch verfuegbar zu machen und so den
gegenwaertlgen Lebensstandard In Europa zu erhoehen. Teilwelse koennte er dazu dienen, mehr Fabriken und Haschinen
zu bauen, die spaetere Produktion zu erhoehen und die Grundlagen der europaeisehen Wirtschaft zu festigen. Zum Teil
koennte er auch dazu gebraucht werden, mehr Gueter fuer die
Ausfuhr zu solchen Preisen herzustellen, welche den Verkauf
dieser Gueter auf den Weltmaerkten gewaehrlelsten und damit
die Dollarelnkuenfte Europas erhoehen wuerden.
Betrachten wir diese Tatsachen einmal von einem anderen
Gesichtspunkt aus. Sie haben viel ueber Europas lebenswichtige Einfuhren und ueber die Dollarkluft gehoert. Europa
muss Weizen fuer sein Brot, Futtersamen fuer sein Vieh, Baumwolle fuer seine Bekleidung, Kupfer fuer seine elektrischen
Anlagen und Petroleum fuer seine Transporte einfuehren. Es
muss Fette und Oele, landwirtschaftliche Maschinen und Ausstattungen fuer seine Petroleumraffinierien einfuehren. Einige
dieser Einfuhren stellen infolge der Verwuestungen und Zerruettungen des Krieges kurzfristige Beduerfnlsse dar. Viele jedoch
werden angesichts der Besonderheit der europaeischen Wirtschaft
dauernd benoetlgt, um die Voelker Europas zu ernaehren, seine
Fabriken zu betreiben und seine Arbeiter zu beschaeftigen.
Ein grosser Teil dieser lebenswichtigen Einfuhren stammt
aus den Vereinigten Staaten und aus sonstigen Seilen Nordund Suedamerikas, wo sie mit Dollar gekauft werden muessen.
Trotz des bemerkenswerten Fortschritts der letzten zwei Jahre
besitzt Europa nocht nicht und verdient auch nicht genug Dollar,
um alle seine Beduerfnlsse zu decken. Der Unterschied zwischen
seinen Beduerfnissen und dem, wofuer es aus eigenem Verdienst
und eigenen Mitteln zahlen kann, wird gewoehnlich die Dollarkluft genannt. In den letzten zwei Jahren wurde diese Kluft
durch die Marshallhilfe ueberbrueckt. Es war immer klar, dass
die Marshallhilfe mit jedem Jahr abnehmen und spaetestens am
30. Juni 1952 zu Ende gehen wuerde. Zu diesem Zeitpunkt muss
Europa imstande sein, die Dollar, die es benoetlgt, durch hoehere
Einkuenfte und normale Kapitalanlagen zu erlangen. Um mehr
Dollar zu verdienen, muss es In anderen Laendern mehr Waren verkaufen koennen. Um Europa dabei behilflich zu sein, hat meine
Regierung soeben bekanntgegeben, dass sie Besprechungen ueber
die Herabsetzung der Tarife von etwa 2,500 Artikeln anzubahnen
wuenscht. Um mehr verkaufen zu koennen, muss Europa in der Lage
sein, mehr Waren zu niedrigeren Preisen, oder bessere Qualltaeten,
oder beides anzubieten.
Gleichzeitig muessen die Anstrengungen fortgesetzt werden,
Europas Zukunft zu sichern, indem ein Grossteil seiner Mittel
fuer neue Kapitalanlagen verwendet wird, naemlich fuer neue
oder bessere Fabriken oder Ausstattungen, Landurbarmachung oder
der Ausbildung von Arbeltern und Bauern in neuen 9rwerbszweigen.
Mehr Ausfuhren, neue Kapitalanlagen, besserer Lebensstandard fuer den heutigen Arbeiter - sind einige der wichtigsten
Notwendigkeiten unserer Zelt. Wie die Welt heute aussieht, kann
keines dieser Beduerfnlsse vollends gedeckt werden; wir muessen
jedoch danach streben, sie in einem mit der Praxis vereinbarlichen Masse alle zu erfuellen. Wenn die Produktivitaet niedrig
Ist, wuerde ein Versuch, zwischen diesen Beduerfnissen ein

- 8 -

�Gleichgewicht herzustellen, zu bitteren und irrefuehrenden
Debatten Anlass geben. Die Menschen, die fuer eine Erhoehung
der Ausfuhren kaempfen, wuerden fuerchten, dass hoehere Gehaeiter die Preise der Waren so weit hinauftreiben wuerden,
dass diese aufhoeren wuerden, konkurrenzfaehig zu sein. Die
Menschen, die fuer die Rechte der Arbeiter kaempfen, wuerden
fuerchten, die Benuehungen, die Ausfuhrpreise und -Spesen
herabsusetzen, koennten in einen Feldzug zur Senkung der
Loehne ausarten. Diejenigen, welche dafuer kaempfen, einen
angemessenen Teil der Produktion und der Mittel auf die Zukunft
der Wirtschaft zu verwenden, wuerden mit ihren Mitbuergern in
Konflikt stehen, die dieselben Mittel dazu verwenden wollen,
den gegenwärtigen Lebensstandard zu verbessern. Aus all diesen
Befuerchtungen und Konflikten wuerden moeglicherweise Inflation,
Unstetigkeit und Unzufriedenheit entspringen. Um es zu ermoeglichen, allen diesen wesentlichen Beduerfnlssen in vernuenftigem
Masse gerecht zu werden und zwischen ihnen ein weises Gleichgewicht herzustellen, muss die Produktivitaet gesteigert werden.
Wir alle sind uns darueber Im klaren, dass man manchmal
befuerchtet, hoehere Produktivitaet koennte eine Verringerung
der Arbeitsmoegllchkeiten zur Folge haben. Es gibt eine Lage,
in der dies wohl der Wahrheit entsprechen duerfte. Naemlich
dort, wo die Maerkte beschraenkt sind, waehrend die Produktivitaet steigt. Wenn sich in einer solchen Lage Arbeitslosigkeit einstellt, ist es von groesster Wichtigkeit, die richtige
Diagnose zu stellen, und die wirkliche Stoerungsquelle aufzuspueren. Der Fehler liegt in der Beschraenkung des Marktes, und
nicht in der erhoehten Produktivitaet. Wenn man zu enge Schuhe
traegt, verursacht das Gehen Schmerzen, nicht im Stillstand.
Ich habe hervorgehoben, inwiefern eine Erhoehung des Lebensstandards und eine Erweiterung der europaeischen Maerkte von
einer Prpduktivitaetssteigerung abhaengig sind. Dementsprechend
muss ein Programm der Produktivitaetssteigerung von einer Erweiterung der Inlands- und Auslandsmaerkte begleitet werden.
Der Handel kann auf vielerlei Weise beschraenkt werden.
Er kann aus reiner Traegheit ins Stocken geraten. Er kann von
engstirnigen und veralteten Denk- und Handlungsgewohnheiten
eingeschraenkt werden. Er kann durch Kartelle oder andere Formen
hinfl erlicher Geschaeftspraktiken begrenzt werden. In Europa
war -seit dem Kriege keine Form der Einengung ernster als die
Schranken, die von den einzelnen Regierungen dem Handel gesetzt
wurden. Sie kennen die vielen Formen, in denen sich diese
Einengung kundgetan hat: Einfuhrverbote, Quoten, Einfuhrgenehmigungen, Devisenkontrolle, uebermaesslge Zolltarife, Doppelpreise und andere Formen der Erschwerung.
Es waere sowohl gefaehrlich als auch unsinnig, die schweren
Verhaeltnisse zu vergessen, aus denen dieses Labyrinth der
^inschraenkungen hervorging. Die Regierungen und Voelker Europas mussten nach einem verheerenden Krieg ihre Wirtschaft wieder
aufbauen. Sie hatten diese Aufgabe angesichts eines reaktionaeren
Kommunismus zu erfuellen, der es unaufhoerlich und dauernd darauf
abgesehen hatte, sie zu unterminieren. Ihre Moeglichkeiten waren
beschraenkt, sie standen unter schwerer Spannung und mussten ihre
Arbeit mit allen praktisch verfuegbaren Hilfsmitteln durchfuehren.
Dank ihres Erfindungsgeistes und ihrer Muehe, und mit Hilfe ihrer
eigenen Mittel und derer des Marshallplans, haben sie sich in
diesen schweren Jahren weit emporgearbeitet.

9 -

�Bei voller Anerkennungfuer die getane Arbeit und Ermutigung
durch den erzielten Fortschritt, nruessen wir dennoch die heutigen
Tatsachen ins Auge fassen, wie sie sind. Die Tatsachen sind, dass
der europaeische Handel Immer noch in einem Gewebe von Einschraenkungen und Erschwerungen verstrickt ist. Weder Waren, noch Geld,
noch Menschen koennen auch nur halbwegs ohne Schwierigkeit von
einem Land ins andere gelangen. Den europaeischen Erzeugern
bleiben die Moeglichkeiten wirksamer Organisation und kraftvoller
Entwicklung vorenthalten, die von europaweiten Maerkten geboten
wuerden. Den europaeischen Konsumenten bleiben die Moeglichkeiten
verschlossen, ueberall in Europa frei einzukaufen. Der Strom
neuer Kapitalanlagen, von welchen Europas Wirt Schaftszukunft in
einem solch hohen Masse abtiaengig ist, wird von kurzsichtigem,
selbstzerstoerendem Protektionismus oft in unwirtschaftliche
Bahnen gelenkt. Wie wir alle wissen, gibt es in gewissen Teilen
Europas ernste Probleme der Ueberbevoelkerung und der Entwurzelung, die zur Folge haben, was manchmal "strukturelle Arbeitslosigkeit •&lt;, genannt wird. Obschon durch die OEBC einiges auf
diesem Gebiet getan wurde, erfordert das ganze Problem der Eroeffnung weiterer Moeglidkeiten fuer eine Massenumsiedlung viel
groessere gemeinsame Bemuehungen. Ein Teil dieser Umsiedlung
sollte innerhalb Europas moeglich sein, das Hauptgewicht muss
jedoch duenner besiedelten Gebieten ausserhalb Europas zufallen.
In ihren Berätungen im Rahmen der OEEC haben die Teilnehmerlaender bewiesen, dass sie ueber dfese Sachlage wohl unterrichtet
sind. Die ersten Schritte wurden unternommen, um ihr ein Ende
zu bereiten. Sie stellen eine betraechtllche Anstrengung angesichts
betraechtlicher Schwierigkeiten dar, und sind ein wichtiger Anfang.
Ich kenne jedoch niemand, der behaupten wuerde, sie seien ausreichend. Die OEEC steht jetzt mitten im Begriff, weitere Fortschritte auszuarbeiten.
Bisher wuerden von den Regierungen der ERP-Laender durch
die OEEC, und mit voller Unters tue tzung der ECA gewisse Vorschi aege entwickelt. Darunter befindet sich die Schaffung einer
europaeischen Zahlungsunion, durch wleche die verschiedenen
Waehrungen der Teilnehmerlaender schnell austauschfaehig gemacht
wuerden. Diese Vorschlaege sehen auch ein entschlossenes Programm zur wirklichen Beseitigung quantitativer Einschraenkungen
des innereuropaeischen Handels vor. Es wuerde dies die Beseitigung eines Verfahrens aus dem lnnerwaropaeischen Handel bedeuten,
das als Festsetzung von Doppelpreisen fuer Brennstoffe und Grundmaterialien bekannt geworden ist. Darunter wird der Gebrauch
verstanden, fuer solche Brennstoffe und Grundmaterialien mehr
zu verlangen,, wenn sie in einem anderen OEEC-Land verkauft
werden, als wenn sie im Ursprungsland auf den Markt kommen. Im
Zuge dieses allgemeinen Programms wuerden Zolltarife ebenfalls
auf einer vernuenftigen Hoehe gehalten werden. Es wuerde insbesondere erwartet werden, dass die Laender die Tarife nicht
erhoehen wuerden, umfladurch vorsaetzlich die Einfuhrbeschraenkungen zu ersetzen.
Füer die Arbeiter Europas und ihre Gewerkschaften steht
bei der Erweiterung der Maerkte ebensoviel auf dem Spiel wie
bei der Produktivitaetssteigerung. Ich weiss, dass Sie Ihnen
behilflich sein werden, das einzusehen, und ihnen helfen werden,
ihre eigenen wahren Interessen mit voller Macht zu verfolgen.
Wenn sie ihre eigenen tiefen Interessen verstehen, werden sie es
nicht zulassen, dass die Produktivitaet durch Einschraenkungsmassnahmen unterdrueckt wird. Wenn Regierungsschranken zur
Erweiterung der Maerkte beseitigt werden, werden sie nicht gestatten, dass diese Beseitigung von Kartellen und privaten Ein-

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�schraenkungen Ihrer Fruechte beraubt werden. Denn sie haben ein
Interesse sowohl an Entwicklung als auch an Sicherheit. Nur
durch Entwicklung kann eine wahre Sicherheit erreicht werden.
Wenn die europaeische Wirtschaft nicht vorwaerts schreitet,
wird sie sicherlich zurueckfallen.
Unsere Ziele koennen durch oertliche Planung oder oertliche
Eingriffe nicht erreicht werden. Das Potential Europas muss
fuer Europa als Ganzes verwirklicht werden. Die freien Nationen
Europas und die atlantische Gemeinschaft muessen Jederzeit einander Rechnung tragen. Keine unter ihnen darf eine Politik
verfolgen ohne Ruecksicht auf ihre Konsequenzen gegenueber der
anderen, wenn sie nicht Gefahr laufen will, ihre eigenen Ziele
zu verfehlen. Nur diejenigen, denen diese wesentlichen Wahrheiten nicht einleuchten, koennen sich der Taeuschung hingeben,
dass ein Gegensatz zwischen dem Ziel hohen Arbeitsangebots und
demjenigen der europaeischen Einheit bestehe. Es muss wiederholt werden, dass diese Ziele sich gegenseitig stuetzen, und
dass es unsere gemeinsame Aufgabe sein muss, sie zu erreichen.
Die freien Nationen Europas und Amerikas muessen unser gemeinsames Schicksal zusammenschmieden.

SCHWEDISCHE GEWERKSCHAFTEN ZUM EUROPAEISCHEN HILFSPROGRAMM
Axel Strand, der Praesident des Schwedischen Gewerkschaftsbundes, erklaerte, die schwedischen Gewerkschaftler befürworteten den Marshall Plan deshalb, weil er eine finanzielle Hilfe
darstellt, die vom gesamten amerikanischen Volk und nicht nur
von Banken und sonstigen FinanzInstituten geleistet sei.
In einer Rede ueber die Bedeutung des Marshall Planes fuer
die Wirtschaft Schwedens und Skandinaviens waehrend der beiden
ersten Jahre des ECA Programms verglich Strand das ERP mit der
Hilfe, die Amerika nach dem ersten Weltkrieg Europa zukommen
Hess.
'
"Nach dem ersten Weltkrieg," sagte Strand, "wurde Europa
ebenfalls von den Vereinigten Staaten unterstuetzt; die damalige
Hilfe war Jedoch ganz anderer Art. Die Banken, FinanzInstitute
und grossen Gesellschaften gaben Kredite. Mit dieser Hilfe
war den EmpfaengerStaaten Jedoch nicht gedient. Sie konnten
damit nicht ihre finanziellen Schwierigkeiten beseitigen....
Nun ist es das amerikanische Volk, das hinter dem Plan zum Wiederaufbau Europas steht...» In Schweden sind wir der Ansicht,
dass diese Tatsache den Arbeitern und der breiten Masse der Bevoelkerung das Vertrauen in das Programm und seine Ziele eingefloesst hat."
Strand erklaerte ausserdem das Programm werde deshalb von
den Gewerkschaftlern unterstuetzt, weil es ein Mittel zur Hebung
des Lebensstandards und zur Verhuetung zukuenftlger Kriege darstelle.
"Aufgabe 1 der Gewerkschaftsbewegungen aller Laender ist,
den Lebensstandard des arbeitenden JJenschen zu halten und zu
steigern. Deshalb ist die Gewerkschaftsbewegung fortschrittlich
in ihrer Arbeit und realistisch in ihren Zielen. Der Mars hall
Plan beruht auf konstruktiven Faktoren, und deshalb wird er von
den Gewerkschaftsorganisationen unterstuetzt.
H

Was an wirtschaftlicher Hilfe fuer den Wiederaufbau Europas
eingesetzt wurde, ist eine Kapitalanlage fuer die Zukunft. Mit
den Millionen von Dollar, die heute fuer den Wiederaufbau und

11 -

�fuer soziale und wirtschaftliche Sicherheit ausgegeben werden,
koennen Billionen von Dollar fuer eventuelle militaerische Ausgaben in der Zukunft gespart werden. Es hat sich Immer als
richtig erwiesen, sich auf positive, vorbeugende Kraefte zu verlassen, weil destruktive Kraefte nur auf diese Weise ueberwunden
werden koennen."
Strand brachte zum Ausdruck, dass der Marshall Plan waehrend
der beiden vergangenen Jahre fuer Schweden sehr nutzbringend gewesen sei, weil er den Wiederaufbau ueberall auf der Welt und die
Wiederbelebung des internationalen Handels gefoerdert habe.
"Das schwedische Volk, dessen Lebensstandard von einer guenstigen Entwicklung des internationalen Handels so sehr abhaengig
ist," meinte er, "weiss, dass Wiederaufbau im Kriegszerstoerten
Europa vermehrten Handel der Laender miteinander, mehr Waren und
bessere Waren bedeutet."
Er wies ferner darauf hin, dass waehrend Schweden zwar auf
die liarshall Plan Hilfe nicht so sehr angewiesen sei wie die vom
Krieg verwuesteten Laender, die schwedische Arbeiterschaft trotzdem nicht im geringsten die Bedeutung dieser Hilfe fuer unser
Land unterschaetze. Nicht weniger als 40g unserer Importe aus
den Vereinigten Staaten wurden im vergangenen Jahre mit Marshall
Plan Geldern bezahlt, die Schweden durch Warenlieferungen an
andere Teilnehmerstaaten des Marshall Planes erworben hatte."
Strand, dessen Gewerkschaft 1,250.000 Mitglieder zaehlt,
unterstrich besonders die Bedeutung der Tatsache, dass die ECA
besonderen Wert auf die Steigerung der Produktionsleistung legt.
"Alles, was getan werden kann, um den Wert der koerperlichen
Leistung durch bessere Maschinen und bessere technische Ausruestung zu erhoehen, muss getan werden. Die Bedeutung des Wissens-,
Erfahrungs- und Ideenaustausches auf technischem und verwaltungstechnischem Gebiet, der nun zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten stattfindet, geht weit ueber die Zeit des Marshall Planes
hinaus. Und dieser Austausch muss auch nach Beendigung des
Europaeischen HilfsProgramms fortgesetzt werden."
ECA Labor Information
4. April 1950
- 18 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

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�Internationale
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 10

Frankfurt, 12. Mal 1950

INHALTSVERZEICHNIS
Malrede In Berlin 1950
1
Reut her: " Europahilfe nruss nach 1952
fortgesetzt werden" - - - - - - - - - 3
England auf dem Wege zum Wiederaufbau - 4
Daenische Gewerkschaftler treten aus der
Kommunistischen Partei aus - - - - - - 5
Charles J. MacGowan - - - — - - - - 7
Konrad Nadahl
8
Seeleute Amerikas versprechen europaeischen Gewerkschaften ihre Hilfe
11

MAIREDE IN BERLIN 1950
Irving Brown, Vertreter des I.B.F.G.
An diesem Maitage des Jahres 1950 ueberbrlnge ich Euch
tapferen, f r e i e n Maennern und Frauen von Berlin die Gruesse
und die Gefuehle hoechster Bewunderung von den fuenfzig M i l l i onen Arbeitern des maechtigen Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften.
Es I s t gerade vier Jahre her, dass die demokratische Welt
mit Begeisterung das Ergebnis f r e i e r Wahlen i n Berlin g e f e i e r t
hat. Damals hat Berlin fuer Z i v i l i s a t i o n und gegen Sklaverei
gestimmt, fuer grundsaetzliche Menschenrechte und gegen Verneinung von Menschenwuerde, fuer Freiheit und Wiederaufbau und
gegen eine neue Tyrannei. In den Jahren der Hitlerschande
habt Ihr eines gelernt: "Nur die allergroessten Kaelber waehleii
ihre Metzger selber."
Dank der Luftbruecke i s t der Stadt Berlin, die Moeglichkeit
gegeben worden, ihre Freiheit zu behaupten. Ja, das stimmt.
Aber Berlin i s t f r e i geblieben und wird weiterhin auch f r e i s e i n ,

- 1 -

�weil die Arbeiter unter dem Banner der U.G.O. die Freiheit
wollen. Ohne dieses Freiseinwollen der Bevoelkerung gibt es keine
technisch« Mittel, so vollkommen sie auch sein moegen, die die
Freiheit sichern koennen.
Die Deutschen sind nicht bereit, sich einer neuen Sklaverei
zu ergeben, sind nicht bereit, an neuen Verbrechen teilzunehmen
unter der Maske der Nationalen Front, Die ehemaligen Verbrechen
der Nazis und der Deutschnationalen verblassen gegenueber denen,
die heute vom Kreml angeordnet werden. Deshalb koennen und
werden auch jetzt tatsaechlich wie einst der Nationalismus und
der Kommunismus in Deutschland Blutsfreunde. Darum dient das
"Denazifizieren'* der SMA in Deutschland als Deckmantel zum
Rueckfall ins Nazitum im Namen der UdSSR.
Wir alle glauben an den Frieden. Die ganze Menschheit
sehnt sich nach Frieden und Sicherheit. Die ganze Entwicklung
der Geschichte der Amerikaner deutet auf ihre tiefe Friedensliebe
und ihre Abneigung gegen den Militarismus hin. Ebenso fest
glauben wir an die Freiheit. Besteht Sklaverei auch nur in einem
Lande, so stellt sie eine Gefahr fuer die ganze Welt dar. Wo
es Sklaverei gibt, besteht Kriegsgefahr fuer die ganze Welt,
Wo es Sklaven gibt, gibt es Herren. Und wo es Herren gibt,
gibt es Fuehrer mit unbeschraenkter Macht, die ihr Volk in den
Krieg stuerzen. Gibt das Volk die Freiheit auf, dann verliert
es alle Macht, die Herren zu kontrollieren und zurueckzuhalten.
Darum ist Euer Kapf nicht nur ein Kampf um die Freiheit Berlins,
sondern auch ein Kampf um den Frieden fuer Deutschland und fuer
die Welt, Euer Kappf um die freien Gewerkschaften in Berlin laesst
sich unter den jetzigen Umstaenden nicht von dem allgemeinen
staendlgen Kampf um die Freiheit und die Demokratie trennen.
Ohne freie Gewerkschaften gibt es keine Demokratie, und umgekehrt, ohne Demokratie gibt es keine freien Gewerkschaften. Der
Kampf um oekonomische und soziale Gerechtigkeit, den die Gewerkschaften in der ganzen Welt fuehren, kann nur im Rahmen einer
politischen Demokratie stattfinden. In diesem Sinne unterstuetzen wir mit ganzer Kraft Euren Kampf auf Leben und Tod nicht
nur zur Ausrottung einer alten, sondemauch zur Verhinderung einer
neuen Diktatur. Die internationale Arbeiterschaft, ja die freie
Arbeiterschaft der ganzen Welt heisst Euch, die Berliner Gewerkschaften, in ihren Reihen willkommen zur gemeinsamen Sache der
internationalen Arbeiterbewegung.
Wir sind der festen Ueberzeugung, dass ein neues Deutschland
wiedererstehen muss. Die wirtschaftlichen und politischen Kon*
trollen muessen in den Haenden derjenigen bleiben, die als die
ersten Opfer im Kriege der Nazis gegen Demokratie und Zivilisation
fielen* Das sind: die freien Gewerkschaften, Diese muessen
stark genug werden, um im zukuenftigen Deutschland eine entscheidende und einflussreiche Rolle zu spielen. Die Alliierte Besetzung
wird ihren Zweck verfehlt haben, wenn die Schwerindustrien ihren
ehemaligen Besitzern zurueckgegeben werden - denen, die seinerzeit die Ruhr und die ganze Wirtschaftsordnung Deutschlands
den Nazis zum frevelhaften Gebrauch zur Verfuegung stellten.
Das darf nicht wieder sein. Die Arbeiter Amerikas haben dagegen
protestiert und werden weiterhin protestieren. Deshalb muss die
Internationale Arbeiterbewegung fuer die Sicherung der wirtschaftlichen Demokratie Deutschlands kaempfen.
Wir begruessen Eure gewaltigen Bestrebungen gegen jede
totalitaere Diktatur ob braun oder rot und um ein freies und
demokratisches Gewerkschaftsleben. In diesem Augenblick gibt

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�es fuer die Menschen der sowjetischen Zone ein neues Gesetz.
Zwangsarbeit, Konzentrationslager, Militarisierung der Arbeit
sind aufgezwungen» Berlin ist fuer die Ifelt zum Symbol des
Kampfes gegen Diktatur und Versklavung geworden. Wir gruessen
alle Berliner und Berlinerinnen, die ihr Alles aufs Spiel
setzen, um ihre Stadt als Bollwerk der Menschlichkeit und Freiheit zu bewahren.
Einen wichtigen Sieg fuer die Freiheit hat Berlin schon
errungen, aber der Kampf fuer die Freiheit geht weiter. Wer
frei bleiben will, muss dauernd um die Sicherung seiner Freiheit
kaempfen. Der Preis der Freiheit ist ewige Wachsamkeit. Heute
muss die freie Welt nach einem positiven Programm der wirtschaftlichen, politischen und militaerischen Sicherheit auf folgende
Grundsaetze beruhend streben;
Die Berliner muessen nicht nur politisch frei sein, sondern
sie muessen in einer Wirtschaft der Vollbeschaeftigung leben,
die den freien Arbeitern Berlins die Arbeit sichert. Dabei
sei besonders der Frauen und der Jugend gedacht.
Um dauernde Sicherheit zu gruenden, muss Berlin in das
wirtschaftliche und politische Leben des freien, demokratischen
Deutschland vereinigt werden. Aber ein freies Berlin in einem
freien, demokratischen Deutschland muss auch in einem freien
und demokratischen Europa vereinigt werden.
Und ein vereinigtes demokratisches Europa muss in einer
groesseren atlantischen wirtschaftlichen, politischen und
verteidigungsfaehigen, starken Union aufgehen, in der auch
Amerika eingereiht ist.
Ich gruesse Euch im Namen des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften. Wir erkennen die Bedeutung Eures Kampfes
um Frieden und Freiheit und Sicherung der Menschenrechte.
Zum Schluss aber moechte ich noch dieses sagen:
Es gibt Millionen unserer Brueder, die keine Moeglichkeit
haben, ihre Stimme zu erheben. Auch in ihrem Namen - im Namen
der unzaehligen Menschen in allen Laendern hinter dem Eisernen
Vorhang - habe ich heute zu Ihnen gesprochen.
Und eines Tages - dessen bin ich sicher - werden wir einen
Ersten Mai feiern - mit ihnen allen zusammen, Ost und West,
einen Weltfeiertag der Freiheit.
Es lebe die
Es lebe die
Es lebe ein
friedliches
Es lebe der

Berliner Arbeiterschaft.
U.G.O.
freies, demokratisches, bluehendes und
Deutschland.
kommende Tag der Freiheit - ueberall in der Welt.

REUTHER: '«EUROPAHILFE MUSS NACH 1952 FORTGESETZT WERDEN."
Victor Reuther, der Leiter der Ausbildungsabteilung der
Automobilarbeitergewerkschaft (CIO), erklaerte in einer Unterredung, die er waehrend seines Aufenthaltes in Stuttgart mit
einem Vertreter der amerikanischen Zeitung "Stars and Stripes"
hatte, dass die Fortsetzung der amerikanischen Hilfe fuer
Europa in irgendeiner Form nach dem Ablaufen des Europahilfsprogramms im Jahre 1952 unerlaesslich waere.

�"Wenn wir die amerikanische Hilfe nicht fortsetzen,"
sagte Reuther, "werden die Arbeitslosenziffern in unserem eigenen
Lande und in Europa sicherlich ansteigen."
Er glaube, dass ERP im Jahre 1952 "offiziell" beendet sein
wuerde. Dann wuerde das "alternative Programm" in Aktion treten.
Dies koenne irgendeine Form des "erweiterten Punkt-Vier-Programms"
sein, in dessen Rahmen Europa und die "rueckstaendlgen" Gebiete
von Amerika unterstuetzt wuerden.
Der Funktionaer der Automobilarbeitergewerkschaft forderte
die Errichtung einer "europaeischen Behoerde fuer den Wohnungsbau" , deren Aufgabe es sein soll, Tausende von Arbeiterwohnungen
zu niedrigen Preisen zu bauen. Damit koenne die Arbeitslosigkeit
in Europa beseitigt und eine erhoehte Stahlproduktion der Ruhr
in unbedenklicher Weise verwendet werden.
Victor Reuther, der Bruder des Praesidenten der Automobilarbeiter Gewerkschaft, Walter Reuther, traf mit deutschen Gewerkschaf tsfu ehrern und Beamten des Bueros fuer Arbeitsangelegenheiten im Amte des Hohen Kommissars zusammen.

ENGLAND AUF DEM WEGE ZUM WIEDERAUFBAU
"Die freiwillige Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften,
den Unternehmern der Industrie und der Regierung in England hat
zu einer Erhoehung der industriellen Produktion um 20# pro Arbeiter seit dem Jahre 1946 gefuehrt," erklaerte John Kenney,
der ECA Missionschef in England, in einem Rueckblick auf die
in Europa seit der formellen Gruendung der ECA vor 2 Jahren
erzielten Erfolge.
"Unternehmertum und Gewerkschaften haben nicht nur gemeinsam
an der Steigerung der Produktion gearbeitet, sondern sie haben auch
ihre Forderungen nach Extraloehnen und -gewinnen begrenzt und
damit mehr Geldmittel fuer die Neuausrüstung und Modernisierung
unserer Industrie freigemacht."
Kenney lobte die Englaender dafuer, dass sie mit bei den
Ersten waren, die die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns der
europaeischen Nationen erkannten, wenn die Wunden, die der Krieg
geschlagen hatte, geheilt werden sollten.
H

Da wir auf halbem Wege angelangt sind," sagte Kenney,
"ist es angebracht, an die Tatsache zu erinnern, dass England
als erstes Land auf den Vorschlag eingegangen ist, die europaeischen
Nationen zur gegenseitigen Unterstuetzung zu vereinigen. Dieser
Vorschlag wurde zum erstenmal von George C. Marshall, dem damaligen Aussenminister der Vereinigten Staaten, unterbreitet. Um
mit Ernest Bevins eigenen Worten zu sprechen: "Wir griffen mit
beiden Haenden zu."
Kenney sagte voraus, dass der Llarshall Plan in zwei Jahren
zwar zu Ende ginge, das Buero fuer Europaeische, Wirtschaftliche
Zusammenarbeit jedoch weiterbestehen wuerde. Auchwerde England
nicht aufhoeren, an seinem Wiederaufbau zu arbeiten.
"Das englische Volk wird bestrebt sein, seine Produktion
.zu erhoehen, die Exporte nach den Dollargebieten zu steigern und
einen einzigen europaeischen Absatzmarkt zu erschliessen, damit
es auf eigenen Fuessen stehen kann, wenn der Marshall Plan auf-

�hoert, und damit es wesentlich zu der Hebung des Lebensstandards
nicht nur In seinem eigenen Lande, sondern In ganz Europa beitragen kann.11
ECA Labor Information
5. April 1950

DAENISCHE GEWERKSCHAFTLER TRETEN AUS DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI AUS
Am 14. April traten vier prominente daenls*che Gewerkschaftler
aus der Kommunistischen Partei Daenemarks aus. In einem gemeinsamen Schreiben erklaerten sie, nur diejenigen blieben in der
Partei, die sich an das Motto "Mund zu und gehorchen" hielten*
Es handelt sich um den Praesidenten der Gewerkschaft der
Kopenhagener Strassenbahnangestellten, Frede Danielsen, der
30 Jahre lang Mitglied der Kommunistischen Partei war.
Ausserdem beklagten sich die drei obersten Fuehrer der
Daenlschen Eisenbahnergewerkschaft - Henry Olsen, Vorsitzender,
Victor Madsen, Finanzsekretaer, und M. Ollgard Rasmussen, Sekretaer - ueber die kommunistische Bevormundung und erklaerten in
einem offenen Schreiben an den Exekutivausschuss der Kommunistischen Partei ihren Austritt aus der Partei.
In diesem Schreiben wurden die Methoden angeprangert, deren
sich die Kommunistische Partei den von ihr beherrschten Gewerkschaften gegenueber bedient. Der Brief, der im "Social Demokraten" vom 16. April veroeffentlicht wurde, hat folgenden
Wortlaut:
An das Sekretariat der Kommunistischen Partei
Wir haben die Entwicklung der Kommunistischen Partei von
1945 bis zum heutigen Tage verfolgt. Wir sahen, wie sie eine
Wahlniederlage nach der anderen einstecken musste, und wie
diese Niederlagen bei den letzten Gemeindewahlen im Jahre 1950
ihren Hoehepunkt erreichten. Diese Tatsache muss auf einen
Kommunisten ziemlich demuetigend wirken. Natuerlich haben wir
uns ueber diesen staendigen Rueckgang der Kommunistischen Partei
Gedanken gemacht. Es muss daran erinnert werden, dass die M ö g lichkeiten, die daenlschen Arbeiter fuer die kommunistische Idee
zu gewinnen, nach dem Kriege ausgezeichnet gewesen sein muessen.
Angesichts dieser Tatsache sind die Ergebnisse umso unbefriedigender. Obwohl die Arbeiterklasse gegenwaertlg grosse wirtschaftliche Lasten zu tragen hat, (Arbeitslosigkeit, Steuern
und allgemeines Ansteigen der Lebenshaltungskosten) und obwohl
die Gerlchtshoefe in unerhoerter Weise Leute freisprechen, die
waehrend der Besatzung Verbrechen begangen hatten, ist es der
Kommunistischen Partei nicht gelungen, die Entwicklungen Innerhalb der daenlschen Arbeiterklasse entscheidend zu beeinflussen.
Selbst auf den proletarisiertesten Teil der Bevoelkerung hat
die kommunistische Ideologie keine besondere Anziehungskraft ausueben koennen.
Wir sind der Auffassung, dass unsere einflussreichsten
Fuehrer bei wichtigen Gelegenheiten versagt haben.

�Kommunistische Methoden
Der groesste und wohl folgenschwerste Fehler bestand darin,
dass man Methoden anwandte, die vielleicht In Laendern wie
Russland, Polen, Rumaenien etc. angebracht sind. Bei der Mentalitaet der daenischen Arbeiter Jedoch mussten sich diese
Methoden in Daenemark nachteilig auswirken. Von Zeit zu Zeit
wurden Parteibefehle erlassen, in denen die Fuehrer der kommunistischen Parteizentralen und die Mitglieder der exekutiven
Koerperschaften aufgefordert wurden, die von der Partei herausgegebenen Parolen zu befolgen und keine Ruecksicht auf die oben
erwaehnten Fuehrer und damit auf unsere Stellung Innerhalb der
Gewerkschaftsbewegung zu nehmen. Als Vorsitzender, Finanzsekretaer
und Sekretaer der Gewerkschaftsbewegung bemuehten wir uns, eine
Grundlage zur kommunistischen Orientierung unserer Mitglieder
zu schaffen. Wir taten dies, indem wir, ungeachtet der uebrigen
politischen Einstellungen, bewiesen, dass die wirtschaftliche
und kulturelle Stellung des Arbeiters verbessert werden muss.
Kurz gesagt, wir versuchten, In der Gewerkschaftsbewegung Einigkeit zu schaffen. Deshalb waren wir irritiert, wenn uns von
Zeit zu Zeit Befehle zugingen, in denen man uns vorschrieb, wie
wir handeln sollten. Die Partei stellte die Forderung, diese
Befehle strengstens zu befolgen, ohne Ruecksicht auf Nachteile,
die uns dadurch entstehen koennten. Es ist ein grosser Fehler,
wenn eine exekutive Koerperschaft glaubt, einem Gewerkschaftsvorstand vorschreiben zu koennen, wie er seine Gewerkschaft
zu fuehren hat. Die lokal bedingten Probleme Jeder Gewerkschaft
muessen beruecksichtigt und mit Vorsicht behandelt werden.
Offensichtliche Diktatur
Wir koennen diese Form offensichtlicher Diktatur nicht anerkennen, weil sie ohne Zweifel zu Misstrauen und Verdacht unter
unseren Mitgliedern fuehren wuerde. Hierin ist auch der Grund
fuer die Niederlage und den betraechtlichen Rueckgang der Kommunistischen Partei zu suchen.
Im Jahre 1945 hatten wir die besten Aussichten, das Vertrauen des Volkes zu gewinnen, weil wir die Sache des "kleinen
Mannes" auf unsere Fahne geschrieben hatten, und vor allem weil
wir zu Jener Zeit ehrliche Politik betrieben, die den Arbeitern
Vertrauen einfloesste. In den letzten beiden Jahren trat Jedoch
eine Aenderung ein. Kein Mittel ist nun zu gemein, als dass
es nicht angewandt werden koennte. Streitigkeiten in der Partei
sind an der Tagesordnung, und die Arbeiter wenden sich deshalb
von ihr ab. Sie merken, dass sie irregefuehrt worden sind.
Es ist oft erklaert worden, dass die Gewerkschaftsbewegung
ohne fremden Einfluss sein muesse, und wir sind der Ansicht,
dass sich besonders die Kommunistische Partei an diesen Grundsatz halten sollte.
Ein weiterer Grund fuer den Rueckgang ist in der Einstellung
der Parteisperre zu den Entwicklungen in den osteuropaelschen
Laendern zu sehen. Man muss annehmen, dass die kommunistische
Presse so schreibt, wie es die Fuehrer der Kommunistischen Partei
wuenschen. Tag fuer Tag ergeht sich "Land og Folk", die Veroeffentlichung der Kommunistischen Partei, in Lobreden fuer die
in den oben erwaehnten Laendern vor sich gehenden Entwicklungen.
Polen, Ungarn, Rumaenien und die Tschechoslowakei werden den
daenischen Arbeitern als Musterbeispiele hingestellt. Die Partei
hat wohl nicht erkannt, dass der daenische Arbeiter intelligent
genug ist, sich selbst die Frage vorzulegen und herauszufinden,

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�warum so viele fuehrende Kommunisten in Jenen Laendern von
ihren Stellungen verschwinden.
Es waere eigenartig, wenn die daenischen Arbeiter nicht
erkennen wuerden, dass an dem System irgendetwas nicht in
Ordnung ist. Niemand will offen zugeben, dass die kommunistischen Fuehrer zu Verraetern an ihrem Lande werden, wenn die
kommunistischen Parteien in den osteuropaeIschen Laendern
die gesamte Macht in die Hand bekommen. Die Entwicklungen
dort zeigen eine Tendenz rueckslchtsloser Rivalitaet um
Macht, gepaart mit dem Mangel organisatorischen Talents. Das
Ergebnis war eine endgueltige Diktatur, die in mancher Hinsicht
mit dem ehemaligen Naziregime identisch ist.
Ununterbrochen versichert man uns, dass wir nicht vom
Kominform befehligt werden. Wenn dies Jedoch wahr ist, muss
man sich fragen, warum man keine ausgesprochen daenlsche
Politik betrieben hat, die den daenischen Verhaeltnissen und
der Mentalitaet der daenischen Bevoelkerung Rechnung getragen
und alle konstruktiven Kraefte, die In diesem Lande verfuegbar sind
in ihren Dienst gestellt haette? Warum hat die Partei nicht
so gehandelt, dass die Bevoelkerung die Ueberzeugung gewinnen
koennte, dass in diesem Lande eine wahre Demokratie errichtet
werden kann, in der jeder seine Meinung ohne Risiko aeussern
kann? Dagegen muss Jeder, der eine der kommunistischen Auffassung gegenteilige Meinung aeussert, befuerchten, dass man
sich spaeter seiner erinnern koennte.
"Mund zu gehorchen"
Wenn heute Gewerkschaftler der Kommunistischen Partei
den Ruecken kehren, dann liegt dies nicht etwa an den geaenderten Verhaeltnissen; sie protestieren damit vielmehr gegen
die Tatsache, dass die Partei ruecksichtslos der Gewerkschaftsbewegung Ihre Grundsaetze aufzuzwingen versucht und durch
die Anzettelung illegaler Streiks schwere wirtschaftliche
Verluste fuer die Arbeiter verursacht, die nicht wiedergutzumachen sind.
Es ist ausserdem unbekannt, dass Kommunisten mit gegenteiliger Einstellung fallen gelassen wurden, waehrend andere,
die dem Motto "Mund zu und gehörehen" huldigten, beguenstigt
worden sind. Auch wir moechten hiermit protestieren, und
treten deshalb aus der Kommunistischen Partei aus.
Mitglied Nr. 2003
Henry Olsen, Vorsitzender
Abtlg. T. der EisenbahnerGewerkschaft
Mitglied Hr. 28841
Victor Madsen, Finanzsekretaer
Mitglied Nr. 451
M. Ollgaard Rasmussen, Sekretaer
CHARLES J. MACGOWAN
Der Mann hinter dem Schreibtisch des Praesidenten in
den Bueros der Internationalen Gewerkschaft der Kesselmacher
und Schiffbauer ist grauhaarig, 1,83 m gross und hat maechtige
Haende und Schultern - er hat ueber 25 Jahre bei den Eisenbahnen gearbeitet.

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�Es ist Charles J. MacGowan, nun der elfte Vlzepraesldent
des Amerikanischen Gewer kschaftsbundes AFL.
Am 2. Juni 1887 In Schottland geboren, kam MacGowan Im
Alter von 10 Jahren nach Kanada und begann seine Arbeiterlaufbahn in der Kesselwerkstatt der alten Eisenbahngesellschaft
"Grand Trunk Pacific Railroad."
Fast unmittelbar danach schloss er sich der kanadischen
Lokale der .Kesselmachergewerkschaft an und bemuehte sich um die
Verbesserung der Arbeitsbedingungen. (Die Internationale Gewerkschaft war Im Jahre 1880 gegruendet worden und steckte damals
noch in den Kinderschuhen.)
An dem ersten Streik der Werkstattarbeiter der kanadischen
Eisenbahn war MacGowan aktiv beteiligt. Der Streik war ohne
Erfolg, MacGowan reiste jedoch per Gueterwagen umher, um die
Gewerkschaft von neuen zu organisieren. Streiks, Aussperrungen
und das Aufstellen von schwarzen Listen machten es ihm unmoegllch, laengere Zeit ununterbrochen an einer Arbeltsstelle zu
bleiben. 1913 landete er schliesslich in den Vereinigten Staaten,
wo ihm Joseph Franklin, der damalige Praesldent der Kesselmachergewerkschaft, zu einer Beschaeftigung bei der Rock Island Eisenbahngesellschaft verhalf.
Als ernster, fleisslger Mensch widmete MacQowan 20 Jahre
lang seine Freizeit gewerkschaftlicher Taetigkeit. Er arbeitete
staendig an seiner Weiterbildung, organisierte und ergriff als
Gewerkt chaftsfuehrer mehr und mehr Initiative. Er arbeitete in
staedtlschen Ausschüssen fuer Arbeltsangelegenheiten mit, beteiligte sich aktiv am der Arbeit staatlicher Vereinigungen und
nahm an internationalen Konventionen seiner eigenen Gewerkschaft
und des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL teil.
1936 wurde er zum Vlzepraesldenten der Internationalen
Gewerkschaft der Kesselmacher gewaehlt, und als im Jahre 1944
Franklin auf der Konvention in Kansas City sein Amt niederlegte,
wurde MacGowan auf einstimmigen Beschluss zu seinem Nachfolger
ernannt. Drei Jahre spaeter war er Vlzepraesldent des maechtlgen
Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL.
ECA Labor Information
27. Maerz 1950
KONRAD NORDAHL
Konrad Nordahl, der Praesldent der Norwegischen Nationalen
Gewerkschaftsunion, hat die norwegische Gewerkschaftsbewegung
durch mindestens drei der schwersten Krisen hindurchgesteuert,
die sie seit ihrem Bestehen durchzumachen hatte.
Waehrend der schweren Jahre des Krieges und der deutschen
Besatzung war er ununterbrochen Praesldent der Union; auch durch
die Nachkriegszeit, in der die Kommunisten Elnfluss zu gewinnen
versuchten, fuehrte er sicher die Organisation. Heute hilft er
mit, den heiklen Mittelweg einzuhalten, der unter einem Regime
der Arbeiterregierung zwischen Gewerkschaften und Regierung eingehalten werden muss.
Man hat Nordahl oft einflussreiche Stellungen im Storting
(Parlament) angeboten. Immer jedoch hat er mit der Begruendung
abgelehnt, dass die Gewerkschaftsbewegung und die Arbeiterre-

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»

�gierungen verschiedene Verpflichtungen haetten und er nicht
massgebliches Mitglied Im Parlament sein und zu gleicher
Zelt die norwegische Gewerkschaftsbewegung in zufriedenstellender Weise fuehren koenne.
Konrad Nordahl wurde am 35. September 1897 in Bergen
geboren. Bereits als Junge arbeitete er in den Schiffswerften
von Bergen und schloss sich kurz darauf seiner lokalen Gewerkschaft und der sozialistischen Jugendbewegung an.
Von Anfang an stellte er seine Faehigkeiten als Fuehrer
unter Beweis. Bevor er Im Jahre 1931 zum Praesidenten der
Norwegischen Eisen- und Metallarbeitergewerkschaft und zum
Mitglied des Sekretariats der Norwegischen Gewerkschaftsunion
gewaehlt wurde, hatte er viele Aemter in der Lokalgewerkschaft
und In der uebrigen Gewerkschaftsbewegung inne.
Drei Jahre spaeter wurde Nordahl zum Vizepraesidenten
der Nationalen Gewerkschaftsunion und im Jahre 1939, nachdem der
Praesident Regierungsmitglied geworden war, zum Praesidenten
ernannt.
Nordahls Praesidentenschaft gestaltete sichals aeussertt
schwierig. Sieben Monate nach seinem Amtsantritt griffen
die Deutschen Norwegen an. Nordahl gelang es, aus der Hauptstadt zu entkommen und sich mit den norwegischen Kraeften zu
vereinigen, die im noerdlichen Teil des Landes kaempften.
Zwei Tage nach Beginn des deutschen Angriffs unterzeichneten
er und andere Fuehrer der norwegischen Arbeiterpartei einen
Aufruf an alle lokalen Gewerkschaftsfuehrer, innerhalb der
kaempfenden Untergrundbewegung eine Gewerkschaftseinheit organisieren zu helfen. In den beiden Monaten, in denen die
Norweger Widerstand leisteten, hielt sich Nordahl bei den
Streitkraeften der Regierung auf. Als die Front dann vorgeschoben wurde, trat er mit den Gewerkschaften in den befreiten
Gebieten in Verbindung und setzte sich mit seiner ganzen Kraft
fuer die Beteiligung der Gewerkschaften an dem Kampf gegen die
Eindringlinge ein.
Als der militaerische Widerstand im Juni 1940 aufhoerte
und das ganze Land besetzt war, kehrte Nordahl nach Oslo zurueck.
Anfangs erlaubten die Deutschen den Gewerkschaften, ihre Taetigkeit fortzusetzen, in dem Glauben, sie nazifizieren und fuer
Ihre Besatzungszwecke gewinnen zu koennen. Diese Illusion erwies
sich jedoch bald als falsch, und die Deutschen verboten Nordahl
und all denen, die an dem Feldzug im Norden teilgenommen hatten,
ihre gewerkschaftliche Taetigkeit fortzusetzen.
Nordahl hatte jedoch bereits aus den Gewerkschaftsfuehrern
eine Untergrundbewegung gebildet und um sich eine Reihe von
lokalen Fuehrern geschart, die bereit waren, die politischen
Bemuehungen der Deutschen zu sabotieren. Aus dieser Gruppe
entstand bald eine ausgedehnte Untergrundorganisation innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung, und diese Konzentration von Kraeften
sollte in der spaeteren Entwicklung und dem Werden der norwegischen Widerstandsbewegung zum entscheidenden Faktor werden.
Im September 1941 wurde es den Deutschen endlich klar, dass
sie die Norweger nicht nazifizieren konnten; sie verkuendeten
in Oslo das Kriegsrecht und verfolgten die WiderStandskaempf er.
Nordahl gehoerte in erster Linie mit zu denen, die man suchte,
und er fluechtete deshalb aus dem Land.

- 9 -

�Zuerst wandte er sich nach Schweden, wo er sich mit dem
Gedanken trüg, eine zentrale norwegische Gewerkschaftsbewegung
ausserhalb Norwegens zu gruenden. Zu jener Zeit hatte die
norwegische Exilregierung ihr Hauptquartier* in London aufgeschlagen, wo auch der norwegische Verband der Seeleute seit
dem 9. April 1940 seinen Sitz hatte» Nordahl begab, sich also
nach London.
Er erkannte, dass seine Hauptaufgabe darin bestehen musste,
mit dem besetzten Norwegen ueber eine Zentrale in Stockholm und
mit der englischen Gewerkschaftsbewegung und denen der uebrigen
freien Laender, besonders in den Vereinigten Staatent Verbindung aufzunehmen.
*m 12. November 1941 wurde das Londoner Sekretariat der
Norwegischen Nationalen Gewerkschaftsunion gegruendet. Zu Anfang
setzte es sich lediglich aus dem Praesidenten des Norwegischen
Seeleuteverbandes (der zu Jener Zeit auch Leiter des Presseund Informationsbueros der norwegischen Regierung in London war)
und Nordahl zusammen. Spaeter kamen noch andere Mitglieder der
Gewerkschaftsbewgung hinzu, die aus Norwegen entkommen und nach
London gefluechtet waren.
Das Londoner Sc-kretariat wurde sofort von der norwegischen
und den alliierten Regierungen und von den Gewerkschaften
in den allJJerten Laendern als Vertreter der norwegischen Exilgewerkschaftsbewegung anerkannt. Dreieinhalb Jahre lang fuehrte
Nordahl das Londoner Sekretariat, das nicht nur in dem Kampf
um Norwegens Freiheit und Unabhaengigkeit eine hervorragende
Rolle spielte, sondern auch den Grundstein fuer die Nationale
Gewerkschaftsunion in Norwegen nach dem Kriege legte.
Von seinem Londoner Buero aus dirigierte Nordahl die gesamte
illegale Gewerkschaftstatigkeit, die in Norwegen geleistet wurde.
Alle Untergrundgewerkschaften in seiner besetzten Heimat und
alle diejenigen, die in Schweden taetig waren, erkannten das
Londoner Sekretariat als die oberste Behoerde in der Bewegung an.
Die Staerke dieses Kampfes der Gewerkschaftler wurzelte in der
Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaftlern draussen und denen
im eigenen Lande.
Als Leiter des Sekretariats stand Nordahl ebenfalls in
enger Zusammenarbeit mit Regierungsvertretern und half, den
Grundstock fuer den Wiederaufbau seines Landes nach dem Kriege
zu legen. Mit dem Praesidenten der norwegischen Angestelltengewerkschaft, der sich dieser Zeit ebenfalls in London befand, traf
Nordahl Vorbereitungen zur Beilegung von Lohnstreitigkeiten nach
der Befreiung, um den Gewerkschaftsfrieden und die Zusammenarbeit
zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in den ersten Jahren
des Wiederaufbaus zu gewaehrleisten. Dieses Programm hat sich
als sehr erfolgreich erwiesen. Waehrend der fuenf Jahre, die
nun seit der Befreiung verflossen sind, hatte Norwegen ein Minimum
an nennenswerten Arbeitskonflikten zu verzeichnen. Nach dem
Kriege setzte sich Nordahl, der einstimmig zum Praesidenten der
Gewerkschaftsunion gewaehlt worden war, fuer die Schaffung des
Weltgewerkschaftsbundes ein. Bald musste er aber erkennen, dass
eine Zusammenarbeit zwischen den demokratischen Gewerkschaften
Westeuropas und Amerikas und den kommunistisch beherrschten
Gewerkschaften Osteuropas unmoeglich war. Als die freien Gewerkschaften deshalb im Jahre 1949 aus dem Weltgewerkschaftsbund
austraten, unterstuetzte Nordahl sofort die Idee, einen neuen,
freien internationalen Gewerkschaftsbund zu gruenden. Im Mai 1949

- 10 -

�stimmte die Nationale Gewerkschaftsunion fuer den Austritt aus
dem Weltgewerkschaftsbund, und das Sekretariat wurde angewiesen,
sich um die Mitgliedschaft im Internationalen Weltbund Freier
Gewerkschaften zu bewerben.
Die Kommunisten sehen in Nordahl verstaendlicherweise ihren
gefaehrlichsten Gegner, und er ist deshalb ihren staendigen
Angriffen ausgesetzt. Obwohl sie jedoch ununterbrochen versuchten,
sich in die Fuehrung der Gewerkschaftsbewegung einzumischai,
mussten sie eine Niederlage nach der anderen einstecken, und
spielen nun eine sehr unbedeutende Rolle. Die Nationale Gewerkschaftsunion hat unter der Fuehrung Nordahls ihre entschlossene
Haltung diesen Intrigen gegenueber bewahrt und alle Einmischungsversuche der Kommunisten zurueckgewiesen.
Die rechtsgerichteten Gegenspieler der Gewerkschaft machen
ihr oft den Vorwurf, sie regiere in Wirklichkeit Norwegen, und
Nordahl sei der Drahtzieher, Dagegen behaupten die Kommunisten»
die Fuehrer der Gewerkschaft seien nur die Dienstboten der
Regierung.
Beides ist Jedoch, wie Nordahl selbst sagt, falsch. Norweger,
sagt er, seien nicht zum Dienstbotentum geboren. Und in einer
demokratischen Gesellschaftsordnung muessten Fuehrung und Verantwortung in den Haenden der verfassungsmaessigen Organisationen
liegen - und das seien Parlament und Kabinett.
ECA Labor Information
18. April 1950
SEELEUTE AMERIKAS VERSPRECHEN EUROPAEISCHEN GEWERKSCHAFTEN IHRE HILFE
Sieben amerikanische Gewerkschaften, in denen 170.000 Seeleute organisiert sind, haben versprochen, "der europaeisehen,
freien Gewerkschaftsbewegung Jedmoegliche Unterstuetzung in ihrem
Kampf gegen die kommunistische Diktatur zukommen zu lassen....rt
Die Gewerkschaften bezeichneten den Marshall Plan und den
Atlantik Pakt als die wirksamsten Mittel, um diesen Kampf zu
fuehren, und versprachen, alles, was in ihrer Macht liegt, zur
Unterstuetzung dieser Plaene zu tun.
Die Praesidenten der sieben Gewerkschaften erklaerten, diese
Entschile ssung sei gefasst worden, nachdem man die Lage der Arbeiterschaft Westeuropas hinsichtlich der wirtschaftlichen Struktur
ihrer Laender und die Verteidigung des freien demokratischen
Regimes eingehend besprochen hatte."
'•Wir wissen," so heisst es in der EntSchliessung, "dass die
Kommunistische Partei und die kommunistischen Gewerkschaften
auf Befehl des Kominform versucht haben und noch versuchen, diese
Laender zu unterjochen, indem sie chaotische Verhaeltnisse schaffen
und Gewalt anwenden, um zu verhindern, dass sich der Marshall
Hilfsplan und der Atlantik Pakt voll auswirken koennen.
"Wir als die Vertreter der Seeleute geloben deshalb, die
Marshall Plan Laender und alle SignatarStaaten des Atlantik
•
Paktes zu unterstuetzen, denn wir sind davon ueberzeugt, dass
Westeuropa nur mit diesen Mitteln wiederaufgebaut werden kann,
und dass nur unter diesen Voraussetzungen4in Europa das bestehen
kann, was wir unter Demokratie und Freiheit verstehen."

- 11 -

�Die Gewerkschaften versprachen ausserdem, sich fuer die
Einberufung einer Konferenz aller amerikanischer Transportarbeitergewerkschaften in Verbindung mit dem Internationalen
Transportarbeiterverband einzusetzen, auf der die notwendigen
Massnahmen formuliert werden sollen, die eingeleitet werden
muessen, um der zerstoerenden und umstuerzlerischen Taetlgkeit
der Kommunisten in der TransportIndustrie Europas und anderswo
zu begegnen."
Unterzeichnet wurde die EntSchliessung von den Praesidenten
der Internationalen Seefahrergewerkschaft, der Gewerkschaft der
Schlffskapitaene, Steuerleute und Lotsen, der Gewerkschaft der
Heizer, der Gewerkschaft der Funker, der Nationalen Seeleutegewerkschaft, des Verbandes fuer das Maschinenpersonal und des
Amerikanischen Rundfunkverbandes.
Omer Becu aus Antwerpen, der Oeneralsekretaer des Internationalen Transportarbeiter Verbandes, erklaerte vor der Konferenz,
dass "die europaelschen Arbeiter auf Schiffen und in Haefen davon
unterrichtet werden muessten, dass die amerikanischen Seetransportarbeiter den Mars hall Plan, die Marshall Plan Verwaltung und
den Atlantik Pakt unterstuetzen."
Becu berichtete, dass die Kommunisten auf Konferenzen europaelscher Seeleute EntSchliessungen gegen das Entladen von amerikanischen Waffenlieferungen mit Arbeltern, die nicht zur See
fahren, vollgepropft haetten.
"Diese kommunistischen Eindringlinge bringen diese erzwungene
EntSchliessung dann in anderen Haefen in Umlauf und versuchen,
nichtsahnende Gewerkschaften zu veranlassen, dieselben anzunehmen,'1
erklaerte Becu. "Aber das glueckt ihnen nicht immer. Kuerzlich
stimmte sogar eine kommunistisch beherrschte Lokalgewerkschaft von
Seeleuten gegen eine solche Resolution."
ESA Labor Information
4. April 1950
- 12 -

Office of Labor A f f a i r s , HXCOG
APO 757

OFPICIAL

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der. amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommisaion für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 11

Frankfurt, 19. Mai 1950I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Europas einzige Hoffnung
-- 1
Lokale Vereinigung zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit - 2
AFL fordert Gleichberechtigung Westdeutschlande - - - - - U
ILO Direktor fuer gesteigerte Produktivitaet und Vollbeschaeftigung
5
Gewerkschaften Amerikas loben den Marshall Plan
6
Amerikanische Gewerkschaften in Griechenland
---- 7
Sekretaer der Sozialistischen Internationale fuer den
Atlantik Pakt
9
»Marshall" Fahrrad
10
Gewerkschaftliche Untersuchung
H
Gewerkschaftstagung der Arbeiter im oeffentlichen Dienst 11
Neue Arbeiterwohnungen in Italien
-11

EUROPAS EINZIGE HOFFNUNG
Von Arnold Beichman, dem New Torker Korrespondenten des "AFL News Service."
(New York)—Die Parolen der demokratischen Gewerkschaftler Europas, deren
Land von dem sowjetischen Kommunismus ueberrannt wurde, sind:
Langsam arbeiten.
Den Mut nicht verlieren.
Das erste bedeutet: arbeite, produziere und ernte so wenig und so langsam
wie moeglich. Das zweite besagt, dass die Hoffnung besteht, dasa die Laender
hinter dem Eisernen Vorhang eines Tages von der Sowjetdiktatur befreit werden.
Bis dahin - den Mut nicht verlieren.
Diese Parolen stammen von einer Gruppe von Gewerkschaftlern, die sich in
Paris unter dem Namen "Freie Gewerkschaftszentrale im Exil" zusammengeschlossen
haben. Diese Vereinigung setzt sich aus anerkannten Vertretern der Gewerkschaftsbewegungen in Bulgarien, Rumaenien, Jugoslawien, Litauen, Estland, Tschechoslowakei, Ungarn und Polen zusammen.
Es sind Maenner, die den Totalitarismus faschistischer Praegung in ihren
Laendern ueberall bekaempften, wo und wann er sich zeigte; heute gilt ihr Kampf
der kommunistischen Beherrschung.

- 1-

�Sasha Volman, der jugendliche Sekretaer der Freien Gewerkschaftszentrale im
Exil haelt sich zur Zeit in Amerika auf, um mit Funktionaeren der AFL zu konferieren und Hilfe fuer seine Organisation zu erbitten. Als gebuertige.r Rumaene verbrachte Volman einige Jahre in sowjetischen Zwangsarbeitslagern; es gelang ihm zu
entkommen, und er versucht nun mit seinen Kameraden, die unvermeidliche Zerschlagung des Eisernen Vorhangs vorzubereiten.
Die Freie Gewerkschaftszentrale ist an zwei Fronten taetig - ausserhalb und
innerhalb des Eisernen Vorhangs. Ihre Sachverstaendigen arbeiten Berichte ueber
die Arbeitsbedingungen in den sowjetisch beherrschten Laendern aus. Diesen Berichten liegen Informationen zugrunde, die auf illegalem Wege in den Besitz der Gewerkschaft gelangen. Sie werden Personen zur Verfuegung gestellt, die an dem
Propagandakrieg gegen den sowjetischen Imperialismus beteiligt sind.
Ausserdem unterstuetzt die Gewerkschaftszentrale eine Untergrundbewegung
innerhalb der von den Sowjets beherrschten Gebiete. Es ist keine Bewegung, die
Gewalt- und Sabotageakte veruebt, denn die Sowjets wuerden darauf mit blutigen
Repressalien antworten, und gute Menschen wuerden geopfert, was, wie Volman sagt,
"im Augenblick nutzlos waere."
"Unsere Hauptaufgabe," erklaerte er, "besteht darin, das Vertrauen und die
Moral unserer Mitglieder hochzuhalten. Sie duerfen die Ueberzeugung nicht verlieren, dass die demokratischen Kraefte auf der Welt noch am Leben sind.
"Wohl hat die Sowjetunion diese Gebiete besetzt, aber sie hat sie noch nicht
fuer sich gewonnen. Sie konnte noch nicht den moralischen Widerstand dieser
Gebiete brechen.
"Die Kommunisten sprechen nur von ihren Siegen und betonen fortwaehrend, dass
sie die Gewerkschaftsbewegungen der ganzen Welt beherrschten. Sie sprechen von dem
unvermeidlichen Zusararoenstoss mit dem Westen, und dass vom Ausland nichts zu erwarten sei.
"Wir versuchen, dieser kommunistischen Propaganda durch Schriften entgegenzuwirken, die wir in unseren Heimatlaendern in Umlauf bringen. Wir versuchen,
' durch Rundfunksendungen mit den Volksmassen in Verbindung zu treten, um nicht
das Leben der Arbeiter in der Untergrundbewegung gefaehrden zu muessen.
"Die Gewerkschaften sind die einzige Hoffnung in Mitteleuropa.- Es ist die
einzige, noch verbliebene, dynamische Macht, und wir sind der AFL und besonders
Jay Lovestone und Irving Brown fuer ihre Mitarbeit und Unterstuetzung bei der
Gruendung der Zentrale in Paris aeusserst dankbar."
In ihrer antikommunistischen Propaganda schildert diese Gewerkschaftszentrale
u.a., wie die Sowjets ihre Vasallenstaaten ausbeuten und die in diesen Laendern
herausgeschlagenen Gewinne der Sowjetunion zufliessen lassen. Sie entlarvt den
sowjetischen Kommunismus als einen ideologischen Verrat am klassischen Marxismus.
Diese Art ideologischer Polemik mag amerikanischen Gewerkschaftlern seltsam erscheinen, in Europa jedoch, wo die marxistische Theorie fuer viele aus der Gewerkschaftsbewegung eine Glaubenslehre darstellt, ist sie von lebenswichtiger Bedeutung.
Die Zentrale veroeffentlicht ausserdem Schriften, in denen beschrieben wird,
was es fuer die Arbeiter heisst, unter dem Kommunismus leben zu muessen.
Weekly News Service der AFL
25. April 1950
LOKALE VEREINIGUNG ZUR 3EKASMPFUNG DE:i ARBEITSLOSIGKEIT
Der Amerikanische Gewerkschaftsbund, AFL, der mehr als 7 Millionen Mitglieder
vertritt, setzt sich in zunehmendem Masse fuer die Bildung sogenannter Lokalausschuesse fuer Vollbeschaeftigung ein, die die Arbeitslosigkeit bekaempfen sollen.

- 2 -

�Diese Ausschuesse haben bereits Tausende von Arbeitsplaetzen gefunden und damit
bewiesen, dass durchgreifende Massnahmen auf lokaler Basis zur Loesung des Arbeitslosenproblems beitragen koennen.
Im Monatsbericht der AFL wurden unlaengst die von diesen Ausschuessen erzielten Erfolge zusammengestellt. Die Forderung wurde erhoben, 2 Millionen neue
Beschaeftigungsmoeglichkeiten schaffen zu helfen. Nachstehend sind einige Beispiele wiedergegeben, von denen in einer neueren Ausgabe des AFL Nachrichtenblattes "AFL News Service" berichtet wurde:
In einer amerikanischen Stadt des mittleren Nordens werden drei neue Fabriken in Kuerze den Betrieb aufnehmen. Die Mitglieder des Ausschusses interessierten zwei Firmen aus einer benachbarten Stadt am Kauf von zwei stilliegenden
Ruestungsbetrieben, die ihre Produktion nun umstellen und 400 Arbeiter beschaeftigen werden; ein anderer Unternehmer wird eine chemische Fabrik uebernehmen und
100 Arbeiter einstellen. Mit diesen 500 neuen Arbeitsplaetzen wird ein Fuenftel
saemtlicher Arbeitslosen der Stadt beschaeftigt werden koennen - ein guter
Anfang.
In einer Stadt des Suedens hat man ein Verfahren zur Verarbeitung von Schiefer zu leichten Bausteinen erfunden. Ein Werk wird errichtet, in dem dieser
neue Baustoff hergestellt werden wird.
In einer Stadt des Ostens haben sich die Mitglieder des Ausschusses mit
einer Gummigesellschaft in Verbindung gesetzt, die ihre Fabrik schliessen wollte;
man fand gemeinsam einen Weg, das Werk in Betrieb zu halten, und stellt nun
Werkstoff her.
In einer anderen kleinen Stadt wurde im April 1949 eine Massenkundgebung abgehalten, auf der fuer den Bau eines Fabrikgebaeudes gesammelt wurde, um neue
Arbeitsplaetze zu schaffen. Diese Sammlung ergab einen Betrag von 40.000 Dollar.
Eine Schuhfabrik, die sich vergroessern wollte, war bereit, weitere 20.000
Dollar zu investieren. Man bot ihr ein Gebaeude an, das fuer die Zwecke geeignet war. Daraufhin setzten sich Gewerkschaften und andere Organisationen ein
und erhoehten den Betrag auf 100.000 Dollar. Die Fabrik wurde dann eingerichtet.
Im Februar dieses Jahres nahm sie den Betrieb auf. 400 Arbeiter konnten eingestellt werden, und die neuen Loehne, die der Gemeinde jetzt zufHessen, belaufen
sich auf jaehrlich 1 Million Dollar.
In einer noerdlichen Gegend, wo grosse Arbeitslosigkeit herrschte, schlössen
sich 10 kleinere Unternehmen zusammen und bildeten eine Vertriebsvereinigung; sie
stellten einen Verkaeufer ein, der nun neue Abnehmer wirbt und Auftraege hereinbringt. Keines dieser Unternehmen haette diesen Kostenaufwand allein uebernehmen
koennen.
In einer anderen Stadt benoetigte ein Mann, der die Absicht hatte, ein
kleines Unternehmen zu starten, ein Kapital von 10.000 Dollar, die er von der
lokalen Bank Jedoch nicht erhalten konnte. Durch Subskriptionen von Buergern,
die gewillt waren, in ein gesundes Geschaeftsvorhaben Geld zu investieren, das
die erforderlichen Arbeitsplaetze schaffen konnte, brachte der Vollbeschaeftigungsausschuss die 10.000 Dollar zusammen. Er wurde dabei von den Gewerkschaften unterstuetzt.
Einem anderen Ausschuss gelang es, eine Korbfabrik einzurichten, in der die
ortsansaessigen Arbeiter aus dem in dieser Gegend vorhandenen Holz Koerbe fuer
die Obstzuechter zu niedrigen Preisen herstellen.
In einer Stadt des Ostens ist ein Mitglied der lokalen Zimmermannsgewerkschaft in leitender Stellung des Vollbeschaeftigungsausschusses. In der Stadt
wurde Wohnraum fuer die Familie der niedrigen Einkommensstufen benoetigt; viele
Arbeiter waren erwerbslos. Dieser Gewerkschaftler zog die noetigen Informationen
zur Beschaffung von Krediten ein, die im Wohnungsbaugesetz von 1949 vorgesehen
waren. LTit seinen Kollegen aus dem Ausschuss wurde er persoenlich bei den Behoerden vorstellig, denen die Genehmigung der Kredite oblag, und beschleunigte
den Ablauf der Formalitaeten, bis ein Kredit von 60.000 Dollar zur Verfuegung
gestellt wurde.

- 3-

�Bald werden die Arbeiter mit den Bau neuer, billiger Wohnungen beschaeftigt
sein. Damit hoerte die Arbeit des Gewerkschaftlers jedoch nicht auf. Mit anderen Mitgliedern des Ausschusses arbeitet er an weiteren Projekten zur Verminderung der Arbeitslosigkeit. Sie sind z.B. damit beschaeftigt, die fuer
die Vollendung eines Dammes erforderlichen Gelder zu beschaffen, der eine in
der Naehe liegende Papiermuehle mit Wasser versorgen und ihr es damit ermoeglicben wird, noch mehrere hundert Arbeiter einzustellen.
Auch anderen Ausschuessen gelang es, die Durchfuehrung staatlicher und
lokaler Projekte zu erwirken. Auf diese Weise wurden Strassen gebaut, ein Kanalisier ungssystem erweitert, Schulen und Krankenhaeuser errichtet, den oeffentlichen Schulen mehr Lehrpersonal zur Verfuegung gestellt, das Postwesen und andere
oeffentliche Dienste durch Zurverfügungstellung der benoetigten Arbeitskraefte
verbessert.
In einem Staat des Westens gab der staatliche Ausschuss in mehreren Gegenden "wirtschaftliche Vorlesungen", um die Initiative der Bewohner anzuregen.
Lokale Komitees wurden gebildet, die die Arbeiterschaft und andere Gruppen vertreten. U.a. waren in den verschiedenen Gebieten folgende Erfolge zu verzeichnen: In einer Stadt wird ein Wohnungsbauprojekt im Gesamtwerte von 250.000
Dollar durchgefuehrt. Ein Flugzemgverkehr zwischen mehreren Staedten wird aufgenommen und ein neuer Flughafen gebaut werden. In einer anderen Stadt wird eine
neue Wochenzeit .ng herausgegeben. In einem Staate war fuer Lastkraftwagen eine
Transportsteuer von 250 Dollar erhoben wordenj diese Steuer wurde reduziert,
denn sie verhinderte, dass Lastkraftwagen aus benachbarten Staaten zum Abtransport der Fruechte kamen, die in diesem Staat zum Verkauf angeboten werden; der
Aufschwung, den das Transportwesen durch die Verminderung dieser Steuer genommen
hat, hat das Geschaeft vergroessert und damit vielen Staedten geholfen. Alle
diese Projekte schaffen Beschaeftigungsmoeglichkeiten.
ECA Labor Information
19. April 1950
AFL FORDERT GLEICHBERECHTIGUNG WESTDEUTSCHLANDS
Philadelphia, 12. Mai—In einer gestrigen Verlautbarung der AFL hiess es,
die Vereinigten Staaten sollten den Kriegszustand des Zweiten Weltkrieges beenden und Deutschland in die Gemeinschaft der freien Nationen aufnehmen.
Dies sei noetig, erklaerte der Exekutivrat des Gewerkschaftsbundes, um die
kommunistischen Versuche, Westdeutschland zu erobern, endgueltig zu zerschlagen.
Die russische Aggression wurde als eine schreckliche Bedrohung des Weltfriedens bezeichnet, der man sofort begegnen muesse, wenn die Menschheit nicht in
einen dritten Weltkrieg gestuerzt werden sollte.
Praesident William Green erklaerte, die Empfehlungen der AFL zur Deutschlandfrage seien auf eine "fundamentale Revision der Politik Westdeutschland gegenueber1*
gerichtet.
Die westdeutsche Republik, sagte Green, muesste als souveraener Staat anerkannt werden. Es gaebe keinen anderen Weg, um dem deutschen Volk das Gefuehl der
Solidaritaet mit den westlichen Demokratien zu geben. Hur so sei gewaehrleistet,
dass es alle russischen Machenschaften und Methoden kategorisch abweist, die aus
ihrem Lande einen sogenannten neutralen oder einfach einen weiteren Satelliten
der rassischen Gewaltherrschaft machen sollen.
Ausserdem rief Green die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten dazu auf,
das gegenwaertige Besatzungsstatut fuer Deutschland durch einen Friedensvertrag
zu ersetzen, nach deia Westberlin dem westdeutschen Staat angegliedert werden solle.

- 4 -

�Die US Streitkraefte muessten in Deutschland gehalten werden, sagte Green,
um dem deutschen Volk in seinem Kampf gegen die russische Aggression und die
kommunistischen. Quislingversuche zur Beeintraechtigung seiner Souveraenitaet
beistehen zu koennen.
Die Gewerkschaft brachte ferner zum Ausdruck, dass sie. die Methode der
Alliierten Hohen Kommission verwerfe, die Bonner Verfassung ab und zu ihrem
Vetorecht zu unterwerfen.
"Alle 3e8chraenkungen der Wirtschaftstaetigkeit wie Stahlproduktion und
Schiffsbau muessten aufgehoben werden", sagte Green. Eine solche Politik einzuschlagen, sei umso ratsamer, als die Arbeitslosigkeit in Westdeutschland zu
einem dringenden Problem geworden sei.

ILO DIREKTOR FUER GESTEIGERTE PRODUKTIVITAET UND VOLLBESCHAEFTIGUNG
David A. Morse, der Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes ILO,
schlug ein Weltprogramra zur Hebung des Lebensstandards und Sicherstellung der
Vollbeschaeftigung vor, um auf diese Weise die Gefahr eines neuen Krieges zu
bannen. Erhoehte Produktionsleistung und die gerechte Verteilung der aus der
groesseren Produktion entstehenden Gewinne bilden die Grundlage des Vorschlags
von Morse.
Morse hat die Vertreter der Arbeiter, Unternehmer und Regierungen von 60
Laendern eingeladen, um seinen Vorschlag auf der 33. Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes zu besprechen, die am 7. Juni im Palais der Nationen in
Genf eroeffnet werden wird.
Er erklaerte, dass Armut und Elend in den aermeren Nationen der Welt nur
durch erhoehte Produktionsleistung beseitigt werden koennten. Vollbeschaeftigung sei fuer die HoechstProduktion unerlaesslich; er rief die Fuehrer aller
Nationen auf, dafuer zu sorgen, dass mit den technologischen Veraenderungen die
Bemuehungen zur gerechten Verteilung der Gewinne Hand in Hand gingen.
"Vollbeschaeftigung," sagte er, "und vor allem die Aussicht auf Fortdauer
dieser Vollbeschaeftigung foerdern die Steigerung der Produktionsleistung. Sie
schliesst erstens Verluste durch unerwuenschte Arbeitslosigkeit aus. Die dauernde Vollbeschaeftigung ermoeglicht zweitens eine relativ gleichmaessige Produktion dadurch, dass es keine periodischen Fluktuationen der Nachfrage mehr gibt.
Drittens wurden in der Vergangenheit die Arbeiter aus Furcht vor der Arbeitslosigkeit staendig veranlasst, technischen Neuerungen gegenueber eine ablehnende
Haltung einzunehmen. Auch die Produktionsbeschraenkungen sind auf diese Ursache
zurueckzuf uehren
"
Morse forderte ausserdem zur Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und
Unternehmern auf, wenn es gelte, irgendwelche technischen Veraenderungen vorzunehmen.
"Die gemeinsame Entschlossenheit, die Produktionsleistung zu steigern, kann
nur bestehen, wenn Unternehmer und Arbeiter vollstes gegenseitiges Verstaendnis
zeigen," sagte er. "Und dieses Ziel kann nur durch engste Zusammenarbeit der
beiden Partner erreicht werden."
Morse schlug vor, dass sich die Delegierten der ILO Konferenz unter anderem
mit den folgenden Fragen befassen die mit der Erhoehung der Loehne und der Produktionsleistung im Zusammenhang stehen:
1. Aus- und Einwanderung. ".... die Welt wird sich in Zukunft mit gesteigerter Aufmerksamkeit diesem Problem zuzuwenden haben.... auch den Möglichkeiten
der Auswanderung auf breiter Basis aus den asiatischen Laendern, die jetzt infolge der geringen Nachfrage nach ungelernten Arbeitskraeften in anderen Laendern
und infolge der Schwierigkeit, eine grosse Zahl von Einwanderern einer fremden
Kultur anzupassen, sehr gering sind. In Laendern wie Italien und Holland bestehen eher Auswanderungsmoeglichkeiten, und zwar wahrscheinlich nach den

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�Laendern Latein-Amerikas."
2. Auslaendische Investitionen. "Eine Kapitalverlagerung auf internationaler Ebene kann bis zu einem gewissen Grad internationale Verschiebungen der
Bevoelkerung ersetzen.... Es scheint wahrscheinlich, dass ein grosser Teil der
aermsten Gebiete der Welt fuer laengere Zeit zur Armut verurteilt sein wird,
wenn nicht im Ausland grosse Kapitalsummen fuer sie aufgebracht werden koennen."
3. Berufliche Lenkung. "Erfahrungen haben nachweislich gezeigt, dass die
berufliche Auswahl der Arbeiter die Produktionsleistung um 10 bis ueber 40j£
steigern kann."
4. Schichtarbeit. "Wo es keine Nachtarbeit gibt, kann eine Einteilung in
zwei Schichten von je 8 oder eventuell 7 Stunden zur Steigerung der Produktionsleistung beitragen."
5. Handelsschranken. "Ein freierer Handel zwischen den verschiedenen
Laendern Europas wuerde den europaeischen Produzenten groessere Absatzmaerkte
erschliessen, die Spezialisierung foerdern und der Leistungssteigerung dienlich
sein."
6. Gesundheitliche und allgemeine Erziehung. "Die Leistungsfaehigkeit der
Arbeiter wird oft durch niedrigen Gesundheits- und ErnaehrungsStandard und durch
den Mangel an allgemeiner Ausbildung und technischer Schulung beeintraechtigt."
Morse schlug ausserdem vor, dass die Statistiker des Internationalen Arbeitsamtes Untersuchungen auf weltweiter Basis ueber Methoden anstellen, die die sofortige Verbreitung von verbesserten Methoden der Produktion und Betriebsleitung
foerdern sollen. Aber auch dabei duerfe die Wohlfahrt des einzelnen Arbeiters
nie ausser Acht gelassen werden.
"Wenn die wirtschaftliche Wohlfahrt erfordert, dass man Veraenderungen der
Produktions- und Betriebsleitungsmethoden akzeptiert, die der Produktivitaetssteigerung dienen, dann erfordert sie auch, dass derartige Neuerungen auf eine
solche Weise eingefuehrt werden, dass dem Einzelnen moeglichst wenig Nachteile
daraus entstehen. Auch diese Frage sollte Gegenstand einer eingehenden Studie
bilden."
ECA Labor Information
24. April 1950
GEWERKSCHAFTEN AMERIKAS LOBEN DEN MAUSHALL PLAN
In einer Feierstunde anlaesslich der iäarshall Plan V/ende brachten amerikanische Gewerkschaftler kuerzlich erneut zum Ausdruck, dass sie hinter dem i^arshall Plan stehen.
William Green, der Praesident des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL,
der CIO Praesident Philip Murray, der Sekretaer der Eisenbahnergewerkschaft
E. Lyon und zahlreiche andere politische Fuehrer richteten Glückwunschtelegramme an ECA Administrator Paul Hoffraan, in denen sie von der guten Arbeit
sprachen, die bisher geleistet worden sei. Die drei Gewerkschaftsverbaende vertreten ueber mehr als 15 Millionen amerikanischer Arbeiter.
Alle drei Gewerkschaftsführer hoben die grossen Fortschritte hervor, die
die Arbeiter Europas mit Hilfe des *arshall Planes erzielten und noch erzielen
werden.
Greens Telegramm hatte u.a. folgenden Wortlaut: "Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL ist auf Eure Erfolge stolz und gluecklich, dass es ihm vergoennt
war, mit Euch an dem grossen Wohltaetigkeitswerk zusammenzuarbeiten, das sich
unser Land selbst zur Aufgabe gemacht hat. Grosse wirtschaftliche und politische
Siege sind in Europa errungen worden. Und uns amerikanischen Gewerkschaftlern

-6 -

�ist es eine besondere Genugtuung, dass dieses neue Gefuehl des Wohlergehens
und der Hoffnung im Ausland eine für die Errichtung einer neuen und demokratischen internationalen Gewerkschaftsorganisation guenstige Ataosphaere geschaffen hat."
Murray sagte: "Wir standen hinter dem Marshall Plan, als er begann, und
wir stehen auch jetzt noch hinter ihm. In dieser kurzen Zeit seines Bestehens
hat die ECA viel geleistet, und wir sind ueberzeugt, dass die Fortschritte der
kommenden zwei Jahre hinter denen der ersten beiden Jahr« nicht zurueckstehen
werden."
Lyon hob besonders die Erfolge hervor, die im Hinblick auf ein freies
Europa erzielt worden seien. Er sagte: "Der Exekutivrat der Eisenbahngewerkschaften hat kuerzlich erklaert, dass Demokratie und Freiheit in den Marshall
Plan Laendern gute Fortschritte gemacht haben. Nach unserer Ansicht ist dies
die wertvollste Hilfe, die den Beamten der ECA und allen anderen Funktionaeren
in ihren Bemuehungen zuteil werden kann. Die organisierten Elsenbahner Amerikas kaempfen mit Euch um deren Fortbestand."
Als Antwort hierauf sprach sich Administrator Hoffman anerkennend ueber
die wertvolle Unterstuetzung seitens der amerikanischen Gewerkschaftsorganisationen aus und lobte die Arbeit der Gewerkschaftsmitglieder, die ueberall auf
der Welt im "ienste der EC* stehen.
ECA Labor Information
k. April 1950
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN IN GRIECHENLAND
Joseph F. Heath, der ehemalige NationalVertreter der Amerikanischen Gewerkschaft der Regierungsangestellten (AFL), loest viele Arbeitsprobleme in
Griechenland unter Anwendung der Methoden des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL.
Heath, der stellvertretende Direktor der Abteilung fuer Arbeitsangelegenheiten im Amte der ECA Mission in Griechenland, verhandelt taeglich mit zahlreichen griechischen Gewerkschaftlern.
Mit Entruestüng muss Heath oft feststellen, dass die Arbeitsbedingungen
in Griechenland nur mit den erbaermlichsten zu vergleichen sind, die er in den
Vereinigten Staaten gesehen hatte. Er ist mit den Mitgliedern der GasarbeiterGewerkschaft zu ihren Arbeltsplaetzen gegangen und hat dort Maenner angetroffen,
die barfuss auf der heissen Kohle laufen und uralte Kohlenkarren schieben. In
einem Memorandum an die Beamten der ECA Mission hat er sofort von diesen Zustaenden berichtet. Wenn es Heath gelingt, diesen Arbeitern durch einen hoeheren Lohn oder durch eine Sondervereinbarung mit den Unternehmern zu Schuhen zu
verhelfen, dann hat er ein sehr wesentliches Problem geloest.
Ein Bildreporter eines international bekannten, in Amerika gedruckten
Magazins kam .inmal nach Athen und wollte einige gute Farbaufnahmen machen.
"Wenn Sie mit mir kommen wollten, wuerde ich Ihnen einige Farben zeigen," sagte
Heath. "Drunten in der chemischen Fabrik sind barfuessige Arbeiter mit roten
und gruenen Wunden an ihren Beinen. Eine Menge von Farbenl" Der Reporter
erklaerte jedoch, dass sein Magazin keine unfeinen Bilder wuensche - nur Anmut
und Licht, das blaue Aegaeische Meer und die glaenzende, helle Seite des griechischen Lebens. Solange es keine farbige Gewerkschaftszeitung gaebe, koenne
man derartige Bilder nicht sehen,
Heath hat zusammen mit Direktor D. Alan Strachan schon viel fuer die griechischen Arbeiter geleistet, die wirtschaftlich schwer zu kaempfen haben. So
weigerte sich zum Beispiel die Eisenbahngesellschaft Athen-Piraeus-Peloponnes,
ihren Vertrag, den sie muendlich mit den Arbeitern fuer ein "schnelleres

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�Schwellenverlegen" abgeschlossen hatte, einzuhalten. Den Arbeitern war fuer
eine Beschleunigung der Arbeit ein Bonus versprochen worden, und sie legten
doppelt so viel Schwellen wie vorher. Die Gesellschaft zahlte Jedoch nicht,
was sie versprochen hatte. Sie schlug der ECA Mission vor, ihr weitere Geldmittel zur Vollendung eines anderen Auftrages zur Verfuegung zu stellenj nur
so koenne sie den versprochenen Bonus zahlen. Dieser Vorfall wurde den ECA •
Missionschefs gemeldet, die sich sofort bereit erklaerten, einzugreifen. Der
Vertreter der Eisenbahngesellschaft wurde gerufen, und man teilte ihm mit,
dass keine finanzielle Hilfe mehr gewaehrt wuerde, bevor der Bonus nicht gezahlt sei. Nach langem Argumentieren wurde die Gesellschaft schliesslich einsichtig, und die Schwellenleger bekamen ihren Bonus.
Und die Gesellschaft wurde gezwungen, diesen Bonus nur den Arbeitern zukommen zu lassen und ihn nicht, wie es in einigen griechischen Industrien von
jeher ueblich ist, an die Doktoren, Buero- und sonstigen Angestellten zu verteilen.
Heath -sprach als "Gewerkschaftskollege" am 1. Mai, dem europaeischen Feiertag der Arbeit, vor dem Allgemeinen, Griechischen Gewerkschaftsbund und uebermittelte die freundschaftlichen Gruesse des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL und der gesamten amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Danach ergriff er
auf einer Massenkundgebung der griechischen Beamtengewerkschaft das './ort, eine
Organisation, die 75.000 Mitglieder umfasst. Er hatte sich schon frueher oft
mit den Ausschuessen dieser Gewerkschaft beraten und kannte ihre Probleme.
Ausserdem hat er volles Verstaendnis fuer die griechischen Beamten, da er selbst
seit 1932 im Dienste der amerikanischen I-tegierung steht.
Nicht immer konnte Heath die Forderungen der griechischen Beamten billigen,
denn er ist auch der Vertreter der amerikanischen Steuerzahler. Trotzdem gelang
es unter der Leitung des Direktors Strachan und der ECA Mission, die Gewerkschaft
fuer gewisse Einsparungen zu gewinnen und ihre Mitarbeit zu sichern. In griechischen Zeitungen spricht man mit Anerkennung von der Beamtengewerkschaft, die
die Vereinfachung der Regierungsgeschaefte, die Beseitigung der politischen
Bevorzugungspolitik und absurder Sondervereinbarungen vorscnlaegt.
Als die Gasarbeiter trotz ihrer verheerenden Arbeitsbedingungen um eine
Lohnerhoehung um 30$ und eine Steigerung des Gastarifs um $0% baten, war Heath
entruestet. Er bewies an Hand statistischer Unterlagen, dass in einer frueheren
Verhandlung die Gastarife um 70% erhoeht worden waren, und warf der Gewerkschaft vor, ein Unternehmerverband zu sein. Das bestritten die Arbeiter natuerlich und gingen schleunigst daran, ihre eigenen Forderungen zu formulieren, ohne
sich um die Gesellschaft zu kuemtaern.
Heath war Praesident der Lokalgewerkschaft 98 B in Philadelphia des Internationalen Verbandes der Elektroarbeiter (International Brotherhood of Electrical
Vforkers), ausserdem Sekretaer der Vereinigten Metallarbeiterverbaende in Philadelphia und Sekretaer der Vereinigten Metallarbeiterverbaende der Ostkueste.
Im Jahre 1932 trat er in die Gewerkschaft der Kegierungsangestellten ein und
leitete waehrend des zweiten Weltkrieges die Operationen in den Schiffswerften
der Ostkueste. Vorher hatte er auf Anweisung des Praesidenten L'illiam Green
an der Operation "Dixie" (Aktion in den Suedstaaten zur Organisierung der Arbeiter in Gewerkschaften; teilgenommen und bereiste als Generalkoordinator den
Sueden. Vor seiner Beorderung nach Athen war Heath nationaler Vizepraesident
der Gewerkschaft der Regierungsangestellten und NationalVertreter der gleichen
AFL Organisation.
Seine Arbeit in Griechenland steht im Dienste der positiven Demokratie
und des Kampfes gegen die Ausbreitung des Kommunismus. Er setzt sich fuer
bessere Lebensbedingungen des griechischen Arbeiters ein.

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�SEKRETAER PSA SOZIALISTISCHEN INTERNATIONALE FUER DEN ATLANTIK PAKT
Julius Braunthal, der neugewaehlte Sekretaer der Comisco, der demokratisch,
sozialistischen Internationale, erklaerte, die europaeischen Sozialisten seien
durch die Tyrannei des Stalin Regimes gezwungen worden eine antisowjetische
Haltung einzunehmen.
In der Veroeffentlichung "New Leader", dem offiziellen Organ der sozialistischen Internationale, bezeichnet Braunthal den Atlantik Pakt als den einzigen Weg, der den friedliebenden Sozialisten zur Verteidigung der demokratischen
Traditionen noch offenstuende.
"Den Sozialisten Westeuropas bleibt keine andere Moeglichkeit, als der
russischen Expansion Widerstand entgegenzusetzen," schrieb Braunthal. "Sie
gebraucht«» die Waffe der intellektuellen Debatte, solange dies moeglich war;
sie bedienen sich sozialistischer Waffen, solange die Freiheit sozialistischer
Taetigkeit nicht in Gefahr ist. Sie werden jedoch zu den Waffen der Gewalt
greifen, wenn sie durch eine bewaffnete Aggression bedroht werden."
Braunthal sagte, dass die Sozialisten Westeuropas durch ihre bejahende
Einstellung zum Atlantik Pakt bekundet haetten, dass sie sich im Kriegsfalle
nicht mehr wie einst mit Russland solidarisch erklaeren, sondern gegen Russland auf der Seite der Vereinigten Staaten kaempfen wuerden.
Indem Braunthal an die vielen Jahre erinnerte, in denen die Sozialisten
Russland in der Hoffnung unterstuetzten, dass dieses Land eines Tages mit dem
Ausland im Einvernehmen leben und sich nach demokratischen Grundsaetzen entwickeln moege, bezeichnete er die Tschechoslowakei und Jugoslawien als Beispiele, die auch die letzten Illusionen beseitigt haetten.
"Die Tschechoslowakei ist im Gegensatz zu Ungarn, Rumaenien oder sogar
Polen kein "rueckstaendiges Land," sondern ein hochentwickelter Industriestaat mit einer alten, hervorragenden Zivilisation und tief verwurzelter demokratischer Tradition. Die Tschechoslowakei bedrohte in keiner Weise die russische Sicherheit. Dieses Land war bereits vor dem kommunistischen Putsch im
Februar 1948 eine demokratische Republik. Die tschechoslowakische Republik
blieb jedoch ein souveraener Staat.... Als die Tschechoslowakei eingeladen
wurde, am Marshall Plan teilzunehmen, beschloss die Regierung - mit der Zustimmung der Kommunisten in der Koalition - dieses Angebot zu akzeptieren. Moskau lehnte jedoch den Marshall Plan ab und zwang die Prager Regierung, ihren
eigenen Entschluss zu widerrufen
Die Tschechoslowakei ist heute, so wie
die sowjetische Ukraine, eine russische Provinz."
Braunthal erklaerte, auch der Fall Jugoslawien stelle Russlands imperialistischen und nicht sozialistischen Charakter unter Beweis.
"In seiner politischen Organisation, seiner wirtschaftlichen Struktur und
seiner Ideologie ist Jugoslawien ein voellig kommunistischer Staat
Die
jugoslawische Regierung meinte jedoch faelschlicherweise, sie sei eine Regierung
eines souveraenen Staates und nicht eine Behoerde oder Satrapie Moskaus...
Dieses Misswrstaendnis wurde jedoch bald richtig gestellt. Da sich die jugoslawische Regierung Moskau widersetzte, wird sie nun von Rüssland und seinen
Satelliten als eine "faschistische," feindliche Macht behandelt. Eine wirtschaftliche Blockade wurde gegen sie verhaengt; ja man droht ihr sogar mit Invasion und Krieg."
"Diese Erfahrung," schloss Braunthal, "haben die ueberwiegende Mehrheit
der westeuropaeischen Sozialisten davon ueberzeugt, dass es Russlands Ziel ist,
die Voelker Europas der diktatorischen Gewalt einer Nation zu unterwerfen. Der
Atlantik Pakt stellt die unausbleibliche Folge dieser Entwicklung dar."
Arbeitsmitteilungen der ECA
6. April 1950

-9-

�"MARSHALL" FAHRRAD
Ein daenischer Fahrradfabrikant hat seinem neuesten Fahrradmodell den
Namen "Marshall" gegeben - als eine Danksagung an den Marshall Plan, durch
den es moeglich war, die Fahrradproduktion der Fabrik aufrecht zu halten und
100 in dieser Branche beschaeftigten Arbeitern ihren Arbeitsplatz zu erhalten.
Im Jahre 1948 war die Fabrik im Begriff, ihren Betrieb einzustellen. Es
war unmoeglich, Kugellager von irgendeiner daenischen Quelle zu beziehen.
Hundert in der Fahrradherstellung beschaeftigten Arbeitern drohte Arbeitslosigkeit. Normalerweise hatten sie 30.000 Fahrraeder im Jahr hergestellt fast ein Siebtel der gesamten daenischen Produktion.
Da erfuhr Lauritz Hansen, der Direktor der Hede Nielsens Werke, dass er
durch den Marshall Plan diese Kugellager von amerikanischen Herstellern kaufen
koennte.
Die Gesellschaft kaufte 1.100.000 Kugellager, die ausreichten, um mehr
als 20.000 Fahrraeder herzustellen und ihre Fahrradabteilung fuer fast 1 Jahr
in Betrieb zu halten. Die Arbeiter dieser Abteilung konnten weiterhin beschaeftigt werden.
Eines der ersten Fahrraeder, die von der Firma herausgebracht wurden,
trug ein besonderes rot-weiss-und-blaues Abzeichen mit dem Sternenbanner. Es
war das "Marshall" Fahrrad. Das Reklameplakat der Gesellschaft zu diesem
Fahrrad traegt die Aufschrift: "Startet Euren eigenen Marshall Plan - kauft
ein Marshall Fahrrad.'*
"Verglichen mit den 150 Millionen, die im Rahmen des Marshall Planes
fuer Daenemark bis jetzt bewilligt wurden," erklaerte Hansen in bezug auf
den Geldbetrag, der ihm zur Verfuegung gestellt wurd», "mag dies nicht als
grosse Summe erscheinen." Sie stellt jedoch einen aeusserst lebenswichtigen
Faktor im Leben unserer Arbeiter und unserer Fabrik dar. Ihre Arbeitsplaetze
und unser guter Ruf, den wir als Fahrradhersteller geniessen, standen auf dem
Spiel.
"Gerade unser Problem, das durch den Marshall Plan geloest werden konnte,
scheint mir ein gutes Beispiel fuer die verstaendige Verwendung der im Rahmen
des Marshall Planes zur Verfuegung gestellten, amerikanischen Dollar zu sein.
Unser Unternehmen hat sich deshalb entschlossen, seinem neuesten Fahrrad den
Namen "Marshall" zu geben, um damit unsere Anerkennung zum Ausdruck zu bringen, die wir der internationalen Zusammenarbeit, wie sie im Marshall Plan
symbolisiert ist, zollen."
Das "Marshall" Fahrrad hat spaeter eine weite Reise angetreten, so weit,
wie Hansen es sich niemals haette traeumen lassen.
Als die Sache mit dem "Marshall" Fahrrad Beamten der ECA zu Ohren kam,
luden sie Hansen zu einer Reise durch die Vereinigten Staaten ein. Er traf
mit zwei Fahrraedern als Geschenk fuer den Vizepresidenten Alben Barkley und
den ECA Administrator Paul Hoffman dort ein. Man lud ihn ein, diesen beiden
Maennern auf ihrer ersten Fahrt per itad in den Strassen von Washington zuzusehen. Hansen hofft nun, auch Amerikaner fuer das Radfahren begeistern und
vielleicht Fahrraeder von Daenemark nach den Vereinigten Staaten-exportieren
zu koennen.
In Daenemark ist das Fahrrad da3 populaerste Transportmittel. Die etwa
k Millionen iiinwohner Daenemarks besitzen mehr als 2 Millionen Fahrraeder.
Waehrend der Hauptverkehrszeiten morgens und nachmittags sind die Strassen bevoelkert mit Arbeitern, Geschaeftsleuten und Beamten, die per Rad von und zu
ihrer Arbeitsstelle fahren. Bei gutem Wetter kann man selbst Koenig Frederick
und die Koenigin Ingrid auf ihren Raedern sehen, und der daenische Vorbote des
Fruehlings ist ein huebsches Maedchen, das mit wehendem Rock Fahrrad faehrt.
Arbeitsmitteilungen der ECA
9. Mai 1950

- 10 -

�GEWERK3CHAFTLICHE UNTERSUCHUNG
Der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL und der Kongresa der Industrieverbaende CIO, die beiden grossen Gewerkschaftsvereinigungen Amerikas, beteiligen
sich an einer Untersuchung ueber die Moeglichkeiten Amerikas, seine Importe zu
steigern.
Diese Untersuchung, die von zwei privaten Forschungsorganisationen, der
"National Plannini; Association" und der "Twentieth Century Fund," durchgeführt
wird, soll das Verstaendnis des amerikanischen Volkes fuer dieseaProblem foerdern.
Die beiden amerikanischen Gewerkschaftsverbaende erklaerten bereits, dass
sie die Bemuehungen der ECA befuerworteten, die Importe Amerikas an YJaren und
Dienstleistungen zu erhoehen, um Europa und Asien die Moeglichkeit zu geben,
amerikanische Dollars zu verdienen und damit die Dollarluecke zu schlieasen.
Als Gewerkschaftsvertreter werden an der Durchfuehrung der Untersuchung
beteiligt sein: Solomon Barkin, Direktor der Forschungsabteilung der Textilarbeitergewerkschaft (CIO), George P. Delaney, AFL Vertreter fuer internationale
Angelegenheiten, und Michael Ross, Direktor des CIO Referats fuer Internationale
Angelegenheiten.
Diese Untersuchung leiten: E.J. Coil, Direktor der "Planning Association,"
H. Christian Sonne, Vorsitzender des Treuhaenderrates dieser Vereinigung, und
Evans Clark, Direktor des "Twentieth Century Fund."
Arbeitsmitteilungen der ECA
3. Mai 1950
GaaaKSCKAFTSTAGUNG DER ARBEITET! IM CfcFTEKTLICHüN DIENST
In Blackpool, England, werden Mitte Oktober die Vertreter der freien Weltgewerkschaften der Gas- und Elektrizitaetsindustrie zu einer internationalen, technischen Konferenz zusammenkommen, die von dem Internationalen Gewerkschaftsbund
der Angestellten des Oeffentlichen Dienstes einberufen wurde.
Die viertaegige Konferenz wird vom 16. bis 19. Oktober in Verbindung mit
einem Treffen der Nationalgewerkschaft der Oeffentiichen und Gemeindearbeiter,
die dem internationalen Verband angeschlossen ist, abgehalten werden.
Delegierte der europaeischen Nationen und Amerikas werden gemeinsam über
die Entwicklung und Organisation der Britischen Elektrizitaetsbehoerde und des
Britischen Gasverwaltungsrates beraten. In diesem Zusammenhang sind auch Tagungen geplant, auf denen die allgemeinen Arbeitsbedingungen und Verhandlungsmethoden der beiden Industriezweige sowohl in England als auch in den uebrigen
Laendern besprochen werden sollen. Der Frage der Schichtarbeit soll dabei
besondere Berücksichtigung geschenkt werden.ECA Labor Information
20. April 1950

NEUE ARBEITE [WOHNUNGEN IN ITALIEN
Neunzig neue .-.ohnungen fuer Arbeiterfamilien wurden kuerzlich in Ledi bei
Mailand ihrer Bestimmung uebergeben. Die Baukosten waren zur Haelfte aus ECA
Gegenwertfonds gedeckt worden. Es handelt sich um die ersten ..'ohnungen, die
im Rahmen eines von der italienischen Regierung vor einem Jahr aufgestellten
Programms vollendet wurden.

- 11 -

�James D. Zellerbach, der Chef der ECA Uission in Italien, sprach anlaesslich der Einweihung dieser Wohnungen und erklaerte, dass mit Hilfe von SCA
Geldern noch rund 300.000 Wohnungseinheiten fuer *'amilien in Italien gebaut
werden sollten, das ist ein Zehntel des zusaetzllchen Bedarfs an Uohnungen in
diesem Lande.
Bei dieser Feierlichkeit wurde eine Gedenktafel enthuellt, auf der dargestellt ist, wie dieses Projekt durch einen gemeinsamen Beitrag der italienischen Arbeiter und Unternehmer mit Unterstuetzung des amerikanischen Volkes
durchgeführt wurde.
ECA Labor Information
28. April 1950

-12 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

HICOG »-977 L H

OFFICIAL

Jun. 50 17 C

�Internationale

ARBEITSMTTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 12

Prankfurt, 26. Mai 1950

INHALTSVERZEICHNIS
Zusammenschluss der f r e i e n Gewerkschaften
Italiens - - - - - - - - - - - - - - - - - Zusammenschluss der f r e i e n Gewerkschaften
Asiens - - - - - - - - - - - - - - - - - - Michael Quill
- - - - - - Erklaerung der ERP GewerkchaftsOrganisationen
zum Europaeischen Wiederaufbauprogramm - - -

l
2
4
8

ZUSAMMENSCHLUSS DER FREIEN GEWERKSCHAFTEN ITALIENS
Drei nichtkommunistische GewerkschaftsOrganisationen
I t a l i e n s haben s i c h zum I t a l i e n i s c h e n Gewerkschaftsbund
zusammengeschlossen, der eine Anfangsmitgliedschaft von
rund 1.600.000 aufweist.
Es handelt s i c h um die F r e i e I t a l i e n i s c h e Gewerkschaftsfoederation (zum groessten Teil k a t h o l i s c h o r i e n t i e r t ) , um
die Foederation der I t a l i e n i s c h e n Gewerkschaften ( s o z i a l i s t i s c h )
und d i e u e b e r p a r t e i l i c h e Union Autonomer I t a l i e n i s c h e r Gewerkschaftsverbaende. Die neue Organisation i s t v o e l l i g n i c h t p o l i tisch.
Giulio P a s t o r e , der zum Praesidenten der neuen Organisation
gewaehlt wurde, e r k l a e r t e i n seiner Gruendungsrede, dass S t r e i k s
unentbehrliche Werkzeuge der Arbeiter s e i e n , der Gewerkschaftsbund jedoch diejenigen bekaempfen wuerde, die "aus S t r e i k s eine
Waffe machen moechten, mit der p o l i t i s c h e r Druck ausgeuebt werden s o l l . "
Nach d i e s e r Verschmelzung g i b t es i n I t a l i e n ausser zahlr e i c h e n autonomen Organisationen noch v i e r grosse Gewerkschaftsorg an i s a t i o n e n : Die allgemeine Gewerkschaftsfoederation (unter
kommunistischer K o n t r o l l e ) , der I t a l i e n i s c h e Bund der Gewerkschaf tsverbaende, die Union I t a l i e n i s c h e r Gewerkschaften und
die I t a l i e n i s c h e Foederation Nationaler Gewerkschaftsverbaende.
Arbeitsmitteilungen der ECA
9. Mai 1950
- 1 -

�ZU5AMMENSCHLUSS DER FREIEN GEWERKSCHAFTEN ASIENS.
Von Richard Deverall,
Vertreter des Amerikanischen
Gewerkschafts bundes AFL in Asien.
Bombay —
Den Anstoss zu der Bildung des Asiatischen
Gewerkschaftsbundes gaben die in der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vertretenen, demokratischen Arbeitergruppen.
Die neue Organisation vereinigt in sich alle Kraefte der
freien Gewerkschaften des nichtkommunistischen Asiens. Ausgenommen sind lediglich der sowjetische Ferne Osten und Rot-China.
Auf der im Januar in Nuwara Eüya (Ceylon) abgehaltenen
ILO Konferenz trafen die einzelnen Gewerkschaftsvertreter der
ILO mit K. Hedayat, vom Exekutivausschuss des neuen Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, zusammen, um die endgueltige Vereinigung der freien Gewerkschaften Asiens in
einem Gewerkschaftshund zu verwirklichen.
Die Bildung des Asiatischen Gewerkschaftsbundes stellt
einen Meilenstein in der Entwicklung einer maechtigen, demokratischen Bewegung auf dem Kontinent dar. Er kennzeichnet
das Aufkommen des asiatischen Nationalismus und der freien,
demokratischen Kraefte, die nicht nur dem kommunistischen
Imperialismus Widerstand leisten, sondern sich in der Offensive zur Verbannung der Seuche des Totalitarismus aus der
asiatischen Welt befinden.
Der Asiatische Gewerkschaftsbund ist zu einer Zeit- entstanden, in der die kommunistische Macht innerhalb der asiatischen
Gewerkschaftsbewegung mit Ausnahme von Rot-China zerbroeckelte.
Das Manifest des neuen Gewerkschaftsbundes, wie es auf
Ceylon gebilligt wurde, erklaert:
"Asien befindet sich in den Wehen einer Wiedergeburt. Die
Zitadelle des Imperialismus wird baufaellig. Die Zeit, in der
Asien als Gesamtheit frei sein wird, rueckt schnell heran.
Die Erweiterung der Recht« und Privilegien der Massen hat jedoch nicht im gleichen Masse stattgefunden. Die Massen sind
noch immer unentschlossen. Die Eigentumsverhaeltnisse haben
keine Aenderung erfahren. Noch besteht keine Aussicht, Armut
und Arbeitslosigkeit beseitigen zu können. Die Loehne reichen
nicht zum Lebensunterhalt aus. Die Lebenshaltungskosten steigen
immer mehr."
Mit dem Hinweis auf die kommunistische Aggression, die
in ganz Asien intensiviert worden sei, wird in diesem Manifest
die "neue Fuehrung" des Asiatischen Gewerkschaftsbundes begruesst
und erklaert: "Nur die freie Gev/erkschaftsbewegung in Asien
kann diese Fuehrung ausueben." In einer Absage an Imperialismus
und Kolonialismus in jeglicher Form sagt das Manifest von der neuen,
asiatischen, freien Gewerkschaftsbewegung:
"Durch ihre organisierte Macht wird sie den festverankerten
Einfluss imperialistischer Macht auseinanderreissen; die herausfordernde Macht des Totalitarismus, ob kommunistisch oder faschistisch, wird in die Flucht geschlagen und die Ungleichheiten
in der sozialen Ordnung vollstaendig beseitigt werden.*

- 2 -

�Als Hauptziele werden in dem Manifest bezeichnet: (1) Bedeund Versammlungsfreiheit; (3) Beschaeftigung und Sicherheit
dieser Beschaeftigung; (3) Nahrung, Kleidung und Unterkunft,
wie sie zur Wahrung der Menschenwuerde notwendig sind; (4) Regierungswechsel nach demokratischen Prinzipien.
Der Asiatische Gewerkschaftsbund ist damit zum Verfechter
der Sache der freien Arbeiter geworden, die sich mit Recht vor
der ihnen von Rot-China angebotenen, sogenannten "Befreiung"
fuerchten. Sie erinnern sich nur noch allzu gut an die japanische "Befreiung" in der Zeit von 1940 bis 1945. Sie wuenschen
keine Befreiung durch eine fremde totalitaere und imperialistische
Mac ht.
Fung Hoi-chiu vom Gewerkschaftsrat in Hongkong erklaerte
vor der Konferenz auf Ceylon:
"Meine Landsleute (jenseits des Eisernen Vorhangs) haben
etwas zu spaet ihren Fehler erkannt. Sie haben nun unter
Haerten und Entbehrungen zu leiden, die ihren Vorfahren seit
Anbeginn der Geschichte unbekannt waren. Obwohl die Arbeiter
von Hongkong nur schlecht bezahlt sind, glauben die Chinesen,
wir seien hier im Paradies. Fuer die Chinesen hinter dem
Eisernen Vorhang ist Hongkong tatsaechlich die Perle des Fernen
Ostens."
Er fuehrte weiterhin aus:
"Es ist unsere Pflicht, den Chinesen und den Voelkern der
uebrigen asiatischen Staaten zu zeigen, dass die Demokratie ein
weit wirksameres Mittel zur Loesung des Armutsproblems ist.
Wenn sie dies erkannt haben, - und nicht vorher - wird die
Gefahr der kommunistischen Aggression nicht mehr wie ein Alpdruecken auf den Asiaten lasten."
Nachdem das Manifest angenommen war, schritt der Asiatische
Gewerkschaftsbund zu seiner ersten Amtshandlung, die darin bestand, eine Resolution mit dem folgenden Wortlaut einzubringen:
"Diese Konferenz stellt mit Genugtuung fest, dass die arbeitende Klasse in fast allen Laendern Asiens der totalitaeren
Durchdringung der Gewerkschaftsbewegung unter der Fuehrung
Moskaus in zunehmendem Mac;se Vfiderstand leistet. Wenn diese
Durchdringung gelingen wuerde, wuerde sie alle freien Gewerkschaftsbewegungen in Asien zerstoeren und die grosse Masse der
Arbeiter in eine Armee von Sklavenarbeitern, umwandeln."
Die Gründungsmitglieder des Asiatischen Gewerkschaftsbundes sind ebenfalls Mitglieder des vor kurzem gegruendeten
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften. Die Konferenz
von Ceylon beantragte, dass der Asiatische Gewerkschaftsbund
"von dieser neuen Internationale als die regionale Organisation
fuer Asien anerkannt werden moege."
Der Asiatische Gewerkschaftsbund entbot daraufhin den neuegruendeten Vereinigten Staaten von Indonesien seine Gruesse.
benso brachte er seine Freude ueber die Befreiung des freien
•Vietnam zum Ausdruck und erliess an die franzoesische Regierung
den Aufruf, den Friedensvertrag mit diesem Lande schnell zu
ratifizieren.

f

•- 3 -

�Das Jahr 1950 wird fuer Asien von grosser Bedeutung sein.
Der Kampf dreht sich um Freiheit oder Sklaverei. Die Russen
haben in Peiping ein Buero des Weltgewerkschaftsbundes errichtet,
von dem aus die kommunistische Kampagne gegen die Demokratie
in ganz Asien geleitet werden soll.
Gleich dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
kaempft auch der Asiatische Gewerkschaftsbund fuer Menschenwuerde und menschlichen Anstand, fuer Demokratie und wirtschaftliche Gerechtigkeit. In erster Linie kaempfen die freien Arbeiter Asiens und ihre Organisationen um die Freiheit Asiens, die
heute von den roten Horden bedroht wird, die Empoerung und
Aufruhr stiften.
Die wirkliche Bedeutung des Asiatischen Gewerkschaftsbundes
liegt in der Tatsache, dass die arbeitenden Menschen Asiens die
kommunistische Propaganda durchschauen, mit der Asien im Laufe
der letzter dreissig Jahre ueberechwenuat wurde.
"The American Federationist"
Offizielles Monatsmagazin des Amerikanischen Gewerls chaftsbundes AFL.
Mai 1950

MICHAEL QUILL
Gross war die Erregung, als Michael Quill vor einigen
Jahren seinen- Platz im New Yorker Stadtrat einnahm - der regierenden Koerperschaft der groessten Metropole Amerikas.
Quill als Praesident der maechtigen Transportarbeitergewerkschaft hatte mit einem Streik der staedtischen Untergrundbahnen gedroht,-wenn seinen Mitgliedern keine Lohnerhoehungen
und verbesserte Arbeitsbedingungen gewaehrt wuerden. Die
Beamten der Stadt hatten sich zum Kampf geruestet.
Im Stadtrat kam dieser Kampf offen zum Ausbruch. Eines
der Mitglieder brachte eine Resolution ein, in der Vorwuerfe
gegen Quill erhoben"wurden. Es war eine schwere Anklage gegen
den Gewerkthaftsfuehrer, in der man ihm zur Last legte, versucht
zu haben, die Regierung zu stuerzen und eine Revolution anzustiften. In einer kleinen, verborgenen Klausel wurde Jedoch zugegeben, dass die Beschwerde der Arbeiter berechtigt sei, und
empfohlen, die Stadt moege zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen irgend etwas unternehmen. Das Stadtratsmitglied beantragte
ferner, seine Resolution dem Gewerls chaftsfuehrer als oeffentliche Ruege zu ueberreichen.
Als er geendet hatte, hat Quill um das Wort. Im Saale
herrschte tiefes Schweigen. Die Mitglieder warteten gespannt
auf eine zornige Antwort Quills.
In dessen Augen bemerkte man jedoch ein vergnuegtes Zwinkern, als er - offensichtlich unter Bezugnahme auf die Klausel,
die die Arbeiter betraf, - erwiderte:
"Ich unterstuetze den Antrag."
Dann setzte er sich. Von der Galerie der Pressevertreter
ertoente ein Heulen auf Quills geschickte Antwort, und in einem
Lachsturm wurde die Resolution niedergeschlagen.

- 4 -

�Spaeter setzte die Gewerkschaft viele ihrer Forderungen
ohne Streik durch.
Das war nur einer der zahlreichen Angriffe, denen "Mike"
Quill und seine Gewerkschaft im Laife der bewegten Geschichte
der Transportarbeitergewerkschaft ausgesetzt waren, und die
er mit einer Kombination von Humor und Geistesgegenwart abschlug.
Denn die Geschichte von der Entwicklung der Transportarbeitergewerkschaft ist zum grossen Teil die Geschichte dieses klugen,
gutgelaunten Irlaenders.
Quill wurde am 18. September 1905 in County Kerry (Irland)
als Sohn eines armen, irischen Bauern geboren. Die Familie
Quill war in der Bewegung fuer die Unabhaengigkeit ihres Landes
von der britischen Herrschaft, und ihr kleines Gebirgsbauernhaus bot vielen irischen Freiheitskaempfern, die von den "Black
and Tan" gesucht wurden, Unterkunft und Versteck.
Mit 14 Jahren bewaffnete sich der junge Mike mit einem
Gewehr und schloss sich seinen drei Schwestern und fuenf Bruedern
im Kampf um ein freies Irland an. Im Fruehjahr des Jahres 1920
befand sich ein grosser' Teil der Familie wegen revolutionaerer
Taetigkeit im Gefaengnis.
Als ein erfahrener Kaempfer fuer die Unabhaengigkeit
wanderte Quill deshalb im Jahre 1926 nach Amerika aus. Seine
Anhaenger behaupten, dass ihn das "Glueck des Irlaenders" von
dem Beginn dieses Unternehmens an begleitet habe, er war naemlich am Tag des St. Patrick, des Schutzpatrons Irlands, in
New York angekommen.
Nach seinem Eintreffen in Amerika arbeitete er mit Hacke
und Schaufel bei der Untergrundbahn der Achten Avenue. Spaeter
war er in den Kohlengebieten von Pennsylvanien beschaeftigt,
um dann als Fahrkartenschaffner, Zugbegleiter und Kontrolleur
bei der "IRT-Untergrundbahn (IRT-Interborough Rapid Transit Schnellverbindung der Stadtteile New York) taetig zu sein.
Zu dieser Zeit entschlossen sich "Mike" und eine kleine
Gruppe ihm gleichgesinnt er Leute, eine Gewerkschaft zu organisieren. Quill arbeitete damals 7 Tage pro Woche und 14 Stunden
taeglich, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Eine
starke, unangreifbare Unternehmergewerkschaft hinderte seine
14.000 Arbeitskollegen daran, gegen diese Bedingungen mit Erfolg
zu protestieren.
In einem Gasthaus in der Naehe des Zentralparks fand die
erste Versammlung der "Gewerkschaft" statt, die notgedrungen
geheimgehalten werden musste. Plaene wurden entworfen und
bald regelmaessig Versammlungen in moeblierten Zimmern, Vorhallen in Hotels, in Parkanlagen und Gasthaeusern abgehalten.
In kuerzester Zeit hatte Quill mit seinen feurigen, begeisternden Reden, seinem humorvollen Wesen und seiner gepfefferten,
irischen Mundart die anderen Mitglieder davon ueberzeugt, dass
es unerlaesslich waere, eine Gewerkschaft zu haben. Nach einem
Jahr hatte die Gewerkschaft genuegend Anhaenger, um einen hauptamtlichen Organisator beschaeftigen zu koennen. Quill gab seine
Arbeit als Kontrolleur .auf und widmete sich dem Aufbau dieser
Organisation.
1936 wurde er zum Praesidenten der Gewerkschaft gewaehlt,
die damals noch nicht angeschlossen war. Nach Empfang des
internationalen Freibriefes des CIO im Jahre 1937 wurde Quill
der erste Praesident der Transportarbeitergewerkschaft Amerikas

5 -

�und Mitglied im nationalen Exekutivausschuss des CIO. Bei
allen darauffolgenden Gewerls chaftswahlen wurde er in seiner
Stellung als Praesident der Transportarbeitergewerls chaft
Amerikas bestaetigt.
In den sechs Monaten, die dem Anschluss dieser Gewerkschaft an den CIO folgten, konnte sie 44,000 neue Mitglieder
anwerben und "closed-shop" Vertraege mit allen groesseren
Verkehrsge.jellschaften der Stadt New York abschliessen. (Nach
dem "closed-shop" System duerfen nur Mitglieder einer bestimmten Gewerkschaft vom Arbeitgeber eingesta.lt werden). Spaeter
loeste sie sich wieder vom CIO, um die Mitglieder einer Autobusgesellschaft in der Stadt aufzunehmen, und setzte ihre
Organisationstaetigkeit zur Erfassung der Transportarbeiter
und Taxichauffeure in Chikago, Philadelphia, San Franzisko
und anderen Staedten fort.
Im Juiire 1941 war die Arbeitswoche im Verkehrsgewerbe
auf fuenf Arbeitstage reduziert worden. Die Arbeiter hatten
Anspruch auf einen zweiwoechigen, bezahlten Urlaub, vier
bezahlte Feiertage im Jahr, eine freiwillige Krankenversicherung
und die Aufhebung der in den Krisenjahren 1930-1937 eingeführten Lohnkuerzungen. Ausserdem war es der Gewerkschaft gelungen,
feste Einrichtungen zu schaffen, denen die- Fuehrung von Kollektiwerhandlungen und die Bearbeitung von Beschwerden oblag.
Aber selbst vor diesen Ereignissen war die Persoenlichkeit
Quills auch ausserhalb der Gewericschaft populaer geworden.
1938 wurde er als Vertreter von Bronx (Stadtteil von New York)
in den Stadtrat gewaehlt. In diesem Rat setzte er sich fuer
die Bereinigung der Elendsviertel, moderne Wohnungen zu niedrigen Preisen, oeffentliche Milchverteilung und aehnliche
Massnahmen ein. Ausserdem galt seine Arbeit der Abwehr antigewerkschaftlicher Angriffe gegen seine Gewerkschaft und ihn
selbst.
Die Schwierigkeiten, in die Quill mit der Stadt geriet,
begannen im Jahre 1940, als die in Privatbesitz befindlichen
Untergrundbahnen New Yorks von der Stadt uebernommen wurden.
öer"Board oi TransDortation" (Verwaltungsrat), der mit der Leit u % der Untergrundbahnen beauftragt war, erkannte den Vertrag
nicht an, den die Gewerkschaft mit den Privatunternehmern abgeschlossen hatte, mit der Begruendung, dass die Stadt mit
ihren Arbeitnehmern nach dem Gesetz keine Kollektiwerhandlungen fuehren koenne. Der Kampf um die Anerkennung des Vertrages dauerte sieben Jahre lang.
Er fand erstmals sein Ende, als sich der Praesident des
CIO John J. Lewis einschaltete und die Stadt sich damit einverstanden erklaerte, die Vertraege bis zu ihrem Ablaufsdatum,
dem 30. Juni 1941, anzuerkennen.
Als ihre Gueltigkeit jedoch erloschen war, weigerte sich
der "Board of Transportation", von Bürgermeister Fiorello
La Guardia unterstuetzt, die Vertraege zu erneuern. Der Kampf
zwischen La Guardia und Quill, der nun folgte, war ein Kampf
zwischen zwei der passioniertesten, hervorragendsten Persoenlichkeiten in der New Yorker Geschichte. Der Buergermeister
nannte Quill einen "dickkoeofigen, eigensinnigen, Verantwortungs
losen Geweric chaftsfuehrer" und lehnte rundweg seine Forderungen
ab. Quill drohte, einen Streik selbst auf die Gefahr hin auszurufen, gesetzlich bestraft zu werden. "Kein Vertrag, keine

- 6 -

�Arbeit," lautete sein Ultimatum. " Der Buergermelster," sa?te
er, "habe zwei Zungen."
56 Stunden vor Ausbruch des Streiks erklaerte sich die
Stadt jedoch einverstanden, den Vertrag solange in Gueltigkeit
zu belassen, bis eine gerichtliche Entscheidung gefaellt sei.
Auch diese Entscheidung Hess jedoch die Frage der Anerkennung
in gewissem Sinne offen. Die Behauptung der Stadt, dass kein
Vertrag mit den Arbeitnehmern der Stadt abgeschlossen werden
koenne, wurde unterstuetzt. Andererseits wurde festgelegt,
dass die in dem Vertrag enthaltenen Bestimmungen zu befolgen
seien.
In jedem folgenden Jahr brach der Kampf von neuem aus,
wenn die Bestimmungen des Vertrags erloschen waren - dieses
Mal war es ein Kampf zwischen Quill und dem Bürgermeister
O'Dwyer. Er fand schliesslich im Jahre 1947 ein Ende, indem
man sich auf eine von O'Dwyer unterstuetze Formel einigte.
Danach erklaerte sich die Stadt damit einverstanden, den Gewerkschaftsgruppen auf deren Ersuchen eine Vertretung zu bewilligen!
deren Staerke sich nach der nachgewiesenen Uitgliederzahl der
Gewerkschaften richten sollte. Es wurde abgestimmt, und fast
90g der Transportarbeiter der Stadt brachten durch ihre Unterschrift zum Ausdruck, dass sie nicht nur wuenschten, durch die
Transportarbeitergewerkschaft vertreten zu werden, sondern auch,
dass die Gewerkschaftsbeitraege vom Lohn abgezogen werden. Die
Gewerkschaft hatte somit gewonnen.
In spaeteren Jahren waren Vertragsbestimmungen Gegenstand
ernstlicher Zwistigkeiten zwischen Quill und O'Dwyer. Mehrere
Male drohte .Quill mit Streik, und oft warf man ih;: vor, eine
Verlangsainung angeordnet zu haben. Kein einziges Mal jedoch
legte ein Streik den Untergrundbahnverkehr still.
Ein Kampf wurde von Quill und O'Dwyer gemeinsam durchgefochten. Es war in dem unpopulaeren Ringen um die Erhoehung
der Fahrpreise der Untergrundbahnen. Jahrelang war die Stadt
New York stolz auf die Parole ihrer Untergrundbahnen gewesen:
"die laengste Fahrt der Welt fuer fuenf Cents.•' O'Dwyer hatte
seinen Waehlern gegenueber oft erklaert, dass er eine Fahrpreiserhoehung niemals billigen wuerde. Nun sah sich, im Jahre 1948,
die Stadt jedoch in einer finanziellen Klemme. Geldmittel, die
sie beim Staat angefordert hatte, waren nicht bewilligt worden;
die Untergrundbahnen standen vor dem Ruin; die Arbeiter der
Untergrundbahnen forderten in Anbetracht der erhoehten Lebenshaltung svosten eine Lohnerhoehung.
O'Dwyer sah sich nun der unangenehmen Aufgabe gegenueber,
eine Fahrpreiserhoehung zu befuerworten oder andere Dienstleistungen der Stadt zu kuerzen und die Lohnforderungen der
Arbeiter abzulehnen. Auch fuer Quill war dies eine unpopulaere
Situation, es gelang dem Gewerkschaftsfuehrer jedoch, seine
Mitglieder auf die Seite des Buergermelsters zu bringen. Hoehere
Fahrpreise wurden eingefuehrt, und die Arbeiter erhielten ihre
Lohne rhoehung.
Durch diese Einstellung Quills entstand ein Br;ch in den
Beziehungen, die ihn seit langem mit den kommunistisch beherrschten Koerperschaften in New York verbanden - der Amerikanischen
Arbeiterpartei, die fuer die Beibehaltung des 5 Cent Tarifs war,
und dem CIO Stadtrat von Gross-NewYork.

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�Unter dem Banner der Amerikanischen Arbeiterpartei war
Quill im Jahre 1945 wieder in den Stadtrat gewaehlt worden.
Im April 1948 legte er jedoch sein Amt als stellvertretender
Vorsitzender der Amerikanischen Arbeiterpartei nieder, weil
sich die Partei der Lohnpolitik der Transportarbeitergewerkschaft widersetzte und den linksgerichteten Praesidentschaftskandidaten Henry Wallace unterstuetzte.
Quill beteiligte sich ausserdem aktiv an der Bildung des
CIO Stadtrates und war mehrere Jahre lang dessen Vizepresident.
1948 wurde er zum Praesidenten gewaehlt, trat jeoch im Maerz 1948
auch von dieser Stellung zurueck, weil er Wallace nicht unterstuetzen wollte und der Stadtrat sich fortwaehrend der Politik
des Nationalen CIO entgegenstellte, der die Wiederwahl des
Praesidenten Truman befürwortete. Der CIO Stadtrat wurde
spaeter auf Anordnung des Nationalen CIO wegen kommunistischer
Umtriebe aufgeloest, und Quill half mit, eine nie htkojnraunis tische
CIO Körperschaft zu bilden, die dessen Funktionen uehernehmen
sollte.
Quill, der jahrelang den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen
fuer seine Mitglieder vom kommunistischen Lager aus gefuehrt hatte,
weiss nur zu gut, dass die beste Offensive gegen den Kommunismus
eine Bevoelkeruhg ist, die gut ernaehrt ist, gut behandelt wird,
und der gute Wohnverhaeltnisse geboten werden.
In seiner Rede auf der Konvention des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften in London machte Quill den Regierungen der westlichen Demokratien den Vorwurf, diesen Problemen
nicht genuegend Aufmerksamkeit gewidmet zu haben.
"Ich will es ebenso offen wie andere aussprechen," sagte
er, "dass ein grosser Teil der Schwierigkeiten, in denen sich
die Welt heute befindet, den Kommunisten und der kommunistischen
Taetigkeit in den verschiedenen Laendern zuzuschreiben ist. Es
genuegt jedoch nicht, den Kommunismus nur zu bekaempfen. Wenn
wir die Menschen, die heute in Not sind, fuer uns gewinnen wollen,
muessen wir ihnen ein positives Programm geben, und wenn ich
sage "Wir", dann meine ich die Arbeiterschaft dieser Laender.
Arbeitsmitteilungen der BGA
24. Maerz 1950
ERKLAERUNG DER ERP GEWERKSC HAFTS ORGANISATIONEN ZUM EURO'
PAEISCHEN WIEDERAUFBAU PROGRAMM
Die dritte Konferenz der ERP Gewerkschaften, die vom 18. bis
20. April 1950 in Rom zusammentritt, moechte an erster Stelle
von neuem erklaeren, dass sie das Hauptziel des Europaeischen
WiederaufbauProgramms unterstuetzt: den Wiederaufbau und die
Vereinigung Westeuropas auf der Grundlage der Freiheit, sozialen
Sicherheit und des hoechstmoeglichen Lebensstandards.
Die Konferenz stellt mit groesster Genugtuung fest, dass
das ERP waehrend der beiden letzten Jahre beachtliche Erfolge
erzielt hat; sie erachtet als unbedingt notwendig, das Hilfsprogramm fortzusetzen, damit die bisher erzielten Erfolge und
die voellige Verwirklichung des ERP nicht in Frage gestellt
werden.
Nach eingehender Pruefung des Berichtes des Unterausschusses
fuer die Wirtschaftliche Wiedergesundung Westeuropas im Gewerk-

- 8 -

�schaftlichen Berätungsaus sc huss des ERP, des Berichtes der italienischen Delegation ueber die Arbeitsmarktlage und die Aus- und
Einwanderungsmoeglichkeiten und des Entwurfes einer Resolution,
der von der skandinavischen Gewerkschaftsdelegation unterbreitet
wurde, hat die Dritte ERP Gewertechaftskonferenz beschlossen,
sich in den folgenden Punkten zu der Politik zu aeussern, die zur
wirtschaftlichen Wiederbelebung Europas betrieben werden soll.
Es ist vereinbart, dass diese Punkte zur rechten Zeit und im Laufe
ihrer Verwirklichung auf nationaler und internationaler Basis von
den zustaendigen Gewerkschaftsorganisationen zu behandeln sind.
1«

Volle Ausnutzung der vorhandenen Hilfsquellen

Sowohl in den einzelnen Laendern als auch im gesamten Westeuropa
muss die volle Ausnutzung der vorhandenen Hilfsquellen und Arbeltskraefte und eine gerechtere Verteilung der nationalen Einkommen
gesichert werden, um einen hoeheren und staendig steigenden Lebensstandard fuer Alle zu ermoeglichen.
Die beteiligten Regierungen muessen zu der Erkenntnis gebracht
werden, dass Massenarbeitslosigkeit als Folge des Liangels an Kaufkraft unter den Arbeitern, wie sie in bestimmten Laendern wieder
auftritt, mit grossen wirtschaftlichen, sozialen und politischen
Gefahren verbunden ist. Folglich ist eine Politik der Vollbeschaeftigung nicht nur um ihrer selbst Willen, sondern auch als Vorbedingung fuer die Wohlfahrt Jedes Landes und der Gesamtheit der Nationen unbedingt erforderlich. In diesem Zusammenhang sollten die
Regierungen grundsaetzlich die Vorschlaege akzeptieren, die in dem
kuerzlich ausgearbeiteten Bericht der Sachverstaendigen der Vereinten Nationen fuer die Beibehaltung der Vollbeschaeftigung enthalten waren. Sie sollten diese Empfehlungen nach den in jenem
Bericht vorgeschlagenen Methoden verwirklichen.
An dieser Stelle muss gesagt werden, dass von gewerkschaftlichen Gesichtspunkten aus Systeme, wie zum Beispiel die Europaeische Zahlungsunion (EPU) nur dann befuerrortet werden koennen,
wenn sie in den Rahmen einer nationalen und internationalen Politik der Vollbeschaef tigung hineinpassen.
Es ist ausserdem von groesster Wichtigkeit, dass die Vereinigten Staaten und die anderen betreffenden Laender eine aehnliche
Politik der Vollbeschaeftigung betreiben.
3. Verbesserung der Produktionsmethoden und der Organisation.
Die Gewerkschaften sind im allgemeinen der Auffassung, dass
die Organisation und die Methoden der Produktion in allen Wirtschaftszweigen verbessert werden muessen, damit durch niedrigere Preise
der inlaendische Verbrauch und der Export gesteigert werden koennen.
Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass hoehere Produktionsleistung nur dann zu einem verbesserten Lebensstandard
fuehren kann, wenn sie durch hoehere Loehne und niedrigere Preise
belohnt wird.
3.

Liberalisierung des Handels und Zahlungsverkehrs

Die Gewerkschaften vertuen die Auffassung, dass die Liberalisierung des Handels und Zahlungsverkehrs, einschliesslich der
Senkung der Zoelle, die Erschliessung neuer Massenabsatzmaerkte
beguenstigen kann, die ihrerseits wiederum Anlass zu Verbesserungen
der Produktionsmethoden und -Organisation geben werden. Es muessen
jedoch die notwendigen nationalen und internationalen Vorsichtsmassre^eln getroffen werden, um zu verhindern, dass sich diese Libera-

- 9 -

�l i s i e r u n g auf Laender ausdehnt, i n danen gegenwaertig nicht d i e jenige Art von A r b e i t s l o s i g k e i t h e r r s c h t , die auf Mangel an Kaufk r a f t der A r b e i t e r oder die neuen Konkurrenzbedingungen zurueckzufuehren i s t .
Es darf ausserdem nicht vergessen werden, dass die L i b e r a l i sierung nur a l s T e i l der Berauehungen zu werten i s t , die eine bessere
i n t e r n a t i o n a l e Verteilung der Arbeitskraefte und damit bessere
Lebensbedingungen fuer Alle zum Z i e l e haben»
Die L i b e r a l i s i e r u n g des Handels und Zahlungsverkehrs darf
d i e s o z i a l e n und w i r t s c h a f t l i c h e n Erfolge der f o r t s c h r i t t l i c h e n
Regierungen Europas nicht mindern.
Bestimmte wesentliche Zweige der nationalen Wirtschaften der
b e t e i l i g t e n S t a a t e n muessen ausserdem waehrend der besagten Uebergangsperiode gegen gefaehrliche Deplacierung und Aufspaltung g e schuetzt werden, damit d i e p r i v a t e n und o e f f e n t l i c h e n Unternehmen
genuegend Z e i t haben, s i c h den neuen Konkurrenzbedingungen anzupassen, ohne ueber Nacht i h r e gegenwaertigen Absatzmaerkte zu v e r l i e r e n , d i e s i e zu i h r e r Existenz brauchen. Insbesondere muessen
die A r b e i t e r , die durch den Uebergang voruebergehend betroffen
s i n d , mit angemessenen Arbeitslosenunterstuetzungen v e r s o r g t werden.
4. Lenkung der Investierungen
Die Liberalisierung des Handels und Zahlungsverkehrs kann,
wenn sie mit nationalen und intenationalen Massnahmen zur Sicherung
der Vollbeschaeftigung kombiniert ist, die guenstigste Verteilung
der Kapitalien foerdern. Trotzdem wird die unmittelbare Lenkung
der Investierungen durch die Regierungen oder die ihnen verantwortlichen Koerperschaften als eine Bedingung zur Sicherung der Vollbeschaeftigung notwendig sein. Diese Koordinierung bedeutet ebenso
wie jede andere Angleichung der Wirtschaftspolitiken, dass die betreffenden Laender einen Teil ihrer Souverenitaet .aufgeben muessen.
Auf europaeischer Basis wird wahrscheinlich die Koordinierung der
Produktion und Investitionen nicht vollstaendig und sofort verwirklicht werden koennen, es ist jedoch denkbar, dass eine Reihe
•von Schlüsselindustrien, wie Elektrizitaet, Stahl, Kohle, Textil,
Kunstduenger und andere, leichter zu koordinieren sind.
Die Koordinierung der Investierungen durch die Regierungen
ist ausserdem deshalb notwendig, weil vermieden werden muss, dass
diese Funktionen erneut von privaten, internationalen Kartellen
ausgeuebt werden. Durch diesen Kampf gegen die Maechte des privaten Monopols kann die internationale Koordinierung der Investierungen den einzelnen Regierungen den Weg weisen, den sie zur
Bekaempfung der Monopole in ihren eigenen Wirtschaften einschlagen
muessen, um die Vollbeschaeftigung und einen steigenden Lebensstandard zu sichern.
5. Ueberschuss an Arbeitskraeften
Alle Massnahmen muessen ergriffen werden, um einen Austausch
der Arbeitskraefte innerhalb und ausserhalb Europas zu ermoeglichen und die strukturelle Arbeitslosigkeit zu beseitigen, die
trotz der Anwendung der oben erwaehnten Richtlinien zur Sicherung
der Vollbeschaeftigung noch herrscht.
Die Gewerkschaften und die Organisation fuer Europaeische,
'.Viruschaftliche Zusammenarbeit sind sich darueber einig, dass in
den Laendern, in denen ein aussergewoehnlich grosser Ueberschuss
an Arbeitskraeften herrscht, eine Auswanderungspolitik auf grosser Basis betrieben werden muss. Ziel der Auswanderer muessen
wenig entwickelte Ueberseegebiete sein, da die schnelle Aufnahme

- 10 -

�einer grossen Anzahl auslaendischer Arbeiter in die hochindustrialisierten Laender Westeuropas die Gefahr einer Missplacierung in
sich birgen wuerde. Die allmaehliche Verteilung der Produktion
als Ergebnis der Liberalisierung des Austausches unter den ERP
Laendern wird notwendigerweise eine entsprechende Beweglichkeit
und Verteilung der Arbeitskraefte mit sidi bringen, in die auch
die gegenwaertigen und zukuenftigen "Ueberschuesse" einbezogen
werden muessen.
Die Gewerkschaften sind der Auffassung, dass das Wohnungsproblem einen sehr wichtigen Aspekt des Problems der Arbeitslosigkeit
und der Beweglichkeit der Arbeitskraefte darstellt. Zweifellos
macht der Mangel an Wohnungsmoeglichkeiten die restlose Ausnutzung
der Arbeitskapazitaet von Millionen von Menschen in Europa, besonders in Deutschland, Italien und Frankreich unmoeglich. Der
weitverbreitete, akute Wohnraummangel bildet ausserdem ein Hindernis fuer die Angleichung der Löhne an die erhoehten Lebenshaltungskosten.
Die freien Gewerkschaften fordern deshalb die Regierungen auf,
sich noch viel intensiver fuer die Loesung des sehr dringlichen
Wohnungsproblems in Westeuropa einzusetzen. Internationale Vereinbarungen zur Finanzierung der Wohnungsbauprojekte als oeffentliche
Arbeiten muessen ins Auge gefasst werden.
6. Das Dollarproblem
Zur Schliessung der Dollarluecke in moeglichst kurzer Zeit
muessen nach Ansicht der Gewerkschaften die ERP Laender bestrebt
sein, ihre Dollarimporte zu reduzieren, ihre Dollarexporte zu erweitern und moeglichst viel Waren aus Nichtdollargebieten zu beziehen.
Die Gewerkschaften teilen die allgemeine Meinung, dass Westeuropa seine Exporte nach den Absatzmaerkten der Vereinigten Staaten nur steigern kann, wenn die Vereinigten Staaten ihre Zoelle
wesentlich reduzieren und die Zollverfahren vereinfachen.
Andererseits sehen die Gewerkschaften jedoch ein, dass die
sofortige Verwirklichung dieser Massnahmen allein das Dollarproblem nicht loesen kann.
Ohne einen bedeutenden Zustrom an Dollars, sei es als Anleihen oder Investitionen, in die ERP Laender, ihre abhaengigen
Ueberseegebiete oder in die anderen rueckstaendigen Gebiete der
Welt, wird Europa seinen gegenwaertigen Lebensstandard nicht aufrechterhalten koennen, eine Tatsache, die ihrerseits bedenkliche
Reaktionen in der amerikanischen '.Virtschaft hervorrufen koennte.
Nach Auffassung der ERP Gewerkschaften ist es unbedingt erforderlich, dass an der Loesung der europaeischen Probleme enger
zusammengearbeitet wird. Hierzu gehoeren das Problem der Arbeitskraefte und die Verwirklichung der "Punkt-VierH Idee Praesident
Trumans.
Ferner muss betont werden, dass das Dollarproblem von weltweiter Bedeutung ist und endgueltig nur durch die Schaffung eines
neuen Gleichgewichtes des Welthandels als das Ergebnis eines umfang
reichen Kapitäleinflusses von den Vereinigten Staaten sowohl als
auch von anderen Industrielaendern in die Gebiete der Welt geloest
werden kann. Diese Beschleunigung der industriellen Entwicklung
wird mithelfen, das Problem der ueberschuessigen Arbeitskraefte
zu loesen.

- 11 -

�Es erscheint deshalb notwendig, dass eine internationale
Maschinerie geschaffen wird, die den staendigen Fluss solchen
Kapitals leitet und aufrechterhaelt.
7.

Europaeische Einheit

Die demokratischen Gewerkschaften erkennen einmuetig die
Notwendigkeit einer europaeischen Einheit an. Nur in einem vereinigten Europa koennen Probleme wie die Koordinierung der Investierungen, Liberalisierung des Handels, Errichtung einer europaeischen Zahlungsunion und Beweglichkeit der Arbeitskraefte in
zufriedenstellender Weise und voellig geloest werden. Dabei muss
man sich darueber im klaren sein, dass die wirtschaftliche Koordinierung und Vereinigung von den entsprechenden politischen Massnahmen begleitet sein muss. Die Einheit ist von so grosser Bedeutung,
dass selbst Risiken dabei in Kauf genommen werden muessen. Wenn
jedoch eine bestimmte Politik, ihsbesondere die der vollen Ausnutzung der vorhandenen Kraftquellen und der gerechteren Verteilung der nationalen Einkommen, nicht von Anfang an befolgt
wird, dann wird die Einheit nicht auf solider Grundlage beruhen
und frueher oder spaeter durch politische und soziale Unbestaendigkeit unterminiert werden.
Es ist klar, dass die zu ueberwindenen Schwierigkeiten angesichts der Verschiedenheit der wirtschaftlichen Interessen, Regie rungsSysteme und politischen Anschauungen In Westeuropa sehr
gross sind; doch alle aufrichtigen, demokratischen Kraefte sind
sich darueber einig, dass die Loesung dieser Schwierigkeiten
energisch in Angriff genommen werden muss. Denn es ist gewiss,
dass die wirtschaftliche Wiedergesundung Europas ohne die europaeische Einheit auf die Dauer nicht verwirklicht werden kann.
Bulletin des Gewerkschaftlichen
Beratungsausschusses.

- 12 -

Office of Labor Affairs, HICOG,
APO 757

HICCG H-991 L I B

OFFICIAL

J u n . 50 1 7 } C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 13

Frankfurt,

2 . J u n i 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Kommunisten gegen hohe Loehne - - - - - - - - -

2

Kaakon L i e , ^ e k r e t a e r der A r b e i t e r p a r t e i
Norwegens - - - - - - - _ - _ - _ _ - _ - _ - -

4

Der Schweizer Gewerics c ha ftsbund - - - - - - - -

7

B e t r i e b s u n f a e l l e im l e t z t e n V i e r t e l von 1949
auf e i n e n T i e f s t a n d gesunken

- - - - - - - - -

10

Tobin gegen Ausdehnung der A n t i t r u s t Gesetze
auf Gewerkschaften

'

- - - - - - - - - - - - - - 1 1

�KOMMUNISTEN GEGEN HOHE LOEHNE
Den franzoesIschen Kommunisten wurde kuerzlich erklaert,
hohe Loehne stellten eine Gefahr iri1 ihrem Kampf um die Macht dar.
Kommunistische Fuehrer gaben vor Delegierten der 12. Jahresversammlung der Kommunistischen Partei Frankreichs zu, dass ihre
gegen den Marshall Plan gerichtete Propaganda zum groessten Teil
misslungen und dass es ihnen nicht gelungen sei, die Arbeiter
fuer rein politische Streiks zu gewinnen; die Mitgliederzahl
sei seit 1947 um mehr als 300.000 gesunken und das Interesse fuer
ko. mnistlsche Veroeffentlichungen Hesse staendig nach.
In einer der aufschlussreichsten Reden, die je von einem
komnunistischen Partelfuehrer gehalten wurden, gab Auguste Lecoeur,
der spaeter aum Parteisekretaer gewaehlt wurde, zu, dass der Kampf
um 3inen vernuenftigen Lebensstandard bestenfalls nur eine Nebena n jabe der Komrunistischen Partei darstelle und hohe Loehne in
Wirklichkeit eine Bedrohung ihrer eigentlichen Ziele seien.
"Wirtschaftliche Kaempfe", sagte Lecoeur, "sind natuerlich
erforderlich, um das Versagen der Regierung und die KriegsPolitik zu verurteilen.... Man muss natuerlich zeigen, wie sich die
auf Kriegsvorbereitung ausgerichtete Politik Bidaults, Mollets
und de Gaulles auf die wirtschaftliche Lage der Arbeiter auswirkt.
"Die wirtschaftlichen Verbesserungen als einzige Basis anzusehen, von der aus der Kampf gegen die Regierung gefuehrt wird,
ist "edoch ein Programm, das Lenin ablehnte. Wohin wuerde eine
derartige Auffassung fuehren? In einer Zeit, in der die Loehne als
ausreichend betrachtet werden, bestuende kein Grund fuer wirtschaftlichen Kampf und folglich nur eine geringe Basis, von der
aus Regierung und Kapitalismus bekaempft werden koennen."
Lecoeur und andere kommunistische Fuehrer forderten deshalb
die Delegierten auf, sich auf politische Kaempfe zu konzentrieren,
die sich in erster Linie gegen den Uarshall Plan und den Atlantik
Pakt richten muessten.
Maurice Thorez, der Fuehrer der Kommunistischen Partei Frankreichs, erklaerte ebenfalls, Chaos und Unterdrückung seien fuer
die Fuehrung des kommunistischen Kampfes am guenstigsten. "Das
Blut von Maertyrern ergibt die beste Ernte," sagte er. Thorez bedauerte, dass "die Arbeiter nicht an die Gefahr eines imperialistischen Krieges unter der Fuehrung der Vereinigten Staaten zu
glauben scheinen." £r verurteilte die "unglaubliche Schlaffheit"
der kommunistischen Fuehrer und rief ru einem intensivierten
Kampf gegen den Marshall Plan auf.
Obwohl eindeutig bewiesen ist, dass der Arbeiter an der
kommunistischen Propaganda desinteressiert ist, bestanden die
Partelfuehrer darauf, den Kampf in politischer Richtung fortzusetzen und den Wuenschen der Arbeiter nicht .allzuviel Beachtung
zu schenken. Die Arb-iter und nicht sie befaenden sich im Irrtum.
Die Antwort der nichtkommunistischen Zeitungen Frankreichs auf
diese Konvention war ein Loblied auf den Marshall Plan und die
Prophezeiung, dass die kommunistische Sabotage fehlschalgen wuerde,
wenn dies nicht bereits geschehen sei.
In der sozialistischen Tageszeitung "Le Pooulaire" heisst es:
"An zwei Fronten ist der Kampf gegen den Mtetrshall Plan gefuehrt
worden: durch Propaganda unter dem Leitwort 'politische Unabhaengigkeit' und durch Streiks und Sabotage* Die Kommunisten haben aber
- 2 -

�«

diesen Kampf verloren. Das Schlagwort, Frankreich werde
•marshallisiert', zieht nicht mehr. Die Arbeiter lehnen politische Streiks und Sabotage ab."
Andre Viot, der Herausgeber der antikommunistischen, woechentlichen Gewerkschaftszeitung "Force Ouvriere" prophezeite,
dass das Interesse fuer den kommunistischen Kampf gegen den
Marsliall Plan nach und nach verloren ginge. Die gegen den
Marshall Plan gebrauchten Schlagworte seien wirkungslos geworden."
In dem linksgerichteten "Franc-Tireur" heisst es: "Die meisten
kommunistischen Parteifuehrer wissen, dass sich die franzoesischa
Arbeiterklasse zwar der Gefahr eines Krieges bewusst ist, die
ueber der Welt schwebt, aber trotzdem nicht an eine unmittelbare
Bedrohung des Friedens glaubt. Deshalb widersetzen sich die
Arbeiter Versuchen, sie fuer politische Zwecke einzuspannen,
waehrend sie die Fordsrungen nach verbesserten sozialen Verhaeltnissen willig unterstuetzen."
Der schlagendste Beweis fuer das Misslingen der kommunistischen Angriffe kam jedoch von den Kommunisten selbst.
Florimonde Bonte, ein kommunistischer Abgeordneter in der
Nationalversammlung, berichtete, dass die Partei nun "rund 700.000
Mitglieder* hat. Mit dieser Feststellung wurde offiziell zugegeben, dass die Kommunisten zumindest 300.000 Mitglieder seit
der Zeit nach der Befreiung, in der ihre Mitgliederzkhl den
Hoechststand erreicht hatte, verloren haben. Die letzte, offizielle Zahl der Parteimitglieder wurde auf einer Parteitagung
kurz nach der Befreiung von"Thorez bekanntgegeben. Damals sagte
er, dass die Partei eine Million Mitgliederkarten ausgegeben habe.
Man nimmt an, dass im Jahre 1947 die Mitgllederzahl noch weit
hoeher lag.
Pierre Doize, der Generalsekretaer der komunistischen Foederation des Departments Bouches du Rhone (Gebiet um Marseille),
erklaerte, dass die Lage in diesem Bezirk - der seit langem als
Hochburg der kommunistischen Kraefte Frankreichs galt, - nicht
"glaenzend* sei.
"Im Jahre 1948." sagte er, "hatten wir 425 Betriebszellen;
es bleiben uns nur noch 379 Zellen. Es gibt keine einzige Zelle
der Seeleute, und der Einfluss der konrnunistischen Partei ist
wegen der unglaublichen Passivitaet seitens der lokalen Fuehrer seit
1947 staendig zurückgegangen."
Marcel Cachin, der Direktor der kommunistischen Zeitung
"L'Humanite", sagte, die Gesamtauflage der kommunistischen Veroeffentlichungen beliefe sich auf weniger als 1.500.000 Exemplare,
waehrend die antikommunistisehen Zeitungen eine Auflage von 10
Millionen zu verzeichnen haetten. " Unsere Tageszeitungen werden
von 16)i der franzoesischen Bevoelkerung gelesen; 84# lesen Zeitungen, die fuer den Marshall Plan sind. In bezug auf Zeitschriften
ist die Lage noch schlechter."
Etienne Fajon, der Mitglied des Zentralkomitees ist, gestand
ein, dass die Kommunisten fuer das Misslingen des Metro-Streiks
verantwortlich seien. Er sei deshalb misslungen, weil sich die
Arbeiter geweigert haetten, den Fuehrern des kommunistischen Gewerkschaft sbundes (CGT) zu folgen, und weil sie die. Anordnungen der
nichtkomiauuistischen "Force Ouvriere" (FO) und des franzoesischen.
Christlichen Gewerkschaftsbundes (CFTC) befolgt haetten.

�Andre Souquiere, der Sekretaer der Foederation Seine,
berichtete, dass es im Gebiet von Paris 1.800 Betriebe gaebe,
die mindestens je 150 Arbeiter beschaeftigten, aber keine Zelle
haetten.
Souquiere legte den Kommunisten zur Last, beim Metro-Streik
nicht aktiv genug gewesen zu sein. rtBei diesem Streik bedienten
sich unsere Kameraden nicht des Kampfgeistes der Arbeiter, sie
versuchten vielmehr, die Einigkeit mit anderen Vertretern zu bew a h r e n , — — " , sagte er.
Arbeitsmitteilungen der ECA
88. April 1950
HAAKON L1E. SEKRETAER DER ARBEITERPARTEI NORWEGENS
Haakon Lie, der freundliche, blauaeugige Sekretaer der
Norwegischen Arbeiterpartei, hat sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit seinen breiten Schultern in das Rad der norwegischen
Gewerkschaftsbewegung gelegt.
Ein Llann von dynamischer Persoenlichkeit und mit einem
seltsamen, bezwingenden Laecheln, hat Lie die Arbeiter in der
Vorkriegszeit in ihrem Kampf um einen besseren Lebensstandard
gefuehrt. Er stand ihnen in ihrem Kampf gegen die Naziherrschaft
zur Seite und kaempfte noch vor kurzem in vorderster Front gegen
die kommunistischen Durchdringungsversuche in den Arbeiterorganisationen an.
Alle diese Jahre hindurch widmete er sich in erster Linie
erzieherischer Taetigkelt -.er lehrte und ueberzeugte, sprach üut
zu und gab Hoffnung; er gewann Freunde und Unterstuetzung fuer
die norwegischen Arbeiter, als sein Land von den Nazis unterdrueckt
wurde.
Fuer diese Arbeit ist Lie gut geeignet. Er wurde am 32. September 1905 geboren und studierte zuerst Rechtswissenschaften;
dann besuchte er die staatliche Forstschule in Kongsberg und
promovierte im Jahre 1926 mit einem der besten Zeugnisse, die es je
in Norwegen gab. Danach studierte er n.ch ein weiteres Jahr an
der landwirtschaftlichen Schule in As.
Lie war jedoch niemals nur Theoretiker. Zur Taetigkelt
geschaffen, ist er ein Llann, der Entbehrungen und schwere Arbeit
mit einem Laecheln hinnimmt; ein zaeher Kaempfer, der sich einem
Projekt mit eiserner Entschlossenheit widmet und nicht nachlaesst,
bis er es durchgefuehrt hat; ein aufrichtiger, unvoreingenommener
Liensch, der durch seinen eigenen t&amp;xt und seinen Optimismus Vertrauen einfloesst. Seine Arbeitszeit verbringt er in intellektueller
Taetigkelt. Aber in der kurzen freien Zeit, die ihm zur Verfuegung
steht, kann man Lie beim Heben von Baumstaeamen aus dem GlommaFluss antreffen.
Als Erziehungs- und Informationschef der norwegischen Gewerkschaftsbewegung war Lie mehrere Male gezwungen, sein Leben durch
Flucht vor den Nazis in Sicherheit zu bringen; er wurde durch
Bomben aus seinem Hauptquartier herausgetrieben^ er reiste Tausende
von Meilen, um finanzielle und Inf ormations hilf e fuer seine Landsleute zu erbitten; einmal entging er nur knapp, von einem Nachbarn
gewarnt, den Klauen der Nazis.
- 4 -

�Noch waehrend seiner Schulzeit interessierte sich Lie fuer
die Probleme des arbeitenden Menschen. Im Jahre 1922, - er war
gerade 17 Jahre alt - schloss er sich der sozialistischen Jugendbewegung an und wurde 1925 Mitglied der Nationalgewerkschaft.
Sobald er die Schule verlassen hatte, widmete er sich erzieherischer
Taetigkeit in der Gewerkschaft uncl wurde 1928 zum Sekretaer eines
Komitees ernannt, das die Nationalgewerkschaft zur Aufklaerung ihrer
Mitglieder aufgestellt hatte.
Dieses Komitee wurde 1932 als die Vereinigung fuer Arbeiterbildung zu einer staendigen Einrichtung erklaert und von der
Nationalgewerkschaft, der norwegischen Arbeiterpartei, ihrer
Jugendbewegung und von den meisten der Nationalgewerkschaft angeschlossenen Lokalgewerkschaften gebilligt. Haakon Lie wurde erster
Sekretaer dieser Organisation und blieb ihr staendiger Fuehrer
bis zum 9, '•pril 1940, dem Tag der deutschen Invasion Norwegens.
Unmittelbar nach dem Angriff stellte sich Lie der Regierung
zum Kampf gegen die Nazis zur verfuegung. Es war jedoch ein
aussichtsloser Kampf, und Lie musste sich mit den Truppen zurueckziehen. Nachdem Oslo eingenommen war, entkam er nach Hamar und
uebernahm den Propagandafeldzug an der dortigen Rundfunkstation.
Dann wurde Hamar besetzt, und Lie zog sich nach Namsos zurueck,
wo er als Verbindungsoffizier zu den alliierten Streikraeften
taetig war. Kurze Zeit spaeter mussten die Alliierten ihre
Truppen aus diesem Gebiet zurueckziehen, und wieder ging Lie weiter
noerdlich nach Bode, wo er erneut an der dortigen Rundfunkstation
propagandistisch taetig war.
Wenige Tage nach seiner Ankunft in 3ode wurden die Stadt
und auch die Rundfunkstation bombardiert und in Brand gesetzt.
Wieder floh Lie in noerdlicher Richtung. Diesmal ging er nach
Vadso, dem entferntesten Punkt in der Nordostecke Norwegens,
nahe der finnisch-russichen Grenze» Er leitete nun die Rundfunkstation dieser Stadt". Aber selbst hier gelang es den Deutschen,
den Sender durch Einsatz von Langstreckenbombern zu zerstoeren.
Die Rundfunkstation wurde voellig in Truemmer gelegt, und kurz danach,
im Juni 1940, war jeglicher Kampf in Norwegen beendet.
Einige lochen danach kehrte Lie nach dem von den Nazis "besetzten Oslo zurueck, um zu versuchen, die Interessen seiner Landsleute
wahren zu helfen. Ein Befehl der Nazis jedoch, der allen die gewerkschaftliche Taetigkeit verbot, die sich an dem Feldzug im
Norden beteiligt hatten, machte ihm dies unmoeglich. Da Lie nicht
wuenschte, in.irgendeiner Weise fuer die Nazis tatig zu sein,
ging er in eine kleine Vorstadt von Oslo, wo sein Vater einen
kleinen Brennholzhandel unterhielt. Etwas ueber ein Jahr lang
fuhr er einen Lastkraftwagen mit Holz zwischen Oslo und den -Holzgebieten und verteilte Brennholz an seine Nachbarn.
Aber auch dies sollte nicht lange dauern. Am 10. September
1941 erklaerten die Deutschen Oslo zum Notstandsgebiet und begannen
ihre Jagd nach ehemaligen Mitgliedern der Gewerkschaftsbewegung.
Die verhafteten Maenner wurden vor ein Kriegsgericht gestellt und
zum Tode oder lebenslaengerlicher Zwangsarbeit verurteilt.
Eines Tages wurde Lie auf seinem Heimwege mit seinem Lastkraftwagen von einem Nachbarn vor der Gestapo gewarnt, die bei
ihm zu Hause sass und ihn erwartete. Lie drehte mit seinem Wagen
um und wendete sich der schwedischen Grenze zu.
(Lies Bruder hatte weniger GluecK. Er wurde von der Gestapo
verhaftet, eingesperrt und gefoltert; dann wurde er in. ein Konzentrationslager nach Deutschland ueberfuehrt, wo er starb.)
5 -

�In Schweden nahm Lie seine Arbeit als Leiter der Wohlfahrtsund Bildungstaetigkeit unter den norwegischen Arbeitern wieder
auf. Zu dieser Zeit gab es in Schweden etwa 1.000 Norweger, die
ihr Land in der Hoffnung verlassen hatten, nach England gehen
und sich dort den norwegischen Streitkraeften anschliessen zu
koennen. Es gelang jedoch nur wenigen, dieses Vorhaben zu verwirklichen. Die meisten von ihnen wurden in Baracken untergebracht, hatten nichts zu tun, und ihre Moral war auf einen
Tiefstand gesunken. Lie begab sich sofort an die Arbeit. Mit
einigen anderen gefluechteten Gewerkschaftlern richtete er
einen Arbeitsvermittlungsdienst fuer die Fluechtjlinge ein und
war zu gleicher Zeit als eine Art Fuersorgeoffizier taetig.
Innerhalb kurzer Zeit gelang es Lie und seinen Mitarbeitern in
Zusammenarbeit mit der schwedischen Regierung, fuer den groessten
T3il der politischen Fluechtlinge Arbeit zu finden - die meisten
konnten in den schwedischen Waeldern als Holzfaeller beschaeftigt werden.
Nachdem Lie diese Arbeit vollendet hatte, begab er -sich
nach London, um das Londoner Sekretariat der Nationalgewerkschaft in seiner Aufklaerungs- und Propagandataetigkeit in
Grossbritannien zu unterstuetzen. Im Januar 1942 kam er dort
an und war waehrend der ersten zehn Monate als Chef einer Informationseinheit taetig, die gemeinsam von dem Londoner Sekretariat
der Gewerkschaft und dem norwegischen Handelsministerium in
London aufgestellt worden war.
Eine der groessten Arbeiten Lies galt damals den Seeleuten
der norwegischen Handelsmarine. Als die Deutschen Norwegen besetzten, waren 1.052 norwegische Schiffe mit einer Gesamttonnage
von 4 Millionen und dreissig bis vierzigtausend norwegischen
Seeleuten und Walfischjaegern auf allen Weltmeeren unterwegs.
Die ueberwaeltigende Mehrheit dieser Seeleute erklaerte sofort
ihre Loyalitaet zu der norwegischen Exilregierung in London und
begab sich nach England. Verschiedene Beobachter sind der Ansicht,
dass das, was diese Maenner geleistet haben, zum grossen Teil der
Erziehungs- und Fuersorgearbeit zuzuschreiben ist, die Lie mit
seinen Helfern unter diesen Leuten geleistet hat.
Dies kommt in einer ^ede zum Ausdruck, die Admiral Emery
S. Land, der Leiter der amerikanischen Marine-Kommission, im
September 1941 vor norwegischen Seeleuten gehalten hat. Admiral
Land sagte u.a.: "Ich glaube, es war eine britische Veroeffentlichung, die einmal schrieb, dass die Seeleute der norwegischen
Handelsmarine fuer die Alliierten in ihren Kriegsanstrengungen
ebensoviel wert seien wie eine Million SoDcaten. Ich moechte bei
dieser Gelegenheit nicht versaeuraen zu sagen, dass diese Behauptung keineswegs uebertrieben war. Sie sind uns mehr wert als eine
Million Soldaten."
Lie arbeitet mit diesen Leuten und anderen Norwegern zusammen,
denen es gelungen war, England zu erreichen, um sich fuer den
Kampf zur Verfuegung zu stellen. Er gab Vorlesungen, organisierte
Studiengruppen, gab Liederbuecher, Brcschueren und sonstige Veroeffentlichangen heraus, die fuer den Gebrauch in der Untergrundbewegung nach Norwegen geschickt wurden.
Ende 1942 wurde Lie von dem Londoner Sekretariat in einer
Mission nach den Vereinigten Staaten geschickt. Seine Aufgabe
war, den amerikanischen Arbeitern von der Rolle zu berichten,
die die norwegische Gewerkschaftsbewegung im Kampf um die Freiheit
spielte, und Material ueber die Taetigkeit der amerikanischen
Arbeiter zu sammeln, das der norwegischen Untergrundbewegung zugeleitet werden sollte.
Seine Informationsbläetter, Broschueren und Schriften enthielten Nachrichten aus den Vereinigten Staaten und berichteten
- 6 -

�von der unnachgiebigen Entschlossenheit, mit .der die Arbeiter
Amerikas an dem Sturz der Hitlertyrannei arbeiteten. Sie gelangten, manchmal durch den Fallschirmabwurf von Aufklaerungsfliegern, nach Norwegen. Diese Nachrichten aus der Welt ausserhalb der Einflussphaere der Nazis haben unendlich viel dazu
beigetragen, den Widerstandswillen und Kampfgeist des unterdrückten norwegischen Volkes aufrechtzuhalten.
Als Lie 1943 von Amerika nach England zurueckkam, brachte
er das Versprechen der AFL und des CIO mit,' die illegale Gewerkschaf tstaet ig keit in Norwegen finanziell zu unterstuetzen und
den politischen Fiuecbtlingen Norwegens in Schweden zu helfen.
1944 kamen die ersten Geldmittel und hatten im Mai 1945 die
Gesamtsumme von 470.000 Dollar erreicht.
Dann kam endlich das Kriegsende, und Lie kehrte im Sommer
1945 nach Norwegen zurueck. Zu jener Zeit riefen die Kommunisten
zu einer vereinigten Gewerkschaftsbewegung auf, und norwegische
Fuehrer zogen bereits eine dauernde Vereinigung mit diesen Elementen in Betracht. Lie warnte jedoch seine Mitarbeiter, sich
vor den kommunistischen Schlagworten der "Einheit'' in acht zu
nehmen, und er berichtete ihnen von der zersetzenden Taetigkeit
der Kommunisten in den Vereinigten Staaten. Zur rechten Zeit
scharten sich die fuehrenden Mitglieder der norwegischen Arbeiterpartei um ihn, um seine Meinung zu teilen, und die Komnrinisten
wurden daran gehindert, ihr Machtstreben zu verwirklichen.
Norwegens Hauptprobleme sind nun wirtschaftlicher Natur • es
muss eine Produktion geschaffen werden, die ausreicht, um die
Kosten fuer die benoetigten Importe auch nach Beendigung des
Marshall Planes decken zu koennen. Lie als Sekretaer der Arbeiterpartei hat eine grosse Aufgabe - eine Aufgabe, die ihn ganz
in Anspruch nimmt«
Das beste Bild von diesem itfanne bekommt man vielleicht,
wenn man ihn in seiner Freizeit am Glomma-Fluss beobachtet. Der
Glomma, der Millionen von Baumstaemmen von den Holzgebieten
Norwegens hinunter in die Seehaefen getragen hat, fordert alljahrlich eine betr aecht lie he Anzahl von Baumstaemmen fuer sich.
Sie saugen sich voll Wasser und sinken auf den Grund.
Lie hat eine Spegialmaschine konstruiert, mit der man diese
abgesunkenen Staemme hebt, und in seinem Urlaub begibt er sich
gewoehnlich mit einem Freund an den Glomma, um verlorenes Holz
wiederzugewinnen. Im Laufe weniger Jahre hat er Hunderte von
Baumstaemmen aus dem Fluss geholt.
Holz ist eines der wichtigsten Exportgueter Norwegens, und
weil Norwegen dringend Devisen, vor allem Dollars braucht, schaetzt
sich Lie glueckllch, mit zur Sicherung der Zukunft seines Landes
beitragen zu koennen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
26. April 1950
DER SCHWEIZER GEWERK3CHAFTSBÜND
Von Jean Moeri,
Sekretaer des Schweizer Gewertechaftsbundes.
Die Schweizer Gewerkschaftsbewegung stellt das Ergebnis einer
- 7 -

�sehr fruehen Zusammenarbeit dar. Im Jahre 1818 wurde in der
kleinen Stadt Aarau die erste Vereinigung zur Unterstuetzung
der Buchdrucker gegruendet, die sich spaeterhin zur Gewerkschaft
der Buchdrucker entwickelte. Eine gleiche Entwicklung, dem
gleichen Beispiel folgend, konnte in allen Schweizer Staedten
festgestellt werden, in denen das Zusammengehoerigkeitsgefuehl
In Gruppen, wie Uhrmacher, Zimmerleute, Bierbrauer, usw. hochsntwickelt war. Nachdemder erste Schritt zur Bildung gemeinsamer
Gewerkschaftsraete mit gemeinsamen Interessen unternommen war,
dehnten die Gewer Im c haftspioniere diese Organisationen zuerst
auf kantonale und dann auf nationale Ebene aus. Und so wurde
die Schweizer Gewerkschaft der Buchdrucker am 15. August 1858
gegruendet. Diese Bewegung der nationalen Vereinigung pflanzte
sich schnell in allen Arbeitergruppen fort.
Das Gewerkschaftswesen, das bis zu jener Zeit beruflich
gegliedert war, dehnte sich nun auf alle Arbeiter aus. Die erste
Hoffnung, nach Industrien organisieren zu koennen, war der kurzlebige
Internationale Arbeiterverband von 1864, dessen Sitz sich in Genf
befand; dieser Verband fand im Jahre 1872'jedoch ein jaehes Ende,
nachdem er sich seine Fluegel in den Flammen der Politik verbrannt
hatte. 1873 wurde die Schweizer Arbeiterunion'gegruendet, zu der
politische Arbeiterpartelen, Wohltaetigkeitsvereinigungen und
Gewerkschaften gehoerten. Der heutige Schweizer Gewerkschaftsbund stammt aus dem Jahre 1880.
Zu Ende des Jahres 1948 zaehlte der Schweizer Gewerkschaftsbund 16 Berufs- oder Industrieverbaende mit insgesamt 376.436
Mitgliedern. In Anbetracht der Tatsache, dass es zu jener Zeit
531.000 Industriearbeiter in der Schweiz gab, stellt diese Zahl
einen nicht unbetraechtllchen Prozentsatz dar. Eine ^inschraenkung besteht darin, dass die Mitglieder des Gewerkschaftsbundes
nicht ausschliesslich von Industriegewerkschaften sind, sondern
auch Handwerker und kaufmaennische Berufe in diesen Zahlen enthalten sind. Ausserdem ist zu beruacksichtigen, dass noch bestimmte
Gebiete fuer die Werbung offenstehen, die jedoch durch die Taetigkeit andersgesinnter Gewerkschaften wie der, christlich-sozialen,
katholischen, evangelischen, usw. begrenzt sind. Diese hatten
Ende 1948 eine Mitgliederzahl von 78.000 zu verzeichnen. Dazu
kommt die Foederation der Schweizer Arbeitervereinigungen, die dem
Bund durch ein Abkommen auf Treu und Glauben angeschlossenen ist,
mit dem etwa 73.000 Mitglieder. Zahlreiche andere, kleinere
Organisationen mit insgesamt 50.000 Mitgliedern bleiben vom Bund
aus verschiedenen Gruenden getrennt. Trotz dieser Gruppen, die
verschiedenartig orientiert sind, ist der Gewerkschaftsbund bei
weitem die groesste Gewerkschaftsgruppe der Schweiz. Das kommt
ausserdem in der Einstellung der foederalen und kantonalen Behoerden
zum Ausdruck,
In Artikel 2 des Statuts des Gewerkschaftsbundes sind die
Ziele der Organisation festgelegt. Allgemeinaufgabe ist die Wahrung
der Interessen der Mitgliedsorganisationen und ihrer Mitglieder.
Dieser Artikel bestimmt ausserdem, dass die Organisation in religioesen Angelegenheiten ihre Neutralitaet und in politischen Angelegenheiten ihre Unabhaengigkeit zu bewahren hat.
Werfen wir jedoch einen Blick auf diese Ziele und stellen
wir fest, inwieweit sie bereits erreicht worden sind.
Erstes Ziel des Schweizer Gewerkschaftsbundes ist, die demokratischen Rechte und Freiheiten des Volkes zu entwickeln. Waehrend des Zweiten Weltkrieges stellte diese Organisation eine
der wichtigsten demokratischen Kraefte dar, auf die sich die Regie- 8 -

�rung und die 'Armee verlassen konnten. Sie trug zu einem grossen
Teil zu der Sicherstellung der souveraenen Rechte des Buergers
bei, wie nationale Unabhaengigkeit und individuelle Freiheit
des Buergers.
Sie tritt an zweiter Stelle fuer die Gemeinwirtschaft ein das heisst, fuer den Einsatz oeffentlicher Dienste im Interesse
der nationalen, kantonalen oder lokalen Gemeinschaft. Man darf
nicht uebersehen, dass in der Schweiz bemerkenswerte Erfolge
erzielt wurden und zwar lange bevor andere Staaten die Planwirtschaft einfuehrten. Seit 1948 untersteht die Post der Schweizer
Bundesregierung. Der Telegrafendienst, der 1852 eingefuehrt und
im gleichen Jahre verstaatlicht wurde, der Telefondienst, der urspruenglich von Privatunternehmern kontrolliert und im Jahre 1881
verstaatlicht wurde, und das Eisenbahnsystem, um die Jahrhundertwende verstaatlicht, sind die drei Hauptzweige der nationalen
Wirtschaft, die unter der Kontrolle der Bundesregierung stehen.
Das Rundfunkwesen und die Alkoholverteilung unterstehen ebenfalls der nationalen Regierung. Banken, Feuerversicherung und
die Schulsysteme werden in der Regel von den kantonalen Regierungen
verwaltet. Strassenbahnen, Gas, Elektrizitaet, usw. gehoeren zu
den oeffentlichen Diensten der kommunalen Behoerden.
Eine weitere Aufgabe sehen die Gewerkschaften in der Foerderung der Sozialgesetzgebung und der Wahrung der Interessen der
Arbeiter. Die Industriearbeiter sind durch das Bundesgesetz von
1877 geschuetzt, in dem die Arbeitsbedingungen fuer die Industrie
festgelegt sind. Lehrlinge werden durch ein anderes Bundesgesetz
geschuetzt. Seit dem 1. Januar 1948 ist die alters- und Hinterbliebenenversicherung obligatorisch fuer das gesarate Land. Man
ist augenblicklich bemueht, gesetzliche Regelungen zu treffen in
bezug auf Arbeitslosenversicherung, Allgemeingueltigkeit von Gewerkschaft svertraegen ( diese Frage bildet zur Zeit Gegenstand
einer vom Bundesrat erlassenen Verordnung), die Schaffung von
Arbeltsprojekten, Krankenversicherung, usw. Die Taetigkeit der
Schweizer Gewerkschaften bildet natuerlich die Basis dieser fortschrittlichen Bewegung. Es ist zu bemerken, dass haeufig die
Kantone fuer die besondere Regelung der.Arbeitsbedingungen und
die Sozialpolitik (Kinderzulagen, Urlaub und Bezahlung) verantwortlich sind.
Die Entwicklung des Arbeitsrechtes, und der Verfahren des
Kollektiwerhandelns sind jedoch die Gebiete, denen die Schweizer
Gewerkschaften ihre groesste Beachtung zugewendet haben, und denen
ihre groessten Bemuehungen gelten. 1.400 Tarifvertraege sind
rechtskraeftig und erstrecken sich entweder ueber eine gesamte
Industrie, ein bestimmtes Gebiet, einen Kanton, eine Stadt oder
auch nur ein Unternehmen. Im allgemeinen regeln diese Vertraege
die Arbeitsbedingungen, die Verfahren der Schlichtung und Schiedssprechung und sogar in einigen Faellen die Bedingungen der Lehrlings- und Arbeitslosenversicherung. Die Schweizer Gewerkschaften
schaetzen Gesetze, die es ermoeglichen, Mindestnormen zu erzielen,
im grossen und ganzen bevorzugen sie jedoch dehnbarere, nichtformelle Mittel, mit denen Einzelfaelle leichter erledigt werden koennen.
Das hoechste Ziel des Schweizer Gewerkschaftsbundes, naemlich
die Entwicklung internationaler Gewerkschaftsbeziehungen, ist
waehrend der letzten Jahre auf Grund der politischen Machenschaften
des Weltgewerkschaftsbundes in den Hintergrund gestellt wordenf
Gegen Ende dieses Jahres wird der Schweizer Bundeskongress zu dem
neuen Internationalen Bund Freier Gewerkschaften Stellung nehmen.
Wir hoffen, dass die Abstimmung positiv ausfallen wird, denn die
- 9 -

�Interessen der "Arbeiter sind auf der ganzen Welt ebenso voneinander abhaengig wie beispielsweise die nationalen Wirtschaften. Und damit koennte zur Erreichung der beiden Ziele, des
sozialen Fortschritts und eines gerechten Friedens, beigetragen
werden.
Arbeitsmitteilungen der BGA
3. Mai 1950
BETRIEBSUNF AELLE IM LETZTEN VIERTEL VON 1949 AUF EINEN TIEFSTAND
GESUNKEN
Vorlaeufigen Berichten des Statistischen Bueros des US Arbeis tamtes zufolge ist die Zahl der Betriebsunfaeile in Fertigungsbetrieben im letzten Viertel des Jahres 1949 auf einen neuen
Tiefstand gesunken. Die Betriebsunfallziffer ist die niedrigste
seit den sieben Jahren, fuer die vierteljaehrliche Statistiken
verfuegbar sind. Die Betriebsunfallziffer gibt die Zahl der
Arbeitsunfaelle pro Million Arbeitsstunden an.
Die Berichte zeigen einen durchschnittlichen Rueckgang um
etwa 11# der Betriebsunfaeile zwischen dem dritten und letzten
Viertel von 1949. Der allgemeine Stand der Betriebsunfallziffer
des letzten Viertels des Jahres 1949 und die Gesamtziffer fuer
das gesamte Jahr 1949 liegen beide 18g unter denen des Jahres 1948,
Das Absinken der Betriebsunfallziffer des letzten Viertels des
Jahres 1949 passt in das sich seit sieben Jahren kJLar abzeichnende
Bild des saisonbedingtenRueckgangs der Betriebsunfaeile hinein.
Monatliche statistische Angaben sind seit 1943 vorhanden und
zeigen bestaendig ein Absinken der Unfallziffer im November und
einen Tiefstand im Dezember eines jeden Jahres. Die meisten Unfaelle ereignen sich gewoehnlich im juli oder August eines jeden
Jahres.
Auf Grund von Arbeitsverletzungen waren im letzten Viertel
des Jahres 1949 etwa 78.000 Arbeiter aus Fertigungsbetrieben
einen oder mehr Tage lang arbeitsunfaehig. Das sind 7.700 weniger
als im dritten Viertel von 1949 und 86.000 weniger als im letzten
Viertel von 1948. Im Gegensatz zum Absinken der Gesamtzahl jedoch belief sich die Zahl der toedlichen Unfaelle im letzten
Viertel auf 400, - 100 mehr als im dritten. Viertel - waehrend die
Zahl der Unfaelle, die dauernde Arbeitsunfaehigkeit zur Folge
hatten, von 4,400 im dritten Viertel auf 4,700 im vierten Viertel
anstieg.
Durch Betriebsunfaeile gingen im letzten Viertel etwa 1,570,000
Arbeitstage verloren. Bei den gegenwaertigen Lohntarifen bedeutet
dies einen unmittelbaren Verlust an Loehnen von rund 16 Millionen
Dollar. In mehr als der Haelfte der 123 verschiedenen Herstellergruppen, fuer die statistische Angaben zur Verfuegung stehen, war
ein bedeutender Rueckgang der Betriebsunfallziffer zwischen dem
dritten und letzten Viertel des Jahres 1949 zu verzeichnen. In
40 anderen war keine bemerkenswerte Veraenderung festzustellen.
Nur 20 Industriezweige hatten hoehere Unfallziffern im letzten
Viertel von 1949.
Nur aus zwei Industriezweigen wi^d ein Ansteigen der Betriebsunfallziffer um mehr als 5 Punkte gemeldet - in den Saegemuehlen
von. 53.8 im dritten Viertel auf 59,6 im vierten Viertel; und in
der Toepfereiindustrie von 13,8 auf 20,3. Dagegen weisen 14 verschiedene Industriezweige ein Absinken der Betriebsunfallziffern
- 10 -

�um mehr als 5 Punkte auf. Am bemerkenswertesten ist dieses
Ahsinken in der Getraenkeindustrie, wo die Ziffer von 37,8 auf
28,1 zurueckging; ausserdem in der Kunstduengerherstellung (von
29,8 auf 17,5).
Die hoechsten Betriebsunfallziffern waren im letzten Viertel
des Jahres 1949 in folgenden Industriezweigen zu verzeichnen:
Plolzfaellen mit 77,9 Betriebsunfaellen pro Million Arbeitsstunden,
Saegemuehlen mit 59,6 und kombinierte Saege- und Hobelwerke mit
43,0 Betriebsunfaellen. Die Industriezweige mit den niedrigsten
Betriebsunfallziffern waren: Sprengstoffe (1,3), synthetische
Textilfawier (2,2), komprimierte und fluessige Gase (2,6), optische
Geraete (3,0), Flugzeug herStellung (3,3) und synthetischer Gummi
(3,4).
Die niedrigsten Gesamtziffern fuer das gesamte Jahr waren:
In der SprengstoffIndustrie 1,6, in der Herstellung synthetischen
Gummis 2,3, synthetischer Textilfaser 2,3, in der optischen Industrie 3,2 und in der Elektroindustrie (Lampen und Gluehbirnen)
3,3.
Labor Information Bulletin
Mai 1950.
TOBIN GEGEN AUSDEHNUNG DER ANTITRUST GESETZE AUF GEWERKSCHAFTEN
In einer Erklaerung vor einem Unterkomitee des Rechtsausschusses des Senats brachte der US Arbeitsminister J. Tobin
kuerzlich zum Aftsdruck, dass Antitrust Gesetze allein nicht
dazu angetan seien, die Beziehungen zwischen Gewerkschaften
und Unternehmern in konstruktiver Weise zu regeln. Er nahm
damit zu der Gesetzesvorlage Nr. 2912 an den Senat Stellung.
Durch die Bestimmungen dieser Vorlage, heisst es In der
Erklaerung, koennten die Gewerkschaften fuer die Verfolgung bestimmter, ungesetzlicher Ziele von der Regierung der Vereinigten
Staaten strafrechtlich belangt werden. Ausserdem seien sie dadurch privaten Zwangsmassnahmen und Prozessen und Verfolgungen
auf Grund der Gesetze ueber "strafbare Verse hwoerungen" ausgesetzt.
"Ich lehne jegliche Gesetze ab", erklaerte Arbeitsminister
Tobin, "durch die man versucht, zu den Verhaeltnissen jener
dunklen Tage zurueckzukehren, in denen Antitrust Gesetze gewoehnlich dazu dienten, die Gewerkschaften zu unterdruecken und
zu beseitigen."
Die von Senator A. Willis Robertson (Virginia) eingereichte
Gesetzesvorlage wuerde die Arbeitgeber- Arbeitnehmer Beziehungen
in allen amerikanischen Grundindustrien wieder in einen Zustand
der "Beherrschung durch Zwang" versetzen, fuehrte Tobin weiter aus.
Sie fuehre damit die Sprache des urspruenglichen Sherman Gesetzes,
in dem man verfehlt habe, Normen fuer den Begriff "unvernuenftige
Hemmung des Handels durch die Gewerkschaften" aufzustellen, die
den Gerichtshoefen als Richtlinien haetten dienen koennen. Er
wies darauf hin, dass das Sherman Gesetz am wirksamsten als vVaffe
gegen die Gewerkschaften zur Anwendung gekommen sei.
Tobin gab seiner Vermutung Ausdruck, dass der Grund zur Vorlage dieses Gesetzes in dem Wunsch zu suchen sei, ein wirksames
Mittel zur Beilegung der Arbeitsstreitigkeiten in der bituminoesen
Kohlenbergbauindustrie zu finden. Er legte dem Unterausschuss
nahe zu bedenken, dass eine Aenderung der Gesetzgebung, die in der
Absicht vorgenommen wurde, eine Lage in einem Zweig unserer Indus-

- 11 -

�trie zu klaeren, sich oft weit ueber das Uebel hinaus ausdehnen
kann, gegen das sie gerichtet war, und akzeptierte Taetigkeiten
und Uethoden in anderen Zweigen der Industrie unterdruecken kann.
Er unterstrich", wie wichtig es sei, vor einer Entscheidung ruhig
und sorgfaeltig die Tatsachen zu ueberpruefen.
Arbeitsminister Tobin forderte mit allem Nachdruck den
Unterausschuss auf, die Gesetzesvorlage abzulehnen, -^r versicherte,
dass sie gegen das gesamte System der Kollektiwerhandlungen, und
damit das Herz der Arbeitgeber- Arbeitnehmer Beziehungen gerichtet
sei. Abschliessend erklaerte er, diese Gesetzesvorläge wuerde,
wenn genehmigt, den Arbeitgeber- Arbeitnehmer Beziehungen in den
Vereinigten Staaten grossen Schaden zufuegen.
Labor Information Bulletin
April 1950
- IS -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFICIAL

KC00 »-1077 L H

Julj }0 17} C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
#
Die folgenden Artinel stellen Auszüge aus de'r amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 14

Frankfurt, 9. Juni 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Punkt Vier: Das amerikanische Hilfsprogramm fuer
wirtschaftlich zurueckgebliebene Laender - - - - Mexikanischer Gewerkschaftsbund tritt aus dem Weltgewerkschaftsbund aus - - - - - - - - - - - - - - Lebenshaltungskosten in Grosstaedten der Vereinigten
Staaten - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Gewerkschaften in China - - - - - - - - - - - - - - Fachabteilung der Chemiearbeiter gegruendet - - - - Jugoslawien bricht mit dem Weltgewerkschaftsbund - - Bund Christlicher Arbeiter Frankreichs lehnt Einladung
des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften ab
Ernennungen im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Amerikanischer Berater fuer Arbeitsfragen zur Rolle
der deutschen Gewerkschaften - - - - - - - - - - Wiederaufleben der Konkurrenz zwischen den Haefen
Hamburg und Triest - - - - - - - - - - - - - - - Die Tagung des Exekutivausschusses des ICFTU - - - Ein maoehtiges Bollwerk - - - - - - _ _ _ - _ _
Allgemeiner Boykott gegen die Schiffe Panamas - - - Die demokratische Gewerkschaftsbewegung Boliviens - Probleme um die Beschaeftigung aelterer Arbeitskraefte

1
5
6
7
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13
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15

PUNKT VIER: DAS AMERIKANISCHE HILFSPROGRAMM FUER WIRTSCHAFTLICH
ZURUflCKGEBLIEBENE LAENDER
In seiner Botschaft vom 24. Juni 1944 begruendete Praesident
Truman die Notwendigkeit eines neuen Hilfsprogramms, das der wirtschaftlichen Entwicklung einiger aussereuropaeischen Laender dienen
soll. Hierbei soll einmal eine Unterstuetzung in rein technischer
Hinsicht erfolgen, zum andern ist eine Pruefung 4er Moeglichkeiten
vorgesehen, wie private Mittel in diese wirtschaftliche Entwicklung
eingeschaltet werden koennen.
In der Zwischenzeit sind vom Repraesaentantenhaus und Senat 45
Millionen Dollar bewilligt worden, um die technischen Voraussetzungen fuer die Verwirklichung des Hilfsprogramms schaffen zu koennen.
Weitere 12 Millionen Dollar werden von anderen Mitgliedsstaaten der
JNO aufgebracht. Im einzelnen soll die Gesamtsumme wie folgt verteilt werden:
- 1 -

�Amerikanische Republiken
Naher Osten (Afrika)
Ferner Osten (ausser Suedasien)
Suedasien

21.128.000 Dollar
18.926.000
»
8.721.000
"
8.305.000
"
57.080.000 Dollar

Diese Betraege erscheinen verhaeltnismaecsig gering angesichts
der geradezu riesigen Aufgabe, die hier gestellt worden ist. Aber
diese Summen sollen nur dazu dienen, um Informationen zu schaffen
und aus diesen wiederum Schluesse auf die vorliegenden Probleme zu
ziehen. So muessen zur Loesung des Arbeitsproblems Ratschlaege gegeben werden, wie der Lebensstandard zu heben ist, wie Unfallverhuetung und Gesundheitsfuersorge zu etwas selbstverstaendlichem
werden, wie gerechte Arbeitsbedingungen zu schaffen sind und schliesslich wie die Arbeiter jener. Laender ermuntert werden koennen, T&amp;rifvertraege durchzusetzen.
Es ist somit ein langer Weg von der Planung bis zur Verwirklichung - die Wege selbst werden jedoch keineswegs immer die gleichen
sein. Ohne Zweifel werden in Indonesien andere Mittel gesucht werden muessen als in Paraguay, wiederum andere in Aegypten als in
Mexiko. Bei der Planung hat bereits die Statistik wertvolle Dienste
leisten koennen. Hierbei wurden verschiedene Reihen ausgearbeitet,
wobei sich die Merkwuerdigkeit ergab, dass die Reihenfolge der unterentwickelten Staaten in der Statistik ziemlich die gleiche ist, auch
wenn die Themen der Statistik sich aendern. Fast automatisch gelangte man zu einer Art Wohlstandsindez, wobei die einzelnen Staaten in
drei Gruppen eingeteilt wurden. Es genuegt hier, die Ergebnisse
jener Staatengruppen zu beleuchten, wo das Jahreseinkommen je Kopf
der Bevoelkerung unter 100 Dollar liegt - diese Unterscheidung nach
dem durchschnittlichen Einkommen erscheint zwar sehr oberflaechlich,
sie liefert jedoch bereits brauchbare Werte. In die Gruppe jener
Laender gehoeren 28 Staaten, die jedoch 2/3 der gesamten Erdbevoelkerung umfasst. Es handelt sich hierbei um die Staaten:
Cuba
Polen
Venezuela
Palaestina
Columbien
Panama
Mexiko
Dominikanische Republik
Nikaragua
Bolivien
San Salvador
Ekuador
Indien
China

Jugoslawien
Japan
Aegypten
CostaRika
Peru
Ceylon
Uruguay
Haity
Guatemala
Honduras
Brasilien
Paraguay
Philippinen
Indonesien

Eine Unterteilung, die bereits wesentlich weiter geht als jene
nach dem Einkommen, ist durch den Index der Lebenserwartung gegeben.
So werden in den Laendern mit einem Einkommen ueber 200 Dollar die
Menschen durchschnittlich 63, in den Laendern mit einem Einkommen
ueber 100 Dollar durchschnittlich 52 Jahre alt, waehrend in den
Laendern der letzten Gruppe, die hier aufgezaehlt wurden, die Lebenserwartung auf 40 Jahre begrenzt ist. Wenn jedoch die Lebenserwartung fuer den Chinesen und den Indoneser ebenso hoch angesetzt
wird wie fuer den Inder, so ergibt sich sogar nur ein durchschnittliches Lebensalter von 30 Jahren.
Aehnliche Differenzierungen erbringen statistische Uebersichten
ueber die Verbreitung der Tuberkulose. Diese Krankheit hat nur sehr
wenig mit dem Klima zu tun - im Gegensatz zur Malaria. Sie ist
- 2 -

�jedoch die typische Seuche in armen, uebervoelkerten Gegenden und
.-^t haeufiger in»Staedten als auf dem Lande zu finden. In gleichen
Gebieten befaellt die Tuberkulose wiederum vor allem jene Kreise,
lie unter schwierigeren Lebensbedingungen zu leiden haben. Dies
drd besonders deutlich, wenn jene erwaehnte Einkommensgruppierung
iuch auf die Tuberkulosestatistik angewendet wird. In Laendern mit
linem Durchschnittseinkommen von mehr als 200 Dollar jaehrlich -ster&gt;en an Tuberkulose von 100.000 Einwohnern jaehrlich 64, in Laendern
lit einem Durchschnittseinkommen ueber 100 Dollar belaeuft sich die
;ahl der jaehrlichen Tuberkuloseopfer auf 143, waehrend in jenen Laen'ern, in denen der einzelne weniger als 100 Dollar im Jahr verdienen
:ann, die Seuche 333 Opfer fordert.
Aehnliche Resultate ergibt die Zaehlung der Analphabeten. In
len Laendern der hoechsten Einkommensgruppe ist sie verhaeltnismaessig unbedeutend, sie steigt jedoch in den Staaten der mittleren Grup&gt;s bereits auf 20% an und in der letzten Gruppe - das sind jene Laenler, wo der Einzelne weniger als 100 Dollar im Jahre verdient - auf
'8%.
Bei einer Betrachtung der Zahl der verbrauchten Kalorien ergeben
sich aehnliche Ergebnisse. Euer die erste Gruppe laesst sich ein taeg.icher Kalorienverbrauch von 3040 feststellen, in der letzten jedoch
mr 2051. Diese Zahl fuer sich laesst noch nicht allzu viel Rueck;chluesse zu, wird jedoch der Verbrauch an Eiweisstoffen und Fetten
genauer ueberprueft, so stellt sich heraus, dass in der letzten Orup&gt;e an Proteinen nur etwa 18% gegenueber dem Verbrauch der ersten
Gruppe erreicht werden, bei Fetten sind es rund 33%. Auch in dieser
tichtung laesst sich somit eine klare Schichtung der Laender in bestimmte Gruppen durchfuehren.
Ueberraschend gleichartige Resultate zeigt ein Vergleich des
Spinnstoffverbrauchs. Hier wird in der letzten Gruppe nur etwa 28%
les Bedarfs der hoeheren Einkommensgruppe benoetigt, wobei Wolle, Baumvolle und Kunstseide beruecksichtlgt sind.
Alle diese Merkmale reichen jedoch noch nicht aus, um die wirtschaftliche Situation der einzelnen wirtschaftlich unentwickelten Laenler genauer zu umreissen. Eine Anzahl technischer Daten genuegt jedoch,
im zu weiteren Schluessen zu kommen. Die Zahl der taeglich benoetigten
'ferdekraefte (PS) belaeuft sich in Laendern der Einkommensgrunpe ueber
200 Dollar auf 26,6 PS im Durchschnitt, auf je 1000 Einwohner gerechlet, waehrend in den Laendern der niedrigsten Gruppe nur etwa 1,2 PS
rerbraucht werden. Hier zeigt sich bereits eindeutig, wie gross die
wirtschaftliche Rueckstaendigkeit jener Laender ist. Das gleiche erriet sich in Bezug auf die Motorisierung: Auf tausend Einwohner enteilen in der ersten Gruppe 111 Fahrzeuge, in den Laendern der untersten Gruppe jedoch nur ein einziges Fahrzeug. Aehnliche Unterschiedlichkeiten ergeben sich in Bezug auf die Zahl der Telefone, die Zahl
ler Gleiskilometar oder den Umfang der befoerderten Frachten.
Wenn jetzt nach Moeglichkeiten gefragt wird, die diese wirtschaftlich zurueckgebliebenen Laender von sich aus ergreifen koennen, um
sinige Schritte vorwaerts zu gehen, so ist dies vor allem auf dem Geriete des Schulunterrichts und der aerztlichen Versorgung moeglich,
"enn in den Laendern der hoeheren Einkommensgruppe auf tausend Einwohler vier Lehrer entfallen, so sind es in der untersten Gruppe nur 1,76.
Jei Aerzten belaufen sich die entsorechenden Zahlen auf 1,06 und 0,17.
Iier ergibt sich bereits, dass ohne genuegende Hygiene- und Erziehungsoa33nahmen ein wirtschaftlicher Aufschwung der zurueckgebliebenen Laenler unmoeglich ist.
:en.

Es wuerde zu weit fuehren, die Statistiken im einzelnen anzufuehAm Schluss der meisten Tabellen steht fast immer Indonesien. Das
- 3-

�Durchschnittseinkommen belaeuft 3ich hier auf 22 Dollar. 92% der
Einwohner sind Analphabeten, die Tuberkulosesterblichkeit ist Desonders hoch, die Zahl der verbrauchten PS je Tag und tausend Einwohner
belaeuft sich auf 0,4, auf tausend Einwohner entfallen 0,6 Telefone
und 0,02 Aerzte.
Die Zahlenwerte der Statistik zeigen bereits auf, welche Laender
am dringendsten der wirtschaftlichen Entwicklung K'iuerfen, eine Entwicklung, die jenen Laendern nicht aus eigener Kraft moeglich ist.
Ebenso eindeutig geht aber aus diesen Zahlenwerten hervor, dass eine
wirtschaftliche Erschliessung nur dann moeglich ist, wenn Hand in
Hand mit den rein wirtschaftlichen Problemen auch die Voraussetzungen
gegeben werden, auf dem Gebiete der Schule und der Hygiene entsprechende Massnahmen zu treffen.
*
Die Weltgesundheitsorganisation hat bereits mit der Zusammenarbeit in einer Reihe von Laendern begonnen, wo die Regierungen bei der
Loesung besonderer Fragen unterstuetzt wurden. Die Sorge gilt vor
allem der Bekaempfung der Malaria und der Tuberkulose sowie der Hautund Geschlechtskrankheiten. Je breiter die Basis ist, auf der dieser
Kampf aufgenommen wird, um so groesser sind die Erfolge, die sich erzielen lassen. Das Programm der Weltgesundheitsorganisation umfasst
weiterhin die Sorge fuer die Gesundheitspflege der Kinder und Muetter,
die Verbesserung der sanitaeren Einrichtungen und vor allem die Modernisierung internationaler QuarantaenebeStimmungen.
Neben der Weltgesundheitsorganisation ist auch die UNESCO sehr
aktiv auf ihrem Gebiet gewesen, das die fundamentalen Erziehungsfragen
und die Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse umfasst. In jenen
Laendern ist vor allem der üufbau von Elementarschulen notwendig,
aber auch Universitaeten muessen hier gegruendet werden, damit eine
geistige Elite herangebildet werden kann. Erst durch eine wirksame
Bekaempfung des Analphabetentums laesst sich ein dauernder wirtschaftlicher Erfolg erzielen. Die UNESCO hat in einer Reihe wirtschaftlich
zurueckgebliebener Laender bereits «ine Reihe Massnahmen durchgefuehrt,
um auch auf diese.-n Gebiete die Entwicklung dieser Laender voranzutreiben.
Die Internationale Arbeitsorganisation hat ebenfalls eine Reihe
Beitraege geleistet, um die Arbeits- und Lebensbedingungen jener Laender zu heben. ^Gegenwaertig ist sie damit beschaeftigt, vor allem
Fragen des Arbeitseinsatzes, der Koalitionsfreiheit fuer gewerkschaftliche Organisation, der sozialen Sicherheit und der beruflichen Ausbildung zu loesen, wobei mit besonderer Sorgfalt die Fragen der Beschaef tigunp; von Kindern und Frauen behandelt werden. Besonderer Wert
wird darauf gelegt, solche Fertigkeiten zu entwickeln und zu nutzen,
wie sie gerade in den '.venia; entwickelten Laendern anzutreffen sind.
Berufliche Ausbildung und jene des Arbeitsnlatzes selbst, die Organisation der Arbeitsvermittlung und die Schleusung von Arbeitskräften
sind weitere Beispiele fuer die Aufgaben der Internationalen Arbeitsorganisation. Sie ist weiterhin bestrebt, die Summe von Erfahrungen,
die in anderen Laendern in Bezug auf Sicherheitsfragen und ueberhaupt
den gesamten Bereich der Arbeitsfragen gewonnen werden konnten, fuer
die Entwicklungsarbeiten zur Verfuegung zu stellen.
Waehrend des Jahres 1949 sind zahlreiche deutsche Gewerkschaftler
und Spezialisten auf dem Gebiet der Arbeitsfreien in die Vereinigten
Staaten gekommen, um dort einen Ein.blick in die Verhaeltnisse zu gewinnen. Eine aehnliche Zusammenarbeit ist jetzt auch in jenen Laendern
vorgesehen, wo das Punkt-Vier-Programm zur Durchfuehrung kommen soll.
Genau so wie die deutschen Besucher die Moeglichkeit hatcen, ihre in
den Vereinigten Staaten gewonnenen Erfahrungen und Beobachtungen in
Deutschland selbst zu erproben und gegebenenfalls zu verwirklichen,
4 -

�genau so werden die aus den wirtschaftlich zurueckgebliebenen Laendern in die Vereinigten Staaten entsandten Spezialisten ihre Beobachtungen verwerten. Natuerlich wird es diesen Fachleuten wesentlich
schwieriger werden, ihre Erfahrungen zu realisieren, da haeufig
genug in einzelnen Laendern noch alle Voraussetzungen fehlen, um
auch auf dem Gebiet der Arbeitsfragen wirksame Aenderungen der Verhasltnisse herbeizufuehren. Der erste Schritt wird darin bestehen
muessen, lokale gewerkschaftliche Organisationen zu gruenden, die
«ich nach und nach auf groesserer Basis zusammenschliessen und dadurch
die Moeglichkeit gewinnen,entscheidend den Gang der Ereignisse beeinflussen zu koennen.
Hand in Hand mit diesen Bemuehungen muessen selbstverstaendlich•
individuelle technische Fragen geloest werden, die in den einzelnen
Laendern sehr verschieden sein werden, wobei sich sogar noch Unterschiedlichkeiten in einzelnen Gegenden des gleichen Landes ergeben
werden. Die Organisation dieser technischen Vorarbeiten ist jedoch
9benso umfangreich wie sie spezialisiert sein muss, sodass schon
nach einer verhaeltnismaessig kurzen Zeit Untersuchungsergebnisse vorliegen werden, die dann die Voraussetzungen fuer die weitere Bearbeitung der einzelnen Fragen ergeben.
Im Gegensatz zum Marshall-Plan sollen nach der Beendigung der
technischen und organisatorischen Vorbereitung keine staatlichen Gelder der eigentlichen wirtschaftlichen Erschliessung dienen, sondern
private Kapitalien sollen hier Anlagemoeglichkeiten finden. Durch
die umfangreichen Vorarbeiten, die die internationalen Organisationen
leisten, wird sich jedoch sehr genau feststellen lassen koennen, wo
wirkliche Entwicklungsmoeglichkeiten bestehen, zumal einzelne Staaten
ueber sehr umfangreiche, jedoch noch unerschlos3ene Bodenschaetze verfugen. Es wird hier also eine grosse Anzahl Ansatzpunkte geben, wobei
die Berichte der Experten genuegendes Informationsmeterial geben
koennen.
Es ist zu erwarten, "dass durch eine grosszuegige Inangriffnahme
des Punkt-Vier-Programmes die Weltwirtschaft eine nachdrueckliche Belebung erfaehrt, die vor allem dann gegeben ist, wenn durch eine planmaessige Zusammenarbeit und die Zurverfuegungstellung genuegender Kapitalien diese Arbeiten auf lange Sicht durchgefuehrt werden.
V3 CIKANIr- GHER GEV:ERKSCHAFTS3UND TRITT AUS DSM '.VELTGEV.'ERKSCILAFTSBUND

25g

*

Der Gewerkschaftsbund Mexikos (CTlO , der unter der Fuehrung Lombardo Toledanos der Gruender des Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbundes (CTAL) war und Jahre hindurch das Bollwerk dieser Organisation
blieb, sprach sich auf seinem Kongress, der vor kurzem in der Stadt
Mexiko stattfand, mit ueberwaeltigender Mehrheit fuer den Austritt
sowohl aus dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund (CTAL) als auch
aus dem kommunistisch kontrollierten 7/eltgewerkschaftsbund (WFTU)
aus.
•

Auf dem Kongress wurde Senator Videl Velasquez zum neuen Generalsekretaer der Organisation gewaehlt. Der Exekutivausschuss wurde ermaechtigt, selbst zu entscheiden, welche internationalen Verbindungen
der CTM einzugehen habe.
Sachkenner, die an den Besprechungen des CTM ueber die internationalen Verbindungen teilgenommen haben und den Standpunkt des Generalsekretaers Velasquez kennen, behaupten, dass der CTM in Kuerze dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften beitreten wird. Mit dem Interamerikanischen Gewerkschaftsbund, dem CIO und anderen Gewerkschaftsgrupnen wird voraussichtlich eine regionale Organisation fuer die westliche
Hemisnhaere errichtet.
Inter-American Labor News (CIT)
V/1950
- 5-

�LEBENSHALTUNGSKOSTEN IN GROSSTAEDTEN DER VEREINIGTEN STAATEN

Index (1935-39-100)
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15. Jan.

15Juli.

1946

15. Jan.

15Juli.

194?

15Jan.

15. Juli.

1948

15Jan.

15.Juli.

1949

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anAlSMärz
15.

1950

Die Preise, die Familien mittlerer Einkommensgruppen in grossen
Staedten der Vereinigten Staaten fuer Nahrungsmittel und Dienstleistungen zahlen, zeigen jetzt eine fast ununterbrochen fallende Tendenz, nachdem die Lebenshaltungskosten der Nachkriegszeit im August
1948 ihren Hoechststand erreicht hatten.
Die Mieten dagegen zeigen - im Gegensatz zu den meisten vom
Statistischen Buero des US-Arbeitsministeriums fuer seinen Verbraucherindex errechneten Posten - eine stetige Aufwaertsentwicklung.
Auch die Preise fuer Brennstoff und Elektrizitaet liegen etwas
hoeher.
Am deutlichsten machte sich diese Abwaertsbewegung der Lebenshaltungskosten an den Preisen fuer Nahrungsmittel bemerkbar. Die
Preise fuer Bekleidung, Haushaltsgegenstaende und andere Artikel
weisen ebenfalls eine fallende Tendenz auf. In keinem Falle jedoch
sind die Preise in dem gleichen Tempo zurueckgegangen, in dem sie
nach Kriegsende und in der Zeit von Juli 1946 (als die Preisueberwachung zum groessten Teil aufgehoben wurde) bis zum Sommer 1948
(Hoechststand) angestiegen sind.
Die Mieten, die als einziger Posten im Verbraucherindex staendig anstiegen und auch noch weiter anziehen, haben diese steigende
Tendenz im Jahre 1947 begonnen, als die waehrend des Krieges erlassenen Preisbestimmungen etwas gelockert wurden. Von Mitte 1946 bis
Mitte 1947 blieben sie praktisch unveraendert, waehrend andere
Posten des Verbraucher-Preisindex' sprungartig in die Hoehe gingen.
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�Angesichts der seit 1948 zurueckgehenden Preise ist zu erwarten, dass die Verbraucher in diesem Jahre einen geringeren Teil ihres
Einkommens fuer Nahrungsmittel verwenden werden als im Jahre 1949.
1947 und 1948 beliefen sich die Ausgaben füer Nahrungsmittel auf rund
33% der Einkommen.,
"Labor Information Bulletin"
IV/1950
GEWERKSCHAFTEN IN CHINA
Nach Zeitungsberichten aus Shanghai ist ein gewisser Widerstand
gegen die neugegruendete Allgemeine Gewerkschaft von Shanghai zu verspueren. "Liberation Daily" behauptete zwar vor kurzem,87,52% der
Arbeiter der Stadt seien gewerkschaftlich organisiert, gleichzeitig
aber vermisst die Zeitung jede spontane Aktion, mit der sich die Arbeiter dieser Organisation anschliessen. Weiter wird berichtet, dass
in grossen industriellen Unternehmen das revolutionaere Bewusstsein
nicht genuegend entwickelt ist, die alten Fuehrer muessen umgeschult
werden, damit sie zu tuechtigen Organisatoren unter dem neuen System
erzogen werden koennen. Massnahmen zur Bekaempfung der Saboteure
sind bereits ergriffen.
Vielsagend ist auch die Feststellung, dass "in Fabriken, in •
denen reaktionaere Einfluesse noch vorherrschen, eine Politik zur
Mobilisierung der Massen und zur Organisierung eines Kampfes betrieben werden muss, der sich gegen besondere Agenten richte, die röckstaendige Elemente unter den Arbeitern zur Verbreitung von Geruechten
und anderen Sabotageakten benutzen und sogar den mit der gewerkschaftlichen Organisationsarbeit beauftragten Maenner offen entgegenarbeiteten." "Aber," so heisst es weiter, "diese subversiven Elemente konnten bald isoliert werden: nachdem die Arbeiter aufgeklaert wurden, hatten die Agenten schnell ausgespielt."
"Man muesse beachten," schreibt die Zeitung weiter, "dass der
Aufnahme in die Gewerkschaft eine gruendliche Aufklaerung, insbesondere die Befreiung von reaktionaeren Ideen; vorausgehen muesse."
Trotzdem wurden Vorkehrungen getroffen, um die Wahl, bestimmter Funktionaere sicherzustellen. "Auf oeffentlichen Versammlungen," heisst es
dann, "hat man Massnahmen ergriffen, damit die Massen aelteren Arbeitern vertrauen und deren Wahl damit gesichert ist." In den meisten
Betriebs- und Industriegewerkschaften wurden die Wahlen nach dem indirekten Abstimmungssystem durchgeführt, das heilst, die Waehler
waehlten durch ihre Vertrauensleute.
Trotz der Fuelle dieser Massnahmen sagt der Artikel jedoch weiter: "Diese Methode erwies sich in den meisten Faellen als zufriedenstellend." In diesem "Arbeiterstaat" muessen alle Tarifvertraege
von der Regierung genehmigt werden und koennen durch eine Vereinbarung
zwischen Unternehmern und Regierung rueckgaengig gemacht, aber auch
von der Regierung abgeaendert werden. Rahmentarifvertraege sind fuer
die gesamte Industrie verbindlich erklaert worden. Kleinere Tarifverhandlungseinheiten, wie z.B. Lokalgewerkschaften, koennen somit
Vertraege nur im Rahmen des fuer die Industrie geltenden Vertrages
abschliessen.
FACHABTEILUNG DER CHEMIEARBEITER GEGRUENDST
Der Weltbund der Arbeiter aer Cnemischen Industrie, eine Fachabteilung des Weltgewerkschaftsbundes, wurde vor kurzem auf einem
Treffen in Budapest gegruendet. Die Zeitungen berichten, dass
Eugenie Guidi, der Generalsekretaer der Italienischen Chemiearbeiter- 7-

�gewerkschaft, zum Praesidenten gewaehlt wurde. Die beiden Vizepresidenten sind N. M. Kawalljoff, Praesident des Zentralkomitees der
Sowjetischen Chemiearbeitergewerkschaft, und Paul Pigelet, Generalsekretaer der franzöesischen Chemiearbeitergewerkschaft. Zum Sekretaer wurde Ferencz Bozoki, Ungarn, ernannt.
Delegierte aus 12 Laendern sollen an der Gruendungskonferenz
teilgenommen haben: Bulgarien mit Dimitar Christov Kriwasieff; die
Tschechoslowakei mit Adolph Babulik; Frankreich mit P. R. Champion,
Robert Paul und Paul Pigelet; fuer Deutschland (Ostzone) sind keine
Namen genannt; das "Freie Griechenland" mit Konstantin Theosz und
Theos Kostas; Ungarn mit Jozsef Darvas, Sandor Szilagyi, Arpad
Radios, Ferencz Bozoki, Gyorgy Gati, Ilona Hatala; Italien mit Eugenie Guidi, U. Stokkero, M. Piacentini, D. Bianconi und 0. MarChi;
Korea (Nord) mit Li Ven Yong, Rak Im Sun und Li Do Yin; Polen mit
Viktor Drozd; fuer Rumaenien sind keine Namen angegeben; die Sowjetunion mit N. M. Kawalljoff, Yanalieff und Taratonyln; und schliesslich
Venezuela mit Rudolfo Quintero. Ausserdem wurde die Anwesenheit einiger Beobachter aus Oesterreich, Schweden und Norwegen berichtet.
Als Delegierte des Weltgewerkschaftsbundes waren Boleslaw Gebert,
3ekretaer des Weltgewerkschaftsbundes und £• Schultz zugegen.
JUGOSLAWIEN BRICHT MIT DEM WELTGEWERKSCHAFTSBUND
Als Antwort auf den Ausschluss ihres Praesidenten, Djuro Salaj,
aus dem Exekutivrat des Weltgewerkschaftsbundes hat sich die Generalkonferenz der Jugoslawischen Gewerkschaften durch eine Abstimmung
fuer den Abbruch ihrer Beziehungen zum Weltgewerkschaftsbund ausgesprochen. Der jugoslawische Gewerkschaftsvorstand teilte diese Entscheidung dem Weltgewerkschaftsbund und den ihm angeschlossenen
Koerperschaften mit.
BUND CHRISTLICHER ARBEITER FRANKREICHS LEHNT EINLADUNG DES INTERNATIONALEN BUNDES FREIER GEWERKSCHAFTEN AB
Der Exekutivausschuss des Bundes Franzoeslscher Christlicher
Arbeiter (CFTC) beschloss durch eine Abstimmung, sich nicht dem
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften auf der Basis des Vorschlags der neuen Internationale anzuschliessen. In diesem wird
gefordert, dass der CFTC bis zur naechsten Konferenz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften im November 1951 die Christliche
Internationale (CISC) zu verlassen hat.
ERNENNUNGEN IM INTERNATIONALEN BUND FREIER GEWERKSCHAFTEN
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften in Bruessel hat
sechs Positionen mit bewaehrten Kraeften besetzt.
Die Wlrtschafts- und Sozialabteilung leitet Alfred Braunthal,
der ehemalige Direktor der Forschungsabteilung in der Internationalen
Gewerkschaft der Hut-, Muetzen- und Putzmacher (AFL).
In der Abteilung Bildung, Schrifttum und Propaganda leitet das
Ressort Presse und Propaganda J. A. Riddell, der ehemalige Informationsbeamte der britischen Gesandstschaft in Polen. Das Ressort
Bildung hat Hans Gottfurcht uebernommen, der bisherige Verbindungsmann der deutschen Gewerkschaften zum britischen Gewerkschaftsbund
(TUC). Er ist heute britischer Buerger, in der Nazizeit fluechtete
er aus Deutschland. Da3 Ressort Schrifttum bearbeitet Edward Thompson, der fruehere Sachbearbeiter fuer Presse und Veroeffentlichungen
- 8-

�im Verbindungsausschuss der Internationalen Sozialistischen Konferenz (Britische Organisation).
Die Abteilung Organisation ist noch nicht besetzt, das Ressort
Finanzwesen leitet Albert Van Campf, e^n gebuertiger Belgier, der im
Internationalen Transportarbeiterverband taetig war, das Ressort
Korrespondenz und Registratur untersteht Frau Cabossel, bisher Vorständsmitglied der "Force Ouvriere," Frankreich.
i?!BRIKANISCHER BERATER FUER ARBEITSFRAGEN ZUR ROLLE DER DEUTSCHEN
GEWERKSCHAFTEN
Harvey %• Brown, der Direktor der Abteilung fuer Arbeitsangelegenheiten in der Hohen Kommission, berichtete in einem Interview mit
Spero Galanopulo, dem Kachrichtenherausgeber der Berliner Rundfunkstation AFN, den Hoerern ueber die Entwicklung der deutschen Gewerkschaften in der Nachkriegszeit.
Er brachte seine Ueberraschung ueber das Tempo zum Ausdruck, mit
dem es den deutschen Gewerkschaften gelungen ist, sich nach 1945 wieder zu organisieren. Mr. Brown berichtete seinen Zuhoerern, dass der
Deutsche Gewerkschaftsbund am 1. Januar 1950 rund 5 Millionen Mitglieder zaehlte, die in 16 Industriegewerkschaften organisiert sind. Die
Gesamtzahl der Industriearbeiter belief sich zu diesem Zeitpunkt auf
13.340.000. Nach Mr. Browns Auffassung bedeutet dies, dass in Westdeutschland heute ein groesserer Prozentsatz der Arbeiter gewerkschaft
] ich organisiert ist als in den Vereinigten Staaten.
Mr. Brown nahm zu dem Problem der Arbeitslosigkeit in Westdeutsch
land Stellung und sorach sich fuer einen verbesserten Lebensstandard
der Bevoelkerung aus, der durch die Erweiterung des inlaendischen Absatzmarktes ermoeglicht werden koennte. Er ermahnte die Fuehrer der
westdeutsehen Industrie, sich ihrer Verantwortung gegenueber dem
deutschen Volke bewusst zu sein, und gab seiner Ueberzeugung Ausdruck,
dass Deutschland sein Arbeitslosenproblem loesen koenne.
Mr. Brown wies auf die Notwendigkeit hin, das kulturelle Austaus chprograram zu erweitern, um mehr Vertretern der Gewerkschaftsbewegung Gelegenheit zu ,?eben, mit amerikanischen Gewerkschaftlern zusammenzutreffen und den amerikanischen Lebensstandard und amerikanische Fertigungsmethoden ihres Arbeitsgebietes kennenzulernen. Nach
seiner Ansicht sei "damit viel mehr getan.als mit dem Lernen an Hand
von Buechern." Mr. Brown berichtete, dass bis jetzt 244 Gewerkschaftsvertreter im Rahmen des kulturellen Austauschprogramms die
Vereinigten Staaten besucht haben.
Mitteilung der Abteilung fuer Oeffentliche
Beziehungen der Hohen Kommission in Berlin

WIEDERAUFLEBEN DER KONKURRENZ ZWISCHEN DEN HAEFEN HAMBURG UND TRIEST
In Schiffahrts- und Industriekreisen Triests macht sich eine gewisse Beunruhigung ueber die wachsende Konkurrenz des Hamburger Hafens
bemerkbar.
In der Vorkriegszeit war Hamburg einer der schaerfsten Konkurrenten Triests, nachdem es dieser Stedt durch den Zusammenbruch des oesterreichisch-ungarischen Reiches gelungen war, einen grossen Teil des
Verkehrs, der vorher ueber Triest gegangen war, zu uebernehmen.
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�Nach einem Konkurrenzkampf auf Leben und Tod wurden durch ein
Abkommen die Einflussphaeren der beiden Haefen festgelegt. Als
Deutschland jedoch in den dreissiger Jahren die Balkanlaender wirtschaftlich eroberte, bestand diese Vereinbarung nur noch auf dem
Papier, der Kampf um die Vorherrschaft aber ging in unverminderter
Staerke weiter.
Nach dem Zweiten V/eltkrieg hatte Triest anfaenglich wenig Grund
zur Klage. Die Lage besserte sich staendig, einmal hinsichtlich des
Durchgangsverkehrs, zum andern fuer die Schiffahrt, und damit auch
fuer den Hafen betraechtlich. Diese aeusseren Prosperitaetserscheinungen truegten jedoch, und Triest hatte bald wieder Sorgen. Das
natuerliche Hinterland des Hafens war hinter dem dortigen Eisernen
Vorhang verschwunden, der groesste Teil des Durchgangsverkehrs bestand aus ERP-Ladungen und aus Versorgungsguetern fuer die amerikanischen und englischen Truppen im Freigebiet. Die Tschechoslowakei und- Ungarn bedienten sich in zunehmendem Masse der Donau als
Transportweg zum Mittellaendischen Meer, waehrend Jugoslawien in
Fiume einen ausgezeichneten Hafen besitzt.
Mit dem Wiederaufleben der deutschen Konkurrenz ergibt sioh
fuer Triest wieder die Vorkriegssituation, der in Aussicht gestellte Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte wird als wachsende Gefahr angesehen.
Aus den letzten Nachrichten geht hervor, dass Vertreter der
Triester Handelskammer sich nach Rom begeben haben, um die Unterstuetzung der italienischen Regierung in dem Kampf um die Erhaltung
der Lebensfaehigkeit des Hafens sicherzustellen. Ein weiterer Vorschlag der Delegation sieht vor, die Tarife der Haefen Triest, Venedig, Genua, Livorno und Neapel aufeinander abzustimmen.
Die Triester Schiffahrtskreise bemuehen sich mit allen Mitteln,
die Hafengebuehren und Eisenbahntarife zu senken, um damit der Bedrohung aus dem Norden zu begegnen.
Mitteilung des Internationalen
Transpor-tarbeiterverbandes ITF
DIE TAGUNG DES EXEKUTIVAUSSCHUSSES DES ICFTU
Der gesamte Exekutivausschuss des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften (ICFTU) ist vom 25. - 27. Mai in Bruessel zusammengetreten. Dies ist die erste Konferenz seit dem Londoner Gruendungskongress im Dezember vorigen Jahres.
Der Exekutivausschuss hatte eine groessere Reihe Massnahmen beantragt, die der ICFTU durchfuehren wird. Die Tagesordnung umfasste«
ueber dreissig Hauptpunkte.
Der Ausschuss befasste sich mit einem Vorschlag, der eine wechselseitige Vertretung in den Internationalen Fachabteilungen vorsieht,
die bereits hierzu ihre Zustimmung gegeben haben.
Er hat weiterhin die Abmachungen ueberprueft, die kuerzlich von
dem Generalsekretaer anlaesslich eines Besuches im Hauptquartier der
Vereinten Nationen getroffen wurden. Die Stellungnahme des ICFTU
ist dem Unterausschuss fuer Menschenrechte des Wirtschafts- und Sozialrates vorgelegt worden. Ein Bericht ueber die Vorschlaege des
ICFTU zur Einberufung einer internationalen Konvention, die sich mit
der lurchfuehrung von Massnahmen zur Vollbeschaeftigung befasst, ist
dem Generalsekretaer der Vereinten Nationen bereits unterbreitet
worden.
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�Der Bericht ueber Arbeiterbildung enthielt Vorschlaege zur Einberufung einer internationalen gewerkschaftlichen Bildungskonferenz;
ausserdem schlug er die Aufnahme von Beziehungen zur UNESCO, dem Rat
fuer Erziehung, Wissenschaft und Kultur der Vereinigten Nationen, vor
sowie die Errichtung einiger Gewerkschaftsschulen im Fernen Osten.
In der regionalen Organisation wird sich der Ausschuss auf den
Fernen Osten konzentrieren. Der Diskussion ueber das Ruhrproblem
wurden die Beschluesse zugrundegelegt, die eine Konferenz der an
diesen Fragen interessierten Gewerkschaften am 22. und 23. Mai in
Duesseldorf gefasst haben.
Die Hauptpunkte der Tagesordnung waren:
1.
2.
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4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.

Gescheeftsboricht des Generalsekretaers.
Finanzbericht und Budget.
Beziehungen zu den Internationalen Fachabteilungen.
Beziehungen zu den Vereinten Nationen.
Beziehungen zur Internationalen Arbeitsorganisation ILO.
Beziehungen zum Europarat.
Regionale Organisation.
Arbeiterbildung.
Bericht ueber Oesterreich.
Ruhrproblem.
Ernennung der stellvertretenden Generalsekretaere.
Datum der naechsten Konfernz des Exekutivausschusses und des
Verwaltungsrates und des naechsten Kongresses.
Arbeitsmitteilungen der ECA

EIN MAECHTIGES BOLLWERK
(Rede des US Arbeitsministers Maurice J. Tob in auf der 27. Konvention der Internationalen Damenbekleidungsarbeitergewerkschaft in
Atlantic City, N. J. , am 24. Mai 1950).
* * *

Im Jahre 1932 zaehlte die Internationale Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter 45.000 Mitglieder, heute sind in ihren Reihen
425.000 Organisierte. Dieser ungeheure Aufstieg ist ein Gradmesser
fuer den Fortschritt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung unter
den Praesidenten Roosevelt und Truman. Ich behaupte nicht, dass alle
Gewerkschaften sp grosse Erfolge erzielen konnten. Nicht alle Gewerkschaften stehen unter der mitreissenden Fuehrung eines David
Dubinsky. Meine Meinung ist jedoch, dass die Gewerkschaft der Damenoberbekleidun'gsarbeiter gezeigt hat, was eine Gewerkschaft in verhaeltnismaessig kurzer Zeit leisten kann, wenn sie sich die von den
Vereinigten Staaten
geschaffene Atmosphaere zunutze macht.
Als Dubinsky Praesident wurde, befand sich die Gewerkschaft der
Damenoberbekleidungsarbeiter in einer verzweifelten Lage. Sie hatte
einen furchtbaren "Buergerkrieg" durchmachen muessen, bevor sie sich
der kommunistischen Intriganten entledigen konnte. Noch waren die
"fanden dieses Kampfes nicht geheilt, da kam der Schock der wirtschaftlichen Krise. In den naechsten drei Jahren gelang es der Gewerkschaft,
sich gerade ueber Wasser zu halten. Dann uebernahm der unbezaehmbare
Dubinsky die Fuehrung, und mit dem Erlass des Gesetzes zur Nationalen
Wirtschaftlichen Wiederaufrichtung (National Recovery Act) war seine
Gewerkschaft wie viele andere Arbeiterorganisationen gerettet.
Fuer die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter kam diese
Wendung jedoch besonders gelegen. Sie hatte gerade einen Streik in
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�Philadelphia erfolgreich beendet. Mit aller Macht, die ihren Vorsorung vor anderen Gewerkschaften noch vergroesserte, begab sie
sich an die Arbeit des Wiederaufbaus. Das Ergebnis war, dass die
Gewerkschaft auf einer Grundlage aufgebaut wurde, die unerschuetterlich ist. Heute steht die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter sicher und fest und zwar nicht nur als GewerkschaftsOrganisation, sondern auch als eine soziale Einrichtung zum Wohle des ganzen
Landes.
Was ich soeben gesagt habe, ist fuer die meisten Gewerkschaftler
eine altbekannte Geschichte. Was ich noch ausfuehren werde, ist
lediglioh eine Wiederholung dessen, was allen Beobachtern schon klar
ist. Ich erachte es als hoechst bezeichnend, dass in dieser Gewerkschaft 11.000 Unternehmer vertreten sind. Vielsagend ist ausserdem,
dass in 15 Jahren kein groesserer Streik zu verzeichnen war. Dies
muss auf die Tatsache zurueckzufuehren sein, dass sich die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter jahrelang ein wirksames
Schiedsgerichtssystem zunutzemachte.
Nicht nur das: Die Damenoberbekleidungsgewerkschaftler haben
sich auch die Philosophie Dubinskys zu Herzen genommen: "Das Gewerkschaftswesen braucht den Kapitalismus wie der Fisch das Wasser.
Demokratie ist nur in einer Gesellschaft des freien Unternehmertums
moeglich, und der Bestand der Gewerkschaften ist nur in einer Demokratie gesichert." Diese Feststellung von Benjamin Stolberg scheint
mir alles zu diese** Frage in zwei Saetzen zu sagen.
Dubinsky meint damit nicht den Kapitalismus von heute. Er
wuenscht ihn im Dienste des allgemeinen Interesses und der industriellen Demokratie taetig zu sehen. Das heisst bei weitem nicht, dass er
das freie Unternehmertum ablehnt. Es bedeutet lediglich, dass das
freie Unternehmertum von seinen Maengeln und Fehlern in seinem eigenen
Interesse und im Interesse unserer Wirtschaft und des Fortschritts
unserer Gesellschaft kuriert werden muss.
Seitdem sich die Damenoberbekleidungsgewerkschaft diese Einstel- .
lung zu eigen machte, hat sie nicht nur die Leistungsfaehigkeit in der
Produktion und im Vertrieb vorangetrieben, sondern auch die Konkurrenz
der Unternehmer zum Gegenstand ihrer TarifVerhandlungen gemacht. Sie
hat darueberhinaus ein technisches Referat gegruendet, das den Unternehmern beratend zur Seite steht. Wir sehen hierin eine Art schoepferlsoher Zusammenarbeit, die diese Gewerkschaft im industriellen Leben
unserer Nation einzigartig dastehen laesst.
Das ist jedoch nicht der einzige Grund fuer ihre unvergleichliche
Stellung. Diese Gewerkschaft ist innerhalb der Gewerkschaftsbewegung
eine staendige Fuersprecherin des Friedens gewesen. Niemand hat tagaus, tagein fuer die Einigkeit der Gewerkschaftsbewegung mehr geleistet als David Dubinsky. Sein oberster Grundsatz ist, zerbrochene
Bande wieder zusammenzuschweissen. Ich bin ueberzeugt, dass ihn all
das beglueckt, was eine "aufrichtige und realistische Wiederversoehnung" erhoffen laesst.
Ich moechte noch ein Wort zu der erzieherischen Arbeit dieser
Gewerkschaft sagen. In der Idee, faehige Funktionaere auszubilden
und Arbeiter zu wertvollen Mitgliedern der Gewerkschaft zu erzienen,
spiegelt sioh Dubinskys Sinn fuers Praktische wider. Er hat ein
Programm zur Arbeiterbildung ausgearbeitet, das anderen Gewerkschaften als Musterbeispiel dient. Er hatte in Mark Starr, dem Direktor
des Referats fuer Arbeiterbildung, einen'hervorragenden Mitarbeiter.
Wenn wir an das "Unity House" denken, das als der groesste
Feriunaufenthaltsort in den Vereinigten Staaten bezeichnet worden ist,
an die Krankenversicherung, den bezahlten Urlaub, die Altersversicherung und die Ambulatorien, in denen kostenlos aerztliche Behandlung gewaehrt wird - und dies alles bei einem Durchschnittslohn von
70 Dollar fuer eine Woche mit 35 Arbeitsstunden, - dann erkennen wir,
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�wie weit die frueheren "sweatshop" (Schwitzwerkstatt)-Verhaeltnisse
hinter den Mitgliedern der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter liegen. Es war ein langer und schwerer Kampf. Vor dem,
Jahre 1933 gab es fuer die Arbeiter der Bekleidungsindustrie keine
gesicherte Existenz, weil dieser Industriezweig nicht stabilisiert
war.
Doch diese Unsicherheiten gehoeren der Vergangenheit an und
sollen mit ihr begraben werden. Die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter ist heute ein Bollwerk zum Schutze ihrer Mitglieder und ein Helfer und Freund aller fortschrittlichen Kraefte. Sie
i3t eine voellig demokratische, eine echt amerikanische Gewerkschaft.
Ich beglueckwuensche sie zu ihren Erfolgen im Kampf gegen den
Kommunismus innerhalb der Gewerkschaftsbewegung. Ich spreche ihr
meine Anerkennung dafuer aus, dasseiner der hervorragendsten Gewerkschaftsfuehrer an der Spitze ihrer Organisation steht. Er hat
aus der Alten Welt seine Erbitterung ueber die Ungerechtigkeit mitgebracht, die in Amerika zu einer Waffe geworden ist, mit der fuer
Gerechtigkeit zum Wohle der Arbeiter und aller Menschen gekaempft
wird.
Mitteilung des üä Arbeitsministeriums
ALLGEI.SINSR BOYKOTT GEGEN DIE SCHIFFE PANAMAS
Auf einer kuerzlich stattgefundenen Konferenz in Amsterdam
sprach sich die Seefahrerabteilung des 'internationalen Transportarbeiterverbandes ITF einstimmig fuer einen weltweiten Boykott gegen
die Schiffe Panamas aus.
Urspruenglich hatte der ITF am 25. November 1948 bereits beschlossen, die Schiffe Panamas zu boykottleren. Die Ausfuehrung dieses
Beschlusses wurde jedoch noch hinausgeschoben, da die Regierung Panamas versprochen hatte, ihre Schiffahrtsbestimmungen abzuaendern.
Seitdem hat die Regierung jedoch nichts unternommen, sodass das Versprechen nicht eingeloest wurde.
Der ITP kuendigte an, dass er sich die Unterstuetzung der Hafenarbeiter und anderer Gewerkschaften sichern werde, um die Seeleute
davon abzuhalten, fuer panamensische Reeder zu arbeiten und um gegebenenfalls die Ladungen in den Haefen zu blockieren.
Dieser Boykott, so heisst es in dem Beschluss, soll "den skrupellosen Methoden jener Reeder ein Ende bereiten, die unter panamensischen und aehnlichen Flaggen fahren, und soll anst-aendige Lebensund Arbeitsbedingungen fuer die Seeleute dieser Schiffe erzwingen."
US Arbeitsministerium
"Weekly Labor News Digest"
Robert J. Alexander:
DIE DEMOKRATISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG BOLIVIENS
In den vergangenen Jahren hatte die Gewerkschaftsbewegung Boliviens unter den politischen Kaempfen und Unruhen in diesem Lande
schwer zu leiden. Die Bewegung selbst war politisch aufgespalten sowohl durch neofaschistische als auch durch kommunistische Gruppen und die Arbeiter, die sich in unpolitischen aber demokratischen Geverkschaften zu organisieren versuchten, hatten ein schweres Los.
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�Mehrere Jahre hindurch bildete die maechtige Bergarbeitergewerkschaft (Federacion Sindical de Trabajadores Mineros) das Rueckgrat der bolivianischen Gewerkschaftsbewegung. Aber auch diese Gewerkschaft stand unter der Kontrolle der Nationalen Revolutionaeren
Bewegung (M.N.R.), einer profaschistisch orientierten Gruppe. Auf
der Gegenseite standen andere bedeutende Gewerkschaftsgruppen, wie
z.B. der Gewerkschaftsverband bolivianischer Arbeiter (Confederacion
Sindical de Trabajadores-Bolivlanos - C.S.T.B.) und die Eisenbahnergewerkschaft unter dem Sinfluss der kommunistisch orientierten
Linken Revolutionaeren Partei. Der C.S.T.B. ist die einzige Gewerkschaftsorganisation Boliviens, die dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund (C.T.A.L.) Lombardo Toledanos angeschlossen ist.
Waehrend der letzten Jahre war das Land Schauplatz zahlreicher
Revolten und eines einmonatigen Buergerkrieges. Die meisten Aufstaende richteten sich gegen die Regierung und waren von der Nationalen
Revolutionaeren Bewegung organisiert. Dies fuehrte jedoch dazu, dass
die von dieser Vereinigung (M.N.R.) kontrollierten Gewerkschaften
aufs schwerste unterminiert und gespalten wurden, sodass nach und
nach viele von ihnen verschwanden. So besteht z.B. in den Bergwerken
des groessten Zinnproduzenten des Landes, den Patino Werken, keine
einzige Gewerkschaft mehr, die von der Regierung oder von Arbeitgebern
anerkannt waere. Auf der anderen Seite ist es durch die strengen
Notverordnungen der Regierung und den Belagerungszustand einer demokratischen Gewerkschaftsbewegung tatsaechlich unnoeglich, sich wieder zu
entwickeln.
Der Interamerikanische Gewerkschaftsbund CIT bemueht sich in
dieser schwierigen Situation inner wieder, den Arbeitern zu helfen,
die sich in einer unpolitischen freien Gewerkschaftsbewegung zusamnenzuschliessen versuchten. Eine Reihe Gewerkschaften wurde im
Bolivianischen Gewerkschaftsbund (Confederacion Boliviana de Trebajadsros - CBT) zusanmengefasst, der seinen Sitz in der Bergwerksstudt
Oruro hat. Zu gleicher Zeit wurde in La Paz, der Hauptstadt Boliviens, ein Buero des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes eroeffnet, und bolivianische Delegierte nahmen an den Konventionen des CIT
in Lima und Havanna teil.
Im Maerz stattete der Praesident des CIT, Bernardo Ibanez, Bolivien einen kurzen Besuch ab, um den Bolivianischen Gewerkschaftsbund
in meiner Aufgabe, eine einflussreiche demokratische Gewerkschaftsbewegung aufzubauen, zu unterstuetzen. Er verbrachte seinen Aufenthalt in Bolivien meist in Oruro, wo er mit Fuehrern des CBT und der
Lokalgewerkschaft von Oruro (Federacion Obrera Sindical Departmental
de Oruro) zusammentraf. Diese Organisation, die in enger Zusammenarbeit mit den bolivianischen Freunden des CIT steht, ist eine alte
Vereinigung, zu der ausser einigen Bergarbeitern auch Baecker,
Druckereifacharbeiter und andere Handwerker der Provinz Oruro gehoeren. Sie war noch bis vor kurzem dem kommunistisch orientierten
C3TB angegliedert, widersetzte sich jedoch den Kommunisten, als
diese die Gewerkschaft voellig in ihre Hand bekommen wollten, und
v/andte sich dem CIT zu. Mehrere Funktionaere der Federacion Obrera
Sindical Departmental de Oruro sind Mitglieder des Exekut'ivausschusses des dem CIT angeschlossenen CBT.
Nach mehreren Besprechungen, die Praesident Ibanez in herzlichem Einvernehmen mit Fuehrern des CBT und der Gewerkschaft von Oruro
fuehrte, einigte man sich auf einen Aktionsplan. Man vereinbarte,
drei Bezirkssekretariate fuer den Norden, den Sueden, und den zentralen Teil des Landes zu schaffen, die in La Paz, Olluni und in
Oruro ihren Sitz haben sollen. Der CBT selbst wird weiterhin in
Oruro verbleiben, die Organisation wird jedoch in erster Linie den
Bezirksvereinigungen als Funktion zufallen. Besondere Aufmerksamkeit
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�wird auf die Organisierung der Eisenbahnarteiter und der Bergleute
gelegt werden, um sie in den CBT aufzunehmen, waehrend in La Paz die
Hauntarbeit der Wiedergewinnung der staedtischen Industriearbeiter
gelten soll.
Es wurde vereinbart, eine Reihe Bezirkskonferenzen in den verschiedenen Teilen Boliviens abzuhalten, um auf diese Weise alle demokratisch eingestellten Gewerkschaften miteinander in Fuehlung zu
bringen und den Grundstein fuer einen nationalen Kongress des CBT
zu legen. Eine solche nationale Zusammenkunft findet statt, sobald
die Voraussetzungen gegeben sind, um die nationale Organisation auf
einer sicheren Grundlage aufzubauen.
Man hofft, dass der Besuch des Praesidenten Ibanez den bolivianischen Arbeitern einen starken Auftrieb in ihren Bestrebungen zur
Errichtung einer demokratischen, unpolitischen Gewerkschaftsbewegung
gegeben hat.' Bevor Praesident Ibanez das Land verliess, hatte er
eine Unterredung mit dem Arbeitsminister Boliviens, Dr. Ernesto
Monas t-erio, in der er zum Ausdruck brachte, dass die Arbeiter mit den
Einschraenkungsbestimmungen der gewerkschaftlichen Taetigkeit nicht
einverstanden seien, die die Regierung unter dem "Belagerungszustand"
erlassen hatte.
Inter-American Labor News
V/1950
PROBLEME UM DIE BESCHAEFTIGUNG AELTERER ARBEITSKRAEFTE
Diese Zeilen sind ein Ausschnitt aus der Rede des Beauftragten fuer
Arbeitsstatistik im U.S.-Arbeitsministerium, Evan Clague, die er
vor der Zweiten Generalkonferenz der Nationalen Konferenz fuer
Soziale Arbeit in Atlantik City gehalten hat.
In Bezug auf die aelteren Arbeltskraefte haben sich fuer die Vereinigten Staaten Probleme ergeben, die durch schon seit mehreren Jahrzehnten bestehende Tendenzen aufgezeigt werden. Dies ist vor allem auf
das steigende Verhaeltnis der Zahl der Aelteren zu der der Gesamtbevoelkerung zurueckzufuehren. Im Jahre 1900 hatten nur 4$ der Bevoelkerung das 65. Lebensjahr erreicht. Nach Beendigung der Zaehlung im
Jahre 1950 werden wir wahrscheinlich feststellen koennen, dass sich
dieser Prozentsatz fast verdoppelt hat. Das bedeutet in Zahlen, dass
aus 3 Millionen im Jahre 1900 etwa 11 Millionen im Jahre 1950 geworden
sind. Es ist zu erwarten, dass diese Altersgruppe sowohl zahlenmaessig
als auch im Verhaeltnis zur gesamten Bevoelkerung weiterhin ansteigen
wird.
Damit hat sich fuer uns das Problem der Altersversorgung jener
Buerger ergeben, die sich ihren Lebensunterhalt nicht mehr durch eigene
Arbeit verdienen koennen. Das Problem wird noch dadurch erschwert, dass
die Beschaeftigungsmoeglichkeiten fuer Leute ueber 65 Jahre staendig
geringer werden. Im Jahre 1900 wuenschten etwa zwei Drittel aller Arbeiter, die ueber 65 Jahre alt waren, weiterzuarbeiten und sich ihren
Lebensunterhalt selbst zu verdienen; nur ein Drittel hoerte mit der
Arbeit aus eigenem Entschluss auf. 1940 waren nur noch 43# dieser
ueber 65 Jahre alten Leute zur Arbeit bereit - und davon waren nicht
einmal alle erwerbstaetig. Waehrend des Krieges stieg diese Zahl auf
etwa 50£ an, 1919 war sie jedoch wieder auf 46$ gefallen. Auf weite
Sicht gesehen, wird sie noch weiter sinken, wobei sich diese Tendenz
in den kommenden Jahren noch staerker bemerkbar machen wird.
Inzwischen hat die U.S. Regierung zahlreiche Massnahmen ergriffen,
um dieses Problem zu loesen. Es bestehen Altersversorgung, bundesstaatliche Altersversicherung, Pensionsplaene in der Industrie, Pensionsnlaene der Gewerkschaften, Tarifverhandlungsplaene, Lebensversicherungsrenten, private Sparplaene und andere traditionelle Methoden
nebeneinander. Es bleibt keine Zeit, sich an dieser Stelle mit dem
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�Grundproblem zu befassen. Notwendig ist jedoch., auf die Tatsache hinzuweisen, dass noch kein umfassendes Programm geschaffen worden ist,
das, sowohl vom sozialen als auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus
gesehen, voll befriedigend waere. Der Kongress der Vereinigten Staaten
arbeitet augenblicklich an einer grundlegenden Revision des bundesstaatlichen Systems, der Alters- und Hinterbliebenenversicherung. Nachdem diese Arbeit beendet sein wird, duerfte die Lage fuer die Aelteren
besser werden; es wird jedoch noch weit mehr getan werden muessen. In
den Vereinigten Staaten ist dies tatsaechlich eines der dringlichsten
Probleme, denen sich das amerikanische Volk gegenuebersieht. Zweifellos wird ihm im Verlauf der kommenden Jahre in zunehmendem Masse die
oeffentliche Aufmerksamkeit zuteil werden.
Eine zweite Phase dieses Programms verdient es ebenfalls, beachtet
zu v/erden, obwohl sie erst in einigen Jahren akut werden wird. Es
handelt sich um das Problem der aelteren arbeitenden Bevoelkerung der Maenner und Frauen zwischen 45 und 64 Jahren. Auch hier ist eine
vorausschauende Politik notwendig, um die Probleme, die sich in diesem
Fragenkomplex ergeben werden, rechtzeitig zu erkennen, damit rechtzeitig Massnahmen ausgearbeitet werden koennen.
- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG,
APO 757

OFFICIAL

HCOG ft-107* L * 1 Jul/ 50 1» C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNCEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen'' ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 15

Frankfurt, 16. Juni 1950

I N H A L T S H R

Z E I CHNIS

Die Loehne in der amerikanischen Damenoberbekleidungsindustrie - - - - - - - - - - l
Sine Million Dollar fuer den Werbefeldzug einer
amerikanischen Gewerkschaft - - - - - - - 3
Die erste Konferenz des Exekutivausschusses des
ICFTU in Bruessel - - - - - - - - - - - - 4
CIO fordert Massnahmen zur Bekaempfung der
Arbeitslosigkeit - - - - - - - - - - - - - ,
8
AFL fordert Staerkung Deutschlands - - - - - - 10
CIO-Schulungskurse fuer Spitzenfunktionaere - 12
Der Kampf gegen unzureichende Frauenloehne - - 13
Praesident Truman spricht der Bekleidungsarbeitergewerkschaft des CIO seine Anerkennung
aus - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 4
Arbeiterschaft und Kalter Krieg
-------14
Spitzengehaelter in der amerikanischen Stahlindustrie - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 6

DIE LCEHNE IN DER AFRIKANISCHEN DAMEN Cß ERB EKLE IDUNGSINDUSTRIE
In elf von zwoelf Zentren der U.S.-Bekleidungsindustrie betragen
die durchschnittlichen Stundenloehne der Arbeiter in der Damenmaentelund -kostuemherstellung mehr als 1.50 Dollar. (Bei dieser Feststellung
sind nur Betriebe mit mehr als acht Arbeitskraeften beruecksichtigt).
Die Stundenloehne variieren im Durchschnitt zwischen 1.17 Dollar (in
Kansas City) und 2.60 Dollar (in Los Angeles). New York und Chikago
mit Druchrchnittstarifen von 2.27 bzw. 2.05 Dollar sind ausser Los
Angeles die einzigen Staedte, in denen die durchschnittlichen Stundenloehne zwei Dollar ueberschreiten. Ueberstunden und Nachtarbeit sind
in diesen Ziffern nicht beruecksichtigt.
Maenner, die fast die Haelfte aller Arbeitskraefte ausmachen,
verdienen wesentlich mehr als Frauen. In elf Staedten liegen die Unterschiede in den Stundenloehnen fuer Maenner und Frauen zwischen 52 Cents
- 1-

�(Baltimore) und 1.45 Dollar (Los Angeles). In Kansas City mit dem
kleinsten Prozentsatz an maennlichen Arbeitskraeften (15%) verdienen
diese im Durchschnitt 22 Cents mehr in der Stunde als Frauen. In
neun von zwoelf der Erhebung zugrundegelegten Staedten belaufen sich
die durchschnittlichen Stundenloehne fuer Maenner im Schnitt auf mindestens 2 Dollar; an Frauen dagegen werden in sieben Staedten durchschnittliche Stundenloehne in Hoehe von 1.50 Dollar oder mehr gezahlt,
sie sind jedoch in keiner Stadt hoeher als 1.95 Dollar.
Fast 40% der Betriebsangehoerigen in den Erhebungsstaedten sind
Maschinennaeher und -naeherinnen. Diese werden wiederum in zwei Hauptgruppen unterteilt. Die erste Gruppe verrichtet typische Fliessbandarbeit, d.h. jede Arbeitskraft ist auf eine bestimmte Taetigkeit spezialisiert; die Maschinennaeher der zweiten Gruppe hingegen erledigen
mehrere Arbeitsgaenge hintereinander. Die Stundenloehne der letzteren
Gruppe liegen mit Ausnahme von Kansas City in allen Staedten, in denen
die Erhebung durchgefuehrt wurde, unter 2 Dollar, so in Paterson, New
Jersey, 1.67 Dollar und in Newark-Jersey City 1.99 Dollar. In den
anderen Staedten, wie San Franzisko und Los Angeles, belaufen sich die
Durohschnittsstundenloehne auf 2.10 bzw. 3.29 Dollar. Die Loehne der
typischen Fliessbandarbeitskraefte dagegen liegen in den Staedten, in
denen es beide Arten des Maschinennaehers gibt, um Betraege von 5 Cents
bis zu 1.24 Dollar unter den Stundenloehnen der Einzelarbeiter. (St.
Louis 1.23 Dollar, Los Angeles 2.29 Dollar).
In der Haelfte der Bezirke, die in dieser Erhebung beruecksichtigt
sind, verdienen die Handnaeher (Fertignaeher), die die zahlenmaessig
groesste Einzelgruppe in dieser Industrie bilden, 1.50 Dollar je Stunde
und mehr. Die niedrigsten Loehne werden diesen Arbeitskraeften in
Kansas City (1.04 Dollar) und in St. Louis (1.17 Dollar) gezahlt, waehrend sie in Los Angeles und New York Hoechsttarife von 2.02 bzw. 2.13
Dollar beziehen.
In der Gruppe der Zuschneider (AufZeichner und Ausschneider) und
Buegler (Buegler und Presser), in der in erster Linie maennliche Arbeitskraefte taetig sind, finden sich die bestbezahltesten dieser Industrie. In neun von 12 Staedten ueberschreitet der Stundenlohn der
Zuschneider den Betrag von 2 Dollar, sie bewegen sich in allen Zentren
zwischen 1.56 Dollar in Kansas City und 3.34 Dollar in Los Angeles.
In sechs von elf Staedten' sind die Loehne fuer Handbuegler und in neun
von elf Staedten die Loehne fuer Maschinenbuegler (Presser) hoeher als
2.00 Dollar. Fuer Arbeiter, die sowohl mit der Hand als auch mit der
Maschine buegeln, liegen sie in neun von zehn Staedten über dieser
Grenze. In vier von neun Erhebungsstaedten, in denen es alle drei Arten der Bueglertaetigkeit gibt, erhaelt die dritte Gruppe die hoechsten
Durchschnittsloehne.

Die Stundenloehne der Fadenzieherinnen sind in allen Staedten (ausser in Kansas City) die niedrigsten saemtlicher Berufsgruppen der Damenoberbekleidungsindustrie. Sie bewegen sich zwischen 66 Cents (St. Louis!
und 1.19 Dollar (in Newark-Jersey City).
Von den 61.000 Arbeitern, die In der Damenmaentel- und -kostuemeindustrie in den 12 Erhebungsstaedten taetig sind, arbeiten 37.000 in
New York und 9.000 in den angrenzenden Gebieten von Newark-Jersey City
und Paterson. In New York liegen die Stundenloehne saemtlicher Berufsgruppen dieser Industrie mit Ausnahme der Fadenzieherinnen, die durchschnittlich 98 Cents verdienen, ueber dem 2 Dollar-Stundenlohneatz.
Grundsaetzlich werden in New York in Privatbetrieben hoehere Loehne
gezahlt als in Vertragsfirmen. Die Durchschnittsloehne der Arbeiter,
die bei Vertragsfirmen in Newark-Jersey City und Paterson beschaeftigt
sind, liegen im allgemeinen unter denen der Arbeiter, die bei Vertragsfirmen der Stadt New York taetig sind. Was die anderen Erhebungsstaedte
betrifft, so werden in Los Angeles die hoechsten und in Kansas City
die niedrigsten Loehne gezahlt.
- 2 -

�Ein Vergleich der Loehne von 1949 mit denen des Jahres 1946 ergibt, dass sie sich bei der Haelfte der zwoelf Staedte um ueber 10%
durchschnittlich erhoeht haben. Ein leichtes Absinken der Loehne,
das in einer der Staedte festgestellt wurde, bedeutet nicht, dass die
Lohntarife gesenkt wurden, sondern ist wahrscheinlich auf Veraenderungen des Arbeitsganges und aehnliche andere Faktoren als Folge des
Leistungsprinzips in der Bezahlung zurueckzufuehren.
Der weitaus groesste Teil der Bekleidungsarbeiter in den Erhebungsstaedten steht mit der Internationalen Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft (AFL) unter Vertrag.
Gemaess den Bestimmungen der Gewerkschaftsvertraege leisten die
Unternehmer in den meisten Erhebungsstaedten finanzielle Zuwendungen,
die einen bestimmten Prozentsatz ihrer Lohnlisten ausmachen, an die
von den Gewerkschaften verwalteten Gesundheits- und Wohlfehrtskassen,
aus denen die Gewerkschaftsmitglieder Urlaubsgelder beziehen. Die Hoehe
dieser Zuwendungen und die Bedingungen, unter denen Urlaubsgelder gewaehrt werden, sind verschieden. In New York, Newark-Jersey City und
Paterson betragen die Zuwendungen der Unternehmer an die unter den Gewerkschaftsvertrag fallenden Arbeitskraefte 3 1/2% der woechentlichen
Iohnlistenbetraege. Arbeiter, die sechs Monate Gewerkschaftsmitglied
sind, haben Anspruch auf Urlaubsgeld. Nach einem Jahr Mitgliedschaft
erhalten sie je nach der Art ihrer Beschaeftigung Betraege zwischen
35 und 50 Dollar, in New York betraegt der Hoechstsatz 60 Dollar. In
einigen Staedten ist die Hoehe des Urlaubsgeldes von dem Jahresverdienst des Arbeiters abhaengig. Auch Krankenunterstuetzungen, Sterbegelder und Krankenhausgebuehren werden aus den Gesundheits- und Wohlfahrtskassen der Gewerkschaft gezahlt.
Monthly Labor Review
11/1950
EINE MILLION DOLLAR FUER DEN WERBEFELDZUG EINER AMERIKANISCHEN GEWEHRr-CHAFT
Auf dem 38. Jahreskongress der Amerikanischen Gewerkschaft der
StrumpfIndustriearbeiter, der kuerzlich in New York eroeffnet wurde,
wurde ein Werbefeldzug zur organisatorischen Erfassung der Arbeiter der
Strumpfindustrie des Suedens der USA angekuendigt, dessen Kosten sich
auf eine Million Dollar belaufen werden.
Alexander McKeown, der Vorsitzende dieser Gewerkschaft, erklaerte,
dass man sich zum Ziel gesetzt habe, mindestens ein Drittel der schaetzungsweise 30.000 nichtorganisierten Arbeiter der suedlichen Strumpfindustrien in die Gewerkschaft aufzunehmen. Er wies darauf hin, dass
die nFabriken des
Nordens, in denen hoehere Loehne gezahlt wuerden, es
als unmoeglichn bezeichneten, mit den Unternehmern des Suedens zu
konkurrieren. Es wurde an Hand von Statistiken nachgewiesen, dass in
den Fabriken des Suedens mehr als 52% saemtlicher Arbeiter der Strumpfindustrie beschaeftigt sind. Die fuer diese Organisationskampagne zur
Verfuegung gestellte eine Million Dollar stellt etwa 40% des Vermoegens dieser Gewerkschaft dar.
Die Gewerkschaft der Arbeiter der Strumpfindustrie, die gegenwaertig etwa 35.000 Mitglieder zaehlt, wurde im Jahre 1948 aus der Textilarbeitergewerkschaft Amerikas (CIO) ausgeschlossen, weil sie sich geweigert hatte, einen erhoehten Kopfbeitrag zu zahlen, der durch eine
Abstimmung der Textilarbeitergewerkschaft beschlossen war. Ueber eine
neue Bewerbung dieser Gewerkschaft um eine Wiederaufnahme in die AFL
ist bis Jetzt noch nicht entschieden worden.
Weekly Labor News Digest
17/V/1950
- 3-

�DIE ERSTE KONFERENZ DES EXEKUTIVAUSSCHUSSES DES ICFTU IN BRUESSEL
Die erste Konferenz seit der Gruendungskonferenz in London des
Exekutivausschusses des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften
fand, wie angekuendigt, vom 25. - 27. Mai in Bruessel statt.
Folgende Mitglieder oder ihre Stellvertreter waren anwesend:
Afrika: Guy Rozemont (Mauritius); Asien und Mittlerer Osten:
E. Kato (Japan), K. Hedayat (Iran) und Frau M. Kara (Indien); England: Arthur Deakin und Sir V. Tewson; Europa: Leon Jouhaux (Frankreich), Eiler Jensen (Daenemark), Anton Proksch (Oesterreich) und
Giulio Pastore (Italien); Latein-Amerika: Bernardo Ibanez (Chile),
Hiüolito Marcano (Portoriko); Nordamerika: George Meany und Eimer
Cope (USA), Pat Conroy und Sam Finlay (Kanada); Westindien: Robert
Bradshaw (St. Kitts).
Den Vorsitz fuehrte der Praesident Paul Finet (Belgien); der Generalsekretaer J. H. Oldenbroek war von Amts wegen Mitglied des Exekutivausschusses.
Nachdem der Bericht des Generalsekretaers besprochen worden war,
einigte man sich darueber, dass die einzige Moeglichkeit, mit der
reichhaltigen Tagesordnung fertig zu werden, darin bestand, dass man
sich in zwei Unterausschuesse teilte und gleichzeitig arbeitete. Der
eine Unterausschuss sollte sich mit organisatorischen und finanziellen
Problemen befassen, waehrend der andere die Aufgabe hatte, Fragen der
einzuschlagenden Politik zu besprechen. Die Ergebnisse dieser Diskussion wurden spaeter dem gesamten Exekutivausschuss berichtet. Die
BesDrechungen wurden natuerlich dadurch betraechtlich in die Laenge
gezogen, da einzelne Teilnehmer zu Punkten Stellung nahmen, die von
dem anderen Unterausschuss bearbeitet worden waren, an dessen Sitzungen sie nicht teilgenommen hatten.
Wie es in einer demokratischen Organisation nicht anders erwartet
werden kann, wurde eine umfassende Einstimmigkeit erst nach einem sehr
offenen Meinungsaustausch erzielt. Der Vorsitzende Paul Finet dankte .
den Delegierten fuer ihre Geduld, mit der sie die ausserordentlich
reichhaltige Tagesordnung erledigten, und erklaerte, dass der zeitweilig lebhafte Meinungsaustausch ein Beweis fuer die Aufrichtigkeit sei,
mit der sie ihre Verpflichtungen denen gegenueber einloesten, die sie
zu vertreten hatten. Im Namen des Exekutivausschusses dankte er dem
Generalsekretaer und dem Sekretariat fuer die schwere Arbeit, die sie
bei der Vorbereitung dieser Konferenz zu leisten hatten.
Es wird unvermeidlich sein, dass einige der in dieser Konferenz
des Exekutivausschüsses gefassten Beschluesse erst nach einiger Zeit
wirksam werden koennen. Andere Entscheidungen wiederum werden sehr
schnell zu verwirklichen sein. So wird z.B. das Abkommen, das der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften in bezug auf seine Haltung
zum Schuman-Plan getroffen hat, in allernaechster Zukunft zweifellos
zu gemeinsamen, internationalen Bemuehungen fuehren, um die Gewerkschaften bei der Festlegung der kuenftigen Wirtschaftspolitik in entscheidender Weise mitreden zu lassen. In eine demokratische Organisation die Einheit des Wollens zu bringen - nicht die vorgetaeuschte Einheit einer totalitaeren Einrichtung - ist keine leichte Aufgabe. Der
Exekutivausschuss hat jedoch bewiesen, dass es moeglich ist. Es kann
deshalb voller Zuversicht einer weiteren Staerkung des demokratischen
Gewerkschaftswesens, vor allem in den wirtschaftlich rueckstaendigen
Gebieten der Welt, entgegengesehen werden. Die Arbeiterschaft ist diesem Ziele einen grossen Schritt naehergekommen, das in der wirksamen
Beteiligung der Gewerkschaften an der Festlegung der Sozial- und Wirtschaftspolitik auf nationaler und internationaler Ebene besteht.
4 -

�Eine der bedeutendsten organisatorischen Fragen, die vom Exekutivausschuss behandelt wurden, war die der regionalen Organisation. Ein
diesbezueglicher, vom Sekretariat abgefasster Bericht zeigte auf, was
seit dem Beschluss des Londoner Kongresses unternommen worden war, der
die Errichtung regionaler Organisationen des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften in verschiedenen Gebieten der 7/elt vorsah. Das
Sekretariat hatte ausserdem einen ersten Entwurf ueber die Richtlinien
fuer die regionalen Sekretariate ausgearbeitet. In dieser Frage kam
der Exekutivausschuss zu folgendem Entschluss:
1.

Der Exekutivausschuss billigt die Einberufung einer regionalen Konferenz der Westlichen Hemisphaere fuer den Herbst 1950.
Der Generalsekretaer des ICFTÜ wird in Verbindung mit den in
Frage •kommenden nationalen Gewerkschaftszentren und dem Interamerikanischen Gewerkschaftsbund festlegen, zu welcher Zeit
und wo diese Konferenz stattfinden soll.

2.

Er beauftragt die Fern-Ost-Mission, sich mit allen Gesichtspunkten des Problems der regionalen Organisation in Asien zu
beschaeftigen und der naechsten Konferenz des Exekutivausschusses darueber zu berichten.

3.

Der Ausschuss beauftragt den Generalsekretaer, mit den nationalen Zentren in Europa zu besprechen, ob es ratsam sei, eine
regionale Konferenz fuer Europa einzuberufen, bejahendenfalls
die Vorbereitungen fuer eine solche Konferenz zu treffen.

4.

Der Exekutivausschuss stellt dem Notfall-Ausschuss die Aufgabe, den ersten Entwurf ueber die Richtlinien fuer regionale
Sekretariate zu ueberpruefen und dabei Vorschlaege und Abaenderungen in Betracht zu ziehen, die von Mitgliedern des Exekutivausschusses beantragt werden koennen.

Im Verlauf der Konferenz konnte der Generalsekretaer die Zusammensetzung der Delegation des ICFTU fuer den Fernen Osten bekanntgeben.
ürspruenglich sollte die Delegation aus vier Vertretern bestehen:
einem englischen, einem amerikanischen, einem skandinavischen und einem
Delegierten jener Gebiete, in die die Delegation geschickt werden soll.
Infolge zahlreicher technischer Schwierigkeiten musste die urspruengliche Zusammensetzung geaendert werden, und die Delegation wird nun aus
folgenden Mitgliedern bestehen: Gordon Chapman vom Amerikanischen Gewerkschaftsbund (AFL), John Brophy, CIO, und Fred Dalley vom Britischen
Gewerkschaftsbund TUC. Ein weiteres Mitglied wird nach Ruecksprache mit
den Gewerkschaftszentren Skandinaviens und Belgiens ernannt werden.
Die Delegation soll in Bruessel zusammenkommen und vor ihrer Abreise ihren Reiseplan und des bereits zur Verfuegung stehende Dokunentenmaterial ueberpruefen. Bei ihrer «nkunft im Fernen Osten wird sich ihr
das von den nationalen Gewerkschaften Asiens ernannte Mitglied anschliessen.
Man wird sich erinnern, dass eine Delegation als Vertreterin der
Internationalen berufssekretariate an der Konferenz des Notfall-Ausschusses des ICFTÜ teilgenommen hat und dass eine Zusammenarbeit zwischen dem ICFTU und den Internationalen Berufssekretariaten sowie eine
gegenseitige Vertretung der betreffenden Organisationen in ihren Konferenzen und amtierenden KoerperSchäften vereinbart wurde.
Diese Abkommen wurden in einer Vollkonferenz der Internationelen
berufssekretariate im Haag bestaetigt. Der Exekutivausschuss konnte
sie jetzt endgueltig ratifizieren, woraus sich ergibt, dass die Internationalen Berufssekretariate ihre Selbststaendigkeit beibehalten und
- 5-

�gleichzeitig mit dem ICFTU eine vereinigte internationale Gewerkschaftsbewegung bilden. Der Vorsitzende brachte die Genugtuung des Exekutivausschusses ueber dieses Abkommen zum Ausdruck und hiess die beiden
Vertreter der Internationalen Berufssekretariate, Omer Becu und M. C.
Bolle, willkommen, die daraufhin, wie vereinbart, an den Sitzungen
des Ausschusses teilnahmen.
Auch die Frage, wie stark die einzelnen Internationalen Berufssekretariate im Kongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften vertreten sein sollen, wurde geklaert. Danach entsenden die
Internationalen Berufssekretariate mit einer Mitgliederzahl bis zu
einer Million je 1 Delegierten, bei einer Mitgliedzahl, die zwischen
einer und drei Millionen liegt, zwei Delegierte und Berufssekretariate
mit mehr als drei Millionen Mitglieder dvei Delegierte. •
Im Verlauf der Konferenz traf ein Unterausschuss mit Delegierten
ftes Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses fuer das Europaeische
Hilfsorogramm zusammen. Die Delegation setzte sich zusammen aus E.
Kupers, M. Bouladoux, Sir Vincent Tewson und Walter Schevenels.
Auf der Konferenz der Gewerkschaftsorganisationen der ERP-Teilnehmerstaaten in Rom war vereinbart, dass Vertreter des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses mit dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften die Frage eroertern sollten, ob der Internationale Bund Freier
Gewerkschaften die Verwaltung und Leitung des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses uebernehmen soll, der sein Verbindungsbuero in Paris
hat. Der Unterausschuss war uebereinstimmend der Meinung, dass der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften diese Funktionen uebernehmen
soll. Die Hauptfrage, die noch einer Erledigung bedurfte, war der Zeitpunkt, an dam dies geschehen soll.

Man wurde sich deshalb im Exekutiveusschuss darueber einig, dass
der Internationale Bund Freier Gewerkschaften die Funktionen des Verbindungsbueros des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses uebernehmen,
und dass diese Uebernahme moeglichst noch vor Ende dieses Jahres stattfinden soll. In der Zwischenzeit soll zwischen dem Sekretariat des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften (ICFTU) und dem Verbindungs
buera des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses in Paris (TUAC) eine
moeglichst enge Zusammenarbeit durchgefuehrt werden.

Ein grosser Teil der Besprechungen ueber die Beziehungen zu den
Vereinten Nationen war der Eroeffnung eines Bueros des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften in New York gewidmet. Dies war im Prinzip
schon auf der Konferenz des Notfall-Ausschusses vereinbart worden. Der
Generalsekretaer nahm waehrend seines Besuches in den Vereinigten Staaten die Gelegenheit wahr, sich mit amerikanischen Gewerkschaftsfuehrern
ueber diese Frage zu unterhalten. Der Exekutivausschuss billigte die
bereits getroffenen Abmachungen, und man kam ueberein, dass der Internationale Bund Freier Gewerkschaften sein Buero in New York am 1.
Juli 1950 eroeffnen soll. Man erwartet, dass der Internationale Bund
Freier Gewerkschaften und der Internationale Transportarbeiterverband
die gleichen Bueroraeume in New York beziehen und gemeinsam arbeiten
werden. Hierzu bedarf es jedoch noch der endgueltigen Zustimmung des
Exekutivausschusses des Internationalen Transportarbeiterverbandes.
Man hofft ausserdem, dass sich andere internationale Berufssekretariate
an der Arbeit des New Yorker Bueros beteiligen v/erden, dessen Hauptaufgabe sein wird, die Beziehungen zu den Vereinten Nationen zu pflegen.
Ausserdem wird das New Yorker Buero fuer die V.'eltgewerkschaftsbewegung
in der westlichen Eemisphaere propagandistisch taetig sein.
Der Exekutivausschuss beschloss ausserdem, dass sich der Internationale Bund Freier Gewerkschaften an der Arbeit der Wirtschaftsau.^schuesse der Vereinten Nationen fuer Euroüa , Lateinamerika, Asien
und den Fernen Osten beteilie-en soll.
6

�Eine Reihe Gewerkschaftsorganisationen bewarben sich um die Mitgliedschaft im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften. Der Exekutivausschuss gab in diesem Zusammenhang nach eingehender Beratung
folgende Erklaerung ab:
Der Exekutivausschuss ist bestrebt, die Zusammenfassung aller
freien Gewerkschaftskraefte im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften in jedem Lande zu foerdern. Er begruesst deshalb die eingegangenen Bewerbungen und schlaegt die Aufnahme folgender Organisationen vor:
1. Union de Trabajadores de Colombia (Kolumbianischer Gewerkschaftsbund)
2. Confederacion nacional de Trabajadores (Mexikanischer Gewerkschaf tsb und)
3. New Zealand Föderation of Labour (Neuseelaendischer Gewerkschaftsbund) .
Bei der Behandlung der Bewerbung des italienischen Gewerkschaftsbundes Unione Italian'a del Lavoro, der erst kuerzlich gegruendet wurde,
beschloss der Exekutivausschuss, die Entscheidung ueber die Aufnahme
dieser Organisation bis zur naechsten Konferenz zu vertagen. Der Generalsekretaer wurde beauftragt, Erkundigungen und Beobachtungen Aber
die gewerkschaftliche Entwicklung in Italien anzustellen, um der naechsten Konferenz des Exekutivausschusses einen umfassenden Bericht vorlegen zu koennen.
Es laß weiter ein Bericht ueber die vom ICFTU einberufene Konferenz in Duesseldorf vor, auf deren Tagesordnung das Ruhrproblem und
die Neuordnung der Schwarindustrien Westeuropas standen. Auf der
Duesseldorfer Konferenz waren zwei Entschliessungen gefasst worden,
deren eine den Schuman-Plan zum Gegenstand hatte, waehrend in der
anderen zum Ruhrproblem und der europaeischen Schwerindustrie Stellung genommen wurde. Der Exekutivausschuss des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften gab zu den Ergebnissen der Duesseldorfer Konferenz folgende Erklaerung ab:
Der Exekutivausschuss des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften befuerwortet und bestaetigt die in der Resolution zur Neuordnung der Ruhrindustrie und zur Bildung einer europaeischen Behoerde
fuer die Schwerindustrien zum Ausdruck gebrachten Grundsaetze. Im
Zusammenhang mit der Resolution zum Schuman-Plan
1.

erklaert er, dass die freien Gewerkschaften an einer rationalen Organisation der Schwerindustrie Westeuropas lebhaft
interessiert sind,

2.

fordert er eine angemessene Vertretung der freien Gewerkschaften in allen nationalen und internationalen Diskussionen, in
denen die Richtlinien und Einzelheiten zum Schuman-Plan ausgearbeitet werden,

3.

ernennt er einen Ausschuss, dem Vertreter der nationalen Gewerkschaftszentren und der an dieser Frage unmittelbar interessierten Internationale Berufssekretariate angehoeren, der
den Inhalt des Schuman-Planes im einzelnen ueberpruefen und
die Stellungnahme des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften zu diesem Flan formulieren soll.

Auf ein briefliches Ersuchen des Oesterreichischen Gewerkschaftsbundes hin befasste sich der Exekutivausschuss mit der Lage in Oesterreich und nahm folgende Entschliessung an:
Der Exekutivausschuss bestaetigt die Erklaerung des Notfall-Ausschusses zur Lage in Oesterreich, in der die Forderung der oesterreichischen Gewerkschaften auf sofortige Zurueckziehung saemtlicher Be- 7-

�satzungstrupoen und auf Wiederherstellung seiner Selbstaendigkeit
durch den Abschluss eines Staatsvertrages unterstuetzt wurde. Er ernennt eine Kommission, die Oesterreich in naechster Zukunft besuchen
und die Verhaeltnisse in diesem Lande pruefen Wird, die sich durch das
NichtZustandekommen eines Staatsvertrags ergeben haben.
Nach einer laengeren Aussprache ueber den vom Sekretariat ausgearbeiteten Bericht ueber Arbeitererziehung beschloss der Exekutivausschuss, es dem Notfall-Ausschuss zu ueberlassen, das Datum fuer die
vorgeschlagene internationale Gewerkschaftskonferenz ueber Erziehungsfragen festzulegen. Ausserdem soll der Notfall-Ausschuss nach Erhalt
weiterer vom Sekretariat eingeholter Informationen entscheiden, ob
eine einzige weltweite Konferenz oder eine Reihe regionaler Konferenzen ueber Erziehungsfragen abgehalten werden sollen.
Weiter beschloss der Exekutivausschuss, dass der Internationale
Bund Freier Gewerkschaften auf der Konferenz der UNESCO in Florenz vertreten sein soll.
In bezug auf den Vorschlag geeignete Ausbildungsmoeglichkeiten,
u.a. zwei Gewerkschaftsschulen im Fernen Osten zu schaffen, beauftragte
der Exekutivausschuss die Delegation des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften fuer Asien und den Fernen Osten, genauer diese Moeglichkeiten zu ueberpruefen und der naechsten Konferenz des Exekutivausschusses einen endgueltigen Vorschlag zu unterbreiten.
Auf Ersuchen des Schwedischen Gewerkschaftsbundes befasste sich
der Exekutivausschuss mit der Frage der Organisation der freiberuflich
Taetigen und der Techniker. Man beschloss, einen Sonderausschuss zu
bilden, der sich aus Vertretern der nationalen Gewerkschaftszentren
und der betreffenden Berufssekretaritte zusammensetzt, der dieses Problem studieren soll. In einem Bericht soll dieser Ausschuss seine
Feststellungen und Empfehlungen dem Exekutivausschuss in seiner nächsten Konferenz unterbreiten.

Der Exekutivausschuss kam ueberein, seine naechste Konferenz im
Oktober oder November 1950 abzuhalten. Nach einigen Diskussionen wurde
vereinbart, den angeschlossenen Organisationen vorzuschlagen, :inen Vollkongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften im Sommer 1951
abzuhalten.
Information Bulletin des
Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften
VI/1950
CIO FORDERT MASSNAHMEN ZUR BEKAEMPFUNG DER ARBEITSLOSIGKEIT
Zu der Zeit, als dieses Programm des CIO verkuendet wurde, zeigte der
Bericht des US Statistischen Amtes von Mitte Mai, dass die Arbeitslosenziffer seit Mitte April um 500.000 zurueckgegangen und damit
auf 3.057.000, der niedrigsten Zahl seit April 1949, gesunken war.
Die Zahl der Erwerbstaetigen stieg von Mitte April bis Mitte Mai um
1.060.000 auf schaetzungsweise insgesamt 59.731.000 an. Dies ist
die hoechste Beschaeftigtenziffer seit August 1949. Sie liegt um
etwa 3.000.000 ueber dem saisonbedingten Tiefstand von Januar und
Februar. Die Zahl der nicht in der Landwirtschaft Beschaeftigten hat
den Stand aus dem Rekordjahr 1948 wieder erreicht; trotz der vermehrten Beschaeftigungsmoeglichkeiten ist es jedoch noch nicht gelungen,
die dem Arbeitsraarkt neu hinzugekommenen jungen Arbeitskraefte restlos zu beschaeftigen.
Philip Murray, der Praesident des CIO, sandte vor einiger Zeit an
den US Vizepraesidenten Alben W. Barkley, den Vorsitzenden der Demokra8 -

�tischen Partei im Senat, Scott Lucas, den Vorsitzenden der Demokratischen Partei im Repraesentantenhaus, John McCormick, und an den
Sprecher des Repräsentantenhauses, Sam Rayburn, folgendes Schreiben:
"Der CIO stellt mit wachsender Besorgnis fest, dass die Arbeitslosigkeit in vielen Gebieten der Vereinigten Staaten beunruhigende
Ausmasse angenommen hat. In ueber 40 Bezirken der Vereinigten Staaten
zaehlen die Arbeitslosen mehr als 12% aller Beschaeftigten. In mehr
als 80 Staedten hat die Arbeitslosenziffer 7 bis 12% der Beschaeftigtenzahl erreicht. Hierzu gehoeren die meisten groesseren Staedte der
Vereinigten Staaten, wie Boston, New-York, Philadelphia, Pittsburgh,
Detroit, St. Louis, Cincinnati, Cleveland, Baltimore, Los Angeles, San
Franzisko und viele andere. In nahezu 120 Staedten der Vereinigten
Staaten liegt das prozentuale Verhaeltnis der Arbeitslosenziffer zur
Zahl der Beschaeftigten ueber dem durchschnittlichen Prozentsatz.
"Es muss etwas unternommen werden zur Unterstuetzung dieser Arbeiter, die zum grossen Teil sohon lange arbeitslos sind. Der Praesident der Vereinigten Staaten hat bereits eine Botschaft ueber die Unterstuetzung der Arbeitslosen an den Kongress gesandt. Der CIO schliesst
sich dem Inhalt dieser Botschaft an und fordert den Kongress auf, unverzueglich die Unterstuetzung der Arbeitslosen zu erhoehen sowie den
Zeitraum, f-uer die sie gezahlt werden, zu verlaengern. Darueberhinaus
lege ich dem Kongress nahe, zur Unterstuetzung dieser in Not geratenen
Bezirke folgende Massnahmen zu ergreifen:
"1. Verlaengerung des Zeitraums, fuer den ArbeitsTosenunterstuetzungen gezahlt wird und zwar fuer Arbeiter jener Bezirke, in denen
eine Arbeitslosigkeit von 9% üeber 26 Wochen angedauert hat. Dadurch
koennen erwerbslose Arbeiter, denen es ohne eigenes Verschulden
nicht moeglich war, eine geeignete Beschaeftigung zu finden, weiterhin Arbeitslosenunterstuetzung beziehen.
n

2 . Erlass einer Notverordnung zur Aufnahme oeffentlicher Arbeifen. Die eingebrachte Gesetzesvorlage sieht einen Reservefonds fuer
Notfaelle in Hoehe von 1.800.000.000 Dollar vor, den der Praesident
einmal verwenden koennte, um verschiedene Vorhaben fuer oeffentliche
Arbeiten zu beschleunigen, zum andern, um Staaten und Gemeinden direkte
Kredite zu geben, mit denen sie selbst Arbeiten zur Behebung der Erwerbslosigkeit einleiten koennten.
"3. Wiedererrichtung der zivilen Hilfsdienste (Civilian Conservation Corps), wie sie in der Gesetzesvorlage Nr. 7463 des Repraesentantenhauses und der Vorlage Nr. 3144 des Senats vorgeschlagen wurden.
"Kit diesen drei Massnahmen kann die Lage sofort verbessert werden, in der sich jene Bezirke befinden, wo die Arbeitslosigkeit 7
bi=: 9$ ueberschritten hat. Ausser dem Erlass dieser Notverordnungen
muss das gesamte Programm des Fair Deal verwirklicht werden, wenn allen
unseren Arbeitern Beschaeftigungsmoeglichkeiten geboten werden sollen.
Mit Ruecksicht auf die ernste gegenwaertige Lage in bestimmten Bezirken
bitte ich Sie, diese Notmassnahmen sofort zu ergreifen.
"Wenn e3 uns nicht gelingt, den zahlreichen Bezirken mit hohen
Arbeitslosenziffern sofort zu helfen, wird dieses Problem bis zum Sommer und fruehen Herbst bedenkliche Ausmasse angenommen haben.
"Bei einer groesseren Arbeitslosigkeit in unserem Lande wird es
sehr schwer sein, unsere Aussenpolitik erfolgreich fortzusetzen und die
Vorteile der technischen Entwicklung dem amerikanischen Volke zugutekoimen zu lassen. Deshalb ist es dringend notwendig, etwas zur Unterstuetzung der 120 Bezirke zu tun, in denen die Arbeitslosigkeit einen
Stand von mehr als 7% erreicht hat.»
Mitteilung des CIO
IV/1950
- 9-

�AFL FORDERT STAERKUNG DEUTSCHLANDS
Per Exekutivrat des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL stellte
die Forderung, dass den deutschen und den anderen europaeischen Gewerkschaften in der Union der westeuropaeischen Kohle- und Stahlindustrie,
ueber die Aussenminister Acheson und die Aussenminister Frankreichs
und Englands beraten, eine Stimme gewaehrt wird.
Der Exekutivrat forderte ausserdem eine weitgehende Unterstuetzung und Staerkung der demokratischen Kraefte in Deutschland, um damit
allen kommunistischen Versuchen, Westdeutschland propagandistisch zu
erobern und es dann als Sprungbrett fuer die Beherrschung des uebrigen
Europas zu benutzen, einen Riegel vorzuschieben.
In bezug auf andere aussenpolitische Massnahmen forderte der Exekutivrat die in London zusammenkommenden Aussenminister auf, geeignete
Schritte zu unternehmen, um einen suedostasiatischen Verteidigungspakt,
aehnlich dem Atlantikpakt, zustandezubringen; er billigte die wirtschaftliche Unterstuetzung Jugoslawiens unter dem Regime Marschall
Titos.
Die Erklaerung zur "Krise in, Europa - Programm fuer Deutschland"
hat folgenden Wortlaut:
Oberste Voraussetzung fuer die Erhaltung des Friedens in Luropti
ist die endgueltige Abwehr aller kommunistischen Versuche, Westdeutschland in seinen Bjesitz zu bringen und damit die Sowjetherrschaft bis zu
einem Punkte auszudehnen, von dem aus die russische Willkuerherrschaft
Frankreich, Belgien, Holland und den uebrigen Kontinent erobern kann.
In diesem Zusammenhang ist es vor allem erforderlich, dass die
Vereinigten Staaten und seine demokratischen Verbuendeten Deutschland
gegenueber jegliche Politik fallen lassen, die eine Wiederholung des
Zweiten Weltkrieges zur Folge haben koennte. Heute ist es nicht die
deutsche Aggression, die die Sicherheit V/esteuropas und den Frieden und
Fortschritt der Welt bedroht, sondern es sind 175 bereitstehende russische Divisionen, von einer ungeheuren Luftwaffe und einem enormen
Reservoir an Arbeitern unterstuetzt, die von einem totalitaeren Regime,
das nach der Weltherrschaft strebt, ruecksichtslos ausgebeutet werden.
Der sowjetische Imperialismus verfolgt mit verdoppelter Energie
seine Plaene, das gesamte Deutschland in seine Gewalt zu bringen. Er
versucht, durch zeitweilige Blockaden, terroristische Demonstrationen
und bewaffnete Invasionen Berlin zu erobern. Moskau hat eine intensive
Propagandakampagne gestartet, die sich in erster Linie an alle antidemokratischen Kraefte wendet - fruehere Nazigrössen, ehemalige Offiziere
der Wehrmacht und die Kohlenmagnaten und Stahlbarone der Ruhr, die
Kitlers Machtergreifung und sein Kriegsprogramm finanzierten. Diesen
Feinden menschlicher Freiheit und Anstaendigkeit gaukeln die russischen
Kriegslords nun grossartige Versprechen sogenannter nationaler Einheit
und verlockender wirtschaftlicher Absatzmoeglichkeiten fuer die Erzeugnisse der westdeutschen Schwerindustrie vor.
Angesichts dieser verhaengnisvollen Entwicklung schlaegt der Exekutive t vor, dass die demokratischen Nationen ihre Deutschlandpolitik
einer eingehenden Ueberpruefung unterziehen, sie den neuen Verhaeltnissen anpassen und sie dann abaendern, wenn sie sich als nicht laenger
vertretbar erwiesen hat. "Wenn eine grundlegende Revision der Politik
Westdeutschland gegenueber vorgeschlagen wird, sollen natuerlich nicht
die grossen, bereits erzielten Erfolge, wie wirtschaftlicher Wiedereufbau, Wachsen der Gewerkschaftsbewegung und die Errichtung einer deutschen Bundesrepublik vergessen oder geschmaelert werden.
- 10 -

�Der Exekutivrat bringt ausserdem dem Hohen Kommissar John J.
"cCloy gegenueber seine Anerkennung darüeber zum Ausdruck, dass er
die Suspendierung der Gesetze ueber das Mitbestimmungsrecht in Hessen
und Wuerttemberg-Baden aufgehoben und das reaktionaere Beamtengesetz
sowie die Steuerprogramme blockiert hat. Es muss jedoch noch viel
getan werden, bevor die Demokratie in Deutschland gesichert ist.
In diesem Sinne sollte die Politik der Alliierten in Deutschland darauf ausgerichtet sein, die demokratischen Elemente - und besonders die Gewerkschaften - zu staerken und den gefaehrlichen Manifestationen des Chauvinismus, des Antisemitismus, des Nazismus und
der totalitaeren Methoden ein Ende zu machen.
Den Interessen der europaeischen Demokratie und Sicherheit wird
weit mehr gedient sein, wenn die Vorbedingungen zu diesen Uebeln beseitigt werden, nicht jedoch die Bonner Verfassung von Zeit zu Zeit
d?m Vetorecht der Alliierten Hohen Kommission unterstellt wird, um
schwerwiegende Fehler wiedergutzumachen. Ausserdem schwaecht die
Methode, sich mit unangenehmen Folgen zu befassen, anstatt ihre Ursachen zu beheben, die Entwicklung einer gesunden, unabhaengigen und
demokratischen Autoritaet in Deutschland.
Angesichts dieser schweren internationalen Krise und der dringenden Notwendigkeit, die bereits erzielten Erfolge zu festigen und die
Grundlagen der Demokratie in Deutschland zu staerken, damit sie ihren
nicht unbedeutenden Beitrag zur Erhaltung der Freiheit und des Friedens
leisten kann, schlaegt der Exekutivrat der US-Regierung folgendös vor:
1. Alle Demontagearbeiten muessen eingestellt werden. Alle Bestimmungen, die die Wirtschaftstaetigkeit einschraenken, wie die Beschraenkung der Stahlproduktion und des Schiffbaus, muessen aufgehoben
werden. Dies ist umso dringlicher, als das Arbeitslosenproblem in
Y/estdeutschland immer schwerwiegender wird.
£. Bis zu der Zeit, da das deutsche Volk selbst die volle Verantwortlichkeit und die Macht uebernehmen wird, muss das Kontrollratsgesetz Nr. 75 unveraendert in Kraft bleiben. Den deutschen Gewerkschaften muss eine Vertretung im Treuhaenderrat der Kohleindustrie gewaehrt werden, wie es bereits im Treuhaenderrat der Stahlindustrie der
Fall ist. Dieses Gesetz hat, obwohl es mit einigen Fehlern behaftet
ist, den frueheren gigantischen Machteinfluss der Industrie- und Finanzmagnaten in Schach gehalten, die den Nazis zur Macht verhalfen und
Hitlers Terror und Kriegsmaschinerie finanzierten. Dieses Gesetz darf
nicht in einer V/eiste abgeaendert werden, die das Erreichte unterminieren oder zunichte machen koennte. M n e derartige Revision wuerde eine
Gefahr för die Freiheit und Sicherheit nicht nur des deutschen Volkes,
sondern auch der anderen Nationen Europas bedeuten.
3. Das Ruhrstatut muss grundlegend geaendert werden, damit es
seinen einseitigen Charakter verliert. Der Lebensstandard des deutschen Volkes muss von dessen eigenen Bemuehungen und Leistungen und
nicht von den einschraenkenden Bestimmungen oder grosszuegigen Gaben
und Unterstuetzungen anderer Maechte abhaengig sein. Ausserdem muss
die Ruhrbehoerde offiziell und grundsaetzlich nur als ein erster
Schritt zur Schaffung einer allgemeinen europaeischen Behoerde proklamiert werden, die befugt sein muss, eine aehnliche Kontrolle ueber die
Kohle-, Eisen- und Stahlindustrien Nordwesteuropas auszuueben. Gemaess
den Vorschlaegen des Internationalen Gewerkschaftskomitees fuer die
Ruhr muss den Gewerkschaften eine angemessene Vertretung in der Verwaltung des Ruhrstatuts und in allen anderen aehnlichen noch zu errichtenden Behoerden eingeraeumt werden.
4. Die Wirtschaft des deutschen Bundesgebietes muss in das westauropaeische Wirtschaftsleben im Rahmen der OEEC oder anderer inter- 11 -

�nationaler Organisationen, die auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit
aufgebaut sind, eingegliedert werden.
5. Die Vielzahl der Sicherheitsbehoerden in Westdeutschland,
die sich in ihren Funktionen gegenwaertig ueberschneiden, muessen
durch eine einzige Organisation ersetzt werden, die reine Sicherheitsfunktionen auszuueben hat.
6. Durch ein Abkommen mit der deutschen Bundesregierung muss
Frankreichs Versorgung mit Saarkohle gesichert werden, und zwar in einem Umfang wie Frankreich sie benoetigt. Als der traditionelle Traeger der Demokratie in Europa braucht und darf Frankreich nicht ein
undemokratisches Regime an der Saar aufziehen, um auf diese Weise
in den Besitz dieser &amp;ohle zu kommen.
7. Die deutsche Bundesrepublik muss als souveraener Staat anerkannt und in die Gemeinschaft der freien Nationen aufgenommen werden.
Dabei hat sie alle Verantwortlichkeiten und Pflichten zu teilen, aber
sie muss auch in den Genuss der Rechte und Vorteile einer solchen Vereinigung kommen. Es gibt keinen anderen Weg, um dem deutschen Volke
das Gefuehl der Solidaritaet mit den westlichen Demokratien zu geben,
und dafuer zu sorgen, dass alle russischen Manoever und Machenschaften
abgewiesen werden, die dieses Land zu einem sogenannten, neutralen
oder einfach zu einem neuen Satelliten der sowjetischen Willkuerherrschaft machen sollen.
8. Das jetzige Besatzungsstatut muss durch einen vorlaeufigen
Friedensvertrag ersetzt werden.
9.

Westberlin

muss ein Teil der deutschen Bundesrepublik sein.

10. Die Streitkraefte der Vereinigten Staaten und ihrer demokratischen Vefbuendeten werden gemaess den Bestimmungen des oben erwaehnten, von beiden Partnern gebilligten Friedensvertrages in Deutschland
bleiben muessen, um dieses Land in seinem Abwehrkampf gegen die russische Aggression und die kommunistischen Quislinguebergriffe auf seine
Souveraenitaet zu unterstuetzen.
w

Weekly News Service" der AFL
4020/V/1950

CIO-SCHULUNGSKURSE FUER SPITZENFUNKTICNAERE
In diesem Sommer werden unter der Schirmherrschaft der CIO, Referat Bildung und Forschung, in Zusammenarbeit mit den ClO-Vorstaenden
der einzelnen Staaten und den internationalen Gewerkschaften zwoelf
einwoechige Ausbildungskurse fuer solche Mitglieder des CIO abgehalten
werden, die berufen sind, Spitzenpositionen in der Gewerkschaft zu bekleiden.
Das Programm dieses Jahres, das das vierte dieser Art ist, wird
in der Rocky-Mountain-Schule (Estes Park, Colorado) im Juni beginnen
und bis zum Monat Oktober laufen.
Der fuer den 9.-15. Juli in Kimmswick vorgesehene Schulungskurs
fuer Fortgeschrittene, in dem die Ausbildung fuer das politische Aktionskomitee betont werden wird, stellt eine neue Entwicklung in dem
erweiterten Programm des CIO fuer diesen Sommer dar. Zugelassen werden
Mitglieder des CIO, die vorher an einem allgemeinen Funktionaerausbildungskurs teilgenommen haben. Die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt,
alle Schueler muessen als Delegierte ihrer Lokalgewerkschaften oder
ihrer Vorstaende kommen.
- 12 -

�Das Sommerschulprogramm steht unter der Leitung des Direktors x
des CIO-Referats fuer Erziehung, George Guernsey. Abgesehen von einigen Abweichungen, die durch die besonderen Verhaeltnisse in einzelnen Gewerkschaften in den verschiedenen Staaten bedingt sind, ist
das Programm im gründe fuer alle Schulen gleich.
Es sieht fuer den Vormittag Diskussionen ueber Gewerkschaftsgeschichte, Yollbeschaeftigung, wirtschaftliche und oeffentliche Beziehungen und aehnliche Themen vor, fuer den Nachmittag steht auf dem
Lehrplan "Studien an Hand praktischer Beispiele."
Waehrend dieser Zeit stellen die Schueler z.B.. Umfragen bei Bauern an, kommen dann zusammen und diskutieren die Ergebnisse dieser
Umfragen. Wichtig ist, dass die Lehrgangsteilnehmer ueber die Einzelheiten der Umfrage nicht zu den Bauern sprechen, sondern die Einstellung der Bauern zu bestimmten aufgeworfenen Fragen selbst herausfinden
sollen.
Allabendlich finden dann Diskussionen ueber wichtige ProgrammDunkte und Resolutionen des CIO statt, an denen im Dienste dieses Programms taetige CIO-Fuehreri_teilnehmen.
Philipp Murray, der Praesident des CIO, forderte die Lokalgewerkschaften und Vorstaende des CIO auf, sich dieses Programm zunutze zu .
machen, und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass "die Lehrgangsteilnehmer der CIO-Kurse all das, was sie gelernt haetten, in ihre
Lokalgewerkschaften mitnehmen moegen, um eine starke demokratische Gewerkschaftsbewegung aufzubauen, die notwendig ist, um ein starkes demokratisches Amerika zu schaffen."
The CIO News
V/1950
DER KAMPF GEGLN UNZUREICHENDE FRAUENLOLENE
Der CIO brachte in einer Erklaerung an den Kongre3s offen zum
Ausdruck, dass weibliche Arbeitskraefte die gleiche Bezahlung wie
maennliche Arbeiter verdienen, wenn sie die gleiche Arbeit leisten.
Frau Helen Blanchard vom Verband der Bekleidungsarbeiter (Amalgamated Clothing Workers) erklaerte vor dem Komitee fuer Arbeitsfragen
des Repräsentantenhauses:
"Die erwerbstaetige Frau verlangt nicht, bevorzugt behandelt zu
werden. Es ist lediglich ihr Wunsch, als wirklich gleichberechtigt
anerkannt zu werden.
"Das geringste, was der Kongress tun kann, ist die Beseitigung
der unhaltbaren Diskriminierungsmethoden gegen Frauen."
Frau Blanchard bezeichnete die Diskriminierung des Frauenlohnes
als eine Methode, die sich in bedenkliche.r Weise gegen die uebrige
Gesellschaft ausgewirkt habe.
Auch Praesident Joseph Beirne von der Gewerkschaft der Telefonarbeiter (CIO) forderte die Bewilligung der Gesetzesvorlage Nr. 1584
des Repräsentantenhauses, die den gleichen Lohn fuer weibliche wie
fuer maennliche Arbeitskraefte bei gleicher Leistung vorsieht. Auch
der Automobilarbeiterverband des CIO sprach sich fuer die Durchfuehrung dieser Gesetzesvorlage aus.
Beirne, dessen Gewerkschaft etwa ,20.000 erwerbstaetige Frauen
umfasst, berichtete, dass in der Telefonindustrie, bei voellig gleicher
- l^ -

�Arbeit, Unterschiede bei den Lonntarlfen fuer Maenner und Frauen bis zu
ZO Dollar fuer den Wochenlohn bestuenden.
In Baltimore z.B. zahle eine Telefongesellschaft fuer eine Arbeit, die mit Beschwerden der Teilnehmer und dem Einrichten neuer
Telefonanschluesse zu tun habe, einen woechentlichen Hoechstlohn von
90 Dollar fuer Maenner und nur 59 Dollar fuer Frauen.
Der einzige Unterschied in der Arbeit der Maenner und Frauen,
sa^te Beirne, bestehe darin, dass sich die Gesellschaft weigere, Frauen in die Wohnungen oder Bueros zu schicken, um dort die Beschwerden
der Teilnehmer entgegenzunehmen.
Der Praesident der Telefonarbeitergewerkschaft erklaerte ausserdem, er koenne nicht verstehen, warum der Kongress trotz staendiger
Fuersprache diese Gesetzesvorlage nicht bewillige. Die Vorlage sei
in den Jahren 1945, 1947 und 1949 eingereicht worden. Beirne sagte,
dass er fuenf Jahre lang ununterbrochen zu ihren Gunsten im Parlament
olaediert habe und dieser oder der naechste Kongress die Vorlage bewilligen koennte, ohne noch einmal die Fuersprache anzuhoeren.
Vorsitzender Tom Burke, ein Mitglied der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO, und zugleich Abgeordneter, der ebenfalls diese Gesetzesvorlage befuerwortet, gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Vorlage
bewilligt wElrde.
Nach dem vorgeschlagenen Gesetz waere es eine unmoegliche Praxis,
wenn ein Unternehmer bei der Lohnzumessung Unterschiede auf Grund des
Geschlechts machte - es sei denn, die Bezahlung richtet sich nach einem
Berufsjahr - oder Verdienstsystem, in dem eine Diskriminierung des Frauenlohnes nicht vorgesehen ist.
The CIO News
ZIII/21/V/1950
PRAESIDENT TRUMAN SPRICHT DER BEKLEIDUNGSARBEITERGEWERKSCHAFT DES CIO
SEINE ANERKENNUNG AUS
,
In einem Schreiben an die Gewerkschaft der Bekleidungsarbeiter
(Amalgamated Clothing VVorkers) erklaerte Praesident Truman:
"Ihre Organisation, in der sich Menschen zahlreicher Rassen zusammengefunden haben, hat bewiesen, dass Maenner und Frauen, die guten
Willens sind, trotz der Verschiedenheit ihrer Herkunft und der kulturellen Stufe, auf der sie sich befinden, in gutem Einvernehmen miteinander leben koennen....
"Sie haben weit besser als viele andere Menschen und Organisationen erkannt, dass die sicherste Grundlage unserer demokratischen Lebensweise in einem hoeheren Lebensstandard, der Vollbeschaeftigung
und in Sozialeinrichtungen zum Wohle des ganzen Volkes zu suchen ist."
The CIO News
22/V/1950
ARBEITERSCHAFT UND KALTER KRIEG
. "Der Kampf um die Arbeiterschaft ist eine entscheidende Phase im
Kalten Krieg," erklaerte Philip M. Kaiser, der stellvertretende Arbeitsminist 3r, der fuer internationale Arbeitsangelegenheiten zustaendig
ist, als er Amerika verliess, um ar- einer Reihe Konferenzen in Europa
teilzunehmen.
- 14 -

�"Die Kommunisten werfen alles in diesen Kampf, um die Arbeiter
»uer sich zu gewinnen," sagte Kaiser. "Sie sind sich klar darueber,
lass sie mit der Herrschaft ueber die Arbeiter eine strategische Posi;ion in die Hand bekaemen, mit der sie ohne Einsatz der Roten Armee
Lhre Ziele verwirklichen koennten. Die Tschechoslowakei ist hierfuer
jin ausgezeichnetes Beispiel.
"Die Amerikaner sind ihren eigenen freien Gewerkschaften sehr viel
)ank schuldig," fuegte Kaiser hinzu. "Sie haben ohne Propagandarr.assnehlen aus sich heraus ihren freien Willen kundgetan, als sie sich mit
illen Mitteln fuer den Kalten Krieg zur Verfuegung stellten. Sie wislen, was Kommunismus fuer die Arbeiterschaft bedeutet, denn sie haben
.hn hier in den Vereinigten Staaten selbst kennengelernt. Sie haben
Lsrvorragende Arbeit geleistet, indem sie sich mit der Mitgliedschaft
[er freien Gewerkschaftsbewegungen im Ausland verbuendeten., Die freie
.rbeiterschaft der ganzen Welt ist sich trotz aller Luegen der Helferslelfer Moskaus einig."
Kaiser, der als Repraesentant der Regierung der Vereinigten Steaten
in der Konferenz des Exekutivausschusses des Internationalen Arbeitsamts in Genf teilnahm und Leiter der US-Delegation auf der Internationa.en Arbeitskonferenz ist, die am 7. Juni in Genf begann, sprach dem Interlationalen Arbeitsamt seine Anerkennung darueber aus, dass es ihm gelungen ist, Vertreter der Regierungen, der Unternehmer und der Gewerkschaften
n dem Bestreben zu vereinigen, bessere Arbeitsbedingungen fuer die 60
littfliedsstaaten zu entwickeln. "Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn
.ch RegierungsVertreter, Unternehmer und Arbeiter friedlich zusammeniitzen sehe, um Plaene fuer ein besseres Leben der Maenner und Frauen
er ganzen Welt zu entwerfen," sagte er.
An erster Stelle der Tagesordnung der 33. Jahreskonferenz des In.ernationalen Arbeitsamtes stand eine Diskussion ueber die Bedeutung der
Iteigerung der Produktionsleistung
fuer die Verbesserung der Lebensbedingungen auf der ganzen A:elt. Die Tagesordnung fuehrte ausserdem zu
Iroerterungen gewisser Probleme der Beziehungen zwischen Gewerkschaften
md Arbeitgebern, ueber die Frage des gleichen Lohnes fuer die gleiche
rbeit fuer Maenner und Frauen gelangte man zu den Problemen der Festetzung eines Mindestlohnes in der Landwirtschaft. Zu einer in Vorchlag gebrachten Empfehlung zur Berufsausbildung Erwachsener, wobei
ie Einreihung der Koerperbehinderten in den Arbeitsprozess ebenfalls
esprochen wurde, wird noch endgueltig Stellung genommen werden. Wenn
ie von der Konferenz gebilligt wird, wird das Prograx^m zur Berufsausildung an die Mitgliederstaaten zur entsprechenden Durchfuehrung weiergeleitet werden.
Auf einer Konferenz in Paris traf Kaiser mit dem Stab der US-3eraer fuer Arbeitsfragen mit den Beratern fuer Arbeitsfragen im Dienste
es Marshall-Planes aus Oesterreich, Belgien, Daenemark, Aegypten,
rankreich, Deutschland, Grossbritannien, Griechenland, Israel, Italien,
olland, Spanien und Schweden zusammen. Hier wurde vor allem die wirtchaftliche Lage der europaeischen Arbeiterschaft und der Anteil der
ewerkschaften am Kampf gegen den Kommunismus besprochen.
Kaiser wurde von Arnold Zempel, dem Direktor des Bueros fuer InterQtionale Angelegenheiten im US-Arbeitsministerium, und von Edward B.
ersons, dem Direktor der ILO-Abteilung dieses Bueros, begleitet. Cleon
. Swayzee, der Berater fuer Arbeitsfragen im Amt des stellvertretenden
irtschaftsministers, und L. Wendell Hayes vom Aussenministerium, Amt
uer Wirtschafts- und Sozialangelegenheiten der Vereinten Nationen, weren Mr. Kaiser auf den ILO-Konferenzen in Genf beratend zur Seite stehen.
Weitere Teilnehmer an diesen Konferenzen sind: George Philip Dela3y, der internationale Repraesentant der AFL und Mitglied des acht Mann
barken Exekutivausschusses des ILO; Charles P. McCormick, der Praesi3nt der McCormick-Gesellschaft in Baltimore (Maryland), einer der acht
iternehmervertreter in dem gleichen Ausschuss.
Mitteilung des US-Arbeitsministeriums
VI/1950
- 15 -

�SPITZSNGEHAELT-R IN DER AMERIKANISCHEN STAHLINDUSTRIE
Berichte, die bei der "Securities and Exchange Commission" (Kommission der amerikanischen Regierung fuer Wertpapiere und Boersentaetigkeit) vorliegen, zeigen, dass sich die Gehaeiter der drei obersten
Vorstandsmitglieder der United States Steel Corporation im Jahre 1949
auf insgesamt 538.400 Dollar beliefen.
Praesident Benjamin Fairless bezog ein Gehalt von 211.000 Dollar,
der Vorstandsvorsitzende Irving S. Olds 164.200 Dollar und der Vorsitzende des Finanzausschusses Enders 'M. Voorhees 163.200 Dollar.
Die Curtis Publishing Company zahlte ihrem Vorstandsvorsitzenden
W. D. Füller 101.938 Dollar und Ben Hibbs, dem Herausgeber der gewerkschaftsfeindlichen "Saturday Evening Post," 101.923 Dollar.
"Weekly News Service" der AFL
2040/V/1950
- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HIC0G
APO 757

KICCG 8-1125 L 1 B Jul/ 50 14 C

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

II - 16

Frankfurt, 23. Juni 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Arbeiterbildungsmassnahmen der«amerikanischen
Universitaeten - - - - - - - - - - - - - l
Sozial-Attachds - - - - - - - - - - - - - - 7
IAA-Vorschlaege zur Steigerung der Weltproduktivitaet
---_
13
IAA im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit - - - 15
Das Vermoegen der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter (AFL) - - - - - - - - - 1 5
Weitere Verluste des Weltgewerkschaftsbundes - 16
Organisationserfolge der Textilarbeitergewerkschaft - - - - - - - - - - - - - - - - - - 16

Caroline F. Ware:
ARBSITERBILDUNGSMASSNAHMEN DER AMERIKANISCHEN UNIVERSITAETEN
Die Streitigkeiten ueber den Arbeiterbildungsdienst der Universitaet Michigan, die mit seiner Aufloesung endeten, haben die Frage in
den Vordergrund gerueckt, welche Rolle die Universitaeten im Arbeiterbildungswesen zu spielen haben, Dieser Streitfall gibt daher Veranlassung, ueber das Problem nachzudenken, wie weit die ArbeiterbildungsDrogra'"T» der Universitaeten sich heute bereits durchgesetzt haben,
und wie sie sich weiter entwickeln werden. Die Beschaeftigung mit
diesen Fragen ist deshalb besonders wichtig, weil man mehr und mehr
von einem staatlich unterstuetzten Arbeiterbildungsdienst der Universitaeten sprechen kann.
Der Amerikanische Arbeiterbildungsdienst (umerican Labor Education Service) hat, um sica einen Ueberblick Ober die neueste Entwicklung der Universitaetsprogramme in der Frage der Arbeiterbildung verschaffen zu koennen, im Sommer 1943 alle Universitaeten und hoeheren
Schulen befragt, die in seiner Erhebung von 1946 ("Arbeiterbildung an
Universitaeten", von Caroline F. Ware im Amerikanischen Arbeiterbildungsdienst) beruecksichtigt worden waren. Er hat sich ausserdem mit
jenen Instituten in Verbindung gesetzt, von denen man wusste, dass
sie in der Zwischenzeit solche Programme eingefuehrt hatten. Im
Herbst 194B wurde erneut statistisches Material von einigen anderen
- 1-

�Universitaeten und den verschiedenen Gewerkschaften beschafft. Aus
dieser Studie und weiteren Untersuchungen ergibt sich ein Bild ueber
den gegenwaertigen Stand der Arbeiterbildung an den US-Universitaeten.
Mit Ausnahme der Vorkommnisse an der Michigan-Universitaet und
einem oder zwei weiteren unbedeutenden Programmen, die fallen gelassen
wurden, sind die seit 1945-1946 bestehenden Bildungsprogramme ohne
grosse Unterschiede staendig forgesetzt worden. Jene Programme, die
sich im Jahre 1945 noch im Versuchsstadium befanden, waren 1948 bereits
fe3t verankert. An den meisten Universitaeten, ueber deren Arbeiterbildungsarbeit bereits in der ersten Erhebung berichtet wurde, laufen
heute Programme aehnlicher Art, wobei diese entweder innerhalb oder
ausserhalb der Universitaet durchgefuehrt werden, zum Teil auch in
besonderen Instituten.
Eine Reihe Universitaeten, die schon frueher die Absicht hatten,
Arbeiterbildungskurse einzufuehren, sind im Verlauf der letzten drei
Jahre auf diesem Gebiet erstmals taetig geworden. Unter den Programmen, die geplant waren und nach und nach auch zur Ausfuehrung gelangten, sind besonders die des Roosevelt-College in Chicago sowie der
Universitaeten in Illinois und Kalifornien hervorzuheben. Die Universitaeten Alabama, New Hampshire, Utah und das Marshall-College in
Westvirginien haben kleinere Programme nach bereits festgelegten
Plaenen in Angriff genommen. Andere Institute, wie Antioch, Colby
und die Universitaeten in Colorado und Denver, sind noch nicht ueber
das Planungsstadium hinausgekommen.
Jedoch sind einige neue Programme in Erscheinung getreten. NewJersey gehoert seit 1947 zu den Staaten, die sich fuer eine Unterstuetzung der Kurse aus oeffentlichen Mitteln ausgesprochen haben. Dieser
Staat hat in Rutgers das bekannte Institut fuer die Pflege der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern errichtet, zu dem im
ganzen Staate Ergaenzungskurse laufen. Die hierfuer bereitgestellten
Betraege belaufen sich auf 50.000 Dollar. Die Princeton-Universitaet,
die jahrelang Seminare ueber Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern veranstaltet hat, uebergab ein besonderes Seminar
zur Ausbildung von Gewerkschaftsfunktionaeren seiner Bestimmung. Auch
die Universitaet in Kansas beteiligt sich jetzt an den BildungsProgrammen der Stahlarbeiter und anderer Gewerkschaften. Die Universitaet
in Washington hat ein Institut fuer Arbeit und Wirtschaft errichtet,
das in Seattle Kurse gibt, die einen Teil seines Programms fuer die
Schulungsarbeit in der Gemeindeverwaltung (Community Service) darstellen. Das Hobart-College fuehrte einen vierwoechigen, praktischen
Lehrgang fuer eine kleine Gruppe Gewerkschafter durch.
Die Erhebung von 1946 hatte bereits gezeigt, dass die Arbeit auf
dem Gebiet der Arbeiterbildung an den Universitaeten eine sehr umfassende ist, dass aber noch viele Moeglichkeiten einer weiteren Entwicklung bestehen. Die allgemeinen Bestrebungen der letzten drei Jahre
gingen dahin, staendig neue Moeglichkeiten nach allen Richtungen zu
erforschen und zugleich zahlreiche Probleme zu loesen, die sich mit
dem Augenblick ergaben, als sich die Universitaeten staerker in die
Arbeiterbildung einschalteten.
•

Waehrend alle Arten des Unterrichts, die schon 1945 eingefuehrt
waren, auch im Jahre 1948 noch bestanden, hätten jedoch einige dieser
Formen mehr Anklang gefunden als andere. Eine deutlich erkennbare
Abkehr von langfristigen Programmen fuer kleine, ausgewaehlte Gruppen
Gewerkschafter» die in Universitaetsinstituten durchgefuehrt wurden,
wofuer die von der Harvard- und Yale-Universitaet durchgefuehrten Kurse als Beispiel gelten koennen, macht sich allgemein bemerkbar. Das
Harvard-Programm wurde deshalb von neun Monaten auf dreizehn Wochen
reduziert, weil sich fuer die Gewerkschafter Schwierigkeiten ergaben,
wenn sie fuer ein ganzes Studienjahr sich kaum ihren Gewerkschafts-

- £-

�pflichten widmen konnten. Harvard kuendigte jetzt an, dass das gleiche Fensum im wesentlichen auch in einer kuerzeren Zeit bewaeltigt
werden koennte, obwohld die Rektoren noch im Jahre 1945 der Ansicht
waren, dass volle neun Monate fuer eine wirkliche Schulung unumgaenglich seien, wie sie in dem Gewerkschaftsprogramm vorgesehen war. In
Yale musste man auf oertlich festgelegte Institutslehrgaenge wegen der
Unterbringungsschwierigkeiten verzichten, sodass die Kurse auf nicht
oertlich gebundener Basis weitergefuehrt werden konnten.
Auf der anderen Seite ist man in zunehmendem Masse zu kurzfristigen oertlichen Schulungskursen uebergegangen. Diese finden fuer die
Dauer von einer bis zu vier Wochen in den Universitaeten waehrend des
Sommers statt. Die Kurse sind haeufig fuer bestimmte Gewerkschaften
eingerichtet, wie es an dem Pennsylvanien State College, der Universitaet in Wisconsin und dem Rhode Island State College der Fall ist,
manchmal sind sie es nicht, wie zum Beispiel an der Goddard College
Vermont Labor School.
Auch die eigentlichen Volkshochschulkurse fuer Gewerkschafter haben
eine betraechtliche Erweiterung erfahren, '.'.'aehrend der Arbeiterbildungsdienst der Universitaet in Michigan bis zu seiner Aufloesung das umfassendste aller Volkshochschulprogramme darstellte, sind diese an anderen Universitaeten erweitert worden, oder neu ins Leben gerufen worden.
Einige kleinere Volkshochschulprogramme konnten wegen des Mangels an
oertlichem Interesse nicht weitergefuehrt werden, so zum Beispiel am
St. Michael's-College im Winooski Park, Vermont, oder sie wurden voruebergehend wegen des Fehlens eines geeigneten Lektors von der Universitaet eingestellt, wie es am State College in Westvirginien der Fall
war. Durch neue Volkshochschulprogramme und Ergaenzungen zu den bestehenden sind diese Ausfaelle jedoch mehr als ersetzt worden.
An der Universitaet in Illinois und der New Yorker Staatsschule
fuer industrielle und gewerkschaftliche Beziehungen in Cornell sind
dis Volkshochschuldienste mit der Einfuehrung einzelstaatlicher Programme - aehnlich den Kursen fuer den Verwaltungsdienst in den Gemeinden ihrer Verwirklichung naehergekommen. Obwohl sich keines dieser beiden
Volkshochschulprogramrae so rasch entwickelte, wie es sich einige Referenten fuer Arbeiterbildung in den Gewerkschaften versprachen, hatten
beide Institute mit ihren Kursen doch sohnell festen Fuss gefasst. In
etwa 20 Orten des Staates Illinois wurden Volkshochschulen begruendet.
Die New Yorker Staatsschule hatte ausser den eigentlichen Schulungskursen und mehreren Vorlesungsserien 43 spezialisierte Lehrgaenge in
16 Staedten des Staates New York laufen. 29 dieser Projekte wurden
in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften durchgefuehrt, zehn mit der
Uhterstuetzung der Unternehmer und vier fanden auf genereller Basis
statt. Das State College in Pennsylvanien riohtete innerhalb seiner
Volkshochschulabteilung einen Arbeiterbildungsdienst ein und dehnte
seinen erneuerten, aktivierten Volkshochschuldienst auf Gewerkschaftsgruppen aus. Zu den neuen Volkshoohschulprogrammen fuer Arbeiter gehoeren die des Roosevelt-College in Chikago und des Instituts fuer
wechselseitige Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen in Rutgers, das
auf Grund der Gesetzgebung des Staates New-Jersey errichtet wurde. An
dem Programm des Roosevelt-College nahmen im Jahre 1948 etwa 1.100 Arbeiter teil, im Staate New Jersey wurden vom Rutgers Institut 65 Volkshochschulkurse fuer Arbeiter durchgefuehrt.
Viele der von den Universitaeten den Arbeitern gebotenen Hochschulkurse fanden an Orten statt, die fuer die Arbeiter bequem erreichbar waren. Allerdings wurden auch weiterhin Kurse in Universitaetsgebaeuden und an anderen zentral gelegenen Stellen abgehalten. Drei
Jehre zuvor zoegerte noch eine Reihe Universitaeten, ihre Lehrreeume
in Gewerkschaftshaeuser oder andere nichtakademische Gebaeude zu verleren, weil sie sich nicht klar darueber waren, ob diese Methode mit
dem Ansehen einer Universitaet zu vereinbaren sei. Eine Anzahl Uni- 3 -

�versitaeten hat sich jedoch bereit erklaert, eher mit den Kursen zu
den Arbeitern zu gehen als die Arbeiter in die Universitaeten kommen
zu lassen, und die Auffassung, dass diese Methode fuer die Universitaeten durchaus guenstig ist, scheint in den vergangenen drei Jahren
einen weiten Anhaengerkreis gefunden zu haben.
Ausser den Volkshochschulen hat die oertliche Bildungsarbeit in
Form von Filmforen, Diskussionsgrupnen, Vorlesungen und Reden im Zusammenhang mit Gewerkschaftsversammlungen eine grosse Ausdehnung erfahren.
Auch kurze, ein- oder zweitaegige Kurse scheinen, gemessen an
ihrem Fortbestand und ihrer Erweiterung, den Anspruechen der Arbeiter
gerecht zu werden und zugleich fuer die Universitaeten finanziell tragbar zu sein. Gemeinsame Vereinbarungen, die derartige Kurse vorsehen,
sind zwischen dem Buero fuer Arbeiterbildung und solchen Universitaeten
verabredet worden, wo es keine anderen Programme gibt; aber auch viele
Universitaeten mit V/ohnort- und Volkshochschulkursen unterhalten in
jedem Jahre ein oder mehrere solcher Kurzprogramme.
In allen Formen und Arten der Universitaetsprogramme zeigt sich
sehr klar die Tendenz nach Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften
und den Universitaeten im Planen, Organisieren und der Durchfuehrung
der Programme. Sie muessen den Bedürfnissen der Arbeiter gerecht werden
damit sie Forschungen betreiben und Schulungsmaterial ausarbeiten koennen. Drei Jahre zuvor waren sich die Universitaeten selbst nicht im
klaren ueber ihr Verhaeltnis zu den Gewerkschaften. Sie hatten keine
Erfahrung, wie die traditionelle Kluft zwischen der Universitaet und
der Gewerkschaftsbewegung ueberbrueckt werden koennte. Sie wussten
nicht, wie man sich mit aussenstehenden Gruppen, vor allem mit den
Gewerkschaften, in die Verantwortlichkeit teilen koennte. Gewisse Universitaetskreise, die sich ihrer Verantwortung fuer die Universitaet
und der Grundsaetze akademischer Freiheit bewusst waren, befuerchteten,
da3S die Gewerkschaften nach einer ^rt von Herrschaft streben koennten,
die diese Verantwortung beschneiden und sich gegen diese Grundsaetze
v;enden wuerde. Die Referenten fuer Arbeiterbildung in den Gewerkschaften ihrerseits waren der Auffassung, dass nur durch eine gemeinsame
Planung die Universitaeten die Moeglichkeit haetten, die Beduerfnisse
der Arbeiter auf erzieherischem Gebiet kennenzulernen; dass die Gewerkschaften und ihre Mitglieder nur auf diese Weise herausfinden koennten,
wie die Universitaeten ihnen dienen koennten, und dass nur so ein wirklich konstruktives Arbeiterbildungsprograran entwickelt werden koennte.
Wenn die Vorlesungsprogramme beurteilt werden, die diese Zusammenarbeit
mit den Gewerkschaften widerspiegeln und die eine Universitaet nach
der anderen herausgibt und in der alle mitarbeitenden Gewerkschaften
eufgefuehrt sind, dann ist klar erkennbar, dass die Furcht und Unsicherheit gaenzlich ueberwunden sind. Die bestehenden Programme sind das
Ergebnis gemeinsamer Beratungen, gemeinsamen Planens und geteilter Verantwortung.
j

Die Gewerkschaften haben natuerlich die Bedeutung dieser erzieherischen Arbeit fuer das gesamte Gewerkschaftsprogramm mehr und mehr erkannt. V/aehrend die Bekleidungs-, Textil und Automobilarbeiter auch
weiterhin am staerksten daran interessiert, sind, Programme zu entwickeln
und Gelegenheiten der Schulung wahrzunehmen, haten andere Gewerkschaften, wie zum Beispiel die Stehlarbeiter,ihre erzieherische Taetigkeit
intensiviert und danach gestrebt, mehrere Universitaeten fuer die Einrichtung von Instituten und Volkshochschulen zu gewinnen. Die New
Yorker Staatsschule fuer wechselseitige Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehungen organisierte Volkshochschulkurse fuer die Gewerkschaften der
Chemiearbeiter, Metallarbeiter, Hausangestellte, kaufmaennische Angestellte, Telefonarbeiter, Hotel- und Restaurantarbeiter, Fahrer, Textilund Bekleidungsarbeiter, Stahlarbeiter und fuer eine Reihe oertlicher
- 4 -

�Berufs- und Gewerkschaftsorganisationen in verschiedenen Staedten.
Der Grund fuer das zunehmende Interesse der Gewerkschaften an der
Arbeiterbildung liegt in der wachsenden Verpflichtung und Verantwortlichkeit des einzelnen Gewerkschaftsmitglieds. Das Nationale Komitee
fuer die Vertiefung der Arbeiterbildung hat in sieben groesseren Gewerkschaften (drei AFIn zwei CIO- und zwei unabhaengigen Organisationen) eine Erhebung durchgefuehrt, die gezeigt hat, dass von zehn Mitgliedern je ein Mitglied eine besondere, hohe Verantwortung erfordernde Aufgabe in bezug auf Unternehmertum, die Gemeinde oder Arbeitskollegen zu erfuellen hat, die besondere Kenntnisse und Schulung erfordert.
Die von der Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) einberufene Konferenz fuer Fragen der Arbeiterbildung stellt eine neue Phase in der Entwicklung des Bildungswesens dar. An dieser Konferenz, die vom Exekuftivausschuss der Automobilarbeitergewerkschaft (CIO), vom Bildungsausschuss dieser Gewerkschaft und von der Abteilung fuer Arbeiterbildung
des CIO einberufen worden war, nahmen die Vorsitzenden der Bildungsausschuesse und die Referenten fuer Arbeiterbildung der ÜAW-Lokalgewerkschaften des ganzen Landes teil. Man befasste sich vor allem damit,
das Leitmotiv dieser Konferenz zu verwirklichen: wYti,e koennen auf demokratischem Wege die Gewerkschaft und die politische Betaetigung in
Eurem Betrieb und Eurer Gemeinde vorangetrieben werden.'"
Je mehr sich die Gewerkschaften ihrer Beduerfnisse auf dein Gebiete
der Arbeiterbildung bewusst sind, umso besser wird es ihnen moeglich
sein, die Universitaeten fuer solche Dienstleistungen zu gewinnen, die
die Gewerkschaften verwenden und die Universitaeten geben koennen.
Die Universitaeten dagegen mussten in ihrem Verhaeltnis zu den
Gewerkschaften darauf achten, nicht in interne Streitigkeiten innerhalb
dsr Gewerkschaftsbewegung verwickelt zu werden und sich streng an den
Grundsatz zu halten, allen in gleichem Masse ihre Dienste zur Verfuegung
zu stellen. Die Gewerkschaften haben diese Aufgabe dadurch erleichtert,
da^s sie sich bereit erklaerten, Fragen der Arbeiterbildung in gegenseitiger Zusammenarbeit zu loesen. Den Beweis fuer diese Bereitwilligkeit
liefert die Zugehoerigkeit der AFL, des CIO, der Eisenbahnergewerkschaft
und anderer unabhaengiger Gewerkschaften zu dem Nationalen Komitee fuer
die Vertiefung der Arbeiterbildung. Die drei Hauptzweige der Gewerkschaftsbewegung in New Jersey beteiligen sich auf dieser Basis gemeinsam an der Errichtung eines staatlichen Komitees fuer die Vertiefung
des Arbeiterbildungswesens. Dieses Komitee hat die Aufgabe, die Gesetzesvorlage fuer Arbeiterbildung zu unterstuetzen und mit allen Lehrinstituten zusammenzuarbeiten, um die Arbeiterbildungsprogramme innerhalb
des Staates zu foerdern.
Diese Programme leiden jedoch auch heute noch unter dem Mangel an
geeignetem Material fuer den Gebrauch in den Arbeiterschulen. Einige
Fortschritte auf diesem Gebiet konnten in den letzten drei Jahren immerhin erzielt werden, da in einigen Instituten die Bestrebungen, Schulungsmaterial
auszuarbeiten, mit zum Programm gehoeren. Das Gesetz von
NTew Jersey, durch welches das Rutgers Institut zustandekam, bezeichnet
die Entwicklung neuen Schulungsmaterials und fortschrittlicher Arbeitsmethoden als eine der Funktionen dieser Schule,und die Dozenten des
Rutgersinstitutes haben sich besonders mit den Anwendungsmoeglichkeiten
und der Entwicklung von Schulungsmaterial befasst. Die Universitaet
Shikago bearbeitet mit Hilfe des Carnegie-Fonds und der Gewerkschaften
Material fuer solche Veroeffentlichungen. Der Arbeiterbildungsdienst
ier Universitaet in Michigan entwickelt Programmrichtlinien und Lehrolaene. Ueberall besteht jedoch eine starke Nachfrage nach aue^eopro3henem Schulungsmaterial, aber die Maschinerie zur Ausarbeitung, zum
\ustausch und zur Verteilung dieses Materials ist leider noch immer nicht
senuegend entwickelt worden.
- 5-

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�Programm fuer Erwachsene den Beduerfnissen besonderer Gruppen in dieser
Gemeinschaft angepasst wurde, ohne an bestimmte Formen gebunden zu sein.
Trotz der hier erwaehnten Tendenzen, die in jedem Falle die Erweiterung, die Festlegung auf einer noch sichereren Basis und den erweiterten Gebrauch der Universitaetsprogramme im Arbeiterbildungswesen erhoffen lassen, und obwohl sich die gesamte Gewerkschaftsbewegung energisch
fuer einen bundesstaatlich gestuetzten Arbeiterbildungsdienst unter
Anwendung der Universitaets-Hilfsquellen einsetzt, sind sich die fuer
die Arbeiterbildung verantwortlichen Gewerkschafter nicht sicher, ob
d-ie Universitaeten all das bieten koennen, was zu einer wirklichen und
damit vollstaendigenLoesung der Arbeiterbildungsprobleme fuehren kann.
Das traditionelle Misstrauen der "Intellektuellen" ist noch laengst
nicht beseitigt, und das eingeschlaeferte Gefuehl der Universitaeten,
dass "sie" es sind und nicht "wir", und dass derjenige, "der nicht mit
uns ist, gegen uns ist," kann leicht wieder erweckt werden. Die Frage
ist jedoch, inwieweit diese Zusammenarbeit zwischen den Universitaeten
und der Gewerkschaftsbewegung die wertvolle Erkenntnis, das Verstaendnis und die Einsicht erzeugen kann, die fuer grosse Ziele der Gewerkschaften und ihre heutige Verantwortlichkeit in der Gemeinde, der Nation
und der ganzen Welt unumgaenglich sind. Die gegenwaertige Situation erinnert deutlich an die fruehen Tage der landwirtschaftlichen Schulungsarbeit, als die Bauern solange mißtrauisch blieben, bis sie endlich erkannt hatten, dass das "Lernen aus Buechern," wie es in den landwirtschaftlichen Schulungsprogrammen geboten wurde, fuer sie tatseechlich
von grossem Nutzen war.
Auch wenn die Universitaeten ihre Arbeiterbildungsprogramme staendig weiter entwickeln, muessen sie sich doch vergegenwaertigen und damit
abfinden, dass ihr guter V,'ille und ihre Redlichkeit staendig beargwoehnt
werden. Eine fruchtbringende Entwicklung haengt somig davon ab, dass
Gewerkschaften und Universitaeten in einer Form zusammenarbeiten, dass
jeder den Bereich, die Moeglichkeiten und die Arbeitsvoraussetzungen
des andern kennt und versteht; dass die Universitaeten den Geist des
freien Meinungsaustausches aufrechterhalten und die Gewerkschaften ihn
anerkennen; dass aber die Arbeiterschaft in zunehmendem Masse zusammen
mit anderen Gruppen der Gesellschaft an der Formulierung der Richtlinien
und Programme der Universitaeten beteiligt wird, um den Anforderungen
von heute und von morgen besser gerecht werden zu koennen.
Industrial and Labor Relations Review
X/48
Henry Hauck, Berater fuer Arbeitsfreien an der franzoesischen Gesandtschaft in London:
SOZIAL-ATTACHES
Um sich ueber die Entwicklungen in der Sozialpolitik auf der ganzen
Veit auf dem laufenden zu halten und sich eine Unterstuetzung fuer
die Loesung jener Probleme zu sichern, die in Verbindung mit Arbeitsfragen in der diplomatischen Sphaere auftauchen koennen^, haben viele
Regierungen seit dem Kriege eine neue Art technischer Berater ernannt.
Die Titel dieser Berater sind verschieden (Arbeits-Atttche, SozialAttache, Arbeiter-Attache", usw.), die Motive zu ihrer Ernennung sind
im wesentlichen jedoch die gleichen.
Mr. Henry Hauck, der^Vertreter der franzoesischen Regierung im Exekutivausschuss des Internationalen Arbeitsamtes, der auf Grund seines
Londoner Amte3 besonders qualifiziert ist, die Bedeutung dieser neuen
^hase der internationalen Zusammenarbeit ermessen zu koennen, legt
in dem nachstehenden Artikel die Arbeitsweise dieser neu eingefuehrten
Einrichtung auseinander.
7 -

�Vor dem ersten Weltkrieg waren die Probleme der Sozialpolitik im
wesentlichen noch nationale Probleme, deren Bedeutung nicht ueber die
Grenzen des einzelnen Landes hinausging. Erst mit den Friedensvertraegen und der Errichtung der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf
wurde die Sozialpolitik als ein Problem von internationaler Bedeutung
angesehen. Obwohl jedoch in der Zeit von 1919 bis 1939 grosse und
kleine Laender innerhalb der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO)
ihre diesbezueglichen Erfahrungen austauschten und gemeinsam an einem
internationalen Arbeitsrechtssystem arbeiteten, waren sich nur wenige
Menschen der Bedeutung der Arbeitsprobleme innerhalb der diplomatischen
Beziehungen bewusst. Die wirtschaftliche Entwicklung, die durch den
zweiten Weltkrieg ungeheuer forciert wurde, und das staendige Anwachsen
der Gewerkschaftsbewegung in den meisten Laendern der Welt haben aber
diesen Problemen eine noch groessere Bedeutung gegeben, als sie ihnen von
den Verfassern des Teiles 13 des Versailler Friedensvertrags beigemessen
worden ist. Heute beruehren die Arbeitsprobleme unmittelbar das Herz
jeder Nation; Loehne, Einsatz der Arbeitskraefte sowie Aus- und Einwanderung sind ueberall wesentliche Faktoren im wirtschaftlichen Leben.
Die mit der Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung aufgekommenen Fragen wie Koalitionsfreiheit, die Bestrebungen der Gewerkschaften, ihre Forderungen gegenueber den Unternehmern durchzusetzen oder bestimmte politische Einfluesse auszuueben, das Mitbestimmungsrecht der Arbeiter im
Betrieb und der Einfluss auf die Wirtschaftspolitik auf ueberbetrieblicher Ebene - alle diese Forderungen stehen mit der Gestaltung politischer Einrichtungen und selbst mit dem Verlauf der Aussenpolitik in
engem Zusammenhang. Deshalb sind zahlreiche Regierungen der Auffassung,
dass sie ueber die Entwicklung der Sozialpolitik in anderen Laendern zumindest mit denen sie diplomatische Beziehungen unterhalten - auf
dem laufenden gehalten werden muessen. Diese Auffassung hat ihrerseits
zu der Einfuehrung und Bewaehrung einer neuen Form des spezialisierten
Diplomaten, des Sozial-Attachds, gefuehrt.
Eine grosse Forschungsarbeit wuerde notwendig sein, um die Ursprueng
der Methode, Sozial-Attachös zu ernennen, festzustellen. Der erste positive Schritt auf diesem Gebiet ebenso wie auf anderen wurde von Albert
Thomas unternommen, dem verstorbenen Leiter des Internationalen Arbeitsamtes in Genf.
Waehrend des ersten '/Veitkrieges war er sich als Kriegsminister
Frankreichs der Notwendigkeit einer engen Koordinierung der Kriegsmaterialüroduktion Grossbritanniens und Frankreichs bewusst; er sah ein,
dess sich diese Koordinierung, wenn sie wirksam sein sollte, sowohl
auf die persönlichen Beziehungen als auch auf das technische Gebiet
erstrecken musste. Altert Thomas ersuchte deshalb Paul Mantoux, seinen
Schulkameraden an der Eoole Nori.ale in Paris und Verfasser des Buches
ueber die englische industrielle Revolution, nach London zu gehen und
den Kontakt mit der britischen Gewerkschaftsbewegung aufzunehmen und
aufrechtzuerhalten. Paul Mantoux war somit der erste Sozial-Attache,
obwohl er nicht diesen Titel trug.
Nach der Kriegserklaerung im Jahre 1939 erkannte die britische Regierung sofort die Bedeutung der Vorgaenge in der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung. Um genauestens darueber informiert zu sein, wies das
Auswaertige Amt den damaligen Pariser Korrespondenten der Gewerkschaftszeitung "Daily Herald", Jack Sandford, an, sich dem Stab der britischen
Gesandtschaft in Paris als Sozial-Attache1 zur Verfuegung zu stellen.
Einige Monate spaeter wurde der Verfasser dieses Artikels auf Ersuchen
de? franzoesischen Gewerkschaftsbundes von dem franzoesischen Aussenminister nach London geschickt, um in aehnlicher Eigenschaft an der
dortigen franzoesischen Botschaft taetig zu sein. Der Waffenstillstand
machte dieser Arbeit ein Ende. Jack Sandford kehrte nach London zurueck,
und der franzoesische Sozialreferent schloss sich der Bewegung "Freies
Frankreich" an. Die britische Regierung, in der die Gewerkschaftsbewegung seit dem Mai 1940 stark vertreten war, hielt daran fest, den Sozial-

�Problemen die ihnen gebuehrende Bedeutung zuzuerkennen. Kurz nach den
Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg wurde im Jahre 1942
ein Sozial-Attach«* nach Washington geschickt - zuerst Professor Tavmey
von der Londoner Wirtschaftsschule, ein sozial eingestellter Intellektueller, der von Anfang an Fuehlung mit der Gewerkschaftsbewegung
hatte, und dann Archibald Gordon, ein verdienter Sachbearbeiter im
britischen Arbeitsministerium. Das Experiment erwies sich als zufriedenstellend^, und unmittelbar nt.cn der Befreiung Europas vervollstaendigte die britische Regierung ihre diplomatischen Wissionen in den verschiedenen Laendern de3 Kontinents auf Veranlassung Ministers Ernest Bevins
durch die Ernennung von Sozial-Attaches. Die Vereinigten Staaten taten
das gleiche. V/aehrend des Krieges war es dem Strategischen Buero gelungen,"eine ansehnliche Gruppe Spezialisten fuer Arbeitsfragen zu nominieren, die sofort mit den ueberell erstandenen, ueberaus populaeren
Widerstandsbewegungen der besetzten Laender Verbindung aufnahmen und
, in der Lage waren, den Verlauf der militärischen Operationen in Europa
wesentlich zu unterstuetzen. Die Regierung der Vereinigten Staaten erkannte sofort, dass solche Verbindungen auch in Friedenszeiten nutzbringend sein muessen, und berief nach dem Beispiel der englischen Regierung
Sozialisten fuer Arbeitsfragen in eine Reihe ihrer diplomatischen Missionen im Ausland.
Frankreich konnte vornehmlich aus finanziellen Gruenden auf diesem
IGebiet nicht so schnell und so weit voranschreiten wie seine beiden
'Verbuendeten. Das Finanzgesetz vom 13. August 1947 sah jedoch ebenfalls
die Errichtung von drei Sozial-Attache-ttellungen in London, Washington
und Moskau vor.
Andere Laender folgten. Zu den Laendern, die inzwischen in mehr
oder weniger systematischer Weise Aemter fuer Sozial-Attaches einrichteten, gehoer'en Argentinien, Oesterreich, Tschechoslowakei, Aegypten,
Italien, Polen und die Schweiz und jetzt auch die deutsche Bundesrepublik.
Die Funktionen der Sozial-Attaches sind natuerlich in den einzelnen Laendern verschieden. Fuer den Sozial-Attache solcher Staaten, in
denen eine grosse Anzahl ihrer Stuatsangehoerigen im Ausland leben, ergibt sicn die.Aufgabe, sich um seine Landsleute in dem Staate, fuer den
er zustaendig ist, zu kuemmern. Andere Staaten, fuer die die Frage der
Aus- und Einwanderung von besonderer Wichtigkeit ist, beauftragen ihre
3ozial-Attach4s, diesen Problemen ihre besondere Aufmerksamkeit zu
schenken. Sin Staat wiederum, dessen Wirtschafts- und Sozialpolitik
sich von der anderer Laender wesentlich unterscheidet, duerfte bestrebt
3ein, sei.-.e Sozial-Attaches zu ermuntern, den Arbeitern dieser Laender
iie Bedeutung und den Wert der in seinem Lande gemachten Erfahrungen
zu erlaeutern. Obwohl jedoch die Einrichtung von Sozial-Attacbe-Stellungen unter gaenzlich verschiedenen Voraussetzungen erfolgen kann, muss
gesagt werden, da3s die Funktionen der Sozial-Attaches in allen Laendern im wesentlichen darin bestehen, Informationen - genauer gesagt,
Informationen nach beiden Seiten - zu geben. Ein Sozial-Attechd muss
jedoch in erster Linie seine eigene Regierung ueber die Sozialpolitik
de3 Landes, in das er geschickt wurde, informieren, sei es ueber seine
Arbeits- und Sozialgesetzgebung, sei es ueber die Entwicklungen und
Tendenzen innerhalb der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorgenisationen.
Gleichzeitig muss er mit Hilfe von Unterlagen und seinem eigenen Wissen
sowie seinen Beziehungen, die er mit den Dienststellen der Regierung und
anderer Organisationen des Landes, in das er delegiert wurde, aufnehmen
konnte, seine Behoerde ueber die Sozialpolitik, die Sozialgesetzgebung
und die Bewegungen der Arbeitgeber- und Arbeltnehmerorganisationen laufend unterrichten.
Um sich "dieser doppelten Aufgabe entledigen zu koennen, werden die
Sozial-Attachös dem Leiter der diplomatischen Mission, der sie angehoeren
- 9-

�auf der gleichen Stufe wie andere Spezialisten unterstellt, wie etwa
den Militaer-, den Marine- oder den Luftwaffenattaches oder den Attaches fuer Handels-, Finanz- oder Kulturangelegenheiten. Es waere
jeden sozialisierten Attache unmoeglich, seinen Verpflichtungen gerecht zu werden, wenn er nicht in enger Zusammenarbeit und mit der
Autoritaet des Gesandten oder Botschafters sich befaende, der seine
Regierung in dem Lande vertritt.

j

Der Aufgabenbereich eines Sozial-Attaches ist von allen Regierungen, die die Errichtung solcher Stellungen als Notwendigkeit erachteten, in aehnlicher Form festgelegt worden. Loehne und Lebenshaltungskosten, Arbeitszeit und andere Arbeitsbedingungen, Beschaeftigüngsquote und Arbeitslosigkeit, Probleme der Arbeits- und Berufsausbildung, Wechselbeziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, Streitigkeiten in der Industrie und der Abschluss von Tarifver- i
traegen, die Gesetzgebung zum Schutze weiblicher Arbeiter und Jugendlicher, die Erhaltung der Gesundheit des Arbeiters und die Sozialversicherungsgesetzgebung, die Rechte der Gewerkschaften und die Taetigkeifcen der Arbeitnehmerorganisationen - all dies sind wesentliche Faktoren, ueber die ein Sozial-Referent seine Regierung auf dem laufenden
halten muss. Das Gebiet ist aeusserst umfangreich und kann nicht ohne
Beruecksichtigung wirtschaftlicher und politischer Gesichtspunkte behandelt werden. Wenn der Sozial-Attache jedoch in der Lage ist, mit
den Mitgliedern der Botschaft oder Gesandtschaft, die fuer die letzten
Fragen zustaendig sind, in kluger V/eise zusammenzuarbeiten, kann er
einen aeusserst wertvollen Beitrag zu der Gesamtarbeit seiner diplomatischen Mission leisten. Ein Sozial-Attachd, der mit den arbeitenden
Maennern und Frauen in engerem Kontakt steht als irgenein anderes
Mitglied seiner Mission, kannrseinem Vorgesetzten und seinem Kollegen
ein besseres und brauchbareres Bild von der Lage in dem Lande, in dam
er sich befindet, geben als ein anderer. Abgesehen von den Berichten
an sein eigenes Land ermoeglicht ihm sein Wissen um die Arbeiterpsychologie und um Probleme, die lange ausserhalb der Interessensphaere diplomatischer Organisationen geblieben sind, die Mitglieder seiner eigenen
Mission mit wertvollen Informationen zu versorgen und ihnen dabei zu
helfen, ein genaueres Urteil zu bilden.

Um diesen grossen Aufgaben gewachsen zu sein, muss ein SozialAttache ueber eine Reihe bestimmter Eigenschaften verfuegen, ueber die
sich praktisch alle Regierungen einig sind. Er muss vor allem gesunde
Kenntnisse - sowohl theoretische als auch praktische - ueber Sozialnrobleme und allgemeine Sozialpolitik besitzen. England hat in fast
allen Faellen Angestellte des Arbeitsministeriums zu Sozial-Attaches
ernannt. Die ersten franzoesischen Sozial-Attaches, die nach dem Gesetz
von 1947 bestellt wurden, waren fuehrende Persoenlichkeiten des franzoesischen Arbeitsministeriums; einer der Sozial-AttachÄs in der Schwel;
ist ein ehemaliger Sachbearbeiter des Internationalen Arbeitsamtes. Es
koennten noch viele andere Beispiele gegeben werden.

Die Sozial-Attaches muessen ausserdem Leute sein, die auf Grund
ihrer ^ersoenlichkiet und ihres Werdegangs das Vertrauen der Arbeiterorganisationen des Landes, in dem sie leben, besitzen. Wenn sie nicht
selbst in der Gewerkschaftsbewegung taetig gewesen sind, muessen sie
doch in freundschaftlichem Verhaeltnis zu den Gewerkschaften stehen
und etwas mehr als nur theoretisch mit der Mentalitaet der Arbeiter
vertraut sein, die sich in vieler Hinsicht in allen Laendern gleicht.
Dies waren in England bei vielen Ernennungen grundlegende Bedingungen;
zu diesem Zweck unterhaelt in den Vereinigten £tauten das Aussenminister^uri enge Beziehungen zu den amerikanischen Gewerkschaftsverbaenden
ÄFL um. CIO; die Regierungen der Tschechoslowakei, Polens und der
Schweiz haben verschiedentlich weltbekannte Gewerkscheftsfuehrer zu
Sozial-Attaches ernannt. Das franzoesische Arbeitsministerium zog den
Exekutivrat des Gewerkschaftsverbandes zu Rate, bevor es sich entschloss
- 10 -

�den gegenwaertigen Sozial-A^tache nach .London zu schicken; und diö
Regierung Argentiniens hat in jedem einzelnen Falle aktive Mitglieder der Gewerkschaftsorganisation auserwaehlt - sie nennt sie auch
deshalb "Arbeiter-Attaches."
Da die Beziehungen des Sozial-Attaches zu den Maennern und Frauen aller Staende und die Probleme, denen er gegenuebersteht, in erster Linie menschlichen Charakters sind, ist es unerlaesslich, dass
der Sozial-Attach* mit der nationalen Psychologie des Landes, in dem
er sich befindet, vertraut ist. Wenn sich sein persönlicher Kontakt
nur auf eine kleine Gruppe hoeherer Amtstraeger erstrecken wuerde,
waere seine Arbeit wertlos. Er muss nicht nur die Sprache des Volkes,
in deren Mitte er lebt, beherrschen, sondern auch seine Sitten und
Gebraeuche verstehen, und er muss instinktiv das Leben dieses Volkes
sozusagen "fuehlen." Das ist eine sehr seltene Befaehigung, die jedoch nicht weniger nichtig als die uebrigen ist, und die Wahl, die
die verschiedenen Regierungen getroffen haben, beweist, dass die
Verantwortlichen dieses Leitmotiv immer im Sinn hatten, obwohl es
nicht in jedem Falle verwirklicht werden konnte.
Weil die Aufgaben der Sozial-Attaches urspruenglich die gleichen
waren, haben alle Laender die gleichen Anforderungen und Bedingungen
an die Anwaerter fuer diese Positionen gestellt. Wie bereits erwaehnt wurde, bestehen jedoch Unterschiede auf Grund der verschiedenen nationalen Auffassungen, diese muessen daher einer genaueren Betrachtung unterzogen werden. Sie entspringen in der Regel der internationalen Stellung, der wirtschaftlichen Struktur oder den speziellen
Problemen jener Laender, die Sozial-Attaches entsenden.
Fuer Grossmaechte, die in Weltangelegenheiten eine bedeutende
Rolle spielen, ist die politische Information und darueber hinaus die
politische Aktion eine wesentliche Aufgabe ihrer Sozial-Attaches. Ein
Blick auf bestimmte Laender wird genuegen, um zu zeigen, dass England
und die Vereinigten Staaten ihre Sozial-Attaches in Positionen gestellt
haben, die von grosser politischer Bedeutung fuer ihr Land sind. Die
Vereinigten Staaten haben bereits solche Attaches in Deutschland, Argentinien, Australien, Daenemark, Belgien, Canada, Chile, Kuba, Mexiko,
Aegypten, Indien, Frankreich, England, Indonesien, Griechenland, Spanien, Italien, Israel, Brasilien, Oasterreich, Holland, Schweden und
i beabsichtigen, auch nach Peru, Bolivien, Neu-Seeland, Panama, Columbien und Suedafrika Vollattaches zu entsenden, zur Zeit sind sie kommissarisch besetzt. Die Liste der Laender, in die England SozialAttachös entsandt hat, ist verblueffend sehnlich: Argentinien, Oasterreich, Belgien, Bolivien, Brasilien, China, Kuba, Porto Rico, Daenemark, Aegypten, Chile, Columbien, Finnland, Frankreich, El Savador,
Griechenland, Guatemala, Indien, Ekuador, Iran, Indien, Italien, Haiti,
Luxemburg, Libanon, Japan, Mexiko, Nikaragua, Paraguay, Panama, Syrien, St. Domingo, Uruguay, Holland, Pakistan, Peru, Polen, Schweden,
Vereinigte Staaten Von Nordamerika und Venezuela. Von den £8 Laendern in der Liste der Vereinigten Staaten (in 22 Laendern sind SozialAttaches bereits ernannt, fuer 6 sind sie noch zu ernennen) und den
38 Laendern in der britischen Liste sind 19 ^aender fuer beide Staaten
die gleichen. Zu diesen 19 gehoeren nicht nur grosse Laender wie
Frankreich, Italien, Argentinine, Brasilien und Indien und industriell
hochentwickelte Staaten wie Belgien und Schweden, sondern auch Aegypten, Griechenland und Mexiko. Dies ist ein Beweis dafuer, dass die
Vereinigten Staaten und England erkannt haben, dass in jenen Teilen
der Welt, wo Konflikte der Grossmaechte die internationale Lage schwierig gestalten koennen, die Arbeitsprobleme einen entscheidenden politischen Faktor darstellen, und dass die Regierungen wuenschen, ueber
die dortigen Entwicklungen aus erster Hand informiert zu werden.
- 11 -

�Die Sozial-Attaches Englands und der Vereinigten Staaten sind
darueberhinaus angewiesen, in allen Gebieten, deren Bedeutung soeben
auseinandergelegt wurde, eine aktive Rolle zu spielen. Das bemerkenswerteste Beispiel ist Griechenland, wo die akute Spannung innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung zwei Jahre lang zu den politischen Wirren
des Landes beigetragen hat. Obwohl die Vereinigten Staaten und England bereits Attaches nach Griechenland entsandt hatten, betraute
England seinen Sozial-Attachd in Rom, W. H. Braine, im Jahre 1946 in
besonderer Mission damit »zwischen den verschiedenen Gewerkschaf'tsrich- (
tungen in Athen zu vermitteln, Sam Berger, der Sozial-Attache der Vereinigten Staaten in London, begab sich gleichfalls nach der griechi1
sehen Hauptstadt.
Die Funktionen, die die Vereinigten Staaten und England ihren
Sozial-Attachds uebertragen haben, spiegeln sich auch im Status der
Sozial-Attaches im oeffentlichen Dienst wieder.

|

Die Sozial-Attaches der Vereinigten Staaten unterstehen direkt
dem Aussenministerium, in dem eine Sonderabteilung fuer internationale
Arbeits-, Sozial- und Wohlfahrtsangelegenheiten verantwortlich ist;
die Attaches senden ihre Berichte an das Au: senrninisterium. Das heisst
nicht, dass das US-Arbeitsministerium die Arbeit der Sozial-Attaches
nicht gen,au verfolgt und die von ihnen uebermittelten Informationen
nicht auswertet; sie sind jedoch in erster Linie Beauftragte des Aussenministeriums, das sie ernennt, ihnen Instruktionen gibt und ihre
Berichte bei der Formulierung der Aussenpolitik der Vereinigten Statten
verwendet. In England ist das Verhaeltnis der Sozial-Attaches zur Regierung dehnbarer gestaltet, das Arbeitsministerium steht mit ihnen in
staendiger Verbindung. Sie bekleiden einen diplomatischen Rang, und
ihre Arbeit wird vom Berater fuer Arbeitsfragen im Aussenministerium
(einem frueheren Angestellten des Aussenministeriums) koordiniert. Die
rersoenllchkeit des gegenwaertigen Aussenministers Ernest Bevin, eines
alten Gewerkschaftsfuehrers und ehemaligen Arbeitsministers, ist nicht
nur fuer die Zusammenarbeit der beiden Ministerien verantwortlich, sondern es ist auch seine Aufgabe, zu bestimmen, welches Ministerium den
groesseren Einfluss hat. Die englischen Sozial-Attaches bilden wie
diejenigen der Vereinigten Staaten einen wichtigen Bestandteil der
diplomatischen Maschinerie ihres Landes.
Andere Laender haben diese Frage von einem gaenzlich anderen Gesichtspunkt aus betrachtet. Italien, ein Land der Auswanderung, hat
\
zum Beispiel mehrere Attaches fuer Auswanderung in diplomatische Aemter im Ausland berufen, und zwar in Washington, Rio de Janeiro, Sao
Paulo, Buenos Aires, Paris, Bern und Bruessel. Die italienische Regierung weiss jedoch auch, dass sie gruendliche und neueste Informationen
ueber die Arbeitslage im Ausland benoetigt, und dass Wirtschafts- und
Sozialürobleme bestimmter Laender von besonderen Beobachtern studiert
werden muessen; eigentliche Sozial-Attaches sind deshalb in die italienischen Gesandtschaften in Argentinien, Belgien, Frankreich und England
berufen worden.
Die Schweiz wuenscht ihrerseits, dass ihre Sozial-Attaches die
wichtigsten Fragen der Sozialpolitik und Arbeitsgesetzgebung in den
Laendern, in die sie geschickt sind - Frankreich, England und Vereinigte Staaten - studieren und stellt andererseits an sie die Forderung, '
ueber die Interessen der schweizerischen Staatsangehoerigen, die in
diesen Laendern arbeiten, zu wachen und beim Abschluss von Aus- und
Einwanderungsvertraegen sowie bei Abkommen ueber den Austausch von
Experten mitzuwirken.
D?ese Aufgaben gehoeren ebenfalls zu den Funktionen der franzoesischen Sozial-Attachds. Sie werden vom Arbeitsminister auf Grund entsprechender Vereinbarungen mit dem Aussenminister ernannt, sie sind dem
- 12 -

�Arbeitsministerium unterstellt, sie stehen in direkter Korrespondenz
mit ihm und werden im Namen dieses Ministeriums beauftragt, dem Leiter der diplomatischen Mission, unter dessen Autoritaet sie stehen,
eine Kopie dieser Korrespondenz auszuhaendisen. Die franzoesische Regierung misst jedoch ebenso wie die Regierungen Englands und der
Vereinigten Staaten den allgemeinen Informationen grosse Bedeutung zu,
die sie unter Umstaenden von ihren Sozial-Attaches erhalten kann.
Dieses Interesse spiegelt sich deutlich in der Tatsache wieder, dass,
wie bereits erwaehnt, franzoesische Sozial-Attaches in England, den
Vereinigten Staaten und der Sowjet-Union stationiert sind.
Aegyptische Sozial-Attaches sind fuer Washington, Paris und London ernannt, sie werden wie die franzoesisehen Attaches vom Ministor .fuer
Sozialangelegenheiten ernannt.
Dies sind die wesentlichen Grundzuege der neuen Einrichtung der
Sozial-Attachee. Die Umstaende, unter denen sie entstanden ist und
die Art und Weise, wie sie arbeitet, variieren von Land zu Land je
nach den nationalen Traditionen und Gepflogenheiten. Es bestehen jedoch weniger Unterschiede als Aehnlichkeiten, die aeusserst zahlreich
sind. Der Grund hierfeur liegt zweifellos darin, dass diese Einrichtung einer in unserem Zeitalter tief verwurzelten Notwendigkeit entsprungen ist, das von vielen als das Jahrhundert des "Mannes auf der
Strasse" bezeichnet wurde und das selbst den neuesten Anforderungen
der modernen Diplomatie gerecht wird, die die sozialen Probleme und die
Bestrebungen der Massen nicht uebersehen darf. Die Sozial-Attaches
koennen durch die Entwicklung der gegenseitigen Beziehungen der verschiedenen Laender in der Frage der Sozialpolitik die internationalen
Institutionen in der Tat nur unterstuetzen und die Arbeit der Internationalen Arbeitsorganisation ausserordentlich ergaenzen und erleichtern.
International Labor Review
X/48
IAA-VORSCHLAEGE ZUR STEIGERUNG DER WELT^RODUKTIVITAET
Die erste offizielle, internationale Weltdebatte ueber die Steigerung der Produktionsleistung hat im Palais der Nationen in Genf begonnen.
Vertreter der Arbeiter, Unternehmer und Regierungen fast aller
60 Mitgliedstaaten des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) nehmen an
diesen Besprechungen teil, die voraussichtlich mehrere Wochen dauern
werden.
Technisch gesehen, liegt den Besprechungen der Delegierten der
Jahresbericht des Generaldirektors David A. Morse zugrunde. Morse hat
die Bedeutung einer gesteigerten Produktionsleistung hervorgehoben und
zwar nicht nur in den wirtschaftlich unterentwickelten, sondern auch
in den industriell fortgeschrittenen Gebieten der Welt.
Morse fuehrte in seinem Bericht zu der wirtschaftlichen Entwicklung waehrend des vergangenen Jahres folgendes aus:
"Das Anwachsen der Ueberschuesse an landwirtschaftlichen Erzeugnissen in einigen Laendern und der grosse Ringel an Nahrungsmitteln in
anderen sind ein Problem, das auf internationaler Basis energisch in
Angriff genommen werden muss; eine Loesung waeren zum Beispiel interlationale Abkommen zum Austausch lebensnotwendiger Gueter, um Angebot
und Nachfrage ausgleichen und die Preise auf angemessener Ebene stabilisieren zu koennen.
- 13 -

�"Seit dem Kriege hat es noch keine Massenarbeitslosigkeit auf
Grund eines allgemeinen Rueckgangs in allen wesentlichen Sektoren der
Nachfrage segeben, wie es in den dreissiger Jahren der Fall war. Sollte diese Struktur der Arbeitslosigkeit wieder auftreten, dann wird man
besser als damals die Gruende dafuer kennen, ^ine Regierung darf keine
Massenarbeitslosigkeit zulassen, die auf eine langandauernden Mangel
an Nachfrage zurueckzufuehren ist.
'•Es bestehen ernsthafte Zweifel, ob der normale internationale
Handel ausreichen wird, die Luecken. zu schliessen, die sich nach Ablauf der finanziellen Hilfsprogramme der Vereinigten Staaten, vor allem des Europaeischen Hilfsprogramms, ergeben werden.
"Waehrend der Binnenhandel Lateinamerikas seit Kriegsende im Vergleich zu den Vorkriegs jähren sich erweitern konnte, ist er in Asien
und Europa waehrend der gleichen Zeit erheblich zurueckgegangen. Diese
beiden Kontinente sind dabei mehr und mehr auf Importe aus Laendern mit
harter Waehrune angewiesen. Diesen Binnenhandel wiederzubeleben, ist
eine Grundvoraussetzung fuer die Reduzierung des Dollardefizits in diesen Laendern. ,
"In Asien und dem Fernen Osten ist die Ausdehnung des Binnenhandels ebenso drängend erforderlich. Im Jahre 1938 war %T mit 46 % am gesamten Import und mit 43% am Export dieser Gebiete beteiligt. Seit dem
Kriege ist der Binnenhandel im wesentlichen aus folgenden zwei Gruenden
zurueckgegangen:
"Japan faellt als wichtigster Kaeufer und Verkaeufer dieses Gebietes aus. Die Reisexporte Suedostasiens nach anderen asiatischen Laendern, die keine Nahrungsmitteldefizite haben, wurden reduziert. Im
Jahre 1948 betrug das Volumen des Handels zwischen Japan und den anderen Laendern des asiatischen Gebiets wenig mehr als ein Zehntel des
Handels im Jahre 1934.
"Gemeinsame internationale Massnahmen werden notwendig sein, um
erstens den Welthandel zu foerdern, der es den rueckstaendigen Gebieten
ermoeglichen wird, mehr zu exportieren und Kapital zu erwerben; und um
zweitens die technischen Erfahrungen und Errungenschaften allen Laendern
zur Bekaempfung von Krankheiten und zur Steigerung ihrer Produktivitaet
zur Verfuegung zu stellen."
Auf die Frage der Produktionsleistung eingehend, erklaerte Morse:
n

In neuerer Zeit macht sich seitens der Gewerkschaften die Tendenz
bemerkbar, den Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung im
Interesse der Wirtschaft und im Interesse der Arbeiter selbst groessere
Bedeutung beizumessen.
"Hand in Hand hiermit geht die Tendenz einer staendig wachsenden
Anzahl Laender, den Arbeitern Sicherheitsgarantien zu geben und den Gewerkschaften das Recht zuzusprechen, in der Handhabung der Massnahmen
zur Steigerung der Produktionsleistung mitzuwirken.
?t

In diesem Zusammenhang ist in einer Reihe Laender eine Entwicklung
hoechster Bedeutsamkeit festzustellen. Obwohl man nicht behausten kann,
dass die tiefverwurzelte Befuerchtung vieler Arbeiter, ihren eigenen
Arbeitsplatz oder den ihrer Kollegen aufs Spiel zu setzen, ueberwunden
waere, so bestehen doch Anzeichen dafuer, dass die Haltung der vorsichtigen Reserve, die die Gewerkschaften in der Vergangenheit gegenueber
den Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung bezogen haben,
einer neuen Einstellung der positiven Unterstuetzung und der Mitarbeit
in solchen Lagen Raum gibt, vorausgesetzt, dass ausreichende Sicherheitsgarantien fuer den Arbeiter gegeben sind."
ILO New Service VI/50
- 14 -

�IAA IM KAMPF GEGtiN DIE ARBEITSLOSIGKEIT
Im vierten Jahresbericht des Internationalen Arbeitsamtes an die
Vereinten Nationen wird hervorgehoben, dass da« Internationale ArbeitsAmt die Massnahmen zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit als ein Problem
von entscheidender Bedeutung ansieht.
Der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen wird sich
waehrend seiner Konferenz in Genf im Juli mit diesem Bericht eingehend
beschaeftigen.
Weil die Frage der Arbeitslosigkeit "das Leben derjenigen unmittelbar beruehrt, in deren Interesse das Internationale Arbeits-Amt ins
Leben gerufen wurde", wird in diesem Bericht ein besonderer Abschnitt
der Untersuchung jener Massnahmen gewidmet, die das Internationale
Arbeits-Amt dreissig Jahre lang zur Loesung des Problems der Vollbeschaeftigung famuliert und vorgeschlagen hat.
Auf diesem Gebiet, heisst es in diesem Bericht, hat das Internationale Arbeits-Amt bereits hervorragendes geleistet. Diese Organisation hat noch vor kurzem ein Programm zum Einsatz unbeschaeftigter Arbeitskraefte eingeleitet, dessen unmittelbarer Zweck die Aufrechterhaltung der Vollbesohaeftigung ist. In der Frage der Unterbringung dieser Arbeitskraefte ging die Politik des Internationalen Arbeits-Amtes
dahin, "durch den Austausch von Meinungen und technischen Erfahrungen
in dieser Frage den Regierungen sowie den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen die groes^ten Dienste zu leisten."
Neben den Ausfuehrungen ueber die Taetigkeit des IAA auf dem Gebiet des Einsatzes der Arbeitskraefte und ihrer Beschaeftlgung wird in
dem Bericht vor allem die Arbeit im Bereich der Sozialversicherung und
der Koalitionsfreiheit hervorgehoben. Ein umfassender Rueckblick wird
auch auf andere Arbeitsbereiche der vergangenen Jahre geworfen, fuer
die das Internationale Arbeits-Amt mitverantwortlich ist.
ILO Labor News VI/50
DAS VERMOEGEN DER GEWERKSCHAFT DER DAMEN OBERBEKLEIDUNGSARBEITER (AFL)
Auf der Goldenen Jubilaeumskonvention der Internationalen Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft (AFL) unterbreitete der Praesident
David Dubinsky den Delegierten den Finanzbericht, aus dem sich ein Vermoegen an Kapitalien und Reservefonds in Hoehe von 110 Millionen Dollar
ergibt.
Diese Zahlen stehen in krassem Gegensatz zu den Verhaeltnissen,
die vor zwei Jihrzehnten herrschten, als die Gewerkschaft praktisch vor
dem Bankrott stand.
Der obengenannte Betrag setzt sich dem Bericht zufolge in grossen
Zuegen wie folgt zusammen: Allgemeiner Verwaltungsfonds 13,2 Millionen,
Gesundheits- und Wohlfahrtsfonds 44,8 Millionen, Pensionsfonds 27 Millionen und Kapitalien lokaler und vereinigter Gewerkschaftsvorstaende 19,4
Millionen Dollar. Die groessten Ausgabeposten der Gewerkschaften im
vergangenen Jahre waren 3,7 Millionen Dollar fuer Organisationsarbeit
und 3,9 Millionen fuer die Verwaltung.
Auf der Konvention wurde angekuendigt, dass die Gewerkschaft beabsichtigt, einen "Kampffonds" in Hoehe von mindestens 500.000 Dollar aufzustellen, der fuer die politische Agitation anlaesslich diesjaehriger
Wahlen verwendet werden soll.
Weekly Labor News Digest V/31/50
- 15 -

�•.7EITEKE VERLUSTE DES WELTGEWERKSCHAFTSBUNDES
Die Gewerkschaftsverbaende Israels, Jugoslawiens und Australiens
haben beschlossen, aus dem kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund- auszutreten. Die beiden erstgenannten Laender-Organisationen
lehnten die Mitgliedschaft in der "Konkurrenzorganisation,w dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften, ab, waehrend sich der Gewerkschaf tsvorstand der australischen Organisation zu dieser Frage noch
nicht geaeussert hat.
Weekly Labor News Digest V/50/17
ORGANISATICNSERFOLGE DER TEXTILARBEITERGEWERKSCHAFT
"Die .Textilarbeitergewerkschaft der AFL (United Textile Workers)
hat es trotz des Taft-Hartley Gesetzes und anderer Schwierigkeiten
fertiggebracht, im Sueden wesentliche Organisationserfolge zu erringen," erklaerte Joseph Jacobs, der Organisationsleiter der Gewerkschaft. Die Suedstaaten wuerden in diesem Jahre dreimal soviel Delegierte zu.der Jahreskonvention der Textilarbeitergewerksohaft entsenden wie im Jahre 1941.
Weekly Labor Newa Digest V/50/17
- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFICIAL

HICCG R-U72 I I B J u l j 50 U C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 17

Prankfurt. 30. Juni 1950
INHALTSVERZEICHNIS

Kampf gegen Betriebsunfaelle - - - - - - - 1
Die Genfer Konferenz des Internationalen
Arbeitsamtes - — - - - - - - - - - - - - 2
Produktivitaetssteigerung in englischen
Betrieben - - - - - - - - - - - - - - - - 3
IAA s t e l l t Verbesserung der Beziehungen
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern f e s t 8
Der Vertrag der Automobilarbeitergewerkschaft
mit den General Motors-Werken - - - - - - 9
Rutgers I n s t i t u t f e i e r t 30-jaehriges Bestehen 13
Wie eine Gewerkschaft zu einer Eisenbahn auf
Puerto Rico kam- - - - - - - - - - - - - - - 1 4
Keine geheimen Streikbefehle im Bergarbeiterstreik
16
KAMPF GEGEN BETRIEBSUNFAELLE
US-Arbeitsminister Tobin erklaerte auf der Konferenz fuer
i n d u s t r i e l l e Sicherheit, dass die Gewerkschaftsbewegung entscheidenden Anteil an den Erfolgen haette, die die Senkung der Zahl
der Betriebsunfaelle erreicht hat. (Im Jahre 1948 waren diese
bis auf zwei Millionen angestiegen). An dieser Konferenz nahmen
mehr a l s 150 Gewerkschaftsvertreter der AFL und des CIO, Vertreter der Unternehmer sowie Sicherheitstechniker und Sachverstaendige der Regierung t e i l «
"Die organisierte Arbeiterschaft kann mit Stolz auf ihren
langen Kampf fuer groessere Sicherheit und fuer wirksame Gesetze
zum Schutze der Gesundheit zurueckblicken," sagte Tobin. Er erinnerte an die bahnbrechenden Bemuehungen von "Leuten wie William
Green von der AFL, der in Ohio einen der ersten Siege in dem
Kampf der Gewerkschaften fuer ein besseres Los der Arbeiter
errang," und an Philip Murray, "unter dessen Fuehrung es dem CLO
gelang, groessere Sicherheiten a l s bisher fuer die Arbeiter zu
erwirken."
Zuvor hatte Praesident Truman auf der Konferenz erklaert, die
Zahl der Betriebsunfaelle muesse bis zum Jahre 1953 um 50g reduz i e r t werden. Er hatte darauf hingewiesen, dass die Zahl saemtl i c h e r Betriebsunfaelle 1949 um 1% gesunken s e i , a l l e i n in den
Fertigungsbetrieben betraegt der Rueckgang sogar 19g.
Daily News Service
Labor Press Association
VI/7/50
- 1 -

�DIE GENFER KONFERENZ DE3 INTERNATIONALEN ARBEITSAMTES
Als die 33. Generalkonferenz des IAA im Palais der
Nationen in Genf eroeffnet wurde, waren Vertreter der Arbeiterschaft, der Unternehmer und der Regierungen flast aller 60 Mitgliedstaaten der Internationalen Arbeitsorganisation anwesend.
Obwohl die Delegierten nicht die Absicht hatten, irgendwelche neuen Arbeitskonventionen den Regierungen der Mitgliedstaaten in diesem Jahre zu unterbreiten, ergab sich doch durch
die umfassende Tagesordnung eine Diskussion ueber die Massnahmen
zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit und ueber geeignete Mittel
und Wege zur Steigerung der Produktionsleistung.
Im Verlauf der Sitzungen, die Anfang Juli beendet sein
werden, befassen sich verschiedene Fachausschuesse mit den vom
IAA durchgefuehrten Studien, die folgende Themen zum Gegenstand
haben: Tarifvertraege zur Regelung der Loehne und Arbeltsbedingungen, Schiedssprechung und Schlichtung, Zusammenarbeit
zwischen Gewerkschaften, Unternehmern und Regierung, gleicher
Lohn fuer Maenner und Frauen bei gleicher Leistung und Festsetzung von Mindestloehnen fuer die Landwirtschaft.
Trotz der Tatsache, dass in den diesjaehrigen Sitzungen
keine neuen Konventionen bearbeitet werden sollen, ist vorgeschlagen worden, eine "Offizielle Empfehlung* zur Berufsausbildung Erwachsener und Koerperbehinderter zu bewilligen. Derartige Empfehlungen beduerfen nicht der Ratifizierung durch die
Mitgliedstaaten, es wird jedoch von den einzelnen Regierungen
erwartet, dass sie ihnen durch Akte der Gesetzgebung oder durch
andere Massnahmen ^echtsgueltigkeit verleihen.
Die Wirtschaftsexperten des Internationalen Arbeitsamtes,
die den Bericht ueber geeignete Massnahmen zur Bekaempfung der
Arbeitslosigkeit ausgearbeitet haben, machten die Delegierten
warnend auf bestimmte Anzeichen aufmerksam, die zweifellos auf
eine zu erwartende Zunahme der Arbeitslosigkeit hindeuten.
Die Experten erklaerten jedoch in ihrem Bericht an die
Konferenz, dass eine Krise durch sofortige und angemessene
internationale und einzelstaatliche Massnahmen vermieden werden
koennte. In dem Bericht heisst es woertlich:
"Die Erkenntnis, dass Arbeitslosigkeit und Unterbeschaef- tigung soziale Uebel sind, die behoben werden koennen, stellt
einen Meilenstein auf dem Wege zu modernem Denken dar. Das
passive Sichabfinden mit der Unvermeidbarkeit von Arbeitslosigkeit und Armut hat damit ein Ende gefunden."
Die Wirtschaftsexperten des IAA stellten dabei die Tatsache
.eraus, dass die grossen Aufwendungen der Regierungen und Privatunternehmer in bestimmten Laendern, die der Erneuerung der waehrend des Krieges abgenutzten und zerstoerten Einrichtungen dienen
sollen, in dem Grade zurueckgehen, in dem die Nachfrage nach
diesen Guetern abnimmt. Vor einer solchen Wirtschaftspolitik
muesse gewarnt werden.
Die Experten stellten weiter fest, dass einige Industriestaaten bis Jetzt noch keine Arbeitslosenversicherungssysteme
haben, in anderen gibt es fuer landwirtschaftliche Arbeiter und
einige /ngestelltengruppen keine besonderen Schutzmassnahmen gegen
Erwerbslos igke it.

- 2 -

�Ausserdem unterstrichen sie die Bedeutung eines gut eingespielten Verwaltungsapparates, der vernuenftige Vorschlaege
zur Beschaeftigungspolitik ausarbeiten und sofort die Voraussetzungen fuer deren Durchfuehrung schaffen soll.
Die Wirtsc haßt sexrierten des IAA einigten sich auf folgende
Vorschlaege:
"Bis jetzt waren die Einlagerungsprogramme der Regierungen
in erster Linie auf lebenswichtige Gueter beschraenkt. Diese
Ausgleichsmethode muesste Jedoch auch auf Industrieprodukte
ausgedehnt werden, um einer Arbeitslosigkeit vorzubeugen, die
dann eintreten wird, wenn die Nachfrage der Hersteller und
Grosshaendler nach Maschinen und Einrichtungsgegenstaenden
nachlaesst."
Der Vorschlag der Experten enthaelt ausserdem folgende
Forderungen:
1 -

"Der Welthandel muss nicht nur stabilisiert, sondern auch
ausgedehnt werden.

2 -

Es muessen internationale Vereinbarungen getroffen werden,
um sicherzustellen, dass die Waehrungen der wichtigsten
Staaten auf stabiler Grundlage zur Verfuegung stehen,
gleichgueltig, ob diese Laender ihren ueblichen Bedarf
an Importen gedeckt haben oder nicht.

3 - Grundbedingung zur Stabilisierung des Massenbedarfs der
Welt ist die Errichtung internationaler Systeme zur
Stabilisierung der Preise fuer die lebensnotwendigsten
Gueter der Welt.
Die Wirtschaftsexperten erklaerten ferner: "Wenn die
Loesung des Arbeitslosenproblems in den rueckstaendigen Gebieten
auf internationaler Basis unterstuetzt werden soll, muessen
diesen Gebieten zu ihrer wirtschaftlichen Entwicklung von den
industriell gut entwickelten Laendern langfristige Kredite zur
Verfuegung gestellt werden.
"Den industriell fortgeschrittenen Laendern bietet sich
ausserdem eine Moeglichkeit der Unterstuetzung darin, dass
sie den wirtschaftlich rueckstaendigen Gebieten ihr technisches
Wissen und ihre Erfahrungen zur Verfuegung stellen. Die internationale Taetigkeit auf diesem aeusserst wichtigen Gebiet
nimmt allmaehlich konkrete Formen an, wie das Punkt-Vier-Programm
des Praesldenten Truman und das erweiterte Programm der Vereinigten Staaten zur technischen Unterstuetzung wirtschaftlich
unterentwickelter Laender beweist.
"Eine dritte Moeglichkeit liegt auf dem Gebiet der Foerderung internationaler Aus- und Einwanderung."
ILO News Service
VI/50
PRODUKT IVITAETSSTEIGERUNG IN ENGLISCHEN BETRIEBEN
Dieser Bericht entstammt dem In London erscheinenden "Target", dessen Aufgabe die Steigerung
der Produktivitaet in der britischen Industrie
ist. Dieses Ziel wird in gemeinsamem Zusaramen- 3 -

�wirken der Unternehmer und der Gewerkschaften
erstrebt, da beide der Meinung sind, dass nur
durch eine sehr erhebliche Steigerung der Leistung es Grossbritannien fuer die Dauer moeglich
sein wird, seinen frueheren Platz im Export wiederzugewinnen*
Dem gleichen Ziele dienen auch Studienreisen
fuehrender britischer Industrieller und Gewerkschafter in Spitzenbetriebe der US-Industrie.
Den Besuchern wird hier in aller Offenheit gezeigt,
wie die Produktivitaet auf ein Hoechstmass gesteigert werden konnte. Die auslaendischen Besucher
sind insbesondere ueberrascht ueber das Arbeitstempo, das in den Vereinigten Staaten erreicht
wird und das sich ausserordentlich von dem in
Grossbritannien ueblichen Tempo abhebt. Aber
es wurde immer wieder seitens der amerikanischen
Arbeiter darauf hingewiesen, dass sie dieses Arbeitstempo keineswegs als ueberhoeht ansaehen,
sondern durchaus fuer die gestellten Anforderungen
zu haben seien, zumal wenn in der Lohnfrage entsprechende Konzessionen gemacht wurden.
Bei einem Vergleich der britischen Loehne mit den
amerikanischen und der Produktion selbst ergibt sich
immer wieder, dass es fuer Unternehmerund Arbeiter
zweckmaessiger ist, ein hoeheres Arbeitstempo
in England einzufuehren. Dieser Bericht beschreibt
zwei Faelle, wo es allein durch organisatorische
Massnahmen gelungen ist, eine wesentliche Steigerung
der Produktivitaet zu erreichen.
In den Leyland Motorenwerken wird durch die Einfuehrung
neuer Produktionsmethoden, deren Erprobung fast beendet ist,
die Produktion schaetzungsweise um ein Drittel erhoeht werden
koennen.
Zu den wichtigsten Neuerungen, die vorgenommen wurden, gehoert die Neugliederung der Fabrikanlagen, die die Fliessbandarbeit ueberall da ermoeglicht, wo sie durchfuehrbar ist« Ausserdem wendet man jetzt ein sogenanntes "Gruppensystem" der Bezahlung an, dem man die Produktionsleistung groesserer Produktionsgruppen innerhalb der Belegschaft von 10,000 Arbeitern zugrundelegt.
Es ist in den Leyland Werken Tradition geworden, dass man
unentwegt darum bemueht ist, bessere Arbeitsmethoden zu ermitteln.
Man ist sich darueber klar, dass das Herumliegen von Material
in den Werkstaetten bedeutet, dass jemand bezahlt werden muss,
der es aufnimmt; es ist deshalb besser, das Material, wenn nur
irgend moeglich, in Bewegung zu halten. Die Auswertung allein
dieser einfachen Erkenntnisse hat bereits zu leistungsfähigeren
Maschinenwerkstaetten gefuehrt, die, Sachverstaendigen zufolge,
in der Welt ohne Konkurrenz dastehen.
Waehrend des Krieges mussten sich die Leylandwerke im grossen
ganzen auf die Herstellung von Panzern, Flugzeugteilen, Bomben
und aehnlicher Kriegsmaterialien konzentrieren. Im Jahre 1945
stellten sich die Werke auf die Produktion von Kraftfahrzeugen
um, und es gelang ihnen innerhalb von 12 Monaten, die ungeheuren
Schwierigkeiten einer solchen Umstellung zu ueberwinden und einen
- 4 -

�gaenzlich neukonstruierten Nachkriegslastkraftwagen in Serien
fuer den Verkauf im eigenen Lande und in einer besonderen Serie
fuer den Export zu produzieren.
Ein anderes sichtbares Ergebnis der seit 1946 geleisteten
Arbeit ist die Erhoehung der durchschnittlichen Wochenloehne
Jedes Arbeitnehmers bis zu etwa 22#. Die Preise fuer die LeylandFahrzeuge sind dagegen seit April 1947 unveraendert geblieben.
All dies ist das Ergebnis jener unentwegten Bemuehungen,
den bestmoeglichen Gebrauch von Arbeitszeit, Material und Arbeitskraft durch eine weitgehende Mechanisierung des Produktionsvorgangs zu garantieren und gleichzeitig durch die Anwendung des
Leistungsprinzips die guenstigste Arbeitsleistung fuer die Arbeitskraefte zu ermitteln.
Oberster Grundsatz bei der Verbesserung der Produktionsmethoden ist die Elnfuehrung des Fliessbandsystems ueberall dort,
wo dies moeglich ist, und die gleichseitige Beseitigung veralteter
Methoden der Serienproduktion. Die Neuordnung der Betriebsanlagen
und die Gruppierung der Maschinen zu Fliessbandsystemen ermoeglichten eine Reduzierung der Einrichtungen und damit die Einsparung betraechtlicher Kapitalsummen. Dieses Kapital ist in
erster Linie zur Planung und Neueinrichtung verwendet worden.
Nach dem Kriege wurden jaehrlich etwa 150.000 DolJar fuer die
Neueinrichtung der heute wirklich modernen Leyland-Betriebe aufgewendet •
Motoren, Transmissionen, Achsen, Karosserien, Steuerungen
und andere Teile werden jetzt in Fliessbandfertigung hergestellt.
Maschinen und Foerderbaender sind so angeordnet, dass die Werkstuecke von einem Arbeitsplatz zum andern rollen. Alles Moegliche wird getan, um das Aufnehmen von Werkstuecken und jede
sonstige unnoetlg ermuedende Taetigkeit auf ein Mindestmass zu
reduzieren.
Der verminderte Materialaufwand und die zweckmaessige Platzierung der Arbeitskraefte haben natuerlich ebenfalls zu Einsparungen
gefuehrt. Ein Maschinenmeister kann jetzt zwei, drei und moeglicherweise auch vier Maschinen ueberwachen, unter dem alten
System war dies gaenzlich unmoeglich. Als logische Folge dieser
Umstellung ist der individuelle Akkordlohn durch ein Gruppenbonussystem ersetzt worden. Das bedeutet gesteigerte Einkuenfte und
zugleich hoehere Produktion. Die Betriebsleitung ist der Auffassung, dass die Arbeitsleistung des einzelnen zwar wichtig ist,
das Hauptaugenmerk muss jedoch darauf gerichtet werden, die Arbeitskapazitaet einer Gruppe einzelner Kraefte, die Fertigwaren produzieren, aufeinander abzustimmen und dadurch einen Ausgleich zu
erreichen.
Andrew J. Charnock, der Hauptbetriebsleiter der Leyland-Werke,
ist der Meinung, dass dieses Gruppenbonussystem zu einem staerkeren
Gemeinschaftsbewusstsein der Arbeiter und damit zu dem Bestreben
fuehren kann, stets als geschlossenes Team zu arbeiten. Ausserdem
werden dadurch kleine Unzulaenglichkeiten der Faehigkeiten des
einzelnen wie auch Maengel des fachmaennischen Koennens ausgeglichen, weil ein Arbeiter den andern unterstuetzen muss.
Als weiteres positives Ergebnis der Leistungssteigerung
der Lancashire-Werkstaetten dieses Unternehmens ist die vor kurzem
durchgefuehrte Interessenausdehnung in Uebersee und die Geschaeftserweiterung auf eine Reihe ausgesprochener Dollarmaerkte anzusehen.
- 5 -

�In den Leyland-Werken ist man der Auffassung, dass kuehne
und zielbewusste Methoden zur Loesung der Produktionsprobleme
notwendig sind, um der Weltkonkurrenz begegnen zu koennen; das
es ausserdem besser ist, "Wunder* stattfinden zu lassen, als auf
sie zu hoffen.
Ein weiterer Beweis fuer das Streben nach hoeherer Produktionsleistung ist ddr Bericht amerikanischer Experten ueber die
Rylands-Werke in Warrington (Lancashire). In diesen Werken
werden ausschliesslich Naegel hergestellt.
Auf Grund einer voelligen NeuOrganisierung ihres Produktionssystems konnte diese Firma bei gleichzeitiger proportionaler
Senkung der Gestehungskosten die Produktionsleistung um 100g
steigern. Die Durchschnittsloehne fuer Maschinenarbeiter haben
sich seit 1939 pralctisch verdoppelt. Das ist umso bemerkenswerter,
als diese Erfolge nicht durch Neuausruestung, sondern lediglich
durch eine gaenzlich neue Anordnung sowie eine zweckmaessige
Normierung und die Ausschaltung unnoetiger Materialbewegungen
erzielt wurden.
Vom Rohdraht des Rohmaterials bis zum Verpacken und Versand
der fertigen Naegel ist der Herstellungsprozess durch ein System
elektrotechnischer und mechanischer Kontrollgeraete so verbessert
worden, dass diese Fabrik, die die groesste dieser Art in Europa
iat, die gebraeuchlichen Naegel wahrscheinlich billiger als
irgendein anderes Unternehmen in der Welt herstellen kann.
Plaene fuer die neue Fahrik, die bereits vor zehn Jahren
entworfen wurden, mussten wegen des Krieges bis zum Jahre 1948
zurueckgestellt werden. Dann konzentrierte sich die Betriebsleitung jedoch sofort auf die Neubildung der Werksgruppierung
und der inneren Organisation zur Erzielung einer optimalen Leistungsfaehigkeit.
Da es unmoeglich war, mehr als eine sehr begrenzte Anzahl
neuer Maschinen zu erhalten, wurde die Umgruppierung mit den noch
vorhandenen Maschinen durchgefuehrt, die zum Teil sehr alt waren;
es wurden jedoch Vorkehrungen getroffen, um diese alten Maschinen
reibung=Los durch neue ersetzen zu koennen, sobald diese verfuegbar
wurden.
Als erstes wurde die "Eselsarbeit", die eine Inflation der
Arbeits kr aefte zur Folge hat, durch die Einfuehrung mechanischer
Transportmittel in allen Stadien des Produktionsprozesses beseitigt.
Dies bedeutet nicht nur, dass Arbeitskraefte eingespart wurden
und ermuedende Taetigkeiten wegfielen, sondern auch, dass die
Werkstuecke mit den geeignetsten Transportmitteln befoerdert wurden
und unproduktive Taetigkeitn, die bei dem alten System notwendig
waren, wegfallen konnten. Das Gewicht der Drahtrollen, die die
Maschinen verarbeiteten, wurde erhoeht,IJ^einen laengeren, ununterbrochenen ProduktIonsprozess zu ermoeglichen. Das Ergebnis waren
Zeit- und Arbeitsersparnisse sowie erhoehte Produktion.
Die Maschinen, die die Naegel herstellen, sind je nach ihrer
Type geordnet und in Reihen aufgestellt. Zwischen Je zwei Reihen
verlaeuft eine Rinne, die mit Stahlgittern bedeckt ist. In dieser
Rinne befinden sich Behaelter mit einem Fassungsvermoegen von
1 Tonne zur Aufnahme der Naegel aus den beiden anliegenden Maschinen.
Eingleisige Kraene befoerdern die Drahtrollen zu den Maschinen und
transportieren die mit Naegeln gefuellten Behaelter ab. Ein
ausgekluegeltes System elektrischer Kontroll- und Signalanlagen
machen Zeit- und Arbeitsverlust nahezu unmoeglich. Jede Maschine
- 6 -

�ist mit einer Kontrolltafel im Buero des Meisters gekoppelt.
Wenn ein Behaelter zwischen zwei Maschinen voll ist, betaetigt
der Maschinenmeister einen Knopf und loest damit eine Reihe
mechanischer Vorgaenge zum Abtransport, Wiegen und Befoerdern
des Behaelters zur Polierwerkstaette und zum Zurueckfuehren des
leeren Behaelters aus. In der Zwischenzeit setzen die Maschinen
Jedoch nicht aus. In Gleitbahnen, die sich zwischen den Maschinen
und den Behaeltern befinden, sammeln sich inzwischen die Naegel
an, bis der Eraatzbehaelter wieder eingetroffen ist. Die Lichtsignale ermoeglichen es dem Werkmeister, den Verlauf der Arbeiten
staendig zu verfolgen und mit einem Blick festzustellen, wann und
wo eine Verzoegerung eintritt.
Die Kontrolle des vollautomatischen Polierprozesses ist noch
weit vollkommener. Die Kontrollstelle ist ein kleiner, gegen
Geraeusche gesicherter Raum durch dessen Fenster der Hauptraum
der Werkstatt staendig beobachtet werden kann. Dem Maschinenmeister ist es moeglich durch die Bedienung dreier Schalter
von beherrschenden Punkten aus sechs Paar Poliertrommeln gleichzeitig zu bedienen, aus denen die Naegel nach einer bestimmten
Zeit in Transportkuebel geschuettet werden.
Die Kontrolle der Arbeits- und Pruefkarten der Behaelter
geschieht durch eine aehnliche Kontrollanlage. Das Verpacken,
das Stapeln und der Versand werden ebenfalls mit gleicher mechanischer Vollkommenheit und Arbeitsersparnis durchgefuehrt.
Der Gesamteindruck des Betriebes ist der einer reibungslosen
und offensichtlich muehelosen Leistungsfaehigkeit. Wo auch immer
Maschinenkraft die Arbeit der Haende und Muskeln des Menschen
uebernehmen kann, hat sie es getan.
In der Nagelfabrik bedienen vier Arbeiter und ein Ersatzmann
je 48 Maschinen, waehrend es unter dem alten System nur zwoelf
waren. Aufgabe des Ersatzmannes ist es, die anderen Werkmeister
zu unterstuetzen und selbst als Meister einzuspringen, wenn dies
erforderlich ist. Alle Arten Maschinen sind aufs sorgfaeltigste
normiert, damit saemtliche Teile ausgewechselt werden koennen.
Regelmaessiges Ueberholen und Reparieren der Maschinen macht
Ausfaelle fast unmoeglich. Wenn dieser Fall jedoch eintritt,
so kann der Schaden auf jeden Fall binnen hoechstens zwei Stunden
behoben werden.
Die 150 Maschinenmeister der Fabrik, die in zwei Schichten
arbeiten, und die Vertreter ihrer Gewerkschaft (Gewerkschaft
allgemeiner und oeffentlicher Betriebe) haben sich begeistert
zu dem neuen Produktionsverfahren bekannt. Was bisher eine
schmutzige und schwere Arbeit war, die viel physische Kraft
erforderte, ist zu einem verhaeltnismaessig sauberen und einfachen Vorgang geworden.
Der tatsaechliche Erfolg der Bemuehungen der Rylands-Werke
kann am besten durch die Gegenüberstellung der Produktionsleistungen in folgender Tabelle veranschaulicht werden:
Durchschnittliche Produktionsleistung je Arbeitskraft u. -stunde
„ .
Steigerung der
Nagelgroesse Nach dem alte]i System Nachdem neuen
Produktionssystem
leistung
»
ll.t06
cwts
*
64.36£
7.244 cwts
6 Zoll
6.294
•
72.06^
3.658 •
4 Zoll
13.000 •
140.00,;
5.412 *
2 Zoll
3.250
•
189.66£
1.122 "
1 Zoll
1 cwts • 45 kg)

H

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�Die Produktionsleistung im gesagten Betrieb, einschliesslich
des gesamten Personals, konnte pro Mann und Arbeitsstunde um 68#
gesteigert werden!

"Target*
V/50

IAA STELLT VERBESSERUNG DER BEZIEHUNGEN ZWISCHEN ARBEITGEBERN
UND ARBEITNEHMERN FEST
Das IAA veroeffentlichte in Genf einen Bericht ueber wechselseitige Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen, in dem eine Verbesserung dieser Beziehungen auf betrieblicher Ebene und eine
zunehmende Verankerung der Schllchtungs- und der Schiedssprechungsmethoden festgestellt wird.
Dieser Bericht enthaelt Vorschlaege zu fuenf neuen, internationalen Abkommen, die ljTarifvertraege zur Regelung der
Loehne und Arbeitsbedingungen, 2.) Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf betrieblicher Ebene, 3.) freiwillige
Schlichtung und Schiedssprechung, 4.) Zusammenarbeit zwischen
staatlichen Behoerden und Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen
und 5.) eine aehnliche Zusammenarbeit auf einzelstaatlicher Basis
zum Gegenstand haben.
Diese Abkommen sollen in Form offizieller Empfehlungen des
IAA und nicht als internationale Konventionen betrachtet werden,
da diese von den Mitgliedstaaten ratifiziert werden muessen.
Ueber die Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern sagt der Bericht:
••In einer betraechtlichen Anzahl Laender wurden seit dem
Kriege bei dem Aufbau der Zusammenarbeitsmassnahmen innerhalb
der Betriebe beachtliche Fortschritte erzielt."
Eine Umfrage bei Betrieben in den Vereinigten Staaten hat
ergeben, dass von 263 Unternehmen, die den Fragebogen beantworteten, in 226 die Zusammenarbeit in irgendeiner Form bereits seit
mehreren Jahren besteht. Die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern ist somit weiter verbreitet als allgemein angenommen wird. In Kanada gab es am 31. Maerz 1949 615 Ausschuesse,
die die Interessen von 275.000 Arbeitern vertraten. Der Bericht
faehrt fort:
"In neuerer Zeit macht sich seitens der Gewerkschaften die
Tendenz bemerkbar, den Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung im Interesse der Wirtschaft und im Interesse der Arbeiter
selbst groessere Bedeutung beizumessen.
"Auch die Arbeitgeberorganisationen sind in zahlreichen Laendern bestrebt, den Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung und der Notwendigkeit, Bestimmungen zur Sicherung der Arbeiterinteressen zu erlassen, groessere Aufmerksamkeit zu schenken.
Es kann gesagt werden, dass viele Hindernisse, die sich den gemeinsamen Bemuehungen zur Steigerung der Produktionsleistung in
den Weg stellten, bereits ueberwunden sind oder noch ueb«rwunden
werden koennen."

- 8 -

�I

In wenigstens 48 Laendern sieht die Gesetzgebung Tarifvertraege in der einen oder anderen Form vor, zum Teil bestehen
sie bereits auf Grund besonderer Vereinbarungen.
In dem Bericht heisst es weiter:
"Die Methode, Arbeits- und Einstellungsbedingungen in
Tarifvertraegen festzulegen, setzt sich mehr und mehr durch.
Nach den Worten des Praesidenten der Vereinigten Staaten muss
das freie Tarifverhandlungswesen geschuetzt und gefoerdert
werden. Das Recht zum Abschluss von Kollektiwertraegen ist
nicht nur ein grundlegendes wirtschaftliches Fundament der
Gewerkschaften, es uebt darüberhinaus einen nachdruecklichen
Elnfluss zur Staerkung und Stabilisierung der gesamten Wirtschaft
aus.
"Drei Haupttendenzen haben sich in den letzten Jahren abgezeichnet: 1.) an dem freien Kollektlwertragswesen als Mittel
zur Regelung der Loehne und uebrigen Arbeitsbedingungen festzuhalten, 2.) das gleiche Kollektlwertragswesen durch breit fundierte Lohnabkommen auf einen Bruchteil zu beschraenken oder
3.) das Kollektlwertragswesen als Teil eines allgemeinen staatlichen Systems zur Regelung der Loehne und Arbeitsbedingungen
auszubauen wie es in den P/lanwirt sc haften der Laender Osteuropas
der Fall ist."
Hinsichtlich der Wirksamkeit bestehender Schlichtungs- und
Schiedssprechungsmethoden heisst es in den Bericht:
«Die Tatsache, dass eine kuerzlich durchgeführte Erhebung
zeigt, dass der auf Streiks zurueckzufuehrende gesamte Arbeitszeitverlust in 22 Laendern in einer Periode von 20 Jahren weniger
als zwei Zehntel eines einzigen Prozents der gesamten Arbeitszeit in jenen Laendern betrug, kann als Beweis fuer den Grad
der Wirksamkeit jener Methoden angesehen werden, die in diesen
Laendern zur Verhuetung und Beilegung aller Streitigkeiten zwischen
Industrie und Gewerkschaften angewendet werden."
ILO News Service
VI/50

DER VERTRAG DER AUTOMOBILARBEITERGEWERKSCHAFT MIT DEN
GENERAL MOTORS-WERKEN
Der folgende Bericht ueber diesen Vertrag stammt
nicht aus Veroeffentlichungen der amerikanischen
Gewerkschaften, sondern hier wird woertlich der
Text benutzt, den die Direktion der General MotorsWerke ueber die Ergebnisse der Verhandlungen mit
der Automobilarbeitergewerkschaft veroeffentlicht
hat. Dies erschien deshalb von besonderer Bedeutung, als dieser Bericht fuer die deutsche Oeffentlichkelt objektiver erscheinen duerfte als der von
den Gewerkschaften veroeffentllchte Schlussbericht.
Zwischen den General Motors-Werken und der Automobilarbeitergewerkschaft ist ein Fuenf Jahresvertrag zustandegekommen,
dem man das Lohnanpassungssystem zugrundegelegt hat, auf das
sich beide Partner vor zwei Jahren bereits geeinigt hatten.
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�I

Dieses Abkommen erstreckt sich auf Loehne, Pensionen,
Versicherungen und bestimmte Garantien an die Gewerkschaft
und regelt alle wirtschaftlichen und vertraglichen Probleme
bis zum 29. Mal 1955. Es kann vor diesem Datum von keinem
der beiden Partner gekuendigt werden.
"Dieser FuenfJahresvertrag ist beispiellos In der Geschichte
der Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehungen," erklaerte C. £. Wilson,
der Praesident der General Motors-Werke. "Es ist zu erwarten,
dass er einen stabilisierenden Einfluss nicht nur auf unser eigenes Unternehmen, sondern darueber hinaus auf die Wirtschaft
des ganzen Landes ausueben wird. Wir sind der Auffassung,
dass die Tatsache, die Furcht vor einem Streik fuer fuenf Jahre
gebannt zu haben, einen ungeheuer konstruktiven Erfolg fuer
unsere Arbeitnehmer, unser Geschaeft, unsere Kunden, unsere
Lieferfirmen und somit fuer die Allgemeinheit darstellt. Der
Abschluss des Vertrages duerfte bedeuten, dass alle daran Beteiligten der Zukunft mit groesserem Vertrauen entgegensehen.
"Was wir von dem Vertrag erhoffen, ist, dass alle Arbeitsplaetze bei General Motors gute Arbeitsplaetze sind. Wir wuenschen, dass unsere Arbeitnehmer gern fuer General Motors arbeiten.
Nur so koennen wir auch in Zukunft so erfolgreich wie bisher
arbeiten und (iualitaetserzeugnisse fuer unsere Kunden herstellen."
Die wichtigsten Bestimmungen des Vertrages sind folgende:
(1) Die Lebenshaltungskostenformel wird ohne Aenderung beibehalten. Sie trat in dem 1948 abgeschlossenen Vertrag das erstemal
auf und sieht vor, dass die Loehne viertelJaehrlich ueberprueft
und den Veraenderungen des Verbraucherpreisindex', den das Statistische Buero des US-Arbeitsministeriums feststellt, angeglichen
werden.
(3) Ab 29. Mai 1950 wird dem Grundtarif eine Jaehrliche Aufbesserungspraemie von 4 Cents je Arbeitsstunde hinzugefuegt*
Waehrend der gesamten Vertragsdauer wird dieser Tarif jaehrlich
um vier weitere Cents erhoeht werden. Hierin spiegelt sich die
Erkenntnis der Automobilarbeitergewerkschaft und der General
Motors-Werke wider, dass ein hoeherer Lebensstandard von den
technologischen Fortschritten und der Zusammenarbeit der Arbeitnehmer abhaengt.
(3) Allen Arbeitnehmern, die von diesem Vertrag erfasst werden
und 25 Dienst Jahre hinter sich haben, wird aus einer nicht beitragspflichtigen Pensionskasse eine Mindestpension in Hoehe von
100 Dollar, einschliesslich der Pension der Bundesstaatlichen
Sozialversicherung, gezahlt. Wenn die eingereichten Vorschlaege
zur Erhoehung der Bundesstaatlichen Sozialversicherungs-Unterstuetzungen Gesetz werden, wird die Pension der General MotorsArbeiter sich in der Form erhoehen, dass die Teilpension der
General Motors-Werke die gleiche wie bei dem Monatssatz von
100 Dollar bleibt, auch wenn durch diese Erhoehungen sich Betraege
ergeben, die die Hundert Dollar Summe betraecbtllch ueberschreiten.
Die Werke werden auch weiterhin fuer Jeden pensionsberechtigten
Arbeitnehmer monatlich nicht weniger als 1.50 Dollar an Penslonsbeitraegen zahlen.
(4) Die Lebens-, Kranken- und Unfallversicherungen werden nach
dem neuen Versicherungsprogramm der General Motors verbessert,
ohne dass den Arbeitnehmern zusaetzliche Kosten entstehen.
Ausserdem werden die General Motors-Werke die Haelfte der Kosten
fuer Krankenhausaufenthalte und fuer die aerztliche Behandlung
des Arbeitnehmers und seiner Familie uebernennten.
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�(5) Fuer den Schutz der Gewerkschaften tritt eine abgeaenderte
Bestimmung in Kraft, fuer die sich eine grosse Mehrheit der
von der Automobilarbeitergewerkschaft vertretenen Arbeitnehmer
der General Motors-Werke im Februar dieses Jahres ausgesprochen
hat. Nach den Bestimmungen des Taft-Hartley-Gesetzes hat die
Regierung dieses Abstimmung ueberwacht.
•Die Frage des Schutzes der gewerkschaftlichen Rechte1*,
erklaerte Praesident Wilson, "ist in praktischer und durchfuehrbarer Weise geloest worden. Die Gewerkschaft hat nach dem neuen
Vertrag die Moeglichkeit, ihrer Verantwortung besser gerecht zu
werden. Die zum Ausdruck gebrachten Wuensche der Mehrheit werden
beruecksichtlgt, aber zu gleicher Zeit wird auch der Entscheidung
der Minderheit Rechnung getragen, die aus irgendwelchen Gruenden
nicht Mitglied der Gewerkschaft sein wollen."
Die wichtigsten Bestimmungen des Vertrages enthalten u.a.
folgende Einzelheiten:
Die Loehne werden viertelJaehrlich den Lebenshaltungskosten
angeglichen werden, denen der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bueros des US-Arbeitsministeriums zugrundeliegt. Der
Stichtag-Index vom 15. April, der am 19. Mal veroeffentlicht
wurde, nachte keine Angleichung des gegenwaertigen Lebenshaltungskostenzuschusses erforderlich. Infolgedessen wird der bisherige
Zuschuss von drei Cents Je Stunde In den naechsten drei Monaten
keine Aenderung erfahren. Die naechste Ueberpruefung des Lebenshaltungskostenzuschusses wird unter Zugrundelegung des Verbraucherpreisindexes vom 15. Juli im September erfolgen.
Mit Wirkung vom 29. Mai 1950 wird der Grundtarif in Anbetracht technischer Verbesserungen um eine Jaehrllche Aufbesserungspraemie von vier Cents Je Stunde erhoeht. Fuer die Gesamtdauer
des Vertrages werden dem Tarif Jaehrlich weitere vier Cents Je
Stunde hlnzugefuegt werden. Die Jaehrllche Aufbesserungspraemie
betrug nach dem Vertrag von 1948 drei Cents Je Stunde.
Beide Partner halten weiterhin an dem Grundsatz fest, dass
der technische Fortschritt gefoerdert werden muss, um diese Jaehrllche Aufbesserungspraemie zu ermoegllchen. Der Vertrag enthaelt
folgende Bestimmung zu dieser Frage:
"Die in diesem Vertrag vorgesehene Aufbesserungspraemie zeigt,
dass eine staendlge Verbesserung des Lebensstandards der Arbeltnehmer von dem technischen Fortschritt, von besseren Werkzeugen,
Arbeitsmethoden und Ausruestung sowie von der Zusammenarbeit der
beiden Partner abhaengt. Dieser Methode liegt ausserdem der
Grundsatz zugrunde, dass es ein gesundes wirtschaftliches und
soziales Programm ist, mit dem gleichen Aufwand an Arbeitskraft
mehr als bisher produzieren zu wollen."
Fuer bestimmte Fachberufe sind Lohnangleichungen vorgenommen worden, wodurch die Tarife fuer Werkzeugmacher, Former und
gewisse andere Facharbeitergruppen ausser der Aufbesserungspraemie
noch um fuenf Cents Je Stunde erhoeht werden.
Der neue Vertrag enthaelt ausserdem ein grosszuegig
gestaltetes Programm der Urlaubsbezahlung« Arbeitnehmer mit einem DienstJahr erhalten 40 Stunden, mit drei bis vier Dienst Jahren 60 Stunden,
mit fuenf bis 14 DienstJahren 80 Stunden und mit mehr als 15 DienstJahren 120 Stunden bezahlten Urlaubs.
Alle Arbeitnehmer im pensionsberechtigten Alter, die 25 Dienstjahre erreicht haben, erhalten eine MindestpensIon von monatlich
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�100 Dollar, wobei In dieser Summe die Bezuege aus der Bundesstaatlichen Sozialversicherung eingeschlossen sind.
Fuer Arbeitnehmer mit weniger als 25, aber mit mehr als zehn
Dienstjahren betragen die Pensionen einschliesslich der Bezuege
aus der Bundesstaatlichen Sozialversicherung, monatlich mindestens
vier Dollar fuer Jedes zurueckgelegte Dienstjahr.
Bach dem gegenwaertigen oder irgendeinem zukuenftigen
Bundesstaatlichen Sozialversicherungsgesetz wird der Anteil der
General Motors-Werke an allen Pensionen fuer die Dauer dieses
Vertrages mindestens monatlich 1.50 Dollar fuer Jedes Dienstjahr
betragen.
Das normale pensIonsberecht igte Alter ist 65 Jahre. Jeder
Arbeitnehmer kann jedoch auf eigenen Wunsch, vorausgesetzt, dass
er dazu in der Lage ist, bis zum Alter von 63 Jahren weiterarbeiten, mit dem er dann automatisch pensioniert wird. Mit Genehmigung der Gesellschaft kann ein Arbeitnehmer mit ueberdurchschnittllchem fachlichem Koennen und guter Gesundheit auch nach dem
68. Lebensjahre noch weiter taetig bleiben.
Bis zum 1. Januar 1952 sollen, ausser auf eigenen Wunsch des
Arbeitnehmers, keine Pensionierungen erfolgen. Fuer diejenigen,
die nach dem 1. Januar 1950 pensioniert wurden, und denen nach
dem Vertrag die Pensionsberechtigung zuerkannt ist, beginnen die
Pensionszahlungen am 1. Oktober 1950.
Der Pensionsfonds steht unter Treuhaenderschaft und soll
auf 30-jaehriger Basis finanziert werden. Ein gemeinsamer Ausschluss der General Motors-Werke und der Gewerkschaft wird gebildet,
um ueber die Pensionsberechtigung Jedes einzelnen Arbeitnehmers
zu beraten.
Eine andere Bestimmung des Pensionsplanes sieht vor, dass
jeder Arbeitnehmer, der mindestens 15 DienstJahre zurueckgelegt
hat und danach voellig und dauernd arbeitsunfaehig wird, nach
Vollendung seines 50. Lebensjahres eine Invalidenrente von
50 bis 90 Dollar im Monat,je nach der Anzahl seiner Dienstjahre,
bezieht. Diese Invalidenrente steht ihm zu,bis er 65 Jahre alt
ist; von da ab faellt er unter die regulaeren Pensionsbestimmungen.
Unabhaengig von dieser Invalidenrente kann der Arbeitnehmer nach
den Bestimmungen ueber Arbeitsunfaehlgkeit, wie sie der Versicherungsplan der General Motors-Werke enthaelt, eine Unterstuetzung von
der Gesellschaft beziehen.
Die nach dem Gruppenversicherungsplan der General MotorsWerke jetzt gueltlgen Lebens-, Kranken- und Unfallversicherungen
bleiben bei einer Erhoehung der Lebensversicherungssumme um
500 Dollar und der woechentlichen Unterstuetzungen bei Krankheit
und Unfall um 14 Dollar bestehen, ohne dass der Arbeitnehmer
hoehere Praemien fuer diese Versicherungen zu zahlen hat. Nach
dem neuen Vertrag wird sich somit die Lebensversicherungssumme
auf 2.500 bis 5.000 Dollar und die woechentlichen Krankheitsund Unfallunterstuetzungen auf 28 bis 45.50 Dollar bis zu einer
Dauer von 26 Wochen belaufen.
Die General Motors werden nach dem neuen Plan den in Krankenhausbehandlung befindlichen Arbeitnehmern fuer ihre aerztliche
Behandlung einen Hoechstbetrag von 5 Dollar pro Tag gewaehren bis
zu einer Hoechstdauer von 70 Tagen, fuer Krankenhausaufenthalt
gilt
das gleiche.
Die in dem Vertrag von 1948 enthaltene Klausel ueber den
Schutz der gewerkschaftlichen Rechte, in der der Abzug der Gewerk- 12 -

�schmftsbeltraege und sonstiger Abgaben auf freiwilliger Basis
vorgesehen war, wird wie folgt abgeaendert:
1« Allen Arbeitnehmern, die bei Inkrafttreten dieses Vertrages nicht Mitglied der Gewerkschaft sind und keine Beitraege
an die Gewerkschaft entrichten, wird der Beitritt zur Gewerkschaft nicht zur Bedingung ihrer Weiterbeschaeftigung gemacht.
Fuer die Dauer dieses Vertrages sind sie nicht verpflichtet,
Irgendwelche Abgaben oder Beitraege an die Gewerkschaft zu entrichten.
2. Alle Arbeitnehmer, die gegenwaertlg Mitglied der Automobilarbeitergewerkschaft (CIO) sind und Beitraege an die Gewerkschaft direkt oder indirekt auf dem Wege des Lohnabzugs zahlen,
sind verpflichtet, ihre Mitgliedschaft in dieser Gewerkschaft
fuer die Dauer des Vertrages insofern aufrechtzuerhalten, als
es sich um die Zahlung von Beitraegen und sonstigen Abgaben
handelt«
3, Nach Inkrafttreten dieses Vertrages muss ein neueingestellter Arbeitnehmer nach einer Probezeit von drei Monaten
der Gewerkschaft beitreten und Beitraege sowie sonstige Abgaben
entrichten. Der Arbeitnehmer ist jedoch berechtigt, binnen nicht
weniger als zehn und nicht mehr als zwanzig Tage vor Ablauf
seines ersten ArbeitsJahres, das mit der Beendigung der Probezeit beginnt, aus der Gewerkschaft auszutreten und die Zahlung
weiterer Beitraege ohne Nachwirkungen auf sein Beschaeftigungsverhaeltnis einzustellen. Wenn er sich emtschliesst, Mitglied
zu bleiben, muss er als Beschaeftigungsbedingung seine Mitgliedschaft durch Entrichtung der Gewerkschaf tsbeltraege und sonstiger
Abgaben bis zum Ablauf dieses Vertrages aufrechterhalten.
Mitteilung der General Motors
Corporation
23A/50
RUTGERS INSTITUT FEIERT 20-JAEHRIGES BESTEHEN
William Green, der Praesldent der AFL, besuchte die Rutgers
Universitaet, um dort anlaesslich des 20. Jahrestages der Gruendung dieses aewerkschaftsInstituts zu sprechen.
Green hatte diese Universitaet bereits vor 20 Jahren
besucht. Damals war er Zeuge eines voellig neuen Experiments,
das darin bestand, dass sich Erzieher und Gewerkschaftler an
den gleichen Tisch setzten, um sich vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus ueber Arbeitslosigkeit zu unterhalten.
Green erklaerte seinen Zuhoerern - Funktionaere des Gewerkschaftsbundes, Erzieher und fuehrende Persoenlichkeiten der Regierung - dass sie damals Geschichte gemacht haetten. Die verflossenen Jahre haetten die Richtigkeit dieses Experiments unter
Beweis gestellt.
Dieser Gewerkschaftsfuehrer, der stets den Ausbau der Arbeiterbildung befuerwortete, war nicht der Einzige, der als
Beobachter an der ersten regulaeren Konferenz amerikanischer
Erzieher und Gewerkschaftler im Juni 1931 teilgenommen hatte.
Selbst aus Michigan waren Vertreter der Universitaeten gekommen,
um zu sehen, ob dieses Projekt durchfuehrbar sei.

- 13 -

�Die massgeblichen Persoenlichkeiten der Universitaet Michigan waren von dem Wert zusammengefasster ArbeitsInformationen
so ueberzeugt, dass bis zum Juni des folgendes Jahres ein aehnllches Institut in Ann Arbor gegruendet wurde. Heute arbeiten
75 Hochschulen und Universitaeten in 40 Staaten der USA nach
dem Vorbild des Rutgers-Institut?.
Noch staerker war jedoch die Gewerkschaftsbewegung von dem
Ergebnis jener Konferenz vor zwanzig Jahren beeindruckt. Noch
vor dem Abschluss der fuenftaegigen Sitzungsperiode forderten
die Delegierten einstimmig die Einberufung weiterer Konferenzen.
Der Gewerkschaftsbund in New Jersey richtete auf seiner naechsten
Jahreskonferenz an Rutgers die Bitte, diese Konferenzen alljaehrlich stattfinden zu lassen.
In Anerkennung der Verdienste, die sich das Institut auf
dem Gebiet der wechselseitigen Arbeitnehmer-Arbeitgeber Beziehungen
erworben hatte, wurde Im Jahre 1947 durch eine gesetzgeberische
Akte des Staates New Jersey das Rutgers Institut fuer ArbeitgeberArbeitnehmer Beziehungen gegruendet.
"Wekkly News Service" der APL
VI/13/50
WIE EINE GEWERKSCHAFT ZU EINER EISENBAHN AUF PUERTO RICO KAM
Die ehemaligen Besitzer der Puerto Rico-Elsenbahn haben
zu ihrem Bedauern feststellen muessen,dass die Weigerung, Mindestloehne zu zahlen, den Verlust einer Eisenbahn mit sich bringen
kann. Und sie koennen in der Tat sehr betruebt sein, denn sie
sind nicht mehr Besitzer der Eisenbahn.
Die Gesellschaft hatte sich beharrlich geweigert, Mindestloehne zu zahlen, das gesamte Eigentum der Eisenbahngesellschaft
wird deshalb in kurzer Zeit in den Besitz der Arbeitnehmer uebergehen, die Mitglieder des Allgemeinen Gewerkschaftsbundes von
Puerto Rico (Confederacion General de Trabajadores) sind, waehrend die eigentlich zustaendige Gewerkschaft die Eisenbahnergewerkschaft von Puerto Rico ist.
Die Eisenbahn-Gesellschaft hatte sich nie an das im Oktober
1938 auf Puerto Rico in Kraft getretene Lohn- und Arbeitszeitgesetz gehalten und missachtete es staendig. Dabei belief sich
der Mindestlohn auf Puerto Rico und den Virgin-Inseln nur auf
25 Cents in der Stunde - die Eisenbahn-Gesellschaft zahlte drei
Jahre lang einer ganzen Reihe ihrer Arbeitnehmer nur drei Cents
pro Stunde!
Der von der Eisenbahnergewerkschaft angestrengte Prozess,
der mit der Ueberfuehrung der Eisenbahn in den Besitz der Arbeiter
endete, erstreckte sich bereits ueber neun Jahre.
Als die Prozessaussichten unguenstig wurden, hielt die
Gesellschaft die Zeit fuer gekommen, ihren Aroeitern Einigungsvorsphlaege zu unterbreiten. Die Unternehmer boten den Eisenbahnern an, die Forddrungen auf rueckstaendige Loehne bis zu einem
Betrag von 700.000 Dollar auszuzahlen, diese Summe haette Jedoch
nur 45T£ des geschuldeten Betrages ausgemacht.

- 14 -

�Als Gegenleistung sollten die Arbeiter Verzichtserklaerungen
unterschreiben, die die Unternehmer jeglicher weiterer Verpflichtungen enthoben haetten. Unter den Eisenbahnarbeitern gab es
jedoch kluegere Koepfe. Sie baten Ernesto Hamos Antonini, den
Sekretaer fuer auswaertige Beziehungen und Rechtsberater des
Gewerkschaftsbundee von Puerto Rico, um einen Rat. Ramos Antcnini
ist ausserdem Sprecher im Repraesentantenhaus von Puerto Rico.
Der Rechtsberater des Allgemeinen Gewerte chaf tsbundes von
Puerto Rico verklagte die Gesellschaft beim amerikanischen
Bezirksgericht in Puerto Rico. Er bestand nicht nur auf der
Annullierung der Abkommen, die zwischen der Gesellschaft und
einzelnen Arbeitern zustande gekommen waren, sondern auch darauf,
dass die Gesellschaft den Arbeitern eine Gesamtsumme von etwa
drei Millionen Dollar schuldet, in der ueber die angebotenen
700.000 Dollar hinaus die restlichen 55# an rueckstaendigen
Loehnen und eine Entschaedigung von 100g enthalten sind.
Das Gericht entschied jedoch zugunsten der Eisenbahn-Gesellschaft. Ramos Antonini, ein Mann, der nicht leicht etwas aufgibt,
brachte den Fall vor das Bezirksappellationsgericht von Boston,
das die Unternehmer verurteilte.
Aber die Gesellschaft wollte unter allen Umstaenden den
Prozess gewinnen und wandte sich an den Obersten Gerichtshof der
Vereinigten Staaten, der jedoch das Urteil bestaetigte.
Die Gesellschaft machte Jetzt Bankerott. Die Arbeiter sahen,
wie ihnen die Fruechte ihres schweren Kampfes um ihr Recht regelrecht entglitten, es konnte ihnen passieren, dass sie in dem
Konkursverfahren eine wesentlich geringere Summe erhielten,
als ihnen durch das Gerichtsurteil zuerkannt war.
Auf Veranlassung Ramos Antoninls und der Fuehrer der
Eisenbahnergewerkschaft ueberpruefte der Gouverneur von Puerto
Rico, Luis Munos Marin die Moeglichkeiten, die Eisenbahngesellschaft
in den Besitz der Arbeiter uebergehen zu lassen.
Es war ein gluecklicher Tag fuer die Mitglieder der Eisenbahnergewerkschaft von Puerto Rico, als die Dokumente ueber die
Uebergabe der Eisenbahngesellschaft an die Arbeiter unterzeichnet
wurden.
Die Arbeiter haben 40 Jahre Zeit, um den endgueltigen Kauf
der Eisenbahngesellschaft durchzufuehren. Sie werden die Verwaltung der Elsenbahn einer Genossenschaft uebergeben, die sie
bereits gebildet haben» in wenigen Wochen wird sich das gesamte
Eigentum der Eisenbahngesellschaft in ihrem Besitz befinden.
Kurze Zeit spaeter gab es einen anderen grossen Tag in der
Geschichte der Eisenbahnergewerkschaft. 712714 Dollar wurden in
Form von Schecks oder Genossenschaftsaktien in San Juan, Ponce
und Mayaguez an die Gewerkschaftsmitglieder verteilt.
Ramos Antonini sprach waehrend der Feier, auf der die
ersten Schecks und Aktien ausgehaendigt wurden. An dieser Feier
nahmen teil: George De Nucci, der Vertreter des CIO in Frerto
Rico, Ernest Schwarz, der Sekretaer des AHL-Komitees fuer lateinamerikanische Angelegenheiten sowie Fernando Zegri, der Konkurs- 15

�Verwalter der Eisenbahngesellschaft nach dem Bankerott.
Wenn Sie also einmal in Puerto Rico reisen sollten, dann
wird Ihr Zug von Arbeltern bedient werden, die gleichzeitig
Besitzer der Elsenbahn sind«
The CIO News
VI/12/50
KEINE GEHEIMEN STREIKBEFEHLE IM BERG ARBEIT ERSTREIK
John L. Lewis, der Vorsitzende der Berg arbeit ergewerkschaft,
erklaerte In einem Schreiben an einen Unterausschuss des Komitees
des Repraesentantenhauses fuer Erziehung und Gewerkschaften,
der sich mit Gewerkschaftsdemokratie beschaef tlgt, dass waehrend
des Bergarbeiterstreiks Im letzten Winter keine geheimen Streikbefehle an die Arbeiter ergangen seien. Diese Frage wurde eroertert, well ein Gewerkschafts funkt lonaer, der wegen einer Strafe
von 50.000 Dollar seiner Funktionen enthoben worden war, der
Gewerkschaft vorgeworfen hatte, geheime Instruktionen zur Einstellung der Arbeit an die Arbeiter gegeben zu haben.
Weekly Labor News Digest
V/50/17
- 16 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

OFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HIC0G. APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Aui Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
I

I I I - 18

F r a n k f u r t , 7 . J u l i 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Kolumbianischer Gewerkschaftsbund tritt aus dem Weltgewerls chaftsbund aus - - - - - - - - - - - - - - - l
Die Havanna-Konferenz gruendet interamerikanische
Vereinigung fuer Demokratie und Freiheit - - - - - 2
AFL protestiert gegen die Aufloesung der Erdoelarbei-'
tergewerkschaften in Venezuela - - - - - - - - - - 4
Juan A. Acuna: Die Montevideo-Konferenz des Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbundes - - - - - - - - 5
Pere F. Seward: Oeffentliche Arbeiten - Schluessel
zum Fortschritt - - - - - - - - - - - - - - - - - - 6
Arbeitsmoeglichkeiten und Umsiedlung - - - - - - - 9
Arbeitsminister Tobin zur Entscheidung des Obersten
Gerichtshofes zum Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen 11
Internationaler Verband der Vereinigungen fuer Arbeiterbildung
—
12
Perons Antwort an den Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 5

KOLUMBIANISCHER GEWERKSCHAFTSBUND TRITT AUS DEM WELTGEWERKSCHAFTSBUND AUS,
Dem Beispiel des mexikanischen Gewerkschaftsbundes folgend,
hat sich der Kolumbianische Gewerkschaftsbund auf seiner letzten
Konferenz in Bogota entschlossen, aus dem Welt- und dem Lateinamerikanischen Gewerkschafts bund auszutreten. Der Vorschlag,
die kommunistisch gefuehrte Weltgewerkschaftsorganisation zu
verlassen, wurde von den Kommunisten und einer kleinen Gruppe
irregefuehrter "Liberaler" heftig angefochten. Es gelang ihnen
Jedoch nicht, die notwendigen Stimmen zur Ablehnung des Vorschlags
sich zu sichern. Spaeter verliessen sie die Konferenz und bildeten eine eigene Organisation. Sie griffen damit zu der typisch
kommunistischen Taktik, die all das zerstoeren wollen, was sie
nicht beherrschen koennen»
Die Mehrzahl der Delegierten des Kolumbianischen Gewerkschaftsbundes bekraeftigte daraufhin ihren Entschluss, aus dem
Weltgewerkschaftsbund und dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund auszutreten, indem sie sich eindeutig fuer den Anschluss an
den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften aussprachen, dessen
Zentrale sich in Bruessel befindet. Die regionalen Organisationen
fuer die westliche Hemisphaere soll in Kuerze gebildet werden.
Inter-American Labor News
VI/50

�DIE HAVANNA-KONFERENZ GRUENDET INTERAMERIKANISCHE VEREINIGUNG
FUER DEMOKRATIE UND FREIHEIT
Die freie Gewerkschaftsbewegung hat mit der Interamerikanischen Konferenz fuer Demokratie und Freiheit, die in Havanna
abgehalten wurde und vom Interamerikanischen Gewerkschaftsbund
auf seiner zweiten Konvention in Havanna im September vorigen
Jahres befuerwortet worden war, eingn weiteren Sieg im Kampf
um die Erhaltung der zivilen Rechte der Hemisphaere zwischen
Atlantik und Stillem Ozean errungen. Die Konferenz stand unter
der Schirmherrschaft eines ausgezeichneten Komitees massgeblicher
politischer Persoenlichkeiten, Intellektueller und Gewerkschaftsführer und bot zum erstenmal den wahrhaft demokratischen Kraeften
Nord-, Mittel- und Suedamerikas eine Gelegenheit, zusammenzukommen.
Frei von Jedem Druck seitens der Regierungen und frei von Jeden
diplomatischen Beschraenkungen eroerterte und plante die Konferenz,
was die amerikanischen Voelker zur Abwehr des Totalitär Ismus und
zur Staerkung der Demokratie und Freiheit gemeinsam tun koennen.
Obwohl nur wenige Monate zur Vorbereitung dieser Konferenz
zur Verfuegung standen, und obwohl die Kommunisten und ein halbes
Dutzend Militaerdiktaturen oder ultrareaktionaere Regierungen
Lateinamerikas von Anfang an offen gegen die Einberufung dieser
Konferenz kaempften, waren doch nahezu 150 Delegierte im Kapitol
von Havanna zu diesem, historischen Treffen versammelt. Sie kamen
aus Argentinien, Uruguay, Chile, Peru, Kolumbien, Panama, Venezuela, Honduras, Costa Rica, Nicaragua, Guatemala, Mexiko, Puerto
Rico, der Dominikanischen Republik, Kuba und den Vereinigten
Staaten. Einige von ihnen waren beruehmte Inteilektuelle, andere
politische Fuehrer und Gewerkschafter, die im Exil leben; ausserdem waren Kongressmitglieder, Senatoren, Kabinettsminister, Journalisten, Universitaetspröfessoren und Gewerkschaftsfuehrer jener
Laender zugegen, in denen die Demokratie stark und gesichert ist.
Als Delegierte der Gewerkschaftsbewegung waren anwesend:
George P. Delaney, Charles Zimmermann und Serafino Romualdi von
der AFL; Dr. Ernst Schwarz vom CIO; Senator Euseblo Mujal und
Pablo Balbuena vom kubanischen Gewerkschaftsbund; Franzisco Aguirre,
Generalsekretaer des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes; Augusto Malave Villalba vom Gewerkschaftsbund Venezuelas; Oscar Zuniga vom Gewerkschaftsbund *Rerum Novarum" von Costa Rica; Andres
Townsend vom peruanischen Gewerkschaftsbund und Bernoardo Ibanez,
der chilenische Praesident des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes und Vizepresident des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Der doppelte Zweck dieser Konferenz bestand in der Demonstration der interamerikanischen, demokratischen Solidaritaet gegen
Jegliche Form des Totalitarismus und in der Begruendung einer
staendigen Organisation, deren zukuenftige Taetigkeit sich nicht
nur in der westlichen Hemisphaere erschoepfen sollf sondern auch
mit aehnlichen Organisationen in anderen Teilen der Welt zusammenarbeiten soll, falls die Notwendigkeit dafuer gegeben ist. Beide
Aufgaben wurden geloest.
In der Havanna-Deklaration wurde die demokratische Solidaritaet der Voelker Amerikas in hervorragender Weise zum Ausdruck
gebracht und proklamiert. In dieser Deklaration wurde der Chapultepecer-Grundsatz erneut feierlich bestaetigt, in dem es heisst:
"Amerika kann nicht ohne Gerechtigkeit und ohne Freiheit leben."
- 2 -

�Die Havanna-Deklaration verurteilt aufs schaerfste jede
Form von Kommunismus, Faschismus, Falangismus und Nazismus;
sie proklamiert die Notwendigkeit, den Lebensstandard der Voelker zu heben, um die Demokratie Wirklichkeit werden zu lassen;
sie befuerwortet die uneingeschraenkte Garantie politischer,
gewerkschaftlicher, buergerlicher und religioeser Freiheiten;
sie bestaetigt erneut die Politik der Nichteinmischung in die
inneren Angelegenheiten eines souveraenen Staates. In ihr wird
Jedoch auch die Forderung erhoben, jene Regierungen, die das
Ergebnis einer militaerischen Erhebung gegen ein verfassungsgemaesses Regime darstellen, anzuerkennen«
In anderen von der Konferenz gebilligten Resolutionen wird
Jedoch gefordert, dass jenen Regierungen wirtschaftliche und
finanzielle Hilfe versagt werden muesse, die die buergerlichen
und gewerkschaftlichen Freiheiten missachten; es wird vor Waffenlieferungen an die Militaer-Diktaturen Lateinamerikas gewarnt,
die zur Bekaempfung der demokratischen Opposition und nicht zur
Verteidigung der Hemisphaere verwendet werden koermten; es wird
proklamiert, dass die Amerikaner zu der demokratischen Familie
der Welt gehoeren, und dass sich die Neue Welt bereit erklaert
hat, gemeinsam gegen jegliche Form totalitaerer Durchdringung
und Aggression zu kämpfen.
Um diese Ziele verwirklichen zu koennen, beschloss die
Konferenz einstimmig, die Interamerikanische Vereinigung fuer
Demokratie und Freiheit zu gruenden. Der Hauptsitz dieser Vereinigung wird Montevideo, die Hauptstadt Uruguays sein. Eine
staendige Delegation wird ihren Sitz in den Vereinigten Staaten
haben, wo sie in Washington und New York Bueros bezieht. Dieser Delegation faellt die bedeutungsvolle Aufgabe zu, Beziehungen
zu der Organisation der Vereinten Nationen und ihren verschiedenen Kommissionen zu unterhalten, die sich mit Menschen- und Buergerrechten befassen. Die Delegation wird in staendigem Kontakt
bleiben mit den amerikanischen Staaten, mit dem US-Arbeitsministerlum und anderen Pegierungsbehoerden, die sich mit lateinamerikanischen Fragen beschaeftigen, mit dem Kongress, der Presse, den
Lehranstalten, den Gewerkschaften und anderen Sektoren der amerikanischen oeffentliehen Meinung.
Die Delegation hat weiterhin die Aufgabe, die Taetigkeiten
der ihr angeschlossenen Organisationen in der gesamten westlichen
Hemisphaere auf einen Nenner zu bringen, sodass die Einheitlichkeit der Aktion im Hinblick auf grundlegende Probleme der Demokratie gefoerdert wird. Sie wird ausserdem von Zeit zu Zelt
genaue Informationsberichte ueber den Stand der Demokratie und
der Sicherung buergerlicher Rechte in den verschiedenen lateinamerikanischen Laendern veroeffentlichen, die von unparteiischen
und unbeelnflussten Persoenlichkeiten zusammengetragen und ausgewertet werden; diese Informatoren muessen sich von jeder Parteiergreifung fernhalten, da diese oft das Urteil eines Einzelnen
oder ganzer Gruppen beeinflussen koennten, dass diese Grundrechte
der Verfolgung oder gesetzes widriger Handlungsweisen einer Regierung ausgesetzt seien.
Obwohl in dieser Konferenz die Gewerkschaftsvertreter in
der Minderheit waren, muss gesagt werden, dass die Schlüsselstellung des Gewerlschaftswesens in dem weltumfassenden Kampf
um die Erhaltung buergerlicher Freiheiten anerkannt wurde.
George P. Delaney von der AFL wurde beauftragt, die Gewerkschaften in dem slebenkoepfigen Ehrenpraesidium der Gruendungs- 3 -

�Sitzung dieser Konferenz zu vertreten. Seraflno Romualdl (AFL)
und Dr. Ernst Schwarz (CIO) wurden als Gewerkschaftsvertreter
In den neun Mitglieder umfassenden Exekutivaussc huss der neugegruendeten Interamerikanischen Organisationen gewaehlt.
Die uebrlgen Mitglieder des Exekutivausschusses sind Roger
N. Baldwin und Frau Frances Grant (US), Dr. Emilio Frugoni und
Senator Juan Guichon (Uruguay), Victor Raul Hava de la Torre
(Peru), den Senator Manuel Seoane zeltwellig vertreten wird,
Dr. Aurelanio Sanchez (Kuba) und Professor German Arciniegas
(Kolumbien). Stellvertretende Mitglieder sind Walter White (USA),
Dr. Ernesto Sammartino (Argentinien), Dr. Manuel Galich (Guatemala), Dr. Manuel Fazlo (Costa Rica) und Senator Eduardo Rodriguez (Uruguay).
Labor News des Interamerikanischen
Gewerkschaftsbundes
VI/50
AFL PROTESTIERT GEGEN DIE AUFL0E3UNG DER EfiDELARBEITERGEWERKSCHAFTEN IN VENEZUELA"
Die Militaerregierung Venezuelas schrieb im vorigen Monat
ein weiteres schwarzes Kapitel in ihr Tagebuch antigewerkschaftlicher Massnahmen. Sie loeste 46 Lokalgewerkschaften der Erdoelarbeiter auf, die In Streik getreten waren, um die Unternehmer zu
zwingen, Verhandlungen ueber einen neuen Lohntarif in die Wege
zu leiten.
Sobald es offenbar wurde, dass durch den Streik die Erdoelproduktion fast 100-prozentig stillgelegt wurde, erklaerte die
Regierung den Streik als illegal. Sie loeste sofort alle daran
beteiligten Gewerkschaften auf und erliess den Befehl, die Wohnungen der Streikenden vom Wasser-, Strom- und Gasversorgungsnetz zu
trennen. An vielen Stellen verwehrte man ihnen sogar den Zutritt
zu den Verkaufslaeden, die Eigentum der Unternehmer sind, man entzog den Streikenden somit buchstaeblich die Nahrung. In Telegrammen an den Vorsitzenden der UNO-Komisslon fuer Menschenrechte und
den Generalsekretaer des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften wurden diese unmenschlichen Methoden durch Augusto Malave Villalba, dem Generalsekretaer des Gewerkschaftsbundes Venezuelas, angeprangert. Villalba haelt sich zur Zeit im Exil in Kuba auf.
Sobald der Amerikanische Gewerkschaftsbund (AFL) von diesen
neuesten Entwicklungen in Venezuela Kenntnis erhielt, beauftragte
er das Komitee fuer Internationale Arbeitsbeziehungen durch seinen
internationalen Vertreter Georg P. Delaney, das Internationale Arbeltsamt ueber diese Methoden der Streikbekaempfung zu informieren.
Am Tage darauf richtete Delaney an David Morse, den Generaldirektor
des IAA, folgendes Telegramm:
"DAS KOMITEE DER MILITAERREGIERUNG VENEZUELAS HAT 4* LOKALGEWERKSCHAFTEN DER ERDOELARBEITER AUFGELOEST UND DIE EINZIEHUNG DES GESAMTEN BESITZES UND VERMOEGENS DIESER ORGANISATIONEN ANGEORDNET. IN DIESEN LOKALGEWERKSCHAFTEN SIND SAEMTLICHE GEWERKSCHAFTSMITGLIEDER DIESES INDUSTRIEZWEIGES ORGANISIERT. DIESE MASSNAHME WURDE ERGRIFFEN, WEIL DIE ERDOELARBEITER NACH ABLAUF IHRES TARIFVERTRAGES IN STREIK GETRETEN
WAREN, UM SICH BESSERE BEDINGUNGEN ZU ERKAEMPFEN. ANGESICHTS
DIESER NEUEN OFFENKUNDIGEN VERLETZUNG GEWERKSCHAFTLICHER
RECHTE DURCH DIE REGIERUNG VENEZUELAS FORDERT DER AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBUND AFL, DASS DIESER FALL DEM "IAA UNTERSUCHUNGS- UND SCHLICHTUNGSAUSSCHUSS WEGEN DER VERLETZUNG GEWERKSCHAFTLICHER RECHTE" UEBERGEBEN WIRD."
Inter-American Labor News
VI/50
- 4 -

�Juan A. Acuna:
DIE MONTEV IPSO- KONFERENZ DES LAT EI N M ERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTS- .
BUNDES.
Lombardo Toledanos Lateinamerikanischer Gewerkschaftsbund und
der Weltgewerkschaftsbund beriefen eine sogenannte Südamerikanische
Gewerkschaftskonferenz nach Montevideo ein. Obwohl diese Konferenz
fuer die Arbeiter sozusagen wertlos war, hatte sie doch vom politischen Standpunkt gesehen grosse Bedeutung. Den wirtschaftlichen
und sozialen Problemen der Arbeiter wurde wenig Beachtung geschenkt;
umso staerker waren die gesamten Besprechungen politischen Problemen
von Weltbedeutung und ihren lokalen Zusammenhaengen gewidmet. Hauptzweck dieser Konferenz war somit, den dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund und dem Weltgewerkschaftsbund angeschlossenen Gewerkschaften die politischen Anweisungen der kommunistischen Internationale zu uebermitteln, die im Grunde nichts anderes als Verpflichtungen fuer die Verteidigung der Interessen und Massnahmen
Sowjetrusslands und eine Kampfansage an den sogenannten "YankeeImperialisaus" enthalten. Dieses Thema stand waehrend der gesamten
Konferenz zur Debatte, um dieses Thema drehten sich alle Manifestationen und Resolutionen.
Tonangebend war Lombardo Toledano auf dieser Konferenz, der in
einer Analyse der Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten
Staaten den USA alle moeglichen aggressiven Absichten andichtete und
schliesslich erklaerte: "Sollten die Vereinigten Staaten verrueckt
genug sein, einen neuen Krieg zu entfachen, so wuerden sie diesen
Kampf verlieren, denn alle Voelker der Erde werden sich gegen den
Angreifer erheben. Dieser grausame und verbrecherische Angreifer
ist und wird der Yankee-Imperialismus sein; ihm gilt der Kampf des
Kommunismus, mit dem Sie alle so sehr verwachsen sind. Damit soll
Jedoch nicht das Volk der Vereinigten Staaten und auch licht die
Gewerkschaftsbewegung dieses Landes getadelt werden, d &lt;.e unter dem
wirtschaftlichen und politischen Druck des Imperialismus zu leiden
hatten und auch heute ntch darunter leiden."
Lombardo Toledano und seine Freunde vermi^^n es wohlweislich,
ueber Jenen anderen Imperialismus zu sprechen, der seine despotische
Diktatur ueber die halbe Welt ausgebreitet hat. Toledano vergass
den sowjetischen Imperialismus, der seine Opfer der elementarsten
Menschenrechte beraubt« Unter diesem Imperialismus waere eine
derartige Konferenz sicherlich nicht erlaubt worden, und sie haette
nicht unter solch friedlichen Umstaenden wie in Uruguay stattfinden koennen. Diese Konferenz demonstriert erneut die Rolle, die
Lombardo als kommunistischer Koeder in der organisierten Arbeiterschaft spielen soll.
Die südamerikanische Gewerkschaftskonferenz versuchte also,
die angeschlossenen Gewerkschaften In die Kampffront des Internationalen Kommunismus gegen die Vereinigten Staaten einzureihen,
den sie als Kampf gegen den "Yankee-Imperialismus" bezeichnet.
Konkret gesprochen, hatte die Konferenz die folgenden Ziele:
1. Die Vereinigten Staaten im Falle eines Krieges mit Russland von den grossen Hilfsquellen des wirtschaftlich entwickelten
Lateinamerikas abzuschliessen;
2. Die wirtschaftliche und soziale Lage Lateinamerikas durch
eine ununterbrochene Streikwelle zu zerruetten und damit die Arbeiter und Bauern dieses Gebietes vom Versagen der politischen Demokratie zu ueberzeugen!
Dieser doppelte Zweck, den die Kommunisten in Lateinamerika
verfolgen, ist deshalb besonders gefaehrlich, weil der Kampfruf ge5 -

�gen den Imperialismus auf begierige Ohren Jener Bauern und Arbeiter
trifft, die in der Vergangenheit unter dem amerikanischen Imperialismus zu leiden hatten. Die Kommunisten haben sich eingehend mit diesen Beschwerden befasst und mit ihrer Hilfe versucht, einen Propagandafeldzug einzuleiten, der die Voraussetzungen schafft, um in einem
eventuellen Krieg, in den Russland verwickelt wird, sowohl die politische Demokratie als auch die Unterstuetzung'der Vereinigten Staaten
zu sabotieren.
Um sich diese aeussere guenstige Situation zunutze zu machen und
diesen kommunistischen Sabotagefeldzug besser zu organisieren, wurde
die "Südamerikanische Gewerkschaftskonferenz" abgehalten. In dieser
Frage duerften keine Unklarheiten bestehen. Die wirtschaftlichen und
sozialen Probleme, die den Arbeitern am Herzen liegen, wurden zugunsten weltkommunlstischer Interessen voellig beiseitegedraengt. So
sehen die Tatsachen hinter den heuchlerischen Schlagworten der Kommunisten von "gewerkschaftlicher Einheit" und "patriotischem Kampf" aus.
Die Arbeiter wissen sehr gut, dass die Kommunisten an gewerkschaftlicher Einheit oder an Patriotismus sehr wenig Interesse haben, es sei
denn, diese dienten den Interessen Sowjetrusslands.
Labor News - Interamerikanischer Gewerkschaftsbund
VI/50
Pere F. Seward:
QEFFENTLICHE ARBEITEN - SCHLUESSEL ZbM FORTSCHRITT
In Amerika hat die Bautaetigkeit in der Nachkriegszeit einen
maechtigen Aufschwung erfahren. 1949 beliefen sich die Kosten fuer
Neubauten auf insgesamt 19,3 Billionen Dollar, den hoechsten Dollarbetrag in der Geschichte, und es ist anzunehmen, dass diese Spitzensumme im Jahre 1950 wieder erreicht wird. Bei der gegenwaertlgen Abnahme der privaten Bautaetigkeit bedeutet dies jedoch, dass das Mass
des oeffentlichen Bauens staendig gesteigert werden muss, um diesen
Hoechststand halten zu koennen*
Es ist hierbei zu beruecksichtigen, dass dieser Epoche Jahre
vorausgingen, in denen das Bauen und alle oeffentlichen Arbeiten,
die nicht unbedingt erforderlich waren, zurueckgesteilt wurden; Jahre,
in denen man ausbesserte und reparierte oder das Fehlende provisorisch
ersetzte; der heutige Bedarf geht somit auf zwei Jahrzehnte zurueck.
Heute ist aber weiter zu beruecksichtigen, dass die Bevoelkerungsziffer .
staendig zunimmt, Industrie und Handel die Moeglichkeit haben, mehr
Beschaeftigungsplaetze als bisher zu bieten, und dass sich der Lebensstandard staendig verbessert«
Dabei muss die Frage auftauchen und untersucht werden, ob das gegenwaertige private und oeffentliche Bauvolumen der US- Wirtschaft
mit ihren hohen Beschaeftigungsziffern. die sich staendig steigern,
ueberhaupt noch genuegt. Vergleiche auf der Basis des Preisniveaus
ergeben, dass die 19.3 Billionen von 1949 erheblich unter den Betraegen der Jahre 1925 bis 1929 und 1941 und 1942 liegen, obwohl
das Jahr 1942 bereits ein Kriegsjähr war.
Sicherlich wuerden alle Gebaeude, Strassen, Elsenbahnen und
andere oeffentliche, in den spaeten zwanziger Jahren erbauten Einrichtungen den Anforderungen der 150 Millionen Amerikaner von heute
oder einer Wirtschaft mit einem nationalen Einkommen von 225 Billionen Dollar bei weitem nicht genuegen. Sie wuerden dem staendigen
Zuwachs der Bevoelkerung und damit derjenigen, die eines Tages beschaeftigt werden muessen, nicht gewachsen sein.
- 6 -

�Allein auf der lokalen Ebene befinden sich die notwendigen
oeffentllchen Arbeiten In einem Rueckstand, dessen Ausgleich nahezu 100 Billionen Dollar kosten duerfte. Es wird Jahre dauern, bis
das Versaeumte nachgeholt werden kann; es muss jedoch schleunigst
nachgeholt werden, wenn der jetzige amerikanische Standard der allgemeinen Wohlfahrt, Gesundheit und Bildung aufrechterhalten werden
soll. In der Bekaempfung oertlicher Arbeitslosigkeit und gesunkener Kaufkraft koennen oeffentllche Arbeiten zum ausschlaggebenden
Werkzeug der nationalen Wirtschaft werden.
Durch das Bauen ist Amerika reich und wohnlich geworden.
Oeffentllche Arbeiten zum Wohle des Volkes stellen einen Gradmesser
fuer den Fortschritt dar. Es wird gebaut, um den jetzigen Ansprechen der Menschen genuegeni zu koennen, aber es wird auch fuer die
Kinder und die spaeteren Generationen gebaut. Ueberall fehlt es an
Gebaeuden zur Steigerung der Produktion, des Handels und zur Unterbringung der oeffentllchen Dienste.
Wenn die gegenwaertlge Wirtschaftslage den vollen Einsatz des
oeffentllchen Baupotentials unmoeglich macht, muss trotzdem heute
bereits geplant werden, wie den Anforderungen der Zukunft am besten
entsprochen werden kann, um auf diese Weise nicht nur wirtschaftlichen Schwierigkeiten vorzubeugen, sondern auch fuer das organische
Anwachsen der Staedte und Doerfer durch eine der Dringlichkeit entsprechenden Bauplanung Sorge zu tragen.
Planung? Ein ausgezeichnetes Wort, solange es nicht den bitteren Beigeschmack der "staatlichen Unters tu et zung"erhaelt. Planen
helsst an die Arbeit gehen, um bestimmte Anforderungen zu erfuellen.
Die Idee, oeffentllche Arbeiten zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit durchzufuehren, ist keineswegs neu. Die roemischen Kaiser
kannten sie bereits vor 2000 Jahren, als die unvergleichlichen
Strassen und grossen Wasserleitungen gebaut wurden. Die Annahme
waere erfreulich, dass seit jener Zeit die Menschen viel gelernt
hatten, aber ist es tatsaechlich so? Die Erinnerung an die Zeit
nach dem ersten Weltkrieg, als die Regierung zu sehr den wiederaufkommenden Kraeften der Privatindustrie vertraute, um die heimkehrenden Soldaten und die entlassenen Ruestungsarbeiter wiederaufzunehmen, ist nicht vergessen. Sehr viele werden sich noch Jener
Tage der Verwirrung erinnern.
Mit gutem Grund kann angenommen werden, dass die Wirtschaft
durch oeffentllche Arbeiten bereits vor einer Depression bewahrt
wurde. Als Beispiel sei die Verwaltung fuer Oeffentllche Arbeiten
angefuehrt. Zwar konnten ihre Programme niemals schnelle Ergebnisse und Erfolge zeitigen, weil es an durchgeplanten und vorbereiteten Projekten fehlte. Letzten Endes fuehrte es Jedoch trotzdem
zur Wiederbeschaeftigung, wenn auch 18 lange und schwere Monate noetlg waren, um fuer 100.000 Arbeiter Beschaeftigungsmoeglichkeiten
zu schaffen. Geld war vorhanden, aber - keine Plaene.
Diese Erfahrungen Hessen es wohl angebracht erscheinen, eine
Reserve an fertig geplanten, oertlich gebundenen oeffentllchen Arbeiten bereitzuhalten, ueber die nach dem zweiten Weltkrieg Vertraege geschlossen werden konnten. Dieser Nachkriegsbedarf schien zu
jener Zeit realistisch und angemessen zu sein.
Im Fruehjahr 1945 genehmigte der Kongress das erste Vorplanungsprogramm, durch das die Beschaeftigungsluecke ueberbrueckt werden
sollte, die sich nach dem Kriege mit der Rueckkehr der Soldaten und
der Stillegung der Ruestungsbetriebe oeffnen konnte. Wenn hierueber
offen geredet wird, ergibt sich, dass ein Programm fuer oeffentllche
- 7 -

�Arbeiten allein das Land niemals aus einer tiefen wirtschaftlichen
Depression haette herausreissen koennen, ein bis zum Anlaufen vorbereitetes Programm fuer oeffentliche Arbeiten haette aber die
Bauindustrie und die ihr verwandten Industriezweige stabilisieren
koennen, d.h. den ausser der Landwirtschaft umfangreichsten Sektor
der Wirtschaft.
Dieses Planungsprogramm endete mit dem Kriegsmobilmachungsund dem Umstellungsgesetz von 1944 am 30. Juni 1947. Nachdem die
erwartete Rueckwaertsbewegung des wirtschaftlichen Potentials nicht
eintrat, wurden die fuer das Programm bereitgestellten Gelder vom
Kongress zurueckgezogen, aber erst dann, als eines der interessantesten Experimente in der gesamten Geschichte der amerikanischen
Bauindustrie begonnen war.
Das Programm konnte nicht voellig ausgewertet werden, jedoch
sind es immerhin 6.764 oeffentliche Arbeitsprojekte, deren Kosten
sich schaetzungswei3e auf 2,7 Billionen belaufen werden, die auf
dem Papier durchkonstruiert und endgueltig verplant wurden. Hierzu
gehoeren Schulen, Krankenhaeuser und Erholungsheime, Be- und Entwaesserungssysteme, KLaeranlagen und andere sanitaere Einrichtungen,
Ueberfuehrungen, Bruecken, Strassen, Bahnuebergangsanlagen, Flughafenprojekte, oeffentliche Bauten, Gebaeude des oeffentlJc hen Dienstes
und Erholungsheime. Alle diese Einrichtungen werden dringend benoetigt.
Die Tatsache, dass eine bis ins Einzelne gehende Planung der Projekte rechtzeitig vor Baubeginn niedergelegt wurde, Kann als die
bedeutendste Entwicklung auf dem Gebiet der oeffentlichen Arbeiten
in der Jetztzeit bezeichnet werden.
Der 81. Kongress bewilligte erneut das zweite VorplanungsProgramm, genehmigte 100 Millionen Dollar fuer zwei Jahre und stellte
sofort 25 Millionen Dollar zur Verfuegung. Administrator Jess Larson von der Verwaltung fuer Allgemeine Dienste wurde mit der Verwaltung dieses Programms beauftragt, und dieser uebermittelte es der
Abteilung fuer Oeffentliche Einrichtungen zur Ausfuehrung. 139 Antraege fuer oeffentliche Arbeitsprojekte, deren Gesamtkosten sich
schaetzungsweise auf 90.365.846 Dollar belaufen werden, sind bereits
genehmigt worden. Hunderte weiterer Antraege werden noch von den
Sachverstaendigen des Bueros in Washington oder der Abteilung fuer
Oeffentliche Einrichtungen ueberprueft. Die gesamte Lage wird von
dem grossen Rueckstand an oeffentlichen Arbeiten beherrscht, deren
Durchfuehrung die fast astronomische Summe von 100 Billionen Dollar
erfordern wuerde.
Wenn in wirtschaftlich guenstigen Zeiten aus privaten Mitteln
neue Fabriken, Wohnhaeuser und Geschaeftsgebaeude gebaut werden,
fuer die neue Wasser- und Kanalverbindungen, neue Strassen, heue
Feuerwehrstationen »neue Schulen und aehnliche Einrichtungen notwendig sind, dann muessen Moeglichkeiten zur Durchfuehrung oeffentlicher
Arbeiten geschaffen werden. Waehrend Einzelprojekte zurueckgestellt
werden koennen, darf mit dem Bau von Hauptstrass^n und schwierigen
Konstruktionsarbeiten nicht bis zum Eintritt einer Krise gewartet
werden. Hier gibt es jedoch eine wichtige Ausnahme: Der Bau von
oeffentlic hen Ge baeuden.
Das Tempo der privaten Bautaetigkeit entspricht praktisch
dem der staatlichen, obwohl der Bedarf der Bundesregierung an Neubauten sehr gross ist und ihr Fehlen sich oft recht kostspielig auswirkt. Im vorigen Jahre uebermittelte die Abteilung fuer Oeffentliche
Bauten in der Verwaltung fuer Allgemeine Dienste dem Kongress eine
Liste von mehr als 4.000 Projekten aus allen Teilen des Landes, deren
voraussichtliche Kosten sich auf mehrere Billionen Dollar belaufen

�werden. In den zehn Jahren seit 1940 sind praktisch keine staatlichen Gebaeude errichtet worden.
Der Kongress hat der Verwaltung fuer Allgemeine Dienste die
Ausgabe von 40 Millionen Dollar fuer die Erwerbung von Grundstuecken
und den Entwurf von 575 Bauprojekten genehmigt. Das bedeutet keineswegs, dass eine Depression zu erwarten waere, weil fuer das Bauen
selbst mit einigen unbedeutenden Ausnahmen keine Geldmittel zur
Verfuegung gestellt wurden.
Wenn nun die Vorplanung oeffentlicher Arbeiten als vorbeugende
Massnahme gegen einen Rueckgang der Bauindustrie oder der gesamten
Industrie dienen soll, dann ist dies nur umso besser. Und nur
Wenige koennen genau voraussagen, was die Zukunft bringen wird.
Niemand sollte sich jedoch darauf festlegen,dass sich die wirtschaftlichen Verhaeltnlsse aendern muessen. Der fuer lange Zelt bestehende
Bedarf an oeffentlichen Arbeiten muss jedoch staendlg vor Augen gehalten werden.
Die Durchfuehrung oertlicher oeffentlicher Arbeiten ist so
dringlich, dass mit ernstlichen sozialen und wirtschaftlichen Schwierigkelten gerechnet werden muss, wenn nichts unternommen wird. Das
bedeutet nicht, dass Hals ueber. Kopf an die Arbelt gegangen werden
soll und alles, was erwuenscht und sogar benoetigt ist, gebaut werden soll.
Fuer eine Stadt, eine Provinz oder einen Staat ist es ebenso
vorsorglich und klug, ein bestimmtes Quantum an noch auszufahrenden
oeffentlichen Arbeiten fuer gewisse wirtschaftliche Situationen
in Reserve zu halten, wie es fuer den einzelnen ratsam ist, sein
Haus zu versichern.
Die Depression, der Krieg und die Nachkriegsjanre haben in
unmissverstaendlicher Weise gezeigt, dass die oertlichen Einheiten
einer Wirtschaft Immer mehr zu Bestandteilen eines in sich geschlossenen nationalen Systems werden. Die Zeit, als die oertlichen
Verwaltungen der Regierung sowohl In schlechten als auch in guten
Zeiten voellig unabhaenglg voneinander waren, ist laengst vorueber.
Das Bauwesen hat eine fuer die US-Wirtschaft und fuer die amerikanische Lebensweise unerlaessliche Funktion zu erfuellen.
"The Laborer"
V/50
ARBEITSMOEGLICHKEITEN UND UMSIEDLUNG
Zwei einflussreiche, internationale Organisationen haben in
den letzten Wochen angekuendigt, dass sie sich mit den Problemen
eingehend befassen werden, die sich aus der Umsiedlung von Arbeltern und •ueberzaehligen" Einwohnern ergeben, Im Anschluss an
eine vorlaeufige Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes, die
in Genf stattfand und sich mit Umsiedlungsfragen beschaeftigte,
gaben die Aussenminister der Vereinigten Staaten, Frankreichs und
Englands bekamt, dass sie Sachverstaendlge ernennen, die dieses
Problem studieren und mit den daran interessierten Regierungen
Verhandlungen aufnehmen sollen.
Die Aussenminister trafen sich erneut in London und erliessen
eine Deklaration zu der Frage der Aus- und Einwanderung. In dieser
Erklaerung wird die Ueberzeugung zum Asudruck gebracht, dass eine
- 9 -

�groessere Beweglichkeit der Bevoelkerung entscheidend zu der
Loesung des Problems der "ueberzaehligen" Bevoelkerung in einigen
westeuropaeisehen Staaten beitragen koennte. Dem Internationalen
Arbeitsamt, das gerade die vorlaeufige Konferenz ueber diese Fragen beendet und die Einberufung einer Vollkonferenz mit dem gleichen
Thema gefordert hatte, sowie den Vereinten Nationen und ihren Fachabteilungen und schliesslich der Organisation fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas wurden in dieser Erklaerung besondere
Anerkennung fuer ihre Bemuehungen und'ihre Arbeiten auf dem Gebiet
der Umsiedlung von Arbeitskraeften gezollt.
Die Aussenminlster forderten eine "allgemeine Ueberpruefung
der verschiedenen Arbeiten auf diesem Gebiet unter Beruecksichtigung moeglicher 2usaetzlicher Massnahmen, die noch ergriffen werden koennten." In der Deklaration heisst es weiter: H 2u diesem
Zwecke sind die Aussenminlster uebereIngekommen, Sachverstaendige
zu bestellen, die nach Beendigung der Londoner Konferenzen miteinander und mit den Sachverstaendigen anderer Laender, besonders
Italiens und Deutschlands, unter Berücksichtigung der Hauptinteressen dieser Laender über dieses Problem beraten sollen."
Delegierte der vorlaeufigen Umsiedlungskonferenz des Internationalen Arbeitsamtes in Genf hatten vor kurzem empfohlen, eine
formelle Konferenz ausgesprochener Aus- und Einwanderungslaender
einzuberufen und im besonderen jene einschraenkenden Bestimmungen
zur Sprache zu bringen, die die Umsiedlung ueberzaehliger Arbeitskraefte in Laendern, in denen ein Mangel an Arbeitskraeften
herrscht, verbietet oder behindert.
Australien kuendigte auf dieser Konferenz an, dass es beabsichtige, in den naechsten zehn Jahren zwei Millionen Einwanderer
aufzunehmen, von denen ein grosser Teil Europaeer sein koennte,
wenn die AuswanderungsSchwierigkeiten dort beseitigt wuerden. In
einer Ansprache, die der australische Minister fuer Einwanderung,
Harold Holt, in Canberra hielt, erklaerte er, dass sein Land
ernsthaft die Moeglichkeit in Erwaegung ziehe, die ueberzaehlige
Bevoelkerung in Italien und Deutschland in grossem Umfang aufzunehmen. Er wies darauf hin, dass sich Australien nach anderen
europaeischen Umsiedlern umsehen muesse, sobald die Verschleppten
Europas aufgenommen seien, wenn es seine Einwanderungsquoten beizubehalten wuensche.
Den Delegierten der 31 Nationen, die an der zweiwoechigen vorbereitenden Genfer Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes
teilnahmen, wurde berichtet, dass in Westdeutschland und Italien
allein ueber drei Millionen Menschen lebten, die fuer eine Auswanderung in Frage kaemen, wenn die damit verbundenen verwaltungstechnischen, finanziellen und sozialen Schwierigkeiten ueberwunden
werden koennen.
Die Delegierten hoerten noch einen Bericht, in dem der Vorschlag unterbreitet wird, dass das Internationale Arbeitsamt und
andere Organisationen der Vereinten Nationen den Mitgliedernationen eine groessere technische Unterstuetzung bei der Umsiedlung
zukommen lassen moechten. Die Regierungen der Ein- als auch der
Auswanderungslaender sollten Informationsprogramme aufstellen,
damit die Umsiedlung erleichtert werden kann, ebenso waere es erwuenscht, wenn die Regierungen den Umsiedlern, die sich auf dem
Wege in ihre neue Heimat befinden, aerztllche Betreuung und einige
andere Dienste zur Verfuegung stellen.
Frau Clara M. Beyer vom Arbeitsministerium, Irwin Tobin vom
Aussenministerium und Boris Shishkin, der Direktor der ECA-Abteilung fuer Arbeitsangelegenheiten in Europa., nahmen als Vertreter
der Vereinigten Staaten an dieser Konferenz teil.
Clara Beyer erklaerte vor den Delegierten des Internationalen
10 -

�Arbeitsamtes: "Nicht nur ueber d i e s e Z i e l e , sondern auch ueber
bestimmte Programme muss E i n i g k e i t e r z i e l t werden. Und es muss
dafuer gesorgt werden, dass a l l e BeSchluesse und Vereinbarungen
den B e d ü r f n i s s e n der Menschen angepasst werden, und dass d i e s e
dem A l l t a g im Leben von Millionen Menschen Rechnung tragen."
ECA Labor Information
V/26/50
ARBEITSMINISTER TOBIN ZUR ENTSCHEIDUNG DE3 OBERSTEN GERICHTSHOFES ZUM GESETZ FUER GERECHTE ARBEITSNORMEN.
•

"Die Entscheidung des obersten amerikanischen Gerichtshofes,
nach der das Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen auch auf Arbeitnehmer Jener Arbeitgeber anzuwenden ist, deren Unternehmen einen
AusSchreibungsvertrag (Kosten zuzueglich feste Gebuehren) mit der
Bundesregierung abgeschlossen haben, ist ein glaenzender Erfolg
sowohl fuer das private Unternehmertum als auch fuer die Arbeiter
und die Regierung.
"Waehrend des Krieges hielt sich die Regierung bewusst an
den Grundsatz, ihr umfassendes Programm zur Produktion an Kriegsmaterial soweit wie moeglich von privaten Unternehmern ausfuehren
zu lassen, um nicht von dem System des freien Unternehmertums abzuweichen. Der Gerichtshof ist der Auffassung, dass es zwar einfacher und billiger fuer die Regierung gewesen waere, wenn diese
Produktion unter s-taatlicher Aufsicht und als Eigentum der Regierung baette laufen koennen, dass aber damit das System des freien
Unternehmertums geschwaecht worden sei. Die USA haben sich auf
dieses System als die Grundbedingung fuer die allgemeine industrielle Ueberlegenheit verlassen, von der der endgueltige Sieg abhing."
Ich kann sagen, dass dieser Grundsatz und die festgelegten Arbeitsnormen in nicht geringem Masse zu dem bewunderungswuerdigen Funktionieren der Produktionsmaschinerie fuer Kriegsmaterialien beigetragen hat.
"Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes enthielt ausserdem eine Aufforderung an drei Ruestungsbetriebe der Kriegszeit,
die nach dem Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen faeilig gewordenen xrueckstaendlgen Loehne an ihre Arbeitnehmer zu zahlen, die
einen Prozess gegen sie angestrengt hatten. Es handelt sich um
die United States Patronen-Gesellschaft; Ford, Bakon and Davis
und die Lone Star Defense Company. Fuer alle, die an dem Erfolg
des Gesetzes fuer gerechte Arbeitsnormen interessiert sind, - und
es scheint heute kein Zweifel mehr darueber zu bestehen, dass dieses
Gesetz fuer das laufende Funktionieren des Privatunternehmensystems
von groesster Bedeutung ist, - duerfte diese Einstellung des Obersten
Gerichtshofes eine grosse Genugtuung bedeuten. Sie bestaetigt die
Auffassung des Arbeitsministeriums und anderer Dienstsstellen der
Regierung, die an der Frage der Kriegsmaterialproduktion interessiert
sind, dass die SiherStellung unserer grossen, sozialen Erfolge fuer
die Verteidigung unserer Nation ebenso wichtig ist wie die materielle Bewaffnung selbst.
Justice Burton erklaerte und gab damit der Meinung der Mehrheit des Gerichtes Ausdruck: "Dieses Gesetz wuerde seinen materiellen Zweck verfehlen, wenn es nicht die Erzeuger des riesigen Volumens an Kriegsmaterial umfasste. In den Jahren 1941 bis 1945
stellte die Munitionshersteilung eine Hauptbeschaeftigungsquelle
dar. Loehne und Arbeitszeit in dieser Industrie uebten einen massgeblichen Einfluss auf den Lebensstandard der amerikanischen Arbei-

11 -

�terschaft aus.H
"Das Gericht verkannte nicht die Tatsache, dass diese Einstellung einen finanziellen Verlust fuer die Regierung bedeuten koenne.
Auch massgebliche Persoenlichkeiten des Arbeitsministeriums sind
sich dessen bewusst. Kurz gesagt, die Regierung erwartet gar nicht,
fuer die Kosten zur Beibehaltung dieser Arbeitsnormen entschaedigt
zu werden. Die Einhaltung dieser Normen wurde von allen privaten
Unternehmern, aber auch jenen, die einen Ausschreibungsvertrag der
Regierung erfuellen, gefordert. Und die Arbeitgeber hielten sich
zum groessten Teil an die Vereinbarungen."
"Die Vermutung, dass hierdurch grosse finanzielle Verpflichtungen entstanden seien, ist nach allen Informationen und Unterlagen
stark uebertrleben. Die Schaetzung der Verpflichtungen wurde im
Jahre 1946 vor dem Inkrafttreten des "Fabrikeingang bis Arbeitsplatz" Gesetzes durchgefuehrt, das ausser der Begrenzung der Lohnforderungen auf zwei Jahre andere weitgehende Bestimmungen zum
Schutze der Unternehmer vorsieht. Tatsaechlich wurden weit ueber
100 Klagen bei den Gerichten, die die Forderungen Tausender von Arbeitnehmern enthielten, auf Grund dieser Schutzbestimmungen des "Fabrikeingang bis Arbeitsplatz" Gesetzes abgewiesen, da hier auch der
"gute Glauben" fehlte. Es gibt noch weitere Schutzbestimmungen gegen besondere Forderungen, wie zum Beispiel die staatlichen Statute
ueber Begrenzungen der Ansprueohe und den Mangel an Beweisen fuer
die Anwendbarkeit irgendwelcher Ausnahmeregeln."
"Man kann feststellen, dass in der Entscheidung des Obersten
Gerichtshofes keiner einzigen individuellen Forderung die Richtigkeit oder Gueltigkeit zugesprochen wird. Die Forderungen einzelner
Arbeitnehmer muessen in diesen und in anderen noch offenstehenden
Faellen immer noch gegen Schutzbestimmungen unterstuetzt werden."
"Es ist von besonderer Bedeutung, dass ein Unternehmer, der
Vertragspartner der Regierung ist, nicht mehr bezahlen muss, als
von jedem anderen Privatunternehmer gefordert wird. Und die Tatsache, dass die Regierung Vertraege geschlossen hat, um die Kosten der
Forderungen zu zahlen, ist kaum ein zu rechtfertigender Grund, gerechten Forderungen nicht stattzugeben."
US Arbeitsministerium
V/12/50
INTERNATIONALER VERBAND DER VEREINIGUNGEN FU£R ARBEIT ERBILDUNG
Der Internationale Verband der Vereinigungen fuer Arbeiterbildung (IWA) hielt seine Generalkonferenz im Gebaeude der UNESCO in
Paris ab. Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften war durch
seinen Sachbearbeiter fuer Arbeiterbildungsfragen vertreten, der
ebenfalls zu der Konferenz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften eingeladen war, die das Thema "Plaene zur Entwicklung der
Arbeiterbildung".behandelte.
Der I W A ist ein Verband unabhaengiger Organisationen, die
sich der Arbeiterbildung widmen. Seine Gruendung ist auf die Initiative der britischen Arbeiterbildungsvereinigung im Jahre 1943
zurueckzufuehren. Nach einer vorlaeufigen Konferenz im Jahre 1945
wurde die Organisation 1947 endgueltig gegruendet. Mitglied des
Verbandes koennen die Arbeiterbildungsorganisationen der verschiedenen Laender werden, wobei jedoch normalerweise nur eine einzige
Organisation jedes Landes zugelassen wird. Das Ziel des I W A ist,
"das gegenseitige Verstaendnis und die Zusammenarbeit durch Sommerschulen, Konferenzen, Austausch von Literatur und Informationen zu
foerdern." Er soll weiterhin "die Interessen der Arbeiterbildung in
- 12 -

�der UNESCO und dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
vertreten." Austausch von Studenten und Lehrern und die Schaffung von Schulungsmoeglichkeiten fuer Arbeiterstudenten gehoeren
zu den wichtigsten Funktionen des IWA.
Vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist die Feststellung interessant, dass die Arbeiterbildungsvereinigungen
Belgiens, Daenemarks, Norwegens, Schwedens und der Schweiz, die
alle Mitglieder des I W A sind, die Arbeiterbildungsorgane der
Gewerkschaftsbewegungen dieser Laender sind. Weitere Mitgliedsorganisationen des IWA sind die Vereinigungen fuer Arbeiterbildung in Irland, Finnland und Italien, die zwar einen gewissen
Kontakt mit den Gewerkschaftsbewegungen haben, aber dennoch nicht
deren offizielle Vertretungen sind.
Die Britische Arbeiterbildung svereinigung als eine der einflussreichsten Mitglieds Organisationen gehoert der britischen Gewerkschaftsbewegung an, sie
findet aber auch darüberhinaus den Zuspruch einer betraechtlichen
Anzahl Studenten der mittleren
Klasse. (Die andere bedeutende
britische Arbeiterbildungsorganisation, der Nationalvorstand der
Arbeiterschulen, ist nicht dem I W A angeschlossen, sie gehoert
aber ebenfalls der britischen Gewerkschaftsbewegung *n.) Die
Referate fuer Arbeiterbildung in den nationalen Gewerkschaftsorganisationen Frankreichs (Ferce Ouvriere), Luxemburgs und Hollands
sind dagegen Mitgliedorganisationen des IWA. Sogenannte "assoziierte" Mitglieder sind die BildungsOrganisationen in Kanada,
Neu- Sued-Wales, Neuseeland, Suedafrika (Transvaal), Tasmanien,
Afrika (Goldkueste), eine Organisation in Indien ("Rajendra Vidyapith") sowie der Amerikanische Arbeiterbildungsdienst und das
Arbeiterbildungsbuero der AFL.
Die Lage in Oesterreich und Deutschland muss hinsichtlich .
der Bildung von Arbeiterbildungsorganisationen noch geklaert werden.
Bis Jetzt ist in diesen Laendern eine gewisse Abneigung der Gewerkschaften festzustellen, mit anderen Ausbildungsinstitutionen in
Verbindung zu treten, zumal diese in einigen Faellen alles andere
als fortschrittlich sind. Beobachter aus beiden Laendern nahmen
jedoch an der Konferenz teil.
Der Sachbearbeiter fuer Bildungsfragen des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften erklaerte in seiner Ansprache an die
Konferenz, dass der Internationale Bund Freier Gewerkschaften gern
mit diesen Arbeiterbildungsvereinigungen zusammenarbeiten wolle,
vorausgesetzt, dass sie von ihren nationalen Gewerkschaftsbewegungen
anerkannt werden. Der IWA, sagte er, sei in erster Linie ein
Verband der Arbeiterbildungsvereinigungen Jener Laender, die ein
gut entwickeltes Bildungssystem besaasen. Arbeiterbildungsvereinigungen stehen im Dienste der Gewerkschaften und sind in einigen
Laendern die einzigen Einrichtungen, die eine Ausbildung und Erziehung ermoeglichen« Die meisten dieser Institute dienen jedoch
auch den uebrlgen Schichten des Volkes und finden in manchen Faellen
sogar mehr Zuspruch seitens der Buergertums als der Arbeiterschaft.
Die Art und Weise, in der man das Erwachsenen- und Arbeiterbildung sproblem zu loesen versucht, ist ueberall verschieden: Die
Organisationen des IWA sehen zum Beispiel in einer engen Zusammenarbeit mit den Unlversitaeten den besten Weg. Andere Organisationen
lehnen diesen Weg grundsaetzllch ab. Der Internationale Bund Freier
Gewerkschaften will in diesen Fragen kein Urteil faellen, er wird
sich vielmehr mit den Anschauungen seiner Mitgliedsorganisationen
einverstanden erklaeren muessen, und diese koennen und werden von
Land zu Land verschieden sein. Eine Gewerkschaftsinternationale
muss in solchen Angelegenheiten vorsichtig sein und wird sich nicht
- 13 -

�ausschliesslich zu einem der beiden Systeme bekennen koennen. Der
Internationale Bund Freier Gewerkschaften wird alles tun, was man
von ihm verlangt, und was in seiner Macht steht, soweit es sich um
die Unterstuetzung der Bildungsarbeit in bestimmten Laendern oder
um irgendwelche gemeinsame Arbeitsmassnahmen handelt. Er wird
sich mit besonderem Interesse der Unterstuetzung rueckstaendiger
Gebiete widmen, und er erwartet von seinen Mitgliedern in traditionell fortgeschrittenen Laendern, dass sie anderen,weniger
gluecklichen nationalen GewerkschaftsOrganisationen dadurch helfen,
indem sie ihnen eigene Kenntnisse und Erfahrungen zur Verfuegung
stellen. ,
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften, fuhr der Sprecher
fort, befuerchte nicht, dass seine Arbeit den Interessen des IWA,
oder umgekehrt, zum Nachteil sei. Es muesse noch derart viel auf
dem Gebiet der Arbeiterbildung getan werden, dass die doppelte
Durchführung bestimmter Taetigkeiten, wie z.B. auf dem Gebiet der
Sommerschulen, praktisch nur bedeuten wuerde, dass einige Moeglichkeiten mehr vorhanden sind, tienn jedoch die Gefahr bestehe, dass
sich Arbeiten ueberschneiden, dann bleibe immer noch die Moeglichkeit der freundschaftlichen Aussprache, die sicherlich zu fruchtbarer Zusammenarbeit fuehren wuerde. Der Vertreter des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften schloss mit der Erklaenung,
dass die Gewerkschaften eine eigene Arbeiterbildungsarbeit durchfuehren muesse, um die Gewerkschafter mit jenen Kenntnissen aus*statten zu koennen, die sie in ihren verschiedenen Funktionen
dringend benoetigen. Sie seien Jedoch zu gleicher Zeit fuer die
Arbeit dankbar, die andere Organisationen, wie zum Beispiel die
ArbeiterbildungsVereinigungen, leisteten.
Die UNESCO war auf dieser Konferenz durch eine starke Delegation vertreten, der auch ihr Generaldirektor angehoerte, der einige
Worte an die Konferenz richtete. Der Sachbearbeiter fuer Fragen
wechselseitiger Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen, Jules Dekock,
sprach ueber das Thema "UNESCO und der'Mann auf der Strasse'." Es
waere weiterhin zu erwaehnen, dass Lionel Elvin, der ehemalige Leiter des Ruskin-College in Oxford, gerade zum Leiter der Abteilung
fuer Erziehung in der UNESCO ernannt ist. Die UNESCO war von dem
Praesidenten des I W A scharf kritisiert worden, weil sie "der Dringlichkeit der Probleme, vor die die ganze Welt gestellt sei, fast
teilnahmslos gegenueberstehe," und weil "sie von der Gewerkschaftsbewegung getrennt zu sein scheine und ihr Programm nicht den Beifall
der Arbeiter gefunden habe." Man war sich im allgemeinen ueber die
Notwendigkeit einer Organisation wie der UNESCO einig, aber ebenso
einig war man sich darueber, dass es hoechste Zeit sei, von den
Moeglichkeiten und Mitteln der UNESCO mehr als bisher zur Foerderung jener Bildungsprogramme Gebrauch zu machen, an denen die Arbeiter tatsaechlich interessiert sind. Es kann gesagt werden, dass
die Angestellten der UNESCO diese Auffassung teilten und die Delegierten aufforderten, ihren Einfluss in ihren Heimatlaendern dahingehend geltend zu machen, dass ihre Vertreter in der UNESCO diesen
Grundsaetzen gemaess handelten.
Earnest Green und Harry Nutt von der britischen Arbeiterbildungsvereinigung wurden einstimmig zum Praesidenten und Sekretaer
des Verbandes wiedergewaehlt. Die uebrigen Mitglieder des Exekutivausschusses sind Oluf Bertolt (Daenemark), H. Neumann (Schweiz)
und Frau Denyse Wurmser (Frankreich).
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
VI/1/50
- 14 -

�PERONS ANTWORT AN DEN INTERNAT IPNALEN BUND FREIER GEWERKSCHAFTEN
Man wird sich erinnern, dass der Notfallausschuss des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften auf einer seiner letzten Konferenzen eine Resolution ueber Argentinien angenommen hatte. Die
EntSchliessung protestierte gegen die Verfolgung argentinischer Arbeiter, die Unterdrückung der Gewerkschaften, den InhaftierungsbefeJbl gegen den Gewerkschaftsfuehrer Candldo Gregorlo und schliesslich gegen die Restriktionen, die das Peron-Reglme der unabhaenglgen
und demokratischen Presse auferlegt hat.
Im Anschluss an diesen Beschluss des Notfallausschusses uebersandte J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften, der argentinischen Regierung den Text
dieser Resolution.
Die Peron-Reglerung, die zwar die elementarsten demokratischen
Grundsaetze missachtet, aber dafuer In gesellschaftlichen Formen
äusserst bewandert Ist, - hat sich dazu herabgelassen, dem Generalsekretaer zu antworten. Die Antwort kam von dem Ministerium fuer
"Auswaertige Angelegenheiten und Religion."
In der Antwortnote versucht Anselmo Malvicini, der Leiter der
Abteilung fuer Internationale Gewerkschaftsorganisation in diesem
Ministerium, dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften eine
Anstandslehre zu erteilen, indem er die Feststellung trifft, dass
diese Organisation die elementarsten Regeln der Hoeflichkeit nicht
kenne.
Oldenbroeks Brief an die argentinische Regierung war nicht unhoeflich. Er war lediglich bestimmt und streng. Um gegen die gewalttaetigen Methoden der Peron-Reglerung zu protestleren, mit der
sie argentinische Arbeiter und die freien Gewerkschaften behandelt,
hielt der Internationale Bund Freier Gewerkschaften es natuerlich
nicht fuer angebracht, sich literarischer Redekuenste und Feinheit
ten zu bedienen.
Ausser diesen Bemerkungen wird in der Antwort der Peron-Reglerung all das bestritten, was die ganze Welt nur zu gut weiss: Der
diktatorische Charakter des Regimes. In dem Schreiben besteht man
auf der Behauptung, dass in Argentinien die Gewerkschaften frei bestehen koennten. Die Wahrheit ist Jedoch, dass die Gewerkschaftsorganisationen, die nicht der "Arbeitsfront" Perons angehoeren, verfolgt werden, und dass sich ihre Fuehrer augenblicklich im Exil In
Uruguay, Chile und anderen demokratischen Laendern Lateinamerikas
befinden. Malvicini bezeichnet den vor kurzem an Carlos'Antonio
Aguirre In Tucuman veruebten Mord als eine "Polizeiaktion." Auch
versucht er, die gegen die unabhaengige Presse ergriffenen Massnahmen durch mildernde und fadenscheinige Argumente zu rechtfertigen^
So waren zum Beispiel die staedtischen Behöerden, von Buenos Aires
der Ansicht, dass das Gebaeude einer in der Opposition stehenden
Zeitung den sanitaeren Anforderungen nicht genuege und das sichere
Funktionieren des Betriebes in Frage stelle
Eine andere
Zeitung, helsst es in dem Schreiben weiter, wurde verboten und des
"Verrats an der Nation" beschuldigt, weil sie versaeumt hatte, die
fuer diesen Tag angeordnete Schlagzeile "Das Jahr des Befreiers General San Martin" drucken zu lassen.
Candldo Gregorlo, der Fuehrer der Gewerkschaftsbewegung Argentiniens, lebt heute im Exil, nachdem er an der ersten Konferenz des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in London teilgenommen
hatte. Malvicini versichert allen Ernstes, dass "dieser Buerger
auf argentinischem Boden leben koenne." Es soll nicht abgestritten
werden, dass Gregorlo in Argentinien leben koennte, wenn er den Ent15 -

�schluss fasste, dorthin zurueckzukehren. Leben die politischen Gefangenen in der Lubianka, dem NKWD-Gefaengnis in Moskau, nicht auch
auf russischem Boden? Ebenso kann nicht bestritten werden, dass
jene Spanier, die sich auf Grund ihrer Franco-feindlichen Einstellung im Gefaengnis befinden, auch in Spanien leben. Die Freundlichkeit muss anerkannt werden, die der Sprecher Perons an den Tag legte, als er Gregorio einlud, in sein Land zurueckzukehren .......
Trotz der "guten Absichten" Malvicinis bleibt jedoch der Eindruck bestehen, dass Gregorio im Augenblick den argentinischen Arbeitern einen groesseren Dienst erweist, wenn er in Uruguay bleibt,
anstatt in sein Heimatland zurueckzukehren.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
V/3/50
- 16 -

Office of Labor Affairs, HICOG
APO 757

BICOO 1 - 1 2 4 9 L A B laXj

OFFICIAL

60 1 § 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder,
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 19

Frankfurt, 14. Juli 1950
I N H A L T S

V E R Z E I C H N I S

Keine gewerkschaftliche Freiheit in Spanien - Lohnentwicklungen in Schweden
- - - - - - - Zwangsarbeit in Rumaenien als legal erklaert Pensionsvertraege fuer Tausende amerikanischer
Arbeiter abgeschlossen - - - - - - - - - - AFL fuer funktionelle Einheit mit C I O - - - - U.S. Senat fuer Verbesserung der Sozialversicherung - - - - - - - - - - - - - - - - - Betrachtungen zum "Wohlfahrtsstaat" - - - - - Samuel Gompers Werk - - - - - - - - - - - - - - 1
Das Arbeitslosenproblem wird in Amerika nicht
vernachlaessigt
- - - - - - - - - - - - - - 1
Spendet fuer den Kampf gegen arbeiterfeindliche
Senatoren.' - - - - - - - - - - - - - - - - - 1

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KEINE GEWERKSCHAFTLICHE FREIHEIT IN SPANIEN
In einem Schreiben an die Mitglieder der vom Internationalen
Arbeitsamt gegruendeten Internationalen Kommission fuer Gewerkschaftliche Freiheit weist die Exilgewerkschaft Spanischer Arbeiter darauf hin, dass es seit dem Maerz 1939, der endgueltigen
Machtergreifung der Franco-Diktatur, in Spanien keine gewerkschaftliche Freiheit mehr gibt.
In Franco-Spanien existieren keine freien Arbeiterorganisationen. 4uf der anderen Seite hat der Staat sogenannte "vertikale
Gewerkschaften" geschaffen, denen alle Arbeitnehmer und Arbeitgeber
eines bestimmten Industriezweiges angehoeren muessen. So besagt
zum Beispiel ein Erlass der Regierung fuer die Bauindustrie vom
29. September 1948: "Die Mitgliedschaft ist fuer alle Personen
Pflicht, die von den nationalen Arbeitsbestimmungen fuer das Baugewerbe betroffen werden."
Loehne, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen werden in allen
Industriezweigen von den Behoerden festgelegt, ohne dass die Arbeiter hierzu ihre freie Meinung aeussern koennen. In dem Schreiben
- 1 -

�wurde ein bestimmtes Unternehmen erwaehnt, dessen Arbeitsbestimmungen besagen, dass jeder Beschaeftigte mit dem Verlust des Verdienstes zweier Arbeitstage bestraft wird, wenn er sich durch
"Pfeifen, Summen oder Singen eines Vergehens schuldig macht, selbst
wenn der Wortlaut des Liedes die Moral oder die Religion, den
Staat, die Staatsoberhaeupter oder die Vorgesetzten im Betrieb
nicht angreift." In der Tat sind die spanischen Arbeiter gezwungen, ihre Arbeitskraft irgendjemandem zu verkaufen, der sie dafuer
bezahlen will, ohne dass sie irgendwelche eigenen Rechte haben.
Allen in Franco-Spanien gueltigen Arbeitsbestimmungen liegen diese
Prinzipien zugrunde.
Die offizielle Darlegung der Punktionen dieser "vertikalen
Gewerkschaften" geschieht wie folgt: "Die Idee des totalitaeren
Staates setzt voraus, dass alle Arbeiter in Jedem Sektor der Produktion vom obersten Leiter eines Betriebes bis zum juengsten Lehrling Mitglied der entsprechenden Gewerkschaft sein muessen. Diese
Idee, die dem Einzelnen keine freie Wahl zu lassen scheint, ist
ebenso gerechtfertigt, wie die Militeerdienstpflicht aller gesunden Buerger in einer einzigen nationalen Armee.**
Das Schreiben an die Internationale Kommission fuer Gewerkschaftliche Freiheit schliesst mit dem Aufruf an die zivilisierte
Welt, die Tatsache anzuerkennen und zu verkuenden, dass es in Spanien keine gewerkschaftliche Freiheit gibt und das diktatorische
Falangistenregime deshalb als eine Gefahr fuer die Freiheit und
eine Bedrohung des Friedens angeprangert werden muss.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
VI/14/50
LOHNENTWICKLUNGEN IN SCHWEDEN
Der dominierende Faktor des schwedischen Arbeitsmarktes war
waehrend der vergangenen Jahre ein deutlicher Mangel an Arbeitskraeften und zwar besonders an gelernten Arbeitskraeften. Die Arbeitslosigkeit, die vor dem Kriege etwa 9 bis 10$ der arbeitenden
Bevoelkerung erreichte, hat im vorigen Jahre mit 2,6% einen neuen
Rekordtiefstand erreicht.
Auf Grund des allgemeinen Grundsatzes der Gewerkschaften, Tarif vertraege zu verlaengern, sind keine Kollektiverhoehungen der
Grundloehne vorgenommen worden. Das Gesamteinkommen je Stunde
stieg trotzdem im vorigen Jahre um 3.5% an, was auf die Eigeninitiative zurueckzufuehren ist, eine bei Vollbeschaeftigung normale Begleiterscheinung.
Gemessen am Realeinkommen steht sich der maennliche schwedische Industriearbeiter heute um 25% besser als im Jahre 1945. Die
entsprechende Verbesserung betraegt fuer weibliche Industriearbeiter
35%, fuer Verkaufspersonal 20%, fuer Staatsangestellte, wie z.B.
Eisenbahner, Angestellte der Post etc. 11% und fuer hoehere Beamte
9%.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
V/3/50
ZWANGSARBEIT IN RUMAENIEN ALS LEGAL ERKLAERT
Premierminister Groza unterbreitete der rumaenischen Nationalversammlung eine neue Gesetzesvorlage ueber Arbeitsdisziplin. Diese
- 2-

�Vorlage sieht fuer besondere Vergehen gegen die Arbeitsdisziplin
Zwangsarbeit vor.
Der Vorsitzende des "Gewerkschaftsbundes", Apostol, bezeichnete dieses Gesetz als den Grundstein fuer den Sozialismus in Rumaenien. Dabei enthaelt das Gesetz die Bestimmung, dass die Arbeit nach genau festgesetzten Normen verrichtet werden muss, die
nur von der Regierung abgeaendert werden koennen. Alle Arbeiter,
die diese Normen nicht erreiohen, erhalten nur fuer die geleistete
Teilarbeit ihren Lohn.
Angestellte sind fuer alle Verluste und Sohaeden verantwortlich, die sie verursachen. Maenner und Frauen erhalten gleiohe
Loehne fuer die gleiohe Arbeit. Bei einem freien Tag in jeder
Woohe betraegt die Arbeitszeit in der Tagschicht acht Stunden und
in der Nachtschicht sieben Stunden. In der Gesetzesvorlage ist
ein Streikrecht nicht vorgesehen.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
VI/14/50
PENSIONSVERTRAEGE FUER TAUSENDE AMERIKANISCHER ARBEITER ABGESCHLOSSEN
Durch den Abschluss von Vertraegen zwischen zwei Gewerkschaften und fuenf Unternehmungen erhalten mehrere Tausend Hitglieder
des CIO Anspruch auf Pensionen.
Allein durch den Vertrag der Textilarbeitergewerkschaft mit
drei grossen Teppichfabriken (Bigelow Sanford, Thompsonville (Connecticut) und Amsterdam im Staate New York; Alexander Smith &amp; Sons,
Yonkers (New York); und A. M. Karagheusian, I n e , Freehold und
Roselle (New Jersey) werden fuenfzehntausend Arbeiter pensionsberechtigt.
Im Prinzip war die Gewerkschaft sich schon seit Monaten mit
den Gesellschaften einig geworden, ein formelles Abkommen wurde jedoch erst jetzt geschlossen.
Auoh durch die Vertraege zwischen der Gewerkschaft der Vereinigten Gummiarbeiter und der Republio Rubber Company in Youngstown,
Ohio, und der Dunlop Rubber Company in Buffalo (New York) erhalten
mehrere Tausend Arbeiter Anspruch auf Pensionen.
Nach den Bestimmungen der Vertraege, die die Textilarbeitergewerkschaft abschloss, werden die Unternehmer am 1. Januar 1951 mit
der Zahlung der Pensionen beginnen. Die Unterstuetzungssaetze der
Sozialversicherung werden von den Unternehmern auf 100 Dollar monatlich ergaenzt werden, und zwar fuer alle Arbeiter, die mit 65 Jahren
freiwillig in den Ruhestand treten und 30 Jahre lang in dem Unternehmen taetig waren.
Die Unternehmer uebernehmen saemtliche Versicherungskosten.
Bis zum Alter von 72 Jahren kann kein Arbeiter gezwungen werden,
sioh pensionieren zu lassen. Der Unternehmer kann jedoch einen Arbeiter mit 68 Jahren pensionieren, wenn die Gewerkschaft hierzu
ihre Zustimmung gibt.
Die Vertraege sehen vor, dass den Arbeitern die gesamte Zeit,
waehrend der sie gearbeitet haben, ohne Beruecksichtigung der Unterbrechungen als Dienstzeit angerechnet wird. Die Gewerkschaft erhaelt bei der Verwaltung des Pensionsprogramms Stimmrecht, in
Streitfaellen ist eine schiedsrichterliche Entscheidung vorgesehen.
- 3

�Nach den Bestimmungen des Dunlop-Vertrages, der, von dem Vorsitzenden der Gummiarbeitergewerkschaft, L. S. Buckmaster, als
"eines der grosszuegigsten Versloherungs- und Wohlfahrtsprogramme, die Je zustandekamen," bezeichnet wird, erhaelt Jeder Arbeiter mit 25 Dienstjahren, wenn er mit 65 Jahren pensioniert wird,
von dem Unternehmer eine monatliche Pension von 100 Dollar, einschliesslich der Unterstuetzungen aus der staatlichen Sozialversicherung.
Der Vertrag enthaelt eine besondere Klausel fuer die Pensionierung vor dem 65. Lebensjahr. Danaoh wird einem 60 Jahre alten
Arbeiter mit 15 Dienstjahren bis zu seinem 65. Lebensjahre eine
Mindestpension von 50 Dollar im Monat gezahlt. Sobald er das
65. Lebensjahr erreioht hat, steht ihm die normale Pension zu.
Fuer den Fall, dass die Unterstuetzungssaetze der staatlichen Sozialversicherung erhoeht würden, erklaerte Buckmaster, .
werden die Pensionen um die Haelfte des von der Regierung gezahlten Zuschusses erhoeht werden.
Die Unternehmer haben sich bereit erklaert, Lebensversicherungen fuer die Arbeiter abzuschliessen, deren Saetze sich mit
den DienstJahren erhoehten und auch nach der Pensionierung weiterlaufen.
Fuer jeden neueingestellten Arbeitnehmer betraegt die Versicherungssumme 1000 Dollar, nach drei DienstJahren erhoeht sich
dieser Betrag auf 2000 und nach 6 Dienstjahren auf 4000 Dollar.
Buckmaster sagte, dass dieses Pensionsprogramm von einem
Treuhaenderrat verwaltet wird, dem Vertreter der Unternehmer und
der Gewerkschaft angehoeren.
Das Versloherungs- und Wohlfahrtsabkommen bleibt fuenf Jahre
in Kraft.
Der Vertrag mit der Republic Rubber Company enthaelt Bestimmungen, naoh denen Arbeitnehmer mit 15 Dienstjahren im Alter von
65 Jahren unter gewissen Bedingungen in den Ruhestand treten koennen. Der Zusohuss des Unternehmers zu der staatlichen Altersversorgung ist so hoch, dass der Arbeiter 100 Dollar im Monat zur
Verfuegung hat. Wie in dem Dunlop-Vertrag heisst es auch in diesem Abkommen, dass bei einer Erhoehung der staatlichen Sozialversicherung die von dem Unternehmer gewaehrten Pensionen um die
Haelfte dieses Mehrbetrages heraufgesetzt werden.
Ein Arbeiter, der naoh 15 Dienstjahren in den Ruhestand tritt,
erhaelt auch hier eine monatliche Pension von 50 Dollar. Dieser
Betrag erhoeht sioh fuer jedes zusaetzliche DienstJahr um einen
Dollar. Die Mindestpension von 50 Dollar mit dem Ein-Dollar-Zusohlag fuer Jedes geleistete Diejistjahr ueber 15 Jahre hinaus wird
auoh fuer alle jene Arbeiter gewaehrt, die arbeitsunfaehig sind
und in den Ruhestand treten muessen.
Naoh dem Vertrag ist das Unternehmen verpflichtet, Unfallund Invalidenversicherungen in Hoehe von 1000 Dollar fuer ihre Arbeitnehmer abzuschliessen. Bei Krankheit und Unfall werden dem
Arbeiter 13 Wochen lang woechentlich Unterstuetzungen in Hoehe von
25 Dollar gezahlt, fuer die ärztliche Behandlung werden ihm bis
zu 200 Dollar verguetet. Fuer 70 Tage Krankenhausaufenthalt erhaelt er bis zu 9 Dollar je Tag zuzueglioh eineirHoeohstbeträges von
90 Dollar fuer besondere Ausgaben, wie Operationen usw.
- 4 -

�Eine andere Klausel des Vertrags sieht vor, dass Abkehrgelder bei Kuendigungen seitens des Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers gezahlt werden. Sie betragen nach fuenf DienstJahren einen
Wochenlohn, bei mehr als zehn DienstJahren fuer Jedes weitere
Jahr 1 1/2 Wochenloehne und fuer jedes Dienstjahr nach dem 20.
Jahr zwei Wochenloehne.
The CIO News
VI/12/50
AFL FUER FUNKTIONELLE EINHEIT MIT CIO
Der Ezekutivausschuss des amerikanischen Gewerksohaftsbundes
(AFL), der in Philadelphia zusammentrat, teilte dem CIO mit, dass
die AFL bereit sei, "aehnlich wie der CIO ein Komitee zu bilden,
dessen Aufgabe die baldige und erfolgreiche Verwirklichung des
Einheitsgedankens auf einer dauerhaften und sioheren Grundlage
sein soll."
In einem vom Vorsitzenden der AFL William Green unterzeichneten Sohreiben an den Vorsitzenden des CIO, Philip Murray, erklaert der Ezekutivausschuss, die Vorstandsmitglieder der AFL seien "nicht nur an einer versuchsweisen oder kooperativen Einheit,
sondern an einer dauernden und organischen Versohmelzung"interessiert. Der CIO-Vorsitzende hatte der organisierten Arbeiterschaft
vorgeschlagen, ein Vorstandskomitee zu bilden, dessen Aufgabe die
Verwirklichung der "funktionellen" Einheit sein soll.
Diese Mitteilung an den CIO, dass die AFL sohon immer bereit
sei, sich um eine wirkliche Einheit ernstlich zu bemuehen, folgte
die Ernennung eines Dreier-Komitees, das mit dem von dem CIO gebildeten Komitee Besprechungen aufnehmen soll. Zu Vertretern der
AFL wurden ernannt: die Vizevorsitzenden Daniel J. Tobin, Vorsitzender der Internationalen Gewerkschaft der Fahrer, Charles J.
MacGowan, Vorsitzenden der Internationalen Gewerkschaft der Kesselschmiede, und Daniel W. Traoy, Vorsitzender der Internationalen
Gewerkschaft der Elektroarbeiter.
Auf der Konferenz in Philadelphia, die gleichzeitig mit der
Industrieausstellung der Gewerkschaften abgehalten wurde, ist
eine Reihe wichtiger Beschluesse gefasst worden.
Natuerlioh bildete das Taft-Hartley Gesetz einen der wichtigsten Diskussionspunkte des Ezekutivausschusses. Es wurde beraten,
wie dieses ungerechte Gesetz so sohnell wie moeglich rueckgaengig
gemacht werden koenne. Das Ergebnis der Besprechungen war, dass
dieses Ziel nur zu erreichen sei, wenn im November nicht nooh mehr
Taft-Hartley-freundliche Abgeordnete in den Senat und das Repraesentantenhaus gewaehlt werden, sondern diese durch Gegner ersetzt
werden muessen.
Ein weiterer Beschluss sieht vor, ein Komitee des Ezekutivlussohusses zu bilden, das die verschiedenen Pensionsplaene studieren soll. William Green berief in dieses Komitee den Finanzsekretaer
George Meany, den Vizevorsitzenden George M. Harrison, den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Eisenbahnbueroangesteilten, und Vizevorsitzenden Matthew Woll, den Vorsitzenden der Abteilung fuer gewerkschaftlich gefoerderte Gewerbe.
Der Ezekutivausschuss ist durch das Ansteigen der Erwerbslosigkeit in einigen Gegenden beunruhigt, er fordert deshalb die Ausweitung der amerikanischen Wirtschaft, um allen Arbeitswilligen
eine Beschaeftigung geben zu koennen. Der Aussohuss wies darauf
- 5-

�hin, dass die vielbesprochenen 60 Millionen Arbeitsplaetze, die
man sich zum Ziel gesetzt hatte, nicht mehr ausreichten, da sich
die Zahl der Arbeitsuchenden in jedem Jahre vermehre.
Der Exekutivausschuss besohloss ausserdem, jede einzelstaatliche und jede internationale Gewerkschaft anzuweisen, ab sofort
einen Beitrag von 10 Cents Je Mitglied an den Erziehungsfonds der
Gewerkschaftlichen Vereinigung fuer Politische Erziehung zu entrichten. In den kommenden Monaten wird noch intensiver um eine
freiwillige Zwei-Dollar-Spende der Gewerkschaftsmitglieder fuer
einen Fonds geworben werden, mit dem eine politische Kampagne
dieser Vereinigung finanziert werden soll.
n

The American Federt-tionist"
Offizielle Monatszeitschrift
der AFL, Vi/50
U.S. SENAT FUER VERBESSERUNG DER SOZIALVERSICHERUNG
Mit einer ueberwaeltigenden Mehrheit von 81 gegen 2 Stimmen
hat der Senat eine Gesetzesvorlage gebilligt, die die Erweiterung
des Kreises der Anspruchsberechtigten fuer die Sozialversicherung
und deren Unterstuetzungseinrichtungen vorsieht.
Durch diese Massnahmen werden die Unterstuetzungen fuer
2.900.00p pensionierte Arbeiter verdoppelt und etwa 10 Millionen
Menschen neu in das Sozialversicherungsprogramm einbezogen. Die
Verhandlungen dauerten eine Woche und fanden nur wenig Widerspruch.
Die Unterschiede zwischen dieser Vorlage und der des Repräsentantenhauses, die Ende vorigen Jahres bewilligt wurde, muessen in einer
gemeinsamen Konferenz des Senats und des Repraesentantenhauses ausgeglichen werden.
Die wichtigsten Punkte der Gesetzesvorlage sind folgende:
1. Die Sozialversicherung wird auf weitere 10 Millionen Personen ausgedehnt, von denen etwa die Haelfte selbstaendige Arbeiter
sind.
2. Die Unterstuetzungssaetze werden bei einem Hoechstbetrag
von 80 Dollar ungefaehr verdoppelt.
3. Die Lohnlistensteuer, die in Hoehe von 1 1/2% des zu versteuernden Betrages sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Arbeitnehmer erhoben wird, bleibt bis 1956 unveraendert. Dann wird sie auf
2%, im Jahre 1960 auf 2 1/2%, 1965 auf 3% und im Jahre 1970 schliesslich auf S 1/4% erhoeht werden.
4. Der selbstaendige Arbeiter zahlt um 50% hoehere Versicherungsbeitraege als der Arbeitnehmer, weil hier kein Arbeitgeberbeitrag entrichtet wird. Die Unterstuetzungssaetze fuer selbstaendige
Arbeiter sind jedoch die gleichen wie fuer andere Unterstuetzungsberechi.igte.
i

5. 2in Versicherter hat Anspruch auf Unterstuetzung, wenn er
laenger als die Haelfte aller Vierteljahre seit dem 1. Januar 1950
der Versicherung angehoert. Er muss jedoch mindestens sechs Vierteljahre Vers icherungsbeitraege gezahlt haben. Dadurch sollen aeltere Leute schneller in den Genuss der Unterstuetzung kommen, die
oeffentlichen Fuersorgekosten koennen dadurch gekuerzt werden.
6. Die Zuschuesse des Bundesstaates an die einzelnen Staaten,
die eine zusaetzliche Altersversorgung und eine Unterstuetzung be- 6-

�duerftiger Kinder und Blinder ermoeglichen, sollen erhoeht werden.
Weekly Labor News Digest
Statistisches Buero des US Arbeitsamtes
VI/El/50
Ralph Wright, stellvertretender US-Arbeitsminister:
BETRACHTUNGEN ZUM "WOHLFAHRTSSTAAT*
Immer wieder gefaellt es einigen Leuten, gegen das "Uebel" des
sogenannten "Wohlfahrtsstaates" Front zu machen. Dieses imaglnaere
Uebel, das Monstrum dieser Zeit, gegen das bestimmte Leute so laut
schimpfen und Alarm schlagen, muss deshalb einmal etwas naeher untersucht werden.
Es war keine Rede von einemnWohlfahrtsstaat"und niemand sohlug
Alarm, als die Regierung Millionen aufwendete, um den Bau der Eisenbahnlinien quer durch den amerikanischen Kontinent zu unterstuetzen. Kein Unternehmer tobte ueber den "Wohlfahrtsstaat" und
niemand hielt es fuer ein Uebel in Amerika, als die Regierung den
amerikanischen Schiffsbau mit hohen Schenkungen unterstuetzte, um
Schiffahrtslinien in die Lage zu versetzen, jeder auslaendischen
Konkurrenz gewachsen zu sein. Oder wurde von einem "Wohlfahrtsstaat" gesprochen, als die Regierung die zivile Luftfahrt mit hohen Summen finanzieren half? Wird ein "Wohlfahrtsstaat" verwirklicht, wenn die US-Regierung heute Zeitungen und Zeitschriften auf
indirektem Wege unterstuetzt?
Zu keiner Zeit haben sich die Zeitungen oder die Sprecher des
Kapitals ueber die Grosszuegigkeit der Regierung beschwert, wenn das
Grosskapital der direkte Nutzniesser dieser Grosszuegigkeit war.
Diese Beispiele sind nicht deshalb hier angefuehrt, weil der
Regierung ein Vorwurf gemacht werden soll, dass sie Unternehmer
unterstuetzt, die um Hilfe bitten. Auffaeilig bleibt jedoch, dass
jene reaktionaeren Kritiker des sogenannten "Wohlfahrtsstaates"
diese Tatsachen niemals erwaehnen. Kuenstlich geschuerte Aufregung
entsteht immer nur dann, wenn die Regierung irgendetwas unternimmt,
um dem Durohschnittsbuerger zu helfen - in diesen Augenblicken ergibt sich bei den Kritikern ein uebersteigerter Blutdruck.
Die Entwicklung des "Wohlfahrtsstaates," an dem so viel Kritik
geuebt wird, kann in den Vereinigten Staaten bis zu der Depression
des Jahres 1929 zurueckverfolgt werden. Die mehr und mehr veraltenden Theorien ueber die Beziehungen der Regierung zu Privatunternehmen erhielten damals besondere Bedeutung. Schliesslich kann
irgendjemand naoh unzaehligen Hin- und Hergereden auf den Gedanken,
die Verfassung der Vereinigten Staaten naeher zu untersuchen, und
er stellte in der Praeambel und wiederum in Artikel 1, Absatz 9,
fest, dass eines der Ziele der freien und demokratischen Regierung,
wie es die Verfassungsvaeter niedergelegt haben, die Foerderung der '
allgemeinen Wohlfahrt ist.
In jenen Tagen der Depression existierte eine Regierung, die
unter dem starken Einfluss des Grosskapitals stand. Es war deshalb
nur allzu natuerlich, dass diese "allgemeine Wohlfahrt" entsprechend den Wuenschen und Beduerfnissen dieses Kapitals "gefoerdert"
werden sollte. Das erste Werk der Gesetzgebung Jener Zeit zur Eegruendung einer "allgemeinen Wohlfehrt" war das Gesetz zur Errichtung einer Wiederaufbaufinanzierungsgesellschaft. Die republikanische Regierung erklaerte damals, als dieses Gesetz erlassen wurde:
"Die Regierung wird nicht untaetig bleiben und zusehen, wie die
- 7

�Untaetigkeit der Unternehmer dem Volke schadet. Wenn die Privatunternehmerschaft nicht in der Lage ist, die Wirtschaft in Gang
zu halten, dann muss die Regierung versuchen, sie durch Finanzkredite an bestimmte Unternehmungszweige wieder in Gang zu bringen."
Die politische Opposition jener Zeit nahm zu diesem Problem
eine durchaus konstruktive Haltung ein. Dieser "Wohlfahrtsstaat"
zugunsten der Unternehmer wurde von der demokratischen Opposition
keineswegs verdonnert. Sie dehnte diese Gedanken vielmehr auf
das ganze Volk aus, als sie im Jahre 1933 das Ruder in die Hand
nahm. Damit verlieh sie dem bisherigen Knochengeruest eines
"Wohlfahrtsstaates" wirkliche Gestalt und Form.
So schufen Praesident Roosevelts Neuer Plan und Praesident
Trumans Fairer Plan diesen verhassten "Wohlfahrtsstaat." Dieser
furchtbare "Wohlfahrtsstaat," dessen Gesetzgebung das Rahmengebilde
des Neuen Plans und des Fairen Plans darstellt, hat Massnahmen fuer
die folgenden Punkte getroffen:
Soziale Sicherheit
Arbeitslosenversicherung
Spareinlagenversicherung
Mindestlohngesetzgebung
Gesetzgebung zur Foerderung des Wohnungsbaus und Beseitigung
der Elendsviertel
Verbot der Kinderarbeit
Freies Tarifverhandlungswesen
Preissubventionen fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse
Bodenverbesserungsarbeiten
Versorgung laendlioher Gebiete mit Strom und Fernsprechern
Landwirtschaftliche Forschung
Guenstige Kredite an Landwirte zur Vergroesserung der Farmen
Regulierung des Aktienmarktes
Fluss- und Talsperrenausbauten
Erforschung der Herz-, Krebs- und Gemuetskrankheiten
und viele andere Massnahmen, die dem amerikanischen Volk schon sehr
nuetzlich geworden sind.
Diese Gesetzgebung hob den Lebensstandard und verbesserte zugleich die sozialen und wirtschaftlichen Verhaeltnisse in einem Grads, wie es nie zuvor der Fall gewesen ist.
Das Niveau des Umsatzes wurde weit ueber alles bisher Dagewesene hinaus gesteigert. Die Gesamtproduktion wurde von 55,8 Milliarden Dollar im Jahre 1933 auf 257,8 Milliarden im Jahre 1949 gesteigert. Im ersten Vierteljahr 1950 lag sie bei 263,9 Milliarden Dollar. Das Einkommen des amerikanischen Volkes hat einen Rekordstand
erreicht, die Vermoegen der Banken und Versicherungen sind groesser
als je zuvor. Die Geschaeftseinnahmen brechen alle bisherigen Rekorde.
All dies wurde erreicht, ohne dass die persoenliche Freiheit
in Mitleidenschaft gezogen worden waere. Ja, die Freiheit ist sogar noch staerker fundiert als bisher, Millionen und Abermillionen
Amerikaner kennen weder Not noch Hunger und Furcht. Die freien
Vereinigungen der Industriearbeiter, der Farmer und der Unternehmer
gewinnen staendig an Staerke. Das Erziehungswesen und der allgemeine Gesundheitszustand des Volkes sind besser geworden, aber auch
der Gesundheitszustand in der Industrie ist ausgezeichnet. Die
Jugendlich«nproblerne gehen ihrer Loesung entgegen. Es war ein langer Weg, der seit 1933 zurueckgelegt wurde. Mit dem Taft-Hartley
Gesetz ist jedoch ein Rueckschlag eingetreten, dieses Gesetz wird
jedoch wieder beseitigt werden.
8 -

�V

"Aber," so sagt die reaktionaere Kritik, "die Politik des
Fairen Plans stellt eine Einmischung in Unternehmer-Angelegenheiten dar."
Dabei i3t es sehr interessant, einmal zu. erfahren, was eine
ausgesprochen kapitalfreundliche
Zeitung Zur Lage sagt. Am 12. Mai
hiess es in den "U.S. News,1* einem durch und durch gegen Truman eingestellten Magazin: "Die Unternehnerkreiöe geben es zwar nioht
gern zu, aber die Geschaefte gehen zum groessten Teil sehr gut.
Die Automobilproduktion brioht alle bisherigen Rekorde. Ebenso die
Stahlgewinnung." Die Bautaetigkeit hat ihren hoechsten Stand in der
Geschichte erreicht und ist noch im Steigen begriffen."
Einige Wochen zuvor hiess es in der gleichen Zeitschrift:
"Die amerikanischen Geschaeftsunternehmen, als ganzes betrachtet, sohwimmen im Geld. Nie zuvor war die finanzielle Lage des amerikanischen Unternehmertums eine so starke."
Vor einiger Zeit berichteten die Zeitungen des Landes, dass
die Bankvermoegen die nie dagewesene Hoehe von 180 Milliarden Dollar
zu Beginn dieses Jahres erreicht haetten.
"Schoen und gut," geben die Industriebarone zu, "aber wir verlieren dabei unsere Freiheit." Welche Freiheit?
Etwa die Freiheit des Qrosskapitals, die Macht lediglich
der Macht willen auszuueben?

um

Oder die Freiheit, alle Kredite und Wucherzinssaetze ohne jede
Einschraenkung kontrollieren zu koennen?
Oder meinen sie die Freiheit, eine Wirtschaft gaenzlich in ihrer Hand zu haben, ein paar Millionen zur Erwerbslosigkeit zu verdammen, die Gewerkschaften machtlos und die Arbeiter untertaenig
werden zu lassen?
Eine Freiheit, die hilflose Arbeiter zum Unterschreiben von
"Kuli"vertraegen und zur Arbeit fuer Hundeloehne zwingt?
Etwa die Freiheit, Kinder in "Knochenmuehlen" 12 und 14 Stunden taeglich arbeiten zu lassen?
Denken sie an die Freiheit, Werkpolizei und Rowdies, Werkspione und "ausgehaltene" Richter zu engagieren und Telefongespraeche
zu ueberwachen?
Die Freiheit, keine Zuschuesse zur Sozialversicherung, zur Arbeitslosenversicherung und zur Arbeiterunfallversicherung zu zahlen?
Die Freiheit, die Grossbanken so arbeiten zu lassen, dass das
Volk regelmaessig seine Ersparnisse verlieren muss und die Aktienboersen durch Spekulationen so zu steuern, dass der Kleinaktionaer
systematisch und erbarmungslos ausgepluendert wird?
Halten sie jene Form der Freiheit fuer die beste, einen Kongress zu haben, der nur diesen wenigen Grosskapitalisten gegenueber
verantwortlich ist?
Kurz gesagt, hier wird jene Freiheit ersehnt, das Privatunternehmersystem restlos nach den Wuenschen des Grosskapitals zu dirigieren und der grossen Masse den Weg nach oben zu versperren.
9 -

�Einige engstirnige und habgierige Kraefte in den Vereinigten
Staaten koennen nicht verstehen, dass es ausser den Geschaeftsleuten auch Arbeitern und Bauern gut gehen muss, es kann nicht nur
einer in Wohlstand leben.
Was sagen die Kritiker nun zu den besonderen Bestimmungen,
die zur Wohlfahrt des Volkes in den letzten 17 Jahren erlassen wurden? Unbelehrbare Reaktionaere sagten natuerlich, wenn eine dieser
Bestimmungen in Vorschlag gebracht wurde, jedesmal voraus, dass die
Folgen furchtbare sein wuerden. Ihre Vorgaenger aus der Kolonialzeit hatten schon damals hohe Loehne mit der Begruendung abgelehnt,
dass diese nur "die Traegheit des Menschen" foerderten und zugleich
"fuer das Laster in Schenken, Gastwirtschaften und anderen suendhaften Einrichtungen Zeit gewonnen wuerde." Mit aehnlichen Argumenten widersetzten sich spaeter reaktionaere Kraefte der Einfuehrung des Zehn-Stunden-Tages. Ein Gelehrter unserer Tage berichtet
darusber folgendes:
"Der Vorschlag, den Zehn-Stunden-Tag einzufuehren," erklaerte
eine Zeitung im Jahre 1835, "trifft die Industrie und zugleich
die echte Moral an ihren Lebensadern, wenn die Arbeitszeit gesetzlich geregelt werden soll .... Wenn ein Arbeiter mehrere
der nuetzlichsten Stunden des Morgens und des Abends untaetig
bleibt, so fuehrt dies bestimmt zur Unmaessigkeit und zum Ruin."
In einer im "Boston Courier" veroeffentlichten Erklaerung einer Gruppe Kaufleute und Reeder wird betont, dass die Gemeinschaft durch jegliche Verkuerzung des Arbeitstages schwere
Verluste erleiden muesse, man beklagt sich zugleich ueber die
Folgen, die eine Duldung der Untaetigkeit zwangslaeufig mit sich
bringen muss. Der wirkliche Grund fuer die Ablehnung der kuerzeren Arbeitszeit war natuerlich die Befuerchtung, dass die
Geschaeftsgewinne dadurch geschmaelert würden. Aber immer,
wenn irgendeine Aenderung des "von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang" Arbeits-Systems vorgenommen werden sollte, erklaerte
die konservative Opposition, dass sie den Aenderungsvorschlag
deshalb ablehne, weil sie um die Moral der Arbeiter besorgt
sei."
In aehnlicher Weise kaempften vor mehr als 100 Jahren die Industriebarone gegen die Errichtung freier oeffentlicher Schulen.
Die modernen Reaktionaere, die den Kampf gegen die fortschrittliche Gesetzgebung jetzt verloren haben, bedienen sich,genau so wie
frueher, noch weiter der Abschreckmethode, um jeden neuen Fortschritt
zu verhindern. "Wir schaffen einen Wohlfahrtsstaat," sagen sie.
Aber was meinen sie damit? Sind sie gegen eine kuerzere Arbeitszeit, weil sie fuerchten, dass der amerikanische Arbeiter dadurch
noch mehr Zeit zum Trinken haben wird? Sind sie gegen einen Mindestlohn? Wuenschen sie, die Sozialversicherung, die Arbeitslosenversicherung, die Spareinlagenversicherung und die Mindestlohngesetzgebung oder die uebrigen Massnahmen des Neuen Planes und des Fairen
Planes zu beseitigen, die fuer das Volk so ungeheuer wertvoll sind?
Welche Einrichtungen des "Wohlfahrtsstaates" moechten sie eigentlich
verschwinden lassen?
Die Gegner sind
sprechen staendig in
ueber. Und trotzdem
Fairen Plan, den sie
get mit voller Wucht

in ihren Aeusserungen sehr vorsichtig. Sie
nichtssagenden und ausweichenden Worten hierfuehren sie einen erbitterten Kampf gegen den
abschlachten wollen, indem sie dem Staatsbudtiefe und verborgene Wunden schlagen.

Ist man sich dessen bewusst, dass zwei Drittel - genau gesagt,
71# - des fuer 1951 vorgeschlagenen Budgets Kriegs- und Verteidigungs10 -

�kosten decken sollen? Natuerlich hat das Volk nichts dagegen, wenn
die Kosten der vergangenen Kriege bezahlt werden und versucht wird,
unser Land gegen neuerliche Angriffe in Zukunft zu schuetzen. Heute
werden 71$ des Budgets hierfuer verwendet.
Wenn also Leute von ungeheuren Einsparungen sprechen und grosse Kuerzungen des Staatsbudgets befuerworten, dann muessen sie auch
im einzelnen angeben, was sie kuerzen wollen, wieviel sie sparen
wollen, wann, wie und warum sie diese Kuerzungen durchfuehren wollen.
Die verbesserte Sozialversicherungsgesetzgebung, die Gesetze
zur Festlegung der Mindestloehne, die Krankenversicherung und alle
anderen Errungenschaften der Politik des Neuen Planes und des Fairen Planes werden heute mit dem Geschrei ueber die falsche Sparsamkeit und dem scheinheiligen Geschrei ueber den "Wohlfahrtsstaat" bekaempft.
Worin bestehen denn nun eigentlich die Suenden einer demokratischen Regierung, die aufrichtig um das Wohl des Volkes besorgt
ist? Richtet sie sich nicht staendlg nach dem bewaehrten Motto des
Praesidenten Lincolns, in dem es helsst: "Regierung des Volkes, Regierung durch das Volk und Regierung fuer das Volk?"
Diejenigen, die sich heute gegen den "Wohlfahrtsstaat" scharf
ins Zeug legen, behaupten einfach, das Volk verloere seine Freiheit.
Ist es noch niemandem aufgefallen, dass gerade jene Schreier, die
den groessten Laerm ueber den "Wohlfahrtsstaat" schlagen, die
schlankwegs erklaeren, der "Wohlfahrtsstaat" raube jedem die persoenliche Freiheit, genau die gleichen Leutohen sind, die durch
das Taft-Hartley-Gesetz den Gewerkschaften ihre Freiheit raubten?
Jeder Buerger X oder Ypsilon, der eine Rente von der Sozialversicherung bezieht, hat deshalb nicht mehr oder nicht weniger Freiheit al3 andere. Wenn seine Taschen leer waeren, waere er dann etwa
freier gewesen?
Die gleiche Frage muss all denen gestellt werden, die Vorteile
durch die Bestimmungen des Gesetzes ueber Mindestloehne haben. Oder
Jenen, die vielleicht einmal Gelegenheit hatten, Unterstuetzungen
aus der Erwerbslosen- oder Unfallversicherung zu beziehen.
Ist eine Familie - Erwachsene und Kinder zugleich - freier oder
ist sie es nicht, wenn sie ueber genuegend Geld verfuegt, um Lebensmittel, Kinderschuhe und andere Notwendigkeiten einzukaufen?
Das amerikanische Volk laesst sich nicht zum Narren halten. Es
verlangt diese Programme der Wohlfahrtsgesetzgebung, die ihm dienen
und helfen. Es wuenscht eine angemessene Sozialversicherung, ebenso
die Arbeitslosenversicherung, eine Unterstuetzung der Landwirtschaft
und freies Tarifverhandlungswesen. Es fordert, dass die Regierung
sich fuer die Befriedigung der Beduerfnisse und Bestrebungen einsetzt
und dafuer verantwortlich gemacht wird. Das amerikanische Volk
laesst sich nicht durch Schreck- und Drohworte einschuechtern. Es
geht seinen Wog des Fortschritts unbeirrt weiter.
Praesident Trumen unterstuetzt die Forderungen des Volkes, er
vertraut dem Volk und seinen politischen und wirtschaftlichen Einrichtungen. Er weiss, dass die Nation nur so stark wie das Volk
sein kann. Er kaempft mit zaehem Eifer, unerschuetterlichem Mut
und echter Tuechtigkeit fuer eine Politik, die dem Wohl des Volkes
dient. Sein Werk ist der Foerderung der allgemeinen Wohlfahrt gewidmet.
Die Opposition gegen eine solche Politik ist nicht neu. Sie
geht bis auf die ersten Anfaenge der Geschichte zurueck.
- 11 -

�Kurz und klar zusammengefasst, heisst diese Frage: Soll die
politische und wirtschaftliche Einstellung den Wueaschen und Interessen des Volkes angepasst werden, oder soll die Politik sich nach
den Wuenschen der Grosskapitalisten und einiger anderer "hoeherer
Intellektueller" richten?
US Arbeitsministerium
VI/15/50
D. G. Garland, Organisator der AFL in den Suedstaaten:
SAMUEL GOMPERS WERK
Was liegt naeher, als in diesem Jahre den 100. Geburtstag Samuel Gompers, dießes beruehmten Apostels und Gruenders des grossen
Amerikanischen Öewerkschaftsbundes (APD zu ehren? Kein Geschichtswerk ueber die Vereinigten Staaten und ueber den Werdegang der Gewerkschaften waere vollstaendig, wenn nicht ein Bericht ueber Leben
und Werk Samuel Gompers und seine hervorragenden Leistungen fuer
die Sache der Gewerkschaften in ihnen enthalten waere.
Wer ist
listigen und
gehoert auch
nen, die man

dieser Mann, den wir ehren? Es ist keiner jener
schlauen Politiker, die man Staatsmaenner nennt. Er
nicht zu Jenen Figuren mit prunkvollen und teuren KroKoenige nennt. Nein, nichts von alledem.

Der Mann, dessen Andenken in diesem Jahre geehrt wird, ist
der vornehme, menschliche Samuel Gompers, der die ersten Schlaege
gegen Uneinigkeit und Vorurteil, Unwissenheit, Zank und Streit in
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung fuehrte.
Seine Welt war gross und maechtig. Sein Blick war allein auf
die Beduerfnisse des arbeitenden Volkes gerichtet. Sein Leben war
rein, seine Ziele erhaben, seine Kenntnisse umfassend und gruendlich und seine Erfolge gross.
Wir ehren ihn, weil er der Gruender und erste Praesident des
Amerikanischen Gewerkschaftsbundes (AFL) war. Er adelte die Organisation des arbeitenden Volkes. Samuel Gompers trug mehr als je
ein anderer zum wirklichen Fortschritt, zur Wohlfahrt und zum
Glueck der arbeitenden Menschen bei. Wir.ehren ihn, weil er die
7/uerde des arbeitenden Menschen anerkannte, weil er jeden Ichgedanken beiseiteschob und fuer andere arbeitete, und weil er ein erhabenes Vermaechtnis des Ruhmes fuer jedes arbeitende menschliche
Wesen hinterliess.
Samuel Gompers schrieb einst:
w

Es ist leichter, nach den Sternen emporzublicken, wenn Euer
Magen nicht leer ist."
Niemand kann grosse Erfolge erzielen oder gluecklich sein, wenn
sein Magen leer, die Bioessen des Rueckens unbedeckt, der Kopf ungeschuetzt ist und seine Taschen voellig leer sind. Dieser Mensch
koennte auch niemals ein idealer amerikanischer Buerger sein.
Nicht ein einziges Mal strauchelte Samuel Gompers auf seinem
Wege des Fortschritts, den er im Dienste der Arbeiterschaft beschritt. Er verlor niemals das Ziel aus dem Auge, das er sich gesteckt hatte. Er schmiedete seine Plaene, er wusste genau, was getan werden musste und ging mit eiserner Entschlossenheit an die
Verwirklichung seiner Plaene. In ueberzeugender Weise appellierte
er an den gesunden Menschenverstand der Arbeiter. Tagsueber schien
er ihnen einer Wolke aehnlich zu sein und nachts einer Feuersaeule,
die den Weg zu Freiheit, Ehre und Ruhm wies.
- 12 -

�Unter dem ehrwuerdigen Banner des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes (AFL) und unter der Fuehrung seines Gruenders und ersten
Praesidenten und seiner tapferen und selbstlosen Kampfgefaehrten,
die ihm folgten, rangen sich die Arbeiter zur Freiheit durch.
Dieser grosse Kaempfer fuer das Wohl der Menschheit und fuer
die Befreiung aus der Unternehmerknechtschaft siegte ohne Panzer
und Kanonen, er arbeitete ohne Beifall und litt, ohne bemitleidet
zu werden. Die Arbeiterschaft schuldet ihm Dank fuer die wirtschaftliche und gewerkschaftliche Freiheit, die sie heute geniesst.
Alle Energie seiner grossen Seele setzte er fuer die Erhaltung des
Freiheitsgeistes ein. Jahr auf Jahr klangen seine tapferen, gesunden und ueberzeugenden Worte durchs Land. Ueberdruessige und muede
gewordene Arbeiter lasen seine aufmunternden Worte, die sie wieder
aufruettelten.
"Was will die Arbeiterschaft? Sie wuenscht die Erde und ihre
Schaetze. Es gibt nichts, was zu erhaben, zu wertvoll, zu schoen
oder zu edel waere, als dass es nicht im Bereich der Wuensche und
Bestrebungen der Arbeiterschaft liegen koenne. V/ir wuenschen mehr
Sohulhaeuser, jedoch weniger Gefaengnisse, mehr Buecher und weniger
Maschinengewehre, mehr Lerneifer und weniger Laster, mehr Freizeit
und weniger Geldgier, mehr Gerechtigkeit und weniger Hass. Wir
wuenschen mehr von all diesen Guetern, um unsere bessere Natur
pflegen zu koennen, damit die Maenner edler, die Frauen schoener
und die Kinder gluecklicher und freudvoller seien."
In jener verhaengnisvollen Nacht des 13. Dezember 1924 verschied der groesste Geist, der aus der amerikanischen Arbeiterschaft
hervorgegangen war. Sein Geist sollte nicht mehr fuer die arbeitende Menschheit denken, fuer immer war Samuel Gompers friedlich
eingeschlafen. Ein unermesslicher Verlust fuer die arbeitende
Mensohheit der Welt bedeutete sein Tod, aber sein Name und sein
Werk werden die Jahrhunderte ueberdauern.
Dieser Held, dieser Apostel, dieser Erzvater der Arbeiterschaft
starb fuer die Freiheit der Arbeiter. Er lebte und starb fuer alle.
Und obwohl er die Grenze ueberschritten hat, ueber die niemand wieder zurueckkehrt, wird sein adelnder Einfluss doch niemals zu bestehen aufhoeren. Sein Licht leuchtet so hell wie immer, und die gesamte Arbeiterschaft verehrt Samuel Gompers, der einmal sagte: "Es
i3t leichter, zu den Sternen emporzublicken, wenn Euer Magen nicht
leer ist."
"Schreibe Deinen Namen in den Sand, und die Wellen werden ihn
ausloeschen. Schnitze ihn in eine starke Eiche, und der Blitz
wird sie zerschmettern. Meissle ihn tief in Marmor, er wird zerbroeckeln. Wenn Dein Name Jedoch unvergaenglich sein soll, dann
schreibe ihn durch bescheidene Taten der Liebe und Entsagung in
die Herzen der Menschen, wie Samuel Gompers es tat."
Schwer haengt die Schoepfung in tiefer Nacht
Licht bricht herein, das Leben erwacht
Graeser spriessen und Blumen und Baeume
Sterne erstrahlen, das Meer wogt Schaeume
Wunder auf Wunder, die Schoepfung erschafft
Samuel Gompers, als Sinnbild des Waltens,
Kaempfer der Arbeit, Ursprung der Kraft.
Samuel Gompers war der Gottheit groesster Arbeitergeneral.
The American Federationist
Offizielles monatliches Magazin
der AFL, VI/50

- 13 -

�Paul Porter:
DAS ARBEITSLOSENPROBLEM WIRD IN AMERIKA NICHT VERNACHLAESSIGT
Amerika sieht wie alle anderen Laender in der Arbeitslosigkeit ein Uebel und ist deshalb bemueht, es zu verhindern.
Dies erklaerte Paul R. Porter, der Chef der Mission fuer
wirtschaftliche Zusammenarbeit in Griechenland, der zugleich Mitglied der amerikanischen Delegation auf der Konferenz des Europaeischen Wirtschaftsausschusses der Vereinten Nationen in Genf
war. Vor diesem AusschU3S nahm er zu der Haltung Amerikas zum
Arbeitslosenproblem Stellung und widerlegte dabei die sowjetischen
Vorwuerfe, dass in den Laendern des Westens und besonders in Amerika die Arbeitslosigkeit entweder unbeachtet bliebe oder sogar befuerwortet wuerde.
Paul Porter, der ebenfalls Chef der Marshall-Plan-Mission fuer
Griechenland ist, erinnerte den Europaeischen Wirtschaftsausschuss
der Vereinten Nationen an die schweren Depressionstage, die Amerika
zu Anfang der Dreissiger Jahre zu ueberwinden hatte. Das amerikanische Volk setzt sich mit aller Energie dafuer ein, dass ein solches Elend sich nicht wiederholt, sagte er, denn es ist sich voellig dessen bewusst, was Arbeitslosigkeit bedeutet.
Die Amerikaner bekennen sich zum Prinzip der wirtschaftlichen
Planung, sie ist eine der Hauptwaffen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. "Wir im Amerika von heute zoegern nicht; die wirtschaftliche Planung als ein Mittel zur Erweiterung und zur Erhaltung eines
hohen und stabilen Beschaeftigungsstandes anzuwenden und oeffentliche Investierungen und die Kreditpolitik so zu lenken, dass sie
diesen hohen Stand unterstuetzen."
Ausserdem sind die Amerikaner der Auffassung, dass der Arbeiter, der den hoechsten Grad persoenlicher Freiheit besitzt, zugleich
der erfolgreichste und leistungsfaehlgste Arbeiter ist und auch
dadurch am besten in der Lage ist, sich eine angemessene und lohnende Beschaeftigung zu sichern. Dieser Glaube an die persoenliche
Freiheit ist die andere entscheidende Waffe Amerikas im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit.
In einer freien Gesellschaft, fuehrte Porter weiterhin aus,
steht es den Arbeitern frei, sich in beliebigen Gewerkschaften zusammenzuschliessen und mit den Unternehmern Aber beliebige Forderungen zu verhandeln und, wenn noetig, zu streiken. "Diese Freiheit der amerikanischen Arbeiter hat zu dem hohen Lohnstand gefuehrt, und dieses hohe Lohnniveau ist ein staendiger Ansporn fuer
den amerikanischen Unternehmer, die Produktionsleistung seines
Betriebes zu verbessern, die Arbeiter anzuregen, ihm bei der Steigerung der Produktionsleistung zu helfen und mit geringerer koerperlioher Anstrengung mehr zu produzieren. Dieser Druck, den die
Politik des hohen Lohnes ausuebt, muss eine staendige Erweiterung
unserer Wirtschaft zur Folge haben.
Den amerikanischen Arbeitern stuende es ausserdem frei, jederzeit zu kuendigen und sich nach einem besseren Arbeitsplatz umzusehen. Der Arbeiter benoetigt keine Erlaubnis der Regierung, der
r
olizei oder einer sonstigen Behoerde, wenn er auf der Suche nach
besseren Moeglichkeiten seinen Wohnsitz von einer Stadt in die
andere oder von einem Staat zum andern verlegen will. Dadurch wird
ein hoeheres Beschaeftigungsniveau gesichert, denn wenn die Bedingungen an der einen Stelle unguenstig werden, fuehlen sich die Arbeiter
nicht an diesen Ort gebunden.
- 14 -

�Sine dritte Freiheit besteht fuer den amerikanischen Arbeiter
darin, dass er durch gruendliches Selbststudium vorwaertskommen
und eine bessere Stellung uebernehmen kann. Trotz gegenteiliger
Behauptungen der Sowjets hat diese Freiheit Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der amerikanischen Gesellschaft geschaffen, wodurch
eine scharfe Spaltung des amerikanischen Volkes in Klassen vermieden werden konnte. In einer Klassengesellschaft dagegen kann kein
Mensch erwarten, aus einer Klasse in die andere zu gelangen. Diese
Freiheit hat zu einem staendigen Aufstieg der Maenner in den Betrieben in die Reihen des Unternehmertums und in den oeffentlichen
Dienst gefuehrt.
Amerika hat keinen Grund, selbstzufrieden zu sein, oder etwa
zu glauben, das Arbeitslosenproblem geloest zu haben. Mit der Unters tuetzung der Mehrzahl des Volkes befindet es sich jedoch auf
des richtigen Weg und hat seit den dunklen Tagen der dreissiger
Jahre grosse Erfolge erzielt. Wir beschaeftigen heute in den Vereinigten Staaten 60 Millionen Mensohen. Der Prozentsatz an verborgener oder unsichtbarer Arbeitslosigkeit ist jedoch voellig unbedeutend. Es koennen aber noch mehr Beschaeftigungsmoeglichkeiten
geschaffen werden, wenn wir an der Politik der klugen wirtschaftlichen Planung und des Schutzes der persoenlichen Freiheit festhalten.
Auf die Arbeitslosigkeit in Westdeutschland eingehend erklaerte Paul Porter, dass die Besatzungsmaechte an diesem Problem hoechst
interessiert seien. Ein Grund hierfuer sei zumindest der grosse
Zustrom an Fluechtlingen aus Osteuropa, deren Zahl in einem einzigen Monat 30.000 und mehr betragen habe.
Wenn die Verhaeltnisse fuer den Arbeiter in Osteuropa wirklich
so zufriedenstellend sind, warum stehen dann die Grenzen der Tschechoslowakei und Ungarns unter starker polizeilicher Bewachung und
sind mit Stacheldrahtverhauen verbarrikadiert? Soll dadurch vielleicht ein Zustrom von Arbeitslosen aus dem Westen verhindert werden? Oder sollen dadurch nicht vielmehr Menschen ausserhalb oder
innerhalb der Grenzen gehalten werden?
Wir erkennen an, dass die Laender Osteuropas ernstlich bemueht
sind, ihre Menschen von der Not zu befreien. Wir billigen diese Bemuehungen. Wir wuenschen ihnen Erfolg. Aber ich denke, dass wir
alt der Frage der Arbeitslosigkeit Frobleme beruehren, die ueber
die Arbeitslosigkeit als solche hineusgehen. Die Sehnsucht nach der
Befreiung von Not und Elend ist nur einer der vielen Wuensche in
d9n Herzen der Menschen. Paul Porter wandte sich jetzt direkt an
die Delegierten der sowjetischen Satellitenstaaten und erklaerte:
"Ich noechte Ihre Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Befreiung
von Furcht lenken."
"Beschaeftigung allein ist keine Loesung; sie stellt nur ein
Mittel dar,nur ein Mittel der persoenlichen wirtschaftlichen Sicherheit; menschliche Wuerde, Selbstachtung und Freiheit fuer jeden einzelnen sind die wirklichen Ziele der Vereinigten Staaten.
Es gibt 30 viele Dinge, die die Menschen aller Laender gemeinsam
erstreben, dass diese gemeinsamen Ziele uns in unseren Bemuehungen
vereinigen sollten. Sie sollten nicht dazu benutzt werden, sich
gegenseitig zu beschuldigen und die Arbeit anderer herabzusetzen."
Arbeitsmitteilungen der ECA
VI/6/50
SPENDET FUER DEN KAMFF GEGEN ARBEITERFEINDLICHE SENATOREN.»
Die Politische Abteilung der Eisenbahnergewerkschaft setzt sich
dafuer ein, dass konservative Senatoren, wie "Bob" Taft und Senator
- 15 -

�Donnell aus Missouri,nicht wieder in den Kongress gewaehlt werden.
An ihre Stelle sollen wirklich fortschrittlich gesinnte Senatoren
treten.'
Zu diesem Zweck benoetigt die Gewerkschaft Geld.
Sie bittet deshalb ihre Mitglieder, einen oder zwei Dollar zu
spenden und auf ihrer naechsten oertliehen Gewerkschaftsversammlung den "Hut herumgehen zu lassen." Wenn dies nicht moeglich ist,
soll unter den Arbeitskollegen eine Sammlung veranstaltet werden.
"Die Spenden sind natuerlich freiwillig," heisst es in dem
Aufruf der Gewerkschaft," aber wir wissen, dass jeder daran beteiligt sein moechte, wenn die Feinde der Arbeiterschaft geschlagen
werden muessen. Spendet deshalb einen oder zwei Dollar."
Labor
VII/1/50
- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

OFFICIAL

HICOO R-1297 L t B Julj 50 1) C

�</text>
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ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gehrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 20

F r a n k f u r t , 2 1 . J u l i 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Truman:

Gewerkschaften fuehrend im Kampf um

Freiheit

1

AFL k r i t i s i e r t Adenauers Aeusserungen

- - - -

2

Das Problem der k l e i n e n Einkoiamen - - - - - Amerikanische Gewerkschaften warnen vor arbeiterfeindlicher Propaganda - - - - - - - - -

3
5

Das internationale freie Gewerkschaftswesen
erzielt Fortschritte - - - - - - - - - - -

8

Arbeiterfeindliche amerikanische Zeitschrift
verherrlicht Streikbruch

- - - - - - - - -

Schuman-Plan-Komitee des IBFG

- - - - - - - -

10
12

Die Geschichte der Stahlarbeitergswerkschaft
Amerikas ist mit Lettern in Blut geschrieben 13

TRUMAN;

GEWERKSCHAFTEN FUEHREND IM KAMP? UM FREIHEIT

Einer Rede Praesident Trumans auf dem Jahreskongress der Amerikanischen Zeitungspersonalgewerkschaft in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten entnehmen wir einige interessante Ausführungen.
Der Praesident zollte allen Zweigen der Gewerkschaftsbewegung
seine besondere Anerkennung fuer die Arbeit, die zur Foerderung des
Gewerksohaf tsgedankens auf der ganzen V/elt geleistet worden ist.
"In zahlreichen Laendern waren die schaffenden Maenner und Frauen der intensiven Propaganda und den Infiltrationsversuchen der kommunistischen Agitation ausgesetzt. Unsere freien Gewerkschaften
sind besser als irgendeine andere Organisation in der Lage, dem
kleinen Yann wirksam vor Augen zu fuehren, dass die Kommunisten nicht

�um seine Wohlfahrt besorgt sind, sondern ihn zur Verfolgung der
imperialistischen Ziele einer aggressiven Fremdmaoht missbrauchen
moeohten."
"Unsere Gewerkschaften koennen den Arbeitern anderer Laender
am besten zeigen, dass der demokratische und nicht der kommunistische Weg zur wirklichen wirtschaftlichen Gesundung fuehrt."
Truman erklaerte weiter, dass sich die Kommunisten die verheerenden wirtschaftlichen Verhaeltnisse, die in vielen Teilen der
Welt herrschten, zunutze machten. Eines der Kampfmittel gegen den
Kommunismus muss deshalb die Hebung des Lebensstandards in diesen
Gebieten sein.
"Wo die Hammer-und-Sichel-Leute mit inneren Gewaltakten und
bewaffneter Aggression vorgehen, wie zum Beispiel in Korea, muesse
dem Volk, das entschlossen sei, seine ünabhaengigkeit zu verteidigen, jede nur moegliche Hilfe gewaehrt werden."
"Es genuege nicht, Aggressionen nur abzuwehren, Amerika muss
mit allen Regierungen, die das ehrliche Bestreben haben, das Los
ihres Volkes zu bessern, zusammenarbeiten.n
Truman erklaerte, dass durch das Punkt-Vier-Programm, das der
technischen Unterstuetzung rueckstaendiger Gebiete diene und kuerzlich von dem Kongress gebilligt worden sei, in dieser Hinsicht viel
getan werden koenne.
"Wenn es uns nicht gelingt, ein
durchzusetzen, laufen wir Gefahr, an
Millionen Menschen zu verlieren, die
Not den Blick vertrauensvoll auf uns

wirksames Punkt-Vier-Programm
den Kommunismus Hunderte von
in ihrem Kampf gegen Hunger und
gerichtet haben."

"Wir unterstuetzen dieses Programm, weil wir eine friedliche
und freie Welt erstreben, in der alle Menschen als gute Nachbarn
zusammenleben koennen."
LABOR
VII/1/50
Arnold Beiohman, New Yorker Korrespondent der AFL News Service:
AFL KRITISIERT ADENAUERS AEUSSERUNGEN ,
Der Amerikanische Gewerkschaftsbund (AFL) hat den Kanzler der
deutschen Bundesrepublik, Konrad Adenauer, darueber unterrichtet,
dass seine kuerzlich gehaltene Rede, in der er zum Ausdruck brachte, Amerika und Russland seien gleichermassen fuer die Bedrohung des
Friedens verantwortlich, "alle Amerikaner schwer enttaeuscht habe,
die dem freundschaftlichen Verhaeltnis und einer engen Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten"und der wiedererstandenen demokratischen westdeutschem Republik; grosse Bedeutung beimessen."
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In einem 2.500 Worte langen Schreiben an den Chef der Bonner
Regierung legte Matthew Woll, der zweite Vizepresident und Vorsitzende des AFL-Komiteea fuer Internationale Arbeitsheziehungen,
Konrad Adenauer zur r.Last, sich politischer Argumente bedient zu haben, die nicht der Wahrheit entapraechen und im Widerspruch zu allen
Tatsachen der juengsten Geschichte stuenden.
Dleseg Schreiben der AFL folgte einem zusammenfassenden Bericht
ueber die Rede Adenauers, der am ZZ, Mai in der New York Times erschienen war.
- Z

�Matthew V/oll protestierte dagegen, dass Adenauer den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion fuer die gegenwaertige gefaehrliche
Weltfriedenslage die Schuld zuschob.
Er machte dem Bundeskanzler den Vorwurf, dass heute mehr und
mehr Beweise dafuer vorliegen, ndass gewisse deutsche Grossindustrielle sich eifrig darum bemuehten, Handelsverbindungen mit den
Laendern hinter dem Eisernen Vorhang aufzunehmen, und dass diese
Absicht, wie in normalen Zeiten mit Russland Geschaefte abzuwickeln,
trotz der Tatsache noch staerker geworden sei, dass fuer die Sowjetunion Aussenhandel nicht Kaeufe und Verkaeufe, sondern ein Mittel
zur politischen Durchdringung, Erpressung und zum schliessliohen Umsturz sei."
"Wie konnten Sie also, Herr Bundeskanzler, auch nur den Versuoh
unternehmen, einen Vergleich zwischen der Aggressionspolitik der totalitaeren Diktatur Russlands und dem von einer grossen amerikanischen Demokratie verfolgtem konstruktiven und friedlichen Kurs zu
ziehen, dessen Ziel internationale Harmonie und der Fortschritt der
Menschheit sind?"
Matthew Woll erklaerte ferner, die Politik der Nachgiebigkeit,
der es in den Muenchener Tagen nicht gelungen sei, den Frieden zu
erhalten, "biete keinerlei Moegliohkeit, die Katastrophe eines internationalen Weltbrandes zu verhindern."
Abschliessend sagte er: "Es liegt also klar auf der Hand, dass
eine nachgiebige Politik seitens der Vereinigten Staaten die internationale Spannung nicht vermindern, sondern sie im Gegenteil verschaerfen wuerde, weil sie letzten Endes - wenn auch unbeabsichtigt - die
russische Aggressions- und Ausdehnungspolitik ermuntern und verstaerken muesse."
Es kann mit voller Berechtigung behauptet werden, dass nur der
Bruch mit der frueheren Politik der Nachgiebigkeit Westeuropa davor
bewahrt hat,ffberranntund von den bewaffneten Horden Stalins in
Besitz genommen zu werden."
AFL News Service
VI/27/50
DAS PROBLEM DER KLEINEN EINKOMMEN
Aus einem der letzten US-Kongressberichte geht hervor, dass
jene zehn Millionen Familien, deren jaehrliches Durchschnittseinkommen eine geringere Hoehe als 2.000 Dollar erreichten, einen starken,
jedoch nicht abdeckbaren Bedarf an Waren haben. "Dies stellt ein
grosses, unterentwickeltes Wirtschaftsgebiet dar, es ist ein neuer
und erweiterungsfaehiger Markt, auf dem die Gueter der amerikanischen
Industrie abgesetzt werden koennen. In einem Wirtschaftssystem, das
grundsaetzlich auf Massenproduktion ausgerichtet ist, muss auch in
Massen abgesetzt werden, wenn schwere wirtschaftliche Stoerungen vermieden werden sollen."
Nach dem Beschaeftigungsgesetz, das 1946 beschlossen wurde, hat
der Kongress die Aufgabe, Hoechstbeschaeftigung, Produktion und Kaufkraft zu foerdern. Niedrige Einkommen stellen stets einen Hemmschuh
fuer die Erweiterung der Wirtschaft dar. Um dieses Uebel zu beheben,
ist eine eingehende Beschaeftigung mit dem Problem der Liliput-Einkommen erforderlich.
So lauten die Schlussfolgerungen in einem kuerzlich ausgearbeiteten statistischen Bericht ueber amerikanische Familien mit niedrigen
- 3

�Einkommensstufen. Das benoetigte statistische Material wurde dem
Unterausschuss fuer Familien niedriger Einkommensstufen durch
andere Aemter zur Verfuegung gestellt, es dient als Grundlage fuer
die Formulierung der Empfehlungen zur Loesung dieses Problems
niedriger Einkommensstufen. In diesem Bericht werden zwei grundlegende Fragen zwar erhoben, aber nicht beantwortet.
(1) "Wie wirken sich niedrige Produktion und niedrige Kaufkraft der aermeren Familien auf die gesamte Wirtschaft aus? Werden
die geringe Produktion und die Minimalkaufkraft der Stabilisierung
der Wirtschaft auf der Ebene der Hoechstproduktion und -beschaeftigung im Wege stehen? Haengt der Wohlstand und der Fortschritt
aller Buerger davon ab, dass der Lebensstandard dieser Familien
gehoben wird?"
(2) "Was kann geschehen, um die Produktionsleistung und Einkommenskapazitaet dieser Familien zu steigern und damit den Wohlstand der gesamten Wirtschaft zu foerdern?"
In dem Bericht heisat es, dass "die Familien mit Liliput-Einkommen den wirtschaftlichen Fortschritt Amerikas nicht mitgemacht
haben. Ihnen gehoerten nur wenige jener Gueter, die fuer den amerikanischen Lebensstandard von heute als symbolisch gaelten. Diese
Familien wuerden wesentlich staerker als Konsumenten in Erscheinung
treten, wenn ihre Kaufkraft ihren Bedürfnissen entspraeche."
Das Statistische Amt der Vereinigten Staaten berichtet, dass
es in den Vereinigten Staaten 38.5 Millionen Familien und 8 Millionen Alleinstehende gibt, die nicht in einer Familiengemeinschaft
leben. Ein Viertel dieser 38.5 Millionen Familien hat ein Gesamtnettoeinkommen von weniger als 2.000 Dollar in einem Jahre. Zwei
Drittel dieser rund zehn Millionen Familien mit Liliput-Einkommen
leben in Staedten oder sind als Nichtbauernfamilien anzusehen. Etwa
3.3 Millionen Familien sind ausgesprochene Bauernfamilien, von diesen
Bauernfamilien wiederum haben 1.7 Millionen ein Einkommen von weniger
als 1.000 Dollar im Jahre.
Die Ursache fuer diese niedrigen Einkommen ist nach dem Berioht
darin zu erblicken, dass viele Farmen nicht nur unwirtschaftlich arbeiten, sondern sogar Verluste einstecken muessen.
Das hohe Alter ist ebenfalls ein Grund fuer die niedrigen Einkommen dieser zehn Millionen. Ein Viertel jener 6.3 Millionen
Nichtbauernfamilien mit Einkommen unter 2.000 Dollar zeigt Familienvorstaende, die 65 und darueber sind.
Bei den Bauernfamilien sind jene in der niedrigsten Einkommensstufe am zahlreichsten zu finden, deren Familienvorstaende ungelernte Arbeiter sind. Ein Achtel der Nichtbauernfamilien mit LiliputEinkommen haben farbige Familienvaeter. Es gibt weiterhin zahlreiche
Familien, deren Familienvorstand durch Tod, boeswilliges Verlassen
oder Scheidung Frauen geworden sind, auoh sie gehoeren in starkem
Masse zur Gruppe der Liliput-Einkommensbezieher. Der Mangel an Ausbildung ist ein weiterer ausschlaggebender Faktor: fast zwei Fuenftel der Nichtbauernfamilien der niedrigen Einkommensstufe, denen Personen Im Alter von 25 bis 64 Jahren als Haushaltungsvorstand angehoerten, hatten weniger als 8 Jahre Schulausbildung genossen.
Obwohl die verfuegbaren detaillierten Informationen ueber die
Ausgaben einer Familie nicht mehr ganz aktuell sind, koennen dooh
einige wichtige Tatsaohen formuliert werden. Fuer staedtische Familien mit einem Einkommen von weniger als 2.000 Dollar im Jahr betragen die Ausgaben fuer Ernaehrung etwa die Haelfte des gesamten Verdienstes. Dieser Prozentsatz sinkt bei zunehmendem Einkommen und
- 4

�geht bei Familien, deren Einkommen ueber 7.500 Dollar liegt, auf
etwa 17$ zurueck. Aermere Familien muessen daher mehr Getreideprodukte verbrauchen, jedoch weniger Milch, weniger Fleisch, Gemuese
und Frueohte als die wirtschaftlich besser Situierten. Auch die
Ausgaben fuer Miete stehen bei den staedtischen Familien mit einem
Liliput-Einkommen von weniger als 2.000 Dollar im Jahr in keinem
Verhaeltnis zu ihren uebrigen Aufwendungen.
Monthly Labor Review
1/50
Joseph D. Keenan, Leiter der Gewerkschaftlichen Vereinigung fuer
Politische Aufklaerung:
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN WARNEN VOR ARBEITERFEINDLICHER PROPAGANDA
"Die Rechte und Interessen des Arbeiters werden nicht von Gewerkschaftsagitatoren geschuetzt und wahrgenommen, sondern von jenen christlichen Maennern, denen Gott in seiner unendlichen Weisheit die Kontrolle ueber die Eigentums Interessen des Landes in die
Hand gegeben hat unl jenem Unternehmertum, von dem so vieles abhaengt. "
Mit diesen Worten beantwortete George F. Baer, der Praesident
der Kohle- und Eisengesellschaft von Philadelphia und Readlng, die
Bitte eines Bergarbeitersohnes waehrend des furchtbaren BergarbeiterStreiks des Jahres 1902. Dieser Bergarbeitersohn, William F. Clark,
starb vor wenigen Wochen in Wllkes-Barre (Pennsylvanien). Die Antwort jedoch, die er damals von diesem arroganten Praesidenten der
Kohlegesellschaft erhalten hatte, erschuetterte im Jahre 1902 die
ganze Nation und sie wird noch lange im Gedaechtnis aller Gewerkschafter weiterleben.
Glauben die Leute, dass sich die Verhaeltnisse seit 1902 gesondert haben? Wenn sie es glauben, dann haben sie zum Teil recht.
Heute sind die Gewerkschaften staerker geworden, und ihr Recht zum
Abschluss von Tarifvertraegen wird allgemein anerkannt. Heute ist
es fuer einen Unternehmer im Interesse seiner Beziehunger zur Öffentlichkeit nicht gerade ratsam, etwa zu sagen, er besaesse das goettliche Recht und die Weisheit, das Leben seiner Arbeitgeber so zu lenken, wie er es fuer richtig halte. Wenn die fuehrenden Ioepfe der
Industrie heute jedoch nicht offen aussprechen koennen, iass sie die
Gewerkschaften beseitigen moechten, so heisst das keinesvegs, dass
sie nicht den Wunsch haetten, es zu tun.
Heute bedienen sie sich anderer, heimtueckischerer iffittel.
Sie erklaeren, die Tage des zuegellosen Kapitalismus seien vorueber,
das Blatt habe sich gewendet. Sie behaupten, heute seien es die
"Gewerkschaftsbonzen", die sowohl den Unternehmern als euch den
unglueoklichen Arbeitern Vorschriften machten. Die Arbeiterschaft
sei in die "Monopolgewerkschaften" gepresst worden.
Die antigewerkschaftliohen Industriellen von 1950 walnen bittere Krokodilstraenen fuer diese "armen Arbeiter, die unter die
rueoksiohtslose Herrschaft der Agitatoren und Gewerkschaftsbonzen
geraten seien."
Man denke nur an die Argumente, die die Fuersprecher des TaftHartley-Gesetzes vorbrachten. Versicherten sie etwa, de3s sie damit die Gewerkschaften zerstoeren und das Kollektivverheadlungswesen
abschaffen wollten? Natuerlich nicht. Nach ihren Worten handelte
es sich um ein Gesetz, das die Arbeiter "befreien" sollte. Es war
ein Gesetz, das den armen, unterdrueckten Unternehmern cas gleiche
Reoht in den Tarifverhandlungen und Sohutz gegen die "meechtige Gewerkschaf tsmaaohinerie" geben sollte.
- 5 -

�Das ehemalige Kongressmitglied Fred Hartley hat ein Buch geschrieben, das den Titel "Unsere Neue, Nationale Arbeitspolitik"
traegt. In diesem Buch hat er versucht, das Taft-Hartley-Gesetz
zu rechtfertigen, es heisst hier:
"Gewerkschaften und Unternehmer hatten die Rollen vertauscht...
Die Gewerkschaften sassen im Sattel und nutzten dies aus
Die
obersten Gewerkschaftsfuehrer hatten die gleiche Macht wie die erwaehlten Fuehrer der Regierung. Seit langem verfuegen sie ueber
weit groesseren Einfluss als die bedeutendsten Unternehmen der
Nation."
Hartley faehrt in seinem Buch fort: "Schwer lastete die Not
auf den Arbeitern. Fuer die Leiter der Gewerkschaften bedeutet jedoch die grosse Masse der arbeitenden Bevoelkerung nichts anderes
als der Poebel fuer Louis XVI."
Hartley bezeichnet den "Dixiekraten" (Spitzname fuer die gewerkschaftsfeindlichen Kongressleute der Suedstaaten) Graham Barden
aus Nordkarolina in lobender Weise als einen Mann, "der fuer die
Arbeiterschinder und besoldeten Gewerkschaftsagitatoren nichts
anderes als Verachtung empfaende." Das ganze Buch hindurch bezeichnet Hartley die gewaehlten Vorsitzenden der Gewerkschaften staendig
als "Gewerkschaftsbonzen."
Als das Taft-Hartley-Gesetz trotz des Einspruchs des Presidenten in Kraft gesetzt wurde, glaubten die Gewerkschaftshasser vielleicht noch ihren eigenen Worten. Betriebswahlen, die ueber Annahme
oder Nichtannahme des "Union-Betriebs"-Systems entscheiden sollten,
wurden als obligatorisch erklaert. Die Gewerkschaftshasser waren
der Ueberzeagung, dass das arbeitende Volk Amerikas zu den Urnen
eilen und gegen seine eigenen Gewerkschaften stimmen wuerde. Was
sich tatsaechlich ereignete, ist bereits Geschichte geworden. Mit
ueberwaeltigender Mehrheit sprachen sich 98$ der Waehler zugunsten
des "Union-Betriebs"-Systems aus. Es gibt keine andere Einrichtung
in den Vereinigten Staaten, der in so ueberzeugender Weise das Vertrauen ausgesprochen worden ist.
Ein Vergleich der Gehaeiter der sogenannten "Gewerkschaftsbonzen" mit denen der Industriellen beweist, eindeutig, dass es kein Bonzentum gibt. Selbst die hoechsten Gehaeiter, die die Gewerkschaften
zahlen, sind im Vergleich zu diesen niedrig. Die beiden Vorsitzenden der Amerikanischen Arbeitsfoederation (AFL) und des Kongresses
der Industrieverbaende (CIO), William Green und Philip Murray, erhalten jaehrüch je 85.000 Dollar. A. B. Homer dagegen, der Praesident der Bethlehem-Stahl-Korporation, bezog im Jahre 1948 Gehaeiter
und Praemien in Hoehe von 263.280 Dollar. Wenn sich Homer mit 65
Jahren zur Ruie setzt, wird er eine Jahrespension von 110.460 Dollar
beziehen, ohna auch nur einen Gent fuer Pensionsversicherung entrichtet zu haben. Benjamin Fairless, der Praesident der US StahlKorporation,
rerdiente im Jahre 1948 207.900 Dollar. Tom Girdler,
der1Vorsitzenle der Republik-Stahl-Korporation, 275.000 Dollar und
der Praesiden: und die fuenf Vizepresidenten der gleichen Gesellschaft mehr aLs 70.000 Dollar je Kopf.
Das gasaate Einkommen aller Gewerkschaften des Landes erreicht
nicht einmal lie Hoehe der Nettogewinne einer einzigen Automobilproduzentin der fereinigten Staaten, naemlich der General Motors-Gesellschaft. .
Noch lae«herlicher ist die Behauptung der Propagandisten der
Grosskapitalisten, die Gewerkschaftsmitglieder waehlten ihre Vorsitzenden nicht tach demokratischen Grundsaetzen und sie koennten keinen
Einfluss auf sie ausueben. Auch in diesem Punkt ist der Gegensatz
zur Industrie geradezu bestechend und ueberzeugend.
- 6-

�"Fragt Euch bitte selbst, ob Ihr eine Einrichtung kennt, die
demokratischer als Eure Gewerkschaft waere? Wie steht es damit in
dem unternehmen, fuer das Ihr arbeitet? Werwaehlt den Vorstand?
Wer die obersten Organe? Steht das Unternehmen unter der Kontrolle
der Aktionaere seiner rechtmaessigen Besitzer? Oder wird es von
nur Wenigen beherrscht, dieNnur einen geringen Teil der Aktien besitzen?"
Die Antwort zu diesen Fragen kennt jedes Mitglied einer amerikanischen Gewerkschaft. Nehmen wir zum Beispiel die groesste Gesellschaft des Landes, die Amerikanische Telefon- und Telegrafen
Kompanie, die unter dem Namen "Beil-System" allgemein bekannt ist.
Walter S. Gifford Hess sich gerade als Vorsitzender dieses Unternehmens pensionieren. Er bezog jaehrlich ein Gehalt in Hoehe von
£09.000 Dollar, seine Pension betraegt jetzt 95.000 Dollar jaehrlich.
Dieses Unternehmen macht mit der Tatsache Reklame, dass 900.000
Aktionaere die eigentlichen Eigentuemer der Gesellschaft sind. Jeder
Aktionaer weiss jedoch, dass die Trennung von Besitz und Leitung in
der Kompanie schon seit langem durchgefuehrt ist. Gifford und andere fuehrende Persoenlichkeiten der Kompanie besitzen von je 2.300
Aktien nur je eine. Das sind knapp ganze vier Hundertstel eines
Prozents des gesamten Kapitals. Und doch wird dieses ungeheure Unternehmen von diesen Wenigen so beherrscht, als wenn sioh saemtliche
Aktien in ihrem Besitz befaenden.
In den meisten Unternehmen liegen die Verhaeltnisse heute aehnlioh. Die Finanzberichte der Gesellschaften an die Aktionaere sind
ein Meisterstueck angedeuteter Unverstaendlichkeit. Wenn diese mit
den detaillierten Finanzberichten verglichen werden, die allen Gewerkschaftsmitgliedern zur Verfuegung stehen und die von ihren gewaehlten Treuhaendern ueberprueft werden, so ergibt sich hier ein
Unterschied von Tag und Naoht. Im uebrigen sitzen weit mehr Angestellte der Banken und Industrie wegen Geldunterschlagungen im Gefaengnis, als es bei den Gewerkschaften der Fall ist.
Alle Gewerkschaftsfunktionaere sind keine Heiligen. Manchmal
werden auch unfaehige Leute in Aemter berufen, die Gewerkschaftsmitglieder koennen sich aber wieder neue Funktionaere waehlen. Sie verlieren die Herrschaft ueber ihre Gewerkschaft niemals soweit wie
Aktionaere ueber das Unternehmen, das ihnen eigentlich gehoert. Den
besten Beweis hierfuer liefert das Postbuero der AFL in Washington.
Es gibt mehr als 40.000 Lokalgewerkschaften der AFL. Die Funktionaere wechseln so oft, dass 40% der Adressen der lokalen Gewerkschaftsfunktionaere in jedem Jahre geaendert werden muessen. Ist das vielleicht die "Diktatur der sich selbst verewigenden Gewerkschaftsbonzen?"
An diese Tatsachen muss man denken, wenn Flugschriften des Senators Taft gelesen werden, in denen er sagt, dass nur "Kommunisten"
und "Arbeiterschinder" den Wunsch haetten, das Taft-Hartley-Gesetz
ausser Kraft zu setzen.
Es darf hier keine Irrefuehrung geben, wenn behauptet wird, dass
ein besonderes Gesetz nur fuer die Gewerkschaftsfuehrer und nicht fuer
die Arbeiterschaft selbst von Vorteil waere. Wenn sie das Recht und
die Macht der gewaehlten Fuehrer schwaechen wollen, die die Mitgliedschaft wirksam vertreten wollen, dann bedrohen sie damit direkt
auch die Sicherheit und die Loehne der Arbeiter.
Von der Handlungsweise der Arbeiterschaft am Wahltag wird es
abhaengen, wie der neue Kongress aussehen wird. Wenn es versaeumt
wird, die Freunde der Arbeiterschaft wiederzuwaehlen, koennte es
leicht moeglich sein, dass die Gewerkschaften in die guten alten Tage
- 7 -

�zurueckversetzt werden, als Aktionaere, Oeffentlichkeit und Arbeitnehmer der Willkuerherrschaft der Grossindustriellen voellig machtlos gegenueberstanden.
Wenn die Arbeiterschaft wuenscht, dass Loehne und Sicherheit
von starken Gewerkschaften und frei gewaehlten Funktionaeren beschuetzt werden, dann wird jede Stimme in diesem Wahljahr benoetigt
werden.
Es sei daran erinnert, dass im Jahre 1946 versaeumt wurde, von
123 Abgeordneten 45 wiederzuwaehlen, die fuer die Gewerkschaften und
gegen das antigewerkschaftliche Case-Gesetz gestimmt hatten. 1948
jedoch wurden alle Freunde der Gewerkschaften wiedergewaehlt. Wie
wird es in diesem Jahre sein?
Das liegt an den acht Millionen Mitgliedern der AFL. Was koennen sie tun? Sie koennen der Gewerkschaftlichen Vereinigung fuer
Politische Aufklaerung beitreten, sie unterstuetzen und ihre Stimme
fuer sie abgeben.
Die andere Seite mag das Geld haben, die Arbeiterschaft hat
die Stimmen.
Wenn jeder Arbeiter als guter Buerger waehlt, wird es ein starkes und wohlhabendes Amerika geben, in dem wirkliche Freiheit
herrscht und das konkurrierende Unternehmertum die Prosperitaet und
das Glueck eines Jeden foerdert.
The American Federationist
V/50
DAS INTERNAT IONALE FREIE GBV.ERKSCHAFT5WESEN ERZIELT FORTSCHRITTE
Die freie Gewerkschaftsbewegung setzt sich unablaessig fuer die
Hebung des Lebensstandards in rueckstaendigen Gebieten, fuer die Abwehr des Kommunismus in Europa und fuer die Verteidigung Europas
erfolgreich ein.
Dies erklaerte kuerzlich J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer
des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, in einem Bericht
ueber die Erfolge der freien Gewerkschaftsbewegung. Oldenbroek
hielt sich kurze Zeit in Washington auf und fuehrte dort Besprechungen mit Gewerkschaftsfuehrern und hohen Persoenlichkeiten der
amerikanischen Regierung.
Waehrend seines Aufenthaltes in Washington war Oldenbroek
Gast der Amerikanischen Arbeiterfoederation (AFL), des Kongresses
der Industriegewerkschaften (CIO), des Bergarbeiterverbandes und
des Internationalen Metallarbeiterverbandes. Der europaeische Gewerkschaf tsfüehrer traf auch mit Pressevertretern zusammen und
gab, bevor er Washington wieder verliess, dem Vertreter der Zeitschrift "The Laborer" ein Interview.
Generalsekretaer Oldenbroek reiste in die Vereinigten Staaten,
um hier mit den Gewerkschaftsfuehrern zu konferieren und mit ihnen
seine Meinung ueber Mittel und Wege auszutauschen und abzustimmen,
wie man die Ziele des IBFG verwirklichen kann.
n

'»Vir kommen verhaeltnismaessig schnell den in unserem Programm gesteckten Zielen naeher. Unsere Zentrale ist in Bruessel
errichtet worden, unser Personalstab wird jetzt zusammengestellt.
Er wird sich aus etwa 45 Personen zusammensetzen, von denen 30 bereits ernannt sind."

8

�"Das Problem der verschiedenen Sprachen wird keine Schwierigkeiten bereiten. Wir haben genuegend Leute, die mehrere Sprachen
soreohen. Unsere Arbeit wird in den vier offiziellen Sprachen
Englisch, Franzoesisch, Spanisch und Deutsch durchgefuehrt werden.
Der gesamte Schriftverkehr des IBFG und alle Veroeffentlichungen
dieser Organisation werden in vier Spraohen zur Verfuegung stehen."
Oldenbroek selbst ist fuer seine Kenntnisse in mehreren Sprachen bekannt, man sagt, er ist etwa in einem Dutzend verschiedener
Sprachen zu Hause.
Einen der ersten Schritte, die der IBFG unternahm, war die
Aufstellung eines Presse- und Publikationsprogramms. Der Englaender
E. Thompson wurde zum Leiter der Abteilung fuer Pressewesen und
Publikationen ernannt und wird mit der Ausarbeitung eines "Presseberichtes" beauftragt werden, der wahrscheinlich je nach Umfang der
vorliegenden Nachrichten vierzehn-taeglich oder monatlich erscheinen wird. Ein monatliches Magazin mit Nachrichten und Berichten
von der Arbeit der Gewerkschaft in aller. Welt wird ab Juli herausgebracht werden.
Oldenbroek wurde in Washington ueber die mutmasslichen Schwierigkeiten befragt, die mit den Waffenlieferungen nach Europa im Rahmen des europaeischen Verteidigungsprogramms auftauchen koennten.
Er beruhigte die Fragesteller und erklaerte, dass die Waffen an
ihren Bestimmungsort gelangen wuerden, ohne dass die Kommunisten
hieran etwas zu aendern vermoechten.
Der Kampf gegen den Kommunismus ist fuer Oldenbroek und diejenigen, die an seiner Seite stehen, eine historische Angelegenheit.
Sofort nach der Gruendung des IBFG im Dezember vorigen Jahres wurde
er zum Generalsekretaer ernannt. Damit hatte sein lebenslanger
Kampf um die Erzielung eines besseren Loses fuer die Arbeiter seine
Anerkennung gefunden. Seit seiner Jugend gehoerte er dem Internationalen Transportarbeiterverband an und kaempfte fuer das freie
Gewerkschaftswesen. Vor dem Kriege kaempfte er gegen die Kommunisten
und beteiligte sich dann aktiv an der Widerstandsbewegung der Alliierten. In Holland zwar geboren, ist Oldenbroek doch in ganz Europa
bekannt. In den kritischen Tagen des Zweiten Weltkrieges war er
tatsaechlich ein "Koordinator* gewerkschaftlicher Taetigkeiten. Die
Erfahrungen, die er im Kampf gegen den nazistischen Totalitarismus
sammelte, kommen ihm nun bei der Bekaempfung des Kommunismus zugute.
"Die Kommunisten verfuegen ueber grosse Hilfsquellen und Energien. Sie koennen jedoch geschlagen werden. Ihr einziger Wunsch
ist, mit Hilfe aller moeglichen Mittel zur Macht zu gelangen und diese Macht dann zu erhalten. Sie interessieren sich ueberhaupt nicht
fuer die Wohlfahrt der Arbeiterschaft, und das wissen die Arbeiter
in demokratisch regierten Laendern Europas, oder sie werden es sehr
schnell erkennen."
"Die Kommunisten glaubten, durch Sabotage des Marshall-Planes
den europaeischen Wiederaufbau unterbinden zu koennen. Wir sorgen
jedoch dafuer, dass ihnen dies nicht gelingen wird. Die Arbeiter
Europas wissen, was zu tun ist und was sie von den Kommunisten zu
halten haben."
Oldenbroek erklaerte, es sei von besonderer Bedeutung, sich mit
den ferngesteuerten Agitatoren unter den Transportarbeitern zu befassen, weil es die Kommunisten hauptsaechlich auf diese Gewerkschaftsmitglieder in den Hafenstaedten abgesehen haetten. In den Hafenstaedten muesste den sowjetischen Bemuehungen mit aller Energie
entgegengearbeitet werden.
- 9 -

�"Wir sind von den Gewerkschaften der Vereinigten Staaten in
hervorragender Weise unterstuetzt worden. Wir hoffen, uns auch
weiterhin dieser Hilfe wuerdig erweisen zu koennen. Wir koennen
nur dann mit Erfolgen rechnen, wenn wir uns alle - und hierzu gehoeren auch die amerikanischen und alle anderen Gewerkschaften - eng
zusammenschliessen und gemeinsam fuer ein besseres Los der Arbeiter
kaempfen."
Die naechste grosse Aufgabe biete sich der Gewerkschaftsbewegung in Asien, fuhr Oldenbroek fort. Der IBFG wird eine Sonderdelegation nach Suedostasien schicken, die die allgemeine Lage ueberpruefen und mit den Vertretern der Regierung und Gewerkschaften besprechen soll, was zur Hebung des Lebensstandards in jenem Teil
der Welt getan werden kann.
Damit der IBFG erfolgreich arbeiten und moeglichst viel leisten
kann, wird eine Reihe regionaler Dienststellen errichtet werden, und
zwar fuer Nord- und Suedamerika, im Nahen und Mittleren sowie im
Fernen Osten. •
Aufgabe dieser regionalen Dienststellen wird es sein, die freie
Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt zu foerdern und einen staendigen Kampf gegen den Totalitarismus in jeglicher Form, in der er auch
auftreten mag, zu fuehren.
Bevor Oldenbroek Washington verliess, fuehrte er noch Besprechungen mit dem Aussenminister Dean Acneson, dem Administrator der
Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Paul G. Eoffman und
anderen Vertretern der Regierung.
The Laborer
V/50
Rub9n Levin:
ARBEITERFEINDLICHE AMERIKANISCHE ZEITSCHRIFT VERHERRLICHT STREIKBRUCH
Die sogenannten "populaeren" Magazine wie "Saturday Evening Post",
"Reader's Digest" und Collier's" werden mehr und mehr zu unanstaendigen Werkzeugen einer antigewerkschaftlichen und antiliberalen Propaganda. '
"Collier's", das dem Hause Morgan gehoert, lieferte in seiner
letzten Ausgabe den deutlichen Beweis fuer diese Politik. In einem
Leitartikel, der in grosser Aufmachung die Ueberschrift "John L.
Lewis wollte mich nicht arbeiten lassen" trug, versucht "Collier's",
den Streikbruch zu rechtfertigen und die organisierte Arbeiterschaft
herunterzureissen. Das Magazin hat sich die Reklame fuer diesen Artikel ein Vermoegen kosten lassen.
Ein junger Bergmann namens Joe Dickmon aus Library in Pennsylvanien musste seinen Namen fuer diesen Artikel hergeben, obwohl er
in Wirklichkeit von dem gutbezahlten Schreiber des Magazins, Walter
Davenport, verfasst worden war.
Wer ist Joe Dickmon? Er machte das erstemal von sich reden,
als im vorigen Winter die Bergarbeitergewerkschaft einen harten Kampf
um hoehere Loehne und bessere Sozialversorgung fuehrte. Viele
Bergleute brachten schwere Opfer, um diesen Kampf gewinnen zu helfen; Dickmon gehoerte jedoch nicht zu ihnen.
Dafuer richtete er damals einen wuetenden Brief an eine Pittsburger Tageszeitung, in dem er John L. Lewis als einen "Diktator" bezeichnete. Er feuerte nur so mit Wutausbruechen gegen die Gewerk- 10 -

�schaft um sich, die ohne ihn zu fragen, die 3 Tage-V/oche angeordnet hatte, und forderte schliesslich zu einer Revolte gegen den
Vorsitzenden der Bergarbeitergewerkschaft heraus und empfahl die
Beilegung des Streiks unter Annahme der Unternehmerbedingungen
auf. Es war praktisch ein Aufruf zum Streikbruch.
Die Bergarbeiter verachten eine solche Haltung. In keinem
Zweig der Gewerkschaftsbewegung ist der Streikbruch verhasster als
unter den Kumpels, die jahrelang schwer zu kaempfen hatten und wiederholt sogar hungern mussten, um sich bessere Lebensbedingungen
zu erkaempfen.
Junge Leute wie Dickmon wissen hiervon nichts. Er konnte noch
nicht zu den Erfolgen beitragen, die sich die Gewerkschaft schwer
erkaempfen musste. In dem gleichen Augenblick, als seine Kameraden von ihm verlangten, in einer kritischen Situation ein Opfer zu
bringen, lief er zu einer gewerkschaftfeindlichen Zeitung und stellte sich in den Dienst der Unternehmer.
Natuerlich wurde er von den anderen Kumpels als Feigling und
Verraeter verachtet. Sie weigerten sich, mit ihm zu arbeiten; er
wurde vielmehr vor Gericht angeklagt, durch falsche und verleumderische Angaben die Pflichten eines Gewerkschaftsmitglieds verletzt
zu haben. Nachdem er siqh geweigert hatte, aus der Gewerkschaft
auszutreten, beschlossen die Mitglieder,'ihn durch einen sechs monatigen Ausschluss aus der Gewerkschaft zu bestrafen.
Daraufhin eilte Dickmon zum "Collier*s"-Magezin, um seine
schmutzige Geschichte in Druck geben zu koennen. Die Herausgeber
belohnten ihn mit einer nicht unansehnlichen Summe - selbstverstaendlich hatten sie keinerlei Interesse an Dickmon oder an einem
persoenlichen Angriff gegen Lewis, aber sie sahen eine guenstige
Gelegenheit, der Gewerkschaftsbewegung einen schv.eren Schlag versetzen zu koennen.
Oft genug bruestete sich Dickmon damit, Soldttt gewesen zu
sein,und Frau und Kinder zu haben. Tatsache ist, dass Hunderttausende anderer ehemaliger Soldaten, die ebenfalls fuer "Onkel
Sara" gekaempft und eine Familis haben, nicht wie Dickmon ihrer Gewerkschaft in den Ruecken fielen. Im Gegenteil, sie zaehlen zu den
zuverlaessigsten Gewerkschaftern des Landes und denken nicht daran,
sich wie Dickmon zu benehmen.
Was ist nun eigentlich wahres an den Beschuldigungen Dickmons?
Ein Sprecher der Bergarbeitergewerkschaft erklaerte einem Vertreter
der Zeitschrift "Labor", dass jener "Artikel in"Collier's" von Unwahrheiten und halben Wahrheiten nur so strotze."
"Lewi3 hat mit dem Ausschluss Dickmons aus der Gewerkschaft
nicht das geringste zu tun. Ein solcher Ausschluss ist eine rein
lokale Angelegenheit. Die Abstimmung ueber seine Bestrafung wurde
in demokratischer ".'eise durchgefuehrt. Und wenn sich die uebrigen
Mitglieder weigerten, mit Dickmon Seite an Seite weiterzuarbeiten,
wer kann ihnen das verdenken?"
Dickmon hatte ausserdem behauptet, Lewis würde niemals Finanzberichte an die Lokalgewerkschaften schicken. "Tatsache i3t jedoch,
dass die Bergarbeitergewerkschaft schon seit Jahren allen Lokalgewerkschaften zweimal im Jahre ausfuehrliche Finanzberichte zukommen
laesst," erklaerte der Sprecher dem Journalisten.
"Was diese Vorwuerfe anbetrifft," fuehrte der Sprecher weiter
aus, "so handelt es sich hier um nichts anderes als ein sehr spaetes
- 11 -

�Soho jener Verdaechtigungen, die die Kohlenmagnaten und gewerkscfcaftsfeindlichen Zeitungen ueber Lewis in die Welt posaunen. Und
dies alles, weil es Lewis gelangen ist, einige Verbesserungen fuer
die Kumpels in den Gruben zu erringen."
"Ausserdem darf nicht^uebersehen werden, dass Lewis von den
Mitgliedern der Bergarbeitergewerkschaft mit grosser Mehrheit gewaehlt wurde. Die Richtlinien, nach denen er handelt, sind in Konventionen niedergelegt oder vom Exekutivausschuss beschlossen.
Der junge Dickmon beklagt sich ueber die Drei-Tage-Woche, die
waehrend des Kampfes der Gewerkschaften im vorigen Winter eingefuehrt
werden musste. Jedoch auch heute noch arbeiten die Kumpels im Durchschnitt nicht laenger als drei Tage -in der Woche, weil einfach die
Nachfrage nicht groesser ist.
"Statt dass man jedoch die vorhandenen Arbeitsmoeglichkeiten
einigermassen gleichmaessig verteilt - wogegen sich uebrigens Dickmon wehrte - gibt es heute Bergleute, die nur einen oder zwei Tage
in der Woche arbeiten koennen oder vollkommen ohne Arbeit sind."
"Was "Collier1s" und die Kohlenmagnaten nicht verzeihen koennen, ist die Tatsache, dass die Bergarbeiter bei den letzten Lohnkaempfen eine Lohnerhoehung von 95 Cents pro Tag zusaetzlich zu dem
Tagesgrundtarif von 15 Dollar und eine Erhoehung der von den Unternehmern gezahlten Praemie fuer den Wohlfahrtsfonds um 50% trotz
staerkster Opposition erzielen konnten."
"So haben sie sich diesen naiven jungen Mann als Werkzeug ausgesucht, mit dem sie ihrem Hass Luft machen. Hat man im "Collier's"
jemals nach der gewerkschaftlichen Seite dieser Geschichte gefragt?
Niemals.' Man war lediglich daran interessiert, dieser Gewerkschaft
und zugleich der gesamten Gewerkschaftsbewegung Schaden zuzufuegen.
"Dickmon wird sehr bald
zahlung des "Collier's" fuer
geschoben wird, wenn man ihn
einen abgetragenen Handschuh
er sich dessen nicht bewusst

entdecken, dass er trotz der guten Besein schmutziges Werk schnell beiseitenicht mehr brauchen kann, so wie man
wegzuwerfen pflegt. Anscheinend ist
- noch nicht.'"
LABOR
VII/8/50

3CHUMAN-PLAN-KOMITEE DES IBFG
Das Schuman-Plan-Komitee des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften (IBFG) trat auf Beschluss des Exekutivauq,schusses des
IBFG erstmalig in den Bueroraeumen des franzoesischen Gewerkschaftsbundes "Force Ouvriere" in Paris zusammen. Vertreter der Gewerkschaftsbewegung Frankreichs, Hollands, Italiens, der Saar, der Vereinigten von Amerika, der Internationalen Berufssekretariate der
Berg- und Metallarbeiter und des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses des Europaeischen Wiederaufbauprogrammes (ERP) nahmen an
der Konferenz teil. Den Vertretern der englischen, belgisohen, luxemburgischen, deutschen und schwedischen Gewerkschaftsbewegung war
es nicht moeglich, den Besprechungen beizuwohnen, weil wichtige Aufgaben in ihren Laendern die Reise unmoeglich machten oder sie an
Konferenzen ihrer eigenen Zentralen teilnehmen mussten.
Den Vorsitz fuehrte Rober Eothereau von der "Force Ouvriere".
Die Konferenz hatte nur vorbereitenden Charakter, sie befasste sich
mit den zukuenftigen Aufgaben, die dem Internationalen Bund Freier
- 12 -

�Gewerkschaften im Zusammenhang mit dem Schuman-Plan zufallen werden.
Das Komitee brachte erneut die Auffassung des IBFG zum Ausdruck, dass die freien Gewerkschaften an dem politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluss Westeuropas, der ohne die aktive Teilnahme der freien Gewerkschaften zu keinem Erfolg fuehren koenne,
lebhaft interessiert sind.
Die Mitarbeit der Gewerkschaften ist durch die Delegationen
Deutschlands, Belgiens, Hollands, Luxemburgs, Italiens und der
Saar gewaehrlefstet, gleichzeitig wurde jedoch auch die Bedeutung
einer direkten Vertretung des IBFG hervorgehoben.
Das Komitee befasste sich in grossen Zuegen mit dem SchumanPlan selbst und wies darauf hin, dass folgende Grundsaetze zu befolgen seien, wenn dieser Plan verwirklicht werden soll:
(a) Die vorgeschlagene Hohe Kommission muss einer demokratischen, oeffentlichen Kontrolle unterstellt werden.
(b) Fuer die Hohe Kommission selbst als auch fuer alle Nebenorganisationen des vorgesehenen Kommissions-Systems muessen
Persoenlichkeiten ernannt werden, die das Vertrauen der freien Gewerkschaften geniessen.
(c) Die Hohe Kommission muss mit entscheidenden Machtbefugnissen ausgestattet werden, insbesondere mit der Kontrolle der Produktionsinvestierungen und Preise, wobei sie die Erweiterung der
Wirtschaft und die Vollbeschaeftlgung zu beruecksichtigen hat.
(d) Loehne, Arbeitsbedingungen und Bestimmungen der sozialen Sicherheit muessen garantiert und verbessert werden.
Das Komitee ernannte einen Unterausschuss von sieben Mitgliedern, dessen Aufgabe es ist, die Bemuehungen der Gewerkschaften
fuer die Durchfuehrung des Schuman-Plans aufeinander abzustimmen
und vorwaerts zu treiben. Dieser Unterausschuss setzt sich aus
Gewerkschaftsvertretern der einzelnen Laender-Delegationen zu den
Besprechungen ueber den Schuman-Plan zusammen. Dem Unterausschuss
gehoert weiterhin ein Vertreter der amerikanischen Gewerkschaften,
ein Delegierter der"Force Ouvriere** - beide weilen staendig in
Paris - einem Vertreter des Internationalen Bergarbeiterverbandes
und ein Delegierter des Internationalen Metallarbeiterverbandes an.
Ein Vertreter des Sekretariats d9s Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften wird als Sekretaer dieses Unterausschusses fungieren, der je nach Bedarf waehrend der Schuman-Plan Besprechungen in
Paris zusammentreten wird.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
VI1/5/50
William Weiss:
DIE GESCHICHTE DER STAHLARBEITERGEWERKSCHAFT AMERIKAS IST MIT LETTERN IN BLUT GESCHRIEBIN
~~~
Wohlwollende Leute, die sich in der Gewerkschaftsbewegung nicht
auskennen, sind manchmal darueber erstaunt, welche eigensinnig erscheinende Haitnaeckigkeit Arbeiter an den Tag legen, wenn sie gegen grosse Unternehmen Streiks durchfuehren.
- lö -

�Wenn sie darueber erstaunt sind, dann sind sie es nur deshalb,
weil sie nicht verstehen, dass Arbeiter sich nicht scheuen, Leid
und Not auf sich zu nehmen, wenn sie gegen die Ungerechtigkeiten der
Unternehmer streiken.
In dem gleichen Augenblick, in dem sie sich entschliessen, ihre
Arbeit niederzulegen, sind sie sich auch der Folgen bewusst: lange
Stunden als Streikposten Wache stehen, Schmalhans als Kuechenmeister
und der staendige Druck zahlreicher Gruppen, die sie veranlassen
moechten, die Arbeit zu den von den Unternehmern gestellten Bedingungen wieder aufzunehmen. Sie wissen, welchen "^reis sie zahlen muessen
und sind trotzdem gewillt, ohne Ruecksicht auf ihre zahlreichen Widersacher ihre Chancen zum Sieg wahrzunehmen.
Dieser Geist der Entschlossenheit ist zum Erbgut der Stahlarbeitergewerkschaft des CIO in ihren Kaempfen gegen die Stahlkonzerne
geworden.
Im November 1592 sandte Henry Frick, der damalige Betriebsdirektor der Carnegie-Stahlwerke in Komestead (Pennsylvanien), seinem
Chef, Andrew Carnegie, der sich auf einer Reise zur Berichtigung der
europaeischen Gemaeidegalerien befand, das folgende Telegramm:
"Unser Sieg ist jetzt vollkommen und hoech st befriedigend.
Glauben Sie nicht, dass wir jemals wieder ernstliche Schwierigkeiten
mit den Arbeitern haben werden
Wir mussten unseren ^rDeitnehnern eine Lektion erteilen und wir haben dies in einer Weise getan,
dass sie immer daran denken werden."
Frick bezog sich mit diesem Telegraüju auf die Beendigung des
viermonetigen Streiks gegen die Carnegie-Gesellschaft, der vom Verband der Vereinigten Stahl-, Eisen- und Zinnarbeiter ausgerufen und
von einem Massenaufgebot von Pinkerton-Detektiven und 8,000 Polizeisoldaten gebrochen worden war. In einem regelrechten Feuergefecht
mit den Finkertons waren sieben Streikende und drei Detektive getoetet und mehr als 60 Mann verwundet worden.
Der Anlass zu diesem Streik war die Weigerung der Gesellschaft,
ihren Tarifvertrag mit der Gewerkschaft zu erneuern. Von 1892 bis
zum Jahre 1919 versuchten die Arbeiter der Stahlwerke erneut, sich
zu ihrem gegenseitigen Schutz zusammenzuschliessen. Im September
jenes Jahres traten 60.C00 Stahlarbeiter im Bezirk ^ittsburg in den
Streik, kurz darauf folgten 300.000 in Wheeling, Chikago, Cleveland,
Youngstown und Johnstown ihrem Beispiel.
Die gesamte Ceffentlichkeit wurde mit dem Niederschlagen des
Streiks vertraut gemacht. Zeitungen verschrieen die Streikenden
als "Auslaender" und lenkten die allgemeine Aufmerksamkeit auf den
"auslaendischen Typ" der Agitatoren.
Mit der Erklaerung "Selbst Jesus Christus koennte in Duquesne
nicht fuer die AFL sprechen," liess der Buergermeister dieser Stadt
wenig Zweifel darueber, mit wem er sympathisierte.
Die Stahlgesellschaften anpellierten an das Nationalbewusstsein
der Buerger, indem sie in den Zeitungen erklaeren Hessen: "Es ist
sehr leicht moeglich, dass bei diesem Streik Barbaren ihre Hand im
Spiele haben, um den industriellen Fortschritt Amerikas zu behindern."
Die Unternehmer finanzierten gleich zwei StreikbrecherOrganisationen - die Corporations Auxiliary und den Sherman Service - und wiesen sie an, Serben und Italiener mit allen Mitteln niedertraechtiger
Propaganda gegeneinander aufzuhetzen. Sie schuerten selbstverstaendlich auch die Flammen des Rassenhasses, indem sie Neger aus dem Sueden
- 14 -

�heranschaffen liessen, die die Arbeitsplaetze der Streikenden uebernehmen sollten.
Der Streik brach trotz aller Aufopferung am 8. Januar 1920 zusammen, und die geschlagenen Maenner schlichen in die Fabriken zurueck - ausser jenen, dis auf der schwarzen Liste standen. Die Unternehmer hatten wieder einen bedeutenden Sieg errungen.
Die Wirtschaftskrise von 1929 aber traf die Stahlindustrie
schwer. Die Schlagzeilen in den Tageszeitungen galten jenen Aktionaeren, die sich in der New Yorker Wall-Street aus den Fenstern
stuerzten. Die Unternehmer jedoch trafen in aller Stille ihre Vorbereitungen fuer ein Gesetz, mit dem sie die Stahlarbeiter noch
besser ausbeuten konnten.
Am 1. Oktover 1931 begann dieser Prozess, als die US-Stahlund Bethlehem-Werke die Loehne der Arbeiter um volle 10fo kuerzten.
In den Weirton-Stahlwerken wurden die Loehne innerhalb von elf Monaten fQnfmal herabgesetzt. US-Stahl und Bethlehem erfassten die
neue Situation und, um nicht von einem anderen Unternehmen wiederum
uebertrumpft zu werden, kuerzte es die Loehne im l*ai 1932 rücksichtslos um 15%.
Im Jahre 1932 verdiente ein Stahlarbeiter - wenn er das Glueck
hatte, voll arbeiten zu koennen - woechentlich 13.20 Dollar. £&lt;ine
Untersuchung des Arbeitsministeriums ergab, dass der durchschnittliche
Wochenlohn fuer ungelernte Arbeiter der Stahlindustrie in jenem Jahre
11.71 Dollar betrug. Der Durchschnittsarbeiter verdiente jaehrlich
600 Dollar.
1933 entdeckten die Stahlmagnaten eine neue Methode, um ihren
Arbeitnehmern das Recht zu, verweigern, in Fragen des Lohnes oder der
Arbeitsbedingungen mitzureden. Sie fanden dieses Mittel in dem sogenannten "offenen Betrieb", bei dem es jedem Arbeiter freisteht, der
Gewerkschaft beizutreten oder ihr fernzubleiben. IZan machte sich
nicht einmal die Muehe, zu behaupten, die Arbeiter seien mit den
Plaenen der "Arbeitnehmervertretungen," wie man sie zu nennen beliebte, einverstanden.
Die Philosophie, die diesen Plaenen zugrundelag, kommt treffend
in den Worten eines millionensohweren Stahlmagnaten zum Ausdruck:
"Meine Leute wissen nicht, was gut fuer sie ist. Nur ich weiss dies.
Und ich weiss, dass eine Gewerkschaft nicht gut fuer sie ist."
Eugene Grace in Bethlehem war etwes offener, als er erklaerte:
"Selbst wenn 95% meiner Leute einer Gewerkschaft angehoerten, wQrde
ich sie nicht als Gewerkschafter anerkennen. Ich denke, das ist
bestimmt besser fuer sie."
Im Jahre 1934 gab es in 90 bis 95% aller Stahlwerke des Landes
derartige Unternehmervertraege. Wie sich spaeter herausstellen sollte, legte die Industrie mit diesen Abmachungen unbewusst den Grundstein fuer eine wirkliche Gewerkschaftsbewegung. In der Tat erleichterten sie dem Organisatbnsausschuss der Stahlarbeiter-Gewerkschaft
(SW0C) die Arbelt, als dessen Vertreter unter der Leitung Philip
Murrays im Jahre 1936 den inzwischen historisch gewordenen Organisationsfeldzug der Stahlarbeitergewerkschaft starteten.
Eine regelrechte Panik bemaechtigte sich der Industrie, als
Tausende und Abertausende von Arbeitern der neuen Gewerkschaft zustroemten, obwohl sich die Unternehmer bemuehten, durch hastige Lohnerhoehungen und verbesserte Arbeitsbedingungen diesen Zustrom aufzuhalten.
- 15 -

�Im Februar 1936 zaehlte die Stahlarbeitergewerkschaft 150.000
Mitglieder. Den groessten Schlag erlitten die Stahlmagn&amp;ten jedoch,
die etwas verfrueht den Organisationsfeldzug als "eine vollstaendige
Pleite" bezeichnet hatten, als im Maerz die Stahlwerke CarnegieIllinois, ein Schwesterunternehmen der US Stahl, einen Vertrag mit
der Stahlarbeitergewerkschaft abschloss. In diesem Vertrag wurde
diese Gewerkschaft als der einzige verhandlungsberechtige Partner
anerkannt, die Loehne um 10$ erhoeht und der Achtstundentag sowie
die 40 Stunden-Woche mit 50 prozentigem Lohnaufschlag bei Ueberstunden eingefuehrt.
Innerhalb von 3 Monaten hatte die Stahlarbeitergewerkschaft mit
140 Stahlunternehnern, darunter Jones &amp; Laughlin, einem der groessten
unabhaengi^en Unternehmen,Tarifvertraege abgeschlossen, und im Juli
waren bereits 75% der Stahlindustrie durch Tarife erfasst. Das "Un"moegliche" war verwirklicht worden.
Mit den restlichen 25% war es jedoch eine andere Sache, hierzu
gehoerten auch eine Anzahl kleinerer Werke. Bethlehem-Stahl, Republik-Stahl, Inland-Stahl und Youngstown Bleche &amp; Roehren weigerten
sich einfach, Tarife zu unterzeichnen. Am 26. Mai 1937 traten
79.000 Arbeiter dieser Y.Terke in den Streik.
Im gleichen Augenblick wurde Gewalt angewendet. In den Republik-Stahl-vVerken in Chikago-Sued schössen Polizisten in eine Gruppe
von 1000 Arbeitern, die sich zur Feier des "Memorial Tages" (Nationalfeiertag zum Gedaechtnis an die Beendigung des Zweiten Weltkrieges am 30. Mai) versammelt hatten. Zehn Arbeiter wurden getoetet
und 90 verletzt.
Weitere Todesopfer gab es in Massillon (Ohio), hier wurden drei
Arbeiter getoetet, in Youngstown (Ohio) wurden zwei Opfer gezaehlt
und eines in Beaver Falls (Pennsylvanien).
Es war ein Wirtschaftskrieg schlimmsten Ausmasses. Einige Zeit
spaeter berichtete das LaFollette-Komite dem amerikanischen Senat,
das3 die vier genannten Stahlkonzerne gemeinsam mit staatlichen, bezirklichen und oertlichen Behoerden mehr als 178.000 Dollar fuer
Munition ausgegeben hatten, um damit den Streik brechen zu koennen.
Die unerschuetterliche solidarische Haltung der Stahlarbeiter
zwang schliesslich auch diese Stahlkonzerne zur Unterschrift. Heute
erkennen sie die Stahlarbeitergewerkschaft als Verhandlungspartner
an, der die Interessen der Arbeitnehmer vertritt.
Die Unternehmer moechten jene Tage gern in Vergessenheit geraten lassen - die Maenner jedoch, die an gluehenden Oefen und in Werkstaetten mit tropischen Temperaturen arbeiten, koennen niemals die
Jahre vergessen, als ihnen noch keine Gewerkschaft als Schutz und
Hilfe zur Seite stand.
The CI0 News
V/15/50
16 -

Office of Labor A f f a i r s
AP0 757

QFFICIAL

HIC0G R-1J37 L A B Julj 50 19 C

•

�Internationale

ARBEITSMITTEIUINGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 21

Frankfurt, 27. Juli 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Ein interessantes Experiment - - - - - - - - - Der Seeleutestreik in Argentinien - - - - - - Gewerkschaftliche "Rechte" unter einen
kommunistischen Regime - - - - - - - - - - Die Entwicklungsgeschichte einer Gewerkschaft Belgische Textilarbeiter gewinnen vierwöchigen Streik - - - - - - - - - - - - - Lohn- und Arbeitsstreitigkeiten in Indien - - Forderungen amerikanischer Eisenbahnergewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - -

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EIN INTERESSANTES EXPERIMENT
In Holland ist eine zentrale Koerperschaft ins Leben gerufen worden, die Arbeitgeber, Gewerkschaften und Regierung vertritt und das soziale und wirtschaftliche Leben des Landes regeln soll.
Diese Koerperschaft, die sich Sozialwirtschaftsrat nennt,
ist mit der Aufgabe betraut worden, die industrielle Wohlfahrt
des Landes zu ueberwachen und die Regierung in Fragen der sozialen und wirtschaftlichen Gesetzgebung zu beraten.
Ihr besonderes Aufgabengebiet umfasst die Verhuetung von
Arbeitslosigkeit, die Erweiterung der Beschaeftigungsmoeglichkeiten, die Überwachung der Loehne und Arbeitsbedingungen und
die Besichtigung und Kontrolle der Betriebe.
Die 15 Gewerkschaftsmitglieder des Rates setzen sich aus
7 Vertretern des Sozialistischen Niederlaendischen Gewerkschaftsbundes, 5 Vertretern der Romanisch-Katholischen Gewerkschaftsbewegung und 3 Vertretern der Protestantisch-Christlichen Gewerkschaftsbewegung zusammen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
V/19/50

- 1-

�DER SEELEUTESTREIK IN ARGENTINIEN
Sollen auch die letzten Spuren einer freien
GewerkschaftsOrganisation in Argentinien verwischt werden? Dies ist die Kernfrage, ueber
die in dem gegenwaertigen Streik des Allgemeinen Verbandes der Seeleute und verwandter
Berufe Argentiniens (Confederaciön General de
Gremios Maritimos y Afines, abgekuerzt CGGMA)
entschieden wird. Das Ergebnis wird fuer die
Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt von
groesster Bedeutung sein.
Mit dieser Auseinandersetzung musste seit der Machtuebernahme durch General Peron - der damals noch Oberst war - gerechnet werden. Beim Beginn seiner Herrschaft war die gesamte Gewerkschaftsbewegung gegen ihn eingestellt, aber eine bedeutende
Gewerkschaft naoh der anderen wurde auf seine Seite gebracht,
sei es durch Kauf, durch Ueberredung, durch Zwang oder Beschwatzung - mit einer Ausnahme, und das war die Seeleutegewerkschaft und die ihr angeschlossenen Verbaende. Dem Allgemeinen Argentinischen Gewerkschaftsbund, der argentinischen
Gewerkschaftszentrale, erging es nicht anders. Nur ging Peron
etwas schlauer als Hitler vor: wo es nur irgend ging, tarnte
er die eiserne Hand mit dem Sammethandschuh; war es jedoch unvermeidlich hart zu sein, so wurde der Handschuh eben abgelegt.
Den Gewerkschaftsfuehrern wurden gutbezahlte Stellungen, in
denen fast nichts zu arbeiten war, als Belohnung fuer ihre
"Unterstuetzung" geboten; einige Funktionaere liessen sich leider kaufen. Andere wurden durch die Tatsache geblendet, dass
das Peron-Regime scheinbar die wirtschaftlichen Verhaeltnisse
der Arbeiter verbessert hatte, ohne sioh darueber klar zu werden, dass sie mit der Annahme der Bedingungen Perons die Freiheit ihrer Gewerkschaften verkauften. Wo es Peron oder seiner
Frau Eva Peron jedoch nicht gelang, Funktionaere zu korrumpieren oder zu beschwatzen, wurden schaerfere Massnahmen angewendet. Irgendeine erdlohtete Anklage wird gegen die Gewerkschaft
erhoben; es findet daraufhin eine sogenannte "Intervention" statt,
das heisst, ein Beauftragter der Regierung - unter Umstaenden
ein Oberst oder Admiral - wird mit der Leitung der Gewerkschaft
beauftragt. Dann wird der alte Ezekutivaussohuss aufgeloest
und ein neuer gewaehlt. Das Ergebnis dieser Wahl liegt sohon
vorher fest, und wieder ist eine Organisation der Arbeiterschaft,
die in jahrelangen, aufopfernden Anstrengungen geschaffen ist,
der Anhaengerkollektion des Diktators hinzugefuegt.
Es ist richtig, dass noch eine Reihe kleinerer Gewerkschaften nicht gleichgeschaltet ist und zuweilen sogar noch nicht
einmal unter Druck stehen. Peron haelt es jedoch fuer zweckmaessig, einen oder auch zwei solcher Faelle anfuehren zu koennen, wenn man ihm vorwirft, er bediene sioh diktatorischer Methoden. So existieren auch noch einige Peron-feindliche Zeitungen, die trotz ihrer manchmal recht scharfen und offenen Angriffe auf das Regime bestehen bleiben duerfen. Hunderte anderer Zeitungen wurden verboten oder waren gezwungen, ihre Herausgabe einzustellen, weil sie von der Papierversorgung abgeschnitten wurden. "La Vanguardia", das Organ der sozialistischen Partei, musste seinen Betrieb schliessen, weil die Druckereiraeume
angeblich den nsanitaerenn Bedingungen nicht entsprachen. Als
ein anderer Betrieb den Druok der Zeitung uebernahm, wurden die
gleiohen Beanstandungen erhoben. Es gibt jedooh nooh einige
groessere oppositionelle Zeitungen, die auf Grund ihres traditionellen internationalen Rufes weiterhin erscheinen duerfen;
dies erscheint Peron guenstiger als ein Verbot. Sie nstehen jedoch staendig unter Druck; der grossen Tageszeitung La Prensa"
wurden eines Tages saemtliche Papiervorraete beschlagnahmt, damit
sie "gerecht" verteilt werden koennten. Sie wird nun von Tag zu
Tag mit derart geringen Papiermengen beliefert, dass ihr Tagesbedarf gerade gedeckt ist.
2 -

�Je schwaecher eine Gewerkschaft oder eine Zeitung ist und
Je weniger Einfluss sie haben, umso groesser ist ihre Chance,
bestehen zu bleiben. Wenn irgendein oppositioneller Einfluss
bestehen geblieben ist, dann nur deshalb, weil das Regime die
Zeit noch nicht fuer gekommen hielt, ihn zu beseitigen. Und
dies war bislang bei der Seeleutegewerkschaft der Fall. Selbst
jetzt wird sie von dem Regime noch nicht offen angegriffen, es
hat jedoch eine andere GewerkschaftsOrganisation "mit der Wahrnehmung der Interessen der Seeleute" beauftragt. Damit koennte
die Angelegenheit von einem Aussenstehenden als eine "intergewerkschaftliche Streitigkeit" abgetan werden.
Auf diese Weise ist der gegenwaertige Konflikt zustandegekommen. Die argentinischen Seeleute sind nun gute Gewerkschafter, sie haben deshalb auch immer ihre Unabhaenglgkelt zu
wahren gesucht. Dies fuehrte dazu, dass die Gewerkschaft heute
in eine grosse Anzahl verschiedener Berufsverbaende aufgespaltet
ist. So gibt es die Eapitaene der Binnenschiffe und die Lotsen,
die Eapitaene und Schiffsoffiziere der Hochsee-Passagierschiffe,
die Eapitaene der Handelsschiffahrt und der Hochseefischerei,
die Funker und Techniker, die Zahlmeister, die Besatzung der
Signalsohiffe und schliesslich eigentliche Seeleute, und diese
Organisationen sind wiederum zum Teil auf lokaler oder regionaler Basis aufgeteilt. Man hatte in der Vergangenheit versucht,
sie alle in einer einzigen Gewerkschaft zu vereinigen, ist jedoch lange Zeit zu keinem Ergebnis gekommen.
Eine Reihe dieser Seeleutegewerkschafteri, die erkannt haben,
dass sie nur in engster Verbundenheit dem Peron-Regime Widerstand
leisten und ihre Unabhängigkeit bewahren koennen, schlössen sich
mit einigen Organisationen der Hafenarbeiter zusammen und gruendeten den Allgemeinen Verband der Seeleute und aehnlicher Berufe
Argentiniens (CGGMA). Zu Anfang waren es dreizehn Organisationen,
Ende 1949 bereits 21. Zwei weitere Organisationen haben in diesem
Jahre ihre Aufnahmegesuche eingereicht, sodass die Mitgliederzahl
sich heute auf ueber 16.000 belaeuft.
Dieser CGGMA ist nun staendig aufgefordert worden, sich dem
Allgemeinen Gewerkschaftsbund (CGT) anzuschliessen - und damit
seine Unabhaenglgkelt aufzugeben. Bis jetzt hat er sich jedoch
entschieden geweigert, es ist ihm obendrein trotz der feindlichen
Haltung der Regierung gelungen, die Interessen seiner Mitglieder
erfolgreich zu vertreten und eine Reihe besserer Bedingungen fuer
sie zu erringen.
Unter der "Schirmherrschaft" des Sekretariats fuer Arbeit und
Wohlfahrt, das inzwischen in den Rang eines Ministeriums erhobem
ist, wurde im Jahre 1947 ein sogenanntes "Gemeinsames Komitee" gebildet, das die Arbeitsprobleme der Seeleute und Hafenarbeiter
untersuchen und loesen soll. Die Vertretung der Arbeitnehmer
setzte sich urspruenglich ausschliesslich aus Mitgliedern des
CGGMA zusammen; der CGT - die peronistische Dachorganisation versuchte Jedoch bald durch die Ausuebung eines starken Druckes,
eine Vertretung in diesem "Eomitee" zu erzielen, obwohl ihm nur
eine kleinere, unter dem Protektorat der staatlichen Schiffahrtslinie "Dodero" stehende Seefahrergewerkschaft angeschlossen war.
Der CGGMA weigerte sich, dieser Organisation eine Vertretung zuzugestehen; seit dieser Zeit hatte das Eomitee praktisch keine
Funktionen mehr.

3

�Im Jahre 1949 wurde durch die Regierung ein Transportministerium geschaffen, das das Aufgabengebiet des Arbeltsministeriums in allen Arbeitsangelegenheiten des Transportgewerbes uebernahm; das fruehere "Gemeinsame Komitee" wurde offiziell aufgeloest. Dabei wurde versprochen, dass ein neuer Ausschuss gebildet wuerde, der sich lediglich aus den Mitgliedern der dem CGGMA
angehoerenden Gewerkschaften zusammensetzen sollte. Dieses Versprechen wurde jedoch nicht gehalten. Am 26. August 1949 unterzeichnete der CGGMA im Namen der ihm angeschlossenen Gewerkschaften einen Tarifvertrag mit dem Arbeitsdirektor des Transportministeriums, in dem sich dieser verpflichtete, einige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durohzufuehren, sowie ein neues "Gemeinsames Komitee" zu ernennen, das sich nooh vor Jahresschluss
mit dringenden Problemen befassen sollte. Der CGGMA und die
Reeder ernannten, wie es vereinbart war, ihre Vertreter fuer
diesen Ausschuss, der jedoch niemals zusammentreten sollte.
Ende April 1950 stellte der Minister fuer Arbeit und Wohlfahrt ein anderes Komitee zusammen, dem diesmal jedoch keine
Vertreter des CGGMA oder seiner angeschlossenen Gewerkschaften
angehoerten, sondern nur von der CGT - Dachorganisation Perons ernannte ArbeitnehmerVertreter.
Damit wurde natuerlich bezweckt, den CGGMA als Tarifpartner fuer Seeleute zu verdraengen,
und ihn duroh eine andere Koerperschaft zu ersetzen. Hier ist
der Ausgangspunkt des gegenwaertigen Konfliktes zu sehen. Inwieweit die Regierung das Recht hat, ihn als einen "inter-gewerkschaftlichen Streit" zu bezeichnen, kann der Leser wohl
selbst beurteilen. Die gemeinsame Verlautbarung der Regierung
und der peronistischen Presse besagt, der CGGMA handele auf Befehl einer; kommunistisch inspirierten Orgapisation, des Internationalen Transportarbeiterverbandes, und versuche mit unpatriotischen Massnahmen die nationale Wirtschaft zu stoeren und die
argentinische Handelsmarine zu vernichten. Laecherlioh hierbei
ist in diesem Zusammenhange die Erklaerung der von der Regierung kontrollierten Presse, der Streik sei von auslaendIschen
Kapitalisten und Imperialisten angestiftet, die in der zunehmenden Staerke der HandelsSchiffahrt Argentiniens eine Gefahr saehen.
So viel ueber die Hintergründe und wahren Gruende des gegenwaertigen Konfliktes. Der aeussere Anlass war ein drei-taegiger
Streik, der am 3. Mal von dem CGGMA ausgerufen wurde und den
Förderungen der Gewerkschaft nach hoeheren Loehnen und der Wiedereinführung des "Gemeinsamen Komitees" Nachdruck verleihen
sollte. Zuvor hatten zwei kleinere Streiks stattgefunden, einer
im Maerz und einer im April, die den Behoerden beweisen sollten,
dass die Seeleute geschlossen hinter ihrer Gewerkschaft standen.
Nach Beendigung des Streiks am 6. Mai wurden eine Anzahl Seeleute von der staatlich kontrollierten Schiffahrtslinie "Dodero"
entlassen. Am 10. Mai wurden die Mitgliedsgewerkschaften des
CGGMA - aber nicht der CGGMA selbst - vom Transportministerium
zu Verhandlungen eingeladen. Hier vereinbarte man, die Entlassenen wieder einzustellen. Kurz danach wurde den Gewerkschaftsvertretern jedoch erklaert, dass eine Wiedereinstellung von dem
Austritt mehrerer Gewerkschaften aus dem CGGMA abhaengig gemacht
wuerde.
Die angeschlossenen Gewerkschaften beriefen eine Sonderkonferenz ein und,beschlossen, diese Bedingungen abzulehnen und ihre
Mitglieder aufzufordern, die Arbeit am 18. Mai niederzulegen und
nicht eher an ihre Arbeitsplaetze zurueckzukehren, bis die folgenden, wirklich gerechtfertigten Forderungen bewilligt seien:

- 4 -

�1.

Wiedereinstellung aller von der "Dodero"Schiffahrtslinie Entlassenen.

2. Verwirklichung des Artikels IV des am
26. August 1949 von dem Vertreter des
Transportministeriums unterzeichneten
Vertrages ueber die Bildung eines "Gemeinsamen Komitees".
3.

Anerkennung des Rechtes der in Frage
kommenden Gewerkschaften, ihre eigene
Gewerkschaftspolitik frei zu bestimmen.

Mit Ausnahme weniger Schiffe, die zum groessten Teil der
Dodero-Linie angehoeren, deren Offiziere einberufene Reservisten
und deren Mannschaften voellig eingeschuechtert sind, ist der
Streik vollkommen durchgefuehrt, obwohl er bereits ueber zwei
Monate andauert, und obwohl man den Streikenden mit persoenlichen Repressalien, wie der Einbehaltung ihrer Papiere, gedroht
hat, wenn sie die Schiffe verliessen. Berichten, die uns zugegangen sind, ist zu entnehmen, dass bis jetzt mehr als 90 Mitglieder der CGGMA verhaftet wurden.
Alle diese Informationen koennen als unbedingt zuverlaessig
angesehen werden. Bevor sich der Exekutivausschuss der Internationalen Transportarbeitergewerkschaft entschloss, den Boykott
argentinischer Schiffe anzuordnen, wollte der Generalsekretaer
0. Becu sich nach Buenos Aires begeben, um sich selbst ueber die
Lage zu informieren und zu versuchen, mit dem argentinischen Arbeitsminister die Angelegenheit zu besprechen. Die argentinische
Gesandtschaft in London versicherte, dass fuer diese Besprechungen Vorkehrungen getroffen wuerden. Bei seiner Ankunft in Montevideo wurde dem Generalsekretaer die Einreiseerlaubnis jedoch verweigert. Es gelang ihm jedoch, mit Vertretern der CGGMA zusammenzukommen und zuverlaessige Informationen ueber die tatsaechliche
Lage einzuholen. Waehrend seines Aufenthaltes in Montevideo
teilte die argentinische Regierung dem CGGMA mit, dass sie bereit
sei, einen Versuch zur Beilegung der Streitigkeiten zu unternehmen, und zwar auf der Grundlage dieser beiden Bedingungen:
1. Dass die zwei Vertreter des Argentinischen
Gewerkschaftsbundes (CGT) lediglich als Beobachter in das vorgeschlagene "Gemeinsame
Komitee" aufgenommen wuerden.
2.

Dass die gesamte Mitgliedschaft des CGGMA
ueber die Frage abstimmen solle, ob der
CGGMA dem CGT beitreten soll oder nicht.

Der Generalsekretaer des CGGMA besprach diese Vorschlaege mit
dem Generalsekretaer des Internationalen Transportarbeiterverbandes Becu und erklaerte, dass er sie fuer annehmbar halte, da er
nichts zu befuerchten habe, sei es hinsichtlich der Abstimmung
oder der Vertretung des CGT im "Gemeinsamen Komitee". Eine beobachtende Vertretung des CGT koenne, so meinte er, das Ansehen
ihrer Organisation eher schmaelern als verbessern. Bevor die
Vorschlaege angenommen werden konnten, zog sich die argentinische
Regierung jedoch von den Besprechungen zurueok. Die Gruende hierfuer sind bis jetzt noch nicht bekannt, doch lassen sie sich
leicht erraten.

5 -

�Nach seiner Rueckkehr von Montevideo besprach der Generalsekretaer des Internationalen Transportarbeiterverbandes diese
Angelegenheit eingehend mit Vertretern der angeschlossenen Gewerkschaften, die daraufhin mit Genehmigung des Exekutivausschusses auf der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf beschlossen, den Boykott argentinischer Schiffe zu erklaeren.
Dieser Entschluss kam erst nach reiflicher üeberlegung zustande. Zuvor ist alles versucht worden, die Streitigkeit auf
friedlichem Wege beizulegen. Die argentinische Regierung machte
dies jedoch unmoeglich, da sie dem Generalsekretaer die Einreiseerlaubnis verweigerte. Diese Tatsache allein beweist in ausreichendem Masse, dass die Regierung Argentiniens entschlossen ist,
nicht einer einzigen groesseren argentinischen Gewerkschaft ihre
Unabhaengigkeit zu belassen. Es ist klar, dass ihre gegenwaertige Politik das Ziel verfolgt, den Streik solange andauern zu lassen, bis Hunger und Not die Seeleute zum Nachgeben zwingt oder
der CGGMA auseiranderbricht, damit ausser jener unbedeutenden Organisation, die dem CGT untersteht, keine Gewerkschaft mehr vorhanden ist, die die Interessen der Seeleute vertreten koennte.
Die Bedeutung dieser Auseinandersetzung fuer den Internationalen Transportarbeiterverband und fuer die ihm angeschlossene Organisation' in Argentinien und darueber hinaus fuer die Zukunft der
freien Gewerkschaftsbewegung in der ganzen Welt ist noch nicht zu
uebersehen. Es steht ausser Zweifel, dass dieser Angriff auf den
CGGMA die letzte Anstrengung Perons darstellt, eine voellig totalitaere Gewerkschaftsbewegung zu errichten. Wenn der CGGMA
trotz dieser Machenschaften als freie und demokratische Organisation erhalten werden kann, dann waere dem Prestige des PeronRegimes, das wirtschaftlich bereits auf recht schwachen Fuessen
steht, ein. schwerer Schlag versetzt.
Der Internationale Transportarbeiterverband ist deshalb entschlossen, dem CGGMA jede nur moegliche Unterstuetzung zukommen
zu lassen und hofft, dabei von den ihm angeschlossenen Gewerkschaften tatkraeftig unterstuetzt zu werden. Die argentinischen
Seeleute verkennen nicht die Tatsache, dass der CGT eine Organisation ist, die voellig unter dem Einfluss der Regierung steht,
und dass sie ihre Freiheit einbuessten, wenn sie dieser Organisation beitreten wuerden. Sie bilden eine unabhaengige Gemeinschaft und haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie in der
Lage sind, einen Streik monatelang zu fuehren, wenn es erforderlich ist. Selbst wenn Hunger und Not sie schliesslich zwingen
sollten, den Kampf aufzugeben, so wird der Geist, der sie heute
beseelt, in ihnen weiterleben, auch wenn dieser Kampf mit einer
schweren Niederlage fuer die freie Gewerkschaftsbewegung enden
wuerde.
Aufgabe des Internationalen Transportarbeiterverbandes und
der ihm zugehoerigen Organisationen muss es sein, dies mit allen
Mitteln zu verhindern. Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften hat bereits jede Unterstuetzung zugesagt.
"Press Report" des Internationalen
Transportarbeiterverbandes VIl/10/50

- 6-

�GEWERKSCHAFTLICHE "RECHTE" UNTER EINEM KOMMUN IS TISCHEN REGIME
Die Regierung der chinesischen "Volksrepublik" hat kuerzlichfireivorlaeufige Befehle ueber die Beziehungen zwischen
Industrie und Gewerkschaften erlassen. Wenn man sich mit diesen Anordnungen etwas naeher befasst, kann man feststellen, dass
die kommunistische Regierung Chinas, die angeblich die Rechte
der Arbeiter den Unternehmern gegenueber verankern will, Methoden eingefuehrt hat, die der Arbeiterschaft das elementare Reoht
des Kollektivverhandlungswesens entreisst. Diese Methoden gleichen durchaus denen, die in allen anderen Laendern hinter dem
europaeisehen Eisernen Vorhang angewendet werden.
Waehrend die Regierung in diesen Anordnungen behauptet, den
Gewerkschaften werde das Recht eingeraeumt, mit den Unternehmern
ueber Loehne, Arbeitszeit und andere Arbeitsbedingungen sowohl
mit dem einzelnen Privatunternehmer als auch mit der gesamten Industrie zu verhandeln, ist es den Gewerkschaften tatsaechlich
keinesfalls erlaubt, als freie Verhandlungspartner aufzutreten.
Landestarlfvertraege muessen von dem Arbeitsamt der Volksrepublik
genehmigt werden, und Einzelbestimmungen zum Abschluss von Tarifverträgen mit einzelnen Unternehmern unterliegen ebenfalls der
endgueltigen Genehmigung des Arbeitsamtes.
Das Streikrecht wird den Gewerkschaften in Indirekter Weise
versagt. Der Regierungsbefehl bestimmt, dass Arbeitsstreitigkeiten, die von den Partnern selbst nicht beigelegt werden koennen,
dem Arbeitsamt zur Vermittlung oder Schiedssprechung unterbreitet
werden muessen, das heisst, dass Streitfaelle von der Regierung
geklaert werden muessen. Solenge das Vermittlungs- oder Schiedsspruchverfahren laeuft, muessen beide Partner die Produktion aufrechterhalten, auch die Arbeitsdisziplin muss eingehalten werden.
Die Anordnungen der kommunistischen Regierung enthalten eine
allgemeine Lohnstopbestimmung. Nur bei aussergewoehnlich niedrigen
Loehnen koennen die Tarife durch Tarifvertraege abgeaendert werden, aber auch in diesem Falle ist dies nur moeglich, wenn das
staatliche Arbeitsamt diese Lohnaenderungen genehmigt. Auf der
anderen Seite muss jedoch erwaehnt werden, dass die Lohntarife
dem Preisindex fuer lebensnotwendige, Gueter von Zeit zu Zeit angepasst werden.
Die Arbeitszeit wurde in diesen Anordnungen auf 8 bis 10
Stunden taeglich festgesetzt, sie kann jedoch durch Tarifvertraege verlaengert oder verkuerzt werden, wenn die Regierung hierfuer
ihre Zustimmung gibt. Sollte es sich zur "Erreichung der Produktionsquoten" jedoch als notwendig erweisen, so kann die Arbeitszeit auf zwoelf Stunden taeglich ausgedehnt werden. Bestimmungen ueber die Bezahlung der Ueberstunden sind in diesen
Anordnungen nicht zu entdecken.
Die Regierung des kommunistischen China hat die Arbeiter in
jenen Zustand der Unterwuerfigkeit zurueckversetzt, wie er in
allen Laendern hinter dem Eisernen Vorhang vorgefunden wird.
Die Feststellung ist jedoch vielleicht nicht uninteressant, dass
es auch dieser Regierung nicht gelungen ist, das schreckliche
Elend und die Not der Millionen zu lindern, die seit dem kommunistischen "Befreiungsfeldzug" in China anzutreffen ist. General
Lin Piao, der Vorsitzende des Militaer- und Verwaltungsrates der
Provinzen Honan, Hupeh, Hunan, Kiangsi, Kwantung und Kwangsi gab
in einer Rede, die er kuerzlich in Hankau hielt, zu, dass in seinem Verwaltungsbezirk zehn Millionen Menschen unter der Hungersnot litten, die landwirtschaftliche Produktion dreissig Prozent
niedriger als vor dem Buergerkriege sei und die Landreform in
fuenf der von ihm verwalteten sechs Provinzen ueberhaupt noch
nicht begonnen habe.
Information Bulletin des IBFG
V/50
- 7 -

�Joseph 0. Moreschi, Generalpraesident der International Hod
Carriers', Building and Common Laborers * Union of America:
DIE ENTWICKLUNGSGESCHICHTE EINER GEWERKSCHAFT
Die 45-jaehrige Geschichte der Internationalen Amerikanischen Gewerkschaft der Handlanger, Bauhilfs- und Erdarbeiter
berichtet von den Kaempfen und Erfolgen von Hunderttausenden
von Arbeitern dieses Landes um die Anerkennung ihrer Rechte
und die Humanisierung der Bedingungen, unter denen sie lebten
und arbeiteten.
Am £8. April 1903 uebergab der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL unserer Organisation die Satzung, nach der sie fast ein
halbes Jahrhundert lang arbeitete. Zu jener Zeit fing die Gewerkschaftsbewegung gerade an, innerhalb der Nation eine Macht
darzustellen. Die AFL bestand erst seit 17 Jahren und hatte
nicht mehr als 1.750.000 Mitglieder.
In keinem anderen Berufszweig wurde eine Gewerkschaft dringender benoetigt als bei uns. Auf Grund des grossen Zustromes
von Einwanderern war die Zahl der ungelernten Arbeiter sehr
gross. Wenn auch nicht alle, so fielen doch die meisten von
ihnen dem "Patronatssystem" zum Opfer, das darin bestand, dass
ein Unternehmer sie anheuerte und aus ihrer Arbeit Profit schlug.
Der Druck, den diese Unternehmer ausuebten, war groesstenteils
sehr stark, und das Los seiner "Schuetzlinge" war nicht viel
besser als das regelrechter Sklaven.
Zahlreiche Versuche wurden unternommen, die Arbeiter zu
organisieren; es fehlte jedoch an der noetigen Zusammenarbeit,
und diese Bemuehungen waren somit meist nur voruebergehender
Natur. Jeder zog nach einer anderen Richtung. Die ersten Versuche zur nationalen Organisierung wurden in Lowell (Mass.) und
Dayton (Ohio) unternommen. Die Idee, alle Bauhilfs- und Erdarbeiter in einer Organisation zu vereinigen erwachte, und
Samuel Gompers rief zur ersten Konvention auf.
Mit der Eroeffnungskonferenz am IS. April 1903 in Washington war eine entscheidender Schritt getan. 80 Delegierte aus
22 Staedten waren als Vertreter von fast-5.000 Mitgliedern anwesend. Aus dieser Konvention ging unsere heutige Organisation
hervor.
Zu Anfang bestand die Arbeit der Gewerkschaft darin, Lokalgewerkschaften zu organisieren und die Arbeiter zu bewegen, die
Differenzen zwischen den einzelnen Lokalgewerkschaften innerhalb
der Staedte und die innerhalb der Lokalgewerkschaften entstehenden Streitfragen zu begleichen. Andere Taetigkeiten galten der
Beilegung von Zustaendigkeitsstreitlgkeiten, der Unterstuetzung
der in Streiks befindlichen Lokalgewerkschaften und der Sicherstellung guenstiger Tarifvertraege, kuerzerer Arbeitszeit und
besserer Arbeitsbedingungen.
Fuer das Gedeihen der Organisation war die Zeit aeusserst
guenstig. Das Gewerkschaftswesen Amerikas war im Aufschwung begriffen. Arbeiter stroemten zu Tausenden den Gewerkschaften zu,
und die Unternehmer fingen an, die Gewerkschaften "anzuerkennen"
und mit ihnen zu verhandeln.

8 -

�Unsere Organisation begann mit 20 Lokalgewerkschaften und
nahm im Laufe des ersten Jahres 112 weitere Organisationen auf.
Die Mitgliederzahl belief sich am Ende des ersten Jahres auf
8.200.
Die Lebenshaltungskosten waren niedrig, aber auch die Loehne.
Aus einem Bericht der Regierung aus jener Zeit geht hervor, dass
das jaehrliche Durchschnittseinkommen der Fabrikarbeiter $449
betrug.
Die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts waren ruhelos und
von der Ausdehnung des Grosskapitals gekennzeichnet. Die Haltung 'der Unternehmer in jener Zeit kommt in einem Brief von
Georg F» Baer, dem Praesidenten einer Bergwerks-Gesellschaft in
Pennsylvanien, zum Ausdruck:
"Die Rechte und Interessen des arbeitenden Menschen werden
nicht von den Gewerkschaftsagitatoren, sondern von den christlichen Maennern beschuetzt und wahrgenommen, denen Gott in seiner unendlichen Weisheit die Kontrolle ueber die EigentumsInteressen dieses Landes in die Hand gelegt hat", schrieb der Grossindustrielle.
Mit den grossen und maechtigen Gewerkschaftsgruppen hatte
der Arbeiter nun einen Spreoher fuer seine Sache und die Moeglichkeit, seine Meinung oeffentlich zum Ausdruck zu bringen.
Heute stellen die mehr als 7 Millionen Mitglieder der AFL einen
Hauptfaktor in der Stabilisierung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften dar.
Vor 45 Jahren, als unsere Organisation entstand, kam der
Gruppe der Handlanger und Bauhilfsarbeiter eine besondere Bedeutung innerhalb der Bauindustrie zu. Heute besteht dieser Begriff
in seiner frueheren Bedeutung nicht mehr. Moderne Baumethoden
haben die Arbeitsbedingungen sehr veraendert und Maschinenkraft
und Aufzuege ersetzen die veraltete Tragmulde. Damit duerfte
unser Name heute eine falsche Bezeichnung sein, denn unsere
Leute verrichten zahlreiche Arten von Arbeiten, von denen viele
nicht mehr in die Sparte der ungelernten Berufe gehoeren. Wenn
wir die Vergangenheit kurz befragen und einen Rueckblick auf die
Entwicklung unserer Gewerkschaft halben, koennen wir den Umfang
unseres gegenwaertigen Arbeitsgebietes besser verstehen. Urspruenglich hatte die Organisation im Jahre 1903 23 Lokalgewerkschaften und einen Bezirksausschuss und zaehlte 8.000 Mitglieder. Heute haben wir 910 Lokalgewerkschaften, 39 Bezirksausschuesse und die durchschnittliche Mitgliedszahl belief sich
im Jahre 1947 auf 306.456.
Auf Veranlassung des Exekutiv-Ausschusses der AFL wurde uns
bereits fruehzeltig die Zustaendigkeit fuer Zement- und Betonarbeiter im Baugewerbe, den Schiffswerften und dem Strassenbau
zugesprochen.
1917 fand eine Verschmelzung mit einer Gewerkschaft statt,
die zuvor direkt der AFL angeschlossen war. Es war die Gewerkschaft der Unterwasser- und Fundamentarbeiter.

- 9

�Im Jahre 1929 schloss sich die Internationale Gewerkschaft
der Tunnel- und Untergrundbahnarbeiter unserer Organisation an.
Diese Gruppe setzte sich aus "Freiluft"-Arbeitern zusammen, im
Gegensatz zu den oben erwaehnten, die in luftdicht abgeschlossenen Raeumen arbeiten.
1937 vereinigte sich die Internationale Gewerkschaft der
Pflasterer mit unserer Organisation. Diese Gruppe war fuer
saemtliche Strassenarbeiter zustaendlg. Damit hatten wir zu
jener Zeit die unbestrittene Zustaendigkeit ueber alle Strassenarbeiten, ob Zement oder Asphalt, erlangt.
Das Einflussgebiet unserer Gewerkschaft ist heute durch
Verschmelzungen und organisatorisches Anwachsen sehr gross geworden. Wir glauben, dass unsere Taetigkeiten von grundlegender
Bedeutung fuer alle Berufe des Baugewerbes sind, und wer sich den
Artikel 2 unserer Verfassung besieht, wird sich von dem Umfange
unseres Taetigkeitsgebietes ueberzeugen koennen.
Unsere Mitglieder mischen und beioerdern alle Materialien,
die von Maurern, Pflasterern, Zimmerleuten und anderen Bauarbeitern verwendet werden. Auch mit Aufraeumen und Beseitigen von
Truemmern sind sie beschaeftigt.
Unsere Leute verrichten die wichtigsten Vorarbeiten zum
Bauen. Sie bauen Gerueste fuer Maurer und Pflasterer und schachten aus. Anlegen von Graeben, Daemmen, Fundamenten und Erdaushoebdungen gehoeren zu ihren Arbeiten; sie graben, planieren und
stuetzen Fundamente, Daemme und Deiche ab.
Die Zustaendigkeit fuer Betonarbeiter ist umfassend und
sohliesst Betonarbeiten an Daemmen, Fundamenten, Decken und
sonstigen Objekten ein; hierunter fallen auch das Mischen, Befoerdern und Verarbeiten des Betons. Ebenso das Abreissen, Abstreifen, und Abschaelen von Betonformen.
TThsere Zustaendigkeit erstreckt sich auf Strassen, Wege und
Bruecken, umfasst Ausschachtung, Vorbereitung, Betonieren, Asphaltieren, Einrammen, Einzaeunen und Fertigstellen von Strassen,
Wegen, Hoefen, Unterfuehrungen, Ueberfuehrungen, Bruecken und das
Anpassen dieser Objekte an die Landschaft.
An Strassen und Wegen ziehen die uns angehoerenden Arbeiter
Graeben und Kanaele zum Verlegen von allen moeglichen Leitungen.
Sie heben die Graeben aus und befoerdern das gesamte, fuer diese
Arbeiten notwendige Material.
Unsere Leute bauen Schaechte, Tunnel, Untergrundbahnen, Unterwasserkammern, Deiche, Daemme, Wasserleitungen, Flussregulierungen und Flughaefen.
Unsere Mitglieder stuetzen, unterbauen und heben und bewegen
saemtliche Konstruktionen. Alle, die mit dem Bau luftdicht abgeschlossener Kammern beschaeftigt sind, und die dazugehoerigen
Signalleute gehoeren unserer Gewerkschaft an.

10 -

i

�Unsere Zustaendigkeit erstreckt sich auf die allgemeinen
Ausschachtungs- und Planierungsarbeiten. Wir organisieren Arbeiter in Fabriken und Schiffswerften, Materiallagern, Schrottlagern, Asphalt-, Beton- und Zementwerken. Diejenigen, die
Strassen, Wege und Kanaele reinigen, werden von uns betreut.
Wir vertreten alle Bohrer, Sprenger, Signalleute und Arbeiter
in Steinbruechen und Kies- und Sandgruben.
Aus dieser Aufzaehlung kann ersehen werden, dass unsere
Maenner in erster Linie vorbereitende Arbeiten verrichten. Sie
sind jedoch fuer das Gelingen des Ganzen unerlaesslich und ermoeglichen erst die Ausfuehrung von vielen anderen Facharbeiten
auf dem Gebiete des Bauwesens.
Diese umfassende Zustaendigkeit erfordert fachliches Koennen und schliesst ein grosses Mass an Verantwortung ein. Wir
glauben, dieser Verantwortung unseren Mitgliedern gegenueber
waehrend der vergangenen 45 Jahre vollauf gerecht geworden zu
sein.
Die steigende Lohnkurve der vergangenen Jahre ist wohl der
beste Beweis fuer die erfolgreiche Taetigkeit unserer Organisation. Soweit es das Selbstaendigkeitsbewusstsein unserer Gewerkschaft zuliess, haben wir in freundschaftlicher V/eise mit der
AFL, Abteilung fuer Bauberufe, zusammengearbeitet, um einen
staendigen Bedarf an Arbeitskraeften zu sichern.
Unsere eigentliche Aufgabe ist es, fuer unsere Mitglieder
zu kaempfen. Sie brauchen einen Freund, der fuer sie spricht.
Als bestes Beispiel fuer unsere Erfolge auf diesem Gebiet kann
der Arbeitevertrag gelten, der zwischen Gewerkschaften und der
Tennessee-Tal-Behoerde (TVA) zustandekam. Die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern, wie si6 in der TVA verwirklicht sind, werden fortwaehrend als beispielhaft fuer die
Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Parteien bezeichnet.
Was unsere Organisation im Kriege geleistet hat, ist einzigartig. Lange vor Pearl Harbor haben unsere Leute an dem Aufbau "des Arsenals der Demokratie" gearbeitet.
Unsere Mitglieder haben bei dem Bau der fuer den Krieg und
die Verteidigung so wichtigen Projekte eine wesentliche Rolle
gespielt. Sie waren an dem Bau der grossen Alaska-Strasse im
eisigen Norden beteiligt. Ihre Arbeitszeit beim Aufbau der
Ruestungsbetriebe war sehr lang.
Sie betaetigten sich in den
Laendern der feuohten Tropen und des kalten Nordens. In den
Vereinigten Staaten, auf den Inseln und an geheimen Ueberseebasen waren sie beschaeftigt.
In seiner Stellungnahme zum Bauprogramm erklaerte der Chef
der Technischen Einheiten der Armee nach dem Kriege: "Bis zur
Beendigung des Krieges haben unsere Feinde die Baukapazitaet
Amerikas, einen wesentlichen Machtfaktor unseres Landes, fortwaehrend unterschaetzt. Es war dies ein Element unserer Staerke,
fuer das sie keine Vergleichsbasis hatten. Derartiges, hatten
sie nie gekannt."
Der Krieg hat grosse Anforderungen an uns gestellt, und
unsere Leute sind stolz, ihren nicht unwesentlichen Beitrag
geleistet zu haben.

- 11

�Unsere amerikanischen Bauarbeiter mussten in jener Zeit
50 Lager, 30 Aufnähmelager, 19 Unterkuenfte fuer Ersatztruppen, 52 Hafenprojekte, 16 Projekte fuer die Luftwaffe und
nahezu 150 Truppenunterkuenfte hauen. Darüberhinaus mussten
Fabriken und Lager mit den notwendigen Einrichtungen versehen
werden. Hierzu gehoerten Geschaefte aller Art, Strassen,
Kanaele, Wasser und Strom.
Beispiellos jedoch in der Kriegsgeschichte unserer Gewerkschaft ist Wake Island. Auf dieser kleinen Insel im Pazifik befanden sich etwa 5.000 Menschen, davon mehrere tausend
Zivilisten und ein paar hundert Soldaten, die zum groessten
Teil der amerikanischen Marine angehoerten. Die Geschichte
von der Verteidigung Wake Islands ist ein Epos des Mutes und
der Tapferkeit. Die Zivilisten kaempften Schulter an Schulter
mit den Marinesoldaten. Viele von ihnen waren Bauarbeiter und
Mitglieder unserer Gewerkschaft. Sie sind stolz darauf, mitgeholfen zu haben, eines der stolzesten Kapitel in die ruhmreichen
Annalen der amerikanischen Marine zu schreiben.
Die Bemuehungen unserer internationalen Gewerkschaft sind
jedoch auf die Gegenwart und die Zukunft gerichtet. Unser Ziel
ist das gleiche wie vor 45 Jahren: den Arbeitern ein besseres
Los erkaempfen zu helfen. Die Zeiten aendern sich, und die Gewerkschaften muessen bestrebt sein, sich den neuen Gegebenheiten und Verhaeltnissen anzupassen. Wir haben dies getan und
glauben, dass die Anpassungsfaehigkeit unserer Gewerkschaft
eine ihrer wertvollsten Eigenschaften zum Wohle ihrer Mitglieder ist. Mit Genugtuung haben wir von der Loyalitaet und der
Bereitwilligkeit unserer Mitglieder Kenntnis genommen, mit der
sie ihre Gewerkschaft unterstuetzen. In den kritischen Kriegsjahren gab es bei uns keine einzige Unterbrechung der Arbeiten.
Wenn in irgendeinem Teile des Landes die Situation kritisch zu
werden drohte, schickten die Gewerkschaften sofort einen Vertreter, der sich mit der Angelegenheit befasste.
Praesident Truman ist der Auffassung, dass der staendige
Zuwachs an Menschen in unserem Lande umfassende Verbesserungen
der Wohnungsverhaeltnisse, der Strassen, der Projekte zur richtigen Bewirtschaftung des Ackerbodens und anderer Sektoren
erfordert, in denen unsere Gewerkschaftsmitglieder die wichtigsten Vorarbeiten zu verrichten haben. Oertliche Projekte bringen neue Arbeltsmoeglichkeiten an Daemmen, Bruecken, Bewaesserungsanlagen und anderen Einrichtungen grossen Umfanges mit sich.
Mit der Entwicklung des Zeitalters der Luftfahrt wird unser
Land grosse und viele kleine Flughaefen benoetigen; auch auf
diesem Gebiete koennen unsere Arbeiter mit umfangreichen Beschaeftigungsmoeglichkeiten rechnen. Der Praesident hat erklaert,
dass innerhalb von 10 Jahren 45 % unserer Landstrassen erneuert
werden muessten. Damit werden Hunderttausende von Arbeitsplaetzen
entstehen. Mit dem Anwachsen der Staedte werden zusaetzliche
Transportmoeglichkeiten, wie Strassen, Unterfuehrungen, Ueberfuehrungen, usw. notwendig sein.
Der Wohnungsbau ist eines der zukunftsreichsten Arbeitsgebiete. Der Praesident wuerde es begruessen, wenn in den naechsten 10 Jahren mehr als 1 Million Wohnungen jaehrlich erstellt
werden koennten.
Die ungeheuren Beschaeftigungsmoeglichkeiten
angesichts eines solchen Vorhabens liegen auf der Hand.

12 -

�Seit 1903 werden alle angeschlossenen Lokalgewerkschaften
mit beglaubigten, vierteljaehrlichen Finanzberichten beliefert,
die von allen Mitgliedern unserer Gewerkschaft bei den Ortsverwaltungen eingesehen werden koennen.
Unser Gewerkschaftsbeitrag ist einer der niedrigsten aller
in der AFL gezahlten Beitraege - monatlich 35 Cents, von denen
7,5 % einem Lebensversicherungsfonds zugefuehrt werden. Wir
kennen keine Diskriminierung unserer Mitglieder auf Grund ihrer
Rasse, Religion oder Farbe. Mit Recht kann unsere Gewerkschaft
"das grosse Sammelbecken Amerikas" genannt werden.
Zahlreiche Gewerkschaften haben gegen das Taft-HartleyGesetz energisch Stellung genommen. Auf dieses Gesetz hin hat
unsere Gewerkschaft gewisse Aenderungen ihrer Satzungen vornehmen muessen, wodurch ein weiterer Beweis fuer die Anpassungsfaehigkeit unserer gewerkschaftlichen Organisation und Taetigkeit
gegeben ist.
Unsere Gewerkschaft war eine der ersten, die nachdruecklichst
erklaerte, dass das Taft-Hartley-Gesetz unanwendbar und undurtehfuehrbar sei. In einer ausfuehrlichen Empfehlung an den GeneralRechtsvertreter des Bundesausschusses fuer Arbeitsfragen (National
Labor Relations Board) brachten wir unseren Standpunkt klar zum
Ausdruck. In gemeinsamer Zusammenarbeit haben wir unser eigenes
ueberindustrielles System zur Beilegung von Zustaendigkeitsstreitigkeiten aufgebaut.
Ungeachtet unserer offiziellen oder persoenlichen Einstellung dem Taft-Hartley-Gesetz gegenueber ist es unsere Pflicht,
dieses Gesetz zu achten, da es sich um ein Landesgesetz handelt
und solange befolgt werden muss, bis es aus unserer Verfassung
wieder gestrichen ist.
Wir sehen mit Zuversicht und Hoffnung der Zukunft entgegen.
Unsere besondere Hoffnung gilt der Zukunft unserer Arbeiter.
Wir glauben an dieftukunftAmerikas und der amerikanischen Arbeiter, die unser Land zu seiner gegenwaertigen Groesse erhoben
und den Boden fuer eine vielversprechende Zukunft bereitet haben.
"The Laborer", V/50
BELGISCHE TEXTILARBEITER GEWINNEN VIER-WOECHIGEN STREIK
Als sich die belgischen Unternehmer der Textilindustrie
hartnaeckig weigerten, die von den christlichen Und sozialistischen Gewerkschaften geforderten hoeheren Loehne zu zahlen,
traten mehr als 85,000 Arbeiter am 30. Mai in den Ausstand.
Die belgische Textilindustrie befindet sich zur Äeit in
einer sehr guenstigen Lage; sie war im Februar am Gesanlteiport
des Landes mit 31 % beteiligt. Die Textilarbeiter glaubten sich
deshalb im Recht, als sie eine Lohnerhoehung forderten, zumal
ihre Loehne weit niedriger als diejenigen der uebrigen Industrien
waren. Tatsaechlich arbeiten noch einige von ihnen fuer 13,50
Franken pro Stunde, und der Tarif fuer Facharbeiter betraegt
16 Franken. Auf der anderen Seite behaupteten die Arbeitgeber,
dass die von ihnen gezahlten Loehne um 20-30 # hoeher als diejenigen der hollaenjSischen Textilindustrie seien, obwohl die
Differenz zwischen den belgischen und hollaendischen Loehnen im
allgemeinen nicht ueber 8-10 % hinausgeht. Sie versuchten sogar,
eine allgemeine Kampagne zur Senkung der Loehne auch in anderen
Industrien einzuleiten, um ihren Standpunkt damit zu rechtfertigen.

- 13

�Die Folge war, dass die Arbeiter einstimmig einen Mindeststundenlohn fuer ungelernte Arbeiter von 15 Franken fuer Maenner
und 10,50 Franken fuer Frauen forderten. Von den beiden grossen belgischen Gewerkschaften unterstuetzt waren die Textilarbeiter entschlossen, diesen Kampf bis zur siegreichen Beendigung
fortzufuehren.
Der Streik dauerte 4 Wochen und wirkte sich hauptsaechlich
in dem Gebiet von Ghent und anderen flaemischen Gegenden aus (die
Arbeiter der Gebiete Verviers und Mouscron waren an andere Vertraege gebunden und setzten ihre Arbeit fort).
Der Belgische Textilarbeiterverband gewaehrte den Streikenden seine volle Unterstuetzung und bat zu diesem Zweck alle ihm
angeschlossenen Organisationen um eine Sonderabgabe in Hoehe von
10 Franken pro Kopf.
Die grossen belgischen Arbeitgeber der Textilindustrie und
viele kleinere Arbeitgeber waren gezwungen, den Forderungen der
Arbeiter stattzugeben, und am 22. Juni wurde ein neuer Tarifvertrag unterzeichnet. Am 26. Juni wurde die Arbeit wieder aufgenommen .
Nach den Bestimmungen dieses Vertrages erhoeht sich der Mindest-Stundenlohn fuer Maenner auf 15 Franken und fuer Frauen auf
10,50 Franken (nach Vollendung des 21. Lebensjahres und dreimonatiger Arbeitszeit in der Industrie).
Die Grundtarife fuer die im Stundenlohn bezahlten Arbeiter
und auch fuer diejenigen, die Akkordloehne beziehen, haben sich
fuer Maenner bei einem Stundenlohn von 15 Franken um 5 #, zwischen
15 und 16,50 Franken um 4 # und fuer Loehne ueber 16,50 Franken
um 3 # erhoeht. Die Lohnaufbesserung betraegt fuer Frauen bei
Loehnen bis zu 10,50 Franken 5 #, zwischen 10,50 und 11,60 Franken 4 % und 3 % fuer die darueber liegenden Loehne. Die 10 #igen
Sonderpraemien fuer Akkordarbeiter werden auf 13 % erhoeht, die
zur Zeit fuer besonderen Fleiss, Qualitaetsarbeit, etc. gezahlten
Praemien werden durch Heraufsetzen des Prozentsatzes dieser Sonderpraemien verguetet werden.
Mit der Anwendung dieses Vertrages werden etwa 40 % der in
der Baumwoll-, Spinn- und Webindustrie besohaeftigten Arbeiter
hoehere Loehne beziehen, waehrend in der Leinenindustrie, in der
die Loehne am niedrigsten waren, fast alle Lohnempfaenger in den
Genuss hoeherer Tarife kommen.
Information Bulletin des
Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften
VII/5/50
LOHN- UND ARBEITSSTREITIGKEITEN IN INDIEN
Gewisse Anzeichen Hessen im Jahre 1948 darauf schliessen,
dass sich die Realloehne in Indien mehr und mehr ihrem Vorkriegsstand naeherten, ohne ihn Jedoch voellig erreicht zu haben. In
dem Ansteigen der Lebenshaltungskosten war der Hauptgrund fuer
die Streitigkeiten in der Industrie zu sehen. Die Zahl der Arbeitsstreitigkeiten erhoehte sich von 820 im Jahre 1945 auf 1629
im Jahre 1946 und erreichte die Rekordziffer von 1811 im Jahre
1947. 1948 Jedoch ging sie wieder zurueck. Die Arbeitslosenziffern und die Anzahl der Streiks in der Industrie stiegen im
Verlaufe des Jahres 1949 in Indien leicht an. Die Lebenshaltungskosten der-Lohnempfaenger stabilisierten sich im allgemeinen.
- 14

�1949 gingen wegen Streitigkeiten in der Industrie monatlich zwischen 400.000 und 750.000 Arbeitstage verloren. Im
April 1947, als die britische Herrschaft in Indien ihrem Ende
entgegenging, hatte diese Zahl eine bisher nie gekannte Hoehe,
naemlich 2,5 Millionen, erreicht. Im September 1948 war sie
auf 15,000 herabgesunken.
Die folgenden Zahlen wurden vom indischen Arbeitsamt ausgearbeitet und in dem offiziellen "India Record" veroeffentlicht:
1948
Anzahl
der
Streitigkeiten:
"T7636
n
" Arbeiter:
Verlorengegangene Arbeitstage: 8,214,456

. 1949
Jan.1950
"T7I45 "
100
76.000
6,366,761

230.000

Feb.1950

§6
45.000
340.000

Ein staendiges Absinken der Anzahl der Streitigkeiten in der
Industrie ist seit dem Hoehepunkt im Jahre 1948 festzustellen, als
die steigenden Lebenshaltungskosten den Arbeitern mit Liliputeinkommen unertraegliche Lasten auferlegten. Der Verlust an Arbeitstagen im Februar war zum groessten Teil auf Aussperrungen, und
zwar besonders in der Textilindustrie, zurueckzufuehren.
Der Arbeitsminister berichtete von einer anhaltenden Verschlechterung der Beschaeftigungslage, wobei weniger Einstellungen
vorgenommen wurden und weniger offene Stellen zur Verfuegung standen. Zur Behebung des Mangels an Facharbeitern wurden jedoch von
der Regierung zur Schulung von etwa 17,000 Personen im Laufe des
Jahres Ausbildungsprogramme durchgefuehrt.
Die Lebenshaltungskosten der Lohnempfaenger, die waehrend des
Krieges und in den Nachkriegs Jahren rapide in die Hoehe gegangen
waren, waren 1949 unveraendert geblieben. Im letzten Vierteljahr
war der Index der Lebenshaltungskosten in den meisten Industriestaedten der gleiche oder wenig niedriger als ein Jahr zuvor.
Der durchschnittliche Fabrikarbeiter in Indien verdiente
schaetzungsweise jaehrlich 500 - 1.200 Rupien (40 - 90 Pfund
Sterling), wobei in den verschiedenen Gebieten, Industriezweigen
und Berufsgruppen grosse Unterschiede herrschten.
Information Bulletin des
Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften
VII/5/50
FORDERUNGEN AMERIKANISCHER EISENBAHNKRGBWBRKSCHATTEN
Der Vorschlag eines Untersuchungsausschusses des Praesidenten
sieht vor, da'ss fuer etwa 75.000 Eisenbahnangestellte die Woche
mit 6 Arbeitstagen und 48 Arbeitsstunden durch die 5-Tage Woche
mit 40 Arbeitsstunden ersetzt werden soll. Als Ausgleich fuer
die kuerzere Arbeitszeit sollen die Stundenloehne um 18 Cents
erhoeht werden. Diese Bestimmungen wuerden, falls sie von den
Gewerkschaften und den Eisenbahngesellschaften gebilligt werden,
am 1. Oktober in Kraft treten.
Diese Empfehlung kam zustande, nachdem Verhandlungen zwischen
Eisenbahngesellschaften und zwei GewerkschaftsOrganisationen, der
Gewerkschaft der Zugbegleiter und dem Verband der Zugfuehrer, ergebnislos verlaufen waren. Aehnliche Vorschlaege wurden fuer
- 15 -

�4.000 Rangiermeister, die in der Gewerkschaft der Rangiermeister
Amerikas organisiert sind, unterbreitet. Die Exekutivausschuesse
der Gewerkschaften der Zugbegleiter und Zugfuehrer traten zusammen, um den Bericht des Untersuchungsausschusses zu besprechen
und weitere Verhandlungen mit den Eisenbahnunternehmern vorzubereiten.
Seitdem es den nicht im Zugverkehr eingesetzten Arbeitern
der Eisenbahnen im September vorigen Jahres gelungen war, die
40-Stunden Woche ohne Kuerzung ihrer Loehne einzufuehren, ist
der Druck der Gewerkschaft der Rangierer nach gleiohen Bedingungen immer staerker geworden. Auch anders Gewerkschaften, wie die
Ranglergewerkschaft von Nordamerika (AFL) und die der Heizer und
Lokomotivfuehrer haben aehnliche Schritte unternommen, um die
40-Stunden Woche fuer ihre Mitglieder einfuehren zu koennen.
Die Lokomotivtechniker dagegen fordern eine Lohnerhoehung von
20 %. Die im Pendelverkehr auf kleineren Strecken beschaeftigten
Eisenbahner haben keine geregelte Arbeitszeit. Die Dauer ihres
Dienstes haengt groesstenteils von der Laenge der befahrenen
Strecken und der Fahrtzeit von einer Station zur anderen ab.
"Weekly Labor News Digest"
U.S. Arbeitsministerium
VI/21/50

- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

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�Internationale

ARBEITSMITTE1LUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

T U - 22

F r a n k f u r t , 4 . August 1950
INHALTSVE

R Z E I C H N I S

Weltgewerkschaftsbund befuerwortet Vollbesenaeftigung - - - - - - - - - - - - - - - - Falsche
Streiks

1

Auffassungen ueber die Kosten eines
--

_ _ - - - - _ _ - _ - - - - -

Die britische Textilarbeiter-Gewerkschaft
Oesterreich und das ERP

- - -

3
8

- - - - - - - - - - - - 1 5

Hollaendische Gewerkschaft zum Marshall-Plan - - 16

WELTGEWERKSCHAFTSBUND BEFUERWORTET VOLLBESCHAEFTIGUNG
J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer des Internationalen
Bundes freier Gewerkschaften (IBFG), hat nach eingehender Beratung mit den Mitgliedern des Notfall-Ausschusses des IBFG dem
Generalsekretaer der Vereinten Nationen eine Erklaerung unterbreitet, in der die freie Gewerkschaftsinternationale zu der
nationalen und internationalen Politik der Vollbeschaeftigung
Stellung nimmt. Trygve Lie hatte den IBFG aufgefordert, zu dem
Bericht ueber nationale und internationale Massnahmen zur Vollbeschaeftigung Stellung zu nehmen. Dieser Bericht, der von
einer Gruppe Sachverstaendiger ausgearbeitet war, die der Gene
ralsekretaer der Vereinten Nationen hierzu bestellte, bildete
den Gegenstand der Besprechungen des Wirtschafts- und Sozial- 1

�rates dieser Weltorganisation auf seiner letzten Konferenz.
Es wurde beschlossen, alle angeschlossenen Regierungs- und
Nicht-Regierungs-Organisationen aufzufordern, zu diesem fuer
die Wohlfahrt der Arbeiter und der ganzen Welt so entscheidenden Problem Stellung zu nehmen.
In seiner Erklaerung begruesst und befuerwortet der IBFG
den Bericht der Sachverstaendigen der Vereinten Nationen. Besonders wird die Bedeutung hervorgehoben, die die Sachverstaendigen der Vereinten Nationen der nationalen und internationalen
Politik der Vollbeschäftigung beimessen. ' Gebilligt wird ausserdem deren Standpunkt, dass das Ziel der Vollbeschaeftigung
unter Wahrung aller demokratischen Rechte und Einrichtungen und
aller wirtschaftlichen und sozialen Systeme erreicht werden kann,
vorausgesetzt, dass die feste Entschlossenheit vorhanden ist,
Massnahmen anzuwenden, die saemtliche wirtschaftliche Unausgeglichenheiten, die zur Massenarbeitslosigkeit fuehren, beseitigen koennen.
In der Erklaerung des IBFG wird ausserdem hervorgehoben,
dass eine Wirtschaft der Vollbeschaeftigung nur bestehen kann,
wenn alle Massnahmen wirtschaftlicher und sozialer Art aufeinander abgestimmt sind, und ein gut entwickeltes und fortschrittliches System der sozialen Sicherheit vorhanden ist. Hierbei
ist ein hohes Mass Anpassungsfaehigkeit seitens der Regierungen
in ihrer Politik erforderlich, und zwar besonders in der Finanz-,
Waehrungs- und Kreditpolitik, oder auch in oeffentlichen Investitionen und oeffentlichen Arbeiten.
In der Verlautbarung des IBFG wird vor allem die Notwendigkeit betont, die Beweglichkeit der Arbeitskraefte durch Lockerung
der Aus- und Einwanderungsbeschraenkungen durch Austausch der Beschaeftigungsmoeglichkeiten und durch Ausbildungs- und annehmbare Wohnungsbauprogramme zu foerdern. Es wird eine Vergroesserung
des Volumens langfristiger, internationaler Kredite, die Verteilung dieser Geldmittel durch die internationale Wiederaufbaubank,
eine Liberalisierung der Kreditbestimmungen der internationalen
Bank, ausreichende finanzielle und technische Unterstuetzung fuer
wirtschaftlich rueckstaendige Laender und eine umfassendere finanzielle Basis fuer den internationalen Waehrungsfonds gefordert,
um damit den internationalen Handel und Zahlungsverkehr auszudehnen und zu stabilisieren.
Ausserdem macht der IBFG die Vereinten Nationen darauf aufmerksam, dass eines der groessten Hindernisse fuer die Vollbeschaeftigung die Unfaehigkeit ist, Realloehne und Arbeitszeit mit
der steigenden Produktionsleistung auf gleichem Niveau zu halten.
"Fuer die Politik der Vollbeschaeftigung", heisst es in der Erklaerung weiter, "ist es deshalb von groesster Wichtigkeit und
verdient besonders erwaehnt zu werden, dass mit allen Mitteln
verhindert werden muss, dass die Loehne hinter der Produktionsleistung und den Lebenshaltungskosten zurueckbleiben, und dass
diejenigen Loehne, die bereits unter dem Stand der Produktionsleistung und Lebenshaltungskosten liegen, entsprechend aufgebessert werden muessen."
Der IBFG nimmt ferner zu den nachteiligen Auswirkungen der
nationalen un&lt;? internationalen Privatmonopole auf die Kaufkraft
der Verbraucher Stellung und ruft zu wirksamen Massnahmen zur
Bekaempfung dieser Monopole auf.

- £-

�Er ist sich ausserdem der Bedeutung wirksamer internationaler
Massnahmen zur Errichtung eines weltumfassenden Wirtschaftssystems
der Vollbeschaeftigung bewusst.
Die Erklaerung enthaelt eine Reihe von Vorschlaegen, rueckstaendige Laender in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu unterstuetzen, damit die Beschaeftigungsmoeglichkeiten in
jenen Gebieten zu steigern und die Beschaeftigungslage in solchen
Laendern zu stabilisieren, die in besonderem Masse auf den Aussenhandel angewiesen und deshalb fuer internationale Wirtschaftskrisen besonders anfaeilig sind.
Um die Ziele der nationalen und internationalen Politik der
Vollbeschaeftigung erreichen zu koennen, schlaegt der IBFG in
seiner Stellungnahme zu dem Bericht der Sachverstaendigen der
Vereinten Nationen vor, dass der Wirtschafts- und Sozialrat der
Vereinten Nationen in enger Zusammenarbeit mit der internationalen Arbeltsorganisation einen Ausschuss ernennt, der mit dem Entwurf einer Internationalen Konvention beauftragt werden soll, in
der sich alle Teilnehmerstaaten verpflichten, die Vollbeschaeftigung, soweit dies in ihrer Macht liegt, zu verwirklichen und aufrechtzuerhalten und ihre nationale und internationale WirtschaftsFinanz- und Sozialpolitik mit den in dem Bericht der Sachverstaen-'
digen der Vereinten Nationen zum Ausdruck gebrachten Empfehlungen
und den Vorschlaegen des IBFG in Einklang zu bringen.
Information Bulletin des IBFG
V/50
FALSCHE AUFFASSUNGEN ÜEBER DIE KOSTEN EINES STREIKS
Der folgende Artikel erschien in der Zeitschrift "Ammunition" dem Organ des Amerikanischen Automobilarbeiter-Verbandes (CIO).
Er behandelt das Problem der Streikkosten
und Streikschaeden und venucht darzulegen,
dass weder die Arbeiter noch die Unternehmer
notwendigerweise geschaedigt werden. Wir
drucken diesen Artikel ab ohne uns mit Form
und Inhalt zu identifizieren.
im w Tflße des Streiks in den Chrysler-Werken wurde in den
"Automotive A f t e r n Organ der Automobilindustrie, erklaert, dass
dieser Streik insgesamt 1, 091,732,200 Dollar gekostet haette. Ist
dies nun wahr oder unwahr?
Die gleichen pruefbaren statistischen Zahlen tauchen bei jedem
Streik auf. So wandte man sie auch bei dem Bergarbeiterstreik
an.
Die Bergwerksunternehmen multiplizierten die d « 0 * « ^ " ^ *
TaKesoroduktion an Kohle mit der Anzahl der Tage, die die Bergl^elllv
gestreikt hatten, und erklärten dass das Ergebnis die
Zahl der verlorengegangenen Tonnen Kohle darstelle. Sie verviel
faeltigten die Anzahl der Tonnen Kohle, die waehrend des Streiks
n?oht fefoerdert wurde, mit dem Preis je Tonne und behaupteten,
dass dfes der S u R E S i g sei, den die Unternehmer verloren haetten.
q?« multinlizierten ausserdem die Anzahl der Tage, an denen die
Berg?eutePgeltreik? hatten, mit dem durchschnittlichen Tagesverdienst und sagten, dass dies der Gesamtbetrag der eingebuessten
Soehne Sei. Dann zaehlten sie alle Arbeiter zusammen, von denen
m«n annahm d e ^ s i e wegen des Mangels an Kohle entlassen werden
Susstent^d'multloUzifrten diese^ahl mit • ä « * " ^ ^ SJiSt?
Tageslohn. Dies sei der Betrag, so behaupteten sie, der den Gesamt

- 3-

�Verlusten des Bergarbeiterstreiks hinzugerechnet werden muesse.
Dann zaehlten sie die Tage zusammen, an denen in den Betrieben
wegen Mangels an Kohle nicht gearbeitet werden konnte, und
multiplizierten diese Zahl mit dem durchschnittlichen Wert
einer Tagesproduktion. Alle diese Ziffern zusammengezaehlt
wuerden, so erklaerten sie, die durch den Bergarbeiterstreik
verursachten Verluste ergeben.
Hat dieser Streik nun tatsaechlich soviel Unkosten verursacht?
"Business Weekn berichtete, dass die Bergleute zur Zeit vier Tage
in der Woche arbeiteten. Es ist zu erwarten, dass sie im Hochsommer nur noch an drei Tagen in der Woche beschaeftigt werden
koennen. Im Herbst wird hoechstwahrscheinlich die Arbeit zeitweise eingestellt werden muessen. Die Bergleute haben nachtraeglich all die Kohle gefoerdert, die waehrend des Bergarbeiterstreiks nicht gefoerdert worden war. Sie haben sogar mehr Kohle
gebrochen, als im Land verbraucht werden kann. In Wirklichkeit
hat der Bergarbeiterstreik also keinen Verlust an Kohle verursacht.
Dieser Streik hatte lediglich zur Folge, dass die Produktion von
einem Abschnitt des Jahres auf einen anderen verlegt wurde. Damit
ist die Behauptung ueber den angeblichen ProduktionsVerlust nicht
mehr haltbar.
Die Kohlenproduktion hat somit keinerlei Verluste zu verzeichnen. Wie verhaelt es sich nun mit den Loehnen? Die Bergarbeiter arbeiten zur Zelt vier Tage woechentlich. Wenn sie
waehrend der ganzen Zeit in der sie streikten, Kohle gefoerdert
haetten, laegen die Vorraete an Kohle schon vor Monaten weit
ueber der absetzbaren Menge, und die Bergarbeiter waeren nur
noch drei oder noch weniger Tage je Woche beschaeftigt gewesen.
Die waehrend des Streiks verlorengegangenen Loehne waeren also
auf jeden Fall verloren.
Was haben die Bergleute waehrend des Streiks nun tatsaechlich
eingebuesst? Sie haben lediglich auf ihre Arbeitslosenunterstuetzung verzichten muessen.
Nun zu den Betrieben und Eisenbahnen, die durch den Bergarbeiterstreik angeblich gezwungen waren, ihren Betrieb zu
schliessen. Nicht alle Betriebe, die waehrend des Bergarbeiterstreiks die Arbeit einstellten, mussten tatsaechlich wegen dieses
Streiks die Arbeit einstellen. Jede Gesellschaft, die Arbeiter
wegen Mangels an Auftraegen entliess, beeilte sich zu erklaeren,
dass dies auf Grund des Streiks erforderlich sei. Damit wollte
man die streikenden Bergarbeiter fuer alles verantwortlich
machen. Wenn in gewissen Faellen die Betriebe tatsaechlich wegen
des Bergarbeiterstreiks schliessen mussten, dann hatten sie Gelegenheit, die verlorengegangene Produktion wieder nachzuholen.
Damit waren also auch die Arbeiter in der Lage, wieder in den
Besitz der verlorengegangenen Loehne zu kommen. Wenn die betroffenen Arbeiter Ueberstunden leisten mussten, um die Produktion
nachholen zu koennen, dann hatten sie durch den Bergarbeiterstreik nur finanzielle Vorteile, d.h. die regulaere Arbeitszeit,
die ihnen verlorenging, wurde zum Teil durch Ueberstunden ersetzt, die den 1 1/2-fachen oder doppelten Verdienst einbrachten.
Abgesehen von den falschen Angaben ueber die Verluste im Bergarbeiterstreik ging der Wirtschaft des Landes nichts verloren.
Nur die Bergarbeiter hatten einen Verlust zu verzeichnen und
zwar den dex* Arbeitslosenunterstuetzung. Wenn die Unternehmer,
die fuer die Bergarbeiter waehrend der Streiks so großes Mitleid
zeigten, diesen Verlust vermeiden wollen, dann koennen sie das
auf einen sehr einfache Art und Weise. Sie brauchen sich nur
mit dem C.I.O. in Verbindung zu setzen und die Gesetzgeber des
Staates zu bewegen, die Gesetze der Arbeitslosenversicherung so
abzuaendern, dass die Arbeiter waehrend der Streiks Arbeitslosenunterstuetzung beziehen.
4 -

�Wenn die Bergarbeiter ihre Arbeitslosenunterstuetzung jedoch
verloren haben, dann war auch diese Einbusse nicht vergebens.
Die Bergwerksunternehmen wuerden den Bergarbeitern ohnehin
fuer eine bestimmte Zeit nichts gegeben haben, auch wenn sie nicht
gestreikt haetten; was die Bergarbeiter jedoch an Arbeitslosenunters tue tzung verloren, kam ihnen durch die im Streik erzielten
Erfolge wieder zugute.
Der durchschnittliche Verlust an Arbeitslosenunters tue tzung betrug weniger als 400 Dollar fuer den einzelnen Arbeiter, in den meisten Faellen war der Betrag weit geringer.
Im Gegensatz hierzu sei der Gewinn in bar gestellt: 70 Cents je
Tag als Lohnzuschlag; eine Erhoehung der Pensions- und Wohlfahrts-»
unterstuetzung, die sich auf etwa 5.000 Dollar je Arbeiter (dies
allein ist bereits ein genuegender Gewinn.') belaeuft. Selbst bei
nur 200 Arbeitstagen je Jahr, was einen hohen Grad der Arbeitslosigkeit bedeutet, gleichen allein die durch den Streik erzielten Lohngewinne in zwei Jahren den gesamten Verlust an Arbeitslosenunters tue tzung aus. Die 5.000 Dollar je Arbeiter, die fuer
die Pensions- und Wohlfahrtsunterstuetzungen erzielt werden konnte, sind somit Reingewinne fuer die Bergleute.
Hat die Gesamtwirtschaft durch den Bergarbeiterstreik etwas
gewonnen oder verloren? Verloren hat sie ueberhaupt nichts, sie
hat nur wesentliche Gewinne erzielt. Und zwar deshalb, weil die
Bergarbeiter mitgeholfen haben, jenes Sicherheitssystem zu propagieren, das fuer alle Arbeiter erreicht werden muss. Ein weiterer Gewinn fuer die Wirtschaft besteht darin, dass durch den
Erfolg dieses Streiks vdas nationale Einkommen gerechter verteilt
wird, und zwar in eineV Weise, die die Wahrscheinlichkeit einer
erneuten Wirtschaftskrise sehr gering werden laesst. Den Arbeitern wird eine staerkere Kaufkraft in die Hand gegeben; mit diesem Geld koennen mehr Lebensnotwendigkeiten gekauft werden und
damit anderen Arbeitern die Beschaeftigung gesichert werden.
Dies sind jedoch keineswegs saemtliche Vorteile, die durch
den Bergarbeiterstreik entstanden sind. Nehmen wir an, die Bergarbeiter haetten nicht gestreikt und somit auch keinen Streik gewonnen, sie haetten sich ohne weiteres den Forderungen der Unternehmer gebeugt und zugelassen, dass ihr Wohlfahrtsfonds sabotiert
wuerde - ein grausamer Schlag gegen jeden alten Bergarbeiter waere
dies gewesen. Nehmen wir an, sie haetten sich von den Unternehmern
ueberreden lassen, nicht zu streiken. Was waere dann geschehen?
Dann haetten sich vielleicht die Unternehmer des ganzen Landes ein
Herz gefasst und einen grossen Schlag gegen die Gewerkschaften gefuehrt. Es waere fuer die Unternehmer sogar eine Ermutigung gewesen, von neuem zu versuchen, gegen die Gewerkschaften vorzugehen.
Sie haetten die Reformvorschlaege zur Pensions- und Krankenversicherung einfach abgelehnt; sie haetten vielleicht sogar versucht,
die Loehne zu kuerzen und das Arbeitstempo in den Fabriken heraufzudruecken.
Im Bergarbeiterstreik und in allen anderen grossen Streiks
hat jeder einzelne Arbeiter viel aufs Spiel gesetzt. Das, was
jeder Arbeiter durch einen Streik fuer sich gewinnen kann, ist
ebenfalls ein Teil des Gesamtgewinns der Bergleute. Diesem Gewinn muss ausserdem der Betrag hinzugefuegt werden, den die Arbeiter nicht verloren, well der Streik gewonnen wurde.
Das war der Bergarbeiterstreik. Wie steht es nun mit dem
Streik in den Chrysler-Werken? Ist es richtig, dass durch diesen
Streik am 58. Tage 1.091.732.200 Dollars verlorengegangen seien?

- 5

�Natuerlich bringen einige Streiks gewisse Verluste mit sich.
Es waere falsch zu behaupten, die Arbeiter der General-Motors-Werke
haetten waehrend ihres Streiks 1945/46 keine persoenlichen Verluste
gehabt. Aber selbst jene Arbeiter verloren wesentlich weniger, als
ihnen durch den Streik wieder zugute kam. Es wird gesagt, dass
der Mangel an Stahl und Benzin zu laengeren Stillegungen der Betriebe fuehrte - diese Stillegungen wurden jedoch zum Teil durch
Ueberstunden, zum Teil durch Vollbeschaeftlgungswochen ausgeglichen.
Auch der Barbetrag, der gewonnen wurde, und derjenige, der
verlorengegangen waere, wenn kein Streik stattgefunden haette, muessen dem direkten Verlust an Lohn gegenuebergesteilt werden. Was
den Produktionsverlust betrifft, so gab es ueberhaupt keinen,
weil die Hoehe der Stahlerzeugung nicht willkuerlioh gesteigert
werden kann und somit nur so viel Kraftwagen hergestellt werden,
wie an Stahl zur Verfuegung steht, und jede Tanne Stahl, die erzeugt und fuer Kraftwagen bestimmt wurde, wurde auch dafuer verwendet.
Damit kommen wir zum Chrysler-Streik. Man darf vor allem
nicht vergessen, dass in gewissen Faellen unbedingt gestreikt werden muss, ganz gleich, wie hoch die dadurch entstehenden Verluste
sind.
Es gibt gewisse Beweise dafuer, dass die Chrysler-Werke mit
anderen Automobilfirmen fuer den Streikfall Vereinbarungen getroffen hatten. Es war auch bekannt, dass diese Gesellschaft entschlossen war, bis zum letzten zu kaempfen, um ein Pensionsprogramm durchzusetzen, das bei dem ersten Anzeichen ruecklaeufiger
Preise haette beseitigt werden koennen. Chrysler ist der Typ einer
von Aufsichtsraeten und Banken kontrollierten Gesellschaft. Diese
Gremien kontrollieren auch andere Unternehmen, die die Pensionsansprueche der Arbeiter ebenfalls bekaempfen. Sie hatten allem
Anschein nach die Chrysler-Werke zum Versuchsballon bestimmt, um
den Kampf gegen die Pensionen der Arbeiter auszutragen. Die Differenz zwischen den von den Chrysler-Werken angebotenen Pensionen
und denen, die durch den Streik durchgesetzt wurden, belaeuft sich
allein fuer die Automobilindustrie auf Hunderte von Millionen
Dollars. In fuenf Jahren koennte die Differenz zwischen den von
der Automobilarbeitergewerkschaft durchgesetzten und den von den
Chrysler-Werken angebotenen Pensionen den Unterschied zwischen den
erzielten Pensionssaetzen und den angebotenen kuemmerlichen PseudoPensionen ausmachen (natuerlich ist dieser Vergleich unsinnig!).
Wenn die Arbeiter die Vorschlaege der Chrysler-Werke akzeptiert
haetten, waere das gesamte Pensionsprogramm fuer alle Industriearbeiter in Frage gestellt worden. Lieses Beispiel zeigt, wie
eine Gewerkschaft fuer alle anderen kaempfen muss. Fuer einen
einzelnen Arbeiter ist es hart, sich unter denen zu befinden, die
diesen Kampf fuehren muessen. Mit den Jahren gleicht sich das
jedoch aus. Die Arbeiter der Chrysler-Werke haben auch fuer
andere Erfolge erzielt, sie haben andererseits aber auch durch
die Kaempfe anderer Arbeiter Vorteile erzielen koennen.
Theoretisch muesste es moeglich sein, mit ausreichenden Streikfonds die Kosten eines Kampfes der-gesamten organisierten Arbeiterschart zu decken. Die zwoelf-woechige Sonderabgabe von einem Dollar
je Woche stellte einen ersten Schritt auf dem Wege zu dieser besonderen KampfVersicherung dar. Durch einen solchen Fonds blieben
zahlreichen Arbeitern der Chrysler-Werke viele Haerten erspart.
Wohnungskuendigungen wuerden vermieden, fuer aerztliche Betreuung
waere gesorgt, in Notfaellen koennten Mahlzeiten verabreicht werden,
und die Streikenden waeren zugleich gegen die schwersten Folgen des
Streiks geschuetzt.

6 -

�Es ist sehr einfach klarzulegen, wie das finanzielle Problem
im Streikfall geloest werden kann. Wenn man den 89.000 Arbeitern
der Chrysler-Werke eine woechentliche Streikunterstuetzung von
20 Dollar haette zahlen wollen, so waeren 1.780.000 Dollar je
Woche erforderlich gewesen. Damit waere der gesamte Ertrag der
zwoelf-woechigen Ein-Dollar-Sondererhebung in weniger als einem
Monat aufgebraucht.
Um jedoch auf die Kosten des Chrysler-Streiks selbst zurueckzukommen: Dem Lohnverlust eines jeden Streikenden nach 58 Streiktagen, der in den "Automotive News" auf 749,79 Dollar geschaetzt
wurde, muss gegenuebergestellt werden, dass die Unternehmer in
Erwartung des Streiks staendig Ueberstunden arbeiten Hessen, die
auch durch erhoehte Ueberstundenbezahlung verguetet wurden. Nachdem der Streik jetzt beigelegt ist, wird d&gt;er Verlust wiederum durch
Ableistung von Ueberstunden und Vollbeschaeftigungswochen (sechs
anstatt fuenf Arbeitstage) weiterhin reduziert. Von dem Bruttoverlust gehen ausserdem noch die Ausgaben ab, die die Arbeiter
bei der Arbeit haben, wie etwa fuer Mahlzeiten und Einkommensteuer.
Diese Betraege sind zwar nicht sehr hoch, aber sie muessen immerhin beruecksichtigt werden. Unterstuetzungen, wie z.B. durch den
Streikfonds, reduzieren weiterhin die Verluste des einzelnen Streikenden.
Die Verluste der Arbeiter der Chrysler-Werke haben in gewissen Paellen Arbeitern anderer Unternehmen Gewinne gebracht. So
kann gesagt werden, dass die Ueberstunden- und Sonnabendarbeit in
den Ford- und General-Motors-Werken auf den Chrysler-Streik zurueckzufuehren ist.
Selbst in den "Automotive-News" wird zugegeben, dass die Gesellschaft ihre Verluste durch Ueberstundenarbeit in den Betrieben
innerhalb von 18 Monaten wieder wettmachen koennten. Wenn die
Ueberstundenarbeit in den Chrysler-Werken eingefuehrt werden sollte,
dann wuerden die Arbeiter mehr gewinnen, als sie waehrend des
Streiks insgesamt verloren hatten, und gleichzeitig wuerden die
zeitweiligen Verluste des Unternehmens wieder ausgeglichen werden.
Was fuer Chrysler und seine Arbeiter zutrifft, trifft natuerlich auch fuer deren Zubringerfirmen zu.
Tatsache ist also, dass die Behauptungen ueber die durch den
Streik entstandenen Verluste nicht ganz richtig sind. In den meisten Faellen jedoch waeren den Arbeitern die Verluste, die sie
fuer eine Folge des Streiks halten, ohnehin durch Arbeitslosigkeit
entstanden, luer die Arbeiter bringen Streiks Entbehrungen mit
sich, von ihrer Bereitwilligkeit jedoch, fuer eine gerechte Bezahlung ihrer Arbeit zu streiken, haengt letzten Endes das Los
saemtlicher Arbeiter der Vereinigten Staaten ab.
Und bei den meisten Streiks sind die wirtschaftlichen Vorteile
der Arbeiter weit groesser als die durch direkten Lohnverlust
entstehenden Nachteile. Wenn bei anderen Streiks tatsaechllch
Lohnverlust entsteht, dann ist er nicht so gross, wie die Unternehmer
behaupten.
Im allgemeinen kann gesagt werden, dass das, was die Arbeiter
durch einen Streik gewinnen, fast ausnahmslos mehr ist, als sie
durch irgendeinen Streik verlieren.
UAW-CI0 Ammunition
V/1950

- 7-

\

�Andrew Naesmith, Generalsekretaer der Textilarbeiter-Gewerkschaft:
DIS BRITISCHE TESTILARBEITERGEWERKSCHAFT
i

Die britische Textilarbeitergewerkschaft ist mit ihren 33
angeschlossenen Bezirksverbaenden die groesste gewerkschaftliche
Vereinigung Englands. Sie vertritt die Interessen der Textilarbeiter von Lancashire und der umliegenden Gebiete von WestYorkshire, Cheshire and Derbyshire.
Die Gewerkschaft zaehlt zu ihren Mitgliedern nicht nur die
Baumwoll- und Kunstseidenweber, sondern auch alle jene Arbeiter,
die mit den Vorbereitsungsprozessen und anderen untergeordneten
Aufgaben beschaeftigt sind.
Die jetzige Organisation stammt aus dem Jahre 1884. Es gab
jedoch zuvor aeltere Formen gewerkschaftlicher Vereinigungen britischer Weber. Bereits im Jahre 1754 kann von einem Versuch gesprochen werden, die englischen Arbeiter in einer sogenannten
"Combination" oder "Conspiracy" (Verschwoerung) zusammenzusohliessen,
und im Jahre 1758, so heisst es in einem Bericht, sol.len "gewisse
Webern ein Parlamentsgesetz in Vorschlag gebracht haben, das das
Lehrlingswesen und die Stueckarbeit regeln sollte.
In Glasgow bestand um das Jahr 1778 fuer kurze Zeit ein sogenannter "Textilarbeiter-Club". Im Verlauf von Lohnstreitigkeiten wurde in Bolton (Lancashire) "auf Anordnung dieses Komitees"
eine Kampfschrift herausgegeben, die aus dem Jahre 1808 datiert.
Berichte parlamentarischer Ausschuesse beweisen, dass der
Lebensstandard der Textilarbeiter von 1800 an staendig gesunken
ist. Die Loehne der Weber wurden fortwaehrend geringer. 1829
z.B. wurden einem Weber fuer die Herstellung eines Kupons Batist
nur 5,5 Schillinge gezahlt, waehrend im Jahre 1800 der Lohn fuer
die cleiche Arbeit noch 25 Schillinge betrug.
In jenen Zeiten gab es grosse technische Veraenderungen, und
bei den industriellen Fortschritten, die sich mit der Einfuehrung
neuer Maschinen und Erfindungen eroeffneten, kuemmerte man sich
.venig um die menschliche Persoenlichkeit. Lancashire wurde zum
Zentrum der Industrialisierung, und zugleich das Zentrum schrecklicher Kinderarbeit, langer Arbeitszeit, niedriger Loehne und
groesster Armut.Francis Place erklaert: "Die Leiden der in der Baumwollweberei beschaeftigten Menschen waren unglaubliche; sie wurden
kuenstlich in Machenschaften verwickelt, verraten, verfolgt und
schuldig gesprochen, verurteilt und unerhoert streng bestraft.
Sie fuehrten ein jaemmerliches Dasein."
Dabei muss daran erinnert werden, dass die Arbeitszeit in
den britischen Textilfabriken erst im Jahre 1812 von 80 Stunden
auf 72 Stunden in der Woche reduziert wurde. Erst in Jahre 1847
wurde die Arbeitszeit durch das lOStundengesetz auf 60 Stunden
woechentlich festgelegt. Das Blutbad von Peterloo im Jahre 1819
gibt einen Begriff von den Verhältnissen, unter denen die Arbeiter in jener Zeit lebten, sodass es zu Rebellionen kommen musste.

8 -

�Mitten in dieser bewegten Zeit, etwa zu dem Zeitpunkt, als
das sogenannte Koalitionsgesetz (Combination Law) widerrufen
wurde, fand in Manchester eine Delegiertentagung der Baumwollweber statt, die das Ziel hatte, eine staendige Organisation zu
gruenden, die Senkung der Lohntarife zu verhindern und die Einigkeit unter den Arbeitern herzustellen. Dieser Organisationsversuch verlief nicht allzu erfolgreich; die Folge war, dass die
Lancashirer Weber noch groessere Leiden und Entbehrungen auf sich
nehmen mussten, bevor ihre Organisation endgueltig festen Fuss
gefasst hatte.
Die Spinnereiarbeiter waren zu jener Zeit ebenfalls eifrig
bemueht, eine einflussreiche Organisation zu gruenden. Auch ihnen
gelang es jedoch nicht; erst im Juli 1830 wurde die Nationale Vereinigung zum Schutze der Arbeit (National Association for the Protection of Labor) gebildet. Diese Foederation bestand aus etwa
150 verschiedenen "Clubs", die in Manchester, Clitheroo, Ashton,
Stalybridge, Dukinfield, Macclesfield, Derby and Blackrod bestanden. Ungefaehr 2 Jahre lang konnte diese nationale Vereinigung erfolgreich arbeiten; sie fiel dann wieder auseinander.
In der Zeit von 1830 bis 1850 scheint die gewerkschaftliche
Qrganisationstaetigkeit unter den Textilarbeitern sehr gering
gewesen zu sein. Ein "Komitee fuer kurze Arbeitszeit" (ShortTime Committee) hatte das 10-Stunden-Gesetz im Januar 1.647 durchgesetzt, musste jedoch bald aufgeloest werden. Nach 1850 jedoch
waren die Bemuehungen der Gewerkschaftspioniere von groesserem
Erfolg gekroent. In zahlreichen Bezirken wurden gewerkschaftliche
Vereinigungen gebildet, denen es gelang, sich durchzusetzen; sie
bestehen auch heute noch.
Im Jahre 1842 gab es in Preston nachweisbar eine Organisation
der Textilarbeiter; die heutige Textilarbeiter-Gewerkschaft stammt
jedoch erst aus dem Jahre 1858. Eine aehnliche Vereinigung wurde
1852 in Redcliff ins Leben gerufen; die Textilarbeiter-Gewerkschaft
von Bickburn entstand im Jahre 1854. Von 1840 an existierten
mehrere gueltige Tariflisten fuer Stueckarbeit in der Textilindustrie T So vor allem die Liste ia Bezirk Ashton aus dem Jahre
1843, ferner die von Burnley aus dem gleichen Jahre und die von
Oldham, die drei Jahre spaeter entstand.
Eine der wichtigsten Tariflisten fuer die spaetere Lohnentwicklung wurde die von Blackburn, die im August 1853 formuliert
wurde. Die Textilarbeiter-Gewerkschaft von Padiham, die 1856 gebildet wurde, erregte bald einiges Aufsehen, denn im Maerz 1859
fand ein Streik statt, mit dem die Verbindlichkeit der BlackburnTarife erzwungen werden sollte.
Um diesen Streik durchfuehren zu koennen, wurden 29 Wochen
lang in ganz Lancashire Sammlungen durchgefuehrt. In zahlreichen
Webereigebieten wurden Textilarbeiter-Verbaende gebildet und die
Arbeiter, die frueher nur heimlich in Feldern oder Scheunen in
den Aussenbezirken der Staedte sich versammeln konnten, durften
von jetzt an ihre gewerkschaftliche Taetigkeit unter guenstigeren
Bedingungen fortsetzen.
Alle diese Organisationen waren in sich abgeschlossene Einheiten mit eigenen Satzungen und Funktionaeren. Man erkannte
die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses, durchaus an die ersten
Versuche zur Vereinigung der Lokallcomitees In der "East Lancashire
Amalgamated Power Loom Weavers Association" (Vereinigte Webereigewerkschaft Ost-Lancashire) wurden im Jahre 1858 unternommen.

- 9 -

�Aufgabe dieser Organisation war es, bestehende Lohntarife
entsprechend der Tarifliste aufrechtzuerhalten und jegliche Versuche, diese herabzusetzen, abzuwehren. Ausserdem sollte sie
verhindern, dass ein Unternehmer fuer qualitativ und quantitativ
gleiche Arbeit weniger als ein anderer bezahlte, und die Tarife
jener Unternehmer, die die niedrigsten Loehne zahlten, mussten
entsprechend gesteigert werden. Der Verband hatte die besondere
Aufgabe, einen fachlich geschulten Tarifkalkulator einzusetzen,
der die Interessen der Arbeiter in den zahlreichen Lohnberechnungsstreitigkeiten vertreten konnte, zu denen die komplizierten
Tariflisten Änlass gaben, die fuer die damalige Situation in der
britischen Baumwollindustrie bezeichnend sind. Die "North-East
Lancashire Amalgamated Weavers Association", wie sie spaeter
genannte wurde, setzte sich aus 14 lokalen Verbaenden in der
naeheren Umgebung Blackburns zusammen und zaehlte 26.000 Mitglieder.
Erbitterte Kaempfe wurden in jener Zeit gegen Lohnsenkungen
und schlechte Arbeitsbedingungen gefuehrt. Im April 1878 wirkte
sich ein oertlicher Streik und eine Aussperrung auf etwa 100.000
Arbeiter in Nord und Nord-Ost Lancashire aus und dauerte ueber
neun Wochen. Die Mitgliederzahl der Gewerkschaft von Nord-Ost
Lancashire belief 3ich zu jener Zeit auf etwa 16.000; diese
Mitglieder erhielten Streikunterstützungen in einer Gesamthoehe
von 4.729 Pfund Sterling, was einer Unterstuetzung von etwa sechs
Schillingen fuer neun Wochen, oder von etwa acht Pennies fuer eine
Woche je Arbeiter' entspricht.
Die Gewerkschaft von Nord-Ost Lancashire war eifrig bemueht,
die oeffentliche Aufmerksamkeit auf die durch Abgase und Staubentwicklungen hervorgerufenen gesundheitsschaedlichen Zustaende
in den Webereien zu lenken. Daraufhin wurde von der Regierung
im Jahre 1883 eine Kommission eingesetzt, die sich mit dieser
Angelegenheit befassen sollte. Die Gewerkschaft von Nord-Ost
Lancashire setzte ihre Taetigkeit
bis zum Jahre 1903 fort.
Dadurch existierten, wie die folgenden Ausfuehrungen ergeben,
mehrere Jahre lang zwei Gewerkschaften nebeneinander; beiden war
eine ganze Reihe von Bezirksverbaenden angeschlossen.
Es folgten jedoch Jahre der Untaetigkeit. Die LancashireGewerkschaft wurde durch die unzureichende Form ihrer Organisation
eine Quelle der Schwaeche. Von irgendwelchen Koordinierungsbemuehungen und Interessengemeinschaften konnte kaum die Rede sein.
Diese Schwaeche der Organisation blieb den argwoehnischen Arbeitern
von Lancashire nicht verborgen, zumal sie zu jener Zeit eine fuehrende Stellung in der Textilindustrie innehatten. Sie unternahmen
deshalb, nachdem aufkommende Streitigkeiten in Blackburn 1884
beigelegt waren, geeignete Schritte, um eine weit umfassendere
BeLirksorganisation zu gruenden.
Die heutige Textilarbeiter-Gewerkschaft wurde auf einer
Konferenz von den Vertretern 29 verschiedener Bezirksverbaende
am 27. April 1884 gegruendet. Urspruenglich hiess sie die
"Northern Counties Amalgamated Weavers Association" (Vereinigte
Webergewerkschaft der noerdlichen Grafschaften). Thomas Birtwistle, der Sekretaer der Gewerkschaft von Nord-Ost Lancashire,
wurde zum Sekretaer der neuen Organisation ernannt, und David
Holmes, ein anderer wohlbekannter Gewerkschaftspionier der Weber,
wurde ihr Praesident.
Die neue Organisation zaehlte im Jahre 1884 wenig mehr als
37.000 Mitglieder. Sie wuchs jedoch in den folgenden Jahren ununterbrochen. Sie hatte sofort mit Schwierigkeiten zu kaempfen,
da in Burnlev und anderen Bezirken bereits in den ersten Monaten
ihres Be3tenens schwere Streiks gefuehrt wurden. Das Gefuehl
der Solidaritaet und des Optimismus waren jedoch ausgepraegter als
je zuvor. Die Bewegung wurde durch das mutige Eingreifen eines
Verlegers in Ashton-under-Lyne, J. Andrew, gestaerkt, der eine
Fachzeitung herausgab ("The Gotton Factory Times"). Diese Zei- 10 -

�tung hat in den langen Jahren ihres Bestehens der Gewerkschaft
wertvolle Dienste geleistet.
Als Unternehmer in Nelson, Ramsbottom, Burnley, Preston,
Accrington und anderen Bezirken versuchten, die Loehne zu kuerzen, wurden zahlreiche Streiks beschlossen. Viele Arbeitsniederlegungen erfolgten auch deshalb, um die Unternehmer zu zwingen,
die Gewerkschaft anzuerkennen. Aus dem gleichen Grunde fand in
Bamoldswick im Januar 1887 ein vier-monatiger Streik statt.
In Macclesfield wurde 1888 gegen eine Lohnkuerzung um 5 %, die
sogenannten "lokalen Abzuege" gestreikt. Im September des gleichen Jahres traten 31 Textilarbeiterfamilien mit ihren Kindern
auf Kosten der Gewerkschaft die Reise nach den Vereinigten
Staaten an. Um diese Auswanderung zu verhindern, telegrafierte
der Webereibesitzer nach den Vereinigten Staaten, hatte hiermit
Jedoch keinen Erfolg. In den Geschaeftsbuechern der Organisation
aus Jenem Jahre ist vermerkt, dass diese Auswanderung 361 Pfund
Sterling gekostet hat, wohingegen der Streik selbst Unkosten in
Hoehe von 2.818 Pfund Sterling verursachte.
Die Frage der kuenstlichen Erhoehung des Feuchtigkeitsgehaltes der Luft in den Webereien tritt in den Besprechungen des
Gentralrates immer wieder zutage. Im Maerz 1889 wurde eine Resolution zur Abschaffung des Dampfsystems in den Webereien gefasst. Im Verlauf der gesamten Gewerkschaftsgeschichte stand
diese Frage stets im Vordergrund; in den spaeteren Jahren ging
die Gesetzgebung dazu ueber, die nachteiligen Auswirkungen auf
die Gesundheit der Arbeiter, die in den Feuchtluftwebereien beschaeftigt waren, zu reduzieren.
In Jenen Jahren wurden zahlreiche Versuche unternommen, die
Einheitlichkeit der Textilarbeiter-Tarife durchzusetzen. Thomas
Birtwistle und seine Kollegen leisteten auf diesem Gebiete beachtliche Arbeit, und schliesslich wurde am 24. Juni 1892 einr einheitliche Tarifliste fuer Textilarbeiter aufgestellt. Sie blieb
mit ihren Abaenderungen und Nachtraegen bis 1935 in Kraft, als
sie von einer rechtsgueltigen Einheitsliste ersetzt wurde. Versuche, diese Tarife als rechtsgueltig und allgemeinverbindlich
erklaeren zu lassen, lassen sich bis ins Jahr 1898 zurueckverfolgen, als im Generalrat eine Resolution gefasst wurde, in der
man ein Parlamentsgesetz forderte, das es als ungesetzlich erklaerte, wenn irgend ein Unternehmer oder mehrere Unternehmer
niedrigere Loehne zahlten, als sie zwischen den Arbeitgeberund Arbeitnehmer-Organisationen vereinbart waren.
In zunehmendem Masse interessierte sich die Arbeiterschaft
fuer die Fragen der Gesetzgebung.
Der Generalrat diskutierte
im September 1900 die Frage einer Arbeitervertretung im Parlament. Man entschloss sich jedoch, diese Idee nicht zu verwirklichen. In der Frage der Kinderarbeit herrschten d&amp;mals unter
den Arbeitern selbst noch grosse Meinungsverschiedenheiten. Im
Jahre 1900 wurde zugunsten des freien Sonnabend-Nachmittags eine
lebhafte Agitation durchgefuehrt.
Dieser fortschrittliche Gedanke konnte jedoch erst im Januar 1902 durch das Betriebsgesetz
(Factory Act) von 1901 verwirklicht werden, in dem die woechentliche Arbeitszeit auf 55 1/2 Stunden festgesetzt wurde. Diese
Regelung blieb von 1902 bis 1919 gueltig.

- 11

�In den ersten Jahren dieses Jahrhunderts herrschte unter
den Textilarbeitern grosse Empoerung ueber das sogenannte "slate
System** (System des Schwarzen Bretts). Es war eine heimtueokische Methode, die Arbeiter durch die Bekanntgabe ihrer Loehne
an einem schwarzen Brett im Betrieb gegenseitig anzutreiben.
Aus der Zeit von 1901 bis 1903 wird von zahlreichen Selbstmorden
unter den Textilarbeitern berichtet, die auf die Schwarze-BrettMethode zurueckzufuehren sind.
In den Jahren 1905 und 1906 erlitt die TextilarbeiterGewerkschaft einen schweren Schlag, als sie drei ihrer wertvollsten Maenner verlor. Es waren der Sekretaer W. H. Wilkinson,
der Praesident David Holmes und Joshua Barrows, der als Agent
und Organisator taetig war. Zum Andenken an die drei verstorbenen Funktionaere wurden am Ruskin College in Oxford Stipendien
gestiftet. D.J. Shackleton, das spaetere Parlamentsmitglied, ,
wurde zum Praesidenten und Joseph Cross zum Sekretaer ernannt.
Von besonderer Bedeutung in der Geschichte der Textilarbeiter-Gewerkschaft wurden die Jahre 1907 und 1908, in denen langwierige Verhandlungen gefuehrt wurden, die zur Aufstellung gemeinsamer Richtlinien zur Beilegung von Streitigkeiten fuehrten.
Nach mehreren misslungenen Versuchen wurde eine endgueltige Vereinbarung getroffen; die gemeinsamen Richtlinien traten mit dem
1. Januar 1909 in Kraft. Sie bildeten die praktische Grundlage
der gemeinsamen Auffassung ueber die Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitgeber und Arbeitnehmer und sind seit der damaligen Zeit
bis heute befolgt worden.
Die Textilarbeiter-Gewerkschaft war durch eine grosse Zahl
nicht-gewerkschaftlich organisierter Arbeiter, denen all das
automatisch zugute kam, was sich die Gewerkschaftsmitglieder
mit so viel Muehe erkaempft haben, stark behindert. Im Dezember 1911 fand eine zwei-woechige Aussperrung statt, und fast
400.000 V/ebstuehle standen still, weil es in dieser Frage Meinungsverschiedenheiten zwischen Unternehmemund Gewerkschaften
gab. Ein anderes Problem, das den Textilarbeitern jahrelang
Schwierigkeiten bereitete, war die Bestrafung von Arbeitern
durch die Unternehmer. Euer die Herstellung angeblich fehlerhaften Tuches wurden Lohnabzuege vorgenommen.
Abordnungen des parlamentarischen Ausschusses des britischen
Gewerkschaftsbundes (Trade Union Gongress) wurden im Jahre 1912
in dieser Frage beim Innenminister vorstellig, ohne jedoch eine
Regelung erlangen zu koennen. In den folgenden Jahren klagte die
Textilarbeiter-Gewerkschaft unter grossem Zeit- und Geldaufwand
vor den Gerichten, um die Beseitigung dieser ungerechten Strafen
zu erzielen.
Im Jahre 1913 kam ein sehr wesentliches Gesetz zustande.
Es war das sogenannte "Gewerkschaftsgesetz" (Trade Union Act),
durch das der tatsaechlich unbefriedigenden Lage ein Ende bereitet wurde. Dieses Gesetz behinderte die Gewerkschaften in ihren
Bemuehungen, Vertretungen im Parlament zu erlangen. Das Gesetz
von 1913 gestattete die Erhebung von Abgaben fuer politische
Zwecke, wobei dieser Fonds unter Zugrundelegung verschiedener
politischer Grundsaetze zu verwalten war. In einer Abhandlung
ueber dieses neue Gesetz erklaerte der damalige Gewerkschaftssekretaer J. Cross in seinem Jahresbericht:
"In dieser Zeit ist es unbedingt notwendig, dass sich der
Arbeiter unmittelbar
an der Politik beteiligt und dafuer sorgt,
dass seine T.'.ruensche von den Gesetzgebern beruecksichtigt werden.
Das beste Mittel, dieses Ziel zu erreichen, ist eine Vertretung
der Arbeiterpartei im Unterhaus.

- 12 -

�"Es ist anerkennenswert, dass die Mitglieder der Gewerkschaften durch ihre Abstimmung ihre Absicht so deutlich zum
Ausdruck gebracht haben, sich in Zukunft an der Gesetzgebung
des Landes zu beteiligen, und zwar dadurch, dass sie eine Arbeiterpartei unterstuetzen, die ihre Vertreter in das Parlament entsenden will."
Auch vor 1913 waren die Textilarbeiter-Gewerkschaften an
sozialen und legislativen Fragen stark interessiert. Hierbei
soielte besonders jene Organisation eine Rolle, die als "United
Textile Factory Workers• Association" (Vereinigte TextilarbeiterGewerkschaft) bekannt und im Jahre 1890 gegruendet war. Diese
Gewerkschaft, die sich aus den wichtigsten Verbaenden in allen
Zweigen der Textilindustrie in Lancashire zusammensetzte, hat
seit ihrer Gruendung hoechst wertvolle Arbeit geleistet.
In neuerer Zeit hat sie die Wahl verschiedener Parlamentsmitglieder ermoeglicht, die den Textilarbeitern im besonderen
und der britischen Gewerkschaftsbewegung im allgemeinen die
groessten Dienste erwiesen haben.
Waehrend des 1. Weltkrieges nahm die Textilarbeiter-Gewerkschaft die Interessen ihrer Mitglieder wahr und verhandelte in
Verbindung mit anderen Gewerkschaften der Textilindustrie ueber
Lohnerhoehungen und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Die
Verhaeltnisse in der Industrie litten jedoch unter zahlreichen
Misstaenden, und es gab immer wieder lange Krisenzeiten der
Arbeitslosigkeit.
Die Erwerbslosigkeit stellte nach dem Kriege
ein sehr ernstes Problem dar.
Durch einen drei-woechigen Streik im Jahre 1919 konnte
die 48-Stundenwoche sichergestellt werden. Dies war ein grosser
Fortschritt und fuer die Mitglieder eine wirkliche Genugtuung.
Noch mehrere Nachkriegs jähre hindurch blieben die Verhaeltnisse in der Textilindustrie ungeklaert. 1922 verursachte eine
drei-woechige Aussperrung der Organisation Unkosten in Hoehe von
207.000 Pfund Sterling. 1926 wurde die Textilarbeiter-Gewerkschaft
durch den Generalstreik betroffen; zur Unterstuetzung der Bergleute stellte sie 30.000 Pfund Sterling zur Verfuegung. Die Verpflichtungen gegenueber den eigenen Mitgliedern beliefen sich auf
fast 54.000 Pfund Sterling. Die Unternehmer versuchten auch weiterhin, den Lohnstandard zu senken. Im Jahre 1929 wurde daraufhin
erneut die Arbeit eingestellt. Mehr als 178.000 Pfund Sterling
an Unterstuetzungen hatte die Organisation damals an die Streikenden zu zahlen. Besonders gross war die Erbitterung im Jahre
1931, als die Unternehmer, vor allem die Webereien von Burnley,
den Versuch machten, an den gewoehnlichen, nicht-automatischen
"/ebstuehlen von Lancashire ein System einzufuehren, nach dem ein
'"feber mehrere V/ebstuehle zu bedienen gehabt haette. Die Arbeiter
widersetzten sich diesen Versuchen; ein Streik in neun Webereien
von Burnley fuehrte zu einer Aussperrung fuer die Textilarbeiter
der ganzen Stadt und spaeter fuer die des ganzen Bezirks. Im
folgenden Jahr verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den
Arbeitgebern und Arbeitnehmern betraechtlich. Die Unternehmer
hielten sich nicht mehr an gemeinsam getroffene Vereinbarungen,
nahmen willkuerliche Lohnkuerzungen vor und weigerten sich, Arbeiter, die gestreikt hatten, wieder einzustellen. Dann erklaerte
der Arbeitgeberverband dieses Bezirks saemtliche zuvor abgeschlossenen Vertraege fuer ungueltig - das Resultat war ein Streik im
ganzen Bezirk. Der Leiter der Vermittlungsabteilung im britischen
Arbeitsministerium wurde entsandt, um den Vorsitz bei den Verhandlungen zu fuehren, die inzwischen beruehmt geworden sind.
Durch sein Eingreifen wurde dieser Streik beendet, nachdem er
die Gewerkschaft ueber 355.800 Pfund Sterling gekostet hatte.

13

�Der Erfolg dieser gemeinsamen Besprechungen, die eine Woche
andauerten, bestand darin, dass ein Abkommen getroffen wurde,
das hoechstwahrscheinlich als das bedeutendste in d«r gesamten
Textilindustrie von Lanoashire anzusprechen ist: das "Midland
Agreement". Durch dieses Abkommen wurde der Geltungsbereich der
gemeinsamen Bestimmungen ueber Streitigkeiten erweitert und die
Bildung eines Vermittlungsausschusses unter unabhaengigem Vorsitz vorgesehen.
Wie im 1. Weltkrieg wurde die Gewerkschaft auch im 2. Weltkrieg schwer mitgenommen. Fast 50 # der Webereien dieser Industrie wurden "zusammengelegt", um hierdurch Facharbeiter fuer
kriegswichtige Aufgaben in Maschinen- und Flugzeugfabriken freizubekommen. Dadurch entstanden zahlreiche Probleme, und an die
Mitglieder der Textilarbeiter-Gewerkschaft wurden grosse Anforderungen gestellt. Man bemuehte sich waehrend des Krieges durch
ein gemeinsames Abkommen, in dem die Lohntarife mit dem Lebenshaltungskosten-Index des Arbeitsministeriums gekoppelt wurden,
die Loehne in der Textilindustrie zu stabilisieren. Durch das
Inkrafttreten dieses Abkommens wurden viele Streitigkeiten
vermieden.
Nach dem Kriege tauchten andere Probleme auf. Die Industrie
bemuehte sich, zahlreiche neue Arbeitskraefte heranzuziehen, und
im Jahre 1946 fanden, hauptsaechllch um die Textilindustrie neuen
Arbeitern schmackhafter zu machen, gemeinsame Besprechungen statt,
die mit der Einfuehrung der 45-Stundenwoche endeten. Das bedeutete
Neun-Stunden-Tage, aber nur fuenf Arbeitstage in der Woche und
die Aussetzung der Arbeit am Sonnabend Vormittag.
Bevor der Bericht ueber die Geschichte der TextilarbeiterGewerkschaft beendet wird, muss noch zu einem oder zwei anderen
Punkten Stellung genommen werden. Wie bereits erwaehnt wurde,
sind dem Ruskin College Stipendien zur Verfuegung gestellt worden. Nach einer Reihe von Jahren hoerte das Interesse der Gewerkschaft fuer dieses Institut jedoch auf. 1923 wurde beschlossen, die Ruskin Stipendien durch Freistellen an Sommerschulen
zu ersetzen, die sich fuer eine grosse Anzahl Mitglieder als sehr
wertvoll erwiesen haben. Die Arbeiterbildungsvereinigung nimmt
die Verteilung dieser Freistellen vor und Jahr fuer Jahr koennen
zwoelf Studenten an den Sommerschulen der Bangor-Universitaet in
Nord-Wales zwei Wochen lang teilnehmen. Bis jetzt haben etwa
300 Mitglieder von dieser Gelegenheit Gebrauch gemacht.
Die Textilarbeitergewerkschaft besitzt ein eigenes Erholungsheim in der Naehe von Blackpool. Dieses Heim wurde zum Andenken
an den frueheren Sekretaer Joseph Cross erbaut. Die Baukosten
beliefen sich auf ueber 106.000 Pfund Sterling. Es wurde 1931
eroeffnet, und Tausende von Mitgliedern der Gewerkschaft, denen
diese Einrichtung bereits zugutekam, wissen ihren Wert zu schaetzen.
Die Mitgliederzahl der Textilarbeiter-Gewerkschaft stieg von
1848 an staendig und erreichte im Jahre 1921 mit 224.000 Organisierten ihren hoechsten Stand.
Seit jener Zeit sind verschiedene
Ereignisse eingetreten, die die Gewerkschaftsmitglieder vor
schwere Proben gestellt haben, wie z.B. die lange Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit, die in den Jahren zwischen den
beiden Kriegen herrschte, sowie die aeusserst drastisch durchgefuehrte Zusammenlegung der Industrie von Lancashire im Verlauf
des 2. Weltkrieges.

- 14 -

�In harter, besonders organisatorischer, Arbeit erholt sich
die Gewerkschaft der Textilarbeiter langsam wieder. Die Mitgliederzahl liegt augenblicklich um 80.000, was ungefaehr 80 K, der
potentiellen Staerke darstellt.
Es muss noch viel getan werden. Die Wirtschaftslage des
Landes zwingt die Industrie, Rationalisierung und Modernisierung
aktiv voranzutreiben. Die Notwendigkeit, Ueberholtes auszuschalten und alte Ideen aufzugeben, wird Immer groesser.
Die Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind als harmonisch anzusprechen. Ein neuer Rat der Baumwollindustrie (Cotton Council) wird gerade gebildet, der die
wertvolle Arbeit, die von dem Baumwollbuero (Cotton Board) noch
geleistet wird, weiterfuehren und ausdehnen soll. Die Tariflisten werden sowohl in den Spinnereien als auch in den Fertigungsbetrieben ueberprueft und ueberholt. Die TextilarbeiterGewerkschaften in anderen Laendern duerfen ueberzeugt sein, dass
sioh die Textilarbeiter-Gewerkschaft von Lancashire der Notwendigkeit bewusst ist, eine wirksame und tatkraeftige Organisation
sein zu muessen, um die zahlreichen Probleme, die ihr gestellt
werden, wirksam und gerecht loesen zu koennen.
The

American Federationist
VII/50

OESTERREICH UND DAS ERP
Dem kuerzlich veroeffentlichten offiziellen Bericht der
oesterreichischen Regierung ("Oesterreich und dös ERP, Erstes
Vierteljahr 1950") zufolge sind in diesem Land Arbeitslosigkeit
und Lebenshaltungskosten in den ersten drei Monaten des Jahres
1950 erheblich zurueckgegangen.
Die Gesamtzahl der Erwerbslosen in Oesterreich hatte Mitte
Februar 195.000 - 9,6 # der Erwerbsbevoelkerung erreicht; sie ist
gegen Ende April jedoch auf 75.000 = 5,9 # gesunken.
Obwohl der Index der Grosshandelspreise im ersten Vierteljahr
um 6 % anstieg, waren die Lebenshaltungskosten fuer eine vierkoepfige Arbeiterfamilie in Wien um 5 % niedriger. Dies ist
hauptsaechlich auf das Absinken der Lebensmittelpreise zurueckzufuehren.
In der 72 Seiten umfassenden Abhandlung wird von einer allgemeinen wirtschaftlichen Verbesserung gesprochen und festgestellt,
"dass alle wesentlichen wirtschaftlichen Verbesserungen in Oesterreich seit dem zweiten Quartal des Jahres 1948 nur durch die
ERP-Hilfe moeglich gewesen seien - selbst da, wo eine Ueberpruefung der Vergangenheit zeigt, dass die Erfolge teilweise ohne fremde •
Hilfe erzielt werden konnten."
In dem Bericht wird darauf hingewiesen, dass das WiederaufbauProgramm des Landes nicht mehr unter dem Vorzeichen der Not, sondern unter dem der direkten Investierungen stehe. So ist der Anteil der wichtigsten Importwaren an der Gesamtzahl der ERP-Bewilligungen fuer Oesterreich von 9 $&gt; im zweiten Quartal 1948 auf 23,3 #
im ersten Quartal 1950 angestiegen. Gleichzeitig ging der Prozentsatz der Lebensmitteleinfuhren von 61,9 # auf 52,1 % zurueck.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VI1/6/50

15

�HOLLASNDISCHE GEWERKSCHAFT ZUM MARSCHALL-PLAN
Eine hollaendische Gewerkschaft veroeffentlichte einen Bericht,
in dem die Erfolge des Marshall-Plans beschrieben sind und die gegen ihn gerichtete sowjetische Propaganda abgewiesen wird. Der
Bericht, der den Titel "Zwei Jahre Mö^shall-Plan" traegt, wurde
von der Allgemeinen Holla'endi sehen Bauarbeiter-Gewerkschaft veroeff entlicht. Es wird darin betont, dass der Marshall-Plan
hoechstwahrscheinlich in den beiden ersten Jahren die in ihn gesetzten Hoffnungen erfuellt habe. Ohne die Hilfe dieses Planes,
erklaert die Gewerkschaft, "haetten wir mit Massenarbeitslosigkeit
rechnen und zugleich fuer die Zukunft das Schlimmste befuerchten
muessen. Ausserdem waeren die Lebensmittelzuteilungen Anfang 1949
um 20 &lt;% geringer gewesen, als sie es tatsaechlich waren."
In dem Bericht werden dann die wesentlichen Fortschritte angefuehrt, die dem Europahilfsprogramm zu verdanken seien:
1.

Die Produktion ist in allen Teilnehmerstaaten um
durchschnittlich 22 % gestiegen.

2.

Die Fertigungsindustrien stehen mit einer Erhoehung
der Produktion um 30 $ an der Spitze.

3.

In den Grundstoffindustrien ist die Produktion um
25 % gesteigert worden und liegt damit um 15 # ueber
dem Vorkriegsstand.

4.

Die landwirtschaftliche Produktion ist auf einigen
Gebieten um 46 % in die Hoehe gegangen, sie koennte
jedoch noch hoeher getrieben werden und den Stand
von 1938 ueberbieten.

In der Veroeffentlichung wird gleichfalls zu Missverstaendnissen
in einzelnen Fragen des Marshall-Plans Stellung genommen und erklaert: "Es ist tatsaechlich etwas schwierig,um zu verstehen, warum
das amerikanische Volk bereit ist, einen Teil seiner Prosuktion
an Europa abzugeben, ohne dass sie bezahlt werden muesste. Kein
vsrstaendiger Amerikaner wird behaupten, da3S diese Hilfe fuer
Europa nur ein Akt der Naechstenliebe sei. Aber fuer die amerikanische Regierung ist ein wirtschaftlich gesundes Europa deshalb
besonders wichtig, weil Friede und Fortschritt in der V.Telt und
damit auch in Amerika bedroht waeren, wenn Europa wirtschaftlich
nicht auf festen Fuessen stuende.
Die Veroeffentlichung enthaelt einen lueckenlosen Bericht
ueber die Geschichte des Marshall-Plans, angefangen von der historischen Rede General Marshalls in Harvard im Juni 1947, der Weigerung Sowjet-Russlands, sich zu beteiligen, und den fortwaehrenden
sowjetischen Versuchen, den Plan zu sabotieren.
Die Gewerkschaft weist in dem Bericht die Behauptung der
kommunistischen Presse zurueck, dass Amerika durch den MarshallPlan seine ueberschuessigen Fertigprodukte loswerden wolle, die
"fuer Europa ueberfluessig" seien. An Hand von statistischen
Angaben wird die Unrichtigkeit dieser Behauptung bewiesen. Der
groesste Teil des unter dem Marshall-Plan gelieferten Materials
besteht aus Maschinen, Rohstoffen, Nahrungsmitteln und Hilfsmitteln fuer die Fertigindustrie und die Landwirtschaft - ist also
absolut notwendig fuer die Neuausruestung der hollaendischen Industrie und der Erhaltung des Lebensstandards in ernaehrungstechni3Cher Hinsicht.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VII/3/50
- 16 Office of Labor AffairB
APO 757

OFFICIAL
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�Internationale

ÄRBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 23

Frankfurt, 11. August 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
600 000 Arbeiter in der franzoesischen Baumwollindustrie - - - - - - - - - - - - - 1
Vorschlaege des Kanadischen Gewerkschaftsbundes zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit 2
Mitgliedszahlen Kollaendischer Gewerkschaften 3
Dubinsky zur Rolle des. IBFG
3
Das Problem der Vereinigung der Gewerkschaften
Amerikas - - - - - - - - - - - - - - - 4
Die internationalen Berufssekretariate - - 8
Ein amerikanisches Kongressmitglied nimmt zum
Punkt-Vier-Programm Stellung - - - - - n
Zusammenschluss der freien Gewerkschaften
Italiens - - - - - - - - - - - - - - - 13
Gewerkschaften Amerikas unterstuetzen Trumans
Mobilisierungsplan - - - - - - - - - - 14
Bevins Gewerkschaft besitzt Fonds fuer politische Zwecke
Hilfe fuer Indien
16

600 000 ARBEITER IN DER FRANZ 0ESISCH3N BAUL'W OLL INDUS TR IE
Heute sind insgesamt etwa 600 000 Arbeiter direkt oder indirekt
fuer die franzoesische Baumwollindustrie taetig. Diese Industrie
hat durch die Marshallplan-Lieferungen fast ihre alte Kapazitaet
wiedergewonnen. 290 Spinnereien arbeiten auf vollen Touren, 40%
der Gesamterzeugung wird exportiert, um dadurch Frankreichs Handelsbilanz zu verbessern und gleichzeitig Devisen zu sohaffen.
Die Verhaeltnisse in der Baumwollindustrie sind wesentlich anders als zu jener Zeit nach dem Ende des Krieges. Die Rohmateriallager waren gepluendert, die meisten Fabriken waren zerstoert, beschaedigt oder ruiniert.
Dann kam aus den Vereinigten Staaten Hilfsmaterial, es kamen
neue Ausruestungen und Hunderte von Tonnen Baumwolle.
Noch staerkere Hilfe wurde durch die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit geleistet. Waehrend des Rechnungsjahres
- 1-

�1949/50 wurden ECA-Kredite in Hoehe von 128 Millionen Dollar bereitgestellt, damit Baumwolle eingekauft werden konnte. Weitere drei
Millionen wurden fuer den Ankauf von Ausruestungsmaterial bereitgestellt. Die franzoesische Industrie erwartet jetzt die Aera der
freien Konvertierbarkeit der Waehrungen und des freien Handels,
zwei Haupterfordernisse der europaeischen wirtschaftlichen Gesundung. Das Verschwinden der Handelsschranken wuerde, so meinen die
Baumwollspinner, sich durchaus zu ihrem Vorteil auswirken.
Inzwischen waren die Hafenarbeiter in Le Havre schwer damit
beschaeftigt, Baumwolle zu entladen, die per Schiff gebracht wurde
und die in den Lagerhaeusern des fuehrenden franzoesischen Baumwollhafens jetzt darbuf wartet, in die Spinnereien transDOrtiert zu
werden. Es sind 191 000 Tonnen Baumwolle, die in Le
Havre im vergangenen Jahr ausgeladen wurden und wovon mehr als 90%
auf grund von ECA-Krediten geliefert wurden.
Labor Information Paris
VORSCHLAEGE DES KANADISCHEN G^VERKSCHAFTSBUNDES ZUR BESEITIGUNG DER
ARBEITSLOSIGKEIT
Eine Delegation des Kanadischen Gewerkschaftsbundes hat unlaengst
die Regierung Kanadas gewarnt, die Gefahren zunehmender Arbeitslosigkeit nicht zu unterschaetzen. Zu gleicher Zeit hat die Delegation
praktische Vorschlaege zur Bekaempfung dieser kritischen Situation
unterbreitet.
Die Denkschrift wurde von A. R. Mosher und Pat Conroy, dem Vorsitzenden und dem Hauptkassierer des 360.000 Mitglieder starken Kanadischen Gewerkschaftsbundes, Premierminister St. Laurent ueberreicht.
In ihr wird festgestellt, dass mehr als 7,4% der erwerbstaetigen Bevoelkerung arbeitslos ist. Von offizieller Seite wird behauptet,
die genaue Ziffer sei 10.4%.
Die Gruende fuer diese Zunahme seien in technischen Faktoren zu
suchen. In der Denkschrift heisst es: "Wenn es uns nicht gelingt,
unseren Lebensstandard so zu heben, dass er mit der Zunahme der Erwerbsbevoelkerung Schritt halten kann, so wird die Arbeitslosigkeit wenn auch mit saisonbedingten Schwankungen - weiterhin ansteigen."
Es ist damit zu rechnen, dass das nationale Einkommen dieses Jahres
nur wenig hoeher als das des Vorjahres sein wird. Der Premierminister schaetzte die voraussichtliche Erhoehung des Nationalproduktes
auf etwas mehr als 1.5%.
"Das ist sicherlich nicht genug, um ein weiteres Ansteigen der
Arbeitslosigkeit zu verhindern. Noch etwas anderes ist erforderlich:
Eine planmaessige Steigerung des Verbrauchs, der staendig unserer
Produktlonskapazitaet angepasst werden muss."
Die Vorschlaege des Kanadischen Gewerkschaftsbundes zur Behebung
der Arbeitslosigkeit sehen folgende Massnahmen vor: 1) Eine Waehrungs- und Finanzpolitik der Regierung, die auf die Erhaltung einer
laufenden Nachfrage nach Industrieproduktion ausgerichtet ist; 2)
Ein umfassendes Programm der sozialen Sicherheit muss die Kaufkraft
erhalten; 3) Vorausschauende Placierung der Industrien muss die
richtige Verteilung der Arbeitskraefte erleichtern; 4) Massnahmen
zur Regulierung saisonbedingter Schwankungen der Beschaeftigungslage;
5) Programme fuer oeffentliche Arbeiten und 6) neue Methoden zur
Erweiterung der Absatzmaerkte in Uebersee und 7) die Einfuehrung
der 40-Stunden Woche.
Die Delegation wies die Behauptung zurueck, dass saisonbedingte
Arbeitslosigkeit eine "normale" Erscheinung sei und erklaerte, wenn
sie in Kriegszeiten unbekannt sei, dann koennte sie auch im Frieden
- 2-

�vermieden werden.
"Einige Aenderungen unserer wirtschaftlichen und sozialen Einrichtungen moegen notwendig sein," heisst es in dem Memorandum.
"Aber diese Einrichtungen sind fuer die Menschen da und nicht die
Menschen fuer die Einrichtungen."
Information Bulletin des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften
V/3/50
MITGLIEDSZAHLEN

EOLLAENDISCKER GEWERKSCHAFTEN

Die Mitgliederzahl des Hollaendischen Freien Gewerkschaftsbundes ist seit Januar 1946 um mehr als 50% angestiegen (von 240,000
auf 390,000), wie kuerzllch von der Gewerkschaft berichtet wurde.
Im Hollaendischen Gewerkschaftsbund, der groessten Gewerkschaft
Hollands, sind 29 Organisationen vertreten, von den Metall-, Bau-,
Transport- und Fabrikarbeitern bis zu den Musikern, Theater-Angestellten und landwirtschaftlichen Arbeitern.
Aus den Angaben der Gewerkschaft geht hervor, dass die Mitgliederzahl seit Beendigung des Krieges staendig gewachsen ist. Sie
betrug sieben Monate nach der Befreiung 240,000, ging dann sprungartig in die Hoehe und erreichte am 1. Januar 1947 300,000, am 1.
Januar 1948 330,000, am 1. Januar 1949 365,000, am 1. Januer 1950
381,554 und im Maerz 1950 390,000 Mitglieder.
Arbeitsmitteilungen der ECA
V/19/50
DUBINSKY ZUR ROLLE DES IBFG
In einem interessanten Bericht, der im "Foreign Affairs", der
einflussreichen amerikanischen Vierteljahres-Zeitschrift erschien,
leistet David Dubinsky, der Praesident der Internationalen Damenoberbekleid. angsarbeiter-Gewerkschaft, einen bemerkenswerten Beitrag
zu jenen Prozess der Wiedererneuerung gewerkschaftlicher Grundsaetze,
mit dem sich aktive Gewerkschafter und alle diejenigen, die sich
ernsthaft mit der Gewerkschaftsbewegung befassen, eine Zeitland eingehend beschaeftigt haben.
Nach einem Ueberblick auf die Ereignisse, die zu dem Zerfall
des Weltgewerkschaftsbundes und zur Gruendung»des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften fuehrte, erklaert Dubinsky, dass es ein
Irrtum sei, anzunehmen, letzterer sei nur deshalb entstanden, um
die Luecke auszufuellen, die durch den Zusammenbruch der alten Gewerkschaft sinternationale entstanden war. Dubinsky schreibt der
Neuorientierung der Internationalen Gewerkschaftsbewegung drei Faktoren zu.
Zu allererst sei das deutliche Anwachsen der Gewerkschaftsbewegung zu beachten: In Amerika gibt es gegenwaertig 16 Millionen Gewerkschafter; die britischen Gewerkschaften haben sich eine neue
Machtstellung erobert; die freien Gewerkschaften des demokratischen
Europas sind trotz der grausamen Zerstoerung durch die Nazis wiedererstanden; allein* in Westdeutschland zeehlt der neue Freie Gewerkschaftsbund mehr als 5 Millionen Mitglieder. In Japan sind heute
etwa 6 Millionen Arbeiter gewerkschaftlich organisiert, und das gleiche trifft fuer die uebrigen Gebiete der Welt zu.
"Zweitens," erklaert Dubinsky, "ist diese neue Internationale
von allen ihren Vorgaengern grundverschieden. Die Ziele und Taetig3 -

�keit der europaelschen Gewerkschaften, die zwar sehr bedeutend ist,
bildet nicht ihre Hauptkraftquelle. Die gegenwaertige potentielle
Staerke der neuen Organisation liegt in grossem Masse in der Staerke der Gewerkschaftsbewegung der westlichen Hemisphäre und den
staendig wachsenden Gewerkschaften Asiens und Afrikas begruendet."
Dubinsky sieht eine der ermutigendsten Eigenschaften der Organisation darin, dass die Grossmaechte keinerlei Beherrschung ausueben;
von den 19 Mitgliedern des EiekutivausSchusses kommen 8 aus Laendern
ausserhalb Europas und Nordamerikas, wo die Gewerkschaften gegenwaertig die meisten Mitglieder zaehlen.
Der dritte Faktor, der nach Ansicht Dubinskys die Gruendung
des IBFG ermoeglichte, ist die Tatsache, "dass in den Reihen der
freien Gewerkschaftsbewegung in den letzten Jahren ueber die Grundlagen des Gewerkschaftswesens viel nachgedacht wurde." Eine grosse
Anzahl falscher Propheten sahen eine Spaltung zwischen den nichtsozialistischen, amerikanischen- Gewerkschaften und den sozialistisch
orientierten Gewerkschaften Europas und anderer Gebiete voraus, beovor der Londoner Kongress stattfand. Diese Voraussagen erwiesen
sich als falsch, weil "die amerikanischen Gewerkschafter erkannt
haben, dass die Demarkationslinie, die die Menschen heute sowohl
innerhalb jeder Nation, als auch die Nationen untereinander trennt,
nicht zwischen jenen verlaeuft, die die Regierung als Eigentuemer
einiger Industrien sehen moechten und denen, die diese Industrien
in den Haenden der Privatunternehmer belassen moechten, sondern
zwischen denjenigen, fuer die Menschenrechte, Menschenwuerde und
Freiheit die hoechsten Werte sind. Dieses neue gemeinsame Ziel
stellt die wertvollste Einigung dar, die je unter den Gewerkschaftern Europas, Asiens, Afrikas und Amerikas erzielt wurde."
Dubinsky unterstrich, das* der IBFG jegliche Formen der Diktatur unbedingt ablehnt. Er weist darauf hin, dass mit der Niederlage
des nazistischen Deutschlands "der Moskau-hoerige Kommunismus zur
Hauptgefahr fuer Demokratie und Weltfrieden geworden ist." Eine
militaerische Verteidigung genuege nicht. Die sicherste Garantie
fuer die erfolgreiche Abwehr der totalitaeren Bedrohung sei die
Verwirklichung des Programms des IBFG der politischen Freiheit, sozialen Gerechtigkeit und wirtschaftlichen Sicherheit. Wirtschaftliche Hilfe fuer die rueckstaendigen Gebiete und volle nationale Unabhaengigkeit fuer die abhaengigen Voelker bilden zusammen mit einer
Gleichschaltung des wirtschaftlichen Lebens der freien Laender in
eine ausgeglichene und gesunde Weltwirtschaft die wesentlichen Massnahmen zur Verteidigung der Demokratie.
"Weil die freie Gewerkschaftsbewegung eine so dynamische Rolle
spielt," schliesst Dubinsky, "greifen die Kommunisten mit solcher
Erbitterung den IBFG an. Die Errichtung dieser neuen Weltorganisation i=st eine kategorische Abkehr von dem Mythos, dass der sowjetische Totalitari3mus eine fortschrittliche Idee sei, oder dass das
kommunistische System die Interessen der internationalen Arbeiterklasse in irgend einer Weise foerdere." Es sei unvermeidbar, dass
der Karanf zwischen dem Weltgewerkschaftsbund und dem IBFG an Haerte
und Erbitterung zunehme, denn beide Organisationen "kaempfen um den
groessten Preis der Welt - die Herzen und Seelen vieler Millionen
von Arbeitern in allen Laendern der Welt."
Information Bulletin des IBFG
V/50
DAS PROBLEM DER VEREINIGUNG DER GEWERKSCHAFTEN AMERIKAS
I
De.? Gedanke der Vereinigung der beiden grossen Gewerkschaftsverbaence stand bei allen muendlichen und schriftlichen Beratungen
- 4

�zwischen AFL und CIO in der Nachkriegszeit immer wieder ia Vordergrund.
Am 6. Dezember 1946 richtete der Vorsitzende des CIO Murray an
die leitenden Funktionaere der AFL und der verschiedenen Eisenbahnerge"werkschaften ein Schreiben, in dem er Grundsaetze ueber die
Einheit der Gewerkschaften vorschlug. Diese Grund3aetze waren umso noetiger, da sich beide Gewerkschaften gegen die erwartete antigewerkschaftliche Taetigkeit des 80. Kongresses verteidigen mussten.
Diese Korrespondenz zwischen den Vorsitzenden Murray und Green wurde
bis zum Maerz 1947 fortgefuehrt, als die Plaene fuer eine Reihe von
Besprechungen zwischen der AFL und dem CIO, die die endgueltige
Vereinigung zum Gegenstand haben sollten, formell fertig waren.
Diese Besprechungen wurden am 1. und 2. Mai 1947 im Hotel Statler in Washington abgehalten. Dies war die vierte Besprechung zwischen den beiden Gewerkschaftsverbaenden, auf der die Vereinigung
behandelt wurde. Fruehere Konferenzen in den Jahren 1937, 1939 und
1941-43 hatten zu keinem Abkommen gefuehrt.
Die Sprecher de3 CIO waren zu jener Zeit der CIO-Vorsitzende
Philip Murray, Walter Reuther, der Vorsitzende des Automobilarbeiterverbandes, der Vorsitzende der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von
Amerika Jacob S. Potofsky, Emil Rieve, der Vorsitzende der Textilarbeitergewerkschaft von Amerika und Albert J. Fitzgerald, der Vorsitzende der Vereinigten Elektro-, Radio und Meschinenarbeiter, eine
Gewerkschaft, die zu jener Zeit dem CIO angeschlossen war.
Die Delegation der AFL bestand aus dem AFL-Vorsitzenden Green,
dem Generalsekretaer George Meany. dem Vorsitzenden John L. Lewis
von der Bergarbeitergewerkschaft (jetzt nicht mehr angeschlossen),
Daniel Tobin, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Fahrer, und
William Hutcheson von der Gewerkschaft der Zimmerleute.
Der Vorschlag des CIO auf dieser Konferenz umfasste vier Punkte:
1. Der antigewerkschaftlichen Gesetzgebung gemeinsam entgegenzuwirken.
2. Ein Abkommen zu treffen, um Zustaendigkeitsstreitigkeiten
unmoeglich zu machen und gegenseitige Uebergriffe und Boykotte
zu verhindern.
3. In der vereinigten Gewerkschaftsbewegung die Grundsaetze
der Industrieverbaende und die autonomen Rechte Internationaler
Gewerkschaften anzuerkennen und ein wirksames Instrument der
Gewerkschaften fuer die erforderlichen politischen Aktionen zu
schaffen.
4. Die Moeglichkeiten zur Ausschaltung von Zustaendigkeitsstreitigkeiten zu untersuchen und gemeinsame Programme vorzubereiten.
Die AFL schlug vor:
1. Dass sich die verschiedenen Gewerkschaften des CIO einfach
der AFL angliederten, wie es die Bergarbeitergewerkschaft bereits getan hatte.
2. Dass dieser "Zusammenschluss" bis zur Oktoberkonvention der
AFL vollzogen wird und Delegierte saemtlicher Gewerkschaften an
dieser Konvention teilnehmen sollten.
3. Dass das gemeinsame Komitee weiterhin zusammentreten sollte,
um sich mit Einzelheiten zu befassen und die gemeinsamen gewerk- 5-

�schaftlichen Bemuehungen auf wirtschaftlichem und gesetzgeberischem Gebiet zu koordinieren.
Die beiden Komitees trennten sich nach zweitaegigen Verhandlungen, da sie keine Einigung ueber die beiden Vorschlaege erzielen
konnten. Sie gaben jedoch eine gemeinsame Erklaerung ab, in der
sie die einmuetige Meinung zum Ausdruck brachten, dass "die organische Einheit innerhalb der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung hergestellt werden soll." In dieser Erklaerung hiess es weiter, dass
die beiden Gruppen "sich fuer die Verwirklichung dieses gemeinsamen
Zieles einsetzen wuerden. Inzwischen wuerden sie ihre Bemuehungen
fortsetzen, die Annahme gewerkschaftsfeindlicher Gesetze zu verhindern, die von dem Kongress der Vereinigten Staaten zur Zeit in Erwaegung gezogen seien."
II
Damit endeten die Besprechungen, die der Vereinigung dienen
sollten, im Jahre 1947 ohne Ergebnis; diese Frage blieb jedoch auch
weiterhin staendigen Untersuchungen unterworfen.
Auf dem CIO Kongress, der im Jahre 1947 in Boston stattfand,
sorach man von "dem vernichtenden Angriff, den das Kapital gegen
die Gewerkschaften fuehre," und von der Notwendigkeit, "die fortschrittlichen Kraefte der Nation zur wirksamen wirtschaftlichen und
politischen Taetigkeit in den einzelstaatlichen und Ortsgewerkschaften zu organisieren."
In der gleichen Resolution wurde der Ueberzeugung Ausdruck verliehen, "dass eine vereinigte Gewerkschaftsbewegung notwendig und
moeglich ist.... wir glauben in aller Aufrichtigkeit, dass eine gemeinsame Aktion innerhalb der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
die uns gestellte Aufgabe erfuellen kann, die Beseitigung aller
nichtswuerdigen antigewerkschaftlichen Gesetze zu erzwingen. Wir
werden unermuedlich fuer diese Ziele arbeiten.... um zur Verwirklichung der Einheit in der Gewerkschaftsbewegung beizutragen und das
Volk gegen die Kraefte der Reaktion zu vereinigen. Der CIO ist bereit, mit anderen Gewerkschaften gemeinsame Abkommen zu treffen, damit jegliche Zustaendigkeitskonflikte verhindert und die Organisationsstatuten gegenseitig respektiert werden."
Tatsaechlich haben eine Reihe Gewerkschaften des CIO derartige
formelle und nichtformelle Einvernehmen mit Gewerkschaften der AFL
zu3töndegebracht. Als Beispiel hierfuer kann der Vertrag gelten, den
die Automobilarbeitergewerkschaft des CIO mit dem unabhaengigen Internationalen Metallarbeiterverband abgeschlossen hat, in dem bestimmt
war, da3s keine der beiden Gewerkschaften versucht, Mitglieder der
anderen Organisation fuer sich zu werben.
III
Am 15. Dezember 1948 richtete der Vorsitzende Murray erneut ein
Schreiben, das Vorschlaere zur Vereinigung enthielt, an den Vorsitzenden der AFL William Green und die leitenden Funktionaere der Einsnbahnergewerkschaft. In diesem Schreiben, das etwa einen Monat
nach den Wahlen des Jahres 1948 verfasst wurde, wird eine enge Zusammenarbeit saemtlicher groesserer Gewerkschaftsgruppen vorgeschlagen, um ein Gesetzgebungsprogramm des Neuen Plans im Jahre 1949 verwirklichen zu helfen. Murray erklaerte: "Sowohl der CIO als auch
die AFL sind sich im wesentlichen darueber einig, dass sie das Programm der Gesetzgebung unterstuetzen muessen, das vcn Praesident Truman und seiner Regierung angekuendigt wurde. Das gleiche trifft fuer
die Gewerkschaften der Eisenbahner zu."
Die AFL lehnte zu jener Zeit den Vorschlag des CIO zur gemein~amen Handlung ab.
- 6-

�Murrays Schreiben stellte in gewissem Sinne die Zusammenfassung
einer Rede dar, die er vor der Schlussitzung des CIO Kongresses 194S
in Portland (Oregon) gehalten hatte. In dieser Rede sagte er:
"Der CIO ist bereit, mit Vertretern der AFL zusammenzutreten, um
Plaene sozialer, wirtschaftlicher und politischer Natur zu eroertern, die das amerikanische Volk vorwaertsbringen koennen. Wir
schlagen vor, wenn es irgend moeglich ist, ein System der Zusammenarbeit nicht nur mit dieser Organisation, sondern mit allen anderen Gewerkschaftsorganisationen in den Vereinigten Staaten zu entwickeln, um gemeinsam an der Verwirklichung unserer Ziele zu arbeiten."
IV
In den folgenden Jahren trat der Wunsch nach der Vereinigung
der Gewerkschaften auf einzelsttatlicher und oertlicher Ebene immer
deutlicher zutage. Waehrend der Streiks der Berg-, Stahl- und Automobilarbeiter im Jahre 1949 leistete man sich gegenseitige Hilfe
und Unterstuetzung - gewoehnlich durch Geldspenden, Darlehen fuer
Streikfonds und auch legalen Beistand, wo dies moeglich und zweckmaessig war.
Zur gleichen Zeit - die Wahlen des Jahres 1948 standen vor der
Tuer - machte sich in zunehmendem Masse der Gedanke der Einheit
der Aktion in den oertlichen und einzelstaatliohen Gewerkschaften
des CIO, der AFL, der Eisenbahnergewerkschaft und anderer unabhaengiger Gewerkschaften bemerkbar. Das nationale Buero des CIO ist im
Besitz zahlreicher Berichte ueber Beratungen und Resolutionen, die
die Betaetigung auf dem Gebiete der Gesetzgebung in Staaten und
Staedten, der Streikunterstuetzung und politischen Aktion fordern.
Die Taetigkeit auf dem politischen Gebiet kam dedurch zum Ausdruck,
dass Joseph Keenan, der Direktor der Gewerkschaftlichen Vereinigung
der AFL fuer Politische Erziehung, auf der Nationalen CIO-Konferenz
der Politischen Aktion, die am 16. Juni 1950 in Washington stattfand, anwesend war und hier eine Rede ueber dieses Thema hielt.
In diesem Jahre beschaeftigen sich bereits ueber 30 einzelstaatliche oder oertliche Gewerkschaftskomitees gemeinsam mit wichtigen politischen Fragen und den Problemen der Gesetzgebung.
V
Ein weiterer Gesichtspunkt der Tendenz der Vereinigung der
Gewerkschaften bildete sich auf dem Gebiet der internationalen Angelegenheiten heraus. Diese Tendenz kam in Verbindung mit den Plaenen fuer eine neue WeltgewerkschaftsOrganisation zustande, des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, der auf der internationalen Konferenz in London Ende November 1949 gegruendet wurde.
Plaene zum Anschluss der AFL und des CIO an diese neue Organisation wurden in gemeinsamen Besprechungen, die am 28. April 1949
in Washington stattfanden, entworfen. Die naechste Ausgabe der
Zeitschrift "CIO Nachrichten" berichtete bereits, dass die "Besprechung in freundschaftlichem Geist" verlaufen und in mehreren
Punkten eine Einigung erzielt worden sei." Hierzu gehoerte u.a.
die Frage der gleichstarken Vertretungen der AFL und des CIO in
verschiedenen exekutiven Koerperschaften und Ausschuessen des neuen IBFG; in den "CIO Nachrichten" wurde ausserdem berichtet, "es
sei vereinbart worden, dass die CIO- und AFL-Delegierten der Kongresse der neuen WeltgewerkschaftsOrganisation bestrebt seien, im
voraus sich untereinander zu beraten, um sich in ihrer Politik einigen zu koennen."

- 7

�VI
Ein Schreiben, das der CIO-Vorsitzende Murray am 4. April
1950 an den AFL-Vorsitzenden Green, die leitenden Funktionaere der
Bergarbeiter-Gewerkschaft, den Internationalen Metallarbeiterverband,
die Gewerkschaft des Zugpersonals, die Gewerkschaft der Lokoniotivfuehrer und die Gewerkschaft der Eisenbahnbediensteten richtete,
ist der juengste Versuch der Vereinigung.
In diesem Brief schlug Murray die Bildung eines gemeinsamen Gewerkschaftskomitees vor, "das sich aus anerkannten Vertretern unserer verschiedenen Organisationen zusammensetzen soll, die befugt
sind, ein gemeinsames Programm zu entwerfen und zu verfolgen. Diesem Komitee muss eine zweifache Aufgabe gestellt werden. Es muss
sofort mit den noetigen Vollmachten ausgestattet werden, um unsere
Bemuehungen in der organisatorischen, legislativen und politischen
Sphaere zu koordinieren. Es muss ausserdem versuchen, die organisatorische Einheit saemtlicher Gewerkschaften in Amerika zu erreichen."
Auf dieses Schreiben Murrays kamen zusagende Antworten vom Vorsitzenden des Internationalen Metallarbeiterverbandes AI Hayes, von
John L. Lewis, dem Vorsitzenden der Bergarbeitergewerkschaft, und
von dem Vorsitzenden W. P. Kennedy von der Gewerkschaft des Zugpersonals.
Der Vorsitzende Green vom AFL erwiderte am 7. April 1950, dass
die Angelegenheit im Exekutivausschuss der AFL am 8. Mai 1950 zur
Sprache gebracht wuerde. Nach dieser Konferenz berichtete er dem
Vorsitzenden üurray: "Der Exekutivausschuss der AFL hat mich ermaechtigt und angewiesen, Ihnen und Ihrer Organisation mitzuteilen,
dass wir gewillt sind, einen Ausschuss zu waehlen, der mit dem gleichen Komitee der CIO ueber die baldige und erfolgreiche Verwirklichung der Vereinigung unserer in Frage kommenden Organisationen auf
dauernder und sicherer Basis konferieren soll."
Green erklaerte, dass die AFL noch immer in erster Linie daran
interessiert sei, die organisatorische Einheit herzustellen, und er
fuegte hinzu: "Wir sind uns voellig einig ueber die Notwendigkeit,
auf allen Gebieten der Gewerkschaftstaetigkeit die Einheit zu erzielen."
In den darauffolgenden Wochen wurden von der AFL und dem CIO
die Komitees ernannt, die weiterhin ueber die Frage der Vereinigung
verhandeln sollen.
Das Konitee des CIO besteht aus: Vorsitzender Murray, Finanz3ekretaer James B. Carey, Vizevorsitzender Allan S. Haywood, Vorsitzender Joseph Curran von der Nationalen Seefahrergewerkscnaft, Vorsitzender Walter Reuther von der Automobilarbeitergewerkschaft, dem
Vorsitzenden der Textilarbeitergewerkschaft Amerikas Emil Rieve, L.
S. Buckmaster, dem Vorsitzenden der Gummiarbeitergewerkschaft und
Frank Rosenblum, dem Finanzsekretaer der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika.
Dem Komitee der AFL gehoeren an: Vorsitzender Green, Vorsitzender Dan Tobin von der Gewerkschaft der Fahrer, der Vorsitzende der
Gewerkschaft der Kesselmacher Charles McGowan und der Vorsitzende der
Gewerkschaft der Elektroarbeiter Daniel Tracey.
Denkschrift der Propaganda-Abteilung des CIO
VII/G/50
DIE INTERNATIONALEN BERU7SSEKR5TARIATE
Die nachstehenden Auszuege sind einem Artikel von Martin Bolle,
dem Generalsekretaer des Internationalen Verbandes der Angestell8 -

�ten im Oeffentlichen und Zivilen Dienst, entnommen, der im Magazin des amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL nThe American
Federationist" veroeffentlicht wurde. Hier wird die Aufgabe
der Internationalen Berufssekretariate geschildert und ihre Arbeit
in der Praxis.
Die Internationalen Berufssekratariate sind internationale Gewerkschaftsorganisationen, die sich aus Laender-Gewerkschaften zusammensetzen, in denen die Arbeiter eines bestLTjnent Berufs- oder
Industriezweiges vertreten sind. Hierzu einige Beispiele:
Dar Internationale Transportarbeiter-Verband, das groesste
bestehende Internatiqnale Berufssekretariat, setzt sich aus den
Laendor-Gewerkschaften der Transportarbeiter (Seeleute, Eisenbahner
usw.) zusammen.
Der Internationale Metallarbeiter-Verband, das zweitgroesste
Internationale Berufssekretariat, besteht aus den Laender-Gewerkschaften, die die Arbeiter der Metall- und Stahl-Berufe vertreten.
Der Internationale Verband der Angestellten im Oeffentlichen
und Zivilen Dienst, das drittgroesste Internationale Berufssekretariat, besteht aus jenen Gewerkschaften, in denen die Arbeitnehmer im
oeffentlichen und zivilen Dienst, wie Regierungsangestellte, staedtische Angestellte, Feuerwehrleute, Arbeitnehmer in Elektrizitaets-,
Gas- und Wasser-V»'erksn usw. organisiert sind. Im ganzen gibt es
19 solcher Internationaler Berufssekretariate, die insgesamt rund
20 Millionen Mitglieder repraesentieren.
Die Internationalen Berufssekretariate sind viel aelter als
die allgemeine internationale Gewerkschaftsbewegung, die vor dem
Krieg durch den Internationalen Gewerkschaftsbund (im Jahre 1913
gegruendet) vertreten wurde und jetzt im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) zusammengefas3t ist.
Der Internationale Verband der Lederarbeiter z.B. wurde im
Jahre 1839 gegruendet, waehrend eine grosse Anzahl anderer Internationaler Berufssekretariate, wie z.B. die Metallarbeiter, Textilarbeiter, Drucker, Tabak- und Transportarbeiter, erst in den 90er
Jahren aufkamen.
Es ist nicht erstaunlich, dass sich zuerst die Gewerkschaften
jener Arbeiter, die in gleichen Industrien und Berufen taetig waren,
der Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit bewusst
wurden. Die Gleichheit ihrer Arbeit und ihrer Interessen war eine
starke Triebkraft zur internationalen Kooperation.
Bereits in der damaligen Zeit empfanden die einzelnen Gewerkschaf tan das Beduerfnis, ihre gemeinsamen Interessen zu besprechen
und Wege zu finden, diese Interessen durch internationale Aussprachen und Beschluesse zu foerdern.
Durch ihre Fuehlungnahme mit Arbeitern und Organisationen in
anderen Laendern erwarben sich die einzelnen Gewerkschaften neue
Kenntnisse, sie erwarben sich zugleich ein groesseres Verstaendnis
und eine breitere Erfahrung,als sie mit der Entwicklung in anderen
Laendern bekannt wurden und die Errungenschaften ihrer Kollegen
in anderen Teilen der Welt kennen lernten.
Sehr oft haben diese Kenntnisse und Erfahrungen es den Gewerkschaften ermoeglicht, in ihrem eigenen Land bessere Arbeit zu leisten. Die Funktionen der Internationalen Berufssekretariate haben,
im grossen gesehen, folgende Arbeitsaufgaben:
- 9-

�1.

Informationsdienst fuer die angeschlossenen Gewerkschaften.

2. Regelmaessiger Meinungs- und Erfahrungs-Austausch ueber die
Arbeit, die die einzelnen angegliederten Gewerkschaften in ihrem
eigenen, besonderen Taetigkeitsbereich verrichten.
3. Wahrnehmung der Interessen der angeschlossenen Gewerkschaften bei internationalen Koerperschaften.
Die Sorge fuer einen regelmaessigen Austausch von Informationen, Meinungen und Erfahrungen unter den angeschlossenen Organisationen und ihrer Mitgliederschaft ist zweifellos eine der Hauptaufgaben
der Internationalen Berufssekretariate. Dieser Austausch wird in
grossem Umfang durch die Veroeffentlichungen der. Internationalen Beruf ssekretariate verwirklicht, die gewoehnlich in vier oder fuenf
Sprachen erscheinen. Abgesehen von diesen Informationsdiensten besteht natuerlich auch ein persoenlicher Kontakt unter den Vertretern
der angeschlossenen Organisationen.
Eine internationale Gewerkschaftsorganisation wuerde ihren
Zweck vollstaendig verfahlen, wenn sie ihren Mitgliedern nicht die
Gelegenheit gaebe, miteinander regelmaessig in persoenlichen Kontakt
zu kommen. Es gibt keine Methode, die besser geeignet waere, das
internationale Verstaendnis und den guten Willen wachzurufen.
Diese persoenliche Fuehlungnahme kam natuerlich nicht durch
die Konferenzen der exekutiven Koerperschaften der internationalen
Organisationen und auch nicht durch die Kongresse, die alle zwei
oder drei Jahre zur Festlegung ihrer Richtlinien abgehalten werden,
allein zustande.
Von vielleicht noch groesserer Bedeutung sind jene Tagungen,
die von den verschiedenen Internationalen Berufssekretariaten in
regelmaessigen Zeitabstaenden fuer die verschiedenen Berufszweige
einberufen werden. Bei solchen Zusammenkuenften ist es einer ziemlich grossen Zahl einfacher Gewerkschaftsmitglieder moeglich, mit
ihren Kollegen aus anderen Laendern zusammenzukommen, um die besonderen Verhaeltnisse und Interessen zu besprechen, die fuer ihren
Beruf oder ihre Industrie bezeichnend sind. Auf solchen Tagungen
werden auch die Moeglichkeiten eroertert, die sich auf internationaler Basis zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den einzelnen
Berufszweigen bieten.
Ein ausserordentlich wichtiger Bestandteil des Aufgabenbereichs
der Internationalen Berufssekretariate ist 4i© Wahrnehmung der Interessen ihrer angeschlossenen Organisationen bei internationalen
Koerperschaften.
Es bestehen eine Reihe solcher Koerperschaften: Die Internationale Arbeitsorganisation, der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen, die Welt-Gesundheits- Organisation, die UNESCO usw. Viele Internetionale Berufssekretariate unterhielten waehrend einer Reihe von Jahren Beziehungen zur Internationalen Arbeits-Organisation
(IAO). Einige von ihnen sind vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen anerkannt worden. Diese internationalen Koerperschaften bieten den Internationalen Berufssekretariaten die Moeglichkeit, den Interessen ihrer Mitglieder auf internationaler Ebene
zu dienen. Damit koennen sie mithelfen, die Arbeitsbedingungen und
den Lebensstandard in den rueckstaendigen oder unterentwickelten
^aendern zu verbessern.
Die Zusammenerbeit der Internationalen Berufssekretariate wird
durch ihren Koordinierungssausschuss ermoeglicht, der vor einem Jahr
gebildet wurde. Sie heben ebenfalls vereinbart, mit dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften eng zusammenzuarbeiten.
- 10 -

�Es kann eine durchaus brauchbare Abmachung ueber eine derartige Zusammenarbeit und die Koordinierung gewisser internationaler
Taetigkeiten bei den Beratungen getroffen werden, die zwischen dem
Exekutivausschuss des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften
und dem Koordinierungsausschuss der Internationalen Berufssekretariate gefuehrt werden.
Eine derartige Vereinbarung zur Koordinierung zwischen den
Internationalen Berufssekretariaten und dem IBFG wurde auf einer
Konferenz des Exekutivausschusses der letzteren Organisation in
Bruessel getroffen. Die Vereinbarung sieht die gegenseitige Vertretung der betreffendsn Organisationen in ihren Konferenzen und
exekutiven Koerperschaften vor. Die Internationalen Berufssekretariate bewahren ihre Selbstaendigkeit und bilden gleichzeitig mit
dem IBFG eine vereinigte Gewerkschaftsbewegung.
Es muss daran erinnert werden, dass sich von den rund 20
Millionen Mitgliedern der Internationalen Berufssekretariate etwa
zwei Millionen in Laendern oder Gewerkschaften befinden, die dem
IBFG gegenwaertig nicht angeschlossen sind. Die Berufssekretariate sind deshalb der Auffassung, dass sich ihre Zusammenarbeit mit
dem IBFG nicht nur als nutzbringend erweisen wird, sondern dass
sie auch in der Lage sein werden, dieser neuen Organisation bei
der Vergroesserung ihres Einflusses in den verschiedenen Teilen
der Welt tatkraeftig Hilfe zu leisten. Die Internationalen Berufssekretariate betrachten es als ihre Pflicht, das freie Gewerkscheftswesen ueberall und besonders da, wo die Gewerkschaften entweder
noch nicht bestehen oder noch in den Kinderschuhen stecken, foerdern zu helfen. Dies ist nicht nur fuer die Arbeiter jener rueckstaendigen Laender von grosser Bedeutung, sondern auch fuer die
Erhaltung des Lebensstandards der Arbeiter in fortschrittlichen
Laendern.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VII/12/50
EIN AMERIKANISCHES KONGRESSMITGLIED NIMMT ZUM PUNKT-VIER-PROGRAMM
STELLUNG
'Vir geben hier Auszuege aus einer Rede wieder, die John F.
Shelley vor dem Kongress der Vereinigten Staaten ueber das
Punkt-Vier-Programm gehalten hat. Kongressmitglied Shelley,
der ebenfalls Praesident des Kalifornischen Gewerkschaftsbundes ist, sprach sich fuer die Unterstuetzung der rueckstflndigen Geoiete der Welt aus. Seine Ausfuehrungen sind von besonderem Interesse, weil sie die Probleme der Arbeit und der Produktionsleistung beruehren.
Das Punkt-Vier-Programm wird das Tor zu dem umfangreichen
Schatz technischer Errungenschaften unseres eigenen Landes und der
uebrigen industrialisierten Laender oeffnen. Mit einem kuehnen
Schlag wird dieses Programm unsere weitreichenden Kenntnisse und
Erfahrungen auf dem Gebiet der Erziehung, der Gesundheit, der Forschung und der Landwirtschaft jenen Laendern zugaenglich machen,
die diese noch nicht kennen. Dieses Punkt-Vier-Programm wird ihnen helfen, die umfassenden Probleme der industriellen Organisation und der wechselseitigen Beziehungen zwischen Arbeitnehmer und
Arbeitgeber in der Industrie zu verstehen. Die Vereinigten Staaten,
haben vorgeschlagen,diese Aufgabe selbst zu uebernehmen oder die
Vereinten Nationen und ihre Fachabteilungen damit zu beauftragen.
Diese Abteilungen sind die Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft, die Weltgesundheitsorganisation und die Internationale
Arbeitsorganisation.
- 11 -

�Der grosse staatsmaennische Erfolg des Punkt-Vier-Programms
lie^t darin begruendet, dass ein Mittel geschaffen wird, mit dem
alle Gruppen der Gesellschaft, - Unternehmer, Gewerkschaften, Bauern, Erzieher, Aerzte, usw. - gemeinsam an dem gleichen Ziel arbeiten koennen. Die wirtschaftliche Entwicklung haengt von den
gleichgerichteten Bemuehungen aller dieser Gruppen ab. Wir koennen
von den Banken und ihren Kunden nicht erwarten, dass sie ihr Geld
investieren, wenn keine Facharbeiter vorhanden sind, die ihre Kapitalanlage produktiv gestalten koennen. Wir koennen von Arbeitern
und Bauern nicht verlangen, dass sie fuer die Verwirklichung dieser
Ziele arbeiten, wenn sie fuer ihre Arbeit nicht den gerechten Anteil
erhalten, der sich aus der erhoehten Produktionsleistung ergibt.
Jene Gesichtspunkte des Punkt-Vier-Programms sind besonders
wichtig, die mit der Arbeit in Zusammenhang stehen. '.Vir wissen, dass
die Arbeiter die erste Zielscheibe fuer totalitaere Angriffe sind,
denn die totalitaeren Maechte wissen sehr genau, dass ihnen mit der
Kontrolle ueber und dem Einfluss auf die Arbeiterschaft das maechtige strategische Organ in die Hand gegeben ist, mit der sie das
Chaos schaffen koennen, das ihnen zur Macht verhilft. Unter Anwendung dieser Methode hat der Totalitarismus auf der ganzen Welt gearbeitet: Hitlers Arbeitsfront, Mussolinis Korporationsstaat und
in neuerer Zeit die Neuauflage dieser Methode in der Tschechoslowakei, wo sich die Kommunisten zuerst der Gewerkschaften bemaechtigten,
um dieses unglueckliche Land in ihre Hand spielen zu koennen. Wir
duerfen nicht zulassen, dass sich dieses "Spiel" in den unterentwickelten Gebieten der Welt wiederholt.
Wir muessen dafuer sorgen, dass die Vorteile der wirtschaftlichen
Entwicklung allen Menschen in diesen l&gt;aendern zugutekommen. Das l3t
auch der Kernpunkt und der Zweck und das Ziel des Punkt-Vier-Programms.
Die Hebung des Lebensstandards und der Arbeitsbedingungen, die Steigerung der V-.'uerde der Menschen und die Foerderung der wirtschaftlichen und sozialen Freiheit sind die grundlegenden Ziele des PunktVier- Programms. Aus diesem Grunde muss besonders auf die Gesichtspunkte dieses Programms hingewiesen werden, die mit der Arbeit in
Zusammenhang stehen: Die Menschen davor zu schuetzen, ausgebeutet
zu werden, und dafuer zu 3orgen, dass sie ihren gerechten Anteil
an der erhoehten Produktionsleistung erhalten. Um diesen Kampf erfolgreich fuehren zu koennen, muss entschlossen daran gearbeitet werden, dass der Reichtum, den die Entwicklung der einzelnen Hilfsquellen durch den Aufruf menschlicher Intelligenz und Erfahrung mit
sich bringt, dazu verwendet wird, die Lebens- und Arbeitsbedingungen
der breiten Masse des Volkes zu verbessern.
Es ist klar, dass zwei Hauptfaktoren hiermit Hand in Hand gehen: Erstens muessen die Arbeiter fuer die Fachberufe geschult
werden, die notwendig sind, um die Produktionsleistung steigern zu
koennen. Zweitens, jedoch nicht weniger wichtig, muss den Arbeitern,
Unternehmern und Regierungen der wirtschaftlich unterentwickelten
Laender geholfen werden, den Arbeitsstandard so zu verbessern, dass
die Gewinne allen Menschen zugutekommen. Der Aufbau einer neuen Industrie erfordert neues fachliches Können, auch die Ausdehnung einer
Industrie bedingt neue Methoden der Wechselbeziehungen der Industrie
und neue soziale Anschauungen. Es muss und wird unser Ziel sein,
dafuer zu sorgen, dass dies verwirklicht wird; dass der Fortschritt
in der Industrialisierung wenig entwickelter Gebiete den Bewohnern
in Form einer hoeheren Entlohnung fuer ihre Arbeit, besserer Arbeitsbedingungen und groesseren Wohlstands zugutekommt. Nur auf diese
Weise kann der Kampf gegen den Totalitarismus gewonnen werden.
Durch Unterweisung in modernen Produktionsmethoden am Arbeitsplatz, durch Ausbildung von Lehrlingen, Entwicklung wirksamer Organisationen fuer Arbeitsvermittlung, durch Hebung der Erfahrungen
- 12 -

�auf dem Gebiet der Arbeitsgesetzgebung, der industriellen Gesundheit und Sicherheit, der Arbeiosstatistik, der Beschaeftigung von
Frauen und in der entscheidenden Frage der Wechselbeziehungen in
der Industrie koennen die amerikanische Industrie, die amerikanischen Gewerkschaften und die Experten in unserer Regierung den
wirtschaftlich weniger entwickelten Gebieten helfen, ihre Produktionsleistung zu steigern.
So wie es Methoden und Grundsaetze fuer eine gute Organisation
der Industrie gibt, so gibt es auch gute Methoden und Grundsaetze
fuer die gewerkschaftliche Organisation. Gewerkschaftsorganisationen muessen vor allemfrei, demokratisch und verantwortungsbewusst
sein. Wir haben uns in den vielen Jahren, in denen die arbeitende
Bevoelkerung sich zum Zwecke erfolgreicher TarifVerhandlungen organisierte, zahlreiche Kenntnisse ueber die besten Formen der gewerkschaftlichen Organisation in den Vereinigten Staaten erworben. Wir
koennen unsere iegenen Erfahrungen jenen arbeitenden Menschen als
Grundstock zur Verfuegung stellen, damit sie umso nachdruecklicher
mit ihrer Hilfe ihre eigenen Probleme in Angriff nehmen koennen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VI1/19/50
ZUSANMENSCHLUSi: DUR FREIEN GEWERKSCHAFTEN ITALIENS
Anlaesslich eines grossen Treffens in Rom, auf dem der Zusammen3Chluss der freien italienischen Gewerkschaften gefeiert wurde, wies
Giulio Pastore, der kuerzlich gewaehlte Generalsekretaer der vereinigten nichtkomraunistischen Gewerkschaftsbewegung Italiens, auf die
Notwendigkeit hin, einen umfassenden Produktivitaets-Vorstoss in
Italien einzuleiten.
Eine unuebersehbare ^enge Gewerkschafter fuellte das geraeumige
Adriana-Theater in Rom, als der neugegruendete italienische Gewerkschaftsbund (Confederazione Italiano Sindicati Lavoratori - CISL)
den offiziellen Zusammenschluss aller nichtkommunistischen Gewerkschaften, einschliesslich LCGIL, FIL und mehrerer anderer selbstaendiger Gewerkschaften feierlich beging.
Viertausend Repraesentanten dieser Gewerkschaften waehlten
Guilio Pastore, den ehemaligen Sekretaer des LCGIL, zum Generalsekretaer und ernannten fuenf Fuehrer anderer Gewerkschaften zu Sekretaeren.
In einem historischen Rueckblick berichtete Pastore den Delegierten von dem Kampf um die Errichtung einer starken freien und unabhaengigen Gewerkschaft in Italien, die dem von den Kommunisten beherrschten ICGIL gegenuebergestellt werden konnte, der nach Kriegsende der einzige Landesfrewerkschaftsbund in Italien war. Dabei wies
Pastore darauf hin, dass er mit anderen Gewerkschaftsfuehrern, die
an der Entwicklung eines demokratischen Italiens interessiert seien,
schon bei Beginn dieses Kampfes beschlossen habe, am Marshall-Plan
tatkraeftig mitzuarbeiten und sich an der Bildung der nichtkommunistischen Gewerkschaftsinternationale, dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften, in London gegen Ende vorigen Jahres zu beteiligen.
Pastore unterstrich die Bedeutung, die den Bemuehungen der
Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) und der Organisation fuer die V/irtschaf tliche Zusammenarbeit Europas (OEEC) zukomme,
die Produktionsleistung zu steigern, die Wirtschaftseinheit herzustellen, den freieren Austausch von Arbeitskraeften zu ermoeglichen
und die politische Einheit zu verwirklichen.
—

ii&gt;

—

�In bezug auf die Erhoehung der Produktionsleistung erklaerte
Pastore im einzelnen, wie diese letzten Endes allen Arbeitern zugutekomme. Er betonte, dass eine bessere Verteilung der Gewinne
erforderlich sei, um den Lebensstandard der Arbeiter so zu steigern, wie sie es verdient haben. Er forderte nachdruecklichst den
italienischen Unternehmerverband "ConfIndustrie" auf, fuer eine
gleichmaessi^.ere Besetzung der Betriebsausschuesse und der Tarifverhandlungskomitees zu sorgen.
Pastore sagte, -der CISL sei fuer eine "Reform des Wirtschaftssystems, wobei es erforderlich ist, dass die Gewerkschaften auch in
der Betriebsleitung selbst mitwirken." Er bestaetigte erneut das
uneingeschraenkte Recht der Arbeiter zu streiken, fuegte jedoch
hinzu, dass die neue Organisation gegen jeden Versuch, Streiks fuer
politische Zwecke auszunutzen, ankaempfen werde.
Er versicherte ausserdem den selbstaendigen Gewerkschaften,
dass sie im CISL gleiche Rechte haetten. Er forderte alle Arbeiter
auf, ihre Aufgabe als Gewerkschafter sehr ernst zu nehmen und nicht
zu vergessen, dass die Gewerkschaftsbewegung fuer das Leben der
breiten Masse der italienischen Arbeiter und fuer das Volk selbst
von ausschlaggebender Bedeutung sei. Er forderte weiter die Intensivierung der Mitgliederwerbung, die bereits im Gange ist.
Abschliessend erklaerte Pastore, dass es zu einer Zeit, in
der man versucht, die Arbeiter gegen die Sicherheit ihres eigenen
Landes und womoeglich fuer einen Eroberer zu mobilisieren, es unumgaenglich notwendig sei, dass "die demokratischen Arbeiter von
neuem ihren Glauben und ihre Liebe fuer Italien bestaetigen muessen."
Es wurde betont, dass sich die 1.600.000 Gewerkschaftsmitglieder
des neuen Gewerkschaftsbundes verpflichten, zur Erringung wirtschaftlicher Verbesserungen zugunsten der Arbeiterschaft einen
nichtpolitischen Kurs einzuschlagen.
LCGIL, FIL und die selbstaendigen Gewerkschaften wurden durch
eine Erklaerung offiziell aufgeloest, die von Roberta Guzzaniti
verlesen wurde und daraufhin die offizielle Gruendung des CISL proklamierte. Er sagte: "Der CISL verpflichtet sich, fuer folgende
Ziele zu kaempfen: 1) das Recht auf Arbeit, 2) das Recht auf
soziale Sicherheit, 3) das Recht, an der Gestaltung der '.'Wirtschaftspolitik des Landes teilzunehmen, 4) das Recht auf Sicherheit der
Beschaeftigung, 5) das Recht auf soziale Sicherheit in ihrer umfassendsten Form, 6) das Recht, sich in Gewerkschaften zusammenzuschliessen und jede gewerkschaftliche Taetigkeit frei auszuueben,
wozu auch das Recht des Streiks gehoert, 7) "das Recht der Vertretung und der Anerkennung, um es der Arbeiterschaft zu ermoeglichen,
bei der Formulierung der Sozialpolitik des Landes ihren Einfluas
auszuueben, und 8) das Recht der Gewerkschaften, an der Betriebsleitung und an dem Besitz der Produktionsmittel beteiligt zu sein.
Mach der Wahl Pastores zum Generalsekretaer wurden die folgenden
fuenf Gewerkschafter von den Delegierten zu Sekretaeren ernannt:
Giovanni Canini, Paolo Consoni, Roberto Cuzzaniti, Luigi Morella und
Enrico Parri. Zu Vizesekretaeren wurden gewaehlt: Alberto Caielli,
Dionigi Coppo, Giuseppe Giuffre, Amleto Mantegazza, iinselmo Martoni,
A^nio Claudio Rocchi, Bruno Stroti und Ermanno Trebbi.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VI/8/50
GEWERKSCHAFTEN AMERIKA! UNTERSTUET2EN TRUMANS MOBILISIERUNGSPLAN
Die amerikanischen Gewerkschaften haben Praesident Truraans Forderung von 10 Milliarden Dollar, mit denen die Vereinten Nationen
die Republik S-ued-Korea unterstuetzen sollen, sofort befuerwortet.
- 14 -

�Der Vorsitzende Philip Murray beglueckwuenschte im Namen des
CIO den Praesidenten zu "dem grossen Programm, das er zur Abwehr
des kommunistischen Angriffs auf den V/eltfrieden in Korea und zur
Staerkung der Verteidigung der Nationen gegen alle internationalen
Bedrohungen des Friedens vorgeschlagen hat.n
Murray erkläerte, dass der CIO nicht nur die 10 Milliarden
Forderung, sondern auch die Vorschlaege zur Kontrolle der industriellen Produktion und Einrichtungen sowie des Verbraucherkredits
unterstuetze. "Das amerikanische Volk muss den Anforderungen, die
mit der unvermeidlichen Erhcehung der Ausgaben fuer militaerische
Zwecke gestellt werden, gerecht werden."
Zuvor hatte Vorsitzender William Green vom Amerikanischen Gewerkscheftsbund AFL erklaert, die Reaktion, die die Forderungen
Trumans in seiner Organisation ausgeloest habe, sei "sehr guenstig"
gewesen. Wir sind der Auffassung, dass die Verwaltung soviel Geldmittel zur Verfuegung haben muss, wie noetig sind, um die Aufgaben,
die unseren Streitkräften gestellt werden, erfuellen zu koennen."
Green sagte, er halte Preiskontrollen, Lohnstops oder die Verpflichtung der Gewerkschaften, nicht zu streiken, bis jetzt nicht fuer
erforderlich. Die Gewerkschaftsbewegung würde der Regierung in der
Korea-Krise ihre volle Unterstuetzung zuteil werden lassen.
Die Vorsitzenden Green und Murray sind zusammen mit anderen leitenden Funktionaeren amerikanischer Gewerkschaften Mitglieder eines
Komitees, das mit Vertretern der Regierung Verhandlungen fuehrt, um
Massnahmen zur Unterstuetzung der Handlungen der Vereinten Nationen
fuer Notfaelle zu planen.
Arbeitsmitteilunr-en der ECA
VII/26/50
Ray Boyfield, Sekretaer der Organisationsabteilung des Britischen
Gewerkschaftsbundes (TÜC):
BSVINS GEWERKSCHAFT BESITZT FONDS FUER POLITISCHE zraCKE
Mehr als ein Viertel saemtlicher Gewerkschafter Englands gehoeren drei grossen Gewerkschaften an. Die groesste i^t die Gewerkschaft der Transport- und Allgemeinen Arbeiter (Transport and General
Workers' Union).
Die GTAA zaehlt augenblicklich mehr als 1.250.000 I itglieder und
setzt sich aus etwa 50 verschiedenen Organisationen zusammen, die
frueher selbstaendig waren. Sie wurde im Jahre 1922 durch den Zusaramenschluss von 14 Gewerkschaften gebildet, in denen heuptsaechlich Dockarbeiter, Strassen-, Transportarbeiter und Arbeiter schlechthin organisiert waren.
Ihre Gruender, zu denen auch Ernest Bevin, der erste Sekretaer
der Gewerkschaft, gehoerte, hatten den Wunsch, fuer des ganze Land
verbindliche Tarifvertraege abzuschliessen. Sie erkannten dabei,
dass eine starke Organisation erforderlich ist, um mit den einzelnen Organisationen der Unternehmerschaft erfolgreich verhandeln zu
koennen.
Fuer die Gewerkschaft arbeiten etwa 600 hauptamtliche Funktionaere, die jedoch in keinem Fall das Recht haben, als Delegierte an
einer Konferenz teilzunehmen oder in irgendeinem der Ausschuesse ihre
Stimme abzugeben. Offene Stellungen koennen nur von Mitgliedern besetzt werden, die in dem betreffenden Beruf taetig sind. Mitglieder
kommunistischer oder faschistischer Organisationen koennen jetzt
- 15 -

�nicht mehr Gewerkschaftsfunktionär werden und koennen die Gewerkschaft auch nicht in den verschiedenen Koerperschaften vertreten,
denen sie angegliedert ist.
Mit dem Kapital, das der Gewerkschaft zur Verfuegung steht,
(es belaeuft sich auf ueber 76.440.000 DM) und ihrem umfangreichen
Personalstab ist es ihr moeglich, auch solche Referate zu unterhalten, deren Ziel die Forschung, Erziehung, Gesetzgebung und Politik ist und die ausschliesslich auf die gewerkschaftliche Arbeit
zugeschnitten sind. Die Rechtsabteilung steht den Funktionaeren beratend zur Seite, wenn es sich um ünfaelle, angeblich ungerechtfertigte Entlassungen, Uebertretungen des Gesetzes ueber den Strassentransport und aehnliches handelt; es ist ausserdem ihre Aufgabe,
die Ursachen von Berufskrankheiten festzustellen und neue Sicherheitsmassnahmen zu entwickeln.
Die politische Aktivitaet wird aus einem Sonderfonds finanziert, der aus freiwilligen Zuwendungen gespeist wird. Nahezu eine
Million Mitglieder der Gewerkschaft zahlen diese Abgabe fuer politische Zwecke, die dazu verwendet wird, die von der Delegiertenkonferenz (praktisch die Labour Party) bevorzugte politische Partei und
die Gewerkschaftskandidaten in oertlichen und Parlamentswahlen zu
unterstuetzen. Bei den letzten allgemeinen Wahlen wurden 26 Gewerkschaftsmitglieder in das Unterhaus gewaehlt.
AFL Wedkly News Service
VII/25/50
HILFE FUER INDIEN
Eine Mission des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften,
die den Fernen Osten und Suedostasien bereiste, hat den Vorschlag
gemacht, die Wirtschaft" Indiens anzukurbeln und zu erweitern und
die dadurch entstehenden Gewinne den Gewerkschaften!dieses Landes
zugute kommen zu lassen.
Nach einer Aussprache mit fuehrenden indischen Persoenlichkeiten,
zu denen auch Premierminister Nehru gehoerte, erklaerte ein Sprecher
der Gruppe, ein Teil der wesentlichen Hilfsmassnahmen fuer Indien,
wie zum Beispiel die Erschliessung seiner natuerlichen Hilfsquellen,
koenne nicht durch die Aufbringung auslaendischen Privatkapitals
geloest werden, ^in Mitglied des Ausschusses unterstrich die Dringlichkeit des Ernaehrungsproblems in Asien und forderte sofortige
materielle Hilfe fuer die asiatischen Voelker.
Der fuenfkoepfigen Mission des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften gehoeren Gordon Chapman und John Brophy als Vertreter der AFL und des CIO an, ferner F. W. Dalley vom Britischen Gewerkschaftsbund (TUC), Roger de Keyzer vom Belgischen Gewerkschaftsbund
und Deven Sen^ vom Indischen Gewerkschaftsbund. Unter Zugrundelegung der von der Gewerkschaftsmission angestellten Beobachtungen wird
der Internationale Bund Freier Gewerkschaften die Errichtung eines
gewerkschaftlichen Stuetzpunktes einer regionalen Organisation in
Asien und die Eroeffnung mindestens einer Gewerkschaftsschule zur
Ausbildung junger Gewerkschafter fuer dieses Gebiet beschliessen.
Weekly Labor News Digest
VI1/18/50
- 16 Office of Labor A f f a i r s
AP0 757

ÖFFICIAL

HICCCta-U7e L H

*-gust 50 19t C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder,
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

T U _ 2-i

Frankfurt, 18. August 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Vollbeschaeftigung, ein grundlegendes Ziel der
Gewerkschaftsbewegung - - - - - - - - - - l
„FL: Hoehere Kaufkraft, ein Mittel zur Behebung
der Arbeitslosigkeit
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Das Probler- der erwerbslosen Jugend in Oesterreich
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.Amerikanische Gewerkschaften sichern der Regierung ihre Unterstuetzun? in kritischen
Situationen zu - - - - - - - - - - - - - - - 12
Die Gewerkschaften Amerikas sind produktivitaet3bewusst - - - - - - - - - - - - - - - - 1 3
Zum Erfolg ^ehoert ebenso der Verstand wie
Kraft! -'14
Landkultivierung In Italien schafft 500.000
Arbsitsplaetze - - - - - - - - - - - - - - - 1 6
Alfred Braunthal:
VXLI-SSCIli.EFTIGUKG, SIN GRUNDLEGENDE0 ZIEL DER GEV ERKSClkFTSBE.VECUNG
Seit dem Anbruch des industriellen Zeitalters ist die wirtschaftliche Unsicherheit zum Fluch des Arbeiters geworden; er hat
sich immer nach einer wirtschaftlichen und sozielen Ordnung gesehnt,
in der ihm die staendige Beschaeftigung, ein anstaendiger Lebensstandard und anstaendige Arbeitsbedingungen gesichert sind. Es ist
unbestritten, dass die Geissei der Massenarbeitslosigkeit vermieden
und die Vollbeschaeftigung durch kluges Handeln geschaffen und beibehalten werden kann, um so mehr muessen die freien Gewerkschaften
auf der Errichtung eines Wirtschaftssystems bestehen, in dem die
Vollbeschaeftigung garantiert ist. Damit sind sie zu den Verfechtern
der systematischen Vollbeschaeftis'ungspolitik geworden. Es war deshalb eine Selbstverstaendlichkeit, dass der Internationale Bund Freier
Gewerkschaften auf seiner Gruendungskonferenz in London sowohl in
seiner Satzung- als auch in seiner Erklaerung zu den wirtschaftlichen
und sozialen Forderungen ein Wirtschaftssystem fordert, das die
Vollbeschaeftigung ermoeglicht.
Das Vollbeschaeftigungsprogramm des IBFG, wie es in diesen beiden grundlegenden Dokumenten niedergelegt ist, zeigt, dass immer
groessere Kreise der Arbeiterschaftsich der Bedeutung der Vollbeschaef tigung bewusst werden. Diese neue Wartung des Begriffs der
Vollbeschäftigung wiederum findet in der Erweiterung der Ziel- 1-

�setzung der Gewerkschaftsbewegung ihren Niederschlag, die in den
Forderungen des IBFG am deutlichsten zum Ausdruck kommen.
Vor dem Kriege konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der
internationalen GewerkschaftsOrganisation wie ueberhaupt das Interesse und die Sorge der organisierten Gewerkschaftsbewegung
schlechthin fast ausschliesslich auf die Industriestaaten der Welt.
Natuerlich fehlte es auch nicht an Anteilnahme an dem Los jener Arbeiter, die in den industriell weniger fortgeschrittenen Gebieten
der Welt leben. Die organisierte Arbeiterschaft lehnte aufrichtig
eine koloniale Ausbeutung der Arbeiter in den rueckstaendigen Gebieten *ab. Da die Probleme der Arbeiter jener Gebiete Jedoch immer
ziemlich nebensaechlich schienen, war die Gewerkschaftsbewegung der
Industriestaaten wenig bemueht, diese Probleme zu loesen oder nach
Mitteln und Wegen zu ihrer Loesung zu suchen.
Das Interesse der Gewerkschaftsbewegung an einem Wirtschaftssystem der Vollbeschaeftigung war auf die Industriestaaten konzentriert. Die wahre Vorstellung von der Vollbeschaeftigung blieb auf
die industriellen Sektoren der Weltwirtschaft beschraenkt. Der
Einstellung zu dem Vollbeschaeftigungsproblem schwebte die Beschaeftigunesstruktur in Industriestaaten vor. In diesen Laendern
ist die Arbeitslosigkeit groesstenteils periodisch und tritt infolge des zyklischen Kachfragemangels fuer Massenbedarf auf. Es ist
*ene Art der Arbeitslosigkeit, die an erster Stelle fuer die grosse
Wirtschaftskrise zu Anfang der dreissiger Jahre verantwortlich war.
Die unbeschreibliche Not, die die Arbeiter als Folge dieser Katastrophe traf, bestaerkte sie in ihrer Entschlossenheit, nie wieder
das Aufkommen einer solchen Krise zu dulden. Seit jener Zeit hat
die Gewerkschaftsbewegung den Problemen der periodischen Massenarbeitslosigkeit in Industriestaaten groesste Aufmerksamkeit gewidmet
und sich damit ausreichende Erfahrungen in der Politik zur Verhuetung dieser Arbeitslosigkeit erworben.
Inzwischen hat die internationale Gewerkschaftsbewegung jedoch
ihren .Virkungsbereich weit ueber die Grenzen der Industriestaaten
der Welt hinaus ausgedehnt. Der IBFG hat von Anfang an nicht nur
versucht, alle Arbeiter in allen freien Staaten der Welt ohne Ruecksicht auf den Grad der industriellen Entwicklung ihres Landes zu
erfassen und ihnen zu helfen, sich zu organisieren und die gemeinsamen Ziele zu erreichen, sondern war auch mit allen Mitteln bemueht, inre besondere Tot und Probleme zu verstehen und zu berueck3iOhtigen. Der IBFG hat damit erreicht, dass das Beschaeftigungsoroblem sowohl fuer die Arbeiter der Industriestaaten als auch fuer
diejenigen der industriell weniger entwickelten Laender als das bedeutsamste anerkannt wird; er ist sich jedoch darueber im klaren,
da33 3ich das Beschaeftigungsproblem in dem letztgenannten Sektor
der Weltwirtschaft wesentlich von dem im industriellen Sektor unterscheidet.
Waehrend das Beschaeftigungsproblera der Industriestaaten vornehmlich von periodisch auftretenden Faktoren gekennzeichnet ist,
ist es in den meisten wirtschaftlich weniger entwickelten Laendern
chronisch, obwohl die Arbeitslosigkeit dort meistens von dem Deckmantel der Unterbeschaeftigung verborgen wird. Tatsaechlich ist das
Beschaeftigungsproblem in dem industriell unterentwickelten Sektor
der 'Weltwirtschaft im wesentlichen ein Entwicklungsproblem, und der
IBFG hat durch die Tatsache, dass er die wirtschaftliche und soziale
Entwicklung jener Gebiete in seinen beiden grundlegenden Satzungen
besonders verankerte, sein eingehendes Verstaendnis fuer die Beschaeftigungsprobleme bewiesen.
Es ist bemerkenswert, dass der IBFG nicht die einzige internationale Organisation ist, die sich mit den Problemen der Vollbe- 2-

�achaeftigung beschaeftigt hat. Die organisierte Arbeiterschaft ist
ebenso direkt wie indirekt in weltumfassenden internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen und der Internationalen Arbeitsorganisation vertreten, und es ist erfreulich, festzustellen, dass
sich die Einstellung dieser internationalen Koerperschaften zum
Beschaeftigungsproblem in der gleichen Richtung entwickelt hat wie
die der internationalen freien Gewerkschaftsbewegung. Beide Organisationen haben in juengster Zeit mehr und mehr ihre Aufmerksamkeit
dem Problem der Vollbeschaeftigung mit seinen verschiedenen Blickpunkten in Industriestaaten und in industriell unterentwickelten Laendern gewidmet. Die Vereinten Nationen und die Internationale ArbeitsOrganisation haben unlaengst die Ergebnisse umfassender Studien auf
diesem Gebiet veroeffentlicht und haben sie zum Gegenstand von Besprechungen gemacht, die zum erstenmal waehrend der Sitzung des
'.Virtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen im Januar 1950
gefuehrt und bei den Sitzungen dieses Rates und der Internationalen
Arbeits-Organisation im Sommer fortgesetzt wurden. Der IBFG hat
sich bereits aktiv an diesen Besprechungen beteiligt und wird auch
weiterhin sich nachdruecklichst fuer reale und wirksame Aktionsprogramme einsetzen.
In diesem Artikel wird versucht, die Probleme kurz zu erlaeutern, die einerseits mit der periodischen Arbeitslosigkeit, wie sie
fuer die Industriestaaten kennzeichnend ist, und andererseits mit der
chronischen Arbeitslosigkeit in Zusammenhang stehen, die in industriell
wenig- entwickelten Laendern vorherrschen. Es wird ausserdem versucht
werden, und zwar unter Zugrundelegung jener Beobachtungen, die der
IBFG zu dem Bericht der Vereinten Nationen ueber die Vollbeschaeftigungsfrage angestellt hat, die von den freien Gewerkschaften in Erwaegung gezogenen Loesungen dieser Probleme klarzulegen.
Es muss von Anfang an darauf hingewiesen werden, dass selbst
in Industriestaaten Massenarbeitslosigkeit nicht immer periodisch
bedingt ist. Arbeitslosigkeit kann auch andere Ursachen haben, wie
zum Beispiel die Vernichtung der Kapitalquellen durch den Krieg.
In kriegszerstoerten Laendern wie Deutschland und Oesterreich ist
dies selbst heute noch ein Faktor, der fuer die Massenarbeitslosigkeit mitverantwortlich ist, obwohl die Marshall-Plan-Hilfe viel
dazu beigetragen hat, diese Notzeit zu ueberwinden. Eine andere,
nichtperiodische Ursache der Massenarbeitslosigkeit ist der ungeheure Zustrom von Ausgewiesenen und Fluechtlingen nach Deutschland
und Oesterreich, fuer deren Beschaeftigung es an den erforderlichen
Voraussetzungen in diesen Laendern fehlt,"d.h. an Arbeitsplaetzen,
Betrieben, Rohmaterialien und aehnlichem.
Diese Art Arbeitslosigkeit ist in Industriestaaten jedoch verhasltnismaessig selten. Der vorherrschende Typ der Massenarbeitslosigkeit ist durch periodische Schwankungen des Wirtschaftsablaufs bedingt. Zur Erklaerung dieser Art Arbeitslosigkeit hat sich eine Auffassung eingebuergert, die auf die Beschaeftigungstheorie Lord
Keynes» zurueckgeht. Die Tatsache, dass die Auffassung Keynes' nicht
nur unter den zeitgenoessischen Volkswirtschaftlern und in den Reihen
der Gewerkschaftsbewegung ziemlich allgemein verbreitet ist, sondern
auch die theoretische Grundlage der beiden von den Vereinten Nationen und der Internationalen Arbeits-Organisation durchgefuehrten
Studien bildet, ist zwar kein Beweis fuer ihre Richtigkeit, sie zeigt
aber auf jeden Fall, dass sie viele im Zusammenhang stehende Tatsachen
auf befriedigende Art und Weise aufeinander abstimmt und wertvolle
Hilfe in der Schaffung einar konstruktiven Auffassung in der Frage
der industriellen Arbeitslosigkeit und der Mittel und Wege zur Bekaeimfung dieses Uebels leistet.
Gemaess dieser Auffassung kann in einem Industriestaat die Vollbeschaef tigung nur gesichert und erhalten werden, wenn der Massen- 3-

�bedarf an Waren und Dienstleistungen zum Zwecke des Verbrauchs,
der Investierungen, der Ausgaben der Regierung und - sichtbar oder
unsichtbar - der Exporte den Massenaufwendungen fuer Verbrauch,
Ersparnisse, Besteuerung und - sichtbar oder unsichtbar - fuer
Importe gleichkommen oder sie uebertreffen. Es gibt keine automatische Garantie dafuer, dass der Gesamtbetrag der linken Seite
dieser Gleichung dem auf der rechten Seite entspricht oder ihn
usbertrifft. Es kann sehr wohl vorkommen, dass die Nachfrage aus
*'angel an Kaeufen zurueckgeht, wenn z.B. ein Teil der Ersparnisse
nicht investiert wird und gleichzeitig ein Teil des Steueraufkommens
von der Regierung nicht ausgegeben wird und die Importe groesser
sind als die Exporte. Wenn die Kachfrage nach produzierten Waren
aus Mangel an Kaeufen zurueckgeht, d.h. wenn ein Teil der durch die
Produktion von Waren erzeugten Kaufkraft nicht dazu verwendet wird,
diese Waren zu kaufen, kann ein bestimmter Prozentsatz der produzierten Waren und der zur Verfuegung stehenden Dienstleistungen
nicht verkauft werden; daraus ergibt sich ein Rueckgang der Produktion unter ihre volle Kapazitaet, und ein Teil der Produktionsmittel, also auch die Arbeitskraft, bleiben untaetig.
Waehrend kein automatischer Mechanismus zur Verhuetung der
Massenarbeitslosigkeit als Folge einer zu geringen Nachfrage besteht, gibt es eine Tendenz, die auf die Behebung der wirtschaftlichen Unausgeglichenheit gerichtet ist, die zur Massenarbeitslosigkeit fuehrt. Denn dieses Fehlen des Gleichgewichts bewirkt ein
Absinken der Einkommen, der Ersparnisse, des Steueraufkommens und
der Importe, sodass das Gleichgewicht zwischen der Nachfrage nach
produzierten Waren und den Ausgaben der Nation unter Umstaenden
wieder hergestellt wird. Aus eben diesem Grunde ist jede Massenarbeitslosigkeit, die durch den Mangel an Nachfrage hervorgerufen
ist, eher periodischer als chronischer Natur. Auf der anderen Seite ist es in der modernen Gesellschaft der Industriestaaten dieser
periodische Charakter der Massenarbeitslosigkeit und folglich der
Beschaeftigungsmoeglichkeiten, der dem Arbeiter die wirtschaftliche Sicherheit nimmt, nach der er sich sehnt. Wenn die periodische
Massenarbeitslosigkeit nicht durch eine wirksame Politik der Vollbeschaeftigung ausgeschaltet wird, kann ein Arbeiter zwar zu gewissen Zeiten eine gute Moeglichkeit haben, einen Arbeitsplatz zu
finden, niemals jedoch kann er mit Sicherheit aussagen, wie lange
seine Beschaeftigung andauern und wann er dann eine neue finden
wird. Die Erfahrung hat ausserdem gelehrt, dass periodische Wirtschaftskrisen einen sehr grossen Prozentsatz von Arbeitern ihre
Beschaeftigung nehmen, die Arbeitslosigkeit kann eine ganze Reihe
von Jahren andauern.
Wirtschaftskrisen sind jedoch gluecklicherweise keine uebernatuerlichen Vorgaenge, denen die Menschen machtlos gegenueberstehen.
Es sind wirtschaftliche Entwicklungen, die, wenn sie klar erkannt
werden, durch Gegenmassnahmen wirksam bekaempft werden koennen, die
durch zielbewusstes Handeln in der Wirtschaft selbst hervorgerufen
werden koennen. Vor allem in den letzten Jahren ist diese Erkenntnis nicht nur.aksdemische Wissenschaft geblieben, sondern sie ist mit
groesstem Erfolg in verschiedenen Laendern angewandt worden. Die
beiden kuerzlich erschienenen Veroeffentlichungen der Vereinten Nationen und der Internationalen Arbeits-Organisation ueber Vollbeschaeftigung haben ausserdem wertvolle Beitraege zu den Erfahrungen
erbracht, die auf diesem Gebiet bereits erworben wurden, und sie
enthalten konstruktive Vorschlaege zu einem Plan nationaler und internationaler Massnahmen zur Schaffung einer Wirtschaft der Vollbeschaeftigung.
Waehrend es unmoeglich waere, in diesem Artikel den Riesenkomplex sozialwirtschaftlicher Fragen zu besprechen, die in der Politik
der Vollbeschaeftigung eine Rolle spielen, koennen die wichtigsten
Grundsaetze, sofern sie fuer die Industriestaaten zutreffend sind,
hier kurz eroertert werden.
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�einige Prinzipien der Politik der Vollbeschaef tigung
Die wichtigsten dieser Grundsaetze sind folgende: Zu allererst
i~t eine Wirtschaft der Vollbeschaeftigung, im Gegensatz zu den
Behauptungen der Propagandisten autoritaere-r Systeme, kein Monoool
dieser Systeme. Die Vollbeschaeftigungstheorie hat gezeigt, und
die Erfahrung hat bewiesen, dass eine Wirtschaft der staendigen Vollbeschaef tigung in wirklich demokratischen Laendern moeglich ist, und
zwar bei einem weit hoeheren Lebensstandard und weit besseren Arbeitsbedingungen als in autoritaeren Staaten, weil freie Arbeiter,
in freien Gewerkschaften organisiert, einen weit hoeheren Lohnstand
und kuerzere Arbeitszeit erringen koennen, als autoritaere Regierungen
unter gleichen Bedingungen ihren Arbeitern gewaehren wuerden.
Zweitens erfordert eine 'Virtschaft der Vollbeschaeftigung keine
grundlegenden Veraenderungen in der wirtschaftlichen und sozialen
Struktur des Lande?, sondern nur eine feste Entschlossenheit, alle
Massnahmen anzuwenden, die geeignet sind, jegliches Fehlen d-js wirtschaftlichen Gleichgewichtes, das die Massenarbeitslosigkeit verursacht, zu beseitigen oder auszugleichen. Ob und in welchem Ausmass
es ein Land vorzieht, Privatunternehmen zu verdraengen und das verstaatlichte Unternehmen an seine Stelle zu setzen oder neue Industrien auf privater oder oeffentlicher Basis aufzubauen, und ob und
bis zu welchem Grad sich ein Land entschliesst, die verschiedenen
°ektoren der Wirtschaft, wie Preise, Loehne, Produktion und Investierung zu regulieren, wird von der vorherrschenden wirtschaftlichen
und sozialen Auffassung abhaengen. Ein Wirtschaft der Vollbeschaeftigung kann in jedem der verschiedenen Systeme errichtet werden,
vorausgesetzt, dass des Land entschlossen ist, erforderlichenfalls
jegliche Kombination der Massnahmen anzuwenden, die das die Massenarbeitslosigkeit verursachende Fehlen des wirtschaftlichen Gleichgewichts auszubleichen vermag.
Drittens, de das Fehlen des wirtschaftlichen Gleichgewichts auf
dem Gebiet des Verbrauchs,der Investierungen und der Ersparnisse,
der Steuern und der oeffentlichen Ausgaben, der Exporte und Importe,
auftreten kann, koennen auch die Abhilfen auf irgendeinem dieser
Gebiete gefunden werden und muessen nicht unbedingt in denjenigen
Gebieten angewandt werden, in denen dieses Fehlen des wirtschaftlichen Gleichgewichts entstanden ist. In welchem Sektor der Wirtschaft eine Ausdehnung gefoerdert werden rauss, um den Mangel an
T'achfrarre auszugleichen, wird davon abhaengen, wie leicht unter den
gegebenen Verhaeltnissen der eine oder andere Sektor ausgedehnt werden kann; aber auch die politischen, sozialen und wirtschaftlichen
Gesichtspunkte, die in einem Lande vorherrschen, werden hierbei eine
Rolle spielen.
Aus diesen drei Grundsaetzen ergibt sich, dass die Wirtschaft
der Vollbeschaeftigung nicht, an ein starres sozialwirtschaftliches
"'chema gebunden ist, das alle sozialen und politischen Kraefte zwingen wuerde, in ihren Handlungen eine bestimmte Linie genauestens zu
befolgen, sondern dass sie weiten Spielraum fuer Diskussionen und
Verfechtungen verschiedener Standpunkte offen laesst, besonders zwischen konservativen und fortschrittlicheren Gruppen, und Raum fuer
AIternetivloesungen freibleibt. Es ergibt sich ausserdem, dass
die Tatseche, dass gewisse wirtschaftliche und soziale Massnahmen
zur Vollbeschaeftigung beitragen, unsere Unterstuetzung dieser Massnahmen en sich nicht rechtfertigt, wenn Alternativmassnahmen moeglich waeren, die in gleichem Messe zur Vollbeschaeftigung beitreten wuerden, eber voa fortschrittlichen Stendpunkt der freien Gewerkschaften aus zu bevorzugen waeren.
Das deutlichste Beispiel einer sozial unerwuenschten Politik
der Vollbeschaeftigung ist die der Sowjetunion, die spaeter von den
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�Sowjets auch ihren Satelliten aufgezwungen wurde. Das Vollbeschaeftigungssystem dieser Länder beruht auf einer uebermaessi^en
Ausdehnung der Investierungen und Aufwendungen fuer mllltierische
Zwecke auf Kosten des Verbrauchssektors der Wirtschaft, d.h., auf
Kosten eines niedrigen Lebensstandards und klaeglicher Arbeitsbedingungen.
Sine fortschrittliche Politik der Vollbeschaeftigung muss sich
dagegen bei Jedem Versuch, die Vollbeschaeftigung zu schaffen und zu
erhalten, auf den Verbrauchssektor konzentrieren. Das schliesst jedoch nicht ein, dass freie Gewerkschaften in Prinzip oder in der
"Praxis der Foerderung von Kapitalinvestitionen als ausgleichende
Massnahme feindlich gegenueberstehen. 2s gibt zunaechst einmal
viele Formen der Kapitalanlagen, insbesondere der oeffentlichen Anlagen, die an sich von sozialen Standpunkt aus hoechst wuenschenswert sind, wie z.B. Wohnungsbau, Errichtung von Schulen, Krankenhaeu3ern und aehnliches; ferner ist unter gewissen Umstaenden, wie z.B.
al3 Folgeerscheinung von Kriegsschaeden oder industrieller Stoerungen
jeglicher Art ein Anstieg in der Kapitalanlagerate wuenschenswert,
selbst wenn sie den Gewerkschaften voruebergehend eine Zurueckhaltung
in ihren Forderungen nach Lohnerhoehungen auferlegt. Ausserden erweist sich eine wirtschaftliche Ausdehnung besonders von oeffentlichen Investierungen (oeffentliche Arbeiten) haeufig als aeusserst
prompte und wirksame Methode zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit.
Im allgemeinen jedoch wird die Politik der-freien Gewerkschaften auf eine Erweiterung des Verbrauchssektors der Wirtschaft gerichtet 3ein. Sie beruht auf der Ueberzeugung, dass der sozial wuenschenswerteste und wirtschaftlich gesuendeste Weg zum Aufhalten oder
zur Verhuetung der Massenarbeitslosigkeit im allgemeinen eine Steigerung des Verbrauchs und seine Foerderung ist. 2s ist selbstverstaendlich die Aufgabe der Gewerkschaften selbst, zur Erreichung
dieses Zieles beizutragen, indem sie Lohnkuerzungen in Depressionsnerioden verhindern und auf Lohnaufbesserungen bestehen, wo immer
dies wirtschaftlich moeglich ist. Sie.werden aber auch darauf bestehen muessen, dass die Regierungspolitik auf die Ausdehnung des
Verbrauchs gerichtet ist, was in folgenden Massnahmen zum Ausdruck
kommen muss: anstaendige Mindestloehne, angemessene Leistungen der
Sozialversicherung, Familien- und Kinderbeihilfen, Herabsetzung der
Steuern, die den Verbrauch einschraenken, Massnahmen zum Niedrighalten der Preise, insbesondere eine wirkungsvolle Antimonopol-Politik,
Beihilfen fuer die Landwirtschaft und aehnliches.
Es ist aber .nicht nur von Wichtigkeit, die Ursachen fuer das
Fehlen des wirtschaftlichen Gleichgewichtes zu verstehen und zu
wissen, wie sie ueberwunden werden koennen; die Frage der Zeit,
die diese ausgleichenden Massnahmen in Anspruch nehmen, ist nicht
weniger wichtig. Wenn es wahr ist, dass fuer jeden Aktlonsplan
der Faktor Zeit von Bedeutung ist, dann trifft es im besonderen
fuer Massnahmen zugunsten der Vollbeschaeftigung zu, dass Schnelligkeit der Kern der Sache ist. Wirtschaftsdepressionen, die sich
selbst ueberlassen bleiben, haben naemlich die Tendenz, sich stetig
und rapid zu verschlimmern. Wenn Produktion und Beschaeftigungsstand in einem Sektor der Wirtschaft absinken, wird das sich hieraus ergebende Fallen der Kaufkraft zu einer Einschraenkung des Bedarfs auch fuer andere Gueter fuehren, und die nach unten gerichtete Spirale wird schliesslich die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.
Es ist deshalb wichtig, dass ausgleichende Massnahmen in einem
sehr fruehen Stadium einer jeden wirtschaftlichen Abwaertsentwicklung
beschlossen und ausgefuehrt werden, um eine sich selbst foerdernde
Verschlechterung der Wirtschaftslage zu verhindern. Di3s erfordert
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�schnelle Entscheidungen durch Regierungen und gesetzgebende Organe,
las heilst, eine bewegliche Regierungs- und Gesetzgebungsmaschinerie, die in der Lage ist, die Wirtschafts- und Sozialpolitik den
sich aendernden Wirtschaftsverhaeltnissen so schnell wie moeglich
anzupassen.
Die Anpassung der Politik an sich aendernde Verhaeltnisse
wird durch Massnahmen erheblich erleichtert, die mehr oder weniger
automatisch funktionieren, sobald sich die Bedingungen aendern.
Der bedeutendste dieser "eingebauten Stabilisatoren" ist ein
fortschrittliches Arbeitslosenversicherungssystem. Wenn jeder
Arbeiter, der seine Beschaeftigung verloren hat, Anspruch auf Arbeitslosenunterstuetzung hat, wenn ihm eine Wartezeit erspart
bleibt, wenn die Unterstuetzung in einem angemessenen Verhaeltnis
zu seinem frueheren Einkommen steht, und wenn er das Recht hat,
Unterstuetzung fuer die Gesamtdauer seiner Arbeitslosigkeit zu beziehen, dann wird der durch Arbeitslosigkeit verursachte Verlust an
Kaufkraft auf ein Minimum reduziert, und die Faehigkeit des Verbrauchssektors der V.'irtschaft, das in anderen Sektoren auftretende
Fehlen des wirtschaftlichen Gleichgewichts auszugleichen, gestaerkt.
Andere stabilisierende Massnahmen sind ein reichlicher Vorrat an
oeffentlichen Arbeiten, mit denen bei einer Verschlechterung der
Beschaef tigungsbedin.^ungen begonnen werden kann, und Massnahmen, die
zu einer weitgehenden Beweglichkeit der Arbeitskraefte beitragen,
sodass in einer Industrie arbeitslos gewordene Arbeiter muehelos in
andere Industrien hinueberwechseln koennen. Zu diesen Massnahmen
gehoeren Entschaedigungen, die bei der Entlassung gezahlt werden,
Regierungszuschuesse zu den Umzugskosten, leistungsfaehige oeffentliche Arbeitsvermittlungsbehoerden, entsprechende Schulungs- und Umschulungseinrichtungen und eine umfassende Versorgung mit anstaendinen Wohnungen.
Die Notwendigkeit internationaler Massnahmen
Es muss klar erkannt werden, dass die Beschaeftigungsbedingungen
in industrialisierten Laendern nicht allein von der Politik der betreffenden Laender abhaengig sind. Es ist zuvor bereits auseinandergesetzt worden, dass unter den Sektoren der Wirtschaft, die den Beschaef tigungsgrad beeinflussen, derjenige der Wirtschaftsbeziehungen
zum Ausland eine Rolle spielt. In einigen Laendern steht der Aus3enhandel zu der volkswirtschaftlichen Produktion in einem derartigen
Verhaeltnis, dass der Beschaeftigungsstand weitgehend von dem Volumen
d9s Aussenhandels abhaengig ist. Diese Laender reagieren deshalb
besonders leicht auf Veraenderungen im Welthandel und koennten deshalb schwerlich die Beschaeftigung durch eigene Massnahmen allein
stabilisieren, es sei denn, dass sie von wirksamen Vollbeschaefti^ungsma3snahraen in anderen Laendern begleitet sind. Im Gegensatz
hierzu gibt es Laender, wie z.B. die Vereinigten Staaten, deren Aussenhandel im Vergleich zu ihrer Produktion verhaeltnismaessig gering
ist, aber doch einen sehr wichtigen Faktor auf den Weltmaerkten darstellt. Ein Fehlen das wirtschaftlichen Gleichgewichtes, das die
Beschaeftigungslage in solchen Laendern in Mitleidenschaft zieht,
hat immer die Tendenz, sich auf viele andere Laender auszudehnen.
Aus diesen Betrachtungen ergibt sich, dass die Vollbeschaeftigungspolitik ausser nationalen auch internationale Massnahmen erfordert. Damit die Vollbeschaeftigungspolitik in Laendern, die auf
Aussenhandel angewiesen sind, durch das Fehlen des wirtschaftlichen
Gleichgewichts, das vom Ausland kommend sich ausdehnt, nicht vereitalt wird, muss die Vollbeschaeftigungspolitik in allen industrialisierten Laendern durch internationale Massnahmen koordiniert werden.
Diese Massnahmen sind ausserdem erforderlich, um den Aussenhandel
staendig auf der gleichen Stufe zu halten und angesichts eines Rueckgansrs der Nachfrage nach ausleendischen Waren den exportierenden
Laendern, die von einem solchen Nachlassen der Nachfrage nach ihren
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�Waren betroffen werden, zu helfen, ihren ^rcduktions- und Beschaeftigungsstand aufrechtzuerhalten.
Es wird eine der groessten Aufgaben der Vereinten Nationen
und der Internationalen Arbeits-Organisation sein, eine internationale Koordinierung der Vollbeschaeftigungspolitik aller industrialisierten Laender zustendezubringen. Zur Ermutigung und Stabilisierung des Aus^enhandels and der Zahlungsbilanzen sind verschiedene
Schritte unternommen worden, insbesondere die Schaffung des Internationalen Waehrungsfonds , internationale Handelsvertraege, die
Vorbereitungen zur Errichtung einer Internationalen Handelsorganisation und die amerikanische Hilfe fuer Europa in Form des Marshallr,
lans. Was noch zu tun bleibt, ist, alle internationalen Massnahmen
auf diesem Gebiet auf das Ziel einer international koordinierten
WirtsChaft der Vollbeschaeftigung in allen Laendern zu konzentrieren.
Es kann jedoch nicht genug darauf hingewiesen werden, dass
das Weltproblem der Vollbeschaeftigung ungeloest bliebe, wenn selbst
eine noch so folgerichtige und beharrliche Politik der Vollbeschaeftigung, auf nationaler und internationaler Basis, auf den industriellen Sektor der Welt beschraenkt bliebe; die industriellen Laender
wuerden letzten Endes die Verlierer sein, wenn sie die Tatsache
vernachlaessigten, dass die industriell weniger entwickelten Laender
aoch mehr unter dei chronischen Unterbeschaeftigung leiden als sie
selbst unter den periodischen Zyklen der Massenarbeitslosigkeit.
Da die freien Gewerkschaften der industrialisierten und der industriell rueckstaendigen Gebiete der demokratischen Welt eine einzige
internationale Organisation gebildet und 3ich entschlossen haben,
gemeinsam als eine Einheit fuer die Verbesserung des Arbeiterloses
in allen Laendern zu kaempfen, muessen die -Menschen all dieser
Laender zusammenstehen. Im Bewusstsein der Gleichheit nicht nur
ihrer politischen, sondern auch ihrer sozialen und wirtschaftlichen
Interessen muessen sie sich zur gemeinsamen Loesung ihrer Probleme
zusammenschliessen. Das Problem der Vollbeschaeftigung muss als
eines der ersten in Angriff genommen werden.
Freie Gevverkschaftswelt
VI 1/50
AFL:

HOEHERE KAUFKRAFT. EIN MITTEL ZUR 3EhEBlfoG DLR - ARBEITS LOT IGKE IT

Der Exekutivausscnuss des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL erklaerte, die Forderung nach 60 Millionen Arbeitsplaetzen fuer
Amerikaner sei "ueberholt". Unternehmer und Regierung muessten dafuer sorgen, dass die Beschaeftigtenziffer staendig hoeher geschraubt werde. Die Gewerkschaften koennten ihr Teil dazu beitreten, indem sie neue, allgemeine Lohnerhoehungen durchsetzten, um
die Kaufkrait der Verbraucher als ein Mittel zur Erhaltung der hohen Beschaeftigung zu steigern. Die Einnahmen der Unternehmer im
ersten Quartal 1950 haetten bewiesen, dass sie sich jetzt wesentliche
Lohnerhoehungen leisten koennten.
Der Text der vom Sxekutivausschuss abgegebenen Erklaerung zur
Arbeitslosigkeit lautet:
Es waere gefaehrlich, der kuerzlichen Erklaerung des Statistischen Amtes allzu viel Bedeutung beizumessen, die besagte, dass
die Arbeitslosigkeit in den letzten beiden Monaten dieses Jahres
stark zurueckgegangen sei.
Die Gesamtzahl der erwerbslosen Arbeiter wurde von diesem Amt
vor zwei Monaten auf 3.500.000 geschaetzt, was ein Absinken gegenueber dem Vormonat um 600.0C0 und gegenuebe:? dem Monat zuvor um fast
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�1.200.000 bedeutet. Gleichzeitig war die Beschaeftigtenziffer vor
zwei Monaten um 1.100.000 uoeher als vor drei Monaten.
Obwohl dies eine hoffnungsvolle Entwicklung darstellt, bedeutet
es nicht, dass das Arbeitslosenproblem fuer die Vereinigten Staaten
nicht mehr besteht. Wichtig sind nicht nur die Veraenderungen von
Monat zu Monat, sondern vor allem die Tendenzen, die sich in einem
laengeren Zeitabschnitt abzeichnen. Man kann sicn nicht auf den
Bericht nur eines oder zweier Monate stuetzen, wenn man das Problem
der Arbeitslosigkeit beheben will.
Eine gruendliche Analyse der wirtschaftlichen Entwicklungen der
letzten Jahre, die die Arbeitslosigkeit beeinflussen, fuehrt zu
folgendem Ergebnis:
1. In der Fruehjahrssaison ist mit einem Ansteigen der Beschaeftigenziffer und einem Rueckgang in der Arbeitslosigkeit
zu rechnen. Im Baugewerbe und im Einzelhandel nimmt die
Beschaeftigung gewoehnlich zu. Darueberhinaus wurden in diesem
Jahre von der Bundesregierung mehr als 100.000 Zaehler fuer
die Volkszaehlung 1950 fuer zwei Monate voruebergehend beschaeftigt.
2. Obwohl sich die Lage vor zwei Monaten gebessert hatte, war
die Zahl der Arbeitslosen in diesem Monat hoeher als in dem
gleichen Monat der letzten Jahre seit 1941..
3. Der Prozentsatz der Erwerbslosen, die seit laengerer Zeit
ohne Arbeit leben muessen, ist bedenklich hoch. Von je drei
Erwerbslosen ist etwa einer 4 Monate oder noch laenger ohne
Beschaeftigung. Im vorigen Jahr war dieses Verhaeltnis nur
5:1.
4. Obwohl die Arbeitslosigkeit in gewissen Teilen des Landes
bedrohlichere Formen annimmt als in anderen (besonders in den
Staaten New-England, Middle-Atlantic und dem Westen), kann
sie nicht als rein lokales Problem angesehen werden. Alle
Gebiete sind von ihr in Mitleidenschaft gezogen.
5. Alle moeglichen Arbeiter, junge und alte, gelernte und
ungelernte, sind von der Arbeitslosigkeit betroffen. Den vorliegenden Angaben ist zu entnehmen, dass die aelteren Facharbeiter besonders schwer unter ihr zu leiden haben.
6.. Eine der Hauptursachen fuer die zunehmende Arbeitslosigkeit
ist die wesentliche Steigerung der Produktionsleistung. Die
Rekordausgaben seitens der amerikanischen Unternehmer "?uer
neue Maschinen und Einrichtungen in den Nachkriegsjahren spieg3ln sich in dem hoeheren Ausstoss je Arbeitskraft wider.
Wenn der Absatzmarkt fuer die in den Fabiiken hergestellten Waren nicht erweitert wird, muss auch weiterhin der Mangel an
Arbeitsplaetzen bestehen.
7. Durch den unausgeglichenen Haushaltsplan der Regierung,
der durch den Marshall-Plan und die grossen Ausgaben fuer die
Verteidigung bedingt ist, wird die Arbeitslosenziffer heruntergedrueckt.
Alle diese Probleme koennen nicht ueber Nacht geloest werden.
Es sind keine natuerlichen Nachkriegserscheinungen. Nur in sehr wenigen Faellen herrscht immer noch Mangel an Waren, die waehrend des
Krieges knapp waren (z.B. billige Wagen und Wohnungen).
- 9-

�Das Problem von heute ist, eine wirklich funktionierende
Wirtschaft mit hohen Beschaeftigungsziffern zu entwickeln. Wir
duerfen uns nicht mit einer V.'irtschaft zufrieden geben, die nicht
allen Sektoren unserer Bevoelkerung Wohlstand bringt. Obwohl es
selbstverstaendlich immer Arbeitslosigkeit in einem gewissen Grade
geben wird, muessen wir bestrebt sein, eine Wirtschaft aufzubauen,
in der kein qualifizierter Arbeiter, der seinen Arbeitsplatz verliert, lange warten muss, bevor er eine neue Beschaeftigung findet.
Es genuegt nicht, dass wir ein Abnehmen der Beschaeftigtenziffer verhindern. Unsere Wirtschaft muss staendig ausgedehnt
werden, damit sie die zahlreichen Arbeitskraefte aufnehmen kann,
die alljaehrlich dem Arbeitsmarkt neu hinzustroemen.
Das vielbesprochene Ziel, 60 Killionen Arbeitsplaetze zur
Verfuegung zu haben, ist ueberholt, weil der Arbeitsmarkt jaehrlich um fast eine Killion Arbeiter vergroessert wird. Kit dieser
Vergroe3serung Schritt zu halten, ist natuerlich keine leichte Aufgabe. Alle Teile unserer Wirtschaft - Unternehmer, Landwirtschaft,
Arbeiterschaft und Regierung - muessen gemeinsam an der Loesung
dieser Aufgabe arbeiten.
Bei der Ausarbeitung eines besonderen Programms, das uns einer
Wirtschaft mit hohen Beschaeftigungsziffern Aaeherbringen soll, ist
dem Problem des Verbrauche reinkoinmens nicht genuegend Aufmerksamkeit
gewidmet worden.
Wenn das Einkommen der Verbraucher des Landes auf einem hohen
Stand gehalten wird, kann auch ein hoher Beschaeftigungsstand garantiert werden. Wenn die Geschaeftsleute die Gewissheit haben, das3
sie ihre Erzeugnisse absetzen koennen, werden sie auch daran interessiert sein, ihre Betriebe zu erweitern und damit mehr Arbeitsnlaetze zur Verfuegung zu stellen. Es ist unsere Meinung, dass
wir zur Entwicklung einer Wirtschaft mit hohen Beschaeftigungsziffern besonders darauf bedacht sein muessen, den Verbrauchern
eine hohe Keufkraft zu sichern.
Obwohl der gegenwaertige Stand der Arbeitslosigkeit keine
"Krise" und keinen "Notfall" darstellt, fordert er doch dazu auf,
gewisse Schritte zu unternehmen. Wir muessen dafuer Sorge tragen,
dass die Arbeitslosen und ihre Familien versorgt werden und dass
Massnahmen ergriffen werden, die die groesstmoegliche Leistungsfaehigkeit unserer Wirtschaft garantieren.
Wir schlagen deshalb folgendes vor:
1. Das System der Arbeitslosenunters tuetzung muss gruendlich
revidiert werden, damit die Unterstuetzungszeit verlaengert und
die Unterstuetzungssaetze erhoeht werden.
2. Zur Erhoehung des Verbrauchereinkommens muessen die Gewerkschaften fortwaehrend um hoehere Loehne kaempfen. Die erhoehte
Kaufkraft als Folge des hoeheren Lohnstandes wird die Absatzmaerkte
fuer alle Arten von Waren und Dienstleistungen erweitern und die
Leistungsfaehigkeit der Verkaeufer anregen und die Umsaetze steigern.
Gleichzeitig muss die gesamte arbeitende Bevoelkerung in den
Genuss der Vorteile kommen, die Gewerkschaften und der hoehere
Lohnstand mit sich bringen. Damit wird die Bedeutung unterstrichen,
die dem zur Zeit gefuehrten Werbefeldzug der AFL zur Gewinnung
einer weiteren Million neuer Mitglieder im Verlauf des Jahres
1950 zukommt.
- 10 -

�3. Es muss alles getan werden, was in unseren Kraeften steht,
um leprliche fuehlbar9 Erhoehung der Verbraucherpreise zu verhindern.
Solange ein Mangel an Wohnraum besteht, wird zum Beispiel eine im
Bundesstaat einheitliche Mietkontrolle erforderlich sein, um unbegruendete Erhoehungen der Mietpreise zu verhindern. Die Geschaeftsieute muessen sich der Notwendigkeit bewusst sein, die preise
staendig zu senken; andernfalls werden sie mit feindlichen Reaktionen seitens der uebrigen Bevoelkerung zu rechnen haben.
4. Lokalausschuesse fuer Vollbeschaeftigung koennen wertvolle
Dienste leisten, indem sie die Aufmerksamkeit auf die Probleme
besonderer Gebiete lenken und Massnahmen zur Hebung des dortigen
Bescheeftipiungsgrades ergreifen. Da diese lokalen Ausschuesse auf
zahlreiche Ursachen der Arbeitslosigkeit keinen Einfluss nehmen
koennen, muessen ihre Taetigkeiten sorgsam koordiniert werden, um
don^elte und unnoetige Arbeit zu vermeiden.
5. Die verschiedenen Programme der Regierung, die unser wirtschaftliches Leben betreffen, muessen revidiert werden, um sie
wirkungsvoller fuer die Erreichung einer Wirtschaft mit hohen Beschaeftigungszahlen einsetzen zu koennen. So ist z.B. das bestehende Gesetz, welches die Vorplanung oeffentlicher Arbeiten vorsieht,
gaenzlich unzulaenglich. Andere Sachgebiete, die einer sorgfaeltigen Ueberpruefung beduerfen, sind Steuerwesen, ^ntitrust-Programme,
Landwirtschaftspolitik und Erschliessung neuer Hilfsquellen.
Weekly News Service
V/12/50
DAS PROBLEM DER SR VSRBSLOGEN JUGEND IN OESTERREICH
Die oesterreichischen Behoerden und Organisationen, die fuer
die Berufsausbildung der Jugendlichen zustaendig sind, stellen mit
Besorgnis fest, dass die Zahl der 14-jaehrigen Jungen und Maedchen,
die alljaehrlich die Volksschulen verlassen, staendig zunimmt. Sie
wird sich im Jahre 1950 auf 72.988 belaufen, 1951 jedoch auf 84.678,
1952 auf 92.660, 1953 auf 136.697, 1954 auf 151.824 unfl 1955 auf
161.464 ansteigen. Nach 1955 wird sie wieder absinken. Die Geburtenziffer war in Oesterreich im Jahre 1939 (136.697 Geburten)
sprungartig in die Hoehe gegangen, weil die Nazis ntich der Besetzung
dieses Landes durch ihre Politik den Anstieg der Geburtenziffer in
jeder V/eise beguenstigt hatten, sei es durch Kinderbeihilfen, Steuerermaessigungen, psychologischen Druck und aehnliche Massnahmen.
Dieser Anstieg hielt bis zum Jahre 1941 an (161.464 Geburten), als
durch die Einberufung zur Wehrmacht viele Maenner von ihren Familien
getrennt wurden. Etwa 20% der Vierzehnjaehrigen gehen weiter zur
Schule, um eine hoehere Schulbildung zu erwerben, 80% jedoch verlassen in diesem Alter die Schule.
Die Dringlichkeit des Problems, zahlreichere Lehrstellen zu
finden, ist durch die Tatsache bewiesen, dass von 56.978 Jungen
und Maedchen, die 1949 aus den Schulen entlassen wurden, 10.873
bis jetzt noch keine nässende Lehrstelle finden konnten. Da die
Zahl der Schulentlassenen bis zum Jahre 1955 staendig ansteigen
wird, muss das Problem der Arbeitslosigkeit der Jugend immer groesser
werden.
Der Arbeitsminister Oesterreichs hatte kuerzlich Vertreter der
in Frage kommenden Körperschaften der Regierung, der Laender, der
Arbeitsaemter, der Gewerkschaften, der Arbeitgeber- und Jugendorganisationen einberufen.
In dem Bericht des Arbeitsministeriums heisst es, dass bei den
Arbeitsaemtern gegenwaertig 15.546 arbeitslose Jugendliche regi11 -

�striert sind. Unter Beruecksichtigung der nichtregistrierten
Jugendlichen belaeuft sich die Gesamtzahl auf etwa 20.000 Jugendliche die ohne Arbeit sind. In Anbetracht der Tatsache, dass
die Zahl der Schulentlassenen in den naechsten Jahren rapide in
die Hoehe gehen wird, ist damit zu rechnen, dass sich die Lage
noch mehr verschlechtern wird.
Im Verlauf der Besprechungen wiesen die Vertreter der Arbeiterschaft auf die Wichtigkeit hin, den jungen Leuten, die die
Schule verlassen, eine Gelegenheit zur Berufsausbildung zu geben.
Es kann den Privatunternehmern nicht ueberlassen bleiben, erklaerten sie nur eine beschraenkte Zahl Lehrstellen bereitzustellen
und immer mehr junge Leute auf berufliche Kenntnisse verzichten zu
lassen.
Die folgenden Vorschlaege wurden in diesen Besprechungen unterbreitet: Fuer diejenigen Berufe, fuer die nicht genuegend Lehrstellen zur Verfuegung stehen, sollen Lehrwerkstaetten errichtet
werden. Groessere Unternehmen sollen verpflichtet werden, einen
bestimmten MindestDrozentsatz (10-12$) an jungen Arbeitern zu beschaeftigen. Unternehmen, die eine bestimmte Zahl Jugendlicher
beschaeftigen oder neue Lehrstellen bereitstellen, sollen Steuerermassigungen erhalten. Wo die Lehrlingsausbilding in groesserem
Umfang wegen Mangel an Unterkunftsmoeglichkeiten bisher nicht
durchgefuehrt werden konnte, soll fuer Wohnmoeglichkeiten gesorgt
werden. Die Grundschulausbildung soll auf neun Jahre verlaengert
und ein modernes Gesetz ueber das Lehrlingswesen verfasst werden.
Anton Proksch, der Generalsekretaer des Oesterreichischen
Gewerkschaftsbundes sprach im Namen der Gewerkschaften und wies
darauf hin, dass eine solide Berufsausbildung der jungen Arbeiter
unbedingt notwendig sei, um Oesterreich auf dem V/eltmarkt wieder
konkurrenzfaehig werden zu lassten. Jeder Junge und jedes junge
Maedchen haetten das Recht, einen Beruf zu erlernen. Ein Artikel,
den der Sprecher im vorigen Jahre veroeffentlicht hatte, und in
dem er die Errichtung oeffentlicher Lehrwerkstaetten vorschlug,
wurde von den Privatunternehmern ohne jede Diskussion abgelehnt.
Er erklaerte weiter, dass das Problem der Arbeitslosigkeit der Jugendlichen die Ordnung und Stabilitaet des Landes bald gefaehrden
wusrde, wenn nicht rechtzeitig wirksame Massnahmen zu dessen Behebung ergriffen wuerden.
Schliesslich erklaerte sich die Konferenz mit dem Vorschlag
des Arbeitsministers Karl Maisei einverstanden, im Ministerium einen Sonderausschuss mit den entsprechenden Ausschuessen in den
Laendern zu bilden, die sich mit der Frage der erwerbslosen Jugend
befassen sollen. In allen diesen Ausschuessen werden die Gewerkschaften, die Arbeitgeberorganisationen und die Regierung vertreten
sein. Die Ausschuesse werden ein Programm ausarbeiten, das der
wachsenden Gefahr, die dieses Problem darstellt, begegnen soll.
Das Programm selbst wird Gegenstand einer spaeteren Konferenz sein.
Trade Union News Bulletin from Austria
VII/1/50
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN SICHERN DER REGIERUNG IHRE UNTERSTUETZUNG
IN KRITISCHEN SITUATIONEN ZU
Nach einer Besprechung mit W. Stuart Symington, dem Vorsitzenden
des Nationalen Verteidigungsausschusses zur Ueberwachung und Sicherung der Hilfsquellen des Landes (National Security Resources Board),
sagten die Gewerkschaften fuer kuenftige Notfaelle der Regierung ihre
volle Unterstuetzung zu. Diese Konferenz war von Symington einberufen worden, um Bereitschaftsprobleme in allen Sektoren der amerikanischen Wirtschaft zu besprechen.
- 12 -

�Die Rolle, die die Gewerkschaften in einer Krise spielen sollen, wurde von dem Vorsitzenden der Amerikanischen Arbeltsfoederation (AFL) William Green in folgender Erklaerung erlaeutert:
"'.Vir haben Symington .^egenueber zum Ausdruck gebracht, dass im
Falle einer gegenwaertigen oder zukuenftigen Bereitstellung
der amerikanischen Hilfsquellen die uneingeschraenkte und
zweckmaessigste Vertretung der Gewerkschaftsbewegung in den
Dianenden und vollziehenden Aemtern der betreffenden Dienststellen der Regierung gewaehrleistet sein muss. Wir wiesen ausserdem darauf hin, dass die Bildung solcher Koerperschaften,
die lediglich beratenden Charakter haben, in diesen Dienststellen den Anforderungen, die die Nation an sie stellt, nicht gerecht werden koennen, und dass sich diese Art der Beratung in
der Vergangenheit als unwirksam erwiesen hat."
Im gesamten Verlauf der Unterredung mit •Tymington hoben die
Gewerkschaftsfunktionaere hervor, dass der Schluessel zu einer
erfolgreichen Zusammenarbeit in der freiwilligen Handlungsweise
zu finden sei und dass jede Zwangsmassnahmen, wie die Dienstver-iflichtung von Arbeitskraeften, vermieden werden muessten.
Die Gewerkschaftsfuehrer ernannten einen neun-koepfigen Ausschluss, der mit Symington ueber Fragen der RuestungsProduktion
und, falls erforderlich, ueber die Bereitstellung von Arbeitskraeften beraten soll. Die Kitglieder dieses Ausschusses sind:
Vorsitzender William Green (AFL), Finanzsekretaer George
üeany (AFL), George M. Harrison, der Vorsitzende der Gewerkschaft
der Bueroangestellten der Eisenbahn un der Dampfschiffahrt (AFL),
'.'/alter P. Reuther, der Vorsitzende der Automobilarbeitergewerk?chaft (CIO), Jacob S. Potofsky, der Vorsitzende der Bekleidungsarbeitergewerkschaft (CIO), Emil Rieve, Vorsitzender der Textilarbeitergewerkschaft (CIO), John L. Lewis, der Vorsitzende der
Bergarbeitergewerkschaft, George E. Leighty, Vorsitzender der Gewerkschaft der Eisenbahnbediensteten, und AI. J. Hayes, der Vorsitzende des Internationalen Metallarbeiterverbandes.
Weekly Labor News Digest
VI1/12/50
George P. Delaney, Internationaler Vertreter der AFL:
DIE GE'^RKSCHAFTIN AMERIKAS fIND PR0DUKTiyiT^ETSBEV.TJ5ST
Die amerikanischen Arbeiter sind von dem Streben p.ach hoher
Produktionsleistung durchdrungen. Sie wissen, dass hoehere Loehne
und kuerzere Arbeitszeit der Erfolg der Produktivitaet ist. ^&gt;ie
haben nichts gegen hoehere Gewinne der Unternehmen, vorausgesetzt,
dass ihr eigener Lebensstandard sich im gleichen Verhaeltnis steigert. °ie haben sich in einer starken Gewerkschaftsbewegung zusammengeschlossen, um sich damit ihren Anteil an dem groesseren
^roduktionsausstoss zu sichern.
Die Arbeiter Amerikas wissen, dass ihre Arbeitszeit unter
dam "Gib-und-Nimm" System einer freien 'Wirtschaft und freier Gewerkschaften innerhalb einer demokratischen Gesellschaftsordnung
und der ersten fuenfzig Jahre dieses Jahrhunderts fast durchweg
auf 40 Stunden woechentlich herabgesetzt worden ist. ^ie wissen,
dass trotz der Kuerzung der Arbeitszeit die Realloehne gestiegen
sind. Sie haben bessere Wohnungen, eine bessere Ernaehrung und
verbesserte Ausbildungsmoeglichkeiten.
- 13 -

�Die amerikanischen Arbeiter sind sich bewusst, dass alle
diese Fortschritte der gesteigerten Produktionsleistung zu verdanken ist, die wiederum auf der Zusammenarbeit tatkraeftiger Gewerkschafter und hilfquellenreicher Unternehmer beruht.
Es ist kein Geheimnis, dass die Gewerkschaften Amerikas all
die Jahre ihres Wirkens ihr Hauptziel in der Erringung hoeherer
Loehne gesehen haben. Unsere Gewerkschaften haben diese Lohnerhoehungen in aktiver Zusammenarbeit mit den Unternehmern zustandegebracht, indem sie die Gestehungskosten reduzierten, Verluste
durch Vergeudung ausschalteten und den Ausstoss der Produktion
steigerten.
Die amerikanischen Gewerkschafter sind aufrichtig bemueht,
ihren Kollegen auf der ganzen Welt ihre Erfahrungen zugaenglich zu
machen, damit auch sie in den Genuss der sich daraus ergebenden
Vorteile kommen. Sie behaupten nicht, ein Monopol der Erfahrungen
in der Zusammenarbeit zu besitzen, sie sind jedoch ihren Kollegen
auf dem Gebiet dieser Erfahrung in den Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitern und Unternehmern weit voraus. Sie wuerden es begruessen,
wenn die Arbeiter Europas, Asiens, Suedamerikas und Afrikas in der
Lage waeren, sich die gleichen Moeglichkelten zunutze zu machen.
Ein Beispiel fuer das, was erreicht werden kann, i'st in den
Statistiken ueber die Produktion der Schuhindustrie enthalten. Im
Jahre 1949 wurden in den Vereinigten Staaten fuer jeden Mann, jede
Frau und jedes Kind drei Paar Schuhe hergestellt. Viele andere
Laender produzieren jaehrlich nicht einmal ein Paar Schuhe je Kopf
der Bevoelkerung. Und die Preise fuar die Schuhe sind dort so
hoch, dass man sie fuer nicht unbedingt notwendige Luxusgegenstaende halten koennte.
Ein Programm zur Steigerung der Produktionsleistung in Schuhfabriken und zur Reduzierung der Gestehungskosten, danit die Schuhe
zu erschwinglichen Preisen gekauft werden koennten, wuerde sofort
fuer einen grossen Teil der Bevoelkerung anderer Länder von Vorteil
sein.
Wir sind der Auffassung dass die in Europa jetzt errichteten
Produktivitaetszentren die Stellen sind, an denen begonnen werden
muss. Diese Zentren haben den Vorteil, auf dreigeteilter Basis
errichtet worden zu sein: Gewerkschaften, Unternehmer und Regierung
sind vertreten.
Hier koennen die Moeglichkeiten und Leistungen neuer Maschineneinrichtungen und besserer Produktionsmethoden studiert werden.
Hier kann ausserdem auf der Basis des gegenseitigen guten Willens ein wirkliches Kollektivverhandlungsverfahren aufgebaut werden,
das dafusr sorgt, dass die Gewinne gerecht verteilt werden, die
sich au3 der gesteigerten Produktionsleistung ergeben. Gleichzeitig muss ein ausreichender Schutz gegen voruebergehende Betriebsstillegungen geschaffen werden, die bei der Erneuerung der Werkzeuge und der Einfuehrung arbeitssparender Maschinen oder Methoden
unvermeidlich sind.
The American Federationist
VII/50
Allan L. Swira:
ZUM SRF.OLO GEHOERT EBENSO DER VERSTAND WIE KRAFT.»
Ein Mann, der viel in der Welt herumgekommen und mit inter- 14 -

�nationalen Angelegenheiten ausgezeichnet vertraut ist, erklaerte
mir kuerzlich, dass die Kommunisten wuessten, wofuer sie kaempfen,
wir Jedoch nur wuessten, wogegen wir kaempfen.
"Als ein gutbezahlter und gut ernaehrter Amerikaner," fuhr er
fort, "halte ich es fuer sehr einfach, die Kommunisten und all das,
was sie wollen, zu hassen, aber es wuerde mich wundern, wenn ich
als einfacher chinesischer Kuli die gleiche Meinung haette, der
sein ganzes Leben lang fast immer ein Hungerdasein gefuehrt hat."
Dieser Mann erwaehnte zweifellos die Arbeiter Chinas deshalb,
weil er lange Jahre China bereist hat und aus erster Hand die Bedingungen kennen lernte, unter denen diese Menschen arbeiten und
leben muessen.
Abschliessend erklaerte er: "Wenn Sie jahrelang ausgebeutet
und buchstaeblich versklavt worden sind, ist es wahrscheinlich
nicht schwer fuer Sie, von ihrem alten Herrn zu einem neuen hinueberzuwechseln - besonders dann, wenn Ihnen der Neue einige Hoffnungen macht."
Dieser Mann ist zwar keine bedeutende amerikanische oder
internationale Persoenlichkeit, er steht jedoch der heutigen Situation realistischer gegenueber, als es bei den meisten Amerikanern
der Fall zu sein scheint. Seine Bemerkungen, so scheint es mir,
werfen unwillkuerlich die folgenden Fragen auf: Nehmen wir an,
wir gewinnen den Krieg in Korea, was hoechstwahrscheinlich der Fall
^ein wird, was dann? War unsere Haltung den Arbeitern in Asien
gegenueber in der Vergangenheit so, dass sie unsere Lebensweise
der von den Kommunisten versprochenen ohne weiteres vorziehen
wuarden? Denken jene Arbeiter, die zweifellos von unseren britischen, hollaendischen und franzoesischen Verbuendeten ausgebeutet
wurden, dass die Vereinigten Staaten Demueht sein werden, den Weltfrieden herzustellen oder nehmen sie an, wir fuehrten einen imperialistischen Krieg? Koennen unsere wohlformulierten Erklaerungen
ueber die Herrlichkeiten der Demokratie und des Kapitalismus auf
die farbigen Voelker des Ostens irgend einen nachhaltigen Eindruck
machen, die von den Herabwuerdigungen gehoert haben, denen die
Farbigen in unserem eigenen Lande ausgesetzt sind?
Dies sind Fragen, die wir alle uns vorlegen sollten, und auf
die wir bestreit sein muessen, eine ehrliche Antwort zu finden.
Bis jetzt ist unsere Propaganda etwa nach dem folgenden Motto
betrieben worden: "Handeln, wie wir gehandelt haben, und die Dinge,
die wir besitzen, werden uns auch in Zukunft gehoeren." Dies mag
ein gutes Mott© fuer alle diejenigen sein, die wissen, was wir besitzen, und die auch in der Lage sind, genau so wie wir zu hendeln.
Ist es jedoch auch ein gutes Motto fuer alle jene, die eine Massenproduktion noch niemals gesehen haben und noch niemals in den Genuss
der daraus entstehenden Vorteile gekommen Sind?
Die kommunistischen Versprechungen ueber die Gestaltung der
Zukunft, die da kommen soll, klingen maerchenhaft - aber es sind
immerhin Versprechungen. Was hingegen koennen wir versprechen?
Koennen wir mit gutem Gewissen dem Osten erklaeren: "Haltet zu uns,
und wir werden Euch helfen, Hungersnot und Seuchen zu vertreiben
und allen dort lebenden Menschen einen besseren Lebensstandard zu
sichern?"
Koennen wir es versprechen? Sollen wir es tun? Es ist dies
eine Frage, ueber die wir uns als Nation so schnell wie moeglich
klar werden muessen - um dann bis zum letzten zu unserer Entscheidung zu stehen.
- 15 i

�Wie bereits erwaehnt, haben die Vereinigten Stauten bewiesen,
dass sie in der Lage sind, einen militaerischen Krieg zu fuehren,
der in erster Linie von der Produktionskraft abhaengig ist.
Fuer die Art, in der die Vereinigten Staaten auf ideologischem
Gebiet Krieg fuehren, haben sie jedoch noch keinen Preis gewonnen.
Wir sind mit unseren Propagandadollars zu geizig gewesen. Zu oft
haben wir versucht, echt amerikanische, absolut handelstechnische
Methoden anzuwenden, um Ideen zu verkaufen, fuer die solche Methoden
voellig ungeeignet sind. Wir koennen eine schoene Geschichte erzaehlen - eine viel bessere als die Russen sie je zu bieten vermoegen.
"ir hab2n mehr Waren, die wir verkaufen koennen. Abor verkaufen wir
sie tatsaechlich? Und stellen wir in unserem Lande solche Dinge
her, die unsere Position im ausländ staerken koennten?
Der Konflikt in Korea ist nicht nur ein Scharmuetzel. Sein
Ausgang wird im gewissen Sinn nicht jene Probleme loesen, die durch
die verschiedenen Anschauungen entstanden sind.
Wir als Nation sollten uns diese Tatsache jetzt schon vor Augen
halten, und wir sollten uns auch darueber im Klaren sein, dass wir
nicht,wie ueblich, nach unserer ueblichen Wirtschaftstheorie vorgehen und gewinnen koennen.
Wir muessen vermeiden, uns selbst zum Narren zu halten, und
die falsche Idee aufgeben, dass wir diesesmal mit hinter dem Ruecken
verschraenkten Haenden gewinnen koennten.
Dieser Krieg nimmt uns ganz in Anspruch. Eine Menge Geld, Arbeitskraefte und Menschenleben werden geopfert werden muessen, bevor
er vorueber ist. Frueher oder spaeter muss sich die Nation, wenn
sie den grossen Kampf gewinnen soll, vergegenwaertigen, dass wir
unser Gehirn ebenso wie unsere Arme anstrengen muessen; zumal Ideen
und Ideale ebenso maechtig wie Geschosse sind. Ausserdem sind sie
gewoehnlich nicht so kostspielig.
CIO News
VIII/7/1950
LANDKULTIVIERUNG IN ITALIEN SCHAFFT 500.000 ARBSIT5PLAETZE
Man erwartet, dass das Landwirtschaftsprogramm des Marshall
Plan3 in Italien, eines der groessten Kultivierungs- und Bewaesserungsprojekte in der europaeischen Geschichte, fuer fast eine halbe
Million Menschen bessere und dauernde Arbeitsplaetze schaffen wird.
Diese Voraussage sprach Harry McClelland in Washington aus, der
M^heri^e Leiter *er Abteilung fuer Nahrungsmittel und Landwirtschaft
der ECA Mission in Italien. Er bezifferte die Zahl der neuen Arbeitsplaetze, die durch das laufende Landwirtschaftsprogramm geschaffen
wuerden, auf 150.000 und erklaerte, dass die Situation der Landarbeiter durch bessere Arbeitsbedingungen und gesicherte Jahresbeschaeftigung in den meisten Faellen verbessert wuerde.
Das Landwirtschaftsprogramm, das die Anwendung von Hybridenmais und sonstiger neuer Zuchtprodukte der Landwirtschaft in gesteigertem Umfan ermoegliche, hat den Prozess der landwirtschaftlichen
Wiedergesundung Italiens eingeleitet. Im Verlauf des ersten Jahres
seien nahezu 100$ und in den folgenden Jahren etwa 60$ der Kosten
durch die Gegenwertfonds des Marshall Plans gedeckt worden.
ECA Labor Information
8/8/50
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEH
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 2 5

Frankfurt, 25. August 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Der "Tag der Arbeit" und seine Geschichte - - - 1
Belgische Gewerkschafter berichten von ihren Eindruecken in Amerika - - - - - - - - - - - - 3
Oesterreichische Landarbeiter fordern hoehere
Loehne - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 4
Weltgewerkschaftsbund lehnt Unterstuetzung Koreas
ab
5
Britische Gewerkschaften werden vor dem "Stockholmer Friedensappell" gewarnt - - - - - - - - 6
Amerikanische Gewerkschaften fordern Hilfe fuer
Indien
----- —
-__
_ _ _ _ - 7
Eiserne Disziplin der nordkoreanischen Arbeiter 8
Hohe Produktionsleistung lohnt sich - - - - - - 8
Arbeitsgesetzgebung in Indien - - - - - - - - - 11
CIO Funktionaer.fordert wirksames 7,'irtschaftsprogramm - - - - - - - - - - - - - - - - - - 13
CIO gegen Kuerzung des Punkt-Vier-Programms - - - 16

DER "TAG DER ARBEIT" UND SEINE GESCHICHTE
Der "Tag der Arbeit" wird am ersten Montag im September gefeiert. Er ist ein offizieller gesetzlicher Feiertag in den Vereinigten Staaten. Die Idee, einen gesetzlichen Feiertag zu Ehren der
Arbeit einzux'uehren, stammt von den Gewerkschaften selbst, und die
gesetzliche Verwirklichung dieser Idee wurde durch sie eingeleitet
und gefoerdert. Heute feiern nicht nur die Mitglieder der Gewerkschaftsbewegung, sondern die gesamte Bevoelkerung der Vereinigten
Staaten diesen Tag und huldigen dem arbeitenden Menschen.
Der "Tag der Arbeit" wird heute in den Vereinigten Staaten von
mehr als 16 Millionen organisierter Arbeiter festlich begangen. In
allen Gewerkschaftszentren finden Kundgebungen, Demonstrationen,
Veranstaltungen, Ausfluege, Reden und Sportfeste statt, die von den
Gewerkschaften organisiert werden. Nicht nur die Gewerkschaftsmitglieder mit ihren Frauen und Kindern, sondern darueberhinaus nehmen
- 1 -

�Millionen amerikanischer Buerger, die ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung stehen, an dieser groessten Feier zu Ehren der Arbeit teil.
Ueberall, in den grossen Staedten und den kleinen Doerfchen der
Vereinigten Staaten, treffen sich Menschen aus allen Schichten des
Volkes, um der Arbeit zu huldigen.
In ganz Westeuropa wird der "Tag der Arbeit" von den Angestellten der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) gefeiert werden, der zahlreiche Vertreter amerikanischer Gewerkschaften
angehoeren.
Das Amt des europaeischen Sonderbotschafters in Paris und die
ECA-Missionen der meisten Teilnehmerstaaten beschaeftigen aktive
Gewerkschafter in Schluesselstellungen, die am europaeischen Wiederaufbauprogramm mithelfen. Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung,
die den Marshall Plan von Anfang an unterstuetzt hat, hat viele
faehige Funktionaere dieser Organisation zur Verfuegung gestellt,
damit sie der Sache des Wiederaufbaues und des Friedens dienen koennen.
Der "Tag der Arbeit" geht, verglichen mit seinen ersten Urspruengen, weit ueber die Traeume und Hoffnungen der urspruenglichen
Foerderer und Gruender dieses Tages hinaus.
Am ersten Montag im September des Jahres 1882 fuehrte Peter
McGuire, der Vorsitzende der Gewerkschaft
der Zimmerleute, in New
York eine Gewerkschaftskundgebung durch. Im gleichen Jahre unterbreitete er der Zentral-Gewerkschaft von New York den Vorschlag,
einen bestimmten Tag des Jahres als allgemeinen Feiertag fuer das
arbeitende Volk vorzusehen.
Zu dieser Zeit hatte die organisierte Gewerkschaftsbewegung
schwere Kaempfe zu fuehren und musste um diesen Feiertag hart kaempfen. In opfervollen Streiks der Eisenbahner, der Bergleute und der
Arbeiter der Eisen-Industrie war es den Gewerkschaften gelungen, gesetzgeberische Massnahmen wie z.B. das Heimstaetten-Gesetz als Landesgesetze durchzusetzen. Bei jener historischen Kundgebung sangen
die Arbeiter eines jener Lieder, die die traditionelle Entschlossenheit und Kampfbereitschaft der Gewerkschaften zum Ausdruck brachten:
"Millionen Schaffender wachen jetzt auf,
Seht, wie sie vorwaexts marschieren;
Die Tyrannen sie beben und zittern zuhauf,
Bald werden sie die Macht verlieren.
Ihr Ritter der Arbeit, beseitigt die Maechte
Kaempft fuer Freiheit und Brot,
Fuer alle Menschen die gleichen Rechte.
Kampf den Tyrannen, Kampf der Not.
ßie Idee eines gesetzlichen und nationalen Feiertages der Arbeit fand ueberall Anklang.
Im ganzen Lande wurden von den Gewerkschaftsorganisationen
Entschliessungen gefasst und an die lokalen, einzelstaatlichen und
bundesstaatlichen gesetzgebenden Koerperschaften weitergeleitet. Inzwischen feierten die Mitglieder der organisierten Gewerkschaftsbewegung am ersten Montag im September der Jahre 1883 und 1884 ihren
Tag der Arbeit mit Kundgebungen und Demontrationen. Im Jahre 1884
forderten die Pioniere der Gewerkschaftsbewegung in der Generalversammlung, dass der erste Montag im September zum Feiertag der Arbeit
erklaert und gesetzlioh als solcher festgelegt werden solle.
Am 21. Februar 1887, 5 Jahre nach der ersten Kundgebung am
Tage der Arbeit, wurde im Staate Oregon, in einer Entfernung von
- 2 -

�mehr als 3000 Meilen von New York auf der anderen Seite des amerikanischen Kontinents ein Gesetz erlassen, in dem der erste Montag im
September zum gesetzlichen Feiertag unter dem Namen "Tag der Arbeit"
erklaert wurde. Am 15. Maerz entstand in Colorado ein aehnliches
Gesetz. Dann folgten New York, New Jersey und Massachusetts. Die
Gewerkschaftsbewegung fuehrte jetzt einen Feldzug zur Schaffung
eines Gesetzes fuer die ganze Nation, und am 26. Juni 1894 vollendete der Kongress seine Arbeit in dieser wichtigen gesetzgeberischen Angelegenheit. Zwei Tage spaeter unterzeichnete Praesident
Cleveland die Vorlage, die somit zum Gesetz wurde. Samuel Gompers,
der damalige Praesident der AFL, einer der bedeutendsten Pioniere
der Gewerkschaftsbewegung Amerikas, erhielt jene Feder, mit der
Praesident Cleveland dieses Gesetz unterschrieb und die heute noch
von den Gewerkschaften aufbewahrt wird.
Gompers erklaerte damals: "i)er Tag der Arbeit unterscheidet
sich wesentlich von den anderen Feiertagen des Jahres und denen aller
anderen Laender. Alle anderen Feiertage sind mehr oder weniger mit
der Erinnerung an Konflikte und Kaempfe verbunden, die aus der Ueberlegenheit des Einen ueber den Anderen, aus Streit und Uneinigkeit,
aus Geldgier oder Machtgeluesten, oder aus dem Sieg einer Nation
ueber die andere entstanden sind."
Der "Tag der Arbeit" dagegen bedeutet eine neue Epoche in den
Annalen der Geschichte der Menschheit. Er iBt zugleich ein Manifest
der Anerkennung des Kampfes der Massen gegen Tyrannei und Ungerechtigkeit, er ist ein Ansporn fuer Maenner, Frauen und Kinder unserer
Zeit, fuer das Recht zu kaempfen, und er gibt uns die Hoffnung, dass
wir das Ziel, das wir uns fuar die gesamte Menschheit gesetzt haben,
erreichen werden.
Der "Tag der Arbeit" ist in den Vereinigten Staaten laengst
selbstverstaendlich geworden und so wie die Mitgliederstaerke der
Gewerkschaftsbewegung waechst, wie sie reifer wird und in den zahlreichen Sektoren der amerikanischen Gemeinschaft aufgeht, so wird
dieser Tag fuer alle Amerikaner an Bedeutung gewinnen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VIII/8/50
BELGISCHE GENRES CHAFTSR BERICHTEN VON IHREN EINDRUECKEN IN AMERIKA
Die hohe Produktionsleistung und der hohe Lebensstandard der
amerikanischen Arbeiter sind in erster Linie auf die grossen Absatzmaerkte fuer die Erzeugnisse der amerikanischen Industrie zurueckzufuehren.
Diese Feststellung traf eine belgische Gewerkschaftergruppe,
die soeben von einer Studienreise durch Amerika zurueckgekehrt sind.
Die slebenkoepfige Gruppe besuchte die Vereinigten Staaten im
Auftrage der Marshall-Plan-Verwaltung der drei grossen Gewerkschaftsverbaende Belgiens, um die Produktionsleistung und die Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in diesem Lande zu
studieren.
Die Besucher waren von dem hohen Lebensstandard des Durchschnittsarbeiters beeindruckt und berichteten, dass "der Lebensstandard der
amerikanischen Arbeiter auf seinem hohen Produktionsleistungsstand
beruht. Dieser wiederum ist ein Ergebnis der riesigen inlaendischen
Absatzmaerkte."
Das kleine Belgien verfuegt nicht ueber einen derart umfangreichen Inlandsbedarf, der aureichen wuerde, eine so hohe Produktionsleistung aufzunehmen, und deshalb muss Belgien Absatzmaerkte im
Ausland finden.
- 3-

�Die Mitglieder der Gruppe sind der Auffassung, dass fuer gewisse belgische Erzeugnisse eine grosse Nachfrage in Amerika bestehen wuerde, wenn die Vereinigten Staaten ihre Einfuhrzoelle
ermaessigten. In Europa halten sie eine Erweiterung und Vertiefung des wirtschaftlichen Zusammenschlusses, wie im Fall der
Benelux Staaten, fuer notwendig.
Mit diesen neuen, verhaeltnismaessig leicht zugaenglichen Absatzmaerkten hofft die Gruppe auf eine betraechtliche Erhoehung
der Produktionsleistung in Belgien, die zugleich hoehere Loehne
und eine kuerzere Arbeitszeit bedeutet.
Die belgischen Gewerkschafter stellten nur ein geringes Klassenbewusstsein unter den amerikanischen Arbeitern fest. Sie berichteten, dass besonders der Arbeiter ueberwiegend mit dem Bewusstsein
lebe, amerikanischer Buerger zu sein. Sein Interesse gaelte sodann
seiner Gewerkschaft, sei jedoch kaum in Richtung eines Klassenbewusstseins orientiert. "Der amerikanische Arbeiter ist unabhaengiger als seine belgischen Kollegen und verlaesst sich weniger auf
die Unternehmer. Die Gruppe wohnte einigen Sitzungen der Beschwerdeausschuesse bei und war von der Tatsache beeindruckt, dass sich
der amerikanische Gewerkschafter seinem Unternehmer gegenueber als
gleichberechtigt betrachtet.
n

Diese Auffassung ist traditionsgemaess in Belgien ueberhaupt
nicht vorhanden. Diese Gruppe hofft jedoch, die in Belgien vorherrschenden Anschauungen zu gegebener Zeit aendern zu koennen."
Die Belgier beschafften sich weiterhin einen Einblick in das
amerikanische TarifVerhandlungswesen und stellten fest, dass die
amerikanischen Gewerkschaften nach einem praktischen und keinem
theoretischen Programm arbeiten, was ihnen schnelle und wertvolle
Erfolge einbringt. Die Besucher betonten, dass der Lebensstandard
und die Arbeitsbedingungen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter wesentlich besser als die der nichtorganisierten seien.
Die belgischen Gewerkschaftsfuehrer waren der Meinung, dass in
der Arbeitsgesetzgebung der verschiedenen amerikanischen Staaten,
die sie besucht hatten, sehr grosse Unterschiede aufweist. Besonders kritisch war ihre Haltung den sozialen Versicherungsgesetzen
der Vereinigten Staaten gegenueber und sie erklaerten, dass die
wirtschaftliche Lage eines Arbeiters, der nicht im zwischenstaatlichen Handel beschaeftigt sei und nicht unter die Bestimmungen der
bundesstaatlichen Arbeitsgesetze falle, viel zu wuenschen uebrig
lasse. Der amerikanische Arbeiter erspare trotz seines hohen Lebensstandards nicht genuegend Geld, und die soziale Versicherung sei im
Falle ernsthafter Wirtschaftskrisen recht unzulaenglich.
Arbeitsmitteilungen der ECA
OSSTKRREICHISCKK LANDARBEITER FORDERN HOEHERE LOEHNE
Wie in vielen anderen Laendern ist auch die Gewerkschaftsbewegung in Oesterreich bemueht, die Lebensbedingungen der Arbeiter, die
die geringsten Loehne erhalten, zu verbessern - und das sind in
Oesterreich die Landarbeiter. Ein gelernter Landarbeiter verdient
heute ausser der Abgeltung in Naturalien monatlich durchschnittlich
150 Schillinge, - dies reicht gerade aus, ein Paar billige Schuhe zu
kaufen.
Der Kampf der Landarbeiter um einen fuer das ganze Land verbindlichen Tarifvertrag ist vier Monate lang ohne Ergebnis gefuehrt worden, bis auf einer Konferenz die Gewerkschaftsfunktionaere beschlossen
einen Streik auszurufen, wenn bis zum 19. Juni kein Vertrag erzielt
4 -

�sei. Daraufhin unterzeichneten die Arbeitgeberorganisation in bestimmten Laendern Oesterreichs mit der 60.000 Mitglieder starken
Land- und Forstarbeitergewerkschaft einen Vertrag, der wesentlich
bessere Bedingungen als der fruehere enthaelt. Die monatlichen Loehne in bar sind bei freier Unterkunft, Heizung, Licht und Brennstoff
von 70 auf 100 Schillinge erhoeht worden, line neue Bestimmung des
Vertrages sieht vor, dass die Arbeiter und ihre Familien das Recht
haben, von den Bauern Nahrungsmittel zu Preisen zu kaufen, die in
einer besonderen Liste-niedergelegt sind.
In anderen oesterreichischen Laendern konnten die streikenden
Landarbeiter aehnliche Erfolge erziBlen. In der Steiermark haben
sich die Arbeitgeber jedoch unnachgiebiger gezeigt und versucht,
die Streikenden durch Drohungen und Polizelmassnahmen einzuschuechtern. Auch hat man Streikbrecher eingestellt, deren Loehne viel
hoeher als die von der Gewerkschaft geforderten lagen. Eine der
Laenderregierungen hat sogar beschlossen, bei TarifVerhandlungen
nur die von den Arbeitgebern errichteten "gelben" Gewerkschaften
als Verhandlungspartner anzuerkennen.
Keine dieser Massnahmen hat die Haltung der Landarbeiter aen-«
dern koennen, die aus allen Teilen des Landes und besonders von den
Industriearbeitern zahlreiche Solidaritaetserklaerungen erhielten.
Es ist nicht uninteressant festzustellen, dass in den
Oesterreich angrenzenden Teilen Westdeutschlands die Moegllchkeit
eines aähnlichen Landarbeiterstreiks besteht, nachdem die Lohnverhandlungen abgebrochen werden mussten. Die deutschen Gewerkschaften
sind der Auffassung, dass die Arbeitgeber mit ihrer Weigerung einen
Druck auf die Bundesregierung ausueben und damit durchsetzen wollen,
dass der Brotpreis erhoeht wird.
Information Bulletin des IBFG
VII/26/50

•

WELTGEWERKSCHAFTSBUND LEHNT UNTERSTÜETZÜNG KOREAS AB
Auf die Frage, ob sie ihre Einrichtungen und Hilfsquellen dem
Vereinigten Oberkommando in Korea zur Loesung der Probleme der
Zivilbevoelkerung zur Verfuegung stellen wollten, gaben die beiden
Gewerkschaftsbuende vor einer Konferenz des Sozial-Ausschusses des
Wirtsohafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen in Genf eine
voellig verschiedene Antwort.
Toni Sender erklaerte im Namen des neugegruendeten, nichtkommunistischen Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, dass die
freie GewerkschaftsOrganisation bei der Loesung aller Probleme tatkraeftig mithelfen wuerde, die in den wiederbesetzten Gebieten auftauchen koennten, und dass sie mit allen ihr zur Verfuegung stehenden Mitteln "die Opfer der Aggression in Korea" unterstuetzen wuerde.
Georges Fisher, der Vertreter des von den Kommunisten beherrschten Weltgewerkschaftsbundes, erklaerte dagegen, dass sich diese
Organisation weigern wuerde, sich an Hilfeleistungen fuer die notleidende Zivilbevoelkerung im Gebiet der Vereinten Nationen zu beteiligen, selbst wenn er den WGB darum ersuchte.
Der Ausschuss befasste sich mit einer vor kurzem gefassten
EntSchliessung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, in der
zur Unterstuetzung der Zivilisten aufgerufen wird, die in dem unter
dem Oberkommando der Vereinten Nationen stehenden Gebiet von Korea
wohnen. Fisher lehnte diese EntSchliessung und auch die Taetigkeit
5 -

�der Vereinten Nationen in Korea ab und stellte im Namen des WGB
die Forderung, sowohl die nord- als auch die suedkoreanischen Zivilisten zu unterstuetzen. Der Vorsitzende des Ausschusses C. G.
Corley-Smith, Grossbritannien, stellte fest, dass die Erklaerung
Fishers "voelllg abwegig" sei, weil vor dem Komitee nur die Entschliessung des Sicherheitsrates zur Debatte stand. Seine Absage
an den Spreoher des WGB wurde von dem Ausschuss gebilligt, der sich
weigerte, weitere Argumente des kommunistischen Weltgewerkschaftsbundes anzuhoeren.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VIII/14/50
BRITISCHE GEWERKSCHAFTEN WERDEN VOR DEM "STOCKHOLMER FRIEDENSAPPELL" GEWARNT
Unter den Resolutionen, die zur diesjaehrigen Jahreskonferenz
der Labour Partei eingereicht wurden, befindet sich eine, in der
versichert wird, dass "der Marshall-Plan Grossbritannien und den
Laendern Westeuropas in den letzten drei Jahren eine unermessliche
Hilfe geleistet hat." Gefasst wurde diese Entschliessung von der
Gewerkschaft der Arbeitnehmer oeffentlicher Betriebe, die mit ihren
mehr als 800.000 Mitgliedern die zweitgroesste Gewerkschaft Grossbritanniens ist. In der Resolution, ober die die Jahreskonferenz
der Labour Partei in der ersten Oktoberwoche in Margate abstimmen
wird, heisst es:
"Die Konferenz erklaert, dass
nien und den Laendern Westeuropas
unermessliche Hilfe geleistet hat,
gegen die Wirren und Zerstoerungen
aufreibender gewesen.

der Marshall-Plan Grossbritanin den letzten drei Jahren eine
denn ohne ihn waere der Kampf
der Nachkriegsjähre laenger und

"Wir.sind dem amerikanischen Volke deshalb fuer seine rechtzeitige und grosszuegige Hilfe zu unserer Wiedergesundung und unserem wirtschaftlichen Wiederaufbau grossen Dank schuldig»
"Die Konferenz weiss die Fortschritte unserer Wirtschaft zu
schaetzen, sie weist aber darauf hin, dass die Zeit naht, in der
unser Lebensstandard von unseren eigenen Mitteln abhaengen wird,
und es ist deshalb von ausschlaggebender Bedeutung, dass wir unentwegt an der Steigerung unserer Leistungsfaehigkeit und der Produktion unserer Industrien arbeiten.
"Die Konferenz sichert der Labour Regierung ihre volle Unterstuetzung in allen Massnahmen zu, die zur Erweiterung der Produktion und des Aussenhandels ergriffen werden und eine guenstige
Zahlungsbilanz und die Erhaltung der V0llbeschaeftigung sichern."
Auf der Jahreskonferenz der Labour Partei, die die politischen
Richtlinien der britischen Gewerkschaftsbewegung festlegen wird,
werden sowohl die meisten britisciien Gewerkschaften vertreten sein,
die der Labour Partei unmittelbar angehoeren, als auch die "getrennte Labour Partei," in der viele Gewerkschafter Einzelmitglied sind.
An alle oertlichen Stellen der Labour Partei wurde in dieser
Woche die Warnung gerichtet, sich vor Versuchen in acht zu nehmen,
die sie noch vor der Konferenz zu stalinfreundlichen Resolutionen
verleiten wollen. "Man wird sagen," erklaerte Victor Feather, der
stellvertretende Sekretaer des britischen Gewerkschaftsbundes (TUC)
"dass die selbstaendigen Labour Parteien von den Gewerkschaften
ueberrannt werden. Man wird versuchen, den Delegierten der oertlichen Organisationen der Labour Partei vorzugaukeln, dass sie von

�den Gewerkschaften tyrannisiert werden, und dass sie dem Sozialismus einen guten Dienst erweisen, wenn sie sich von den Gewerkschaften lossagen. Man wird bemueht sein, die selbstaendigen Organisationen der, Labour Partei glauben zu machen, dass sie an der Nase
herumgefuehrt werden, und dass ihre eigene Exekutive ei-: doppeltes
Spiel betreibt."
Feather wies'im besonderen darauf hin, dass an die Hintermaenner der kommunistischen Partei Befehle ergangen seien, die Konferenz
dar Labour "Partei in eine sogenannte "Friedenskundgebung" umzuwandeln. Die Theoretiker der kommunistischen Partei haetten niemals
an den Frieden geglaubt. Er sei fuer sie nur ein politisches Werkzeug.
Sowohl der britische Gewerkschaftsbund (TUC) als auch die
Labour Partei forderten die ihnen angeschlossenen Organisationen
auf, 3ich in keiner V/eise in die kommunistisch beherrschte Kampagne
d33 britischen Friedenskomitees zugunsten des "Stockholmer Friedensaooell3" einspannen zu lassen.
Arbeitsraitteilungen der ECA
VIII/9/50
AFRIKANISCHE GEV/ERKSCKAFTEN FORDERN HILFE FUER

INDIEN

Bevor iie Fernost-Delegation des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften Neu-Delhi verliess, um den naechsten Abschnitt ihrer
Kissionsreise anzutreten, war es ihr moeglich, mit dem indischen
Premierminister Pandit Nehru zusammenzukommen und mit ihm die wichtige Rolle zu besprechen, die die freien Gewerkschaften in der dringenden Aufgabe der wirtschaftlichen Entwicklung in Indien zu spielen
haben.
In einer Verlautbarung, die nach der Konferenz veroeffentlicht
wurde, wies die Delegation auf die Tatsache hin, dasg das grundlegende "V.'irtschaftsproblem Indiens die Notwendigkeit einer Ausdehnung
seiner Kapitalstruktur sei, und dass die Gefahr einer zunehmenden
Arbeitslosigkeit bei den besonderen Verhaeltnissen in Indien solange
bestuende, als eine derartige Ausdehnung nicht von der Forderung der
Gewerkschaften nach einem verbesserten Lebensstandard begleitet sei.
"Die Schwierigkeit des Problems liegt darin," erklaerte ein
Mitglied der Delegation, "dass die indischen Kapitalisten grosse
und schnelle Gewinne beanspruchen und damit den gleichen Fehler begehen wie ihre Ebenbilder im zaristischen Russland und im heutigen
Frankreich und Italien."
Mit auslaendischem Privatkapital allein koennten Indiens Probleme niemals geloesi, werden. "Was Indien braucht, sind Dinge,
die mit Privatkapital nicht beschafft werden koennen, so z.B. die
Entwicklung der kuen3tlichen Bewaesserung und der Aufforstung."
Die amerikanischen Mitglieder der Delegation zeigten den gegenwaertigen Bemuehungen Amerikas zur Unterstuetzung wirtschaftlich unterentwickelter Laender gegenueber eine kritische Einstellung. Diese
Hilfe ist -ihrer Meinung nach "viel zu gering und kommt viel zu
spaet." In einer telegrafischen Sonderbotschaft an den CIO unterstrich John Brophy, ein amerikanisches Mitglied der Delegation,
diesen Punkt und fuehrte aus: "Die asiatischen Laender muessen in
ihrem Kampf um Freiheit gegen die Bedrohung des Kommunismus von den
freien Voelkern der westlichen Welt unterstuetzt werden. Mit der
Kuerzung der Geldmittel'des Punkt-Vier-Programms 'on 35 auf 10
Millionen Dollar, hat der Bewilligungsausschuss des Senats cfie Sache der Demokratie in Suedostasien erheblich geschwaecht. Die Dele- 7

�gation des IBFG fordert den CIO nachdruecklich auf, alles zu tun,
damit diese Kuerzung nicht durchgefuehrt wird."
Die Delegation hat sich jetzt in zwei Gruppen aufgeteilt, deren
eine sich nach Tokio, Kalkutta, Dacca und Chittagong begeben wird,
um sioh mit der anderen Gruppe in Bangkok wieder zu treffen.
Information Bulletin des IBFG
VI1/26/50
2ISERNE DISZIPLIN DER NORDKOZEANISCHEN ARBEITER
Nordkoreanischen Quellen und der kommunistischen Tageszeitung
"Der Arbeiter" zufolge ist Nordkorea eine "demokratische Volksrepublik."
Ein entsprechender Kabinetssbeschluss, der soeben in Washington verfuegbar wurde, enthaelt folgende Bestimmungen:
Die Arbeiter muessen die "Arbeitsdisziplin" wahren und die
Befehle ihrer Vorgesetzten "rechtzeitig und genau" au»fuehren; sie
duerfen mit "Angelegenheiten, die sie nichts angehen," keine Zeit
vergeuden; sie muessen die Produktionsquoten "erfuellen und uebertreffen"; sie muessen sich "liebevoll um Material, Maschinen, Werkzeuge usw. kuemmern und schonend damit umgehen"; sie muessen das
"Geheimnis des Betriebes wahren."
Verletzungen dieser Bestimmungen ziehen Bestrafung durch die
Betriebsleitung und das Gericht nach sich. Es gibt keine Berufung.
Wer laenger als 30 Minuten von seinem Arbeitsplatz entfernt bleibt,
gilt als abwesend und verliert damit das Anrecht auf seine Lebensmittelration. Diejenigen, deren Arbeitsleistung unter der Norm
liegt, werden "nach den gesetzlichen Bestimmungen und den Verordnungen des Staates materiell zur Verantwortung gezogen, dies
schliesst Verweis und Bestrafung nicht aus."
Ohne Genehmigung des Arbeitgebers kann niemand den Arbeitsplatz
oder seinen Beruf wechseln; wer irgendeiner dieser Bestimmungen zuwiderhandelt, und "nicht ausfindig gemacht werden kann oder auf eine
Mitteilung nicht antwortet", kann von dem Arbeitgeber bestraft werden,
ohne dass der Betroffene eine Erklaerung vorbringen kann.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VIII/9/50
HOHE PRODUKTIONSLEISTUNG LOHNT SICH
Eine 42-prozentlge Steigerung der Produktionsleistung in einer
Kopenhagener Schuhfabrik hat in ueberzeugender Weise bewiesen, wie
sich diese zum Vorteil der Arbeiter und Verbraucher ausgewirkt hat.
Diese 42-prozentige Erhoehung der Arbeitsleistung der Arbeiter
seit 1939 bedeutet: 1} eine Erhoehung der Beschaeftigtenziffer um
etwa 23%; 2) eine Lohnerhoehung fuer alle Arbeitnehmer; 3) ein
Preisrueckgang der von der Fabrik hergestellten Schuhe um 10%; 4)
eine wesentliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen und 5) einen
Arbeitsaufwand des einzelnen Arbeiters, der nicht hoeher ist als vor
dem Beginn der Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung.
Anstatt angetrieben zu werden, werden die Arbeiter, die schneller arbeiten, als es die wissenschaftlich erarbeitete Norm vor-

8

�schreibt, tatsaechlich aufgefordert, ihr Arbeitstempo zu verringern.
Nach den Bestimmungen der Betriebskrankenkasse dieser Fabrik zahlt
die Firma einem wegen Krankheit abwesenden Arbeiter drei Monate lang
seinen Lohn, und es ist festgestellt worden, dass Krankheit, die
auf Ueberanstrengung zurueckzufuehren ist, sowohl dem Einzelnen als
auch dem Unternehmen letzten Endes nur Verlust an Zeit, Arbeitsfähigkeit und Geld einbringt.
Berichte des Unternehmens zeigen auf, dass im Jahre 1939 die
taegliche Produktionsleistung dieser Fabrik je Arbeiter 2,8 Paar
Schuhe betrug. Im zweiten Quartal 1950 war sie auf 4 Paar Schuhe
je Arbeitstag gestiegen. In den 15 Monaten von Januar 1949 bis
April 1950 hatte sich der Ausstoss weiter von 3,6 auf 4,0 Paar
Schuhe erhoeht.
In diesen 15 Monaten stieg die Zahl der Arbeitnehmer von 131
auf 158. Im gleichen Zeitraum ging die taegliche Gesamtproduktion
an Schuhen von 465 auf G2£ Paar in die Hoehe. Die Verbraucherpreise
fuer diese Schuhe wurden gleichzeitig um 10$ reduziert.
Der Betriebsleiter K. B. Larsen macht fuenf Faktoren fuer die
bedeutende Steigerung der Produktionsleistung des Betriebes verantwortlich: 1. Modernisierung und Gruppierung der Betriebsanlagen;
2. gute Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern;
3. Anwendung der Ausbildungsmethoden des betriebstechnischen Schulungsprogramms; 4. Auswertung von Zeit- und Bewegungsstudien und
5. ein neues kostenaufzeigendes Syst«* dar Buchhaltung.
Die Modernisierung und die Verbesserung der Gruppierung der
Werksanlagen machten den Kauf neuer Naehmaschinen, die Einrichtung
eines Transportbandsystems und die Anbringung einer besseren Beleuchtungsanlage erforderlich. Die neuen Maschinen sind vor allem in
England und den Vereinigten Staaten gekauft worden. Die Verbesserung
der Beleuchtungsanlagen in der Zuschneidewerkstatt hat zu einer
durchschnittlichen lirhoehung der Lux-Zahl von 20 auf 600 je Arbeitsplatz gefuehrt. Die von Larsen vorgelegten Betriebsstatistik zeigt,
dass der woechentliche Elektrizitaetsverbrauch von 31.000 Kilowatt
im Jahre 1944 auf 73.000 Kilowatt in der Gegenwart angestiegen ist.
Durch die Einrichtung der zwei Transportbaender ist die Leistungsfaehigkeit der Maschinenarbeiter in einer Werkstatt betraechtlich erhoeht worden. Die Arbeiter, die parallel zum Transportband
an ihren Maschinen sitzen, betaetigen nur einen Knopf, um dem Arbeiter am Ende des Transportbandes anzuzeigen, was sie benoetigen. Dort
befindet sich ein elektrisches Schaltbrett mit farbigen Lichtern.
Das Material wird dann auf dem Transportband zu dem betreffenden
Arbeitsplatz befoerdert. Frueher, als dieses Transportband noch
nicht eingebaut war, musste jeder Arbeiter viel Zeit vergeuden und
seine Maschine verlassen, um sich das benoetigte Material zu holen.
Am Ende des Transportbandes oeffnet sich eine Gleitbahn, die zum
naechsten Fertigungsprozess in der tieferliegenden Werkstatt fuehrt.
Ueber diese Gleitbahn gelangen die Arbeitsstuecke in den Raum, wo
die letzten Fertigungsprozesse durchgefuehrt werden.
Larsen hob besonders die Bedeutung der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern fuer die Foerderung einer gesteigerten Produktionsleistung hervor. Das Unternehmen hat mit den
daenischen Gewerkschaften einen Vertrag abgeschlossen und ist verpflichtet, die im Lohntarif vorgesehenen Loehne zu zahlen. Larsen
erklaerte jedoch, dass die Unternehmer in vielen Faellen aus eigener
Initiative heraus hoehere Loehne zahlten. "Wenn wir feststellen,M
sagte er, "dass ein Arbeiter mehr produziert und dadurch Anspruch
auf einen hoeheren Verdienst hat, dann steigern wir seinen Lohn."
9 -

�"Die Idee, dass hoehere Produktionsleistungen wuenschenswert
sind, fand bei den Arbeitern zu Anfang nur wenig Anklang. Ihr
Widerwille kam darin zum Ausdruck, dass sie sich den Zeit- und Bewegungsstudien widersetzten. Noch vor drei Jahren war ihre Opposition
so stark, dass sie mit Streik drohten, wenn eine neue Maschine eingefuehrt werden sollte. Sie wollten zuerst nicht glauben, dass die
Erhoehung der Loehne nur auf die gesteigerte Produktionsleistung zurueckgefuehrt werden muss, denn sie wussten, dass sie nicht schwerer
zu arbeiten hatten." Seit jener Zeit hat sich die Zusammenarbeit
zwischen Unternehmern und Arbeitern jedoch hoechst zufriedenstellend
entwickelt.
Viele Erfolge dieses Unternehmens in der Arbeitsweise des Betriebes und den Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, so erklaerte Larsen, beruhten auf der Anwendung der Methoden des innerbetrieblichen Schulurgsprogramms. "Viele unserer Probleme wurzeln in der Haltung des Menschen, und wir sind mit Erfolg
bemueht, unter Zuhilfenahme des innerbetrieblichen Schulungsprogramms
alle Vorgesetzten zum klugen Handeln zu erziehen." Niemand koenne
in der Fabrik Vorgesetzter werden, wenn er nicht an einem Ausbildungs*
kursus im Rahmen dieses Programms teilgenommen habe. Er berichtete
ausserdem, dass auch die Betriebsraete sich an einem aehnlichen Kurs
beteiligen muessten, und da3s ihnen die gleichen Informationen zur
Verfuegung stuenden, die den Vertretern des Unternehmers gegeben worden.
Die Unternehmer wenden das Zeit- und BewegungsStudium an, und
auch auf diesem Gebiete wuerde den Gewerkschaftsfuhktionaeren die
gleiche Ausbildung zuteil wie den Vertretern der Arbeitgeber. Die
allgemeine Politik gehe dahin, die Arbeiter ueber alles, was vor sich
geht, zu unterrichten.
Vor zwei Jahren sei ein neues System der Buchhaltung eingefuehrt
worden, das auf der Kostenfeststellung beruhe. Dadurch wuerde eine
genaue Ueberpruefung aller Arbeitsgaenge im einzelnen und innerhalb
einer gesamten Abteilung ermoeglicht.
Larsen erklaerte ferner, dass die Arbeitswoche in Zeit gemessen
wuerde und die Norm 2810 Minuten woechentlich betrage. "Wir wissen
dadurch genau, wieviel jeder Arbeiter gearbeitet hat."
In dem Verlangen der Arbeiter, unter anstaendigen und wuerdigen
Verhaeltnis^en zu arbeiten, sieht Larsen einen positiven Pluspunkt
fuer die Steigerung von Produktion und Produktionsleistung; er fordert jedoch von den Unternehmern, dass sie alles tun, um diese Verhaeltnisse zu schaffen und zu erhalten.
Ein anderer Faktor, der zu den guten Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern beitrage, sei die Tatsache, dass der
Belegschaft Berichte zur Verfuegung stehen und die Arbeiter jederzeit
in die Betriebsstatistik des Unternehmens Einblick nehmen koennen. Regelmaessige monatliche Zusammenkuenfte, denen Arbeitgeber und Arbeiter
beiwohnen, seien den gemeinsamen Problemen gewidmet, die eingehend
und offen besprochen wuerden.
Zur Zeit wird die Werkkantine vergroessert, damit den Arbeitern
dort Mahlzeiten vom fruehen Morgen bis zum Verlassen des Werkes verabreicht werden koennen. Einmal nachmittags wird den Arbeitern eine
Tasse Kaffee gerefcht. Der Betrieb verfuegt ueber Umkleideraeume mit
abgeschlossenen Schraenken und ueber Duschraeume; man ist dabei, die
Duschen in den Umkleideraeumen der Frauen zu installieren.
"Wir glauben, "so schloss Larsen*, "dass es fuer die Gesinnung
unserer Leute sehr wichtig ist, dass man sich um sie kuemmert. Sie
werden dafuer ihr Bestes zum erfolgreichen Arbeiten unseres Betriebes
geben."
Arbeitsmitteilungen der EGA
VI1/24/50
- 10 -

�ARBEITSGESETZGEBUNG IN INDIEN
Die Arbeitslage war in der letzten Periode ziemlich gesund. Die
industrielle Unrast ist im Abklingen begriffen und augh das Fernbleiben von der Arbeit weniger ausgepraegt. Die Arbeitsverdienste hielten
ziemlich Schritt mit den erhoehten Lebenskosten mit dem Ergebnis, dass
der Rueckgang der Realloehne gering war. Die Arbeitsgestzgebung hat
Fortschritte in der Regelung der Arbeitsbedingungen, der Erhoehung des
Wohlfahrtsstandards, und der Sicherung weiterer Erleichterungen an die
Arbeiterschaft gemacht. Die bemerkenswertesten der kuerzlich erlassenen Gesetzgebungen sind: Das Mindestlohngesetz, das staatliche Angestellten-Versicherungsgesetz und das Fabrikgesetz von 1948.
Im Jahre 1947 betrug die Anzahl der verlorenen Arbeitstage 16,56
Millionen, verglichen mit 12,72 Millionen im Jahre 1946, und 4,99 Millionen im Jahre 1939. Diese Verschlechterung der Industriebeziehungen
war ein Hemmschuh fuer die Industrieproduktion, die ihrerseits einen
schaedlichen Einfluss auf die nationale Wirtschaft hatte. Um einer
Intensivierung der Produktion den Weg zu ebnen, mussten die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern verbessert werden. Im Hinblick
darauf kam im Dezember 1947 die Zentralregierung ueberein, eine Konferenz der Vertreter der Arbeiter und Arbeitgeber und der Zentral- und
Provinzialregierungen einzuberufen. Bei dieser Konferenz beschlossen
beide, Arbeiter und Arbeitgeber, den Burgfrieden waehrend der naechsten
zwei Jahre aufrechtzuerhalten. Die Wirkung dieses Abkommens ueber die
Beziehungen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern zeigte sich im naechsten Jahr, wo als Ergebnis der Streitigkeiten die verlorenen Arbeitstage auf 7,84 Millionen zurueckgingen. Diese Verbesserung wurde im
Jahre 1949 aufrechterhalten. Waehrend der ersten sieben Monate des
Jahres betrug die Anzahl der verlorenen Arbeitstage 4,88 Millionen,
verglichen mit 6,22 Millionen in der Parallelzeit des Vorjahres.
Als Ergebnis besserer Arbeitsorganisation und auch als Folge der
Regierungspolitik haben die Industrieloehne waehrend des Krieges und
nachher mit den ansteigenden Preisen ziemlich Schritt gehalten. Im
ganzen hatte die Arbeiterschaft nur einen sehr geringen Rueckgang in
ihren Realloehnen zu verzeichnen. Die durchschnittlichen Jahresverdienste der Fabrikarbeiter in der Provinz Bombay erhoehten sich von
370 R. im Jahre 1939 auf 814,7 R. im Jahre 1945 oder um 120 f0 waehrend
die Lebenskosten in der Stadt Bombay in der gleichen Periode von 103
auf 224 oder um nahezu 128 % stiegen. Um noch einige weitere Beispiele zu nennen: In Assam erhoehten sich die durchschnittlichen Jahresverdienste von 263,7 R. im Jahre 1939 auf 820,4 R. im Jahre 1948
oder um 210 %. In dieser Provinz betrug die Erhoehung der Arbeiterloehne 24 % zwischen dem Jahre 1945 und 1949, waehrend die Erhoehung
der Lebenskosten 30 % ausmachte. In Uttar Pradesh erhoehten sich die
Arbeitsloehne je Kopf zwischen 1939 und 1948 von 235,6 R. auf 887,1 R.
- eine Erhoehung um 235 % - waehrend die Lebenskosten im hauptsaechlichsten Industriezentrum dieser Provinz, in Kanpur, von 105 auf 315
oder um 200 f0 anstiegen.
Der erste Schritt zur Festlegung von Mindestloehnen wurde im
April 1946 unternommen, als die Mindestlohnvorlage der zentralgesetzgebenden Versammlung unterbreitet wurde. Die Vorlage wurde angenommen und im Maerz 1948 zum Gesetz erhoben. Sie ist unter der Bezeichnung "Mindestlohngesetz,, bekannt. Dieses sieht Massnahmen vor zur
Festlegung von Mindestloehnen bei Anstellungsverhaeltnissen, wo
Schwerarbeit vorherrscht oder wo eine weitgehende Moeglichkeit der
Ausnuetzung der Arbeitskraefte besteht. Die in der zusaetzlichen
Liste des Gesetzes aufgefuehrten Industrien, wo die zu bezahlenden
^indestloehne durch die Zentral- oder Provinzialregierungen festzulegen sind, umfassen Reis-, Dal- (eine indische Linsenart) oder Mehlmuehlen, Tabakfabriken, Plantagen, Oalmuehlen, Strassen- und Haeuserbau, Gerbereien und Lederfabriken, Lackproduktion, Glimmerwerke, oeffentliche Motortransporte und Landwirtschaft.
- 11 -

�Was die Massnahmen fuer die soziale Sicherheit anbelangt, ist
das früeheste Gesetz dafuer das Arbeiterentschaedigungsgesetz von
1923. Dieses Gesetz wurde im Jahre 1934 revidiert, wobei die Revision auf den Empfehlungen der koeniglichen Arbeitskommission basierte.
Dieses Gesetz sieht die Zahlung von Entschaedigungen durch die Arbeitgeber an die Arbeiter im Falle von Verletzungen vor, die durch Unfaelle
bei und waehrend der Arbeit entstehen.
Das Spar- und Gratifikationsplangesetz fuer Kohlenbergwerkarbeiter
vom Jahre 1948 sieht die Errichtung eines obligatorischen Unterstuetzungsfonds und die Entrichtung von Dienstleistungs- und Produktiansgratifikationen an Kohlenbergwerkarbeiter vor.
Die wichtigste Gesetzgebung im Einblick auf Massnahmen fuer die
soziale Sicherheit stellt das staatliche Angestelltenversicherungsgesetz
von 1948 dar. Das Gesetz findet erstinstanzlich auf alle Fabriken einschliesslich diejenigen in Regierungsbesitz - Anwendung, ausgenommen saisonbedingte Fabriken. Alle entloehnten Arbeiter dieser Fabriken oder in Verbindung mit^ ihnen, ausgenommen diejenigen mit einem
Monatsgehalt von ueber 400 R., sind versicherungspflichtig. Das Gesetz sieht je nach dem Fall folgende Vergünstigungen fuer die Versicherten oder ihre Familien vor:
1. Krankheitsunterstuetzung; 2. Cutterschaftszuschuesse;
3. Unterstuetzung im Falle von Arbeitsunfaehigkeit; 4. Hinterlassenenfuersorge und 5. Zuschuesse im Falle aerztlicher Behandlung.
Der staatliche Angestelltenversicherungsfonds wird aus Beitraegen
der Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmer, Stiftungen, Schenkungen usw.,
Beitraegen der Zentral- und Provinzialregierungen, von lokalen Behoerden oder irgend einer industriellen Koerperschaft gespeist. Die Einzelheiten des Planes werden noch ausgearbeitet und werden zuerst in
der Provinz Delhi zur Anwendung kommen.
Das indische Gewerkschaftsgesetz von 1926, mit der Abaenderung
vom Jahre 1947, sieht statutarische Bestimmungen fuer die obligatorische
Anerkennung durch die Arbeitgeber einer repraesentativen Gewerkschaft
der Arbeiter vor. Es spricht der Gewerkschaft gewisse Rechte und Privilegien zu, wie Schutz gegen Strafverfahren bezueglich irgendeines
Abkommens zum Zwecke der Foerderung eines gesetzlichen Zieles der
Gewerltschaft usw. Das Gesetz bezeichnet auch gewisse Handlungen als
unfaire Art des Vorgehens seitens der anerkannten Gewerkschaften und
gewisse andere als unfaires Vorgehen seitens der Arbeitgeber. Zur
Foerderung des industriellen Friedens sieht das Gesetz fuer Industriestreitigkeiten gewisse Massnahmen vor, durch welche Streitigkeiten an
Industrleausschuesse, Untersuchungsgerichte oder 1ndustrietribunale
weitergeleitet werden koennen. Die Ueberweisung von Streitfaellen an
die Ausschuesse, Gerichte oder Tribunale ist obligatorisch seitens der
Zentralregierung, wenn beide Parteien, entweder getrennt oder gemein- •
sam, um eine solche Ueberweisung nachsuchen, im anderen Falle steht
eine solche im Ermessen der Regierung.
Die Regierung ist befugt, einen Arbeitgeber eines Betriebes mit
1.000 oder mehr Arbeitern aufzufordern, einen Betriebsausschuss, bestehend aus Vertretern der Arbeitgeber und Arbeiter dieses Betriebes,
zu errichten. Die Pflichten solcher Ausschuesse bestehen darin, Massnahmen zur Sicherung und Festigung der Freundschaft und der guten Beziehungen zwischen Leitung und Arbeiterschaft zu treffen. Die Regierung ist auch ermaechtigt, SchlichtungsOffiziere fuer ein bestimmtes
Gebiet oder eine spezielle Industrie zu ernennen.

- 12 -

�Artikel 31 bis 34 der neuen Verfassung Indiens beziehen sich auf
die Arbeitspolitik und bilden eine Arbeitscharta. Artikel 33 legt dar,
dass der Staat Bestimmungen zur Sicherung anstaendiger und menschlicher
Arbeitsbedingungen und Mutterschaftsunterstuetzungen zu treffen hat.
Artikel 34 fuehrt aus, dass der Staat bestrebt sein soll, durch eine
angemessene Gesetzgebung oder wirtschaftliche Organisation oder auf
irgendeine andere Art, allen Arbeitern - den Industriearbeitern sowie
auch den anderen - Arbeit, einen ausreichenden Lohn, Arbeitsbedingungen,
die einen anstaendigen Lebensstandard und volle Freizeitverguetung ermoeglichen, sowie soziale und kulturelle Notwendigkeiten zu gewahrleisten.
So wurde der Arbeiterschaft anstaendige und ehrenhafte Behandlung
zugesichert, ein anstaendiger Lohn garantiert und gerechte und menschliche Arbeitsbedingungen geschaffen. Es liegt nun an den Arbeitern,
mitzuhelfen, das Nationaleinkommen zu erhoehen, so dass der Lebensstandard des Landes weitgehend gehoben werden kann.
Bulletin der indischen Gesandtschaft
in Bern
VIII/50
CIO FUNKTIONAER FORDERT WIRKSAMES WIRT SC HAFTS PROGRAMM
Emil Rieve, der Vorsitzende des Vollbeschaeftigungsausschusses
des CIO und Praesident der Textilarbeitergewerkschaft von Amerika (CIO),
forderte eine Gesetzgebung zur Kontrolle der Preise, die Schaffung zuverlaessiger Rationierungsgesetze und eine "drastische Revision" der
Steuergesetze.
Rieve prophezeite, dass ohne Preiskontrollgesetze der "Preisinflation, die die Kaufkraft bereits stark verringert hat, nicht Einhalt
geboten werden kann."
In diesem Zusammenhange fuegte er hinzu, "dass bereits viel uninformiertes Gerede ueber den Lohnstop gefuehrt worden ist. Das aendert
jedoch nichts an der Tatsache, dass im Rahmen der bestehenden Preisund Gewinnspannen genuegend Moeglichkeiten fuer die Tarifverhandlungen
bestehen, ohne dass die Preise in die Hoehe getrieben werden rauessen."
Rieve erklaerte, dass fuer das Land "dringend eine wirksame Steuer
fuer uebermaessige Gewinne erforderlich ist
mit dem die Preisspekulation und die hohen Gewinne gesteuert werden koennen." Er forderte ausserdem die Abaenderung der Einkommensteuer fuer Personen mit
hohen Einkommen und die Schliessung bestehender Luecken in der Steuers truktur.
Die Erklaerung Emil Rieves lautet:
"In Anbetracht der grossen Probleme, die unsere Nation zu bewaeltigen hat, muss der Kongress unverzueglich ein Wirtschaftsprogramm bewilligen, das unseren Verteidigungsbeduerfnissen voll gerecht wird.
"Es ist offensichtlich, dass wir ein angemessenes Programm zur
Kontrolle der schnell ansteigenden Preise benoetigen, ein Programm,
das die zuverlaessige Rationierung knapper Waren und eine drastische
Revision der Steuertabellen vorsieht, die uns helfen werden, unsere
Ausgaben fuer die Verteidigung zu finanzieren und PreisSpekulationen
und hohe Gewinne zu kontrollieren.
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�"In keinem wirklich ausgeglichenen Programm zur Mobilisierung der
Hilfsquellen unseres Landes kann irgendeiner dieser drei Faktoren unberücksichtigt bleiben. Wir muessen uns im Interesse unserer eigenen
Sicherheit jetzt und in Zukunft mit ihnen befassen. Der Praesident
und der Kongress muessen in ihren Empfehlungen und Aktionen ihrem
Programm den fundamentalen Grundsatz zugrundelegen, dass alle Teile
der Bevoelkerung gleichermassen an den Lasten beteiligt werden muessen.
• Preiskontrollgesetze sind jetzt unbedingt erforderlich.
"Ohne eine derartige Gesetzgebung kann die PreisInflation, die
bereits zu einem grossen Teil die Kaufkraft beeintraechtigt hat, nicht
abgebremst werden. In den beiden Wochen, die der Botschaft des P r e sidenten an den Kongress ueber die Teilmobilisierung vorangingen, ist •
der Tagesindex, den das amerikanische Arbeitsministerium fuer Verbrauchsgueter aufstellt, um 10 % in die Hoehe gegangen. In den folgenden Tagen setzte sich diese Aufwaertsbewegung um weitere 5 # fort.
"An den neueren Preissteigerungen fuer Lebensmittel ist die Landwirtschaft unbeteiligt, sie sind vielmehr auf spekulative Methoden in
der Verteilung zurueckzufuehren.
"Um den amerikanischen Verbrauchern weitere Haerten zu ersparen,
muessen auf dem schnellsten Wege Gesetze zur Entrolle der Preise erlassen werden, ohne dass dadurch Luecken entstehen, die den Spekulanten
Gewinn bringen.
"In Verbindung mit den Preiskontrollen ist viel ueber Lohnstops
geredet worden, wobei schlechte Informationen zugrunde lagen. Das
aendert jedoch nichts an der Tatsache, dass im Rahmen der bestehenden
Preis- und Gewinnspannen genuegend Raum fuer Tarifverhandlungen bleibt,
ohne die Preise in die Hoehe schrauben zu muessen. Die bestehenden
Unzulaengliclikeiten und Ungleichheiten der Kaufkraft amerikanischer
Lohnverdiener kann und darf nicht uebersehen werden.
"Praesident Truman ersuchte um die Ermaechtigung, ueber die Produktionskraft des Landes willkuerlich verfuegen und die Ausdehnung bestimmter, wesentlicher Produktionsmittel durchfuehren zu koennen.
Diese Forderungen muessen als erster notwendiger Schritt auf dem Wege
zur Mobilisierung der wirtschaftlichen Energiequellen unseres Landes
betrachtet werden. Wir muessen jedoch darauf vorbereitet sein, weit
ueber diese ersten, vorlaeufigen Massnahmen hinauszugehen, wenn unsere
Wirtschaft den Anforderungen gerecht werden soll, die unsere demokratische Verteidigung gegen die kommunistische Aggression in Korea oder
anderswo in der Welt an sie stellen wird.
"Noch haben wir nicht unter ernsthafter oder dauernder Knappheit
an Verbrauchsguetern zu leiden. Es waere jedoch gewagt zu prophezeien,
dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Bestimmungen ueber zuverlaessige Massnahmen zur Durchfuehrung eines Rationierungsprogramms
muessen gesetzlich verankert werden. Eine derartige Gesetzgebung wird
eine erste Verteidigungslinie gegen umfassende wirtschaftliche Steuerungen bilden. Sie wird ausserdem fuer grosse Teile unserer Bevoelkerung,
deren wirtschaftliche Lage den Einkauf von Vorraeten nicht gestattet,
eine Atmosphaere des Vertrauens schaffen.
"Ebenso wichtig ist, dass wir sofort ein Steuerprogramm genehmigen,
das mit den Anforderungen und Zielen unserer nationalen Verteidigung
vereinbar ist. Wir mue3sen bestrebt sein, einen grossen Teil unserer
militaerischen Ausgaben durch laufende Steuern zu decken. Es muessen
aber auch neue Gesetze ueber Einkommensteuer ausgearbeitet werden, die
den Hauptzweck haben muessen, jede Inflation sowie Preis- und Gewinnspekulationen zu bekaempfen»
- 14 -

�n

Der Praesident hat in dieser Richtung zwei Wege vorgeschlagen: eine Erhoehung der bundesstaatlichen Einkommensteuer und der
allgemeinen Gesellschaftssteuer. Das genuegt jedoch nicht.
"Die Vereinigten Staaten benoetigen dringend wirksame Bestimmungen zur Besteuerung uebermaessiger Gewinne. Damit koennten die
spekulativen Preissteigerungen viel besser gedrosselt werden als
mit der Erhoehung der Saetze der Zusatzsteuern fuer Gesellschaften,
wie es dem Praesidenten vorgeschlagen wurde. Mit einer einfachen
Erhoehung des Zusatzsteuersatzes kann der Unternehmer die hierdurch
entstenende Belastung viel leichter auf den Verbraucher abwaelzen,
als es ihm bei einer Erhoehung der Steuer fuer uebermaessige Gewinne moeglich waere.
"Innerhalb des gegenwaertigen Programms entwickelt sich die
Inflation aus der PreisSpekulation; Vorschlaege zur Erhoehung der
äinkommensteuer fuer Angehoerige der niedrigen Einkommensgruppen
sind deshalb unvernuenftig. Die Steuerbelastung dieser Gruppe ist
bereits zu hoch. Die Erhoehungen der Einkommensteuern der Lohnempfaenger sollten nur ifl den Steuergrup^en mit ueber 2.000 Dollar
versteuerbaren Einkommens im Jahr vorgenommen werden.
"Durch eine wirksame Besteuerung aussergewoehnlicher Gewinne
zur Beseitigung der Preis- und Gewinnspekulation, durch eine Erhoehung der Einkommensteuer des Einzelnen fuer Angehoerige der hoeheren Einkommensgrupoen und durch das Schliessen bestehender Luecken,
wozu auch die steuerliche Trennung der Einkommen eines Ehepaares
gehoert, ist es moeglich, die aus der gegenwaertigen Situation entstehenden hoeheren Ausgaben zu bestreiten. Der Umfang des Bewaffnungsprogramms ist zur Zeit noch nicht so gross, dass es nicht durch
ein erhoehtes Steueraufkommen finanziert werden koennte.
"Der Grundgedanken in der Botschaft des Praesidenten scheint
zu sein, dass wir es uns nicht leisten koennen, die Einfuehrung einer Steuer fuer uebermaessige Gewinne bis zu einem spaeteren Zeitpunkt des Jahres aufzuschieben. Dieser Vorschlag haette in der
jetzigen Gesetzesvorlage enthalten sein muessen. Der Kongress muss
in dieser Angelegenheit sofort etwas unternehmen.
"Der vorliegende Steuervorschlag scheint der kuerzlich angekuendigten Wohnungsbaupolitik zu aehneln. Die Kontrolle des privaten Wohnungsbaus durch die Erhoehung der Anzahlungsbetraege beim
Kauf von Wohnhaeusern, wie es vorgeschlagen wurde, muss Familien
der niedrigen Einkommengruppen schaedigen, waehrend sie denjenigen,
die ueber grosse Geldbetraege verfuegen, nichts ausmacht. Die Anordnung, das Programm des oeffentlichen Wohnungsbaus zu kuerzen,
trifft ebenfalls unmittelbar diejenigen, die am dringlichsten eine
anstaendige und billige ««ohnungen benoetigen. Keiner dieser Vorschlaege kann ein umfassendes Wohnungsbauprogramm ersetzen, das
diejenigen mit anstaendigen Wohnungen versorgt, die sie tatsaechlich
benoetigen.
"Das amerikanische Volk ist sich voellig der grossen Ereignisse
bewusst, In die es verwickelt ist. Es ist bereit, alle vernuenftigen Forderungen, die gestellt werden, zu erfuellen. Es verlangt
ein Programm, das den Erfordernissen der Zeit gerecht werden kann.
Es wuenscht ein Programm, in dem die"gleiche Verteilung der Lasten
auf alle Schultern Grundsatz und nicht nur Schlagwort ist."
Mitteilungen des CIO
VIII/1/50
- 15 -

�CIO GEGEN KUERZUNO DES PUNKT-VI ER-PROGRAMMS
Der CIO hat den Bewilligungsausschuss des
die angekuendigte Kuerzung der Mittel fuer das
um 35 Millionen Dollar rueckgaengig zu machen,
mit ein nationales Bollwerk zu einem Zeitpunkt
mit einem Angriff gerechnet werden muesse.

Senats aufgefordert,
Punkt-Vier-Programm
da der Ausschuss dazerstoere, in dem

"Unseres Erachtens ist es im Interesse einer erfolgreichen
Aussenpolitik, zu der auch die Entwicklung in Korea gehoert, notwendig, die Geldmittel in voller Hohe zu bewilligen," heisst es in
einem Telegramm des CIO an den Vorsitzenden des Bewilligungsausschusses des Senats Kenneth McKeXXar.
Das Telegramm ist von dem Vorsitzenden des Internationalen
Komitees des CIO Jacob S. Potofsky und von Nathan Cowan, dem Direktor der Rechtsabteilung d'es CIO, unterzeichnet.
In seiner Stellungnahme zu den Handlungen des Bewilligungsausschusses erklaerte Potofsky:
"Die angekuendigte Kuerzung der Mittel fuer das Punkt-VierProgramm um 35 auf 10 Millionen ist ein typischer Fall 'einer voellig falschen Wirtschaftspolitik'.
"Keine amerikanische Gemeinde wuerde jemals "sparen", indem
sie ihre Feuerwehr aufloest - besonders wenn in einer Entfernung
von zwei Meilen ein Waldbrand ausgeborchen ist.
"Die Mitglieder des Bewilligungsausschusses des Senats koennen offenbar nicht begreifen, dass in ganz Asien ein ideologischer
und militaerischer Brand wuetet; es besteht die Gefahr, dass er
sich in den kommenden Monaten noch staerker ausbreitet.
"In vielen Teilen Asiens, Afrikas und Suedamerikas stallt das
Punkt-Vier-Programm eine erste Linie zur Verteidigung der demokratischen Lebensform dar. Hungrige, ausgebeutete Menschen koennen
und werden keine zuverlaessigen Verbuendeten in der Verteidigung
gegen totalitaere Aggressionen sein.
"Durch technische und humanitaere Projekte unseres Punkt-VierProgramms haben wir Millionen Menschen ein neues demokratisches Lebensziel gesetzt, ein Ziel, das auch uns in den kommenden Jahren
Nutzen bringen wird.
"Verbesserungen in der Landwirtschaft, Einfuehrung neuer technischer Methoden der industriellen Produktion, Massnahmen zum Schlitze
der Gesundheit - all dies sind wichtige Exportgueter unserer amerikanischen Demokratie. Wir haben die moralische Verpflichtung und
die politische Verantwortung, den Voelkern in rueckstaendigen Gebieten zu helfen, ihren Lebensstandard und ihre Lebensweise zu verbessern.
"Die gedankenlose und mutwillige Zerstoerung dieses Prograiums
durch unnuetze und falsche Sparmassnahmen kann nur dazu dienen,
die Sache der amerikanischen Demokratie zu schaedigen und der kommunistischen Infiltration und Aggression neue Wege zu eroeffnen.
"Im Namen von Millionen Mitgliedern des sCI0 richte ich an den
Senat die Forderung, so schnell wie moeglich diese verheerende Art
indirekter Hilfe fuer den Kreml einzustellen und die von Praesident
Truman angeforderten Mittel fuer das Punkt-Vier-Programm zu bewilligen, um den Mindestbedarf dieses Programms decken zu koennen."
- 16 -

HICOG R - l ^ l L H

Sectember 50 2 H

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
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III - 26

'

Frankfurt, 1. September 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Botschaften an die amerikanischen Gewerkschaften
zum Tag der Arbeit 1950 - - - - - - - - - - - 1
Hollaendische Gewerkschaften gegen kommunistische
Zweckstreiks - - - - - - - - - - - - - - - - 8
Rundfunksendung einer US-Gewerkschaft zum Tag
der Arbeit
- - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 1
Green und lSsany zum amerikanischen Verteidigungsprogramm
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 2
Der Generalsekretaer des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften, J. H. Oldenbroek, zum
Tag der Arbeit an die amerikanischen Gewerkschaften - - - - - - - - - - —
---- ---15
Eiler Jensen, Vorsitzender der daenischen Gewerkschaften zum Tag der Arbeit - - - - - - - - - - 1 6

BOTSCHAFTEN AN DIE AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN ZUM TAG DER ARBEIT

T93ö~
!,feurice J. Tobln, Arbeitsminister der Vereinigten Staaten:
Der Tag der Arbeit hat im Jahre 1950 eine besondere Bedeutung.
Er wird zu einer Zeit gefeiert, in der die Vereinigten Staaten den
Fehdehandsohuh des Totalitarismus angenommen haben und das Volk von
Sued-Korea und alle anderen Voelker, die von der kommunistischen
Aggression bedroht sind, verteidigen. Die Gewerkschaftsbewegung
hat sich mit ganzer Seele und mit aller Macht in diesen Kampf geworfen.
Die Gewerkschaftsbewegung ist frei und kann nur in einer Demokratie frei sein. Die amerikanischen Gewerkschaften sind sich bewusst, dass die Arbeiter in kommunistisch beherrschten Laendern nicht
frei sein koennen. Die freien Arbeiter wissen, dass sie es sich
selbst und ihren unterdrueckten Bruedem in den totalitaeren Laendern
schuldig sind, sich rueckhaltlos fuer den Kampf zur Sicherung der
Freiheit der Arbeiterschaft in allen Teilen der Welt zusammenzuschliessen.
- 1 -

�Die Amerikaner lieben den Frieden. Sie haben einen Geist internationaler Kameradschaft an den Tag gelegt, wie er nicht fuer
moeglich gehalten worden waere. Unsere Handlungen haben den Geknechteten und Unterdrueckten anderer Laender Hilfe und Hoffnung
gebracht. Wir sind damit zu Beschuetzern hilfloser Maenner und
Frauen auf der ganzen Welt geworden.
Wir lieben keine Verfolgungen und keine Tyrannei. Wir haben
uns schon vor vielen Jahren von jeder Unterdrueckung frei gemacht.
Wir"achten die Rechte eines freiheitsliebenden Volkes, Wir haben
niemals gezoegert, anderen zu den gleichen Rechten zu verhelfen.
Deshalb sind wir Sued-Korea zu Hilfe gekommen. Wir haben feierlich gelobt, ein Land, dessen Unabhaengigkeit von den Vereinigten Staaten anerkannt wurde, schuetzen zu helfen.
Die Vereinigten Staaten haben sich fuer die Erhaltung der Freiheit und des Friedens den unterdrueckten Menschen der Welt zur Verfuegung gestellt. Die Gewerkschaften haben ihre eigene grosse
Rolle in diesem Kampf zu spielen, der den Menschen die segensreichen Gaben der Demokratie sichern soll.
In dem Jahre, in dem sich der Geburtstag Samuel Gompers, der
sein Leben der Verteidigung der Rechte aller Arbeiter der Welt gewidmet hat, zum hundertsten Male jaehrt, strebt die Gewerkschaftsbewegung diesem grossen Ziele zu. Die Gewerkschaftsfuehrer von
heute haben das gleiche Ziel vor Augen. Die Gewerkschaftsbewegung,
die soviel Ungerechtigkeit und Elend kennen lernte, ist nicht nur
um ihrer selbst willen, sondern auch zum Schutze anderer auf der
Hut, die der brutalen Anmassung des Kommunismus in dieser ungluecklichen Welt ausgesetzt sind.
Mit allen, die Freiheit und Recht lieben, kaempfen die Gewerkschaften gegen die kommunistische Aggression, wann und wo sie auch
immer ihr abscheuliches Haupt erheben mag.
William Green, der Vorsitzende der AFL;
Der Tag der Arbeit dieses Jahres sieht die amerikanische Nation wieder vor schwere Aufgaben gestellt. Die Aggression des internationalen Kommunismus zwingt sie, durch ein umfassendes Verteidigungsprogramm die freien Nationen der Welt und die eigene vor
einem Ueberfall zu schuetzen. Wenn wir uns die schwierigen Probleme vor Augön halten, denen wir gegenueberstehen, kommen wir unwillkuerlich zu der Schlussfolgerung, dass die Erhaltung des Weltfriedens von ueberragender Bedeutung ist. Bei der Haltung, die
der Kreml einnimmt, besteht die einzige Garantie des Friedens darin,
dass wir auf eine "ueberlegene bewaffnete Streitmacht zaehlen koennen. Damit muss unsere nationale Wirtschaft aufs neue mit hoeheren
Steuern und wirtschaftlichen Kontrollen dieser kritischen Situation
ang3passt und dem riesigen und kostspieligen Verteidigungsprogramm
der Vorrang gegeben werden.
Soweit es sich um die organisierte Gewerkschaftsbewegung handelt, betrachten wir den Krieg als den groessten Feind der Menschheit, und keine Kosten werden uns zu hoch sein, wenn sie einen dritten Weltkrieg verhindern koennen.
Noch mehr als den Krieg hassen wir die Unterdrueckung. Die
Gewerkschaftsbewegung ist entschlossen, alles zu tun, um die Welt
davor zu bewahren, von der kommunistischen Aggression, der kommunistischen Sklaverei und der kommunistischen Zerstoerung ueberrannt
zu werden.

�Der amerikanische Gewerkschaftsbund AFL hat von Anfang an in
Sowjetrussland den Feind der freien und wirklichen Zivilisation gesehen. Er hat wieder und wieder vor der kommunistischen Aggression
gewarnt. Wir wiederholten staendig unsere Warnungen. Nicht nur
in unserem eigenen Lande, sondern auch in Suedamerika, Europa.und
Asien kaempften wir Jahr um Jahr gegen alle Versuche der Kommunisten, die Arbeiter der Welt zu unterjochen.
Endlich wird nun der kommunistische Verrat und die Gefahr der
kommunistischen Bedrohung in ihrem vollen Umfang allen Amerikanern
und allen freiheits- und friedensliebenden Menschen offenbar.
Trotz der Tragik, die in der koreanischen Invasion liegt, koennen wir fuer die Warnung dankbar sein, die damit an uns gerichtet
wurde, und die uns daran erinnert, was noch bevorstehen kann. Sie
bietet uns eine Gelegenheit, uns auf das vorzubereiten, was Sowjetrussland oder seine Satelliten noch im Schilde fuehren moegen.
Nun muessen alle Amerikaner mehr denn je gemeinsam denken, dienen und handeln. Ausserdem muessen wir die Menschen aller heute
noch freien Nationen dazu auffordern, uns zu helfen und mit uns in
vollendeter Zusammenarbeit zu handeln. In dem Weltkampf um die
Erhaltung des Friedens und der Demokratie be.noetigen wir jede verfuegbare Hilfe und die moralische Unterstuetzung derjenigen, die
wie wir an Gottes Gerechtigkeit glauben.
Amerikas groesste Staerke in dieser kritischen Zeit ist die
aufrechte Gesinnung seiner Arbeiter. Diese Gesinnung wiederum
haengt von der Freiheit der amerikanischen Arbeiter ab. Im vorigen
Krieg haben die freien amerikanischen Arbeiter durchaus bewiesen,
das3 sie die versklavten Arbeiter unserer Feinde in der Produktionsleistung weit uebertreffen konnten. Sie werden bei jeder kommenden
Gelegenheit diese Tatsache erneut unter Beweis stellen, vorausgesetzt, dass ihnen ihre Freiheit erhalten bleibt.
Bekanntlich gibt es in der amerikanischen Verfassunr ein Gesetz, das die Freiheit der amerikanischen Arbeiter untergraebt.
Die Arbeiter unseres Landes werden sich niemals mit den Freiheitsbeschraenkungen einverstanden erklaeren, die ihnen das Taft-Hartley
Gesetz auferlegt. Dieses schaendliche Gesetz ist ein maechtiges
PropagandaWerkzeug in den Haenden der Kommunisten. In ihren Propagandabotschaften an die Arbeiter in anderen Laendern weisen sie auf
dieses Gesetz hin und bezeichnen es als einen Beweis fuer die Unwahrheit der amerikanischen Behauptung, allen Buergern die gleiche
Behandlung zuzusichern.
Ich bin der Auffassung, dass die Abschaffung des Taft-Hartley
Gesetzes in unserem nationalen Verteidigungsprogramm die erste Stelle einnehmen muss. Dies wuerde den Arbeitern unseres Landes neuen
Mut geben und sie wie keine andere Massnahme anspornen, die ungeheuer grosse Aufgabe, die ihnen bevorsteht, in Angriff zu nehmen.
Ich kann mit voller Üeberzeugung aussprechen, dass die ^roduktionsschlacht im voraus zur Haelfte gewonnen waere, wenn der Kongress
jetzt das Taft-Hartley Gesetz rueckgaengig machen und es durch ein
gerechtes Gesetz ersetzen wuerde, unter dem Arbeiterschaft und Unternehmer ihre schweren Aufgaben zur Verteidigung des Landes ohne
Furcht vor einer Benachteiligung oder einseitigen Behandlung seitens der Regierung erfuellen koennen.
Die Grosskapitalisten und ihre maechtigen Verbuendeten im 81.
Kongress werden jedoch nicht freiwillig ihre Taft-Hartley Gemeinschaft zugunsten der Arbeiter aufgeben. Unsere Gewerkschaftsbewegung
- 3-

�hat deshalb die Pflicht, den Kampf zur Beseitigung dieses Gesetzes
mit verdoppelter Energie bis zu unserem Siege weiterzufuehren.
Wir koennen diesen Kampf gewinnen, wenn die arbeitenden Maenner und Frauen Amerikas und ihre wahlberechtigten Familienmitglieder
und Freunde bei den Kongresswahlen im November ihre Stimme abgeben.
Wenn die Wahlbeteiligung der Arbeiter hundertprozentig ist, wird
es keine Schwierigkeiten bereiten, das Taft-Hartley-Gesetz zu beseitigen, und damit waere der Sieg ueber zahlreiche Reaktionaere und
die Wahl eines wahrhaft demokratischen 82. Kongresses gesichert.
Die Arbeiter schliessen sich enger zusammen, um dieses Ziel zu
erreichen und das Verteidigungsprogramm erfolgreich durchfuehren zu
koennen.
Zum erstenmal in den letzten 15 Jahren versprechen die Verhandlungen ueber die Einigung der AFL und des CIO Erfolg. Hoffen wir,
dass in dem kommenden Jahr eine einzige, vereinigte Gewerkschaftsbewegung in Amerika zusammengeschmiedet wird, die mit neuer Staerke
und groesserer Macht, die dem Zusammenschluss fuer die gemeinsame
und grosse Sache entspringt, die Rechte der Arbeiter wahren und die
Demokratie erfolgreich verteidigen kann.
Vincent Tewson, Generalsekretaer des Britischen Gewerkschaftsbundes
(TUC):
Der Tag der Arbeit in Amerika faellt in diesem Jahre in eine
Zeit schwerer internationaler Krisen. Im Namen der organisierten
Arbeiter Grossbritanniens versichere ich unseren Gewerkschaftskolle?en in Amerika, dass in dieser Krise ihre Sache die unsrige ist.
Es ist die Sache der Vereinten Nationen, die wir alle als ein Mittel
zur Erhaltung der Ordnung und des Gesetzes auf der ganzen Welt unterstuetzen.
Im Kriege standen wir Schulter an Schulter, wir brachten gemeinsam unzaehlige Opfer. Der kalte Krieg fand uns ebenfalls Seite
an Seite, und wieder stehen wir zusammen, um unsere Kraefte zu mobilisieren, damit wir der Aggression begegnen koennen.
Von Eurer Seite aus darf nicht uebersehen werden, dass es dem
Marshall-Plan zu verdanken ist, wenn wir heu'te mit Euch als Partner
in den Vereinten Nationen kaempfen und unserem Wollen Nachdruck
verleihen. Urteilt selbst, wie weit es den europaeischen Nationen
ohne diese Wiedergesundung moeglich gewesen waere, ihre Solidaritaet
in der Un'terstuetzung der von den Vereinten Nationen in Korea unternommenen Schritte zu demonstrieren. Wenn das Europaeische Wiederaufbauprogramm nicht so weit vorangetrieben waere, wuerde die Zukunft
fuer uns alle weit aussichtsloser sein.
Im Verlauf dieses Jahres ist viel getan worden, um die Freundschaft und Zusammenarbeit der amerikanischen und britischen Gewerkschaftsbewegungen zu foerdern. Seitdem ich im vorigen Jahre am Tag
der Arbeit zu Euch sprach, sind unsere gemeinsamen Bemuehungen, eine
wirksame internationale freie GewerkschaftsOrganisation der Welt zu
gruenden, von Erfolg gekroent worden.
Unser Internationaler Bund Freier Gewerkschaften unterstuetzt
aktiv den Kampf der freien Voelker der '.Veit zur Erhaltung ihrer Freiheit. In dieser harten Auseinandersetzung der Ideen, die alle Formen bewaffneter Konflikte uebertrifft, teilen wir die Auffassung
unserer Gewerkschaftskollegen in den Vereinigten Staaten, dass Wahrheit und Gerechtigkeit bestehen wird, wie lange dieser Kampf auch
dauern mag, und selbst wenn dieser Krieg keine Loesung schafft.

�An Eurem Tag der Arbeit sind unsere Gedanken mit Euch. Fuer
uns sowohl als auch fuer Euch ist es ein Tag, der neuen und dringenden Aufgaben gewidmet ist und der die kameradschaftliche Verbundenheit erneuern soll, die uns in unserer Hoffnung und unserem Glauben,
dass eine bessere und gluecklichere Welt aufgebaut werden muss und
aufgebaut werden wird.
Karl Malsel, Praesident der Metall- und Bergarbeitergewerkschaft
Oesterreichs: "
Ich freue mich, im Namen der Metall- und Bergarbeitergewerkschaft Oesterreichs den amerikanischen Arbeitern die allerbesten
Gruesse und Wuensche zum Tag der Arbeit uebermitteln zu koennen.
Wir wissen die grossen Erfolge der drei amerikanischen Metellarbeitergewerkschaften und der Bergarbeitergewerkschaft zu schaetzen.
Wir Berg- und Metallarbeiter-Oesterreichs wissen, wie schwer es
war, diese Ziele zu erreichen.
Die letzten erfolgreichen Kaempfe der Berg- und Automobilarbeiter haben uns erneut die Macht der amerikanischen Gewerkschaften vor
Augen gefuehrt. Der hohe Lebensstandard amerikanischer Arbeiter ist
der beste Beweis fuer ihren Kampfgeist. Ihr seid die Garanten der
demokratischen Freiheit in Eurem eigenen Lande und ein Verbuendeter
in dem Freiheitskampf der ganzen Welt.
Ich gruesse herzlichst alle amerikanischen Arbeiter und hoffe,
dass sie durch ihre Gewerkschaften weitere Fortschritte erzielen
werden.
Fotis Makris, Sekretaer des Allgemeinen Gewerkschaftebundes Griechenlands :
Heute, wie im vorigen Jahre, nimmt die Arbeiterschaft Griechenlands, vertreten in ihrer obersten Gewerkschaftsorganisation, mit
ganzen Herzen an der Feier des Tages der Arbeit ihrer Brueder in
den Vereinigten Staaten teil.
Die vergangenen Jahre haben dazu beigetragen, die engen Bande,
die die Arbeiterschaft unserer beiden befreundeten und verbuendeten
Nationen umschliessen, weiter zu staerken. Die beiden freien Gewerkschaftsbewegungen sind sich im letzten Jahre durch ihre Teilnahme an der Gruendung des IBFG naehergekonmen, der Organisation,
auf die die Blicke aller freien Arbeiter der Welt gerichtet sind,
die sich in ihrem Kampf um Brot, Freiheit und Frieden vereinigt
haben.
In diesem Jahre haben es die Arbeiter der Vereinigten Staaten,
getreu den Grundsaetzen der Atlantik Charta und der Unabhaengigkeitserklaerung und getreu den Grundsaetzen des IBFG, unternommen,
die Freiheit und Demokratie der Welt mit ihrem Blute zu verteidigen.
Sie kaempfen in heroischer Weise im Namen der Vereinten Nationen,
um die neue brutale Aggression abzuwehren, die die roten Faschisten
angezettelt haben.
Die gesamte amerikanische Nation steht bereit. Die Fabriken
arbeiten intensiv, um Waffen der Freiheit zu produzieren, die es
den demokratischen Voelkern ermoeglichen werden, ihre Unabheengigkeit gegen die Bedrohung brutaler Gewalt zu verteidigen.
Die Arbeiter Griechenlands, die noch bis vor kurzen ihr Blut
fuer das gleiche hohe Ziel hingaben, und die noch immer den gleichen
- 5-

�verraeterischen und verbrecherischen Feind gegenueberstehen, verfolgen mit Bewunderung und Stolz die Beschluesse ihrer tanferen
Brueder in den Vereinigten Staaten. Sie uebermitteln ihnen durch
mich an diesem Tag der Arbeit ihre herzlichsten, bruederlichen
Gruesse.
Glarence Hunter, Leiter der SCA-Mission fuer Holland:
Als Leiter der SCA-Mission in Holland moechte ich Euch, amerikanische Arbeiter, die Gruesse Hollands zum Tag der Arbeit uebermitteln und Euch einige Worte ueber einen Eurer wertvollsten Verwendeten, die hollaendische Gewerkschaftsbewegung, sagen. Die
demokratische Gewerkschaftsbewegung Hollands wird von einer Million
Mitglieder getragen. Ihre Fuehrung ist eine der dynamischsten
und fortschrittlichsten in Westeuropa, die standhaft an der Verwirklichung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Ziele des
Marshall-Plans mitarbeitet.
•

In gemeinsamem Streben nach Frieden ist die hollaendische Gewerkschaftsbewegung mit dem amerikanischen Volke eng verbunden.
Die N W , die sozialistische Gewerkschaft Hollands, vertritt 40% der
gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Hollands. Sie hat gerade
eine Reihe von Massenkundgebungen in ganz Holland abgehalten, um
gegen die kommunistische Aggression in Korea zu protestieren und
die freie arbeitende Menschheit der ganzen Welt zur Unterstuetzung
der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen im Fernen Osten
zusammenzuschliessen. Als erste der groesseren europaeischen Gewerkschaften hat sie die Entscheidung des Sicherheitsrates in Korea
gebilligt.
Die Funktionaere der hollaendischen Gewerkschaften und die
Bereitwilligkeit der Arbeiterschaft Hollands, die wirtschaftliche
Vereinigung und die europaeische Zahlungsunion zu foerdern, lassen
mich auf eine Zukunft hoffen, in der die amerikanischen und hollaendischen Arbeiter geraeinsam an der Erringung anstaendiger Lebensverhaeltnisse in einer friedlichen Welt arbeiten werden, die jenes Ungeheuer nicht mehr kennt, das sie heute bedroht.
Paul G. Hoffman. Administrator der Verwaltung fuer Y.'irtschaftliche
Zusammenarbeit (SCA):
Am Tag der Arbeit gruesse ich die amerikanischen Gewerkschaften
und die freien Gewerkschafter Europas. Die zunehmende internationale
Zusammenarbeit der freien Gewerkschafter der Welt ist ein ermutigendes Zeichen in dieser unruhigen Zeit. Ich bin der Auffassung, dass
diese internationale Zusammenarbeit, die besonders in der Gruendung
des IBFG zum Ausdruck kommt, unseren Kampf gegen die kommunistische
Aggression in den kommenden Jahren in zunehmendem Masse unterstuetzen
.vird. Ich moechte bei dieser Gelegenheit meine hohe Anerkennung zum
Ausdruck bringen, die ich der hervorragenden Zusammenarbeit am Marshall-Plan seitens der amerikanischen und nicht-kommunistischen Gewerkschaf tsbevvegungen Europas zolle; denn vieles, was wir erreicht
haben, waere ohne diese Hilfe unmoeglich gewesen.
Philipp Murray, Vorsitzender des CIO:
Am Tag der Arbeit 1950 sind die amerikanischen Arbeiter entschlossen, alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um die Kraefte
der Demokratie in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt
zu staerken. Wir sind uns darueber im klaren, dass die kommunistische Aggression in Korea oder anderswo gestoppt werden muss. Wir
sind aber ebenso entschlossen, Armut und wirtschaftliche Unsicher- 6-

�heit, jene Agenten der fuenften Kolonne des Kommunismus, zu beseitigen.
Der CIO wird in dem kommenden Jahre fortfahren, den IBFG und
die demokratischen Gewerkschaftsorganisationen in jedem Lande mit
allen Mitteln zu unterstuetzen. Durch internationale Zusammenarbeit der Gewerkschaften und durch die Fortsetzung konstruktiver
Wirtschaftsprogramme, wie das Europaeische Wiederaufbauprogramm
und das Punkt-Vier-Projekt, wird die amerikanische Gewerkschaftsbewegung dazu beitragen, die Kraefte des Gewerkschaftswesens und der
Demokratie ueberall in der freien Welt zu staerken.
Das ist unser Versprechen und unser Ziel.
A. F. Lyon, geschaeftsfuehrender Finanzsekretaer des Bundes der
Eisenbahnergewerkschaft:
Anlaesslich des Tages der Arbeit in Amerika, am 4. September,
uebermitteln die Eisenbahnergewerkschaften der Vereinigten Staaten
allen Mitgliedern der freien und demokratischen Gewerkschaften
Westeuropas ihre bruederlichen Gruesse und besten Wuensche. Wir
bringen die Hoffnung und die Ueberzeugung zum Ausdruck, dass die
Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstuetzung durch den IBFG und
den internationalen Transportarbeiterverband fortgesetzt und gesteigert wird.
A. L. Hayes, Praesident de3 Internationalen Metallarbeiterverbandes:
Der Tag der Arbeit in den Vereinigten Staaten ist ein Beweis
dafuer, dass Gewerkschaftswesen mehr bedeutet als hoehere Loehne
und kuerzere Arbeitszeit. Es ist die Wuerde unserer Arbeit, die
Achtung vor unserem Koennen und die gerechte Behandlung des Arbeiters, die an diesem Tage gewuerdigt wird.
Aufrechte Gewerkschaften, die nicht von einer Regierung bevormundet werden, koennen nicht unter einer Diktatur gedeihen, ob sie
sich nun nazistisch oder kommunistisch nennt* Aus diesem Grunde
haben wir unserer Regierung unsere volle Unterstuetzung zu Kause,
am Arbeitsplatz und auf dem Schlachtfeld zugesagt.
Praesident Truman hat die Vorgaenge in Korea als einen Kampf
um eine Welt bezeichnet, in der alle Menschen in Frieden und Freiheit unter sich staendig verbessernden Lebensbedingungen und unter
selbstgewaehlten Regierungen leben koennen.
Darum kaempfen wir Gewerkschafter.
Konrad Nordahl, Vorsitzender des norwegischen Gewerkschaftsbundes:
Am Tag der Arbeit gruesse ich die amerikanischen Arbeiter. Die
gemeinsamen Ziele der Gewerkschaften haben stets gemeinsame Bande
geschaffen, und besonders im letzten Jahr sind diese Bande zwischen
der amerikanischen und der norwegischen Gewerkschaftsbewegung immer
enger geknuepft worden. Diese Beziehungen haben ihren Niederschlag
in einer engen internationalen gewerkschaftlichen Zusammenarbeit gefunden, deren organisatorischen Hoehepunkt der Internationale Bund
Freier Gewerkschaften bildet. Wir Gewerkschafter Norwegens anerkennen und schaetzen die Unterstuetzung des Marshall-Plans durch die
amerikanischen Arbeiter; wir sehen in diesem Plan ein Mittel zum
Wiederaufbau Norwegens und Europas. Der Wiederaufbau ist in unseren
- 7-

�Augen fuer Frieden und Sicherheit von
ausschlaggebender Bedeutung. Wir haben
zusammen mit den amerikanischen Gewerkschaften durch unsere Regierungen den
Atlantik-Pakt als ein Mittel zur Erhaltung unserer Sicherheit als demokratische Nation nachdruecklich unterstuetzt.
In der gegenwaertigen Weltkrise,
die sich in den Vorgaengen in Korea abspiegelt, stehen wir an ihrer Seite zur
Unterstuetzung der Vereinten Nationen,
die die kleinen Nationen gegen Angriffe von aussen verteidigen. Wir sind
der Auffassung, dass mit dem wirtschaftlichen Wiederaufbau die Schaffung und
Erhaltung einer freien Gesellschaftsordnung Hand in Hand gehen muss, in der
freie Gewerkschaften in demokratischer
Weise die Arbeiter in ihrer Forderung,
diese Probleme zu loesen, vertreten
koennen.
In dieser Botschaft an die amerikanische Gewerkschaftsbewegung moechte
ich zum Ausdruck bringen, dass die norwegische Gewerkschaftsbewegung zusammen mit den amerikanischen Gewerkschaften entschlossen fuer den Aufbau
einer freien Welt sich einsetzt, in
der Sicherheit und Freiheit grundlegende und wesentliche Faktoren sind.
Durch unsere internationale Zusammenarbeit und die verschiedenen Organisationen unserer Regierungen, in denen wir
eine aktive Rolle spielen, koennen wir
in gegenseitiger Zusammenarbeit zur
Erreichung dieses Zieles beitragen.
HQLLAENDISCHE GEWERKSCHAFTEN GEGEN KCdk
MÜNISTISCHE ZWECKSTREIKS
Der hollaendische sozialistische
Gewerkschaftsbund, in dem 40$ der Arbeiter Hollands organisiert sind, fasste
die folgende Resolution gegen den Kommunismus, die auf sieben Massenkundgebungei
zur Diskussion stehen wird, die Anfang
September abgehalten werden. Die Resolution lautet:
Die grosse Mehrheit des hollaendischen Volkes lehnt, wie alle anderen
demokratischen Voelker, Krieg und Militarismus ab. Die kommunistische Beschuldigungen, dass die demokratischen
Voelker aggressive Absichten gegen den
Sowjetblock hegten, muss deshalb als
falsch und aufwieglerisch zurueckgewiesen werden. Das Vorhandensein starker
Gewerkschaftsbewegungen und sozialistischer Parteien in einer freien demokratischen Welt muesste einer wirklich sozialistischen Regierung in Sowjtetrusslam
- 8-

�eine ausreichende Garantie dafuer sein,
dass sie keinen bewaffneten Angriff
zu befuerchten haben.
Den Kampf, den der hollaendische
Gewerksohaftsverband mit aller Macht
sowohl auf nationaler als auch auf
internationaler Ebene gegen die kommunistische Weltanschauung, die sich
der Diktatur und Unterdrueckung bedient, zu fuehren beabsichtigt, muss
und wird mit moralischen Waffen gefuehrt werden.
Dieser Kampf kann nur erfolgreich zu Ende gefuehrt werden, wenn
es der nichtkommunistischen Welt gelingt, eine soziale Wirtschaftsordnung zustande zu bringen, die sich
auf Freiheit und soziale Gerechtigkeit stuetzt.

Paul Flnet
Vorsitzender des Internationalen Freien Gewerkschaftsbundes

Der von den zahlenmaessig ueberlegenen Kraeffien der Nordkoreaner,
die von Sowjetrussland ausgeruestet
und ausgebildet sind, vom Zaun gebrochene Angriff gegen die Republik
Korea zeigt, dass die kommunistischen und insbesondere die russischen Diktatoren den Kampf der sich
widerstrebenden Weltanschauungen mit
Waffengewalt fuehren wollen.
Die Gewerkschaftsbewegung hat
sich verpflichtet, nicht nur Frieden,
sondern auch Freiheit, Demokratie
und nationale Unabhaengigkeit anzustreben.
Die Erfahrung der sogenannten
Muenchener Politik in den Dreissiger Jahren hat gezeigt, dass der
Friede nicht gesichert werden kann,
wenn man sich mit einer Aggression
abfindet, sondern dass diese Politik die Aggressionsgefahr sogar noch
vergroessert. Nur ein System kollektiver Sicherheit, bietet eine
Moeglichkeit zur Erhaltung des Friedens und der Freiheit.
Jede Nation, deren Existenz durch
eine Aggression bedroht ist, hat Anspruch auf die Unterstuetzung und
Hilfe aller friedliebenden Voelker.
Indem diese Voelker ihre Hilfe anbieten, erklaeren sie sich in keiner
Weise mit dem politischen oder sozialen Wirtschaftssystem solidarisch,
das in den angegriffenen Laendern
tonangebend war.
Der niederlaendische Gewerkschaftsbund billigt deshalb die Beschluesse des Sicherheitsrates der
- 9-

J . H. Oldenbroek
Generalsekreteer des I.F.G.B.

Irving Brown
Europa-Vertreter der CIO,
der amerikanischen Industriegewerkschaften

�Vereinten Nationen und die militaerische und sonstige Unterstuetzung,
die der angegriffenen Republik Korea geleistet wird.
Ein neuer Weltkrieg;kann nur verhindert werden, wenn die durch
den Angriff der Nordkoreaner hervorgerufene Provokation, die von
den russischen Herrschern stillschweigend oder ausdruecklich gebilligt wird, auf die feste Entschlossenheit der friedens- und freiheitsliebenden Voelker trifft, Widerstand zu leisten und die groessten Opfer zu bringen.
Den Bemuehungen des hollaendischen Gewerkschaftsbundes, die
von den Kommunisten gefuehrten Streiks in Holland durch Anwendung
des Boykotts und schwarzer Listen derjenigen Arbeiter, die sich weigern, an ihren Arbeitsplatz zurueckzukehren,zu verhindern, wurde
am Samstagabend in einer Rundfunkansprache des Premierministers
Dr. Willem Drees Nachdruck verliehen. In einem Rueckblick auf die
Erfolge der letzten fuenf Jahre, in denen industrieller Friede
herrschte, zu dem die hollaendischen Gewerkschaften, Unternehmer
und Regierung beigetragen haben, erklaerte Dr. Drees, dass die Kommunisten mit diesen Streiks versuchten, diese Harmonie zu stoeren,
die ihnen ein Dorn im Auge sei. Dr. Drees beschuldigt den Kommunismus, versucht zu haben, das wirtschaftliche Leben Hollands fuer ihre
eigenen Zwecke zu stoeren, genau so wie sie es in anderen europaeischen Laendern getan haetten. Er erklaerte, dass ihnen jedes Mittel
recht sei, um Holland zu ihrem eigenen Nutzen zu ruinieren.
Die Regierung wird alles tun, was in ihrer Macht steht, um den
Schaden zu beheben, den die Streiks in unserem Wirtschaftsleben angerichtet haben. Sie wird jedoch nicht von ihrer Forderung abweichen, dass die Arbeitsbedingungen in Verhandlungen mit den anerkannten Gewerkschaften geregelt werden muessen. Weder mit der kommunistischen Gewerkschaft EVG, noch mit dem sogenannten "Aktionskomitee'',
hinter dem sich diese Gewerkschaft verbirgt, werden Verhandlungen
gefuehrt werden. Ob sich diese inoffiziellen Streiks ausbreiten
werden oder nicht, ob sie von langer oder nur von kurzer Dauer sein
werden, das wird in keiner Weise die Haltung der Regierung beeinflussen.
Dr. Drees erklaerte unumwunden, dass der Staat Amsterdam nicht
mehr mit Baumaterialien beliefern wuerde, wenn der Bauarbeiterstreik
dort fortgesetzt wuerde. Er wies auf den Schaden hin, der dem Handel von Amsterdam und Rotterdam durch die dortigen Schiffahrtstreiks
zugefuegt wurde. Er forderte die Arbeiter auf, zu ihren Arbeits^laetzen* in dieser Woche zurueckzukehren und sagte, dass sie mit aller
Macht gegen Bedrohungen und Terror geschuetzt wuerden. In den totalitaeren Laendern, die die Kommunisten "Volksdemokratie" zu nennen
pflegten, sei jeder Streik ein strafbares Verbrechen, fuer das jeder
Arbeiter unweigerlich mit Konzentrationslager bestraft wuerde.
Hunter, der Leiter der ECA-Mission, beglueckwuenschte Drees telefonisch zu seiner Rede. Die kommunistische Gewerkschaft EVC hatte
bekanntlich gefordert, dass der kommunistisch beherrschte Y.'eltgewerkschaftsbund alle hollaendischen Schiffe boykottiere.
.Heute wird berichtet, dass 2500 Dockarbeiter in Rotterdam unter Polizeischutz ihre Arbeit wieder aufgenommen haben, und dass
der dortige Streik als gebrochen angesehen werden kann. Ueber
den Abbruch anderer Streiks wird noch verhandelt.
Fernschreiben Paris
VIII/24/50
- 10 -

�RUNDFUNKSENDUNG EINER US GEWERKSCHAFT ZUM TAG DER ARBEIT
Am Tag der Arbeit 1950 wird ein dramatisches Hoerspiel ueber
den amerikanischen Rundfunk gesendet, das den Aufbau und die Entwicklung einer amerikanischen Gewerkschaft, des Internationalen Metallarbeiterverbandes, schildert. Diese Veranstaltung ist voellig neu
in der Geschichte tfe3 Rundfunks. Der Keld dieses Hoerspiels ist
ein Metallarbeiter frueherer Zeiten, genannt- "Booner Jones", der
Tausende tapferer Maenner verkoerpert, die gelitten und Opfer gebracht haben, um diese Gewerkschaft aufbauen zu koennen.
Eine Reihe bekanntester Hollywood Stars haben ihre Zeit und
ihr Talent zur Verfuegung gestellt, damit allen Amerikanern vor
Augen gefuehrt werden kann, in welchem Masse Maschinisten und Mechaniker gekaempft haben, um eine Gewerkschaft, die das Recht der Tarifverhandlung besitzt, gruenden zu koennen. Zu den Filmstars dieses
Hoerspiels, - die uebrigens selbst alle Gewerkschaftsmitglieder sind gehoeren Brian Donlevy, der aus mehr als 60 Filmen bekannt ist, wie
z.B. "Wake Island", "The Big Haireut", "Command Decision", "Impact"
und viele andere. Beteiligt ist weiter William Holden, der sich in
"Golden Boy" einen Namen machte und in "Our Town", "Arizona", "The
Fleet's In" und "Born Yesterday" als Hauptdarsteller mitwirkte.
Schliesslich sei Marie McDonald genannt, die u.a. in den Filmen
"Guest in the House," "Getting Gertie's Garter" und "Kit Parade of
1951" die HauDtrolle spielte.
Direktor Mel Ferrer hat bereits Rundfunkprogramme wie "The Hit
Parade", "Mr. District Attorney" und "The Hildegarde Show" geleitet.
Er ist Filmdirektor und selbst Filmschauspieler. In dem Film "The
Brave Bulls", der in Kuerze erscheinen wird, spielt er die Hauptrolle.
Die Musik fuer diese Sendung des Metallarbeiterverbandes wurde
von David Raskin, einem der besten aus Hollywood, komponiert und
dirigiert. Seiner Feder entstammt die musikalische Gestaltung der
Filme "Laura", "The Secret Life of Walter Mitty" und vielen anderen
mehr.
Verfasst wurde "Boomer Jones" von Morton Wishengrad, einem der
ersten Rundfunkdramatiker Amerikas. Er war massgeblich an den Texten fuer "Cavalcade of America", "Words at War", "They Call Me Joe"
und ""\'e Came this Way" beteiligt. Er stellt ausserdem das Sonntagsprogramm das NBC "The Eternal Light" zusammen. Er gewann mit
"Communist-US Brand" 1948 den ersten Preis fuer Rundfunkverfasser.
Produzent Morris Novik hat sich seit langem dafuer eingesetzt,
dass die Gewerkschaften einen regeren Gebrauch der Rundfunkmoeglichkeiten machen. Novik ist Rundfunkberater der AFL, der gewerkschaftlichen Vereinigung fuer politische Erziehung, der internationalen
Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft und der Automobilarbeitergewerkschaft (CIO).
Drei grosse Gewerkschaften auf dem Gebiet der Unterhaltung,
naemlich die Schauspielergewerkschaft, der amerikanische Verband der
Kuenstler des Rundfunks und die Musiker haben ihre volle Unterstuetzung
und Mitarbeit zugesagt, um dieses dramatische, halbstuendige Rundfunkhoerspiel fuer den Metallarbeiterverband zu ermoeglichen.
Die Vorbereitungen fuer diese Sendung haben acht Monate gedauert. Sie wurde von dem Exekutivausschuss des Internationalen Metallarbeiterverbandes angeordnet, um den Amerikanern ein Rundfunkprogramm
zu bieten, das ihnen helfen soll, Verstaendnis dafuer aufzubringen,
was Mitgliedschaft im Internationalen Metallarbeiterverband bedeutet.
- 11 -

�••Boomer Jones" ist ein Hoerspiel, dem die wirkliche Geschichte
des Internationalen Metallarbeiterverbandes von ihren fruehesten Anfaengen an zugrundeliegt. Brian Donlevy wird die Geschichte eines
Metallarbeiters namens Eddie Jones (William Holden) und seiner Frau
Maggie (Marie MacDonald*) erzaehlen.
The Machinist
7111/17/50
GREEN UND MEANY ZUM AMERIKANISCHEN*VERTEIDIGUNG^PROGRAMM
Auf der Sitzung des Gewerkschaftsverbandes des Staates New York
nahmen William Green und George Meany, Vorsitzender bzw. Haupt-Kassie
rer der AFL, zu der Frage Stellung, welche Richtung die Gewerkschaften in ihren Bemuehungen zur Durchfuehrung des Verteidigungsprogramms
der Nation einzuschlagen haben.
Green erklaerte, dass die Loyalitaet der amerikanischen Arbeiter
in kritischen Zeiten immer die groesste Staerke dieses Landesn gewesen sei. Zur Aufmunterung der Arbeiter Amerikas forderte er als
erste Massnahme unseres nationalen Verteidigungsprogramms die sofortige Aufhebung des Taft-Hartley-Gesetzes. Dieses schaendliche Gesetz, w versicherte Green, "ist ein ausgezeichnetes Propagandawerkzeug in den Haenden der Kommunisten. Sie weisen in ihren Propagandabotschaften an die Arbeiter anderer Laender auf dieses Gesetz hin,
um damit die Unrichtigkeit der amerikanischen Behauptung zu beweisen, dass allen Buergern Amerikas die gleiche Behandlung zuteil
wuerde." Green schloss seine Rede, indem er der Hoffnung Ausdruck
gab, dass "die organische Gewerkschaftseinheit nicht in allzuweiter
Ferne liegen moege," und er prophezeite ein hoechst wirksames Produktionsprogramm in einer vereinigten Gewerkschaftsbewegung.
Meany erklaerte: "Ich zweifle nicht daran, dass sich die Arbeiterschaft, wenn es an der Zeit ist, verpflichten wird, nicht zu
streiken. Wie steht es jedoch mit dem Versprechen der Handelskammer
und der Arbeitgebervereinigung der Vereinigten Staaten, keine uebermaessigen Profite zu dulden?"
Weekly Labor News Digest
VIII/2/50
BRITISCHE GEWERKSCHAFTEN-BEN OETIGEN PRODUKT IONS EXPERTEN
Es ist hoechste Zeit, dass die grossen Gewerkschaften ihre eigenen Produktionsexperten erhalten. Der Britische Gewerkschaftsbund
(TUC) selbst muesste einen technischen Stab beschaeftigen, der den
Gewerkschaften dabei hilft, Abteilungen fuer Produktionsfragen zu
errichten, und anderen Gewerkschaften technische Unterstuetzung leistet, die zu klein sind, um sich eigene Experten leisten zu koennen.
Zehn Gewerkschaftsfunktionaere brachten diese Vorschlaege den Arbeitern und ihren Organisationen gegenueber offen zum Ausdruck. Zwanzig weitere Vorschlaege stammen ebenfalls von ihnen.
Zu den Funktionaeren gehoeren Vorsitzende, Generalsekretaere,
Mitglieder der Exekutivausschuesse. und regionale Organisatoren aus
zehn bedeutenden Gewerkschaften der Techniker, Berg-, Bau- und Textilarbeiter.
Die in dem Bericht zum Ausdruck gebrachten Ansichten dieser
Funktionaere stellen in keinem Falle die ihrer Gewerkschaften dar.
Sie wurden nach langen Unterredungen im Anschluss an ihre eigenen
- 12 -

�selbstaendigen Untersuchungen unabhaengig voneinander niedergeschrieben. Der TÜC hat bei der Veroeffentlichung dieses Berichtes
lediglich als Vermittler fuer diese Besuchergruppe gehandelt.
Es sind genuegend Beweise dafuer vorhanden, dass die britischen Gewerkschaften fortwaehrend den Wunsch haben, Spezialisten
zu Rate zu ziehen und sogar zu ernennen.
Vor dem Kriege gab es in vielen fuehrenden Geschaeftsstellen
der Gewerkschaften Experten auf dem Gebiet der Arbeiterunfallversioherung. Sie bildeten einen Stab, aus dem sich in den groesseren Gewerkschaften Rechtsabteilungen entwickelt heben. Rechtsberater wurden hinzugezogen, wenn schwierige Rechtsfragen zu klaeren
waren, und medizinische Berater, wenn es sich um Berufskrankheiten
und Verletzungen handelte.
Einige Gewerkschaften verfuegen nun ueber kleine Abteilungen,
deren Arbelt sich auf die Ausdehnung erzieherischer Taetigkelten
konzentriert, waehrend in vielen anderen Wirtschaftler, Statistiker und Forschungsexperten ausgebildet wurden, die mithelfen, die
Richtlinien der Gewerkschaften zu entwickeln und die Forderungen
nach besseren Loehnen und Arbeitsbedingungen ueberzeugend zu formulieren.
Auf allen diesen Gebieten stehen die Faohabteilungen des
TUC und seine Ausschuesse den angeschlossenen Gewerkschaften und
besonders denen, die aus Mangel an Mitteln keine eigenen technischen Experten beschaeftigen koennen, beratend zur Seite.
Eine Bewegung jedoch, die bemueht ist, den Arbeitern das Recht
zu sichern, sich an der Leitung der Industrie in immer wirksamerer
Form zu beteiligen, und fuer die sich taeglioh innerhalb der Betriebe Probleme im Zusammenhang mit Bewegungsstudien, Leistungsloehnen, Arbeitsauswertung, neuen industriellen Verfahren und den
Tricks und Methoden einer angeblich wissenschaftlichen BetriebAeitung ergeben, wird selten zu dem industriellen Berater gehen, um
sich Informationen und Ratschlaege einzuholen.
Gleichzeitig mit dem Wunsch einer staendigen Vollbeschaeftigung und eines steigenden Lebensstandards haben sich die Arbeiter
durch ihre Gewerkschaften damit einverstanden erklaert, dass ihre
Industrien moderner und leistungsfaehiger werden muessen. Sie sind
damit einverstanden, dass in Ermangelung groesserer Reserven an
Arbeitskraeften, auf die die Industrie zur Erledigung von Extraauftraegen zurueckgreifen kann, die hoehere Produktion dadurch ermoeglicht werden muss, dass das berufliche Koennen der Beschaeftigten
eine bessere Verwendung findet. Sie haben sich einverstanden erklaert, durch ihre Gewerkschaften und die gemeinsamen Produktivitaetsausschuesse die Bestrebungen zur Steigerung der Produktionsleistung zu unterstuetzen.
Die Gewerkschaften sind sich ueber das "Warum" der Produktionsleistung einig geworden - das heisst, mehr Waren zu niedrigeren Preisen und bessere und billigere Dienstleistungen. Nun haben
sie sich mit dem "Wie" zu beschaeftigen.
Die zehn Funktionaere, deren Berichte von den Gewerkschaften
zur Zeit geprueft werden, sind sich ueber die Methoden und die
Gruende im klaren.
Wo mit der fortschrittlichen Einstellung der Unternehmer gerechnet werden kann, die in der Modernisierung ihrer Werkstaetten
und in der Umgestaltung ihrer Produkt!onsmethoden zum Ausdruck
- 13 -

�kommt, muessen auoh die Gewerkschafter in der Lage sein, fuer die
neuen Entwicklungen Verstaendnis aufzubringen und die Schwierigkeiten und Vorteile der Vorschlaege zu sehen, die sich im Laufe gemeinsamer Beratungen ergeben, und sie muessen dafuer sorgen, dass
die Verdienstmoeglichkeiten verbessert und nicht gekuerzt werden.
In Paellen, in denen sich die Unternehmer mit alten, unguenstigen Methoden zufriedengeben, durch die die Preise hochgehalten
werden, muessen die Gewerkschaften die Initiative ergreifen, um
die Leistungsfaehigkeit steigern zu koennen.
Durch Wochenend- und Sommerschulkurse kann in dieser Hinsicht
viel getan werden, um den Gewerkschaftsmitgliedern die Vorzuege
der Vollbeschaeftigung zu erklaeren. Damit wird dem einsichtigen
Gewerkschafter geholfen werden, seine eigene Industrie im Lichte
der wirtschaftlichen Lage seines Landes zu sehen.
Fuer das Verstaendnis der Probleme seines eigenen Arbeitsplatzes braucht der Arbeiter jedoch genauere Instruktionen. Er
wird wissen wollen, wie sich Vorschlaege zu Bewegungsstudien, zu
Betriebsvergroesserungen oder zu der Elnfuehrung neuer Maschinen
auf seinen Lohn und den seiner Kollegen, sowie auf seinen Arbeitsaufwand auswirken werden. Er wird wissen wollen, welche Anforderungen die neue Arbeit an sein berufliches Koennen stellen wird.
Um sich erfolgreich mit diesen Problemen beschaeftigen zu koennen, muessen die Betriebsvertreter in den Produktionsmethoden geschult werden und in der Lage sein, auf den Konferenzen der Arbeitsausschuesse eine praktische und realistische Kritik zu ueben. Sie
muessen nach Ansicht der Gruppe von technischen Experten geschult
werden, die im Dienste ihrer eigenen Gewerkschaft stehen, wenn sie
sich das leisten kann,, oder die von der gewerkschaftlichen Vertretung der gemeinsamen Industrieausschuesse gestellt werden.
Aufgabe des TUC muss sein, Hilfe und Anleitung bei der Errichtung solcher neuen Abteilungen zu geben und fuer diejenigen Gewerkschaften, die noch nicht in der Lage sind, sich einen eigenen Expertenstab zu halten, die Funktionen dieser Abteilung selbst zu uebernehraen. Den regionalen Beratungsausschuessen des TUC sollte ein
kleiner Technikerstab zur Verfuegung gestellt werden, dar die Gewerkschaften in ihrem Bezirk unterstuetzt«
Die Mitglieder der Gruppe erklaeren, dass es nicht damit getan
sei, einfach den Titel eines Mannes, der e*ls Organisator taetig
ist, in den eines Produkt!onstechnikers umzuwandeln. Diesen neuernannten Experten mues eine erstklassige Ausbildung zuteil werden,
bevor sie mit der Schulung anderer beginnen. Sie muessen zum mindesten ebenso befaehigt sein wie die industriellen Berater und Techniker, die gegenwaertig in grosser Zahl den Arbeitgebern zur Verfuegung stehen.
Der Bericht enthaelt keinerlei Anzeichen dafuer, dass die Gruppe wuenscht, dass die Gewerkschaften ihr hauptamtliches Personal
von den Universitaeten und technischen Hochschulen rekrutieren sollen. Man beguenstigt vielmehr den Gedanken, Maenner und Frauen zu
verwenden, die in der Industrie und in den Gewerkschaften aufgewachsen sind, und sie in besonderen Ausbildungskursen fuer ihre Aufgaben vorzubereiten.
Waehrend die Gewerkschaften die finanzielle Seite dieses Vorhabens nur. mit aller Vorsicht behandeln, erklaerten die Mitglieder
der Gruppe, sie seien "ueberzeugt, dass die aus diesem Programm
entstehenden materiellen und ideellen Vorteile die damit verbundenen
Unkosten mehr als ausgleichen werden."
Labour
VIII/50
- 14 -

�DER GENERALSEKRETÄR DES INTERNATIONALEN BUNDES FREIER GEWERKSCHAFTEN. J. H. OLDENBROEK, ZUM TAG DER ARBEIT AN DIE AMERIKANISCHEN
GEWERKSCHAFTEN
"An diesem Tag der Arbeit jgruessen wir die amerikanische Gewerkschaftsbewegung. Es ist der erste Tag der Arbeit, der alle amerikanischen Gewerkschaften zusammen mit Arbeitern aus der ganzen
Welt in einer internationalen Organisation, dem IBFG, vereinigt findet. Im Namen von ueber 50 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern aus
53 verschiedenen Laendern uebermitteln wir der Arbeiterschaft der
Vereinigten Staaten und Kanadas unsere bruederlichen Gruesse, und
wir sind gewiss, dass sich noch weitere Millionen unseren Gruessen
anschliessen wuerden, wenn sie nicht durch diktatorische Regierungen daran gehindert waeren, selbstgewaehlten Gewerkschaften anzugehoeren.
"Wir vertreten die wirtschaftliche und politische« Demokratie
fuer alle und ein wuerdiges Leben fuer alle Arbeiter. Eine wirkliche Bruederschaft der Menschen kann niemals ohne Gleichheit der sozialen Stellung und Moeglichkeiten aller, ungeachtet ihrer Rasse,
Herkunft oder ihres Glaubens, bestehen. Wir wuenschen wahren Frieden; wir wuenschen den Frieden am vordringlichsten fuer die Menschen in Korea, die der kommunistischen Aggression in ihrer systematischen Absicht, die totalitaere Einflussphaere zu vergroessern,
zum Opfer gefallen sind. Wir'sind der Auffassung, dass die Vereinten Nationen in ihrer jetzigen Form zur Erhaltung des Friedens geeignet sind, vorausgesetzt, dass dem Miasbrauch des Vetorechts ein
Ende gemacht wird.
"Wir vereinigen uns mit den aufrichtigen, friedensliebenden Menschen der ganzen Welt und blicken mit Stolz auf die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung, die alles daran setzt, die Kraefte der Vereinten Nationen zu mobilisieren und die Aggressoren gegen die Republik Korea zurueckzuschlagen. Wir stehen Seite an Seite mit der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung in ihrem Kampf um Vollbeschaeftigung und wahre soziale Sicherheit, die eine ununterbrochene Wachsamkeit gegen die Tuecken feindlicher Arbeitsgesetzgebung erfordert.
Die Forderungen nach einer einflussreicheren und wuerdigeren Stimme
in den obersten Koerperschaften der Regierung muss gehoert werden.
"Insbesondere loben wir die amerikanischen Gewerkschaften fuer
ihre grosszuegige und weitsichtige Unterstuetzung des MarshallPlans , der die kriegsbetroffenen Laender Europas und die wirtschaftlich rueckstaendigen Gebiete unterstuetzt, in denen das Elend das
Volk in die Arme der Diktatoren zu treiben droht. Nur wohlhabende
Voelker koennen freie Voelker bleiben. Die Auseinandersetzung zwischen Demokratie und Diktatur wird durch die Schnelligkeit entschieden werden, mit der die demokratische Welt den ueberbevoelkerten,
in Elend lebenden Voelkern helfen kann, auf eigenen Fuessen zu stehen.
"In diesem grossen Kampf hat die Geschichte die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung in den Vordergrund gestellt. Von Samuel Gompers' bescheidenem Buero in New York ist die amerikanische Gewerkschaftsbewegung zu einer Riesenorganisation angewachsen, die 17 Millionen organisierter Arbeiter in den Vereinigten Staaten und Kanada
umfasst; es ist eine konstruktive, maechtige und forschrittliche Gewerkschaftsbewegung. In diesem Kampf um ein besseres Leben, sowohl
in der alten als auch in der neuen Welt, sind wir vom Internationalen
Bund Freier Gewerkschaften stolz darauf, mit der Arbeiterschaft Amerikas verbuendet zu sein und wir vertrauen auf die grosse Rolle,
die sie in diesem Kampf zu spielen hat."
Arbeitsmitteilungen der ECA
VI11/25/50
- 15 -

�Sowjetrussland hält jetzt die militärische Spitze Westliche Demokratien

Sowjetstaaten u. Satelliten

Militärische
Stärke

aber die Produktivität der Westdemokratien ist stärker!
Westliche Demokratien

Sowjetstaaten ^Satelliten

ProduktionsKraft

30

MUHon
Tonnen

430

Million
Tonnen

im

10Q,ooo
Million
KWH

299

Hillion
Barrels
HHHHininmnn

US.

(1 Barrel-120 Liter)

Andere

EILER JENSEN, VORSITZENDER DER DAENISCHEN GEWERKSCHAFTEN ZUM TAG
DER ARBSJT:
An diesem Tag der Arbeit sind die Gedanken der daenischen Arbeiterschaft bei den Arbeitern und dem Volk der Vereinigten Staaten. Die
wirtschaftliche Erholung, die durch die Unterstuetzung des Marshall"lans in den letzten zwei Jahren sich in Westeuropa durchgesetzt hat,
ist von Anfang an ein Dorn in den Augen der diktatorisch regierten
Staaten gewesen. Trotz aller dunklen Schatten werden wir Hand in
Hand mit den demokratischen Staaten arbeiten. Wir versprechen
loyale und kameradschaftliche Zusammenarbeit und gruessen in diesem
3i"ne die amerikanischen Arbeiter.
- 16 HICOO R-1585 L » b SapMabNT 50 2 L

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 27

Frankfurt, 8. September 1950

I W H A L T S T 1

R Z E I C H N I S

Amerikaner ziehen Arbeit der Arbeitslosenunterstuetzung vor - - - - - - - - - - - - - - - 1
Welche Kaufkraft werden die Loehne in Zukunft
besitzen? - - - - - - - - - - - - - - - - - 2
Die Holle der Gewerkschaften in der modernen
Gesellschaft - - - - - - - - - - - - - - - - 4
Die Realloehne in den Laendern hinter dem Eisernen Vorhang - - - - - - - - - - - - - - - - n
Amerikanische Gewerkschaft verpflichtet sich,
nicht zu streiken
- - - - - - - - - - - - - - 1 2
Delegation amerikanischer Gewerkschafter
schlaegt Verbesserung des ECA-Programms vor - 13
730 Frauen in Spitzenstellungen in Amerika - - - 14
Neue Tabellen ueber das Arbeitsalter amerikanischer Arbeiter - - - - - - - - - - - - - - - - 1 5
Kanadische Eisenbahner drohen mit Streik - - - - 16

Robert C. Goodwin:
AFRIKANER ZIEHE?! ARBEIT DER ARBEITSLOSEFUNTERSTUETZUNO VOR
"Die grosse I.'ehrheit der amerikanischen Arbeiter zieht Arbeit
und Lohn der Arbeitslosenunterstuetzung vor," sagte Robert C.
Goodwin, Direktor des Bueros fuer die Sicherheit des Arbeitsplatzes im amerikanischen Arbeitsministerium, in einer Erklaerung
an Arbeitsminister Tobin anlaesslich des 50. Jahrestages des Gesetzes der Sozialen Sicherheit.
"Die Statistik zeigt, dass der Umfang der von den Arbeitern
geforderten und an sie ausgezahlten Unterstuetzungen durch das Vorhandensein von Beschaeftigungsmoeglichkeiten und nicht von Unterstuetzungen bestimmt wurde."
- 1-

�Goodwin berichtete, dass sein Inkrafttreten der bundesstaatlichen und staatlicnen Gesetze der Arbeitslosenversicherung etwa
acht Milliarden Dollar an Unterstuetzungen an versicherte Arbeiter ausgezahlt worden seien.
"In den zahlreichen Perioden seit 1939, in denen die wirtschaftliche Lage sehr kritisch war, hat die Arbeitslosenversicherung Millionen von Arbeitern ueber die Zeit der Erwerbslosigkeit
hinweggeholfen," erklaerte Goodwin. "Das Arbeitslosenversicherungsprograram hat sich als sehr wertvoll erwiesen, vor allem in dem
ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich das Land auf
Friedensproduktion umstellte und mehr als fuenf Millionen Arbeiter Arbeitslosenunterstuetzung bezogen. Auch in der Zeit vom
1. Juli 1949 bis 30. Juni 1950, in die zum Teil der wirtschaftliche Rueckgang faellt, der mit der Beendigung der Neueinrichtung
der Betriebe gegen Ende des Jahres 1948 eingesetzt hat, wurden
7,5 Millionen Arbeiter gezaehlt, die Arbeitslosenunterstuetzung
bezogen. Die hoechsten Unterstuetzungen wurden also immer dann
gezahlt, wenn die Arbeitslosigkeit rapid anstieg.
"Das Prograiiim spielt nicht nur eine lebenswichtige Rolle fuer
die Arbeiter, es hat sich auch fuer die Unternehmer und die Allgemeinheit als wertvoll erwiesen," fuhr Goodwin fort. "Es ist bekannt, dass es in Gegenden, in denen viele Betriebe geschlossen
wurden, zur Erhaltung der Kaufkraft und der Geschaeftsmoral beigetragen hat."
Goodwin berichtete, dass sicn seit der Bewilligung des Sozialversicherungsgesetzes in den verschiedenen Staaten im Rahmen ihrer
eigenen Arbeitslosenversicherungsgesetze ein Gesamtbetrag von
13.451.000.000 Dollar angehaeuft hat.
Mit den Zinsen, die die Geldreserven der Sozialversicherung
in den einzelnen Konten der verschiedenen Staaten im bundesstaatlichen Verwaltungsfonds fuer Arbeitslosenversicherung eingebracht
haben, belaufe sich der Gesamtbetrag der fuer Unterstuetzungszwecke seit Inkrafttreten, des Programms gesparten Gelder auf
14.639.000.000 Dollar.
Von Beginn des Programms bis zum 30. Juni 1950 zahlten die
verschiedenen Staaten Unterstuetzungen an versicherte, erwerbslose Arbeiter in Hoehe von insgesamt 7.950.000.000 Dollar. Damit belaeuft sich das Guthaben im Verwaltungsfonds gegänwaertig auf
6.689.000.000 Dollar.
Pressedienst des US Arbeitsministeriums
VIII/21/50
V/ELCHE KAUFKRAFT Y/ERDEN DIE LOEHNS IN ZUKUNFT BESITZEN?
'.Verden mit dem Durchschnittslohn der amerikanischen Arbeiter
in Zukunft mehr Gueter und mehr Dienstleistungen gekauft werden koennen als bisher?
Fuehrende Persoenlichkeiten der amerikanischen Industrie haben diese Frage mit "Ja" beantwortet.
Sie sind der Ansicht, dass innerhalb von 30 Jahren mit dem
Lohn der Arbeiter doppelt so viel gekauft werden kann, wenn.die
"Produktionsleistung je Arbeiter und je Arbeitsstunde auch weiterhin im gleichen durchschnittlichen Masse gesteigert wird wie bisher. Und diese Steigerung halten sir fuer moeglich.

�Diese Feststellungen wurden von dem Komitee fuer wirtschaftliche Entwicklung bekanntgegeben. In dem Bericht des Komitees, "Wie
kann der Reallohn erhoeht werden", wird zum Ausdruck gebracht,
dass der Lebensstandard der Arbeiter sich nur dann verbessern
wird, wenn auch die tatsaechliche Kaufkraft seines Lohnes und
nicht nur der aeussere Betrag erhoeht wird.
In den letzten ÖO Jahren haben sich die Realstundenloehne in
den Vereinigten Staaten mehr als verdreifacht; der Arbeitnehmer
verdient heute durchschnittlich etwa 1.33 Dollar in der Stunde,
waehrend sein Stundenlohn im Jahre 1900, gemessen an den Preisen
des Jahres 1949, nur 43 Cents betrug. Auch das indirekte Einkommen, das nicht in barem Geld besteht, hat sich erhoeht, und zwar
in Form einer laengeren Freizeit auf Grund der kuerzeren Arbeitszeit.
Diese Verbesserungen sind nach Angaben des Komitees fuer
wirtschaftliche Entwicklung zurueckzufuehren auf 1) umwaelzende
oder beinahe umwaelzende Veraenderungen in den Produkt!onsvorgaengen, 2) die groessere Ansammlung Kapitalien in Form von Fabriken,
Ausruestungen und Material, die jedem Arbeiter zugutekommen, indem sie ihm helfen, mehr zu produzieren, 3) bedeutende Fortschritte
auf dem Gebiet des Gesundheitswesens und der Berufsausbildung und
4) verbesserte Betriebsleitungsmethoden.
Jede zukuenftige Erhoehung der Realloehne wird von den gleichen vier Faktoren und noch einem fuenften, naemlich dem Interesse
des Arbeiters, abhaengen.
Interessierte Arbeitnehmer produzieren mehr. Die Betriebsleitung ist dafuer verantwortlich, dass den Arbeitern die Bedeutung
ihrer Arbeit bewusst wird, und dass sie an der Verbesserung ihrer
Arbeitsmethoden interessiert sind. Die Arbeiter muessten regelmaessig Gelegenheit haben, Verbesserungen der Methoden und Erzeugnisse vorzuschlagen, heisst es in dem Bericht.
Das Komitee fuer wirtschaftliche Entwicklung verwarf insbesondere den Gedanken, dass der Ausstoss je Arbeiter und Je Arbeitsstunde und damit die Produktionsleistung selbst dadurch gesteigert
werden kann, dass man den Arbeiter zwingt, eine groessere koerperliche Anstrengung aufzuwenden. "Es gibt einige Beispiele dafuer,
dais die Arbeiter absichtlich nicht so viel produzieren, wie sie
in der Lage waeren, im allgemeinen jedoch ist die Tagesleistung des
Arbeiters normal." Die grosse Steigerung der Produktion, die notwendig ist, um die Reallöhne wesentlich verbessern zu koennen,
muss mit besseren Methoden, groesseren Kapitalien, besserer Berufsausbildung der Arbeiter und besserer Betriebsleitung erzielt werden.
Zehn Ziele muss die amerikanische Industrie erreichen, wenn
die Kaufkraft der Loehne in 30 Jahren verdopoelt werden soll: 1)
die saisonbedingte Arbeitslosigkeit muss reduziert werden; 2) fuer
aeltere Leute muessen mehr Beschaeftigungsmoeglichkeiten geschaffen
werden; 3) das Leistungsprinzip mu;s verfeinert werden; 4) systematische Methoden muessen ausgearbeitet werden, um Wissen und
Koennen der erwerbstaetigen Bevoelkerung voll zum Einsatz zu bringen; 5) die Importe der Vereinigten Staeten muessen im Vergleich
zu ihren Exporten vermehrt werden; 6) das Anwachsen der Industrie
muss stabilisiert und ernsthafte wirtschaftliche Rueckschlaege
vermieden werden; 7) der Gewohnheit. Arbeit zu schaffen, wo keine
ist, muss ein Ende gemacht werden; 8) veraltete Ausruestungen
muessen schneller ersetzt werden und 10) muss das Steuersystem
einer Reform unterzogen werden, um den Unternehmern des Eingehen
eines Risikos zu erleichtern.
- 3-

�Die Aussichten auf einen schnellen technologischen Fortschritt in den Vereinigten Staaten sind dank der hohen Aufwendungen fuer die Forschung- und ihre hohe ^ualitaet gute. Allein
die bundesstaatliche Regierung stellt zur Zeit jaehrlich eine
Milliarde Dollar fuer Forschungszwecke zur Verfuegung.
Ebenso kann laufend mit einer umfangreichen Reserve privater
Ersparnisse gerechnet werden, die die Grundlage neuer industrieller Investierungen bildet. In den vergangenen 50 Jahren ist dem
Bericht zufolge etwa ein Zehntel des Nettowertes der Produktion
der Vereinigten Staaten staendig gespart worden. Es ist anzunehmen, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird, und es ist
von grosser Wichtigkeit, dass die Sparer durch die allgemeine
Politik fuer Neuinvestierungen gewonnen werden. Das bedeutet nach
Ansicht des Komitees fuer wirtschaftliche Entwicklung, dass die
Steuerstruktur einer Uebernruefung unterzogen werden muss.
Ausserdem ist mit einer fortschreitenden Verbesserung der
gesundheitlichen Verfassung und der Berufsausbildung der Arbeiter
und mit der Einfuehrung besserer Methoden der Betriebsleitung zu
rechnen, was als Ergebnis der Erforschung der Probleme der Betriebsleitung an den Universitaeten angesehen werden kann.
In dem Bericht wird an der Gewohnheit der Gewerkschaften Kritik geuebt, dort Arbeit zu schaffen, wo keine ist, jedoch nur soweit es sich um Methoden handelt, durch die die Einfuehrung neuer
Maschinen verhindert und die unwirtschaftliche Arbeitsweise beibehalten werden soll. "Der verschwenderische Einsatz von Arbeitskraeften ist eine Belastung fuer die Allgemeinheit, weil er die
"Produktion reduziert. Die Gewerkschaften wuerden es fuer vorteilhaft halten, diese Regeln fuer die kuenstliche Erzeugung von
Yrbeit aufzugeben, wenn damit eine Erhoehung der Loehne verbunden
waere. Gluecklicherweise ist dieser Brauch der Arbeitsbeschaffung
in der amerikanischen Industrie nicht weitverbreitet, und viele
Gewerkschaften lehnen ihn ab."
"Vor allem," heisst es abschliessend in dem Bericht, "sind
die Verhaeltnisse und Institutionen in den Vereinigten Staaten
fuer den wirtschaftlichen Fortschritt guenstig." Der scharfe
Wettbewerb der Produkte und Arbeitsverfahren, die Gewohnheit, alte
Einrichtungen und Arbeitsverfahren aufzugeben, wenn neue verfuegbar werden, die grossen Moeglichkeiten, neue Ideen zu verwirklichen, und der riesengrosse vereinigte Inlandsmarkt, der ein entsprechend grosser Ansporn ist, - dies alles sind Faktoren, denen
das Komitee fuer wirtschaftliche Entwicklung entnimmt, dass die
Loehne in Zukunft fuer die Arbeiter und ihre Familien einen groesseren Gegenwert bedeuten werden.
Arbsitsmitteilungen der ECA
VII/7/50
Edwin E. Witte, üniversitaet Wisconsin:
DIE ROLLE DER GEWERKSCHAFTEN IN DER MODERNEN GESELLSCHAFT
Es ist Jedem bekannt, dass die Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten von heute einen sehr bedeutenden Platz einnehmen. Gelegentlich sprechen Leute,, die den Gewerkschaften nicht wohlgesinnt sind, noch davon, das3 nur ein geringer Prozentsatz, aller
Arbeiter gewerkschaftlich organisiert sei. Die ErwerbsbevoelJcerung Amerikas zaehlt 62 Villionen Menschen, und nur 15 Millionen

�davon sind Gewerkschaftsmitglieder. Noch haeufiger Jedoch spreohen
Jene Gegner in alarmierender Weise von der monopolistischen Machtstellung der Gewerkschaften. Erst vor einigen Wochen wies Generalanwalt Denham vom Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen, auf die Gewerkschaft der Fahrer hin, die eine derartige Macht besaesse, dass
sie durch einen ueber die ganze Nation sich ausbreitenden Streik
die gesamte Wirtschaft unseres Landes innerhalb weniger Tage zum
Stillstand bringen koenne.
Eine ganze Reihe Akademiker, die ueber die Wechselbeziehungen
in der Industrie schreiben, haben sich hierzu in aehnlicher Weise
geaeussert. Ein kuerzlich erschienenes Buch, "Gewerkschaften und
Kommunismus" von Charles E. Lindbloom, einem Volkswirtschaftler
abstrakt-theoretischer Praegung an der Yale Universitaet, hat
nicht nur in akademischen, sondern auch in nichtakademischen Kreisen grosse Beachtung gefunden. In diesem Buch zeigt sich Lindbloom aeusserst beunruhigt ueber die wachsende Macht der Gewerkschaften. Das heutige Gewerkschaftssystem fuehre nach seiner
Ansicht zur Zerstoerung des auf Konkurrenz beruhenden Preissystems,
zur"systematischen Desorganisation der Absatzmaerkte und zur staendigen Untergrabung der Autoritaet der Betriebsleitung". Gewerkschaften unterminieren den Kapitalismus und druecken unserer gesamten Wirtschaft den Stempel des Syndikalismus auf. In weniger alarmierenden Worten hat Sumner H. Slichter von der Harvard-Universitaet, einer der bekanntesten amerikanischen Volkswirtschaftler,
eingehend ueber die "gewerkschaftlich ausgerichtete Gesellschaft"
gesprochen, zu der sich nach seiner Ansicht die Vereinigten Staaten
entwickelt haben.
Es ist nicht verwunderlich, dass diese Auslegungen ueber die
Rolle der Gewerkschaften in der modernen Gesellschaft seitens jener Wirtschaft ihrer Theoretiker, deren Ansehen und öbjektivitaet
ausser Frage steht, von solchen Leuten hastig aufgegriffen wurden,
die die Gewerkschaften gern verkleinert, wenn nicht sogar zerstoert sehen moechten. In all dieser umfassenden Propaganda, die
sich zur Zeit gegen die Gewerkschaften richtet, wird ihre monopolistische Machtstellung und ihre ungeheure Macht besonders hervorgehoben. Gleichzeitig wird diese Propaganda Jedoch mit der voellig haltlosen Behauptung unterstrichen, dass die Gewerkschaften
letzten Endes nur von einer kleinen Minderheit der Arbeiterschaft
unterstuetzt wuerde.
Keine dieser widerspruchsvollen Behauptungen ueber die Stellung der Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten von heute beruht auf Tatsachen. Die amerikanischen Gewerkschaften haben in
der Tat grosse Fortschritte erzielt und eine Staerke erreicht, die
noch vor zwei Jahrzehnten niemand fuer moeglich gehalten haette.
Sie ueben jedoch keine monopolistische Kontrolle ueber Loehne und
sonstige Arbeitsbedingungen aus, von der Produktion, den Preisen
oder Gewinnen ganz zu schweigen. Sie kontrollieren nicht die Regierung, und es besteht auch wenig Aussicht fuer sie, eine derartige Kontrolle in absehbarer Zeit auszuueben. Das Gewerkschaftswe3en
ist keine einzige zentralorganisierte Bewegung, sondern ist in
zwei Hauptverbaende und zahlreiche, nicht angeschlossene Gewerkschaften aufgespalten. Die Gewerkschaftsverbaende setzen sich aus
mehr als 100 internationalen Gewerkschaften zusammen, die wiederum
in mehr als 50 000 Lokalgewerkschaften untergliedert sind. In Verhandlungen mit den Unternehmern und wesentlichen anderen Taetigkeiten treten die Gewerkschaften dieses Landes stets einzeln auf.
Fast ueberall bilden die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter
mit ihren Familien nur eine Minderheit der Bevoelkerung, und selbst
ihren Spitzenfunktionaeren bleiben aus sozialen Gruenden die Wege
in die sogenannten "besseren Kreise" verschlossen. Unsere Gesell- 5-

�sohaftsordnung ist nur in dem Sinne "gewerkschaftlich", als das
Gewerkschaftswesen grosse Erfolge erzielt hat und anfaengt, der
Herrschsucht grosser Gesellschaftskreise die Stlrne zu bieten.
Sie besitzen jedoch weder monopolistische Kontrollmoeglichkeiten
ueber Industrien, noch sprechen sie das Hauptwort in den Angelegenheiten von allgemeiner Bedeutung fuer die Vereinigten Staaten von
heute.
Das Gewerkschaftswesen der Vereinigten Staaten ist fast so alt
wie die Nation selbst. In den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts
gab es bereits Streiks und Gewerkschaften, die jedoch nur eine kurze Lebensdauer hatten. Die ersten Qrtsverwaltungen entstanden in
den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts, und auch die Gruendung der
ersten unabhaengigen Arbeiterpartei faellt in jene Zeit. Der erste
bundesstaatliche Gewerkschaftsverband stammt aus den 30er Jahren
des 19. Jahrhunderts und die ersten noch bestehenden internationalen
Gewerkschaften, wie die der Drucker, aus den 50er Jahren des 19.
Jahrhunderts. Es gibt zur Zeit einige Lokalgewerkschaften, die auf
ein ueber 100-jaehriges, ununterbrochenes Bestehen zurueckblicken.
Zur Zeit des Buergerkrieges gab es eine Gewerkschaftsbewegung
mit einigen Gewerkschaften in allen oder fast allen Nordstaaten. In
den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts war die Gewerkschaftsbewegung,
deren Mittelpunkt damals die Organisation "Knights of Labor" (Ritter
der Arbeit) bildete, weit umfassender. In der zweiten Haelfte dieses Jahrzehntes entstand neben dieser Organisation der amerikanische
Gewerkschaftsbund A.F.L., der bald zum Mittelpunkt der Gewerkschaftsbewegung wurde. Danach erlebte diese Gewerkschaft Aufstiege und
Rueckschlaege, Zeiten zunehmender und abnehmender Mitgliedschaft.
Zumindest seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts jedoch hat das
Gewerkschaftswesen eine wirklich bedeutsame Rolle im oeffentlichen
Leben Amerikas gespielt.
Das grosse Anwachsen der Gewerkschaftsbewegung in Amerika fand
im Verlauf der letzten 15 Jahre statt. Zu Beginn der Zeit des New
Deal war die Gewerkschaftsbewegung auf einem Tiefstand angelangt,
nachdem die Mitgliederzahl in den 20er Jahren der wirtschaftlichen
Bluete staendig abgenommen hatte. Die gesamte Mitgliedschaft
zaehlte nicht mehr als 3 Millionen gegenueber 5 Millionen im Jahre
1920. Doch selbst zu dieser Zeit waren die Berufe des Bau- und
Druckereigewerbes sowie der Bekleidungsindustrie und einige .andere
gelernte Berufe gut organisiert. In den grossen Industrien der
Massenproduktion jedoch bestanden fast ueberhaupt keine Gewerkschaften. Ein grosser Teil der amerikanischen Industrie war antigewerkschaftlich eingestellt und legte sich praktisch keinerlei Einschraenkung in den Methoden auf, die zur ünterdrueckung der Gewerkschaften
angewandt wurden.
Die wirtschaftliche Krise erweckte bei den amerikanischen Arbeitern mehr Verstaendnis fuer die Gewerkschaftsbewegung und der New
Deal schuf ein politisches Klima, das fuer die Entwicklung der Gewerkschaften guenstig war. Die Gesetzgebung legte den Unternehmern
Einschraenkungen in den Methoden auf, die sie zur ünterdrueckung und
zur Schwaechung der Gewerkschaftsbewegung gern angewandt hfltten,
und machten es ihnen zur gesetzlichen Pflicht, mit den Gewerkschaftsvertretern als Repraesentanten der Mehrheit ihrer Arbeitnehmer Verhandlungen zu fuehren. Waehrend die Regierung die Arbeiterorganisationen niemals direkt unterstuetzt hat, wie es etwa bei dem Zusammenschluss der Landarbeiter bisher zu beobachten war, zeigt sie heute
der Gewerkschaft gegenueber eine positivere Einstellung und foerdert
das TarifVerhandlungswesen.
- 6-

�Unter diesen guenstigen Bedingungen, vor allem jedoch deshalb,
weil die Gewerkschaftsbewegung und eine aggressive Fuehrung tatsaeohlioh benoetigt wurden, nahmen Macht und Mitgliederstaerke der
Gewerkschaften zu. Dieser Aufstieg begann im Jahre 1933, griff Jedoch auf die Industrien der Massenproduktion erst ueber, nachdem
der CIO (Kongress der Industrieverbaende) im Jahre 1936 gegruendet
war und die Vereinigten Staaten im Jahre 1937 beschlossen hatten,
das Wagner Gesetz aufrechtzuerhalten und weitgehendst zur Durchfuehrung zu bringen.
Aus weniger als 3 Millionen Mitgliedern im Jahre 1933 wurden
7,400,000 im Jahre 1937, und 1940 waren es bereits 8,500,000. In
den letzten der 30er Jahre wurden die Gewerkschaften von vielen
der groessten Gesellschaften anerkannt und konnten mit ihnen ihre
ersten Vertraege absohliessen. Die Mitgliederzahl stieg in den
Kriegs Jahren rapide an und erreichte mit 13,750,000 im Jahre 1944
ihren Hoechststand, obwohl zu jener Zeit 3 Millionen Gewerkschaftsmitglieder unter den Waffen standen. In der Zeit der grossen wirtschaftlichen Schwierigkeiten unmittelbar nach dem Kriege konnten
die Gewerkschaften weitere, wenn auch nur kleinere Erfolge erzielen.
Das Taft-Hartley Gesetz, das vom Kongress 1947 bewilligt wurde,
bremste in einer Zelt zunehmender Beschaeftigung den Aufstieg der
Gewerkschaften weiterhin ab. Die Gewerkschaften konnten jedoch
wenigstens ihre Mitgliederziffern halten. Es ist wahrscheinlich,
dass die Mitgliederzahl der Gewerkschaften im letzten Jahr im Zusammenhang mit der abnehmenden Beschaeftigungsziffer geringfuegig
zurueckgegangen ist. Die Zahl von 15 Millionen, mit der gegenwaertig die Mitgliederstaerke der Gewerkschaften gewoehnlich beziffert
wird, ist wahrscheinlich zu hoch gegriffen, wenn damit nur die beitragzahlenden Mitglieder gemeint sind. Sie waere jedoch zu niedrig,
wenn alle Arbeitnehmer darin enthalten waeren, die sich als Gewerkschaftsmitglieder betrachten. Die Zahl der Arbeitnehmer solcher Betriebe, in denen die Arbeitsbedingungen nur teilweise durch
Tarifvertraege festgelegt sind, ist etwas geringer geworden, ^ine
ganze Reihe Gewerkschaftsmitglieder arbeiten in solchen Industrien
und Betrieben, in denen man keine Vertraege abzuschliessen wuenscht
oder die Gewerkschaften nicht anerkennt. Ihre Zahl ist etwas hoeher
als die der nichtorganisierten Arbeiter in solchen Betrieben, die an
Tarifvertraege gebunden sind. Nach Schaetzungen des Statistischen
Bueros des Arbeitsministeriums der Vereinigten Staaten arbeiteten Ende
1946 14,800,000 Menschen unter tarifvertraglichen Regelungen, denen
13,300,000 Gewerkschaftsmitglieder gegenueberstanden. Seit jener
Zeit sind keine Schaetzungen der HÜtgliederzahlen der Gewerkschaften
oder der unter Tarifvertraegen stehenden Arbeiter mehr vorgenommen
worden. Beide Werte sind jedoch wahrscheinlich inzwischen etwas angestiegen.
Die Mitgliederstaerke der Gewerkschaftsbewegung hat in den beiden letzten Dekaden in absoluten Zahlen und prozentual gesehen noch
nachhaltiger zugenommen. Seit 1939 hat sich die Mitgliederschaft
der Gewerkschaften verfuenffacht, und die Zunahme in der letzten Dekade betraegt mehr als 75%. Die Zahl derjenigen Arbeiter, fuer die
Tarifvertraege abgeschlossen sind, hat sich jedoch kaum veraendert.
Die gesamte Erwerbsbevoelkerung Amerikas belaeuft sich zur Zeit
auf 62 Millionen. Da nur 14 Millionen gewerkschaftlich organisiert
sind, wird oft behauptet, dass die organisierte Gewerkschaftsbewegung weniger als ein Viertel der Arbeiter des Landes umfasse. Die
Gesamtzahl der Erwerbsbevoelkerung enthaelt jedioch auch dieHnÜJCht
einer Gewerkschaft angehoerenden Unternehmer, die Bauern und die
selbstaendigen Arbeiter in Staedten, ja sogar die Maenner und Frauen der Armee und alle Angestellten. Hierzu gehoeren die Betriebsleiter und andere Vorgesetzte in vergesellschafteten Unternehmen, sowie
alle Buero- und technischen Angestellten. Waehrend die Erwerbsbe- 7-

�voelkerung me°hr als 62 Millionen Menschen zaehlt, uebe« nur 40
Millionen Taetigkeiten aus, fuer die es eine gewerkschaftliche Organisation gibt. Die organisierte Arbeiterschaft stellt jedoch
selbst unter Beruecksichtigung dieser Einschraenkuhgen weniger
als 40% aller Arbeiter in Berufsgruppen, fuer die es Organisationen gibt, und weniger als ein Drittel aller Arbeitnehmer, ausschliesslich der Vorgesetzten, dar.
Hinter diesen Zahlen bleibt die Tatsache verborgen, dass in
zahlreichen wichtigen Industrien ein weit hoeherer Prozentsatz
der Arbeiterschaft gewerkschaftlich organisiert ist. In allen
Fertigungsindustrien stehen schaetzungsweise 70% der Produktionsarbeiter unter Tarifvertraegen. Im Bergbau und dem Bau- und Transportgewerbe ist dieser Prozentsatz noch hoeher, wogegen er in den
Betrieben der oeffentlichen Versorgung unter 60%, bei dem Dienstlers onal unter 40% und im Handel, Finanzwesen, der Regierung und
Landwirtschaft unter 20% liegt. In bestimmten Industriezweigen und
Berufsgruppen innerhalb dieser Unterteilung in grossen Zuegen gibt
es ausserdem Faelle, in denen der Prozentsatz der gewerkschaftlich
organisierten Arbeiter noch hoeher ist. In nur wenigen Industrien
oder Berufsgruppen ist die gewerkschaftliche Organisation jedoch
100%ig. Dies mag fuer kleine Berufsgruppen wie Photogravuerendrucker, Zuschneider, Fensterglasschneider und ein paar andere
zutreffen. Doch selbst im Kohlenbergbau ist die Zahl der nichtorganisierten Arbeiter betraechtlich,und es besteht dort eine
nicht zu uebersehende Konkurrenzgewerkschaft, die gewillt ist,
die Arbeit fortzufuehren, wenn die Mitglieder der Bergarbeitergewerkschaft in Streik getreten sind.
Die alarmierenden Warnrufe ueber die monopolistische Stellung, die die Gewerkschaften einnaehmen, scheinen am wenigsten
gerechtfertigt zu sein, wenn ein Vergleich zwischen der Staerke
der Gewerkschaften und der der groesseren Gesellschaftsunternehmen
angestellt wird. In vielen Beziehungen ist die Gewerkschaft das
Gegenstueck des Gesellschaftsunternehmens. Beides sind Vereinigungen, die sich in ihrer Gesamtheit und in ihrer Existenz von der
ihrer Mitglieder unterscheiden. Es gibt in Amerika etwa-500.000
aktive Gesellschaftsunternehmen - das sind zehnmal soviel, wie es
Gewerkschaften gibt. Zwei Drittel aller Geschaefte, die in den
Vereinigten Staaten heute geteetigt werden, gehen durch ihre Haende.
Mehr als 95% der gesamten Produktion unterstehen ihnen, und dieser
Prozentsatz ist noch hoeher im Finanzwesen, den Betrieben der
oeffentlichen Versorgung und im Transportgewerbe.
Die grosse Mehrheit der Gesellschaftsunternehmen unterscheidet sich von den individuellen oder Teilhaberunternehmen nur dadurch, dass sie zu einer Koerperschaft vereinigt und ihren Besitzern gegenueber nur beschraenkt haftbar sind. Sie befinden sich
im Privat- oder Familienbesitz und stellen keine grosse Anhaeufung
gesellschaftlicher Macht und finanzieller Mittel dar.
Waehrend die Unternehmen dieser Art die grossen Gesellschaftsunternehmen zahlenmaessig weit uebertreffen, verfuegen letztere
ueber weit mehr Finanzmittel und Macht als alle kleineren Unternehmen zusammen. Eine Untersuchung des wirtschaftstechnischen
Komitees kurz vor Beginn des zweiten 7/eltkrieges hat ergeben, dass
7S0 Gesellschaften, von denen jede ueber Kapitalien in Hoehe von
50 Millionen Dollar od3r mehr verfuegt, nur'zwei Zehntel aller
Gesellschaften repraesentieren, aber im BesitzTOn 52% des Gesamtkasitals aller Gesellschaften waren. Drei.-sig Unternehmen nannten
ein Kapital von mehr als einer Milliarde Dollar ihr eigen. Die
beiden groessten dieser umfangreichen Gesellschaften hatten ein
- 8 -

�Kapital, das groesser war als der gesamte Besitz aller Menschen
in 38 von den 48 Staaten der Vereinigten Staaten. Seitdem dieser
Bericht vor 10 Jahren ausgearbeitet wurde, sind jedoch die grossen
Gesellschaften betraechtlich angewachsen und kontrollieren hoechstwahrscheinlich einen noch groesseren Prozentsatz der Produktion
und des Besitzes der Nation.
Im Gegensatz zu dem grossen Wohlstand dieser Gesellschaften
sind die Mittel der Gewerkschaften von bjeute ausserordentlich gering. Eine vor kurzem durchgefuehrte Erhebung ueber die finanzielle Staerke von 50 internationalen Gewerkschaften, deren Gesamtmitgliederschaft nahezu 12 Millionen betraegt, das sind vier
Fuenftel aller Gewerkschaftsmitglieder des Landes, hat ergeben,
dass sich ihr Gesamtkapital einschliesslich aller Versicherungsfonds auf 339 Millionen Dollar belaeuft. Nur eine Gewerkschaft, die
der Eisenbahner, besitzt ein Kapital von ueber 50 Millionen Dollar,
waehrend bereits vor zehn Jahren, wie schon erwaehnt, 780 Unternehmen ueber diese und noch hoehere Summen verf6eg1fen. Nur 28 der
internationalen Gewerkschaften besitzen ein Kapital von 1 Million
Dollar. Die Fonds der Lokalgewerkschaften sind nicht einer aehnlichen Studie unterzogen worden, und ueber die Gesamtmittel aller
unserer Gewerkschaften sind nur Schaetzungen verfuegbar. Dr.
Alexander S. Lipsett von der Floyd L. Carlisle, Inc., Berater
fuer oeffentliche Beziehungen der Arbeitgeberorganisationen, hat
kuerzlich schaetzungsweise angegeben, dass alle Gewerkschaften Amerikas uebei ein Gesamtkapital in Hoehe von drei bis vier Milliarden
verfuegtsn - ein Betrag, der von mehr als einem halben Dutzend unserer grossen Gesellschaftsunternehmen ueberboten wird.
In anderer Hinsicht sind die grossen Unternehmen ebenfalls
viel maechtiger als die groessten Gewerkschaften oder alle Gewerkschaften zusammen. In vielen grossen Gesellschaften ist die Zahl
der Aktienbesitzer groesser als die der Arbeitnehmer. Das ist von
besonderer Bedeutung, weil diese Gesellschaften von ihren Aktienbesitzern fast einj«:uetig unterstuetzt werden, wenn sie in Schwierigkeiten geraten. Den grossen Gesellschaften stehen ausserdem weit
mehr Propagandamittel zur Verfuegung, und sie koennen im allgemeinen auf regulaeren Nachrichtenwegen die oeffentliche Meinung zu
ihren Gunsten beeinflussen. Die Betriebsleiter und Vorgesetzten
in den Gesellschaften sind zur Zeit die bestbezahltesten Leute in
Amerika. Ihre soziale Stellung verschafft ihnen uebertill Zugang,
und ihren Ansichten wird auf allen Gebieten groesste Beachtung geschenkt. Dagegen sind die Gewerkschaftsfuehrer aus den sogenannten
"besseren Kreisen" ausgeschlossen und sind in den Augen eines
grossen Teiles der Oeffentlichkeit zumindest verdaechtig.
Viel Laerm ist um das wachsende politische Bewusstsein in
den Gewerkschaften geschlagen worden. Aber selten werden Leute
aus Gewerkschaftskreisen in irgendwelche fuehrenden Stellungen der
Vereinigten Staaten gewaehlt. Wahrscheinlich ist keine andere,
groessere Schicht der Bevoelkerung in den Aemtern relativ so gering vertreten wie die Arbeiter der Industrie. In diesem Zusammenhang muss man sich vor Augen halten, dass in fast allen Staaten
die. Arbeiter mit ihren Familien nur eine Minderheit der Bevoelkerung
darstellen und die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter nur eine
Minderheit aller Arbeiter darstellen.Ausserden ist es selten, wenn
nicht ausgeschlossen, dass alle Gewerkschafter gleich waehlen.
Wenn die Arbeiterschaft, politisch gesehen 2rfolg haben soll, muss
sie von anderen Gruppen unterstuetzt werden. Gewiss ist, dass sie
noch weit davon entfernt ist, die -politische Bildflaecne oder die
Regierung in irgendeiner Hinsicht zu beherrschen.
Aus all diesen Ueberlegungen ergibt sich die Schlussfol^erung,
dass die Gesellschaftsordnung der Vereinigten Staaten heute viol
- 9-

�eher den Stempel der Unternehmer als den der Arbeitnehmer traegt.
Die Industrie ist die ^wichtigste Einnahmequelle, und die Industrie,
oder zumindest die Grossindustrie, liegt in den Haenden der Unternehmer. Die Mehrzahl der grossen Gesellschaften wird von den Unternehmern kontrolliert, und sie ernennen normalerweise die Direktoren. Die Unternehmer sind weitgehend tonangebend in der gesamten Gesellschaft und ueben damit einen grossen Einfluss auf alle
oeffentlichen Institutionen aus.
In gewissem Sinne ist die Gewerkschaftsbewegung eine Kampfansage an den Absolutismus der Unternehmer. Wo eine Gewerkschaft besteht, hat der Arbeitgeber in vielen Fragen der Arbeitsbedingungen
keine voellig freie Hand mehr. Diese sind innerhalb der verschiedenen Gewerkschaften und darueber hinaus von Zeit zu Zeit Veraenderungen unterworfen. Allgemein gesprochen, haben die Gewerkschaften die Tendenz, sich um mehr und mehr Angelegenheiten zu kuemmern.
Dies hat zu dem Notschrei der Unternehmer gefuehrt, dass ihre Rechte durch die Gewerkschaften beschnitten wuerden, und zu dem Vorwurf, alles, was mit Gewerkschaften zu tun habe, wolle das Unternehmertum stuerzen oder verlange zumindest eine gleichberechtigte
Stimme in der Vertretung der Aktienbesitzer, das heisst in der Betriebsleitung.
In den 50.000 Gewerkschaften des Landes gibt es Beispiele fuer
fast alle moeglichen Dinge. Was die Organisation und Struktur,
die Groesse und Macht, die Ziele und Methoden anbetrifft, so gibt
es bei den Gewerkschaften ebenso grosse Unterschiede wie bei den
Unternehmen. Die kleinste internationale Gewerkschaft hat nur 100
Mitglieder, die groesste ueber eine Million. Es gibt einige Gewerkschaften, die Geschaeftsorganisationen sind und Gewinne erzielen; einige andere sind Genossenschaften; und wieder andere sind
richtige mittelalterliche Gilden, denen nur Meister und Gesellen
angehoeren. Wieder andere Gewerkschaften haben dem guten Ruf der
Gewerkschaftsbewegung geschadet, weil sie Ausbeutermethoden, Terror
und Gewalt anwandten. Es gibt Gewerkschaften, die ihre Hauptaufgabe im Dienst an fremden Ideologien und Nationen zu sehen scheinen. Auf der anderen Seite gibt es Gewerkschaften im Dienste der
Unternehmer, deren Zweck in Wirklichkeit darin besteht, die wahre
Gewerkschaftsbewegung zu unterminieren und die Arbeiter im Interesse
der Unternehmer zu betruegen.
Die Gewerkschaftsbewegung ist zu gross und zu vielseitig, um
sie erschoepfend und genau in ein paar kurzen Saetzen beschreiben
zu koennen. Was von einzelnen Gewerkschaften hier gesagt wurde,, ist
jedoch nicht zu verallgemeinern. Es hat in der Gewerkschaftsbewegung Fehlschlaege gegeben, jedoch nicht mehr als in anderen Schichten der Gesellschaft. Gewerkschaften und Gewerkschafter haben sich
manchmal gesetzeswidriger Methoden bedient, aber wer hat das nicht
getan? Im Laufe der Jahre sind die Faelle immer seltener geworden,
in denen bei Arbeitsstreitigkeiten Gewalt angewandt wurde. Die Gewerkschaftsbewegung hat unter der kommunistischen Infiltration und
den Versuchen der Kommunisten gelitten, das Gewerkschaftswesen zur
Foerderung ihrer Parteiinteressen zu missbrauchen. Aber niemand hat
im Kampf gegen die kommunistischen Beherrschungsversuche soviel geleistet wie gerade die Gewerkschaften. Eine starke Gewerkschaftsbewegung ist die beste Sicherheit gegen die Moeglichkeit, dass die
Arbeiter den falschen Versprechungen jener erliegen, die die Wirtschaft und die Regierung unterminieren moechten.
"New Frontiers of Unionism"
(Neue Grenzen des Gewerkschaftswesens)
II/2/50
- 10 -

�DIE REALLOEHNE IN DEN LAENDERN HINTER DEM EISERNEN VORHANG
Vergleiche sind wie geschichtliche Parallelen manchmal hinkend
und oft ungenau. Besonders schwierig ist es, den Lebensstandard der.
Arbeiter in Laendern hinter dem Eisernen Vorhang mit dem amerikanischer Arbeiter-zu vergleichen, und zwar vor allem deshalb, weil Statistiken in jenen Laendern Staatsgeheimnisse sind. Angaben in der
New-York Post werfen jedoch etwas Licht auf den gegenwaertigen Wert
der in Rubel, Zlotys, Lei, Lewa und tschechischen Kronen bezahlten
Loehne im Vergleich zu den amerikanischen Dollarloehnen. Franz
Pick, der Herausgeber des "Picks Kursbericht der Welt", ist Experte
in Finanzfragen, und von ihm stammen die folgenden Werte: (Natuerlich muss dabei darauf hingewiesen werden, dass eine solche Umrechnung manche Maengel aufweisen muss, zumal die Regierungen jener
osteuropaeischen Staaten der Meinung sind, dass der Umrechnungskurs
ein gerechter sei, da die Kosten wichtigster Lebensmittel ausserordentlich niedrig sind, sodass aus diesem Grunde der vorgeschriebene Kurs sich verantworten Hesse. Aber die Unterschiede sind derart gross, dass diese Argumente nicht durchschlagen.)
In Moskau ist der offizielle Kurs vier Rubel fuer einen Dollar,
der nichtoffizielle dagegen 40 Rubel fuer einen Dollar. In Sofia
steht der Dollar mit 285 Lewas offiziell, nichtoffiziell mit
1.275 Lewas im Kurs. In Bukarest werden offiziell 150 Lei, nichtoffiziell 610 Lei fuer den Dollar gezahlt. In Budapest liegt der
amtliche Kurs bei 11.80 Forints je Dollar, im geheimen bezahlen
die Spekulanten Ungarns jedoch bis zu 53 Forints. 400 Zlotys sind
in Warschau nach dem amtlichen Kurs einen Dollar wert, der nichtamtliche Kurs ist jedoch 1.370 Zlotys und manchmal noch mehr. Der
offizielle Kurs in Prag ist 50 Kronen fuer einen Dollar, nichtoffiziell werden 520 Kronen gezahlt. In Peiping steht dem amtlichen
Kurs von 38.750 der nichtamtliche von 152.500 gegenueber. In Berlin hat der Dollar naoh dem offiziellen Kurs einen Wert von fuenf
Ostmark, auf dem Schwarzmarkt dagegen wird er fuer 45 und mehr Ostmark verkauft. Damit ist nach den Angaben Picks und der New York
Post der Dollar auf dem nichtkontrollierten Markt mindestens viermal soviel wert wie nach dem offiziellen Umrechnungskurs.
Der nichtoffizielle Kurs ist selbstverstaendlich sehr starken
Schwankungen unterworfen. Die von Franz/Pick angegebenen Werte scheinen die hoechsten zu sein, die ein Privatspekulant zahlen wird. Nach
Aussagen von Fluechtlingen aus anderen Laendern innerhalb des Rubelblockä sind diese Schaetzungen jedoch ziemlich genau oder waren es
zumindest vor einigen Wochen.
Angenommen, diese Zahlen stimmen ungefaehr mit dem Realwert der
Waehrungen Sowjetrusslands und seiner Satelliten ueberein, dann waere
die Feststellung interessant, wieviel der normale Arbeiter in jenen
Laendern verdienen muss, um den glei-chen Lebensstandard wie der amerikanische Arbeiter zu haben. Der Durchschnittslohn eines amerikanischen Industriearbeiters betraegt etwa 250 Dollar monatlich.
Um so wie der amerikanische Arbeiter leben zu koennen, muesste
der durchschnittliche russische Fabrikarbeiter nach dem offiziellen
Kurs monatlich 1000 Rubel verdienen, nach dem nichtoffiziellen oder
tatsaechlichen Kurs aber 10.000 Rubel. In Wirklichkeit verdient er
jedoch 600 Rubel. In Bulgarien muessten ihm nach dem amtlichen Kurs
70.000 Lewas, naoh dem tatsaechlichen Kurs 312.000 Lewas gezahlt
werden; nach den neuesten Berichten verdient der bulgarische Arbeiter aber nur 16.000 Lewas im Monat. Der ungarische Industriearbeiter hat ein Monatseinkommen von etwa 600 Forints; damit sein Lebensstandard dem des amerikanischen Arbeiters gleich waere, muesste er
3.000 Forints oder nach dem hoechsten nichtoffiziellen Kurs 15.000
- 11 -

�Forints verdienen.
Der durchschnittliche Monatslohn in Rumänien betraegt etwa
5000 Lei. Das ist nur ein Sechstel des durchschnittlichen amerikanischen Arbeiterlohnes nach dem offiziellen Kurs, und nach dem
tatsaechlichen Kurs muesste der rumaenische Arbeiter zumindest
150.000 Lei im Monat verdienen, um den amerikanischen Lebensstandard erreichen zu koennen. Der Monats lohn des polnischen Fabrikarbeiters muesste nach dem amtlichen Kurs bei 100.000 Zlotys und
nach dem nichtamtlichen Kurs zwischen 250.000 und 460.000 Zlotys
liefen. Nach Stachanow wuerde es in der Tat heroischer Anstrengungen beduerfen, um soviel verdienen zu koennen, dass sein Lebensstandard dem des amerikanischen Arbeiters gleichkaeme. In Polen
betraegt der Mindestlohn zur Zeit 12.500 Zlotys monatlich, und besonders gut bezahlte Bergleute verdienen 27.300 Zlotys, was dem
Verdienst eines amerikanischen Bergmannes fuer fuenf Tage entspricht. In der Tschechoslowakei betraegt der monatliche Durchschnittslohn etwa 3.500 Kronen; dagegen muessten es nach dem amtlichen Kurs 12.300 und nach dem freien Kurs 125.000 Kronen sein,
wenn der tschechische Arbeiter den Lebensstandard des amerikanischen
Arbeiters haben sollte.
Arbeitsmitteilungen der ECA
V/17/50
AMERIKANISCHE GE//SRKECHAFT VERPFLICHTET SICH, NICHT ZU STREIKEN
Der Internationale Elektroarbeiterverband (CIO) hat sich fuer
die Dauer eines Drei-Jahrespaktes, der mit der Spterry Gyroscope
Company in deren Betrieb in Lake Success abgeschlossen wurde, verpflichtet, keinen Streik zu fuehren.
Die wichtigsten Bestimmungen dieses Abkommens, das sich auf
etwa 5.500 Arbeiter erstreckt, die mit der Herstellung von Kriegsmaterial beschaeftigt sind, sind folgende:
1. Rueckwirkend bis 15. April wird der Stundenlohn, um 5 Cents
erhoeht und eine automatische jaehrliche Aufbesserung yoii 4 Cents
je Arbeitsstunde zugesichert. Der durchschnittliche Stundenlohntarif betraegt im Jahre 1950 1.72 Dollar.
2. Die Loehne sind an den Lebenshaltungskosten-index fuer
New York des Statistischen Bueros des Arbeitsministeriums gekopoelt, und jede Srhoehung dieses Index um einen Punkt wird durch eine
Stundenlohnerhoehung um 1 Cent ausgeglichen. Die Loehne duerfen Jedoch nicht niedriger werden, als in dem Erstabkommen vorgesehen
ist.
3. Ein nicht beitragspflichtiges Gesundheits- und V.ohlfahrtsDrogramm wird eingefuehrt und das beitragspflichtige Pensionsprogramm weitergefuehrt.
4. Beide Vertragspartner kommen ueberein, in der Beibehaltung
gerechter Produktionsnormen und guter Arbeitsbedingungen zusammenzuarbeiten.
Sprecher der Elektroarbeitergewerkschaft und der Sperry Company
erklaerten, dass der Abschluss dieses Vertrages durch den gemeinsamen 'Vunsch beschleunigt worden sei, eine ununterbrochene Kriegsmaterialproduktion zur Verteidigung des Landes zu gewaehrleicten.
V/eekly Labor News Digest
VIII/2/50
- 12 -

�DELEGATION AFRIKANISCHER GEWERKSCHAFTER SCHLAEGT VERBESSERUNG DES
ECA-PROGRAMMS VOR
Ein groesserer Anteil an den Mitteln der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit sollte direkt den Lohnempfaengern in
Deutschland&gt; Italien und Frankreich zugute kommen. Dies war der
Sinn der Erklaerungen, die John W. Livingstone, der zweite Vorsitzende der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft (CIO), in
der vergangenen Woche abgab. Livingstone sprach hier als Beauftragter der Delegation der 12 Gewerksch&amp;ftsfunktion&amp;ere, die jetzt
von einer sechswoechigen Reise durch europaeische Kraftwagen- und
Flugzeugfabriken zurueckkehrten.
Die Delegation forderte verbesserte Lebensbedingungen in den
genannten drei europaeischen Laendern, da dies der wirksamste Weg
sei, den Drohungen einer kommunistischen Kontrolle entgegenzutreten. Die Mittel des Marshall-Plans haben, wie die Gruppe sich
ueberzeugen konnte, die Profite der Gesellschaften anschwellen lassen, deren Fabriken wieder neu gebaut werden konnten. Zur selben
Zeit haben die geringen Loehne der Arbeiter ihre Moral und ihr
Selbstbewusstsein untergraben. Die Kritik der Gruppe richtet
sich, wie erklaert werde, gegen die unkorrekte Verwendung der
ECA-Mittel, nicht jedoch gegen die eigentlichen Ziele der MarshallPlan-Hilfe. In Grossbritar.nien habe die Gruppe, so erklaerte
Livingstone, feststellen koennen, dass dj.e Fabriken ebenfalls wieder aufgebaut und modernisiert seien, dass aber auch die Arbeitsbedingungen sich wesentlich verbessert haben.
Weekly Labor News Digest
VIII/16/50
750 FRAUEN IN SPITZENSTELLUNGEN IN AMERIKA
In Washington ist ein sehr aufschlussreicher Bericht erschienen, der sich mit den Stellungen von 730 Frauen beschaeftigt, die
in den Vereinigten Staaten Spitzenstellungen errungen haben. Es
handelt sich hierbei um Volkswirtschaftierinnen, Anwaelte, Wissenschaftlerinnen, Verwaltungsspezialistinnen, Patentprueferinnen,
Aerztinnen, Bibliothekarinnen, Statistikerinnen, Autoren, Spezialistinnen fuer Personalabteilungen und Buchhaltungen und aehnlicher
Berufe.
Aber die Zahl der Frauen in Spitzenstellungen ist gering. Sie
betraegt im Staatsdienst nur 3% aller Angestellten. Sie ist zwar
langsam angestiegen, aber wenn man weiss, dass 24% aller Arbeitskraefte weibliche sind, so ist die erwaehnte Zahl sehr gering.
Ueber die Haelfte dieser weiblichen Kraefte in Spitzenstellungen ist aelter als 45 Jahre. Sieben von acht dieser Frauen
haben auf einer Universitaet ihr Examen abgelegt, drei von fuenf
haben noch andere, schwierigere Pruefungen mit Erfolg bestanden.
32 dieser 730 Frauen haben ein Jahresgeh&amp;lt von mehr als 8000
Dollar. Aber wenn hier zu den maennlichen Kollegen Vergleiche gezogen werden, so ergibt sich, dass &amp;j&gt; der Maenner Gehaeiter von
mehr als 8000. pollar im Jahr beziehen, waehrend es nur 0.1% der
Frauen sind.
Die meisten dieser Freuen, die weit ueber dem Durchschnitt
mit ihren Bezuegen stehen, sind auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaft spezialisiert. Es handelt sich bei ihnen um Fachkraefte
fuc-T Betriebsanalysen, aber auch Spezialistinnen in Baumwolle,
Strickwaren, Gummierzeugnisse, um Berichterstatterinnen ueber
Lohn- und Preisbewegungen, ueber Lobneinzelheiten, ueber Wohnfragen
- 13 -

�und. Einkommensverteilung, ueber Nahrungsmittelverbrauch und aehnliche Dinge. Aus der Statistik geht hervor, dass der Krieg der
Mehrzahl dieser Fachkraefte erst den Weg zu diesen Aemtern oeffnete. Es gibt somit eine ganze Anzahl Kraefte, die bereits 20
Jahre und mehr auf solchen Posten stehen, aber die meisten haben
doch erst fuenf bis sechs Jahre Dienst in diesen Positionen hinter
sich. Drei Fuenftel dieser durch den Krie;? in diese Stellung gekommenen Frauen haben ein Gehalt zwischen 6400 und 7400 Dollar und
50% dieser Kraef te bezogen Gehaeiter zwischen 7600. und 8600 Dollar.
Es duerfte in Deutschland ueberraschen, dass unter diesen
Snitzenkraeften auch mehr als 50 Frauen zu finden sind, die auf
dem Gebiot der Sozialen Wohlfahrtspflege taetig sind. Dabei faellt
auf, dass disre Kraefto keine eigentliche Spezialausbildung genossen haben, aber es wird hier der groessere Wert auf die Praxis
gelegt, die weit wichtiger als jede wissenschaftliche Theorie ist.
Jedenfalls i-t dies drueben die Auffassung, die in diesem Falle
auch durch die Vorbildung dieser Spezialistinnen bestaetigt wird.
Unter den Spezialistinnen, die nicht die hoechsten Gehaltsstufen erreichen, aber trotzdem weit ueber dem Durchschnitt verdienen, stehen etwa 400 Frauen, von denen 41 in Physik oder Biologie
eine Sonderausbildung durchgemacht haben, 34 sind Aerztinnen, Krankenpflegerinnen oder Spezialkraefte auf einem Sondergebiet der
oeffentlichen Gesundheitsarbeit. 30 Kraefte betaetigen sich auf
dem Gebiet der Erziehung, 18 als Bibliothekarinnen, 14 als Statistikerinnen, 13 als Herausgeber oder Fachschriftstellerinnen, waehrend 33 Spezialistinnen auf dem Gebiet der Informationen sind.
Arnold Beichman, New Yorker Korrespondent der AFI News Service:
AFRIKANISCHE GEWERKSCHAFT SCHULT IHRE FUEHRER
Die Internationale Damenoberbekleidungsarbeiter-Gewerkscheft
(ILGVJU) der AFL hat einen Versuch unternommen, der die Aufmerksamkeit der gesamten Gewerkschaftsbewegung auf sich ziehen wird.
Es handelt sich um ein Ausbildungsinstitut dieser Gewerkschaft,
an dem zukuenftige Funktionaere und Fuehrer der ILGWU jeweils
fuer die Dauer eines Jahres unterrichtet und geschult werden, um
sich dann in fuehrenden Positionen der Gewerkschaften weitere
berufliche Kenntnisse zu erwerben.
Im Hauptquartier der ILGVJU, New York, 1710 Broadway, wurde
mit der Schulung einer Gruppe von 37 jungen Leuten - 32 Maenner und
fuenf Frauen - begonnen. Es ist eine Tagesschule, und der Lehrgang dauert ein ganzes Jahr, wov&gt;on 7 Monate theoretischer und 5
Monate praktischer Arbeit gewidmet sind.
Fuer die praktische Ausbildung sind Betriebsbesuche vorgesehen; ausserdem soll Einblick in die Arbeit von Organisatoren, Betriebsleitarn und Arbeitsvorgesetzten genommen werden. Ferner werden das schiedsrichterliche Verfahren und Faelle der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern studiert.
Der Lehrplan des ersten Jahres enthaelt die Geschichte der
ILGWU, ihren Aufbau und ihre Arbeitsweise, die Geschichte der Demenoberbekleidungsindustrie nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, die
Verwaltung der Gewerkschaften, die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung und die Gesetzgebung, die Einfuehrung in das Tarifverhandlungsverfahren und eine Studie der grundlegenden Berufe.
- 14 -

�N

Der Lehrkoerper des Instituts setzt sich nicht nur aus Gewerkschaftsfunktionaeren, sondern auch aus aussenstehenden Dozenten zusammen. Hierzu gehoeren Dr. PhiliD Taft von der Brown Universitaet, Frau Elizabeth Pollock vom polytechnischen Institut und andere. Leiter der Schule der ILGWU ist Arthur A. Eider, der seit
' Jahren Vizepresident der Gewerkschaft der Lehrer ist.
Die zugelassenen Studenten zahlen keine Unterrichtsgelder,
muessen aber fuer ihren Lebensunterhalt aufkommen. Sie muessen
zumindest eine hoehere Schulbildung haben, und nach erfolgreichem
Abschluss des Lehrgangs wird ihnen eine Anstellung bei der ILGWU
zugesichert.
Zur Finanzierung des Instituts bewilligte der Exekutivausschuss 100.000 Dollar.
Anlaesslich der Eroeffnung der Schule sprachen Vizepresident
Julius Hochmtn, der Leiter des Erziehungsausschusses der ILGWU
und David Dubinsky, der Praesident der ILGWU. Dubinsky erklaerte,
dass sich fuer die Gewerkschaftsbewegung die Notwendigkeit ergeben
habe, ihre zukuenftigen Fuehrer zu schulen.
"Das Problem der Gewerkschaftsfuehrung", sagte er, "ist heute
ein anderes als in den vergangenen Jahren. Die Organisationsmethoden unterscheiden sich von denen, die vor 40 oder 50 Jahren angewendet wurden. Die Verhandlungsmethoden haben sich geaendert und
ebenso die Unternehmer. Deshalb muss auch die Gewerkschaftsfuehrung
eine andere sein.
"Angesichts der Dringlichkeit dieses Problems gibt es keine
bessere Moeglichkeit als junge Menschen auszubilden, die irgendeine Ausbildung genossen und ein Interesse daran haben, sich in der
Gewerkschaftsbewegung zu betaetigen, und die bereit sind, einer Sache zu dienen, die ihnen geistige Befriedigung und zugleich «ine
Laufbahn bietet."
Weekly News Service (AFL)
V/5/50
NEUE TABELLEN UEBER DAS ARBEITSALTER AMERIKANISCHER ARBEITER
Das Statistische Buero des US-Arbeitsministeriums hat von
einer wichtigen Errungenschaft auf dem Gebiet der Statistik berichtet: es sind Tabellen ausgearbeitet worden, die anzeigen, mit wieviel Jahren beruflicher Taetigkeit ein amerikanischer Arbeiter im
Durchschnitt rechnen kann.
Die neuen Tabellen ueber die Dauer des Arbeitslebens zeigen
die zunehmende Spanne zwischen dem Gesamtlebensalter und der Dauer
der beruflichen Taetigkeit der Maenner in den Vereinigten Statten
auf.
Danach hat sich das Lebensalter, mit dem ein 20*jaehriger
maennlicher Arbeiter der weissen Rasse im Durchschnitt rechnen
kann, in der Zeit von 1900 bis 1940 um 5 1/2 Jahrs erhoeht, waehrend diese Erhoehung fuer die Dauer seiner beruflichen Taetigkeit
nur 2 1/2 Jahre betraegt. Die Zahl der Jahre im Ruhestand, mit
denen er rechnen kann, hat sich in dieser Zeitspanne verdoppelt.
Wenn diese Entwicklung weitergeht, heisst es in*dem Bericht des
statistischen Bueros, wird sich die Spanne zwischen der zu erwartenden Gesamtlebensdauer und der der beruflichen Taetigkeit in der
Zeit von 1900 bis 1975 verdreifachen.
- 15 -

�Der Tabelle zufolge konnte im Jahre 1940 ein 20-jaehriger
Landarbeiter der" weissen Rasse dar.it rechnen, fast 3 Jahre laenger
als ein Arbeiter aus der Stadt zu arbeiten. Das zu erwartende Arbeitsalter des 20-jaehrigen, nicht der weissen Rasse angehoerenden
Arbeiters war um fast 6 Jahre kuerzer als das des Arbeiters der
weissen Rasse.
Durch die Tatsache veranlasst, dass aeltere Leute einen zunehmenden Prozentsatz der Bevoelkerung bilden, hat das statistische Buero im Jahre 1945 an diesen Tabellen zu arbeiten begonnen.üeber das Arbeitsalter der Frau werden zur Zeit gleiche Tabellen
entwickelt.
Die Tabellen werden dem Studium des wirtschaftlichen Problems
der Abhaengigkeit alter Leute zugrundegelegt und beir. Veranschlagen der Beschaeftigungsmoeglichkeiten fuer verschiedene Berufsgruppen auf lange Sicht verwendet werden. Sie werden bei der
Berufsberatung wertvolle Helfer sein. Da sie einen Ueberblick ueber die Zahl derjenigen Arbeiter bestimmter Beschaeftlgungssparten
geben, die wahrscheinlich sterben oder in den Ruhestand treten
werden, koennen mit ihrer Hilfe neue Arbeiter in die Berufe gelenkt werden, fuer die grosser Nachwuchsbedarf besteht.
Das statistische Buero wird in Kuerze einen Bericht ueber die
Tabellen des Arbeitsalters (Bulletin Kr. 1001 des statistischen
Bueros) veroeffentlichen. Ausserdem wird, beginnend im August,
in der Veroef fentlichung "BLS Monthly, Labor Review" zu diesem Thema
eine Serie von fuenf Artikeln erscheinen.
Die Fertigstellung der Tabellen wurde kurz nach Beendigung
der Nationalen Konferenz ueber das Alter angekuendigt, die die
Bundesstaatliche Sicherheitsbehcerde vom 13.-15. August abhielt.
Die Konferenz wurde in Antwort auf die Forderung Praesident Trumans
einberufen, sich eingehend mit den Problemen zu befassen, die mit
dem staendigen Ansteigen des Anteils der aelteren Leute an der
Gesamtbevoelkerung des Landes in Zusammenhang stehen.
Pressemitteilung des US Arbeitsministeriums
VIII/21/50
KANADISCHE EISENBAHNER DROHEN MIT STREIK
Fuenfzehn kanadische Eisenbahnergewerkschaften, in denen
nicht im Fahrdienst beschaeftigte Eisenbahner organisiert sind,
kuendigten den Eisenbahngesellschaften an, dass sie in den Ausstand treten wuerden, wenn ihre Forderungen nach einer kuerzeren
Arbeitswoche bei einer gleichzeitigen Lohnerhoehung nicht bis zu
einem bestimmten Tage erfuellt wuerden.
Die mehr als 90.000 Mitglieder dieser Eisenbahnergewerkschaften
verlangen ohne eine Kuerzung ihrer Loehne an Stelle der 43-Stunden
Woche *die Einfuehrung der 40-Stunden V/oche und eine Erhoehung des
Stundenlohnes um 7 Cents. Mit dieser Streikankuendigung fanden
die Verhandlungen einen neuen Hoehepunkt, die uebrigens seit mehr
als einem Jahre im Gange sind. Nachdem die Unternehmer die Forderungen der Gewerkschaften zurueckgewiesen hatten, befasste sich
ein kanadischer bundesstaatlicher Vermittlungsausschuss mit dem
Problem. Die Mehrheit des Ausschusses huette Vorschlaege gemacht,
erklaerten die Gewerkschaften, die "voellig unannehmbar" gewesen
./aeren.
'.Veekly Labor News Digest
VIII/9/50
- 16 HICOO R.U3* t » » a»P« 5» * «

�International«

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 28

Frankfurt, 15. September 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die Arbeiterschaft zur Frage der Steigerung der
Produktionsleistung - - - - - - - - - - - - Der Marshall Plan in einem franzoesischen Hafen Betrachtungen zur Aussenpolitik der Vereinigten
Staaten - - - - - - - - - - - - - - - - - - Britische Gewerkschaften entscheiden sich fuer
die Nutzanwendung der Berichte ihrer Auslandskommission - - - - - - - - - - - - - - - - - 17 westeuropaeische Nationen unterstuetzen
Binnenwanderungsprogramm - - - - - - - - - - Fabrikbaukontrolle in England gelockert - - - - Kupers besucht griechische Gewerkschaften - - - Norwegische Gewerkschaften stellen sich hinter
die Vereinten Nationen - - - - - - - - - - - 15 Jahre Sozialfuersorge in den Vereinigten
Staaten - - - - - - - - - - - - - - - - - - Oesterreichische Arbeitskammer baut Lehrlingsheim
Die Gewerkschaften ruesten sich fuer politische
Machtansprueche - - - - - - - _ - - _ - _ _ -

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15
iß

'S. Schevenels:
DIE ARBEITERSCHAFT ZUR FRAGE DER STEIGERUNG DER PRODUKTIONSLEISTUNG
Obwohl der Wiederaufbau der kriegszerstoerten Laender bereits
weit vorangeschritten ist, hat die grosse Mehrheit der Bevoelkerung, insbesondere die Industriearbeiter, ihren Vorkriegslebensstandard noch nicht wieder erreicht. Sie sind Jahr fuer Jahr in
ihrer Hoffnung auf verbesserte Lebensbedingungen enttaeuscht worden«
Und heute besteht in diesen hochentwickelten Industriestaaten tat- 1-

�saeohlich die Gefahr eines wirtschaftlichen Stillstands. Ausserdem
sind grosse Gebiete der Welt in die Weltwirtschaft einbezogen worden, und Hunderten von Millionen Mensohen in diesen Laendern kommt
es immer staerker zum Bewusstsein, wie ausserordentlich niedrig
ihr Lebensstandard ist. In diesen wirtschaftlich rueckstaendigen
Laendern ist die Notwendigkeit einer wesentlichen Verbesserung des
Lebensstandards noch viel groesser und dringender als in den wirtschaftlich entwickelten Staaten.
Es gibt nur eine Moeglichkeit, diesen dringenden Bedarf an
einer hoeheren Erzeugung und an
einer Vermehrung der Dienstleistungen zu decken: die Steigerung1der Produktionsleistung auf der
ganzen Welt. Hoehere Produktionsleistung kann mit vielen Mitteln
erreicht werden: bessere Einrichtungen und zahlreichere Maschinen;
bessere Organisation der Produktion; groessere Lelstungsfaehigkelt
und Vermeidung der Verluste bei der Verteilung und dem Transport;
Ausdehnung der Absatzmaerkte, wozu eine bessere Verteilung der Arbeitskraefte, eine groessere Spezialisierung und Normung der Produktion erforderlich ist. Jede dieser Massnahmen und alle zusammen
koennen und muessen eine groessere Produktion und niedrigere Gestehungskosten ermoeglichen.
Der wirkliche Erfolg jeglicher Bemuehungen zur Steigerung der
Produktionsleistung haengt von der Bereitwilligkeit der Arbeiter
zur Zusammenarbeit ab. Um diese Zusammenarbeit zu sichern, ist es
notwendig, die Arbeiter davon zu ueberzeugen, dass sie sich durch
ihren Beitrag zur Steigerung der Produktionsleistung niedrigere
Preise und hoehere Loehne und damit einen hoeheren Lebensstandard
fuer jedermann und ueberall sichern.
Die Arbeiterschaft hat in der Vergangenheit bittere Erfahrungen
mit der Elnfuehrung neuer Maschinen und arbeitssparender Einrichtungen und Methoden gemacht, die zur Massenarbeitslosigkeit, niedrigeren
Loehnen und schlechteren Arbeitsbedingungen gefuehrt haben. Es ist
wahr, dass ohne hoehere Produktionsleistungen keine Moeglichkeit besteht, die gegenwaertlgen Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern, und der Arbeiter ist sich dessen durchaus bewusst.
Es duerfte deshalb nicht allzu schwer sein, die Arbeiterschaft
fuer eine Steigerung der Produktionsleistung zu gewinnen, vorausgesetzt, dass sie ueberzeugt werden kann, dass die aus der hoeheren
Produktionsleistung entstehenden Vorteile unter alle Schichten der
Bevoelkerung gerecht verteilt werden, und dass vor allem die gesteigerte Produktionsleistung ihnen in Form hoeherer Loehne, zahlreicherer und billigerer Waren und die Vollbeschaeftigung zugutekommt.
Die Arbeiter wissen, dass dies erreicht werden kann. Wenn es
jedoch nicht erreicht werden kann, dann nur deshalb, weil irgendwo
irgendjemand dagegen arbeitet.
Labour News Bulletin on ERP
VII/15 - VIII/15/50
DER MARSHALL PLAN IN EINEM FRANZCESISCHEN HAFEN
Der franzoesische Hafen Le Havre hat 60% seiner Vorkriegskapazitaet wieder erreicht. Hieraus hat sich eine rege Geschaeftstaetigkeit und Beschaeftigungmoeglichkeit fuer die Bewohner von Le Havre
ergeben, die sonst arbeitslos waeren.
Le Havre ist der bedeutendste franzoesische Einfuhrhafen fuer
Baumwolle. 191.000 Tonnen Baumwolle, wovon ueber 80% Marshall Plan
- 2 -

�Lieferungen entstammen, wurden im Laufe des vergangenen Jahres in
diesem Hafen ausgeladen. Damit wurde nicht nur der franzoesisehen
Textilindustrie geholfen, die nach einer weiteren Zuteilung von
Z Millionen Dollar fuer Neuanschaffungen mit grosser Zuversicht
der Beseitigung der Zollschranken entgegenblickt, sondern einem
der groessten Haefen Frankreichs wurde auch seine industrielle Geschaeftigkeit aus der Vorkriegszeit zurueckgegeben.
Die Schiffahrt ist die Lebensader von Le Havre, und es war
selbstverstaendlich, dass die Wiederherstellung der kriegszerstoerten Dockanlagen den Vorrang vor allen anderen Bauvorhaben einnehmen
musste. Als naechstes wird nun der Wohnungsbau fuer diese bedeutende Hafenstadt mit einer Einwohnerzahl von 135.000 in Angriff genommen. Das Wiederaufbauprogramm, das 1948 und 1949 anlief, wird in
diesem Jahre einen grossen Aufschwung nehmen, nachdem 1,706 Millionen Franken (5.114.000 Dollar) aus Gegenwertfonds des Marshall Planes fuer den Wiederaufbau der kriegszerstoerten Wohnhaeuser bereitgestellt wurden.
14$ der in dem Wohnungsbauprogramm fuer Le Havre vorgesehenen
Arbeiten sind zur Zeit in der Ausfuehrung begriffen, und man erwartet, dass 1500 Familien, die zur Zeit in Notwohnungen untergebracht
sind, gegen Ende des Jahres neue Wohnungen haben werden.
Die Marshall Plan Hilfe fuer Le Havre stellt nur einen Teil
des gesamten ERP Fonds fuer Wohnungsbauzwecke fuer ganz Frankreich
dar, der sich auf 62.285.000 Dollar (fast 22 Milliarden Franken aus
Gegenwertfonds) belaeuft.
Labour News Bulletin on ERP
VII/15 - VIII/15/50
Edward G. Miller, Jr., stellvertretender Aussenminister fuer interamerikanische Angelegenheiten:
BETRACHTUNGEN ZUR AUSSENPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
Die Taetigkeit der Gewerkschaftsbewegung macht sich in LateinAmerika immer staerker bemerkbar. Der Aufstieg der Bewegung ging
langsam vor sich, und sie hatte gelegentlich, wie auch in anderen
Laendern, gegen eine hertnaeckige Opposition zu kaempfen. Besonders
in den letzten Jahren jedoch hat sie sich in politischen Angelegenheiten in zunehmendem Masse Gehoer verschafft. Niemand weiss, wie
stark die Gewerkschaftsbewegung in Latein-Amerika ist. Ich habe
Schaetzungen gehoert, die um mehr als 100% variieren. Doch selbst
wenn die Bewegung zahlenmaessig klein ist, ihre Bedeutung ist gross.
Das trifft besonders fuer jene Laender zu, in denen die grosse Masse
des Volkes nicht aufgeklaert und politisch kaum organisiert ist.
Die Gewerkschaftsbewegung spricht im Namen des Volkes, und sie muss
besonders bemueht sein, fuer die Verwirklichung der wahren Bestrebungen des Volkes zu arbeiten.
Die Gewerkschaften sind an der Foerderung der demokratischen
Ideale und Einrichtungen in Amerika und im Ausland interessiert.
Das gleiche gilt fuer das Aussenministerium. Liberale Gruppen in
USA selbst und in Latein-Amerika haben jedoch manchmal die Politik
der Vereinigten Staaten nicht verstanden, und zwar deshalb, weil
sie die Hintergruende dieser Politik nicht voellig erkannten. Heute
ist man geneigt, bei jeder Gelegenheit das U.S. Aussenministerium zu
beschuldigen. Die schwierigen Situationen in der Welt haben grösstenteils verwickelte und tiefverwurzelte Ursachen. Diese Probleme
koennen nicht ueber Nacht geloest werden. Gerade weil die Politik

3

�von einigen Gruppen missverstanden wird, die sich als Verfechter
demokratischer Ideale aufspielen, moechte ich ueber zwei Fragen
sprechen, die fuer die Allgemeinheit von Bedeutung sind: erstens,
warum halten die Vereinigten Staaten von Amerika ihre diplomatischen Beziehungen zu Regierungen aufrecht, die nicht demokratisch
sind, und zweitens, warum arbeiten die Vereinigten Staaten mit derartigen Regierungen wirtschaftlich zusammen?
Die Politik der Vereinigten Staaten stellt das Ergebnis eingehender und ernsthafter Studien, Versuche und der praktischen Anwendung unserer grundlegenden Prinzipien dar. Sie entstammen einem
gesunden Menschenverstand und sind dazu bestimmt, der Arbeiterschaft
so schnell vorwaertszuhelfen, wie es die dabei auftretenden Schwierigkeiten erlauben.
Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit einer Regierung
haengt erstens davon ab, ob diese Regierung die zivile Ordnung aufrechterhalten kann oder nicht. Hierauf wird selbstverstaendlich
jede Regierung zuerst geprueft. Ausserdem muss man wissen, ob man
sich darauf verlassen kann, dass diese Regierung ihren internationalen Verpflichtungen nachkommt, das heisst, dass sie sich an ihre
Abmachungen und die internationalen Gesetze haelt. Allgemein gesprochen, ist die Form dieser Regierung nicht ausschlaggebend. Wenn
eine Regierung gewaltsam gestuerzt wurde, stehen die Vereinigten
Staaten vor der Frage, ob die neue Regierung, die an die Stelle der
alten tritt, anerkannt werden soll oder nicht. Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, sich mit den anderen Regierungen der westlichen
Hemisphaere zu verstaendigen, damit die Aktionen der amerikanischen
Voelkergemeinschaft so weit wie moeglich koordiniert werden koennen.
Diese Zusammenarbeit hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, und
die amerikanischen Laender sind sich dadurch naehergekommen; ausserdem hat diese Methode in der Oeffentlichkeit grosses Verstaendnis
fuer die Probleme und fuer die Politik der Vereinigten Staaten erweckt*
Die gegen diese Politik gerichteten Argumente werfen oft die
Frage auf, was "Intervention in die inneren Angelegenheiten" eigentlich ist. Diplomatische Anerkennung einer Regierung darf nicht als
eine moralische Hilfe angesehen werden, mit der eine innere Reform
ermoeglicht werden soll. Es ist offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten zu vielen Laendern, deren Regierungen unseren Idealen
nioht entsprechen, Beziehungen unterhalten und diese auch beibehalten. Die Tatsache, dass sie dabei mit ihren Prinzipien nicht einverstanden sind, ist um so mehr ein Grund, sich die Wege des gegenseitigen Gedankenaustausches offenzuhalten. Der Fortschritt der
Zivilisation beruht u.a. auf dem Austausch von Persoenlichkeiten und
Ideen. Die Vereinigten Staaten moegen sich nicht mit einem Eisernen
Vorhang umgeben. Wenn das internationale Verstaendnis gefoerdert
werden soll, muessen die Wege offenbleiben.
Einige Gewerkschaften Latein-Amerikas waren unzufrieden, weil
ihnen keine Hilfe angeboten wurde, die der Unterstuetzung Europas
und gewisser asiatischer Laender im Rahmen des Marshall Planes
gleichgekommen waere. Die gleichen Gewerkschaften und auch einige
Amerikaner haben protestiert, weil sich die Vereinigten Staaten nicht
auf diejenigen Laender beschreenkt haben, deren Regierungen sich an
die demokratischen Grundsaetze halten. Die amerikanische Hemisphaere
ist durch das sogenannte interamerikanische System vereinigt, das
in der "Organisation Amerikanischer Staaten" zum Ausdruck kommt.
Wenn wir nicht einen Blick auf die geschichtliche Entwicklung dieser
Organisation werfen, muessen wir unwillkuerlich die tatsaechlich
grossen Erfolge unterschaetzen, die in bezug auf die Vereinigung der
amerikanischen Voelkerfamilie seit der Gruendung der Pan-Amerikani- 4-

�sehen Union durch James G. Blaine und seine Mitarbeiter errungen
wurden. Wenn man naemlich weiter zurueckgeht, kann man mit Bestimmtheit sagen, dass der grosse suedamerikanische Fuehrer Bollvar
hoechst begeistert ueber das sein wuerde, was zur Verwirklichung
seines Ideals, einer vereinigten Hemisphaere, inzwischen getan
wurde. Auf den Konferenzen in Montevideo (1939), Buenos Aires
(1936), Lima (1938), Panama (1939) und Havanna (1940) wurden bedeutende Schritte zur Vereinigung der amerikanischen Nationen unternommen. In Rio de Janeiro (1942), in Mexiko (1945), wiederum in Rio
de Janeiro (1947) und in Bogota (1948) wurde diese Solidaritaet erneut unter Beweis gestellt.
Die Wirksamkeit des geschaffenen Systems hat seine erste Probe
bestanden, als sich die "Organisation der Amerikanischen Staaten"
gemaess dem Vertrag von Rio de Janeiro k'uerzlich mit Streitigkeiten
um die Karibische See befasste. Dies waere nicht moeglich gewesen,
wenn die amerikanische Gemeinschaft in einzelne Gruppen entsprechend den verschiedenen Ideologien der Mitgliederstaaten getrennt
gewesen waere.
Die Vereinigten Staaten glauben an diese Gemeinschaft, und mit
den Staaten meinen sie das Aussenministerium und die Bevoelkerung.
Sie muessen bestrebt sein, diese Gemeinschaft zu staerken, damit
die* Feindseligkeiten und Streitigkeiten auf dem amerikanischen Kontinent zu aller Nutzen und zur allgemeinen Verbesserungen des Lebensstandards auf friedliche Weise beigelegt werden koennen.
Erinnern wir uns an die tragischen Verhaeltnisse, die die Vereinigten Staaten veranlassten, Europa zu unterstuetzen. Der Krieg
hat West-Europa, ein Industriegebiet mit einer umfangreichen Wirtschaft, verwuestet. Die Fabriken, in denen die Arbeiter ihren
Lebensunterhalt verdienten, wurden zerstoert. Es war kein Kapital
vorhanden, um die Betriebe wieder aufzubauen. Die Arbeiter lebten
in groesster Armut, sie hatten auch keine Gelegenheit, selbst Nahrungsmittel anzubauen, denn dazu fehlte es an Ackerland. Sie mussten ernaehrt werden, und die Vereinigten Staaten halfen, sie mit
Lebensmitteln zu versorgen. Sie mu3sten Arbeitsaufgaben bekommen,
denen sie gewachsen waren. Die Vereinigten Staaten halfen beim
Wiederaufbau der Fabriken, der Handel bluehte wieder auf, und Bauern und Arbeiter konnten ihre Erzeugnisse austauschen. Damit halfen die Vereinigten Staaten, eine Katastrophe zu verhindern.
Die Lage in Latein-Amerika ist gaenzlich verschieden. Dort
dreht es sich nicht darum, grosse Industriestaaten wiederaufzubauen, sondern die wirtschaftliche Entwicklung zu foerdern. Diese Aufgabe nimmt Zeit in Anspruch. Bleibende Einrichtungen, wie die Export- Import- Bank, die Weltbank und der Internationale Waehrungsfond,
die nicht wie die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit
(E.C.A.) nach Beendigung einer wirtschaftlichen Krise wieder aufgeloest werden, stellen lediglich eine Form der Hilfe dar. Diese Institutionen bieten die finanzielle Unterstuetzung, die von den
Regierungen fuer die wirtschaftliche Entwicklung zur Verfuegung gestellt werden kann.
Die technische Unterstuetzung ist fuer Latein-Amerika ebenfalls
von groesster Notwendigkeit. Seit acht Jahren unterstuetzt die Regierung der Vereinigten Staaten das Institut fuer Interamerikanische
Angelegenheiten. Die Aufgabe dieser Organisation weiss man in
Washington wohl zu schaetzen, und in der letzten Sitzung des Kongresses wurde einstimmig fuer eine Verlaengerung ihres Bestandes
um fuenf Jahre gestimmt. Das Institut fuer Interamerikanische Angelegenheiten und das Komitee fuer Wirtschaftliche und Kulturelle Zusammenarbeit bilden einen Pruefstein fuer das Punkt-Vier-Programm
- 5-

�Praesident Trumans. Ein erweitertes Programm der technischen Unterstuetzung wird Latein-Amerika und anderen Teilen der Welt Gelegenheit bieten, eine wirksame technische ünterstuetzung zur Entwicklung der Landwirtschaft und Industrie mit eigenem oder ausländischem Kapital unter geringem Kostenaufwand zu erhalten. Ohne
einen politischen Einfluss ausuebsn zu wollen, soll dir finanzielle
ünterstuetzung der Laender Latein-Amerikas die wirtschaftliche
Entwicklung foerdern und eine Lahmlegung des Handels verhindern,
ohne dass dabei versucht wird, die inneren Angelegenheiten eines
Landes durch Aufdraengen eigener Ideen zu beeinflussen.
In der heutigen Welt beschraenken sich die Beziehungen zwischen den einzelnen Laendern nicht auf die Regierungen selbst, sondern gehen in jeder Hinsicht ueber die Regierungen hinaus. Die
Handelsbeziehungen, der Fremdenverkehr, die kulturellen Beziehungen
und die indirekten Auswirkungen des Verhaltens der USA auf die
Entwicklung der öffentlichem Meinung liegen ausserhalb der Einflus3phaere der Regierungen.
In der Denkungsweise der Vereinigten Staaten und ihrem politischen Schrifttum besteht die Tendenz, die Rolle der Regierung uebermaessig zu betonen und ein Volk oder ein Land mit der Regierung zu
entzweien, die gerade an der Macht ist. Wenn die Programme der
Zusammenarbeit auf diesem Kontinent wirksam sein sollen, muessen
sie von Dauer sein. Die USA duerfen sich nicht von der Abneigung
gegen eine Regierung, die an der Macht ist, irrefuehren lassen.
Nichts kaeme den Feinden der Vereinigten Staaten gelegener, als
wenn sie sich ihrer Unfehlbarkeit ruehmen wollten.
Damit kommen wir zu einer wichtigen Frage: Wie kann nach unserer Auffassung die Demokratie in Latein-Amerika gestaerkt werden?
Es ist unmoeglich eine erschoepfende Erklaerung ueber Demokratie
abzugeben. Demokratie ist mehr als die Summe ihrer Bestandteile es ist der sie beherrschende Geist. Sie kann nicht durch irgendeine Theorie oder praktische Massnahme geschaffen werden. Die wahre
Demokratie beruht auf dem Selbstbewusstsein und auf dem Glauben
eir.es Volkes, dass selbst Meister seines Schicksals ist. Die Demokratie kann einem lenksamen oder nicht-denkenden Volk nicht dadurch
beigebracht werden, dass man es zwingt, sich von seiner Regierung
zu distanzieren. Wohl ist es richtig, dass die Vereinigten Staaten
durch Nichtanerkennung und wirtschaftliche Sanktionen gegen eine
Regierung eines kleineren Landes deren Sturz herbeifuehren koennen.
Damit wÄren jedoch nicht die Ursachen beseitigt, die zu dieser Regierung gefuehrt hatten. Ausserdem hat die Erfahrung genuegend
gelehrt, dass Nationalismus die Urteilsfaehigkeit zerstoert und
ein Volk halsstarrig macht, sodass alle Anfeindungen gegen seine Regierung nur dazu fuehren, dass es umso verzweifelter an ihr festhaelt.
Die Demokratie wird nicht nur durch einen gewaltsamen Sturz
einer Regierung erzeugt. Einige unglueckliche Laender in LateinAmerika haben zahllose Umstuerze erlebt, ohne den demokratischen
Freiheiten in irgendeiner V/eise naehergekommen zu sein. Demokratie
erfordert rechtmae3sigen Fortschritt und die Erweiterung des Begriffs der Freiheit. Sie erfordert das Selbstbewusstsein eines
Volkes, den Glauben an die Moeglichkeit, ^ein eigenes Schicksal am
vorteilhaftesten selbst gestalten zu koennen und den Drang nach Unabhaengigkeit. Demokratie beruht auf Erziehung, auf einer aufgeklaerten Waehlerschaft und einer Wirtschaft, die allen gleich guenstige Moeglichkeiten bietet, all das muss Latein-Amerika heute geboten werden - technische Ünterstuetzung im Erziehungswesen, in der
Landwirtschaft und in der Industrie.

�Jegliche politische Debatte dreht sich heutzutage letzten Endes um den Kommunismus. Nach dem letzten Kriege hatten die Kommunisten viele der einflussreichsten Stellungen in der latein-amerikanischen Gewerkschaftsbewegung inne. Doch seitdem haben sie staendig an Boden verloren, und heute beherrschen sie in erster Linie
nur jene Splittergewerkschaften, die offen und eindeutig zupeben,
dass sie kommunistisch gefuehrt sind. Dabei gibt es bemerkenswerte
Ausnahmen. In einigen Laendern ist der Kampf im Gange; und wenn
auch die kommunistischen Fuehrer in anderen Laendern augenblicklich
noch eine starke Machtstellung einnehmen, so koennen diese Regierungen oder Voelker weder als treue Anhaenger des Kommunismus betrachtet werden, noch koennen die Kommunisten damit rechnen, die Kontrolle ueber die Gewerkschaftsbewegung in jenen Laendern noch lange
Zeit auszuueben.
In diesem Zusammenhang muss auf das Anwachsen des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes (CIT) seit seiner Gruendung im Jahre
1948 hingewiesen werden. Diese zunehmende Staerke des C.I.T. trug
sicherlich zu dem staendigen Machtverlust des von Moskau beherrschten C.T.A.L. (Latein-Amerikanischer Gewerkschaftsbund) bei. Nachdem nun A.F. of L. und C.I.O. im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften zusammenarbeiten und sich diese Zusammenarbeit auch auf
ihre Beziehungen zu den Latein-Amerikanischen Gewerkschaften erstreckt, ist die Lage noch guenstiger. Der Gedanke muss zurueckgewiesen werden, dass die Vereinigten Staaten ihre Missbilligung einer
autokratischen Regierung dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie
ihr die diplomatische Anerkennung oder die wirtschaftliche Zusammenarbeit versagen. Dies waere eine negative Antwort auf das Problem
und so muss man sich die Frage vorlegen: Mit welchen moralischen
Mitteln kann die Demokratie in Latein-Amerika gestcerkt werden?
Unser Glaube an die demokratischen Prinzipien muss selbstverstaendlich immer wieder zum Ausdruck gebracht werden, und die Gewerkschaften muessen ihren Einfluss geltend machen, um sie zu foerdern. Sie
sind an der Verankerung der Demokratie im eigenen Lande beteiligt.
Der Welt muss immer wieder vor Au^en gefuehrt werden, dass das demokratische System in der Praxis das beste ist. Mit friedlichen und
anstaendigen Mitteln muss zusammen mit den Voelkern Latein-Amerikas
weiterhin an der Entwicklung ihrer Laender gearbeitet werden, damit
sie eine Staette werden, in der alle Menschen Amerikas im Vertrauen
auf ihre Staerke und ihren Glauben an die demokratische Lebensweise
leben koennen.
Pressemitteilungen des U.S. Aussenministeriums
V/5/50
BRITISCHE GEWERKSCHAFTEN ENTSCHEIDEN SICH FUER DIE NUTZANWENDUNG
DER BERICHTE IHRER AUS UNDSK OMISSIONEN
Der Bericht der Kommission britischer Gewerkschafter, die die
Vereinigten Staaten erst kuerzlich besucht haben und dort den Beitrag der amerikanischen Gewerkschaften zu dem hohen Stande der industriellen Produktivitaet studiert haben, wird von den meisten britischen Zeitungen als geradezu "revolutionaer" bezeichnet. Nachdem
der Bericht gerade vor echt Tagen der Oeffentlichkeit zugaenglich
gemacht wurde, ist er heute der Gegenstand langer Artikel und Leitartikel in jeder britischen Tageszeitung.
Der Vizevorsitzende des britischen Bergarbeiterverbandes fuehrte diese Kommission, der Vertreter fast jeder bedeutenden Industriegruppe in England angehoerten. Diese Vertreter wurden durch den
Gewerkschaftskongress selbst ausgewaehlt, wobei die Gewerkschaften
dem Kongress verschiedene Vorschleege unterbreitet hatten. Die

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�Reise durch die Vereinigten Staaten wurde durch die europaeische
Verwaltung fuer Zusammenarbeit (ERP) ermoeglicht, die eine Abteilung
der Marshallplanverwaltung ist.
Im Gegensatz zu allen anderen Kommissionen, die von den britischen Gewerkschaften zur Foerderung des Marshallplans in die Vereinigten Staaten entsandt wurden, um dort die Rolle der Gewerkschaften im amerikanischen Wirtschaftsleben zu studieren, beschraenkte
sich diese Kommission einzig und allein darauf, einen einzigen,
dafuer aber umso wichtigeren Punkt zu studieren, naemllch die Beziehungen der Gewerkschaftspolitik zu der hohen Produktionsleistung
und der Hoehe des Lebensstandards genauer kennen zu lernen.
Die Bemerkungen der Kommission zu diesen Feststellungen wird
die Grundlage einer Diskussion in der britischen Gewerkschaftsbewegung sein - aber auch in anderen Laendern Europas, in denen es freie
Gewerkschaften gibt. Die Diskussionen selbst werden sich ueber
laengere Zeit erstrecken. Heute bereits hat jedoch die Kommission
und im Anschluss daran die britische Presse in ihrer Reaktion auf
diesen Bericht die Empfehlungen in den Vordergrund gerueckt, die
jene zehn Gewerkschaftsfunktionaere machten, damit die britischen
Gewerkschaften kuenftig sich positiven Aktionen verschreibt, um
den Feldzug fuer die Erhoehung der Produktionsleistung Britanniens
gewinnen zu koennen.
Der entscheidendste der 22 Empfehlungen ist der Vorschlag,
dass die Gewerkschaften kuenftig "bei der Anwendung wissenschaftlicher Massnahmen, auch wenn diese in exaktem Sinne keine rein wissenschaftlichen sind, einen wertvollen Beitrag zur Steigerung der Produktionsleistung leisten koennen. Um diese Zusammenarbeit zu verwirklichen, erklaert die Kommission, dass die britischen Gewerkschaften technische Produktionsabteilungen einrichten und
Produktions-Ingenieure heranbilden aussen .damit diese in den einzelnen Provinz- oder Bezirksbueros der Gewerkschaften die Interessen
der Gewerkschaftsmitglieder, in weitestem Sinne gesprochen, unterstuetzen und foerdern koennen.
Der Gewerkschaftskongress sollte, so faehrt der Bericht fort,
seinen eigenen technischen Stab vergroessern und die einzelnen Gewerkschaften unterstuetzen, ihre eigenen technischen und Forschungsabteilungen aufzubauen. Ebenso sollte der Kongress veranlassen,
Gewerkschaftsmitgliedern zu helfen, die den Komitees zur Foerderung
der Zusammenarbeit zwischen der Regierung und den Gewerkschaften
angehoeren, damit auch diese mit den britischen Produktionsproblemen besser bekannt werden.
Diese Produktionsexperten der Gewerkschaften und des Kongresses
sollten weiter die Pflicht haben, die oertlichen Gewerkschaftsfunktionaere der einzelnen Betriebe ueber die technischen und arbeitsmaessigen Probleme zu unterrichten, damit auch hier die Wichtigkeit
einer gemeinsamen Beratung auf der Ebene des einzelnen Betriebes
erreicht wird.
Wenn Gewerkschafter wuenschen, dass der Lebensstandard staendig hoeher werden soll, koennen sie niemals ein Widerstreben gegen
die Einfuehrung neuer oder modernisierter Maschinen fuer richtig
halten. Wenn jedoch ein Uebersteigern der erforderlichen Arbeitsweise sich bemerkbar macht, dann muss die Betriebsfuehrung mit den
Gewerkschaften sich an den Verhandlungstisch setzen, um gemeinsam
"gerechte Arbeitsbedingungen auszuarbeiten". Sind diese jedoch
gegeben, dann sollte auch einem verstaerkten Gebrauch mechanischer
Hilfsmittel fuer die Durchfuehrung von Zeit- und Bewegungsstudien
nichts im Wege stehen, wobei jedoch dann aber auch Moeglichkeiten
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�gegeben sein muessen, um die Verdienstmoeglichkeiten maximal zu
steigern.
Die Gewerkschaften muessen weiterhin ihre Kenntnisse verbessern,
die sie in bezug auf Finanzpraktiken der Wirtschaft haben. Hierbei
muss im Vordergrund die Moeglichkeit stehen, sofort Aktionen durohzufuehren, wenn die Verbraucherpreise eine unnoetige Hoehe erreichen. Ganz besonders sollen sich die Gewerkschaftsfunktionaere jedoch vergewissern, dass in allen Faellen, wo die Unternehmer sich
weigern, ueberhoehte Verbraucherpreise herunterzuschrauben, die zugleich eine Gefahr fuer den Beschaeftigungsstand und den Verbrauch
darstellen, die Gewerkschaften Musterfaelle vorbereiten, um sie solchen Koerperschaften wie dem Preisregulierungskomitee und dem Monopol- und Einschraenkungskomitee vorzulegen.
Des weiteren, so heisst es in dem Bericht, sollte die Gewerkschaft technische Ratschlaege und Unterstuetzung an solche Firmen
geben, deren Gewinngrenze in einem solchen Grade gefallen ist,
dass sie sowohl die Beschaeftigungssicherheit als auch den Lohnstand bedroht. In anderen Faellten koennten derartige Beratungsmethoden dazu fuehren, um Musterfaelle fuer Moeglichkeiten der
Preisherabsetzung zu demonstrieren.
Sehr vieles von dem Geist dieses Berichtes ist in einem Para;raph zusammengefasst, in dem es heisst: Wo das Unternehmertum fortschrittlich denkt und bestrebt ist, wissenschaftlich-technische
Arbeitsmethoden in einer vernuenftigen Weise einzufuehren, um die
Produktion voranzutreiben, sollten sich die Gewerkschaften zu einer
Zusammenarbeit bereiterklaeren. Wenn das Unternehmertuxa versucht,
in dieser Produktionsankurbelung besonders scharf vorzugehen, ist
eine wirklich aktive Gewerkschaft besonders von Noeten - nicht etwa
um sich der neuen Entwicklung entgegenzustemmen, sondern um dafuer
zu sorgen, dass Missbraeuche vermieden werden,und dass die Ungenauigkeiten der wissenschaftlichen Arbeitsmethoden sich nicht zum
Nachteil der arbeitenden Kraefte auswirken. Wenn das Unternehmertum jedoch nicht genuegend Unternehmergeist zeigt und rueckschrittlich eingestellt ist, es nicht gewillt ist, wirtschaftliche Moeglichkeiten auszunutzen oder bestehende Maerkte durch niedrigere Preise
»ich zu erschliessen, muss die Gewerkschaft mit allen Kitteln dafuer
Sorge tragen, dass diese Moeglichkeiten ausgenutzt werden."
Zum Schluss empfiehlt die Kommission einen staendigen und vergroesserten Kontakt zwischen amerikanischen und britischen Gewerkschaften, um einmal Erfahrungen auszutauschen und zum andern sich
gegenseitig bei der Loesung bestimmter Probleme zu unterstuetzen.
Besonders typisch fuer die Zeitungsberichte ueber diese Gewerkschaftsdenkschrift war der des News Chronicle, in dem es heisst:
"Hier zeigt sich eine Revolution in der bisherigen Theorie der Gewerkschaften. Es bleibt einem nur uebrig, fuer diesen Bericht unseren Dank auszusprechen."
17 WESTEUROPAS ISCHE NATIONEN UNTERSTUETZEN BINi:ENArANDERUNGSPROGRA?!I.i
Es sind weitreichende Anstrengungen gemacht worden, um die
ueberseeische Wanderung aus den uebervoelkerten Laendern Westeuropas zu foerdern. 18 Marshallplan-Laender haben kuerzlich mit Hilfe
von ECA-Mitteln ein Hilfsprogramm von einer Million Dollar unterzeichnet, um eine vollkommene internationale Wanderungsmaschinerie
aufzubauen.
9 -

�Waehrend bestimmte Laender bereits Versuchsprojekte durchfuehrten und Wanderungsabkommen trafen, will das neue Programm ein
breites, auf Zusammenarbeit beruhendes Plansystem in Gang bringen,
durch das es den westlichen Demokratien auf einer systematischen
und wissenschaftlichen Basis moeglich wird, die Ueberbevoelkerung zu
bekaempfen, in deren Gefolge chronische und langzeitige Arbeitslosigkeit und ein niedriger Lebensstandard zu finden sind.
Um einen umfassenden Angriff zu finanzieren, sind die Mitgliedstaaten des Bueros fuer europaeische wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) uebereingekommen, den Gegenwert von 200 000 Dollar in
Landeswaehrung bereitzustellen, um damit die Kosten dieses Prograrrjus
in ihrem eigenen Lande zu decken. Ebenso heben sie die ECA-Verwaltung gebeten, einen Betrag von schaetzungsweise 788 000 Dollar bereitzustellen, um jene Ausgaben zu decken, die sich in Verbindung
mit der Ueberpruefung und der Schulung im Programm dieses Projektes ergeben.
Das ECA-Buero teilte kuerzlich mit, dass dieses Gesuch genehmigt wurde, und dass aus dem Marshallplan eine Million Dollar fuer
dieses Programm bereitgestellt worden ist.
Die Laender, die bei diesem Projekt zusammenarbeiten, haben
die Internetionale Arbeits-Organisation gebeten, - dies ist eine Abteilung der Vereinten Nationen - die Verantwortung fuer die Verwaltung eines technischen Hilfsprogramms zu uebernehmen, das die
Wanderungen erleichtern kann.
Zweck dieses Eine-Million-Dollar-Projekts ist die Gewaehrung
technischer Ratschlaege an jene Laender, die als typisch fuer Einund Auswanderung angesehen werden koennen, damit sie die erforderlichen Dienste bei den Wanderungsbewegungen leisten koennen. Diese
Dienste sollen umfassen: Festlegung der Gebiete mit ueberschuessiger oder mangelnder Arbeitskraft, Durchfuehrung von Eignungspruefungen fuer Bewerber in Auswanderungslaendern, nachdem die Arbeitsmoeglichkeiten in den Einwanderungslaendern genau analysiert wurden,
Durchfuehrung von Berufsertuechtigungskursen, Betreuung von Fachleuten mit dem Studium von Wanderungsproblemen, wobei Regierungsstellen unterstuetzend eingreifen, und schliesslich die Einfuehrung von
Praktiken, die die Transporte und die Wiederansiedlung der Wandernden erleichtern.
Diese Bemuehungen 3ind aehnliche in der Richtung der Erzielung
einer Vollbeschaeftigung und eines hoeheren Lebensstandards. In
einigen Laendern, vor allem in Italien und in Westdeutschland, ist
der Bevoelkerungsdruck derart stark, dass saemtliche Hilfsquellen
nicht dezu beitregen koennen, dass die Bevoelkerung einen wuerdigen
Lebensstandard erreicht - wobei es keine Rolle spielt, wie wirksam
diese Hilfe und in welcher Hoehe sie gewaehrt worden ist.
Die Anschauung der Arbeiterschaft und der Gewerkschafter in
bezug auf das Problem der Uebervoelkerung spiegelt sich in einer
Resolution wider, die auf der dritten Jahreskonferenz der ERP-Ge
werkschaftsberatungskommission kuerzlich in Rom angenommen wurr?e.
Die Konferenz erklaerte, dass die Gewerkschaften erkennen, dass, soweit einzelne Laender betroffen sind, wo die Ueberschuesse an Arbeitskräften ein ausserordentliches Mass erreicht haben, die notwendigen Massnahmen in breitestem Masse die Form der Wanderung der
Arbeitskraefte in weniger entwickelte, ueberseeische Laender erforderlich mache, seitdem der Abzug groesserer Massen auslaendischer
Arbeiter in schneller Folge in hochindustrielisierte Laender Westeuropas die Gefahr der Entbloessung von Arbeitskraeften mit sich
bringe.
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�Die erwaehnte Konferenz in Rom empfahl eine gewisse binneneuropaeische Beweglichkeit der Arbeitskraefte, denn hieraus ergibt
sich eine graduelle 'A'iederverteilung der Produktionskraefte auf
grund der Liberalisierung der Handelsbeziehungen, die von den
ERP-Leendern vorgesehen sind, und die notwendigerweise zu einer
entsorechenden Beweglichkeit und Wiederverteilung der Arbeitskreefte fuehren mues~en, von der die gegenwaertigen und zukuenftigen
"Ueberschuesse" nicht ausgeschlossen werden duerfen.
Als die leitenden Koerperschaften der Internationalen Arbeitsorganisation die OEEC-Vorschleege auf ihrer letzten Wenderungskonferonz und spaeter in der Genfer Verhandlung behandelten, ergab
sich, dass die Delegierten der Gewerkschaften gemeinsam mit den
Delegierten der Unternehmer und der Regierungen die Vorschlaege billigten. Amerikanische und deutsche Gewerkschaftszentralen haben
lebhaft nach Loesungen gesucht, die die chronische Arbeitslosigkeit
verhindern koennen, in deren Gefolge stets die allgemeinen Sa^tze
des Lebensstandards herabgesetzt werden.
Die Dollarhilfe des Marshallplans wurde durch den Kongress der
Vereinigten Staaten gebilligt, als die Auslandshilfsakte des Jahres
1950 genehmigt wurde. Als dem Verwalter des ECA-Fonds, Faul Hoffmann, die Genehmigung zur Verwendung der Summe gegeben wurde, nannte der Praesident der Vereinigten Staaten, Harry S. Trumen, dieses
Programm einen notwendigen Schritt zur Loesung eines der grundlegenden Probleme, das Westeuropa bei der Durchfuehrung seiner wirtschaftlichen Erholung stoert und sich dagegen auswirkt. Indem er seine
Befriedigung ueber die Zusammenarbeit und die Verwirklichung dieses
ECA-Hilfsprogramms durch die OEEC-Laender und die Internetionale
Arbeits-Organisetion eussprech, nannte Praesident Trumen dieses Vorhaben einen zusätzlichen Beweis der Entschlossenheit der US-Regierung, in jeder Beziehung zusammenzuerbeiten, un die vollste Nuetzlichkeit der Vereinten Kationen und ihrer angeschlossenen Laendcr
eufzuzeigen.
Die europaeischen Leender, die sich diesem Projekt engeschlossen
heben, sind Oesterreich, Belgien, Luxemburg, Deenemerk, Frankreich,
die ''.'estdeutsche Bundesrepublik, Griechenlend, Islend, Irlend, Itelien, die Niederlende, Norwegen, Portugel, Schweden, die Schweiz,
Triest, die Tuerkei und Grossbritennien.
FABRIKBAUKCKTRQLLE IN ENGLAND GELOCKERT
Bei der feierlichen Inbetriebnehme der Cebot-Febrik in Merseyside kuendigte Herold Wilson, der Praesident der Hendelsbehoerde en,
dass die britische Regierung beschlossen habe, gewisse Bauprojekte
im Rahmen des den Gemeinden zur Verfuegung stehenden Investitionskepitels weiterzufuehren, wenn dadurch in gewissen Bezirken, die
von der Arbeitslosigkeit betroffen oder bedroht seien, vorwiegend
meennliche Arbeitskraefte in Arbeit gehalten werden koennten, selbst
wenn diese Projekte keine Dollars einbringen oder sparen wuerden.
In bestimmten Gebieten wuerde der Schiffsbeu reduziert und Kohlengruben stillgelegt, weil die Kohlenvorreete erschoepft sind, oder
Stehl- und Eisenblechindustrien einer Neuorgenisetion unterzogen;
infolgedessen sei mit ueberzeehligen Arbeitskraeften zu rechnen,
und die Probleme seien dort deshalb besonders ernst, erklaerte Wilson. Weit mehr Hilfe waere fuer diese Bezirke erforderlich, eis in
dem Gesetz zur Verteilung der Industrie vorgesehen sei.
Der Minister gab der Hoffnung Ausdruck, dass auf diese Ankuendigunp hin die Industriellen, die frueher bereit gewesen waeren, neue
- 11 -

�Industrien in jenen Bezirken zur Beschaeftigung vorwiegend maennlicher Arbeitskraefte aufzubauen, die aber durch die einschraenkenden
Bestimmungen der Kapitalinvestierung davon zurueckgehalten worden
seien, nun erneut Gesuche einreichen moechten, die von der Handelsbehoerde jetzt guenstiger beurteilt wuerden, weil damit jenen Bezirken des Landes geholfen werden koennte, die fuer die Arbeitslosigkeit am anfaelligsten seien.
Die neue Fabrik wurde mit amerikanische», von der ECA zur Verfuegung gestelltem Kapital aufgebaut, um die Arbeitslosigkeit zu
bekaempfen, die in dem Bezirk Merseyside auszubrechen drohte, weil
die oertliche Sohiffsbauindustrie einen Rueckgang zu verzeichnen
hatte.
Die Bauarbeiten wurden von englischen Arbeitern ausgefuehrt
und nahmen wenig mehr als ein Jahr in Anspruch.
Mit einer Jahresproduktion dieser neuen Fabrik von 8 bis
10.000 Tonnen Russ wird Grossbritannien eine Million wertvoller Dollars sparen; Russ ist ein wichtiger Grundstoff in der Gummiherstellung, den England bisher aus den Vereinigten Staaten importieren
musste.
Labour News Bulletin on ERP
711/15 - VIII/15/50
KUPERS BESUCHT GRIECHISCHE GEWERKSCHAFTEN
Die freien Gewerkschaften Europas haben die Aufgabe, sich darueber Klarheit zu verschaffen, dass eine gesteigerte Produktion sich
durch einen hoeheren Lehensstandard des Arbeiters bezahlt macht.
Evert Kupers, ein bekannter hollaendischer Gewerkschafter und
Vorsitzender des Beratungskomitees der Gewerkschaften fuer das ERP,
beglueckwuenschte die Gewerkschaften zu dieser Aufgabe auf einer
Pressekonferenz, die vor wenigen Tagen in Athen stattfand. Als
Vertreter des Internationalen Bundes freier Gewerkschaften (IBFG)
hilft Kupers den griechischen Gewerkschaftsfunktionaeren bei der
Vorbereitung des in Kuerze stattfindenden zehnten griechischen Gewerkschaftskongresses.
Die Gewerkschaften haben es niemals bedauert, so erklaerte Kupers, sich fuer den Marshall-Plan eingesetzt zu haben.
n

In meinem eigenen Lande wuerden die Arbeiter heute 25% weniger
verzehren koennen, wenn es keine Marshall-Plan Hilfsmittel gaebe.
In anderen Laendern wie Frankreich und Italien hat der Marshall-Plan
praktisch den Unterschied zwischen der Erhaltung der Freiheit und
dem Sieg des kommunistischen Totalitarismus bedeutet.
"Natuerlich muss die wirtschaftliche Wiederbelebung, die der
Marshall-Plan ermoeglicht hat, von einer Erhoehung des Lebensstandards der arbeitenden Klasse begleitet sein, wenn dieser Plan auf
die Dauer gesehen erfolgreich sein soll. Das bedeutet jedoch, dass
die Arbeiter selbst helfen muessen, diesen erhoehten Lebensstandard zu erreichen, indem sie ihre eigene Produktivitaet erhoehen.
"Die Arbeiter erhalten jedoch nicht automatisch die Vorteile
einer gesteigerten Produktivitaet. Hier ist es Aufgabe der freien
Gewerkschaften, dafuer Sorge zu tragen, dass die erhoehte Produktivitaet von einem hoeheren Lebensstandard begleitet wird."
12 -

�Indem er in grossen Zuegen auf die Entwicklungen der internationalen Gewerkschaftsbewegung in der Nachkriegszeit einging, schilderte Kupers die Beherrschung dieser Organisation durch den Kommunismus, die zu dem Austritt der freien Gewerkschaften aus dem Weltgewerkschaftsbund fuehrte, der heute ein kommunistisches Rumpfgebilde
ist.
Die Spaltung musste kommen, als die Kommunisten sich weigerten,
auch nur die Frage einsr Unterstuetzung des Marshall-Plans durch
die Arbeiter diskutieren zu lassen. "Die Sowjetunion widersetzte
sich dem Marshall-Plan, weil sie nicht die Wiederherstellung eines
gesunden Westeuropas mit einem hohen Lebensstandard wuenschte. Nur
wenn es erwerbslose und notleidende Massen gibt, nur wenn die Arbeiterschaft keinerlei Hoffnungen fuer eine bessere Zukunft hegen kann,
dann gibt es fuer die Kommunisten eine Chance."
Kupers erwaehnte dann, dass die Bestrebungen des Internationalen
Bundes freier Gewerkschaften und die des Marshall-Plans grundsaetzlich in gleicher Richtung laufen - beide wuenschen die Verbesserung
des Lebensstandards, die Zerschlagung der wirtschaftlichen Absperrungen zwischen den freien Voelkern und eine Erweiterung des Bereichs
der Freiheit.
Der Internationale Bund freier Gewerkschaften hofft, dass der
Kongress der griechischen Gewerkschaften zu einer staerkeren gewerkschaftlichen Bewegung fuehren werde, in der die griechischen Gewerkschaften der verschiedensten Berufszweige sich zusammenfinden. Nur
eine starke und unabhaengige Gewerkschaftsbewegung in engster Zusammenarbeit mit dem IBFG kann den griechischen Arbeitern helfen, die
groesstmoeglichsten Nutzen durch den Marshall-Plan sicherzustellen.
NORWEGISCHE GEWERKSCHAFTEN STELLEN SICH HINTER DIE VEREINTEN NATIONEN
Die norwegischen Gewerkschaften haben an ihre Mitglieder einen
Appell gerichtet, alle Massnahmen zu unterstuetzen, die von den Vereinten Nationen getroffen wurden, um der kommunistischen Aggression
in Korea entgegenzutreten.
Ein langer und eingehender Bericht ueber die Vorgeschichte des
Konflikts in Korea wurde vom "Arbeiderbladet" veroeffentlicht, das
weiter ein zweifarbiges Flugblatt herausgab, das den Titel traegt
"Krieg in Korea" und in 500 000 Exemplaren unter der norwegischen Arbeiterschaft verteilt wurde. Das Flugblatt zeigt auf, dass Norwegen,
das an die Sowjetunion angrenzt, ebenfalls eines Tagas das Ziel eines
aehnlichen Angriffes sein kann und weist darauf hin, dass es die
hoechste Zeit war, dass die Vereinten Nationen den sowjetischen
Aggressionen entgegentreten. Der beste Weg, um den Frieden zu erhalten, ist eine feste, bestimmte Haltung, wobei gleichzeitig Raum fuer
Verhandlungen bleiben muss.
Das Flugblatt stellt die Frage "Wer begann den Krieg?" und
laeast sowohl die Erklaerung der Kommunisten als auch jene der Vereinten Nationen zu Worte kOixmen.
Aber bereits aus dieser Gegenueberstellung ergibt sich ohne jeden Zweifel, auf welcher Seite die Piraten des Friedens zu finden
sind, wie es wörtlich dort heisst. Weiter heisst es, dass nicht nur
die Vereinten Nationen in Gefahr gebracht wurden, sondern alle friedliebenden Demokratien. Wenn auch weiterhin die Demokratien tatenlos
zusehen, wie ein Land nach den anderen durch Diktatoren geschluckt
wird,
dann muessen die demokratischen Voelker, vor allem jene in
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�Asien, jeden Glauben an eine Solidaritaet der Demokratien verlieren.
Und in Korea handelt es sich um eine Aggression. Der Artikel
42 der Satzungen des Sicherheitsrates sieht ausdruecklich vor, das-:
im Falle einer Aggression die Mitgliederstaaten verpflichtet siüd,
mit bewaffneten Kraeften zu Lande, zu Wasser und in der Luft dem
bedrohten Staat zu helfen. "Ruhe und Sicherheit muss wieder hergestellt werden, In Uebereinstimmung mit diesem Artikel hat Praesident Truman den Befehl gegeben, die Demokratie in Korea zu verteidigen.
Dieser Entschluss der Vereinten Nationen, gegen die Aggressoren in Korea vorzugehen, bringt eine Reihe Wagnisse mit sich. Aber
die Vereinten Nationen haetten sich selbst aufgegeben, wenn sie
diesem Angriff tatenlos zugesehen haetten, denn dann waere die Gefahr gegeben, dass ein demokratisch regierter Staat nach dem anderen "weggepickt" wuerde, je nachdem, wie die Umstaende sich ergeben.
Und dieses Risiko konnte nicht uebernommen werden. Gewiss
bedeutet das Eingreifen der Vereinten Nationen in Korea, dass dort
jetzt Krieg herrscht. Auf lange Sicht gesehen jedoch bedeutet dieser Schritt einen Dienst an der Sache der demokratischen Staaten,
denn erst durch die Zurueckweisung der kommunistischen Aggression
in Korea werden andere unmoeglich gemacht. Diese klare und ueberzeugende Demonstration fuer die Sache des Friedens wird die Freiheit und Unabhaengigkeit kleinerer Staaten schuetzen helfen - dies
waere nicht der Fall, wenn die Vereinten Nationen die Aggression in
Korea unbeantwortet gelassen haetten.
Das Flugblatt schliesst mit den Saetzen, dass der beste Weg,
d9n Frieden zu erhalten, darin besteht, eine feste Entschlossenheit zu zeigen,, sich im Falle eines Angriffs zu verteidigen, wobei
jedoch fuer Verhandlungen durchaus Raum bleiben darf.
15 «JAHRE S OZIALFUERS CRGE IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Bisher mehr als 15 Milliarden Dollar an Unterstuetzungen gezahlt.
Seit dem Jahre 1935, als das Sozialfuersorgesystem in den Vereinigten Staaten begruendet wurde, sind mehr als 15 Milliarden Dollar zugunsten der Sozialversicherten ausgezahlt worden, wie vor
wenigen Tagen der Leiter der Bundesfuersorge, Oscar R. Ewing, mitteilte. Waehrend der ersten Amtsperiode des Praesidenten Franklin
D. Roosevelt wurde das Gesetz fuer soziale Sicherheit in Kraft gesetzt, das ein sich ueber die ganze Nation erstreckendes zweigleisiges System der Sozialversicherung festlegte, um Lohnempfaenger
und ihre Familien gegen den Verlust ihrer Verdienstmoeglichkeiten
zu schuetzen, die durch Erwerbslosigkeit, hohes Alter oder Tod verloren gehen koennen.
Im wesentlichen koennen diese beiden Grundsysteme als Erwerbslosenhilfe und Altersversicherung bezeichnet werden. Bei der Arbeitslosenunterstuetzung werden dem Erwerbslosen woechentliche Zahlungen geleistet, die aus jenen Fonds herruehren, fuer die die Unternehmer eine Lohnsummensteuer zahlen. Die Unterstuetzungen bewegen sich zwischen 20 und 25 Dollar je Woche, wie es in den meisten
Einzelstaaten der Fall ist, obgleich hier einige aendernde Faktoren
zu verzeichnen sind. Waehrend des Monats Juni dieses Jahres betrugen die laufenden Unterstuetzungszahlungen auf grund des Erwerbslosenversicherungsprogramms insgesamt etwa 8 Milliarden Dollar.
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�Das zweite System, das der Altersversicherung, sieht monatliche Zahlungen fuer Pensionaere und Hinterbliebenenrenten fuer die
Familie des Arbeiters vor, wenn dieser stirbt. Auf Grund dieses
Plans erhalten gegenwaertig etwa 2 100 000 Pensionaere und
750 000 junge Muetter und Kinder ünterstuetzungen.
Gegenwaertig betraegt die monatliche Unterstuetzung fuer
einen Pensionaer 26 Dollar, aber dieser Satz wird im Durchschnitt
um 77$ durch jene Gesetze erhoeht werden, die jetzt durch den Kongress angenommen wurden.
Das Gesetz fuer Altersfuersorge sieht ein Anteilsystem vor,
das gemeinsam von Arbeitern und Unternehmern getragen wird und
dessen Mittel durch eine Steuer auf die Lohnsummen aufgebracht
werden.
Ausser diesen beiden Hauptgesetzen sieht das Sozialfusrsorgegesetz auch Hilfe fuer notleidende Personen vor, wie fuer verlassene Kinder, Blinde und gleichzeitig Zuschuesse fuer die Einzelstarten, die diese fuer ihren Mutter- und Kindergesundheitsdienst,
fuer verkrueppelte Kinder und Kinderwohlfahrtsausgaben aufwenden.
Unter Bezugnahme auf die Fortschritte in der sozialen Sicherheit
in den Vereinigten Staaten erklaerte der Kommissionsvorsitzende
Arthur J". Altmeyer: "Wir haben ein ordentliches, ueber die ganze
Nation sich erstreckendes System sozialer Versicherungen, die Arbeiter und ihre Familien gegen Einkommensausfall schuetzt, wenn
die Verdienstmoeglichkeiten aufhoeren, sei es auf grund des hohen
Alters oder des Todes des Ernaehrers der Familie. Wir haben weiterhin ein ordentliches System der Unterstuetzung solcher Arbeiter,
die zeitweise arbeitslos sind, das von den Einzelstaaten verwaltet
wird, aber sich ueber die ganze Nation erstreckt. Grosse Fortschritte sind bereits gemacht worden, aber sie genuegen nicht fuer
eine fortschrittliche Nation. Es gibt hier noch genuegend Moeglichkeiten fuer Verbesserungen."
OSSTERREICHISCHS ARBEITSKAI.'MER BAUT LEHRLINGSHEIM
An der Stelle, wo das Wiener Rothschild Palais stand, das von
den Nazis in eine Folterkammer umgewandelt wurde, wird von der
oesterreichischen Arbeiterbewegung ein Lehrlingsheim errichtet
werden.
Karl Mantler, der Praesident der Wiener Arbeitskammer, gibt
bekannt, dass dort ungefaehr 200 bis 300 Lehrlinge Unterkunft finden werden. Das wird die Schwierigkeit beheben, vor der die jungen
Leute, darunter viele Waisen, standen, als sie keine Lehrstelle fan
den, weil sie nicht wussten, wo sie sich einquartieren sollten.
Sie werden nun ein Heim haben und damit die Moeglichkeit, einen
Beruf zu erlernen, ^ie Ausbildung der jungen Generation zu tuechtigen und leistungsfaehigen Arbeitern ist fuer Oesterreich wichtig; es muss seine Leistungsfaehigkeit steigern, um auf dem internationalen Markt konkurrenzfaehig zu sein. Das Grundstueck wurde
gewaehlt, da es sehr zentral gelegen ist, gute Verkehrsverbindungen
hat und durch seine Groesse die Moeglichkeit zur Einrichtung von
Erholungsstaetten fuer die jungen Lehrlinge bietet. Das zerbombte
Palais wird abgebrochen werden, um dem neuen Gebaeude Platz zu machen. Das Projekt wird durchgefuehrt und finanziert von der Wiener
Arbeitskammer, einer rechtlichen Koerperschaft, die aus Beitraegen
der Arbeiterschaft finanziert wird und deren Interessen in allen
wirtschaftlichen, sozialen und gesetzgeberischen Fragen, sofern
sie Arbeitsangelegenheiten betreffen, vertritt. Die Beamten der
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�Kammer werden in freier Wahl gewaehlt, an der alle Arbeiter berechtigt sind, teilzunehmen, ^ie Arbeitskaxnmer arbeitet eng mit den
Gewerkschaften zusammen.
Der Vorschlag zum Bau eines Lehrlingshoims wurde von der &lt;Tugendabteilung des oesterreichischen Gewerkschaftsbundes gemacht
und von allen Mitgliedern der Kammer einstimmig angenommen.
Anton Proksch, der Sekretaer des oesterreichischen Gewerkschaftsbundes, begruesste diesen Entschluss mit folgenden Worten:
"Es ist viel ueber Lehrlingserziehung gesprochen worden; das hier
ist der erste praktische Schritt, der unternommen wurde. Die Arbeiterschaft ist sich der Dringlichkeit des Problems voll bewusst und
wird alles tun, was in ihrer Macht steht, um den jungen Leuten bei
ihrer Suche nach produktiven Arbeitsmoeglichkeiten zu helfen. Es
»handelt sich hier um ein Schluesselproblem unserer Wirtschaft. Wenn
es uns gelingt, hochqualifizierte Arbeiter heranzubilden, wird unser
Land in der Lage sein, mit anderen Laendern zu konkurrieren. Wenn
es uns misslingt, wird Oesterreich nicht aus den Schwierigkeiten
herauskommen. Alle Dienststellen und Einrichtungen des oeffentlichen Lebens muessen an der Loesung dieses Problems zusammenarbeiten."
Arbeitsmitteilungen der ECA
VIII/25/50
DIE GEWERKSCHAFTEN RUESTEN SICH FUER POLITISCHE MACKTANSPRUECHE
Die organisierte Gewerkschaftsbewegung der Vereinigten Staaten
verstaerkte ihre Bemuehungen, um einen politischen Sieg anlaesslich
der bevorstehenden Kongresswahlen sicherzustellen, die am 7. November durchgefuehrt werden.
Die "CIO-Nachrichten" haben in dieser Woche ihrer Zeitung eine
12-seitige Beilage beigefuegt, die einen Vorbericht ueber die diesjaehrigen Wahlen gibt. Der Schriftleiter bittet seine Leser, diesen
Bericht als einen Leitfaden anzusehen, der dazu beitragen will, dass
die Wahlen zu diesem Kongress "einen Beitrag zu den Noeten und Problemen des Arbeitenden" leisten. Eine genaue Aufstellung zeigt vom
Standpunkt der CIO-Gewerkschaft aus an, ob der Abgeordnete "richtig
oder falsch" bei besonderen wichtigen Anlaessen gestimmt hat.
In Ohio haben die Funktionaere der AFL und des CIO ihre Hilfsmittel zusammengelegt, um die Wahl von Joseph T. Ferguson (Demokratische Partei) sicherzustellen. Ferguson ist der Gegenkandidat des
Senators Robert A. Taft (Republikanische Partei), der Mitbearbeiter
des Taft-Hartley-Gesetzes. In der letzten Woche ergab sich jedoch
eine Zersplitterung der Stellung der Gewerkschaften gegen Taft, als
265 Delegierte oertlicher Gewerkschaftsvereinigungen in Ohio ankuendigten, dass sie eine "Gewerkschaftsliga fuer Taft" bilden
wuerden.
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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
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ITI - 30

Frankfurt, 29. September 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I

S

Freie Gewerkschaftsbewegung entscheidend fuer
Wiederaufbau - - - - - - - - - - - - - - Arbeitslosigkeit in Europa sinkt - - - - - - Negersaenger warnt seine Kollegen - - - - - Amerikanische Gewerkschaften helfen ihren
europaeischen Kollegen - - - - - - - - - Die ECA-Verwaltung gibt 350 Millionen DM frei
Der 69. Kongress der American Federation of
Labor - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Eric Johnston wuenscht
Diplomatendienst Veber die Terminologie
begriffes - - - - -

Gewerkschafter im
- - - - - - - - - - - des P r o d u k t i v i t a e t s - - - - - - - - - - - -

Angestelltenproblem und IBFG - - - - - - - - Wiederaufbau Norwegens steigert Beschaeftigungsziffer und Produktion - - - - - - - -

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FRETT GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG ENTSCHEIDEND FUER WIEDERAUFBAU
Eine starke und unabhaengige Gewerkschaftsbewegung ist in den
Marshallplanlaendern erforderlich, wenn sie ihre Produktivitaet wieder voellig herstellen sollen. Dies war die Quintessenz der Ausfuehrungen, die ein Beauftragter der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit - ECA - anlaesslich des Jahreskongresses der
American Federation of Labor in Houston/Texas den Delegierten vortrug.
Dieser Beauftragte war Bert M. Jewell, der Berater fuer Gewerkschaftsangelegenheiten bei der ECA, der an die AFL einen Appell richtete, "ihren Rat und ihre Kilfe" auch weiterhin den freien Gewerk- 1 -

�Schäften angedeihen zu lassen, damit diese auch in jenen Laendern
Fuss fassen koennen, wo die Gewerkschaften heute noch unter der
direkten oder indirekten Beeinflussung durch den Kreml zu leiden
haben.
Das allgemeine Problem des Wiederaufbaus sowie die schwierigen Probleme der militaerischen Verteidigung koennen ganz allgemein in jenen Laendern am besten geloest werden, in denen es freie
und unabhaengige Gewerkschaften gibt.
In England, den skandinavischen Laendern, Holland und Belgien
sind die Erfolge bereits deutlich sichtbar und sie werden sich
auch weiterhin durch die Fruechte der vergroesserten Produktion
und die Erhoehung der Kaufkraft fuer die Allgemeinheit zeigen.
Diese Laender verfuegen ueber starke und freie Gewerkschaften,
die ausschliesslich fuer die Interessen der Arbeiterschaft taetig
sind. In diesen Laendern besteht fuer die Schergen des Kremls
keinerlei Moeglichkeit, sich in den Vordergrund zu spielen, geschweige dass sie die Kraft haben, die Arbeit der Gewerkschaften zu
stoeren. In Frankreich, Italien und zu einem geringeren Grade in
Westdeutschland gibt es in dieser Frage einige Probleme, weil in
diesen Laendern der Kommunismus noch ueber einen gewissen Einfluss
verfuegt.
Jewell betonte, dass Wiederaufbau, Frieden und Freiheit in
jenen Laendern, wo der Kreml noch einige Anhaenger zaehlt, nicht
auf einem sicheren Fundament ruhen, vor allem dort nicht, wo der
Einfluss in gewissen Gewerkschaften sehr stark ist, die dann behaupten, fuer die Mehrzahl der Arbeiter zu sprechen.
Er nannte als Beispiel Frankreich, ein Land, in dem die Arbeiterschaft ausserordentliche Vorteile durch den Marshallplan
erfahren hat,, aber die Kaufkraft der Bevoelkerung und insbesondere
der Arbeitenden nicht mit dem Tempo der allgemeinen Wirtschaftserholung Schritt gehalten hat. Der Kreml behauptet, fuer die Masse
der franzoesischen Arbeiterschaft durch jene Gewerkschaften zu sprechen - aber der Kreml ist gegen jeden Wiederaufbau, gegen jede
Freiheit, gegen jeden Frieden und jeden Wohlstand. Die freien,
antikommunistischen Gewerkschaf tagin Frankreich sind heute noch nicht
stark genug, um eine weitere und gleichmaessigere Verteilung der
Wiederaufbaugewinne durchzusetzen, die bis heute erreicht werden
konnten.
Die ECA und andere Koerperschaften der Vereinigten Staaten
setzen sich energisch dafuer ein, dieses Problem zu loesen. Die
franzoesische Regierung muss eine groessere Staerke zeigen, um
mit diesen Fragen fertig zu werden. Regierungen sind jedoch eingeengt durch Gesetze und parlamentarische Spielregeln. Die Gewerkschaftsbewegung wird jedoch durch derartige Dinge nicht behindert.
Die Gewerkschaften muessen lernen, wie sie der Demokratie besser
dienen koennen, vor allem auf wirtschaftlicher Basis.
Jewell berichtete dann dem Kongress, dass die ECA wie in der
Vergangenheit auch in der Zukunft die franzoesische Regierung beraten wird, ebenso jedoch die freien Gewerkschaften in den Grenzen
der Gesetze. Aber die ECA-Aemter koennen nichts diktieren, sie
koennen auch nicht in die internen Angelegenheiten eines freien
Volkes eingreifen oder etwa intervenieren. Der Internationale
Bund Freier Gewerkschaften, die internationalen Sekretariate, die
verschiedenen Gewerkschaften sind die besten Strassen,auf denen
die freien franzoesischen Arbeiter vorwaertsschreiten koennen, um
eine bessere Gewerkschaftsbewegung aufzubauen.
- 2 -

�Die freie Gewerkschaftsbewegung von praktisch allen Laendern
der freien '.Veit hat klare und direkte Strassen, durch deren Beschreiten sie sich gegenseitig helfen koennen.
State Department Report
9/26/50
ARBEITSLOSIGKEIT IN EUROPA SINKT
Der Beschaeftigungsstand in den meisten europaeischen Staaten
ist verhaeltnismaessig hoch geblieben. In jenen Laendern jedoch,
wo die Arbeitslosigkeit besonders hoch gewesen ist, konnte in diesem
Sommer ein bedeutender Rueckgang verzeichnet werden. Eine Uebersicht der Berichte der Gewerkschaften und der Behoerden zeigt auf,
dass Norwegen, Schweden und Grossbritannien auch weiterhin einen
hohen und stebilen Beschaeftigungsstand haben. Die Arbeitslosigkeit in diesen Laendern hat in den letzten drei Jahren niemals
2$ ueberschritten, soweit es sich um nichtlandwirtschaftliche Berufe
und Gehaltsempfaenger handelt.
In den Laendern, in denen eine hohe Arbeitslosigkeit zu verzeichnen ist, wie in Belgien, Westdeutschland und Italien, hat sich
die Arbeitsmarktsituation seit kurzem gebessert. Hierzu hat nicht
nur der Beschaeftigungsanstieg in der Sonmersaison beigetragen,
sondern auch die Schaffung neuer und staendiger Arbeitsplaetze, die
vor allem in der verarbeitenden und in den Grundstoffindustrien zu
verzeichnen war und die in erster Linie auf ECA-Hilfsprogramme zurueckzufuehren ist.
Dennoch bleibt die Arbeitslosigkeit in diesen Laendern eine
sehr hohe, auch wenn eine Reihe von Rueckgaengen verzeichnet werden
konnte.
Belgien. Die Arbeitslosigkeit wurde im Juli auf etwa 202,500
Erwerbslose geschaetzt, nachdem ein stetiger und scharfer Rueckgang des Hoechststandes im Winter mit 310,000 Arbeitslosen festzustellen war. Der Stand im Juli 1950 ist um etwa 12,000 geringer
als im Juli des vergangenen Jahres. Die hohen Vv'interzahlen bilden
die Spitze des bestaendigen Anwachsens der Arbeitslosigkeit in Belgien, die im Herbst 1947 begann. Die fuer den Winter genannte
Ziffer bedeutet, dass 11% aller Lohn- und Gehaltsempfaenger keinen
Arbeitsplatz finden konnten.
'Yestdeutschland. Es kann ein staendiger Rueckgang der Arbeitslos igkeTtseitFebrüar festgestellt werden. In diesem Monat wurde
die Spitze mit 1,960,000 Arbeitslosen erreicht. Man schaetzt, dass
der Prozentsatz der Arbeitslosen seit jener Zeit von 13% auf weniger als 10% aller Beschaeftigteh gesunken ist, obgleich Saisoneinfluesse und aehnliche rein zeitlicher Natur wesentlich zu diesem
Rueckgang beigetragen haben. Ein wesentlicher Aufschwung der Beschaef tigungszahl konnte im Export, in der Metallindustrie und im
Baugewerbe festgestellt werden, wobei das Ruhrgebiet an erster
Stelle steht.
Die gegenwaertige Arbeitslosigkeit wird auf 1,450,000 geschaetzt,
waehrend es 194S nur 600,000 waren. Diese ausserordentliche Erhoehung muss auch auf den Fluechtlingszustrom aus Ostdeutschland zurueckgefuehrt werden. Die Einreihung dieser Fluechtlinge wird auch weiterhin ein schwieriges Problem darstellen.
In den freien Westsektoren Berlins haben die vorgesehenen oeffentlichen Hilfsprogramme, die in erster Linie durch ECA-Gegenwert- 3-

�fonds finanziert v/erden, es ermoeglicht, dass mehr als 40,000 Arbeitskraefte seit dem Juni wieder einen Arbeitsplatz gefunden haben.
Dennoch ist die Arbeitslosigkeit in Westberlin besonders hoch.
Italien. Im Maerz hat die Regierung 1,970,000 Stellungsuchende registriert. Diese Zahl kann aber nur eine oberflaechliche
Schaetzung der wirklichen Situation auf dem italienischen Arbeitsmarkt darstellen. Diese Ziffer ist immerhin um 160,000 geringer
als im Maerz 1949 und um 290,000 geringer als im Maerz 1948.
Obwohl genaue Ziffern noch nicht erhaeltlich sind, kann in
diesem Sommer sowohl ein saisonbedingter Aufechwung als auch ein
verhaeltnismaessig stetiges Wachsen der Beschaeftigtenziffer in
der Industrie festgestellt werden, vor allem im Wohnungsbau sowie
im gesamten Baugewerbe. Die durch ECA-Mittel finanzierten landwirtschaftlichen Nutzungsarbeiten, die vor allem im Sueden grosse
Projekte erfassen, versprechen fuer die Zukunft ebenfalls betraechtliche Rueckgaenge der Zahl erwerbsloser Landarbeiter.
Neben diesen beiden Laendern mit besonders hohen Arbeitslosenziffern und jenen der annaehernden Vollbeschaeftigung lassen sich
noch zwei andere Gruppen ermitteln. Frankreich, Holland und die
Schweiz erfreuen sich eines verhaeltnismaessig hohen Beschaeftigtenstandes, obwohl eine vor kurzem durchgefuehrte Erhebung der
Vereinten Nationen1 im Mai 1950 unter dem Titel "Die wirtschaftliche
Situation Europas* zeigt, dass seine Aufrechterhaltung als weit
gefaehrdeter angesehen werden muss als in Skandinavien oder Grossbritannien.
Oesterreich, Daenenark, Irland und Triest muessen sich ebenfalls mit Arbeitslosenproblemen beschaeftigen, aber der Bericht der
Vereinten Nationen kennzeichnet die Situation in diesen Staaten als
ungefaehrlich.
In Frankreich waren durch die Behoerden im Juni 126,000 Arbeitslose registriert. Diese Ziffer bildet nur einen sehr groben Beitrag zur Frage der Erwerbslosigkeit. Der Stand der Arbeitslosigkeit ist noch ungefaehr der gleiche wie im vergangenen Jahre, jedoch
doppelt so hoch wie im Sommer 1948. Sie zeigt jedoch einen scharfen Rueckgang im letzten Winter auf, der die staerkste Erwerbslosenzahl seit dem Krieg aufwies. Die Zahl der in der Industrie Beschaeftigten ist weiterhin hoch und belaeuft sich auf etwa 7,5
Millionen.
Holland verzeichnete im Juni 62,000 Erwerbslose. Das sind
12,000 mehr als zur gleichen Zeit des vergangenen Jahres und mehr
als doppelt so viel als im Sommer 1948. Die Zahl der Beschaeftigten ist jedoch weiterhin stabil und um etwa 10% hoeher als in der
Zeit vor dem Kriege.
Die Schweiz berichtet einen scharfen Rueckgang der Erwerbslosigkeit in diesem Sommer, nachdem im Winter der Hoechststand erreicht war. 5% aller Beschaeftigten waren damals erwerbslos. Heute
liegt diese Ziffer unter 1%. Der Beschaeftigungsstand ist verhaeltnismaessig konstant geblieben, obwohl die Periode des Marshallplans
beruecksichtigt werden muss. Im ganzen liegt die Beschaeftigungszahl um 20 und 30$ hoeher als vor dem Kriege.
Von jenen Laendern, in denen zwar eine Arbeitslosigkeit festzustellen ist, die aber keinen ernsten Charakter traegt, berichten
Daenemark und Irland ueber keine besonderen Aenderungen. Die Zahl
der Erwerbslosen belaeuft sich hier auf etwa 5-6% der Beschaeftigten, wobei die landwirtschaftlichen Arbeitskraefte und die Gehalts- 4

�empfaenger nicht nitgezaehlt werden. Der Beschaeftigungsstand
hat sich nicht verringert und ist um ungefaehr 25% hoeher als
vor dem Kriege.
Oesterreich berichtet, dass im Juli 95,801 Erwerbslose zu
verzeichnen waren. Dies bedeutet einen entscheidenden Rueckgang
seit der schwierigen Situation im letzten Winter, obgleich die
Zahl der Arbeitslosen noch um 70,000 hoeher ist als im Juni des vergangenen Jahres.
In Triest ging die Arbeitslosigkeit waehrend des Sommers nur
wenig zurueck. Sie belief sich im Juli auf 18,251. Im grossen
und ganzen hat sie damit den Stand des letzten Sommers trotz der
Saisoneinfluesse des Winters wieder erreicht.
ECA Labor Information
FYI-146/8/30/50
NEGERSAENGER WARNT SEINE KOLLEGEN
Ein Neger3aenger teilte vor kurzem mit, dass er aufgefordert
wurde, sich fuer die Kommunisten zu erklaeren, obwohl er selbst
sich scharf gegen den Kommunismus wendet. Der Saenger Josh White
sprach damit fuer die vielen Kuenstler in den Theatern und den
Konzertsaelan, deren Talente von den Kommunisten ausgenutzt wurden, weil sie sich in politischer Hinsicht leicht taeuschen
lassen.
"Kuenstler sind nicht immer sehr bewandert in politischen
Dingen. Wir wissen
sehr wenig ueber die verschiedenen Bewegungen
und die Parteien.1. *Aber wir wissen durchaus, dass wir mit unserem
Herzen fuer die Sache der Gerechtigkeit und der Freiheit sind und
uns daher sehr leicht taeuschen lassen koennen von jenen, die
vorgeben, hierfuer zu kaempfen." White bat um die Moeglichkeit,
vor dem Komitee fuer unamerikanische Betaetigungen sprechen zu
koennen, weil er auf einer Konzertreise durch Europa gelesen hatte,
dass er zur kommunistischen Front gehoere. Da er tatsaechlich entgegengesetzt handelte und ueberdies immer echt amerikanische Gedankengaenge verteidigte, betraf ihn diese Mitteilung sehr stark.
Er beendete daher seine Konzertreise, um in seine Heimat zurueckzukehren und hier diese Vorwuerfe zu entkraeften. "Ich habe
niemals wissentlich zu einer Organisation gehoert oder diese etwa
unterstuetzt, deren Ziel es ist, die Regierung der Vereinigten
Staaten zu stuerzen. Aber ich erschien verschiedentlich auf Kundgebungen und Veranstaltungen, bei denen man mir zuvor zu erklaeren
versuchte, dass es sich um foerderungswuerdige Begebenheiten handele." White bestaetigte, dass er noch immer auf der Seite der
Gleichheit und der'Naechstenliebe stehe. Er wurde in Suedkarolina
geboren. Er war Zeuge von Lvnchaktionen und er selbst wurde in
seiner Kindheit gemein beschimpft. Die Tatsache jedoch, dass die
Kommunisten derartige Beschwerden fuer ihre eigenen Zwecke ausbeuten, kann natuerlich solche Beschwerden unwirklich machen.
"Der Saenger Paul Robeson kann niemals fuer die Rasse der Neger sprechen," betonte White. "Ich hege fuer Robeson grosse Bewunderung, aber nur als Schauspieler und Saenger; und wenn das, was
in den Zeitungen steht, wahr ist, muss ich mich ueber die Hilfe
schaemen, die er einem Volke gibt, das Amerika vernichten will.
Er hat das Recht, seine eigene Meinung zu haben, aber wenn er oder
irgendein anderer behauptet, fuer eine ganze Rasse zu sprechen,
- 5 -

�so wird er albern. Seine Feststellung, dass die Neger nicht fuer
ihr Land gegen Sowjetrussland oder einen anderen feindlichen Staat
kaempfen wuerden, ist ebenso falsch wie beleidigend. Ich bin jederzeit bereit, gegen Russland und jeden Feind Amerikas in den Kampf
zu gehen.
"Es ist mir gesagt worden, dass es einige Kommunisten unter
Negern gibt, genau so wie unter anderen Amerikanern, aber jene sprechen nicht fuer die uebrigen, ebenso wenig wie weisse Kommunisten
fuer weisse Amerikaner sprechen koennen. Ich habe gehoert, dass
der Anteil der schwarzen Mitglieder in der kommunistischen Partei
eher kleiner ist als die Zahl anderer Rassen. Aber es wird eine
Masse daraus gemacht, um bestimmten Zwecken zu dienen.
"Wenn Kommunisten und ihre Helfer ueber Demokratie und Gleichheit sprechen, so reden sie mit doppelten Zungen. Sie benutzen
heute solche Worte in ihrer Manier, alles auf den Kopf zu stellen,
um ihre schlechten Gedankengaenge zu verbergen. Auch fuer einfache Leute, die diese Kunst nicht kennen, jedes Wort im Munde umzudrehen, ist etwas Zeit notwendig, um hinter diese Dinge zu
kommen."
White richtet sich mit seinem Rat vor allem an junge Saenger
und Kuenstler, die gern bereit sind, sich fuer wuerdige Gelegenheiten verpflichten zu lassen. Aber er warnt sie zugleich mit
den Worten: "Man muss immer vorsichtig sein und hinter das Revers des Jackets schauen."
Labour News from the U. S.
9/14/50
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTER HELFEN IHREN EUROPAEISCHEN KOLLEGEN
Zwei Projekte stehen vor der Vollendung, die die Entsendung
amerikanischer Gewerkschafter vorsehen, um ihre europaeischen Kollegen in den verschiedenen Stadien gewerkschaftlicher Entwicklung
zu beraten und zu unterstuetzen.
Der eine Plan sieht die Entsendung von 100 amerikanischen Gewerkschaftern nach Frankreich, Italien und Deutschland vor. Die
amerikanischen Funktionaere werden vorbereitet, um in besonderen
Besprechungen jenen Unterstuetzungsersuchen zu entsprechen, die
ihnen in diesen europaeischen Laendern unterbreitet werden. Die
Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) und von der
AFL, dem CIO und der Internationalen Vereinigung der Maschinisten
zusammengestellten beratenden Komitees werden sich gemeinsam an
den Kosten dieses Programms beteiligen. Die Gewerkschaftsfunktionaere, die in den drei Staaten darueber Bericht erstatten werden,
wie die Gewerkschaften in den Vereinigten Staatin sich betaetigen,
werden durch die beteiligten Gewerkschaftsverbaende und den Verband
der Maschinisten gewaehlt werden.
Ein zweites Projekt, das von den Gewerkschaften selbst durchgefuehrt wird, betrifft die Entsendung von etwa 20 Gewerkschaftsvorsitzenden in solche Laender, die dem ECA-Programm angeschlossen
sind. Die amerikanischen Gewerkschaftsvertreter werden wahrscheinlich ein Jahr im Ausland verbringen.
Eines der Ziele dieser beiden Projekte ist die Verankerung
einer festeren Zusammenarbeit zwischen den amerikanischen und den
europaeischen Gewerkschaften und damit die Foerderung der Sache
der Mitglieder des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
- 6

�DIE ECA-VERWALTUNG GIBT 550 MILLIONEN DM FREI
Der Chef der ECA-Mission fuer West-Deutschland, Robert M.
Hanes, teilte mit, dass insgesamt 350 Millionen DM aus Mitteln des
Marshallplan-Gegenwertfonds der deutschen Regierung zur weiteren
Durchfuehrung ihres industriellen und landwirtschaftlichen Erweiterungs-Programms zur Verfuegung gestellt werde.
Dieser Betrag stellt einen Teil des von der Bundesregierung
verkuendeten zweiten grossen Investitionsprogramms aus Mitteln
des Gegenwertfonds dar, das insgesamt 1 150 Millionen DM fuer den
deutschen Wiederaufbau vorsieht. ECA-Beamte gaben ihrer Hoffnung
Ausdruck, dass diese Gelder auf schnellstem Wege in die Hand
derer gelangen wuerden, fuer die sie bestimmt sind. Entsprechend
dem Grundsatz, zehn Prozent aller aus dem ECA-Gegenwertfond freigegebenen Mittel der Stadt Berlin zuzuteilen, werden 35 Millionen
DM fuer Aufbauzwecke nach Berlin abgezweigt werden. Auch die
deutschen Fluechtlinge werden bei der Vergebung der Summen Beruecksichtigung finden.
Diese erneute Freigabe von Geldmitteln, des dritten Postens
von insgesamt 1 150 Millionen DM, wurde mit einem Brief Robert M.
Hanes an den ERP-Minister Franz Bluecher bewilligt. Die Gelder
werden verschiedenen deutschen Industriezweigen zugeteilt werden.
Fruehere Freigaben aus der Gesamtsumme von 1 150 Millionen
DM wurden im vergangenen Juni (ebenfalls 350 Millionen DM) und im
Mai (114 Millionen DM) bewilligt. Beamte der ECA-Mission fuehrten
aus, dass die Restbetraege auf Ersuchen der Bundesregierung verfuegbar gemacht werden sollen, wenn die bisher bewilligten Gelder
aufgebraucht sind.
Das Gesamtprogramm, das als Maximalbeitrag zur weiteren Produktivitaet, zur Arbeitsbeschaffung und zur Foerderung des europaeischen Handels und des Handels mit den Dollar-Gebieten gedacht ist,
sieht die Zuteilung von ueber 425 Millionen DM fuer die Industrie
und den Handel '/.'Ostdeutschlands vor. Die kleineren Industriezweige
und die Handwerksbetriebe, die Eisen- und Stahlindustrie, die
Maschinenbauindustrie, die Elektroindustrie, sowie die chemische
und die Textil-Industrie werden innerhalb des industriellen Sektors
die groessten Zuweisungen erhalten.
ECA-Beamte erklaerten, dass die Investitionsfonds die Durchfuehrung der Modernisierungs- und Ausbau-Plaene ermoeglichen, die
jetzt in Angriff genommen oder fortgesetzt werden koennen. Den
Investitionen aus Mitteln des Gegenwertfonds stehen in den meisten
Faellen private Investitionen gegenueber, sowie im Staatshaushalt
vorgesehene Fonds der Bundesregierung und der Laenderregierungen.
Weitere 285 Millionen DM wurden fuer den Ausbau der westdeutschen Energiequellen, einschliesslich der Kohlenbergwerke und Elektrizitaetswerke, zur Verfuegung gestellt. Diese Gelder sollen durch
Stromknappheit entstehende Produktionsverluste der Industrie verhindern und einen weiteren Ausbau der Industrie ueber den Vorkriegsstand hinaus ermoeglichen, wodurch wiederum der deutschen
Wirtschaft finanzielle Einkuenfte zufHessen werden, welche die
fuer die Energiewirtschaft investierten Summen bei weitem uebersteigen.
179,5 Million DM werden fuer die Durchfuehrung von mehr als
zehn Programmen auf dem Gebiete der Ernaehrung und Landwirtschaft
bereitgestellt, die die Kapazitaet der Lebensmittelerzeugung erhoehen sollen. Hierzu gehoeren auch so lebenswichtige Plaene wie
- 7-

�die Ansiedlung von Fluechtlingen, die Urbarmachung von Land, Forschungsarbeiten, Mechanisierung, Verbesserungen im Viehbestand und
der Weiden.
Fuer das Transportwesen, einschliesslich des Baues und der
Reparatur von Hauptverkehrsstrassen, der Instandsetzung von Westdeutschlands Binnenschiffen und Wasserstrassen, sowie fuer Hafenreparaturen werden 109,1 Millionen DM zur Verfuegung gestellt.
Um zur Entspannung der kritischen Lage auf "dem Wohnungsmarkt
beizutragen, wurden 122,8 Millionen DM fuer Neubauten bestimmt.
Groessere Bauprojekte werden weiter aus Mitteln des Gegenwert-Fonds
unterstuetzt werden. Diese Gelder sollen in erster Linie zur Behebung der Wohnungsnot in Industriegebieten dienen, welche die
lebensnotwendige Produktion behindert. Neubauten und Reparaturen
von im Kriege beschaedigten Haeusern und Wohnungen sind darin eingeschlossen.
Der Rest der Gesamtsumme von 1 150 Millionen DM, ungefaehr
27,5 Millionen, wird fuer verschiedene andere Zwecke zur Verfuegung
gestellt werden, einschliesslich des westdeutschen "Feldzugs zur
Exportsteigerung" (Dollar Drive) und der Markterforschung.
Von den obigen Betraegen wird Westberlin fuer die Ausweitung •
seines Industriepotentials und die weitere Durchfuehrung lebenswichtiger Projekte, einschliesslich des Wohnungsbaus, des Transportwesens und des Handels etwa 10%, d.h. 111,7 Millionen DM, erhalten.
Das 1 150 Millionen DM umfassende Programm stellt fuer die
Bundesrepublik das zweite grosse Programm dieser Art dar. Der
erste Investitionsplan grossen Stiles wurde im Dezember 1949 bekanntgegeben, als die ECA die deutsche Regierung ermaechtigte,
1 036 Millionen DM in Gegenwertmitteln zu investieren. Diese Summe
ist inzwischen ganz fuer die deutsche Wirtschaft freigegeben worden.
Fruehere Freigaben aus Mitteln des Marshall-PIan-Gegenwertfonds wurden im September 1949 bewilligt. Sie bezogen sich auf 57
Millionen DM fuer die Eisenbahnen, Flusshaefen und oeffentlichen Anlagen der franzoesischen Zone; 44 Millionen DM waren fuer die BEWAG
Elektrizitaetsgesellschaft in Berlin bestimmt und 50 Millionen DM
fuer Kohlenbergwerke. Ausserdem wurden bis heute fuer verschiedene
Investitions-Zwecke 445 Millionen DM aus dem GARIOA-Gegenwertfonds
freigegeben.
Bericht der ECA-Verwaltung
9/20/50
DER 69. KONGRESS DER AMERICAN FEDERATICT OF LABOR
Die AFL hielt in Houston (Texas) ihren 69. Kongress ab, zu dem
750 Delegierte von den verschiedensten angeschlossenen Gewerkschaftsorganisationen entsandt worden waren. Der Vorsitzende der AFL,
William Green, betonte, dass dieser Kongress in einer optimistischen
Stimmung abgehalten werde, weil aus Korea gute Nachrichten vorl&amp;egen
und diese Meldungen von den Delegierten offen begruesst werden.
Green erklaerte, dass die Taft-Hartley-ükte, die der gewerkschaftlichen Arbeit eine, ganze Reihe Behinderungen auferlegt, eigentlich
die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern regeln sollte.
Dieses Gesetz ist an 3ich schlecht, aber durch die Art der Anwendung,
wie sie von Robert Denham, dem Berater der Behoerde fuer Arbeitsbeziehungen, gepflogen wurde, wurde es untertraeglich. Auf Anordnung
des Praesidenten Trumen ist Denham jetzt entlassen worden. Green
- 8-

�wies darauf hin, dass es heute das Hauptanliegen der Gewerkschaften, vor allem der AFL und der in dieser Frage mit ihr einigen
CIO sei, bei den bevorstehenden Wahlen "wirkliche Freunde der Gewerkschaften" zu waehlen, die jenes Gesetz schleunigst ausser
Kraft setzen.
Green erinnerte an die Prinzipien, die der Gruender der AFL,
Samuel Gompers, verfolgte, und dessen Standpunkt umrissen werden
kann mit den Worten "Alles, was der Gesetzgeber auferlegt, kann
die Arbeiterschaft wieder verschwinden lassen." Die grossen Erfolge, die die Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten erringen konnte,
wurden in erster Linie durch ihre wirtschaftliche Kraft gewonnen,
durch die Kollektivvertraege und durch die Staerke ihrer Gewerkschaften - erst sie konnte die Errungenschaft aufrechterhalten und
weitere Fortschritte erzielen. Eine solche Feststellung will jedoch nicht besten, flass die AFL ihre politische Aktivitaet vermindern will, ganz im Gegenteil, eine umfangreichere und nachdruecklichere Aktion als Je zuvor wird auf politischem Gebiet geplant.
Diese Politik besagt, dass die Gewerkschaften ihren Glauben weder
den Handlungen der Regierung hoch den Gesetzen anvertrauen werden,
sondern einzig und allein der Staerke ihrer Bewegung.
Der Bericht des Exekutivrates zeigt, dass diese Gewerkschaftsorp-anisation weiter gewachsen ist. Im vergangenen Jahrhundert
zaehlte sie wenig mehr als 500 000 Mitglieder, heute äind es fast
acht Millionen. V/aehrend des vergangenen Jahres wurden 3 624 448
Dollar fuer die Organisation, fuer die Schulung und andere Aufgabengebiete ausgegeben, und diese Betraege wurden neben den Milllonenbetraegen der angeschlossenen Organisationen aufgewendet.
Der 232-seitige Bericht, der dem Kongress am ersten Verhandlungsrag unterbreitet wurde, verdient mehr Raum bei der Betrachtung
internationaler Fragen als irgendein anderer Bericht der AFL seit
ihrer Gruendung im Jahre 1881. Der Exekutivrat lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass der von den Kommunisten ausgeloeste
Kalte Krieg die internationalen Beziehungen beherrscht und klagt
die Sowjetunion an, die Vereinten Nationen zu sabotieren, das Vetorecht zu missbrauchen und den Sicherheitsrat seiner Machtmittel zu
berauben. Die AFL bekennt sich jedoch zum Atlantikpakt, der gegen
den sowjetischen Imperialismus Verteidigungsschranken aufrichtet.
Auch wenn auf die Vereinigten Staaten ein hoher Anteil dieser Verteidigungskosten entf aellt, so muessen diese Ausgaben uebernoiimen
werden, um die imperialistischen Absichten der Sowjetunion zu unterbinden. Hierbei wird ein 7/ort Lenins zitiert; "Die Existenz einer
kapitalistischen Nation, die irgendwo in der Welt existiert, bedeutet fuer den Kommunismus eine Bedrohung." Dieses Dogma regiert
die sowjetische Politik, sodass die Kommunisten entschlossen sind,
alle Nationen zu Fall zu bringen, auf die dieses Wort "kapitalistisch"
zutrifft - und das sind in erster Linie die Vereinigten Staaten,
aber auch alle demokratischen oder sozialistischen Staaten.
Der Bericht besagt weiter, dass der Marshallplan, der der Wiederherstellung Europas gilt, und der durch den Atlantikpakt und die
militaerische Unterstuetzung Westeuropas seine Abrundung erfaehrt,
den Willen zum Widerstand in den freien Laendern gestaerkt hat, wobei nicht uebersehen werden darf, dass auch die Taetigkeit der Internationale der freien Gewerkschaften diese Bestrebungen unterstuetzt. Die Erholung waehrend der zwei letzten Jahre ist schlechthin erstaunlich. Zu einem nicht unerheblichen Teil ist dieser Fortschritt auf die Beteiligung der europaeischen und amerikanischen Gewerkschaften zurueckzufuehren. Die amerikanischen Gewerkschaften
haben in vollstem Masse mit der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit - ECA - gemeinsam gearbeitet, indem sie ihre Erfahrungen
- 9-

�ueber die Moeglichkeiten austauschten, die Produktivitaet zu steigern, und dies hat wiederum die Bande internationaler gewerkschaftlicher Bruederlichkeit wesentlich verstaerkt. Die wirtschaftliche
Vollkommenheit der europaeischen Wirtschaft auf einer kontinentalen Basis wurde zeitweilig gestoert, aber sie bleibt die Endloesung,
die gegebenenfalls auch erreicht werden wird. Der Glaube an die
Demokratie und die Hoffnung auf die Zukunft laesst sich unter den
freien Voelkern Europas nur langsam wieder herstellen.
Der Exekutivrat sprach sich erneut nachdruecklich dafuer aus,
so schnell wie moeglich Friedensvertraege mit Oesterreich, Deutschland und Japan abzuschliessen, wobei gleichzeitig die Sowjetunion
angeprangert werden soll, die so lange Zeit diese Friedensvertraege
verhindert hat. Der Schumanplan fuer die Vervollkommnung der europaeischen Wirtschaft wurde im Prinzip gebilligt.
Gleichzeitig berichtete der Exekutivrat von den Fortschritten,
die die Hilfe fuer die lateinamerikanischen Gewerkschaften in ihrem
Kampf fuer die Demokratie bewerkstelligte. Hier wurde erneut klargestellt, dass die AFL jegliche Kundgebungen des Totalitarismus
und des Militarismus in der Alten Welt missbilligt, genau so wie
sie aehnliche Entwicklungen an anderen Orten ablehnt, auch wenn
ein solches Regime etwa in Suedamerka keine Bedrohung des Weltfriedens darstellt.
Die Leistungen der Internationalen Arbeits-Organisation - IAO einer Zweigabteilung der Vereinten Nationen, das einzige Ueberbleibsel des entschlafenen Voelkerbundes, die durch den ersten Praesidenten der AFL, Samuel Gompers, gegruendet wurde, werden in dem Kongressbericht eingehend beschrieben. Dann folgt eine Uebersicht
ueber die Organisation des Internationalen Bundes freier Gewerkschaften, ebenso ueber die wichtige Aufgabe, die die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hier erfuellt. Erneut wird herausgestellt, dass
eine der Hauptaufgaben des IBFG darin besteht, den Arbeitern im Fernen Osten, in Afrika und Suedamerika zu helfen, wie ueberall dort,
wo freie Gewerkschaften Hilfe benoetigen und wo entweder der Faschismus oder der Kommunismus ihre Freiheiten bedroht, damit diese Gewerkschaften stark genug werden, um diesen Drohungen begegnen zu
koennen.
Die Leitidee, die sich in diesem gesamten Berichtsteil verfolgen laesst, ist die Feststellung, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bereit und willens ist, ueberall und jederzeit der
Arbeiterschaft zu helfen, nicht nur in dem Kampf gegen Faschismus
und Kommunismus, sondern auch gegen Armut und Ungerechtigkeit. Die
unaufhoerlichen Bemuehungen der AFL, die Sklavenarbeit in Russland
der Weltoeffentlichkeit bekannt zu geben, werden ebenfalls erwaehnt.
Es wird dann berichtet, dass die UNESCO, die Organisation der Vereinten Nationen (UN) fuer Erziehung (E), Wissenschaft (S) und Kultur (C, 0 - Organisation) zwar etwas widerwillig, aber dennoch die
Tatsache akzeptierte, dass die Welt geteilt ist in Demokratien und
Totalitarismus, in Freie und Sklaven. Das Programm der UNESCO,
das das Analphabetentum ueberwinden will, menschliche Rechte zu beschuetzen wuenscht, den ungehinderten Fluss der Nachrichten garantieren will, das bessere Verstehen der Voelker untereinander zu
foerdern bestrebt ist, wird rueckhaltlos von der AFL gebilligt, waehrend das gleiche Programm von der Sowjetunion abgelehnt wird.
Rundfunksendung des US-Gewerkschaftssenders, Sprecher W. Oak
9/20/50
- 10 -

�ERIC -TQHNSTCEJ WUENSCHT GE'.VERKSCHAFTER IM DIPLOMATECTIENST
"Wir brauchen mehr Leute in der Regierung und im diplomatischen
Dienst, die aus der Arbeiterbewegung kommen und ueber gewerkschaftliche Erfahrungen verfuegen, weil das Schlachtfeld oder besser gesagt das Feld der Entscheidungen heute der Lebensstandard des
Arbeiters ist."
Diese Erklaerung gab vor kurzem Eric Johnston ab, der Vorsitzende der Vereinigung amerikanischer Tonfilmunternehmen und frueherer
Vorsitzende der US-Handelskammer. Er veroeffentlichte seinen Aufsatz unter dem Titel "Die Gewerkschaften wissen, wie sie es anzustellen haben", im September im "American Federationist," dem monatlich erscheinenden Organ der AFL.
Johnston lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung die besten Erfahrungen darueber verfuegt, wie mit den Kommunisten umgegangen werden muss. Die
Gewerkschaften wissen, wie die Infiltration in ihren eigenen Reihen versucht worden ist, diese Versuche, ihre Abwehr und ihre Ueberwindung haben sie in der Praxis erlebt.
"Diplomatie ist gewoehnlich eine Art Pokerspiel zwischen den
Regierungen, aber heute hat es die amerikanische Regierung direkt
mit den Voelkern zu tun, so wie bisher keine andere Regierung mit
ihnen zu tun hatte. Wir benoetigen daher unter unseren diplomatischen Vertretern Maenner und Frauen, die die Voelker kennen, sie
verstehen und mit ihnen eng verbunden sind." 'Vir haben in dieser
Richtung bereits einige Fortschritte gemacht, in einzelnen Schluesselstellungen der ECA-Verwaltung sind bewaehrte Gewerkschaftsfunktionaere taetig. Die Aufgabe, die heute vordringlich ist, liegt in
der Vtehl geeigneter Sprecher, die die beste Vertretung der Vereinigten Staaten im Ausland sind - und hier verfuegen garade die Gewerkschaftsvertreter ueber eine ganze Reihe von Vorzuegen. So wissen
unsere Gewerkschafter, wie sie zum Beispiel mit Leuten vom Schlage
Jacob Kaliks umzugehen haben. Kit dieser Type haben sie bereits
seit Jahren zu tun gehabt, und zwar in einem"etwas abgewandelten,
gerade auf die amerikanischen Verhaeltnisse zugeschnittenen Stil.
Die amerikanischen Gewerkschafter beherrschen somit diese Taktik
und ihre Technik, und sie koennen ihr vor allem in ueberlegener Weise
entgegentreten.
Der Sowjetvertreter Malik spricht russisch und seine Widersacher sprechen englisch. Aber sie sprechen nur dann eine gemeinsame
Sprache, wenn eine lange Erfahrung mit dem kommunistischen Wortschatz eine sprachliche Verstaendigung moeglich macht. Und unsere
Gewerkschaftsvertreter wissen, wie sie dem Kreml die Maske herunterreissen koennen."
ECA Labor Information
FYI 160 - 9/20/50
FIGARO SCHLAEGT PRODUKTIVITAETSMQUELLE VOR
Der "Figaro", die konservative franzoesische Zeitung, hat einen Artikel veroeffentlicht, in dem vorgeschlagen wird, dass gewisse
Fabriken ausgewaehlt werden sollten, um hier Methoden einzufuehren,
durch die die industrielle Produktivitaet gesteigert werden kann.
Durch solche Beispiele koennte der gesamten franzoesischen Industrie
sehr gedient werden.
Diese Empfehlung an das franzoesische Komitee fuer die Steigerung der Produktivitaet ist in einem Artikel zu finden, der von

- 11 -

•u

�Francois Fennelot unterzeichnet ist. Er 3agt hier, dass eine gesteigerte Produktivitaet das einzige Mittel ist, um franzoesischen
Arbeitern einen vernuenftigen Lebensstandard zu sichern.
Mennelot erwaehnt, dass der hoechste Mindestlohn, wie er
kuerzlich von der Regierung festgesetzt wurde, sich fuer einen Arbeiter in Paris auf monatlich 16 800 Franken belaeuft. Der "Figaro" sagt hier ganz offen-, dass es auf die Frage, ob irgend jemand
mit diesem Betrage einigermassen anstaendig oder als Durchschnittsmensch leben koenne, es nur eine einzige Antwort geben koenne,
naemlich eine verneinende.
Der "Figaro" sagt weiter, dass der Lebensstandard der Schluessel dazu ist, ob die Wiedergesundung der franzoesischen V.'irtschaft
weiter fortschreiten wird oder ob die Wirtschaft sich weiterhin
im Stadium eines blossen Vegetierens bewegen wird.
Die Zeitung bekannte sich zu einer kuerzlichen Erklaerung
des Premierministers Rene Pleven, dass die allgemeine Wiederbelebung der Wirtscheft abhaengig ist von einer Erhoehung der Kaufkraft der breiten Masse der Bevoelkerung - und das ist vor allem
die Arbeiterschaft. Dann wiederholt der "Figaro" jene Beobachtungen, die ein franzoesischer Gewerkschafter der Oeffentlichkeit
uebermittelte, als er aus den Vereinigten Staaten zurueckkehrte:
Produktivitaet und ihre Steigerung bedeutet, dass ein Unternehmer,
der seinen Arbeitern unter dem Druck der Gewerkschaften Lohnerhoehungen gewaehren muss, mit allen Mitteln bestrebt sein mussfzu
rationalisieren und nicht seine Verkaufspreise zu erhoehen, denn
die Vermeidung einer solchen Preiserhoehung ist fuer ihn von elementarer Bedeutung. Ein Unternehmer, der hier als Symbol gelten
koennte, sagte zu Mennelot: "Wer kann schon meine Erzeugnisse kaufen, wenn der Arbeiter unzureichend bezahlt wird?" Auf der anderen
Seite muessen die Arbeiter zumeist gegen das kommunistische Schlagwort Stellung nehmen, dass eine steigende "Produktivitaet lediglich
die Steigerung der Produktionsquoten bis zu einem sich toedlich
auswirkenden Takt bedeutet. Hierbei bemerkt der "Figaro", dass
Russland die eigentliche Heimat solcher Stossarbeiter ist. Aber
auch wenn technische Verbesserungen die Einsparung einzelner Arbeitsplaetze zur Folge haben, muss der Arbeiter dart-n denken, dass
auf der anderen Seite wiederum neue Arbeitsplaetze bereitgestellt
werden, sei es durch die Produktion neuer Maschinen oder durch die
Bedienung dieser Maschinen bei einm groesseren Ausstoss als bisher.
Die oekonomische Zukunft haengt ebenso wie unsere soziale Zukunft
davon ab, dass wir beharrliche und groessere Anstrengungen machen,
diese jedoch gemeinsam getragen werden muessen. Produktivitaet ist
weder eine mythische Angelegenheit noch eine Art Kinderkrankheit,
wie etwa unser alter Bestand an Ideologien sich noch immer bemueht,
diese Mythen aufrechtzuerhalten. Angesichts hoher Loehne, die
die amerikanischen Arbeiter durch den kaempferischen Geist ihrer
Gewerkschaften erzielen konnten, wird der amerikanische Unternehmer
gezwungen, jede nur moegliche Reformmethode in bezug auf arbeitstechnische oder allgemein technische Fragen anzuwenden. Diese bestaendigen Bemuehungen, eine Rationalisierung der Arbeit durchzufuehren, bedeutet, jede unnuetze Zeit auszuschalten, die deshalb
sich so kostspielig auswirkt, weil Arbeit nun einmal teuer ist.
Und hier liegen jene Moeglichkeiten durchaus offen, die auch in
Frankreich durchgefuehrt werden koennen.
"Vor einiger Zeit wurde in Frankreich eine Produktivitaetskomitee gegruendet. Sein Schicksal wird das gleiche sein wie das
zahlreicher anderer offiziellen Organisationen, wenn es nicht in
aller Kuerze seine Arbeit auch wirklich aufnimmt. Was wir wünschen, ist der Ausbau einer Reihe Fabriken im ganzen Lande, die
- 12 -

l

�als Musterbeispiel dienen koennen, aber gleichzeitig begruessten
wir es, wenn die Initiative jenes Komitees zur Steigerung der Produktivitaet nun endlich aufgenommen wuerde."
Am Schluss des Artikels wird den Unternehmern empfohlen, den
Grundsatz zu beachten, dass jede Firma, die nicht binnen eines
Jahres eine Verbesserung ihrer Erzeugnisse, ihrer Arbeitsmethoden
oder eine Reduzierung der Produktionskosten erreichen konnte, sich
darueber im klaren sein muss, dass dieses Unternehmen nur noch vegetiert und ueber kurz oder lang eingehen wird.
ECA Labor Information
LI-39 7 - 20/9/50
UEBER DIE TERMINOLOGIE DES PRODUKTIVITAETSBEGRIFFES
Das Wort "Produktivitaet" erhaelt haeufig *i«mlich unterschiedliche Auslegung; Zweck dieser Zeilen ist, den Sinn festzulegen, in
dem die Arbeitsgruppe des Rates der OEEC den Begriff "Produktivität
der Arbeit" normalerweise anwendet. Gleichzeitig werden Bezugshinweise und kurzgefasste Definitionen_fuer die von europaeischen Forschungswissenschaftlern gebrauchten'Ausdruecke gegeben, die eine
moeglichst genaue Vergleichsgrundlage fuer die Feststellungen schaffen, die sie in ihren Heimatlaendern durchzufuehren haben.
Produktivitaet ist der Quotient, den man erhaelt, wenn ;ian die
"Produktionsleistung durch einen der Produktionsfaktoren teilt. Auf
diese V/eise ist es moeglich, von der Produktivitaet des Kapitals,
der Investitionen oder des Rohmaterials zu sprechen, je nachdem, ob
die Leistung auf Kapital, Investitionen oder Rohmaterial bezogen
wird.
Die gebraeuchlichste Anwendung des Begriffs Produktivitaet ist
die der menschlichen Arbelt. Wird das Wort "Produktivitaet" ohne
naehere Bestimmung gebraucht, dann ist die Produktivitaet der Arbeit
gemeint. Produktivitaet der Arbeit (=Arbeitsproduktiviteet) ist
der Mengenwert, der in einer bestimmten Arbeitszeit produziert wird.
Dieses Verhaeltnis gewinnt dann wissenschaftliche Bedeutung, wenn
die Art und die technischen Bedingungen der in dem Zaehler erscheinenden Produktionsleistung und die fuer den Nenner gewaehlten Faktoren festgelegt worden sind.
Es ist zu beachten, dass Arbeitsproduktivitaet ein I'asstab der
allgemeinen '.Virksamkeit beim Einsatz der Arbeitskraefte und nicht
der Arbeitsleistung ist. Sie wird beeinflusst durch das Zusammenwirken einer grossen Anzahl gesonderter, wenn auch miteinander verbundener Faktoren, wie Menge und Guete der verwandten Ausruestung,
technische Verbesserungen, Leistungsfaehigkeit der leitenden Stellen, Zustrom von Material und andere Komponenten, wie die relativen
Beitraege der Einheiten auf verschiedenen Ebenen der Wirksamkeit
wie auch die Geschicklichkeit und Leistung der Arbeiter.
Relative Unterschiede in der Produktivitaet koennen gemessen
werden durch den Vergleich der Leistung einer Firma, Industrie usw.
in verschiedenen Zeitperioden oder zwischen verschiedenen Laendern
oder Gebieten. Aber auch die Produktivitaet zweier oder mehrerer
produzierender Einheiten ka.n verglichen werden (Betriebe, Firmen,
Gesellschaften). Der Zweck des Vergleichs besteht darin, einen Anhaltspunkt zu geben, welche Stellung eine produzierende Einheit
(eine Firma, eine Industrie öder eine Nation) gegenueber der Leistung anderer produzierender Einheiten oder ihrer eigenen Leistung
in einem anderen Zeitraum einnimmt; die Analyse der Grundlagen des
- 13 -

�Produktivitaetsniveaus, wie es auch sein r&amp;g, zu ermoeglichen und
die Position dieser Einheit zu verbessern, u-ine Messung der Produktivitaet und eine begleitende Analyse der Gruende und Faktoren koennte deshalb fuer die Zwecke einer allgemeinen wirtschaftlichen Analyse verwandt werden (z.B. bei der Beurteilung der gegenwaertigen und zukuenftigen Produktionsleistung eines Landes
oder einer Industrie, des Bedarfs an Arbeitskraeften oder die
Wettbewerbsfaehigkeit). Sie dienen jedoch auch als Grundlage fuer
die Beurteilung der Leistungsfaehigkeit und Ziele der leitenden
Stellen einzelner Betriebe und Firmen. Produktivitaetsmessungen
koennen zusammengestellt werden entweder durch Verwertung der vorhandenen statistischen Unterlagen oder durch Angaben, die direkt
fuer diesen Zweck gesammelt werden.
Die Leistung bezieht sich, je nachdem, wie der Fall liegt,
auf das Leistungsprodukt einer einzelnen Maschine, oder einer Abteilung (Arbeitsgang), eines einzelnen Betriebes, einer Gesellschaft, einer Industrie oder auf die ganze Volkswirtschaft. Vorzugsweise sollte sie nach physischen Werten gemessen werden und auf
den gleichen Arbeitsbereich bezogen werden. Sobald man sich jedoch von einer einzelnen Maschine, oder von einer einzelnen Abteilung oder Industrien mit einfacher Erzeugungsstruktur, bei denen
die Produktion eines einzelnen homogenen Produktes gemessen wird,
entfernt, werden rein physische Messungen schwieriger und andere
als physische Messmethoden (in der Hauptsache messbare Werte, wie
Waehrungen) muessen ueberhaupt oder zumindest beim Abwaegen angewandt werden, d.h. Summierung der Leistung verschiedener Sektoren
einer Industrie oder Wirtschaft. Die Erfahrung zeigt, dass die
Messung der Leistung das schwierigere Verfahren ist, und demzufolge wird die Genauigkeit der Messung der Produktivitaet weitgehend von der Art, in der Leistung gemessen wird, abhaengen.
Sowohl im Falle von Produktion pro Kopf und Stunde und nro
Kopf und Jahr kann der Begriff "Arbeitskraefte" Arbeiter allein oder
alle Beschaeftisrten einschliessen. Im ersten Fall kann er unmittelbare oder mittelbare Produktionsarbeiter umfassen. Die Unterscheidung zwischen "koerperlich" und "nicht-koerperlich" Arbeitenden (wie Buero-, Verwaltungs-, und technischen Kraeften) ist nicht
absolut. Sowohl die tatsaechliche Handhabung in der Industrie als
auch die statistische Handhabung sind je nach Land oder Firma verschieden. Der Unterschied kann in der Art der Entlohnung liegen
(in der Regel werden Arbeiter woechentlich, andere Kraefte monatlich entlohnt) oder in der Stellung (Arbeiter umfassen die
Stellen bis einschliesslich der Vorarbeiter). Einen Massstab fuer
die Entscheidung ueber Granzfaelle unter den Arbeitern kann der
Grad von Initiative abgehen, den die Arbeit verlangt.
Bei den Arbeitern kann unterschieden werden zwfechen unmittelbaren Arbeitern, das sind die im eigentlichen ^roduktionsgang
beschaeftigten Arbeiter, zum Unterschied von den mittelbaren Arbeitern, die sich mit anderen Taetigkeiten, wie Unterhaltung,
Lagerung, innerbetrieblichen Transporten und allgemeinen Arbeiten
befassen. Auch diese Unterscheidung kann wiederum je nach Land
und sogar je nach der Firma verschieden sein.
Produktivitaet pro Beschaeftigter umfasst die Arbeit aller
Personen einschliesslich z.B. der in Buchfuehrung oder Kassenwesen Taetigen. Bei der Messung der Produktivitaet in der Fertigwarenindustrie schliesst man am besten die Arbeit der im Vertrieb, sowie in Reklame und Werbung Taetigen aus. Bei Vergleichen zwischen Firmen ist es wesentlich, in allen Faellen die gleichen Funktionen mit ein- oder auszuschliessen. Wo die Grenzlinie
gezogen wird, haengt von den Zwecken ab, fuer die diese Statistiken
zusammengestellt werden.
- 14 -

�Bei der Messung der Arbeitsleistung koennen gewoehnlich das
Alter oder Geschlecht der Arbeiter oder die verschiedenartigen
Fertigkeiten nicht beruecksichtigt werden, obwohl eine solche Unterscheidung wuenschenswert waere.
Einige Wissenschaftler messen der Berechnung der Gesamtprodukt ivitaet, die nicht nur alle in den obigen Berechnungen eingeschlossenen Arbeitsstunden oder Beschaeftigten, sondern auch alle
diejenigen umfasst, die die bei der Produktion verwendeten Kapitalgueter, Energie und Rohstoffe erzeugen, grosse Bedeutung bei.
Hierbei wird letztere Kategorie in Arbeitsstunden oder Beschaeftigtenzahl umgewandelt.
Die Genauigkeit der Produktivitaetsmessung wird weitgehend von
"der Art abhaengen, in der die Leistung gemessen wird, aber auch von der
Art, in der die Arbeit gemessen wird, uri&amp;der Art, in der die Messung dieser beiden Faktoren verglichen werden kann. Je kleiner
die Produktionseinheit ist, auf die sich die Messungen beziehen,
und je unmittelbarer die Veranschlagung sowohl der Produktionsleistung als der Arbeit erfolgt, desto genauer ist die Berechnung. Es
waere ratsam, der Berechnung mo?glichst eine Scheatzung des Fehlerfaktors beizufuegen.
ERP-Beratungsausschuss des DGB
9/4/50
ANGESTELLTEN^ OBLEME UND IBFG
Fuer das kommende Jahr hat der Internationale Bund Freier Gewerkschaften eine Konferenz vorgesehen, bei der alle Fragen, die
den Angestellten betreffen, behandelt werden sollen und die auf
internationaler Basis die Loesung dieses Problems in Angriff nehmen soll. Die Konferenz wird in Bruessel stattfinden und zwar zu
einem sehr fruehen Termin. Der IBFG hat ein vorbereitendes Komitee gebildet, das alle Vorbereitungen zu dieser Konferenz treffen
soll. Es wird Wert darauf gelegt, dass auf dieser Konferenz auch
jene Angestellten vertreten sind, die in der Privatindustrie und
in Bshoerden beschaeftigt sind, wobei aber auch Banken und Versicherungen erfasst werden sollen und vor allem ^ene Angestellten, die
leitende Stellungen bekleiden. Hierbei sollen vor allem die Gewerkschaften der Journalisten, der Lehrer, der Angestellten, der
Techniker, der Beschaeftigten der oeffentlichen Dienste, zu denen
auch die Beamten gehoeren, der Flugzeugfuehrer und sehnlicher Gruppen ihre Unterstuetzung gewaehren, wie ueberhaupt jene Gewerkschaften, die zu ihren Mitgliedern zahlreiche Angestellte zaehlen, tvie
es etwa bei der AFL und dem CIO der Fall ist oder bei britischen
und hollaendischen Gewerkschaften, dem franzoesischen CGT-FO und
der Gewerkschaft der Werkmeister, den internationalen Berufssekretariaten der Transport- und Metallarbeiter, dem schwedischen TGO,
den deutschen DGB, den franzoesischen Post-, Telegraf- und Telefonbediensteten und aehnlichen Gewerkschaften, die dem IBFG angeschlossen sind.
Die folgenden allgemeingehaltenen Vorschlaege wurden dem beratenden Komitee bereits unterbreitet:
1. Jene Fragen zu bearbeiten, die fuer die nicht-handarbeitenden
und berufstaetigen Arbeitenden eine besondere Bedeutung haben, einschliesslich der Probleme der Angestelltengewerkschaft und ihrer
Organisation und alle geeigneten Schritte vorbereiten, die zur Loesung der besonderen Probleme dieser Gruppe derxArbeitenden beitragen koennen;
- 15 -

�2. In gemeinsamer Zusammenarbeit ~iit dem IBFG die Gruendung
besonderer internationaler Berufssekretariate voranzutreiben, fuer
die eine nicht-handarbeitende Taetigkeit der Gewerkschaftsmitglieder charakteristisch ist und die bisher ohne eine eigene Stimme
in den internationalen Gewerkschaften vertreten waren; eine solche Unterstuetzung wuerde vor allem fuer solche Berufskategorien
wie Lehrer, Journalisten, Buehnen- und Filmfachkraefte von besonderer Bedeutung sein;
3. Besondere Probleme wie die der Schulung in bezug auf industrielle und D'roduktivitaetssteigernde Leistung muessen hier behandelt werden;
4. Diesem Mitgliederkreis mit Unterstuetzung des IBFG eine
besondere Vertretung fuer nicht-hendarbeitende und berufstaetige
Arbeitende in den Vereinten Nationen und in den besonderen Ausschuessen zu verschaffen.
Das Komitee unterbreitete diese Empfehlungen dem IBFG in
Bruessel auf das Ersuchen J. H. Oldenbroeks, des Generalsekretaers
der 50 Millionen nichtkommunistischer Mitglieder zaehlenden internationalen Gewerkschaftsorganisation. Mitglieder des Komitees sind
Ernest Bell, britischer Gewerkschaftsbund (TUC) Vorsitzender,
M. C. Bolle, Internationale Gewerkschaft oeffentlicher Bediensteten,
Albin Karl, Deutscher Gewerkschaftsbund, R. Richard, franzoesische
GGT-FO, R. Speyser, franzoesische CCO, M. van de Moortel, belgische
CGSP, Kai Nissen und Einar Nielsen, daenische TUC, Walter Amann,
schwedische TUC, W. G. Spiekman, Internationaler Verband der Angestellten und Techniker, Charles G. J. Everling, belgischer FGTS,
Harry Martin, Vorsitzender der amerikanischen Journalisten-Gewerkschaft (CIO), 0&gt; Valkeners, franzoesische Gewerkschaft der Post-,
Telegrafen- und Telefonbediensteten (PTT), J. H. Oldenbroek, G. de
Muynck und Albert Heyer, IBFG und Eimer Cope, CIO. Das Mitglied
des Komitees Irving Brown, AFL, war verhindert, an dieser Sitzung
teilzunehmen.
ECA-Airgram A 333
9/5/50
WIEDERAUFBAU NORWEGENS STEIGERT BESCHAEFTIGUNGSZIFFER UND PRODUKTION
Die Beschaeftigungsziffer und die Produktion steigen in Norwegen 3taendig an.
Dem Bericht der norwegischen Regierung ueber die wirtschaftlichen
Entwicklungen im ersten Quartal des Jahres 1950 zufolge ist damit zu
rechnen, dass die Produktion fuer das ganze Jahr groesser sein wird,
als in norwegischen Haushaltsplan geschaetzt worden war.
Im Laufe des ersten Quartals dieses Jahres hat sich die Beschaeftigungsziffer um 14.5000 erhoeht gegenueber einer Zunahme um
13.6000 im gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres. Die Zahl der Industriearbeiter stieg um 6.400 und in der Land- und Forstwirtschaft
vermehrte sich die Zahl der Lohnempfaenger um 3.600.
Die Steigerung der Produktion erstreckt sich auf fast alle
Zweige der Wirtschaft. Die industrielle Produktion war zum Beispiel im ersten Quartal um 7% hoeher als im Vorjahr.
Labor News Bulletin
VII/15 - VIII/15/50
- 16 -

HICCG H-1734 L » B Oct 50 5 M

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNCEN
Di« folgenden Artikel «teilen Aaszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauck gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HIC0G, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auck einzelnen Interessenten direkt durch die Post lugeleü-'t.
Der Inkalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 31

Frankfurt, 6. Oktober 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Europaeische Wirklichkeiten

- - - - - - - - -

l

Die Strategie der Gewerkschaften - - - - - - -

4

Bessere Loehne - die HauptVoraussetzung fuer
die Poerderung der Demokratie in Asien - -

6

Wahrheit und Anstaendigkeit sind die L^eitsaetze
der Gewerkschaftspresse - - - - - - - - - 9
Green fordert Preiskontrolle und Sondersteuern
auf Kriegsgewinne - - - - - - - - - - - - 9
Das Roosevelt-College in Chlkago - - - - - - -

io

Neues rumaenisohes Arbeitsgesetz - - - - - - -

n

Arbeitsminister Maurice J. Tobin - USA:
EUROPAEISCHE WIRKLICHKEITEN
Niemals in der Geschichte war es fuer die Amerikaner wichtiger als heute, die Voelker Westeuropas zu kennen und zu verstehen.
Wenn die Vereinigten Staaten jene Rolle im internationalen Geschehen spielen wollen, die die Vorbestimmung ihnen zugewiesen hat,
so muss das amerikanische Volk das klarstmoegliche Bild von den
europaeischen Hoffnungen und Wirklichkeiten haben.
Ueber den Regierungen und Voelkern Westeuropas lastet der
bedrohliche Schatten des kommunistischen Imperialismus. Diese
Bedrohung ist weniger furchterweckend geworden seit der wirtschaft- 1 -

�liehen und militaarischen Unterstuetzung, die die Vereinigten Staaten gewaehren. Die moralische Staerke Westeuropas hat sich gehoben, seitdem Amerika seine Hilfe zur Verfuegung stellt. Ueberall
finden sich Zeichen der Erholung - die Fortschritte sind in kleinerem
und groesserem Ausmass zu bemerken.
Unsere europaeischen Freunde erkennen dies dankbar an. Sie
schaetzen auch durchaus die amerikanische Grosszuegigkeit. Aber
trotzdem haben sie noch viele Sorgen. Wenn sie zum Beispiel sowjetische Propaganda hoeren, die darin ausmuendet, dass die Dinge
in diesem Lande nicht reoht vorwaertsgehen, fangen einige sich
zu wundern an, ob die Bastion der Demokratie, die ihre Hauptstuetze ist, etwa ihre Staerke verliere . . . .
Deshalb ist es notwendig, die Quellen des amerikanischen
Wohlstandes klarzulegen. Es muss an die verschiedenen Formen der
Vorbeugungspolitik erinnert werden, die gegen wirtschaftliche Rueckschlaege aufgebaut wurden, an Altersrenten und freie oeffentliche
Stellenvermittlungsdienste, an Arbeitslosenunterstuetzungen und
die Garantierung der Sicherheit der Spargelder, ah Mindestlohnvorschriften und Arbeitszeitverordnungen, an die Unterstuetzung
der Landwirtschaft und an die Entwicklung bestimmter Hilfsquellen,
an die grundsaetzliche Verantwortlichkeit fuer die Vollbeschaeftigung, an die Elektrifizierung auf dem Lande und an alle die anderen Massnahmen, die seit 1933 durchgefuehrt werden, um die Wirtschaft der Vereinigten Staaten stabil zu erhalten und damit zum
Wohle des Volkes als ganzem zu wirken.
Aufgrund dieser Fortschritte werden die Vereinigten Staaten
niemals wieder eine solch schwere Wirtschaftskrise durchmachen
muessen wie es 1930 der Fall war. Im letzten Jahre drohte die
Zahl der Erwerbslosen stark anzusteigen, es schien, dass sich die
USA auf einem absteigenden Ast des Wirtschaftslebens befinden,
wie es gewoehnlich mehr oder weniger schnell nach einem Krieg* der
Fall ist.
Aber die Flut, die alles zu ueberschwemmen schien, ging sehr
schnell wieder zurueck. Die Vorsichtsmassregeln, die gegen die beginnende Krise in Anwendung kamen, setzten sich ausserordentlich
wirkungsvoll und nachdruecklich durch. Die Vereinigten Staaten
haben gelernt, wie die furchtbaren Folgen der Krisenzyklen sich
vermeiden lassen.
Wer daran zweifelt, der sieht nicht mehr die Wirklichkeit.
Die Zahl der Beschaeftigten hat ihren hoechsten Friedensstand in
der Geschichte der USA erreicht - fast 62 Millionen sind in verschiedensten Stellungen taetig. Das Land steckt mitten in einem
Wohnbau- und allgemeinen Bauprogramm, das die Bautaetigkeit in
diesem Jahr zu neuen Hoechstziffern bringen wird. Die Stromerzeugung hat alle bisherigen Rekorde uebertroffen. Die Gesamtproduktion steht heute bei etwa 265 Milliarden Dollar im Jahre. Sieht
das etwa danach aus, dass ein wirtschaftlicher.Zusammenbruch bevorsteht.
Vom 3. April bis zum 31. Mai 1950 haben die Vereinigten Staaten durch ECA, das amerikanische Hilfsprogramm fuer Europa, so
viel wie 9,115 Millionen Dollar fuer den Wiederaufbau einer gesunden .Wirtschaft und die Wiederfestigung der Demokratie in der uebrigen Welt ausgegeben. Hier muessen 162,5 Millionen Dollar fuer
das Deutschland-Programm hinzugefuegt werden - dann hat man einen
Begriff von der wirtschaftlichen Unterstuetzung, die Amerika Europa
gegeben hat. Weiter muss eine Schaetzung von etwa 1 Milliarde
Dollar fuer militaerische Hilfe hinzugefuegt werden und jedermann
- 2 -

�wird ueberzeugt sein, dass die europaeischen Voelker diesseits
des Eisernen Vorhangs allen .Grund zu dem Glauben haben, dass Amerika ihr Freund und Helfer ist.
Im Juni kam die Nachricht, dass die ferngesteuerten nordkoreanischen Streitkraefte in die friedliche Republik Suedkorea eingedrungen sind. Suedkorea hat amerikanische Unterstuetzung erhalten,
es befand sich auf dem Wege zu Frieden, Freiheit und sozialer
Gerechtigkeit, als die Vereinten Nationen ihm die Unabhaengigkeit
gaben. Dieser brutale und nichtprovozierte Angriff erschuetterte
die Voelker "'Osteuropas zutiefst. Sofort fragten sie: "Was- wird
Amerika unternehmen?" Das war die Frage, die zwei Tage alles
ueberschattete. Dann antwortete Praesident Truman in einer Form,
die die ganze Welt in Spannung versetzte.
Die eindeutige Stellungnahme Praesident Trumans wird von'
Europaeern dahin ausgelegt, dass hier der amerikanische Charakter
und der amerikanische Verantwortungssinn triumphierte. Die demokratischen Staaten antworteten auf diesen Beweis der Verpflichtung und des Mutes nicht nur mit Lobpreisungen, sondern mit allen
Zeichen des Bewusstseins ihrer eigenen Verantwortung, der kommunistischen Bedrohung entgegenzutreten.
Die Demokratien in Europa sind Amerikas Nachbarn, wie sie es
bisher niemals gewesen sind. Die USA schulden ihnen und der gesamten freien Welt jede Unterstuetzung, die dieses Land mit seinem Reichtum und seiner Staerke bieten kann. Jede Unterlassung,
diese Macht zugunsten des Guten der Menschheit einzusetzen, wuerde
die groesste Suende der Undankbarkeit sein, die eine Nation wie
die Vereinigten Staaten jemals begehen koennten. Die Vorsehung
ist bisher so guetig gewesen - die Vereinigten Staaten wuerden
zutiefst ihre Verpflichtung verkennen, wenn sie sich weigerten,
das, w.as sie besitzen, zu teilen und die Sache der Gerechtigkeit
und der Freiheit ueberall zu unterstuetzen.
Das ist eine unabaenderliche Pflicht. Aber man betrachte
einmal, was es bedeutet haette, wenn die USA in dem gegenwaertigen
Stand der Ereignisse in der Welt sich zurueckgehalten haetten. Man
haette dem sowjetischen Imperialismus den Weg sehr leicht gemacht
und zugesehen, wie demokratische Freunde versklavt wuerden. Und
geradezu zwangslaeufig wuerden die Folgen einer solchen Haltung
vernichtend auf die Vereinigten Staaten zurueckschlagen. Denn aus
dieser wachsweichen Haltung, die sich aus dieser Untaetigkeit ergeben wuerde, ergaebe sich fuer den Kommunismus am Schluss eine
ausgezeichnete Position, in der gleichen Weise mit den Vereinigten
Staaten selbst zu verfahren. Indem diese den Demokratien helfen,
sowohl wirtschaftlich als auch militaerisch staerker zu werden,
befestigen sie ihre eigene Freiheit und die Vereinten Nationen können den Schlaegen und den Geschicken der kommenden Zeit besser
widerstehen.
Die Vaterlandsliebe der Arbeiterschaft in allen westlichen
Demokratien hat sich in unermesslicher ?/eise durch die Antwort verstaerkt, die der kommunistischen Herausforderung in Korea erteilt
worden ist. Franzoesische Arbeiter und erst einmal Franzosen,
bevor sie etwas anderes sind. Italienische Arbeiter sind in erster
Linie Italiener und sonst nichts. Sie alle lieben ihre Heimat.
Die Binden sind von ihren Augen gerissen. Wie freie Arbeiter ueberall, lassen sie sich nicht mehr von jenen Agenten zum Narren halten, die sich fuer die Feinde ihres eigenen Landes einsetzen.
Die Aktion, die durch die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen durchgefuehrt wird, hat die Atmosphaere gereinigt
und gleichzeitig den Weg gezeigt, der beschritten werden muss, wenn
- 3

�die Freiheit gerettet werden soll. Die amerikanische Betrachtungsweise hat sich von der Verwirrung und den Zwistigkeiten in eine
feierliche Uebernahme der Verantwortlichkeit geaendert. Die USA
sind heute vollkoüjnen davon ueberzeugt und auch bereit, nicht
nur die Dinge in Korea wieder in Ordnung zu bringen, sondern auch
jede andere kommunistische Aggression zurueckzuschlagen, wo auch
immer sie sich praesentieren mag.
Noch klammert sich jeder an das Ideal des Friedens. Die
Hoffnung ist nicht aufgegeben, dass, nachdem die Rechte Suedkoreas
wiederhergestellt sind, die Kommunisten keinem anderen Satellitenstaat zu irgendwelchen Aktionen veranlassen. Was aber noch
immer geschehen mag - die Voelker muessen zu einem lebendigen
Bewusstsein jener Rolle kommen, die sie in internationalen Angelegenheiten spielen muessen.
Als die rechte Hand der Vereinten Kationen muessen die USA
unerschuetterlich sein in der Abwehr jeder Aggression. Das Schicksal aller freien Voelker der Erde ist ein unteilbares. Die USA
werden in dieses Geschehen unweigerlich hineingezogen, wo blosse
Kraft ueber Freiheit und Menschenrechte triumphiert, fuehlen die
Voelker die Schlaege. Die Amerikaner wissen, dass sobald die
Freiheit irgendwo ausgeloescht wird, die Glocke auch fuer sie
bald schlagen wird.

DIE STRATEGIE DER GSTBRKSCKAFTEN
Dieser Beitrag ist die Uebersetzung eines Artikels, der kuerzlich im "Populaire" erschienen ist, dem Organ der franzoesischen sozialistischen Partei.
Die Resultate, die in den letzten Monaten erreicht werden
konnten, werfen ein staerkeres Licht auf die Aktivitaet und die
Geschicklichkeit der amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer. Hierbei nuss jedoch in betracht gezogen werden, dass eine ganze Anzahl besonderer Ereignisse ihnen in ausserordentlichem Masse zugute kam. Dank der hohen Loehne, die es den Arbeitern ermoeglicht, auch verhaeltnismaessig höbe Beitraege zu zahlen, verfuegen die Gewerkschaften ueber hohe Kassenbestaende, die es ihnen
erlauben, einen Streik viele Wochen hindurch zu finanzieren und
die erforderlichen Streikunterstuetzungen zu zahlen. Die Gewerkschaften koennen weiterhin mit der Solidaritaet jener Arbeiter
Fechnsn, die in anderen Werken weiterhin in Arbeit bleiben, weil
diese Solidaritaet nicht auf freiwillige Gaben aufgebaut ist, sondern auf einem System zeitweiliger Sonderbeitraege, die von der
Gewerkschaft erhoben werden. Dank dem System des "closed shops",
bei den der Unternehmer sich damit einverstanden erklaert, ausschliesslich solche Arbeitskraefte zu engagieren, die der Gewerkschaft aneehoeren, mit der der Tarifvertrag abgeschlossen worden
ist, koennen die Gewerkschaften waehrend einer solchen Aktion
nicht durch rivalisierende Gewerkschaften unterminiert werden.
Selbstverstaendlich machen die Gewerkschaften vollen Gebrauch
von den Moeglichkeiten, Lohnerhoehungen durchzusetzen, denn bei
der segenwaertigen Konjunktur sind Arbeitskraefte unentbehrlich.
Das ist gegenwaertig in der Automobilindustrie der Fall, morgen
wird es in der gesamten Metall- und Ruestungsindustrie so sein,
die gegenwaertige Wiederaufruestung fuehrt automatisch dazu.

- 4

�Die Gewerkschaften haben weiterhin die Anwendung des Teilstreiksystems anzuwenden gelernt, durch die ein Schluesselunternehmen lahmgelegt wird und die gesamte davon abhaenpige Industrie
zur üntaetigkeit gezwungen wird. Das gleiche gilt fuer den
"Sitzstreik*1, den auch die Italiener kennen, ihn aber nur mit geringem Erfolg benutzen konnten, da er in erster Linie fuer politische Zwecke ausgenutzt werden sollte.
Und schliesslich haben es die Gewerkschaften mit Lnternehmern
zu tun, die nicht weniger profitgierig sind als ihre europäischen
Kollegen, wenn auch in einer etwas anderen V.'eise. Fuer den europaeischen Unternehmer ist der Arbeiter, wie es die Nationalsozialisten offen sagten, eine Art niedrigeren '.Yesens, der dazu verurteilt ist, in Elendsvierteln zu leben, aermliche Kleider zu tragen
und minderwertige Nahrung zu sich zu nehmen. Fuer den amerikanischen Unternehmer ist der Arbeiter jedoch ein Verbraucher, ein
Kunde, dem man genuegend Geld geben muss, damit er die produzierten Dinge auch wirklich kaufen kann. Die gesamte amerikanische
Wirtschaft der letzten achtzig Jahre basiert auf diesem Grundsatz
der hohen Loehne und des hohen Verbrauchs.
Aber alle diese Tatsachen, die eine Lektion fuer die Europaeer sein sollten, koennen nicht den Erfolg Amerikas erklaeren,
wenn nicht die geistigen Faehigkeiten der leitenden Persoenlichkeiten in betracht gezogen wuerden. Die beiden Hauptpunkte hierbei
sind die Tatsachen, dass sie weder politische noch metaphysische
Persoenlichkeiten sind, wenigstens nicht in einem bemerkenswerten
Grade. Das "Klima" der Vereinigten Staaten gestattet ihnen einfach
nicht, sich als Politiker zu beschaeftigen. Amerika ist ein Land,
in dem 50% der Y/aehler nicht an die Wahlurne gehen, in dem von
selten des Staates nur selten Vorteile erwartet werden, sondern
im Gegenteil, nur aufgrund einer privaten Initiative. Es ist bedeutsam genug, dass die Alterspensionen der Arbeiter nicht von
Staat auf einer annehmbaren Hoehe festgelegt werden, sondern aufgrund besonderer Vereinbarungen zwischen den Gewerkschaften und
den Unternehmern. Diese Methode ist voellig verschieden von der
in Europa angewendeten. In Europa sind die Hauptgewinne, die die
Arbeiter erzielen konnten, auf dem "rege der Gesetzgebung erreicht
worden, das heisst also auf politischem V/ege. Dieses System hat
jedoch den Nachteil, dass die Arbeiter sogenannten schwachen Gewerkschaften nicht anzugshoeren brauchen, da sie ohnehin die gleichen Vorteile sich automatisch erwirken. Die Amerikaner sind jedoch weder Metaphysiker noch Theoretiker, soweit es sich um Gewerkschafter und Unternehmer handelt. Zweifellos haben sie ihre eigene
Auffa-.sung ueber Komplexe und "Entkomplexierungen" ueber Verwicklungen und Entwirrungen, sie sind sich auch darueber klar, dass jede
Lohnbewegung in gewissem Sinne ein Rueckschlag ist; aber sie weigern
sich absolut, eine Verwirrtheit zu erzielen, wie sie etwa hervorgerufen werden koenn';e durch ein geistiges Spinnwebennetz, das die
kapitalistischen Unternehmer in ihren Diskussionen mit den Gewerkschaftsvertretern durchaus anzuwenden wussten.
Tatsaechlich sind aber diese Maenner wirkliche Realisten, die
sehr genau ueber ihre eigene Kraft und Staerke informiert sind aber genau so gut ist es auch der Gegner. Sie wenden sich sowohl
an die Gerichte als an die Moeglichkeit, die Arbeit zu unterbinden.
Vor allem John Lewis, der Vorsitzende der Bergarbeitergewerkschaft,
ist ein ausgezeichneter Kenner der Materie und ruft gern die Gerichte an. Es ist somit verstaendlich, dass diese Maenner die gegebenen Moeglichkeiten kennen und genau wissen, wie sie eine tuechtige
Strategie zu entwickeln haben. Diese Maenner werden von den Arbeitern als wirkliche Persoenlichkeiten geschaetzt und geachtet, sodass
ihnen ohne Zoegern und ohne jede Vorbehalte zugestimmt und gefolgt
wird.
- 5-

�Henry G. Fleischer:
3SrSERE LOEHNE - DIE HAUPTVORAUSSETZUNG FUER DIE FOERDERUNG DER
DSVOKRATIS IN ASIEN
John Brophy, der soeben von einer 50.000-km-Reise quer durch
Asien zurueckgekehrt ist, brachte zum Ausdruck, dass die Amerikaner
alle3 tun sollten, um Dutzenden nichtkommunistischer Laender zwischen Iran und Tapan ihre Hilfe zur Verfuegung zu stellen.
BroDhy, der Vorsitzende des industriellen Ausschusses des CIO
und alter amerikanischer Gewerkschafter, fasste seine Beobachtungen
in Asien wie folgt zusammen:
Die asiatischen Gewerkschaften gehen jetzt an die Arbeit. In
vielen Laendern sind die Probleme, mit denen sie zu kaempfen haben,
weit groesser als die, denen wir jemals gegenueber standen. Aber
hier findet sich noch eine betraechtliche Begeisterung und wir
haben die Verpflichtung, ihnen zu helfen, um auf demokratischen
Wegen vorwaerts zu schreiten.
Brophy bereiste die asiatischen Laendsr als Mitglied einer
Sondermission, die vom Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
beauftragt wurde, mit den nichtkommunistischen Gewerkschaften dieser Laender Kontakt aufzunehmen. Die Kommission verliess Bruessel,
den Sitz des I.B.F.G., am 1. Juli und blieb zwei Monate in Asien.
In diesen beiden Monaten scrach Brophy mit Dutzenden von Gewerkschaf tsfunkwionaeren, Regierungsvertretern und Unternehmern. Er
erlebte, wenn auch nur fuer eine Stunde, eine Hitze von 57° auf
dem Flugplatz von Basra, er sah einen Zirkus mit 62 Elefanten in
Kandy auf Ceylon (Brophy will sie gezaehlt haben.') und hoerte
einer Debatte im Parlament von Ceylon zu, jetzt eine sich selbst
verwaltende Kolonie des britischen Imperiums. Zwei Mitglieder
des Senats sind trotzkistische Kommunisten, einer stalistischer
Kommunist, aber alle drei haben fuer die Vereinigten Staaten
nichts uebrig.
Brophy vom I.B.F.G.-Komitee uebergab einen Bericht seiner
Eindruecke dem Exekutiv-Komitee in Bruessel. Er enthaelt eine
Uebersicht ueber die Gewerkschaftsbewegung und ihre Probleme in
Asien, wobei gleichzeitig die Methodik erwaehnt wird, wie die Organisationen der Arbeiterschaft gefoerdert werden koennen. V.'eitere Vorschlaege sehen die Gruendung mehrerer Gewerkschaftsbueros
und gleichzeitig die Einrichtung von Schulen, um Gewerkschafter
auszubilden, vor und schliesslich Empfehlungen, die kommunistische Propaganda und Infiltration zu bekaempfen.
Die demokratischen Kraefte in Asien werden sich erheblichen
Schwierigkeiten gegenueber sehen, wenn ihre F reU nde in Europa und
Amerika nicht sofort Hilfe leisten koennen. Die Stimme Amerikas
ist nicht viel mehr als ein leises Wispern in Asien, wenn man die
ruecksichtslose Agitation der Kommunisten betrachtet. Leider
glauben viele Asiaten, dass die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit bedrohen koennen. Seit Jahren bemueht sich die kommunistische Propaganda, diese Schlagworte ueberall zu verbreiten
aber geeignete Massnahmen muessen ergriffen werden, und zwar
durah Taten und durch V/arte zugleich.
John Brophy sagte, dass seine Reise in Asien zwischen Iran
und Japan ihn ueberzeugt hat, dess hier ein revolutionaerer Wirkungsstoff zu finden ist, allerdings verschiedene Grade der Intensitaet im gesamten Asien anzutreffen sind.
Brophy weist darauf hin, dass die Voelker Asiens Nationalisten
sind, sie wuenschen fuer ihre Laender Unabhaengigkeit und Gleich6 -

�heit mit den anderen Nationen der Welt. Dieses Streben nach nationaler Unabhängigkeit war das Ziel revolutionaerer Bemuehungen der
Kommunisten, um durch diesen Wirkstoff Volkstuemlichkeiten zu erhaschen, heute muessen sie aber die Voelker taeuschen, um die
asiatischen Nationalisten in das sowjetische Lager herueberzuziehen.
In fast allen Laendern sind die Gewerkschaften hoch schwach,
obgleich sie sich in Japan ausgezeichnet entwickelt haben. Das
Fussfassen des I.B.F.G. in Asien hat einen neuen "Lebensanspruch"
der Arbeiter bewirkt und einen neuen Begriff der Organisationsarbeit fuer viele asiatische Gewerkschaftsorganisationen bewirkt,
von denen bereits ein grosser Teil dem I.B.F.G. angehoert.
Obgleich viele Gewerkschafter absolute Nationalisten sind und
ihre Gewerkschaften in der nationalrevolutionaeren Bewegung eingegliedert sind, interessieren sie sich auf der anderen Seite fuer
den gewerkschaftlichen Internationalismus, wie ihn der I.B.F.G.
vertritt und sie vertreten durchaus die Schaffung neuer oertlicher
I.B.F.G.-Verbaende, um durch den Aufbau einzelner Gewerkschaftsgruppen eine machtvolle Organisation zu begruenden.
Die Milliarden Menschen, die auf dem asiatischen Kontinent leben, haben den niedrigsten Lebensstandard der Menschen der Welt.
Wenn sie sich, der Sache der weltweiten demokratischen Politik verschreiben wollen, somuss ein Beginn damit gemacht werden, ihren
Lebensstandard zu verbessern.
Die Vertreter des Komitees erkannten sehr schnell, dass ihre
gesamte Organisation den asiatischen Arbeitern helfen muss. Ein
Weg, auf dem dies geschehen kann, ist die unter Drucksetzung europaeischer und amerikanischer Gesellschaften, die mit diesen Laendern geschaeftliche Beziehungen haben. Durch diesen Druck muss
erreicht werden, dass sie 3ich zu einer Verbesserung der Lebenshaltung fuer Hunderttausende von Arbeitern bereit erklaeren.
Gerade jetzt koennten viele dieser Gesellschaften, die zum Beispiel mit Gummi, Oel, Zinn, Tee oder anderen kolonialen Guetern
Handel treiben, wesentlich zu einer Steigerung der Lebenshaltung
in Asien .beitragen. Viele asiatische Arbeiter sind es gewohnt nur
im Lichte dieser Gesellschaften Amerika zu beurteilen. Man kann
sich dabei vorstellen wie die Eindruecke beschaffen sind, die sich
hier gebildet haben.
Natuerlich benutzen die Kommunisten jeden Vorteil, der sich
aus dieser Situation ergab und sie haemmern unablaessig auf diesem
Thema des "amerikanischen Imperialismus" herum. Aber diese Artikel
erscheinen in vielen nichtkommunistischen Zeitungen und Zeitschriften und sprechen zu einer weiten Oeffentlichkeit.
Ungluecklicherweise scheinen unsere Propagandisten diese Probleme nicht zu erkennen, dadurch wird die amerikanische Lebensauffassung in einer sehr engen Bahn dargestellt.
Die aussen jedoch haben eine wesentlich bessere Kenntnis der
augenblicklichen Schwierigkeiten und der bestehenden Vorurteile
und sie wissen sich dieser Moeglichkeiten sehr gut zu bedienen. Die
meisten asiatischen Gewerkschaftsfuehrer glauben an eine Zukunft,
in der sie die bestehenden Gesellschaften als eine Kombination des
Gemeinbesitzes ansehen, in die die allgemeine Industrie und die der
Grundstoffe einbezogen wird, wobei jedoch private Unternehmen weiter
bestehen sollen.
Jeder Versuch, so warnt Brophy ausdruecklich, das freie Unternehmertum als das einzige Mittel d.es wirtschaftlichen Fortschrittes
7 -

�hinzustellen, wuerde uns voellig in eine Sackgasse fuehren. Ganz
Asien ist ausserordentlich an den verschiedenen Programmen interessiert, die mit technischen Unterstuetzungen den Lebensstandard
verbessern sollen« üine dieser Moeglichkeiten ist von Praesident
Truman in seinem Punkt-Vier-Programm mit einem Anfangsbetrag von
25 Millionen Dollar in Gang gebracht worden. Die CTO-Vertreter
haben von Anfang an scharfe Kritik an diesem Betrag geuebt, weil
er viel zu gering erscheint, um sich auswirken zu koennen.
Die Briten arbeiten an einem aehnlichen Plan. Die Vereinigten Staaten haben eine ganze Anzahl Projekte laufen, um Gesundheitswesen, Handel, Landwirtschaft und Finanzfragen in verschiedenen asiatischen Laendern zu foerdern.
Die Delegation des I.B.F.G. bestand neben Brophy aus Gordon
Chapmann von der AFL, J". W. Dalley von den britischen Gewerkschaften, Robert Dekeyzer von der belgischen Gewerkschaftsbewegung und
Deven Sen vom indischen National-Kongre3S der I.B.F.G. Gewerkschaften. Sie wurden von Tay Krane vom I.B.F.G.-Vorstand begleitet,
der frueher fuer den CIO in Europa arbeitete, und Richard Deverall,
dem ehemaligen Schulungsleiter der Automobilarbeitergewerkschaft,
der baute die AFL in Indien vertritt.
Bevor die Ke^imission nach Asien fuhr, besuchte sie Genf, um
einer Konferenz der Internationalen Arbeits-Organisation beizuwohnen. Hier hatte sie Gelegenheit, mit einer ganzen Reihe asiatischer Gewerkschaftsvertreter zu sprechen, und konnte hier bereits ihre Reiseplaene und Vereinbarungen fuer Konferenzen festlegen.
Das I.B.F.G.-Komitee teilte sich in zwei Untergruppen, damit
alle Staaten, die besucht werden sollten, auch tatsaechlich besucht
wurden. Eine Gruppe ging nach Pakistan, Indien, Ceylon, Hongkong,
Singapur, den Malaiischen Staaten, Siam, Philippinen, Japan und
Formosa. In jeder Stadt wurde die Kommission durch die Vorsitzenden der oertlichen Gev^erkschaf tsbewegung willkommen geheissen,
dann begannen eingehende Unterhaltungen, die in englisch oder mit
Hilfe des Dolmetschers oertliche Gewerkschaftsprobleme zum Gegenstand hatten.
Durch diese Gespraeche sind fast alle Probleme zum Vorschein
gekommen, die in Asien existieren. Alle diese Voelker arbeiten,
sie denken nach und sind zu Experimenten bereit.
Sie sind ueberaus interessiert, zu hoeren, was unsere Gewerkschaften tun und sie legen grossen Wert auf Ratschlaege, was sie
selbst tun koennen, um ihre eigenen Organisationen wirksam aufbauen zu koennen.
In einigen Laendern sind natuerlich die wirtschaftlichen Fragen in erster Linie landwirtschaftlicher Art, in anderen besteht
eine betraechtliche Industrie fuer Stahl, Textilien oder Gummi,
und hier werden die Gewerkschaften auch nach und nach staerker.
Ueberall jedoch waren die Leute sehr begeistert ueber den Schritt
des I.B.F.G., und sie wollen noch mehr darueber erfahren. Es besteht eine ausgezeichnete Moeglichkeit, um den demokratischen
Fortschritt zu sichern und eine moderne Gewerkschaftsbewegung in
Asien zu gruenden. Es haengt allerdings viel davon ab, ob diese
Moeglichkeiten sich in naechster Zukunft realisieren lassen.
CIO News
9/18/50

- 8-

�WAHRHEIT UND ANSTÄNDIGKEIT SIND DIE LEITSAETZE DER GEWSRKSCHAFTSPRESSE"
Die Gewerkschaftspresse hat eine schwere Verantwortlichkeit
gegenueber der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu erfuellen.
Ebenso wie die Gewerkschaftsbewegung muss die Gewerkschaftspresse
immer daran denken, dass sie ueber jede Verdaechtigung erhaben
se^n muss. Die Gewerkschaftspresse hat grosse Fortschritte in
der Hoehe der Auflage, ihrem Einfluss und ihrem Prestige waehrend
der letzten 20 Jahre ?u verzeichnen. Dieser wachsende Einfluss
Ist zum groessten Teil auf die wahren und ungeschminkten Berichte
ueber alles Geschehen in den Gewerkschaften zurueckzufuehren, die
die Gewerkschaftspresse in ihren Nachrichtenspalten den Lesern
mitteilt. Jene Gewerkschaftsorgane, die Anzeigen aufnehmen,
wachen darueber, dass keine unwahren, verdaechtigen und gegen die
Gewerkschaftsbewegung gerichteten Berichte als bezahlte Anzeigen
veroeffentlicht werden und da sie s,ich immer ihrer Verantwortlichkeit bewusst sind, den guten Nfimen der Gewerkschaftsbewegung zu
erhalten, bemuehen sie sich, uebergenau zu sein, wenn der Eindruck entstehen koennte, dass eine Druckmassnahme angewendet wird
oder eine Ungeschicklichkeit durch die Wirkung des Anzeigenteils
entstehen koennte. Das wachsende Prostige der Gewerkschaftsnresse
wird dann und wann von skrupellosen Geschaeftsleuten zu stoeren
versucht, die sich darum bcmuehen, diese Anstrengungen dadurch
zunichte zu machen, indem sie sogenannte "unabhaengige" Gewerkschaftszeitungen schaffen, deren einziger Zweck es ist, sich von
solchen Unternehmen Anzeigen geben zu las-stn, die nur wenig od^r
ueberhaupt nicht ueber die Dinge informiert sind und diesen sonderbaren Druckmethoden nachgeben. Niemals wuerdeein wirklicher
Gewerkschaftsvertreter einer solchen Praxis irgendwelchen Raum
geben, weil er weiss, dass er damit der i'ache der Gewerkschaftsbewegung ausserordentlich schaden wuerde. Die Konferenz der Gewerkschaftspresse bestaetigte erneut ihren festen Entschluss, ihre
bisherigen Methoden beizubehalten und sie weiter beizubehalten,
um mit allen Mitteln den guten Namen der Gewerkschaften reinzuhalten und sich von allen Massnahmen gewissenloser und lediglich auf
den Profit bedachter Einzelgaenger abzusetzen. Die Konferenz der
Gewerkschaftspresse bestfeetigte, dass die uebervviegende Majoritaet
der Gewerkschaftsorgane sich ihrer Verantwortlichkeit bewusst ist
und diese auch freiwillig sich auferlegt, ^urch diese ;.!ar,s nahmen
traegt auch die Gewerkschaftspresse dazu bei, da3s die Macht und
das Prestige aller Gewerkschaftszeitungen steigt. Die Konferenz
der Gewerkschaftszeitungen begruesstö die kuorzlichen Aktionen des
Exekutivrtts der amerikanischen Fedöration of Labor gegen den
"Gswerkschartskourier" und bittet nachdruecklich den Exekutivrat,
weiterhin seine Untersuchungen gegen unwahre Praktiken fortzusetzen und geeignete und wirksame Massnahmen gegen jedes und alle
sogenannten nGewerkschafts"-Zeitungen durchzufuehren, ganz gleich
ob sie bedeutender oder unbedeutender sind, sobald sie schuldig
werden, unsaubere und schmutzige Praktiken in ihrem Anzeigenteil
zu dulden.
AFL Weekly News Service
9/8/50
GREEN FORDERT PREISKONTROLLE UND S ONDSRSTSUERN AUF KRIEGS GEWINNE
Der wiedergewaehlte Vorsitzende der amerikanischen Federation
of Labor, William Green, verlangte eine wirksame Preiskontrolle
fuer die wichtigsten Waren und eine Steuer auf ueberhoehte Gewinne,
die zugleich eine wirksame finanzielle Hilfe sein kann, den Krieg
in Korea zu beenden und eine verderbliche Inflation unmoeglich
zu machen.
•
- 9-

�Diese Forderungen brachte Green in einer Ansprache zum Ausdruck, die er anlaesslich einer Tagung der Gewerkschaftsliga fuer
politische Erziehung hielt. Der Vorsitzende des nationalen Sicherheitsausschusses, W. Stuart Symington, sprach hier ebenfalls und
sagte: "Wenn Korea uns eins gelehrt hat, so ist es die Tatsache,
dass eine friedliebende Demokratie nicht auf weitere Angriffsakte
warten darf, um eine Mobilisierung durchzufuehren, die dieser
Aggression begegnen soll. Wir muessen heute eine Verteidigung aufbauen, die ausreichend ist, um mit unseren Verbuendeten jene Entscheidungen der Vereinten Nationen durchzufuehren, die im Interesse
eines Weltfriedens gemacht worden sind." Green fuehrte im einzelnen aus: "Ein tatsaechliches und wirksames Verteidigungsprogramm
erfordert eine schnelle Umstellung unserer industriellen Kapazitaet
und einen voelligen Wechsel unserer nationalen Wirtschaft. Dies
ist keineswegs ein mueheloses Beginnen. Wir brauchen eine Sondersteuer fuer uebermaessige Gewinne, weil seit dem Beginn des KoreaKonfliktes sowohl unser Verteidigungsprogranm als auch jeder einzelne Verbraucher durch die sich in weitesten Kreisen breitmachende Profitsucht geschaedigt worden sind. Wir benoetigen Preiskontrollen fuer viele Waren und Dienstleistungen, weil die Preise
waehrend der letzten sechs Wochen zuweilen wolkenkratzeraehnlich
gestiegen sind. Unter Umstaenden koennen die Löhne stabilisiert
werden, aber dies erscheint ziemlich unmöeglich, da die Loehne
sich nicht veraendert haben, seitdem jene Notzeit' begann. Der von
mehr als 99% aller amerikanischen Arbeiter nach Hause gebrachte
Lohn ist unveraendert geblieben, waehrend die Preise in die Hoehe
geschossen sind. Wenn heute die Loehne auf dem alten Stand verbleiben sollten, so waere es eine Ungerechtigkeit, die gegenwaertigen Verhaeltnisse zu stabilisieren. Es muss eine Gelegenheit gegeben werden, die Loehne wieder auf einen paritaetischen Stand
mit den gestiegenen Preisen zu bringen, ehe irgendein Versuch gemacht wird, eine Lohnkontroll©, auszuueben. Die Ansprache des Vorsitzenden William Green war der Hoehepunkt einer Gedenkfeier in
Chikago, an der 75,000 Personen teilnahmen. Bei Beginn der Feierlichkeiten wurde ein riesiges Portrait des Gruenders der AFL,
Samuel Gompers, enthuellt.
AFL Weekly News Service
9/8/50
Dan Smith:
JA° R 00SEVELT-C OLLEGE ITT ClilKAOO
Das College in Chikago ist die groesste Schule der Gewerkschaften. Unter den annaehernd 100 Universitaeten und Hochschulen, die
ietzt Kurse ueber Geverkschaftsfragen durchfuehren, steht das
Roosevelt-College in Chikago an der Spitze. Das Roo'sevelt-College
i3t wahrscheinlich das am schnellsten gro sgewordene Erziehungsinstitut. Es ist die einzige Hochschule, die fuer die gewerkschaftliche Erziehungsarbeit eine eigene Schule zur Verfuegung stellt.
Die Abteilung fuer gewerkschaftliche Schulung an dieser Kochschule
hat denselben Status wie die Wirtschaftshochschule, die Hochschule
fuer Kuenste und Wissenschaften und die Hochschule fuer "usik.
Ihr Programm steht allen Arbeitern offen, ohne Ruecksicht auf eine
akademische Qualifikation oder eine fruehere schulische Erfahrung.
Heute nehmen ueber 700 Studenten an £? gewerkschaftlichen Schulungskursen teil, fuer die 18 Lehrkraefte taetig sind, die teilweise aus den Gewerkschaften kommen, zum teil jedoch aus dem Dosentenstab der Hochschule gestellt werden, ein kleinerer Teil
kommt aus der praktischen industriellen Arbeit. Der Verantwortliche fuer die gewerkschaftliche Schulungsarbeit ist Frank
- 10 -

�McCallister. Die meisten Kurse werden einmal in jeder Woche an
einem Abend in Gewerkschaftsraeumen durchgefuehrt. Dies erfolgte auf das Ersuchen der Gewerkschaften, die ihre Mitglieder dieser Schulungsarbeit zufuehren will. Darueber hinaus befinden
sich vier Klassen in den eigenen Raeumen der Hochschule im alten
Auditorium Chikagos. Die hier abgehaltenen Kurse haben als Thema
gewerkschaftlichen Journalismus, Wirtschaftswissenschaften, Zeitund Bewegungsstudien und parlamentarische Formeln. Die ausserhalb der Hochschule durchgefuehrten Kurse fuehren in ihrem Vortragsprogramm Gewerkschaftsgeschichte und Funktionaerschulung,
Auswertung des Arbeitsplatzes und die Beziehungen der industriellen Technik zu Tarifvertraegen und anderes. Obgleich die Hochschule mehr als 6 000 Studenten 7jaehlt, besteht sie erst fuenf
Jahre. Sie oeffnete im September 1945 mit 1 200 Studenten ihre
Pforten und zaehlte damals 84 Lehrkraefte. Die Gruendung der
Hochschule ist auf einen Streit zwischen Dr. Edwards J". Sparling,
dem Gruender und Rektor, und dem Aufsichtsrat der zentralen
Y.M.C.A.-Hochschule zurueckzufuehren, die damals Dr. Sparling leitete. Dr. Sparling ueberwarf sich mit dem Aufsichtsrat der
Y.M.C.A.-Hooiischule , als dieser darauf bestand, ein QJuotensystem
fuer die Minoritaetengrupoen festzulegen. Ebenso wuenschte Sparling, ein Arbeiterschulungsprogramm an dieser Y.M.C.A.-Hochschule
einzufuehren, was jedoch von dem Verwaltungsrat abgelehnt wurde.
Die meisten Lehrkraefte der Y.M.CA.-Hochschule und eine grosse
Anzahl der Studenten folgten Dr. Sparling in seine neue Hochschule
Heute sitzen zwei Gewerkschaftsangestellte im Aufsichtsrat. Der
eine Ast Morris Bialis vom Ortsausschuss der Chikagoer Damenoberbekleidungsarbeiter-Gewerkschaft, waehrend Harold Ickes Aufsichtsratsvorsitzender ist.
Studenten, die sich fuer gewerkschaftliche Schulungskurse
einschreiben lassen, muessen eine Gebuehr von neun Dollar fuer
jeden achtwoechigen Kursus zahlen, aber die gewerkschaftliche
Schulungsabteilung greift hier oft helfend ein durch die Sonderbeitraege, die die Gewerkschaften entrichten. Die Gewerkschaft
der Damenoberbekleidungs-Arbeiter ueberwies in diesem Jahre der
Hochschule £500 Dollar. Im vergangenen Dezember gelang es den
Chikaflroer Gewerkschaften 10,000 Dollar dadurch aufzubringen, dass
sie ein Dinner fuer William 0. Douglas vom amerikanischen Obersten Gerichtshof gaben, wobei jedes Gedeck 100 Dollar kostete.
In seiner Gruendungsakte, die das Datum des 17. April 1945 traegt,
hat die Hochschule ihre Absichten mit folgenden Worten niedergelegt: "Fuer diese Hochschule soll ein Lehrerkollegium geschaffen
werden, das frei und unabhaengig die Wahrheit lehrt und weitertraegt, und gleichzeitig die Schulungsmoeglichkeiten allen Menschen beider Geschlechter und der verschiedenen Rassen zu gleichen
Bedingungen sicherstellt.
AFL Weekly News Service
8/22/50
NEUES RUMAINISCHES ARBEITSGESETZ
"Die Veroeffentlichung eines neuen Arbeitsgesetzes hat eine
starke Beunruhigung unter den rumaenischen Arbeitern zur Folge
gehabt."
Dies ist die Schlussfolgerung eines Aufsatzes in der Zeitung
"Der Gewerkschafter im Exil", die von der Internationale der
Freien Gewerkschaften im Exil in Paris herausgegeben wird. Der
erwaehnte Artikel entstammt der Feder Stere Inoescu-Visan, der
frueher der Gewerkschaft der Berg- und Transportarbeiter in Bukarest angehoerte. Der Artikel stellt heraus, dass nach dem neuen
Arbeitsgesetz jedes einzelne Unternehmen besondere "interne Arbeitsregeln" festlegen muss, die nach dem Wortlaut des Gesetzes
- 11 -

�"die Arbeitsorganisation und die Disziplin in den einzelnen Werken regeln muessen." (Artikel 24). Liese Regeln werden durch
gemeinsame Vereinbarungen zwischen deii "Gewerkschaften" und den
Behoerden festgelegt, wie es sich aus dem Artikel 25 ergibt.
"Es koennte angenommen werden", so heisst es in dem Bericht,
"dass diese Vereinbarungen mit den obwaltenden Begebenheiten in
Uebereinklang stehen. Aber es muss darauf hingewiesen werden,
dass in den volksdemokratischen Staaten die Gewerkschaften nicht
durch die Arbeiter in freien Wahlen gebildet werden, sondern
durch die kommunistische Partei "beauftragt" werden. Und koennen solche "ernannten" Leute gegen die Entscheidung ihres Unternehmers Staat handeln? Natuerlich nicht, und aus diesem Grunde
richten sich die Arbeitsregulierungen ausschliesslich gegen die
Arbeiterschaft."
Weiterhin "werden die Standardleistungen, die von diesen
Organisationen festgelegt worden sind, staendig erhoeht . . . .
Nur die Verantwortlichkeit und die Verpflichtung der Arbeiter
werden genau festgelegt, waehrend die Verpflichtungen der Unternehmer ueberhaupt nicht erwaehnt werden. Kann ein solches Gesetz
sich in irgendeiner Weise zugunsten der Arbeiterschaft auswirken?"
Nach einer Analyse der Lohnabzuege fuer irgendwelche "Verfehlungen", die in dem neuen Arbeitsgesetz ebenfalls enthalten ist,
sei es, dass durch eine solche "Verfehlung" die festgesetzte Norm
nicht erreicht wird, oder Arbeitsverweigerungen kleineren Massstabes oder Sachschaeden sHch ergeben,,immer buerdet das neue
Arbeitsgesetz den Arbeitern eine Fuelle von Verpflichtungen auf,
anstatt die Interessen der Arbeitenden in irgendeiner Weise zu
beruecksichtigen. Das ganze Gesetz gibt ausschliesslich dem Staate
Vorteile, einem Unternehmer-Staat, der die Arbeiter jeder Rechte
beraubt und sie ruecksichtslos ausbeutet.
"Die Arbeiter freier Laender moegen hieran erkennen, .dass die
Arbeitsgesetzgebung in der rumaenischen Volksrepublik, ebenso wie
in der IJdSSR, die getreulich kopiert wird, eine voellig ueberholte
Form der Arbeitsgesetzgebung in anderen Laendern ist."
"Der kommunistische Vorsitzende der rumaenischen Gewerkschaftsbewegung, der dieses Gesetz als ein leuchtendes Beispiel gegenueber
gleichen Gesetzen in sogenannten- kapitalistischen Sta&amp;ten kennzeichnete, muss entweder diese Gesetze der kapitalistischen Staaten
nicht kennan oder er hat andere Ursachen, die Wahrheit zu verschweigen."
- 12 -

O f f i c e of L a b o r A f f a i r s ,
APO 757-A

HICOG

HICOO R-1780 L 4 B Oct 5 0 5 M

OFTICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEK
Di* folgenden Artikel stellen Aaszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG. APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auck einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inkalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Heben Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 32

Frankfurt, 13. Oktober 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Griechenland braucht starke Gewerkschaftsbewegung
Arbeitsminister Tobin fordert Unterstuetzung der
geknechteten polnischen Arbeiter - - - - - - Kubanische Gewerkschaft bricht mit Kommunisten Abschluss der AFL-Jahreskonvention - - - - - - Fast eine Million neue Wohnungen in den Vereinigten Staaten - - - - - - - - - - - - - - - - Norwegische Gewerkschaftsdelegation in Russland Niederlage der Kommunisten in einer oesterreichischen Gewerkschaft - - - - - - - - - - - Shishkin berichtet der AFL vom Wiederaufbau
Europas - - - - - - - - - - - - - - - - - - Schweden gibt 3000 Auslaendern Arbeit - - - - - Vereinigungsfreiheit in Venezuela bseintraechtigt
IBFG fordert internationale Preiskontrollen - - Amerikanische Stahlarbeiter fordern Lohnerhoehung
Gewerkschaften aus aller Welt billigen die Massnahmen der Vereinten Nationen in Korea - - - Funktionaer -des CIO vertritt IBFG bei den
Vereinten Nationen - - - - - - - - - - - - - -

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GRIECHENLAND BRAUCHT STARKE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
In ihren Reden an den Zehnten Panhellenischen Gewerkschaftskongres3 ueberbrachten Evert Kupers und Percy Knight den griechischen Gewerkschaften die Gruesse des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften und erklaerten vor den 1800 Delegierten, dass ihre
Beschluesse nicht nur fuer die griechische Arbeiterschaft, sondern
fuer die Arbeiter der ganzen Welt von Bedeutung seien.
Eüide Redner wiesen auf die Bedeutsamkeit einer starken Gewerkschaftsbewegung hin, die im Auftrag ihrer Kitglieder und unabhaengig von der Regierung, den Arbeitgebern und den politischen
Parteien freie TarifVerhandlungen fuehrt. In diesem Zusammenhang
forderte Kupers insbesondere die Abschaffung derjenigen Gesetze,
die einen Gewerkschaftspflichtbeitrag vorsehen, der der Regierung
zugefuehrt wird, und die den Ministern fu9r Arbeit und Finanzen
die Festlegung der Loehne uebertragen. Sowohl er als auch Knight
schlugen eine vereinfachte Organisation der griechischen Gewerkschaftsbewegung vor, wobei die Rolle der Landesverbaende der verschiedenen Berufsgruppen besonders unterstrichen werden muessen.
1

�Kupers berichtete den Delegierten, wie der groesste Teil
der demokratischen Gewerkschaftsgruppen nach dem Kriege versucht
hat, mit den Arbeitern in den Laendern der sowjetischen Einflusssphaere zusammenzuarbeiten, und wie sie sich durch die Gruendung
des Weltgewerkschaftsbundes mit ihnen vereinigten. Dann ging er
zu den Versuchen der Kommunisten ueber, den Weltgewerkschaftsbund
als ein Werkzeug zur Verwirklichung ihrer politischen Herrschaft
zu gebrauchen. Er erzaehlte, wie die freien Gewerkschaften
schliesslich gezwungen waren, sich von dieser Organisation loszusagen und den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften ins
Leben zu rufen, dessen Aufgabe es ist, die Bemuehungen der Arbeiter
zur Erreichung eines hoeheren Lebensstandards zu koordinieren,
eine Aufgabe, in der der Weltgewerkschaftsbund versagt hatte.
Der endgueltige Bruch mit dem Weltgewerkschaftsbund, erklaerte
Kupers, sei besiegelt gewesen, als die Kommunisten versuchten,
den Marshall Plan zu unterbinden und dadurch den Wiederaufbau
Europas zu sabotieren.
"Wir haben niemals bereut, dass wir den Marshall plan unterstuetzen," sagte er und wies darauf hin, dass die Arbeiter seines
eigenen Landes, Hollands, ohne den Marshall Plan heute 25$ weniger
zu essen haetten. "Die ablehnende Haltung der Kommunisten dem
Marshall Plan gegenueber ist auf deren Bestreben zurueckzufuehren,
den Wiederaufbau eines wohlhabenden Westeuropas mit einem hohen
Lebensstandard zu verhindern."
"Die kommunistischen Fuehrer wissen," fuehrte er weiter aus,
dass es ihnen niemals gelingen wuerde, die Demokratie durch ihren
Totalitarismus zu ersetzen, wenn die Arbeiter der Demokratien
unter anstaendigen Lebensverhaeltnissen leben."
n

Knight unterstrich ausserdem die Bedeutung, die der Hebung
des Lebensstandards der Arbeiter im Kampf gegen den Totalitarismus
zukommt. "Keine Nation, die bestrebt ist, mit dem Fortschritt
anderer Nationen Schritt zu halten, kann es sich leisten, die
schlechten Bedingungen, unter denen ihre Arbeiter ihr Tagewerk
verrichten, und die Verhaeltnisse, unter denen sie leben, unbeachtet zu lassen."
Arbeitsmitteilungen der ECA
1/2/50
ARBEITSMINISTER TOBIN FORDERT UNTERSTUETZUNG DER GEKNECHTETEN
POLNISCHEN ARBEITER
"Die Arbeiter in Polen werden bald erkennen, dass sie weit
davon entfernt sind, ihre eigenen Herren zu sein, wie es ihnen ihr
Staat glauben machen moechte; ihr einziger Lebenszweck unter dem
kommunistischen Regime ist die Produktion," erklaerte der amerikanische Arbeitsminister Maurice J. Tobin in einer Rundfunkanspraohe
in den Vereinigten Staaten.
Tobin forderte die amerikanische Arbeiterschaft auf, das polnische Volk in seinen Freiheitsbestrebungen zu ermutigen. "Es
ist an der Zeit, dass die freien Menschen der ganzen Welt gemeinsam
bitten und arbeiten, um jene zu befreien, die der kommunistischen
Aggression und Unterdrueckung hinter dem Eisernen Vorhang zum
Opfer gefallen sind."
Bezugnehmend auf eine polnische Arbeitsverordnung, das Gesetzjournal Nr. 20, gab der Minister einige Beispiele zu Strafen, die
in Polen wegen Verletzung der Arbeitsdisziplin verhaengt werden:
- 2 -

�Wenn ein Arbeiter zum erstenmal ohne "Berechtigung" seinem
Arbeitsplatz fernbleibt, wird er verwarnt oder zu einer Geldstrafe verurteilt, die einem Tagesverdienst entspricht. Dabei entscheidet der Ministerrat, was "berechtigt" und was "nicht berechtigt" ist.
Wenn er ohne Entschuldigung drei Tage lang oder zum drittenmal in einem \Kalender jähr abwesend ist, erhoeht sich die Strafe
auf zwei Tagesloehne fuer jeden Tag der Abwesenheit. Es ist ausserdem sehr leicht moeglich, dass der Arbeiter an einen schlechter
bezahlten Arbeitsplatz gestellt wird.
Wenn ein Arbeiter vier Tage ununterbrochen oder vier Tage im
Verlauf eines Kalenderjahres seiner Arbeitsstelle fernbleibt, wird
er zu einer gerichtlichen Strafe verurteilt, die darin besteht,
dass er bis zu drei Monaten mit einer Lohnkuerzung von 10 bis
25$ die gleiche Arbeit verrichten muss.
Das Gesetz sieht ausserdem die Bestrafung eines Arbeitgebers
vor, der den Arbeitern gegenueber zu nachgiebig ist. Er setzt
sich einer Gefaengnisstrafe bis zu drei Monaten oder einer Geldstrafe bis zu 150.000 Zlotys (was einem Verdienst von 4 1/2 Monaten entspricht) oder auch beiden Strafen aus, wenn er "absichtlich
und im Gegensatz zu den Tatsachen die Abwesenheit eines Arbeiters
als gerechtfertigt befindet," keine Strafe verhaengt oder den Fall
nicht zur Anzeige bringt.
"Dies soll ein Beispiel fuer Produktion und Fortschritte
unter der Herrschaft der Kommunisten sein," fuehrte Tobin aus.
Der Minister wies darauf hin, dass es in Polen zwar Gewerkschaften gibt, diese jedoch keine Vertretergewerkschaften sind, deren Aufgabe die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Hebung
des Lebensstandards ist, sondern die lediglich Organisationen von
Arbeitskraeften darstellen, die die Ziele des kommunistischen Programms verfolgen.
"Die Gewerkschaften dienen nicht als Verhandlungsagenten oder
Beschwerdeausschuesse und verhandeln nicht einmal Vertraege. Nein,
ihr einziger Zweck besteht darin, fuor Arbeitsleistung und Arbeitskraef te zu sorgen und eine verwaltungsmaessige Kontrolle ueber die
Arbeiter auszuueben. Es ist richtig, dass ein polnischer Arbeiter
einer Gewerkschaft beitreten kann. Tut er dies nicht, und stellt
er sich nicht fuer den Produktionsprozess zur Verfuegung, dann geraet er in Schwierigkeiten. Es ist ihm erlaubt, sich den vielen
Millionen "befreiter" Menschen anzuschliessen, die als Zwangsarbeiter fuer die Kommunisten schaffen."
Tobin sagte, er sei ueberzeugt, dass sich die amerikanische
Arbeiterschaft, "die, wie Samuel Gompers vor 26 Jahren erklaerte,
immer fuer sich und fuer die Kinder der ganzen Welt gekaempft hat,
um das Unrecht zu beseitigen und dem Recht zum Sieg zu verhelfen,"
sich der "ethischen Verpflichtung" von heute nicht entziehen wird,
die von den Kommunisten unterjochten Menschen zu unterstuetzen.
Labor Press Service, US Department of
Labor
X/2/50
KUBANISCHE GEWERKSCHAFT BRICHT MIT KOMMUNISTEN
Der unabhaengige nationale Verband der Arbeiter der Elektrizitaet3-, Gas- und Wasserwerke von Kuba hat sich auf seiner Jahre s- 3

�konvention einstimmig fuer den Abbruch aller Beziehungen zu den
beiden kommunistischen Internationalen, dem Lateinamerikanischen
Gewerkschaftsbund und dem Weltgewerkschaftsbund, ausgesprochen.
Dies teilte das Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten von Amerika mit.
Die Gewerkschaft stimmte ausserdem einstimmig dafuer, alle,
die als Kommunisten bekannt sind, aus der Organisation auszustossen.
Dieser Verband ist eine der wenigen bedeutsamen Gewerkschaften
Kubas und war bisher nicht dem kubanischen Gewerkschaftsbund angeschlossen, der Mitgliedsverband des nichtkommunistischen Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften ist.
Labor Press Service, US Arbeitsministeriua
Z/2/50
AB5CHLUSS DER AFL- JAHPJSSK OKVENTI CR
Vor der Jahreskonferenz der AFL, die am 23. September in
Houston ihren Abschluss fand, gaben Beobachter dei Gewerkschaftsbewegung aus der ganzen Welt einen Rueckblick auf die internationalen
Entwicklungen in der Gewerkschaftsbewegung.
Irving Brown» der Vertreter der AFL in Europa, stellte folgende Forderungen: "Die ideologische Wiederbewaffnung", die die
europaeischen Lae'nder im Kampf gegen den kommunistischen Einfluss
vereinigt, die Ablehnung jeglicher Buendnisse mit Diktaturen wie
diejenigen Frankos und die industrielle und militaerische Mobilisierung zur Unterstuetzung der gemeinsamen Verteidigung Europas.
Aloizy Adamczyk, der Praesident des Internationalen Freien Gewerkschaftszentrums im Exil, dankte dem Freien Gewerkschaftskomitee
der AFL fuer die Hilfe, die es seiner Organisation zuteil werden
Hess.
Die Delegierten billigten den Bericht des AFL Ausschusses
fuer internationale Arbeitsbeziehungen, in dem vorgeschlagen wird,
dass die Vereinigten Staaten innerhalb der Organisation der Vereinten Nationen eine Kampagne zur Beseitigung "der letzten Spuren von
Kolonialismus und imperialistischen Methoden" fuehren. Ausserdem
wurde dem Marshall Plan Programm, dem Punkt-Vier-Programm Praesident Trumans und einem Vorschlag zur Schaffung einer staendigen
Sicherheitsstreitmacht der Vereinten Nationen die Unterstuetzung
zugesagt.
Fuer die Vereinigten Staaten selbst forderte der Arbeitsminister Maurice J. Tobin Selbstbeschraenkung in den Lohnforderungen
der Gewerkschaften, um Preis- und Lohnkontrollen zu vermeiden. Er
wies auf die drohenden Gefahren der Inflationsspirale hin, die durch
steigende Loehne und damit verbundene Preissteigerungen in Bewegung
gebracht wuerde. Die AFL billigte ein Wirtschaftsprogramm, nach
dem sofortige Lohnkontrollen abgelehnt werden. Die Delegierten stimmten in der Auffassung ueberein, dass Produktionsleistung und Erhoehungen der Lebenshaltungskosten bei der Festlegung des Lohnstandes
mitbestimmend sein muessen. Ausserdem wurde eine Resolution angenommen, in der Massnahmen zur Vereinigung zwischen AFL und CIO gutgeheissen werden.
Die Zahl der beitragszahlenden Mitglieder, die die Wahlstaerke
der der AFL angeschlossenen Gewerkschaften widerspiegelt, ist um
fast 100.000 niedriger als im vorigen Jahre. Die Mitgliederstaerke
der AFL wurde von ihrem Praesidenten, William Green mit 8 Millionen

4

�angegeben. Eine AFL Gewerkschaft hatte einen starken Rueckgang
der Mitgliederzahl zu verzeichnen. Es ist der Verband der Hotelund Gaststaettenangestellten, der 63.000 Mitglieder verlor. Vier
der groessten AFL Gewerkschaften, die der Fahrer, Zimmerleute,
Damenoberbekleidungsarbeiter und Elektroarbeiter berichteten,
dass sich die Zahl ihrer beitragszahlenden Mitglieder nicht veraendert hat. Die Gewerkschaften der Handlanger und der Angestellten im Gebaeudedienst hatten Erhoehungen ihrer Mitgliederzahlen
um je 15.000 zu verzeichnen.
William Green wurde zum 27. Male zum Praesidentan wiedergewaehlt. Auch George Meany, der Finanzsekretaer der AFL, und 13
Mitglieder des Exekutivausschusses wurden durch Wahl in ihren Stellungen bestaetigt.

FAST EINE MILLION NEUE WOHNUNGEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Vorlaeufige Schaetzungen des statistischen Bueros des US Arbeitsministeriums zufolge haben, Wohnungsbauf irmen im Verlauf des
Monats August mit dem Bau von 141.000 neuen, staendigen, niohtlaendlichen Wohnungseinheiten begonnen. Damit erhoeht sich die
Gesamtzahl der in den ersten acht Monaten des Jahres 1950 begonnenen Wohnungsbauten auf 988.400.
Die Gesamtzahl aus den ersten acht Monaten des Jahres 1950
liegt um 54$ hoeher als die der gleichen Monate des Vorjahres.
Obwohl die Zahl der im August neubegonnenen Wohnungsbauten etwas
niedriger als die des Monats Juli ist, ist sie um 42% hoeher als
die des gleichen Monats im Jahre 1949.
Nach neuesten Berichten erhoeht sich die Schaetzung fuer
den Monat Mai auf 149.000, die hoechste Monatszahl des Jahres 1950.
Labor Press Service, US Arbeitsministerium
X/2/50
NORWEGISCHE Gff.VERKSCHAFTSDELEGATION IN RUSSLAND
Odvar Larsen, der Praesident der Eisenbahner-Gewerkschaft Norwegens, besuchte als Mitglied einer Gewerkschaftsdelegation Russland.
Nach seiner Rueckkehr nach Norwegen schrieb er einen Zeitungsbericht ueber diesen Besuch. Darin hatte er viel von der Sowjetunion zu berichten, Gutes und Schlechtes. Er sprach sich anerkennend ueber die Gastfreundlichkeit seiner Gastgeber, die interessanten Museen, von denen eines dem Zar gewidmet ist, und die
schoenen Hotels aus. Zu beanstanden hatte er, dass zahlreiche
Frauen schwere koerperliche Arbeiten verrichten, dass den Arbeitern
moderne technische Hilfsmittel fehlen und das Arbeitstempo in den
sowjetischen Betrieben ungesund ist. Auch die einheitlichen Gewerkschaftsvertreter, der allgemein niedrige Standard der Arbeitsloehne und der Mangel an Verbrauchsguetern fanden nicht seine Zustimmung. Enttaeuscht war er ausserdem ueber den Mangel an Informationen aus der uebrigen Welt.
Abschliessend erklaerte Larsen in seinem ArtiKelj, "Unsere
Gastgeber haben uns aufgefordert, nach unserer Rueckkehr unseren
5 -

�Landsleuten von allen unseren Eindruecken zu berichten."
Dies tat Larsen, aber seine Gastgeber hatten sich.inzwischen
anscheinend eines anderen besonnen. In einem Schreiben an die
sowjetische Veroeffentlichung "Novoje Vremja" erklaerte der Praesident der sowjetischen Eisenbahner-Gewerkschaft, dass Ltirsen
einen "verlogenen und verleumderischen" Artikel geschrieben haette, ohne jedoch genau anzugeben, welche Feststellungen Larsens
unzutreffend sind.
Arbeitsmitteilungen der ECA
U/28/50
NIEDERLAGE DER KCH.TOTISTEN ET EINER OESTERREICHISCHEN GEVTERKSCHAFT
Eine kommunistische Resolution, die 50 000 Chemiearbeiter
Oesterreichs dem kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund
wieder zugefuehrt hatte, ist auf dem zweiten Nachkriegskongress
der Chemiearbeiter in '.Vien abgeschlagen worden. Delegierte, die
90$ der oesterreichischen Arbeiter der Chemie-, Papier-, Gummi-,
Seifen-, Arznei-, Teer-, Asphalt- und Streichholzindustrien vertreten, lehnten ebenfalls eine gegen die Atombombe gerichtete
kommunistische Resolution nach der Art des Stockholmer Friedensappells ab.
Dr. Bruno' "ittermann, ein sozialistisches Mitglied des oesterreichischen Parlaments, erklaerte vor den Delegierten, dass schwere
soziale Konflikte bevorstuenden, wenn die oesterreichischen Arbeitgeber die Forderung weiterhin.unbeachtet Hessen.
Die Gewerkschaften unters tuetzten das europaeis che '.Yiederaufbaupro.^ramm, weil es eine fuer die .Viedergesundung dar oesterreichischen 'Virtschaft unerlaessliche Blutuebertragung sei. Bei der
Verteilung der ECA Hilfe muesste jedoch besonders durch Berufsausbildung und Wohnungsbauprogramme zu niedrigen Preisen den Interessen
der Arbeiter mehr Beachtung geschenkt werden.
Er sarte ausserdem, dass die V.'eigerung massgebender Kreise,
mit der Arbeiterschaft zusammenzuarbeiten, fuer die Schwaeche der
oesterreichischen Republik gegenueber des von Hitler ausgeuebten
Druckes vor dem Kriege mitverantwortlich sei. Dies haette zu Arbeitslosigkeit, zivilen Konflikten und dem Aufstieg der Nazis gefuehrt.
"Heute," so erklaert Pittermann, "wuerden die gerechten Forderungen der Arbeiter nach verbesserten Loehnen und Lebensbedingungen in aehnlicher .'/eise ignoriert. l'aa haette es versaeumt, AntiTrust-Gesetze zu erlassen, und die AUS- und Einfuhrpolitik wuerde
ohne Beruecksichtigung der Interessen der Arbeiterschaft betrieben.
Die oesterreichischen Arbeiter, fuehrte er abschliessend aus,
wuerden sich der uneingeschraenkten Profitmacherei ebenso entschlossen wie dem Totalitarismus widersetzen.
Arbeitsmitteilunfen der ECA
IX/E7/5Ö
SKTSWKIN BERICHTET DER AFL 7CM WIEDERAUFBAU EUROPAS
In einam Bericht an die 69. -Tahreskonvention der AFL hat Boris
Shishkin, der Direktor der Arbeitsabteilung fuer Europa in der
- 6-

�I

Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit, die bisher erzielten Erfolge und zukuenftigen Probleme der an dem europaeischen
.Viederaufbauprogramm beteiligten Arbeiter dargelegt.
Shishkin sprach in Houston (Texas). Er dankte der AFL dafuer,
dass sie dem M&amp;rshall Plan wertvolle Unterstuetzung leistet, und
bezeichnete die uebliche Behauptung der Kommunisten, dass der Arbeiter an den Gewinnen aus den Wiederaufbau nicht beteiligt sei,
als eine "unverfaelschte Luege."
Er berichtete von den Vorteilen, die die europaeischen Arbeiter aus dem ERP gezogen heben, und wies in diesem Zusammenhang auf
die grossen Mengen importierter Nahrungsmittel bei Beginn des Programms hin, als die Lebensmittel knapp waren, auf die Rohmaterialien und Maschinen, durch die die Betriebe wieder eroeffnet werden
konnten, und durch die eine unheilvolle Arbeitslosigkeit in allen
westeuropaeischen Laendern vermieden werden konnte. Er sagte,
dass die grundlegenden Ziele des Marshall Planes allmaehlich erreicht wuerden, wodurch der Inflation Einhalt geboten, die '.Vaehrungen wiederhergestellt und der Handel, zwischen den Teilnehmerstaaten angeregt wurde.
Shishkin berichtete ferner von den einzelnen Arbeitsprogrammen,
die von der ECA noch weiter ausgedehnt werden, wie z.B. der Austausch von Studiengruppen von Gewerkschaftern zwischen Europa und
den Vereinigten Staaten, die Zusammenarbeit der Arbeitsaemter der
Teilnehmerstaaten, die Aufstellung von Berufsausbildungsprogrammen
fuer Arbeiter und die Verwendung von Gegenwertfonds zur Durchfuehrung billiger V/ohnungsbauprojekte.
Diese Erfolge, so betonte er vor seiner amerikanischen Zuhoererschaft, seien sowohl durch die direkte amerikanische Hilfe
als auch durch die gegenseitige Zusammenarbeit der europaeischen
Laender und ihre eigenen Progratime der Selbsthilfe ermoeglicht
worden. Die Gewerkschaften haetten sich an allen Phasen dieses
,7iederauf bauprogramms beteilirt.
Diese Erfolge koennten jedoch nicht ueber die Tatsache hinwegtaeuschen, dass der europaeische Arbeiter noch schwierigen Problemen gegenueberstsht. So herrsche in Italien und Westdeutschland infolge der Ueberbevoelkerung bedenkliche Arbeitslosigkeit, und die
ECA sei bemueht, durch Umwanderung, Neuansiedlung und die Schaffung
neuer Arbeitsplaetze diese Schwierigkeiten ueberwinden zu helfen.
Und vor allem bliebe das grundlegende Problem des zu niedrigen Lebensstandards und besonders der niedrigen Realloehne. "Es
steht ausser Frage," sagte der amerikanische Gewerkschafter, "dass
in einigen Laendern - vor allem in Frankreich - Schritte unternommen werden muessen, um den wirklich niedrigen Lebensstandard der
Arbeiter schneller zu heben."
"Es ist jedoch auch wichtig, sich vor Augen zu halten, dass
die demokratischen Regierungen dieser Laender und nicht die ECA
fuer die Massnahmen und Programme verantwortlich sind, mit denen
diese Ziele erreicht werden koennen."
"Die ECA kann und darf nicht fuer die gesetzliche Festlegung
der Loehne verantwortlich gemacht werden. Die Verbesserung der
Loohne in Frankreich und anderen Laendern ist eine Aufgabe, die
die freien Gewerkschaften durch Kollektivverhandlungsverfahren
loesen muessen."
"Die staerkste Macht, die heute in Westeuropa als Bollwerk
g '-Ton den Kommunismus besteht, sind die freien Gewerkschaften. Sie
- 7-

�ihrer grundlegenden Macht - naemlich der Kollektivverhandlung dadurch berauben zu wollen, dass die Regierung allein die Lohnbestinmung vornimmt, waere nach unserer Auffassung die Zerstoerung
der Lebensader der freien Gewerkschaftsbewegung."
/

"In der Organisation fuer die wirtschaftliche. Entwicklung
Westeuropas und in der Organisation der westeuropaeischen Verteidigung gegen Aggressionen sind Massnahmen dringend notwendig, die
eine gerechte Besteuerung gewährleisten und die Ausdehnung der
Monopolherrschaft ueber die europaeischen Industrieunternehmer
verhindern."
"Diese Massnahmen, Reformen und Verbesserungen muessen jedoch, " so hob Shishkin hervor, "aus den europaeischen Laendern
selbst kommen und von der freien, organisierten Arbeiterschaft unterstuetzt werden."
Ohne die grosszuegige Unterstuetzung seitens der Arbeiterschaft Amerikas waere der Marshall Plan unmoeglich gewesen, safte
Shi3hkin, und die wichtigste aufgäbe bestuende fuer die amerikanische Gewerkschaftsbewegung nun darin, den freien Gewerkschaften
Europas weiterhin zu helfen und damit die Gewerkschaftsbewegung
der gesamten freien Welt zu staerken.
Arbeitsmitteilungen der ECA

SCHWEDEN GIBT 5000 AUSLAENDERN ARBEIT
Schweden, eines der £-roessten Einfuhrlaender fuer Arbeitskraefte in Europa, beabsichtigt etwa 3000 auslaendischen Arbeitern
in den kommenden zwoelf Monaten Arbeitsplaetze zu verschaffen.
Hierzu gehoeren 600 Facharbeiter aus Italien fuer die Metallund Elektro-Industrien, 300 ungelernte,meist weibliche Arbeitskräfte aus Schleswig-Holstein, 300 Arbeiter aus Daenemark fuer die
Eisenindustrie, 500 Walderbeit er aus Finnland fuer die Holzindustrie, 1000 weibliche Hausangestellte, die zum groessten Teil aus
Deutschland kommen, und 100 Aerzte aus Oesterreich.
Ausserdem wird Schweden 150 Lungenkranke aus Italien und
Oesterreich zur Behandlung in schwedischen Sanatorien aufnehmen.
Nach ihrer Genesung werden sie in Schweden beschaeftigt werden.
Ausser den auf normalem Wege rekrutierten Arbeitern fuellt
ein staendiger Zustrom von Fluechtlingen aus L£Snciern hinter demEisernen Vornan? die Reihen der Fremdarbeiter. In der Zeit vom
1. Juli 1949 bis 1. Juli 1950 sind 1650 Fluechtlinge, die zum
groessten Teil aus den baltischen Laendern Estland, Lettland und
Litauen kamen, in Schweden aufgenommen worden. Die meisten von
ihnen haben dort arbeitsplaetze gefunden.
Schweden nimmt auslaendische Arbeiter auf, weil seine Bescheeftigungsziffer sehr hoch ist. Sie betraogt gemäss den im Mai 1950
veroeffentlichten Zahlen etwa 98%. Inzwischen hat sich der Beschaeftigungsstand noch erhoeht.
Die Imoortierung von Arbeitskraeften wuerde wahrscheinlich in
noch groesserem Masstabe durchgefuehrt, wenn in Schweden nicht ein
ernsthafter Mangel an Wohnungsmoeglichkeiten bestuende. Es koennen
jeweils nur soviel Arbeiter aufgenommen werden wie passende Wohnungen
zur Verfuegung stehen.
- 3-

�&gt;

I

Seit einer Reihe von Jahren hat Schweden Arbeitskraefte eingefuehrt, und die Zahl der auslaendischen Arbeiter belaeuft sich
nun auf etwa 90 000. Die groessten nationalen Gruppen stammen
aus Finnland, Daenemark, den baltischen Laendern, Norwegen,
Deutschland, Polen und Italien. Seit 1947 sind \etwa 1500 italienische Arbeiter nach Schweden, gekommen.
Fast die ITfllfte der auslaendischen Arbeiter in Schweden sind
in der Industrie und zum groessten Teil in den Metall- und Textilindustrien und die uebrigen in der Landwirtschaft, Schiffahrt und
dem Kotel- und Gaststaettengewerbe beschaeftigt.
Zur Anheuerung von Arbeitern schickt der koenigliche Arbeitsmarktausschuss der schwedischen Regierung Y/erbebeamte ins Ausland,
denen sich die Antragsteller vorstellen, und die Vorkehrungen zu
ihrer Ueberfuehrung nach Schweden treffen.
Die Zulassung auslaendischer Arbeiter muss von der fuer die
betreffende Industrie zustaendigen schwedischen Gewerkschaft bewilligt werden. Obwohl die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft
nicht erforderlich ist, hat man festgestellt, dass sich die meisten Arbeiter einer schwedischen Gewerkschaft anschliessen. Nach
dem schwedischen Gesetz werden alle auslaendischen Arbeiter nach
den im Lande gueltigen Lohntarifen bezahlt.
Arbeitsmitteilungen der ECA
IX/29/50
V3REINIGUNGSFREIKEIT IN VENEZUELA BEEINTRASCHTIOT?
In einem Bericht der Sonderkommission der Internationalen
Arbeitsorganisation fuer Venezuela, der vom Internationalen Arbeitsamt veroeffentlicht wurde, heiss-t es, dass "die Vereinigungsfreiheit in Venezuela weit davon entfernt ist, vollstaendig zu sein."
Die Mission, die von Jef Rens, dem ersten stellvertretenden
Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation gefuehrt
wurde, hielt sich auf Einladung der venezuelischen Regierung im
Sommer des Jahres 1949 sieben Wochen lang in diesen Lande auf,
um sich "vollstaendige und unparteiische Informationen ueber die
sozialen Probleme, die allgemeinen Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Industrien, die Einkuenfte und den Schutz, der den
Arbeitern nach den bestehenden Gesetzen von der Regierung gewaehrt
wird, und ueber die Entwicklung und die Arbeit der Gewerkschaften
in Venezuela" zu beschaffen. Diese Einladung erfolgte, nachdem
sich die Gewerkschaftsko'nferenz von Venezuela (CTV) bei der Internationalen Arbeitsorganisation darueber beschwert hatte, dass die
Vereinigungsfreiheit in diesem Lande beeintraechtigt sei. Die
Mission uebersandte dem Exekutivausschuss der IAO einen Bericht,
und es wurde auf der Konferenz im Juni 1950 von diesem Ausschuss
beschlossen, diesen Bericht zusammen mit jeglichen Stellungnahmen,
die die venezualische Regierung noch einreichen koennte, zu veroeffentlichen. Diese Stellungnahmen werden bei ihrem Erscheinen
der Oeffentlichkeit'zur Kenntnis gebracht werden.
Die Mission unterhielt sich mit Gewerkschaftsfunktionaeren,
Unternehmervertretern und Regierungsbeamten. Sie wurde in jeder
Hinsicht bei der Durchfuehrung ihrer Untersuchungen unterstuetzt.
Lediglich die Erlaubnis wurde versagt, mit gewissen, in Haft befindlichen Gewerkschaftsfuehrern zu sprechen.
Der Bericht enthaelt genauere Informationen ueber die
c0^^waertige Dasorganisation der Gewerkschaftsbewegung des Landes und
- 9-

�die sich hieraus ergebenden Gefahren fuer die wirklich fortschrittlichen venezuelischen Schutzgesetzvorschlaege, deren Verwirklichung zum grossen Teil von den Gewerkschaften abhaengt.
Die Mission schlug "in Anbetracht der von ihr ueberprueften
Lage" vor, dass die venezuelische Regierung, den folgenden Massnahmen "vollste und ernsthafteste Beachtung schenkt, Massnahmen,
die das normale Arbeiten einer gesunden Gewerkschaftsbewegung
ermoeglichen sollen:
1. Die Wiederwahl ehemaliger Mitglieder von Gewerkschaftsausschuessen der Unternehmer müss verboten werden.
2. Die Verpflichtung, dass zur Abhaltung einer Gewerkschaftskonferenz vorherige Genehmigung eingeholt werden muss, muss abgeschafft werden.
S. Den Gewerkschaften muss wieder das Recht zugesprochen
werden, in voller Unabhaengigkeit nationale Verbaende und Buende
zu bilden.
4. Das Recht zu streiken und auszusperren muss innerhalb
der im Arbeitsrecht niedergelegten Grenzen wiederhergestellt werden.
5. Die Zusammenarbeit aller an der Produktion Beteiligten,
die durch freie, starke und unabhaengige Arbeitgeber- und Arbeitnehmer Organisationen vertreten sind, muss auf wirtschaftlichen und
sozialem Gebiet gefoerdert werden."
Seit der Abreise der Mission hat die Regierung folgende Massnahmen getroffen, soweit sie nicht den oeffentlichen Frieden gefaehrden: die Korrespondenz und das Keim wurden wieder fuer unverletzlich erklaert, jeder kann frei reisen und seinen Wohnsitz
wechseln, und alle politischen Gefangenen, einschliesslich der
Gewerkschafter, wurden befreit; ausserdem sind alle Erwachsenen
berechtigt, an allgemeinen Vfehlen teilzunehmen. Die Mission nahm
in ihrem Bericht zu diesen Massnahmen Stellung und erklaerte,
dass sie "ainen bedeutenden Schritt vorwaerts darstellten, jedoch
nur ein Meilenstein auf dem V/ege zur Wiedererrichtung der verfassungsmae3sigen Garantien seien, ohne die die Gewerkschaftsbewegung
nicht frei ihren Pflichten nachgehen kann."
IBFG FORDERT INTERKATIONALS PREISKONTROLLEN
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften hat internationale Preis- und Marktkontrollen fuer wesentliche Verbrauchsgueter vorgeschlagen, durch die den durch die kommunistische Aggression in Korea verursachten inflationistischen Tendenzen begegnet
werden soll.
Der Notfallsausschuss des IBFG hat auf einer Konferenz in
Bruessel vor kurzen an die Vereinten Nationen die Aufforderung
gerichtet, die Regierungen der einzelnen Laendor anzuweisen, internationale Vereinbarungen ueber Verbrauchsgueter zu treffen.
"Der Hauptzweck dieser Vereinbarungen", heisst es in der
Erklaerung des IBFG, "soll darin bestehen, die "Preise und den
Absatz erstrangiger Gueter, die auf internationalen Maerkten gehandelt werden, unter strenger internationaler Kontrolle zu halten. Die an solchen Abkommen beteiligten Laender sollen zu
einem gemeinsamen Fonds beitragen, aus dem Subventionen gezahlt
- 10 -

�werden koennen, um die Preise erstrangiger Verbrauchsgueter niedrig zu halten."
Diese Massnahme sei notwendig, erklaerte der IBFG, weil die
Lebenshaltungskosten seit der Invasion Suedkoreas durch kommunistische Streitkraefte infolge panischer Angstkaeufe, militaerischer
Versorgung und spekulativer Einkaeufe lebenswichtiger Produkte
rapide in die Hoehe gegangen sind.
Inlaendische I.5assnahmen zur Bekaempfung der Inflation muessen
durch internationale Massnahmen ergaenzt werden, weil dieser Anstieg der Preise fuer Verbrauchsgueter über die ganze V/elt verbreitet ist und sich besonders bei wesentlichen Verbrauchsguetern,
die auf internationaler Basis gehandelt werden, bemerkbar macht.
n

Die Vereinten Nationen sind verpflichtet, die durch die
kommunistische Aggression verursachten wirtschaftlichen und sozialen Gefahren ebenso entschlossen zu bekaenpfen, wie sie sich
der militaerischen Aggressionen widersetzt haben," heisst es abschliessend in der Verlautbarung des IBFG.
Arbeitsmitteilung der ECA
IX/27/50
AFRIKANISCHE STAHLARBEITER FORDERN L OHNERE OEIIUNG
Die vereinigten Stahlarbeiter von Amerika (CIO) fordern von
den 1400 Fabrikanten und stahlerzeugenden Gesellschaften hoehere
Loehne. Sie greifen damit den nach den gueltigen Vertraegen, die
etwa 650.000 Arbeiter umfassen, neuzueroeffnenden TerifVerhandlungen vor.
Der Exekutivausschuss der Vereinigten Stahlarbeiter stimmte
diesen Forderungen zu, weil auch in anderen Industrien, besonders
in der Automobilindustrie, unlaengst Lohnerh-oehungen vorgenommen
wurden, um die Loehne den steigenden Lebenshaltungskosten anzunassen. Philip Murray, der Praesident der Stahlarbeiter, versicherte jedoch, dass die Forderungen der Gewerkschaft ueber eine Angloichung an die Lebenshaltungskosten hinausgingen. Der Lebensstandard
der Arbeiter koenne auf diese V/eise niemals verbessert werden.
Man nimmt an, dass auf einer zvveitaegigen Konferenz des Ausschusses
fuer Lohnpolitik die Lohnziel'e der Stahlarbeitergewerkschaft festgelegt werden.
Inzwischen hat die Gewerkschaft ein freiwilliges Angebot der
Aluminiumkompanie von Amerika angenommen, welches eine Lohnaufbesserung um 10% mit Wirkung vom 1. Oktober vorsieht. Bei der Annahme dieses Angebots hat die Stahlarbeitergewerkschaft jedoch erklaert, dass immer noch ungerechtfertigte Ungerechtigkeiten und
Verschiedenheiten bestuenden und hat um weitere Besprechungen zur
Loesung dieser Probleme ersucht. Nahezu 20.000 Arbeiter, die in
der Gewerkschaft vertreten sind, werden gemaess dem Angebot der
Kompanie
einen Aufschlag von 15 Cents auf ihre Stundenloehne
erhalten.
GETERIXCKAFTSr; AUS ALLER WELT BILLIGEN DIE MASSNAHMEN DER VEREINTEN NATIONEN IN KOREA
In einer gemeinsamen Erklaerung haben die grossen Gewerkschaftsbuende von Kanada, der Berufs- und Gewerkschaftskongress (AFL) und
- 11 -

�der kanadische Gewerkschaftskongress (CIO), den Vereinten Nationen
in ihren Handlungen in Korea ihre uneingeschraenkte Unterstuetzung
zugesagt.
In Stockholm hat der Internationale Verband der Bergarbeiter
einstimmig eine Resolution angenommen, in der die "Politik und
die Handlungen der Vereinten Nationen in bezug auf Korea" gebilligt werden.
Der Gewerkschaft3kongress Englands nahm auf seiner Jahreskonferenz, die am 4. September eroeffnet wurde, mit einer Mehrheit
von 10:1 eine Entschliessung an, in der zur Unterstuetzung der
Vereinten Nationen aufgefordert und Nordkorea als der Angreifer
bezeichnet wird.
In Norwegen ruft die norwegische Gewerkschaftsbewegung in
einer Broschuere mit dem Titel "Krieg in Korea" die Arbeiterschaft
auf, die Handlungen der Vereinten Nationen zu unterstuetzen, und
weist darauf hin, dass die Verteidigungsmassnahmen in Korea von
den Vereinten Netionen und nicht von den Vereinigten Staaten eingeleitet wurden.
FUNKTIONAER DES CIO VERTRITT IBFG BEI DEN VEREINTEN NATIONEN
John Brophy, ein langjaehriger Funktionaer des CIO, ist in
das New Yorker Buero des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften berufen worden, welchem die Vertretung des IBFG in der Organisation der Vereinten Nationen obliegt.
Brophy ist vom CIO beurlaubt worden, um diese Ernennung beim
IBFG annehmen zu koennen. In den vergangenen Jahren war er Direktor der Industriegewerkschaftsraete des CIO.
Dem IBFG ist im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen der zur uiitberatung berechtigende Status der "Kategorie A"
zuerkannt worden. Mitgliederorganisationen der "Kategorie A"
sind berechtigt, an den Konferenzen des Rates teilzunehmen, Diskussionspunkte fuer die Tagesordnung des Rates vorzuschlagen und
den Konferenzen der neun Kommissionen des Rates beizuwohnen.
Weekly Press Service, US-Arbeitsministerium
" X/2/50
- 12 -

O f f i c e of L a b o r A f f a i r s
HICOG, APO 757

OFFICIAL

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 33

Frankfurt, 20. Oktober 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Das Problem der alten Leute in den USA - - -

1

Brief an einen "Friedenspartisanen - - - - -

3

Der sowjetische Seemann

- - - - - - - - - -

6

Praesident Truman gegen Taft-Hartley-Gesetz

8

IAO startet technisches Hilfsprogramm

- - -

9

Indien braucht Bauern und Gewerkschafter - -

10

Livingston widerlegt kommunistische Vorwuerfe 13
Die Aussenpolitik der amerikanischen Gewerkschaften - - - - - - - - - _ _ _ - _ _ _

14

DAS PROB LS?' DER ALTS" LEUTE IN DEN USA
Sine kuerzlich abgehaltene Konferenz ueber das Lebensalter
der Bevoelkerung wurde in den Vereinigten Staaten als der erste
Schritt zu einer koordinierten Loesung eines Problems fuer die
ganze Nation bezeichnet, das den Gewerkschaftsfuehrern schon lange
Sorgen bereitet. Dieses Problem ist der zunehmende Prozentsatz
alter Leute an der amerikanischen Bevoelkerung.
Ifehr als 300 Delegierte der an dem Problem interessierten
Gruppen, einschliesslich der Gewerkschaften, kamen auf Einladung
Praesident Trumans in Washington zusammen. Sie empfahlen u.a.
einen Landesausschuss zu bilden, der die Arbeiten der zahlreichen
- 1-

�Gruppen koordinieren soll, die versucht haben, dieser Situation
zu begegnen, die sich in den folgenden Zahlen widerspiegelt:
1. Vor 50 Jahren war unter 25 Amerikanern einer, der ueber
65 Jahre alt war; heute ist das Verhaeltnis 1:13, und die Zahl
der alten Leute steigt weiterhin an.
2. Von 150 Millionen Amerikanern sind etwa 11.5 Millionen
ueber 65 Jahre alt; davon sind 8.5 Millionen ohne Beschaeftigung,
was auf die festgesetzten Altersgrenzen zurueckzufuehren ist, bei
deren Erreichen die Arbeiter in den Ruhestand treten muessen.
3. Mehr als die Haelfte' dieser bejahrten Amerikaner haben
ein Bareinkommen von weniger als 1000 Dollar im Jahr, was
selbst bei einer Unterstuetzung seitens ihrer Familien in einer
7/irtschaft mit hohen Preisen ein ernstes Problem darstellt.
Hand in Hand mit der Erhoehung der Zahl alter Leute ging
eine zunehmende Industrialisierung innerhalb der amerikanischen
Gesellschaftsordnung vor sich. Dies hat zu einer Abnahme der Zahl kleiner Familien und* kleiner Staedte gefuehrt; in dem schnelleren
Tempo einer Grosstadt ist das Leben fuer aeltere Leute sehr oft
nicht leicht, denn die Moeglichkeit ist fuer sie geringer, mit
ihren Familien oder engeren Freunden zusammenleben zu koennen,
und oft muessen sie ihren Lebensunterhalt nur mit ihrem eigenen
Einkommen bestreiten.
Die Gewerkschaften waren um dieses Problem besonders besorgt, weil die Arbeiter meistens nur wenig Geld fuer ihre alten
Tage sparen konnten. Aus diesem Grunde haben die Gewerkschaften
den erfolgreichen Kampf um Altersrenten gefuehrt, die von der
Regierung bezahlt werden. Vor kurzem haben sie damit begonnen,
Alterspensionen direkt in die Vertraege zwischen Gewerkschaft und
Unternehmer aufzunehmen; Vertraege mit grossen Automobilgesellschaften, die Pensionen von mehr als 100 Dollar monatlich (einschliesslich der Renten der Regierung) vorsehen, sind Meilensteine
dieser Entwicklung.
Die einzelnen Bemuehungen von Gewerkschaften und anderen
interessierten Gruppen sind niemals zentral geplant worden, und
diese Erkenntnis fuehrte zu der von dem Praesidenten einberufenen
Konferenz. Die Konferenz ist ein Beweis dafuer, dass eine Demokratie entstehende Probleme loesen und ihre Loesung auf kooperativer Grundlage vorbereiten kann.
Ausser Vorschlaegen fuer verbesserte Pensionen und aerztliche
Betreuung fuer alte Leute hat die Konferenz empfohlen:
1.. Einen Landesausschuss zum Austausch von Informationen und
zur Koordinierung von Plaenen der an der Unterstuetzung alter Leute interessierten Gruppen;
2. Eine Ueberpruefung der Pensionspolitik der Regierung, um
festzustellen, ob nicht zuviel Leute gezwungen werden, in den
Ruhestand zu treten, waehrend sie noch arbeitsfaehig sind, und
damit zum Nichtstun verurteilt werden. Man ist der Ansicht, dass
die Regierung anderen Arbeitgebern beispielgebend vorangehen
muesse, indem sie die Pensionierung als ein Problem betrachtet,
das individuell behandelt werden muss und nicht durch die schiedsrichterliche Festsetzung der Altersgrenzen fuer die Pensionierung.
3. Eine Kampagne, in der alle Arbeitgeber aufgefordert werden, sich von ihrem Vorurteil gegen die Einstellung alter Leute
frei zu machen.
- 2 -

�4. Geplante Programme der einzelnen Lokalbehoerden, die
den aelteren Leuten Erholung und Ausbildungsmoeglichkeiten bieten.
5. Eine intensivierte Ausbildung beruflicher Experten, die
sich mit den physischen und psychologischen Problemen alter Leute
befassen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
IX/26/50
BRIEF AN EINEN *FRIEDENSPART%SA:TENW
Der Generalsekretaer des kommunistisch beherrschten, franzoesischen Transportarbeiterverbandes der CGT richtete ein Schreiben an den Nationalen Transportarbeiterverband der Force
Ouvridre (Mitgliedsverband der ITF), in den er letztere Organisation um ihre Unterstuetzung bei der Sammlung von Unterschriften fuer den sogenannten "Stockholmer Friedensappell"
ersuchte. Die Antwort, die Sekretaer Felce vom Nationalen
Transportarbeiterverband auf dieses Schreiben hin gab,, scheint
uns so interessant zu sein, dass wir sie unseren Lesern zur
Kenntnis bringen moechten. Die Uebersetzung des Briefes hat
folgenden Wortlaut:
"Sehr geehrter Herr:
Ich bestaetige den Empfang Ihres Briefes. Kit der Adresse
"An die Kameraden, Praesidenten und Sekretaere der Transportarbeitergevverkschaft des CFTC - CGC - Force Ouvriere", zeugt er von
einem stark entwickelten Sinn fuer Humor, obwohl dies - ich beeile mich, es hinzuzufuegen - eine etwas grausige Art von Humor
ist.
Uebergehen wir, dass ich in Ihrer Achtung um einen Grad gestiegen zu sein scheine. Gestern "ein imperialistischer Lakai",
habe ich heute die Ehre - denn dies muss doch wohl als Ehre angesehen werden, nicht wahr? - zu Ihren "Lieben Freunden" zu gehoe, ren. Wenn ich nicht an jenes Gleichnis denken muesste, das gewisse Umarmungen mit dem Tod durch Ersticken gleichsetzt, wuerde
ich Ohne weiteres dieses Kompliment erwidern. Ich bin von Na.tur
aus eher geneigt, meinen Naechsten als "lieben Freund" anzusprechen, als ihm unfreundliche Absichten zu unters teilen. In Ihrem
Falle jedoch - denn es ist noch nicht genug Zeit verflossen, um
alle Erinnerungen der Vergangenheit auszuloeschen - besteht fuer
mich noch Grund, argwoehnisch zu sein. Bevor ich mich deshalb
als "Ihr Kamerad" bezeichne, muss ich noch eine Aufklaerung ueber
Ihre wirklichen Gefuehle verlangen. Indem ich dies so offen
zum Ausdruck bringe, mache ich mich vielleicht eines Verstosses
gegen die guten Sitten schuldig. Sie werden mir jedoch, die Sie
die Offenheit zweifellos schaetzen, hierfuer dankbar sein.
Doch gehen wir nun zum eigentlichen Thema Ihres Schreibens
ueber. Sie sind, wie Sie sagen, ueber den Verlauf, den die Weltereignisse nehmen, beunruhigt. Sie fuerchten, dass sich der Konflikt in Korea ausdehnen und die ganze Welt in Mitleidenschaft
ziehen koennte. Sie fuerchten ebenfalls eine Bedrohung der gesamten Menschheit durch die etwaige Anwendung der Atombombe, und
Sie rufen deshalb alle Menschen guten Willens auf, sich gemeinsam
dafuer einzusetzen, damit diese fürchtbare Katastrophe vermieden
wird, deren Vorzeichen bereits den Horizont verdunkeln.
S -

�Diese Beunruhigung und diese Furcht, die Sie an den Tag legen, wird von mir in gleichem Masse geteilt. Ihre Methode jedoch, fuer den Frieden zu sprechen, erschreckt mich noch mehr
als das Vorhandensein von Vorraeten an Atom- oder bakteriologischen Waffen in dem einen oder anderen Lande. Selbst Ihr Kamnf
fuer den Frieden - auch hier lassen Sie mich in brutaler Weise
offen sein - scheint mir eine jener Kriegslisten zu sein, die
von Raeubern und Fanatikern so bereitwillig angewendet wurden,
um die Wachsamkeit ihrer ausgesuchten Opfer zu unterminieren
oder die Skeptiker zu ueberzeugen.
In Bezug auf Ihr Schreiben habe ich bereits erwaehnt, dass
es ein Meisterstueck schauerlichen Humors ist. Es duerfte Ihnen
klar sein, dass ich es auch als ein Meisterstueck der Heuchelei
betrachte. Ich habe hierzu folgende Gruende:
1. Als ob es fu^r Sie zu offensichtlich waere, um Ihre
Zeit damit zu vergeuden, dies zu beweisen, behaupten Sie, dass
die amerikanische Politik die einzige Gefahr fuer den Frieden
darstelle. "Die amerikanische Armee", sagen Sie, "mischt sich
in die Ereignisse in Korea ein und droht damit, die Atombombe zur
Anwendung zu bringen. Die dadurch heraufbeschworene Lage kann
sehr leicht den Krieg in Korea erweitern und sich auf die ganze
Veit ausdehnen."
2. Als ob es fuer Sie zu offensichtlich waere, um Ihre Zeit
damit zu verschwenden, es zu beweisen, bezeichnen Sie die Atombombe als die einzige wirklich zerstoerende Kriegswaffe.
3. Und als ob es wiederum zu augenscheinlich fuer Sie
waere, um Ihre Zeit damit zu vergeuden, es zu beweisen, erheben
Sie "die sofortige und totale üechtung der Atomwaffe" zur wesentlichen und einzig moeglichen Bedingung zur Erhaltung des Friedens.
Oh, nein.' Die Gefahr, die Ursache dieser Gefahr und die
Mittel zu ihrer Beseitigung sind nicht - wie Sie sehr wohl wissen jene, die Sie genannt haben. Die Gefahr ist nicht durch das heraufbeschworen, was Sie "die Einmischung der amerikanischen Armee
in Korea" zu nennen belieben. Sie ist auch nicht durch das blosse
Vorhandensein von Waffen entstanden (Atom-, biologische, chemische Waffen etc.).
Die Gefahr kommt von der brutalen und offenen Aggressionspolitik, die jene betreiben, die Sie bewundern, und denen Sie diene;i.
Jene, die russische Panzer geschickt haben, die von koreanischen
Haenden gesteuert werden und durch die Taeler Sued-Koreas rollen,
sind die wahren Kriegstreiber. Jene, die sich weigern, dem von
den Vereinten Nationen erlassenen Befehl des Feuereinstellens Folge zu leisten, sind die wahren Kriegstreiber. Jene, die zwischen
"sauberen" und "schmutzigen" Kriegen unterscheiden, sie sind die
wahren Kriegstreiber. Auch Sie, die Sie die Erfolge dieser gleichen koreanischen Panzer bewundern, die Sie die Handlung der
Vereinten Nationen als "imperialistisch" bezeichnen, die Sie jeden Krieg als "gerecht und gut" proklamieren, der mit dem "Segen
und der Unterstuetzung" des "begnadeten und geliebten Fuehrers
des internationalen Proletariats" gefuehrt wird, Sie sind ebenfalls ein Kriegstreiber.
Und gerade Sie, der willige und begeisterte Komplize dieses
groessten Kriegstreibers, den die Welt je gekannt hat, Sie wollen uns erzaehlen, wie ein Krieg am besten vermieden werden kann?
Wie wollen Sie das tun? Sie behaupten, die Forderung nach
einer sofortigen und totalen Aechtung der Atomwaffe wuerde genuegen?
- 4 -

�Was bedeutet dies eigentlich? Sind Sie der Ansicht, dass
das Vorhandensein von Vorraeten von Atomwaffen in irgendeinem
Teil der Welt die Kriegsgefahr vergroessert und dass die Nationen
weniger kriegslustig waeren, wenn diese Vorraete nicht mehr bestuenden?
Oder meinen Sie, dass ein Krieg, der ohne die Atomwaffe gefuehrt wird, annehmbar sei, und dass wir uns mit allem (Granaten,
gewoehnlichen Domben und Genickschuessen)»nur nicht mit der Atomboabe abfinden koennten?
Ihre Auffassung ist nur mit einer dieser beiden Vorstellungen
zu erklaeren. Sie bleibt jedoch immer noch, ganz gleich, wie man
sie versteht, sinnlos.
Die Kriegsgefahr hat niemals zu der zerstoerenden Kraft bestehender V.'affen in einem Verhaeltnis gestanden. M n e ziemlich
weit verbreitete Anschauung, naemlich die von ^asteur, besagt,
dass die Kriegsgefahr im umgekehrten Verhaeltnis zur Zerstoerungsfaehigkeit der Kriegswaffen stuende, und es besteht durchaus
Grund zu der Annahme, dass die uns gegenwaertig bedrohende Katastonhe gerade deshalb nicht ueber uns hereinbrechen wird, weil
sie zu vollstaendig und nicht wieder gutzumachen waere.
Seien wir ganz offen. Die Atomwaffe hat zumindest den Vorteil, dass sie selbst die Kriegslustigsten unter uns zwingt, Vorsicht v/alten zu lassen; und diejenigen, die andernfalls geneigt
waeren, den Krieg gegen andere zu riskieren, werden es nicht tun,
weil ihr Sieg mit zu hohemuKostenaufwand erkauft werden muesste.
Ist die Atomwaffe demnach eine Kriegsursache? Im Gegenteil.
Sie zwingt die Menschen zu ueberlegen, bevor sie losschlagen.
Die Sache lohnt sich nicht mehr, und es wird deshalb keinen Krieg
geben.
Die schreckliche Angst, die der Gedanke an einen Krieg unter den Menschen all jener Laender verbreitet, wo das Recht der
freien Rede garantiert ist, zwingt ihre Regierungen, eine Friedenspolitik zu verfolgen.
Leider ist es wahr, dass nicht alle Menschen im Besitze dieses Rechtes sind. Millionen sehmachten noch unter der totalitaeren Tyrannei, und diese gleiche totalitaere Gewaltherrschaft ist
deshalb eine staendige Ursache sowohl kalter als auch heisser
Kriege.
Die Idee der Freiheit gewinnt jedoch unter den Voelkern der
Welt an Boden. Die diktatorischen Staatsgebilde koennen schon
jetzt nur noch dadurch bestehen, dass sie sich einer demokratischen
Schaufensterkunst bedienen, und der Zeitpunkt naehert sich, an
dem die versklavten Massen die stählernen Bande brechen werden,
die sie zu erdrueoken drohen. Die freie Gewerkschaftsbewegung und
die Kaempfer, die ihr ihre Schlagkraft verleihen, werden gewiss
alles tun, was in ihrer Macht steht, um den Anbruch dieses Tages
zu beschleunigen. Dies ist der wertvollste Beitrag, den sie zur
Verteidigung, oder besser zur Erreichung des Friedens, leisten
koennen.
ITF - Press Report
1/9/50
- 5 -

�DER SOWJETISCHE SEEMANN
Omer Beöu, der Generalsekretaer des Internationelen Transportarbeiterverbandes, erklaerte unlaengst, dass der Lebensstandard der Seeleute, die unter panamesischer, polnischer und russischer Flagge fahren, weit niedriger als in anderen Laendern sei.
Der Internationale Transportarbeiterverband sei entschlossen,
die Seeleute auf panameslachen Schiffen zu organisieren und hoehere Loehne fuer sie zu erringen, i'uer die sowjetischen und polnischen Seeleute koenne jedoch nichts unternommen werden, weil
sie keine freien Gewerkschaften haetten.
Becu berichtete ausserdem, dass die russischen und polnischen Schiffe, die zwischen Gdynia und Schweden verkehren, nur
halb so hohe Frachtkoeten verlangten wie die schwedischen Schiffe
verlangen muesste.n, wenn sie einen Gewinn erzielen wollten. Ein
Grund hierfuer liegt darin, dass den Seelsuten auf den polnischen
und russischen Schiffen Loehne gezahlt werden, fuer die kein
schwedischer Seemann arbeiten wuerde.
Die schwedische Seeleutegewerkschaft versuchte vor kurzem,
sich bei russischen und polnischen Seeleuten Informationen ueber
die Arbeltsbedingungen auf ihren Schiffen einzuholen. Man musste
jedoch feststellen, dass dies auf dem normalen Wege, naemlich
durch eine Aussprache von Mann zu Mann, nicht moeglich war. Die
Seeleute erklaerten, es sei ihnen streng verboten, irgendwelche
Auskuenfte zu geben. Darueberhinaus werden die sowjetischen Seeleute staendig bewacht und haben Angst, frei zu sprechen. Sie
sind isoliert, damit die Welt nichts von den Verhaeltnissen in
der Sowjetsphaere erfahren kann, und damit diese Leute nioht zu
viel von der sogenannten kapitalistischen Welt hoeren.
Unter den Tausenden und aber Tausenden von Fluechtlingen aus
Sowjetrussland und seinen Satellitenstaaten sind jedoch au; h zahlreiche Seeleute, die trotz der Wachsamkeit ihrer Offiziere"in auslaendischen Haefen von ihren Schiffen desertieiten. Einer von ihnen, ein Estlaender namens Enno Kustin, fluechtete von dem russischen Schiff "Tosno", waehrend es in Vasteras lag. Er berichtete
dem Magazin "Sjomannen", dem Organ der schwedischen Seeleutegewerkschaft, von seinen Erfahrungen, und seine Geschichte wurde im
"Seafarers Log" in USA wiederveroeffentlicht.
Seine Geschichte ist die gleiche wie die von Dutzenden baltischer, russischer und polnischer Seeleute, die in anderen Haefen
ihre Schiffe verlassen haben. Hierzu gehoeren auch die 100 Polen, die im Februar 1949 im Hafen von New York von der "Sobieski"
flohen. Dieser polnische Dampfer verkehrte zwischen Italien und
New York. Die Seeleute hatten in Erfahrung gebracht, dass ihr
Schiff an Sowjetrussland ueberwlesen werden sollte, und sie entkamen, bevor sie in ihre Heimat zurueckgebracht werden sollten. Die
"Sobieski" faehrt nun unter Hammer und Sichel auf dem Schwarzen.
Meer. Diese' polnischen Seeleute sind nun in Amerika sicher, haben
Arbeit gefunden und sich gut eingelebt. Sie sind empoert ueber
das, was sie "den Raub der 'Sobieski* durch Sowjetrussland" nennen. Sie erzaehlen, dass ihr altes Schiff in "Gruzia" umgetauft
wurde und als einer der sechs Luxusdampfer des Schwarzen Meeres,auf denen die Sowjetelite ihre Ferien verbringt, zwischen Odessa
und Batum kreuzt.
Sie besteetigen ebenfalls die Richtigkeit der Aussagen Enno
Kustins. Da in den Sowjetlaendern Seeleutenhoehere Loehne gezahlt
werden als Fabrikarbeitern, ist die Rivalitaet um Arbeitsnlaetze
- 6

�auf Schiffen besonder gross. Um angeheuert werden zu koennen,
muss man zuerst eine Seemannsschule besuchen, berichtet Kustin.
Ausserdem is-t eine schriftliche Empfehlung von drei Parteimitgliedern, ein Zeugnis eines der letzten Arbeitgeber (in diesem Falle
der Leiter eines staatseigenen Betriebes) und eine Bescheinigung
des lokalen Polizeichefs erforderlich. Der Bewerber muss genaue
Auskunft ueber seine Verwandten geben. Diejenigen, die keine
Verwandten im Ausland haben, und deren Eltern in Sowjetrussland
oder Polen leben, werden bevorzugt. Wenn sie dort Frau und Kinder haben, dann sind die Chancen, eine Anstellung zu bekommen,
noch groesser. Die Bewerber werden schliesslich von einer politischen Kommission genau geprueft.
Kustin beendete seine Ausbildung im Jahre 1948 und arbeitete auf verschiedenen Kuestenfahrzeugen. Sohlieselioh gelang es
ihm, einen Pass zu bekommen, und er wurde einem Schiff zugeteilt,
das nach einem schwedischen Hefen fuhr. Er liess sich diese Gelegenheit nicht entgehen und fluechtete. Das war jedoch nioht
leicht. Sowjetische Seeleute duerfen sich an Land nur in Gruppen
bewegen und werden von einem politischen Kommissar streng bewacht.
Dieser wird schwer bestraft, wenn ein Mitglied seiner Mannschaft
entflieht.
Eine Beschaeftigung in der Seesohiffahrt ist besonders begehrt, und zwar nicht nur,weil die Loehne viel hoeher sind als in
den Fabriken, sondern auch weil sie den Gegnern des Regimes eine
Gelegenheit bietet,zu fluechten. Viele Seeleute sind der kommunistischen Partei nur beigetreten, um auf ein Schiff zu kommen
und fliehen zu koennen. Das ist unklug, wie hier lebende Polen
erklaert haben, weil die Gesetze der Vereinigten Staaten und vieler anderer Laender Kommunisten die Einreise versagen.
Als gewoehnlicher Seemann verdiente Kustin im Monat 465 Rubel. Das entspricht einer Kaufkraft von etwa 40 Dollar, dem Wochenverdienst eines ungelernten Arbeiters der niedrigsten Einkommensgruppe in Amerika. Der amerikanische Seemann verdient fttnfmal soviel wie der russische, naemlich 200 und in einigen Faellen
sogar 230 Dollar. Ein Viertel von Kustins Lohn wurde, fuer Einkommensteuer, Gewerkschaftsbeitrag, Staatsanleihen und andere Abgaben abgezogen. Die Abgaben amerikanischer Seeleute fuer vergleichbare Zwecke sind weit geringer.
Der Rubel hat auf dem Weltmarkt keinen Tauschwert, sodass
russische Seeleute ihre Rubel nioht in auslaendische Waehrungen
umwechseln koennen. Dies ist ueberdies nur in den Haefen der sowjetischen Satellitenstaaten erlaubt. Diese Staaten sind gezwungen,
den Rubel zu einem sehr unguenstigen Tausohkurs anzunehmen, der so
festgesetzt ist, dass sowjetische Buerger und die Regierung zu
billigen Preisen einkaufen und zu Athen Preisen verkaufen koennen.
Den Seeleuten werden manchmal kleine Summen der in den angelaufenen
Haefen gueltigen Waehrungen ausgezahlt, damit sie sich bestimmte
Waren kaufen koennen.
Wenn sowjetische Seeleute Landurlaub haben - der nur sehr
sohwer zu bekommen ist - gehen sie an Land, um einzukaufen. In
einer besonderen Liste ist angegeben, welche Gegenstaende gekauft
werden'duerfen. Alle Einkaeufe muessen schriftlich angegeben werden. Nichtangegebene Artikel werden beschlagnahmt. Ein Grund zur
Besohraenkung der Einkaeufe ist darin zu sehen, dass die Kommunisten nicht wuenschen, dass die Seeleute ihren Verwandten in Russland erzaehlen, im Ausland sei alles und zu niedrigen Preisen zu
bekommen. Selbst in den Satellitenstaaten gibt es viel mehr und
viel billigere Waren als in Russland.
- 7

�Der Kapitaen eines Schiffes ist dem politischen Kommissar unterstellt. Der Kommissar ist verantwortlich fuer die politische
Schulung der Mannschaft, fuer die Durchfuehrung des Stachanowsystems
und fuer das Verhalten der Seeleute in auslaendischen Haefen. Zu
seinen Aufgaben gehoert das Einschmuggeln und Verteilen kommunistischer Literatur im Ausland. Er nimmt ausserdem, wie die zahlreichen gefluechteten Seeleute versichern, geheimes "Material in
Empfang, das von russischen Spionen und Angehoerisen der Fuenften
Kolonne gesammelt wurde, und uebermittelt ihnen Anweisungen.
"Auf Gewerkschaftskonferenzen stehen niemals die Arbeltsbedingungen und Löhne zur Debatte," berichtet Kustin. "Es ist gefaehrlich, solche Probleme anzuschneiden oder Beschwerden zu erwaehnen.n Der Kommissar gibt den Mitgliedern Anweisungen, nimmt
Berichte entgegen ueber die, die ihre Arbeitsnormen erfuellt oder
nicht erfuellt haben, und organisiert sogenannte sozialistische
Wettbewerbe. Er ist verpflichtet, die Mannschaft von den Seeleuten und anderen Arbeitern der freien Welt isoliert zu halten, sie
unter Druck zu setzen und bis zum Ende ihrer Kraefte auszubeuten.
All dies erklaert, warum der Lebensstandard der russischen
und polnischen Seeleute zwar hoeher als der der Fabrikarbeiter in
ihrer Heimat, aber niedriger als der der schwedischen und anderer
Seeleute ist, die unter dem Schutz freier Gewerkschaften stehen.
Es erklaert uns, warum russische und polnische Schiffe ihre
Frachtsaetze weit unter denen der Schiffe demokratischer Laender
halten koennen.
News Section, Talks Unit
X/3/50
PRASSIDENT TRüMAN GEGEN TAFT-HARTLEY GESETZ
Praesident Truman erklaerte der 69. Konvention der AFL, dass
die Mitglieder der AFL unbedingt im Recht seien, wenn sie die
Aufhebung des Taft-Hartley Gesetzes forderten. Es folgt der Wortlaut der Botschaft des Praesidenten:
Sehr geehrter Mr. Green,
Uebermitteln Sie bitte den Funktionaeren,
Delegierten und Mitgliedern, die an der 69. Jahreskonvention der
AFL teilnehmen, meine herzlichen Gruesse. Waehrend es mir die
internationale Lage nicht ermoeglicht, ihre Einladung anzunehmen
und zu der Konvention zu sprechen, wuensche ich Ihnen- allen im
Interesse der ihrer Organisation angehoerenden Arbeiter und der
Staedte und Gemeinden von Kueste zu Kueste, denen diese Organisation so rechtschaffen dient, zu dieser Konferenz Erfolg.
Die AFL kann auf eine lange Geschichte zurueckblicken, in
deren Verlauf sie den Arbeitern diente und es ihnen ermoeglichte,
ihren Arbeits- und Lebensstandard in einem so bemerkenswerten
Grade zu verbessern, dass sie damit der Nation als Ganzes einen
grossen Dienst erwiesen hat. Die gemeinsamen Bemuehungen der organisierten Arbeiterschaft zur Erreichung eines Programms der Gesetzgebung., das den Arbeitern, Bauern, der Industrie, den Geldanlegern
und der Oeffentlichkeit zugute kommt, haben mitgeholfen, uns zur
wohlhabendsten und fortgeschrittensten Nation der Weltgeschichte
zu machen.
Seit Ihrer letzten Konvention ist das Sozialversicherungsgesetz von 1935, ein bedeutender Bestandteil unseres vorwaertsstrebenden Gesetzcebungsprogramms, durch den 81. Konpress dadurch ver8 -

�bessert worden, dass die Versicherungsbetraege verdoppelt und
10 Millionen Menschen mehr in das Sozialversicherungssystem einbezogen wurden - einschliesslich derjenigen, deren Versicherungsansprueche durch den 80. Kon(?ress aufgehoben worden waren. Das
Taft-Hartley Gesetz, ein weiteres Werk des 80. Kongresses, ist
jedoch noch in Kraft. Ihre Mitglieder und endere Arbeiterorganisationen sind unbedingt im Recht, wenn sie sich den fuer die Arbeiterschaft ungerechten Bestimmungen dieses Gesetzes widersetzen.
Es muesste, wie ich bereits wiederholt erklaert habe, im Interesse
der arbeitenden Maenner und Frauen, die in ihren auf dieses Ziel
gerichteten Bemuehungen nicht nachlassen, abgeschafft werden.
Inzwischen werden die amerikanischen Arbeiter, dessen bin
ich gewiss, alles daransetzen, um unsere Gesamtproduktion zu steigern, damit wir uns selbst bewaffnen und mithelfen koennen, die
freie Welt zu bewaffnen. Auf diese Weise werden wir den Vereinigten Staaten und den demokratischen Nationen die noetige Macht
verleihen, um dem kommunistischen Imperialismus, der heute die
Welt bedroht, entgegentreten zu koennen.
Unsere Arbeiter werden sich mit der Industrie und den Bauern in der gemeinsamen, amerikanischen Anstrengung vereinigen, um
das zu produzieren, was unsere Streitkraefte und die Vereinten Nationen brauchen, um die- gegenwaertige Weltlage meistern zu koennen. Diese Aufgabe wird noch besser als im zweiten Weltkrieg geloest werden, als wir alle Produktionsrekorde brachen und dadurch
mithalfen, die Gefahr zu bannen, die der Freiheit der freiheitsliebenden Voelker drohte.
Unsere Kapazitaet ist heute noch groesser, die Gefahr droht
noch immer, und wir sind wie immer in unserer Geschichte entschlossen, die amerikanische Lebensweise fuer unsere Kinder und Kindeskinder zu erhalten. Wir werden dies tun, indem wir zusammenarbeiten und die Opfer bereitwillig gemeinsam tragen, damit die Einrichtungen der Demokratie erhalten bleiben, denen wir als Nation
unser Glueck verdanken.
Ihr Harry Truman.
IAO STARTET TECHNISCHES. FILFSPROGRAMM
Die Internationale Arbeitsorganisation hat damit begonnen, im
Rahmen des Programms der Fachorganisationen der Vereinten Netionen fuer die wirtschaftliche Entwicklung unterentwickelter Laender
ihren Mitgliedstaaten technische Unterstuetzung zur Verfuegung zu
stellen.
Der Beitrag der IAO zu-diesem Programm wird von dem Ausschuss
fuer technische Unterstuetzung mit den Arbeiten der 'uebrigen Stellen koordiniert. Dieser Ausschuss wurde auf eine Resolution hin
gebildet, die vom Wirtscheft- und Sozialrat und von der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommen worden war.
54 Regierungen haben zur Finanzierung dieses Programms bis
zum 31. Dezember 1951 Dienstleistungen im Gesamtwerte von £0 Millionen Dollar zugesagt. Davon werden rund 2 Millionen Dollar der
IAO zugeteilt werden.
Die Unterstuetzung der IAO erstreckt sich auf die Gebiete der
Berufsberatung und Berufsausbildung, Arbeitsvermittlung, Schleusung
von Arbeitskraeften, Arbeitsstatistik, handw rkliche Berufe, Wohlfahrt in der Industrie, Arbeitskontrolle, Arbeitsgesetzgebung, Betriebsklima in der Industrie, Arbeits- und Lebensbedingungen in
- 9-

�der -Landwirtschaft, Sozialversicherung, Gesundheitsschutz und
Gesundheitspflege in der Industrie. Auch bei der Loesung besonderer Probleme in bestimmten Industriezweigen oder Personengruppen wird die IAO helfend eingreifen.
Die technische ünterstuetzung wird durch Millionen geleistet,
die sich aus Sachverstaendigen zusammensetzen, und wird durch
Seminare, Ausbildungsinstitute, Konferenzen fuer den Informationsaustausch und'auf sonstige Art und Weise vervollstaenddgt.
Seit den fruehesten Jahren der Organisation hat die IAO ihren
Mitgliedsstaaten in technischen Fragen helfend zur Seite gestanden. Durch die im Rahmen dieses neuen Programms zur Verfuegung
gestellten Geldmittel haben sich die Moeglichkeiten, diese Arbeit der Organisation auszudehnen, erheblich erweitert.
Zu den Laendern im Verantwortungsbereich der IAO, die um
technische ünterstuetzung ersucht haben, gehoeren Burma, Ceylon,
Kolumbien, Ecuador, Indien, Indonesien, Iran, Israel, Libanon,
Pakistan, Siam und die Tuerkei.
Vorlaeufige Arbeiten.qn einigen der von diesen Laendern vorgeschlagenen Projekte sind von dem Ausschuss fuer technische
ünterstuetzung in die Wege geleitet worden. Einige Projekte werden von der IAO in Zusammenarbeit mit einer oder mehreren anderen
internationalen Organisationen, die an dem Programm beteiligt
sind, ausgefuehrt.
Schritte zur Ausfuehrung eines Abkommens sind unternommen
worden, das verschiedene Formen der technischen ünterstuetzung vorsiehjt und von einer gemeinsamen Mission der UNESCO und IAO, die
vor kurzem Ecuador besuchte, und der Regierung dieses Landes unterzeichnet worden war.
Verschiedene Projekte zur ünterstuetzung der iranischen Regierung bei der Ausfuehrung ihres 7-Jahresplanes werden zur Zeit
ueberpruef t.
Ein von der UNESCO und IAO ernannter technischer Bereter,
wird in Kuerze nach Libanon abreisen, um festzustellen, welche Ünterstuetzung dieses Land auf dem Gebiet der Erziehung, Berufsberatung und Berufsausbildung benoetigt.
Es ist- beschlossen worden, einen oertlichen Repraesentanten
fuer technische ünterstuetzung in Pakistan zu ernennen, der bei
der Abfassung der Gesuche um technische ünterstuetzung und der
Korrdinierung der Unterstuetzungsprogramme der verschiedenen
Teilnehmerorganisationen dieses Landes behilflich ist.
Die UNESCO und die IAO werden gemeinsam eine Mission naoh
Siam schicken, die sich aus vier Experten fuer Erziehung und Beruf sausbildungsfragen zusammensetzt, und die die technische ünterstuetzung dieses Landes bewerkstelligen soll.
ILO News Service
H/I/50
Arnold Beichman, New Yorker Korrespondent des AFL Nachrichtendienstes:
INDIEN BRAUCHT BAUERN UND GEWERKSCHAFTER
Ein staemmiger, laechelnder Irlaender aus iBroaklya 1&amp;% aus
dem Osten zurueckgekommen und berichtete, was in Asien vor sich
10 -

�geht und brachte ein Schock Vorsohlaege, was dort zu tun ist, mit.
Der Ire ist Diok Deverall, der zum St.ab des freien Gewerkschaftskomitees der AFL gehoert und die Aussenposten im Pazifik t
als Gesandter der Arbeiterschaft bereiste. Er kam zurueok, um dem
69. Kongress der AFL in Houston (Texas) von den Dingen zu beriohten, ueber die er sich masslos aergerte, naemlioh - Hollywood-Filme, Gangstergesohichten und Sexualromane.
Deverall erklaerte vor dem Kongress der AFL, dass ein grosser
Teil seiner Arbeit darin bestuende, dem indischen Volk und Jenen
anderen Voelkern klarzumachen, wie das amerikanische Leben in
Wirklichkeit aussieht. Dieser Experte mit dem kurzgeschorenen,
blonden Ha«r sagte dann:
"Hollywood-Filme, Sexualromantl und Gangstergeschichten richten
in Asien heute den groessten Sohaden an. Die Menschen in Asien
muessen unseren Filmen entnehmen, dass kein Amerikaner arbeitet,
und dass er staendig von einem schwarzen Mann bedient wird. Sie
sehen Filme, in denen der weisse Mann auf Indianer - amerikanische Indianer - schiesst, und diese werden immer ueberwunden.
Man legte mir in Indien fortwaehrend die Frage vor, wann wir endlich aufhoeren wuerden, unsere Indianer zu massakrieren . . .
"Die Inder sind Alkoholgegner und wuenschen ein Alkoholverbot. Trotzdem schickt ihnen Hollywood einen Film wie "Das verlorene Wochenende", der in jenem Teil der Welt eine fuerchterliche
Resonanz zur Folge hatte.
"Wenn die angesehene indische Preise ueber die amerikanischen Gangstergeschichten und Sexualromajie berichtet, nennt sie
dies immer einenTeil der Kultur des "Onkel Sham", so ist es recht,
Onkel Sham - sham heisst Schwindel.
"Ein gefaehrlicher Verbrecher wird in der indischen Presse
immer als ein typischer •Chikago-Gangster' bezeichnet. Man stellt
sich in Indien vor, dass es in Amerika keine Armut und keine
Elendsviertel gibt, und dass der Durchschnittsamerikaner nicht
arbeitet.
"Wenn wir ihnen einmal Filme schicken, die ihnen das wirkliche Amerika zeigen sollen, sind es solche wie "Eine Reise mit
Greyhound durch Kalifornien" oder "Eisbrecher im Nordatlantik"
und obendrein noch in englischer Sprache.
"Die Sowjetunion sendet den Indern Filme, in denen das Leben
des kleinen Mannes beschrieben wird, und diese Filme sind nicht
in Russisch, sondern in einer Sprache, die die meisten Inder verstehen, naemlich Hindostani."
Deverall ist 38 Jahre alt und Mitglied der Gewerkschaft der
Bueroangestellten (AFL). In Columbia hat er Technik studiert.
Von 1946 bis 1948 war er Leiter des Bueros fuer Arbeit und Schulung in Japan.
Um sicher zu sein, dass die Uebersetzer seine Reden an die
japanischen Arbeiter nicht entstellten, erlernte er ihre SpJ-ache,
die er nun lesen und schreiben kann.
1949 begann er in Bombay mit seiner Arbeit fuer das Freie
Gewerkschaftskomitee der AFL. Seine Aufgabe war, mit den nichtkommunistischen Gewerkschaftern jenes asiatisch*n Nebenkontinents
Verbindung aufzunehmen und sie davon zu ueberzeugen, dass die amerikanischen Arbeiter weder Wall-Street Agenten noch Kriegstreiber
sind.
- 11 -

�Die der AFL angeschlossenen Gewerkschaften haet.ten in hervorragender '"eise mit ihfci zusammengearbeitet, erklaerte Deverall,
und haetten ihm auf sein Ersuchen hin 50 bzw. 100 Kopien aller
Veroeffentlichungen geschickt - Satzungen, Tarifvertraege, Broschueren, Zeitungen und aehnliches. Mehr als eine Tonne Material amerikanischer Gewerkschaften ist ihm von AFL-Organisationen uebersandt worden; es wurde zur Errichtung von Buechereien
in jedem Gewerkschaftszentrum indischer Staedte verwandt. Auch
die Buechereien der zehn groessten Universitaeten Indiens wurden
mit diesem Material versorgt.
Weiter wurden Broschueren ausgearbeitet, die besonders fuer
die indische Gewerkschaftsbewegung bestimmt und mit allem Verstaendnis fuer die Kulturhoehe des indischen Volkes geschrieben
waren. Er handelt sich um Handbuecher, in denen beschrieben
wird, wie eine Gewerkschaftskonferenz abgehalten werden kann,
dann werden Erlaeuterungen ueber das Tarifverhandlungswesen gegeben, das Betriebsratspystem und die Organisation der Berufs- und
Industriegewerkschaften sind eingehend erklaert.
•"Die Gewerkschaftsbewegung Indiens gewinnt mehr und mehr an
Bedeutung," sagt Deverall. "So ist zum Beispiel das Kastensystem
in diesem Lande ein sehr ernstes Problem, an das nicht geruehrt
werden darf. Innerhalb der Gewerkschaftsbewegung kann man jedoch
bereits Abweichungen von diesem System feststellen.
"Waehrend der Unruhen in Kalkutta im Februar und Maerz waren
es Gewerkschaftsfuehrer aller.Konfessionen, die Moslems und Hindus aufforderten, friedlich und vernuenftig zu sein.
"Wir muessen mehr Durchschnittsamerikaner und zwar Leute
aus dem Volk nach Indien schicken. Je mehr dieser Leute wir dorthin schicken, umso besser ist es fuer unsere Aussenpolitik,
"Leider kommt die koloniale Haltung zahlreicher amerikanischer
Arbeitgeber 'den Kommunisten zustatten. Sie beschaeftigen z.B.
einen Amerikaner und einen ebenso faehigen Inder, ueide verrichten
die gleiche Arbeit, dem Amerikaner werden 1000, dem Inder jedoch
nur 50 Rupien gezahlt.
"i^iese Form der Lohndiskriminierung wird als Beispiel amerikanischer Demokratie hingestellt, um zu zeigen, wie betruegerisch
sie ist. Die asiatischen Voelker hassen geradezu unseren Ausspruch, dass "wir sie retten, wollen", weil er ebenso grosspurig
wie herablassend erscheint.
"Was wir nach Indien schicken muessen, sind Bauern, die die
praktische Arbeit kennen, Experten der Genossenschaften, Leute
aus Kreditinstituten und viele Gewerkschafter. Diese Maenner haetten etwas zu bieten - sie koennten den Indern erklaeren, wie sie
sich selbst helfen koennen, wie man die Arbeitsmethoden in der
Landwirtschaft verbessert, wie man mit den Kreditgebern fertig
wird, die das Volk aussaugen, und wie der Lebensstandard der indischen Arbeiter gehoben werden kann.
"Ich denke, es Ist noch Zeit genug, um dort drueben eine
gute Arbeit zu leisten, und einige Laender wie Malaya, die Philippinen, Indien, Ceylon, Pakistan und Thailand schreien geradezu
nach dieser Form der Hilfe. Geben wir sie ihnen, solange wir die
Moeglichkeit dazu haben."
AFL Weekly News Service
IX/29/50
- 12 -

�LITINGSTON WIDERLEGT KOMMUNISTISCHE VORWUERFE
An alle Vorsitzenden der Lokalgewerkschaften der Automobilarbeitergewerkschaft (CIO) :
"Die kommunistische Partei, kommunistische Veroeffentlichungen und andere, die im Dienst der kommunistischen Partei stehen,
fuehren eine Kampagne, in der sie fortwaehrend eine Erklaerung
falsch auslegen, die ich im Namen der Delegation der Vereinigten
Automobilarbeiter des CIO, die vor kurzem Europa besuchte, abgegeben hatte.
Diese Kampagne der falschen Auslegung soll durch die Entstellung von Tatsachen und durch die absichtliche Uebergehung
anderer Euch und die Oeffentlichkeit zu dem Glauben bringen, dass
Eure Delegation den Marshall Plan und das Europaeische Wia deraufbauprogramm fuer fehlgeschlagen ansieht.
Nichts ist der Wahrheit ferner als diese Behauptung. Kit
den anderen Fuehrern und Mitgliedern der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO haben wir die Grundprinzipien des Marshall Planes
und des Europaeisehen "Wiederaufbauprogramms unterstuetzt und
werden es auch weiterhin tun. Wir wuenschen, dass das Volk der
Vereinigten Staaten auch in Zukunft durch seine Regierung die
notwendigen Geldmittel bereitstellen laesst, um den im Krieg
verarmten Wirtschaften Europas auf die Beine zu helfen und ihren
Voelkern zu zeigen, dass demokratische Einrichtungen fuer die
Wohlfahrt aller Menschen arbeiten koennen.
Der grundlegende Unterschied zwischen dem Grundsatz der
Automobilarbeitergewerkschaft und dem der kommunistischen ^artei
und ihrer Verbuendeten besteht darin, dass wir wuenschen, dass
der Marshall Plan so arbeitet, wie es beabsichtigt war, waehrend
die Kommunisten ihn zum Scheitern bringen wollen.
Wir uebten in dem vollen Bewusstsein Kritik, dass die Kommunisten versuchen wuerden, diese Kritik zur Rechtfertigung ihres
Standpunktes zu gebrauchen. Kritik musste jedoch geuebt werden.
Der Kommunismus kann niemals die Herzen, Seelen und die Treue
der europaeischen Arbeiter gewinnen, wenn sie nicht infolge eines
Versagens der Demokratie dieser schrecklichen Alternative in
die Arme getrieben werden. Die Arbeiter koennen ihre Familien
nicht mit Schlagworten ueber Freiheit ernaehren. Die Arbeiter
werden nicht durch verlogene Propaganda der kommuni3tischen°Versklavung zum Opfer fallen, wenn sie wissen, dass sie in der Demokratie beides, Brot und Freiheit, haben koennen.
Wir von der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO bestehen
darauf, dass die Marshall-Plan-Hilfsmittel fuer diesen Zweck verwendet werden, und wir bereiten diesbezuegliche Vorschlaege an
die zustaendigen Behoerden unserer Regierung vor, die, wenn sie
angenommen werden, die vom amerikanischen Volk zur Verfuegung gestellten Geld- und Hilfsmittel zu einem maechtigen Werkzeug zur
Erreichung dieses Zieles machen werden.
Diejenigen Leute in unserem Lande und in Europa, die dafuer
verantwortlich sind, dass die aus dem Wiederaufbau entstehenden
Gewinne nicht dem europaeischen Arbeiter zugutekommen, sind die
besten Verbuendeten des Kommunismus. Wir, die wir ein besseres
Leben und einen hoeheren Lebensstandard fuer die Arbeiter der
ganzen Welt wuenschen, sind Feinde des Kommunismus. Und die Kommunisten wissen das.
- 13

�Wir haben bereits gesagt, und wir sagen es erneut, dass die
Arbeiter in EuroDa nicht ihren gerechten Anteil an den Gewinnen
erhalten, waehrend sich die Profite der Industriellen staendig
mehren. Dies muss aufhoeren. Ss darf nicht zugegeben werden,
dass der Kommunismus aus Hunger und Armut Nutzen zieht, um sein
totalitaeres Regime ueber die Voelker Europas auszubreiten.
Mit kollegialem Gruss
Euer
John W. Livingston
Internationaler Vizevorsitzender
DIE AUSSMPOLITIK DER AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
Die amerikanischen Gewerkschaften, insbesondere die AFL, haben die Aussenpolitik der amerikanischen Regierung scharf kritisiert. Diese Kritik bezog sich vor allem auf die Vorgaenge im
Fernen Osten. Umso staerker begruessten es die Gewerkschaften,
dass in der amerikanischen Aussenpolitik eine entscheidende Wendung zu verzeichnen ist, die sich dem Standpunkt der Gewerkschaften
genaehert hat und die Vorgaenge im Fernen Osten jetzt staerker unter dem Blickwinkel des dortigen Arbeiters betrachtet.
In einem Rundfunkinterview wies der stellvertretende Vorsitzende der amerikanischen Foederation der Arbeit, kurz AFL genannt,
auf die beiden grundlegenden Prinzipien hin, die die amerikanische
Aussenpolitik zu beachten hat. Einmal darf die Regierung der Vereinigten Staaten keinerlei imperialistische Neigungen in irgend
einer Form an den Tag legen, zum anderen muss sie jenen Laendern,
die sich in wirtschaftlichen Noeten befinden, eine staendige und
zunehmende Hilfe zur Verfuegung stellen. Nur in dieser Form koennen die Gefahren beseitigt werden, die durch die kommunistische
Aggression entstehen. Der Aufbau einer freien Gewerkschaftsbewegung ist das staerkste Bollwerk fuer eine demokratische Entwicklung und bedeutet zugleich eine Steigerung des Lebensstandards.
Wenn auf der anderen Seite die Vereinten Nationen ihren Prinzipien
treu bleiben und jeden Missbrauch ausschliessen, so formen sie eine
sichere und entschlossene Abwehr geg'3n jegliche Aggression. Natuerlich muessen auch Agrarreformen und soziale Fortschritte vorangetrieben werden, um jene Ungerechtigkeiten abzuschaffen, auf die
kommunistische Kreise 'immer wieder hinweisen. Im Vordergrund muss
aber eine festere Einigkeit aller freien Voelker stehen.
Wirtschaftlicher Fortschritt, militaerische Staerke und politische Einigkeit, das sind die drei Grundprinzipien, zu denen sich
die amerikanischen Gewerkschaften bekennen.
Die Vorschlaege, die die lahreskonvention der AFL in dieser
Richtung macht, sind dazu bestimmt, die Voraussetzung zu staerken,
so dass auch in militaerischer Hinsicht durch die Sowjets keinerlei Aggressionen mehr moeglich sind.
Wir fordern die amerikanische Regierung auf, die amerikanische
Delegation im Rat der Vereinten Nationen zu veranlassen, eine Deklaration der Rechte und Pflichten der Mitgliedsstaaten zu erlassen.
In dieser Deklaration muss zum Ausdruck kommen, dass die Vorbereitungen, die Organisierung und die Unterstüetzung sogenannter "Buergerkriege" und Unruhen durch irgend einen Staat in Gebiet eines
anderen Staates als ungesetzlich erklaert wird. Um solche Massnahmen durchzufuehren, fordern die amerikanischen Gewerkschaften die
Einrichtung einer staennigen Kommission der Vereinten Nationen, die
- 14 -

�beauftragt wird, derartige Beschwerden im Augenblick und sofort zu
behandeln und gleichzeitig geeignete Schritte zu unternehmen, um
solche Verletzungen des Friedens zu verhindern. Aus diesem Grunde
richtet die AFL an alle Gewerkschaften, die dem Internationalen
Gewerkschaftsbund angeschlossen sind, die Bitte, eine gleiche Forderung ihren Regierungen vorzulegen, um zu veranlassen, dass die
einzelnen Delegationen der Vereinten Notionen den Vorschlag unterstuetzen.
Die Kominform und der Weltgewerkschaftsbund haben nicht nur
die bewaffnete Aggression in Korea durchgefuehrt, sie fuehren darueber hinaus eine systematische Sabotage der Vereinten Nationen
durch. Es sei nur an die zersetzenden politischen Streiks in den
verschiedenen Laendern erinnert, an die Gewalttaetigkeiten in Indien, an den Buergerkrieg in Indo-China, an die Propagandawellen
in Asien und Afrika, die einen Rassenhass heraufbeschwoeren, die
Wirtschaftssabotage in Gross-Britannien, Westdeutschland, Frankfeich und Italien, die militaristischen Drohungen in Persien, die
Verfolgung der Gewerkschaften, der Kirchen und unablaessige gesetzwidrige Vorgaenge in den Satellitenstaaten, und schliesslich
eine weltweite Verleumdungskampagne gegen das amerikanische Volk.
Diese Aktionen der Kominform und des Weltgewerkschaftsbundes haben
im Grunde alle den gleichen Zweck. Sie dienen der von Moskau befohlenen Eroberungssucht und Weltherrschaftsgeluesten und schliesslich der Unterwerfung der gesamten Menschheit unter die Sklaverei
des kommunistischen TotalitärIsmus. Es bedarf keiner besonderen
Begruendungen, dass diesen Bemuehungen ein Ende gesetzt werden muss.
Beim Ausbruch des Korea-Konfliktes haben alle friedliebenden
Nationen, die in den Vereinten Nationen zusammengeschlossen sind,
den Entschluss gefasst, diese Verletzungen des Friedens mit allen
Mitteln zurueckzuweisen. Die freien Voelker Asiens haben zum
ersten Mal gemeinsam mit den demokratischen Staaten der uebrigen
Welt ein Verteidigungsprogramm angenommen, das alle teilhabenden
Voelker ohne Ruecksicht auf Glauben oder Rasse in gleicher Weise
beschuetzen soll, um ihnen allen eine aehnliche Sicherheit zu geben, wie sie fuer das freie Europa durch den Atlantikpakt garantiert wird.
Die AFL begruesst auch aus diesem Grunde die schnelle und
nachdrueckliche Hilfeleistung, die im Rahmen des Truman-4-PunkteProgramras allen jenen Gebieten zugute kommt, die in industrieller
Beziehung zurueckgeblieben sind und deren Wirtschaft sich mit entsnrechenden Hilfsmassnahmen in betraechtlichem Masse weiterentwickeln Hesse. Die amerikanischen Gewerkschaften sind der Meinung,
dass dieses Wirtschaftsprogramm weitergefuehrt werden sollte auf
einer Basis, die jenen Laendern auch moderne Schulen und Erziehung,
Kultur und Gesundheitsfuersorge, Sozialnassnahmen und Berufsausbildung zugute kommen laesst. Gleichzeitig muessen hier die Rechte
der Arbeiterschaft gesichert und der Lebensstandard erhoeht werden.
Bei
der Ausarbeitung dieses Programms sollten fortschrittliche
ü
ersoenlichkeiten der einzelnen Laender einschliesslich der Gewerkschaf tsfuehrer herzugezogen werden, damit in jedem Lande eigene
und geeignete Stimmen zu Wort kommen, um bei der Planung dieser
Massnahmen und ihrer Durchfuehrung zu helfen.
Als Beispiel sei hier erwaehnt, dass die Vereinten Nationen
nicht nur die Unabhaengigkeit und die Einheit der Republik Korea
garantieren sollen, sondern auch alles daransetzen muessen, um
das durch den Krieg verwuestete Land wieder aufzubauen und damit
zugleich den guten Willen der friedliebenden Nationen demonstrieren.
Im Rahmen des Marshall-Plans spielt die Gewerkschaftsbewegung
bereits eine staendig wachsende Rolle. Die gleichen Prinzioien der
•wirtschaftlichen Hilfe muessen auch auf Asien, Afrika und Latein- 15 -

�Amerika angewendet werden. Dabei muss jedoch vorausgesetzt werden,
dass bei der Festlegung dieser Politik und bei der verwaltungsaaessigen Durchfuehrung dieser Hilfsmassnahmen die Gewerkschaften
ein gleichberechtigter Partner neben der Regierung und dem Unternehmertun sein mflsser.
Der Internationale Gewerkschaftsbund hat bereits ein weitreichendes Programm ausgearbeitet, um freie Gewerkschaftsbewegungen
in diesen Gebieten zu entwickeln und zu festigen. Die Gewerkschaften sind nicht nur das beste Bollwerk gegen den Totalitarismus; ihre
Arbeit ist ebenso wichtig, um den Lebensstandard der Massen zu steigern, die heute in Not und Elend darben. Der Internationale Gewerkschaftsbund will bei diesem unblutigen Krieg gegen Armut, Ungerechtigkeit und Unsicherheit in der vorderstan Frontlinie kaemnfen, damit auch dort der Kommunismus nicht mehr gedeihen kann.
Die AFL haelt es hierbei fuer bedauerlich, dass diese wirtschaftliche Hilfe nicht auch auf China ausgedehnt wird, denn hier
ist die Regierung durch auslaendische Intrigen und militaerische
Interventionen an die Macht gekommen. Um so nachdruecklicher mues3en sich daher die Gewerkschaften fuer den wirtschaftlichen und
sozialen Fortschritt in jenen Laendern einsetzen, in denen die Demokratie gegen den Totalitarismus verteidigt werden muss. Ss ist
deshalb auch erforderlich, dass die Gewerkschaften aller Laender
einen Druck auf ihre Regierung ausueben, um endlich die Friedensvertraege mit Westdeutschland und Japan zu unterzeichnen und gleichzeitig den ungerechten Vertrag beseitigen, den Italien kurz nach Beendigung des II. Weltkrieges annehmen musste. Es ist weiterhin unbedingt notwendig, kollektive Sicherheitsmassnahmen zu schaffen, indem die gesamte Arbeitskraft der freien Welt mobilisiert wird und
eine machtvolle Verteidigungsmaschinerie aufgebaut wird, die von
vornherein jeden Aggressor entmutigen muss. Durch diese Massnahmen
fuer die Sicherung des Friedens wird jede Aggression von vornherein
unzweckmaessig. Westdeutschland ist ein entscheidender Teil der
wirtschaftlichen und politischen Einheit Westeuropas. Das deutsche
Volk sollte seine volle Souveraenitaet wiedererhalten und als Gleicher unter Gleichen im Kreis der freien Nationen behandelt werden.
Die Deutschen sollten veranlasst werden, ihren Anteil an der Verantwortung zu tragen, dem Totalitarismus zu widerstehen. Aber
ebenso ollten sie sich auch aller Vorteile einer kollektiven Sicherheit erfreuen.
Bisher haben die sowjetischen Delegierten in den Vereinten Kationen das Vetorecht 45mal benutzt, um Entscheidungen unwirksam zu
machen. Die AFL setzt sich deshalb dafuor ein, dass die Vereinten
Nationen eine Sonderkommlasion gruenden, die eine Revision der
Grundsaetze vorbereitet und gleichzeitig Vorbereitungen trifft, um
eine staendige Sicherheitsstreitkraft zu schaffen. Natuerlich
muessen dabei die Prinzipien geaendert werden, die das Vetorecht
betreffen. Denn nur dadurch koennen jene unangenehmen Erfahrungen
der Vergangenheit beseitigt werden und fuer die Zukunft ein besseres
und schnelleres Funktionieren der Vereinten Nationen zugunsten der
ihr angeschlossenen Laender sicherstellen.
Das Volk in Korea hat eine harte Lehre kennengelernt. Y'aehrend
die Kommunisten dort herrliche Versprechungen machten, beweist heute
ihre abgrundtiefe Niedortracht, dass sie Luegner und Heuchler sind.
Die Arbeiter Ost-Suropas und der Sowjet-Union haben diese Lektion
schon laengst hinter sich. Die amerikanischen Arbeiter blicken mit
ihnen in die Zukunft, 3ie wissen, dass diese Voelker sich nach der
Stunde der Befreiung sehnen, nach der Stunde, in der wieder freie
Gewerkschaften im Geists wirklicher Internationalitaet gegruendet
werden koennen. Nur auf diesem Weg koennen die Arbeiter der ganzen
Welt ihrem Ziel entgegen gehen: Dem Frieden und dem Wohlstand in
Freiheit.
AFL-Rundfunksendung
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 34

Frankfurt, 27. Oktober 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Der blutige Weg der Kommunisten Italiens - - -

1

Oesterreichische Gewerkschafter berichten
von Amerika - - - - - - - - - - - - - - - -

3

Oldenbroek begruendet die Politik des IBFG - -

5

Hie internationale Transportarbeiterfoederation
zum Marshall-Plan - - - - - - - - - - - - -

e

Die Gewerkschaftsbewegung ist ihrer Aufgabe
gewachsen - - - - - - - - - - - - - - - - -

12

Methoden und Verfahren der Beschaeftigungssicherheit - - - - - - - - _ - - _ _ - _ _

15

DER BLUTIGE WEG DER KOMMUNISTEN ITALIENS
M

Ein Kommunist," schrieb Lenin, "muss bereit sein, jedes
Opfer zu bringen, und darf, wenn noetig, vor keiner Verschwoerung und keiner List zurueckschreoken, er muss illegale Methoden
anwenden und die Wahrheit verbergen, wenn es darum geht, in die
Gewerkschaften einzudringen, darin zu bleiben und in ihnen
revolutionaer zu wirken.1*
Was diese "Verschwoerungen, Listen und illegalen Methoden"
fuer die freien Arbeiter in Wirklichkeit bedeuten, ist erneut

- 1

�in einem Weissbuch des italienischen Gewerkschaftsbundes CISL
aufgedeckt worden.
Mehr als 50 Faelle kommunistischer Gewalttaetigkeiten gegen
freie Gewerkschaftsmitglieder sind in dieser grausigen Liste
aufgefuehrt, die der Konvention der AFL unlaengst vorgelegt wurde. Zwei italienische Gewerkschafter, Enrico Parri und Luigi
Morelli, erklaerten den Amerikanern, dass die italienischen
Kommunisten "einen Krieg des Terrors fuehrten, wie er in der
Geschichte der Gewerkschaften ohne Beispiel sei. Er sei durch
jede Art der Gevalttaetigkeit, von der unglaublichsten Misrhandlung bis zum vorsaetzlichen und kaltbluetigen Mord gekennzeichnet.
In dem Dokument wird ebenfalls die kommunistische Methode
angeprangert, Unruhen anzustifen und dann die Opfer als Maertyrer zu preisen.
Medina, eine Stadt in der Poebene, war der Schauplatz einer
solchen Unruhe. Im Januar vorigen Jahres organisierten die
kommunistischen Fuehrer einen Demonstrationszug, den sie in einen
Aufstand umwandelten, bei dem sechs Arbeiter getoetet wurden.
Zwei Tage spaeter riefen sie einen Streik Im ganzen Lande
aus, leiteten eine Kampagne zur Unterstuetzung der Witwen und
Waisen dieser Opfer ein und brachten in einer Sammlung 40,000
Dollar zusammen. Sechs Monate spaeter wurde ein Ortsfunktionaer
des kommunistisch beherrschten italienischen allgemeinen Gewerkschaftsbundes (CGIL) wegen missbraeuchlioher Verwendung dieses
Geldes verhaftet. Man stellte fest, dass die Familien der Getoeteten weniger als 10,000 Dollar erhalten hatten. Der Rest war
dem CGIL und der kommunistischen Partei zugeflossen.
Dies ist nur ein Beispiel aus diesem Weissbuoh. Die Kommunisten suchten auf dem Lande, in den Fabriken und Doerfern die
aktivsten Mitglieder der freien Gewerkschaften aus, um sie zu
misshandeln oder zu ermorden.
So starb Guiseppe Fanin mit 24 Jahren. Auf einer Farm geboren und grossgezogen, promovierte er an der Universitaet Bologna
und hatte die Absicht, die Bauern zu organisieren. Er schloss
sich der freien Gewerkschaftsbewegung an. Die Bauern hoerten
ihm interessiert zu, wenn er von der Demokratie spraoh. Als er
vor zwei Jahren am Abend des 4. November mit dem Rad nach Hause
fuhr, wurde er von vier Maennern ueberfallen und starb wenige
Stunden spaeter. Drei Wochen danach bekannten sich vier kommunistische Funktionaere zu dieser Tat.
Dies ereignete sich in dem Bezirk Bologna-Emilia - der
"roten Hochburg". Parri und Morelli nennen diesen Bezirk eine
"blutgetraenkte Gegend". Und dies hat seinen Grund.
Sechs Landarbeiter wurden von einer lOOkoepfigen Menge geschlagen und gezwungen, ihre Arbeitsplaetze zu verlassen. Ein
Arbeiter und seine Frau, eine werdende Mutter, wurden gesteinigt
und misshandelt. Zwei Maenner wurden von 120 Demonstranten gezwungen, ihre Arbeit auf dem Lande aufzugeben. Zehn Landarbeiter
wurden von den Feldern vertrieben, ein anderer Arbeiter wurde
von sechs Maennern ueberfallen. Bei einem Ueberfall einer Bande
von tausend Kommunisten auf 35 Erntearbeiter wurden zwei Frauen
schwer misshandelt. Vier Maenner wurden auf dem Wege zur Arbeit
entfuehrt. Ein anderer, der mit Landaufbesserungsarbeiten beschaeftigt war, wurde gesteinigt und musste zwoelf Tage im Krankenhaus behandelt werden.
- 2 -

�In allen Faellen wurden diese Untaten veruebt, weil die Betreffenden Mitglieder freier Gewerkschaften waren.
Die Liste hoert jedoch hier nooh nicht auf. Im gleichen Gebiet wurde ein Bauer von neun Maennern verpruegelt, weil er freie
Gewerkschafter beschaeftigt hatte. Der Sekretaer einer Gewerkschaft wurde geschlagen und beinahe gelyncht. Der Wald eines
Bauern, in dem Mitglieder der freien Gewerkschaftsbewegung als
Holzfaeller arbeiteten, wurde besetzt und zerstoert. Die Bueros
des CISL in Mesola wurden voellig vernichtet.
Dieses Regime des Terrors, das von den beiden Gewerkschaftern als eine "ernste Gefahr fuer die Organisation der freien Gewerkschaften bezeichnet wird," hat zur Folge, dass die Arbeiter
davor zurueckschrecken, sich und ihre Familien derartigen Gewelttaetigkeiten auszusetzen, in denen die Kommunisten so gute
Meister sind.
Und doch trotzen freie Arbeiter immer wieder dieser Gefahr.
Das beweisen die Vorfaelle in dem Gebiet von Bologna-Emilia, von
denen in ganz Italien erzaehlt wird.
Piemont, eine Winternacht vor zwei Jahren:
Luigi Leonarduzzi, ein Vertreter der freien Gewerkschaften,
begab sich zu einer Konferenz des Komitees fuer Arbeitslosenunterstuetzung. Er wurde ueberfallen und schwer verletzt. Im Fruehjahr 1949 arbeitete Maria Vincenti in einem Geschaeft, in dem
freie Gewerkschafter zugelassen waren. Sie wurde ueberfallen und
sohwer verletzt. Im Fruehjahr des folgenden Jahres folgte
Giovanni Arrigoni, ein Freiheitskaempfer waehrend des Krieges,
nicht dem Befehl kommunistischer Demonstranten, seine Arbeit in
einer Saegemuehle niederzulegen. Er wurde verletzt.
Lombardei, Ende des Jahres 1948: Das Buero des Bezirksvorstandes des CISL wird durch eine Bombe zerstoert. Fruehjahr
1949: Ein Mann wird vor den Toren seiner Arbeitsstaette niedergeschlagen. Mai dieses Jahres: Ein Gewerkschaftsdelegierter, der
bei der Besprechung eines Problems von allgemeinem Interesse eine
Meinung vertritt, die den Kommunisten nicht gefaellt, wird von
drei Maennern misshandelt. Im gleichen Monat des gleichen Jahres:
Fuenf Gewerksohafterinnen werden von einer bewaffneten Bande angegriffen.
In ganz Italien nichts als Gewalttaetigkeiten, wo immer man
der kommunistischen Linie nicht folgt und das demokratische Gewerkschaftswesen unterstuetzt. In ganz Italien sind es dennoch
nur wenige Leute, die die gewalttaetige Lehre des stalinistischen
Kommunismus dem friedlichen Dienst an der Sache der italienischen
Arbeiter voranstellen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
1/11/50
OESTERREICHISCHE GEWERKSCHAFTER BERICHTEN VON AMERIKA
Sechs oesterreichische Gewerkschaftsfuehrer kehrten von einer
Reise nach den Vereinigten Staaten zurueck und erklaerten, dass
der Marshallplan der Faktor ::r. 1 im wirtschaftlichen Wiederaufbauprogranm ihres Landes sei, dass die Zukunft Jedoch in den Haenden der Oesterreicher selbst laege.
Sie sagten, sie "kaemen zurueck, um sich fuer die Schaffung
der Vereinigten Staaten von Europa einzusetzen. Wenn Europa das
- 3-

�langersehnte Ziel des Wohlstandes erreichen soll, muessen die
bestehenden nationalen Grenzen verschwinden. Dies ist die Hoffnung Oesterreichs und aller europaeischen Laender."
Die Gruppe kam gerade von einer sechswoechigen Reise zurueck, die sie zum Studium des Gewerkschaftswesens und der Produktivitaetsmethoden in den Vereinigten Staaten und der Schirmherrschaft des Marshallplanes unternommen hatte.
"Ein Amerikaner fragte mich, wie es in Europa aussieht,"
erklaerte Plus Schneeberger, der Vorsitzende der oesterreichischen Land- und Forstarbeiter-Gewerkschaft. "Ich sagte ihm, er
solle sich die 48 Staaten der USA als getrennte nationalistische
Laender vorstellen, dann wuerde er unsere Probleme kennen."
Die Gruppe war der Auffassung, dass die Vereinigten Staaten die
volle Bedeutung des Wortes Zusammenarbeit erkannt haben.
Die Besucher wurden in Le Havre von Vertretern der bedeutenden franzoesischen freien Gewerkschaften, der "Force Ouvriere",
der Christlichen Arbeitergewerkschaft und des Vorarbeiter-Verbandes bei ihrer Ankunft in Europa gerade in dem Zeitpunkt begruesst,
als der kommunistische Versuch, Oesterreich in einen Generalstreik zu stuerzen, klaeglich gescheitert war.
Die Gruppe erklaerte, dass sie mit der gegenwaertigen Lage
nicht vertraut sei, dass sich aehnliche Vorfaelle Jedoch in jedem
Jahre so sicher "wie der Herbst" wiederholten. Die grosse Mehrheit der oesterreiohischen Gewerkschafter, einschliesslich derer,
die in der Sowjet-Zone wohnen, steht nicht unter dem Einfluss
der Kommunisten. Selbst in Industrien, die sich in russischem
Besitz befinden, gibt es Betriebe, in denen nicht mehr als 20%
der Belegschaft kommunistischen Gewerkschaften angehoeren. Die
Oesterreicher wissen nur zu gut, dass ihr Land unter der Herrschaft der Kommunisten zu einem Satellitenstaat werden wuerde.
Sie sind der Auffassung, dass die oesterreiohischen Kommunisten
von Oesterreich selbst in Schach gehalten werden koennen, wenn sie
nicht von einer Fremdmacht direkt unterstuetzt werden.
Die Oesterreicher berichteten, dass sie ein wirkliches Freundschaftsverhaeltnis zwischen der amerikanischen und ihren eigenen
freien Gewerkschaften festgestellt haetten. "Wir waren erstaunt
darueber," sagten sie, "dass amerikanische GewerkschaftsOrganisationen, die sich mit eigenen Problemen zu beschaeftigen haben, so
sehr an der gegenwaertigen Weltlage interessiert und sich ihrer
internationalen Verantwortlichkeiten vollauf bewusst sind. Wir
kommen mit dem Bewusstsein zurueck, dass wir jenseits des Ozeans
wirkliche Brueder besitzen, deren Freundschaft nicht nur in schoenen Worten besteht."
Die Gewerkschaftsfuehrer kamen mit einem gefestigten Glauben
an die Lebensweise der westlichen Welt aus Amerika zurueck, wo sie
sahen, wie die organisierte Arbeiterschaft schnell zu einem maechtigen demokratischen Bollwerk einer freien Gemeinschaft werden kann.
Ignaz Koock, der selbst in der russischen Zone beheimatet und
Sekretaer des bundesstaatlichen Sekretariats des Gewerkschaftsbundes ist, zeigte an Hand eines Beispiels, wie frei die amerikanische Lebensgemeinschaft ist: "Wenn ich hierfuer niemals einen
Beweis hatte, so erhielt ich ihn, als ich eine Teitilfabrik in
Tennessee besuchte, wo von 1300 Arbeitern nur ein einziger nicht
Gewerkschaftsmitglied war und niemand versuchte, ihn zum Eintritt
in die Gewerkschaft zu zwingen. Das ist wahre Demokratie!"

- 4 -

�Die oesterreichischen Besucher reisten von New York nach
Chikago und dann in den Sueden bis nach Texas und waren begeistert ueber die umfassenden Erziehungsprogramme der amerikanischen
Gewerkschaften, die sie fuer ihre Mitglieder durchfuehren. Als
direktes Ergebnis hiervon seien sich die amerikanischen Gewerkschafter nicht nur der Vorteile einer hohen Produktionsleistung
bewusst, sondern in vielen Faellen sei es die Gewerkschaft selbst,
die bei der Rationalisierung der Produktion zur Erreichung hoher
Produktivitaetsziele eine bedeutende Rolle spiele.
Ihre Eindruecke umfassend erklaerten die oesterreichischen
Gewerkschaftsfuehrer, dass nichts vollkommen sei, und auch das amerikanische System gewisse Fehler enthalte. "Diese stehen jedoch
in keinem Verhaeltnis zu den bereits erzielten Erfolgen."
Die Mitglieder der oesterreichischen Besuchergruppe waren:
Pius Schneeberger, Ignaz Koock, Edmund Holzfeind, der Zentralsekretaer der Post- und Telegraphenarbeiter, Leopold Wolff als Vertreter der Chemiearbeiter, Edmund Hofeck, Vize-Praesident der
Arbeitskammer und Fritz Matzner, der Landeshauptmann der Provinz
Steiermark und Fuehrer der dortigen Gewerkschaftsbewegung.
Arbeitsmitteilungen der ECA
X/10/50
OLDENBROEK ÜEGRUENDET DIE POLITIK DES IBFG
J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften, hat eine ausfuehrliche Erklaerung
abgegeben, warum die freien Arbeiter die Aggression in Nord-Korea
und andere folgenschwere Handlungen des Kominform, wie die Bewaffnung Albaniens an der jugoslawischen Grenze, ablehnen.
Oldenbroek ueberbrachte der 82. Jahreskonferenz des britischen Gewerkschaftskongresses die Gruesse der 50 Millionen Mitglieder des IBFG und wies erneut darauf hin, dass diese Organisation die Verteidigungsmassnehmen der Vereinten Nationen in Korea
und den Marshall-Plan unterstuetzt.
Er berichtete ausserdem von der zunehmenden Staerke des
IBFG in seinem weltweiten Konkurrenzkampf mit der kommunistischen
Marionettenorganisation, dem Weltgewerkschaftsbund. Er ist der
Auffassung, dass die Hauptaufgabe in Korea in der Loesung der
Frage besteht, ob eine Aggression gegen die Vereinten Nationen
unbeantwortet bleiben soll oder nicht.
"Es geht nicht um die Frage, welche Art von Regierung in
Suedkorea bestand," sagt Oldenbroek. "Diese Regierung wurde in
geheimer Wahl unter Aufsicht der Kommission der Vereinten Nationen fuer Korea gewaehlt, die von den Kommunisten daran gehindert
wurde, freie Wahlen in Nordkorea abzuhalten."
"Die Aggression ist es, die die freien Arbeiter verwerfen,"
erklaerte er. "Wir sind grundsaetzlich gegen eine Aggression,
und wir lehnen sie ausserdem ab, weil sie zu einem neuen Krieg
fuehren kann. Aus diesem Grunde befuerworten wir die Massnahmen
der Vereinten Nationen. In den Panzerschränken des Kominform
liegen Plaene bereit, und in einer Reihe von Laendern hegen die
Menschen die Befuerchtung, dass sie als naechste an der Reihe sein
koennten."

- 5 -

�"Wenn die Aggression gegen Korea erfolgreich verlaufen waere,
was waere dann aus Finnland, Jugoslawien, Persien, der Tuerkei
und Oesterreich geworden?" fragte der Gewerkschaftsfuehrer. "Denken wir einmal an Oesterreich mit seiner wohlorganisierten und
starken Gewerkschaftsbewegung. Wer verhindert den Abschluss
eines Staatsvertrages mit Oesterreich? Niemand anderes als die
Sowjetunion."
"Was Jugoslawien betrifft, so moechte ich nicht Fuersprecher
dieses Staates sein, aber ich moechte auch nicht, dass er das
Opfer einer Aggression wird. Und dann stelle ich an dieser Stelle die Frage, warum Waffen und Munition mit polnischen Schiffen
von Gdingen und anderen Haefen nach Albanien transportiert werden, das von russischen, polnischen und anderen Statthaltern beherrscht wird?"
Auf die kommunistischen Friedensappelle bezugnehmend, in
denen die demokratischen Laender aufgefordert werden, ihre Atomwaffen sofort zu zerstoeren, sagte Oldenbroek: "Die Atombombe,
Wasserstoffbombe oder sonstige Bomben und Waffen duerften natuerlich nicht zur Anwendung kommen. Dies ist jedoch nur moeglich,
wenn eine internationale Kontrolle ausgeuebt werden kann. Die
Vorschlaege der westlichen Welt zur Durchfuehrung einer internationalen Kontrolle sind in den Vereinten Nationen von der Sowjetunion abgelehnt worden."
"Ausser dem Missbrauch wissenschaftlicher Erkenntnisse kennen wir jedoch auch den Missbrauch des menschlichen Gehirns fuer
verwerfliche Zwecke, wie ich die angewandte Psychologie bezeichnen moechte. Man will den Menschen durch Einh'aemmern zu jeder
Stunde bei Tag und bei Nacht glauben machen, dass die Amerikaner
dieEindringlinge in Korea sind. Es Ist die gleiche endlose Beschuldigung, die man auch gegen Jugoslawien richtet, das den Mut
hatte, sich dem Kominform zu widersetzen. Es ist der Aufruf des
Weltgewerkschaftsbundes an die Arbeiter der Post und des Rundfunks in allen Laendern, dass sie sich weigern sollen, jegliches
Material, das die Haltung der Sowjetregierung kritisiert, weiterzuleiten."
"Und dabei ist das Recht der freien Rede und der Pressefreiheit im Programm des W.G.B. verankert.' Die Kommunisten fordern
jeden auf, zu streiken und vor allem sich an Generalstreiks zu
beteiligen. In ihren eigenen Laendern jedoch haben sie das Streikrecht abgeschafft. Sie erheben somit den Betrug zur hoechsten
Tugend." In Bezug auf den kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund erklaerte Oldenbroek ausserdem, dass es zwar keine
Moeglichkeit gaebe, die Taetigkeiten der Kommunisten hinter dem
Eisernen Vorhang zu pruefen, ihre Behauptung Jedoch, in Frankreich
fuenf Millionen und in Italien fuenfeinhalb Millionen Mitglieder
zu besitzen, 'vollkommen unsinnig' sei.
Im Gegensatz hierzu steige die Mitgliederzahl des IBFG staendig an, und bis zum Kongress im naechsten Jahre wuerde sich die
Zahl der Mitgliederstaaten von 50 auf 60 erhoeht haben, was eine
Zunahme um mehrere Millionen der gegenwaertigen Mitgliederzahl
von 50 Millionen zur Folge haben wird.
Oldenbroek wies auf das wachsende Interesse und die Machtstellung des IBFG in Asien und Latein-Amerika hin, wo der Weltgewerkschaftsbund nach der Herrschaft strebte. In diesen Gebieten
muesse die Arbeit des IBFG dezentralisiert werden. Regionale
Kommissionen werden es ermoeglichen, die allgemeine Politik des
IBFG so durchzufuehren, wie es die Menschen der betreffenden Ge-

�biete in besserer Kenntnis der lokalen Verhaeltnisse als am guenstigsten erachten.
Oldenbroek erklaerte dem britischen Gewerkschaftskongress,
dass sich der IBFG fuer baldige nationale Freiheit und Selbstregierung aller Menschen einsetze und dieses Streben auch seinem
Interesse an unterentwickelten Gebieten zugrundeliege. Er kuendigte an, dass der IBFG im Januar naechsten Jahres in Mexiko
einen internationalen Kongress fuer Latein-Amerika und zu einem
spaeteran Zeitpunkt, wenn moeglich vor Ende naechsten Jahre3, eine
asiatische regionale Konferenz abhalten wird.
Eine europaeische regionale Tagung wird ebenfalls in Kuerze
stattfinden, und mit dem Hinweis auf zahlreiche Taetigkeiten des
IBFG in Europa erklaerte Oldenbroek, dass die Organisation eine
aktivere Rolle beim Marshall-Plan spielen wird, "der soviel geleistet hat und vor allem zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit,
der Verbesserung des Lebensstandards, der Steigerung der Produktion und zum wirtschaftlichen Wiederaufbau beigetragen hat."
"Wir wuensohen nicht, dass sich aus dem Schumanplan ein
Kartell entwickelt, und wir werden unsere Unterstuetzung dieses
Planes von der Beteiligung der freien Gewerkschaften an diesem
grossen Wagnis abhaengig machen."
Der IBFG ueberpruefe die Probleme der besoldeten Angehoerigen freier Berufe und erwarte die Bildung internationaler Berufssekretariate fuer Lehrer, Journalisten und Schauspieler. Die
internationale Koerperschaft beabsichtige in Kuerze eine Konferenz
ueber Arbeiterbildung durohzufuehren. Die Fuehrer des IBFG forderten die europaeischen Regierungen auf, ihre Arbeiter gegen jegliche Steigerungen der Lebenshaltungskosten zu schuetzen, die als
Folgeerscheinung der koreanischen Krise auftreten koennten.
Der IBFG bleibe allen Formen der Diktatur abgeneigt. "Wir
werden unseren Kampf sowohl gegen die militaristischen und faschistischen als auch gegen die Methoden der Unterdrückung in den sogenannten "Volksdemokratien" fortsetzen."
"Wir lehnen alle Zugestaendnisse an Franko-Spanien ab, dem
ein betraechtlicher Kredit - um es genau zu sagen, 62 1/2 Millionen
Dollar - fuer seinen wirtschaftlichen Wiederaufbau versprochen
wurde."
Auf die Unterschiede zwischen den Gewerkschaften in kommunistischen und den in demokratischen Laendern hinweisend bemerkte
Oldenbroek, dass fuer das urspruengliche Programm des W.G.B. zur
Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter nichts getant worden
sei. Dieses Programm ist von freien Gewerkschaftern aufgestellt
worden, als sie noch Mitglieder dieser Organisation gewesen seien.
Als die Kommunisten sich
mitzuhelfen, haetten sich die
aus dem Weltgewerkschaftsbund
wirklichung des WGB-Programms

geweigert hatten, am Marshall-Plan
freien Arbeiter gezwungen gesehen,
auszutreten. Seitdem sei zur Vernichts mehr unternommen worden.

"Und nachdem sich die freien Gewerkschaften vom Weltgewerkschaftsbund getrennt hatten und diese Organisation zu nichts
weiter als einem Werkzeug des Kominform geworden ist, wird sie
nichts mehr fuer die Verwirklichung ihrer Programmpunkte tun. Die
konstruktive Arbeit ist und wird immer von freien Gewerkschaften
geleistet werden nuessen und nicht von totalitaeren Organisationen,
die nur das eine Ziel verfolgen, die Befehle ihrer Herren auszu-

- 7-

�fuahren, und die deshalb keine Zeit fuer konstruktive Arbeit haben, sondern sich nur zersetzenden und umstuerzlerisohen Aufgaben
widmen.n
Telegramm der ECA
IX/8/50
DIE INTERNATIONALE TRANSPORTARBEITERFOEDERATION ZUM MARSHALL-PLAN
Europas TransportSystem hat unter dem zweiten Weltkrieg vielleicht mehr gelitten als jede andere Industrie. Nach Beendigung
der Feindseligkelten sah es sich vor grosse Probleme des Wiederaufbaus und der NeuOrganisierung gestellt. Die Internationale
Transportarbeiterfoederation wusste, dass zu allererst das
Strassen-, Eisenbahn- und Wassertransportsystem Europas wieder
instandgesetzt werden musste, bevor ein allgemeiner wirtschaftlicher Wiederaufbau beginnen konnte. Lange vor Beendigung des
Krieges beschaeftigte sich die ITF mit den Problemen, die sie
nach dem Kriege zu loesen hatte. Sie entwickelte Plaene zur
rationellen Entwicklung der europaeischen Transportverhaeltnisse,
die, so hoffte sie, zu einer europaeischen Wirtschaftseinheit und
zur Zusammenarbeit fuer den Frieden fuehren wuerden.
Zuerst mussten die dringendsten Instandsetzungsarbeiten ausgefuehrt werden. Die Bemuehungen der europaeischen Laender, die
von der zum grossen Teil von den USA finanzierten UNRRA unterstuetzt wurden, hatten 1947 bereits so gute Ergebnisse gezeitigt,
dass schaetzungsweise 80$ der dringendsten Aufgaben geloest waren.
Die Transportarbeiter legten in Jenen Jahren ein grosses Prlichtbewusstsein an den Tag. Die ITF ist jedoch der Ansicht, dass
bessere und schnellere Ergebnisse haetten erzielt werden koennen.
Waehrend des Krieges und kurz nach Kriegsende hegte sie den
Gedanken, dass die europaeischen Laender ihre Hilfsquellen zusammenlegen und nach einem gemeinsamen Plan arbeiten muessten. Zu
diesem Zweck wurden eine Reihe Vorschlaege ausgearbeitet. Auf
der Konferenz des Ausschusses der Internationalen Arbeitsorganisation fuer Binnentransport, die im Dezember 1945 in London stattfand, bekannten sich die Vertreter der Regierungen und der Arbeitgeber zu den Vorschlaegen der ITF und fassten viele von ihnen
in einer EntSchliessung zusammen. Diese EntSchliessung blieb
jedoch, im ganzen gesehen, ein toter Schemen. Mit diesen Vorschlaegen hatte die ITF groessere Ziele als nur den physischen
Wiederaufbau im Auge. Sie wuensohte naemlich, dass die Europaeer
gemeinschaftlich zusammenarbeiten und in dieser kritischen Zeit
einen Plan der Zusammenarbeit entwerfen wuerden, der auch fuer
die langfristige Aufgabe des wirtschaftlichen Wiederaufbaus beispielhaft haette sein koennen.
Einige langfristige Instandsetzungsarbeiten und dringende
Programme der Neuausruestung wurden im Jahre 1946 begonnen; die
Hilfsquellen der verschiedenen europaeischen Laender reichten jedoch nicht aus, um alle notwendigen Investierungen durchfuehren
zu koennen. Schon drohte die gesamte europaeische Wiederaufbaubewegung zusammenzubrechen, da kamen im Sommer 1947 Nachrichten
ueber ein amerikanisches .Unterstuetzungsprogramm fuer den Wiederaufbau Europas von der anderen Seite des Atlantiks.
Die Fuehrer des ITF hatten schnell die Bedeutung der Marshallolan-Vorschlaege erkannt. Zu jener Zeit konnte sich die ITF
dank der .Tatsache, dass sie ihre Unabhaengigkeit gegenueber dem
Weltgewerkschaftsbund bewahrt hatte, zum Marshallplan bekennen,
der vom Weltgewerkschaftsbund abgelehnt wurde.
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�Auf einer Konferenz im November 1947 in London wurde vom
Generalrat des IT? eine Entschliessung gefasst, in der der Marshallplan als eine "Gelegenheit zur Zusammenarbeit, besonders
auf dem Gebiet des Transportwesens, zur Sicherung einer fortschrittlichen und zivilisierten Zukunft Europas," herzlich willkommen geheissen wurde. Der Generalrat erkannte, dass den
Transportarbeitern bei der Verwirklichung dieses Planes eine
bedeutende Rolle zufiel. Wenige Monate spaeter wurde eine Tagung der Transportarbeitergewerkschaften der 16 beteiligten Laender einberufen, auf der die Auswirkungen des Planes auf die Gewerkschaftsmitglieder eroertert wurden.
Die im April 1948 in Luxemburg abgehaltene Konferenz erwies
sich als ein Markstein in der Einstellung der europaeischen Gewerkschaften zum Marshallplan. Die Konferenz sprach ihre Anerkennung ueber "die Grosszuegigkeit der amerikanischen Regierung
aus, die im Rahmen des ERP wirtschaftliche Hilfe in bisher ungekaantem Ausmasse angeboten hatte." Zahlreiche Delegierte bedauerten, dass der kommunistisch gefuehrte Teil der europaeischen
Gewerkschaftsbewegung den Marshallplan aus politischen Gruenden
ablehnte, und alle versprachen im Namen ihrer Gewerkschaften,
den Gedanken der internationalen Solidaritaet, der diesem Programm zugrundelag, zu unterstuetzen.
Die bedeutendsten Fachgruppen der ITF folgten bald diesem
Beispiel. Ein Monat nach der Luxemburger Konferenz wurde auf
einer internationalen Konferenz der Autobus- und Strassenbahnarbeiter erklaert: "Diese Konfernz sieht in dem Gelingen des
Marshallplans die Moeglichkeit, die wirtschaftlichen Verhaeltnisse
und den Lebensstandard in den beteiligten Laendern zu verbessern
und damit ihre Freiheit und ihre demokratische Lebensform zu
erhalten." Einige Monate spaeter brachte die internationale Konferenz der Dockarbeiter und Seeleute ihre Entschlossenheit zum
Ausdruck, alle kommunistischen Versuche, den Marshallplan durch
zersetzende Taetigkeiten in europaeischen Haefen zu sabotieren,
abzuschlagen.
Die bejahende Einstellung der ITF dem Marshallplan gegenueber beruhte auf den folgenden fuenf triftigen Gruenden:
1. Die Wiederherstellung der europaeischen Haefen, Eisenbahnen und Strassen musste die Arbeit der Transporterbeiter erleichtern und ihren Arbeitsplatz fuer die Zukunft sichern.
2. Indem der Marshallplan den allgemeinen wirtschaftlichen
Wiederaufbau Europas unterstuetzte, musste er den Lebensstandard
aller Arbeiter verbessern.
3. Der wirtschaftliche Wiederaufbau, der bessere soziale
Verhaeltnisse schafft, staerkt die Demokratie in Europa und
hilft mit, die Gefahr irgendeiner Form der Diktatur zu beseitigen.
4. Dadurch, dass amerikanische Gewerkschaften den Marshallplan unterstuetzen, wird die Zusammenarbeit der amerikanischen
Arbeiterschaft mit europaeischen Gewerkschaften gefoerdert - ein
Ziel, nach dem die ITF schon lange strebte.
5. Die ITF hoffte, dass der Marshallplan den Zusammenschluss des europaeischen Transportsystems anregen und damit den
wirtschaftlichen Wiederaufstieg Europas erleichtern wuerde.
Waehrend der beiden ersten 2 1/4 Jahre des Marahallplanes
sind dem europaeischen Transportwesen 330 Millionen Dollar an
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�direkten Aufwendungen zur Verfuegung gestellt worden. Der grosste
Teil hiervon wurde fuer Ausruestungen wie Motorfahrzeuge, Lokomotiven und Flugzeuge verwendet. Ausserdem haben europaeische
Laender aus Gegenwertfondsmitteln etwa 550 Millionen Dollar fuer
den Wiederaufbau von Eisenbahnen, Strassen, Bruecken, Wasserwegen,
Hafenanlagen und Flugplaetzen freigegeben.
Die Marshall-Hilfe fuer das Transportwesen beschraenkte sich
jedoch nicht nur auf Europa. Von besonderem Interesse fuer die
Transportarbeiter war der Ausbau Abidjous, eines Hafens an der
franzoesischen Westafrika-Kueste, der bereits als Afrikas "Hafen
der Zukunft" bezeichnet wurde.
Ein anderes, besonders erwaehnenswertes Bauvorhaben, fuer
das 9 Millionen Dollar der ECA und 15 Millionen aus Gegenwertfonds
zur Verfuegung gestellt wurden, ist die Umbettung des Rheins auf
einer Strecke von 65 Meilen oberhalb Strassburgs.
Der 21. Kongress der ITF nahm einstimmig eine Resolution des
Dankes fuer die Marshallplan-Hilfe an: "Dieser Kongress bringt
dem amerikanischen Volk und besonders den amerikanischen Arbeitern
gegenueber seine Anerkennung fuer die zur Foerderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus in Europa geleistete Hilfe zum Ausdruck. "
Die ITF war jedoch nicht mit dem Platz zufrieden, der ihr bei
den ueberstaatlichen Besprechungen ueber die neue Organisierung
und die vorausschauende Planung des europaeischen Transportwesens
eingeraeumt wurde. J. H. Oldenbroek, der fruehere Generalsekretaer der ITF und Jetzige Generalsekretaer des IBFG, hat erklaert,
dass der wichtigste Faktor des Marshallplanes darin bestehe, die
"Notwendigkeit einer inter-europaeischen Planung hervorzuheben;
und dieser Gesichtspunkt erscheint in unseren Augen noch wichtiger
als die sofortige Unterstuetzung, die uns der Marshallplan bringt."
Seit ihrem Hamburger Kongress im Jahre 1924 hat sich die
ITF fuer die Sozialisierung des europaeischen Transportwesens als
den ersten Schritt zur Beseitigung der wirtschaftlichen üebel des
Kontinents eingesetzt, um eine weitere Sicherheit gegen Kriege
in Europa zu sohaffen. Auf den folgenden Kongressen wurde im
einzelnen zu diesem Thema Stellung genommen und 1935 eine Erklaerung abgegeben, in der es heisst, dass es "Pflicht der Transportarbeiter sei, dieser Forderung die groesstmoegliche Unterstuetzung
zu geben* In anbetraoht der Tatsache, dass sie als erste unter
chaotischen Verhaeltnissen im Transportwesen zu leiden haben, sind
sie diejenigen, die gleichzeitig sowohl ihre eigenen Interessen
als auch die der uebrigen Menschheit vertreten."
Alle Moeglichkeiten einer europaeischen Zusammenarbeit und
Einheit wurden zu jener Zeit durch die Ausbreitung des Faschismus
zunichtegemacht. Diese Vorschlaege sind jedoch Vorlaeufer der
von der ITF waehrend und nach dem zweiten Weltkrieg entworfenen
Plaene fuer ein vereinigtes Transportsystem.
Anfang des Jahres 1945 veroeffentlichte das Organ der ITF
einen Leitartikel mit dem Titel "Ein vereinigtes Transportsystem
fuer Europa". Hierin wurde zur Schaffung eines Transportausschusses fuer Europa aufgerufen, der einen Plan zur Organisierung
des Transportwesens unter Zugrundelegung einer europaeischen
Wirtschaftseinheit entwerfen sollte.
Die Fachabteilung der ITF fuer Eisenbahner schlug zu einem
spaeteren Zeitpunkt des Jahres 1943 vor, dass die ITF selbst
einen solchen Plan entwerfen solle. Ein Programm wurde aufge- 10 -

�stellt und von der ITF angenommen. Ihm lag die Forderung nach
einer europaeischen Transportbehoerde mit der notwendigen Befugnis zur Kontrolle und Bestimmung der Politik in Bezug auf das
europaeische Transportwesen zugrunde. Die ITF war sich zu jener
Zeit bewusst, dass Europa nach dem Kriege wieder zu einem Kont
nent vieler Staaten werden wuerde, erklaerte jedoch in ihrem
Programm, dass das endgueltige Ziel der europaeischen Transportbehoerde sein solle, dafuer zu sorgen, das- der Transport der Verwirklichung einer groesseren Einheit des europaeischen Lebens dienen soll.
Im Programm wurde ausserdem die Forderung erhoben,
dass die Gewerkschaften bei der nach dem Kriege notwendigen Neuorganisation eine wichtige Rolle zu spielen haben.
Die im Kriege gemachten Erfahrungen und die Arbeit der ITF
fuehrten dazu, dass die alliierten Regierungen zwar weniger kuehne,
aber doch aehnliche Absichten hegten. 1942 bildeten die Alliierten den interalliierten technischen Beratungsausschuss fuer Landtransport, der sich vorlaeufig mit aehnlichen Fragen dieser Art
befassen sollte. Dieser Ausschuss wurde spaeter in "Landtransportkomitee" umbenannt und mit groesseren Befugnissen ausgestattet.
Die ITF empfahl die Schaffung einer europaeischen Transportorganisation. Eine vorlaeufige Organisation - die europaeische Zentralorganisation fuer Landtransport - wurde 1945 von den Regierungen
zwoelf verschiedener Laender ins Leben gerufen.
Sie hatte die Aufgabe, die europaeischen Laender bei der
Wiedererrichtung ihrer inlaendischen Transportsysteme zu unterstuetzen. Die ITF sicherte sich eine Vertretung in dieser Organisation, die die Aufgabe hatte, bei der Eroerterung von Arbeitsfragen im Transportwesen beratend mitzuwirken. Bei der Aufloesung
der Organisation im Jahre 1947 bestanden zwischen der ITF und der
europaeischen Zentralorganisation fuer Landtransport sehr freundschaftliche Beziehungen.
An ihre Stelle trat die europaeische Transportkommission eine Zweigorganisation der europaeischen Wirtschaftskommission
der Vereinten Nationen. Aufgrund ihres mitberatenden Statuts
beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen ist der. ITF
eine Vertretung in dieser Koerperschaft und das Recht, den Standpunkt der Arbeiter zu vertreten, zugesprochen worden.
Dann wurde die Organisation fuer europaeische Wirtschaftszusammenarbeit (OEEC) gegruendet, die in erster Linie die Programme
des Marshall-Planes der westeuropaeischen Laender koordinieren
3011. Einer internationalen Gewerkschaftsunterorganisation, dem
Gewerkschaftlichen Beratungsausschuss fuer das ERP, ist von der
OEEC ein mitberatendes Recht zugebilligt worden. Die Gewerkschaftsverbaende der Teilnehmerstaaten sind diesem Ausschuss angeschlossen.
Die ITF ist jedoch der Auffassung, dass sie zu den beiden Transportkomitees der OEEC direkten Zutritt haben muesse. Bis jetzt
ist diese Forderung abgelehnt worden.
Obwohl die Fuehrer der ITF ueber den Erfolg des Marshall-Plans
erfreut sind, der in der Wiederherstellung der Transportmoeglichkeiten der verschiedenen Laender besteht, sind sie darueber enttaeuscht, dass die Moeglichkeit, eine europaeische Transporteinheit zu verwirklichen, nur in geringem Masse wahrgenommen wurde.
Ihr Vorschlag, eine europaeische Transportbehoerde ins Leben zu
rufen, wird von der beratenden Versammlung des Europarates in
Strassburg zur Zeit eroertert.
Arbeitsmitteilungen der ECA

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�ü. S. Arbeitsminister Maurice J. Tobin:
DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IST IHRER AUFGABE GEWACHSEN.
Im Jahre 1924 erklaerte Samuel Gompers: "Die amerikanische
Arbeiterschaft ist zu dem Zwecke organisiert, gegen das Unrecht
und fuer das Recht zu kaempfen - und zwar nicht nur in den Vereinigten Staaten. Ueberall, wo Ungerechtigkeiten auftreten,
gibt es Arbeit fuer uns; und ueberall, wo ein Recht noch nicht
besteht, gibt es ebenfalls Arbeit fuer uns."
Diese Theorie von der internationalen Verantwortung der
Gewerkschaftsbewegung hat heute eine besondere Bedeutung. Die
Hundertjahrfeier des Geburtstags Samuel Gompers trifft die Gewerkschaften in einer Weltkrise an, die in ihrer Geschichte einmalig
ist. Die Vereinigten Staaten waren schon frueher schweren Gefahren
ausgesetzt, aber niemals unter den gleichen Umstaenden, wie sie
heute die Welt erschuettern.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben erklaert, dass sie
die von der US-Regierung getroffenen Massnahmen zum Schutze der
freien Voelker und zur Erhaltung des Weltfriedens von ganzem
Herzen unterstuetzen. Praesident Truman erklaerte, dass die
Bedeutung Koreas in dem Entschluss der freien Welt liege, "einer
gesetzwidrigen Aggression mit Gewalt zu begegnen." Unmittelbar
danach kuendigte eine "Einheit3konferenz" von Sßrechern der AFL
und des CIO in Washington die "voellige Entschlossenheit der
Gewerkschaftsbewegung an, der Regierung der Vereinigten Staaten
in dieser kritischen Zeit uneingeschraenkte und gemeinsame Unterstuetzung zu gewaehren." Dieser Entschluss steht im Einklang mit
dem Kampf der Gewerkschaftsbewegung gegen den Kommunismus im
eigenen Lande und im Ausland.
Die von amerikanischen Gewerkschaften auf internationalem
Gebiet geleistete Arbeit verdient die Anerkennung aller freiheitlich Denkenden. Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung ist eine
der staerksten Waffen, mit der verhindert wird, dass auslaendische
Gewerkschafter der kommunistischen Propaganda erliegen. Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung, die immer im Brennpunkt des Kampfes
stand, beteiligte sich an der Gruendung des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften, der im Ausland als demokratische Macht
aktiv taetig ist, den Kommunisten entgegenarbeitet und die Lehre
der freien Gewerkschaften in einer freien Welt verbreitet.
Die Bemuehungen der Gewerkschaftsbewegung in dieser Richtung
werden durch die amerikanische Lebensweise gefoerdert. Die amerikanischen Lohnempfaenger sind weit davon entfernt, Arbeitssklaven
kommunistischer Praegung zu sein. Sie sind freie Menschen, die
einen staendig wachsenden Einfluss auf die Funktion der amerikanischen Demokratie ausueben. Die Arbeiter erfreuen sich in Amerika
der Vorteile sozialen und wirtschaftlichen Wohlstandes. Die Gewerkschaftsbewegung hat sich ihren Platz im amerikanischen Leben gesichert - einen Platz der Ehre und Macht gemaess dem amerikanischen,
traditionellen Grundsatz: Gleiche Moeglichkeiten fuer Alle. Im
Gegensatz zu dieser vorbildlichen Praxis kann der Kommunismus den
Arbeitern nur Sklaverei und Ketten bieten.
Soeben sprach ich von den Vorteilen, die der amerikanische
Arbeiter fuer sich buchen kann. Lassen Sie mich vor allem die
sich staendig verbessernden Loehne und den sich steigenden Lebensstandard erwaehnen. Im Jahre 1910 betrug der durchschnittliche
Wochenverdienst der Industriearbeiter rund 10 Dollar fuer 51 Ar-

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�beitsstunden, 1950 dagegen liegt der durchschnittliche Wochenverdienst ueber 59 Dollar fuer eine 40-Stunden Woche. Was den
Lebensstandard betrifft, so hat die durchschnittliche amerikanische Familie in bezug auf die ihr zur Verfuegung stehenden
Waren und Dienstleistungen, die sie sich durch ihre finanziellen
Mittel leisten kann, eine Stufe erreicht, die noch vor einer
Generation unvorstellbar gewesen waere. Der materielle Fortschritt des amerikanischen Volkes ist so schnell und so vollkommen vor sich gegangen, dass die amerikanischen Lebensverhaeltnisse heute einzigartig dastehen.
Ich moechte hierauf naeher eingehen. Eine Ueberpruefung
der Kaufkraft der Stundenloehne in den Vereinigten Staaten und
18 anderen Laendern zeigt, dass der russische Arbeiter im Fruehjahr 1949 fuenf bis siebenmal solange arbeiten musste wie der
amerikanische Arbeiter, um eine bestimmte Menge Lebensmittel
kaufen zu koennen. Der Arbeiter in Moskau musste 25 Minuten
arbeiten, um ein Pfund Brot kaufen zu koennen, der amerikanische
Arbeiter dagegen nur sechs Minuten. Fuer ein Pfund Rindfleisch
arbeite der russische Arbeiter 254 Minuten oder 4£ Stunden, der
amerikanische Arbeiter 29 Minuten. Ein Dutzend Eier entspricht
dem Verdienst des russischen Arbeiters in 158 Minuten, dem des
amerikanischen Arbeiters aber in 27 Minuten. Dieser Vergleich
scheint mir eine deutliche Sprache zu sprechen. Und die Kommunisten wollen uns erzaehlen, dass ihr Land ein Paradies der
Arbeiter ist.
Die fuehrende Stellung, die die Gewerkschaften heute in den
Vereinigten Staaten errungen haben, ist nicht nur ein Ausdruck
ihrer festgelegten oder ausgeuebten Macht. Sie zeigt vielmehr,
bis zu welchem Grade die Gewerkschaften zum schoepferischfin Faktor
im amerikanischen Leben geworden sind. Sie spielen nicht nur die
Hauptrolle im Kampf gegen den Kommunismus im Ausland, sondern leisten
ihren eigenen unerlaesslichen Beitrag bei der Loesung der Probleme
des eigenen Landes.
Die Gewerkschaftsfuehrer weigern sich mehr und mehr, in ihrem
Handlungsbereich sich einengen zu lassen, weil sie wissen, dass
die Wohlfahrt des Landes von vielen Faktoren abhaengig ist. Sie
fordern wirtschaftliche Gerechtigkeit, weil nur auf dieser Grundlage die Demokratie am besten gedeihen kann. Die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung hat einen umfassenden Begriff von der Arbeit,
die sie in einem Staate leisten kann und muss, in dem die freie
Wirtschaft nach sozialen Gesichtspunkten gehandhabt wird.
Weil sich die amerikanische Arbeiterschaft als ein Glied der
demokratischen Gemeinschaft betrachtet, ist sie darauf bedacht,
ihren Kollegen in der ganzen Welt zu helfen, sich vor den Uebergriffen der Tyrannei zu schuetzen. Weil die freie Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten ein Symbol der politischen
und wirtschaftlichen Freiheit ist, fuehlen sich die Arbeiter
Amerikas mit den Arbeitern anderer Laender, die im Kampf gegen den
Kommunismus stehen, verbunden.
Unlaengst ist die Alters- und Hinterbliebenenversicherung in
den Vereinigten Staaten wesentlich erweitert worden. Dies ist ein
bemerkenswerter Fortschritt in der Loesung des Pensionsproblems.
Bemerkenswert dabei ist die Tatsache, dass diese Neuregelung mit
verhaeltnismaessig wenig Schwierigkeiten vom Kongress gebilligt
wurde. Selbst die Konservativen schienen froh zu sein, hierbei
mithelfen zu koennen. Was sie im Jahre 1935 als furchtbar ansahen,
ist nun in ihren Augen eine Staerkung der Wirtschaft und eine Kraftquelle von grossem sozialem Wert.

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�Es waere zu wuenschen, dass auch bei der Verbesserung der
Arbeitslosenversicherung in diesem Geiste gehandelt wird; und es
waere ausserdem zu wuenschen, dass in demselben Geist gegen den
Zusatzantrag von Knowland vorgegangen worden waere. Praesident
Truman hat sich gegen diesen Zusatzantrag ausgesprochen und nannte ihn ebenso ungluecklich wie unbegruendet. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass er bald aus den Gesetzbuechern wieder gestrichen werden moege.
Der Zusatzantrag von Knowland hindert den Arbeitsminister
daran, seiner Verpflichtung nachzukommen, dass die Staatsgesetze
den vom Kongress festgesetzten Normen entsprechen.
Nachdem der Zusatzantrag von Knowland nun in Kraft getreten
ist, muessen Tausende Arbeiter sich damit abfinden, dass man
ihnen die Arbeitslosenunterstuetzung verweigert, weil sie es ablehnen, Streikbrecherarbeit zu leisten oder in bestreikten Betrieben eine andere bezahlte Arbeit anzunehmen, oder Vertraege zu unterschreiben, in denen sie verpflichtet werden, keiner Gewerkschaft
beizutreten, oder bei ihrem Eintritt in eine Gewerkschaft sich
mit ihrer Kuendigung einverstanden erklaeren. Unsere Nation kann
es sich nicht leisten, die Lohnempfaenger um ihre wohlverdienten
Gewinne zu bringen.
In unserer Demokratie geht es um die Behauptung der Rechte
der Arbeiterschaft. Ihre Erfolge muessen geschuetzt werden, wenn
sie nicht staendigen Angriffen ausgesetzt sein soll. Wir koennen
nicht zugeben, dass unsere Arbeitsgesetze unterminiert werden.
Wir koennen es uns nicht leisten, ein so wichtiges Bollwerk unserer Wirtschaft wie es die Arbeitslosenversicherung darstellt, so
umzuwandeln, dass sie nicht mehr ihren urspruenglichen Zwecken
entspricht.
So wie wir uns den Problemen der Zukunft widmen und uns
gegen die Bedrohung des sowjetischen Imperialismus ruesten,
muessen wir auch dafuer sorgen, dass unsere eigene Demokratie erhalten bleibt. Die beste Verteidigung gegen den Kommunismus ist
eine wirklich dynamische Demokratie - einer Demokratie, die in
ihren Zielen und Idealen den eigenen Volke Form und Inhalt gibt.
Was wir nicht vergessen duerfen, ist, dass unsere Demokratie auf
die Probe gestellt ist: Ausschlaggebend ist allein ihre Verwirklichung. Die Zeit ist vorueber, in der schoene Worte galten.
Aus diesem Grunde fordere ich die Arbeiter dieses Landes und
ihre Freunde auf, sich dafuer einzusetzen, dass der Zusatzantrag
von Knowland beseitigt wird. Bei der naechsten Sitzung des Kongresses muss dieser verlorengegangene Boden wiedergewonnen werden
und zwar nicht nur, weil der Zusatzantrag von Knowland einen
Nachteil fuer die Lohnempfaenger darstellt, sondern weil er zu
weiteren und groesseren Uebergriffen in die Rechte der amerikanischen Arbeiter fuehren koennte.
Die Gewerkschaftsbewegung ist an der Mobilisierung unserer
Hilfsquellen voll beteiligt, zu der wir durch die Vorgaenge in
Korea gezwungen sind. Die Arbeiterschaft wird Seite an Seite mit
der Unternehmerschaft bei der Planung und auch bei der Ausfuehrung
der Programme zur Mobilisierung unseres Industriepotentials ihren
rechtmaessigen Platz einnehmen. In Anbetracht der gegenwaertigen
Weltlage muessen wir unseren Arbeitseffekt erweitern und unsere
Produktionsleistung steigern. Ich weiss, dass wir bei der Mobilisierung unserer Industrie auf die Unterstuetzung der Arbeiterschaft zaehlen koennen.

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�Keine andere Gruppe in unserem Lande wird, dessen bin ich
gewiss, weniger geneigt sein, den feindseligen Angriffen, die
unsere Nation in ihrem Beschluss schwaechen soll, sich der kommunistischen Aggression zu widersetzen, irgendwelche Beachtung
schenken. Ich denke hier an den "Stockholmer Friedensappell*»,
der an dieses Land und an die ganze Welt gerichtet ist und sich
angeblich an alle Menschen guten Willens wendet. Diese Forderung
ist in Wirklichkeit nichts anderes als ein kommunistischer Propagandatrick, indem die Kommunisten an den Friedenswillen der Menschheit appellieren, hoffen sie, die Bevoelkerung der Vereinigten
Staaten in einen Zwiespalt zu stuerzen.
Unsere auswaertige Politik ist auf die Erhaltung des Friedens ausgerichtet. Innerhalb der Vereinten Nationen setzen wir
uns fuer dieses Ziel ein, um einen wahren Frieden zustande zu
bringen und die Menschen der ganzen Welt von der Bedrohung aggressiver Kraefte zu befreien. Die Zukunft dieses sogenannten Friedensappells besteht nicht darin, den Frieden zu festigen, sondern
die freie Welt in ein falsches Gefuehl der Sicherheit zu wiegen
und umso leichter eine Beute zukuenftiger kommunistischer Aggressionen zu werden.
Ich glaube nicht, dass sich viele Amerikaner durch diesen
offenkundigen Betrug irremachen lassen. Ich bin jedoch beunruhigt ueber eine andere Quelle der Schwaeche in unserem Volk:
seine Selbstsucht. Wir preisen unser System des Privatunternehmens. Wenn wir jedoch jede Sabotage in unserem eigenen Lande vermeiden wollen, muessen diesem System moralische Sanktionen auferlegt werden. Ich denke hier an jene Spekulanten, die die Preise
fuer Rohmaterialien in die Hoehe treiben, an Hersteller, die die
Preise einer Kontrolle entziehen wollen, und an Lieferanten, die
die Zeit fuer gekommen halten, grosse Gewinne einzustreichen. All
jene und eine grosse Zahl Warenhorter erkennen nicht die gefaehrlichen Folgen ihrer Selbstsucht.
Wir muessen die ethische Aufgabe dieser Stunde erkennen. Diese Aufgabe erfordert von uns Patriotismus im gleichen Masse wie
uns der Bestand unserer Nation wert und teuer ist. Ich zweifle
nicht daran, dass dieser Ruf von den meisten Amerikanern edelmuetig beantwortet wird. Ich weiss, dass wir hierbei in erster Linie
auf die amerikanische Arbeiterschaft zaehlen koennen, die, wie
Samuel Gompers vor 26 Jahren sagte, fuer sich selbst und fuer
die Menschheit der ganzen Welt stets fuer das Recht und gegen das
Unrecht gekaempft hat.
US Arbeitsministerium
H/4/50
METHODEN UND VERFAHREN DER BESCHAEFTIGUNOSSICHERHSIT
Die Arbeiterschaft ist sich der bedeutenden Rolle voll bewusst, die der Teilnahme des gesamten Volkes an der Entwicklung
eines Programms der Beschaeftigungssicherheit zukommt. Der wirtschaftliche Erfolg jedes Unternehmens kann durch das Vertrauen
und den guten Willen der Gemeinschaft, der es dient, bestimmt
werden. Fachmaennisches Koennen auf diesem Gebiet kann nicht von
einem Tage zum andern erreicht werden.
Mit der Einfuehrung der allgemeinen Tauglichkeitspruefung
ia Mai 1947 wurde der Berufsberatung ein hoechst fachmaennisches
und wertvolles Werkzeug in die Hand gegeben. Die Erfahrungen mit
diesem Beratungssystem auf dem allgemeinen Gebiet der Berufswahl
haben seinen Wert ausser Frage gestellt.
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�Gegen Ende des Jahres 1947 wurden Plaene entworfen, um dieses
neue System bei der Entwicklung eines kooperativen Schulungsprogramms fuer die Arbeitsplatzvermittlung zu verwenden. Ziel dieses Programms ist es, vor allen den Jugendlichen so frueh wie
moeglich an den fuer ihn passenden Arbeitsplatz zu lenken. Dies
ist viel besser, als so lange zu warten, bis diese jungen Menschen zusammen mit zahlreichen ruhelosen und unzufriedenen Personen zu den Vermittlungsstellen kommen und niemals den rechten
Platz in der Industrie finden, fortwaehrend ihren Arbeitsplatz
wechseln und auf der Suche nach etwas sind, worueber sie im Grunde
selbst nicht orientiert sind.
Eine Reihe Schwierigkeiten trat mit der Durchfuehrung dieses
Systems auf. Die eine bestand darin, dass fuer die einzelnen
Arbeitsaemter eine Ausbildung in diesem Beratungssystem noetig
war. Bis zu jener Zeit war die Tauglichkeitspruefung nur in einem
Viertel der staatlichen Bueros angewandt worden, die man auf Grund
bestimmter Faktoren wie zum Beispiel zahlreiche Elnstellungsmoeglichkeiten, entsprechenden Personals und ausgebildeter Berater
durchfuehren konnte. Eine Anwendung im ganzen Statte machte die
Ausbildung vieler zusaetzlicher Pruefungskommissionen notwendig,
um die Pruefung richtig durchfuehren zu koennen und es den Beratern zu ermoegliohen, die Pruefungsergebnisse auszuwerten. Diese
Ausbildung fuer alle Staaten war im Mai 1948 durchgefuehrt.
Fuer die Durchfuehrung der Schulungsarbelt fuer den Stellenvermivtlungsdienst wurde eine Vereinbarung ausgearbeitet und
durch besondere Arbeitsmethoden und Verfahren ergaenzt. Waehrend
die Unterzeichnung dieser Vereinbarung weder fuer die Schule noch
fuer das Amt fuer Arbeitsvermittlung obligatorisch ist, dient sie
dennoch dazu, ein gegenseitiges Uebere.inkommen und eine Einigung
ueber die Frage zu erreichen, wie die jungen schulentlassenen
Menschen von dem Amt fuer Arbeitsvermittlung unterstuetzt werden
sollen und welche Rolle die Schulen und das Amt fuer Arbeitsvermittlung bei der Verwirklichung eines wohlabgerundeten Programms
spielen soll.
Jede hieran beteiligte Schule wird mit Abschriften der Fragebogen des Amtes der Arbeitsvermittlung versorgt, die von den zur
Entlassung kommenden Schuelern auszufuellen sind. Hieraus ersehen
die Beratungsstellen die Zahl der Schueler, die nach ihrer Entlassung in den Arbeitsmarkt einzutreten beabsichtigen.
Die meisten dieser Neulinge auf dem Arbeitsmarkt haben keinen wirklichen Begriff von ihren eigenen beruflichen Faehigkeiten,
zumeist nicht einmal von ihren Interessen. Die Teilnahme der
Jugendlichen an diesem Programm ist jedoch voellig freiwillig.
Da viele auswertigen Schulen gross sind und die Zahl des ansaessigen Lehrpersonals beschraenkt ist, ist es oft notwendig, die Pruefungen auf eine repräsentative Elitegruppe zu beschraenken, wobei
darauf zu achten ist, dass nicht eine Gruppe ausgesucht wird, die
nur bestimmte Problemgebiete vertritt.
Dieses Programm besteht jetzt bereits zwei Jahre. Am Ende
des Fruehjahrs 1949/50 haben mehr als 60% der Schulentlassenen
den Wunsch ausgedrueckt, nach ihrem Examen ein Arbeitsverhaeltnis
einzugehen. Der Wunsch der Unternehmer, qualifizierte Jugendliche
einzustellen, wird durch die Berufsberatungsstellen unterstuetzt.
Dies geschieht durch Einladungen an die Unternehmer, die Arbeit
der Beratungsstellen zu beobachten, wie ueberhaupt allen nur moeglichen Kontakt in dieser Richtung, wobei andere Hilfsmittel wie
BriefPropaganda, Pressenachrichten und Rundfunkaufrufe unterstuetzend eingreifen.
Employment Security Review
6/50
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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge au* der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 35

Frankfurt,

INHAL TSVER

3 . November 1950

Z E I C H N I S

Union-Shop-Klauseln in der Statistik - - - 1
Britische Gewerkschafter berichten, was sie
von Amerika lernen koennen - - - - - - 3
Hoehere Bauarbeiterloehne in Amerika - - - 5
Japanische Gewerkschaften im Jahre 1950 - 6
IAO unterstuetzt europaeische Umsiedler - - 10
Marshall-Plan muss Loehne der Arbeiter Europas verbessern - - - - - - - _ - - _ _ _
u
Fortschritte des Punkt-Vier-Programms - - H
Zwei Resolutionen der AFL gegen das TaftHartley Gesetz - - - - - - - - - - - - 15

UNION-SHOP-KLAUSELN IN DER STATISTIK
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung unterscheidet in
ihrer Arbeit drei Betriebsformen, den "closed-shop", den "unionshop" und den "open-shop". Ueberall, wo ein "closed-shop" besteht,
muessen alle Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert sein, um
ueberhaupt in diese Betriebe eingestellt zu werden. Wenn eine
neue Stelle frei wird, so muss der Unternehmer sich an die zustaendige Gewerkschaft wenden, die ihm dann geeignete Bewerber in Vorschlag bringt. Dort, wo "union-Shops" vorhanden sind, muss der
eingestellt© Arbeitnehmer sich innerhalb einer bestimmten Frist,
die meist zwischen 30 und 90 Tagen schwankt, entscheiden, ob er
der fuer ihn zustaendigen Gewerkschaft beitreten will. Verweigert
er seinen Beitritt, so muss er aus dem Betrieb wieder ausscheiden.
In dem "open-shop" bestehen derartige Klauseln nicht. Hier kann
der einzelne Arbeitnehmer der Gewerkschaft angehoeren oder ihr
fernbleiben. Es ist selbstverstaendlioh, dass in den gewerkschaftlich gut organisierten Berufen der "open-shop" nur sehr selten
anzutreffen ist. Als neue Form hat sich in der letzten Zeit
- 1 -

�der "preferential-shop" entwickelt. Der "preferential-shop" ist
insofern eine Erweiterung des "union-shops", als auch hier der
Arbeitgeber nicht selbstaendig freie Stellen besetzen kann, son- •
d e m erst die zustaendigen Gewerkschaften um entsprechende Vorschlaege ersuchen muss. Erst wenn die Gewerkschaften keine geeigneten Bewerber stellen koennen, kann der Unternehmer auf dem
freien Arbeitsiuarkt sich die gewuenschten Fachkraefte besorgen.
Das Bureau fuer Arbeitsstatistik in Washington veröffentlicht einen Bericht ueber die "unlon-Shops" und stellt fest, dass
bei der Auswertung eines typischen Musterbeispiels,das 215*9
Vertraege mit mehr als 4 Millionen Arbeiter umfasst, festgestellt
wurde, dass ueber die Haelfte der Betriebe die Form des "unionshop" haben. Die der AFL angeschlossenen Gewerkschaften haben
47% dieser Klauseln unterzeichnet, die CIO Gewerkschaften 40%
(hierbei sind die spaeter ausgeschiedenen Gewerkschaften mitberuecksichtigt), waehrend auf die selbstaendigen Gewerkschaften 13%
entfallen.
Zwei grundsaetzliche Klausel-Typen Hessen sich bei den Tarifvertraegen der "union-shop" Betriebe feststellen:
1. Neueingestellte, die noch nioht waehrend des Zeitpunktes
der Einstellung Gewerkschaftsmitglieder waren, muessen diesen
innerhalb einer bestimmten Zeit beitreten, nachdem sie ihre Arbeit
aufgenommen hüben. Diese Voraussetzung war in 987 dieser Vereinbarungen anzutreffen.
Hierbei war in 120 Faellen eine modifizierte Form des Munion-shop" festgelegt, die eine gewisse Gruppe Neueingestellter von den Vereinbarungen ausschloss. In weiteren 165
Faellen wurden Gewerkschaftsmitgliedern der Vorrang gegeben, wenn
neue Stellungen zu besetzen waren.
2. Neu Einzustellende muessen Gewerkschaftsmitglieder sein,
bevor die Arbeit
aufgenommen wird. In weniger als 1/10 (93) aller
"unlon-shopw-Vereinbarungen ist diese Klausel anzutreffen. In einigen Vereinbarungen wird nicht besonders hierauf hingewiesen, aber
die festgelegten Einstellungsbedingungen waren in einer Form gehalten, dass die grosse Mehrzahl der einzustellenden Arbeiter Gewerkschaftsmitglieder sein muss.
Das Buero fuer Arbeitsstatistik
beschreibt die anderen gewerkschaftlichen Sicherheitsvereinbarungen
in seinem Bericht als "Mitglieder-Bevorzugungstyp" oder den Typ des
"unabdingbaren" Tarifs. Die erste Form beruht darauf, dass alle
Eingestellten, die Gewerkschaftsmitglieder waren, als ein Tarifvertrag wirksam wurde oder die einer Gewerkschaft beitreten, waehrend
der Tarifvertrag Gueltigkeit hat, Gewerkschaftsmitglieder bleiben
muessen, solange das Abkommen Gueltigkeit hat. 21$ (444) aller
Vereinbarungen der verschiedenen Art des Musterbeispiels waren in
dieser Form abgeschlossen. "Unabdingbare" Tarifvertragsvereinbarungen sind jene, in denen die Gewerkschaften das Reont erhalten,
fuer alle Beschaeftigten eines Betriebs einen Tarifvertrag abzuschliessen, ganz gleich, ob der Einzelne Mitglied der Gewerkschaft
ist oder nicht. 29% der Vereinbarungen (635) beruhten auf dieser
Moeglichkeit. Der Einzug der Gewerkschaftsbeitraege durch die
Lohnbuchhaltung war in 64% aller analysierten Kontrakte festzustellen, aber diese Form des Beitr&amp;gseinzugs ist nicht notwendigerweise
ein Teil irgend einer Type der gewerkschaftlichen Sicherheitsvorkehrungen. Der Beitragseinzug verpflichtet den Unternehmer, den
Beschaeftigten bestimmte gewerkschaftliche Verpflichtungen aufzuerlegen, die auch in Geldbussen fuer etwaige Verletzungen der gewerkschaftlichen Disziplin bestehen koennen und die der Arbeitgeber von
dem Lohn des Beschaeftigten ebenso wie die Beitraege an die Gewerkschaft abfuehren muss.
Labor Press Service
8/28/50

�Lewis Wright:
BRITISCHE GEWERKSCHAFTER BERICHTEN. WAS SIE VCN AFRIKA LERNEN
KOENNEN
Lewis Wright, der Verfasser dieses Aufsatzes und Sekretaer der
Textilarbeiter-Gewerkschaft, besuchte Amerika, um Produktionsmethoden zu studieren. In diesem Artikel erlaeutert er einige der Problemej die sich aus der gesteigerten Erzeugung ergeben. Gleichzeitig berichtet er ueber seine Eindruecke
ueber die Form der Zusammenarbeit. Der Aufsatz wurde im
FORWARD veroeffentlicht, dem Wochenorgan der'Britischen Arbeiterpartei fuer Schottland.
Mein Besuch in den Vereinigten Staeten fuehrte mich zu der
Erkenntnis, dass an erster Stelle Unternehmer und Betriebsfuehrer
etwas lernen koennen. Dies ergibt sich bereits aus den Berichten
der 15 britischen Besuchergruppen, die die dortigen Verhaeltnisse
studiert haben. Das besagt jedoch nicht, dass unsere Gewerkschaften nichts zu lernen haetten. Im Gegenteil, die amerikanischen
Gewerkschaften koennen uns sehr vieles lehren, aber die vitale
und fundamentale Basis der ueberaus hohen Produktivitaet liegt in
Amerika bei der Betriebsfuehrung.
Es hat sich bisher nicht die Notwendigkeit gezeigt, dass die
amerikanischen Gewerkschaften mit den Unternehmern zusammenarbeiten.
Es genuegt ihnen, jeweilige Gruende zum Kampf zu haben, um einen
so grossen Anteil wie moeglich an dem wachsenden Wohlstand zu
erkaempfen, der durch neue Maschinen und neue Methoden erworben
werden konnte. Nur selten muessen sie darauf bestehen, die Betriebsf uehrung zur Einfuehrung technischer Aenderungen und neuer
Maschinen zu veranlassen. Sie haben genug zu tun mit den weitreichenden Aenderungen, die sich aus der dynamischen Kraft und
den Bedrohungen der Unternehmer ergeben.
Der amerikanische Unternehmer baut auf mit dem Arbeitsplatz.
Jede neue Maschine, vor allem jede arbeitsparende Moeglichkeit,
wird sofort genutzt. Es spielt dabei keine Rolle, ob diese eines
Tages doch unmodern werden und spaeter entfernt werden muessen.
Der Druck der immer staerker werdenden Vervollkommnung zwingt
ihn, einen hohen Prozentsatz der Profite wieder in sein Geschaeft
zurueckf Hessen zu lassen. Er muss einen groesseren Grad an
//irksamkeit suchen, weil er ihn finden muss. Er muss den Anlagen
und dem Strom des Geschehens seine volle Aufmerksamkeit schenken.
Er muss seinem Unternehmen die Hilfe aller modernen und wirtschaftlichen Gedankengaenge sichern. Er weiss, dass er nicht mit
niedrigen Loehnen davonkommen kann, er muss irgendwelche anderen
Wege finden, - und er hat sie gefunden.
Es ist Tatsache, dass dieser staendige technische Fortschritt
an bestimmten Stellen Verluste an Arbeitsplaetzen mit sich bringt.
Der amerikanische Arbeiter glaubt jedoch, dass neue arbeitsparende
Maschinen und Methoden zwar einen zeitweiligen Verlust von Arbeitsmoeglichkeiten mit sich bringen, auf die Dauer gesehen jedoch bedeutet das eine hoehere Zahl Arbeitsplaetze. Insoweit, wenn auch
mit gewissen Grenzen, ist dieser Weg gegangen worden.
Die amerikanischen Gewerkschaften akzeptieren die Unvermeidbarkeit des hohen Angebotes an Waren und Dienstleistungen als
eines Mittels, einen hoeheren Lebensstandard zu erreichen. Das
hohe Alter eines Teiles der Beschaeftigten bedeute dagegen fuer
den jungen Arbeiter eine Buerde. Er ist der beweglichste in
einer beweglichen Bevoelkerung. Insoweit wird der Ueberfluss entscheidend beeinflusst durch den hohen Anteil der hoeheren Altersstufen.
- 3

�Gross-Britannien verlaesst sich auf einen internetlonalen
Markt, wo der Kunde immer recht hat und er keineswegs das k&amp;ufen
wird, was wir zu verkaufen wuenschten. Die industrielle Ausrichtung der beiden Laender ist voellig verschieden. Es ist klar,
dass das einfache Kopieren amerikanischer Methoden uns ebenso
schaden koennte, wie ihre Nichtbeachtung. Dies vor allem muessen
unsere Unternehmer lernen.
Der erste Punkt i3t, dass billige Arbeit keine Foerderung der
technischen Neuausstattung ist. Blut ist nicht billiger als Maschinen. Amerika hat laengst entdeckt, dass dies nichts mit ethischen Erwaegungen zu tun hat, sondern mit wirtschaftlichen.
In Gross-Britannien pflegen die Unternehmer in Redewendungen
zu denken wie: "Erhalten wir auch eine angemessene Verzinsung des
Kapitals?" In Amerika steht im Vordergrund: "Arbeiten wir wirksam genug, wie es moeglich sein koennte?" Die amerikanische Industrie ist gewohnt, sich nach effektiven und finanziellen Ergebnissen zu richten. In Gross-Britannien genuegt es dagegen, wenn
die Verzinsung des Kapitals eine ausreichende ist. Der amerikanische Unternehmer fragt nicht nach einer ausreichenden Nutzung der
Arbeitskraft, bis seine Fabrik und seine Anlagen alle Voraussetzungen erfuellen. Er sorgt dafuer, die besten Maschinen fuer die
einzelnen Arbeitsplaetze zu bekommen und achtet darauf, dass dies
auch wirklich der Fall ist. Erst dann fordert er eine Pruefung
der Arbeitsleistung.
In Gross-Britannien macht sich eine wachsende Tendenz vieler
Unternehmer bemerkbar, in einer besseren Arbeitsleistung und in
festgelegten Zeitstudien, die der Himmel oder Amerika einmal geliefert hat, Moeglichkeiten zu technischen Verbesserungen zu sehen. 'Air muessen jedoch ihre Koepfe von diesen Meinungen reinigen.
Was kann der Arbeiter daraus lernen? Der amerikanische Arbeiter arbeitet nicht um der arbeit willen. Er wuenscht eine
40-Stundenlohnwoche und gute Loehnung, um die vielen Konsumgueter
kaufen zu koennen. Er wuenscht keine Kantinen, er wuenscht so
wenig Zeit wie moeglich in den Fabriken zu verbringen und so
schnell wie moeglich sich aus ihnen wieder zu entfernen. Der
Sinfuehrung neuer Maschinen widersetzt er sich nicht, auch wenn
dies weniger ArbeitSDlaetze bedeuten wuerde. Er glaubt jedoch,
dass dadurch letzten Endes mehr Arbeitsmoeglichkeiten geschaffen
werden. Er ist genuegend Pragmatiker, um in Zeitstudien einzuwilligen, weil er weiss, dass er auch unter ihnen leben kann.
Wie weit koennen wir in dieser Richtung gehen? Schichtarbeit
kann nach und nach eingefuehrt werden. Es gibt in diesem Lande
eine Reihe sozialer Schwierigkeiten, denen bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. In Amerika ist die Schichtarbeit jedoch seit langer Zeit bekannt und die soziale Angleichung hat mit
dieser Aenderung Schritt gehalten, /unerikanische Schichtarbeiter
wissen, dass fuer ihre Beduerfnisse gesorgt wird und dass die
Schichtarbeit, auch wenn sie hier besondere Beachtung findet, doch
im Zusammenhang mit den auftauchenden sozialen Problemen gebracht
werden muss.
Vir muessen jedoch der Tatsache netgegentreten, dass, wenn
wir heute eine moderne Maschinerie mit hohen Kapitalkosten fordern, wir nicht darauf bestehen koennen, dass sie nur 40 Stunden
in der Woche laufen darf, waehrend sie in Amerika und in anderen
Laendern 120 Stunden arbeitet. Ein solches Missverhaeltnis des
Wettbewerbs kann nur durch niedrige Loehne ausgeglichen werden.
- 4 -

�Es gibt noch einige weitere Beispiele jener Weigerungen, arbeitsparende Maschinen zu verwenden, weil zeitweilig Arbeitsplaetze
ausfallen. Kann man eine solche Einstellung ueberhaupt noch billigen?
Die amerikanischen Gewerkschaften widersetzen sich den Zeitstudien nicht unbedingt. Die meisten Gewerkschaften haben sich
ausserordentlich scharf gegen die "wissenschaftlichen Betriebsstudlen" gewandt. Sie behaupten, dass sie keineswegs wissenschaftlich sind, sondern lediglich ein Werkzeug der Betriebsfuehrung
seien und in sehr vielen Faellen sind diese Zeitstudien auch tatsaechlich nur darauf abgestellt, die Geschwindigkeiten zu erhoehen. Aber wie es bei empfindlichen Leuten der Fall ist, gehen
sie einfach ueber Dinge hinweg, die sie in Betrecht ziehen muessen.
Viele Gewerkschaften haben Studien- und Ingenieur-Abteilungen errichtet, auch wenn es sich hierbei lediglich um Verteidigungsmassnahmen handelt. Es wuerde gefaehrlich sein, die Lektion allzu
stark zu vereinfachen, die hier gelernt werden koennte, aber wenn
dies moeglich waere, wuerde ich die folgenden Punkte herausstellen:
Dem Unternehmer wuerde ich sagen, verwende moderne Maschinen und
benutze Anlagen mit einer genuegenden Leistung. Dem Arbeiter wuerde ich sagen, innerhalb, des Rahmens der Gewerkschaften solltest
Du Dich damit einverstanden erklaeren, in den bestmoeglichen Gebrauch der Arbeitskraft, die notwendig ist, um eine vernuenftige
Belastung anzuerkennen, einzuwilligen. Weder der Unternehmer noch
der Ausfuehrende ist berechtigt, allein das eine oder das andere
zu tun. Sie muessen zusammenarbeiten. Ob es uns passt oder
nicht ist diesdarWeg, den wir gehen muessen, sei es in einer kapitalistischen oder in einer sozialistischen Wirtschaft. Die Mechanik der Produktion ist unter jedem politischen System die gleiche.
Alles in allem: Die Ergebnisse, die diese Besuchergruppen
mitbrachten, erscheinen sehr mager, aber die Entscheidungen zeigen
Gemeinschaftssinn. Durch die Gewerkschaften ist die Arbeiterschaft
in diesen Laendern gross genug, stark genug und gesichert genug,
um der Entwicklung mit Vertrauen entgegenzusehen.
Das schlechteste, was wir tun koennen,waere, Amerika einfach
nachzuaeffen. Der dortige Lebensweg unterscheidet sich stark von
dem unsrigen. Dort sind die Probleme andere, das Klima ist ein
anderes, die Leute dort sind anders.
Amerika ist kein besseres Land als das unsrige. Es ist ein
anderes Land. Es kann die Gueter in seiner eigenen Weise produzieren. Es liegt an uns, das Schlechte zu vermeiden und das Gute anzuerkennen. Wir koennen dies tun, wenn wir nur den Willen dazu
haben.
ECA Labor Information
FYJ 159-29/9/20/5
HOEHERE BAUAHB3IT5RL0EHNE IN AMERIKA
Die vierteljaehrliche Untersuchung, die das Statistische Buero des US-Arbeitsministeriums ueber die sieben wichtigsten Berufe
des Baugewerbes in 85 Staedten anstellt, hat ergeben, dass die
Lohntarife in den gewerkschaftlich organisierten Berufen des Baugewerbes im zweiten Quartal des Jahres 1950 um 2 1/2% in die Hoehe
gegangen sind, was die groesste Aufbesserung der Loehne im Baugewerbe seit dem mit dem 1. April 1948 beginnenden %uartel darstellt.
- 5-

�Fuer mindestens eine Berufsgruppe in 61 der 85 beruecksichtigten Staedte haben sich die Lohntarife zum Nutzen von zwei
Fuenfteln der 525.000 in der Erhebung beruecksichtigten Arbeiter
erhoeht. Nach Schaetzungen des statistischen Bueros belief sich
der durchschnittliche Stundenlohn aller gewerkschaftlich organisierten Arbeiter das Baugewerbes am 3. Juli 1950 auf 2,27 Dollar.
Die Tarife der Gewerkschaften sind Kindestlohntarife, die in
Kollektivverhandlungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften
vereinbart wurden. Ueberstunden, die die Koechststundenzahl pro
Tag oder pro Woche ueberschreiten, sind nicht beruecksichtigt.
Auch Lehrlingstarife oder Praemientarife sind in den Tabellen
nicht enthalten.

Als Folge der zunehmenden Bautaetigkeit und der sich hieraus
ergebenden Nachfrage nach Handwerkern haben sich die oertlichen
Tarife in dem mit dem 3. Juli 1950 endenden Quartal zum grossen
Teil erhoeht. Am haeufigsten ist eine vereinbarte Aufbesserung
von 10 oder 12 1/2 Cents pro Stunde festzustellen. Die Lohnaufbesserung fuer die Zimmerleute steht mit einem Durchschnitt von
7,7 Cents pro Stunde an der Spitze, fuer Stukkateure und Maurer
ist sie im Durchschnitt etwas geringer.
Labor Information Bulletin
US-Arbeitsministerium
IX/1950
JAFANI.r;CHS GLV/ERKSCHAFTEN TU JAHRS 1950
Die bedeutendsten Entwicklungen des letzten Jahres in der
japanischen Gewerkschaftsbewegung sind die voellige Neuorientierung
der Gewerkschaften nach gemeinsamen Gesichtscunkten und ihre Neu6 -

�Organisation unter verantwortlicheren Funktionaeren.
Bemerkenswert ist ausserdem die Intensivierung und Erweiterung der Arbeitererziehung mit dem Ziele, die Gewerkschaftsmitglieder zu einer staerkeren Aktivitaet und einem hoeheren Verantwortungsbewusstsein zu erziehen, sowie die Verbesserung und
Erweiterung des Kollektivverhandlungswesens,wozu auch die Umgrenzung und Anerkennung der Vorrechte der Arbeitgeber und Gewerkschaften gehoert.
*T^T '
Seit dem Kriege haben Minderheitsgruppen wiederholt versucht, die japanische Gewerkschaftsbewegung als Mittel zur Gewinnung politischer Macht und zur Stoerung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus des Landes zu missbrauchen. Waehrend die Zahl der
Gewerkschafter, die mit radikalen Elementen sympathisieren, immer
sehr gering gewesen ist, ist es gutorganisierten Minderheiten in
zahlreichen Gewerkschaften zeitweilig gelungen, Funktionaere und
Sprecher in den Vordergrund zu stellen, die die Gewerkschaften
zu Taetigkeiten verleiteten, die nicht mehr rein gewerkschaftlicher Natur waren und gelegentlich zu Spannungen fuehrten.
In diesem Zusammenhang waeren der Nationalkongress der
Industriegewerkschaften (Sanbetsu) und der Nationale Verbindungsrat der Gewerkschaften (Zenroren) zu nennen. Der Sanbetsu, einer der beiden fuehrenden Gewerkschaftsbuende der Nachkriegszeit,
wurde Mitte des Jahres 1946 organisiert. Auf der Hoehe- seiner
Macht wurde er von mehr als 1 1/4 Millionen Arbeitern aus 19 nationalen Industriegewerkschaften unterstuetzt. Der Zenroren,
der dem Weltgewerkschaftsbund angeschlossen war, wurde unter der
Schirmherrschaft des Sanbetsu zu dem offen zugegebenen Zweck gegruendet, die japanische Gewerkschaftsbewegung zu"vereinigen."
Fuer kurze Zeit erfreute sich diese Organisation der Unterstuetzung der meisten fuehrenden Gewerkschaftsgruppen.
Gegen Ende des Jahres 1948 wurde die sogenannte "Demokratisierungs"-Bewegung von den gemaessigten Gewerkschaftsfuehrern
ins Leben gerufen, die in gemeinsamem Bemuehen sich der wachsenden Kontrolle der Gewerkschaften durch Minderheitsgruppen entledigen wollten. Die neue Bewegung wurde schnell groesser und vereinigte gegen Ende des Jahres 1949 mehr als vier Millionen Gewerkschafter, das heisst sie hatte ungefaehr 2/3 der gesamten organisierten Arbeiterschaft hinter sich. Der groesste Teil der japanischen Arbeiterschaft unterstand damit endgueltig gemaessigten Gewerkschaftsfuehrern. Die Anhaenger der neuen Bewegung setzten
sich zum groessten Teil aus Leuten zusammen, die mit der Politik
des Sanbetsu, des Zenroren und mehrerer grosser anderer unabhaengi
gen Industriegewerkschaften nicht einverstanden waren, die bis
dahin von extremen Elementen beherrscht war. Ein anderer grosser
Teil der japanischen Arbeiterschaft, der sich spaeter dieser Bewegung anschloss, war durch den Allgemeinen Bund Japanischer Gewerkschaften vertreten, dem ersten Gewerkschaftsbund der Nachkriegszeit, der im Jahre 1946 von Funktionaeren des japanischen Gewerkschaftsbundes der Vorkriegszeit "Sodomei gegruendet worden war.
Nach dem Krieg hatte der Sodomei im Jahre 1948 mit mehr als einer
Million seine hoechste Mitgliederzahl erreicht.
Die neu orientierte Mehrheit der japanischen Arbeiterschaft
entsandte mit Begeisterung fuenf Delegierte zum Gruendungskongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften und schloss
sich dieser Organisation an. Drei japanische Delegierte wurden in
die Ausschuesse des IBFG gewaehlt, um die Interessen der asiatischen Laender in dieser Organisation zu vertreten.
- 7-

�Fruehere Versuche des Sanbetsu und des Zenroren, die japanischen Gewerkschaften zu vereinigen, waren fehlgeschlagen, weil
der groesste Teil der Gewerkschaftsbewegung den Vorschlaegen dieser radikalen Organisationen nicht zustimmte. Der Erfolg der
gemaesslgten Gewerkschaft jedoch, die sich der Unterstuetzung
der Mehrheit der organisierten Arbeiterschaft erfreute und Japans
Mitarbeit im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften sichern
konnte, hat erneut Veranlassung gegeben, eine Vereinigung anzustreben. Bemerkenswerte Fortschritte sind in dieser Hinsicht bereits gemacht worden.
Ein Generalrat Japanischer Gewerkschaften (Sohyogikai) ist
im Juli 1950 gegruendet worlen. Er besteht gegenwaertig aus etwa
20 groesseren jaDanischen Industriegewerkschaften und Verbaenden,
die annaehernd 4 1/2 Millionen Arbeiter repraesentieren. Andere
grosse Gewerkschaftsgruppen treffen Vorbereitungen zum baldigen
Anschluss an diese Organisation.
In der Satzung dieses Gewerkschaftsrates ist festgelegt und das ist auch die Absicht seiner Funktionaere - dass er einen
gewissen Grad an Autoritaet ueber die angeschlossenen Gewerkschaften haben soll. Der Zweck dabei ist, die bestehende chaotische
Struktur der japanischen Gewerkschaftsbewegung zu beseitigen, die
Organisationsform zu vereinfachen und starke Industriegewerkschaften aufzubauen.
Ein weiterer Auftrieb zur Vereinigung wurde durch den Beschluss der Funktionaere des Sohyogikai gegeben; ihre Organisation
aufzuloesen und dafuer einzutreten, dass sich ihre Mitgliederorganisationen dem Gewerkschaftsrat anschliessen sollen. In vollem
Einverstaendnis mit den Absichten des Gewerkschaftsrates haben die
Funktioneere des Sodomei versprochen, ihre Industriegewerkschaften
mit anderen verwandten Industriegewerkschaften zu vereinigen.
Der freiwillige Entschluss der Funktionaere dieser groessten
Gewerkschaftsorganisation, die ueber 848,000 Arbeiter repraesentiert, ihre Organisation aufzuloesen, um die Vereinigung der Gewerkschaftsbewegung zu foerdern, war entscheidend fuer den spaeteren Zusammenschiuss. Er veranlasste viele noch zoegernde Gewerkschaftsgruppen, an der Vereinigung mitzuarbeiten und die gemaesslgten Gewerkschaftsfuehrer zu unterstuetzen. Dass die alten und
hoechst einflussreichen Funktionaere des Sodomei die Bestrebungen
deä Gewerkschaftsrates zur Vereinigung unterstuetzten, erweckte
das Vertrauen, dass diese Bemuehungen ernstgemeint und wert waren,
unterstuetzt zu werden.
Die Minderheit, die die Politik der Extremisten beguenstigten,
blieb
auch weiterhin in einigen dem Rat angeschlossenen grossen
Gewerkschaften bestehen: die demokratischen Elemente besitzen jedoch jetzt eine genuegende Mehrheit, um die Kontrolle ueber ihre
Gewerkschaften ausueben zu koennen.
Die Opposition hat jetzt einen Gegenschachzug gefuehrt, um
ihre Kraefte zu vereinigen und zu staerken. Im April 1950 beschloss
der Sanbetsu, dessen Mitgliederzahl auf 1/4 Million zusammengeschrumpft war, die Organisation aufzuloesen und vereinigte sich mit
lern Zenroren, der sei-erseits neu organisiert werden sollte.
Diese Organisation, deren Mitgliederzahl Anfang 1950 auf weniger als 1/2 Million zurueckgegengen war, sollte in einem Gewerkschaftsbund als linksgerichteter Gegenspieler des allgemeinen Gewerkschafters tes umgewandelt werden.
- 8-

�Die Tarifverhandlung ist in den Wechselbeziehungen zur Industrie zum allgemein anerkannten Verfahren geworden, obwohl
viele Phasen dieses Verfahrens und viele Verhandlungsprozesse
noch im ^nfangsstadium stehen oder nicht voellig verstanden sind.
Alle Arbeiter mit Ausnahme von etwa 1,6 Millionen Regierungsangestellten sind gesetzlich berechtigt, formelle Tarifvertraege
abzuschliessen. Am 1. Januar 1950 standen von jenen Gewerkschaften und ihren Mitgliedern, die die Berechtigung zum Abschluss von
Tarifvertraegen hatten, ueber 60%, oder 23.805 Lokalgewerkschaften und mehr als 80%, oder 651.000 Gewerkschafter unter formellen
Tarifvertraegen.
Waehrend des Jahres 1949 bestand auf der Seite der Unternehmer die Tendenz, beim Abschluss von neuen Tarifvertraegen hinsichtlich der Arbeitsbedingungen, der Vorrechte der Arbeiter und
ihrer Loehne auf wesentlich niedrigeren Normen als denen frueherer Tarifvertraege zu bestehen. Diese Tendenz ist zum Teil darauf zurueckzufuehron, dass die Unternehmer versuchten, einige
der Zugestaendnisse rueckgaengig zu machen, die sie gegeben hatten, als sie sich ihrer veraenderten Stellung nach dem Kriege bewu3st wurden. Zum andern ist sie durch die Schwierigkeit der
gegenwaertigen wirtschaftlichen Verhaeltnl3se bedingt. Im Verlaufe der Verhandlungen werden die Rechte der Arbeiter und Unternehmer jedoch genau festgelegt. Beim Abschluss von Vertraegen
neigt man im allgemeinen dazu, langfristige Vertraege zustandezubringen und Einrichtungen zur Bearbeitung von Beschwerden,
schiedsrichterliche Schlichtung von Streitigkeiten und Auslegungsunter^chiedlichkeiten der Vertraege und eine Fristgewaehrung im
Falle von Arbeitsniederlegungen in den Bestimmungen der einzelnen
Vertraege vorzusehen.
Die Einrichtungen zur Regelung der Wechselbeziehungen zur
Industrie werden Tag fuer Tag in Anspruch genommen. Im vergangenen Jahre wurde die Arbeit der zentralen und der Bezirkskommissionen fuer Wechselbeziehungen zur Industrie dadurch unterstuetzt,
dass das Gesetz zur Angleichung der Wechselbeziehungen der Arbeit
revidiert und das Gesetz zur Angleichung der Wechselbeziehungen
der Arbeit in Gesellschaften der Oeffentlichen Hand verkuendet
wurde. Die zentralen und praefektoralen Kommissionen waren massgeblich an der Verhinderung und Beilegung aller wichtigeren Streitigkeiten beteiligt und haben mitgeholfen, auch fast alle kleineren Streitigkeiten zu schlichten.
Es wird berichtet, dass die unsichere wirtschaftliche Lage
Japans nach dem Kriege und die Verworrenheit der japanischen
Lohnstruktur im letzten Jahre dazu beigetragen haetten, die Errichtung eines sich aus drei Partnern zusammensetzenden Lohnausschusses zu verhindern, wie er im Gesetz fuer Arbeitsnormen vorgesehen war. Dieser Ausschuss haette die Aufgabe gehabt, einen
Mindestlohn vorzuschlagen. Waehrend dank des wirtschaftlichen
StabilisierungsProgramms eine relative Stabilitaet der Loehne erzielt wurde, ist die Verworrenheit der Lohnstruktur geblieben.
Diese Tatsache hindert zusammen mit anderen wirtschaftlichen und
politischen Faktoren die japanische Regierung an dem Versuch, einen Mindestlohn festzusetzen. Der Druck der Gewerkschaften laesst
jedoch nicht nach, und die Regierung wird es wohl fuer ratsam erachten, die notwendigen Massnahmen zu ergreifen.
Obwohl von keinem Fortschritt auf dem Wege zu einem Mindestlohn berichtet werden kann, ist es ermutigend, festzustellen,
dass im vergangenen Jahr eine Verbesserung der Realloehne und der
Kaufkraft der japanischen Arbeiter eingetreten i3t. Im Maerz
- 9-

�1949 lag der Index der Loehne in der Herstellerindustrie, wenn
ein Vorkriegsstand von 100 zugrundegelegt ist, bei 231, waehrend
er sich fuer Verbraucherpreise in Tokio auf 314 belief, was einem Verhaeltnis von 62% der Loehne aufgrund des Vorkriegsstandes
von 1934-1936 gleichkommt. Von Maerz 1949 bis Maerz 1950 erhoehten sich die Loehne in der Herstellerindustrie um 14%, waehrend
die fuer Tokio gueltigen Verbraucherpreise um 9% zurueckgingen,
wodurch das Lohnverhaeltnis in Anbetracht der Preise auf .77% des
Vorkriegsstandes gebracht wurde. Waehrend diesen Zahlen lediglich ein Vergleich mit den Verbraucherpreisen in Tokio zugrundeliegt, weil nur fuer dieses Gebiet einigermassen zuverlaessige
Angaben ueber Verbraucherpreise der Vorkriegszeit vorhanden sind,
verbesserten sich die Realloehne der Arbeiter tatsaecnlich In ganz
Japan.
International Labor Review
Vol. LXIl/No. 1
IAO UNTERSTUETZT EUROPAEISCHZ UMSIEDLER
Die 18 Marshall-Plan Laender haben ein Hilfsprogramm im
Werte von einer Million Dollar begonnen, das mithelfen soll, die
internationale Umsiedlungsmaschinerie zu vervollkommnen.
Das neue Programm wird ein grossangelegtes, kooperatives
Unternehmen ermoeglichen, an dem sich alle westeuropaeischen Demokratien beteiligen werden, indem sie systematisch und mit wissenschaftlichen Mitteln der Ueberbevoelkerung zu Leibe gehen, die
chronische und staendige Arbeitslosigkeit und einen niedrigen
Lebensstandard zur Folge hat.
Zur Finanzierung dieses umfassenden Unternehmens haben sich
die Mitgliedernationen der OEEC bereit erklaert, in ihrer eigenen
Waehrung einen Betrag im Werte von 200.000 Dollar fuer die Durchfuehrung des Programms im eigenen Lande zur Verfuegung zu stellen.
Ausserdem hat die Marshall-Plan-Verwaltung eine Million Dollar gewaehrt, mit denen die Aufwendungen fuer Erhebungen und Ausbildungsprojekte im Rahmen des Programms gedeckt werden sollen.
Die Netionen, die an diesem Projekt mitarbeiten, haben die
Internationale Arbeitsorganisation - eine Fachorganisation der
Vereinten Nationen - gebeten, die Verantwortung fuer die Verwaltung eines technischen Hilfsprogramms zu uebernehmen, das die Umsiedlung von Arbeitskraeften erleichtern soll.
Der Zweck dieses Millionen-Projektes ist, die Laender mit
Aus- und Einwanderungsmoeglichkeiten bei der Entwicklung der notwendigen Einrichtungen im Zusammenhang mit der Umsiedlung in
technischen Fragen zu unterstuetzen.
Diese Einrichtungen haben die Aufgabe, die Gebiete festzulegen, die einen Ueberschuss bzw. Mangel an Arbeitskraeften haben,
sowie die Arbeitsmoeglichkeiten in den Einwanderungslaendern zu
untersuchen, Dienststellen einzurichten, die einen Nachweis ueber
offene Arbeitsplaetze fuehren, Stipendien an Beauftragte der Regierungen zu vergeben, um ihnen das Studium der Umsiedlungsprobleme
zu ermoeglichen, und eine Organisation aufzubauen, die die Wanderung und Wiederansiedlung von Umsiedlern erleichtern soll.
Auch dieses Vorhaben ist darauf ausgerichtet, eine Vollbeschaeftigung und einen hoeheren Lebensstandard zu erreichen. In
- 10 -

�einigen Laendern, besonders in Italien und der deutschen Bundesrepublik, ist das Problem der Ueberbevoelkerung so dringend,
dass alle Hilfsquellen selbst bei groesstmoeglicher Intensivierung nicht ausreichen, um der Bevoelkerung einen angemessenen
Lebensstandard zu sichern.
S JD

AFL Weekly News Service
IX/15/1950
MARSHALL-PLAN MUSS LOEHNE DER ARBEITER EUROPAS VERBESSERN
Drei amerikanische Gewerkschafter, die soeben eine Ueberpruefung der Industriezentren Frankreichs im Auftrag der ECA beendet haben, sind der Auffassung, dass der Marshall-Plan sofort
umfassender und besser gestaltet werden muesse, um die Loehne der
freien Gewerkschafter Europas erhoehen zu koennen. Es handelt
sich um Carmen Lucia, der zweiten Vorsitzenden der Hutmachergewerkschaft der AFL, Harold Gibbons, dem Kassierer der Ortsgewerkschaft Nr. 688 der Fahrergewerkschaft der AFL, und J. William
Belanger, dem Vorsitzenden des Industriegewerkschaftsrates von
Massachusetts.
"Der Lebensstandard der frenzoesischen Arbeiter muss erhoeht werden, wenn Frankfreich eine Hochburg der Demokratie in
Westeuropa bleiben soll," sagten sie in ihrer Erklaerung. "In
den ersten beiden Jahren des Marshall-Planes musste Frankreich
notwendigerweise mit Lebensmitteln, Rohmaterialien und Maschinen
versorgt werden, um seine Industrie wieder aufbauen zu koennen.
Dieses Ziel ist zum groessten Teil erreicht worden. Wenn Jedoch
jetzt kein Programm in die Wege geleitet wird, das die drei
grundlegenden Faktoren des Lebensstandards, naemlich Ernaehrung,
Bekleidung und Wohnung verbessert, wird das franzoesische Volk
nicht stark genug sein, sich einer totalitaeren Aggression zu
widersetzen. Diese Aufgabe muss von der ECA, der frenzoesischen
Regierung, der franzoeischen Industrie, von den Vereinigten Staaten beraten und unterstuetzt, der Organisation fuer europaelsche
Wirtschaftszusammenarbeit (OEEC) und von den Gewerkschaften in Angriff genommen werden."
Der Vorsitzende der AFL, William Green, hatte im April
dieses Jahres erklaert, dass seine Organisation mit den Arbeitern
WesteuroDas sympathisiere, die um hoehere Loehne kaempfen, und
hatte ihnen die volle Unterstuetzung der AFL zugesichert.
Weekly News Service, AFL
H/15/50
Capus M. Waynick, Administrator des Amtes fuer Technische Zusammenarbeit und Unterstuetzung:
FORTSCHRITTE DES PUNKT-VIER-PROGRAMMSj
Durch das Punkt-Vier-Programm werden anderen Voelkern unsere
Erfahrungen und Kenntnisse angeboten, um ihnen zu helfen, bessere
Lebensbedingungen fuer sich zu schaffen. Das Programm wird uns
in diesem ersten Jahre 34 1/2 Millionen Dollar kosten, das ist
weniger als o,l% der 36 Milliarden Dollar, die Praesident 2'ruman
fuer den Gesamthaushalt bewilligt hat. Dieser verhaeltnismaessig
kleine Betrag wird jedoch eine grosse kooperative Bewegung einleiten, in deren Rahmen ^iele Nationen gemeinsam mit ihren Kenntnissen
und Hilfsquellen dazu beitragen werden, die V/elt fuer ihre Bewohner
besser zu gestalten.
- 11 -

�Dieses Programm muss unsere Antwort auf den Wunsch der Voelker sein, sich ein besseres Leben zu sichern. Sie muessen mit
ihren eigenen Augen sehen und am eigenen Leib erfahren, was die
Demokratie fuer sie und ihre Familien bedeuten kann.
Das Punkt-Vier-Programm ist die «ntwort auf den Kommunismus
fuer lange Sicht. Die Programm-Ziele gehen ueber die gegenwaertige
Auseinandersetzung hinaus und bestehen darin, fuer die Dauer Friede
und Wohlstand fuer jene Menschen zu schaffen, die dies wuenschen.
Der konstruktive Wert des Punkt-Vier-Programms ist die neue Hoffnung und der neue Mut fuer Millionen Menschen in vielen Teilen der
Welt.
Das Problem einer grossen Anzahl dieser Laender besteht nicht
darin, die physischen Grenzen zu oeffnen, sondern den Menschen zu
helfen, die Ketten abzuschuetteln, in denen sie gefangengehalten
werden. Sie sind krank und hungrig und elend, weil sie furchtbar
arm sind. Sie sind arm, weil sie zu wenig Nahrungsmittel und zu
wenig Waren produzieren; sie produzieren zu wenig, weil sie unterernaehrt, kraenklich und des Lesens und Schreibens unkundig sind,
und weil es ihnen an Erfahrung und Kapital fehlt.
Wie kann dieser sich selbst schaedigende Kreislauf aufgebrochen werden? Die Antwort hierauf gab Praesldent Truman in seiner
AnsDrache anlaesslich der Einfuehrung des Punkt-Vier-Programms:
"Hoehere Produktion ist der Schluessel zu Wohlstand und Frieden. Und der Schluessel zur hoeheren Produktion ist eine vielseitigere und bessere Anwendung des modernen wissenschaftlichen
und technischen Wissens."
Das ist die Loesung, die das Punkt-Vier-Programm diesen Menschen bietet.
Aber selbst mit dieser Hilfe koennen sich die Menschen der
wirtschaftlich rueckstaendigen Gebiete nicht ueber Nacht einen
hoeheren Lebensstandard sichern. Dies ist eine Aufgabe von laengerer Dauer, das darf uns jedoch nicht entmutigen.
Auch unser eigener hoher Lebensstandard konnte nicht ueber
Nacht errungen werden. Aber die Dringlichkeit ist gross und die
wirtschaftliche Entwicklung nimmt viel Zeit in Anspruch. Je frueher
wir jedoch damit beginnen, umso besser ist es. Es gibt Leute, die
die Frage stellen, ob wir nicht eine Konkurrenz schaffen, die unsere eigenen Produzenten eines Tages ruinieren wird, wenn wir anderen Voelkern helfen, ihre Wirtschaft zu entwickeln. Ich bin der
Auffassung, dass diese Furcht unbegruendet ist. Ginge es uns
besser oder schlechter, wenn die hochentwickelten Industriestaaten
wie Kanada und Gross-Britannien, die die gleichen Dinge herstellen wie wir, ploetzlich aufhoerten, Industriestaaten zu sein und
auf das wirtschaftliche Niveau der unterentwickelten Gebiete absinken wuerden?
•

Alle Statistiken zeigen, dass die hochentwickelten Laender, die
ueber eine hohe Kaufkraft verfuegen, die besten Abnehmer und die
besten Nachbarn sind, wenn die Demokratie in ihnen nicht untergraben wird. Je schneller die rueckstaendigen Gebiete entwickelt werden koennen, um so groesser wird die Moeglichkeit sein, sich am
Welthandel zu beteiligen, und umso mehr Geld wird den Menschen in
diesen Gebieten zum Ankauf von Waren zur Verfuegung stehen.
Technische Unterstuetzung ist eine ziemlich abstrakte Bezeichnung fuer eine sehr praktische Angelegenheit, die darin besteht,
dass man Menschen lehrt, wie bestimmte Dinge zu tun sind und Methoden
- 12 -

�anzuwenden, die sie zuvor nicht kannten. Es ist eine alte Form
der Erziehung: die Uebermittlung von Erfahrungen und technischen
Koennens an andere. In diesem Falle sollen besondere Kenntnisse
und jene Faehigkeiten ausgetauscht werden, die ein besseres Leben ermoeglichen. Hier muss jedoch der Unterschied und die Schwierigkeiten beachtet werden, dass der Austausch dieser Erfahrungen
mit Menschen vieler verschiedener Nationen stattfinden muss.
Im Rahmen des Punkt-Vier-Programms schicken wir amerikanische
Techniker der Landwirtschaft ins Ausland, um dort verbesserte Arbeitsmethoden vorzuf uehren,. die immer den oertlichen Verhaeltnissen
angepasst werden muessen. Wir werden Aerzte und Krankenschwestern
entsenden, um den Menschen dort die elementarsten Gesundheitsregeln mitzuteilen und ihnen zu zeigen, wie man vermeidbare Krankheiten, wie zum Beispiel die Malaria, bekaempfen kann, indem eine
den Gesundheitsvorschriften entsprechend bessere Wasserversorgung
und ein zweckmaessiges Kanalisationssystem hergestellt wird. Wir
werden amerikanische Erzieher ins Ausland schicken, die den Lehrern in anderen Laendern helfen sollen, bessere Methoden zur
Ueberwindung des Analphabetentums zu ermitteln, das in einigen
Laendern die erschreckende Zahl von 90% erreicht hat. Wir werden
auch weiterhin intelligente und vorwaertsstrebende Menschen aus
jenen Laendern zu ihrer technischen Ausbildung nach den Vereinigten Staaten bringen.
Das Punkt-Vier-Programm setzt sich aus zwei ineinandergreifenden Faktoren zusammen: Die technische Unterstuetzung und die
Kapitalinvestierung. Das Programm fuer die technische Unterstuetzung ist vom Kongress genehmigt worden, der fuer diesen Zweck
34 1/2 Millionen Dollar bewilligt hat. Von diesem Betrag werden
wir 12 Millionen Dollar fuer das technische Hilfsprogramm der
Vereinten Nationen zur Verfuegung stellen. 49 andere Laender
haben gemeinsam weitere 8 Millionen Dollar bereitgestellt. Damit
hat sich der Betrag auf 20 Millionen Dollar erhoeht, der fuer das
technische Hilfsprograum der Vereinten Nationen und ihrer Fachorganisationen zur Verfuegung gestellt worden ist.
Wenn die verschiedenen Ansuchen um technische Unterstuetzung
beim Aussenministerium eingegangen sind, werden sie von jedem Gesichtspunkt aus sorgfaeltig geprueft werden. Wir werden feststellen, ob die einzelnen Vorschlaege mit dem Zweck des Punkt-VierProgramms vereinbar sind und ob das betreffende Land die angeforderte Unterstuetzung tatsaechlich gut verwenden kann. Wir werden
pruefen, ob das vorgeschlagene Projekt mit einem anderen sich ueberschneidet oder einem anderen entgegenlaeuft, das von den Vereinten
Nationen oder irgendeiner anderen internationalen Behoerde geplant
ist.
Mit den vom Kongress bewilligten Geldmitteln muessen wir in
der Lage sein, in diesem ersten Jahre des Punkt-Vier-Programms
mehr als 1000 amerikanische Techniker mit Auftraegen fuer technische Unterstuetzung ins Ausland zu schicken. Wir rechnen damit,
mehr als 10000 geeignete Personen aus diesen zu unterstuetzenden
Laendern zur technischen Ausbildung in die Vereinigten Staaten zu
holen. Die Regierung wird ausserdem mit amerikanischen privaten
Unternehmen Vertraege abschliessen, um die technischen Hilfsmassnahmen noch staerker zu intensivieren und sich zugleich zu bemuehen,
ebenfalls geeignete Persoenlichkeiten als Wegbereiter heranzuziehen, und sich an der Ausbildung auslaendischer Techniker in den
Vereinigten Statten zu beteiligen.
Sehr oft jedoch wird noch mehr benoetigt, als nur eine technische Unterstuetzung, um das gewuenschte Ziel zu erreichen. Dieses
"mehr" ist die Investierung von Kapital. In einigen Faellen ist
- 13 -

�das Kapital fuer Projekte der wirtschaftlichen Entwicklung mit
Recht von der Regierung zur Verfuegung gestellt worden, wie zum
Beispiel durch die Kredite der Export-Import Bank in Washington
und der Welt-Bank. Praesident Trumen hat jedoch klar herausgestellt, dass der groesste Teil der fuer die Investierung in unterentwickelten Gebieten benoetigten Kapitalien aus privaten Quellen kommen muss.
Tatsache ist, dass in zählreichen wirtschaftlich unterentwickelten Gebieten die Anlagemoegliohkeiten fuer private Investierungen augenblicklich nicht guenstig sind.
Diese unguenstigen Bedingungen koennen zum Teil rechtzeitig
durch den Einsatz technischer Unterstuetzungsmassnahmen ausgeglichen werden. Unsere eigenen Erfahrungen, die wir vor 50 Jahren
in Kuba, Kanada und auf den Philippinen machten, haben bewiesen,
dass nach einer Reform der gesundheitlichen und sanitaeren Verhaeltnisse sowie der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen
Privatkapitalien in einem Land angelegt werden koennen, und neue
Unternehmen, neue Arbeitsplaetze und neue Moeglichkeiten ins
Leben gerufen werden koennen. Eine? der grossen Werte der technischen Unterstuetzung besteht darin, dass sie dazu beitraegt, eine
Umgebung zu schaffen, die dem gesteigerten Fluss von Investitionskapitalien foerderlich ist. Der Investition von Kapital sind
jedoch in einigen rueckstaendigen Gebieten sowohl durch die Regierung als auch durch die natuerlichen Verhaeltnisse Grenzen
gesetzt. Einige Regierungen haben strenge und offensichtlich
laestige Beschraenkungen fuer die Investition auslaendischen Kapitals eingefuehrt. Schwierigkeiten in der Transferierung der Waehrungen verursachen zusaetzliche Probleme. Das Aussenministerium
ist mit allen Mitteln bestrebt, die Schwierigkeiten zu beseitigen,
die einer groesseren Investition amerikanischen Kapitals im Ausland im Wege stehen. Wir sind dabei, neue Handelsvertraege mit
einer Reihe von Laendern abzuschliessen, die Bestimmungen enthalten, die eine gerechte Behandlung sowohl der amerikanischen Kreditanleger als auch der Laender, in denen sie ihre Investitionen
vornehmen, gewaehrleisten sollen.
\ Aber dies ist im besten Falle ein langwieriger Vorgang. Um
den Fluss amerikanischen Kapitals ins Ausland zu beschleunigen,
hat die Verwaltung des Punkt-Vier-Programms empfohlen, die
Export- und Import-Bank zu ermae cht igen,» begrenzte Buergschaf ten
fuer ausserordentliche Risiken zu uebernelimen, denen im Ausland
investiertes Kapital unterworfen ist. Es ist vorgeschlagen, dass
die Bank gegen einen gewissen Zins im Ausland investiertes Kapital gegen Enteignung ohne ausreichende Verguetung und gegen die
Uoeglichkeit versichert, dass dieses Kapital und die Gewinne in
anderen Waehrungen nicht in Dollar tranferiert werden koennen.
Derartige Investitionen sollen dagegen nicht gegen gewoehnliche
Geachaeftsrisiken gesichert werden.
Unsere Regierung bietet mit diesen Vorschlaegen neuen Boden;
und sie wird eine Formel suchen, die sich sowohl fuer die amerikanischen Investitionen als auch fuer die auslaendischen Regierungen
als zufriedenstellend erweisen wird. Wir moechten den amerikanischen Kapitalanlegern einen angemessenen Schutz und eine gerechte
Behandlung zusichern. Wir moechten jedoch auf der anderen Seite
vermeiden, besondere Vorrechte fuer die im Ausland investierten
amerikanischen Kapitalien und die Anleger zu beanspruchen.
The Department of State Bulletin
IX/25/50
- 14 -

�Z'VEI RESOLUTIONEN DER AFL GEGEN DAS TAFT-HARTLEY GESETZ
Der Amerikanische Gewerkschaftsbund (AFL) fuehrt zur Zeit
seinen groessten Feldzug, um die Wahl eines liberalen Kongresses
zu sichern, der das gewerkschaftsfeindliche und ungerechte TaftHartley Gesetz abschaffen soll.
Die Mitglieder der AFL sind aufgerufen, diejenigen Kandidaten zu unterstuetzen, die fuer den Widerruf dieses Gesetzes stimmen werden. Millionen von Worten sind zu diesem Zwecke geschrieben und gesprochen worden.
Das Wesentliche des Standpunktes der AFL ist in zwei Resolutionen zusammengefasst, die von der 69. Konvention in Houston
(Texas) angenommen wurden. Den acht Millionen Gewerkschaftsmitgliedern der AFL, den Berichterstattern der Zeitungen, den Kommentatoren des Rundfunks und der Oeffentlichkeit soll die klare und
unzweideutige Stellungnahme der AFL zum Taft-Hartley Gesetz zur
Kenntnis gebracht werden, warum und wie sie versuchen wird, dieses
Gesetz im 82, Kongress, der am 7. November gewaehlt wird, abzuschaffen:
Der Text dieser Resolution Nr. SO - die von dem Delegierten
Thomas A. Murray vom Gewerkschaftsbund des Staates New York eingebracht wurde, lautet:
Weil das Gesetz ueber die Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen des Jahres 1947, das unter dem Namen Taft-Hartley Gesetz
besser bekannt ist, die demokratischen Rechte der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung verletzt und sie ihrer fundamentalen Freiheit und Organisationsmoeglichkeiten beraubt und deshalb von der
gesamten Gewerkschaftsbewegung ausnahmslos abgelehnt wird, und
Weil das Gesetz seit seinem Inkrafttreten die rechtmaessigen gewerkschaftlichen Taetigkeiten eingeschraenkt und gewisse
Unternehmer ermutigt hat, im Vertrauen auf bestimmte hintertueren
im Gesetz, die es ihnen erlauben, sich ihrer Verantwortlichkeit
zu entziehen, sich den Forderungen der Gewerkschaften kompromisslos und hartnaeckig zu widersetzen, tatsachenentstellende Forderungen der Unternehmer zu befuerworten, Unternehmergewerkschaften
im geheimen aufzustellen und den Gewerkschaften ohne Begruendung
unfaires Verhalten vorzuwerfen, und
Weil, ungeachtet der ablehnenden Haltung des ganzen Landes
diesem Gesetz gegenueber, was durch die Wiederwahl" Praesident
Trumans bewiesen ist, eine reaktionaere Koalition von Republikanern und Sueddemokraten jeden Versuch, den Widerruf durchzusetzen,
unterbunden hat, und
Weil dieser fortwaehrende Missbrauch unvermeidbar zu der Unterminierung des Gebaeudes unserer Demokratie fuehren und letzten
Endes die freie Gewerkschaftsbewegung, die immer ein Bollwerk gegen Reaktion und Totalitarismus gewesen ist, in Misskredit bringen wuerde, wird hiermit beschlossen,
Dass diese Konvention die Politik mit allen Mitteln unterstuetzt, die von der AFL und den gewerkschaftlichen Kraeften in
unserem Lande in dem Bestreben eingeschlagen wurde, das amerikanische Volk ueber die gefaehrlichen Uebergriffe der Kraefte der Reaktion und des Totalitarismus aufzuklaeren, und
Dass wir unsere unabaenderliche ablehnende Haltung dem TaftHartley Gesetz gegenueber und unsere Entschlossenheit erneut zum
- 15 -

�Ausdruck bringen, unaufhoerlich gegen diesenruchlosen Akt der
Gesetzgebung zu kaempfen, und
Dass wir unsere Repraesentanten im Kongress und im Senat
der Vereinigten Staaten auffordern, den Wilien des amerikanischen Volkes zu respektieren und mitzuhelfen, das Taft-Hartley
Gesetz rueckgaengig zu machen, und
Dass wir den Kongress der Vereinigten Staaten, und die
Politiker beider Parteien auffordern, dieses verhasste Gesetz
aus unseren Verfa3sungsbuechern zu streichen.

Die zweite Resolution traegt die Nummer 88 - und wurde von
den Delegierten Jack Wieselberg, Norman Zukowsky, Edward Friss
und Morris Fuchs von der Gewerkschaft der Sattler und Portefeuiller eingebracht. Sie lautet: •
Weil der organisierten Arbeiterschaft in ihrem Kampf um
die Erhaltung ihrer Grundrechte von reaktionaeren Elementen erbitterter Widerstand geleistet wird, und
Weil in dem Wagner-Gesetz, das mit Recht die Magna Charta
der Gewerkschaften genannt wurde, den Arbeitern das Recht zuerkannt wurde, sich frei zu organisieren und Tarife abzuschliessen,
und
Weil die reaktionaeren Elemente, die den 80. Kongress beherrschten und eine Kombination von Tory-Republikanern und Dixiecrat-Demokraten darstellten, der organisierten und nichtorganisierten Arbeiterschaft mit dem Erlass des schaendlichen TaftHartley Gesetzes einen schweren Schlag versetzten, und
Weil die Waehler unseres Landes geschlossen ihre Entruestung
ueber dieses Gesetz zum Ausdruck brachten, indem sie Harry S.
Truman wieder zum Praesidenten waehlten, nachdem er ihnen versprochen hatte, sich dafuer einzusetzen, dass das Taft-Hartley Gesetz
widerrufen wird, und
Weil der gegenwaertig bestehende Kongress fortwaehrend gezeigt hat, dass er den mit der Wiederwahl zum Ausdruck gebrachten
Willen des Volkes nicht achtet, und
Weil jede fruehere Konvention der AFL eindringlichst die
sofortige Abschaffung des Tfcft-Hartley Gesetzes verlangt hat,
Wird von der 69. Konvention der AFL beschlossen, dass wir
die unverzuegliche Beseitigung des Taft-Hartley Gesetzes und den
Neuerlass des Wagner-Gesetzes in der Weise verlangen, wie es von
Praesident Truman in seiner Botschaft an den 81. Kongress empfohlen wurde.
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AFL Weekly News Service
X/17/50

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di* folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 36

Frankfurt, 10. November 1950
I N H A L T S V S R

Z E I C H N I S

Automobilarbeitergewerkschaft Amerikas gegen
Krediteinschraenkungen - - - - - - - - - - - i
Die Gewerkschaften in den Kolonien erwarten Hilfsmassnahmen - - - - - - - - - - - - - - - - - z
Der Kongress derTorce Ouvriere" - - - - - - - - 5
Die Arbeitsweise der Gewerkschaften in Amerika - 6
Entwicklungen in der gesamtamerikanischen Gewerkschaftsbewegung - - - - - - - - - - - - - - - g
Die chilenischen Gewerkschaften - - - - - - - - - 1 0
Die Gewerkschaftsbewegung Schwedens - - - - - - - n
Warum die Arbeiter ihren Arbeitsplatz verlassen - 14
Englische Amerikabesucher fuer Normung der
Produktion - - - - - - - - - - - _ - _ _ _ _ - 15
Schweizerische Gewerkschaften fuer den Marshallplan
16

AUTOMOBILARBEITERGäY/iliRKSCHAFT AMERIKAS GEGEN KREDITEINSCHRAENKUNGEN
Die Automobilarbeitergewerkschaft des C.I.O. hat zum Ausdruck
gebracht, dass sie die neuen Richtlinien ueber Beschraenkung der
Wohnungsbau- und Anschaffungskredite ablehnt.
In einem Schreiben an den Vorsitzenden des Bundesausschusses
zur Ueberwachung und Sicherung der Hilfsquellen des Landes (National Security Resources Board), W. Stuart Symington, haben Funktionaere dieser Gewerkschaft gefordert, dass diese Bestimmungen, die
von der Bundesstaatlichen Verwaltung fuer Waehrungskontrolle herausgegeben wurden, solange nicht in Kraft gesetzt wuerden, bis
die von der Regierung einberufene Konferenz von Arbeitnehmern und
Arbeitgebervertretern der betreffenden Industrien Vorschlaege
hierzu gemacht haette.
Die Funktionaere bezeichneten diese neuen Bestimmungen als
einen "Dolchstoss in den Ruecken der amerikanischen Familien mit
niedrigem Einkommen."
- 1-

�"Durch die Beatimmungen soll in erster Lieie das Problem der
Materialverknappung geloest werden," heisst es in dem Schreiben;
"sie erfuellen jedoch ihren Zweck einfach dadurch, dass sie den
Verbrauchern mit niedrigem Einkommen die Moeglichkeit nehmen, sich
'Wohnungen, Autos und andere Ansohaffungsgueter zu kaufen."
Die Automobilarbeitergewerkschaft ist der Auffassung, dass
die Probleme der Wohnungsbau- und Anschaffungskredite durch eine
Erweiterung der Produktion geloest werden muessen.
Die Einschraenkungen, besonders der Wohnungsbaukredite, wurden von Symington als eine wirksame Waffe im Kampf gegen die Inflation verteidigt. "Wir befinden uns in einer Zeit der Mobilisierung," sagte er, "und direkte Lohn-Preiskontrollen wuerden die
gesamte Wirtschaft in eine Zwangsjacke stecken. Wenn jedermann
mithilft, auch die Unternehmer und Gewerkschaften, waere es einfach, indirekte Kontrollen auszuueben." Symington verurteilte
ausserdem die greisen Profite, die nach seiner Aussage im dritten
Quartal dieses Jahres hoeher waren als in irgendeinem anderen
Lande zu irgendeinem Zeitpunkt in der Weltgeschichte.
Leon Keyserling, der Vorsitzende des Ausschusses wirtschaftlicher Berater, forderte eine weitere Steuererhebung, um die
Kaufkraft zu absorbieren. Keyserling befuerwortete ausserdem in
einer Rundfunkansprache die Errichtung eines Bueros zur Kontrolle
von Loehnen und Preisen, die man schnell in Aktion setzen
koennte, wenn die inflationistische Tendenz bestehen bliebe.
Auch Bernhard Baruch hat sich fuer hoehere Steuern und Kontrollen ausgesprochen und warnend erklaert, dass die Auffassung,
Kontrollen der Regierung koennten durch freiwillige Einschraenkungen vermieden werden, eine bequeme Selbsttaeuschung sei.
Am gleichen Tage sagte Cyrus Ching, der Vorsitzende des neuen Ausschusses fuer Lohnstabilisierung, dass es ausschliesslich
die Schuld der Gewerkschaften und der Industrie waere, wenn Lohnund Preiskontrollen bald eingefuehrt wuerden. "Ich habe niemanden gesehen, der nicht Lohn- und Preiskontrollen bejaht hätte, aber fuer andere und nicht fuer sich selbst," sagte er.
Man erwartet demnaechst weitere Kontrollen fuer Warenkredite
grosser Kaufhaeuser und fuer private Gelddarlehen. Symington
setzt sich bei der Bundesstaatlichen Verwaltung fuer Waehrungskontrolle fuer diese Einschraenkungen ein.
Daily News Service, Labor Press Association
X/23/50
DIE GEWERKSCHAFTEN IN DEN KOLONIEN ERWARTEN KILFSMASSNAIiMEN
Der Aufstieg der Gewerkschaftsbewegungen in den Kolonien unter den Nichteuropaeern ist ebenso rasch wie bemerkenswert. In
den britischen Kolonien gehen mit einigen Ausnahmen in Westindien die fruehesten Entwicklungen auf 10 bis 12 Jahre zurueck.
Die Ausdehnung der Gewerkschaftsbewegung hat sich so schnell
vollzogen, dass gegenwaertig rund 1.000 Gewerkschaften in britischen Kolonien mit einer Gesamtmitgliederzahl von etwa 600.000 zu
verzeichnen sind. Nach europaeischen Begriffen sind sie zahlenmae^sig noch ziemlich unbedeutend, ihre Mitgliederzahlen belaufen
sich im Durchschnitt auf einige Hundert oder hoechstens einige
Tausend.

�Die Lage dieser jungen und kaempferischen Organisationen in
den Kolonien erinnert an die Anfaenge der britischen Gewerkschaftsbewegung vor 150 Jahren. Jede Gleichsetzung mit den Urspruengen
der britischen Gewerkschaften waere jedoch irrefuehrend. Wie die
Pioniere in diesem Lande sahen sich die Gewerkschaften in den Kolonien ungeheuren Problemen gegenueber, die durch die Armut und Unerfahrenheit verursacht sind; auf der anderen Seite jedoch hatten
sie nicht im gleichen Masse unter der feindseligen Haltung oder
Unterdrueckungsmassnahmen durch die Regierungen zu leiden.
Diesen Gewerkschaften fehlen lediglich Anregungen, Ratschlaege
und Unters tuetzung. Zwar sind bisweilen in kritischen Situationen
schwere Fehler gemacht worden, im allgemeinen jedoch konnten diese
Gewerkschaften mit der Ruecksichtnahme und sogar einer gewissen
Ermunterung durch die Regierungen oder das Kolonialamt rechnen.
Immer konnten sie sich jedoch auf die Unters tuetzung des Britischen
Gewerkschaftskongresses (TUC) verlassen.
Waehrend dieser Phase der Vorbereitung hat der TUC ununterbrochen und regelmaessig mit den neuen Organisationen in Verbindung
gestanden. Obwohl diese Verbindungen aus der Zeit vor 1939 datieren, konnten erst nach Kriegsende viele der urspruenglichen Absichten verwirklicht werden.
Ueber einen Kolonialen Beratungsausschuss, der zwei Jahre vor
dem Kriege gebildet wurde und sich aus einigen besonders befaehigten Experten in Kolonialfragen und aus Mitgliedern des Generalrates
zusammensetzt, die alljaehrlich ernannt werden, hat der TUC in
seiner Gewerkschaftsarbeit in den Kolonien im wesentlichen zwei
Ziele verfolgt: erstens in staendiger taetiger Verbindung mit den
neuen Kolonialgewerkschaften zu bleiben und ihnen sowohl auf direktem Wege als auch ueber das Kolonialamt Rat und Unterstuetzung
zu vermitteln; und zweitens Gewerkschafter aus den Kolonien in die
Ideen und Methoden des Gewerkschaftswesene in England einzufuehren.
Das Erziehungsprogramm, das in frueheren Jahren nur auf oberflaechlicher Basis durchgefuehrt wurde, ist seit 1945 staendig weiter ausgebaut worden. In sieben Kolonien sind Gewerkschafter von
ihren eigenen Organisationen gewaehlt worden, die ein Jahr lang
Universitaeten oder Schulen in England besuchen sollen.
Ausserdem wird an Hand der Briefkurse der Ruskin-Hochschule
Unterricht erteilt. Die Gewerkschafter aus den Kolonien und die
eingeborenen Funktionaere der kolonialen Arbeitsaemter, die von
ihren Regierungen zur Ausbildung nach England geschickt wurden,
werden zu den einmonatigen Ausbildungskursen der Erziehungsabteilunp des britischen Gewerkschaftskongresses zugelassen. Auch an
den Wochenend- und Sommerschulen des TUC sind Plaetze fuer diese
Gewerkschafter aus den Kolonien bereitgestellt worden.
Um die Organisierung der neugegruendeten Gewerkschaften zu
unterstuetzen, wurden Handbuecher in grossen Mengen gedruckt und
verschickt. Die beste Form der Hilfe, die vom TUC in Zusammenarbeit mit der Regierung geleistet wird, ist sehr wahrscheinlich die,
dass man britische Gewerkschaftsfunktionaere als Gewerkschaftsberater auf Posten im Kolonialdienst berufen hat.
Das Kolonialamt hat seit der Einfuehrung dieses Planes im
Jahre 1942 bereits 23 erprobte Gewerkschafter ernannt, was sich besonders bei der Lenkung der neuen Gewerkschaften als aeusserst
fruchtbar erwiesen hat. Die Zahl der Kollektivvertraege, die zum
erstenmal in den Kolonien abgeschlossen wurden, ist hierfuer ein
schlagender Beweis. In Arbeits- und Wirtschaftslagen der Kolonien
ist zwischen den Vertretern des Generalrates des TUC in zwei Kolo- 3

�nialaus-schuessen und der Regierung eine staendige Zusammenarbeit
festzustellen. Es sind dies der Beratungsausschuss fuer koloniale
Arbeitsfragen und der Ausschuss fuer koloniale Wirtschaft und
ihre Entwicklung. Der TUC hat ausserdem schon vor dem Kriege mit
den sechs Sonderkommissionen fuer bestimmte Kolonien regelmaessig
in Verbindung gestanden.
Der TUC hat nicht versucht, die Verbindungen der Kolonialgewerkschaften mit der uebrigen Welt einzuschraenken. Sie wurden
im Gegenteil tatkraeftig unterstuetzt, um es ihnen zu ermoeglichen,
sich an der Nachkriegsentwicklung der Internationalen Gewerkschaftsbewegung positiv zu beteiligen. Ihre Verbindung mit dem
Weltgewerkschaftsbund, die erst seit 1945 besteht, war zu kurz,
um sich im guten oder im schlechten Sinne fuer sie auswirken zu
koennen. Ein betraechtlicher Teil der Gewerkschaften in den Kolonien hat sich laengst dem IBFG angeschlossen.
Die Absicht des IBFG, Landesorganisationen ins Leben zu rufen,
wird sich unmittelbar auf die Gewerkschaften in den Kolonien auswirken. Dieses Landes^rogramm wird jedoch keinesfalls der aktiven
Politik des TUC im Wege stehen, die in engster Verbindung mit der
Gewerkschaftsbewegung in den britischen Territorien betrieben wird.
Als die Delegierten aus den Kolonien beim ersten Kongress
des IBFG mit dem kolonialen Beratungsausschuss des TUC im Dezember des vergangenen Jahres zusammenkamen, wurden die dringlichsten
Probleme der Gewerkschaften in den Kolonien eingehend eroertert.
Die Delegierten wiesen hierbei auf die drei wichtigsten Notwendigkeiten hin:
1. Den Besuch britischer Gewerkschafter in den Kolonien, um
die Verhaeltnisse an Ort und Stelle kennenzulernen und Anregungen
zu geben.
2. Buero- und Werbematerial sowie Kraftfahrzeuge zur Verfuegung zu erhalten; und schliesslich
3. eine regelmaessige und ausreichende Versorgung mit brauchbaren Veroeffentlichungen.
Wie sehr gewerkschaftliches Lesematerial in den Kolonien erwuenscht ist, beweist die Tatsache, da?s Westindien hundert Exemplare der Gewerkschaftsgeschichte von Webbs angefordert hat. Um
passende Buecher und sonstige Literatur vor allem fuer Leser in
den Kolonien zur Verfuegung zu stellen, konnten ohne Schwierigkeiten 5000 Pfund Sterling aufgewendet werden. Diese Hilfe ist sehr
willkommen. Weit besser waere es jedoch, in jede Kolonie einen
erfahrenen Gewerkschafter zu schicken, der dort die oertlichen
Verhaeltnisse und Schwierigkeiten studiert und sofort beratend
eingreifen kann. Jeder Besuch dieser Art wuerde etwa o50 Pfund
Sterling kosten. Ausserdem muessen die einmal aufgenommenen Beziehungen aufrechterhalten werden. Zur Finanzierung eines Anfangsnrogramms fuer die beiden naechsten Jahre hat der Generalrat des
TUC den Delegierten des Kongresses eine Summe von annaehernd
27,000 Pfund Sterling vorgeschlagen und fuer die folgenden Jahre
einen weiteren Betrag von je 10,000 Pfund Sterling.
Die bis jetzt geleistete Arbeit ist aus einem Sonderfonds
finanziert worden, der im Jahre 1947 durch eine Spende von 500
Pfund Sterling aus Geldern des TUC und verschiedener anderer Zuwendungen angeschlossener Gewerkschaften in Hoehe von 2700 Pfund Sterling entstanden ist. Diese Mittel sind viel zu gering, um wirksam
zu sein. In dem Sonderbericht an den Kongress heisst es: "Die
finanziellen Belastungen sind gross; im Verhaeltnis zu der lebens-

�wichtigen Aufgabe, die erfuellt werden muss, sind sie jedoch keinesfalls uebertrieben. Die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung
in den Kolonien ist zum grossen Teil durch das Beispiel der Gewerkschaftsorganisationen Grossbritanniens gelenkt worden. Vor
allem aufbaumaessig koennen diese Gewerkschaften aus der Erfahrung
des TUC lernen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass sich die
Bewegung in Grossbritannien im Lichte eigener Verhaeltnisse entwickelt hat und damit nicht fuer die Kolonien als Beispiel gelten
kann. Die industriellen, sozialen und im allgemeinen auch die
schulungsmaessigen Normen sind dort verschieden.
In England hat sich die Bewegung auf rein industrieller Basis
entwickelt. Dagegen koennen, was auch tatsaechlich vorgekommen
ist, die Gewerkschaften in den Kolonien von Leuten missbraucht werden, die in diesen industriellen Organisationen eine Moeglichkeit
sehen, ihre persoenlichen politischen Wuensche zu erfuellen. Die
Zeit fuer eine erfolgreiche Entwicklung der Gewerkschaften ist noch
zu kurz, wenn man unter Gewerkschaften auch dort Arbeiterorganisationen versteht, die danach trachten, die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder zu wahren, und unabhaengige Organisationen
zu sein, die ihre Politik selbst bestimmen und unabhaengig handeln.
Sie brauchen die Hilfe und Anleitung durch Sachverstaendige, um die
sie uns gebeten haben.
Labor
IX/50
DER KONGRESS DER "FORCE OUVRIERE"
Ein entscheidender Schritt zur Einigung mit anderen nichtkommunistischen, franzoesischen Gewerkschaften wurde von 1000 Delegierten der franzoesischen Gewerkschaft "Force Ouvriere" auf einem
Kongress in Paris getan.
Die Delegierten, die eine Million Mitglieder Frankreichs und
seiner Kolonien vertreten, kamen vom 25. - 28. Oktober zusammen,
um zu beraten, wie sie ihre Gewerkschaft staerken koennten. "Force
Ouvriäre" ist ein nichtkonmunistischer Gewerkschaftsbund, der seit
drei Jahren besteht und sich vom kommunistisch beherrschten Allgemeinen Gewerkschaftsbund (Confeder&amp;tion General du Travail) getrennt hat.
Die Delegierten beschlossen, Mitglieder anderer, nichtkommunistischer Gewerkschaften einzuladen, an ihren Sitzungen teilzunehmen.
Ausserdem wandten sie sich mit der Bitte um Vereinigung der französischen Gewerkschaftsbewegung an diese anderen nichtkommunistischen
Grupoen, vor allem an die Gewerkschaft der Christlichen Arbeiter
(C.F.T.C.) und den Verband der Vorarbeiter (C.G.C.). Hierzu wurden
die folgenden drei Forderungen gestellt:
1. Gruendung eines staendigen, gemeinsamen Gewerkschaftskomitees, das die Moeglichkeiten der Vereinigung eroertern soll.
2. Wirkliche Zusammenarbeit der Gewerkschaften, um gemeinsam
die Forderungen der Arbeiter vertreten zu koennen.
3. Der Vorschlag darf die Gewerkschaften nicht ihrer Selbststaendigkeit und des Rechtes berauben, vor Abschluss eines allgemeinen Abkommens eigene Entscheidungen zu treffen.
Die Delegierten beschlossen ausserdem:
1. Die Gewerkschafts- und Aufnahmebeitraege zu verdoppeln,
die damit 50 Franken im Monat, beziehungsweise 20 Franken betragen.
- 5-

�2. Kit anderen Gewerkschaftsgruppen im Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften enger zusammenzuarbeiten.
3. Die Loehne vom Lebenshaltungskostenindex und der Produktionsleistung abheengig zu machen. Diese bewegliche Tabelle war
die positivste Massnahme,die von den Delegierten in ihrem .Virtschaftsund Sozialprogramm getroffen wurde.
4. Die einsichtigeren franzoesjschen Arbeitgeber zu ermutigen,
nicht nur darauf bedacht zu sein, Gewinne zu erzielen, sondern auch
die Produktion zu steigern und die Gestehungskosten zu senken.
5. Das Kartell zur groessten Gefahr fuer wirksame Verhandlungen der Arbeitnehmer zu erklaeren.
6. Sich die Kenntnisse zunutze machen, die sich Besuchergruppen bei amerikanischen Gewerkschaften im Rahmen des Frogramms zur
technischen Unterstuetzung erworben haben.
7. Fuer ein vereinigtes Europa als Vorbedingung fuer einen
hoeheren Lebensstandard zu arbeiten.
Der Kongress wies mit Stolz auf die von der "Force Ouvriere"
erzielten Erfolge hin.
1. Sie hat den franzoesischen Arbeiter von der Sinnlosigkeit
einer Steigerung der Nominalloehne ueberzeugt.
2.

Sie hat die Loehne von der Kontrolle der Regierung befreit.

3.

Sie hat das Tarifverhandlungswesen eingefuehrt und

4. hat sie ein Gesetz erlassen, dass einen Mindestlohn von
159 Franken pro Stunde festsetzt.
Die Delegierten dankten ausserdem dem amerikanischen Arbeiter
fuer die Marshallplan Hilfe. Als Gewerkschaftsdelegierte aus dem
Ausland waren anwesend:
J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer des I.B.F.G., Irving
Brown, der Vertreter der A.F.L. in Europa, Eimer Cope, der C.I.O.Repraesentant in Europa, Victor Reuther von der Automobilerbeitergewerkschaft des C.I.O., Paul Finet, der Praesident des I.B.F.G.,
Giulio Pastore, der Generalsekretaer des italienischen Gewerkschaftsbundes C.I.S.L., Hans vom Hoff aus Deutschland, Alfred Roberts, der
Vorsitzende des britischen Gewerkschaftsbundes T.U.C. und Körte aus
Norwegen.
ECA Labor Information
DIE ARBEITSWEISE DER GEWERKSCHAFTEN IN AMERIKA
Auf Grund "sehr freundschaftlicher, kooperativer und hoechst
konstruktiver Aussprachen" ist die Stimme der 15 Millionen organisierter Arbeiter jenseits des Atlantiks heute staerker denn ;e.
Die Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten arbeiten aber
auch unter Anwendung von Methoden, die, wie der nachstehende Artikel beweist, von den westeuropaeischen gaenzlich verschieden
sind.
Mit dem Wunsch, ueber die seit 14 Jahren bestehende Kluft zwischen ihren beiden Organisationen eine Bruecke zu schlagen, sind
vor kurzem Funktionaere des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL
- 6

�und des Kongresses der Industrieverbaende (CIO) zusammengetreten,
um zu beraten, wie sie in wirksamer Weise gemeinsam handeln koennten. Diese Beratungen haben zu einer engeren Zusammenarbeit gefuehrt, aus der eines Tages eine vereinigte Gewerkschaftsbewegung
in den Vereinigten Staaten entstehen koennte.
I..an wurde sich darueber einig, dass Meinungsverschiedenheiten
in Organisationsfragen am besten am gemeinsamen Verhandlungstisch
beseitigt werden koennten, um alle Fragen zu politischen Massnahmen
von hoechster Stelle aus gemeinsam zu bearbeiten. Man bildete einen staendigen "Vereinigungsausschuss" und ein Komitee, die auf
friedlichem Wege alle anderen Fragen behandeln soll, ueber die die
beiden Organisationen geteilter Meinung sind.
Gleichzeitig sind andere Ursachen dieser Spaltung zwischen
den beiden nationalen Gewerkschaftsgruppen in schnellem Verschwinden begriffen. Der Konflikt begann im Jahre 1936 mit einer Auflehnung gegen die zoegernde Haltung der Berufsgewerkschaften, die
rapide aufbluehenden Industrien der Massenproduktion organisatorisch zu durchdringen, und heute nimmt der CIO in seine eigenen
grossen Mitgllederverbaende der Gummi-, Automobil-, Stahl-, Glasund Elektroindustrie Berufsgewerkschaften auf. Auf der anderen
Seite vereinigt die AFL Industrieverbaende mit den Berufsgewerkschaften, die seit langem in ihren Reihen bestehen.
Darueberhinaus sind sich beide Organisationen in ihrem organisatorischen Aufbau bereits sehr aehnlich. So wie der britische
Gewerkschaftskongress (TUC) sind sie beide Verbaende auf der Basis
der einzelnen Staaten, die sich aus angeschlossenen Gewerkschaften
zusammensetzen, die ihrerseits weitgehend autonom sind. Beide
organisieren in ganz Amerika und Kanada die Arbeiter in ihren sogenannten "internationalen" Gewerkschaften. Beide bieten den
ihnen angeschlossenen Verbaenden von einer Zentralstelle aus
Dienstleistungen. Und die Gewerkschaften beider Organisationen
haben als Grundlage ihres organisatorischen Aufbaus die Einzelgewerkscheft oder "Lokalgewerkschaft", deren Mitgliedschaft sich in
den Industrieverbaenden aus der gesamten Belegschaft eines Betriebes, gleich welchen Ranges oder Berufes, und in den Berufsgewerkschaften aus den Handwerkern und Angehoerigen einer bestimmten Beruf sgruppe zusammensetzt; letztere gehoeren in der Regel kleineren Betrieben in irgendeinem bestimmten Gebiet an.
Was die amerikanische Lokalgewerkschaft so sehr von der britischen unterscheidet, ist der Grad ihrer Selbstaendigkeit. Mit
ihren eigenen Bueros und ihrem eigenen Verwaltungs- und Bueropersonal bearbeiten die Lokalgewerkschaften Streitigkeiten und Beschwerden. Haeufig arbeiten sie Richtlinien aus unter Beachtung
der gewerkschaftlichen Grundsaetze und Entscheidungen, die auf
Konferenzen getroffen wurden. Da man jedoch in den Vereinigten
Staaten Tarifverhandlungen auf industrieweiter Basis im allgemeinen ablehnt, fuehren sie auch Verhandlungen mit "ihren" Unternehmern.
Verschiedene Faktoren haben zu dieser weitgehenden Selbstaendigkeit des Handelns beigetragen. Kollektivverhandlungen werden
dann auf betrieblicher Ebene durchgefuehrt, wenn die Belegschaft
durch Abstimmung entschieden hat, welche Gewerkschaft sie fuehren
soll. Wenn die Mitglieder einer Lokalgewerkschaft an einer einzigen Arbeitsstelle zusammengefasst sind, ist es leicht, eine Fuehlungnahme und persoenliche Beziehungen herzustellen, im uebrigen
hat die Lokalgewerkschaft, sehr oft nur mit einem einzigen Unternehmen zu tun.
Praktisch besteht der einzige Unterschied der meisten Lokalgewerkschaften nur in der Zahl der Arbeitnehmer der Betriebe, fuer
- 7-

�die sie zustaendig sind. In der Stahlindustrie schwanken die Mitsdiederzahlen der Lokalgewerkschaften zwischen 15 und 15.000.
Die Lokalgewerkschaft Nr. 600 (Ford) der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO zaehlt 62.000 Mitglieder und hat 16 verschiedene
Referate.
Zur Deckung ihrer Verwaltungsunkosten hat jede Gewerkschaft
bestimmte Mitgliedsbeitraege festgesetzt, die, wie in England, in
den einzelnen Organisationen verschieden sind, aber im allgemeinen
sowohl in der AFL als auch dem CIO zwischen vier und zehn DM im
Monat liegen. Aber an Stelle des Kassierers, der bei den Mitgliedern die Beitraege abholt, wendet man das sogenannte "check-off
System an, nach dem die Arbeitgeber die Beitraege von den Loehnen
abziehen und auf das Konto der Gewerkschaften ueberweisen.
Etwa alle sechs Monate kommen eigens dafuer vorgesehene Rechnungspruefer zu den Lokalgewerkschaften, um die Konten und Geschaeftsbuecher zu ueberpruefen und die Gewerkschaftsstatistiken
auf dem laufenden zu halten. Das einkassierte Geld wird fuer Zwecke
der Verwaltung, Forschung, V/ohlfahrt, Renten, Schulung und Presse
verwendet. In der Regel behaelt die Lokalgewerkschaft etwa die
Haelfte der Beitraege ein, den Rest ueberweist sie an die Zentralstelle der Gewerkschaft, die ihrerseits wieder bestimmte Beitraege
fuer ihre Mitgliedschaft zu leisten hat. Diese betragen im CIO
etwa 0.30 DM pro Mitglied und in der AFL 0.15 DM.
Britische Gewerkschafter, die vor kurzem in Amerika waren,
haben berichtet, dass mit .ausnähme einiger hoeher bezahlter Gewerkschaftsvorsitzender die dortigen Gewerkschaftsfunktionaere nur wenig
mehr oder ebensoviel verdienen wie ihre Kollegen diesseits des Atlantiks, wenn man den Unterschied in den Lebenshaltungskosten beruecksichtigt.
Zu den anderen Auslagen der Gewerkschaften gehoeren Wohlfahrtsunterstuetzungen und Krankengelder sowie die Erstattung von Krankenhauskosten, Sterbegeldern und Pensionen. Arbeitslosenunterstuetzungen sind nur in wenigen Faellen vorgesehen.
'Yas die Alterspensionen betrifft, so haben sich einige Gewerkschaften mit Erfolg fuer zusaetzliche Pensionen -aus Arbeitgeberfonds
eingesetzt, die durch Tarifvertraege festgelegt sind. In der Stadt
New York haben die Maler und Elektriker zum Beispiel mit ihren Unternehmern Vereinbarungen getroffen, wonach diese Betraege in Hoehe
von 2% ihres Lohnlistenbetrages in die Pensionskassen der Gewerkschaften zahlen, üuch die Forderung der Stahlarbeiter nach einer
Sonderpension neben der von der Regierung gezahlten ist von den
Unternehmern angenommen worden.
Auf dem Gebiet der Arbeiterbildung sind einige amerikanische
Gewerkschaften viel weiter fortgeschritten als die Mehrzahl der
Gewerkschaften in England und Westeuropa - in erster Linie deshalb,
weil man in England keine Arbeiterbildungsvereinigung und keinen
Nationalrat der Gewerkschaftsschulen hat. Das Referat fuer Arbeiterbildung in der AFL zum Beispiel organisiert Hunderte von Lehr&lt;*aengen, erteilt Vorlesungen, stellt Studiengruppen im ganzen Lande
zusammen, arbeitet gemeinsam mit den oeffentlichen Buechereien,
stellt Redner zur Verfuegung und gibt Ratschlaege ueber Filme und
Rundfunksendungen. Aehnlich wie die Autoraobilarbeitergewerkschaft
des CIO haben sich auch andere Gewerkschaften auf die Schulung der
in den Ortsgewerkschaften
arbeitenden Funktionaere in alltaeglichen Problemen konzentriert.
Film, Rundfunk und Beziehungen zur Oeffentlichkeit sind andere
Gebiete, fuer die Gowerkschaftsgelder verwendet werden. Filmvor- 8-

�füehrungen und Lichtbildvortraege gewinnen in der Schulungsarbeit
der Gewerkschaften immer mehr an Bedeutung, und mit erhoehter Aufmerksamkeit ist man darauf bedacht, sich die Unterstuetzung der
Oeffentlichkeit fuer gewerkschaftliche Probleme durch eine "gute
Presse" zu sichern. Und einige Gewerkschaften, wie die Automobilarbeitergewerkschaft oder die Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft, bedienen sich des Rundfunks in der Ueberzeugung, dass er
in allernaechster Zeit einen tiefen Einfluss auf die. Hoerer, die
Gewerkschaftsmitglieder sind, und auf die Oeffentlichkeit ueberhaupt haben wird.
Fuer eine Sache geben die amerikanischen Gewerkschafter jedoch kein Geld aus, und zwar fuer irgendeine politische Partei,
der sie vielleicht sogar angehoeren. Es gibt in Amerika keine
"politischen Abgaben" der Gewerkschaften. Auch gibt es keine
Arbeiterpartei, die von den organisierten Arbeitern direkt unterstuetzt wuerde oder eine Politik betriebe, an deren Formulierung
sie beteiligt waeren.
Es sind jedoch Anzeichen dafuer vorhanden, dass die amerikanischen Gewerkschafter der Auffassung sind,dass ihnen die "pressure
group" Methode in Washington und in den Hauptstaedten der einzelnen Staaten nicht dienlich genug ist.
Schon seit einiger Zeit
macht sich der CIO durch sein politisches Aktionskomitee bemerkbar, das sowohl Roosevelt als auch Truman zum Einzug ins Weisse
Haus verholfen hat. Als neueste Massnahme kommt nun diese wichtige
Vereinbarung zwischen AFL und CIO hinzu, politisch gemeinsam zu
handeln und gegen die kommunistischen Umtriebe in ihren Organisationen aeusserst wachsam zu sein.
Als gutes Vorzeichen fuer die Zukunft ist ausserdem der Einsatz fuer die Gruendung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften durch die freie Weltarbeitskonferenz im Dezember vorigen Jahres zu deuten, wo zum erstenmal auf einer internationalen
Konferenz Delegierte des CIO und der AFL Seite an Seite standen
und gemeinsam am Aufbau einer wirksamen demokratischen Organisation mitarbeiteten.
*

*

*

Ausser diesen beiden grossen Organisationen (AFL mit etwa
acht und CIO mit rund sechs Millionen Mitgliedern) gibt es in den
Vereinigten Stauten noch andere unabhaengige gewerkschaftliche Organisationen. Die bedeutendsten hiervon sind die Organisationen
der Eisenbahner, die in der "Railway Brotherhood" zusammengefa^st
sind, die Vereinigten Bergarbeiter von Amerika und die Internationale Gewerkschaft der Maschinisten. Die letztgenannte trifft jedoch Vorbereitungen, um sich der AFL anzuschliessen.
Labour
X/1950
ENTWICKLUNGEN IN DER GESAMTAMSRIKANISCHEN GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
I

Drei bedeutende mexikanische Gewerkschaftsorganisationen und
Kolumbiens staerkster Gewerkschaftsbund sind Ende des Jahres 1949
und zu Anfang des Jahres 1950 au3 dem Lateinamerikanischen Gewer'kschaftsbund {CTAL) ausgetreten, der als Parallele zum kommunistisch
orientierten Weltgewerkschaftsbund (WGB) fuer die westliche hemisphaere anzusehen ist. Im Mai 1950 hatte der CTAL einen regionalen
"Kongress des Suedens" abgehalten, der den Zweck hatte, "Arbeitsprobleme der suedamerikanischen La ender*zu eroertern" und zur
"moralischen Solidaritaet der Arbeiterschaft in den Vereinigten
Staaten und Kanada" aufzurufen. Der Exekutivaujschuss des Inter- 9-

�amerikanischen Gewerkschaftsbundes (CIT), der im Juli 1950 zusammentrat, kuendigte an, dass geplant sei, in Zusammenarbeit mit
dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften auf einer regionalen Konferenz einen neuen Gewerkschaftsbund fuer die amerikanische
Hemisphaere zu gruenden.
Der Mexikanische Gewerkschaftsbund (CTM), die groesste und
eine der aeltesten Gewerkschaftsorganisationen in Mexiko, fuehrte
auf seinem Landeskongress im April 1950 die Satzungsaenderungen
durch, die fuer seine internationale Mitgliedschaft und fuer seinen Austritt aus dem Weltgewerkschaftsbund und dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund (CTAL) notwendig sind. Ein neues Landeskomitee wurde fuer sechs Jahre gewaehlt, das befugt ist, zukuenftige Mitgliedschaften in internationalen Organisationen nach eigenem Ermessen zu bestimmen. In Gewerkschaftskreisen Mexikos erwartet man allgemein, dass sich der Mexikanische Gewerkschaftsbund in
Kuerze dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften anschllessen
und einer der Hauptteilnehmer an dem bevorstehenden regionalen Konvent des IBFG in der Stadt Mexiko sein wird. Unter der Fuehrung
von Vincente Lombardo Toledano hatte der CTM den CTAL im Jahre
1936 gegruendet und blieb das Bollwerk fuer diese Organisation,
bis Lombardo Toledano im Jahre 1948 ausgestossen wurde.
Auf ihrem Nationalkongress im Dezember 1949 hatte sich auch
die Gewerkschaft der mexikanischen Petroleumarbeiter (STPRM) vom
Weltgewerkschaftsbund und vom Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund zurueckgezogen und einen nichtkommunistischen Exekutivausschuss gewaehlt, um die Funktionaere zu ersetzen, die mit allen
Mitteln versucht hatten, einen kommunistisch gelenkten lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund der Petroleumarbeiter zu organisieren. Zur gleichen Zeit war die Organisation aus der Allgemeinen
Union der Arbeiter und Bauern Mexikos (UGOCM) ausgetreten; diese
Union war im Juli 1949 von dem Vorsitzenden des CTAL Lombardo
Toledano kurze Zeit nach seinem Ausschluss aus dem Interamerikanischen Gewerkschaftsbund (CIT) gegruendet worden. Die Gewerkschaft
der mexikanischen Petroleumarbeiter war seit Bestehen der Allgemeinen Union der Arbeiter und Bauern Mexikos eine der Hauptstuetzen dieser Organisation gewesen.
Die Nationale Gewerkschaft der Berg- und Metallarbeiter Mexikos - die als einzige noch der Allgemeinen Union der Arbeiter und
Bauern Mexikos angeschlossen war - sprach sich auf ihrem letzten
Landeskongress fuer ihren Austritt aus dieser Organisation und
aus dem Interamerikanischen Gewerkschaftsbund aus. Der Kongress
waehlte einen nichtkommunistischen Gewerkschaftsvorstand.
Notes on Labor Abroad
8/50
DIE CHILENISCHEN GEV.TSRKSCHAFTEN
Die Taetigkeit der Gewerkschaften auf dem Gebiet der Tarifverhandlungen hat in Chile im Jahre 1949 zu Lohnaufbesserungen gefuehrt, denen jedoch fortwaehrende Steigerungen der Lebenshaltungskosten gegenueberstehen. Die wichtigste sozialpolitische Taetigkeit der Regierung bestand in der Erstellung billigen Wohnraums.
Der Wohnraummangel stellt noch immer eines der groassten Probleme
Chiles dar.
Die chilenische Gewerkschaftsbewegung ist noch in eine Reihe
konkurrierender und politisch entgegengerichteter Gruppen gespalten, und es gibt bisher keine zentrale Organisation, die von der
Mehrheit der chilenischen Arbeiter unterstuetzt wuerde. Ueber den
- lü -

�Prozentsatz der organisierten Arbeiter Chiles sind keine statistischen Angaben verfuegbar. Die wichtigste organisatorische Entwicklung im Verlauf des Jahres 1949 war das Anwachsen der Foederation der Privatangestellten (CEPCH) und der Nationalgewerkschaft
der Angestellten (JUNECH) - beides Angestelltengewerkschaften.
Das Fehlen einer vereinigten Gewerkschaftsbewegung und der
von der Regierung ausgeuebte Druck, um Streitigkeiten vor Ausbruch
eines Streiks beizulegen, hatten zur Folge, dass im vergangenen
Jahre verhaeltnismaessig friedliche Arbeitsbeziehungen herrschten.
Von 792 formellen Forderungen, die den Unternehmern von den Gewerkschaften unterbreitet wurden, und die sich auf etwa 114.000
Arbeiter und Angestellte bezogen, wurden 543 Forderungen in direkten Verhandlungen oder unter Zuhilfenahme staendiger Schlichtungsausschuesse stattgegeben; 68 blieben unberuecksichtigt, weil man
entweder Hintertueren im Gesetz anwandte, oder weil die interessierten Parteien nicht auf ihren Forderungen bestanden. 33
wurden von besonderen Schiedsausschuessen beigelegt und die uebrigen standen gegen Ende des Jahres in Schiedskommissionen zur Debatte. Praktisch gab es keinen ernsthaften Streik. An den insgesamt 23 Streiks waren offiziellen Angaben zufolge 8.700 Arbeitnehmer beteiligt. Obwohl keine Schaetzungen ueber den durch
Streiks verursachten Verlust an Arbeitszeit vorliegen, waren die
meisten Streiks von verhaeltnismaessig kurzer Dauer.
Durch die Beilegung der Streitigkeiten kamen etwa 79.100
Arbeitern 405 Millionen Pesos in Form von Loehnen oder sonstigen
Verguetungen zugute. Statistische Angaben der Regierung besagen,
dass die Tagesloehne in den verschiedenen Industriezweigen zwischen
81.88 Pesos fuer die Arbeiter in der Lederindustrie und 173.06
Pesos fuer die in der Papier- und Kartonagenindustrie Beschaeftigten schwanken. Der durchschnittliche Tageslohn belief sich auf
120.20 Pesos. Die in den meisten neuen Arbeitsvertraegen vorgesehenen Lohnaufbesserungen des Jahres 1949 lagen zwischen 16 und
24$, sie waren somit nicht hoeher als der Anstieg der Lebenshaltungskosten. Trotz der Bemuehungen der Regierung, den Anstieg
der Lebenshaltungskosten aufzuhalten, stieg er ungefaehr um den
gleichen Satz wie in den vorangegangenen drei Jahren.
Obwohl keine erschoepfenden Statistiken ueber Beschaeftigtenziffer und Erwerbsbevoelkerung vorliegen, kann mit Sicherheit angenommen werden, dass Chile einen hohen Beschaeftigungsstand zu
verzeichnen hat. Im Baugewerbe herrschte eine gewisse Arbeitslosigkeit, in der Schuhindustrie und im Kupferbergwerk kam es verschiedentlich zu Betriebsstillegungen. Ein ernsthaftes Arbeitslosigkeitsproblem besteht jedoch nicht. Die Zahl der bei den
Arbeitsvermittlungsaemtern registrierten Personen betraegt 4.792,
nach den Angaben des chilenischen Arbeitsministeriums muss mit
weiteren 12.000 Arbeitslosen gerechnet werden, die bei den Arbeitsvermittlungsaemtern der Regierung nicht registriert waren.
Notes on Labor Abroad
8/50
DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG SCHWEDENS
Die Erwerbsbevoelkerung in Schweden zaehlt drei Millionen, wovon etwa 1/2 Million selbstaendige Arbeiter sind. Die Arbeitslosigkeit unter Gewerkschaftsmitgliedern wurde im Jahre 1949 mit
2,7% beziffert, im Mai 1950 mit 1,4%, im Gegensatz zu einem Vorkriegsdurchschnitt von 9 - 10%. Diese geringfuegige Arbeitslosigkeit ist z.T. durch Arbeitsplatzwechsel und z.T. durch Wohnraum- 11 -

�mangel bedingt. In genz Schweden herrscht Vollbeschaeftigung und
fuer bestimmte Fachberufe sogar ein Mangel an Arbeitskraeften.
Der Durchschnittsstundenlohn in der Industrie betrug im vorigen
Jahre fuer maennliche Arbeiter 2,61 schwedische Kronen und fuer
Frauen 1,85 schwedische Kronen. Der durchschnittliche Jahresverdienst maennlicher Industriearbeiter belief sich auf 5.784 schwedische Kronen. Im allgemeinen hat die Arbeitswoche in der schwedischen Industrie 43 Arbeitsstunden. In einigen Industrien, wie
z.B. im Untertagebergbau, ist sie kuerzer. Der satzungsmaessig
festgelegte bezahlte Urlaub von zwei Wochen soll in allernaechster
Zukunft auf drei Wochen erhoeht werden.
95 - 98$ aller Industriearbeiter in Schweden sind in Gewerkschaften organisiert, die dem Schwedischen Gewerkschaftsbund (L.O.)
angehoeren. Die Gesamtmitgliederzahl dieser Organisation belaeuft
sich zur Zeit auf annaehernd 1.256.000 und umfasst sowohl die
Angestellten der Eisenbahnen, des Staates und der Gemeinden als
auch die landwirtschaftlichen Arbeiter. Angestellte und Angehoerige freier Berufe sind in zwei Gewerkschaften organisiert, die
der Zentralorganisation der Angestellten (T.C.O.) angeschlossen
sind. Diese Berufsgruppen sind zu 50 bis 55% gewerkschaftlich organisiert, die Mitgliederzahl des T.C.O. betraegt augenblicklich
260 000.
Enge Beziehungen bestehen zwischen der Gewerkschaftsbewegung
und der Sozialdemokratischen Partei. Der T.C.O. jedoch betreibt
auf Grund der Tatsache, dass ein grosser Teil seiner Mitglieder anderen politischen Parteien angehoert, eine ueberparteiliche Politik. Die nationalen Gewerkschaften des L.O. und die grosse Mehrheit der Lokal-Gewerkschaften stehen unter sozialdemokratischer
Fuehrung. Viele lokalen Gewerkschaften gehoeren geschlossen der
Partei an, doch steht es den einzelnen Mitgliedern frei, anderen
oder keiner Partei anzugehoeren. Axel Strand, der Vorsitzende
des L.O. , und Walter Aman, der Direktor des T.C.O., sind beide
Mitglieder des Schwedischen Parlaments (Riksdag) und haben infolgedessen die Moeglichkeit, den Standpunkt ihrer Organisationen in
diesem Forum zu vertreten.
Sowohl der L.O. als auch der T.C.O. haben sich dem neuen Internationalen Bund Freier Gewerkschaften angeschlossen. Der L.O. hat
die Internationalen Berufssekretariate, besonders den Internationalen Transport-Arbeiter-Verband, tatkraeftig unterstuetzt. Seine
ihm angeschlossenen Laodesgewerkschaften halten inoffizielle, aber
enge Beziehungen mit den entsprechenden Gewerkschaftsgruppen in
anderen skandinavischen Laendern und Finnland aufrecht.
Der Arbeitsmarkt Schwedens ist im allgemeinen unabhaengig und
die schwedische Regierung betreibt eine Politik der Nichteinmischung, die sowohl von den Unternehmern als auch von den Gewerkschaften gebilligt wird. Der Arbeitsgesetzgebung liegen die folgenden drei Hauptgrundsaetze zugrunde:
1. Das Recht der Arbeitnehmer oeffentlicher und privater
Unternehmen, sich zu organisieren und Tarifvertraege abzuschliessen,
ist garantiert.
2. Ein Schlichtungsdienst der Regierung ist gesetzlich festgelegt, die Entscheidungen der Schlichter sind jedoch nicht bindend.

3. Die Arbeitsgerichtsbarkeit wurde.zu dem Zweck ins Leben
gerufen, die Auslegung der. bestehenden Vertraege zu eroertern. Seine Entscheidungen sind endgueltig und bindend fuer die Vertragspartner.
- 12 -

�Die grundlegenden Richtlinien ueber die 'Yechselbeziehungen
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern fuer ganz Schweden sind in
Abkommen zwischen dem schwedischen Arbeitnehmerverband, dem L.O.
und dem T.CO. niedergelegt. Industrieweite Vereinbarungen zwischen Arbeitgebervereinigungen und Landesgewerkschaften regeln
Lohntarife, Ueberstunden und andere Einzelheiten. Ein solches Abkommen wurde z.B. zwischen der schwedischen Vereinigung der Eisenund Stahlwerke und der schwedischen Metallarbeitergewerkschaft abgeschlossen. Der "closed Shop" als solcher besteht in Schweden
nicht, die weitgehend organisierte Gewerkschaftsbewegung laeuft
jedoch praktisch auf dasselbe hinaus.
Die Gewerkschaftsbewegung in Schweden spielt eine hoechst
verantwortliche Rolle im Staate, was durch die Tatsache bewiesen
ist, dass L.O. und T.C.O. Ende 1948 und 1949 in Unterstuetzung
der Stabilisierungspolitik der schwedischen Regierung ihre angeschlossenen Gewerkschaften gebeten haben, keine Lohnaufbesserungen
fuer die Jahre 1949 und 1950 zu fordern. Alle Landesgewerkschaften erklaerten sich hiermit einverstanden. Die Regierung vernflichtete sich ihrerseits, die Lebenshaltungskosten zu stabilisieren, was ihr im allgemeinen auch gelungen ist. Fuer 1951 ist
eine Aufhebung der Lohnkontrolle in begrenztem Umfang vorgesehen,
wobei sich die Gewerkschaften eine Selbstbeschraenkung auferlegen
und die Regierung fortfahren soll, die Preiskontrolle so wirksam
wie moeglich auszuueben.
Seit dem grossen Metallarbeiterstreik im Jahre 1945 hat kein
bedeutender Streik stattgefunden. Ein paar voellig belanglose
Streiks wurden zum groessten Teil von den Kommunisten angestiftet
und dauerten nur wenige Stunden.
Wie zu erwarten war, haben die Kommunisten einen grossen Teil
ihrer Propaganda auf die Tatsache gestuetzt, dass die Gewerkschaften mit der Regierung bei dem Stabilisierungsprogramra zusammenarbeiten. Trotzdem jedoch ist der kommunistische Einfluss in den
Gewerkschaften im Laufe der letzten vier Jahre staendig zurueckgegangen. Dieser Rueckgang steht ungefaehr im Verhaeltnis zu den
Wahlniederlagen der Kommunisten gegen Ende des Jahres 1950, als sie
nur 50% ihrer Stimmen von 1946 erhielten. Waehrend die Kommunisten
niemals irgendeinen Einfluss auf die Fuehrung des Gewerkschaftsbundes hatten, setzten sie sich in der Mitgliedschaft der Metallarbeitergewerkschaft durch und beherrschten bis vor kurzem sogar
die beiden groesseren Ortsgewerkschaften Stockholm und Goeteborg.
Sie fuehrten den langwierigen Metallarbeiterstreik im Jahre 1945
erfolgreich durch. Zur Zeit beherrschen sie nur etwa 150 der fast
9.000 Ortsgewerkschaften im L. 0. , die jedoch alle nur klein sind.
Etwa 10$ saemtlicher Mitglieder des L.O. gehoeren der kommunistischen Partei an.
In Schweden besteht kein allgemeines staatliches Arbeitslosenversicherungssystem. Die schwedische Regierung ueberwacht und unterstuetzt jedoch Arbeitslosenversicherungsprogramme, die von den einzelnen nationalen Gewerkschaften aufgestellt werden.
Seit vielen Jahren gibt es in Schweden ^.lterspensionen. Jeder
Buerger bezieht heute im Alter von 67 Jahren eine Pension von 1.000
Kronen. Die Hoechstpension, die einem Ehenaar gezahlt wird, betraegt 1.600 Kronen. Kinderbeihilfen werden in Hoehe von jaehrlich
265 Kronen je Kind gezahlt. Fuer die ülterspensionen und auch die
Kinderbeihilfen bedarf es keines Nachweises ueber die Bedürftigkeit.
Ein umfassendes System einer allgemeinen obligatorischen Krankenversicherung, das vom Reichstag unmittelbai' -,ach dem zweiten
- 13 -

�Weltkriege verfuegt wurde und 1950 in Kraft treten sollte, wurde
auf 1951 verschoben. Inzwischen hat man beschlossen, es bis zu
dem Zeitpunkt aufzuschieben, an dem das notwendige medizinische
Personal und die erforderlichen Einrichtungen verfuegbar sind.
In der Zwischenzeit sind etwa 60% der Bevoelkerung bei oertlichen
Versicherungsgesellschaften, die von der Regierung finanziel unterstuetzt werden, freiwillig gegen Krankheit versichert.
Arbeitsmitteilungen der ECA
10/18/50
WARUM DIE ARBEITER IHREN ARBEITSPLATZ VERLASSEN
Welcher Betrieb haelt seine Arbeiter am laengsten - der kleine
oder der grosse?
Die meisten werden sagen: der kleine Betrieb. Dort ist der
Besitzer zugleich Betriebsleiter. Er kennt seine Arbeiter persoenlich, sieht sie haeufig und ist in der Lage, Schwierigkeiten
schnell und an Ort und Stelle zu beseitigen.
Dies mag noch immer zutreffen, aber die von dem britischen
Institut fuer Betriebsleitung festgestellten Tatsachen ergeben ein
anderes Bild. Dieses Institut hat 287 Firmen aus 36 verschiedenen
Industriezweigen, die ueber 300.000 Arbeiter beschaeftigen, einer
sechs-monatigen Studie unterzogen und ist zu der folgenden Schlussfolgerung gekommen: je kleiner der Betrieb, umso grösser die
jaehrliche Zahl der Arbeitsplatzwechsel. Mit anderen Worten, in den
kleinen Unternehmen verlassen mehr Arbeiter ihren Arbeitsplatz als
in den grossen. Die Ueberzaehligkeit von Arbeitskraeften in diesen Betrieben spielt hierbei natuerlich eine grosse Rolle. Der
kleine Betrieb kann es sich nicht wie der grosse leisten, Arbeiter
zu bezahlen, wenn keine Arbeit fuer sie vorhanden ist. Auch ist
es in einem grossen Betrieb leichter, fuer einen ueberzaehligen
Arbeiter einen anderen Arbeitsplatz im gleichen Unternehmen zu
finden.
Die Grundursachen fuer Arbeitsplatzwechsel, die von dem Institut angefuehrt werden, koennen in zwei Worten zusammengefasst werden: Entlassungen und Arbeitsniederlegung durch den Arbeitnehmer.
Ueberzaehligkeit und Nichteignung fuehrten zu Entlassungen. Kuendigungen durch den Arbeitnehmer waren durch Unzufriedenheit mit
Loehnen und Arbeitsbedingungen oder durch schlechtes Einvernehmen
mit den Vorarbeitern oder Arbeitskollegen und schliesslich durch
persoenliche Umstaende bedingt.
In den ueberprueften Fabriken war unter zehn Arbeitern, die
ihren Arbeitsplatz verliessen, einer, der unzufrieden war. In
einem von acht Faellen war er ueberzaehlig. Eine von je sechs Frauen verliess ihren Arbeitsplatz, um ihren Verpflichtungen im Haushalt nachkommen zu koennen. Aber in nur einem von je zehn Faellen
war Ueberzaehligkeit der Grund der Entlassung. Von einem grossen
Teil der Maenner und Freuen, die ihren Arbeitsplatz aufgaben,
wurde als Grund "Verlassen des Wohnorts" angegeben. Dies ist in
Anbetracht des Wohnraummangels ueberraschend. Ermutigend ist die
Tatsache, dass nur wenige ihren Arbeitsplatz verliessen, weil
sie sich mit ihren Vorgesetzten oder Meistern nicht verstanden.
Waehrend in allen berücksichtigten Betrieben die Durchschnittsquote fuer Arbeitsplatzwechsel 27,6% fuer Maenner und 45.4% fuer
Frauen betraegt, ist sie in den einzelnen Industrien natuerlich
sehr verschieden. Die niedrigste Quote wurde in der Oel- und
"^etroleumindustrie, die hoechste im Baugewerbe und bei Vertragsfirmen festgestellt.
- 14 -

�Die Untersuchung des Instituts hat weiterhin ergeben, dass
in den ueberprueften Industrien von fuenf maennlichen Arbeitnehmern, die ihren Arbeitsplatz verliessen, einer und bei Frauen
von je sieben eine ihren Arbeitsplatz weniger als vier Wochen innehatten.
Das Institut weist darauf hin, dass diese Zahlen eine Lehre
fuer die Unternehmer enthalten. "Zwar moegen alle Arbeitsniederlegungen, die auf die Arbeitsbedingungen zurueckzufuehren sind,
nicht unvermeidbar oder durch den Arbeitgeber verschuldet sein,
aber sie sollten ihn veranlassen, Untersuchungen anzustellen und
die notwendigen Abhilfemassnahmen zu treffen."
Labour 10/50
ENGLISCHE AMERIKABESUCHLR FUER NORMUNG DER PRODUKTION
Wenn eine Besuchergruppe der britischen Industrie die Vereinigten Staaten bereist, um dort Fragen der Produktivitaet zu studieren, dann bringt sie in erster Linie neue Ideen und neue Anregungen mit. Ihre Berichte sind wertvolle Fingerzeige fuer alle,
die sie lesen. Dann aber kommt der dritte entscheidende Abschnitt:
es muessen geeignete Massnahmen getroffen werden, um die gemachten Vorschlaege auch zu verwirklichen.
Seit einem Jahr besuchen britische Produktivitaetsgruppen die
Vereinigten Staaten. Sie besuchen Fabriken, halten Konferenzen
ab und unterhalten sich mit der Industrie und der Arbeiterschaft,
um snaeter den Inhalt ihrer Berichte der Oeffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen.
Eine Besuchergruppe ist noch weitergegangen. Durch Vermittlung des Anglo-Amerikanischen Produktivitaets-Ausschusses hat sie
von ihren Taetigkeiten seit ihrer Rueckkehr aus den Vereinigten
Staaten berichtet und zu den Problemen Stellung genommen, die sich
im Laufe dieser Beratungen ergeben haben.
Diese Gruppe von Sachverstaendigen, die sich vor allem mit
den Problemen der Normung beschaeftigte und darueber berichtete,
hat festgestellt, dass man ihr in erster Linie drei Fragen vorlegte:
Wuerde eine Normung, d.h. eine Reduzierung der in einer Firma hergestellten Typen, den Kaeufer nicht benachteiligen? Wuerde
sie sich auf die Exportbestrebungen hinderlich auswirken? Wuerde
sie die Schwierigkeiten der Verkaeufer noch vergroessern, die bestrebt sind, groessere Auftraege einzubringen?
Auf die erste Frage gibt es eine eindeutige Antwort: Die
Furcht, dass eine Normung letzten Endes zu einer unzureichenden
Auswahl fuer den Abnehmer fuehren wuerde, ist unbegruendet. Betriebe, die die gleichen Erzeugnisse herstellen, muessen nicht unbedingt den gleichen Typ produzieren und koennen die Zahl ihrer
verschiedenen Arbeitsprozesse verkleinern.
Auch die Vorstellung, dass Normung schlechtere Q,ualitaet bedeuten muss, entspringt einer allzu gelaeufigen Selbsttaeuschung,
die zweifellos auf die Tatseche zurueckzufuehren ist, dass I.'asnenprodukte manchmal wertlos sind, ^ualitaet ist ebenfalls eine
Frage festgesetzter Normen, an die man sich halten muss.
In diesem Falle kann der Konstrukteur hej Ten. i-ine wirksame
Politik der Normung sollte schon im Stadium des Entwurfs beginnen.
- 15 -

�Was die Auswirkungen der Normung auf das Exportprogramm eines
Betriebes betrifft, so ist die Gruppe der Ansicht, dass man hier
schwerlich eine allgemeine Linie ziehen kann. Die Wuensche der
auslaendi^chen Absatzmaerkte sind sehr verschieden, und es duerfte
einige Zeit in Anspruch nehmen, um die Kaeufer in Uebersee von
den Vorteilen einer geringeren Auswahl an Produkten zu ueberzeugen.
Die Gruppe hat ausserdem die Loesung eines Problems gesucht,
das sich dann ergibt, wenn die Verkaufsabteilung eines Betriebes
mehr Sorten verlangt und gleichzeitig eine Preissenkung erwartet,
waehrend die Hersteller eine groessere Auswahl ablehnen, weil
hoehere Gestehungskosten damit verbunden sind. Die Loesung dieses
Problems bestehe darin, dass die Betriebsleitung eine engere Zusammenarbeit zwischen Verkaeufer und Hersteller verlangen muesse.
Eine genaue Kenntnis der Absatzmaerkte nuesse ausserdem gewaehrleistet sein, und die Gestehungskosten muessten so ueberprueft werden,
dass ein guenstiger Preis gesichert ist.
Die Gruppe wendet dieser Frage der Gestehungskosten besondere
Aufmerksamkeit zu. Eine nutzlose Vielfaeltigkelt an Sorten wird
von zahlreichen Firmen beibehalten, weil die Gestehungskosten nicht
genau genug kalkuliert sind.
Firmen jedoch, die ihre Gestehungskosten sorgfaeltig ausarbeiten, sind in der Lage, ihre Preise zu senken, weil sie genau
wissen, wo eine Verschwendung stattfindet und wo ein Mangel an
Produktivitaet zu suchen ist, aber auch wie sie beseitigt werden
koennen.
Labour
X/50
SCHWEIZERISCHE GEWERKSCHAFTEN FUER DEN MARSHALLPLAN
"Der Marshallplan ist fuer uns lebenswichtig. Ohne dieses
Wiederaufbauprogramm waere Europa laengst vom Kommunismus ueberrannt worden."
Dieser bedeutsame Ausspruch stammt von Ernst Bircher, der
Mitglied des Exekutiv-Ausschusses des schweizerischen Gewerkschafts
bundes und Vorsitzender der Gewerkschaft der Bekleidungs- und Lederarbeiter ist. Er sprach vor kurzem auf dem Gewerkschaftskongress in Luzern, auf dem die Gewerkschaften den Anschluss an den
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften billigten.
Bircher erklaerte, dass der Marshallplan einigen ausländischen Konkurrenten schweizerischer Industrien wieder auf die Beine
geholfen hat, dass "wir jedoch diese Konkurrenz vorziehen und uns
inmitten von Laendern sehen, die frei sind und sich auf dem Weg
zum Wohlstand befinden, als inmitten eines kommunistischen Kontinents zu "leben" oder vielleicht auch zu sterben."
Der Gewerkschaftsfuehrer der traditionsmaessig neutralen
Sciiweiz sagte, dass es fuer die Gewerkschaften seines Landes unmoeglich gewesen waere, ausserhalb der Reihen des IBFG zu stehen,
weil diese 7'eltge;verkschaf tsorganisat ion an einem wirksamen Programm im Interesse aller freien Arbeiter arbeite.
Bircher und der Generalsekretaer des schweizerischen Gewerkschaftsbundes, Giacome Bernasconi, betonten, dass die Gewerkschaften der Schweiz entschlossen seien, mit den freien Gewerkschaften
in anderen Laendern eine solidarische Front zu bilden.
ECA Labor Information
11/3/50

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Aaszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 37

Frankfurt, 17. November 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die Gewerkschaftsbewegung der Philippinen - - - - -

i

IBFG Konferenz plant Errichtung internationaler
Gewerkschaftsschulen - - - - - - - - - - - - - -

%

*!itglied3staerke der dem IBFG angeschlossenen
Gewerkschaften - - - - - - - - - - _ _ _ _ _ _ _
Japanische Arbeitsproblerae
Regierung und Gewerkschaften

3

- - - - - - - - - - - -

7

- - - - - - - - - - -

10

I.:arshallplan foerdert griechische Fischerei - - - - 15
Berufssekretariate fuer Geistesarbeiter im IBFG - - 15

DI5 OE'.VERKSCHAFTSBE'.VEGUNO DER PHILIPPINEN
Verwirrung, Ziellosigkeit und Chaos herrschen noch immer innerhalb der Gewerkschaftsbewegung der Philippinen, eine freie
Gewerkschaftsbewegung, die nicht der Bevormundung der Regierung
und der Einmischung der Unternehmer unterliegt und nicht von gewissenlosen angeblichen Gewerkschaftsfuehrern missbraucht wird,
befindet sich noch im Anfangsstadium. Dieser kaempfenden aber
ehrlichen Bewegung muss jede nur moegliche Hilfe geleistet werden,
da sie die einzige Garantie dafuer bietet, dass Unternehmer und
Arbeiter ihre Beziehungen durch eine wirkliche Gewerkschaft regeln, die ausserdem von kommunistischer Beherrschung frei ist.
Nur eine starke, freie demokratisch orientierte Gewerkschafts
bewegunfr bietet eine Gewaehr dafuer, dass Machtstellungen in Gewerkschaftsorganisationen nicht missbraucht werden und dass die
Arbeiterschaft einer Gewerkschaftsbewegung ihr Vertrauen entgegenbringen kann. Das Gesetz muss darueber hinaus direkt vorschreiben, auf welche Loehne und Praemien die Arbeiter Anspruch haben.
Dies darf nicht auf dem Wege ueber einen angeblichen "Vermittler"
geschehen, sondern die Arbeiter muessen das erhalten, was sie tatsaechlich verdient haben.
- 1-

�Selbst unter den aufrichtigen Gewerkschaftern herrscht ein
fuehlbarer Mangel an Erfahrung in der Organisation freier Gewerkschaften und die Festlegung vernuenftiger Tarifvertraege. Eine
kleine Grupne tuechtiger Gewerkschafter aus Amerika, die die Gewerkschaften der Philippinen in diesen Fragen unterstuetzen und
beraten koennten, waere ein gutes Mittel, das Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln und den kommunistischen Einfluss in der
philippinischen Gewerkschaftsorganisation zu beseitigen, üine
solche Gruppe muesste sich aus drei Personen zusammensetzen, die
die AFL, den CIO und die Eisenbahnergewerkschaft vertreten.
Die Gewerkschaften der Philippinen haben es verabsaeumt, eine
wirkliche Schulung ihrer Mitglieder durchzufuehren. Der Begriff
Lehrlingsausbildung scheint hiernach gaenzlich unbekannt zu sein.
In einigen Berufsgruppen fehlt es zur Zeit an gelernten Handwerkern, und es ist schwierig, eine Uebersicht zu gewinnen, wie die
Industrialisierung des Landes ohne eine groessere Anzahl angelernter Arbeitskraefte vorangetrieben werden kann. Die Ausbildung
der Arbeiter findet fast immer erst am Arbeitsplatz statt. Unter
der Anleitung der Regierung muessten die Gewerkschaften in Zusammenarbeit mit den Unternehmern ein Lehrlingsprogramm entwickeln,
sodass die erforderlichen Facharbeiter fuer die Industrie herangebildet werden koennen.
Ein solches Programm koennte eine wertvolle Ergaenzung der
Berufsschulausbilduns: sein. Die vorgeschlagene Grunpe amerikanischer Gewerkschafter koennte bei der Aufstellung eines solchen
Lehrlingsprogramms eine wertvolle technische Hilfe leisten.
OILA-Memora nd um

1/11/12/50
IBFG KONFERENZ PLANT ERRICHTUNG INTERNATIONALER GEWERKSCHAFTSSCHULEN
Die Errichtung internationaler Gewerkschaftsschulen als Teil
eines allgemeinen Programms zur Erweiterung der Schulung der Arbeiterschaft ist von der europaeischen Konferenz fuer Erziehungsfragen befuerwortet worden.
Die Konferenz, die vom Internationalen Bund Freier Gewerkschaften einberufen wurde, fand dieser Tage in Bruessel statt.
Hans Gottfurcht, Sachbearbeiter der Abteilung fuer Erziehung
c*es IBFG, berichtete, dass derartige Schulen in verschiedenen Teilen der Vvelt geplant seien. Er kuendigte ausserdem an, dass nach
diesem ^lan bis zum Sommer naechsten Jahres mindestens zwei Schulen
in Europa eingerichtet wuerden.
An der Konferenz nahmen mehr als 60 Delegierte aus 15 Laendern
teil.
Die Delegierten, die eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen hatten, eroerterten die Rolle der Gewerkschaftsbewegung in
der allgemeinen Erziehung, der Schulung von Erwachsenen und die
Rolle des Arbeiterbildungswesens innerhalb der Gewerkschaftsbewegung,
"Der IBFG wuenscht, zu der fortschrittlichen Entwicklung des
ICrziehungswesens beizutragen," erklaerten die Delegierten in einer
von der Konferenz gebilligten offiziellen Verlautbarung. Die Erklaerung, die einen Ueberblick ueber die Taetigkeiten des IBFG auf
dem Gebiet der Erziehung geben soll, erstreckt sich auch auf die
allgemeine Erziehung in jenen Gebieten, fuer die die Arbeiterschaft
ein besonderes Interesse zu heben scheint.

�"Ueberzeupt von der Tatseche, dass gewerkschaftliche und
Arbeitererziehung von der allgemeinen Erziehung nicht getrennt
werden kann," heisst es in der Verlautbarung, ''ist die Gewerkschaftsbewegung auf Landesbasis und internationaler ^bene an allen Gebieten der Erziehung interessiert und wird sich aktiv an
f'.er Planung allgemeiner Erziehungsprojekte beteiligen. Es muss
zur Gewohnheit werden, dass fuer alle ^usschuesse und Koerperschaften, die 3ich mit Verbesserungen oder Veraenderungen des Erziehungswesens befassen, Gewerkschaftsvertreter herangezogen werden. Das
Wissen der technischen Experten, die eine Hochschulbildung genossen
haben in allen Fragen der Erziehung muss durch die praktische
Erfahrung der Gewerkschaftsvertreter ergaenzt werden."
^n der Konferenz nahmen Gewerkschaftsvertreter aus Belgien,
Daenenerk, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Holland, Italien, Luxemburg, Malta, Korwegen, Oesterreich, dem Saargebiet,
Schweden, der Schweiz und Spaniens teil, ausserdem waren Vertreter
verschiedener internationaler Berufssekretariata zugegen.
Man rechnet damit, dass in Verbindung mit dem Generalkoneress
des IBFG in Kuerze eine weitere Konferenz ueber Erziehungsfragen
stattfinden wird.
Arbeitsmitteilungen der ECA
MITGLI5DSST&gt;iERKE DER DE!,'! IBFG ANGESCHLOSSENEN GEWERKSCHAFTEN
(Stand Oktober 1950)
Land

Organisation

Argentinien

MitgliedsstHrke, wie
sie dem IBFG im ^ugust
1950 mitgeteilt wurde
Arbeiterkomitee fuer unabhaengige
40.000
Gewerkschaftsaktion (Comite Obrero
Accion
Sindical IndependienteC0Ar:l) - Im Exil

Barbados

nrbeiterunion von Barbados

Baskenland

Solidaridad de Trabajadores Vascos

Belgien

Allgemeiner Belgischer Gewerkschaftsbund (Föderation Generale du
Travail de Belgique - FGTB)

Bolivien

Bolivianischer Gewerkschaftsbund
(Confederacion Boliviana de Trabajadores - CBT)

Brasilisn

Londesfoederation der Arbeiter des
Handels (Confederacion Nacional
dos Trabalhadores na Comercia -

10.000
5.000
550.000

12.500 *

1.200.100

Zuverlaessigen i.uendlichen Informationen zufolge hat sich ""iese
Organisation vor kurzem dem IBFG angeschlossen. Sie wird noch
nicht in den offiziellen Mitgliederlisten gefuehrt, die von der
2,entralstelle des ISFG in Bruessel herausgegeben werden. Die
Mitgliedsstaerke fuar November 1949 wurde mit 12.500 beziffert.
- 3-

�Brasilien

Landesfoederation der Industriearbeiter (Confederecion Necionel
dos Trabalhadores na Industria -

2.000.000

CKTI)
Landesfoederation der Hafenarbeiter
(Federacao Nacional dos Trabalhadores em Transportes J.üaritimos FNTI.I)

100.000

Landesfoederation der äisenbehnerb e i t e r (Federacao dos T r a b a l h a d o r e s
em lunnrezas de C a r r i s Urbanos GNTCü)

75.000

L a n d e s f o e d e r a t i o n der F a h r e r (Federacao 200.000
N a c i o n a l dos Conductores de V e i c u l o s
Rodoviarios)
L a n d e s f o e d e r a t i o n der a n g e s t e l l t e n
d e s Fremdenverkehrsgewerbes und der
Krankenhaeuser (Federacao Nacional
dos ^mpregados de Turisine e liospitalidade)
Britisch-Guyene

A r b e i t e r u n i o n von B r i t i s c n - G u y a n a

B r i t i s c h Honduras a l l g e m e i n e ^ r b e i t e r u n i o n
Kanada

200.000

1.500
2.000

B e r u f s - und ^ . r b e i t e r k o n g r e s s Kanadas
(Trades and Labour Congress of
Canada - TLC)

400.000

Kanadischer Gewerkschaftskongress

350.000

(Canadian Congress of Labour - CCC)
Ceylon
Chile
China
Kolumbien

Gewerkschaftskongress von Ceylon

50.000

C h i l e n i s c h e r Gewerkschaftsbund
Confederecion d e l Traba/jo - CTCH)
C h i n e s i s c h e r Gewerkschaftsbund . a r b e i t e r l i g a des F r e i e n Chine
Gewerkschaftsbund von Kolumbien
(Confederecion de T r e b e j e d o r e s
de Colombia - CTC)

115.000

Union d e r A r b e i t e r Kolumbiens
(Union de T r e b e j e d o r e s de Colombie UTC)

473.998
150.000

250.000

Costarica

Arbeiterfoederation von Costerice
(Confederecion Constarricense del
Trabajo "Herum Kovarum" - CCT)

20.000

Kuba

Kubanische Arbeiterfoederation
(Confederecion de Trebejedores de
Cube - CTC)

80C.000

Cypern

«rbeiterfoederation Cyperns

Daenemark

Deenischer Gewerkscheftsbund
(De semvirkende Fegforbund - D.s.F.)

4.000
615.000

�Deutschland

Deutscher Gewerkschaftsbund - DGB

4.850.0Q0

Frankreich

Allgemeiner Gewerkschaftsbund
"Fo^ce O u v r i e r e " ( C o n f e d e r a t i o n
N
Generale du T r a v a i l - Force O u v r i e r e
CGT-FO)

1.000.000

Gambia

Gewerkschaftsunion von Gambia

Griechenland

Allgemeiner G r i e c a i s c h e r Gewerkschaftsbund - GSEE

Grossbritannien

Gewerkschaftskongress - TUC

Grenada

A r b e i t e r u n i o n von Grenada

HollaendischGuyana

A r b e i t e r o r g a n i s a t i o n von Surinam
(Surinaamse Y.'erknemers O r g a n i s a t i e )
B e r g a r b e i t e r u n i o n von Surinam
(Surinaamse Mihnwerkers Unie)

18.000

Allgemeine Gewerkschaft von Hongkong

80.700

Hong-Kong

2.000
200.000
7.937.091
2.000

4.000

und Kowloon
Indien

Italien

Japan
Korea

Hind Mazdoor Sabha
I n d i s c h e r N a t i o n a l e r Gewerkschaftskongress
F o e d e r a t i o n I t a l i e n i s c h e r Gewerks c h a f t e n (Confederazione I t a l i a n e d e i
S i n d a c a t i d e i L a v o r a t o r i - CISL)
G e n e r a l r a t J a p a n i s c h e r Gewerkschaften
(Sohyogikai)
S u e d k o r e a n i s c h e Gewerkschafts-

668.000
1.320.804
1.702.000
4.100.000
800.000

foederation
Libanon
Luxemburg

Liga L i b a n e s i s c h e r Gewerkschaften

14.000

Allgemeine G e w e r k s c h a f t s f o e d e r a t i o n
(ConflTderation Generale du T r a v a i l -

20.000

Malta

CGT)

Mauritius

Allgemeine A r b e i t e r u n i o n

15.400

Mexiko

G e w e r k s c h a f t s r a t von M a u r i t i u s

16.000

Nationale Arbeiterfoederation
11.235
(Confederacion Nacional de Traba.iadores CNT)
Nationale Proletarierfoederation
250.000
(Confederacion P r o l e t a r i a N a c i o n a l CPN)
Neuseeland
Neuseelaendische Gewerkschaftsfoedera200.000
tion
" 200.000 Mitglieder zaehlte diese Organisation zur Zeit ihres *aiachlu^ses an den IBFG im Mai 1950. Inzwischen sind 70.000 Mitglieder aus der Neuseelaendischen Gewerkschaftsfoederation ausgetreten,
sodass sich die gegenwaertige Mitgliedsstaerke auf etwa 130.000
belaeuft.
- 5-

**

�Niederlande

Niederlaendischer Gewerkscheftsverbend
(Nederlands Verbond van Vakverenigingen - N W )

359.993

Norwegen

Norwegischer Gewerkscheftsbund
(Arbeidernes Faglige Landsorganisasjon i Norge - NfFLN)

450.000

Oesterreich

Oesterreichischer Gewerkscheftsbund

Persien

Gewerkschaftsfoederation Persischer
Arbeiter (Union Syndicale des
Travailleurs et Agriculteurs - ESKI)

120.000

Peru

Peruanische Arbeiterfoederation
(Confederacion de Trabajadores del
Peru - CTP)

350.000

Puerto Rico

Allgemeine A r b e i t e r f o d e r a t i o n von
Puerto Rice, I n c . (Confederacion
General de Trabajadores de Puerto
Rico, I n c . )

100.000

Freie Foederation der A r b e i t e r von Puerto
Rico (Federacion Libre de l o s
Trabajadores de Puerto Rico)
Saargebiet

Einheitsgewerkschaft

Schweden

Landesorganisation Schwedischer
Gewerkschaften (Landesorganisationen
i Sverige - L0)
Z e n t r a l o r g a n i s a t i o n der Angestellten
(Teanstemannens C e n t r a l o r g a n i s a t i o n TCO)

1.260.000

20.000

105.000
1.255.000

253.304

Sierra Leone

Gewerkschaftsrat von Sierra Leone

10.000

Spanien

Allgemeine Union Spanischer Arbeiter
(Union General de Trabajadores de
Espana - UGT) - Im Exil

20.000

St. Kitts

Gewerkschaftsunion von S t . Kltts-Nevis

St. Lucia

St. Lucia Workers' Union
(Gewerkschaftsunion von St. Lucia)

Schweiz

Schweizerischer Gewerkschaftsbund
(Union Syndicale Sulsse - USS)

Triest

Vereinigte Arbeitskammer (Camera Conföderale del Lavoro - CdL)

Trinidad

Gewerkschaft der Seeleute und Hafenarbeiter (Seamen and WaterfrontWorkers'
Trade Union)

1.686
4.000
376.000
63.800

4.000

Eisenbahnergewerkschaft (Railwaymen's
Union)
Uruguay

Koordinationskomitee Unabhaengiger Gewerkschaften (Comite de Coordinacion de
Sindicatos Autonomos)

20.000

�USA

Venezuela

AFL

7.000.000

010

6.300.000

Bergarbeitergewerkschaft

600.000

Arbeiterfoederation von Venezuela
(Confederacion de Trabajadores de
Venezuela) - Im Exil

200.000

Department of Labor
11/50
JAP AN I SC HE A RB EI TS PR OBLEME
Die bemerkenswerteste Entwicklung in der jepanischen Wirtschaft
im vergangenen Jahre war der Umschwung auf dem Arbeitsmarkt. Seit
Kriegsende ist das Problem der ueberzaehligen ^rbeitskraefte in
Janen immer ernster geworden. Diese Entwicklung hat nicht in einer
grossen Zahl Arbeitsloser, die Arbeit suchen, ihren Niederschlag
gefunden und die Lage war auch nicht so kritisch wie etwa in den
Laendern des Westens, "ie Ursachen h'ierfuer sind zwei Faktoren
des sozialen Lebens in Japan: erstens ist es ueblich, dass Hilfsbeduerftige von ihren Verwandten unterstuetzt werden, und zweitens
sorgen die Arbeitgeber dafuer, dass ihre Arbeiter auf den Lohnlisten weitergefuehrt werden, selbst wenn sie nicht fuer die Produktion gebraucht werden.
Doch im vergangenen Jahre war es selbst unter diesen Bedingungen unmoeglich, die entstandenen Lasten zu tragen. Die Familien
konnten es sich nicht leisten, Verwandte mitzuernaehren, und die
Unternehmer waren aufgrund der Einsparungen, zu denen das wirtschaftliche Stabilisierungsprogramm seit Dezember 1948 besonders
in jenen Industrien, die auf internationalen Ivlaerkten konkurrieren,
aufgerufen hatte, gezwungen, Arbeiter in grosser Zahl zu entlassen.
Infolgedessen hat sich seit "itte 1949 die Zahl der bei behoerdlichen Dienststellen arbeitsuchenden Personen gesteigert; die Zahl
der offenen Stellen in der Privatindustrie ist dagegen geringer geworden, und der Arbeitsinarkt in der Industrie hatte tatsaechlich
einen Stillstand zu verzeichnen.
Die Regierung hat Vorbeugungsmassnehmen getroffen und Programme ausgearbeitet, um die Arbeitslosen vor schwerer Not zu bewahren.
Das Arbeitslosenproblem, das auf die Umstellung der Wirtschaft zurueckzufuehren ist, kann zur Zeit noch gemeistert werden. Im
Februar 1950 waren in 152,679 Unternehmen, die fuenf oder mehr Personen beschaeftigten, 5,673,799 Arbeiter gegen Arbeitslosigkeit
versichert. Dieses im Jahre 1947 eingefuehrte Arbeitslosenversicherungssystem bestand seine erste schwere Probe in der Zeit von
Februar 1949 bis Februar 1950, als sich die Zahl der Arbeiter, die
Arbeitslosenunterstuetzung beanspruchten, auf annaehernd 293,000
verzehnfachte. Die Arbeitsaemter bewaeltigten diese Riesenaufgabe
mit nur geringen Erweiterungen ihres Personalstabes, und im allgemeinen sind keine Faelle bekennt, in denen die faellige Arbeitslosenunterstuetzung nicht rechtzeitig gezahlt worden waere.
Gesren Ende 1949 wurde aie Arbeitslosenversicherung auch auf
nichtstaendige Arbeiter ausgedehnt. Das Kontrollsystem, das nach
dem britischen Stempelplan gehandhabt wird, ist in den Arbeitsaemtern eingefuehrt, die Unterstuetzungen werden in den lokalen
Bueros in bar ausgezahlt. Unterstuetzungen fuer nichtstaendige
Arbeiter werden fuer 13 bis 17 Tage in einem Älonat gewaehrt. Die
Arbeiter koennen jeden Monat erneut ein Gesuch stellen, und sie
- 7 -

�sind unterstuetzungsberecntigt, wenn sie während der zwei vorhergehenden :'onbte 3L Tage lang beschaeftigt waren. Frueher waren
die nichtsteendigen Arbeiter von allen offiziellen sozialen Versicheruncssystenen ausgeschlossen, und sie waren somit von professionellen Agenten oder solchen Unternehmern abhaengig, die die
Notlage dieser Arbeiterschaft ausnutzten, um sie auszubeuten,
("labour bosses") Der durch arbeitslosen- und Unfallversicherung
nunmehr gewaehrte Schutz wird mithelfen, diese Kategorie Arbeiter
von einem derartigen Abhaengigkeitsverheeltnis zu befreien.
Im Mai 1949 wurde das Kotstandsgesetz fuer Gegenmassnahmen
zur Bekaenpfung der Arbeitslosigkeit erlassen. Nach diesem Gesetz
stellt der Arbeitsminister die tatseechliche und potentielle Arbeitslosigkeit auf bezirklicher Basis fest, arbeitet wirtschaftlich wertvolle «rbeitsprojekte fuer solche Gegenden aus, in denen
die Arbeitslosigkeit besonders gross ist, und unterstuetzt, wenn
es erforderlich ist, finanziell die Durchfuehrung derartiger Projekte auf dem Weg ueber die lokalen Behoerden. Dieses System
steht in enger Verbindung mit dem «rbeitsvermittlungsdienst.
Fuer das laufende Haushaltsjahr wurden Geldmittel genehmigt, die
die Bescheeftigung von 100,000 Arbeitern fuer ein Jahr lang an
Arbeitshilfsprojekten ermoeglichen. Man hat nicht einer Degrenzten Zahl von Bewerbern Vollbeschaeftigung geboten, sondern die im
Rahmen dieser Fro.iekte zur Verfuegung stehende Arbeit wurde unter
alle Arbeitslosen und vornehmlich solche verteilt, die eine Familie zu ernaehren und um die Unterstuetzung der Arbeitsaemter gebeten haben.
Kurz nach Kriegsende konnte man feststellen, dass die fuer
die Gesundheit und die Wohlfahrt der Bevoelkerung erforderlichen
Erzeugnisse und Materialien weitgehendst vermehrt werden konnten,
wenn man bestimmte ^rten von Bauprojekten in die Wege leitete.
Ein koordiniertes oeffentliches Arbeitsprogramm befindet sich seit
Herbst 1946 in Ausfuehrung. Die fuer das laufende Haushaltsjahr
genehmigten Mittel uebersteigen bei weitem die frueheren, und man
erwartet, dass durch oeffentliche Bau- und Instandsetzungsarbeiten
annaehernd eine Million „rbeitsjähre zur Verfuegung gestellt werden koennen.
Ausser diesen oben angefuehrten Massnahmen wird die allgemeine industrielle Entwicklung durch die Ereigabe von Gegenwertfondsmitteln der von den Vereinigten Staaten geleisteten Hilfe in Form
von Krediten fuer die Regierung und fu^r Geschaeftsunternehmen gefoerdert, um z.B. Eisenbahnen und "..'asserkraftwerke bauen zu koennen. Hierdurch werden nicht nur die potentielle Produktivitaet
der Kation gesteigert, sondern auch die '.»'irtschaf tstaetigkeit angeregt und neue Beschaeftiffunsrsmoegi ichkeiten beschaffen.
Gegen die sogenannten "Labour Bosses" ist man mit artolft vorgegangen. Ihre Methoden hatten sich allgemein eingebu3rgert, aber
trotzdem sind schaetzungsweise etwa die Haelfte der 2 l/£ Millionen Arbeiter, die vorher unter der Kontrolle solcher Unternehmer
standen, inzwischen von ihnen befreit worden.' Etwa 200,000 hiervon wurden dank der Bemuehungen der ^rbeitsaeniter in der Zeit von
Maerz 1949 bis Maerz 1950 befreit.
Im vergangenen Jahre haben zahlreiche Industrielle festgestellt, dass es vorteilhaft fuer sie ist, die Gesetze "egen diese
Ausbeuter zu unterstuetzen. Sie waren sich ausserdem bewusst,
dass die Vorteile hieraus nicht nur ihren Arbeitern, sondern auch
ihnen selbst zugutekamen. Waehrend frueher ^rbeitsagenten Arbeiter fuer eine gewisse Geldsumme zur Verfuee-ung stellten, haben
heute die Unternehmer die Arbeiter auf ihre eigenen Lohnlisten
gesetzt, und sie haben herausgefunden, da^s sie sich in der Versor- 8-

�gung mit nichtstaendigen «rbeitskraeften auf die ^rbeitsaemter
verlassen koennen.
Vesentliehe Fortschritte wurden im vergangenen Jahre ausserdem bei der Durchfuehrung eines Planes gemacht, der die ^rbeitsagenten in den Haefen beseitigen soll. Kach den Bestimmungen dieses Planes, der sich in einem grossen Hafen derartig erfolgreich
bewaehrt hat, dass er jetzt in allen anderen grossen Haefen Japans Anwendung findet, sollen sich die Arbeitgeber der Hafen- und
Dockarbeiter ihre Arbeitskraefte dadurch sichern, dass sie sich
entweder an das Arbeitsamt wenden, oder die erforderlichen Arbeitskraef te von anderen Unternehmern leihweise uebernehmen. In dem
Hafen, in dem dieser Plan zum erstenmal angewendet wurde, ist
ein besonderer offizieller Arbeitsvermittlungsdienst mit erfahrenem Pjrsonal eingerichtet worden, das in der Lage ist, die angeforderten Arbeitskraefte in kurzer Zeit zu beschaffen. Die Vermittlung ist unentgeltlich, und die Arbeitgeber haben zum Ausdruck gebrecht, dass sie mit dem Plan zufrieden sind. Offene
Arbeitsplaetze werden im allgemeinen nach einem sogenannten "Rotationssystem" besetzt, das jedem Arbeiter seinen gerechten Anteil
an den anfallenden Arbeiten sichert. Die Arbeiter ziehen es
ausserdem vor, ihren vollen Lohn direkt von ihrem Arbeitgeber zu
erhalten.
Die Frau betaetigt sich heute in Japan immer staerker auf
politischem und gewerkschaftlichem Gebiet. Mehr und mehr Frauen
ueben freie Berufe aus oder bekleiden Stellungen im hoeheren
Staatsdienst, im Erziehungswesen oder auf anderen Gebieten, -iine
vor kurzem durchgefuehrte Erhebung hat ergeben, dass zu Ende des
Jahres 1949 nahezu 20% saemtlicher Regierungsangestellten Frauen
waren. Im Jahre 1940 machte ihre Zahl dagegen nur 8&gt; aus. Von
den 632 weiblichen Regierungsangestellten waren 85;o in den Jahren
1948 und 1949 eingestellt worden.
Die 1 1/2 Million Frauen, die gewerkschaftlich organisiert
sind, spielen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung eine aktivere
Rolle und sind in den Exekutivorganen ihrer Gewerkschaften gut
vertreten. Die Frauenabteilungen, die ihre Hauptaufgabe in der
Ausbildung der Frauen sehen, damit sie sich an der Gewerkschaftsarbeit beteiligen koennen, haben diese Entwicklung sehr gefördert.
Die ungesetzliche Beschaeftigung von Kindern ist abgeschafft.
Junge Arbeiter sind von ^rbeitsplaetzen entfernt v.'orden, die als
senaedlich oder sefaehrlich befunden wurden, ihre Arbeitszeit ist
genau festgelegt.
Ohne zu uebertreiben, kann man behaupten, dass in grossen
Unternehmen die ungesetzliche Kindesarbeit ueberhaunt nicht mehr
besteht, und dass sich die kleinen und mittleren Betriebe mehr und
mehr an die einschraenkenden Bestimmungen auf diesem Gebiete helten. Viele der bedauerlichen Methoden, die sich in Japan eingebuergert hatten, wie z.B. Arbeitsvertraege, in denen die Arbeiter
durch Vorauszahlung ihrer Loehne verpflichtet wurden, oder gewisse
Restriktionen der Freiheit der Arbeiter, die in Schlafsaelen untergebracht waren, oder die Ausbeutung von Frauen und Kindern, sind
in raschem Verschwinden.
Das Buero fuer Frauen und Minderjaehrige, das seit 2 1/2 Jahren besteht, hat sehr viel fuer die Besserstellung der Frau in
allen Berufen und fuer den Schutz junger Arbeiter getan. In seinen Zentral- und Bezirksstellen wird aktiv an der Schulung und
Aufklaerung der Arbeiterschaft gearbeitet. Plakate, Flugblaetter,
Broschueren und Filme sind dem Bedarf entsprechend zur Verfuegung
gestellt worden. Besondere Kampagnen wurden organisiert, wie die
- 9-

�"Woche der Frau" und die "Woche zum Schutz jugendlicher Arbeiter",
um die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf die?e Probleme zu
konzentrieren.
In Verbindung mit der "Woche der Frau" wurden von einer Landeskonferenz die wichtigen Fragen der gleichen Bezahlung, der Verbesserung der Lebensverhaeltnisse auf dem Lande und der Reform
des Familiensystems eroertert. Das Buero beschaeftigt sich ausser
dem mit Sonderprogrammen, die sich um Fragen wie die Selbstbestimmung der Arbeiter in Schlafsaelen - um nur ein Beispie] fuer
die Besonderheit der Probleme in Japan zu geben - die Mitwirkung
der Gewerkschaft, der Erweiterung der Beschaeftigungsmoeglichkeiten und Verbesserung der sozialen Einrichtungen drehen.
Probleme, die fuer die Frauen und jugendlichen Arbeiter von
besonderem Interesse sind, hat man studiert und dabei die Arbeitsbedingungen in Seidenspinnereien, die Beschaeftigung von Frauen
im Staatsdient, die Probleme der Jugendlichen im Strassenhandel,
Arbeitsbedingungen fuer Krankenschwestern und die industrielle
Heimarbeit untersucht.
International Labour Review, ILO
VII/50
Arbeitsminister Maurice J. Tobin:
REGIERUNG UND GEWERKSCHAFTEN
Die beruehmten Briefe der Paepste Leo XIII. und Pius XI. haben durch die Aufforderung zur sozialen und wirtschaftlichen Gerechtigkeit im System der freien Wirtschaft mehr getan als jede
andere Erklaerung, die im letzten Jahrhundert in diesen Zusammenhang abgegeben wurde.
Die paepstlichen Rundschreiben sind von einer unmittelbaren
Bedeutung, weil sie den Arbeitern das uneingeschraenkte Recht einraeumen, sich zu organisieren, waehrend das Taft-Hartley Gesetz
darauf hinzielt, die wachsende Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten auf einen Bruchteil zu verkleinern - im Vergleich
natuerlich zu dem Umfang, den die Bewegung angenommen haette, wenn
dieses Gesetz nicht im Wege gestanden haette.
"Rerum Novarum", die Enzyklika des Papstes Leo ueber tlie Lage
der Arbeiterschaft" erschien im Jahre 1891. Zu dieser Zeit war
der Marxismus im Werden begriffen. Die Ursache hierfuer war die
missliche Lage, in der sich die Arbeiter befanden, und hierdurch
ergab sich ihre Aufgeschlossenheit fuer den Ruf zum Sozialismus.
Deshalb und weil die Kirche immer schon befaehigt war, ihre Lehre
von der Naechstenliebe und Gerechtigkeit auf neue Verhaeltnisse abzustimmen, gab Papst Leo XIII. diese ausgezeichnete Erklaerung ab.
Er wuenschte, den erbitterten Klassenkampf zu beseitigen,
indem er dan Menschen, die im Dunkel wandelten, wieder Hoffnung und
Staerke gab. Er sah, dass dem System der freien Wirtschaft, des
Kapitalismus und des Besitztums eine ethische Richtung gegeben
werden musste. Er glaubte, dass das moralische Gesetz auf wirtschaftlichem Gebiet ebenso bindend sein muesse wie auf jedem anderen Gebiet menschlichen Strebens.
Er erlaeuterte deshalb in seiner Erklaerung die gegenseitigen
Rechte und Pflichten des Kapitals und der Arbeiterschaft angesichts
der Verhaeltnisse, die der Industrialismus geschaffen hatte. Er
sprach fuer das freie Unternehmen, versicherte aber auch, dass es
- 10 -

�dem Arbeiter freistehen muesse, sich zum eigenen Schutze in Gewerkschaften zusammenzuschliessen. Er ging noch weiter und erklaerte, dass es Pflicht des Staates sei, dort einzugreifen, nwo
eine bestimmte Klasse in Not oder bedroht sei."
Das war vor 60 Jahren; aber die damals aufgeworfenen Fragen
sind heute noch akut. Die Probleme, denen die amerikanische Regierung heute gegenuebersteht, wurden bereits von Papst Leo behandelt, und die Loesungen dieser Probleme sind in diesem beruehmten Dokument enthalten.
Gewisse Kreise, die mit der Politik der Regierung nicht einverstanden sind, haben ein ziemliches Geschrei ueber "SozialIsmus"
und den Wohlfahrtsstaat" angestimmt. Es ist eine historische
Ironie, dass die auf diese V.'eise angegriffene Politik bereits vor
zwei Generationen von einem Papst geistig vor Augen gefuehrt wurde, der die steigende Flut des Sozialismus aufzuhalten bemueht war.
Papst Leo sagte: "Es ist unbestreitbar, dass die Wohlfahrt
der Nationen keiner anderen Quelle als der Arbeit der Arbeiter
entspringt. Es ist deshalb nicht mehr als gerecht, wenn die Regierung dafuer sorgt, dass der Arbeiter das erhaelt, was er mit
seiner Arbeit fuer die Allgemeinheit verdient, und dass er eine .Wohnung und Kleidung besitzt und sozial so gesichert ist, dass
er ein Leben ohne Not leben kann. Deshalb muessen alle Massnahmen
beguenstigt we.-den, die in irgendeiner Weise die soziale Lage der
Arbeiterschaft verbessern koennen. Dadurch waere nicht nur niemandem geschadet, sondern eher waere allen geholfen."
Papst Leo ging noch weiter. Er sagte, dass die Arbeiter unter den besonderen Schutz und der Fuersorge des Staates stehen
und von jeder wilden Profitgier befreit werden muessen. Er forderte Schutz fuer die berufstaetige Frau und die Kinder und warnte vor den Gefahren, die sich aus der Beschaeftigung von Kindern
ergeben. Er forderte nicht nur freie TarifVerhandlungen, sondern
bestand auch darauf, dass diese in einer moralischen Atmosphaere
gefuehrt wuerden. Es genuege nicht, die freie Zustimmung der
Verhandlungspartner zu besitzen, sagte er, sondern die Loehne
muessten wirklich ausreichen, um dem haushaelterischen und anstaendigen Arbeiter seinen Lebensunterhalt zu sichern. "Wenn
ein Arbeiter haertere Bedingungen annimmt, weil sie der Arbeitgeber oder der Vertragspartner fordern, dann unterwirft er sich
damit einer Gewalt, die jeglichem Gefuehl fuer Gerechtigkeit
Hohn spricht."
Am 1. Mai 1931, genau 40 Jahre nach dem Erscheinen des von
Papst Leo verfassten Briefes, erliess Papst Plus seine Enzyklika
"Quadragesimo Anno", "ueber die Wiederherstellung der sozialen
Ordnung". Papst Pius bestaetigte die Doktrin seines Vorgaengers
und brachte sie in eine direktere Form. Vieles hatte sich inzwischen ereignet: ein Weltkrieg, eine Inflation, Krisen - und die
Gefahren, die zur Zeit Papst Leos bestanden, waren noch groesser
geworden. Was im Jahre 1891 eine schwere Gefahr zu sein schien,
war zurungeheuren Krise geworden. Die Zeit fuer eine Verwirklichung der Grundsaetze Papst Leos war gekommen.
Dieser hatte erklaert, dass das Recht, Eigentum zu besitzen,
nicht bedeutet, dass man es willkuerlich verwenden kann. Er hatte
gesagt, dass ein Arbeiter soviel Lohn haben muss, dass er sich
und seiner Familie ein annehmbares Leben bieten kann. Er hatte
ausserdem gesagt, dass der Arbeiter vor allem nicht als Mittel
zum Geldverdienen dienen darf und nicht ausgebeutet werden soll.
Papst Pius stellte erneut diese Forderungen auf und passte sie den
neuen Verhaeltnissen an.
- 11 -

�Er vertrat die Auffassung, dass der Wohlstand, der durch sozialen und wirtschaftlichen Fortachritt staendig vergroesssrt
wird, zur Foerderung der gemeinsamen Sache allen LIenschen zugute
kommen muss. Des bedeutet, dass Besitztum den Sigentuemer dazu
verpflichtet, es anerkannt sozialen Zwecken zur Verfuegung zu
stellen. Kit der Feststellung, dass die L&amp;cht unter einem System
der uneingeschraenkten, freien Konkurrenz nur wenigen in die Haende gelegt war, kam Papst Pius zu der Schlussfolderung, dass unter
diesem System nur diejenigen bestehen koennten, "die am staerksten sind, was sehr oft bedeutet, dass es jene sind, die am
ruecksichtslosesten kaempfen und den Geboten des Gewissens am
wenigsten Gehoer schenken." Das sei fuer das Wirtschaftssystem
ebenso schaedlich, wie es vom moralischen Standpunkt aus zu verurteilen ist.
Die 40 Jahre, die zwischen diesen beiden paepstlichen Rundschreiben liegen, sind durch grosse ''isstaende gekennzeichnet. Im
Jahre 1919 war jedoch das Programm des Bischofs veroeffentlicht
worden, das sich fusr den sozialen Wiederaufbau ausspricht. Dieses Programm, das unmittelbar nach dem Ersten '»Veitkrieg bekannt
wurde, \.ar von Vater Ryan ausgearbeitet worden, der versuchte, der
Erklaerung Papst Leos eine besondere amerikanische Note zu geben.
Hierbei wurde Vater Ryan eine besondere amerikanische Tote zu
geben. Hierbei wurde Vater Ryan selbst von katholischer Seite
vorgeworfen, er sei zu weit gegangen. Die Enzyklika des Jahres
1931 war in ihrer Auswirkung eine Bestaetigung des Programms des
Bischofs und damit eine Rechtfertigung der Arbeit Vater Ryans.
Dies war nicht nur eine Ehre fuer einen grossen Priester,
sondern brachte seine Vision auch der Verwirklichung einen Schritt
naeher. Es ist nicht uebertrieben, wenn man behauptet, dass das
Programm des Bischofs fuer den sozialen Wiederaufbau eine Erklaerung ist, die in keinem Verhaeltnis zu den Fruechten steht, die
sie zur sozialen Verbesserung des amerikanischen Lebens beigetragen hat. Vater Ryan legte die allgemeinen Grundsaetze, die in
der Enzyklika Papst Leos enthalten sind, als Forderungen fuer
konkrete soziale Reformen aus. Seine Vorschlaege waren somit 7orlaeufer des New Deal und Fair Deal.
Vierzehn Jahre vor dem Amtsantritt Franklin D. Roosevelts
forderte Vater Ryan eine grosse Anzahl der Gesetze, die nach dem
4. Maerz 1933 erlassen wurden. Die Erfolge, die diese Gesetzgebung seit jenem Tag erzielt tat, bestehen in den Arbeitsvermittlungsdiensten, dem oeffentlichen Wohnungsbau, dem Gesetz ueber
Mindestloehne, der Sozialversicherung gegen Arbeitslosigkeit und
Alter, der gesetzlichen Verankerung des Rechtes der Arbeiter, sich
zu organisieren, und in einer Wirtschaft, deren Wohlstand sich
auf die I'assenkaufkraft gruendet. All das und noch mehr wird
bereits in dem Programm des Bischofs vorgeschlagen und in Betracht
gezogen.
Das Taft-Hartley Gesetz ist mit den Grundsaetzen der erwaehnten paepstlichen Rundschreiben unvereinbar. Was wir brauchen, ist
ein Gesetz, das mit den Zielen der wirtschaftlichen Demokratie
vereinbar ist. Danach muss unser Streben gerichtet sein*
Die Kritik, die im allgemeinen an dem Taft-Hartley Gesetz
geuebt wird, sollte vermieden werden. Es genuegt zu sagen, dass
ihm eine falsche Voraussetzung zugrundeliegt. Wenn seine Verfasser
es auch nicht zugeben wollen, so sollte es doch ein Mittel zur
Einschraenkung der gewerkschaftlichen Rechte sein. Es ist somit
praktisch gegen die Gewerkschaftsbewegung gerichtet. Es widerspricht dem Geist unserer Zeit. Es ist nicht nur undurchfuehrbar,
- 12 -

�sondern stellt auch eine Gefahrenquelle fuer das Verhaeltnis der
Gewerkschaften zu den Unternehmern dar.
Es bedarf keines besseren Beweises fuer seine ihm anhaftende
Schwaeche als die Tatsache, dass Senator Taft selbst mehr als 20
Abaenderungen dieses Gesetzes vorgeschlagen hat. Die Verzettelung
der Funktionen des Bundesausschusses fuer Arbeitsfragen hat eine
so missliche Lage geschaffen, dass man sie nicht mit Worten bezeichnen kann. Wenn jemals eine Einrichtung in entgegengesetzte Bestandteile aufgespalten wurde, dann ist es diese hoffnungslose
Zersplitterung in einen Ausschuss und in rein juristische Komplexe.
Praesident Truman hat das Richtige getroffen, als er forderte,
dass diese Spaltung aufgehoben und dem Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen erlaubt wird, sich wie andere Verwaltungsbehoerden seiner
Aufgaben nach einem festgelegten Schema zu entledigen, wobei seine
Befugnisse klar und eindeutig umrissen werden muessen. Stattdessen
herrscht unter dem gegenwaertigen System eine starke Verwirrung,
da die einzelnen Funktionen sich ueberschneiden. Solange dieser
Misstand fortbesteht, werden weder die Gewerkschaften noch die
Unternehmer zu ihrem Recht kommen. Ein vorbildliches Regieren,
ein ersprieas] iches gegenseitiges Verstaendnis und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern sind unmoeglich, wenn der Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen aufgespalten
bleibt.
Die paeDstliche Enzyklika betont den Grundsatz, dass die Arbeiter Anspruch auf den besonderen Schutz der Regierung haben.
Das Taft-Hartlay Gesetz bewirkt das Gegenteil. Ihm liegt die
Voraussetzung zugrunde, dass die Gewerkschaften nur Vereinigungen
von Arbeitermassen sind, die ueberwacht und gelenkt werden muessen.
Es stellt eine Reihe Verbote auf, die ein gutes Verhaeltnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verhindern. Mit der Vorgabe,
es solle ein Gleichgewicht zwischen der Macht der Gewerkschaften
und der Unternehmer hergestellt werden, schraenkt es in Wirklichkeit die schwer erkaempften Rechte der Gewerkschaftsbewegung ein
und verleiht der anderen Seite damit Vorrechte, die ihr nicht zustehen. Dies ist nicht der Weg, der zu friedlichen Arbeitsbeziehungen fuehrt. Dieses Gesetz ist somit nichts weiter als ein Anreiz zur betonten Feindseligkeit.
Mit dem Taft-Hartley Gesetz kam es wieder zur Ausuebung des
Streikverbots durch die Regierung, e.ne alte und unwuerdige Methode,
um Streiks zu brechen. Die Taft-Hartley Methode, durch derartige
Zwangsanwendung nationale Notstaende zu ueberwinden, ist im Kohlenstreik auf die Probe gestellt worden und hat klaeglich versagt.
Es ist wirklich an der Zeit, bessere Methoden anzuwenden, um
mit solchen Schwierigkeiten fertigzuwerden. Das Taft-Hartley-Gesetz muss beseitigt werden. Man sollte sich dagegen auf den Kollektivverhandlungsweg einigen. Es ist klar, dass waehrend des
langwierigen Kohlenstreiks beide Parteien im Schatten des TaftHartley-Gesetzes handelten. Das heisst, keiner der beiden Partner
war bestrebt, sich an wirklichen Kollektivverhandlungen zu beteiligen. Sie handelten dagegen so, als ob die im Gesetz enthaltenen
Beschraenkungen und Moeglichkeiten ein entscheidender Faktor wären.
Das ist keine Atmosphaere fuer aufrichtige und ernsthafte Verhandlungen.
"Soll das gesamte Leben eines Landes wegen eines Streiks in
bestimmten wichtigen Industrien zum Stillstand gebracht werden?
Was geschieht, wenn der Streik nicht durch TarifVerhandlungen beigelegt werden kann?" Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten.
- 13

�Die Vereinigten Staaten sind demokratisch, und es ist deshalb
unmoeglich, allein durch Autorttaet regieren zu wollen. Amerika
ist ein Land, dessen Buerger die groesstmoegliche, mit der 'Wohlfahrt des Staates zu vereinbarende Freiheit geniessen, eine Kation,
die den menschlichen Werten und menschlichen Freiheiten den ersten
Platz einraeumt.
Unter einem solchen System gibt es keinen "Gaensemarsch", das
heisst, man folgt weder blindlings noch automatisch; und kein Konzentrationslager. Die Arbeiter haben politische und soziale Lochte, die denen anderer Gruppen nicht untergeordnet werden duerfen.
Dies koennte zu Konflikten fuehren, die eine Industrie zum Stillstand bringen. Und damit koennte die Ordnung eines ganzen Landes
erschuettert werden. Dies ist jedoch bis zu einer bestimmten Grenze der Preis, den wir um der Freiheit willen, d.h. der Freiheit
der Gewerkschaftsbewegung, zahlen muessen.
Die Frage ist jedoch "Wo liegt diese bestimmte Grenze?" Natuerlich gibt es Faelle, in denen das Interesse der Allgemeinheit
den Forderungen der Arbeiter oder Unternehmer voranzustellen ist.
Um einer schweren Krise vorzubeugen, kann Praesident Truman einen
Ausschuss einsetzen, der auch bei der Beilegung des Stahlstreiks
eine so bedeutende Rolle spielte. Dieser Ausschuss hoerte beide
Seiten an, studierte"'die Probleme und verfasste einen Bericht, der
Empfehlungen enthielt, die die oeffentliche Meinung zutiefst beeindruckten. Ein Gesetz, das die ueber Tarife und Lohnbedingungen
streitenden Gewerkschaften und Unternehmer verpflichtete, sich an
einen solchen objektiven Ausschuss zu wenden, waere durchaus angebracht.
Das beste Mittel zur Beilegung von Streitigkeiten und der Erzielung friedlicher Beziehungen in der Industrie ist die Kollektivverhandlung, die, wenn sie in dem richtigen Geist und mit dem
wirklichen Wunsch gefuehrt wird, zu einer Einigung zu kommen, auch
zu Erfolgen fuehrt. Die Tragweite dieser Kollektivverhandlungen
ist viel groesser, als sich die meisten Menschen es vorstellen.
Schlagzeilen ueber angebliche Gewaltakte und Gegenwehraktionen, die
vereinzelt vorkommen moegen, fallen mehr ins Auge als die grosse
Zahl der auf friedlichen Y.'ege erzielten Abkommen, die in den meisten Industrien zur Selbstverstaendlichkeit geworden sind.
Friedliche Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
sind in vielen Industrien laengst das uebliche, wobei alle Beteiligten auf den wirtschaftlichen Erfolg der Arbeit der Industrie
bedacht sind. Das gilt fuer die Arbeiter nicht weniger als fuer
die Unternehmer. Hier zeigt, was dort bereits geleistet werden
konnte, wo die Gewerkschafter hinter der Idee ihrer Funktionaere
stehen.
Und das ist immer dort moeglich, wo der Grundsatz der Gerechtigkeit herrscht, gepaart mit der sich selbst auferlegten Bereitwilligkeit, sich gegenseitig Zugestaendnisse zu machen, um Ordnung
und Zufriedenheit zu schaffen, anstatt Streit und Verwirrung herauf zubeschwoeren. Die katholische Philosophie, die in den paepstlichen Rundschreiben verankert ist, besagt, dass diesemfairen Verhalten und dieser Art Selbstbestimmung Prinzipien zugrundeliegen
muessen, die dem menschlichen Fortschritt den Vorrang geben. Die
Demokratie hat in den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern das gleiche Ziel vor Augen.
U.S. Arbeitsministerium
IV/4/50
- 14 -

�MA.RSIIALLPLAN FOERDERT GRIECHISCHE FISCHEREI
Einern griechischen Fischfangunternehmen in Kalamata ist aus
Marshallplan-Fondsmitteln ein Kredit in Hoehe von 12 Millionen
Drachmen (34.000 DM) zur Verfuegung gestellt worden. Diese Massnahme hat sich auf die gesamte Industrie des suedlichen PeloDoniies positiv ausgewirkt.
Die Firma Gebr. Dragonas erhielt vor fast zwei Jahren diesen
Kredit und richtete damit Kuehlwagentransporte fuer Fische ein.
Frueher war Fisch ein teures Nahrungsmittel in dieser Gegend, weil
erstens der Fischfang mit primitiven Booten sehr kostspielig ist,
und zweitens die Fischer nicht eher wieder in See fahren konnten,
bis sie ihren letzten Fang restlos verkauft hatten. Das heisst,
die Fischer verkauften wenig Ware fuer hohe Preise anstatt grosse
Mengen zu niedrigeren Preisen abzusetzen.
Das Bild hat sich voellig geaendert. Wo dieses Unternehmen
vor Erhalt des Kredites mit einem Fischfangboot operierte und
taeglich etwa 500 Kilo Fische fing, setzt es heute neun Dampfboote ein, die durchschnittliche Tagesausbeute betraegt jetzt
12.000 Kilo.
Waehrend der Preis fuer ein Pfund Fisch in der Hafenstadt
Kalamata frueher etwa 50 Pfennige betrug, wird die gleiche Menge
heute in den Gebirgsdoerfern fuer 15 bis 20 Pfennige verkauft.
Die Fische werden jetzt von Kalamata schnell nach den Gebirgsdosrfern verfrachtet und dort zu niedrigen Preisen in grossen Mengen abgesetzt. Das Geschaeft der Firma Gebr. Dragonas blueht und
die Verbraucher werden taeglich in ausreichenden Masse mit Frischfisch versorgt; auch auf dem Speiseplan der Bewohner der Gebirgsdoerfer nimmt dieses Nahrungsmittel jetzt einen bedeutenden Platz
ein. Infolge der reichlichen Versorgung der Ma/erkte mit Fischen
ist der Preis fuer Fleisch zurueckregangen.
Dank der Marshallnlan^Hilfe fangen heute mehr Fischer 3Chaetzungsweise 30.000 - in den griechischen Gewaessern mehr
Fische als je zuvor. V/aehrend vor dem Kriege jaehrlich 25 Millionen Kilo gefangen wurden, waren es im vergangenen Jahre 45 Millionen Kilo, und die 50 Millionen Grenze duerfte in diesem Jahre
ueberschritten werden.
Rund 40$ der griechischen Fischdampfer wurden waehrend des
Krieges zerstoert und die Einrichtungen vernichtet. Von der UKRRA
und aus Mitteln des Marshallplans sind 10 Millionen Dollar fuer
den Aufbau der griechischen Fischereiflotte zur Verfuegung gestellt worden.
Marshallplan News
I/Nr. 4
BERUFSSEKRETARIATE FUER GEISTESARBEITER IM IBFG
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften wird vom 18.21. April 1951 in seiner Zentralstelle in Bruessel eine Weltkonferenz fuer Angestellte abhalten.
Auf einer Tagung des neuen Konsultativausschusses des IBFG
fuer Referenten, Angestellte im Verwaltungsdienst und Handel und
Vorgesetzte wurden die Termine fuer das erste Welttreffen der
Geistesarbeiter festgelegt. Sie werden unmittelbar vor dem V/eltkongress am 16. und 17. April zusammentreten und ausserdem eine
- 15 -

�ausserordentliche "lanungskonferenz am 21. und 22. Dezember in
Bruessel abhalten.
Inzwischen wer en den Plaenen dieses Ausschusses zufolge die
ersten entscheidenden Schritte zur Errichtung internationaler Sekretariate fuer Lehrerorganisationen unternommen werden, die entweder kurz vor oder kurz nach der Tagung der Angestellten im April
zusammenkommen werden. Pachdem die amerikanischen (CIO), franzoesichen (Force Ouvriere), oesterreichischen, italienischen und
deutschen Gewerkschaften der Journalisten und Schriftsteller ihre
Teilnahme zugesagt haben, hat der ausschuss das Sekretariat des
IBFG ermaechtigt, eine vorlaeufige Konferenz der -Journalistengewerkschaften anzuberaumen, die sich mit den Moeglichkeiten des
Aufbaus einer neuen Internationale fuer Presseane-estellte befassen
wird, die an die Stelle der alten, kommunistisch beherrschten
Internationalen Organisation der Journalisten treten soll.
Der Ausschuss hat ausserdem die Funktionaere des IBFG ersucht,
bei der britischen Journalistengewerkschaft und den gleichen 7erbaenden der Beneluxstaaten und Skandinaviens vorstellig zu werden
und sie um ihre Teilnahme an 3iner derartigen vorbereitenden Konferenz zu bitten. Ken vereinbarte, dass die Teilnahme an diesen
vorbereitenden Besprechungen fuer alle Journalistenorganisationen
der einzelnen Kationen unverbindlich sein soll, und dass sie sich
nach dieser ersten Konferenz* selbst entscheiden sollen, ob sie
dar neuen Organisationen sich anschliessen wollen.
Der Konsultativausschuss legte die Berufskategorien fest,
aus denen die einzelnen Landesgewerkschaftsbewegungen Delegierte
zu der Tagung der Geistesarbeiter im ^pril entsenden koennen:

1.

Saeintliche Lehrberufe.

2.
3.
4.

Gruppe Unterhaltung (Schauspieler, Artisten, Kusiker usw.)
Gruppe Schrifttum (Journalisten, Pressephotographen usw.)
Gesundheitsdienst (Aerzte, Zahnaerzte, «potheker, Optiker,
Krankenpfleger und Krankenhauspersonal)
Angestellte des oeffentlichen Dienstes.
Industrie, Handel und Uebermittlungsdienste (Wissenschaftler, Techniker und Verwaltungspersonal)

5.
6.

Ernest Bell vom Britischen Gewerkschaftskongress (TUC), der
Vorsitzender des Ausschusses in der Zeit seines vorlaeufigen,
nichtoffiziellen Bestehens war, wurde zum staendisen Vorsitzenden
ffewaehlt, als dem neugegruendeten Konsultativausschuss vom Potstandsausschuss des IBFG seine Satzung im September ueberreicht
wurde.
•Der oberste Ausschuss des IDFG gab dem Konsultativausschuss
folgende Anweisungen:
1. Fräsen zu eroertern, die fuer die Geistesarbeiter von besonderem Interesse sind, sich mit ihren Arbeitsbedingungen und Organisationsproblemen zu beschaeftigen und bestrebt zu sein, eine
einheitliche Linienfuehrung in den Bemuehungen zur Loesung der Probleme dieses Personenkrsises zu erzielen.
2. In Zusammenarbeit mit dem IBFG die Errichtung internationaler Berufssekretariate fuer Geistesarbeiter zu unterstuetzen, die
gegenwaertig noch ohne eine internationale gewerkschaftliche Stimme
sind. Hierzu soll die Mitarbeit von Lehrkraeften, Journalisten,
Theater- und Filmschauspielern etc. sichergestellt werden.
'.Veiter sollen die Angestellten Vertretungen des IBFG in bestimmten UN-Organisationen eingebaut werden sowie spezielle Berufsfragen beraten und bearbeiten.
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure« der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der lahalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohea Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierang der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 38

Frankfurt, 24. November 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Das zunehmende Lebensalter und die damit verbundenen
wirtschaftlichen Probleme - - - - - - - - - - - -

l

Die Knowland-Gesetzesvorlage - - - - - - - - - - - Wohnungen fuer Rentner - - - - - - - - - - - - - - -

4
7

Kaufleute fordern wirtschaftliche Zusammenarbeit
der freien Welt - - - - - - - - - - - - - - - - 8
Steigerung der Kaufkraft - die beste Abwehr des
Totalitarismus - - - - - - - - - _ - - _ _ - _ 9
Amerikanische Gewerkschaften und europaeischea
Wiederaufbauprogramm - - - - - - - - - - - - - - 11
Labour Partei Englands billigt Walter Reuthers Plan 12
Mangel an Facharbeitern in Amerika - - - - - - - - - 1 3
"CIO staerker als je zuvor" - - - - - - - - - - - - 14
Hoechster Staudamm der Welt entsteht in den franzoesischen Alpen - - - - - - - - - - - - - - - - - - 16
Billigere Sohuhe - - - - - - - - - - - - - - - - - - 16

DAS ZUNEHMENDE LEBENSALTER UND DIE DAMIT VERBUNDENEN WIRTSCHAFTLICHST! PROBLEMS
Als Ergebnis des grossen Fortschrittes der medizinischen
Wissenschaft und der allgemeinen Hebung des Lebensstandards ist
das durchschnittliche Lebensalter bemerkenswert angestiegen. Zur
gleichen Zeit haben eine Reihe sozialer und wirtschaftlicher Faktoren dazu beigetragen, dass die Betaetigung alter Leute auf dem
Arbeitsmarkt zurueokgeht. Dies trifft besonders auf Personen zu,
die mehr als 65 Jahre alt sind. Das bedeutet, dass sich fuer
den Durchschnittsarbeiter der Zeitraum verlaengert hat, in dem
er seine Lebenshaltungskosten aus einer aaderen Quelle als seiner
eigenen Haende Arbeit decken muss.
Um sich an Hand von Zahlen einen Ueberblick ueber diese
Entwicklung verschaffen zu koennen, hat man fuer das Jahr 1900
Sohaetzungen ueber die durchschnittlich zu erwartende Zeit der
Arbeitsfaehigkeit angestellt. Es ist jedoch zu bemerken, dass
- 1-

�diese Schaetzungen nicht genau mit denen von 1940 und 1949 verglichen werden koennen, weil im Jahre 1900 in den elf Staaten, in
denen die "Registrierung von Todesfaellen Pflicht war, nur die Angehoerigen der weissen Rasse registriert wurden. Trotzdem sind
diese Schaetzungen ein klarer Beweis fuer die Zunahme der Zeitspanne, in der alte Leute sich nicht mehr selbst ernaehren koennen.
Unter Zugrundelegung der Sterblichkeitaziffern und der Zahlen
ueber die Dauer der Erwerbstaetigkeit hatte ein junger Mann der
weissen Rasse damals im Alter von 20 Jahren eine durchschnittliche zusaetzliche Lebensspanne von 42,2 Jahren; die Dauer seiner
Arbeitsfaehigkeit betrug 39,4 Jahre. Er musste demnach damit rechnen, 2,8 Jahre lang nicht erwerbstaetig sein zu koennen. ' In der
Zeit von 1900 bis 1940 steigerte sich die zu erwartende Lebensdauer
eines weissen Mannes im Alter von 20 Jahren um 5,5 Jahre. Die
Dauer seiner zu erwartenden Arbeitsfaehigkeit wurde jedoch nur um
2,6 Jahre groesser. Die Spanne zwischen der zu erwartenden Gesantlebenadauer und der Zeit der Arbeitsfaehigkeit hatte sich demnach
auf 5,7 Jahre erweitert - etwa doppelt soviel wie im Jahre 1900.
Fuer diejenigen, die ein Alter von 60 Jahren erreichten, ist
dieser Unterschied ebenso verblueffend. Waehrend die Lebensei Wartung eines 60 Jahre alten Mannes in der Zeit von 1900 bis 1940 fast
um ein Jahr anstieg, ging seine.au erwartende durchschnittliche
Dauer der Arbeitsfaehigkeit um mehr als zwei Jahre zurueck, was
auf die allgemeine Tendenz zur frueheren Versetzung in den Ruhestand zurueckzufuehren ist. Beide Vergleiche zeigen also eine betonte Erweiterung der zu erwartenden Zeitspanne des Ruhestandes im
Verlauf der vier Dekaden auf.
Wenn diese Tendenz lediglich ein Ergebnis der Tatsache waere,
dass die Arbeiter es vorziehen, sich zeitiger pensionieren zu
lassen, und dazu finanziell besser in der Lage sind, so wuerde sie
kein ernsthaftes soziales Problem darstellen. Die Bedeutung dieser Entwicklung ist jedoch in der entgegengesetzten Richtung zu
suchen. Wenn es fuer die aelteren Arbeiter heute schwieriger ist,
eine Beschaeftigung zu finden, so sind hierfuer eine ganze Reihe
Faktoren verantwortlich zu machen. Die Beschaeftigungsmoeglichkeiten wurden mehr und mehr von landwirtschaftlichen Taetigkeiten
auf nichtlandwirtschaftliche Industrieberufe und von kleineren Familienbetrieben auf grosse Geschaeftsunternehmen uebertragen. Die
moderne Industrie, die ruecksichtslosere und unpersoenlichere Massstarebe anlegt, die groesseren Wert auf Schnelligkeit legt, und in
der es ueblich ist, willkuerlich Altersgrenzen fuer die Einstellung
und die Versetzung in den Ruhestand festzulegen, bietet Arbeitern
in vorgeschrittenem Alter verhaeltnismaessig geringe Beschaeftigungsmoeglichkeiten. Hinzu kam die Massenarbeitslosigkeit der
Dreissiger Jahre, die viele aeltere Leute veranlasste, die Suche
nach Arbeit aufzugeben, selbst wenn sie noch in der Lage waren,
produktiv in der Wirtschaft taetig zu sein.
Diese langzeitige Entwicklung steht in krassem Gerensatz zu
den Erfahrungen, die man in der Zeit von 1940 bis 1947~machen konnte. Der Uebergang von einer Depression in eine Wirtschaft der
Vollbeschaeftigung hatte zur Folge, dass wesentlich mehr Personen
im fuenften und sechsten Lebens Jahrzehnt erwerbstaetig waren. Infolgedessen wurde von 1940 bis 1947 trotz der beachtlichen Zunahme
des Lebensalters die durchschnittliche Dauer der Nichtbeschaeftigung nicht groesser.
Auf grund der Vorkriegstendenz und der neueren Erfahrungen
waehrend der letzten Dekade koennen fuer die Zukunft zwei verschiedene Auffassungen ueber die Dauer der Arbeitsfaehigkeit aufgestellt
werden. Zur besseren Veranschaulichung sind zwei Schaetzungen fuer

�die zu erwartende Dauer der Arbeitsfaehigkeit im Jahre 1975 aufgestellt worden. Der ersten Schaetzung legt man den Anteil der
juengeren Altersgruppen an der Erwerbsbevoelkerung von 1940 und
den staendig zurueckgehenden Prozentsatz der Erwerbstaetigen von
55 Jahren und darueber nach den Zahlen der Zeit von 1920 bis 1940
zugrunde. Bei der zweiten Schaetzung setzt man voraus, dass sich
der zahlenmaessige Anteil an der Erwerbsbevoelkerung von 1947
nicht aendert.
Bei beiden Voraussetzungen nimmt man an, dass die guenstige
Tendenz in der Sterblichkeit auch weiterhin anhaelt, was auch aus
den Voreusbestimmungen der Bevoelkerungszahlen zu ersehen ist, die
vom statistischen Buero der Vereinigten Staaten unlaengst veroeffentlicht wurden. Demnach betraegt im Jahre 1975 die Lebenserwartung eines 20-jaehrigen Mannes fast 73 Jahre im Vergleich zu
68 Jahren im Jahre 1947; im Alter von 60 Jahren wuerde sein durchschnittliches Lebensalter auf fast 77 Jahre erhoeht, das sind 1 1/2
Jahre mehr als im Jahre 1947.
Wenn man von der ersten Moeglichkeit ausgeht, die darin besteht, das3 der Zeitpunkt der Versetzung in den Ruhestand immer weiter vorverlegt wird, dann wuerde das durchschnittlich zu erwartende
Arbeitsalter eines 20-jaehrigen Mannes im Jahre 1975 das gleiche
sein wie im Jahre 1947, naemllch etwas weniger als 43 Jahre. Die
durchschnittliche Lebenserwartung im Ruhestand wuerde sich jedoch
auf fast 10 Jahre erweitern, verglichen mit fuenf Jahren im Jahre
1947 und weniger als drei Jahren (fuer maennliche Arbeiter der
weissen Rasse) im Jahre 1900.
Im Alter von 60 Jahren ist der Kontrast ebenso betont. Der
sechzigjaehrige Arbeiter, der im Durchschnitt noch fast 17 Jahre zu
leben hat, kann damit rechnen, nur noch acht Jahre erwerbstaetig
zu bleiben und neun Jahre im Ruhestand zu leben. Es ist daher zu
erwarten, dass die Dauer der Arbeitstaetigkeit mehr und mehr zurueckgeht und der Zeitraum, in dem sich der Arbeiter im Ruhestand
befindet, immer groesser wird.
Die zweite Moeglichkeit, die sich auf die Zusammensetzung der
Erwerbsbevoelkerung aus dem Jahre 1947 gruendet, fuehrt zu voellig
verschiedenen Ergebnissen. Die Zunahme der Gesamtlebensdauer
wuerde hauptsaechlloh der Dauer des Arbeitslebens hinzugefuegt
werden. Fuer einen Zwanzigjaehrigen wuerde sich das durchschnittlich zu erwartende Arbeitsleben im Vergleich zu 1947 um mehr als
drei Jthre steigern, und die Dauer des Ruhestandes ginge um 1 1/2
Jahre in die Hoehe. Die zukuenftige Dauer des Arbeitslebens wuerde
sich im Vergleich zu 1947 um fast ein ganzes Jahr erhoehen.
Bei diesen Vergleichen sind natuerlich nicht alle Faktoren
berücksichtigt, die die jeweilige wirtschaftliche Last abhaengiger
alter Leute beeinflussen koennen. Veraenderungen in der Altersstruktur der Bevoelkerung werden z.B. von erheblicher Bedeutung sein und
von den zukuenftigen Tendenzen der Geburtenziffer, der Zahl der
Einwanderer und der gesteigerten Lebenserwartung beeinflusst werden.
Die voraussichtlichen Kosten fuer Alterspensionen und aehnliche
Programme werden auch davon abhaengen, wie sich die Uhterstuetzungsansprueche, die Unterstuetzungsbetraege und andere Bestimmungen dieser Programme veraendern. Veraenderungen de3 durchschnittlichen
Einkommens- und Produktivitaetsstandes werden sich ebenfalls auf
die entsorechenden Kosten der Unterstuetzungsprogramme fuer alte
Leute auswirken.
Diese Vergleiche konzentrieren jedenfalls die Aufmerksamkeit
auf einen der wesentlichsten Gesichtspunkte des Problems der Versorgung alter Leute. Im einzelnen und im allgemeinen werden in den
- 3

�kommenden Dekaden wichtige Beschluesse in bezug auf die letzten
Lebensjahre und auf die Pensionierung und die fortgesetzte Erwerbstaetigkeit getroffen werden. Diese Beschluesse wiederum werden wesentliche Auswirkungen auf die Zahl der Erwerbsbevoelkerung des
Landes, das Sozialprodukt und auf den kuenftigen Lebensstandard
des amerikanischen Volkes zur Folge haben.
Tables of Working Life
US Arbeitaministerium
VII1/50
John W. Gibson, stellvertretender Arbeitsminister:
DIE KNOWLAND-GESETZESVORLAGE
Nach dem bundesstaatlichen System der Arbeitslosenversicherung
sind die einzelnen Staaten verpflichtet, sich an bestimmte J'lndestnormen zu halten. Die Zahl dieser festgesetzten Normen ist sehr
gering. Eine davon ist jedoch von groesster Bedeutung fuer die
Arbeiterschaft: die sogenannten Arbeitsnormen. Nach diesen Bestimmungen kann ein Einzelstöat einem Arbeiter die Arbeitslosenunterstuetzung nicht verweigern, wenn dieser einen neuen Arbeitsplatz
nicht annehmen will, der infolge eines Streiks oder anderer Arbeitsstreitigkeiten unbesetzt ist, oder wenn Löhne, Arbeitszeit und
andere Arbeitsbedingungen weit unter denen liegen, die in dem Bezirk vorherrschen, oder wenn er mit seinem Arbeitsantritt gezwungen waere, einer Betriebsgewerkschaft beizutreten oder aus einer
Gewerkschaft auszutreten, fuer die er sich bereits entschieden hat.
Die Knowland-Gesetzesvorlage bringt Vorlagen ueber die Abaenderung der Sozialversicherungsgesetze. Sie koennte, wenn sie zum
Gesetz wuerde, die bundesstaatlich festgelegten Normen im Arbeitslosenversicherungssystem ernsthaft gefaehrden. Insbesondere wuerde
sie dem Arbeitsminister jegliche Intervention verbieten, wenn ein
Staat diese Normen nicht einhaelt, es sei denn, dass dieser Nichteinhaltung eine Abaenderung des einzelstaatlichen Gesetzes durch
die gesetzgebenden Organe des Einzelstaates zugrundtliegt. Senator
Knowland behauptete, dass seine Gesetzesvorlage einzig und allein
den Zweck haette, den Arbeitsminister zu zwingen, solange zu warten,
bis ein derartiges Vorkommnis der Nichteinhaltung des Gesetzes von
den staatlichen Gerichtshoefen bearbeitet sei. Wenn man die Gesetzesaenderung jedoch genauer studiert, stellt man fest, dass der
Arbeitsminister nur dann Einspruch erheben kann, wenn die staatliche Behoerde fuer Beschaeftigungssicherheit die Beschluesse des
hoechsten staatlichen Gerichtes nicht befolgt hat; dabei ist es
gleichgueltig, ob diese Beschluesse den bundesstaatlichen Bestimmungen entsprechen oder nicht. Mit anderen Worten, jeder Staat koennte diese Bestimmungen verschiedenartig auslegen, ohne dass der
Arbeitsminister etwas hiergegen unternehmen koennte. Die KnowlandGesetzesvorlage kann infolgedessen die einzige auf bundesstaatlicher
Ebene geregelte Bestimmung der Arbeitslosenversicherung, naemlich
die der Arbeitsnormen, unterminieren. Wenn diese Gesetzesvorlage
zum Gesetz wuerde, waere es unmoeglich, die von Praesident Truman
vorgeschlagenen zusaetzlichen Arbeitslosenunterstuetzungen gesetzlich festzulegen, deren Koechstsatz woechentlich 30 Doller*zuzueglich der Beihilfen fuer unterstuetzungsbeduerftige Angehoerif-e betragen soll, und die 26 Wochen lang gezahlt wird. Den Befuerwortern der Knowland-Gesetzesvorlage wuerde e's bei einer etwaigen Bewilligung ohne Zweifel gelingen, die neuen bundesstaatlichen Bestimmungen zu unterhoehlen.
Wer steht hinter der Knowland-Gesetzesvorlage? Sie wurde von
dem Arbeitgeberverband an der Kueste des Pazifiks und den Reedern
der Westkueste geschaffen, weil der Arbeitsminister sie daran gehin-

�dert hatte, die Arbeiter gelegentlich mehrerer Streiks im Jahre
1948 zu uebervorteilen. Die Arbeitgeber der Kueste Kaliforniens
und Washingtons hatten es naemlich fertiggebracht, dass die
Appellationsgerichte dieser Staaten beschlossen, allen Gewerkschaftsmitgliedern, ob sie an den Streiks beteiligt waren oder
nicht, die Arbeitslosenunterstuetzung zu verweigern, selbst wenn
sie schon vor dem Streik arbeitslos waren und ünterstuetzungen
bezogen. Die gleiche Methode wurde bei einm Streik der Zimmerleute in Spokane (Washington) angewandt. Nachdem man sich beim
Arbeitsminister hierueber beschwert hatte, stellte dieser fest,
dass sich der Staat Washinton nicht an die bundesstaatlichen Vorschriften gehalten hatte, worauf die Gerichte sofort ihre Beschluesse fuer ungueltig erklaerten. Da die Entscheidungen der
kalifornischen Berufungsgerichte nicht zur allgemeinen Anwendung
kamen und versichert wurde, dass den Arbeitern, die nicht am
Streik beteiligt waren, die Arbeitslosenunterstuetzung nicht verweigert wuerde, wurde das Verfahren gegen den Staat Kalifornien
eingestellt.
Die erfolglosen Arbeitgeber der pazifischen Kueste haben sioh
im Kampf um die Durchsetzung der Knowland-Gesetzesvorläge im Hintergrund gehalten und Hessen ihre Interessen durch Stanley
Rector, den Kulissenschieber im Dienste der Vereinigung fuer Berater in ArbeitslosWunterstuetzungsfragen (Unemployment Benefit
Advisors, Inc.) vertreten. Diese Vereinigung ist eine von den
Arbeitgebern finanzierte Organisation, die urspruenglich in Wisconsin zu dem Zweck ins Leben gerufen wurde, die Arbeitgeber des
Staates Wisconsin zu beraten, wie sie sich der Verpflichtung zur
Zahlung von Betraegen zur Arbeitslosenunterstuetzung entziehen
koennten. Rector war vorher Rechtsberater der Abteilung fuer
Arbeitslosenunterstuetzung in der Industriekommission von Wisconsin. Er hatte diese Fosition aufgegeben, um fuer die Organisation
in Washii&amp;on die Gesetzgebung zugunsten der Unternehmer zu beeinflussen, eine Aufgabe, die ihm jaehrlich 20.000 Dollar einbringt,
und der er sich seit Jahren gewidmet hat; er hat alles moegliche
getan, um ein wirksames Sozialversicherungsprogramm zu sabotieren
und zu zerstoeren.
Offiziellen Angaben zufolge, ueber die der Kongress naoh dem
Gesetz ueber die Registrierung von Rechtsvertretern der Arbeitnehmerverbaende verfuegt, hatte die Vereinigung fuer Berater in Fragen
der Arbeitslosenunterstuetzung, die Rector als ihren Direktor bezeichnet, im Jahre 1949 Einnahmen in Hoehe von 102.415 Dollar und
36.175 Dollan an Ausgaben zu verzeichnen. In einem einzigen Quartal des Jahres 1949 hatte diese Vereinigung Zuwendungen von 499
Dollar und mehr von jedem einzelnen der 24 groessten Unternehmen
des Landes gemeldet. Die General-Motors in Detroit hat z.B.
3.500 Dollar an die Gesellschaft gezahlt, und die Zuwendungen der
folgenden grossen Unternehmen betrugen in jedem Einzelfall mehr
als 1.000 Dollar: J. Schitz Brewing Co., Milwaukee; Allis-Chalmers
Manufacturing Company, T.Cilwaukee; Atlantic Refining Company, Philadelphia; J. L. Hudson Company, Detroit; Marshall Field Company,
Chikago; American Cynamid Company, New York; und die American Can
Company, New York. Nicht zu vergessen sind Briggs und Stratton in
I'ilwaukee, die in einem einzigen Quertal mit je 800 Dollar diese
"wohltaetige" Organisation unterstuetzten, die dazu bestimmt ist,
der Arbeiterschaft die Lebensader abzuschneiden.
Rector hat -mehrere Schreiben abgefasst, in denen er den Zweck
der Knowland-Gesetzesvorlage entstellt und die Handlungsweise des
Arbeitsministers bei den Vorfaellen in den Staaten Kalifornien und
Washington kritisiert. In diesen Schreiben hat Rector absichtlich
die Tatsachen in einer Weise gefaelscht, dass sich die Unternehmer
benachteiligt glauben muessen. Rector behauptete, in Kalifornien
und Washington habe man den Mitgliedern der Seeleutegewerkschaften
5 -

�Harry Bridges' die Arbeitslosenunterstuetzungen verweigert. In
Wirklichkeit wer keine der vier streikenden Gewerkschaften weder
offiziell noch im geheimen mit Harry Bridges verbunden. Rector
deutete ausserdem an, dass "das Arbeitsministerium, um sich die
Staaten gefuegig zu machen, seine umfassenden willkuerlichen Vollmachten immer dann anwenden wuerde, wenn der Standpunkt der Gewerkschaften nicht mit dem der staatlichen Behoerden zu vereinbaren
sei. Er behauptete ausserdem, dass der Arbeitsminister nicht dem
Beispiel des frueheren Beauftragten fuer Sozialversicherung, Arthur
J. Altmeyer, folge und mit der Bearbeitung von Problemen nicht warte, bis die staatlichen Gerichtshoefe hierzu Stellung genommen
haetten. In Wirklichkeit waren zu der Zeit, als das Programm fuer
Beschaeftigungssicherheit von Altmeyer verwaltet wurde, viele
Streitfragen direkt bearbeitet worden, ohne dass die Gerichtshoefe
davon in Kenntnis gesetzt wurden. Die gleichen Leute, die unter
Altmeyer gearbeitet hatten, deckten die üebertretungen der Bundesgesetze in Kalifornien und Washington auf und unterrichteten den
Arbeitsminister darueber.
In einem Schreiben an seine Arbeitgeber behauptete Rector,
das Arbeitsministerium lasse es sich Tausende von Dollars kosten,
um auf dem Wege ueber die Administratoren der Behoerden fuer Beschaeftigungssicherheit die einzelnen Staaten davon abzubringen,
seine Gesetzesvorlage zu unterstuetzen. Er erklaerte ausserdem
woertlich: "Es ist anzunehmen, dass diese Geldzuwendungen den bundesstaatlichen Behoerden fuer die Kontrolle der Finanzen einzelstaatlicher Behoerden nicht unbekannt sind." Keine dieser Behauptungen entspricht der Wahrheit. Nicht das Aussenministerium wendet Tausende von Dollars auf, sondern die Administratoren der Einzelstaaten selbst, die sie fuer Telegramme an ihre Senatoren und
Repräsentanten und fuer persoenliche Besuche in Washington fuer
die Knowland-Gesetzesvorlage verwenden. Was die Behauptung betrifft, durch bundesstaatliche Geldzuwendungen an die Einzelstatten
wuerde ein Druck auf die Behoerden der Einzelstaaten ausgeuebt, so
ist dazu zu sagen, dass der Ezekutivausschuss der interstaatlichen
Konferenz in einer Resolution im vorigen Winter offiziell erklaerte, dass Geldzuwendungen des Bueros fuer Beschaeftigungssicherheit
niemals dazu verwendet wurden, auf die Einzelstaaten in irgendeiner
Weise einen politischen Druck auszuueben, und die Konferenz kann
dies zu jeder Zeit erneut versichern.
Das Arbeitsministerium ist gegen jede finanzierte Unterstuetzung dieser Gesetzesvorlage. Auf Rectors Betreiben haben die Unternehmer eine Unzahl von Briefen geschrieben, in denen sie sich
fuer die Gesetzesvorlage aussprechen und die schlimmsten Dinge
prophezeie», falls sie nicht bewilligt werden sollte. Ein Kongressmitglied hat uns z.B. einen Brief eines Unternehmers gezeigt,
in dem es heisst, dass das System der Arbeitslosenversicherung auf
bundesstaatliche Ebene ausgedehnt und die Unters tue tzun.^en erhoeht
und die Unterstuetzungszeiten verlaengert worden, wenn die Knowland-Gesetzesvorlage nicht zum Gesetz wuerde. Ich persoenlich
wuerde eine solche Entwicklung begruessen. Die Bewilligung der
Knowland-Gesetzesvorlage dagegen wuerde die Arbeitslosenversicherung zu einer Waffe machen, die in den Haenden der Unternehmer dazu
geeignet waere, Streiks ruecksichtslos zu brechen.
Einige Administratoren der einzelstaatlichen Arbeitslosenversicherungen arbeiten mit Rector Hand in Hand, weil sie natuerlich
froh waeren, von jeglicher bundesstaatlichen Kontrolle oder Ueberwachung frei zu sein - obwohl sie ihre Stellungen und die Gesetze
an erster Stelle der bundesstaatlichen Gesetzgebung zu verdanken
haben. Die meisten einzelstaatlichen Administratoren der Arbeitslosenversicherung, die im ganzen Lande eingesetzt sind, werden
von Rector und seiner Vereinigung fuer Berater in Arbeitslosenunterstuetzungsfragen an der Nase herumgefuehrt. Sie unterstuetzen und
t

- 6-

�und beguenstigen, sie ermoeglichen deshalb durch ihre Handlungsweise und die der interstaatlichen Konferenz eine antigewerkschaftliche Taetigkeit. Nur wenn die organisierte Gewerkschaftsbewegung
durch sofortiges Handeln, durch Telegramme und persoenliches Vorstelligwerden bei den Senatoren und Kongressmitgliedern und besonders bei den Mitgliedern der Konferenzen ueber die Abaenderung
der Sozialversicherungsgesetze dieser Sabotage entgegenarbeitet,
koennen wir hoffen, dass der Bestand dea bundesstaatlichen Systems
der Arbeitslosenversicherung gesichert bleibt.
Ich kann nicht genug darauf hinweisen, dass es bei allen Besprechungen im Verlaufe dieses Kongresses wichtig ist, sich der
luegnerischen Propaganda bewusst zu werden, die in diesem Lande
von Interessen getrieben wird, die denen unserer bundesstaatlichen
Verwaltung in Washington genau entgegengesetzt sind. Zum Abschluss
moechte ich dazu auffordern, das Fair Deal Programm zu unters tuetzen, weil es zu groesserem Wohlstand derer fuehren muss, die sich
ihren Lebensunterhalt erarbeiten muessen. Dieses Programm allein
wird dem amerikanischen Volke letzten Endes eine staerkere Wirtschaft und einen hoeheren Lebensstandard geben koennen.
US Arbeitsministerium
VII/19/50
WOHNUNGEN FUER RENTNER

Heutzutage wird den Problemen der aelteren Leute in England
eine besonders sorgfaeltige Beachtung geschenkt. Die seit 1945
erlassenen Gesetze sind weitgehend darauf ausgerichtet, ihnen
bessere Wohnmoeglichkeiten zu bieten.
Nach Paragraph 21 des Fuersorgegesetzes sind die obersten Be- •
zirksbehoerden verpflichtet, alten Leuten, die nicht mehr selbst
fuer sich sorgen koennen, Wohnungen zur Verfuegung zu stellen. Die
Wohnungen muessen ihnen bestimmte Erleichterungen, wie die unentgeltliche Inanspruchnahme von Hauswaeschereien, bieten. In einigen Faellen ermoeglicht man ihnen sogar Ferienaufenthalte.
Natuerlich wuerden viele alte Leute lieber in den Wohnungen
bleiben, die sie sich selbst eingerichtet haben, statt in die besonders fuer sie vorgesehenen Wohnblocks zu ziehen, obwohl diese
genuegend Raum fuer alle bieten.
Als weitere Dienstleistung sieht das Fuersorgegesetz vor, dass
die oertlichen Behoerden irgendwelche freiwilligen Organisationen
unterstuetzen, die die Kbsten fuer Erholungsaufenthalte und Kahlzeiten mittragen.
Ausserdem sollen die oertlichen Behoerden dafuer sorgen, dass
den alten Leuten in buergerlichen Restaurants Mahlzeiten zum Selbstkostenpreis verabreicht werden koennen. Einige Behoerden haben es
eingerichtet, dass Diabetiker und Wagenkranke mit den fuer sie erforderlichen Lebensmitteln versorgt werden, oder sie treffen mit
den Krenkenhaeusern Abmachungen, damit diese Leute durch die Diaetkuechen bekoestigt werden koennen.
Die Unterstuetzung im Haushalt ist nicht vergessen worden.
Man schaetzt, dass Dreiviertel jener Hilfen, wie sie im Paragranh
29 des Gesetzes fuer den Gesundheitsdienst vorgesehen ist, den
staendig Arbeitsunfaehigen und den alten Leuten zugutekommt.
Arbeitssparende Wohnungen sind fuer alte Leute besonders wichtig. Das Leben und Arbeiten in diesen kleinen 'Wohnungen erfordert
ein Minimum an koerperlicher Anstrengung. Es gibt keine Stufen und
- 7-

�keine dunklen Ecken. Die Mieten richten sich nach den Einkommen
aller Mieter, und fortschrittliche Wohnungsaernter uebernehmen
haeufig einen Teil der Kosten.
Uni einen Uindestlebensstandard zu gewaehrleisten, hat der
Fuersorgeausschuss erklaert, dass er zu niedrige Einkommen aus
eigenen Mitteln aufbessern wird.
In Zukunft kann jeder, dessen Einkommen nach Abzug der Miete
unter 43 1/2 Schillingen (etwa 25.50 DM) fuer ein Ehepaar liegt,
Unterstuetzung beantragen. Ein Ehepaar, das z.B. nach dem Versicherungsgesetz nur 42 Schillinge bezieht, wuerde eine zusaetzliche
Unterstuetzung von ein Schilling secha Pence und seine Miete erhalten.
Jeder, der nach dem Fuersorgegesetz Anspruch auf Unterstuetzung hat, kann sie erhalten. Wenn auch die Fuersorgebeamten wissen
wollen, wie hoch die Miete ist, und wieviel ein einzelner oder
eine Familie gespart hat, so wird diese Fuersorge doch ganz anders
gehandhabt als zu der Zeit, als die aelteren Arbeiter die verhasste
Ueberpruefung ihrer Mittel ueber sich ergehen lassen musste.
Heute braucht niemand mehr Schlange zu stehen, um den Fuersorgebeamten von seinen Noeten berichten zu koennen. Diese Beamten haben jetzt eine Sonderausbildung genossen und behandeln die
Faelle mit allem Wohlwollen unter Beachtung der Bestimmungen des
Fuersorgegesetzes. Wenn es gewuenscht wird, so besucht er einen
Antragsteller auch zu Hause.
Um ein Beispiel zu geben, wie man das Vermoegen berechnet,
greifen wir ein Ehepaar heraus, das von seiner Pension lebt. Wenn
das Ehepaar weniger als 350 Pfund Sterling an Kriegsanleihen pro
Person besitzt, wird dieser Betrag nicht baruecksichtigt. Das gleiche gilt fuer sonstige Ersparnisse bis zu einem Betrag von 74 Pfund
Sterling.
Ein Ehepaar kann deshalb 774 Pfund Sterling besitzen, ohne
dass dieses Vermoejen beruecksichtigt wird. Alle darueberliegenden Betraege werden so berechnet, dass jeder weitere Betrag von
25 Pfund Sterling einem woechentlichen Einkommen von einem halben
Schilling entspricht.
Zahlreiche andere Einkommensarten koennen ausserdem bei den
Berechnungen der Fuersorgebeamten unberuecksichtigt bleiben; so
z.B. bis zu 10 1/2 Schillingen woechentlich an Pensionen od-er Krankengeldern aus einer Gewerkschafts- oder Wohlfahrtskasse; 20 Schillinge woechentlich an Pensionen fuer Arbeitsunfaehige und 20 Schillinge woechentlich, wenn es sich um keine staendigen Einkommen handelt. In keinem Falle jedoch duerfen diese Einnahmen den Betrag
von 20 Schillingen ueberschreiten.
Gewerkschafter und alle anderen aktiven Buerger muessen sich
dafuer einsetzen, dass alle alten Leute in den Genuss dieser Hilfeleistungen kommen. V/eil sie nicht selbst so fuer sich sorgen koennen, wie es ihnen gebuehrt, muessen sie auf diese V/eise unterstuetzt
werden.
Labour, TUC Magazine
VI/ 50
KAUFLEUTE FORDERN WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT DER FREIEN WELT
Um eine Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern, ist es notwendig, nach und nach die internationalen Handelsschranken zu be-

�seitigen und eine hoehere Produktionsleistung der freien Welt anzustreben, erklaerten kuerzlich die Delegierten des 37. Lendeskonvents fuer Aussenhandel in New York in einer Verlautbarung, die
von dem Konvent gebilligt wurde.
Dieses Ziel laesst sich nur durch gemeinsames Handeln der
freien Nationen der V/elt ermoeglichen, heisst es in der Erklaerung
weiter. Die Ruestungs- und Zivilproduktion, die fuer den Freiheitskampf unerlaesslich sei, muesse von anderen Nationen und den
Vereinigten Staaten gemeinsam unterstuetzt werden.
Mehr als 8.000 Aussenhandelskaufleute und Investoren nahmen
an dem dreitaegigen Jahreskonvent teil, der von dem Nationalen
Handelsausschuss einberufen worden war.
In den von dem Konvent gebilligten Empfehlungen wird erklaert,
dass trotz der grossen Hilfsquellen und trotz des dynamischen
Wirtschaftssystems der Vereinigten Staaten diese allein der Aufgaben nicht Herr werden koennten, die der freien Welt gestellt
sind.
Der Kongress hob hervor, dass sich die freie Y/elt angesichts
der kommunistischen Aggression der Wiederaufruestung widmen muesse,
dass jedoch die wirtschaftlichen Erfolge, die durch den MarshallPlan erzielt worden seien, nicht aufs Spiel gesetzt werden duerften.
Die Delegierten verurteilten in scharfen Worten die engstirnigen Methoden, die eine fortschrittliche wirtschaftliche Entwicklung in Europa verhindern. In der Resolution hierzu heisst es:
"Es ist mehr als je zuvor ein Gebot der Stunde, dass die engstirnigen Meti öden des wirtschaftlichen Nationalismus einer wirksameren Zusammenarbeit unter den Nationen weichen, und dass die wirtschaftliche Traegheit, ob sie nun ein Ergebnis des Sozialismus
oder des monopolistischen Kapitalismus ist, durch ein Streben und
einen Drang nach einer dynamischen Konkurrenzwirtschaft ersetzt
wird. Nur auf diese Weise wird es moeglich sein, die Produktionsziele zu erreichen, die notwendig sind, um der Kachfrage nach
Ruestungs- und Zivilprodukten in dieser kritischen Zeit der Wiederaufruestung genuegen zu koennen.
Der Konvent forderte, dass die Handelskontrollen auf ein Minimum beschraenkt, die Zollverfahren vereinfacht, Exportkontrollen
auf Mangelwaren beschraenkt und laestige Restriktionen, wie Visa
und polizeiliche Bescheiningungen, aufgehoben werden.
Er forderte ausserdem die freie Konvertierbarkeit der Waetirungen und die Beseitigung der Kontrollen im Zahlungsverkehr als
wesentliche Ziele anzustreben.
Das Punkt-Vier-Programm wurde von dem Konvent gutgeheissen,
man verlangte weiter, dass ein staendiger Kapitalfluss zur Investierung in unterentwickelten Gebieten gesichert und gefoerdert
wird.
ECA Labor Information
XI/16/50
STEIGERUNG DER KAUFKRAFT - DIE BESTE ABWEHR DES TOTALITARISMUS
Durch den Marshall Plan, dem amerikanischen Hilfsprogramm
zur Wiedergesundung der demokratischen Nationen Europas, ist eine
erstaunliche Wandlung der Dinge eingetreten.
9 -

�Dieser Plan besteht seit ueber zwei Jahren. Er hat viel
zum Wiederaufbau beigetragen, aber in einigen Laendern sind die
Riesenerewinne hieraus allein den Geschaeftsleuten und der Industrie zugeflossen. Fuehrende Beamte der Marshall-Flan-Verwaltu
haben nun erklaert, dass hier eine Aenderung eintreten muesse.
Einise Beamte haben auf ihren Auslandsreisen festgestellt, dass
der Kommunismus nicht besiegt werden kann, wenn die amerikanische
Hilfe nur den Unternehmern groessere Gewinne einbringt, ohne die
tCaufkre-ft der ^rbeiterloehne zu steigern.
Diese Erkenntnis hat dazu gefuehrt, dass der neue Leiter
der Mershall-Plan-Verwaltung, William C. Foster, ein ehemaliger
Industrieller der Stahlindustrie, den europaeischen Unternehmern
rundweg erklaerte, dass sie den Lebensstandard des Volkes heben
muessten, wenn sie wirklich den Wunsch haetten, die kommunistische
Gefahr abzuwenden.
Funktionaere amerikanischer Gewerkschaften und Gewerkschaftsvertreter innerhalb der Marshall-Plan-Verwaltung haben dies schon
vor langer Ziet betont, und sie sind selbstverständlich erfreut,
wenn Industrielle wie Foster ihren Standpunkt jetzt teilen.
Foster gab seine sensationelle Erklaerung vor einer Gruppe
europaeischer Betriebsleiter der Eisenbahnen und jener Fabriken
ab, die Ausruestungsgegenstaende fuer die Eisenbahnen herstellen.
Die Gruppe hatte sechs Wochen lang in den Vereinigten Staaten die
Methoden der Eisenbahngesellschaft "Iron.Korse" und der Zubringerindustrien fuer die Eisenbahn studiert.
Der Leiter der ECA sagte, er hoffe, dass sie die treibende
Kraft erkannt haetten, die hinter der amerikanischen Wirtschaft
stehe - das heisst, die staendig sich steigernde Massenproduktion»
mit der ein Massenabsatzmarkt beliefert wird, in dem jeder einzelne ueber eine hohe Kaufkraft verfuegt.
Wir legen grossen Wert darauf, dass die Fruechte der Produktionsleistung gerecht verteilt werden. Diese gerechte Verteilung
ist zumindest teilweise den von den Gewerkschaften gefuehrten Verhandlungen mit. den Unternehmern zu verdanken.
"Wenn nur wenige Leute in den Genuss der Fruechte der Massenproduktion kommen, koennen auch nur wenige etwas kaufen," erklaerte Foster warnend. "Bittere Erfahrungen haben uns zu dieser Erkenntnis gebracht."
Er betonte darauf, dass sich die Industriellen Europas diese
Erkenntnis zunutze machen sollten und die Gewinne aus der gesteigerten Produktionsleistung durch hoehere Loehne bei kuerzerer Arbeitszeit gerecht verteilen.
Mr. Leon Dayton, der Leiter der Marshall Plan-Mission fuer
Italien, sprach eine aehnliche Warnung aus. Er sagte den italienischen Unternehmern unumwunden, dass sie Gefahr liefen, den Koramu
nisten die Macht in die Ilaende zu spielen, wenn sie der grossen
Masse des Volkes nicht mehr Kaufkraft in die Haende gaeben.
Er warf einigen italienischen Unternehmern vor, zu grosse Gewinne erhaschen zu wollen und Preise festzusetzen, die das Fuenffache der Gestehungskosten betragen.
Vor den Eisenbahnunternehmern sprach in Washington ausserdem
Bert M. Jewell, ein altes Mitglied der Sisenbahnergewerkschaften.
Jewell ist jetzt erster Berater fuer Arbeitsfragen bei der Marshall-Plan-Verwaltung. Jahrelang fuehrte er die Eisenbahnerabtei- 10 -

�lunc der AFL und ist seit fast einem halben Jahrhundert Mitglied
der Kesselbauergewerkschaft.
Woertlich sagte Jewell zu der Unternehmergruppe: "Die Arbeiter der amerikanischen Eisenbahnen haben sich schon immer fuer
gesteigerte Produktion und hoehere Produktionsleistung eingesetzt,
sie haben aber auch auf ihrem ihnen zustehenden Anteil an den Gewinnen bestanden."
Die Gewerkschaften haetten sich ihre Erfolge allerdings schwer
erkaempfen muessen; die Streitigkeiten mit den Unternehmern haetten
dazu gefuehrt, dass die Eisenbahnen heute nominell in den Kaenden
der Regierung liegen.
Jewell fuegte hinzu, er wuensche nicht, diese Spannungen zu
verbergen, aber ebenso muesste man auch wissen, dass zwischen Gewerkschaften und Eisenbahngesellschaften in Fragen, die fuer beide
Teile von Bedeutung und Interesse sind, eine gute Zusammenarbeit
geleistet worden ist.
Er fuehrte zahlreiche Beispiele aus der Gesetzgebung und anderen Gebieten an, in denen die beiden Vertragspartner erfolgreich
zusammengearbeitet haben.
•

Labor
X/28/50
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN UND EUROPASISCHES WIEDERAUFBAUPROGRAMM
Der Direktor der Abteilung fuer Arbeitsfragen in der MarshallPlan-Verwaltung in Europa, Boris Shishkin, der als amerikanischer
Gewerkschafter eine fuehrende Stellung in der Marshall-Plan-Verwaltung bekleidet, befand sich vor kurzem in den Vereinigten Staaten, um Praesident Truraan Bericht zu erstatten. In seiner an die
arbeitende Bevoelkerung der Vereinigten Staaten gerichtete Ansprache erküa erte Boris Shishkin:
"Die durch den Marshall-Plan erzielte Verbesserung dss Lebensstandards der Arbeiterschaft muss beibehalten und gesteigert werden, wenn die Verteidigungsbemuehungen der freien Welt von Erfolg
sein sollen. Diese Verbesserung stellt einen Faktor der inneren
Sicherheit Westeuropas dar, der ebenso wichtig ist wie die aeussere
Sicherheit.
"Die Gewerkschaftsprogramme des ERP gewinnen mehr und mehr an
Bedeutung. Die Marshall-Plan-Verwaltung baut einige dieser Programme weiter aus, wie z.B. den Austausch europaeischer und amerikanischer Studiengruppen, die Koordinierung der Arbeitsvermittlungsaemter der Teilnehmerstaaten, die Berufsausbildung der Arbeiter und
die Verwendung der Gegenwertfondsmittel fuer die Durchfuehrung billiger Wohnungsbauprojekte.
"Die franzoesischen und italienischen Arbeiter verstanden anfaenglich nicht, dass dieser Plan ihnen helfen sollte. Nachdem
jedoch diese Programme, die Maschinen und andere Hilfeleistungen
der ECA dazu beigetragen haben, die Produktion zu steigern und den
Lebensstandard der Arbeiter zu verbessern, beginnen sie einzusehen,
dass der Marshall Plan keine leere Phrase ist, sondern den Zweck
hat, ihnen unter Wahrung des Rechtes zu helfen, freie Franzosen
und Italiener zu bleiben.
"Trotzdem besteht noch immer das grundlegende Problem des
niedrigen Lebensstandards und besonders der zu geringen Realloehne.
- 11 -

�Zweifellos muesseji in bestimmten Laendern und vornehmlich in
Frankreich Massnahmen ergriffen werden, um den zu niedrigen Lebensstandard der Arbeiter schneller zu heben.
"Man muss sich jedoch darueber im klaren sein, dass die demokratischen Regierungen dieser Laender und nicht die Marshall-PlanVerwaltung die Verantwortung fuer diese Programme und fuer ihre
Durchfuehrung zu uebernehmen haben. Die Verbesserung der Loehne
in Frankreich und den anderen Laendern ist eine Aufgabe, die von
den freien Gewerkschaften durch Kollektivverhandlungen geloest
werden muss.
"Zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Verteidigung Westeuropas gegen Aggressionen ist dringend eine Politik erforderlich,
die eine gerechte Besteuerung gewaehrleistet und die Ausbreitung
von Monopolen, die die europaeische Industrie beherrschen, verhindert.
"Aber diese politischen Programme und diese Verbesserungen
und Reformen muessen von den europaeischen Laendern selbst unter
tatkraeftiger Unterstuetzung der freien Gewerkschaftsbewegung eingeleitet werden."
Gewerkschaftliches Naohrichtenblatt des
Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses des SRP
XI/10/50
LAB PUR PARTEI ENGLANDS BILLIGT WALTER REUTKERS PLAN
Zwanzig Parlamentsmitglieder der Labour-Partei haben in dieser Woche der britischen Labour-Regierung den Plan des Vorsitzenden der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO, Walter Reuther,
fuer eine "Totale Friedensoffensive" unterbreitet.
Zu den 20 Abgeordneten gehoeren R. Sorensen und Fenner Brockway, zwei altbewaehrte Sorecher der Labour-Partei fuer die Rechte
der Kolonialvoelker. Die Abordnung schlug in einer Ergaenzung
der Rede des Koenigs vor, dass die Regierung die ausfuehrlichen
und schoepferischen Vorschlaege Walter Reuthers vom Kongress der
Industrieverbaende der Vereinigten Staaten in Betracht ziehen und
hierzu bald eine Erklaerung abgeben moege.
Die Rede des Koenigs, mit der jede Eroeffnungssitzung des
englischen Parlaments beginnt, wird fuer ihn von der Regierung aufgesetzt. In ihr werden wichtige Gesetze behandelt, die die Regierung waehrend dieser Parlamentssitzung einzufuehrsn beabsichtigt,
und die Regierung nimmt ausserdem zu wichtigen Tagesfraren Stellung.
In der Rede des Koenigs wurde zum Ausdruck gebracht, dass
die Regierung die Bemuehungen der Fachabteilungen der Vereinten Nationen zur Verbesserung des Lebensstandards-in verarmten oder
rueckstaendigen Gebieten unterstuetzt. Die Regierung verpflichtete
sich ferner, weiterhin Plaene zu studieren, die die wirtschaftliche
Entwicklung Sued- und Suedostasiens foerdern. "Meine Regierung,"
sagte der Koenig, "wird sich auch in Zukunft um die Entwicklung
der Kolonialgebiete und die Wohlfahrt dieser Menschen kuemmern und
durch entsprechende Gesetzgebung die fuer diesen Zweck nach dem
Gesetz fuer koloniale Entwicklung und Wohlfahrt (1945) zur Verfuegung gestellten Summen ergaenzen."
Der wesentlichste Punkt des Reuther-Planes ist ein Vorschlag
an die Vereinigten Staaten, den Vereinten Nationen jaehrlich 13
Milliarden Dollar zur Verfuegung zu stellen, um "den Menschen in
- 12 -

�anderen La endern zu helfen, durch Entwicklung und Erweiterung
ihrer wirtschaftlichen Hilfsquellen und Moeglichkeiten sich selbst
zu helfen." Den Vereinten Nationen soll die uneingeschraenkte Kontrolle ueber diese Fonds uebertragen werden.
Der Nachtrag zur Koenigsrede wurde von H. C. Usborne vorgetragen. Er wurde befuerwortet von Sorensen, Brockway, Douglas
Houghton, A. C. Manual, einem langjaehrigen Funktionaer der Eisenbahningenieure und Vorarbeiter, Charles Grey, ein Bergarbeiter aus
Durham, Rhys Davies, ein ehemaliger Funktionaer der Gewerkschaft
der Arbeiter des Verteilergewerbes und aehnlicher Berufe und einer
der ersten Organisatoren der Fabrikarbeiter Englands, W. T. Procter,
ein frueherer Funktionaer der Nationalgewerkschaft der Eisenbahner,
und mehreren bekannten Journalisten, darunter Michael Foote, dem
Herausgeber der "Tribüne", und R. H. S. Crossman.
Mittlerweile beschaeftigt sich die Forschungsabteilung der
Labour-Partei eifrig mit der Ausarbeitung des "Weltplans fuer gegenseitige Hilfe," ueber die kuerzlich in der Erklaerung der LabourPartei, "Gewerkschaften und die moderne Gesellschaft" berichtet
wurde. In diesem Zusammenhang wird die "Totale Friedensoffensive"
Valter Reuthers ausfuehrlich eroertert.
Informationsabteilung der ECA LIission
fuer England
XI/9/50
:.IA?:GJ:L AN FACHARBEITERN IN AMERIKA

Waehrend die Produktionsleistung des einzelnen Arbeiters in
Amerika ihren hohen Stand beibehaelt und die Arbeitgeber bestrebt
sind, Arbeitskraefte fuer die Ruestungsproduktion zu finden, macht
sich in den Industriezentren des Landes der Mangel an Facharbeitern
immer staerker bemerkbar. Im vergangenen Monat ist die Zahl der
zur Verfuegung stehenden Arbeitsplaetze weiterhin leicht angestiegen. Besonders fuer die Metallberufe herrscht eine grosse, schwer
su befriedigende Nachfrage nach Facharbeitern. Dieser staendige
Tfengel in der Metallindustrie in einer Zeit verhaeltnismaessig geringer Ruestungsproduktion ist besonders kennzeichnend fuer die
zu geringen Facharbeiterreserven in Amerika.
Die Zahl der nichtbesetzten Arbeitsplaetze in nichtlandwirtschaftlichen Berufen, die den arbeitsstatistischen Aemtern der einzelnen Staaten gemeldet wurden, erhoehte sich un annaehernd ein
Viertel auf insgesamt 32.934. Hiervon waren wenig mehr als 10%
bei den oeffentlichen Arbeitsvermittlungsaemtern registriert.
In den gelernten und angelernten Berufen^ war die Zunahme der
offenen Arbeitsplaetze am augenfaelligsten. Der Bedarf an Arbeitskraeften in diesen Berufsgruppen betraegt gegenwaertig zwei Drittel
der gesamten Zahl der offenstehenden Arbeitsplaetze, wobei der
Bedarf in der Kategorie der gelernten Berufe am groessten ist.
Die Zahl des zur Verfuegung stehenden Buero- und Verkaufspersonals
und der ungelernten Arbeitskraefte belaeuft sich auf 8% der Gesamtnachfrage. In der Landwirtschaft hat sich die Zahl der nichtbesetzten Arbeitsplaetze um 7.500 auf ueber 39.000 gesteigert. Der
groesste Teil hiervon erstreckt sich auf landwirtschaftliche Helfer
fuer Baumwollfarmen, vornehmlich in Arkansas und Arizona.
Der Mangel an gelernten und angelernten Arbeitern hat sich
auf eine beschraankte Zahl von Berufsgrunpen konzentriert. In
zehn verschiedenen Arten gelernter Berufe, die mehr als die Haelfte aller offenstehenden Arbeitsplaetze umfassen, war die Steigerung
der Nachfrage nach Arbeitskraeften am groessten. Ein besonders
- 13 -

�grosser Mangel an Maschinisten herrscht vor allem in Pennsylvanien, Kansas und Oregon.
In etwa 26 Staaten ist kaum damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach fast 1.000 Werkzeug- und Mustermachern gedeckt werden
kann. Ueber 20 Staaten, darunter vor allem Pennsylvanien, Connecticut, Ohio und Wisconsin berichten von oertlichen ungedeckten
Fachfragen nach Drehern und Fraesern. In Kansas und Kalifornien
herrscht ein betraech^licher Mangel an gelernten Arbeitern fuer
den Flugzeugbau. Verhaeltnisraaessig gross ist auch die Zahl der
fehlenden Facharbeiter fuer den Kraftfahrzeugmotorenbau, die
Flugzeugmechanik und - reparatur, die Blech- und Elektroindustrie,
die Formerei und Giesserei.
Die bedeutsamste Entwicklung in der Kategorie der angelernten Berufe ist die Zunahme der offenstehenden Arbeitsplaetze fuer
Holzfaeller, Floesser und Arbeiter der holzverarbeitenden Industrie, deren Zahl sich von 3,600 auf insgesamt 5 X 0 gesteigert
hat. Vier Fuenftel dieser Arbeiter werden in dem Staate Maine benoetigt.
Ebenso gross ist die Nachfrage nach Elektro» und Maschineningenieuren, nach gelernten Krankenschwestern und Zeichnern. An
Buero- und Verkaufsberufen sind die der Stenographen und Stenotyoisten am meisten gefragt. Etwa 29 Staaten berichten von 1.758
offenen Arbeitsplaetzen fuer diese Berufe; die groesste Nachfrege
wird aus Ohio, Illinois, Minnesota, Virginia, Iowa und dem Bezirk
Columbia gemeldet.
The Labor Market and Employment Security
X/50
"CIO STAERKER ALS JE ZUVOR"
"Der Kongress der Industrieverbaende (CIO) ist staerker, einiger und entschlossener als je zuvor, die demokratischen Grundsaetze zu verwirklichen," erklaerte Praesident Philip Murray in
seiner Eroeffnungsrede zum 12. Kongress des CIO in Chikago.
Der CIO ist eine der bedeutendsten GewerkschaftsOrganisationen der Vereinigten Staaten mit einer Gesamtmitgliedzahl von
etwa sechs Millionen, in der viele Arbeiter der Grundstoffindustrien organisiert sind.
In seinem Jahresbericht an den Kongress hielt Murray einen
Rueckblick auf die Erfolge der Organisation in in- und auslaendischen Angelegenheiten. Er erklaerte den Mitgliedern, dass "sie
auf die Tatsache stolz sein koennen, in einer schweren Zeit der
amerikanischen Geschichte eine Organisation aufgebaut zu haben,
die zum Bollwerk der demokratischen Gesellschaftsordnung geworden
ist." Er erinnerte daran, dass er kurz nach Beginn der Aggression
in Korea Praesident Truman mitgeteilt habe, dass "der CIO alle
Anstrengungen unterstuetze, die darauf gerichtet sind, dieser
kommunistischen Aggression einen Riegel vorzuschieben und den Frieden in Asien wiederherzustellen. Wir billigen ebenfalls die Entschliessung der Vereinten Nationen, diesen Friedensbruoh durch
die nordkoreanische Regierung abzulehnen, und wir billigen es,
dass Sie dieser Entschließung prompt ihre Zustimmung zugesichert
haben."
"Mit der Ablehnung dieser kommunistischen Aggression in Korea
haelt der CIO an seiner traditionellen Gewohnheit fest, sich
Kriegstreibern zu widersetzen und fuer den Weltfrieden zu arbeiten."
- 14 -

�Murray erinnerte ausserdem daran, dass der CIO die auslaendischen HilfsProgramme der Vereinten Nationen immer unterstuetzt
hat,
die den Zweck haetten, die Lebensbedingungen der Arbeiter
anderer Laender zu verbessern und die Demokratie gegen die Propagandaversprechungen der kommunistischen Bewegung zu staerken.
Bezugnehmend auf das europaeische Wiederaufbauprogramm wies
er darauf hin, dass Funktionaere des CIO eine Reihe von Vorschlaegen zur Verbesserung dieses Programms angeboten haetten, "damit
die amerikanische Hilfe den Arbeitern und Bauern zugutekommt den beiden Gruppen, die unsere Hilfe am dringendsten benoetigen."
Zum Punkt-Vier-Programm Praesident Trumans fuer die wirtschaftliche und technische Unterstuetzung unterentwickelter Gebiete erklaerte Murray:
"Seit der kommunistischen Aggression in Korea hat dieses
Programm staendlg an Bedeutung gewonnen. Obwohl der CIO von der
Notwendigkeit eines umfassenden Ruestungsprogramms zur Verteidigung der freien Welt gegen Aggressionen voeliig ueberzeugt ist,
hat er unaufhoerlich gefordert, dass wir die Programme zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen fortsetzen muessen,
wenn, wir unsere Ziele erreichen wollen."
Wie in frueheren Jahren forderte Murray, dass den Gewerkschaften in den hohen Exekutivausschuessen der Regierung eine staerkere
Vertretung gewaehrt wird:
"Die Fuehrer der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sind
mit der Forderung nach einer groesseren Beteiligung der Gewerkschaften an der Aussenpolitik bestrebt, die Errungenschaften zu
wahren, die jedem amerikanischen Buerger wert und teuer sind:
Demokratie und Freiheit."
In einer Stellungnahme zu dem Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften, der im vorigen Jahre von Gewerkschaftsvertretern
aus 53 verschiedenen Laendern in London gegruendet wurde, bemerkte Murray, dass sowohl der CIO als die AFL, die beiden bedeutendsten
Gewerkschaftsvereinigungen der Vereinigten Staaten, sich als Mitglieder und rueckhaltlose Unterstuetzer dieser neuen internationalen Organisation fuehlen.
"Wir sind ueberzeugt,"sagte er, "dass der IBFG in den kommenden Jahren bedeutsame und konstruktive Beitraege zur Wohlfahrt der
Gewerkschaftsbewegungen in allen Teilen der Welt leisten wird,
und dass seine Taetigkeit fuer Millionen von Menschen von Nutzen
sein werde."
Zu den Vorgaengen im Inland berichtete Murray, dass der CIO
die kommunistische "Hemmungskampagne" ueberwunden habe , die der
Organisation in der Vergangenheit dadurch hinderlich gewesen sei,
dass man seit dem Kongress von 1949 elf kommunistisch beherrschte
Mitgliedsorganisationen ausgestossen und die kommunistischen Durchdringungsversuche voeliig vereitelt habe.
"Ich bin gewiss, dass binnen kurzem der Einfluss der kommunistischen Partei in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung endgueltig und vollkommen beseitigt sein wird."
Zu den Fortschritten der Organisation auf wirtschaftlichem
Gebiet versicherte der Praesident des CIO, dass das "Programm seiner Organisation einen bisher ungekannten Grad an Sicherheit und
Stabil!taet in Millionen amerikanischer Familien gebracht hat."
- 15 -

�Auf die Erhoehung der Stundenloehne in den HerstellerIndustrien von 66.1 Cents im Jahre 1940 auf 1,43 Dollar in der ersten
Haelfte des Jahres 1950 und auf die Steigerung der Woohenloehne
von 25,20 auf 57,12 Dollar eingehend, sagte Murray:
"Die von den Gewerkschaften des CIO aufgestellten Masstaebe
wurden auf Millionen von Lohn- und Gehaltsempfaengern im ganzen
Lande ausgedehnt. Bestimmungen ueber Krankenunterstuetzungen und
Pensionen sind in den letzten Jahren zu einem selbstverstaendlichen Bestandteil der Tarifvertraege des CIO geworden. Fast in
allen Industrien gibt es bezahlten Urlaub und Ueberstundenbezahlung
fuer Sonnabend-, und Sonntags- und Feiertagsarbeit.
Daily Wireless Bulletin
XI/20/50
H0ECHST5R STAUDAMM D&amp;R WELT ENTSTEHT IN DEN FRANZOESISCHEN ALPEN
Der hoechste Staudamm der Welt wird von der franzoesischen
Slektrizitaetsgesellschaft "Electrioite de France" bei Tignes in
den franzoesischen Alpen gebaut. Der Bau wird ohne die ueblichen
unters tuetzenden Strebepfeiler ausgefuehrt; die Hoehe des Dammes
betraegt 187 Meter, das sind 0,30 m mehr als der groesste amerikanische Staudamm gleicher Bauweise. Zwei franzoesische Ingenieure, Jean Audy und F. Combe, haben im Rahmen des Marshall-PlanProgranms fuer technische Unterstuetzung eine neunwoechige Studienreise nach den Vereinigten Staaten unternommen, um festzustellen, wie die Arbeit an dem neuen Staudamm in Tignes beschleunigt werden kann. Sie studierten amerikanische Masohinen, die den
in Tignes angewendeten gleich sind, und hielten sich 15 Tage lang
an dem Staudamm "Hungry Horse" in Glory Hole, Montana,* auf. Dieses Bauprojekt ist ebenfalls dem Projekt in Tignes sehr aehnlich.
Marshall Plan News
1-4
BILLIGERE SCHUHE
Das Programm fuer technische Unterstuetzung der MarshallplanVerwaltung hat bei verhaeltnismaessig geringem Kostenaufwand gute
Ergebnisse gezeitigt. So verbrachten zum Beispiel 18 Experten
aus der franzoesischen Schuhindustrie im Fröhjahr dieses Jahres
sechs Wochen in den Vereinigten Staaten. Fuer das Projekt waren
22.000 Dollar erforderlich, einschliesslich der Kosten fuer drei
Dolmetscher. Unter den Besuchern befand sich Bernard Charrois
von der Schuhfabrik Picard. Er ist technischer Direktor und fuer
den Entwurf der Modelle und die Planung der Produktion verantwortlich. Nach seiner Rueckkehr entwarf er neue Modelle unter Beruecksichtigung der in den Vereinigten Staaten festgestellten Prinzipien. Allein durch diese Aenderung konnte er den ^reis fuer ein
Paar Schuhe, der vorher 3.000 Francs betrug, um 600 Francs oder
20$ reduzieren.
Marshall Plan News
1-4

16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel •teilen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar «ad dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kaaa uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 39

Frankfurt, 1. Lezenber 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I

5

Kriegsgewinne verstaatlichter britischer Stahlindustrie unnoeglich - - - - - - - - - - - -

1

Die Lage der Gewerkschaften in Venezuela

3

- - -

Das US-Arbeitsministeriun und seine Funktionen

5

50 Jahre Kanadische Gewerkschaften

- - - - - -

9

- - - - - - - - - - -

n

Der CIO zun Suropaelschen Y/ieäeraufbauprogramm

14

Berufsschulen in Holland

Produktionssteigerung verhindert Inflation

- - 15

KRIEGSGEWINNE VERSTAATLICHTER BRITIfCHER STAKLINDUlTKIa LTw'O^GLICIi
Groessere Produktion, hoehere Leistungsfaehigkeit und Ausschliessung jeglicher Gewinne bei der A'iederaufruestung sind die
drei ^rossen Vorteile, die die britische Labour-Partei in der
Verstaatlichung der britischen Stahlindustrie sieht.
Die Regierung wird am 15. Februar 1951 die Aktien und Schuldverschreibungen von 92 Eisen- und Stahlgesellschaften uebernehnen.
Die Besitzer werden Schuldverschreibungen der Regierung erhalten,
die mit 3# verzinst werden. Vorher wurden ihnen durchschnittlich
fuenf bis sechs Prozent Zinsen gezahlt. Die Regierung ist jedoch
der Ansicht, dass der neue Zinssatz in Anbetracht der groesseren
Sicherheit der neuen Aktien durchaus gerechtfertigt isv.
Die Anhaenger der Labour-Partei erklaeren, die Verstaatiichun.'•
sei notwendig, um die Stahlindustrie erweitern und äer T-edarf fu.jr
- 1-

�die Wiederaufruestung und die zivile Wirtschaft decken zu koennen
und ausserdem die umfangreichen Plaene zur Entwicklung der rueckstaendigen Unternehmen durchfuehren zu koennen, die die Gewerkschaften ausgearbeitet haben. Sie weisen darauf hin, dass sich
die Stahlmagnaten vor dem Kriege einer Erweiterung und Modernisierung ihrer Industrie mit Erbitterung widersetzten. Schliesslich
haben sie sich jedoch angesichts der drohenden Nationalisierung
eines besseren besonnen. Aber die Wohlfahrt des Landes, sagen
die Mitglieder der Labour-Partei, duerfe nicht von den Entscheidungen einer Handvoll reicher Leute abhaengen.
Auch die groessere Leistungsfaehigkeit ist ein Ziel der
Labour-Partei. Die Gesellschaften werden so, wie sie sind, uebernommen, und im Anfang werden auch keine wesentlichen Aenderungen
vorgenommen. Mit der Zeit werden sie jedoch mehr und mehr kombiniert werden, damit ihre Leistungsfaehigkeit gesteigert werden
kann. Veraltete Betriebe sollen aufgegeben und modernere gebaut
werden. Die durchschnittliche Groesse der englischen Stahlunternehmen ist so, dass die 92 Betriebe zusammen nur halb soviel erzeugen wie ein einziges amerikanisches Unternehmen,die "US Steel",
und nur wenig mehr als das Unternehmen "Bethlehem".
Die Labour-Partei. sagt ausserdem, dass sich die englischen
Arbeiter mit groesserer Energie an den »Yiederaufruestungsanstrengungen beteiligen wuerden, wenn sie wissen, dass privaten Aktienbesitzern nicht noch mehr Geld in ihre Taschen fliesst. Die
Stahlindustrie ist massgebend fuer die gesamte V/iederaufruestung.
Mit der Uebertragung ihrer Besitzrechte an die Oeffentlichkeit
wird die Tatsache umso staerker hervorgehoben, dass man sich zum
Schutze der Demokratie in England und nicht zum Vorteil des Grosskapitals zur -Viedereufruestung entschlossen hat.
Wie steht es nun mit den Stahlarbeitern selbst? Das Verhaeltnis zwischen ihnen und ihren ürbeitgebern ist lange nicht S D
schlecht wie in den Bergwerken vor ihrer Verstaatlichung. Seit
einer Generation hat es tatsaechlich keinen bedeutenden Streik gegeben. Die Stahlarbeitergewerkschaften sind jedoch seit 1932 bestrebt, die Stahlindustrie zu verstaatlichen, und die Kandidaten
der Labour-Partei haben sich in den grossen Industriestaedten der
Stahlindustrie bei den Wahlen im Februar die meisten Stimmen sichern koennen.
Die grosse Sorge der Stahlarbeiter ist die Gefahr der Betriebsstillegung in Zeiten wirtschaftlicher Depressionen. Um ihren Teil
zu den Wiaderaufbaubemuehungen beizutragen, haben sich die Gewerkschaften im Jahre 1948 entgegen ihrem Programm rr.it einem siebentaegigen ununterbrochenen ürbeitsgan^ an den Hochoefen einverstanden erklaert. Die Gewerkschafter der Stahlindustrie wuenschen jedoch nicht, eines Tages keine Arbeit mehr zu haben. Sie sehen
deshalb, kurz gesagt, in der Verstaatlichung eine groessere Sicherheit fuer ihre Arbeitsplaetze.
Churchill und seine konservativen ünhaenger haben damit gedroht, die Stahlindustrie wieder in Privatbesitz ueberzufuehren,
wenn sie die neechsten Wahlen gewinnen sollten. Das Volk ist zum
groessten Teil jedoch hiermit nicht einverstanden. Der DurChschnittsenglaender sieht in der Verstaatlichung der Stahlindustrie
keine Gefahr fuer seine Lebensweise und seine Lebenshaltung.
Daily News Service
Labor Press Association
X/24/50
2 -

�DIE LAGE DER GEWERKSCHAFTEN IN VENEZUELA
Weder in den Kreisen der Regierung noch der Industrie Venezuelas leugnet man es ab, dass die Gewerkschaftsfuehrer dieses
Landes Repressalien ausgesetzt sind. Waehrend die Gewerkschafter
jedoch der Ansicht sind, dass diese Massnahmen ihre Bewegung zerstören sollen, behauptet die Regierung, die Gewerkschaftsbewegung
sei nur deshalb in Mitleidenschaft gezogen, weil sie zu enge Beziehungen zu der Partei fuor Demokratische Aktion unterhalte. Der
Arbeitsminister versicherte, er sei sich der Tatsache bewusst, dass
die Koalitionsfreiheit im engen Sinne des Wortes im Vergleich zu
den hochentwickelten Laendern Europas und Nordamerikas in Venezuela
nicht bestehe, und dass sich an dieser Lage solange nichts aendern
werde, bis die Gewerkschaftsbewegung so wie in den erwaehnten Laendern den ihr gebuehrenden Kurs einschlage und unabhaengig von politischen Parteien sei.
Die grundlegenden Arbeitsbestimmungen in bezug auf die Organisationsfreiheit und die Garantie des Rechtes, sich zu organisieren, entsprechen den meisten Prinzipien der Konvention der Internationalen Arbeits-Organisation. Nach dem venezolanischen Arbeitsgesetz von 1936 ist der "closed-shop" gestattet, "und unter Währung
der Selbstaendigkeit der Gewerkschaften ist ihr Taetigkeitsbereich
genau festgelegt. Legale Gewerkschaften koennen ihre Mitglieder
registrieren und sie vertreten, um die Einhaltung der Bestimmungen
dieses Gesetzes zu gewaehrleisten, Tarifvertraege abzuschliessen
usw. Die Registrierung kann auf unwiderruflichen Beschluss eines
Gerichtshofes fuer ungueltig erklaert werden, wenn sich die Gewerkschaften anderen als mit ihren legalen Zielen zu vereinbarenden
Taetigkeiten widmen. Die politische Betaetigung in Verfolgung dieser Ziele wird als rechtmaessig betrachtet, wenn "die Verfolgung
politischer Ziele" nicht der einzige Zweck der Organisation ist.
Eine Organisation kann durch Rechtsprechung nur dann aufgeloest
werden, wenn sie sich einer nationalen oder internationalen politischen Vereinigung oder Partei anschliesst.
Im November 1948 waren 1.014 Gewerkschaften, in Landes- und
Industrleverbaende unterteilt, registriert. Das war ein aussergewoehnlicher Erfolg seit den Anfaengen der Gewerkschaftsbewegung
im Jahre 1936. Vier.Fuenftel der organisierten Arbeiterschaft pehoerten dem Venezolanischen Gewerkschaftsbund an, der im November
1947 von 17 Landes- und sieben Industrieverbaenden gegruendet worden
war, die fast ausnahmslos eine Zusammenarbeit alt der die Regierung
bildenden Partei fuer demokratische Aktion beguenstigten. Sine Reihe
Funktionaere des Venezolanischen Gewerkschaftsbundes wurden in die
gesetzgebende Behoerde Venezuelas gewaehlt. Die Arbeitnehmerorganisationen wuchsen viel schneller an als die der Arbeitgeber, woraus
ein falsches Kraefteverhael-tnis in den Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitnehmern und Arbeitgebern entstand.
In der Zeit von November 1948 bis Februar 1949 hat die dann
an die Macht gekommene Militaer-Junta die folgenden vier Massnahmen
durchgesetzt:
1. Bestimmte verfassungsmaessige Garantien wurden durch eine
Verordnung bis zu der Zeit aufgehoben, in der die Lage sich geaendert hat, auf grund derer diese Verordnung erlassen wurde. Damit
war die Regierung befugt, Korrespondenz, Dokumente, Finanzen, Veroeffentlichungen und Konferenzen der Gewerkschaften tu kontrollieren, Haussuchungen in den Bueroraeumen der Gewerkschaften und den
Wohnungen der Mitglieder durchzufuehren und Gewerkschaftsfunktionaere
die sich gesetzlich nicht genehmigten Taetigkeiten widmeten, auszuweisen oder zu inhaftieren. Die Behoerden unterrichteten die
Internationale Ärbeits-Organisation darueber, dass die Aufhebung

�dieser verfassungsmaessigen Garantien auch die Suspendierung des
Streikrechtes mit einschliesse.
2. Das Gerichtswesen wurde einer Revision unterzogen. Weil
die Gerichtshoefe bei der Registrierung oder Aufloesung der Gewerkschaftsorganisationen eine aeusserst wichtige Rolle spielten,
bestand die Gefahr, dass die staatlichen Behoerden ueber Sein
oder Nichtsein der Gewerkschaften willkuerlich entscheiden konnten.
3. Der Venezolanische Gewerkschaftsbund und die ihm angeschlossenen Organisationen wurden aufgeloest. Ein Sprecher der
Regierung hatte erklaert, dass dieses "kuenstliche Gerippe" von
der Partei fuer Demokratische Aktion (im Dezember 1948 aufgeloest)
nach Verfolgung der unabhaengigen Organisationen aufgestellt worden sei und weiterhin das politische Werkzeug dieser Partei
bliebe. Obwohl die oertlichen Gewerkschaften nicht aufgeloest
und die wenigen, nichtangeschlossenen Organisationen nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden, hatte diese Aufloesung die schwersten
Folgen fuer die Gewerkschaftsbewegung.
4. Die oertlichen Gewerkschaften wurden aufgefordert, neue
Vorstaende zu waehlen, da ihre Funktionaere nicht dazu berechtigt
seien, ein Amt zu bekleiden. Gewerkschaftsversammlungen, die
anfaenglich verboten waren, wurden zu dem einzigen Zwecke genehmigt, neue Vorstaende zu waehlen und die Finanzberichte zu ueberpruefen. Diese Konferenzen mussten jedoch im voraus von den staatlichen Behoerden genehmigt werden und wurden von der Polizei und
Gewerkschaftsinspektoren beaufsichtigt, die sioh in zahlreichen
Faellen sogar einmischten. Vielen Gewerkschaften, besonders in
den laendlichen Bezirken, war es nicht moeglioh, die fuer die Abhaltung der Konferenzen gestellten Bedingungen zu erfuellen. Ebenso
bedeutsam war die Unmoeglichkeit, die gesetzlich anerkannten Gewerkschaften zu vereinigen. Landesverbaende wurden von der Regierung zwar nicht verboten, aber sie hatten mit den gleichen Schwierigkeiten zu kaempfen, die auch den Gewerkschaften zu schaffen
machten. Die Errichtung eines neuen Zentralverbandes wurde nicht
gestattet.
In einer Stellungnahme zu den Auswirkungen der Massnahmen der
Jlilitaer-Junta auf das Tarifverhandlungswesen hat die Internationale
Arbeits-Organisation erklaert, dass das TarifVerhandlungswesen
zwar nicht direkten Beschraenkungen unterworfen sei, aber doch
stark geaendert zu sein scheine, und dass weitere Verbesserungen
durch TarifVerhandlungen aeusserst schwierig, wenn nicht unmoeglich
geworden seien. Nur durch die Wiedereinfuehrung des Rechtes, sich
gewerkschaftlich zu organisieren, und durch andere, wesentliche
Garantien koenne dem Tarifverhandlungssystem wieder seine volle
Wirksamkeit verliehen werden.
Bis jetzt waren Tarifvertraege in Venezuela von grosser Bedeutung. Dem Arbeitsgesetz zufolge mus3 ein Unternehmer einen Tarifvertrag abschliessen, wenn dies von einer Gewerkschaftsorganisation oder sonstigen Gruppen verlangt wird, die dann darum ersuchen
kann, wenn mindestens 75% ihrer Mitglieder es wuenschen. Die Zahl
der registrierten Vertraege ging zu Anfang des Jahres 1949 stark
zurueck, und nur wenige der abgelaufenen Vertraege wurden erneuert. (Viele Vertraege erloschen in den Jahren 1949 und 1950).
Die Behoerden teilten der Internationalen Arboits-Organisation mit,
dass die Tarifvertraege weiterhin in Kraft blieben, selbst wenn
sie nicht erneuert wuerden. Wenn dies zutrifft, so sind die Verhaeltnisse zum mindesten stabilisiert. Nach dem Arbeitsgesetz sind
die Gewerkschaften an erster Stelle mit der Aufgabe betraut, die
Anwendung der Tarifvertraege zu ueberwachen. Diese Aufgabe faell*-.
- 4-

�sodann der Arbeitsverwaltung und schliesslich den besonderen Arbeitsgerichten zu. Es ergibt sich die Frage, ob die auf sich gestellten Gewerkschaften, die von keinem Gewerkscheftsverband
unterstuetzt werden, tatsaechlich von ihren gesetzlich verankerten Rechten vollen Gebrauch machen koennen.
Das Arbeitsgesetz sieht obligatorische Schlichtung und freiwillige Schiedssprechung durch Ausschuesse vor, in denen die
beiden in Streitigkeiten verwickelten Parteien vertreten sind.
Die Verfahren der Schiedssprechung und Schlichtung, soweit sie
noch weiterbestehen, bieten den Arbeitern jedoch nicht mehr die
gleichen Garantien wie unter normalen Bedingungen. Das Kampfmittel eines Streiks oder einer Aussperrung ist jetzt ausgeschlossen,
und die in dem Arbe4.tsgesetz beschriebene Verhandlungsmaschinerie
laeuft Gefahr, paralysiert zu werden, selbst wenn der Wortlaut
des Gesetzes unveraendert bleibt.
Monthly Labor Review
X/50
Maurice J. Tobin:
DAS US-ARBEITSMIKISTERIPM UND SEINE FUNKTICKEN
Das Arbeitsministerium wurde im Jahre 1913 von dem Kongress
mit folgendem Auftrag gebildet: "Zweck des Arbeitsministeriums
soll 9ein, die Wohlfahrt der Lohnempfaenger in den Vereinigten
Staaten zu foerdern und zu entwickeln, ihre Arbeitsbedingungen zu
verbessern und die Moeglichkelten fuer eine eintraegliche Beschaeftigung zu steigern.n
Der Begriff "Lohnempfaenger• umfasst mehr[^ als nur die organisierte Arbeiterschaft. Er umschliesst die ueberwaeltigende
Mehrheit aller Amerikaner, weil die meisten von ihnen in einem
Arbeit3verhaeltnis stehen. Das Arbeitsministerium befasst sich
unmittelbar mit dem Wohlergehen der Arbeiter im allgemeinen und
beschaeftigt sich indirekt mit allen Dingen, die das Leben des
amerikanischen Volkes verbessern koennen.
Dem Arbeitsministerium wird haeufig der Vorvmrf gemacht, es
sei parteiisch und wuerde beeinflusst. Dieser Vorwurf ist unbegruendet und jeder, der gewohnt ist, mit Zahlen umzugehen, wird
dies einsehen. Von der Voraussetzung ausgehend, dass das Arbeitsministerium versucht, seine urspruengliche Aufgabe zu erfuellen,
und wenn man beruecksichtigt, dass die Lohnempfaenger in den Vereinigten Steaten fast die Haelfte der gesamten Bevoelkerung darstellen, wird man einsehen, dass es unmoeglich ist, dass das Arbeitsministerium nur eine besondere Schicht des Volkes vertritt.
Das Ministerium wird haeufig beschuldigt, das Werkzeug der
organisierten Arbeiterschaft des Landes zu sein. Das Ministerium
hatte jedoch immer nur das Wohl des gesamten Volkes im Auge und
seine Funktionen waren dementsprechend festgelegt. Das Amt fuer
Arbeitsstatistik und das Buero fuer Arbeitsnormen haben staendig
auf objektiver Grundlage gearbeitet. Deshalb werden ihre Entscheidungen von den Arbeitgebern akzeptiert, und ihre Hilfe ist
deshalb wertvoll und begehrt. Niemand kann behaupten, dass sich
das Arbeitsministerium nicht immer streng an die Gesetze gehalten hat, wozu es als eine vom Kongress fuer einen bestimmten Zweck
gebildete Behoerde verpflichtet ist.
Wenn es sich mit den Rechten und der Wohlfahrt der Lohnemnfaenger befasst, dann sollte dies ein Beweis dafuer sein, dass
- 5

�das Ministerium nicht gewillt ist, das Wohl des ganzen Landes zum
Vorteil einer besonderen Klasse zu opfern. Die Lohnempfaenger
der Vereinigten Staaten bilden nicht nur fast die Heelfte der
Genamtbevoelkerung, sondern sie stellen auch den groessten Teil
d?r Verbraucher des Landes dar. Ihr Wohlergehen findet im Wohlstand oder der Depression des Landes seinen direkten Niederschlag.
Wer behauptet, das Arbeitsministerium sei lediglich eine Art
Fuorsprecher fuer die Lohnempfaenger der Vereinigten Staaten,
laesst die Bedeutung, die der Arbeiterschaft in einer Demokratie
zufaellt, voellig ausser acht. Es waere das gleiche, wenn man
annaehme, dass das, was fuer die Arbeiter gut ist, fuer die Industrie schlecht sei, obwohl gerade das Gegenteil der Fall ist. Es
waere das gleiche, wenn man annaehme, Arbeiter und Unternehmer
seien unvermeidlich Gegner, obwohl sie in Wirklichkeit nur verschiedene Einger an einer Hand sind, die nach dem gleichen Ziel
streben.
Die Lehre von dem unvermeidlichen Konflikt zwischen Arbeitern
und Unternehmern muss somit zurueckgewiesen werden-. Wenn das
Arbeitsministerium die Sache der Lohnempfaenger foerdert, dann
leistet es einen Beitrag zur allgemeinen Wohlfahrt. Selbst im
Kongress, wo haeufig eine scharfe Kritik am Arbeitsministerium
geuebt wird, laesst sich eine allgemeine Veraenderung in der Einstellung beobachten. Auch aus diesem Grunde gewinnt das Ministerium, das in den vergangenen Jahren viele seiner Funktionen verloren hatte, dieselben nun wieder zurueck. Die Untersuchungskommission Hoovers, die staendig die Zusammenlegung der Funktionen
gefordert hat, hat hierbei mitgeholfen, ihre Empfehlungen waeren
vom Kongress jedoch nicht gutgeheissen worden, wenn sich die alte
Behauotung, dass das Ministerium der Interessenvertreter einer
kleinen Gruppe sei, inzwischen nicht als falsch erwiesen haette.
Dem Arbeitsministerium wurde im vorigen Jahre das Buero fuer
Beschaeftigungssicherheit wieder angeschlossen, das den Arbeitsvermittlungsdienst und das Buero fuer Arbeitslosenversicherung umfasst.
Traesident Truman hat vor kurzem dem Kongress den Reorganisationsplan ?7o. 19 uebersandt, der einen weiteren Vorschlag der
Hoover-Kommission enthaelt, nach dem die Funktionen des Bueros
fuer Unfallversicherung dem Arbeitsministerium uebertragen werden
sollen, dessen Programme Sterbegelder und Unterstuetzungen bei
Arbeitsunfaehigkeit vorsehen und sich auf 2 Millionen Arbeiter
der Bundesregierung, 500.000 Hafenarbeiter, 250.000 Industriearbeiter im Bezirk Columbia und etwa 100.000 Arbeiter privater Vertragsfirmen in Ueberseehaefen der Vereinigten Staaten erstrecken.
Mit der Genehmigung dieses Vorschlages durch den Kongress ist zu
rechnen.
Das Arbeitsministerium wird also groesser, und wenn das TaftHartley-Gesetz aufgehoben wird - dies waere fuer ein besseres Verhaeltnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wuenschenswert wird das Ministerium wieder den Vermittlungs- und Schlichtungsdienst uebernehmen, auf den es nach allen Regeln einer logischen
und guten Verwaltung Anspruch hat. Wenn diese Zeit kommt, wird
dem Arbeitsminister die Aufgabe zufallen, ueber Streiks zu entscheiden; unter dem Taft-Hartley-Gesetz war dies bisher unmoeglich.
Die Anpassung der Arbeitsvertraege an niedrigere Gestehungskosten ist eine Frage-, die dringend einer Loesung bedarf. Im grossen und ganzen wird die^Frage der Produktionskosten von den Arbeitgebern und den meisten (Gewerkschaften als ein Vorrecht des Unter- 6-

�nehmertums betrachtet. Damit werden sie nicht direkt bei den
Tarifverhandlungen und den Tarifvertraegen beruecksichtigt. Indirekt jedoch ist das Tarifverhandlungsverfahren in den Augen der
meisten Gewerkschaften und vieler Unternehmer ein Faktor, der
bei der Reduzierung der Produktionskosten eine wesentliche Rolle
spielt. Friedliche Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern reduzieren die Zahl kostspieliger Streiks und unnöetiger Streitigkeiten innerhalb eines Betriebes und tragen damit zur hoeheren Produktionsleistung und zu niedrigeren Gestehungskosten bei.
Einige Gewerkschaften, besonders die der Damenoberbekleidungsarbeiter (AFL), der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika
(CIO), der Vereinigten Stahlarbeiter von Amerika (CIO) und der
Vereinigten Automobilarbeiter (CIO) haben technische Abteilungen,
die auf Wunsch die Unternehmer in technischen Fragen beraten.
In der Bekleidungsindustrie haben die Gewerkschaften der
Damenoberbekleidungsarbeiter und der Bekleidungsarbeiter von Amerika wiederholt mitgeholfen, die Arbeitsgaenge zu rationalisieren,
um es den Unternehmern zu ermoeglichen, die Produktionskosten zu
senken. In einigen Faellen ist diese Zusammenarbeit durch direkte
finanzielle Unterstuetzung der Gewerkschaft in Form von Krediten
ergaenzt worden, die es den Unternehmern ermoeglichten, ihr Geschaeft auf eintraeglicher Basis weiterzufuehren.
Der Scanlon-Plan zeigt einen neuen Weg, die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu regeln. Dieser Plan ist
nach -Joe Scanion benannt, der nicht nur Produktionskostenpruefer,
sondern auch Berufsboxer war und direkt am Hochofen arbeitete. Tun
nimmt er im Technologischen Institut von Massachusetts eine fuehrende Stellung ein.
Im Jahre 1936 arbeitete Scanion fuer
eine Stahlgesellschaft"und wurde nicht nur Praesident dar Ortsgewerkschaft der Vereinigten Stahlarbeiter, sondern fand auch eine
?&gt;'oef?lichkeit, eine Idee auf die Probe zu stellen, die vielleicht
von revolutionaerer Bedeutune fuer die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sein kann, Kit seinen Erfahrungen als
Produktionskostenpruefer und Industriearbeiter entwarf er einen
^lan, der die Aufmerksamkeit Clinton Goldens, des Vize-Praesidenten
der Stahlarbeitergewerkschaft, auf sich zog und zur Veroeffentl'ichung des Buches "Die dynamischen Kraefte der Demokratie in der
Industrie" fuehrte, das von Golden und Harold Ruttenberg geschrieben wurde.
Der Scanlon-Plan ist ein Produktivitaetsplan der Gewerkschaften und der Unternehmer, der den Arbeitern eine Praemie fuer fuehlbare Einsparungen in den Gestehungskosten bietet. Dieses Programm
steht nicht nur auf dem Papier. Es ist mehrere l'ale auf die Probe
gestellt worden und hat sich in grossen und kleinen Unternehmen
bewaehrt.
Der Plan von ocanlon gruendet sich auf die Beteiligung der
Arbeiter, und zwar eine Beteiligung nicht im Sinne allzu zahlreicher Unternehmer, sondern diese besteht darin, Mittel und '.'ege zu
finden, um die Arbeiter fuer jede Steigerung der Produktionsleistung zu entschaedigen und diesen Grundsatz zu einer wirksamen
Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Arbeitern auszubauen, die
sie zu einer Interessengruppe mit gemeinsamen Zielen werden laesst.
Wenn dies gelungen ist, wird man feststellen, dass die Produktionsleistung zum Hauptinteresse nicht nur der Unternehmer, sondern auch
der Arbeiter wird.
Um den Plan von Scanion erfolgreich anwenden zu koennen, muessen die normalen Betriebskosten fuer ein Unternehmen festgesetzt
- 7-

�und danach eine.Methode eusgearbeitst werden, um die Arbeiter an
den Gewinnen zu beteiligen. Esraussalso eine Beziehung zwischen
dem Arbeiter und der Produktionsleistung des ganzen Betriebes hergestellt werden, angesichts des unterschiedlichen Produktionsschemas der Industrie ist dies eine besonders wichtige Aufgabe
fuer die Produktionskostenpruefer.
Nachdem eine Formel gefunden ist, werden $lle Faktoren nach
ihr ausgerichtet. Die Einsoarungen an Gestehungskosten kommen den
Arbeitern zugute, und die Gewinne der Unternehmer ergeben sich aus
dem gesteigerten Absatz. Die Praemien werden allen Arbeitern gezahlt und nicht nur einzelnen," die wertvolle Vorschlaege gemacht
haben.
Um den Scanlon-Plan moeglichst erfolgreich gestalten zu
koennen, muss eine Gewerkschaft vorhanden sein. Es ist jedoch
stats ein Unterschied zwischen gewerkschaftlichen Fragen und Fragen der Produktionsleistung zu machen. Beschwerden werden getrennt von geschaeftlichen Fragen behandelt, mit denen sich Produktivitaetsausschue3se der Gewerkschaft und Unternehmer befassen.
Manchmal wird dieser Plan in die Tarifvertraege aufgenommen, haeufig geschieht dies jedoch nicht. Immer jedoch stellt der Plan
die Gemeinschaft in einem Betrieb her, die den Arbeiter zu einem
Bestandteil des Unternehmens werden laesst, und die die moderne
Massenproduktion durch die Initiative des einzelnen foerdert, die
eine Zeitlang voellig zu fehlen schien.
Um ein solches Ziel erreichen zu koennen, muessen Unternehmer
und Gewerkschaftsfunktionaere natuerlich den Willen zur Zusammenarbeit und gegenseitiges Versteendnis zeigen, und sie muessen bestrebt sein, in einem Unternehmen die besten Ergebnisse zu erzielen. Der Arbeiter ist damit mehr als nur eine beschaeftigte Arbeitskraft. Er v«/ird selbst sozusagen Unternehmer. Auch der
Gewerkschaftsfunktionaer wird dadurch veranlasst, sich weniger
auf die Gewalt als auf die Staerke zu verlassen, die die wirkliche
wirtschaftliche Gleichberechtigung dem Arbeiter verleiht. Entscheidungen werden nach Besprechungen unter gegenseitigen ^upestaendnissen in wahrhaft demokratischer '.eise getroffen.
Auf diese V.'eise arbeitet die Demokratie in der Industrie.
Die Tarifverhandlung ist keine halsabschneiderische Taetigkeit
mehr, sondern wickelt sich in einer Atmosphaere des guten Willens
ab, dem gute Arbeit zu Grunde liegt. Das "Klima" in einem Betrieb,
in dem wirklich zusammengearbeitet wird, in dem die Arbeiter das
Interesse haben, die Gestehungskosten niedrig zu halten, und in
dem die Unternehmer jeden Grund haben, die Mitarbeit ihrer Arbeiter zu begruessen, muss von einer solchen Art sein, wie sie bisher
in den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern noch
ziemlich unbekannt war. Arbeiter, die zu der Erkenntnis gekommen
sind, dass sie wirklich zu dem Betrieb gehoeren, werden entsprechend handeln, Sie werden zu schoepferischen Mitarbeitern werden dies wurde bisher innerhalb der Industrie selbst fuer unmoeglich
gehalten.
Joe Scanion hat ein neues Blickfeld eroeffnet, das grenzenlose
Moeglichkeiten bietet. Wenn der Arbeitsfriede zur Wirklichkeit
werden soll, darf ein anspornender Faktor nicht vergessen werden,
der von noch groesserer Bedeutung ist als Geld oder eine gute
Stellung. Dieser Ansporn besteht darin, dass man der schoepferischen Taetigkeit des Arbeiters Moeglichkeiten bietet und ihn als
menschliches Wesen anerkennt, das bereit ist, sich sein eigenes
Glueck und sein eigenes Wohlergehen zu gestalten. Dieser AnsDorn
liegt darin begruendet, dass sich die Unternehmer ihrer moralischen
Verantwortlichkeit und den Regeln der Demokratie unterwerfen.
8 -

�Aber auch die Arbeiterschaft hat Verpflichtungen, die sie
Tenau 30 wie die Unternehmer einhalten muss und denen sie sich
nicht entziehen kann. Wenn das System der freien Wirtschaft erhulten bleiben soll, muss es Gewinne geben. Die Art und Weise jedoch, in der sie erzielt und verteilt werden, in der Arbeiter und
Unternehmer eine "oeglichkeit finden, gerecht belohntzu werden,
und das Verhaeltnis, das zwischen ihnen besteht - ob als Brueder
in gemeinsamen Streben oder als erbitterte Gegner - all dies wird
darueber entscheiden, ob die Arbeiterschaft und das ganze Volk
unter chaotischen Vnrhaeltnissen weiterleben oder den sozialen
und wirtschaftlichen Frieden erlangen werden.
Pressemitteilung des ü.S»
Arbeitsministeriums
17/12/50
50 JAHRS K^NADISCHS OSWZRrsCHAFTEN
l'it der -Verkuendunp- des Schlichtungspesetzes im Juni des Jahres
1900 wurde da3 heutige Arbeitsministerium Kanadas gegruendet.
50 Jahre spaeter, im Sentember dieses Jahres, brachte das Arbeitsministerium aus diesem Anlass eine Tubilaeunsausgabe der
"Labour Gazette" heraus.
Natuerlich wird in dieser ausgäbe der "Labour Gazette", die
:?onat fuer :,Tonat aus offiziellen Quellen,und meist an Hand von
Zahlen von den Geschehnissen berichtet, die fuer die Arbeiterschaft
von Bedeutung sind, eine illustrierte Beschreibung der Geschichte
des Arbeitsministeriums und der Arbeitsverhaeltnisse in der ersten
Haelfte des 20.'Jahrhunderts gegeben.
Es ist dies eine der besten Beschreibungen der fuer die Arbeiterschaft Kanadas so bedeutungsvollen Entwicklung, die ueberhaupt besteht.
Es ist eine sachliche Darstellung der allmaehlichen Umwandlung eines Landwirtschaftsgebietes, das eine Kolonie Grossbritanniens war, in einen Staat, der im wesentlichen industriell ist
und dessen Wirtschaftsfaeden in New York zusammenlaufen.
Auch von den Gesetzen wird berichtet, die in das Buch der
Verfassung im Laufe der Zeit aufgenommen wurden, und die den Menschen eines Industriestaates ihr Los erleichterten.
Die Veraenderungen der Loehne, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen sind ebenfalls niedergelegt.
Die Tatsache findet Beruecksichtigung, dass Kanada ein Einwandererstaat ist. Die Geschichte des Volkes, das dieses Land aufgebaut hat, beginnt mit den 28 franzoesischen Ansiedlern, die sich
in, Quebec einschanzten, um den ersten kanadischen Winter im Jahre
1682 zu ueberleben. Sie endet mit der heutigen Zeit, in der noch
immer ^latz fuer neue Ansiedler ist und hollaendische Bauern sich
gegenwaertig im Lande niederlassen.
Natuerlich werden auch die historischen Entwicklungen der kanadischen Gewerkschaftsbewegung in ausgezeichneter Weise wiedergegeben.
Die Nachteile dieses Werkes sind nicht so gross, dass man sie
nicht uebersehen koennte. Einmal besteht die Tendenz, das Arbeitsministerium und nicht die Wohlfahrt der Lohnempfaenger als Zweck
- 9-

�aller Taetigkeiten des Ministeriums hinzustellen. Zum andern
werden die historischen Ereignisse, die die Erfolge der Arbeiter
Kanadas kennzeichnen, so beschrieben, als ob sie einem parlamentarischen Ausschuss oder den Eingebungen MacKenzie Kings entstammten.
Ausser einer voellig unzutreffenden Bemerkung ueber den Generalstreik in V.'innipeg, deren drei Illustrationen den Text jedoch widerlegen, bleiben die Bemuehungen der kanadischen Arbeiter, ihr
eigenes Los zu verbessern, im grossen und ganzen unerwaehnt.
Und hier einige Auszuege aus dem Bericht der "Labour Gazette"
ueber die GewerkschaftsOrganisationen:
Bericht der KoenigLjcJien Kommission ueber Kapital und Arbeiterschaft
im Jahre 1869.
"GewerkschaftsOrganisationen sind notwendig, um den Arbeitern
es zu ermoeglichen, auf gleichberechtigter Basis mit ihren Unternehmern zu verhandeln. Ihre Beauftragten empfehlen, dass diese
Organisationen in Anbetracht dessen, was sie bereits fuer die
Arbeiterschaft geleistet haben, mit allen gesetzlichen I'itteln f-efoerdert werden; und dass ein Tag im Jahr als "Tag der Arbeit" von
der Regierung zum gesetzlichen Feiertag erklaert wird."
Stellungnahme der Koeniglichen Kommission zu den Beziehungen
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Jahre 1919.
"Bei den Unternehmern sind drei verschiedene Gruppen zu unterscheiden: erstens diejenigen, die ihren Arbeitnehmern das Recht
verweigern, sich gewerkschaftlich zu organisieren; zweitens diejenigen, die ihren Arbeitnehmern dieses Recht zwar nicht verweigern, aber die Organisationen ihrer Arbeitnehmer nicht anerkennen
wollen; und drittens diejenigen, die ihren Arbeitnehmern das Recht,
sich zu organisieren, nicht nur zugestehen, sonderndiesOrganisationen auch anerkennen und mit ihnen verhandeln.
".... wir sind der Auffassung, dass es nicht mehr angebracht
ist, dass die Unternehmer ihren Arbeitern nicht gestatten, sich
zu organisieren. Wir glauben, dass eine der schwerwiegendsten
Ursachen des Unfriedens beseitigt waere, wenn die Unternehmer dieses Recht offen anerkennen würden.".
Offizielle Erklaerung des Nationalen Ausschusses fuer Arbeitsfragen in Kriep-szeiten (National War Labour Board) aus dem Jahre 1945.
".... die grosse Kasse der Unternehmer hat bis vor verhaeltnismaessig kurzer Zeit noch alle ihr zur Verfuegung stehenden
Waffen eingesetzt, um die Gewerkschaftsbewegung zu bekaempfen und
sie zu entmutigen. Es muesste zur Pflicht gemacht werden, sich an
das Prinzip der Tarifverhandlung zu halten ..."
Die Lebensbedingungen vor 50 Jahren im Jahre 1900
"Es gab fast keine Sozialversicherung. Erziehung und andere
."oeglichkeiten des Gemeinwesens waren in ihrem Umfang begrenzt. Die
Arbeitszeit der meisten Arbeiter war sehr lang. Fuer Hygiene, Gesundheitspflege und Erholungsaufenthalte wurde sehr wenig getan.
Es gab keine Autobusse, die die Arbeiter zur Arbeitsstelle und
wieder nach Hause brachten, und Kohleoellanpen und Holzoefen
waren Standardeinrichtungsgegenstaende in den Wohnungen der «rteiter.
"Der Durchschnittslohn eines Fabrikarbeiter im Jahre 1900
betrug sieben Dollar woechentlich, im Jahre 1950 44 Dollar. Die
Gesamtzahl der Fabrikarbeiter belief sich iß» Jahre 1900 auf
230.000, im Jahre 1950 auf 1.300.000 Dollar.
- 10 -

�Das Volumen der industriellen Produktion hat sich um das
zehnfache gesteigert. Die Zahl dar Arbeiter ist etwas mehr als
viermal so hoch.
Die Arbeitswoche zaehlte im Jahre 1900 im Durchschnitt 60
Stunden, im Jahre 1950 44 Stunden.
Der erste Abschnitt der Geschichte der Gewerkschaftsbewegunsr
beginnt etwa mit dem Jahre 1S27, als Arbeitergruppen oertliche
Handwerkerorganisationen bildeten, die ueber Loehne verhandelten
und ausserdem den Zweck hatten, sich gegenseitig zu unterstuetzen.
Hieran waren vor allem die Drucker, Kuefer, I.!aurer und Schuhmacher
beteiligt.
Der zweite Abschnitt der kanadischen Gewerkschaftsgeschichte
ist durch den Anschluss kanadischer Lokalgewerkschaften an die
US-Gewerkschaften der Former, Drucker, Eisenbahner und Schuhmacher
gekennzeichnet.
T'achdem die Drucker im Jahre 1872 einen Streik gefuehrt hatten, um ihrer Forderung nach dem Teunstundentag Nachdruck zu verleihen, der seinen Hoeheounkt in der Festnahme der Gewerkschaftsfuehrer fand, wurde das Gewerkschaftsgesetz erlassen, das die
Gewerkschaften fuer legal erklaerte.
Im dritten Abschnitt der kanadischen Gewerkschaftsgeschichte
vollzieht sich der Zusammenschluss der Organisationen in Landesverbaenden. Der erste war die kurzlebige kanadische Gewerkschaftsunion, es folgte der Gewerkschaftsbund "Knißhts of Labour" (Ritter
der Arbeit), und im Jahre 1886 wurde der Berufs- und Arbeiterkongress von Kanada (Trades and Labour Congress of Canada) gegruendet,
der heute noch besteht.
Die Ausstossung der Organisationen des Gewerkschaftsbundes
"Knights of Labour" und anderer Gewerkschaften, die als Rivalen
der internationalen Gewerkschaften des Berufs- und Arbeiterkongresses angesehen wurden, fuehrte zur Gruendung des Kanadischen
Berufs- und Arbeiterkongresses, des Vorlaeufers des Kanadischen
und Katholischen Gewerkschaftsbundes, der sich mit den Gewerkschaften des CIO zusammenschloss, um den letztgenannten Gewerkschaftsbund von heute zu bilden.
Der Kanadische und Katholische Gewerkschaftsbund begann sein
Dasein mit einer Aussperrung der Schuhmacher in Quebec im Jahre
19.00. Unter dem Jiinfluss des Erzbischofs Begin nahm er im Jahre
191£ Formen an, und die gegenwaertige Organisation entstand auf
einer Konferenz in Chicoutimi im Jahre 1920.
Die Gesamtzahl der Gewerkschaftsmitglieder Kanadas belaeuft
sich heute auf eine Million.
UAW-CTO Ammuni tion
X/50
BERUFSSCHULE!: IX HOLLAND
Jan van der Bend will Dreher werden, £r ist ein stattlicher
junger Kann mit geschickten Haenden. Er hatte keine Gelegenheit,
waehrend des Krieges einen Beruf zu erlernen. Nach der Befreiung
arbeitete er fuer kurze Zeit als Bueroangestellter, konnte an dieser Taetiekeit jedoch keinen Gefallen finden.
Im Jahre 1945 trat er in die hollaendische Armee ein und diente vier Jahre lang, zum Teil auch in In* Or China.
- 11 -

�Nun ist Jan wieder Zivilist und einer der 4.000 jungen Hollaender, die an den sogenannten hollaendischen Staatsschulen
fuer Berufsausbildung unterrichtet werden. Wie die uebrigen
Schueler der 34 Schulen in 33 hollaendischen staedten wird er
solange die Schule besuchen, bis er einen Beruf erlernt hat. Danach wird er nach sechsmonatiger praktischer Arbeit seinen Gesellenbrief erhalten, vorausgesetzt, dass er die Eignungspruefung besteht.
Es handelt sich hier um eine Handwerkerschule, an der Zimmerleute, Maurer und Tischler ausgebildet werden. Die Zimmermannsund Maurerlehrlinge arbeiten drei Wochen lang taeglich eine Stundo
mit. ihren Werkzeugen, aber ohne Material. Zimmerleute z.E. lernen, in immer schnellerem Rhythmus Maegel einzuschlagen. Diese
Ausbildung dauert fuer Tischler zwei lochen.
Die Verwaltung fuor wirtschaftliche Zusammenarbeit hat vor
kurzem ein Gesuch der hollaendischen Regierung bewilligt, 3.000.000
Gulden aus Gegenwertfonds fuer Berufsschulen zu verwenden. Diese
Fonds sind Gelder, die von hollaendischen Abnehmern der Mershallplan Produkte in ihrer Landeswaehrung bezahlt und von der holländischen Regierung fuer Projekte verwendet werden, die die Marshallplan-Verwaltung fuer vorteilhaft fuer die wirtschaftliche
Zukunft des Lendes erachtet.
Derartige Berufsschulen bestanden in Kolland in kleinerem
Umfang bereits vor dem Kriege. Sie wurden in verschiedenen Gegenden des Landes wieder ero'effnet, sobald dies nach der Befreiung
moeglich war. An diesen Schulen sind schaetzungsweise 17.000
junge Leute ausgebildet worden, um den dringenden Bedarf Hollands
an Facharbeitern decken zu koennen.
Zur Zeit herrscht grosser Mangel an Facharbeitern fuer
Wiederaufbauprojekte. Auch Arbeiter zum ^ufbau von Wohnungen,
Schulen und Fabriken sind gesucht, um das Problem der Ueberbevoelkerung in Holland bewaeltigen zu koennen. Auf Grund der hohen Geburtenziffer und der niedrigen Sterbeziffer nimmt die Bevoelkerung Hollands schneller zu als in irgendeinem anderen
Lande. Holland muss seine Wirtschaft industrialisieren, wenn
sein Bestand gesichert sein soll. Es braucht ausserdem eine noch
groessere Zahl gelernter Arbeiter, wenn es in der Lage sein soll,
zur gegenseitigen Verteidigung Westeuropas beizutragen.
Die Anzahl der die Schule besuchenden Schueler hat den Rekordstand von 3.000 erreicht. Wenn man jedoch in Schichten unterrichten wuerde, koennten noch weitere 3-4.000 Schueler aufgenommen
werden. Die Lehrnlaene sind genormt, sodass die Schueler mitten
in einem Lehrgang von einer Schule auf die andere umwechseln koennen. Nicht alle Schulen unterrichten in saemtlichen Lehrfaechern.
Die Wahl der Faecher haengt von dem Bedarf der jeweiligen Gegend
ab. Die Lehrer sind tuechtige Fachleute, die ueber eine langjaenrige Erfahrung in der Privatindustrie verfuegen.
Die bestbesuchten Lehrgaenge sind die der Mechaniker und
Zimmerleute. Die ersteren dauern 4 - 5 Monate, waehrend die angehenden Zimmerleute die Schule im allgemeinen 7 - 8 Monate besuchen muessen.
Die Regierung bezahlt die Schueler waehrend ihrer Ausbildung.
Die Schule prueft saemtliche Bewerber, um sich ueber ihre Faehigkeiten zu informieren. Haeufig beraten sie die Bewerber auch, welches Handwerk sie auf Grund ihrer Faehigkeiten, die in den Befaehigungspruefungen festgestellt wurden, waehlen sollen.
- 12 -

�Nehmen wir den Fall Jan. Nachdem er vergeblich Artfeit gesucht hatte, kam er vor etwa seche '.Yochen zur Schule. Er wollte
einen Beruf erlernen, wusste aber nicht welchen. Die Pruefungen
ergaben, dass er die Eignung fuer einen Maschinendreher besass,
und damit begann seine Ausbildung. Seine Lehrer sagen, dass er
gute Fortschritte macht. Jan selbst liebt seine Arbeit. Er
spricht etwas englisch, das er in Glasgow gelernt hatte, als seine
Einheit dort sechs Monate lang stand.
Jan bekommt waehrend seiner Ausbildung woechentlich 32,50
Gulden. Im Vergleich zur Kaufkraft entspricht dieser Betrag etwa
30 Dollar in den Vereinigten Staaten. Jan bekommt etwas mehr
als die uebrigen Schueler, weil er aelter ist.
Viele Schueler stehen im fortgeschrittenen Alter- Die meisten sind 20 und mehr Jahre alt. Einige sind verheiratet und
wenige haben Kinder. Jan ist der Sohn eines Friseurs und wohnt
bei seinen Eltern, einem aelteren Bruder und einer Schwester.
Sein Bruder ist Buchhalter, auf Grund seines jugendlichen Alters
nahm Jan nicht am Kriege teil. Er hatte jedoch wie seine uebricen
Altersgenossen keine Gelegenheit, einen Beruf zu erlernen.
Mit 230 anderen Schuelern der Schule hat er -in der Woche 45
Stunden Unterricht. Sein Lehrgang dauert 4 - 5 Monate. Er muss
alle Gebiete der Metallbearbeitung kennenlernen. Gegenwaertig
nimmt er an einen kurzfristigen Schweisser-Lehrgang teil. In Kuerze werden die Schuelor lernen, mit Maschinen umzugehen.
Spaeter werden sie das Bohren erlernen und danech wird man
sie mit saemtlichen Werkzeugen eines Maschinendrehers vertraut
machen. Sie muessen lernen, ihre eigenen besonderen Werkzeuge
selbst herzustellen. Auch in den Sicherheitsbestimmungen werden
sie genauestens unterrichtet. Zum Schluss werden sie zahlreiche
Gegenstaende auf der Drehbank herstellen und lernen, wie sie
ihre Maschinen reparieren und die fuer derartige Reparaturen erforderlichen Einzelteile herstellen.
In einem angrenzenden Raum arbeiten andere junge Leute mit
elektrischen Hobeln und Saegen, die sie eines Tages als Zinmerleute verwenden werden, angehende Mechanikertieschaeftigensich
mit Bohrern. Eine andere Grupre erlernt das Elektroschweißen,
waehrend eine Bauarbeiterklasse draussen im Hof einen Teil eines
Baues errichtet und Eisentraeger hochwindet. Eine andere Klasse
mauert mit Ziegelsteinen und Moertel. Da der Moertel nicht haltbar
ist, koennen die Steine wieder abgenommen und von einer anderen
Klasse verwendet werden.
Nach der Beendigung ihrer Lehrgaenge lassen sich die Berufsschueler bei den Arbeitsvermittlungsaemtern der Regierung registrieren. Dies ist zwtr keine Garantie dafuer, dass sie einen
Arbeitsplatz bekommen, aber viele Arbeiter haben auf diese .Veise
schon Arbeit gefunden.
Coert T. Hertzinger, Beauftragter fuer Berufsschulen, erklaerte: "V.'ir koennen behaupten, dass unsere Absolventen das noetie-e
Ruestzeug haben, um in die Industrie zu gehen. Sie verfuegen ueber
ein allgemeines Wissen in ihren Berufen und es fehlt ihnen nur
die praktische Erfahrung, die notwendig ist, um ihre Kenntnisse
anwenden zu koennen."
ECA Labor Information
XI/7/50
- 13 -

�DUR CIO ZUM KUROTAEISCHEN WIEDLRAUFBAUPROGRAMM
Der CIO stellt mit grosser Genugtuung fest, dass fuer das
Europaeische '.Yiederaufbauprogramm in den meisten Teilnehmerstaaten
ununterbrochene Erfolge erzielt werden. Der CIO hat den Marshallolan von Anfang an unterstuetzt. Die Enttaeuschungen,die die in
einigen Laendern erzielten Ergebnisse hervorgerufen haben, stehen
in krassem Gegensatz zu dem allgemeinen Gelingen de3 Planes in den
meisten Teilnehmerstaaten. Der Kongress des CIO sichert deshalb
dem ERP erneut seine Unterstuetzung zu, fordert jedoch gleichzeitig energische Mausnahmen, um eine gerechtere Verteilung der Einkommen in den einzelnen Laendern zu gewaehrleisten.
Der CIO fordert, dass Massnahmen ergriffen werden, die den
Lebensstandard der Arbeiter der Marshallplan-Teilnehmerstaaten,
besonders in Italien, Frankreich und Westdeutschland verbessern,
wo'die Notwendigkeit am dringlichsten ist, gesetzgeberische und
wirtschaftliche Reformen durchzufuehren, die den arbeitenden Menschen eine groessere Beteiligung an den Gewinnen aus dem Wiederaufbau sichern. Gleichzeitig fordert der CIO die Unterstuetzung
des Aufbaus starker und freier Gewerkschaftsbewegungen in diesen
Laendern und dient damit dem grundsaetzlichen Zweck dieses Kongresses, der darin besteht, das V.'achstum aller demokratischen Kraefte zu foerdern.
Der CIO erkennt die Tatsache an, dass die Marshallplan-Verwalitgeholfen hat, die wirtschaftliche Erholung aus dem Chaos
des zweiten Weltkrieges zu verwirklichen; ei ist jedoch der Auffassung, das- diese Behoerde ihr Programm nun darauf abstimmen
muss, den Lebensstandard als einen wesentlichen Faktor des Procjraians der e-egenseitigen Verteidigung zu verbessern. Es ist erforderlich, dass man den Arbeitern Frankreichs, Italiens und
..Ostdeutschlands eine Lebensweise bietet, die es wert ist, verteidigt zu werden, wenn man auf ihre Beteiligung an einem Widerstand sagen die Gefahr einer kommunistischen Aggression zaehlen
will. Die Marshallplan-Verwaltung muss deshalb darauf bestehen,
dass die Regierungen der Teilnehmerstaaten so handeln, dass eine
gerechte Verteilung der Fruechte des Wiederaufbaus an alle Schichten der Voelker gesichert ist.
In Italien ist ein grossangelegtes Programm zur Landreform
von wesentlicher Bedeutung, weil es Millionen armer Bauern
die Moeglichkeit einer Eingliederung in das Wirtschaftssystem dieses Landes bietet. Die Massnahmen, die erfreulicherweise von der
Marsha11plan-Verwaltung in dieser Hinsicht bereits ergriffen wurden, muessen so schnell wie moeglich erweitert werden. Die franzoesische Regierung muss sich darueber im klaren sein, dass das Geld,
das weiterhin von amerikanischen Steuerzahlern zur Verfuegung gestellt wird, im Interesse aller Menschen verwendet werden muss,
wobei der dringenden Notwendigkeit einer allgemeinen Revision der
Steuergesetze, der Modernisierung der Industrie, ihrer Neuorientierung in bezug auf die Wechselbeziehungen zwischen Arbeit und
Produktionsleistung, der Bedeutung eines grossangelesrten Programms
zur Erstellung geeigneten Wohnraums fuer die Arbeiter und zur Beseitigung der Konzerne und anderer hinderlicher Methoden, die
eine Wirtschaft mit niedrigen Preisen und hohen Loehnen unmoeglich
machen, besondere Beachtung geschenkt werden muss.
Der CIO kennt und billigt im allgemeinen das Bestreben der
Marshallplan-Verwaltung, eine Einmischung in die internen Angelegenheiten der befreundeten europaeischen Nationen zu vermeiden.
Er ist jedoch der Ansicht, dass die amerikanischen Buerger nicht
laenger mit zusehen koennen, wenn amerikanische Steuergelder dazu
verwendet ».erden, um die Gewinne einiger '.Veniger anzuhaeufen und
- 14 -

�eine feudalistische V/irtschef t3Ordnung zu erhalten, anstatt den
Lebensstandard und die Arbeitsbedingungen der breiten Masse zu
verbessern. Zs ist die feste Ueberzeugung des CIO, dass bei der
Bewilligung von Marshallplan-Geldern Bedingungen gestellt werden
muessen, die eine gerechte Verteilung der Gewinne gewaehrleisten.
Solange die Regierungen Italiens, Frankreichs und Westdeutschlands keine derartigen Schritte unternehmen, ist es zweifelhaft,
ob ein dauernder Wohlstand, gegruendet auf eine hohe Kaufkraft
der Verbraucher, erzielt werden kann.
Und wenn man
zugibt, dass die wirtschaftliche Demoralisierung der Arbeiter, die auf die immer groesser werdende Spanne
zwischen Preisen und Loehnen zurueckzufuehren ist, weiter um sich
greift, werden die Kommunisten die einzigen Nutzniesser sein.
Das Problem der Ueberbevoelkerung ist in Europa und besonders in Italien und 'Westdeutschland von dringender Bedeutung und
verzoegert den 'Viederaufbau Europas auf einer gesunden Wirtschaftssrundlage. Der CIO fordert, dass Geldmittel der Marshallplan-Verwaltung dazu verwendet werden, die Umschichtung der europaeischen
^rbeitskraefte und die Loesung oertlicher Probleme der Ueberbevoelkerung zu unterstuetzen. Um "das europaeische .Viederaufbauprogramrc
zu foerdern, fordert der CIO von der ÜS-Regierun*?, dass sie sich
auf internationalen Konferenzen aktiv fuer die Foerderung von Plaenen zur Umsiedlang und Auswanderung von Arbeitern einsetzt. Der
CIO ist der Ansicht, dass der Kongress die Einwanderungsgesetze
und -beStimmungen der Vereinigten Staaten dahingehend abaendern
muss , dass e3 diesen Land moeglich ist, zusammen mit enderen freien Nationen zur Loesung dieses Problems beizutragen.
3er CIO unterstuetzt das militaerische Hilfsprogramm, mit dem
die Regierung den befreundeten Nationen in Europa hilft. Dieses
Programm und die eigene Entschlossenheit, an der Verteidigung der
Teltdsmokratie teilzunehmen, kann Suropa die fuer seinen Wiederaufbau notvvendige Zuversicht geben. Dieses Programm laeuft
oarallel mit der staendigen Hilfe fuer Friedenszwecke, kann diese
jedoch in keiner Beziehung ersetzen. Der CIO verlangt, dass'das
Pro^rarom fuer militaerische Unterstuetzung verwirklicht wird, ohne
dass den weniger beguenstigten Teilen der Bevoelkerung ungebuehrende Opfer auferlegt werden. Der ClO t8ilt die Auffassung Paul
Floffaans, dass '.Vesteuropa hierzu imstande ist; Amerika muss dafuer
sorren, dass die entsprechenden Planungen durchgefuehrt werden.
ECA Labor Information
PRODUKTI-ONS^TEIGSRUtTG VLRnLMDLRT INFLATION
'.V. Stuart Syraington, der Vorsitzende des US-Verteidigungsausschusses zur Ueberwachung und Sicherung der Hilfsquellen des
Landes und der oberste Leiter der industriellen Mobilisierung, ist
Geschaeftsmann. Ueberraschenderweise ist er jedoch der Ansicht,
dass in Kriegszeiten selbst Geschaeftsleute anstaendig sein
muessen.
Viele Leute halten es vielleicht fuer richtig, in normalen
Zeiten an ihrem Lande und der Oeffentlichkeit zu profitieren.
Symington meint jedoch, dass zu einer Zeit, in der Amerikaner auf
fremden Schlachtfeldern ihr Leben hingeben und die Menschen in der
Heimat Opfer bringen, um ihr Land gegen eine weltweite Bedrohung
zu verteidigen, auch die Geschaeftsleute ein faires Spiel durchfuehren muessen.
- 15 -

�Viele von ihnen tun dies natuerlich. Symington ist jedoch
ungehalten, weil er festgestellt hat, dass einige profitsuechtige Industrielle immer noch bestrebt sind, die Produktion niedrig
zu halten, um die Preise hochtreiben zu koennen. Seinen Unwillen
hierueber brachte er in einer Rede in Houston (Texas) zum Ausdruck. Er spraoh ausserdem die Warnung aus, dass diese geldgierigen Leute nicht unbestraft bleiben.
In einer frueheren Warnung vor uebertriebenen Formen der Gewinnsucht hatte Symington versprochen, dass er die Namen schuldiger Personen und Unternehmen nennen wuerde. Seine Freunde glauben, dass er den Mut hat, diese Drohung wahrzumachen, wenn die
Zeit hierzu gekommen ist. In Houston haette er es beinahe schon
getan.
Er sprach zum Beispiel von einer Gesellschaft, wahrscheinlich
aus der Stahlindustrie, die sich entschlossen hatte, keine Produktionserweiterung vorzunehmen, weil sie dachte, es sei guenstiger, die Waren knapp zu halten. Die Gewinne dieses Unternehmens
hatten sich in der Zeit von 1945 bis 1950 um mehr als 750&gt; gesteigert.'
Den Betriebsleitern dieser Gesellschaft sei von ihren V.'irtschaftsberatern erklaert worden, der Bedarf der Vereinigten Staaten an Automobilen sei gedeckt, und es sei deshalb nicht zweckmaessig, die Produktion zu erweitern. Symington ist jedoch der
Auffassung, dass das "amerikanische Volk und nicht irgend eine
Industrie oder Industriegruppe daruebsr zu entscheiden hat, wieviel Automobile im Lande hergestellt werden koennen."
Symington berichtete dann von dem Betriebsleiter eines Kupferwerkes, der glaubte, die Produktion niedrig halten zu muessen,
zugleich sich jedoch nicht seine Gewinnmoeglichkeiten nehmen
lassen wollte, denn die Einnahmen seines Unternehmens betrugen
allein im zweiten Quartal des Jahres 1950 weit mehr als im gesamten
Rechnungsjahr 1945.
Das Bestreben, die Preise zu steigern, nur um hoehere Gewinne
zu erzielen, muss unwillkuerlich zu Preiskontrollen fuehren. Die
Regierung hat versucht, derartige Kontrollen zu vermeiden. V/enn
sie jedoch notwendig werden, wird die Regierung die Preisentwicklungen seit Korea in den einzelnen Industrien und fuer die einzelnen Produkte genau untersuchen.
Die Profitmacher sollten dann nicht ueberrascht sein, wenn
sie gezwungen wuerden, ihre Preise herabzusetzen.
Obwohl Symington kein Politiker und nicht darauf bedacht ist,
Stimmen fuer sich zu gewinnen, und in seinem ganzen Leben niemals
einer Stellung nachgelaufen ist, brachte er erneut zum Ausdruck,
dass er die Notwendigkeit anerkennt, die Arbeiter vor steigenden
Preisen zu schuetzen.
"Die Arbeiterschaft behauptet, dass- diese Preissteigerungen
in ihrer Auswirkung Lohnsenkungen bedeuten, und diese Behauptung
ist richtig."
Um diesen Preissteigerungen zu begegnen, koennen die Loehne
der Arbeiter heraufgesetzt werden. Fuer ein aelteres Ehepaar jedoch,
das von einer Pension lebt, ist die Lege viel schwieriger. Und
noch schwerer hat es eine Kriegerwitwe, die monatlich um 60 Dollar
bekommt.
Labor
XI/11/50
16

—

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Antrüge aas der amerikanischen Presse und anderen Qaellen dar und dien—
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauck gemacht werden.
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angefordert werden. Auf Wunsch werden dieae auck einzelnen Interessenten direkt durch die Poat zugeleitet.
Der Inkalt der „Arbeitsmitteilungen" iat nicht ala offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufaaaen.

I I I - 40

Frankfurt, 8. Dezember 1950

I K H Ü L T S T Ü H Z M C E K I S

Beschleunigte Preisindex-Revision fuer Verbrauchsgueter - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

l

CIO fordert Gewerkschafter ir\ Aussenministerium - - 2
Automatische Angleichung der Loehne an die Lebenshaltungskosten in den USA. - - - - - - - - - - 3
Gewerkschaften Englands fordern Lohnerhoehung - - - 4
Dies ist unsere groesste Aufgabe - - - - - - - - 5
Weltkrise und Facharbeitermarkt in Amerika - - - - 7
Aussenpolitische Erklaerung des C I O - - - - - - - - 8
Ein Jahr IBFG - - - - - - - - - - - - - - - - - - 9
Sonderbertter Trumans fordert Fortsetzung der
Europahilfe nach 1952 - - - - - - - - - - - - - 10
Der argentinische Diktator tritt in die Fusstapfen
Hitlers
-__
__
12
US-Gewerkschaften gegen 45-Stunden Woche - - - - - 14
Der Gewerkschaftskongress der Schweiz - - - - - - - 1 5

BESCHLEUNIGTE PREIS INDEX-REVISION FUER VERBRAUCHSGUETKR
Die Revision des Lebenshaltungskostenindex', die fuer den
Sommer naechsten Jahres vorgesehen war, ist beschleunigt worden
und wird gegen Ende dieses Jahres beendet sein.
Ewan Clague, der Beauftragte des Bueros fuer Arbeitsstatistik, erklaerte, dass der revidierte Index die Kosten fuer viele
neue Verbrauchsgueter anzeigen werde, darunter Konserven, Nahrungsmittel fuer Saeuglinge, Dauerwellen, Fernsehgeraete und
Brotroester; auch Krankenhauskosten und die juengsten Kietpreiserhoehungen wuerden berücksichtigt.
Die Revision, sagte Clague, sei aufgrund des Krieges in
Korea und der neuen Wirtschaftskontrollgesetze "unbedingt notwendig."

1

�Der revidierte Index wird den Experten fuer wirtschaftliche
Stabilisierung sowie Gewerkschafts- und Unternehmervertretern bei
Tarifverhandlungen ein genaueres Bild der Preisentwicklungen fuer
Verbrauchsgueter geben. Die Zahl der Gewerkschaftsvertraege, in
denen die Loehne von dem Index abhaengig gemaoht werden, nimmt
staendig zu. Den neuesten Schaetzungen zufolge fallen «ine
Million Arbeiter unter die Bestimmungen derartiger Vertraege. Reffierungsbeamte sind gesetzlich verpflichtet, bei der Ausarbeitung
der Wirtschaftsprogramme den gegenwaertigen Preisen im Vergleich
mit denen vom 25. Juni, als die Kommunisten nach Suedkorea eindrangen, "sorgfaeltige Beachtung" zu schenken.
Die Revision haette schon lange vorgenommen werden muessen.
Die Gewerkschaften beschwerten sich bereits waehrend des Zweiten
Weltkrieges und danach darueber, dass der Index ueberholt sei und
ein falsches Bild von den Lebenshaltungskosten gaebe. So ist bis
jetzt zum Beispiel die Bevoelkerungszahl von 1942 zugrundegelegt
worden. Die Veraenderungea in den Gewohnheiten des Einkaufens und
der Ernaehrung sind nur wenig beruecksichtigt worden. Einige
durchaus uebliche Ausgaben im Haushalt einer Familie Würden ueberhaupt nicht mitberechnet.
Mit der Ankuendigung einer beschleunigten Revision des Lebenshaltungskosten-Index berichtete Clague ausserdem, dass der Preisindex fuer Verbrauchsgueter trotz eines Rueckgangs der Nahrungsmittelpreise in den vier Wochen vor dem 15. September um 1/2 Prozent angestiegen sei.
Zu dieser Zeit stand der Index auf 173.8. Clague kuendigte
an, dass mit einem weiteren Anstieg im Verlauf des gesamten kommenden Winters zu rechnen sei.
Daily News Service
Labor* Press Association
10/24/50
CIO FORDERT GEWERKSCHAFTER IM AUSSBNYINISTERIUM
Der CIO ist der festen Ueberzeugung, dass es fuer die USA von
direktem Vorteil sein wird, wenn sie Maenner und Frauen aus den
Reihen der Gewerkschaftsbewegung fuer einflussreiche Stellungen
in den Planungs- und Exekutivabteilungen des Aussenministeriums
heranbildet. Eine derartige Schleusung gewerkschaftlich gesinnter
Buerger in die Aussenpolitlk wuerde bedeuten, dass man sich endlich
der Notwendigkeit bewusst ist, jedes Mittel, das den USA zur Verfuegung steht, zur Loesung der ungeheuer bedeutungsvollen Probleme
zu verwenden, die sich der Regierung in der ganzen Welt bieten.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung verfuegt ueber genuegende
Beziehungen und Verbindungen mit anderen Laendern, deren Auswertung
fuer die erfolgreiche Durchfuehrung einer demokratischen Aussenpolitlk Amerikas wesentlich ist.
Die Beteiligung der Gewerkschaften am Marshallplan hat zum
grossen Teil zu den Erfolgen des Wiederaufbauprogramms beigetragen.
Den gewerkschaftlichen Aufrufen an die Moral der Arbeiter und ihrer
Erfahrung ist es zu verdanken, dass eine Politik vermieden wurde,
die das Verstaendnis der breiten Masse der europaeischen Arbeiter
fuer den Marshallplan hStte schwaechen koennen.
Es ist wesentlich, dass sich die Delegationen der Vereinigten
Staaten in der Generalversammlung der Vereinten Nationen, dem Wirtschafts- und Sozialrat und den verschiedenen Kommissionen und Fachbehoerden die Erfahrungen der amerikanischen Gewerkschaften zunutze
machen.
- 2-

�Der groesste Fehler der amerikanischen Aussenpolitik besteht
darin, dass die amerikanische Arbeiterschaft in den obersten Aussohuessen nicht vertreten ist. In fast allen Nationen spielt die
organisierte Gewerkschaftsbewegung in wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten eine immer bedeutungsvollere Rolle. Es
ist offensichtlich, dass die USA-Regierung Leute braucht, die die
Gewerkschaftsbewegungen anderer Laender verstehen und mit ihnen
zusammenarbeiten. Die amerikanischen Gewerkschaften koennen aus
ihren eigenen Reihen faehige Experten zur Verfuegung stellen, die
der Regierung und der demokratischen Bewegung wertvolle Dienste
leisten koennen.
ECA Labor Information
AUTOMATISCHE ANGLEICHUNG DER LOEHNE AN DIE LEBENSHALTUNGSKOSTEN
IN DEN USA
Aufgrund der Bekanntmachung, dass die Lebenshaltungskosten in
den Vereinigten Staaten eine Rekordhoehe erreicht haben, werden
Hunderttausende amerikanischer Arbeiter automatische Lohnaufbesserungen erhalten.
Diese Erhoehungen sind in den sogenannten "gleitenden" Klauseln der Gewerkschaftsvertraege vorgesehen, die bestimmen, dass
die Loehne gesteigert werden muessen, wenn das statistische Buero
des Arbeitsministeriums eine Steigerung der Lebenshaltungskosten
feststellt.
Die ersten Gewerkschaftsvertraege, die eine automatische
Lohnaufbesserung vorsehen, wurden im vorigen Jahre von Walter
Reuthers Automobilarbeitergewerkschaft (CIO) abgeschlossen und sind
seitdem von vielen anderen grossen Gewerkschaften uebernommen.
Es war fuer die Entwicklung der neuen Elektroarbeitergewerkschaft James B. Careys von wesentlicher Bedeutung, dass sie derartige Klauseln in ihre Tarifvertraege aufnahm. Sie trugen zu
den Erfolgen der neuen Elektroarbeiterorganisation bei, die sich
von der alten Gewerkschaft der Vereinigten Elektroarbeiter losgeloest hatte , die als kommunistisch beherrschte Organisation vor
einem- Jahr aus dem CIO ausgeschlossen wurde.
Sprecher der Unternehmer erklaerten, dass sich die Kosten fuer
diese automatischen Lohnaufbesserungen fuer eine Dauer von drei
Monaten, beginnend mit dem 1. Dezember, elleir; fuer die Automobilindustrie auf rund 17 Millionen Dollar belaufen wuerden. Die Aufbesserung der Stundenloehne betraegt drei Cents. In den letzten
drei Monaten ist der Lebenshaltungskostenindex von 172.5 auf
174.8 gestiegen.
Mit der Ankuendigung dieser. Lohnaufbesserungen wurde zugleich
von wesentlichen Lohnsteigerungen fuer die Arbeiter der Schwerindustrie berichtet. Das erste Abkommen kam zwischen der Gewerkschaft der Vereinigten Stahlarbeiter, deren Vorsitzender der CIOPraesident Philip Murray ist, und der US Steel Corporation zustande, die der groesste Stahlproduzent der Vereinigten Staaten ist.
Dieses Abkommen sieht eine Stundenlohnerhoehung von 16 bis
19 Cents vor. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass durch dieses
Abkommen jede Unterbrechung ifc der MetallDroduktion, die das
Rueckgrat der Ruestungsproduktion bildet, von vornherein unmoeglich gemacht wird.
Arbeitgebervertreter des Stahlunternehmens Bethlehem haben
sich nach Pittsburgh begeben, um mit Murray und seinen Verhandlungs- 3-

�kolleren zu beraten. Man erwartet, dass sie in Kuerze aehnliche
3rtra3f£ abschliessen werden.

Tr

Ja v;ird ausserdem damit gerechnet, dass eine Preissteigerung
fuer Stahl von sechs Dollar pro Tonne dem Abschluss der Vertraege
unmittelbar folgen wird. Die Beauftragten fuer wirtschaftliche
Stabilisierung werden vere'inbatfungsgemaess gegen diese Preiaerhoehung keinen Einspruch erheben.
Cyrus S. Ching, der Vorsitzende des neuen Ausschusses fuer
Lohnstabilisierung, erklaerte waehrend einer Besprechung ueber die
automatischen Lohnaufbesserungen und die neuen Tarifvertraege in
der Stahlindustrie, dass das Buero fuer Arbeitsstatistik die Tendenzen der Lebenshaltungskosten in den naechsten Monaten nur oberflaschlich uebersehen koenne. Allem Anschein nach ist mit einer
weiteren- Steigerung zu rechnen.
Als Walter Reuther die Lohnaufbesserungen fuer seine Automobilarbeiter im Rahmen der "gleitenden" Klauseln ankuendigte, kritisierte er in scharfen Worten die Steigerung der Lebenshaltungskosten, die diese Lohnerhoehungen notwendig gemacht haetten. Er
bezeichnete die Indexspirale als "gefaehrlich und inflationistisch"
und fuegte hinzu, "dass dieser neueste Anstieg der Lebenshaltungskosten ein Vorgeschmack dessen sei, was noch kommen koenne, wenn
die Regierung nicht schnell wirksame Massnahmen ergreife."
Mitteilungen des U.S. Aussenministeriums
11/30/50
GfrVERKSCHAffTEN SNGLAT-TDS FORDERN LOHNERHÜEKUNG
Der Beschluss des Britischen Gewerkschaftskongresses, seine
Lohnstabilisierungspolitik zu beenden, hat die ersten Ergebnisse
gezeitigt.
um 12. Oktober hatte bereits nahezu die Haelfte der acht Millionen Mitglieder der britischen Gewerkschaften Lohnerhoehungen
gefordert oder sie in Betracht gezogen.' Zugleich rechnete man mit
weiteren Lohnforderungen. Inzwischen hatte sich die Labour-Farty
auf ihrer Jahreskonferenz mit sichtlichem Widerwillen mit der. Aenderung der Politik des britischen Gewerkschaftskongresses (TUC)
einverstanden erklaert.
Sprecher von 37 Organisationen, die zu dem Verband der Schiffsbau- und Technikergewerkschaften gehoeren, wiesen die Angebote der
Unternehmer ab, die ihnen fuer 2.500.000 Mitglieder Lohnaufbesserungen vorschlugen, und sprachen sich durch Abstimmung fuer eine
schiedsrichterliche Entscheidung ueber ihre Forderung nach einem
Pfund Sterling Lohnerhoehung je Woche aus.
Es sah so aus, als ob auch der Exekutivausschuss der britischen
Bergarbeitergewerkschaft ein. Angebot des Nationalen Gerichtshofes
der verstaatlichten Kohleindustrie ablehnen wuerde. Dieses Angebot
sollte sich auf rund 10 Millionen Dollar fuer 400.000 der in Frage
kommenden Arbeiter mit niedrigeren Loehnen beziehen.
Fuer den Fall, dass der Arbeitsminister nicht rechtzeitig
eine Schlichtung oder Schiedssrrechung anordnen wuerde, stuende
es den Angehoerigen der Lokomotivfuehrer und Heizergewerkschaft
frei, fuer 72.000 Arbeiter um eine Lohnerhoehung von 15% zu erkaennfen.
—•«JJiti&amp;ZJ'SfSfeP d e r Transportarbeiter und der Arbeiter des
oeffentlichen Dienstes hatte beschlossen, fuer 226.000 AUtobus- 4-

�und Strassenbahnerbeiter und fuer 70.000 Dockarbeiter ebenfalls
Lohnerhoehungen zu fordern.
Auch die maechtige britische Medizinische Vereinigung, das
Gegenstueck der American Medical Association, drohte dar.it,
19.000 Aerzte aus dem gebuehrenfreien Gesundheitsprogramm der
Regierung herauszunehmen, wenn sie keine bessere Bezahlung erhielten.
Mit Ausnahme des Falles der Aerzte herrscht wenig Zweifel,
dass Lohnerhoehungen fuer die englischen Arbeiter schon lange
faellig waren. Nach genauen Schaetzungen haben sich die Einkommen der Aerzte verdoppelt, waehrend die Loehne der Arbeiter durch
die seit zweitJahren betriebene Lohnstabilisierungsnolitik, von
der niemand geglaubt hatte, dass sie fuer immer bestehen bleiben
wuerde, sich unveraendert erhielten. Ausserdem stiegen die Preise,
wenn auch nicht so rapid an wie in den Vereinigten Staaten.
Es wird angenommen, ddss ein neues Lohnniveau durch Tarifverhandlungen oder Schiedssprechung mit einem Minimum an Schwierigkeiten und Streitigkeiten sich aufstellen laesst. Ob die britische
Wirtschaft die neue Kaufkraft absorbieren kann, wird letzten
Endes, so glaubt man, ganz allgemein von dem Produktionsstand
und der Produktionsleistung des einzelnen Arbeiters abhaengen.
Was die Aerzte betrifft, so nehmen nur wenige ihre Drohung,
ihre Arbeit niederzulegen, ernst. Alle Parteien, ob Labour,
Konservative oder Liberale, wuerden eine solche Handlungsweise
mit Befremden aufnehmen. Man zweifelt uebrigens daran, ob die
britische medizitische Vereinigung ueberhaupt in der La^e ist,
die angedrohte Rueckziehung durchzufuehren.
Daily News Service
Z/13/50
DIES IST UNSERE GROESSTE AUFGABE
In den unterentwickelten Laendern der Welt leben zwei Drittel der Weltbevoelkerung staendig im Schajtten des Hungers, der
Krankheiten und der Armut - ein breites Band des Elends, das die
Erdkugel von Mittel- und Suedamerika ueber Afrika und den Mittloren Osten bis zu den Laendern Suedostasiens umspannt. In all
diesen Gebieten liegt die Kindersterblichkeit weit ueber dem
'Durchschnitt-, die Zahl der Analphabeten ist erschreckend, der
Lebensmittelverbrauch ist gering. Armut und Rueckstaendigkeit
entspringt zahlreichen Ursachen, deren bedeutendste die schwierigen klimatischen Verhaeltnisse und der Mangel an natuerlichen
Hilfsquellen sind.
Das Land selbst ist haeufig unfruchtbar. Raubbau und Erosion
haben in weiten Gebieten diese Schwierigkeiten vermehrt. Primitive Methoden und eine rueckstaendige soziale Organisation haben
jede Steigerung der Produktion verhindert, ohne die keine Besserung
des Lebensstandards und keine Erweiterung der sozialen Betreuung
und der oeffentlichen Y/ohlfahrtseinrichtungen noeglich ist. In
weiten Gebieten Afrikas zum Beispiel haben Mangel an Wasser und
Seuchen, die durch Insekten uebertragen werden und Menschen, Tiere
und Ernten staendig gefaehrden, die Arbeit in der Landwirtschaft
zu einem unaufhoerlichen grimmigen Kampf gegen Kunger und Krankheit werden lassen. Das Leben spielt sich dadurch auf einem sehr
niedrigen Niveau ab.
- 5 -

�Die Menschen dieser Gebiete sind allein nicht dazu in der
Lage, den Stand der sozialen und wirtschaftlichen Taetigkeit
zu heben. Sie verfuegen weder ueber die erforderlichen Hilfsquellen noch ueber das notwendige technische Wissen. Sie muessen
von beguenstigteren Laendern unterstuetzt werden. Seit dem Jahre
1945 hat man diese Notwendigkeit immer staerker erkannt. Weltwohlstand und Weltfriede sind aber immer zwei unzertrennliche Begriffe.
Die freien Nationen der Welt haben die doppelte Aufgabe,
den unterentwickelten Gebieten zu helfen, ihren Lebensstandard
zu verbessern und zugleich diese Menschen fuer ein neues demokratisches Weltsystem zu gewinnen, das noch ausgebaut werden muss.
Eine Welt, aufgespalten in industriell fortgeschrittene Laender,
die sich eines hohen Lebensstandards erfreuen, und in rueckstaendige Laender, in denen Millionen in furchtbarer Armut leben*
waere eine Welt der Furcht, der Erbitterung und des Hasses.
Man muss sich vor Augen halten, dass die Koloniennicht arm
und rueckstaendig sind, weil sie Kolonien sind. Die politische
Struktur unterentwickelter Laender hat mit ihren grundlegenden
wirtschaftlichen Problemen nur wenig zu tun. Solange nicht fuer
ausreichende Erziehungsmoeglichkeiten, eine genuegende soziale
Versorgung und einen angemessenen Lebensstandard gesorgt ist,
kann eine wirksame demokratische Selbstregierung nicht verwirklicht werden. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, bei der
wirtschaftlichen Entwicklung jede nur moegliche Hilfe zu leisten.
Kuerzlich kamen auf einer Konferenz in Sydney die Vertreter
von sechs Staaten des Commonwealth zusammen, um ein Unterstattzungsprogramm auszuarbeiten, das eine erste Hilfeleistung fuer die
Voelker Suedostasiens sein soll. Man beschloss, die im Gange
befindlichen Vorbereitungen zur technischen Unterstuetzung durch
ein Acht-Millionen-Dollar-Programm zu ergaenzen, das von einem
in Colombo zu errichtenden Amt des Commonwealth verwaltet werden
soll.
Die Wirtschaft der unterentwickelten Gebiete und die der
Industriestaaten ergaenzen sich. Ein besserer Lebensstandard der
••rueokstaendigen" Voelker wuerde eine groessere Nachfrage nach
Fertigprodukten zur Folge haben. Ein groesserer Ausstoss an Rohmaterialien und Halbfertigwaren zu niedrigeren Freisen wuerde
auch die Preise fuer Fertigwaren verbilligen. Arbeitslosigkeit
'n den Industriestaaten, die natuerlich von einem Nachlassen der
lachfrage nach Erzeugnissen aus den Tropen begleitet waere, wuerde
wie in der Zeit zwischen den beiden Kriegen zu einer Warenanhaeufung in den Kolonien fuehren. Die Unterstuetzung rueckstaendiger
Gebiete kann deshalb zu einem bedeutenden Faktor in einer sich
ausdehnenden Weltwirtschaft werden, der den Lebensstandard in der
ganzen Welt verbessern kann.
-

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Die Vereinigten Staaten haben durch das Punkt-Vier-Programm
Praesident Trumans, das eine umfassende technische Unterstuetzung
fuer Laender vorsieht, bewiesen, dass sie um die 7/ohlfahrt der
Menschen in diesen Gebieten besorgt sind. Die fuer dieses Programm zur Verfuegung gestellten Geldmittel belaufen sich auf etwa
20 Millionen Dollar. Im Rahmen des Marshall-Plans, der von der
Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit verwaltet wird,
sind britische Ueberseegebiete durch Zurverfuegungstellung technischer Experten und durch Dollarkredite zum Ankauf von amerikanischem Ausruestungsmaterial fuer Srschliessungsnrojekte unterstuetzt
worden. Die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit verfuegt zu diesem Zweck ueber einen Reservefonds von etwa 20 Millionen Dollar.

�Durch die den Vereinten Nationen angeschlossenen Fachorganisationen wie die Weltgesundheitsorganisation, die Organisation
fuer Ernaehrung und Landwirtschaft, die Internationale Arbeitsorganisation, usw. beteiligen sich viele Nationen an diesem guten Werk. Im Juni 1950 wurde von den Vereinten Nationen ein
erweitertes Programm der technischen Unterstuetzung mit einem
Geldaufwand von rund 20 Millionen Dollar gestartet, eine Summe,
die sich aus Zuwendungen etwa 50 verschiedener Mitgliederstaaten
zusammensetzt. Es ist bedeutsam, dass weder Russland noch irgend
ein anderes Land des russischen Blocks einen Beitrag hierzu geleistet hat.
Die Labour-Party hat in ihrer neuen nolitischen Erklaerung
"Labour und die Neue Gesellschaft" einen Vorschlag fuer einen
VVeltDlan ausgearbeitet, der eine Kombinierung der Hilfsquellen
der fortgeschrittenen Nationen zur Bekaempfung der Armut vorsieht. Dieser glueckliche Gedanke koennte, wenn er verwirklicht
wuerde, zu dem groessten Erfolg des 20. Jahrhunderts werden.
FACT
The Labour Party Bulletin
IX/50
WELTKRISE UND FACHARBEITSMARKT IN AMERIKA
Waehrend das nationale Verteidigungsorogramm der Vereinigten Staaten eine immer groessere Bedeutung gewinnt und die zivile
Wirtschaft auf vollen Touren arbeitet, macht sich der Mangel an
Facharbeitern staendig mehr bemerkbar. Das Buero fuer Beschaeftigungssicherheit meldet aus allen bedeutenden Industriebezirken
des Landes, dass der Mangel an Facharbeitern, insbesondere in
der Metallverarbeitung, dem Baugewerbe, der mechanischen Fertigung und des Reparaturgewerbes, zunimmt. Der groessere Bedarf
an gelernten Arbeitskraeften stellt die wesentlichste Entwicklung
der vergangenen Monate dar, die in einer neueren Zaehlung der unbesetzten offenen Arbeitsplaetze von dem Buero fuer Beschäeftigungssicherheit festgestellt wurde, das seine Informationen von
den ihm angeschlossenen oertlichen Behoerden der Einzelstaaten
erhaelt.
Den August-Zaehlungen 23 verschiedener Staeten zufolge hat
sich die Zahl der offenstehenden nichtlandwirtschaftlichen Arbeits
nlaetze in den beiden letzten Monaten nahezu verdoppelt und ist
seit dem 28. Juni von 13.306 auf 26.373 angestiegen. Am staerksten ist die Nachfrage nach gelernten Arbeltern (etwa 40# aller
offenen Stellen).
•

In den Fachberufen besteht vor allen in den Staaten Ohio,
Kalifornien, Connecticut und Illinois eine grosse Nachfrage nach
Maschinisten und Einrichtern; ferner besteht eine grosse Nachfrage nach .Yerkzeugma ehern vornehmlich in Michigan. Dreher und
Fraeser sind vor allem in den Staaten Kalifornien, Ohio, Michigan,
Minnesota, Connecticut, Wisconsin und Illinois gesucht.
Etwa 22 Staaten berichten von einem Bedarf an insgesamt 786
Zimmerleuten, v*aehrend sich der ?fengel an Maurern besonders in
New York, Ohio und Delaware bemerkbar macht. Offene Arbeitsplaetze fuer Eisenblechfacharbeiter werden aus 29 Staaten gemeldet,
wobei die Flugzeugindustrie in Kalifornien ueber die Haelfte des
Gesamtbedarfs zu verzeichnen hat. Gefragt sind ausserdem ^utomechaniker und Reparaturmechaniker fuer Karosserien, und die meisten
zur Verfuegunc stehenden unbesetzten Arbeitsnlaetze werden aus
- 7-

�Vashington gemeldet. In Georgia und Kalifornien sind Radiomechaniker, Instandsetzungsmechaniker, Dieselmechaniker und Instrumentenmacher sehr gesucht.
Die Herstellung von Dauer- und Verbrauchsguetern konnte bisher noch der gesteigerten Nachfrage der Verbraucher gerecht werden,
sie wurde jedoch durch die Korea-Krise und die Besorgnisse einer
Verknapnung und einer Materialrationierung weiterhin angeregt.
Der Mangel an Facharbeitern in der Metallverarbeitung und dem
Baugewerbe, der sich in weiten Teilen des Landes bemerkbar machte,
hat sich im allgemeinen bislang, noch nicht nachteilig auf die
Produktion ausgewirkt.
Der Mangel an gelernten Arbeitern des Baugewerbes, der im
^"ai Tnur ausfteniganGegenden rarichtet wurde, hatte sich bis
zum uli fast Liuf alle Bezirke ausgedehnt. An naechster Stelle
auf der Liste der fehlenden Berufe stehen Maschinen-, Zlektround - Flugzeugingenieure, Maschinisten, .Verkzeugmacher und .Verkzeugzeichner. ^uch die meisten Zentren der Flugzeugindustrie
klagen ueber Facharbeitermangel. In einem Falle fehlte es 30gar
an angelernten Monteuren. V.'eitere Schwierigkeiten ergaben sich
fast in allen Bezirken in der Suche nach gelernten Giessereiarbeitern, Konstrukteuren und Facharbeitern in der Bekleidungsmaschinenindustrie, Automechanikern und erfahrenen Bueromaschinenarbeitern, aber auch Buerofachangestellteiiund Stenografen. Die
ausserbezirkliche "A'erbung von gelernten Arbeitskraeften nahm mit
Ausnahme der Bauberufe zu, von denen man weiss, dass sie in
allen Bezirken knapp sind.
US Department of Labor
Buereau of Employment Security:
The Labor Market and Emoloyment Security
50/9 Washington
AUSSENPOLITISCHE ERKLÄRUNG DES CIO
Der CIO-Kongress gab zur Aussennolitik der Vereinigten Staaten folgende Erklaerung ab:
1. Der CIO unterstuetzt die Vereinigten Staaten und die
Vereinten Nationen in ihrem "Kamnf gegen die kommunistische Aggression in Korea und gegen jede weiters Aggression der rotchinesischen Marionetten der Sowjet-Union."
2. Er unterstuetzt die Vereinten Kationen in ihren Handlungen, die ein dauerhaftes System der kollektiven Sicherheit zum
Ziel haben.
3. Sr unterstuetzt ferner alle aufrichtigen Bemuehungen um
eine allgemeine Abruestung, einschliesslich der internationalen
Kontrolle der Atomenergie, "weist jedoch mit Verachtung die falschen Friedensanpelle zurueck, wie sie in Stockholm, Sheffield
und Warschau verkuendet wurden. Diese Friedens^laene sind kommunistische Pro^arandamanoever, die ueber die exnansionistische
Aggression der Sowjetunion hinwegtaeuschen sollen.
4. Der CIO befuerwortet positive Friedensaktionen durch
energische soziale und wirtschaftliche Massnahmen, Vvie sie besonders im Punkt-Vier-Pro^ramm Praesident Trumans enthalten sind,
und begruesst als "einen Schritt in der bleichen Richtung die
unlaengst abgehaltene britische Commonv.ealth-Konferenz, auf der
Methoden zur Unterstuetzung der wirt^chaftlichen Entwicklung Suedostasiens ausgearbeitet wurden."

�5. Der CIO billigt den Schuman-Plan als ein Mittel zur
Staerkung der Einheit Europas und als ein Programm zur uebernationalen Koordinierung der Schwerindustrien des Kontinents, das
den sofortigen Abschluss eines Friedensvertrages mit Westdeutschland notwendig macht. In der Resolution heilst es jedoch, dass
9s "ein Verrat an deutschen Volke sei, wenn einige deutsche Industrielle die kommunistische ^artei durch Reklame in der kommunistischen Presse finanziell unterstuetzen.
6. Der CIO billigt den Beschluss, Mitglieder der Gewerkschaftsbewegung in hohe aussenpolitische Ausschuesse zu berufen,
"weil sich der Appell der Kommunisten an die Arbeiter richtet,
und von den Arbeitern selbst am besten abgeschlagen werden kann."
7. Der CIO fordert die Berufung von Maennern und Frauen
aus der Gewerkschaftsbewegung in die planenden, legislativen
und exekutiven Abteilungen des Aussenministeriums. Er fordert,
dass die Erfahrungen aus der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
in der Delegation der Vereinigten Staaten beim Generalrat der
Vereinten Nationen, in ihrem »Virtschafts- und Sozialausschusa
und in den verschiedenen Kommissionen und Fachorganisationen verwendet werden. "Die groesste Unzulaenglichkeit der amerikanischen
Aussenpolitik besteht darin, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung in den obersten Ausschuessen des. Landes nicht vertreten
ist." Die Tatsache, dass die Gewerkschaftsbewegung an der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (EGA) beteiligt ist,
hat viel zu den populaeren Erfolgen des Wiederaufbauprogramms
beigetragen.
8. Der CIO untorstuetzt die Bemuehungen des Aussenministeriums, mit den wirklich demokratischen Kraefteh der ganzen Welt
zusammenzuarbeiten und sie zu ermutigen.
9. Er fordert die Einstellung der wirtschaftlichen Ünterstuetzung der totalitaeren Diktaturen Franco-Spaniens und PeronArgentiniens.
Mitteilung des US Aussenministeriums
9/23/50
5I?T JAHR IBFG
Gemeinsam mit den freien Gewerkschaftern der ganzen Welt
wuerdigten die arbeitenden Maenner und Frauen Amerikas das ein.iaehrige Bestehen des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Spitzenfunktionaere der amerikanischen Gewerkschaften sprachen sich anerkennend ueber die Fortschritte aus, die der IBFG im
vergangenen Jahre bei der Foerderung der wirtschaftlichen Sicherheit und des Weltfriedens zu verzeichnen hatte.
Der CIO, der sechs Millionen amerikanische Arbeiter vertritt,
erklaerte, dass sich der IBFG in den zwoelf Monaten seines Bestehens "die Achtung ueberall da gesichert habe, wo er bekannt
ist - und das ist von einem Linde der Welt bis zum anderen."
Der CIO ht.t zusammen mit der AFL und anderen grossen Gewerkschaften der Vereinigten Staaten mitgeholfen, den Internationalen
Bund Freier Gewerkschaften zu gruenden, der der «ufgabe dient,
den Zielen und Sehnsuechten der freien arbeitenden Menschheit im
Gegensatz zu dem kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund
stimme und Cehoer zu verleihen.
- 9 -

�Besonders anerkennenswert ist die Tatsache, schreibt das
Organ des CIO, "The CIO News", dass der IBFG praktische Ziele verfolgt und nicht lediglich von der negativen Absicht als reine
OiDOsition zum Kommunismus beherrscht wird.
Dieses Organ zitierte eine Erklaerung des IBFG, in der es
hiess: "Der IBFG und die ihm angeschlossenen Organisationen widersetzen sich zweifellos der Zersetzungspolitik, die die Kommunisten innerhalb der Gewerkschaftsbewegung verfolgen. Sie bekaemnfen diese Politik jedoch nicht als ein besonderes Ziel oder
als snezielle Aufgabe, sondern nur insofern, als sie der Gewerkschaftsbewegung in ihrem Streben nach wirtschaftlicher Sicherheit,
Friede und Freiheit im »Vege steht."
Heute sind nahezu 50 Killionen Gewerkschafter in 36 verschiedenen Laendern im IBFG vertreten, obwohl er erst ein Jahr besteht.
In dem ersten Jahr ihres Bestehens ist dieser Organisation
das mitberatende otatut in der Internationalen Arbeitsorganisation,
dam .Virtschafts- und Sozialrat der Vereinten Kationen und der Organisation fuer Erziehung, Wissenschaft und Kultur in der gleichen
Organisation (UNESCO) zuerkannt worden. Sie hat in der Schweiz
ein Verbindungsbuero zur Internationalen Arbeits-Organisation eroaffr.et.
Auch in der ^rricutung regionaler Organisationen sind For.tscnritte erzielt worden, oo wurden auf einer Konferenz in der
Stadt !'exiko eine interamerikanische Organisation und spaeter in
Karachi in Pakistan eine asiatische Organisation in Angriff genommen, eine regionale Organisation fuer Westeuropa ist bereits
durchgefuehrt worden.
iCine SuissIon des IBFG bereiste Asien, eine andere wird in
Kuerze Afrika besuchen, auf Grund des Besuchs in Asien wird zur
Zeit ein Informationsbuero in Singapur errichtet.
Daily Vireless Bulletin
18/6/50
SOTTD^HBISRATH TRUM/J'S -/3KDJRT FQRlT.LlZUirC D£R äUROPAKILFä "ACH 1952
Der ehemalige Heeresminister Gordon Gray hat vor kurzem in
ainem Bericht an rraesident Truman die Fortsetzung der nichtmilitaerischen, wirtschaftlichen Hilfe der Vereinigten Statten fuer
Westeuropa ueber des Jahr 1952 hinaus, in dem der Marshall Plan
ablaeuft, empfohlen und zu den Zielen der wirtschaftlichen Aussenoolitik der USA Stellung genommen.
Praesident Truman hatte vor einiger Zeit Gray nach seinem
Austritt aus der Armee gebeten, das umfassende Gebiet der Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten im Ausland zu uebernruefen
und ueber etwaige zukuenftige Massnahmen Bericht zu erstatten.
Kaehrend der Oray-^usschuss an der Arbeit war, starteten
die nordkoreanischen Kommunisten ihren angriff in Korea. '.Vie es
in dem Bericht heisst, "ist diese Aggression ein Beweis fuer die
unmittelbare militaerische Gefahr und die Notwendigkeit, die Kraefte zur Verteidigung der freien Welt zu staerken."
NatuerlicL bedeutet dies, wie es auch offen in. Bericht von
Gray zum Ausdruck koiomt, Wiederaufruestung unter den freien Nationen; es bedeutet jedoch auf keinen Fall, das^ der wirtschaftliche
Fortschritt ueber einer berichten Wettproduktion von Maschinen- 10 -

�gewehren vergessen werden muss. "Auf wirtschaftlichem und sozialen Gebiet muessen die freien Nationen in der Offensive bleiben,"
heisst es in dem Bericht, der sodann die Grundlage der Aussenpolitik der Vereinigten Staaten in den Worten zusammenfasst: "Mithelfen, die wirtschaftlichen Bedingungen und Beziehungen zu schaffen, die zum Aufbau demokratischer Staaten notwendig sind, die
sich selbst verteidigen und ihren Lebensstandard verbessern koennen." Der Bericht geht dann naeher auf die mit dieser zweifachen
Aufgabe verbundenen besonders verwickelten Probleme ein - naemlich
einmal die Demokratien zu verteidigen und zweitens Demokratien
mit besseren sozialen Verhaeltnissen zu schaffen - und enthaelt
die folgenden Vorschlaege:
1. "Um die erforderliche Ausdehnung des westeuropaeischen
Verteidigungssystems in Uebereinstimmung mit gemeinsamen Plaenen
zu erleichtern, muessen die Vereinigten Staaten bereit sein, ihre
Hilfslieferungen, abgesehen von Kriegsmaterial, weitere drei
oder vier Jahre hindurch fortzusetzen. Der Umfang der benoetigten Hilfe haengt von den aregenwaertigen Wiederaufruestungsbemuehungen der einzelnen Laender und von deren Auswirkungen auf einzelne Wirtschaften ab. Diese beiden Faktoren werden in erster
Linie von den "^lanungsbehoerde-n fuer Wirtschaft und Produktion
innerhalb der Organisation des Nordatlantikpaktes berechnet."
2. "Die Hilfe fuer Westeuropa muss auf der Grundlage des
allgemeinen Bedarfs und nicht an Hand einzelner Projekte geplant
und getrennt von der militaerischen Unterstuetzung durch Waffenlieferungen verwaltet werden
"
3. "Die Hilfe muss so gegeben werden, dass dadurch die volle
Nutzung der europaeischen Hilfsquellen, eine gesteigerte Handelstaetigkeit unter den europaeischen Laendern und der Zusammenschluss der Wirtschaften Westeuropas gefoerdert wird; insbesondere
wird in dem Bericht gefordert, dass die Vereinigten Staaten weiterhin die europaeische Zahlungs-Union unterstuetzen, die die
Konvertierbarkeit der Waehrungen der Laender Westeuropas erleichtert."
4. "Bei der gemeinsamen Planung der Sicherheitsprogramme,
besonders in der Unterstuetzung 'Westeuropas zur Staerkung seiner
Verteidigungskraefte, muss der Bedeutung eines grossen europaeischen ExportVolumens besondere Beachtung geschenkt werden, das
das einzige Mittel darstellt, wirtschaftlich selbstaendig zu
werden, obwohl sich natuerlich die internen Verpflichtungen, die
die Wiederaufruestung mit sich bringt, auf den Verbrauchs- und
Investitionsstand auswirken werden."
5. In Anbetracht der Bedeutung der britischen Waehrung auf
dem Weltmarkt ist es besonders wichtig, Mittel und Wege zu finden,
um England bei der Wiederauf ruestung zu unterstuetzen, ohne dass
sich seine wirtschaftliche Position im üusland ernstlich verschlechtert.
Welche Zukunft bietet sich nun den Wirtschaften Westeuropas
angesichts der durch die stalinistische Aggression aufgezwungenen
Wiederauf rue st ungsbemuehunc-en?
"Westeuropa," so heisst es in dem Bericht, "duerfte sich auf
die Moeglichkeit vorbereiten, dass die Kosten fuer seine Importe
steigen, waehrend die Preise fuer seine Exporte zurueckgehen, sodass sein gegenwaertiger Fortschritt auf dem Wege zur wirtschaftlichen Selbstaendigkeit in Frage gestellt werden kann. Diese Entwicklungen bergen die grosse Gefahr der Inflation in den westeuropaeischen Laendern in sich und koennen ihre Bemuehungen zur
Verteidigung unterminieren."
- 11 -

�"Die Schwierigkeiten der westeuropaeischen Laender bestehen
nicht mehr darin, Absatzmaerkte im Ausland zu finden, sondern genuegend Waren zu produzieren, um den neuen und groesseren Bedarf
an Kriegsmaterial und den '.Cindestbedarf der Zivilbevoelkerung,
einschliesslich der fuer die wirtschaftliche Selbstaendigkeit
noetigen Exporte zu decken."
"Im Interesse der gemeinsamen Verteidigung koennen und werden
sich die westeuropaeischen Laender Einschraenkungen im Verbrauch
und den Investitionen auferlegen; es gibt jedoch Grenzen, unter
die sie nicht heruntergehen duerfen, wenn sie nicht die gesunde
Struktur ihrer Wirtschaft und ihren politischen Zusammenhalt gefaehrden wollen. Eine ausreichende Herstellungsquote von Kriegsmaterial wuerde diese Grenzen wahrscheinlich ueberschreiten, und
in dem Masse, in dem die Exporte reduziert werden muessen, verringert sich die einzige Uoeglichkeit, die diese Laender haben, um
wirtschaftlich selbstaendig zu werden."
Deshalb heisst es in dem Bericht von Gray: "Vorausgesetzt,
dass sich die westeuropaeischen Laender in angemessenem Ivtesse der
Verteidigung widmen, werden wir bereit sein, eine weitere Dollarhilfe zu leisten, um ihnen die Buerde ihrer eigenen Produktion an
Kriegsmaterial tragen zu helfen, soweit sie die Opfer uebersteigt,
die diese Laender zu bringen imstande sind."
"Vom Standpunkt unserer eigenen Sicherheit und der Sicherheit
der freien '.Veit aus ist Westeuropa das kritischste Gebiet."
In dem Bericht wird ausserdem der Frage grosse Beachtung geschenkt,' wie man es anderen Kationen leichter machen kann, mit den
Vereinigten Staaten und untereinander Handel zu treiben. Die
Vereinigten Staaten werden aufgefordert, ihr Programm der gegenseitigen Handelsabkommen fortzusetzen, durch das die Zollgebuehren
reduziert werden, ferner voruebergehend Gesetze zu bewilligen,
die fuer besondere Verbrauchsgueter eine Herabsetzung der Zollgebuehren Trermoeglichen, und die umfassenden Reformen dür Zollverfahren der ereinif ten Gta. ten weiterzufuehren. In dem Bericht wird
ausserdem eine allmaehliche Reform der amerikanischen Subventionsoolitik fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse und der Verteilung
ueberzaehli'Kcr Erzeugnisse empfohlen, wenn diese die wirtschaftlichen Beziehungen mit deni ausländ behindern.
Weitere Vorschlaege erstrecken sich auf internationale Zusammenarbeit bei der ^bst-tzplanung knapper Rohmaterialien, die fuer
die Ruestungsproduktion erforderlich sind, und auf eine einzige
amerikanische 3eho:;rde, die sich mit auslaendischen Hilfs- und
anderen Wirtschaftsprogrammen befassen soll, anstelle der zahlreichen zur Zeit bestehenden Dienststellen i^ebertregen wird.
Der Ueberschuss der Exporte ueber die Importe der Vereinigten
Staaten ist im Laufe dieses Jahres, als die stalinistisphe Aggression
das '.Veitbild so sehr veraenderte, geringer geworden. In dem Bericht
wird festgestellt, dass der bisherige stetige Exportueberschuss
tatsaechlich verschwunden ist, was teilweise auf die Tatsache zurueckzufuehren sei, dass Amerika aufgrund der Anregung der Ifarshall^lan-Vorwaltun^ in Europa wieder Einkaeufe taetigt.
ECri Labor Information
11/17/50
Dir. „ ^ T T L O ; - .

DI::T,AOK TRITT I P DIE FU^STAPFIT UITLERS

Der Diktator Tuan Peron von Argentinien tritt .letzt in die
Fusstapfen eines anderen Tyrannen der Heuzeit.
- 12 -

�So wie Hitler es in Deutschland vorexerzierte, so war Peron
von Anfang an bestrebt, die freien Gewerkschaften zu zerstoeren,
heisst es in "Free Labour World", dem Monatsblatt des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften. Ein Beweis hierfuer ist die
Tatsache, dass der 90-taegige Streik der Gewerkschaft der Seefahrer und verwandter Berufe mit einer Niederlage geendet habe.
In einigen Beziehungen ist Peron schlauer als Hitler. Durch
Bestechung und Versorechungen hat die Ein-Mann-Regierung Argentiniens eine Anzahl Gewerkschaftsfuehrer fuer sich gewonnen, "die
sich selbst die Ketten anlegen, die Peron fuer sie bereithaelt."
Um seine Ziele zu erreichen, hat Peron aber auch Gewalt und Mord
angewendet.
Die Foederation der Seefahrer, eine Gruppe von 20 Seefahrerund Hafenarbeitergewerkschaften, war zu der Zeit, als der Streik
begann, die letzte freie argentinische Gewerkschaftsorganisation,
die noch uebriggeblieben war. Sie verfolgte mit ihrem Streik
folgende Ziele: Die Wiedereinstellung der Arbeiter, die von der
groseen, in Regierungsbesitz befindlichen Schiffahrtsgesellschaft
Dodero entlassen worden waren; die Durchfuehrung eines Abkommens,
das vom Transportministerium unterzeichnet war, und nach dem ein
gemeinsames Komitee zu bilden war unter Anerkennung des Rechtes
der Gewerkschaften, ihre eigene Gewerkschaftspolitik zu betreiben.
Die Internationale Transoortarbeiterfoederation, der die argentinische Foederation angeschlossen war, sagte sofort ihre Unterstuetzung in diesem Streik zu. Sie erklaerte einen Boykott gegen
argentinische Schiffe in allen Haefen der Welt. Hafenarbeiter
anderer Laender weigerten sich, auf argentinischen Schiffen zu
arbeiten. Trotzdem gelang es Peron, die streikenden Gewerkschaften
nach 90 Tagen zum Nachgeben zu zwingen. Die Gewerkschaften erklaerten, dass ihre wirtschaftliche Widerstandskraft erschöpft sei. Und
so war es tatsaechlich.
Peron und seine beruehmte Frau Evita wandten einige bewaehrte
Methoden an, um den Streik zu brechen. Auf der einen Seite wurde
die traditionsgemaess stark antikommunistische Internationale Transportarbeiterfoederation als "offenkundig kommunistisch durchsetzte
Organisation" verschrieen. Auf der anderen Seite bezeichnete dagegen Evita den Seefahrerstreik selbst als eine "vorwiegend kapitalistische Machenschaft." Zufaellig ist Evita der /irbeitsminister
ihres Mannes fuer alle praktischen Zwecke.
Die Seefahrerfoederation war diu letzte freie Ge\.erkschaftsgruooe, nachdem Peron mit Evitas Hilfe andere grosse Streiks gebrochen und die Gewerkschaften zerschlagen hatte. La November 1949
streikten die Arbeiter der Zuckerindustrie der Provinz Tucuman,
um hoehere L )ehne zu erzielen. Unlaengst wurden sieben Arbeiter
festgenommen, weil sie eine "illegale" Versammlung abgehalten hatten. Sie wurden von Perons Leuten misshandelt, sie versuchten"Gestaendnisse" aus ihnen herauszupressen. Ein Arbeiter namens Carlos
Aguirre wurde hierbei getoetet. Sein verstuemmelter Leichnam wurde
von einem der Polizisten "gefunden", die ihn festgenommen hatten.
Vor diesem Streik wurde bereits ein Ausstand der Gewerkschaft der
Arbeiter der Fleischverarbeitungsindustrie niedergeschlagen.
Die falschen Vorstellungen, die man sich ueber Peron gemacht
hatte, brachen vor drei Jahren zusammen, als Vertreter der AFL und
der amerikanischen Eisenbahnergewerkschaften auf eine persoenliche
Einladung des Diktators Argentinien besuchten. Peron dachte natuerlich, dass er alles gut verborgen habe, sonst haette er die
Amerikaner nicht nach Argentinien gerufen. Hierin hatte er sich
jedoch getaeuscht. Die amerikanischen Gewerkschafter stellten ihn
in einem Bericht ueber ihre Reise voellig bloss.
- 13 -

�Die Amerikaner entdeckten, dass Peron zwei Methoden anwandte,
um die Kontrolle ueber die Gewerkschaften zu erhalten. Einmal
versagte er ihnen die gesetzliche Anerkennung, die sogenannte
"personeria gremial", die argentinische Gewerkschaften benoetigen,
um legal zu sein. Zum andern beauftragte er seine eigenen
"administratoren" mit der Leitung der Gewerkschaftsangelegenheiten. Die Administratoren entzogen entweder den gewaehlten Funktionaeren einer Gewerkschaft alle Macht oder sie liessen solange
waehlen, bis solche Kandidaten einen Wahlsieg davontrugen, die
der Regierung genehm waren. Selbst Josef Stalin haette dies nicht
viel besser fertig bringen koennen.
SHORTS
Labor Fress Association
X/27/50
US-GEWERKSCHAFTEN GEGEN 45-STUNDEN WOCHE
Die Gewerkschaftsbewegung hat sich gegen die 45-Stunden Woche
ausgesprochen, die von dem Praesidenten der General Motors C. E.
Wilson vorgeschlagen worden war. Die Gewerkschaften sind gewillt
und bereit, zu den Verteidigungsbemuehungen beizutragen, aber
die Gewerkschaftsfuehrer sind der Meinung, dass die Industrie in
der Lage ist, fuer die laengere Arbeitszeit die uebliche Ueberstundenbezahlung zu gewaehren.
Wilsons Vorschlag, in der jetzigen Zeit des Notstands erst
bei 45 Stunden mit der Ueberstundenbezahlung zu beginnen und nicht
bei 40 Stunden, wie es die geltende bundesstaatliche Gesetzgebung
vorsieht, sollte eine Loesung des Problems des Mangels an Arbeitskraeften darstellen. Seit Mitte des Jahres belief sich die durchschnittliche Arbeitswoche der 12.900.000 Arbeiter der US-Industrie
auf ueber 41 Stunden. Die Sprecher der Gewerkschaften wiesen
darauf hin, dass sich die Gestehungskosten mit der Verlaengerung
der Arbeitswoche senkten, und bewiesen an Hand statistischer Unterlagen aus dem Zweiten Weltkrieg, dass sich die Gestehungskosten
selbst bei betraechtlichen Ausgaben fuer Ueberstundenarbeit nicht
erhoehen.
Ein Vertreter der AFL erinnerte daran, dass der Kongress der
AFL in Houston in Anbetracht der notwendigen Massnahmen zur Verteidigung seine Resolution fuer die Durchfuehrung der 30-Stunden
Woche aufgeschoben habe.
Die Vereinigten Automobilarbeiter des CIO erklaerten sofort,
dass sie mit dem Vorschlag Wilsons nicht einverstanden seien.
Der Sekretaer der VAA, Emil Masey, sagte woertlich: "In dem bundesstaatlichen Gesetz ueber Loehne und Arbeitszeit und in den Vertraegen der Automobilarbeitergewerkschaft gibt es keine Bestimmung, die
die Industrien darin hindert, mehr als 40 Stunden in der Woche
arbeiten zu lassen, um den zivilen Bedarf und den fuer die Verteidigung erforderlichen zu decicen."
"Der Praesident der General Motors Wilson schlaegt lediglich
vor, die Arbeiter woechentlich fuenf Stunden laenger arbeiten zu
lassen, ohne ihnen diese Ueberstunden bezahlen zu wollen, wozu
die Gesetze und Vertraege die Unternehmen verpflichten.-"
"Die Automobilarbeitergewerkschaft hat zweimal in diesem Monat darauf hingewiesen, dass die Gewinne der Automobil- und Automobilzubehoerproduzenten skandaloese Ausmasse angenommen haben.
Wenn dauernde Ueberstundenarbeit notwendig wird, reichen diese
Profit© gewiss bei weitem aus, um die Unkosten decken zu koennen,
- 14 -

�ohne dass die Regierung oder Privatkaeufer fuer Automobile hoehere Preise zahlen muessen."
Mazey vertrat die Auffassung, dass Krediteinschraenkungen,
die den Verkauf von Automobilen gedrosselt haetten, ferner der
Mengel an Stahl und anderer Materialien sowie noch nicht erteilter
Ruestungsauftraege "zumindest fuer eine gewisse Zeit Betriebsstillegungen und Arbeitslosigkeit, aber keinen Mangel an Arbeitskraeften zur Folge haetten."
Am darauffolgenden Tage berichtete die Lokalgewerkschaft Fr.
6C0 der Automobilarbeiterg^werkschaft (Ford-Betriebe), dass die
Ford Motor Connany beabsichtige, "sofort" eine Betriebsstillegung
vorzunehmen, wodurch 15% der 65.000 Arbeiter der Fabrik Rouge
ihre Arbeit verlieren wuerden.
In Telegrammen an Fraesident Trumen, "'. Stuart Symington,
den Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsausschusses zur
Ueberwachung und Sicherung der Hilfsquellen des^Landes, an Henry
Ford II und '"alter Reuther, den Vorsitzenden der Automobilarbeitergewerkschaft, erklaerte der Vorsitzende dieser Lokalgewerkschaft,
Carl Stellatoi: ".Vir stehen vor sofortigen Entlassungen unserer
Mitglieder auf Grund der angekuendigten Produktionskuerzungen fuer
Automobile."
Stellatoi stellte folgende Forderungen: Die Aufhebung der
Kontrollen fuer Kredite mit einem Drittel Anzahlung und 15 Moneten
AbZahlungsfrist; die Erweiterung der Produktionskapazitaet privater Stahifirmen mit der von der Regierung gesteuerten Stahlerzeugung als Alternative; eine Ueberpruefung der Ruestungsauftraege, um zu verhueten, dass zur Zeit arbeitende Betriebe Arbeiter
entlassen muessen; festzustellen, inwieweit Mangel en allen wesentlichen Materialien herrscht; und schliesslich eine groessere Beteiligung der Gewerkschaften an den Entscheidungen, die mit der
Kriegs- und Zivilproduktion in Zusammenhang stehen.
Sprecher der Gesellschaften erklaerten, die Betriebsstillegungen seien nur voruebergehender Natur und durch Umstellungen
auf neue Modelle bedingt.
SHORTS
Labor Press Association
X/27/50
DER GK'-'ERKbCII^FTSKONGRESS DER SCHYJEIZ
Interne Angelegenheiten der Schweiz und der Anschluss an den
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften beschaeftigten den 31.
Jahreskongress der schweizerischen Gewerkschaften.
Der Beschlusss, dem IBFG beizutreten, fuer den mit 325 gegen
22 Stlamen gestimmt worden war, war der letzte Akt einer dreitaegigen Sitzung, die in der Kongresshalle in Luzern stattfand.
Nahezu 500 Personen nahmen an den Sitzungen teil, von denen
375 Delegierte waren, die fest 400.000 organisierte Arbeiter der
Schweiz repraesentierten.
Einer kleinen kommunistischen Gruppe gelang es nicht, die Arbeit des Kongresses zu behindern. Zu Beginn der Sitzungen hatten
die Kommunisten bei einer Abstimmung ueber eine Resolution, die die
bundesstaatlichen Finanzreformen unterstuetzoe, den 335 Stimmen 16
ablehnende gegenueberstellen koennen. Dieser Resolution lag die
- 15 -

�Ueberzeugung der schweizerischen Gewerkschaftsbewegung zugrunde,
dass das Steueraufkommen der Zentralregierung nicht ausreicht, um
die lebenswichtigen allgemeinen Beduerfnisse decken zu koennen,
und dass die einzelnen Kantone ueber zuviel Steuergewalt verfue^en.
Die Resolution fordert insbesondere, dass- die Gewerkschaften diese
Steuerreformen unterstuetzen, *venn das Schweizer Volk in einer Urabstimmung ueber sie zu entscheiden hat.
Der Generalsekretaer des Kongresses Giacomo Bernasconi ist
der Ansicht, dass die Kommunisten durch ihre fruehzeitige und
ueberwaeltigende Niederlage mutlos wurden. Infolgedessen wurden
alle uebrigen Resolutionen zu internen Fragen einstimmig angenommen. Auch der Verwaltungsbericht der Exekutive fuer die vergangenen drei Jahre fand die Zustimmung des Kongresses.
In den vom Kongress angenommenen Resolutionen wurde eine Gesetzgebung gefordert, die
1. allen Kollektivvertraegen eine gesetzliche Grundlage gibt.
Gegenwaertig unterliegen nur einzelne, von der Regierung anerkannte Vertraege der Gerichtsbarkeit der Gerichtshoefe.
£. die verschiedenen Arbeitsgesetze in einem umfassenden, modernen Gesetz zusammenfasst, das vor allem die Verkuerzung der Arbeitszeit entsprechend der jeweiligen Entwicklungsstufe der Industrie
vorsieht, den jungen Arbeitern in Uebereinstimmung mit den bestehenden internationalen Konventionen den vorgesehenen Schutz gewaehrt,
den Arbeitern die Beteiligung an der Verwaltung der sozialen Einrichtungen sichert und die Unfallversicherung verbessert.
3. die staatliche Kontrolle ueber das private Transnortgewerbe in bezug auf Tarif-, Ladunga-, und Entfernungsbestimmungen erweitert, um eine bessere Grundlage fuer die Tarifverhandlungen der
Gewerkschaften zu schaffen.
4. die Lebensversicherungsoraemien fuer selbständige Arbeiter
senKt und groessere Sicherheit gegen eine missbreeucMiche Verwendung der Lebensversicherungsfonds fuer andere Zwecke bietet.
5. die Bestimmungen ueber Arbeitslosigkeit revidiert, damit
die Unternehmer groessere Beitraege an die Arbeitslosenversicherung
zahlen und zwar als Kopf- und nicht als Pauschalbetraege, und die
gegen den I^issbrauch der Arbeitsvermittlungsbueros gerichtet ist,
die an Arbeitslose Arbeitsolaetze vermitteln sollen.
In einer anderen Erklaerung von internationaler Bedeutung brachte der Kongress warnend zum üusdruck, dass der Konflikt in Korea
und seine wirtschaftlichen Folgen die Stabilitaet der Preise in
der Schweiz gefaehrdet und die bisherigen Erfolge im Kampf gegen
die Inflation in Frage stellt. Durch die Wiederaufruestung, heisst
es in einer einstimmig angenommenen Resolution, stiegen die Preise
an, und die Regierung hat noch keine Gegenmaßnahmen ergriffen.
Die Gewerkschaften waren mit der Aufhebung der Preiskontrollen
nicht einverstanden und sprachen die Warnung aus, dass sie sich das
Recht vorbehielten, die Lbehne zukuenftigren Steigerungen der Lebenshaltungskosten anzupassen.
ECA Labor Informa-tion
- 16 -

HKCC (11-12-50) 21U 5 U 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEIUIHGEN
DU folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzulassen.

111

~

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Frankfurt, 15. Dezember 1950

I K H A L T S V E R Z E I G H N I S
Besteuerung uebermaessiger Unternehmergevinne in
den USA gefordert - - - - - - - - - - - - - Regierungspolitik, Gewerkschaften und SchlQsselindustrien - - - - - - - - - - - - - - - - Eugenie Anderson spricht zu daenischen Gewerkschaftern - - - - - - - - - - - - - - - - - VMa Kapitalien fuer Anlageguetsr verfuegbar - Pensionsfonds fuer hollaendische Bauarbeiter - Hauptziel des Punkt-Vier-Programms ist Produkte onsSteigerung - - - - - - - - - - - - - - Leiter der ECA fordert gerechte-en Anteil fuer
die Arbeiter - - - - - - - - - - - - - - - V/illiam G-rsen fordert sofortige Preiskontrollen
Parkman: Weltfriede haengt von der Haltung
europaeischer Arbeiter a b - - - - - - - - - -

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BESTEUERUNG UEBKRTIASSSIGER mTTERNEffiOLRGEA'INNE IN DEN USA GEFORDERT

Der amerikanische Finanzsekretaer John B. Snyder hat den zustaendigen Ausschuss des Repraesentantenhauses ersucht, eine
Steuer auf uebermaessige Gewinne grosser Gesellschaftsunternehmen
zu bewilligen.
Diese Steuer soll dann auferlegt werden, wenn die Gewinne
eines Unternehmens 75$ seiner in den drei besten Jahren des Zeitraums 1946 - 1949 erzielten Profite ueberschreiten. Auch das
investierte Kapital soll bei der Berechnung der Steuer zugrundegelegt werden, wenn die Gewinne des Unternehmens auf dieser Basis
einfacher zu errechnen sind.
Obwohl Snyder eine vorbereitete Erklaerung vorl .s, die eine
meisterhafte Darlegung vieler Gesichtspunkte darstellte, die im
- 1-

�Zusammenhang mit einer Steuer fuer uebermaessige Gewinne eine
"tolle snielen, stellte er, nachdem Kongressmitglieder Fragen an
ihn richteten, erneut unter Beweis, dass er im Grunde ein konservativer Finanzmann ist. Vor seiner Berufung ins Kabinett
war er Bankier in St. Louis.
Snyder brachte seinen Antrag ein, nachdem Praesident Truman
am Tafe zuvor den Vorsitzenden des Ausschusses, Bob Doughton aus
"ord-Karolina, ersucht hatte, eine Steuer fuer uebermaessige Gewinne rueckwirkend bis zum 1. Juli 1950 einzufuehren. Snyder
weigerte sich .'edoch, dieses Saturn der Rueckwirkung zu befuer.j .arten, und man ..eiss, dass er da_..it üiclit einverstanden ist.
Seine Antworten auf verschiedene Fragen bewiesen ausserdem, dass
er in bezug auf dieses Gesetz kein uneingeschraenkter Fuersprecher des Fair Deal ist.
Snyders Srklaerungen zufoLre würde die Vervvirklichung des
Regierungsvorschlags das Steueraufkommen des mit dem 1. Juli
1950 beginnenden Haushaltsjahres 1951 um vier Milliarden Dollar
erhoehen. Er forderte jedoch, dass der Kongress keinen Termin
festlegt, an dem das Steuernrogramm beendet sein soll, das sich
ueber eine Reihe von Jahren erstrecken wird. Er wies darauf
hin, dass dieser Vorachleg zu einer Besteuerung uebermaessiger
Gewinne nur ein Vorlaeufer anderer, noch einschneidenderer Vorschlao.-e sei, mit denen man rechnen muesse, sobald das Verteidicungsprogramm im Gange sei.
Die Gewinnsteuer vvuerde auf folgende ..'eise berechnet werden:
ein Gesellschaftsuntemehmen, das wesentliche Gewinne bei der
rriegsi.-iatarial-roduktion erzielt, muesste sich zuerst entscheiden, ob drei Jahre des Zeitraums 1946 - 1949 oder sein investiertem Kapital (in dem Unternehmen investiertes Geld einschliesslich
"einbehaltener ^rsparnisse")als Steuergrundlage verwendet worden
sollen.
Nehmen wir an, dass man sich fuer einen Zeitraum entschieden
und herausgefunden hat, dass die Jahre 1947 bis 49 dem Unternehmen
nach dem Kriege die meisten Gewinne eingebracht hat. Nehmen wir
weiter an, dass sich die Gewinne in diesen Jahren durchschnittlich auf zehn Millionen Dollar beliefen. 75/o dieses Betrages sind
7.5CO.OOO Dollar, ^lle Jahresgewinne ueber diesen Betrag hinaus
unterliegen einer oesteuerung fuer uebermaessige Gewinne, die
ueber 75;0 hinausgehen. Die "normalen" Gewinne dagegen werden
nach der regulaeren Gesellschaftseinkommensteuer mit -±5/0 versteuert.
Snyder lehnte die Vorschlaege des Komitees fuer V.'irtschaftliohe Entwicklung und rationalen Fabrikantenverbandes (National
Association of Manufacturers) ab. Das Komitee fuer 'Virtschaftliche Entwicklung hatte eine einfache Erhoehung des Steuersatzes
fuer Unternehmereinüommen vorgeschlagen. Snyder erwiderte, dass
damit alle Gesellschaftsunternehmen unterschiedslos eine Steuer
von 57/o zanlen muesrsten, wodurch "sich das Verteidigungsprogramm
noch unterschiedlicher auswirken und solchen Unternehmen, deren
-ankommen zurueckgehen, besondere Eaeiten auferlegen v.uerden." Er'
erklaerte ausserdem, er habe zusammen mit seinen Mitarbeitern
einen Vorschlag des Nationalen Fabrikanten-Verbandes "in Betracht
gezogen", der vorsieht, keine Steuer auf uebermaessige Gewinne
einzufuehren, den gegenwaertigen Steuersatz fuer Unternehmereinkommen zu senken und den Unternehmern eine Umsatzsteuer aufzuerlegen, die letzten Endes die Verbraucher bezahlen muessten.
Der Sekretaer fuehrte weiter aus, dass der Praesident mit der
.•teuer fuer uebermaessige Gewinne drei Ziele zu erreichen gedenke:
- 2

�Die gesteigerten Kosten fuer die Produktion von Kriegsmaterial zu
decken, der Inflation zu begegnen und die grossen Gewinne bei der
Kriegsmaterlelproduktion zu versteuern. Kr wollte jedoch nioht
den 3indruck erweoken, dass er sich den Wuenschen des Praesidenten
ansohliesse.
Daily !Tews Service
11/5/50
John 'V. Gibson, stallvertretender US-Arbeitsminister:
•^GI^RUNG: POLITIK, GS"::JRKSCE,.FTZN UND

5c;;iuzoszLinDi;s?RiEN

2s ist noch ^arnicht allzu lange her, dass das Interesse
der amerikanischen Regierung am Tarifverhandlungswesen, offen gesagt, ziemlich negativer ^rt gewesen ist. Jene Arbeiter, die
3ich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zu gewerkschaftsaehnlichen
Vereinigungen zusammenschlössen, wurden als Verschwoerer gegen
ihre Arbeitgeber Gerichtlich verfolgt. Diese wirksamen Gegenmassnahmon fuehrten dazu, dass jene Maenner und Frauen, die nach Gerechtigkeit bei den r-'aennern suchten, an deren 1,'aschinen sie arbeiteten, in ihren Bemuehungen behindert und enttaeuscht wurden.
Vor mehr als einhundert Jahren wurde diese negative Einstellung der Regierung zun; erstenmal durchbrochen. Im Jahre 1841 erklärte ein staatlicher Gerichtshof in Lissachusetts, dass der
Zusammenschluss der ^rbeiter in Gewerkschaften eine legale Handlung sei. Doch selbst nach dieser Zeit wurden die Unternehmer in
ihrer antigewerkschaftlichen Taotigkeit aatuerlich keineswegs behindert. Von 1341 bis zum Beginn des New Deal wandelte sich die
ufsnruenglich gewerkschaftsfaindliche Haltung der Regierung in
glsichgueltige Neutralitaet. Rein technisch gesehen hatten die
Arbeiter das Recht, sich zu organisieren; Gleichzeitig jedoch waren die Unternehmer berechtigt, alle Arbeiter zu entlassen, die
von diesem ihren Recht Gebrauch machten, «ngesichts der groesseren wirtschaftlichen Staerko der Unternehmer hoben sich diese beiden Rechte nicht nur gegenseitig auf, sondern die "neutrale" Haltung der Regierung war in ihrem Zndeffekt praktisch eine Unterstuetzung der Unternehmer. Die Zeit der sogenannten Neutralitaet fanl
mit der Bewilligung des Gesetzes von Norris LaGuardia im Jahre
1932 ihr Ende, in den die unglueckseligon, sogenannten "yellowdog"-Vertraege ("gelbe Hunde") fuer ungesetzlich erklaert und es
den privaten Vertragspartnern unmoeglich gemacht wurde, gesetzliche
Streikverbote gegen die Gewerkschaften durchzusetzen.
I"xellow-dogn-Vertraege enthalten die Bestimmung, dass der Arbeiter keiner Gewerkschaft angehoeren darf, andernfalls er sich mit
seiner Entlassung einverstanden erklaert).
Mit Beginn des New Deal begann ein neuer abschnitt in der Entwicklung der Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern,
3ine Zeit, in der die Regierung keine uninteressierte neutrale
Haltung mehr in der Frage der Kollektivverhandlungen einnahm. Sie
erklaerte stattdessen eindeutig und unverbruechlich, dass sie gewillt
sei, das Koalitionsrecht der Gewerkschaften zu schuetzen. Garantiert
wurde dieses Recht zum erstenmal im Nationalen ..iedeT*sufbau Gesetz
(National Recovery ^ct). Innerhalb von 40 Tagen, nachdem dieses
Gesetz fuer verfassungswidrig erklaert worden war, unterzeichnete
Rrassident Roosevelt dann das Gesetz zur Regelung der Beziehungen
zwischen Arbeitgebern und /irbeitnelimern (National Labor Relatiöns
Act). Dieses Gesetz, das gewoehnlich als '7a ^ner-Gesetz bezeichnet
wird, ist seitdem fuer die Sevoelkerung der Vereinigten Staaten der
Ausgangspunkt fuer eine fortschrittliche Arbeitsgesetzgebung gewesen.
- 3-

�Sa hat der nationalen Politik eine neue Form gegeben, indem.es
die Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften,
die naturgeniaass die .Virtschaft in Mitleidenschaft ziehen, in
die Intere33ensohaere der Bundesregierung einbezog. In dem Gesetz wird festgestellt, dass unzulaenrliche Beziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf die "Veigerung der Unternehmer
zurueckzufuehren sind, ihren Arbeitnehmern das Tarifverhandlungsrecht zuzugestehen. Sa heisst darin nicht nur, dass Tarifverhandlungen erlaubt sind - diese Politik war seit vielen Jahren
betrieben worden - sondern der Kongress ging weiter und erklaerte, die Regierung beguenstige TarifVerhandlungen. In der Zwischenzeit waren die Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den Vereinigten Staaten einer Untersuchung unterzogen worden, die die Ursachen dieser Streitigkeiten und ihre
nachteiligen Auswirkungen auf die Wirtschaft als Gesamtheit beleuchtet hatte. Diese Ergebnisse fuehrten zu der Folgerung, dass
die Arbeiter erxuutigt werden muessen, sich Organisationen anzuschliessen, die fuer sie mit den Arbeitgebern verhandeln. Das
Gesetz stellte jedoch nicht nur eine blosse Erklaerung zu der
neuen Politik der Regierung dar. Es errichtete ausserdem einen
Rahmen, in dem diese Politik zur Ausfuehrung kommen sollte. So
wurde der Bundesausschuss fuer Arbeitsfrageh (National Labor Relations Board) geschaffen, der seine Entscheidungen im Falle einer
Verletzung dieser Rechte zu treffen hatte, und dem es oblag, eine
Einrichtung in Funktion zu setzen, deren Aufgabe es war, eine demokratische Schlichtungsmethode auszuarbeiten, durch die mit Hilfe
von Abstimmungen ueber Tarifverhandlungen und unter Vermeidung
von Streiks festzustellen war, ob die Arbeitnehmer wuenschen,
durch eine Gewerkschaft in Tarifverhandlungen ::iit den Arbeitgebern vertreten zu werden.
Bei einer solchen Teuerung mussta natuerlich mit einer hartnaeckigen Opposition gerechnet werden. Diese Opposition kam
zwoelf Jehre spaeter zun Erfolg, als es ihr gelang, die Bewilligung des Taft-Hartley-Gesetzes durchzusetzen. Das Wagner-Gesetz
hatte jedoch auf die Gemueter der arbeitenden Menschen der Vereinigten Staaten einen solchen Eindruck gemacht, dass die Urheber
des Taft-Hartley-Gesetzes nicht umhin konnten, wenigstens nach
aussen hin die Ziele des Wagner-Gesetzes zu uebernehmen. Sie taten dies, indem sie die in dem .Vagner-Gesetz enthaltene Erklaerung
aufrechterhielten, die besagt, dass Tarifverhandlungen im Sinne
der Politik der Vereinigten 'Staaten gefoerdert werden muessen. Die
Bestimmungen des Taft-Hartley-Gesetzes widersorechen jedoch den
in diesem Gesetz festgelegten Zielen.
Um eine Basis zu schaffen, von der aus die Arbeitspolitik der
US-Regierung eroertert werden kann, muss gezeigt werden, in welcher Hinsicht das Taft-Hartley-Gesetz der in ihm zum Ausdruck gebrechten Absicht widerspricht, das Koalitionsrecht der Arbeiter
schuetzen zu wollen. Nach dem Wu.^nor-Gesotz waren die Unternehmer
verpflichtet, mit den Gewerkschaften zu verhandeln. Nachdem die
beiden Parteien jedoch uebereingekommen sind, bleiben sie nach
diesem Gesetz bei der Bearbeitung ihrer Probleme sich selbst ueberlassen. Nach dem Teft-Hartley-Gesetz dagegen bleibt die Regierung
bei den Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften
nicht ausgeschlossen, sondern sie zwingt den beiden Parteien ihre
Entscheidungen selbst dann auf, wenn die Verhandlungen schon im
Gange sind. Die Regierung ist in dieser Laste mit einer unerwuenschten Schwiegermutter zu vergleichen, die den Jungverheirateten nach
der Hochzeit niciit von der Seite weicht und dadurch den Neuvermaehlten die vercbredeten Plaene vereitelt.
Experten auf dem Gebiet der Beziehungen zwischen Arbeitgeber
und Arbeitnehmer sind der Ansicht, dass, nachdem die Rechte beider
- 4-

�Parteien stabilisiert sind und sie von diesen Rechten freien Gebrauch machen koennen, die Regierung bei TarifVerhandlungen solange
nichts zu suchen hat, bis es die Umstaende erfordern, dass sie
sich einschaltet, um die Streitfragen schlichten zu helfen. V/ie
verschieden sind aber die Ziele, die man mit dem Taf t-HartleyGesetz verfolgt:
Nach seinen Bestimmungen mischt sich die Regierung in die
Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ein und erklaert zum Beispiel, sie sollten sich nicht fauf die sogenannte
"closed-shop" Betriebsform einigen, selbst wenn sich dieses System
in ihrer Industrie jahrelang bewaehrt hat. (Ein "closed-shop" tat
ein Betrieb, in dem ^eder gewerkschaftlich organisiert
sein muss). Die Regierung erklaert den Gewerkschaften - nicht
den Unternehmern - dass sie ihrer! Finanzbericht der einen Behoerde
und eidesstattliche, schriftliche Erklaerungen ueber die Fichtzugehoerigkeit der Funktionaere zur kommunistischen Partei einer
anderen vorlegen ^auessen, bevor sie die Regierung um eine Zusicherung ihrer Rechte ersuchen. Sie erklaert der Gewerkschaft ausserdem, dass sie einen "union-shop" Vertrag nur dann beantragen kann,
wenn zuvor eine Abstimmung stattgefunden hat, bei der sich die
Mehrheit aller Wahlberechtigten dafuer ausgesprochen bat, dass die
Gewerkschaft eine derartige Vertragsbestimmung beantraft. Auf
diese und viele andere Arten des Einflusses sitzt die Regierung
am Verhandlungstisch und mehrt an die Rechte beider Parteien. Die
^•fcierung ist damit zum erstenmal in der Geschichte der USA in
die Substanz und nicht nur in das Verfahren der Tarifverhandlung
eingedrungen. Dies ist ein fuer die Arbeiterschaft und auch fuer
die Unternehmer gefaehrlicher Praezedenzfall.
Es ergibt sich nun die Frage, welcher Platz der Regierung auf
dem allgemeinen Gebiet der KollektivVerhandlung zukommt. Die Regierung selbst stellt eine Verschmelzung zweier entgegengesetzter
Tendenzen dar. Auf der einen Seite ist sie "ein Mononol des
Zwangs" - sie legt den Buergern Beschraenkungen in ihren Taetigkeiten auf, wenn diese Taetigkeiten mit den Freiheiten anderer
nicht zu vereinbaren sind. Unter diesem Blickwinkel sind diejenigen, die am wenigsten regiert werden, am besten regiert. Die entgegengesetzte Tendenz ist die der Zusammenarbeit. Die Regierung
hilft den Buergern, sich gegenseitig zu helfen. Die ^erschraelzunsdieser beiden Tendenzen bestimmt den Charakter einer jeden Regierung. In einer Demokratie werden die Aspekte des Zwangs, den die
Regierung ausuebt, auf ein Minimum reduziert, und die Momente
der gegenseitigen Selbsthilfe auf ein Maximum ausdehnt.
Die allgemeine Politik der USA-Regierung in der Arbeitsgesetzgebung muss aus zwei Gruenden durch eben diese Betonung der
gegenseitigen Selbsthilfe gekennzeichnet sein: sie ist dadurch
demokratischer, und sie funktioniert besser.
Als Charles 2. Wilson, der Praesident der General Motors, im
Jahre 1947 vor dem Senatsausschuss fuer Arbeitsfragen sein Gutachten erstattete, wies er auf die Tatsache hin, dass seine Gesellschaft von dem Nationalen Ausschuss fuer Arbeitsfragen (National
Yar Labor Board) in der Kriegszeit gezwungen worden war, eine Bestimmung in ihren Vertrag mit der Gewerkschaft aufzunehmen, nach
der die Arbeiter verpflichtet waren, ihre Mitgliedschaft in der
Gewerkschaft aufrechtzuerhalten. Er wies auf seine damalige Erklaerung hin, in der er sich gegen die Annahme einer solchen Vertragsbestimmung ausgesprochen hatte:
"Die General-Motors Gesellschaft ist der Auffassung, dass die
Gesetze der Vereinigten Staaten so beschaffen sind, dass jeder freie
waehlen kann, ob und welcher Gewerkschaft er angehoeren will. Und
- 5 -

�damit haiton wir an unserer Ueberzeugung fest, dass es unangebracht
ist, eine Gesellschaft zu zwingen, ihren Arbeitnehmern die Aufrocht«erhaltung ihrer "itr-1 iedschaft in der Gewerkschaft als Beschaefti"unp'sbedingunn* t.uf zuerleren. "
?Tj.cr: dien friere war das gleiche Unternehmen und die Gewerkschaft in einen langwierigen Streik verwickelt, Siner der umstrittensten ""unkte war die Aufrechterhaltung- der !*itgliedschaft in
der Gev. arhschaft. Dieses Problem wurde schliesslich dadurch geloest, dass sich die Gewerkschaft mit der Beibehaltung des Systems
der Si.nziehung der Ge..erkschaftsbeitracge durch das Lohnbuero
einverstanden erklaerte. Das Verfahren der Kollektivverhandlung
in einer freien Gesellschaftsordnung hat die Haltung der beiden
Parteien inzwischen jedoch soweit geaendert, dass sie sich in dem
ausgezeichneten Fuenf .Jahresvertrag auf eine Bestimmung ueber gewerkschaftliche Sicherheit einigen konnten, die noch wesentlich
weiter geht als die Klauseln, gegen die nilson waehrend und unmittelbar nach dem Kriege Einspruch erhoben hatte. In einer Ansprache an den Nationalen Presseklub in Washington konnte Wilson
sagen:
"Wir sind der Auffassung, dass die Vertragsbestimmungen ueber
die gewerkschaftliche Sicherheit, die das Problem der "union-3hop"
Betriebsform loesen, praktisch und durchfuehrbtr sind, und im öinre
unserer-bestehenden Arbeitsgesetzgebung liefen, sie entsprechen"
auch den '.Vuenschen der I.'ehrzahl unserer Arbeitnehmer, die unter
die Bestimmungen dieses Vertrages fallen."
Ein anderer Gesichtspunkt dieser Politik, die weit eher auf
Zusammenarbeit als auf Zwang beruht, ist die Forderung, dass die
Regierung groesseren ..ert darauf legt, Streitigkeiten auf den
Grund zu gehen als otreiks beizulegen, üin positives Programm zur
Vermeidung eines Streiks ist wichtiger als die ^rfolp-e in der Beilegung von Streiks. ±s ist Professor Feinsinger in seinem interessanten Artikel ueber die Entwicklung der Arbeitsgesetzgebung
in der letzten .Tahrhunderthaelfte ausserordentlich gut gelungen,
diesen Gesichtspunkt in .''orte zu fassen. Professor Feinsinger
sagt:
"Der industrielle Unfriede im Jahre 1950 kann nicht dadurch
behoben werden, dass man otreiks und Aussperrungen verbietet,
".'ie die Erfahrung hier und im ausländ gelehrt hat, w^ere dieser
Kurs nicht nur undemokratisch, sondern auch unwirksam. Die ^rfahrunc hat ebenfalls gezeigt, dass auf dem heiklen Gebiet der Beziehungen zwischen x^rbeitgebern und Arbeitnehmern Gewalt nur noch
staerkere Gegenkraefte erzeugt und nicht nur wirkungslos bleibt,
sondern die Achtung vor dem Gesetz untergraebt."
Was die Streitigkeiten in den Schluessel industrien betrifft,
so wird mancher sagen, "es sei recht schoen, von freiwilligen Loesungen der Probleme zwischen ..rbeitem und Unternehmern zu sprechen; wie verhalte es sich jedoch mit jenen wichtigen Industrien,
die vor d.^r Oeffentlichkeit einen streik nicht verantworten koennen? Ist in jenen Faellen ein gewisser Zwang nicht unvermeidlich?"
Z.vanp- waere als Loesung moeglich, wenn er nicht zwei \ Grundprinzipien der allgemeinen Politik der U S A widern- rechen wuerdc. Zo
schwer es auch erscheinen mag, muss die Anwendung einer schnellen
Heilmethode vermieden werden; es muss mit allen I'itteln daran gearbeitet werden, Vorkehrungen zu schaffen, durch die Streiks vermieden werden koennen.
Das Taft-Hartley Gesetz enthaelt eine otreikbestimmung fuer
Totfaelle, die jedoch erst dann 'wirksam wird, nachdem der reiste
- 6-

�I

Schaden angerichtet ist. Nan darf nicht auf T"otfaelle warten, um
zu handeln. Vor allem ist es sehr schwierig, zu definieren, was
ein Notfall ist. Die gleiche Streitigkeit in 'einer Schluesselindustrie kann oder kann auch nicht ein rotfall sein, was von den
folgenden drei Bedingungen abhaengt: erstens kann die vorherrschende wirtschaftliche Lage darueber entscheiden, ob es sich um einen
Notfall handelt oder nicht. Ein Eisenbahnerstreik kann zum BeisDiel viel eher zu einem Notstand fuehren als ein Stahl- oder Kohlestreik im Sommer. Zweitens kann auch die politische ^tnosphaere,
in der die Streitigkeiten gefuehrt vverden, darueber entscheiden,
ob ein Notstand vorliegt. In Anbetracht der heutigen internationalen Spannungen kann ein Streik in der Flugzeugindustrie viel
eher einen Notstand heraufbeschwoeren als beispielsweise v,or 15
Jahren, üin dritter entscheidender Faktor ist der Grad der gewerkschaftlichen Organisation der in die Streitigkeit verwickelten
Gewerkschaft. '-Venn nur zehn Prozent der Arbeiter einer wichtigen
Industrie organisiert sind und mit streik drohen, ist es bei weitem
nicht so bedeutungsschwer, als wenn die gesamte Erwerbsbevoelkerung
droht, die ,irbeit niederzulegen, x*uf der anderen Seite kann eine
kleine Gruppe Arbeitnehmer in einer Schluesselstellung in der Industrie das Schicksal der gesagten Industrie in ihren Haenden halten.
Das Interesse der Oeffentlichkeit an der Behandlung der Streitigkeiten in Schluesselindustrien entsteht der in den letzten
zwanzig Jahren um sich greifenden Tendenz, Schluesselindustrien zu
zentralisieren, und die bereits reoht starken Gewerkschaften in
diesen Industrien noch zu vergroessern. Industrie und Gewerkschaften betreiben in zahlreichen bchluesselindustrien eine eng koordinierte Arbeitsnolitik.
Pressemitteilung des US-Arbeitsministeriums
6/29/50
EUGENIE ANDERS CT SPRICAT ZU DAETISCITEN Gs.V^NKSC;-AFT^RN
Eugenie Anderson ist Gesandtin der Vereinigten Staaten in
Daenemark. Es ist bezeichnend genug, dass das amerikanische
Aussenministerium eine Frau nach Kopenhagen delegierte. Die daenischen Gewerkschaften schaetzen Eugenie Anderson, obwohl sie
mit der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung nur geringe Beruehrungspunkte hatte.
Eugenie Anderson berichtete in ihrer Rede zu daeni-chen Gewerkschaftern in Kopenhagen ueber die Fortschritte, die die amerikanischen Gewerkschaften in den letzten 15 Jahren erzielt haben. Von 150 "illionen ^merikanersn sind 15 Nillionen gewerkschaftlich organisierte Gewerkschafter, 1930 waren es nur drei
Nillionen. Im Gegensatz zu Daenemark und auch zu Deutschland
gibt es in den Vereinigten Sttaten fuenf groessere Gewerkschaften:
Die amerikanische Föderation der Arbeit (AFL)mit acht Nillionen
Nitgliedern, den Kongreß der industriellen Organisationen (CIO)
mit sechs Nillionen Nitgliedern, die Bruderschaft der Eisenbahner,
die Vereinigte 3ergarbeitergewerkschaft und die Unabhaengige Naschinistenge werkschaft.
Alle diese Gewerkschaften arbeiten gemeinsam mit den uebrigen kleineren Verbaenden unablaessig an der wirtschaftlichen Besserstellung der Arbeiterschaft. Dies ist jedoch nicht nur auf dem
",'ege ueber Tarif Verhandlungen geschehen, sondern auch durch den
Einfluss der Gewerkschaften auf die Arbeitsgesetzgebung. So betrug die Zahl der Arbeitsstunden in der V.'oche bereits im vergangenen Jahr durchschnittlich -±0 Stunden, waehrend vor 5C .Tahren im
Durchschnitt 59 Stunden das uebliche waren. Die loehne des Jahr??,
1900 sind schwer mit denen von heut3, in Dollar berechnet, zu ver- 7-

�gleichen, aber der heutige Durchschnittswochenlohn von 57 Dollar
fuer einen Fabrikarbeiter ist, in Kaufkraft gerechnet, mehr als
don^alt so hoch als im Jahre 19C0.
Andere gewerkschaftliche Erfolge wurden vor allem auf dem
Gebiet der Arbeitsbedingungen und der Sozialversicherung erzielt.
Heute konzentriert sich das Interesse
der Göwerkscheften auf Unterstuetzungseinrichtungen, auf:Kranken- und Rentenversicherungen.
Im vergangenen Jahr haben die Stahl- und die Automobilarbeiter
neue Tarifvertraege unterzeichnet, in denen eine Mindestpension
von 100 Dollar im Monat festgelegt ist.
Die Gewerkschaften waren sich sehr frueh darueber im klaren,
dass nur dann Erfolge bleibender Natur erzielt werden koennen,
wein auch auf das politische Geschehen Einfluss genommen wird.
Sie blieben aber.voellig undoktrlhaer in ihrem politischen Charaktar, sie konnten somit auch nicht sozialistisch orientiert sein.
Die sozialistische Partei ist in den Vereinigten Staaten ebenso
klein und einflüsslos wie andere Splitterparteien, sie hat weder
im Kongress noch im Senat auch nur einen einzigen Vertreter. So
er°;ab sich fuer die amerikanischen Gewerkschaften das eigenartige
Bild, das sie in dem einen Staat fuer die Kandidaten der demokratischen, in dem anderen fuer den der republikanischen Partei
sich einsetzten. Die Hauptsache war nicht die Partei, sondern
die Persoenlichkeit - zeigte sich diese als Freund der Arbeiterschaft und als Gegner des Unternehmertums, so war sie der Unterstuetzung der Gewerkschaften sicher.
Diese Periode der gewerkschaftlichen politischen Arbeit erfuhr jedoch eine Aenderung, als 1946 das Taft-Hartley-Gesetz angenommen wurde, das die Gewerkschaften, wie von ihror Seite aus immer
wieder betont wird, in ihrer Arbeit schwer behindert. Seit jener
Zeit wurden immer staerker die Demokraten unterstuetzt. Hier
haben die Gewerkschaften auch im Laufe der Zeit einen nicht unbetraechtlichen Einfluss gewonnen. Der Gedanke, eine eigene Arbeiterpartei zu gruenden, ist immer wieder verworfen worden, da allgemein die Ansicht vorherrscht^, es sei besser, in einer der bestehenden Parteien eine genuegende Staerke zu entwickeln. Zu gleicher
Zeit begannen die Gewerkschaften damit, die praktische Schulungsarbeit einzufuehren und die Organisation weiter auszubauen.
Heute beschaeftigen die groesseren gewerkschaftlichen Verbaende hauptamtliche Sekretaere, die einzig und allein fuer die politische Arbeit verantwortlich sind. Sie verfuegen ueber einen
Stab hauptamtlicher Sekretaere, die auch in der Zeit zwischen den
Wahlen ununterbrochen taetig sind. In besonderen Kursen wird die
politische Situation erlaeutert, aber im Vordergrund steht die
politische Schulung, wobei die Hoerer nicht nur in die Gesetzgebung und die kommende politische Entwicklung eingefuehrt werden,
a andern zugleich die Technik und die Praxis des Vfehlkampfes kennen
lernen. Diese konsequente politische Schulungsarbeit hat dazu gefuehrt, dass die Vorstaende der Demokratischen Partei der meisten
grossen noerdlichen Industriestaaten entweder Gewerkschaftsfunktionaere oder Persoenlichkeiten sind, die mit den Bestrebungen der
Gewerkschaften stark sympathisieren. Die fruehere Form der Parteimasehinerie besteht im Grunde nicht mehr, wie es noch vor zehn
-Jahren der Fall war. Heute stehen an der Spitze der oertlichen
Parteiorganisation der Demokraten sehr haeufig Gewerkschafter, die
die sogenannte Kleinarbeit darchfuehren und vor allem die Werbetrommel ruehren. Es kommt hinzu, dass neben dem gewerkschaftlichen
Einfluss in den einzelnen Ortsgrunpen auch auf der Landesbasis eine
staendigo Einvernahme zwischen Gewerkschaften und demokratischen.
Politikern die Regel ist.
- 8-

�yoch auf einen anderen Erfolg der Gewerkschaften muss hingewiesen werden, auch wenn diese Politik fuer den Aussenstehenden
nicht allzu wichtig erscheint. Die gewerkschaftliche Arbeit ist
Iraner staerker in den Gemeinden zu verspueren. Zwar ist diese
Entwicklung nur allmaehlich vor sich gegangen. Es^muss vorausgeschickt werden, dass es in den einzelnen Gemeinden eine groessere
Anzahl Buergervereinigungen gibt, die nicht selten ziemlich offen
recht eigennuetzige Ziele verfolgen. Sie verfuegen oft ueber nicht
allzu viele Mitglieder, die jedoch durch eine geschickte und
zweckmaessige Publizitaet mehr als wettgemacht wird. Gerade diese
Zersplitterung der Interessen, die Vielfalt und die gegenseitige
Konkurrenz der Buergervereine erleichterte es den Gewerkschaften,
sich in der Kommunalarbeit sehr schnell durchzusetzen. Heute sprechen die Stadtvaetsr zumeist zuerst mit den Gewerkschaften ueber
ihre Plaene, um ihre Unterstuetzung zu gewinnen. Willigen die Gewerkschaften ein, wobei nicht selten die Plaene einige Aenderungen
erfahren, so werden die Gewerkschaftsmitglieder ueber die Projekte
unterrichtet und sie helfen dann, dass diese Projekte verwirklicht
werden koennen. Die Gewerkschaften selbst sorgen dann fuer die
notwendige Propaganda, wobei auch die erforderlichen finanziellen
Mittel zur Verfuegung gestellt werden.
Die Arbeit in den Kommunalverbaenden hat indirekt den Wirkungsbereich der Gewerkschaften betraechtlich vergroessert. Es
liegt auf der Hand, dass sich in den kommunalen Koer^rschaften
Vertreter der Gewerkschaften und der Unternehmer begegnen. In diesen Verhandlungen waren die beiden Interessentenvertreter oft der
gleichen Meinung, wenn es sich um Antraege handelte, die dem wohlverstandenen Nutzen der Gemeinde diente. Die in diesen Verhandlungen zutage tretende Atmosphaere der gegenseitigen Achtung und
v/ertschaetzung fuehrte dazu, dass auch bei Tarif Verhandlungen eine
entspanntere Situation gegeben war. In jedem Falle haben die Gewerkschaften durch ihre uneigennuetzige Taetigkeit in den Gemeinden sich sehr viele Sympathien erworben. Den Beweis hierfuer lieferte der grosse Streik der Stahl- und Automobilarbeiter im Jahre
1946, der bei den Gemeindevertretern eine wohlwollende Sympathie
fand - frueher bedeutete jeder Streik fuer den Buerger eine scheussliche Angelegenheit. Ebenso ist der wachsende Einfluss der Ortsgewerkschaften auf die Unzahl der. Buergervereine nioht zu verkennen,
mit der Unterstuetzung der Gewerkschaften geht es zumeist leichter
und flotter. Natuerlich buerden sich die Gewerkschaften mit diesem
neuen Arbeitsgebiet eine viel groessere Verantwortlichkeit auf,
aber sie foerdern damit indirekt ihren organisatorischen Einfluss
und ihre Staerke.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben aber nicht nur in der
Innenpolitik eine wichtige Rolle gespielt, sie haben nach dem Kriege
einen ebenso bedeutungsvollen Einfluss auf die Aussenpolitik erzielt.
Als Beispiel sei nur erwaehnt, dass Minister Marshall, kurz nachdem er die Idee des Marshallplanes herausstellte, er eine seiner
ersten eingehenderen Reden ueber diesen Plan'auf dem CIO-Kongress
hielt. Der CIO unterstuetzt trotz aller wuetenden Angriffe der
Kommunisten diesen Plan, die damals noch ueber eine nicht unbedeutende Anhaengerschaft verfuegten. Die Gewerkschaften hatten somit
eine umfassende Aufklaerungsarbeit zu leisten, um ihre Mitgliedschaft von dem Zweck und dem Nutzen des Marshallplans zu ueberzeugen. Das war umso notwendiger, als dieser Plan fuer die amerikanische Bevoelkerung hoehere Steuern und hoehere Preise bedeutete die Gewerkschaften setzten ihren ganzen Apparat ein, um jedem zu
erklaeren, dass dieser Plan eine absolute Notwendigkeit sei, wenn
die Freiheit weiter am Leben bleiben soll. Und der amerikanische
Gewerkschafter und der amerikanische Buerger begriffen sehr bald,
dass In seinen Lande nur dann Sicherheit und Freiheit gewaehrleistet
- 9 -

�ist, wenn auch anderen Voelkern und Staaten Freiheit und Sicherheit
erhalten bleibt.
In der /ashinrtoner Zentrale der l^rshallnlanverwaltunp: bildet
die Abteilung der ^-.rbeitsattachees eine der wichtigsten. iTeder
SCA-Klsslon gehoeren wiederum mehrere Arbeitsattachees an, die zumeist fruehere fuehrende Gewerkscnaftsfunktionaere sind und im Interesse der Sache diese Posten uebernommen haben. Der ii-influss der
Arbeitsattachees hat auf die Aussenpolitik der amerikanischen Regierung starke Wirkungen ausgeuebt, zumal die Leiter der auslaendischen SCA-Mis3ionen ebenfalls haeufig massgebliche Gewerkschafter waren. Auch die Vereinten Nationen, die Amtsstellen des
Atlantikpaktes, die des lülitaerisehen Hilfsplans und aehn] icher
Organisationen auf uebernationaler Basis zaehlen in ihren Reihen
bekannte Gewerkschafter, sie werden alle von den Gewerkschaften unterstuetzt und gefoerdert. Und diese Foerderung ist keineswegs nur
diatonischer Natur oder ein blosses Lippenbekenntnis, der gesamte
gewerkschaftliche Schulungsdienst widmet sich der auf'klaerungsarbeit fuer diese Aktionen und Plaene, wobei natur^emaess der gewerkschaftliche Standpunkt herausgestellt wird.
Diese unablaessige Schulungsarbeit hat bereits dazu gefuehrt,
dass die amerikanischen Gewerkschaften bestimmte Gesichtspunkte in
den Vordergrund stellen konnten, die sich nach und nach in der amerikanischen Gesamtpolitik auch durchsetzten. Heute ist es bereits
Allgemeingut geworden, dass wirtschaftliche Sicherheit gekoppelt
sein muss mit Vollbe-^chaeftigung und einem zunehmenden Lebensstandard; erst diese Verbindung ergibt die Basis fuer eine gesunde Demokratie. Wirtschaftlicher V.'ohlstand allein kann jedoch niemals
die Sicherheit der freien Voelker garantieren, die durch Aggressionen bedroht werden. Und hier ist die Basis fuer den Atlantikpakt
gegeben, denn nur in der Zusammenarbeit liegt die Staerke. Wenn
der Frieden erhalten bleiben soll, dann muss in gemeinschaftlichem
Handeln alles gesciiehen, um jede Aggression zu vermeiden.
Eugenie Anderson wies an dieser Stelle darauf hin, da33 es fuer
sie eine Ermutigung ist, dass auch Daenenark wie so viele anderen
freien Laender sich dem Atlantikpakt angeschlossen haben. Die duenisenen Gewerkschaften viie auch jene dar anderen freien Demokratien
hüben diesen Bestrebungen ihre volle moralisch Unterstuetzung re..aehrt. Die Politik der Ge.,erkrchaften dient der Sicherung des
Friedens, aber auch dem Prinzio Freiheit und Brot fuer jeden Buerp-er.
Die Gewerkschaften wissen aber ebenso gut, dass nur eine gegen jede
Aggression gerichtete Politik sie vor dem Schicksal bewahren kann,
Instrumente eines autorltaeren Staates zu werden, dem Freiheit und
Sicherheit de3 einzelnen ueberhaunt nichts mehr bedeuten.
In diesem Kampf stehen die Gewerkschaften jedoch keineswegs
allein, sie werden unterstuetzt von der breiten Uasse der Buerger
aller demokratischen Staaten - und dadurch haben sich die Gewerkschaften innerhalb von zehn fahren eine ^chtung und -Vertschaetzung
erworben, die einen staendig groesner werdenden Einfluss auf das
weltpolitische Geschehen zur Folge hat. Hit ihrem tiefen Glauben
an die Demokratie, an Freiheit, Sicherheit und Brot haben sie den
Weg gemeinsamer Zusammenarbeit vorgezeichnet, der von den daenischen
wie allen anderen we"teuropaeischen und aussereuropaeischen Gewerkschaften voller Eintracht beschritten ist.
Labor Information FYI 170
YEBRJKAPITALIEN FUER A N L A G E G U E T E R VLRFUEGBAR
Die allgemeine Aufwaertsentwicklung ist eines der Hauptmerkmale
der !.larkterweiterungspolitik und dem Kapitalinvestierungsprogramm
- 10 -

�der amerikanischen ..irtschaft. Steigende Umsaetze und Gewinne in»
Verein r.it doif drohenden Beschraenkunrsmassnahmen haben angesichts
der internationalen Situation dazu beigetragen, auf die Investitionsentschluesse einen massgeblichen Einfluss zu gewinnen.
Der .nnlapewert der in zweiten Halbjahr 1950 geplanten Anlagen
hat einen Gegenwert von 9,8 Milliarden Dollar, er liegt somit in
gleicher Hoehe mit jenem Hoechstwert des Jahres 1948 und ist etwa
9?, hoeher als die Spitzenwerte der letzten sechs Monate des Jahres
1949.
Die ausgearbeiteten Plaene fuer das dritte und vierte Quartal
des Jahres 1950 sind in jeder Industrie ausserordentlich bedeutsame, sie betreffen sowohl die Anlagen als auch die Ausruestung der
geseilten Industrie.
Die Ausgaben fuer das dritte und vierte Quartal 1950 werden
auf 4,8 bis 5,1 Milliarden Dollar geschaetzt. Hierbei ist jedoch
zu beruecksichtigen, dass die Kosten fuer Neukonstruktionen und
«usruestungen stark angestiegen sind, nachdem in den ersten Monaten
des Jahres 1950, ein geringes absinken dieser Kosten festzustellen
war. Aus diesen gestiegenen Kosten ergibt sich, dass wahrscheinlich nur drei Fuenftel der Erweiterungsnlaene im Vergleich zu dem
Jahre 1949 durchgefuehrt werden, da zu jener Zeit die Kosten vvesentlich geringer waren und damals fuer die Gesamtolanunpen nur ein
Betrag von 4,4 bis 4,6 Milliarden Dollar hatte aufgewendet werden
muessen.
Da aber auch aus anderen Gruenden mit gewissen Beschraen'kungen
gerechnet werden mu3S, erscheint es sehr wahrscheinlich, dass ein
betraechtlicher Teil der fuer die Planungen bereitgestellten Kanitalbetraop-e ueberhaunt nicht fuer diese Zwecke verwendet werden kann,
i.us diesen C-ruenden rechnet man in Industriekreisen bereits damit,
d e s die Kt pitalfluessigkeit Anfang 1951 eine besonders hohe sein
wird.
"v'enn sich die gerenwaertigen Plaene noch durchfuehren lassen
und das letzte Vierteljahr des Jahres 1950 noch der Durchfuehrung
dieser Planungen dienen konnte, dann werden sich die Gesamtausgaben
fuer neus ^nlaren und Feuausruestungen in den Industrien der Vereinigten Staaten auf rund 17,9 Milliarden Dollar belaufen, das ist
nur \% weniger als im Jahre 19*9, wenn nur der Dollarbetrag als
solcher zugrunde gelegt wird, da die .'.'erto selbst sich nicht mehr
vergleicLen lassen« Das InvestitionsProgramm des Jahres 1950
schliesst vor allem die gewerblichen Industrien ein sowie die Stromund Gaserzeugungsanlagen, hier wurde fuer das Jahr 1950 ein um 8%
hoeheres Kapital als im Vorjahr den Planungen zugrundegelegt. Angesichts 4sr i-.östiegenen Kosten bedeutet dies Ergebnis natuerlich,
dass diese Planungen hinter den vorangeheaden -Yerten zurueckbleiben
mues ^en.
Einschliesslich der gewerblichen Industrie liegen alle "Innungen
der Industrie wesentlich ueber den Vorjahrskapitalziffern. Eine
ausnähme bilden hierbei jedoch die Textil- und A^parateindustrie,
*.ie "^etroleuraindustrie und die Industrie nicht-automatischer Trans~&gt;ortmittelausruestung. ^ie bedeutungsvollsten Investitionen des
Jahres 1950 sind in der Automobil-, der Elektroindustrie sowie in
dem Industriezweig der Steine und Erden zu finden - es sind zugleich
auch jene Industriezweige, in denen gegenwaertig die Machfrage und
damit die sehr hohen Gewinne besonders guenstig sind.
Labor Market 10/50
- 11 «

�P3NSTCTVTS?CETDS FUER IIOLLAETTDISCHE BAUARBEITER
Zweihunderttausend holLaendische Bauarbeiter, die bei dem
industriellen Pensionsfonds fuer Bauarbeiter in Holland registriert
3ind, werden in Kuerze Anspruch auf Alterspensionen haben. Unternehmer und Arbeiter werden jaehrlich Praemien in Hoehe von 20
Millionen Gulden hierfuer zahlen nuessen.
Der Pensionsbeitrag betraegt woechentlich 2 1/2 Gulden. Die
Hfllfjte dieses Betrages wird von dem Unternehmer gezahlt. Bit Inkrafttreten des Penslonsfonds werden die Bauarbeitjr eine Lohnerhoahung erhalten, damit sie diesen Beitrag ohne Einkorrimensverlust
zahlen koennen. Die Pension wird den Arbeitern gewaehrt, sobald
sie ein Alter von 65 Jahren erreicht haben.
ECA Labor Information
11/16/50
"HAUPTZIEL DES PUNKT-VIBR-PROGBAKMS IST PRODUKTIONSSTillGERUNG

Henry G. Benett erklaerte in seiner ersten oeffentlichen Rede
als Administrator des amerikanischen Punkt-Vier-Programms zur technischen Unterstuetzung, dass es der Hauptzweck dieses Programmes
seil mitzuhelfen, die Produktionsleistung der Arbeiter in den unterentwickelten Gebieten der Welt zu steigern.
"Wenn ein Volk im Hoechstmass produzieren kann, stehen ihm
auch Waren im Hoechstmass zur Verfüegung," sagte Benett in einer
Rede vor einer Gruppe amerikanischer Geschaeftsleute. "Es ist
dies eine einfache Lehre, die wir Amerikaner gelernt haben. Sie
hat fuer die ganze Welt Gueltigkeit."
Benett, der frueher Praesident der Hochschule fuer Landwirtschaft und Technik in Oklahoma war, wurde in der vorigen Woche
von dem Senat der Vereinigten Staaten als Administrator des
Punkt-Vier-Programms bestaetigt.
An seinem Programm arbeiten gegenwaertig 350 amerikanische
Techniker an Projekten in 36 Laendern. Hierzu gehoeren auch die
Projekte, die bereits in Bearbeitung waren, bevor das erweiterte
Programm fuer technische Zusammenarbeit in Kraft getreten war,
und solche, die im Rahmen von Punkt-Vier-Vertraegen begonnen wurden, die innerhalb der letzten drei Monate abgeschlossen wurden.
Benett wies darauf hin, dass das Punkt-Vier-Programm der
Vereinigten Staaten "ein bescheidenes Programm mit einem bescheidenen Budget von 34.500.000 Dollar fuer das laufende erste Haushaltsjahr ist. Das Programm ist in Wirklichkeit erst drei Monate alt. Das erste Jähr des Programms war vornehmlich der Planung, Personalauswahl und Stellenbesetzung fuer die neuen Projekte gewidmet. Wir hoffen, im naechsten Jahr und den darauffolgenden Jahren in der Lage zu sein, den Bedarf an Technikern zu
decken und die Gelegenheiten auszunutzen, die sich uns bieten."
Benett bezeichnete das Punkt-Vier-Programm fuer den Bestand
der Nation als "nicht weniger machtvoll und nioht weniger wesentlich" als die militaerische Verteidigung.
"Die militaerische Wiederaufruestung ist eine unglueckselige
NotwendigKeit. Aber die wirtschaftliche Entwicklung ist nicht
nur eine Notwendigkeit, sondern auch eine einzigartige Gelegenheit, die uns grosse Moeglichkeiten bietet. Es ist eine Gelegenheit, die Saat der Demokratie unter den Voelkern zu saeen,
- 12 -

�die sich nicht ;:.ehr laenger dar.it abfinden, dasc Armut, Krankheit
und Unwissenheit unvermeidliche Bestandteile des Lebens sein sollen. 2s ist eine Gelegenheit, ihren Fortschritt zu foerdern,
nicht, indem man ihnen dj.e amerikanische Lebensweise aufzwingt,
sondern ihnen hilft, sich selbst zu helfen. 2s ist eine Gelegenheit, neuen 'Wohlstand zum Nutzen aller freien Menschen zu schaffen. "
"Lateinamerika, üfrika, der Mittlere und der Ferne Osten
verfuegen ueber ungekannten Reichtum an natuerliehen Hilfsquellen, die darauf warten, erkannt, genutzt und in- den Dienst der
Menschheit gestellt zu werden, "fuhr Benett fort. "Die Menschen
dieser Gebiete benoetigen den Reichtum an Nahrungsmitteln und
Rohstoffen, der sie umgibt, gerade so wie wir. Auch die EuropBer
brauchen ihn, deren Industrien und deren Lebensweise von den
wichtigsten Produkten dieser Gebiete abhaengen."
"V/enn man netuerliche Hilfsquellen besitzt, braucht man zur
wirtschaftlichen 2ntwicklung Kapital," fuehr er fort und wies
insbesondere darauf hin, dass Kapital zur Schaffung der notwendigen Transportmoeglichkeiten notwendig ist. Er erinnerte an die
entscheidende Rolle, die auslaendisches Kapital bei der Entwicklung der Vereinigten Staaten spielte und sagte: "Ohne dieses
Kapital, ohne Wagnisse, Phantasie und Vertrauen waere es moeglich
gewesen, dass dieser hochindustrielle, zusammengeschlossene Kontinent Amerika bis zum heutigen Tage ein unterentwickeltes Gebiet
geblieben waere."
Benett deutele an, dass das Punkt-Vier-Programm selbst das
beste Mittel sein koenne, um den Kapitalfluss in Gang zu bringen,
und das "konkrete Ergebnis" der Zusammenarbeit wuerde guenstige
politische und wirtschaftliche Bedingungen schaffen.
Selbst wenn natuerliche Hilfsquellen und Kapital vorhanden
waeren, bliebe der Kern des Problems der wirtschaftlichen Entwicklung bestehen: "Die Produktionsleistung des Einzelnen, die
Lebensmoeglichkeit, das benfliehe Koennen und der Unternehmungsgeist, die es den Menschen ermoeglichen, sich ein Leben in Wohlstand zu erarbeiten."
Es sei das Ziel der technischen Experten der Vereinigten
Staaten, anderen Voelkern bei der Steigerung ihrer Produktionsleistung zu helfen. 2r ging &amp;uf ihre Taetigkeit ein und erklaerte:
"Sie arbeiten hauptsaechlich auf drei Gebieten: Gesundheit, Nahrungsmittelerzeurung und Erziehung. 2s ist ein Missverstaendnis,
wenn die Allgemeinheit der Auffassung ist, dass durch das PunktVier- Programm Fabriken, Staudaemme und Kraftwerke gebaut werden.
Eines Tages vielleicht, aber noch nicht jetzt, «ir muessen mit
den einfachen, notwendigsten Beduerfnissen beginnen. '«Vir muessen
dort beginnen, wo es um den Menschen geht."
Daily Wireless Bulletin
XII/13/50
LEITER DES EGA FORDERT GERECHTEREN ANTEIL FUER DIE ARBEITER
'.Villiam C. Fost^r, der Administrator der SCA, hat vor dem
hoechsten Planungsausschuss des europaeischen Wiederaufbaupropramms
erklaert, dass die westeuropaeischen freien Gevverkschaf ten mit
Recht eine gerechtere Verteilung der Fruechte der gesteigerten
Produktionsleistung fusr die Arbeiter forderten.
In einer Rede vor dem Ministerrat der Organisation fuer die
Wirtschaft!ich3 Zusammenarbeit Europas (OSES), der die Verwendung
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�der "arshall-^lan-Oelder plant, eroerterto Foster die gegenwaerti^o wirtschaftliche Lage in Westeuropa und ging in besonderen auf
die Probiene der freien Arbeiterschaft ein.
"Eine gerechtere Verteilung der Fruech'te der Produktionsleistung ist ein sehr bedeutungsvolles Problem, de... '"esteurooa heute
gsgenuebersteht. Die freien Gewerkschaften koennen mit Recht darauf bestehen, dass die Arbeiter fuor ihre produktivere Arbeit gerecht belohnt werden. Pur wenn das Los aller Menschen der Welt
verbessert wird, kann die Demokratie auf einer stetigen fortschrittlichen Grundlage ihren Krieg gegen den Totalitarisnus gewinnen. •
Auf die wirtschaftlichen Probleme eingehend, die sich mit
der Notwendigkeit der Wiederaufruestuns: fuer Westeuropa ergeben
haben, betonte Poster, dass ein ".gesundes Gleichgewicht zwischen
militaerlschen Ausgaben und denen, die die zivile .Virtschaft staerken helfen, gehalten werden muss.
w

Der Fabrikarbeiter ist nicht weniger als der Soldat darauf
angewiesen, dasa er genug zu essen hat. «Vir brauchen Brot und
Waffen."
Foster forderte ausserdem die Vertreter der OEEC auf, sich
dafuer einzusetzen, den Wert der westeuropaeischen Produktion
bi3 zu dem Zeitpunkt, an dem der llarshall-Plan im Jahre 195£ enden soll, um 100 Milliarden zu erweitern. Eurooa koenne dieses
Ziel erreichen, wenn auch in Zukunft mit dem gleichen ^ifer und
dem bleichen Geist* der Zusammenarbeit wie bisher an dem iederaufbauprogranm weitergearbeitet wird.
"Die wirtschaftliche Staerke, die in dieser Ziffer zum Ausdruck kommt, koennte nicht nur einen viel besseren Lebensstandard fuer die "enschsn Europas zur Folge haben, sondern auch
eine militaerische Staerke, vor der jeder Aggressor unbedingt
Halt machen duerfte."
In Beantwortung einer auf einer Pressekonferenz gestellten
Frage betonte Foster, dass die ECA fortfahren werde, einen besseren Lebensstandard in Europa als einen wesentlichen Teil der Verteidigung der Demokratie gegen die Aggression anzustreben.
Er begruesste insbesondere, dass Warshall-Plan-Gelder bereits fuer die Erstellung billiger i.rbeiterwohnun^en verwendet
wurden, und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die europaeischen Regierungen aehnliche Projekte dieser Art in Angriff nehmen. .Viederaufoauprojekte koennten im Rahmen der koonorativen struktur
des Programms nur durchgefuehrt werden, wenn die westeuropaeischen Regierungen darum ersuchten.
ECA Labor Information
12/4/50
WILL IAH GREZTC FORDERT r. QFORTICL, ?REIc 7. 3-TTR OLLEW
William Green, der Vorsitzende der AFL, forderte die Delegierten zweier AFL-Kongresse auf, fuer die sofortige Einfuehrung
von Preiskontrollen und fuer Lohnerhoehungen zu kaempfen, um das
Preis-Lohnverhaeltnis wie vor Koraa wiederherzustellen.
Er sagte, das amerikanische Volk 3ei bereit, Orfer zu bringen, um den sowjetischen Imperialismus aufzuhalten, es verlange
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�iedoch "gleiche Opfer von allen" und verwerfe es, dass seine Steuern erhoeht wuerden, waehrend die Unternehmer uebermaassige Gewinne
anhaeuften.
Er erklaerte ausserdem, dass mit der Lohnstabilisierung in
irgendeiner Form zu rechnen sei, die Loehne aber nicht eher gestoppt
wuerden, als bis sie den Preisen angeglichen waeren.
"Die Form der Lohnstabilisierung ist besonders wichtig," sagte Green. "Wir lehnen grundsaetzlich alle ruecksichtslosen Methoden ab, die Lohnveraenderuncren mit Veraenderung.en der Lebenshaltungs
kosten verbinden wuerden. Es muss immer genug Spielraum fuer
Lohnveraenderungen bleiben, um Ungleichheiten innerhalb der Betriebe und der Industrie zu beseitigen und die Loehne bei gesteigerter
Produktionsleistung erhoehen zu koennen."
Green sagte ferner, die weniger wichtigen öektoren der Bauindustrie sollten abgebaut werden, noch bevor das Wohnungsbauprogramm reduziert wuerde. Die ^FL wuerde ihren Kampf um ein angemessenes Wohnungsbauprogramm fortsetzen.
Der AFL-Vorsitzende forderte die Delegierten der Elektroarbeitergewerkschaft auf, sich an dem Kamof gegen das Taft-KertleyG^setz zu beteiligen. Dieses Gesetz stuende den Verteidigungsbemuehunsen im "'ege, indem es den Gewerkschaften verbiete, Arbeiter
fuer Arbeitsplaetze heranzuziehen, die schwer zu besetzen sind.
"Der groesste Beitrag, den der Kongress zu den Verteidigungsbemuehungen leisten koennte," sagte er, "waere der sofortige
Widerruf des Taft-Eertley-Gesetzes. Man hat uns den Vorwurf gemacht, wir weigerten uns, in Bezug auf dieses Gesetz Zugestaendnisse zu machen. Warum sollten wir uns auf Kompromisse einlassen?
,'uerden wir mit dem Kommunismus oder irgendeiner anderen Macht,
die bestrebt ist, uns zu vernichten, Kompromisse schliessen? Es
waere nicht nur unklug, es zu tun, sondern auch unmoralisch."
Eine starke Gewerkschaf tsbev.egung ist eine der Garantien dafuor, dass wir in den Vereinigten Staaten niemals wieder eine
grosse wirtschaftliche Depression erleben muessen, erklaerte der
amerikanische Arbeitsminister Maurice -T. Tobin vor einer Versammlung der Elektroarbeitergewerkschaft. .."eitere Garantien gegen eine
Depression sind: Eine ausreichende Arbeitslosenversicherung, die
den Arbeitslosen hilft, ihre Kaufkraft zu erhalten; Gesetze ueber
T'ine'est loehne, die die Lohnstruktur bei einem Ueberangebot an ,,rbsitskr«, eften nach unten begrenzen; ein widerstandsfaehiges Banksystem; gesicherte Einko.jnen in der Landwirtschaft, die nicht .von
den Schwankungen der Preise fuer Verbrauchsgueter abhaengig sind;
und schliesslich eine Regierung, die nicht laenger untaetig mitansieAt und zulaesst, dass die '.Virtschaft des Landes in ihren alton 3ahnen weiterlaeuft, so wie es ihr beliebt.
Tobin riet den Delegierten dringend, gegen die Inflation und
die 3ehauptunr anzukaompfen, dass hoehere Steuern unvermeidlich
waeren. Die Gefahr einer Inflation sei nicht in dem /.ugenblick beendet, in de::: die amerikanischen Soldaten Korea verliessen, weil
bereits Milliarden Dollar fuer Ruestungszwecke bestimmt seien.
Er erklaerte ferner, der Praesident
gewisse Kontrollen auferlogen, aber eine
ternehmer und Gewerkschaften koenne ihre
schwaechen und den Umfang der Kontrollen

muesse wahrscheinlich
wirksame Lenkung durch Unnachteilige Wirkung abeinschraenken.
Daily News Service
1/17/50

- 15 -

�PARKMAN:

WELTFRIEDE EA3K0T VCK DER HALTUNG SURQPAEISCHER ARBEITER

"Die Verteidigung der freien Welt und folglich auch der Friede
in der freien Welt haengen zum grossen Teil von der Haltung der
europaeischen «rbeiter ab," erklaerte Henry Parkman, der Leiter
der SCA-Mission fuer Frankreich.
In einer Rede in Marseilles brachte Parkman unlaengst erneut
zum Ausdruck, dass die Marshall-Plan-Beauftragten in einem hoeheren Lebensstandard der Arbeiter auch weiterhin ein Hauptziel des
Wiederaufbauprogramms sehen werden.
"Wir haben Frankreich geholfen, sich aus seinen Ruinen zu erheben, seine Industrie neu auszuruesten und zu modernisieren. Die
Menschen jedoch, fuer die diese Industrie besteht, naemlich die
kleinen Leute auf der Strasse, haben immer noch das Gefuehl, dass
sie am Rande eines Abgrundes leben. Sie leben zwar besser, aber
immer noch nicht gut genug. Es scheint mir, dass sie der Ueberzeugung sind, an den Fruechten das Wiederaufbaus ihres Landes nicht so
beteiligt zu werden, wie sie es verdient haben."
Dieses Problem, so hob der Leiter der ECA-Mission hervor, sei
in Anbetracht der'gespannten internationalen'Lage kein rein internes Problem mehr der einzelnen Laender.
"Der Weltfriede haengt, wie ein Agent des Kremls vor einiger
Zeit erklaerte, nur noch an einem Faden," fuehrte Parkman aus. Er
hat Recht. Ich moeehte hir.zufuegen: die Verteidigung d\r freien
Welt und demnach auch der Weltfriede haengen zum grossen Teil von
der Haltung der europaeischen Arbeiter ab. Armut ist, wie wir alle
wissen, die beste Brutsta^tte fuer den Fanatismus."
Parkman verurteilte die Machenschaften der Stalinisten, die
versuchten, die franzoesische Gewerkschaftsbewegung in einem Augenblick zu schwaechen, in dem sie gegebene Gelegenheiten wahrnehmen muesste, den Lebensstandard der Arbeiter zu verbessern. Eine
erhoehte Kaufkraft sei sowohl fuer die Arbeiterschaft als auch fuer
die Unternehmer von groasster Wichtigkeit, weil die Industrie ohne
eine Erweiterung der Kaufkraft sich nicht ausdehnen koenne.
Der Wohnungsbau sei ebenfalls ein wesentlicher Faktor in den
7/iederaufbaubestrebungen, fuhr Parkman fort, und seine Verwaltung
"begruesse mit grosser Genugtuung den Vorschlag der franzoesischen
Regierung, zwoelf Milliarden Franken aus Gegenwertfondsmitteln
fuer den Bau billiger Wohnungen bereitzustellen. Dies scheint der
Anfang einer wirklich grossen Anstrengung auf diesem Gebiete zu
sein."
"Der europaeische Wiederaufbau ist nicht nur ein technisches
und materielles, sondern auch ein psychologisches und moralisches
Problem. Es ist notwendig, fuer den Wohlstand des Landes zu arbeiten, und die Arbeit fuer den Wohlstand ist auch eine Arbeit fuer
die Sicherheit. Die Buerger werden dadurch staerkere und einleuchtendere Gruende haben, zur Verteidigung ihres bedrohten Erbes zu
kaerapfen."
ECA Labor Information
10/31/50
- IG -

HUOG (19-12-50) ao.

suc

�International«

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Aaszüge aas der amerikanischen Presse and anderen Quellen dar nnd dienen
dar Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohes Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 42

Frankfurt, 22. Dezember 1950

I N H A L T S V E R Z E

I C E N I S

Gewerkschaftliche Einigkeit ist notwendig - Die GewerkschaftsDewegung in Uruguay- - - - Nationalkonferen2 fuer Arbeitsgesetzgebung
tritt zusammen - - - - - - - - - - - - - Die Jugend muss beim Eintritt in das Berufsleben unterstuetzt werden - - - - - - - IBFG erfolgreich im Kampf gegen den
Komuunismus - - - - - - - - - - - - - - Die Hilfe fuer Jugoslawien, China und Argentinien und der Standpunkt der AFL - - - Verbesserungen der Sozialversicherung
Amerikas gefordert - - - - - - - - - - - Aussenpolitische Erklaerung des CIO zur
Vereinigung Europas - - - - - _ _ - _ _ Selbstaendigkeit der Marshall-Plan-Laender
ist garantiert - - - - - - - - - - - - - ECA-Leiter fordert hoeheren Lebensstandard
fuer Europa - - —
- - - _ - _ - . _ _ _
ILCWU wuenscht neues Invalidenschutzgesetz -

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AI Eayes, Vorsitzender der Nationalen !.5aschinisten Gewerkschaft:
GII.TERKSCKATTLICliE EINIGKEIT IST NOTWENDIG
Jeder von uns ist an der Gestaltung unserer Geschichte beteiligt. Y'enn wir keinen konstruktiven Einfluss auf sie ausueben, so
beeinflussen wir sie durch eigene Schuld in negativem oder schaedlichem Sinne. Das Lebenswerk Samuel Gompers war die Schaffung der
organisierten Gewerkschaftsbewegung Amerikas. Es ist sein Vermaechtnis an die Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten. Dieses
Vermaechtnis ist nicht auf eine bestimmte Gruppe Gewerkschaften
beschraenkt. Es stellt vielmehr die allgemeine Einstellung der
- 1 -

�Gewerkschaftsbewegung einer Anzahl Prinzioien und den Kollektivverhandlungswesen gegenueber dar. Es steht im Zusammenhang nit der
Solidaritaet der Arbeiterschaft auf der ganzen Welt. Die Philosophie Gompers gruendete sich auf die Erkenntnis "Einigkeit nacht
stark." Und diesen Rat gab er freimuetig allen Arbeitern der ganzen Welt.
Diese Wahrheit beleuchtet das ungeheure Problem, den die Gewerkschaften zur Zeit gegenueberstehen, und stellt die uebrigen
Probiene der Gewerkschaftsbewegung weit in den Schatten.
Die organisierte Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten bildet keine vereinigte Organisation, und diese Desorganisation hindert sie daran,# sich ihrer historischen Verantwortung der Arbeiterschaft gegenueber zu unterziehen. Ausserdem nacht diese Spaltung
innerhalb der Reihen es der Gewerkschaftsbewegung unnoeglich, ihre
recl.tnaessige Rolle zu spielen und eine demokratische Reniierungsform in den Vereinigten Staaten und sonstwo in dieser äusserst zerruetteten und tragischen ".Veit zu erhalten.
Wie verheerend sich eine Gewerkschaftsbewegung, die gegen sich
selbst aufgespalten ist, auswirken kann, ist fast bei jeder normalen Organisierungskampagne in den Vereinigten Staaten ersichtlich.
Wenn sich dieser Werbsfeldzug auf eine betraechtliche Anzahl unorganisierter Arbeiter erstreckt, konkurrieren in allgemeinen zwei
oder drei oder nanchnal noch mehr verschiedene Gewerkschaften miteinander. Sie benuehen sich um die Aufmerksamkeit und die Gefolgstreue der Arbeiter fuer eine bestimmte Gewerkschaft und nicht fuer
alle Gewerkschaften. In jedem Falle besteht die Moeglichkeit, Ätna
die Mehrheit dieser Arbeiter der Gewerkschaftsbewegung voellig
fremd gegenuebersteht. Wie kann eine Gewerkschaft in einer solchen Situation ihre Werbung so durchfuehren, dass sie nicht die
Grundlagen der Solidaritaet unterminiert, auf denen die Gewerkschaftsbewegung ruhen muss?
Warum vergeudet die Gewerkschaftsbewegung ihre Energie und
onfert ihren Einfluss und ihre Schlagkraft, indem sie sich um
einige zehntausend bereits organisierte Arbeiter streitet, wenn
noch 43 Millionen Arbeiter nicht organisiert sind? Dies sind sehr
unangenehme Fragen, weil es keine vernuenftigen Antworten darauf
gibt.
Frueher wandten gewerkschaftsfeiadliche Unternehmer viel
Energie und Geld auf, un die Gefolgstreue der Arbeiter zur Gewerkschaftsbewegung zu erschuettern. Sie waren in allgemeinen bestrebt, Zwietracht zu stiften und dadurch die Arbeiterschaft zu
beherrschen. Heutzutage snalten und erschuettern einzelne Gewerkschaften selbst ihre eigenen Grundseetze, ohne dass sie hi :rzu
von einen feindlich gesinnten Arbeitgeber gezwungen waeren. Vie
lange dauert es, um die '"unden eines erbitterten Konkurrenzkampfes
der Gewerkschaften zu heilen? Wie lange dauert es noch, bevor
eine wirklich machtvolle Gewerkschaft beanspruchen kann, eine geeinigte Organisation zu sein? Man frage nur irgendeinen praktischen Organisator, der heutzutage diese Ziele erstrebt. Wie wirken sich diese Spaltung und Erbitterung auf die Verhandlungen mit
den Unternehmern aus? Man frage irgend jemanden, der fuer seine
Gewerkschaft Verhandlungen fuehrt und nach einer solchen Kamnagne
einen Vertrag ausarbeitet.
Wie ganz anders waere es, wenn eine Gewerkschaft odor eine
GrupDe verwandter Gewerkschaften ohne die Einmischung einer konkurrierenden Gewerkschaft arbeiten koennten. Die Tatsache, dass
- 2 -

�jeder einzelne in jeder Situation organisatorisch taetig sein
muss, duerfte ein Deweis dafuer sein, mit welchem Erfolg dies getan werden kann, wenn die Zwietracht in der Gewerkschaftsbewegung
nicht bestuende. Es gibt noch andere entscheidende und dringende
Gruende fuer die Notwendigkeit, die Gewerkschaftsbewegung zu
einigen.
Tatsaechlich s.tsht die Arbeiterschaft seit Beendigung des
letzten Krieges in dir Defensive. Alle Kraft und einen grossen
Teil der Hilfsquellen nuessen aufgewendet werden, wenn kein Boden
verlorengegeben und Schritt fuer Schritt langsam vorwaertsgekommen werden soll. Die amerikanische Arbeiterschaft befindet sich
in einer anti-gewerkschaftlichen Atmosphaere, die vor kurzem noch
oro-gewerkschaftlich gestimmt war und den Gewerkschaften die
guenstigste Stellung einreeumte, die sie je in den Vereinigten
Staaten innehatte. V/as durch die eigene Zwietracht verloren
geht, ist vor allem dann zu ermessen, wenn ueberlegt wird, wie
stark die Gewerkschaften trotz der Spaltung in ihren eigenen Reihen noch immer sind. Es ist nicht schwierig,sich vorzustellen,
um wieviel staerker der Kampf gegen gev.erkschaftsfeindliche Kreise waere
wenn die Arbeiterschaft einir weere. Heutzutage sind
rund 15 Millionen arbeitende I'aenner und Frauen in festgefuegten
und verantwortungsbewussten Gewerkschaften organisiert. Diese
Gewerkschaften repraesentieren und handeln oraktisch fuer alle
Arbeitnehmer der lebenswichtigsten Industrien. Ihre Mitglieder
bilden das hochge~chulte Schlue.;selpersonal der amerikanischen
Industrio gemeinsam mit der ..eniger geschulten, aber deshalb
nicht weniger vvesentlichen Erwerb.sbevoelkerung. abgesehen von
der strategischen Bedeutung ihrer Funktionen innerhalb der Industrie bilden sie als Sektor der Bevoelkerung die groesste organisierte Gruppe der Vvirtscnaft.
Welche Rolle muesste eine Organisation solchen Umfangs normalerweise und besonders in der heutigen Zeit in den Vereinigten
Staaten spielen, in der die Nation in eine internationale Krise
verwickelt ist, die so schwierig und so gefahrvoll ist wie nie
zuvor in der Geschichte unseres Landesl Die Antwort auf diese
Frage heisst: Die Gewerkschaftsbewegung muss eine Rolle spielen,
die an Bedeutung und Einfluss hinter keiner anderen Gruppe zurueckstehen darf.
In der internationalen Krise gibt es besondere Gruende fuer
eine derertige Rolle der Gewerkschaftsbewegung. Dieses 'Veltrinsren
dreht sich um die Lebensweise. 2s dreht sich um die Regierungsformen und ist eine Kraftprobe zwischen Demokratie und Totalitär ismus , ein Kampf zwischen ^'unerika und Russland.
Wo ist der Platz der Gewerkschaftsbewegung in diesem Kaimf?
In welcher Beziehung steht die Zwietracht zu -diesem viel groesseren Problem? Was haben die kleinen Streitigkeiten zwischen den
Gewerkschaften mit diesem grossen Konflikt zu tun? Hierueber kann
es nur eine Meinung geben!
Um ihrer Verantwortung: gep:enueber den amerikanischen Arbeitern und ^merika gerecht zu werden, muss die Gewerkschaftsbewegung
die Interessen der Arbeiterschaft bei jeder Gelegenheit in der
diplomatischen oder politischen '.Valtkontroverse vertreten. Hierzu ist 3ie aufgrund der Besonderheit dieser Streitickeiten verpflichtet. Die Interessen #der Arteiterschaft stehen im Vordergrund vor allen anderen Interessen. Russland appelliert in seinem Streben um die 7/eltnacht direkt und ausschliesslich an die
Arbeiterschaft.

�Nie zuvor in der amerikanischen Geschichte lag es im Interesse der Wohlfahrt des ganzen Landes so wesentlich begruendet wie
letzt, dass die Gewerkschaftsfuehrung vor der Welt demonstriert,
was eine aktive, freie Demokratie ist, und was sie fuer die Zukunft
der Welt bedeuten kann. Die freien Gewerkschaften auf der ganzen
Welt werden von ihren Regierungen und von den historischen Kraeften der Logik und Notwendigkeit gemahnt, ihre eigene Freiheit und
die der Welt vor dem Untergang zu retten.
Seit 150 Jahren arbeitet die schaffende Bevoelkerung der Vereinigten Staaten an der Verbesserung und Vertiefung der Demokratie. Sie hat ihre Erfahrungen in den Gewerkschaftsversammlungen
gesammelt. Sie hat ihr Ziel trotz ununterbrochener Anfeindungen
anderer Schichten der Bevoelkerung verfolgt, die im Verlauf der
Geschichte die Gewerkschaftsbewegung immer missverstanden oder
sogar verleumdet haben, so wie sie es heute noch tun.
Von grosser Bedeutsamkeit ist an dieser Stelle ausserdem die
Frage, wie sich die Gewerkschaften eine demokratische Regierungsform in den Vereinigten Staaten vorstellen. Ihre Auffassung, dass
die Demokratie durch Tarifverhandlungen auch den Weg in die Industrie finden kann, verbesserte nicht nur ihr eigenes L03, sondern
breitete sich auch aus und wurde von der gesamten Bevoelkerung des
Landes gebilligt.
Hauptsaechlich aus diesem Grunde ist eine freie organisierte
Gewerkschaftsbewegung fuer alle Menschen mit reifem Verstand eine
wesentliche Voraussetzung fuer den Neuaufbau einer zivilisierten
Gesellschaftsordnung mit Hilfe des Marshall-Plan-Wiederaufbauprogranms.
Die Mitglieder der Gewerkschaften wissen, was Freiheit und
Demokratie bedeuten, und sie wissen es, weil die Vorfahren dieser Mitglieder in der Vergangenheit und die Mitglieder selbst in
der Gegenwart sich Freiheit und Demokratie selbst erarbeiten
mussten. Dies ist eine der groesst-en Leistungen, die die Gewerkschaftsbewegung zum Wohle der Vereinigten Staaten vollbracht hat.
Der Weltkamof drehte sich praktisch um die Demokratie. Sie
befindet sich in einer wirklichen gefaehrlichen Krise. Die Demokratie in der Welt ist bedroht.
Die Notwendigkeit einer einigen amerikanischen Gewerkschaftsbewegung ist heute so offensichtlich, dass man hierueber kaum
zu argumentieren braucht. Die Gewerkschaften koennen sich nicht
mehr den Luxus der Genugtuung erlauben, etwas besser als eine andere Gewerkschaft zu sein. Die Zeit ist leenget gekommen, so zu
handeln, wie es andern staendig gepredigt wird.
Die Hindernisse, die einer allgemein geeinigten Gewerkschaftsbev^egung zur Zeit im '.Vege stehen - und moegen sie gegenwaertig
noch so unueberwindlich erscheinen - sind recht gering im Vergleich
zu der Art und dem Umfang der Kindernisse, die die Zwietracht dem
Fortschritt der Arbeiterschaft in den Weg stellt. Wenn die Ursachen der Zwietracht geprueft und. ihnen auf den Grund gegangen
wird, muss man feststellen, dass es sich nicht um unloesbare Problems handelt. £• ist fuer viele Gewerkschafter die feste Ueberzeugung, dass die Funktionaere der verschiedenen Gewerkschaften,
die .jetzt gegeneinander argumentieren, es aufrichtig wuenschten,
Mittel und -Vege finden zu koennen, um ihre organisatorischen
Unterschiede auszugleichen, die Gewerkschaftsbewegung zu vereinigen und die Interessenkonflikte im Rahmen einer vereinigten Gewerkschaft beizulegen.
- 4-

�Die Mitglieder aller in Frage kommenden Gewerkschaften werden
mit Begeisterung einen derartigen Vorschlag begruessen und ihm
ihre Unterstuetzung nicht versagen.
Die Vertreter der heutigen Gewertcschaf tsbewegung koennen den
Namen "Samuel Gompers" nicht besser ehren als durch die Vereinigung der Gewerkschaftsbewegung. Auf diese V/eise bekennen sich alle
Gewerkschafter zu ,aeinem '.Vahlspruch: "Einigkeit macht stark."
The Machinist
XII/14/50
DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IN URUGUAY
Die Gewerkschaftsbewegung Uruguays blickt auf eine ebenso demokratische Tradition zurueck wie das Land selbst. Uruguay konnte sich lange ruehmen, eine der demokratischsten Nationen des südamerikanischen Kontinentteils zu sein, woran sich auch in den
letzten Jahren trotz ernsthafter wirtschaftlicher Probleme nichts
geaendert hat
Von 1943 bis 1948 erfreute sich dieses Land - wie
alle uebrigen Laender Latein-Amerikas - aufgrund der Entwicklung
und der Vielseitigkeit seiner Landwirtschaft und seiner Industrien
eines unbegrenzten Wohlstandes. Im Sommer des Jahres 1948 stand es
jedoch vor einer schweren wirtschaftlichen Krise, die durch die
Steigerung der Preise und eine starke Arbeitslosigkeit gekennzeichnet war.
Die Forderungen der Arbeiter nach hoeheren Loehnen, die aufgrund der erhoehten Lebenshaltungskosten berechtigt waren, stellten den Lohnausschuessen schwere Aufgaben, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Uruguay bestehen. Diese Ausschuesse setzen
sich aus drei Vertretern der Regierung und je zwei Delegierten
der Gewerkschaften und Unternehmer zusammen. In jedem Industrieund Handelszweig gibt es einen derartigen Ausschuss, und die Gewerkschafts- und Unternehmervertreter in diesen Koerperschaften
werden alle zwei Jahre von 5den Arbeitern und Unternehmern des betreffenden Industriezweige* gewaehlt. Die Ausschuesse setzen
nicht nur die Loelme, sondern auch die Arbeitsbedingungen fest
und regeln auch andere Fragen in bezug auf die wirtschaftliche
Lage der Arbeiter.
Die Lohneusschuesse haben im allgemeinen versucht, die Loehne
mit den Lebenshaltungskosten auf einer Stufe zu halten. Hiergegen
leisteten die Unternehmer jedoch besonders in den letzten I'onaten
hatnaeckigen Widerstand und in den Ausschuessen wurden langwierige Verhandlungen gefuehrt. In einigen Faellen kam es zu mehr
oder weniger ernsthaften Streiks. Unter anderem traten die Taxichauffeure, die Fleischveroacker, die Baecker und die Arbeiter
der Woll- und der Metallindustrie in den Ausstand. In jedem Falle
wurde der Streik beendet, nachdem sich die Regierung einverstanden erklaert hatte, die erforderlichen Lohnaufbesserungen zu gewaehren. Die Arbeiter wissen jedoch, dass hiermit die Loesung des
Lohnproblems nur iiinausgeschoben ist.
Trotz dieser Schwierigkeiten zaehlen der Lebensstandard und
die soziale Sicherheit der Arbeiter Uruguays zu den besten Lateinamerikas. Wie die uebrige Bevoelkerung des Landes bekennt sich
auch die Gewerkschaftsbewegung zu den Ideen der politischen und
sozialen Demokratie, und diese demokratische Gewerkschaftsbewegung
ist in dem Koordinierungsausschuss der unabhasngigen Gewerkschaften zusammengefasst.
- o

�Bis jetzt war es nicht moeglich, dieses Konitee in einen richtiggehenden Gewerkschaftsbund umzuwandeln. Der Grund hierfuer ist
vor allein die Tatsache, dass die uruguayische Gewerkschaftsbewegung
eine der aermsten des Kontinents ist und praktisch keine bezahlten Gewerkschaftsfunktionaere kennt. Infolgedessen ist sie gezwungen, die Funktionaere in ihrer Freizeit fuer die Gewerkschaft arbeiten zu lassen. Man hofft jedoch, dass bis zur Regionalkonferenz
des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften im Januar 1951 in
Mexiko ein Bund der unabhaengigen Gewerkschaften Uruguays bestehen
wird.
Interamerican Labor News
XII/50
NATIOTALKONFERENZ FUER ARBEITSGESETZGEBUNG TRITT ZUSAMMEN
Der amerikanische Arbeitsminister Maurice 7, Tobin forderte
die Delegierten der 17. Nationalkonforenz fuer Arbeitsgesetzgebung
auf, sich mit allen Mitteln dafuer einzusetzen, da3s ihre Staaten
wirksame Programme ausarbeiten, mit denen der fuer die "Verteidigung notwendige Bedarf an Arbeitskraeften gedeckt werden kann.
Die dreitaegige Konferenz fand im Bezirksauditorium in 77ashinrton statt. rtn ihr nahmen Vertreter der Gouverneure der staatlichen Aemter fuer Arbeitsangelegenheiten und Delegierte der Gewerkschaftsbewegung teil. Abgeordnete aus 41 Staaten, dem Distrikt
Columbia, "^uerto Rico und Alaska waren zugegen.
William L. Connolly, der Direktor des Amtes fuer Arbeitsnormen in US-^rbeitsministerium, der den Vorsitz fuehrte, verlas eine
Botschaft des Praesidenten an die Konferenz. In dieser Botschaft
hiess es:
"Sie treten in einer Zeit zusammen, in der Arbeitskraefte
fu3r die Ruestungsproduktion von lebenswichtiger Notwendigkeit fuer
unsere Mation sind, die sich in einem grossen Kampf gegen die
A^£?ression zur Erhaltung des Friedens befindet. Niemals ist die
Zusammenarbeit des ganzen Volkes notwendiger denn jetzt, wenn unsere Anstrengungen von Erfolg sein sollen, AUS diesem Grunde sind
die Erfahrungen und Ratschlaege der Vertreter der Gouverneure auf
dieser Konferenz von so besonderer Notwendigkeit, um angemessene
Arbeitsnormen fuer eine ununterbrochene Produktion auf lange Sicht
in den einzelnen Staaten zu sichern.
w

Ihre Erfindungsgabe und Ihre Erfahrungen koennen mithelfen,
dii Stac ten und die gesamte Nation bei.der Ausarbeitung der Richtlinien und Methoden zu unterstuetzen, die unsere Produktionsmaschinerie auf dem schnellsten V.'ege zu hoechster Leistungsfaehigkeit
bringen kann. n Vir erwarten voll Ungeduld ihre Vorschlaere und
Empfehlungen.
Arbeit3minister Tobin, der die Eroeffnungsrede hielt,, erklaerte: "Es ist jetzt erforderlich, dass unsere Ideen und unsere Energie darauf ausgerichtet werden, unsere Nation stark und unverwundbar zu machen. Zu diesem Zweck muessen wir bestrebt sein, die
grosse produktive Staerke Amerikas zu mobilisieren. Natuerlich
ist diese Staerke von den Maennern und Frauen ebhaengig, die im
Arbeitsprozeßs 3tehen und die Maschinen bedienen, die die Mittel
zu unserer Verteidigung herstellen.
n

Es ist un-ere ^ufgabe, unsere Ruestungsproduktion so schnell
wie moegj.ich zu erweitern und gleichzeitig die Ziviloroduktion auf
- 6

�einen hohen Stand zu halten. Es wird nicht leicht sein, die Arbeitskräfte fuer die Ruestungsproduktion, fuer die militaerischen
Streitkraefte und fuer die Zivilproduktion zugleich zu sichern
und dabei noch die richtigen L;ute zur rechten Zeit an den richtigen Platz zu stellen. Deshalb muessen wir versuchen, den Anforderungen der Zukunft bereits jetzt gerecht zu werden. Ich betone erneut, dasa wir damit nicht
solange warten koennen, bis die Krise
ueber uns hereinbricht.n
m

Die fruehere Leiterin des Arbeitsministeriums Frances Perkins,
die waehrend ihrer Amtszeit die erste Nationales Konferenz fuer
Arbeitsgesetzgebung einberief, ergriff ebenfalls das V,rort. Frau
Perkins, die jetzt Mitglied der Staatsdierfitkommission der Vereinigten Staaten ist, gab einen Rueckblick auf die Geschichte dieser
Konferenz und wies besonders auf die Vorteile hin, die dem amerikanischen Arbeiter aus dem Gedanken- und Erfahrungsaustausch .ueber
die Arbeitsprobleme in den einzelnen Staaten erwachsen sind.
Ein Vorschlag der Konferenz zur sofortigen vViedereinf uehrung
einer bundesstaatlichen systematischen Verwaltung der oeffentlichen
Arbeitsvermittlungsaemter wurde lebhaft diskutiert. Fuer ^en Fall,
dass eine derartige verwaltungstechnische Zusammenfassung eintreten sollte, emnfahl die Konferenz dringenjd^die Verwaltung der
oef fentlichen Arbeitsvermittluns-saemter dem Arbeitsministerium der
Vereinigten Staaten zu ueberlassen.
Die Konferenz billigte ausserdem einen Vorschlag, wonach der
Kindeststundenlohn, der im Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen festgelegt worden war, von 75 Cents auf einen Dollar erhoeht^ird
und allen Arbeitnehmern, die noch nicht unter die Bestimmungen
dieses Gesetzes fallen, dieser Schutz gewaehrt werden soll.
Labor Press Service
US-Department of Labor
12/11/50
Robert C. Goodwin, Direktor des Amtes fuer Beschaeftigungssicherhoit:
DIE JUGEND MUSS 3El:: EINRITT IN DAS BERUFSLE3EK UNTERLTÜETZT '.. ERDEN
Kuerzlich wurde ich gefragt: "Warum sind Sie so sehr an einem
zwoelfmonatigen Berufsvorbereitungsprograr.ja fuer die schulentlassene Jugend interessiert? Letzten Endes koennen die .iungen Menschen,
die in das Berufsleben eintreten, sich selbst helfen. Die Arbeitgeber wuenschen doch, dass neues Blut in ihre Betriebe kommt. Die
aelteron Leute 3ind es, denen wir unbedingt helfen mue^sten, Arbeit
zu finden."
Ja, es besteht die allgemeine Auffassung, dass es fuer die
iunp;9n Leute verhaeltnismaessig leicht sei, eine bestimmte berufliche Laufbahn zu beginnen. Und es ist gewiss richtig, dass ein
aelterer Arbeiter^, der seinen Arbeitsplatz verloren hat, besondere
Schwierigkeiten hat, einen neuen zu finden. Aber untersuchen wir
einmal die Tatsachen und stellen fest, warum wir in den ^.rbeitsvermittlungsaemtern unsere besondere Aufmerksamkeit den Jugendlichen,
die in das Berufsleben eintreten, und den eelteren Arbeitern, die
einen neuen Arbeitsolatz suchen, widmen muessen.
Vor allem wissen wir, dass jaehrlich mindestens 1 1/2 Millionen junge Menschen in den auf Konkurrenz basierenden lATbeitsi-arkt
eingereiht werden. Es i3t ausserdem allgemein bekannt, dass ,;un^e
Menschen, die Arbeit suchen, um einen Anfang fuer ein produktives
- 7-

�Arbeitsleben zu finden, einen zahlenmaessig grossen und bedeutsamen Teil der Arbeitslosen unseres Landes darstellen. Das bedeutet,
dass diese jungen Menschen verhaeltnismaessig groessere Schwierigkeiten haben, eine Beschaeftigung zu finden als irgendeine andere
Altersgruppe, und dass es den jungen Leuten nahegelegt werden
muesste, solange in der S&amp;hule zu bleiben, wie es fuer sie von
Vorteil ist. Ausserden wissen wir, dass viele junge Leute, die
als beschaeftigt registriert sind, nur als Lueckenbuesser eingesetzt sind oder Arbeiten verrichten, die ihnen kein angemessenes
Einkommen einbringen oder keine Moeglichkeit des Fortkommens bieten.
Weshalo interessiere ich mich also so sehr fuer ein zwoelfmonatiges Berufsvorbereitungsprogramm faer die schulentlassene
Jugend? Weil ich gleube, dass es die Pflicht und die Verantwortung
unseres gesamten Systems der Arbeitsvermittlungsaemter ist, diese
Kluft zwischen der Schulentlassung und dem Beginn einer geeigneten beruflichen Laufbahn fuer Hunderttausende junger Leute zu
ueberbruecken. Es ist in moralischer Hinsicht voellig falsch, die
Jugendlichen auf einer ziellosen Suche nach einer Arbeitsmoeglich-*
keit umherirren zu lassen, bevor wir Schritte unternehmen, um
diesem Misstand abzuhelfen. Auch erfuellen wir nicht unsere Pflicht
als oeffentliche ^rbeitsvermittlungsbehoerde, wenn wir bis zur
letzten 'Yoche vor Schulschluss warten, um Vorkehrungen fuer die
Registrierung der Schulentlassenen zu treffen.
Wir koennen die Probleme jener jungen Arbeitsuchenden am
besten dadurch loesen, dass wir sie im Voraus in Angriff nehmen
und Plaene ausarbeiten, die einen geeigneten Uebergeng von der Schule auf den Beruf gewaehrleisten. Das verstehe ich unter einem
zwoelfmonatigen Berufsvorbereitungsdienst fuer die Jugend, der,
wie ich es sehe, folgendermassen aussehen muss:
Mit den hoeheren Schulen und Universitaeten muessen Vereinbarungen getroffen werden, die den Verantwortungsbereich beider
Gruppen genau festlegen.
Mit allen Studenten und Schuelern muss im ersten Semester
ihres letzten Schul- oder Studienjahres Fuehlung aufgenommen werden,
um sich ueber ihre Absichten und Plaene zu informieren.
Eine sich selbst verwaltende Einrichtung muss geschaffen werden, mit der im Voraus festgestellt werden kann, wer, um einen
Arbeitsplatz zu finden, die Uhterstuetzung des Arbeitsvermittlungsbueros in Anspruch zu nehmen gedenkt.
Es muessen Vorkehrungen zur Registrierung und Pruefung all
derer getroffen werden, die eine Unterstuetzung benoetipen und die
bereit sind, die Hilfe des betreffenden Arbeitsver:JLttlungsamtes
zu akzeptieren.
Beratungen in den oertlichen Arbeltsvermittlungsaemtern
muessen fueu diejenigen ermoeglicht werden, die sie benoetigen
und wuenschen.
Die Ausarbeitung, Verteilung und Auswertung einschlaegigen
aktuellen Inforr.ationsmaterials uebar den oertlichen Beschaefti'ungsstand und die r.rbeits.?iarktlage muessen durch Vorlesungen,
Rundschreiben, Beratungen, Fabrikbesuche und Zeitungsartikel gevvaehrleistet sein, aussprachen alt Arbeitgebern oder andere Methoden, die die Bewerber mit einer passanden Beschaeftirungsrcoeglichkeit bereits vor ihrer Schulentlassung in Beruehrun^ bringen,
nuessen arrangiert werden.
- 8-

�Dies sind nur die wenigsten Massnahmen, die notwendig sind,
wenn ein zwoelfmonatiges Berufsvorbereitungsprogramm fuer die Jugend von Erfolg sein soll. Wenn man sich vergegenwaertigt, dass
505t der Schueler, die laenger als acht Jahre in der Schule bleiben, vor Beendigung des zwoelften Schuljahres diese verlassen,
gewinnt man einen weiteren Einblick in die Probleme der jungen
Arbeitsuchenden. Gewiss wird duroh ein wirksames Programm in irgendeiner Weise denen geholfen werden koennen, die die Schule verlassen, ohne eine vollstaendige Ausbildung an einer hoeheren Schule
genossen zu haben. Viele dieser Jugendlichen koennen und muessen
auf Grund des Gesetzes ueber Kinderarbeit und der augenblicklichen
und spaeteren Auswirkung einer beschraenkten schulischen Austildun/r
auf ihre Verwendungsfähigkeit in die Sohule zurueckverwiesen werden.
Die Arbeitsvermittlungsaemter muessen die Bestrebungen der
Zungen Leute unterstuetzen, eine annehmbare zeitweilige oder Ferienbesohaeftigung zu finden. Kooperative Arbeitsprogramme der Schulen,
die den Lehrplan bereichern und die Schueler zum Bleiben an den
Schulen veranlassen, muessen ebenfalls in Erwaegung gezogen werden.
Alle diese und viele andere Moegllchkeiten bieten sich uns
in Form eines wertvollen und produktiven Jugendprogramms. Wir
koennen es nicht oft genug wiederholen, dass die jungen Menschen
von heute, die Buerger von morgen sind. Diese jungen Leute bilden
ausserdem im Notfall unsere Hauptquelle militaerischer Macht.
Sie werden in der naechsten Generation Eltern, Arbeitgeber und
Staatsmaenner sein. Wir koennen sie nicht in Stich lassen, wenn
wir uns selbst nicht aufgeben wollen. Aus diesem Grunde glaube
ich, dass wir ein zwoelfmonatiges Berufsvorbereitungsprogramm fuer
die Jugend brauchen.
Employment Seourity Review
4/50
IBFG ERFOLGREICH IM KAMPF GEGEN DEN KOflflUNISMtTS
Wie der Generalsekretaer des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften, J. H. Oldenbroek, erklaerte, kann diese Organisation einige bedeutende Erfolge aufweisen, die sie in den zwoelf
Monaten seit ihrer Gruendung im Dezember vorigen Jahres in London
erzielt hat. Als Erfolge bezeichnete Oldenbroek unter anderem,
wobei die Reihenfolge nicht unbedingt der Bedeutsamkeit entsprechen muss:
,
In Brue^sel wurde eine Zentralstelle errichtet, deren Stab
sich zur Zeit aus 40 Mitgliedern zusammensetzt, die zwoelf verschiedenen Nationalitaeten angehoeren und 14 Sprachen sprechen.
Im Juli vorigen Jahres wurde in New York und vor kurzem in Singapur ein Verbindungsbuero eingerichtet. Ein weiteres wird in Genf
eroeffnet werden.
Durch die Neuaufnahme von sechs Laendern (Kolumbien, Falkland
Inseln, Neuseeland, Malayische Staaten, Pakistan und Thailand)
und den anfeenglich provisorischen Anschluss des Schweizerischen
Oewerkschaftsbundes ist die Zahl der im IBFG vertretenen Arbeiter
um eine Million erhoeht worden.
Ein eurooaeisches Sekretariat ist errichtet worden, das die
Arbeit der 21 Millionen Mitglieder zaehlenden Mitgliederorganisationen des IBFG koordiniert, die frueheren Funktionen des gewerkschaftlichen Beratungsausschusses fuer den Marshallplan uebernimmt
und die Taetigkeiten des IBFG in Verbindung mit dem Schuman-Plan
zur Zusammenfassung der Stahlindustrie koordiniert.
- 9-

�Durch die Aufnahme von Hunderttausenden asiatischer Arbeiter
in den IBFG sind dem Kom-unismus in Asien schwere Schlaege versetzt
worden. Man erwartet, dass sich auch Burma der Organisation anschliessen wird. Auch in Mittel- und Suedamerika hat der Kommunismus Rueckschlaege erlitten, von wo ein "staendiges Absinken"
des kommunistisch gefuehrten Weltgewerkschaftsbundes gemeldet wird.
Selbst in Afrika mussten die Kommunisten Niederlagen einstekken, wo die allgemeine Arbeiterunion von Tunis bereits aus dem
'Veitgewerkschaftsbund ausgetreten i^t und sich wie viele andere
afrikanische Gewerkschaftsgruppen dem IBFG an^chliessen werden.
Durch die Teilnahme an Programmen wie dem Schuman-Plan ist
auf die europaeische Vereinigung hingearbeitet worden. "Trotz gewisser Bedenken, die noch aus dem Wege geraeumt werden muessen,
unterstuetzen wir den Schuman Plan," erklaerte Oldenbroek hierzu,
"viele der Vorschlaege, die wir i... Interesse der Arbeiter gjtt der Ver
besserung seines Lebensstandards unterbreitet haben, sind angenommen worden, und man hat uns ersucht, Kandidaten fuer die Hohe Behosrde und andere Koerperschaften,
die dieses Unternehmen verwalten
werden, namhaft zu machen.n
Durch die Mitarbeit im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen, in dem der IBFG in mitberatender Eigenschaft vertreten ist, und durch die Taetigkeit im Internationalen Arbeitsamt
ist wirksam an der Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter
gearbeitet worden.
"Wir glafiben jedoch, dass dei totalitaeren Gefahr am besten begegnet werdet! kann, wenn wir unsere Forderungen nach sozialem
Fortschritt, besonders in den unterentwickelten Gebieten der :A'elt, verwirklichen," lautete die Feststellung Oldenbroeks. Der Exekutivausschuss billigte auf seiner letzten Konferenz im November einen
ausfuehrlichen Bericht ueber die wirtschaftliche Lage der Arbeiter
in diesen Laendern, der als Ausgangspunkt fuer Programme dienen
kann, unter denen Millionen Arbeiter im Kampf um Brot, Friede und
Freiheit vereinigt werden koennen."
Daily News Service
XII/8/50
DI5 HILFS gUSR JUGlPSLATTSN, CHINA UND ARGENTINIEN UND DER STANDPUNKT S S Q f t
'
Marschall Tito hat in Belgrad mitgeteilt, dass die Vereinigten
Staaten eine guenstige Haltung in der Frage djr Eilfsmassnahmen
fuer Jugoslawien einnehmen, dass sich durch die Duerre in diesem
Tahre einer Hungersnot gegenueber sieht. Tito sagt, dass die Amerikaner in den einleitenden Diskussionen an die zu leistende wirtschaftliche Eilfe keinerlei Bedingungen oder Forderungen geknuepft
haetten und "damit beweisen, dass Amerika gewillt ist, den notleidenden Voelkern durch die Tat zu helfen und ihre „orte keine leeren
^roDu-andaPhrasen sind". Er erinnerte daran, dass Amerika, als es
durch die UNNRA zum .Viederaufbau Jugoslawiens einen Beitrag von
i30 Millionen Dollar leistete, daran keine Bedingungen oder Einschraenkunfen geknuepft haette.
Gleichzeitig erklaerte Tito, dass Jugoslawiens Unabhaenrie-keit
noch immer durch die bewaffneten Streitkraefte der sowjetischen
Satellitenstaaten entlang seiner Grenze bedroht sei.
Im Einblick auf diese ins Auge gefasste wirtschaftliche Hilfe
durch Amerika, die das jugoslawische Volk in diesem V.'inter vor- einer
- 10 -

�Hungersnot bewahrt, ist es interessant, zu erfahren, welche Stellung der Exekutiv-Ausschuss der Americcn Föderation of Labor zu
dieser Frage einnimmt.
Sie verurteilt die "skrupellose imperialistische Politik dar
3owiet-Regierung, die ueberall versucht, von den kleinen T'ationon
besitz zu ergreifen und sie zu absorbieren, ihre nationale Unabhaen•i^keit zunichte zu machen und sie in das System der sowjetischen
Satelliten- und Sklavanstraten zu Dresden." Die AFL stellt weiter
fast, da^rs diese Bedrohungn30 akut geworden ist, dass sich ein
'Viderstand dagegen selbst im eigenen Lages des totalitaeren Kommunismus entwickelt hat."
Die Erklaerung des Exekutiv-Ausschusses der AFI faehrt fort:
"Die Rebellion Titos bedeutet eine ernste Gefahr fuer den russischen Imperialismus und sollte von allen freiheitsliebenden Voelkarn be^ruesst und ermutigt werden." Aber die AFL erklaert ausdruecklich, dass, "waehrend wir den V/iderstand Titos gegen Russlands Versuch, die Unabhaengigkeit Jugoslawiens zu zerstoeren, begruessen, wir keineswegs sein despotisches inneres Regime billigen
oder bestaetigen." Die AFL wirft dem Tito-Regime vor, dass es
die freie Gewerkschaftsbewegung und andere demokratische Rechte
der jugoslawischen Arbeiter unterdrueckt hat. Sie faehrt dann
fort: "Waehrend wir wirtschaftliche und andere Hilfe leisten, um
Rußlands Versuch, die nationale Unabhaengigkeit Jugoslawiens zu
zerstoeren, | durchkreuzen, duerfen wir jedoch nicht zoegern, Titos systematische Vernichtung der echten demokratischen Kraefte zu
verdammen."
Die Erklaerung scnliesst: "Die AFL verpflichtet sich, allest
was in ihrer Macht steht, zu tun, um nicht nur dem jugoslawischen'
Volke bei der Erhaltung seiner nationalen Unabhaengigkeit zu helfen"
und drueckt die Hoffnung aus, dass der Tag nicht mehr fern sei, an
dem Jugoslawien als eine wahrhaft demokratische Republik errichtet
wird."
Es erhebt 3ich die Frage: Wenn die amerikanische Arbeiterschaft
die wirtschaftliche Hilfe an Jugoslawien unterstuetzt, warum widersetzt sie sich dann einer derartigen Hilfe an des kommunistische
Ghina, oder an die Regierung Perons in Argentinien? Die Erklaerung
Ü9gt wohl darin, dass die Unabhaengigkeit Jugoslawiens bedroht ist,
waohrend die Chinas und Perons Argentinien es nicht ist. IJE -erentail, die AFL erklaert, dass China seine Unabhaengigkeit bereits
verloren hat und dass die chjiresischen Kreml-Lakaien durch Waffengewalt versuchen, die kommunistische Herrschaft auch ueber die
TCachbarnationen zu erstrecken.
Oder genauer gesagt, die AFL erhebt
die Klage, dass die Anhaenger rerons versuchen, die Kontrolle uebor
die Gewerkschaften aller lateinamerikanischen Statten zu gewinnen,
oder, fall3 ihnen des nicht gelingt, diese zu zerstoeren und Konkurrenzgewerkschaften zu gruenden.
"Unsere Regierungjwuerde im Interesse ihres Einflusses und
ihres Ansehens unter den demokratischen Kraeften der Welt klug
handeln, wenn sie diesen Verfechtern totalitaerer Dogmen und den
Vertretern eines totalitaeren Despotentums keine Freundschaft zeigen und ihnen keine Zugestaendnisse machen wuerde," heisst es weiter in der Erklaerung der AFL.
Sie weist jedoch darauf hin, dass &gt;ie zwischen dem diktatorischen Regime in Russland, 3einen Satelliten in China, Argentinien, Franco-Spanien, Jugoslawien und anderen Laendern mit totalitaBren Regierungen und den Voelkern selbst, denen diese Tyrannei
aufgezwungen ist, eine klare Linie zieht. Sie sichert erneut ihre
Freundschaft, Sympathie und Solidaritaet den VoeUfern dieser Laender
- 11 -

�zu, deren ueberwaeltigende Mehrheit sowohl den Kommunismus als
auch den Faschismus ablehnt, denen man jedoch das Recht verweigert,
fuer die Freiheit sich zu entscheiden.
Durch den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften, der in
Kuerze regionale Organisationen in Asien, Afrika und Lateinamerika
errichten wird, wird die amerikanische Gewerkschaftsbewegung fortfahren, die demokratischen Gewerkschaften auf diesen Kontinenten
zu unterstuetzen.
News Section Talks Unit
10/31/50
VERBESSERUNGEN DER SOZIALVERSICHERUNG AMERIKAS GEFORDERT
Robert Ball vom bundesstaatlichen Buero fuer soziale Sicherheit wies darauf hin, dass selbst rfach den neuesten Verbesserungen der Sozialversicherungsgesetzgebung "noch viel getan werden
muesse," Die Sozialunterstuetzung muesse noch auf weitere grosse
Teile der Bevoelkerung ausgedehnt werden, die zur Zeit hiervon
noch ausgeschlossen sind. Auch Arbeitsunfaehige oder kranke Arbeiter muessten besser geschuetzt werden, zumal die Arbeitslosenversicherung unzureichend ist. Er forderte ein umfassendes freiwilliges oder obligatorisches Krankenversicherungsprogramm, um
die umfangreichen Kosten fuer Krankenbehandlung decken zu koennen.
Lane Kirkland von der Forschungsabteilung der AFL ging auf
Einzelheiten hierzu ein und erklaerte: "Nur eine obligatorische
Krankenversicherung waere eine Gewaehr dafuer, dass die Mindestnormen medizinischer Behandlung eingehalten werden koennen.
Murray Latimer, ein Sozialversicherungsexperte, erklaerte,
die juengsten Fortschritte der Gewerkschaften bewiesen, dass sich
die Unternehmer durchaus fuer die V/ohlfahrt der Familien ihrer
Arbeitnehmer verantwortlich fuehlen. Vor Inkrafttreten des Pensionsplanes haetten die Pensionierten von unzureichenden Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung leben muessen, und Witwen
waeren oft gezwungen gewesen, zu arbeiten, um hierdurch die unzureichenden Hinterbliebenenrenten zu ergaenzen.
Kenneth Kramer von der Textilarbeitergewerkschaft des CIO
sagte, dass der CIO eint, fuehrende Stellung in dem wirtschaftlichen Ringen unser3r Zeit und des Kampfes um die Verbesserung des
allgemeinen Lebensstandards einnaehme und nicht nur die finanziellen Interessen seiner eigenen Mitglieder vertreten wuerde. Der
CIO hat Programme unterstuetzt, die die Unzulaenglichkeiten des
gegenwaertigen Sozialversicherungssystems beseitigen wuerden.
Er forderte Progranne zur Unterstuetzung Arbeitsunfähiger, eine
ausreichende Arbeitslosenunterstuetzung und eine bundesstt.atliche
Krankenversicherung. "Wir muessen fuer die Probleme der Kinder
und der Familien unserer Arbeiter Verstaendnis haben. '.Vir muessen
versuchen, hoehere Loehne, Vollbeschaeftigung, soziale Sicherheit
und Sozialunterstuetzung fuer alle Schichten unserer Bevoelkerung
durchzusetzen.M
Daily News Service
XII/6/50
AÜSSSTTPOLITISGr^

EAKI^EULTG

DES CIO ZUR VEREINIGUNG EUROPAS

Der CIO b e g r u . e s s t den S c h u m a n - P l a n a l s e i n M i t t e l z u r G t a e r k u n g
d e r E i n h e i t E u r o p a s , d e s s e n .Programm d i e Z u s a m m e n a r b e i t d e r S c h w e r i n d u s t r i e n d e s K o n t i n e n t s auf g e s a m t e u r o p a e i s c h e r B a s i s v o r s i e h t .
- 12 -

�Vir empfehlan den Vertretern des IBFG, dem Plan, dessen Entwicklung
sie mit Interesse verfolgt haben, weiterhin ihre Aufmerksamkeit
zu schenken. .Vir wiederholen, da3s der Erfolg des Planes davon
abhaengig ist, ob seine Einzelheiten in einer fuer die Gewerkschaften, die an den diesbezueglichen Konferenzen teilnehmen, befriedigenden Weise ausgearbeitet werden.
Wir sind der Auffassung, dass alle Maasnahmen, die auf eine
engere Zusarjnenarbeit Westeuropas gerichtet sind, von unserer Regierung mit allen Mitteln unterstuetzt werden muessen.
Zur Verwirklichung der wirtschaftlichen Vereinigung Europas
muss die Macht der Kartelle, die die Produktion einschraenken und
das wirtschaftliche Leben Europas beherrschen wollen, gebrochen
werden. Die Wirtschaft ist so zu organisieren, dass ein Maximum
an Produktion gewaehrleistet wird und den wirtschaftlichen Beduerfnissen der Menschen in genuegendem Masse entsprochen ist.
Wir fordern unsere Regierung auf, den Abschluss eines Friedensvertrages mit Y/estdeutsohlend zu beschleunigen. Der Wiederaufbau eines*vereinigten demokratischen Deutschlands ist durch Russland unmoeglich gemacht worden, weil es mit den drei westlic'
33satzungsmaechten nicht zusammenarbeiten will. Ein weitere,
warten waere gefaehrlich. Der Ausschluss des deutschen Volkes aus
der europaeischen Gemeinschaft und das Fehlen einer selbstaendigen
Regierung schwaechen unsere Freunde in Deutschland und drohen, die
militaristischen und nazistischen Ueberbleibsel in Deutschland zu
staerken.
Das deutsche Volk muss sich viel eifriger der Aufgabe widmen,
sein Land von frueheren nazistischen Einfluessen auf dem gesamten
Sozialgebiet zu befreien, wenn es in der Gemeinschaft freier Nationen ein vollberechtigtes Mitglied werden soll. Wir sprechen den
Gewerkschaften unsere Anerkennung fuer ihre Bemuehungen in dieser
Richtung aus und sichern ihnen in ihrem Kampf gegen den Kommunismus unsere uneingeschraenkte Unterstuetzung zu. Wir fordern sie
auf, ihre Anstrengungen zu verdoppeln, um die Zusammenarbeit deutscher Industrieller und Kartelle mit Sowjetrussland und seinen
Satelliten anzuprangern und zu bekaempfen. Wenn einige deutsche
Industrielle die Kommunistische Partei Deutschlands durch Reklame
in der kommunistischen Presse finanziell unterstuetzen, so ist
das ein Verrat am deutschen Volk. Diese Versuche, Sowjetrussland
durch Geldgeschenke an die kommunistische Partei, als Reklame getarnt, zu beschwichtigen, nehmen dem deutschen Volke die Hoffnung,
sich in die Weltgemeinschaft der freien Nationen einzureihen.
ECA Labor Information
SELBSTÄNDIGKEIT DER MARSHALL- PLAN-LAENDER IST GARANTIERT
William C. Gausmann, der ECA-Beauftragte fuer Arbeitsinformationen in Grossbritannien, versicherte vor kurzem den Gewerkschaftern Schottlands, dt-ss die Marshall-Plan-Politik keine Einmischung
in die grundlegende Wirtschaftspolitik der Regierungen darstelle,
und wies damit erneut die uebliche kommunistische Behauptung zurueck, die Laender, die Mittel der Marshall-Plan-Hilfe erhalten,
seien zu Werkzeugen der Wall Street geworden.
Er wies darauf hin, dass die demokratischen Regierungen, die
sich am 'Yiederaufbauprogramm beteiligen, in der Art und Weise, in
der sie ihre wirtschaftlichen Probleme zu loesen suchen, grosse
Unterschiede aufweisen. Einige von ihnen sind ihrem Wesen entspre- 13 -

�chend kapitalistisch, v*t»afcraa* andara sosifcllstiscfa &lt;*ind. Verantwortlich sind sii jedoch nur ihrer ".'a ahler^chaft ge.'enueber. T'ur
die Voelker selbst haben das Recht, ihre grundlegenden Regierungsprogramme zu formulieren, waehrend der Marshall-Plan dazu bestimmt
ist, ihnen in jeder Weise zu helfen, ihren Lebensstandard zu verbessern.
"In England sehen wir ein ausgezeichnetes Beispiel hierfuer,"
sagte Gausmann. "Der kommunistischen Propaganda zufolge waere
die vor kurzem erfolgte Nationalisierung der britischen Stahlindustrie unter den I'arshell-Plen niemals moeglich gewesen - weil
"Vall Street es nicht zugelassen haette - ... Die Vereinigten Staaten betrachteten diese Frage jedoch immer als eine Angelegenheit,
ueber die das englische Volk allein zu entscheiden hat."
Gausmann beschrieb in einzelnen die GescLichte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung und unterstrich die Tatsache, dass
Amerika, geographisch gesehen, ein Kontinent ist, der sich aus
sehr verschiedenen Wirtschaftsgebieten zusammensetzt, und dass
diese geographische Vielfalt noch durch die unterschiedliche kulturelle Tradition der amerikanischen Erwerbsbevoelkerung unterstrichen wird. "Die Folge hiervon war, dass sich" die organisatorische
Arbeit der Gewerkschaften aeusserst schwierig gestaltete. Sie
musste auf rein gewerkschaftlicher Basis und auf bezirklicher und
nicht staatlicher Ebene durchgefuehrt werden."
"Es dauerte lange, bis zumindest die Arbeiter Amerikas auf
Grund der wirtschaftlichen Krise das Vertrauen zum unkontrollierten Kapitalismus verloren. Dank der Gesetzgebung des New :&gt;*al
vor allem wurde die Schwerindustrie organisiert, die Bedeutung
der Sozialgesetzgebung anerkannt und die Gewerkschaften gewannen
nicht nur lokale, sondern darueber hinaus fuer ganz Amerika eine
umfassende Bedeutung."
"Die amerikanischen Gewerkschaften, die heute politisch aktiver als je zuvor sind, streben nicht nach der Kontrolle des Landes, sondern nach den Einfluss, durch den sie sich die Hilfe der
Regierung zur Erreichung ihrer zukuenftigen Ziele sichern koennen.
Diese bestehen in erroesserer Sozial- und Beschaeftigungssicherheit, hoeheren Reailoehnen und der Angleichung der niedrigeren
Loehne an die der besser bezahlenden Industrien. Ausserdem soll
dafuer gesorgt werden, dass.das Einkommen eines Arbeiters aus der
Zeit, in der er an besten verdient, nicht reduziert wird, wenn.,auf
Grund seines alters seine Verdienstfaehigkeit naQhlaesst. Ferner
sollen unsere Hilfsquellen zum Nutzen der gesamten Bevoelkerung
besser ausgebeutet werden."
Lab'our News from the ü. S. ,
American Smbassy, London
XII/11/50
'JCA-LEII^R

.

-V:D^RT

::CLi:ER.,r

LEBENSSTANDARD FUER EUROPA

Botschafter Tülton Katz, -der hoechste Amtstraeger der ECATÜssion in Sttrooa, ist der Tfeinung, dass ein hoeherer Lebensstandard der Arbeiter von ausschlaggebender Bedeutung fuer ein freies
Europa ist.
Katz ist der Auffassung, dass die Zukunft des freien Europa
davon abhaengt, ob die folgenden vier Ziele erreicht werden: gesteigerter Export, besonders nach den Dollargebieten; hoehere Investitionen fuer die eigene Ausruestung; ein besserer Lebensstandard
- 14 -

�fuer die ^rbeiter und genuegende Verteidi^ungsmassnahmen gegen
Aggressionen.
"In der heutigen 'Veit," so erklaerte Botschafter Katz vor kurzem vor dem Franzoesischen Parlamentsausschuss fuer Handel," sind
diese Notwendigkeiten nicht sofort und restlos zu erfuellen. .Vir
niuessen .iedoch danach streben, sie so zu erfuellen, dass sie ein
gewisses Gleichgewicht bilden, und um diese lebenswichtigen Erfordernisse in vernuenftigem Masse befriedigend und ein angemessenes
Gleichgewicht unter ihnen herstellen zu koennen, muss die Produktions
leistung erhoeht werden."
"Unter Produktivitaet," fuhr der Botschafter fort, "verstehe
ich eine bessere Kombination von Arbeitskraft, Geld, Maschinen,
Material und Zeit, um mit den gleichen Anstrengungen mehr Waren
als bisher zu produzieren und zu verteilen."
Im Jahre 1900 3ei die Produktionsleistung in Europa, gemessen
an der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion pro Mann
und pro Arbeitsstunde, die gleiche gewesen wie in den Vereinigten
Staaten. Seitdem sei sie aus vielen begreiflichen Oruenden, vor
allem durch die destruktive Auswirkung zweier verheerender Kriege,
auf ein Drittel bezw. ein Viertel der Produktionsleistung der Vereinigten Staaten zurueckgegangen.
Heute belaeuft siel, die Gesamtproduktion Suropas auf etwa
135 Milliarden Dollar jaehrlich.. Wenn das freie Europa seine Produktion um ein Drittel des UnteT-'-chiedos zur Produktion der Vereinigten Staaten steirern koennte, so wuerde das eine zusaetzliche
Produktion von Guetern im ".'erte von 100 Milliarden Dollar jaehrlich
bedeuten, ein Ziel, das nach ansieht der ECA-Sechverstaandipen zu
erreichen ist und wesentlich dabei helfen wuerde, die genannten
vier Notwendiskeiten zu erfuellen.
Eine derartige Steigerung der Produktion zu erreichen, waere
solb3t fuer eine V.'elt, in der-alle guten Willens sind, eine r*ros-e
Aufgabe. Jedoch ist haute nicht die ganze Welt auf dan Wohl Europas bedacht. "Die ^oelker und Regierungen" Europas muessen ihre
Arbeit unter ruecksichtslosen und unablässigen Anfeindungen des
reaktionaeren Ko;:r,iunismus verrichten."
An die vielen Methoden erinnernd, durch die die Reaktionaere
in Moskau versucht haben, den Marshall-Plan und andere Wiederaufbaubemuehungen der freien Welt zum Scheitern zu bringen, wies Katz
auf den durch die kommunistische Invasion in Suedkorea eingetretene
Wende in der kommunistischen Politik hin.
"Zum erstenmal," sagte er, "ging die kommunistische Aggression
ueber politische und Guerillaatttcken hinaus und brach eine regelrechte, aggressive Offensive ueber eine politische Grenze hinaus
vom Zaun."
"Bis jetzt waren die im Marshall-Plan vereinten freien Nationen im Kamof gegen Hunger, Verzweiflung, Chaos und Furcht in Europa siegreich," fuhr Katz fort. "Europa hat seine Produktion, seinen
Handel und seine WaehrungsSysteme wieder aufgebaut. Die Inflation
wurde im allgemeinen ueberwunden, es herrscht ein hoher Beschaeftigungsstand, und der Kommunismus verlor fast alle politischen Wahlen und auch seine Herrschaft ueber die Gewerkschaften. Das freie
Europa hat staendig seinen Gemeinschaftssinn unter Beweis gestellt
und die Hoffnung und den Willen wiedererlangt, einer Zukunft entgegenzugehen, die man zwer noch nicht genau uebersehen, an die man
jedoch glauben kann."
- 15 -

�"Bis zu den Vorfaellen in Korea waren die Ziele und der "Vorlauf des Wiederaufbauprogramms durch die Verhaeltnisse gerechtfertigt. Die Grund prob lerne wurden erkannt und In Angriff genommen; unter den euroDaeischen Arbeitern, besonders in Frankreicii und
Italien, herrschte grosse Unzufriedenheit, und es wurden wirksame
Massnahmen ergriffen, um diesem Uebelstand. abzuhelfen.
Angesichts der Ereignisse in Korea haette sich dieses Programm
iedoch als unzureichend und zu langsam erwiesen, aber die zukuenftigen Aufgaben sind durcn den letzten Schlag der Sowjets klarer
zutage getreten.
"In der kommenden Zeit," so versicherte Katz, "muessen wir gemeinsam die militaerische Staerke und die politische Macht des
freien Europas wiederherstellen. Wir muessen gemeinsam Mittel und
Wege finden, um Deutschland zu einem verlaesslichen und geachteten
Mitglied der freien europaeischen Gemeinschaft zu .gewinnen."
"Die Bedingungen muessen geschaffen werden, unter denen die
benachteiligten Arbeiter Frankreichs und Italiens den Glauben an
die Gemeinschaft, zu der sie gehoeren, wiedererlangen und ihre Gewerkschaften von der Umklammerung des Kommunismus befreien koennen."
Katz schloss mit den Worten: "Das freie Europa muss die Vision
der Zukunft im Auge behalten, und seine Bestrebungen darauf ausrichten, einen Frieden in Gerechtigkeit und Freiheit zu schaffen
und dem Einzelnen die Moeglichkeit geben, vorwaertszukoramen. Der
Schluessel zu diesen Dingen ist die Sicherheit des Arbeitsplatzes
und ein angemessener Lebensstandard."
EGA Labor Information
12/13/50
ILGWU WUENSCHT ivnSUSS INVAIIDENSCHUTZGESETZ .
Die Internationale Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft
(ILGWU-AFL) hat vorgeschlagen, das gegenwaertig gueltige Gesetz fflr
Invalidenunterstuetzung abzuschaffen und es durch ein "gesundes
und angemessenes Gesetz" zu ersetzen.
James Lipsig, der stellvertretende Exekutivsekretaer der
ILGWU, erklaerte vor einem gemeinsamen legislativen Ausschuss fuor
Arbeitsfragen in New York, dass dieses Gesetz den Grundprinzipien
einer gesunden Sozialversicherung widerspricht. Er zeigte an Hand
der Ergebnisse einer Untersuchung, dass letzlich die ürbeiter die
Kosten fuer die Invalidenversicherung zu tragen haben, und schlug
vor, sofort eine Neufassung des Gesetzes herauszugeben, die eine
Finanzierung der Versicherung durch die Unternehmer vorsieht. Er
berichtete, dass 220,000 Mitglieder der Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft nur von der Invalidenunterstuetzung leben muessen, wenn
nicht der Gesundheits- und Wohlfahrtsfonds ihrer eigenen Gewerkschaften einen Zuschuss gibt.
Die Methode, die Unterstuetzungen aufgrund des durchschnittlichen Wochenverdienstes einer 40-Stunden-Woche zu erreichnen, sei
aausserst ungerecht und muesse abgeschafft werden. Er befuerwortete
die Verfahren und Methoden des Arbeitslosenversicherungsgesetzes.
Daily News Service
12/5/50
- 16 (27-12-50) 2222 5 • 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die foigeadea Artikel «teilen Auszug« aaa der aaterikaalecliea Preeae aad aaderaa Qaellea dar aad dienen
der laiaraiatioa deatacher Sedakteur*, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen aad deren Mitglieder.
•OB dieeem Material kenn aaelagoeekrlakt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können koatealoe bei
Office ei Labor Affair»
HICOG, APO 757, Frankfurt
aagelordert werden. Aal Wunsch werden dioae auch eiatelaea Iatereeeeotoa direkt durch die Poet angeleitet.
Dar Inhalt dar „Arbeitamltteiluugea" lat aiebt ala offitielle Meinung oder Stellungnahme der amerikaniachen
MlUtafioglomag, noch irgendeiner Dienststelle der Regiemag der Vereinigten Staaten aafaafaeeea.

II - 43-44

Frankfurt, 6. Januar I950

INHALTSVERZEICHNIS
Kommunisten I t a l i e n s fuer den Marshall Plan
Feuerfestes Haus fuer achttausend Dollar

2

—

. . .

Index der Iebenshaltungskosten in den U.S. revidiert

- -

3
4

Bessere Aussichten fuer die berufstaetige Frau in Amerika 5
Britische Metallarbeiter berichten ueber amerikanische
Produktionsleistung . . . . . .

. . . . . . . . . . .

6

100.000 Dollar fuer Gewerkschaftschule der IIGWÜ . . . .

18

CIO Resolution zur Gemeinschaft Bauer-Arbeiter

18

Arbeit durch Marshall Plan . . .

—

— . . . .

. . .

IQ

�KOMMUNISTEN ITALIENS FUER TEN MARSHALL PLAN.
Der Gewinn, den die Marshall Plan Hilfe I t a l i e n b r i n g t , l i e g t fuer jeden
so klar auf der Hand, dass selbst die Kommunisten ihre Bemuehungen abgedaempft
haben, die darauf z i e l t e n , dieses Programm i n Misskredit zu bringen»
Die neue und ermutigende Tendenz kam i n dem freundlichen Empfang zum
Ausdruck, der dem Leiter der ECA Sondermission i n I t a l i e n , Mr. James D. Zellerbach , waehrend einer Besichtigungsreise durch die Region Emilia b e r e i t e t
wurde. Dieses Gebiet i s t a l s eine der staerksten komministisehen Hochburgen
des Landes bekannt. In vielen Sektoren sind 8O5S der gesamten Bevoelkerung
Kommunisten.
Im Verlaufe seiner 3-taegigen Reise wurde Mr. Zellerbach von fuenf kommunistischen Bu erger meistern und einem kommuni s t i sehen Hilf sbu er germe i s t e r willkommen geheissen. Vier der Buergermeister sprachen oeffentlich zugunsten des Mars h a l l Planes. Viele kommunistische Fuehrer nahmen zusammen mit der ECA Gruppe
an Essen t e i l , bei denen ausser Mr. Zellerbach auch Andrew H. Berding, Chef der
Informationsabteilung, und Thomas A. Lane, Leiter der Abteilung fuer Arbeit, zugegen waren.
I n Bologna, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und der Region Emilia,
h i e l t Buergermeister Dozzi , ein prominenter Kommunist, der i n Moskau geschult
wurde, eine Rede, i n der er sagtet "Sie brauchen nur die hiesige ERP Ausstellung
zu besuchen, und Sie werden konkrete Beweise fuer die unleugbaren Gewinne haben,
die I t a l i e n dem Marshall Hilfsprogramm zu verdanken hat.*
Buergermeister Dozzi hat kuerzlich Raeume im Stadtzentrum zur Verfuegung
g e s t e l l t , i n denen die Marshall Plan Ausstellung kostenlos untergebracht werden
kann.
Die Ergebnisse seiner Reise zusammenfassend e r k l a e r t e Mr. Zellerbach i n San
Franzisko, Kalifornien, am 30. November 1 "Man kann dieses Phaenomen, das heute
Gegenstand so v i e l e r Kommentare i n I t a l i e n i s t , i n verschiedener Weise erklaeren;
die einfachste und treffendste Darstellung i s t jedoch durch die Tatsache gegeben, dass die kommunistischen Fuehrer sich nicht laenger den sichtbaren Tatsachen
verschliessen und zugeben, dass durch den Marshall Plan I t a l i e n geholfen wird.
"Es i s t noch nicht so v i e l e Monate h e r , dass die Kommunisten Tag und Nacht
die Trommeln schlugen, um die Bevoelkerung auf ihre Beschuldigungen aufmerksam
zu machen, dass der Marshall Plan den Ruin I t a l i e n s bedeuten wuerde. Da die
Gefolgsleute der Kommunisten j e t z t offenkundige Beweise fuer die durch den Mars h a l l Plan bewirkten Verbesserungen i n ganz I t a l i e n vor Augen haben, laufen ihre
Fuehrer Gefahr, ihre Anhaengerschaft zu v e r l i e r e n , wenn sie auch weiterhin das,
was augenscheinlich i s t , leugnen."
•

Waehrend Zellerbach seine guten Erfahrungen a l s weiteren Beweis fuer den
Krebsgang des Kommunismus i n ganz Europa begruesste, warnte er seine Zuhoererschaft davor zu glauben, dass der Kampf gegen den Kommuni smus gewonnen s e i . Er
erklaerte t
"Noch tobt der Kampf, noch sind die Schlachtlinien gezogen, und die kommunistischen Fuehrer, die die Befehle Moskaus befolgen, sind immer noch Agenten der
russischen P o l i t i k . Gerade j e t z t i s t nicht der Augenblick, i n unserer Wachsamk e i t nachzulassen oder unsere Anstrengungen zu verringern« 1 *
ECA Labor Information
15. Dezember 1949

- 2 -

�FEUERNESTES HJUS FUER ACHTTAUSEND DOLLAR.
(Von Dan Smyth, Korrespondent des AFL NEWS SERVICE i n Chikago).
Der Gewerkschaftsrat der Bauarbeitergewerkschaften i n Chikago s e t z t sich
fuer e i n Gesetz ein« nach dessen Bestimmungen nur Baumaterialien verwendet
werden s o l l e n , d i e bei Ausbruch e i n e s Brandes dem Feuer solange widerstehon,
b i s die Bewohner i h r e Wohnung v e r l a s s e n und d i e Feuerwehrleute e i n g r e i f e n
koennen.
Ein vorgeschlagenes neues Gesetz, das nun dem Stadtrat v o r l i e g t , wuerde
die Verwendung e i n e s PflanzenfaserProduktes g e s t a t t e n , das sich schon bei dem
Brand des H o s p i t a l s i n Effingham, 1 1 1 . , a l s a e u s s e r s t g e f a e h r l i c h erwiesen
h a t . Dieser Katastrophe im April d i e s e s Jahres f i e l e n 74 Menschenleben zum
Opfer. Die National Fire Protection A s s o c i a t i o n (Nationale Feuerschutz G e s e l l schaft) s c h r e i b t das Feuer i n dem B o t e l "LaSalle", bei dem e b e n f a l l s sehr v i e l e
Menschen umkamen, zum grossen T e i l derselben Ursache z u .
Die Bauarbeitergewerkschaften der AFL bauen zusammen mit der National
A s s o c i a t i o n of Real Estate Boards (Nationaler Verband der Grundstuecksmakler)
i n Chikago zu demonstrativen Zwecken e i n Haus, um zu beweisen, dass die Wohnungen, die s i c h die arbeitende Bevoelkerung l e i s t e n kann, auch sicher s e i n
koennen.
Byron Dalton, der Geschaeftsfuehrer der Stuckarbeitergewerkschaft i n Chikago, v e r t r i t t die I n t e r e s s e n der Baugewerbe bei diesem Projekt. Er kaempft
gegen eine Lockerung i n den s t a e d t i s c h e n Bauvorschriften an, durch die eine
w e i t e r e Verwendung von E r s a t z s t o f f e n fuer Gips i n der Decken- und Wandkonstruiction erlaubt wuerde.
Dieses Haus s o l l keine Antwort auf die Atombombe s e i n , sagte Dalton, aber
e s wird gegen Feuer oder Explosion widerstandsfaehiger a l s irgendein anderes
s e i n . £ s gibt h i e r keine losen oder hervorstehenden Verzierungen, d i e im
F a l l e e i n e r Explosion zu Wurfgeschossen werden koennten.
"Und Sie koennten e s s e l b s t mit einem Flammenwerfer n i c h t i n Brand
stecken*, sagte Dalton.
Das Haue s o l l 8,000 Dollar k o s t e n . Nach Beendigung der Vorfuehrung wird
e s v e r s t e i g e r t werden, und der E r l o e s f l i e s s t dem Chikago Community Fund, einer
WohltaetigkeitsrOrganisation, z u . Die Grundstuecksmakler werden fuer das Grundstueck und eine Garantie p o l i c e sorgen; d i e Gewerkschaften s t e l l e n Arbeitskraefte
und Material zur Verfuegung.
Das Baugrundstueck wird 121, Fuss lang und 45 Fuss b r e i t s e i n . Das Haus
hat 5 Schlafzimmer und wird aus Zementbioecken gebaut. Der Rissboden i s t aus
Beton. Die Aussenwaende und das Dach werden mit einer Portland Zement-PerlitGips Mischung unter Anwendung e i n e r Maschine, einer Moertelpumpe, v e r p u t z t .
Diese Maschine besteht aus einem grossen T r i c h t e r , der auf v i e r kleinen
Raedern s t e h t , daran e i n 3-Z0II Schlauch, durch den d i e Mischung aus Zement und
Gips g e t r i e b e n wird. Sie i s t b e r e i t s bei einem s t a a t l i c h e n Wohnungsbauprojekt
i n Chikago zur Anwendung gekommen, wird jedoch im Kleinwohnungsbau nun zum
erstenmal e i n g e s e t z t .
Die Maschine a r b e i t e t s c h n e l l e r und b i l l i g e r a l s die a l t e Methode des Verputzens mit der Maurerkelle. Waehrend e i n Arbeiter die Mischung mit dem Schlauch
an die Wand s p r i t z t , g l a e t t e t e i n anderer mit einem B r e t t nach. Ausserdem i s t
d i e s e s Verfahren weit sauberer a l s die frueheren, denn der grosse Mischer kann
ausserhalb des Hauses b l e i b e n , waehrend der Moertel durch den Schlauch i n die
Raeume gebracht wird.
AFL Weekly News Service
8 . November 1949

-3 -

�INDEX. DER LEBENSHALTUNGSKOSTEN IN DEN U . S . REVIDIERT.
Die Regierung begann eine schon lange f a e l l i g e Revision i h r e s Index fuer
Lebenshaltungskosten. Nach dein bestehenden Index wurden die Schwierigkeiten
der Arbeiter staendig unterscriaetzt, die s i e h a t t e n , um mit ihrem Lohn ihre
Beduerf n i e s e decken zu koennen.
AFL Funktionaere begruessten d i e s e Aktion und ersuchten die Gewerkschaft e r , ihre Kongressteilnehmer daran zu erinnern, dass zur Vollendung des d r e i jaehrigen 4 Millionen Dollar Projektes noch weitere Geldmittel b e w i l l i g t werden
muessten. In der e r s t e n Sitzung des 8 1 . Kongresses wurden nur 1.126.000
Dollar fuer die Arbeiten des e r s t e n Jahres zur Verfuegung g e s t e l l t .
• S e i t langer Z e i t fordern wir diese R e v i s i o n , " sagte George Brooks. Mr.
Brooks i s t Direktor der Forschun^sabteilung i n der Gewerkschaft der Papiermuehlenarbeiter unc Vorsitzender des Beratungsausschusees der AtL im S t a t i s t i schen Amt des Arbeitsministeriutns«
•Die R e v i s i o n h a e t t e schon lange durchgefuehrt werden s o l l e n , " sagte er«
"Der Index hat bestaendig die Lebenshaltungskosten der Arbeiter a l s v i e l zu
n i e d r i g angegeben, denn der f e s t g e s e t z t e Mietbetrag war bei weitem nicht ausreichend."
Ein anderer AFL Funktionaer meinte, dass der Wechsel "auf die j e t z i g e ,
r e l a t i v groeesere Bedeutung des F l e i s c h e s gegenueber der Kartoffel" zurueckzufuehren s e i . Darin s p i e g e l e s i c h die Umwandlung i n den hoeheren Lebensstandard
wider, die s i c h s e i t der Depression von 1935* a l s d e r j e t z i g e Index a u f g e s t e l l t
wurde, v o l l z o g e n h a t .
Der Finanzsekretaer der AFL, George Meany, fuehrte waehrend des Krieges
einen schweren Kampf, um den Lebenshaltungskosten-Index so r e v i d i e r e n zu koennen, dass er hoehere P r e i s e , niedrigere Qualitaeten und den Mangel an Waren
w i d e r s p i e g e l t e . Es gelang damals, e i n i g e Zugestaendnisse h i n s i c h t l i c h der Verschlechterung der Qualitaet zu bekommen, aber die Regierung weigerte s i c h ,
grundlegende Probleme zur Berichtigung e i n e s fuer den Arbeiter unguenstigen
Index i n Angriff zu nehmen.
Man erwartet von dieser R e v i s i o n , dass e i n wahrheitsgetreueres Bild e n t stehen wird. Die fuer den Arbeiter unguenstige Lage wird jedoch nicht ganz bes e i t i g t werden koennen, w e i l mit Beginn der neuen Erhebung die Preise im sinken
b e g r i f f e n waren.
Der Index i s t e i n e monatliche Zusammenstellung der P r e i s e von mehr a l s
1.500 Verbrauchsguetern oder D i e n s t l e i s t u n g e n , die von Familien i n der Stadt
mit Durchschnittseinkommen (3.000 Dollar j a e h r l i o h ) gekauft worden s i n d . Preise
fuer Lebensmittel, Bekleidung, M i e t e , Hausrat, T r e i b s t o f f , E l e k t r i z i t a e t und
Gas, sowie fuer verschiedene andere Waren und D i e n s t l e i s t u n g e n sind darin enthalten.
Iwan Clague, der Beauftragte des S t a t i s t i s c h e n Amtes im U . S . Arbeitsministerium, e r k l a e r t e , dass der Index erneuert werden muesste, um auch den Haushaltsausgaben fuer gefrorene Nahrungsmittel, Fernsehgeraete, e l e k t r i s c h e Kuehlschraenke und Gefluegel Rechnung tragen zu koennen.
Er kuendigte a n , dass die Erhebung 34 Staedte umfassen werde und b i s zum
] | . November i n 11 von ihnen mit den Untersuchungen begonnen werden s o l l . Angaben ueber etwa 500,000 Wohnungen, ueber Ausgaben i n mehr a l s 20.000 Familien
und ueber P r e i s e i n Tausenden von Laeden des Einzelhandels und D i e n s t l e i s t u n g s betrieben s o l l e » gemacht werden.
Der neue Index s o l l im Jahre 1952

zum

- k -

Gebrauch f e r t i g s e i n .

�Mr. Brooks e r k l a e r t e , dass e s der AFL vor allem daran gelegen s e i , den
Mietkoraponenten b e r i c h t i g t zu sehen. Er s a g t e , dass dieser s i c h sehr nachteil i g fuer die Arbeiter auswirke, da die ungeheuer grosse Zahl der Wohnungen,
die s e i t dem Kriege neu gebaut wurden, nicht b e r u e c k s i c h t i g t s e i . Ebenso
z e i g e er nicht die hoeheren Kosten fuer Eigentuemer a l t e r oder auch neuer
liaeuser. Er z i e h t ferner n i c h t d i e steigende Anzahl von Arbeiterfamilien i n
Betracht, die e i n e i g e n e s Haus b e s i t z e n , und d i e oftmals zum Ankauf e i n e s
Hauses gezwungen gewesen s i n d , w e i l z u f r i e d e n s t e l l e n d e Mietswohnungen nicht
vorhanden waren.
Inzwischen s t e i g t der Lebenshaltungskosten-Index an. Er ging um £/6 im
September i n d i e Hoehe und i s t nun 27JC hoeher a l s im Juni 194&amp;. a l s die i T e i s kontrollen aufgehoben wurden, und 72% hoeher a l s im August 1939« Ki n Jaor
zuvor l a g er nur um 35g t i e f e r .
AFL Weekly News Service
8« November 1949

BESSERE AJSSICnTEN FJER DIE BERUFSTAETIGE IRAU IN AMERIKA.
WASHINGTON — (Amerika Dienst) — Die Frauen erobern sich immer mehr Ber u f e , wie aus verschiedenen Veroeffentlichungen der Frauenabteilung im ü . S . Ar beitsminieterium hervorgeht. Waehrend den Frauen vor hundert Jahren m r
sieben Berufe offenstanden, a r b e i t e n s i e heute b e r e i t s i n rund 440 v e r s c h i e denen Berufsgruppen S e i t e an S e i t e mit ihren maennlichen Kollegen»
Die bestbezahlten l o s t e n finden Frauen nach den juengsten Schaetzun^en
i n g e i s t i g e n Berufen, a l s selbstaendige Unternehmer und a l s l e i t e n d e Anges t e l l t e oder Beamte. I n d i e s e n Berufen sind heute ungefaehr 2 Millionen
Frauen t a e t i g .
S e i t 1940 haben etwa eine halbe M i l l i o n Hausangestellte i h r e Stellungen
aufgegeben, um s i c h besser bezahlte Arbeit zu suchen. Insgesamt gibt e s i n
den Vereinigten Staaten gegenwaertig rund 17.5 Millionen b e r u f s t a e t i g e Frauen,
das sind 30%.aller Frwerbstaetigen und 3US der weiblichen Bevoelkerung der
U.S.A. ueber 14 Jahren. Unter den Arbeiterinnen befinden s i c h w e i t meU v e r h e i r a t e t e a l s l e d i g e Frauen.
Nach den bisherigen'Erfolgen der b e r u f s t a e t i g e n Frau zu u r t e i l e n und i n
Anbetracht der Tatsache, dass die Faehigkeiten der Frau i n den U.S.A. wie nie
zuvor anerkannt werden, i s t anzunehmen, dass s i e noch erhebliche F o r t s c h r i t t e
auf diesem Gebiet machen w i r d . Vor allem wird die Frau i n weit staerkerem
Masse a l s bisher auch i n q u a l i f i z i e r t e Berufe eindringen. I n v i e l e n Berufsgruppen halen s i e e r s t einen k l e i n e n Vorstoss gemacht und werden zahlenmaessig
noch weit von den Maennern u e b e r t r o f f e n . Einige g e i s t i g e und h o c h q u a l i f i z i e r t e
technische Berufe sind den Frauen nach wie vor so gut wie v e r s c h l o s s e n . Wie
die L e i t e r i n der Frauenabteilung im Arbeitsamt b e t o n t , muss auf dem Gebiet
der Erziehung und Ausbildung von Frauen zu g e l e r n t e n Fachkraeften und fuer
g e i s t i g e Berufe noch v i e l getan werden.
Die hoechsten S p i t z e n p o s i t i o n e n locken d i e Frauen zu weiterem Vordringen.
Allerdings erfordern d i e s e S t e l l u n g e n mehr Vorbildung, a l s die Frauen im a l l gemeinen erwerben koennen. Aber die Zahl derjenigen Frauen, d i e d i e s e Moegl i c h k e i t e n erkennen, wird zwangslaeufig entsprechend den mit d i e s e n Posten
verbundenen hohen Gehaeltern und Ehren wachsen.

�BRITISCHE METALLARBEITER BERICHTEN UEBER AMERIKANISCHE PRODUKTIOKSiailSTONSEK.
Im Maerz und April 1949 besuchte eine Gruppe britischer Metallarbeiter, Techniker und Industrieller die Vereinigten Staaten um die
Produktionsmethoden der amerikanischen Stahlerzeugung zu studieren«
Die Arbeitervertreter waren von den Gewerkschaften ernannt worden«
Der ausfuehrliche und gut fundierte Bericht dieser Gruppe, die sich
•Productivity Team" nannte, sind nicht nur von allgemeinem Interesse,
sondern besonders wertvoll weil es sich um den ersten Studienbesuch
dieser Art handelte. Hier folgen die Schlussfolgerungen des *Team"t
0

Es muss vorausgeschickt werden, dass die Ursachen der hohen Produktionsl e i s t u n g i n den Vereinigten Staaten e i n e r s e i t s psychologischer oder verwaltungstechnischer Art sind, und dass sie a n d e r e r s e i t s i n der Anwendung besonderer
Produktionsmethoden zu suchen s i n d .
Das Team war von dem weitverbreiteten Produktiv!taetsbewusstsein besonders
beeindruckt. Es i s t mehr a l s nur Produkt!onsbewusstsein» Es s c h e i n t , dass man
i n Amerika weit groesseren Wert auf Produktionsleistung l e g t - d . h . die Leistung
des Einzelnen steht im Vordergrund, waehrend die Gesamtproduktion des Betriebes
logischerweise a l s Ergebnis der Leistungen der Arbeiter gewertet wird« Dieses
Produktivitaetsbewusstsein i s t bei a l l e n Arbeitnehmern, ob Geschaeftsfuehrer
oder einfacher A r b e i t e r , vorzufinden.
Es i s t allgemein anerkannt, dass hohe Produktionsleistung der gesamten Belegschaft zugute kommt« Fuer a l l e Arbeitnehmer gibt es anspornende Momente,
und in Geldform sind sie aus zwei Gruenden besonders wirksam» die Besteuerung
i s t nicht so hoch, dass die Bezahlung fuer die groessere Leistung dadurch ganz
oder f a s t ganz aufgehoben wuerds, und zweitens sind genuegend Waren vorhanden,
um die Extraloehne umsetzen zu koennen.
Nicht nur der hohe Lebensstandard und das Bestreben der Hausfrauen, den
Lebensstandard i h r e r Familie zu verbessern, wirken a l s Ansporn fuer den Arbeiter,
sondern auch eine gewisse Furcht« Da es nicht so umfangreiche Arbeitslosenunterstuetzung wie bei uns i n England g i b t , kann eine A r b e i t s l o s i g k e i t schliume
Folgen fuer den Lohnempfaenger haben. Eine besser bezahlte Beschaeftigung i s t
a l s o gewissem»ssen auch eine Versicherung gegen A r b e i t s l o s i g k e i t ! und hohe
Produktionsleistung i s t der goldene Weg, der zu hohen Loehnen f u e h r t .
Das Wettbewerbssystem i s t i n der gesamten I n d u s t r i e Amerikas vorherrschend«
Stahlgieseereien muessen nicht nur mit Schweissereien und Gesenkschmieden konk u r r i e r e n , sondern auch mit Fabriken, die keinen Stahl verarbeiten« Innerhalb
e i n e r geographischen Gruppe von Stahlgiessereien herrscht eine besonders starke
Konkurrenz um den Absatz i n ihrem Bezirk« Bei einer Verschlechterung der Wirtschaftslage f a l l e n die Preise gewoehnlich, und die Unzulaenglichkeit v i e l e r
Preissysteme l a e s s t vermuten, dass Preissenkung l e i c h t zum halsabschneiderisehen
Wettbewerb werden kann, der weder der Industrie noch ihren Abnehmern Gewinn
bringt.
Unter den Vorarbeitern und sonstigen Arbeitsvorgesetzten h e r r s c h t ebenfalls
e i n schwerer Konkurrenzkampf, denn diese Stellungen sind die sichersten und b e s t bezahlten. Jedermann kann Vorgesetzter werden, sofern er d i e erforderlichen
Paehigkeiten und die noetige Energie besitzt« Deshalb gibt es v i e l e , die danach
streben, diejenigen abzuloesen, die sich a l s unfaehig erwiesen haben*
Diese Konkurrenz i s t a l s Bestandteil des amerikanischen Lebens bezeichnet
worden« Sie s o l l zu niedrigeren Preisen und hoeherer Produktionsleistung fuehren
und wird deshalb von a l l e n Amerikanern bewusst u n t e r s t u e t z t j man nimmt a l l e ihre
Folgeerscheinungen a l s etwas Selbstverstaeridlidies h i n . Selten widersetzt man
sich dem allgemeinen Kurty der Produktionsleistungssteigerung, s e l b s t wenn der
Wettbewerb durch ihn i n t e n s i v i e r t wird,
- 6 -

�Diese Einstellung bringt eine gewisse R ü c k s i c h t s l o s i g k e i t i n der Produkt i o n mit sich. Betriebsleitung und Geschaeftsfuehrung folgen klar vorgezeichneten R i c h t l i n i e n , i n denen festgelegt i s t , was produziert wird, welche Qualit a e t und welche Arbeitsmethoden gewaehlt werden, wie und was genormt wird, und
sogar wie d i e Beziehungen zu den Arbeitnehmern zu g e s t a l t e n sind. Alle ihre
Bemuehungen sind auf das gemeinsame Ziel a u s g e r i c h t e t , und jeglicher Aufwand an
Kraft, die diesem Zwecke nicht d i e n t , wird a l s ueberfluessig betrachtet und
unterbunden. Waehrend sich der eine Unternehmer e n t s c h l i e s s t , nur genormte
Massenartikel fuer einen bestimmten Absatzmarkt h e r z u s t e l l e n , und zu diesem
Zwecke eine Giesserei aufbaut, i n der Arbeiter mit wenig Fachkenntnissen beschaeftigt werden koennen, kann sich ein anderer zum Beispiel auf Gussverfahren
verlegen, die besonders schwierig sind und einen hohen Grad an verstaendnisvoller Zusammenarbeit zwischen Vorgesetzten und Arbeitern erfordern. Der eine
wird hochqualifiziertes Verkaufspersonal haben, waehrend es fuer den anderen
nur darauf ankommt, einige Abnehmer zu finden, die mit seiner Ware zufrieden
sind und sich auf diese eine Bezugsquelle verlassen. Jeder i s t von dem B e s t r e ben b e s e e l t , sein Geschaeft so zu fuehren, dass seine Waren moeglichst b i l l i g
h e r g e s t e l l t und verkauft werden koennen.
Wenn man den psychologischen Faktor kennt, der im amerikanischen I^ben mits p i e l t , dann versteht man auch, warum in einer Zeit des Geschaeftsrueckganges Amerika befand sich in einer solchen S i t u a t i o n , a l s das Team sich dort aufh i e l t - das Arbeitstempo trotzdem nicht nachlaesst. Im Gegenteil, i n solchen
Zeiten scheint die Konkurrenzfreudigkeit neu aufzuleben.
Die P r o d u k t i v i t a e t , a l s Stundenarbeitsleistung pro Mann und pro Tonne gesehen, l i e g t in den Vereinigten Staate*n zweifellos hoeher a l s i n England und
zwar um 50 - 905?. Das Team i s t der Ansicht, dass die oben zum Ausdruck gebrachten Momente eine treibende Kraft d a r s t e l l e n , die die S t a h l a r b e i t e r Amerikas zu
staendig hoeherer Produktionsleistung anspornen muss. Zusammengefasst h e i s s t
dasi unter dem Zwange des ausgepraegten Konkurrenzgeistes, ohne den man sich das
moderne Amerika nicht v o r s t e l l e n kann, s t r e b t man bewusst nach hoeherer Produkt i o n s l e i s t u n g , und die Arbeiter der amerikanischen Stahlindustrie werden zu hoeher e r A r b e i t s l e i s t u n g angespornt.
Es s o l l nicht behauptet werden, dass dies die einzigen Kraefte sind, die den
Arbeiter zu groesseren Angstrengungen veranlassen. Auch Furcht und Selbstin'teresse haben sich immer a l s maechtige Triebkraefte erwiesen, die unmittelbar auf
das menschliche Wesen wirken koennen, und es gehoert nicht zu den Leltsaetzen
des Team, diese durch Gegenvorschlaege ersetzen zu wollen.
Unter welchen Bedingungen diese psychologischen Kraefte im allgemeinen zur
Geltung kommen koennen, s o l l nun einzeln angefuehrt werden.
Die physische Grundlage hoher Produktionsleistung besteht in der Anwendung
von Maschinen. Bei der Gruppierung der Fabriken müssen SparsamkeitsErundsaetze
in Betracht gezogen und die Maschinen und bedienenden Arbeiter raeumlich so e i n g e t e i l t werden, dass der Arbeitsvorgang vereinfacht wird, d i e Arbeiter sich
moeglichst wenig von ihrem Arbeitsplatz entfernen und der Bedarf an Arbeitakraeften, die nicht d i r e k t i n den Produktionsprozess eingeschaltet sind, weitgehendst reduziert wird. Die Reihenfertigung v i e l e r Waren bedingt eine Gruppierung des Produktionsvorganges, die den jieibungslosen Ablauf des Arbeitsvorgangs
foerdert; man kann das auch mit guten Raushaitsfuehrungsmethoden vergleichen.
Der hohe Produktivitaetsstand kann nur aufrechterhalten werden, wenn soviel
Gueter produziert werden, dass der Aufwand an Maschinen damit g e r e c h t f e r t i g t i s t .
•Ohne grossen Produktionsumsatz i s t hohe Produktivitaet unmoeglich.«
Fuer diesen Umsatz i s t durch den amerikanischen Absatzmarkt Sorge getragen,
der sich mit der amerikanischen konkurrenzbejahenden und durch die Massenproduktion bedingten Mentalitaet entwickelt hat und durch s i e geformt wurde. Bezeichnend fuer den amerikanischen Absatzmarkt i s t das Vorhandensein vereinheitl i c h t e r Produkte, s e l b s t wenn sie Teile verschiedener Fertigwaren sind. Sobald

7

�sich die Verbraucher an die Gueter der Massenproduktion gewoehnt haben, kommt
die I n d u s t r i e in die Lage, auch kleinere Mengen zu niedrigen Preisen herzustell e n , obwohl die Produktionsleistung i n solchen Faellen erheblich geringer i s t .
Die Anwendung von Maschinen Laesst von vornherein auch auf groessere Anwendung mechanischer Energie schliessen. Bin grosser T e i l der mit der Hand
a u s g e f ü h r t e n Arbeiten muss maschinell v e r r i c h t e t werden, mechanische Hilfsmittel
zum Transport des Materials sind e r f o r d e r l i c h und die Produktionsprozesse haben
sich unter groesstmoeglichem Einsatz von Maschinen zu vollziehen. Die Bereitw i l l i g k e i t des acierikanisehen A r b e i t e r s , neue Maschinen, Arbeitsverfahren und
den Gebrauch neuer Materialien zu akzeptieren, i s t o f f e n s i c h t l i c h . Es gibt
keine eingefleischte Voreingenommenhe'it, die zu ueberwinden waere, sondern eine
ausgesprochene Begeisterung fuer a l l e s Neuartige.
Da Arbeitskraefte teuer sind, macht man den bestmoeglichsten Gebrauch von
ihnen. Die Arbeit i s t 90 e i n g e t e i l t , dass die Leute dauernd i n einem gewissen
Arbeitsrhythmus gehalten werden; Fachleute l e i s t e n nur Facharbeit und werden
staendig von unter ihnen stehenden Arbeitern bedient. Man benoetigt keine Fachkraefte zur Bedienung der Maschinen, sondern Leute, die ueber grosse Geschickl i c h k e i t verfuegen, koennen diese Arbeit v e r r i c h t e n . Zum Bedienen der Maschinen
eignen sich am besten die Arbeiter, die nicht ueberlegen, wie das Produkt herges t e l l t werden s o l l t e , sondern einfach wie ein bestimmter Rhythmus und eine
Gleichmaessigkeit in die Produktionsbewegungen gebracht werden koennen. Hochq u a l i f i z i e r t e Fachkraefte l e i s t e n k e i n e r l e i Handarbeit.
Die Beschaffenheit der Giessereiprodukte muss dem betreffenden Zweck e n t sprechen. Man verlangt keine*Vollkommenheit, wenn sie nicht erforderlich i s t ,
und Fehler an unwichtigen Teilen werden von den Verbrauchern nicht beanstandet.
Die der Ausfuehrung gesetzten Toleranzgrenzen werden nicht enger a l s noetig gezogen. Was man v e r l a n g t , i s t "Gut genug".
1

Gruensandgiessverfahren werden i n grossen Gussformen durchgefuehrt. Die
Entwicklung der Sandgiesserei i n England hat den Hoechststand der Produktion i n
Amerika e r r e i c h t , der Arbeitsvorgang i s t jedoch nicht so regslmaessig und einfach
wie dort* In Amerika i s t naemlich Bentonit und hochwertige Kieselerde %n n i e d r i gen Preisen verfuegbar, die sich besonders zu Gussverfahren unter Anwendung synthetischen Sandes eignen. Man i s t b e s t r e b t , feinkoernigen Sand zu verwenden, um
bessere Walzen zu ermoeglichen und die. Gusspritzarbeiten zu reduzieren.
Die Schmelzebfaelle haben einen geringen Gehalt an Schwefel und Phosphor,
koennen i n Saeureschmelzoefen v e r a r b e i t e t werden und haben deshalb trotzdem die
erforderlichen Schwefel- und Phosphor-Spezifikationen.
Elektrische Energie i s t i n genuegender Menge vorhanden. Kein Unternehmen
braucht sich damit aufzuhalten, Reservevorrichtungen aus Angst vor Stromsperren
e i n z u r i c h t e n . Maschinen koennen bei kurzer L i e f e r f r i s t gekauft werden.
Innerhalb der Berufe werden offen Ideen und Informationen ausgetauscht, und
a l l e Arbeitsvorgesetzten sind an der wissenschaftlichen Weiterentwicklung i n der
Stahlindustrie i n t e r e s s i e r t .
Besonders anerkennenswert i s t die A r b e i t , die von der Steel Founders*
Society of America (Gesellschaft der Stahlgiesser Amerikas) auf dem technischen
Gebiet und im Erfahrungsaustausch i n der gesamten I n d u s t r i e g e l e i s t e t wird. Neue
Forschungsergebnisse werden ihren Mitgliedern so bald wie moeglich m i t g e t e i l t ,
ohne dass der laufende Arbeitsprozess dadurch gestoert wird. Die Ergebnisse
werden in einer Weise veranschaulicht, die a l l e n Stahlgiessern und nicht nur
geschulten Technikern verstaendlich i s t . Diese Mitteilungen haben oft die Form
d i r e k t e r Empfehlungen, die einem grossen Ereis zur Pruefung vorgelegt werden,
ohne dass man eine Bestaetigung bestimmter Instanzen abvtartet. In dieser Beziehung legen die amerikanischen Stahlgiesser eine Unternehmungslust an den Tag,
die nicht zu leugnen und, man kann sagen, nicht zu ihrem Nachteil i s t . Viele i n

- 8 -

�England bekannte naetnoaen, aie man nier nur mit Zoegern anzuwenden versucht,
sind in den amerikanischen Giessereien schon weit verbreitet«
Durch die Betonung der Sicherheit (besonders vor Silikosis) wird die Produktionsleistung, wenn auch nicht entscheidend, so doch stark beeinflusst. Alle
Stahlarbeiter, die Staubkrankheiten ausgesetzt sind, werden laufend geroentgt
und duerfen nicht bis zur voelligen Arbeitsunfaehigkeit weiterarbeiten.
Neger sind wertvolle Arbeitskraefte, besonders wenn es sich um Reihenfertigung handelt, die Geschicklichkeit und koerperliche Anstrengung erfordert. Bin
Neger als Vorgesetzter ist jedoch eine Seltenheit.
Im Zusammenhang mit der Produktionsleistung gibt es fuer den Amerikaner keine
Gewerkschaftsprobleme. Die Gewerkschaften unternehmen nichts, was die Produktion
beeintraechtigen koennte. Alle Arbeiter, die im Lohnverhaeltnis stehen, koennen
Gewerkschaf tsmitgüeMer werden. Die Hauptaufgaben der Gewerkschaften bestehen
darin, gute Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen unter groesstmoeglicher Sicherheit trotz der durch den Wettbewerb bedingten Umstaende fuer ihre Mitglieder zu
erzielen.
lrotz dieser positiven Feststellungen muss der aufmerksame Beobachter amerikanischer Lebensverhaeltnisse zugeben, dass staendig Unvereinbarkeiten auftauchen, die aus zwei sich widersprechenden Motiven im Leben Amerikas zu erklaeren
sind*
Das eine ist der ausgepraegte, selbstbewusste Individualismus, der in dem
Eonkutrrenzgeist zum Ausdruck kommt - dem Recht jedes einzelnen, seinen eigenen
Weg zu gehen und seine eigenen Ziele zu verfolgen»
Dieser Konkurrenzgeist zwingt jedoch auch zur Vereinheitlichung der Produkte, was wiederum eine Vereinheitlichung der Verbrauchsgueter, der Lebensweise
und der Denkungsart zur Folge hat und in krassem Widerspruch zu den Grundsaetzen
des Individualismus steht. Je mehr das zweite Motiv in Erscheinung tritt, das
in dem Streben nach einem hohen Lebensstandard und nach Befreiung von schwerer
Arbeit besteht, umso mehr konzentriert sich die Wahl des einzelnen auf vereinheitlichte Mittel und Wege, die zur persoenlichen Zufriedenheit fuehren»
Es waere seltsam, wenn keine krassen Gegensaetze in einem Volke bestuehden,
das zugleich dem Individualismus und der Einheitlichkeit huldigt.
EMPFEHLUNGEN.
Bis jetzt hat das Team in seinem Bericht Tatsachen wiedergegeben und daraus
Schluesse gezogen, wie die Produktionsleistung in den amerikanischen Stahlgiessereien mit der durchschnittlichen Leistung in England verglichen werden kann,
was die Ursachen der hohen amerikanischen Produktivitaet sind, und mit welchen
Mitteln sie erreicht werden kann.
Bevor das Team dazu uebergeht, Vorschlaege zu machen, deren Verwirklichung
nach aalner^jAnsicht zu hoeherer Produktionsleistung in den englischen Giessereien
fuehrt, muss eine Frage gestellt werden:
Wuenschen die englischen Stahlgiesser tatsaechlich eine hoehere Produktionsleistung?
Es ist leicht, die Frage einfach zu bejahen; weniger leicht jedoch ist folgende Fraget
Was ist wichtiger, hoehere Produktivitaet oder die alten Grundsaetze der
verschiedenen Interessengruppen?

- 9-

�Solange man diese beiden Fragen nicht ehrlich zu beantworten gewillt i s t ,
bedeutet jegliche Bemuehung nur unnoetigen Z e i t v e r l u s t . Und eine ehrliche
Stellungnahme muss von a l l e n Kreisen der Industrie verlangt werden, so wie
auch die Mitglieder des Produktivitaets-Team aus a l l e n Kreisen kommen und sich
bemueht haben, einen wahrheitsgetreuen Bericht ueber ihre Beobachtungen zu
geben.
Um den Interessen des Lesers entgegenzukommen, kann die Frage folgendermassen
noch besser veranschaulicht werden:
(a) I s t hohe Produktionsleistung wichtiger a l s Organisation und herkoemmliche Gebraeuche der Berufsgenossenschaft?
(b) Muss auf die hohe Produktivitaet verzichtet werden, um die bestehenden Methoden der Unternehmerverbaende beibehalten zu koennen?
(c) Muessen die Gepflogenheiten der Gewerkschaften, die sich in den Jahren
vor der gegenwaertigen wirtschaftlichen Krise entwickelt haben, auf Kosten der
hohen Produktivitaet unveraendert bleiben?
Die Frage i s t i n diese Formen zerlegt worden, um die Aufmerksamkeit der
drei Interessengruppen zu erwecken, denen dieser Bericht eigentlich g i l t . Jede
d i e s e r drei Gruppen hat ihre Verantwortung und Autoritaet im Industrie System
Englands, Es i s t in der Vergangenheit v i e l davon gesprochen worden, dass mit
groesserer Autoritaet auch groessere Verantwortung erwaechst. Die verantwortlichen Teile muessen aber auch darauf hingewiesen werden, dass sie nicht nur
Vorwuerfe fuer Pflichtversaeumnisse hinzunehmen haben, sondern dass s i e selber
versuchen muessen, f e s t z u s t e l l e n , inwiefern sie schuldig sind. Jeder Versuch,
sich der eigenen Verantwortung zu entziehen, "einem andern die Schuld in die
Schuhe zu schieben", deutet darauf h i n , dass die Autoritaet des Betreffenden
i n besser befaehigte Haende gelegt werden muss. Diese drei verschiedenen Fragen
sind deshalb i n Wirklichkeit nur e i n e ; keine der d r e i genannten Gruppen kann
sich i h r e r Verantwortung in dem Augenblick entziehen, in dem sie sich fuer oder
gegen die hohe Produktivitaet e n t s c h e i d e t .
Wie die Antwort ausfallen muss, haengt davon a b , was es bedeuten wuerde,
wenn sie verneinend waere. In den Berichten ueber wirtschaftliche Untersuchungen bedient man sich hoeflicherweise der Wirtschaftsterminologie. Die w i r t schaftlichen Untersuchungen haben jedoch ergeben, um es ganz offen auszusprechen, dass uns bei Nichtannahme erhoehter Produktivitaet die Hungersnot bevors t e h t . Wenn unal diese Erkenntnis i n Fleisch und Blut uebergegangen i s t , dann
kann man hoffen, dass F o r t s c h r i t t e gemacht werden koennen.
Dem Team geht es in seinem Bericht darum, k l a r z u s t e l l e n , was falsch gemacht
wird. Sa will anderen jedoch nicht mehr Schuld zur Last legen, a l s e* selber
zu uebernehmen gewillt i s t , wenn ihfli von aussenstehender Seite Vorwuerfe ueber
Ungenauigkeiten in der Beobachtung und Schlussfolgerung gemacht werden. Alle
Leser dieses B e r i c h t e s , ob sie V e r t r e t e r der Interessen der Gewerkschaften, Beruf sgenossenschaften, Arbeitgeber, Arbeiter oder sogar nur Zuschauer sind,
muessen ihren eigenen Anteil an Verantworung uebernehmen, um r i c h t i g z u s t e l l e n ,
was ihnen a l s falsch e r s c h e i n t . Es i s t zu hoffen, dass ein Teil der K r i t i k ,
die an den Vorschlaegen geuebt wird, sich a l s unbegruendet erweist und bericht i g t wird.
Das Verstaendnis fuer die Notwendigkeit g e s t e i g e r t e r Produktionsleistung
muss bei a l l e n , vom juengsten Lehrling b i s zu dem, der kurz vor seiner Pensionierung s t e h t , vorhanden sein. Dieses Verstaendnis zu erwecken, i s t nicht
a l l e i n Aufgabe der oeffentlichen Koerperschaften. A l l e , die darum wissen, sind
v e r p f l i c h t e t , dieses .Verstaendnis ueberall da, v/o es vorhanden sein muss, zu
foerdern. Jeder Leser dieses Berichtes ueberzeuge s i c h , dass die Leute aus der
S t a h l i n d u s t r i e , mit denen er in enger Verbindung s t e h t , wissen, was mit Produk- 10 -

�t i v i t a e t geineint i s t und zwar genuegt nicht eine formelle Erklaerung, sondern
eine Erklaerung in der taeglichen Umgangssprache i s t notwendig. Es i s t von
groesster Wichtigkeit, dass die drei Gruppen, denen dieser Bericht g i l t , eng
zusammenarbeiten. Jede muss,auf die Ausdehnung des Verstaendnisses auf die
Allgemeinheit bedacht sein und a l l e s t u n , was in ihrem Bereich des Moeglichen
l i e g t , um das nachzuholen, ras in der Vergangenheit versaeumt worden i s t .
Zunaechst i s t es e r f o r d e r l i c h , die hohe.Produktionsleistung zum Pruefstein
der I n d u s t r i e zu machen. Traditionelle Methode i s t a l l z u oft nur e i n mildernder
Ausdruck fuer H a l s s t a r r i g k e i t und berufliche Gewohnheit fuer Dickkoepfigkeit.
Beide sind fuer den Export ohne jegliche Bedeutung. Produktionsleistung dagegen
wirkt sich direkt auf den Export a u s . Die verschiedenen Bestandteile, die eine
Industrie bilden, haben ihre eigenen, besonderen I n t e r e s s e n , und viele dieser
Interessen stehen wohl im Schutze herkoemmlicher Gewohnheiten, die sich in der
Vergangenheit entwickelt haben. Man nimmt jedoch nicht a n , dass die Fuehrer
der Getverkschaf t e n , Berufs- und Unternehmerverbaende so ideenarm s i n d , dass sie
nur in der i n d u s t r i e l l e n Struktur a l t e n Musters ihre besonderen Interessen
nachhaltig gewahrt sehen koennten. Weder Vorschriften nfecb Verfahren koennen
eine Hungersnot verhindern. Die hohe Produktionsleistung kann e s a b e r . Es i s t
n u t z l o s , i n schoenen Phrasen von dem zu sprechen, was vermutlich die Erfolge in
den vergangenen Jahren ermoeglicht h a t . Fast das Wichtigste haben wir verlor e n , - unsere i n d u s t r i e l l e Fuehrung - und die geringeren Erfolge werden zu Staub
und Asche werden, wenn wir nicht beginnen, die Sache von einer anderen Warte
aus zu sehen, und die hohe Produktionsleistung an e r s t e S t e l l e ruecken, die
a l l e i n die Befreiung von der Angst vor wirtschaftlicher Not bringen kann. Dass
e s dabei Regeln, Vorschriften und Bestimmungen geben wird, die mit den b i s h e r i gen Produktionsgrundsaetzen nicht i n Einklang zu bringen sind, i s t unumgaenglich.
fis i s t jedoch nicht zu vergessen, dass jede einzelne dieser Vorschriften aus
bestimmten Gruenden bestehen muss «. entweder um gewisse Bedingungen zu verbessern,
hilfsbeduerftige Gruppen zu unterstuetzen und zu schuetzen oder um zusaetzliche
Sicherheiten zu b i e t e n . Wenn jedoch irgendeine Regel, Methode oder Bestimmung
die hohe Produktionsleistung b e e i n t r ä c h t i g t , dann wirkt sie sich zum Kachteil
der Gesamtheit des Volkes a u s , das aus Privatinteressen nicht i n eigennuetziger
Weise uebergangen werden darf. Gerade i n dieser Frage muessenneue Ideen geschaffen und t o l e r a n t e s Experimentieren muss ermoeglicht werden, um sicherzus t e l l e n , dass diejenigen, die ein legales Interesse an der sich entfaltenden
hohen Produktionsleistung haben, auch entsprechendgeschuetzt werden.
Eine staendige
Beachtung der Grundsaetze hoher Produktionsleistung a l s
Wegweiser in der Industriefuehrung, i s t in e r s t e r Linie die Aufgabe der fuehrenden Maenner der I n d u s t r i e , die die allgemeinen Richtlinien beeinflussen und
Vereinbarungen t r e f f e n , und nicht der Lohnempfaenger und der gehaltsempfangenden
Vorgesetzten, durch die die hohe Produktiv!taet bewirkt wird. Leute, deren
Beschaeftigung nicht v i e l Voraussicht e r f o r d e r t , koennen eine bevorstehende Gefahr nicht erkennen, solange s i e noch in entferntem Bereich l i e g t , Sie erkennen
nicht die Dringlichkeit des Problems und bestimmt auch nicht die Anzeichen der
bevorstehenden Not. Um auch ihre Aufmerksamkeit zu erregen, sind einige Massnahmen sofort zu e r g r e i f e n und direkte Belohnungen fuer gesteigerte Produktionsl e i s t u n g auszusetzen« Eine Handlungsweise, bei der das Verstaendnis der gesamten Bevoelkerung fuer verworrene wirtschaftliche Problemevorausgesetzt werden
muesste, wuerde vergebliche Muehe s e i n . Auch eine Erziehung des Volkes zu gefuehlsmaessiger Einsicht wuerde zu v i e l Zeit in Anspruch nehmen, und der Erschuetterung, die die Beendigung des Marshall Planes mit sich bringen wirf, koennte nicht r e c h t z e i t i g begegnet werden. Es i s t deshalb wichtig, dass ein d i r e k t e r
Ansporn i n irgendeiner Form gegeben wird. Dieser Ansporn i s t auf a l l e , d i e fuer
die Produktion mit verantwortlich sind, gleichmajaesig zu v e r t e i l e n . An diesem
Ansporn muessen a l l e Schichten, die an der Produktion b e t e i l i g t sind, gleichen
Anteil haben, - sonst fuehrt er zu gegenseitigem Misstrauen. Es i s t k l a r , dass
A r b e i t e r , Vorgesetzte, B e t r i e b s l e i t e r und Techniker das Recht haben, daran bet e i l i g t zu sein; e s i s t nicht mehr a l s gerecht, wenn man zugibt, dass auch Inhaber und diejenigen, die Geld i n Maschinenausruestung angelegt haben, um dadurch

- 11 -

�mehr Waren erzeugen zu koennen, ebenfalls am Gewinn beteiligt werden muessen.
Die Abnehmer der Industrie muessen dureh niedrigere Preise belohnt werden, besonders dann, wenn sie die Erzeuger in ihren Produktionsaufgaben unterstuetzen.
Alle Partner in Lohnverhandlungen sollten es sich zum Grundsatz machen,
die Einsparungen an Herstellungskosten, die der gesteigerten Produktionsleistung
zu rerdanken sind, gerecht unter Verbrauchern und den an der Herstellung Beteiligten zu verteilen» Dies duerfte einfach genug sein, und ausserdem waere ein
erhoehtes gegenseitiges Vertrauen die Folge.
Damit ist es jedoch noch nicht getan. Eine Belohnung in Form hoeherer
Loehne'in den Haenden der Bevoelkerung ist nutzlos, wenn sie nicht in Waren umgesetzt werden kann, die eine angemessene Belohnung fuer den Mehraufwand an Anstrengung darstellen. Wenn die erhoehte Kaufkraft als Eräjbnis der gesteigerten
Produktionsleistung von den vorhandenen, mehrerzeugten Verbrauchsguetern nicht
absorbiert werden kann, .dann koennte es leicht zu einer Erschuetterung des
Gleichgewichtes und damit zu einer Inflation kommen. Die Wirtschaft der englischen Industrie muss von hoechster Instanz aus gelenkt werden, damit das System
der erhoehten Loehne fuer gesteigerte Produktiv!taet mit den allgemeinen Interessen zu vereinbaren ist. Verfehlt man e_s, diese Lenkung der Wirtschaft vorzunehmen, dann besteht die Gefahr, dass die Mehrverdienste ein Ausmass annehmen,
das sie von ihrem eigentlichen Zweck entfernt und die gegenwaertigen Schwierigkeiten noch vergroessert.
- Es ist ganz klar, dass hohe Produktivitaet mit industrieller Leistungsfaehigkeit eng verbunden ist« Die Erkenntnisse hoher Produktivitaet lehren uns,
dass es nur gerecht ist, wenn ein Betrieb mit niedriger Produktionsleistung
zugrundegeht oder ein Arbeitnehmer, dessen Leistungen ungenuegend sind, seine
Beschaeftigung verliert. Es ist gefaehrlich, Leistungsunfaehigkeit zu schuetzen,
ganz gleich, um wen es sich dabei handelt. Den Verfassern dieses Berichtes
steht es nicht zu, Vorschlaege zu machen, wie Leistungsunfaehigkeit zu bekaempfen
ist. Sie empfehlen jedoch den Berufsverbeenden, Unternehmerorganisationen,
Gewerkschaften, Betriebs- und Werkstattsleitern sowie den gemeinsamen Produktion s-Ausschuessen, dieses Problem ins Auge zu fassen und sich mit ihm zu beschaeftigen.
Das, was im Vorangegangenen gesagt wurde, soll Klarheit ueber die groesseren
und allgemeinen Probleme schaffen, damit die einzelnen Vorschlaege in der ihnen
eigenen Perspektive betrachtet werden koennen. Sie werden im Folgenden zum
Ausdruck gebracht.

Gruppierung der Werksanlagen und Ausruestung mit Maschinen.
In vielen Stahlgiessereien Englands hat sich aufs Geratewohl ein Durcheinander von Gebaeuden und Werksanlagen entwickelt, in dem es schwierig ist, den
einfachsten Verlauf des Produktionsprozesses einzuhalten. Es wird viel Zeit
in Anspruch nehmen, die Umgruppierung in der Richtigen Weise durchzufuehren,
aber es bleibt keine andere Wahl - entweder werden die Betriebe so aufgebaut,
dass sie leistungsfaehig sind, oder sie kommen unter den Hammer, der die Leistungsunfaehigen erwartet. Da es eine langwierige Arbeit sein wird, den Erfordernissen entsprechend neu zu gruppieren, besteht umsomehr Grund, sofort damit
zu beginnen. Durch Abwarten wird das Problem nicht einfacher*
Langfristige Projekte werden jedoch nicht schnell genug eine guenstige Beeinflussung unserer Industrie bewirken. Die bestehenden Produktionsmethoden
koennen jedoch schon durch Neueinteilung der Arbeiten verbessert werden. Es
ist in Kundengiessereien allgemein ueblich, dass sich ein Former zur Ausfuehrung
seiner Arbeit in einem bestimmten Baum bewegen kann. Er fuehrt jede Arbeit an
einer anderen Stelle aus, und seine Werkzeuge und Geraete muessen jedesmal zu
dem anderen Platz gebracht werden. Nach den amerikanischen und den besten britischen Methoden wird diese Arbeit in die Fliessbandfertigung mit einbezogen.

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�sodass der Former mit seinen Geraeten und Materialien eine bestimmte S t e l l e inneh a t , zu der das zu bearbeitende Stueck hin- und auch wieder wegbefoerdert wird.
(Dies i s t n a t u e r l i c h nur bei Vterkstuecken k l e i n e r und m i t t l e r e r Groesse moeglich).
Auch i n anderen Abteilungen der Giessereien koennen durch Umgruppierung der Maschinen und Werksbaenke der Arbeitsvorgang vereinfacht und unnoetige Arbeiten
vermieden werden, die dadruch entstehen, dass die Gusstuecke aufgestapelt werden
und spaeter i n Kaesten zur Bearbeitung weiterbefoerdert werden muessen.
Durch die I n s t a l l a t i o n von zusaetzlichen Maschinen kann in vielen Betrieben
die Produktionsleistung in kurzer Zeit verbessert werden. In a l l e n amerikanischen
Giessereien kann man f e s t s t e l l e n , dass zur Befoerderung des Materials gute Transp o r t m i t t e l zur Verfuegung stehen. Schnell arbeitende Kraene, Rollwagen mit gabelfoermiger Hebevorrichtung und S c h l i t t e n mit Raedern zum Transport der Gusskasten sind drei wichtige H i l f s m i t t e l . Ausserdem hat man Laufhebekraene, die
die Former, Schleifer oder Gussputzer an ihren Arbeitsplaetzen bedienen«
Die Anwendung von Produktionsmaschinen kann noch weiter.ausgedehnt werden,
und der Arbeitseinsparung i s t dabei groessere Beachtung zu schenken. Ob maschinelle Gussverfahren ratsam sind, wird in den meisten Faellen von der Beschaffenh e i t des Absatzmarktes abhaengen. Die einzelnen Auftraege fuer Gusstuecke sind
i n den meisten Faellen nur k l e i n , und deshalb werden die Modelle mit der Hand
geformt. Im ganzen betrachtet muessen die gleichen Arbeiten aber oft genu^ wiederholt werden, sodass eine maschinelle Herstellung g e r e c h t f e r t i g t waere, vorausgesetzt n a t u e r l i c h , dass diese maschinelle Methode auch bei der Herstellung kleiner
Mengen angewendet werden kann. Eine sofortige Ueberpruefung der sich wiederholenden Arbeiten in den Stahlgiessereien Englands wuerde f a s t mit Sicherheit ergeben,
dass weit mehr Gussverfahren maschinell ausgefuehrt werden koennten.
In den Reinigungs- und Endprozessen s t e l l e n grosse mechanische Luftstrahlgeblaese - weit groesser a l s s i e i n England vorzufinden sind - eine wertvolle
Hilfe bei der Reinigung der Gusstuecke mit einem Minimum an Arbeitskraft d a r .
Baldige Versuche mit grossen Luftstrahlgeblaesen und die Vorfuehrung der e r z i e l ten Erfolge vor Vertretern der Industrie koennen zu bedeutender Steigerung der
Produktionsleistung fuehren.
Die Stahlschmelzoefen i n Amerika schmelzen den Stahl v i e l schneller a l s die
in England, weil sie unter mehr Aufwand an elektrischer Energie a r b e i t e n . Hier
in England i s t die Stahlgiesserei durch den Mangel an Energie in ihrer Arbeit
gehemmt. Solange noch dieser Mangel b e s t e h t , kann nicht allgemein empfohlen
werden, die Ldchtbogenoefen unter groesserem Einsatz elektrischen Stromes arbeitenzu l a s s e n . Es waere jedoch ratsam, solange noch nicht genug Strom vorhanden i s t ,
eine oder zwei Giessereien versuchsweise nach diesem Verfahren arbeiten zu l a s s e n .
Mit dem Einsatz groesserer Strommengen wird Zeit e r s p a r t . Ausserdem spart man in
Amerika durch eine verbesserte Elektrodenkontrolle auch an Energie. Viele Schraelzoefen in England sind mit veralteten Elektrodenkontrollgeraeten ausgeruestet, die
dringend durch neue e r s e t z t werden muessten. Dadurch wuerden nicht nur die
Schmelzkosten r e d u z i e r t , sondern es wuerde auch elektrische Energie eingespart.
Anspornendes Lohnsystem.
Einfachheit und Gerechtigkeit s o l l t e n wesentliche Bestandteile eines Lojhnsystems s e i n , bei dem sich die Bezahlung nach der Arbeitsleistung r i c h t e t . Ohne komp l i z i e r t rechnen zu muessen, muss ein Arbeiter wissen, welche Entschaedigung er
zu erwarten h a t . Er muss ferner die Gewissheit und das Vertrauen haben, dass ihm
ein gerechter Anteil an dem aus seiner Arbeit entstehenden Gewinn sicher i s t .
Das gegenwaertige Lohnkalkulationssystem i n der b r i t i s c h e n Stahlindustrie i s t
weder einfach noch u e b e r s i c h t l i c h . Die Stuecklohnsysteme werden durch den nationalen Bonus noch verwickelter. Man bedient sich haeufiger der Lohnkalkulation,
a l s dies noetig waere| selbst wenn ein Arbeiter ausschliesslich Akkord a r b e i t e t ,
muss seine Zeitkarte auf die g e l e i s t e t e n Arbeitsstunden geprueft werden, um den
nationalen Bonus errechnen zu koennen. Diese unproduktive Arbeit erfordert i n

- 13 „
1

�jeder Woche eine betraechtliehe Anzahl von Arbeitsstunden. Man hat damit ein
ebenso verschwenderisches wie unlogisches System verewigt, das bei Verhandlungen
auf nationaler Ebene den Anschein der E i n h e i t l i c h k e i t geben s o l l t e . Die Vereinfachung des Lohnsystems in der Industrie i s t schon lange f a e l l i g und wuerde sofortige Einsparungen mit sich bringen.
Gerechtigkeit bei der Verteilung der Gewinne, die aus hoher Produktionsleistung entstehen, i ä t b e r e i t s a l s grundlegende Notwendigkeit bezeichnet worden.
Von ebenso grosser Bedeutung i s t die gerechte Einteilung der einzelnen Stueckloehne. Wenn es sich um Reihenfertigung handelt, i s t die Stoppuhr i n der Hand eines
geschulten Beobachters ein unuebertreffliches Mittel i n der gerechten Durchfuehrung der Z e i t s t u d i e n . Voraussetzung i s t jedoch die Mitarbeit der Leute, deren
Arbeitszeit untersucht wird. Studien die'ser Art erfordern guten Willen und Vertrauen auf beiden S e i t e n . Es wird dringend empfohlen, dass da, wo man auf guten
Willen zaehlen kann, eingehende Zeitstudien der Festsetzung der Akkordloehne fuer
Arbeiten der Reihenfertigung zugrundegelegt werden. Wo das gegenseitige Vertrauen
nicht b e s t e h t , s o l l man zuerst das Misstrauen b e s e i t i g e n . Es wird ausserdem Toleranz und Grosszuegigkeit bei der Anwendung der neuen Methoden empfohlen. Ernste
Gefahren bedrohen die I n d u s t r i e , wenn es nicht g e l i n g t , eine hoehere Produktionsl e i s t u n g zu e r z i e l e n , und um i h r e r Herr zu werden, bedarf es des Vertrauens und
der Weitsicht der fuehrenden Persoenlichkeiten i n der I n d u s t r i e , und von a l l e n
Werkzeugen, die uns.durch die Produktion und die Betriebsleitung in die Hand gegeben sind, muss staerkster Gebrauch gemacht werden»
Arbeitseinsatz.
Bs i s t nicht zu erwarten, dass der Absatzmarkt'fuer Stahlwaren s t e t s mit der
gesteigerten Produktionsleistung S c h r i t t halten wird. Deshalb i s t mit einer Arb e i t sverlagerung zu rechnen, und zwar im gleichen Masstabe, in dem die Produktivit a e t a n s t e i g t . Sich aus diesem Grunde jedoch einer Erhoehung der Produktionsleistung widersetzen zu wollen, waere ebenso verfehlt und unbegreiflich wie die Einwaende, die im 19« Jahrhundert gegen die Anwendung e l e k t r i s c h e r Spinnmaschinen
und Webstuehle gemacht wurden. Es gibt andere Produktionszweige, in denen die
ueberschuessigen Arbeitskraefte der Stahlgiessereien solange beschaeftigt werden
koennen, wie der Mangel an Industrieprodukten das Leben der Nation b e e i n t r a e c h t i g t .
Es i s t unangenehm, die Alternative betonen zu muessen, die es zur zwingenden Notwendigkeit macht, diesen Weg zu be^bhreiten. Hungersnot und Armut sind unangenehme
Worte, aber wir nehmen lieber mit den Worten a l s mit i h r e r Verwirklichung v o r l i e b .
In verschiedenen amerikanischen Stahlgiessereien konnte man beobachten, dass man
e s sich zum Grundsatz machte, mit sinkendem Absatz das {festgesetzte Arbeitspensum
pro Tag zu reduzieren. Damit entschaefti^te in gewissem Sinne die Weiterbeschaeftigung und Verhinderung der Erwerbslosigkeit fuer den Verlust an Lohn. Die Probleme, die entstehen koennten, wenn, die Produktionsleistung die Absatzmoeglichkeiten u e b e r s t e i g t , erfordern zu ihrer Loesung Klugheit und staatsmaennisches
Eoennen.
Sicherheit.
Die^Royal Society for the Prevention of Accidents" (Kbenigliche Gesellschaft
zur Verhuetung von ünfaellen) setzt sich b e r e i t s t a t k r a e f t i g fuer die Sicherheit
i n den Betrieben e i n . Sie neigt jedoch naturgemaess dazu, i n . i h r e n Vorschlaegen
jjnd Empfehlungen zu allgemein zu s e i n . Die "Steel Founders' Society of America"
hat sich weit eingehender mit der genauen Art der Ünfaelle i n den Stahlgiessereien
befasst und bestimmte Vorschlaege und Instruktionen herausgegeben} ü n f a e l l e , deren
Ursachen besonders deutlich in Erscheinung t r e t e n , werden dieser Gesellschaft mitg e t e i l t . Diese Aufgaben s o l l t e n eigentlich von der Berufsgenossenschaft e r f u e l l t
werden, und wenn man dazu andere Koerperschaften i n Anspruch nehmen muss, i s t
keine Unterstuetzung eines solchen S c h r i t t e s zu erwarten. Sine verantwortliche
Koerperschaft, wie es die Berufsgenossenschaft i s t , s o l l t e soviel Autoritaet
haben, dass sie die notwendigen S t a t i s t i k e n sammeln und sie dort veroeffentlichen
kann, wo e s erforderlich i s t . Sie muss ihre Mitglieder dahingehend beeinflussen,
dass zeitraubende Ünfaelle moeglichst r e d u Ä e r t werden. Die Verantwortlichkeit
sei a l s o in gerechter, offener Weise der Berufsgenossenschaft a n v e r t r a u t , ohne

- H-

�Der b r i t i s c h e Absatzmarkt i s t weit kleiner und uneinheitlicher. Selbst
wenn man mit grosser Kuehnheit bei der Standardisierung seiner Bestandteile vorgeht, i s t nicht zu erwarten, dass dieselben einheitlichen- Produktionsverfahren
in den englischen Stahlgiesaereien durchgefuehrt werden koennen. Die englischen
Techniker sind jedoch keine Toren. Sie wissen sehr wohl, dass sie durch e i n h e i t l i c h e Produktionsverfahren i n ihren Betrieben die Herstellungskosten reduzieren koennen, und wenn es ihnen g e l i n g t , in den Stahlgiessereien P r e i s v o r t e i l e
durch neue Produktionsverfahren fuer sich buchen zu koennen, werden s i e nicht
zoegern, diese neue Waffe auch in ihrem Kampf um die auslaendischen Maerkte einzusetzen. Die augenblickliche P r e i s p o l i t i k der englischen Stahlgiessereien
3ieht jedoch keine regelmaessigen Preissenkungen bei Massenproduktion vor. Und
bevor d i e s nicht der F a l l i s t , fehlt eine maechtige Antriebskraft zur allgemeinen Standardisierung. Ausserdem kann ohne einen Absatzmarkt, der Massenfertigung o r f o r d e r t , die aeusserst gute maschinelle Giessmethode, die b e r e i t s i n
vielen englischen Stahlgiessereien angewendet wird, nicht weiter v e r b r e i t e t
werden.
Es waere falsch anzunehmen, dass mit der Standardisierung Kompromisse verbunden sein muessen. Bin solcher Glaube i s t vermutlich fuer die oppositionelle
Haltung verantwortlich zu machen, die man der Standardisierung gegenueber i n
England einnimmt. Es i s t wichtig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren
und irgendwelchen Kompromissen entgegenzuwirken. Man muss bereit s e i n , a l l e
ueberlieferten Grundsaetze, die fuer die Durchfuehrung der Standardisierung unwesentlich sind, aufzugeben. Dies bezieht sich auf a l l e s Herkoemmliche, ob es
sich um I n s t a l l a t i o n e n oder Gruppierung, Kontrollberichte, Inspektion oder Produktionsmethoden handelt. Die Schwierigkeiten, diese Grundsaetze zu verwirklichen,
beweisen, mit wieviel I n t e l l i g e n z an das Problem der hohen Produktivitaet herangegangen werden mu.s, und die ungeteilte Aufmerksamkeit in dieser Beziehung wird
a l l e n aus der Stahlindustrie empfohlen.
Produktionsmethoden.
Die wichtigsten Lierkmale der in Amerika beobachteten Produktionsmethoden
sind in diesem Bericht und seinen Ergaenzungen ausfuehrlich beschrieben worden,
und es besteht keine Veranlassung, sie h i e r zu wiederholen. Einige, die nach
Ansicht des Team wesentlichen KLnfluss auf die Produktion haben, und deren Anwendung auch fuer die englischen Stahlgiessereien v o r t e i l h a f t e Folgen zeitigen
koennten, s o l l jedoch im Folgenden besondere Beachtung geschenkt werden.
Stahlschmelzen.
Die Methode des Beschickens von Lichtbogen-Schmelzoefen mit Hilfe von Laderutschen e r s p a r t v i e l Z e i t , wenn es sich um Oefen handelt, die nicht von oben
her beschickt werden koennen. Der Schmelzofen wird nach vorne gekippt und die
Beschickung, die aus schwerem, kurzem Schrott besteht und sich auf einem langgestreckten, gleitbahnaehnlichen Greifer befindet, durch die Arbeitstuer eingef u e h r t . Die erforderlichen Vorrichtungen sind einfach, und es i s t l e i c h t , dieses
Verfahren durchzufuehren.
Sand.
In England beschaeftigt man sich b e r e i t s eingehend mit Studien ueber Formsand, sodass es ueberfluessig erscheinen mag, zu diesem Punkte h i e r noch weitere
Vorschlaege zu machen. Das Abstreifen und Putzen der Gusstuecke i s t durch die
Anwendung feinkoernigen Sandes jedoch dermassen e r l e i c h t e r t worden, dass es
schon die Muehe wert i s t , die besondere Aufmerksamkeit der Stahlfachleute auf
diese Tatsache zu lenken.

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�dass wir uns •wohlwollend und dienstbeflissen* einmischen wollen.
Im einzelnen wird empfohlen, dassman vor allem alle Augenverletzungen in
den Putzereien verhuetet, indem man das Betreten einer Werkstatt ohne anerkannten Augenschutz, wie Schutzbrille, Gesichtsschild o. ae., zum industriellen
Vergehen stempelt. In den britischen Stahlgiessereien beeilt man sich jetzt,
Massnahmen zu treffen, die den staendigen Gebrauch von Atmungsgeraeten in staubigen Werkstaetten zur Pflicht machen, und man erweitert die Moeglichkeiten,
Arbeitnehmer, die dem Staub ausgesetzt sind, mit Roentgenstrah@4»n zu untersuchen.
In der letztgenannten Entwicklung stehen die englischen Giessereien hinter den
amerikanischen zurueck.
Es soll ebenfalls gesagt werden, dass Sicherheitsbewusstsein nichts mit
Furchtsamkeit zu tun hat. laute Heulsirenen, die vor einer bevorstehenden Gefahr
warnen, sind eine praktische Einrichtung, um gefaehrliche Zonen unter geringstem
Zeitverlust von den Arbeitern raeumen zu lassen. Sie sind Methoden vorzuziehen,
bei denen Arbeitszeit verschwendet wird, denn uebertriebene Sicherheitsmassnahmen
beeintraechtigen die Produktionsleistung.

Annehmlichkeiten und Arbeitsbedin/^ungen.
Die im Garrett Report zum Ausdruck gebrachten Vorschlaege sind in den britischen Stahlgiessereien bereits wohlbekannt, und man ist eifrig bemueht, sie zu
verwirklichen. Ein gleicher Standard liegt den amerikanischen Grundsaetzen zugrunde, und in dem 70?liegenden Bericht werden keine weiteren Empfehlungen hierzu
gegeben. Durch die Anwendung von Arbeitsmethoden, die dieses Ziel verfolgen,
kann viel zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen getan werden«

Betriebsleitung.
Eine Revision der Betriebsleitungsmethoden ist erstrebenswert, und dem wirksamen Einsatz der Facharbeiter muss dabei besondere Beachtung geschenkt werden*
Es muss untersucht werden, welche Beweggruende Anlass zu zeitweiligen Arbeitseinstellungen geben, und deren Ursachen muessen abgestellt werden. Es ist dies
eine Aufgabe, die nicht von der Betriebsleitung allein geloest werden kann.» Ein
williges Mitarbeiten seitens der Arbeiterschaft ist erforderlich, um die Uebel,
die zu Verzoegerungen fuehren, bei der Wurzel anpacken zu koennen. Es ist gewiss,
dass auch die Arbeitsvorgesetzten und Meister von einem wahren Verlangen nach gesteigerter Produktionsleistung beseelt sein muessen, wenn das Ziel erreicht
werden soll und dass sie diesen Eifer auf die unter ihrer Aufsicht stehenden
Maenner uebertragen koennen.
Dieser Schritt kann sofort getan werden, ohne auch nur auf eine einzige
Maschine warten zu muessen* Die gemeinsamen Produktionsausschuesse koennen mit
Werkstattsleitern und anderen lauten aus den Giessereien paritaetisch zusammenarbeiten, um zusammen mit Betriebsleitern und Aufsichtführenden Arbeitsmethoden
zu entwickeln, die am wirtschaftlichsten sind.

Absatzmaerkte.
Das Ausmass der Spezialisierung in den amerikanischen Maschinenbaugesellschaften mit dem Ziele, den ungeheuren inlaendisehen Absatzmarkt wirtschaftlich
versorgen zu koennen, ist mit der amerikanischen Bereitwilligkeit zur Standardisierung gepaart, eine Tatsache, die den Stahlgiessereien Anlass zur Spezialisierung und damit zu einheitlichen Produktionsmethoden gibt. Auch lassen die Preislisten niedrigere Preise fuer massenmaeösig hergestellte Waren erkennen.

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�Neue Methoden
Die erfolgreiche Anwendung von Washburn-Kernen i s t in Amerika w e i t v e r b r e i t e t .
Dieses Verfahren i s t einigen Fachleuten aus der Stahlgiesserei Englands bekannt,
kann sich aber nur langsam durchsetzen. Der Austausch technischer Erfahrungen in
verstaendlicher Form muss gefoerdert werden, damit neue Methoden ohne langes Experimentieren in jeder einzelnen Giesserei eingefuehrt werden koennen»
Gusstrichter mit exothermischem Material«
Die Verwendung von "Risotherm" i n den exothermischen Legierungen kurzer,
weitgeoeffneter Gusstrichter i s t v o r t e i l h a f t und v e r d i e n t , ' d a s s man sich eingehend
mit i h r beschaef t i g t . Auch i n England s o l l t e dieses Material verfuegbar « i n , wenn
seine Anwendung ratsam erscheinen s o l l t e .
Erforschung der Probleme der S t a h l g i e s s e r e i .
Die Dringlichkeit einer wirksamen Erforschung der Probleme in der englischen
Stahlgiesserei l i e g t nun k l a r auf der Hand und braucht an dieser S t e l l e nicht hervorgehoben zu werden. Was betont werden muss, i s t , wie unfieheuer wichtig es waere,
den r i c h t i g e n Mann zu haben, der den Stahlgiessern persoenlich das u e b e r m i t t e l t ,
was b e r e i t s bekannt und erforscht i s t , und wie die Ergebnisse der Forschung prakt i s c h zu verwerten s i n d . Die Stahlgiesser sind an die Luft in den Giessereien
gewoehnt. Sie koennen i n der verduennten Atmosphaere, die die hoechsten Gipfel
der wissenschaftlichen Forschung umgibt, nicht atmen. Sie benoetigen einen Moses,
der von jenen Gipfeln zu ihnen herabsteigt und ihnen Anordnungen und einfache Massregeln g i b t , in denen die Ergebnisse komplizierter Forschung i n verstaendlicher
Form zum Ausdruck gebracht werden. Es kommt mehr auf die Persoenlicbkeit dessen
a n , der die Ergebnisse der Forschung der Industrie u e b e r m i t t e l t , a l s auf das Koennen, mit dem die Forschung selbst betrieben wird.
Es waere wuenschenswert, dass die Probleme der Stahlgiesserei auch i n den
Reihen der unteren Arbeitsvorgesetzten zur Sprache gebracht werden. Die Konferenzen des I n s t i t u t s der b r i t i s c h e n Stahlgiesser ( I n s t i t u t e of B r i t i s h Foundrymen) bieten gegenwaertig n i c h t , wie es noetig waere, den Stahlgiessern Gelegenh e i t , freie Besprechungen zu fuahren, die k e i n e r l e i formellen Charakter haben,
und die nicht protokollarisch festgehalten werden. Leider sind die b r i t i s c h e n
Stahlgiesser weniger dazu i n der Lage, ihre Meinung k l a r zum Ausdruck zu bringen,
a l s dies i n Amerika der F a l l i s t . Wir legen dieses Problem dem I n s t i t u t e of
B r i t i s h Foundrymen, den technischen Ausschuessen der Berufsgenossenschaften und
a l l den Koerperschaften, die sich mit Forschung i n der Stahlgiesserei befassen,
besonders nahe.
S c h l i e s s l i c h raoechten die Mitglieder des Team i h r e r festen Ueberzeugung Ausdruck verleihen, dass die b r i t i s c h e n S t a h l g i e s s e r , wenn sie die Bedeutung hoeher e r Produktionsleistung h i n s i c h t l i c h i h r e r Erfindungsgabe und Findigkeit in keiner
Weise hinter unseren guten Freunden aus der amerikanischen Stahlindustrie zurueckstehen werden,
Anmerkung der Redaktion. Wir haben die Schlussfolgerungen i n diesem Ber i c h t des Britischen "Productivity Teams" ungekuerzt wiedergegeben, obwohl wir i n verschiedener Hinsicht mit den Ansichten der Verfasser nicht
uebereinstimmen. Wir moechten besonders betonen, dass der einfache Arbeit e r und die Gewerkschaften in den U.S. die wirtschaftlichen und technischen
Zusanmenhaenge der Produktionsleistung mit groesstem Interesse verfolgen.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind zu der Ueberzeugung gekommen, dass
erhoehte Produktionsleistung nicht unbedingt mit Ausbeutung gleichzusetzen
i s t , und dass eine wirtschaftliche Einsetzung der Arbeitskraft nicht eine
Verausgabung groesserer Energien fuer den Arbeiter d a r s t e l l e n muss. Die
Gewerkschaften sind diesen Problemen gegenueber aeusserst wachsam, sind
aber der Auffassung, dass inuGrossen und Ganzen gesehen die gesteigerte
Produktionsleistung sich zum Vorteil der Arbeiterschaft auswirkt.
/

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�100.000 DOLLAR FJER GEWERKSCHAFTSCHPLE DER ILGWÜ.
Die I n t e r n a t i o n a l e Gewerkschaft der Damenbekleidungs-Arbeiter (ILGWÜ ) hat
v o r l a e u f i g 100.000 D o l l a r s zur Verfuegung g e c t e l l t , mit denen e i n e neue Schule
zur Ausbildung von G e s c h a e f t s l e i t e r n , Organisatoren und Verwaltungsangestellten
fuer die Gewerkschaft e i n g e r i c h t e t werden s o l l . Ab 1 . Januar werden regulaere
Tageskurse gegeben.
David Dubinsky, der P r e s i d e n t der ILGWU, e r k l a e r t e , dass e i n gesamtes
Stookwerk des Gewerkschaftshauses i n New York City fuer die Schule r e s e r v i e r t worden
i s t . Arthur A. E i d e r , der fruehere Direktor der Z w e i g s t e l l e der U n i v e r s i t a e t
Michigan, i s t zum Direktor der Schule*ernannt worden*
Die Ausbildung dauert 12 Monate. Die akademischen Kurse i n Geschichte.
Arbeitsoekonomie und aehnlichen Faechern nehmen 8 Monate i n Anspruch. In den
r e s t l i c h e n 4 Monaten b e f a s s t man sich mit praktischer A r b e i t , wie zum B e i s p i e l
der Teilnahme an Kollektiv-Verhandlungen und dem Vertrautwerden mit der Arbeit
i n der Werkstatt und den Arbeitsmethoden.
Es koennen 4 ° Studenten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren an den Kursen
teilnehmen. Die Teilnehmer werden von dem Erziehungs-Ausschuss des Gewerkschaf taratee. der Vertrauensmaenner bestimmt. Absolventen wird von der Gewerkschaft Besciiaeftigung z u g e s i c h e r t .

CIO RSS0HJTIC1I ZUR GEM'gNSCHAKT BÜJER-ARBEITER.
Das amerikanische Volk i s t der e r s t e Abnehmer der landwirtschaftlichen Erzeugnisse unseres Landes, und die Geschichte hat bewiesen, dass die Landwirtschaft nur dann gedeihen kann, wenn s i c h die Millionen unserer Lohn- und Geh a l t sempfaenger hoher Realloehne und e i n e s allgemeinen Wohlstandes erfreuen»
Werden die Verdienste der Arbeiter i n den Staedten n i e d r i g e r , dann verringern
s i c h auch fuer die Bauern Amerikas A b s a t z m ö g l i c h k e i t e n , Preise und somit der
Lebensstandard. Umgekehrt gehen i n d u s t r i e l l e Produktion und Lebensstandard i n
den Staedten zurueck, wenn die Bauern verarmen. Ein allgemeiner n a t i o n a l e r Wohlstand i s t nur moeglich, wenn er f e s t i n der Stadt und auf dem Lande verwurzelt
ist.
Die Monopolisten haben bei allgemeiner Verknappung gute Z e i t e n , das Volk
jedoch, wenn Ueberfluss an Waren h e r r s c h t . Die monopolistischen I n t e r e s s e n
gehen dahin, einmal eine Verknappung i n d u s t r i e l l e r Produkte kuenstlich h e r b e i zufuehren, um hohe Preise zu e r z i e l e n , und zum andern die Bauern durch niedrige
Preise fuer i h r e r e i c h l i c h vorhandenen Lebensmittel und ihre Baumwolle zu benachteiligen.
Die Drahtzieher der Monopolindustrie sind b e s t r e b t , die Loehne der Indus t r i e a r b e i t e r n i e d r i g zu h a l t e n und i h r e s o z i a l e S i c h e r h e i t und die ihrer Famil i e n zu untergraben; g l e i c h z e i t i g moechten s i e die P r e i s e fuer landwirtschaftl i c h e Erzeugnisse druecken und die Ausgaben der Bauern erhoehen.
Es g i b t keinen Kompromiss mit dem monopolistischen Programm, der den Arb e i t e r n auf dem Lande oder i n der Stadt d i e n l i c h s e i n koennte. S i e muessen
gemeinsam dagegen Front machen.
Die S i c h e r h e i t , d i e die Bauernfamilie durch P r e i s s t a b i l i s i e r u n * und die Arb e i t e r f a m i l i e durch TarifVerhandlungen sucht kann nur gewaehrleistet werden,
wenn sich Bauern und Arbeiter geschlossen hinter d i e nationale P o l i t i k und ihre
Programme s t e l l e n , d i e darauf a u s g e r i c h t e t s i n d , die Vollbeschaeftigung zu s i chern, den Arbeitern ihren rechtinaessigen Antei4 an dem E r l o e s fuer die I n d u s t r i e produkte zukommen zu l a s s e n und den Bauern angemessene P r e i s e fuer Lebensmittel
und Baumwolle zu b i e t e n .
- 18 -

�Wenn Arbeiter und Bauern Schulter an Schulter gegen die Reaktion stehen,
dann I s t der Erfolg sicher. Eine Uneinigkeit waere in keiner Weise gerechtfert i g t und darf deshalb nicht aufkommen. Dieselben monopolistischen Interessen,
die den Bauern vernuenftige Preise verweigern, machen den Arbeitern aus der
Stadt eine angemessene Bezahlung s t r e i t i g . Es sind die gleichen Reaktionaere,
die Erzeuger- und Verbrauchergenossenschaften zugrunde richten und die Gewerkschaftsbewegung beseitigen moechten. Dieselben Profitmacher, die die Bauern zu
betruegen versuchen, moechten einen unendlichen Vorrat an "billigen" Arbeitskraeften in den Staedten sehen.
Der CIO (Congress of Industrial Organizations) hat s e i t seiner Gruendung
jedes Programm fuer die Landwirtschaft mit allen Mitteln unterstuetzt, wenn es
g a l t , den Lebensstandard der Bauern zu heben, den Ackerboden des Landes zu
schuetzen, die landwirtschaftlichen Gebiete mit Elektrizitaet zu versorgen und
die Lebensbedingungen der amerikanischen Bauernfamilien zu verbessern. In der
Zwischenzeit versuchen die Monopolisten im Kongress und im ganzen Land in boahafter Weise, sich a l s Freunde des Bauern aufzuspielen, waehrend sie ihn zur gleichen
Zeit gegen seine Gewerkschaftsfreunde und seine wahren eigenen Interessen aufhetzen.
DESHALB SOLL NUN BESCHLOSSEN WERDEN x
Der CIO verlangt, dass die Bemuehungen in seinen Reihen fortgesetzt und erweitert werden, die ein unzerbrueetliches Band zwischen den Bauern, Arbeitern und
ihren Gewerkschaftsorganisationen knuepfen s o l l e n .
Diese Konvention ruft jede lokale Gewerkschaft und jeden Gewerkschaftsrat
auf, sich durch gegenseitiges Kennen- und Verstehenlarnen mit den benachbarten
Bauern zu sammenzu seh Hessen.
Wir gewaehren auch in Zukunft der Landbevoeltcerung jedmoegliche Unterstuetzung durch Zusicherung vernuenftiger Preise und Loehne, Kreditmoeglichkeiten,
Elektrisierungsprogramme, Schutz des Bodens, Foerderung der Genossenschaften,
Linderung des Elends auf dem Lande, Gesundheits- und Erziehungsprojekte, ausreichende Versicherung der Ernte und andere notwendige Programme.
Diese Konvention b i l l i g t den Brannan Plan-, der folgende Forderungen s t e l l t i
vernuenftige Preise und Verdienste fuer die Landbevoelkerung zu sichern, den
Kleinbauern besondere Unterstuetzung zu l e i s t e n , den Bauern zuzusichern, dass
ihre erzeugten Lebensmittel abgesetzt werden koennen und zur Ernaehrung des Volkes verwendet werden, und es zu gleicher Zeit den Verbrauchern zu ermoeglichen,
die im Ueberf luss vorhandenen Produkte der amerikanischen Bauern zu tragbaren
Preisen kaufen zu koennen.
Wir wollen auch weiterhin darum kaempfen, dass die Bauern und ihre Organisationen von den Problemen und Programmen der Arbeiterschaft unterrichtet werden,
damit allgemein und klar erkannt wird, dass der CIO dem Arbeiter und Bauern a l s
Freund und Verbuendeter in ihrem Kampf gegen Not, Furcht und Elend jederzeit zur
Seite steht*
Economic Cutlook des CIO
November 1949

ARBEIT DPRCH MARShüLL PLAN.
Zwei neue Marshall Plan Projekte i n I t a l i e n zur Verbesserung der Elsenbahnen
des Landes und des Post-, Telefon- und Telegrafendienstes werden ueber 15 Millionen Arbeitstage fuer italienische Arbeiter ermoeglichen.

- 19 -

�Zu i h r e r Finanzierung hat die Marshall Plan Verwaltung etwa 60 Billionen
Lire aus dem i t a l i e n i s c h e n Gegenwertfonds freigegeben»
An den vorgeschlagenen Verbesserungen der Bisenbahnen werden 140.000 Arbeit e r 100 Tage land beschaeftigt werden koennen. Diese Verbesserungen bestehen in
Wiederaufbau der G l e i s - und Bahnhofsanlagen, Instandsetzung rollenden Materials
und Herstellung von Werkzeugmaschinen und Vorrichtungen zur Beseitigung gebrauch sunfaehigen Materials« Darueberhinaus wird die laufende Beschaeftigungsz i f f e r zur Bedienung der wiederhergestellten und neuen Anlagen b e t r a e c h t l i c h
erhoeht werden muessen.
Im Rahmen der Ausdehnung und Modernisierung des Telefon*, Telegrafen- und
Postdienstes i n I t a l i e n wird 14*000 Arbeitern 100 Tage lang beim Aufbau und bei
der Beschaffung des erforderlichen Materials Beschaeftigung geboten.
BCA Labor Information
28» November 1949
- 20 -

Office of Labor Affairs
HK0G, APO 757

QFFICIAL

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;Truman: Gewerkschaften führend im Kampf um Freiheit&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;AFL kritisiert Adenauers Äußerungen&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Das Problem der kleinen Einkommen&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Amerikanische Gewerkschaften warnen vor arbeiterfeindlicher Propaganda&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Das internationale freie Gewerkschaftswesen erzielt Fortschritte&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Arbeiterfeindliche amerikanische Zeitschrift verherrlicht Streikbruch&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Schuman-Plan-Komitee des IBFG&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Die Geschichte der Stahlarbeitergewerkschaft&amp;nbsp;Amerikas ist mit Lettern in Blut geschrieben&lt;/p&gt;</text>
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T

Januar 1951
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA LIEHST"
vom 1. Oktober 1950 - 30. Dezember 1950

Seite
1.) Allgemeines

1

2.) Kommentare von John L. Morton

4

3•) Jugend

5

4.) Artikel für die Frau

6

5.) Geistiges Leben

8

6.) Wirtschaft und Arbeit

8

* # * # *

�4/10/50

7/10/50

11/10/50

T4-/10/50

IS/10/50

21/10/50
*

25/10/50

28/10/50

Die "Neunundneunziger" - Der Klub der
amerikanischen Fliegerinnen
Die Rockefeller-Stiftung,
Versuch eines Weißbuchs zur Kartoffelkäferschuldfrage
Boys Town, Erziehungsstätte für Jungen.,
Luftbrücke Kalifornien-Japan
Transportflugzeuge versorgen die
UN-Streitkräfte.
Die Bibliothekarin der New Yorker Botanischen Gärten "weiß alles"
Die Mayo-Klinik.
Die magischen Fäden des Pentagon,
Deutsche Kunstausstellung in Milwaukee.,
Greenwich Village - Das amerikanische
Schwabing,
Ausblick au,f die bevorstehenden Kongreßwah
len in den Vereinigten Staaten,
Kontrolle der Nahrungsmittelversorgung der
Welt - eines der Hauptziele des Kreml
Der Tag der 'Vereinten Nationen in den USA
Das Tor zum Frieden
Berlin wird die Heimat der "Friedensglocke".
Friedensfahne und Siegesbanner Die blauweiße Flagge der UN,
Zusammenstellung der wichtigsten Daten der UN
Theo Dingen auf Amerika-Tournee0 •'
Harvard - die älteste Universität Amerikas.
Mit ERP-Mitteln bauen Gablonzer Flüchtlinge
bei Kaufbeuren im Allgäu eine Industriestadt
auf, .
Neuanlage unterirdischer Parkplätze.,
Täglich 60 000 Menschen mehr auf der Welt»
Der Davis-Staudamm in Arizona, - Der vierte
Großdamm am Colorado
Alaska - ein neuer Staat der USA?
Taubheit - keine Arbeitsbehinderung^
Ernie Pyle - das Leben eines Frontberichterstatters

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "Amerika Dienst"
kostenlos Bildmaterial»

_ i i.

�1/11/50

4/11/50

8/11/50

11/11/50

15/11/50

18/11/50

22/11/50

*

25/11/50

Idlewild - der größte Plughafen der Welto
"Atomkalender" für die "Archäole*genu Neue Methode zur Bestimmung frühgeschichtlicher DatenQ
Edna St. Vincent Millay. - Zum Tode einer
großen Dichterinu
Zum Tode AI Jolsons, des berühmten amerikanischen Jazzsängerso
Wie der gute Lehrer sein soll. - Ergebnis
einer Umfrage bei Schulkindern0
Ist Kritik im Kriege angebracht? &lt;=
Taos, die älteste und größte Indianersiedlung
Amerikaso
Kapitalismus und Sozialismus in USA0 - Ein
Interview mit Norman Thomas, dem Führer der
Sozialistischen Partei in den Vereinigten
Staaten»
Die wirtschaftliche Seite des Fernsehproblems«
Germantown - die erste deutsche Siedlung inAmerika0
Der fliegende Güterwagen - Ein neues amerikanisches Lastenflugzeugo
Bayern und Schleswig-Holstein bauen mit
ERP-Mitteln Wohnungen für Heimatvertriebene„
Florida - Land der.ewigen Jugend«
Zeit- und Arbeitsersparnis durch neue Registrier automaten0
Rudolf Bingc - Ein Leben für die Oper*Die Coloradotal-Verwaltung - Eine Gemeinschaftsaktion amerikanischer Farmer und
Behörden«
Die fünf Programmpunkte der Ford-Stiftungu
Nekrolog auf einen revolutionären Traum.
Thanksgiving-Day 1950o - Wortlaut der Erklärung des Präsidenten zum 23" November 1950.
Fernsehen im Dienst der Erziehungu
Fritz Henle, ein bekannter amerikanischer
Photograph0
Das "Färsen-Projekt" hilft Flüchtlingsbauern..
"Winter" - Betrachtungen über das Leben in der
Natur während der Wintermonate.
"General Omar N0 Bradley"» - Werdegang des
^ersten Soldaten Amerikas"o
Tragen des Films in USA und Deutschland".
Interview mit Upton Sinclair.,

- 2 -

�29/11/50

Oscar, der berühmte Maltre d'hßtel
Waldorf-Astoria,

des

Marcel Breuer und die amerikanische Baukunst»
*

2/12/50

6/12/50

9/12/50

Weihnachtsnummer 1950

*

#
*

*

16/12/50

* * * *

Das deutsche Marshallplanministeriunu
Die Arbeiterhochschule in Wisconsin,,
Bernard M. Baruch - Urbild der amerikanischen
Vitalität.
Neue Heimat im Emslandmoor6
Ein Arbeiter der Ölindustrie berichtet
vom Aufbau seines Betriebes.
Problematische Paradiese,
"Paradiesvogel", ein märchenhafter Farbfilm
und ein ernsthafter Versuch, die Geschichte
der Polynesier darzustellen.
Hemingway am Ende?
Zum Tag der Menschenrechte
am 10„ Dezember*
Das Kind, das immer Kind bleibt»
Auszug aus dem Buch "The Child that never grew"
von Pearl S« Bück»
Die Brücke zwischen der Alten und der Neuen
:
Welt o
Die Besiedlung des nordamerikanischen Kontinents von Asien aus durch die Funde in Nordalaska bewiesen*,
Stolz und Reichtum unter einsamem Stern,
In Texas sind Kühe mit fünf Beinen häufiger
anzutreffen als Minderwertigkeitskomplexe,,
St, Nikolaus und Santa Claus.
Märchenstadt am Weißgesicht-Berge
Zwei Deutsche führten den Brauch, Weihnachten
mit einem Lichterbaum zu begehen, in Amerika
ein,,
Die Feuerwehr als Helfer des Weihnachtsmanns&lt;,
Weihnachten auf einer amerikanischen Farm»
Der amerikanische Weihnachtsmann kommt in
diesem Jahr mit Hoohfrequenztechnik«,
Peters15 mexikanische Weihnacht«
Die vergessenen Schwänze•
Weihnachten im hohlen Baum»
Harvard - Erbe des Weimarer Bauhauses.
Das Hotel im Dschungel
Trompeten gegen die Mauern des Kremle
Gedanken zum Buch "The Choice" von Boris Shübo

�20/12/50

*

23/12/50

30/12/50
*

1950 - Rückblick auf ein bewegtes Jahr,Dreihundertfünfundsechzig Tage ERP-Kredite.
Gedanken über 1951.
Wichtige Ereignisse des Jahres 1950o
Die bedeutendsten amerikanischen Persönlichkeiten des Jahres 1950u
Alt werden oder altern?
Elektronische Rechenanlagen lösen die kompliziertesten Aufgaben im Handumdrehen.
Der "Unerfreulichsten" einer.
William Faulkner, Nobel-Literaturpreisträger
des Jahreso
Besitzverhältnisse in der amerikanischen
Landwirt schaf10
Die erste Fernseh-Kleinkamera der Welto
Ein Zeuge der Zeit - John Richard Herseyo
* * * * #

2JC0MMENTARE VON JOHN Lo MORTON«
4/10/50
7/10/50
11/10/50
14/10/50
21/10/50
25/10/50
28/10/50

Entschlossenheit zum Frieden0
Steigerung des Geburtensolls*
Blut, Schweiß und Steuern,,
Die Vereinten Nationen ergreifen die Offensive
Probleme des Siegesa
Stapellauf des Schlachtschiffs "Frieden".,
In Prag nichts Neues•
* * * # *

1/11/50
4/11/50
8/11/50

11/11/50
15/11/50
18/11/50
22/11/50
25/11/50
29/11/50

Die Streitfragen des Wahlkampfes in USA,
Puerto Rico - Insel ohne Ruhe0
Klarheit oder Verwirrung?
Zur Bundestagsdebatte über den deutschen
Verteidigungsbeitrago
Kurs unveränderte - Zu den Parlamentswahlen
in den USA»
Zur Frage der chinesischen Intervention in
KoreaJ
Der Gray-Bericht. - Ein neuer Baustein
für die freie Welto
Wirtschaftshilfe für Tito* •
"Landtagswahlen - von außen betrachtet".
Wieviel ist genug?
# # * *

- 4 -

�KOmjENTA^__VON_JOHN_Li_MORTON:_
2/12/50
6/12/50
S/l2/50
16/12/50
23/12/50
30/12/50

Ruhige Entschlossenheit» Die USA und die KoreaKrise»
Auf Europa kommt es anc
3erliner Wahlen in amerikanischer Schau«
Zur Brüsseler Konferenz.
Kein Preis ist zu hoch.
Es gibt kein Gibraltar,
*- * * * *

g« M JügggD.
Oktober 1950/1

Der blau-rote Schal.
*Goldsucher und Abenteurer im "Todestal" in
Kalifornien,
Das Geschenk der Indianer - Geschichte und
Bedeutung der Maispflanze in den USA.
Versuch*s mal - Vitamin C, ein wichtiger
Paktor in unserer Ernährung..
Oktober 1950/lI*Der Y/eg in die Wildnis. Die Geschichte von
Daniel Boone, dem Urbild des Lederstrumpf.
*Die Vereinten Nationen und die Jugend«
*Das R-fesenauge auf dem Mount Palomar.
Gold aus der Retorte.
* * * * #

November 1950/1 Die mißglückte Ohampignon-Zucht.
*Hiawatha, der große Sohn der Ojibways.
*Das Museum für Wissenschaft und Technik in
ChikagOo
Praxis ist besser als Theorie»
. • Jungen spielen "Politik".
November 1950/lIEs geschah in Oklahoma.
Wie Paul Bunyan den "pfeifenden Fluß" bestrafte.
"Bitte eine Fahrkarte zum Mond"» Möglichkeiten
und Unmöglichkeiten der Y/eltraumschiff ahrt.
Alle arbeiten mit. Keine Kluft zwischen Gemein-r
schaft und Schule.
•

* • # • * *

- 5 -

�4i_^IKEL_PÜR_5IE_FRAU.
Die Frau in den Vereinten Nationen.
Eicheln, Schnecken und andere Delikatessen,
Wenn Kinder nicht teilen wollen»
Dickwerden - durchaus vermeidbar.
65-;) ährige deutsche Auswanderertochter ver18/10/50
wirklicht ihren Traume
Spätes Gehenlernen bei Kindern kein Zeichen
für geistige Unterentwicklung«,
Nachtblauer Persianer und honiggelber Nerz,,
Frauenemanzipation - einmal anders gesehen
Jean Arthur und "Peter Pan".
25/10/50
Berufsberatung für Frauen in den USA.,
Wenn ein Kind andere schlägt„
Hygiene des Alltags - Schönheitsmassage mit
dem Frottiertuch;,
Acht Frauen regieren eine Stadt»
1/11/50
Edelsteine in der Retorte - Synthetische
Steine.
*
Patricia Neway - eine Sänger-Schauspielerin.
Eleganz in rauschender Seide.
*
Abkehr vom Klischee - Jane Wyman und Olivia
8/11/50
de Havilland.
*
Olive Goldman - amerikanische Delegierte in
der Kommission für Frauenrecht der UNo
Angst bei Kindern.,,
Bitte schreiben Sie! Besseres Gedächtnis
durch Entlastung»
*
Der deutsche Export und die '»merikanische
15/11/50
Frau,
*
Patricia Travers - die junge amerikanische
Geigerin»
Von der Mitbürgerschaft der Frau«
Der kindliche Zerstörungstriebo
*
Anna M. Rosenberg - die Frau im Pentagon,
22/11/50
Der Aufstieg der Frau im amerikanischen
Journalismuso
Der Westen erobert die USA. Jung Amerika
trägt das Cowboykostüm,.
Metallimprägnierung - Neue Wege in der
Textilindustrieu
•
/
Zu-den..mit * bezeichneten Artikeln liefert der "Amerika Dienst"
kostenlos Bildmaterial,,
11/10/50

- 6 -

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU.
29/11/50

*

6/12/50

13/12/50

20/12/50
*

Eine Amerikanerin über die europäischen Fraue
Die amerikanischen Frauenmagazine.
Das Fünkchen Grausamkeit in uns. Sadistische
Tendenzen im Alltagsleben.,
Mode und Frisuren in den USA.
Willa Cather zum Gedenken am 7. Dezember.
Lesest offm für die ganze Familie.
Die New Yorker Internationale Frauenausstellung.
Beliebte Rezepte aus den USA.
Clara Barton veranlaßte die USA zum Beitritt
in die Genfer Konvention»
Ein V/eihnacht sie st in Minnesota 1890.
Bilder- und Geschi.chtenbücher für den Gabentisch der amerikanischen Kinder.
Seelenleben vor der Geburt.
Geschenkpakete für deutsche Kinder»
Martha Graham, eine der bekanntesten und eigenwilligsten amerikanischen Tänzerinnen.
Middletown, der Kernpunkt des- amerikanischen
Lebens.
Werbung für und mit Frauen.
Die Geschichte der Frinzessin Pocahontas
und ihrer Reise nach Europa,
Mädchennamen sind der Mode stärker unterworfen als männliche .Taufnamen.

�£

GEISTIGES LEBEN.

Oktober 1950
*

Ausblick auf die kommende Spielzeit der
der Metropolitan-Oper.
Carmen Jones. Ein Kapital amerikanischer
Theatergeschichte.
Internationaler Studentenaustausch für 1950/51.
Neue Pläne des internationalen Seminars für
Amerikakunde in Salzburg.
Fritz Reiner dirigiert NBC-Symphonie-Orchester,

Kinderstube und Weltpolitik.
Die Schreibmaschine nach Maß.
Hollywood macht Ernst. Wendung von der Flimmerkiste zum Problemfilm.
Das Problem der deutschen Mentalität Gegenstand wesentlicher Neuerscheinungen auf
dem amerikanischen Büchermarkt.
Dezember 1950/11 * Grundzüge des neuen Bauens.
* George Grosz - ein sozialer Seismograph
kam zur Ruhe.
Winterkurse auf Leopoldskron.

Dezember 1950/1

# -x- * # *
6. WIRTSCHAFT UND ARBEIT.
7/10/50

14/10/50

21/10/50

Neues Leben auf deutschen Werften.
William C. Foster - der neue MarshallplanAdmini strat or.
Überprüfung der Sehfähigkeit bei amerikanischen Arbeitern.
Lohnanreizsysteme in USA (Teil II).
US-Gewerkschaftsvertreter über deutsche
Arbeitspröbleme.
Neuer US-Zolltarif für Westdeutschland.
Westdeutsche Kühlmittelfabrikanten besuchen
USA.
Lohnanreizsysteme in USA (Teil III).
Einkommensveriägerung in USA.
US-Senator fordert Kaufkraftgarantie für
Staatsanleihen
Y/estdeutsche Bankfachleute besuchen USA.
Der automatische Schaffner.
Vollautomatische Verkehrskontrolle.

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT.
28/10/50

ERP-Kredite für das westdeutsche
Hotelgewerbe»
Kostensenkung durch, vorsorgende Wartung.
Markenartikel in USA stark gefragt.
Die Armour-Stiftung in Chicago»
* * * # *

4/11/50

Heimatvertriebene als IndustriepioniereMarshallplanhilfe für Existenzaufbau.
Der ältere Arbeiter - ein Gewinn für den
Betrieb.

11/11/50

18/11/50

25/11/50

.•

Amerikanische Sender erfassen ihr Publikum.
US-Außenhandelsrat fordert Beseitigung
der internationalen Handelsschranken.
Probleme der Werkskantinen in USA.
Lichtbogenschweißen leicht gemacht.
Was ist eine Verkaufskanone?
Zunehmender US-Touristenverkehr nach Europa.
Marshallplangelder für die Steigerung der
deutschen Erdölproduktion.
Leistungslohn ist billiger.
Ein amerikanischer Betrieb beglückwünscht
"seine" Gewerkschaft°
Engere Zusammenarbeit zwischen USA und
Westeuropa.' Richtlinien Gordoh Grays für
Portsetzung der amerikanischen Auslandshilfe.
US-Industrie für Kapazitätsausweitung durch
erweiterte Abschreibungsmöglichkeiten.
Farben machen sich'bezahlt«
Keine umfassende lewirtechaftung in USA'
geplant•
* * * * #

2/12/50

9/12/50

W-eitere .Kontrollen in USA.
Export nach USA .'stark gefragt»
ECA-Zentralbüro vermittelt Lizenzverträge
zwischen USA und Europa.
Steigende Einfuhr - sinkende Ausfuhr US-Außenhandel vor neuen Problemen.
Wirkt die Inflationsbremse? Weitere Restriktionen in USA,
Neue fettlose Seifen in USA»
Sorgenkind Speisewagen,,

�4

WIRTSCHAFT UND ARBEIT
16/12/50

23/12/50

30/12/50

Deutsche Spielv/aren auf amerikanischen
Gabentischen.
Gadgets sind nicht patentfähig.
Wichtige Entscheidung des Obersten US-Bundesgerichts in Patentsachen.
US-Waggonbau entwickelt neuen Güterwagentyp.
Einfuhr von Warenmustern nach USA erleichtert.
US-Wirtschaft im Zeichen des "nationalen
Notstandes".
Die Papierlücke schließt sich - Augsburger
Papierfabrik baut mit ERP-IJitteln.
US-Exportkontrollen weiter verschärft.
Schwarze Listen und Sperrung der rotchinesischen Guthaben.
CIO protestiert gegen gewerkschaftsfeindlichen
Auftrag der Sowjetbotschaft in Washington.
Der Prämienplan einer amerikanischen Speditionsfirma.
USA entwickeln neues Einfrierverfahren für
die Hochseefischerei.
Hamensschilder- steigern das Selbstbewußtsein.
Der neue GATT-Kodex für Außenhandelsbeziehungen.

- 10 -

�i

N S T

INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. Januar 1951 - 31• Mär 2 1951

Seite
!•)

1

ALLGEMEINES

2.) KOMMENTARE VON JOHN L. MORTON

5

30 SONDERBEILAGEN

6

4.) JUGEND'

7

5.) ARTIKEL FÜR DIE FRAU

9

6.) GEISTIGES LEBEN

12

7.) WIRTSCHAFT UND ARBEIT

13

* * * # #

�1) ALLGEMEINES
Der Mann, der den Blitz erfand
Ein Breslauer Student wird einer der bedeutendsten Forscher der Elektrotechnik in den
USA
Journalistenausbildung in den USA
Amerikanische Radiofreunde lernen die
Orchester Europas kennen.

6/1/51

10/1/51

Colon, die Stadt der Zauberer
1950 - Jenseits der Politik
"Astronomische Marksteine" des vergangenen Jahres
Das Gewerkschaftsprogramm der HarvardUniversität

13/L/51

Baltimore - Stadt der Gegensätze
Der Chor der Mormonenbrüder in Salt Lake City
In Memoriam Sinclair Lewis

17/1/51

Kinderschallplatten - ein ideales
'ziehungsmittel
Sechs-Tage-Wundermittel gegen Malaria
Religiöse Filme in den USA

*
20/1/51

*

24/1/51
*

27/1/51

*

31/1/51

*

*

Vor dem Höhepunkt der außenpolitischen
Senatsdebatte
Audubon, Columbus der amerikanischen Vogelwelt
Brigadier-General Lemuel Mathewson zum stellvertretenden US-Kommandanten für Berlin ernannt
Gold im Schornstein
Die Bodenerosion hat für die Farmer des Mittelwestens ihren Schrecken verloren
Die Arbeit des Kongresses für Kulturelle Freiheit
New York als Wallfahrtsort - für romantische
Brautpaare
Gemüse aus dem Laboratorium
Die öffentliche Meinung in Sowjetrußland
Das New Yorker Hunter-College entwickelt neue
Lehrmethoden für geistig überdurchschnittlich
begabte Kinder
Mißbrauch von ERP-Gütern wird durch ständige
Kontrolle verhindert
Eric A. Johnstons Weg vom Zeitungsjungen zum
Leiter des US-Amtes für Wirtschaftsstabilisierung
* * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.
_ -.

�ALLGEMEINES
3/2/51

Las Gebiet hinter dem Eisernen Vorhang ist
kein massiver Block
Arbeiterbewegung in Europa und Amerika
Lammbauten in den USA

7/2/51

Ler Mann,der Amerika einte
Im Februar feiert Amerika die Geburtstage
von George Washington und Abraham Lincoln
Thomas Alva Edison
Nord-Dakota, das Land der Prairien
14. Februar, St. Valentins-Tag in USA
Rias-Berlin - Symbol der Wahrheit

*
*

10/2/51

Neues Projekt der 0EE3 zur internationalen
Auswertung der Windkraft zur Erzeugung elektrischer Energie
Eine Stadt bekämpft den Krebs
Las wohnliche amerikanische Landhaus

14/2/51

Für Freiheit und Unabhängigkeit
§19. Geburtstag George Washingtons
Arbeitnehmer mit Unternehmergeist
Ler Mensch, die billigste Ware in der UdSSR
Lieses Fazit zieht William A* Wood aus einer
drei .-,ehn jähr igen Erfahrung als Ingenieur in
der JdSSR
Las Marine-Studio in Florida
Einp Luzernefarm
Fiimarbeit im brennenden Dschungel

n/2/51

*
*

21/2/51

*
*

28/2/51

Charles E. Bohlen - der beste amerikanische
Kenner des Kreml
ERP erstellt' neue Werkzeugfabrik in Westdeutschland
Sehneemessungen im Hochgebirge
Rudolph Valentino - der Magier des Stummfilms
Warum unterstützen die amerikanischen Gewerkschaften das freie Unternehmertum?
Von Norman Thomas, aktiver Vertreter der amerikanischen Sozialisten und sechsmaliger Kandidat für die amerikanische Präsidentschaft
Abkehr vom photochemischen Verfahren bei
Bildaufnahmen
Der amerikanische Eisbrecher "Nordwind" hält
die Seewege um Alaska offen
* * * * #

- 2 -

�ALLGEMEINES
Mit Baskenmütze und Hörapparat durch Amerika
Berlins regierender Bürgermeister in USA
Amerika ändert seine Verfassung
Der 22«, Zusatzartikel der amerikanischen
Verfassung erlangte im Februar Gesetzeskraft
Fernseh-Plagen und Fernseh-Pläne

3/3/51

Zephyr mit 150 km
Die landschaftlichen Schönheiten und allen
Komfort Amerikas bietet der "Kalifornische
Zephyr" den Reisenden zwischen New York und
San Francisco
Amerika beklagt in dem kürzlich verstorbenen
deutschen Dirigenten Walter Damrosch einen
seiner verdientesten Erzieher zur großen
Musik
Ist Amerika imperialistisch?
Von dem amerikanischen Sozialistenführer
Norman Thomas, der für ein Wirtschaftssystem
eintritt, das er als demokratischen Kapitalismus bezeichnet
Weltpostverein - ein internationales Vorbild
Die industriellen Forschungsinstitute in den
USA
"Leben in Freiheit"
Ein Preisausschreiben für westdeutsche
Jugendliche

7/3/51

10/3/51

Der Festtag der -grünen Insel
Am 17. März feiern die Iren in aller Welt
ihren Schutzpatron, den Heiligen Patrick
Zur Verteidigung der westlichen Kultur
Von US-Senator Paul*H. Douglas
Deutsches Penicillin durch ERP-Hilfe (Farbwerke Höchst)

14/3/51

Die sonderbaren Heiligen im Lehigh Valley
Struthers Burt schreibt über das kürzlich
unter dem Titel "The Pennsylvania Dutch"
erschienene Buch von Professor Klees
Die Sonne wird wärmer
Atomkraft im Dienste der Medizin
Osterfest in Bethlehem
Die Brüdergemeine
in Bethlehem feiert
das Osterfest nicht anders als ihre Vorfahren,
die vor zweihundert Jahren in Pennsylvania
landeten
Los Angeles, die Stadt der Engel

*

17/3/51

*

- 3 -

�ALLGEMEINES
17/3/51

Der Fall des Genossen Tulajew
In einem Roman erzählt Victor Serge, wie von
der Sowjetregierung angeklagte Trotzkisten auf
Grund der unentrinnbaren Denkschemata, denen
sie sich einmal freiwillig unterworfen haben,
notwendigerweise zu einem Bekenntnis der eigenen "Schuld" kommen müssen

21/3/51

Das "Amerika-Buch" für die Jugend
Ein Jugendbuch, das in deutsch-amerikanischer
Gemeinschaftsarbeit entstand und ein Geschenk
der amerikanischen an die deutsche Jugend darstellt
Aureomycin - die stärkste Waffe gegen Infektionskrankheiten
Amerikanischer Rundfunk in der Klemme
Das Fernsehen in Amerika kann nur aus den
Überschüssen des Rundfunks finanziert werden
•Elektronen mit Dolmetscherexamen
Die Elektronen-Übersetzungsmaschine der Zukunft wird den Übersetzern einen großen Teil
der mechanischen Übersetzungsarbeit abnehmen
Traktat über die Vergänglichkeit
In unserer schnellebigen - Zeit müssen die
Lexikographen mit der -Behendigkeit und den
Methoden der Tagespresse arbeiten
Industrieausstellung auf Rädern
Über 200 deutsche Industriebetriebe stellen
ihre Erzeugnisse im "Marshallplan-Zug" aus
Der Wettergott muß seine Konzession abtreten
Amerikanische "Regentechniker" produzieren
und verkaufen Niederschlagsmengen
Die wichtigsten Aufgaben der US-Hochkommission
in Deutschland
Von Arthur Krock, Chef des Washingtoner Büros
der "New York Times"
Frühlingstanz im Pueblo
Die "Everglades", ein Tierparadies von großer
Schönheit
Die Verteidigung des Westens
Die dauernde Bereitstellung von 20 bis 40
hochqualifizierten Divisionen zur Verteidigung Westeuropas schlägt der bekannte britische Militärschriftsteller Liddell Hart vor

*

24/3/51

28/3/51

*
*

31/3/51

, Sauerbraten, Bockbier und hohe Kunst
Lüchows Restaurant in New York
*
Edward'-Steichen - der Meisterfotograf Amerikas
Provokation und Entscheidung
Eine ausgezeichnete Diskussionsbasis ist das
kürzlich in New York erschienene Buch "Challenge and Decision", in dem ein bekannter amerikanischer Journalist die Problematik des Kalten
Krieges und die Möglichkeiten eines Ausweges
darlegt
# * # * *
- 4 -

�2) KOMMENTARE VON JOHN L. MORTON
6/1/51
13/1/51
17/1/51
20/1/51
24/1/51
27/1/51
31/1/51

"Altbekannte Tatsachen"?
Washington und die sowjetische Note
Trotz allem E i n i g k e i t
Astronomische Zahlen
"IKE"
Stärke gegen Stärke
Josef Plade: "Ich liebe die Freiheit mehr als
mein leben"
Grenze des Verrats
# # * * *

3/2/51
7/2/51
10/2/51
14/2/51
17/2/51
21/2/51
24/2/51
28/2/51

Gerechtigkeit
Die Vorschläge Eisenhowers
"Die Rreiheit-legion"
Ermutigende Anzeichen
Einig trotz aller Debatten
Stalins "Priedens-Rühler
Viererbesprechungen und Aufrüstung
Deutschland kann nicht ohne den Westen auskommen
* • * * *

3/3/51
7/3/51
10/3/51
14/3/51
17/3/51
21/3/51
24/3/51
28/3/51
31/3/51

Am Ende der Debatte
Pariser Außenministerkonferenz und Besatzungsstatut
Auf dem Weg zur europäischen Einheit
Der "Krieg der Enttäuschten*
In Paris: Vielleicht - in Berlin: Njet
Entmilitarisierung - ein neuer sowjetischer
Bluff
Neutralität bedeutet Selbstmord
Quo vadis? - Der Weg der "deutschen Titoisten"
Pan-Amerika - ein antikommunistischer Block

- 5-

�3)_S0NLERBEIIAGEN_
10/1/51.

24/1/51

Die Parole lautet nicht: "Der Krieg ist unvermeidlich"
Von Anne O'Hare McCormick (New York Times)
Voller Wortlaut der Botschaft Präsident Trumans
über die Lage der Nation (vom 8. Januar 1951)
McCloy: Nicht "gegen Windmühlen kämpfen"!
-Voller Wortlaut eines Briefwechsels zwischen dem
amerikanischen Hochkommissar für Deutschland,
John J. McCloy, und Herbert Gr. Roske, einem
21jährigen Deutschen, der am 29. Dezember 1950
in einem Schreiben die westlichen Alliierten der
Diskriminierung Deutschlands beschuldigte
General Eisenhower: Vergangenes ist vergangen.
.Voller Wortlaut einer Erklärung, die der Oberkommandierende der Atlantischen Streitkräfte,
General Dwight D. Eisenhower, am 19. Januar 1951
nach seiner Ankunft auf dem Rhein-Main-Plughafen
vor Pressevertretern abgab
* * * * *

3/2/51
14/2/51
24/2/51
28/2/51

3/3/51
7/3/51
10/3/51

14/3/51

17/3/51

31/3/51

Endgültige Entscheidung über landsberg
Der 5. Quartalsbericht ies US-Hochkommissars
für Deutschland
Das Berufungsverfahren der in landsberg zum Tode
Verurteilten
Drew Middleton zu den Auswirkungen des LandsbergProtests

General Clay befürwortet Verstärkung des amerikanischen Truppenkontingents in Europa
Vor der Entscheidung
Zu den Debatten um die Entsendung amerikanischer
Truppen nach Europa
Der Geist Carl Schurz' und das Deutschland von
heute
Ansprache vor der Carl-Schurz-Gesellschaft»Bremen,
am 5. März 1951, von Benjamin J. Buttenwieser,
Stellvertretender US-Hochkommissar für Deutschland
Artikelreihe des amerikanischen politischen Kommentators Carl C. Hilton, in der er sich mit den
aktuellsten Problemen der Gegenwart auseinandersetzt
Schreiben der Alliierten Hochkommission an Bundeskanzler Adenauer über die Besatzungskosten für
das Finanzjahr 1951/52
Der Schumanplan - Europas Chance
* * * * *

- 6 -

�i

4) JUGEND
Januar 1951/1

Wickey und der Cowboy
Die Geschichte von Brandgesicht
. . . Und plötzlich stand ein Bär vor
ihnen!
Marionettentheater für die Kinder New Yorks

Januar 1951/11

Wie der Esel zu den Menschen kam
Eine mexikanische Volkssage
Steinerne Geschichtsbücher
Pelsinschriften in Texas, Arizona, Neu Mexiko
und Kalifornien künden von der Geschichte der
Ureinwohner Amerikas
Christoph Columbus
An der "Whiteface"-Kurve erbleicht jeder
Passagier
Mit dem Bobschlitten im 100-km-Tempo über
die eisigen Abhänge des Mount Van Hoevenberg

Februar 1951/1

Nara, das "Truthahnmädchen"
Im Zeichen der silbernen Lilie
Jeden Tag ein gutes Werk zu tun ist die
Pflicht jedes Pfadfinders
Sterntalerregen aus dem Himmel Amerika
Schulkinder malen und zeichnen ihre Eindrücke vom Marshallplan
Sie wissen, was sie wollen
Die Höheren Schulen in Atlanta geben ihren
Schülern Gelegenheit, sich durch Halbtagsbeschäftigung in .ihren künftigen Beruf einzuarbeiten
#

März 1951/1

•

*

*

*

•

*

Picaro und das Zebra
Im Lande der Totem-Pfähle
Riesige geschnitzte Totem-Pfähle versinnbildlichen Geschichte und Sage der Indianer
Alaskas
"Hoppe, Hoppe Reiter . . t .
Auch Sechsjährige können schon sattelfest
sein und auf Reittournieren Preise erringen
Versuch's mal
Ein einfacher Versuch mit einem Papierstreifen gibt Aufschluß über die Kräfte, die ein
Plugzeug tragen

- 7 -

�JUGEND
März 1951/II

*

Morgenröte besucht den großen Geist
Eine indianische Volkssage
Heuschrecken - Freunde oder Feinde des
Menschen
Ein Kinderparadies zwischen Wolkenkratzern
New Yorker Polizei als Helfer und Freund
der gefährdeten Jugend
VERSUCH»S MAL!
Das Ei in der Flasche
Ein einfaches Experiment mit einer Milchflasche und einem Hühnerei liefert einen
eindrucksvollen Nachweis des vorhandenen
Luftdruckes
# * # * *

�5) ARTIKEL FÜR DIE FRAU

3A/51

Margaret Chase Smith, der Senator aus Maine
Die amerikanische Journalistin
Der Mensch über Vierzig braucht Ruhe und
Entspannung
#
Bilderbuch der Köchin
Ein neues amerikanische Kochbuch

10/1/51

Frauen, gestern und heute
Eine kleine Typologie der Frau
Schwiegermütter - geliebt und gefürchtet
Moderne Lampen, zweckmäßig und schön
Fensterschließer und Windelwechsler

17/1/51

Susan B. Anthony
Ein Leben für die Rechte der Frau
Die Rolle.der Behandlung durch Suggestion
in der modernen Praxis
Einige Winke für die Pflege unserer Zimmerpflanzen
Sprechen Sie deutsch?

24/1/51

Vom Küchenmädchen zum Bühnenstar
Ethel Waters ist die Verkörperung aller
"Neger-Mammie-s"
Frauen übernehmen leitende Stellungen in
amerikanischen Konzernen
Mensch - ärgere dich!
Wer sich nicht ärgern kann, ist seelisch ebenso gefährdet, wie der, der bei jeder Gelegenheit in Wut gerät
Kleine Tips für die Pflege des ersten Kindes

31/1/51

Frauen im Berufsleben
Die zehntausend Schritte der Hausfrau
Fußbeschwerden - ein Übel der Zivilisation
unter der Lupe amerikanischer Wissenschaftler
Die kunstseidene Mode
Amerikas Textilmarkt zeigt Shantung-Leinen,
Taft, Gabardine, Tweed, Pikee, Jersey,Chiffon
und Pelze - aus Rayon
Frauen diesseits und jenseits des Ozeans
Mrs. Ellen McCloy, die Gattin des US-Hochkommissars, sprach am Mittwoch, dem 24. Januar
1951»" in der Aula .der Frankfurter Universität
vor der ersten gemeinsamen Konferenz der Frauenvereinigungen der Bundesrepublik
* * * * *

- 9-

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
7/2/51

Man lebt nicht mehr "auf dem Mond"
Frauen auf den einsamen Farmen des amerikanischen Mrttelwestens
Gernhaben ist nicht genug
Widerstreben des Kindes gegen eine Stiefmutter
Wenn amerikanische Kostümzeichner Rat brauchen
Die neuentdeckte Weiblichkeit
Das neue Make-up in Weiß und Rosa paßt sich
den zartesten Pastelltönen der kommenden Frühjahrsmode an

14/2/51

Der gesunde Menschenverstand
Die modernste Regel der Kindererziehung ist
die, daß es keine Regeln gibt
Eine Frau kämpft gegen Konventionen
Vor mehr als zwei Generationen ging Clara
Swain als erste Missionsärztin nach Indien
Pasteurisiere zu Hause!

21/2/51

Auslauschprogramm für ausländische Studenten Eine*Werkstatt des Friedens
Nylon, der \*u.ischtraum jeder Frau
Und wohin geht Vati?
Die Kenntnis dessen, was der Vater im Berufe
tut, ist für das Kind ein wesentlicher erzieherischer Faktor
SchwangerSchaftsgefährdungen
Speisezettel chemisch betrachtet

28/2/51

Es war ein langer Weg
Von Eleanor Roosevelt
Hollywood auf der Suche nach einer neuen Garbo
Die Augen unseres Kindes
Vetternwirtschaft in der sowjetischen Filmindustrie
*

7/3/51

•

*

*

*

•

*

Textilgeheimnisse aus den USA
Die moderne Kleidung wird immer leichter und
wärmer im Winter und immer leichter und kühler im Sommer
Gestern wurde ich geschieden - Probleme, die
eine Scheidung mit sich bringt
Die Musterfarm in Ambler
Eine berühmte landwirtschaftliche Schule in
den USA
Mumps oder Gehirnentzündung
Ein neuer Mumps-Test ermöglicht eine zuverlässige Diagnose
-10-

�ARTIKEL FÜR DIE ERAU
7/3/51
14/3/51

*

21/3/51

*

28/3/51
*

*

Las internationale Institut zur Bekämpfung von
Kind erkrankhei t en
Die "Smith-Girls"
Das Smith College in Northampton
Eür gesetzliche Gleichberechtigung
Das doppelte W
Die neue Modesilhouette
Wenn ein Kind operiert werden muß . . .
"LEO", der Schnitzelkönig von New York
Wiener Küche und Wiener Melange begeistern
New Yorks Feinschmecker
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
Vom Ursprung und Nutzen des Staubes
Freundschaftsbande über die Grenzen hinweg
Kühl aber nicht frostig
New Yorker Innenarchitekten sagen eine Wandlung
des amerikanischen Geschmacks zu einer gewissen
•gemütlichen Sachlichkeit' in der Wohnraumgestaltung voraus
Vielseitige Würstchen.Einfache amerikanische
Rezepte mit Frankfurter Würstchen
Appell an Stalin
Amerikanische Abgeordnete versucht Stalin von
den Friedensbestrebungen der USA zu überzeugen
Ein schöpferisches Handwerk
Auf der Suche nach ewiger Jugend
Ausstellung "neues Haushaltgerät in USA" in
Stuttgart
Das deutsche Waisenhaus in Washington
* * * * *

- 11 -

�6) GEISTIGES LEBEN
Januar 1951/1

Malerei der Völker
* Deutsche Amerikafahrer im 17. und 18. Jahrhundert
* Kreisler, mit den Augen des Freundes gesehen
"TOHUWABOHU"
Wie die Erde wurde

Januar 1951/11

* Kann ein Mythos abdanken?
Robert M. Hutchins, bisheriger Rektor der
Universität Chicago, legte sein Amt nieder,
um eine leitende Stellung in der "Ford-Stiftung"
zu übernehmen
Dichter und Bauer in Georgia
Byron Herbert Reece aus Georgia baut 70 Morgen
Kartoffeln, Bohnen und Getreide und macht Gedichte
* "Sonnenfinsternis" am Broadway
Bühnenfassung des aufsehenerregenden Romans
"Sonnenfinsternis" von Arthur Koestler uraufgeführt
Nicht Toleranz sondern Brüderlichkeit
"World Brotherhood" und ihre deutsche Sektion,
der"Koordinierungsrat der Christen und Juden
in Deutschland"

Februar 1951/1

Albert Einstein: Aus meiner Jugend
Amerika von Schiller bis Bert Brecht
Deutsche Amerikagedichte
Unaufhörliche Gegenwart
Zu Kurt Weills zweitem Todestag
Neue Elemente und alte Götter
1'3 Quizfragen für klassisch gebildete Chemiker

Februar 1951/II

Bücher für alle
Die "Hartgesottenen" schockieren nicht mehr
Hemingways und seiner Epigonen Verdienst war
es, den amerikanischen Bürger aus sozialer und
politischer Indifferenz aufgestört zu haben.
Der heutige Leser aber will nicht mehr nur
schockiert, sondern auch über psychologische
Zusammenhänge unterrichtet werden
* Das Gespräch - Bronzeplastik des deutschen
Bildhauers Knud Christian Knudsen
Propaganda bei Lichte betrachtet
Methoden der kommerziellen und politischen
Propaganda

- 12 -

�GEISTIGES LEBEN
März 1951/1

*

*
*

März 1951/11

Pioniere des modernen Wohnbaus
Die beiden amerikanischen Architekten Greene
und Greene
Aus dem New Yorker Musikleben
Zeitlose Plastik •
Der amerikanische Bildhauer Donal Hord
Er war der Lehrer des Mahatma - HenryDavid Thoreau
Eduard Hans1ick
Der große Widersacher Wagners in Wien
Neuausgabe der Schriften des großen Wiener
Musikkritikers- Eduard Hanslick in einem New
Yorker Verlag
Befreiung von der Angst
Zu Arthur Koestlers neuem Buch
Horace Greeley. Amerikas größter Zeitungsmann
Seher der kommenden Krise
Herman Melville und Nathaniel Hawthorne
* • • # »

7) WIRTSCHAFT UND ARBEIT
6/1/51

Um die Kontrolle von Preisen und Löhnen
Schwere Aufgaben für die Stabilisierungsbehörden
in USA
Steigende Neuinvestitionen In USA
US-Industrie hat Betriebskapital seit 1939
verdreifacht
Marktforschung als Mittel zur Kostensenkung
'Standard Oil" reduzieren Vertriebskosten
durch verstärkte Marktbeobachtung

13/1/51

Arbeiterparadies im Scheinwerferlicht
ILO will an Untersuchungen über Zwangsarbeit
in der Sowjetunion teilnehmen
Aus schwarz-weiß wird bunt
Farbphotographie vor dem Wendepunkt
Mit anderen Augen gesehen
US-Wirtschaftsinstitut berichtet üher Aufgaben
und Zweck der "public-relations"
Baumwolle stark gefragt
Weltbaumwollverbrauch erreicht neuen Höchststand
Weitere Erschwerungen bei US-Exporten
US-Handelsministerium gibt neue Exportbestimmungen bekannt
Bisher 76 Prozent der jährlichen US-Baumwollexportquote freigegeben
- 13 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
20/1/51

Milliarden für die Freiheit
Das neue amerikanische Verteidigungsbudget
Verteidigungswirtschaft in USA
Die wirtschaftspolitischen Ziele und Forderungen
Präsident Trumans

27/1/51

Der Mai. shallplan im Zeichen der europäischen
Wiederbewaffnung
Von Miltjn Katz - ECA-Sonderbotschafter für
Europa
Der Kongreß spitzt den Bleistift
Washington sucht neue Steuerquellen
Technische Hilfe für Europa
ECA-Austausch von Fachleuten und Erfahrungen'
soll Industrieproduktion weiter steigern
» * * * #
t

'3/2/51

"Eiskeller" oder "Kühlschrank"?
Löhne und Preise in USA sind eingefroren worden
Wenig Interesse am Kapitalexport nach Deutschland
US-Wirtschaft äußert Bedenken gegen Mitbestimmung und Lastenausgleich
Der Wettergott kann nicht mehr launisch sein
Künstlicher Schnee für Amerikas Wintersportler
US-Bruttosozialprodukt seit 1929 um 75$
gestiegen

10/2/51

Keine "Ladenhüter" für ERP-Lieferungen
ECA und ERP-Ministerium überwachen Verwendung
der Marshallplangüter
Steigende Sozialleistungen der US-Industrie
Über 5 Millionen Arbeiter werden von privaten
Pensionsplänen erfaßt
Lebhafte Einzelhandelsumsätze in USA
Keine Verknappungen bei Verbrauchsgütern zu
erwarten
Koordinierung der Verteidigungsproduktion
US-Wirtschaftshilfe für Europa soll gegebenen
Verhältnissen angepaßt werden
UN untersuchen Probleme wirtschaftlich rückständiger Gebiete

17/2/51

Steuerschraube statt Notenpresse
Die 10-Milliarden-Dollar Steuervorlage
Präsident Trumans
Vom Umgang mit Vertretern
In Hartford in USA heißt man jeden persönlich
willkommen
- 14 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
17/2/51

Umstrittener Lohn- und Preisstop in den USA
Vorläufiger Schutzwall gegen inflationistische
Tendenzen in der amerikanischen Wirtschaft

24/2/51

Ein Warenhaus für Rohstoffe
USA lagern strategisch wichtige Materialien
Zunehmende Kreditgewährung der Weltbank
Anleihevolumen überschreitet 1-MilliardenDollar-Grenze
Wofür gibt der Durchschnittsamerikaner
sein Geld aus?
US-Bundesamt für Arbeitsstatistik will
Verbraucherindex revidieren
Weniger Gesellschaftsneugründungen in den USA
Freies V/oehenende wichtiger als 8-Stunden-Tag
*

3/3/51

#

*

• *

*

Für die Sicherung des Friedens
Die wirtschaftlichen Aspekte der amerikanischen
Verteidigungsbemühungen
Wallstreet bleibt aktiv
Weiter lebhafte Umsätze an der amerikanischen
Wertpapierbörse
Deutsche Werkzeugmaschinen gehen in die Welt
Mitteldeutsche Exportindustrie wird mit Gegenwertmitteln, in Westdeutschland wiederaufgebaut
Berufsförderung für Körperbehinderte

10/3/51

Deutsche Landwirtschaftsmaschinen wieder auf
dem Weltmarkt
Die größte Traktorenfabrik Europas ist mit
ERP-Krediten aufgebaut worden
Lebensversicherungen in USA stark gefragt
Neugeschäft 1950 um 24,5$ höher als im
Vorjahre
Rentabilitätssteigerung mit Hilfe der Gewerkschaften
Hochschulstipendien für begabte Arbeiterkinder
in USA
Lebhaftes Kaufinteresse auf New Yorker Fachausstellungen
Einschränkung des Metallverbrauchs führt zu
Vorbehalten der Verkäufer

17/3/51

Herr Smith und seine Steuererklärung
Auch die Amerikaner haben ein Finanzamt
Schlichtere Warenverpackung in USA
Packmittelindustrie sieht sich nach Austauschstoffen um
- 15 - •

�-•

WIRTSCHAFT UND ARBEIT
17/3/51

24/3/51

Die elektrischen Verkehrspolizisten New Yorks
Neue Verkehrsampelschaltung beschleunigt
Straßenverkehr
Produktivität und Leistungssteigerung in USA
Amerikanische Arbeiter antworten auf eine
Umfrage
*

Ein Rad dreht sich - hundert drehen sich mit
ERP-Hilfe für einzelne Industrieunternehmen
führt zum wirtschaftlichen Aufstieg einer
ganzen Sxadt
Cowboyanzüge am meisten gefragt
New Yorker Spielwarenausstellung brachte
lebhafte Umsätze bei leicht erhöhten Preisen
Pensionen und höhere Löhne
Die Erfolge der US-Gewerkschaften im Jahre
1950
US-Stahlindustrie plant umfangreiche Neuinvestitionen
Produktionskapazität soll auf 120 Millionen
Jahrestonnen erhöht werden

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.

- 16 -

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INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. April 1951 - 30; Juni 1951

Seite

1. )

ALLGEMEINES

1

2.])

KOMMENTARE VON JOHN L. MORTON

5

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SCHAIIBILDER

6

4. )

SONDERBEILAGEN

6

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ARTIKEL PJR DIE FRAU

7

6.: )

JUGEND

9

7.:1

GEISTIGES LEBEN

10

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WIRTSCHAFT UND ARBEIT

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ALLGEMEINES
4/4/51

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7/4/51

11/4/51

14/4/51

*

18/4/51

21/4/51

*

Tiefkühlung., ein Millionengeschäft
(Schnellgefrierverfahren)
Wer ist der bessere Fahrer:
Mann oder Frau?
Monsignore Fulton J« Sheen - ein
unwiderstehlicher Christ
Amerikas erfolgreichster katholischer Seelsorger
Das Geheimnis der Sardinen
Plötzlicher starker Rückgang der Sardinenfange im Pazifik
Salzdome und Salzgärten
Kochsalzförderung in den Vereinigten
Staaten
Die große Tat unseres Jahrhunderts
Verwirklichung der Menschenrechte
"Macht der Furcht ein Endeu.,"
Rede des Senators Henry Cabot-Lodge jr.
v.j.:r der UN-Vollversammlung
"ZIM"', das neueste sowjetrussische
Automodell
Neue Wohnungen in Gminderdorf
An der Schwelle zur nationalen Unabhängigkeit
Die bevorstehende Gewährung der Autonomie
für Puerto Rico
Die Teppiche der Navajos
ölrausch in Texas
Generalleutnant Matthew Bunker Ridgway
Wasserskilauf» der jüngste Volkssport
in den USA
Neuer Vorstoß der Medizin im Kampf gegen
die Spinale Kinderlähmung
Kapitalismus - ein für die USA überholter
Begriff
Die neue polnische Armee - ein Werkzeug
des Kreml
Elektronenmikroskop erschließt eine neue
Welt
Merkwürdigkeiten bei der Herstellung von
Stahl

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST
kostenlos Bildmaterial.

�ALLGEMEINES
25/4/51

Gewerkschaften schaffen internationale Einheit
York, Pennsylvania - eine vorbildliche Stadt
Räder rollen für den . . . Frieden. Gemeinsamer deutsch-französischer Güterwagenpark

28/4/51

Tatarennachrichten über die USA (Buchbesprechung)
Ein Rembrandt für acht Tage. "Die "Lejhbilderei"
von Harbor Beach
Washington im Frühling
• * * * #

2/5/51

Ein Refugium für erlauchte Geister. Das Institute for Advanced Study in Princeton, New
Jersey
Der Sommerschnitt. Kein verstümmeln von
Sträuchern
Südliche Sonne in Büchsen. Neuartiges Konservierungsverfahren

5/5/51

Arbeite, spiele und werde gesund - mit Musik
Rundfunkstationen in Alaska
Die Tito-Stalin Kontroverse. Hamilton E.
Armstrongs letztes Werk: "Tito and Goliath"

9/5/51

Das Volkskundemuseum von Neu-Mexiko in Santa Fe
Kongreßarbeit ist lebensgefährlich
Leserbriefe auf Bestellung in der UdSSR

12/5/51

Franziskanermissionen an der kalifornischen
Küste
"Quo vadis" - der Film der Superlative
Bilder aus den Tiefen des Meeres

16/5/51

Funksprechverkehr als Arbeitshilfe in der
Industrie
Das Y/eiße Haus wird "verkauft"
Erfolg macht wachsam. Verbesserung der menschlichen Beziehungen und materiellen Lebensbedingungen

19/5/51

Die wohltemperierte Narkose
Neue Wohnbaumethoden in den USA
Y/as mich in Europa verrückt macht. Ein amerikanischer Gelehrter kritisiert das europäische
Akademikertum

*

- 2 -

�«EINES
3/5/51

Auf dem Wege zu einer neuen Eiszeit? Wetterprognose für den Rest des Jahrhunderts
Amerikanisches Institut für Welthandel in
Arizona
Fischerei im Nordatlantik - ein wichtiger
Beitrag zur Welternährung

6/5/51

Akademische Ehrung für US--Hochkommissar John
J, McCloy, Präsident
Heuss, Bundeskanzler
Adenauer und die Rektoren der Berliner Freien
Universität und der Universität Bonn durch
die Universität Maryland
Der Sonderwagen des amerikanischen rräsidenten
Streifzug durch New Yorks "Chinatown"
Die Briefe Präsident Roosevelts

0/5/51

Der moderne Mensch schon 75 000 Jahre alt
Die Wurzeln des Totalitarismus
Ein Leben für den Fortschritt. Charles F*
Kettering,. der vitalste und einfallsreichste
Erfinder Amerikas

2/6/51

Charaktertraining in amerikanischen Jugendlagem
Franz Daniel Pastorius. Gründer und Bürgermeister der ersten deutschen Siedlung in den USA
"Die Front ist überall". Die KP in den USA

6/6/51

In Memoriam Serge Kousse-.ritzky
Brücken in die Vergangenheit., überdachte Holzbrücken in den USA
Der erste totale Sieg über die Malaria
Die Flötensammlung der Kongreßbibliothek

9/6/51

Neues Serum gegen Tollwut
Automatische Sicherungen gegen menschliche
Unzulänglichkeit bei US -Eisenbahnen
Hotelführung als Universitätsfach

3/6/51

Der Grand Canyon - Amerikas größtes Naturwunder
Y/as verdient der Durohsohnittsamerikaner?
Ein praktischer Träumer, Der amerikanische
Sozialistenführer Norman Thomas erörtert die
Schwächen und Möglichkeiten des Sozialismus

6/6/51

Tierparadies hinter Wolkenkratzern, Der
"Bronx-Zoo" in New York

�ALLGEMEINES.
16/6/51

Die Thrombose verliert ihre Schrecken
"Mir bitte Tintenfisch mit Reis und Seetang".
Truppenverpflegung in Korea

20/6/51

Die Lehren von Korea machen kollektive Friedensaktion notwendig. Warren Austin zum ersten Jahrestag der roten Aggression in Korea
Die Flucht ins Grüne und ihre Folgen. Stetig
wachsende Vororte sind für Millionenstädte der
USA gewaltiges Verkehrs- und Verwaltungsproblem
Warum Rußland den Koreanern nur unzureichende
Waffenunterstützung gewährt
Verpflanzung lebender Zähne

23/6/51

"Imperium" Texas
Zwei Musiker fangen den Regenbogen. Verwendbarkeit des Farbfilms verdankt die Welt zwei
amerikanischen Musikern
Führer und Köpfe. Bemerkungen amerikanischer
Wissenschaftler über die Psychologie des Erfolges

27/6/51

Das papierene Gedächtnis Amerikas. Die Kongreßbibliothek in Washington
Mitbestimmungsrecht - auf amerikanische Weise
Die Fesselung der Kunst in der UdSSR. Eine
Buchbesprechung von Brooks Atkinson, "New
York Times"

30/6/51

Das Recht auf Leben, Freiheit und Glück. Aus
dem Text der Unabhängigkeitserklärung vom
4. Juli 1776
An alle, die iie Freiheit lieben. Botschaft
des amerikanischen Präsidenten Harry S.Truman
175 Jahre der Freiheit. Von Ralph J. Bunche
Der amerikanische Unabhängigkeitstag und
Europa. Der 4. Juli 1776 und seine Wirkungen
auf unsere Zeit
Warum ich in Amerika lebe. Brief des bekannten Journalisten und Schriftstellers Joseph
Y/echsberg an einen kommunistischen Jugendfreund

- 4 -

�2) KOMMENTARE VON JOHN L. MORTON
4/4/51

Im Dienste des Weltfriedens

7/4/51
11/4/51
14/4/51
18/4/51
21/4/51
25/4/51
28/4/51

Vor dem Zusammenbruch der Obstruktionspolitik
Eine große Verantwortung
Eine notwendige Konsequenz
Ein kühner Versuch
Richtige Bewertung der Ereignisse
Gedanken zum 1. Mai
Deutschland am Scheidewege

2/5/51
5/5/51
9/5/51
12/5/51
16/5/51
19/5/51
23/5/51
26/5/51
30/5/51

Europa blickt auf Bonn
Der Wahlkampf wirft seine Schatten voraus
Deutschlands Stunde der Entscheidung
Europa muß wachsam sein
Gleiche Rechte - gleiche Pflichten
Sicherheit im Mittelmeer
Um das ^Schwarze Gold" Persiens
Der Freiheit einen Dienst erwiesen
Freiheit - ein Gerücht
* * * * *

2/6/51
6/6/51
9/6/51
13/6/51
16/6/51
20/6/51
23/6/51
27/6/51
30/6/51

Ein lohnendes Angebot
Der Groll wächst
Der Wille zur Verteidigung
Ein anschauliches Beispiel
Für die Freiheit Europas
Noch ist es Zeit
Annehmbare Bedingungen
Friedensvorschlag oder Propagandatrick?
Ein Tag des Gedenkens und der Verpflichtung
* * * *

- 5 -

�2l_§CHAUMLDER_
4/4/51
14/4/51
21/4/51
2 5/4/51

Die ölförderung im Nahen Osten
Der Rote Stern sinkt
Stahlerzeugung
Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl
*

2/5/51
12/5/51
16/5/51
23/5/51

*

Verluste im Koreakonflikt
Deutsche Konsulate in den USA
Wieviele Menschen leben auf unserer Erde?
30 000 Ausländer studieren in den USA
*

2/6/51
6/6/51
13/6/51
23/6/51

* * *

*

*

* *

Dollars reisen nach Europa
Die Autoproduktion der Welt im Jahre 1950
Deutschlands Handel mit den USA
Die OEEC und ihre vielseitigen Aufgaben

12_§2NDERBEILAGEN_
4/4/51
11/4/51

14/4/51
18/4/51
21/4/51

28/4/51

Präsident Truman und Außenminister Dean
Acheson zum Erfolg des ERP
Produktionskraft - e i n Instrument des Friedens
Rede des ECA-Administrators William C. Poster
vom 3. April 1951 anläßlich des dreijährigen
Bestehens des Marshallplans
Truman: Tür zu Verhandlungen jederzeit offen
(Rede vom 11.4.51)
Truman: Abzug aus Korea würde neuen kommunistischen Angriff auslösen (Rede vom 15.4.51)
Acheson zur Pernostpolitik der Vereinigten
Staaten (Rede vom 18.4.51)
Omar N. Bradley: Ausweitung des Koreakriegas
(Rede vom 17.4.51)
MacArthurs Abschiedsrede (vom 19.4.51)
McCloy: Die Vereinigten Staaten werden jedem
bewaffneten Angriff auf Westdeutschland begegnen (Rede vom 25.4.51)
* * * * * *

2/5/51
9/5/51

Acheson zur gegenwärtigen internationalen Lage
(Rede vom 30.4.51)
Präsident Truman über die Begrenzung des Koreakonfliktes {.Rede vom 7.5.51)
- 6 -

�SONDERBEILAGEN

23/5/51
26/5/51

Die Ost-West Spannung. Von Carl C Hilton
Sechster Vierteljahresbericht des US-Hochkommissars John J. McCloy
Truman fordert 8,5 Milliarden für die Verteidigung der Freiheit (Rede vom 24.5-51)
* * * * *

2/6/51
13/6/51
16/6/51

20/6/51

23/6/51

27/6/51

Note der drei Westmächte an die Sowjetunion
über Abhaltung einer Außenministerkonferenz
am 23» Juli in Washington
Im Schatten der Präsidentschaftswahlen., Von
Carl C. Hilton. I. Folge: 'Außenpolitik - das
Zünglein an der Waage
Im Schatten der amerikanischen Präsidentschaftswahlen. 2. Folge: "Rätselraten im demokratischen
Lager"o Von Carl Co Hilton
Truman fordert scharfes Anti-Inflationsprogramm
zur Sicherung des amerikanischen Verteidigungsbeitrages (Rede vom 14.6„51)
Im Schatten der amerikanischen Präsidentschaftswahlen., Von Carl C, Hilton„ 3» Folge: "Umstrittene Figuren auf dem republikanischen Schachbrett"
I. Europas Wirtschaftszentrale baut an der
Zukunfto Von Hans Günther-Patzig.
II.McCloy: Bundesrepublik macht Fortschritte
(Rede vom 19.6.51)
1» Truman: USA für echten Frieden in Korea
(Rede vom 25.6-51)
2„ Rundfunkansprache US-Hochkommissar^ John J„
McCloy zur Situation in Deutschland
(vom 26.6.1951)
* * * * *

5) ARTIKEL FÜR DIE FRAU
4/4/51

11/4/51

Amerikanerinnen von heute
Pubertätspickel
Exaktes Wirtschaften und strenges Haushalten
Textilausstellung in New York
Frauen im Dienst der Amerikanischen Luftstreitkräfte
Musikalische Reise durch Westafrika
Die amerikanische Mutter: Vor 2 5 Jahren und
heute
- 7 -

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
11/4/51

Mannequin mit 76
Die koreanische Bibel - Das 3uch der Frauen

18/4/51

"Andante-Grün" und "Viktoria-Efeu". Die amerikanische Autoindustrie appelliert an den Geschmack der Frau
Nimm und gib
Matisse, der Tapetenmaler. Neue "alte" Ideen
amerikanischer Innenarchitekten
Bleierner Frühling. Frühjahrsmüdigkeit Symptom mancher ernsthaften Krankheit
Die Emanzipation der Frau nach russischem
Muster
Amerikanische Frauendelegation besucht Westdeutschland

25/4/51

Erwerb contra Beruf. Amerika bietet den jungen
Mädchen die besten Berufsaussichten,
Für Regen und Sonnenschein. Die neue Regenmode
Über das Trinken
Gibt es eine erbliche Anlage für Krebs?
Eine "Bombensache". Druckkonserven für Hausfrau, Industrie und Wirtschaft
*

* * * *

2/5/51

Hausschneidern in USA sehr beliebt
Liebe ist "Mantsch". Kinder wählen und zensieren Filme
Vision einer besseren Welt. Highschool-Schülerinnen gründen eine eigene "Modellnation"
Frauen an der Drehbank
Weiblicher Flughilfsdienst in den USA
Vielseitige Glasfaser

9/5/51

Ethel Barrymore, die "First Lady der amerikanischen Bühne"
Amerika braucht Krankenschwestern
Ist Joghurt gesünder als Milch'
UN-Kommission für die Rechtsstellung der Frau
eröffnet neue Sitzungsperiode
Die Frau und das amerikanische Geistesleben
In Deutschland lebende amerikanische Familien
adoptieren deutsche Waisen
Babys, die bei ihrer Geburt weniger als ein
Kilo wiegen, sind durchaus lebensfähig

16/5/51

- 8 -

�FÜR DIE FRAU
23/5/51

Die UN-Kommission für die Rechtsstellung der
Frau
Brot als Proteinquelle
Es gibt so viel zu lernen, ehe man zur Schule
kommt
Brasilianerin als "Frau der Amerikas" geehrt
*

* * * *

6/6/51

Vernachlässigte Kinder - eine lohnende Aufgabe
für jede Frau
Judy Hollyday, die beste amerikanische Filmschauspielerin des Jahres 1950
Psychologische Betrachtung über Farben
Demokratie - eine Lebensform. Hessische Frauen
tagten in Wiesbaden
Wie behandelt man Cordsamt?
Die Rolletder Frau im heutigen Deutschland.
Rede des Stellvertretenden US-Hochkommissars
in Deutschland, Benjamin J. Buttenwieser,vom
26. Mai 1951

20/6/51

Erziehung zur Reife
Großmütter machen Filmkarriere. Hollywood
wird natürlicher
Neue Größennormung für Damen- und Kinderkleidung
Schönheitstips für die Frau mit wenig Zeit
und kleinem Geldbeutel
Spinale Kinderlähmung durch Tröpfcheninfektion
Pasteurisieren mit Elektronen
Behandlung von Schnittblumen
Eindrücke einer Reise durch das Bundesgebiet
* * * *

*

6) JUGEND
April 1951/1

Die Geschichte der ersten Schmetterlinge. Eine
indianische Volkssage
Von der ersten primitiven Dampfmaschine zum modernen Stromlinienzug
Rätsel um die Gallina-Indianer
Baseball, Amerikas Nationalsport

�JUGEND
April 1951/II
*

Mai 1951

Santiagos Schuld. Eine Erzählung aus New Mexico
Großes Land Alaska
Leihanstalt für Ziegen und Mäuse. Tiere helfen
den Lehrern beim Unterricht
Versuch's mal* Wir basteln uns ein indianisches
Gefäß

Der Adler auf dem Totem-Pfahl. Eine Indianergeschichte aus Alaska
\'Ias sind "Teenagers"?
* Die Puppen der Pueblo-Indianer
Sternwarten gestern und morgen
* * * * *

Juni 1951

Ich bin ein Cowboy - jippi jeh
Wie Tee Pete, der Mississippi-Boy, seinem Vater
das Leben rettete
* Wenn es draußen donnert und blitzt
Giganten des Meeres

7) GEISTIGES LEBEN
April 1951/1

Freiheit als unabdingbare Voraussetzung menschlicher Portentwicklung. Von Warren M. Robbins

April 1951/11

Thomas Kann: Ich stelle fest . . .
Indien liebt die Freiheit
Hugo Muensterberg - ein Mittler deutschen und
amerikanischen Wesens
Lesebücher einmal anders

8) WIRTSCHAFT UND ARBEIT
7/4/5I

Verbrauchervereinigung in den USA berät das
Publikum
Amerikanisches Gewinnbeteiligungssystem als
Beitrag zur Betriebspsychologie
Deutsche Lederwarenindustrie vor neuen Aufgaben.
Stuttgarter Firma erzielte mit ERP-Hilfe erhebliche Produktionssteigerung
- 10 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
7/4/51
14/4/51

US-Warenhäuser wollen telegraphischen Geschenkdienst einrichten
Die Jahresabschlüsse der amerikanischen Firmen
Drei Jahre europäischer Wiederaufbau
Löhne und Lebensmittelpreise. Australien führt
vor den USA - Westdeutschland an 12. Stelle
Westdeutschlands Bleibergbau erhält neue Bedeutung
USA wollen apfelgroße Erdbeeren züchten

21/4/51

US-Produktionsausweitung im Sinne der Regierung
US_Gewerkschaften beteiligen sich wieder an
Verteidigungsmobilisierung
Welcher deutsche Warenpreis liegt in den USA
richtig?
Der kleine Mann zahlt in den USA nicht die
höchsten Steuern
Viehherden säen ihre Weide selbst
Männer über 40 als ^erkaufskanonen

28/4/51

Beseitigen freiwillige Kreditrestriktionen die
Deflationsgefahr?
Ein amerikanischer Kommentar zum 1. Mai
Moskau spricht von Produktionssteigerungen
Standard Oil verdiente täglich eine Million
Dollar
*

5/5/51

* * * *

Deutsche Kaufleute müssen in den USA amerikanischer werben
Neue Produktionswege der USA
Weiterhin erhöhte Gesellschaftsgewinne in den
USA
Die amerikanische Gewerkschaftspresse

12/5/51

Europa kritisiert internationale Rohstoffpolitik
Der deutsche Sozialreferent in New York
US-Firma mit 1 Million Aktionären
Amerikaner fuhren 2 Millionen mal zum Mond

19/5/51

Das militärische und zivile Leistungspotential
der USA
Ein neuer amerikanischer Absatzmarkt für den
deutschen Kaufmann
Europa braucht amerikanische Kohle
- 11 -

�*

WIRTSCHAFT UND ARBEIT
19/5/51

Mehr Frauen als Funktionäre in US-Gewerkschaften
gefordert
USA produzierten 3 520 zivile Flugzeuge
US-Lastkraftwagen werden älter
Chicago erzeugt 9 000 verschiedene Artikel

26/5/51

Ungenutzte Chancen im Wettlauf um den US-Markt
Nachgiebige Grundstoffpreise in den USA
Geschrumpfter amerikanischer Exportüberschuß
US-Gewerkschaften jetzt mit gleitender Lohnskala einverstanden
Gesellschaftsgewinne als US-Staatsproblem
US-Zivilluftfahrt dient überwiegend Berufszwecken
Wasserdichter Stoff ohne chemische Behandlung
Die amerikanische Frau im Berufsleben

2/6/51

Wall Street ist besorgt
Der Weg zum US-Verkaufsschlager
Pennsylvania als Beispiel für die Wechselwirkung des ERP
Wohin die Amerikaner in Deutschland reisen
US-Rundfunk- und Fernsehgesellschaften verdienten 555 Millionen Dollar
Amerikanische LKW'8 fahren mehr als 56 km
Stundendurchschnitt

9/6/51

Umschichtung der Einkommensverhältnisse in den
USA
Bei Macy kaufen täglich 150 000 New Yorker
Um die Verlängerung des Preis-und Lohnstops
Der "New Look" der amerikanischen Südstaaten
Facharbeiter-Nachwuchs in den USA
Amerikanische Gewerkschaftsbanken
Ratschläge für die Ausfuhr nach den USA

16/6/51

US-Jahresimporte mit 12 Milliarden Dollar veranschlagt
Währungsaufwertungen kein Mittel gegen Inflation
Gesunde Investierungspolitik der US-Regierung
Positive amerikanische Beurteilung des OEECJahresberichts
_ 12 -

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WIRTSCHAFT UND ARBEIT
16/6/51

Die Streikbilanz in den USA
Amerikaner konzentrieren sich auf die Vorstädte.
Land- und Großstadtflucht in den USA
Rotierende Verkaufsstände in US-Warenhäusern

2 3/6/51

Erfolgsgeheimnis in den USA: Gemeinschaftswerbung
"Eingemottetes" Verteidigungsmaterial beschleunigt Mobilisierung
Kaufleute aus dem Westen gelten in Satellitenstaaten als Spione
Neue Aufgaben der OEEC zur Schaffung einer gesunden europäischen Wirtschaft
Kostensenkung durch mechanisierten Materialtransport
Patent für eine Apfelsinen-Schälmaschine

30/6/51

Ein Jahr europäische Zahlungsunion
Der Vorsprung der US-Textilindustrie
Auch die USA haben Kohlesorgen
Was gibt die Durchschnittsfamilie in den Südstaaten aus?
Alaska ist keine Goldgrube für Arbeiter
Glänzende Berufsaussichten für Studenten in den
USA
* * * * *

Zu den mit
* bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.
- 13 -

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INHALTSVERZEICHNIS ÜBER RACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. Juli 1951 -- 30. September 1951

Seite

10

1

ALLGEMEINES

4

2.) • KOMMENTARE VON JOHN L. MORTON '

30

SONDERBEILAGEN

4.)

ARTIKEL PUR DIE FRAU

6

50

JUGEND

8

6.]

GEISTIGES LEBEN

8

7.;

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

9

8.]

LANDWIRTSCHAFT

5

•

11

* * * *

* *
,

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bezeichneten Artikeln liefert der
»AMERIKA DIENST" kostenlos B:Lidmaterial.

Zu den mit

•

�1)

ALLGEMEINES

4/7/51

*
*
*

7/7/51
*

11/7/51

*
*

Das Aufforstungsprojekt der US-Regierung
Medizinische Farbfernsehsendungen in den USA
Die Lebensgeschichte des Geigers Joseph Szigeti
Das Ergebnis einer Reportage über die deutsche
Jugend in "Ladies' Home Journal"
Gymnastik oder Diät?
"Die großartigste Schau der Welt"
Cecil E. DeMille dreht einen großen Zirkusfilm
Ein Traum von der hohen Gotik
Washingtons Kathedrale St. Feter und Faul
Tuberkulosebekämpfung in den Vereinigten Staaten
Karl Ffaffs romantischer Keller

14/7/51

*

3essere Ausrüstung und größere Sicherheit für
amerikanische Flieder
Beef aus Foseidons' Küche
Sauerbraten aus Walfischfleisch
Hat Amerika Musikkultur?

18/7/51

*

Zeitlose indianische Kunst
Die Entwicklung einer kleinen deutschen Siedlung
in Kalifornien
Der verbrannte Dornbusch von Manes Sperber
Emanzipation der Dissonanz
Zum Tode Arnold Schoenbergs

21/7/51
*

2 5/7/51

*
*

28/7/51

Freud und Leid eines Fernsehschauspielers
Von baumloser Steppe zum führenden Agrarstaat Nebraska
Zum Wohle der Menschheit - Die Fordstiftung
Zum Tode des amerikanischen Flottenchefs
Admiral Forrest Fercival Sherman
Louisiana-Story
Zehn Jahrtausende "Neue V/elt"
Dorothy Thompson über Sinclair Lewis

*

Der erste Fullman: ein Leichenzug
Wovon die Menschen träumen
Der Forstmeister Vanderbilts
* Robert Flaherty zum Gedächtnis
*

*

�ALLGEMEINES
Stahlmetropole und Kulturzentrum
Das Gebiet um Pittaburgh (Pennsylvania)
Filmnotizen aus Hollywood
Außenpolitik am Modell
Chautauqua - die amerikanischste Sache Amerikas
Die amerikanische Baugenossenschaft "Home Builders
Ine."
Welten "entstehen und vergehen" im New Yorker
Hayden-Planetarium
William Morrow Fechteier - der neue Stabschef
der US-Flotte

1/8/51

4/8/51

Unter dem Sternenhimmel der Wüste
Stammestreffen der nordamerikanischen Indianer
Central-Valley-Projekt - eine neue Großleistung
der Technik
Der Steckbrief des Krebserregers

8/8/51

11/8/51

Zweieinhalb Jahrtausende Atomtheorie
Keine Angst vor dem Alter
Am Kreuzweg zweier Welten
Santa Fe, die Hauptstadt Heu-Mexikos
Weitjugend ohne Brotbeutel-Ideologie

15/8/51

Vergessene Welt in den Schwarzen Bergen
Chicagos berühmtes Bismarck-Hotel
Gutes Theater braucht Subventionen

18/8/51

New York - die Stadt aller Städte
Einhörner und'Wale mit Zahnprothesen
Zum Tode William R. Hearsts

22/8/51

25/8/51

*

US-Hilfe für deutsche Kriegsversehrte
Das goldene Tor zum Frieden - der japanische
Friedensvertrag
Lebensgeschichte des heute 80-jährigen Deutschamerikaners Theodor Hemberger
Ein Besuch bei den Hutterschen Brüdern in SouthDakota
Wenn man Rot von Grün nicht unterscheiden kann
Bestsellers, von denen man nicht spricht
Bibel, Kochbücher und populärwissenschaftliche
Schriften

- 2 -

�ALLGEMEINES
Präsident Truman zum"Labor Day" (3.9.51)
"Tag der Arbeit"in den USA
Kulturgeschichte aus Abfallhaufen
Ausgrabungen in Kalifornien und Arizona
500 Millionen Sterne v/erden photographiert

29/8/51

* * * * * *

1/9/51

James Penimore Cooper und seine deutschen Leser
Indianersommer - der Herbst in den Vereinigten
Staaten
Der standhafteste Soldat der Welt, eine lebensgroße Kupferpuppe, die zu interessanten Experimenten benutzt wird
Die Vereinigten Staaten und die Berliner
Festwochen

5/9/51

Das Tal der steinernen Gespenster
Aus dem Einkaufszettel des US-Verpflegungsamtes
Überraschende Clfunde in Texas
Filmnotizen aus Hollywood. II. Folge

8/9/51

Geheimnisvolles Leben auf dem Meeresgrund
Rettende Engel im Hubschrauber
Arche Noah SOS!
Walter Mehringa verlorene Bibliothek

*
*

12/9/51

*
*

15/9/51

*
*

19/9/51
*
*

22/9/51

*

Bunte Stoffe vom Bodensee
Ihr Steckenpferd: Erfinden
Zum hundertsten Geburtstag der "New York Times"
US-Verteidigungsminister Robert A. Lovett
Die Vorstadtsiedlung
Die "Muny", das erste Freilichttheater der
Vereinigten Staaten
Firnis, Benzin und Fleischersatz aus Zuckeridirabfall
Berichte und Ratschläge zum Thema: Auswanderung
nach Amerika
Blut-Kurier für Korea
Football - eine "Nationalkrankheit"
Wildes Land Montana
Roger Y/illiams, einer der bemerkenswertesten
amerikanischen politischen Denker des 17. Jahrhunderts

�ALLGEMEINES

22/9/51

Theorie und Praxis am Antioch College

2 6/9/51

Ein neuer Zweig der Wissenschaft im Dienste der
Verteidigung
»

Bericht eines Streikes der ägyptischen Bauarbeiter während der Errichtung des Grabmals für
Ramses III.
Der neue Stil der Broadw^-Shows
29/9/51

Vom Kartoffelacker zur Groß-Siedlung Levittown
Zeitungen auf hoher See
Gesunder Menschenverstand und kalkuliertes Risiko
Bildnis eines typischen amerikanischen Generals
* * * * * *

2)

KOMMENTARE VON JOHN L. MORTOI

4/7/51
7/7/51
11/7/51
14/7/51
18/7/51
21/7/51
25/7/51
28A/51

Ein •ermutigendes Zeichen
Zweckgebundene Toleranz
Ein bedeutungsvoller Schritt
Ein konstruktiver Friedensvorschlag
Verhängnisvolles Zögern
Kontroverse um Spanien
Die Verteidigung ist unteilbar
Keine Zeit für lange Dispute
* * * * * *

1/8/51
4/8/51
8/8/51
11/8/51
15/8/51
18/8/51
22/8/51
25/8/51
29/8/51

Marshallplan und Verteidigung
Berlin - entscheidender als Persien und Korea?
Der rote Bluff
"Friedensaggression"
Washingtons Kurs liegt fest
Geringe Chancen für Moskau
Notwendige Klarstellungen
Täuschungsmanöver in Kaesong
Offenheit,aber keine Obstruktion

- 4 -

�KOMMENTARE VON JOHN L. MORTON
1/9/51
5/9/51
8/9/51
12/9/51
15/9/51
19/9/51
22/9/51
26/9/51
29/9/51

Frei und gleichberechtigt
Weder Rachegefühle noch Ressentiments
Der Friedensvertrag mit Japan
Verhandlungen um Deutschland
Im Zickzack-Kurs zum alten Ziel
Im entscheidenden Stadium der Entwicklung
Wer sagt "Soldaten zweiter Klasse"?
Was will Grotewohl?
Friedensabkommen mit Deutschland

* * -x- * * *

3)

SONDERBEILAGEN

7/7/51
11/7/51

Rede Präsident Trumans vom 4. Juli 1951 anläßlich der 175« Wiederkehr des Tages der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung
Trumans Schreiben an Schwernik und die Freundachaftsresolutiön des amerikanischen Kongresses
(vom 7.7.51)
E'isenhower fordert politische und wirtschaftliche
Integration Europas (Rede vom 3.7.51)
Präsident Truman ersucht US-Kongreß um Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland
(Schreiben vom 9.7.51)

2 5/7/51

Rede des- US-Außenministers Dean Acheson anläßlich
der 2 50-Jahrfeier der Stadt Detroit (Michigan)
(vom 24.7-51)

28/7/51

Wortlaut des Begleitschreibens, das Präsident
Truman am 26.7.51 zusammen mit einem Bericht von
US-Außenminister Dean Acheson über die Teilnahme der USA an der Arbeit der UN im Jahre 1950
dem US-Kongreß übergab
Wortlaut der Stellungnahme des HS-Außenministers
Dean Acheson vom 26.7.51 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats zu dem von der amerikanischen Regierung vorgeschlagenen gegenseitigen Sicherheitsprogramm"
* * * * * *

- 5 -

�SCNDERBEILAGEN

1/8/51
22/8/51
29/8/51

1/9/51

12/9/51
22/9/51

29/9/51

Rede des amerikanischen Präsidenten vom 28. Juli
1951 anläßlich der 250-Jahrfeier in Detroit,
Michigan
Zusammenfassung des siebenten ViertelJahresberichts des US-Hochkommissars für Deutschland
Revidierter Entwurf des japanischen Friedensvertrages

Das Gesicht der heutigen deutschen Presse
Abschnitt des siebenten Viertel Jahresberichts
des US-Hochkommissars John J. McCloy
Buttenwieser zur deutschen Kohlenversorgung
(30.8.51)
Sicherheitspakt zwischen USA und Japan
Wortlaut der Deklaration von Ottawa und des
Schlußkommuniques der Tagung des Atlantikrates,
(vom 20. September 1951)
Deutschland und der Westen
Aus:"London Economist"
* * * * * *

4)

ARTIKEL FÜR DIE FRA.U

4/7/51

18/7/51

1/8/51

Das "Bachelor-Girl"
Die unverheiratete Frau in den USA
literarische Grenzen bei den männlichen Autoren
Amerikas konstatiert Kritiker Donald Adams
"Mein Vati ist stärker als Deiner . . ."
Kindliche Rivalitäten und kleine Schlägereien
US-Institut für chemische Reinigung und Färben
bringt nützliche Hinweise zur Fleckenentfernung
Eindrücke weiblicher Bundestagsabgeordneter in
den USA
Ein Bericht der UN über Kinder- und Jugendfürsorge
Was man beim Kaufe einer Sonnenbrille beachten
sollte
Mme. Beran lehrt die Damen der Washingtoner Gesellschaft die hohe Kunst der französischen Küche
Demagogentum bekommt der Frau schlecht
Freiheit ist Verantwortung

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
1/8/51

*

Stellenmärkte zur Auswahl
Angeborener Schwachsinn - kein unabwendbares
Schicksal mehr?
Ein schreiendes Häufchen Unheil
Ein verliebter Vater beschreibt seine kleine
Tochter
Wettbewerb für Amateurschneiderinnen im New
Yorker Waldorf Astoria Hotel

15/8/51

*

Die kristallene Welt des Cembalos
Frauen und Diplomatie
Syracuse - das Ivleissen Amerikas
Zehn Ratschläge für Erfolg im Beruf
Modevorschau auf den ^erbst
31 Jahre Wahlrecht für die amerikanische Frau
Frau Bürgermeister!persönlich
Zehn Gebote für Ehefrauen
Fliegengitter-Metropole in Mount Wolf, USA
Man trägt Baretts, gnädige Frau

29/8/51

12/9/51

*
*

26/9/51

Das Jugendamt der Stadt New York
"Wenn Mutti sich bloß nicht immer einmischen
wollte . . . "
Insekten a la carte
Jahrhundertealter Mottenkampf
Die Entwicklung der Frauencolleges in den USA
Kinder als Künstler
Lieber altmodisch, aber gemütlich
Interviews und Rundfragen beeinflussen die Baupläne amerikanischer Architekten
Grau ist durchaus nicht "greulich"
Grau in der diesjährigen amerikanischen Herbstund Wintermode
* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.

- 7 -

�5)

J U G E N D

Juli 1951

*

Hunde, die dem Menschen helfen
Der "stampfende Büffel" haßt Boogie-Vfoogie
Aus dem Alltag der Onondaga-Indianer
Im Zeichen der Maultrommel
Kang Wa, die Seidenraupen und der Kobold in der
Dachrinne
Der Mann, der Amerika seinen Namen gab
Zum 500. Geburtstag von Amerigo Vespucci

August 1951 *

Der Tanz ums Lagerfeuer
Wie die Indianer ihre Trommel und ihre Tänze
bekamen
* Wie man in Alaska lebt
Wie mit den Augen einer Katze
Das Geheimnis der infraroten Strahlen
Aus 12 PS wurden 14 000
* Zum Geburtstag Orville Wrights, des Pioniers
des Motorflugs
Lorenz Hagenbeck in Amerika

Sept. 1951

Die
Die
Der
Der

seltsamen Bewohner der "Carlsbad-Caverns"
sieben goldenen Städte
Leuchtturm der Kinder
Feuervogel
* * * * * *

§2__55I§II5§S_LEBEN_
Juli 1951

Käuze auf der Kiste
Seifenkisten als Kanzel und Rednertribüne
Judentum und westliche Kultur
Wie man Freunde gewinnt
"Stalag 17" auf der New Yorker Bühne
August 1951
Die Tragödie der "deutschen" Indianer
Unsere Ahnen waren gar nicht von gestern
* Zur Bauhausausstellung im Busch-Reisingermuseum
an der Harvard-Universität
COp statt Psychoanalyse?
Sept. 1951

Sauerkraut und Weltschmerz
50 000 Worte Amerikanisch
Hervorragende Deutsche in den USA:
Dietrich von Hildebrandt
Das Ende der Rassenschranken
Menschen und Maschinen
* * * * * *

- 8-

�7) WIRTSCHAFT UND ARBEIT
7/7/51

*

U/7/51

*
*

21/7/51

Die US-Industrie seit Ausbruch des Korea-Konflikts
Petroleum-Chemie dürfte Gesicht unseres Jahrhunderts verändern
Das Empire State Building wechselte den Besitzer
Politbüro wünscht keine Prozentzahlen mehr
Die Lohntendenz in den USA
US-Produktionsmaschine läuft auf vollen Touren
Washington hat volles Verständnis für West-Osthandel in Europa
Neue Methoden beim Eigenheimbau in den USA
Schluchseekraftwerk schafft neue Energiequelle
in Südbaden
Gleiche Urlaubsbedingungen für Arbeiter und
Angestellte in „den USA

Absatzsorgen beim US-Handel
Stahlboom in den USA
*
a Informationsreise nach Salt Lake City
Marshallplanhilfe und Ost-Westhandel
Elastischere Handhabung der US-Auslandshilfe

28/7/51

Lebensversicherung trotz KaufkraftSchwankung
Exportchancen im amerikanischen Westen
Kleinststückelung ermöglicht jedem Amerikaner
den Erwerb von Aktien
Günstige Ernteaussi.chten für Baumwolle
* * * * * *

8/8/51
*

18/8/51

Käufer contra Kaufmann
Tauziehen um die Preise in den USA
Radioaktive Isotopen im Dienste der Industrie
Vom Fußballstar zum Kleiderkönig
Mr« Meyers zieht die Frauen an
Neger in den US-Gewerkschaften
Umsatzsteigerung ohne Gewinnerhöhung
US-Gesellschaften füllen Steuersäckel
Vor einer allgemeinen Lohnanpassung
Auch die USA stehen vor dem Problem der
Lohn-Preisspirale

_ 9_

�•t

WIRTSCHAFT UND ARBEIT
18/8/51

*
*

25/8/51

Immer mehr Warenhäuser auf Rädern in den USA
Die Internationale Genossenschaftsbewegung
Vom Notquartier zum Eigenheim - Bergarbeitersiedlungen, Werkswohnungen und Aufbauwohnungen
für Flüchtlinge

Ein Startzeichen für den deutschen Handel
Importgeschäft in den USA zeigt neue Belebung
* Die Amerikaner feiern den Labor Day
* Blüte in der Wüste - Das Sonnen- und Industrieland Kalifornien
Weiches V/asser - ein lohnendes Geschäft
Die Vertriebenenbank berichtet über Verwendung
der ERP-Gelder
* * * * * *

1/9/51

*

US-Regierung veröffentlicht Sicherungsprogramm
für Industrie
Japan kann keine Reparationen zahlen
USA befürworten einen Versöhnungsfrieden
Die Lage in der amerikanischen Kohlenindustrie
Steigender Bedarf bei steigender Produktion
Lohnstop - ein Konterschlag für US-BaseballSpieler
Wirtschaftsaufschwung am Bodensee

*

Materialverknappungen in den USA
Entwicklung der US-Flugzeugindustrie
Die 10O 000-Mann-Betriebe in den USA
Fernlaster durchqueren die USA

*

8/9/51

15/9/51

*

22/9/51

US-Gesellschaften zahlten 3,6 Milliarden
Dollar Dividenden
Takonit für die Erhöhung der Stahlproduktion
Eine Goldgrube im Mississippi-Sumpf
Schwefel ist das Salz der Industrie
Der beste deutsche Wohnungsbauer wird gesucht
über 17 Millionen Krankenhaus-Zusatzversicherungen in den USA

US-Bruttosozialprodukt auf Rekordstand
Wer bezahlt die Neubauten der Industrie?
* Besitzwechsel im "Pfannenstiel" von Texas
Elegante Garderobe - auf dem Acker gezogen

- 10

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
22/9/51

Die Schweiz und die Organisation der westeuropäischen Kohlenwirtschaft
* Amerikanische Erfahrungen für Deutschlands
Wirtschaft

29/9/51

Gleicher lohn für gleiche Arbeit
Totale Planwirtschaft bedeutet Leistungsrückgang. Chamberlin befürwortet westdeutschen
Wirtschaftskurs
* Pferde helfen Bier verkaufen
Je nach Bedarf: Polizist oder Feuerwehrmann
Arbeitslosenziffer in Deutschland um 14$
gesunken
Anruf genügt - Anzug gereinigt
Kleiderpflege in der Telefonzelle
* * * * * *

§1__£-A™I??SCHAFT
September 1951 US-Landwirtschaftsminister ist optimistisch
Eindrücke einer zweiwöchigen Studienreise durch
Westdeutschland
* Das Geheimnis der kalifornischen Fruchtbarkeit
Bodenbearbeitung per Flugzeug
Wilder Reis - Delikatesse für Feinschmecker
Sterilitätstest im Laborwagen
USA bauen ihren Flachs selbst
Das Einkommen der amerikanischen Farmer
* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA
DIENST" kostenlos Bildmaterial

- 11 -

�A M E R I K A

D I E

S

T

INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAI UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. Oktober 1951 - 31. Dezember 1951

Seite

1. ALLGEMEINES

1

2. KOMMENTARE

5

3. SONDERBEILAGEN

5

4. ARTIKEL PUR DIE FRAU

7

5. JUGEND

9

6. GEISTIGES LEBEN

10

7. WIRTSCHAFT UND ARBEIT

11

8.

14

LANDWIRTSCHAFT

* * * * * *

Zu den mit
*
bezeichneten Artikeln liefert der
"AMERIKA DIENST" kostenlos Bildmaterial

�ll_ .J^£GEMEINES_
3/10/51

"DH MEDICO"-Ärztliche Behandlung per Funk auf
hoher See
Stahlplatten vor dem Röntgenschirm
* Die amerikanische Nationalgalerie in Washington
Über die Grenzen des Heims hinaus
Gedanken zur Internationalen Frauenkonferenz in
Hindelang/Allgäu

6/lO/bJ

* Die Geschichte der "Crane-School" in Oregon
Reiselustiges Amerika
Auslandsreisen amerikanischer Touristen im
Jahre 1951
Thomas Eakins, ein amerikanischer Filmpionier

10/10/51

* Eine Kirche für 30 000 Pfund Tabak
Milium - das Textilwunder
* Round-up Timew in den USA
Die Zeit des Viehabtriebs

12/10/51

Unfallverhütung im Autoverkehr
* Frische Fische - eisgekühlt
Die kleinen Geschwister der Erde
Die Erforschung der Planetoiden

17/10/51

Außenpolitik und öffentliche Meinung
Zeitalter der Retorte
75jährige Gründungsfeier der amerikanischen
Gesellschaft für Chemie
* Jugendliche Initiatoren
Kinder schufen sich eine Bibliothek

19/10/51

* Louisville, Kentucky, eine Stadt mit persönliche:
Note
Atom als Fracht und Treibstoff
Der kommende Bomber der US-Air Force
Klingende Künde von drüben
Der erfolgreiche Komponist und Dirigent
Glbson Morrissey in üarmstadt

�ALLGEMEINES
24/10/51

Miniaturinstrumente erschließen die geheimnisvolle Welt der Mikroorganismen
* Größere Ernten bei geringerer Arbeitsleistung
durch Verbesserung der Methoden
Buchbesprechung: Roland Baintons Lutherbiographie
"Here I stand"

26/10/51

Angst, die ansteckendste aller Seuchen
Schaumgummi
* Mutter Collage und ihre Kinder
Die Kunst, mit der "Schere zu malen"

31/10/51

* Radioaktive Isotope in der Diagnostik I.
Versuche mit Gummibeimischungen zum Straßenasphalt
Ein Kamin erzählt die Menschheitsgeschichte
* * * * * *

2/11/51

Radioaktive Isotope in der Diagnostik II.
* Riesentransportflugzeuge erweitern internationalen Handel
Deutschland an dritter Stelle der Länder, die
Studenten nach den USA schicken

7/11/51

9/11/51

* Fliegen steht auf dem Schulplan einer amerikanischen Schule
Das erste Interlingua-Wörterbuch für engl. Sprache
Konservierung durch Elektronenbeschießung
Salzfreie Kost kann durch erhöhten Blutdruck
verursachte körperliche Störungen heilen
* Riesenkamera für strategische Luftaufnahmen
Buchrezensionen aus den Archiven der
"New York Times"

14/11/51

Wetterstationen auf dem Treibeis der Arktis
* Ein privates Experiment überstaatlichen Zusammenlebens
- 2 -

�ALLGEMEINES
14/11/51

* 22. November 1951, Thanksgiving-Day Amerikas

16/11/51

* Organisationen ehemaliger Kriegsteilnehmer in
den USA
Flugkonstrukteure wappnen schnelle Maschinen
gegen Regentropfen
Olney (Illinois) ist augenblicklicher Bevölkerungsmittelpunkt der USA

21/11/51

* Washington, der immergrüne Staat
Zweckgebundenes kindliches Spiel
Betrachtungen über pädagohischen und therapeutischen Wert des Kinderspielzeugs
Amerikanische Nobelpreisträger 1951 (I)
Dr. Max Theiler besiegt das Gelbe Fieber

23/11/51

* Im Schnittpunkt zweier Welten
Überland-Gasleitung von Texas nach San Franzisko
* Cecil B. De Mille, der Mann, der 1912 Hollywood
schuf
Amerikanische Nobelpreisträger 1951 (II)
Glenn Th. Seaborg und Edwin McMillan - Erforscher
neuer chemischer Elemente

28/11/51

* Morelos - ein Damm, den Freundschaft errichtet hat
Amerika

rüstet zur Olympiade 1952

Die Atmosphärenzone der Erde
30/11/51

* Das Übersetzungsbüro der Fordwerke
Die hundert Sensationen des letzten Jahrhunderts
Blindenfürsorge nach deutschem Vorbild
* * * * * *

5/12/51

* Aspen in Colorado - Wintersportplatz unö. Kulturzentrum
"Le Sabre" - das Auto der Zukunft
Hollywood greift nach den Sternen
- 3 -

�ALLGEMEINES.
7/12/51

Probleme des alternden Menschen
* Das Weiße Haus in neuem Glanz
Funkstation empfängt Morsebotschaft via Mond

12/12/51

* Die "Independence" - das Sonderflugzeug des
amerikanischen Präsidenten
Zwangshandlungen, Ticks und Phobien sind weder
Symptom noch Ursache von Geisteskrankheiten
Unser gequältes Zeitalter
Buchbesprechung von Eugene Lyons
* Vereinigung deutsch-amerikanischer Klubs hilft
Tuberkulosekranken in der Bundesrepublik

14/12/51

* Das schönste Geschenk: ein demütiges Herz
* Weihnacht im amerikanischen Bethlehem
Der Weihnachtsmann von Hollywood
Lieber kleiner Bobby: Ein Weihnachtsbrief
Die unvermeidliche amerikanische Office-Party

19/12/51

Ausblick auf die Entwicklung der amerikanischen
Innenpolitik im Jahre 1952
Die deutsche Bundesrepublik im Jahre 1951
Die bedeutendsten Ereignisse des Jahres 1951
Die wichtigsten Forschungsergebnisse amerikanischer Wissenschaftler im Jahre 1951
Im Jahre 1951 starben.

21/12/51

Die amerikanische Negeranwältin und ehemalige
UN-Delegierte Edith Sampson auf Deutschlandreise
* Kansas, Land im Zeichen der Sonnenblume
Künstlicher Regen als Streitobjekt
* * -* * * *

- 4 -

�2]__K0MMENTARE_
17/10/51

Ägypten am Scheidewege

24/10/51

Der amerikanische Verteidigungsbeitrag

26/10/51

Schutzwall der Freiheit

31/10/51

Blick nach Straßburg
* * * * * *

2/11/51

Unberechtigter Pessimismus

7/11/51

Das SS-Gespenst

9/11/51

Der Frieden geht alle an
Betrachtungen zum Vorschlag einer ViermächteKonferenz

16/11/51

Eine bedeutungsvolle Aussprache

21/11/51

Ein warnendes Beispiel

23/11/51

Die Straßburger Gespräche

28/11/51

1) Die Verantwortung der Presse
Von Shepard Stone, Direktor des Amtes
für öffentliche Angelegenheiten, HICOG
2) Straßburg, Paris und Rom

50/11/51

Ein Frieden ohne Furcht
* * * * * *

5/12/51

Staatsbesuch des deutschen Bundeskanzlers in
London

7/12/51

Gewerkschaften in der Zwangsjacke

12/12/51

Eine brennende Frage

21/12/51

Keine Entscheidung ohne Deutschland
* * * * * *

3)S0NDERBEILAGEN
6/10/51
US-Note weist tschechoslowakische Anschuldigungen
zurück

- 5-

�17/10/51

Rede Harry S. Trumans vom 15. Oktober 1951 über
die Verständigungsbereitschaft der USA gegenüber
Rußland
Briefwechsel zwischen Bundeskanzler Dr. Adenauer
und der Alliierten Hochkommission zum Vorschlag
der Abhaltung gesamtdeutscher Wahlen

19/10/51

Zum 24 Oktober 1951» dem Tag der Vereinten
Nationen

24/10/51

Acheson zur außenpolitischen Situation der USA
(21.10.51)

26/10/51

Proklamation Trumans zur Aufhebung des Kriegszustandes zwischen den USA und Deutschland (24.10.51)
* * * * * *

7/11/51

Erklärung der Westmächte zur Frage gesamtdeutscher Wahlen

9/11/51

Dreimächteerklärung zur Abrüstungsfrage
Präsident Truman unterbreitet neue Abrüstungsvorschlage
Acheson vor der UN-Vollversammlung in Parle

21/11/51

Abrüstungsvorschlag der 3 Westmächte
Resolution des ersten politischen Ausschusses
der UN-Vollversammlung vom 19.11.51
* * * * * *

5/12/51

UN-Resolution über freie gesamtdeutsche Wahlen

12/12/51

Die Ausführungen der Vertreter der Bundesrepublik
vor dem zweiten politischen Ausschuß der UN-Vollversammlung

19/12/51

McCloy fordert Integration Europas
(Rede vom 17.12.51)
* * * * * *

- 6 -

�O-ABlIKEIuEÜB-DIE-EBAII.
1.0/10/51

* Omowale, das Kind, das heimfand
Erlebnis einer amerikanischen Neger-Tänzerin
im afrikanischen Busch
Die gute "neue" Zeit
Amerikanische Ärztin berichtigt weitverbreiteten
medizinischen Aberglauben
Sieben-Punkte-Programm für herzkranke Hausfrauen
* Internationale Prauentagung in Hindelang
»

24/10/51

Gleichberechtigung von Mann und Frau vor dem
Gesetz
Kundendienst par excellence - ein supermodernes
Einkaufszentrum
Jane Addams - Amerikas nützlichster Bürger
Kindliche Unarten bei den Mahlzeiten
Der gefrorene Bacchus - Zu einem neuen französischen Verfahren zur Kristallisierung von Wein
* * * * * *

7/11/51

Aus derArbeit der Referentin für Prauenfragen
beim deutschen Generalkonsulat in Näw York
Herbststürme der Ehe
* Vom Aschenbrödel zum Modefavoriten - Wolljersey
Die Lady auf dem Pernsehschirm - Pay Emerson
Proteingehalt auch in der Konserve voll erhalten
Ständig steigender Verbrauch von synthetischen
Reinigungsmitteln in USA
Abmagerung durch Hypnose

21/11/51

* Helen Träubel, die gefeierte Sopranistin der Met
Broschüre "Über den Umgang mit SäigLingen"
. . . und der Himmel beschützt sie
Eine heiter-besinnliche Betrachtung
Ist Pleischessen gesund?

�ABlIKSi-EÜB-CIE-SSÄU.
21/11/51

Die arbeitende Frau und die neue Sozialgesetzgebung
Bevorzugte Käsesorte: Cheddar
Deutsche Frauen - entscheidender Paktor der
europäischen Politik
Eleanor Roosevelt: "An den Frieden glauben ist
nicht genug"
Ellen McCloy: "Frauen als Wegbereiterinnen für
Frieden und Völkerverständigung"
# * * * * *

5/12/51

Grenzstationen der Freiheit
* Spielen muß Spaß machen
* Zum 50. Geburtstag der bekannten amerikanischen
Anthropologin Dr. Margaret Mead
Neun Gebote für den Familenfrieden
Vielfältige Wintermode
. . . und zum Weihnachtsfest: echten Plumpudding
* # * * * *

19/12/51

* Für eine bessere Welt der Kinder
Der Internationale Kinderhilfsfonds der Vereinten
Nationen
Jugendliche beraten Jugendliche
Aus der Arbeit der UN-Kommission für Frauenrecht
* Kleine Pelze - große Mode
Tips für Kinderkleidung
Wolle aus Erdnüssen
*

* * * * *

- 8 -

�5_1_JUGEND
Oktober

1951

Wie d e r Regenbogen e n t s t a n d
Eins Indianerlegende
Prunes
Die wahre Geschichte eines kleinen, treuen
Maulesels
Halloween - Die Nacht des Hexenzaubers
Eli und die Katze
Von der "schrecklichen Eidechse" bis zum
hüpfenden Vogel"
Überblick über das Zeitalter der Reptilien
* * * * * *

November 1951

Die Jugendgeschichte von Pecos Bill, einer der
bekanntesten Gestalten der amerikanischen
Volkssage
Ein amerikanischer Geschäftsmann verkauft
"dressierte" Ameisen
Ohne Geld durch Amerika
Das Geschenk der "Salz-Frau"
* Entwicklung und Verwendungsmöglichkeiten des
Hubschraubers
* * * * * *

Dezember 1951

Wie Santa Claus zu seinen Renntieren kam
Eine amerikanische Weihnachtsgeschichte
Das Geschenk der drei Weisen aus dem Morgenlarde
Eine Weihnachtsgeschichte aus Puerto Rico
Wie Potawamani den Eisriesen besiegte
Eine Indianerlegende
Anook
Eine Hundegeschichte aus dem hohen Norden
Ein Weihnachtskind für Cherokee
Eine weihnachtliche Episode aus dem "wilden
Westen"
* * * * * *

- 9-

�'6) GEISTIGES LEBEN
Oktober

1951

Technische und medizinische Probleme der
Weltraumschiffahrt
* Moderner Kirchenbau auf uralten Wegen
Kleiner Mann mit weißem Kragen
Hier irrte Marx
Von der Wahrscheinlichkeit des Überlebens
Nicht Darwins"Kampf ums Dasein", sondern die
Liebe ist das oberste Gesetz der Natur
*

November 1951

*

*

*

*

*

Eine Analyse des sowjetischen Arbeitspotentials
* Ein amerikanischer Komponist diskutiert
Filmmusik
Von Aaron Copland
* Betrachtungen zu Herman Melvilles WalfängerEpos "Moby Dick"
Theater ohne Requisiten
Charles Laughton, Cedric Hardwicke, Charles
Boyer und Agnes Moorehead "sprechen" Bernard
Shaw
Berühmte Balletts werden verfilmt
Literarischer Reisepaß
Sigmund Romberg gestorben
Frieda Hempel, die Unverwüstliche
*

Dezember

1951

* * * * *

Amerika und der europäische Geist
Ein Viertel Jahrhundert amerikanisches Theater
Fünfzig Jahre Friedensnobelpreis
Der Stein von Keleschin
Vor der Entzifferung der rätselhaften Felseninschrift in Armenien
Amerikanische Autoren auf dem deutschen Büchermarkt :
"Zuchthaus in San Franzisko" von Clinton Duffy
Dean Jenrings
"Gärung in Fernost" von Mary A. Nourse
- 10 -

�GEISTIGES LEBEN
Dezember

1951

Ausschreibung eines internationalen Kunstwettbewerbs
Max Hachenburg gestorben
Journalistisch - was ist das?
Mehr konfessionelle Mischehen
*

*

*

*

*

*

12J£55£SCHAFT_UND_ARBEIT_
5/10/51

Die Preise fallen
Der gewandelte Markt in den USA
Die militärischen Hilfeleistungea der USA
Neuer Höchststand des Weltexports an Kraftfahrzeugen
Deutsche Arbeiter werden wie Amerikaner in den
USA leben
* Elektrizität verwandelt die Landschaft
Bayerischer Landkreis als Beispiel für die
westdeutsche Entwicklung

12/10/51

Die USA suchen Werkzeugmaschinen
"Small Business" und Verteidigungsproduktion
Austauschstoffe bewähren sich
Gewerkschaftlicher Zusammenschluß der
Filmkomparsen
Rationalisierungskuratorium der Deutschen
Wirtschaft als ^roduktivitätszentrale

19/10/51

US-Markt ist stabil geblieben
Kraftstrom-Sorgen in den USA
Arbeiter für Amerikas Gruben gesucht

- 11 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
19/10/51

* Wie amerikanische Arbeiter sich erholen
Amerikanische Fachleute als Berater für westdeutsche Ostexporte

2 6/10/51

Warum die USA internationale Kartelle ablehnen
US-Arbeiter geben Unternehmer Kredit
Mehr Steuern für die Amerikaner
* Das sind Public Relations
American Telephone legt den richtigen Draht
* Der ECA-Dcllar verdoppelt sich
Europa wird mit Gegenwertmitteln aufgebaut
*

'11/51

*

*

*

¥r

#

Export-Preisindex liegt unter Importindex
Der ungewöhnlichste Laden der Welt
leichter verkaufen - besser kaufen
Gewächshaus als Film-Labor

9/11/51

* Kunststoffe, alltägliche Wunder von heute
und morgen
Deutscher Stahl weiter stark gefragt
Hallo - hier spricht "Höflichkeit und Co."
Angespannter Arbeitsmark:; in den USA

16/11/51

* Die Porzellanmetropole der Welt liegt in
Deutschland
Scharfer Steuerdruck in den USA
Die "Kapitalisten" werden gezählt
Verdoppelung des deutschen USA-Exports

23/11/51

US-Regierung fördert private Auslandsinvestitionen
* Erweiterung der Umschulungsprogrrimme für erwerbsbehinderte Arbeiter
- 12 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
23/11/51

* Rekordtraubenernte in Kalifornien
Steigende Erdölproduktion in USA
Holztrocknung mit Hochfrequenzstrom

30/11/51

Zunahme der Spartätigkeit
Wer verfügt über das Haushaltsgeld?
Steigende Löhne in der US-Eisen- und
Stahlindustrie
Gewerkschaft "Polizei"
US-Spielwarenhandel rechnet mit gutem
Weihnachtsgeschäft
* * * * * #

7/12/51

287 europäische Wirtschaftler gewinnen Einblick
in die US-Produktionsmethoden
Synthetischer Kautschuk holt auf
Neuartige Wege zur Erzielung echter Leistungslöhne
Entspannung auf dem Metallsektor in Sicht
Neues Schmierpulver für die Industrie
Ferngesteuerter Spielzeugjeep

14/12/51

Möglichkeiten zur

Steigerung des USA-Exportes

"Big Business", amerikanische Weihnachten und
deutsche Spielwaren
Die Bedeutung der US-Gesundheitsprogramme
im Rahmen der Tarifverträge
Die besten Wohnungsbauer Westdeutschlands wurden
gefunden - ECA-Architektenwettbewerb
21/12/51

Die allgemeinen Tendenzen der US-Wirtschaft 1951
Erfolgreiche Steuerpolitik der US-Regierung
Schaubild über die Ausweitung der US-Industrien
1938-1951

- 13 -

�LANDWIRTSCHAFT
Dezember 1951

Bericht über die Terpentinölgewinnung in
Georgia
Dattelernte im Imperial Valley
USA-Farmer nehmen ihrem Rindvieh die Hörner ab
Fünfzehn Regeln für den Landwirt
Kampf den Unfällen auf dem Bauernhof
Kuh bringt fremdes Kalb zur Welt
ECA schickt Obstveredlungsreiser nach Italien
Bodenverbesserung auf kollektiver Basis
* * # * # #

Zu den mit *
bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA
DIENST" kostenlos Bildmaterial

- IS -

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                <text>Inhaltsverzeichnis über Nachrichtenmaterial und Artikel des "Amerika Dienst" vom 01.10.1950 - 30.12.1950</text>
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]

Januar 1951
INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UNL ARTIKEL DES
"AMERIKA LIEHST"
vom 1. Oktober 1950 - 30. Dezember 1950

Seite

1. Allgemeines

1

Kommentare von John L. Morton

3. Jugend

4
5

Artikel für die Frau

6

Geistiges Leben

8

6. Wirtschaft und Arbeit

8

*

* * * *

�4/10/50

7/10/50

11/10/50

14/10/50

18/10/50

21/10/50

25/10/50

28/10/50

Die "Neunundneunziger" - Der Klub der
amerikanischen Fliegerinnen.
Die Rockefeller-Stiftung
Versuch eines Weißbuchs zur Kartoffelkäferschuldfrage,,
Boys Town, Erziehungsstätte für Jungen,
Luftbrücke Kalifornien-Japan
Transportflugzeuge versorgen die
UN-Streitkräfte.
Die Bibliothekarin der New Yorker Botanischen Gärten "weiß alles",.
Die Mayo-Klinik.
Die magischen Fäden des Pentagon
Deutsche Kunstausstellung in Milwaukee
Greenwich Village - Das amerikanische
Schwabing»
Ausblick au,f die bevorstehenden Kongreßwahlen in den Vereinigten Staaten
Kontrolle der Nahrungsmittelversorgung der
Welt - eines der Hauptziele des Kreml,
Der Tag der 'Vereinten Nationen in den USA,
•Das Tor zum Frieden,
Berlin wird die Heimat der "Friedensglocke",
Friedehsfahne und Siegesbanner- Die blauweiße Flagge der UN.
Zusammenstellung der wichtigsten Daten der UN
Theo Lingen auf Amerika-Tournee.. •'
Harvard - die älteste Universität Amerikas,
Mit ERP-Mitteln bauen Gablonzer Flüchtlinge
bei Kaufbeuren im Allgäu eine Industriestadt
auf o .
Neuanlage unterirdischer Parkplätze,
Täglich 60 000 Menschen mehr auf der Welt,
Der Davis-Staudamm in Arizona,. - Der vierte
Großdamm am Colorado,
Alaska - ein neuer Staat der USA?
Taubheit - keine Arbeitsbehinderung.
Ernie Pyle - das Leben eines Frontberichterstatter s...
» * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "Amerika Dienst"
kostenlos Bildmaterial,,

- 1 -

�1/11/50

4/11/50

8/11/50

11/11/50

15/11/50

18/11/50

22/11/50

*

25/11/50

Idlewild - der größte Plughafen der Welt«
"Atomkalender" für die Archäologen« Neue Methode zur Bestimmung frühgeschichtlicher Daten0
Edna St« Vincent Millay. - Zum Tode einer
großen Dichterin*
Zum Tode AI Jolsons, des berühmten amerikanischen Jazzsängerso
Wie der gute Lehrer sein soll. - Ergebnis
einer Umfrage bei Schulkindern«
Ist Kritik im Kriege angebracht? Taos, die älteste und größte Indianersiedlung
Amerikas•
\
Kapitalismus und Sozialismus in USA* - Ein
Interview mit Norman Thomas, dem Führer der
Sozialistischen Partei in den Vereinigten
Staaten«
Die wirtschaftliche Seite des Fernsehproblems.
Germantown - die erste deutsche Siedlung in'
Amerika0
Der fliegende Güterwagen - Ein neues amerikanisches Lastenflugzeug«
Bayern und Schleswig-Holstein bauen mit
ERP-Mitteln Wohnungen für Heimatvertriebene.
Florida - land der. ewigen Jugend«,
Zeit- und Arbeitsersparnis durch neue Registrierautomaten.
Rudolf Bing. - Ein leben für die Oper«
Die Coloradotal-Verwaltung - Eine Gemeinschaftsaktion amerikanischer Farmer und
Behörden.
Die fünf Programmpunkte der Ford-Stiftung«
Nekrolog auf einen revolutionären Traum«
Thanksgiving-Day 1950« - Wortlaut der Erklärung des Präsidenten zum 23. November 1950.
Fernsehen im Dienst der Erziehung«
Fritz Henle, ein bekannter amerikanischer
Photograph«
Das "Färsen-Projekt" hilft Flüchtlingsbauern«
"Winter" - Betrachtungen über das Leben in der
Natur während der Wintermonate.
"General Omar N« Bradley". - Werdegang des
bersten Soldaten Amerikas"«
Tragen des Films in USA und Deutschland".
Interview mit Upton Sinclair«

- 2 -

�29/11/50

Oscar, der berühmte Maltre d'hötel des
Waldorf-Astoriao
Marcel Breuer und die amerikanische Baukunst
* * # * *

2/12/50

6/12/50

9/12/50

Weihnachtsnummer 1950

*

#
*
#

16/12/50

Das deutsche Marshallplanministeriumu
Die Arbeiterhochschule in Wisconsin«,
Bernard M0 Baruch - Urbild der amerikanischen
Vitalität o
Neue Heimat im Smslandmoor„
Ein Arbeiter der Ölindustrie berichtet
vom Aufbau seines Betriebes•
Problematische Paradiese,
"Paradiesvogel", ein märchenhafter Farbfilm
und ein ernsthafter Versuch, die Geschichte
der Polynesier darzustellen
Hemingway am Ende?
Zum Tag der Menschenrechte
am 10u Dezember*
Das Kind, das immer Kind bleibt„
Auszug aus dem Buch "The Child that never grew"
von Pearl Su Bucko
Die Brücke zwischen der Alten und der Neuen
Welt „
Die Besiedlung des nordamerikanischen Kontinents von Asien aus durch die Funde in Nordalaska bewiesen
Stolz und Reichtum unter einsamem Stern»
In Texas sind Kühe mit fünf Beinen häufiger
anzutreffen als Minderwertigkeitskomplexe«
St» Nikolaus und Santa Claus.
Märchenstadt am Weißgesicht-Bergo
Zwei Deutsche führten den Brauch, Weihnachten
mit einem Lichterbaum zu begehen, in Amerika
ein0
Die Feuerwehr als Helfer des Weihnachtsmanns•
Weihnachten auf einer amerikanischen Farm0
Der amerikanische Weihnachtsmann kommt in
diesem Jahr mit Hoohfrequenztechnika
Peters-5 mexikanische Weihnächte
Die vergessenen Schwänze.
Weihnachten im hohlen Baum*
Harvard - Erbe des Weimarer Bauhauses.
Das Hotel im Dschungel
Trompeten gegen die Mauern de3 Kreml.
Gedanken zum Buch "The Choice" von Boris Shub.

- 3 -

�20/12/50

*

23/12/50
*
*
30/12/50

1950 - Rückblick auf ein bewegtes Jahr^Dreihundertfünfundsechzig Tage ERP-Kredite.,
Gedanken über 1951.
Wichtige Ereignisse des Jahres 1950*
Die bedeutendsten amerikanischen Persönlichkeiten des Jahres 1950«
Alt werden oder altern?
Elektronische Rechenanlagen lösen die kompliziertesten Aufgaben im Handumdrehen*
Der "Unerfreulichsten" einerc
William Faulkner, Nobel-Literaturpreisträger
des Jahres.
Besitzverhältnisse in der amerikanischen
Landwirt schaf10
Die erste Fernseh-Kleinkamera der Welto
Ein Zeuge der Zeit - John Richard Hersey*
* * * * *

2 «KOMMENTARE..I2S-£2M-5i-!525525i
4/10/50
7/10/50
11/10/50
H/10/50
21/10/50
25/10/50
28/10/50

Entschlossenheit zum Frieden0
Steigerung des Geburtensolls.
Blut, Schweiß und Steuern«
Die Vereinten Nationen ergreifen die Offensive
Probleme des Sieges*
Stapellauf des Schlachtschiffs "Frieden",
In Prag nichts Neues•
*

1/11/50
4/11/50
8/11/50

11/11/50
15/11/50
18/11/50
22/11/50
25/11/50
29/11/50

* * * *

Die Streitfragen des Wahlkampfes in USA0
Puerto Rido - Insel ohne Ruhe*
Klarheit oder Verwirrung?
Zur Bundestagsdebatte über den deutschen
Verteidigungsbeitrag,
Kurs unverändert. - Zu den Parlamentswahlen
in den USA.
Zur Frage der chinesischen Intervention in
Korea»'
Der Gray-Bericht. - Ein neuer Baustein
für die freie Welto
Wirtschaftshilfe für Tito.
•'Landtagswahlen - von außen betrachtet".
Wieviel ist genug?
*

* * * *

- 4 -

�KOMMENTAHB

VON JOHN Li MORTON.

2/12/50
6/12/50
9/12/50
16/12/50
23/12/50
30/12/50

Ruhige Entschlossenheit. Die USA und die KoreaKrise.
Auf Europa kommt es an.
3erliner Wahlen in amerikanischer Schau.
Zur Brüsseler Konferenz»
Kein Preis ist zu hoch.
Es gibt kein Gibraltar«
* * * * *

iL-£2§SSiL
Oktober 1950/1

Der blau-rote Schal.
^Goldsucher und Abenteurer im "Todestal" in
Kalifornien„
Das Geschenk der Indianer - Geschichte und
Bedeutung der Maispflanze in den USA.
Versuch's mal - Vitamin C, ein wichtiger
Paktor in unserer Ernährung.
Oktober 1950/lI*Der Weg in die Wildnis. Die Geschichte von
Daniel Boone, dem Urbild des Lederstrumpf,
*Die Vereinten Nationen und die Jugend.
*Das Rjesenauge auf dem Mount Palomar.
Gold aus der Retorte.
* * * # *

November 1950/1 Die mißglückte Champignon-Zucht.
•Hiawatha, der große Sohn der Ojibways.
*Das Museum für Wissenschaft und Technik in
Chikago0
Praxis ist besser als Theorie«,
Jungen spielen "Politik".
November 1950/1IEs geschah in Oklahoma.
Wie Paul Bunyan den "pfeifenden Fluß" bestrafte.
"Bitte eine Fahrkarte zum Mond". Möglichkeiten
und Unmöglichkeiten der Weltraumschiffahrt.
Alle arbeiten mit. Keine Kluft zwischen Gemein-r
schaft und Schule.
*

*

* #- «

- 5-

�Äi-AMI^-Ü^^Il-EIUUi
H/lO/50

Die Frau in den Vereinten Nationen.
Eicheln, Schnecken und andere Delikatessen
Wenn Kinder nicht teilen wollen*
Dickwerden - durchaus vermeidbar
18/10/50
65—jährige deutsche Auswanderertochter verwirklicht ihren Traume
Spätes G-ehenlernen bei Kindern kein Zeichen
für geistige Unterentwicklung
Nachtblauer Persianer und honiggelber Nerz.
Frauenemanzipation - einmal anders gesehen
25/10/50
Jean Arthur und "Peter Pan".
*
Berufsberatung für Frauen in den USA»
Wenn ein Kind andere schlägt•
Hygiene des Alltags - Schönheitsmassage mit
dem Frottiertuchi
1/11/50
Acht Frauen regieren eine Stadt
Edelsteine in der Retorte - Synthetische
Steine.
*
Patricia Neway - eine Sänger-Schauspielerin-,
Eleganz in rauschender Seide,
8/II/5O.
*
Abkehr vom Klischee - Jane Wyman und Olivia
de Havilland,.
*
Olive Goldman - amerikanische Delegierte in
der Kommission für Frauenrecht der UNo
Angst bei KindernP
Bitte schreiben Sie! Besseres Gedächtnis
1 durch Entlastung*
15/11/50
•
Der deutsche Export und dye 'tfierikanische
Frau»
*
Patricia Travers - die junge amerikanische
Geigerin.,
Von der Llitbürgerschaft der Frau
Der kindliche Zerstörungstrieb
22/11/50
*
Anna M. Rosenberg - die Frau im Pentagon.
Der Aufstieg der Frau im amerikanischen
Journalismusu
Der Westen erobert die USA. Jung Amerika
trägt das Cowboykostüm
Metallimprägnierung - Neue Wege in der
Textilindustrie.
M
Zudenöiit * bezeichneten Artikeln liefert der "Amerika Dienst"
kostenlos Bildmaterialo

�•

ARTIKEL FÜR DIE FRAU.
^ — — • —

—

—

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— » — —

29/11/50

6/12/50

13/12/50

20/12/50

»• —

—

••» —

—

—

—

—

—

Eine Amerikanerin über die europäischen Frauen,
Die amerikanischen Frauenmagazine.
Das Fünkchen Grausamkeit in uns. Sadistische
Tendenzen im Alltagsleben.
Mode und Frisuren in den USA.
V/illa Cather zum Gedenken am 7. Dezember.
Lesestoff für die ganze Familie.
Die New Yorker Internationale Frauenausstellung.
Beliebte Rezepte aus den USA.
Clara Barton veranlaßte die USA zum Beitritt
in die Genfer Konvention.
Ein Weihnacht sl'est in Minnesota 1890.
Bilder- und Geschi.chtenbücher für den Gabentisch der amerikanischen Kinder.
Seelenleben vor der Geburt.
Geschenkpakete für deutsche Kinder.
Martha Graham, eine der bekanntesten und eigenwilligsten amerikanischen Tänzerinnen.
Middletown, der Kernpunkt des- amerikanischen
Lebens.
Werbung für und mit Frauen.
Die Geschichte der Frinzessin Pocahontas
und ihrer Reise nach Europa.
Mädchennamen sind der Mode stärker unterworfen als männliche Taufnamen.
* * * * * *

- 7 -

�,5. GEISTIGES LEBEN.
Oktober 1950
*

Ausblick auf die kommende Spielzeit der
der Metropolitan-Oper.
Carmen Jones. Ein Kapital amerikanischer
Theatergeschichte.
Internationaler Studentenaustausch für 1950/51.
Neue Pläne des internationalen Seminars für
Amerikakunde in Salzburg.
Fritz Reiner dirigiert NBC-Symphonie-Orchester.
* * « • #

Kinderstube und Weltpolitik.
Die Schreibmaschine nach Maß.
Hollywood macht Ernst. Wendung von der Flimmerkiste zum Problemfilm.
Das Problem der deutschen Mentalität Gegenstand wesentlicher Neuerscheinungen auf
dem amerikanischen Büchermarkt.
Dezember 1950/11 * Grundzüge des neuen Bauens.
* George Grosz - ein sozialer Seismograph
kam zur Ruhe.
Winterkurse auf Leopoldskron.

Dezember 1950/1

* * * * *

6. WIRTSCHAFT UND ARBEIT.
7/10/50

14/10/50

21/10/50

Neues Leben auf deutschen tferften.
William C. Foster - der neue MarshallplanAdmini strat or.
Überprüfung der Sehfähigkeit bei amerikanischen Arbeitern.
Lohnanreizsysteme in USA (Teil II).
US-Gewerkschaftsvertreter über deutsche
Arbeitspr'obleme.
Neuer US-Zolltarif für Westdeutschland.
Westdeutsche Kühlmittelfabrikanten besuchen
USA.
Lohnanrei-zsysteme in USA (Teil III).
Einkommensverlagerung in USA.
US-Senator fordert Kaufkraftgarantie für
Staatsanleihen
Westdeutsche Bankfachleute besuchen USA.
Der automatische Schaffner.
Vollautomatische Verkehrskontrolle.

�«

WIRTSCHAPT^UN^ARBEIT;,
28/10/50

*

ERP-Kredite für das westdeutsche
Hotelgewerbe.
Kostensenkung durch vorsorgende Wartung.
Markenartikel in USA stark gefragt.
Die Armour-Stiftung in Chicago.
* * * * *

4/11/50

11/11/50

18/11/50

25/11/50

Heimatvertriebene als IndustriepioniereMarshallplanhilfe für Existenzaufbau.
Der ältere Arbeiter - ein Gewinn für den
Betrieb.
Amerikanische Sender erfassen ihr Publikum.
US-Außenhandelsrat fordert Beseitigung
der internationalen Handelsschranken.
Probleme der Werkskantinen in USA.
Lichtbogenschweißen leicht gemacht.
Was ist eine Verkaufskanone?
Zunehmender US-Touristenverkehr nach Europa.
Marshallplangelder für die Steigerung der
deutschen Erdölproduktion.
Leistungslohn ist billiger.
Ein amerikanischer Betrieb beglückwünscht
"seine" Gewerkschaft.
Engere Zusammenarbeit zwischen USA und
Westeuropa.' Richtlinien Gordon Grays für
Portsetzung der amerikanischen Auslandslinie.
US-Industrie für Kapazitätsausweitung durch
erweiterte A.bSchreibungsmöglichkeiten.
Farben machen sich'bezahlt.
Keine umfassende lewirtechaftung in USA'
geplant.
* * * * *

2/12/50

9/12/50

Weitere Kontrollen in USA.
Export nach USA.stark gefragt.
ECA-Zentralbüro vermittelt Lizenzverträge
zwischen USA und Europa.
Steigende Einfuhr - sinkende Ausfuhr US-Außenhandel vor neuen Problemen.
Wirkt die Inflationsbremse? Weitere Restriktionen in USA,
Neue fettlose Seifen in USA.
Sorgenkind Speisewagen.

- 9-

�*

WIRTSCHAFT UND ARBEIT
16/12/50

23/12/50

30/12/50

Deutsche Spielwaren auf amerikanischen
Gabentischen.
Gadgets sind nicht patentfähig.
V/ichtige Entscheidung des Obersten US-Bundesgerichts in Patentsachen.
US-Waggonbau entwickelt neuen Güterwagentyp.
Einfuhr von Warenmustern nach USA erleichtert.
US-Wirtschaft im Zeichen des "nationalen
Notstandes".
Die Papierlücke schließt sich - Augsburger
Papierfabrik baut mit ERP-LIitteln.
US-Exportkontrollen weiter verschärft.
Schwarze Listen und Sperrung der rotchinesischen Guthaben.
CIO protestiert gegen gewerkschaftsfeindlichen
Auftrag der Sowjetbotschaft in Y/ashington.
Der Prämienplan einer amerikanischen Speditionsfirma.
USA entwickeln neues Einfrierverfahren für
die Hochseefischerei.
t
Hamensschilder steigern das Selbstbewußtsein.
Der neue GATT-Kodex für Außenhandelsbeziehungen.

- 10 -

�INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. Januar 1951 - 31. März 1951

Seite
1.
ALLGEMEINES

1

KOMMENTARE VON JOHN L. MORTON

5

SCNDERBEILAGEN

6

2.
3.
4.
JUGEND

7

ARTIKEL FÜR DIE FRAU

9

5.
6.
GEISTIGES LEBEN
7.

12
•

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

13

* * * * *

�12-£LIGEMEINES_
6/1/51

*

lO/L/51

*
13A/51

*

17/1/51

*
20/1/51
*

24/1/51
*

27/1/51

*

31/1/51

*

*

Der Mann, der den Blitz erfand
Ein Breslauer Student wird einer der bedeutendsten Forscher der Elektrotechnik in den
USA
Journalistenausbildung in den USA
Amerikanische Radiofreunde lernen die
Orchester Europas kennen.
Colon, die Stadt der Zauberer
1950 - Jenseits der Politik
"Astronomische Marksteine" des vergangenen Jahres
Das Gewerkschaftsprogramm der HarvardUniversität
Baltimore - Stadt der Gegensätze
Der Chor der Mormonenbrüder in Salt Lake City
In Memoriam Sinclair Lewis
Kinderschallplatten - ein ideales Erziehungsmittel
Sechs-Tage-7/undermittel gegen Malaria
Religiöse Filme in den USA
Vor dem Höhepunkt der außenpolitischen
Senatsdebatte
Audubon, Columbus der amerikanischen Vogelwelt
Brigadier-General Lemuel Mathewson zum stellvertretenden US-Kommandanten für Berlin ernannt
Gold im Sohornstein
Die Bodenerosion hat für die Farmer des Mittelwestens ihren Sohreoken verloren
Die Arbeit des Kongresses für Kulturelle Freiheit
New York als Wallfahrtsort - für romantischs
Brautpaare
Gemüse aus em Laboratorium
Die öffentliche Meinung in Sowjetrußland
Das New Yorker Hunter-College entwickelt neue
Lehrmethoden für geistig übsrdurohschnittlioh
begabte Kinder
Mißbrauch von ERP-Gütern wird duroh ständige
Kontrolle verhindert
Erio A. Johnstons Weg vom Zeitungsjungen zum
Leiter des US-Amtes für Wirtschaftsstabilislsrung
# # # # #

Zu den mit * bezeichneten Art
kostenlos Bildmaterial.

liefert der "AMERIKA DIENST"
-

�ALLGEMEINES
3/2/51

Das Gebiet hinter dem Eisernen Vorhang ist
kein massiver Block
Arbeiterbewegung in Europa und Amerika
Dammbauten in den USA

7/2/51

Der Mann,der Amerika einte
Im Februar feiert Amerika die Geburtstage
von George Washington und Abraham Lincoln
Thomas Alva Edison
Nord-Dakota, das Land der Prairien
14. Februar, St. Valentins-Tag in USA
Rias-Berlin - Symbol der Wahrheit

*
#

10/2/51

Neues Projekt der OEEG zur internationalen
Auswertung der Windkraft zur Erzeugung elektrischer Energie
Eine Stadt bekämpft den Krebs
Das wohnliche amerikanische Landhaus

14/2/51

Für Freiheit und Unabhängigkeit
$19« Geburtstag George Washingtons
Arbeitnehmer mit Unternehmergeist
Der Mensch, die billigste Ware in der UdSSR
Dieses Fazit zieht William A. Wood aus einer
drei zehnjährigen Erfahrung als Ingenieur in
der JdSSR
Das Marine-Studio in Florida
Eine Luzernefarm
l'iimarbeit im brennenden Dschungel

17/2/51

21/2/51

*

28/2/51

Charles E« Bohlen - der beste amerikanische
Kenner des Kreml
ERP erstellt' neue Werkzeugfabrik in Westdeutschland
Sehneemsssungen im Hochgebirge
Rudolph Valentino - der Magier des Stummfilms
Warum unterstützen die amerikanischen Gewerkschaften das freie Unternehmertum?
Von Norman Thomas, aktiver Vertreter der amerikanischen Sozialisten und sechsmaliger Kandidat für die amerikanische Präsidentschaft
Abkehr vom photochemischen Verfahren bei
Bildaufnahmen
Der amerikanische Eisbrecher "Nordwind" hält
die Seewege um Alaska offen
* * * * *

- 2 -

�ALLGEMEINES
Mit Baskenmütze und Hörapparat durch Amerika
Berlins regierender Bürgermeister in USA
Amerika ändert seine Verfassung
Der 22. Zusatzartikel der amerikanischen
Verfassung erlangte im Februar Gesetzeskraft
Fernseh-Plagen und Fernseh-Pläne

3/3/51

Zephyr mit 150 km
Die landschaftlichen Schönheiten und allen
Komfort Amerikas bietet der "Kalifornische
Zephyr" den Reisenden zwischen New York und
San Francisco
Amerika beklagt in dem kürzlich verstorbenen
deutschen Dirigenten Walter Damrosch einen
seiner verdientesten Erzieher zur großen
Musik

7/3/51

Ist Amerika imperialistisch?
Von dem amerikanischen Sozialistenführer
Norman Thomas, der für ein Wirtschaftssystem
eintritt, das er als demokratischen Kapitalismus bezeichnet
Weltpostverein - ein internationales Vorbild
Die industriellen Forschungsinstitute in den
USA
"Leben in Freiheit"
Ein Preisausschreiben für westdeutsche
Jugendliche

10/3/51

Der Festtag der-grünen Insel
Am 17. März feiern die Iren in aller Welt
ihren Schutzpatron, den Heiligen Patrick
Zur Verteidigung der westlichen Kultur
Von US-Senator Paul*H. Douglas
Deutsches Penicillin durch ERP-Hilfe (Farbwerke Höchst)

14/3/51

Die sonderbaren Heiligen im Lehigh Valley
Struthers Burt schreibt über das kürzlich
unter dem Titel "The Pennsylvania Dutch"
erschienene Buch von Professor Klees
Die Sonne wird wärmer
Atomkraft im Dienste der Medizin
Osterfest in Bethlehem
Die Brüdergemeine
in Bethlehem feiert
das Osterfest nicht anders als ihre Vorfahren,
die vor zweihundert Jahren in Pennsylvania
landeten
Los Angeles, die Stadt der Engel

y.
17/3/51

- 3-

�ALLGEMEINES
17/3/51

Der Fall des Genossen Tulajew
In einem Roman erzählt Victor Serge, wie von
der Sowjetregierung angeklagte Trotzkisten auf
Grund der unentrinnbaren Denkschemata, denen
sie sich einmal freiwillig unterworfen haben,
notwendigerweise zu einem Bekenntnis der eigenen "Schuld" kommen müssen

21/3/51

Das "Amerika-Buch" für die Jugend
Ein Jugendbuch, das in deutsch-amerikanischer
Gemeinschaftsarbeit entstand und ein Geschenk
der amerikanischen an die deutsche Jugend darstellt
Aureomycin - die stärkste Waffe gegen Infektionskrankheiten
Amerikanischer Rundfunk in der Klemme
Das Fernsehen in Amerika kann nur aus den
Überschüssen des Rundfunks finanziert werden
Elektronen mit Dolmetscherexamen
Die Elektronen-Übersetzungsmaschine der Zukunft wird den Übersetzern einen großen Teil
der mechanischen Übersetzungsarbeit abnehmen
Traktat über die Vergänglichkeit
In unserer schnellebigen Zeit müssen die
Lexikographen mit der -Behendigkeit und den
Methoden der Tagespresse arbeiten
Industrieausstellung auf Rädern
Über 200 deutsche Industriebetriebe stellen
ihre Erzeugnisse im "Marshallplan-Zug" aus
Der Wettergott muß seine Konzession abtreten
Amerikanische "Regentechniker" produzieren
und verkaufen Niederschlagsmengen
Die wichtigsten Aufgaben der US-Hochkommission
in Deutschland
Von Arthur Krock, Chef des Washingtoner Büros
der "New York Times"
Frühlingstanz im Pueblo
Die "Everglades", ein Tierparadies von großer
Schönheit
Die Verteidigung des Westens
Die dauernde Bereitstellung von 20 bis 40
hochqualifizierten Divisionen zur Verteidi-'
gung Westeuropas schlägt der bekannte britische Militärschriftsteller Liddell Hart vor

24/3/51

28/3/51

*

31/3/51

Sauerbraten, Bockbier und hohe Kunst
Lüchows Restaurant in New York
Edward' Steichen - der Meisterfotograf Amerikas
Provokation und Entscheidung
Eine ausgezeichnete Diskussionsbasis ist das
kürzlich in New York erschienene Buch "Challenge and Decision", in dem ein bekannter amerikanischer Journalist die Problematik des Kalten
Krieges und die Möglichkeiten eines Ausweges
darlegt
# # # * *
- 4 -

�2) KOMMENTARE VON JOHN L. MORTON

31/1/51

"Altbekannte Tatsachen"?
Washington und die sowjetische Note
Trotz allem Einigkeit
Astronomische Zahlen
"IKE"
Stärke gegen Stärke
Josef Flade: "Ich liebe die Freiheit mehr als
mein Leben"
Grenze des Verrats

3/2/51
7/2/51
10/2/51
14/2/51
17/2/51
21/2/51
24/2/51
28/2/51

Gerechtigkeit
Die Vorschläge Eisenhowers
"Die Freiheit-Legion"
Ermutigende Anzeichen
Einig trotz aller Debatten
Stalins "Friedens-Fühler
Viererbesprechungen und Aufrüstung
Deutschland kann nicht ohne den Westen auskommen

6/1/51
13/1/51
17/1/51
20/1/51
24/1/51
27/1/51

* * *

3/3/51
7/3/51
10/3/51
14/3/51
17/3/51
21/3/51
24/3/51
28/3/51
31/3/51

* *

Am Ende der Debatte
Pariser Außenministerkonferenz und Besatzungsstatut
Auf dem Weg zur europäischen Einheit
Der "Krieg der Enttäuschten1*
In Paris: Vielleicht - in Berlin: Njet
Entmilitarisierung - ein neuer sowjetischer
Bluff
Neutralität bedeutet Selbstmord
Quo vadis? - Der Weg der "deutschen Titoisten"
Pan-Amerika - ein antikommunistischer Block

- 5-

�32_SONDERBEIIAGEN_
10/1/51

24/1/51

Die Parole lautet nicht: "Der Krieg ist unvermeidlich"
Von Anne O'Hare McCormick (New York Times)
Voller Wortlaut der Botschaft Präsident Trumans
über die Lage der Nation (vom 8. Januar 1951)
McCloy: Nicht "gegen Windmühlen kämpfen"!
-Voller Wortlaut eines Briefwechsels zwischen dem
amerikanischen Hochkommissar für Deutschland,
John J. McCloy, und Herbert G. Roske, einem
21jährigen Deutschen, der am 29. Dezember 1950
in einem Schreiben die westlichen Alliierten der
Diskriminierung Deutschlands beschuldigte
General Eisenhower: Vergangenes ist vergangen.
Voller Wortlaut einer Erklärung, die der Oberkommandierende der Atlantischen Streitkräfte,
General Dwight D. Eisenhower, am 19. Januar 1951
nach seiner Ankunft auf dem Rhein-Main-Plughafen
vor Pressevertretern abgab
* * » * *

3/2/51
14/2/51
24/2/51
28/2/51

Endgültige Entscheidung über Landsberg
Der 5. Quartalsbericht ies US-Hochkommissars
für Deutschland
Das Berufungsverfahren der in Landsberg zum Tode
Verurteilten
Drew Middleton zu den Auswirkungen des LandsbergProtests
* * * * *

3/3/51
7/3/51
10/3/51

14/3/51

17/3/51

31/3/51

General Clay befürwortet Verstärkung des amerikanischen Truppenkontingents in Europa
Vor der Entscheidung
Zu den Debatten um die. Entsendung amerikanischer
Truppen nach Europa
Der Geist Carl Schurz' und das Deutschland von
heute
Ansprache vor der Carl-Schurz-Gesellschaft,Bremen,
am 5. März 1951, von Benjamin J. Buttenwieser,
Stellvertretender US-Hochkommissar für Deutschland
Artikelreihe des amerikanischen politischen Kommentators Carl C. Hilton, in der er sich mit den
aktuellsten Problemen der Gegenwart auseinandersetzt
Schreiben der Alliierten Hochkommission an Bundeskanzler Adenauer über die Besatzungskosten für
das Finanzjahr 1951/52
Der Schumanplan - Europas Chance
*

- 6 -

*

* *

*

�4) JUGEND
Wickey und der Cowboy
Die Geschichte von Brandgesicht
. . . Und plötzlich stand ein Bär vor
ihnen!
Marionettentheater für die Kinder New Yorks

Januar 1951/1

Januar 1951/11

*

Wie der Esel zu den Menschen kam
Eine mexikanische Volkssage
Steinerne Geschichtsbücher
Pelsinschriften in Texas, Arizona, Neu Mexiko
und Kalifornien künden von der Geschichte der
Ureinwohner Amerikas
Christoph Columbus
An der "Whiteface"-Kurve erbleicht jeder
Passagier
Mit dem Bobschlitten im 100-km-Tempo über
die eisigen Abhänge des Mount Van Hoevenberg
* * * # *

Februar 1951/1

Nara, das "Truthahnmädchen"
Im Zeichen der silbernen Lilie
Jeden Tag ein gutes Werk zu tun ist die
Pflicht jedes Pfadfinders
Sterntalerregen aus dem Himmel Amerika
Schulkinder malen und zeichnen ihre Eindrücke vom Marshallplan
Sie wissan,was sie wollen
Die Höheren Schulen in Atlanta geben ihren
Schülern Gelegenheit, sich durch Halbtagsbeschäftigung in .ihren künftigen Beruf einzuarbeiten
* * * * *

März 1951/1

Picaro und das Zebra
Im Lande der Totem-Pfähle
Riesige geschnitzte Totem-Pfähle versinnbildlichen Geschichte und Sage der Indianer
Alaskas
"Hoppe, Hoppe Reiter . . .
Auch Sechsjährige können schon sattelfest
sein und auf Reittournieren Preise erringen
Versuch's mal
Ein einfacher Versuch mit einem Papierstreifen gibt Aufschluß über die Kräfte, die ein
Plugzeug tragen

- 7 -

�JUGEND
März 1951/11

*

Uörgenröte besucht den großen Geist
Eine indianische Yolkssage
Heuschrecken - Freunde oder Feinde des
Menschen
Ein Kinderparadies zwischen Wolkenkratzern
New Yorker Polizei als Helfer und Freund
der gefährdeten Jugend
VERSUCH»S MAL!
Das Ei in der Flasche
Ein einfaches Experiment mit einer Milchflasche und einem Hühnerei liefert einen
eindrucksvollen Nachweis des vorhandenen
Luftdruckes
* * * * *

- 8 -

%

�5l_ARTIKEL_FÜR_DIE_FRAU_

JA/51

Margaret Chase Smith, der Senator aus Maine
Die amerikanische Journalistin
Der Mensch über Vierzig braucht Ruhe und
Entspannung
Bilderbuch der Köchin
Ein neues amerikanische Kochbuch

10/1/51

Frauen, gestern und heute
Eine kleine Typologie der Frau
Schwiegermütter - geliebt und gefürchtet
Moderne Lampen, zweckmäßig und schön
Fensterschließer und Windelwechsler

17A/51

Susan B. Anthony
Ein Leben für die Rechte der Frau
Die Rolle der Behandlung durch Suggestion
in der modernen Praxis
Einige Winke für die Pflege unserer Zimmerpflanzen
Sprechen Sie deutsch?

24/1/51

Vom Küchenmädchen zum Bühnenstar
Ethel Waters ist die Verkörperung aller
"Neger-Mammie-s"
Frauen übernehmen leitende Stellungen in
amerikanischen Konzernen
Mensch - ärgere dich!
Wer sich nicht ärgern kann, ist seelisch ebenso gefährdet, wie der, der bei jeder Gelegenheit in Wut gerät
Kleine Tips für die Pflege des ersten Kindes

31A/51

Frauen im Berufsleben
Die zehntausend Schritte der Hausfrau
Fußbeschwerden - ein Übel der Zivilisation
unter der Lupe amerikanischer Wissenschaftler
Die kunstseidene Mode
Amerikas Textilmarkt zeigt Shantung-Leinen,
Taft, Gabardine, Tweed, Pikee, Jersey,Chiffon
und Pelze - aus Rayon
Frauen diesseits und jenseits des Ozeans
Mrs. Ellen McCloy, die Gattin des US-Hochkommissars, sprach am Mittwoch, dem 24« Januar
1951»" in der Aula .der Frankfurter Universität
vor der ersten gemeinsamen Konferenz der Frauenvereinigungen der Bundesrepublik
* # * * *

- 9-

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
7/2/51

Man lebt nicht mehr "auf dem Mond"
Frauen auf den einsamen Farmen des amerikanischen Mrttelwestens
Gernhaben ist nicht genug
Widerstreben des Kindes gegen eine Stiefmutter
Wenn amerikanische Kostümzeichner Rat brauchen
Die neuentdeckte Weiblichkeit
Das neue Make-up in Weiß und Rosa paßt sich
den zartesten Pastelltönen der kommenden Frühjahrsmode an

14/2/51

Der gesunde Menschenverstand
Die modernste Regel der Kindererziehung ist
die, daß es keine Regeln gibt
Eine Frau kämpft gegen Konventionen
Vor mehr als zwei Generationen ging Clara
Swain als erste Missionsärztin nach Indien
Pasteurisiere zu Hause!

n/2/51

Auslauschprogramm für ausländische Studenten Eine'Werkstatt des Friedens
Nylon, der \»u_ischtraum jeder Frau
Und wohin geht Vati?
Die Kenntnis detsen, was der Vater im Berufe
tut, ist für das Kind ein wesentlicher erzieherischer Faktor
SchwangerSchaftsgefährdungen
Speisezettel chemisch betrachtet

28/2/51

Es war ein langer Weg
Von Eleanor Roosevelt
Hollywood auf der Suche nach einer neuen Garbo
Die Augen unseres Kindes
Vetternwirtschaft in der sowjetischen Filmindustrie
* *

7/3/51

Textilgeheimnisse aus den USA
Die moderne Kleidung wird immer leichter und
wärmer im Winter und immer leichter und kühler im Sommer
Gestern wurde ich geschieden - Probleme, die
eine Scheidung mit sich bringt
Die Musterfarm in Ambler
Eine berühmte landwirtschaftliche Schule in
den USA
Mumps oder Gehirnentzündung
Ein neuer Mumps-Test ermöglicht eine zuverlässige Diagnose
-10-

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
7/3/51
14/3/51

*

21/3/51

*

28/3/51
*

*

Das internationale Institut zur Bekämpfung von
Kinderkrankheiten
Die "Smith-Girls"
Das Smith College in Northampton
Für gesetzliche Gleichberechtigung
Das doppelte W
Die neue Modesilhouette
Wenn ein Kind operiert werden muß . . .
"LEO", der Schnitzelkönig von New York
Wiener Küche und Wiener Melange begeistern
New Yorks Feinschmecker
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
Vom Ursprung und Nutzen des Staubes
Freundschaftsbande über die Grenzen hinweg
Kühl aber nicht frostig
New Yorker Innenarchitekten sagen eine Wandlung
des amerikanischen Geschmacks zu einer gewissen
•gemütlichen Sachlichkeit' in der Wohnraumgestaltung voraus
Vielseitige Würstchen.Einfache amerikanische
Rezepte mit Frankfurter Würstchen
Appell an Stalin
Amerikanische Abgeordnete versucht Stalin von
den Friedensbestrebungen der USA zu überzeugen
Ein schöpferisches Handwerk
Auf der Suche nach ewiger Jugend
Ausstellung "neues Haushaltgerät in USA" in
Stuttgart
Das deutsche Waisenhaus in Washington
* * * * *

- 11 -

�6) GEISTIGES LEBEN
Januar 1951/1

Malerei der Völker
* Deutsche Amerikafahrer im 17. und 18. Jahrhundert
* Kreisler, mit den Augen des Freundes gesehen
»TOHUWABOHU"
Wie die Erde wurde

Januar 1951/11

* Kann ein Mythos abdanken?
Robert M. Hutchins, bisheriger Rektor der
Universität Chicago, legte sein Amt nieder,
um eine leitende Stellung in der "Ford-Stiftung"
zu übernehmen
Dichter und Bauer in Georgia
Byron Herbert Reece aus Georgia baut 70 Morgen
Kartoffeln, Bohnen und Getreide und macht Gedichte
* "Sonnenfinsternis" am Broadway
Bühnenfassung des aufsehenerregenden Romans
"Sonnenfinsternis" von Arthur Koestler uraufgeführt
Nicht Toleranz sondern Brüderlichkeit
"World Brotherhood" und ihre deutsche Sektion,
derMKoordinierungsrat der Christen und Juden
in Deutschland"
* * * * * #

Februar 1951/1

Albert Einstein: Aus meiner Jugend
Amerika von Schiller bis Bert Brecht
Deutsche Amerikagedichte
* Unaufhörliche uegenwart
Zu Kart Weills zweitem Todestag
Neue Elemente und alte Götter
1'5 Quizfragen für klassisch gebildete Chemiker

Februar 1951/11

Bücher für alle
Die "Hartgesottenen" schockieren nicht mehr
Hemingways und seiner Epigonen Verdienst war
es, den amerikanischen Bürger aus sozialer und
politischer Indifferenz aufgestört zu haben.
Der heutige Leser aber will nicht mehr nur
schockiert, sondern auch über psychologische
Zusammenhänge unterrichtet werden
* Das Gespräch - Bronzeplastik des deutschen
Bildhauers Knud Christian Knudsen
Propaganda bei Lichte betrachtet
Methoden der kommerziellen und politischen
Propaganda
* * * * * *

- 12 -

�.

GEISTIGES LEBEN
März 1951/1

*

*
*

März 1951/II

Pioniere des modernen Wohnbaus
Die beiden amerikanischen Architekten Greene
und Greene
Aus dem New Yorker Musikleben
Zeitlose Plastik
Der amerikanische Bildhauer Donal Hord
Er war der Lehrer des Mahatma - HenryDavid Thoreau
Eduard Hansliok
Der große Widersacher Wagners in Wien
Neuausgabe der Schriften des großen Wiener
Musikkritikers' Eduard Hanslick in einem New
Yorker Verlag
Befreiung von der Angst
Zu Arthur Koestlers neuem Buch
Horace Greeley, Amerikas größter Zeitungsmann
Seher der kommenden Krise
Herman Melville und Nathaniel Hawthorne
* * * * *

7) WIRTSCHAFT UND ARBEIT
6/1/51

Um die Kontrolle von Preisen und Löhnen
Schwere Aufgaben für die Stabilisierungsbehörden
in USA
Steigende Neuinvestitionen in USA
US-Industrie hat Betriebskapital seit 1939
verdreifacht
Marktforschung als Mittel zur Kostensenkung
"Standard Oil" reduzieren Vertriebskosten
durch verstärkte Marktbeobachtung

13/1/51

Arbeiterparadies im Scheinwerferlicht
ILO will an Untersuchungen über Zwangsarbeit
in der Sowjetunion teilnehmen
*

Aus schwarz-weiß wird bunt
Farbphotographie vor dem Wendepunkt
Mit anderen Augen gesehen
US-Wirtschaftsinstitut berichtet üher Aufgaben
und Zweck der "public-relations"
Baumwolle stark gefragt
Weltbaumwollverbrauch erreicht neuen Höchststand
Weitere Erschwerungen bei US-Exporten
US-Handelsministerium gibt neue Exportbestimmungen bekannt
Bisher 76 Prozent der jährlichen US-Baumwollexportquote freigegeben
- 13 -

�' WIRTSCHAFT UND ARBEIT
20/1/51

Milliarden für die Freiheit
Das neue amerikanische Verteidigungsbudget
Verteidigungswirtschaft in USA
Die wirtschaftspolitischen Ziele und Forderungen
Präsident Trumans

27/1/51

Der Mavshallplan im Zeichen der europäischen
Wiederbewaffnung
Von Miltjn Katz - ECA-Sonderbotschafter für
Europa
Der Kongreß spitzt den Bleistift
Washington sucht neue Steuerquellen
Technische Hilfe für Europa
ECA Austausch von Fachleuten und Erfahrungen
soll Industrieproduktion weiter steigern
•

# * * *

3/2/51

"Eiskeller" oder "Kühlschrank"?
löhne und Preise in USA sind eingefroren worden
Wenig Interesse am Kapitalexport nach Deutschland
US-Wirtschaft äußert Bedenken gegen Mitbestimmung und Lastenausgleich
Der Wettergott kann nicht mehr launisch sein
Künstlicher Schnee für Amerikas Wintersportler
US-Bruttosozialprodukt seit 1929 um 75$
gestiegen

10/2/51

Keine "Ladenhüter" für ERP-Lieferungen
ECA und ERP-Ministerium überwachen Verwendung
der Marshallplangüter
Steigende Sozialleistungen der US-Industrie
Über 5 Millionen Arbeiter werden von privaten
Pensionsplänen erfaßt
Lebhafte Einzelhandelsumsätze in USA
Keine Verknappungen bei Verbrauchsgütern zu
erwarten
Koordinierung der Verteidigungsproduktion
US-Wirtschaftshilfe für Europa soll gegebenen
Verhältnissen angepaßt werden
UN untersuchen Probleme wirtschaftlich rückständiger Gebiete

17/2/51

Steuerschraube statt Notenpresse
Die 10-Milliarden-Dollar Steuervorlage
Präsident Trumans
Vom Umgang mit Vertretern
In Hartford in USA heißt man jeden persönlich
willkommen

-H-

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
17/2/51

Umstrittener Lohn- und Preisstop in den USA
Vorläufiger Schut'zwall gegen inflationistische
Tendenzen in der amerikanischen Wirtschaft

24/2/51

Ein V/arenhaus für Rohstoffe
USA lagern strategisch wichtige Materialien
Zunehmende Kreditgewährung der Weltbank
Anleihevolumen überschreitet 1-MilliardenDollar-Grenze
Wofür gibt der Durchschnittsamerikaner
sein Geld aus?
US-Bundesamt für Arbeitsstatistik will
Verbraucherindex revidieren
Weniger Gesellschaftsneugründungen in den USA
Freies Wochenende wichtiger als 8-Stunden-Tag
* # # * *

Für die Sicherung des Friedens
Die wirtschaftlichen Aspekte der amerikanischen
Verteidigungsbemühungen
Wallstreet bleibt aktiv
Weiter lebhafte Umsätze an der amerikanischen
Wertpapierbörse
Deutsche Werkzeugmaschinen gehen in die Welt
Mitteldeutsche Exportindustrie wird mit Gegenwertmitteln in Westdeutschland wiederaufgebaut
Berufsförderung für Körperbehinderte

3/3/51

10/3/51

17/3/51

*

Deutsche Landwirtschaftsmaschinen wieder auf
dem Weltmarkt
Die größte Traktorenfabrik Europas ist mit
ERP-Krediten aufgebaut worden
Lebensversicherungen in USA stark gefragt
Neugeschäft 1950 um 24,5$ höher als im
Vorjahre
Rentabilitätssteigerung mit Hilfe der Gewerkschaften
Hochschulstipendien für begabte Arbeiterkinder
in USA
Lebhaftes Kaufinteresse auf New Yorker Fachausstellungen
Einschränkung des Metallverbrauchs führt zu
Vorbehalten der Verkäufer
Herr Smith und seine Steuererklärung
Auch die Amerikaner haben ein Finanzamt
Schlichtere Warenverpackung in USA
Packmittelindustrie sieht sich nach Austausch- '
Stoffen um
- 15 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
17/3/51

24/3/51 .

Die elektrischen Verkehrspolizisten New Yorks
Neue Verkehrsampelschaltung beschleunigt
Straßenverkehr
Produktivität und Leistungssteigerung in USA
Amerikanische Arbeiter antworten auf eine
Umfrage
*

Ein Rad dreht sich - hundert drehen sich mit
ERP-Hilfe für einzelne Industrieunternehmen
führt zum wirtschaftlichen Aufstieg einer
ganzen Stadt
Cowboyanzüge am meisten gefragt
New Yorker Spielwarenausstellung brachte
lebhafte Umsätze bei leic-h't erhöhten Preisen
Pensionen und höhere Löhne
Die Erfolge der US-Gewerkschaften im Jahre
1950
US-Stahlindustrie plant umfangreiche Neuinvestitionen
Produktionskapazität soll auf 120 Millionen
Jahrestonnen erhöht werden
* * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.

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INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. April 1951 - 30. Juni 1951

Seite

1.]1

ALLGEMEINES

1

2 . :1

KOMMENTARE VON JOHN L. MORTON

5

3 . :1

SCHAUBILDER

6

4. )

SONDERBEILAGEN

6

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ARTIKEL FÜR DIE FRAU

7

6. &gt;

JUGEND

9

7.: 1

GEISTIGES LEBEN

10

8. )

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

11

* * * * *

�I

ALLGEMEINES
4/4/51

7/4/51

11/4/51

14/4/51

18/4/51

21/4/51

*

Tiefkühlung;, ein Millionengeschäft
(Schnellgefrierverfahren)
Wer ist der bessere Fahrer*
Mann oder Frau?
Monsignore Fulton J. Sheen •- ein
unwiderstehlicher Christ
Amerikas erfolgreichster katholischer Seelsorger
Das Geheimnis der Sardinen
Plötzlicher starker Rückgang der Sardinenfänge im Pazifik
Salzdome und Salzgärten
Kochsalzförderung in den Vereinigten
Staaten
Die große Tat unseres Jahrhunderts
Verwirklichung der Menschenrechte
"Macht der Furcht ein Ende-.."
Rede des Senators Henry Cabot-Lodge jr.
VJ,T der UN-Vollversammlung
"ZIM"', das neueste sowjetrussische
Automodell
Neue Wohnungen in Gminderdorf
An der Schwelle zur nationalen Unabhängigkeit
Die bevorstehende Gewährung der Autonomie
für Puerto Rico
Die Teppiche der Navajos
ölrausch in Texas
Generalleutnant Matthew Bunker Ridgway
Wasserskilauf^ der jüngste Volkssport
in den USA
Neuer Vorstoß der Medizin im Kampf gegen
die Spinale Kinderlähmung
Kapitalismus - ein für die USA überholter
Begriff
Die neue polnische Armee - ein Werkzeug
des Kreml
Elektronenmikroskop erschließt eine neue
Welt
Merkwürdigkeiten bei der Herstellung von
Stahl

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST
kostenlos Bildmaterial.

- 1 -

�ALLGEMEINES
25/4/51

Gewerkschaften schaffen internationale Einheit
York, Pennsylvania - eine vorbildliche Stadt
Räder rollen für den . . . Frieden. Gemeinsamer deutsch-französischer Güterwagenpark

28/4/51

Tatarennachrichten über die USA (Buchbesprechung)
Ein Rembrandt für acht Tage. "Die "Lejhbilderei"
von Harbor Beach
Washington im Frühling
* * # * *

2/5/51

Ein Refugium für erlauchte Geister. Das Institute for Advanced Study in Princeton, New
Jersey
Der Sommerschnitt. Kein verstümmeln von
Sträuchern
Südliche Sonne in Büchsen. Neuartiges Konservierungsverfahren

5/5/51

Arbeite, spiele und werde gesund - mit Musik
Rundfunkstationen in Alaska
Die Tito-Stalin Kontroverse. Hamilton E.
Armstrongs letztes Werk: "Tito and Goliath"

9/5/51

Das Volkskundemuseum von Neu-Mexiko in Santa Fe
Kongreßarbeit ist lebensgefährlich
Leserbriefe auf Bestellung in der UdSSR

t

Franziskanermissionen an der kalifornischen
£üste
"Quo vadis" - der Film der Superlative
Bilder aus den Tiefen des Meeres

12/5/51

16/5/51

Funksprechverkehr als Arbeitshilfe in der
Industrie
Das Weiße Haus wird "verkauft"
Erfolg macht wachsam. Verbesserung der menschlichen Beziehungen und materiellen Lebensbedingungen

19/5/51

Die wohltemperierte Narkose
Neue Wohnbaumethoden in den USA
Was mich in Europa verrückt macht. Ein amerikanischer Gelehrter kritisiert das europäische
Akademikertum

*

- 2 -

�ALIGEMEINES
23/5/51

Auf dem Wege zu einer neuen Eiszeit? Wetterprognose für den Rest des Jahrhunderts
Amerikanisches Institut für Welthandel in
Arizona
Fischerei im Nordatlantik - ein wichtiger
Beitrag zur Welternährung

26/5/51

Akademische Ehrung für US-Hochkommissar John
Ja McCloy, Präsident
Heuss? Bundeskanzler
Adenauer und die Rektoren der Berliner Freien
Universität und der Universität Bonn durch
die Universität Maryland
Der Sonderwagen des amerikanischen -Präsidenten
Streifzug durch New Yorks "Chinatown"
Die Briefe Präsident Roosevelts

30/5/51

Der moderne Mensch schon 75 000 Jahre alt
Die Wurzeln des Totalitarismus
Ein Leben für den Portschritt, Charles F.,
Kettering, der vitalste und einfallsreichste
Erfinder Amerikas

2/6/51

Charaktertraining in amerikanischen Jugendlagem
Franz Daniel Pastorius. Gründer und Bürgermeister der ersten deutschen Siedlung in den USA
"Die Front ist überall". Die KP in den USA

6/6/51

In Memoriam Serge Koussevitzky
Brücken in die Vergangenheit. überdachte Holzbrücken in den USA
Der erste totale Sieg über die Malaria
Die Flötensammlung der Kongreßbibliothek

*

9/6/51

Neues Serum gegen Tollwut
Automatische Sicherungen gegen menschliche
Unzulänglichkeit bei US Eisenbahnen
Hotelführung als Universitätsfach

13/6/51

Der Grand Canyon - Amerikas größtes Naturwunder
Was verdient der Durchschnittsamerikaner?
Ein praktischer Träumer, Der amerikanische
Sozialistenführer Norman Thomas erörtert die
Schwächen und Möglichkeiten des Sozialismus

16/6/51

Tierparadies hinter Wolkenkratzern- Der
"Bronx-Zoo" in New York

- 3-

�ALLGEMEINES
16/6/51

Die Thrombose verliert ihre Schrecken
"Mir bitte Tintenfisch mit Reis und Seetang".
Truppenverpflegung in Korea

20/6/51

Die Lehren von Korea machen kollektive Friedensaktion notwendig. Warren Austin zum ersten Jahrestag der roten Aggression in Korea
Die Flucht ins Grüne und ihre Folgen. Stetig
wachsende Vororte sind für Millionenstädte der
USA gewaltiges Verkehrs- und Verwaltungsproblem
Warum Rußland den Koreanern nur unzureichende
Waffenunterstützung gewährt
Verpflanzung lebender Zähne

23/6/51

"Imperium" Texas
Zwei Musiker fangen den Regenbogen. Verwendbarkeit des Farbfilms verdankt die Welt zwei
amerikanischen Musikern
Führer und Kopfe. Bemerkungen amerikanischer
Wissenschaftler über die Psychologie des Erfolges

27/6/51

Das papierene Gedächtnis Amerikas. Die Kongreßbibliothek in V/ashington
Mitbestimmungsrecht - auf amerikanische Weise
Die Fesselung der Kunst in der UdSSR. Eine
Buchbesprechung von Brooks Atkinson, "New
York Times"

30/6/51

Das Recht auf Leben, Freiheit und Glück. Aus
dem Text der Unabhängigkeitserklärung vom
4. Juli 1776
An alle, die :lie Freiheit lieben. Botschaft
des amerikanischen Präsidenten Harry S.Truman
175 Jahre der Freiheit. Von Ralph J. Bunche
Der amerikanische Unabhängigkeitstag und
Europa. Der 4. Juli 1776 und seine Wirkungen
auf unsere Zeit
Warum ich in Amerika lebe. Brief des bekannten Journalisten und Schriftstellers Joseph
Wechsberg an einen kommunistischen Jugendfreund

- 4 -

�2|_K0MMENTARE_VgN_J0HN_I1_MgRTgN
Im Dienste des Weltfriedens
Vor den Zusammenbruch der Obstruktionspolitik
Eine große Verantwortung
Eine notwendige Konsequenz
Ein kühner Versuch
Richtige Bewertung der Ereignisse
Gedanken zum 1. Mai
Deutschland am Scheidewege
* * * * *

Europa blickt auf Bonn
Der Wahlkampf wirft seine Schatten voraus
Deutschlands Stunde der Entscheidung
Europa muß wachsam sein
Gleiche Rechte - gleiche Pflichten
Sicherheit im Mittelmeer
Um das "Schwarze Gold" Persiens
Der Freiheit einen Dienst erwiesen
Freiheit - ein Gerücht
* * * * *

Ein lohnendes Angebot
Der Groll wächst
Der Wille zur Verteidigung
Ein anschauliches Beispiel
Für die Freiheit Europas
Noch ist es Zeit
Annehmbare Bedingungen
Friedensvorschlag oder Propagandatrick?
Ein Tag des Gedenkens und der Verpflichtung
* * * * *

- 5 -

�21_§CHAIBILI)ER.
4/4/51
14/4/51
21/4/51
25/4/51

Die Clförderung im Nahen Osten
Der Rote Stern sinkt
Stahlerzeugung
Europäische Geineinschaft für Kohle und Stahl

2/5/51
12/5/51
16/5/51
23/5/51

Verluste im Koreakonflikt
Deutsche Konsulate in den USA
Wieviele Menschen leben auf unserer Erde?
30 000 Ausländer studieren in den USA
* * * * *

2/6/51
6/6/51
13/6/51
23/6/51

Dollars reisen nach Europa
Die Autoproduktion der Welt im Jahre 1950
Deutschlands Handel mit den USA
Die OEEC und ihre vielseitigen Aufgaben

12_§2NDERBEIIAGEN_
4/4/51
11/4/51

14/4/51
18/4/51
21/4/51

28/4/51

Präsident Truman und Außenminister Dean
Acheson zum Erfolg des ERP
Produktionskraft - ein Instrument des Friedens
Rede des ECA-Administrators William C. Poster
vom 3» April 1951 anläßlich des dreijährigen
Bestehens des Marshallplans
Truman: Tür zu Verhandlungen jederzeit offen
(Rede vom 11.4.51)
Truman: Abzug aus Korea würde neuen kommunistischen Angriff auslösen (Rede vom 15.4.51)
Acheson zur Pernostpolitik der Vereinigten
Staaten (Rede vom 18.4.51)
Omar N. Bradley: Ausweitung des Koreakrieges
(Rede vom 17.4.51)
MacArthurs Abschiedsrede (vom 19.4.51)
McCloy: Die Vereinigten Staaten werden jedem
bewaffneten Angriff auf Westdeutschland begegnen (Rede vom 25.4.51)
* * * * * *

2/5/51
9/5/51

Acheson zur gegenwärtigen internationalen Lage
(Rede vom 30.4.51)
Präsident Truman über die Begrenzung des Koreakonfliktes (.Rede vom 7.5-51)
- 6 -

�"SONDERBEILAGEN
23/5/51
26/5/51

Die Ost-West Spannung. Von Carl C Hilton
Sechster Vierteljahresbericht des US-Hochkommissars John J* McCloy
Truman fordert 8,5 Milliarden für die Verteidigung der Freiheit (Rede vom 24-. 5-51)
* * * * *

2/6/51
13/6/51
16/6/51

20/6/51

23/6/51

27/6/51

Note der drei Westmächte an die Sowjetunion
über Abhaltung einer Außenministerkonferenz
am 23» Juli in Washington
Im Schatten der Präsidentschaftswahlen» Von
Carl C. Hilton. I. Folge» 'Außenpolitik - das
Zünglein an der Waage
Im Schatten der amerikanischen Präsidentschaftswahlen. 2. Folge: "Rätselraten im demokratischen
Lager". Von Carl Co Hilton
Truman fordert scharfes Anti-Inflationsprogramm
zur Sicherung des amerikanischen Verteidigungsbeitrages (Rede vom 14.6.51)
Im Schatten der amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Von Carl C Hilton. 3- Folget "Umstrittene Figuren auf dem republikanischen Schachbrett"
I. Europas Wirtschaftszentrale baut an der
Zukunft» Von Hans Günther-Patzig.
II.McCloy: Bundesrepublik macht Fortschritte
(Rede vom 19.6-51)
1. Truman: USA für echten Frieden in Korea
(Rede vom 25.6.51)
2 u Rundfunkansprache US-Hochkommissar=John J„
McCloy zur Situation in Deutschland
(vom 26.6.1951)
* * * * *

5) ARTIKEL FÜR DIE FRAU
4/4/51

11/4/51

Amerikanerinnen von heute
Pubertätspickel
Exaktes Wirtschaften und strenges Haushalten
Textilausstellung in New York
Frauen im Dienst der Amerikanischen Luftstreitkräfte
Musikalische Reise durch Westafrika
Die amerikanische Mutter: Vor 2 5 Jahren und
heute
- 7 -

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
11/4/51

Mannequin mit 76
Die koreanische Bibel - Das Buch der Frauen

18/4/51

"Andante-Grün" und "Viktoria-Efeu". Die amerikanische Autoindustrie appelliert an den Geschmack der Frau
Nimm und gib
Matisse, der Tapetenmaler. Neue "alte" Ideen
amerikanischer Innenarchitekten
Bleierner Frühling. Frühjahrsmüdigkeit Symptom mancher ernsthaften Krankheit
Die Emanzipation der Frau nach russischem
Muster
Amerikanische Frauendelegation besucht Westdeutschland

25/4/51

Erwerb contra Beruf. Amerika bietet den jungen
Mädchen die besten Berufsaussichten.
Für Regen und Sonnenschein. Die neue Regenmode
Über das Trinken
Gibt es eine erbliche Anlage für Krebs?
Eine "Bombensache". Druckkonserven für Hausfrau, Industrie und Wirtschaft
*

* * * *

2/5/51

Hausschneidern in USA sehr beliebt
Liebe ist "Mantsch". Kinder wählen und zensieren Filme
Vision einer besseren Welt. Highschool-Schülerinnen gründen eine eigene "Modellnation"
Frauen an der Drehbank
Weiblicher Flughilfsdienst in den USA
Vielseitige Glasfaser

9/5/51

Ethel Barrymore, die "First Lady der amerikanischen Bühne"
Amerika braucht Krankenschwestern
Ist Joghurt gesünder als Milch'
UN-Kommission für die Rechtsstellung der Frau
eröffnet neue Sitzungsperiode
Die Frau und das amerikanische Geistesleben
In Deutschland lebende amerikanische Familien
adoptieren deutsche Waisen
Babys, die bei ihrer Geburt weniger als ein
Kilo wiegen, sind durchaus lebensfähig

16/5/51

- 8 -

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
23/5/51

Die UN-Kommission für die Rechtsstellung der
Frau
Brot als Proteinquelle
Es gibt so viel zu lernen, ehe man zur Schule
kommt
Brasilianerin als "Frau der Amerikas" geehrt
*

* * * *

6/6/51

Vernachlässigte Kinder - eine lohnende Aufgabe
für jede Frau
Judy Hollyday, die beste amerikanische Filmschauspielerin des Jahres 1950
Psychologische Betrachtung über Farben
Demokratie - eine Lebensform. Hessische Frauen
tagten in V/iesbaden
Wie behandelt man Cordsamt?
Die Rolletder Frau im heutigen Deutschland.
Rede des Stellvertretenden US-Hochkommissars
in Deutschland, Benjamin J. Buttenwieser,vom
26. Mai 1951

20/6/51

Erziehung zur Reife
Großmütter machen Filmkarriere, Hollywood
wird natürlicher
Neue Größennormung für Damen- und Kinderkleidung
Schönheitstips für die Frau mit wenig Zeit
und kleinem Geldbeutel
Spinale Kinderlähmung durch Tröpfcheninfektion
Pasteurisieren mit Elektronen
Behandlung von Schnittblumen
Eindrücke einer Reise durch das Bundesgebiet
* * * * *

6) JUGEND
April 1951/1

Die Geschichte der ersten Schmetterlinge. Eine
indianische Volkssage
Von der ersten primitiven Dampfmaschine zum modernen Stromlinienzug
Rätsel um die Gallina-Indianer
Baseball, Amerikas Nationalsport

- 9_

�JUGEND
April 1951/11

Santiagos Schuld. Eine Erzählung aus New Mexico
Großes Land Alaska
Leihanstalt für Ziegen und Mäuse. Tiere helfen
den Lehrern beim Unterricht
Versuch's mal, i'ir basteln uns ein indianisches
Gefäß

Mai 1951

Der Adler auf dem Totem-Pfahl. Eine Indianergeschichte aus Alaska
Was sind "Teenagers"?
Die Puppen der Pueblo-Indianer
Sternwarten gestern und morgen
*

Juni 1951

*

Ich bin ein Cowboy - jippi jeh
Wie Tee Pete, der Mississippi-Boy, seinem Vater
das Leben rettete
Wenn es draußen donnert und blitzt
Giganten des Meeres

7) GEISTIGES LEBEN
April 1951/1

Freiheit als unabdingbare Voraussetzung menschlicher Fortentwicklung. Von Warren M. Robbins

April 1951/11

Thomas Mann: Ich stelle fest . . .
Indien liebt die Freiheit
Hugo Muensterberg - ein Mittler deutschen und
amerikanischen Wesens
Lesebücher einmal anders
* * * * *

§2J?I2TSCHAFT_UND_ARBEIT_

7/4/51

Verbrauchervereinigung in den USA berät das
Publikum
Amerikanisches Gewinnbeteiligungssystem als
Beitrag zur Betriebspsychologie
Deutsche Lederwarenindustrie vor neuen Aufgaben.
Stuttgarter Firma erzielte mit ERP-Hilfe erhebliche Produktionssteigerung
- 10 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
7/4/51
14/4/51

US-Warenhäuser wollen telegraphischen Geschenkdienst einrichten
Die Jahresabschlüsse der amerikanischen Firmen
Drei Jahre europäischer Wiederaufbau
Löhne und Lebensmittelpreise. Australien führt
vor den USA - Westdeutschland an 12. Stelle
Westdeutschlands Bleibergbau erhält neue Bedeutung
USA wollen apfelgroße Erdbeeren züchten

21/4/51

US-Produktionsausweitung im Sinne der Regierung
US_Gewerkschaften beteiligen sich wieder an
Verteidigungsmobilisierung
Welcher deutsche Warenpreis liegt in den USA
richtig?
Der kleine Mann zahlt in den USA nicht die
höchsten Steuern
Viehherden säen ihre Weide selbst
Männer über 40 als verkaufskanonen

28/4/51

Beseitigen freiwillige Kreditrestriktionen die
Deflationsgefahr?
Ein amerikanischer Kommentar zum 1. Mai
Moskau spricht von Produktionssteigerungen
Standard Oil verdiente täglich eine Million
Dollar
* * * * *

5/5/51

Deutsche Kaufleute müssen in den USA amerikanischer werben
Neue Produktionswege der USA
Weiterhin erhöhte Gesellschaftsgewinne in den
USA
Die amerikanische Gewerkschaftspresse

12/5/51

Europa kritisiert internationale Rohstoffpolitik
Der deutsche Sozialreferent in New York
US-Firma mit 1 Million Aktionären
Amerikaner fuhren 2 Millionen mal zum Mond

19/5/51

Das militärische und zivile Leistungspotential
der USA
Ein neuer amerikanischer Absatzmarkt für den
deutschen Kaufmann
Europa braucht amerikanische Kohle
- 11 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
19/5/51

Mehr Frauen als Funktionäre in US-Gewerkschaften
gefordert
USA produzierten 3 520 zivile Flugzeuge
US-Lastkraftwagen werden älter
Chicago erzeugt 9 000 verschiedene Artikel

26/5/51

Ungenutzte Chancen im Wettlauf um den US-Markt
Nachgiebige Grund stoffpreise in den USA
Geschrumpfter amerikanischer Exportüberschuß
US-Gewerkschaften jetzt mit gleitender Lohnskala einverstanden
Gesellschaftsgewinne als US-Staatsproblem
US-Zivilluftfahrt dient überwiegend Berufszwecken
Wasserdichter Stoff ohne chemische Behandlung
Die amerikanische Frau im Berufsleben
* * * * *

2/6/51

V/all Street ist besorgt
Der Weg zum US-Verkaufsschlager
Pennsylvania als Beispiel für die Wechselwirkung des ERP
Wohin die Amerikaner in Deutschland reisen
US-Rundfunk- und Fernsehgesellschaften verdienten 555 Millionen Dollar
Amerikanische LKW'8 fahren mehr als 56 km
Stundendurchschnitt

9/6/51

Umschichtung der Einkommensverhältnisse in den
USA
Bei Macy kaufen täglich 150 000 New Yorker
Um die Verlängerung des Preis-und Lohnstops
Der "New Look" der amerikanischen Südstaaten
Facharbeiter-Nachwuchs in den USA
Amerikanische Gewerkschaftsbanken
Ratschläge für die Ausfuhr nach den USA

16/6/51

US-Jahresimporte mit 12 Milliarden Dollar veranschlagt
Währungsaufwertungen kein Mittel gegen Inflation
Gesunde Investierungspolitik der US-Regierung
Positive amerikanische Beurteilung des OEECJahresberichts
- 12 -

�•WIRTSCHAFT UND ARBEIT
16/6/51

Die Streikbilanz in den USA
Amerikaner konzentrieren sich auf die Vorstädte.
Land- und Großstadtflucht in den USA
Rotierende Verkaufsstände in US-Warenhäusern

23/6/51

Erfolgsgeheimnis in den USA: Gemeinschaftswerbung
"Eingemottetes" Verteidigungsmaterial beschleunigt Mobilisierung
Kaufleute aus dem Westen gelten in Satellitenstaaten als Spione
Neue Aufgaben der OEEC zur Schaffung einer gesunden europäischen Wirtschaft
Kostensenkung durch mechanisierten Materialtransport
Patent für eine Apfelsinen-Schälmaschine

30/6/51

Ein Jahr europäische Zahlungsunion
Der Vorsprung der US-Textilindustrie
Auch die USA haben Kohlesorgen
Was gibt die Durchschnittsfamilie in den Südstaaten aus?
Alaska ist keine Goldgrube für Arbeiter
Glänzende Berufsaussichten für Studenten in den
USA
* * * * *

Zu den mit
* bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.
- 13 -

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INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICKTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. Juli 1951 - 30. September 1951

Seite

ALLGEMEINES

2.

KOMMENTARE VON JOHN L. MORTON

4

3.

SONDERBEILAGEN

5

4.)

ARTIKEL FÜR DIE FRAU

6

5.)

JUGEND

8

6.)

GEISTIGES LEBEN

8

7.)

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

9

8.)

LANDWIRTSCHAFT

11

* * * * * *

Zu den mit *
bezeichneten Artikeln liefert der
"AMERIKA DIENST" kostenlos Bildmaterial.

�)

ALLGSMEINES

4/7/51

*
*
*

1/1/51
*

Das Aufforstungsprojekt der US-Regierung
Medizinische Farbfernsehsendungen in den USA
Die Lebensgeschichte des Geigers Joseph Szigeti
Das Ergebnis einer Reportage über die deutsche
Jugend in "Ladies' Home Journal"
Gymnastik oder Diät?
"Die großartigste Schau der Welt"
Cecil E. DeMille dreht einen großen Zirkusfilm

11/1/51

*

U/1/51

*

Bessere Ausrüstung und größere Sicherheit für
amerikanische Flieser
Beef aus Poseidons* Küche
Sauerbräten aus Walfischfleisch
Hat Amerika Musikkultur?

18/7/51

*

Zeitlose indianische Kunst
Die Entwicklung einer kleinen deutschen Siedlung
in Kalifornien
Der verbrannte Dornbusch von Manes Sperber
Emanzipation der Dissonanz
Zum Tode Arnold Schoenbergs

Ein Traum von der hohen Gotik
Washingtons Kathedrale St. Peter und Paul
* Tuberkulosebekämpfung in den Vereinigten Staaten
Karl Pfaffs romantischer Keller

21/7/51
*

25/7/51

*
*

28/7/51

*

Freud und Leid eines Fernsehschauspielers
Von baumloser Steppe zum führenden Agrarstaat Nebraska
Zum Wohle der Menschheit - Die Fordstiftung
Zum Tode des amerikanischen Flottenchefs
Admiral Forrest Percival Sherman
Louisiana-Story
Zehn Jahrtausende "Neue Welt"
Dorothy Thompson über Sinclair Lewis

Der erste Pullman: ein Leichenzug
Wovon die Menschen träumen
Der Forstmeister Vanderbilts
* Robert Flaherty zum Gedächtnis

�ALLGEMEINES
Stahlmetropole und Kulturzentrum
Das Gebiet um Pittsburgh (Pennsylvania)
Filmnotizen aus Hollywood
Außenpolitik am Modell
Ghautauqua - die amerikanischste Sache Amerikas
Die amerikanische Baugenossenschaft "Home Builders
Ine.«
Welten "entstehen und vergehen" im New Yorker
Hayden-Planetarium
William Morrow Fechteier - der neue Stabschef
der US-Flotte

1/8/51

4/8/51

Unter dem Sternenhimmel der Wüste
Stammestreffen der nordamerikanischen Indianer
Central-Valley-Projekt - eine neue Groflleistung
der Technik
Der Steckbrief des Krebserregers

8/8/51

11/8/51

Zweieinhalb Jahrtausende Atomtheorie
Keine Angst vor dem Alter
Am Kreuzweg zweier Welten
Santa Fe, die Hauptstadt Neu-Mexikos
Weltjugend ohne Brotbeutel-Ideologie

15/8/51

Vergessene Welt in den Schwarzen Bergen
Chicagos berühmtes Bismarck-Hotel
Gutes Theater braucht Subventionen

18/8/51

New York - die Stadt aller Städte
Einhörner und'Wale mit Zahnprothesen
Zum Tode William R. Hearsts

22/8/51

*
*

25/8/51

US-Hilfe für deutsche Kriegsversehrte
Das goldene Tor zum Frieden - der japanische
Friedensvertrag
Lebensgeschichte des heute 80-jährigen Deutschamerikaners Theodor Hemberger
Ein Besuch bei den Hutterschen Brüdern in SouthDakota
Y/enn man Rot von Grün nicht unterscheiden kann
Bestsellers, von denen man nicht spricht
Bibel, Kochbücher und populärwissenschaftliche
Schriften

- 2 -

�ALIGEIS INES
29/8/51

Präsident Truman zum "Labor 3ay" (3.9.51)
"Tag der Arbeit" in den USA
Kulturgeschichte aus Abfallhaufen
Ausgrabungen in Kalifornien und Arizona
500 Millionen Sterne v/erden photographiert
*

1/9/51
*
*

5/9/51

*

8/9/51
N
I

*

James Fenimore Cooper und seine deutschen leser
Indianersommer - der Herbst in den Vereinigten
Staaten
Der standhafteste Soldat der Welt, eine lebensgroße Kupferpuppe, die zu interessanten Experimenten benutzt wird
Die Vereinigten Staaten und die Berliner
Festwochen
Das Tal der steinernen Gespenster
Aus dem Sinkaufszettel des US-Verpflegungsamtes
Überraschende Ölfunde in Texas
Filmnötizen aus Hollywood. II. Folge
Geheimnisvolles Leben auf dem Meeresgrund
Rettende Engel im Hubschrauber
Arche Noah SOS!
V/alter Mehrings verlorene Bibliothek

12/9/51

Bunte Stoffe vom Bodensee
Ihr Steckenpferd: Erfinden
Zum hundertsten Geburtstag der "New York Times"

15/9/51

US-Verteidigungsminister Robert A. Lovett
Die Vorstadtsiedlung
Die "Ivluny" ,. das erste Freilichttheater der
Vereinigten Staaten
Firnis, Benzin und Fleischersatz aus Zuckeridirabfall

-X

19/9/51

22/9/51

Berichte und Ratschläge zum Thema: Auswanderung
nach Amerika
* Blut-Kurier für Korea
* Football - eine "Nationalkrankheit"
* Wildes Land Montana
Roger Williams, einer der bemerkenswertesten
amerikanischen politischen Denker des 17. Jahrhunderts
- 3 -

�ALLGEMEINES

22/9/51

Theorie und Praxis am Antioeh College

26/9/51

Ein neuer Zweig der Wissenschaft im Dienste der
Verteidigung
Bericht eines Streikes der ägyptischen Bauarbeiter während der Errichtung des Grabmals für
Ramses III.
Der neue Stil der Broadw^r-Shows

29/9/51

Vom Kartoffelacker zur Groß-Siedlung Levittown
Zeitungen auf hoher See
Gesunder Menschenverstand und kalkuliertes Risiko
Bildnis eines typischen amerikanischen Generals
*

2)

* * * * *

KOMMENTARE VON JOHN L. MORTON

4/7/51
7/7/51
11/7/51
14/7/51
18/7/51
21/7/51
25/7/51
28/7/51

Ein •ermutigendes Zeichen
Zweckgebundene Toleranz
Ein bedeutungsvoller Schritt
Ein konstruktiver Friedensvorschlag
Verhängnisvolles Zögern
Kontroverse um Spanien
Die Verteidigung ist unteilbar
Keine Zeit für lange Dispute
* * * * * *

1/8/51
4/8/51
8/8/51
11/8/51
15/8/51
18/8/51
22/8/51
25/8/51
29/8/51

Marshallplan und Verteidigung
Berlin - entscheidender als Persien und Korea?
Der rote Bluff
"Friedensaggression"
Washingtons Kurs liegt fest
Geringe Chancen für Moskau
Notwendige Klarstellungen
Täuschungsmanöver in Kaesong
Offenheit,aber keine Obstruktion
* * * * * *

�KOMMENTARE VON JOHN I. HORTON
1/9/51
5/9/51
8/9/51
12/9/51
15/9/51
19/9/51
22/9/51
26/9/51
29/9/51

Frei und gleichberechtigt
Y/eder Rachegefühle noch Ressentiments
Der Friedensvertrag mit Japan
Verhandlungen um Deutschland
Im Zickzack-Kurs zum alten Ziel
Im entscheidenden Stadium der Entwicklung
V/er sagt "Soldaten zweiter Klasse»?
Was will Grotewohl?
Friedensabkommen mit Deutschland

* #

* *

32__SONDERBEILAGEN_
7/7/51
11/7/51

Rede Präsident Trumans vom 4. Juli 1951 anläßlich der 175. Wiederkehr des Tages der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung
Trumans Schreiben an Schwernik und die Freundachaftsresolutidn des amerikanischen Kongresses
(vom 7.7.51) •
E'isenhower fordert politische und wirtschaftliche
Integration Europas (Rede vom 3.7.51)
Präsident Truman ersucht US-Kongreß um Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland
(Schreiben vom 9.7.51)

25/7/51

Rede des- US-Außenministers Dean Acheson anläßlich
der 2 50-Jahrfeier der Stadt Detroit (Michigan)
(vom 24.7.51)

28/7/51

V/ortlaut des Begleitschreibens, das Präsident
Truman am 26.7.51 zusammen mit einem Bericht von
US-Außenminister Dean Acheson über die Teilnahme der USA an der Arbeit der UN im Jahre 1950
dem US-Kongreß übergab
V/ortlaut der Stellungnahme desT!S-Außenministers
Dean Acheson vom 26.7.51 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats zu dem von der amerikanischen Regierung vorgeschlagenen gegenseitigen Sicherheitsprogramm* * * * * *

- 5 -

�SCNDERBEILAGEN

1/8/51
22/8/51
29/8/51

Rede des amerikanischen Präsidenten vom 28. Juli
1951 anläßlich der 250-Jahrfeier in Detroit,
Michigan
Zusammenfassung des siebenten ViertelJahresberichts des US-Hochkommissars für Deutschland
Revidierter Entwurf des japanischen Friedensvertrages
* * * * * *

1/9/51

12/9/51
22/9/51
29/9/51

Das Gesicht der heutigen deutschen Presse
Abschnitt des siebenten Viertel Jahresberichts
des US-Hochkommissars John J. McCloy
Buttenwieser zur deutschen Kohlenversorgung
(30.8.51)
Sicherheitspakt zwischen USA und Japan
Wortlaut der Deklaration von Ottawa und des
Schlußkommuniques der Tagung des Atlantikrates,
(vom 20. September 1951)
Deutschland und der Westen
Aus:"London Economist"
* * * * * *

i2__A2TIKEL_PÜR_DIE_FRA.U
4/7/51

18/7/51

1/8/51

Das "Bachelor-Girl"
Die unverheiratete Frau in den USA
Literarische Grenzen bei den männlichen Autoren
Amerikas konstatiert Kritiker Donald Adams
"Mein Vati ist stärker als Deiner . . . "
Kindliche Rivalitäten und kleine Schlägereien
US-Institut für chemische Reinigung und Färben
bringt nützliche Hinweise zur Fleckenentfernung
Eindrücke v/eiblicher Bundestagsabgeordneter in
den USA
Ein Bericht der UN über Kinder- und Jugendfürsorge
Was man beim Kaufe einer Sonnälorille beachten
sollte
Mme. Beran lehrt die Damen der Washingtoner Gesellschaft die hohe Kunst der französischen Küche
Demagogentum bekommt der Frau schlecht
Freiheit ist Verantwortung

- 6 -

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
1/8/51

15/8/51

*

*

29/8/51

12/9/51

Stellenmärkte zur Auswahl
Angeborener Schwachsinn - kein unabwendbares
Schicksal mehr?
Ein schreiendes Häufchen Unheil
Ein verliebter Vater beschreibt seine kleine
Tochter
Wettbewerb für Amateurschneiderinnen im New
Yorker Waldorf Astoria Hotel

I

Die kristallene Welt des Cembalos
Frauen und Diplomatie
Syracuse - das Ivieissen Amerikas
Zehn Ratschläge für Erfolg im Beruf
Modevorschau auf den ^erbst
31 Jahre Wahlrecht' für die amerikanische Frau
Frau Bürgermeister^persönlich
Zehn Gebote für Ehefrauen
Fliegengitter-Metropole in Mount Wolf, USA
Man trägt Baretts, gnädige Frau

*
*

26/9/51
*

*

Das Jugendamt der Stadt N-ew York
"Wenn Mutti sich bloß nicht immer einmischen
wollte . . . "
Insekten a la carte
Jahrhundertealter Mottenkampf
Die Entwicklung der Frauencolleges in den USA
Kinder als Künstler
Lieber altmodisch, aber gemütlich
Interviews und Rundfragen beeinflussen die Baupläne amerikanischer Architekten
Grau ist durchaus nicht "greulich"
Grau in der diesjährigen amerikanischen Herbstund Wintermode
* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial.

- 7 -

�2LJL3ÜLSJL2.
Juli 1951

*

Hunde, die dem Menschen helfen
Der "stampfende Büffel" haßt Boogie-Woogie
Aus dem Alltag der Onondaga-Indianer
Im Zeichen der Maultrommel
Kang V/a, die Seidenraupen und der Kobold in der
Dachrinne
Der Mann, der Amerika seinen Namen gab
Zum 500. Geburtstag von Amerigo Vespucci

August 1951 *

Der Tanz ums Lagerfeuer
Wie die Indianer ihre Trommel und ihre Tänze
bekamen
* Wie man in Alaska lebt
Wie mit den Augen einer Katze
Das Geheimnis der infraroten Strahlen
Aus 12 PS wurden 14 000
* Zum Geburtstag Orville Wrights, des Pioniers
des Motorflugs
Lorenz Hagenbeck in Amerika

Sept. 1951

Die
Die
Der
Der

seltsamen Bewohner der "Carlsbad-Caverns"
sieben goldenen Städte
Leuchtturm der Kinder
Feuervogel
* * * * * *

6^

GEISTIGES_IiEBEN_

Juli 1951

Käuze auf der Kiste
Seifenkisten als Kanzel und Rednertribüne
Judentum und v/estliche Kultur
Wie man Freunde gewinnt
"Stalag 17" auf der New Yorker Bühne
August 1951
Die Tragödie der "deutschen" Indianer
Unsere Ahnen waren gar nicht von gestern
* Zur Bauhausausstellung im Busch-Heisingermuseum
an der Harvard-Universität
C0 2 statt Psychoanalyse?
Sept. 19*51

Sauerkraut und Weltschmerz
50 000 Worte Amerikanisch
Hervorragende Deutsche in den USA»
Dietrich von Hildebrandt
Das Ende der Rassenschranken
Menschen und Maschinen
* * * * * *

- 8-

�7) WIRTSCHAFT UND ARBEIT

7/7/51

*

H/7/51

*

21/1/51
*

Die US-Industrie seit Ausbruch des Korea-Konflikts
Petroleum-Chemie dürfte Gesicht unseres Jahrhunderts verändern
Das Empire State Building wechselte den Besitzer
Politbüro wünscht keine Prozentzahlen mehr
Die Lohntendenz in den USA
US-Produktionsmaschine läuft auf vollen Touren
Washington hat volles Verständnis für West-Osthandel in Europa
Neue Methoden beim Eigenheimbau in den USA
Schluchseekraftwerk schafft neue Energiequelle
in Südbaden
Gleiche ürlaubsbedingungen für Arbeiter und
Angestellte in #den USA
Absatzsorgen beim US-Handel
Stahlboom in den USA
Informationsreise nach Salt Lake City
Marshallplanhilfe und Ost-Westhandel
Elastischere Handhabung der US-Auslandshilfe

28/7/51

Lebensversicherung trotz KaufkraftSchwankung
* Exportchancen im amerikanischen Westen
KleinstStückelung ermöglicht jedem Amerikaner
den Erwerb von Aktien
Günstige Ernteaussichten für Baumwolle
* * * * *

8/8/51
*
*

18/8/51

*

Käufer contra Kaufmann
Tauziehen um die Preise in den USA
Radioaktive Isotopen im Dienste der Industrie
Vom Fußballstar zum Kleiderkönig
Mr. Meyers zieht die Frauen an
Neger in den US-Gewerkschaften
Umsatzsteigerung ohne Gewinnerhöhung
US-Gesellschaften füllen Steuersäckel
Vor einer allgemeinen Lohnanpassung
Auch die USA stehen vor dem Problem der
Lohn-Preisspirale

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
18/8/51

Immer mehr Warenhäuser auf Rädern in den USA
Die Internationale Genossenschaftsbewegung
Vom Notquartier zum Eigenheim - Bergarbeitersiedlungen, Werkswohnungen und Aufbauwohnungen
für Flüchtlinge

25/8/51

Ein Startzeichen für den deutschen Handel
Importgeschäft in den USA zeigt neue Belebung
Die Amerikaner feiern den Labor Day
Blüte in der Wüste - Das Sonnen- und Industrieland Kalifornien
Weiches Wasser - ein lohnendes Geschäft
Die Vertriebenenbank berichtet über Verwendung
der ERP-Gelder
* * * *

* *

1/9/51

US-Regierung veröffentlicht Sicherungsprogramm
für Industrie
Japan kann keine Reparationen zahlen
USA befürworten einen Versöhnungsfrieden
Die Lage in der amerikanischen Kohlenindustrie
Steigender Bedarf bei steigender Produktion
Lohnstop - ein Konterschlag für US-BaseballSpieler
Wirtschaftsaufschwung am Bodensee

8/9/51

Materialverknappungen in den USA
Entwicklung der US-Flugzeugindustrie
Die 10O OOO-Mann-Betriebe in den USA
Fernlaster durchqueren die USA

15/9/51

US-Gesellschaften zahlten 3,6 Milliarden
Dollar Dividenden
Takonit für die Erhöhung der Stahlproduktion
Eine Goldgrube im Mississippi-Sumpf
Schwefel ist das Salz der Industrie
Der beste deutsche Wohnungsbauer wird gesucht
Über 17 Millionen Krankenhaus-Zusatzversicherungen in den USA

22/9/51

US-Bruttosozialprodukt auf Rekordstand
Wer bezahlt die Neubauten der Industrie?
Besitzwechsel im "Pfannenstiel" von Texas
Elegante Garderobe - auf dem Acker gezogen

- 10 -

�«

WIRTSCHAFT UND ARBEIT
22/9/51

Die Schweiz und die Organisation der westeuropäischen Kohlenwirtschaft
Amerikanische Erfahrungen für Deutschlands
Wirtschaft

29/9/51

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit
Totale Planwirtschaft bedeutet Leistungsrückgang. Chamberlin befürwortet westdeutschen
Wirtschaftskurs
Pferde helfen Bier verkaufen
Je nach Bedarf» Polizist oder Feuerwehrmann
Arbeitslosenziffer in Deutschland um 14$
gesunken
Anruf genügt - Anzug gereinigt
Kleiderpflege in der Telefonzelle
* * * * * *

§l_-£AOTffIRTSCHAFT_
September 1951 US-Landwirtschaftsminister ist optimistisch
Eindrücke einer zweiwöchigen Studienreise durch
Westdeutschland
* Das Geheimnis der kalifornischen Fruchtbarkeit
Bodenbearbeitung per Flugzeug
Wilder Reis - Delikatesse für Feinschmecker
Sterilitätstest im Laborwagen
USA bauen ihren Flachs selbst
Das Einkommen der amerikanischen Farmer
* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA
DIENST" kostenlos Bildmaterial

- 11 -

�A M E R I K A

D I E N S T

INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. Oktober 1951 - 31. Dezember 1951

Seite

1. ALLGEMEINES

1

2. KOMMENTARE

5

3. SONDERBEILAGEN

5

4. ARTIKEL FJR DIE FRAU

7

5. JUGEND

9

6. GEISTIGES LEBEN

10

7. WIRTSCHAFT UND ARBEIT

11

8. LANDWIRTSCHAFT

14

*

* * * * *

Zu den mit
*
bezeichneten Artikeln liefert der
"AMERIKA DIENST" kostenlos Bildmaterial

�.1

ALLGEMEINES

3/10/51

"DH MEDICO"-Ärztliche Behandlung per Punk auf
hoher See
Stahlplatten vor dem Röntgenschirm
* Die amerikanische Nationalgalerie in Washington
Über die Grenzen des Heims hinaus
Gedanken zur Internationalen Frauenkonferenz in
Hind elang/Allgäu

6/10/51

* Die Geschichte der "Crane-School" in Oregon
Reiselustiges Amerika
Auslandsreisen amerikanischer Touristen im
Jahre 1951
Thomas Eakins, ein amerikanischer Pilmpionier

lOAO/51

* Eine Kirche für 30 000 Pfund Tabak
Milium - das Textilwunder
* Round-up Time" in den USA
Die Zeit des Viehabtriebs

12/10/51

Unfallverhütung im Autoverkehr
* Frische Fische - eisgekühlt
Die kleinen Geschwister der Erde
Die Erforschung der Planetoiden

17/10/51

Außenpolitik und öffentliche Meinung
Zeitalter der Retorte
75jährige Gründungsfeier der amerikanischen
Gesellschaft für Chemie
* Jugendliche Initiatoren
Kinder schufen sich eine Bibliothek

19/10/51

* Loujsville, Kentucky, eine Stadt mit persönliche]
Note
Atom als Fracht und Treibstoff
Der kommende Bomber der US-Air Force
Klingende Künde von drüben
Der erfolgreiche Komponist und Dirigent
Gibson Morrissey in Darmstadt

�ALIGEMEINES
24/10/51

Miniaturinstrumente erschließen die geheimnisvolle Welt der Mikroorganismen
* Größere Ernten bei geringerer Arbeitsleistung
durch Verbesserung der Methoden
Buchbesprechung: Roland Baintons Lutherbiographie
"Here I stand"

26/10/51

Angst, die ansteckendste aller Seuchen
Schaumgummi
* Mutter Collage und ihre Kinder
Lie Kunst, mit der "Schere zu malen"

31/10/51

Radioaktive Isotope in der Diagnostik I.
Versuche mit Gummibeimischungen zum Straßenasphalt
Ein Kamin erzählt die Menschheitsgeschichte
* * * * * *

2/11/51

\/ Radioaktive Isotope in der Diagnostik II.
* Rieeentransportflugzeuge erweitern internationalen Handel
Deutschland an dritter Stelle der Länder, die
Studenten nach den USA schicken

7/11/51

9/11/51

* Fliegen steht auf dem Schulplan einer amerikanischen Schule
Das erste Interlingua-Wörterbuch für engl. Sprache
Konservierung durch Elektronenbeschießung
Salzfreie Kost kann durch erhöhten Blutdruck
verursachte körperliche Störungen heilen
* Riesenkamera für strategische Luftaufnahmen
Buchrezensionen aus den Archiven der
"New York Times"

U/11/51

Wetterstationen auf dem Treibeis der Arktis
* Ein privates Experiment überstaatlichen Zusammenlebens
- 2 -

�ALLGEMEINES
14/11/51

* 22. November 1951, Thanksgiving-Day Amerikas

16/11/51

* Organisationen ehemaliger Kriegsteilnehmer in
den USA
Plugkonstrukteure wappnen schnelle Maschinen
gegen Regentropfen
Olney (Illinois) ist augenblicklicher Bevölkerungsmittelpunkt der USA

21/11/51

* Washington, der immergrüne Staat
Zweckgebundenes kindliches Spiel
Betrachtungen über pädagohischen und therapeutischen Wert des Kinderspielzeugs
Amerikanische Nobelpreisträger 1951 (I)
Dr. Max Theiler besiegt das Gelbe Pieber

23/11/51

* Im Schnittpunkt zweier Welten
Überland-Gasleitung von Texas nach San Pranzisko
* Cecil B. De Mille, der Mann, der 1912 Hollywood
schuf
Amerikanische Nobelpreisträger 1951 (II)
Glenn Th. Seaborg und Edwin McMillan - Erforscherneuer chemischer Elemente

28/11/51

* Morelos - ein Damm, den Freundschaft errichtet hat
Amerika

rüstet zur Olympiade 1952

Die Atmosphärenzone der Erde
30/11/51

* Das Übersetzungsbüro der Pordwerke
Die hundert Sensationen des letzten Jahrhunderts
Blindenfürsorge nach deutschem Vorbild
* # * * * *

5/12/51

* Aspen in Colorado - Wintersportplatz und Kulturzentrum
"Le Sabre" - das Auto der Zukunft
Hollywood greift nach den Sternen
- 3 -

�ALLGEMEINES.
7/12/51

Probleme des alternden Menschen
* Das Weiße Haus in neuem Glanz
Punkstation empfängt Morsebotschaft via Mond

12/12/51

* Die "Independence" - das Sonderflugzeug des
amerikanischen Präsidenten
Zwangshandlungen, Ticks und Phobien sind weder
Symptom noch Ursache von Geisteskrankheiten
Unser gequältes Zeitalter
Buchbesprechung von Eugene Lyons
* Vereinigung deutsch-amerikanischer Klubs hilft
Tuberkulosekranken in der Bundesrepublik

14/12/51

* Das schönste Geschenk: ein demütiges Herz
* Weihnacht im amerikanischen Bethlehem
Der Weihnachtsmann von Hollywood
Lieber kleiner Bobby: Ein Weihnachtsbrief
Die unvermeidliche amerikanische Office-Party

19/12/51

Ausblick auf die Entwicklung der amerikanischen
Innenpolitik im Jahre 1952
Die deutsche Bundesrepublik im Jahre 1951
Die bedeutendsten Ereignisse des Jahres 1951
Die wichtigsten Forschungsergebnisse amerikanischer Wissenschaftler im Jahre 1951
Im Jahre 1951 starben.

21/12/51

Die amerikanische Negeranwältin und ehemalige
UN-Delegierte Edith Sampson auf Deutschlandreise
* Kansas, Land im Zeichen der Sonnenblume
Künstlicher Regen als Streitobjekt
* * * * * *

- 4 -

�22_KOMMENTARE
17/10/51

Ägypten am Scheidewege

24/10/51

Der amerikanische Verteidigungsbeitrag

26/10/51

Schutzwall der Freiheit

31/10/51

Blick nach Straßburg
* * * * * *

2/11/51

Unberechtigter Pessimismus

7/11/51

Das SS-Gespenst

9/11/51

Der Frieden geht alle an
Betrachtungen zum Vorschlag einer ViermächteKonferenz

16/11/51

Eine bedeutungsvolle Aussprache

21/11/51

Ein warnendes Beispiel

23/11/51

Die Straßburger Gespräche

28/11/51

1) Die Verantwortung der Presse
Von Shepard Stone, Direktor des Amtes
für öffentliche Angelegenheiten, HICOG
2) Straßburg, Paris und Rom

30/11/51

Ein Frieden ohne Furcht
* * * * * *

5/12/51

Staatsbesuch des deutschen Bundeskanzlers in
London

7/12/51

Gewerkschaften in der Zwangsjacke

12/12/51

Eine brennende Frage

21/12/51

Keine Entscheidung ohne Deutschland
* * * * * *

3)S0NDERBEILAGEN
6/10/51
US-Note weist tschechoslowakische Anschuldigungen
zurück

- 5 -

�17/10/51

Rede Harry S. Trumans vom 15. Oktober 1951 über
die Verständigungsbereitschaft der USA gegenüber
Rußland
Briefwechsel zwischen Bundeskanzler Dr. Adenauer
und der Alliierten Hochkommission zum Vorschlag
der Abhaltung gesamtdeutscher Wahlen

19/10/51

Zum 24 Oktober 1951» dem Tag der Vereinten
Nationen

24/10/51

Acheson zur außenpolitischen Situation der USA
(21.10.51)

26/10/51

Proklamation Trumans zur Aufhebung des Kriegszustandes zwischen den USA und Deutschland (24.10.51)
* * * * * *

7/11/51

Erklärung der Westmächte zur Frage gesamtdeutscher Wahlen

9/11/51

Dreimächteerklärung zur Abrüstungsfrage
Präsident Truman unterbreitet neue Abrüstungsvorachläge
Acheson vor der UN-VollverSammlung in Parle

21/11/51

Abrüstungsvorschlag der 3 Westmächte
Resolution des ersten politischen Ausschusses
der UN-Vollversammlung vom 19»11.51
* * * * * *

5/12/51*

UN-Resolution über freie gesamtdeutsche Wahlen

12/12/51

Die Ausführungen der Vertreter der Bundesrepublik
vor dem zweiten politischen Ausschuß der UN-Vollversammlung

19/12/51

McCloy fordert Integration Europas
(Rede vom 17.12.51)
* * * * * *

- 6 -

�U-ABIIEBi-EüE-DIE-EBAn-—
10/10/51

* Omowale, das Kind, das heimfand
Erlebnis einer amerikanischen Neger-Tänzerin
im afrikanischen Busch
Die gute "neue" Zeit
Amerikanische Ärztin berichtigt weitverbreiteten
medizinischen Aberglauben
Sieben-Punkte-Programm für herzkranke Hausfrauen
* Internationale Prauentagung in Hindelang

24/10/51

Gleichberechtigung von Mann und Frau vor dem
Gesetz
Kundendienst par excellence - ein supermodernes
Einkaufszentrum
Jane Addams - Amerikas nützlichster Bürger
Kindliche Unarten bei den Mahlzeiten
Der gefrorene Bacchus - Zu einem neuen französischen Verfahren zur Kristallisierung von Wein
* * * * * *

7/11/51

Aus darArbeit der Referentin für Frauenfragen
beim deutschen Generalkonsulat in Ndw York
Herbststürme der Ehe
* Vom Aschenbrödel zum Modefavoriten - Wolljersey
Die Lady auf dem Fernsehschirm - Fay Emerson
Proteingehalt auch in der Konserve voll erhalten
Ständig steigender Verbrauch von synthetischen
Reinigungsmitteln in USA
Abmagerung durch Hypnose

21/11/51

* Helen Träubel, die gefeierte Sopranistin der Met
Broschüre "Über den Umgang mit Sä^ingen"
. . . und der Himmel beschützt sie
Eine heiter-besinnliche Betrachtung
Ist Fleischessen gesund?

�Si-EllE_2IE-£BALT21/11/51

Die arbeitende Frau und die neue Sozialgesetzgebung
Bavorzugte Käsesorte: Cheddar
Deutsche Frauen - entscheidender Faktor der
europäischen Politik
Eleanor Roosevelt: "An den Frieden glauben ist
nicht genug"
Ellen McCloy: "Frauen als Wegbereiterinnen für
Frieden und Völkerverständigung"
* * * * * *

5/12/51

Grenzstationen der Freiheit
* Spielen muß Spaß machen
* Zum 50. Geburtstag der bekannten amerikanischen
Anthropologin Dr. Margaret Mead
Neun Gebote für den Familenfrieden
Vielfältige Wintermode
. . . und zum Weihnachtsfest: echten Plumpudding
* * * * * *

19/12/51

* Für eine bessere Welt der Kinder
Der Internationale Kinderhilfsfonds der Vereinten
Nationen
Jugendliche beraten Jugendliche
Aus der Arbeit der UN-Kommission für Frauenrecht
* Kleine Pelze - große Mode
Tips für Kinderkleidung
Wolle aus Erdnüssen
* * * * * *

�5 ) _ JUGEND
Oktober

1951

Wie der Regenbogen entstand
Eine Indianerlegende
Prunes
Die wahre Geschichte eines kleinen, treuen
Maulesels
Halloween - Die Nacht des Hexenzaubers
Eli und die Katze
Von der "schrecklichen Eidechse" bis zum
hüpfenden Vogel"
Überblick über das Zeitalter der Reptilien
* * * * * *

November 1951

Die Jugendgeschichte von Pecos Bill, einer der
bekanntesten Gestalten der amerikanischen
Volkssage
Ein amerikanischer Geschäftsmann verkauft
"dressierte" Ameisen
Ohne Geld durch Amerika
Das Geschenk der "Salz-Frau"
* Entwicklung und Verwendungsmöglichkeiten des
Hubschraubers
* * * * * *

Dezember 1951

Wie Santa Claus zu seinen Renntieren kam
Eine amerikanische Weihnachtsgeschichte
Das Geschenk der drei Weisen aus dem Morgenlarde
Eine Weihnachtsgeschichte aus Puerto Rico
Wie Potawamani den Eisriesen besiegte
Eine Indianerlegende
Anook
Eine Hundegeschichte aus dem hohen Norden
Ein Weihnachtskind für Cherokee
Eine weihnachtliche Episode aus dem "wilden
Westen"
* * * * * *

- 9 -

�•6) GEISTIGES LEBEN
Oktober

1951

Technische und medizinische Probleme der
Weltraumschiffahrt
* Moderner Kirchenbau auf uralten Wege::
Kleiner Mann mit weißem Kragen
Hier irrte Marx
Von der Wahrscheinlichkeit des Überlebens
Nicht Darwins"Kampf ums Dasein", sondern die
Liebe ist das oberste Gesetz der Natur
* * * * * *

November 1951

Eine Analyse des sowjetischen Arbeitspotentials
* Ein amerikanischer Komponist diskutiert
Filmmusik
Von Aaron Copland
* Betrachtungen zu Herman Melvilles WalfängerEpos "Moby Dick"
Theater ohne Requisiten
Charles Laughton, Cedric Hardwicke, Charles
Boyer und Agnes Moorehead "sprechen" Bernard
Shaw
Berühmte Balletts werden verfilmt
Literarischer Reisepaß
Sigmund Romberg gestorben
Frieda Hempel, die Unverwüstliche
* * *

Dezember

1951

*

* *

Amerika und der europäische Geist
Ein Viertel Jahrhundert amerikanisches Theater
Fünfzig Jahre Friedensnobelpreis
Der Stein von Keleschin
Vor der Entzifferung der rätselhaften Felseninschrift in Armenien
Amerikanische Autoren auf dem deutschen Büchermarkt :
"Zuchthaus in San Franzisko** von Clinton Duffy •
Dean Jenrings
"Gärung in Fer:.ost" von Mary A. Ncurse
- 10 -

�GEISTIGES LEBEN
Dezember

1951

Ausschreibung eines internationalen Kunstwettbewerbs
Max Hachenburg gestorben
Journalistisch - was ist das?
Mehr konfessionelle Mischehen
* * * * * *

12_^I§TSCHAFT_UND_ARBEIT_
5/10/51

Die Preise fallen
Der gewandelte Markt in den USA
Die militärischen Hilfeleistungea der USA
Neuer Höchststand des Weltexports an Kraftfahrzeugen
Deutsche Arbeiter werden wie Amerikaner in den
USA leben
* Elektrizität verwandelt die Landschaft
Bayerischer Landkreis als Beispiel für die
westdeutsche Entwicklung

12/10/51

Die USA suchen Werkzeugmaschinen
"Small Business" und Verteidigungsproduktion
Austauschstoffe bewähren sich
Gewerkschaftlicher Zusammenschluß der
Filmkomparsen
Rationalisierungskuratorium der Deutschen
Wirtschaft als Produktivitätszentrale

19/10/51

US-Markt ist stabil geblieben
Kraftstrom-Sorgen in den USA
Arbeiter für Amerikas Gruben gesucht

\

- 11 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
19/10/51

* Wie amerikanische Arbeiter sich erholen
Amerikanische Fachleute als Berater für westdeutsche Ostexporte

2 6/10/51

Warum die USA internationale Kartelle ablehnen
US-Arbeiter geben Unternehmer Kredit
Mehr Steuern für die Amerikaner
* Das sind Public Relations
American Telephone legt den richtigen Draht
* Der ECA-Dcllar verdoppelt sich
Europa wird mit Gegenwertmitteln aufgebaut
*

2/11/51

* #

* * *

Export-Preisindex liegt unter Importindex
Der ungewöhnlichste Laden :1er Welt
Leichter verkaufen - besser kaufen
Gewächshaus als Film-Labor

9/11/51

* Kunststoffe, alltägliche Wunder von heute
und morgen
Deutscher Stahl weiter stark gefragt
Hallo - hier spricht "Höflichkeit und Co.'*
Angespannter Arbeitsmarkt in den USA

16/11/51

* Die Porzellanmetropole der Welt liegt in
Deutschland
Scharfer Steuerdruck in der USA
Die "Kapitalisten" werden gezählt
Verdoppelung des deutschen USA-Exports

23/11/51

US-Regierung fördert private Auslandsinvestitionen
* Erweiterung der Umschulungsprogramme für ,,&gt;rwerbsbehinderte Arbeiter
- 12 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
23/11/51

* Rekordtraubenernte in Kalifornien
Steigende Erdölproduktion in USA
Holztrocknung mit Hochfrequenzstrom

30/11/51

Zunahme der Spartätigkeit
Wer verfügt über das Haushaltsgeld?
Steigende Löhne in der US-Eisen- und
Stahlindustrie
Gewerkschaft "Polizei"
ÜS-Spielwarenhandel rechnet mit gutem
Weihnachtsgeschäft
* * * * * *

7/12/51

287 europäische Wirtschaftler gewinnen Einblick
in die US-Produktionsmethoden
Synthetischer Kautschuk holt auf
Neuartige Wege zur Erzielung echter Leistungslöhne
Entspannung auf dem Metallsektor in Sicht
Neues Schmierpulver für die Industrie
Ferngesteuerter Spielzeugjeep

14/12/51

Möglichkeiten zur

Steigerung des USA-Exportes

"Big Business", amerikanische Weihnachten und
deutsche Spielwaren
Die Bedeutung der US-Gesundheitsprograrame
im Rahmen der Tarifverträge
Die besten Wohnungsbauer Westdeutschlands wurden
gefunden - ECA-Architektenwettbewerb
21/12/51

Die allgemeinen Tendenzen der US-Wirtschaft 1951
Erfolgreiche Steuerpolitik der US-Regierung
Schaubild über die Ausweitung der US-Industrien
1938-1951
- 13 -

�WIRTSCHAPT_UN5_ARBEIT
21/12/51

Produktionsausweitung - der Schlüssel zur
Erfüllung der Verteidigungsaufgaben
Steigende Preise - höhere Löhne
Preis- und Lohnkontrollen in den USA
* * * * * *

§2_MIMI52!§CHAFT
Oktober

1951

Eine Rose 2 50 000 Dollar
* Psychologie im Kuhstall
Kohlköpfe im Dornröschenschlaf
Die richtige Behandlung des Stallmistes
Flachs lind Sojabohnen - wertvolle Rohstofflieferanten für die Industrie
Weltkongreß über landwirtschaftlichen Besitz
Trocknung von landwirtschaftlichen Produkten
durch Radiowellen
Insektenmittel werden elektrisch geladen
* * * * * *

November 1951

* Non ölet
Hochwertiger Dünger aus Kloaken und Rieselfeldern
ACHT
Vierhunderttausend Schweine - ein Pfund Acht
Winterkrankheiten des Rindviehs
Farne im Ziergarten
Keine Sitzstangen

mehr im Hühnerhaus

Kälber brauchen kein Körnerfutter
Trocknung landwirtschaftlicher Produkte durch
Radiowellen
Neues Make-up für Halbreife
* * * * * *

- 14 -

�LANDWIRTSCHAFT
Dezember 1951

Bericht über die Terpentinölgewinnung in
Georgia
Dattelernte im Imperial Valley
USA-Farmer nehmen ihrem Rindvieh die Hörner ab
Fünfzehn Regeln für den Landwirt
Kampf den Unfällen auf dem Bauernhof
Kuh bringt fremdes Kalb zur Welt
ECA schickt Obstveredlungsreiser nach Italien
Bodenverbesserung auf kollektiver Basis
*

* * * * *

Zu den mit *
bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA
DIENST" kostenlos Bildmaterial

- 15 -

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ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 1

Frankfurt, 5. Januar 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Eine Erklaerung des Vereinigten Komitees fuer
Arbeitsnolitik - - - - - - - - - - - - - - - Prae3ident Truman l o b t zwei grosse amerikanische
Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - -

4

Z e i t fuer Lohnkontrollen in Amerika noch n i c h t
gekommen - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

6

Schulung der Experten des Punkt-Vier Programms

1

-

Franzoesische Studiengruppe fuer Zusammenarbeit
Gewerkschaften-Unternehmer - - - - - - - - - -

7
8

Wesen und Arbeitsweise der britischen "Anordnung
1305" - - - - - - -

- - _ - . _ - .

Gewerkschaftliche Erfolge in Neuseeland - - - - -

9
11

Zeit- und Bewegungsstudium kann westdeutsche
Produktion erhoehen - - - - - - - - - _ _ _ 12
Gewerkschaftlicher Beratungsausschuss fuer internationale Angelegenheiten - - - - - - - - - 13
Ein Jahr IBFG - - - - - - - - - - - - &gt; - - 15

EINE ERKLAERUNG DES VEREINIGTEN KOMITEES FUER ARBEITSPOLITIK
Das Vereinigte Komitee fuer Arbeitsgesetzgebung (United Labor
Policy Committee) hat dem Praesidenten der Vereinigten Staaten
folgende Erklaerung unterbreitet:
Die Gewerkschaftsbewegung Amerikas hat ein Komitee fuer Arbeitsgesetzgebung gebildet, das sich aus Vertretern der AFL, des
CIO, der Eisenbahnergewerkschaft und der Internationalen Gewerkschaft der Maschinisten zusammensetzt. Es verpflichtet sich,
die Nation und den Praesidenten in der gegenwaertigen Krise vor- 1-

�behaltlos zu unterstuetzen.
Es ist sein Ziel, gemeinsam die Probleme zu loesen, die sieb
mit dem Mobilisierungs- und Stabilisierungsprogramm ergeben haben.
All sein Streben gilt der Sicherheit und Wohlfahrt unseres Landes.
Die Sicherheit, die Menschenwuerde und das materielle Wohlergehen
der Arbeiterschaft Amerikas und darueberhinaus der ganzen Welt
haengen davon ab, ob die demokratische Lebensform erhalten werden
und sich ausbreiten kann. Es ist sich des Ernstes der Krise bewusst, vor der die Nation steht. Es verpflichtet sich, mitzuhelfen, das Land stark zu machen und diese Staerke so zu verwenden,
dass sie der Menschheit Frieden und Wohlstand bringt.
Es ist von groesster Bedeutung, dass der Gewerkschaftsbewegung eine aktive Teilnahme und eine wirklich fuehrende Stellung
in allen fuer die Mobilisierung des Landes wichtigen Behoerden geweehrt wird. Die Gewerkschaften bedauern, dass sie bisher nicht
die Moeglichkeit hatten, sich uneingeschraenkt an den Mobilisierungsbemuehungen zu beteiligen. Die freie Gewerkschaftsbewegung
kann ihren groesstmoeglichen Beitrag nur dann leisten, wenn sie
die Ermaechtigung hat, sich ueberall fuer die Mobilisierung zur
Verteidigung des Landes in Bezug auf die Politik und die Verwaltung einzusetzen. Keine Gruppe hat bei der Mobilisierung der
Hilfsquellen Anspruch auf ein Ideenmonopol. Jede Gruppe hat viel
zu bieten, und nur in gegenseitiger Zusammenarbeit kann die Kampfansage der Diktatur erfolgreich beantwortet werden.
Die Kontrolle der Preise aller taeglichen Lebensnotwendigkeiten des Arbeiters ist das Grundproblem der Lohnstabilisierung.
Es muss darauf hingewiesen werden, dass es nach den Bestimmungen
des Gesetzes fuer die Ruestungsproduktion, das im Jahre 1950
erlassen wurde, unmoeglich ist, diese Preise zu kontrollieren.
Unter diesem Gesetz sind grosse Preissteigerungen besonders
fuer Nahrungsmittel zulaessig, die etwa 40$ der Ausgaben fuer die
Lebenshaltungskosten der durchschnittlichen amerikanischen Familie darstellen. Ausserdem unterliegen die Mietpreise, die etwa
13% der Lebenshaltungskosten ausmachen, ebenfalls zur Zeit noch
keiner wirksamen Kontrolle.
Solange Lebenmittel- und Mietpreise rapiden und drastischen
Steigerungen ausgesetzt sind',, muessen ausgleichende Lohnanpassungen erlaubt bleiben. Das gegenwaertige Verbot der Lebensmittelund Mietpreiskontrolle macht jedes System der Preis- und Lohnkontrolle unmoeglich, und bevor eine durchfuehrbare Aktion zur Stabilisierung eingeleitet werden kann, muessen diese Verbote aufgehoben werden. Eine wirksame Kontrolle der Lebensmittelpreise des
Kleinhandels kann verwirklicht und den Landwirten koennen gleichzeitig gerechte Preise fuer ihre Erzeugnisse gesichert werden.
Das Gesetz fuer die Ruestungsproduktion muesste vom Kongress
sofort abgeaendert werden, damit es diesen Anforderungen genuegt.
Die amerikanischen Industrien bilden eine geschlossene Einheit, sodass keines ihrer Teile zum Zwecke der Einfuehrung von
Lohn- und Preiskontrollen auf sich selbst gestellt werden kann.
Wenn eine Preiskontrolle wirksam sein soll, muss sie allgemein
sein. Die noetigen Einrichtungen und durchgreifende Ausfuehrungsverfahren muessen ausgearbeitet-werden, andernfalls werden diese
Kontrollen unwirksam sein.
Die Regierung muss nach Gerechtigkeit streben und dafuer sorgen, dass ihre Stabilisierungsmassnahmen durchfuehrber sind. Diese Faktoren unterordnen zu wollen, um durch provisorische Messnah- 2 -

�men Zeit zu sparen, w^ere in Wirklichkeit keine Zeitersparnis,
sondern ein Kinauszoegern des Zeitpunkts, zu dem eine wirkliche
Stabilisierung erreicht werden kann.
Die dringendsten provisorischen Massnahmen sind zwar getroffen-, aber es mues3en weitere Phasen des Stabilisierungsprogramms
in Angriff genommen werden, um spaetere Fehler und Verzoegerungen
zu vermeiden. In Bezug auf die Lohnstabilisierung muessen drei
grundlegende Prinzipien beachtet werden, damit sie in die entsprechenden Bestimmungen aufgenommen werden koennen.
Der erste dieser Grundsaetze bezieht sich auf die Durchfuehrungsmethoden. Gegenwaertig ist die Lohnstabilisierung einer
Buerokratie unterworfen, die diese Arbeit unnoetigerweise behindert. Nach den jetzigen Bestimmungen muessen lohnpolitische Massnahmen zuerst-von einem Ausschuss gutgeheissen werden, in dem
Gewerkschaften, Unternehmer und die Oeffentlichkeit vertreten
sind. Die Empfehlungen dieses Ausschusses unterliegen sodann der
schiedsrichterlichen Entscheidung einer Einzelperson. Dadurch
ist ein schnelles und gerechtes Handeln unmoeglich gemacht.
Wenn diese Empfehlungen dann noch von einem einzelnen hohen
Verwaltungsbeamten ueberprueft werden, der auf Grund seiner allgemeinen verwaltungstechnischen Erfahrung und nicht wegen seiner
besonderen Erfahrungen auf dem Gebiet der Lohnpolitik hierzu ausersehen ist, so wird dadurch in den Prozess der Lohnstabilisierung
nur Ungewissheit, Verzoegerung und Willkuer gebracht. Die Verfahren der Lohnstabilisierung muessen revidiert werden, damit der
Lohlistabilisierungsausschuss das Statut und die Ermaechtigung erhaelt, ueber Angelegenheiten, die in seinen Zustaendigkeitsbereich
fallen, selbst zu entscheiden.
Die Lohnstabilisierungspolitik muss es ermoeglichen, die
Lohntarife den Lebenshaltungskosten anzupassen. Sie mu3s ausserdem die Erhoehung zu niedriger Loehne und die Beseitigung von
Verschiedenheiten in bestehenden Lohntarifen innerhalb oder zwischen den einzelnen Industrien vorsehen. Der jetzt allgemein anerkannte Grundsatz, dass die Arbeiter an den Gewinnen des industriellen Fortschritts und der gesteigerten Produktionsleistung,
die die Nation von ihren Industriearbeitern erwarten muss und kann,
muss in der Lohnstabilisierungspolitik besonders beruecksichtigt
werden. Eine Lohnstabilisierungspolitik muss bestehende Tarifvereinbarungen, die selbst die Stabilitaet garantieren, resnektieren. Das wuerde zum Beispiel fuer die Automobil- und andere Industrien zutreffen, wo in bestehende Vertraege "eine gerechte Anglelchung der Lohntarife vorgesehen ist. Wenn man auf dem Kollektivverhandlungsweg abgeschlossene Vertraege fuer ungueltig erklaeren wollte, wuerde man unweigerlich industrielle Unruhe stiften
und damit das Ziel der Lohnstabilisierungspolitik verfehlen.
Die Ueberstundenbezahlung, die jetzt durch Tarifvertraege oder
gueltige Gesetze gesichert ist, muss weiterhin bestehen bleiben.
Diese Bestimmungen setzen in keiner Weise voraus, dass die jetzt
als normal erachtete Arbeitszeit verlaengert wird. Sie sehen lediglich eine Belohnung fuer produktive Ueberstunden- und Feiertagsarbeit vor.
Ein gerechtes Programm zur Kontrolle der Steuern, Ersparnisse,
Preise und Rationen ist die Antwort auf das Problem der ueberschuessigen Kaufkraft. Erhoehte Steuern, die der Arbeiter zu zahlen hat, und die Erhoehung der Lebenshaltungskosten haben seine
Kaufkraft bereits vermindert. Ausserdem hat die Regierung ein Programm eingeleitet, das die freiwillige Anlage von Geldern aus lau3 -

�fenden Lohnzahlungen in Kriegsanleihen der Regierung der Vereinigten Staaten anregt. Die Gewerkschaftsorganisationen sind bereit,
in jeder Weise an der Erreichtung dieses Zieles mitzuarbeiten.
Wirksame Preis- und Rationierungskontrollen werden dieses freiwillige Sparen nichtausgegebenen Einkommens foerdern. Diese Ersparnisse bilden eine Zusammenballung an Kaufkraft, die nach der gegenwaertigen Krise der Nation einen Auftrieb geben und die Produktion
ziviler Anschaffungsgueter ohne Risiko erweitern wird.
Die arbeitende Bevoelkerung ist das groesste Vermoegen einer
Nation. Es muessen Schritte unternommen werden, um das Reservoir
an Arbeitskraeften zu staerken und zu erweitern. Dabei muss die
Tatsache beruecksichtigt werden, dass die freie Arbeiterschaft dem
System der Sklavenarbeit produktionsmaessig ueberlegen ist. Die
freie Arbeiterschaft wird eine wesentlichere Rolle spielen, wenn
es darum geht, das Ziel der Hoechstproduktion zu erreichen. Die
Erfahrungen aus den Zweiten Weltkrieg haben gelehrt, dass eine
Politik der freiwilligen Verwendung der Arbeitskraefte ein Hoechstmass an Lsistungsfaehigkeit, Zusammenarbeit und Moral gewaehrleistet. Der zwangsmaessige Einsatz ziviler Arbeitskraefte wuerde
jedoch die Bemuehungen zum Scheitern bringen, das Ziel der Hoech3tnroduktion zu erreichen.
Die amerikanischen Arbeiter und Gewerkschaften unterbreiten
diese Vorschlaege,damit das Ruestungsnotprogramm so schnell und
so wirksam wie moeglich zur Ausfuehrung kommt. Sie halten es fuer
ihre Pflicht, nicht nur wörtliche Zusicherungen zu geben, sondern
auch auf die Schwierigkeiten und Probleme hinzuweisen, die geloest
werden muessen, wenn ein Hoechstmass an nationaler Sicherheit erreicht werden soll.
Die Mitglieder des Vereinigten Komitees fuer Arbeitsgesetzgebung sind:
Als Vertreter des CIO: Vorsitzender Fhilip Murray; Vizevorsitzender Walter Reuther; Vizevorsitzender Emil Rieve; Vizevorsitzender L. S. Buckmaster und Jacob Potofsky, Mitglied des Exekutivausschusses des CIO.
Als Vertreter der AFL: Vorsitzender William Green; Hauptkassierer George Meany; Vizevorsitzender George M. Harrison; Vizevorsitzender Dan V,". Tracy und Vizevorsitzender William C. Doherty.
Fuer den Internationalen Maschinistenverband:
A. J. Hayes und Vizevorsitzender Eimer Walker.
Fuer die Eisenbahnergewerkschaft:
und Hauptkassierer A. E. Lyon.

Vorsitzender

Vorsitzender George Leighty

An dem Besuch beim Praesidenten nahmen teil: Green, Harrison,
Tracy, Murray, Reuther, Potofsky, Hayes und Leighty.
Mitteilung des CIO
XII/20/50
PRAESIDENT TRUMAN LOBT ZWEI GROSSE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN
Praesident Truman sprach unlaengst zwei grossen internationalen
Gewerkschaften des CIO seine Anerkennung fuer die grossen Siege
aus, die sie innerhalb der Gewerkschaftsbewegung im Kampf gegen
die Kommunisten errungen hatten. Gleichzeitig gab er der Hoffnung
Ausdruck, dass die Arbeiter in beiden Organisationen auch weiterhin
- 4 -

�den Totalitarismus bekaempfen, indem sie sich mit allen Kraeften
dem gegenwaertigen Wiederaufruestungsprogramm zur Verfuegung stellen.
Es handelt sich um die Internationale Gewerkschaft der Elektroarbeiter, die seit einem Jahr dem CIO angehoert und die die von
Moskau beherrschte Gewerkschaft der Vereinigten Elektroarbeiter
ersetzt, sowie um die Transportarbeitergewerkschaft, die vor zwei
Jahren alle Kommunisten aus ihren fuehrenden Positionen entfernt
hat.
Der Praesident lobte insbesondere den Hauptkassierer des CIO,
•James B. Carey, fuer seine "aufopfernde Arbelt im Interesse der
amerikanischen «rbeiter" und "seinen entschlossenen Widerstand
gegen die Kraefte des Totalitarismus, die die Gewerkschaftsbewegung stuerzen und zerstoeren wollen." Die Botschaft des Presidenten, die auf dem Jahreskongress in Milwaukee verlesen wurde,
schloss, indem sie den mehr als 500 Delegierten "in ihrem Kampf
gasen die unmoralischen Einfluesse des amerikanischen und internationalen Kommunismus Glueck wuenschte."
An die Transportarbeitergewerkschaft, die sich zu einer Tagung in New York ruestet, richtete Praesident Truman eine weitere
Botschaft, in der er erklaert, dass diese Organisation in den
zwei Jahren seit der Entfernung der Kommunisten aus den Aemtern
"die bedeutendsten Erfolge in ihrer Geschichte erzielt hat."
Der Praesident forderte die Mitglieder der beiden Gewerkschaften auf, sich mit allen Mitteln an den Wiederaufruestungsbemuehungen zu beteiligen.
In der Botschaft an die Elektroarbeitergewerkschaft heisst es, dass sich "eine Moeglichkeit bietet, nicht nur
den Glauben an die Demokratie und die Ablehnung der totalitaeren
Philosophie unter Beweis zu stellen, sondern auch mitzuhelfen,
unsere Industrieproduktion so zu steigern, wie es erforderlich
ist, um den Sieg zu sichern."
"Die schwere Zeit, die uns bevorsteht," heisst es in der Botschaft weiter, "wird die hoechste Pflichterfuellung eines jeden
Amerikaners erfordern. Die Freiheit der Arbeiterschaft steht in
der ganzen Welt auf dem Spiel. Ich bin gewiss, dass die Mitglieder der Internationalen Gewerkschaft der Elektro-, Radio- und
Maschinenarbeiter einen wertvollen und patriotischen Beitrag im
Kampf zur Beschuetzung unserer Freiheiten leisten werden."
Die Transportarbeiter forderte der Praesident auf, in kritischen Kriegszeiten von jedem Streik abzusehen.
"In einer Zeit, in der wir zusammenarbeiten, um die Interessen
unserer Nation zu schuetzen und schneller zum Frieden fuer die
ganze Welt zu kommen, muessen sich die vielen Millionen Industriearbeiter unseres Landes darauf verlassen koennen, dass.ihnen die
Transoortarbeiter ohne Unterbrechung dienen."
Besonders anerkennend aeusserte sich der Praesident ueber
das Abkommen, das im Sommer vorigen Jahres zwischen den Transportarbeitern und der Transportbehoerde der Stadt New York zustandegekommen war. Dieser Vertrag weicht von dem ueblichen Standpunkt
der Regierung ab, dass es den bundesstaatlichen, einzelstaatlichen oder kommunalen Behoerden verboten waere, Vertreege mit den
Gewerkschaften einzugehen.
Truman bemerkte, dass dieses Abkommen der Gewerkschaft ihre
seit langem begehrte Anerkennung seitens der Kocmunalbehoerden ge- 5-

�sichert und ihren Mitgliedern wesentliche Vorteile gebracht hat.
Eine Gewerkschaft, die fuer den 1. Januar mit einem Streik
mehrere privater Autobuslinien in New York gedroht hatte, veroeffentlichte die Botschaft ohne jeden Kommentar.
In Milwaukee eroeffnete Carey, der gleichzeitig Ortsvorsitzender der Elektroarbeiter ist, den Kongress dieser Gewerkschaft, indem er die Aufforderung aussprach, einen langen und
besseren Kampf zu fuehren, um die kommunistischen Funktionaere
aus der Gewerkschaft zu entfernen und die "Marionettenfuehrung"
zu beseitigen.
Die
muessten
der Lohn
naehmen,

Bemuehungen zur Organisierung einer freien Gewerkschaft
vorlaeufig zurueckgestellt werden, fuehrte Carey aus;
fuer die Anstrengungen, die die Arbeiter jetzt auf sich
sei die Freiheit.

"Wir haben hier Menschen," sagte er, "die wir in dieser chaotischen Welt dringend benoetigen, Menschen, die den Mut haben,
fuer eine Ueberzeugung auch mit allen Kraeften einzutreten.
Mitteilung des U.S. Aussenministeriums
XI1/6/50
ZSIT FUER LOENKCFTROLIEN IN AMERIKA NOCH NICHT GEKOMMEN
Das beschleunigte Verteidigungsprogramm, das Amerika du'rchfuehren muss, erfordert "strenge und bindende Kontrollen" der
Rohstoffe und Verbraucherpreise, "die Zeit ist jedoch noch nicht
gekommen, um Lohnkontrollen aufzuerlegen."
Diese Meinung vertrat der Praesident der Internationalen Maschini
3tengewerkschaft, AI Hayes, vor dem Nationalen Lohnstabilisierungsausschuss. Er erklaerte in allen Einzelheiten, warum Lohnkontrollen abzulehnen seien, und gab seiner üebErzeugung Ausdruck, dass
das Preisniveau der Zeit nach dem Kriegsausbruch in Korea eindeutig das Ergebnis der Profitmacherei und nicht der Lohnerhoehung
ist.
Hayes hob hervor, dass sich die Internationale Maschinistengewerkschaft des Ernstes der Weltlage und der Notwendigkeit energischer Massnahmen vollauf bewusst ist. Den Vereinigten Staaten
stuende ein "Kampf auf Leben und Tod" mit dem Kommunismus bevor,
der die groesste Bedrohung ihrer Regierungsform und Lebensweise im
Verlauf ihrer gesamten Geschichte darstelle.
"Deshalb," fuhr Hayes fort, "muessen wir unverzueglich unsere
eigene Verteidigung aufbauen und anderen freien Voelkern der '^elt,
besonders in Europa, helfen, die ihrige aufzubauen; und wir muessen alles Notwendige tun, um unser Land stark zu machen, selbst
wenn dies "wesentliche Veraenderungen und Opfer" in unserem eigenen Zivilleben bedeutet.
Auf Loehne und Preise zurueckkonmend, erklaerte Hayes vor
dem Lohnstabilisierungsausschuss, dass das Gesetz fuer die Verteidigungsproduktion Praesident Truman vorschreibe, Hoechstgrenzen
fuer "Preise festzusetzen, die Loehne jedoch nur zu stabilisieren.
"Damit," fuehrte er weiter aus, "gab der Kongress dem Presidenten groessere Handlungsfreiheit in Bezug auf Loehne als auf Preise."
In Kreisen der Industrie hatte man behauptet und darauf bestanden,
dass das Gesetz fuer jede Industrie, in der Preiskontrollen einge- 6 -

�fuehrt sind, auch Lohnbegrenzungen vorsehe.
Was sich nach Ausbruch des Krieges in Korea wirklich ereignete, schilderte Heyes mit folgenden Worten:
Die durchschnittlichen Stundenloehne sind in der gesamten
Industrie geringfuegig in die Hoehe gegangen, und zwar von 1,453
Dollar im Juni auf 1,430 Dollar drei Monate spaeter, eine Steigerung von 1,8$. Im gleichen Zeitraum ist der Verbraucherpreisindex um 2,1$ gestiegen. Diese Aufwaertsbewegung hielt auch in
der letzten Zeit weiter an. Gemessen an den Preisen und Loehnen
ist die Kaufkraft tatsaechlich zurueckgegangen, und die hoehere
Sinkommenssteuer hat die Kaufkraft des Einzelnen noch weiter gesenkt.
Der Grosseinkaufspreisindex stand im Juni auf 157,3. In der
letzten Woche des Monats Oktober hatte er 169.4 erreicht. Die
Grosshandelspreise fuer landwirtschaftliche Gueter waren um 8,5$
angestiegen. Die Lebensmittelpreise gingen um 7,3$ in die Hoehe.
Die Preise fuer Kupfer stiegen um 8,9$, fuer Wolle um 35$, fuer
Blockeisen um 6,5$ , fuer Gummi um 124$ und fuer Zinn um 44$.
(Gummi, Zinn und Wolle werden auf internationalen Maerkten gekauft) .
"Welche logischen Entschuldigungen oder Gruende gibt es fuer
diese ungerechtfertigten Erhoehungen der Grosshandelspreise?"
fragte Hayes. "Sicherlich nicht die Lohnerhoehungen. Die Arbeitskosten fuer den groessten Teil dieser Erzeugnisse sind verhaeltnismaessig gering, und die durch Lohnaufbesserungen verursachten
Mehrkosten (weniger als zwei Prozent) sind nicht der Rede wert.
Vir brauchen nicht weiterzusuchen, wenn wir aufrichtig bestrebt
sind, die Inflation zu verhindern. Hier haben wir die Ursache
fuer die inflationistischen Kraefte, die nun im Aufstieg begriffen sind. Lohnstops oder -beschraenkungen werden sie nicht aufhalten, weil diese Kraefte nicht durch Lohnerhoehungen in Bewegung
gesetzt wurden. Wenn es noch eines weiteren Beweises dafuer bedarf, dass wir zu dieser Zeit keine Lohnkontrollen benoetigen, so
erlauben Sie mir, dass ich auf die Unternehmergewinne hinweise.
"Dem Steueraufkommen zufolge sind die jaehrlichen Gewinne
der Unternehmer von 17,2 Milliarden Dollar im ersten Quartal des
Jahres 1950 auf 24,4 Milliarden Dollar im dritten Quartal angestiegen. Dies ist eine Steigerung um 41,8$. In der gleichen
Zeit ging der Produktions- und Geschaeftstaetigkeitindex der
Bundesstaatlichen Finanzbehoerde um etwa 6,5$ in die Hoehe. Der
Produktionsindex der "Geschaeftswoche" stand im Juni auf 210.2
und hatte im Dezember 220.6 erreicht, was einer Steigerung um
4,9$ entspricht. Es sind keine Unterlagen vorhanden, die besagen,
dass die 41$ige Gewinnsteigerung auf eine gesteigerte Produktion
zurueckzufuehren sei. Auf die Frage nach der Ursache der Inflation gibt es also keine andere Antwort als: Profitmacherei das willkuerliche Steigern der Preise."
Daily News Service
XII/15/50
SCHULUNG DER EXFERTEM DES PUNKT-VIER PROGRAMMS
Das amerikanische Aussenministerium gab bekannt, dass der
'?rste Schulungslehrgang fuer Experten des ^unkt-Vier Programms beendet ist.
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�In der Bekanntmachung heisst es, dass die erste Schulungsgruppe zwei Wochen intensiven Studiums an dem Institut fuer auswaertigen Dienst beendet hat, und dass sich die Teilnehmer im Rahmen
des Punkt-Vier Programms nach Liberia, Indien, Haiti, El Salvador
und anderen lateinamerikanischen La endern begeben werden.
In dem Lehrgang wird besonderer Wert auf das Verstaendnis fremder Voelker, ihrer Kultur, Geschichte, Sitten und Sprachen gelegt.
Der naechste Lehrgang ist fuer die zweite Woche des Monats
Januar geplant. Der Administrator des Punkt-Vier Programms Henry
G. Benett hofft, die Dauer des Lehrgangs fuer alle Techniker auf
drei bis sechs Monate verlaengern zu koennen.
Zwei erfahrene Anthropologen, Dr. Edward A. Kennard und Dr.
Edward T. Hall, sind von dem Institut fuer auswaertigen Dienst
Planung und Ausbildung anvertraut worden. Die Amerikanische Anthronologische Vereinigung arbeitet ein allgemeines Handbuch zum Gebrauch in dem Lehrgang aus.
Die Gruppe, die den ersten Lehrgang beendet hat, setzt sich
aus folgenden Mitgliedern zusammen:
George G. Vander Berghe, Techniker der Gummiverarbeitung,
(fuer Haiti bestimmt); Nazrio C. De Banca, der in El Salvador die
landwirtschaftliche Entwicklung unterstuetzen wird; William Cornel
Pope, ein fuer lateinamerikanische Laender bestimmter Spezialist
fuer Sicherheitsfragen; George C. Taylor, ein Grundwassergeologe,
der in Indien in Fragen der Wasserversorgung und der kuenstlichen
Bewaesserung Ratschlaege erteilen wird; Frau Helen L. Murphy, die
als Beraterin in Fragen der Krankenpflege und der Krankenhausverwaltung nach El Salvador gehen wird; George W. Kines, der sich als
Experte der Gesundheitspflege nach Liberia begeben wird, und William
E. Harris, der ebenfalls die oeffentliehe Gesundheitsfuersorge in
Liberia foerdern wird.
Daily Wireless Bulletin
XII/28/50
FRArZOESlSCHE STUDIENGRUPPE FUER ZUSA^ÜvSNARBEIT GEWERKSCHAFTENUNTERNEHMER
Eine Studiengruppe der franzoesischen Elektroindustrie, die
zur Zeit die Vereinigten Staaten bereist, ist der Auffassung, dass
die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern der
Schluessel zum zukuenftigen Wohlstand Frankreichs ist, und sie ist
optimistisch in bezug auf die Verwirklichung dieser Zusammenarbeit.
Diese Zusammenarbeit, so sagen die Vertreter der Gewerkschaften
und der Unternehmer in dieser 15-koepfigen Grunpe, haette einen
hoeheren Lebensstandard fuer die Arbeiter, einen angemessenen Ertrag aus den Investitionen und eine stabilere franzoesische Wirtschaft zur Folge.
Die Gruppe hat sich im Rahmen des Marshall-Plan-Programms und
seiner technischen Unterstuetzung mit den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und den Produktionsmethoden in der
Elektroindustrie befasst.
Die stark optimistische Einstellung zur Gestaltung eines
besseren Frankreichs entstammt den Beobachtungen der Grupoenmitglieder in den Vereinigten Staaten, bei denen sie feststellen konnten,
wie erfolgreich Unternehmer und Arbeiterschaft dort oft zusammenarbeiten.
- 8-

�Die Gruppe ist der Ansicht, dass sowohl der hohe Lebensstandard in den Vereinigten Staaten als auch die zeitsparenden Produktionsmethoden dieses Landes auf diese enge Zusammenarbeit zurueckzufuehren sind.
"Was mich am meisten ueberraschte, war die Tatsache, dass
die amerikanischen Chefs den Problemen der menschlichen Beziehungen grosse Bedeutung beimessen," erklaerte Severin Prudhomme aus
Paris, ein Mitglied"des franzoesischen Gewerkschaftszentrura3
"Force Ouvriere".
"Der amerikanische Arbeitgeber scheint ein Psychologe zu
sein, der weiss, dass sein Wohlstand direkt an den der Arbeiter
gebunden ist."
"In Frankreich sind die Arbeiterloehne zehn- oder zwoelfmal
hoeher als vor dem Kriege, waehrend die Lebenshaltungskosten um
das 20- oder 25-fache gestiegen sind. Unter diesen Bedingungen
hat der professionelle Agitator ein leichtes Spiel."
"Wenn viele Arbeiter politischen Fuehrern folgen, dann vor
allem deshalb, weil sie glauben, dass es niemanden anders gaebe,
dem man folgen koenne. Wir werden eine staerkere Nation und eine
gesundere Wirtschaft aufbauen koennen, wenn Unternehmer und Gewerkschaften in Frankreich enger zusammenarbeiten, wenn der
franzoesische Arbeitgeber mehr Verstaendnis fuer die Gewerkschaft
seiner Arbeiter zeigt und der Arbeiter versucht, die Probleme der
Unternehmer zu verstehen, - so umriss Prudhomme seinen Standpunkt'.'
"Pierre Rivat, ein Ingenieur der Firma Garnier in Lyon, die
elektrische Apparate und Zaehler baut, erklaerte, es sei seine
fe3te Ueberzeugung, dass die franzoesischen Arbeiter lernen muessten,
was der Amerikaner bereits weiss, naemlich "dass es fuer die Arbeiter keinen vVohlstand geben kann, wenn es fuer das Unternehmen,
fuer das er arbeitet, keinen Wohlstand gibt." Er sagte ferner,
"Frankreich befinde sich dank des Marshall-Planes jetzt auf dem
Wege zum Wiederaufbau, obwohl es in zwei Kriegen schwer mitgenommen worden sei. Wenn wir erst einmal genuegend technische Fortschritte und Verstaendnis fuer die menschlichen Beziehungen uns angeeignet haben, werden auch die politischen Differenzen geloest
werden koennen."
EGA Labor Information
XII/14/50
WESEN UND ARBEITSWEISE DER BRITISCHEN "ANORDNUNG 1505"
In den letzten sieben Jahren haben die Delegierten des britischen Gewerkschaftskongresses TUC regelmaessig die Auswirkungen
der "Anordnung 1305" eroertert; dreimal seit dem Kriege haben sie
ueber Resolutionen abgestimmt, in denen gefordert wurde, diese
Anordnung fuer ungueltig zu erklaeren.
In allen Faellen war das Ergebnis des gleiche. Der Kongress
hat beschlossen, dass diese Anordnung aus der Kriegszeit, durch
die die Schiedsgerichtsbarkeit geschaffen wurde, noch immer ihrem
urspruenglichen Zwecke dient und mithilft, Streitigkeiten in der
Industrie beizulegen, wenn andere Einrichtungen versagen oder
ueberhaupt nicht bestehen» und deshalb bestehen bleiben soll.
Um die Ziele, Grundsaetze und Bedingungen dieser Anordnung jedoch voll und ganz zu verstehen, ist es notwendig, sich die Ver- 9-

�haeltnisse der kritischen Zeit von 1940 ins Gedaechtnis zurueckzurufen. Als Hitlers Armeen die franzoesischen und belgischen
Kanalhaefen besetzt hatten, war es selbstverstaendlich, dass der
Aufstieg der Industrie durch nichts gestoert wurde. Deshalb wurde diese Anordnung erlassen, die den Zweck hatte, Streitigkeiten
in der Industrie gerecht, schnell und ohne Streik beizulegen.
Die alteingefuehrten Methoden der Tarifverhandlung und der
freiwilligen Scniedssprechung wurden jedoch nicht ueber Nacht abgeschafft, um durch die obligatorische Scniedssprechung ersetzt
zu werden. '.Vie in der Anordnung eindeutig klargestellt war, wuerden alle bestehenden gemeinsamen Schlichtungseinrichtungen in jeder Berufs- und Industriegrup^e weiterbestehen. Dem Arbeitsministerium gemeldete Streitigkeiten wuerden nur dann durch obligatorische Scniedssprechung beigelegt werden, wenn sie nicht auf
eine andere V/eise zu loesen waeren.
Als einen weiteren Beitrag zum industriellen Frieden wurden
die Arbeitgeber durch die Anordnung verpflichtet, Loehne zu zahlen und Arbeitsbedingungen zu bieten, die nicht weniger guenstig
al3 die durch Kollektivverhandlungen oder freiwillige Scniedssprechung bereits festgelegten sein durften. Ausserdem wurde ein
Streik oder eine Aussperrung fuer illegal erklaert, wenn die
Streitigkeit nicht zuerst dem Arbeitsminister gemeldet und von
diesem innerhalb von drei Wochen zur Beilegung weitergegeben war.
Im wesentlichen sind diese Bestimmungen noch in Kraft; ebenso
die aufgrund der Anordnung geschaffenen Einrichtungen, die sich
mit Faellen befassen, die der obligatorischen Schiedssprechung
unterliegen. Be/or der Arbeitsminister jedoch ein Schiedsgericht
einberuft, muss er von einer der beiden Parteien davon unterrichtet worden sein, dass eine Streitigkeit besteht, dass auf normalem
Vege kein Ergebnis erzielt worden sei und man sich nicht einigen
konnte, das Problem dem Industriegerichtshof zu unterbreiten. Nur
dann kann er den Fall unter Einhaltung einer Ankuendigungsfrist
von 21 Tagen dem Nationalen Schiedsgericht uebergeben.
Drei Mitglieder des Gerichtes, einschliesslich des Vorsitzenden, werden vom Arbeitsminister aus einem Gremium ernannter Mitglieder, das er selbst zusammengestellt hat, ausgewaehlt. Die
anderen beiden kommen aus je einem Gremium von Vertretern des
Britischen Gewerkschaftskongresses und des Britischen Unternehmerverbandes. Von diesen fuenf Mitgliedern bilden drei eine beschlu3Sfaehige Einheit, vorausgesetzt, dass immer ein ernanntes
Mitglied, das den Vorsitz uebernehmen kann, und je ein Vertreter
der Gewerkschafts- und Unternehmerseite zugegen ist.
Bei den Aussprachen, die solange inoffiziell abgehalten werden, bis eine gegenseitiges Einverstaendnis erzielt ist, haben
beide Parteien die Moeglichkeit, ihre Meinung kundzutun, und koennen, wenn sie es wuenschen, von einem Anwalt unterstuetzt werden.
Nachdem die beiderseitigen Gutachten erwogen sind, faellt das
Gericht gewoehnlich einen Schiedsspruch, der gesetzlich verbindlich ist und eine Bedingung darstellt, die in die Vertraeße zwischen den in Frage kommenden Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgenommen wird.
In den vergangenen zehn Jahren hat das Gericht jaehrlich durchschnittlich 150 Schiedssprueche gefaellt. Viele davon beziehen
sich natuerlich auf Loehne. So wurden allein in den letzten drei
Jahren dem Gericht 104 Lohnforderungen unterbreitet, von denen
nur 24 abgelehnt wurden.
Ausserdem bietet die Anordnung 1305 den Gewerkschaften die
Moeglichkeit, reaktionaere Arbeitgeber vor das Gericht zu bringen,
- 10 -

�die sich weigern, mit den Gewerkschaften zu verhandeln oder irgendwelche Vertraege abzuschliessen. In dieser Hinsicht fuellt das
Gericht, uni die ."'orte eines Delegierten aus dem Jahre 1946 zu gebrauchen, eine Luecke aus, die in den Verfahren fuer endgueltige
Verhandlungen und Beilegungen vorher bestanden hat. Die Tetsachen bestaetigen diese Behauptung. In der Nachkriegszeit sind
95$ der Verfahren von den Arbeitern angestrengt worden.
Obwohl weder der TUC noch die ihm angeschlossenen Gewerkschaften festellen konnten, dass die Meinung vorherrsche, die Anordnung
und die obligatorische Schiedssprechung muessten zum staendigen
Bestandteil der industriellen Wechselbeziehungen in England werden,
macht man in zunehmendem Masse von der Anordnung Gebrauch.
Im Jahre 1949 wurden dem Arbeitsminister 441 Streitfaelle
uebergeben. Das Gericht faellte jedoch nur 188 Schiedssprueche.
Die uebrigsn Streitigkeiten wurden entweder in inoffiziellen Aussprachen oder auf andere Weise beigelegt.
Trotzdem ist der Arbeitsanfall bei dem Gericht so gross, dass
es selbst bei vier oder fuenf Verhandlungstagen in der Woche rund
elf Wochen dauert, bis ein vom Arbeitsminister an das Schiedsgericht uebergebener Streitfall durch Schiedsspruch beigelegt wird.
Zwei Vorschlaege sind inzwischen gemacht worden, um die Arbeit
zu beschleunigen: die Gremien der Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter zu vergroessern und das Gericht zu ermaechtigen, in zwei
Abteilungen Sitzungen abhalten zu lassen.
Beiden Vorschlaegen stimmte der Arbeitsminister zu. Das
Gremium der Arbeitnehmervertreter wurde auf 25 Mitglieder erweitert, die ueber besondere Erfahrungen in den Verhandlungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern verfuegen. Durch eine Abaenderung
der Anordnung vom 1. August ist es nun moeglich, dass zwei Faelle
zugleich von Schiedsgerichten behandelt werden koennen, wobei sich
diese aus verschiedenen Mitgliedern zusammensetzen.
Labour Press Service
XI1/50
GEWERKSCHAFTLICHE ERFOLGE IN NEUSEELAND
"Die bemerkenswerten Erfolge der Kandidaten der Labour-Party
sind ein Beweis fuer den wachsenden Unwillen des Volkes gegen die
Regierung und die Ernuechteru'ng nach den Erfahrungen der vergangenen elf Monate," erklaerte W. Nash, ein Gewerkschafter und stellvertretender Vorsitzender der Oppositionspartei in Neuseeland, als
kuerzlici die Ergebnisse einiger oertlicher V.'ahlen in Neuseeland
veroeffentlicht wurden.
"Diese Ergebnisse," fuhr er fort, "bringen Tausenden von
"Jaehlern die Hoffnung, dass der Tag sich naehert, an dem sie die
Nationalisten und ihre privilegierte Gesetzgebung loswerden. Diese "Zahl bringt deutlich zum Ausdruck, dass die Waehler den schwersten Bruch von 'Wahlversprechungen in der neuseelaendischen Geschichte ablehnen."
In einem Kommentar zu dem Ergebnis der Wahlen erklaerte A. H.
Nordmeyer, der Vorsitzende der Labour-Partei und Vorstandsmitglied
der Gewerkschaften von Neuseeland: "Innerhalb von zwei Jahren wird
die "Vahl des Volkes noch eine deutlichere Sprache sprechen. Wenn
auch viele Kandidaten der Buergerpartei versuchten, ihre politische
Zugehoerigkeit zu ihr zu verschleiern, ist ihre enre Verbindung mit
der Nationalpartei fuer alle offensichtlich. Die Labour-Kandidaten
- 11 -

�singen dagegen zu den Urnen, ohne zu versuchen, ihre politische
Einstellung ZU tarnen. Sie hatten es nicht noetig. Obwohl es
an sich schwierig ist, die Anhaenger der Labour-Partei davon zu
ueberzeup-en, dass sie uebor Probleme oertlicher Natur abstimmen
musssen, war eine bemerkenswerte Zunahme der fuer die Labour-Partei abgegebenen Soimmen zu verzeichnen. Die Tatsachen sprechen
fuer sich."
Labour Press Service
XII/50
ZEIT- ITTD BE'"SGUNOSSTUDIUM KANN WESTDEUTSCHE PRODUKTION ERHOEKEN
F. Mi Holmes, ein Berater der ECA, der sich zur Zeit in
Deutschland aufhaelt, erklaerte, dass die westdeutsche Industrie
durch die Anwendung von Zeit- und Bewegungsstudien ihre Produktion wesentlich steigern und ihre Exporte und den Lebensstandard heben koenne. "Solche Programme wuerden keine zu3aetzlichen
Kaoitalanlagen erfordern und auch den Beschaeftigungsstand nicht
verscnlechtern."
Holmes ist amerikanischer Spezialist auf dem Gebiet der
Zeit- und Bewegungsstudien. Es kam auf Ersuchen des Rationalisiarungskuratoriums fuer die westdeutsche V/irtschaft nachDeutschland. Als Angehoeriger der ECA-Sondermission fuer Westdeutschland
bereiste er im November 1950 die Industriezentren, wo er Vortraere
hielt. In acht bedeutenden Industriestaedten der britischen Zone
besprach er sein Programm mit mehr als 1.500 westdeutschen Industriellen und Spezialisten auf dem Gebiet des Zeit- und Bewegungsstudiums. Auch in den kommenden drei Monaten wird er mit aehnlichen Gruppen zusammentreffen und im Ruhrgebiet und in Staedten der
amerikanischen und franzoesischen Besatzungszone Vortraege halten.
Holmes stellte fest, dass das Interesse Deutschlands an einer
gesteigerten Produktion durch die Anwendung wirksamerer Produktions
methoden staendig zunimmt.
In einer Erklaerung zu den Programmen des Zeit- und Bewegungstudiums sagte er, dass es die Analyse der Methoden, des Materials,
der Werkzeuge und der üusruestung sei, die bei der Arbeit in der
Industrie verwendet wuerde. "Zeit- und Bewegungsverluste im Her3tellungsprozess koennen nur dadurch beseitigt werden, dass man
die Aufmerksamkeit auf diese Verluste konzentriert und sich mit
der Verbesserung der verschiedenen Arbeitsgaenge befasst."
Waehrend sich die beiden Programme in ihrer Arbeitsweise unterscheiden, stehen sie doch in engem Zusammenhang und erfordern
eine wirkliche Aufgeschlossenheit, die Bereitwilligkeit, neue
Ideen auf die Probe zu stellen und die gemeinsame Mitarbeit der
Gewerkschaften und Unternehmer an der Loe3ung dieser Probleme.
Das Programm des Bewegungsstudiums, wie es in Amerika entwickelt ist, verfolgt zwei Ziele, die verschiedenen Zwecken dienen.
Es wendet sich einmal an die Unternehmer, Betriebsleiter und
manchmal an die Arbeiter.
Zum andern sollen durch dieses Programm die Techniker fuer
Zeit- und Bewegungsstudien in den Betrieben ueber die neuesten Methoden auf diesem Arbeitsgebiet informiert werden.
Das Zeitstudium ist eine Zeitbestimmung des Arbeiters und -einer Arbeit mit Hilfe der Stoppuhr. Durch diese genaue Beobachtung
- 12 -

�ist es moeglich festzustellen, warum Zeit- und Bewegungsverluste
eintreten.
"Zeit- und Bewegungsstudien sind fu3r Deutschland nicht ganz
neu," berichtete Holmes. "Obwohl sie nicht allgemein angewendet
wuerden, bestuenden sie in Deutschland seit 25 Jahren. Dar, Rationalisierungskuratorium fuer die westdeutsche Wirtschaft sei eine
Organisation, die in der gesamten deutschen Industrie einen staendig zunehmenden Interessentenkreis finde. Die westdeutsche Industrie habe sich in den letzten drei Jahren rapid ausgedehnt. Deshalb sei ein leistungsfaehigeres arbeiten notwendiger als je zuvor.
Holmes, der zeitweiliger Berater fuer den Marshall-Plan in
Deutschland ist, war vorher Direktor der Industrietechnischen Abteilung der Fieldcrest-Werke in Spray, Nordkarolina. Dieses Unternehmen setzt sich aus 10 Textilfabriken mit 5,000 Arbeitern zusammen.
Die Zeit- und Bewegungsstudien bilden ebenfalls eine "Phase
des Marshall-Plan-Programms zur Steigerung der Produktionsleistung
in Westdeutschland.
ECA-Release Nr. 217
1/2/51
GEWERKSCHAFT!ICHER BERATUNGSAUSSCHUSS FUER INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN
ten,
auch
fuer
lung

Sowohl die AFL als auch der CIO haben in ihren Jahresberichdie fuer die Kongresse Rechenschaft ueber die Arbeit ablegten,
zur Taetigkeit des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses
Internationale Angelegenheiten im US-Arbeitsministerium Stelgenommen.

In dem Bericht der AFL heisst es: "Im vergangenen Jahr hat
sich die AFL weiterhin aktiv an der Arbeit des Ausschusses beteiligt. Regelmaessige Konferenzen des Vollausschusses und des staendigen Ausschusses wurden von Arbeitsminister Tobin und seinem
Stellvertreter Philip I'. Kaiser anberaumt, auf denen der Hauptkassierer der AFL, George Meany, die Vizevorsitzenden Matthew '.Voll
und David Dubinsky sowie der internationale Repraesentant George
P. Delaney den Standpunkt der AFL zu wichtigen Fragen der Aussenpolitik darlegten. Dem Ausschuss gehoeren ausserdem Funktionaere
des CIO und der Eisenbahnergewerkschaften an.
"Das Arbeitsministerium, das fuer die Formulierung der Arbeitspolitik unserer Regierung in Amerika und im Ausland verantwortlich ist, wird auf dem Wege ueber diesen Ausschuss von den Fuehrern
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung in internationalen Arbeitsangelegenheiten beraten. Der Gewerkschaftliche Beratunsausschuss organisiert die Zusammenarbeit des Arbeitsministeriums mit
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung.
"Im vergangenen Jahr hat sich der Ausschuss mit folgenden Fragen befasst: Mittel und Wege zu finden, durch die das Programm fuer
Sozialreferenten durch die Ernennung erfahrener Referenten, die
eine erfolgreiche Laufbahn in amerikanischen Gewerkschaften nachweisen koennen, fuer verantwortliche Stellungen im Ausland gefoerdert -werden kann und es fuer die Unterstuetzung unseres aussenpolitischen Programms durch die Arbeiterschaft von besonderer Wichtigkeit ist; die Notwendigkeit einer direkten Vertretung der Gewerkschaftsbewegung in den US-Delegationen bei den Vereinten Nationen
- 13 -'

�und ihren Fachorganisationen; die Rolle, die die Gewerkschaftsbewegung im Punkt-Vier Frogramn zu spielen hat; die Beteiligung der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung an den Programmen zum Austausch von Gewerkschaftsfunktionaeren mit anderen Laendern; die
Notwendigkeit, den gewerkschaftlichen Standpunkt in Bezug auf
Handelsvertraege und Zollfragen wirksamer zu vertreten; die Notwendigkeit, einflussreiche, fuehrende Berater in Arbeitsfragen
den Besatzungsmaechten in Deutschland und Japan beizuordnen; und
die Zusammenstellung einer Mission amerikanischer Gewerkschafter,
die den Fernen Osten besuchen soll.
"Der Ausschuss sprach sich ferner gegen etwaige Veraenderungen des Gesetzes Nr. 75 der Militaerregierung in Deutschland aus,
durch die die Beteiligung der freien deutschen Gewerkschaften an
der Neuordnung der deutschen Kohle- und Stahlindustrie eingeschraenkt worden waere, und forderte, dass die demokratischen Gewerkschaften Deutschlands ermutigt werden, die wirtschaftlichen
Entwicklungen ihres Landes gemaess dem Gesetz Nr. 75 zu beeinflussen. Dieser Standpunkt ist von den Regierun~en der Alliierten gebilligt worden.
"Durch die Zusammenarbeit des Staendigen Ausschusses wurden
gewerkschaftliche Schulungsprogramme fuer eine grosse Zahl auslaendischer Gewerkschaftsfunktionaere arrangiert, die die Vereinigten Staaten im Laufe des vergangenen Jahres besuchten. Annaehernd 300 Gewerkschafter und Experten in Arbeitsfragen aus
Deutschland, Oesterreich, Japan, Lateinamerika und Westeuropa reisten unter der Schirmherrschaft des US-Arbeitsministeriums nach
den Vereinigten Statten, wo sie vom Staendigen Ausschuss mit den
Taetigkeiten der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung vertraut
gemacht wurden. Diese Programme haben viel zur Verbesserung der
Beziehungen zwischen der amerikanischen und auslaendischen Gewerkschaftsbewegungen beigetragen und die demokratischen Gewerkschaftsorganisationen der ganzen Walt materiell unterstuetzt.
"Auf Ersuchen des Ausschusses wurden Vorkehrungen getroffen,
damit die Vertreter des Arbeitsministeriums, die an internationalen Handels- und Zollbesprechungen teilgenommen haben, ueber den
Ausschuss die Gewerkschaften laufend unterrichten. Dies hat zu
einer engeren Zusammenarbeit zwischen Regierung und Gewerkschaftsbewegung auf diesem bedeutsamen Gebiet gefuehrt.
"Gemaess ihrem Wunsch, die gewerkschaftlichen Aspekte der
amerikanischen Aussenpolitik zu staerken, unterstuetzt die AFL
aktiv die Arbeit des Ausschusses und die internationalen Ziele
des Arbeitsministeriums.•
Philip Yurray stellt in seinem Jahresbericht an den Kongress
des CIO fest:
"Im vergangenen Jahr hat sich der CIO weiterhin an der Arbeit
des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses fuer internationale
Fragen beteiligt, die innerhalb des Arbeitsministeriums gebildet
wurde. Der CIO ist in diesem Ausschuss durch James B. Carey,
Jacob Potofsky, Emil Rieve und Michael Ross vertreten.
"Da das Arbeitsministerium dafuer verantwortlich ist, den
Standounkt der Arbeiterschaft in ueberministeriellen Ausschuessen
zu vertreten, die die Politik in allen auswaertigen Angelegenheiten formulieren, ist dieser Ausschuss das Werkzeug gewesen, mit dem
den Beamten des Arbeitsministeriums und insbesondere dem stellvertretenden Arbeitsminister Philip !,!. Kaiser die Stellungnahme der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu aussenpolitischen Fragen
uebermittelt wurde.
- 14 -

�"DurJÜ die Arbeit dieses Ausschusses hat die Gewerkschaftsbewegung wachsenden Sinfluss auf die* Entwicklung des Programms fuer
Sozialreferenten und des Programms zum Austausch auslaendischer
lewerkschaftsfuehrer mit amerikanischen genommen. Der Ausschuss
lfat fernerhin immer -wieder auf den Standpunkt der Gewerkschaftsbewegung in bezug auf das Punkt-Vier Programm, die Besatzungspolitik
Ln Deutschland und Japan sowie zahlreiche andere Taetigkeiten hingewiesen. "
Monthly Service of the Office of International
Labor Affairs
XI1/50
rincent Tewson: EIN JAHR IBFG
Vor einem Jahr gab es Zyniker genur, die dem neugegruendeten
[internationalen Bund Freier Gewerkschaften keine bessere Zukunft
ils die eines Propagandainstruments prophezeiten, dessen Aufgabe
53 sei, eine Serie von Schlagworten hinter den Eisernen Vorhang
su lanzieren.
Gewiss gab es ungluecKselige Vorzeichen, die diesen Zynismus
rechtfertigten. London, die Geburtsstaette des IBFG, hatte oftmals vor 1949 mutige Versuche zur Gruendung internationaler Gewerkschaf tsOrganisationen miterlebt, die jedoch fehlschlugen.
Der erste Versuch wurde 75 Jahre vor der Gruendung des IBFG
zon dem Vorsitzenden des Londoner Berufsverhandes unternommen.
Sr konnte seine Organisation mit Muehe und Not 12 Jahre zusammenhalten,
Dhne dass sie jedoch grossen Einfluss gewonnen haette. Karl Marx
m ä der Anarchist Bakunin konkurrierten um ihre Gunst, waehrend die
inglaender, die den groessten Teil der demokratisch orientierten
.'itgliedschaft bildeten, bestrebt waren, das Gleichgewicht zwischen
seiden zu halten.
Einer der letzten Fehlschlaege, die in London ihren Ursprung
matten, war der "'eltgewerkschaftvbund, der an der Unnachgiebigkeit
ler Kominformhoerigen in seinen Reihen - scheitern musste.
Sich der staendigen Freiheitsbedrohung durch die Kommunisten
antgegenstemmend, erklaerten die Delegierten der Gruendungskonferenz
les IBFG, dass sie sich zusammenschliessen wollten, um auf dem
Gebiet internationaler gewerkschaftlicher Beziehungen einen neuen
Anfang zu machen, und dass die neue Organisation nach ihren Taten
ini nicht nach der Zahl und Laenge ihrer Manifeste beurteilt werden
sollte.
Das soll nicht heissen, dass in diesem Kampf der Ideen 'Torte
als ".äffen verachtet werden sollen. Keine Wuehe soll gescheut
werden, um die Freiheit zu retten und um ueberall Verstaendnis fuer
lie Ziele einer demokratischen Gewerkschafitsbewegung zu erwecken.
Der IBFG verbreitet deshalb seine Nachrichten und Informationen
aeber die ganze Welt.
Von groesserer Bedeutung ist jedoch die praktische Arbeit,
iie diese Organisation zur Staerkung einer jungen Gewerk~cheftsor^anisation in jenen Teilen der Welt leistet, wo Massnahmen fuer
3ie Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit am notwendigsten sind.
Kit der Delegation, die kuerzlich nach Suedostasien entsandt wurde,
•urde eine Reihe von Missionen eroeffnet, die sich um die unterentwickelten Gebiete kuemmern sollen. Sie hat mehr Laender besucht
and mehr Verbindungen aufgenommen als jede fruehere Gewerkschaftsielegation. Ihr Bericht hatte zur unmittelbaren Folge, dass ein
- 15 -

�asiatischer Gewerkschafter ernannt wurde, der ein staendiges
Verbindungsbuero in Singapur leiten wird, bei dem alle asiatischen Gewerkschaften Informationen und Ratschlaege einholen
koennen.
Durch ein ausgedehntes Erziehungsprojekt und ein Programm
fuer wirtschaftliche und technische Unter^tuetzung ist eine
weitere Staerkung der gewerkschaftlichen Organisationen in diesen Gebieten «eplant.
Afrika soll das naechste Taetigkeitsfeld werden, und es ist
offensichtlich, dass des ZweiJahresprogramm des Britischen Gewerkschaftskongresses, mit dem die Arbeiter der britischen Kolonien
unterstuetzt werden sollen, dem Plan des IBFG entgegenkommt,
selbstaendige Gewerkschaften in Anpassung an die oertlichen
Verhaeltnisse aufzubauen.
Bedeutsam ist ausserdem, dass sich der IBFG gegen eine Ueberzentralisierung seiner Funktionen ausgesprochen hat. Gewerkschaftsvertreter aus 15 Laendern, einschliesslich England, sind bereits
zusammengetreten, um sich ueber die Bildung einer europaeischen
Organisation zu einigen, die sich mit den industriellen und
wirtschaftlichen Problemen Europas befassen wird.
Aehnliche Konferenzen sind fuer ganz Amerika, Asien und
Afrika abgehalten worden. Jeder regionalen Organisation wird es
freistehen, unter Beachtung der wichtigsten Entscheidungen, die
vom IBFG in demokratischer Weise getroffen wurden, ihren eigenen
Weg bei der Verwirklichung der Grundsaetze und der einzuschlagenden Politik zu gehen.
Die Aussicht, eine enge und staendige Zusammenarbeit der
Gewerkschaften in allen Gebieten zustande zu bringen, duerfte
den starken und gut fundierten Organisationen die Moeglichkeit
geben, juengeren und weniger erfahrenen NachbarOrganisationen
zu helfen.
Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenartigen Gewerkschaftsorganisationen ist im IBFG bereits erreicht worden und kommt am
deutlichsten in den intsrnationalen Berufssekretariaten zum Ausdruck, die der jungen Internationale ihre Erfahrung und ihr
Koennen zum Wohle der Arbeiter in den Berufen und Industrien, fuer
die sie- zustaendig sind, freimuetig zur Verfuegung gestellt haben.
Obwohl der IBFG noch vor zwoelf Monaten weder durchorganisiert war noch ueber das erforderliche Personal, ueber Bueroraeume
und Arbeitsmaterial verfuegte, ist er bereits zum Sprecher der
freien Gewerkschafter der gesamten freien Welt geworden.
Mit Bueros in Bruessel, Singapur, New York und Genf wird er
in der Lage sein, seine Bestrebungen darauf zu richten, durch
eigene Initiative und auf dem Weg ueber andere Behoerden, wie
zum Beispiel das Internationale Arbeitsamt, die UNESCO und den
Wirt3chafts- und Sozi^lrat der Vereinten Nationen, die dem IBFG
alle mitberatendes Statut gewaehrt haben, das Lebens- und Erziehungsniveau und die Arbeitsbedingungen aller Schaffenden zu verbessern.
Unabhaengig von politischen Parteien und frei von jeder Beherrschung durch Regierungen geniesst der IBFG den Ruf, ein energischer Kaempfer fuer Brot, Freiheit und Frieden zu sein.
Labour
XII/50
- 16 KICOC (9-1-51) «150 5 M 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 2

Frankfurt,

1 2 . Januar 1950 -/

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Gewerkschaften Amerikas u n t e r r , t u e t z e n V e r t e i d i g u n g s produktion - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

1

Amerikanische Gewerkschaften h e l f e n am P u n k t - V i e r Pro.^ramn mit - - - - - - - - - - - - - - - - - -

3

Die Bedeutung der Lehrlings- und Berufsschulausbildung fuer die Verteidigung Amerikas - - - - -

5

Zahl der weiblichen Arbeitskraefte in Amerika steigt 6
In 3ngland entscheiden die Bergleute selbst ueber
ihre Zukunft - - - - - - - - - - - - - - - - - Gerechte? Akkordsyster: steigert Produktionsleistung

9
11

I.'eany zur Rolle des Rundfunk- und Fernsehwesens - - 13
Amerikanische Gewerkschaftsfuehrer unterstreichen
die Bedeutung der Arbeiterbildung - - - - - - - 14
Ausbildungsinstitut fuer die wirtschaftliche Planung
asiatischer Entwicklungsprojekte - - - - - - - - 15
Indische Gewerkschaften erkennen die kommunistische
Gefahr
--.-----___-__
_ _ _ _ IQ

GEWERKSCHAFTEN AMERIKAS UNTERSTUE1ZEN VERTEIDIGTOIGSFRODÜKTI CN
Die Nachrichten von der bejahenden Haltung der Gewerkschaftsbewegung einer gesteigerten Verteidigungsproduktion gegenueber
und ihrer Bereitwilligkeit, notwendige Preis- und Lohnkontrollen
zu akzeptieren, nehmen in der amerikanischen Gewerkschaftspresse
einen breiten Paum ein.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bekennt sich zu
dem Motto des ersten Wirtschaftsberaters Praesident Trumans, Leon
Keyserling: "Produktion, mehr Produktion und noch mehr Produktion."
- 1-

�Die Gewerkschaften haben ihre uneingeschraenkte Zusammenarbeit bei der Steigerung der Produktion zugesichert, damit Amerika
und die ganze freie Welt gegen alle feindlichen Absichten gefeit
sind. Noch bevor die Kommunisten die Republik Korea angegriffen
hatten, war die Produktion in Amerika auf einen Hoechststand gestiegen, und das nationale Einkommen - einschliesslich der Lohnsumme - ging
wie nie zuvor in die Iloehe.
Heute haben die Ausgaben der Unternehmer zur Ausdehnung ihrer
Produktionskapazitaet eine Stufe erreicht, die ueber der des zweiten Weltkrieges und des Jahres 1948 liegt, als die Nachfrage nach
Waren aller Art eine ungeheure Ausdehnung der Industrie erforderlich machte. Und jetzt wird diese vermehrte Nachfrage nach Waren
fuer den Inlandbedarf noch durch die zwingende Notwendigkeit gesteigert, die freie Welt wirtschaftlich und militaerisch zu staerken, um den kommunistischen Imperialismus abwehren zu koennen.
Auch diese Absicht hat die begeisterte Zustimmung der amerikanischen Gewerkschaften gefunden.
Diese rekordbrechende Ausdehnung der amerikanischen Produktivitaet schafft neue Arbeitsplaetze und stellt die Gewerkschaften
auf Grund des sich hieraus ergebenden Mangels an Arbeitskraeften
in eine guenstige Position. Die Gewerkschaften nutzen diese
groessere Macht jedoch nicht dazu aus, um unberechtigte Forderungen
zu stellen.
Nachdem Praesident Truman den nationalen Notstand erklaert
hatte, kamen etwa 10.000 Eisenbahner im Interesse der nationalen
Verteidigung dem Ersuchen des Praesidenten nach, ihren Streik zu
beenden.
Im August wurden die Bahnen von- der Regierung uebernomnen, um
einen nationalen Streik der Gewerkschaft des Zugpersonals und der
Zugfuehrer zu verhindern. Seit dieser Zeit arbeiten sie unter
der Kontrolle der Regierung.
Die Gewerkschaften wuenschen fuer die Lagerarbeiter der Eisenbahn eine volle Verguetung fuer 48 Arbeitsstunden bei einer
40-Stunden-Woche und eine E0%ige Tariferhoehung fuer die Streckenarbeiter. Augenblicklich verdienen die Zugbegleiter durchschnittlich 1,58 Dollar in der Stunde und woechentlich 75 Dollar. Der
durchschnittliche Wochenlohn aller Industriearbeiter belaeuft sich
gegenwaertig auf 68 Dollar. Nach Ausbruch des Streiks der Eisenbahner wurden Tag und Nacht im Weissen Haus Besprechungen zwischen
den Eisenbahngesellschaften und den Gewerkschaften gefuehrt, an
denen auch der Berater des Praesidenten, Dr. John R. Steelman,
teilnahm. Man rechnete damals bereits mit einer raschen Beilegung
des Streiks.
William Green, der Praesident der AFL, versprach, dass die
acht Millionen Mitglieder dieses Gewerkschaftsbundes waehrend
des Notstandes von Streiks absehen wuerden, wenn Praesident Truman
sie darum ersuchte. Er fuegte hinzu, dans die Arbeiterschaft
bereit 3ei, "mehr als die Haelfte des Weges" zu einer Vereinigung
mit den Unternehmern und Farmern zurueckzulegen, um die Programme
zur Steigerung der Ruestungsproduktion zu foerdern.
Green bestand jedoch darauf, dass eine "Gleichheit" zwischen
Loehnen und Preisen hergestellt werden muesse, bevor irgendein
Lohnstabilisierungaprogramm durchgefuehrt werden koenne^
Philip Kurray, der Vorsitzende des CIO, versprach ebenfalls
Hoechstproduktion zur Unterstuetzung Praesident Trumans und der
Vereinten Nationen in dem ge^enwaertigen Kampf zur Abwehr aller
Aggressionen.
- 2 -

�Der CIO-Vorsitzende fuehrte aus:
"Vor fuenf Jahren erst haben wir den Kampf um die Freiheit
gegen die nazistischen und japanischen Imperialisten gewonnen.
In diesem Kampf spielte die ^roduktivkraft der amerikanischen Industrie und der amerikanischen Arbeiter eine wesentliche Rolle.
"Heute werden wir wieder dafuer arbeiten, die freien Voelker
und die freien Menschen vor dem Angriff des kommunistischen Imperialismus zu schuetzen. Die amerikanischen Arbeiter wissen,
dass Kommunismus Sklavenarbeit bedeutet, die freien Gewerkschaften zerstoert und den Arbeitern das Recht nimmt, zu streiken. 3o
wie Hitler schutzlose Voelker ueberfiel, sind es nun die Kommunisten, die nach Sued-Korea und Indo-China eindringen."
Der CIO-Vorsitzende brachte zum Ausdruck, dass die amerikanischen Arbeiter keineswegs ihre Handlungsfreiheit einbuessen,
wenn sie sie Regierung in dieser kritischen Zeit unterstuetzen.
Sie werden auch in Zukunft verlangen, dass Ungerechtigkeiten in
der Bezahlung korrigiert werden, und dass die Arbeiterschaft an der
Formulierung und Verwaltung der Richtlinien und Programme in allen
Behoerden der Regierung in groesserem Masse beteiligt wird. Sie
werden fordern, dass die durch den Notstand auferlegten Lasten
unter alle sozialen Orup-en gerecht verteilt werden.
"Wenn die amerikanischen Arbeiter ihre Unternehmer oder ihre
Regierung kritisieren, dann glauben Sie nicht, dass Amerika uneinig ist. Unsere Demokratie is*t stark, weil Jeder Buerger das
Recht hat, ohne Furcht zu sprechen, ueber oeffentliche Tobleme
zu diskutieren und abzustimmen. Die Freiheit schwaecht uns nicht.
3ie verleiht uns staerke, weil wir wissen, wofuer wir arbeiten und
kaemofen. In diesen schweren Zeiten wird die hoehere T'roduktivkraft der amerikanischen Arbeiter zusammen mit dem Industriepotential der amerikanischen Industrie die notwendigen militaerischen
und wirtschaftlichen Mittel wieder einmal produzieren, mit denen
die freiheitsliebenden Voelker der ganzen Welt unterstuetzt werden.
Um es erneut zu sagen:
'»Vir werden stark und siegreich sein, weil
wir fuer das Recht kaempfen."
Die Gewerkschaftsbewegung fordert nun energisch eine staendig groessere Beteiligung in allen Phasen der Mobilisierung der
Hilfsquellen und Machtmittel Amerikas. Das Vereinigte Komitee
fuer Arbeitsgesetzgebung, das sich aus Vertretern der AFL, der
CIO und der selbstaendigen Gewerkschaften zusammensetzt, wurde zu
dem Zweck gebildet, sich mit den Problemen der Mobilisierung zu befassen.
Program Service Section
Labor News Rounduo jj- 75
12/20/50
AMERIKANISCHE GE-YERKLCK^FTEr HttLFICr ,-.N PITKT-VILR-F:iOGIui.MM MIT
Jacob 5. Potofsky, der Vorsitzende der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika (CIO), und Lewis G. Hines, der Sondervertreter der AFL, gehoeren zu den 12 Mitgliedern des neuen Beratungsau~schusses fuer Internationale Entwicklungen, der von Praesident
Truman ernannt worden war, um sich mit dem Punkt-Vier-Programm zur
Entwicklung rueckstaendirer Gebiete als eines wichtigen Mittels
zur endgueltigen Sicherung von Frieden, Wohlstand und Sicherheit
in der "elt zu befassen.
- 3-

�Auf einer Konferenz mit- Potofsky, Hines, dem Vorsitzenden
Nelson A. Rockefeiler und anderen Mitgliedern des Ausschusses erklaerte Praesident Truman:
"Die Anregung zu wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt
in den unterentwickelten Gebieten ist eines der wichtigsten Probleme, denen die freie Welt gegenuebersteht. Dies trifft besonders fuer jene asiatischen Laender zu, in denen die kommunistische
Gefahr so gross ist.
"Die Staerkung der unterentwickelten Gebiete und die Staerkung der freien Voelker der ganzen Welt stehen in einem direkten
Abhaengigkeitsverhaeltnis zueinander. Zwei Drittel der Weltbevoelkerung leben in diesen Gebieten. Sie leiden an Funger, Krankheit, Unwissenheit und Armut. Diese Voelker haben bereits beschlossen, dass eine '.Vendung eintreten muss, komme, was da wolle."
Zu diesem Problem erklaerte der ^raesident ferner, dass seine
Dringlichkeit in Anbetracht der chinesisch-kommunistischen Aggressi
in Korea verdoppelt sei.
"Es dreht sich jetzt um die Frage, aus welcher Richtung diese 7/endung kommen soll -" fuehrte er aus, "ob sie sich ungeachtet
der vielen Y.'erte vollziehen soll, die dem freien Menschen teuer
geworden sind, oder ob sie zu einer friedlicheren '.Veit in Wohlstand
beit.ra.een soll. Wir in den Vereinigten Staaten koennen ueber diese Frage nicht entscheiden: sie kann nur von den Bewohnern der
unterentwickelten Gebiete selbst entschieden werden. Aber ich
glaube, dass wir ihnen unsere Hilfe anbieten koennen, wann sie
darum kaempfen, dem Elend zu entrinnen, und wir koennen ihnen auch
den Weg zeigen, den andere zur Srringung der Freiheit, Menschenwusrde und Wohlfahrt gegangen sind."
Die Bedeutung der Worte des Praesidenten wurde in dem Bericht
des Statistischen Bueros der Vereinten Nationen unterstrichen, in
dem' festgestellt wurde, dass die Produktion der £5 aermsten Laender der Welt mit de\r Htelfte der Weltbevoelkerunr nur ein Zehntel
aller Nationaleinkommen betraeet.
China hatte zum Beispiel ein Nationaleinkommen von nur 27
Dollar jaehrlich pro Kopf der Bevoelkerung; in Indien sind es 57
Dollar. Von allen industrialisierten und halbindustrialisierten
Nationen der Erde hat, abgesehen von Polen, Russland das gerinn-te
Nationaleinkommen pro Kopf der Bevoelkerung (30:3 Dollar). Die
Vereinigten Staaten stehen dank ihrer Messenrroduktionsmaschinen
und denk des Draengens der Gewerkschaften und anderer Grunnen nach
gerechter Verteilung dessen, wes produziert wird, tait 1.453 Dollar
T O Kopf der Bevoelkerung an erster Stelle. Mit anderen '.','orten,
das Durchschnittseinkommen der Amerikaner ist fuenfmel so hoch
wie das der Durchschnittsrussen.
In einer Srklaerung des Jahreskongresses der CIO, auf dem
dem ^raesidenten die uneinpe^chraenkte Unterstuetzung dieser Organisation fuer das Punkt-Vier-Programm zugesprochen wurde, hiess
es:
"Unser Export industrieller Methoden im Rahmen des Punkt-VierProgramms bietet uns und unseren Freunden im Ausland groesste Vorteile, wenn Hand in Hand mit ihnen .jene sozial- und erbeitsnolitischen Methoden eingefuehrt werden, durch die das amerikanische
Volk unser eigenes System der Lenkung und des Gleichgewichts unserer industriellen Zivilisation entwickelt hat."
- 4-

�Ebenso erklaerte die AFL:
"Wir fordern, dass das Punkt-Vier-Programm so durchgefu, -*••
wird, dass es die Erziehung, die nationale Kultur, die Volksgesundheit, die technische Ausbildung, Gerechtigkeit und Arbeitsnormen foerdern kann. In allen Gebieten Asiens und Afrikas, die noch
nicht ihre voellige Unabhaengigkeit erlangt haben, sollen Vertreter der eingeborenen Bevoelkerung das Recht haben mitzureden, und
sie sollen in wirksamer Weise an der Planung und Durchfuehrung
des Punkt-Vier-Programms beteiligt werden."
Program Services Section
Labor News Roundun # 73

m/e/so

DIE HEDEUTUFG DER LEHRLINGS- UND BERUFSSCHPLAUSBILDUNG FUER DIE
VERTEIDIGUNG AMERIKAS
(Auszuege aus einer Ansprache des Leiters des Bueros fuer
Lehrlingswesen im U.S. Arbeitsministerium W. F. Patterson, die
er auf dem Kongress der Vereinigung der amerikanischen B/erufsschullehrer hielt.)
Die Gruppe fuer Berufsschulung sowie die b'undesstaatlichen
und staatlichen Behoerden, die sich mit dem Lehrlingswesen befassen, haben in diesem Augenblick die schwerste Probe zu bestehen,
der sie sich je gegenübergestellt sahen. Im Zweiten Weltkrieg
hatte Amerika mehrere Jahre zur Verfuegung, um seine militaerischen Kraefte zu organisieren und seine 'Wirtschafts- und Produktionsquellen zu mobilisieren. In der gegenwaertigen ungeklaerten
Situation weiss niemand, ob ein Krieg in den naechsten Monaten
oder Tagen oder eine Zeit kritischer Ungewissheit bevorsteht, die
sich ueber 10 oder 15 Jahre erstrecken kann.
Jeder, der mit den Fragen der Ruestungsnroduktion vertraut
ist, weiss, dass die Schlagkraft einer militaerischen Streitmacht
an der Front von einer ununterbrochenen Versorgung mit Industrieproduktion abhaengi"; ist: Waffen, Maschinen, Munition, Lebensmittel, Bekleidung und anderem Kriegsmaterial. Um diesen Materialstrom in Fluss halten zu koennen, ist eine Riesenzahl an Arbeitskraeften notwendig, von der ein grosser Prozentsatz gelernte
Facharbeiter sein mue^sen. Der Schluessel zum wirksamen Einsatz
dieser Arbeitskraefte ist, wie allgemein bekannt, die Berufsschulung und Berufsausbildung. Wenn die Berufsausbildung in wirksamem Masse schnell und gruendlich durchrefuehrt werden soll, muessen
alle die, die mit diesen beiden Gruppen verbunden sind, in genauer
Kenntnis ihrer Funktionen, in enger Harmonie und Gleichschaltung
aller Bemuehungen zusammenarbeiten - andernfalls wird es nicht gelingen, die schwere und dringende Aufgabe, die gestellt ist, zu
loesen.
Es ist vielleicht angebracht, wenn kurz auf die Arbeit dieser
beiden Gruppen in den vergangenen Jahrzehnten eingegangen wird.
Das Aufkommen de.: Fabriksystems und der Methoden der Massenproduktion hatten nicht unmittelbar eine Neuorientierung des Erziehungssystems zur Folge. Es dauerte in der Tat viele Jahrzehnte, bevor im Erziehungssystem Beweise fuer die Notwendigkeit erkennbar wurden, Maenner und Frauen durch eine entsprechende Ausbildung auf ihre Arbeit in der Industrie vorzubereiten,30 wie fuer
akademische Berufe eine Ausbildung an einer Hochschule ebenso notwendig wie selbstverstaendlich ist. Weitere Jahre vergingen, bevor
- 5-

�auf Grund dieser Erkenntnis Aenderungen in den Erziehungs- und
Ausbildungsürogrammen vorgenommen wurden. Folglich hatten die
Grundschulaüsbildung und die der hoeheren Schule fast ausschliesslich das Ziel, auf die Aufnahme in eine Hochschule vorzubereiten.
In gewissem Grade sind sich die Erzieher noch immer nicht der
Bedeutung der beruflichen Schulung innerhalb des allgemeinen Erziehungssystems bewusst. Die jetzige Auseinandersetzung mit
diesen Fragen ist ein Beweis fuer den Fortschritt auf dem Gebiet
der Berufsschulung, fuer das Ausmass, in dem diese durchgefuehrt
wird, und fuer die bedeutende Rolle, die sie auf erzieherischem
Gebiet spielt.
Wie wertvoll die Berufsschulen fuer das allgemeine Lehrlingswesen sind, wurde bereits in einer Veroeffentlichung des Bundesstaatlichen Amtes fuer BerufsSchulung mit dem Titel "Lehrlingsausbildung" vom Juni 1923 beschrieben. Man war sich im klaren
darueber, dass, wenn des Lehrlingswcsen seinen ihm gebuehrenden
Platz einnehmen sollte, bestimmte Aspekte einer besonderen Betrachtung unterzogen werden mussten. Wenn mit genuegendem Nachdruck betont wird, dass der Lehrling ein im Arbeitsverhaeltnis
stehender Arbeitnehmer ist, muss irgendeine Behoerde mit der besonderen Aufgabe betraut werden, ein diesem Zweck entsprechendes Programm zu entwickeln und zu foerdern. Dieser Notwendigkeit war
man sich weitgehend bewusst, was zur Entstehung des heutigen Amtes fuer Lehrlingswesen fuehrte. Allen jenen, die auf dem Gebiet
der Berufserziehung taetig sind und sich unablaessig fuer ein
besseres gegenseitiges Verstaendnis der beiden Grupnen eingesetzt
haben, muss eine besondere Anerkennung ausgesprochen werden:
Dr. Stratton, John McCarthy, Clarence Greiber, Howard Campion,
Walter Sahlin und viele andere, die nicht namentlich genannt werden koennen, die fortwaehrend mitgeholfen haben, das nationale
Lehrlingsprogramm und seine Ideen und Ziele zu foerdern.
In einer Zeitspanne von mehr als 16 Jahren sind die beiden
Gruppen zu der Erkenntnis gekommen, dass es nicht notwendig und
nicht ratsam ist, Schwierigkeiten und Mi3svers^aendnisse einfach
zu ignorieren. Auch waere es unklug, nicht zugeben zu wollen, dass
diese Missverstaendnisse fortbestehen, nur weil keine Versuche
unternommen werden, sie in ehrlicher und offener Aussprache zu
beseitigen.
Die Oeffentlichkeit wird sich daran erinnern, dass in der
ersten Zeit des Bestehens der beiden Grupnen mit mehreren tuechtigen Fachleuten eine Vereinbarung ausgearbeitet wurde, in der die
Funktionen der beiden Gruppen gemaess der Auffassung ueber die
Stellung eines Lehrlings, ob Arbeitnehmer oder Schueler, festgelegt wurden. Dieses Dokument hat sich bei der Umgrenzung der
beiderseitigen Taetigkeitsbereiche als ungeheuer wertvoll erwiesen.
Auch die oertlichen und staatlichen Behoerden fuer Berufsschulung, die staatlichen Lehrlingsaemter und die Mitglieder des
Personalstabes, die mit der Aussenarbeit betraut sind, koennen
nicht genu,? Anerkennung fuer die aussergewoehnliche Umsicht erfahren, mit der sie an geneinsame Probleme herangingen, ihre Ansichten austauschten, wo es noet/ig war, konstruktive Kritik uebten,
und in vielen Faellen Schwierigkeiten durch schriftliche Abmachungen beseitigten, in denen sie festlegten, in welcher Form zusammengearbeitet werden sollte. Noch in den letzten Jahren sind Beauftragte der Vereinigung der amerikanischen Eerufsschullehrer
in etwa sechs Faellen mit fuehrenden Mitgliedern des Amtes formell
zusammengetreten, um die gegenseitigen Beziehungen zu eroertern
und freundschaftliche und praktische Abmachungen ueber die beiderseitige Politik und die gemeinsame Arbeit zu treffen. Das Buero
- 6-

�fuer Lehrlingswesen ist immer stolz auf diese guter, Beziehungen gewesen und bemueht sich, die getroffenen Abmachungen auch gewissenhaft einzuhalten.
Eines der "^roble^e, die beide Teile geneinsam interessierten und bei zahlreichen Gelegenheiten besprochen wurden und fuer
das die Berufsschullehrer ausschliesslich verantwortlich sind,
ist die Berufsschulausbildung fuer Lehrlinge. Die Schwierigkeiten sind durchaus bekannt, die die staatlichen und oertlichen
Berufsschullehrer hatten, um genuegend Geldmittel fuer diesen
Zweck zu bekommen. Niemals ist die Tatsache verkannt worden,
dass die Berufsschulausbildung ein notwendiger und grundlegender
Bestandteil des Lehrlingswesens ist, und die Allgemeinheit ist
ueberzeugt, dass ihre Bedeutung, weit groesser ist, als die Zeit
vermuten laesst, die man ihr im allgemeinen widmet. Wenn von
der Berufsschulausbildung gesprochen wird, muss darauf hingewiesen werden, dass ihr mehr Zeit gewidmet werden muesste. Es ist
das Bestreben des Amtes, jedem Lehrling in den Vereinigten Staaten eine Berufsschulausbildung zuteil werden zu lassen, die an
Q,ualitaet und Q,uantitaet nichts zu wuenschen uebriglaesst. Dies
war jedoch immer und muss auch immer eine Funktion der Berufsschulen sein. Der wertvolle Beitrag der Berufsschullehrer zum
Lehrlingswesen wird in dieser Richtung trotz verwirrender und
oft unueberwindlich erscheinender Schv/ierigkeiten stets geschaetzt.
Es ist ein Glueck fuer die Vereinigten Staaten, dass sie
heute ueber die Erfahrungen einer 16-jaehrigen Zusammenarbeit
verfuegen, denn in dieser gefaehrlichen Situation von heute kommt
es darauf an, noch enger als bisher zusammenzuarbeiten. Man muss
alle Gefahren ins Auge fassen, die sich ergebenden Konsequenzen
daraus ziehen und versuchen, entsprechend ausgerichtete wirksame
Programme vorzubereiten. Wenn die USA in eine entscheidende
Krise verwickelt werden, werden alle Kraefte bis zum Aeussersten
angespannt werden muessen, um der Industrie zu helfen, dass sie
die Arbeitskraefte zur Produktion der riesigen Mengen an "Zaren,
die gebreucht werden, richtig einsetzt. In diesem Fall muss die
gemeinsame Arbeitsgruppe, die bereits erwaehnt wurde, aeusserst
aktiv sein und sehr oft zusammentreten.
Wenn die USA in Kuerze einer umfassenden Krise gegenueberstehen sollten, werden die Probleme, die geloest werden muessen,
sehr verschieden von denen sein, die vor 10 oder 15 Jahren bewaeltigt werden mussten.
Unmittelbar vor dem 2. V/eltkrieg verfuegten die Vereinigten
Staaten ueber ein grosses Reservoir an Arbeitskraeften, die der
Industrie zugefuehrt werden konnten. Es gab z.B. eine betraechtliche Zahl Arbeitsloser. Mehrere Millionen Frauen waren zuvor
nie erwerbstaetig gewesen. Es gab ausserdem viele Personen,
die auf Grund ihres Alters oder koerperlicher Maengel zwar nicht
arbeiteten, aber doch bis zu einem gewissen Grade arbeitsfaehig
waren. 100.000 dieser Leute wurden in Berufsschulen ausgebildet
und daraufhin in Ruestungsfabriken beschaeftigt. Ohne diese Reserve waeren die Bemuehungen zur Steigerung der Ruestungsproduktion niemals so erfols-reioh gewesen.
Heute verfuegen die USA nicht ueber diese umfangreichen Reserven. Eine Arbeitslosigkeit besteht praktisch nicht. Viele
Frauen und Koeroerbehinderte sind bereits laengst berufstaetig.
Im uebrigen werden mehrere Millionen junger Leute dem Arbeitsmarkt
entzogen, um bei den militaerischen Streitkraeften Maschinengewehre zu bedienen, Schiffe zu bemannen und Flugzeuge zu steuern.
- 7-

�Wenn die Produktionsleistung unter solchen Bedingungen gesteigert-worden soll, gibt es keine andere Moeglichkeit, als die
Faehigkeiten der bereits Beschaeftigten zu erhoehen.
Dieses Problem der Berufsausbildung im Dienst der amerikanischen Industrie kann bearbeitet werden, ohne dass zu diesem
Zwecke neue Behoerden gebildet werden. Seit dem 2. Weltkrieg
haben sich die beiden Gruppen ausdruecklich und unbedingt an
diesen Grundsatz gehalten. Es ist lediglich erforderlich, die
Richtlinien so auszuarbeiten und die Taetigkeiten so zu lenken,
dass ein derartiger Schritt nicht notwendig wird.
Die Maenner und Frauen, die auf diesen Gebieten taetig sind,
sind sich bewusst, dass sie nicht nur einen Arbeitsolatz ausfuellen, sondern dass sie gemeinsam ein Ziel erstreben. Sie wollen
weiter arbeiten, wie sie es auch in der Vergangenheit getan haben, wobei folgende Ziele ihnen vorschweben moegen: Den nationalen Wohlstand zu foerdern, das wirtschaftliche Wohlergehen des
amerikanischen Volkes zu verbessern und dem Lande eine unueberwindliche Verteidigung zur Verfuegung zu stellen.
U.S. Arbeitsministerium
12/1/50
ZAHL DER WEIBLICHE?! AR3EIT5 KRAEFTE IN AMERIKA STEIGT
Prozentualer Anteil der weiblichen Arbeitskraefte an der
Erwerbsbevoelkerung der Vereinigten Staaten in den Jahren 1870-1949

Dem statistischen Buero der
Vereinigten Statten zufolge hat
sich die Zahl der weiblichen Bevoelkerunr im Alter von ueber 14
Jahren in der Zeit von Oktober
1949 bis Oktober 1950 um 680.C00
erhoeht.
sIa gleichen Zeitraum ist die
Zahl der erwerbstaetigen Frauen
um 1.093.000 angestiegen, deren
Zahl sich damit im Oktober 1950
auf insgesamt 18.668.000 belief.
Die T-roesste Beseheeftigunrszunähme in diesen 12 Moneten" ist bei
jenen Freuen zu verzeichnen, die
in nichtlendwirtscheftlichen Indus triezweis^en beschaeftigt sind.
Ihre Zahl steigerte sich um 599.000
insgesamt, damit heben die Frauen
im Oktober 1950 die 16 1/2 Millionen Grenze uebsrschritten. Die
weiblichen Arbeitnehmer in der
Lendwirt3Cheft, deren Zahl sich
im Oktober 1950 auf insgesamt
1.902.000 belief, hetten seit dem
gleichen Monat des Vor/iahres eine
Zunahme von 494.0C0 zu verzeichnen.

Die_Zahl der berufstaetigen
Frauen in den bereinigten Staaten
uebertrifft somit die Gesamtzahl
der deutschen Berufstaetigen einschliesslich aller .*rbe4tslosen.
Labor Information Bulletin
XII/50
- B-

�IN ENGLAND ENTSCHEIDEN SIE BERGLEUTE S5IBST UEBER IHRE ZUKUNFT
Die Besprechungen uebar den englischen Fuenfzehnjahresplan
werden von den Mitgliedern der Beratungsausschuesse der Kohlenbergwerke gefuehrt, die alle ein Exemplar dieses groessten Programms auf weite Sicht erhalten haben, das die britische Industrie
je gekannt hat.
Die ersten Erklärungen zu dem Programm wurden im November
den Mitgliedern des Landes-Beratungskoiaitees von dem Vorsitzenden
der obersten Kohlenbehoerde gegeben. Die gemeinsame Beratung
wird fortgesetzt, und die Betriebsleiter und Arbeiter jeder Abteilung studieren die Einzelheiten, die vor. unmittelbarer Bedeutung fuer sie sind.
Die Bergarbeitergewerkschaft hat bereits offiziell dieses
ausgeglichene Programm der Kapitalentvvicklung gebilligt, das den
Zweck hat, Arbeitskraefte, Geld und Maschinen so zu verwenden,
dass die besten Ergebnisse erzielt werden koennen.
Wie ein Sprecher erklaerte, waren sich die Bergarbeiter immer
der Bedeutung der Herausstellung der Leistungsfaehigkeit bewusst,
und sehen nun eine Gelegenheit, ihre Hoffnungen zu verwirklichen.
Der ""lan kann jedoch nur gelingen, wenn er von der Industrie
wohlmeinend mit allen Mitteln unterstuetzt wird.
Die Vorschlaege zu diesem Fuenfzehn Jahresprogramm, das en
sich nicht an feste Quoten gebunden ist, sehen eine Steigerung
der jaehrlichen Kohlenfoerderung Englands um 36 Millionen Tonnen
bei einer Senkung der Zahl der Bergarbeiter um 80.000 vor.
Es wird weniger Gruben geben, aber mehr Destillierwerke. Es
werden sich groessere Stollen in den Gruben finden, zum Zerkleinern und Abtransport der Kohle wird weitgehend von elektrischer
Energie Gebrauch gemacht werden. Den Bergarbeitern werden in
groesserem Masse Badeeinrichtungen an den Ausgaengen der Gruben
zur Verfuegung stehen, sie werden mit groesserer Sicherheit arbeiten, und man wird sich eingehender als bisher mit Wohlfahrtseinrichtungen fuer sie befassen.
Diese Aenderungen koennen nicht sofort vorgenommen werden;
es kann bis zu zehn Jahren dauern, bis ein rrosses, modernes Kohlenbergwerk in vollem Ausmass produzieren kann.
Weil eine groessere Mechanisierung hoeheren Ausstoss mit
sich bringt, werden die Gestehungskosten fuer jede Tonne Kohle
um deben Schillinge fallen.
Nicht alle Gewinne werden in Form niedriger Teise der Oeffentlichkeit zufliessen. Die Maenner, die im Bergbau arbeiten, werden
besonders beruecksichti/rt werden, da die oberste Kohlenbehoerde
den Grundsatz akzeptiert hat, dass die Loehne im gleichen Masse
erhoeht werden, in dem die Produktionsleistung steigt.
Den HauTtanteil der Gestehungskosten fuer Kohle bilden die
Loehne (nahezu zwei Drittel). Obwohl das Komitee sich nicht verpflichten wuerde, eine bestimmte Lohnpolitik zu betreiben, hat es
teschlossen, bei der Errechnung der Gestehungskosten an Hand der
Loenne drei Voraussetzungen zugrundezulegen:
Die Unterschiede In den Lohntarifen der einzelnen Gebiete
werden ausgeglichen, die verschiedenen Lohnstufen werden .jetzt
bleiben, und die Loehne als Ganzes werden nur erhoeht, wenn auch
- 9-

�die Produktionsleistung steigt, wobei jedes Gebiet mit Kohlevorkommen getrennt behandelt wird.
Die groesste Aufgabe wird es sein - dessen ist sich auch die
Behoerde bewusst - die Belegschaftsstaerke der Bergwerke beizubehalten.
In vielen Faellen wird es schwierig sein, neue Arbeiter einzustellen. Die Behoerde rechnet damit, dass nur in wenigen Bezirken ueberzaehlige Bergarbeiter Schwierigkeiten haben werden,
einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Als ein Hauptproblem sieht
man die Tatsache an, dass man im allgemeinen bestrebt ist, ueberzaehlige Arbeiter zu halten, anstatt sie zu veranlassen, in anderen Industrien Arbeit zu finden.
Die Gefahr einer weitverbreiteten Arbeitslosigkeit ist sehr
gering. Allgemein gesprochen, wird Neuorganisierung nichts weiter
bedeuten als eine Reihe von Arbeitsplatzwechseln in andere Gruben.
Fuer solche Wechsel ist den Arbeitern versprochen, dass ihnen alle
interessierten Stellen der naechsten Umgebung beratend zur Seite
stehen werden.
Die Kohlenbehoerde hat in ihren Richtlinien jede Rueckkehr
zu jenen Tagen von vornherein ausgeschlossen, als die Bergwerke
ueberbelegt waren und die Bergleute bei geringerer Nachfrage nach
Kohle arbeitslos wurden. Dadurch, dass man die Arbeiter je nach
den Schwankungen im Absatz zu Produktions- oder Ausbauarbeiten
heranzieht, will man die Fuenf tage-Yvoche beibehalten und eine
stabile Beschaeftlgtenziffer sichern.
Der Plan ist nicht unabaenderlich festgelegt, sondern er unterliegt fortwaehrenden Veraenderungen, da die Richtigkeit der Erwartungen staendig nach^eprueft wird.
Dadurch, dass man den Preis fuer jede Hauptkohlensorte in 'edem Absatzgebiet so weit wie moeglich in Uebereinstimmung mit den
Produktions- und Transportkosten festlegt, will die Behoerde dafuer sorgen, dass jede Verbrauchergrupne fuer die Kohle, die sie
braucht, einen angemessenen Preis zahlt. Die Preise fuer die einzelnen Absatzgebiete werden jedoch nicht endgueltig festgelegt
werden, sie werden aber mit den Veraenderungen in der Versorgung
mit verschiedenen Kohlensorten und der Nachfrage schwanken. Andere Faktoren, die berücksichtigt wurden, waren das erforderliche
Kapital und natuerliche Hilfsquellen. Die Behoerde hofft, die noetigen Ausruestungen und Finanzmittel fuer ihre Projekte zu bekommen, zumal Untersuchungen ergeben haben, dass ein Mangel an Kohlevorkommen fuer viele Generationen unwahrscheinlich ist.
Eine Besorgnis erregende Tatsache ist jedoch, dass die be^te
und billigste Kohle bereits abgebaut ist, insbesondere jene Sorten, die sich zu Hartkoks fuer die Stahlindustrie verarbeiten
lassen. Auf der anderen Seite hofft die Kohlenbehoerde, die
Schwierigkeiten, die zur Zeit durch die Nachfrage der Verbraucher
nach besonderen Kohlensorten entstanden sind, ueberwinden zu koennen. Unter anderem beabsichtigt man, durch eine Form der Preisrsgelung, eine bessere Verteilung der einzelnen Sorten und verbesserte Methoden beim Mischen der Kohle der gesamten Nachfrage gerecht
werden zu koennen.
Das Programm der Neuorganisation enthaelt keine Angaben ueber
die Gruben, die geschlossen oder wiederaufgebaut werden sollen.
Diese Entscheidungen bleiben den oertlichen Betriebsleitungen
ueberlassen, die fuer die Durchführung der Einzelphasen des ^lanes
verantwortlich sind.
- 10 -

�Die oberste Kohlenbehoerde ist der Auffassung, dass sie bei
der Ausarbeitung dieses Programms auf lange Sicht sich konservativ verhalten hat. Sfen erwartet von den Arbeitern in der Zukunft
keine groesseren Anstrengungen als sie zur Zeit fuer ihre Arbeit
aufwenden. BSan hat sich auch nicht auf technische Erfindungen
gestuetzt, die gerade im richtigen Augenblick zu Hilfe gekommen
waeren.
Um noch weiterzugehen, erklaert die Behoerde, sie habe in
"einem Gemisch vernuenftiger Erwartung und hoffnungsvollen Denkens" gehandelt. Nachdem sich nun die Produktionsmoeglichkeiten
und die Tendenzen in der Nachfrage klar abgezeichnet haben, kann
der Plan abgeaendart werden. Er wird in jedem Falle staendigen
Revisionen unterliegen.
"fie vorsichtig die Schaetzungen auch sein moegen, so hat
die Kohlenbehoerde doch ein Problem in Angriff genommen, das unbedingt einer Loesung bedarf.
Jedes kleinere und einzelne Projekt zur Neuorganisierung und
"odsrnisierung haette die Produktion nur auf den niedrigen Stand
von 1945 herabgedrueckt. Und der Preis fuer Kohle, der in den
letzten Jahren gesunken ist, wuerde erneut ansteigen, wie es 70
•Jahre lang der Fall war. Innerhalb von fuenf Jahren haette er
ohne einen derartigen ^lan fuenfmal so hoch sein koennen.
Das Programm muss nun einer gründlichen Untersuchung unterzogen wuerden, und zwar nicht nur von Persoenlichkeiten der Industrie, sondern auch von den Vertretern der Oeffentlichkeit in
den Ausschuessen fuer Kohleverbraucher und dem Ministerium fuer
Brennstoff und elektrische Energie. "Wir werden auch in Zukunft,"
erklaerte der Vorsitzende der obersten Kohlenbehoerde, "uns nach
neuen Ideen umsehen und solche Ideen begruessen, soweit es sich
um gesunde und vernuenftige Vorschlaege handelt."
Labour
XII/50
GERECKTES AKKORDSY5T5M STEIGERT PRODUKTIONSLEISTUNG
Die Produktionsziffern der englischen Industrie gehen staendig in die Hoehe. V/ie ist dies ohne zusaetzliche Arbeitskraefte
und ohne schwerere Arbeit moeglich? Das Staatliche Buero fuer
./irtschaftsinformationen hat sich mit 107 Firmen in Verbindung
gesetzt und hat drei eindeutige, aber keineswegs nagelneue Antworten auf diese Frage erhalten:
Gemeinsame Beratung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern,
gerechte Akkord-Systeme und Betriebsinformationen.
Die Untersuchungen haben dieses Buero zu einer grossen Zahl
.^roesserer und kleinerer Betriebe gefuehrt. Ein Fuenftel der
Betriebe zaehlen mehr als 1000 Arbeiter, ein Viertel weniger als
250. Auch die Art der Waren, die sie produzieren, ist sehr verschieden.
Unter Zuhilfenahme der Geschaeftsbuecher der einzelnen Firmen
ist eine Liste zusammengestellt worden, aus der zu ersehen ist,
wie die Produktion gesteigert, die Gestehungskosten und Preise
gesenkt und die Loehne der Arbeiter erhoeht worden sind.
- 11 -

�Diese Zusammenstellung ist sehr aufschlussreich. In 75 Firmen fuehren Vertreter der Unternehmer und Arbeiter gemeinsame Besprechungen. Gerechte Akkordsysteme spielen in 72 Faellen eine
bedeutende Rolle, waehrend 45 Firmen ihre Produktionsziffern dadurch steigern, dass sie ihre Arbeiter uebar die Erzeugnisse des
Betriebes, den Absatz, die ^roduktionsquoten, die Gestehungskosten und die bereits erzielten Erfolge eingehen unterrichten.
"Viele Firmen bedienten sich dieser drei Methoden mit grossem
Erfolg. Zwei Beispiele zeigen, wie fortschrittliche Unternehmer
mit einsichtigen Arbeitern eintraechtig zusammenarbeiten, um die
Produktionsleistung zum Nutzen der Firma, ihrer Arbeitnehmer und
ihrer Kunden zu steigern.
Die Technischen Vferke in Leeds z.B. koennen von einer "Produktivitaetssteigerung um 44% seit 1947 berichten. Der Mangel an
Treibstoff, der in jenem «Tahre geherrscht hat, ist fuer dieses Unternehmen zur Veranlassung geworden, seine 55 Kilowatt-Dieselgeneratoren zu normen. Das Erzeugnis der Firma ist ab heute geaendert, um eine guenstigere Verwendung des Rohmaterials zu gewaehrleisten, und um die Produktion des genormten Produktes zu beschleunigen, ist eine umwaelzende Neuordnung der Betriebsanlagen
durchgefuehrt worden.
Frueher sind spezialisierte V.'erkzeugmaschinen nur im beschraenkten Masse verwendet worden, um Einzelteile fuer eine Vielzahl von Maschinen herzustellen. Nach der Neuorganisation sind
die Yferkzeugmaschinen, in Gruppen geordnet aufgestellt, in voraus
sorgfaeltig eingerichtet, damit die maschinelle Arbeit in ununterbrochenen Fliessbandsystem ausgefuehrt werden kann. Die Arbeiter
sind waehrend dieser Neuorganisation genauestens ueber die einzelnen Vorgaenge unterrichtet worden, ebenso sind die Plaene dem
gemeinsamen Produktionsausschuss laufend vorgelegt worden. Auf
diese Weilst ist es moeglich gewesen, sich die Mitarbeit der Belegschaft bei dieser Neuorganisation zu sichern.
Und die Ergebnisse? Fuer die Verbraucher eine 25%ige Preissenkung, fuer den Unternehmer eine 10%ige Verminderung der Produktionskosten und fuer 1800 Arbeitnehmer eine Steigerung ihrer Loehne um durchschnittlich sechs Schillinge bis zu einem ^fund Sterling,
wobei die Lohnverbes3erungen im Rahmen des nationalen Lohngesetzes
nicht beruecksichtigt sind.
Im Suedwe3ten Englands sehen wir das zweite Beispiel: In
Avonmouth (Bristol) werden den Arbeitern fuer die Erzeugung von
Zink, Schwefelsaeure und Industrie-Chemikalien Leistungspraemien
gezahlt. Die Zinkproduktion hat sich seit dem Kriege um 20% und
die der Schwefelsaeure um 25% gesteigert. Die 7/ochenloehne der
Arbeiter sind dadurch um einen Betrag von dreissig Schillingen bis
zu zwei Pfund Sterling in die Hoehe gegangen.
Die Leistungspraemien werden in den verschiedenen Industriezweigen nicht eher eingefuehrt, als bis in Sondersitzungen mit
Unternehmer- und Gewerkschaftsvertretern alle Einzelheiten des
Systems ausgearbeitet sind und eine Abmachung zustande gekommen
ist, zu der sich 90% der 1500 Arbeiter dieses Betriebes bekennt
haben. Leistungsprämien koennen auch in den Warenlagern gezahlt
vyerden und sind selbst fuer die jungen Leute vorgesehen, die mit
dem Fahrrad Botengeenge ausserhalb der Fabrik verrichten.
Praktisch ist jede Arbeit in diesen Betrieben vom Hofreinifer
bis zum Reparieren der Pumoen und Wiederaufbauen der Retorten ger&gt;rueft und zeitlich bemessen worden. In allen Faellen ist es den
- 12 -

�'&lt;.

Arbeitern moeglich, sich an die Zeitnehmer zu wenden und eine Angleichurlg der Zeit zu erwirken, wenn dies erforderlich ist.
Fuer die Maschinentechniker, Klempner, Maurer und andere
Handwerker sind Akkordsysteme eingefuehrt worden, denen eine Untersuchung ausschlaggebender Leistungseinheiten zu Grunde liegt.
In jedem dieser Systeme ist der Vorarbeiter der wichtigste
Mann. Er prueft die Zeiten, die fuer die Arbeitsgaenge gebraucht
werden. Wenn die Ausfuehrung der Arbeit schlecht ist, kann er
darauf bestehen, dass sie noch einmal verrichtet wird oder die
Praemie nur fuer den Teil gezahlt^wird, der zufriedenstellend ausfaellt. Der Vorarbeiter selbst arbeitet nach einem Leistungspraemien-System, das sich auf die Arbeitsleistung seiner Arbeiter
gruendet.
Diese 105 Faelle, die man untersucht hat, sind ein klarer
Beweis dafuer, dass die englische Industrie ueber ein grosses Mass
an Erfahrung und Wissen verfuegt, das ausgewertet werden kann wenn es die Unternehmer nicht fuer erniedrigend halten, mit den
Vertretern ihrer Arbeiter neue Methoden zu besprechen, bevor
die Fabriken in Betrieb gesetzt werden, und wenn die Arbeiter
nicht zu mi3strauisch oder zu konservativ sind, sich damit einverstanden zu erklaeren, eine neue Idee auszuprobieren, nachdem
sie sie sorgfaeltig geprueft haben.
Labour
6/50
MEANY ZUR ROLLE DES RUNDFUNK- UND FEP.NSEKWSSENS
"Dieses neue und maechtige Beeinflussungsmittel darf nicht
voellie- der Industrie als Propagandawerkzeug zur Steigerung ihres
Absatzes ueberlassen werden."
Dies sagte George Meany, der Hauptkassierer der AFL, vor
der bundesstaatlichen Kommission fuer Rundfunk- und Fernsehwesen.
Er schloss sich der Bitte einer Grupoe Erzieher an, dass ein gewisser Prozentsatz der Fernsehsendungen ausschliesslich fuer erzieherische Zwecke verwendet werden soll. "Wir wollen, dass
unsere Kinder durch die Fernseheinrichtungen mehr lernen koennen
als nur die Kenntnis einer ausgezeichneten Geschaeftsreklame."
n

Die Regierung ist dem amerikanischen Volke sehr vieles
schuldig. Sie sollte die Kinder der Nation und die Erwachsenen
vor den uebertriebenen Haendlergeist bewahren, dem sie zur Zeit
ausgesetzt sind."
Meany stellte fest, dass die bestehenden Fernsehstationen
es versaeumt haetten, sich zu einem Forum fuer die verschiedenen
Meinungen zu den nationalen und internationalen Problemen zu
entwickeln, und erklaerte: "Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, finden in dem IleL.leben zahlloser amerikanischer Familien und den Erziehunpsmoeglichkeiten der kommenden Generationen ihren Niederschlag."
^r wies ferner darauf hin, dass die amerikanische Arbeiterschaft das Erziehunrswesen immer unterstuetzt hat, weil sie zu
der Erkenntnis gekörten ist, dass "ein intelligentes Volk aufeeklaert sein muss." 3r betonte, dass es "die arbeitenden Maenner und Frauen Amerikas waren, die den Kampf fuer die Errichtung
eines freien und oeffentlichen Schulsystsms gefuebrt haben.*'
- I*7 -

�Die Gewerkschaften haben sich fuer der üeffentlichkeit zugaengliche Hochschulen eingesetzt und sind heute an den Universitaeten
und Volkshochschulen ausserordentlich interessiert.
Durch die Entwicklung des Rundfunks und des Fernsehwesens
sind die Erziehungs- und Informationsmoeglichkeiten sehr stark
ausgedehnt worden, man habe jedoch zur Foerderung der allgemeinen
Erziehung und zur Propagierung sozialpolitischer Programme nur
in beschraenktem Masse von den Rundfunk- und Fernseheinrichtunsren
Gebrauch gemacht, und ndie Geschichte der letzten £5 Jahre hat gezeigt, dass der Rundfunk nicht die grosse erzieherische Rolle gestielt hat, die man von ihm erwartete."
"Die fortschrittliche amerikanische Arbeiterschaft ist der
Auffassung, dass hoshere Loehne und bessere Arbeitsbedingungen, so
lebenswichtig sie sind, weder das einzige Interesse der Arbeiter
darstellen, noch die einzige Verantwortlichkeit sind, die die Unternehmer ihren Arbeitern gegenueber zu tragen haben. Die Gewerkschaften wie auch die Unternehmer vertreten die Auffassung, dass
die Erziehung fuer den Arbeiter von vordringlicher V/ichtigkeit ist.
Ein aufgeklaerterer Arbeiter ist leistungsfaehiger. Er lernt in
kuerzerer Zeit mehr, verrichtet seine Arbeit besser und steht innerhalb der Gemeinschaft auch nachdruecklicher seinen Mann."
Daily News Service
XIl/6/50
AFRIKANISCHE GEWERKSCHAFTSFÜHRER UNTERSTREICHEN DIE BEDEUTUNG
DER ARBEIT ^BILDUNG
Bei der feierlichen Uebergabe des Samuel-Gompers-Oedaechtnisfonds an das Roosevelt-College in Chikago, der sich auf ICO.000
Dollar belaeuft, erklaerten fuehrende Funktionasre der Gewerkschaften, der Fortschritt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
haenge groesstenteils von der Ausbildung ab, die den Gewerkschaftsmitgliedern zuteil '.&lt;erde.
William Green, der Vorsitzende der AFI, fuehrte in diesem
Zusammenhang aus: "»ir waren bisher vielleicht zu sehr geneigt,
unseren Fortschritt nach den I'itgliederzehlsn allein zu bemessen d.h. eher nach quantitativen als nach qualitativen Normen
Nur in dem Masse, in dem wir erziehen und auch werbend wirken,
koennen wir die Gewissheit haben, dass die Struktur der organisierten Gewerkschaftsbewegung in Amerika erhalten bleibt und sich fortwaehrend verbessert."

Der Vorsitzende des CIO, Philip Murray, wies darauf hin, da-rs
"unsere hoeheren Lehrinstitute bis vor kurzem noch der Gewerkschaftsbewegung gegenueber entweder unfreundlich oder irgendwie gleichzeitig eingestellt waren oder ihr sogar den Ruecken kehrten."
Im Roosevelt-College wird die Arbeiterbildung auf der gleichen
Basis wie die Ausbildung in Kuensten und '..'issenochaften betrieben.
Sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften sind im Treuhaenderausschuss vertreten, '"alter Reuther, der Vorsitzende der üUtomobilarbeitergewerkschaft des CIO, und Morris Bialis von den Damenoberbekleidungsarbeitern der AFL sind Mitglieder dieses Ausschusses.
V.'eekly Labor News Direst
Vol. V - Nr. 51
XII/20/50

- 14 -

�AUSBILDUNGSIMSTITUT FULR DIE WIRTSCHAFTLICHE PLANUNG ASIATISCHER
ENTWICKLUNGSPROJEKTE
In Lahors (Pakistan) ist das erste regionale Schulungsprogramm fuer Volkswirtschafter, Techniker und Verwaltungsbeamte angelaufen, die sich mit der Planung und Finanzierung landwirtschaftlicher Entwicklungsprogramme befassen. An dem Lehrgang nehmen mehr als 50 Regierungsbeamte aus vorderasiatischen Laendern
und dem Fernen Osten teil. Es handelt sich um eines der ersten
groesseren Schulungsprogramme, die durch das erweiterte technische
Unterstuetzungsprogramn unter der Schirmherrschaft der Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen
und der Internationalen Bank fuer wirtschaftlichen '.Vi ede rauf bau
und Entwicklung ermoeglicht wurden. Zweck dieses Lehrganges ist,
die Beamten asiatischer Laender in der Vorbereitung wirtschaftlicher Entwicklungsprojekte zu unterrichten und ihre Faehigkeiten
auf diesem Gebiet zu vervollkommnen, da:..it derartige Projekte
von den staatlichen Verwaltungsbehoerden und den internationalen
Finanz-Instituten besser bearbeitet werden koennen. Es ist oftmals von verschiedenen Finanzinstituten - wie z.B. der Internationalen Bank - darauf hingewiesen worden, dass schlecht ausgearbeitete Skizzen ueber wirtschaftliche Entwicklungsprojekte eine erhebliche Schwierigkeit fuer den wirtschaftlichen Fortschritt
unterentwickelter Laender darstellen.
Der Lehrplan des Instituts umfasst folgende Gebiete:
a) Die Auswirkung besonderer Projekte auf die wirtschaftlichen Verhaeltni3se eines Landes und die ~laene fuer die
zukuenftige Entwicklung bestimmter Industriezweige und Projekte, bestehender und geplanter Absatzmoeglichkeiten,
Transportwesen, Kredit-Institute fuer die Landwirtschaft
sowie Schulen und andere staatliche Einrichtungen.
b) Voraussichtliche Kosten und Gewinne aus wirtschaftlichen
Entwicklungsprojekten. Kostenvoranschlaege fuer technische
Plaene, Bau- und Arbeitsprojekte und technische Produktionseinrichtungen, das Studium landwirtschaftlicher Projekte
unter Berücksichtigung der dar&amp;u?. entstehenden Einnahmen;
zusammenfassende Finanzberichte ueber Ausgaben und Einnahmen.
c) Besondere Probleme und die verschiedenen Arten der Entwicklungsprojekte. Kuenstliche Be- und Sntwaesserung, Flussregulierung, Bodenkultivierung, Vertriebs- und weiterverarbeitende Unternehmen, die kombinierte Ausbeute der natuerlichen Hilfsquellen, Transport- und Informationswesen, Gesundheitsprobleme, agronomische Fragen in- und auslaendischer
Maerkte zum Absatz der Erzeugnisse und die indirekte Auswirkung aller dieser Probleme auf die Staatseinnahmen.
d) Organisation und Verwaltung der Projekte. Gerichtsbarkeit, Organisationsform, Machtbereich und Aufgaben, PersonalPolitik, Ueberwachung und Rechnungsfuehrung, Beziehungen zur
Landwirtschaft und anderen Industrie-Zweigen, Auswahl und
Ausbildung der Siedler, Vorarbeiter, Mechaniker, die Bearbeitung von Kolonisierungs- sowie Ein- und Auswanderungsnroblemen.
e) Finanzfragen. Direkte Rueckerstattungen an die Farmer,
Siedler und andere Personen, die Erzeugnisse oder Dienstleistungen in Anspruch genommen haben, direkte Projekteinnahmen
in weichen und harten Waehrungen. Bedarf an inlaendischen
und ^ ausländischen Dienstleistungen und Materialien sowie
Kanitalien fuer nationale und internationale Finanzierungen,
- 15 -

�Finanzierungsmethoden eines Projektes und die Verwendung des
zur Verfuegung stehenden Kapitals.
f) Zusammenfassung aller Gesichtspunkte eines wirtschaftlichen Entwicklungsprojektes in einer Abhandlung, in der technische, verwaltungsmaessige und finanzielle Einzelheiten
festgelegt sind.
Den Teilnehmern an diesen Lehrgaengen wird die Moeglichkeit
geboten, besprochene Grundsaetze und Methoden bei der Bearbeitung
praktischer Entwicklungsprobleme und Projekte anzuwenden. Zusaetzlich zu den Informationen, die ueber aus^ev.aehlte Projekte
anzuwenden. Zusaetz-ich zu den Informationen, die ueber ausgewaehlte Projekte in Pakistan der Schule zur Verfuegung stehen
v/erden, erwartet man von den Lehrgangsteilnehmern aus anderen
Ltendern, dass sie moeglichst ausfuehrliche Informationen ueber
eine oder mehrere Entwicklungsprojekte in ihrem eigenen Lande
zu diesem Zwecke vorlegen.
Economic and Social Problems
in the United States
No. 10 Vol. 2
10/50
INDISCHE GEWERKSCHAFTEN ERKENNEN DIE KOMMUNISTISCHE GEFAHR
Hariharnath Shastri, der Generalsekretaer des Indischen Nationalen Gewerkschaftskongresses (INTUC) gab vor kurzem eine Erklaerung cb, in dir er ausfuehrte:
"Die Kommunisten greifen unsere Unabhaengi^keit unmittelbar
an; und das gleiche tun sie auf der ganzen Welt. Sie sind eine
Gefahr fuer die ganze 'Veit.
"Amerika und England repraesentieren die demokratischen
Kraefte. Einige sind der Auffassung, dass sie die kapitalistischen Kraefte repraesentieren. Das mag vor Jahren so gewesen sein;
die Verhältnisse haben sich jedoch geaendert. Sie habon ihre
imperialistischen Ansprueche laengst aufgegeben. Nun versuchen
sie ihr Bestes, um dia demokratischen Kraofte in der '.Veit zu staerkej
Amerika wuenscht, seine Stellung in der gesamten '/Veit auf demokratischer Ba3is beizubehalten. In der Hede Praesident Trumans sind
unlaengst die falschen Vorstellungen von angeblichen Machtanspruechen Amerikas zurueckgewiesen worden.w
Generalsekretaer Shastri, der kuerzlich auf dem Kongress des
INTUC von 2.000 Delegierten wiedergewaehlt worden war, fuhr fort:
"Fuer England, Amerika und Indien besteht eine gemeinsame Gefahr,
der wir ins Auge sehen muessen. Eine einzige Nation bedroht den
Frieden der Welt. Diese Macht ist fuer England und Amerika weniger gefaehrlich als fuer Asien. Starke Nationen koennen sich
selbst verteidigen, wir koennen es jedoch nicht."
Khandubhai Desai, der zum Vorsitzenden des INTUC wiedergewaehlt wurde, brachte die gleichen Ansichten zum Ausdruck.
In den vergangenen 18 Monaten sind 15 Gewerkschaften mit rund
100.000 Mitgliedern von insgesamt 1.434.000 aus dem INTUC ausgeschlossen worden, weil sie der von Moskau diktierten kommunistischen Linie folgten.
Program Services Section
Labour News Roundup # 7 3
XII/6/50
- 16 -

Hl.ui (li-1-51) wn&lt;r S U C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di* folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 5

Frankfurt, 2 Februar 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die britischen Gewerkschaften und der Marshallplan

1

Die jugoslawische Gewerkschaftsbewegung

4

Die industriellen Gewerkschaftsraete des CIO

6

Der erfolgreiche Kampf der ECA gegen den Kommunismus

8

Klauseln ueber Index-Loehne in amerikanischen Tarifvertraegen

10

Argentinischer'Gewerkschaftsbund1 zur IBFG-Konferenz in
Mexiko nicht zugelassen

11

Englands Benuehungen zur Steigerung der Produktionsleistung

13

Amerikas Gewerkschaften sichern den VerteidigungsMinistern ihre Unterstuetzung zu

16

DIE BRITISCHEN GL-; ^RKSCHAFTEN UND DER KAK3IIALLPLAN
Grossbritannien war die erste europaeische Nation, die sich mit allem
Nachdruck fuer die Verwirklichung des Marshallplanes einsetzte. Der erste
Anstoss zu diesem Plan ging von einer Rede des damaligen amerikanischen
Aussenministers George C. l.'arshall aus, der die Leitsaetze dieses Hilfsprogramms am 5. Juni 1947 in einer Rede vor der Harvard-Universitaet entwickelte.
Der britische Aussenminister Ernest Bevin, - ein fuehrender Funktionaer
der Gewerkschaften, bevor er seinen Regierungsposten

�uebernahm - tegab sich kurze Zeit darauf nach Paris, um hier
mit den Aussenministern Frankreichs and der Sowjetunion diesen
Pl£n zu eroerte n. Aber Russland verweigerte schon damals jede
Teilnahme, und einige Satellitenstaaten, die an den ersten Vorbesprechungen teilnahmen und grosses Interesse fuer diesen Plan
zeigten, wurde
bedeutet, dass sie mit dem Wirtschaftsfoerderungsprogramm der TJSA nichts zu tun haben duerften.
Trotz dieser Resistenzbefehle Moskaus beteiligten sich 16
europaeische Staaten am Marshallplan, wobei der britische Schatzkanzler Sir Stafford Cripps einer der aktivsten Foerderer wurde.
In den Vereinigten Staaten berief man drei fuehrende Gewerkschafter
in die Marshallplan-Kommission, damit die dringendsten wirtschaftlichen Peduerfnisse der europaeischen Staaten, soweit sie sich am
Marshallplan freiwillig beteiligten, erfuellt werden konnten.
Im Aj-ril 19^6 begann die Marshallplan-Hilfe mit ihrer
eigentlichen Arbeit. In der Zwischenzeit hatte sich in den
*
Vereinigten Staaten die FCA gebildet, die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit, waehrend die europaeischen Laender
aehnliche Organisationen bildeten wie die europaeische Zahlungsunion oder die OEEC, die europaeische Organisation fuer. wirtschaftliche Zusammenarbeit.
In jener Zeit existierte noch nicht der IPFG, der erst im
Dezember 1949 gegruendet wurde, und der damalige Weltgewerkschaftsbund befand sich voellig in den Haenden der Kommunisten. Eine Zusammenarbeit mit dem WGP war fuer die Ma^shallplan-Kommission
unmoeglich, die vorgesehenen Besprechungen wurden immer wieder
veMapt; vom November 1947 auf Fe1, ruar 1948, dann wieder auf den
Monat Mai des Jahres 1948.

Eine Fortsetzung dieser offensichtlichen Sabotagepolitik des
WGP haette bedeutet, dass die Gewerkschaften Europas voellig von
allen Verhandlungen des OPEC ausgeschlossen worden waeren. Aus
diesem Grunde beriefen die belgischen, hollaendischen und britischen
Gewerkschaften eine Konferenz aller freien und demokratischen
Gewerkschaften nach London ein. Hier wurde zu allen Problemen,
die sich aus der Planung und Durchfuehrung des Marshallprogrammes
fuer die freien Gewerkschaften ergaben, eingehend Stellung
genommen und ein Rat gebildet, der sich Gewerkschaftliches Peratungs
komitee fuer das ERP (Europaeisches Wiederaufbauprogramm) nannte
und sich als "T'JAC" konstituierte. Dieses Beratungskomitee der
Gewerkschaften wurde von der OEEC als offizieller Sprecher der
europaeischen Gewerkschaften anerkannt, es ist inzwischen durch
die Europaeische Regionalorganisation des IEFG, den Internationalen
Bund Freier Gewerkschaften, ersetzt worden.

Die britischen Gewerkschaften bildeten zu jener Zeit bereits
ein eigenes Komitee, dessen Vorsitz in den Haenden des Generalsekretaers Vincent Tewson lag und der mit dem britischen Schatzamt ueber ERP-Probleme staendig Beratungen pflegte. Die Vertreter
der britischen Gewerkschaften arbeiteten zugleich sehr aktiv bei
der Festlegung der Politik des Britisch-Amerikanischen Produktivitaetsrates, durch diese Kanaele floss vor allem die technischorganisatorische Unterstuetzung der britischen Wirtschaft im Rahmen
des Marshallplanes. Die ersten Entscheidungen in dieser Richtung
traf der Generalrat der britischen Gewerkschaften. Hier setzte
mitfrllemNachdruck der Gegenstoss der Kommunisten ein,'aber die
Delegierten des britischen Gewerkschaftskongresses billigten die
Politik ihres Generalrates in den Jahren 1948 und 1949 mit ueberwaeltigender Mehrheit. Darueber hinaus wurde auf dem Jahreskongress der Labour Party einstimmig eine Resolution angenommen,
die der Generalsekretaer der Gewerkschaft der oeffentlichen Arbeiter
eingebracht hatte.

- 2 -

�Die ersten Hilfslieferungen im Rahmen des Marshallprogramms
begannen im spaeten Fruehjahr 194-8. Es wurde bereits erwaehnt,
dass Grossbritannien das erste europaeische Land war, das sich
fuer den Marshallplan einsetzte. Es ist aber auch der erste
europaeische Staat, der auf eine weitere Foerderung durch den
Marshallplan verzichten zu koennen glaubt, weil seine Wirtschaft
sich weitgehend von den Kriegs- und Nachkriegsfolgen erholt hat.
Vom Spaetfruehling 1948 bis zum Dezember 1950 hat Grossbritannien an wichtigen Rohmaterialien und Nahrungsmitteln
Lieferungen im Werte von 700 Millionen Pfund Sterling erhalten,
was 12.316.223.800 Mark entspricht. 1948/49 betrug der Wert
der Marshallplanhilfe 2,5$ des gesamten britischen Volksvermoegens, 12$ der Gesamtimporte und 51% aller Importe' aus den
Dollargebieten.
Die gelieferten Gueter waren lebenswichtig fuer den Wiederaufbau der britischen Wirtschaft, aber ebenso wichtig fuer die
Beibehaltung der Vollbeschaeftigung und fuer die Aufrechterhaltung und Verbesserung des Lebensstandards der breiten Masse.
Die wichtigsten Lieferungen im Rahmen des Marshallplanes umfassten von April 1948 bis September 1950 folgende Gueter:
Gueter:

GesamtprozentWert in Millionen $: zahl der Einfuhr
dieses Gutes:

Zucker
Weizen und Weizenmehl
Speck
Kaese
Tabak
Baumwolle
Eauholz
Z e l l u l o s e und P a p i e r e r z e u g n i s s e
Schwefel
Aluminium
Kupfer
Blei
Zink

115,6
536,5
65,6
68,2
173,3

228,9
70,7
71,7
10,0
101,8
101,8

32,5
56,6

20$
54$
21$

23$

48$
34$
8$
12$
100$

9
S
28$
23$
52$

Maschinen und Ersatzteile sind ebenfalls als wichtige Posten
der Marshallplanlieferungen anzusehen. Druckereien, Oelraffinierungsanlagen, Wagenfabriken, Verpackungsbetriebe, Stahlwerke und Bergwerke haben alle mit Hilfe von ERP-Mitteln Maschinen
und Ersatzteile erhalten, aber ebenso sind landwirtschaftliche
Maschinen und Geraete sowie Textilmaschinen durch den Marshallplan importiert worden, ferner Bauholz und Nichteisenmetalle, die
durch ECA-Vereinbarungen eingefuehrt wurden und die in erster
Linie fuer den Bau von Wohnungen und neuen Werkanlagen Verwendung
fanden.
Alles in allem betrug die an Grossbritannien geleitete
Marshallplanhilfe je britischen Haushalt etwa 53 Pfund Sterling,
wie Schatzkanzler Hugh Gaitskell, der Nachfolger Sir Stafford
Cripps vor wenigen Tagen in einer Ankuendigung mitteilte, als er
die Beschluesse der beiden Haeuser der britischen Legislative der
Oeffentlichkeit bekannt gab, dass die Marshallplanlieferungen
nach Grossbritannien in Zukunft nicht mehr erforderlich sind, da
der Wiederaufbau der britischen Wirtschaft beendet ist.
Das bedeutet jedoch nicht, dass der britische Konsument ganz gleich, ob es ein Arbeiterhaushalt oder ein Industrie-

- 3-

�konzern ist - die Karshallplanlieferun^en nicht bezahlt hat, die er
benoetigte. aber die Konsumenten hatten diese Betraege in Sterling,
also in englischer "aehrung, an ihre eigene Regierung zu Zahlen. Die
Dollarzahlungen selbst werden durch Farshallplanmittel geleistet.
Der Ilarshallplan hat ebenso die Koeglichkeit geschaffen fuer
die Gruendung und In-Gang-Setzung der Europaeischen Zahlungs-Union,
wodurch der britische Handel mit dem Kontinent sich weiterhin ausdehnen laesst. Ebenso wird die Entwicklung bestirnter Ueberseegebiete und die Durchführung strategischer Materialplanungen durch
die ERP-Hilfe weiter angekurbelt. Das gleiche ist der Fall bei dem
technischen Unterstuetzungsprogramm im Hahnen des Punkt-Vier-Programms,
aber auch bei der Arbeit, des «nglo-Amerikanischen Produktivitaetskomitees.
Der Austausch solcher Erfahrungen hat bereits in umfangreichem 1/asse
stattgefunden und bleibt auch weiterhin ein Beitrag zur britischen
Produkt.ivitaetsfoerterung, der vor allem bei den Exportbemuehungen eine
so bedeutsame Rolle pielt.
Kehr als hundert britische Gewerkschafter - sowohl einfache Mitglieder der oertlichen Organisationen als auch festangestellte Funktionaere haben unter dem Leitstern des technischen Unterstuetzungsplanes als
Kitglieder des Anglo-Amerikanisehen Produktivitaetskomitees die Vereinigten
Staaten besucht. Ihre Hauptbeschaeftigung als LIitglieder dieses Komitees
war es, industrielle Methoden in den Vereinigten Staaten zu studieren,
aber sie brachten es fertig, zur gleichen Zeit eine Fuelle von Einzelheiten ueber die amerikanische Arbeiterbewegung und die von ihr angewandten Kittel und Methoden kennenzulernen, die dazu dienen, die Interessen des Arbeiters in einer produktionsintensiven Wirtschaft zu foerdern
und voranzutreiben.
Vom gewerkschaftlichen Standpunkt war von weit groesserer Bedeutung
der Besuch einer Gruppe Gewerkschaftsfunktionaere in den Vereinigten
Staaten, die im Herbst 1949 durchgeführt wurde. Diese Gruppe wurde
durch den Generalrat des britischen Gewerkschaftskongresses ausgewaehlt,
wobei die Vorschlaege der einzelnen Gewerkschaften zugrunde lagen. Der
Leiter dieser Besuchergruppe war der stellvertretende Vorsitzende der
britischen Bergarbeitergewerkschaft '..'. Lrnest Jones. Seine Aufgabe war
es, die Forschungs- und Produktivitaetsfoerderungsabteilungen der
amerikanischen Gewerkschaften zu studieren und gleichzeitig eine Richtschnur festzulegen, bis zu der diese Erfahrungen fuer den britischen
Arbeiter nuetzlich sein koennten - aufgrund dieser Feststellungen und
ihrer Auswertungen, zu denen sich auch die britischen Arbeiter bekannten,
erreichte die britische Produktivitaet bemerkenswerte Steigerungen. Die
Feststellungen dieser Besuchergruppe wurden unter den Titel "Gewerkschaften
und Produktivitaet" vom Britischen Gewerkschaftsbund (TUC) herausgegeben
und bildete den Anlass fuer viele Diskussionen ueber diese Fragen in
beiden Laendern.
ECA-Berichte London
12/21/50

Dp; JUGOSLAWISCHE GEMrSRKSCHAFTSBEM'EGUNG
(Vor kurzer Zeit besuchte eine norwegische Gewerkschaftsdelegation Jugoslawien. Aus dem umfassenden
Bericht wird der Abschnitt ueber die jugoslawische
Gewerkschaftsbewegung abgedruckt.)
Da ueber die Gewerkschaftsbewegung in Jugoslawien genauere Nachrichten
fehlen, hat eine Delegation der norwegischen Gewerkschaften die Verhaeltnisse in Jugoslawien studiert. Da die norwegischen Gewerkschaften noch in
letzter Zeit Studienreisen nach Russland durchfuehren konnten, hatten sie
Gelegenheit, genaue Vergleiche darueber anzustellen, welche Verschiedenheiten seit der Losloesung Jugoslawiens vom Ostblock zu verzeichnen sind.

-4 -

�Die Gewerkschaftsbewegung in Jugoslawien ist von der anderer
Laender sehr verschieden. In der Einleitung ihrer Satzungen heiert
es: "Die jugoslawische Gewerkschaftsorganisation vereinigt in ihren
Reihen die breite Hasse der Arbeiter und Angestellten mit der Aufgabe, sie fuer die Loesung aller Probiene des wirtschaftlichen
Lebens und des Staates zu aktivieren und zu einer intensiven sozialen
und politischen Betaetigung in jeder '.'eise heranzuziehen. Sie ist
damit eine Schule der Fuehrung und der Verwaltung, eine Schule des
Kommunismus, aus der die Fuehrer unseres wirtschaftlichen und politischer
Lebens hervorgehen".
Die Probleme und Aufgaben sind in den Satzungen ausfuehrlich beschrieben. An erster Stelle steht die Erziehung der arbeitenden
Klassen zu einem sozialistischen Bewusstsein im marxistisch-leninistischen Geist. An zweiter Stelle steht die Aufgabe, die Arbeiter zu
groesseren Leistungen in ihren Beruf zu erziehen. Erst an dritter
Stelle steht das Ziel, das vAt der Hauptaufgabe der freien, demokratischen Gewerkschaftsbewegung identisch ist: "Sich taeglich und
mit allen Mitteln um die Beduerfnisse der Arbeiter und ihrer Arbeitsund Lebensbedingungen zu kuemmern, taeglich fuer eine gerechte Einhaltung des Lohnsystems zu kaempfen und das Recht zu verwirklichen,
auf das die Arbeiter eines sozialistische« Staates Anspruch haben."
Da der Kapitalismus verschwunden ist, wird jeder Streik fuer nachteilig und zv/ecklos erklaert. Das Lohnsystem selbst wird zum Bestandteil der staatlichen 'Wirtschaftsplanung. Es wird durch Regierungsverordnungen und nicht durch T"\rif Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und den Staat bestimmt. Es wird jedoch hervorgehoben, dass
diese Verordnungen in gemeinsamen Beratungen mit den Gewerkschaften
ausgearbeitet werden. Auf der anderen Seite haben sich die Gewerkschaften in den einzelnen Betrieben mit zahlreichen weniger wichtigen
Angelegenheiten zu befassen, wenn einzelne Arbeiter oder geschlossene
Gruppen der Meinung sind, dass gegen die Verordnungen Verstössen wurde,
oder dass man sie zun Nachteil der Arbeiter falsch ausgelegt hat. Die
Hauptaufgabe der Gewerkschaften ist jedoch, die Arbeiternassen zu erziehen, sie zu fuehrer! und sie zur gesteigerten Produktionsleistung
anzuspornen. Sie sollen ausserdem eine weitreichende und vielseitige
soziale Taetigkeit ausueben.
Die jugoslawische Gewerkschaftsorg&lt;»nisation setzt sich aus 22
Einzelgewerkschaften zusammen, denen - mit nur wenigen Ausnahmen das System der Industriegewerkschaft zugrundeliegt. Abweichungen
hiervon sind auf nationale oder geographische Besonderheiten zurueckzufuehren. In jeder der sechs Volksrepubliken gibt es ein Zentralkommitee oder ein Sekretariat. Diese sind dem allgemeinen oder dem
geneinsamen Gewerkschaftsbund unterstellt. Kuerzlich wurde eine
Dezentralisierung durchgeführt, durch die der groes3te Teil dieser
Verwaltungsarbeit den Volksrepubliken ueberantwortet wurde. Etwa
90% Arbeiter des Landes sind organisiert. Die Gewerkschaftsvorstaende
und Funktionaere werden von den Mitgliedern gewaehlt. Die Gewerkschaftsfunktionaere jedes Betriebes waehlen alljaehrlich ihren oertlichen Gev.erkschaftsvorstand.
Alle drei Jahre v/erden von den Gewerkschaften Landeskongresse abgehalten, auf denen gleichzeitig ein Vorstand gewaehlt wird. Die Delegierten zu diesem Kongress werden durch Abstimmungen in den Betrieben
ernannt. Auch die Delegierten zun Kongress des jugoslawischen Gewerkschaftsbundes werden von den Gewerkschaftsmitgliedern gewaehlt. Ein
Betrieb mit mehr als 2000 Arbeitern ernennt einen Delegierten, kleinere
Betriebe waehlen gemeinsam einen Abgeordneten.
Die Ge\&lt;erkschaftsbeitraege betragen etwa 1^ der Loehne, d.h. 10
Dinar fuer je 1000 Dinar Monatseinkommens. Die Beiträge werden von den
Loehnen nicht abgezogen, sondern von Kassierern in den Betrieben gesammelt .

- 5-

�Fuer aktive Gewerkschafter verden Ausbildungskurse von verschiedener Dauer durchgeführt, und in Belgrad besteht eine Schule,
deren Lehrgaenge fuer Gewerkschafter sich ueber mindestens ein
Jahr erstrecken. Die einzelnen Gevierkschaften waehler "itglieder,
die sie als geeignet fuer den Besuch dieser Schule erachten. Auf
diese Ueise werden die Funktionaere und Angestellten der jugoslawischen Gewerks.chaftsorganisation ausgebildet.

DIE INDUSTRIELLEN Gg.äRKSCHaFTSRASTS PPS CIO
Die Arbeit der industriellen Gewerkschaftsraete des CIO
(Industrial Union Councils) hat in den letzter. Jahren ununterbrochen und in steigendem i:asse der Uohlfahrt der organisierten
Arbeiterschaft gegolten.
In der Entstehungszeit des CID, als die Grundlagen der
industriellen Gewerkschaftsfona in Amerika geschaffen wurden, widmeten
sich die Gewerkschaftsraete zun groessten Teil den regionalen Raeten
des CIG und den Landesgewerkschaften, um sie auf ihr Ersuchen hin bei
der Loesung ihrer Organisierungsprobleme zu unterstuetzen. Zu dieser
Zeit war es erforderlich, dass die Gewerkschaftsraete ebenso wie die
uebrigen Dienststellen des CIO ihr Hauptaugenmerk darauf richteten,
die Nichtorganisierten fuer die Gewerkschaft zu gewinnen. Die z.ihlreichen anderen Funktionen, die die Gewerkschaftsraete inzwischen
entwickelt haben, waren zu jener Zeit noch von verhaeltnisraaessig
geringer Bedeutung. Die Gewerkschaftsraete haben sich aufgrund der
Aktionen der regionalen Raete und der Landesgewerkschaften natuerlich
auch weiterhin mit der Errichtung oertlicher Gewerkschaften und ihrer
Unterstuetzung befasst. Sie haben sich jedoch nachdruecklich auf
andere Fragen konzentriert, die in dem besonderen Zustaendigkeitsbereich dieser Raete liegen.
Schon in fruehester Zeit bildeten die Gewerkschaftsraete, deren
Zahl sich heute auf 39 belaeuft, die Zentren, ueber die die Organisationen des CIC den Kontakt mit den einzelstaatlichen Regierungen
aufrechterhielten. Dies bedeutete fuer sie in erster Linie legislative Arbeit, die sich vor allem auf direkte Arbeitsangelegenheiten
erstreckte, wie z.B. Arbei'terunfallversicherung, Arbeitslosenunterstuetzung, Lohn- und Arbeitszeitgesetze, Probleme der Sicherheit und
Gesundheit und somit die '.Techselbeziehungen zwischen Unternehmern
und Arbeitnehmern. Es war von ausschlaggebender Bedeutung, die sich
gegen die Gewerkschaften richtenden Gesetzesvorlagen, die im Einzelstaat eingebracht wurden, so weit wie moeglich zu bekaempfen. Die
Gewerkschaftsraete haben darueber hinaus staendig fuer eine unablaessige Verbesserung der Gesetzgebung in allen Fragen der sozialen
Sicherheit und der Arbeitsbedingungen gekaempft.
Die gesetzgeberische Arbeit der Gewerkschaftsraete, deren Befugnisse sich nur auf der Basis eines Einzelstaates erstrecken, ist aber
nicht nur auf dieser einzelstaatlichen Ebene von Bedeutung gewesen;
sie sind darueber hinaus auch fuer die bundesstaatliche Gesetzgebung
innerhalb ihrer Aufgabengebiete verantwortlich.. Es ist ihre Pflicht,
mit den Senatoren und Kongressmitgliedern ihrer Staaten in Verbindung
zu bleiben, um sie ueber den Standpunkt der Gewerkschaften zu unterrichten. Das bedeutet die Erzielung eines ununterbrochenen Kontakts
mit den Kongressmitgliedern sowohl in den Parlamenten Washingtons
als auch durch Besuche in deren Privatwohnungen. Manchmal mussten
sich Delegationen bestimmter Staaten nach Washington begeben, um dort
ihren Standpunkt klarzulegen. Die Mitglieder der Gewerkschaftsraete

-6 -

�der Einzelstaaten nuessen sich sowohl ueber die oundesstaatliehe
als auch ueber die einzelstaatliche Gesetzgebung auf den laufenden
halten und zwar sowohl in allgemeinen Tragen als auch in Bezug
auf bestimmte Gesetzesvorlagen.
In jeder Ortschaft, wo die Gewerkschaft ueber einen Stadtoder Bezirksgewerkschaftsrat verfuegt, - insgesamt heute 236 haben diese Raete den oertlichen Qehoerden gegenueber die gleichen
Verantwortlichkeiten. Sierauessenmit den Bezirksbeauftragten,
den Stadtraeten, Bürgermeistern und anderen oeffentliehen Beamten
in Verbindung stehen. Oft sind einige der schwierigsten Prooleme,
die die ','erbetaetigkeit behindern, durch Verordnungen der Ortsbehoerden verursacht, mit denen z.B. friedliche Streikpostenlinien
oder die Verteilung gedruckten Materials verboten werden. Schwierigkeiten dieser Art koennen rechtzeitig durch gesetzliche Verfahren
ueberv.'unden werden, in denen auf die Verfassungswidrigkeit solcher
Massnahmen hingewiesen wird. Es ist jedoch am besten, derartige
Entwicklungen, wenn irgend moeglich, von vornherein aufzuhalten,
indem die Ge\-erkschaftsraete von ihrem demokratischen Recht der
Einflussnahme auf die oertliche Verwaltung Gebrauch machen. Diese
Aufgaben der oertlichen Gewerkschaftsraete sind von groesster Bedeutung, und die Organisationen haben im Laufe der Jahre auf diesem
Gebiet viel Erfahrung gesammelt.
Auch die Arbeit der CIO-Gewerkschaftsraete auf dem Gebiet der
oeffentlichen Beziehungen ist von hoechster '.Tüchtigkeit. Stadtund Bezirksraete sind die gegebenen kommunalen Organisationen. Die
Raete der Einzelstaaten sind die "Behoerden", die sich auf Landesebene mit allen Fragen der Oeffentlichkeit befassen. In einer
Reihe von Gewerkschaftsraeten gehoeren hauptamtliche Sachbearbeiter
fuer oeffentliche Beziehungen zum Personalstab.
In jedem Falle unterhalten die Gewerkschaftsraete vielseitige
freundschaftliche Beziehungen zu anderen Organisationen in ihrem
Bezirk, wie zu anderen Gewerkschaftsgruppen, 3auernverbaenden,
Berufsverbaenden und besonderen Interessenorganisationen aller Art.
T'o inner die Notwendigkeit und Moeglichkeit besteht, mit wirklich
fortschrittlichen Organisationen die sich mit aehnlichen Problemen
wie die Gewerkschaften befassen, zusammenzuarbeiten, ist es die
Aufgabe der Gewerkschaftsraete, die Verbindungen herzustellen und
diese Zusammenarbeit zu entwickeln.
Publizitaet und Presse steilen ein anderes Gebiet dar, auf dem
die Gewerkschaftsraete der Industrie taetig sein muessen. Es gibt
eine betraechtliche Anzahl Zeitungen, die unter der Schirmherrschaft
der Landesgewerkschaftsraete des CIO von den Gewerkschaften herausgegeben werden.
Die Gewerkschaftsraete der Industrie koennten viele ihrer
Funktionen nicht erfuellen, wenn keine zufriedenstellende politische
Grundlage geschaffen waere. Letzten Endes ist die legislative
Arbeit, sei es auf oertlicher, einzel- oder bundesstaatlicher Ebene,
von der Zusammensetzung der Landesregierungen, der Landesgesetzgebung und dem Kongress in Yfashington abhaengig,. VJenn die Arbeit
der Raete auf dem Gebiet der Verbindungen und Beziehungen noch so
wirksam waere, koennte sie doch nicht die Schranken einer feindlich
gesinnten legislativen Majoritaet ueberwinden. Es ist bekannt,
dass der CIO im Kampf um eine fortschrittliche, politische Betaetigung
in Amerika seit vielen Jahren sehr weit vorgeschritten ist. Infolge
einer einschraenkender Gesetzgebung, die von den Unternehmern selbstverstaendlich beguenstigt wird, und die die politische Arbeit der
Gewerkschaften behindert, ist es notwendig gewesen, politische Aktiona-

-7 -

�ausschuesse ins Leben zu rufen, die in ihrer Struktur den Gewerkschaftsraeten sehr aehnlich sind, die aber die durch die Gesetze
geforderte Trennung einhalten.
Die politische Arbeit der Gewerkschaftsraete und der politischen Aktionsausschüsse ist fuer jede andere Taetigkeit des CIO
von grundlegender Bedeutung. Sie ist letzten Endes fuer saemtliche
freien Institutionen Amerikas von fundamentaler Bedeutsamkeit.
Report to the Congress of Industrial Organizations
Twelfth Constitutional Convention
11/20-24/50

DER ERFOLGREICHE KAMPF DER ECA GEGEN DEN KOMMUNISMUS
(Der nachstehende Artikel von Manchester Boddy, dem
Herausgeber der "Los Angelos Daily News", wird vom
Buero fuer Arbeitsinformationen der Verwaltung
fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit verteilt. Der
Verfasser bringt darin seine Anerkennung fuer den
Kampf der ECA gegen den Kommunismus in Europa zum
Ausdruck.)
"Im Fruehjahr 1947 kehrte ich von einer mehrmonatigen Studienreise durch Mitteleuropa mit einer Menge Dokumente und Beobachtungen
zurueck, die mir bewiesen, dass Sowjetrussland die Absicht hatte, die
organisierte Arbeiterschaft als eine Hauptwaffe zu benutzen, um ganz
Europa unter die Herrschaft des Kommunismus zu bringen."
"Ich hoffe, dass die Oeffentlichkeit eines Tages davon Kenntnis
erhalten wird, wie der Kreml dieses Ziel zu erreichen gedachte. Dann
und nicht frueher wird das amerikanische Volk erfahren, dass die Entscheidungsschlacht des alten Krieges in Europa von der organisierten
Arbeiterschaft und nicht allein vom Marshall-Plan und den Gestaltern
des Atlantiks-Paktes fuer die Freiheit gewonnen wurde."
"Es darf nicht vergessen werden, dass zu Anfang dieses Kampfes
alle Vorteile, die Gewerkschaftsbewegung Europas in die Hand zu bekomnen, auf Seiten Russlands rtanden."
"Der Kommunismus hat diesen Kampf verloren, und jeder Amerikaner
kann auf die Rolle stolz sein, die die Gewerkschaftsbewegung in diesem
Kampf spielte, und der auch Harry Martin, der Vorsitzende der amerikanischen Journalistengewerkschaft und Leiter des Bueros fuer Arbeitsinformation der ECA, in seinem vor kurzem erschienenen Bericht seine
Anerkennung gezollt hat."
Martin erklaerte in einer Rede an den Commonwealth Club in San
Franzisco unter anderem: "Die freien Gewerkschaften Europas waren die
Ersten, die die Handlungen der Vereinten Nationen in Korea unbedingt
befürworteten. VJaehrend andere Schichten der europaeischen Bevoelkerung noch beratschlagten, stellten sich die Gewerkschaften vorbehaltlos auf die Seite der Freiheit."
"Die norwegische Gewerkschaftsbewegung gab eine Broschuere unter
dem Titel "Krieg in Korea" in einer Auflage von 500.000 Exemplaren
heraus. Aufgrund dieses schnellen Entschlusses der norwegischen Gewerkschaftsbewegung wurde das norwegische Wölk ueber die Ereignisse in Korea
sofort aufgeklaert, das fuer die Norweger zwar ein weit entferntes Land

- 8 -

�ist, von dem man nur wenig weiss. Die Gefahr jedoch, in der es sich
befindet, kann eines Tages auch ueber Norwegen hereinbrechen".
"Die daenischen Kommunisten versuchten, das Entladen von Waffenlieferungen zu verhindern. Es war jedoch ein politischer, ein verraeterischer Streik an der Sache der Freiheit. Die Fuehrer der
daenischen Gewerkschaften gaben die Zusage, dass er nicht stattfinden
wuerde, und die Schiffe wurden entladen."
"Als sich Westeuropa mit den Vereinigten Staaten im AtlantikPakt vereinigte und die ersten V.'affenlieferungen an die Verbuendeten
gingen, gerieten die Kommunisten Frankreichs in helle Verzweiflung.
Sie riefen die Arbeiter Europas zu einer Massenbewegung auf, um gegen
die Wiederaufruestung zu protestieren. An den Kuesten ganz Europas
kam es zu Gewalttaetigkeiten."
"Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften klaerte die europaeischen Voelker jedoch ueber den wahren Charakter dieses gemeinen
Feldzuges des Verrats auf, mit dem Europa die Chance genommen werden
sollte, eine Aggression abzuwehren. Die einflussreichen Gewerkschaftsorganisationen der Transportarbeiter, Seeleute und Hafenarbeiter
versetzten den Kommunisten schwere Gegenschlaege."
"Heute werden mit wenigen Ausnahmen die dringend notwendigen
'..'äffen der Verteidigung in den groesseren Haefen jedes demokratischen
Landes Europas ohne jede Verzoegerung entladen."
"Im vorigen Monat hatten die Kommunisten Oesterreichs, die natuerlich von den Russen angestiftet waren, Plaene geschmiedet, um einen
Generalstreik auszurufen, der in einer offenen Revolte und dem Sturz
der Regierung gipfeln sollte."
"Unter den Arbeitern aller politischen Richtungen herrschte damals
eine grosse Unzufriedenheit ueber die neue Lohn-Preispolitik. Ein
Generalstreik wurde ausgerufen, und die Kommunisten ruesteten sich zum
Kampf."
"Dem oesterreichischem Gewerkschaftsbund ist es in erster Linie
zuzuschreiben, dass sich die Kommunisten bei der Abstimmung der Betriebsfunktionaere nur 5% der Stimmen sichern konnten. Die Gewerkschaftsfunktionaere hatten einen Tag vor dem Streik alle Betriebsraete der
oesterreichischen Betriebe und selbst die der russisch-besetzten Zone
zu Versammlungen zusammengerufen."
"Durch die Reihen der gesamten oesterreichischen Arbeiterschaft
ging das Wort: Der Generalstreik ist eine Heuchelei, es ist nur ein
Trick, um unsere Regierung zu stuerzen. Er darf nicht gelingen. In
den naechsten vier oder fuenf Tagen muessen die mutigen und unbewaffneten
Gewerkschaftsmitglieder mit ihren blossen Faeusten gegen die gut ausgebildeten und gut bewaffneten Aktionskolonnen der Kommunisten kaempfen."
"Im freien Europa gibt es nur noch zwei Laender, in denen kommunistischen Gewerkschaften eine starke Stellung einnehmen: Frankreich und
Italien. Ks muss viel getan werden, um den kommunistischen Einfluss in
diesen Laendern voellig zu beseitigen. Die Arbeiter muessen einen angemessenen Lebensstandard haben, und sie muessen an den Fruechten des
Wiederaufbaues gerecht beteiligt werden."
"In den Laendern, in denen die Gewerkschaften stark und frei sind,
ist das europaeische '„'iederaufbauprograram von grossem Erfolg gekroent;
wo die Gewerkschaften dagegen schwach sind oder ihre Leitung in den
Haenden der Kommunisten liegt, haben sich dem Wie deraufbauprogramm

- 9 -

�entmutigende Probleme in den VJeg gestellt. Es ist meine feste Ueberzeugung, dass diese Probleme geloest werden, wenn die Freien Gewerkschaftsbewegungen Frankreichs und Italiens stark genug sein werden,
um sich Gehoer und Einfluss auf die Arbeiterschaft zu verschaffen."
The CIO News
1/22/51

KLAUSELN UEBSR INDEX-LOEHNE IN AFRIKANISCHEN TARIFVERTRAKGKN
Eine der bedeutendsten Entwicklungen auf dem Gebiet des Tarifvertragswesens ist seit Juni 1950 die Tatsache, dass in zunehmendem
Masse Klauseln zur automatischen Angleichung der Loehne an die
Lebenshaltungskosten in die Tarifvertraege aufgenommen wurden. Vor
Mitte 1950 bestanden fuer etwa 500.000 Arbeiter derartige Bestimmungen.
Man schaetzt, dass sich die Zahl der Arbeiter, fuer die in der Zeit
von Juli bis Dezember 1950 solche Tarifvertraege abgeschlossen wurden,
die Klauseln zur Angleichung der Loehne an den Lebenshaltungsindex
enthalten, also sogenannte Indexloehne sind, sich auf 1.500.000 erhoeht
hat.
Bestimmungen zur automatischen Angleichung der Loehne an die
Lebenshaltungskosten oder sogenannte "Stufen-Klauseln" sind jedoch
weder neu noch ungewoehnlich.
Das Interesse fuer Lebenshaltungskosten als Grundlage der Indexklausel stieg mit der Sinfuehrung einer Stufen-Klausel im Zweijahresvertrag, der im Mai 1948 zwischen General Motors und der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO abgeschlossen wurde. Der Vertrag enthielt eine neue Bestimmung, wonach den Arbeitern der General Motors
Uerke eine jaehrliche Aufbesserungspraemie von 3% des Stundenlohns
gewaehrt wird, um die Realloehne dieser Arbeiter zu verbessern. Damit
trat eine Aenderung in der Haltung der flewerkschaften ein, die sich
bisher geweigert hatten, in Tarifvertraegen die Loehne an die
Schwankungen der Lebenshaltungskosten zu binden. Vorher waren die
meisten Gewerkschaften der Auffassung, dass die Angleichung der Loehne
an die Lebenshaltungskosten nur dazu diene, keine Verbesserung des
Realeinkommens zuzulassen und den Arbeitern damit jenen Anteil vorzuenthalten, auf den sie aufgrund technologischer Neuerungen oder einer
Expansion der V.'irtschaft Anspruch haben.
Der Neuabschluss des Tarifvertrages zwischen den General Motors
Uerken und der Automobilarbeitergewerkschaft fuer eine weitere Zeitspanne von 5 Jahren mit '.'irkung ab Mai 1950, in dem die Stufen-Klausel
beibehalten und die jaehrliche Lohnaufbesserung auf k% erhoeht wird,
hat erneut die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf die charakteristischen Merkmale dieses Lohnangleichungsverfahren gelenkt.
Obwohl in einigen Vertraegen nicht ausdruecklich bestimmt ist,
dass der Lebenshaltungsindex als Grundlage der Anpassung der Loehne
verwendet v/ird, wird in den meisten von ihnen der Verbraucherpreisindex d
des statistischen Bueros des Arbeitsministeriums als ausschlaggebend
bezeichnet. Zugrundegelegt werden entweder der monatliche Index fuer
die Vereinigten Staaten als Gesamtheit oder monatliche Indizes, die
fuer 10 verschiedene Grosstaedte verfuegbar sind. "Stufen-Klauseln"
basieren meistens auf dem bundesstaatlichen Index, da viele solcher
Tarifvertraege in Staedten abgeschlossen werden, fuer die keine besonderen Indizes zur Verfuegung stehen, oder sie erstrecken sich, wie im
Falle des General Motors-Vertrages, auf mehrere Betriebe in ganz Amerika.

- 10 -

�Gewoehnlich vdrd der Index des Monats, in dem der Tarifvertrag in
Kraft tritt, als Ausgangsgrundlage zur Berechnung der entsprechenden
Lohnangleichung verwendet.
Zahlreiche Vertraege, die in der letzten Zeit zustandekamen, sind denen der General Motors darin aehnlich, dass sie Lohnangleichungen
schon bei verhaeltnismaessig geringen Verae'nderungen im Lebenshaltungskostenindex vorsehen. Dieser Vertrag bestimmt regelmaessige, vierteljaehrliche Lohnangleichungen und zwar einen Cent fuer jede Veraenderung von 1,14 Punkten im Index. Nach einigen Klauseln muss die Veraenderung im Index verhaeltnissmaessig gross sein, bevor eine Lohnangleichung vorgenommen wird, wie z.B. eine l^ige Lohnveraenderung bei
einer Schwankung im Index um fuenf Punkte.
In vielen Stufen-Klauseln wird eine Tiefst- und Hoechstgrenze oder
auch beides fuer die automatische Lohnangleichung festgesetzt. In
einem Vertrag kann festgelegt werden, dass aufgrund der Schwankungen
im Index unter oder ueber eine bestimmte Punktzahl keine Lohnangleichungen
mehr vorgenommen v/erden duerfen. Allgemein gesagt, ist die untere Begrenzung der Lohnkuerzungen wie bei General Motors dadurch bestimmt,
dass eine weitere Lohnreduzierung untersagt wird, wenn der Index eine
bestimmte Granze unterschreitet.
Da der urspruengliche Zweck der Stufen-Klausel darin besteht, die
Arbeiter fuer laufende Veraenderungen der Preise fue„r 1,'aren und Dienstleistungen, die sie erwerben muessen, zu entschaedigen, werden Angleichungen an die Lebenshaltungskosten verhaeltnismaessig oft vorgenommen. Im allgemeinen werden diese Angleichungen, wie auch im Vertrag
der General Motors, alle drei Monate durchgeführt, in anderen Vertraegen sind sie monatlich oder auch alle zwei Monate vorgesehen.
Andere Vertraege verlangen wiederum jaehrlich nur eine einzige
Lohnangleichung. In verschiedenen Tarifvertraegen wird festgelegt,
dass die Dauer, fuer die Lebenshaltungekostenausgleichsverguetungen
gewaehrt werden, von der Verfuegbarkeit des offiziellen monatlichen
Verbraucher-Index* des Bueros fuer Arbeitsstatistik in seiner jetztigen
Form abhaengig ist.
Labor Information Bulletin
1/51
ARGENTINISCHER "GS.'ERKSCHAFTSBUND" ZUR IBFG-KüNFKRKNZ IN MEXIKO NICHT
ZUGELASSEN
AFL, CIO und die Bergarbeitergewerkschaft der Vereinigten Staaten
bildeten eine gemeinsame Front amerikanischer Gewerkschaften gegen den
Versuch, den argentinischen Gewerkschaftsbund CGT zu der interamerikanischen Regionalkonferenz des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in Mexiko zuzulassen.
"Die AFL Delegation wird unter keinen Umstaenden einer Zulassung
des argentinischen Gewerkschaftsbundes zustimmen," erklaerte George
Meany, der Hauptkassierer der AFL und einer ihrer Delegierten, in einer
Rede an die Konferenz.
"Eine andere Haltung einzunehmen, waere mit einem Verrat an den
vielen argentinischen Arbeitern gleichzusetzen, die an eine wirklich
freie Gewerkschaftsbewegung glauben, und denen das Recht streitig gemacht wird, freie Gewerkschaftsorganisationen zu bilden."
"Diese Arbeiter," fuegte Meany hinzu, "sind praktisch Sklaven, weil

- 11 -

�der CGT ueber alle ihre Angelegenheiten seine feste Hand haelt. Der
CGT ist keine Gewerkschaft, sondern in Wirklichkeit ein Werkzeug der
faschistischen Regierung. Der CGT ist daher der Arbeitsfront Hitlers
und den sogenannten "Gewerkschaften" Russlands gleichzusetzen."
Jacob S. Potofsky, der Vorsitzende der Vereinigten Bekleidungsarbeiter (CIO) und zusammen mit Meany der Vorsitzende der amerikanischen
Delegation, erklaerte:
"Ich bin gegen jeden Totalisarismus, ob er von rechts oder von
links kommt."
Ursprünglich waren Argentinien, Panama und die Dominikanische
Republik nicht zu der Konferenz eingeladen, weil der IBFG der Auffassung war, dass in diesen Laendern keine demokratischen Gewerkschaftsbewegungen existieren, die frei von jeder Bevormundung durch
die Regierung sind. Im Verlauf der Konferenz fuehrte der von Mexiko
eingebrachte Antrag, die Argentinier einzuladen, jedoch dazu, dass
ihre Aufnahme in die neue Regionalorganisation abgelehnt wurde.
Nachdem die uebrigen Delegierten den Standpunkt des mexikanischen
Gewerkschaftsbundes in Bezug auf die argentinische Frage zurückgewiesen hatten, zog sich diese Gewerkschaft, wenigstens voruebergehend,
aus der Regionalgruppe zurueck, und ihr Vorsitzender Fidel Velasquez,
der zum Vorsitzenden der Konferenz gewaehlt worden war, legte dieses
Amt nieder. An seine Stelle trat der Vorsitzende des peruanischen
Gewerkschaftsbundes, Arturo Sabrosa, der aufgrund seiner gewerkschaftlicher Taetigkeit in seinem Heimatland 18 Monate im Gefaengnis verbrachte.
Waehrend der Debatte ueber die argentinische Frage stellte die
amerikanische Delegation klar heraus, dass sie selbst ihre Entscheidungen treffe und nicht, wie man ihr vorgeworfen hatte, eine vom
Aussenministerium der Vereinigten Staaten vorgeschriebene Politik verfolge. Dies wurde zum Ausdruck gebracht, als die drei amerikanischen
Gewerkschaftsgruppen den Antrag William O'Dwyers, des amerikanischen
Gesandten in Mexiko, abschlugen, der die Gruppen ersucht hatte, sich
fuer eine Stunde zurückzuziehen und mit ihm vertraulich ueber diese
Angelegenheit zu beraten,
Alich Brasilien war auf der Konferenz von Mexiko nicht vertreten.
Die brasilianischen Gewerkschaftsführer waren zwar eingeladen worden,
wurden aber an der Teilnahme gehindert, angeblich, weil die Gewerkschaften bei den kuerzlich stattgefundenen Praesidentschaftswahlen
Getulio Vargas unterstuetzt hatten. Vargas gewann, er wird sein Amt
aber nicht vor den Monat üaerz antreten.
Trotzdem sind 20 Nationen und 17 Millionen Arbeiter in der neuen
Interamerikanischen Regionalorganisation der Arbeiter (IRCX«*) vertreten,
die auf der Konferenz in Mexiko gegruendet wurde. Der hauptamtliche
Sekretaer der IRC7.7 ist Francisco Aguirre aus Kuba, sein Amtssitz ist
Havanna.
Die Wirtschafts- und Sozialpolitik der IROW wurde in einer sechs
Punkte umfassenden EntSchliessung niedergulegt, die von einem Sprecher
des CTO eingebracht und von der Konferenz angenommen wurde. Den
gemeinsamen amerikanischen Standpunkt fasste der Hauptkassierer der
AFL, Meany, in einer Rede mit folgenden Worten zusammen:
"Die Hauptaufgabe der Voelker Lateinamerikas besteht in der Frage,
wie sie den lange gehegten Wunsch, ihre Laender zu industrialisieren,

- 12.-

�verwirklichen koennen. Viele Menschen sind der faelschlichen Meinung
verfallen, dass die Vereinigten Staaten kein Interesse an der Foerderung der Industrialisierung unserer lateinamerikanischen Schwesterstaaten haetten."
"Schon lange sind wir uns klar darueber, dass kein Land erfolgreich
seinen Uohlstand foerdern und verteidigen kann, wenn es von Gebieten
umgeben ist, in denen wirtschaftliche Depression herrscht, der Lebensstandard niedrig und die Kaufkraft praktisch gleich Null ist."
"Die Beibehaltung niedriger Loehne in Lateinamerika stellt letzten
Endes den Versuch dar, den Lebensstandard in den Vereinigten Staaten
herunterzudruecken. Die Antwort der Arbeiter der westlichen Hemisphaere
muss hierauf sein, dass sie sich zusamnenschliessen, ihre Erfahrungen
gegenseitig auswerten, Informationen austauschen und gemeinsames Handeln
planen."
i

"Diese Solidaritaet wird sicn besonders in solchen Faellen als
fruchtbar erweisen, wo lateinamerikanische Arbeiter durch die Macht
bestimmter Grossunternehmen der Vereinigten Staaten unterdrueckt werden.
So, wie wir immer bereit waren, die Versuche zu bekaempfen, die Arbeiter
der Vereinigten Staaten auszubeuten, werden wir auch entschlossen sein,
gegen jene vorzugehen, die die Arbeiter Lateinamerikas ausbeuten wollen."
FYI/183:1/24/50
ttßi
ENGLANDS BEMUEHUNGEN ZUR STEIGERUNG DER PRODUKTIONSLEISTUNG
Zukuenftige Produktionssteigerungen in Grossbritannien fuer den
Zivil- oder auch Kriegsbedarf haengen von der Steigerung der Produktionsleistung selbst und von der Moeglichkeit ab, Arbeiter, die weniger wichtige Taetigkeiten verrichten, an Arbeitsplaetze umzugruppieren, die von
groesserer Bedeutung sind. Im Jahre 1949 waren bei einer Erwerbsbevoelkerung von 22.150.000 im Durchschnitt nur 300.000 arbeitslos. Im
Dezember 19^9 umfasste die gesamte Erwerbsbevoelkerung 90$ aller Maenner
ueber 15 Jahren und l*b% aller Frauen im Alter von 15 bis zu 60 Jahren,
'.'eder durch freiwillige Methoden noch durch die l.'iederauferlegung der aus
dem Kriege bekannten Arbeitsmarktkontrollmassnahmen war es gelungen, in
der Zeit von 1947 bis 1949 eine bemerkenswerte Umschichtung der Arbeiter
aus weniger wichtigen in wichtigere Industriezweige zu erreichen. Die
so bedeutende und entscheidend wichtige Kohlenbergbauindustrie hat z.B.
Arbeiter verloren und zwar besonders solche, die unmittelbar die Kohle
foerderten.
Man ist sich im allgemeinen darueber einig, dass Modernisierung;
wenigeres Fernbleiben vom Arbeitsplatz; Lohnsysteme, die auf dem Leistungsprinzip beruhen; und die Bereitwilligkeit, neue Arbeitsmethoden zu akzeptieren, notwendig sind, um die Kluft zwischen den vergangenen und zukünftigen Produktionszielen der britischen Industrie ueberbruecken zu
koennen. Sowohl die Gewerkschaften als auch die Unternehmer haben diesen
Problemen groesste Aufmerksamkeit geschenkt. Augenblicklich werden etwa
20$ des gesamter. Nationaleinkonmens fuer Kapitalinvestierungen verwendet;
ein Viertel hiervon ist allein fuer den '.Wohnungsbau bestimmt.
Eine weit bedeutendere Erhoehung des Index1 fuer die gesamte Industrieproduktion gegenueber dem der Beschaeftigung bedeutet bereits einen Fortschritt. Dem "irtSchaftsministerium Englands zufolge hat die GesamtProduktionsleistung des Jahres 1949 die des Jahres 1948 um 5h% ueberschritten. '„'enn man die ersten fuenf Monate des Jahres 1950 mit einer
gleichen Zeitspanne des Jahres 1949 vergleicht, so sind es sechs und

- 13 -

�sieben Prozent. Dieser Prozentsatz ist betraechtlich hoeher, als im
Wirtschaftsbericht fuer das Jahr 1950 veranschlagt wurde, er ist ausserdem hoeher als vor dem Kriege.
Grosszuegige Schaetzungen der Steigerungsquote koennen jedoch nur
dann vorgenommen werden, wenn genauere Hasstaebe fuer die Veraenderungen
in der Produktionsleistung aufgestellt sind. Die Verbesserung der
statistischen Messung der Produktionsleistung innerhalb eines Industriezweiges oder eines Betriebes gehoert mit zu dem allgemeinen Programm
Grossbritanniens. Zu diesem Zwecke haben Gruppen englischer Statistiker
in den Jahren 1949 und 1950 die Vereinigten Staaten besucht, um die im
Statistischen Buero des US Arbeitsrainisteriums angewandten Methoden zu
studieren,
Produktivitaets-Studiengruppen aus der britischen Industrie, denen
Vertreter der Gewerkschaften und Unternehmer angehoerten, haben die
Produktionsmethoden in Amerika eingehend studiert. Derartige Studienreisen werden von dem Anglo-Amerikanischen Produktivitaetsausschuss
arrangiert, der im September 1948 gebildet wurde. Die Gruppen werden
von der Verwaltung fuer TJirtschaftliche Zusammenarbeit finanziell unterstuetzt, die darin einen ihrer Beitraege fuer den Wiederaufbau Englands
sieht. In den letzten zwei Jahren sind meist auf Industriebasis 27
Studiengruppen zusammengestellt worden; einige spezialisierte Gruppen
beschaeftigten sich mit enger begrenzten Problemen, wie z.B. der Vereinfachung spezieller Produktionsmethoden, des Verpackungsverfahrens
oder des Materialtransportes. In neueren Berichten an den Ausschuss
wird zum Ausdruck gebracht, dass die englischen Firmen untereinander
ebensoviel lernen wie von den Unternehmen der Vereinigten Staaten; dass
ferner die Voreingenommenheit der britischen Arbeiter gegen die Methoden
zur Steigerung der Produktionsleistung, einschliesslich der Mechanisierung, zum Teil zerstreut worden sind; und dass Normung und Vereinfachung besonders in den oeffentlich kontrollierten Industriezweigen
akzeptiert worden sind.
Im Anschluss an die Studienreisen der Produktivitaetstudiengruppen
werden gewoehnlich Konferenzen und oeffentliche oder Betriebsversammlungen abgehalten, auf denen die Berichte der Gruppen und die Moeglichkeiten besprochen werden, ihre Vorschlaege und Empfehlungen zu verwirklichen. So hat zum Beispiel die britische Stahlindustrie ia verschiedenen Giessereien Verbesserungen in gewissen Arbeitsprozessen durchgefuehrt, nachdem die Studiengruppe, die sich aus Vertretern dieser
Industrie zusammensetzte, ueber ihren Besuch in den Vereinigten Staaten
berichtet hatte. Das Ergebnis war, dass der Arbeitsaufwand in einem
bestimmten Arbeitsverfahren um 50% reduziert werden konnte, bei anderen
Verfahren konnte sowohl Material als auch Arbeitszeit eingespart werden.
Eine der britischen Gruppen setzte sich ausschliesslich aus Gewerkschaftsvertretern zusammen, die sechs Wochen lang die amerikanischen
Industriezentren besuchten, um sich darueber zu orientieren, welche Rolle
die Gewerkschaften bei der Steigerung der Produktionsleistung in den
Vereinigten Staaten spielen. Nachdem die Gruppe "die Arbeitsweise und
Methoden einer Anzahl amerikanischer Gewerkschaften bei der Durchführung
ihrer Verwaltungsaufgaben und in den Betrieben studiert hatte", gab sie
einen anregenden Bericht ueber die Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaften heraus, eine Analyse, in der die entsprechenden
Probleme der beiden Laender miteinander verglichen wurden. Der Bericht
enthielt einige weitgehende Empfehlungen, die an die Gewerkschaftskollegen und die Unternehmer in England gerichtet waren.
Eine Tatsache, die die Besucher besonders beeindruckte, war, dass
in Amerika leistungsfaehige Betriebsleiter die Quoten der Produktions-

- 14 -

�leistung festlegen, und dass die Gewerkschaften massgeblich mithelfen, die Leistungsfaehigkeit solcher Betriebe zu steigern, die
nicht so konkurrenzfaehig sind wie andere. "Die amerikanischen
Gev.erkschaften dringen auf bessere Loehne, damit die Arbeit hoeher
eingeschaetzt wird. Sie erwarten, dass die Kraft der Konkurrenz
finanzkraeftige, unternehmende und aggressive Betriebe zwingt,
ihre Gestehungskosten zu senken," und sie rechnen dunit, dass niedrigere Produktionskosten zu niedrigeren Verbraucherpreisen luehren,
die wiederum neue und groessere Absatzmaerkte erschliessen werden,
die ausreichen, um die durch die neuen Methoden ueberfluessig gewordenen Arbeiter zu absorbieren.
In ihren Empfehlungen forderte die .Studiengruppe der britischen
Gewerkschaften dazu auf, eine Lohnpolitik zu betreiben, die sich
nach dem Ausstoss und der Leistungsfaehigkeit der Betriebe richtet.
Angesichts der Notwendigkeit, die Preise niedrig zu halten und die
Vollbeschaeftigung zu sichern, stellte die Gruppe nicht die Forderung
auf, die allgemeine Lohnstop-Politik aufzugeben. Die britischen Gewerkschaften waren, wie man feststellte, in der Tat eher geneigt, auf
dem Leistungsprinzip beruhende Lohnsysteme anzunehmen als die amerikanischen Gewerkschaften, obwohl die Delegierten des GewerkschaftsKongresses sich fuer die Aufgabe der Lohnstop-Politik entschieden.
Die wichtigste Empfehlung der Gruppe besteht in dem Vorschlag
zur aktiven Zusammenarbeit der Gewerkschaften bei der Anwendung "wissenschaftlicher Methoden der Betriebsleitung." Die Initiative soll dabei dem Unternehmertum ueberlassen bleiben, aber von den groesseren
Gewerkschaften und dem britischen Gewerkschaftskongress TUC sollen
technische Gewerkschaftsreferate fuer Produktionsfragen errichtet
werden, die die Interessen der Gewerkschaftsmitglieder wahrnehmen und
ihre Verdienstmoeglichkeiten auf ein Maximum steigern. Eine ablehnende
Haltung der Einfuehrung neuer Maschinen gegenueber beziehungsvreiaeeine
Neuzuteilung der Arbeitskraefte ist nach Auffassung der Gruppe jetzt
nicht gerechtfertigt. Die Gewerkschaften muessten im voraus um Rat
gefragt werden; genaue Plaene zur Entschaedigung durch Entlassungsgelder fuer jene Arbeiter, die ihren Arbeitsplatz wechseln muessen,
sind sofort auszuarbeiten. Die Gewerkschaften muessten auf der einen
Seite bestrebt sein, hoechst wirtschaftliche Unternehmen zu veranlassen, ihre Verbraucherpreise zu senken, und sie muessten auf der
anderen Seite den weniger wirtschaftlichen arbeitenden Unternehmen
helfen, ihre Leistungsfaehigkeit zu steigern.
Zur Unterstuetzung der Gewerkschaften und Unternehmer in Fragen
der Produktion hat die englische Regierung im Jahre 1948 das Britische
Institut fuer Betriebsleitungsfragen gegruendet. 22 Gewerkschaften
und der Gewerkschaftskongress TUC sind eingeschriebene Mitglieder
des Instituts. Oertliche Arbeitnehmervereinigungen, die im vergangenen Jahr in vier Industriezentren gebildet wurden, veranstalten
oeffentliche Foren ueber gute Methoden der Betriebsleitung, an denen
Gewerkschafter teilnehmen.
Zwei kuerzlich erschienene Berichte zeigen die Veraenderungen
in der Produktionsleistung in einem bestirnten Industriezweig, naemlich
der Bauindustrie auf. Nach der Annahme einer freiwilligen Vereinbarung auf Landesbasis im Jahre 1947 wurden in etwa einem Drittel der
Vertraege, die von oertlichen Komraunalbehoerden geschlossen wurden,
Bestimmungen ueber Akkord- und Bonusloehne aufgenommen, die sich auf
etwa die Haelfte der im Monat Oktober fertiggestellten "ohnhaeuser
erstreckten. Diese Bestimmungen sollten von beiden Partnern &lt;Meses
Industriezweiges im Jahre 1950 erneut ueberorueft werden.
Der Untersuchungsausschuss erklaerte, dass die 13 $ige Reduzierung
an Arbeitskraft und Arbeitszeit je Haus, die in der Zeit von Oktober

- 15 -

�1947 bis Oktober 1949 erreicht werden konnte, zur Haelfte diesem
Leistungsprinzip, das sich in der Entloehnung ausdrueckt, zuzuschreiben sei. Obwohl der groesste Teil der Einsparungen in Form
von Bonuszahlungen den Arbeitern ausgezahlt wurde, konnten je
Haus etwa 15 Pfund Sterling eingespart werden, was etwa einem
Prozent der Gesamtkosten des Hauses entspricht.
Im Anschluss an eine allgemeine Konferenz des TUC ueber Produktivitaetsfragen, an der die Vorstandsmitglieder aller angeschlossenen Gewerkschaftsorganisationen teilnahmen, hat der TUC in den
Jahren 1949 und 1950 verschiedene Konferenzen ueber Produktivitaetsfragen abgehalten, an der eine Reihe verschiedener Gewerkschaften
teilnahmen. Zwei dieser Konferenzen fanden zusammen mit der Landesgewerkschaft der Beschaeftigten der Bauindustrie statt, auf denen
die Reaktionen des Lohnsystems dieser Industriezweige auf die verschiedenen Berichte besprochen wurden und ein Plan zur allgemeinen
Steigerung der Produktionsleistung in solchen Industriezweigen ausgearbeitet wurde, an dem der TUC aufgrund des '.'ohnraummangels besonders interessiert ist. Auf seiner Konferenz im Jahre 1950 forderte der TUC in einer EntSchliessung den Generalrat auf, die Gewerkschaften bei der Ueberpruefung der fuer ihre Industrie eigenen
Probleme zu, unterstuetzen. Der TUC forderte weiter, dass vor der
Einfuehr &gt;ng neuer Methoden und Arbeitsverfahren ausfuehrliche Aussprachen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften ermoeglicht werden,
und darauf zu dringen, dass die durch gesteigerte Produktionsleistung
erzielten Gewinne den Verbrauchern in Form niedrigerer Preise und den
Arbeitern in Form verbesserter Loehne und Arbeitsbedingungen Zugute
kommer..
Monthly Labor Review 12/50

AMERIKAS Gi?..'SRKSCHAFTEN SICHERN DEM VERTEIDIGUNGSMINISTER IHRE UNTERSTUETZUNG ZU
Vor kurzem wurde auf einer Konferenz des Gemeinsamen Ausschusses
fuer Arbeitspolitik, an der auch Verteidigungsminister George C.
Marshall, seine Stellvertreterin Anna Rosenberg und andere Beamte des
Ministeriums teilnahmen, erneut zum Ausdruck gebracht, dass die Gewerkschaftsbewegung den Kampf der Nation gegen den sowjetischen
Imperialismus restlos uncerstuetzt.
Die Konferenz diente einem inoffiziellen, allgemeinen Meinungsaustausch ueber Probleme, die sich mit dem nationalen Hotstand ergeben
haben.
Die Gewerkschaftsgruppe erinnerte die Beamten des Verteidigungsministeriums daran, dass ein grosser Teil der unter '„'äffen stehenden
Soldaten aus den Reihen der Arbeiter und ihrer Familien kommt, und
erklaerte, dass sich die Gewerkschaftsmitglieder der dringenden Notwendigkeit bewusst sind, sowohl die nilitaerische als auch die industrielle Staerke so schnell wie moeglich zu entwickeln. Sie sprach sich
ferner fuer die konstruktive Politik Marshalls aus.
"Fuer keine Gruppe steht in dem Kampf zur Erhaltung der Freiheit
auf der T'elt mehr auf dem Spiel als fuer die arbeitenden Maenner und
Frauen dieses Landes," erklaerte Marshall den Gewerkschaftern.
"Der Bestand der freien Gewerksehaftsorganisationen und aller
anderen demokratischen Einrichtungen haengt davon ab, ob wir mit Erfolg das Anwachsen der Polizeistaaten und die kommunistischen Aggressionsplaene unterbinden koennen."
The CIO News

-16

1/22/51

HICO) (2-2-51) U26 U 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di* folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 6

Frankfurt, den 9. Februar 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Arbeit des '..'ohnungsausschusses des CIO

1

Italienischer Gev/erkschaftsfuehrer heisst General
Kisenhower willkommen

7

Der britische Schatzkanzler erklaert den englischen
Arbeitern, warum Produktivitaetssteigerung
notwendig ist

8

T. C. McManus, ehemaliger Hauptkassierer der
kanadischen Seeleute-Gewerkschaft:
Der Untergang einer Gewerkschaft

»^

Die Berichte des internationalen Arbeits-Amtes ueber
den Gesundheitszustand der Seeleute erfordern in
weitem Masse Beachtung

10

15

DIE AKbEIT DES ..OHNUuGSäAUAUSSCHUSS^S DES (JIQ
Der V/ohnraununangel ist auch weiterhin eines der schwierigsten inneren
Probleme der Vereinigten Staaten von Amerika. Deshalb ist der Ausschuss
fuer '.i'ohnungsbau unter der Leitung des Vorsitzenden der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO, '„'alter F. tteuther, aufgefordert worden, sich mit den
verschiedenen Blickwinkeln der Probleme zu befassen, die durch den u'ohnraummangel verursacht sind.
Der Auaschuss war sowohl auf Landesebene als auch innerhalb der
Kommunalverbaende im ganzen Lande vielseitig taetig. Er hatte insofern

- 1 -

�einige Erfolge zu verzeichnen, als es ihm gelang, den Fortbestand der
bundesstaatlichen Mietkontrolle zu sichern und verschiedene organisierte,
gegen die '..'ohnungsbauprogramme gerichteten Bemuehungen zu vereiteln.
Der Ausschuss war massgeblich daran beteiligt, den Kongress davon zu
ueberzeugen, dass angesichts des werbemaessig gut lancierten und freigebig
finanzierten Reklamefeldzuges, den die Hintermaenner der Grundstücksbesitzer mit der Absicht fuehrten, das Gesetz zu verhindern oder zumindest
unwirksam zu machen, irgendeine Form der Mietkontrolle bestehen bleiben
muesse. Da es diesen Interessentenkreisen nicht gelungen war, auf bundesstaatlicher Basis das Gesetz zu beseitigen, beschlossen sie, auf oertlicher
Ebene in der gleichen Richtung taetig zu sein.
Zuerst wurden die Mietberatungsauaschuesse gezwungen, Empfehlungen zu
unterbreiten, in denen auf die Veraenderungen der Mietpreise und den danit
unvereinbaren Fortbestand des Gesetzes'hingewiesen werden sollte. Als dies
jedoch nicht zur voelligen Aufhebung der Mietkontrollen fuehrte, verlegten
sich die Hintermaenner der Grundstücksbesitzer mit Unterstuetzung republikanischer Kreise im Kongress auf die Methode, eine Aufhebung der"Kontrollen
auf oertlicher Basis durch entsprechende Abstimmungen der regierenden
Kommunalbehoerden zu erwirken. Hierauf haben sich zahlreiche oertliche 3ehoerden, in denen kein betraechtlicher Einfluss der Gewerkschaften besteht,
fuer eine Aufhebung der Mietkontrollen ausgesprochen. Die durch diese
Massnahmen in Mitleidenschaft gezogenen Gebiete sind der landwirtschaftliche
Sueden und Suedwesten. Aber auch in einigen Industriebezirken sind die
Kontrollen abgeschafft worden. Die Methoden, die zur Erwirkung dieser Massnahmen angewandt wurden, sind kennzeichnend fuer die politischen Verhaeltnisse in einigen Kommunalbehoerden. Dies ist durch einen Vorfall bewiesen,
der sich in keiner geringeren Stadt wie Los Angeles zugetragen hat, wo der
Stadtrat bestochen worden sein soll, damit er fuer eine Abschaffung der Mietkontrollen stimme.
In diesem Falle wandte sich der Ausschuss fuer Uohnungsbau an gewerkschaftliche und liberale einflussreiche Persoenlichkeiten sowie an den Ausschuss fuer Hauspaechter in Los Angeles und brachte die. Tatbestaende vor die
Gerichte. Schliesslich konnte man durchsetzen, dass die EntSchliessung zur
Abschaffung der Mietkontrolle widerrufen werden musste.
Auf dem letzten CIO-Kongress wurde nun die Vorbereitung eines wirksamen
Gesetzes fuer Mietkontrollen in Erwaegung gezogen.
Der Ausschuss hat unablaessig den Gedanken unterstuetzt, dass die
kontrolle in die Haende der bundesstaatlichen Uohnungsbehoerden gelegt
werden woll, damit eine Gewaehr dafuer besteht, da3s die Mietkontrolle
solange bestehen bleibt, wie tatsaechlich ein '..'ohnraummangel herrscht.
Das '.'ohnungsbauprogramra der Regierung soll darauf ausgerichtet werden,
sen Mangel zu beheben, und Mietkontrollen sollen nur solange notwendig
erforderlich sein, wie ein Mangel an Wohnungen besteht.

Mietnur
dieund

Die bis heute ergriffenen Massnahmen konnten keine zufriedenstellende
Loesung des Problems schaffen. Schuld hieran ist einmal die Tatsache, dass
man sich gesetzlich genehmigte Programme nicht in vollem Umfang zunutze
machte, und zum andern, dass keine Gesetze erlassen Wurden, die die bestehenden Luecken haetten schliessen koennen.
Zu viele Beamte der v.rohnungsbehoerden sind der Auffassung, dass sie
das Problem geloest haben, wenn sie neue Bedingungen fuer die Hypothekenfinanzierung ausgekluegelt haben. Zu wenige dieser Beamten haben anscheinend ein Interesse an der Schaffung eines genuegenden Wohnraums, an
der kommunalen Vohnungsbauplanung, an Massnahmen, die eine Senkung der
Baukosten oder eine Vereinfachung der Bauverfahren foerdern koennten. Infolgedessen hat der 'Johnungsbau die Tendenz, an C.ualitaet -zu verlieren,

- 2 -

�in einem gerechten Gleichgewicht fuer die verschiedenen Schichten der
Bevoelkerung zu stehen, und obendrein stellt er einen unnoetigen
Aderlass des Kreditpotentials der US-Regierung dar.
Seit vielen Jahren hat der Ausschuss fuer Yfohnungsbau eine Expansion der Bauindustrie befuervortet, um den Uohnraumbedarf Amerikas
besser decken zu koennen. Die Sprecher der Industrie und konservative
Volkswirtschaftler haben der Bauindustrie die Faehigkeit der Ausdehnung
abgesprochen. Doch das Jahr 1950 ist ein Rekordjahr fuer die Bauindustrie gewesen. Im August 1950 wurde die jaehrliche Quote von zwei
Millionen Wohnungen, die vom Ausschuss seit 1948 befuerwortet wird,
bereits annaehernd erreicht.
Diese erstmalige Rekordproduktion hat den Rueckstand, der durch
die Kriegsjahre und die geringe Bautaetigkeit waehrend der Depression
der 30er Jahre eingetreten war, erheblich verringert. Selbst die
konservative amerikanische 3par- und Anleiheliga hat diesen hohen Stand
der Bautaetigkeit zur "Beendigung des Wohnraummangels in praktisch
jeder Ortschaft" gutgeheissen. In der Vergangenheit hat die Bauindustrie
ihre Aufgabe, das Land mit genuegend '.Johnraum zu versorgen, nicht erfuellen koennen. In einem etwas engstirnigen Bewusstsein ihrer Verpflichtung dem Volk gegenueber, hat die Bauindustrie eine geplante
Knappheit an Wohnungen beguenstigt, die zu Beunruhigung und Sorge in
Hillionen von Familien Anlass gegeben haben, deren groesstes Problem
darin besteht, dass sie keine angemessene Wohnung bekommen koennen.
Die Bevoelkerungsziffer der Vereinigten Staaten steigert sich jetzt
jaehrlich um fast 900.000 neue Familien. Wenn der rueckstaendige Bedarf der Vergangenheit gedeckt werden soll, die Elendsviertel bereinigt
und mehr Wohnungsmoeglichkeiten geschaffen werden sollen, muss die Bauindustrie ihre neue hohe Kapazitaet von zwei Millionen Einheiten im Jahr
zumindest in den.naechsten zehn Jahren voll ausnutzen.
Mit keinem Programm und keiner Politik koennen alle Einzelheiten
dieses Problems restlos geklaert werden. Mit einem wohlabgerundeten
Wohnungsbauprogramm wird den Beduerfnissen aller Schichten der Bevoelkerung am besten entsprochen werden koennen. Diese Beduerfnisse erstrecken sich nicht nur auf angemessene Wohnungen, sondern auch auf die
gesamte Umgebung innerhalb einer Ortschaft, die die Kindestnormen der
Ansprueche einer Familie erfuellen sollen. Schulen, Kirchen, Krankenhaeuser und Erholungsstaetten sind zu oft in den umfassenden Plaenen
privater Architekten vernachlaessigt worden.
Der Ausschuss fuer Wohnungsbau de« CIO hat deshalb vorgeschlagen:
1.) Ein oeffentliches Wohnungsbauprogramm fuer die niedrigen Einkommensgruppen, d.h. diejenigen, die keine fuer den Besitzer rentable
Miete zahlen koennen.
2.) Anleihen und Darlehen fuer die Bereinigung von Elendsvierteln
und die ftatwicklung der Staedte.
3.) Ein Programm fuer die mittleren Einkommensgruppen, das technische Ilnterstuetzung und langfristige Kredite bei niedrigen Zinssaetzen
fuer die Baugenossenschaften vorsieht.
4.) Ein Programm fuer den nichtlandwirtschaftlichen Wohnungsbau
auf dem Lande,
5.)

Ein einleitendes Programm fuer dft* landwirtschaftlichen Wohungs-

bau.

- 3-

�6.) Ein verbessertes Forschungsprogramm zur Senkung der Kosten
des 'Wohnungsbaus.
7.) Unierstuetsung bei der Entwicklung einer industrialisierten
"'ohnungsbauindustrie.
8.) Verkauf regierungseigener Kriegsbauten an Paechter, die
ohne Gewinn arbeiten und diese l'ohnungen selbst bewohnen.
Die gesamte '..'irtschaft wurde durch die Entwicklung der koreanischen
Krise ersc'mettert. Der '.Johnungsbau, der den groessten Komplex des
inl&amp;endisehen Bedarfs darstellt, wurde als erster durch die Entwicklungen in Mitleidenschaft gezogen, die sich mit der Notwendigkeit der
Steigerung der Ruestungsproduktion ergeben haben. Dieser Zweig der
zivilen "'irtschaft, der sich nach zwei langen Jahrzehnten unzureichender
Produktion zun erstenmal stark ausdehnte, wurde von einer uebereLfrigen
Buerokratie abgedrosselt, die unfaehig ist, die ihr gestellten Aufgaben zu erfuellen.
Die Remuehungen der Regierung, das rTohnungsbauprobleni ausschliesslich durch Kreditkontrollen zu loesen, sind weder wuenschenswert, noch
durchführbar und gerecht.
Diese Kreditkontrolle hat dazu gefuehrt, dass die Preise des
spekulativen 'Wohnungsbaus, der sich jetzt wieder seine« Daseins erfreut,
und auch die Preise fuer die zur Verfuegung gestellten Wohnungen in die
Hoehe geschraubt wurden.
Angenommen, der "'ohnun^sbau muesste im Interesse der sich ausdehnenden Ruestungsproduktion gekuerzt werden, dann muss doch alles
'•'oegliche getan werden, um eine Hoechstproduktion an "ohnraun aus den
noch uebrigen Arbeitskräften und Materialien sicherzustellen. Diese
Verordnung und andere fruehere Verordnungen, die die Kredite der
Regierung einschraenk«n,- wurden erlassen, bevor der fuer das Programm •
notwendige Bedarf an ..rbeitskraeften und ?'aterial veranechlagt war und
genauere Angaben ueber die in Jahre 1951 verfuegbare Zahl an Arbeitskräften vorhanden waren.
/
Die Anwendung der Kreditkontrollen allein zur Erreichung dieses
Zieles ist lueckunhaft und kann zu Missbrauch fuehren. Diejenigen, die
ueber umfangreiche Geldmittel verfliegen, duerfen ohne Einschraenkung
bauen, !36r Gruppe je loch, deren ",'ohnraunbedarf am groessten ist, wird
absolut keine ','oegliohkeit geboten, sich ','ohnraum zu schaffen. Diese
Tatsache ist auch nicht dazu angetan, das Problem der Einschraenkung
der Sautaetigkeit infolge der Inflation der l.'aterialkosten zu erleichtern.
Die Regierung muesste sofort dieses gesarate Problem erneut ueberpruefen und dabei folgendes beachten:
aj Um zu garantieren, dass die fuer das Produktionsjähr 1951
verfuegbaren Arbeitskraefte der Bauindustrie voll ausgenutzt werden,
muss ein jaehrliches Produktions.:iel unter Beruecksichtigung des militaeri'3Chen und wesentlichen zivilen Bedarfs gesteckt werden.
b) Innerhalb der Vereinigten Staaten muessen sofort Vorbereitungen getroffen werden, um den auf 100.000 Einheiten geschaetzten
Bedarf an I.'ilitaerunterknenften zu decken.
c) Fuer Arbeiter in kriegswichtigen Betrieben, die sich staendig erweitern, muessen '.'ohnungen gebaut werden.
Noch schlimmer als die Auswirkungen der Vorgaenge in Korea sind die

- k -

�Entwicklungen in Hahnen des jetzigen '.'ohnungsbauprogramms.
Ifis muss leider festgestellt werden, dass bis jetzt die in den
meisten Phasen des Programms ergriffenen Massnahmen so gehanriha'ot
wurden, dass sie ihren Zweck verfohlten, Ein groesserer Fehlschl&amp;ß
haette nicht eintreten koennen,- v.enn das Programm im umgekehrten
Sinne geplant gewesen waere. Der Vorsitzende dieses Ausschusses,
der das Problem erkannte, dem s.ch die Gewerkschaften gegenuebersahen,
als der Kongress das "ohnungsbaugesetz von 1949 (Gesetz Nr. 171)
erliess, bat in einem Schreiben an Praesident Truman um die Ernennung einer neuen, mit erweiterten Refuegnissen a'^estatteten
Behoerde, die entschlossen sei, die Bestimmungen des neuen Gesetzes
auch zu verwirklichen.
Man kann sich am besten von dem Versagen dieser ^ehoerde ein
Bild machen, wenn man die Ergebnisse unt.er^iicht, die nach den Bestimmungen des Gesetzes 171 fuer den oeffendlichen '.'ohnungsbau erzielt wurden; dieses Gesetz wurde nach fuenf Jahren harten Kampfes
gegen die Grundstücksbesitzer angenommen.
Der Vorsitzende Beuther wies vor dem Kongress im Pebruar ]%9
auf die Dringlichkeit des '.'ohnraumbedarfs hin und verlangte vom
Kongress, "fuer die Erstellung von mindestens einer Million '."ohnhaeuser mit niedrigen Mieten zu sorgen". Das Programm muesse jedoch
zusammengedraengt und in vier anstatt in sieben Jahren durchgefuehrt
werden, sodass in den naechsten vier Jahren jaehrlich durchschnittlich
250.000 Einheiten mit niedrigen Mietsaetzen erstellt werden koennten.
Als Antwort auf diesen Vorschlag und auf die Dringlichkeit der
Situation stimmte der Kongress fuer die Erstellung von mindestens
100.000 Einheiten jaehrlich in den naechsten sechs Jahren ;ait dem Hinweis, dass "auf Reschluss des Praesidenten hin, nachdem dieser den
Ausschuss der Mirtschaftsberater zu Ilate gezogen hat, die gesamte
Jahresproduktion auf 200.000 Einheiten gesteigert werden kann."
Ein Jahr nach dem Srlass des ''ohnungsbaugesetzes von 1949 g"b
Ü e Peh^erds fuer die Finanzierung des '.'ohnungsbaus und der "ohnungen
unter dem Titel "Fortschritt des '.'ohnungsbauprogramms in den Jahren
1949 - 1950'einen Bericht heraus, in dem folgende Feststellung enthalten war: "Am 31. Juli 1950 waren 640 (sechshundertundvierzig 1)
dieser Einheiten begonnen."
In Anbetracht der Tatsache, dass man das betraechtliche Arbeitskraeftereservoir der Arbeitslosen nioht einsetzte und die Kapazitaet
der baustofferzeugenden Industrien nicht ausnutzte, ist eine Kritik
durchaus gerechtfertigt.
Die Verwaltung Tuer den oeffentlichen ' .'ohnungsbau hat in hoechst
buerokratischer "eise dieses Gesetz verwaltet; ihre Haltung koennte
mit der eines Gutsbesitzers seinen Paechtern gegenueber verglichen
werden. Im Gegensatz zu den organisierten Grundstücksbesitzern hat
sich diese Verwaltung bei der Verfolgung der Ziele des Gesetzes 171
viel Zeit gelassen.
Die Verwaltung betrachtet den '..'ohnraumbedarf der niedrigen Zinkommensgruppen als von zweitrangiger Bedeutung. Die meisten Leiter
der oeffentlichen '.'ohnun^s'oauprojekte behandelten diese Mieter mit
einer gewissen Verachtung. Eine wahre Kampagne wurde gegen diejenigen
Mieter eingeleitet, die die gesetzte Einko-imensgrenze ueberschritten
hatten. Auf Veranlassung der Grundstücksbesitzer wurden diese T?«.rni—
lien und besonders jene, die Mitglieder der Gewerkschaftsbewegung
waren, unter Druck gesetzt, u-n sie zu zwingen, ihre ','ohnung zu verlassen, ihre familiaeren und nachbarlichen Verbindungen zu zerreissen und

- 5-

�sich anders&gt;vo Wohnung&amp;noeglichkeiten zu suchen. Statt den Bau der zusaetzlichen Wohnungen in Angriff zu nehmen, konzentrierte sich die Verv/altungsbehoerde auf eine Kampagne, die den Zv;eck hatte, die Mieter mit
allzu hohem Einkommen aus diesen Wohnungen wieder zu verweisen. Die
Kampagne verlief erfolgreich. Tausende von Mieter wurden gezwungen,
Wohnungen zu gesteigerten Preisen zu mieten, deren Mietzins jenseits
ihrer Zahlungsfaehigkeit lag.
Eine Ursache fuer das Misslingen des oeffentlichen Wohnungsbauprogramms ist die Tatsache, dass in vielen Wohnungsbehoerden Vertreter der
oertlichen Grundstuecksbesitzerorganisationen sitzen. Unter solchen
Umstaenden ist es unmoeglich, die dienstlichen Pflichten dieser Vertreter
als oeffentliche Beamte von den Zielen der organisierten Kampagne der
Grundstuecksbesitaer scharf zu trennen.
Die oertlichen WohnungsbauVereinigungen der Buerger sind ebenfalls
zuweilen der Beeinflussung seitens der Grundstücksbesitzer zum Opfer
gefallen. So hat die Buergervereinigung von Baltimore fuer Planung und
Wohnungsbau den Beteuerungen der Grundstuecksvertreter Gehoer geschenkt
und den Vorschlag eines Interessenten des bundesstaatlichen legislativen
Ausschusses, der jedoch praktisch fuer die Hypothekenbanken sich einsetzte, angenommen. Dieser Vorschlag bezieht sich auf ein Programm, das
die Bereinigung der Hinterhoefe der bestehenden Wohnungsbauten vorsieht.
Unter dem Titel "Der Baltimore-Plan" ist dieses Programm der Oeffentlichkeit weitgehend zur Kenntnis gebracht worden. In Wirklichkeit handelt
es sich jedoch um ein privates Unternehmen, um den Ersatz fuer ein Programm,
das die Interessenvertreter "sozialistisch und kommunistisch" nennen, und
das mit Unterstuetzung des Praesidenten Truman und der Senatoren Tobey,
Flanders, Sparkman, Maybank u.a. zum Gesetz erklaert wurde.
Es gibt nur eine Loesung fuer dieses Problem. Die Oeffentliche
Wohnungsbaubehoerde muss mit neuem Blut aufgefrischt werden, und sie muss
von der festen Entschlossenheit beseelt sein, die in den Satzungen des
Kongresses enthaltenen Ziele zu erreichen. Das Programm muss auf einer
festen Grundlage fussen, die durch gegenseitiges Verstaendnis und die
gemeinsame Arbeit an den menschlichen Problemen gebildet wird, deren 3eduerfnisse durch das Programm befriedigt werden sollen.
Fuer den Sieg der Demokratie in der heutigen Welt ist es erforderlich, dass alle Menschen einen angemesseneren Lebensstandard ihr eigen
nennen. Das Wohnungsbauprogramm der Vereinigten Staaten kann und darf
nicht so verunstaltet werden, dass angemessene Wohnungen nur den Wohlhabenden zur Verfuegung stehen, und dass ein Programm, das fuer die wirtschaftlich weniger Beguenstigten bestimmt ist, versiegen und absterben
darf.
Die Bestimmungen fuer die Bereinigung der Elendsviertel und die
staedtische Entwicklung, die in dem '..'ohnungsbaugesetz von 19^9 enthalten
sind, traten erst im Juli 1950 in Kraft. Deshalb hat die Wohnungsbaubehoerde auch erst seit einiger Zeit damit begonnen, mit den Grosstaedten
und anderen Staedten ueber die Durchführung der Bestimmungen dieses
Gesetzes zu verhandeln.
Die Staedte Norfolk im Staate Virginia und Nashville in Tennessee
haben bereits Hervorragendes zur Bereinigung der Elendsviertel geleistet.
Auch in Chikago ist ein Programm angelaufen, und man hofft, aus bundesstaatlichen Mitteln sechs Millionen Dollar und von den oertlichen 3ehoerden drei Millionen Dollar zu bekommen, um das Negerviertel bereinigen
und fuer l.AOO Familien mit hoeherem Einkommen Wohnungen mit hoeheren
Mietsaetzen bauen zu koennen. Ihre frueheren Wohnungen sollen diese
Familien fuer 3.500 Familien der niedrigen Einkommensgruppen zur Verfuegung stellen. Dieser Vorschla8 entspricht jedoch nicht dem eigentlichen Zweck des Programms, v/onach auf den Grundstuecken der Elendsviertel
anstaendige Wohnungen und eine passende Umgebung geschaffen werden sollen.

- 6-

�Das industrialisierte Wohnungsbauprograinra, das von diesem Ausschuss
gefoerdert und vom Kongress bewilligt wurde, ist leider der Kontrolle der
im Dienste der Gesellschaft fuer die Finanzierung des Wiederaufbaus
stehenden Vertreter unterstellt. Aul- Ersuchen des üewerkschaftsausschusses und anderen Gremien hin hat der Kongress vor kurzem einen Neuorganisationsplan bewilligt, der eine Uebertragung dieser Funktion an
das Amt fuer die Finanzierung des Wohnungsbaus und der Wohnungen vorsieht.
Man hofft, dass in dieser neuen Umgebung den Ueberlegungen zum Wohnungsbau der Vorrang vor den Befuerchtungen jener Vertreter gegeben wird, in
erster Linie eine neue Industrie zu finanzieren.
Report to the Congress of Industrial Organizations
XI/20-24/50

ITALIENISCHER GSTEKKSCHAFTSFUEHRER HEISST GENERAL 2I5ENH0WER WILLKOMMEN
(Nachstehender Artikel wurde von Giulio Pastore, dem
Sekretaer des Italienischen Gewerkschaftsbundes (CISL)
geschrieben und in "Conquiste dej. lavoro", dem
offiziellen Organ dieser Gewerkschaftsorganisation,
veroeffentlicht. Pastore begruesst in seinem Artikel
die Suropareise General Eisenhowers und warnt vor der
falschen Friedenspropaganda sowjetischer Konmunisten.)
Alle Ereignisse internationaler Bedeutung, die uns in diesen Tagen
bewegen, machen es klar, dass das alte Europa noch nicht alle seiner
Probleme ueberwunden hat.
Der Daemon des Nazi-Faschismus, der fuer den letzten Krieg verantwortlich gemacht v/erden muss, ist gerade beseitigt, und schon tritt der
sowjetische Imperialismus, der ebenso machthungrig ist, in Erscheinung.
Wenn es noch erforderlich ist, einen weiteren Beweis fuer die Aehnlichkeit zwischen Nazi-Faschismus und Kommunismus zu liefern, so kann er zun
grossen Teil aus der Entwicklung der internationalen Lage abgeleitet
v/erden.
Es ist nicht erstaunlich, dass sich die freien Voelker erneut voellig darueber einig sind, dass dieser neuen bedrohlichen Gefahr begegnet
werden muss. V'enn General Eisenhower nach Europa kommt, so ist das
keineswegs belanglos, sondern es zeigt auf, dass die freien Nationen den
festen Willen haben, sich zu verteidigen, damit das Banner der Freiheit
und Demokratie nicht fuer immer gesenkt werden muss.
Kurz nach Beendigung des letzten Krieges hat sich Europa in einer
aehnlichen Lage befunden, als der Kommunismus gehofft hat, Europa durch
Hunger und Elend erobern zu koennen. Wiederum ist es das grosszuegige
amerikanische Volk gewesen, das uns durch den Marshall-Plan eine Lebensmoeglichkeit gegeben und uns von dem grausamen Alpdruck des Kommunismus
befreit hat.
Wenn man nach dem Lauf der Dinge urteilt, muss man annehmen, dass
der sowjetisch-slawische Imperialismus, dessen Hoffnung, seinen Machtbereich durch die Aussaat von Elend und Verzweiflung ausdehnen zu koennen,
sich nicht erfuellt hat, den Krieg gewaehlt hat. Die Entwicklung der
tragischen Ereignisse bestaetigen diese Vermutung«
Dies muss gesagt werden, weil man auch in unserem Lande unter dem
beschaemenden Vorwand, die Demokratie wolle den Krieg, versucht, die
friedliebenden Arbeiter unserer Fabriken und Werften fuer gefahrvolle
Sabotageaktionen zu gewinnen, die eindeutig verraeterische Merkmale
tragen.

-7 -

�l'oegen diese beschaenenden Pazifisten versuchen, die ','ahrheit
Uffl die asiatische Tragoedie zu verbergen', "er ueberschritt zuerst,
bewaffnet bis an die Zaehne, den 38. Breitengrad und brachte dem
friedlichen auedkoreanischen Volk die Geissei des Krieges? Niemand
kann an dieser Tatsache etwas aendern, und es ist keine alt Gewalt
betriebene Propaganda notwendig, um den italienischen Arbeitern, die
mehr denn je zuvor ihre intellektuelle Tuechtigkeit und ihren oinn
fuer Moral unter Beweis gestellt haben, die ganze Bedeutung dessen vor
Augen zu fuehren, was sich in der "..'elt seit jenem un^luecicseligen
25" Juni 1950 zugetragen hat. Nienand anders als die Kolumnisten sind
es, die der Frieden untergraben haben, und es ist jetzt eine niederträchtige Luege und off uns .entliehe Heuchelei, wenn die Kommunisten
ils I'nschul Islamn vor die Arbeiter treten.
Heute muessen sich diejenigen, die auch kuenftig in Freiheit leben
wollen, endgueltig entscheiden. Angesichts des Narren, der sein
eigenes Huus ueberfaellt und seine heiligsten Rechte preisgibt^ ist da«
Vorurteil, nan sei cUnit fuer den Krieg, voellig unsinnig, und kein
Mensch «it Ehrbegriffen kann davon traeumen, passiv zu bleiben. Und
das ist der Clou des Dramas.
',.'ir muessen uns entscheiden, ob wir auf ein freies Leben verzichten
wollen, in dem jeder so handelt, wie es seinen '..'eson als freier Mensen
entspricht, oder ob wir «in Leben fuehren wollen, 'Jas uns zwingt, alle
persoenlichen Hechte eines Menschlichen "esens aufzugeben.
Alle Arbeiter
weil dieser Friede
unterstuetzen, die
Anders zu handeln,
.Stockholm", hiesse
stellen.

Italiens und der '.,'elt sind fuer den Frieden, und eben
ihr groesster ','unsch ist, werden sie alle Massnahmen
in irgendeiner '..'eise den Angreifer entmutigen koennen.
selbst mit einem Mundvoll '.'orte wie "Frieden a la
einfach, sich auf die Geite der Kriegstreiber zu

Die italienischen Arbeiter, die sich der '..'erte eines demokratischen
Lebens bewusst 3in.i, wissen, dass es heute das ^roesste Interesse Italiens
und des italienischen Volkes ist, sieh jedem, innerhalb und ausserhalb
Italiens zu widersetzen, der den Versuch unternimmt, eine Aggression
gegen dieses Land zu fuehren.
l^Cx Labor Information
16/1/50

DZR ""JTI3CH-; JCI:ATZ.KA:iZI«.Pt ^ i I X A ^ T '.)VM dh'GLIGCKMN ARBZITiwTK. "ARUM
k.u-)UKTtVi 1 t;JT37r irr -MING1 ?*,tV:hDiM ilfr.
Di« Zeitschrift "Target" dient dem Zweck, Informationen, Vorschlaege
und Ideen zu veroeffentlichen, die den britischeil Firmen bei der Steigerung der Produktionsleistung ihrer Betriebe helfen sollen« Ist eine
solche Aufgabenstellung jedoch realistisch in einer Zeit, in der sich
einer gesteigerten Produktionsleistung neue Hindernisse in den V.eg stellen?
Der Handel an bestimmten Rohstoffenrausszeitweilige Schwierigkeiten verursachen. )',a wird alles verrucht, um durch internationale Vereinbarungen der britischen Industrie ihren wesentlichsten Bedarf an
Rohstoffen zu sichern, und die ;i*»£i«rung wird, sobald dies moeglich ist,
endgneitig tieber die üesbezueglichen «uösichten Aufklaerung jenen, weil
sie weiss, dass die gegenwärtige Ungewissheit in Bezug auf die Materialversorgung denjenigen grosse Sorge bereitet, der danach strebt, seine
eigene Produktionsleistung und die seines Betriebes zu steigern, '..'eiter
r.uespen die lurch den hinter bedingten Probleme der Versorgung mit Brennstoff urd "'nergie benweksichtigt werden.

- B -

�Auch die Umstellung auf neue Produktionsverfahren, die durch das
'..'iederaufruestungsprograrim bedingt ist, kann in einigen Unternehmen
Anlftss zu grossen Schwierigkeiten geben.
Und warum faehrt die Regierung trotzdem fort, die Akzeptierung
neuer Methoden zur Steigerung der Produktionsleistung zu fordern, und
gibt in "Target" Beispiele, die direkt aus der Industrie genommen sind?
Sicherlich nicht deshalb, v/eil sie die Art der Schwierigkeiten nicht
kennt, die fuer die Produzenten im kommenden Jahr auftreten koennen.
Gewiss auch nicht deshalb, v/eil sie nicht wuesste, dass eß fuer einige
Betriebe sehr schwer sein kann, ihre Produktionsleistung zu steigern,
und. dass einige sogar besondere Anstrengungen machen muessen, um ein
Absinken der Produktionsleistung zu verhindern.
Die Gruende hierfuer sind vielmehr folgende:
1.) Eines der Mittel zur Steigerung der Leistungsfaehigkeit ist,
wie die Erfahrung in Zahlreichen Betrieben gelehrt hat, die enge
Zusammenarbeit und das gegenseitige Umratfragen zwischen Betriebsleitern und Arbeitern. Ein solches Verhaeltnis ist besonders dann unerlaesslich, wenn sich die Moeglichkeit gegenseitigen Missverstehens
und gegenseitiger Reibungen infolge Materialmangels, Stromsperren und
anderer Schwierigkeiten mehren.
2.) Ein anderes Mittel zur Steigerung der Leistungsfaehigkeit,
das auch in "Target" zuweilen genannt wird, ist das Bestreben, Müterialverluste zu vermeiden und eine bestimmte Menge Material so wirtschaftlich wie ;noeglich zu verwerten. Gewoehnlich bleibt immer noch genuegend
Raum fuer neue Ideen zur Einsparung von Material. In Anbetracht der
Notwendigkeit, Material einzusparen, bietet sich hier eine aeusserst
guenstige Gelegenheit; alle Bemuehungen in dieser Richtung sind von
besonderem '..'ert, weil der Erfolg ein dauernder ist.
3.) Verbesserte technische Produktionsmethoden, die im Augenblick
in einigen Betrieben vielleicht nicht verwertbar sind, koennen fuer
andere sehr gut anwendbar sein. Mangel an Material wird sich selbst
im schlimmsten Falle nicht ununterbrochen auf einen Betrieb oder auf
alle Betriebe gemeinsam auswirken.
i+.) Materialmangel und Produktionsunterbrechungen werden, wo sie
auftreten, wohl nicht vor zu grosser Dauer sein. Der weitblickende
Betriebsleiter bereitet sich im voraus auf et..aige'Schwierigkeiten vor.
Somit koennen Systeme zur Steigerung der Produktionsleistung, die in dej
naechsten Monaten ausgearbeitet und besprochen sind, unter guenstigen
Bedingungen angewandt werden, sobald sie praxisreif sind.
5.) Die Frage der Produktionsleistung ist eine Frage auf weite
Sicht. Ungeachtet der gegcnv.aertigen Schwierigkeiten sind zwei Tatsachen unumstoesslich: Erstens muss in Zukunft &amp; r Konkurrenz begegnet
werden. In anderen Laendern gibt es tuechtige liaenner, die ununterbrochen planen und arbeiten, um die Produktionsleistung zu verbessern.
Zweitens wird, was noch entscheidender ist, der Lebensstandard eines
Landes auf lange Sicht hin von der Leistungsfaehigkeit seiner PHxluktionsmaschinerie bcsti• jlt. Es wird verbraucht, was erzeugt wird, '.'enn die
Frage der Produktionsleistung jety.t aufgrund kurzfristiger Unzulaenglichkeiten und Schwierigkeiten ausser acht gelassen wird, so wird im voraus
die Zukunft der britischen Industrie und des britischen Staates geschaedigt. Unter den gegenwaertigen Urastaenden wird es nicht moeglich sein,
scfmell vorwaertszuko u..en, wie es gegenwaertig en.uenscht ist, aber dies
ist gewiss kein Grund, s^ch von der richtigen Richtung abzuwenden und
auf Fortschritte zu verzichten, die moeglich w^eren. Obwohl dies ueber-

- 9 -

�zeugend genug klingt, v/erden einige Betriebsleiter und Arbeitsvorgesetzte in bestimmten Betrieber. jetzt und in den kommenden Monaten
Geduld und Umsicht an den Tag legen mueasen, um tatsaechlich auch
danach zu handeln. Die Regierung ist sich dieser Notwendigkeit bewusst, sie glaubt aber nicht, dass sie damit zuviel von der britischen
Industrie erwartet.
Unter den neuen Gegebenheiten wird in "Target" an Hand von vielen
praktischen Beispielen gezeigt werden, welche besonderen Schwierigkeiten bestimmte Unternehmen ueberwinden muessen, und die Methoden
werden gruendlich erklaert werden muessen, mit denen die Probleme
geloest werden koenncn.
ECA Labor Information
1/18/51

wie

T.G. MCMANUS, EHEMALIGER HAUPTKASSIERER DER KANADISCHEN SKELEUTKGEWERKSCHAFT".
DER UNTERGANG EINER GEWERKSCHAFT.
Vor 5 Jahren zaehlte die kanadische Seeleutegewerkschaft noch nahezu 10.000 Mitglieder. Sie hatte Vertraege mit mehr als 300 Schiffseignern abgeschlossen, die die Grossen Seen, die Kuesten der Ozeane und die
Ozeane selbst befuhren. Die monatlichen Einnahmen der Gewerkschaften
beliefen sich auf 30.000 Dollar.
Heute hat die kanadische Seeleutegewerkschaft nicht mehr als 600
Mitglieder. Ihre Mannschaften arbeiten auf kaum einem Dutzend Schiffen.
Die Gewerkschaft ist aus dem kanadischen Gewerkschaftsbund ^Trades and
Labour Congress,) ausgestossen worden.
Die Achtung, die ihr einst von Unternehmern, Regierung und anderen
Gewerkschaften bezeugt vmrde, hat sich in Feindschaft und Verachtung
umgewandelt. Im gewerkschaftliehen Sinne ist die Seeleutegewerkschaft
einfach tot.
Die Hauptursache fuer ihren Niedergang ist bereits bekannt oder
wird von den meisten, die ihn miterlebten oder davon gelesen haben, in
der richtigen Linie vermutet. Nur wenige kennen die naeheren Zusammenhaenge, und zu diesen wenigen gehoere ich. Ich war Hauptkassierer
dieser Gewerkschaft und hatte damit eine Stellung inne, die hinsichtlich der damit verbundenen Autoritaet nur von der des Vorsitzenden
uebertroffen vmrde. Auch war ich Mitglied der kommunistischen Partei
Kanadas, die bei jeder Gelegenheit die Ereignisse diktierte, die zu dem
bitteren, ruhmlosen Ruin der Gewerkschaft fuehrten. Natuerlich kann
ich mich nicht, selbst wenn ich es wollte, meines eigenen Anteils an
der Verantwortung entziehen. Bei jedem der in der Zeit von 1946 bis
1949 gefuehrten Streiks, die mit dem Zusammenbruch der kanadischen Seeleutegewerkschaft endeten, habe ich den direkten und besonderen Befehlen der kommunistischen Partei Folge geleistet und mitgeholfen, die
Streiks auszurufen und sie zu fuehren. Selbst als ich glaubte, dass
diese Streiks taktisch falsch waeren, konnte ich mich vor vier Uonaten
noch nicht entschliessen, aus der Partei auszutreten. Ich verlasse sie
heute, nachdem ich ihr 19 Jahre lang als selbstloser und disziplinierter
Kommunist gedient habe, weil ich zu der Ueberzeugung gekommen bin, dass
ich die russlandfreundliche und antikanadische Einstellung der Partei
zu den Vorfaellen in Korea nicht gutheissen kann.
Wenn ich befuerchten muesste, dass ich die Sache der Gewerkschafts-

- 10 -

�bewegung schaedigen wuerde, wuerde ich nicht das aussprechen, was ich
an dieser Stelle sage. Es ist jedoch meine feste Ueberzeugung, dass
von 100 kanadischen Gewerkschaftern kein Einziger sich eine klare Vorstellung machen kann, wie eine kommunistisch beherrschte Gewerkschaft
gefuehrt wird, und ich glaube, dass es in ihrem eigenen Interesse
wichtig ist, die Gewerkschafter hierueber aufzuklaeren.
Genau genommen gibt es keine kommunistisch beherrschte Gewerkschaft, denn wenn sie der kommunistischen Bevormundung unterstellt ist,
ist es keine Gewerkschaft mehr. Sie wird zu einer Zweigorganisation
der kommunistischen Partei. Die Partei schreibt ihr oft Ziele und
Handlungsweise vor, die vom Standpunkt eines Gewerkschafters aus absolut gesund und bereciitigt sind, l.'o 3ich die Interessen der Partei
mit denjenigen der Gewerkschaft jedoch ueberschneiden, wird der Partei
der Vorrang gegeben, selbst wenn damit, wie im Falle der kanadischen
Seeleutegewerkschaft, der Untergang der Gewerkschaft besiegelt ist.
Diese Organisation wurde im Jahre 1936 auf einer Konferenz der
kommunistischen Partei Kanadas gegruendet. Zu ihrer Bluetezeit waren
90 % ihrer Mitglieder Nichtkomnunisten, aber die meisten waren damit
einverstanden, den kommunistischen Fuehrern die Kontrolle ueber die
Gewerkschaft zu ueberlassen. Sie waren der Ueberzeugung, dass die
Ziele ihrer Gewerkschaft ehrlich und gesetzlich gerechtfertigt waren,
und ich glaube, dass sie diese Ueberzeugung beibehielten, bis sie mit
diesen Zielen in Konflikt gerieten. In diesem Augenblick brach die
Gewerkschaft zusammen.
Ich trat im Jahre 1945 der kanadischen Seeleutegewerkschaft bei.
Mehrere Monate war ich im Hafen von Montreal als Betriebsrat taetig.
Ich habe sowohl fuer die Partei als auch fuer die Gewerkschaft viel gearbeitet. Zum Kongress der Gewerkschaft im Jahre 1946 in Montreal
wurde ich als Delegierter entsandt.
Die Form, in der diese Tagung abgehalten wurde, entsprach der jeder anderen Konferenz der Gewerkschaft, der ich beiwohnte. Ich bin der
Ueberzeugung, da£s man ohne weiteres annehmen kann, dass seit der Gruendung
der Gewerkschaft durch die Partei jede Konferenz in gleicher ''eise verlief.
Offiziell wurden die Funktionaere fuer das naechste Jahr auf einer
Konferenz von etwa 80 Delegierten und Funktionaeren der Seeleutegewerkschaf gewaehlt. In '.'irklichkeit wurden sie auf einer Partei Versammlung
am Abend zuvor bestimmt. Die einzigen Mitglieder der kanadischen Seeleutegewerkschaft, die dieser Vorbesprechung beiwohnten, waren die 18
oder 20 Gewerkschaftsdelegierten oder -funktionaere, die Mitglieder der
kommunistischen Partei waren. Den Vorsitz dieser Versammlungen fuehrte
J.B. Salsberg, ein bekannter kommunistischer Politiker in Ontario, der
Mitglied des Politischen 3ueros der Partei und gleichzeitig der Leiter
des Referats fuer Gewerkschaftsfragen ist.
Salsberg ging die Kandidatenliste der Funktionaere der Seeleutegewerkschaft durch und gab seine Kommentare zur Arbeit eines jeden einzelnen
Kandidaten. Dann kuendigte er mit der Sicherheit eines Spielfuehrers,
der die Aufstellung seiner Mannschaft bekanntgibt, die neue Kandidatenliste an.
"Su. Ivan wird das Amt des Vorsitzenden weiterhin bekleiden," sagte
er. "Davis wird erster VizeVorsitzender, Cyril Hauptkassierer und Gerry
McManus Sekretaer sein."
Wir alle, die wir Schluesselstellungen bekleideten, waren natuerlich
Parteimitglieder. Einije Mitglieder des Exekutivausschusses, - Leute wie

- 11 -

�Theodore Roy und Eddie Reid - die nicht der Partei angehoerten, sich
aber innerhalb der Seeleutegewerkschaft der Partei nicht widersetzten,
wurden von Salsberg zur Neuernennung zugelassen.
Obwohl auf einen kommunistischen Delegierten vier nichtkommunistische kamen, wurden am naechsten Tag die von Salsberg vorgeschlagenen
Kandidaten auf den Kongress der kanadischen Seeleutegewerkschaft ohne
Zwischenfall gewaehlt. Salsberg nahm an dieser Konfereae natuerlich
nicht teil, weil er niemals Mitglied dieser Gewerkschaft gewesen ist.
Auf dein naechsten Kongress, oder besser gesagt, auf der naechsten
ParteiverSammlung, die Salsberg am Abend vor dem neuen Kongress einberufen hatte, wurde ich zum Hauptkassierer "gewaehlt". Von diesem Zeitpunkt an fuehrte ich zusammen mit Harry Davis die kanadische Seeleutegewerkschaft zur vollsten Zufriedenheit Salsbergs und der Partei.
In jedem der drei Jahre von 1946 bis 1948 trat die kanadische Seeleutegewerkschaft in den Streik. Ich schlage vor, nicht die Probleme
und Einzelheiten dieser Streiks hier zu eroertern. Nicht, dass ich
etwas verbergen moechte. Ich bin lediglich der Auffassung, dass die
Stellungnahme, die der Gewerkschaft von der Partei vorgeschrieben wurde,
richtig gewesen ist, und dass es vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus
vernuenftig und gerecht war, eine derartige Haltung einzunehmen.
Im Gegensatz zu der allgemeinen Meinung waren die Gewalttaetigkeiten und Ausschreitungen, die den Streik auf den Grossen Seen von 1948
begleiteten, nicht von der Partei provoziert worden. Selbst jetzt, nach-,,
dem ich die Ereignisse von hocherer "..'arte aus uebersehe und von der
verpflichtenden Notwendigkeit befreit bin, mir selbst wieder und wieder
sagen zurauessen,dass die Partei immer recht hat, kann ich mich nicht
entsinnen, dass die Partei von mir verlangt hat, etwas zu tun, was ein
gewissenhafter Gewerkschuftsfunktionaer nicht getan haette.
Ich erkenne jetzt, dass der Streik im Jahre 1948 ein taktischer
Fehler war. Er spielte die Gewerkschaftsmitglieder genau Pat Sullivan
in die Haende, der aus der Partei und der kanadischen Seeleutegewerkschaft ausgetreten war, um die rivalisierende Seeleutegewerkschaft der
kanadischen Seen zu gruenden. Er staerkte die grossen Reeder, die den
Streik durch die Aussperrung der der kanadischen Seeleutegewerkschaft aiigehoerenden Mannschaften verursacht hatten. Zwar wurde die Gewerkschaft
von der uebrigen Gewerkschaftsbewegung noch stark unterstuetzt, und
Frank Hall musste eine grosse Fiederlage einstecken, als er zum erstenmal versuchte, die Organisation aus dem Kanadischen Gev&lt;erkschaftsbund
auszustossen; aber selbst die arglosesten nichtkommunistischen Gewerkschaftsführer begannen sich zu fragen, ob wir nicht allru "streiklustig"
waeren.
Alle diese Punkte koennten ins Unendliche fortgesetzt und behandelt
werden. '7enn ich darueber nicht argumentiere, so deshalb, weil ich hier
Tatsachen und keine Meinungen wiedergeben will, Tatsache ist, dass die
Partei den Streik anordnete und fuehrte. Als Hauptkassierer berichtete
ich taeglich Joe Salsberg ueber «He Entwicklungen des Streiks und nahm
seine Befehle entgegen. Im Anfangsstadium des Streiks verlegte ich meinen
Amtssitz von Montreal nach Toronto, um mit Salsberg in staendigem persoenlich^m Kontakt bleiben zu koennen.
Die kana iische Seeleutegewerkschaft var durch den Streik des Jahres
1948 schwer mitgenoi den, aber keinesfalls geschlagen, ürst der Streik von
1949 besiegelte ihren Untergan0, und sie verlor endgueltig die meisten
ihrer Mitglieder an die Internationale Seeleutegei.erkschaft. Sie v.urde
ausserdcu aus dem kanadischen Gewerkschafl.sbund ausgestossen.

- 12 -

�Ich moechte im Kinzelnen berichten, was ich ueber diesen Streik
weiss, denn es war der erste, bei dem selbst ich, der ich noch
immer ein treuer Parteianhaenger war, mied nur schwer davon ueberzeugen konnte, dass die Partei die Interessen des Landes im Auge
habe.
Ende 1948 begannen wir, ueber einen neuen Vertrag mit den Schifffahrtsgesellschaften zu verhandeln, die die Hochseehandelsflotte
Kanadas unter ihrer Kontrolle haben. Ein dreikoepfiger Vermittlungsausschuss unterbreitete im April 1949 einen Bericht. In ihm wurden
Zugestaendnisse beider Partner vorgeschlagen. Ich persoenlich sah
in diesem Vorschlag eine glueckliche Loesung, weil wir hoffen konnten,
mit ihm die schv/ierige Situation zu ueberwinden. Ich war dafuer, die
wesentlichen Vorschlaege in Bezug auf Loehne und Arbeitsbedingungen
anzunehmen und zu versuchen, auch weiterhin ueber die Frage der
Arbeitsvermittlungsbueros der Gewerkschaft zu verhandeln.
In diesem einzigen Falle war Salsberg nicht in der Lage, eine
klare Entscheidung zu treffen. Das war uebrigens nicht erstaunlich.
Die Hochseeschiffahrt ist international. Ein Streik der Hochseeschiffahrt, der von der kanadischen Seeleutegewerkschaft ausgerufen
werden waere, wuerde sich auf viele andere Laender auswirken. Die
kommunistische Partei Kanadas hielt es somit fuer bedenklich, eine
Entscheidung zu treffen, ohne die Partei in anderen Teilen der l'.'elt
um Rat gefragt zu haben. Aus diesem Grunde hatte sich Harry Davis ins
Ausland begeben. Salsberg befahl uns, die Konferenzen, wie geplant,
fortzusetzen, aber nicht zuzugeben, dass eine Entscheidung getroffen
wuerde, bevor Davis zurueckgekehrt sei.
'..'ir waren gerade in einer solchen Sitzung, als Davis zurueckkam. Er blickte freudestrahlend, er hatte an zwei wichtigen Konferenzen
in Europa teilgenommen; einer Sitzung des Exekutivausschusses des
kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbundes und an einer
Sondersitzung der Hafenarbeiterfraktion der kommunistischen Partei
Englands. Man hatte ihm fuer den Fall eines Streiks der kanadischen
Seeleutegewerkschaft die aktive Unterstuetzung fast jedes Hochseehafens in Europa zugesichert.
,r T

..ir koennen gegen die ganze Veit streiken," sagte Davis begeistert. Ich erhob mich. "Einen Augenblick," sagte ich. "Wie
steht es mit Kanada? 'u'enn wir erneut streiken, glaube ich nicht, dass
wir von allen bedeutenden Zweigen der kanadischen Gewerkschaftsbewegung unterstuetzt werden." Und ohne die Hilfe der kanadischen Gewerkschaftsbewegung hielt ich jede Unterstuetzung aus dem Ausland fuer
bedeutungslos.
Die Sitzung wurde vertagt, und v.ir erklaerten Joe Salsberg, dass
wir anderer Meinung seien. Salsberg bat Tim Bück in Toronto, zu uns
zu kommen. Am naechsten Tage fragten die kommunistischen lütglieder
des Vorstandes der kanadischen Seeleutegewerkschaft den hoechsten
Fuehrer der Partei um Rat.
Ich sprach mich noch Limer fuer eine friedliche Loesung aus.
Davis war sehr ueberzeugund. Immer v.'ieder versicherte er, dass wir
auf die Hilfe der Partei und der kommunistischen Gewerkschaften der
ganzen -..'elt zaehlen koennten. In England habe man ihm nicht nur
Hilfe zugesichert, sondern den Streik dringend gefordert. Seitdem
die Labour-Partei in England an der Macht war, erklaerte uns Davis
unablaessig, dass die britische Arbeiterbewegung keine kaempferischen
Fuehrer habe - mit anderen '..'orten, die konmunistische Partei Englands
hatte Schwierigkeiten, bei innerpclitischen Streitfragen die Arbeiter zum Streiken zu bewegen.

- 13 -

�Ein Streik an den Kuesten Grossbritanniens koennte die gejamte
britische Gewerkschaftsbewegung in Mitleidenschaft ziehen. Davis
brachte klar zum Ausdruck, dass die kommunistische Partei Englands
nicht die Absicht habe, sich an den fuer die- kanadischen Seeleute
entstehenden Unkosten zu beteiligen.
Die beiden Schiffe "Lady Rodneyn und "Lady Nelson" der kanadischen Nationalen Schiffahrtsgesellschaft befanden sich in Halifax.
Bück befahl uns, auf diesen beiden Schiffen streiken zu lassen, um
der Regierung zu zeigen, dass unser Streik gegen die Unternehmer gerichtet war.
Davis gab den Befehl zum Streik und wies gleichzeitig im Namen
der Gewerkschaft den Vorschlag des Verndttlungsausschusses rundweg ab.
Er ging damit weiter, als ihm die Partei erlaubt hatte, und 3uck und
Salsberg waren hierdurch offensichtlich beunruhigt. Sie befuerchteten,
dass ein Streik der Partei in Kanada schaden koennte und mussten
ausserdem damit rechnen, dass, wenn'kein Streik gefuehrt wuerde, das
Ansehen der kanadischen Partei im Ausland Schaden erlitt. Sie befahlen Davis, nach Ottawa zu gehen und zu versuchen, mit Arthur McNamara,
dem stellveit retenden Arbeitsminister und P^rcy Bengough, dem" Vorsitzenden des kanadischen Gewerkschaftsbundes zu verhandeln und eine
Beilegung der Streitigkeiten zu erwirken. Ich selbst ging mit ihm.
In der Hauptfrage, naemlich den Arbeitsvermitciungsbueros der Gewerkschaft, machten wir anfangs Fortschritte, '.,'ir arbeiteten eine
komplizierte Vergleichsforrael aus, die zufriedenstellend aussah. Einige Bestimmungen dieser Formel mussten von der Regierung genehmigt
werden. McNamara, ein tuechtiger Verhandlungspartner, der immer versuchen wird, eine Einigung zu erzielen, wenn er meint, dass dies im
Interesse der Oeffentlichkeit ist, erklaerte sich damit einverstanden,
seine Vorgesetzten ueber die bestehenden Probleme zu Rate zu ziehen.
Als er zurueckkam, machte er ein ernstes Gesicht. "Es ist zu spaet",
sagte er. "Die Reeder haben sich soeben mit der Internationalen Seeleutegewerkschaft geeinigt". Mir brachen die Verhandlungen ab. Davis
war ausser sich. "Ich sagte Ihnen schon, dass wir streiken muessen,"
erklaerte er. "Der Streik hat hiermit begonnen."
Davis telephonierte mit einer Presseagentur in Ottawa und kuendigte
an, dass die kanadische Seeleutegewerkschaft in den Streik treten wuerde.
Dann telephonierte er allen Vertretern der Gewerkschaft in den kanadischen Haefen und befahl ihnen, die Arbeiter von der Arbeit wegzurufen.
Er telegraphierte den Leuten, mit denen er auf der Konferenz des V.'eltgewerkschaftsbundes in Paris zusammengewesen war. Er hatte bereits
seinen Bruder, Jack Pope, (der eigentliche Familienname ist Popowit»ch)
ein Mitglied der kommunistischen Partei Englands, zum Delegierten der
kanadischen Seeleutegewerkschaft in London ernannt. Er telegraphierte
an Pope und befahl ihm, die Londoner Hafenarbeiter ueber die Lage in
Kanada zu unterrichten.
Uas sich hierauf ereignete, ist in der gesamten Oeffentlichkeit
bekannt. Als die Schiffe "Beaverbrae" und "Agramont" in London einliefen, befahl Pope den Mannschaften, die Arbeit niederzulegen. Gemaess
ihrem Davis gegebenen Versprechen veranlasste die Dockarbeiterfraktion
der kommunistischen Partei Englands Tausende britischer kommunistischer
und nichtkoramunistischer Hafenarbeiter, als Demonstration gegen die
"schwarzen" Schiffe aus Kanada zu streiken. Streiks und Befehlsverweigerung erschuetterten kurz, aber heftig die halbe Uelt.
Davis' Stern begann zu steigen. Er hatte den Streik ausgerufen,
ohne die Exekutive der Gewerkschaft um Rat gefragt oder um eine Abstim-

- 14 -

�mung der Gewerkschaftsmitglieder ersucht zu haben. Es hatte nicht
einaal einen offiziellen Streikaufruf gegeben. Dies haette eine
unverzeihliche Handlungsweise sein koennen. In Wirklichkeit wurde
sie zu einem Triumpf, als das offizielle Organ des Kominform und die
Bibel der kanadischen Kommunisten "Democracy und Lasting Peace"
(Demokratie und dauerhafter Frieden) den Streik als ein Beispiel
internationaler Solidaritaet der Arbeiterklasse verherrlichte. Dieser Streik fuehrte jedoch zum Zusammenbruch der kanadischen Seeleutegewerkschaft.
Heute ist diese Organisation ruiniert und von jedem mit Ausnahme
der kommunistischen Partei verachtet, und selbst die Partei weiss,
dass diese Gewerkschaft aufgehoert hat, zu bestehen. Aber es ist
nicht ihre Gewohnheit, Vergangenem nachzutrauern.
IIA.

Die kanadische Gewerkschaftsbewegung hat mit ihren Massnahmen im
Kampf gegen den Kommunismus den ersten Schritt getan. Es ist jedoch
nur ein Anfang. Da, wo es wirklich gilt, naemlich in den Ortsgewerkschaften, ist die Partei noch stark.
Waehrend der letzten Monate meiner Partelzugehoerigkeit hatte ich
die Aufgabe, Unterschriften fuer den Stockholmer Friedensappell zu
sammeln, in dem der Bann gegen die Atombombe ausgesprochen wurde. Eine
der Ortsgewerkschaften, in denen ich gearbeitet habe, ist der internationalen Eisenbahnergewerkschaft angeschlossen, die als erste den
Kampf gegen die Kommunisten innerhalb der Gewerkschaftsbewegung aufgenommen hat. Diese Ortsgewerkschaft hat mehr als 150 Mitglieder, aber
nur acht hiervon sind im Besitz des kommunistischen Parteibuches. Ich
rief zwei der kommunistischen Mitglieder zu mir, gab ihnen Abschriften
des Aufrufes und erklaerte ihnen, dass die Partei eine lOOjSige Antwort
wuensche. Und sie erhielt diese Antwort. Dies ereignete sich, nicht
zu vergessen, in einer Gewerkschaft, deren hoechste Funktionaere unbeirrbare Antikommunisten sind.
Innerhalb dieser Gewerkschaft wurde der Kommunismus von vielen
Mitgliedern unmittelbar und nachhaltig unterstuetzt, die zwar Nichtkommunisten sind, aber immer noch auf ihre kommunistischen Betriebsraete
hoeren. Deshalb betone ich immer wieder, dass der Entscheidungskampf
der Gewerkschaften gegen den Kommunismus, naemlich der Kampf innerhalb
der Ortsgewerkschaften, noch gewonnen werden muss.
THE SEAMAN
XI-XII / 5 0

DIE BERICHTE DES INTERNATIONALEN ARBEITS-AMTES UEBER DEN GESUNDHEITSZUSTAND DER SEELEUTE ERFORDERN IN WEITEM MASSE BEACHTUNG.

Die gesundheitlichen und sozialen Bedingungen, unter denen die Seeleute noch immer leben muessen, wenn sie in allen Teilen der Welt von
Hafen zu Hafen fahren, bilden sowohl fuer die Seeleute selbst als auch
fuer die Hafenbevoelkerung eine staendige Bedrohung. Dies ist die
Quintessenz eines Berichtes, den der Generaldirektor des norwegischen
Gesundheitsdienstes, Dr. Karl Evang, veroeffentlichte.
Eine sofortige internationale Aktion unter der gemeinsamen Verantwortung der Weltgesundheits-Organisation und des Internationalen
Arbeitsamtes ist erforderlich, wenn allein das ernste Problem der Ansteckungsgefahr und ihre Vermeidung geregelt werden soll, wie Dr. Evang
in dem soeben erschienenen Monatsheft der Internationalen Arbeits-Revue
feststellt. Dr. Evang teilt hier mit, dass trotz aller seit 1920 gemachten Fortschritte, die durch die Annahme internationaler Verein-

- 15 -

�t

barungen, die die Verhaextnisse auf See regeln und die durch das IAA
vorgeschlagen und auch von den meisten an der Schiffahrt beteiligten
Kationen angenommen worden sind, eine ganze Anzahl Probleme ungeloest
bleiben, die dringend einer Regelung beduerfen. Kvang sagt hierzu
folgendes:
Fast jeder Hafen wird von Seeleuten besucht, die an Tuberkulose,
an einer milderen Fora der Blattern, an Geschlechtskrankheiten und
anderen Krankheiten leiden. Das Ziel eines internationalen Gesundheitsdienstes muss es sein, jede Infektionsgefahr fuer die Landbevoelkerung zu vermeiden.
Vom Standpunkt des Seemanns besteht die Notwendigkeit, sich ohne
Schwierigkeiten in den Krankenhaeusern behandeln zu lassen, wobei
faehige Aerzte Voraussetzung, aber auch sprachliche Verstaendigungsraoeglichkeiten gegeben sein rauessen. Viele Seeleute fallen mit ihren
gesundheitlichen Sorgen in die Haende skrupelloser Aerzte, die sich
Jedoch erfreulicherweise in der Minderheit befinden.
Zu den Gefahren, die den Seenann bedrohen, gehoert in erster Linie
der AlKohol. Der Seemann verbraucht an Bord weit weniger Alkohol als
viele Bevoelkerungskreise auf dem Festland, aber waehrend des Aufenthaltes in den Haefen wird eine ausserordentlich grosse Menge an
Alkohol konsumiert - der Alkoholgenuss konzentriert sich praktisch in
den Zeiten des Aufenthalts in den Hafenstaedten.
Die "EntnationalisierungM ist ein anderes Problem, das fuer den
Seemann typisch ist. Getrennt von 3einem Heim, wird er durch das Leben in langen Zeitabschnitten in eintoenigen und oft unruhigen Umgebungen fuer individualistische Einfluesterungen und Ueberzeugungen
gewonnen, die behaupten, dass der Seemann ein unerwuenschtes Individuum
sei. Die vorhandene Umgebung traegt dazu bei, dass er leicht Demagogen
in die Haende faellt.
Das Leben und die sozialen Bedingungen an Land sind ein weiterer
Punkt, der den Seemann ziemlich vernachlaessigt. Nur allzu oft findet
der Seemann keinerlei im gründe selbstverstaendliche Beouemlichkeiten
und Foerderungen, er ist praktisch von den Erholungsmoeglichkeiten und
jeder sportlichen Betaetigung ausgeschlossen.
Dr. Evang ist der Meinung, dass die Zeit gekommen ist, um ernsthaft an die Schaffung eines internationalen Gesundheitsdienstes fuer
Seeleute in allen wichtigen Hafenstaedten heranzugehen. Er schlaegt
drei Moeglichkeiten vor, um diese Gesundheitsfuersorge zu verwirklichen.
1.) Die Bruesseler Uebereinkunft aus dem Jahre 1924 wird auf die
Behandlung ansteckender Krankheiten ausgedehnt und beschraenkt sich nicht
wie bisher auf die Behandlung der Geschlechtskrankheiten. Das Bruesseler
Abkommen verpflichtete die unterzeichneten Staaten, in den Haefen kostenlose Behandlungsjaoeglichkeiten fuer Geschlechtskrankheiten zu schaffen,
sodass die daran leidenden Seeleute sich hier jederzeit behandeln lassen
koennen.
2.) Die Gruendung internationaler medizinischer Ambulatorien durch
Zusammenarbeit zwischen den Hegierungen der schiffahrttreiuenden Laender,
wobei IAA und '..'GO das Protektorat uebexnehmen.
3.) Durch die Gruendung internationaler medizinischer Ambulatorien
durch die Zusammenarbeit zwischen den Schiffahrtinteressenten in den verschiedenen an der Seeschiffahrt beteiligten Laender.
Dr. Evang gibt dem zweiten Vorschlag den Vorzug, weil dieser eine gewisse Form der Selbsthilfe bedeutet, die immer die beste und zweckmaessigste Loesungsform ist.
IAA Nachrichten
IS. 7/
1.2.51
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" 'ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 7

Frankfurt, den 16. Februar 1951

INHALTSVERZEICHNIS
Bauexperten des IAA suchen Ifoeglichkeiten zur
Einschraenkung saisonbedingter Arbeitslosigkeit .... 1
Die Bedeutung des Uarshallplans fuer den franzoesischen
Arbeiter

2

Die vietnamesische Gewerkschaftsbewegung

7

Was ist Produktivitaet?

11

Gute Zusammenarbeit zwischen den amerikanischen
Gewerkschaften und der ECA

14

BAUEIFERTEN DES I AA SUCHEN MÖGLICHKEITEN ZUR EINSCHRAENKUNG SAISONBEDINGTER ARBEITSLOSIGKEIT

12.
ein
der
der

Den IAA-Au3schus3 fuer Bauwesen und oeffentliche Arbeiten, der vom
- 23. Februar zu seiner dritten Sitzung in Genf zusammentritt, wird
Programm unterbreitet werden, das Massnahmen der Bauindustrie und
Regierungen zur Reduzierung der saisonbedingten Arbeitslosigkeit in
Bauwirtschaft vorsieht.

Der Bericht des Internationalen Arbeits-Amtes, der diese Vorschlaege
enthaelt und die Ueberschrift "Saisonbedingte Arbeitslosigkeit in der
Bauwirtschaft" traegt, wurde von dem Generaldirektor des Internationalen

- 1 -

�Arbeits-Amtes David A. Morse vor kurzem veroeffentlicht.
Dieser Bericht wird von Regierungs-, Unternehmer- und Arbeitnehmervertretern aus 22 verschiedenen Laendern, die in dem Ausschuss vertreten
sind, eroertert «erden.
Die saisonbedingte Arbeitslosigkeit ist, dem internationalen ArbeitsAmt zufolge, die eine den Vereinten Nationen angeschlossene Fachbehoerde
ist, durch die folgenden Hauptfaktoren bedingt:
Klima Clange Frostperioden in den Wintermonaten)

MJ
Soziale Gepflogenheiten (.der Hoehepunkt der Bautaetigkeit faellt in
einigen Laendern mit einem gewohnheitsmaessig festgelegten Kündigungstermin zusammen; traditionelle Ansichten in Bezug auf die guenstigste
Zeit zum Bauen.)
Baukosten (.groessere Schwierigkeiten bei winterlichem Wetter, geringere i,eistungsfaehigkeit der Arbeitskraeftej
Allgemeiner Beschaeftigungsstand (.wenn die wirtschaftliche Aussichten unguenstig sind, besteht die Tendenz, die fuer das Bauen
guenstigste Zeit abzuwarten;
industrielle Organisation (wenn kleine Unternehmen in einer Industrie dominieren, bestehen weniger Aussichten, mit anderen Schwierigkeiten fertigzuwerden)
Das Internationale Arbeits-Amt wird dem Ausschus» folgende Massnahmen zur Bekaempfung dieser Schwierigkeiten zur Eroerterung vorschlagen:
Bessere Kenntnis jener Baumethoden, die die Wirkung niedriger
Temperaturen herabmindern.
Steigern der Produktionsleistung, Senkung der Materialpreise und
regierungsseitige Unterstuetzung fuer im Winter durchgeführte Bauprojekte .
Regulierung der privaten Nachfrage durch Anregung zur ganzjaehrlgen
Bautaetigkeit und durch weitere bewilligte Kuendigungsdaten.
Schaffung ausgleichender Beschaeftigungsmoeglichkeiten durch
Projekte fuer oeffentliche Arbeiten und Beschaeftigungsmoeglichkeiten
ausserhalb der Bauindustrie.
Unterweisung der Arbeitsvermittlungsaemter in der Anwendung dieser
Massnahmen und Schaffung besonderer Arbeitsveraittlungsaemter fuer die
Bauindustrie.
ILO News Service
II/1/51

DIE BEDEUTUNG DES MARSHALL-PLANS FUER DEN FRANZüESISCHEN ARBEITER
T

i dem folgenden Artikel, der -as der Pariser Tageszeitung "L'AUBE"
uebersetzt ist, werden viele Fragen beantwortet, die meistens von Leuten
gestellt werden, die dem Marshall-Plan feindlich gegenüberstehen. Es
wird in breiter Ausführlichkeit erklaert, in welcher Form der Durchsciinittsarbeiter Frankreichs aus der ECA-Hilfe Nutzen gezogen hat.

- 2 -

�Waehrend die ECA selbst haeufig versucht hat, das franzoesische Volk
mit diesen Fragen vertraut zu machen, besteht die besondere Bedeutung
dieses Artikels darin, dass er von einem Franzosen geschrieben und in
einer einflussreichen franzoesischen Tageszeitung veroeffentlicht wurde.
"L'AUBE" ist das offizielle Organ der Christlich-Demokratischen
Partei (MR£ - llouvement Republicain Populaire), die die dominierende
politische Gruppe in der gegenwaertigen franzoesischen Koalitionsregierung darstellt.
Kommt der Marshall-Plan dem Durchschnittsfranzosen in irgendeiner
Weise zugute?
Stellen die Maschinen- und Rohstofflieferungen im Rahmen des MarshallPlans nicht, wie die Kommunisten behaupten, eine Konkurrenz fuer den
franzoesischen Arbeiter dar, und verursachen sie nicht Arbeitslosigkeit
in den "marshallisierten" Laendern?
Aus welchem Grunde sollten die Amerikaner den Franzosen gegenueber
grosszuegig sein, die sie niemals gesehen haben und nur kennen, weil sie
zweimal an ihrer Seite einen Krieg gefuehrt haben?
Diese Fragen sollen hier beantwortet werden.
Eine grosse Zahl der franzoesischen Industrien ist mehr oder weniger
darauf angewiesen, durch den Marshall-Plan mit den erforderlichen Rohstoffen, wie Chemikalien, Metallen und textilen Rohstoffen, versorgt zu
werden•
Tagtaeglich erhaelt Frankreich fuer den Ausbau seiner Fabriken
Maschinen und andere Industrieerzeugnisse im Werte von ueber 500 Millionen
Franken. (1000 Franken - 8,34 EM)

Wieviele unserer Raffinerien waeren i n Betrieb, und wieviel der
29.000 Facharbeiter dieser Industrie haetten Arbeit, wenn durch den
Marshall-Plan nicht ueber 7556 des Petroleumbedarfs Frankreichs gedeckt
wuerde?
Dutzende zweitrangiger Industriezweige sind ebenfalls von dem
Marshall-Plan abhaengig, der ueber 6055 des franzoesischen Kupferbedarfs
deckt, der fast alle nach Frankreich importierten Spinnstoffe, wie Hanf,
Manila-Faser und Sisalhanf lieferte, 95$ des benoetigten Rohboraxes
und 70/5 der fuer die Neueinrichtung der Flachsindustrie notwendigen
Maschinen zur Verfuegung stellte.
So eindrucksvoll diese Zahlen auch sind, so verbergen sie doch nicht
die Tatsache, dass die Marshall-Hilfe nur einen Teil der Gesarataufwendungen Frankreichs fuer seinen wirtschaftlichen Wiederaufbau darstellt.
Der Plan hat es diesem Land ermoeglicht, seinen Bedarf in der Dollarzone zu decken, auf den es in der Zeit seines Wiederaufbaus stark angewiesen gewesen ist.
Diese Bemuehungen waren erfolgreich. Frankreich ist heute wohlhabender, als viele seiner Buerger wissen.
Frankreichs Importe aus der Dollarzone werden vom Staat vorfinanziert,
wodurch viele Probleme umgangen werden konnten, die die schon bestehenden
Schwierigkeiten noch vergroessert haetten.
Ohne die amerikanische Baumwolle haette die franzoesische Textilindustrie laengst lahm gelegen. Damit haetten auch Weber und Schneider
unter dem Mangel an Textilien zu leiden gehalSt, und die Geschaefte haetten

- 3-

�ihren Kunden nur eine kleine Auswahl an Stoffen bieten koennen.
602.000 franzoesische Arbeiter sind in der Textilindustrie beschaeftigt und 356.000 in der Fertigkleidungsindustrie. 80$ der Baumwolle, die sie verarbeiten, sind durch den Marshall-Plan geliefert
worden.
Ohne amerikanisches Benzin waere das Transportwesen Frankreichs
stark eingeschraenkt worden. Dies haette sich auch auf die Preise
stark ausgewirkt.
Mit anderen Worten, wenn die wesentlichen, durch den MarshallPlan gelieferten Rohstoffe gefehlt haetten, waeren die Auswirkungen
dieses Mangels vielfaeltige gewesen. Mangel an Rohstoffen in einem
Industriezweig zieht zwangslaeufig Beeintraechtigungen in allen anderen Industrieen nach sich.
Im allgemeinen waere Frankreich ohne den Marshall-Plan sicherlich
weniger wohlhabend geworden und waere auf dem Weg zum Wiederaufbau
weit weniger schnell vorangekommen.
Gewisse Kritiker am Marshall-Plan, besonders diejenigen, die ihre
Augen nach Moskau gerichtet haben, behaupten, dass der Plan eine Ursache der Arbeitslosigkeit sei, weil unter ihm Waren nach Frankreich
importiert wuerden, die in Frankreich selbst hergestellt werden koennten
und muessten. Die Wahrheit ist, dass selbst kleinste Mengen irgendeiner Ware nicht importiert wird, wenn die franzoesische Regierung nicht
ausdruecklich darum gebeten hat.
Die Marshall-Plan-Behoerden halten sich an den einfachen Grundsatz, dass eine Ware, die es in Frankreich oder sonstwo in Westeuropa
gibt, besser dort als in Amerika gekauft werden muss.
Extremisten des linken Fluegels haben amerikanische Traktoren als
ein Standardbeispiel fuer die erwaehnte Behauptung bezeichnet. Sie
behaupteten, die amerikanischen Traktoren, die in angeblich zu grosser
Zahl in Amerika hergestellt wuerden, waeren nur deshalb nach Europa
geschickt worden, um damit den franzoesischen Traktorenmarkt zu ueberschwe»men und ein amerikanisches Monopol zu errichten.
Die Tatsachen sind ganz anders. Traktoren waren in der Tat ein
wesentlicher Faktor fuer den Wiederaufbau unserer Landwirtschaft; sie
konnten aber waehrend der ersten Phase der Marshall-Hilfe von franzoesischen Herstellern nicht in genuegender Menge produziert werden, um den
dringendsten Bedarf decken koennen.
Die Situation aenderte sich jedoch, sobald unsere Industrie mit Hilfe
der Werkzeugmaschinenimporte im Rahmen des Marshall-Plans in der Lage war,
Traktoren in ausreichender Menge selbst herzustellen. Von dieser Zeit an
beschraenkte sich die amerikanische Hilfe fuer Frankreich auf diesem
Gebiet auf eine Lieferung, die nur eine geringe Anzahl bestimmter Modelle
enthielt.
Anlaesslich der Fertigstellung des ersten Traktors in den CIMAWerken kamen vor kurzem franzoesische und amerikanische Techniker in
Saint-Didiers zusammen. Dank einer Zuwendung von ECA-Geldern in Hoehe
von 4.600.000 Dollar (1.610.000.000 Francs) werden die CIMA-Werke in der
Lage sein, in Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Unternehmen, der
"International Harvester Corporation", ein modernes und volkstuemliches
Traktorenmodell namens "Farmall" herzustellen. Nach Beendigung der Anlaufzeit werden alle Einzelteile dieses Traktors in Frankreich produziert
werden.

-4-

�Wir koennten andere Beispiele anfuehren, um zu beweisen, dass
bestimmte Produkte in dem Augenblick nicht mehr nach Frankreich geliefert werden, in dem sie in Frankreich in ausreichender Menge hergestellt werden koennen.
Wir koennten noch zahlreiche andere Beispiele anfuehren, um zu
beweisen, dass die Einfuhrgenehmigungen des Marshall-Planes fuer ein
bestimmtes Produkt in dem Augenblick aufgehoben werden, in dem
franzoesische Erzeuger selbst in der Lage sind, dieses Produkt in
ausreichenden Mengen herzustellen* Zu diesen Produkten gehoeren
auch Erdnuesse. Waehrend der ersten Phase des Marshall-Planes, als
in Frankreich das Speiseoel streng bewirtschaftet war, hat Amerika
durch die Lieferung von Erdnuessen diesem Mangel abgeholfen.
Die gelieferten Mengen an amerikanischen Erdnuessen entsprachen
etwa 5Q% der in den franzoesischen Ueberseegebieten geernteten Nuessen,
wo die Vorkriegsproduktion jedoch noch nicht erreicht war. Die
Rationierung fuer Salatoel konnte bald aufgehoben werden.
Seit der Ernte 1949/1950 ist der Bedarf Frankreichs an Erdnuessen
mehr oder weniger gedeckt, und wir brauchen sie nicht mehr aus der
Dollar-Zone einzufuehren. Die Marshallplanlieferungen sind deshalb
eingestellt worden.
Die Europa zur Verfuegung gestellten Marshallhilfamittel belaufen
sich zurzeit auf annaehernd 10 Milliarden Dollar. Frankreich hat mehr
als 1/5 dieses Betrages erhalten. Sein Anteil betrug 2,055,043,000
Dollar, das sind 719.265.000.000 Franken nach dem gegenwaertigen Umwechslungskurs.
Das bedeutet, dass das amerikanische Volk ab 3. April 1948 2£ Jahre
lang der franzoesischen Nation alle 15 Minuten Waren im Werte von 10
Millionen Franken geschenkt hat.
In diesem Betrag ist nicht die sogenannte "Gegenwerthilfe" enthalten. Die franzoesische Regierung verkauft die Waren, die sie aus
den Vereinigten Staaten erhaelt, an den fransoesischen Verbraucher und
die Franken, die ihr dafuer gezahlt werden, werden in einen Sonderfonds
deponiert. Dieser Fonds wird meist fuer die Finanzierung des Wiederaufbaus und bestimmter Modernisierungsprogramme verwendet, d.h. fuer
den Rauf franzoesischer Waren in Frankreich. Bis jetzt hat die franzoesische Regierung aus diesem Fonds 574 Milliarden Franken zur Beschleunigung des Wiederaufbaues in den wichtigsten Sektoren der franzoesischen Wirtschaft aufgewendet.
Wer weiss, wieviel Bergwerke in Betrieb waeren, und wieviel der
314.000 Bergarbeiter Arbeit haetten, wenn "Charbonnages de France",
die franzoesische verstaatlichte Bergbauindustrie, aus Gegenwertmitteln
nicht 94 Milliarden Franken erhalten haette?
Wieviel der 815.000 Arbeiter der Bauindustrie waeren arbeitslos,
wenn diese Industrie nicht 29 Milliarden Franken erhalten haette und fuer
den Wiederaufbau zusaetzliche 41 Milliarden zur Verfuegung gestellt
worden waeren?
Die SNCF (Nationale Franzoesische Eisenbahngesellschaft) ist mit
etwa 40 Milliarden Franken aus Gegenwertmitteln unterstuetzt worden, was
fuer unsere Eisenbahnen und die von ihnen abhaengigen 459.000 Arbeitnehmer
eine grosse Hilfe darstellt.
Um den Wiederaufbau der franzoesischen Handelsflotte zu foerdern,
sind aus Gegenwertfondsraitteln 15 Milliarden Franken gewaehrt worden.

- 5-

�Viele franzoesische Haefen verdanken ihren 'Wiederaufbau und
ihren Aufschwung teilweise den Marshallplan-Importen, die in,einigen
Faellen kO - 50$ der gesamten in diesen Haefen vorgenommenen Ausladungen ausmachen. Es gibt ausserdem noch andere Fromen der Marshallplanhilfe, wie z.B. die europaeische Zahlungsunion (EPü).
Im Verlauf der letzten 31 Monate sind Frankreich damit durch den
Marshallplan in jeder Minute eine Millionen Franken zugutegekommen.
Der Durchschnittsfranzose konnte nicht immer feststellen, dass
diese Riesengeldsunmen fuer seine eigene Person von*Belang sind.
"Niemand hat mir etwas gegeben", koennte er sagen; "ich habe vom
Marshall-Plan gehoert, aber mir ist damit in keiner VJeise geholfen
worden."
Nehmen wir Pierre als Beispiel, der zwanzig Jahre alt ist und als
Lehrling in einer Schneiderei in Paris arbeitet. Er weiss nicht, dass
im Rahmen des Marshall-Planes taeglich Baumwolle im YJerte von 10
Milliarden Francs nach Frankreich geliefert wird; das sind 80% des
Gesamtbedarfs Frankreichs. Vielleicht weiss er auch nicht, dass ein
grosser Teil dieser Baumwolle in den Textilien enthalten ist, die er
verarbeitet. Er ist sich auch nicht im klaren darueber, dass ihm ohne
den Marshall-Plan nur sehr wenig Material zur Verfuegung staende, und
dass deshalb nur sehr wenig Schneiderlehrlinge gebraucht wuerden.
Paul ist 41 Jahre alt und arbeitet als Buchhalter in einer Raffinerie
in der Naehe von Marseilles. Er weiss vielleicht nicht, dass der MarshallPlan Frankreich tagtaeglich mit Rohoel im Werte von ueber 10 Millionen
Francs versorgt. Er weiss auch nicht, dass ohne dieses Oel schwere
Einsehraenkungen auf der Raffinierindustrie lasten wuerden und ein Teil
des Personals wahrscheinlich entlassen werden muesste.
Jacques ist 28 Jahre alt und als Bergmann im Bergwerk von Oignies
im Departement Pas-de-Calais beschaeftigt. Er niuimt sich vielleicht
nicht die Zeit, darueber nachzudenken, dass durch den Marshall-Plan
monatlich ueber zwei Milliarden Franken zur Modernisierung und
Mechanisierung der franzoesischen Bergwerke verwendet werden. VJenn
er nachdenken wuerde, muesste er sich 3agen, dass das Bergwerk von
Oignies ohne diese Hilfe wahrscheinlich nicht modernisiert worden waere,
und er und viele seiner Arbeitskameraden deshalb arbeitslos waeren.
Der 35-jaehrige Henri mischt Beton beim Bau eines Staudamms im
Departement Ariege. Er weiss nicht, dass Frankreich im Rahmen des
Marshall-Planes woechentlich fast eine Milliarde Franken zur Finanzierung von Projekten erhaelt, die die Stromerzeugung Frankreichs
steigern sollen, und dass der Damm, an dem er arbeitet, ohne diese Geldmittel heute vielleicht noch auf dem Papier stuende.
Jean, 22 Jahre alt, ist Monteur in den Renault-Yferken, heute eines
der erfolgreichsten Unternehmen Frankreichs. Eine grosse Zahl neuer,
fuer die Fertigung benoetigter Maschinen wurden mit Hilfe des MarshallPlanes importiert. Sie kosten 185 Millionen Franken und ermoeglichen
es der Fabrik, bessere Automobile zu guenstigeren Preisen herzustellen
und damit die Lebenshaltung ihrer Arbeitnehmer zu verbessern.
Diese Liste koennte durch weitere Beispiele auf fast allen franzoesischen Industriezweigen, vom Schiffsbau bis zur Herstellung von
Streptomycin, erweitert werden.
T

.'Iie ist es moeglich, -dass sich das amerikanische Volk bereiterklaert hat, sich in solche-u Ausraass am Yttederaufbau Frankreichs zu
beteiligen?

-6-

�Haben die Amerikaner die Absicht, wie die Kommunisten behaupten,
Frankreich den Vereinigten Staaten voellig «u unterwerfen? N«in,
eine derartige Unterstellung ist geradezu laecherlich, denn die Amerikaner haben in jahrhundertelanger Freundschaft in Frankreich einen
Freund und Verbuendeten gesehen, der die Vereinigten Staaten in gewissen schwierigen Zeiten seiner Geschichte un,erstuetzt hat. Sie
wuenschen nun, dass Frankreich ihr wohlhabender und unabhängiger Verbuendever im Kampf um den Frieden und den Wiederaufbau in der Welt
wird.
V.'uenschen die Amerikaner, ueberfluessige Erzeugnisse Amerikas
loszuschlagen? Nein, denn die Arbeitsweise des Marshall-Planes ist
eine Garantie dafuer, dass die amerikanische Regierung nur dieT,,'aren
liefert, die Frankreich anfordert. Es ist zu beachten, dass keine
Klauseln oder Lintschliessungen, die den Absatz ueberfluessiger Varen
ermoeglicht haetten, jemals in das Gesetz aufgenommen wurden, das die
Verwaltung des Marshall-Plans regelt, obwohl im Kongress derartige Gesetzesvorlagen eingebracht wurden, die sich insbesondere auf die ueberfluessige landwirtschaftliche Erzeugung bezogen.
Soll Frankreich gegen die Kommunistische Bedrohung unterstuetzt
werden?
Indirekt ja.
Das Hauptziel des Marshall-Plans ist die Schaffung einer gesunden
Wirtschaft in Frankreich und dem uebrigen Westeuropa als Garantie fuer
einen dauerhaften Erieden. Die Bevoelkerung eines Landes, das in Wohlstand lebt, fuehlt sich nur selten gezv.ungen, sich in eine Revolution
zu stuerzen.
Sowjetrussland und die Laender Osteuropas sind eingeladen worden,
sich an diesem Programm zu beteiligen. Sie weigerten sich. Man kann
mit gutem Grund annehmen, dass einige der Satellitenstaaten gern mit
"Ja" geantwortet haetten.
Liegen dem Marshall-Plan denn nur Motive der Menschenliebe seitens
eines Landes zugunsten eines anderen zugrunde? Diese Frage kann zu
einem grossen Teil bejaht werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben
die Vereinigten Staaten ihren egoistischen Isolationismus aufgegeben.
Sie erkannten, dass Europa ohne ihre Hilfe mehrere Jahrzehnte gebraucht
haette, um sich von den Folgen der sechs Jahre des Krieges und der Besetzung zu erholen. Ohne Frieden und 'Johlstand in Europa konnte es
auch keinen Frieden und keinen 'Johlstand in der 'Jelt geben.
Armut und Unzufriedenheit in Europa haetten sich unvermeidbar auf
die Wirtschaft und das Wohlergehen der Vereinigten Staaten schaedigend
ausgewirkt. Deshalb haben die Vereinigten Staaten in ihrem eigenen
Interesse das Europaeische "Jiederaufbauprogramm aufgestellt. Aus
diesem Gedanken heraus ist der Marshall-Plan entstanden.
ECA Labor Information
1/26/50

DIE VIETNAMESISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
In Vietnam, dem einzigen Land in Indochina mit einer groesseren Gewerkschaftsorganisation, befinden sich drei verschiedene Gewerkschaftsbewegungen. Zwei dieser Organisationen trifft man in den Gebieten, die
unter der Kontrolle der Regierung Bao Dais stehen. Die groessere setzt
sich aus verschiedenen nichtkommunisoischen Gewerkschaften zusammen, die

-7-

�von fran oesischen Arbeitern gegruendet wurden und in allgemeinen
europaeischen Gewerkschaftsverbaenden angeschlossen sind. Die
kleinere Gruppe besteht aus den chinesischen Gilden und den Vereinigungen zur gegenseitigen Unterstuetzung, die in einigen Faellen
gewerkschaftliche Merkmale tragen. Die dritte Bewegung, die von
den Kommunisten in den von der Itebellenregierung Ho beherrschten
Gebieten Vietnams organisiert und geleitet wird, beansprucht fuer
sich eine weit groessere Mitgliedzahl als jede der anderen Bewegungen. Es sind jedoch keine zuverlaessigen statistischen Angaben
vorhanden, die diese Behauptungen bestaetigen oder widerlegen
koennten.
Obwohl 3eit linde des zweiten Weltkrieges die franzoesischen
Arbeiter in Indochina als franzoesische Buerger von ihrem Hecht
Gebrauch machten, sich in Gewerkschaften zusammenzuschliessen, ist
bis jetzt noch keine Gesetzgebung geschaffen worden, die dieses
Hecht auch den indochinesischen Arbeitern zugestanden haette. Ein
Erlass ueber Vereinigungsfreiheit, der im Jahre 1945 unter der
japanischen Besatzung herausgegeben wurde, hat niej^als die Anerkennung des jetzigen Regimes gefunden, und ist im August 1950 widerrufen worden. Das Arbeitsgesetz von 1947 fuer Indochina, in dem die
Bildung von Gewerkschaften vorgesehen war, ist von dem franzoesischen
Hohen Kommissar von Indochina nicht verkuendet worden. Auf einer
Konferenz des Internationalen Arbeitsamtes im Juni 1950 in Genf,
stellte der Delegierte der Vietnam-Regierung fest, dass die Vereinigungsfreiheit praktisch bereits anerkannt ist, und dass seine
Regierung beabsichtigt, gewerkschaftliche Betaetigungen durch Massnahmen zu schuetzen, die auf internationalen Vereinbarungen beruhen.
Dui'ch die Verordnung Nr. 10 vom August 1950 wurde die Vereinigungsfreiheit jedoch eingeschraenkt. In dieser Verordnung wurde
bestimmt, dass keine Vereinigung oder Gewerkschaft ohne die Genehmigung des Innenministeriums oder der oertlichen Regierungsbehoerden bestehen duerfe, und dass diese Genehmigung ohne Angabe von
Gruenden verweigert werden kann.
Die Gewerkschaften in den Gebieten, die unter der Kontrolle Bao
Dais stehen, sind im allgemeinen dem franzoesischen Gewerkschaftsbund
CGT-Force üuvriere, dem franzoesischen Bund Christlicher Arbeiter
(CPDC), der Internationalen Foederation Christlicher Gewerkschaften
(CI3C)' oder der franzoesischen von Kommunisten gefuehrten allgemeinen
Arbeiterfoederation (CGT) angeschlossen. Die Gewerkschaften, die der
CGT-FO und den christlichen Gewerkschaften angehoeren, sind offiziell
voll anerkannt und behandeln Lohnprobleme und Arbeitsgesetzgebung in
enger Zusammenarbeit mit dem Amt fuer Arbeit.
Die der CGT angeschlossenen Organisationen arbeiten dagegen im
geheimen, weil sie mit Viet Minh sympathisieren.
Funktionaere der CGT-FO in Indochina haben am 27. Juni 1948 einen
nach Bezirken eingeteilten Gewerkschaftsbund gegruendet. Diese
Organisation setzt sich zusammen aus der Beamtengewerkschaft in Indochina, der Berufsvereinigung der franzoesischen Handelsangestellten
in Cochinchina, der Gewerkschaft der Angestellten der Luftfahrtgesellschaft "Air France", der Gewerkschaft des Personals des Arsenals
in Saigon und der Gewerkschaft der Offiziere der Handelsmarine in
Indochina. Die Indochinesische CGT-FO hat am 1. August 1948 ihre
Zentrale formell in Saigon eroeffnet.
Die erste Organisierungsnassnahme galt vor allem den Arbeitnehmern
der Eisenbahnen, die Regierungseigentum sind. Die Organisatoren geben
an, dass die Beamtengewerkschaft in Indochina, zu der offensichtlich

- 8 -

�auch die Eisenbahnangestellten zaehlen, im Juni 1948 2.100 Mitglieder, einschliesslich Europaeer und Chinesen, hatte. Die Mitgliederzahl der Gewerkschaften der CGT-FO wurde zu Ende des Jahres
1949 vom Amt fuer Arbeit mit rund 4.800 beziffert. Hierzu gehoerten 3.500 Europaeer, 1.000 Chinesen der 3eamtengewerkschaft
und 300 franzoesische Arbeitnehmer der privaten Industrie und des
Handels, die zugleich Mitglieder der 3erufsgruppe franzoesischer
Handelsangestellten in Cochinchina sind.
Die christliche Gevurkschaftsbewegung hat zwei Gruppen
organisiert. Die groessere der beiden ist der CFTC angeschlossen
und zaehlt 4.000 Indochinesen und 1.600 franzoesische Beamte. Die
andere Gruppe gehoert direkt dem CISC an und erklaerte im August
1950, dass sie etwa 3.000 Asiaten, einschliesslich Vietnamesen,
Chinesen und Inder aus Handel, Industrie, den freien Berufen und der
Landwirtschaft organisiert habe.
Der indochinesische Zweig der von Kommunisten gefuehrten CGT,
der im Oktober 1945 auf einem Kongress in Hanoi gebildet wurde, ist
von zvrei Gruppen organisiert worden: den Franzosen, die mit den
Kommunisten sympathisieren und fru=her Mitglied der CGT in Frankreich
und Angehoerige der linksorientierten Widerstandsbewegung waren, und
den Indochinesen, die frueher irgendwelchen Kontakt mit der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung hatten. Die CGT konnte jedoch nur
wenige hundert Mitglieder fuer sich gewinnen. Auf dem zweiten Kongress
der CGT, der im Juni 1946 in Hanoi stattfand, kam die Organisation
unter die Kontrolle der sogenannten "Arbeitervereinigung fuer die
nationale Befreiung" und vereinigte sich mit der neugegruendeten Gewerkschaf tsbewegung Viet Minhs. In den unter franzoesischer Kontrolle
stehenden Bezirken des suedlichen Vietnam, besonders in der Gegend
Saigon-Cholon, hat die CGT einige Gruppen organisiert, die in ihrem
Aufbau der franzoesischen Ursprungsgewerkschaft angeglichen sind.
Diese Gruppen arbeiten mit der Gewerkschaftsbewegung des Viet Minh eng
zusammen, besonders wenn es sich darum handelt, Streiks auszurufen
oder Sabotageakte zu begehen. Die Mitgliederzahl der CGT in Indc—
cliina wurde vom Amt fuer Arbeit gegen Ende des Jahres 1949 auf 400
geschaetzt.
Die Bemuehungen der CGT, in gleicher Form wie die CGT-FO und die
christlichen Gewerkschaften anerkannt zu werden, schlugen im Maerz
1949 fehl. Ihr Gesuch um Zulassung zum Lohnaussc!uss des Amtes fuer
Arbeit wurde abgelehnt.
Die unabhaengigen Gewerkschaften in Vietnam sind die Vereinigung
der franzoesischen Handels- und Industrieangestellten in Cochinchina
mit 1.600 Mitgliedern, die Gesellschaft fuer gegenseitige Unterstützung der Cochinchinesischen Arbeitnehmer des Handels und der
Industrie mit 250 Mitgliedern und die beiden Organisationen, deren
Mitgliederzahlen nicht bekannt sind, - naemlich die Arbeitnehmer des
Handels, der Industrie, der Landwirtschaft und der freien Berufe und
eine Gewerkschaft der Schriftsteller und Journalisten des suedlichen
Vietnam. Die Gewerkschaft der Arbeitnehmer des Handels, der Industrie,
der Landwirtschaft und der Angehoerigen freier Berufe wurde offiziell
im Jahre 1950 anerkannt, als ein Mitglied ihres Vorstandes zum
Arbeiterdelegierten fuer die Konferenz des IAA in Genf gewaehlt und
von der Regierung eingeladen wurde, die Interessen der Arbeiter im
Amt fuer Arbeit zu vertreten.
Heiter wird von einer beachtlichen gewerkschaftlichen Taetigkeit
unter den Chinesen-berichtet, Fachleute sind der Meinung, dass vor
dem zweiten '.'eltkrieg 70 derartige Gewerkschaften bestanden. Die
meisten davon waren auf den Bezirk Saigon-Cholon konzentriert. Aus

- 9-

�den Berichten geht hervor, dass seit 1948 kommunistische Agenten in
diese Gewerkschaften eingedrungen sindj diese Tatsachen bereiten den
franzoesischen Behoerden einige Sorgen. Es ist seit jener Zeit nur
wenig ueber diese Gewerkschaften bekannt geworden, weil sie seitdem
im geheimen taetig gewesen sind.
Der unmittelbare Vorlaeufer der jetzigen Gewerkschaftsbewegung
des Viet u-inh war die Arbeitervereinigung fuer die nationale Befreiung
des Vietnam. Sie wurde im Jahre 1941 als der gewerkschaftliche Zweig
der Viet Minh-Liga fuer die Unabhängigkeit des Vietnam - eine linksgerichtete anti-japanische Widerstandsgruppe - gegruendet und trug vorwiegend politische und nationalistische Merkmale. Ihre Mitgliedschaft
setzte sich nicht nur aus Arbeitern, sondern auch aus Unternehmern und
anderen Einzelpersonen zusammen, die die vietnamesische Unabhaengigkeit beguenstigten.
Sobald nach der japanischen Kapitulation die Republik Vietnam
verkuendet war, beschloss diese Arbeitervereinigung, ihre Gewerkschaftsbewegung in aller Öffentlichkeit zu proklamieren und sie ueber das
ganze Land auszudehnen. Dies sollte im Rahmen des Gesetzes ueber die
Vereinigungsfreiheit in Gewerkschaften geschehen, das waehrend der
japanischen Besatzung am 5« Juli 1945 erlassen wurde. Das Gesetz sah
vor, dass Personen, die gleiche Taetigkeiten verrichten, solche in
kommerziellen Unternehmen, die verwandte Erzeugnisse herstellen, und
die freiberuflich Taetigen sich ohne besondere Genehmigung der Regierung
in oertlichen Gewerkschaften zusaramenschliessen duerfen, v;enn ihre
Fuehrer sich zu einem loyalen Verhalten verpflichten und sich an bestimmte Vorschriften der Regierung halten - z.B. in Bezug auf ihre
Satzungen und die Aufstellung einer Mitgliederliste. Diesen Gewerkschaften wurde ein juristischer Status und das Recht zuerkannt, ueber
finanzielle Mittel zu verfuegen, Vertraege abzuschliessen und durch
Zusammenschluss mit aehnlichen oertlichen Gewerkschaften Gewerkschaftsverbaende zu bilden.
Ein vorbereitender Ausschuss, der sich aus Funktionaeren dieser
Vereinigung zusammensetzte, schlug im Maerz 1946 vor, einen Gewerkschaftsbund nach dem Beispiel der kommunistisch beherrschten franzoesischen CGT
zu gruenden. Im Mai 1946 wurde demgemaess die Tong Cong Doan Vietnam
(TCD) oder der allgemeine Gewerkschaftsbund des Vietnam formell gebildet. Diese Organisation wird haeufig auch als Tong Lau Doan (TLD)
bezeichnet.
Dem Mailaender Bericht des Weltgewerkschaftsbundes von 1949 zufolge
sind die oertlichen TLD-Gewerkschaften in Gewerkschaftsverbaenden
aehnlichen Charakters oder in regionalen Gewerkschaftsraeten zusammengefasst. Jede Einheit hat ihre vom TLD festgelegten Funktionen und ist
nur innerhalb der engen, vom TLD vorgeschriebenen Grenzen autonom. Die
Arbeiter zahlen festgesetzte monatliche Beitraege von 60 indochinesischen
Cents (etwa -. 15 DM), die gleichmaessig unter den Industrieverband, den
regionalen Gewerkschaftsrat und den TLD verteilt werden. Es ist bekannt,
wie die .Ortsgewerkschaften finanziert werden. Nach der ueblichen
kommunistischen Methode muessen die Ort sgewe .Geschäften bei ihrer vorgesetzten Organisation um die Geldmittel nachsuchen, die sie benoetigen.
Ende des Jahres 1948 hatte der TLD angeblich eine Mitgliederzahl
von 255.000, von denen 20^ Fabrikarbeiter sein sollen. Im August 1949
berichtete der Weltgewerkschaftsbund von einer Mitgliederzahl dieser
Organisation von 258.000.
Die Zuverlaesdigkeit dieser Angaben ist anzuzweifeln. Die einzelnen
Zentren der kommunistischen Gewerkschaften geben aus propagandistisehen
Gruenden im allgemeinen hoehere Mitgliederzahlen an, und der Weltgewerk-

- 10 -

�schaftsbund ist natuerlich nicht im Besitz genauer Mitgliedschaftszahlen, weil er von den angeschlossenen Gewerkschaften keine Abgaben
erhaelt, so dass schon aus diesem Grund jede Kontrolle illusorisch
ist.
Die Taetigkeit des TLD ist den politischen Zielen des Viet Minh
durch Hoang Quoc angepasst, der sowohl Vorsitzender des TLD als auch
Generalsekretaer der Viet Minh-Partei ist. In dem augenblicklichen
Buergerkrieg ist der TLD in erster Linie damit beschaeftigt, die
Arbeiter zur Unterstuetzung der Kriegsanstrengungen des Viet Minh zu
mobilisieren und zu versuchen, die Produktion durch aufeinanderfolgende Streiks in den franzoesisch besetzten Gebieten zu unterbrechen. Waehrend die Sender des Viet Minh von Erfolgen in den Massnahmen zur Foerderung der Arbeitsstreitigkeiten in den der Kontrolle
Bao Dais unterstehenden Gebieten berichten, zeigen offizielle
statistische Angaben der Bao Dai-Regierung nur wenige ArbeitsStreitigkeiten oder Produktionsunterbrechungen auf.
#
Im Gebiet des Viet Minh hat sich der TLD zur Steigerung der
Produktion im wesentlichen der gleichen Mittel bedient, wie die Gewerkschaften der sogenannten "Volksdemokraten". Arbeitern, die ihre
Produktionsquoten weit ueberschreiten, wird der Ehrentitel "Held der
Arbeit" verliehen. Wie von auslaendischen Rundfunksendern der HoRegierung berichtet wird, ist der TLD bestrebt, seinen Mitgliedern
kommunistische Prinzipien aufzuoktroyieren, er lehrt sie sogar lesen
und schreiben, gibt eine Veroeffentlichung unter dem Titel "Lao Dong"
heraus und stellt Arbeitergruppen zusammen, die einen Teil ihrer Zeit
militaerischen Uebungen widmen. Sie foerdert ausserdem oeffentliche
Arbeitsprojekte, fuer die die Arbeiter ihre "Freizeit" verwenden
sollen.
Der TDL hat im Mai 1946 selbst erklaert, dass er mit den Prinzipien
und Satzungen des Weltgewerkschaftsbundes vollkommen einverstanden ist.
Jedoch erst am 1. Januar 1949 entschloss sich der Exekutivausschuss
des Weltgewerkschaftsbundes, den TDL anzuerkennen und ihn als angeschlossene Organisation zu registrieren. Der Gewerkschaftsbund des
Vietnam entsandte Nguyen Tuy Tinh, ein Mitglied der Eisenbahnergewerkschaft des TDL, als internationalen Vertreter zum Kongress des TJeltgewerkschaftsbundes, der im Juni 1949 in Mailand stattfand. Auf diesem
Kongress wurde er zum dauernden Mitglied des Generalrates des Weltgewerkschaftsbundes und zum Delegierten fuer die Konferenz in Peiping
im November 1949 gewaehlt.
Monthly Labor Review
1/51

WAS IST PRODUKTIVITAET?
Seit Beginn des Wiederaufbauprogramms ist die Steigerung der
Produktivitaet immer wieder als besonders wichtig hervorgehoben worden,
weil sie einen entscheidenden Faktor fuer die Wiedergesundung der
Wirtschaft der Laender Westeuropas darstellt und es ihnen ermoeglicht,
ihre Ausfuhren und die Moeglichkeit, finanzielle Mittel fuer industrielle
Einrichtungen zu investieren, zu erhoehen und zugleich den Lebensstandard
der Arbeiter zu verbessern. Seit der kommunistischen Invasion in Suedkorea ist die Notwendigkeit, die Verteidigung gegen eine Aggression
aufzubauen, vordringlich geworden. Sie wird eine schwere Belastung
fuer die Wirtschaft der westeuropaeischen Laender darstellen. Es ist
nicht moeglich, allen diesen Anspruechen vollkommen und gleichzeitig
gerecht zu werden. Es muss in der Befriedigung der lebenswichtigen
Bedürfnisse ein Gleichgewicht in vernuenftigen Grenzen hergestellt

- 11 -

�werden, ',,'enn die Produktivitaet gesteigert wird, wird es letzten Endes
moeglich sein, einen angemessenen Lebensstandard zu garantieren, wenn
auch ein betraechtlicher Teil den Berauehungen um die Sicherung der
Zukunft und der Erhaltung der Freiheit gewidmet werden muss.
Augenblicklich wird die Produktivitaet im allgemeinen als die
grundlegende Loesung der ungeheuren wirtschaftlichen Schwierigkeiten
dieser Zeit angesehen, "..'enn dieser 3egriff "Produktivitaet" auch noch
so haeufig in oeffentlichen Diskussionen und Zeitungsberichten angewandt wird, so ist seine genaue Bedeutung der grossen Masse doch nicht
genuegend bekannt. Selbst die Experten konnten sich noch nicht auf
eine einfache und klare Definition dieses Begriffes einigen. Auch die
Methoden zur Bemessung der Produktivitaetsquote bilden noch immer Gegenstand heftiger Kontroversen.
Der Produktivitaetsausschuss der Organisation fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas hat sich in seinem Arbeitsprogramm die
Aufgabe gestellt, mehr Licht in den Begriff"Produktivitaet" zu bringen,
um zur Anwendung verbesserter Methoden der Wertung der Produktivitaetsquote beizutragen, die die fuer die Produktivitaetskarapagne der westeuropaeischen Laender wesentlichen Informationen liefern koennen. Dieser Ausschuss hat einen Bericht ueber die Terminologie der Produktivitaet
ausgearbeitet, der vervielfaeltigt wurde, um an groesaere Kreise verteilt werden zu koennen.
Fuer diejenigen, die nicht in der Lage sind, den Bericht in allen
Einzelheiten zu studieren, werden die nachstehenden wichtigsten Punkte •
zusammengefasst:
Allgemein gesprochen, bedeutet Produktivitaet besseres Zusammenspiel
von Mensch, Kapital, Zeit, Maschine und Material, um bei dem gleichen
Aufwand an Anstrengungen mehr Waren produzieren und verteilen zu koennen.
Der Produktivitaetsausschuss der UftftC gibt in seiner Abhandlung einen
Ueberblick ueber die Methode zur Berechnung der Produktivitaet. Diese
Studien gruenden sich nicht nur auf die produktivitaet der Arbeitskraft,
sondern auch auf die des Kapitals, der Investitionen und der Rohstoffe,
so wie die Produktion von dem Kapital, den Investitionen und den Rohstoffen im Produktionsprozess abhaengig ist.
Trotzdem bleibt die Produktivitaet der Arbeitskraft das wichtigste
Element bei der Berechnung der industriellen Leistungsfaehigkeit. Man
errechnet sie, in dem man die Produktion durch die Anzahl der Arbeitsstunden teilt. Der so errechnete produktivitaetsindex dient zu Vergleichszwecken und gibt die Situation einer Produktionseinheit (Betrieb,
Industrie, Nation; im Vergleich zu anderen Einheiten oder zu seinen
eigenen Ergebnissen waehrend einer anderen Zeitspanne an. Damit koennen
die Ursachen analysiert werden, die den Stand der produKtivitaet bestimmen, und es kann festgestellt werden, welche Schwierigkeiten moeglichen
Verbesserungen der Produktion im liege stehen.
Es muss hier darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Berechnung dar
Produktivitaet der Arbeitskraft nicht darin besteht, die physische Anstrengung des Arbeiters, sondern die allgemeine '.'irksamkeit der Verwendung
der Arbeitskraft zu messen. Der Produktivitaetsindex stellt das Ergebnis
der kombinierten Wirkungen einer grossen Anzahl verschiedener, aber unabhaengiger Faktoren dar, wie z.B. Menge und Qualitaet der verwendeten Ausruestungen, technische Verbesserungen, die Faehigkeit der Betriebsleitung,
die Zirkulation der Rohstoffe und Einzelteile, den relativen Einsatz der
Produktionseinheiten je nach ihrem Wirksamkeitsgrad und schliesslich
berufliche Tuechtigkeit und Arbeitsbereitschaft des einzelnen, Wenn genaue
Schluesse aus einer derartigen Analyse gezogen werden, ergeben die
Produktivitaetsstudien eine mehr oder minder grosse Veraenderung des

- 12 -

�Produktionsvolumens.
In weiterem Sinne koennen die Bemessung der Produktivitaet und die
gleichzeitige Analyse ihrer Ursachen und Elemente fuer allgemeine
v/irtschaftsanalytische Zwecke verwendet werden, um fuer die Gegenwart
und Zukunft die Gesamtproduktion eines Landes oder einer Industrie, den
Bedarf an Arbeitskraeften, die Konkurrenzfaehigkeit und aehnliches abzuschätzen. Damit ist auch die Berechnung der Produktivitaet ein
wichtiges Hilfsmittel bei der Wirtschaftsplanung.
Je nach dem Zweck, dem die Produktivitaetsstudien dienen muessen,
wird die Produktivitaet aufgrund der verschiedenen Zeiteinheiten und
der verschiedenen Faktoren der Produktion berechnet. Die Unterschiede
sind so gross, dass ein Vergleich der Statistiken ueber die Produktivitaet in den westeuropäischen Laendern zurzeit noch schweren Irrtuemern unterworfen ist und ihre Nutzbarkeit dementsprechend aeusserst
beschraenkt ist. '.Jenn man die Zeiteinheit zugrundelegt, laesst sich
die Produktivitaet pro Mann, pro Stunde, pro '.,'oche oder pro Jahr berechnen. Die Produktivitaet im Verhaeltnis zur Arbeitszeit wird dazu
verwendet, die durch technische Ursachen hervorgerufenen Schwankungen
in der Produktivitaet zu messen, waehrend die Produktivitaet, die auf
jaehrlicher Basis einschliesslich Urlaub und Fernbleiben vom Arbeitsplatz aus sonstigen Gruenden berechnet wird, dazu dient, das Nationaleinkommen oder den Bedarf an Arbeitskraeften abzuschaetzen.
Die verschiedenen zu beruecksiehtigenden Kategorien der Arbeitskraefte stellen einen anderen Faktor dar, der grosse Unterschiedlichkeiten in den statistischen Berechnungen verursacht. Angaben ueber die
Produktivitaet koennen sich entweder nur auf die Arbeiter oder auch auf
das Bueropersonal, die Verwaltungsdienststellen und die technischen
Dienste beziehen. Auch kann zwischen den direkten Arbeitskraeften, die
unmittelbar mit der Produktion beschaeftigt sind, und den indirekten
Arbeitskraeften ein Unterschied gemacht werden, deren Taetigkeiten in
Arbeiten der Instandhaltung, der Vfarenlagerung, des innerbetrieblichen
Transports usw. bestehen. Natuerlich unterscheiden sich die Statistiken
nach dem Zwec'k, zu dem sie ausgearbeitet wurden.
Auch der Berechnung der Gesamtproduktivitaet schenkt man groesste
Beachtung, in der nicht nur die direkten, sondern auch alle anderen
Arbeitskraefte beruecksichtigt werden, einschliesslich der mit der
Herstellung industrieller Ausrüstungen Beschaeftigter und der Arbeiter
der Stromerzeugungs- und Iiohstoffindustrienj diese letzte Kategorie
wird in Bezug auf die Arbeitsstunden und die Zahl der Arbeiter bemessen.
Dadurch wird eine Kontrolle der Gesamtindustrie erraoeglicht.
Anstatt den Ertrag nach seinem Volumen zu bemessen, kann den Berechnungen der ','ert des Reinertrags zugrundegelegt werden. '.Tenn man
von der Gesamtabsatzziffer (Bruttoproduktion) die Kosten fuer Rohstoffe,
Treibstoff usw., die in dem Produktionsprozess verbraucht v/erden, abzieht, erhaelt man den 'i.'ert der bei der Produktion des Erzeugnisses geleisteten Arbeit. Die Nettoproduktion bildet den Fonds, aus dem die
erforderlichen Summen fuer Loehne, Absatzunkonten, Steuern, Zinsen,
Amortisationen usw. geschoepft werden. In ihr ist ausserdem der Gewinn
enthalten. Der 'wert der Nettoproduktion kann deshalb durch jedes beliebige Mass der Arbeitskraft geteilt werden, und man kann von einer
Nettoproduktion pro Stunde oder pro Arbeiter oder Angestellter sprechen.
Diese Art der Produktivitaetsstatistik kann fuer die Gewerkschaften
besonders interessant sein, wenn sie bei einer Steigerung der Produktionsleistung die Absicht habtn, Lohnerhoehungen zu fordern oder Leistungslohntarife festzusetzen.
Uenn man sich mit den technischen und wissenschaftlichen Aspekten

- 13 -

�der Produktivitaet befasst, muss man auch jene Faktoren in Erwaegung
ziehen, die direkt zur Steigerung der Produktivitaet beitragen, wie
z.B. die industrielle Planung, die wissenschaftliche Forschung und
Erfindungen. Der Begriff Produktivitaet ist so umfassend, dass die
gemeinsame Erfassung all jener, die in dem Produktionsprozess stehen,
vom einfachen Arbeiter bis zum Y.'issenschaf tler. und Volkswirtschaftler,
erforderlich ist. Uegen dieser unentbehrlichen Zusammenfassung aller
Betaetigten darf niemals das Ziel der Steigerung der Produktionsleistung aus den Augen verloren werden, die den augenblicklichen
Lebensstandard garantieren, den gemeinsamen Zielen zur Sicherung einer besseren Zukunft dienen und unsere Verteidigungsmassnahmen zur
Erhaltung der demokratischen Freiheiten staerken muessen.
Bulletin D1Information Syndicale
1/15-31/51

GUTE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN DEN AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN UND DER
ECA
Die Gewerkschaftsbewegung der Vereinigten Staaten hat dem MarshallPlan von Anfaig an wertvolle Dienste geleistet.
AFL-Vorsitzender ".Jilliam Green, Bill Gomberg von der Internationalen
Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft, Florence peterson von der Automobilarbeitergewerkschaft, Gordon Cole vom Maschinistenverband und Jim
Carey vom CIO sind einige der amerikanischen Gewerkschaftsführer, die
der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit in den letzten zweieinhalb Jahren hoechst wertvolle Ratschlaege erteilt haben.
Die Maenner und Frauen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
sind aufgefordert worden, auf jede "eise mitzuhelfen, um die zur
technischen Unterstuetzung Europas entsandten Delegationen mit dem erforderlichen Ruestzeug zu versehen, umfassende Informationsprogramrae
und Vorschlaege zur Staerkung der freien Gewerkschaften in Europa auszuarbeiten.
Obwohl in Amerika kein formeller ERP-Beratungsaueschuss wie in Europa besteht, vergeht kaum ein Tag, ohne dass ein amerikanischer Gewerkschafter um Rat oder Auskunft gebeten wuerde. Telephonische Besprechungen
zwischen Beamten der ECA und amerikanischen Gewerkschaftern sind in allen
Teilen des Landes an der Tagesordnung. Haeufig werden Gewerkschaftsführer,
Herausgeber von Gewerkschaftszeitungen, Spezialisten im Erziehungswesen
oder Experten fuer Zeit- und Bewegungsstudien fuer tage- oder selbst
wochenlange Aussprachen in das Zentralbuero der ECA gerufen, wo sie um
ihre Meinung und ihren Rat befragt werden. Die internationalen Vertreter
der AFL und des CIO, George P. Delaney und Michael Ross, halten sich
staendig im oder in der Naehe des Zentralbueros auf. Uichtige Entscheidungen, die fuer die Arbeiterschaft von Belang sind, werden nicht getroffen, ohne diese beiden Vertreter um Rat gefragt zu haben.
Das hoechste Gremium, in dem die Gewerkschaftsfuehrer vertreten sind,
ist der oeffentliche Beratungsausschuss der ECA, dorn ebenfalls Vertreter
der Landwirtschaft und Industrie angehoeren. Die Gewerkschaftsvertreter
sind James Carey, der Hauptkassierer des CIO, George Meany, der Hauptkassierer der AFL, und A. E. Lyon, der Hauptkassierer der Eisenbahnergewerkschaften.
Der Ausschuss hat sich bisher auf Veranlassung des Beraters fuer
Arbeitsfragen Clinton S. Golden mit wichtigen Fragen wie z.B. dem Problem

-14-

�der Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten in Verbindung mit der
Einstellung der Gewerkschaftsbewegung zum Marshall-Plan oder Reaktionen
auf die Amerikabesuche europaeischer Produktivitaetsteams befasst.
Eine der wichtigsten Konferenzen zwischen Gewerkschaftsfunktionaeren
und fuehrenden Beamten der ECA fand vor kurzem im Zentralbuero der ECA
statt. Es waren 21 fuehrende Gewerkschaftsfunktionaere anwesend, u.a.
auch William Green, der Vorsitzende der AFL, AI Hayes, der Vorsitzende
des Internationalen Liaschinistenverbandes, und Stanley Ruttenberg, der
Leiter des CIO-Referats fuer Forschung und Erziehung.
An dieser Konferenz nahmen ausserdem teil: L. S. Buckmaster, der
Vorsitzende der Vereinigten Gumniarbeiter Amerikas (CIO), Eimer Cope,
der Europavertreter des CIO, George P. Delaney, der internationale
Repraesentant der AFL, J. L. Elliot, Vizepresident der Gewerkschaft der
Telegraphenarbeiter der Eisenbahnen, Michael Fox, Hauptkassierer der
Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten (AFL), Leo E. George, der Vorsitzende des Nationalen Verbandes der Bueroangestellten der Post (AFL),
Allan S. Haywood, Vizepresident des CIO, liartin Kyne, geschaeftsfuehrender Vorsitzender der Gewerkschaft der Angestellten des Klein- und
Grosshandels und der Warenhaeuser, A. E. Lyon, geschaeftsfuehrender Sekretaer der Eisenbahnergewerkschaft, Y/alter Mason, Repraesentant im
legislativen Ausschuss der AFL, David McDonald, Hauptkassierer der Vereinigten Stahlarbeiter von Amerika (CIO), H. L. Mitchell, Vorsitzender
der Gewerkschaft der Landarbeiter (AFL), John J. Murphy, Sekretaer der
Internationalen Gewerkschaft der Maurer und Yteissbinder (AFL), Stanley
VI. Oliver, Vorsitzender der Internationalen Gewerkschaft der technischen
Ingenieure, Architekten und Zeichner (AFL), Eric Peterson, Hauptkassierer
des Internationalen Maschinistenverbandes, Michael Quill, Vorsitzender
der TranSportarbeitergewerkschaft Amerikas (CIO), Victor Reuther, der
Leiter des Erziehungsreferats der Vereinigten Automobilarbeiter von
Amerika (CIO) und William Schoenberg, der Vorsitzende der Internationalen
Gewerkschaft der Zement-, Leim- und Gipsarbeiter.
Von der ECA waren zugegen: Paul G. Hoffman, der damalige Administrator, Richard M. Bisseil jun., der damalige stellvertretende Administrator des Programms und die Berater fuer Arbeitsfragen Bert M. Jewell
und Clinton S. Golden.
Hoffman brachte in seiner Begruessungsansprache seine Anerkennung
fuer die Mitarbeit der Gewerkschaftsbewegung am Marshall-Plan zum Ausdruck.
Ohne diese Unterstuetzung, sagte er, waeren die im YJiederaufbauprogramm
erzielten Fortschritte niemals moeglich gewesen. Fragen wie die wirtschaftliche Vereinigung Europas, sowie die Lieferung gewerkschaftlichen
Materials fuer Europa und Besuche amerikanischer Gewerkschafter in Suropa
standen zur Debatte.
Eine Gruppe amerikanischer Gewerkschafter wurde fuer eine zweitaegige Konferenz in das Amt der Arbeitsberater der ECA gerufen, um ein
Programm zur Verbesserung der Lebensverhaeltnisse in Frankreich auszuarbeiten. Zu dieser Gruppe gehoerten Stanley Ruttenberg (CXO), William
Gomberg von der «Internationalen Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft,
Victor Reuther und Harold Gibbons.
Zuvor waren im Mai 1950 die fuehrenden Herausgeber der Gev.erkschaftszeitungen aus ganz Amerika zusaiimengerufen worden, um das InformationsProgramm und Mittel zu seiner Verbesserung zu eroertern. Es waren anwesend: Theodore Brown, Herausgeber des "The Black T'orker" von der Gewerkschaft der Schlafwagenbediensteten, Leo Clussmann, Herausgeber des
"The National Musician" von der Gewerkschaft der Musiker Amerikas, Kenneth
Fiester, Herausgeber der Zeitung "Textile Labor" von der Textilarbeitergewerkschaft des CIO, J. B. S. Hardman, Herausgeber von "Labor and Nation",

- 15 -

�Ben Haskel, der Herausgeber von "The Textile Challenger", von der
Textilarbeitergewerkschaft von Amerika (AFL), John Herling, der
"John Herling's Labor Letter" herausgibt, A. B. Herrington, der Leiter des Referats fuer oeffentliche Beziehungen in der Gewerkschaft
der Telefon- und Telegrafenarbeiter (CIO), Charles Herrold, der
Herausgeber der "AFL Weekly News", Oscar Jager, der Herausgeber der
n
Comaunication Workers News", Joseph Keenan, der "League Reporter"
redigiert, Irvin S. Lippe, Herausgeber der "Trainmen News", Arch A.
Mercey, Sonderberichterstatter der Ransdell Inc., William J. Pachler,
Herausgeber der Zeitung "Light", Organ der Gewerkschaft der Arbeiter
oeffentlicher Versofgungsbetriebe (CIO), Hugh Reichard, vom Komitee
der Freundeshilfe, Ray Scott, der Herausgeber des Magazins der Gewerkafc
schaft der Lokomotivfuehrer und Heizer, Allan L. Swim, der Leiter des
CIO-Referats fuer oeffentliche Beziehungen und Herausgeber der "CIO
News", Bernard Tassler, Herausgeber des AFL-Magazines "The Federationist",
Philip E. Ziegler, Herausgeber der Zeitung der Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten, des Verbandes der Bueroangestellten der Eisenbahnen
und Dampfschiffahrt, der Gepaecktraeger und der Bahnhofsangestellten.
In einer ganztaegigen Sitzung wurden die Aufgaben der Gewerkschaftsbewegung im Ma.rshall-plan, das ECA-Programm in den Ueberseegebieten und
Informationsmethoden besprochen.
Im Sommer vorigen Jahres hat die ECA William Goraberg, den Leiter
des Referats fuer Betriebswirtschaft in der Damenoberbekleidungsgewerkschaft nach Grossbritannien, Holland und Westdeutschland geschickt,
um mit Gewerkschaftsfunktionaeren Besprechungen zu fuehren. Seine
Aufgabe war, jene Aspekte der amerikanischen Gewerkschaftserfahrung
auf dem Gebiet der Produktionstechnik zu besprechen, die den europaeischen
Gewerkschaftern in ihren Bestrebungen zur Steigerung der Produktivitaet
von Nutzen sein konnten.
Drei Herausgeber von Gewerkschaftszeitungen hielten sich unter
dem Protektorat der &amp;CA Z U Anfang des Jahres 1949 mehrere Wochen in
Europa auf, um die europaeischen Verhaeltnisse zu studieren und entsprechende Vorschlaege zu machen. Es waren dies Allan L. Swim, der
Herausgeber der CIO News, William Gausmann vom Gewerkschaftspresseverband und Cornelius Miller vom AFL Weekly News Service (Woefhentlicher
Nachrichtendienst der AFL.)
Drei fuehrende Gewerkschaftsfunktionaere wurden im Sommer vorigen
Jahres nach Frankreich geschickt, um mitzuhelfen, die freie Gewerkschaftsbewegung zu staerken und die Kampagne durch Steigerung der Produktionsleistung zu unters^uetzen. Es waren J. William Belanger, der Vorsitzende des CIO-Industriegewerkschaftsrates von Massachusett, Harold
Gibbons, der Hauptkassierer der AFL-Ortsgewerkschaft Nr. 688, der Internationalen Gewerkschaft der Fahrer, und Carmen Luoia, die stellvertretende
Vorsitzende der Internationalen Gewerkschaft der Vereinigten Hutmacher.
Ihre Vorschlaege und ihre Forderung nach Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter haben bei den fuehrenden Beamten der ECA und
auch dem Administrator Foster groesste Beachtung gefunden.
ECA Labor Information
1/30/51

- 16 -

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office oi Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 8

Frankfurt/Main, den 23. Februar 1951
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Der gegenwaertige Stand der amerikanischen Arbeitsgesetzgebung

1

Gewerkschaften der Mittelmeerlaender ruesten sich
zum Kampf gegen die kommunistischen Saboteure

6

Ostberliner Arbeiter erhalten doch ihre Weihnachtsgratifikation

7

Uie die iranischen Gewerkschaften unterstuetzt werden .. 8
Erfolge der amerikanischen Autoraobilarbeitergewerkschaft

9

LohnentwicKlungen in den Vereinigten Staaten

11

Die Invalidenunterstuetzung in der US-Bekleidungsindustrie

13

Marshallplanadministrator William G. Foster zur
europaeischen Wirtschaftslage

14

Regierungsangestellte in Chile erhalten Gehaltsaufbesserung

15

Die gewerkschaftliche Entwicklung in Burma

16

D^R GriOSM.'AKftTIOE STAND V£R AMalilKAKIÖCHEN ARBEITSGESETZGEBUNG
Die 17. Nationalkonferenz fuer Arbeitsgesetzgebung galt in erster
Linie der Mobilisierung der menschlichen Hilfsquellen Amerikas fuer den
Frieden und gegen die Aggression. Arbeitsminister Maurice J. Tobin bezeichnete die Konferenz als ein "Forum, in dem staatliche Beamte und GeVierkschaftsfuehrer zusammenkommen, um Erfahrungen auszutauschen, Probleme
der Arbeitsgesetzgebung zu diskutieren und eine gemeinsame Grundlage fuer
die Verbesserung der Arbeitsnormen zu schaffen."
Praesident Truman versicherte in seiner Botschaft an die Konferenz,
dass ihre Kenntnisse und ihre Erfahrungen mithelfen koennten, die Nation
"in jenen Massnahmen und Methoden anzuleiten, die unseren Produktions-

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�apparat zu hoechster Leistungsfaehigkeit befaehigen werden."
Angesichts der kritischen Lage, in der Amerika sich zurzeit befindet, wurde besonders betont, dass eine Vergeudung wertvoller Arbeitskraefte durch Arbeit sunfae H e vermieden v/erden muss. Die durch Unfaelle
verursachten Verluste an Arbeitszeit beliefen sich im Jahre 1949 auf
insgesamt 39 Millionen Arbeitstage, was einer Untaetigkeit von 139.000
Arbeitern fuer die Dauer eines ganzen Jahres entspricht. Die 15.000
Todesfaelle und 1.600 Unfaelle, die eine staendige Arbeitsunfaehigkeit
zur Folge hatten, bedeuten eine dauernde Reduzierung des Arbeitskraeftereservoirs des Landes. Die nahezu 80.000 Faelle dauernder beschraenkter
Erwerbsfaehigkeit wirken sich durch die verminderte Leistungsfaehigkeit
der Opfer - meistens Amputierte - in aehnlicher \.'eise aus.
Da fast alle Arbeitsunfaelle vermieden werden koennten, sah die
Konferenz ihre dringlichste Aufgabe darin, die diesbezueglichen Erfahrungen und die Methoden der Unfallverhuetung den vielen Betriebsleitern zur
Kenntnis zu bringen, die noch nicht in wirksamer '.'eise in dieser Hinsicht
taetig sind. Die Konferenz des Praesidenten ueber industrielle Sicherheit hat festgestellt, dass Unternehmen, die in unzureichendem Masse
fuer die Sicherheit sorgen, im allgemeinen zu klein sind, um Unfallverhuetungsachverstaendige selbst beschaeftigen zu koennen, wie es in grossen
Betrieben der Fall ist, die infolgedessen auch verhaeltnismaessig niedrige
Unfallziffern aufzuweisen haben, Es wurde vorgeschlagen, dass die üinzelstaaten die Vielzahl kleiner Unternehmen durch direkte Hilfsraassnahmen
unterstuetzen, die der Arbeit hauptamtlich beschaeftigter Unfallverhuetungsexperten in grossen Betrieben entsprechen auessen.
Hierzu sei erforderlich, stellte die Konferenz fest, dass grundlegende
Gesetze erlassen werden, in denen angemessenere und einheitlichere Bestimmungen und Normen garantiert werden, dass Unfallstatistiken zur Verfuegung
gestellt werden, dass die Einzelstaaten Sicherheitsprogramme ausarbeiten
und Regierungsbearate die Betriebe in ihren Massnahmen zur Unfallverhuetung
unterstuetzen.
Die Konferenz empfahl, die bestehenden Sicherheitsvorschriften angesichts des nationalen Notstandes auf ihre Zulaenglichkeit zu pruefen. Hierbei sollen Sachverstaendige des Bueros fuer Arbeitsnormen behilflich sein.
Statistische Unfallziffern nuessen planvoll zusammengestellt und ausgewertet werden und Angaben ueber die Groesse der Betriebe, Art der Arbeit
und dergleichen enthalten. Es wurde weiter empfohlen, sich bei der
Berichterstattung ueber Unfaelle an die fuer Amerika gueltige ilethode zu
halten.
*

*

*

In Anbetracht der zu erwartenden Entwicklungen auf dem Gebiet der
Beschaeftigung verheirateter Frauen hat die Konferenz gefordert dass die
Staaten, die Normen in ihrer Gesetzgebung fuer berufstaetige Frauen aufgestellt haben, diese Normen beibehalten und verbessern. Jene Staaten, die
solche Normen nicht haben, sollen sie ebenfalls einfuehren.
Mindestnormen fuer erwerbstaetige Frauen sollen einen Ruhetag in der
Yfoche, die 40-Stunden-Uoche mit einer maximalen Arbeitszeit von 48 Stunden,
eine elfstuendige Zeitspanne fuer Nachtruhe, die die Zeit von Mitternacht
bis vormittags sieben Uhr einschliesst und ausreichende Pausen fuer Mahlzeiten vorsehen. Die Unternehmer sollen zur Erhaltung der Gesundheit und
Leistungsfaehigkeit der Arbeiter fuer saubere Speiseraeume, Aufenthaltsraeume, Toiletteneinrichtungen, gute Ventilation und gute Beleuchtung
sorgen.
Die Konferenz forderte ausserdem, eine Benachteiligung der Frauen den
Maennern gegenueber zu vermeiden. Sie befürwortete die bestehenden

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�staatlichen Gesetze, die den gleichen Lohn bei gleicher iiTueit vorsehen,
weiter zu vervollkommnen und darauf hinzuwirken, dass entsprechende
staatliche und bundesstaatliche Gesetze erlassen werden. Es vmrde ferner
vorgeschlagen, in die Gev.erkschaftsvertraege Bestimmungen ueber gleichen
Lohn bei gleicher «rbeit aufzunehmen.
Di« Konferenz sprach sich sodann dafuer aus, in dem bundesstaatlichen
Ges«tz fuer gerechte Arbeitsnormen Bestimmungen ueber einen iünaeststundenlohn von einem Dollar zu verankern. Weiterhin sollen Mindestlnennn fuer
solche Arbeiter festgesetzt werden, fuer die noch keine tarifvertragliche
Regelung besteht.
Die Konferenz stellte fest, dass berufstaetige Frauen gegen Lohnausfaelle bei:n Fernbleiben vom Arbeitsplatz gesichert werden muessen. Die
Ausdehnung der Verteidigungsbetriebe auf neue Gebiete wird 'Johnungs- und
Ernaehi-ungsproblerae fuer die beschaeftigten Arbeitnehmer aufwerfen. Die
Konferenz forderte, den Koranunalprojekten fuer angemessenen Wohnungsbau,
fuer Transport, Kinderbetreuung waehrend der Arbeitszeit, ambulante Fuersorge und anderen Massnahmen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Sie
machte den Vorschlag, dass sich das Buero fuer Frauenangelegenheiten mit
der Abwesenheit berufstaetiger Frauen vom Arbeitsplatz unter besonderer
Berücksichtigung ihrer haeuslichen Verpflichtungen und der Gesundheitsfaktoren beschaeftigt.
Es sei eine kostspielige Selbsttaeuschung, fuhr die Konferenz fort,
Jungen und Maedchen - die zukuenftigen Arbeiter und Buerger Amerikas sofort an Arbeitsplaetzen unterbringen zu wollen, wo das, was sie produzierten, nur einen geringen Teil dessen ausmachen wuerde, was sie einige
Zeit spaeter fuer die Nation leisten koennten. Eine Altersmindestgrenze
von 16 Jahren fuer jegliche Beschaeftigung waehrend der Schulstunden und
fuer die Beschaeftigung in herstellenden und mechanischen Betrieben zu
jeder Zeit sei wichtiger denn je. Derartige BeStimmungen seien erforderlich,
um allen Jugendlichen die Moeglichkeit zu geben, sich eine Grundschulausbildung und berufliche Faehigkeiten zu sichern und sich zu guten Bucrgern
he ranzubilden.
In den Staaten, die nicht in der Lage sind, den vorzeitigen Zustrom
der Jugendlichen zum Arbeitsmarkt aufzuhalten, muessen die staatlichen
Arbeitsbeauftragten und die Gewerkschaftsorganisationen sich dafuer einsetzen, dass entsprechende Gesetze erlassen werden.
Um ein Maximum an Leistungsfaehigkeit auf lange Sicht erzielen zu
koennen, muessen gesunde Arbeitsnormen und gute Arbeitsbedingungen geschaffen
werden. Die Konferenz ist der Auffassung, dass die staatlichen Aemter fuer
Arbeitsfragen und das US-Arbeitsministerium in einem Programm zusammenarbeiten muessen, das der Entwicklung und Foerderung der Normen fuer die
Arbeitsbedingungen und der Verhuetung von Arbeitsunfaellen gewidmet sein
rau3s. In diesem Zusammenhang wurden folgende Normen vorgeschlagen:
a) Ein 8-Stunden-Tag und eine 40-Stunden-Vfoche, wobei Ueberstunden mit 150^ des normalen Lohnes und Sonn- und Feiertagsarbeit mit Sonderpraemien zu vergueten sind.
b)

Von sieben Tagen muss zumindest einer als Ruhetag festgesetzt sein.

c)

Die Essenspause in der Mitte der Arbeitszeit darf nicht
weniger als 30 Minuten dauern. Es sind ausserdem weitere
entsprechende Ruhepausen einzulegen.

d) Der Mindestlohn muss auf 1 Dollar erhocht werden. Arbeitnehmer, die noch nicht unter die Bestimmungen des Mindestlohngesetzes fallen, muessen einbezogen werden. Alle Staaten

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�rauessen fuer alle Arbeitnehmer ohne Ausnahme Gesetze ueber
Mindestloehne erlassen, Ein MindestStundenlohntarif von
v/enigstens 75 Cents muss in der Verfassung festgelegt werden,
und die Lohnausscimesserauessenemaechtigt sein, hoehere
Mindestloehne anzuordnen und unter bestimmten Garantien die
Tarife fuer Anlernlinge, Lehrlinge und koerperbehinderte
Arbeiter abzuaendern. Mehr als acht Arbeitsstunden pro Tag
und 40 Stunden pro Woche muessen mit eineinhalbfacher Bezahlung verguetet werden. Staatliche Gesetse, die sich nur
auf Frauen und Minderjaehrige erstrecken, muessen auch auf
die maennlichen Arbeitnehmer ausgedehnt werden.
e)

In jedem Staat muss gesetzlich festgelegt werden, dass der
volle Lohnbetrag in bar, in Scheck oder in der Form der Buergschaft zumindest zweiwoechentlich auszuzahlen ist; ein
Arbeiter, der von der Lohnliste gestrichen wird, muss sofort
ausbezahlt werden; die Aemter fuer Arbeitsfragen in den
Einzelstaaten muessen, wenn notwendig, mithelfen, die faelligen
Lohnbetraege einzutreiben; fuer Unternehmer, die gegen das
Mindestlohngesetz Verstössen, sind Strafen vorzusehen.

f) Durch gemeinsame Bemuehungen der bundesstaatlichen und einzelstaatlichen A«mter fuer Arbeitsangelegenheit, der gewerkschaftlichen Gruppen, der Betriebsleiter und anderer oeffentlicher
und privater Organisationen muessen die Unfallziffern herabgesenkt und dadurch wertvolle Arbeitskraefte erhalten werden. Die
gemeinsamen Ausschuesse fuer industrielle Sicherheit, in denen
Gewerkschaften und Unternehmen vertreten sind,rauessenin
Taetigkeit treten. Die staatlichen Gesetze muessen verbessert
oder angepasst werden, damit Sicherheitsvorschriften von den
Aemtern erlassen werden koennen. In der Durchführung der
Sicherheitsbestimmungen, die in dem Gesetz fuer Hafenarbeiter
enthalten sind, muss eine bessere Zusammenarbeit zwischen den
bundesstaatliehen und einzelstaatlichen Aemtern fuer Arbeitsangelegenheiten gewaehrleistet werden.
g) Um unsere Jugend zu schuetzen, muessen wir gegen Bestrebungen
auf der Hut sein, die einer Abschaffung der bestehenden Schutzbestimmungen das Hort reden. Die Konferenz ist der Auffassung,
dass der groesste Beitrag der Jugend zum Verteidigungsprogramm
darin besteht, dass sie ihre Schulausbildung zumindest bis zum
Abschluss der hoeheren Schule fortsetzt.
Die gegenwaertige Erwerbslosigkeit wurde von der Konferenz mit den
Zustaenden des zweiten Weltkrieges verglichen, als die Zahl der Erwerbslosen 10 Millionen betrug. Schaetzungsweise sind weniger als 2 Millionen
arbeitsfaehige Personen zurzeit erwerbslos. In dieser Zahl sind diejenigen enthalten, die ihren Arbeitsplatz staendig wechseln oder die
voruebergehend ohne Beschaeftigung sind.
Die Konferenz brachte zum Ausdruck, dass Schulungsplaene auf lü- oder
15-jaehriger Basis durchgefuehrt werden rauessen.
Nur ein Viertel der zur Aufrechterhaltung des normalen Facharbeitermarktes erforderlichen Lehrlinge sind augenblicklich berufstaetig.
Die Konferenz hat deshalb empfohlen, dass das bundesstaatliche Buero
fuer Lehrlingsw«sen, die einzelstaatlichen Lehrlingsaemter, die internationalen Gewerkschaften und die Unternehmerorganisationen aufgefordert werden,
den Angehoerigen von Minderheitsgruppen Moeglichkeiten zur Lehrlingsausbildung und zu beruflichem Fortkommen zu bieten. Es wurde ausserdem befuerwortet, dass die Öffentlichkeit ueber den Mehrbedarf an Lehrlingen

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�unterrichtet wird, und der Personalstab des Amtes fuer Lehrlingswesen
und der staatlichen Lehrlingsaerater vergroessert wird, um den bevorstehenden Aufschwung in diesem Programm bewerkstelligen zu koennen.
Die Konferenz empfahl die Zusammenarbeit zwischen bundesstaatlichen
und staatlichen Regierungen, um zu gewaehrleisten, dass Arbeiter und
Unternehmer von den oeffentlichen Arbeitsvermittlungsaemtern groesstmoeglichen Gebrauch machen. Sie sprach sich ferner dafuer aus, dass der
Kongress ausreichende Mittel zur Erreichung und Unterhaltung von Einrichtungen und Personal zur Verfuegung stellt, das mit der Durchführung
der Programme zum Einsatz der Arbeitskraefte beauftragt wird. Staatliche
und bundesstaatliche Gesetze ueber die Zulassung privater Arbeitsvermittlungsbehoerden und Vertragsfirmen sollen noch geschaffen werden. Die
Taetigkeiten zur Einstellung und Plazierung von Arbeitskraeften anderer
Gruppen, die im Arbeitsvermittlungsdienst stehen, muessen coordiniert
werden. Die Verwaltung der oeffentlichen Arbeitsvermittlungsaemter muss
wieder in einem bundesstaatlichen System zusammengefasst werden. Uird
diese Zusammenfassung verwirklicht, dann ist die Verwaltung dieser Behoerden dem Arbeitsministerium zurueckzugeben.
Um unnoetige und nicht wuenschenswerte Versetzungen von Arbeitskraeften zu vermindern, hat die Konferenz vorgeschlagen, dass die Unternehmer davon ablassen, Arbeiter anderer Unternehmen fuer sich zu werben
und dass die Zeitungen nicht mehr jene Art der Reklame betreiben, die
eine schaedliche Umschichtung und Verlagerung der Arbeitskraefte zur
Folge hat.
Die Unternehmer sollen ihre Betriebsstruktur so gestalten, dass die
einzelnen Arbeiter schnell ausgebildet und in den Produktionsprozess eingeschaltet werden koennen und dass die Faehigkeiten der bereits beschaeftigten Arbeiter besser ausgenutzt werden. Fuer die Einstellung
von Frauen wurde empfohlen, zuerst jene Frauen in ein Beschaeftigungsverhaeltnis zu bringen, die keine wichtigen haeuslichen Verpflichtungen
haben, also vor allem der jungen alleinstehenden Frauen, der aelteren
Altersgruppen und der Kurzarbeiter. Jugendliche sollen nicht eingestellt
werden, wenn ihre Beschaeftigung nicht mit den bundesstaatlichen oder
staatlichen Gesetzen zu vereinbaren ist.
Das Arbeitsministerium, die staatlichen Regierungen und andere
oeffentlichen und privaten Behoerden und an dieser Frage interessierten
Organisationen sollen sofort ihre Bemuehungen vereinigen, um genuegend
Beamte fuer den Einsatz der Arbeitskraefte zu schulen, die besonders
befaehigt sind, koerperbehinderten Personen eine passende Beschaeftigung
zu schaffen. Die wertvollen Faehigkeiten aelterer Leute, die gegenwaertig nicht beschaeftigt sind, bilden eine Kraftquelle und um diese
Arbeiter wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfuegung zu stellen, soll die
Oeffentlichkeit darueber in Kenntnis gesetzt werden, dass wir diese
Faehigkeiten brauchen. Arbeiter, die bereits auf den Pensionslisten
stehen, verfuegen ueber berufliche Kenntnisse, die zur Ausbildung anderer
ausgenutzt werden muessen. Besondere Massnahmen muessen eingeleitet
werden, um diesen Arbeitern bei einer Neuaufnahme der Beschaeftigung ihre
Pensionsrechte zu sichern.
Da eine groesstmoegliche Beweglichkeit der Erwerbsbevoelkerung von
groesster Wichtigkeit ist, schlug die Konferenz eine Abaenderung der
privaten Pensionsprogramne vor, damit die Arbeiter bei einem V'echsel
dieser Beschaeftigung keinerlei Rechte verlieren.
Sie empfahl ausserdem, entsprechende Arbeitgeber-Arbeitnehmerausschuesse zu bilden, die auf bundesstaatlicher, staatlicher und oertlicher
Basis den Behoerden bei der Mobilisierung der Arbeitskraefte behilflich
sind.

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�18 Resolutionen wurden von der Konferenz gebilligt. Zu den darin
enthaltenen Zielen gehoeren gesetzliche Sicherheitsmassnahmen fuer
Eisenbahnarbeiter, die Bildung zusaetzlicher Behoerden und Dienststellen fuer Koerperbehinderte, die Beseitigung von Schranken, die der
Beschaeftigung aelterer Arbeiter im Wege stehen und die Fortsetzung
der Ansprueche auf die soziale Versicherung solcher Arbeiter, die zu
den Uaffen gerufen werden.
In einer Resolution wurden neue Gesetze in Vorschlag gebracht, die
den Arbeitern dieses Landes und ihren Angehoerigen in Falle von Verletzungen oder Tod, die durch Atombombenangriffe auf Industriezentren
verursacht sind, Schutz, aerztliche Betreuung und Entschaedigung geben
sollen. Derartige Angriffe koennten von so grosser Wirkung sein, dass
die Mittel der bestehenden Versicherungssysteme erschoepft werden und
sie ihre finanziellen Verpflichtungen nicht erfuellen koennten.
lionthly Labor Review
1/51

(gflERBSCHAFTEN DER MITTELLJEERLAENPAR RUSSTfcM SICH ZUM KAUFT Gi.GEN PIK
KOMMUNISTISCHEN SABOTEURE
In den Haefen des Mittelneers von üran bis Haifa, von Piraeus bis
Marseilles ruesten sich die Gewerkschaften der Seeleute und Hafenarbeiter
zum Kampf gegen die kommunistischen Saboteure.
Waehrend die Diplomaten ueber die hoehere Strategie zur Verhinderung
der kommunistischen Aggression debattieren, gehen diese Seeleute und
Hafenarbeiter in realistischer Weise in ihrem eigenen Wirkungsbereich
energisch an dieses Problem heran und stehen mit Faeusten und Schultern
und geistigen Waffen bereit, die sie in ihrem Kampf verwenden koennen.
Die Schiffe und Waffenlieferungen fuer die westeuropaeische Verteidigung werden mit allen Mitteln gegen die kommunistische Sabotage verteidigt werden - diese Warnung hat das Mittelmeerkomitee der Internationalen
Transportarbeiter-Foederation ausgesprochen.
Dieses Aktivistenkomitee der Gewerkschafter wird von Pierre FerriPisani, einem langjaehrigen Gewerkschaftsführer im Hafen Marseilles,
gefuehrt. Es wird ferner von einem amerikanischen Gewerkschafter dabei
massgeblich unterstuetzt, naemlich von Irving Brown, dem europaeischen
Vertreter der AFL.
In einigen europaeischen Haefen hat die Ankunft von Schiffen, die
mit Marshall-Plan-Guetern oder mit Waffen fuer die Verteidigung der
Staaten des Nordatlantik-Paktes beladen waren, feindselige kommunistische
Demonstrationen und die Weigerung ausgeloest, diese Schiffe zu entladen.
Das Mitteloeerkomitee sieht ueber diese Vorfaelle hinaus in die kuenftige
Entwicklung und bereitet sich auf die Moeglichkeit vor, dass konmunistische Widersacher versuchen, Schiffe oder Ladungen in Besitz zu nehmen,
zu versenken oder zu zerstoeren.
Dadurch, dass komuunistische "Aktivisten" in Schiffsmannschaft«!,
Hafenarbeiterkolonnen, Seeleute- und Haf snarbeitergev-erkschaften eingesickert sind,rauessendie Verteidiger der westeuropaeiachwi Kultur in
den freien Gewerkschaften staendig auf der Hut sein. Fuenf ?Jaenner sollen
bekanntlich in der Lage sein, ein ganzes Schiff in Besitz zu nehmen. Deshalb ist es notwendig, dass sich an Bord jedes Schiffes mindestens fuenf
tatkraeftige anti-kommunistische Verteidiger in Alarmbereitschaft befinden, die in der Lage sein muessen, die fuenf Saboteure abzuwehren.

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�Innerhalb der Haefen gestaltet sich diese Aufgabe schwieriger.
Die Funktionaere, die das Mittelmeer-Komitee gebildet haben, sind
erfahrene Gewerkschafter, die allen organisatorischen Aufgaben gewachsen sind. Die meisten von ihnen haben ihren physischen und
moralischen Mut bereits unter Beweis gestellt.
Seit der Gruendung des Komitees im Sommer vorigen Jahres in Neapel
und auf einer kuerzlichen Tagung in Marseilles waren Brown und FerriPisani staendig den Anfeindungen der kommunistischen Presse ausgesetzt,
die sich dagegen wandte, dass Lieferungen fuer die europaeische Verteidigung entladen und fuer Korea und Indochina bestimmte Schiffe beladen werden.
Diese beiden Fuehrer und ihre Verbuendeten im Komitee brachten
jedoch in der kaempferischen Sprache ihrer EntSchliessungen und anderer
Verlautbarungen, die sie anlaesslich der Sitzung in Marseilles herausgaben, ihre iintschlossenheit zum Ausdruck, jedem Sabotageversuch der
Komrauriisten die Stirn zu bieten. Das Komitee arbeitet groesstenteils
auf vertraulicher 3asis und beschaeftigt sich mit den besonderen Problemen
der Haefen Frankreichs, Griechenlands, Italiens, Israels, Maltas,
Algeriens, Tunis1 und Marokkos. Der Inhalt dieser vertraulichen Besprechungen kommt jedoch in den irklaerungen deutlich zum Ausdruck, die
sich gegen die Agenten Moskaus richten, und in denen der Kreml beschuldigt wird, sich in illegaler "eise in den Haefen vieler Nationen
in deren Schiffahrt einzumischen.
Ferri-Pisani erklaerte, warum es notwendig sei, vertrauliche
Sitzungen abzuhalten. "Unsere Organisation ist weder eine Geheimorganisation noch ist sie illegal," sagte der franzoesiche Gewerkschafter. "Aber
wir muessen alle moeglichen Sicherheitsmassnahmen treffen, um zu vermeiden, dass unsere Feinde, die darauf geschult sind, sich Informationen
zu verschaffen, unsere Plaene erfahren."
Brown versprach vor der Konferenz in Marseilles, dass den freien
Arbeitern Europas in ihrem Kampf gegen den sowjetischen Imperialismus
weiterhin die Unterstuetzung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
zuteil wuerde.
"VJir kaempfen fuer die gleiche Sache, l.'ir sind der festen Ueberzeugung, dass Hafenarbeiter und Seeleute eine wesentliche Holle in der
Verteidigung der demokratischen ..'elt spielen."
SCA Labor Information

n/i/51
OSTBKRLINER ARBKITSR aiiHALTüN DOCH IHRL \.TEIHNACHTSGRATIFIKATION

Berichten des amerikanischen Arbeitsministeriums zufolge haben die
Arbeiter in Ostberlin nun doch ihre traditionelle Weihnachtsgratifikation
erhalten.
Kurz vor '..'einnachten hatte sich der kommunistisch beherrschte Freie
Deutsche Gewerkschaftsbund in Ostberlin gegen die Ausbezahlung der
Gratifikation in verstaatlichten Betrieben ausgesprochen, weil sie mit
dem Grundsatz "unvereinbar" sei, dass sich die Loehne nach dem Ausstoss
richten muessen. Die Auszahlung der Gratifikationen war in privaten
Unternehmen noch gestattet, aber nur unter der Bedingung, dass der Unternehmer alle Steuern, Sozialversicherungsbeitraege usw. abgefuehrt hat
und die Gratifikationen aus den Gewinnen bezahlt werden.

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�Die Reaktion der Arbeiter auf dieses Verbot hin war jedoch
so unguenstig, dass das Politbuero der kommunistischen Partei Ostberlins das Verbot mit der Begruendung rueckgaengig machte, das
Prinzip der Angleichung der Loehne an den Ausstoss habe sich noch
nicht genuegend durchgesetzt, um ein derartiges Verbot zu rechtfertigen.
Labor Press Service
1/29/51

W K DIU IRANISCHEN GrT.SRK SCHÄFTEN UNTERSTUETZT \&amp;IiDKN
Experten in Arbeitsfragen aus dem Iran studieren gegenwaertig
die gewerkschaftliehe Organisation und die Handhabung der Arbeitsgesetze durch die Regierung der Vereinigten Staaten. Gleichzeitig ist
ein Sachverstaendiger fuer das Lehrlingswesen aus dem US-Arbeitsministerium in Iran taetig. Sie alle naben das Ziel vor Augen, die
Arbeitsbedingungen der iranischen Arbeiter zu verbessern.
Cyrus Majd, ein Hauptberater im iranischen Arbeitsiainisterium,
besuchte im Januar unter dem Protektorat des Bueros fuer internationale
Arbeitsangelegenheiten im US-Arbeitsministerium amerikanische Gewerkschaften und Betriebe. Majd ist Mitglied des iranischen Gewurkschaftsbundes ESKI. ESKI ist dem nichtkornmunistischen Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften angeschlossen, dem auch alle groesseren US-Gewerkschaften angehoeren.
Das Frauenbuero im US-Arbeitsministerium hat ein Darlehen gewaehrt,
aufgrund dessen ein sechsmonatiger Studienaufenthalt in den Vereinigten
Staaten ermoeglicht wird. Von dieser Lioeglichkeit macht zurzeit Dr.
Kechnineh Kazimi Gebrauch. Das Darlehen wurde im Rahmen des Programms
der amerikanischen Regierung fuer die Zusammenarbeit mit anderen Laendern
zur Verfuegung gestellt. Dr. Kazimi, der Leiter des Bueros fuer Frauen
und jugendliche Arbeiter sowie fuer industrielle Hygiene im iranischen
Arbeitsministeriura ist, besucht Schulen und Betriebe in den Vereinigten
Staaten.
Auch Habib Naficy weilte kuerzlich in den Vereinigten Staaten und
ist nach einer Studienreise durch Amerika, die vom Buero fuer internationale Arbeitsangelegenheiten im US-Arbeitsministerium unterstuetzt
wurde, in sein Land zurueckgekehrt. Naficy, der ein Fuehrer der Bewegung fuer soziale Gesetzgebung, ein einflussreiches Arbeitsministerium
und demokratische Gewerkschaften ist, war in der Zeit von 1946 bis 1950
mit einigen Unterbrechungen stellvertretender Arbeitsminister.
Leon C. Shingledecker, ein Experte fuer industrielle Ausbildung im
Buero fuer Lehrlingswesen des US-Arbeitsministeriums, ist jetzt fuer
zwei Jahre nach dem Ir^n geschickt worden, um dieses Land bei der Ausarbeitung eines wirksamen Programms zur Ausbildung von Industriearbeitern
zu unterstuetzen. Zu seiner Aufgabe gehoert auch, dass er in bestimmten
Betrieben Projekte zur praktischen Veranschaulichung ausarbeitet und der
iranischen Regierung bei der Loesung ihrer umfassenden Ausbildungsprobleme hilft.
Vor 1945 bestand im Iran keine Behoerde in der Regierung, die sich
mit Arbeitsproblemen befasst haette. Im Jahre 1945 wurde als Teil des
Ministeriums fuer Handel und Industrie ein "vorlaeufiges Amt fuer
Arbeitsangelegenheiten" gegruendet. Das gegenwärtige Arbeitsministerium entstand im Mai 1946 gemaess den Bestimmungen eines Arbeitsgesetzes, das von Naficy unterstuetzt worden war, der damals Leiter des

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�vorlaeufigen Amtes fuer Arbeitsangelegenheiten war.
Das erste und grundlegende Arbeitsgesetz von 1946 wurde durch
eine Gesetzesvorlage abgeaendert, die im Juni 1949 bewilligt wurde.
Es enthaelt allgemeine Bestimmungen ueber Loehne, Arbeitszeit,
Urlaub, Entlassungsbedingungen und dergleichen. Ferner findet in
diesem Gesetz die Frage der industriellen Gesundheit und Sicherheit
sowie der Versicherung, der Rechte der Gewerkschaften, der Schiedsgerichtsbarkeit zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten usw. Beruecksichtigung.
Labor Press Service
1/29/50

ERFOLGE DER AMERIKANISCHEN AUTOMOBILARBEITERGE'.'ERKSCHAFT
Die Automobilarbeitergewerkschaft des CIO nimmt fuer sich den Ruf
in Anspruch, mit 1.250.000 Mitgliedern die groesste Gewerkschaft in
Amerika zu sein. In einem Bericht an die Mitglieder der Gewerkschaft
prophezeit ihr Vorsitzender VJalter P. Reuther, dass sie bis zur Eroeffnung des naechsten Jahreskongresses am 1. April 1951 in Cleveland
eine Mitgliederzahl von 1.300.000 erreicht haben duerfte.
In dem jetzt veroeffentlichten Bericht wird festgestellt, dass die
Gewerkschaft seit ihrem letzten Kongress im Juli 1949 250.000 neue
Mitglieder geworben hat. Der Bericht gibt sodann einen Ueberblick
ueber die Lohnpolitik der Gewerkschaft und rechtfertigt ihre Haltung
in der Frage der Lohnangleichung an die Lebenshaltungskosten. Die
Stufen-Klausel hat den Arbeitern, die den Bestimmungen der Tarifvertraege unterliegen, im September 1950 eine Lohnerhoehung von fuenf Cents
und im Dezember eine von drei Cents eingebracht. Nach den letzten
Informationen wird eine weitere Lohnaufbesserung im Maerz vorgenommen
werden.
Reuther erklaerte^ dass diese Erhoehungen nicht inflationistischer
Natur seien, da sie gegenueber den Bewegungen im Verbraucherpreisindex
um 90 Tage zurueckbleiben. Sie verursachten auch keine Preissteigerung.
Ihr Zweck sei lediglich, den Arbeitern einen Ausgleich zu bieten, nachdem derartige Preissteigerungen bereits eingetreten seien.
Er sagte voraus, dass der Lohnstabilisierungsausschuss die Automobilarbeite rgewerkschaft in ihren Bemuehungen zur Angleichung der Loehne an
die Lebenshaltungskosten und in der Verwirklichung automatischer Anpassungstarife unterstuetzen und die Fuenf-Jahresvertraege schuetzen
wird, die sich auf den groessten Teil der Automobil-Industrie erstrecken.
Im Jahre 1949 habe die Gewerkschaft ihr Hauptaugenmerk auf die
Sozialversicherung gerichtet. Dadurch, dass sie kurz nach dem Kongress
in Milwaukee den Vertrag mit den Ford-l.'erken als Musterbeispiel erklaert
habe, haette sie klar zu erkennen gegeben, dass 1949 das Jahr war, in
dem die Automobilarbeitergewerkschaft die Absicht hatte, mit den bestehenden bisherigen Wirtschaftlichen und moralischen Masstaeben der
Automobil-Industrie aufzuraeumen.
'".Vir waren der Auffassung", erklaerte Reuther woertlich, "dass eine
Industrie, die es sich erlauben kann, Betriebsleitern hohe Pensionen zu
zahlen, obwohl diese nicht darauf angewiesen sind, auch den Arbeitern
Pensionen zahlen muss, die sie wirklich brauchen."
Der mit den Ford-..'erken abgeschlossene Pensionsvertrag war der erste,

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�in dem drei grundlegende Prinzipien verankert waren, die fuer einen
gesunden Pensionsplan notwendig sind, - naemlich ein Pensionsplan,
fuer den die Arbeiter keinerlei Abgaben zu entrichten haben und der
allein von den Unternehmern finanziert wird, ferner Pensionszahlungen,
die durch einen wirklich gesunden Pensionsfonds gesichert sind, zu
dem die Unternehmer beisteuern muessen, damit die Kosten fuer fruehere
und zukuenftige Unterstützungen an die Arbeiter gedeckt werden
koennen, und ein gemeinsamer Verwaltungsausschuss, der die Durchführung des Planes ueberwacht und von den Vertretern der Gewerkschaft
und der Gesellschaft paritaetisch besetzt ist.
Diese neu aufgestellten Prinzipien haben die Sozialversicherungsunterstuetzungsmassnahmen fuer das gesamte amerikanische Volk verbessert.
"Unsere Ziele", erklaerte der Vorsitzende der Automobilarbeitergewerkschaft, "gehen dahin, unseren Arbeitern eine iündestpension von
200 Dollar zu sichern und darueber hinaus durchzusetzen, dass sie beim
Wechsel ihres Arbeitsplatzes von einem Unternehmen zu einem anderen
ihren Pensionsanspruch nicht verlieren."
In Detroit und Toledo sei bereits ein Anfang gemacht worden. Hier
kann ein Arbeiter seinen Arbeitsplatz innerhalb einer bestimmten Gruppe
von Unternehmen wechseln, ohne den Anspruch auf Pensionen zu verlieren,
weil ein gemeinsamer Pensionsfonds besteht.
tfM Gesundheits- und aerztliche Betreuungsprogramme sowie Krankenund Invalidenversicherung betrifft, seien in den kleineren Unternehmen
groessere Fortschritte als in den grossen erzielt worden. Die Automobilarbeitergewerkschaft habe Vertraege abgeschlossen, die sich auf nahezu
1.250.000 Arbeiter erstreckte und in denen woechentliche Kranken- und
Invalidenunterstuetzungen von 28 und 45 Dollar vorgesehen seien.
Im Rahmen dieser Pensionsprogramme gelang es, die Unternehmer zu
bewegen, die Kosten fuer Lebensversicherungen fuer pensionierte Arbeiter
zu tragen. Der Verkauf von ArbeitsVersicherungen sei jedoch noch immer
ein eintraegliches Geschaeft. Die Gewerkschaftsmitglieder zahlen noch
immer durch ihren Beitrag zur Versicherung Millionen von Dollar, die
durch allerlei Vereinbarungen der Unternehmer mit den Versicherungsgesellschaften der Industrie wieder zufHessen.
Auf dem naechsten Jahreskongress wird Reuther die Delegierten auffordern, die Gruendung einer Versicherungsgesellschaft der Automobilarbeitergewerkschaft zu billigen, die ohne Gewinn arbeiten soll. "Die
Gewerkschaft sei gross genug," sagte Reuther, "um ihre Mitglieder auf
gegenseitiger Basis selbst zu versichern und betraechtliche Betraege
fuer die Arbeiter zuruecklegen zu koennen.
Es ist mit Sicherheit damit zu rechnen, dass auf dem AutomobilArbeiter-Kongress im April eine Erhoehung der Gewerkschaftsbeitraege und
d»r Kopfsteuer beschlossen wird. Die Beitraege sind seit 1946 nicht erhoeht worden. Sie sind die niedrigsten aller groesseren Gewerkschaften
Amerikas (monatlich 1,50 Dollar) und, nach Aussage Reuthers, reichen sie
nicht aus, um die Unkosten der Gewerkschaft im Jahre 1951 zu decken.
Der naechste groessere Schritt der Gewerkschaft auf dem Gebiet der
Tarifverhandlungen ist der Kampf um einen garantierten Jahreslohn.
Reuths»' erklaerte, die Zeit der langfristigen Vertraege wuerde ausgenützt werden, um Unterlagen zu sammeln und vorzubereiten, um die Forderung
nach einem festgesetzten Jahreslohn rechtfertigen zu koennen.
Er versprach ferner, dass die Gewerkschaft in Uashington ihren Kampf
um eine gerechte Verteilung der Lasten und ein Mobilisierungsprogramm

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�fortsetzen werden.
Labor News fron the United States
February 16, 1951

LOHNENTUICKLUNGEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Die fortgesetzten und weitverbreiteten Bestrebungen nach einer
allgemeinen Erhoehung der Loehne hat im Lohnabkommen zwischen der U.S.
Steel Corporation und der Stahlarbeitergewerkschaft des CIO im November
vorigen Jahres ihren Hoehepunkt gefunden» Fast unmittelbar danach
folgten aehnliche Abkommen mit anderen bedeutenden Stahlerzeugern.
Die Stahlarbeitergewerkschaft Amerikas (CIO) hat mit den zwei
groessten Stahlerzeugern, der U.S. Steel Corporation und der Bethlehem
Steel Corporation Vertraege abgeschlossen und in neun Stahlfabriken sind
im Laufe des Monats November "Union-Shop"-.'ahlen zu den Gunsten der
Gewerkschaften entschieden worden.
Der Vertrag mit der U.S. Steel Corporation, der am 30. November nach
sechs-woechigen Verhandlungen abgeschlossen wurd^, sah, mit Wirkung vom
1. Dezember Lohnerhoehungen von durchschnittlich 16 Cents pro Stunde vor.
Diese Erhoehun;;en variieren von mindestens 12|- Cents pro Stunde fuer die
niedrigsten Lohngruppen bis zu 28 Cents fuer die hoechsten. Die Arbeiter
in den Fabriken der Tennessee Kohle -Eisen-und Eisenbahn-','erken erhalten
zusaetzlich 4«? Cents pro Stunde, wodurch die Ortsklassenunterschiede in
den noerdlichen und suedlichen Zweigbetrieben der U.S. Steel Corporation
um 10 Cents reduziert werden. An der Ablauffrist des bestehenden Vertrages, naemlich dem 31. Dezember 1951, aendert sich nichts.
Nur wenige Stunden nach der Unterzeichnung des Vertrags mit der U.S.
Stsel Corporation wurde ein Abkommen mit der Bethlehem Steel Corporation
erzielt, in dem aehnliche Lohnerhoehungen vorgesehen sind. Unmittelbar
hierauf folgten Vertraege mit der Jones und Laughlin Stahl Corporation,
Republic Stahl Corporation, Youngstown Blech-und Roehren-Corporation
und Allegheny Ludlun Stahl Corporation, in denen aehnliche Bestimmungen,
wie in dem Vertrag mit den U.S. Steel ',,'erken enthalten sind.
V/aehrend im November Lohnverhandlungen gefuehrt wurden, fuehrte der
Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen gemaess dem Gesetz ueber ArbeitgeberArbeitnehmer Beziehungen aus dem Jahre 1947 in neun stahlerzeugenden
Unternehmen "Union-Shop"-'.'ahlen durch.
In allen Betrieben sprach sich die Mehrzahl der Arbeitnehmer fuer den
"Union-Shop" aus und ermoeglichte es damit der Gewerkschaft, in den Tarifverhandlungen mit UnternehmernMUnion-Shop^BestimcBungen zu vereinbaren.
Im groessten Zweigunternehmen der U.S. Steel Corporation, der CarnegieIllinois Steel Corporation, stimmten nahezu 63.000 von 82.000 stimmberechtigten Arbeitnehmern mit etwa 3:1 Stimmen fuer den "Union-Shop". "UnionShog"-Uahlen wurden ferner in folgenden Unternehmen durchgefuehrt: National
Roehren Company, Ailegheny-Ludlum Stahl Corporation, American Stahl und
Draht Company, American Bridge Company und Laughlin Steel Corporation,
Crucible Steel Company und Sharon Steel Corporation.
Ende Oktober fuehrte der Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen Vertreterwahlen fuer die Arbeitnehmer der ','eirton Steel Corporation in Ueirton
('.'est-Virginia) durch. Die unabhaengige Stahlarbeitergewerkschaft setzte
sich dabei mit 7.291 gegen 3.454 Stimmen gegen die Stahlarbeitergewerkschaft des CIO durch. Nur 267 Stimmberechtigte beteiligten sich nicht an

- 11 -

�der Abstimmung.
Etwa 17.000 Arbeitnehmer der Yfestern Electric Company aus 43 verschiedenen Staaten und 16.000 Arbeiter, die bei der Michigan Bell
Telephone Company beschaeftigt sind, traten am 9. November in den Streik,
weil man sich nicht mit den Unternehmern ueber Loehne und die Dauer der
Tarifvertraege einigen konnte. Der Streik hielt an, und die Arbeiter
stellten vor den Telephonfabriken und Bueros bis zum 19. November Streikposten. Zu diesem Zeitpunkt kamen neue Vertraege zwischen den Unternehmern und der Gewerkschaft der Telephon-und Telegraphenarbeiter (CIO)
zustande.
In den Tarifvertraegen der Vestern Electric Company sind Lohnaufbesserungen fuer Installationsarbeiter von durchschnittlich 11,3 Cents
pro Stunde, von 10,3 Cents fuer Lagerarbeiter und 10,1 Cents fuer
Produktionsarbeiter in der Fabrik in Haverhill vorgesehen, die der
Company gehoert. Alle diese Vertraege haben eine Gültigkeitsdauer von
15 Monaten und laufen am 15. Februar 1952 ab. In dem Tarifvertrag der
Michigan Bell Company werden die Lohnerhoehungen der Arbeiter von Detroit
von 3 Dollar auf 5 Dollar woechentlich heraufgesetzt. Ortsklassenunterschiede zwischen Detroit und kleineren Staedten wurden durch eine Neuklassifizierung 63 verschiedener Staedte reduziert. Dadurch wurden die
Wochenloehne stellenweise um 9 Dollar erhoeht.
Am 19. November wurde von den vier groessten Fernsehsendern und der
sogenannten "Television Authority" ein vorlaeufiger Zwei-Jahresvertrag
unterzeichnet. Diese Organisation repraesentiert etwa 25.000 Angestellte
des Rundfunk- und Fernsehwesens, die fuenf Zweigorganisationen der Gewerkschaft der Schauspieler und Kuenstler Amerikas (AFL) angehoeren,
naemlich der amerikanischen Schauspieler-Vereinigung, dem amerikanischen
Verband der Rundfunkkuenstler, der amerikanischen Gilde der Musiker, der
Gilde der Variete -Kuenstler und der Vereinigung der Chorsaenger.
In dem Vertrag wurden folgende Mindestloehne festgesetzt:
1. Fuer Schauspieler 50 bis 170 Dollar pro Vorfuehrung je nach
der Zahl der Zeilen, die zu sprechen sind, der Dauer der Vorfuehrung und der Zahl der erforderlichen Probenstunden.
2. Fuer volkstuemliche Darbietungen 200 Dollar fuer einen einzigen
Auftritt bis zu 475 Dollar fuer vier Auftritte.
3. Fuer Sportberichterstatter 200 Dollar fuer jeden Bericht einer
groesseren Veranstaltung oder 550 Dollar woechentlich fuer
sieben Veranstaltungen der gleichen Sportart.
Auf provisorischer Basis wurde auch ein Abkommen zwischen den bedeutendsten Rundfunksendern und der amerikanischen Gewerkschaft des Rundfunkpersonals abgeschlossen. In ihm ist eine Erhoehung der Mindestlohntarife von 15 bis 20# vorgesehen, was sich auf etwa 5.000 Schauspieler
und Sprecher des Rundfunks auswirken wird.
Nahezu 60.000 Mitgliedern der Internationalen Gewerkschaft der Damenoberbekleidung sarbeiter (AFL) in New York, New Jersey und Connecticut
wurde von Sol A. Rosenblatt, dem unparteiischen Vorsitzenden der Industrie
fuer Damenmaentel und -Kostueme in New York, mit 'Tirkung vom 20. November
eine Lohnerhoehung von fuenf Dollar in der 'Joche gewaehrt. Die Gewerkschaft
und die Unternehmer hatten sich an Rosenblatt gewandt, nachdem sie auf dem
Verhandlungsweg keine Einigung erzielen konnten. Die Stundenloehne der
Arbeiter wurden um 142 Cents erhoeht. Die Lohnerhoehungen fuer Akkordarbeiter werden auf prozentualer Basis errechnet.
David Dubinsky, der Vorsitzende der Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft, erklaerte, dass diese Lohnerhoehung bahnbrechend sein wuerde,

-12-

�um fuer 370.000 weitere Mitglieder der Gewerkschaft in den Berufen und
Industriezweigen der Bekleidungsherstellung im Zustaendigkeitsbereich
der Gewerkschaft Lohnerhoehungen aufgrund der Steigerung der Lebenshaltungskosten durchzusetzen.
Nachdem das Buero fuer Arbeitsstatistik im November mitgeteilt
hatte, dass der Verbraucherpreisindex in der Zeit vom 15. Juli bis
15 Oktober von 172,5 auf die zuvor nie erreichte Zahl 174,8 gestiegen
sei, wurde etwa einer Million Arbeiter aufgrund dieser Erhoehung eine
Lohnaufbesserung gewaehrt. Vor allem kamen hierfuer mehr als 600.000
Arbeiter der Automobilindustrie in Frage, in deren Tarifvertraegen
Stufen-Klauseln enthalten sind. Diese Automobilarbeiter erhielten mit
V.'irkung vom 1. Dezember Stundenlohnerhoehungen von drei Cents.
Am 12. November kam zwischen den Kugellagerwerken Timken und der
Stahlarbeitergewerkschaft des CIO ein Abkommen zustande, in dem 16.000
Arbeitern in sechs Betrieben in Ohio eine Lohnerhoehung von 10$ zugesprochen wurde. Der Vertrag, der bis Juli 1952 gueltig ist, enthaelt
keine Bestimmungen ueber eine Neuaufnahme von Lohnverhandlungen.
Eine Reduzierung der Grundarbeitszeit von 225 auf 210 Arbeitsstunden im lionat ohne einen finanziellen Verlust wurde von einem Krisenausschuss des Praesidenten zu Anfang November fuer 1.800 Pullman
Lokomotivfuehrer vorgeschlagen. V.'enn das Pullman-Unternehmen und die
Gewerkschaft der Lokomotivfuehrer im Staate Indiana mit diesem Vorschlag
einverstanden waere, wuerde sich eine Lohnerhoehung von etwa 10 Cents
pro Stunde ergeben.
Die Elektrogesellschaft Mestinghouse und die Gewerkschaft der Vereinigten "lektro-, Radio- und Ilaschinenarbeiter schlössen einen neuen
Vertrag ab, durch den 19.000 Arbeiter in 21 Betrieben rueckvirkend zum
18. Dezember Stundenlohnerhoehun en von 10 Cents erhalten. Der Vertrag,
der mit ','irkung von 1. November ein Jahr Gueltigkeit hat, sieht vor, dass
fuenf Monate nach Inkrafttreten des Vertrags neue Lohnverhandlungen aufgenommen werden koennen.
Monthly Labor Review
1/51

DIE INVALI^NUNT^tSxUJTZUNG IN DER US-BEKLEIDUMGSINDUSTRia
Von den Gewerkschafts- und Unterneiimervertretern im Vereinigten
Versicherungsfonds ist fuer die gesamte Industrie vor kurzem ein Abkommen
getroffen worden, nach den die Arbeiter der Herren- und Kiwbenbekleidungsindustrie, die total und dauernd erwerbsunfaehig sind, Pensionen auch dann
erhalten, wenn sie das Pensionsalter von 65 Jahren noch nicht erreicht
haben.
Funktionaere der Gewerkschaft der Bekleidungsarbeiter Amerikas und
der Arbeitgebervereinigung erklaerten, dass damit zum erstenmal auf
industrieweiter Basis dauernd und total Erwerbsunfaehigen Pensionen gesichert seien.
Von den 150.000 Bekleidungsarbeitern, fuer die die Gewerkschaft
Tarifvertraege abgeschlossen hat, v/erden diejenigen Anspruch auf Invalidenunterstuetzung haben, die 20 Jahre in der Industrie beschaeftigt waren und
deren Arbeitgeber ,/iindestens zwei Jahre vor Beginn ihrer Unterstuetzungsberechtigung regelmaessig 3% ihres Y.'ochenlohnes in den Versicherungsfonds
gezahlt haben. Die Arbeitsunfaehigkeit muss nach dem 1. Juli 1947 einge-

- 13 -

�treten sein.
Ln Rahmen eines Pensionsplanes der Bekleidungsarbeitergewerkschaft,
der seit Januar 1947 Gueltigkeit hat, erhalten mehr als 6000 pensionierte
Bekleidungsarbeiter zusaetzlich zu ihren Pensionen aus der bundesstaatlichen Sozialversicherung monatlich 50 Dollar, wodurch ihr Gesamteinkommen auf durchschnittlich 116 Dollar pro Monat erhoeht wird, wenn
sie das 65. Lebensjahr erreicht haben. Diejenigen Bekleidungsarbeiter,
die vor Erreichen des 65. Lebensjahres Anspruch auf Invalidenunterstuetzung haben, erhalten monatlich 50 Dollar aus den Industriefonds.
Mit 65 Jahren steht ihnen eine zusaetzliche Unterstuetzung aus der bundesstaatlichen Sozialversicherung zu.
Labor News frora the United States
2/16/51

MAaSHALLPLAMADmtilS'lViATOa WILLIAM G. POSTER ZUR EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTSLAGE
Kurz vor seiner Abreise gab William G. Foster, der Administrator fuer
den Marshallplan, vor franzoesischen Journalisten ein Interview, das
folgenden Wortlaut hatte:
Kein Buerger der freien V.'elt braucht daran erinnert zu werden, dass
wir in einer Zeit grosser Gefahren leben. Wir werden mit kriegerischen
Massnahmen von jenen bedroht, die gern die Freiheiten zerstoeren moechten,
aber auch die Kulturen und die verschiedenen Lebensformen, die in Jahrhunderten hervorgebracht wurden.
Aber auch in dieser Zeit der Krise ist es selbstverstaendlich, dass
Schiessereien nieiiials in sich selbst eine Loesung der Probleme menschlicher
Beziehungen darstellen. Die Geschichte zeigt, dass es moeglich ist, einen
Krieg zu gewinnen und doch dabei versagen kann, eine bessere Loesung der
Hauptprobleme zu finden. Es ist deshalb eine dringende Notwendigkeit, dass
wir als freie Menschen auf friedlichem Wege wirkliche Loesungen suchen
muessen. Uir muessen, wie mein Freund Paul Hoffman es ausdrueckte, "den
Frieden weiterfuehren".
Wir muessen auch dann so handeln, wenn wir kluge und jetzt notwendig
werdende Schritte wie den der Wiederaufrüstung gehen. Das ist das Mittel,
das der freie Mensch jetzt ergreifen muss. Es lehnt die These des
Schiessens, des Bombenwerfens und aller den Krieg begleitenden Schrecken
ab.
Wir sind uns darueber im klaren, dass unsere Ruestung, die in Verbindung mit militaerischer Bereitschaft steht, Bestandteile moralischer,
politischer und wirtschaftlicher Natur enthalten muss.
Mein Hauptinteresse liegt natuerlich beim Marshallplan. Der moralische
und politische Glaube, den die alte Welt mit der neuen teilt, findet jetzt
seinen wirtschaftlichen Ausdruck in den vereinten Anstrengungen, die
materiellen Lebensbedingungen der Maenner, Frauen und Kinder Westeuropas
zu erhoehen.
Die Marshallplanverwaltung hat wiederholt ihr Interesse zum Ausdruck
gebracht, die europäische Produktion zu steigern, und zwar nicht allein
durch den Export, obgleich dieser ein Schluessel zum besseren europaeischen
Lebensstandard ist. Aber wir begruessen jede hoehere Produktion, da es

- 14 -

�dann mehr industriell hergestellte Gueter gibt, die unter den
europaeischen Voelkern zur Verteilung kommen koennen.
Die freien Gewerkschaften bestehen darauf, dass die Arbeiterschaft einen gerechten Anteil an den Erfolgen ihrer Arbeitsleistungen
hat.
Dies ist gerecht und selostverstaendlich, aber die Marshallplanlaenderrauesseneinen weit groesseren Produktionsurafang erreichen,
damit die Anteile fuer jeden einzelnen groesser werden koennen. Ich
habe der Verwaltung fuer europaeische wirtschaftliche Zusammenarbeit
vorgeschlagen, dass Kuropa seinen jaehrlichen Ausstoss von dem Stande
des letzten Jahres mit 160 Milliarden Dollar auf 260 Milliarden in
diesem Jahre steigert. Das kann durchaus erreicht werden. Die Vereinigten Staaten mit nur 150 Millionen Einwohnern haben im Gegenaat»
zur westeuropäischen Bevoelkerung mit 270 Millionen fuer fast 300
Milliarden Dollar Gueter produziert.
Ich glaube, dass dieses Ziel sogar erreicht werden kann und die
notwendigen Anstrengungen mit ganzem Herzen durchgeführt werden, wann
am 30. Juni 1952 der Marshallplan zu Ende geht. Bei der Groesse der
Verteidigungsaufgaben, die uns von der kommunistischen Ruestung aufgezwungen werden, und die immer klarer werden, rueckt die Notwendigkeit fuer gesteigerte europaeische Produ-ctionsanstrengungen immer
schaerfer in den Blickpunkt.
Es ist der einzige V.'eg, den Lebensstandard auf einer vernuenftigen
Ebene zu behaupten, waehrend gleichzeitig eine staerkere 'Wirtschaft und
ein staerkerer militaerischer Schutz aufgebaut wird. Ich kann nicht
versprechen, dass dies leicht sein wird. Alle Formen wirtschaftlicher
Belastung werden jetzt der amerikanischen Wirtschaft auferlegt. Es ist
unvermeidlich, dass einige dieser Lasten sich in der Hilfe zurueckspiegeln, die wir Westeuropa geben koennen. Da wir jedoch das gleiche
Ziel haben, werden wir in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit die Wege
und Mittel finden, uns zu verteidigen, waehrend wir zu gleicher Zeit
gemeinsam daran wirken, den Frieden an allen Fronten zu erhalten.
General Marshall sagte, als er ueber die Wirtschaftliehe Erholung
Westeuropas sprach, dass beinahe ein Wunder vollbracht worden sei. Es
liegt heute an uns, um ein gleiches Wunder fuer die moralische,
politische, wirtschaftliche undrailitaerischeStaerke unseres Gebaeudes
zu erbitten und zu erarbeiten. Das ist das Licht der Zukunft, fuer das
wir geraeinsam voranschreiten muessen.

REGIERUNGSANGESTELLTE IN CHILE ERHALTEN GEHALTSAUFBESSERUNGEN
In Chile wurde eine 35prozentige Gehaltserhoehung fuer die etwa
100.000 Angestellten der chilenischen Regierung gesetzlich angeordnet.
Ausserdem sollen die Angestellten zwoelf verschiedener Beschaeftigungsgruppen der Regierung in hoehere Gehaltsgruppen eingestuft werden. Alle
Angestellten, die nicht hoeher eingestuft werden, erhalten eine Lohnerhoehung, die einer hoeheren Einstufung um eine volle Gehaltsgruppe entspricht. Fuer die Angestellten der juristischen Faecher ist zusaetzlich
zu der 22.6 prozentigen Gehaltsaufbesserung eine Erhoehung um 20$ vorgesehen. Familienzulagen werden um 66$ erhoeht. In dem gleichen Gesetz•
wird eine Erhoehung der Steuern vorgenommen, um die Gehaltsaufbesserungen
finanzieren zu koennen. Erhoehungen sind weiter vorgesehen fuer die
Einkommensteuern bestimmter Gruppen und fuer Steuern auf bestimmte Verbraucherartikel. Die Bestimmungen fuer Einkommensteuern sind rueckwirkend
zum 1. Januar 1950 geltend und beziehen sich demnach auch auf das Einkommen des Jahres 1949»
Notes on Labor Abroad
m/50

- 15 -

�\

DIE GEIJERKSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IN BURMA
Am 21. September 1950 hat der Lxekutionsausschuss der Friedensliga
antifaschistischer Voelker (AFPFL), eine Koalition von Parteien,
Organisationen und Einzelpersonen, den Vorsitzenden und Vizevorsitzenden
des burmesischen Gewerkschaftsbundes (TUC) und diesen Gewerkschaftsbund
selbst solange aus seinen Reihen ausgeschlossen, bis diese beiden
Funktionaere durch andere ersetzt sind. Es handelt sich um Thakin Lwin
und Thakin Hla Kywe, die sowohl auf politischem als auch auf gewerkschaftlichem Gebiet fuehrende Persoenlichkeiten sind. Die einzige legale
burmesische Gewerkschaftsfoederation ist zurzeit der obengenannte Gewerkschaftsbund, der unter der Schirmherrschaft der sozialistischen Partei im
Jahre 1945 gegruendet wurde, und den wichtigsten Bestandteil der AFPFL
bildet. Der TUC Burmas zaehlte gegen Ende des Jahres 1949 etwa 100.000
Mitglieder. Unterrichtete Beobachter bezeichneten diese Massnahmen der
AFPFL als einen der bedeutendsten politischen Schritte, die die Regierung
in Burma seit der Festnahme der komnunistisehen Fuehrer nach dem offenen
Aufruhr im Jahre 1948 unternojamen hat. Nach ihrer Auffassung bringt sie
die Entschlossenheit der Regierung und der sozialistischen Fuehrer zum
Ausdruck, den kommunistischen Einfluss auf die Gewerkschaftsoewegung endgueltig zu beseitigen.
Der Exekutivausschuss der AFPFL hat die beiden Funktionaere ausserdem aufgefordert, ihre Mandate im Parlament niederzulegen, die sie aufgrund ihrer Zugehoerigkeit zur AFPFL erlangt hatten. Diese Beschluesse
wurden von Premierminister Thakin Nu in seiner ?Ugenschaft als Vorsitzender
der AFPFL bekanntgegeben. Als Begruendung wurde angegeben, dass die beiden
Gewerkschaftsführer die Programme und Taetigkeiten der AFPFL staendig
bekaerapft und ins Laecherliche gezogen haetten und durch die Zersetzung
der AFPFL eine Konkurrenzorganisation ins Leben rufen wollten. Der
Premierminister erklaerte ferner, dass sie Reden gehalten haetten, deren
Inhalt mit den Grundsaetzen der AFPFL nicht zu vereinbaren sei.
Thakin Lwin hatte am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, den burmesischen
Gewerkschaftsbund TUC aufgefordert, sich dem kommunistischen Ueltgewerkschaftsbund anzuschliessen. Thakin Hla Kywe hatte am 5. September 1950
in einer Rede die militaerischen Operationen der Nordkoreaner in SuedKorea unterstuetzt.
Im Monat Oktober hatten Thakin Lwin, Thakin Hla Kywe und sieben andere
Mitglieder des burmesischen Gewerkschaftsbundes ihre Aemter in Ausschuessen
und Komitees der Regierung niedergelegt, mit denen sie als Mitglieder der
AFPFL betraut worden waren. Nach 12taegigen Verhandlungen reichten die
beiden Funktionaere ihre Ruecktrittsgesuche beim TUC ein und der Exekutivausschuss dieser Organisation beschloss sie anzunehmen.
Zum Praesidenten des TUC wurde der frühere Hauptkassierer dieser
Organisation Thakin Lu Aye ernannt. Vizevorsitzender wurde Thakin Tin
Nyunt, der parlamentarische Sekretaer des Arbeitsministeriuias, der lange
von seinem Amt als Generalsekretaer des TUC beurlaubt war. Thakin Khin
Zaw wurde vom geschaeftsfuehrenden zum staendigen Generalsekretaer der
Organisation befoerdert. Der Exekutivausschuss bewarb sich sodann um den
VJiederanschluss des TUC an die AFPFL, und am 29. Oktober kuendigte der
Exekutivausschuss der AFPFL an, dass er diesem Ersuchen stattgegeben habe.
Vor wenigen Tagen erst setzten sich Thakin Lwin und Thakin Hla Kywe"
an die Spitze einer Gruppe linksorientierter Kreise, die aus der
sozialistischen Partei austraten und die Absicht hatten, eine neue
burmesische Arbeiter- und Bauernpartei zu gruenden. Die sozialistische
Partei hat dazu entsprechende Liassnaiimen unternommen, um eine Zersetzung
der Arbeiter- und Bauernorganisation zu vermeiden.
Notes on Laoor Abroad
XI1/50

- 16 HTnv. n m* M ..iLii •• &gt;• n -

�Internationale

ARBEITSMTTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 9

Frankfurt, 2. Maerz 1951
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

CIO schlaegt Steuerprogramm zur Finanzierung der
Verteidigungsausgaben vor
Die Tagesordnung fuer die 12. Sitzung des M r t schafts- und Sozialrates der Vereinten
Nationen

1

3

US-Gewerkschaftsfunktionaere in Regierungsstellungen berufen

4

Der amerikanische Gewerkschaftssender WFDR

5

US-Gewerkschaftsfuehrer antwortet den Isolationisten

6

Hohe Geldstrafe fuer illegalen Streik einer
amerikanischen Gewerkschaft

13

Soziale Fortschritte in den Renault-Werken

14

Bezahlung nach Leistung fuehrt zu hoeherer
Produktion

16

CIO SCHLAEGT STEÜBRPR03RAMM ZUR FINANZIERUNG DER VERTEIDIGUNGSAUS3A3EN VOR
Der Wirtschaftsberater des CIO, Stanley Ruttenberg, hat am
21. Februar vor dem zustaendigen Ausschuss des Weissen Hauses
zum Ausdruck gebracht, dass die 16 Milliarden Dollar Steuern,
die zur Finanzierung der Verteidigungsausgaben gebraucht werden,
nicht die niedrigen Einkorumensgruppen treffen duerften.
"•Venn man die Moeglichkeiten uebersieht, die sich zur
Erhebung dieses Betrages bieten, wird man feststellen, dass der
einfache Weg nicht unbedingt der richtige sein muss," sagte er.
- 1

�Er wies auf die Gefahren hin, die entstuenden, wenn man die
Steuerlast den Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen
aufbuerden wolle, weil man der Meinung sei, dass diese Steuern
am leichtesten einzutreiben seien.
"Die Ungerechtigkeit dieser Steuertheorie duerfte fuer alle
offensichtlich sein. Millionen von Familien haben keine Mittel
im Ueberfluss, durch die die Nachfrage nach knappen Waren gesteigert werden koennte. Millionen smerikanischer Familien
haben kaum genuegend Einkommen, um sich die Mindestausgaben, dl«
fuer ein angemessenes Familienleben notwendig sind, leisten zu
koennen. Eine weitere Erhoehung der Steuern dieser Familien
wuerde ihnen die Moeglichkeit nehmen, die Waren zu kaufen, die
fuer die Erhaltung der Gesundheit und ein anstaendiges Dasein
wesentlich sind."
Das Steueraufkommen koennte nach Auffassung Ruttenbergs
dadurch vermehrt werden, dass man bestehende Luecken im Steuergesetz schliesst, was eine Erhoehung um 4,5 bis 5 Milliarden
zur Folge haette, dass ferner neue Steuern fuer Gesellschaftsunternehmen festgesetzt wuerden, was eine Steigerung um 8 oder
9 Milliarden Dollar ergeben wuerde, und dass man schliesslich
die Einkommensteuer fuer Privatpersonen erhoeht und das Steueraufkommen dadurch um 3,5 bis 4 Milliarden Dollar vermehrt.
Zu dieser Einkommensteuer schlug Ruttenberg vor, dass
Familien mit einem Einkommen von weniger als 4000 Dollar
jaehrlich keine hoeheren Steuern als gegenwaertig zahlen sollen,
und dass solchen mit einem Einkommen zwischen 4000 und 5000 Dollar nicht so hohe Steuererhoehungen auferlegt werden sollen
wie den Familien mit hoeheren Einkommen«
Er forderte, dass die uebermaessigen Gewinne der grossen
Unternehmen mit 85 % besteuert werden, und dass andere Unternehmersteuern strenger gehandhabt werden muessten, "um grosse
Gewinne als Folge des Mobilisierungsprogramms zu vermeiden."
Es schlug folgende Massnahmen zur Schliessung der Luecken
in den Steuergesetzen vor, "die die Reichen auf Kosten der
Masse der Amerikaner noch reicher machen":
1. Die Bestimmung des Einkommensteuergesetzes ueber
Gemeinschaftseigentum muss abgeschafft werden, da sie den
Familien mit Einkommen von ueber 4900 Dollar jaehrlich ermoeglicht, 2,5 Milliarden Dollar an Steuern einzusparen.
2. Die Grundstuecks- und Geschenksteuer muss erweitert
werden, wodurch das Steueraufkommen um eine Milliarde Dollar
erhoeht werden kann.
3. Die Steuern fuer Kapitalgewinne muessen von den gegenwaertlgen 25 % auf mindestens 50 % erhoeht werden.
4. Steuerverguenstigungen fuer Zinsen aus staatliehen und
lokalen Wertpapieren muessen abgeschafft werden.
5. Von Dividenden- und Zinsenzahlungen muessen wie bei
Loehnen und Gehaeltern Steuern einbehalten werden.
6. Die gegenwaertigen Steuerverguenstigungen fuer Gewinnanteile fuer die Ausbeutung von Naturachaetzen muessen abgeschafft werden.
2 -

�7. Steuern muessen nach den regulaeren Steuersaetzen auf
solche Gewinne erhoben werden, die den obersten Betriebsleitern
grosser Unternehmen durch ihr Uebernahmerecht fuer Aktien entstehen, die sie zu Preisen kaufen koennen, die weit niedriger
als die regulaeren Marktpreise sind.
8. Die gegenwaertige "Ausgleichsteuer" fuer Lebensversicherungsgesellschaften muss ausgedehnt werden, um eine "ungerechtfertigte bevorzugte Behandlung" dieser Gesellschaften zu vermeiden.
Daily News Service
11/21/51
D I g TAGESORDNUNG FUER DIE 1 2 . SITZUNG DES WIRTSCHAFTE- UND
SÖZTALRATES DAR ygREiyiiar NATIÖNBE

Aus der vorlaeufigen Tagesordnung, die von den Vereinten
Nationen veroeffentlicht wurde, geht hervor, dass auf der Konferenz des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen,
die am 20. Februar in Santiago begonnen hat, mehrere Fragen zur
Debatte standen, die fuer die Gewerkschaftsbewegung von besonderer Bedeutung sind. Hierzu gehoertea:
1. Die Weltwirtschaftslage - in der Debatte zu dieser Frage
wurde der Vorschlag des IBFG fuer internationale Abmachungen ueber
Verbrauchsgueter zur Debatte gestellt, durch den die Preise der
lebenswichtigsten Verbrauchsgueter stabilisiert werden sollen.
2. Der Entwurf einer Vereinbarung ueber Menschenrechte und
Massnahmen zu ihrer Verwirklichung.
3. Zwangsarbeit und Massnahmen zu ihrer Beseitigung - Besprechung und Entscheidung ueber eine Entschliessung der Vereinigten Staaten und Englands zur Bildung einer gemeinsamen
Untersuchungskomission der Vereinten Nationen und der Internationalen Arbeitsorganisation, die bereits in der 11. Sitzung
eingebracht, aber bis zur 12* Sitzung vertagt worden war.
4. Gewerkschaftliche Rechte - Entscheidung ueber die
Behandlung der Beschwerden, die von acht Gewerkschaftsorganisationen wegen Verletzung gewerkschaftlicher Rechte gefuehrt wurden.
Diese Beschwerden wurden eingereicht von:
a) dem IBFG, der Sowjetrussland beschuldigt, die Interessen der Gewerkschaftsbewegung denen der kommunistischen Partei
untergeordnet zu haben und wirkliche Gewerkschaften voellig zu
unterdruecken;
b) dem Weltgewerkschaftsbund, der die Japanische Regierung
und die amerikanische Besatzungsmacht beschuldigt, die Japanischen
Arbeiter zu unterdruecken und sich zu weigern, der Japanischen
kommunistischen Partei die politische und soziale Betaetigung zu
erlauben;
c) der allgemeinen Union der spanischen Exilgewerkschaften,
(in Toulouse, Frankreich) die den Vorwurf erhebt, dass seit
Maerz 1939, "dem Zeltpunkt, als die falanglstlsche Diktatur die
politische Herrschaft ueber Spanien mit Gewalt an sich riss",
dem spanischen Arbeiter alle gewerkschaftlichen Rechte versagt
wurden. In der Beschwerde heisst es, dass die Bestimmungen der
sogenannten "vertikalen" Gewerkschaften, die In Spanien zur Zeit
gueltig sind, von der Regierung vorgeschrieben und den Arbeitern
aufgezwungen wurden. (Die klagefuehrende Gewerkschaft ist Mitglied des IBFG).
- 3 -

�d) der Gewerkschaft "De Metaal" (Amsterdam), die sich
darueber beschwert, dass verschiedene Unternehmer in der Metallindustrie den gewaehlten Delegierten hei der Ausfuehrung ihrer
Arbelt fuer die Gewerkschaft, der sie angehoeren, Schwierigkeiten machen, und sie sogar mit Entlassung bestraften. Die
Gewerkschaft fordert die Regierung auf, Massnahmen zum Schutze
der gewerkschaftlichen Rechte der hollaendischen Arbeiter zu
ergreifen. (Diese Gewerkschaft ist dem EVC angeschlossen, der
seinerseits Mitglied des IBFG ist.)
e) dem allgemeinen franzoesischen Gewerkschaftsbund CGT,
der kommunistisch orientiert ist und der der amerikanischen
Regierung und Mac Arthur vorwirft, die in der Charta der Vereinten Nationen enthaltenen Grundsaetze missachtet zu haben,
indem sie die japanische Regierung veranlasst haetten, die
Aufloesung des Zen-Ro-Ren, des Verbindungskomitees japanischer
Gewerkschaften (dem Weltgewerkschaftsbund angeschlossen) anzuordnen. Der Grund fuer diese Anordnung war dem CGT zufolge die
Verletzung des Besatzungsstatuts. (Der CGT gehoert dem Weltgewerkschaftsbund an.)
Von "Eeheidsvak Centrale" (Hollaendischer Gewerkschaftsbund Amsterdam) wurde die gleiche Beschwerde gefuehrt. Die Gewerkschaft ist ebenfalls Mitglied des Weltgewerkschaftsbundes.
f) der Union der Vereinigten Gewerkschaften Kameruns
(Duala, Franzoesisch-Kamerun), die den franzoesischen Behoerden
Unterdrückung der Gewerkschaften, Festnahme und Inhaftierung
bestimmter Gewerkschaftsfuehrer und das Unterlassen vorwirft,
ein demokratisches Arbeltsgesetz einzufuehren. (Diese Gewerkschaft ist kommunistisch.)
g) der allzyprischen Gewerkschaftsfoederation (Nicosia,
Zypern), die die Regierung Israels beschuldigt, den 5. Jahreskongress Arabischer Gewerkschaften verboten zu haben. (Diese
Foederation ist Mitglied des Weltgewerkschaftsbundes).
5. Regierungsunabhaengige Organisationen - dieser Punkt
ist fuer die Gewerkschaften von wesentlicher Bedeutung, weil
der Wirtschafts- und Sozialrat ueber die Gesuche des Internationalen Metallarbeiterverbandes und des Internationalen Verbandes Freier Journalisten um einen mitberatenden Status innerhalb des Rates entscheiden wird. Ueber die Bewerbungen zum
mitberatenden Status, die vom Internationalen Verband der
Handels-, Buero- und technischen Angestellten, Internationalen
Bergarbeiterverband und dem Internationalen Bekleidungsarbeiterverband eingereicht wurden, wird jedoch erst auf einer spaeteren
Konferenz des Wirtschafts- und Sozialrates entschieden werden.
US-GEWERKSCHAFTSFUNKTIONAERE IN REGIERUNGSSTELLUNGEN BERUFEN
Zwei fuehrende Gewerkschaftsfunktionaere wurden in hohe
Regierungsstellungen berufen. George M. Harrison, stellvertretender Vorsitzender der American Föderation of Labor und der
Vorsitzende der Bruederschaft der Angestellten der Eisenbahnund Schiffahrtsbetriebe, hat eine Stellung als Sonderbeauftragter
des Leiters des Amtes fuer wirtschaftliche Stabilisierung,
Eric Johnston, uebernommen, der er jedoch nur einen Teil seiner
Arbeitskraft widmen wird. Harrison erklaerte, dass er diesen
Posten uebernehmen werde, weil dieser eine wirkliche Moeglichkeit
in sich traegt, an der Formung politischer Entscheidungen teilzuhaben, soweit diese Angelegenheiten der wirtschaftlichen Stabilisierung und ihre Verwaltung betreffen.
- 4 -

�Der Vorsitzende der internationalen Vereinigung der
Maschinisten,A. J. Hayes, ist als Sonderbeauftragter in das
Verteidigungsministerium berufen worden, weil er sich mit den
Problemen der militaerlschen Arbeitskraefte beschaeftigen wird.
Hayes, der ein Vertreter fuer Frau Anna M. Rosenberg sein wird,
der stellvertretenden Sekretaerin im Verteidigungsministerium
fuer Arbeitskraft- und Personalfragen, erklaerte sich bereit,
auf der Grundlage von etwa zwei vollen Arbeitstagen in der Woche
ausschliesslich fuer dieses Amt zu arbeiten und je nach Bedarf
auch zu anderen Zeiten. Daneben wird er selbstverstaendlich
sein Amt als Vorsitzender der Maschinistengewerkschaft weiterfuehren.
DER.AMERIKANISCHE OEWERKSCHAFTSSENDER WFDR
Moechten Sie Fragen und Antworten ueber das neue Sozialversicherungsgesetz hoeren? Oder die letzten Nachrichten ueber die
Gewerkschaften in England? Moechten Sie wissen, womit die
Gewerkschaftsbewegung in New York beschaeftigt ist? Wuenschen
Sie Musik - klassische Konzerte, Jazz oder Opern?
Diese Fragen umschliessen die grosse Zahl der Themen, die
in einer Woche von dem ersten gewerkschaftseigenen und von der
Gewerkschaft betriebenen Rundfunksender WFDR behandelt werden
koennen. Der Sender ist Eigentum der Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft der AFL.
Der Sender, der nach Praesident Roosevelt benannt Ist und
zu den drei Stationen gehoert, die sich im Besitz der Damenoberbekleldungsarbeitergewerkschaft befinden, steht seit fast zwei
Jahren im Dienste der amerikanischen Metropole und der Gewerkschaftsbewegung. (Die beiden anderen Rundfunkstationen dieser
Gewerkschaft stehen (KFMV)in Los Angeles und (WVUN) in Chattanooga,
Tennessee). Ausserdem gibt es noch andere Sender der Gewerkschafte
Die Rundfunkstation WFDR ist in ihrem Programm bestrebt,
den vielseitigen Anspruechen ihrer Hoerer gerecht zu werden.
Die Hoererzahl dieses Senders hat sich seit einem Jahr verfuenffacht und belaeuft sich heute in New York auf ueber 50.000.
Der WFDR,'der in den neu ausgestatteten Studios im Gebaeude
der Internationalen Damenoeberbekleidungsarbeitergewerkschaft
untergebracht ist, ist unter der Leitung des Generalintendanten
Lou Frankel zu einem wichtigen Werkzeug der Gewerkschaft bei der
Verbreitung ihrer Nachrichten und Mitteilungen geworden.
Das Nachrichtenprogramm dieses Senders enthaelt Informationen
aus der Gewerkschaftsbewegung, die sich auf direkte Berichte
stuetzen und nicht nur eine Weitergabe uebermittelter Nachrichten
sind» Als zum Beispiel David Sulliman, der Vorsitzende der
Ortsgewerkschaft 32 B der Gewerkschaft Buerohausbedienstete
den Abschluss der TarifVerhandlungen ankuendigen sollte, fand
sich der WFDR mit seinem tragbaren Mikrofon ein und nahm die
Erklaerung Sullivans auf, in der er die Beendigung des Streiks
anordnete. 15 Minuten spaeter wurde der Bericht von dem Sender
durch den Aether verbreitet.
Als der Hauptkassierer der AFL Meany nach der Jruendun^ des
Internationalen Bundes Freier jewerkschaften aus London zurueckkehrte, war ein Reporter des WFDR mit seinem Mikrofon am Kai.
Wenige Stunden spaeter wurde der Bericht Meanys uebertra&lt;?en.
Der WFDR brachte im vergangenen Jahr zahlreiche Sfdungen

�ueber Samuel Gompers und sein Leben, in denen das Andenken dieses
grossen Arbeiterführers geehrt wurde.
Frank Edwards gibt allabendlich ueber den WFDR Nachrichten
der AFL. Dieser Sender ist ein Forum fuer die Gewerkschafter
aus aller Welt, die die Vereinigten Staaten besuchen. Im Mittelpunkt einer der besten Sendungen dieser Station stand vor kurzem
Irving Brown, der europaeische Vertreter der AFL.
Aber man glaube nicht etwa, dass das Programm des WFDR mit
unnuetzen Reden ueber Krisen und Bedingungen und dergleichen
ueberladen ist. Mit an erster Stelle steht im Programm ein
elementarer Musikunterricht, der nicht in der ueblichen Form
gegeben wird, sondern fuer die Erwachsenen zugeschnitten ist und
musikalische Debatten zwischen Anhaengern klassischer Musik und
den Jazzbegeisterten enthaelt. "Variety", die Wochenfibel der
Vergnuegungsindustrie, lobt diese Sendung in ihrer Kritikspalte
in den hoechsten Toenen.
WFDR ist eine Rundfunkstation fuer Erwachsene und ist ausserdem der Sender der Stadt. Bei der Ausarbeitung der Programme
sind immer zwei Fragen ausschlaggebend: Dienen sie der Gemeinschaft? Sind sie interessant? Wenn beide Antworten positiv
sind oder nur eine Moeglichkeit der Bejahung besteht, sagt sich
der WFDR, der jung, vorwaertsstrebend und optimistisch ist:
"Versuchen wir es!
US-GEffBRKSCHAFTSFUEHRER ANTWORTET DEN ISOLATIONISTEN
(Nachstehend werden Auszuege aus einer interessanten Rede
ueber aussenpolitlsche Fragen wiedergegeben, die
James B. Carey, der Hauptkassierer des CIO und Vorsitzende
der Gewerkschaft der Elektro-, Radio- und Maschinenarbeiter
(CIO) vor dem Industriellen Gewerkschaftsrat des CIO fuer
den Staat Ohio in Columbus gehalten hat. Carey, der Mitglied des oeffentlichen Beratungsausschusses der ECA ist,
wendet sich zugleich gegen Isolationistische Tendenzen.)
Die Welt von 1951 ist eine Welt der Unsicherheit, der
Furcht, der schrecklichen Gefahr, des Verrats, aber auch des
Mutes. Es ist ein Jahr, in dem niemand weiss, was der naechste
Monat bringen wird, ob Hoffnung oder Erfolg, Verzweiflung oder
Vertrauen, Leben oder Tod. Bis jetzt koennen wir noch nicht
wissen, wie weit Russland in seiner Sucht nach der Beherrschung
menschlicher Seelen und der Menschen selbst gehen wird. Wir
wissen heute noch nicht, ob die sowjetischen Heuschrecken am
31. Dezember 1951 den groessten Teil Asiens und ganz Europa,
mithin drei Viertel der Weltbevoelkerung, verschlungen haben
werden, oder ob dieser alte Plan Moskaus durch irgendwelche
militaerischen oder moralischen Mittel durchkreuzt werden wird,
oder ob der Kreml selbst in aufgibt.
Die Welt wird sich In diesem Jahr entscheiden muessen. Es
bleibt keine Zeit mehr zum Abwaegen, es bleibt auch nur sehr
wenig Zeit zum Experimentieren. Es bleibt praktisch nur noch
Zeit zum Handeln. Wenn wir dem russischen Volk beweisen koennen,
dass wirklicher Friede sich bezahlt macht, dann wird Russland
vielleicht auf diesem Wege die Tatsache einer Lebensauffassung
zur Erkenntnis gebracht werden. Wenn dies schnell gelingt, koennen wir ein Weltbollwerk des Friedens errichten, das niemand
zerstoerer. koennte.
Heute moechte ich von den Gefahren sprechen, die uns umgeben
6 -

�und meine Gedanken kreisen um die Frage, -wie wir uns verhalten
muessen, wenn wir einen Zusammenbruch der freien Welt, die wir
erhalten muessen, vermeiden wollen. Ich moechte Ihre Aufmerksamkeit auf die Rolle und die Verantwortlichkeiten lenken, die
der Regierung, den Unternehmern und den Gewerkschaften in diesem
Kampf zufallen.
Es scheint klar zu sein, dass wir alle in diesem Ringen
zusammenstehen muessen. Wenn wir diesen Kampf gegen den
Kommunismus verlieren, gibt es keinen Privatbesitz mehr, keine
freien Unternehmen und keine freien Bauern; die kleinen Unternehmen werden zum Bestandteil des Sowjetapparates werden, und
statt der freien Arbeiterschaft werden wir jene Art Sklavenarbeiter finden, wie wir sie jetzt in Osteuropa und China sehen.
In den kommunistischen Konzentrationslagern wird es keinen
Unterschied zwischen Demokraten und Republikanern geben, und
Hoover und Acheson wuerden unter den gleichen Kugeln der Exekutionskommandos fallen.
In der Frage, wie es sich seine Freiheit erhalten kann,
naehert sich Amerika einem Scheideweg. Es gibt zwei Wege, die
uns offenstehen, und wir muessen uns fuer einen entscheiden.
Es sind jedoch voellig entgegengesetzte Wege. Wenn wir den
einen einschlagen, koennen wir die kommunistische Aggression
abschlagen, die freie Welt erhalten und erweitern und nicht nur
die Ideale der Freiheit, sondern auch einen hoeheren Lebensstandard fuer uns selbst und fuer Hunderte von Millionen anderer
Menschen verwirklichen.
Auf dem zweiten Weg jedoch wuerden wir bestenfalls aus
Amerika eine nach aussen geschlossene Festung machen, die
nach und nach zu einem faschistischen Staat degenerieren wird,
der mehr und mehr Jenen Diktaturen aehneln wuerde, die wir heute
bekaempfen wollen.
Welches sind die beiden Wege also, die uns offenstehen?
Es ist einmal die zuletzt genannte Methode, die uns vorgeschlagen wird. Man schlaegt praktisch letzten Endes vor,
dass wir unsere demokratischen Freunde auf der ganzen Welt im
Stich lassen, weil sie "unzuverlaessig" seien, dass wir uns in
unserem Kampf gegen den Kommunismus allein auf jene "zuverlaeasigen" Streiter wie Franco, Tschiang-Kei-schek, den Kaiser von
Indochina und andere Ihrer Sorte verlassen, und dass wir uns
auf unsere Kuesten zurueckziehen und uns in unsere Luftschutzkeller verkriechen.
Ob man diesen Vorschlag nun "Neuorientierung " oder
"Isolationismus" nennt, die Theorie ist die gleiche. Diese
Leute meinen, es sei hoffnungslos, auch nur den Versuch zu
wap;en, das demokratische England und Frankreich, das sozialdemokratische Korwegen oder die Schweiz oder Italien zu verteidigen.
Sie meinen, wir sollten nur kaempfen, wenn Amerika selbst angegriffen wird. Die uebrige .Veit kann nach der Auffassung dieser
Theorien zum Teufel gehen.
Diese Theorie ist keinesfalls neu. Die gleichen Leute, die
jetzt in dem Kampf gegen den Kommunismus ihre Verfechter sind,

�predigten sie bereits im Jahre 1940, als es galt, den NaziFaschismus zu bekaempfen. Sie werden sich an jene Theorie
erinnern, die das Motto "Zuerst Amerika" (America First) predigte und deren politische Fuehrer die gleichen Leute wie heute
waren,denen von ihren Goennern aus der Grossindustrie Millionen
von Dollars fuer Propagandazwecke zur Verfuegung gestellt wurden.
Als England allein fuer die Demokratie kaempfte, wollten diese
"tapferen" Maenner der Gruppe "Zuerst Amerika" dieses Land und
ganz Europa im Stich lassen. Sie hatten nicht den Mut, sich fuer
die Demokratie einzusetzen. Das war zu kostspielig. Hoeren Sie,
was ein Senator im Jahre 1940 sagte, als Frankreich ueberrannt
und England vom Blitzkrieg bedroht war:
"Ich weiss nicht, was die Deutschen zu tun gedenken, und
niemand weiss es, solange der gegenwaertige Krieg nicht beendet
ist und sich den Deutschen keine Moeglichkeit bietet, ihre
Absichten zu zeigen. Wenn wir ihre Methoden kennen, koennen wir
sie mit den gleichen Methoden bekaempfen. Wir koennen die gleichen
Massnahmen treffen, die notwendig sind, um der besonderen Art
des deutschen Blitzkriegs zu begegnen, wenn es ueberhaupt einen
solchen Blitzkrieg gibt, und wenn wir herausgefunden haben, worin dieser Blitzkrieg eigentlich besteht."
Diese bedeutsame Erklaerung hatte keinen anderen Sinn als:
"Lasst die Nazis den Krieg gewinnen, und wenn wir dann angegriffen werden, wollen wir ueberlegen, was zu tun ist."
Ist das praktisch nicht genau das Gleiche, was heute in dem
Kampf gegen den Kommunismus gesagt wird?
Als in den Jahren 1940 und 1941 Roosevelt zur gleichen
Zeit versuchte, sein Land wieder aufzuruesten, erklaerten
einige Grossindustrielle, es sei nicht noetig, dass wir mehr
Stahl, mehr Kupfer und mehr Aluminium haetten. Sie wollten die
uebliche Geschaeftstaetlgkeit und ueblichen Gewinne. Die organisierte amerikanische Gewerkschaftsbewegung war es, die die
Forderung stellte, das Land zu mobilisieren, um die Herausforderung der Nazis zurueckweisen zu koennen.
Die Politik dieser Vertreter der Isolationstheorie, die
staendig nach "freier Wirtschaft" und "Demokratie" rufen, war,
als sie sich zu entscheiden hatte, nichts anderes als eine
Politik der Abwehr. Sie hatten kein Vertrauen zur Demokratie oder
zur Freiheit. Sie waren bereit, beides aufzugeben.
Heute verfolgen sie die gleiche Politik. Waehrend die
Vertreter der Isolationstheorie grosse Reden gegen den Kommunismus
schwingen und eine Saeuberung von kommunistischen Elementen
fordern, werfen sie die Flinte ins Korn, wenn es wirklich gilt,
den Kommunismus zu bekaempfen.
Isolationismus und Kommunismus sind heute ungewollt ebenso
gute Verbuendete, wie es Faschismus und Isolationismus vor genau
zehn Jahren, in den Jahren 1941 und 1942, waren. Nur wenigen
naiven Menschen kann es heute noch als unwahrscheinlich erscheinen, wenn jene Theoretiker, in denen man rueckhaltlose Gegner
des Kommunismus vermutet, mit den Welteroberungsplaenen des Kreml
in Zusammenhang gebracht werden.
8 -

�Bewusst oder unbewusst stehen diese Theoretiker der "Neuorientierung" heute mit Joseph Stalin ebenso im Bunde wie vor
zehn Jahren mit Hitler und Mussolini.
Ist dies denn moeglich? Um zu beginnen: Heute kann nicht
einmal ein Spezialist angeben, welcher Unterschied in der Politik bestimmter Zeitungen, die die Neuorientierung oder den
Isolationismus vertreten und dem "Communist Daily Worker" besteht.
Seit der Invasion der suedkoreanischen Republik im Juni vorigen
Jahres haben beide Zeitungstypen unaufhoerlich den Abzugder
amerikanischen Truppen aus Korea verlangt. Beide haben gefordert,
dass die amerikanischen Truppen aus Asion und Europa zurueckgezogen werden. Beide Zeitungstypen haben letzten Endes erklaert,
dass die beiden Kontinente dem russischen Imperialismus auf Gnade
oder Ungnade ausgeliefert werden sollen. Beide Zeitungstypen
haben unaufhoerlich alle wichtigen Entscheidungen und Massnahmen
der Vereinten Nationen angegriffen und zu unterminieren versucht.
Die "Neuorientierung" dient aber noch auf andere Weise dem
Kreml. Diese amerikanischen Isolationisten verlangen heute genau
das, was sie in den Jahren 1940 und 1941 forderten, naemlich, dass
sich Amerika hinter seine beiden Ozeane zurueckzieht und sich in
einer Art gigantischem "Gibraltar" verschanzt, das von einer
feindlichen Welt vollkommen eingezingelt ist.
Stalin selbst koennte sich nicht mehr wuenschenl Er koennte
sich keine erfreulichere Kapitulation der Vereinigten Staaten
denken, als dass sie die demokratischen Nationen Europas und
Asiens im Stich lassen, die gerade zum erstenmal damit begannen,
der Demokratie den Weg zu ebnen. Wir wuerden der Sklavenwirtschaft Stalins unzaehlige Millionen von Maennern und Frauen ausliefern und ihm die unschaetzbar wertvollen Naturschaetze zweier
Kontinente zur Staerkung seines Kriegspotentials ueberlassen.
Ist
stehende
Wahnsinn
nennt es

es deshalb verwunderlich, dass selbst betont gegen Truman
Zeitungen, wie die "New York Herald Tribüne", diesen
nicht einmal als "Isolationismus" bezeichnen will? Sie
einfach "Zurueckzleherei".

Ich spreche so ernst zu Ihnen, wie Ich nur kann. Es gibt in
der heutigen Welt, der Walt der Atom- und Wasserstoffbombe, keine
Stelle, wo man sich vor dem Totalitarismus verbergen koennte.
Weder der Atlantische Ozean, noch der Stille Ozean oder der Nordpol bieten Schrankenl
Wir koennen uns nicht mehr in schoenen Worten ergehen oder
auf einer schoenen Etikette bestehen, wenn die Zukunft unserer
Nation auf dem Spiel steht und die Demokratie der ganzen Welt in
groesster Gefahr Ist. Wir muessen erkennen und auch offen zu
erkennen geben, dass jene Maenner, die befuerworten, dass wir
unsere Verbuendeten in diesem Kampf auf Leben und Tod aufgeben,
Verraeter sind. Isolationismus Ist heute die Fuenfte Kolonne des
Kommunismus. Isolationismus Ist ebenso unser Feind wie der Kommunismus, dem er dient. Unsere eigene Sicherheit als Nation und die
Errichtung einer demokratischen und friedlichen Welt haengen davon
ab, dass wir alles zurueckweisen, wofuer die "Neuorientierer"und
"Isolationisten" einstehen. Wir muessen uns zu unserer eigenen
Rettung und zur Rettung der Welt von jener gefaehrlichen Illusion
freimachen, dass wir ohne unsere Freunde weiterbestehen und dass
in einer Welt, die zu einem Fuenftel frei und zu vier Fuenfteln
versklavt ist, Friede herrschen koennte.
- 9

�Was wuerde sich in Amerika ereignen, wenn der Isolationismus
erfolgreich waere?
Ich denke, wir sehen bereits die ersten Anzeichen hierfuer.
Koennen wir nicht schon feststellen, dass der Isolationismus
jener Clicque, die auf Abwehr eingestellt ist, mit einer unamerikanischen Politik in unserem eigenen Lande verbunden ist?
Um es offen zu sagen, jene Leute haben dabei folgende Ziele Tor
Augen:
1. Sie werden versuchen, Amerika fuer unbestimmte Zelt in
eine geschlossene Festung umzuwandeln, waehrend die Kommunisten
die westliche Hemisphaere Stueck fuer Stueck an sich reissen sei es in Kanada, Suedamerika oder Westindien.
2. Sie werden diese Lage, die sie selbst heraufbeschworen
haben, dazu benutzen, das amerikanische Volk einzuschuechtern,
damit es ihnen im Jahre 1952 die politische Macht uebergibt.
3. Wenn sie erst einmal die Macht in Haenden haben, werden
sie das Gesetz zur Kontrolle subversiver Taetigkeiten und aehnliche Gesetze praktizieren, um jeden oder jede Gruppe auszurotten,
die nicht ihrer Meinung sind. Die freie Gewerkschaftsbewegung,
die freien Bauernvereinigungen, die freien buergerlichen Organisationen werden einer eisernen Kontrolle unterstellt werden. Die
Gefaengnisse werden sich mit politischen Haeftllngen fuellen.
4. Je groesser die kommunistische Bedrohung von aussen
wuerde, umso strenger wuerden die den Amerikanern auferlegten
Kontrollen, bis wir schliesslich die gleiche Diktatur haetten, die
wir bekaempfen wollen.
Dies ist kein verrueckter Traum. Es ist eine grimmige,
drohende Wahrscheinlichkeit. So waere es gekommen, wenn die
Isolationisten die Wahlen von 1940 gewonnen und die Regierung
damals kontrolliert haetten. Nur dann, glaube Ich, haetten sie
ihren Frieden mit den Nazis geschlossen.
Ich sage, dass dies ein moegllcher Weg ist. Sie moegen
erwidern, dass einige derer, die wuenschen, dass wir diesen
isolationistischen Weg einschlagen, keine Anhaenger der Diktatur
sind. Das mag zutreffen. Aber wenn wir alle in einem kommunistischen Konzentrationslager oder vor einem Exekutionskommando
enden, duerfte es da nicht voelllg gleichgueltig sein, ob diese
Theoretiker nur unwissende Narren und keine bewussten Faschisten
waren?
Welches ist der zweite Weg, den wir in diesem Jahr 1951
einschlagen koennen? Es Ist der Weg der Kameradschaft mit der
demokratischen Welt in der Erkenntnis, dass wir alle von Gefahren
umlauert sind, und dass es die Sache aller fuer Einen und Eines
fuer Alle Ist. Als freie Menschen ueberleben wir entweder zusammen, oder wir gehen gemeinsam unter.
Wir sind uns bewusst, dass Europa, das zwei verheerende
Kriege durchgemacht hat, nur mit groesstem Widerwillen an einen
dritten denkt. Wir wollen deshalb nicht ungeduldig und diktatorisch sein, sondern mit den freien Voelkern Europas in wahrer
Kameradschaft und wirklichem Verstaendnis zusammenarbeiten. Wir
lassen die Voelker Europas und das freie Asien wissen, dass wir
nicht nur die milltaerische Verteidigung,sondern auch die Moeglichkelten eines anstaendigen Lebensstandards mit ihnen teilen
werden. Wir haben klar herausgestellt, dass dieser Kampf nicht
10

�ein Kampf zwischen Kommunismus und Kapitalismus, sondern zwischen
Demokratie und Diktatur ist.
Sie sollen wissen, dass wir uns bis zur Erschoepfung aller
Koeglichkeiten an ihre Seite stellen werden, um eine kommunistische Aggression zu verhindern, und dass wir sie niemals im
Stich lassen werden.
Sie sollen wissen, dass Amerika nicht wuenscht, sie zu befehlen, sondern in Gemeinschaft und Kameradschaft eins mit ihnen zu
sein.
Das bedeutet, dass wir in Amerika .unsere Freiheit nicht nur
erhalten, sondern auch ausdehnen werden. Wir werden Opfer bringen,
soweit es uns moeglich ist. Wir werden unsere industrielle
Kapazitaet erweitern, weil wir gewiss sind, dass jetzt und nach
dieser kritischen Zeit eine unbegrenzte Nachfrage nach den Waren
bestehen wird, die das Leben bequem und annehmlich gestalten
koennen.
Wir werden Amerika zum Schauplatz der Demokratie und der
buergerlichen Rechte machen, weil wir nicht an der Liebe der
Amerikaner zur Freiheit zweifeln.
In diesem Kampf, der uns bevorsteht, werden es nicht die
Isolationisten sein, die in vorderster Front gegen den Kommunismus kaerpfen. Es wird wie immer die Arbeiterschaft sein. Denn
wir haben seit 30 Jahren auf der ganzen Welt gegen den Kommunismus gekaempft, und der Internationale Bund Freier Gewerkschaften
steht ganz vorn in der Verteidigungslinie der Demokratie. Es ist
seltsam und Ironisch, dass die Presse bereit ist, jene Isolationisten
zu unterstuetzen, wo es doch die Arbeiterschaft ist, die Tag fuer
Tag an vorderster Front steht und den kommunistischen Angriff
abschlaegt.
Es ist eine ironische und vielleicht tragische Tatsache,
dass gewisse Zeitungen alles aufbieten, um Isolationisten zu
unterstuetzen, obwohl diese zehn Jahre lang, zuerst vor der
nazistischen Bedrohung und jetzt vor der kommunistischen Gefahr,
mit Elindheit geschlagen waren. In Ihrem blinden Antagonismus
gegen Liberalismus und Arbeiterschaft war diese Presse bereit,
ein Unglueck fuer unsere Nation heraufzubeschwoeren, Indem sie
Isolationisten zu fuehrenden Stellungen verhalf.
Es ist seltsam und ironisch, dass grosse Geschaeftsunternehmen, die sich mit Laerm und Geschrei gegen vermeintliche
kommunistische Elemente in Washington wenden, sich weigern, an
dem Kampf gegen den Kommunismus sich zu beteiligen, solange ihnen
nicht ihre enormen Gewinne garantiert sind. Vor kurzem berichteten die Zeitungen, dass ein Stahlwerk Im Werte von 400 Millionen
Dollar aufgebaut wird, um die Produktion zu erweitern. Dieses
Unternehmen gab jedoch erst dann den Auftrag zu dieser Erweiterung, nachdem ihm die Regierung zugesichert hatte, dass es die
Kosten fuer das neue Werk in fuenf Jahren von dem zu versteuernden
Betrag abschreiben duerfe. Das helsst, dass die Regierung 300
Millionen Dollar der Gesamtkosten in Form von Steuereinsparungen
zurueckerstatten wird, die die Firma nicht zu zahlen braucht.
Die Gesellschaft wird also nur ein Viertel der Aufbaukosten bezahlen und trotzdem alleiniger Eigentuemer des neuen Werkes sein.
Das gleiche gilt fuer andere Unternehmen, die Aluminium herstellen,
und fuer die monopolistischen Kupferhersteller. Sie konnten vor
kurzem in einem Bericht des Kongresses lesen, wie unsere Verteidigung durch die Weigerung der monopolistisch denkenden Unternehmer,
- 11 -.

�die Nickelproduktion zu erweitern, aufgehalten wird.
Es Ist zugleich seltsam und ironisch, dass grosse Geschaeftsunternehmen nicht nur fortfahren koennen, mit kommunistischen
Gewerkschaften Geschaefte zu machen, sondern sogar versuchen,
kommunistische und antikommunistische Gewerkschaften gegeneinander
auszuspielen. Und dabei sprechen jene grossen Unternehmen
gewichtig von den Gefahren, die die freie Wirtschaft und die
amerikanische Lebensweise bedrohen.
Und wenn ich zur Ruestungsbehoerde gehe und ihr vorschlage,
denjenigen Unternehmen keine Ruestungauftraege zu geben, in denen
es kommunistische Gewerkschaften gibt, dann huellen sich diese
grossen patriotischen amerikanischen Gesellschaften und die
amerikanische Presse in Schweigen.
Was waere der Unterschied, wenn man eines der groessten Werke
der Elektroindustrie, in dem noch eine kommunistische Gewerkschaft an der Macht ist, nach Stalingrad verlegte, wo die Kommunisten
alles unter ihrer Kontrolle haben?
Wir Gewerkschafter haben im Jahre 1951 eine Riesenaufgabe
vor uns. Wir muossen dem amerikanischen Volk die beiden Wege
zeigen, die es einschlagen kann, und die Gefahren, die ihm
drohen, wenn es den 'Weg des Isolationismus und der Neuorientierung waehlt. Wir muessen das amerikanische Volk lehren, den
Kommunismus mit Waffen, Ideen und wirtschaftlicher Unterstuetzung
zu bekaempfen. Wir muessen ihm vor Augen fuehren, dass es ein '
Unglueck waere, die Diktatur in Europa und Asien beschwichtigen
zu wollen, denn je mehr Zugestaendnisse wir ihr machen, umso
staerker wird sie und umso schwaecher werden wir.
Wir muessen ebenfalls zeigen, dass es ein Unglueck waere, die
isolationistischen Tendenzen in unserem eigenen Land mit Konzessionen fuettern zu wollen, denn je mehr Konzessionen wir
machen, umso staerker werden sie und umso schwaecher werden die
Kraefte des Liberalismus und der Freiheit.
Wir muessen vor allem demonstrieren, dass der Kampf, den
unsere Regierung gegen den Kommunismus fuehrt, nicht von Erfolg
gekroent sein kann, wenn er nur von den Vertretern der Unternehmer
gefuehrt wird. An der Spitze muessen, ihnen gleichberechtigt,
Fuehrer der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung stehen, die die
Strategie, die Politik und die Massnahmen dieser umfassenden
"Operation Freiheit" dirigieren.
Unserer Sache ist im Ausland bereits grosser Schaden dadurch
zugefuegt worden, dass keine Leute aus der Gewerkschaftsbewegung
in den hoechsten und vollzugsberechtigten Behoerden unseres
Verteidigungsapparates sasser.
Wir muessen uns darueber im Klaren sein, dass der Kampf um
die buergerlichen Freiheiten, die Rechte der Arbeiterschaft,
einen anstaendigen Lebensstandard und um gleiche Opfer in der
Heimat notwendigerweise mit zu dem Kampf gegen die Diktatur und
die Aggression im Ausland gehoert. Wir koennen In der Welt nur
frei bleiben, wenn wir auch zuhause frei sind. Die gesamte
freie .jewerkschaftsbewegung Amerikas hat ueber den Vereinigten
Arbeitsausschuss ihr Programm Praesldent Truman unterbreitet.
Mit diesem Programm koennen wir vor dem amerikanischen Volk und
den Voelkern der ganzen Welt bestehen.
12 -

�vi/ir muessen den. amerikanischen Volk zeigen, dass trotz der
Verleumdung der Gewerkschaftsbewegung waehrend der letzten Wahlen
wir keine Interessen haben, die mit der vVohlfanrt unseres Landes
und Volkes nicht zu vereinbaren waeren. Wir muessen durch unsere
Handlungen und unsere erzieherische Arbeit beweisen, dass es im
Verlauf der gesamten rrescuichte unseres Landes immer wieder die
Gewerkschaftsbewegung gewesen ist, die fuehrend im Kampf um eine
bessere Demokratie stand. Und auch heute sind wir wieder dazu
bereit. Wir wuenschen, uns mit allen Kaennern und Frauen, die
guten Willens sind, zu vereinigen, ganz gleich, ob sie Republikaner
oder Demokraten, Geschaeftsleute oder Bauern, Rechtsanwaelte oder
Aerzte sind.
ECA Labor Information
1/17/51
HOHE GELDSTRAFE FUER ILLEGALEN STREIK EINER AFRIKANISCHEN
GEWERKSCHAFT
Die amerikanische Gewerkschaft des Eisenbahn-Zugpersonals
hat sich am 19. Februar in Washington fuer schuldig erklaert,
eine"n sittenwidrigen "Krankheitsstreik" gefuehrt zu haben und
wurde zu einer Geldstrafe von 75.000 Dollar verurteilt.
Dieses ueberraschende Eingestaendnis wurde von Rechtsanwalt
Edward B. Henslee vor dem Bundesrichter Edward A. Tamm abgegeben.
Der Verteidiger hatte eine genaessigte Strafe als zweckdienlicher
als eine schwere bezeichnet, da sie eher als Abschreckmittel anstatt als Bestrafung wirken muesse.
Der Bundesrichter Tamm "erachtete" die Strafe jedoch als
"berechtigt" und erklaerte, es sei seine Pflicht, sie aufzuerlegen, obwohl nur eine geringe Zahl der Gewerkschaftsmitglleder an
dem Streik teilgenommen haette.
"Wenn die Gewerkschaften wachsen und gedeihen wollen, muessen
sie sich an ihre Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten ebenso wie
an Ihre Rechte halten," sagte Tamm. Er bezeichnete das Eingestaendnis als "einzig In seiner Art", und sagte, es sei ein
Beweis fuer den "ununterbrochenen Fortschritt" der Gewerkschaften
in der Erfuellung ihrer Verpflichtungen.
Als der Richter Henslee fragte, warum sich die Gewerkschaft
zu ihrer Schuld bekannt habe, gab dieser zur Antwort, dass dieses
Gestaendnis nicht aus Berechnung gemacht worden sei, sondern weil
die Gewerkschaftsmitglieder durch die gerechte Haltung des
Richters Michael Igoe in Ghikago beeindruckt worden seien, der
unter der gleichen Anklage im Prozess gegen die Gewerkschaft diese zu
einer Geldstrafe von 25.000 Dollar verurteilte.
Henslee erklaerte, nach seiner Meinung waere der gleiche
Betrag wieder angemessen. Er wies darauf hin, dass die Gewerkschaft voll Vertrauen "in das amerikanische Rechtswesen" vor
Ger'cnt getreten sei, und bat nur darum, dass die Regierung alle
Umstaende beruecksichtig'en moege.
Auf dieses Eingestaendnis hin kuendigte der Staatsanwalt
George Morris Fay an, dass die Regierung der Vereinigten Staaten
die Kla.^e gegen fuenf Personen und fuenf Ortsgewerkschaften In
Washington fallen Hesse, und auch die in Chikago und Cleveland
- 13 -

�schwebenden Prozesse nicht weiterfuahre.
Inzwischen konnten .die vier grossen Gewerkschaften des
Verbandes von keinem Fortschritt in ihren langwierigen Verhandlungen mit den Unternehmern berichten. Sie warfen den von der
Regierung eingesetzten Vermittlern vor, es nicht fertiggebracht
zu haben, beide Partner genuegend oft zusammenzubringen, um eine
Einigung zu erzielen.
Unbekuemmert um ihre Weigerung, sich auf Verhandlungen einzulassen, legten die Eisenbahngesellschaften eine erstaunliche
Bereitwilligkeit an den Tag, als es sich darum handelte, etwas
fuer sich selbst zu verlangen. Sie ersuchten am 19. Februar
die Handelskomission um eine voruebergehende 6 %ige Zinserhoehung mit der Begruendung, dass die zusaetzlichen 470 Millionen
Dollar im Jahr eine Dividende aus ihren Investierungen von nur
4.17 % einbringen wuerden.
Jess Larsen, der Administrator der "General Services", erklaerte, seine Behoerde lehne eine solche Erhoehung ab. Er
ersuchte die Handelskomission, der Forderung der Eisenbahngesellschaften nicht stattzugeben, bis der Tatbestand in einer oeffentlichen Sitzung des zustaendigen Ausschusses zur Sprache gebracht
werden koennte.
Daily News Service
11/19/51
SOZIALE FORTSCHRITTE IN DEN RENAULT-WERKEN
Die Renault Werke in Billancourt, die sich ueber ein grosses
Gebiet erstrecken und seit vier Jahren verstaatlicht sind,
beschaefti^en zur Zeit ueber 37.000 Arbeitnehmer. Zahlreiche
Werkstaetten, die die alliierten Bomber waehrend der Eesatzungszeit hatten zerstoeren muessen, damit die Nazis sie nicht fuer
sich ausnuetzen konnten, mussten wieder aufgebaut werden. Dieser
Wiederaufbau ist jetzt abgeschlossen.
Dann musste der Produktionsapparat dieses ungeheuren Ameisenhaufens wieder angekurbelt werden. Dies war eine Gelegenheit,
um viele Einrichtungen zu ersetzen und auszubessern, die zum
Teil unbrauchbar geworden Waren. Besonders bemerkenswert ist
in diesem Zusammenhang die Einfuehrung neuer Werkzeuge und neuer
Werkzeugmaschinen, die voll automatisch sind, umd zum Teil bis
zu 20 Arbeitsgaengen selbstaendig verrichten koennen. Zu bemerken
ist ausserdem die NeueInfuehrung von Uebertragungsmaschinen, die
bis zu 150 Arbeitsgaenge erledigen koennen. Dies sei nur am
Rande bemerkt, um zu zeigen, dass die Direktion der Nationalregie
Renault in dem Eestreben, die Fabriken von Billancourt wieder
zum Leben zu erwecken, sich zuerst die Aufgabe gestellt hat,
dem Arbeiter die schwersten koerperllchen Anstrengungen zu ersparen, die bisher mit weniger vervollkommneten Werkzeugen unvermeidlich waren.
Im Durchschnitt stellen die Renault-Werke taeglich 520
Fahrzeuge her, wovon 400 Personenkraftwagen sind. Im Dezember
1950 liefen 12.777 bahrzeu^e vom Band. Hiervon waren 7.613
Personenkraftwagen. Eine grosse Zahl dieser Fahrzeuge ist fuer
den Export bestimmt und werden ins Ausland verkauft.
- 14

�Die Karshallplan Hilfe, die in Form von Gegenwertfondsmitteln fuer die Wiedererrichtung der zerstoarten Werkstaetten,
die Neuausrüstung und die Modernisierung der Werkzeuge zur
Verfuegung gestellt wurde, hat in grossem Umfang zu der Entwicklung der Renault Werke beigetragen. Die in diesen Werken
hergestellten 4-PS-Wagen sind in der ganzen Welt bekannt.
Neben den technischen Fragen interessieren sich die neuen
Leiter der grossen Fabrik mib ihren vielseitigen und so
verschiedenen Herstellungsarten vor allem fuer die Probleme
der menschlichen beZiehungen. Man kann behaupten, dass die
soziale Arbeit, die dort jetzt geleistet wird, ihr Dasein und
ihre Entwicklung vor allem der neuen Betriebsleitung der Renault Werke verdankt.
Worin besteht diese soziale Arbeit?
-Ein Betriebsrat, der seit 1945 unter den gleichen Bedingungen,
mit den gleichen Funktionen und den gleichen Machtbefugnissen
wie in Jedem anderen Privatunternehmen in Frankreich gewaehlt
wurde, hat sich seine Aufgabe zu Herzen genommen, und die seit
der Befreiung erzielten sozialen Erfolge sind betraechtlich.
Eine Fuersorgekomlssion hat in vier Jahren in zahlreichen
Faellen wertvolle Hilfe geleistet.
In den Kantinen wird den Arbeitern zu einem bescheidenem
Preis reichliche und gesunde Verpflegung geboten. Unter anderem
sind Konsumgenossenschaften fuer die Familien der Arbeitnehmer
•ingerichtet worden, wo sie zu guenstigen Preisen Nahrungsmittel
und Bekleidungsartikel kaufen koennen.
Die Kindergaerten koennen bis zu 200 Kinder aufnehmen.
Ein Pflegeheim, ein Erholungs- und ein Kinderheim haben es
ermoeglicht, vielen kraenklichen Menschen Leben und Gesundheit
zu erhalten.
Alljaehrlich verbringen Tausende von Kindern der Arbeitnehmer
ihre Ferien in Lagern und sonstigen Erholungsstaetten, die
eigens zu diesem Zweck gekauft wurden. In jeder Hinsicht ist
fuer Bequemlichkeit und die geistige und moralische Entwicklung
der Kinder gesorgt.
Der Betriebsrat beschaeftigt sich auch mit s portlichen
Verantstaltungen und der Freizeitgestaltung. In dem bewaldeten
Huegelgelaende von Meudon ist ein sehr schoenes Stadium gebaut
worden.
Die Betriebsleitung war bemueht, die Loehne der Arbeiter
auf verschiedene Weise zu verbessern, indem sie zum Beispiel den
Leistungslohn einfuehrte, der den geschickteren Arbeitern die
Moeglichkeit bietet, ihren Verdienst wesentlich zu erhoehen.
Eine Praemie auf die rroduktion, die monatlich unter die
Arbeiter verteilt wird, macht zur Zelt etwa 10 % des Grundlohnes
aus.
Schliesslich wird den Arbeitern einmal im Jahr zur Ferienzeit eine Sonderpraemie gewaehrt, die nach den erzielten Gewinnen
des Unternehmens errechnet wird.
Eulletin Syndical
11/24/51
- 15

�BEZAHLUNG NACH LEISTUNG FUEHRT ZU HOEHERER PRODUKTION
Zu Anfang des Jahres 1948 war eile Produktionsleistung pro
Mann und pro Arbeitsstunde In den britischen Stahldrahtwerken
"Reinforced Concreto Engineering Co., Ltd.", in Stafford niedriger
als Im Jahre 1938. Den Arbeitern wurde erklaert, dass solange
mit keiner Lohnerhoehung zu rechnen sei, bis die Produktion gesteigert sei.
Dieses Unternehmen beschaeftigt rund 350 Arbeiter In der
direkten Produktion. Hergestellt werden in diesem Werk zusammengeschweisste Stahldrahtgeflechte, die beim Bau von Strassen,
Bruecken und Gebaeuden aus Beton Verwendung finden, ferner Landungsmaschendraht fuer Flugplaetze und kleinere Stahlprodukte,
wie z.B. Stahlkisten fuer die Toepferei und andere Industriezweige.
Wie sollte die Produktion gesteigert werden? Das Betriebskomitee hatte sich mit diesem Problem zu befassen. Gewaehlte
Arbeitervertreter, zwei Direktoren und der Betriebsleiter eroerterten diese Frage und schlugen ein Leistungssystem vor.
Eine Gruppe von Sachverstaendigen uebernahm die Aufgabe,
ein Leistungssystem fuer die Arbeiter in der groessten Abteilung
des Werkes versuchsweise einzufuehren. Es wurde vereinbart, den
Plan aufzugeben, wenn er zu keiner Steigerung der Produktionsleistung In dieser Abteilung fuehren wuerde.
Die Arbeiter Hessen sich darauf ein, und - die Produktion
stieg an. Es wurde daraufhin ebenfalls in anderen Abteilungen
eingefuehrt.
Ende Oktober 1949 lag die Produktionsleistung um 65.5 %
hoeher als im Jahre 1947, obwohl die Beschaffung von Rohstoffen
noch Schwierigkeiten bereitete. Eine weitere Steigerung um79 %
gegenueber dem Stand von 1947 trat ein, als die Stahlbewirtschaftung aufgehoben wurde.
In der Zeit von 1947 bis 1950 erhoehten sich die Loehne von
30 auf 46 Pfund Sterling in der Woche.
Diese Eezahlung nach Leistung wird im Gruppensystem durchgeführt. Die Gruppen bestehen aus vier bis zu zehn Arbeitern. Das
Lohnbuero errechnet die Groesse einer Arbeitsgruppe und die fuer
die Arbeitsgaenge zur Verfuegung stehende Zelt.
Nach Beendigung der Arbeit wird die benoetigte Zelt von der
errechneten Zeit abgenogen und die Differenz durch eine Leistungspraemie verguetet.
Fuer eine Gruppe von vier Arbeitern wird zum Beispiel errechnei
dass sie in zehn Stunden eine Tonne Stahldrahtgeflecht herstellen
muss. Wenn sie in 176 Arbeitsstunden 25 Tonnen fertigstellt, erhaelt sie eine Bonuszahlung fuer 74 Stunden. (250 Stunden minus
176 Stunden)
Dieses Bonussystem kommt nur fuer Arbeiter in Frage, die
direkt in der Produktion beschaeftigt sind. Die indirekt
Beteiligten, wie z.E. Kranfuehrer. Leute, die das Material an die
Maschinen bringen und fertige Stahldrahtrollen transportleren,
erhalten ungefaehr vier Fuenffcel der Durchschnittsloehne der in
der Produktion taetigen Arbeiter. Es liegt deshalb In ihrem eigenen Interesse, dass die Arbeiter an den Maschinen laufend mit
Material versorgt werden.

Target
- 16 H/51
BICOC 2 k t 51 OUt 5 » H &lt;

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 11

Frankfurt/Uain, den 16 Maerx 1951
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die Invalidenunterstuetzung in den Pensionaplaenen der
Amerikanischen Industrie

1

Gewerkschaftskongress fuer Zentral- und Westafrika ...... 4
CIO fordert Marshallplan fuer Suedostasien
lellaeadische Kohlenbergwerke

• 5

••••••••

6

Gegensaetze kennzeichnen die franzoesische Kohlenindustrie 7
Der belgische Textilarbeiter und sein Lebensstandard .... 9
TTiedereroeffnung der griechisch-Jugoslawischen Grenze ... 12
Afrikanische Lehrerin fordert Abschaffung der Polygamie . 13
Vereinigung der Nichtkommunistischen Gewerkschaften in
Pakistan

14

Sowjets leisten finnischen Kommunisten finanzielle Hilfe

14

Landreform in Italien

15

Das Hauptproblem der Produktionssteigerung liegt auf
psychologischem Gebiet
••••••••

15

DIE INVALIDENUNTERSTUETZUNG IN DEN PENSICNSPLAENEN DER AMERIKANISCHEN
INDUSTRIE
Als gegen Ende des Jahres 1949 in einer Reihe groesserer Industrien
der Vereinigten Staaten Tarifvertraege abgeschlossen wurden, wurde das
Interesse und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Bestimmungen
ueber die Unterstuetzung von Invaliden- und Altersrentnern in den Pensionsplaenen der Industrie gelenkt. Der erste dieser Vertraege wurde am 28,
September 1949 von der Ford Motor-Company und der Gewerkschaft der Arbeiter
in den Zubringerindustrien der Automobil-, Flugzeug- und landwirtschaftlichen
Geraeteindustrie (CIO) abgeschlossen. Die Bestimmungen ueber Invalidenunter stuetzung waren in diesem Vertrag in ihrem Umfang begrenzt. Derartige

1 -

�Invalidenrenten werden nur bei dauernder und totaler Erwerbsunfaehigkeit
an Arbeiter gezahlt, die das 55. Lebensjahr erreicht und 30 DienstJahre
•ollendet haben. Ein Vertrag, der einen Ilonat apaeter zwischen der
Bethlehem Steel Corporation und der Stahlarbeitergewerkschaft des CIO
abgeschlossen wurde, sieht Invalidenunterstuetzungen fuer Arbeitnehmer
mit mindestens 15 ununterbrochenen DienstJahren vor, wenn dauernde Erwerbsunlaehigke.it vorliegt. Diesen Vertraegen folgten in mehr oder weniger
schneller Reihenfolge andere Abmachungen in mehreren Industrien der Massenproduktion, vor allem der Stahl-, Automobil-, Gummi- und Glasindustrie.
Allein in diesen vier Industrien sind in den von September 1949 bis Ende
Juni 1950 abgeschlossenen Tarifvertraegen mindestens 80 Pensionsplaene mit
Bestimmungen ueber die Auszahlung von Invalidenunterstuetzungen enthalten.
Wenn die Gewerkschaften auf die Einbeziehung von Unterstuetzungsbestimmungen bei dauernder und totaler Arbeitsunfaehigkelt Y/ert legen, so
ist dies eine neuere Entwicklung. Derartige Bestimmungen bestehen jedoch
bereits in Pensionsplaenen, die seit vielen Jahren gueltig sind. Auch
gibt es einige Sonderplaene, die lediglich den Zweck haben, dem Risiko
dauernder und totaler Arbeitsunfaehigkelt zu begegnen.
Die meisten Pensionsplaene enthalten irgendeine Bestimmung ueber die
Pensionierung von Arbeitern vor Erreichen des normalen Pensionsalters,
aber allgemein nicht vor Erreichung des 55. Lebensjahres. Fuer Arbeitnehmer, die sich nach Erreichen des $5* Lebensjahres zur Ruhe setzen, sehen
die meisten Pensionsplaene jaehrliche Unterstuetzungsgelder vor, fuer die
die zu zahlenden Praemien jedoch geringer sind. Nach einigen Plaenen kann
fuer Arbeitnehmer, die vor Erreichen des 55* Lebensjahres die Arbeit niederlegen, unter besonderen Bedingungen bei Erreichung des 65* Lebensjahres
eine Unterstuetzung nachgezahlt werden, deren Hoehe sich nach den vom
Arbeitnehmer gezahlten Praemien sowie den von seinem Arbeitgeber fuer ihn
geleisteten Zuschuessen richtet. Nach den Bestimmungen einiger Plaene wird
den Arbeitnehmern sofort nach Einstellung ihrer Erwerbstaetigkeit, selbst
wenn sie noch nicht 55 Jahre alt sind, eine jaehrliche Beihilfe gezahlt,
wenn sie sich den Anspruch hierauf nach Hassgabe der Pensionsplanbestimmungen
erworben haben. Obwohl derartige Plaene einigen Arbeitnehmern ermoeglichen,
Unter st uetzungen zu beziehen, die im allgemeinen sehr niedrig sind, wenn sie
wegen Arbeitsunfaehigkeit die Arbeit niederlegen muessen, werden derartige
Plaene in der vorliegenden Studie nicht berücksichtigt.
Plaene, die Unterstuetzungen fuer dauernd und total Arbeitsunfaehige vorsehen, sind gewoehnlich in grossen Betrieben anzutreffen. 70 dieser Plaene
erstrecken sich auf Arbeitnehmer privater Unternehmen in allen moeglichen
Industrien. Der Wohlfahrts- und Pensiohsfonds der Bergarbeitergewerkschaft
dagegen besteht fuer die gesamte Industrie und erstreckt sich auf 400.000
Arbeitnehmer. Die 70 Plaene bestehen in Betrieben verschiedener Groessen von kleinen Unternehmen mit weniger als 100 Arbeitnehmern bis zu der riesigen
American Telephone und Telegraph Company rit ueber 600.000 Arbeitnehmern.
Annaehernd 5556 der Plaene sind jedoch fuer Betriebe gueltig, die 2.500 oder
mehr Arbeitnehmer beschaeftigen.
Ein erwerbsunfaehiger Arbeiter, der gegen Erwerbsunfaehigkeit versichert war, muss eine oder mehrere der folgenden Bedingungen erfuellen, um
untarstuetzungsberechtigt zu sein. Die Arbeitsunfaehigkelt muss von einer
Art sein, die in dem Plan vorgesehen ist. In den meisten Betrieben ist
eine bestimmte Dienstzeit erforderlich, und der Arbeitnehmer muss ein bestimmtes Alter erreicht haben oder bei Eintritt der Erwerbsunfaehigkeit ein
gewisses Alter besitzen.
Die Art und Weise, in der ueber das Vorhandensein einer Arbeitsunfaehigkelt entschieden wird, ist in einigen Plaenen gaenzlich dem Unternehmer oder dem Verwalter des Pensionsplans ueberlassen; in anderen wird
sie mehr oder weniger detailliert festgelegt. In den Plaenen, die in dieser Erhebung beruecksichtigt sind, variiert die Auslegung des Begriffs der

- 2 -

/

�"Arbeitsunfaehigkeit" - wenn ueberhaupt dazu eine besondere Moeglichkeit
besteht - von der Unfaehigkeit, jede normale Taetigkeit zu verrichten,
bis zur dauernden und voelügen Arbeitsunfaehigkeit fuer jede Art von
Arbeit. Die Bedingungen in bezug auf das aerztliche Gutachten sind ebenfalls sehr verschieden. Manchmal werden nur sehr vage Bedingungen und
manchmal ganz spezifische Bestimmungen sowohl fuer einmalige als auch
fuer dauernde aerztliche Untersuchungen und Gutachten gestellt.
Fast in zwei Dritteln der Plaene wird gefordert, dass der Arbeitnehmer ein bestimmtes Alter erreicht und eine bestimmte Zahl von Dienstjahren geleistet hat. Manchmal werden auch beide Bedingungen gestellt,
wenn der Arbeitnehmer als unterstuetzungsberechtigt erklaert werden soll.
Nur in 15% der Plaene werden jedoch beide Bedingungen gestellt,
Bedingungen in bezug auf das Dienstalter werden zweimal so haeufig
gestellt als Bedingungen in bezug auf das Lebensalter. Die erforderliche
Dienstzeit variiert zwischen fuenf und 25 Jahren, am haeufigsten werden
15 Dienstjähre zur Voraussetzung gemacht. In mehr als 36% der Plaene
werden 15 oder mehr Dienstjähre gefordert. Derartige Bestimmungen sind
haeufiger in solchen Plaenen zu finden, bei denen die Arbeitnehmer keine
Praemien zahlen als in solchen, bei denen die Arbeiter selbst Beitraege
zu entrichten haben.
In achtzehn Betrieben muss der Arbeitnehmer ein bestimmtes Alter erreicht, haben, wenn er Anspruch auf Invalidenunterstuetzung haben will.
In 10 Betrieben werden keine Unterstützungen gezahlt, wenn der Arbeitnehmer nicht 55 Jahre alt ist, mit der Ausnahme jedoch, dass das Mindestalter fuer Frauen in drei Betrieben auf 50 Jahre festgelegt ist. In
sechs Betrieben sind nur solche Arbeitnehmer unterstuetzungsberechtigt,
die noch nicht 56, 60 oder 65 (fuer Frauen 55) Jahre alt sind. In diesen
Betrieben muessen die aelteren Arbeitnehmer Pensionsunterstuetzungen aufgrund ihres Alters beantragen. Altersbedingungen sind in beitragspflichtigen
Plaenen verhaeltnismaessig haeufiger anzutreffen als in nicht-beitragspflichtigen.
Bezueglich der Alterspensionierung ist die Hoehe der wegen &amp;rwerbsunfaehigkeit zu zahlenden Pensionsunterstuetzung im allgemeinen von dem
Verdienst und den Dienstjahren abhaengig. Da die Dienstzeit eines Arbeitsnehmers infolge seiner Arbeitsunfaehigkeit gekuerzt wird, ist der Betrag,
der sich aus der Anwendung der Unterstuetzungsbestimmungen ergibt, nicht
nur aufgrund des niedrigeren Pensionsalters niedriger, sondern vermindert
sich ebenso durch die verhaeltnismaessig kurze Dienstzeit.
Einige der verhandelten Pensionsplaene sind neue Plaene, die durch
Tarifvertraege entstanden sind, wie zum Beispiel der Pensionsplan, der in
dem Vertrag zwischen der Ford Motor Company und der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO enthalten ist. Andere Plaene sind aelteren Datums, sie
wurden urspruenglich von dem Unternehmer aufgestellt und gefoerdert, sie
sind durch Vertraege revidiert und der Jetztzeit angepasst. Der Plan der
Bethlehem Steel Corporation, der durch den Tarifvertrag mit der Stahlarbeitergewerkschaft des CIO revidiert wurde, gehoert zu dieser zweiten
Kategorie.
Alle diese Plaene mit Ausnahme von einem einzigen sind fuer die Arbeitnehmer nicht beitragspflichtig. Die einzige Ausnahme ist der Plan der
Inland Steel Company. Der Vertrag zwischen dieser Firma und der Stahlarbeitergewerkschaft sieht einen "ergaenzenden" und einen "freiwilligen"
Pensionsplan vor, und der Arbeitnehmer kann waehlen, in welchen er einbezogen sein will. Fuer den "ergaenzenden" Plan, der neu ist, sind keine
Beitraege zu entrichten. Der "freiwillige" plan sieht Beitragszahlung
durch die Arbeitnehmer vor, er wurde von der Gesellschaft ins Leben gerufen
und bestand bereits zurzeit des Vertragsabschlusses. Durch den Tarifvertrag wurde er abgeaendert. Nach den Bestimmungen dieses Planes zahlt

- 3-

�der Arbeitnehmer etwa zwei Prozent seines monatlichen Verdienstes, wenn
er zwischen 50 und 250 Dollar liegt. Fuer Betraege ueber 250 Dollar
werden zusaetzlich vier Prozent erhoben. Der Arbeitgeber zahlt den Restbetrag, der notwendig ist, um die vorgesehenen Unterstuetzungen zu
finanzieren. Diese Zuschuesse sind in allen Bestimmungen fuer Pensionsunterstuetzungen und nicht nur in denen der Invalidenunterstuetzungen
enthalten«
Die Invalidenunterstuetzungen werden in fast allen Faellen von den
Unternehmern getragen. Haehrend nach den Tarifvertraegen die Unternehmer
in den meisten Faellen fuer die Unterstuetzungen verantwortlich zeichnen,
sind nur wenige Pensionsplaene bekannt, fuer die kommerzielle Versicherungstraeger verantwortlich zeichnen.
Obwohl die von den Gewerkschaften vor kurzem verhandelten Pensionsplaene in den Industrien der Massenproduktion die Aufmerksamkeit auf das
Problem des gesicherten Einkommens fuer solche Arbeiter gelenkt haben, die
wegen Arbeitsunfaehigkeit ihre Erwerbstaetigkeit beenden mussten, sind
weniger bekannte Bestimmungen fuer die Auszahlung von Unterstützungen an
dauernd erwerbsunfaehige Arbeiter ebenfalls in vielen Arbeiter-Unterstuetzungsplaenen vorzufinden, die seit einer Reihe von Jahren bestehen«
Die meisten Plaene, die Unterstützungen fuer dauernd und total
Erwerbsunfaehige vorsehen, sind in grossen Unternehmen anzutreffen. Da
die Unterstuetzungszeit von grosser Dauer sein kann, ist in den Plaenen,
die sich auf Privatfirmen oder Privatunternehmen erstrecken, die Unterstuetzung von dauernd und total Erwerbsunfaehigen auf solche Arbeitnehmer
beschraenkt, die verhaeltnismaessig lange Zeit fuer den einzelnen Unternehmer gearbeitet haben. In den meisten Plaenen, die dieser Erhebung
zugrunde liegen, sind die Unterstuetzungsbetraege ziemlich niedrig, besonders,
wenn es sich um Plaene handelt, in denen nur eine Uindestdienstzeit zur
Bedingung gemacht wird. Nichtsdestoweniger ist das Vorhandensein von
Pensions- und anderen Plaenen, in denen ein bestimmter Schutz gegen das
Risiko der totalen und dauernden Arbeitsunfaehigkeit vorgesehen ist, ein
Beweis dafuer, dass in zunehmendem Masse die Notwendigkeit und die Moeglichkeit anerkannt wird, vorbeugende Massnahmen zum Schutz vor diesem Risiko
• zu treffen.
Social Security Bulletin
1/51

Gü*ffiRKSCHAFT3K0NG3ESS FUER ZENTRAL- UND HESTAFRIKA
35 Gewerkschaftsdelegierte aus verschiedenen Teilen Zentralafrikas
und Vertreter europaeischer und amerikanischer Gewerkschaftsgruppen kamen
in diesen Tagen in Duala (Franzoesisch-Kamerun) zu einer historisch bedeutsamen Konferenz der freien Gewerkschaften Afrikas zusammen.
Es ist der erste Kongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, der die Gewerkschaftsfuehrer aus zehn zentral- und westafrikanischen Territorien, einschliesslich Senegal, Gambia, die Goldkueste, Sierra
Leone, Dahomey, Nigeria und Kamerun, und Gewerkschaftsdelegierte aus Frankreich, Belgien und Grossbritannien zusammenfuehrte.
Einige Kommunisten hatten versucht, eine vorbereitende Konferenz, auf
der die Delegierten der Gewerkschaften des IBFG die Themen fuer den Kongress
in Duala besprachen, zu stoeren. Dieser Versuch war jedoch schnell vereitelt.
Die Delegierten erklaerten, sie seien ueberzeugt, dass die Arbeiter
Zentral- und V.'estafrikas sehr wohl zwischen kommunistischen Agitatoren und
Gewerkschaftsführern unterscheiden koennten, die ehrlich bestrebt sind, den

-4-

�Interessen der Arbeiter zu dienen.
Der IBFG ergreift die Initiative in der Unterstuetzung der sozialen
und wirtschaftlichen Massnahmen, die die Arbeitsbedingungen der einheimischen Bevoelkerung verbessern sollen. In Anbetracht des gegenwaertigen Weltmangels an gewissen Rohstoffen, die in Zentral- und Westafrika vorhanden sind, kommt dieser Konferenz eine besondere Bedeutung
zu. Obwohl die strategisch wichtigen Reichtuemer dieser Gebiete als betraechtlich angesehen werden, haben die Gewerkschaftsdelegierten, die die
Konferenz vorbereiten, nicht die Absicht gehabt, dieses Thema auf die
Tagesordnung zu setzen.
Dem Gewerkschaftskongress wird ein Bericht ueber die Inspektionsreisen vorgelegt werden, die zwei IBFG-Gruppen unternommen hatten, um
sich ueber die Arbeitsbedingungen in Zentral- und Westafrika zu informieren .
Die IBFG-Delegation wird gefuehrt von Frederic W. Dalley von der
einflussreichen britischen Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten, ferner
von Lawrence Wight, der vom Internationalen Transportarbeiterverband
delegiert ist, Andre Lafond, dem Generalsekretaer der franzoesischen Gewerkschaft CGT-Force Ouvriere, Marcus Grant, dem Generalsekretaer der
Gewerkschaft der Handwerks- und aehnlicher Berufe in Sierra Leone, Harold
D. Snell, einem Funktlonaer der Transportarbeitergewerkschaft des CIO,
und Arthur Sercu, dem zweiten Vorsitzenden der belgischen Textilarbeitergewerkschaft. Ausserdem sind zwei Sekretaere anwesend, Walter Hood aus
Australien und Pierre Liniger aus der Schweiz.
IBFG Paris 3/7/51

CIO FORDERT MAftdHALLPLAN FUER SUEDOSTASIEH
Die dringende Forderung nach der "sofortigen Schaffung eine's Marshallplanes fuer die Nationen Suedostasiensn ist von dem Hauptkassierer des CIO,
James 'B. Carey, in einer Rede gestellt worden, die er vor dem dreizehnten
Jahreskongress das Nationalen Farminstituts in Des Moines (Iowa) hielt.
"Die westlichen Demokratien riskieren ihren moralischen, militaerischen und wirtschaftlichen Bestand, wenn sie die 560 Millionen Menschen
Suedostasiens mit den natuerlichen Reichtuemern dieser Gebiete verlieren",
betonte hier warnend Carsy.
"Ich bin fest davon ueberzeugt, dass wir heute wesentlich weiter waeren,
wenn wir einen Marshallplan fuer Suedostasien entworfen und ein 20 Milliarden-Dollar-Programm eingeleitet haetten."
Im Vergleich zu den diesjaehrigen Ausgaben fuer Verteidigungszwecke,
die sich auf 70 Milliarden Dollar belaufen, "haetten wir unbedingt Geld gespart, wenn wir uns haetten entschliessen koennen, vier Jahre jaehrlich
fuenf Milliarden Dollar fuer ein ECA-Programm im Fernen Osten aufzuwenden."
Carey brachte zum Ausdruck, dass er das Punkt-Vier-Programm der amerikanischen Regierung zur Unterstuetzung wirtschaftlich rueckstaendiger Gebiete befuerwortet, fuagte jedoch hinzu, dass die fuer Investitionazwecke
bewilligten 25 Millionen Dollar fuer jeden der 560 Millionen Menschen Suedostasiens nicht ganz i-^J Ce^ts bedeuteten.
Der CIO-Funktiona*r erklaerte in seinen Ausführungen vor der Konferenz u.a.:
"Die Alarmschlaegör und Habgierigen werden uns natuerlich vorwerfen,

-5

�dass wir einen unserer groessten Absatzmärkte zerstoeren, wenn wir
diesen Laendern Suedostasiens helfen, ihre eigene Wirtschaft aufzubauen und den Lebensstandard ihrer Bewohner au verbessern."
«Eine derartige Propaganda ist unrichtig, weil sie unsinnig ist.
Ihr liegt die Vermutung zugrunde, dass die Beduerfnisse dieser Menschen
trotz wirtschaftlichen Fortschritts gering bleiben wuerden."
"Der konkrete Beweis fuer die Unrichtigkeit dieser Propaganda ist
die einfache Tatsache, dass unser Aussenhandel mit solchen Laendern besonders rege ist, in denen die Produktionskapazitaet am hoechsten ist.
Wenn also jemand den Wunsch hat, diesen Vorschlag unter dem engstirnigen
Blickwinkel des Selbstinteresses zu betrachten, dann moege er sich vor
Augen halten, dass eine Steigerung des Lebensstandards der ganzen Welt
und eins Steigerung der Produktionsleistung aller Nationen su einer immer
groesseren Nachfrage nach allen erdenklichen Erzeugnissen Amerikas fuehren
wird."
Labour News from the US
3/2/51

HOLLAENDISCHE KOHLäNBEaCR.'ERKE
Auch in Holland gibt es Kohlenbergwerke, aber die kohlefuehrenden
Adern sind fast so schmal und duenn wie die Wurzeln eines Baumes. Dennoch
ist es durch eine systematische Anwendung der Grundsaetze wissenschaftlicher
Betriebsfuehrung gelungen, die Ausbeute beträchtlich zu steigern, zugleich
jedoch die manuelle Arbeitsleistung des einzelnen Bergmanns herabzusetzen.
In erster Linie ist dies dem Transportband zu verdanken, das das gefoerderte
Gut nach oben befoerdert und damit die harte Arbeit des Schaufeins ueberfluessig macht. Diese Baender gab es auch bereits frueher, aber sie mussten
sozusagen "beschaufelt" werden, waehrend heute das Band in sehr geringer
Hoehe laeuft, sodass die Kohle nur auf das Band "geschoben" zu werden braucht.
Eine weitere Erhoehung der Leistung ist durch die Einfuehrung der Leuchtroehren in den Stollen erreicht worden, die eine wesentlich bessere Beleuchtung als bisher ergeben.
Von den 12 Kohlenbergwerken befinden sich vier in der Hand des Staates,
acht gehoeren privaten Unternehmungen. In diesen 12 Schaechten sind Aß.000
Bergleute beschaeftigt, wobei eine Reihe Massnahmen getroffen wurde, um
den Nachwuchs heranzubilden. Der Lehrling kommt zuerst in einen Vortrupp,
der von einem Jugendlichen gefuehrt wird. Sobald 2k Jugendliche dem Vortrupp
angehoeren, beginnt die Berufsausbildung. Gelehrt werden vor allem Sicherheit smassnahmen, der richtige Gebrauch der mechanischen Ausruestung und eine
Reihe technischer Aufgaben. Aber auch fuer die sportliche Betaetigung wird
Sorge getragen, im ersten Jahr nimmt jeder Jungbergmann an einem achttaegigen
Zeltlager teil.
Im zweiten Lehrjahr beginnt die praktische Arbeit in einem Modellschacht,
der mit allen in Frage kommenden Ausrüstungen ausgestattet ist. Anfangs
wird taeglich fuenf Stunden in den Oberflaechenbetrieben des Bergwerks gearbeitet. Hier handelt es sich nur um einfache Arbeiten wie das Ausladen und
das Aufstapeln der Kohle, das Reinigen der Hoefe und sehnliches, die eigentliche bergmaenni8che Taetigkeit beginnt erst im dritten Lehrjahr, anfangs
einen Tag in der Woche und spaeter drei Tage im Schacht. Jugendliche unter
16 Jahren duerfen in Holland nicht staendig unter Tage beschaeftigt werden,
aber wenn die Bergwerklehrlinge ihre Lehrzeit beendet haben, sind sie dennoch
zu perfekten Hauern geworden.
Die eingeschaltete Berufsberatung sorgt dafuer, dass der einzelne Jugend-

-6-

�liehe den richtigen Berufszweig erlernt, sei es als Mechaniker, als
Steiger oder als Elektriker. Diese Testpruefungen werden jedoch auch mit
Bergleuten durchgefuehrt, die schon jahrelang in den Schaechten arbeiten.
An Hand der Testergebnisse zeigte es sich wiederholt, dass einzelne Bergleute nicht an der richtigen Stelle taetig waren. Durch entsprechende
Auswechslungen konnte sowohl den einzelnen Arbeiter als auch dem Bergwerk
selbst gedient werden.
Durch Leistungskontrollen wird die Betriebsleitung im uebrigen auch
auf anderem Wege auf solche Fehlbesetzungen aufmerksam, sodass auch von
dieser Seite her der Testversuch in Anwendung kommen kann.
Die hollaendischen Bergwerke blicken auf keine lange Tradition zurueck. Noch vor fuenfzig Jahren erstreckten sich im Limburger Gebiet,
der suedoestlichsten Ecke Hollands zwischen Belgien und Deutschland, ueberall bestellte Aecker. Dann wurden die ersten Bergwerke eroeffnet, und die
Bauern verdienten als Bergleute besser als bisher. Aus diesem Grunde stammen 9056 aller hollaendischen Bergleute aus dem Limburger Gebiet, und die
Jungen der Bergleute gehen selbstverstaendlich wieder in die Bergwerke.
Die kleinen Aecker wurden beibehalten, hier in Limburg kennt man nicht die
ueberall in der Welt fuer die Bergwerke so typischen Siedlungen. Die
hollaendischen Bergarbeiterwohnungen unterscheiden sich betraechtlich von
denen in anderen Laendern. Hier draengt sich auch nicht Wohnhaus an Wohnhaus, sie stehen vielmehr einzeln "im Gruenen", in einer freundlichen Landschaft, die kaum zu einem Kohlenrevier zu gehoeren scheint.
Die hollaendische Bergarbeitergewerkschaften zaehlen etwa 24.000 Mitglieder, die jedoch in verschiedene Verbaende aufgeteilt sind. Der monatliche Ausstoss betraegt ueber eine Million Tonnen, er liegt jedoch erst bei
85£ der Vorkriegsfoerderung.
Die Gewerkschaften ueben in Holland einen starken parlamentarischen
Einfluss aus. Die Sozialversicherungen sind daher ausgezeichnet. Unternehmer und Arbeiter zahlen 2,l£ der Monatsbezuege fuer Krankenversicherung
und 7,556 fuer den Pensionsfonds. Fuer die Zahlung von Krankengeldern muss
der Arbeiter weitere 2% und der Unternehmer 6% aufbringen. In Krankheitsfaellen oder bei Unfaellen erhaelt der Arbeiter jedoch 60/C seines Lohnes
fuer sechs Monate.
Die Altersversicherung kann bis zu 70/f des Lohnes betragen, sie richtet
sich danach, welche Einzahlungen in den Pensionsfonds geleitet worden sind.
Die Witwe erhaelt 50% dieser Betraege. Die staatseigenen Bergwerke haben
einen sozialen Haushaltshilfsdienst eingerichtet, der die erkrankten Bergleute betreut.
ECA - Sondermitteilungen

GEGENSAETZE KENNZEICHNEN DIE FRANZCESISCHE KOHLENINDUSTRIE
Von Grubenpferden und aermlichen Arbeiterwohnungen bis zum amerikanischen Foerderkarren mit Flachbaggervorrichtung und modernen Siedlungen,
von kommunistischen bis zu christlichen Gewerkschaften bietet die franzoesische Kohlenindustrie ein Mosaik der Gegensaetze und Probleme.
Von allen Nachkriegsproblemen der franzoesisehen Wirtschaft bildet
das der Kohle das schwierigste, denn 75£ der in der Industrie und den
Haushalten Frankreichs benoetigten Energie wird aus der Kohle gewonnen.
Und ausser den schweren Kriegsschaeden litten Frankreichs Bergwerke seit
mindestens zehn Jahren vor dem Krieg an Vernachlaessigung und einem Mangel
an Kapitalinvestitionen.

7-

�Was die Lage noch schwieriger gestaltet, ist die Tatsache, dass
Prankreich immer viel Kohle importiert hat, - in der ersten Haelfte des
20. Jahrhunderts mehr als alle anderen Laender der Welt. Am Ende des
Krieges waren Frankreichs groesste Kohlelieferanten, naemlich Deutschland, Belgien, Polen und England, nicht mehr lieferfaehig.
Zu dieser Zeit verstaatlichte Frankreich 97% seiner Bergwerke und
leitete ein gigantisches Programm zur Erweiterung und Modernisierung
seines Bsrgwerksystems ein. Man kann sich von dem Umfang dieses Programms
eine Vorstellung machen, wenn man ueberlegt, dass Ende 1952 die Haelfte
aller franzoesischen Bsrgwerkseinrichtungen seit dem Krieg erneuert sein
werden.
Ein anderer Beweis fuer die Groesse dieses Programms sind die Kosten.
Von 1946 bis 1950 sind dafuer 65 Milliarden Francs oder rund 200 Millionen
Dollar aufgewendet worden. Mehr als die Haelfte dieses Betrags wurde aus
Marshallplan-Gegenwertmitteln aufgebracht, das heisst Geldern in franzoesischer Waehrung. die franzoesische Buerger fuer gelieferte MarshallplanWaren an ihre Regierung gezahlt haben, und die von der Regierung in einen
Sonderfonds deponiert wurden. nCharbonnages de France", die Organisation,
die die verstaatlichten Bergwerke verwaltet, steht als Empfaenger von Gegenwertgeldern an zweiter Stelle hinter den verstaatlichten Elektrizitaetswerken.
Da das Modernisierungsprogramm weit vorangetrieben, aber nicht vollendet
ist, bietet der franzoesische Kohlenbergbau ein Bild der Gegensaetze. Neues
und Altes, Leistungsfaehiges und Rucckstaendiges stehen haeufig Seite an
Seite.
Nehmen wir zum Beispiel die Bergarbeiterwohnungen. Im "Bassin du Nord"
waren die alten Wohnungen ohne jede Kanalisierung gebaut worden. Die Bergarbeiter haben sich selbst ausserhalb ihrer Haeuser Huetten errichtet, die
irgendwie einen primitiven Eindruck machen. In einigen Gemeinden wird das
Wasser noch in Eimern an den oeffentlichen Pumpen geholt, und die elektrische
Beleuchtung ist oft noch sehr mangelhaft.
Auf der anderen Seite wurde ein Drittel des gesamten fuer das Erweiterungsprogramm aufgewendeten Geldes fuer den nohnungsbau verwendet. Die Gelder
fuer den Wohnungsbau wurden in zunehmendem Masse aur Marshallplan-Gegenwertfonds zur Verfuegung gestellt. Allein in der Zeit von 1946 bis 1948 wurde
mit dem Bau von 21.000 Wohnungseinheiten begonnen. Viele franzoesische Bergarbeiter sind nun in der gluecklichen Lage, in Gartensiedlungen mit üinfamilienhaeusern leben zu koennen. Diese modernen Haeuschen sind oft von
Gaerten umgeben, in denen Kaninchenstaelle und Huehnerlaeufe angelegt sind.
Garagen gibt es nicht, denn ein franzoesischer Arbeiter kann sich keinen
Wagen leisten.
Der Bergarbeiter selbst, das Bergwerk, in dem er arbeitet und die Tferkzeuge, die er benutzt, sind ebenfalls sehr verschieden. Unter den Bergarbeitern gibt es Marokkaner, Tunesier und Algerier, die alle arabisch
sprechen; ferner Italiener, Polen und Tschechoslowaken« Ausserdem trifft
man, wenn auch in geringerer Zahl, dort Spanier, Belgier, Deutsche, ein paar
Portugiesen und wenige Russen. Mehr als ein Viertel aller Bergleute sind
Auslaender, weil die Franzosen eine Abneigung gegen die Arbeit in den Kohlengruben haben.
Der Arbeiter, der in den modernen Bergwerken in Lothringen beschaeftigt
ist, kennt die modernen Einrichtungen, die im Rahmen des Marshallplanes geliefert wurden, wie z.B. dreiarmige Bohrer, Foerderkarren mit Ladebagger,
automatische Ladevorrichtungen, Diesel-Zugmaschinen und Presslufthaemmer«
In einigen Bergwerken im "Bassin du Nord" dagegen kommt es vor, dass er 300
Meter weit durch enge, sich windende Stollen kriechen muss, um an eine Abbruchsteile zu gelangen, die nur Raum fuer einen Mann und eine Picke bietet.
In diesen Gruben werden die Foerderkarren von Ponys gezogen*

•*• Q ••

�Die franzoesische Kohle ist vorwiegend bituminoes. Viele Vorkommen
liegen in einer Tiefe von 1300 Metern, und die Adern sind oft unterbrochen
und duenn. Steinkohle wird zum groessten Teil im Stollenabbau gewonnen;
die franzoesischen Reserven an Anthrazit, Koks und Giessereikoks sind jedoch zu gering, und rrankreich ist in dieser Beziehur^ auf den Import angewiesen. 1949 wurden von diesem Land 53 Millionen Tonnen produziert und
1 Million Tonnen exportiert. Aber trotzdem mussten noch 21 Millionen Tonnen importiert werden. In den vier Jahren von 1946 - 19A9 importierte
Frankreich ueber 30 Millionen Tonnen Kohle aus den Vereinigten Staaten.
Bis Ende des Jahres 1950 hatte es aus Marshallplan-Mitteln ueber 156 Millionen Dollar fuer Kohlenimporte aus den Vereinigten Staaten erhalten.
Der Aufsichtsrat der "Charbonnages de France" setzt sich aus sechs Mitgliedern der drei Gewerkschaften, die die Bergleute vertreten, sechs Mitgliedern, die von der Regierung ernannt werden, und sechs Vertretern der
Verbraucher zusammen, wobei letztere politische Delegierte sind und im
allgemeinen die Industrie vertreten.
Prozentual gesehen bilden die Bergleute die groesste gewerkschaftlich
organisierte Arbeitergruppe Frankreichs. Trotzdem sind nur 50$ von ihnen
in Gewerkschafter: organisiert. Von diesen 50$ gehoert ein wesentlicher
Teil dem kommunistisch beherrschten Allgemeinen Gewerkschaftsbund CGT an.
Die uebrigen sind mehr oder weniger auf die antikommunistische Gewerkschaft
"Force Ouvi'iere", die sich vor drei Jahren vom CGT loslceste, und auf den
Gewerkschaftsbund Christlicher Arbeiter (CFTC), eine vorwiegend katholische
Gruppe, verteilt,
Obwokl der komnunistisch gefuehrte CGT betraechtliche Verluste seit
dem grossen Streik im Jahre 1948 erlitten hat, ist er immer noch die
staerk8te Organisation dieser drei.
Die anderen Gewerkschaften weigern sich haeufig, mit Vertretern des
CGT am TarifVerhandlungstisch zusammenzusitzen. Da es in Frankreich nicht,
wie in den Vereinigten Staaten, den festen Zustaendigkeitsbereich einer Gewerkschaft gibt, verhandelt der Koiilenausschuss mit jeder Gewerkschaft
einzeln. Deshalb besitzt auch keine Gewerkschaft das, was man in den Vereinigten Staaten eine starke Verhandlungsposition nennt.
United Mine Workers Journal
3/1/51

DER BELGISCHE TEXTILARBEITER UND SEIN LEBENSSTANDARD
Die belgischen Textilarbeiter erfreuen sich, wie ueberhaupt die belgischen Arbeiter im allgemeinen, eines hoeheren Lebensstandards als alle
anderen Arbeiter des europaeischen Kontinents mit Ausnahme der schwedischen.
Fuer den amerikanischen Beobachter bestehen gewisse augenscheinliche
Unterschiede zwischen dem Lebensstandard des belgischen und amerikanischen
Arbeiters. Des Morgens, nachmittags und wiederum nach Feierabend sind die
engen, kopfsteingepflasterten Strassen mit Radfahrern jeden Alters dicht
bevoelkert.
Ausserdem sind nach amerikanischen Begriffen Kanalisierung und Wasserversorgung vernachlaessigt, oft ist die naechste V/asserquelle eine rostige
Pumpe im Hinterhof. Es gibt nur wenige Badeeinrichtungen. Die Toilette
besteht oft aus einer Holzhuette, wie sie frueher in Amerika auf dem Lande
ueblich war.
Der Belgier legt zwar weniger ',,'ert auf moderne Transportmittel und
sanitaere Anlagen, aber dafuer ist ihm seine Ernaehrung wichtig. Ernaehrung
ist fuer ihn Erholung. Jeden Abend begibt er sich in sein kleines Back-

-9 -

�Steinhaus, schliesst die Fen3terlaeden und bringt Stunden bei der Mahlzeit zu.
Bier ist sein Getraenk. Und die alltaeglichen Speisen, bei denen
zwar soviel Kartoffeln verzehrt werden, dass ein amerikanischer Rohkoestler Angst davor bekaeme, liegen weit ueber dem europaeischen Durchschnitt. Dies ist jedoch nicht ohne grosse Bemuehungen moeglich. Da
es keine Kuehlschraenke gibt, muessen die Hausfrauen jeden Tag Frischgemuese einkaufen und viel Zeit fuer ihre Zubereitung aufwenden. Das
Ergebnis ist dementsprechend ein koestliches. Es ist fast ausgeschlossen,
dass man in Belgien ein kaergliches Mahl vorgesetzt bekommt, da die
Kueche vorwiegend franzoesisch ist.
Der verhaeltnismaessig hohe Lebensstandard in Belgien ist zum Teil
der Y/achsamkeit und Tatkraft der belgischen Gewerkschaften zu verdanken.
Es gibt zwei grosse Gewerkschaften, die saemtliche Industriezweige
organisiert haben: die "sozialistische" Gewerkschaft, die mehr oder
weniger mit der politischen Partei gleichen Namens uebereinstimmt, und der
Katholische Gewerkschaftsbund.
Die sozialistische Gewerkschaft (FGTB) vereinigt in ihren Reihen die
Mehrheit der Textilarbeiter (etwa 60£). Die Zentralstellen der FGTB sind
fuer alle Industrien mit Ausnahme der Textilindustrie in der belgischen
Hauptstadt untergebracht. Der Sitz der Textilarbeitergewerkschaft ist in
Gent, einer Stadt der Kanaele mit alten, aus Stein gebauten Kirchen und
einer faszinierenden Geschichte.
Diese Stadt wurde im Jahre 629 gegruendet, sie ist ein Zentrum der
europaeischen Tuchweber, und seine Einwohnerzahl war einst groesser als
die von Paris. Gent ist noch immer das Zentrum der belgischen Textilindustrie.
Es gibt natuerlich auch Ortsgewerkschaften der Textilarbeiter der
FGTB in den vielen Staedten der Textilfabrikation. St. Nikiaas zum Beispiel, eine Stadt mit 36.000 Einwohnern im Norden in der Naehe von Antwerpen, ist die Heimat der Teppichindustrie. Die aelteste Teppichfabrik
Belgiens, Petws Van Boys, hat hier ihre Spinnereien, Yfebereien und Samtwerkstaetten.
Das FGTB-Buero in St. Nikiaas wird von einem jungen, aeusserst
ruehrigen Sekretaer namens Lucien Rotthier gefuehrt. Er selbst ist in
schwerer Arbeit in der Textilindustrie grossgeworden und begann mit 1A
Jahren als Webereilehrling. Das war vor 19 Jahren, und man sieht es noch
heute seinen Fingern an.
Vor vier Jahren bewarb er sich erfolgreich zusammen mit 14 anderen
um die Stellung, die er jetzt bekleidet. Seine Erscheinung entspricht
auch seinem Jesen - ein schlankes Gesicht mit dunklen, durchringenden Augen.
Seine Arbeit laesst ihn trotz der belgischen Ernaehrung kaum schwerer als
120 Pfund werden.
Die engen Strassen von St. Nikiaas sind von kleinen, zweistoeckigen
Haeusern umsaeumt, die eng aneinander und dicht am Buergersteig stehen. Es
gibt Tausende davon, und sie sind alle gleich.
Auch die Rotthiers wohnen in einem solchen Haeuschen. Meistens gibt
es im Erdgeschoss ein Empfangszimmer, das nur selten benutzt wird und
etwas muffig riecht, ein Speisezimmer (wo die Familien sich meistens aufhalten), eine Kueche und ein Hof hinter dem Haus. Im Obergeschoss befinden
sich zwei Schlafzimmer. Zu den meisten Haeusern gehoert ein kleiner Blumenund Genuesegarten hinter dem Haus. Haeufig werden Huehner und Tauben gehalten.

- 10 -

�Frau Rotthier, eine ansehnliche Blondine, haelt ihr Heim in
peinlicher Ordnung. V.ia in den meisten flaemischen Haeusern 3ind alle
Gegenstaende an ihrem Platz, nichts "steht herum". Die Raeume selbst
sehen nicht so aus, als ob sie bewohnt waeren. Die Moebel und der
aeussere Anblick dieser 'Johnungen haben eine ueberraschende Aehnlichkeit mit Millionen von Arbeiterwohnungen in den Vereinigten Staaten.
In Belgien wird weniger auf Kredit gekauft als in den Vereinigten
Staaten. Die Rotthiers haben zum Beispiel monatelang gespart, um sich
einen Tisch fuer das EmpfangszL'amer zu kaufen. Es ist geradezu paradox,
dass in dieser Stadt der Teppiche die meisten Vlohnungen nicht mit Teppichen, sondern mit Linoleum ausgelegt sind.
Ein Kohleofen verbreitet in der '..'ohnung eine angenehme VJaerme. In
der Kueche steht ein Kohleherd. Die Fenster sind wie in allen belgischen
Y/ohnungen mit freundlichen weissen Spitzenvorhaengen behangen. In jedem
Haus findet sich ein Lautsprecher, der an ein benachbartes Empfangsgeraet angeschlossen ist. Aehnlich wie in vielen amerikanischen Hotels
und Krankenhaeusern stehen fuenf Programme zur V.'ahl.
Die Lohnzahlungen fuer den belgischen Arbeiter erfolgen fast ausschliesslich nach dem Akkordsystem. Die Nettoloehne der Textilarbeiter
sind hoeher als die der uebrigen Arbeiter, aber niedriger als die der
Bergleute, Stahlarbeiter und Hafenarbeiter. Die Loehne der Textilindustrie
und des Baugewerbes haben ungefaehr den gleichen Stand.
lieber verdienen woechentlich im Durchschnitt 109.20 DM, Hilfarbeiter
in Webereien verdienen ungefaehr 75.60 DM.
Die Mieten sind jedoch niedrig
und die Arbeiter koennen ihr Einkommen noch durch die Bewirtschaftung
ihrer Gaerten verbessern. Stoffe sind jedoch, wie fast ueberall in Europa,
verhaeltnismaessig teuer. Vfeil die Preise fuer Lederschuhe sehr hoch sind,,
tragen viele Arbeiter Holzschuhe bei der Arbeit.
Der Lebenshaltung skosten-Index Belgiens ist vor kurzem innerhalb von
zwei Monaten um 23% angestiegen, was auf die geringe Kauftaetigkeit und den
zu erwartenden Warenmangel zurueckzufuehren ist, der durch den Krieg in
Korea verursacht ist. Die Gewerkschaften fordern verbesserte Gesetze fuer
Pensionen und Unfallunterstuetzung.
Vfie immer sind die Verbesserungen der Loehne und Arbeitsbedingungen die
wichtigsten Aufgaben der'Gewerkschaften des Landes. Sie werden jedoch durch
Verhandlungen bestimmt, die im Rahmen der bestehenden Gesetzgebung gefuehrt
werden.
Obwohl viele Aufgaben auf der Landesebene geloest werden, hat der
Sekretaer Rotthier seine eigenen Schwierigkeiten in seiner Qrtsgewerkschaft.
Eine dieser Schwierigkeiten ist durch eine neue moderne Maschine hervorgerufen worden, die im Rahmen des Marshall-Planes importiert wurde.
Die Teppichfabrik Peters van Roy erhielt vor kurzem einen vier Meter
breiten Lansco-Teppichwebstuhl, der von der Lansdown Corporation in Morton,
Pennsylvania geliefert wurde. Man hatte versucht, eine eurcpaeische Maschine
dieser Groesse zu verwenden,rausstejedoch feststellen, dass sie zu leicht
war. Grosse Erschuetterun en verursachten zahlreiche Fadenbrueche, und der
Verlust an Zeit war betraechtlich.
Die Umstellung auf breite Teppichsorten war notwendig, um dem amerikanischen Geschmack Rechnung zu tragen und die Teppiche in den Vereinigten
Staaten verkaufen zu koennen. Zur Zeit, als dieser Webstuhl von der Firma
erworben wurde, waren nur amerikanische Maschinen zu verwenden.
V/ie den meisten anderen europaeischen Nationen fehlte es Belgien seit

- 11 -

�dem Kriege jedoch an den notwendigen Dollars, um derartige lebenswichtigen Einkaeufe taetigen zu koennen. Hier sprang der Uarshallpl&amp;n
ein. Im Rahmen dieses Programms sind Belgien Dollarbetraege unter der
Bedingung zur Verfuegung gestellt worden, dass dieses Land seinerseits
anderen westeuropaeischen Nationen entsprechende Kredite einraeumt, die
belgische Erzeugnisse benoetigen, aber nicht bezahlen koennen.
Auf diese Weise erhielt die Firma Peters van Roy ihren neuen Webstuhl im Werte von 25.000 Dollar. Eine Konkurrenzfirma, die Louis
Depoorter-Gesellschaft in Courtrai, besitzt bereits 10 Webstuehle dieser Art, und beide Unternehmen rechnen mit einem groesseren Absatz in
den Vereinigten Staaten.
Nun hat 3ich auch fuer Rotthier eine neue Aufgabe ergeben. Die
neuen Marshallplan-Webstuehle werden die Teppiche viel schneller herstellen und dai_.it ergeben sich fuer die Y.'eber, die sie bedienen, aussergewoehnlich hohe Loehne. Es kann deshalb damit gerechnet werden, dass
die Gesellschaft ihre Akkordsaetze revidieren muss.
Dieser Revision werden eingehende Verhandlungen vorausgehen muessen.
Sie werden von einem Ausschuss gefuehrt, der sich aus Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter zusammensetzt. Nach belgischem Gesetz muessen alle
Betriebe mit mehr als 200 Arbeitnehmern einen solchen Ausschuss haben.
Es liegt an Rotthier, die Sache der Arbeiter in die Hand zu nehmen.
Die Verhandlungen sind haeufig schwierig und koennen, wenn die Arbeiter sich
damit einverstanden erklaeren, zu oertlichen Streiks fuehren.
Produktionsleistung und Gewinne sind in 3elgien und darüberhinaus in
ganz Europa angestiegen. Neue Arbeitsmethoden und neue Maschinen, die beide teilweise erst durch die Hilfsmassnahmen des Marshallplans ermoeglicht
wurden, haben die einzelnen Laender in die Lage versetzt, ihr wirtschaftliches Niveau der Zeit vor dem Kriege wieder zu erreichen und zu uebertreffen.
Die belgischen Arbeiter, einschliesslich der Textilarbeiter, wuen3chen
jedoch von sich aus an diesen Gewinnen beteiligt zu werden. Der Streik im
Juni 1950, der 23 Tage dauerte, ist als ein Schritt in dieser Richt\uig anzusehen.
Entschlossenem Handeln und der Zielstrebigkeit seiner Gewerkschaften
verdankt der belgische Arbeiter seinen Lebensstandard, sein behagliches
kleines Haus, seine ueberdurchschnittliche Ernaehrung, seine Kleidung, und
die Erhaltung seiner Lebensgewohnheiten.
Noch hat er nicht den Lebensstandard seiner amerikanischen Arbeitskollegen erreicht, aber er ist einer der wohlhabendsten Arbeiter in der vom
Krieg zerruetteten alten europaeischen Welt.
ECA Labor Inforniation

3/51

YflEüERK.tOEFFNUNG DER GRIECHISCH-JUGOSLAWISCHEN GRENZE
Als der erste Zug aus Griechenland ueber die jugoslawische Grenze rollte,
die Ende Feoruar erneut geoeffnet wurde, gehoerten zu den Fahrgaesten Funktic—
naere der Eisenbahner-Gewerkschaften Nord-Griechenlands. Als ein Symbol der
Solidaritaet, die nun die Arbeiter dieser beiden Laender verbindet, brachten
sie Fruechte, Gebaeck und Zigaretten als Geschenk fuer die jugoslawischen Eisenbahnarbeiter mit, die sie an der Grenze empfingen. Begeisterte Menschenmengen umjubelten den Zug bei seiner Ankunft in Jugoslawien, und die Eisenbahnarbeiter der beiden Laender feierten gemeinsam die Wiedereroeffnung der

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�Grenze. Die Uiederaufnähme der Eisenbahnverbindungen zwischen Griechenland und Jugoslawien, die seit Kriegsende unterbrochen war, ermoeglicht
einen staendigen Zustrom amerikanischer Hilfsgueter fuer Jugoslawien, die
in dem griechischen Hafen Saloniki entladen werden. Beide Laender werden
hieraus Nutzen ziehen. Jugoslawien wird auf dem billigsten und naechsten
Weg versorgt. Der griechischen Wirtschaft wird durch die Benutzung des
Hafens von Saloniki neuer Auftrieb gegeben. Touristen werden bald Griechenland vom Yfesten her mit dem bekannten Orient-Express erreichen koennen.
Darüberhinaus ist mit einem Aufleben des Binnenhandels zwischen diesen
beiden Laendern zu rechnen.
Die letzte Luecke in der unterbrochenen Bahnlinie zwischen den beiden
Laendern wurde im Dezember vorigen Jahres geschlossen. Politische
Schwierigkeiten, die ausserdem die YJie de raufnähme des Verkehrs hinauszoegerten, sind beseitigt worden, und die Eisenbahn-, Post-, Telegrafenund Telefonverbindungen zwischen beiden Laendern werden schnell wiederhergestellt.
ECA Labor Information

2/20/51

AFRIKANISCHE LEHRERIN FORDERT ABSCHAFFUNG DER POLYGAMIE
Eine 23-jaehrige Eingeborene aus Franzoesisch Kamerun verursachte
einige Aufregung, als sie auf dem ersten pan-afrikanischen Kongress des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften die Forderung erhob, die Vielweiberei zu verdammen.
Aufgrund de» heftigen Protestes liess sie das Yfort "Polygamie" fallen,
konnte Jedoch erreichen, dass eine Resolution angenommen wurde, in der die
allgemeine Gleichstellung der afrikanischen Frauen gefordert wird.
Diese junge Pionierin ist Marie Issola, eine Lehrerin an der Eingeborenenschule in Duala und die einzige weibliche Delegierte bei der
historischen dreitaegigen Konferenz des IBFG, die am 8. Maerz beendet war.
Der von Frau Issola eingebrachte Antrag kam fuer einige afrikanische
Delegierte wie ein Blitz aus heiterem Himmel, die selbst noch immer der
Polygamie huldigen, und zwar entweder aufgrund ihres islamitischen Glaubens
oder einfach deshalb, weil sie mit dieser jahrhundertealten Einrichtung
sehr zufrieden sind.
Frau Issolas Antrag wurde sofort von dem einzigen amerikanischen
Delegierten Harold D. Snell befuerwortet, der erklaerte, die freien Gewerkschaften muessten alle Massnahmen foerdern, die dazu beitragen koennten,
eine moeglichst grosse Zahl von Maennern und Frauen zu emanzipieren. Snell,
der stellvertretende Vorsitzende der Transportarbeitergewerkschaft des CIO,
hatte auf diesem Kongress ausserdem die AFL und die Bergarbeitergewerkschaft
zu vertreten.
Frau Issola ist Mutter von zwei Kindern. Sie wurde in der afrikanischen
Steppe geboren und ist dort grossgeworden. Nachdem sie Schulen in Duala,
Dakkar und Aix-en-Provence (Frankreich) besucht hatte, stellte sie sich in
den Dienst der Gewerkschaften.
Die junge Lehrerin schilderte der Konferenz, unter welchen Bedingungen
viele afrikanische Frauen noch leben; eine Eingeborenenheirat sei haeufig
das Ergebnis eines Kuhhandels zwischen dem Vater, der Braut und seinem zukünftigen Schwiegersohn. Dieser muss seine zukuenftige Frau buchstaeblich
mit Objekten wie Ziegen, Salz, V.'ein, Kuechengeraeten und auch Papiergeld
einhandeln.

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�Frau Issola fuegte hinzu, dass mehr als die Haelfte der Bevoelkerung
Kameruns noch immer polygamisch leben, obwohl viele Christen seien und
kirchlich getraut wuerden. In den meisten Faellen hielten sich die Eingeborenen viele Frauen, weil diese Frauen fuer den Mann arbeiten koennten.
Frau Issola erklaerte sich einverstanden, das Wort "Polygamie" zu
streichen, um die Einwaende der islamitischen Delegierten aus dem Senegal
und Nigeria zu beruecksichtigen, die erklaerten, das Problem sei zu umfassend, um an Ort und Stelle geloest werden zu koennen.
Die Bemuehungen zu ihrer Abschaffung sind jedoch insofern von
historischer Bedeutung, als es gelang, die Gewerkschaftskonferenz zu bewegen, eine Entschliessung zur Gleichstellung der afrikanischen Frau anzunehmen. Marie Issola ist in ihre Schule in Duala zurueckgekehrt, wo
ihre jungen Schueler vielleicht niemals etwas von dein Kampf ihrer Lehrerin
um die Besserstellung ihres Volkes erfahren.
Mitteilung des IBFG 3/9/51

VEREINIGUNG DER NICHTKOMVUNISTISCHEN GEWERKSCHAFTEN IN PAKISTAN
Drei&amp;sig Gewerkschaftsorganisationen, in denen 160 Gewerkschaften
und 320.000 Gewerkschaftsmitglieder vertreten sind, haben sich zum AllPakistanischen Gewerkschaftsbund zusammengeschlossen. Die neue Organisation vereinigt in sich die liewerkschaftsverbaende Ost- und West-Pakistan
und urafasst alle nichtkonmunistischen GewerkschaftsOrganisationen des
Landes. Die staerksten Gruppen des Gewerkschaftsbundes werden von den
Dockarbeitern in Keradschi und Chittagong, dem Zugpersonal der Eisenbahnen und den Arbeitern der Binnenschiffahrt in Ost-Pakistan gebildet.
Auf der Gruendungskonferenz des Gewerkschafsbundes wurde beschlossen, dem
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften beizutreten, die Regierung,
die englischen und andere Reeder zu ersuchen, mehr pakistanische Seeleute
zu beschaeftigen und sich weiterhin mit der Frage der Landreform zu beschaeftigen.
Die Pakistanische Gewerkschaftsfoederation, die dem Weltgewerkschaftsbund angeschlossen ist und im allgemeinen als Werkzeug der kommunistischen Partei in Pakistan angesehen wird, ist der neuen Organisation
nicht angegliedert. Diese Foederation setzt sich aus einzelnen Gewerkschaften zusammen, die insgesamt 80.000 Mitglieder fuer sich beanspruchen.
Ihr Zentralbuero und die groesste Konzentration ihrer Macht liegen in
Lahore im Pandschab. Der groesste Teil ihrer Mitglieder kommt aus den
verschiedenen Werkstaetten der Eisenbahngesellschaft des Nordwestens, die
sich in Regierungsbesitz befindet.
In der letzten Zeit entsandte die Regierung nur solche Gewerkschaftsvertreter und -berater zu internationalen Konferenzen, die von Organisationen
aufgestellt waren, die dem neuen Gewerkschaftsbund angehoeren.
Notes on Labor Abroad

12/50

SOWJETS LEISTEN FINNISCHEN KUKMUNISTEN FINANZIELLE HILFE
In verzweifelten Anstrengungen, um die Kontrolle ueber den finnischen
Gewerkschaftsbund in die Hand zu bekommen, sollen die Kommunisten Hunderte
Millionen von Finnmark aufwenden. Sie bekommen dieses Geld von sowjeteigenen Konzernen in Finnland geschenkt,, Eines dieser Unternehmen, Sexiino
Osakeyhtide, hat zum Beispiel von seinen Gewinnen im Jahre 1950 den

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�finnischen Kommunisten offiziell 46 Millionen Finnmark (etwa 870.000 DM)
geschenkt.
Program Services Section 3/7/51

LANDREFüHM IN ITALIEN
Der italienische Landwirtschaftsminister hat mitgeteilt, dass 1«
Rahmen der Landreforra in diesem Jahr mit der Aufteilung von 1.750.000
Morgen begonnen werden wird.
Die ersten Grundstuecke in einer Groesse von 20 bis zu 50 Morgen
werden in diesem Sommer italienischen Bauern zugeteilt werden. Die
Regierung wird die gegenwaertigen Eigentümer mit 170 bis 250 DM Je
Morgen entschaedigen. Sie beabsichtigt, spaeterhin fuer die Verbesserung des Ackerlands 550 bis 840 DM je iiorgen aufzuwenden.
Die Bauern werden den Kaufpreis fuer das Land in 30 Jahresraten
an die Regierung zurueckbezahlen, die ihrerseits technische und finanzielle Hilfe leistet. 1.800 Traktoren sind bereits in Auftrag gegeben
worden.
Man hofft, dass dieser Abschnitt der Landreform im Jahre 1952 beendet sein wird. Es sollen dann weitere zwei Millionen Morgen aufgeteilt werden.
Program Services Section 2/13/51
/

DAS HAUPTPROBLEM DER PRODUKTIONSSTEIGERUNG LIEGT AUF PSYCHOLOGISCHEM
GEBIET
"Andere Industrien haben dank des Marshallplans ihre Geschaeftstaetigkeit steigern koennen. Sie benoetigen mehr Materialien von uns.
Das heisst, dass auch wir unser Geschaeft belebt haben."
Diese einfache Feststellung wurde von KaJ Arn, dem Produktionsleiter der Nordiske Kabel- und Ürahtfabrik A/S in Kopenhagen getroffen, der
hierin die Erklaerung fuer die durch die Marshallplan-Aufwendungen verursachte Belebung der Wirtschaft sieht, die dazu beitraegt, die Wirtschaft
dieses Landes wieder aufzubauen.
In seinem eigenen Betrieb konnte sich Arn von der Gueltigkeit dieser
Behauptung ueberzeugwn, seitdem mit Marshallplan-Mitteln neue Maschinen
gekauft und aufgestellt wurden. Die neuen Arbeitsnethoden, die im Rahmen
der Modernisierung der Produktion und der Steigerung der Produktionsleistung in diesem Betrieb angewendet wurden, haben dazu gefuehrt, dass
die Arbeit leichter und angenehmer ist. Das war gerade in diesem Unternehmen von Bedeutung, weil es schwierig wurde, die Arbeiter hier an ihrem
Arbeitsplatz zu halten.
Im Jahre 1946, unmittelbar nach dem Krieg, blieben bei Nordiske nur
zwei Prozent der Arbeiter laenger als ein Jahr in dieser Firma. Die Zahl
der Arbeitsplatzwechsel ist immer noch verhaeltnismaessig hoch (im vorigen
Jahr blieben Jedoch bereits 41% der Arbeiter in diesem Betrieb;. Arn
schreibt diese wesentliche Verbesserung den verbesserten Arbeitsbedingunge
zu.
Der durchschnittliche Stundenlohn, der dem von der Gewerkschaft ver-

�traglich festgelegten Tarif entspricht, wurde seit 1946 von 2,76 Kronen
auf 3,60 Kronen oder um etwa 2556 erhoeht.
In der gleichen Zeit hat sich die Gesamtproduktion von 6.000 Tonnen
jaehrlich im Jahre 1946 auf 12.000 Tonnen in diesem Jahr erhoeht. Im
gleichen Zeitraum ist die Zahl der Arbeitnehmer von 476 im Jahre 1946 auf
680 in die Hoehe gegangen, was eine wesentliche Steigerung der Produktionsleistung pro Mann und Arbeitsstunde darstellt.
Di« Arbeiter Nordiskes, die in der starken Daenischen Metallarbeitergewerkschaft* der drittgroessten in Daenemark, organisiert sind, brauchen
trotz der neuen Maschinen, der modernen Produktionsmethoden oder der gesteigerten Produktionsleistung nicht zu befuerchten, dass sie arbeitslos
werden. Dies ist teilweise der Tatsache zuzuschreiben, dass in Daenemark
seit dem Krieg ein akuter Mangel an gelernten Arbeitskraeften herrscht,
und die Gewerkschaft ist der Ueberzeugung, dass sie viele ihrer 250.000
Mitglieder in angelernten und gelernten Berufen unterbringen kann.
Nordiske hat die Feststellung gemacht, dass die Zahl der Arbeitnehmer
tatsaechlich vergroessert werden musste, um in gewissen Abteilungen mit
der gesteigerten Produktion Schritt halten zu koennen.
Das Ergebnis dieser Tatsachen ist, dass die Arbeitnehmer des Betriebs
nichts gegen die Umstellung auf neue Maschinen und modernere Arbeitsmethoden einwenden. Die Arbeiter in der Messing- und Kupferdrahtproduktion erwarten mit Ungeduld die Umstellung von einem veralteten und
komplizierten Ziehverfahren auf eine schnellere, einfachere und modernere
Methode, die durch die Inbetriebnahme einer neuen Ziehpresse moeglich ist,
welche mit Marshallplan-Mitteln in den Vereinigten Staaten gekauft wurde.
Sie wissen zwar, dass die Bedienung der neuen Maschine weniger Arbeitskraefte erfordert, aber sie sind der festen Ueberzeugung, dass die Steigerung der Produktion mit der neuen Maschine so hoch sein wird, dass nicht
weniger, sondern mehr Arbeiter als bisher gebraucht werden, um die erforderlichen Materialien heranzuschaffen und auch die naechsten Arbeitsgaenge
zu beschleunigen, um eine Stockung zu vermeiden. Warum sollten sie also
gegen die Einfuehrung der neuen Maschine sein? Auf diese Weise konnte
Nordiske seine Produktion seit dem Jahr 1946 staendig steigern.
Viele Rohstoffe, die in diesem Betrieb verarbeitet werden, werden mit
Marshellplan-Geldern finanziert. Und weil Nordiske einer der groessten
daenischen Erzeuger fuer Bleche und Draht ist und wichtige Metalle wie
Messing, Kupfer, Bronze und Aluminium verarbeitet, die wiederum fuer die
Herstellung dringend benoetigter Elektorartikel und fuer Versorgungsbetriebe gebraucht werden, spiegelt sich die gesteigerte Produktion der
Firma Nordiske in groesseren Beschaeftlgungsmoeglichkeiten in Hunderten
von kleinen Geschaeften und Werkstaetten in ganz Daenemark wider.
Ingenieur Arn hat in seinem Wiederaufbauprogra/iun eindeutig zum Ausdruck gebracht, dass der Wiederaufbau nicht durch materielle Werte allein
bewirkt werden kann. Weder neue Maschinen, Uarshallplan-Dollar noch
Dutzende von Tonnen an Rohstoffen werden von ihm als die wesentlichste
Triebkraft fuer Nordiskes erfolgreichen Wiederaufbau angesehen.
Er hat festgestellt, dass das wesentlichste Problem das menschlichpsychologische ist. Der Arbeiter war es und nicht die Maschine, der sich
am staerksten umsteller &gt; musste. Zu diesem Zweck griff Arn zu einer
Produktivitaetsmethode, die die Ausbildung am Arbeitsplatz durchfuehrt.
Die Arbeiter sind heute bei Nordiske zufriedener und bestaendiger als
Je zuvor seit dem Kriege. Und Kaj Arn bekennt sich begeistert zu der Tatsache, dass die Arbeiter als menschliche Organismen der Schluessel zur
Produktivitaetssteigerung sind.
ECA Labor Information

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMTTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher R e d a k t e u r e , der Gewerkschaften, G e w e r k s c h a f t s s c h u l e n und deren Mitglieder.
Von d i e s e m Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare k ö n n e n kostenlos bei
Office ol Labor Affairs
HICOG. APO 757, Frankfurt
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der a m e r i k a n i s c h e n
Hohen K o m m i s s i o n für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 12

Frankfurt/Main, den 23. Maerz 1951

I N H A L T S V S R Z a l

'JUNIS

Der Molotow-Plan wird Warschau befohlen - Das polnische
Volk nuss sich selbst kasteien

1

Die erste Produktivitaetsausstellung in Birmingham

8

SCA - Chef fordert Friedensproduktion

9

Kritik an der Arbeitsbewusstseintheorie Professor
Perlmans
Der Lohn-Preis-Plan eines amerikanischen Gewerkschaftsfunktionaers

13

Daeniache Gev/erkschaft behebt Facharbeitermangel

1A

Die Situation der Lehrlingsausbildung in den
Vereinigten Staaten

16

10

DÜR UULüTUW-PLAN '..'IKP WARSCHAU BEFÜHLEN - DAG PiLNISCHh VOLK MU.33 J1CH
SKL55T KASTal^N
Wann man sich mit der gegenwaertigen Lage des polnischen Volkes
befasst, wird man feststellen, dasa in allen laeniern hinter dem eisernen Verhäng bestimmte Phrasen und bestimmte Motive immer wieder auftauchen. So zum Beispiel: "Dia Methode, die den '..'ie de rauf »au er•oeglicht hat, ist der geniale dialektische Katerialisaus Lenins und
Stalins", "die Arbeiter arbeiten begeistert am Aufbau des Sozialismus",
"die ko.iiiiunistische Partei, der Vorposten der fortschrittlichen Menschheit", "die tapfere Rote Armee wacht ueber
"

- 1 -

�Aber wie sieht die Wirklichkeit hinter diesen Phrasen aus,
welches Niveau des Wohlstands hat die polnische Bevoelkerung erreicht? Welche Atnesphaere herrscht in diesem Land?
Die polnische Geschichte der letzten zehn Jahre ist unverstaendlich, wenn man ihr nicht die ataendige, nicht immer sichtbare
Opposition derer gegenüberstellt, die die "Gruppe des Auslands"
oder auch die sogenannte "Gruppe Moskau" bilden«
Gehen wir ins Jahr 1926 zurueck, um etwas klarer zu sehen»
In dieser Zeit hat die von der sozialistischen Partei Polens ^P.S.)
und vom Allgemeinen Geweikschaftsbund (C.GT.-ebenfalls sozialistisch)
gefuehrte Arbeiterschaft Polens ihren Kampf gegen den Totalitarismus
begonnen. Nach der Invasion des Landes mussten die Arbeiter im
Verborgenen den Eindringling bekaempfen.
Von 1939 bis 1944 stellte die Arbeiterbewegung "Wolmosc, Rownosc,
Niepodleglosc" (Freiheit, Gleichheit, Bruederljchkeit) den demokratischen Gegenspieler Deutschlands dar. Man rechnete damit, dass
die nationale Befreiung gleichzeitig eine soziale Befreiung sein
wuerde.
Was die Kommunisten betrifft, so konnten sie in jenen Jahren
verhaeltnismaessig spaet damit beginnen, sich zu organisieren. Erst
im Jahre 1942 bildeten sie eine unabhaengige Wiederstandsbewegung.
Die Arbeiterpartei Polens (PPR), die zu jener Zeit gegruendet wurde,
gab vor, mit der ehemaligen kommunistischen Partei in keinerlei Zusammenhang zu stehen, die v©n der Komintern im Jahre 1938 aufgeloest
worden war.
Die PPR entstand nicht allein. Gleichzeitig wurde in Moskau ein
anderes kommunistisches Zentrum unter dem Namen "Vereinigung der
polnischen Patrioten" gegruendet. Zu gleicher Zeit wurde jedoch aus
der Entfernung die Taetigkeit der PPR dirigiert.
Als im Jahre 1944 die Rote Armee in das russische Territorium
eindrang, schuf die kommunistische Bewegung einen riesigen Apparat
fuer Verwaltung und Regierung, der nach und nach die Macht und die
Leitung der Wirtschaft durch die fortlaufende Beseitigung jeglicher
Opposition und aller polnischen gewerkschaftlichen Elemente, die dem
Kreml nicht hoerig waren, in die Hand nahm.
Dass dieser Umschwung in der Orientierung dank der aktiven Zusammenarbeit des russischen Militaers und der russischen Polizei
moeglich war, wird ganz offiziell zugegeben.
"Es ist offensichtlich", schrieben die Delegierten der polnischen
Arbeiterpartei (PPR) im Jahre 1948, "dass wir den Weg der Volksdemokratie nicht haetten einschlagen koennen, wenn uns nicht die Hilfe
und die Staerke der sowjetischen Armee zur Verfuegung gestanden haette."
Fast alles uebrige ist mit diesem uingestaendnis gesagt .......
Der Kreml ist darauf bedacht gewesen, in Polen vor allem jene
Elenente der Arbeiterschaft zu beseitigen, die im Verlauf des Widerstandskampfes gegen Deutschland gereift waren und die sowjetische
Orthodoxie ablehnen mussten.
Noch vor Beendigung der Feindseligkeiten war in Russland eine
"Polnische Sozialistische Partei" ins Leben gerufen worden, eine neue
Organisation unter einem alten Namen, die von Sowjetrussland ermaechtigt,
unterstuetzt und ermutigt wurde. Diese Partei diente als Kern fuer

- 2 -

�ein« groessere Bewegung, die von den Kommunisten und ihren Anhaengern
dirigiert wurde, um zu verhindern, dass die 7J.R.N. (Freiheit, Gleichheit, Bruederlichkeit) aus ihrer Verborgenheit auftaucht und sich des
gewerkschaftlichen Apparates bemaechtigt.
Vfie konnte sich nun die Machtergreifung vollziehen, wie wurde sie
unvermeidlich? Vor allem dadurch, weil die Opposition verschwand, weil
die Fuehrer der sozialistischen Partei der Regierung nachlaessig un4
blind gegenüberstanden und Opportunisten waren, die der Meinung waren,
abwarten zu koennen, und weil vor allem der Apparat des kommunistischen
Terrors vollkommen war. Er wurde zum wichtigsten Werkzeug, das der
kommunistischen Partei, oder besser gesagt, dem "Demokratischen Block"
zum Sieg verhalf.
Bevor man jedoch zu der gegenwaertigen Lage des polnischen Arbeiters
Stellung nimmt, muss etwas ueber die Angelegenheit Gomulka gesagt werden.
Der Monat Oktober des Jahres 1947 war durch die Bildung des Kominform
und die Wiedererstehung der im Jahre 1938 verschwundenen Komintern gekennzeichnet.
Bis dahin waren zwei Theorien von den Kreisen der Linken bevorzugt
worden: "Der polnische Weg zum Sozialismua unterscheidet sich von dem,
den die Sowjetunion gewaehlt hat," hiess die eine, waehrend die andere
voller Zuversicht beteuerte: "Der Aufbau des Sozialismus kann sich auf
friedlichem Wege vollziehen." Diese beiden Theorien hatten bis dahin
vorgeherrscht. Die grosse V.'ende wurde nicht sofort und nicht voellig
von vielen polnischen Kommunisten verstanden. Diese Nachzuegler, die in
erster Linie polnische Kommunisten waren, hatten nicht die Geistesgegenwart, im richtigen Moment zu handeln, sie mussten ihren Irrtum teuer
bezahlen.
Was der fruehere Chef der polnischen koiumunistischen Partei W. Gomulka
sich damals dabei dachte, ist unbekannt. Man weiss aber, dass auf einer
Konferenz des Politbueros am 3. Juni 1948 die "Revolte" zum Ausbruch kam,
die die Partei erschuettern sollte. Aufgrund dieses Umsturzes und der
Saeuberung, die darauf folgte, errang sich die "Gruppe Moskau" im Zentralkomitee die Vorherrschaft ueber die "Nationale Gruppe", das heisst ueber
diejenigen Mitglieder, die waehrend des Krieges im Lande geblieben waren.
Diese Spaltung kann trotz allem als Ausdruck einer sozialistisch-demokratischen Tendenz in der Polnischen Arbeiterpartei (PPR) angesehen werden.
Moskau wollte, dass die letzten Spuren dieser Tendenz verwischt werden.
Deshalb musste Gomulka verschwinden und die auslaendische Gruppe sich das
Monopol der Theorie und der politischen Macht aneignen. Diese offizielle
Verkuendung des "Einblocksystems" wurde von der authentischen oeffentlichen
Meinung in Polen wie eine nationale Katastrophe aufgenommen. Seit dem
Verschwinden der Bauernpartei war die PPS trotz ihres Opportunismus die
einzige Hoffnung geblieben. Von nun an gab es ueberhaupt keine Opposition
mehr.
Und nun sei einiges ueber die Lage der Gewerkschaften gesagt. Diese
Organisationen vertreten ebensowenig den Willen der Arbeiter wie die
Sozialistische Partei Polens (PPS), die von Stalin geschaffen wurde, den
wahren Geist des Sozialismus verkoerpert.
Die Kommunisten waren bemueht, ihrer wirklichen Macht den Anschein
der "revolutionaeren Legalitaet" zu geben. Hieraus erklaert sich die Zusammenkunft des Kongresses, mit Ausnahme der Delegierten des Bezirks
Lublin, die am 20. November stattfand, und in deren Verlauf die gewerkschaftliche Organisation der "Befreiung" gegruendet wurde.
Diese Gruppe, die kaum als Interessenvertretung der polnischen Ar-

- 3-

�beiter anzusehen sein duerfte, erweiterte ihren Aktionsbereich mit
dem Vordringen der sowjetischen Truppen. Mit Unterstuetzung der politischen Polizei stellte die neue gewerkschaftliche Formation eine
Arbeiterbewegung auf die Beine, die ausschliesslich stalinistisch und
orthodox war.
Vfas wurde in dieser Zeit der Y/iedererstehung des Nachkriegspolens
aus den sozialistischen und demokratischen Arbeiterbewegungen und den
Gewerkschaften, die nicht moskauhoerig waren?
Diese Bev;egungen waren im geheimen organisiert worden. Aber sie
sahen, dass ihre Beuuehungen durch die polnische Sicherheitspolizei
und die russische N.K.Y.'.D« mattgesetzt wurden.
Die Gfcheimorganisationen hatten zuerst geplant, aus dem Untergrund
aufzutauchen und am "Tag der Befreiung" offiziell eine polnische Verfassung zu verkuenden. Es kam jedoch anders.
Die Massnahmen der russischen Militaer- und Zivilbehoerden machten
eine voellige Aenderung der Taktik und eine Rueckkehr zu den Methoden
notwendig, die unter der deutschen Besatzung angewendet wurden.
Es muss gerechterweise darauf hingewiesen werden, dass in dieser
ersten Phase der "Befreiung" die Arbeiter trotz ihrer feindseligen
Haltung gegenueber ihrer Besatzungsmacht und denen gegenueber, die sich
in ihren Dienst stellten, einen guenstigen Eindruck von den Reformen
bekamen, die jetzt durchgefuehrt wurden: Verstaatlichung der Schluesselindustrien, Verstaatlichung der Banken, Aufteilung des Grundbesitzes,
Landreform usw. Es blieb noch eine Hoffnung, so meinten sie, und zwar
die Moeglichkeit, das System von unten her zu demokratisieren.
Aber die Kom unisten wussten, was 6ie wollten.
Die Satzungen der CGT, die einstimmig angenommen wurden,- verstaerkten noch die ko.-rununistische Macht. Die Gewerkschaftszentrale
wurde als unabhaengig von den politischen Parteien erklaert, was ihr
ermoeglichie, die "Parteilinie" zu verfolgen und etwaige Gegner zu beschuldigen, "die Einheit der Arbeiterklasse zu zerstoeren."
Theoretisch war in diesen Satzungen vorgesehen, dass der Anschluss
an die CGT freiwillig sein soll. In V.'irklichkeit war die Angliederung
seit 1944 obligatorisch. Die Betriebsleitungen schlugen den Personalchefs vor, alle Lohnempfaenger auf die Gewerkschaftsliste zu setzen und
die Beitraege zu diesem Zweck von Amts wegen bei der Lehnauszahlung einzubehalten.
Gleichzeitig aenderten sich Bedeutung und Bestimmung dieses neuen
Gewerkschaftswesens, Man zentralisierte und raeumte jenen neuen Gewerkschaftsfunklionaeren den ersten Platz ein, die als "Unterweiser" bezeichnet wurden, und deren Aufgabe es war, die Verbaende und Gewerkschaften zu "kontrollieren", das heiast letzten Undes, die Partei in
jeder Hinsicht zu verti-eten.
Auf der anderen Seite trat ein neues Prinzip in Erscheinung: das
der "Erraenzung durch verdienstvolle Liaenner", die nicht der gewerkschaftlichen Sphaere angehoerten. Diese "Ere;aen^ung" hatte eine beachtliche Bewegungsfreiheit der leitenden Organe der Organisationen zur
Folge. Von nun an durften sich diese Organe nur noch aus "zuverlaessi^.en
Leuten" zusammensetzen, durch das System der "Ergänzung" konnten zugleich missliebige Persocnlichkeiten abgeschoben werden.
Das Ringet/] zwischen den leiden Gesinnungsrichtungen, der freien

- 4_

�und der moskauhoerigen Gewerkschaften, sollte von 1945 bis 1947 andauern.
Die ersten Betriebsratswahlen sahen eine betraechtliche Zahl van
Waehlern. Sie zeigten eindeutig die wirkliche Schwaeche des kommunistischen Einflusses auf. Die kommunistische Liste erhielt 2l£,
die Sozialistische Partei dagegen 60^ und die "Gewerkschaftsliste" 12%
der Stimmen. Dieser Fehlschlag der "Gruppe Moskau" wurde der Oeffentlichkeit jedoch vorenthalten.
Der Gegenschlag liess jedoch nicht lange auf sich warten. Man
entfernte die "buerokratisierten und korrupten Elemente" aus den leitenden Stellungen der Gewerkschaften. In der Zeit von 1946 bis 1948
wurden von 68 Mitgliedern des Zentralausschusses 21 durch 23 "Ergaenzungsmaenner" ersetzt, die ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung
standen und vorher niemals irgendeine gewerkschaftliche Funktion inne
hatten. Das Zentralkomitee der Gewerkschaften, das sich selbst weitgehende Vorrechte angeeignet hatte, nachte es sich zur Gewohnheit, sich
in die internen Angelegenheiten der einzelnen Gewerkschaften einzumischen und die Vorstandsmitglieder zu beseitigen, die "politisch nicht
zuverlaessig" waren. Dazu war das Mittel der "Ergaenzung" ausserordentlich praktisch. Darueber hinaus wurden ganze Organisationen von
einem Tag auf den anderen von den Kontrollorganen einfach mit solchen
"Ergaenzungsleuten" durchsetzt.
Die Arbeiter brachten ihre Forderungen zu jener Zeit vor allem
durch Streiks zum Ausdruck. Die Streikenden in der "Volksdemokratie"
forderten Erhoehung der Loehne, Einhaltung der Tarifvertraege und Verbesserung der Lebensmittelversorgung. Zu dieser alten Form des Streiks
hat sich dann die neue des "stummen Streiks" gesellt, bei dem die Arbeiter aus Furcht vor Repressalien durch die Regierung weder Beschwerden
noch Forderungen laut werden Hessen. Sie zu verstehen, blieb den
Betriebsleitern ueberlassen.
Im Jahre 1946 nahmen die Arbeitsniederlegungen den Charakter einer
Massenbewegung an. Zu Anfang des Jahres waren Streiks in den Bergwerken,
Eisenhuetten und Metallfabriken des Dombrowa-Bezirks und in Oberschlesien zum Ausbruch gekommen. Sie erstreckten sich bald ueber das
ganze Land: von üzenstochau und Posen bis Gdingen, Danzig und Stettin.
L,S kam zu blutigen Zusaramenstoessen mit der Polizei.
In Lodz brachen im September 1947 Streiks in der Textilindustrie aus,
die noch groessere Nachwirkungen zur Folge hatten. In dem Unternehmen
"Gayer" waren die Arbeiter, die eine Lohnerhoehung gefordert und gegen
die zu grossen Anforderungen unter dem System des "Arbeitswettbewerbs"
protestiert hatten, von der Polizei angegriffen worden. Daraufhin wurde
in der gesamten Textilindustrie die Arbeit niedergelegt.
Die offizielle Reaktion auf diese Streiks war ein allgemeiner Schweigebefehl. Den Zeitungen wurde verboten, darueber auch nur eine Zeile zu
veroeffentlichen. Als es jedoch nicht mehr moeglich war, die Sache zu
verheimlichen, weil sie all zu bekannt geworden war, beschraenkte man sich
darauf, die Streikenden zu beschimpfen, denn ein Streik muss nach der
Doktrin des Kreml unter einem "fortschrittlichen" Regime notgedrungen
"reaktionaer" sein.
Im uebrigen wurde bald der Befehl erlassen, die Streiks zu
"licuidieren". An der Durchführung dieses Befehl3 beteiligten sich die
Sicherheitspolizei, die Miliz und die "aktiven" Mitglieder der Partei
und der Gewerkschaften.
Die ideologische Erklaerung fuer dieses Streikverbot ist in dem

- 5-

�nachstehenden Auszug aus der EntSchliessung des Praesidi'ums der
polnischen CGT zusainmengefasst, die vt&gt;ra Juni 1947 datiert:
"In der verstaatlichten Industrie, in der die Arbeiterklasse
direkt an der VJiederaufrichtung der nationalen Wirtschaft beteiligt
ist, und deren gesteigerte Produktion zum Wohlergehen des Arbeiters
beitraegt, wirkt sich jeder Streik fuer das Land und infolgedessen auch fuer die Arbeiterklasse nachteilig aus. Die Gewerkschaftskomraission spricht sich damit gegen Streiks in der verstaatlichten
Industrie aus."
Wenn man jedoch behaupten wollte, die neuen Gewerkschaften wuerden
saemtliche Freiheiten unterdrücken, eo wuerde das nicht der Wahrheit
entsprechen.
Jedesmal, wenn die Regierung die Initiative ergreift, um die
"Massen fuer eine «kollektive Aufgabe' zu mobilisieren", muss eine
"freudige" freiwillige Aktivitaet entfaltet werden.
Im Jahre 1947 wurde das System des sogenannten "Arbeitswettbewerbs" unter seinem sowjetischen Anstrich eingefuehrt; es war seit
1945 bereits von der Jugend unter dem Namen "Arbeitswettkampf"
praktiziert worden.
Das System, das nach und nach in der gesaraten Industrie und in
seinen verschiedenen Fonren angewendet wird, hat ebenfalls die Einsparung von Rohstoffen und die groesstraoegliche Ausnutzung der
Maschinen und der Energie zum Ziel.
Die "Stachanows" werden gehegt und gepflegt, offiziell betreut,
befoerdert und ausgezeichnet, man gewaehrt ihnen Sonderpraemien und
eine 30£ige Steuerermaessigung. Ihre Zahl belaeuft sich ungefaehr auf
20.000. Die Leistungen dieser Produktionskaempfer ziehen automatisch
eine Revision der Produktionsnormen und die Einfuehrung eines
moerderischen Arbeitstempos nach sich.
Anlaesslich verschiedener Festlichkeiten ergreifen diese "Stachanows" die Initiative und geben "Produktionsverpflichtungen" ab, das
heisst, sie verpflichten sich, die Produktion ihres Betriebs wesentlich
zu steigern. Der Masse .bleibt nichts anderes uebrig, als diesen "Verpflichtungen" zu folgen, und voller Begeisterung" die ihnen vorgelegten Entschliessungen zu akzeptieren.
Der Gewerkschaftliche Zentralrat hat ia August 1950 folgende Befehle erteilt:
"Die Gewerkschaften muessen unablaessig daran arbeiten, den Arbeit swettbewerb zu einer Massenbewegung zu gestalten.
"Die Erfolge der leistungsfaehigsten Arbeiter und Arbeitsgruppen
muessen auf alle Arbeiter des gleichen Unternehmens ausgedehnt werden."
"Die Loehne sind einzig und allein von der Erfuellung und Ueberschreitung der Produktionsnormen abhaengig."
"Die Gewerkschaften muessen ueberall und entschlossen fuer die
Wahrung der sozialistischen Arbeitsdisziplin sorgen."
Wenn man den Gewerkschaftsfuehrern in Warschau Glauben schenken
will, verdienen die polnischen Arbeiter heute mehr als vor dem Krieg.
In Wirklichkeit entsprechen die Realloehne des Jahres 1950, mit Ausnahme der Loehne der "Produktionshelden" kaum der Haelfte der Loehne

- 6-

�aus der Zeit vor 1939.
TIenn der Stundenlohn des polnischen Arbeiters heute mit den Koeffizienten 100 beziffert wird, haben die preise fuer lebenswichtige Nahrungsmittel den Koeffizienten 200 und die fuer Lederartikel und Textilien mindestens 300.
Hinzu kommt, dass die Arbeiter keinerlei Einfluss mehr auf die Entwicklung der Loehne ausueben koennen, weil es zum Prinzip gemacht wurde,
dass "die Lohnfrage von nun an nicht mehr im Zeichen des Klassenkampfes,
sondern durch Bestimmungen, die in engstem Einvernehmen mit der Gewerkschaftsbewegung gefasst werden, geloest wird."
Koerperliche Ermuedung, moralische Gleichgültigkeit und die sichueberall bemerkbar machende Hoffnungslosigkeit sind Faktoren, die einen Geisteszustand geschaffen haben, der in der Nachlaessigkeit bei der Arbeit, im
Fernbleiben vom Arbeitsplatz und in den Schwankungen der Arbeitsleistung
seinen Niederschlag findet.
Hieraus erklaeren sich die beiden Gesetze vom 7. Maera und vom 5. Mai
1950. In dem ersten wird bestimmt, dass der Arbeiter, der seinen Arbeitsplatz wechseln moechte, hierzu die Erlaubnis der Betriebsleitung einholen
muss. Das zweite, sogenannte "Gesetz der sozialistischen Arbeitsdisziplin"
sieht gerichtliche Bestrafung beim Fernbleiben vom Arbeitsplatz vor, wenn
die Dauer des Fernbleibens in einem Jahre vier Tage ueberschreitet. Auch
Arbeitgeber setzen sich Bestrafungen aus, wenn sie derartiges Fehlen dulden.
Die Gewerkschaften sind angewiesen, die Durchfuehrung dieser beiden Gesetze zu ueberwachen.
Seit dem 17. Mai, dem Tage an dem das Gesetz der "sozialistischen
Arbeitsdisziplin" in Kraft trat, wurden mehrere hundert Arbeiter nach
diesem Gesetz mit Geld- und Gefaengnisstrafen bis zu drei Monaten bestraft.
Diese Vorkommnisse werfen ein grausames Licht auf die ungeheure Last,
die dem polnischen Volk durch den Sechsjahresplan, der als Molotow-Plan
bezeichnet wird, aufgebuerdet wurde.
Man weiss, dass der plan fuer die Zeit von 1950 bis 1955 eine Produktivitaetssteigerung fuer die Schwer- und Leichtmetall-Industrie von 66%*, fuer
die Bauindustrie von 86%, fuer die Eisenbahnen von 52$, fuer den Kleinhandel von 45%" und fuer die Staatsgueter von 90$ vorsieht.
Im ganzen gesehen kommt es jedoch nicht auf diese hochgesteckten Ziele
an. Bemerkenswerter ist, dass der Apparat der kommunistischen Partei und
der Gewerkschaften vor keiner Massnahme zurueckschreckt, sei sie auch noch
so ruecksichtslos, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Die Solidaritaet
der Arbeiterschaft ist unter diesem System voellig verschwunden, und ihr
Fehlen laesst den Arbeiter in grausamer Weise spueren, wie schutzlos er allem
ausgeliefert ist.
Um sich von der hartnaeckigen Opposition ein Bild machen zu koennen,
die vor keinem offiziellen Befehl Halt macht, muss man aufmerksam die Artikel der kommunistischen Presse Polens lesen.
Dem System des Arbeitswettbewerbs gegenueber sind die Arbeiter im allgemeinen feindlich eingestellt. Sobald die obligatorische "Begeisterung"
etwas nachgelassen hat, nimmt die Zahl der "Produktionshelden" rapid ab.
In bestimmten Industrien werden die monatlichen Produktionsziele durch
Ueberstunden an Sonn- und Feiertagen erreicht. Die Arbeiter nehmen dies
als das geringere Uebel in Kauf im Vergleich zu dem, was ein beschleunigter
Hueckgang in der Produktion bedeuten wuerde.

-7 -

�Auch die Abwesenheit vom Arbeitsplatz laesst sich nicht abschaffen,
obwohl die Aerzte, die Arbeitsunfaehlgkeitsbescheinigungen ausstellen,
strengstens ueberwacht werden.
Der unparteiische Beobachter kann aus all dem schliessen, dass eine
wirkliche Opposition besteht, die nicht wie anderswo offen und legal,
sondern organisch und in sich konkret vorhanden ist und den stummen V.'iderstand verkoerpert, den die Arbeiterschaft, die das totalitaere Joch des
neuen Staates verabscheut, der Gewerkschafts-"elite" entgegensetzt.
Rapport8 France - Etats Unis
2/51
PIK BKSTri PR0DUKTIVITAET3AUSSTELLUNG IN BLiMINGHAM

Kine neue und hoechst wirkungsvolle Form einer Produktivitaetsausstellung ist vor kurzem vom englischen Finanzminister eroeffnet worden.
In der Ausstellung wurden erprobte Arbeitsmethoden gezeigt, die die
Produktion pro Mann und pro Arbeitsstunde um 30 bis 900 Prozent gesteigert und haeufig gleichzeitig zu einer Einsparung von Material gefuehrt
hatten.
Die Ausstellung ist von 8250 Arbeitern aus allen Zweigen der Industrie
Mittelenglands besucht worden. Sie sahen lk Ausstellungsmodelle, die alle
eine besondere Bedeutung hatten und zeigten, wie die Produktionsleistung
gesteigert wurde und noch gesteigert "werden kann. Jeder Arbeitsmethode,
jeder V'andkarte oder Fotografie lag das gleiche Motiv zugrunde: hoehere
Produktionsleistung durch bessere Arbeitsmethoden.
116 organisierte Gruppen aus Betrieben besuchten die Ausstellung,
von denen viele ihren gemeinsamen Produktionsausschuessen Bericht erstatten
nussten, um ihnen die Annahme neuer Ideen zu empfehlen, zu denen die Ausstellung angeregt hatte.
Die Ausstellungsmodelle waren von zustaendigen beruflichen oder
technischen Vereinigungen und nicht von den Firmen, die sie verwenden, ausgesucht worden. Diese Vereinigungen hatten ihren Mitgliedern nahegelegt,
nur solche Gegenstände zu'waehlen, die folgenden Bedingungen entsprachen:
Sie duerften weder bekannt noch in der Industrie allgemein gebraeuchlich
sein; sie mussten ueberall und ohne grosse finanzielle Aufwendungen anwendbar sein, damit sie nicht nur von den grossen Unternehmern, sondern
auch von den kleinen ausgewertet werden koennen.
In seiner Rede zur Eroeffnung der Ausstellung erklaerte der Finanzminister: "Viele von ihnen werden sich daran erinnern, dass im ersten
gemeinsamen Bericht des Anglo-amerikanischen produktivitaetsrates die
Vertreter der Industrien beider Laender zum Ausdruck gebracht hatten,
dass die englische Industrie an ihren eigenen guten Methoden ebenso viel
lernen kann wie von der Industrie der Vereinigten Staaten. Diese allgemeine Ansicht ist durch verschiedene Berichte einzelner Reisegruppen bestaetigt worden, die feststellten, das3 sie in Amerika wenig entdeckt
haetten, was nicht in irgendeiner Fabrik in England bereits anzutreffen
ist, oder, mit anderen "..'orten, dass der Hauptunterschied zwischen den »
Industrien der beiden Laender nicht im Unterschied zwischen den hoechsten
Normen begruendet ist, sondern durch den Durchschnitt. In Amerika ist die
Zahl der Betriebe, in denen die besten Arbeitsnethoden angewendet werden,
prozentual viel groesser.

- 8 -

�"Dies scheint mir hoechst bedeutsam zu sein. Diese Erkenntnis stellt
der britischen Industrie eine besondere Aufgabe. Wir wollen unter allen
Umstaenden die beachtlichen Errungenschaften der amerikanischen Industrie
erkennen und daran lernen, aber laege es nicht naeher, an Hand der besten
Methoden in unserem eigenen Lande zu lernen?"
"Die Aufgabe dieser Ausstellung hier in Birmingham besteht darin, die
britische Produktionsleistung mit Hilfe guter praktischer und erprobter Arbeitsmethoden der arbeitenden Industrie vor Augen zu fuehren. Die Ausstellung
ist aeusserst vielseitig. Sie beschraenkt sich nicht auf irgendwelche technischen Besonderheiten oder auf die Interessen bestimmter Industriezweige, sondern lediglich auf jene Dinge, die zur Steigerung der Produktionsleistung
beitragen koennen."
"Ich bin ueberzeugt, dass es fuer Sie viel leichter ist als fuer mich,
die Geheimnisse neuer technischer Verfahren zu verstehen, die in dieser Ausstellung gezeigt werden. Aber selbst ein Laie wie ich kann nicht umhin,
sich fuer die Aussicht einer staendigen Verbesserung unserer nationalen Produktionsleistung zu interessieren und zu begeistern - mit all ihrer Bedeutung, die diese Produktivitaetsverbesserungen fuer unsere nationale Sicherheit und wirtschaftliche Macht haben."
"Ich finde es weiter sehr wichtig, daran zu denken, dass britische Firmen ihre Produktionsgeheimnisse und Patente der Oeffentlichkeit zeigen, ihre
Toren und Fenster oeffnen, um ihren Nachbarn zu helfen. Das ist der wirkliche Grundsatz gegenseitiger Hilfe des Menschen."
Alle Anwesenden stimmten darin ueberein, dass ihre BemueUungen der Muehe
wert waren und stimmten William Batt, dem Beauftragen ECA-Minister zu, der
erklaerte, diese Ausstellung muesste in jedem Industriezentrum Englands gezeigt werden.
Obwohl dies nicht moeglich sein duerfte, hofft man, dass diese Ausstellung
fuer andere, die noch folgen werden, ein gutes Beispiel sein wird. Sie wurde
auf dem Bezirksberatungsausschuss in Birmingham, der dem Regionalausschuss
der Industrie Mittelenglands angehoert, organisiert und von der Informationsabteilung des Finanzministeriums und dem zentralen Informationsbuero vorbereitet .
Target
2/51
ECA - CHEF F'OrtDKHT FüIEDKNSPaODUKTION
"Ich bringe erneut meine Ueberzeugung zum Ausdruck, dass es fuer Europa
einen '.'eg gibt, jedem einzelnen ein besseres Leben zu gestalten und gleichzeitig die notwendige militaerische Sicherheit zu schaffen," erklaerte unlaengst der Leiter des Marshallplans, '„'illiam C. Foster, in Paris.
"S3 dreht sich darum, die gesamte Produktion zu steigern. Wenn Europa
die gegenwaertige Gelegenheit wahrnimmt und seine Maerkte zusammenfasst,
seine Produktionsleistung steigert und so handelt, wie es seiner Klugheit
entspricht, dann bin ich ueberzeugt, dass es seine Bruttoproduktion um
100 Millionen Dollar jaehrlich erhoben kann."
Der Marshallplan-Verwalter brachte zum Ausdruck, dass der Marshallplan
nun vor allem die '..'iederaufruestung zum Ziele habe, die der Sicherheit der
freien ','elt diene. Er hielt sich in Paris auf, um mit den Leitern der
Marshallplan-Missionen aller westeuropaeischen Laender zu konferieren.
Foster fuegte hinzu: "V.'aehrend wir ^lle 'nieder aufruesten muessen,
rauss unser groesstes Ziel der Friede sein. Wir sind uns alle dessen bewusot,

- 9 -

�dass wir entschlossen und ohne Ruecksicht auf die taeglichen Schicksalsschwankungen alle notwendigen Schritte zur Erhaltung des Friedens unternehmen muessen."
Die wirtschaftliche Hilfe Amerikas fuer nichtlebenswichtige Zwecke
wuerde weitgehend reduziert werden muessen, da die Kraefte der freien
Welt fuer die Verteidigung mobilisiert werden muessten. MarshallplanGelder koennten jedoch noch immer fuer den Wohnungsbau verwendet werden,
wo der Wohnraumoangel ein ernsthaftes Problem darstelle.
Diejenigen Laender, die entschlossene Massnahmen zur Kontrolle der
nichtlebenswichtigen Produktion und zur Verwendung von Austauschstoffen
ergriffen haetten, wuerden bei der Zuteilung von Mangelwaren behandelt.
ECA Labor Information
2/21/51
KRITIK AN DER ARBLITSBEWUSSTSEINTHEÜRIE PRuFSSSOR PLRLMAN3
Die Grundzuege der Perlmanschen Theorie besagen, dass die Philosophie
der Arbeiterschaft praktisch niemals auf der Basis der Klassenkampftheorie
begruendet war. Vor allem trifft das auf die amerikanische Gewerkschaftsbewegung zu, auch wenn diese in ihren Anfaengen durch Entwicklungen, die
in Westeuropa vor sich gingen, beeinflusst worden ist. Nach der Perlmanschen Theorie rueckt die Frage des Arbeitsbewusstseins immer staerker in
den zentralen Blickpunkt der amerikanischen Gewerkschaftsarbeit, was sich
vor allem darin ausdrueckt, dass in einzelnen Faellen die Gewerkschaften
Massnahmen trafen, um in bestimmten Situationen sich fuer die Erhaltung
bisheriger Arbeitsplaetze auszusprechen. Das tritt insbesondere zutage bei
dem Seniorenproblem und bei der Vergebung freier Arbeitspiaetze.
Es haben sich jedoch gewichtige Stimmen zu './ort gemeldet, die die Gueltigkeit dieser Theorie des Arbeitsbewusstseins nicht in vollem Umfang oder
nur zu einem beschraenkten Teil gelten lassen wollen. Die nachstehenden
Kritiken sind deshalb von besonderer Bedeutung, weil hierbei von verschiedenen Blickwinkeln an das Gesamtproblem herangegangen wird.
Everett M. Kassalow, stellvertretender Leiter des amerikanischen
Amtes fuc-r soziale Sicherheit, unterscheidet scharf zwischen den heutigen
Gewerkschaften und jenen, die die Perlmansche Theorie darstellt.
Kassalow ist der Meinung, dass die Massengewerkschaftsbewegung von
heute, die zu« grossen Teil aus der v.irtschaftlichen Depression der Dreiseiger Jahre geboren wurde und grosse, neuaufgekommene Industrien umfasst,
natuerlich den Staat und die Regierung unter einem anderen Blickwinkel
sehenraussals die Bewegung aus dem Jahre 1928. Im Gegensatz zu den Gewerkschaften der Zwanziger Jahre, die gewissermassen eine defensive Stellung
einnahmen, sind die Tarifverhandlungstaetigkeiten vieler sogenannter neuer
Gewerkschaften zu einer bedeutsamen gestaltenden Macht im gesamten nationalen
Wirtschaftsbild geworden.
Man versuche einmal, so fuhr Kassalow fort, sich an den im wesentlichen
defensiven und stark begrenzten Charakter der Bewegung und ihre Philosophie
in den Zwanziger Jahren zu erinnern. Man vergleiche ihn mit der Lage der
Gewerkschaften von heute. Die Gewerkschaftsbewegung umfasst 15 Millionen
Mitglieder und erstreckt sich tatsaechlich auf jede bedeutende Industrie.
Auf Grund dieser zahlreichen Tatsachen allein ist sie in viele neue Verantwortlichkeitsgebiete und neue Positionen eingefuehrt worden. Als die
groesste Interessengruppe in der Wirtschaft ist sie zum Beispiel zum
Machtzentrum der fortschrittlichen Sozial- und Wirtschaftsreform Amerikas
geworden.

- 10 -

�"enn man sich, um nur einige soziale Probleme der heutigen Zeit zu
nennen, eingehend mit dem oeffentlichen und genossenschaftlichen ,'ohnungsbau, der Sozialversicherung, der Krankenversicherung, den Mindestloehnen
oder gerechten Beschaeftigungsmethoden befasst, ..ird man feststellen,
dass die organisierte Gewerkschaftsbewegung der einzige, aber zugleich
bedeutsamste Fuersprecher und politische Foerderer dieser Programme gewesen ist.
V.'enn jemand denkt, dass diese Massnahmen lediglich ein erneuter
Ausdruck und eine Erweiterung der arbeitsueberwachenden Geweikschaftsbev.e^ung sind, dann soll er einmal als eindeutiges Beispiel die veraenderte
Haltung der Gewerkschaftsbewegung gegenueber der Sozialversicherung studieren. Kassalow stellte anschliessend fest, dass dieser Punkt eingehend
behandelt und darauf hingewiesen werden muss, wie logisch es fuer arbeitsbewusste und arbeitskontrollierende Gewerkschaften ist, sich fuer Arbeitslosenunterstuetzung und aehnliches einzusetzen. Dies mag sehr logisch
sein, aber was dadurch nicht zum Ausdruck gebracht wird, ist die Tatsache,
dass zur Bluetezeit der arbeitsbewussten Gewerkschaftsbewegung, als Dr. Perlman seine Theorie proklamierte, die Gewerkschaftsbewegung oder zumindest
ihre oberste Fuehrung, in der Praxis und im allgemeinen prinzipiell derartige Formen der Einmischung der Regierung in das wirtschaftliche Leben
ablehnte.
Es fehlt heute an '.Wissenschaftlern, die die Arbeit Dr. Perlmans
wieder aufnehmen, die vor nahezu einem ViertelJahrhundert so glaenzend
begonnen wurde, und die die neuen Grenzen erweitern. In diesen Zusammenhang gibt es eine Reihe von Punkten in der Perlman-Theorie, die einer
Neuerforschung beduerfen. Hiervon seien fuenf genannt:
1. Die Veraenderungen im traditionellen amerikanischen Kapitaiismus
seit 19*19 und die "neue und bei \.eitern skeptischere Einstellung" der
Gewerkschaftsbewegung dieser Form des Kapitaiismus gegenueber.
2. Die Bande, die die Mitglieder der grossen Industriegewerkschaften
verbinden, und keineswegs Klassencharakter tragen, sind eher industrieller
Art als durch die Arbeit bedingt. Der Begriff "Arbeitsbe..usstsein" muss
deshalb eine neue Bedeutung annehmen.
3. Das Tarifverhandlungsverfahren, das sich heute auf den grossen
Maerkten der Industrie abspielt, nimmt das Merkmal eines wirtschaftlichen
Machtkampfes an, der sich, ausser auf Loehne wie in den Zwanziger Jahren,
auch auf Preise, Beschaeftigungsmoegiichkeiten und ProduktionsfaKtoren
erstreckt.
A. Das gesteigerte Interesse der Gewerkschaften an Problemen auf
nichtpolitischem und nichtwirtschaftlichem Gebiet, wie zum Beispiel ihre
gesteigerte Beteiligung an kommunalen Sozialeinrichtungen.
5. Die gesteigerte direkte Beteiligung der Gewerkschaftsbewegung
an vielen Einrichtungen und Massnahmen der Regierung.
Es ist ueber zwtnzig Jahre her, dass Dr. Perlman seine, die
erhellenden Schlussfolgerungen praesentierte. Jeder .ird sicher
grossen Verdienste anerkennen, aber zwischen Himmel und ^irde der
schaftlichen Theorie haben sich inzwischen Dinge abgespielt, von
selbst in der Perlman-Philosophie nicht einmal getraeurat wurde.

Probleme
seine
gewerkdenen

Der stellvertretende Arbeitüminister Philip M. Kaiser eroerterte
die ijwendung der Perlman-Theorie auf internationale /.rbeitsangelegenheiten. Nachdem Kaiser auf die drei dominierenden Faktoren hingewiesen
hatte, die einen entscheidenen Einfluss auf das ,,'esen der Gewerksch.-.fts- 11 -

�bewegung ausueben, naemlich ein dynamischer Kapitalismus, eine Gruppe
einflussreicher Intellektueller und die Gewerkschaften selbst, fuehrte
er aus:
"Obwohl diese drei Faktoren seit der Veroeffentlichung der Perlraanschen
Theorie gewisse Veraenderungen erfahren haben, bin ich der Meinung, dass
es heute unraoeglich ist, Fragen internationaler Arbeitsangelegenheiten zu
verstehen, v.enn man nicht die Kampfkraft des Kapitalismus, die Rolle des
doktrinaeren Intellektuellen und die Aussichten der Gewerkschaftsbewegungen
in Erwaegung zieht. Und selbst da, v-o besondere, fuer einzelne Laender
bezeichnende Faktoren in Erscheinung getreten sind, bietet Perlmans
historische Analyse durch ihre auf Erfahrung »egruendete Sensitivitaet
gegenueber spezifischen Sinfluessen wie zum Beispiel den Agrarbewegungen,
den Grad der Entwicklung demokratischer Institutionen, in politischer und
anderer Hinsicht, dann dem Ausmass der Markterschliessung und fuer eine
ganze Zahl aehnlicher Dinge eine fruchtbare Ausgangsbasis."
Die Faktoren, die bei der Gruendung des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften eine Rolle spielten, wurden wie folgt von Kaiser dargelegt,
womit zugleich die Perlman-These unterstuetzt wurde:
"Der IBFG hat grundsaetzlich die Philosophie der Gewerkschaftsbewegung akzeptiert. Ich sage dies, weil die 'sozialistischen' Ziele weder
in der Satzung noch in dem Manifest erwaehnt sind, das Ziel und Zweck
der neuen Organisation umreisst. Fuer diejenigen, die die Geschichte
der internationalen Gewerkschaftsbewegung und ihren jahrhundertalten
Zusammenhang mit dem Sozialismus verfolgt haben, ist es unbedingt bemerkenswert, dass eine weltweite internationale Gewerkschaftsbewegung
unter der Fuehrung ihrer wichtigsten Mitgliedsorganisationen mit dem
Gefuehl, sich bekennen und ihre Ziele in einer Y'elt der ideologischen
Konflikte darlegen zu muessen, ausdruecklich das Prinzip der freien
Gewerkschaftsbewegung als das grundlegende und einigende Ziel fuer
die Arbeiter der ganzen .Jelt uebernimmt. Dies ist, um ein 7,'ort Perlmans
zu gebrauchen, "Organisierung der Arbeit auf weltweiter Basis."
Professor Philip Taft, ein Schueler Professor Perlmans, wertete sein«
Theorie folgender/nassen aus;
"Aehnlich wie andere Theorien auf anderen Gebieten muss die der
Professoren John R. Commons und Selig perlman von der Universitaet
'Wisconsin nach ihrer Faehigkeit beurteilt werden, die Haltung und Einstellung der Gewerkschaftsbewegung sinnvoll zu erklaeren.
"Als Professor Commons begann, sich mit dem Gebiet der Arbeit zu
beschaeftigen, war die amerikanische Bevoelkerung der Idee der organisierten Arbeiterschaft weit weniger aufgeschlossen als heutzutage. Man
hegte allgemein die Vermutung, dass der Preismechanismus eine ausreichende
Methode zur Verteilung der Reichtuemer und Gewinne sei, und dass jede
Einmischung der Gewerkschaftsbewegung in die Jirtschoft eine Verminderung
des '/Wohlstandes zur Folge haette. Es herrschte auch die Ansicht, dass
Gewerkschaften revolutionaere Gruppen darstellen, die die Absicht haetten,
die bestehende Gesellschaftsordnung mit Gewalt umzustuerzen. Professor
Commons machte es sich zur Aufgabe, diese Auffassungen zu widerlegen.
Die Erfahrung lehrte ihn, dass die 'Wirtschaft weit weaiger vollkommen
war, als die traditionelle Theorie es vermutete, und er hatte die Beobachtung gemacht, dass selbst in den Betrieben, deren Eigentueraer sich unter
den '/Wettbewerbsbedingungen des '.Warenmarktes beteiligten, Begünstigungen
und Benachteiligungen vorhanden waren. Der einzige Schutz war dem Einzelnen nur dadurch geboten, dass er sich mit anderen zusammenschioss, um
sich gemeinsam fuer eine gerechte Behandlung und eine entsprechende Bezahlung einzusetzen.
'Die Demokratie und die Regierung d s Vertreter des Volkes muesoten
nach Commons Meinung von der Gesetzgebung auch auf die Industrie ausgedehnt
- 12 -

�werden; ein solcher Schritt - die Anerkennung der Gewerkschaftsbewegung
durch die Unternehmer - ..uerde den Kapitalismus eher staerken als schwaechen. Die moderne Industrie musste erst organisiert werden, und Commons
glaubte, dass es bestimmten Gruppen moeglich sei, lebensfaehige Beziehungen
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herzustellen, die fuer die ,,'irtschaft
eint Kraftquelle werden koennten, wenn diese Gruppen Toleranz und Verstaendnis fuer die gegenseitigen Probiere zeigen '..uerde.
"Professor Perlman erweiterte und staerkte die Ansichten Commons. Er
unterscheidet zwischen den Ansichten der Arbeiter selbst, ihrer gewaehiten
Funktionaere und denen, die kein Mandat der Arbeiter in Haenden haben, aber
in ihrem Namen sprechen. Letztere jind genoehnlich diejenigen, die der
Meinung sind, die Arbeiter mues;;ten ein bestimmtes soziales und politisches
Programm billigen, und wenn sie auch im Namen der Arbeiterschaft sprechen,
so vertreten sie aoeh Keineswegs die grosse Masse der Arbeiter, jarueoerhinaus pflegen diese Gruppen auf Grund ihrer sozialen Auffassung, den
Faehigkeiten der Gewerkschaften allein wenig Bedeutung beizumessen, die
Arbeiter in ihrem Kampf um einen gerechteren Anteil am Sozialprodukt und
um eine gesteigerte Sicherheit des Arbeitsplatzes zu unterstuetzen.
Professor Perlman weist diesen Standpunkt zurueck uni stellt fest,
dass die Arbeiter deshalb Gewerkschaften -ufgeb -ut haben, um ihr Interesse
an der Arbeitsraoeglichkeit wahrzunehmen. Die Arbeiter v.issen, dass ein
Mangel an Arbeitsgelegenheiten besteht, und sie haben deshalb Einrichtungen
geschaffen, um diese Moeglichkeiten sicherzustellen und den Mitgliedern
diese Arbeitsmoeglichkeiten zur Verfuegung zu steilen. Dies ist am besten
aus den Richtlinien der Berufsgewerkschaften zu ersehen, dies zeigt sich
jedoch auch in den Richtlinien der Industriegewerkschaften, iie den
Schutz der Arbeitsmoeglichkeit und die Senioritaet besondere betonen.
Veraenderungen in der Arbeitsweise und der StruKtur der Gewerkschaften
haben zu keiner Veraenderung dieser grundsätzlichen Einstellung gefuehrt.
Monthly Labor Review
11/51
DE.t LOHN-PilEIJ-PLAN EINES AMERIKANISCHEN 3b::SrtKJCHAFTSFUHKTlCNASR3
Die "Denver Post" s t e l l t i n einem L e i t a r t i k e l , der die U e b e r s c h r i f t
"Ein Ge«erKschaftsfu^hrer beweist s e i n s t a a t s i a a e n n i s c h e s Koennen" t r a t g t ,
f e s t , dass (j. A. Knight, der Vorsitzende der E r d o e l a r b e i t e r - G e w e r k s c h a f t
durch s e i n e n " L o h n - P r e i s - S t a b i l i s i e r u n g s p l a n ' 1 zur h o - c h s t e n itufe des*
g e w e r k s c h a f t l i c h e n Denkers emporgestiegen i s t . ' Das Kernziel d i e s e s
Planes i s t die S t a b i l i s i e r u n g der , ' i r t s c h a f t dtes Landes.
Knight, der Vorsitzende der I n t e r n a t i o n a l e n Er l o e l a r b e i t e r g e w e r k sch.^ft uni Vizevorsitzende; - des CIO, schlug vor, a l l e P r e i s e und a l l e
Loehne, und zwar d i e der g e w e r k s c h a f t l i c h o r g a n i s i e r t e n un-J n i c h t o r g a n i s i e r t e n Arbeitnehmer, zu einem bestimmten Datum zu " b l o c k i e r e n .
Von da
an s o l l e n die Loehne an etwaige Erhoehungen der Lebenshaltungskosten
automatisch angepasst »erden. Dann wu«rd«n iie Loehne fuer die Dauer des
n a t i o n a l e n Metstandes s t a b i l i s i e r t und nur r e g e l m ä s s i g a l l e d r e i Monate
e r n e u t ueberpi-ueft, um g e g e b e n e n f a l l s an die Lebenshaltungskosten wiederum
angeglichen zu werden«
Im Grunde s c h l u e g t Knight, einen n a t i o n a l e n LebenshaltungoKcstenG l e i t e a t z fuer . l l e Lohnempfaenger in ,jncrika, uni zwar .owohl O r g a n i s i e r t e
a l s auch N i c h t o r g a n i s i e r t e , v o r .
Zuerst w o l l t e er a l l t !.oehn&lt;. uni ._le : Y e i s e mit irkung vom 1 5 . Februar 1951 "oder zu einer, anderen annehmbaren Z e i t p u n k t " " b i o c / . i e r e n . "

- 13 -

�Danach sollte jeder Arbeitgeber aufgefordert werden, Lohnerhoehungen in
genau dem gleichen Prozentsatz zu gewaehren, in dem sich der Verbraucherpreisindex des Bueros fuer Arbeitsstatistik seit dem 15. Juni 1950 erhoeht
hat. Neue Angleichungen - nach oben oder unten - wuerden danach in dreimonatigen Abstaenden vorgenommen werden, aber die Loehne duerfen nicht
unter den Stand, in dexa sie "blockiert" wurden, gesenkt werden.
Inzwischen wuerden "nicht-inflationistische Unterstuetzungen an
Arbeitgeber", wie zum Beispiel Pensionen, Versicherungsrenten, L'ohlfahrtsunterstuetzungen, Urlaubsverguetungen und Produktivitaetsbonuszahlungen im
normalen Tarifverhandlungsverfahren festgelegt werden und muessten von dem
Lohnstabilisierungsausschuss bewilligt werden. Die vorher abgeschlossenen
Tarifvertraege wuerden nicht abgeaendert, es sei denn, dass dies notwendig
wuerde, damit sie mit den automatischen Mindestaufbesserungen zur Angleichung an die Lebenshaltungskosten uebereinstimraten." Der Lohnstabilisierungsausschuss wuerde weiterhin ein "dreiteiliges" Gremium sein, das sich
aus Vertretern der Gewerkschaften, der Industrie und der Oeffentlichkeit
zusammensetzt. Knight schlaegt vor, gleichzeitig einen Preiskontrollausschuss in der gleichen '.'eise zusammenzustellen. Der Preisausschuss wuerde
befugt sein, Preissteigerungen in nachweislich dringlichen Faellen zuzulassen und Preissenkungen anzuordnen, wo dies ohne grosse Haerten moeglich
waere. Preissubventionen sollen jedoch nur dann gewaehrt werden, wenn einwandfrei erwiesen sei, d^ss die automatischen Lohnangleichungen an die
Lebenshaltungskosten unbillige Haerten mit sich gebracht haetten.
Labor News frora the US
3/16/51

DAENISCHE GEWERKSCHAFT BaffiiBT FACHARBEITERMANGEL
Eine Metallarbeitergewerkschaft in einem iand, in dem ein chronischer
Mangel an 3.000 gelernten Kacharbeitern dieser derufssparten herrscht,
duerfte, wenn auch nur kurzfristig, ueber Vorteile verfuegen.
So ist die Lage in Daenemark; man sollte annehmen, dass eine weniger
verantwortungsbewus3te Gewerkschaftsfuehrung alles moegliche tun wuerde, um
die Ausbildung von Facharbeitern einzuschraenken, um aus diesem Mangel Vorteile zu schlagen, hoehere Loehne fuer ihre Mitglieder zu erzielen und die
Industrie* in der Memme zu halten. Dies ist jedoch nicht bei der daenischen
Metallarbeitergewerkschaft der Fall, die in einem bemerkenswerten Geist der
Zusammenarbeit mit den Unternehmern daran gegangen ist, dieser Situation zu
begegnen und ein vernuenftiges Gleichgewicht zwischen gelernten Arbeitskraeften und den vorhandenen üeschaeftigungsraoeglichkeiten herzustellen.
Die hierzu gewaehlte Methode ist die Ausbildung angelernter Metallarbeiter am Arbeitsplatz im Rahmen eines vielseitigen Erziehungsprogramris,
das eine beschleunigte Lehrlingsausbildung, eine Ausbildung zur Auffrischung
der Kenntnisse am Arbeitsplatz, Abendkurse und ein Sonderausbildungsprogramm
fuer Vorarbeiter und Meister umfasst. Das Programm, das vor drei Jahren begonnen wurde, ist in weiten Kreisen begeistert aufgenommen worden und bildet
einen der wichtigsten Zweige der gewerkschaftlichen Arbeit.
Ein Grund fuer dieses Verantwortungsbewusstsein der VJohlfahrt des gesamten Volkes gegenueber ist fuer die Gewerkschaftsfunktionaere die Tatsache,
dass sie in Daenemark mit der von den Gewerkschaften stark beeinflussten
Sozialdemokratischen Partei eng zusammenarbeiten, die in der rcegierung die
dominierende Partei darstellt, jer Vorsitzende der ..etallarbeitergewerkschaft
Hans Rasmussen ist «dtglied des Parlaments. Die Gewerkschaftsfunktionaere
fuehlen sich jedoch nicht nur fuer die Arbeiter, sondern darueber hinaus fuer
das gesamte \iolk verantwortlich, und sie wissen, dass eine Situation, die die

- 14 -

�Herstellung des Gleichgewichts in der daenischen Wirtschaft hinauszoegern
wuerde, - wie zum Beispiel ein staendiger kritischer Mangel an Facharbeitern - nicht nur den nationalen .Wiederaufbau aufs schwerste gefaehrden,
sondern auch ein schlechtes Licht auf die von den Gewerkschaften beeinflusste Regierung werfen muesste.
Als in Daenemark der [.lange 1 an Facharbeitern akut wurde, entwickelten
Unternehmer und Gewerkschaften gemeinsam ein Program zur schnelleren Ausbildung angelernter Arbeiter zu Fachkraeften. Jies war nicht ohne eine
gewisse anfaengliche Opposition der aelteren Gesellen, die noch aus dem
Handwerk hervorgegangen waren, moeglich, die sich nicht mit dem Gedanken
abfinden wollten, dass sich die Jungen sozusagen ueber Nacht Fachkenntnisse
arteignen koennen, fuer die sie selbst viele harte Jahre als Lehrlinge schwer
taetig sein und ohne Verdienst arbeiten mussten. Es gibt noch einige, die
erbittert an dieser Meinung festhalten, die meisten von ihnen sind jedoch
von den Gewerkschaften ueberzeugt worden, dass dieses Programm das beste
fuer die daenische Wirtschaft und infolgedessen auch, auf lange Sicht gesehen, das beste fuer sie selbst ist.
So sagte Hans Rasmussen unlaengst: "Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben ein gemeinsames Interesse an der Loesung dieser Probleme".
Die Verantwortung fuer die Auswahl geeigneter angelernter Arbeitskraefte fuer das Ausbildungsprogramra liegt bei den Arbeitgebern, aber auch
die Gewerkschaften schalten sich bisweilen ein, wenn sie glauben, gute Vorschlaege machen zu koennen, oder wenn die Unternehmer nicht geneigt sind,
an einen bestimmten Programm mitzuarbeiten. Wenn der Arbeiter ausgev/aehlt
ist, wird er je nach den Moeglichkeiten, die der Gewerkschaft in einem
Betrieb oder einem Bezirk zur Verfuegung stehen, kostenlos ausgebildet.
In einigen Faellen stellen Unternehmer den angelernten Arbeitern zur
Ausbildung waehrend der normalen Arbeitszeit Maschinen zur Verfuegung.
Diese Ausbildung wird von einem Meister ueberwackt, der zumeist auch Mitglied der Metallarbeitergewerkschaft gewesen ist, bevor er Meister wurde
und in die fuer ihn zustaendige Gewerkschaft der Vorarbeiter und Meister
eintrat.
In anderen Faellen nimmt der angelernte Arbeiter an Abendkursen teil,
die woechentlich zweimal stattfinden. Die Gewerkschaft ist nicht so sehr
fuer dieses System, weil sie der Auffassung ist, dass der Arbeiter nach
einem vollen Arbeitstag in der Fabrik zu muede ist, um abends noch soviel
aufnehmen zu koennen, wie er eigentlich sollte. Aber wenn dieses System
das einzig moegliche bleibt, haben sie nichts dagegen einzuwenden.
Dann gibt es ein beschleunigtes Lehrlingsprogramm, bei dem mit Hilfe
der Gesellen die uebliche Lehrlingszeit von vier bis fuenf Jahren auf ein
Programm von drei oder noch weniger Jahren gekuerzt wird. Den Lehrlingen
werden in vielen Faellen regulaere Loehne fuer angelernte Arbeiter gezahlt,
sie unterstuetzen in allen praktischen Arbeiten die Gesellen. V'enn der
Geselle der Gewerkschaft mitteilt, dass sein Helfer geprueft werden kann,
ruft die Gewerkschaft einen Pruefungsausschuss zusammen, der den Lehrling
prueft und entscheidet, ob er als Facharbeiter anerkannt werden kann.
Die Gewerkschaft setzt sich dafuer ein, dass die Meister und Vorarbeiter an dem sogenannten "TOI-Programm" (Trainingswerk in der Industrie)
teilnehmen. Sie haelt die jungen Leute zum Besuch der technischen Ausbildurigskurse an und beteiligt sich an den Bemuehungen zur Steigerung der
Produktionsleistung, durch die der Arbeitsaufwand reduziert, die Produktion
gesteigert und die Wirtschaft des Landes gestaerkt werden soll.
An dem Ausbildungsprogramm sind jaehrlich nahezu 5.000 Arbeiter beteiligt. "Die Metallarbeitergewerkschaft", so erklaerte Rasmussen, "ist

- 15 -

�der Frage der hoeheren Produktionsleistung gegenueber positiv eingestellt.
Wir stehen in enger Zusammenarbeit mit dem Regierungsausschuss fuer
Produktivitaetsfragen, dem ich selbst als Mitglied angehoere. Unsere
Mitglieder sind der Ueberieugung, dass hoehere Produktionsleistung die
daenische Wirtschaft staerkt und es ihr ermoeglicht, sich auszudehnen.
Hieraus werden sich wiederum groessere soziale Sicherheiten und ein hoeherer
Lebensstandard fuer diese Arbeiter ergeben und damit die Moeglichkeit, sich
selbst besser zu schuetzen."
Rasmussen wies darauf hin, dass seine Gewerkschaft 51.000 Mitglieder
zaehlt, somit praktisch saentliche gelernten Metallarbeiter Daenemarks umfasst, ueber ein Vermoegen von 80 Millionen daenische Kronen verfuegt und
einen starken Einfluss auf die sozialdemokratische Partei ausuebt, die die
fuehrende Partei in der Regierung ist und auf eine 62-jaehrige Tradition
erfolgreicher Zusammenarbeit mit den Unternehmern innerhalb der daenischen
Wirtschaft zurueckblickt, in der es Lohn- und Preiskontrollen gibt und
fuer ganze Industriezweige Tarifvertraege abgeschlossen wurden.
Wenn die Steigerung der Produktionsleistung Fruechte traegt, meint
Rasmussen, dann sind die Mitglieder der Metallarbeitergewerkschaft politisch
und wirtschaftlich stark genug, um fuer eine gerechte Verteilung dieser
Gewinne Sorge zu tragen.
ECA Labor Information

3/2/51

DIE SITUATION DER LclltLINGSAUSBILDUMG IN 13LK VT.RKIMGTaN STAATEN
Der Leiter des Bundesstaatlichen Amtes fuer Lehrlingswesen, W. F.
Patterson, brachte in einer 3otschaft an die Bauindustrie warnend zum Ausdruck, dass groessere Anstrengungen seitens der Angehoerigen dieser
Industrie notwendig waeren, wenn das hohe Niveau ihres handwerklichen
Koennens beibehalten werden sollte.
"Das Personal des Lehriingsbueros wird sich in Zukunft nicht mehr
vornehmlich mit der Frage der Ausbildung, gelernter Bauhandwerker beschaeftigen koennen. Dies sei aufgrund des Wohrraummangels der Nachkriegszeit der
Fall gewesen; dieser Mangel sei jedoch weitgehend behoben, und heute besteht ein wirksames Lehrlingsprograram fuer die Bauberufe. Das Personal des
Lehriingsbueros sei jedoch nicht in der Lage, zusaetzliche Ausbildungsmassnahraen zur Verteidigung zu ergreifen, ohne irgendeine andere Taetigkeit einzuschraenken.
Mit dem Bemerken, dass viele Angehoerige der Bauberufe moeglicherweise mit ilirer Einberufung rechnen muessten, und dass in Zukunft nicht soviel Jungen die Bauberufe erlernen koennten, weil sie ebenfalls zum Militaerdienst herangezogen wuerden, richtete Patterson an 3.239 oertliche Ausschuesse fuer i.ehrlingsfragen der Bauindustrie, die sich aus 20.000 freiwilligen Vertretern der Gewerkschaften und Unternehmer zusammensetzen, die
Aufforderung, ihre Taetigkeiten zu aktivieren und sich auf die Erweiterung
der Ausbildung3/;u:&gt;eglichkt'iten zu Konzentrieren.
Absei.liessend betonte Patterson, dass diese Ausschuesse die Bauberufe
durch die Zurverfuegungstellung neuer Aroeitskraeftt! ernaehren wuerder..
Auf den Schultern die»er Ausschuesse ruht die Aufgabe, die Bauberufe am
Leben zu ernalten und den Grundstein zu legen, auf dem die zukuenftige Berufsausbildung fuer normale Zeiten wieder aufgerichtet werden kann."
Apprenticeship Digest

- 16 -

3/5C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUHGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

Frankfurt, ZO. I'eerz 1951

IV - 13

I K H A L T S V E R

Z E I C H F IS

Englische Gewerkschaften fordern Gesundheitsdienst innerhalb der Betriebe - - - - - - - -

1

Gewerkschaftliche Schulung fuer Funktionaere in
England - - - - - - - - - - - - - - - - - - Gewerkschaften in Nigeria

?

- - - - - - - - - - -

4

Kanadische Gewerkschaften bilden gemeinsames
Komitee - - - - - - - - - - - - - - - - - - 5
Japaner studieren industrielle Wechselbeziehungen 6
Die Lehrzeit ist die beste Schule fuer Vorgesetzte - - - - - - - - - - - - - - - - - - 7
Eine der groessten Gewerkschaften der Welt - - -

8

Die Rolle der internationalen Berufssekretariate 12
"Gomoers-Platz" in New York vorgeschalgen

5N0i.ir.CHS

- - - 16

GEY^RKSCKAFTE^ FORDEN GESÜITDK^ITSDIEKST INNERHAIB DER

BETRIEBE

"

'

~

~

Sin Gesundheitsdienst der Industrie, der in enerer Zusammenarbeit mit dem allgemeinen Gesundheits-System steht; eine Kenaue
Ueborpruefunsr der Bedingungen, die Berufskrankheiten verursachen;
mehr Aerzte in den Betrieben - das sind die Vorschlafe des bri- '
tischen Gewerkschaftskongresses TUC fuer einen nationalen, obligatorischen, betriebsaerztlichen Betreuungsdienst. Dieser Dienst
soll sich unter der Verwaltung einer zentralen Koerperschaft der
Regierung nicht nur auf Betriebe, sondern auch auf andere Arbeit.-olaetze wie Geschaefte und Bueros erstrecken.
- 1-

�Nachdem sich ein Regierungsausschuss mit diesen Vorschlaegen
und anderen Empfehlungen industrieller und medizinischer Organisationen beschaeftigt hat, hat er nun einen Bericht ausgearbeitet,
der den besten Weg zeigen soll, wie der britischen Industrie ihr
eigener Gesundheitsdienst gegeben werden kann. In diesem Bericht
wird besonders hervorgehoben, dass es sich die Nation nicht leisten kann, schlechte Arbeitsbedingungen zuzulassen, die die Gesundheit der Arbeiter gefaehrden koennen.
Besondere /ufmerksamkeit- wird dabei den drei folgenden Hauptproblemen geschenkt: Ein etwaiges Ueberschneiden der Funktionen
des industriellen und des allgemeinen Gesundheitsdienstes; die
Erweiterung der bestehenden Gesundheitseinrichtungen in der Industrie und die Herstellung einer Verbindung zwischen dem oeffentlichen und industriellen Gesundheitsdienst.
Jede bestehende Ueberschneidung der Funktionen kann, wenn
sie nicht betraechtlich ist, gerechtfertigt sein, heisst es in
dem Bericht des Ausschusses. Ein Gesundheitsdienst in der Industrie kann eine Garantie dafuer sein, dass der gesundheitliche
Zustand eines Arbeiters auf Grund seiner Beschaeftigung wenigstens nicht schlechter werden kann, und er wird darueberhinaus
sogar die Gewaehr dafuer bieten, dass sein Gesundheitszustand
sich bessert. Als ein fuer gute Arbeitsmoral wesentliches Element
kann dieser Dienst zur Steigerung des Vertrauens, der Zufriedenheit und der Leistung der Arbeiter beitragen. Aus diesen Gruenden
muss der Gesundheitsdienst in der Industrie erweitert werden.
Zwar muessen freiwillige Bemuehungen in dieser Richtung gefoerdert werden, aber sie reichen natuerlich nicht aus, um die gesamte
Industrie und insbesondere die kleineren Betriebe zu erfassen.
Bsnoetigt werden umfassende Massnahmen, hinter denen die Regierung
steht.
Augenblicklich sind etwa 230 Werksaerzte in Betrieben vollzeitlich beschaeftigt, weitere 1500 arbeiten teilweise fuer die
Industrie, und 1200 sind in irgendwelcher Art in die betriebsaerztliche Betreuung eingeschaltet. Der Industrie stehen rund
3000 Krankenpfleger zur Verfuegung, von denen 2.600 staatlich zugelassen sind.
Um mehr Aerzten die Moeglichkeit zu geben, in der Industrie
zu arbeiten, werden kurze, intensive Ausbildungskurse ueber betriebsaerztliche Betreuung abgehalten.
Der Ausschuss der Regierung weist jedoch darauf hin, dass
eine wesentliche Vorbedingung fuer alle Aerzte, die die industrielle Medizin praktizieren wollen, eine gute und umfassende Erfahrung
in der klinischen Behandlung ist. Welche Erweiterung des Systems
auch vorgenommen wird, die Regierung muss sich immer der entsprechenden Machfrage nach Aerzten und Krankenpflegern bewusst
sein.
Wie Attlee im Unterhaus erklaerte, muesste es moeglich sein,
einen industriellen Gesundheitsdienst sofort zu entwickeln und
nicht damit noch leengere Zeit zu warten.
Diesem Ausschuss, dessen Vorsitzender der Richter Dale ist,
gehoeren Frau Anne Loughlin vom TUC und J. T. Byrne von der Elektroarbeitergew^rkschaft an. Sie empfehlen vor allem, eine Verbindung zwischen den drei bestehenden Gesundheitssystemen herzustellen, einen neuen staendigen Beratungsausschuss von Aerzten, Krankenpflegern und VerUretern der Gewerkschaften, Unternehmer und
- 2 -

�der Ministerien fuer Gesundheit, Arbeit, Brennstoff und Energie
zu bilden.
Labour

3/51

GEWERKSCHAFTLICHE SCHULUNG FUER FUNKTIONALES IN ENGLAND
In der ersten Woche dieses Monats nahmen 17 Studenten an dem
ersten Schulungskurs ueber Fragen der Produktion und Betriebsleitung teil, der vom britischen Gewerksohaftskongress TUC in seiner
Gewerkschaftsschule in Clapham fuer Betriebsfunktionaere abgehalten wurde.
"Ich gehe nicht mit dem Gedanken nach Hause, dass ich alles
ueber Zeit- und Bewegungsstudien weiss," sagte ganz offen einer
der Gewerkschaftsfunktionaere, die an dem Kursus teilgenommen
hatten. Kr fuegte jedoch hinzu, dass ihm ein guter Ueberblick
ueber das Arbeitsstudium, die Lohnsysteme, die Arbeitsbewertung,
Produktionskosten und dergleichen gegeben worden sei. Durch weiteres Selbststudium und eigene Beobachtungen koenne er die noch
vorhandenen Kenntnisluecken schliessen. Diese Ausfuehrungen wurden bestaetigt, als die Studenten nach Beendigung ihres einwoechigen Lehrgangs in einer Schlusssitzung die wichtigsten Punkte dessen,
was ^ie gelernt hatten zusammenfas3ten.
Alle erklaerten uebereinstimmend, dass es fuer sie besonders
wertvoll gewesen waere, Sachverstaendige aus der Betriebsleitung
und der Gewerkschaftsbewegung ueber Methoden sprechen zu hoeren,
die mehr und mehr allgemeine Anwendung in der Industrie finden.
Einige Studenten erwaehnten insbesondere den Besuch grosser
Betriebe, in denen sie die praktische Anwendung der Schultheorien
sehen konnten. Andere betonten ihr Interesse fuer die Filmvorfuehruneen, in denen ein illustrierter Bericht eines wohlbekannten
Experten ueber die Bewegungsstudien ergeben wurde.
7,'as den Studenten zweifellos am besten gefiel, war die Unterrichtsstunde, in der sie mit der c'.topDUhr in der Hand ihre eigenen Zeitstudien durchfuehrten. rJiner von ihnen bemerkte, dass er
damit zum ersten Mal in die arbeit und Methoden des ZeitstudienExperten einen praktischen Einblick gewonnen haette.
Nun wuesste er, welche Aufgabe der Mann mit der StoDpuhr in
seinem Botrieb hat und, was noch wichtiger ist, wie seine Berechnungen ausgewertet werden koennen.
Von Anfang an stellten die Lehrer de3 TUC die Sachlage klar.
Die Studenten sollten ueber die Methoden der Produktion und Betriebsleitung, die heute in der Industrie angewendet werden, beraten und
brauchten sie nicht unbedingt als geeignet anzuerkennen. Um bei
den Verhandlungen und den gemeinsamen Berctungsausschuessen wirksame arbeit leisten zu koennen, muessten die Vertreter der Arbeiter
ueber die gleichen Kenntnisse verfuegen wie die Repraesentanten
der Unternehmer. Dieser Ausbildungskursus sei fuer sie eine Gelegenheit, sich di^se Kenntnisse zu erwerben.
Ueberall wurde diese Erkenntnis dar Gewerkschaften hervorgehobon. Jedesmal, wenn ein Vertreter der Unternehmer einen Vortrag
hielt, folgten eigene Experten des TUC und Frank Chapnell, eia
- S-

�frueherer Funktionaer der Elektroarbeiter-Gewerkschaft und jetzt
als Berater in der Industrie taetig, der Vorlesung und schlössen
eine Diskussion daran an.
Neue Ideen, neue Arbeitsverfahren oder neue Produktionsmethoden, die bereits in einem Betrieb erprobt waren, wurden eingehend besprochen. Den Gewerkschaftsfunktionären nur einen vorbereitetsn Lehrplan, selbst wenn disser gut waere, bieten zu
wollen, wuerde bedeuten, dass weder das Verstaendnis und die
Zusammenarbeit gefoerdert werden, noch von den Talenten der Arbeiter Gebrauch gemacht wird.
Im Anril und "ai werden weitere Lehrsaenge diesem ersten Experiment folgen. Nachdem nun alle Lehrstuehle besetzt sind und
der erste Kursus erfolgreich verlaufen ist, hofft der Britische
Gewerkschaftskongress, dass die neechsten Kurse mit noch groesserem Erfolg dem Verlangen nach weiteren Kenntnissen ueber Produktionsmethoden entsprechen werden.
Nach den ersten Eindruecken zu schliessen, koennts man annehmen, dass es dem TUC gelungen ist, seinen angeschlossenen Gewerkschaften mit diesen Kursen wertvolle Dienste zu erv.eisen. Tech
den jetzigen Ergebnissen zu urteilen, hat die Aufnahme, die die^e
neue Einrichtung gefunden hat, bewiesen, dass dieses Experiment
sehr wertvoll ist und eine seit langem bestehende Luecke ausgefuellt hat, deren sich besonders die hauptamtlichen Gewerkschafter
und Betriebsfunktionaere bewusst waren. Die zukuenftigen Erfahrungen und die Beduerfnisse der Gewerkschaften selbst werden ma^srebend fuer die Planung und Erweiterung weiterer Kurse sein.
Der genaue Lehrplan und Angaben ueber Einzelheiten des Lehrgangs werden vom TUC auf Wunsch zur Verfuegung gestellt.
Labor 3/51
GEWERKSCHAFTEN IN NIGERIA
Das Gewerkschaftszent.rum Nigerias, der Arbeitskongress, hat
seit einiger Zeit unter kommunistischem Einfluss gestanden. Aber
nun verlieren die Kommunisten auch in diesem Lande nach und nach
an Einfluss. Der Generalsekretaer des Gewerkscri&amp;ftsbundes Nigerias
ist vor kurzem aus der Nationalistischen Partei Nigerias ausgeschlossen worden. Der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes ist
daraufhin zu der Uebarzeugung gekommen, dass es das beste fuer ihn
und fuer die Interessen der Arbeiterschaft des Landes ist, wenn
er die kommunistische Sache aufgibt. Diese beiden Ereignisse, die
sich im Verlauf der beiden letzten Wochen absoielten, sind hoechst
kennzeichnend fuer die im Lande herrschende Tendenz. Der durchschnittliche afrikanische Arbeiter weiss sehr wenig vom Kommunismus, aber ungluecklicherweise hat dieser Kommunismus eine grosse
Luecke in seinem Leben ausgefuellt. Der Afrikaner sehnt sich
nach Informationen und nach irgendwelchen gedruckten Dingen. Die
kommunistische Partei hat ihm unaufhoerlich diese Informationen
und gedrucktes Material geliefert. Die demokratischen Gewerkschaften haben es einfach versaeumt, diesen Wunsch der afrikanischen Arbeiter zu erfuellen. Aber dank der Bemuehungen des IBFG werden die
demokratischen Gewerkschaften bald in der Lage sein, diese Aufgabe
zu uebernehmen.
Vom strategischen Standpunkt aus ist Afrika heute von groesster
Bedeutung fuer die westliche Welt. Wenn die westliche Welt diesem
- 4 -

�Erdteil den Ruecken zukehrt und sich ihren Verpflichtungen den
Voelkern und Arbeitern Afrikas gegenueber entzieht, waere dies
fuer sie ein greiser Kachteil in dem gegenwaertigen kalten Krieg,
der zu einem heissen Krieg werden kann. In diesem Falle koennte
sich der kommunistische Einfluss in Afrika ausbreiten, und die
westliche Ilemisnhaere wuerde nicht mehr mit den so wichtigen Rohstoffen Afrikas rechnen koennen, zu denen auch die Grundstoffe
cshoeren, die fuer die Atomforschung gebraucht werden.
Die Entwicklung, die in einigen Teilen Afrikas vor sich ging,
ist ueberraschend. Und in anderen Teilen ist der ungeheuer niedrige Lebensstandard der Menschen geradezu entmutigend. Im Ganzen
gesahen sind die Aussichten jedoch gut, und der IBFG kann mit
Recht erwarten, den Arbeitern dieser Gebiete Afrikas helfen zu
koennen.
Das wichtigste Problem ist die gewerkschaftliche Organisierung.
In Mittel- und Westafrika ist die Gewerkschaftsbewegung noch neu
und schwach. Aber abgesehen hiervon wird der Besucher von dem
grossen Drang der dortigen Menschen nach Aufklaerung stark beeindruckt sein. Meiner Auffassung nach ist irgendeine Art der gewerkschaftlichen Erziehung eines der wichtigsten Dinge, die der IBFG
den Arbeitern Afrikas bringen kann, damit dieser Erdteil aufgeklaerte Gewerkschaftsfunktionaere und aufgeklaerte Mitglieder haette, die Garanten fuer eine wirksame Taetigkeit der Gewerkschaften
waeren.
Kein besseres Ergebnis haette auf der Konferenz des IBFG in
Duale erzielt werden koennen als die Errichtung eines regionalen
Zentrums des IBFG fuer Mittel- und Westafrika. Dies ist die
groesste Unterstuetzung, die der IBFG den Arbeitern Westafrikas
zutail werden lassen kann.
Program Service Section
3/14/51
KANADISCHE GEWERKSCHAFTEN BILDEN GEMEINSAMEM KOMITEE
Die vier grossen Gewerkschaftscrganisationsn Kanadas haben
ein gemeinsames staendiges Komitee gebildet, das sich mit Problemen von allgemeinem Interesse wie Arbeitsmarkt, Produktion, Preiskontrolle und Verteidigungsmobilisierung befasst.
Ueber eine Million Arbeiter sind in den vier GewerkschaftsOrganisationen organisiert - dem Berufs- und Arbeiterkongress Kanadas
(TLC), dem Kanadischen Arbeiterkongress, dem Kanadischen Katholischen Gewerkschaftsbund (CCL) und dem Gemeinsamen Legislativen Ausschuss der Eisenbahntransportarbeiter-Gewerkschaft. Dem TLC und
der CCL gehoeren Gewerkschaften an, die ebenfalls der AFL bzw. dem
CIO angeschlossen sind.
Der Bildung dieses Komitees ging vor einigen Monaten die Eroeffnung der ersten gemeinsamen Kampagne zur gewerkschaftlichen Vereinigung in der kanadischen Geschichte voraus. Gegen Ende des
Jahres 1950 hatte die organisierte Arbeiterschaft Kanadas eine
gemeinsame Erklaerung abgegeben, in der sie den Beginn einer ueber
das ganze Land verbreiteten Kampagne ankuendigte, in deren Rahmen
die Auferlegung von Preiskontrollen und die Beibehaltung der Mietkontrollen gefordert wurden.
In Kanada ist einer von je drei Arbeitern gewerkschaftlich organisiert.
Labor Press Service
3/19/51
- 5 -

�JAPANER STUDIERE INDUSTRIELLE WECHSELBEZIEHUNGEN
Die Eindruecke und Erfahrungen einer vierzehnkoeofigen Japanischen Besuchergruppe, die sich in den Vereinigten Staaten aufhielt und aus Vertretern der Gewerkschaften und Unternehmer zusammengesetzt war, sind von Professor Arthur K. Ross von der Universitaet Kalifornien in einem Bericht ausgewertet worden. Diese
japanische Mission hielt sich zum intensiven Studium derWeohselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern zwei Monate
lang in den Vereinigten Staaten auf.
Die Gewerkschaftsmitglieder der Besuchergruppe waren von
der Staerke der amerikanischen Gewerkschaften beeindruckt, die es
ihnen ermoeglicht, den Unternehmern auf Gleichstarker Basis gegenueberzutreten. Die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten wird nach ihrer Meinung als ein lebenswichtiger und zugehoeriger Bestandteil der industriellen Ordnung und nicht nur als eine
blosse Einrichtung angesehen. Beeindruckt hat sie ausserdem die
Tatseche, dass die Intervention der Regierung in die Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf ein Minimum
beschraenkt bleibt. •
Im Gegensatz zu ihrem eigenen Land vermissten die japanischen
Arbeiter in der amerikanischen Gesellschaftsordnung die Ueberreste
des Feudalismus. Der hohe Lebensstandard, der unerschöpfliche
Reichtum und die Freiheit in den Vereinigten Staaten sind nach
Auffassung der Japaner eine Erklaerung dafuer, dass die Gewerkschaftsbewegung der Vereinigten Staaten die freie Wirtschaftsordnung oder den Kapitalismus unterstuetzt, und dass sie sich in
der Verfolgung ihrer Ziele hauptsaechlich auf ihre wirtschaftliche
Macht und nicht auf eine Arbeiterpartei verlassen haben. Die
Japaner waren darueber ueberrascht, was ihnen ein Mangel an irgendeiner Ideologie in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
zu sein scheint, sie stehen deshalb dieser Sachlage etwas kritisch
gegenueber.
Die Delegierten erklaerten, dass sie "von den systematischen
Verfahren" ungeheuer beeindruckt gewesen waeren, mit denen Streitigkeiten und Beschwerden in der amerikanischen Industrie beigelegt wuerden. "Wir glauben," sagten sie, "dass ein aehnliches
System des Schiedssnrechens, der Tarifverhandlung und des Beschwerdeverfahrens weitgehend zur Verbesserung der Beziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern in unserem Lande beitragen wuerde."

Waehrend die Japaner die meisten Asnekte der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung lobten, missbilligten sie die in einigen Gewerkschaften herrschende Tendenz, sich auf die Fuehrung zu verlassen. In Japan, so erklaerten sie Professor Ross, beteiligten
sich die Mitglieder aeusserst aktiv an der Arbeit der Ortsgewerkschaften. Dadurch wuerde eine demokratische Denkart geschaffen,
die die Gewerkschaft als ein Bollwerk gegen den Kommunismus staerke.
Sowohl die Vertreter der japanischen Gewerkschaften als auch
der Unternehmer sprachen sich anerkennend ueber die fortgesetzten
vertraglichen Beziehungen zwischen den Gewerkschaften und den
Unternehmern in den Vereinigten Staaten aus und waren der Auffassung, dass eine weitverbreitete Anwendung dieses Systems in
Japan mithelfen wuerde, die Industrie zu stabilisieren und Streitigkeiten zu vermeiden. Die Gruppe erklaerte ferner, dass die
Loehne in ihrem Land ebenso wie in Amerika nur durch die Zusammenarbeit beider Partner zur Steigerung der Produktion aufgebessert
werden koennten.
- 6-

�Fuar die Zukunft sind weitere Missionen zum Studium der
Wechselbeziehungen zwischen Arbeiteebern und Arbeitnehmern aus
Japan, Westeuropa und anderen Gebieten geplant. Es ist interessant
festzustellen, das? die Eindruecke und Meinungen der Delegierten
aus dem Orient und den Okzident die gleichen sind. Auch herrscht
die uebereinstimmende Auffassung, dass diese Missionen zum Studium der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften und die Besuche zum Studium der Produktivitaet nicht nur
wertvoll sind, weil sie mithelfen, die Produktion zu steigern und
die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu verbessern, sondern auch weil sie das internationale gegenseitige
Verstaendnis foerdern.
Program Services Section
3/12/51
DIE LEHRZEIT IST DIE BIMSTE SCHULE FUER VORGESETZTE
In dem Allis-Chalmers-Unternehmen besteht wie auch bei anderen Firmen seit langem ein Befoerderungssystem, nach dem es Betriebsengehoerigen mit besonders guten Leistungen moeglich ist,
in Stellungen der Betriebsleitung berufen zu werden.
"Welche andere Ausbildung bietet dem Arbeitsvorgesetzten ein
so gut geplantes und alle Einzelheiten umfassendes Studium, das
zur Kenntnis der Betriebsvorgaenge notwendig ist, wie die Lehrlingsausbildung? Der Lehrling wird nicht nur in den ^roduktionsvorgaengen geschult, sondern wird auch mit den Verfahren, Methoden,
Grundsaetzen, Materialien usw. vertraut. Wenn der ehemalige Lehrling deshalb mit anderen Betriebsangehörigen bei Befoerderungsnoeglichkeiten konkurriert, so ist er auf Grund seiner gelenkten
und vollstaendigeren Ausbildung in gewissem Sinne im Vorteil."
Diese Erklaerung ist die Einfuehrung zu einem Artikel von
W. C. van Cleaf, dem Direktor fuer Wechselbeziehungen in der In-,
dustrie in der "Allis-Chalmers Manufacturing Company" in Milwaukee
(Wisconsin).
"Eine seit 1935 laufende Analyse ueber die beruflichen Erfolge
jener Arbeiter, die eine Lehre durchgemacht haben," fuehrt van
Cleaf hier aus, "liefert einen klaren Beweis fuor die Tendenz und
die Ratsamkeit, das Lehrlingswesen beizubehalten. In dem Betrieb
wurden in der Zeit von 1935 bis 1947 421 Lehrlinge ausgebildet;
281, die mit Erfolg ihre Lehrzeit beendet haben, sind heute noch
in dem Betrieb taetig. Von diesen*haben heute 108 oder 39$ uebergeordnete Stellunren inne. Es kann natuerlich nicht erwartet werden, dass die Arbeiter, die in den letzten beiden Jahren ihre
Lehrlingszeit beendet haben, prozentual gesehen in Vorgesetztenpositionen ebenso stark vertreten sind wie die aelteren Arbeiter.
Aber es ist sicher, dass einer von je drei Lehrlineen, die seit
1935 bei der Firma beschaeftigt sind, in verantwortungsvolle Stellungen aufgerueckt ist.
"Alle Befoerderungen wurden streng nach den nersoenlichen Verdiensten und der allgemeinen Tuechtigkeit der Arbeiter vorgenommen.
Die Tatsache, dass ein Arbeiter eine Lehrlingszeit hinter sich
hat, bedeutet nicht, dass er bei Befoerderungen automatisch bevorzugt wird. Er muss die Bef oerderun/s: auf Grund seiner eigenen Verdienste und in Konkurrenz mit jedem anderen Arbeiter im Betrieb
verdienen. Trotzflem sind es meistens Lehrlinge, die in die letzte
Auswahl kommen, und dies ist sicher kein Zufall."
- 7-

�"Der heutige Komplex der industriellen und produktiven Organisation mit seinem Drang nach Arbeitsvereinfachung, Normung und
nach soezifischen Methoden der Massenproduktion scheint den Gegnern des Lehrlingswesens.beachtliche und vorteilhafte Argumente
in die Haende zu spielen. Selbst in der Industrie der Massenproduktion, die bis aufs aeusserste genormt ist, bleibt der Bedarf an Facharbeitern wie zum Beispiel Betriebselektrikern, Mustermachern, Werkzeugmachern, Maschinisten, Maschinenschlossern und
vielen anderen bestehen. Obwohl der Prozentsatz der Facharbeiter
zurueckgecangen ist, ist die Abhaengigkeit von einem kleineren
Kern an Fachleuten, die die gleichen beruflichen Kenntnisse haben,
groesser geworden."
"So sind zum Beispiel in der Traktoren-Werkstaette der
"Allis-Chalmers"-Werke die Arbeitsmethoden der Messenproduktion
vorherrschend. .Die Zahl der Lehrstellen ist verhaeltnismaessig
gering. Gerade das Gegenteil trifft fuer die allgemeine Maschinenabteilung zu, in der der groesste Teil der Erzeugnisse nicht
nach den ueblichen Massenproduktionsmethoden hergestellt wird.
Der Bedarf an einer grossen Vielfalt guter Facharbeiter ist konstant. Die Produktion koennte ohne Arbeiter mit gruendlichen
und ausfuehrlichen Fachkenntnissen nicht leistungsfaehig und
rentabel gehalten werden."
"Dieser gesamte Komplex an Faktoren - Fachkenntnisse, Traditionen, Bewusstsein der Äufstiegsmoeglichkeiten, Beurteilung der
Beziehungen zu den Arbeitnehmern und der Erzeugnisse nach qualitativen Gesichtspunkten, das Vertrautsein mit den Grundsaetzen
und Arbeltsverfahren - hilft mit, Vertrauen und Moral der Arbeitnehmer zu staerken, was sich direkt in der Produktion widerspiegelt. Weil die Arbeiter in der Produktion Gelegenheit haben,
mit diesen verschiedenen ^hasen des Her3tellungsprozesses direkt
und indirekt in Beruehrung zu korken, fuehlen sie sich sicherer,
weil sie einen unmittelbaren Beitrat zur Herstellung der Erzeugnisse leisten koennen. Man braucht ihn3n nicht das Gefuehl zu"
geben, dass sie ein Raedchen in einer grossen "aschine sind. Sie
sind besser in der Lage, sich an eine Vielfalt von Beschaeftigungen innerhalb der betrieblichen Organisation anzupassen. Arbeiter mit erfolgreicher Lehrzeit sind selten Opfer von Minderwertigkeitskomplexen oder, industriell gesnrochen, von Misserfolgen. Dank ihrer gut abgerundeten fachlichen Kenntnisse haben
nie mehr Moeglichkeiten als der ungelernte Arbeiter, eine Beschaeftigung zu bekommen."
Apprenticeship Digest
Vol. S/50
EINE DER GROESST^M GEWERKSCHAFTEN DER WELT
Der nachstehend? Artikel erschien in der "Arbeiter Zeitung",
dem Organ der Sozialdemokratischen Partei in Oesterreich und
zugleich der ^roessten Wiener Tageszeitung. Der Verfasser
ist Karl Ausch, ein Mitglied der oesterreichischen ,rournalistengruppe, die vor kurzem unter dem Protektorat der ECA und
der oesterreichischen Regierung die Vereinisten Staaten
besuchte.
Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass dar1 Lebensstandard der Arbeiter in den Vereinigten Staaten wesentlich hoeher ist
als in irgendeinem anderen Lande. Obwohl nicht jeder /«rb-iiter
- 3-

�einen Y/agen in der Garage, einen elektrischen Kuehlschrank in
der Kueche und ein Fernsehgeraet in seinem Wohnzimmer hat, sind
viele von ihnen im Besitz jener Vsrbrauchsgueter, die nach oesterreichischen Begriffen unerreichbare Luxusgegenstaende sind. Dieser Lebensstandard in Amerika ist teilweise der wesentlich hoeheren Produktionsleistung der amerikanischen Industrie und Landwirtschaft zu verdanken. Die Arbeiter jedoch mussten schwer um
ihren Anteil an der gesteigerten Froduktivitaet kaempfen, und
dieser Kampf um einen gerechten Anteil am amerikanischen Sozialprodukt wird niemals aufhoeren und muss taeglich und stuendlich
fortgesetzt werden, wenn der amerikanische Arbeiter nicht um
Jahre zurueckgeworfen werden will.
Das beste Beispiel fuer diesen Kampf und seine staendig
sich aendernden Methoden und Ziele bietet die amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft, die dem CIO angeschlossen ist und mit
ihren 1.125.000 Mitgliedern eine der groessten Gewerkschaften
der 7/elt darstellt.
In wenigen Monaten wird diese Gewerkschaft erst ihren 15.
Geburtstag feiern, was in gewisser Beziehung ueberraschend ist.
Als sie im April 1936 gogruendet wurde, hatte sie nur 7.000
Mitglieder. Es war die Zeit nach der grossen wirtschaftlichen
Krise der Dreissiger Jahre. £00.000 Automobilarbeiter waren
arbeitslos, und die anderen 245.000 arbeiteten woechentlich nur
33 Stunden und verdienten etwa 20 Dollar.
Die Arbeit am Montageband war aufreibend und eintoenig, und
die Arbeiter wurden zu immer srroesserem Arbeitstempo angetrieben. Bis zu jener Zeit hatten es die Betriebsleiter der grossen
Automobilfabriken verstanden, die Arbeiter daran zu hindern, sich
in Gewerkschaften zu organisieren. In den Betrieben gab es
zahlreiche' Spitzel. Jeder, der eine Arbeiterorganisation beguenstigte, setzte sich einer Disziolinarstrafe aus, und die
Vertreter der Arbeiter wurden auf der Strasse von Leuten ver^ruegelt, die im Dienst der Unternehmer standen. Und dies alles ereignete sich zu einer Zeit, in der bereits seit langem eine maechtige und einflussreiche Gewerkschaftsbewegung bestand.
Die Industriellen weigerten sich auch weiterhin, die Gewerkschaft anzuerkennen. Dann traten die Arbeiter im Sommer 1936 zum
ersten Mal in einem Betrieb in den Streik. Dabei wurde der Sitzstreik in der amerikanischen Automobilindustrie eingefuehrt.
Andere Betriebe folgten diesem Beispiel, und eine V/eile von
Sitzstreiks breitete sich ueber die Automobilindustrie aus.
Die Industriellen riefen die ^olizei zu Hilfe. Die Uiliz
versuchte, die Streikenden mit Maschinengewehren aus den Betrieben zu vertreiben. Es war zwecklos. Drei Monate snaeter war
der Streik gewonnen. Zum erstenmal verhandelten die Industriellen mit der neugegruendeten Automobilarbeitergewerkschaft. Im
September 1937 hatte die Automobilarbeitergewerkschaft bereits
mit ueber 400 Betrieben Tarifvertraege abgeschlossen.
Im Rahmen eines Zeitungsartikels ist.es nicht moeglich, die
gesamte Geschichte dieser Gewerkschaft bis zum heutigen Tage zu
erzaehlen,. die jetzt auch die Arbeiter der Flugzeugfabriken und
jener Betriebe, die landwirtschaftliche Maschinen herstellen, umfasst.
Wir moechten ein Ereignis besonders hervorheben: Im v b i
1941 blieb die Gewerkschaft selbst ueber Ford erfolgreich. Damit
- 9-

�hatte die letzte der grossen Automobilfabriken die Automobilarbeitergewerkschaft anerkannt.
Augenblicklich sind etwa £.700 Tarifverträge zwischen der
Automobilarbeitergewerkschaft und ebenso vielen Einzelfirmen in_
Gueltigkeit. Im Gegensatz zu den oestarreichischen Gepflogenheiten werden in den Vereinigten Staaten keine Tarifvertraege fuer
ganze Industriezweige abgeschlossen. Kopien dieser 2.7G0 Vertraege
befinden sich in den gewerkschaftseigenen Bueros und im Ministerium fuer wirtschaftliche Forschung und Wirtschaftstaetigkeit in
sicherer Obhut. In diesem Amt arbeiten Wirtschaftswissenschaftar,
Statistiker, Finanzexperten, Volkswirtschafter, Eechtsanwaelte
und Techniker, die die Unterlagen fuer die Tarifverhandlungen vorbereiten, angefangen von der /malyse der Geschaeftsbilanzen der
Industriellen bis zur Kontrolle der Zeitnahme.
Die Tarifvertraege, die von der üutomobilarbeitergawerksohaft
abgeschlossen sind, 3ind alles andere als wissenschaftliche Abhandlungen. Der Vertrag mit den General Motors-Werken, dem
groassten Unternehmen dieses Industriezweiges, ist in einem Buch
von 114 Seiten und 154 Paragraphen niedergelegt. Das Inhaltsverzeichnis enthaelt nahezu £00 Punkte. Hieraus ergibt sich, dass
die Rechte und Pflichten der Arbeiter, ihre Arbeitsbedingungen, die
Beziehungen zwischen der Gewerkschaft und der Werkleitung und auch
die verschiedenen Verfahren zur Beilegung von ^rbeitsstreitigkeiten mit der groessti.ioeglichen Genauigkeit ausgearbeitet und festgesetzt sind.
Sine Gegenueberstellung der in den letzten 15 -Jahren abgeschlo-*
nen Tarifvartraege wuerde aufzeigen, welche erfolge die Automobilarbeiter bei der Erkaempfung ihrer Rechte errangen, ob es sich
nun um Mindest!oehne , Ueberstundenbezahlung, bezahlten Urlaub oder
Betriebsfunktionaere handelt, alles Rechte, die nicht gesetzlich
verankert sind. Eine andere bedeutende Errungenschaft, die in
Oesterreich unbekannt ist, ist das sogenannte Senioritaetsrecht,
nach dem beiEinschraenkungen Arbeiter,die noch nicht laangere Zeit
in dem 3etrieb arbeiten, entlassen und bei der Wiedereinstellung
jene bevorzugt werden, die am laengsten in dem Betrieb taetig vind.
Dieses Recht, das strengstens eingehalten werden mu^s, schuetzt
in erster Linie den aslteren Arbeiter und stellt eine wirksame
Massnahme gegen willkuerliche Entlassungen der Industriellen dar.
Unter der Fuehrung ihres jungen und energischen Vorsitzenden,
Waltsr Reuther ist die Automobilarbeitergewerkschaft ueber den
Rahmen einer Gewerkschaft, die sich darauf beschraenkt, hoehere
Loehne und bessere Arbeitsbedingungen fuer ihre Mitglieder zu erkaempfen, hinausgewachsen.
Reuther und seine Mitarbeiter sind zu den Traegern der gewerkschaftlichen "olitik geworden, die darauf gerichtet ist, einen
Mechanismus zwischen der sich staendig steigernden Produktion und
der Kaufkraft der breiten Masse herzustellen. Die Realloehne sollen mit anderen Worten staendig und automatisch erhoeht werden und
damit die grundlegende Bedingung fuer eine Wirtschaftspolitik der
Vollbeschäftigung schaffen.
Unmittelbar lach Kriegsende fordorte die ^utomobilarbeitargewerk^chaft von den General Motors-Werken eine Lohnernoehun°- und
gleichzeitig das Versprechen, da = ? der Betrieb die Preise fuer
seine Automobile, nicht erhoeht. Diese Forderung, die an die groa^ta
Aktiengesellschaft der Vereinigten Staatenfeestelltwurde, sollte
beispielgebend fuer alle anderen Industrien werden: hoehere To«hne
bei unveränderten Preisen. Die Genoral Motors weigerten sioh und
- 10 -

�400.OCO Arbeiter streikten. Der Streik dauerte 11? Tege und verursachte den Unternehmen einen finanziellen Verlust von 300 MilliqQsn Dollar. Auch die Arbeiter hatten schwere Verluste. Der
Streik wurde durch ein Kompromiss b3endet, der hoehere Loehne und
bessere Arbeitsbedingungen fuer die Arbeiter bedeutete, ohne jedoch das gewuenschte Gleichgewicht zwischen Loehnen und "reisen
herzustellen.
.
Diese Idee wurde drei Jahre spaeter verwirklicht. Im Tahre
1943 schloss die Automobilarbeitergewerkschaft mit den General Motor* den ersten Tarifvertrag ab, in dem die Loehne an den Lebenshaltungskostenindex gekoppelt sind und alle drei Monate, wenn
immer die "reise in die Hoehe gehen, automatisch verbessert werden.
So bedeutsam die Anerkennung dieses Prinzips der Indexloehne
durch die amerikanische Automobilindustrie auch ist, so ist es
keineswegs neu. Zwei Jahre spaeter wurde jedoch eine andere wirklich revolutionaere Idee in die amerikanische Lohnberechnung aufgenommen, der sogenannte jaehrliche Aufbesserungsfaktor, dem folgende
Ueberlegungen zugrunde liegen: Als eine Folge des technologischen
Fortschritts und besserer Maschinen und Werkzeuge geht die Produktionsleistung der Arbeiter in die Iloehe und damit auch die Menge
der Gueter, die den Verbrauchern zur Verfuegung stehen.
Um es den Arbeitern zu ermoeglichen, einen entsprechend groesseren Anteil an der staendig groesser werdenden Menge an Waren zu
erhalten, muss seine Realkaufkraft erhoeht werden. Der Aufbesserung^fcktor sieht deshalb sine automatische Verbesserung des Stundenlohnes um 4 Cents fuer die Gueltigkeitsdeuer des Tarifvertrags vor.
Dies sind etwa 2 1/2$ des durchschnittlichen Stundenlohnes.
Der Kemnf geht jedoch weiter. Er wurde in juengster Zeit
hauntsaechlich auf die Verbesserung.der Alterspensionen und die verschiedenen Arten der Krenkenversicherungen fuer den Arbeiter und
seine Familie konzentriert. Das amerikanische Gesetz fuer Altersnensionen setzt fuer monatliche Pensionen eine Hoechstgrenze von
etwa 45 Dollar. Bisher war es der Gewerkschaft maß gl ich, fuer
75% ihrer Mitglieder die Zusicherung zu erhalten, dass den Arbeitern eine zusaetzliche Pension von 75 Dollar von den Unternehmern
gezahlt wird.
Das naechste Ziel der autoraobilarbeitergewerkschaft ist ein
Mindest.iahreslohn. Damit soll der ruecksichtslosen Methode der
amerikanischen Industrie, die Arbeiter einfach fuer ein naer Tage,
'.Vochen oder Monate zu entlassen,' ein Ende bereitet werden.
Der Industrielle kann damit nicht mehr das Risiko der Schwenkungen in der Wirtschaft auf die Arbeiter abwaelzen. Der Mindestiahreslohn wird die Industriellen ausserdem zwingen, ihre Produktion besser zu planen, wa3 ein weiterer Beitrag zur Erhaltung der
Vollbeschäftigung ist. Zur heutigen Zeit, in der die amerikanische Industrie auf vollen Touren laeuft, mag dies kein akutes
Problem sein. Aber die Automobilarbeitergewerkschaft will mit
dieser Politik alle Moeglichkeiten der Zukunft ins Aug3 fassen.
Sie kaempft Tag um Tag und plant unableessig fuer die Zukunft.
ECA LABOR INF CR" ATI 0N
3/16/51

- 11 -

�Ctoer Bscu, Generalsekretaer des Internationalen Transportarbeiterverbandes:
DIE ROLLE DER INTERNATIONALE BSPUFSSEKRLTARIATE
Das Problem der Beziehungen, die zwischen den internationalen
Berufssekretariaten und der Gewerkschaftsinternationale bestehen
sollten, ist keineswegs neu. Seit der Viedergruendun* des Internationalen Gewerkschaftsbundes im Jahre 1919 bildete dieses Problem einen Gegenstand unablaessiger und zuweilen hitziger Diskussionen, bis das gesamte Thema bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges voruebersehend beiseitegelegt werden musste.
Sofort nach Beendigung des zweiten Weltkrieges wurde des
"Thema" jedoch wieder aufgenommen, als auf der Weltgewerkschaftskonferenz in London im Februar 1945 Vorschlaego eingebracht wurden,
die auf eine Eingliederung der Berufssekretariate in den dem Tarnen
nach noch bestehenden Internationalen Gewerkscheftsbund abzielten.
Bis .letzt waren die Berufssekretariate voellig autonome Koernerschaftsn, wenn sie auch freundschaftliche Beziehungen zum Internationalen Gewerkschaftsbund unterhielten und mehr oder weniger eng
mit ihm zusammenarbeiteten.
Diesen Vorschlaegen wurde ausserhalb des Komitees auf der
Weltgewerkschaftskonferenz nur wenig Beachtung geschenkt. Das Verwaltungskomitee zog sie .jedoch in Erwaegung und die Konferenz wurde beauftragt, eine weitere Konferenz vorzubereiten, die die Einleitung zu einem neuen Weltgewerkschaftskongress bilden sollte,
auf den eine neue Gewerkschaftsinternationale ins Leben gerufen
werden sollte. Dieser Ausschuss, in dem die Berufssekretariate
einen Vertreter hatten und zwar J. H. Oldenbroek, den damaligen
Generalsekretaer des Internationalen Transportarbeiterverbendes
und Jetzigen Generalsekretaers des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften, hatte als erste Aufgabe, eine Satzung fuer die neue
Internationale auszuarbeiten.
Trotz der Opposition Oldenbroeics arbeitete der Vsrwaltungsausschuss einen Satzungsentwurf aus, in dem die Errichtung von "Berufsabteilungen" innerhalb der neuen Internetionale vorgesehen war, die
letzten Endes Rivalen der Internationalen berufssekretariate gewesen waeren, wenn die letzteren nicht unter Aufgabe ihrer Selbstaendigkeit in die neue Koerperschaft haetten aufgenommen vverden koennen
Diese Bestimmun? zur Errichtung von "Berufsabteilungen" wurde
tatsaechlich in die Satzung aufgenommen, die vom Kon^re^s gebilligt
wurde, und die die Gruendung des 'Weltgewerkschaftsbundes im Tahre
1945 bedeutete. Die Delegierten schienen sich demals nicht darueber im klaren zu sein, dass der Versuch gemacht wurde, durch
statuarische Beschluesse die Existenz einer Reihe voellig unabhaengiger internationaler Organisationen einfach zu beenden, von
denen einige jahrzehntelang der Gewerkschaftsbewegung wertvolle
Dienste geleistet hatten. Die Berufssekretariate^wurden mit dem
Versprechen abgespeist, dass der Kongress Verhandlungen mit ihnen
arrangieren wuerde.
In den hierauf folgenden Verhandlungen wurde der Versuch unternommen, die Berufssekretariate in eine voellige ünterwuerfigkeit
zu zwingen, was sich jedoch als nicht einfach herausstellte, weil
diese darauf bestanden, ein bestimmtes Mass an Selbstaendigkeit sich
zu bewahren. Und als es mit der Zeit offensichtlich wurde, dass
der Weltgewerkschaftsbund das Werkzeug einer bestimmten politischen
Partei werden sollte, bestanden die Berufssekretariate mit noch
groesserer Hartnaeckigkeit auf dieser Forderung. Schliesslich kamen
- 12 -

�sie im September 1948 zu der Erkenntnis, dass es keinen Zweck
heetta, die Verhandlungen fortzusetzen. Vier Monate spaeter,
am 17. Januar 1949, folgten der Britische Gewerkschaftskongress
TUC, der amerikanische Kongress der Ir.dustrieverbaende CIO und
der hollaendiscl.e Gewerkschaf tsbund ihrem Beispiel, und sagten
sich wie noch viele andere Organisationen vom Weltgewerkschaftsbund los, der infolgedessen zu einer rein kommunistischen Organisation wurde.
Seit der Erricntung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften sind die internationalen Berufssekretariate wesentlich
besser daran gewesen. Der erste Kongress des Internationalen
3undes Freier Gewerkschaften nahm im Dezember 1949 klugerweise
eine grosszue^igere und anpassungofaehigere Haltung ein und billigte eine Entschliessung, in der der Exekutivausschuss ermaechtigt
wurde, baldigst "Verhandlungen mit den Internationalen Berufssekretariaten aufzunehmen und dabei bemueht zu sein, Abmachungen zu
treffen, die eine hoechst intensive Zusammenarbeit, die gegenseitige Vertretung auf mitberatender Grundlage und die beiderseitige
Unterstuetzung auf dem Gebiet
der gewerkschaftlichen Organisierung
gewaehrlaisten koennten.n
Die Antwort der Berufssekretariata auf diese Bereitwilligkeit
blieb nicht aus, zumal sie alle immer auf engste Zusammenarbeit
zwischen diesen beiden Sektionen, die schliesslich doch derselben
Bewegung ansehoerten, bedacht gewesen waren.
Die internationalen Berufssekretariate sind dem IBFG seit
seiner Gruendung angeschlossen. Drei ihrer Vertreter nahmen im
•Tuni 1949 an der internationalen Gewerkscnaftskonferonz in Genf
teil, auf der die Gruendung der neuen Internationale beschlossen
wurde, und sie waren durch J. H. Oldenbroek im vorbereitenden
Ausschuss vertreten, der die aufgäbe hatte, eine Satzung und ein
Programm fuer eine neue internationale Gewerkschaftsorganisation
auszuarbeiten, "die alle freien und demokratischen Gewerkschaftsorganisationen umfassen und zum Ziel haben sollte, in moeclichst
enger Beratung und Zusammenarbeit mit den internationalen Berufssekretariaten zu stehen."
Die internationalen Berufssekretariate, die am 8. und 9. Tovember 194y zu einer Konferenz in Paris zusammenkamen, begruessten
ihrerseits den Vorschlag, eine neue Gewerkschaftsinternationale zu
errichten und brachten ihren Wunsch zum Ausdruck, diese neue Organisation zu unterstuetzen und "in enge und freundschaftliche Beziehungen zu ihr zu treten."
Fuenfzehn Berufssekretariate waren auf der Konferenz der
internationalen freien Gewerkschaften vertreten, die am 28. November 1949 in London begann, und auf der am 7. Dezember dar Internationale Bund Freier Gewerkschaften gegruendet wurde.
Da auf beiden Seiten der gute Wille vorhanden war, dauerte
es nicht lange, um sich ueber die Art der Zusammenarbeit einig
zu werden. Unmittelbar nach der Gruendung des IBFG trat der Koordinationsausschuss der internationalen Berufssekretariate am
8. Dezember in London zusammen und stellte eine fuenfkoepfige Delegation zusammen, die bei der ersten besten Gelegenheit die VerDindung zum IBFG aufnehmen
sollte. Dieser Koordinationsausschuss
L-t ein Gremium von neun rersonen, das im Ivlaarz 1949 zum Zwecke
"regelmaessi^ar Besprechungen ueber Angelegenheiten, die fuer die
Berufssokretariate von allgemeinem Interesse sind, cebildet wurde.
- 13 -

�Diese Delegation traf an 17. Maerz 1950 mit dem Krisenaussohus3
des IBFG in Druessel zusammen, und spaeter wohnten zwei seiner
Mitglieder einer Konferenz des Exekutivausschusses des IBFG bei,
die am 26. und 27. Mai stattfand.
Als Ergebnis dieser Konferenzen und Besprechungen traten einige Prinzipien in Erscheinung; die allgemeine Grundlage fuer die
Zusammenarbeit wurde damit geschaffen. Der IBFG und die Internationalen Berufs Sekretariate sind sich stets dessen bewusst geworden, dass sie lediglich zwei Teile ein und derselben internationalen Gewerkschaftsbewegung sind. Hieraus ergibt sich, dass die Internationalen Berufssekretariate die allgemeine Politik des IBFG
zu akzeptieren" haben, dass aber euf der andern Seite dar IBFG die
Selbstaendigkeit der- Sekretariate und ihr Recht anerkennt, ungestoert ihre eigenen Sondemrobleme zu bearbeiten. Beide Teile
muessen naturpemaess in allen Angelegenheiten von allgemeinem Interesse zusammenarbeiten.
Zum Zwecke der gemeinsamen Vertretung mit den 3eruf3sekreteriaten wird der IBFG den Koordinationsausschuss anerkennen, war ,'edoch
nicht eussonliesst, da^s der IBFG direkte Verbindungen zu federn
oder allen Berufssekretariaten unterhaelt. Der" Koordinationsausschuss der Internationalen Berufssekretoriate soll in beratender
Eigenschaft in den exekutiven Koerpersch&amp;ften des IBFG vertreten
sein, und zwar durch einen Repraesentanten bei den Konferenzen des
Krisenausschusses und durch zwei Vertreter bei den Tagungen des
Exekutivausschusses, wenn es sich um Besprechungen von Angelegenheiten handelt, die fuer die Internationalen Berufssekretariate direkt oder indirekt von Belang sind. In den Konferenzen des Generalrates soll der Ausschuss durch fuenf Repraesentanten vertreten sein.
Der IBFG wird zu den Konferenzen des Generalretes jedes Berufssekretariat einzeln einladen. Auf den Kongressen des IBFG werden die
internationalen 3erufssekretariate mit einer Mitgliederzahl bis
zu einer Million durch einen Delegierten, die mit zwei bis drei'
Millionen Mitglieder durch zwei Delegierte und die mit ueber drei
Millionen Mitgliedern durch drei Delegierte einzeln vertreten sein.
Auf der anderen Seite wird der IBFG zu allen Kongressen und Konferenzen der Internationalen Berufssekretariate und zu den Tagungen
des Koordinationsausschusses, aber nicht zu den Konferenzen der
exekutiven Koerperschaften der Berufssekretariate, stets eingeladen.
'.Venn Fragen von besonderer Bedeutung, aber auch schwerwiegende
Meinungsverschiedenheiten ueber Fragen von gemeinsamem Interesse
zur Debatte stehen, werden Vorkehrungen zur Bildung gemeinsamer
Ausschuesse getroffen, die sich aus Mitgliedern des Koordinations-ausschusses und Vertretern des IBFG zusammensetzen. Der IBFG hat
ausserdem angekuendigt, dass er die Absicht hat, einen Funktionaer
zu ernennen, dessen besondere Aufgabe die Aufrechterhaltung engster
Beziehungen zu den internationalen Berufssekretariaten sein *oll.
Hiermit wird ein neues Kapital in den Beziehungen der Berufssekretariate zu der Gewerkschaftsinternationale eroeffnet. K*c ist
jetzt notwendig, die versaeumte Zeit wieder aufzuholen, denn e
ist zweifellos eine Menge Zeit vergeudet worden. Die Zusammenarbeit konnte vor dem Krieg niemals als sehr &lt;?ut bezeichnet werden,
weil sie niemals riohtig organisiert war. '.Ve ehrend des Krieges
blieben die internationalen GewerkschaftsOrganisationen aus varstaendlichen Gruenden ^roesstsntsils untaatig. ^ine bemerkenswerte
Ausnahme bildete der Internationale Transnortarbeiterverband der
durch den Krieg ein besonders fruchtbares Taetigkeitsfeld befunden
- 14 -

�hatte, und der deshalb in der Lage war, die Nachkriegsnrobleme
sofort nach Kriegsende in angriff zu nehmen. Aber die meisten
Sekretariate und der IBFG selbst konnten nur wenig oder per nichts
tun, und was sie unternahmen, war groesstenteils nur vorlaeufiger
Katur.
Nach dem Kriege trat in der Einschaltung der Gewerkschaftsbewegung in ihre frueheren Funktionen eine neue Verzoegerung ein.
Die Bildung des Weltgewerkschaftsbundes und seine Versuche, die
internationalen Berufssekretariate voellig in seine Hand zu bekommen, erwiesen sich als hinderlich und nicht foerderlich fuer die
internationale Gewerkschaftsarbeit, weil damit ein Element der Unsicherheit geschaffen wurde. Die internationalen Berufssekretariate
hatten im allgemeinen die Hoffnung, gute und erspriessliche Verbindungen aufnehmen zu koennen. Einige von ihnen nahmen in der
Erwartung, dass der Weltgewerkschaftsbund nach und nach so gestaltet wuerde, wie es ursprueneilicir; geplant war, eine abwartende Haltung ein.
Einige Sekretariate jedoch, wie zum Beispiel der Internationale Transnortarbeiterverband, zweifelten ernstlich daran, da-s eine
so schwerfaellige Organisation, wie sie vom Weltgewerkschaftsbund
vorgeschlagen wurde und die groesstenteils von Leuten p-eleitet
werden sollte, die wenig oder ueberhaunt keine Erfahrung in der
internationalen Gewerkschaftsarbeit hatten, reibungslos funktionieren koannte. Bevor sie ihre Organisationen, die sie so muehsam
aufgebaut hatten, der: Weltgewerkschaftsbund einverleibten, glaubten sie, sich mindestens vergewissern zu muessen, dass dar Aufbau
dieser Organisation auch eine Gewaehr fuer die Erreichung der
proklamierten Ziele bot. Und von Anfang an hatte man das Gefuehl das sich auch mit der Entwicklung der laeti^keit des Weltgewerkschaftsbundes mehr und mehr bestaetigte - dass diese Organisation
nicht ganz so unpolitisch wer, wie sie es zu sein vorgab.
Und damit warBn vier kostbare "ahre verlorengegangen. Vielleicht nicht ganz verloren, weil die Zwanpsmethoden des Weltgewerkschaftsbundes die internationalen üerufssekretariate einander
naehergebracht und sie vera.nla^st hatten, eine Apparatur fuer die
gegenseitige Zusammenarbeit und Beratung aufzubauen und zwar zuerst in Form eines Verbindungsausschusses und dann in der jetzigen
des Koordinationsausscxiusses.
Es bestände-, zaalrsiche L'isaverstaendnisse ueber das Wesen und
die Zwecke dieses Koordinationsausschusses, und ich moechte als
einer, der diesem iiusschuss von i.nfang an angehoert, die Gelepenheit
ergreifen, um zu sagen, dass im Laufe der Verhandlungen, die die
internationalen Berufssekretariate in den letzten fuenf .'ahren gefuehrt haben, in keiner V.eise die Errichtung einer Organisation in
Erwaegung gezogen wuerde, die auch nur in geringstem 'lasse einen
Uebero-riff auf den Zustaendigkeitsbereich und die Vorrechte der
Gewerkschaftsinternationale bedeutet haette. ^m Anfang war der
Zweck der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Berufssekretariaten teilweise defensiver Uatur; 3paeter wurde sia jedoch i'ortgesetzt, well sie sich auch auf anderen Gebieten als nutzbringend
erwiesen hatte.
Nachdem nun der Internationale Bund Freier Gewerkschaften ins
Leben berufen ist, klaube ich, dass man mit einer raschen Entwicklung der internationalen Gewerkschaftsbewegung rechnen kann, denn
wie im Abkommen zwischen dem IBFG und den internationalen Berufs-ekrekretariaten festgelegt ist, bilden beide zusammen eine einzige
internationale Bewegung. Die 20 Millionen Mitglieder der internationalen Berufssekretariate gehoeren groesstenteils zu den 50 Killionen
- 15 -

�des IBFG. Dia meisten staatlichen Gewerksciiaf tszentren, die dem
I3FG anrehoersn, verfliegen ueber Mitgliederorganisetionen in den
BerufsSekretariaten.
Es ist wahr, dass Luecken bestehen, aber sie auszufuellen ist
der Zweck der.Zusammenarbeit, mit der nun begonnen wurde.
Dieser Zusammenarbeit sind grosse Aufgaben gestellt. Es gibt
noch viele Millionen von Arbeitern auf der Welt - und selbst diesseits des Eisernen Vorhangs - die nicht gewerkschaftlich organisiert
sind, oder die nur in unzureichendem Masse organisiert sind, und
die der Unterstuetzung und der Anregung der internationalen Gewerkschaftsbewegung beduerfen.

Es bestehen Plaene, wonach der Internationale Bund Freier Geweri
Schäften und die Internationalen Berufssekretariate gemeinsam Regionalbueros in verschiedenen Teilen der Welt errichten sollen, un die~e
Arbeit zu erleichtern. Einige der internationalen Berufsorganisationen haben bereits Verbindungen zu Laendern, mit denen andere noch
nicht in Beruehrung gekommen sind; sie koennen dienen andern somit
helfen, dort ebenfalls Fuss zu fassen. Die internationale Gewerkschaftsbewegung war in der Lage, ihren Einfluss in vielen der verschiedenen offiziellen internationalen Koerperschaften geltend zu
machen, die der Krieg und seine Folgen ins Leben gerufen hatte.
Auch in dieser Richtung bieten sich Moeglichkeiten der Zusammenarbeit und der Koordinierung.
Arbeit gibt es genues-end zu tun. Es kann mit Recht erwartet
werden, dass die freundschaftlichen Beziehungen, die .letzt hergestellt wurden, die Moeglichkeit bieten, diese Arbeit besonders erfolgreich durchzufuehren.
The American Federationist
3/51
"GOMPERS-PLATZ" IN NEW YORK VORGESCHLAGEN
Auf einem unbenannten dreieckigen Platz in New York, der durch
das Zusammentreffen der Massachusetts-Avenue und der Zehnten Strasse
gebildet wird, befinden sich eine Reihe von Bronzestatuen, die die
sitzende Figur Samuel Gompers' umgeben, der der erste Vorsitzende
der AFL war und dieses Amt 38 Jahre lang innehatte. Das Zentralbuero der AFL befindet sich eine Strasse weiter.
•Tonn Herling, der Herausgeber der "John Lerling's Labor
Letter", hat vorgeschlagen, diese Stelle "Gomners-Platz" zu nennen.
In einem Schreiben an die "Gewerkschaf tspresse-Vereinip-ung" erklaerte Herling: "Waere es nicht in Anerkennung der Verdienste
Samuel Gompers um die Arbeiter der ganzen Welt und der Beziehungen,
in denen Washington als Stadt zu der uebrigen Welt steht, angebracht, das unbenannte Dreieck, auf dem die Gompers-Statue steht,
nach dem Mann zu benennen, der diesem Platz sein besonderes Gepraege gegeben hat?"
"Indem wir so einen grossen Amerikaner ehren," fuhr Herling
fort, "koennten wir feststellen, dass die meisten Amerikaner, unsere Freunde in Uebersee und im Sueden, den Wunsch haben, sich an
dieser Ehrung zu beteiligen." Ausser gewerkschaftlichen, buergerlichen, oertlichen und Landes-Gruopen waeren der Senat, die Bezirksausschüsse des Repraesentantenhauses und die Bezirksbeauftragten selbst an einer schnellen Verwirklichung dieser Idee, der Schaffung eines "Gompers-Platz", interessiert.
Daily News Service
3/19/51
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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht a b offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 15

Frankfurt, 13. April 1951

I N H A L T £ V

E R Z E I C H N I S

Ein Neger berichtet ueber die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung - - - - - - - - - -

l

Freie Gewerkschaften setzen sich in Afrika
durch - - - - - - - - - - - - - - - - - -

4

Ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen Marshallplan-Verwaltung und hollaendischen
Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - -

7

FuenfJaehriger Vertrag fuer die Kraftfahrer
New Yorks abgeschlossen - - - - - - - - - 1 0
AFL unterstuetzt italienische Gewerkschaften im Kampf gegen die Kommunisten - - - 11
Gewerkschaften der Philippinen fordern
Mindestlohntarife

- - - - - - - - - - - - 1 3

Warum kommunistische Streiks in Amerika? - - 14
Kommunistischer Arbeiter auf Ersuchen der
Gewerkschaft entlassen - - - - - - - - -

iß

EIN NEGER BERICHTET UEBER DIE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Morris Hood, der in Detroit (Michigan) wohnt, ist 42 Jahre
alt. Seit seinem 27. Lebensjahr ist Hood Mitglied der Gewerkschaft
der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft, deren diesjaehrige
Tagung gerade in der im mittleren Westen gelegenen Stadt Cleveland durchgefuehrt wurde. Morris Hood begann als Arbeiter in
einer der vielen Autofabriken in Detroit. Heute ist Morris Hood,
ein Neger, ein Funktionaer dieser Gewerkschaft, die einen tiefen
Einfluss auf sein Leben, seine Familie, seine finanzielle Situation und sein Glueck ausuebt. Dieser Gewerkschaftsfunktionaer
Hood nahm zu einigen der Problemen Stellung, mit denen die Autoraobilarbeitergewerk3Chaft sich zu befassen hat.
- 1 -

�"Einige Jahre zuvor hatte unsere Gewerkschaft sich mit den
Fragen der kommunistischen Infiltration auseinanderzusetzen. Dieienigen von uns, die der Meinung waren, dass das Heil der Automobilarbeiter in der Demokratie und nicht im Kommunismus liegt,
bewiesen selbst unseren Mitgliedern, dass die kommunistische Bewegung den Arbeitern der ganzen Welt keinen Fortschritt bringen
kann. Ohne an die Verwirklichung irgendwelcher Ziele zu denken,
helfen die Kommunisten selbst dabei , unseren Standpunkt unter
Beweis zu stellen, indem sie den Arbeitern wunderschoene Versprechungen gaben, die jedoch nicht im geringsten mit ihren Handlungen im Einklang stehen."
Morris Eood, der der Tagung der &gt;vutomobilarbeitergewerk3chaf t
in Cleveland beiwohnte, nahm sich trotz seiner vielen Pflichten
die Zeit, in einer Sendung der Stimme Amerikas zu erklaeren, wie
die Funktionaere der Automobilarbeitergewerkschaft es moeglich
gemacht haben, die Kommunisten von der Leitung der Gewerkschaft
auszuschliessen, wobei hier der Wille der Majoritaet zum Ausdruck
kam. Diese Sendungen der Stimme Amerikas waren fuer den Fernen
Osten, den Mittleren Osten und Europa bestimmt. In den Sendungen
selbst sagte Hood:
"Durch diese Massnahmen, die in demokratischen und einwandfreien 7/ahlen bestanden, entfernten wir die Kommunisten aus den
Geschaeftsstellen der Gewerkschaften, weil bei diesen Wahlen die
Kommunisten staendig ueberstimmt wurden. Jene Kommunisten, denen
es gelungen war, frueher einmal in die Geschaeftsstelle zu gelangen, mussten zusehen, wie sich ihre Anhaencer von ihnen abwandten
und sie ueber keinerlei Einfluss mehr verfuegten. Ich moechte
hinzufuegen, dass die Mitglieder beider Rassen, die den Kommunisten und ihren Versprechungen anfangs nicht unsympathisch gegenueberstanden, sich sehr bald mit ihnen entzweiten. Die Neger
haben genau wie andere Leute die Faehigkeit, die Forderung einer
Grunpe und deren Aufrichtigkeit zu beurteilen. Die Wirkunsr war,
dass die meisten unserer Leute anfingen, durch die leeren Worte
falscher kommunistischer Behauptungen hindurchzusehen. Heute
sind diese Neger, die als Mitglieder in den Reihen der iiUtomobilarbeitergewerkschaft stehen, ebenso starke Anti-Kommuni3ten wie
die Fuehrerschaft dieser Gewerkschaft selbst und 3ie erkennen die
Ueberlegenheit demokratischer Grundsaetze restlos an."
Hood ging dann dazu ueber, die rassischen Beziehungen in der
Automobilarbeitergewerkschaft zu schildern:
"Allgemein gesprochen bieten in unserer Organisation die
rassischen Beziehungen keinerlei Probleme. Neger und Nicht-Neger
sind Mitglieder der Gewerkschaft, sie arbeiten voller Sympathie
und Harmonie Seite an Seite zusammen. Wir haben in den Anschauungen unserer Mitglieder die Idee menschlicher Kameradschaft und
der gewerkschaftlichen Solidaritaet mit vollem Erfolg erreichen
koennen. Darueber hinaus glaube ich, dass die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft wirkliche Fortschritte erreicht hat, die
der Negerbevoelkerun^ ebenso wie allen anderen Leuten zugute gekommen ist."
Morris Hood ist verheiratet und hat zwei Soehne. Der eine
ist 17 Jahre und der andere 15 Jahre alt. Die beiden Junten besuchen in Detroit die Hochschule. Ihr Vater ist sehr stolzauf sie
und hegt grosse Hoffnungen auf ihre Zukunft:
"Meine Frau und ich haben nicht die Absicht, sie wieder Automobilarbeiter werden zu lassen. Wissen sie, wir wuerden es lieber
- 2 -

�haben, sie auf die Hochschule zu schicken. Die Jungen werden
dann einen Beruf ergreifen koennen, der es ihnen ermoeglicht,
dem Volk unseres grossen Landes besonders nustzlich zu werden."
"Es pibt so vieles, fuer das wir dankbar sein muessen und
wir hoffen, dass die Jungen'Amerika all das zurueckerstatten
werden, was es fuer uns getan hat."
Jetzt erzaehlt der Gewerkschaftsfunktionaer Hood einiges
ueber die Hintergruende seiner Bemerkungen:
"Ich komme aus dem Suedstaat Georgia. Al3 ich acht Jahre
alt war, fing ich in den Sommerschulferien an, in einem Baumwollbetrieb zu arbeiten. Nachdem ich die hoehere Schule absolviert
hatte, ging ich zum Morhouse-College in Atlantik (Georgia), wo
ich einen vormsdizinischen Kursus belegte."
"Meine Absicht war es, Doktor zu werden. Ich mussts aber
die Hochschule nach zwei Jahren verlassen, weil mir das Geld
fehlte. Es war eine unglueckliche Angelegenheit. Aber was konnte
ich damals tun?"
Morris Hood konnte damals in dieser Sache garnichts tun.
Nur, dass er solche Stellen nahm, die fuer ihn offen waren. So
zog er eine Reihe von Jahren durch den susdlichen Teil der Vereinigten Staaten. Schliesslich erhielt er eine Stellung in einer
Eisenschmelzerei in Cincinnati (Ohio), einer Stadt des Mittleren
Westens. Hier wurde er in der Giesserei beschaeftigt. Aber bald
setzte die Depression der fruehen
dreissiger Jahre an und Morris
Hood war ebenso ploetzlich wie 1000 andere Arbeiter arbeitslos.
Voellig entmutigt ging er 1931 nordwaerts und kam nach Detroit,
wo er Verwandte hatte.
"Ich uebernahm jede Arbeitsmoeglichkeit, die ich kriegen
konnte. Ich wusch Automobile, sDielte Parkwaechter oder irgendeinen Gehilfen fuer irgend etwas und wurde actfiiesslich Bote in
einem Hotel. In meinem Kopf schwand vollkommen jede Erinnerung
an die Tage auf der Hochschule und damit jede Hoffnung auf eine
medizinische Karriere. Ich war nichts anderes als ein einfacher
Arbeiter. Ich hatte eine Frau und auch ein Baby, aber wir hatten
unseren Lebensunterhalt. Aber erst im Jahre 1936 konnte ich eine
Stellung in der KUtomobilindustrie erhalten. Ich wurde Lagerarbeiter, das bedeutete, dass ich Zubehoerteile auf ein Foerderband zu legen hatte, sodass sie weiter verwandt werden konnten,
sresaeubert und schliesslich zu einem ganzen Wagen zusammengesetzt
wurden. Im .Jahre 1936 organisierten die Automobilarbeiter eine
Gewerkschaft, die sich Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft
Amerikas nannte. Ich wurde aktives Mitglied und half bei der
Gruendung einer Ortsgewerkschaft sowie einer Sektion der Gewerkschaft in meiner Fabrik."
Ueber jene Tage berichtet Hood weiter:
"Ich bin eines der ersten Mitglieder der Automobilarbeitergewerkschaft. Einige Jahre spaeter wurde ich in meiner Ortsge-.erkschaft als Funktionaer gewaehit. Dann kam der zweite Weltkrieg
und meine Fabrik wurde ebenso wie zahlreiche andere ^utofabriken
von der Autoproduktion auf die Flugzeugproduktion umbestellt.
Die Leute nannten bald unsere Flugzeugfabrik "Arsenal der Demokratie." In jenen aufgeregten Tagen arbeiteten wir Tag und Macht."
- 3

�Al3 der Krieg im Jahre 1945 vorueber ging, wurden die Fabriken wieder in Automobilproduktionsstaetten verwandelt. Ein Jahr
spaeter wurde Morris Hood befoerdert. Er war nicht mehr Funktionier seiner Ortsgewerkschaft, sondern bereits fuer die Gesamtgewerkschaft als Beauftragter taetig. In seiner Eigenschaft als
zustaendiger Vertreter verhandelte der Gewerkschafter Hood ueber
Tarifvertraege zwischen der Gewerkschaft und den verschiedenen
Autounternehmen. Diese Arbeit uebernahm er bis 1949, als er
Leiter der Versandabteilung der Gewerkschaft v»urde, diesen Posten
hat er auch heute noch inne. Zu den Erfolgen seiner Gewerkschaft
sagte Morris Hood:
*

"Unsere Gewerkschaft hat vieles fuer unsere Mitglieder erreicht. Wir haben heute Altersrenten. V/enn jetzt ein Mann oder
eine Frau das pensionsfaehige Alter von 6ö Jahren erreicht, so
koennen sie sich einer Pension erfreuen, die von dem Unternehmen
g'ewaehrt wird, fuer das die einzelnen Arbeitskraefte taetig
waren. Dann setzten wir den Wohlfahrtsfond durch, die dem Arbeiter und ihren Familien in Krankheits- oder Todesfaellen die notwendige Unterstuetzung gewaehrt. Durch unsere politische! Aktionsgruppen in den verschiedenen Staaten war es uns moeglich, hohe
Arbsitslosenunterstustzung zu erreichen. Daneben konnten wir jedoch andere wertvolle Errungenschaften fuer die Arbeiter durchsetzen - bessere Arbeitsbedingungen, kuerzere Arbeitszeiten,
hoehere Nettoloehne und eine sicherere Stellung. Als Teil dieser
Arbeitsplatzsicherung fuehrten wir das System der Senioritaet
ein, d.h., dass ein Mann, der in einem Unternehmen viele Jahre
taetig war, nicht durch irgendeinen Neueingestellten ersetzt werden kann, ebenso koennen sich neu eintretende Kraefte nicht ueber
die Vorrechte aelterer Arbeiter und Angestellten hinwegsetzen.
Morris Hood sagte ebenso herzlich wie aufrichtig, dass die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft einen tiefen und guten Einfluss auf sein gesamtes Leben ausuebt. Abschliessend sagte er:
"Die Gewerkschaft hat auch auf die anderen Mitglieder einen
sehr guten Einfluss, in allen unseren Arbeitsstaetten kommen die
Leute vorwaerts und machen Fortschritte, ohne jeden Unterschied
in Rasse und Herkunft. Es gibt keine Diskriminierung zwischen
Negern und anderen Arbeitern. Alle Tarifvertraege unserer Gewerkschaft mit den verschiedenen Autounternehmern muessen durch den
gewerkschaftlichen Bezirksleiter der Gewerkschaft genehmigt werden.
Und dieser Leiter wuerde es niemals zulassen, dass irgendeine
Ortsgewerkschaft einen Tarifvertrag unterzeichnet, der irgendwelche diskriminierenden Klauseln enthalten wuerde, der das Vorwaertskommen irgendeiner Beschaeftigtengruppe behindert.
Dieser Bericht, den ein Funktionaer der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft gegeben hat, zeigt einen Querschnitt durch
den Einfluss und die Bedeutung der Gewerkschaft und Morris Kood,
der heute hier seine Meinung ausgesprochen hat, ist ein Mitglied
der Gewerkschaft und Neger, dem es gelungen ist, von einem einfachen Arbeiter zu einem Kauptfunktionaer der Automobilarbeitergewerkschaft empor zu steigen.
Labor Special
Program Service Section
4.3.51
FREIE GEWBRKSCHA'" T5N SETZEN SICH IN AFRIKA DURCH
Im suedlichen Teil Westafrikas hat sich eins Gruppe Arbeiter
daran gemacht, ueberall soziale, wirtschaftliche und oolitische
- 4-

�Kraefte zu mobilisieren

und zugleich Gewerkschaften zu errichten.

Kit der Selbstlosigkeit, wie sie nur Kreuzfahrern eigen
ist, und der Weitsicht eines Columbus, sind 28 Meenner und eine
einzige Frau in einer mit Stroh bedeckten Huette unter der sengenden Sonne Afrikas zusammengekommen und haben Plaene entworfen,
um durch freie demokratische Gewerkscnaften der Wirtschaft und
der Idee der sozialen Gerechtigkeit in ihrem Lande eine neue
Bedeutung zu geben.
Das Gebiet, dem ihre Arbeit gilt, umfasst 1.919.246 'iuadratmeilen und liegt zwischen dem Atlantischen Ozean und der Sahara. Es
ist ein Land unberuehrter industrieller und militeerlscher Reichtuemer. In ihm leben unter der Herrschaft weisser Europaeer fast
45 Millionen Menschen, deren wachsender Nationalgeist mit dem
kolonialen Denken ihrer Beherrscher in Konflikt geraet.
Diese 28 Maenner und die eine Frau waren Delegierte zur regionalen Gewerkschaftskonferenz fuer Mittel- und Westafrika, die
unter dem Protektorat des Internationalen Bundes fuer Gewerkschaften stand und im vorigen Monat in der Hafenstadt Duala in
Franzoesisch-Kamerun abgehalten wurde.
Die Delegierten kamen aus 10 Kolonien Gross-Britanniens und
Frankreichs: dem Senegal, der Sierra Leone, aus Dahomey, Nigeria,
der Goldkueste, der Elefanten-Elfenbeinkueste, aus FranzoesischAequatoriel-Afrika und Franzoesisch- und Britisch-Kamerun.
Mit aller Kuehnheit eroberten sie sich einen dauernden Platz
an der Seite anderer Gewerkschaftspioniere, die koerrerliche
Anstrengungen auf sich nahmen, die zur Gruendung der Gewerkschaftsbewegung in jedem Land der Welt fuehren.
Sie sprachen ein buntes Durcheinander von Sprachen und Dialekten. Einige waren Europaeer und einige Afrikaner waren in Europa
erzogen worden. Sie renraesentierten eine Vielzahl von Kulturen
und Tradition mit ihrer Kleidung. Diese variiert von den Roecken,
wie sie Adio Moses, der Sekretaer des Gewerkschaftskongresses von
Nigeria, trug, bis zu den europaeischen Shorts Markus Grants,
des Sekretaers des Gewerkschaftsbundes der Sierra Leone und Vertreter von West- und Mittelafrika des Exekutivausschusses des
IBFG.
Drei Delegierte, die von armen Gewerkschaften geschickt waren,
musstsn ueber 60 teilen schwierigen Geltendes zu Fuss zuruecklegen,
um an der Konferenz teilzunehmen. Andere kamen mit Zuegen, die
zum Transport von Bananen bestimmt sind, andere wiederum wurden
in Autobussen befoerdert, die aus dem Mittelalter zu stammen schienen.
Fuer einige musste der IBFG ein Flugzeug mieten, weil sie
keine andere Moeglichkeit hatten, nach Duala zu kommen. Unter
der Fuehrung und Anleitung einer Gruppe von acht Delegierten des
IBFG arbeiteten sie 'Irei Tage lang und legten damit den Kern zu
einer ellafrikani3Chen Regionalorganisation des IBFG. Zu den
Delegierten des IBFG gehoerten Harold D. Snell von der CIO-Gewerkschaft der Arbeitnehmer im Befoerderungsdienst, der zugleich Repraesentant der AFI, der Werkarbeitergewerkschaft und der Eisenbahnergewerkschaft war.
Im Verlauf der Diskussionen zeigten sich die Probleme' auf,
die der gewerkschaftlichen Organisierung in einem Lande im Wege
- 5 -

�stehen, dbs fast unbegrenzte Reichtuemer an Rohstoffen von ungeheurer Bedeutung und starke militaerische und flugtechnische
Basen besitzt, die ebenfalls von grosser strategischer Bedeutung
sind.
Der groesste Teil der Arbeitgeber in jenen zehn Staaten und
viele Regierungsbeamte halten nicht viel von den Gewerkschaften,
was Jedoch nicht ausschliesslich fuer Afrika zutrifft, obwohl
diese Einstellung dort staerker betont ist.
Sie sniegelt den unglueckseligen allgemeinen V/unsch der Unternehmer wider, ueber einen uebervollen Arbeitsmarkt zu verfuegen, auf dem es sich seine Arbeiter aussuchen und sie so bezahlen 'kann, wie er es wuenscht. Darueber hinaus gibt es jedoch
ganz bestimmte Tendenzen anderer Artf die sich aus dem klassischen
Kolonialismus ergeben haben.
Das Niveau des Alphabeten ist im allgemeinen sehr niedrig.
Ebenso verhaelt es sich mit seiner Produktionsleistung. Nur ein
geringer Prozentsatz der Eingeborenen verfuegt ueber irgendwelche
mechanischen Fachkenntnisse. Das Recht der Frau, ausserhalb der
Familie zu arbeiten, i3t beschraenkt. Die Loehne sind so niedrig,
dass visle Arbeiter keine Gewerkschaftsbeitraege zahlen koennen
und in einigen Gebieten haben die Gewohnheiten und Sitten der
Eingeborenen, wie z.B. die Polygamie,wirtschaftliche Schwierigkeiten heraufbeschworen.
Diese Frage der Polygamie hat auf dieser Konferenz mehr Aufregung hervorgerufen als irgendetwas anderes, jedenfalls mehr
als die Zwischenrufe der Kommunisten und ihrer Helfershelfer die e3 sogar in Afrika gibt - die den Sitzungen beiwohnten, da
diese der Oeffentlichkeit zugaenglich waren.
Die einzige weibliche Delegierte, Frau Marie Issoula, eine
23.iaehrige Mutter von zwei Kindern und die Delegierte einer Lehrergewerkschaft in Duala, brachte eine Resolution ein, in der sie
forderte, dass die afrikanische Frau von der ^olygamie befreit
wird.
Frau Issoula war in Duala und in Frankreich aufgezogen worden, sie ist die einzige .brau eines afrikanischen Beamten.
Was fuer die Konferenz mit am bedeutsamsten war, blieb die
Tatsache, dass sich die Delegierten, obwohl sie Funktionaers der
Gewerkschaftsbewegung sind, die eine Befreiung von der europaeischen Herrschaft erstreben, sich streng an die Vereinbarung "hielten, sich nur mit den wirtschaftlichen Problemen der Arbeiter zu
befassen. Sie forderten voellige Freiheit bei der Abfassung der
Entschliessungen, sie benutzen die Konferenz jedoch nicht dazu,
ihren besonderen nationalen Forderungen Ausdruck zu verleihen.
Sie wuenschten sine gesunde Basis zu errichten, von der aus
die Rechte der Arbeiter in der industriellen Revolution gewahrt
werden koennen,die sich, wie sie hoffen, in allernaechster Zukunft
auf ihrem heute noch primitiven Kontinent abspielen wird.

Die Arbeiter, die an der Konferenz teilnahmen, waren zum
sroessten Teil Beamte, Bergleute, Eisenbahnar, Eafen- und Industriearbeiter.
Moses, der Gewerkschaftsfuehrer aus Nigeria, spielte hier
eine ungewoehnliche Rolle. Die Kommunisten haben einen grossen
- 6-

�Teil ihrer organisatorischen und propagandistischen Anstrengungen
auf diese ihrer Lage nach strt-tegisch wichtigen englischen Kolonie konzentriert, der Gewerkschaftsbund von Nigeria ist dem
kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund angeschlossen.
Aber Moses, ihr Sekretaer, nimmt eine fuehrende Stelle in
dem Kampf zur Beseitigung der Kommunisten und zur Angliederung
der Gewerkschaftsbewegung Nigerias an den IBFG ein. Er erklaerte
der Konferenz, dass der Antikommunismus in seiner Organisation
stark sei und sagte voraus, es sei damit zu rechnen, dass diese
Kraefte im -Juni fuer den Austritt aus dem Weltgewerkschaftsbund
stimmen werden.
Zwei starke Gewerkschaften, naemlich die der Lehrer und
der Eisenbahner, gehoerten der Zentralorganisation an, als sie
noch den Namen "Gewerk3Chaftskongress von Nigeria" fuehrte, sie
loesten sich jedoch von der neuen Gruppe los, da sie sich weigerten, dem Weltgewerkschaftsbund beizutreten.
Die Delegation des IBFG war mit den Fortschritten, die auf
dieser Konferenz erzielt wurden, zufrieden. Frederic W. Dalley,
ihr Vorsitzender und Mitglied der britischen Gewerkschaft der
Sisenbahnangesteilten, erklaerte:
"Auf dieser Konferenz wurden Fehler gemacht, aber im Hinblick
auf die Schwierigkeiten der verschiedenen Sprachen, Rassen und Bekenntnisse war es ein Anfang und meiner Meinung nach ein guter
Anfang' - und das ist das, was in Afrika gebraucht wird." Andre
Lafond, der Sekretaer der franzoesischen Gewerkschaft CGT-Force
Ouvriere erklaerte: "Wir haben hier in Afrika zur Beseitigung
wirtschaftlicher Schwankungen, fuer eine groessere wirtschaftliche
Zusammenarbeit und einen besseren Lebensstandard gearbeitet. Ich
bin ueberzeugt, dass die Errichtung einer starken internationalen
Bewegung freier Gewerkschaften die Verteidigung unserer Freiheit
ohne Krieg garantieren kann."
"Die Freiheit ist in der ganzen Welt bedroht und muss in
Afrika ebenso hartnaeckig verteidigt werden, wie sie in anderen
Teilen der Welt angegriffen wird."
The CIO News

IV/2/51

AUSGEZEICHNETE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN MARSHAILPLAN-VERWALTUNG UND
H OLLAENDISCHEN GE'YERKSCHAFTEN
Die einflussreiche antikommunistische hollaendische Gewerkschaftsbewegung setzt sich in ihrem Land fuer ein ausgedehntes Verteidigungsnrogramm ein, wobei ein hervorragend funktionierendes
Verbindungssystem besteht, das bereits Fruechte getragen hat, die
sowohl der hollaendischen Arbeiterschaft als auch den Maennern
zugute gekommen ist, die die amerikanische wirtschaftliche Hilfe
fuer die Niederlande lenken.
Waehrend der letzten 19 Monate haben sich die Gewerkschaftsfuehrer und die Beauftragten der Sondermission der Verwaltung fuer
wirtschaftliche Zusammenarbeit in den Niederlanden jeden Monat
regelmaessig getroffen, damit auf der einen Seite das Arbeitsberatungskomltee der ECA-Mission seine Vorschlaege unterbreiten und
diese auf die besonderen Probleme abstimmen kann, die sich durch
die gegenwaertige Situation der einheimischen und internationalen
wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen ergeben.
- 7-

�\

Die Apparatur fuer diese Besprechungen wurde im August 1949
auf Vorschlag von Bert Jewell festgelegt, dem Arbeitsberater
fuer ECA-Fraren in Washington. Dadurch ergab sich eine gute Zusammenarbeit mit Holland, vor allem durch die Initiative von
Lee R. Smith, dem Arbeitsbeauftragten der Mission, sowie durch
die begeisterte Zusammenarbeit der Gewerkschaftsfuehrer, die
mehr als 900.000 hollaendische Arbeiter in allen industriellen
und Dienstleistungsbetrieben vertreten.
Das Interesse der Gewerkschaften an dieser Zusammenarbeit
mit dem Beratungskomitee wird am besten beleuchtet durch die Anwesenheit jeder einzelnen Gewerkschaft auf den 20 Sitzungen, sodass immer wenigstens zwei der Spitzenfunktionaere der N W (Konfessionell nicht gebunden und ueberwiegend sozialistisch), der
KAB (katholisch) und des CNV (protestantisch) zugegen waren, auf
der Seite der ECA fanden sich als Teilnehmer der Chef der Mission,
Clarencs E. Hunter, und fast alle Missionsbeauftragte, deren Aufgabengebiet das Finanzwesen, Handel und Gewerbe, Industrie, Troduktivitaet, Planung und Information ist. Auch die Vertreter der
amerikanischen Gesandtschaft nahmen regelmaessig an den Sitzungen
teil, wobei Smith den Vorsitz fuehrte.
Mit der zunehmenden Bedeutung des Marshall-Planes fuer die
wirtschaftliche Erholung und spaster fuer die Verteidigung nahm
das Beratungskomitee auf der letzten Sitzung zu den grundsaetzliohen Fragen Stellung, wobei die hollaendischen wie auch die amerikanischen Mitglieder sich zu den folgenden Beschluessen bekannten:
1. Auf hollaendischer Seite hat der Austausch der Vorschlaege
der Gewericschaftsfuehrung die Moeglichkeit gegeben, ihre eigenen
Probleme im Licht der Weltprobleme ganz allgemein zu betrachten.
Dadurch wurde ein klares Bild ueber die Gedankenwelt gewonnen, von
der die wirtschaftliche Aussenoolltik der Amerikaner ausgeht. Dies
wiederum hat wertvolle Informationen ermoeglicht, die fuer die
Planungen der sozialen und wirtschaftlichen Programme von groesstem
Nutzen fuer die hollaendische Arbeiterschaft sind.

2. Auf amerikanischer Seite liegen die hauptsaechlichen Vorteile darin, dass ein breiteres Verstaendnis und eine Einsichtnahme
in die besonderen Probleme der hollaendischen Arbeiterschaft gewonnen wurde, in einer Versicherung der weitreichenden Unterstuetzung
durch die hollaendischen Arbeiter fuer die grundsaetzlichen Ziele
de3 Marshall-Planes und ein staendigsr Fluss von Informationen uebej
die Entwicklung und die Auswirkung der EOA-Arbeit auf die hollaendische Gewerkschaftsbewegung.

Eine wichtige Foerderung der Aufgaben beider Partner ist durch
die Entwicklung einer engeren Zusammenarbeit im Rahmen des Komitees
unter den Fuehrern der drei freien Gewerkschaften geschaffen worden,
deren Interessen und Politik in der Vergangenheit recht unterschiedlich waren. Sowohl die hollaendischen als auch die amerikanischen
Teilnehmer der regelmaessigen Konferenzen stimmen darin ueberein,
dass diese Entwicklung von wachsender Bedeutung fuer die Loesung
der grundlegenden Frobleme geworden sind, die sich heute fuer alle
Gewerkschaften ergeben, zumal die hollaendische Regierung ein neue«
Vier-Jahres-Verteidigungsprogramm ausgearbeitet hat, fuer das sechs
Milliarden Gulden, das sind fast sieben Milliarden D-Mark vorgesehen sind.
°
Die Konferenzen des Beratungskonitees haben eins allgemein
ueblich gewordene Arbeitsweise seit ihrer Einfuehrung befolgt.
Auf
Grund der dringenden Arbeiten an den Werktagen sind diese Monats8 -

�konferenzen immer auf die fruehen Abendstunden gelegt worden. Sie
beginnen mit einem Abendessen und gehen ueber in eine zweistuendige Diskussion, wobei das Gespraechsthema von den Gewerkschaftsfuehrern auf der vorausgehenden Konferenz festgelegt worden ist.
Die drei freien Gewerkschaften und die ^CÄ-Verwaltung wechseln sich in der Rolle der Gastgeber ab. Das Abendessen selbst
hat sich als eine wertvolle Gelegenheit erwiesen, informierende
Aussprachen zwischen Hollaendern und Amerikanern ueber "unkte zu
f uehren, die von allgemeinen! Interesse sind und die nicht in die
vorgesehenen Aussprachen ueber das Ilauptthema passen wuerden.
Line Uebersicüt ueber die von dem Beratungskomitee diskutierten Punkte «eit der ersten Konferenz gibt oraktisch ein ?ut
abgerundetes Bild aller wichtigen hollaendisch-europaeischen Pachkriefrsprobleme und das Funktionieren der amerikanischen Hilfe.
Als Beis".il kann das hollaendische 7/ohnbauproblem genannt werden
oder das Sachsen des deutschen "Wettbewerbs in Westeuropa, die
Feststellungen hollaendischer Gewerkschaftsr, die unter dem Protektorat der SCA die Vereinigten Staaten bereisen, den SchumanPlan oder das Budget der hollaendischen Regierung, die liberalisierung des Aussenhandels in Europa, die industrielle Schulungsarbeit oder das Punkt-Vier-Programm Praesident Trumans und in
letzter Zeit vor allem die Knappheit bestimmter Rohmaterialien.
Die Diskussionen hatten gewohnlich zum Mittelpunkt die Rolle
der Gewerkschaften als Gespra3Ch3thema, wobei das Verstasndnis
der Mitgliedschaft fuer diese Fragen gewahrt wurde und eine Politik vorgeschlagen wurde, mit der die Mitgliedschaft allgemein
einverstanden war.
Die Erfolge waren so ins einzelne gehend, dass die Cewerkschaftsfuehrer selbst die Empfehlung gaben, dass diese Konferenzen
auf der ^egenwaertigen Basis weiter fortgefuehrt werden sollten,
wobei besonders Sitzungen des Komitees vorgesehen sein sollten,
um ueber irgendein wichtiges Problem sich auszusprechen, das auf
Grund des Verteidir.ungsProgramms sich ploetzlich ergeben kann.
'.Venn man die Reaktionen einiger einflussreicher Gewerkschaftsfunktionaere zu der Arbeitsweise des Beratungskomitees feststellen will, so ergibt sich folgendes Bild:
Evart Kupers, der der fruehere Vorsitzende der JTW und ein
international bekannter Gewerkschafter ist: "Ich betrachte diese
Konferenzen als hoecast wertvoll ... waehrend der Diskussion ueber
diese "robleme ist es wiederholt augenscheinlich geworden, wie
hoechst wichtig die Marshallnlan-Hilfe ist."
M. Ruppert, der Vorsitzende der CNV: "Diese Konferenzen sind
ein ausgezeichnetes Mittel fuer den gegenseitigen Kontakt. Die
Arbeits^bteilung der ECA kann dadurch die Meinuns-en und Gedanken
der verschiedenen Gewerkschaften erkennen, die Gewerkschaften
koennen ihrerseits sehr viel von den Meinungen und Gedanken der
Maenner der Arbeit3ebteilunpren lernen."
Ad Vermeulen, 'jekretaer der JJW: "Der Kontakt de&lt;* Arbeitsbsratungskomitees mit den hollaendischen Gewerkschaften hat durch
unsere monatlichen Konferenzen unsere Ansichten ueber diese Fragen erweitert. Die Bedeutung und die Technik des Varshall-^lanes
ist ebenso eine intärnationale soziale und wirtschaftliche Frage
wie eine allgemeine. Insbesondere die Informationen, die wir von
- 9 -

�der 2CA erhalten haben, zeigten sich oft bei der Aufstellung der
sozialen und wirtschaftlichen Programme als aeusser3t nuetzlich."
P.C.W.M. Bogaers, der Beauftragte fuer Wirtschaf tsf ragen_ der
KA3: "Diese Diskussionen haben mir einen aktuellen Einblickin
die'dringendsten Fragen gegeben und diese wiederum hat mich in
die Lage versetzt, eine wesentlich breitere Plattform zu gewinnen,
vor allem hinsichtlich unserer eigenen gewerkschaftlichen Probleme.
Labor Information IV/z/51
FUENFJAEHRIG2R VERTRAG FUER DIE KRAFTFAHRER NSV: YORKS ABGESCHLOSSEN
Ein fuenf jaehriger Arbeitgeber-Arbeitnehmervertrag wurde im
Buero des amerikanischen Arbeitsministers Maurice «T. Tobin in
Washington von den New Yorker Kraftfahrern und ihren Arbeitgebern
untsrzeichnet.
Der Vertrat, der ab sofort in Kraft tritt und zwischen den
Ortsgewerkschaften 307 und 707 der Fahrergewerkschaft, in der
11.000 Lastwagenfahrer aus New York vertreten sind, und der betreffenden Arbeitgeberorganisation (1500 Unternehmer) von New
York abgeschlossen wurde, sieht eine schiedsrichterliche Schlichtung aller Streitigkeiten vor, die sich um Loehne, Arbeitszeit
und Arbeitsbedingungen drehen. Ausserdem haben sich die Arbeitgeber einverstanden erkleert, eine Klage auf 10 Millionen Dollar
Schadenersatz zurueckzuziehen, die sie beim Bundesgericht gegen
die Lokalgewerkschaften und ihre Funktionaere auf Grund der Streiks
im Jahre 1946 gefuehrt hatten.
Was in der Geschichte der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern einmalig ist, i3t die Tatsache, dass in
dem Vertrag zwei hohen Regierungsbeamten der Vereinigten Staaten,
naemlich Arbeitsminister Tobin und dem' stellvertretenden Verteidigungsminister Anna V.. Rosenberg, die Befugnis uebertragen wurde,
Schiedsrichter zu ernennen, die ueber umstrittene Probleme end^ueltig entscheiden duerfen, wenn die beiden Partner keine direkte
Einigung erzielen.
Nach diesem Vertrag vereinbaren beide Partner, einen Arbeitgebsr-Arbeitnehmerausschuss unter dem Namen "New York City
Trucking Authority" (Lastwagenverkehr-Schiedsstelle fuer die Stadt
New York) zu bilden, der die Aufgabe hat, Streitigkeiten durch
Schiedsspruch beizulegen, Vertraege abzufassen und ein Programm
fuer die Beziehungen zur Oeffentlichkeit und wirtschaftliche Analysen fuer die Industrie aufzustellen.
An der Spitze dieses Ausschusses, der sich aus sechs Vertretarn der Industrie und sechs Vertretern der Gewerkschaften zusammensetzt, -wird ein unparteiischer Vorsitzender stehen, der von Arbeitsminister i'obin ernannt wird. Der Fuenf Jahresvertrag bezeichnet seine Entscheidungen ueber alle Beschwerden und Streitigkeiten
als "endguelti? und bindend fuer alle Partner".
Der unparteiische Vorsitzende ist jedoch nicht befugt, ueber
ungeloeste Streitfragen in Bezug auf Loehne, Arbeitszeit oder
Bestimmungen zu sozialen Wohlfahrts- und Versicherungs^iaenen der
Industrie zu entscheiden. Im Bezirk New York, wo jeehrlich 40
Millionen Doller an Loehnen ausgezahlt werden, hat der stellvertretende Verteidigungsminister Rosenberg die vertraglich festgelegte Befugnis, aus einem Gremium, das von beiden ~artnern zusammengestellt wird, einen Lohnangleicher zu ernennen. Dem Gremium
- 10 -

�gehoeren en: Armee-General Dwight D. üisenhower, William J".
Kelley, Murray Gurfein, Fred G. Vorritt, Professor Paul R. Hays,
der Richter Nathan E. Zellet und Charles Preusse.
In dem "Vertrag ist vorgesehen, dass nach dem 1. LCal 1952
neue Bestimmungen ueber Loehne, Arbeitsstunden, Pensionen und
sonstige soziale Einrichtungen erlassen werden koennen. Zu dieser Zeit kann der Schiedsrichter die Sachlage ueberpruefen und
sich ueber umstrittene Probleme Gutachten einholen; er ist weiter
berechtigt, sine fuer beide Partner bindende Entscheidung zu
treffen, die fuer die Zeit vom 1. September 1952 bis zum 31. August 1954 Gueltigkeit hat.
Der Schiedsrichter fuer Lohnfragen kann sich jedoch mit den
von der Industrie finanzierten sozialen 7,'ohlfahrts- und VersicherungsbeStimmungen befassen, die z. Zt. fuer Gewerkschaftsmitglieder eine Lebensversicherungssumme von 2.000 Dollar, im Falle
toedlichen Unfalls oder schwerer dauernder Verletzungen eine Versicherungssumme von 2.000 Dollar, ferner woechentliehe Unfallund Krankenuntorstuetzungen von 35 Dollar, die Rueckerstattung
von Arztkosten und die Erstattung von Krankenhausgeldern fuer die
Arbeitnehmer und ihre Familien vorsehen.
AFL Weekly News Service IV/3/51
AFL UNTER0TU2TZT ITALIENISCHE GEWERKSCHAFTEN W KAI'^F GEGEN DIL
KCI.";UNISTSN

Die Gewerkschafter, die vor kurzem gegen die kommunistische
^artei Italiens rebelliert haben, die nichts weiter als ein ruecksichtsloses und brutales Werkzeug des imperialistischen Aussenoolitischen Amtes der Sowjetunion ist, stehen mit Vertretern der
AFL im Ausland und in Italien selbst in Verbindung.
Dies wurde unlaengst vom Houptkassierer der AFL George I.'caay
berichtet.
Meany, der vor der Katholischen Gewerkschaftsallianz in
Chikago eine Rede hielt, nahm ausfuehrlich zu den Taetigkeiten
der AFL in Europa und Asien Stellung:
"'Vir haben uns bestaendig zur-Aussenpolitik unseres Landes
bekannt und ihr immer haeufiger unsere Unterstuetzung zuteil werden
lassen. '.Vir sind fest davon ueberzeugt, dass unsere Regierung eine
wirksame demokratische Aussenpolitik in einer Form entwickeln und
verfolgen kann, die eine massgebliche Einflussnahme des Volkes
selbst ermoeglicht.
"In diesem Zusammenhang moechte ich darauf hinweisen, dass
es die Idee der AFL war, die Arbeiterschaft der V.'elt um den Narshallnlan zu scharen und sie zur Abwehr der kommunistischen Sabotageversuche in Europa zu mobilisieren.. Es waren unsere Funktionaere,
die ^ie Kraefte der freien Gewerkschaftsbewegung zur Unterstuetzung
des Nershallplans organisierten, jene Kraefte, die den entscheidenden
fchlap gegen die kommunistischen Versuche fuehrten, den euronaeischen Wiederaufbau zu verhindern.
"Auch unsere hilfe fuer den Atlantik-Pakt wer nicht theoretischer Art. Wir mussten in die wichtigsten liaefen Euronas gehen, um
mitzuhelfen, die demokratischen Arbeiter zu vereinigen, um die
- 11 -

�Kommunisten daran zu hindern, den Transport der Waffenlieferungen
Amerikas im Rahmen des Nordatlantikpaktes zu sabotieren. Wenn
die demokratischen Gewerkschaften Europas mit der vollen Unterstuetzung der AFL nicht gesiegt haetten, waere der Nordatlantikpakt heute ein Vorschlag, der nur auf dem "anier steht, und unseren Verbuendeten haetten keine amerikanischen Waffen geliefert
werden koennen.
''Erst vor wenigen Wochen brachten die Arbeiter Europas dem
franzoesischen und damit dem Weltkommunismus eine schwere Niederlage bei. Hierbei spielte die AFL eine hoechst dramatische Rolle.
In enger Zusammenarbeit mit Ferri Pisani, jenem unermuedlichen
Kaempfer fuer die freie Gewerkschaftsbewegung, beteiligte sich
der europaeische Repraesentant der AFL Irving Brown an den Aktionen zur Beseitigung der kommunistischen Kontrolle ueber den Hafen
Marseilles. Heute gehoeren 35 der 50 Mitglieder des Hafenrates
demokratischen Gewerkschaftsorganisationen an, und amerikanische
Atlantikpakt-Waffen koennen in Marseille ohne Furcht vor kommunistischer Sabotage entladen werden.
"Hier hat die europaeische freie Gewerkschaftsbewegung einen
ihrer bedeutsamsten und ent3Cheidensten Siege ueber ihren kommunistischen Gegner errungen. Er kam gerade zur rechten Zeit und
bildete einen grossen Ansporn zur Bekeempfung der Demonstrationen,
die die Kommunisten unter Aufwendung aller Mittel, aber ohne Erfolg, gegen General Eisenhower organisieren wollten.

"In Frankreich bilden die Kommunisten noch immer den dominierenden Faktor in den Gewerkschaften. Hieraus erklaert sich in
gewissem Grade die schwierige wirtschaftliche und politische Lage
Frankreichs. Es konnte jedoch in diesem Lande, vor allem auf
Grund der Bemuehungen der AFL, ein starkes demokratisches Gewerkschaftszentrum gebildet werden, das den Namen "Force Ouvriöre"
traegt"und das, obwohl es nur eine Minderheit darstellt, zusammen
mit den verschiedenen unabhaengigen und christlichen Gewerk^chaf tsorganisationen die Kommunisten daran hindern konnte, das Wirtschaf 1
gefuege Frankreichs zu zerstoeren und damit dem Chaos und der
kommunistischen Revolution in diesem strategisch wichtigen Land
die Tore zu oeffnen.
"Auch in Italien haben die Kommunisten in den Gewerkschaften
die Oberhand, was ebenfalls eine Erklaerung fuer die heutige kritische Lage Italiens gibt. Aber in Italien gibt es nun, wie"auch in
Frankreich, sine lebendige demokratische Gewerkschaft, die unter
dem Namen Confederazione Italiana Sindicati Lavoratori (CISL) bekannt ist.
Obwohl auch diese Gruope nur eine Minderheit darstellt, ist
sie stark genug, um es den Kommunisten in Italien unmoeglich zu
machen, Generalstreiks vom Zaume zu brechen, die die italienische
Wirtschaft paralysieren koennten.
"Obwohl Finnland hinter dem Eisernen Vorhang liegt, arbeitet
die AFL eng mit dem finnischen Gewerkschaftsbund zusammen.

"In Israel steht die AFL mit der demokratischen Gewerkschaftsgruppe in Verbindung, die in erster Linie den israelitischen Gewerk
schaftsbund liistadrut veranlasst hat, aus dem kommunistisch beherrs
ten Weltgewerkschaftsbund auszutreten.
tung.

"Auch in Indien verfuegt die A F L ueber eine sehr aktive Vertra
Ihr ßuero dient nicht nur als InformütionsZentrum ueber die
- 12 \

�rorgaenge in Amerika und nicht nur als Gegenspieler der gegen
onser Land und unsere Einrichtungen gerichteten luegnerischen
Propaganda der Kommunisten, sondern steht auch als Wegbereiter
da fuer die Entwicklung praktischer Kenntnisse innerhalb der iniischen Gewerkschaftsbewegung, ueber die Methoden der Tarifverlandlungen, die friedliche Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten
and die Errichtung starker Gewerkschaften.
"In Deutschland und Berlin hat sich die AFL besondere Verdienste bei der Verteidigung von Lebensmitteln und der Verbreitung
amerikanischer Ideen und Ideale erworben. Die AFL hat betraechtliche Mengen von Literatur veroeffentlicht und in grosszuegiger
iVeise die Errichtung einer maechtigen freien Gewerkschaftsbewegung
in Deutschland unterstuetzt. Es ist diese Bewegung, die heute
las Bollwerk zum Schutze der Demokratie in Deutschland darstellt
und die der staerkste Gegenspieler der russischen und kommunistischen Machenschaften in Berlin ist, das hinter dem Eisernen Vorhang liegt." Dar von den deutschen Gewerkschaften unablaessig
gefuehrte Kampf um das sogenannte Mitbestimmungsrecht hat viel
Staub aufgewirbelt. Ich moechte auf zwei Faktoren hinweisen,
die von Wirtschaft3-"Experten", die der Arbeiterschaft feindlich
gesinnt sind, absichtlich oder aus irgendwelchen anderen Gruenden
uebersehen wurden. "Die deutschen Gewerkschaften haben mit der
(Gewinnung dieses Rechtes der Arbeiter in der Stahl- und Kohlenindustrie Deutschlands die Vormachtstellung der R'ihrmagnaten und
Kartelle im wirtschaftlichen Leben Deutschlands gepchwaecht. Es
waren dieselben Herren des Ruhrgebietes, die Hitler zur Macht verholfen und seine aggressive Kriegsmaschinerie aufgebaut hatten.
"Mit der Erringung dieses Rechtes hat sich die deutsche Gewerkschaftsbewegung von dem Gedanken der Verstaatlichung distanziert, von jener verderblichen Auffassung, dass die Verstaatlichung
des wirtschaftlichen Lebens einer Nation ihren Menschen Freiheit
und Demokratie braechte.
"In Japan ist es der AFL trotz zahlreicher Schwierigkeiten
gelungen, der aufstrebenden freien japanischen Gewerkschaftsbewe- •
?ung grosse Dienste zu erweisen. Die von der AFL gelieferte Literatur und ihre Zusammenarbeit haben sich fuer die jungen und un3rfahrenen japaniseilen Gewerkschafter in ihren unermuedliehen und
tapferen Versuchen, ihre Reihen von allen kommunistischen Elementen und Agenten zu saeubern, die von Russland finanziell stark
mterstuetzt wurden, als ungeheuer wertvoll erwiesen."
AFL Weekly Mews Service
111/20/51
GEWERKSCHAFTEN DER PHILIPPINEN FORDERN MINDfCc_TLOHNTARIFE
Die freien Gewerkschaften der Philippinen sind in einen schv.ecen Kampf gegen die maechtigen Finanzherren dieses Landes verwickelt, die versuchen, die Gesetzgebung fuer Mindestloehne zu
3abotieren, mit der sich der Kongress der "hillnninen zur Zeit
•&gt;eschaeftigt.
Obwohl die versprochene Hilfe der Vereinigten Staaten fuer
liese kaemnfende junge Republik von dem iirlas3 eines zufriedenstellenden Mindestlohngesetzes abhaengig gemacht wurde, haben die wohllabenden Plantagenbesitzer und die Unternehmer der Zuckerindustrie
linter den Kulissen gegen die Verwirklichung eines solchen Gesetzes
gearbeitet. Sie wollen auf keinen Fall die Loehne der sehr schlecht
13 -

�bezahlten Arbeiter verbessern, obwohl sie grosse Gewinne erzielen
und das Preisniveau sehr hoch ist.
Bis jet:,'t ist es den Finanzmagnaten gelungen, zu verhindern,
dass ein Gesetz ueber Mindestloehne vom Komitee fuer Arbeitsfraren im Repraesentantenhaus erlassen wurde.
Im vorigen Jahr hatten die Vereinigten Staaten auf jir^uchen
des philippinischen iraesidenten eine £ondermis3ion ("Beil-Mission"
genannt) nach den Fhiliopinen geschickt, die die wirtschaftlichen
Schwierigkeiten dieses Landes untersuchen und Massnahmen zu ihrer
Beseitigung vorschlagen sollte. Nach eingehenden Studien schlug
diese Mission weitgehende Veraenderungen vor, um die finanzielle
Krise der "hilippinen ueberwinden zu koennen, und forderte, dass
die Vereinigten Staaten diese .junge Republik finanziell unterstuetzen solle.
Die Regierung der Vereinigten Staaten erklaerte sich einverstanden, Anleihen und Kredite in Hoehe von 260 Millionen Dollar
unter der Bedingung zur Verfuegung zu stellen, dass die ohilinpinische Regierung vorher einige Forderungen erfuellt. i.ine dieser
Forderungen ist die Verwirklichung eines angemessenen Mindestlohngesetzes.
Inzwischen hat der Senat einen zufriedenstellenden Gesetzentwurf gebilligt, der
1. einen Mindestlohn fuer die nichtlandwirtschaftlichen Arbeiter von 4 Pesos taeglich und 2. fuer landwirtschaftliche Arbeiter einen Tageslohn von mindestens 2 Pesos 50 Centavos vorsieht,
wobei nach Abzug der Unkostensaetze fuer Mahlzeiten und Wohnung
nicht weniger als 2 Pesos in bar ausgezahlt werden duerfen. Die
Gesetzesvorlape des Senats wuerde
nach dem gegenwaertigen amtlichen Umwechslungskurs von zwei resos fuer einen Dollar fuer nichtlandwirtschaftliche Arbeiter einen Mindestlohn von zwei Dollar und
fuer landwirtschaftliche Arbeiter einen solchen von 1.25 Dollar
bedeuten.
Die Vorlage des Senatr entspricht im allgemeinen^ den Bedingungen, die in Bericht der Beil-Mission gestellt wurden/ obwohl der
festgesetzte Mindestlohn neuen Untersuchungen zufolge fuer die
Familie eines Industriearbeiters in der Stadt nicht einmal die
Mindestkosten fuer den Haushalt decken würde. Die Lebenshaltungskosten auf den Philippinen gehoeren zu den hoechsten der Welt.
Die Gesetzesvorlage des Repräsentantenhauses dagegen wuerde
den vom Senat gebilligten Mindestlohn fuer die Arbeiter"in Manila
und Umgebung auf 4 resos, fuer nichtlandwirtschaftliche Arbeiter
ausserhalb Manilas auf 3 Fesos und fuer landwirtschaftliche Arbeiter auf 2 Pesos festsetzen.
•

AFL 7,'eekly News Service
111/16/51
WARUM KOMMUNLVi'ISCLL STR5IKS IN AMERIKA?
Ein Fluechtling aus Ungarn, der sich zur Zeit in Paris .aufhaelt, schreibt uns, dass die Leute in seinem Land nicht verstehen,
warum es in demokratischen Laendern einschliesslich der Vereinigten
Staaten, mitunter zu politischen Streiks kommt, die von den Kommunisten angezettelt sind. V.'arum unterbindet die Regierung nicht
- 14 -

�derartige politische Streiks, fragt uns dar Schreibar, und warum
werden die*Kommunisten nicht bestraft" Ist es nicht ein Beweis
dafuer, dess die Kommunisten in Amerika und anderen demokratischen
Laendern staerker Und als man es zugeben will? Und der President einer grossen Herstellerfirma in New-England fuegt hinzu:
Ist es wahr" dass Russland auf ein Signal die amerikanische Industrie durch die Kommunisten in den Gewerkschaften lahmlegen
koennte?"
Wie verhaelt es sich in Wirklichkeit0
Der kommunistische Einfluss in den amerikanischen Gewerkschaften hat in den letzten Jahren seinen tiefsten Funkt erreicht.
Die Kommunisten sind in den Gewerkschaften zu schwach, um irgendwelche bedeutenden Unruhen stiften zu koennen. Die Kommunisten
behaupten, dass von etwa 16 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern in
Amerika rund 600.000 kommunistisch beherrschtenGewerkschaften angehosren. Diese Zahl duerfte bei. weitem zu hoch gegriffen sein,
und es i~t zweifelhaft, ob die kommunistischen Gewerkschaften mehr
als 300.000 Mitglieder haben. Selbst wenn die°e Zahl jedoch
richtig waere, so steht fest, dass die ueberwaeltigende Mehrheit
der Gewerkschaftsmitglieder, einschliesslich der Mitglieder kommunistisch kontrollierter Gewerkschaften selbst, keine Kommunisten
sind.
Harry Bridges zum Beispiel, der bestraft worden war, weil er
faelschlicherweise geschworen hatte, niemals ein Kommunist geweseri zu sein, versuchte, die Internationale Hafen- und LegerarbeiterGewerkschaft, deren Fraesident er ist, gegen die amerikanische
Folitik des Widerstandes wider die kommunistische Aggression in
Korea aufzuputschen. Die Mitglieder der Gewerkschaften durchkreuzten jedoch diese Plaene und zwangen Bridges, sie aufzugeben.
Und als er sich dem Sicherheitsprogramm der Regierung widersetzte,
das unter anderem darin bestand, kommunistischen Hefenarbeitern den
Zutritt zu den Haefen zu verweigern, sprach sich die ueberwaeltigende Mehrheit der Delegierten der Ortsgewerkschaften in einer Abstimmung fuar eine Verwirklichung dieses Frogramms aus. Sie erklaerten:
"Diese Konferenz erkennt an, dass ein angemessenes Sicherheitsprogramm notwendig ist, um die Interessen unseres Landes zu
wahren."
Waehrend das amerikanische Volk sorgsam darauf bedacht ist,
die Nation vor kommunistischer Sabotage zu schuetzen und verraeterische Handlungen zu verhindern, wollen wir doch Einscbraenkungen der gewerkschaftlichen Rechte vermeiden. Aber nicht deshalb, weil wir etwa die Staerke der Kommunisten fuerchteten, sondern um zu beweisen, dass Amerika der Demokratie huldigt. Deshalb
moegen die Kommunisten gelegentlich in der Lage sein, politische
Streiks heraufzubeschwoeren, waehrend sie behaupten, dass die^e
Streiks wirtschaftliche Ziele verfolgten, aber sie muessen die
politischen Untertoene vor den Gewerkschaftsmitgliedern sorgsam
verbergen. Die Nation verlaesst sich jedoch darauf, dass die
Vernunft der amerikanischen Arbeiterschaft die kommunistischen
Hoffnungen vereitelt. Und die Kette von Misserfolgen, die die
Kommunisten in den beiden vergangenen Jahren in den Gewerkschaften
hinnehmen mussten, ist ein Beweis dafuer, daes man sich auf die
Vernunft der Arbeiterschaft verlassen kann.
Program Services Section 111/28/51
- 15 -

�KOMMUNIST IS CKSP ARBEITER AUF ERSUCHEN D2R GEWERKSCHAFT ENTLASSEN
Die kommunistische Taetlgkeit, sei sie effektiv oder nur vermutet, wird nicht durch das Taft-Hartley-Gesetz "geschuetzt".
Dementsprechend ist es keine unfaire Arbeitsmethode, wenn ein
Unternehmen einen Mann entlaesst, der unter dem Verdacht steht,
auf Befehl oder Anregung einer Organisation eine derartige Taetigkeit auszuueben.
Diese Ueberlegun«r lag einer Entscheidung zugrunde, die George
Bott in seiner Eigenschaft als Generalanwalt des Bundessteatlichen
Ausschusses fuer Arbeitsfragen gefaellt hat. Damit weigerte er
sich, fuer einen Mann Beschwerde zu fuehren, der von einer Strumnffabrik in Wisconsin entlassen wurde. Bott bestaetigte eine Entscheidung eines Bazirksdirektors des Bundessteatlichen Ausschusses
fuer Arbeitsfragen. Nach dem Taft-Hartley-Gesetz i3t es nicht
gestattet, Berufung einzulegen, wenn sich der Generalanwalt weigert, eine Beschwerde zu fuehren. .
Gegen das Unternehmen war urspruenglioh Klage gefuehrt worden.
Der entlassene Arbeiter hatte erklaert, die Firma habe ihn entlassen, weil er au3 seiner Gewerkschaft, und zwar nicht wegen
Nichtbezahlung der Beitraege, ausgestossen worden war. Normalerweise ist Nichtbezahlung der Gewerkschaftsbeitraege nach dem
Taft-IIartley-Gesetz der einzige Grund, aus dem eine Gewerkschaft
die Entlassung eines Arbeiters verlangen kann, vorausgesetzt,
dass ein gueltiger "Union-Shop"-Vertrag zwischen der Gewerkschaft
und dem Arbeitgeber besteht. Ein derartiger Vertrag war in dem
vorliegenden Falle abgeschlossen. Und der Arbeitgeber gab zu,
dass der Arbeiter auf Ersuchen der Gewerkschaft entlassen wurde.
Der Bezirksdirektor und der Generalanwalt stellten spaeter
fest, dass etwa drei Wochen vor der Entlassung des Arbeiters sein
Name in einer Zeitung erschienen wer, weil er eine Petition zugunsten des Stockholmer Friedensappells unterzeichnet hatte, die
allgemein als kommunistisches Propagandamanoever erkannt worden
war. Auch seine Gewerkschaft war in einer Form erwaehnt, dass
man haette annehmen koennen, er spreeche fuer diese Gewerkschaft.
Doch die Arbeitskollegen dieses Mannes Hessen schnell erkennen, das3 sie«ine Handlungsweise ablehnten. Einige drohten mit
Gewaltanwendung, andere weigerten sich, mit ihm zusammenzuarbeiten. Der Betriebsausschuss der Gewerkschaft warnte jedoch vor
Gewalttaetigkeiten und Arbeitsniederlegungen, die den Gewerkschaftsvertrag gefaehrd3t haetten. Schliesslich verlangte man von dem
Arbeitgeber, den Arbeiter zu entlassen.
Der Generalanwalt stellte abschliessend fest, dass der entscheidende Grund fuer die Entlassung des Arbeiters der Verdacht
war, dass er fuer die kommunistische Partei taetig ist, was fuer
einen Arbeitgeber ein Grund zu grosser Beunruhigung sei, sei es
auch nur deshalb, weil dadurch Unruhen unter den uebrigen Arbeitern entstehen koennten. Der Anwalt stellte ausserdem"fest, das3
das Taft-Hartley-Gesetz diesem Arbeiter keinen Schutz biete.
Es handelt sich hier um die erste gerichtliche Entscheidung
in diesem Bereich des Gesetzes.
Daily News Service
111/29/51
- 16 -

�International*

ARBEITSMTTEIMINGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Iahalt der „Arbeitamitteilungea" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
IV

- 16

F r a n k f u r t , 2 0. A p r i l 1951
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Der CIO zur internationalen Wirtschaftlichen
Entwicklung - - - - - - - - - - - - - - - - - -

l

Pranzoesiche Arbeiter sind zu hoeherer Produktionsleistung bereit, wenn sie an den Gewinnen
beteiligt werden - - - - - - - - - - - - - - - - 3
Belgische Schiffswerft baut fuer die europaeische
Handelsflotte - - - - - - - - - - - - - - - - -

4

Vorlaeufige Schaetzungen ueber Unfallziffern in
der amerikanischen Industrie - - - - -----6
Arbeiterbildung in der U. S. Gewerkschaft der
Schlafwagenschaffner - - - - - - - - - - - - - - 8
Gewerkschaftliches GesundheitsZentrum in New York
eroeffnet - - - - - - - - - -

- - - - - - - - -

io

Neue Richtlinien fuer Leistungsloehne - - - - - -

11

Tarifvertraege in Rumaenien - - - - - - - - - - -

13

Das Schicksal der Baltischen Gewerkschafter - - -

14

Fruchtbare Arbeit amerikanischer Gewerkschaften
in Europa - - - - - - - - - - - - - - ----16
DER CIO ZUR INTERNATIONALEN WIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG
(Dies ist der ungekuerzte Text einer EntSchliessung, die vom
Exekutivausschuss des CIO auf seiner Konferenz in Washington
angenommen wurde•)
Der Exekutivausschuss des CIO haelt es in der gegenwaertigen Weltkrise fuer die groesste Gefahr, die unser Land
bedrohen koennte, wenn man die Bedeutung umfassender Programme zur Verbesserung der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Gesundheit der freien Welt verkennen wollte. Die
dringende Notwendigkeit, die militaerische Staerke der freien

�Welt aufzubauen, braucht und darf nicht verhindern, dass die
Staerkung der demokratischen Einrichtungen als fundamentale
Notwendigkeit anerkannt wird. Die Verteidigung der Vereinigten Staaten erfordert die gleichzeitige Entwicklung milltaeriacher und sozialer Programme.
Es darf nicht zugegeben werden, dass die notwendige
Entwicklung eines Programms zur Herstellung der milltaerischen Bereitschaft in Europa die Bemuehungen zur Schaffung
einer stabilen europaeischen Friedenswirtschaft durchkreuzt.
In einigen Kreisen herrscht die Tendenz, das weltweite PunktVier-Programm nach der Zahl bewaffneter Divisionen zu beurteilen, die wir durch dieses Programm auf unsere Seite bringen.
Man ist sich allgemein noch nicht der Notwendigkeit bewusst,
dass der sowjetisch-kommunistische Totalitarismus, der sich
den minderprivilegierten Menschen der Welt faelschlicherwelse
als soziale und wirtschaftliche Bewegung praesentiert, dadurch
bekaempft werden muss, dass man die produktiven Reichtuemer
der freien Welt organisiert, um die wirtschaftliche Verbesserung in einer freien Gesellschaftsordnung zu demonstrieren.
Aus diesen Gruenden begruesst der CIO die Veroeffentllchung des Berichtes "Partner des Fortschritts", der vom
Beratungsausschuss fuer Internationale Entwicklung unter dem
Vorsitz von Nelson A. Rockefeiler dem Praesidenten der Vereinigten Staaten ueberreicht wurde. Dieser Ausschuss, der
sich aus Vertretern aller Schichten der Bevoelkerung zusammensetzt, und dem auch Jacob S. Potofsky vom CIO angehoert, wurde
zu dem Zweck gebildet, die Politik und die Ziele zu ueberpruefen, die vom Praesidenten in seiner Eroeffnungsansprache zum
Punkt-Vier-Programm im Januar 1949 dargelegt wurde. Der Ausschuss soll ausserdem den "Gray-Bericht" ueber die wirtschaftliche Unterstuetzung anderer Laender untersuchen.
Der CIO glaubt, dass konstruktive Ergebnisse erzielt
werden koennen, wenn alle Teile unserer nationalen Gemeinschaft aufgerufen werden, sich an der Gestaltung der Wirtschaftspolitik unseres Landes zu beteiligen.
Der Exekutivausschuss des CIO spricht dem Kollegen
Potofsky und seinen Mitarbeitern seine Anerkennung fuer ihre
Beteiligung an der Arbeit des Ausschusses aus und ist der Auffassung, dass sie wesentlich zu dem allgemein zufriedenstellenden Charakter dieses Berichtes beigetragen haben.
In "Partner des Fortschritts" wird eindeutig festgestellt,
dass "die Staerkung der Wirtschaft unterentwickelter Gebiete
und eine Verbesserung ihres Lebensstandards als ein wesentlicher Bestandteil unserer eigenen Verteidigungsmoblllsierung
angesehen werden muss."
Der CIO hat wiederholt versichert, dass Friede, freie
demokratische Institutionen und die Wohlfahrt der Menschen
nur Im Rahmen einer sich erweiternden Weltwirtschaft gesichert sind. Wir stimmen diesem Bericht in seiner Festjl Stellung zu, dass "wir in einer wirtschaftlichen Offensive
zur Ausrottung von Eunger, Armut, Analphabetentum und Krankheit alle Kraefte vereinigen muessen, wenn wir auf der Welt
dauernden Frieden, Sicherheit und Wohlstand haben wollen."
Der CIO bringt seine Genugtuung darueber zum Ausdruck,
dass der Bericht des Ausschusses einen Beitrag zur Arbeit
der freien Gewerkschaften in ihrem Kampf gegen die kommunistische und faschistische Infiltration darstellt, die das
- 2 -

�t

Ziel haben, das Los ihrer Mitglieder zu verbessern. Wir
schliessen uns der Auffassung an, dass "die Verbesserung des
Lebensstandards der Bewohner unterentwickelter Gebiete ein
feststehendes strategisches Ziel der Aussenpolitik der Vereinigten Staaten ist , und unterstreichen die Empfehlung des
Ausschusses, die freien, Gewerkschaften unablaessig zu unterstuetzen.
Der CIO ist ferner der Meinung, dass unsere wirtschaftlichen Programme weitgehend erweitert werden muessen. Puer
die langfristige wirtschaftliche Entwicklung muessen Milliarden von Dollar sowohl aus oeffentlichen als auch aus privaten
Mitteln fuer Investitionszwecke im Ausland bereitgestellt
werden. Eine neue wirtschaftliche Verwaltung fuer Ueberseegebiete muss gebildet werden, die die Arbeit der bestehenden
9ehoerden, einschliesslich der Export-Import-Bank mit der
Arbeit der Weltbank und den Vereinten Nationen koordiniert.
Der Exekutivausschuss des CIO fordert, dass der Kongress
schnellstens Gesetze erlaesst, durch die die Vorschlaege verwirklicht werden koennen, die im Bericht des Beratungsausschusses fuer Internationale Entwicklung enthalten sind.
Der Exekutivausschuss fordert die Mitgliedsorganisationen
des CIO auf, diesen Gesetzen ihre Unterstuetzung zuteil werden
zu lassen und dafuer zu sorgen, dass mit ihnen eine Verwirklichung der konstruktiven Vorschlaege des Berichtes gewaehrleistet ist.
Der Exekutivausschuss empfiehlt ferner, dass die Grundsaetze und Richtlinien, die dem Programm fuer internationale
wirtschaftliche Entwicklung zugrundeliegen, unter den Mitgliedern des CIO publiziert werden, um das Verstaendnls und
die Unterstuetzung fuer solche Massnahmen zu foerdern, die auf
•Veitfrieden und Wohlstand In einer freien Welt abzielen.
ECA Labor Information
IV/4/51
FRAHZOESICHE ARBEITER SIND ZU HOERERER PRODUKTIONSLEISTUNG
BEftTO. WBMN SIE AN DEN G E W I N T O BETOTLIGT WSK5W
Jean Prottin, ein Arbeiter in den Stahlwerken Acieries
de Longwy, Mount-Saint-Martin, erklaerte, der franzoesische
Arbeiter muesse die Gewissheit haben, dass er einen gerechten
Anteil an den gesteigerten Gewinnen erhaelt, bevor er rueckhaltlos das Prinzip der hoeheren Produktionsleistung unterstuetzen koenne.
Prottin gehoerte einer franzoesischen Produktivitaetsstudiengruppe der Stahlindustrie an, die vor kurzem aus den
Vereinigten Staaten zurueckgekehrt ist. Die Reise erfolgte
im Rahmön des Programms fuer technische Unterstuetzung innerhalb des Marshall Planes.
Prottin begruendete seine Forderung wie folgt: "Um neue
Maschinen zu kaufen, muessen die Unternehmer Geld verdienen.
Um Geld zu verdienen, muessen sie ihre Erzeugnisse mit Gewinn
verkaufen. Um die Gewinnspanne zu vergroessern, muss die Produktionsleistung gesteigert werden. Aber eine hoehere Produktionsleistung kann nur erreicht werden, wenn die Arbeiter
Vertrauen haben. Deshalb ist die wachsende Produktionsleistung
etwas, das sich, wie in den USA, aus sich selbst heraus vergroessert."
- 3 -

�Adrien Auberson, d e r Ingenieur In den Stahl- und Huettenwerken von Firminy ist, bekennt sich zu der gleichen Meinung
und erklaerte, das Problem der Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern sei In bezug auf die Produktionsleistung von besonderer Bedeutung. Es koenne ohne grosse
Ausgaben fuer neue Maschinen geloest werden. Notwendig ist
Ja doch eine G-eisteshaltung, die In den Vereinigten Staaten
sorgfaeltig genaehrt wuerde. Ohne diese koennten die amerikanischen Stahlarbeiter Ihre technischen Einrichtungen nicht
waehrend jeder Arbeitsstunde voll ausnutzen.
Nach der Auffassung Aubersons koennen in der franzoesischen Stahlindustrie folgende Verbesserungen sofort vorgenommen werden:
1. die gegenwaertige Organisation der Betriebsleitung
kann durch das amerikanische System der sorgfaeltigen Dezentralisierung und der Bestimmung der Verantwortlichkeiten in
allen Stufen ersetzt werden;
2. den Arbeitern muessen zusaetzllche Leistungspraemien
geboten werden?
3. der normale Wettbewerb innerhalb der Industrie muas
wieder aufleben, um hierdurch die Anwendung besserer Methoden
in allen betrieben anzuregen;
4. es muessen bessere betriebstechnische Methoden angewandt werden, um eine volle Ausnutzung der Einrichtungen zu
gewaehrleisten.
Die Studiengruppe beschaeftigt sich jetzt damit, einen
Bericht auszuarbeiten, in dem weitere bestimmte Vorschlaege
zur Steigerung der Produktionsleistung innerhalb der Industrie
enthalten sind.
ECA Labor Information
111/20/51
BELGISCHE SCHIFFSWERFT BAUT FUER DIE EUROPAEISCHE HANDELSFLOTTE
Die flaemische Stadt Hoboken liegt an der Scheide, einige
Meilen unterhalb von Antwerpen. Vor vielen Jahren gruendeten
Emigranten aus diesem Ort in New Jersey in Nordamerika eine
Stadt gleichen Namens. Sie behielten ihr Handwerk auch drueben
bei, und heute werden in den beiden Staedten Hoboken vornehmlich Schiffe gebaut.
Pierre Katz, der 35 Jahr alt ist, koennte als Rohrleger
in beiden Staedten angesehen werden. Seiner aeusseren Erscheinung nach zu urteilen, koennte er Amerikaner sein. Er
arbeitet zur Zeit in der groessten Schiffswerft Belgiens, der
tockerill-Werft". Er iat ein Mann mit Selbstbewusstsein; er
traegt eine amerikanische Soldatenmuetze auf seinem Hinterkopf,
Ist schlagfertig und ein Laecheln erhellt seine rauhen, offenen
Gesichtaeuege. Er ist, wie viele Werftarbeiter, untersetzt und
muskuloes.
4 -

�Katz liebt Amerika. Und zwar aus zwei Sruenden: Erstens,
weil sein Vater jetzt in New York lebt, und zweitens, weil er
ahnt, dass seine Werft und wahrscheinlich auch er selbst viel
weniger zu tun haette, wenn es den Marshall-Plan nicht gaebe.
Der Cockerill-Werft" sind zum Beispiel Auftraege fuer
Schiffe erteilt worden, die niemals haetten gebaut werden koennen, wenn die Werft nicht amerikanische Rohstoffe im Rahmen
des Iv'arEhall-Planes erhalten haette. Mit dieser Hilfe jedoch ist
die Werft unverzueglich daran gegangen, Schiffe fuer die westeuropaeische Handelsmarine zu bauen und dabei mitzuhelfen,
eine Reserve fuer das Seetransportwesen zu schaffen, das im
Kriegsfalle eine Staerkung der westeuropaeischen Verteidigung
bedeutet.
Pierre Katz, seine Frau Alice und seine beiden Kinder wohnen in einer kleinen Wohnung in Hoboken. Zwischen den beiden
Kindern, einem siebenjaehrigen Jungen und einem fuenfzehnJaehrigen Maedchen, liegen acht Jahre und ein Krieg. Als die
deutschen Armeen Eelgien ueberrannten und besetzten, zwangen sie
die Arbeiter, wie bisher weiter Schiffe zu bauen - aber fuer
Hitler. Wie der groesste Teil der belgischen Industrie entzogen sich auch die Werften unter unendlich viel Vorwaenden
den Lieferungsverpflichtungen. Fuer Katz war es jedoch nicht
so einfach. Man stellte ihn vor die Wahl, entweder fuer Hitler
auf den Schiffen zu arbeiten oder zur Zwangsarbeit in Deutschland verpflichtet zu werden.
Er behielt seine Arbeit und konnte wa«hrend des ganzen
Krieges zuhause bleiben. Als Rohrleger verdient er in der
Stunde ungefaehr 50 Cents. Er ist in der gluecklichen Lage,
mit seinem Lohn seine Miete und den Lebensunterhalt seiner
Familie bestreiten zu koennen. Fuer Kleidung reicht es jecoch
nicht. Sie ist zu teuer. Wie fuer die meisten belgischen
Arbeiter sind auch fuer die Familie Katz die Mahlzeiten von
groesster Wichtigkeit. Deshalb sind sie auch ausgezeichnet.
Eines der Schiffe, die gegenwaertig in der Werft, in der
Katz beschaeftigt ist, gebaut werden, ist der 22.000 Tonnen Passagierdampfer "Vera Cruz", der fuer Portugal bestimmt ist.
Nicht nur diesen Auftrag, sondern auch die wichtigsten Teile,
die fuer den Bau dieses Schiffes geliefert wurden, kann die
Werft dem Marshall-Plan verdanken.
Portugal brauchte das Schiff, hatte aber keine belgische
Waehrung, um es zu bezahlen. Weil die belgische Wirtschaft
verhaeltnismaessig guenstig dasteht und ueber dringend benoetigte Rohstoffe verfuegt, ist die Nachfrage nach belgischen
Franken gross, die deshalb - wie der Dollar - als "harte"
Waehrung angesehen werden.
Bis jetzt war die Marshall-Plan-Hilfe fuer Belgien von
verschiedenen Bedingungen abhaengig. Wesentliche Waren wurden
unter der Bedingung finanziert, dass Belgien seinerseits anderen Marahall-Plan-Laendern Kredite in entsprechender Hoehe
einraeumt. Nach diesem System hat Belgien Portugal genuegend
Franken auf Kredit gegeben, mit denen es die "Vera Cruz" bezahlen kann. Die portugiesischenElnkaeufer vergaben den Auftrag an die "Cockerill-Werft". Es handelt sich hier um ein
System einer weltweiten wirtschaftlichen Zusammenarbeit, das
dazu bestimmt ist, die westeuropaeischen Laender nach einem
verheerenden Krieg wieder auf ihre eigenen Fuesse zu stellen,
5

�um ihnen die industrielle Kraft zukommen zu lassen, die sie benoetigen, um ihrerseits zur Verteidigung gegen die Bedrohung
einer kommunistischen Aggression beitragen zu koennen.
Auf dieser Werft arbeiten rund 3.000 Arbeiter, die alle
ebenso wie Katz vom Marshall Plan abhaengig sind. Viele von
ihnen arbeiten unmittelbar an den Teilen, die aus den Vereinigten Staaten importiert werden.
Kessel zum Beispiel waren Mangelware. Die auf der Werft
benoetigten Kessel wurden vor dem Kriege von den Stahlwerken
der Werft in der Naehe von Luettich hergestellt. Waehrend der
deutschen Besatzung waren diese Fabriken jedoch von britischen
Moskito-Eombern und nach der Befreiung von deutschen V-l Geschossen zerstoert worden. Der Wiederaufbau der Kesselfabriken
nahm lange Zelt In Anspruch, und die Lieferauftraege konnten
nicht erfuellt werden. In der Zwischenzelt sind aus Amerika
Kessel im Werte von 16.000 Dollar importiert worden, die von
Murray &amp; Co. in Elizabeth (New Jersey) hergestellt und mit
Marshall-Plan-Geldern finanziert wurden.
Schiffsschrauben waren frueher aus England gekommen.
Durch die Wirren des Krieges und die Zurueckstellung von Auftraegen konnten Jedoch auch die Englaender die Lieferungsauftraege nicht erfuellen. Die Bethlehem Steel Company und
Ferguson &amp; Co. in Hoboken (New Jersey) verkauften der Werft
solche riesigen Schiffsschrauben aus Messing im Werte von
106.000 bzw. 72.000 Dollar. Katz selbst verwendet bei seiner
Arbeit an den Rohranlagen Erweiterungsdichtungen, die von der
U. S. Rubber Co. und der Arbit Trading Co. in New York geliefert
wurden. Die Cockerill-Werft hat ausserdem viele andere Einzelteile betriebswichtiger Werkzeugmaschinen fuer Ihre Werkstaetten
importiert»
Die Folge hiervon ist, dass Laender wie Portugal, Belgien
und Norwegen ihre Handelsmarine fuer Friedens- oder Kriegszwecke vergroessern koennen, der gesamten belgischen Wirtschaft
Auftrieb geben und Arbeiter wie Katz und viele tausend andere
einen Arbeitsplatz haben, der sonst ueberhaupt nicht bestehen
wuerde.
Die Bewohner der beiden gleichnamigen Staedte Hoboken in Belgien und New Jersey - sind erneut zusammen Alt den Buergern der uebrlgen freien Welt zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen.
ECA Labor Information
VORLAEUFIGE SCHAETZÜNGBN UEBER UNFALLZIFFERN IN DER AMERIKANISCHEN INDUSTRIE
Wie vorlaeufigen Schaetzungen zu entnehmen ist, ging in
den Vereinigten Staaten die Zahl der Arbeitsunfaelle des
Jahres 1950 gegenueber dem Jahre 1949 um 4;* In die Hoehe. Diese
Erhoehung ist zum groessten Teil auf die groessere 3eschaeftigtenziffer zurueckzufuehren» Aber abgesehen hiervon machen
sich In einigen Industrien Anzeichen fuer hoehere Unfallziffern bemerkbar.
Die Gesamtzahl der Arbeitsunfaelle, die Arbeitsunfaehigkeit zur Folge hatten, wurde fuer das Jahr 1950 auf etwa
1,952.000 geschaetzt gegenueber 82.000 im Jahre 1942. Die
- 6 -

�Gesamtzahl des Jahres 1950 lag Jedoch unter der gesohaetzten
Zahl von 2.019.900 des Jahres 1948 und war damit die zweitniedrigste seit 1949.
Im Verlauf des Jahres 1950 verliefen annaehernd 15.000
Arbeitsunfaelle toedllch. Weitere 84.900 Arbeiter wurden
durch Unfall dauernd erwerbsunfaehlg, weil sie z.B. entweder
irgendein Koerperglled verloren hatten oder irgendeine
Funktion des Koerpers geschaedigt war. Diese Zahl schliesst
etwa 1.600 Unfaelle ein, bei denen die Arbeitsunfaenigkeit
so schwerwiegend ist, dass die Betroffenen nicht mehr in der
Lage sind, fuer den Rest ihres Lebens irgendeine Erwerbstaetlgleit auszuueben.
Der groesste Teil der Unfaelle (75$) hatte jedoch nur
voruebergehende Arbeitsunfaehigkelt zur Folge, infolge derer
die Arbeiter einen Tag oder laengere Zeit nicht arbeiten
konnten. Von den Unfaellen selbst erholten sie sich Jedoch
ohne irgendwelche dauernden Nachwirkungen auf ihre Gesundheit.
Im Jahre 1950 gingen auf Grund von Unfaellen, die sich in
diesem Zeitraum ereigneten, etwa 40 Millionen Arbeltstage verloren. Dieser Betrag entspricht einer jaehrlichen, vollzeitlichen Beschaeftigung fuer rund 134.000 Arbeiter. Wenn man
die Unterstuetzungen beruecksichtigt, die fuer die spaeteren
Auswirkungen von toedlichen Unfaellen und dauernden Koerperschaeden gezahlt werden, wuerde sich der Gesamtverlust an
Arbeitszeit auf etwa 212 Millionen Arbeitstage belaufen, d.h.
eine jaehrliche vollzeitliche Beschaeftigung fuer ungefaehr
706.000 Arbeiter.
Die erhoehte Beschaeftigtenziffer und die gesteigerte
Taetigkeit im Baugewerbe und In der Herstellungsindustrie
fuehrten zu einer Erhoehung der Unfallziffern von nahezu
12/&amp; in Jedem dieser beiden Industriezweige.
In der Herstellungsindustrie war sowohl die Beschaeftigtenziffer als auch die durchschnittliche woechentllche
Arbeltszeit im Jahre 1950 gegenueber dem Jahre 1949 angestiegen.
Das Risiko industrieller Unfaelle ist damit In der
Herstellungsindustrie um 9% groesser gewesen. Vorlaeuflge
Berichte aus einer Reihe von Herstellungsbetrieben weisen auf
eine allgemeine Aufwaertstendenz Im Verlaufe dieses Jahres
hin. Obwohl diese Zahl Im Jahre 1950 niedriger als Im Jahre
1949 war, lagen die der spaeteren Monate ueber denen der
entsprechenden Zeitraeurae des Vorjahres. Es ist wahrscheinlich, dass die endgueltige Unfallziffer fuer 1950 etwas
Woher als die des Jahres 1949 sein wird.
In der Bauindustrie ist die Lage aehnlich. Die Taetigkeit dieses Industriezweiges hatte waehrend des Jahres 1950
ein nie erreichtes Ausmass angenommen. Die hoehere Beschaeftigtenziffer hatte zur Folge, dass durch die vermehrte Arbeltszelt das Risiko industrieller Unfaelle groesser war, das
gesteigerte Arbeitstempo trug ebenfalls zu einer Erhoehung
der Unfallziffern bei.
Lediglich in der oeffentlichen Versorgungsindustrie ging
die Zahl der Unfaelle wesentlich zurueck. Die Beschaeftigtenziffer in der Telefonindustrie ging wenig, und die der uebrigen
Vermittlungslndustrien staerker zurueck. Der Rueckgang der
Unfallziffern ist jedoch in den meisten Betrieben der oeffentliehen Versorgungsindustrie auf eine verbesserte Aufklaerung
ueber Unfaelle zurueckzufuehren.
- 7 -

�Andere Gruppen der Industrie zeigen nur geringe Veraenderungen oder unwesentliche Erhoehungen der Unfallziffern.
Der Transportindustrie konnten die Eisenbahnen jedoch von
einer bescheidenen Abnahme der Unfallziffern berichten. Sie
ging dagegen in anderen Zweigen des Transportgewerbes soweit
In die Hoehe, dass dieser Rueekgang bei den meisten Bahnen
aufgehoben wird und die Industrie im gesamten mehr Unfaelle
als frueher aufzuweisen hat.
Obwohl die Beschaeftigtenzahl im Kohlenbergbau geringer
wurde, ist die Zahl der Unfaelle um Z% gestiegen. Im bituminoes e n Kohlenbergbau, dem bedeutendsten Zweig der Zechenindustrie,
wurde die Zahl der Unfaelle ein wenig kleiner, aber nicht so
wesentlich, dass damit der Rueekgang der Beschaeftigtenzifferausgegllchen waere. Trotz der geringeren Beschaeftlgtenziffer
jedoch war die Gesamttonnage der abgebauten Kohle groesser
mit dem Ergebnis, dass die Unfallziffer, nach Millionen Tonnen
abgebauter Kohle berechnet, Im Jahre 1950 geringer war als
im Jahre 1940. Anthrazit, Metall und N^chtmetallgruben berichteten von hoeheren Unfallziffern.
Die Unfallziffern im Handel, dem Finanzwesen, den Behoerden und verschiedenen anderen Industrien weisen geringe
Erhoehungen auf und folgten in den meisten Faellen den Veraenderungen der Beschaeftigtenzlffer.
Obwohl die Beschaeftigtenzlffer In der Landwirtschaft
zurueckglng, war die Unfallgefahr auf Grund der gesteigerten
Mechanisierung der Landarbeit in solchen Farmen groesser, wo
frueher keine Maschinen verwandt wurden, da diejenigen, die
zum ersten Mal die Maschinen bedienen, verhaeltnismaessig unerfahren sind. Man nimmt deshalb an, dass die Zahl der Arbeitsunfaelle In der Landwirtschaft Im Jahre 1950 die gleiche war
wie im Jahre 1940.
Monthly Labor Review
II1/51
Theodore E. Brown:
ARBEITERBILDUNG IN DER U.S. GEWERKSCHAFT DER SCHLAFWAGENSCHAFFNER"
Die Gewerkschaft der Schlafwagenschaffner ist eine Landesorganisation mit 117 Ortsgewerkschaften in den Vereinigten
Staaten und Kanada. In dieser Gewerkschaft sind Schaffner
saemtlicher Typen von Schlaf- und Personenwagen und Kellner
und Kellnerinnen auf den Eisenbahnen der Vereinigten Staaten
und Kanadas organisiert.
Das Arbeiterbildungsprogramm dieser Gewerkschaft kann von
der Landes-, Bezirks- und Ortsebene aus beobachtet werden.
Zu dem Zentralbuero gehoert ein Referat fuer Forschung
und Erziehung, das sich aus 6 Personen zusammensetzt und fuer
die Ausarbeitung und Durchfuehrung von Projekten auf Landesebene
verantwortlich Ist« Ueber einen Kongressausschuss fuer Erziehungs- und Organisationsfragen unterbreitet dieses Referat
dem Kongress seine Vorschlaege. Saemtliche Kongressbeschluesse,
- 8 -

�die die grundlegenden Richtlinien in Erziehungsfragen regeln,
werden auf Veranlassung dieses Ausschusses gefasst.
Die neue Abfassung des Arbeitsgesetzes fuer die ^senbahnen,
in der die Betriebsform des "Union-Shop" und die Einbehaltung
der Gewerkschaftsbeitraege vom Lohn genehmigt werden, macht
gewisse Veraenderungen-, im Erziehungsprogramm der Organisation
notwendig. Die Atmosphaere des "Open-Shop", die die Industrie
bisher beherrschte, scheint ihrem Ende entgegenzugehen. Da die
Organisation bereits mit 43 Eisenbahngesellschaften Vertraege
abgeschlossen hat, deren Arbeiter zu 99°o organisiert sind, wird
die Einfuehrung des "Union-Shop" zu einer Erhoehung der Mitgliederzahl um etwa 5% fuehren. Diese zusaetzlichen fuenf
Prozent koennen gewisse Probleme akut werden lassen und die
Notwendigkeit eines aktiveren Erziehungsprogramms steigern.
Filme, die dem aehnlich sind, der vor kurzem von der Organisation unter dem Namen "Eure Gewerkschaft" produziert wurde,
Lehrschriften ueber Themen, die fuer die Arbeiter von Interesse
sind, wie z.B. parlamentarische Verfahrensregeln oder solche
ueber aktuelle Begebenheiten, die politische Taetigkeit, dramatische Darstellungen und Gesangschoere sind einige der
gegenwaertigen Projekte, fuer die die Mitglieder der Gewerkschaft ein lebhaftes Interesse zeigen, und die von dem Arbeitsbildungsreferat gefoerdert werden.
Die Landesgewerkschaft ist aus verwaltungstechnischen
Gruenden in fuenf Bezirke aufgeteilt, an deren Spitze jeweils
ein Bezirksbeauftragter steht, die mit einer Ausnahme Vizevorsitzende der Landesgewerkschaft sind. Es gibt ausserdem
in jedem Bezirk einen Propagandisten. Diese beiden Punktionaere
sind fuer die Ueberwachung der erzieherischen Taetigkeiten
der Ortsgewerkschaften innerhalb ihres unmittelbaren Verwaltungsbereiches verantwortlich. Unter dem Vorsitz der Bezirksbeauftragten werden an passenden Stellen des Bezirks in den
Jahren, in denen kein Kongress stattfindet, regelmaessig
Bezirkskonferenzen abgehalten, die mehrere Tage dauern. Auf
diesen Konferenzen bringen die Delegierten der Ortsgewerkschaften ihren Standpunkt zum Ausdruck und weisen auf die
Notwendigkeit bestimmter Erziehungsprojekte hin. Diese
Projekte koennen kurz- oder langfristig sein. Auf diesen
Konferenzen werden ausserdem von den Bezirksbeauftragten
auf Veranlassung des Referats fuer Forschung Vorschlaege ueber
Tendenzen, Hilfs- und Informationsquellen, Fragebogenauswertung und Versorgung mit allgemeinen Informationen ueber
erfolgreiche Arbeitsmethoden anderer Organisationen unterbreitet. Jede Ortsgewerkschaft im Bezirk entsendet Vertreter,
die sich an der A rDe it der Konferenzen beteiligen und ihren
Ortsgewerkschaften Bericht erstatten muessen.
Es sind vor allem die Ortsgewerkschaften, in denen sich eine
wirksame Arbeiterbildung abspielt. Auf oertlicher Basis muss
jedes Projekt erfolgreich sein, um die gewerkschaftliche
Moral zu foerdern und eine abgerundete gewerkschaftliche
Philosophie zu gestalten. Jede Ortsgewerkschaft hat einen
staendigen Bildungsausschuss, dessen Mitglieder von dem
Vorsitzenden der Ortsgewerkschaft ernannt werden. Es ist
Vorschrift, dass jede Ortsgewerkschaft mindestens eine Kon,
ferenz im Monat allein erzieherischen Fragen widmen muss.
In jeder Ortsgewerkschaft gibt es ein staendiges Arbeiterbllriungsprogramm, dem Themen zugrundeliegen, die oben bereits
erwaehnt sind. Viel Zeit wird fuer die Verbesserung der
Methoden einer wirksamen Bearbeitung von Beschwerden und Forderungen verwendet.
- 9 -

�Zum Erziehungsprogramm jeder Ortsgewerkschaft gehoert
die Besprechung von Problemen wie sie das bundesStaatliehe
Gesetz fuer gerechte Eeschaeftigungsmethoden mit seinen
Durchführungsbestimmungen mit sich bringen, oder die Abschaffung' der Trennung von Weissen und Negern im Mllitaerdienst und die Beseitigung dieser Trennung und Diskriminierung in allen oeffentlichen Einrichtungen. Das Referat fuer
Forschung und Erziehung sowie das offizielle Organ der Gewerkschaft "The Black Worker" liefern Quellen und aktuelles
Material, mit denen die Ortsgewerkschaften in diesen Fragen
unterstuetzt werden.
Die Ortsgewerkschaft versucht, jedes Gewerkschaftsmitglied zur aktiven Teilnahme an einigen Zweigen des Gewerkschaftsprogramms heranzuziehen, angefangen mit der Unterrichtung ueber parlamentarische Verfahren« Die Mitglieder
sollen ausserdem dazu erzogen werden, in mindestens einem
Ausschuss der Ortsgewerkschaft taetig zu sein. Die politische Betaetigung ist fuer die gesamte Gewerkschaft von groesster Bedeutung, und die Erziehungsausschuesse sind dafuer
verantwortlich, dass fortlaufend an dem Programm der Gewerkschaftlichen Liga fuer Politische Erziehung gearbeitet wird,
das die politische Äaffe der AFL darstellt und von der Landesgewerkschaft und ihren Ortsausschüssen rueckhaltlos unterstuetzt und gebilligt wird.
Die Arbeiterbildung nimmt in der Arbeit der Gewerkschaft
der Schlafwagenschaffner einen aeusserst breiten Raum ein«
Wir sind fast davon ueberzeugt, dass durch ein demokratisches
Klima in der Industrie die groessten Erfolge eines demokratischen Staates verwirklicht werden koennen. Dies ist Jedoch
nur moeglich, wenn jeder Arbeiter Mitglied einer demokratischen
Gewerkschaft wird, sich selbst schult und sich die Kentnisse
aneignet, die er als Einzelner zum Aufbau einer staerkeren
Gewerkschaft und einer schlagkraeftigern Bewegung verwerten
kann«
Nows Letter, Workers* Education
Bureau AFL
IV/51
GEWERKSCHAFTLICHES GESUNDHKITSZKNTRUM IN NEW YORK EROEFFNET

Das Sidney-Hillman-Gesundheitszentrum in New York, dessen
Erstellung eine Million Dollar kostete, wurde am 16. April
fuer 40.000 Mitglieder der Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft
des CIO im Bezirk New York eroeffnet.
Dieses Zentrum ist nach dem Gruender und ersten Vorsitzenden dieser Gewerkschaft benannt. Sein Aufbau wurde mit Geldern
der Gewerkschaft und der Unternehmervereinigung der Bekleidungsindustrie des Bezirks New York finanziert. Die laufenden
Unkosten des ersten Jahres werden durch zusaetzliche Beltraege
in Hoehe von 10 Dollar je Gewerkschaftsmitglled gedeckt.
Bei einem Diner im Anschluss an die Eroeffnungsfeierlichkeiten wurde Hillman und der Gewerkschaft fuer ihre unemuedliche Arbeit zu Gunsten der Gesundheit und der Wohlfahrt ihrer
Mitglieder allgemeine Anerkennung gezollt.
- 10 -

�Zu den Sprechern gehoerten Jacob S. Potofsky, Hillmans
Nachfolger als Vorsitzender der Gewerkschaft, Oscar R. Ewing,
der Administrator fuer bundesstaatliche Sicherheit, der
New Yorker Oberbuergermeister Vincent Impelliteri und
Louis Hollander, der stellvertretende Vorsitzende des Gemeinsamen New Yorker Ausschusses der Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft,
"Wenn wir dieses neue Zentrum, das der Erholung unserer
Mitglieder dient, heute bewundern, erklaerte Potofsky, "wird
uns bewusst, wie weit wir von den Tagen der "Schwitzwerkstatt"
in den Jahren 1910 und 1912 entfernt sind. Es ist eine
lebende Erinnerung an den grossen Sidney Hillman, der sich
aus einer harten Vergangenheit emporgerungen hat und bis zu
seinem Tode um derartige Einrichtungen kaempfte. Dieses
Zentrum ist die Verwirklichung seines alten Traumes. Er
hatte den Wunsch, den Mitgliedern zu dienen und sie gegen
Unbill zu schuetzen. Sein Leben war dieser Aufgabe gewidmet."
Ewing, der vor dem Kongress die Billigung einer Gesetzesvorlage gefordert hatte, in der die bundesstaatliche Unterstuetzung oertlicher oeffentlicher Gesundheitseinrichtungen
vorgesehen ist, sprach der Gewerkschaft seine Anerkennung
dafuer aus, dass "sie ein Beispiel gegeben hat, wie die Mindestvorteile aus sozialen Programmen der Regierung durch die
Initiative, den ^infallsreichtum, die Weitsicht und den Realismus einer gut gefuehrten und sich selbst achtenden Mitgliedschaft einer Gewerkschaft ergaenzt werden koennen."
"Sie zeigen heute," fuehrte Ewing aus, "in diesem Gebaeude
dem ganzen Land und darueber hinaus der ganzen Welt, wie die
amerikanische Gewerkschaftebewegung in Zusammenarbeit mit der
amerikanischen Industrie und vor allem mit der amerikanischen
Regierung, die fuer das Volk da ist, zum groesseren Wohl des
einzelnen Buergers tatkraeftig beitragen kann."
Hollander teilte mit, dass das Gesundheitszentrum 250.000
Dollar fuer die wissenschaftliche Erforschung von Blutgefaesserkrankungen und Gicht zur Verfuegung gestellt hat.
Diese Erkrankungen treten besonders haeufig bei Arbeitern der
Bekleidungsindustrie auf.
Das sechsstoeckige Gesundheitszentrum ist zur Behandlung
von 750 Patienten in der Woche eingerichtet, die auf vorherige
Vereinbarung zur Behandlung kommen. Das Personal besteht aus
75 Aerzten, 25 Technikern, Krankenschwestern, Apothekern,
Sozialarbeitern und anderen. Dr. Morris A. Brandt, der stellvertretende medizinische Leiter des Gesundheitsversicherungssystems von Gross-New York, ist der verantwortliche aerztliche
Leiter des Institutes.
Daily News Service
IV/16/51
NEUE RICHTLINIEN FUER LEISTÜNGSLOEHNE
Das Interesse der Gewerkschaften an der Lohnfrage ist in
den vergangenen Jahren mehr und mehr den Methoden zur Bezahlung
der Arbeitnehmer nach ihrer Leistung zugewendet worden. In
einer Reihe von Industriezweigen, wie z.B. Kohle und Baumwolle,
wird Jetzt traditionsgemaess ein groesserer Prozentsatz von
11 -

�Arbeitern nach Produktionsergebnissen bezahlt als je zuvor.
Entweder als Alternativloesung oder als Zusatz zu der
Bezahlung fuer geleistete Arbeitszeit muessen Akkordsysteme
so gut ausgearbeitet und auf die besonderen Verhaeltnisse
derjenigen Industriezweige abgestimmt sein, fuer die sie
bestimmt sind. Kein System ist fueralle Industriezweige anwendbar.
Um allen jenen zu helfen, die die Methoden des Leistungslohnsyatems ausarbeiten und zur Anwendung bringen, und hierzu
muessen sowohl Gewerkschaften als auch Unternehmer gehoeren hat das Arbeitsministerium eine Abhandlung ueber Leistungslohnsysteme veroeffentlicht.
Sie ist von einem Ausschuss von Vertretern des britischen
Gewerkschaftsbundes TUC und Vertretern der Unternehmer aus
oeffentlichen und privaten Betrieben verfasst worden und gibt
Beschreibungen und Beispiele von Leistungssystemen, wie z.E.
unterschiedliche Stuecklohntarife, Zeitzuschlagsysteme und
kollektive BonusZahlungen.
In einer allgemeinen Zusammenfassung ueber die Bezahlung
nach dem Leistungsprinzip wird in dieser Veroeffentlichung
darauf hingewiesen, dass die Industrie ueber mehrere solcher
Systeme verfuegt und dass einige der bereits bestehenden
vorbessert werden muessten. So lange diese Systeme nicht zu
einem Ersatz fuer das bewaehrte Prinzip eines angemoasenen
Tageslohnes fuer eine entsprechende Tagesarbeit werden, und
so lange sie ein Ergebnis besonderer Bemuehungen seitens der
Arbeitnehmer sind, werden sie der Nation als Gesamtheit zugute
kommen und sowohl den Unternehmern als auch den in Frage
kommenden Arbeitern Vorteile und Genugtuung bieten.
Die Einfuehrung solcher Systeme muss sorgfaeltigst ueberwacht werden. Leistungssysteme duerfen erst nach sorgfaeltiger
Ueberpruefung jeder Taetigkeit festgelegt werden. Hoechst bedeutsam ist dabei, dass von dem Augenblick an, in dem ein
System zum ersten Mal in Vorschlag gebracht wird, bis zu dem
Zeitpunkt, In dem jeder Arbeiter genau versteht, wie sich
dieses System auf ihn auswirken wird, es in geraeinsamer Beratung besprochen wird. Wenn Leistungssysteme einmal eingefuehrt
sind, muessen sie sorgfaeltig ueberwacht werden. So sollen z.B.
Akkordtarife, die nach einer gewissen Zeit nicht mehr dem Wert
der Anstrengungen entsprechen, die fuer die betreffende Arbeit
aufgewendet werden muessen, nur auf Grund gegenseitiger Uebereinstimmung neu angeglichen werden.
Um eine Garantie gegen das zu schaffen, was die Gewerkschaften frueher befuerchteten, wird in der Veroeffentlichung
"Leistungslohnsysteme" darauf hingewiesen, dass der Ausstoss
nicht auf Kosten der Qualitaet oder auf Kosten uebermaesslger
Ermuedung oder Anstrengung der Arbeiter gesteigert werden darf.
In einer Uebersicht ueber die verschiedenen Lohnsysteme
nach dem Leistungsprinzip fuer die einzelnen Arbeiter wird
ausserdem insbesondere auf kollektive Leistungslohnsysteme
hingewiesen, die fuer eine Arbeitsgemeinschaft oder eine ganze
Abteilung eines Betriebes angewendet werden. Um sicherzustellen,
dass die Belohnungen denen zugutekommen, die sie tatsaechllch
verdienen, sollten so oft wie moeglich BonnsZahlungen ausgearbeitet werden.
- 12 -

�Eine Erhebung ueber Leistungslohnsy steine, die vom Arbeitsminlsterium durchgefuehrt wurde, hat ergeben, dass drei von je
zehn Arbeitern, die in der britischen Industrie nach ihrer
Leistung bezahlt werden, meistens in groesseren Betrieben beschaeftigt sind. Dieser Prozentsatz enthaelt jedoch nicht
diejenigen Arbeiter, die nach Lohnsystemen bezahlt werden,
denen teilweise Zeittarife und zum Teil Produktionsergebnisse
zugrundeliegen.
Labour
IV/51
TARIFVERTRAEGE IN RÜMAENIEH
In der westlichen Welt enthalten Tarifvertraege zwischen
Gewerkschaften und Unternehmern Bestimmungen ueber Loehne,
Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen, und ueber diese Bedingungen
wird in Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern entschieden. In der "Volksdemokratie" des vom Kreml
beherrschten Rumaeniens ist es jedoch nicht so. Dort werden
die Texte fuer sogenannte Tarifvertraege in den Staatsministerien ausgearbeitet, ohne dass die Arbeiter zu Rate gezogen
werden.
Die Vertraege enthalten jedoch eine Bestimmung, die besagt,
dass die Arbeiter an die Unternehmer Forderungen stellen koennen.
Damit aber nicht irgendein Arbeiter dummerweise von dieser
Bestimmung Gebrauch macht, haben die kommunistische Partei
und ihre Unternehmergewerkschaften eine Mitteilung veroeffentlicht, in der sie vorschlagen, dass die Arbeiter keine "materiellen Forderungen" stellen und z.B. nicht hoehere Loehne, kuerzero Arbeltszeit und bessere Arbeitsbedingungen verlangen«
Als »Varnung an die Arbeiter heisst es in dieser Mitteilung;
"Alle, die unverantwortliche Forderungen stellen und die
Interessen ihres Unternehmens und der nationalen Wirtschaft
ausser Acht lassen, werden als Volksfeinde entlarvt und
isoliert."
Inzwischen hat sich die Sowjetunion auf Grund der Aufruestung fuer neue militaerische Wagnisse gezwungen gesehen,
das Risiko einzugehen, ihre Zwangsarbeitslager in groessere
Staedte zu verlegen. In der letzten Ausgabe des "New Leader",
einer fuehrenden gewerkschaftlichen und liberalen amerikanischen Wochenzeitschrift, stellt Vasily Yershoff, ein frueherer
Oberst in der sowjetischen Militaerverwaltung Ostdeutschlands
fest, dass die Zwangsarbeitslager, die vor dem 2. Weltkrieg
in abgelegenen Gebieten der Sowjetunion vor den Augen der
Oeffentlichkeit verborgen gehalten wurden, nun in grossen
Staedten vorzufinden sind.
Oberst Yershoff, der sowjetischer Beamter war und vor dem
Krieg vor allem Probleme der Lebensmittelindustrie bearbeitete,
kam gegen Ende des Krieges mit seinem Regiment nach Berlin.
Im August 1947 wurde er von der Besatzungsarmee beurlaubt
und kehrte in seine Heimatstadt, eine der groessten Staedte
Russlands zurueck. Er besuchte einen Freund - dem er das
Pseudonym Alexander Kikolaevltsch gibt - der Direktor einer
grossen Fabrik war. In diesem Betrieb sah er mit eigenen
Augen, dass 1200 der 5.000 Arbeiter weibliche Zwangsarbeiter
Im Alter von 20 bis 45 Jahren waren, die "zu viel gesehen
hatten". Sie waren von den Deutschen dienstverpflichtet und
13 -

�nach Deutschland gebracht worden. Nach ihrer Befreiung durch
die Rote Armee Im Jahre 1945 wurden sie als "Volksfeinde"
zu drei bis fuenf Jahren Zwangsarbeit verurteilt, weil sie
ausserhalb Russlands gewesen waren und Stalin deshalb befuerchtete, sie koennten zu der Ueberzeugung gekommen sein, dass
die Zwangsarbeit selbst im nazistischen Deutschland dem untragbaren russischen Leben vorzuziehen sei. Die meisten
dieser Frauen waren ungepflegt, schmutzig, abgezehrt und
barfuessig. rtaechter, die mit Gewehren bewaffnet waren,
beaufsichtigten sie bei der Arbelt. ^arum wurden diese
Zwangsarbeiter eingesetzt? Vor dem Krieg hatte dieser Betrieb 5.000 Arbeiter beschaeftigt. Mehr als 40£ hatten
laenger als 10 Jahre dort gearbeitet und verfuegten ueber
die entsprechenden Erfahrungen. Aber infolge der Kriegswirren starben die aelteren Arbeiter und von den 2.100
juengeren kehrten nur 900 aus der Armee zurueck. 3.000 ungelernte Arbeiter wurden aus verschiedenen Teilen aus der
Sowjetunion zusammengeholt. Doch Stalin brauchte schnellere
Massnahmen, um sein Industriepotential fuer den Krieg aufbauen zu koennen.
Oberst Yershoff berichtet, dass die Sklaveroi in den
russischen Staedten eine zweischneidige Waffe ist. Sie gibt
auf der einen Seite Stalin die Moeglichkeit, seine industrielle
Kriegsmaschinerie unter geringem Kostenaufwand aufzubauen
und gleichzeitig die politisch "Unzuverlaessigen" zu ueberwachen, die, wenn sie frei waeren, eine Gefahr fuer die
Diktatur des Kreml bedeuteten. Indem Stalin jedoch auf der
anderen Seite die bittersten Gegner seines Regimes als
Straeflinge vor die Augen ihrer Freunde in den Staedten
fuehrt, sagt Yershoff, duerfte er sich den Weg zu seinem
eigenen Untergang ebnen.
Yershoffs Informationen zufolge gibt es Zwangsarbeitslager in Moskau, Leningrad, Kiew, Odessa, Charkow, Swerdlowsk
und hunderten anderer russischer Staedte.
Program Services Section
IV/ll/51
DAS SCHICKSAL DER BALTISCHEN GEWERKSCHAFTER
Fast alle bekannten Gewerkschafter sind seit der Uebernahme der baltischen Staaten durch die Kommunisten deportiert
worden. In Estland hat sich Maxim ünt in seiner Eigenschaft
als Koramissar der Arbelt gewissen russischen Richtlinien widersetzt, um zu versuchen, in eine desorganisierte Situation
etwas Ordnung zu bringen.

Obwohl Unt linksgerichteter Soziallst und Gewerkschafter
war und als erster Polizeiminister in der sogenannten "Roten
Nationalregierung" fungierte, verschwand er 1m Buero
Schkurins, dem Chef der oertlichen NKWD, wohin er beordert worden wa
Das gleiche Schicksal traf Paul Baumann, den stellvertretenden
Kommissar fuer Arbeit, der wegen seiner revolutionaeren Taetigkeiten 12 Jahre in estnischen Gefaengnlssen verbracht hatte.
Diesen Maennern folgten viele andere, die zu Beginn der Besatzung zu den Kommunisten hinueber geschwenkt waren, weil sie
glaubten, dadurch in der Lage zu sein, die Rechte der Arbeiter
zu verteidigen und gegen die russische Korruption zu protestieren.
- 14 -

�Die frueheren linksgerichteten Sozialisten hegten natuerlich zuerst die Hoffnung, dass sich das Los der estnischen
Arbeiter unter dem Sowjet-Regime verbessern wuerde. Sie
waren hoechst enttaeuscht, als sie sahen, dass das Gegenteil
der Fall war. Aber sie konnten nichts dagegen tun, ja, sie
durften nicht einmal ihre Stellungen kuendigen.
Die allgemeine Welle des furchtbaren Erwachens griff auf
viele ueberzeugte und hartgesottene Kommunisten ueber, sodass
eine Reihe Kommunisten, die aus Russland zurueckgekehrt waren,
vom bolschewistischen Glauben abfielen.
Unter der sowjetischen Besatzung wurden zahlreiche
Sozialdemokraten verhaftet und wenn sie nicht an Ort und
Stelle beseitigt wurden, deportierte man sie in die Zwangsarbeitalager in Russland.
Zu den Opfern der estnischen Gewerkschaftsbewegung
gehoeren Jaan Piiskar, der fruehere Vorsitzende des Allgemeinen Bundes Estnischer Gewerkschaften, August Gustavson, der
stellvertretende Vorsitzende dieses Gewerkschaftsbundes und
Repraesentant des Internationalen Arbeitsamtes fuer Estland,
Joosep Rukki, der Vorsitzende der Estnischen Eisenbahnergewerkschaft und Delegierter fuer den Ausschuss des Internationalen Transportarbeiter Verbandes, Viktor Rutnik, der
Sekretaer der Estnischen Eisenbanarbeitergewerkschaft, Juhan
Kurvits, der Vorsitzende der Estnischen Arbeiterkammer und
Mitglied des Exekutivausschusses der Estnischen Druckergewerkschaft, Mlhkel Mihkelson, Parlamentsmitglied und Vizevorsitzender der Estnischen Landarbeitergewerkschaft und Leopold
Johanson, ebenfalls Mitglied im Parlament und Sekretaer der
Liga Estnischer Krankenkassen und frueherer Aussenminister.
All diese Maenner sind verschwunden, ohne eine Spur zu
hinterlassen und es gibt keinerlei Informationen ueber ihr
Schicksal. Neben den Gewerkschaftsfuehrern hat das gleiche
Schicksal eine grosse Zahl unabhaengig gesinnter estnischer
Arbeiter ereilt.
Am 14. Juni 1941 wurden 1.000 Personen verhaftet und anschliessend deportiert, annaehernd 1.S00 Estlaender wurden
von der NKWD beseitigt, ohne dass ihnen der Prozess gemacht
wurde. Etwa 64.000 Estlaender wurden waehrend der ersten
russischen Besatzung liquidiert.
Mit kleinen oertlichen Veraenderungen trifft die gleiche
Geschichte fuer Lettland und Litauen zu. Am 14. Juni 1941
deportierten die sowjetischen Behoerden 14.000 Menschen aus
Lettland, in 39 Kategorien eingeteilt, nach Sibirien. Zu
den Deportierten gehoerten beide Vorsitzende des lettischen
Exekutivausschusses der Gewerkschaften, J. Visnia und
A. Veckalns. Visnia spielte In der Revolution von 1917 eine
aktive Rolle, waehrend Veckalns unter der Diktatur Ulmanis
lange Zeit im Konzentrationslager untergebracht war.
Die zahlreichen fortschrittlichen Gesetze und Einrichtungen der frueheren demokratischen Nation Lettland sind
ausgemerzt worden und der Lebensstandard der Arbeiter wurde
auf etwa l/3 seines frueheren Standes reduziert.
Die unaufhoerlichen Verhaftungen, das Verschwinden von
Menschen, die Deportierungen und Mobilisierungen, verbunden
mit dem staendigen Prozess der Russifizierung, fuehren zu
einer systematischen Zerstoerung der nationalen Eigenart der
baltischen Voelker«
International Labor
- 15 Relations Committee APL

�FRUCHTBARE ARBEIT AMERIKANISCHER GEWERKSCHAFTEN IN EUROPA
Die "Hemdsaermeldiplomaten", die aus amerikanischen
Gewerkschaften kommen, haben,wie von der Verwaltung fuer
europaeische wirtschaftliche Zusammenarbeit erklaert wird,
in Europa wesentlich zum Aufbau eines Bollwerks gegen die
sowjetische Aggression beigetragen.
In einer Anerkennung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung aus Anlass des dritten Geburtstages des Marshallplans bezeichnet die ECA das Nachlassen des kommunistischen
Einflusses innerhalb der europaeischen Gewerkschaften als
ein Ergebnis der Arbeit dieser Leute. Vor drei Jahren, heisst
es in der Erklaerung der ECA, beherrschten die Kommunisten
die europaeischen Gewerkschaften mit insgesamt 12 Millionen
Mitglieder. In diesem Jahr zaehlen die kommunistisch beherrschten Gewerkschaften nur noch 6 Millionen Mitglieder,
die aber nicht alle Kommunisten sind.
Auch die Zahl der wirklichen Kommunisten in Europa ist
in einem aehnlichen Verhaeltnis geringer geworden. Zuverlaessigen Schaetzungen zufolge ging die Zahl der Kommunisten
in West-Europa von 3.188.000 im Jahre 1947 auf 2.560.000 in
diesem Jahre zurueck.
Von Anfang an standen dem europaeischen Wiederaufbauprogramn
Berater fuer Arbeitsfragen und Mitarbeiter fuer diese Fragen
zur Seite. Der fruenere Leiter der ECA Paul Hoffmann und
sein Nachfolger William Foster wurden und werden von Vertretern der AFL und des CIO laufend unterstuetzt, wenn sie
3eschluesse von grosser politischer Bedeutung zu fassen haben.
Als ein Zentralbuero fuer Uebersee in Paris errichtet wurde,
war eine seiner wichtigsten Unterabteilungen die Abteilung
fuer Arbeitsfragen, in der amerikanischen Gewerkschafter taetig
sind.
Auch den ECA-Missionen in den einzelnen Marshallplanlaendern wurden Berater fuer Arbeitsfragen zugewiesen. Die
Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit hat durch die
gewerkschaftlichen Beratungsausschuesse in den am europaeischen Wiederaufbauprogramm beteiligten Laendern versucht, bei
den europaeischen Arbeitern Verstaendnis fuer dieses Programm
zu erwecken. Darüberhinaus sind Gruppen amerikanischer Arbeitsspezialisten nach Europa gekommen, um mit europaeischen
Organisationen Beratungen zu pflegen und eine Reihe amerikanischer Gewerkschaften haben mit eigenen Mitteln Funktionaere
ins Ausland geschickt, um die freie Gewerkschaftsbewegung in
ihren Bemuehungen beim wirtschaftlichen Wiederaufbau zu unterstuetzen.
In den Vereinigten Staaten haben Gewerkschaftsmitglieder
ihre Wohnungen und Konferenzraeume Tausenden europaeischer
Besucher geoeffnet, die im Rahmen des ECA-Programm fuer technische Unterstuetzung nach den Vereinigten Staaten kommen, um
den Aufbau und die Methoden der amerikanischen Gewerkschaften
und auch die Methoden der amerikanischen Industrie zu studieren.
Labor News from the ü. S.
IV/13/51
- 16 -

HICOO 27 i p r 51 0920 5 • 2 C

�Internationale

ARBEITSHITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - iv

Frankfurt, 27. April 1951

I y li A L T S V E R Z £ I 0 E TT I S
7/as bedeutet der Schuman-Plan? - - - - - - - - - -

1

Die Notwendigkeit der Vereinigung Europas

4

- - - -

Kommunistische Taktik in amerikanischen Gewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

7

Italien wird nicht wie Frankreich unter Streiks
zu leiden haben - - - - - - - - - - - - - - - -

9

Amerikanische Tarifverträge sehen Stipendium vor

11

Daenische Gewerkschaft im Dienst dar erwerbstaetigen Frau
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 2
Der eurooaeische V/iederaufbau

- - - - - - - - - - 1 3

Internationales Sekretariat der Lehrer geplant - - 16

'•VAS BEZWECKT DER SCHUKAN-PLAN?
Der Schuman-Plan hat die Errichtung eines freien und einzigen Absatzmarktes fuer zwei grosse Grundstoffindustrien der sechs
Mitgliedstaaten zum Ziel: Kohle und Stahl. Fuor diese beiden "Zaren
wird es in Zukunft keine ,-Zollgebuehren, keine einschraenkenden
Zollbestimmungen, keine Importquoten, keine Zuschuesse der Regierungen, keine "donnelten" unterschiedlichen Frachtgebuehren fuer
auslaendische und inlaendische Verbraucher mehr geben. Der Vertrag erklaert ausserdem alle Methoden fuer ungesetzlich, die in
der Vergangenheit zur Schaffung von Monopolen, zur Kontrolle der
- 1-

�Produktion oder zur Einschraenkung der Absatzmaerkte angewendet
wurden. Der einzige Absatzmarkt wird in Zukunft frei und der
Konkurrenz unterworfen sein. Alle Hersteller werden freien und
gleichberechtigten Zutritt zu den Maarkten haben, und alle Verbraucher haben gleichen Anspruch auf die verfuegbaren Waren.
Alle Formen einer Diskriminierung sind abgeschafft. Dies sind
in einfachen Worten die wesentlichen Merkmale des Schuman-Planes.

Der einzige Absatzmarkt untersteht einer Reihe von Institutionen, die in dem Vertragsentwurf festgelegt sind. Die exekutive
Institution ist die Hohe Behoerde, die sich aus neun Mitgliedern
zusammensetzen wird. Acht dieser Mitglieder werden von den Teilnehmerstaaten ernannt, wobei einem Land nicht mehr als zwei Mitglieder zustehen. Diese acht Mitglieder werden daraufhin das
neunte Mitglied der Hohen Behoerde waehlen. Diese Behoerde wird
nicht irgendeinem Lande, sondern dem Pool bzw. allen Mitgliedstaaten gegenueber verantwortlich sein. Die wichtigste Aufgabe der
Hohen Behoerde
esteht darin,
dafuer zu sorgen,
dass der allgemeine
,€ufopaixke SememßkaftßrJ(phku.Stahl'\ nicht Absatzmarkt
in irgendeiner V/eise be&amp;ieJ(ohle-u.StQklprodktti(»l eintraechtigt
12,1
wird. Die Behoer10,5
der 6 Sikumanplan lancier
de selbst soll
1950 in MtU
sich nur insoweit
in die Arbeit des
Absatzmarktes einJUI
mischen, als dies
Fi 10.*"«
zur Erreichung und
DEUTÄHUNO
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• T | | BURG
| ITALIEN
Sicherung der Ziele des Schumanflufbau der „turopäifthenGemeinfdioffm
Planes notwendig
ist. Gleichzeitig
und (Funktion ihrer Organe ••••••••
hat sie weitgehende Befugnisse, in
Zeiten wirtschaftlicher Krisen oder
Verknappungen einzugreifen, und ist
berechtigt, bei
der Modernisierung
der Industrie mitzuhelfen, das Lohnniveau und die
Arbeitsbedingungen
zu schuetzen und
die wirtschaftliche
Forschung anzuregen. Die Kontrollorgane werden ausser
der Hohen Behoerde
aus einem Beratungsausschuss, einem
Ministerrat, einer
Gemeinsamen Versammlung und einem
Gerichtshof
bestehen,
SSPahl
Der Beratungsausschuss soll die

DER SCHUMAN-PLAN

7Vc

lUitglwdftaateA

�Hohe Behoerde unterstuetzen und kann zu jeder Zeit zu Rate gezogen
werden, wenn die Hohe Behoerde dies fuer angebracht haelt. Unter
gewissen Umstaenden ist die Hohe Behoerde gezwungen, sich den Rat
dieses Ausschusses einzuholen. Der Ministerrat wird sich aus Ministern der Teilnehmerstaaten zusammensetzen und fuer die Koordinierung und Verbindung zwischen der Hohen Behoerde und den Regierungen der Mitgliedstaaten sorgen. Die Gemeinsame Versammlung
besteht aus Mitgliedern, die von den Parlamenten der sechs Teilnehmerstaaten ernannt werden, und sie wird als legislative Koerperschaft taetig sein, an die die Hohe Behoerde in regelmässigen
Zeitabstaenden Bericht erstatten muss. Der Gerichtshof schliesslich hat die Aufgabe, darueber zu wachen, dass die Hohe Behoerde
nicht willkuerlich oder in Verletzung der Bestimmungen des Vertrags von ihren Befugnissen Gebrauch macht.
Vom Standpunkt des deutschen Arbeiters aus sind die Vorteile
dieses Planes offensichtlich. Der Plan sieht die progressive
Schliessung unrentabler Bergwerke in Belgien und Frankreich vor.
Dies wird zu einer Ausdehnung des Absatzmarktes fuer die Ruhr
fuehren und damit eine breitere und stabilere Besfchaeftigung fuer
die Arbeiter bedeuten. Mit dem Zusammenbruch der kuenstlichen
Zollschranken wird die deutsche Stahlindustrie in der Lage sein,
die Fruechte aus ihrer produktiven Leistungsfaehigkeit zu ernten,
die wiederum den Arbeitern in Form einer hoeheren Stabilitaet
der Beschaeftigung zugutekommen. Eines der grundlegenden Ziele
des Planes ist die "Entwicklung der Beschaeftigungsmoeglichkeiten
und die Verbesserung des Lebensstandards" in den Teilnehmerstaaten.
Den Arbeitern wird ein Schutz gegen jene Unternehmer geboten, die
durch niedrigere Loehne und damit geringere Produktionskosten ihre
Erzeugnisse zu niedrigeren Preisen verkaufen wollen. Sie koennen
ausserdem bei Arbeitslosigkeit, die auf technologische Ursachen
zurueckzufuehren ist, von der Hohen Behoerde unterstuetzt werden.
In den meisten Faellen jedoch bleibt das Recht der Arbeiter, hoehere Loehne zu fordern, eine Privatangelegenheit, die in Verhandlungen zwischen dem betreffenden Unternehmen und seinen Arbeitnehmern
geklaert wird.
Fuer den Durchschnittsbuerger in jedem der sechs Teilnehmerstaaten hat der Schuman-Plan eine ganz besondere Bedeutung. Durch
die Beseitigung der Zoelle fuer Rohstoffe, die zwischen den einzelnen Laendern ausgetauscht werden, ist mit Sicherheit mit geringeren Produktionskosten zu rechnen. Auch die Abschaffung verschwenderischer Arbeitsmethoden wird zu einer Senkung der Gestehungskosten beitragen und die uneingeschraenkte und gesunde Konkurrenz,
die sich hieraus ergeben wird, ist eine Garantie dafuer, dass die
Einsparungen dem Verbraucher in Form niedrigerer Preise fuer Tausende von Waren, die aus Stahl hergestellt werden, zugutekommen.
Ein Zimmermann zum Beispiel, auf dessen Arbeit sich der Plan nicht
direkt auswirken kann, wird indirekt insofern profitieren, als er
billigere Naegel fuer seine Arbeit und billigere Kohle fuer seine
Wohnung kaufen kann.
Als der Schuman"Plan zum erstenmal von der franzoesischen Regierung in Vorschlag gebracht wurde, fand er als ein Schritt auf
dem Wege zu einem vereinigten Europa und zur Erhaltung des Friedens
allgemeine Zustimmung. Die moderne Kriegfuehrung ist von der
Stahlerzeugung abhaengig, und es ist offensichtlich, dass, wenn
der Schuman-Plan endgueltig akzeptiert und durchgefuehrt wird, es
einer europaeischen Nation unmoeglich sein wird, ohne das Wissen
anderer Nationen aufzuruesten. Und wenn jede Nation gleichen Zutritt zu den Produktionsquellen hat, ist es unwahrscheinlich, dass
eine von ihnen in der Lage sein wird, sich einen Vorrat an Waffen
zu schaffen, der groesser ist als der anderer Nationen. Bei der
- 3 -

�Verkuendung seines Planes hat der franzoesische Aussenminister
Schuman festgestellt, dass sich Europa durch Kriege selbst aufgerieben hat, weil es niemals vereinigt war. Er bot diesen Plan
als eine konkrete Massnahme zur Schaffung einer europaeischen Solidaritaet'und zur endgueltigen Beendigung des uralten Kampfes zwischen Frankreich und Deutschland an. Der Plan ist von den politischen Fuehrern der Welt als ein Schritt zum Frieden und zur europaeischen Vereinigung begruesst worden.
Der Schuman-Plan berechtigt zu grossen Hoffnungen fuer die
Zukunft. Es ist das erste Mal, dass sich Vertreter von sechs
europaeischen Laendern einverstanden erklaert haben, ihre souveraenen Rechte in bezug auf die Kontrolle und Entwicklung zweier grundlegender Industriezweige aufzugeben. Es hat einen Voelkerbund, die
Vereinten Nationen und einen Europarat gegeben, aber der SchumanPlan ist das erste Forum, mit dessen.Hilfe die nationalen Schranken,
die Europa jahrhundertelang in verhaeltnissmaessig kleine wirtschaftliche Einheiten aufgespalten haben, zerbrochen sind und eine
wahre uebernationale Organisation geschaffen werden kann. Die
Beseitigung der Handelsbeschraenkungen, Zollschranken und Zoelle
fuer Kohle und Stahl wird zweifellos zu aehnlichen Massnahmen in
anderen Grundstoffindustrien Anlass geben. Die franzoesische Regierung hat bereits die Zusammenfassung der westeuropaeischen
Landwirtschaft unter einer uebernationalen Behoerde vorgeschlagen,
die der des Schuman-Planes aehnlich ist. Wenn sich der Plan fuer
Kohle und Stahl als erfolgreich erweist - warum sollte er dann
nicht auf alle anderen Grundstoffindustrien uebertragen werden?
Der Schuman-Plan fuehrt letzten Endes zur europaeischen Wirtschaftseinheit und die sichere Folge dieser Wirtschaftseinheit ist die
politische Einheit.
Background Information
IV/80/51
DIE NOTWENDIGKEIT DER VEREINIGUNG EUROPAS
Wie den nachstehenden Ausfuehrungen zu entnehmen ist, ist die
Idee einer europaeischen Einheit keineswegs neu. Sie hat Philosophen, Soziologen, Staatsmaenner und Eroberer in ihren Bann gezogen, wobei die letzteren ein Alibi fuer ihre Eroberungen suchten.
Das Zeitalter der Traeumereien und der intellektuellen Erwaegungen
schien mit dem ersten Weltkrieg zu Ende zu gehen.
Der Voelkerbund war bestrebt, mit einem Schlag weltumfassend
zu werden, ein Vorhaben, das an sich schon ueberspannt ist und
noch durch die Tatsache ueberspannter wurde, dass es zu Anfang an
einem ausschlaggebenden Partner und spaeter an Anhaengern fehlte.
Ungefaehr um das Jahr 1930 ging Aristide Briand naeher an dieses
Ziel heran, indem er eine europaeische Wirtschaftseinheit vorschlug: Sie wurde unter Blumen begraben, scheiterte jedoch in
Wirklichkeit schon an dem Misstrauen Gross-Britanniens und die
sich naehernde Weltkrise bereitete in vielen Laendern das fuer eine
autarke Struktur guenstige Klima durch eine Reaktion vor, die ebenso unueberlegt wie traditionsgebunden war.
Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg, der weit "revolutionaerer" war als der erste, wurde das Problem einer europaeischen
Vereinigung in zunehmendem Masse akut.
Politisch gesprochen, haben die Ereignisse dieser letzten Monate selbst den Unaufmerksamsten zu erkennen gegeben, dass unter den
- 4 -

�Voelkern des Abendlandes tatsäechlich eine Solidaritaet bestand.
Es ist offensichtlich, dass keines dieser Voelker in der Läse ist,
selbst die Organisation seiner bedeutenden Sicherheit bewaeltigen
zu koennen.
Verantwortlich hierfuer sind die Verwuestungen und Verluste
des Krieges, die weit bedeutender sind als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in der Weltgeschichte und die man am Tage nach
dem Waffenstillstand noch gar nicht uebersehen konnte. Aus diesem Grunde bleibt uns nichts anderes uebrig, als uns zu dem nationalen Wahlspruch unserer belgischen Freunde zu bekennen: "Einheit macht stark" und ihn auf den europaeischen Plan zu uebertragen.
Die Idee einer europaeischen "Wirtschaftseinheit ist durefc
das Inkrafttreten der Marshallhilfe wesentlich gestaerkt worden.
Die Leiter dieses Planes haben nicht aufgehoert, darauf hinzuweisen, dass es ihr Ziel ist, Europa sobald wie moeglich auf
seine eigenen Fuesse zu stellen. Mit anderen Worten, wenn Europa auf seinen eigenen Fuessen stehen will, darf es nicht mehr
wie bisher in kleine Stuecke aufgeteilt werden oder, um es mit
noch anderen Worten zu sagen, das Bild eines zerstueckelten
Koeroers bieten.
Es ist notwendig, dass ein vereinigter Organismus die freie
Zirkulation der Produkte, des Kapitals und der Menschen selbst
ermoeglicht. Man wird vielleicht einwenden, dass dieses Ziel
ohne eine besondere Organisation erreicht werden kann: Zur Zeit
des triumphierenden Liberalismus ist natuerlich die europaeische Arbeitsteilung geschaffen worden. Man darf nicht mehr an
die Rueckkehr und besonders an eine rasche Rueckkehr einer solchen "Organisation" glauben. Der fruehere Mechanismus ist seit
1914 durch die Ereignisse und die Politik dermassen geaendert worden, dass er heute ausser Gebrauch ist und durch andere Auffassung
ersetzt werden muss, denen eine neue Ideologie zu Grunde liegt.
Was schliesslich das wesentliche ist, die Welt im allgemeinen und
die Wirtschaft im besonderen, ist betraechtlichen Aenderungen
unterworfen worden.
Wir befinden uns im Zeitalter der Wirtschaft der Massen und
der Wirtschaft des grossen Raumes. Die Stunde ist gekommen, den
europaeischen Wirtschaftsraum wirtschaftlich einzuteilen.
Geschieht das nicht, so wird das Abendland vor der physischen
Unmoeglichkeit stehen, im wirtschaftlichen Leben von Morgen eine
Rolle zu spielen. üuf der anderen Seite jedoch bestehen die
Moeglichkeiten einer solchen wirtschaftlichen Keuformung.
Was soeben gesagt wurde, ist eine erschoepfende Erklaerung
fuer die Schwierigkeiten Gross-Britanniens, seinerseits den europaeischen Gedanken zu pflegen und es ist eine Erklaerung fuer
die reservierte Haltung diesem Gedanken gegenueber, wie sie David
Scott an den Tag legt. Das Commonwealth bedeutete fuer England
diesen grossen Raum der modernen Wirtschaft und diese Auffassung
besteht seit lancer Zeit in einem Masse, dass es diesem Lande
vielleicht eher schaedlich als nuetzlich erscheinen koennte, sich
einer anderen Einheit anzuschliessen.
Wie koennte deshalb uebersehen werden, was fuer die britische Sicherheit im engsten Sinne dieses Wortes und selbst in wirtschaftlicher Hinsicht auf dem Spiel steht, weil der Sterling-Block
- 5-

�von chaotischen Zustaenden in Europa nioht in Mitleidenschaft gezogen wuerde.
Es wird bestimmt Grund zur Ueberraschung sein, dass derartige
entscheidenden Motive fuer die Vereinigung nur langsame Verwirklichungen folgen. Es handelt sich nicht im europaeischen Falle
darum, mit neuem Material aufzubauen, wie es fuer die Vereinigten
Staaten der Fall war, als sie ihren Bundesstaat schufen. Hier
muss darum aus Altem Neues gebildet werden, d.h. tiefgehende Veraenderungen des Aufbaues und des wirtschaftlichen Gleichgewichts
von frueher vorzunehmen und, was noch wesentlich schwieriger ist,
in Traditionen hängengebliebene politische Formen, Standpunkte oder
Sentiments ueber den Haufen zu werfen, die seit Jahren, ja seit
Jahrhunderten und selbst seit Jahrtausenden verankert sind. Um
das aktuellste Beispiel zu geben: kein vernuenftiger Mensch wird
behaunten, dass man Europa sowohl wirtschaftlich als auch politisch
ohne Deutschland gestalten kann. Dass diese Notwendigkeit verstanden wurde, ist in ausreichendem Masse durch den Schumanplan bewiesen. Es ist jedoch fuer den einfachen Franzosen nicht moeglich,
dass das, was ihm seine Vernunft sagt, nicht der Erinnerung an
drei deutsche Invasionen in weniger als 3/4Jahrhundert entgegentritt.
Er kann sich hiervon nicht sofort und spontan freimachen.
Wenn man Remon Millet glauben will, muss man in Europa im entstehenden Europarat zwischen Foederalisten und Funktionellen unterscheiden. Die Foederalisten wollen Europa in einem genau festgelegten und sofort vorgeschriebenen Rahmen einordnen. Die Funktionellen dagegen wuenschen eine allmaehliche Vereinigung der europaeischen Staaten durch Vereinbarungen ueber bestimmte und aufeinander
folgende Punkte verwirklichen zu koennen. Der grundlegende Unterschied besteht darin, dass die foederalistische Auffassung den
Vorschlag einer uebernationalen Behoerde enthaelt, waehrend die
Funktionellen hiervon nichts wissen wollen.
Die Franzosen sind groesstenteils Foederalisten: Sie sind es
aus persoenlicher Ueberzeugung. Wenn es ihnen erlaubt ist, einmal
an ihre eigenen Erlebnisse zu denken, muessen sie feststellen, dass
es fuer sie schwierig ist, sich mit dem Gedanken einer uebernationalen Behoerde vertraut zu machen. Aber man muss wissen, was man
erstrebt. Die einfachste Beobachtung besagt, dass bei dem Plan
dieser Behoerde, die die Initiative ausloeschen oder zusammenfassen
kann, jede Verzoegerung der Verwirklichung dieses Gedankens entgegentritt, wenn dieser nicht sogar selbst aufs Spiel gesetzt wird.
Das bedeutet nicht, dass der europaeische Aufbau ein anderer ist
als ein ueblicher Aufbau, d.h., dass man alle Arbeiten gleichzeitig
erledigen und erst dann das Fundament errichten kann. Es bedeutet
auch nicht, dass man sich unbedingt sofort auf die Schwierigkeiten
stuerzen muss und dass man sie, wenn sich Vereinbarungen ueber eine
endgueltige Handlung als moeglich erweisen, diese bis zum Abschluss
einer doktrinaeren Debatte ueber die Nationalsouveraenitaet hinauszoegern muss. Angesichts der alle bedrohenden Gefahr kommst es vor
allem darauf an, dass Frankreich sich diesem Gedanken gegenueber
nicht voellig ablenken laesst.
Es gibt in den franzoesischen Grenzprovinzen ein Haus, das als
Symbol gewertet werden kann. Es war in den Jahren 1814, 1870, 1914
und 1940 zerstoert und jedesmal wieder aufgebaut worden. Die Fassade dieses Hauses traegt eine Inschrift, die hiervon berichtet. Wenn
die europaeische Einheit nicht verwirklicht werden kann, besteht
die Gefahr, dass diese Inschrift morgen oder uebermorgen mit einem
neuen Datum einer nochmaligen Zerstoerung versehen wird, der jedoch
kaum ein Wiederaufbau folgen wuerde.
Rapports France-Etats Unis ll/E
- 6 -

�KOMMUNISTISCHE TAKTIK IN AFRIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
Es gibt keinen besseren Masssteb fuer die kommunistische Gewerkschaft als ihr Verhaeltnis zum Streik, wie ihr Verhalten vor
und nach der russischen Invasion in Korea beweist. - Vor der Invasion hatte Jack Johnstone im Organ der Kommunisten "Daily
Worker" erklaert: "Der Anti-Streik Plan, den die Funktionaere der
AFL und die Anhaenger Hillmans innerhalb des CIO den Arbeitern
der Schiffsbauindustrie einzutrichtern versuchen, ist als ein
Teil des Bestrebens zu werten, die Gewerkschaften in die Ruestungsmaschinerie einzuspannen."
Nach der russischen Invasion sagte Earl Browder auf einer
oeffentlichen Massenkundgebung in St. Louis: "Jede konditionelle
Form der Anti-Streikpolitik bedeutet, dass man die Gewerkschaftsbewegung von ihrer eigentlichen Aufgabe abbringen und den Klassenkampfgedanken in Amerika ausloesen moechte, der die Kriegsanstrengungen untergraben wuerde und fuer' Amerika und die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung unheilvolle Folgen haette."
Obwohl der groesste Teil der Gewerkschaftsfunktionaere sich
gegen die in Kriegszeiten gefuehrten Streiks John L. Lewis' aussprach, haette niemand totalitaere Massnahmen zur Unterdrueckung
des Bergarbeiterstreiks gefordert.
Nach der Beendigung des Krieges entwickelten sich in Europa
Spannungen zwischen der Sowjetunion und ihren westlichen Alliierten.
Dies war das Zeichen fuer die amerikanische kommunistische Partei,
einen Angriff gegen die amerikanische Regierung zu starten. Alf
das Programm Praesident Trumans verkuendet wurde und der MarshallDlan sowie der Atlantik Pakt sich verwirklichten, wurde die Kluft
zwischen den Kommunisten und den amerikanischenv Gewerkschaften immer groesser. Dies bedeutete natuerlich, dass die amerikanischen
Gewerkschaftsfunktionaere, die die Aussenpolitik der Vereinigten
Staaten unterstuetzten, immer heftigeren Angriffen ausgesetzt waren.
Diese grundsaetzliche Feindschaft gegenueber den westlichen Demokratien kam auch in gewerkschaftlicher Form zum Ausdruck. Extravagante
Lohnforderungen waren der erste Schritt, es folgten unaufhoerliche
Streikaufrufe und eine gegen die Regierungspolitik gerichtete Agitation innerhalb der Gewerkschaften.
Indem sich die Kommunisten die Opposition der Gewerkschaften
gegen einschraenkende Arbeitsgesetze, wie z.B. die "Case Bill" und
das "Taft-Hartley-Gesetz" zunutze machten, versuchten sie, den TOlitischen Streik in Amerika auf der Bildflaeche erscheinen zu lassen.
Dies wurde eindeutig in "March of Labor", einer gewerkschaftlichen
Publikation im Dienste der Kommunisten und ihrer Anhaenger, mit
folgenden Worten zum Ausdruck gebracht:
"Die Zeit ist jetzt fuer die Gewerkschaftsmitglieder gekommen,
die Angelegenheiten in bezug auf das Taft-Hartley-Gesetz selbst in
die Hand zu nehmen. An dem Kampf um den Widerruf dieses Gesetzes
muessen sich die Millionen Arbeiter in den Gewerkschaften beteiligen.
Sie duerfen, wenn es notwendig ist, auch nicht davor zurueckschrecken,
die Arbeit niederzulegen."
Derartige Vorschlaege wurden von den Gewerkschaftsfunktionaeren
verworfen, die darauf bestanden, ein Mittel zur Regelung dieser Situation durch gesetzgeberische und verfassungsmaessige Methoden zu
suchen.
Das kommunistische Bestreben, aus dem Taft-Hartley-Gesetz politisches Kapital zu schlagen, hat den Mitgliedern einiger noch
- 7-

�kommunistisch beherrschter Gewerkschaften schwere Haerten auferlegt.
Sie weigerten sich, ihre Stellungen niederzulegen odei* eine Erklaerung zu unterschreiben, dass sie keine Kommunisten sind. Diese
Srklaerung ist im verabschiedeten Gesetz vorgesehen und ihre Abgabe ist Pflicht, wenn die Verfahren des bundesstaatlichen Ausschusses fuer Arbeitsfragen angewendet werden. Dennoch wurde
diese Politik von allen kommunistisch orientierten Gewerkschaften
verfolgt, ohne Ruecksicht auf die daraus entstehenden Folgen fuer
die Mitglieder oder die Organisation zu beruecksichtigen.
Die kommunistische Taetigkeit innerhalb der Gewerkschaften
ist sehr vielfaeltig und erweckt oft den Eindruck, als ob sie mitunter im Widerspruch mit sich selbst stuende . Man kann das Verhalten der Kommunisten jedoch verstehen, wenn man an den Rat Lenins
denkt: "Waere es nicht vollendeter Unsinn, den Krieg zum Sturz
des internationalen Buergertums zu riskieren und gleichzeitig von
vornherein die Anwendung der hierzu erforderlichen Methoden abzulehnen? Es waere das gleiche, wenn man ein gefaehrliches und bisher unerforschtes Gebirge ersteigen und sich von Anfang an weigern
wollte, den Aufstieg unter Benutzung der Serpentinen durchzufuehren.
Man wird also zeitweilig umkehren, ja sogar scheinbar die gewaehlte
Richtung aufgeben, um eine andere zu benutzen, die sich als gangbarer erwiesen hat."
Die Kommunisten sahen sich im Winter 1947/1948 hinsichtlich
der Situation, in der sich der Stadtverkehr in New York befand,
einem Dilemma gegenueber. Zuerst glaubten sie, die Transportarbeitergewerkschaft bei der Stange halten zu koennen und gleichzeitig
ihre politische Kampagne, die sich um den fuenf Cents-Fahrpreis
drehte, durchzufuehren. Bald jedoch stellte sich heraus, dass
ihnen nur die Wahl blieb, entweder die Transportarbeitergewerkschaft
zu verlieren oder ihre attraktiven politischen Schlagworte abzulegen. Da die Politik fuer die Kommunisten wichtiger ist als
Tarifverhandlungen, riskierten sie das Abspringen der Gewerkschaft.
"Lohnaufbesserungen ohne Preiserhoehungen" war fuer die Kommunisten gewiss keine Prinzipienfrage. Waehrend die Situation des
New Yorker Transportwesens einen guenstigen Kampfplatz fuer eine
kommunistische politische Kampagne bot, betrachteten sie das Zimmerpreisoroblem der Hotels von einem anderen Standpunkt aus. In
diesem Falle unterstuetzte der kommunistisch beherrschte Rat fuer
das Hotelgewerbe die Hotelbesitzervereinigung in ihrer Forderung
nach hoeheren Entgelten. Die kommunistischen Fuehrer wandten sich
gegen die Verwaltung O'Dwyers, die die Genehmigung fuer die Erhoehungen von Hotelzimmerpreisen aufgehoben und die Rueckerstattung von
Ueberbetraegen angeordnet hatte, die bereits bezahlt worden waren.
In einem Versuch, die Funktionaere der Gewerkschaften in Schwierigkeiten zu verwickeln, versuchten sich die Kommunisten in allen
moeglichen Arten von Systemen mit der Hoffnung, propagandistische
Erfolge erringen zu koennen, gleichgueltig, ob ihre Vorschlaege akzeptiert wurden oder nicht. Eines dieser Probleme war die in den
letzten Jahren gestellte Forderung nach Landeskonferenzen ueber
Lohnfragen fuer alle CIO-Gewerkschaften, "damit der Kampf um eine
Srhoehung der Loehne und gegen die Gefahr der Arbeitslosigkeit organisiert, ausgeweitet und koordiniert werden koennte." Dies entspricht der kommunistischen Auffassung, dass die Gewerkschaft ein
Werkzeug ist, mit dem die Massen in Bewegung gesetzt werden koennen.
Es waere jedoch falsch,anzunehmem, dass die Kommunisten tatsächlich das verfolgen, was sie in ihrer eigenen Propaganda als
ihre Ziele erklaeren. Mitten in den Streiks des Jahres 1946. die sicJ
- 8 -

�zum erstenmal um Lohnerhoehungen drehten, waren die Funktioniere
der kommunistisch gefuehrten Elektroarbeitergewerkschaft (UE) die
ersten, die sich im Namen ihrer eigenen Mitglieder durch die Annahme eines Kompromisses, das ihnen wenig mehr als die Haelfte
der urspruenglichen Forderung einbrachte, mit den General Motors
einigten. Sie entschlossen sich hierzu, ohne die Automobilarbeitergewerkschaft zu Rate gezogen zu haben, deren General MotorsAbteilung sich zur gleichen Zeit im Streik befand.
In der Lohnkampagne des Jahres 1949 erklaerten die Anhaenger
der Kommunisten: "Die Stahl-, Automobil- und Elektroindustrie
wuerde eine unschlagbare Einheit bilden, die in der Lage waere,
ihre Loehne selbst zu bestimmen." Diese Forderung nach Einheit
war jedoch von einer kommunistischen Gewerkschaftspolitik begleitet, die ein gemeinsames Handeln unmoeglich machte. Ausserdem
sind Gewerkschafter realistisch genug, um zu wissen, dass sie angesichts der wirtschaftlichen Tatsachen ihre Loehne nicht selbst
bestimmen koennen.
Auf Grund dieser realistischen Einstellung billigen und unterstuetzen die Gewerkschafter die Auffassung, dass der Lebensstandard
des Volkes, auf lange Sicht gesehen, nur durch Reduzierung der
Gestehungskosten und durch die Versorgung mit mehr Waren zu niedrigeren Preisen verbessert werden kann. Sie sind der Auffassung,
dass reduzierte Gestehungskosten durch verbesserte Technologie
und bessere Produktionsverfahren, durch leistungsfaehipe Techniker
und Unternehmer ermoeglicht werden muessen. Gewerkschafter lehnen
es jedoch ab, den Arbeitern ungerechte Arbeitslasten aufzuerlegen.
Spaeter hielten es die Kommunisten fuer vorteilhaft, ueberspannte Lohnforderungen zu stellen. Was Lohn- und Vertragserfolge
betrifft, sind die kommunistisch beherrschten Gewerkschaften immer
nur dem Beispiel der allgemeinen Gewerkschaftsbewegung hinterhergeschickt. Nachdem sie jedoch nun mit eigenem Dampf fahren muessen,
koennen sie nicht mehr so viel erreichen. Ihre eigenen Vertraege
weisen keine sichtbaren Gewinne auf. Von den 86 Lohnabkommen der
kommunistischen Elektroarbeitergewerkschaft, die in der Zeit von
April bis August abgeschlossen wurden und vom Buero fuer Arbeitsstatistik zusammengestellt sind, finden sich in 5£ Abkommen kein.e
allgemeinen Lohnaufbesserungen; acht Vereinbarungen enthalten nur
Erhoehungen von einem bis drei Cents, in 17 Vertraegen werden die
Loehne um vier bis fuenf Cents erhoeht, und nur neun Abkommen sehen
Erhoehungen von sechs bis zehn Cents vor. Diese Lohnerfolge sind
weit von den 500-Dollar-Loehnen entfernt, mit denen sich die Fianktionaere der Elektroarbeitergewerkschaft vorzeitig ruehmten.
Nach den "Monatsberichten ueber Lohnentwicklungen" des Bueros
fuer Arbeitsstatistik zu urteilen, erging es den anderen kommunistischen Gewerkschaften nicht besser. In der Praxis ist es tatsaechlich
so, dass die Presse von einer Reihe Lohnkuerzungen berichten musste,
mit denen sich kommunistische Gewerkschaften einverstanden erklaerten. Dies hat sie jedoch keineswegs davon abgeschreckt, die AFL
und den CIO anzugreifen, weil sie angeblich "mit ihren Lohnforderungen zu langsam traeten."
Research Staff, Int. Ass. of Machinists
11/27/51

ITAT IEN -VIRD NICHT ".TS FRANKREICH UNTER STREIKS ZU LEIDEN HABEN
"Es ist den Lohnerhoehungen auf Grund der "Gleitenden Skala"
fuer Lebenshaltungskosten, die vor kurzem fuer drei Millionen Indu- 9-

�striearbeiter Italiens erzielt werden konnten, zu verdanken, dass
sich die Welle der Streiks und Arbeitsunruhen, die das wirtschaftliche Leben in Frankreich im Maerz voellig lahmlegte, in Italien
nicht wiederholen wird.
Diese zuversichtliche Prophezeiung wurde von Giulio Fastore,
dem langjaehrigen Gewerkschaftsfuehrer und Generelsekretaer des
maechtigen italienischen Gewerkschaftsbundes CISL, in einem inoffiziellen Interview ausgesprochen.
"Die wirtschaftlichen und gewerkschaftlichen Beziehungen zwischen den Arbeitern und den Unternehmern in Frankreich haben durch
das Fehlen einer Vereinbarung, wie sie die "Gleitende Lohnskala"
darstellt, die Lohnverhaeltnisse in kritischen Zeiten aeusserst
schwierig gestaltet. Die Streiks der letzten Wochen sind zweifellos durch die unguenstige Lage verursacht worden, in der sich die
franzoesische Arbeiterklasse angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten befand."
"Wenn in Frankreich eine Einrichtung zur automatischen Loesung dieses Problems bestanden haette, wie zum Beispiel eine
"Gleitende Lohnskala", waere es nicht zu einer so kritischen Lage
gekommen und die Kommunisten haetten nicht die Moeglichkeit gehabt, zur Erreichung ihrer eigenen umstuerzlerischen Ziele aus
den berechtigten Forderungen der Lonnempfaenger Kapital zu schlagen.
Als einflussreichster Gewerkschaftsfuehrer Italiens wird
Pastore auch als einer der bedeutendsten Kapazitaeten in der europaeischen Gewerkschaftsbewegung anerkannt. Im Jahre 19£0 organisierte er im Alter von 18 Jahren seine erste Gewerkschaft, und
seitdem kaempft er unablaessig fuer die europaeische Arbeiterschaft.
Von den Schwarzhemden Mussolinis unmittelbar nach dessen
Machtergreifung verfolgt, fuehrte er in den zwanziger Jahren der
Diktatur einen gefaehrlichen Krieg gegen den Faschismus. Als
Gruender und Herausgeber der geheimen Gewerkschaftszeitung
"Conquiste Sindicale" (Gewerkschaftliche Erfolge) wurde er im
April 1944 in Rom von den Nazis verhaftet und sollte in ein deutsches Konzentrationslager gebracht werden. GluecklicherWeise wurde er am 5. Juni 1944 von alliierten Truppen, die der 5. Armee
General Mark W. Clarks angehoerten, befreit.
Angesichts der Bemuehungen.Italiens zur Wiederingangsetzung
und Mobilisierung seiner Wirtschaft zur Sicherung der Verteidigung
gegen irgendwelche Aggressionsgelueste einer fremden Macht stellte
man Pastore die Frage, ob er glaube, dass die italienischen Kommunisten versuchen wuerden, sich agitatorisch zu betaetigen, um die
Verteidigungsmassnahmen zu sabotieren."
Nach kurzer üeberlegung gab Pastore vorsichtig zur Antwort,
indem er seine Worte genauestens ueberlegte: "Unser Gewerkscheftsbund fuehrt wichtige Verhandlungen mit der italienischen Regierung.
Wenn die Regierung unseren gerechten Forderungen nach einer aktiven Beteiligung der Arbeiterschaft an der politischen Wirtschaftspolitik in diesen verworrenen Zeiten stattgibt, werden sich zweifellos die Ereignisse in Frankreich hier nicht wiederholen koennen.
Wenn uns die Regierung dagegen kein Gehoer schenkt, zoegere ich,
irgendwelche Voraussagen zu machen."
"Glauben Sie, dass diese Streikwelle in Frankreich irgendwelche Nachwirkungen auf die Situation der Arbeiterschaft in Ita- 10 -

�lien haben wird?" wurde der italienische Gewerkschaftsfuehrer
sodann gefragt.
"Es besteht kein Zweifel," antwortete er, "dass die italienischen Kommunisten, wenn sich eine guenstige Gelegenheit hierzu
bietet, ebenso wie ihre franzoesische Kollegen handeln werden.
äs darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Moeglichkeiten
kommunistischer Machenschaften auf gewerkschaftlichem Gebiet in
Italien weit beschraenkter sind als in Frankreich.
AFL Weekly News Service
17/17/51
AMERIKANISCHE TARIFVERTRÄGE SEHEN STIPENDIUM VOR
Der althergebrachte Brauch, wonach der Sohn in die Fusstanfen
seines Vaters tritt und den gleichen Beruf waehlt, ist in den
Vereinigten Staaten niemals allzu ausgepraegt gewesen. Dieser
Brauch ist nun durch eine amerikanische Gewerkschaft der Elektroindustrie erneut durchbrochen worden.
Nach den Bestimmungen eines neuen Tarifvertrages, der zwischen der Ortsgewerkschaft Nr. 3 der Internationalen Elektroarbeitergewerkschaft (AFL) und der Elektroindustrie im Bezirk New York
abgeschlossen wurde, koennen die Soehne in ihrem Beruf viel weiter kommen als ihre Vaeter.
In dem Vertrag wird festgelegt, dass die Fabriken der Elektroindustrie, deren jaehrlicher Umsatz eine Million Dollar uebersteigt, ein Stipendium fuer den Besuch der Columbia-Universitaet
zur Verfuegung stellen. Diese Stipendien koennen nur Soehnen von
Mitgliedern der Ortsgewerkschaft zuerkannt werden, die an dem
Pensionsplan der Gewerkschaft beteiligt sind.
Diese Stipendien ermoeglichen ein sechsjaehriges Studium an
der Universitaet Columbia. Die ersten drei Studienjahre sind
den allgemeinbildenden Wissenschaften gewidmet, waehrend die uebrige Zeit dem Studium der Elektrotechnik vorbehalten ist. Jedes
Stipendium hat einen Wert von 4.260 Dollar.
Die Firmen, die Traeger dieses Planes sind, gehoeren dem
Gemeinsamen Industriellen Ausschuss der Elektroindustrie an. Zur
Zeit hat der Ausschuss zwei Jahresstipendien an der Universitaet
von Columbia vergeben. Man schaetzt, dass es mindestens 11 Firmen mit einem Jahresumsatz von 1.000.000 Dollar gibt^ Diese Stipendien geben somit zusammen mit den beiden bereits bestehenden
13 Soehnen von Gewerkschaftsmitgliedern die Moeglichkeit, im
Herbst ihr Studium an der Universitaet zu beginnen.
Der Dekan Lawrence Chamberlain von der Universitaet Columbia,
der mitgeholfen hat, die Einzelheiten fuer den StipendienDlan auszuarbeiten, teilte mit, dass sich bei einem Stipendienfonds von
1.500.000 Dollar und den gegenwaertigen Zinssaetzen die Gesamtjahreseinnahmen auf 55.000 Dollar belaufen.
Die jungen Maenner, die sich um ein Stipendium bewerben, werden auf ihre Kenntnisse und Feehigkeiten geprueft. Das Stipendium
deckt saemtliche Unkosten fuer Unterrichtsgelder, Buecher und Gebuehren. Aus der Liste der Bewerber werden 50 bis 60 fuer die
erste Pruefung ausgewaehlt. Die Besten muessen dann eine Universitaetsaufnahmepruefung ablegen, wonach den 13 Befaehigsten ein
Stipendium zugesprochen wird.
ECA Labor Information
111/20/51
- 11 -

�DA5KISCHE GEWERKSCHAFT IM DIENST DER ERWERBSTAETIGLN FRAU
Die daenische Gewerkschaft fuer weibliche Arbeiter ist die
einzige Gewerkschaft der Welt, der ausschliesslich weibliche
ungelernte Arbeitskraefte angehoeren. Sie feierte jetzt ihr
50-jaehriges Bestehen.
Diese Gewerkschaft konnte im Jahre 1903 ihren ersten Vertrag
abschliessen. Heute zaehlt sie 30.000 Mitglieder und ist die
viertgroesste der dem Daenischen Gewerkschaftsbund angeschlossenen Gewerkschaften.
Die Gewerkschaft fuer weibliche Arbeiter hat in der Geschichte de'r daenischen Gewerkschaftsbewegung eine bedeutende Rolle gespielt. Durch feste Solidaritaet und intelligente Fuehrung hat
die Gewerkschaft es erreicht, dass der Beitrag, den die weiblichen Arbeiter zur daenischen Produktion leisten, von der Oeffentlichkeit anerkannt wird.
Die Gewerkschaft setzt sich aus 90 angeschlossenen Ortsgewerkschaftea zusammen. Ihre Mitglieder sind in der Eisen- und Metallindustrie, in Rundfunkfabriken, der Gummierzeugung, in Streichholzfabriken, der Konservenindustrie und Reinigungsberufen beschaeftigt.
Die Gewerkschaft begann ihre Arbeit mit einer Anleihe von
100 Kronen. Heute stehen gut organisierte Srwerbslosenversicherungen im Dienste ihrer Mitglieder, in Vertraegen sind annehmbare
Loshne und Arbeitszeit festgelegt und die Bueros sind in modernen,
gut eingerichteten Raeumen untergebracht.
Ueber die Bedeutung der daenischen Produktivitaetsausschuesse
befragt, erwiderte Frau Edith Olsen, die Vorsitzende dieser Gewerkschaft:
"Die Produktivitaetsausschuesse bedeuten den Anfang eines
neuen Zeitalters. Die Epoche der menschlichen Erscheinung, die
wie eine Maschine arbeitet, naehert sich schnell ihrem Ende. Die
Arbeiter in der Industrie sollen wieder Mensch sein und nicht blosse
Bestandteile der Maschinen."
In der 157 Jahre bestehenden Seilerei Jacob Holm &amp; Soehne in de
malerischen Hafenstadt Christianshavn, sind von 660 Arbeitnehmern
260 Frauen. Sie sind Mitglieder der oben genannten Gewerkschaft.
Frau Gerda Christiansen arbeitet in dieser Fabrik seit 43 Jahren.
"Ich begann hier im Jahre 1906," erzaehlt sie, "und damals
verdiente ich mit Muehe und Kot 10 Kronen in der Woche. Heute verdiene ich bei kuerzerer Arbeitszeit zwoelfmal soviel.
"Unsere Gewerkschaft war fuer uns von unschaetzbarem Wert.
Die Sicherheit, die sie uns bietet, ist ein unschaetzbarer Vorteil."
"Ich hoffe nur, dass die jungen Leute, die heute in die Industrie kommen, Verstaendnis fuer die vielen Opfer aufbringen, die
die ersten Gewerkschafter bringen mussten, um unsere Gewerkschaft
stark zu machen."
"Durch die Einfuehrung von Maschinen ist die schwere Arbeit
erleichtert und die Produktion gesteigert worden," sagt Frau
Christiansen, "sodass mehr Leute kaufen und die Arbeiter auch die
Zaren erwerben koennen, die sie erzeugen."
- 12 -

�Der groesste Wunsch der arbeitenden Frau Daenemarks ist es,
fuer gleiche Arbeit gleichen Lohn zu bekommen. Gegenwaertig liegen die Loehne der Frauen im Durchschnitt um ein Drittel niedriger als die der Maenner. In einigen Industriezweigen, wie z.B.
der Textil- und Tabakindustrie, ist die Idee der gleichen Loehne
jedoch verwirklicht worden.
Sine andere bedeutende Aufgabe ist e3, die arbeitenden Frauen zur groesseren Aktivitaet auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiet zu erziehen. Dies geschieht durch die Bildungsabteilung der Gewerkschaftsbewegung, die gewerkschaftlichen Hochschulen
und das Frauensekretariat. Dieses setzt sich aus Vertretern aller
Gewerkschaften zusammen, zu deren Mitgliedern weibliche Arbeitnehmer gehoeren, ferner aus Delegierten des Frauenausschusses der
Arbeiterpartei (Sozialdemokratische Partei) und der Abteilung fuer
die Ausbildung weiblicher Betriebsraete.
Die Frauen unterstuetzen neben vielen anderen Dingen vor
allem die Idee einer staerkeren Vertretung ihres Geschlechts im
Parlament, damit die Probleme der Frauen des Landes besser anerkannt und verstanden werden koennen.
Erwerbstaetige Kuetter mit kleinen Kindern sind besonders an
der Arbeit fuer die Erweiterung der Sozialleistung fuer die Muetter neugeborener Kinder interessiert, die es ihnen ernoeglichen
soll, fuer die erforderliche Zeit zu Hause zu bleiben, um nicht
ihre eigene Gesundheit und die ihrer Kinder schaedigen zu muessen.
Kurzarbeit ist ein weiteres Problem von grosser Bedeutung,
das von den Funktionaeren der Gewerkschaft als ein zweischneidiges
Schwert angesehen wird, da daraus geschlossen werden koennte,
dass in einer Zeit der Erwerbslosigkeit die weiblichen Arbeiter
zuerst entlassen werden sollten.
Und dabei arbeiten die Frauen in der Industrie nur deshalb,
weil sie den Verdienst einer vollen Arbeitswoche brauchen, um ihren
Kindern einen anstaendigen Lebensstandard und eine bessere Zukunft
bieten zu koennen. Bei den heutigen hohen Preisen kann mit einem
einzigen Wochenlohn kaum der Lebensunterhalt fuer eine Familie
bestritten werden, zu der Vater, Mutter und zwei oder mehr Kinder
gehoeren.
Allgemein gesagt, hat die erwerbstaetige Frau den Wunsch,
finanziell auf die gleiche Stufe mit ihren maennlichen Kollegen
gestellt zu werden.
ECA Labor Information
IV/13/51
U.S. Sonderbotschafter Milton Katz:
DER EUROPAEISCHE WIEDERAUFBAU
Die ebenso ruecksichtslose wie vielseitige Aggressionskampagne
der Sowjetunion und ihrer kommunistischen Nachlaeufer hat die freien Nationen Europas und Amerikas zur Wiederaufruestung gezwungen.
Die Wirtschaft Europas und Amerikas muss die Einwohner nicht nur
mit Nahrungsmitteln, Kleidung und Wohnungen versorgen, sie muss
nicht nur das im Krieg zerstoerte wieder aufbauen und einen Teil
unserer Produktivitaet fuer neue Investierungen einsparen, um die
erzeugungstechnischen Moeglichkeiten unserer Zukunft zu sichern
und auszudehen, sondern sie muss sich auch der fundamentalen Verant- 13 -

�wortlichkeit unterziehen, unsere Verteidigungsstaerke zur Abwehr
der Aggression und zur Sicherung des Friedens aufzubauen.
Wir in Amerika sind ueberzeugt, dass diese Ziele erreicht
werden koennen, wenn wir alle unsere Hilfsquellen kraftvoll und
wirklichkeitsnah organisieren. Die wirksame Organisation unserer
Hilfsquellen fuer diese Zwecke stellt uns vor eine Reihe unendlich
vielseitiger und komplizierter Probleme. Nach amerikanischer Auffassung sind die beiden Grundelemente in dieser Organisation die
wirtschaftliche Vereinigung Europas und eine Steigerung der Produktionsleistung. Angesichts der Lage, in der sich Europa zur Zeit
befindet, stehen diese Grundelemente in enger Verbindung miteinander.
Wirtschaftliche Vereinigung und gesteigerte Produktionsleistung sind Worte, die wir oft gebraucht haben. Wir haben dabei
nicht immer verstaendlich gemacht, was wir eigentlich letzten Endes
damit meinen. Ich moechte erneut versuchen, ihre Bedeutung fuer
uns klarzulegen. Wenn wir von wirtschaftlicher Vereinigung sprechen, meinen wir die progressive Entwicklung eines einzigen grossen
Absatzmarktes fuer Europa. Dies wuerde bedeuten, dass es einer
europaeischen Hausfrau oder einem Arbeiter, Bauern oder Geschaeftsmann frei stuende, die besten Gueter zu kaufen, die irgendwo in
Europa hergestellt werden und zwar zum niedrigsten Preis, zu dem
sie in Europa erhaeltlich sind. Es wuerde fuer die Hersteller
oder Bauern ausserdem bedeuten, dass sie ihre Erzeugnisse irgendwo
in Europa verkaufen koennen.
Angesichts der Moeglichkeiten, die ein derartiger grosser
Absatzmarkt bietet, waere der europaeische Erzeuger oder Bauer
in der Lage, seine Produktion auf weite Sicht zu planen und zu organisieren. Auf diese Waise koennte er seine Produktionsleistung
steigern und es damit ermoeglichen, mehr 'vVaren zu niedrigen Preisen
zu verkaufen und gleichzeitig bessere Loehne zu zahlen.
Wenn wir von der Notwendigkeit einer Steigerung der Produktionsleistung sprechen, meinen wir damit, dass Arbeitskraefte, Kapital, Maschinen, Rohstoffe und der Faktor Zeit besser verwertet
werden muessen, um mit dem gleichen Aufwand an Anstrengungen mehr
7/aren herstellen und verteilen zu koennen. Hierzu ein Beispiel:
Europas Jahresproduktion belauft sich gegenwaertig auf rund 135
Milliarden Dollar. Wenn in Europa die Leistung pro Arbeitsstunde
und pro Arbeiter die gleiche waere wie in Amerika, so wuerde der
Wert der europaeischen Jahresproduktion 405 Milliarden Dollar ueberschreiten. Wenn sich die europaeische Produktionsleistung nur um
1/3 der Differenz zum amerikanischen Stand steigern wuerde, wuerde
dies bereits eine jaehrliche Erhoehung der Produktion um einen Wert
von 100 Milliarden Dollar bedeuten.
Wenn diese jaehrliche Steigerung der Produktion verwirklicht
werden koennte, waere es moeglich, dass das freie Europa fuer Wiederaufruestungszwecke 40 bis 50 Milliarden Dollar jaehrlich verwenden und gleichzeitig seinen Lebensstandard verbessern kann.
Ich moechte nun nicht behaupten, dass dies ueber Nacht zu erreichen
ist. Zu Anfang und auf kurze Sicht gesehen, duerften die Verteidigungsbemuehungen der Vereinigten Staaten und der freien Nationen
Europas in gewissen Sektoren zu Engpaessen fuehren. Aber auf lange
Sicht gesehen, sehen wir keinen Grund, warum die freien Nationen
Europas und Amerikas nicht in der Lage sein sollten, die Mittel
zur Verteidigung bereitzustellen, mit der eine Aggression verhindert und eine friedliche Zukunft gesichert werden kann, und gleichzeitig den Lebensstandard ihrer Bewohner zu verbessern.
14 -

�Ist eine solche Zielsetzung ungerechtfertigt? Im Jahre 1900
ar die Produktionsleistung pro Arbeiter und pro Arbeitsstunde
n Europa im wesentlichen die gleiche wie in den Vereinigten Staaen. Heute liegt diese Produktionsleistung ungefaehr zwischen
inem Drittel und einem Viertel der der Vereinigten Staaten,
enn damit begonnen wuerde, diesen Abstand zu verringern, duerfte
ierueber niemand gluecklicher sein als der Arbeiter. Gesteigere Produktionsleistung wird nicht nur bedeuten, dass mehr Waren
rzeugt und verkauft werden, sondern dass auch mehr Einkommen fuer
.en Verbrauch zur Verfuegung steht. Sie werden zu wissen wuenschen,
de dieses gesteigerte Einkommen verteilt wird. In allen demokra.ischen Laendern wird heute die Aufgabe der freien Gewerkschaften
verkannt,
einen gerechten Anteil aus den gesteigerten Einkomlen fuer die Arbeiter zu erkaempfen. Ich bin ueberzeugt, dask es
inerkannt wird, dass es ebenfalls Aufgabe der freien Gewerkschaften
.st, mitzuhelfen, dieses erhoehte Einkommen durchzusetzen.
Niemand anders als der Arbeiter hat durch gesteigerte Produkiionsleistung
mehr zu gewinnen, aber auch niemand hat mehr zu
r
erlieren, wenn die Bemuehungen fehlschlagen. Aus allem, was ich
gesagt habe, werden Sie ersehen, dass nach unserer Auffassung die
loehere Produktionsleistung mit einer hohen und stabilen Beschaefiigung und einer sich ausdehnenden Wirtschaft verbunden ist. Und
:war deshalb, weil wir an die ureigene soziale Bedeutung der allgemeinen Entwicklung gesteigerter Produktionsleistung denken. In
lieser Hinsicht schafft sie mehr Arbeitsplaetze, groessere sozia.e Sicherheit, mehr Aufstiegsmoeglichkeiten und ein reicheres und
rielseitigeres Leben.
Manchmal besteht jedoch noch immer die Befuerchtung, dass
loehere Produktionsleistung die Beschaeftigungsmoeglichkeiten verlindern koennte. Es gibt eine Situation, in der sich diese Be'uerchtung bewahrheiten koennte. Diese Situation waere gegeben,
Kenn die Äbsatzmaerkte trotz hoeherer Produktionsleistung beschraenkt
vaeren. Wenn eine derartige Situation eine groessere Arbeitslosigkeit
tach sich zieht, ist es von hoechster Wichtigkeit, dass man den
rehler und die Quelle allen Uebel's sofort erkennt. Der Fehler liegt
In der Einengung der Äbsatzmaerkte und nicht in der Steigerung der
'roduktionsleistung. Wenn Ihre Schuhe zu eng sind, werden Sie
)eim Gehen Schmerzen verspueren. Abhilfe schafft man, indem man
»eitere Schuhe verwendet, aber nicht, indem man stillsteht.
Ich habe hervorgehoben, wie ein hoeherer Lebensstandard und
lie Erweiterung der Äbsatzmaerkte fuer Europa von der hoeheren
Produktionsleistung abhaengig sind. Folglich muss ein Programm
sur Steigerung der Produktionsleistung auf die Erweiterung der Abäatzmaerkte im In- und Ausland abgestimmt sein.
Durch die OEEC und die Europaeische Zahlungsunion, die diese
Organisation schuf, werden wesentliche Fortschritte zur Beseitigung der Zollschranken und zur Erweiterung der Äbsatzmaerkte ersielt. Dieser Mechanismus wurde, wie Sie wissen, von den Regierun;en der Marshallolan-Laender in Zusammenarbeit mit der OEEC und
ait Unterstuetzun* der ECA ins Leben gerufen.
Durch die Europaeische Zahlungsunion koennen die Waehrungen
ier Marshallplan-Laender ausgetauscht werden. In den betreffenden
Jebisten ist bereits die groesste Schwierigkeit der blockierten
Gehrungen, die ursnruenglich durch Hitler und Mussolini populaer
vurden, verschwunden. Ebenso verhaelt es sich mit den Handelsquo;en, einem wirtschaftlichen Aspirin, das die Gunst der Autarkisten
;enoss. Im allgemeinen haben sich die Mitgliedstaaten der Europae- 15 -

�ischen Zahlungsunion mit der Bestimmung einverstanden erklaert,
dass 75% ihrer Importe, die frueher den einschraenkenden Bestimmungen der Handelsquoten unterlagen, in Zukunft nicht mehr diesen Beschraenkungen unterworfen sein sollen.
Ausser der Europaeischen Zahlungsunion und den Massnahmen
zur Beseitigung der Handelsquoten koennen wir als einen weiteren^
hoechst konstruktiven Schritt zur wirtschaftlichen Vereinigung
Europas den Schuman-Plan nennen, mit dem die Kohle- und Stahlquellen von sechs Maechten zusammengelegt werden sollen und der
vor kurzem in Paris paraphiert wurde.
In Amerika ist der Schuman-Plan als ein wichtiger konkreter
Schritt zum Aufbau eines starken und geeinten Europas weitgehend begruesst worden, eines Europas, das in der Lage ist, sich
selbst zu verteidigen, und seinen Menschen wirtschaftlichen Fortschritt zu bieten.
Die Staatsmaenner Frankreichs, Deutschlands, Italiens, Belgiens, Hollands und Luxemburgs sind dazu zu beglueckwuenschen,
dass sie einsichtsvoll und stark genug waren, gegenseitig die
Opfer zu bringen, die notwendig1 sind, um diese wirtschaftliche
Vereinigung zum Wohle Europas zustandezubringen.
ECA Labor Information (OßR 256
INTERNATiaJALES SEKRETARIAT DER LEHRER GEPLANT
Massnahmen zur Errichtung eines internationalen Berufssekretariates fuer Lehrer wurden am 22. April von Delegierten der Gewerkschaftsorganisationen fuer Lehrer getroffen, die am Weltkongress fuer Geistesarbeiter teilgenommen hatten. Die Sitzung begann in Bruessel am 21. April.
Die Lehrer bildeten einen Ausschuss, der die Aufgabe hat,
Informationen ueber gewerkschaftliche Organisationen der Lehrer
zusammenzutragen und sich die Zusammenarbeit bei der Errichtung eines Berufssekretariats zu sichern. Mitglieder des Ausschusses
sind Van der Moertel, Belgien, Irvin R. Kuenzli, Ü.S.A., und Gilbert Walusinski, Frankreich, der die Gewerkschaft Force Ouvri*re
vertritt, die beauftragt ist, die naechste Konferenz der interessierten Organisationen im August dieses Jahres zu organisieren.
Die Lehrer der Welt bilden damit die erste Gruppe Gewerkschafter, die positive Schritte unternommen haben, um das Programm
fuer die Weltorganisation der Geistesarbeiter durchzufuehren, das
auf dem Weltkongress in Bruessel festgelegt wurde. Der Weltkongress hatte den Anschlug an bereits bestehende Berufssekretariate
oder die Organisation neuer Sekretariate dort gefordert, wo bis
jetzt- noch keine bestanden.
Zwei internationale Lehrerorganisationen waren auf der Konferenz in Bruessel vertreten: Die Internationale Foederation der
Lehrergewerkschaften und der Internationale Verband der- Hochschullehrer. Die amerikanische Lehrergewerkschaft ist diesen beiden
Organisationen angeschlossen.
Eine dritte internationale Organisation, die nicht-gewerkschaftliche organisierte Weltorganisation der Lehrer, duerfte ebenfalls aufgefordert werden, sich dem geplanten Berufssekretariat anzuschliessen, damit alle Lehrer der Welt von einem Sprecher bei
der Unesco und anderen Weltorganisationen vertreten werden koennen.
ECA Labor Information LI 613
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mittflieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
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IV - 18

Frankfurt, 4... Mai 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Amerikanische Studie ueber Arbeitnehmer-ArbeitgeberBeziehungen im Ausland - - - - - - - - - - - - - -

1

Wahre Worte einer aegyptischen Zeitung

- - - - - - -

2

- - - - - - - -

3

Amerikanische Stimmen zur Mitbestimmung - - - - - - -

6

Die Arbeitspolitik in Sowjetrussland

Der amerikanische Eisenbahnerstreik von der gewerk- f
schaftlichen Seite gesehen - - - - - - - - - - - 8
Die 1. Mai-Idee stammt aus dem "kapitalistischen"
Amerika
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 0
Das Wohnbauproblem in Frankreich

- - - - - - - - - -

n.

Amerikanische Gewerkschaften protestieren gegen die
Einwanderung mexikanischer Arbeiter

-------13

New Yorker Gewerkschaftsrat plant Bildungslehrgang
Das Los der Arbeiter hinter dem Eisernen Vorhang

- 15
- - 16

AMERIKANISCHE STUDIE ULBSR ARBEITNEHMER-ARBEITGl^SR-BEZIEKUNGEN
IM AUSLAND"
Die Bedingungen, unter denen sich die Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in Gross-Britannien, Frankreich und Schweden entwickelt haben, bilden Gegenstand einer Abhandlung, die vor kurzem vom Forschungsausschuss fuer Wirtschaftliche Sicherheit in Chikago veroeffentlicht wurde.
Die Geschichte dieser Laender, heisst es in dem Bericht, spiegelt die drei Moeglichkeiten der gewerkschaftlichen Entwicklung
- 1-

�wider. Das englische Beispiel zeigt die Entwicklung einer LabourPart9i, mit deren Hilfe die Gewerkschaften in der Lage sind, ihren
politischen, sozialen und wirtschaftlichen Forderungen Nachdruck
zu verleihen.
In Frankreich sehen wir die Entwicklung einer "Volksfront",
die sich nicht nur auf den Industriearbeiter, sondern auch auf den
Bauern, den Geistesarbeiter und den Geschaeftsmann erstreckt.
In Schweden dagegen haben sich stark zentralisierte Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen entwickelt.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung, so berichtet der
Ausschuss, koenne innerhalb der Regierung niemals die gleiche Bedeutung erlangen wie die Gewerkschaften in Frankreich und GrossBritannieh.
Auch das Unternehmertum sei als zentrale TarifVerhandlungspartei weniger organisiert als die Arbeitgeber in den drei obengenannten Laendern.
Die Abhandlung ueber 'Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehnern gehoert zu einer Reihe von "Studien ueber Soziale Sicherheit im Ausland", die von dem Forschungsausschuss fuer
Wirtschaftliche Sicherheit veroeffentlicht wurden. Der Vorsitzende
des Ausschusses, Gerhard Hirschfeld, erklaert in diesem Zusammenhang: "Welche Form der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern sich in unserem eigenen Lande auch entwickeln
wird, sie wird ausgesprochen amerikanisch mit eigenen charakteristi
sehen Merkmalen, Abaenderungen und Angleichungen sein. Aber ungeachtet dieser amerikanischen Form wird der Einfluss der Regierung
immer vorherrschend sein, wenn sich eine Labour-Partei oder eine
Volksfront entwickelt. Wenn dagegen die Entwicklung dem schwedischen Beispiel folgt, wird die Rolle der Regierung von geringerer
Bedeutung sein."
Der Forschungsausschuss ist eine aus privaten Mit.teln finanzierte Forschungs- und Bildungsorganisation, die ausschliesslich
Studien ueber Probleme sozialer .und wirtschaftlicher Art gewidmet
ist. Sie hat in den letzten fuenf Jahren ueber 80 Abhandlungen
ueber verschiedene Aspekte der sozialen Sicherheit veroeffentlicht,
die von der Industrie, den Gewerkschaften, den Universitaeten und
Gemeinschaftsgru?pen des ganzen Landes verwendet werden.
Labor Information Bulletin

17/51
WAHRE WORTE EINER ÄGYPTISCHEN ZEITUNG
Ein Ereignis in Aegypten ist von fast allen amerikanischen
Zeitungen uebsrsehen worden und wurde selbst in der "New York
Times" nur beilaeufig erwaehnt, die sich ruehmt, alle Nachrichten
aus dem Ausland zu bringen. Und doch ist diese Mitteilung fuer
jeden von grosser Bedeutung, der den Wunsch hat, die Welt fuer
die Demokratie zu retten.
Die mutige aegyptische Zeitung "Akhbar El Yom" setzte sich
ueber die Zensur hinweg und veroeffentlichte einen Leitartikel,
in dem sie erklaert, dass die "verschwenderische Lebensweise" der
Grossagrarier Ägyptens hauptsaechlich fuer das Anwachsen des Kommu
nismus in diesem Lende verantwortlich sei.
- 2-

�Aegypten war einst eine grosse Nation und hat eine "reiche
Geschichte", heisst es in dem Artikel weiter. Was die ganze
Welt jedoch jetzt von Aegypten hoert, sind lediglich Berichte
ueber die grossen Ausgaben wohlhabender Aegypter auf ihren Reisen
ins Ausland. Inzwischen "bildet die weite Kluft zwischen dem
Reichen und dem Armen den Ansatzpunkt fuer den Kommunismus in
Aegypten. Die Reichen besitzen den groessten Teil des Bodens.
Die Fellachen bearbeiten ihn fuer unglaublich niedrige Loehne.
Das durchschnittliche Jahrsseinkommen in Aegynten betraegt weniger als 45 Dollar."
"Der scharfe soziale und wirtschaftliche Klassenkontrast
und die ungeheure Armut der Massen ist eine offene Einladung an
den Kommunismus, hier seine Zersetzungsarbeit zu starten."
Es ist eine Genugtuung im fernen Aegypten eine Zeitung zu
sehen, die etwas sagt, was in der amerikanischen Gewerkschaftszeitung "Labor" haeufig betont wurde: dass Armut und wirtschaftliche Ungerechtigkeit und insbesondere das feudale Grossagrariertum den Naehrboden bilden, auf dem dir- Kreml seine Saat des Kommunismus pflanzen und zuechten kann.
Kein Land, das seinen Menschen einen anstaendigen Lebensstandard und irgendeine Hoffnung auf eine bessere Zukunft bietet,
braucht die Kommunisten zu fuerchten. Sie haben nur dort Chancen,
wo heute Armut ist und fuer morgen keine Hoffnung besteht. Mit
anderen Worten nur dort, wo, wie in Aegypten, eine Welle der
Niedergeschlagenheit ueber das Volk hereingebrochen ist. Und
AegyDten ist nicht das einzige Land, wo dies der Fall ist.
Selbst das grosse und reiche Amerika kann es sich niemals
leisten, diesen Lehrsatz zu vergessen.
Labor IV/21/51
DIE ARBEITSPOLITIK IN SOW JETRUSS LAND
Die Arbeitspolitik, die die Sowjetregierung im Jahre 1929
singefuehrt und bis heute fortgesetzt hat, ist durch "Peitschen
.ind Zuckerbrot" gekennzeichnet. Zugesteendnisse, Belohnungen
and Vorrechte sind den besten Facharbeitern vorbehalten, waehrend
lie Mehrheit durch die Peitsche des Hungers und der Bestrafung
ingetrieben wird.
Mit diesen Worten beschreibt Wladimir Gsowski die sowjetische
^rbeitsoolitik, der auf diesem Gebiet ein Experte ist und als
..eiter der Abteilung fuer Rechtswesen im Ausland in der Kongress&gt;uecherei in Washington taetig ist. Im "Monthly Labor Review"
lat er in zwei Artikeln die sowjetische Arbeitsgesetzgebung ana.ysiert. Dr. Gsowski beginnt seinen Artikel, indem er eine sowjetische Behoerde zitiert, die im Jahre 1920 folgendes schrieb:
'Sow'etrussland
weiss nichts von irgendeinem Arbeitsvertrag oder
r
on irgendwelchen gesetzlichen Beziohungen, die im allgemeinen
;it dem Begriff des Arbeitsvertrages verbunden sind. Pflicht
.st in Sowjetrur-sland die Grundlage der Arbeitsbeziehungen."
Der russische Arbeiter hat mit anderen Worten keine Rechte,
ondern nur Pflichten. Diese Auffassung hat zum Erlass einiger
rbeitsgesetze gefuehrt, die, Dr. Gsowski zufolge, "bestrafenden
nd keinen schuetzenden Charakter" haben.
- 3 ^

�Er faehrt mit der Feststellung fort, dass die Beziehungen
zwischen dem einzigen Arbeitgeber, naemlich dem Staat, und den
Arbeitern in Russland genau festgelegt und statisch \md nicht wie
in demokratischen Laendern fluessig sind.
"Behoerden der Regierung, die sich geschaeftlich betaetigen,
arbeiten auf "kommerzieller'' Basis und erfreuen sich einer formellen Unabhaengigkeit. Sie gehen miteinander Vertraege ein. Aber
vorgesetzte Dienststellen legen ihrer Unabhaengigkeit endgueltige
Beschraenkungen auf, ohne die fortgesetzte Kontrolle durch die
Geheimpolizei und die kommunistische Partei zu erwaehnen."
Dr. Gsowski erklaert ferner, dass es unter dem sowjetischen
System keinen garantierten Mindestlohn gibt. Es bestehen grosse
Unterschiede in Bezug euf Loehne und Praemien, die den Zweck haben,
den Wettbewerb und die Leistungsfaehigkeit anzuregen. Der Arbeiter muss eine'bestimmte Leistungsnorm erreichen. Wenn ihm dies
nicht gelingt, wird sein Lohn gekuerzt, und er wird nach der Menge
und Qualitaet seines Ausstosses bezahlt. Praemien sind fuer diejenigen bestimmt, die die normalen Leistungsnormen ueberschreiten.
Dr. Gsowski erklaert in diesem Zusammenhang: "Unter solchen
Verhaeltnissen ist es offensichtlich, dass es ebenso leicht zu
Konflikten kommen kann wie in einem kapitalistischen Staat. Unter dem sowjetischen Regime besitzt die Arbeiterschaft jedoch
nicht jene wirksame Waffen, mit denen sie sich, wie in der kapitalistischen Welt, zu schuetzen vermag."
Stalin erklaerte im Jahre 1934: "Die gleiche Berechtigung
in bezug auf Forderungen und persoenliches Leben ist reaktionaer
und kleinbuergerlicher Unsinn."
Die grossen Unterschiede in den Loehnen, die an die zahlreichen Kategoiien der Arbeiter gezahlt werden, haben sich jedoch zusammen mit den grossen materiallen Belohnungen fuer Tuechtigkeit
und Schnelligkeit als ungenuegenden Anreiz zu guter Arbeit erwiesen
Deshalb hat das Regime schwere Strafen fuer Abwesenheit vom Arbeits
platz und zu geringe Arbeitsleistung angedroht. Dr. Gsowski nennt
einige dieser Strafen: "Die Unternehmer koennen die Arbeiter bestrafen, wenn sie am Arbeitsplatz "herumlungern". Bei Abwesenheit
und Verlassen des Arbeitsplatzes ohne Genehmigung werden sie gerech
lieh verfolgt. 10 bis 25 Jahre Zwangsarbeitslager mit oder ohne
Konfiszierung des Eigentums koennen fuer Diebstahl von Regierungseigentum oder des ihrer Behoerden verhaengt werden. Beschaedigungen von Werkzeugen, Rohstoffen, Brennstoff und selbst an der Arbeitskleidung werden, wenn sie durch die Nachlaessigkeit des Ar-)
beitnehmers verursacht sind, mit Abzuegen von Lohn bestraft, die
unter Umstaenden das zehnfache des Wertes des beschaedigten Gegenstandes ausmachen koennen."
"Mit zwoelf Jahren koennen Kinder in Betriebs-*- und Berufsschulen eingewiesen werden, in denen militaerische Disziplin herrscht.
Ein Arbeiter, der mehr als 20 Minuten zu spaet zur Arbeit kommt,
,kann entlassen werden. Der Arbeiter darf seine Beschaeftigung nict
ohne Erlaubnis aufgeben, und wenn er es trotzdem tut, kann er mit
Gefaengnis bis zu vier Monaten und in Ruestungsindustrien bis zu
acht Jahren bestraft werden. In einigen Irdustriezweig'en kann der
Unternehmer,ohne das Gericht zu verstaendigen, Gefeengnisstrafen bj
zu £0 Tagen verhaengen. Maennliche und weibliche Arbeitskraefte
koennen zur Ausbildung in Berufsschulen herangezogen werden und
muessen danach in Fabriken arbeiten, die vom Ministerium fuer Arbeitskraftreserven bestimmt werden. Akademiker haben nach Verlasse
der Universitaet nicht das Recht, ihren Arbeitsplatz selbst auszusi
- 4-

�Dr. Gsowski zitiert sowjetische Behoerden, um zu zeigen,
dass, wie Dogadow im Jahre 1949 schrieb, "in einem sozialistischen
Staat kein Unterschied in Prinzip und Qualitaet zwischen verpflichteten und freiwilligen Arbeitskraeften besteht."
Betriebsleiter in staatseigenen Betrieben sind aehnlichen
schweren Strafen unterworfen, wenn sie keinen Gewinn aufweisen
und die Quoten des Fuenf jj&amp;hresplanes nicht erfuellen koennen.
Deshalb treiben sie ihre Arbeiter bis zur Grenze menschlicher Ausdauer an. Den Arbeitern steht keine Zuflucht offen, sagt Dr.
Gsowski, weil "alle Einrichtungen, mit denen die Arbeiter in einer
demokratischen Welt ihre Ziele verteidigen koennen, wie z.B. Gesetzgebung, Gerichte, Verwaltungsbehoerden, Presse und Gewerkschaften, in Sowjetrussland immer Behoerden des Arbeitgebers, d.
h. des Staates sind. Gewerkschaften werden als eine Waffe der
Regierung betrachtet, und sie dienen ausschliesslich deren Interessen. "
Das Zentralkomitee der sowjetischen Gewerkschaften wurde im
Jahre 1933 offiziell zur Regierungsorganisation erklaert. Damit
war die Beseitigung der letzten'Spur gewerkschaftlicher Unabhaengipkeit und des repraesentativen Charakters der Gewerkschaften, selbst
nach der Auffassung der sogenannten "sowjetischen Demokratie",
besiegelt. Das Gesetz schreibt vor, dass dieses Komitee vom Kongress der Gewerkschaften gewaehlt werden muss, aber nach 1932
wurden 17 Jahre lang keine derartigen Kongresse mehr abgehalten.
Als ein Kongress im Jahre 1949 zusammengerufen wurde, gab es keinerlei Erklaerung fuer diese Verzoegerung; der Kongress war eine
erneute Bestaetigung der Tatsache, dass die gesamte Kontrolle
ueber die Regierung und die Gewerkschaften in den Haenden der
kommunistischen Partei liegt, und dass es die Aufgabe der Gewerk3Chaften ist, die Produktion zu steigern. Der Passus "die Pflicht,
iie Interessen des arbeitenden Volkes wahrzunehmen," der im Jahre
L922 akzeptiert worden war, wurde nicht in die Satzungen aufgenommen, die vom Gewerkschaftskongress im Jahre 1949 gebilligt wurden.
"TarifVerhandlungen, die im Arbeitsgesetz von 1922 vorgesehen
varen, wurden im Jahre 1933 fuer ueberholt erklaert. Im Rahmen
ler ruecksichtslosen Unterwerfung verwischten die sowjetischen
?uehrer die letzten Spuren von Vertraegen in den Beziehungen zwischen den kommunistisch beherrschten Gewerkschaften und den dem
Staat unterstellten Unternehmern. Im Jahre 1947 wurde jedoch befohlen, neue Tarifvertraege abzuschliessen. Diese neue Politik
var jedoch weit davon entfernt, neue freie Tarifverhandlungen einsufuehren. Die neuen Bestimmungen besagen, dass Loehne, Stueck.ohntarife und Praemien, wie sie von der Regierung festgelegt sind,
Ln die Tarifvertraege aufgenommen werden muessen. Lohnfragen sind
&gt;ei
den Tarifverhandlungen ausgeschlossen. Die Bestimmungen der
r
ertraege sind als Verordnungen anzusehen."
Dr. Gsowski weist sodann darauf hin, dass das Arbeitsgesetz
on 1922 niemals offiziell widerrufen wurde. Nach der totalitaeren
Ulffassung von den Befugnissen einer Regierung kann ein Gesetz und
leibst eine Bestimmung der Verfassung durch einen Erlass der Verwaltungsbehoerden ausser Kraft gesetzt werden.
r

In der sogenannten "Stalin"-Verfassung aus dem Jahre 1936 war
;.B. der siebenstuendige Arbeitstag vorgesehen. Im Jahre 1940
rurde jedoch vom Obersten Sowjet der Acht-Stundentag durch Erlass
ngeordnet. Die Verfassung wurde jedoch erst sieben Jahre spaeter
n diesem Sinne abgeaendert. In Wirklichkeit arbeiten die russi- 5-

�sehen Arbeiter natuerlich laenger als acht Stunden am Tage, aber
Ueberstunden werden angeblich auf "freiwilliger" Basis geleistet.
Unter einem Regime, in dem die Gesetze und selbst die Verfassung von irgendeiner Zentralbehoerde der Regierung abgeaendert
werden koennen, haben die Gesetze keine wirkliche Gewalt und
keinen Wert, sie bieten den Buergern keinen Schutz.
Ebenso ist ein System, das dem Betriebsleiter gestattet,
einen Arbeiter auf 20 Tage ins Gefaengnis zu schicken, weil er sich
weigert, eine andere Arbeit anzunehmen, ein System der Sklaverei.
Die Artikel Dr. Gsowskis in "Monthly Labor Review" stuetzen
sich auf offizielle sowjetische Dokumente, die meistens zitiert
werden. So ist die Geschichte dessen, was sich bei den sowjetischen Arbeitern ereignet hat, nicht nur von Tausenden von Fluechtlingen aus Laendern hinter dem Eisernen Vorhang, nicht nur von
Feinden des Kommunismus allein, sondern auch in der unverbluemten
Sprache der kommunistischen Fuehrer wiedergegeben.
Dr. Gsowski behandelt in seinen Artikeln nicht das Thema
Zwangsarbeitslager. Er erzaehlt nur von der sogenannten "freien"
Arbeiterschaft in Sowjetrussland. Er beweist in ueberzeugender
Weise, dass selbst die russischen Arbeiter ausserhalb der Zwangsarbeitslager von der Freiheit, wie wir sie in demokratischen Laendern kennen, weit entfernt sind.

In diesem Sinne haben die sowjetischen Gewerkschaften am 1.
Mai die Siege feiern muessen, als die Arbeiter zum Roten Platz
gefuehrt wurden, wo sie das Lob fuer ihre Fuehrer und fuer alles,
was sie fuer sie getan haben, hinausschreien muessen. Diese sklavischen Arbeitsbedingungen moechten die Kommunisten nur allzu gern
auch der uebrigen Welt auferlegen.
Program Services Section IV/18/5
AMERIKANISCHE STIMMEN ZUR MITBESTIMMUNG
Die Debatten im westdeutschen Parlament und die Massnahmen
des Bundestages zur Mitbestimmung in der Stahl- und Kohleindustrie
haben in den Vereinigten Staaten lebheftes Interesse erweckt.
Im allgemeinen sehen interessierte Amerikaner in der Mitbestimmung eine neue zur Stellungnahme herausfordernde Idee, die
Meinungen selbst sind jedoch verschieden. Die Gewerkschaften nehmen in dieser Frage im allgemeinen eine fuer den deutschen Arbeiter
guenstige Haltung ein, auf die Geschaeftswelt dagegen hat die Nachricht von der Einfuehrung des Mitbestimmungsrechtes alarmierend
gewirkt, und politische Wissenschafter sind der Ansicht, dass sehr
vieles zu den Argumenten beider Seiten zu sagen weere.
Offiziell haben die Vereinigten Staaten in Uebereinstimmung
mit ihrer traditionellen Methode, jede Einmischung in die inneren
Angelegenheiten anderer Laender zu vermeiden, eine objektive und
unparteiische Haltung gezeigt. Die amerikanischen Besatzungsbehoer
den genehmigten, dass das in seinen Konsequenzen aehnliche Betriebs
raetegesetz versuchsweise in Hessen und Wuerttenberg-Baden eingefuehrt wurde, als vor einem Jah in diesen Laendern hierauf gedrungen wurde. Der Hochkommissar John J. McCloy ist der Auffassung,
dass die Mitbestimmung ein Problem ist, ueber das die westdeutsche
Demokratie selbst entscheiden muss.
- 6-

�Die amerikanischen Wirtschafts- und Handels-Veroeffentlichungen haben sich in Leitartikeln gegen die westdeutschen gewerkschaftlichen Forderungen zur Verwirklichung des Mitbestimmungsrechtes mit der Begruendung gewendet, dass eine ununterbrochen
leistungsfaehige Betriebsleitung auf dieser Basis unmosglich waere,
und sie haben versichert, dass die Gewerkschaften zwar die erforderliche Autoritaet, aber nicht die im Vergleich hierzu ebenso
wichtige finanzielle Verantwortung besaessen. Die Nationale Unternehmervereinigung (KAM)) eine private Organisation von Geschaeftsleuten, hat kuerzlich die Warnung ausgesprochen, dass
s^ch die amerikanischen Investoren wahrscheinlich weigern würden,
Geld in der deutschen Industrie zu investieren, wenn das Mitbestimmungsrecht auf breiter BasLs verwirklicht wuerde.
Die Gewerkschaften dagegen befuerworten im allgemeinen die
neue Idee, wobei die katholischen Gewerkschaftszeitungen, die
darin einen Mittelweg zwischen Sozialisierung und freier Wirtschaft sehen, die staerksten Anhaenger der Mitbestimmung sind.
Die Frage der Mitbestimmung war jedoch fuer die amerikanischen Gewerkschaften insofern kein brennendes Problem, als sie
niemals besonders bedacht darauf waren, Funktionen der Unternehmer
zu uebernehmen, soweit es sich nicht um Loehne, Arbeitszeit und
Arbeitsbedingungen handelt. Auf diesen Gebieten hatten die amerikanischen Gewerkschaften bekanntlich besonders grosse Erfolge,
indem sie die Unternehmer zwangen, ihren Forderungen stattzugeben.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben sich dagegen fuer die
Schaffung sogenannter nIndustrieraeten eingesetzt, die den in
Deutschland im Rahmen des Mitbestimmungsrechtes vorgeschlagenen
Aufsichtsraeten aehnlich sind. Auch sie bestehen aus elf Mitgliedern, von denen fuenf von den Gewerkschaften und fuenf von den
Aktionaeren ernannt werden, waehrend das elfte Mitglied von den
zahn anderen zum Vorsitzenden gewaehlt wird.
Die Forderung der deutschen Gewerkschaftsbewegung auf Mitbestimmung wurde von dem Europavertreter des CIO, Victor C. Reuther,
nachdruecklich unterstuetzt, der vor kurzem sein Buero in Paris,
Boulevard Haussmann Nr. 32, eroeffnete.
"Nach den bitteren Erfahrungen der Nazizeit," so erklaerte
Reuther in einer offiziellen Verlautbarung, "sind wir der Ueberzeugung, dass die deutschen Arbeiter berechtigt sind, eine genuegende demokratische Kontrolle ueber die Leitung ihres eigenen innerdeutschen Wirtschaftslebens zu verlangen, um sich gegen die
Machtgier einer selbstsüchtigen Minderheit deutscher Grosskapitalisten zu schuetzen, deren Einstellung zur Demokratie, um es
milde auszudruecken, zum mindesten aeusserst verdaechtig ist."
Gleichzeitig beschuldigte Reuther die Nationale Unternehmervereinigung Amerikas ihrer "reaktionaeren Launen" in ihrer Kampagne
gegen das Mitbestimmungsrecht. "Diese Vereiniggung", erklaerte er,
"spricht weder in dieser Angelegenheit noch in anderen fuer das
amerikanische Volk. Und sie spricht gewiss nicht fuer die 16 Millionen Arbeiter, die ia CIO und der AFL organisiert sind und die fuer
die freie Gewerkschaftsbewegung Europas den Wunsch haben, dass sie
ihre eigenen Wege zur Verwirklichung einer wirtschaftlichen Demokratie geht."
"Das amerikanische Volk," fuhr Reuther dann fort, "hat den
verantwortungsbewußten Standpunkt eingenommen, dass es die Ver- 7-

�pflichtung hat, den durch den Krieg verwuesteten und wirtschaftlich
unterentwickelten Gebieten der Welt zu helfen. Wir sehen in dieser
Verpflichtung eine natuerliche Folge unserer bevorzugten wirtschaftlichen und geographischen Lage. Wir glauben nicht, dass
wir das Recht haben, von der uebrigen Welt zu verlangen, dass sie
als Gegenleistung fuer die wirtschaftliche Hilfe das amerikanische
Beispiel der wirtschaftlichen Neuorganisation
als Vorbild ansieht.
Wir betrachten diese Hilfe nicht als eine T«Vohltaetigkeit, sondern
als eine kluge Investierung fuer den V/eltfrieden."
"Wir muessen auf die
N Abschliessend sagte Victor Reuther:
verstaendnisvolle Einsicht der europaeischen Arbeiter rechnen,
zwischen den reaktionaeren Launen der Minderheit einer Unternehmervereinigung und der Entschlossenheit des amerikanischen Volkes zu
unterscheiden, den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Welt zu unterstuetzen, ohne den freien Voelkern vorschreiben zu wollen, wie sie
ihr Leben im einzelnen innerhalb des Rahmens dieser erforderlichen
Freiheit gestalten sollen."
Wirtschaftspolitiker der Vereinigten Staaten haben im allgemeinen eine unparteiische und beobachtende Haltung eingenommen.
Einige von ihnen haben jedoch auf einige etwaige Gefahren des Mitbestimmungsrechtes hingewiesen. Sie meinen, dass es sowohl von
Unternehmern als auch von Arbeitern bewusst missbraucht werden
koennte, wenn sie sich zu ihrem eigenen Vorteil auf Kosten der Verbraucherschaft zusammenschliessen. Sie erklaeren ausserdem, die
Mitbestimmung koenne den Weg zum Staendestaat ebnen und ihn damit
totalitaeren Maechten von rechts oder links in die Kaende spielen.
Labor News from the US
17/27/51
DER A?FERIKANISSHE EISENBAHNIRSTRBIK VCN DER GEWERKSCHAFTLICHEN
SEITE GESEHEN
Der erste einer Serie Artikel, die in Gewerkschaftszeitungen
unter der Ueberschrift "Warum Eisenbahnarbeiter krank werden", erscheint, wird in der Mai-Ausgabe des "Liberty Magazine" veroeffentlicht.
Diese Zeitschrift hat sich neuerdings vorgenommen, auch
den Gewerkschaften die Moeglichkeit zu geben, ihren Standpunkt vor
der Oeffentlichkeit zu vertreten.
Dieser Artikel ueber die Eisenbahnarbeiter, der von einem
langjaehrigen Reporter fuer Gewerkschaftszeitungen, Rüben Levin,
verfasst ist, stellt einen genauen Bericht ueber die letzten Ereignisse dar, die bereits zu einer Kontroverse der Vergangenheit geworden sind. Levin schreibt in erster Linie fuer "Labor", die
nationale Wochenzeitschrift von 15 Eisenbahnergewerkschaften. Er
ist Vorsitzender der Ge-werkschaftspressevereinigung, eines Nachrichtendienstes auf genossenschaftlicher Grundlage im Dienst der gewerkschaftlichen Presse der Vereinigten Staaten.
Sine eingehende Diskussion ueber die Probleme, die zu dem beröchtigten "Krankwerden" der Eisenbahner fuehrten sowie die Vorschlaege fuer eine etwaige Loesung der chronischen Probleme der
Eisenbahnarbeiter ergaenzen diesen Artikel in der letzten Ausgabe
von "Labor", mit dem zum ersten Mal' eine oeffentliche Kontroverse
in einer allgemeinen Veroeffentlichunar von den Gewerkschaften besprochen wird.
- 8-

�"V/a ehrend die "Krankheit" der Eisenbahner ein Leiden ist,
das in keinem medizinischen Lexikon zu finden ist," weist Levin
darauf hin, dass es "ausser Frage stuende, dass die Eisenbahnarbeiter wegen der langen und endlosen Verzoegerung in" ihren Lohn- .
forderungen krank, veraergert und enttaeuscht waren."
Trotz einer hysterischen Propaganda, trotz Geldstrafen und
Drohungen mit den Verlust des Arbeitsplatzes fuehrten die Eisenbahner einen Kampf, der, wenn ihre Lebensbedingungen nicht wesentlich verbessert werden, sich wahrscheinlich nur als eiro von
vielen Streitigkeiten erweisen wird.
Die Kontroverse mit den Eisenbahnarbeitern enthaelt zahlreiche ,/idersprueche, zu denen nicht zuletzt die Tatsache gehoert,
dass die Tarifverhandlungen in Uebereinstimmung mit dem Arbeitsc,esetz fuer Eisenbahnen gefuehrt wurden, das fuer lange Zeit als
ein Musterbeisoiel dieser Art Gesetzgebung galt.
Den Gewerkschaften zufolge liegt der Fehler nicht am Gesetz.
Der Vorsitzende David B. Robertson, .der heissbluetige Fuehrer der
Lokonotivfuehrer- und Heizergewerkschaft, wies auf einen der wesentlichsten Punkte hin, der nicht nur fuer die Schwierigkeiten
des Zugpersonals bezeichnend ist. "Es gibt zu viele Anwaelte,
die die Eisenbahngesellschaften bei Tarifverhandlungen vertreten,"
sasrte Robertson. "Was wir brauchen, sind weniger Anwaelte und mehr
Leute am Konferenztisch, die praktisch arbeiten, Leute, die sich
von unten emporgearbeitet haben,und die Probleme der Eisenbahner
genau kennen. Wir muessen zu der sogenannten "Rengiernethode"
zurueckkehren, d.h. zu einer Sprache und zu einer Verbandlungsmethode, die die Arbeiter verstehen und die weniger Zweideutigkeiten
enthaelt."
Viele hatten gehofft, dass die Uebernahme der Eisenbahnen
durch die Regierung ein Schritt zur baldigen Loesung dieses Problemes sei. Warum dies nicht der Fall war, ist, Levin zufolge, am
besten von Senator Wayne Morse erklaert worden, der den Sitzungen
des Senatsausschusses fuer Arbeitsfragen beigewohnt hatte, als
diese Frage zur Debatte stand.
"Diese Uebernahme durch die Regierung ist eine Farce," sagte
Morse, "die das Weisse Haus auf die Seite der.Eisenbahngesellschaften stellt."
"Bei einer wirklichen Uebernahme," fuegte er hinzu, wobei ihm
die Eisenbahngewerkschaften zustimmten, "wuerden die Eisenbahngesellschaften doch eine gerechte Abfindung fuer die Benutzung ihres
Eigentums erhalten, und den Arbeitern waere eine gerechte Beilegung dieses Streitfalles sicher. Dies wuerde fuer beide Partner
9in Ansporn sein, sich gegenseitig zu einigen."
Aber selbst eine andere Art der Uebernahme wuerde nicht garantieren, dass die Eisenbahner ihre Arbeit nicht niederlegen. Es
?aebe andere Faktoren, die sich im Laufe der Jahre angehaeuft
laetten und wesentlich zum "Krankwerden" der Eisenbahner beigetragen haetten. "Es ist einmal die nachlassende Tuechtigkeit jener
Leute, die das Eisenbahnarbeitergesetz verwalten. Zu oft sind
Experten in Arbeitsfragen durch politische Nichtskoenner ersetzt
vorden. So sind z.B. die Untersuchungsausschuesse von der Regierung wiederholt mit Leuten besetzt worden, die wenig oder ueberlaupt nichts von ArbeitsProblemen und noch weniger von den komplizierten .Arbeitsbestimmungen der Eisenbahnen verstehen."
- 9 -

�"Auch der Faktor Brot und Butter ist wesentlich," sagt Levin.
"Vor noch nicht allzu langer Zeit waren hiisenbahnarbeiter und vor
allem solche im Zug- und Maschinendienst "Aristrokaten" der Arbeit.
Ihre Loehne waren fast die besten aller Loehne in den wichtigsten
Industrien. Aber hieran hat sich im letzten Jahrzehnt vieles geaendert. Die Flut der gewerkschaftlichen Organisation in den Industrien der Massenproduktion, die haeufig von Streiks begleitet war,
hat zu krassen Lohnerhoehungen gefuehrt. Die Eisenbahner sind
jedoch weit zurueckgeblieben und in der Lohntabelle immer tiefer
herabgesunken."
Liberty Magazine
IV/26/51
DIE 1. MAl-IDEä STAMMT AUS DEM "KAPITALISTISCHEN" AMERIKA
Die Kommunisten der Welt mussten am 1. Mai in einer Rundfunksendung der "Stimme Amerikas" erfahren, dass die Idee der modernen
Maifeier aus dem "kapitalistischen/' Amerika kommt.
"Der 1. Mai," hiess es in der Sendung, "hat seinen Ursprung
in den Vereinigten Staaten als ein Tag, an dem die Erfolge gefeiert werden, die die Arbeiter erringen konnten, und an dem ihre
Kraefte fuer die weiteren. Bemuehungen um sozialen Fortschritt mobilisiert werden. Seine Idee bedeutet Freiheit vor Furcht vor dem
Arbeitgeber, Freiheit vor der Furcht vor Arbeitslosigkeit und Hunger, Freiheit vor Furcht vor dem Staat und der Polizei." In der
"Stimme Amerikas" wurden Sonderbotschaften des Arbeitsministers
Tobin,.des Vizepresidenten der AFL Matthew Woll und des Sozialistenfuehrers Norr;an Thomas uebertragen.
"Der 1. Mai als Feiertag der Arbeit," erklaerte Woll, "fuehrte
sich im Jahre 1886 in Amerika in Verbindung mit den Kaemnfen um den
Achtstunden-Tag ein." In einer Botschaft an die versklavten Arbeiter hinter dem Eisernen Vorhang versicherte Woll, dass "sie unserer
Freundschaft, unserer Sympathie und Solidaritaet gewiss sein koennen,
Wir ersehnen, dass wir den Tag Eurer Befreiung erleben."
Woll und Thomas brachten die.Hoffnung zum Ausdruck, dass die
Arbeiter in Laendern, die jetzt unter kommunistischer Kontrolle
stehen, eines Tages ebenso frei den 1. Mai feiern koennen wie die
Arbeiter in Amerika.
Tobin forderte die Sowjetunion auf, "eine Tat des guten Willens zu vollbringen" und dem russiscnen Volk das "Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung, das ihnen Gott verliehen hat, zurueckzugeben." Er erinnerte an den "historischen guten Willen der Zusammenarbeit" zwischen Amerikanern und den Voelkern Russlands, an dem
auch die russischen Machthaber nichts aendern koennten. Tobin erklaerte, dass die Kommunisten den Sinn des 1. Mai entstellt und
damit ungewollt der freien Welt warnend gezeigt haetten, "wie eine
grosse Nation zum Spielball einer eigensinnigen Gruope Aggressoren
geworden ist, die Freiheit und Anstaendigkeit euf der ganzen Welt
zerstoeren moechte."
In Moskau fand eine riesige Parade der sowjetischen Heeresund Luftstreitkraefte statt. In einer Rede an die versammelten
Trunpen auf dem Roten Platz erklaerte der Kriegsminister Alexander
iassilewski, dass die Vereinigten Staaten einen dritten Weltkrieg
vorbereiteten, alle Friedensangebote der Sowjets zurueckgewiesen
hatten, und dass die sowjetische Politik darauf gerichtet sei, den
- 10

�Krieg zu verhindern und den Frieden zu wahren. Er sagte, die Vereinigten Staaten haetten den Krieg in Korea provoziert.
In Berlin wurden kaum zwei Kilometer voneinander entfernt,
zwei Massenkundgebungen voellig verschiedener Art abgehalten. In
Ost-Berlin wohnten etwa 500.000 Menschen der Kundgebung der Sowjetzone im Lustgarten bei, der jetzt den Namen "Marx-Engels-Platz"
traegt. Herbert Warnke, der kommunistische Gewerkschaftsfuehrer,
erklaerte, dass die "Remilitarisierung Deutschlands Krieg bedeute,"
und dass die "Gefahr eines Krieges niemals so gross gewesen sei
wie jetzt." Mehr als 600.000 antikommunistische West-Berliner
versammelten sich vor dem zerstoerten Reichstagsgebaeude, um ihrer
Entschlossenheit dem sowjetischen Imperialismus zu widerstehen,
Ausdruck zu geben. Zu den Sprechern gehoerten auch Buergermeister
Ernst Reuter, Victor Reuther von der Automobilarbeitergewerkschaft
des CIO und Henry Rutz von der AFL.
Zwei Raketen, die antikommunistische Flugblaetter enthielten,
wurden von der '/Vestzone auf die oestliche Seite des Potsdamer
Platzes abgefeuert, wo der amerikanische, der britische und der
russische Sektor aneinandergrenzen.
In Tokio nahmen etwa 50.000 Arbeiter an verschiedenen Kundgebungen zur Feier des 1. Mai teil. Sowohl das Kabinett als auch
der neue Besatzungskoianandeur, General Matthew Ridgeway, hatten
die traditionelle Kundgebung auf dem Platz vor dem Kaiserpalast
verboten. Ridgeway erklaerte, dass dieser Platz nur fuer "Versammlungen nationalen Cherakters" verwendet werden duerfe. Das
Kabinett ist der Ansicht, dass es ein Platz der "Ruhe und VVuerde"
sein soll. In Wirklichkeit ist es ein Tummelplatz fuer die .Tugend
Tokios.
Der Generalrat der japanischen Gewerkschaften hat fuer den
3. Mai, dem Tag der japanischen Verfassung, organisierte Demonstrationen geplant, um gegen die vorgeschlagenen, fuer "die Kapitalisten vorteilhaften" Abaenderungen der Verfassung zu protestieren.
Daily News Service
V/1/51
DAS WOHFRAUMPROBLEM IN FRANKREICH
Der Mangel an Wohnungen mit niedrigen Mieten fuer die Arbeiter
war auch noch zu Anfang des Jahres 1951 eines der groessten sozialen Probleme Frankreichs. Die franzoesische Regierung hatte im
Verlauf des Jahres 1950 einige Massnahmen zur Foerderung des Wohnungsbaus ergriffen, und im Juli erklaerte Premierminister Pleven,
dass der Wohnungsbau der letzte wirtschaftliche Sektor sei, der
unter etwaigen Einschraenkungen leiden mue3se, die durch das Wiederaufruestungsprogramm bedingt seien. Die Gewerkschaften protestierten jedoch gegen iinde des Jahres 1950 dagegen, dass der fuer 1951
vorgeschlagene Haushaltsplan fuer den Wohnungsbau eine Kuerzung
dieses Programms darstellt, das schon nicht ausreichte, um den
Mindestbedarf decken zu koennen.
Die Beschaedi£un(T und Zerstoerung von ueber zwei Millionen
Wohnungen waehrend des zweiten Weltkrieges Hessen den Wohnraummangel, der bereits vor dem Krieg bestand, immer akuter werden.
Schaetzungen der Regierung zufolge belief sich der Bedarf an Wohnungen fuer die naechsten 20 Jahre oder noch laenger auf jaehrlich
240.000 neue Wohneinheiten. Die anfaenglichen Bemuehune-en waren
- 11 -

�jedoch nur auf die Instandsetzung fast einer Million zerstoerter
Wohnungen iE den ersten sechs Jahren nach dem Kriege konzentriert.
Bis 1948 waren nur 56.300 dauernde Wohnungen neu oder wiederaufgebaut worden. Dieser langsame Rhythmus der Bautaetigkeit war
hauptsaechlich auf den Mietstopp zurueckzufuehren, durch den die
Mieten so niedrig gehalten wurden, dass fuer das Kapital, das
fuer den Wohnungsbau investiert wurde, nur wenig oder gar keine
Einnahmen uebrig blieben. Infolgedessen wurde in einem Gesetz vom
September 1948 bestimmt, dass die meisten Mieten neu eingeschaetzt
und fuenf Jahre lang halb jaehrlich erhoeht werden sollten, bis die
Mietsaetze von Januar 1949 verdreifacht waeren. Um einen Ausgleich fuer die hoeheren Mieten zu schaffen, wurde ein System
fuer Wohnungsgeldzuschuesse fuer Familien der niedrigen Einkommensgruppen errichtet. Die Arbeiter erhielten diese Zuschuesse, gleichgueltig, ob sie ihre Wohnung gemietet oder eine Hypothek abzuzahlen hatten.
Die Mieterhoshungen gaben zusammen mit Steuern und anderen
-Konzessionen, die im gleichen Gesetz enthalten waren, dem Wohnungsbau im Jahre 1949 maechtigen Auftrieb. In diesem Jahre "wurden
51.436 staendige Wohnungseinheiten gebaut und in der ersten Hälfte
1950 weitere 30.685. Am 30. Juni befanden sich 129.040 weitere
Einheiten im Bau.
Die Regierung hat darueberhinaus die Kleinwohnungsbaugenossenschaften weitgehend unterstuetzt. Einige dieser Organisationen
sind oeffentliche Aemter unter lokaler Verwaltung, die zum Aufbau
billiger Wohnungen von der Regierung fuer 65 Jahre Kredite erhalten, die mit 2% verzinst werden. Andere stellen private Unternehmen dar oder Organisationen, die von industriellen Unternehmen
gemeinsam gebildet werden und Anspruch auf Subventionen, niedrigere Zinssaetze, bevorzugte Steuerbehandlung und Kredite der Regierung haben, die denen aehnlich sind, die den oeffentlichen Wohnbauaemtern gewaehrt werden. Die Regierung uebernimmt die Buergschaft fuer Hypothekenkredite, die den Arbeitern von den Wohnungsbauorganisationen gewaehrt werden.
Die Behoerden der Wohnungsbauorganisationen erhalten dadurch
Anspruch auf Kredite aus dem Familienzuschussfond des sozialen
Versicherungssystems. Sie vermieten nicht nur Wohnungen an Arbeiter, sondern koennen diese Wohnungen auch auf Grund von Amortisationsvertraeeen verkaufen.
Viele franzoesische Industrieunternehmen haben ihre Arbeiter
bei dem Versuch unterstuetzt, ihre Wohnraumprobleme zu loesen, indem sie selbst Wohnungen bauten und sie an die Arbeiter des Unternehmens unter Beruecksichtigung ihres Familienstandes und ihrer
Senioritaetsrechte vergaben. Der Zeitraum, fuer den der Arbeiter
die Wohnung beanspruchen kann, entspricht der Gueltigkeitsdauer
seines Arbeitsvertrages. Normalerweise bezahlt ein Arbeiter monatlich fuer eins Wohnung mit vier Raeumen 600 bis 1.000 Franken.
Industrieunternehmen haben ausserdem den Wohnungsbauorganisationen durch Subventionen geholfen, Haeuser zu bauen und sie an
die Arbeiter zu vermieten, wobei Arbeiter solcher Unternehmen bevorzugt werden, die einen finanziellen Beitrag geleistet haben.
Sie haben ferner den Arbeitern Geldmittel geliehen, damit sie
eigene Wohnungen bauen koennen, und zuweilen einen Teil der Baukosten selbst uebernommen. Bestimmte ^rbeitergruppen sind beim
Wohnungsbau besonders unterstuetzt worden. In Anerkennung der
Tatsache, dass der Mangel an Wohnraum die Beweglichkeit der Ar- 12 -

�beitskraefte wesentlich reduziert, hat die Regierung im Jahre
1945 eine Anordnung herausgegeben', in der Wohnungsbauten fuer Arbeitnehmer der verstaatlichten Eisenbahnen vorgesehen sind, und
sie hat es spaeter als notwendig erachtet, Haeuser zu bauen, um
Arbeiter fuer die verstaatlichten Kohlenbergwerke zu gewinnen.
Sin Beisniel fuer WohnungsbauDrojekte besonderer Gruppen in der
"Privatindustrie ist der "ueberberufliche Wohnungsbauausschuss",
der im Jahre 1948 im noerdlichen Frankreich zu dem Zwecke gebildet
wurde, Wohnungen fuer Metall- und Textilarbeiter zu bauen. Gewerkschaften, Unternehmer und Baufirmeh sind in diesem üusschuss vertreten, und die Geldmittel werden teilweise durch Kredite der Regierung
und'teilweise durch einen Beitrag der Unternehmer, der Z$ des Lohnlistenbetrages ausmacht, zur Verfuegung gestellt. In mehreren Erlassen des Jahres 1950 wird gefordert, dass diejenigen, die billige
Wohnungen bauen und kaufen, unterstuetzt werden. In einem dieser
Erlasse ist vorgesehen, dass den Erbauern billiger Wohnungen
jaehrliche Baupraeaiien bis zu 500 Franken pro qm Wohnbauflaeche 20
Jahre lang gezahlt werden. In einem anderen Erlass wird die Genehmigung erteilt, dass die Regierung direkte Anleihen solchen Leuten
zur Verfuegung stellt, die Bauplaetze haben oder die Mitglieder
von Wohnungsbaugesellschaften sind. Die Haelfte des Betrages, den
ein Unternehmen fuer den Wohnungsbau aufwendet, .ist steuerfrei.
Staatliche Kredite und Buergschaften fuer Wohnungsbauorganisationen wurden in zunehmendem Masse gewaehrt. Sie beliefen sich auf
insgesamt 41 Milliarden Franken, mit denen das Wohnungsbauprogramm
des Jahres 1950 finanziert werden sollte.
Die wichtigsten nicht-kommunistischen Gewerkschaften bildeten
ein gemeinsames "Kartell fuer Massnahmen zugunsten von Wohnungsbaukrediten im Jahre 1951." Gefuehrt wurde diese Gruppe von der
Force Ouvriöre, dem Bund christlicher Arbeiter (CFTC), der nationalen Gewerkschaft der Familienvereinigungen (UNAF) und zwoelf anderen Gewerkschaften und sozialen Organisationen. Es wurde darauf
hingewiesen, dass die 41 Milliarden Franken, die den Organisationen
fuer billigen Wohnungsbau im Jahre 1950 zur Verfuegung gestellt
wurden, nicht ausreichten und dass fuer eine normale Entwicklung
im Jahre 1951 100 Milliarden Franken benoetigt wuerden.
Der Ausschuss stellte im Jahre 1951 fest, dass der Haushaltsplan fuer 1951 nur 30 Milliarden Franken fuer das Wohnungsbauprogramm enthielt einschliesslich der zwoelf Milliarden Franken aus
Gegenwertmitteln der ECA. Ausserdem waren die Gewerkschaftsfuehrer
der Auffassung, dass diese Geldmittel besser verwendet werden koennten, wenn die Kosten fuer Baumaterialien von den franzoesischen
Trusts nicht kuenstlich auf einem ueberhoehten Niveau gehalten worden waeren.
Notes on -Labor abroad
11/51
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN PROTESTIEREN GEGEN DIE EINWANDERUNG
MEXIKANISCHER ARLEITER
'
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hat gegen eine Gesetzesvorlage des Senats schaerfstens protestiert, in der die Anwerbung
und Einwanderung mexikanischer Arbeiter fuer die amerikanische Landwirtschaft vorgesehen ist. In einem Fernschreiben an den Majoritaetsfuehrer des Senats,'Ernest W. McFarland (Arizona) hat der Vorsitzende der AFL William Green den Senat aufgefordert, diese Gesetzesvorlage erneut zu ueberpruefen, weil "sie nicht die Interessen der
amerikanischen Landarbeiter schuetzt und mit den am 26. Maerz 1951
- 13

�veroeffentlichten Feststellungen uni Empfehlungen des zustaendiren
Untersuchungsausschusses des Praesidenten unvereinbar ist." Green
erklaerte,in dem Bericht dieser Komaiission sei klar zum Ausdruck
gebracht, dass die Einwanderung ausl&amp;endischer Arbeitskraefte die
Lohn- und Arbeitsbedingungen der amerikanischen Landarbeiter noch
weiter verschlechtere. Die wirtschaftliche Lage dieser Gruppe sei
schon .jetzt schlechter als die jeder anderen Schicht der Bevoelkerung."
Er erklaerte ferner, die AFL sei der Auffassung, dass der
Bedarf an auslaendischen Arbeitskraeften zu sehr betont wuerde.
Indem er auf die ?ro?se Zahl landwirtschaftlicher Arbeiter aus
Puerto-Rico hinwies, die entweder arbeitslos sind oder nur zeitweise beschaeftigt werden koennen, forderte er, dass die amerikanischen arbeitskraefte und die aus Puerto-Rico zuerst voll ausgenutzt werden, bevor man andere auslaendische Arbeitskraefte voruebergehend einwandern laesst.
McFarland erhielt ausserdem Telegramme von der Vereinigung
der Eisenbahnergewerkschaften, in der 18 Gewerkschaften mit ueber
einer !*i11ion Mitglieder vertreten sind, und von der Nationalen
Farmergewerkschaft.
Im Namen dieser Vereinigung erklaerte ihr Vorsitzender George
E. Leighty, dass diese Massnahme unueberlegt sei und eine Gefahr
fu^r die amerikanischen Land- und Industriearbeiter darstelle.
Leighty erinnerte den Senat an die in der "New York Times" vor
kurzem erschienene Artikelserie, in der von den "skandaloesen Bedingungen berichtet wird, unter denen Millionen mexikanischer legaler und illegaler Wanderarbeiter in unserem Lande leben."
Es sei klar bewiesen, dass genug amerikanische Arbeitskraefte
vorhanden sind, die bei den Srntearbeiten beschaeftigt werden
koennten, wenn einigermassen angemessene Arbeitsbedingungen geboten
wuerden.
.Tames G. Patton, der Vorsitzende der Farmergewerkschaf t, erklaerte, dass die Einwanderung billiger Arbeitskraefte aus dem
Ausland, ohne zuerst zu versuchen, die zahllosen amerikanischen
Landarbeiter einzustellen, die unterbeschaeftigt sind, einen Vertrauensbruch an dem amerikanischen Volk und seinen Idealen darstelle
Diese Versorgung mit billigen Arbeitskraeften aus dem Ausland bedrohe sowohl die Landarbeiterfamilien, die die Grundlage der amerikanischen Landwirtschaft bildeten, als auch die schwer erkaempften
Erfolge der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. "Wir fordern
vom Senat, dass er diese Gesetzesvorlage ablehnt und sich zuerst
mit der wirksamen Verwendung amerikanischer Arbeitskraefte beschaeftigt."
Einige Tage zuvor hatte auch der CIO gegen diese Vorlage orotestiert. Inzwischen hatte die "New York Times" in Fortsetzung
ihrer .Artikelserie ueber die Arbeits- und Lebensbedingungen eingewanderter Arbeitskraefte berichtet, dass sich Tausende erwartungsvoller Mexikaner in drei Staedten des noerdlichen Mexikos angesammelt haetten, als das Geruecht umging, dass demnaechst Landarbeiter
von amerikanischen Farmern eingestellt wuerden.
•

Die Behoerden in Monterey, Chihuahua und Hermosilles haben
sich an die mexikanische Regierung mit der Bitte gewandt, bei der
Betreuung der 30.0C0 von Armut betroffenen Menschen mitzuhelfen,
die diese Staedte ueberschwemmt haben, in der Hoffnung, in den Vereinigten Staaten arbeit zu bekommen. Es sind jedoch nur wenige
- 14 -

�eingestellt worden und haeufig kommt es unter diesen Leuten, die
keinen festen Wohnsitz haben und von Hunger und Krankheiten geplagt sind, zu Gewalttaetigkeiten.
Die Wohnmoeglichkeiten sind in diesen drei Staedten unzureichend, und viele Arbeiter kampieren in oeffentlichen Parkanlagen.
Es wird berichtet, dass die bisher abgeschlossenen Arbeitsvertrae«e Stundenloehne von 85 Cents, abzueglich 1.75 Dollar pro Tag
fuer Verpflegung vorsehen. Dieser Lohn ist etwa doppelt so hoch
wie der gesetzliche Mindestlohn in Mexiko.
Daily News Service
IV/27/51
NEW YORKER GEWERKSCKAFTSRAT PLANT BILDUNGSLEHRGANG
Donald J*. O'Connor, der Leiter des Bildungsreferats der Internationalen Mechanikergewerkschaft, teilte mit, dass auf Veranlassung
des Gewerkschaftsrates der Mechanikergewerkschaft fuer den Staat
New York an der Cornell Universitaet ein dreitaegiger Bildungslehrgang durchgefuehrt wird, an dem Delegierte der Ortsgewerkschaft
teilnehmen.
•
"Der erste Lehrgang wird voraussichtlich voiA 13. bis 15. Juli
in der Universitaet. Cornell stattfinden. Die Plaene fuer diese
Lehrgaenge wurden vor kurzem auf der Konferenz des staatlichen
Gewerkschaftsrates in Buffalo ausgearbeitet", berichtete O'Connor.
Die Delegierten hoerten einen ausfuehrlichen Bericht ueber die
Fortschritte, die in dem staatlichen Bildungsprogramm unter der
Schirmherrschaft des Gewerkschaftsrates und in Zusammenarbeit
nit der Volkshochschule der Universitaet erzielt wurden.
"Das Ortsprogramm, an dem wir nun arbeiten, ist von dem
Lehrkoerper der Universitaet und Vertretern der Internationalen
Vechanikergewerkschaft gemeinsam ausgearbeitet worden. Die Lehrgaenge werden ueberall im Staat durchgefuehrt und haben den Zweck,
lie Mitglieder und Funktionaere der Ortsgewerkschaft
in ihren alltseglichen Problemen zu unterstuetzen.n
Die Delegierten waehlten erneut in die hoechsten Stellungen
les Gewerkschaftsrates: Robert Hanson aus Jamestown zum Vorsitzenien, Harold Fitzgibbon aus Buffalo zum Finanzsekretaer, Thomas
3arey aus New York zum Leiter des Referats fuer Arbeitsgesetzgebung
ind O'Connor aus Ithaka.
Die prominentesten Sprecher dieser Konferenz waren die Vize'orsitzenden der Internationalen Mechanikergewerkschaft Fred Coonley
ind Ernie White, sowie die Ortsgewerkschaftsvertreter Rudy Faupl
md William H. Brodt.
An der Konferenz nahmen als Besucher teil: Pater Boland,
ler
Vorsitzende
des Vermittlungsausschusses fuer den Staat New
r
ork, Professor John Thurber von der Cornell Universitaet, Charles
:alloran, der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes von Buffalo und
ie Ortsgewerkschaftsvertreter H. F. Huff, Victor Kalaski und Dan
)mer.
Die Delegierten der Konferenz forderten die Fortsetzung der
olitischen Betaetigung der Gewerkschaftsmitglieder, sie verlangten
om Kongress bundesstaatliche Mietköntrollen und gaben den Bestreungen ihre Zustimmung, das staatliche Kindestlohngesetz abzuaen- 15 -

�d e m und den Mindestlohn von 75 Cents auf einen Dollar zu erhoehen.
Schliesslich forderten sie die Mitglieder des Repraesentantenhauses
und die Senatoren Herbert H. Lehman und Irving M. Ives auf, sich
weiterhin fuer eine Finanzierung der medizinischen Ausbildung auf
bundesstaatlicher Basis einzusetzen.
The Machinist
IV/26/51
DAS LOS DER ARBEITER hINTER DEM EISERNEN VORHANG
Waehrend die polnischen Gewerkschaften eifrig darauf bedacht
sind, die Arbeiter anzuhalten, laenger zu arbeiten und ihre Produktionsleistung, aus Anlass des 1. Mai zu steigern, haeufen sich in
der Gewerkschaftzeitung "Glos Pracy" die bitteren Beschwerden ueber
das mangelnde Interesse der Gewerkschaften an dem Wohlergehen der
Arbeiter und der Wahrung ihrer Rechte."
Ein Korrespondent dieser Zeitung schrieb am 3. April, nachdem
er die Papierfabriken in Mirkow besucht hatte, dass die Arbeiter
zwar auf vollen Touren laufe und die Produktion der Fabrik vollkommen zufriedenstellend sei-, dass jedoch die rechtliche und soziale Stellung der Arbeiter viel zu wuenschen uebrig liesse.
Dem Bericht dieses Korrespondenten zufolge erhielten viele
Arbeiter bis jetzt nicht die Schutzkleidung, die ihnen schon fuer
1950 zugesagt war, obwohl hierdurch ihre Gesundheit auf Grund chemischer Reaktionen und schaedlicher Gasen, die dem Papiermaschöe
entstroemen, ernstlich gefaehrdet wird.
"Die Hallen sind niedrig und Ventilationsvorrichtungen gibt
es ueberhaupt nicht. Der Dampf sammelt sich unter der Decke an
und senkt sich auf den Zementfussboden. Es gibt keine Abflussanlagen und die Arbeiter stehen bis zu den Knoecheln in schmutzigem
Wasser. Sie muessten Gummistiefel haben. Aber nur wenige besitzen
sie."
Der Korrespondent traf mit verschiedenen Arbeitern zusammen
und unterhielt sich mit ihnen. Einer von ihnen erklaerte: "Es
ist moeglich, dass die Arbeitsbedingungen in unserem Betrieb besser
sind,wenn Ventilatoren angebracht werden koennten, die man uns
schon lange versprochen hat. Auch koennten wir laengst unsere
Schutzkleidung erhalten haben - wenn es nicht unseren Betriebsrat
gaebe. Jedesmal, wenn jemand in den Betrieb kommt, der uns helfen
koennte, versucht der Betriebsrat, ihn darin zu hindern, mit den
Arbeitern zu sprechen."
Ein anderer Arbeiter fuegte hinzu: "Selbst wenn sich jemand
die Muehe gibt, mit den Arbeitern zu sprechen, ist es zwecklos.
Vor kurzem besuchte Genosse Pawlak vom Zentralkomitee der Chemiearbeitergewerkschaft unseren Betrieb. Wir erzaehlten ihm alles.
Er hoerte uns an, reiste ab, und nicht das geringste ereignete sich
danach.
Der Korrespondent schliesst mit der Feststellung, dass er kein
Gelegenheit hatte, ueber diese Angelegenheit mit dem Vorsitzenden
des Betriebsrates zu. sprechen, weil dieser waehrend seines mehrstuendigen Aufenthaltes in der Fabrik "angeblich dienstlich im
Betriebsgelaende zu tun hatte." "Aber", erklaert der Korrespondent
"wir konnten ihn auch dort nicht antreffen, obwohl wir uns laengere
Zeit im Betrieb3gelaende bewegten."
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
^
_^____^______^___

IV - 19

Frankfurt,

1 1 . Mai 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

D. Bowers: Westeuropa in der Weltwirtschaft - -

1

Allgemeine Lohnerhoehungen in Schweden - - - - -

10

Referate fuer Produktionstechnik in amerikanischen Gewerkschaften - - - - - - - - - - - -

H

Tuerkische Gewerkschaften werden staerker

- - - 13

Amerikanische Gewerkschaft ernennt internttionalen Repraesentanten - - - - - - - - - - - - - 1 4
Steigende Aktivitaet der Frauen in amerikanischen
Gewerkschaften
- - - - - - - - - - - - - - - 1 5
Warum amerikanische Arbeiter Gewerkschafter sind 16

D. BOWERS: WESTEUROPA IN DER WELTWIRTSCHAFT
Westeuropa ist ein Gebiet mit etwa 270 Millionen Einwohnern, die unter normalen Umstaenden den hoechsten
Lebensstandard der Welt besaessen mit Ausnahme der Vereinigten Staaten. Dies wurde ermoeglicht dank der Faehigkeiten
der eu'ropaeischen Industrie, die sich vornehmlich mit der
Erzeugung von Fabrikaten befasst hat, die in der uebrigen '
Welt gegen Rohstoffe und Nahrungsmittel eingetauscht wurden,
die die Bevoelkerung zu ihrem Lebensunterhalt brauchte.
Auf diese Weise konnten die Voelker Westeuropas ihren verhaeltnlsmaessig hohen Lebensstandard aufrechterhalten.
Vor dein letzten Kriege blieb Westeuropa trotz der schnellen
- 1 -

�Portschritte der Vereinigten Staaten die bedeutendste
"Werkstatt der Welt". Es hatte beinahe die Haelfte des
internationalen Welthandels inne, beinahe zwei Drittel
der Weltschiffahrt, waehrend sein Einkommen, das aus jahrzehntelang angesammelten ausländischen Investierungen,
seinen Banken und anderen Dienstleistungen floss, genuegte,
um beinahe ein Viertel seiner Einfuhren aus der uebrigen
Welt zu finanzieren.
Obschon ein Grosstell des Aussenhandels der westeuropaelschen Staaten einen Binnenhandel im Rahmen Westeuropas darstellte, sind die Wirtschaften dieser Laender zu
einem hohen Ausmass nach den üeberseemaerkten gerichtet*
Vor dem Kriege stammte beinahe die Haelfte der europaeischen Einfuhren aus Ueberseelaendem, und mehr als ein
Drittel der westeuropaeischen Ausfuhren gingen nach Uebersee; seit dem Kriege ist der TTeberseehandel aus besonderen
Gruenden bedeutend groesser als der westeuropaeische Innenhandel. Weit davon entfernt, sich zu ergaenzen, machen
sich daher die westeuropaeischen Wirtschaften in einem
hohen Grade Konkurrenz.
Der westeuropaeische TJeberseehandel wurde natuerlich
oft mit unabhaengigen Laendern getaetigt, jedoch spielte
sich ein sehr grosser Teil mit den europaeischen Besitzungen und den angegliederten Gebieten ab. Dies war insbesondere der Fall bei Grossbritannien, das gegenwaertig
ungefaehr die Haelfte seines Aussenhandels mit den Laendern
des britischen Commonwealth taetigt. Es waren vor allem
diese Besitzungen, die den Mutterlaendern billige Rohstoffe
und geschuetzte Maerkte verschafften* Diese Lage war das
Ergebnis der Periode der imperialistischen Ausdehnungspolitik des 19. Jahrhunderts, sie nahm oft die Form einer beschraenkten wirtschaftlichen Entwicklung der abhaengigen
Gebiete an, die jedoch nicht im Interesse der einheimischen
Voelker liegt. Wir muessen daher zugeben, dass der Lebensstandard Westeuropas, einschliesslich derjenige seiner
Arbeiter, zu einem gewissen Ausmass der Ausbeutung der
Kolonialvoelker zu verdanken war. Diese Tatsache hat, wie
wir sehen werden, Westeuropa grosse Unannehmlichkeiten
bereitet*
Es steht fest, dass die westeuropaeische Wirtschaft
seit langer Zeit krank war, im grossen und ganzen seit
Anfang dieses Jahrhunderts* Die Kennzeichen dieser Krankheit waren ausgedehnte Perioden chronischer Arbeitslosigkeit und die Tatsache, dass es misslang, die Moeglichkelten
der modernen Wissenschaft und Technik voll zu entwickeln*
Insbesondere machte sich die Tendenz bemerkbar, hinter den
Vereinigten Staaten auf dem Gebiete der industriellen
Lei8tungsfaehlgkeit zurueckzublelben. Wie alle Gewerkschafter jedoch wissen, war diese Krankheit teilweise durch
die falsch gerichtete innere Wirtschaftspolitik verschuldet, die von den westeuropaeischen Regierungen und Arbeitgebern getrieben wurde. Das heisst, dass die ungleiche
Verteilung der Reichtuemer auf den inneren Maerkten die
Kaufkraft geschwaecht und Perioden schwerer Arbeitslosigkeit sowie wirtschaftliche Stockungen hervorgerufen hat.
Die gleichen Faktoren haben jedoch auch auf internationalem
Gebiet ihre Wirkung ausgeuebt und das Ergebnis gehabt, dass
das Verbrauchspotential der unter- und weniger entwickelten
- 2 -

�Laender nicht ausgedehnt werden konnte. Dagegen wurde von
den Mutterlaendern versucht, sich selbst und die von ihnen
abhaengigen Gebiete mit Immer hoeheren Zoll- und anderen
Handelsschranken zu umgeben.
Meiner Ansicht nach war diese falsch gerichtete Wirtschaftspolitik sowohl im Inneren als auch nach aussen nur
der Hauptgrund des ersten Weltkrieges, der vor allem dem
Umstand zuzuschreiben war, dass es der gewaltigen deutschen
Wirtschaft misslang, geeignete Absatzmaerkte zu finden«
Doch wir alle wissen, dass dieser Krieg dieses Problem nicht
geloest hat. In Wirklichkeit erschwerte er nur die langfristigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Europas auf dem
Gebiete des Welthandels. Dies war vor allen Dingen dadurch
begruendet, dass der Rueckschlag, den die westeuropaeische
Industrie durch die Kriegszerstoerungen und die intensive
Kriegsproduktion erlitt und der dementsprechende Antrieb,
der der industriellen Entwicklung in den Vereinigten Staaten
zuteil wurde, den Niedergang Westeuropas als wichtigstes
Industriegebiet der Welt beschleunigte und es den Vereinigten Staaten ermoeglichte, sich einige wichtige westeuropaeische Ueberseemaerkte anzueignen* Zweitens begannen einige
der weniger entwickelten Ueberseelaender, die durch den
Krieg von ihren ehemaligen Versorgungsquellen in Europa abgeschnitten wurden, schnell ihre eigenen Nebenindustrien zu
entwickeln und selbst als Konkurrenten im Welthandel aufzutreten. Das klassische Beispiel dafuer ist natuerllch Japan.
Vor dem ersten Weltkrieg, waren seine Ausfuhren an Fabrikaten
ueberhaupt nicht beachtenswert; 1938 jedoch lieferte Japan
ein Puenftel des Weltexportes an Baumwolle- und Kunstseideerzeugnissen.
Zwischen den beiden Weltkriegen hatten diese Entwicklungen das Ergebnis, dass der Anteil Westeuropas am Welthandel schnell abnahm. Die zunehmende Industrialisierung
der weniger entwickelten Laender und der Umstand, dass die
Verbrauchskraft nicht in gleichem Masse in der ganzen Welt
ausgedehnt werden konnte, hatten zur Folge, dass der gesamte
internationale Handel zu einem Stillstand kam und sogar eingeschraenkt werden musste. Waehrend zwischen 1875 und 1915
der Umfang des Welthandels in Fertigerzeugnissen verdreifacht werden konnte, war im Jahre 1930 der Umfang dieses
Handels nur noch, drei Viertel so gross wie 1913, trotz der
Tatsache, dass sich zwischen 1913 und 1939 die Weltproduktion
an Fertigerzeugnissen verdoppelte. Dies trug stark zu der
rossen Depression bei, die in den Jahren vor dem zweiten
eltkrieg in fast allen europaeischen Staaten vorherrschte.

«

Allerdings war die wachsende Schwaeche Westeuropas
waehrend dieser Zelt teilweise ueberdeckt - wenn auch auf
Kosten der Ueberseelaender, die Nahrungsmittel und Rohstoffe
erzeugten. Dies war dem Umstand zuzuschreiben, dass erstens
die ausgedehnten Ueberseelnvestierungen, die von Westeuropa
am Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gemacht wurden, in der Zeit zwischen den beiden Kriegen
die wichtigsten Bedarfsartikel in Huelle und Fuelle und zu
geringen Preisen auf den Markt brachten, waehrend anderseits
die Depression der dreissiger Jahre die Nachfrage nach diesen
Artikeln bedeutend herabdrueckte. Da sie nicht schnell genug Absatz finden konnten, wurden sie sogar noch billiger»
Dank der vorteilhaften Handelsbedingungen machte sich die
- 3 -

�Wirkung dieses Abfallens des Westeuropaeischen Aussenhandels
nicht vollauf bemerkbar.
Doch diese guenstigen Einfluesse waren nicht von langer
Dauer; denn erstens brachte die grosse Depression die Ueberseeinvestierungen in den minder- und unterentwickelten Laendern fast zu einem vollstaendigen Stillstand, und zweitens
brachte die unzulaengliche Nachfrage nach Hauptbedarfsartikeln eine Anzahl unterentwickelter Laender nach und nach
dazu, die Produktion dieser Artikel einzuschraenken und sich
schneller dem Ausbau ihrer eigenen Nebenindustrien zuzuwenden. Die jetzige ernste Knappheit an Nahrungsmitteln und
Rohstoffen, die auf der ganzen Welt fuehlbar ist, steht in
engstem Zusammenhang mit diesen Folgen der grossen Depression,
die ebenfalls eine weitere Einsehraenkung der westeuropaelschen Maerkte in den weniger entwickelten Laendern mit sich
brachte. Eine Untersuchung, die kuerzlich von der Wirtschaft skomission der Vereinten Nationen fuer Europa unternommen wurde, hat bewiesen, dass dies insbesondere in Südamerika der Fall war, wie wir in England es uebrigens in den letzten
Jahren im Laufe der Verhandlungen mit Argentinien bezuegllch
der Versorgung mit Fleisch sehr zu unserem Leidwesen und auf
unsere Kosten bemerkten.
Nichtsdestoweniger waren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Westeuropa zwischen den beiden Kriegen gross genug,
Insbesondere wieder im Falle Deutschlands, um die tieferen
Ursachen des zweiten Weltkrieges klarzustellen. Diesmal war
es wirklich ein Weltkrieg, und seine Folgen in bezug auf die
heikle und bereits sehr geschwaechte Struktur des westeuropaeischen Aussenhandels waren verheerend. Zahlreiche Produktionszentren wurden zerstoert, das Transportsystem zerrissen,
Mengen an Schiffsraum gingen verloren, eine grosse Anzahl aus~laendischer Investierungen musste verkauft werden und neue
Schulden gemacht, die gesamte landwirtschaftliche und industrielle Produktion Westeuropas wurde im -Interesse der Kriegszwecke
umgestellt und viele Arbeiter aus ihren normalen Arbeitsplaetzen
erissen, waehrend Rohstoffgebiete und Haerkte auf der ganzen
elt in Verlust gerieten oder zerstoert wurden.

S

Im Jahre 1945 war die industrielle Produktion in Frankreich, Belgien und Holland 40$ unter das Niveau von 1938 gefallen. In Italien war sie auf ein Fuenftel gesunken, waehrend sie in Deutschland praktisch zum Stillstand gebracht
worden war. Ausserdem machten sich die gleichen Wirkungen
auf die langfristige Stellung Westeuropas im Welthandel bemerkbar: genau wie im ersten Weltkrieg, jedoch zu einem noch
hoeheheren Hasse als zu jener Zeit. Die Vereinigten Staaten
waren in der Lage, ihre industrielle Produktion ununterbrochen
fortzusetzen und aufzubauen« so dass sie im Jahre 1945 mit
mehr als der Haelfte der gesamten Weltproduktion und des gesamten Welthandels hervortraten. Mit diesen Moeglichkeiten
hatten sie waehrend des Krieges eine weitere Anzahl frueherer
Ueberseemaerkte Westeuropas unter ihre Kontrolle gebracht.
Dies war umso ernster, als der zweite Weltkrieg die politische Folge hatte, dass Westeuropa von seinen frueheren wichtigen Maerkten im Osten mehr oder weniger vollkommen abgeschnitten war.
A H dies machte das Europaeische Wiederaufbauprogramm
und die weitgehende Hilfe der Vereinigten Staaten, die diese«
- 4

�Programm erst ermoegllchte, zu einer Notwendigkeit. Es ist
nicht meine Absicht, auf die Einzelheiten der Ergebnisse des
Europaeischen Wiederaufbauprogramms einzugehen, da hier schon
genuegend geschrieben und gesprochen wurde. Ich moechte nur
nebenbei bemerken, dass dieses Programm ein durchschlagender
Erfolg.war, und dass im vierten Quartal 1950 die industrielle
Produktion Westeuropas 40% ueber ihrem Vorkriegsstand lag und
um 42% hoeher war als 2&amp; Jahre zuvor, als das .Europaeische
Wiederaufbauprogramm begann» Das internationale Handelsdefizit
Westeuropas, das sich im Jahre 1947 auf 7j Milliarden Dollar
belief, hatte sich im Jahre 1950 schaetzungsweise auf weniger
als 2 Milliarden Dollar vermindert.
Die Frage, die sich hier stellt, ist die folgende:
Bis zu welchem Grad hat dieses Programm dazu beigetragen, die
langwierige Krankheit der westeuropaeischen Wirtschaft zu
heilen? Sie werden sich vielleicht erinnern, dass ich sagte,
diese Krankheit waere im Grunde genommen dadurch verursacht,
dass die Reichtuemer ungleich verteilt wurden und die Ueberseemaerkte im Verhaeltnis zu den Produktionsmoeglichkeiten
keine genuegende Ausdehnung erfuhren, und dass die Merkmale
dieser Krankheit neben der chronischen Arbeitslosigkeit vor
allem der Mangel an industrieller Leistungsfaehigkeit waren.
Die wirtschaftliche Genesung Westeuropas, wenigstens bis
zum Jahre 1949, fusste vor allen Dingen auf der ungewoehnlichen
Nachfrage nach Ersatzguetern und Ersatzmaterialien, die gewoehnlich die Folgeerscheinung eines langen und verheerenden Krieges
ist. Bereits 1949 erlitt der europaeische Wiederaufbau einen
ernsten Schlag, der zum groessten Teil durch den leichten wirtschaftlichen Rueckgang in den Vereinigten Staaten im gleichen
Jahr erklaerlich ist. Ausserdem dürfen wir nicht vergessen, dass
bis zum Jahre 1949 Deutschland und Japan - zwei der Laender,
die vor dem Krieg am staerksten zum internationalen Handel beisteuerten - noch nicht wieder auf den Maerkten zugelassen waren.
Es ist zum Beispiel sehr interessant, festzustellen, dass der
Aufschwung der britischen Ausfuhr zwischen 1938 und 1948 ungefaehr gleichbedeutend war mit dem deutschen Exportrueckgang
zur gleichen Zeit. Es schien daher, dass eine Rueckkehr zu den
Verhaeltnissen der Zwischenkriegszeit beginnen sollte, und dass
ein ruecksichtsloser Wettbewerb zur Eroberung der Maerkte einsetzen sollte.
Wenn das diesmal nicht der Fall war und der Wiederaufbau
seit 1949 ununterbrochen fortgeschritten ist, so ist dies meiner
Meinung nach in hohem Masse dem wachsenden wirtschaftlichen
Ansporn der Aufruestung zu verdanken. Ich weiss, dass auch
andere Ursachen daran beteiligt sind, wie zum Beispiel die Entwertung einer Anzahl westeuropaeischer Waehrungen zu Ende des
Jahres 1949. Ich glaube jedoch, dass fuer die Wirtschaft der
Vereinigten Staaten, die heutzutage durch ihre Macht den Stand
der wirtschaftlichen Taetigkeit Im ganzen Westen bestimmt und
in der ein Viertel der nationalen Produktion den Zwecken der
Verteidigung gewidmet ist, der Ansporn der Aufruestung die Haupt»ursaohe fuer den hohen Stand der Industrieproduktion seit 1949 ist.
Wie wir alle wissen, ruehrt die unmittelbare Bedrohung der
westeuropaeischen Wirtschaft heutzutage nicht von einer mangelnden Nachfrage her, sondern vielmehr von der Knappheit an Rohstoffen, die zum Grossteil durch das Anlegen von Vorraeten fuer
Verteidigungszwecke verschuldet ist. Es scheint demnach, dass
Westeuropa wenigstens in absehbarer Zukunft keine Sorge darueber
zu haben braucht, ob fuer seine ganze Erzeugung genuegend Absatzmoeglichkeiten vorhanden sein werden. Ich bin jedoch der
Ansicht, dass wir weder auf wirtschaftlichem Gebiet noch In moralischer Hinsicht uns mit einem wirtschaftlichen Wohlstand
zufrieden geben sollten, der In so hohem Masse von Verteidigungsausgaben abhaengig ist.
Wenn durch
5

�irgendein Wunder» das wir alle erhoffen mueaaen, der gegenwaertige Aufrueatungastürm ploetzlich aufhoeren koennte, so
wuerde aich die Frage stellen, was aus den weateuropaeiachen
und anderen westlichen Wirtschaften werden soll* Um es
gerade heraus zu sagen: es ist ganz klar, daaa den Haerkten
der Grund und Boden entzogen wuerde.
Wie aollen wir uns also zur unterirdischen Schwaeche
Westeuropas stellen, die heute durch den kuenatlichen Ansporn der Aufruestung ueberdeckt wird? Im Laufe des vergangenen Jahres war von vielen Verhandlungen und Plaenen
die Rede, die alle das Ziel hatten» die wirtschaftliche
und politische Vereinigung Westeuropas herbeizufuehren.
Auf wirtschaftlichem Gebiet ist das Hauptziel aolch einer
Vereinigung» die industrielle Leiatungafaehigkeit durch
die Schaffung einea besonderen westeuropaeiachen Marktgebietes zu verbessern. Ich bezweifle nicht, daaa aolche
Vorschlaege einen grossen Wert haben, glaube jedoch, daaa es
auaaerordentlich 8chwer aein wird, aie in die Wirklichkeit
umzusetzen und ich fuerchte, dass aie keine sehr schnellen
Ergebnisse zeitigen werden. Doch bin ich der Meinung» daaa
diese Vorschlaege fuer Westeuropa als Ganzes die erwuenachte
Loeaung nicht erbringen koennen, weil, wie ich achon frueher
gesagt habe, die westeuropaeischen Wirtschaften immer die
Tendenz haben, nach aussen, also auf die Ueberseemaerkte zu
blicken und einander zum Grossteil nicht ergaenzen. So
wichtig es auch sein mag, die industrielle Leistungsfaehigkelt zu erhoehen, insbesondere seit Westeuropa nicht mehr,
wie vor dem Krieg, ein Puenftel aeiner Auafunren mit einem
Einkommen bezahlen kann, das ihm aus auslaendisehen Investierungen zufliesst, ao beateht doch daa wichtigate Beduerfnia
Westeuropaa auf lange Sicht in der Erschliessung und Erweiterung von Ueberseemaerkten; und da die Vereinigten Staaten,
die den weitesten Einzelmarkt der Welt darstellen, sich in
hohem Masse selbst versorgen, muessen diese Maerkte vor allem
in den unterentwickelten oder nur teilweise entwickelten
Laendern Asiens, Afrikas und Suedamerlkaa geschaffen werden.
In Wirklichkeit leben die Voelker in vielen dieser
Laender heutzutage in erdrueckender und abscheulicher Not»
Ea genuegt, die Einkommensziffern pro Kopf zu betrachten,
um dies zu beurteilen. Das Durchschnittseinkommen in den
Vereinigten Staaten belaeuft 8ich auf etwa 1200 Dollar im
Jahr, in England auf $600, in 13 anderen Induatrielaendern
auf $450 oder mehr, in der uebrlgen Welt Jedoch, daa helast
in einem Gebiet, in dem zwei Drittel der Bevoelkerung der
Erde leben, ist das Durchschnittseinkommen nur 60 bis 90
Dollar Im Jahre - oder etwa 1 1/2 Dollar In der Woche.
Was die Sache noch aerger macht, ist, daaa in vielen
der aermeren Laender die Unterschiede zwischen Armut und
Reichtum besonders auffallend sind, waehrend in den reicheren
Laendern eine starke Tendenz nach einer zunehmenden Verwischung der Einkommensunterschiede besteht. Mehr noch, die
Kluft zwischen den fortschrittlichen und den zurueckblelbenden Laendern wird immer tiefer. Dir fortschrittlichen
Laender haben durch ihren blossen Portschritt einen starken
Vorteil gegenueber den anderen. Ihr groesseres Produktionspotential macht es ihnen leichter, fuer die weitere Entwicklung Kapital anzuhaeufen, waehrend die rueckstaendigen Gebiete,
die faat ihre gesamten Mittel benuetzen mueaaen, um allein
- 6 -

�ihre Bewohner am Leben zu erhalten, immer weiter zurueckfallen. Wie ich es bereits hervorgehoben habe, geschah
dies selbst dort, wo die Mutterlaender in ihren Ueberseebesitzungen bis zu einem gewissen Ausmass Kapital entwickelt
haben, oft in der Form einer Produktionsfoerderung, die sich
einzig und allein auf die wichtigsten Gebrauchsgueter
erstreckte und nicht genuegend ausgeglichen war, um eine
nennenswerte Erhoehung des Lebensstandards der Arbeiterklasse
dieser Gebiete zu erreichen*
All dies zeigt sehr klar die Notwendigkeit eines internationalen Planes auf, der dafuer sorgen muss, dass die
industriellen Leender in grossem Masstabe dafuer die rueckstaendigen Laender Kapital bereitstellen.
Worauf wir es
hier wirklich abgesehen haben, ist die Aufrechterhaltung eines
hohen und festen Standardes einer produktiven Beschaeftigung
in der ganzen Welt, und es ist interessant, die Schlussfolgerungen hervorragender Wirtschaftssachverstaendiger zu
lesen, die im vorigen Jahr ersucht wurden, den Vereinten
Nationen ueber dieses Thema einen Bericht abzugeben. Wahrscheinlich der ausschlaggebendste Satz im Bericht dieser
Sachverstaendigen war der folgende:
"Wir sind der Meinung, dass das Problem der Vollbeschaeftigung nur im Rahmen einer ausgedehnten Weltwirtschaft geloest werden kann, in welcher die wirtschaftliche
Entwicklung der unterentwickelten Laender das wichtigste
Einzelelement darstellen wuerde."
Denn wenn die Arbeitsproduktivitaet in den unterentwickelten Laendern so weit erhoeht werden koennte, dass sie
den westeuropaeischen Verhältnissen etwas naeher kommt, so
wuerde dies schliesslich im Leben von mehr als 1.000 Millionen Menschen geradezu eine Umwaelzung darstellen. Ihre
Produktion koennte auf ein Vielfaches gesteigert und ihre
Kaufkraft entsprechend erhoeht werden. Puer Westeuropa
wuerde dies die Eroeffnung unausdenkllcher neuer Exportmaerkte und die Schaffung .riesiger Mengen von Rohstoffen
und Nahrungsmitteln bedeuten. Und was die Exportmaerkte betrlefft, wuerde es sich nicht bloss um eine zeitweilige
Nachfrage nach Kapitalausruestung handeln, die die westeuropaelsche Wirtschaft ohne weiteres bereitstellen koennte,
es wuerde sich darueber hinaus eine dauernde Nachfrage nach
allen mqeglichen Fabrikaten einstellen, deren Verbrauch
den betreffenden Voelkern durch die Erhoehung ihres Lebensstandards zum ersten Mal gestattet sein wuerde.
Es ist natuerlich klar, dass der Groateil der fuer
einen solchen internationalen Plan benoetigten Finanzmittel
von den Vereinigten Staaten bereitgestellt werden muesste,
da sie in der heutigen Welt bei weitem das reichste Wirtschaftspotential besitzen. Es ist Jedoch ebenso klar, dass
die westeuropaeischen Laender sich an diesem Plan entsprechend ihrer Moegllchkeiten beteiligen muessten. Und es
muss hervorgehoben werden, dass es sich um einen internationalen Plan handeln muss. Viele der rueckstaendigen
Laender haben mit den politischen und wirtschaftlichen
Ergebnissen des Imperialismus unglueckliche Erfahrungen
gemacht und sind daher geneigt, allen aeusseren finanziellen
Unterstuetzungsplaenen zu misstrauen. Ausserdem hat es
keinen Zweck, zu glauben, dass ein Grossteil der zur Finanzierung dieses Planes benoetigten Gelder aus privaten Quellen
- 7

�fHessen koennte. Zuerst wuerde es sich darum handeln, die
wichtigsten Dienstleistungen sicherzustellen, wie zum Beispiel
Strassen, Eisenhahnen, Kanalisationen, Schulen, Krankenhaeuser und so weiter, und es wuerde viele Jahre dauern» ehe die
Kapitalinvestierungen in diesen Laendern Ertraege in dem Hassstab bringen wuerden, wie private Kapitalisten sie erwarten.
Der Grossteil der Finanzen muesste daher von den Regierungen
aufgebracht werden.
Es besteht heute zwischen den Wirtschaftssachverstaendigen aller Richtungen Einvernehmen darueber, dass ein solcher
gegenseitiger Unterstuetzungsplan auf internationaler Grundlage notwendig ist, und in der Tat wird auch bereits Verschiedenes im Sinne dieser Richtlinien unternommen. Zunaechst
gibt es das von Praesident Truman eingeleitete Punkt-VierProgramm. Leider wurden jedoch bis jetzt nur 30 Millionen
Dollar vom Kongress fuer dieses Programm bereitgestellt.
Dann gibt es den Colombo-Plan, der von den Regierungen des
britischen Commonwealth ins Leben gerufen wurde und der sich
die Bereitstellung einer Finanzhilfe von 3 Milliarden Dollar
im Laufe von sechs Jahren an bestimmte suedostasiatische
Laender zur Aufgabe stellt. Bis jetzt jedoch wurde kein Vorschlag darueber gemacht, woher ein Grosstell dieser finanzlallen
Unterstuetzung kommen soll. Allerdings stehen bei der amerikanischen Regierung weitere Plaene in Vorbereitung, die aus Mitteln
der Vereinigten Staaten im ersten Jahr einen Betrag von etwa
500 Millionen Dollar an rueckstaendige Laender vorsehen. Es
bleibt jedoch dahingestellt, welche Betraege vom Kongress wirklich bereitgestellt werden. Daneben starten die einzelnen westeuropaeischen Laender In den von ihnen abhaengigen Gebieten
ihre eigenen Entwicklungssysteme. Grossbritannien zum Beispiel steht im Begriff, auf diese Weise 1,5 Milliarden auszugeben, waehrend Belgien beabsichtigt. Im Laufe von 10 Jahren
fuer aehnliche Zwecke 900 Millionen Dollar bereizustellen.
Doch alle Betraege, die bis jetzt von den Regierungen
angenommen oder eroertert wurden, koennen In Wirklichkeit kaum
die Peripherie des Problems beruehren, da die rueckstaendigen
Gebiete so ausgedehnt und ihre Einwohner so ungeheuer zahlreich sind. Ausserdem darf man nicht vergessen, dass aus Gruenden, auf die ich hier nicht eingehen kann, ihre Bevoelkerung
sich sehr schnell vermehrt. Man schaetzt, dass innerhalb
von 20 Jahren die Bevoelkerung Suedostasiens um 120 Millionen
steigen wird, das heisst um eine Zahl, die beinahe so gross
ist, wie die gesamte Einwohnerzahl der Vereinigten Staaten.
Es ist daher anzunehmen, dass die Gelder, die jetzt in dienen
Gebiete angewendet werden, kaum genuegen werden, um eine
weitere Verschlechterung des Lebensstandards zu verhueten, wobei von einer Verbesserung dieses Standards ueberhaupt nicht
gesprochen werden kann. Wie James Carey von der C.I.O. hervorgehoben hat, stellt das Geld, welches bislang von den Vereinigten Staaten im Rahmen des Punkt-Vier-Programm aufgebracht
wurde, weniger als ein Viertel-Dollar fuer jeden der 560 Million ea Menschen in Suedostasien dar.
Wenn irgendetwas Wirksames getan werden soll, um dieses
Problem zu loesen, so muessen diese Vorschlaege die Kuehnheit
und Grosszuegigkeit der Anregungen besitzen, die von einem
anderen C.I.O.-Fuehrer, Walter Reuther, gemacht wurden. Was
er vorschlug, war, dass sich das Volk der Vereinigten Staaten
dazu verpflichte, hundert Jahre lang durch die Vereinten
Nationen einen jaehrlichen Betrag von 13 Milliarden Dollar
fuer die wirtschaftliche Entwicklung der tJeberseelaender bereitzustellen, und dass die anderen Nationen je nach ihren
- 8

�Moeglichkeiten aehnliche Verpflichtungen eingehen*
Die Frage, die sich angesichts dieser astronomischen
Zahlen sofort stellt« ist, ob Westeuropa und die anderen
Westmaechte solche Betraege aufbringen koennen, insbesondere
Jetzt, da so viel fuer die Aufruestung ausgegeben wird. In
diesem Jahre stellt der Kongress einen Betrag von 70 Milliarden Dollar fuer die Aufruestung bereit, gegenueber 25 Milliarden Dollar, die bis jetzt fuer das Punkt-Vier-Programm gebilligt wurden. Auch in den westeuropaeischen Laendern steigen
die Aufruestungskosten; in England werden sie zum Beispiel
verdoppelt.
Die Antwort, die ich auf diese Frage geben moechte, ist,
dass die Westmaechte einen internationalen Hilfsplan zugunsten
der rueckstaendlgen Laender in einem aehnlichen Masstab wie
der, den ich erwaehnt habe, unbedingt annehmen muessen. Wir
muessen uns ein fuer allemal darueber Rechenschaft ablegen,
dass diese rueckstaendigen Laender, insbesondere in Asien
und Afrika, das groesste politische und soziale Problem, das
die Welt heutzutage kennt, darstellen. Wenn wir dieses
Problem nicht loesen, so ist es hoechstwahrscheinlich, dass
alle unsere Verteldigungsplaene letzten Endes scheitern werden.
In diesem Zusammenhang moechte ich wieder eine Feststellung anfuehren, die von James Carey gemacht wurde. Es
helsst, dass er gesagt haette, die westlichen Demokratien
wuerden sowohl auf moralischem als auch auf militaerlschem
und wirtschaftlichem Gebiet ihre eigene Zukunft in Frage
stellen, wenn sie die 560 Millionen Einwohner Suedostaslens
samt den natuerllchen Reichtuemern dieses Gebietes an den
Kommunismus verlieren wuerden. Im Vergleich zu den diesjaehrlgen 70 Milliarden Dollar, die die Vereinigten Staaten fuer
ihre Verteidigung ausgegeben haben, sagte Carey, "haetten wir
offenkundig Geld erspart, wenn wir uns entschlossen haetten,
vier Jahre lang Jaehrlich 5 Milliarden Dollar fuer MarshallPlan-Programme im Fernen Osten auszugeben".
Uns allen Ist bekannt, dass in Suedostasien gegenwaertig
eine politische und soziale Gaerung vor sich geht. Die Einwohner dieses und anderer Gebiete werden unter dem Druck eines
erwachenden Nationalismus immer staerker den empoerenden Abgrund gewahr, der zwischen ihren eigenen Lebensbedingungen und
denjenigen der Voelker in den fortschrittlichen Laendern besteht. Sie kommen schnell zu dem Schluss, dass es angesichts
der gegenwaertigen Mittel der Wissenschaft und Technik keinen
triftigen Grund dafuer gibt, dass sie in ihrer entsetzlichen
Armut verbleiben sollten. Wenn wir nicht etwas Grosszuegiges
tun, um Ihre Lebensbedingungen zu verbessern, und wenn wir
es nicht schnell tun, so werden diese Voelker unvermeidlich
dem Kommunismus verfallen und sich uns nicht nur als Maerkte,
sondern auch als Quellen lebenswichtiger Nahrungsmittel und
Rohstoffe verschliessen. Die kuerzllchen Ereignisse in Persien
beweisen, dass die Laender nicht erst dem Kommunismus verfallen
muessen, um diesen Weg zu beschreiten. Und was das fuer Westeuropa bedeutet, ist, dass, wenn noch mehr Maerkte und Versorgungsquellen auf diese Weise geschlossen werden, dies am
Ende mit Sicherheit den wirtschaftlichen Untergang zur Folge
haben wird, und zwar mit allen politischen und sozialen Konsequenzen, die sich daraus ergeben.
- 9 -

�Die Eroerterung clor Probleme Westeuropas Hess uns zu einer
Stelle kommen, -die von Europa selbst weit entfernt ist. So ist
es auch in der Tat, denn in Wirklichkeit ist es in mancher Hinsicht
und insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet bloss eine besondere
Form der Vorstellung, wenn man Westeuropa als ein separates Ganzes
betrachtet. Es ist viel eher der Teil eines Weltwirtschaftskomplexes, und seine Probleme koennen nur im Rahmen einer umfassenden
Planung eine Loesung finden. Wie ich die Dinge sehe, bleiben diese
Weltwirtschaftsprobleme nach wie vor das, was sie unter dem Kapitalismus immer waren - trotz des bemerkenswerten Fortschritts,
der im Sinne einer Milderung der besonders harten Seiten dieses
Systems erzielt wurde. Die Probleme bleiben im Grunde genommen
die grossen Ungerechtigkeiten der Gueterverteilung zwischen den
verschiedenen Klassen und Nationen und die sich dareus ergebende
Unmoeglichkeit, ein hohes und festes Beschaeftigungsniveau aufrecht zu erhalten sowie die Produktionstechnik zur vollen Entwich
lung zu bringen, weil die Kaufkraft der Volksmassen nicht genuegend hoch ist.

ALLGEMEINE LOHNERHOEHUNGEN IN SCHWEDEN
Zum erstenmal seit drei Jahren sind gegen Ende des Jahres
1950 und anfangs 1951 fuer 1 1/2 Millionen schwedische Arbeiter
oder 60% der 2 1/2 Millionen Lohn- und Gehaltsempfaenger Schwedens
Verhandlungen ueber neue Lohn- und Gehaltsabkommen gefuehrt worden.
Der schwedische Gewerkschaftsbund (LO) verfolgte seit 1947 die
Politik, die bestehenden Lohntarife beizubehalten, machte jedoch
im Jahre 1950 die Fortsetzung dieser Politik von der Stabilisierung
der Preise abhaengig. Seit dem Beginn der Feindseligkeiten in
Korea im Jahre 1950 hatte der schwedische Gewerkschaftsbund jedoch
mit grossen Preiserhoehungen gerechnet und den ihm angeschlossenen
Gewerkschaften empfohlen, die bestehenden Tarifvertraege zu kuendigen und wieder freie TarifVerhandlungen aufzunehmen.
Obwohl die Verhandlungen waehrend der ersten Haelfte des Jahres 1951 fortgesetzt werden sollten, koennten bereits Ende Februar 1951 fuer etwa die Haelfte der Arbeiter Vertraege auf friedlichem Weg abgeschlossen werden. Die drei folgenden wesentlichen
Merkmale kennzeichnen im allgemeinen die neuen Vertraege:
(1) Die Lohnerhoehungen sind im Vergleich zu den geschaetzten
Steigsrungen der Lebenshaltungskosten maessig. Der Lebenshaltungskostenindex hatte im Dezember 1950 den Durchschnitt des Jahres
1947 um 10% ueberschritten. Als im Dezember 1950 die Subventionen
fuer alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse aufgehoben wurden, begannen die Preise schnell anzusteigen und schwedische Behoerden
schaetzten, dass die Erhoehung des Lebenshaltungskostenindex im
ersten Quartal des Jahres 1951 insgesamt acht Prozent betrug.
(2) Die Lohnerhoehungen waren fuer niedrig bezahlte Industriezweige und fuer die Gruppen mit niedrigen Einkommen, vor allem
Frauen, am hoechsten.
(3) Die Vertraege sind auf ein Jahr Gueltigkeitsdauer begrenz
und nicht mit den periodischen Steigerungen der Lebenshaltungskosten gekoppelt. Die Funktionaere des schwedischen Gewerkschaftsbundes haben den Gewerkschaften nahegelegt, von dieser letzteren
Massnahme zum Schutze der Realloehne abzusehen, um eine Lohn-PreisSpirale zu verhindern.
- 10 -

�In den Vertraegan, die in der Zeit von November 1950 bis
Februar 1951 abgeschlossen wurden, sind, folgende durchschnittliche Lohnerhoehunren vorgesehen:
prozentuale
Gruppe
Lohnerhoehung
170.000 Wald- und Forstarbeiter

12.0$ - 17.0%

100.000 landwirtschaftliche Arbeiter .
(etwa die Haelfte nicht gewerkschaftlich
organisiert)
maennlich

13.5%

weiblich

19.0%

12.000 Arbeiter in Herstellungsbetrieben

8.0% - 13.0%

150.000 Maschinen- und Giessereiarbeiter

9.5%

5.000 Bergleute in Erzbergwerken
(mit Lohnunterschieden gemaess den Senioritaetsanspruechen, um uebermaessig
haeufige Arbeitsplatzwechsel zu vermeiden)

8.0%

35.000 Arbeitnehmer im Hotel- und Gaststaettengewarbe

13.0% - 14.0%

35.000 Bekleidungsarbeiter

13.0% - 14.0%

9.000 Angestellte der Handelsbanken
(hier erfolgte eine prozentuale Erhoehung
der Gesamteinkommen. Frauen erhielten
hoehere Gehaltsaufbesserungen)

10.0% - 25.0%

200.000 Beamte und andere Arbeitnehmer der
18.8%
Regierung
(ebenfalls prozentuale Erhoehung der
Gesamteinkommen)
Etwa 50.-000 Empfaenger von Alterspensionen, die von der Regierung gewaehrt werden, haben mit der gleichen prozentualen Erhoehung ihres Einkommens wie die Arbeitnehmer der Regierung gerechnet. . Dieses Abkommen gilt ausserdem indirekt fuer ueber 200.000
Kommunal- und Provinzialbedienstete, deren Loehne und Gehaeiter
im allgemeinen (Jenen der Arbeiter und Beamten der Regierung angeglichen werden.
Notes on Labor Abroad
11/51
REFERATS FUER PR QDUKTIOfrSTSCHNIK IN AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
Eine Anzahl amerikanischer Gewerkschaften haben Referate
fuer Produktionstechnik oder -Forschung. Vielleicht ist diese
Tatsache ein Beweis fuer das Ausmass, in dem die Betriebswissenschaft in der amerikanischen Industrie angewendet wird. Man darf
natuerlich nicht vergessen, dass die Betriebsleitung in den Vereinigten Staaten, allgemein gesprochen, "mehr auf eigenen Fuessen
steht" als in Grossbritannien. Die Konkurrenz spielt eine wesentliche,stets akute Rolle. Lohnverhandlungen werden zwischen oertlichen Gewerkschaften und einzelnen Unternehmen und weniger auf
gesamtindustrieller Basis gefuehrt..
- 11 -

�Wenn gewerkschaftliche Referate fuer Produkt!onstechnik bestehen, so bedeutet das nicht, dass die amerikanischen Gewerkschaften die Absicht haben oder auch nur inErwaegung ziehen, die Funktionen der Betriebsleitung in der Industrie zu uebernehmen. 2s
ist in der Tat in den meisten Vertraegen zwischen den Unternehmen
und Gewerkschaften eindeutig festgelegt, dass sich die Gewerkschaft
in keiner V/eise in die Funktionen der Betriebsleitung einmischen
oder ihnen entgegen handeln darf. Die Einstellung und Entlassung
von Arbeitnehmern wird im allgemeinen nicht zufaellig als eine
Funktion der Betriebsleitung angesehen. Die Unternehmer haben
bei zahlreichen Gelegenheiten die Gewerkschaften um ihren Hat
ersucht, wenn es sich um Probleme des Betriebes handelte.
Wenn die- amerikanischen Gewerkschaften Referate fuer Produktionstechnik errichtet haben, so ist hierin sine rein defensive
Massnahme zu sehen, eine Massnahme, die den Zweck hat, die Interessen der Gewerkschaftsmitglieder gegenueber der allzu haeufigen
Anwendung "wissenschaftlicher Betriebsleitungsmethoden" zu
schustzen, die «jeder menschlichen Ueberlegung entbehren. Techniker im Dienst der Gewerkschaften haben die Aufgabe, die statistischen Unterlagen- bereitzustellen, die fuer TarifVerhandlungen notwendig sind, um beweisen zu koennen, was die Arbeiter leisten
koennen, und um sich nicht auf Grund wissenschaftlicher Methoden
vorschreiben zu lassen, was sie leisten sollten.
Die Gewerkschaften und natuerlich auch viele amerikanische
Unternehmen hegen keinen Zweifel ueber die wissenschaftlichen Grenzen des Zeitstudiums und der Arbeitsbewertung. Sie sind rieh bswusst, dass die persoenliche und individuelle Beurteilung - d.h.
das menschliche Element, das bei der Festsetzung vorgeschlagener
Arbeitsnormen mitspielt, nicht so ist, dass die gewaehrte Arbeitszeit, die in Zeitstudien errechnet wird, als "Tatsache" angesehen
werden kann.
Dieser Umstand hat zweifellos dazu beigetragen, dass viele
Gewerkschaften davon Abstand genommen hab3n, eine Haltung einzunehmen, die von vornherein gegen das Zeitstudium gerichtet ist.
Denn wenn bei Fragen, die sich auf Ermuedung, Tariffestsetzung usw.
beziehen, persoenliches Urteil und persoenliche Meinung eine so
grosse -Rolle soielen, dann bestehen auch genuegend Moeglichkeiten
zur ^Diskussion. Mit anderen 7/orten, Zeitstudien bieten eine
Moeglichkeit, in die TarifVerhandlungen einen realistischen Gei3t
zu bringen.
Aufgabe der Produktionsreferate der Zentralstelle der Gewerkschaften ist es, hauptsaechlich die Grtsgewerkschaften mit Dienstleistungen und Informationen zu unterstuetzen. Der Personalstab
dieser Referate ist nur klein und umfasst hoechstens drei oder
vier Mitglieder, die jedoch hochqualifizierte Experten auf dem
Gebiet der Technik und der Betriebsleitung sein muessen. Einige
Gewerkschaften beschaeftigen auch in ihren Bezirksbueros technische Sachverstaendige. Die Arbeit die-er Techniker in den Gewerkschaften besteht nicht darin, Zeitstudien durchzufuehren oder
Arbeitsnormen festzusetzen, obwohl sie hierzu in der Lage waeren
und es auch mitunter fuer notwendig erachten, sondern die Zeitstudien oder Arbeitsplatzbewertung der Arbeitgeber zu ueberwachen
und dementsprechende Verhandlungen zu fuehren. Wenn neue Maschinen oder neue Produktionsmethoden in einem Betrieb eingefuehrt
werden, wenn'ein Montageband abgeaendert oder ein neuer Arbeitsvertrag entworfen wird, wird die Ortsgewerkschaft haeufig Rat und
Unterstuetzung beim Produkt!onsreferat ihres Gewerkschaftsvorstandes einholen, dem genuegend Informationen und statistische Unterlagen zur Verfuegung stehen und das hoechstwahrscheinlich ueber
die finanzielle Lage des Unternehmens gut unterrichtet ist.
- 12 -

�Es besteht wohl kein Zweifel darueber, dass die erfolgreiche
Arbeit dieser produkt,ionstechnischen Referate der amerikanischen
Gewerkschaften in dem Bestreben, die Interessen ihrer Kitglieder
zu wahren und sie zu foerdern, viel dazu beigetragen hat, das zu
beseitigen, was unter anderen Umstaenden ein Hindernis fuer
die technologische Entwicklung in den betreffenden Industrien
ha.ette -ein koennen. Die Gewerkschaften sind der Auffassung,
dass die Sicherheit des Arbeitsplatzes am besten durch eine
groesstmoegliciie Leistungsfaehigkeit der Industrie garantiert
ist, und dass die Verbesserung des Lebensstandards vornehmlich
von der Steigerung der Produktionsleistung abhaengig ist.
Besonders interessant auf diesem Gebiet der Produktiontechnik ist die Arbeit des produktionstechnischen Referats der Internationalen Dt.menob3rbekleidungsarbeitergewerkschaft. Diese Organisation, in der Arbeiter der groessten und am staerksten konkurrierenden Industrie organisiert sind, ist in der Entwicklung der
Methoden des Zeitstudiums weiter gegangen als die meisten Gewerkschaften mit dem Ergebnis, dass die Lohntarife in dieser Industrie im Laufe der letzten Jahre wesentlich verbessert und, was
noch wichtiger ist, stabilisiert wurden. Eine andere gewerkschaftliche Errungenschaft ist die Teilnahme der Vereinigten
Stahlarbeitergewerkschaft an dem Arbeitsbewertungsprogramm, das
in der Stahlindustrie auf Anordnung des nationalen Arbeitsausschusses fuer den Einsatz der Arbeitskraefte in Kriegszeiten im
Jahre 1945 durchgefuehrt werden musste. Diese Anordnung war auf
die Forderung der Gewerkschaft nach Lohnaufbesserungen und Beseitigung vieler Ungleichheiten bei der Lohnzahlung in der Stahlindustrie zurueckzufuehren. Das Programm hat insofern einen
Riesenaufwand an Arbeit bedeutet, als fuer alle Arbeitsplaetze
in der Industrie Arbeit3beschreibungen verfasst werden mussten,
die Arbeitsplaetze entsprechend der Anzahl der Punkte, die fuer
berufliche Fähigkeiten, Verantwortung,. Ausbildung und Unfallgefahr zuerkannt werden, klassifiziert wurden und ein Grundtarif
mit einer entsprechenden Tabelle fuer Arbeiter mit mehr Punkten
festgesetzt werden musste.
Das Referat fuer Lohnunterschiede der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft befasst sich zusammen mit technischen Vertretern der Unternehmer mit dieser Arbeit. Diese Arbeitsbewertung
hat sich als so erfolgreich erwiesen, dass Unternehmer und Gewerkschaften vereinbart haben, keine Beschwerden ueber Unterschiedlichkeiten der Lohntarife zu fuehren, sondern derartige Fragen in
direkten Verhandlungen zu klaeren.
Organizing for Output, BIM
TUERKISCHE GE~.VERKS GRÄFTEN WERDEN STAERKER
Irving Brown, der internationale Repräsentant der AFL, hat
dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften einen vorlaeufigen
Bericht uebar seinen Besuch in der Tuerkei unterbreitet, in dem
festgestellt wird, dass in diesem strategisch wichtigen aufstrebenden Land des Orients, das nur durch einen Wasserstreifen von
wenigen Meilen von Sow letrussland getrennt ist, eine freie Gewerkschaftsbewegung im Entstehen ist.
In seinem Bericht an J. H. Oldenbroek, den Generalsekretaer
de3 IBFG, erklaert Brown, die Zahl der tuerkischen Gewerkschaften
sei von 83 im Mai 1950 auf 103 im Maerz 1951 angestiegen. Die
Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter habe sich von
74.000 auf 99.000 erhoeht.
—

j.o

—

�Zwar wuerden die tuerkischen Gewerkschaften jetzt noch von
der Regierung genauestens kontrolliert, "und selbst die internen
Angelegenheiten der Gewerkschaften unterstuenden polizeilicher
Kontrolle, doch seien diese Massnahmen mit der Entfaltung der
neuen Gewerkschaftsbewegung im Abklingen."
Im Verlauf dieser Feststellungen teilte der Sprecher der
AFL mit, dass auf dem Kongress des Gewerkschaftsbundes in Istanbul,
an dem 500 Delegierte teilnahmen, "offen und uneingeschraenkt
an dem Arbeitsministerium Kritik geuebt" worden sei, und dass
alle wesentlichen Gewerkschaftsprobleme eingehend besprochen
worden seien.
Brown berichtete ferner, dass grosses Interesse fuer den
IBFG gezeigt worden sei und die Gewerkschafter die Hoffnung zum
Ausdruck gebracht haetten, nach der Bildung der LandesOrganisation
der Tuerkei dem IBFG beitreten zu koennen. Die Gruendung einer
solchen LandesOrganisation ist fuer das Ende dieses Jahres oder
fuer den Anfang des Jahres 1952 vorgesehen.
AFL Weekly News Service
17/24/51
AFRIKANISCHE GEWERKSCHAFT ERNEUEST INTERNATIONALEN RE'PRAES ENTANTEN
Eine der groessten Gewerkschaften Amerikas hat ihr wachsendes Interesse an internationalen Angelegenheiten dadurch unter
Beweis gestellt, indem sie einen internationalen Sondervertreter
ernannt hat.
Es handelt sich um die Internationale Gewerkschaft der Mechaniker (IAM), die unlaengst ihre Mitgliedschaft in der AFL wieder aufgenommen hat. Die Gewerkschaft hat Rudy Faupl, der sich
seit langem mit nationalen und internationalen- Gewerkschaftsfragen beschaeftigt hat, zu ihrem ersten internationalen Repräsentanten ernannt.
Faupl3 Ernennung bedeutet einen weiteren Schritt zur Einschaltung der Gewerkschaften in internationale Arbeitsbereiche.
Seit Jahren ist die Internationale Gewerkschaft der MeOhaniker
dem Internationalen Metallarbeiterverband und dem Internationalen
Transportarbeiterverband angeschlossen. Als eine seiner ersten
Amtshandlungen wird Faupl die 600.000 Mitglieder der IAM auf den
Konferenzen des Metallarbeiterverbandes in der Schweiz im Juli
dieses Jahres vertreten.
Als der Vorsitzende der IAM AI Eayes die Ernennung Faunls
bekanntgab, erklaerte er, dass die Gewerkschaft sich jetzt nicht
mehr allein durch den lediglich zeitweiligen Einsatz taetiger
Funktionaere in wirksamer V/eise in die Weltangelegenheiten einschalten wollen.
"Die Ereignisse haben bewiesen," fuhr, er fort, "dass es uns
ohne die Zusammenarbeit und die Solidaritaet aller freiheitsliebenden Menschen der Welt unmoeglich ist, Frieden, Freiheit und
Wohlstand in einer Welt zu erhalten, die aufgrund der technologischen Entwicklungen mit jedem Tape kleiner"wird."
Als internationaler Repraesentant der IAM wird Faunl gemeinsam mit den freien Gewerkschaften der ganzen Welt an der ünterstuetzung der Arbeiterschaft in ihrem Kampf um Frieden, Freiheit
und Wohlstand arbeiten.

- 14 -

�Der neue internationale Repraesentant war mehr als zehn
Jahre lang mit Fragen der Mechaniker beruf e beschaeftigt. V/aehrend des zweiten 7/eltkrieges half er der amerikanischen Regierung bei der Bearbeitung von Lohnfregen. Seit Januar 1951 war
er gemeinsam mit Exekutivstellen der IAM an Lohnstabilisierungsproblemen taetig. Im vergangenen Jahr gehoerte Faupl zu der
dreiköpfigen Delegation, die von amerikanischen Gewerkschaften
zur Berliner Industrieausstellung entsandt worden war.
Labor Air Bulletin
V/9/51
STEIGENDE AKTIVITAET DER FRAUEN IN AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
Frauen spielen nicht nur rein zahlenmaessig in der Mitgliedschaft, sondern auch in der gewerkschaftlichen Organisation und
Fuehrung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung eine Rolle von
zunehmender Bedeutung.
Der zahlenmaessige Anteil der Frauen in den Gewerkschaften
nimmt staendig zu, was im wesentlichen auf die nachdruecklicheren
Bemuehungen der Organisationen in den letzten Jahren zurueckzufuehren ist, die Bueroangestellten und anderen Angestelltengrup^en
als Mitglieder zu gewinnen, in denen Frauen in grosser Zahl vertreten sind.
Von den 19 Millionen Frauen, die heute in den Vereinigten
Staaten erwerbstaetig sind, sind mehr als drei Millionen gewerkschaftlich organisiert. In einigen Gewerkschaften, wie z.B. der
Textilarbeitergewerkschaft, der Telephon- und Telegraphenarbeitergewerkschaft, der Internationalen Gewerkschaft der Elektro-,
Radio- und Maschinenarbeiten der Vereinigten Bekleidungsarbeiterund der Internationalen Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft
betraegt der Anteil der Frauen an der Gesamtmitgliederzahl 40
bis 75%.
Die amerikanischen Gewerkschaften waren stets darauf bedacht,
allen Arbeitern ohne Ruecksicht auf Rassenzugehoerip:keit, Konfession, Farbe oder Geschlecht den gleichen Schutz zu gewaehren.
Sie haben das Prinzip des gleichen Lohnes fuer gleiche Arbeit
unterstuetzt und unablaessig danach gestrebt, die fuer weibliche
Arbiiter notwendigen Gesundheits- und Sicherheitsmassnahmen zu
vervollkommnen.
Ein bezeichnendes Beispiel fuer die Arbeit, die in dieser
Hinsicht geleistet wird, ist die amerikanische Gewerkschaft der
Arbeiter in Automobil- und Flugzeugfabriken und in Fabriken zur
Herstellung landwirtschaftlicher Geraete (UAV.7). Sie ist eine der
groessten Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten.
Obwohl die 100.000 Frauen in dieser Gewerkschaft weniger
als 10% der gesamten Mitgliedschaft darstellen, hat 3ich die UAW
besondere Verdienste um die Abschaffung diskriminierender Methoden gegen Frauen und die Foerderung der Rechte der Frauen in der
Industrie erworber.
Sie hat zwei Sonderrefarata geschaffen, die sich speziell
mit Probismen der berufstaetigen Frau befassen. Der Beratungsausschuss fuer Frauen arbeitet auf Betriebsebene und beichaeftirt
sich vornehmlich mit Loehnen, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen.
Die andere Einrichtung, das sogenannte Frauenbuero, arbeitet auf
Landesebene, um die V/ohlfahrt der Frauen durch erzieherische, gesetzgeberische und staatliche Massnahmen zu foerdern.
- 15 -

�Das Frauenbuero dor UAW arrangiert ausserdem Studienreisen
fuer Gewerkschaftsgruppen aus dem Ausland, die die Vereinigten
Staaten besuchen. Es stellt anderen Gruppen, die am Fortschritt
der Frauen interessiert sind, Literatur und Snrecher zur Verfuegung und wirkt bei der Werbung fuer neue Ortsgewerkschaften mit.
Die weiblichen Mitglieder der UAW beteiligen sich aktiv an
zahlreichen Phasen der-gewerkschaftlichen Arbeit. Etwa 600 von
ihnen bekleiden entweder Funktionaerstellungen, sind Mitglieder
in Ausschuessen, die mit Automobilfabriken ueber Terifvertraege
verhandeln, oder.betaetigen sich in Bildungs- und politischen
Ausschuessen verschiedener Ortsgewerkschaften. Andere arbeiten
in den Wohlfahrts- und Gesundheitsausschuessen der UAW.
Die Beteiligung der Frauen an der gewerkschaftlichen Arbeit
hat bei der Erzielung besserer Arbeitsbedingungen - richtige Beleuchtung, Heizung, Ventilation, sanitaere Waschraeume, Sicherheitsmassnahmen, Ruhepausen und Genesungsurlaub - eine wesentliche
Rolle gespielt. Sie hat ausserdem mitgeholfen, die Aufmerksamkeit der Gewerkschaften auf die besonderen Probleme der arbeitenden Mutter zu konzentrieren: die Notwendigkeit eines angemessenen
Mutter3chaftsurlaubs und kommunale Programme fuer Tageskindergaerten und Kinderbetreuung.
Immer groessar wird die Zahl amerikanischer Gewerkschaften,
die jetzt Klauseln ueber Mutterschaftsurlaub in ihre Tarifvertraege aufnehmen, in einigen wird eine maximale Abwesenheitsdauer von
einem Jahr festgelegt, ohne dass die Frauen den Anspruch auf ihren
Arbeitsplatz verlieren.
Labor Air Bulletin
V/9/51
WARUM AMERIKANISCHE ARBEITER GEWERKSCHAFTER SIND
Eine neue Erhebung, die innerhalb einer groesseren amerikanischen Gewerkschaft vor kurzem durchgefuehrt wurde, hat gezeigt,
dass der groessere Teil ihrer Mitglieder - etwa 70% - der Gewerkschaft beigetreten sind. Viele andere, die diesen festen Glauben
zu Anfang nicht hatten, sind nun begeisterte Mitglieder und einige
sind sogar in fuehrende Stellungen aufgerueckt.
Diese Feststellungen sind in einem Bericht enthalten, der,von
drei Sozialwissenschaftern des Instituts fuer Industrielle Wechselbeziehungen an der Universitaet Chikago in der Zeitschrift "The
Annals" der Amerikanischen Akademie fuer Politik und Sozialwissenschaft veroeffentlicht wurde.
Die drei Wissenschafter haben in einer Ortsgewerkschaft der
Vereinigten Stahlarbeiter von Amerika, die etwa 14.000 Mitglieder
hat, eine 14-monatige Studie durchgefuehrt. Die Gewerkschaft ist
dem CIO angeschlossen.
In dem Bericht wird hervorgehoben, dass die Familientradition
in der Arbeiterschaft eine der wichtigsten Ursachen dafuer ist,
dass die Arbeiter von ihrer gewerkschaftlichen Mission voellig uebei
zeugt sind. Viele, die dies als Grund angaben, erklaerten, dass ihi
Vaeter und andere nahe Verwandte Gewerkschaftsmitglieder waren und
auch sie fest an die gewerkschaftliche Sache glaubten.
Der Umfang der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung laesst vef-

- 16 -

Labor Air Bulletin
V/9/51

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 20

Frankfurt, 18. Fei 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Eine Analyse des Schuman-Plans - - - - - -

l

Gewerkschaften im Dienst der oeffentlichen
Wohlfahrt - - - - - - - - - - - - - - Was "Freie Arbeit" in Russland ist - - - -

7
6

Textilarbeiterstreik in Danville (U.S.A.)- 10
Die grosse Aufgabe der Berufsberatung - - 11
Die Gewerkschaftsbewegung in Asien breitet
sich aus
- - - - - - - - - - - - - - - 1 5

EINE ANALYSE DES SCHUMAN-PLANS
Am 9. Mai 1950 hat der franzoesische Aussenminister Robert
Schuman den Vorschlag seiner Regierung bekanntgegeben, die
Kohle- und Stahlindustrien Frankreichs und Deutschlands zusammen mit denen anderer europaeischer Laender in einem einzigen
Absatzmarkt zu vereinigen. Dieses Vorhaben stellt eine Entwicklung von groesster Bedeutung im politischen und wirtschaftlichen
Leben Westeuropas dar.
Schumans Vorschlag, einen Vertrag auszuarbeiten, erging
an alle suropaeischen Nationen. Fuenf Laender nahmen seine Einladung an: Belgien, Holland, Italien, Luxemburg und Westdeutschland. Diese fuenf Nationen haben nun zusammen mit Frankreich
einen detaillierten Vertrag in Ausfuehrung der urspruenglichen
Vorscblasga ausgearbeitet. Darin wird vorgeschlagen, dass alle
- 1-

�notwendigen Befugnisse zur Leitung dieser Industrien neuen
Institutionen uebertragen werden, die denen einer Bundesregierung aehnlich sein sollen. Der Angelpunkt in der Fuehrung dieser Industrien war die Beseitigung der nationalen Handelsbeschränkungen und der einschränkenden privaten Vereinbarungen.
Die diskriminierenden Methoden, die bisher haeufig beim Verkauf
•von Kohle und Stahl angewendet wurden, muessen fortfallen.
Kohle- und Stahlerzeugnisse und Arbeiter der Kohle- und Stahlindustrie duerfen innerhalb der Mitgliedstaaten frei ausgetauscht
werden. Bei einer kritischen Knappheit oder sonstigen Krisen,
die ein Eingreifen der Regierung erfordern, muessen sich die
neuen uebernationalen Institutionen einschalten.
Der einheitliche Absatzmarkt, der durch diese Bestimmungen
geschaffen wuerde, waere von der uebrigen Welt nicht isoliert.
Hersteller aus Staaten, die Niohtmitglied sind, -haetten ebenfalls freien Zutritt zu dem Markt, ohne dass der Einfuhr ihrer
Erzeugnisse bedeutendere Handelsbeschränkungen auferlegt wuerden. Aus-serdem wuerde denjenigen Laendern, die von den Herstellern des einzigen Absatzmarktes auf dem Importwege beliefert
werden, gleiche Behandlung und angemessene Preise zugesichert.
Diese revolutionaeren Vereinbarungen und Einrichtungen verdienen, dass man sich eingehend mit ihnen beschaeftigt. Im Folgenden sind die wesentlichen Bestimmungen des Plans zusammengefa3st und dargelegt, wie man sich 3eine Arbeitsweise vorstellt.
Die Satzungen des Sohumanplans zeigen, dass die Souveraenitaet
der einzelnen Laender duroh eine Reihe wesentlicher Bestimmungen
gewahrt bleibt. Nach dem Abkommen wird eine exekutive Koerperschaft gebildöt werden, die befugt ist, den groessten Teil der
wesentlichen Bestimmungen zur Ausfuehrung zu bringen. Die Mitglieder dieser exekutiven Koerperschaft, die die Bezeichnung
"Hohe Behoerde" tragen wird, werden gemeinsam von den Regierungen
der Mitgliedstaaten fuer eine Amtszeit von sechs Jahren gewaehlt.
Kein Mitglied dieser Behoerde darf sich an eine nationale Regierung irgendeines Teilnehmerstaates wenden oder Instruktionen von
ihr annehmen.
. Die Befugnisse, die fuer die Hohe Behoerde vorgeschlagen
sind, reichen sehr weit. Hierzu gehoert das Recht, die Produktion der Unternehmen, die ihr unterstehen, zu besteuern, Richtlinien in bezug auf Kohle und Stahl herauszugeben, die fuer die
einzelnen Unternehmen und Staaten, an die "sie gerichtet sind,
bindend sind, solchen Unternehmen, die ihre Anordnungen nicht
befolgen, Geldstrafen aufzuerlegen, die Gewinne, die aus irgendwelchen illegalen Handlungen der Mitgliedstaaten entstehen, durch
Sonder3teuern auf die Produktion in den Betrieben dieser Laender
praktisch zu beschlagnahmen, zu borgen und zu verleihen, Erhebungen durenzufuehren und den Betrieben und Staaten innerhalb
ihres Wirkungsbereichs Vorschlaege zu unterbreiten. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, wenn erforderlich, die Ausfuehrung
der Anordnungen der Hohen Behoerde durch den Einsatz ihrer ""olizeikraft zu erzv;ingen.
Die Hohe Behoerde wird regelmaessig einer Gemeinsamen Versammlung 'Bericht erstatten, die sich aus Delegierten zusammansatzt,
die in vereinbarter Zahl von den ntgllodstfcfcten entsendet werden« Die Versammlung wird die Arbeit der Hohen Behoerde all,1aehrlich ueberpruefen. Mit einer Stiiiimennehrheit von zwei Dritteln kann die Versammlung der Behoerde das Vertrauen absprechen
und ihre Mitglieder zum Ruecktritt zwingen. Sie wird ausserdem
befugt sein, einen Jahreshaushalt, der von der hohen Behoerde vorgeschlagen ist, zu pruefen und im Gesamten zu bewilligen.

�Eine dritte wesentliche Einrichtung des "°lans ist der besondere Ministerausschuss. Die Schaffung eines solchen Ausschusses
entstammt der Notwendigkeit, irgendwelche Mittel zu finden, mit
denen die Arbeit der Hohen Behoerde in den Kohle- und Stahlsektoren des Wirtschaftsgefueges der Mitgliedstaaten mit den Massnahmen
koordiniert werden kann, die von diesen Regierungen fuer den
uebrigen Teil ihrer Wirtscheft ergriffen werden. In frueheren
Verhandlungen wurden die Auswirkungen von Massnahmen der Hohen
Behoerde in Kohle und Stahl auf nationale Probleme, wie z. B.
die Kontrolle der Inflation, die Bilanz auswaertiger Konten und
die Sicherung der Verteidigung besprochen.
•

Der Mlnisterausschuss, dem Minister aus den Regierungen der
Signatarstaaten angehoeren, wird dementsprechend mit den notwendigen Befugnissen ausgestattet, um diese Koordinierung bewerkstelligen zu koennen. Der Ministerausschuss wird z. B. das Recht
haben, Vorschlaege zu formulieren, und er wird immer bei den Entscheidungen der Hohen Behoerde mitzureden haben, wenn es sich um
Fragen der Kontrolle des Absatzmarktes handelt, wie z.B. die
Moeglichkeit, Hoeohstpreise und Zuteilungsquoten festzusetzen,
wenn Warenknappheit besteht. Der Ministerausschuss wird ausserdem an den Verfahren direkt beteiligt, mit denen die Zolltarife
der sechs Laender fuer Kohle und Stahl festgesetzt werden.
Ein anderes Element in der durch den Schuman-Plan geschaffenen Struktur ist der Gertchtähof. In den meisten, typisch uebernationalen Vereinbarungen werden Meinungsverschiedenheiten ueber
die Auslegung im allgemeinen durch Abmachungen unter den Signatarstaaten geklaert, wobei zuweilen bestimmt wird, dass die Regierungen das Recht haben, beim Internationalen Gerichtshof Berufung
einzulegen. Der Schuman-Plan soll seinen eigenen Gerichtshof
haben, der sich mit Rechtsfragen beschaeftigt, die sich aus den
Beziehungen der einzelnen Organe miteinander und aus Beschwerden
einzelner Regierungen, Unternehmen oder Einzelpersoenen ergeben.
Die Mitglieder des Gerichtshofes werden groesstenteils durch das
gleiche Verfahren gewaehlt «ie die der Hohen Behoerde. Die wichtigste Befugnis des Gerichtshofes ist das Recht, die Bestimmungen
der Hohen Behoerde fuer ungueltig zu erklaeren und zwar auf dieselbe V/eise und auf der gleichen Grundlage wie die Gerichtshoefe
der Vereinigten Staaten die Gesetze des Kongresses fuer verfassungswidrig und die Entscheidungen der Verwaltungsbehoerden der Regierung fuer ungueltig arklaeren koennen. Kurz gesagt, wenn die
Hohe Behoerde ihre Befugnisse ueberschreitet oder willkuerlich
handelt, hat der Gerichtshof das Recht, einzugreifen. Er kann
ausserdem Handlungen des Ministerausschusses oder der Gemeinsamen
Versammlung fuer null und nichtig erklaeren, wenn diese Koerperschaften die Grenzen ihres Machtbereiches ueberschreiten.
Das. System der Einrichtungen wird durch ein weiteres Organ,
naemlich den Beratungsausschuss, vervollstaendigt. Dieser • IJBschuss hat die Aufgabe, eine direkte Verbindung zwischen der Höhen
Behoerde auf der einen Seite und dem Hersteller, dem Arbeiter und
den Verbrauchern auf der anderen Seite herzustellen. Er wird
sich aus Vertretarn zusammensetzen, die von den drei Gruppen in
gleicher Zahl ernannt vverden und wird beratende Funktionen allgemeinen Charakters haben.
Der dominierende Grundsatz des Schuman-Plans ist, dass die
Kohle- und Stahlindustrien der Mitgliedstaaten so behandelt werden
sollen, als ob keine nationalen Grenzen zwischen ihnen bestuenden.
Die Laender Westeuropas muessen ihre Bemuehune-en aufgeben, selhstgsnueg3am in bezur auf Kohle und Stahl zu sein, sie muessen vielmehr diesen Industrien gestatten, sich zu einem gemeinsamen Ab- 3-

�satzmarkt zusammenzuschliessen, der alle Mitgliedstaaten umfasst.
Die wesentlichen Bestimmungen ueber die Arbeitsweise des
Planes gelten dementsprechend der Beseitigung nationaler Handelsschranken. In ihnen wird die sofortige Beseitigung praktisch
aller Zoelle gefordert, die von irgendeinem Mitgliedstaat den
Kohle- und Stahlerzeugnissen aus irgendeinem anderen Mitgliedstaat auferlegt werden.
Diese Bestimmungen sehen ausserdem die Aufhebung der Mengenbeschraenkungen fuer Importe und Exporte von Kohle- und Stahlerzeugnissen innerhalb der Mitgliedstaaten und die Beseitigung
zahlreicher anderer einschraenkender oder diskriminierender Methoden vor. Diese Vorschlaege, die in gewissen Bestimmungen den
Satzungen einer Zolleinheit sehnlich sind, werden durch einschneidendere Massnahmen in bezug auf einschraenkende Vereinbarungen
zwischen den Produzenten von Kohle und Stahl erp-aenzt. Alle Abmachungen der Produzenten, die entweder durch Festsetzung der
""reise, durch Zuteilung von Verbrauchern, durch Beschraenkung
der Einfuehrung neuer technischer Methoden oder durch andere
Mittel den Wettbewerb einschraenken, sind fuer ungesetzlich erklaert. Gemeinsame Betriebsvereinbarungen der Unternehmer zur
Foerderung der Normung in der Herstellung bestimmter Erzeugnisse
koennen unter gewissen ümstaenden genehmigt werden. Derartige
Abmachungen musssen jedoch zuvor von der Hohen Behoerde gebilligt
werden, was nur cieschieht, wenn die Behoerde der Usberzeugung
ist, dass diese Abmachungen einen positiven Beitrag zur Leistungsfaehigkeit der in Frage kommenden Betriebe darstellen und den
Grad des Wettbewerbs auf den betreffenden Absatzmaerkten nicht
wesentlich in Mitleidenschaft ziehen.
Auf Grund der allgemeinen Befugnisse der Hohen Behoerde, mit
denen sie Massnahmen einzelner Regierungen verhindern oder rueckgaengig machen kann, die eine diskriminierende Auswirkung auf
Kohle- und Stahlunternehmen in ihrem Geschaeftsbereich haben,
kann die Hohe Behoerde eine Abaenderung der diskriminierenden
Struktur der Frachtsaetze bewirken, die von oeffentlichen Transportorganisationen auferlegt werden, die in dem Gebiet zustaendig
sind. Die Verhandlungsteilnehmer haben den Wunsch, dass die
Hohe Behoerde sobald wie moeglich von diesem Recht Gebrauch macht
und damit eine 3eit langem bestehende Ursache gegenseitiger Missverstaendnisse beseitigt.&lt; Man rechnet damit, dass die Erzeuger
auf dem gemeinsamen Absatzmarkt in betraechtlichem Umfang dem
Preiswettbewerb unterworfen sind. Durch die langfristigen Auswirkungen dieser Aufhebung konkurrierender Kraefte duerften di3 Produktionsleistung gesteigert und die Preise fuer Kohle und Stahl
auf dem einzigen Absatzmarkt niedriger werden. Wenn nicht einige
Sicherheitsgarantien vorgesehen waeren, wuerde jedoch die Gefahr
bestehen, dass die Produzenten Methoden zur Preisbestimmung entwickeln, die allgemein als 'unfairer Wettbewerb" anzusehen sind.
Sie koennten z.B. versuchen, die Konkurrenz aus einem lokalen Absatzmarkt dadurch zu vertreiben, indem sie allein auf diesem Markt
zeitweilig zu wesentlich reduzierten Preisen verkaufen. Eine
andere Moeglichkeit waere, dass die Produzenten Methoden zur Beguenstigung der Unternehmer irgendeiner Nation vor denen einer
anderen anwenden. Um derartige Eventualitaeten auszuscnliessen,
will man die Hohe Behoerde mit der Befugnis ausstatten, Anordnungen zu treffen, die die Methoden zur Preisfestsetzung (nicht der
Preise allein) der Produzenten in dem betreffenden Gebiet regeln.
Das allgemeine Ziel der Hohen Behoerde v.uerde eine Methode
- 4 -

�der Preisfestsetzung auf der Basis der Gleichberechtigung sein,
ohne unnoetigerweise den vorgesehenen Preiswettbewerb und die
Flexionsfaehigkeit der Preise zu beeintraechtigen.
Gegenwaertig ist jeder der vorgesehenen Mitgliedsteaten
der Union vielen Laendern ausserhalb der Union gegenueber verpflichtet, ihnen in Angelegenheiten des Aussenhandels Meistbeguenstigung zu gewaehren; d.h. jeder der in Aussicht stehenden
Teilnehmer ist zur Zeit durch Vertraege z.B. verpflichtet, fuer
Kohle und Stahl aus Gross-Britannien oder den Vereinigten Staaten
gleiche Zolltarife anzuwenden wie fuer die gleichen Waren aus
Schuman-Plan-Laendern. Die Teilnehmerstaaten werden ueber die
Abaenderungen dieser Verpflichtungen verhandeln muessen, um die
Kohle- und Stahlzoelle unter sich selbst aufzuheben und sie
gleichzeitig auf die Importe aus Nichtteilnehmerstaaten zu uebertragen. Bis zur Beendigung der Verhandlungen ueber diesen Verzicht und bis zur Bekanntgabe der naeheren Bedingungen duerfen
alle Besprechungen ueber Handelsbeziehungen der Schuman-PlanLaonder mit anderen Staaten nur vorlaeufigen Charakter haben.
Die Hohe Behoerde ist in der Zwiscnenzeit nicht befugt, irgendwelche Massnahmen zu ergreifen, die mit den internationalen Verpflichtungen der Teilnehmerstaaten unvereinbar sind.
Die Hohe Behoerde behaelt sich jedoch ein wesentliches Recht
vor, kraft dessen unter Umstaenden der Wareniimort aus anderen
Laendern reduziert werden kann. Fuer den Fall, dass sich eine
akute Krise entwickelt, die die Auferlegung von Produktionsquoten
fuer Kohle und Stahl im Gebiet der Union rechtfertigen wuerde,
und dass die Imoorte mengenmaessig und unter den erwaahnten Bedingungen in Mitleidenschaft gezogen wuerden, wodurch die Produzenten konkurrierender Kohle- und Stahlerzeugnisse auf dem einzigen Absatzmarkt schwergeschaedigt werden koennten, wuerde die
Hohe Behoerde befugt sein, Importquoten aufzuerlegen. Diese Befugnis ist dem Rechtstitel nach der sogenannten Ausweichklausel
gleichzusetzen, die sich Teilnehmerstaaten im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens vorbehalten haben.
Im allgemeinen erwartet man von den konkurrierenden Kraeften,
dass sie die oertliche Lage der Kohle- und Stahlunternehmen des
einzigen Absatzmarktes bestimmen und die Erweiterung und Modernisierung dieser Anlagen fordern. Die Hohe Behoerde wird nicht
unmittelbar befugt sein, kostspielige Bergwerke oder Stahlwerke
zu schliessen. Sie kann ausserdem nicht zu Investitionen in
zusaetzlichen Kohle- oder Stahlbetrieben zwingen. In dieser Hinsicht wird es die Hohe Behoerde den Organen des Absatzmarktes
ueberlassen muessen, das, was sie wuenschen, auszufuehren.
Auf der anderen Seite koennte die Behoerde die Art der Investierung auf verschiedene Weise beeinflussen. Sie koennte z.
B. gepien eine vorgeschlagene Investierung in Kohle- oder Stahlbetrieben, die eine Gesellschaft auf diese Weise mit nichteigenen Geldmitteln finanzieren will, Einspruch erheben, wenn sie
der Ueberzeugung ist, dass die vorgeschlagenen Betriebe voraussichtlich nicht ohne Subventionen oder andere kuenstlichen Hilfsmittel bestehen koennen. Die Hohe Behoerde kann ausserdem Kredite
an Unternehmen vergeben, um ihnen bei der Erweiterung ihrer Betriebsanlagen zu helfen. Sie ist schliesslich verpflichtet, laufend die Kohle- und Stahlunternehmen zu uebernruefen und auf den
Bedarf und die üoeglichkeiten zusaetzlichar Investierungen in dem
betreffenden Gebiet hinzuweisen.
Im Verlauf der Verhandlungen ueber die Bestimmungen des
Schuman-Planes wurde es in zunehmendem Masse offensichtlich, dass
- 5-

�das Projekt der Bildung eines einzigen Absatzmarktes Umsohichtungen in der Kohle- und Stahlindustrie der Teilnehmerstaaten nach
sich zieh/efl) muss. Diese Umschichtungen wiederum wuerden die Abwanderung oder die Umsiedlung einiger Arbeiter erforderlich machen, die in diesen Industrien beschaeftigt sind. Die Hohe Behoerde wurde dementsprechend beauftragt, diesen Arbeitern zu helfen, sich den neuen Verhaeltnissen anzupassen. Diese Unterstützung
kann verschiedener Art sein. Sie kann sich auf Abkehrgelder,
Umschulungskurse oder die Erstattung von Umsiedlungskosten und
sonstiger Unkosten erstrecken. Sie kann ausserdem darin bestehen,
dass in den betroffenen Gebieten neue Industrien finanziert werden, die den freigestellten Arbeitern Arbeitsmoegliohkeiten bieten koennen.
r

Die Verpflichtungen der Hohen Behoerde der Arbeiterschaft
gegenueber enthalten bestimmte positive Ziele.
Es-ist eine der Hauptaufgaben der Hohen Behoerde, der willkuerlichen Anwendung der Lohnkuerzung als ein Mittel der Konkurrenzmethode ein Ende zu setzen. Eine Bestimmung des Vertrags
verbietet - ausser unter bestimmten, genau definierten Verhaeltnissen, wie z.B. bei einer Senkung der Lebenshaltungskosten irgendwelche Lohnkuerzungen. Die Hohe Behoerde kann ferner den
Regierungen ueber die Korrektur bereits bestehender, anomal niedrig
ger Lohnverhaeltnisse verhandeln.
Der Vertrag enthaelt darueberhinaus weitere Verpflichtungen,
fuer die es nur wenige Beispiele in der internationalen Geschichte der Arbeiterbewegung gibt. Die Teilnehmerstaaten beteiligen
sich an der Ausarbeitung einer ausfuehrlichen Abmachung zur
Beseitigung tatsaechlich aller Restriktionen in der Anwerbung von
Kohle- (und Stahlarbeitern, die Angehoerige der Nation irgeneines
anderen der Teilnehmerlaender sind. Besondere Bemuehungen sollen
unternommen werden, um die Schranken zu. beseitigen, die der Wiedereinstellung von Arbeitern gesetzt sind, die in anderenLaendern
freigestellt sind. Jegliche Diskriminierungen, die gegen die
Kohle- oder Stahlarbeiter eines anderen Teilnehmerstaates angewendet werden, sollen ebenfalls durch den Vertrag beseitigt werden, gleichgueltig, ob es sich um eingearbeitete Arbeitskraefte
handelt oder nicht. Von Anfang an waren sich die Erschaffer des
Planes darueber einig, dass bei Anlauf des Planes waehrend einer
verhaeltnismaassig kurzen Zeit Sondermassnahmen getroffen werden
muessen, um den Unterschieden in den Gestehungskosten Rechnung zu
tragen, die in den Kohle- und Stahlindustrien der verschiedenen
Laender bestehen. Es war zu ueberlegen, dass der freie Handel
zwischen den Kohle- und Stahlindustrien der sechs Laender in dem
vereinigten Gebiet Produktionsumschiohtungen in einem so grossen
Ausmass erforderlich machen koennte, dass dies fuer einige der
betreffenden Laender zu untragbaren Haarten fuehren koennte. Die
schwierigsten Probleme dieser Art sind durch die mit verhaeltnismaassig hohen Kosten arbeitende belgische Kohleindustrie und die
italienische Stahlindustrie verursaoht.
In Bezug auf das belgische Kohleproblem sind Bestimmungen
zur Einrichtung eines sogenannten Ausgleichsfonds getroffen worden,
der fuenf Jahre lang voruebergehend bestehen soll. Der Fonds
wuerde durch Sondersteuern auf die Kohle- und Stahlproduktion der
belgischen Hersteller mit niedrigen Gestehungskosten gespeist und
fuer die belgischen Produzenten mit hoh3n Gestehungskosten als
Ausgleich verwendet werden. Diese Subventionen wuerden so schnell
wie moeglioh verringert werden, wobei der Rhythmus der Verringerung
von der Schnelligkeit abhaengig waere, mit der sich die belgische

6

�Industrie der Lage anzupassen vermag.
Die Loesung fuer das ^roblem der italienischen Stahlindustrie
ist anderer Art^ Die Verhandlungspartner waren sich darueber
einig, dass ein Ausgleichfonds fuer die italienische Stahlindustrie aus technischen Gruenden nicht moeglich ist. VJenn die
Hohe Behoerde es fuer erforderlich haelt, kann die italienische
Industrie deshalb in der Uebergangszeit durch Zoelle geschuetzt
werden. Diese Zoelle koennten jedoch in keinem Falle hoeher
sein als zu Beginn des Planes und wuerden in einem bestimmten
Prozentsatz in jedem der Folgejarrre bis zu ihrer endgueltigen
Aufhebung vermindert werden.
The Department of State Bulletin
IV/E/51
GFXEHKT CHAFTEV El DIENST DER OEFFD^TLICHEN WOIILFAKRT
• In einem Leitartikel der "New York Times" kommt zum Ausdruck, mit velcher Energie Amerikas freie Gewerkschaften ihre
Machtmittel" in den Dienst der allgemeinen '.Vohlfahrt stellen.
Die "Times" berichtet, wie zwei grosse Gewerkschaften, naemlich die Internationale Damenoberbekleidunp-sarbeiter-Gewerkschaf t
(ILGw*U) und die Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika
(ACWA) zur Reform der allgemeinen Wohlfahrt beigetragen haben.
- Die ILGWU, die der AFL angeschlossen ist/ hat angekuendigt,
dass sie waehrend des Jahres 1951 fuer vVohltaetigkeits-, liberale und gewerkschaftliche Zwecke in den Vereinigten Staaten und
in anderen Lasndern der »Veit eine Million Dollar zur Verfuegung
stellen wird. Seit 1935 hat diese Gewerkschaft fuer philanthropische Zwecke mehr als £0 Tüllionen Dollar gespendet.
"Dies ist eine erstaunliche Summe fuer eine Organisation,
deren Mitglieder einst am meisten unter der Unterdiueckung und
Ausbeutung zu leiden hatten, der die amerikanischen Arbeiter damals ausgesetzt waren," heisst es in der "Times". "In dem gleichen Masse, in dem Mitgliederzahl und Macht der ILGV.TJ zunahmen,
gelangte diese Gewerkschaft zu der Erkenntnis, dass auch ihre
Verantwortung gegenueber der Industrie und der Allgemeinheit
groesser wurde. Die Geldmittel, die sie fuer philanthropische
Zwecke zur Verfuegung gestellt hat, bedeuten nur einen Beweis
fuer ihren Erfolg in dieser Richtung."
Als zweites Beispiel fuer das Interesse einer Gewerkschaft
an der allgemeinen 'Vohlfahrt nennt die "New York Times" das
neue Gesundheitszentrui, Sidney Hillman, das einen 'Vert von einer
Million Dollar -hat und zu Ehren des Gruenders und ersten ^aesidenten der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika erbaut
wurde. Diese Gewerkschaft ist dem CIO angeschlossen.
Die Zeitung bezeichnet diese Einrichtung als einen "bedeutsamen Beitrag zur Wohlfahrt der Bevoelkerungder Stadt." Ausser
medizinischer Dienstleistung und diagnostischer Untersuchung fuer
40.000 Mitglieder der Gewerkschaft- im Bezirk Kew York wird das
Zentrum sein eigenes ^rogramm zur Erforschung von Krankheiten
haben, die gerade bei Bekleidungsarbeitern weitverbreitet sind.
Die Bekleidüngsarbeitergewerk3Chaft hat vor Kurzem ein aehnliches Gesundheitszentrum in TV.iladelohia (Pennsylvanien) seiner
Bestimmung uebergeben.
- 7-

�Die "Tiine=;" meint, dass durch -las New Yorker Zentrum nicht
nur der "allgemeine Gesundheitszustand der Bevoelkerung verbessert
wird sondern dass damit auch den Steuerzahlern eine ins Gewicht
fallende finanzielle Belastung abgenommen ist. Die zusaetzlichen
Geldmittel, die von der Gewerkschaft speziell fuer die Forschung
auf dem Gebiet der Herzerkrankungen und der Gicht gespendet wurden, bedeuten fuer die Allgemeinheit einen nochjv.ertvolleren
Dienst."
"Diese Forschungsarbeit wird nicht nur und im besonderen den
Mitgliedern der Gewerkschaft., sondern dem ganzen Volk zugutekommen.w
"Sowohl die Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft als auch die
der Damenoberbekleidungsarbeiter haben sich erneut den Anspruch
auf eine Vorrangstellung unter den Organisationen erworben, deren Arbeit der Wohlfahrt der Allgemeinheit gewidmet ist.
Labor Air Bulletin
V/9/51
WAS "FREIE ARB3IT" IN RUSSLAND IST
Seit 1940 darf in Russland kein Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz ohne Erlaubnis aufgeben. Zahlreiche Kategorien von Arbeitern koennen jedoch ohne Berücksichtigung ihrer eigenen beruflichen Wuerische in andere Arbeitsplaetze eingewiesen werden.
Sowjetische Rechtsgelehrte weisen darauf hin, dass in vielen Faellen Arbeiter nach dem russischen Gesetz auf Anordnung
der Verwaltungsbehoerden zu bestimmten Arbeiten gezwungen werden
koennen. .Ein Beispiel hierfuer ist die Aushebung von Jugendlichen fuer Arbeitsplaetze in der Industrie.
Der Erla-s vom 2. Oktober 1940 uebertrug dem Rat der Volkskommissare (seit 1945 Ministerrat genannt) die Befugnis, jaehrlich
zwischen 800.000 und 1.000.000 Jugendliche im Alter von 14 bis
17 Jahren zur Ausbildung in Berufsschulen und Lisenbahnwerkstaetten oder fuer eine besondere Ausbildung am Arbeitsplatz zu verpflichten, um sie zu Facharbeitern oder, wie das Gesetz es ausdrueckt, zu "Massen"-arbeitern im Bergbau, der Metall- und Bauindustrie heranzubilden. Die Ausbildungszeit betraegt von sechs
Monaten bis zu zwei Jahren, was ein eindeutiger Beweis dafuer
ist, dass diese Schulen keine Erziehungsinstitute, sondern lediglich Anlernprojekte sind. Der Lehrplan entheelt nicht nur berufliche Ausbildung, sondern sieht auch eins politische Erziehung
und militaerische Schulung der Arbeiterschaft vor. Fuer das Studium allgemeinbildender Themen sind keine besonderen Unterrichtsstunden vorgesehen. Dagegen sollen zwei Stunden in der Woche fuer
politische Belehrung verwendet werden. Die Schueler tragen eine
besondere Uniform und leben unter Regeln, die denen einer £111taerschuls aehnlich sind. Sie muessen die Vorschriften militaerischer Eoeflichkeit beachten. Die am 15. Maerz 1947 erlassenen
Richtlinien schrieben z.B. folgende Umgangsformen vor: "Wenn
sich der Lehrer neehert, muss sich der Schueler erheben, er darf sie
nicht setzen, bevor der Lehrer an ihm vorueber ist oder ihm die
Erlaubnis gibt,sich zu setzen. Wenn er ihn anspricht, muss er
Haltung annehmen. Wenn der Schueler an dem Lehrer vorbeigehen
will, muss er ihn um Erlaubnis fragen."
Durch Erlass des Praesidiums vom 19. Juli 1947 wurde das
dienstpflichtig« Alter abgeaendert, und es wurde bei dieser Gelegenheit klargestellt, dass Jugendliche beiderlei Geschlechts ver- 8-

�nflichtst werden koennen. Fuer die Ausbildung in Berufsschulen
und Eisenbahn^erkstaettan koennen Jungen in» Alter von- 14 bis
17 Tahren und I'aedchen zwischen 15 und 16 Jahren ausgehoben werden. Fuer die Berufsschulen der Industrie betraegt das dienstpflichtige Alter fuer Jungen und Maedchen 16 bis 18 Jahre. Fuer
die Untertagearbeit in der Kohlen- und 3ergbauindustrie, die
Arbeit an Schmelzoefen, in Giessereien, Schweissereien und an
Bohrmaschinen in der detail- und Oelindustrie koennen junge
Maenner bis zu 19 Jahren ausgehoben werden. Nach der Ausbildung
sind diese Arbeiter verpflichtet, in'Betrieben und Bergwerken
der Regierung, die vom Ministerium fuer Arbeitsreserven bestimmt
werden, vier Jahre lang zu arbeiten. Es werden ihnen regulaere
Loehne gezahlt, die denen der anderen Arbeiter voellig gleich
sind. Bis zum Ablauf ihrer Pflichtzeit sind diese Jugendlichen
vom Militaerdienst befreit.
Bei einem Verlassen der Schule ohne Erlaubnis und anderen
Verletzungen der Schuldisziplin koennen die jungen Leute mit
einer Einweisung in eine Besserungsanstalt bi3 zu einem Jahr
bestraft werden. Die Zahl der jungen Leute, die in den Staedten
ausgehoben werden sollen, wird durch jaehrlich festgesetzte Quoten bestimmt. Auf den Kollektivfarmen - das sind die Kolchosen werden von je 100 Personen zwischen 14 und 55 Jahren zwei junge
Leute in die Ausbildungsschulen eingewiesen. Im November 19^0
und im Juni 1941 wurden auf diese Weise 600.000 Personen dienstverpflichtet. In den Jahren 1946 und 1947 wurden 1.700.000
Jungen und Maedel geschult. Einem Bericht des Ministeriums fuer
Arbeitsreserven zufolge waren im Jahre 1950 mehr al^ die Haelfte
aller Arbeiter in den grossen Fabriken der Sowjetunion junge
Leute, die im Rahmen dieses Programms geschult worden waren.
Abgesehen hiervon koennen Waisenkinder im Alter von 12 bis
15 Jahren fuer Sonderschulen zu einer drei- oder vierjaehrigen
Ausbildung ausgehoben werden. Sie haben die gleichen Pflichten
wie die obengenannten zwangsverpflichteten Schueler, ihre Zahl
ist in den obengenannten Ziffern enthalten. Den verfuegbaren
Richtlinien ist nicht zu entnehmen, dass die Einwilligung der
Waisen oder ihres Vormunds erforderlich ist.
Hochschulabsolventen und solche, die technische Hochschulen
besucht haben, muessen drei oder fuenf Jahre lang Stellungen
bekleiden, die ihnen von dem fuer die betreffende Schule zustaendigen Ministerium zugewiesen werden. Wenn sie dieser Vorschrift nicht Folge leisten, setzen sie sich Bestrafungen aus,
die durch Gerichtsurteile fuer ihre Abwesenheit oder ihr unerlaubtes
Verlassen des Arbeitsplatzes verhaengt werden. Schliesslich wurden in der Kriegszeit mehrere Gesetze erlassen, nach denen Arbeitskraefte fuer die Arbeit in den verschiedenen Zweigen der
Industrie ohne Ruecksicht auf ihre oertliche Lage herangezogen
werden koennen.
Ausser diesen Grundsaetzen der Pflicht- und erzwungenen
"freien Arbeit" gibt es in Russland noch die ausgesprochene
Zwangsarbeit in Arbeitslagern, die dem Innenministerium unterstellt
sind. In diesem Artikel soll ueber diese jedoch nicht diskutiert
werden, weil er sich ausschliesslich auf diejenige soziale Grunpe Russlands beschraenkt, fuer die das aehnlichste Gegenstueck
unserer freien Arbeit in Frage kommt.
In Erosrteruneen der allgemeinen Situation der frei Beschaeftigten nach dem Kriege gaben sowjetische Tutoren selbst ganz
offen zu, dass unter russischen Verhaeltnissen "freiwillige Besehe eftigung" von Zwangsarbeit nicht sehr verschieden ist. In
- 9 -

�einer Abhandlung von Dogadoff ueber die Entwicklung der sowjetischen Arbeitsgesetzgebung, die im Jahre 1949 erschien, heisst es:
w

In einer sozialistischen Gesellschaftsordnung besteht kein
Unterschied im Grundsatz und in der Qualitaet zwischen der
zwangsverpflichteten Arbeit und der auf freiwilliger Basis verrichteten Arbeit. Wenn wir sagen, dass das Prinzip der freiwilligen Arbeit in der sozialistischen Gesellschaftsordnung anerkannt wird, sprechen wir nicht von der Anerkennung irgendeiner
Form eines abstrakten Grundsatzes der freien Arbeit und der freien Berufswahl in liberalem und buargerlichem Sinne. .
Unter den Bedingungen einer sozialistischen Gesellschaftsordnung ist es unmoeglich, nach dem Grundsatz "jeder nach seinen
Faehigkeiten" zu handeln, ohne dass der Staat und da3 Gesetz in
Bezug auf die universale Arbeitspflicht einen gewissen Druck ausueben.
Es ist offensichtlich, dass die freiwillige Arbeit, die noch
in einigen wenigen Zweigen der Industrie Sowjetrusslands/vorzufinden ist, von unserem Begriff der freien Arbeit weit entfernt
ist. Der Arbeiter ist an seinen Arbeitsplatz gebunden. Fuer
Arbeiter und Unternehmer gibt es gleiche schwere Strafen und
zwar sowohl nach dem Strafgesetz als auch nach dem buergerlichen
Gesetz. Millionen zukuenftiger sowjetischer Buerger, die erst
im Alter von 12 bis 14 Jahren stehen, werden fuer die Ausbildung
an Arbeitsplaetzen bestimmt, die fuer sie vpn den Behoerden ausgesucht werden, ohne dass dabei ihre persoenllchen Wuensche
oder die ihrer Eltern oder ihres Vormunds beruecksichtigt wuerden.
Auch Akademiker haben lange Zeit nach dem Verlassen der Hochschule nicht,das Recht, sich selbst einen Arbeitsplatz zu suchen.
Dies ist" das allgemeine Bild von der "freien Arbeit" in dem sowjetischen Staat, wie es sich einem neutralen und objektiven Beob-'
achter darbietet.
Monthly Labor Review

J7/51
TEXTILARB^ITERSTR^IK IN DANVILLE (U.S.A.)
Die Unternehmer haben bei Streiks unendlich viel Zeit und
verlassen sich, wie in Danville in Virginia, auf die Not, die
Verschuldung und die Ungewissheit der Arbeiter als ihre unmittel- '
baren Vorbuendeten, mit denen sie den Streik der Textilarbeiter zu
brechen hoffen.
Jeder Grundstuecksbesitzer, jeder Versorgungsbetrieb und
jedes Bank- und Kreditunternehmen kann unter Ümstaenden eine
streikbrechende Kraft sein. Die streikenden Textilarbeiter in
Danville hoeren in hundert verschiedenen Variationen das Wort
"Geht zurueck zur Arbeit". Wenn ein Arbeiter, der mit seiner
Vlete in Rueckstand ist, um eine Stundung bittet, sagt ihm der
Grundstuecksbesitzer: "Warum nehmen Sie nicht wie Ihr Nachher Ihre
Arbeit wieder auf?" Wenn sich ein Arbeiter einen Wagen, eine Waschmaschine oder einen Kuehlschrank kaufen will, ist die Antwort die
gleiche. Auch die Versorgungsbetriebe und Kreditgesellschaften
geben ihm den gleichen Rat.
Man kennt in Danville nicht jene Nachsichtigkeit, die in
den vergangenen Jahren bei den Streiks im Norden zur Schau getragen wurde, denn Danville ist das Zentrum grosser Auseinandersetzungen.. Man hat das Ziel, die Gewerkschaft zu zerstoeren. Waehrend
- 10 -

�der grossen Stahlarbeiterstreiks des Jahres 1949, des ChryslerStreiks im Jahre 1950 und selbst bei den Textilarbeiterstreiks,
die vor kurzem im Norden der Vereinigten Staaten stattfanden, war
es der Gewerkschaft ein leichtes, mit den Versicherungsgesellschaften und den Kredit- und Finanzunternehmen Vereinbarungen
ueber spaetere Zahlungen zu treffen. Aber in Danville gibt es auf
derartige Anliegen nur eine Antwort: "Warum nehmt Ihr die Arbeit
nicht wieder auf?"
Der populaerste und maechtigste Streikbrecher, naemllch
der Hunger, fehlt jedoch. James Kelley versorfet die 40.000 Streikenden aus sieben verschiedenen Staaten mit Lebensmitteln. In
einer Woche werden allein fuer die Stadt Danville 140.000 Pfund
Lebensmittel herbeigeschafft. Der Speiseplan ist in jeder Woche
verschieden. Der von der Regierung vorgeschlagene Mindestsatz
fuer Verpflegung bildet die Basis fuer die Verteilung, aber die
Gewerkschaft hat selbstverstaendlich mehr fuer ihre Mitglieder
getan. Es gibt zum Beispiel wesentlich mehr Zucker. Und was die
Leute in den verschiedenen Gegenden am liebsten essen, ist ebenfalls beruecksichtigt worden: Zichorie fuer die Kaffeeliebhaber
in New Orleans und Reis anstelle von Mehl; Gries anstatt Hafergruetze oder Karottengemuese anstelle von Kohl.
Das Warenhaus der Erzeugergenossenschaft, das ein gutes
Stueck ausserhalb von
Danville lie^t, dienst den Streikenden als
Verkaufszentrale. cie st?llen sich in fuenf Reihen hintereinander auf, die sich alphabetisch ordnen. Die Lebensmittelpakete,
die von Streikenden im voraus gepackt werden, sind entsprechend
der Groesse der Familien in drei Gruppen A, B und C aufgeteilt.
Nachdem die Streikenden ihre Ausweise vorgezeigt haben, die ihnen
im Gewerkschaftsbuero ausgehaendigt werden, nehmen sie ihre Lebensmittel in Empfang, die ihnen im Voruebergehen an den Verkaufsstasnden von freiwilligen Helfern in die offengehaltenen Taschen
und Koerbe gelegt werden. Dann suchen sie nach einer Transportmoeglichkeit, um nach Htiuse zu kommen. Der Lautsprecher ist fortwaehrend in Betrieb, um Bekanntmachungen etwa folgenden Inhalts
durchzugeben: "Ein Fahrer bietet zwei Sitzplaetze nach Campbell
Hill, kommen Sie mit Gepaeck zum Mikrophon," oder "Wer nimmt drei
Personen nach Eued Danville mit?"
Die Verkaufszentrale wird von der Landesgewerkschaft finanziert. Die Gewerkschaft finanziert auch den besamten uebrigen
Bedarf: Miete, V/asser und Etrom, Kohle und Brennstoff. Es gibt
in Danville keine sozialen Einrichtungen, keinen Bezirks- oder
staedtischen Woblfahrtsdienst. Und in den Dan River-A'erken weiss
man dies genau. Es gehoert mit zur Politik der Unternehmer, dem
Textilarbeiter Angst einzujagen, sie zu beunruhigen und ihnen
ihren wirklich bescheidenen Anteil an den schoenen Dingen disssr
Welt zu entziehen, die er erst seit kurzer Zeit zum erstenmal in
sainem Leben besitzt.
Daily News Cervice
IV/30/51
DIE GROSSE AUFGABE DER BERUFSBERATUNG
Unter den Jugendlichen der Vereinigten Staaten ist ein
groesserer Prozentsatz erwerbslos als in jeder anderen Altersgruppe der Erwerbslosenbevoelkerung. Und wenn es jungen Leuten gelingt, eine Arbeit zu finden, so sind es hfiufig Beschaeftigungen,
die nur wenig oder ueberhaupt nicht ihren Interessen und Faehig- 11 -

�Reiten entsprachen, und in denen die Zoeglichkeiton, vorwaertszukommen,T beschrasnkt sind. Diese- Problem der Berufslenkung
fusr die ugend Ist in den Vereinigten Staaten nicht neu, und es
ist um so dringlicher geworden, als die Arbeitskraefte fu3r die
nationale Verteidigung mobilisiert werden muessen. Um eine
Verschwendung von Arbeitakraeftea zu vermeiden, wie es waehrend
des zweiten Weltkrieges der Fall war, ist es wichtig, dass der
hoechstnoeglichste Wirksamkeitsgrad im Einsatz fuer diese Reservan dieser iugendliehan Arbeitskraefte erreicnt wird.
Wenn jaehrlich die Schulabsolventen und diejenigen, die die
Schule vor einer abschlussprusfung verlassen haben, zu den
oeffentliehen Arbeitsvermittlungsbueros kommen, so haben sie
in viel zu vielen Faellen keine realistischen Ziele in Bezug
auf ihren zukuenftigen Beruf. Es fehlt ihnen an entsprechenden
Kenntnissen ueber Liangelberufe. Sie haben nur eine vage Idee
von ihrer Eignung fuer irgendeine Beschaeftigung. Eaeufig
wissen sie nichts ueber ihre besonderen Faehigkeiten. Selbst
ihre Interessen sind oft oberflaechlicher und voruebergehender
Art. Die Berufsberater muessen diesen jungen Leuten helfen,
sich das Wissen anzueignen, dass sie in Bezug auf die verschiedenen Arbeitsgebiete benoetigen. Sie muessen ihre Interessen und
Faehigkeiten abwaegsn, bevor passende Arbeitsplaetze fuer sie
gefunden werden koennen.
Die Schulbehoerden sind sich sehr wohl der Notwendigkeit
einer angemessenen Berufslenkung bewusst, durch die die jungen
Leute bei dem Uebergang von der Schule zum Beruf unterstuetzt
werden sollen. Obwohl in den groesseren Staedten bereits innerhalb der Schulsysteme wirksame Einrichtungen der Berufslenkung
bestehen, werden die arbeitsvermittlungsbueros haeufig ersucht,
Informationen ueber die verschiedenen Berufe und die Lage auf
dem Arbeitsmarkt zur Verfuegung zu stellen und ihrerseits Absolventen der hoeheren Schulen beruflich zu beraten. Im allgemeinen verfuegen Schulen in kleineren staedten nur ueber bes.chreenkte Einrichtungen dieser Art und sind, gewoehnlich in Bezug auf
die akademische Berufsberatung weitgehend auf die Unterstuetzung
ihrer oertlichen oeffentlichen Arbeitsvermittlungsbueros angewiesen.
In den hoeheren Schulen auf dem Land, die keine eigenen
Berufsberatungsbueros und keine Arbeitsvemittlungsaemter hoben,
die nahe genug gelegen sind, um sie mit mehr als gelegentlichen
Dienstleistungen betreuen zu koennen, ist dieser Bedarf an
Berufsberatung noch dringender, ^uch der Bedarf an Berufsinformationen ist fuer die Studenten dieser Gebiete im allgemeinen groesser als fuer die, die in grossen Staedten wohnen, und
in Anbetracht der beschraenkten Beschaeftigungsmoeglichkeiten
auf dem Lande wird das Problem noch akuter. Wenn diese jungen
Leute ihren Blickwinkel in dieser Richtung erweitern wollen,
muessen sie in die Grossstaedte gehen, wo sie eine bessere Auswahl haben. Unlaengst hat man in Erwaegung gezogen, ob man
nicht zusaetzliche Industrien in die laendlichen Bezirke verlegen sollte, um fuer die dortigen Reserven an Arbeitskraeften
Verwendungsmoegliciikeiten zu schaffen. Nicht nur des oertliche
Arbeitslosenoroblem wuerde durch die Schaffung von mehr Arbeitsplaetzen geloest, sondern es wuerden auch Wohnraum-, Transnortund Unterrichtsschwierigkeiten ueberwunden, die dann entstehen,
wenn die Arbeiter in Industriezentren uebersiedeln mue-sen.
Zu den gebraeuchlichsten Methoden, die- die hoeheren Schulai
anwenden, um ihre Schueler zu veranlassen, sich mit berufsfragen
- 12 -

�zu beschaeftigen, gehoert der sogenannten "Berufsberatungstag"
oder das "Arbeitsplatzforum". In diesen Programmen wurden frueher akademische Berufe besonders hervorgehoben und den Fach- und
Anlernberufen nur wenig Beachtung geschenkt. In vielen Faellen
war der Berufsberatungstag nicht viel mehr als eine Methode zur
Anwerbung der Schueler der hoeheren Schulen. Seit kurzer Zeit sind
Bestrebungen im Gange, den Beduerfnissen der gesamten zu akademisch an Zielen strebenden Jugend gerecht zu werden, indem man Beamten
der oeffentlichen Arbeitsvermittlungsbueros die Moeglichkeit
gibt, einleitende Worte an die Studenten zu richten, um einen
allgemeinen Ueberblick ueber die Arbeitsmarktlage zu geben.
In den vergangenen Monaten war es mehr als sonst notwendig,
die Schueler zu einer systematischen Berufsplanung zu veranlassen,
weil sie einer Krankheit zum Opfer fielen, die man als "Einberufungskomolex" bezeichnete. Diese Krankheit befiel hauptsaechlich
die aeltaren Schueler der hoeheren Schulen, aber auch Schueler
aUer anderen Klassen. Ihr wesentlichstes Symptom scheint der
Mangel an Interesse fuer die Unterrichtsfaecher der Schule zu
sein. Das Ergebnis ist ein Rueckgang in der Leistung und sine
unverstaendliche Gleichgueltigkeit in Bezug auf die Planung der
beruflicnen Laufbahn. Es besteht die Tendenz, "die Tage bis zur
Einberufung zum Militaerdienst zu zaehlen." Aus diesem Grunde
waere es vielleicht angebracht, wenn Schulbehoerden. und Berufsberater sich ein Motiv zu eigen machen und es auch propagieren, wie
es bereits in einigen Gebieten der Fall ist. Dort heisst dieses
Motto: "Erwartet nicht untaetig *ure Einberufung zum MilitaerdienstJ"
Junge Leute nuessen daran erinnert werden, dass der Dienst
beim Militaer in vielen Faellen einer Taetigkeit im Zivilberuf
irgendwie aehnlich sein kann, und dass es oft moeglich ist, die
beruflichen Ziele waehrend der Militaerdienstzeit weiter zu verfolgen. Die Schueler muessen deshalb die Zeit vor ihrer Einberufung zum Militaerdienst fuer die Auswahl und Vorbereitung ihres
Berufes so gut wie moeglich verwenden. Ausserdem werden einige
Tugendliche im dienstpflichtigen Alter niemals zum Militaerdienst
herangezogen werden, wenn die Einstellungsbedingungen nicht gelockert werden. Viele duerften deshalb in der Lage sein, ihre
berufliche Laufbahn ohne Unterbrechung fortzusetzen, wenn sie
nicht in Anbetracht der Erfordernisse der Verteidigungsproduktion
in strategisch wichtigen Berufen voruebergehend arbeiten und
ihrj langfristigen Berufsziele weiter hinausschieben muessen.
Die Notwendigkeit einer Berufsplanung fuer Maedchen wird
in der gegenwärtigen Krisenzeit mehr als sonst hervorgehoben.
Maedchen, die unter normalen Verhaeltnis3en heiraten und nicht
einen Beruf ausueben wollen, erkennen jetzt, dass sie ihre Heiratsplaene hinausschieben muessen, bis ihre zukuenftigen Ehegatten vom Militaerdienst zurueckkommen. Auch moechten sie sich
die Moeglichkeiten nicht entgehen lassen, waehrend der Ehe weiter
zu arbeiten und Geld zu verdienen. In Anbetracht der Verteidigungsproduktion werden zweifellos mehr Frauen beschaeftigt werden muessen und der Arbeitskittel wird wieder zum nopulaeren Kleidung^stueck fuer Maedchen werden. Es ist deshalb wichtig, das?
sie sich sowohl auf die Heirat als auch auf eine berufliche Laufbahn vorbereiten.
Der Staatliche Arbeitsvermittlungsdienst in Wisconsin stellt
seine Berufsberatungs- und Pruefungsorg^ne den hoeheren Fchulen
zur Verfuegung, die um Unterstustzung gebeten haben. Das Ausmass,
in dem derartige Dienste geleistet werden, hing verstaendlicher— lu —

�weise von der dem Personal zur Verfuegung stehenden Zeit ab. In
einigen Faellen stellen die Dienstleistungen der Arbeitsvermittlungsaemter lediglich eine Ergaenzung zur Berufsberatung der
Schulen dar, waehrend sie in anderen Faellen eine wesentliche
Rolle in der Beratung ^ener Schueler spielen, die im Begriff
sind, in den Arbeitsprozess einzutreten. Viele dieser kooperativen Schulprogramme beginnen mit einer Aussprache ueber berufliche
Aussichten an die vor der Entlassung, stehende Klasse. Anschliessend
werden die Studenten,' die eine Unter3tuetzung durch das Amt bei
der Aufnahme einer Beschaeftigung wuenschen, aufgefordert, eine
Bewerbungskarte des Arbeitsvermittlungsamtes auszufuellen. Sie
beantworten ausserdem ein besonderes Formular, au«! dem ersehen
werden kann, wer beruflich beraten werden moechte. Den Bewerbern
wird dietfoeglichkeiteiner persoenlichen Aussprache mit dem
Berufsberater geboten. Befaehigungspruefungen werden dürchgefuehrt, wenn man sie fuer erforderlich haelt. Der Berufsberater
der Schule wird daraufhin ueber die Ergebnisse informiert. Der
Schueler wird von dem Arbeitsvermittlungsamt und der Schule in
jeder Weise unterstuetzt, um ihm zu helfen, seinen Berufsplan
zu verwirklichen. Wenn nach Beendigung der Schule keine weitere
Ausbildung erforderlich ist, laesst es sich haeufig ermoeglichen,
vor Abschluss der Schulzeit schon einen Arbeitsplatz festzumachen,
damit bis zur Aufnahme der Beschaeftigung moeglichst wenig Zeit
verloren geht. .

Die Sohulen sind sich der Notwendigkeit eines Berufsberatungsdienstes auch fuer juengere. Studenten bewusst, der bereits
vor Abschluss der Schulzeit in Taetigkeit treten muss. In solchen Faellen sind die Arbeitsvermittlung3aemter der Meinung,
dass ihre Dienste nur jenen Schuelern zur Verfuegung gestellt
werden sollen, die die Absicht haben, in Kuerze in den Arbeitsorozess sich einzuschalten. Die berufliche Beratung jener Studenten, die die Schule vor ihrer Abschlusspruefung verlassen, muss,
obwohl sie absolut wichtig ist, als eine Taetigkeit angesehen werden,
die nicht in den eigentlichen Arbeitsbereich der Arbeitsvermittlungsaemter gehoert.
Im vergangenen Schuljahr haben die Arbeitsvermittlungsaemter
im Staat Wisconsin annaehernd 3.500 aeltere Schueler in 2Ö0 der
500 hoeheren Schulen des Staates individuell beraten und geprueft.
Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Schulen, deren Schueler auf diese Weise unterstuetzt werden, in diesem Jahre wesentlich hoeher sein wird. Da die Schulen selbst mehr und mehr eigene Einrichtungen zur Berufsberatung entwickeln, werden die Arbeitsvermittlungsaemter des Staates Wisconsin in der Lage sein, einen
groesseren Teil ihrer Zeit dazu zu verwenden, die notwendigen Informationen ueber berufliche Aussichten und Arbeitsmarktlags zu liefern und die Schueler der hoeheren Schulen beim Antritt ihrer beruflichen Laufbahn zu unterstuetzen. Die Notwendigkeit einer
engen Zusammenarbeit zwischen den Schulen und den oertlichen Bueros der verschiedenen staatlichen Arbeitsvermittlungsdienste ist
weitgehend anerkannt worden, um auf diese Weise dafuer zu garantieren, dass die jungen Leute in angemessener Weise in den Arbeitsprozess aufgenommen werden. Das Erziehungsbuero und der Arbeitsvermittlungsdienst der Vereinigten Staaten haben vor kurzem ein
Handbuch veroeffentlicht, -das bei der Entwicklung einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Schulen und Arbeitsvermittlungsaemtern ein wertvoller Helfer sein wird und dazu anregen soll, von
den Moeglichkeiten dieser beiden Einrichtungen soweit wie moeglich Gebrauch zu machen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten wird den Anforderungen,
die die jungen Amerikaner in bezug auf ihre beruflichen Absichten
- 14 -

�stallen, noch besser gerecht werden koennen, wenn sich auch
1» oertlichen Behoerden der Tatsache bewusst sind, dass Berufs\ enkung sowohl innerhalb als auch ausserhalb der Schule ein stetiger Prozess ist, und dass das gesamte Volk stets dafuer verantwortlich ist, dass den jungen Leuten die Moeglichkeit geboten
wird, einen Beruf zu ergreifen, der sie auch wirklich befriedigt.
Employment Security Review
17/51
DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IM ALIEN BREITET SICH AUS
Der Gaerungsprozess, der sich im Fernen Osten vollzieht, bedeute l weit mehr als ein Abschuetteln der Ketten der Kolonialsysjteme und die ungestuene Nachwirkung [der ersten Atemzuege der
Freiheit.
Der Ursnrun^ dieses Gaerungsorozesses liegt tiefer als in der
politischen Befreiung: Er ist ebenso stark wirtschaftlicher
Natur und findet in der Entschlossenheit der grossen Masse der
Arbeiter seinen Niederschlag, starke Gewerkschaften zu errichten,
die ihnen zu ihrem rechtmasssigen Anteil an den ungeheuren Reichtuemern verhelfen sollen, die sie produzieren.
Diese Feststellung wurden von Paul Schuler getroffen, der
der Repraesentant der Textilarbeitergewerkschaft des CIO in New
Orleans ist und vor kurzem nach einem fast dreimonatigen Aufenthalt auf den Philippinen und in Indonesien in seiner Eigenschaft
als Sondervertreter des CIO nach Amerika zurueckkehrte.
*Die Armut in diesen beiden Laendern ist ungeheuer gross,"
berichtete Schuler. "Auf den Philinninen und besonder in Manila
sind die Preise hoeher als in den Vereinigten Statten und die
Loehne unwahrscheinlich niedrig. In Indonesien sind die Preise
niedriger eis hiar oder auf den Philippinen, aber die Loehne
sind noch niedriger.
"Die Bewohner der Philippinen sind den Vereinigten Staaten
freundlich gesinnt. Aber in Indonesien und dem proe^sten Teil
de3 uebrigen Asiens sind sie ueber die angebliche Rassendiskriminierung in unserem Lande empoert.
"Man gab mir dies usberall zu verstehen. Die Menschen in
Indonesien vvollteh wissen, warum die Vereinigten Statten sagten,
sie hastten den Wunsch, hier den farbigen Voelkern zu helfen,
waehrend in den Vereinigten Staaten in Amerika geborene Neger,
die zugleich amerikanisches £ taatsbuerger sind, nicht mit den Weissen
in den gleichen Eisenbahnwagen reisen oder in den gleichen Hotels
essen und wohnen duerften.
m

"Das Beste, was ich hiergegen tun konnte, war, ihnen zu erklaeren, dass die Diskriminierung in Amerika mit den niedrigen
Loehnen in Indonesien zu vergleichen sei. Denn der groesste Teil
der Bevoelkerun" beider Laender wuenschten weder das eine noch
das andere und kaemnfen dagegan. Eines Tages werden wir diese
beiden rueckstaendigen Auffassungen ueberwunden haben."
Von den Philippinen berichtete Cchuler:
• "Am schlechtesten ist die Lage an der Kueste von Manila.
8.00U Kuestenarbeiter suchen dort nach Arbeit« Es gibt jedoch
hoechstsns 1.800 /.rbeitsplaetze. Jahrelang haben sie unter dem so- 15 -

�genannten 'Cabo'-Systom gearbeitet, das am bebten mit dem Patronatssystem zu vergleichen ist, das in den Vereinigten Staaten fuer
bestimmte Gruppen von Arbeitern, besonders eingewanderte Landarbeiter, angewandt wurde.
"Der Unternehmer stellt einen 'Gabo' ein und bezahlt ihn
fuer die Arbeitskolonne, die er anwirbt. Der Cabo wiederum bezahlt
die Leute, die die eigentliche Arbeit leisten. Es bestehen zahlreiche Moeglichkeiten, mit einem solchen System Missbrauch zu treiben, und die •Cabos' haben hiervon haeufig Gebrauch rremacht."
"Das 'Cabo'-System fuehrte zur Bildung unabhaengiger Arbeiterorganisationen, deren erste von Walter J. Hogan, einem Teauiten-Priester aus Philadelphia, gegruendet wurde, der unter den
Kuestenarbeitern lebt und wirkt. Diese Gewerkschaft ist der Organisation "Freier Arbeiter" angeschlossen, und ihre Mitglieder
haben sich rundweg geweigert, unter dem "Cabo"-System zu arbeiten.
"Die Gewerkschaftsbewegung der Philippinen ist nicht stark,"
erklaerte Schüler. "Schaetzungsweise sind 150.000 Arbeiter in allen
Gewerkschaften auf den Philippinen organisiert. Die hohen Preise,
die niedrigen Loehne und der phantastische Kontrast zwischen dem
Los des Wohlhabenden und dem des Arbeiters haben ihnen eine Entschlossenheit gegeben, die jedoch noch nicht in dar gegenwaertigen
Mitgliederzahl zum Ausdruck kommt. Die Zustaende in den Elendsvierteln sind unvorstellbar. Sie sind weit furchtbarer als in
den schlimmsten Hegervierteln in New Orleans. Ganze Familien leben in einraeumigen Bretterbuden mit duennen Waenden, Strohdaechern
und schmutzigen Boeden. Fenster gibt es nicnt. Sie schiefen auf
Strohmatten und heben keine Moebol.
"Die Lebenshaltungskosten sind um etwa 12% hoeher als in den
Vereinigten Staaten und die Loehne um mehr als die riaelfte niedriger. Der einfache Kuestenarbeiter verdient taeglich, wenn er arbeitet, acht Rupien ode"r rund vier Dollar. Die Loehne in einer
Textilfabrik, die Schuler besuchte, lagen zwischen einem Minimum
von zwei Rupien und einem Maximum von etwa sechs Rupien.
Schüler nahm an einem Diner teil, das von Arbeitsminister
Jose Figueras gegeben wurde. Das Kongressmitglied Tizon, der
Vorsitzende des Ausschusses fuer philippinische Angelegenheiten,
war ebenfalls zugegen und berichtete von der weitreichenden Gesetzgebung, die von seinam Ausschuss zur Bekaempfung der Kommunisten vorbereitet wurde.
Als man Schüler bat, zu sprechen, sagte er ganz offen zu
Tizon, dass es viel besser fuer ihn waere, etwas zur Linderung
der Arbeiterarmut und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der
Arbeiter zu tun, anstatt die haelfte seiner Zeit fuer anti-kommunistische Gesetze zu verwenden.
Der normale Mindestlohn, der uebrigens empfohlen und nicht resetzlich vorgeschrieben ist, betraegt zwei Rupien pro Tag oder
26,2 Cents. Cewerkschaftsorganisierte Erdoelarbeiter verdienen
taeglich 11,55 Rupien, erhalten ihren Reis sowie lebenshaltungsko~ten-und Mietzuschlaege. Das Einkommen der Arbeitnehmer der General
Motors-Filiale in Takarta (unter dem holla endischen System als Bata-'ia bekannt) ist im grossen und ganzen das gleiche. Schuler war
in einer Textilfabrik, in der Webersiarbeiter taeglich 10-15 Rupien
verdienen, d.h. 1,30 und 1,96 Dollar. Das ist ausserordentlich'weni
im Vergleich zu jinem Stundenlohn von 1,50 Dollar fuer die gleiche
Arbeit in den Vereinigten Staaten.
The CI0 News
V/14/51
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
•

IV - 21

Frankfurt, 25. Mai 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Berufslenkung und Einsatz der Arbeitskraefte - -

1

US-Kongress soll Arbeiterbildungsaustausch
erweitern - - - - - - - - - - - - - - - - - -

7

Gewerkschaften bewahrten die U.S.A. vor Revolution - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

8

Entschliessung der amerikanischen Zeitungsarbeiter-Gewerkschaft - - - - - - - - - - - - -

9

Militaerische Sicherheit durch wirtschaftliche
Einheit - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

10

Morelische Prinzioien der Wechselbeziehungen in
der amerikanischen Industrie
- - - - - - - - 1 5
IAA fuer gleichen Lohn bei gleichwertiger Arbeit 16
BERUFSLENKUNG UND EINSATZ DER ARBEITSKRAEFTE
Die IAM veroeffentlichen hier die Feststellungen der amerikanischen Arbeitsgruppe fuer Berufslenkung und Einsatz
der Arbeitskraefte vor der Konferenz des Weissen Hauses
ueber Kinder- und .Tugendfragen, die vor einiger Zeit in
Washington stattfand.
Ein demokratisches Staatssystem ist verpflichtet, jedem
Einzelnen das Recht zu garantieren, in Bezug auf seine Berufswahl seine eigene Entscheidung zu treffen. In Anerkennung der
individuellen Verschiedenheit der Menschen und der Vielseitigkeit
der modernen Wirtschaft ist der Staat ausserdem dafuer verantwortlich, dass die Jugend in der erforderlichen Weise unterstuetzt und unterrichtet wird, um es ihr zu ermoeglichen, die
- 1 -

�bestmoeglichen Entscheidungen zu treffen. Und der Stt-at hat
ferner die Aufgabe, die entsprechenden sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen'zu schaffen, durch die eine gesunde Berufswahl gefoerdert und eine falsche Wahl verhindert wird. Indem
der Staat auf diese Weise zu einem befriedigenderen Leben der
jungen Menschen beisteuert, ermoeglicht er es der Jugend, ihrerseits in Anerkennung dieser Unterstuetzung ihre Verantwortung
dem Staat gegenueber auf sich zu nehmen.
Die Einrichtungen der Berufslenkung und der Arbeitsvermittlung tragen wesentlich zur Entwicklung einer brauchbaren Persoenlichkeit bei. Die Hilfe geschulter Kraefte bei der Wahl eines
Berufes, der dem jungen Menschen auch eine wirkliche Befriedigung bedeutet, ist sin wesentlicher I'aktor in der Verhuetung
von Fehlgriffen, sie kann bei der Korrektur von Missgriffen in
der Berufswahl von entscheidender Bedeutung sein. Andererseits
haengt die Faehigkeit der Jugendlichen, konstruktiv zu olanen
und von den ^erufsberatungseinrichtungen wirksamsten Gebrauch
zu machen, unmittelbar mit dem Grad der von Geburt an erworbenen
Entwicklung der Persoenlichkeit zusammen.
Fuer den groessten Teil der Jugend dar Vereinigten Staaten
stehen keine angemessenen Einrichtungen der Berufslenkung zur
Verfuegung. Einige der vorhandenen Einrichtungen neigen dazu,
unzureichend zu bleiben und in weitgehendem Masse nicht aufeinander abgestirjnt zu sein. Fast in allen Faellen suchen die Jugendlichen nach Verstaendnis bei erwachsenen, mitten im Berufsleben stehenden Personen, mit denen sie sich offen ueber ihre
beruflichen, bildungsmaessigen, sozialen und persoenlichen Probleme unterhalten koennen. Nur in wenigen Teilen des Landes
sind genuegend Mittel zur Verfuegung gestellt worden, um der Jugend auf ihrem schweren Weg von der Schule zur Arbeit zu helfen.
In der gegenwaertigen Weltlage kann die Berufslenkung im
Einsatz der Ärbeitskraefte fuer die benoetigte Produktion und den
Militaerdienst eine besonders wichtige Rolle spielen. Experten
der Berufslenkung und der Arbeitsvermittlung koennen die Unternehmer unterstuetzen und ihnen zeigen, wie man alle Reserven an
Ärbeitskraeften, auch die Körperbehinderten und Angehoerigen
der Minderheitsgruppen im Programm der Produktion fuer den zivilen Bedarf so wirksam wie moeglich einsetzt. Fuer den jungen
Mann im wehrdienstpflichtigen Alter, der mit einer Unterbrechung
seiner beruflichen Planung rechnen muss, wird eine Planung auf
lange Sicht, die eine Verbindung zwischen der Ausbildung zum
Militaerdienst und dem Zivilberuf herstellen kann, dem Jugendlichen helfen, sich trotz der herrschenden Krise in konstruktiver Weise mit seiner Zukunft zu beschaefti^ren. Der Berater kann
ihn darauf vorbereiten, sich die Moeglichkeitsn der Berufslenkung
und -ausbildung, die ihm im Wehrdienst geboten werden, zunutze
zu machen. Und er kann den Militaerbehoerden helfen, im Rahmen
ihres ursoruenglichen Zweckes, eine Streitmacht zu entwickeln,
auch Moeglichkeitsn fuer eine ausgedehntere Berufsvorbereitung
zu schaffen.
Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe fuer Berufslenkung und
Einsatz der Ärbeitskraefte lauten im einzelnen:
1. Der Jugend in und ausserhalb der Schule muss ein umfassenderer Berufslenkungs- und Arbeitsvermittlungsdienst zur
Verfuegung gestellt werden, damit alle Jugendlichen, in Staedten
und auf dem Land, Koerperbehinderte sowie Angehoerige von Minder- 2-

�heitsgruppen derartige Dienste in allen Teilen unseres Landes in
Anspruch nehmen koennen.
2. Diese Dienststellen der Berufsberatung muessen mit
sorgfaeltig ausgesuchten Personen besetzt sein, die gereifte
Persoenlichkeiten sind, sympathisch wirken und besonders geschult
sind.
3. In Schulen, in denen bis jetzt noch kein Berufsberatungsprogramm besteht, muessen Mitglieder des Lehrkoerpers ausgewaehlt werden, die so weit wie moeglich die persoenlichen und
anderen Befaehigungen eines tuechtigen Berufsberaters besitzen
und allen Studenten beratend zur Seite stehen, die mit ihnen
berufliche und aehnliche Probleme besprechen moechten. Diese Berater muessen veranlasst werden, sich in Fragen der Berufsberatung weiter auszubilden.
4. Um den verschiedenen Interessen der einzelnen Schueler
staerker Rechnung zu tragen, muessen die Schulen die Lehrnlaene
der hoeheren Cchulen erweitern, revidieren und anpa3sen, um auf
diese Weise ein wirksameres Programm der Berufslenkung zu ermoeglichen.
5. Die Jugend muss sich selbst an der Planung der Berufslenkungseinrichtungen beteiligen, damit diese Einrichtungen den
wirklichen Bedürfnissen der Jugend in bezug auf ihre berufliche
Vorbereitung naeherkommen.
6. Die Ämter muessen zu der Erkenntnis kommen, dass die
Grundprinzipien und Methoden der Berufslenkung und der Einzelberatung einen wesentlichen Beitrag zur Bereitstellung, Unterbringung und zum Einsatz der Arbeitskraefte in einer Wirtschaft
der Verteidigung in Verbindung mit dem Militaerdienst zu leisten
haben, und dass die Militaerbehoerden und die der zivilen Arbeitskraefte die Wichtigkeit folgender Faktoren anerkennen muessen:
a) Selbsterkenntnis und Freiheit der Berufswahl in durchfuehrbaren Grenzen bei der Personalbenennung.
b) Die Moeglichkeit, innerhalb der Grenzen der jeweils
herrschenden Situation die Berufsplanung und Ausbildung des Einzelnen bei seinem Uetergang vom Zivilberuf auf eine militaerische Taetigkeit oder eine beschaeftigung im Rahmen der Verteidigungsproduktion und umgekehrt so weit wie moeglich zu berücksichtigen.
c) Vorkehrungen zur Auswertung aller einschlaegigen Informationen zu treffen, die von Berufsber^tem und anderen Behoerden ueber den Betreffenden eingeholt wurden und systematisch
von kompetenten Organen den zustaendigen Aemtern zugeleitet werden.
d) Versorgung der Oeffentlichkeit und insbesondere der
Volksschulen, hoeheren Schulen und anderer Schulen, die auf dem
Gebiet der Berufsberatung und Berufsvorbereitung taetig sind,
mit allen Informationen und Erlaeuterungen, die genaue Angaben
ueber die Richtlinien zum Einsatz der Arbeitskraefte in Kriegszeiten, \ieber Bedarf und Moeglichkeiten , Personalpolitik und
deren Methoden enthalten muessen.
e) Fortgesetzte Berufsberatung und eine gleiche Personalbetreuung waehrend des Militaerdienstes und waehrend des zivilen
Arbeitseinsatzes in den Behoerden und in der Industrie.
- 3-

�f) Vorkehrungen, die gewaehrleisten, dass st&amp;endig Berufsberatungs- und Personalexperten in nichtmilitaerischen Aemtern
und Personen fuer die Ausbildung solcher Experten in ausreichender Zahl zur Verfuegung stehen.
7. Psychologische 'Pruefungen koennen, wenn sie fachmaennisch
gehandhabt und sorgfaeltig ausgewertet werden, ein wertvolles
Hilfsmittel im Studium des* Einzelnen sein; sie duerfen jedoch
nicht als ein Ersatz fuer die Beratung,sondern nur als ein Teil
des gesamten Beratungsverfahrens angesehen werden. Eingehende
Kenntnisse ueber den Einzelnen sollen durch Eignungs- und Persoenlichkeitspruefungen eingeholt werden, die mithelfen koennen. die
Bruecke zwischen Pruefungen und Berufen (oder Berufsgruppen) zu
schlagen.
8. Berufsberater muessen sich zur Einholung aufschlussreicher Informationen ueber die Berufsprobleme des Einzelnen an
Eltern, Schule, Kirche und andere Einrichtungen seiner naeheren
Umgebung wenden.
9. Behoerden, die ueber die Zulassung hoeherer Schulen zu
entscheiden haben, muessen, bevor sie eine Entscheidung treffen,
die Zulaenglichkeit der Berufslenkungsprogramme dieser hoeheren
Schulen in Betracht ziehen.
10. Mittel und Wege muessen ausfindig gemacht werden, um
die Jugend besser mit Stipendien und sonstigen finanziellen Mitteln zu unterstuetzen. Ausserdem muss den Methoden staarkere Beachtung geschenkt werden, mit denen man die Schueler der obersten
Klassen ueber derartige Moeglichkeiten unterrichtet.
11. Das Verstaendnis fuer die Berufsberatung und die Verwendung der vorhandenen Mittel sollen durch Lehrgaenge fuer solche
Leute gefoerdert werden, die sich auf die Berufsberatung vorbereiten, um sie auf diese Weise mit der Art und der Bedeutung der
Berufsprobleme junger Menschen und den zur Loesung dieser Probleme
zur Verfuegung stehenden Mitteln vertraut zu machen.
12. Hochschulen und Lehrerseminare muessen bessere Methoden
zur Auswahl und Ausbildung des Berufsberatungspersonals entwickeln
und zwar sowohl fuer reine Berufsberater als auch fuer Lehrer,
die auf diesem Gebiet taetig sind. Sie muessen im praktischen
Aussendienst und im internen Buerodienst geschult werden. Es
muessen besondere kurzfristige und eigene BetriebsProgramme ausgearbeitet werden, um die Schulrektoren auf ihre verantwortungsvollen Positionen vorzubereiten, die sie in der Organisation und der
Verwaltung wirksamer Berufslenkungsprogramme in ihren Schulen uebernehmen muessen.
13. Diejenigen, die bereits als Berufsberater taetig sind,
und vor allem Leute, die eine derartige Taetigkeit ohne die entsprochende Vorbildung ausueben, muessen fortlaufend weiter ausgebildet werden.
14. Es muessen ununterbrochen Erhebungen ueber Neueintritte
ins Berufsleben, Beschaeftigungsmoeglichkeiten und Entwicklungswandlungen durchgefuehrt werden, die fuer die Jugend sowohl auf
oertlicher als auch auf Landesebene von Bedeutung sind.
15. Fuer zuverlaessige Informationen ueber Berufsaussichten,
die fuer alle Jugendliche der verschiedenen Bildungsgrade verstaendlich sind, muss gesorgt werden.
- 4-

�16. Arbeitgeber und Gewerkschaften muessen veranlasst werden, fuer eine immer groessor werdende Zahl junger Arbeiter
ohne Diskriminierung hinsichtlich ihrer Rassen- oder Religionszup.ehoerigkeit gut beaufsichtigte Lehrstellen und Anlernstellen
zur Verfuegung zu stellen.
17. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen muessen
dazu ermutigt werden, mit den Lchulen zusammenzuarbeiten, um
die jungen Leute ihrer Bezirke oder die dort taetigen Organisationen so zu beraten, wie es erforderlich ist.
18. Eltern, Buerger, Arbeitgeber, Gewerkschaften und sonstige Grupoen muessen mit den Schulen und den Arbeitsvermittlungsaemtern zusammenarbeiten, um ein Berufsberatungssystem aufzubauen und zu unterstuetzen, das den Erfordernissen der Jugend
gerecht werden kann, und um die Organe fuer ein koordiniertes
lokales Gemeinschaftsorogramm zu schaffen. In Anerkennung der
Tatsache, dass Schulen und oeffentliche Arbeitsvermittlungsaemter die reichsten und zugaenglichsten Quellen der Berufsberatung
und Arbeitsvermittlung darstellen, muessten alle Schichten der
Bevoelkerung bestrebt sein mitzuhelfen, dass diese beiden oeffentlichen Einrichtungen bei der Erweiterung und Verbesserung des
Berufslenkungssystems fuer die Jugend enger zusammenarbeiten und
sich gegenseitig unterstuetzen. Zu diesem Zweck waere folgendes
notwendig:
a) Die Verantwortungsbereiche beider Institutionen muessen
genau festgelegt und ihre Funktionen in der Unterhaltung, Formulierung und Verbesserung der Berufsberatungs- und Arbeitsvermittlun^sdienste koordiniert werden.
b) Die Schulen und oeffentlichen Arbeitsvermittlungsaemter
muessen mit befaehigtem Personal besetzt werden, damit die jungen
Leute in angemessenar V/eise beruflich beraten und in das Erwerbsleben eingefuehrt werden koennen.
c) Informationen ueber Hilfsmittel und Grundprinzipien der
Berufsberatung muessen ausgetauscht werden, um zu gewaehrleisten,
dass (1) den jungen Leuten und dem ganzen Volk geholfen wird,
die V/u erde und Verantvvortung jeder Art von Arbeit anzuerkennen,
(2) den jungen Menschen eine groessere praktische Hilfe und
weitgehende Informationen ueber Moeglichkeiten und Methoden der
Arbeitsplatzsuche und Bewerbung zuteil werden, (3) den jungen
Leuten geholfen wird, die Bedeutung ihres ersten Arbeitsplatzes
als Sprungbrett zu ihrer zukuenftigen beruflichen Laufbahn zu
sehen, (*) ihnen eine Moeglichkeit gegeben wird, ihr relatives
Verdienst auszuwerten, das sie sich erworben haben, indem sie
noch in der Schule blieben, anstatt fruehzeitig erwerbstaetig zu
werden, und (5) der Berufsberater den jungen Leuten auch noch
nach Beginn ihrer beruflichen Laufbahn beratend zur Seite steht.
19. Die Oeffentlichkeit muss ueber den Wert der Berufsberatung- und Arbeitsvermittlungsdienste fuer die jungen Leute und
uebor den bestehenden Bedarf und die Methoden in den einzelnen
Bezirken unterrichtet werden.
20.
a)

Von den einzelnen Bezirken muessen gefoerdert werden:
die Vollbeschaeftigung;

b) Organisierte und beaufsichtigte Vermittlung? von Arbeitsnlaetzen unter fairen Bedingungen fuer die junpen Menschen, die
in das Berufsleben eintreten, und
- 5 -

�c) Möglichkeiten fuer die Jugend der hoeharen Schulen,
sich waehrend der Schulferien und in zeitlich begrenzter Beschaeftigung unter beaufsichtigten Arbeitsbedingungen Berufserfahrungen anzueignen.
21. Schulen, Kommunalbehoerden und Arbeitsvermittlungsaemter muessen in ihrer Arbeit und durch ihr Personal bestrebt
sein, diskriminierende Methoden abzuschaffen, die zur Zeit noch
gegen Angehoerige von Minderheits- und sonstiger Sondergrunpen
angewendet werden. Den Berufsberatern und den Beamten der Arbeitsvermittlungsaemter muss eine besondere Rolle zufallen, weil sie
sowohl denen, die sie beraten, als auch den Arbeitgebern in dieser Hinsicht dienen muessen.
22. Die statistische Forschung muss gefoerdert werden, um
die Auswertung und Verbesserung der Berufslenkungs- und Arbeitsvermittlungsmethoden zu unterstuetzen, um ein besseres Verstaendnis fuer die grundsaetzliche Einstellung der Arbeiter, die Anforderungen der verschiedenen Berufe und die persoenlichen Erwartungen zu erwecken, und um auf die erforderlichen Entwicklungen in der Berufsberatung und Arbeitsvermittlung hinzuweisen.
23. Auf bundesstaatlicher, einzelstaatlicher und lokaler
Ebene muessen hoehere Geldmittel zur Verfuegung gestellt werden,
um zulaengliche Berufsberetungs- und Arbeitsvermittlungsdienste
zu ermoeglichen, die den Anforderungen der gesamten -Tugend gerecht werden koennsn.
In der Plenarsitzung der obengenannten Grunpe wurden folgende Empfehlungen gebilligt, die sich in irgendeiner Weise auf
die Berufslenkung und Arbeitseinfuehrung beziehen:
Berufslenkungs- und Beratungsbehoerden in Schulen, Arbeitsvermittlungsasmtern und Jugendbehoerden muessen gefoerdert und
erweitert werden, sie muessen die persoenlichen Faktoren bei
der Berufswahl und die besondere Eignung fuer einen bestimmten
Beruf berücksichtigen.
Den Kindern von nicht ses3haften und Saisonarbeitern muss
ebenso wie anderen Kindern gleicher Schutz und gleiche Betreuung gewaehrt werden, wobei Transport-, Wohnraum-, Gesundheitsund Erziehungsprobleme sowie Sozialunterstuetzungen und ein
ausreichender Schutz im Rahmen der Arbeitsgesetze besonders zu
beruecksichtigen sind.
In den Erziehung^Programmen muss den Faktoren besondere Beachtung geschenkt werden, die mit der Entwicklung geistiger Werte
durch die Berufslenkung verknuepft sind, in der das Motiv des
Dienstes an der Gemeinschaft vor das des Geldverdienens gestellt
werden muss.
Gewerkschaften, Industrie, Erziehungsinstitutionen, sonstige kommunale Einrichtungen sowie die Militaerbehoerden muessen
ihre Personal-, Auswertungs-, Vermittlungs-, Berufslenkungsund Berufsberatungsarbeit verbessern und erweitern, um den Inter- •
essen der jungen Menschen zu dienen und die allgemeine Entwicklung
und wirksame Verwendung der gesamten Reserven an menschlichen
Arbeitskraeften zu foerdern.
Staatliche und andere zustaendige oeffentliehe Koerperschaften muessen wirksame Berufslenkungs- und Arbeitsvermittlungseinrichtunpen schaffen und die allgemeine Beachtung von Grundsaetzen
- 6-

�in Bezug auf die Beschaeftigung der Jugendlichen in allen Berufen durchsetzen; diese Grundsaetze muessen sich auf Mindestalter und Mindestloehne, Arbeitszeit, Nachtarbeit, Schutz bei
der Ausuebung unfallgefaehrdeter Beschaeftigungen und auf eine
angemessene Unfallversicherung erstrecken. Unter Beachtung dieser Vorschriften muessen die Unternehmer Jugendlichen die Mtoeglichkeit bieten, sich in zeitweiliger Beschaeftigung die erforderlichen Berufserfahrungen anzueignen.
Alle diejenigen, die auf dem Gebiet der Jugenderziehung
taetig sind, muessen. sich im Rahmen ihrer Vorbereitung eine
Grundlage allgemeiner Kenntnisse und Erfahrungen ueber die Grundbegriffe des menschlichen Wesens aneignen, und sich der Notwendigkeit bewusst sein, sowohl die Gesamtperson als ihre persoenlichen Besonderheiten in Betracht zu ziehen, das neisst, da3
Gegenspiel physischer, geistiger, sozialer, kultureller und
wirtschaftlicher Kraefte, die Bedeutung der gegenseitigen persoenlichen Beziehungen, die Bedeutung der Selbsterkenntnis, die
Betonung einer nositiven Anerkennung und Foerderung einer gesunden Persoenlichkeit und die individuelle Behandlung besonderer
Charaktere; Laien auf diesem Gebiet nuessen durch formelle und
nichtformelLe Ausbildung dahingehend orientiert werden, dass sie
fuer die Bedeutung der obengenannten Begriffe Verständnis aufbringen.
Alle diese Dienste muessen fortlaufend mit kritischen Augen
ueberprueft werden, und es muessen von allen Ebenen aus fortlaufend wissenschaftliche Studien ueber Bedarf, Ziele, Alternativmethoden und Wirksamkeit der aufgestellten Programme durchgafuehrt werden.
Emnloyment Security Review
IV/51
US-KONGRESS SOLL ARBEITLRBILDUNGSAÜSTAUSCE ERWEITERN
Wehr Stipendienmoeglichkeiten fuer ArbeiterbildungsInstitute, mehr Studienreisen fuer Gewerkschafter und besondere Sommerscnulen zum Studium der sozialen Probleme in anderen Laendern
wurden zur Erreichung der Ziele emofohlen, die sich das amerikanische Aussenmiftisterium mit seinem weltweiten "Feldzug der Wahrheit" gesteckt hat.
Diese Empfehlungen bilden einen Teil eines Berichtes, der
vor kürzen vom amerikanischen Beratungsausschuss fuer den Austausch im Rahmen der Arbeiterbildung dem amerikanischen Kongress
unterbreitet wurde. Mark Starr, der Leiter des Bildungsreferats
der Internationalen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbaiter,
ist Mitglied dieses Ausschusses.
In einem Aufruf zur gesteigerten Taetigkeit auf dem Gebiet
des internationalen Austausches fuehrendsr Gewerkschaftsfunktionaere wird in dem Bericht erklaert:
"Es muss unsere Aufgabe sein, die wirklichen Verhaeltnisse,
unter denen die Arbeiter in der Sowjetunion und den sowjetischen
Satellitenstaaten leben, denen gegenueberzustellen, unter denen
die amerikanischenArbeiter ihre wirtschaftliche Sicherheit, die
Anerkennung ihrer l^enschenwuerde, Selbstachtung und nersoenliche
Anerkennung geniessen, ohne einen Klassenkampf fuehren und auf
- 7-

�eine Diktatur zurueckgreifen zu muessen, die nach der kommunistischen Lehre erforderlich sind, um den Arbeitern zu ihren
Rechten zu verhelfen."
In dem Bericht wird ferner festgestellt, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bereits mitgeholfen hat, durch den
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften ein technisches Unterst uetzungsprogramm auszuarbeiten. Zu den vielen Projekten, die vom
IBFG in die Wege geleitet worden sind, gehoert die Errichtung von
Ausbildungsinstituten in Asien, in denen die kuenftlgen Fuehrer
der dortigen freien Gewerkschaftsbewegung geschult werden.
ECA Labor Information
V/9/51
GEWERKSCHAFTEN BEWAHRTEN DIE U.S.A. VOR REVOLUTION
n

Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hat unser Land vor
einer grausamen und blutigen Revolution" bewahrt, erklaerte
Bischof Bernhard J. Sheil vor dem John A. Ryan-Forum am 15. Mai.
Dieses Forum wurde von der Katholischen Arbeitsallianz einberufen. Es fand anlaesslich des 60. Jahrestages der paepstlichen
Enzyklika
"Ueber die soziale Lage der Arbeiterschaft" statt,
die von Papst Leo XIII. verfasst war, und des 20. Jahrestages der
Enzyklika Papst Pius XI. ueber die "Wiederherstellung der Sozialen
Ordnung."
Bischof Sheil erklaerte: "Die Geschaeftsleute dieses Landes
koennen der Gewerkschaftsbewegung dankbar dafuer sein, dass sie
den Kapitalismus gerettet hat. Die Arbeiterschaft hat ihn davor
bewahrt,gestuerzt und aus sich selbst heraus zerstoert zu werden,
indem sie einen Mittelweg zwischen einem extremen Individualismus und einem extremen Kollektivismus gesucht und gefunden hat.
Bischof Sheil war einer der drei Sprecher ueber "Ein christliches Programm fuer Gewerkschaften und Unternehmer." Die anderen
beiden Sprecher waren Milton Murray, Hauptkassierer des Organisationskomitees der Regierungs- und Zivilangestellten (CIO)
und John Quincy Adams-, der Praesident der Kuehlschrankfabrik
Manhattan in New York.
Vor 1.000 Anwesenden wurde ein Telegramm des CIO-Vorsitzenden Philip Murray vorgelesen, der eigentlich hatte sorechsn sollen, aber infolge einer schweren Erkrtnkung verhindert war. Er
verglich die grosse naepstliche Enzyklika "Rerum Novarum" mit
einem Leuchtfeuer in der Zeit ihrer Veroeffentlichung vor 60
Jahren. Diese Botschaft zeigte den damaligen Fuehrern der Gewerkschaftsbewegung dieses Landes und Europas den Weg. Sie ist mit
Recht die "Magna Charta" der Arbeiterrechte genannt worden."
Mit der Veroeffentlichung der paepstlichen Botschaft "Quadragesimo
Anno" hatten "viele falsche Prooheten nach seltsamen und schlechten
Loesungen geschrieen. Viele andere hatten die falsche Behauptung
aufgestellt, dass eine soziale Loesung ueberhaupt nicht erforderlich sei." Murray fuegte hinzu, das3 alle "arbeitenden Menschen
Amerikas und daruefcarhinaus der ganzen Welt den grossen Paepsten
Leo XIII. und Pius XI. viel zu verdanken haetten."
Adams erklaerte, dass es z.Zt. am wichtigsten sei, Ausschue^se
zu bilden, die sich aus Gewerkschafts- und Unternehmervertretern
zusammensetzen, um auf diese Weise industriellen Frieden und Fortschritt sicherzustellen. Diese Ausschuasse wuerden auf Betriebs-,
8 -

�Verwaloungs-, Industrie- und nationaler Ebene benoetigt und
muessen aus einer gleichen Zahl von Vertretern der Gewerkschaften und Unternehmer zusammengesetzt sein.
Ein Betriebsausschuss, so sagte er, mue -.ste sich mit folgenden Fragen befassen: Produktionsleistung, Sicherheitsmassnahmen,
planmaessisüer Abbau jeder Verschwendung und der Ueberstunden, Mechanisierung und technischer Fortschritt, wirtschaftliche Tendenzen und Wettbewerb. Er wies darauf hin, dass diese Ausschuesse
in keiner 7/eise mit den Funktionen der Gewerkschaften in Konflikt
kommen duerftan.
Als der erste Schritt zur Beilegung der gegenwaertigen Konflikte ist es erforderlich, so fuhr Adams fort, dass alle Buerger
die Gewerkschaften in ihren organisatorischen Bemuehungen auf
,1ede nur moegliche Art unterstuetzen. Arbeitskollegen in einem
Unternehmen oder einer Industrie haben das selbstverstaendliche
Recht, fuer die Gewerkschaft zu werben, lind es sollte alles getan
werden, dass sie dieses Recht ausueben.
Adams erklaerte, dass "in seinem Betrieb die Produktionsleistung durcn die Arbeit dieser Ausschuesse weitgehend erweitert
und der gute Wille aller Arbeitnehmer gefoerdert worden sei, obwohl sie sich in keiner Weise in die Arbeit der Gewerkschaften
eingemischt haetter, mit denen sieben Sondervertraege abgeschlossen
seien. Alle unsere Bueros, Fabriken und ".Varenhaeuser sind nicht
zufaelligerweise ohne Ausnahme gewerkschaftlich organisiert."
Milton Murray bezeichnete das gegenwaertige Programm des
CIO als einen Beweis dafuer, dass die Gewerkschaftsbewegung nicht
jene "selbstsuechtige willkuerliche Gruppe ist," als die sie
gewisse Kritiker hinstellen moechten. "Wenn wir gerechte Preiskontrollen, Mietkontrollen und andere Massnahmen fordern, setzen
wir uns nicht allein fuer die Rechte der Gewerkschaftsmitglieder
ein. Wir wollen, dass alle Amerikaner, ob sie gewerkschaftlich
organisiert sind oder nicht, gerecht behandelt und ihre Interessen in der gegenwaertigen Verteidigungsgesetzgebung gewahrt
bleiben. Gewiss, wir sind bereit, Opfer zu bringen, und die
Arbeiterschaft ist auch bereit, den ihr zukommenden Anteil an
Opfern 'zu tragen. Aber die heute gueltigen Gesetze sind jedoch
nicht gerecht, denn sie legen den Arbeitern einen zu grossen Teil
der Lasten auf.
Daily News Service
V/16/51
ENTSCHLIESSUNG DER AMERIKANISCHEN ZEITUNGSARBEITER-GEWERKSCHAFT
Der Internationale Exekutivausschuss der Amerikanischen Zeitungsarbeiter-Gewerkschaft nimmt mit besonderem Interesse von zwei
historischen Entwicklungen Kenntnis, die sich innerhalb der letzten
Monate in jenem Abschnitt des internationalen gewerkschaftlichen
Arbeitsgebietes abgespielt haben, an dem diese Gewerkschaft besonders interessiert ist.
Mit besonderer Genugtuung hat diese Gewerkschaft den Erfolg
des Internationalan Bundes Freier Gewerkschaften mit der Einberufung des ersten Weltkongresses der Geistesarbeiter verfolgt, zu
denen Lehrer, Journalisten, Musiker, Kuenstler, Schauspieler, Angestellte in Handel und Industrie sowie Arbeitsvorgesetzte gehoeren.
Die Gewerkschaft der amerikanischen Zeitungsarbeiter begruesst
- 9-

�mit Begeisterung das Programm, das von diesem Kongress zur Foerderung der gegenseitigen Interessen dieser Arbeiter, zur Aktivierung der organisatorischen Bestrebungen in fortgeschrittenen
und unterentwickelten Gebieten der Erde, zur Verbesserung ihres
Lebensstandards und ihrer Arbeitsbedingungen, zur Festigung
der Beziehungen, die bereits zwischen den Arbeitern der Faust
und der Stirn bestehen, zur Foerderung des gegenseitigen Verstaendnisses aller Voelker der Welt und zur Vereinigung der
Kraefte der freien Laender in Verfolgung des Kampfes fuer "Brot,
Freiheit und Frieden" vorgeschlagen haben, die das Leitmotiv
der Arbeit des IBFG bilden.
Die amerikanische Zeitungsarbeiter-Gewerkschaft ist stolz
darauf, durch den Vorsitzenden des Internationalen Beratungsausschusses des IBFG fuer Geistesarbeiter, der ihr Mitglied ist,
mitgewirkt zu haben, diesen Kongress und seine ermutigenden Ergebnisse zustandezubringen. Sie befuerwortet allgemein die Empfehlungen dieses Kongresses und insbesondere die Forderung, das« der
IBFG den Internationalen Beratungsausschuss zu einer dauernden
Einrichtung erklaeren soll, die diese Arbeit fortsetzen und erweitern kann.
Die Gewerkschaft stellt mit Befriedigung fest, dass als
eines der zahlreichen wertvollen Nebenergebnisse dieses ^Programms
bereits ein internationales Berufssekretariat fuer die Lehrer
der Welt gebildet wurde. Ein anderer konstruktiver Erfolg, der
fuer die Mitglieder dieser Gewerkschaft von unmittelbarem Interesse ist, ist die Schnelligkeit und die Entschlossenheit, mit
der sich der Kongress gegen die Unterdrueckung einer freien
Presse ausgesprochen und als verabscheuungswuerdigstes Beispiel
der letzten Zeit die Enteignung der "La Prensa" durch das diktatorische Peron-Regime und die Ausweisung eines prominenten amerikanischen Pressekorrespondenten als neueste Unterdrueckungsmassnahme des totalitaeren Franco-Regimes angefuehrt hat.
Die Gewerkschaft hat erfreut zur Kenntnis genommen, dass die
Bemuehungen zur Errichtung eines neuen freien und demokratischen
internationalen Berufssekretariats fuer die Journalisten der
Welt in diesem Jahr in mancher Hinsicht erfolgreich waren. Die
Mitglieder dieser Gewerkschaft hoffen, dass innerhalb der naechsten Monate eine vorbereitende Konferenz stattfinden kann, auf
der ein Weltkongress der Journalisten geplant werden koennte,
wenn eine Internationale fuer die Angehoerigen dieser Berufs sparte gegruendet werden kann. Die Journalisten werden weiterhin
trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse diesem Ziel zustreben, bis die freien Zeitungsleute der Erde ein organisatorisches
Werkzeug zur Verfuegung haben, mit dem sie gemeinsam an der Foerderung der freien Presse und der Loesung von Problemen arbeiten
koennen, die ihnen allen gemeinsam sind.
ECA Labor Information
V/21/51
Dr. Isador Lubin, Repraesentant der Vereinigten Staaten im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen:
MILITAERISCHE SICHERHEIT DURCH WIRTSCHAFTLICHE EINHEIT
Der Krieg in Korea hat die Wirtschaftsplaene der friedensliebenden Nationen ernstlich gestoert. Inlaendische Verbesserungsprogramme in industrialisierten Laendern und Programme zur wirt- 10 -

�schaftlichen Entwicklung in den unterentwickelten Gebieten der
Welt muessen nun unter einem neuen Gesichtswinkel betrachtet
werden.
Um die freie Welt so zu staerken, dass sie jede eventuelle
militaerische Gefahr fuer ihre Sicherheit und Freiheit erfolgreich abwenden kann, waren die Vereinigten Staaten gezwungen,
einen grossen Teil ihrer Produktionskapazitaet fuer die Ruestung
zu verwenden. Andere Nationen, die sich an den gemeinsamen
Verteidigungsbemuehungen beteiligen, folgten diesem Schritt.
Bis zum Ende des Jahres 1951 werden die Aufwendungen der
US-Regierung fuer die Verteidigung und aehnliche Zwecke im
eigenen Land und im Ausland fuer Waren und Dienstleistungen
voraussichtlich den Betrag von 45 Milliarden Dollar jaehrlich
ueberschritten haben. Dieser Betrag entspricht ungefaehr 15%
des Gesamtwertes der Produktion der Vereinigten Staaten. Obwohl dieses Verhaeltnis wesentlich kleiner ist als die 45% der
Gesamtproduktion, die auf dem Hoehepunkt des zweiten Weltkrieges
fuer militaerische Zwecke verwendet wurden, wird er die Verteidigungsstaerke der freien Welt wesentlich erhoehen und fuer den
Fall, dass ein totaler Krieg gefuehrt werden muss, den Grundstein fuer eine riesige Erweiterung der Waffenproduktion legen.
Den Wirtschaftsplaenen der Vereinigten Staaten liegt jedoch
nicht die Ueberlegung zugrunde, dass ein dritter grosser Krieg
unvermeidlich sei. Es besteht die Absicht, Industrie, Landwirtschaft und Handel in diesem Lande und in den anderen freien
Laendern so zu staerken, dass der freien Welt damit ein Maximum
an Verteidigungsstaerke verliehen wird, die auch in kritischer
Zeit beibehalten werden kann, die unter Umstaenden viele .Tahre
dauern kann. Di'e Politik in den Vereinigten Sta&amp;ten gruendet
sich auf die Ueberzeugung, dass eine dauernde nicht nachlassende
Staerke eine Aggression abwehren und vereiteln kann, bis der
eventuelle Angreifer bereit ist, seine verwerflichen Ziele aufzugeben.
Die Politik der USA anerkennt die Tatsache, dass die Wiedererrichtung der Verteidigungsstaerke der freien Welt sowohl fuer
das amerikanische Volk als auch fuer die Voelker anderer freier
Nationen ein Opfer bedeuten wird. Fuer das amerikanische Volk
wird sie bedeutende Einschraenkungen in der Versorgung mit bestimmten Zivilguetern mit sich bringen, ausserdem werden hoehere
Steuern eine ihrer unmittelbaren Folgen sein. Das gleiche wird
fuer andere Nationen zutreffen, die sich an den Verteidigungsbemuehungen beteiligen.
Die Vereinigten Staaten wissen, dass sie nicht in der La&lt;?e
sein werden, einige der Projekte fuer die wirtschaftliche Unterstuetzung unterentwickelter Laender in dem Umfang durchzufuehren,
den man fuer angemessen gehalten hatte, obwohl die entsprechenden Programme noch erweitert werden sollen.
Die industrialisierten Laender der Welt, besonders die
Vereinigten Staaten und andere Laender des Nordatlantikpaktes,
sind in Bezug auf Rohstoffe, die fuer die Wiederherstellung der
Verteidigungsstaerke unentbehrlich sind, von vielen dieser unterentwickelten Gebiete abhaengig.
Aber diese Gebiete sind umgekehrt auch von diesen Laendern
in der gleichen Weise abhaengig. Die Verbraucher und Hersteller
dieser Gebiete brauchen naemlich viele Fertigwaren aus den indu- 11 -

�strialisierten Laendern. Diesen unbefriedigten Bedarf so weit
wie moeglich zu erfuellen, ist ein integraler Bestandteil der
Verteidigungsbemuehungen der freien Welt.
Es gibt fuer die freien Natione nur einen Weg, um die Buerden eines neuen Krieges zu vermeiden: indem sie sich die Lasten der
Wiederaufruestung auferlegen. Wenn es Leute gibt, die hoffen,
auch diese Lasten vermeiden zu koennen und gleichzeitig gegen
eine Aggression gesichert zu sein, so geben sie sich damit frommen Wuenschen hin. Die Politik der Vereinigten Staaten gruendet
sich auf die Erwartung, dass die freien Nationen fuer die Notwendigkeit dieses Opfers Verstaendnis haben, es bewusst aur sich
nehmen und im Geiste der Vereinten Nationen arbeiten werden; ihre
Bestrebungen muessten jedenfalls darauf ausgerichtet sein, dass
dieses Opfer nicht umsonst sein soll.
Selbst unter groessten Anstrengungen zur Ausdehnung der inund auslaendischen Produktion werden in bestimmten Faellen ernsthafte Verknappungen, scharfe Preissteigerungen und Fehlverteidigungen von Vorraeten unvermeidlich sein. Die Notwendigkeit, diesen Problemen zu begegnen, ist der erste Beweis fuer die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Einigkeit und einer internationalen Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet.
Um eine gleichmaessige Verteilung der Rohstoffe sicherzustellen, haben sich die Vereinigten Staaten mit England, Frankreich und anderen Laendern zur Gruendung der sogenannten Internationalen Materialkonferenz zusammengeschlossen. Zu dieser
Koerperschaft gehoeren Vertreter der Hersteller- und Verbrauchslaender, die an den besonderen, in Frage stehenden Waren das
groesste Interesse haben.
Zu Anfang des Monats Mai waren 25 Laender in sieben internationalen Rohstoffausschuessen vertreten, die zu dem Zweck gebildet worden waren, den Regierungen die besonderen Massnahmen zu
empfehlen, die hinsichtlich jedes einzelnen dieser Rohstoffe zur
Ausdehnung der Produktion, zur Sicherung der Bestaende und einer
hoechstwirksamen Verteilung und Verwendung ergriffen werden
sollen.
Die einzelnen Ausschuesse beschaeftigen sich mit: 1.)
Kupfer, Zink und Blei, 2.) Schwefel, 3.) Baumwolle und Baumwollfasern, 4.) Wolfram und Molybdaen, 5.) Magnesium, Nickel
und Kobalt, 6.) Wolle und 7.) Zellulose und Papier. Die Bildung weiterer Ausschuesse fuer andere knappe Rohstoffe ist in
Erwaegung gezogen.
Die Ausschuesse haben bereits viel geleistet, indem sie
Feststellungen zu der gegenwaertigen Lage in Angebot und Nachfrage dieser knappen Rohstoffe trafen und Schaetzungen ueber
den zukuenftigen Bedarf ausarbeiteten. Sie werden demnaechst
Empfehlungen zur Erhoehung des Angebots und zur Verteilung unterbreiten.
Der amerikanische Standpunkt in Bezug auf die Zuteilung von
knappen Rohstoffen wurde von dem Direktor fuer die Verteidigungsmobilisierung, Charles E. Wilson, mit folgenden Worten klar zum
Ausdruck gebracht:
"Wir in den Vereinigten Staaten sind uns der unumgaenglichen
Notwendigkeit bewusst, alle knappen Rohstoffe hauptsaechlich
fuer die Kriegsproduktion und die lebenswichtige Zivilproduktion
- 12 -

�zu reservieren. Gleichzeitig sind wir entschlossen, diese Rohstoffe fuer diese wesentlichen Zwecke gleichmaessig an unser
eigenes Land und an unsere Freunde zu verteilen."
"Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Vereinigten Staaten den Plan gefasst, Kontrollen einzufuehren, wie zum Beispiel
angemessene Exportquoten zusammen mit Bevorzugungen und Anweisun
gen an Erzeuger, wenn dies erforderlich ist."
Die Preisfrage ist zusammen mit den sie begleitenden inflationistischen Gefahren ein Problem, dem durch internationale
Zusammenarbeit begegnet werden muss. Die auffallende Erhoehung
der Preise fuer bestimmte, strategisch wichtige Materialien
hat sich bereits nicht nur auf die Lebenshaltungskosten in den
industrialisierten Laendern, sondern auch auf die Preise fuer
Fertigwaren ausgewirkt, die in unterentwickelte Gebiete wiedereingefuehrt werden. Sie hat ausserdem die Kosten fuer die Wiederauf ruestung betraechtlich erhoeht."
"In Uebereinstimmung mit ihrer allgemeinen Politik der
Foerderung wirtschaftlich gesunder Verhaeltnisse und einer wirtschaftlichen Einigkeit der freien Welt sind die Vereinigten
Staaten bereit, mit anderen rohstofferzeugenden und -verarbeitenden Laendern Verhandlungen aufzunehmen, um festzustellen,
ob internationale Vereinbarungen ueber Rohstoffe getroffen werden koennen, die angemessene Preise fuer wichtige knappe Rohstoffe garantiaren wuerden."
"Wir in den Vereinigten Staaten haben die Zuversicht, dass
diese Probleme in demokratischer Weise und im Geist voller Harmonie geloest werden koennen."
Economic Air Bulletin
V/18/51
Maurice J. Tobin, U.S. Arbeitsminister:
MORALISCHE PRINZIPIEN DER WECHSELBEZIEHUNGEN IN DER AMERIKANISCHEN
INDUSTRIE
~ —
"
Die Menschen in den Vereinigten Staaten und anderen Nationen der freien Welx, feierten im Mai dieses Jahres den 60. Jahrestag der von Papst Leo XIII. am 15. Mai veroeffentlichten Enzyklika "Rerum Novarum" ueber die soziale Lage der Arbeiterschaft.
Sie feierten ausserdem den £0. Jahrestag der von Papst Pius XI.
verfassten Enzyklika "Quadragesimo Anno" ueber die Wiederherstellung der sozialen Ordnung.
In der Welt herrschen viele Missverstaendnisse ueber die
Funktion der katholischen Kirche als eines Fuehrers der Arbeiter
und ihrer Kinder. Das allgemeine Missverstaendnis besteht darin,
dass man annimmt, die Kriche versuchte, den Menschen vorzuschreiben, was sie von Angelegenheiten halten sollen, die mit Religion
ueberhaupt nichts zu tun haben.
Dies ist nicht der Fall, und ich moechte beweisen, warum
es nicht so ist, indem ich den Ursprung der Enzyklika "Rerum
Novarum" ueber die soziale La&lt;?e der Arbeiterschaft als Beweis
anfuehre.
- 13 -

�Jahrelang hat man sich in Europa und in den Vereinigten
Staaten in katholischen Kreisen mit der Frage beschaeftigt, welche Haltung die Arbeiter den Gewerkschaftsorganisationen gegenueber einnehmen sollen. Diese Diskussionen bezogen sich auf
der einen Seite auf politische und wirtschaftliche Fragen und
auf der anderen auf Fragen des Glaubens und der Moral. Die
Fragen des Glaubens und der Moral wurden in Verbindung mit den
sozialen Problemen der Arbeiterschaft von den Katholiken der ganzen Welt aufgeworfen.
In den Vereinigten Staaten drehte sich eine der aktivsten
Diskussionen um die Frage, welche Haltung der GewerkschaftsOrganisation "Ritter der Arbeit" (Knights of Labor) gegenueber eingenommen werden sollte, die als Vorgaenger des amerikanischen
Gewerkschaftsbundes AFL anzusehen ist. Die "Ritter der Arbeit"
versuchten den amerikanischen Arbeitern in einer Zeit zu helfen,
in der die Arbeitsbedingungen in der Industrie haeufig unmoralisch hart waren.
Die Arbeit zum Wohl des Volkes, die diese "Ritter der Arbeit" leisteten, wurde sowohl von der Laienwelt als auch von der
Hierarchie des katholischen Glaubens unterstuetzt. Kardinal
Gibbons aus Baltimore war einer der aktivsten Fuersprecher fuer
die Unterstuetzung der Organisation "Knights of Labor." Als
Widersacher, die zum Teil ebenfalls mit der Kirche zusammenhingen,
die Organisation angriffen, machte es sich der Kardinal zur Aufgabe, deren Bemuehungen zur Unterstuetzung der Armen in aller
Oeffentlichkeit zu loben.
Als andere Katholiken wuenschten, dass diese Organisation
verdammt wuerde, ging Kardinal Gibbons selbst so weit, ihre Sache
vor dem Heiligen Vater in Rom zu vertreten. Hierbei hatte er
mit zwei Ausnahmen alle amerikanischen Erzbischoefe hinter sich.
Diese Bitten des Kardinals Gibbons und anderergleichgesinnter
Mitglieder des Kardinalkollegiums waren an Papst Leo XIII. gerichtet, der sich vor vielen Jahren mit diesen Problemen beschaeftigte.
Inzwischen fuehrten viele arbeiterfreundliche Priester der
Vereinigten Staaten ihre Arbeit zum Wohle des arbeitenden Volkes
fort. Erzbischof Ireland von St. Paul im Staate Minnesota erklaerte im Jahre 1889 vor einer Konferenz des ersten Amerikanischen Katholischen Kongresses in Baltimore, dass in der amerikanischen Kirche ein neues Zeitalter anbrechen werde, und dass
die Katholiken von, den Bischoefen bald zur aktiven sozialen Betaetigung angeleitet wuerden.
Waehrend diese Fragen vor dem Heiligen Stuhl schwebten,
veroeffentlichte Papst Leo XIII. die Enzyklika, die seitdem
Richtschnur fuer die Haltung der katholischen Arbeiterschaft geworden ist.
In diesem Schreiben wird tatsaechlich festgestellt, dass
trotz der Unterschiede in der politischen Interpretation der Ziele
der Gewerkschaftsbewegung die Frage der sozialen Lage der Arbeiterschaft seit vielen Jahren im Vatikan besprochen wird. Der
Papst definierte bestimmte Prinzipien des Glaubens und der Moral,
die fuer alle Katholiken bei Entscheidungen in Arbeitsfragen massgebend sein muessten.
In der Enzyklika werden Massnahmen zum Schutz der Gesundheit
der Arbeiter, zur Erzielung hoeherer Loehne, kuerzerer Arbeits- 14 -

�zeit und der Moeglichkeit gefordert, sich dem Familienleben und
seiner Erholung zu widmen. Eine uebermaessige Bescheeftigung
von Kindern und Frauen wird darin abgelehnt. Das Recht der Arbeiter, sich zu organisieren und fuer gerechte Zwecke selbst
zu streiken, wird in ihr bestaetigt.
Es steht fest, dass weder diese noch eine andere Enzyklika
einen Einbruch in private wirtschaftliche oder politische Rechte
bedeutet.
Sie schreibt nicht einem Unternehmer vor, wieviel er seinen
Arbeitnehmern bezahlen muss, und sie schreibt auch nicht dem
Arbeitnehmer vor, welche Loehne er von seinem Arbeitgeber fordern
soll. Dies sind politische und wirtschaftliche Fragen, ueber die ,
von anderen Gremien entschieden werden muss.
Obwohl Papst Leo XIII. erklaert, dass "der Niedrigste dem
Hoechsten nicht gleichgestellt werden kann," stellt er klar heraus, dass es"zu den vornehmsten Pflichten des Unternehmers gehoert, jedem Arbeiter das zu geben, was er sich verdient hat.
Ausserdem muessten sich Reiche und Unternehmer daran erinnern,
dass weder menschliche noch goettliche Gesetze es ihnen auf Grund
ihres Reichtums erlauben, den Armen zu unterdruecken oder zu versuchen, aus der Not Vorteile zu schlagen." In der zweiten beruehmten Enzyklika ueber die Wiederherstellung der sozialen Ordnung werden viele der neuen Probleme aufgegriffen, die in den
40 Jahren seit der Veroeffentlichung der 1. Enzyklika entstanden
sind.
In diesem zweiten Schreiben, dass von Papst Pius XI. veroeffentlicht wurde, wird der Grundsatz der ersten Enzyklika wiederholt, dass das Recht, Eigentum zu besitzen, von dem Recht,
es frei zu verwenden, unterschieden werden muesse. Das Recht
des Eigentumbesitzes wuerde auch grosse Pflichten auferlegen.
Eine der wesentlichsten Pflichten sei es, den Besitz fuer gute
soziale Zwecke und nicht fuer die Ausbeutung zu verwenden. Es
wird betont, dass "Reichtum, der durch sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt staendig vergroessert wird, so verteilt werden muss
muss, dass «r zur Förderung des Allgemeinwohls beiträgt."
Das soeben Genannte liegt im Sinne eines der wichtigsten
Ziele der Kirche: des Friedens im Hause; aber wir koennen den
Frieden im Hause nur vollsteendig geniessen, wenn wir auch als
Nation in Frieden leben. Aus diesem Grunde hat es sich die Kirche zur Aufgabe gemacht, den Frieden sowohl unter den Voelkern als
auch unter den Menschen zu foerden.
Die Kirche befuerwortet den Frieden als ein Prinzip der Moral, aber es ist notwendig, klar festzulegen, welche der verschiedenen vorgeschlagenen politischen Wege zum Frieden fuehren.
Unter den Katholiken koennen viele Meinungsverschiedenheiten in
der Frage bestehen, welche politischen und wirtschaftlichen Handlungen dem Frieden am dienlichsten sind. Es handelt sich hier um
eines der Probleme, das die Fuehrer Amerikas seit Jahren bes-chaeftigt hat.
Nach dem letzten Krieg war der Friede in Griechenland und in
der Tuerkei bedroht. Die Vereinigten Sta&amp;ten kamen zu der Ansicht,
dass sie ihre Friedensziele am besten durch die Unterstuetzung
der Tuerkei und Griechenlands und zwar selbst in Form militaerischer Hilfe erreichen konnten. Heute sind die Tuerkei und Griechenland vor dem Kommunismus sicher. Jugoslawien, das einst eines
der fuehrenden Mitglieder der kommunistischen Internationale war,
- 15 -

�ist zumindest kein Verbuendeter Russlands mehr und sicherlich
auch keine Gefahr mehr fuer den Frieden in Europa.
Dieser Entschluss, die sogenannte Truman-Doktrin, war
aeusserst klug. Sie ist mit jener Entscheidung zu vergleichen,
die die Vereinigten Staaten in Korea treffen mussten. Sie gingen nach Korea, um den Frieden zu erhalten und um ein freies
Volk vor der internationalen kommunistischenAggression zu
schuetzen.
Die Buerger der Vereinigten Staaten haben den moralischen
Vorteil, zu wissen, dass sie sich nicht eines aggressiven Angriffs in Korea schuldig gemacht haben. Diese moralische Stuetze
muss erhalten bleiben, denn diejenigen, die sie nicht haben,
sind gottlos.
Einen aggressiven Krieg zu befuerworten, waere ein Verbrechen gegen Gott und die Menschheit. Es ist ein Verbrechen gegen
Gott, weil damit versucht wird, die Entscheidung ueber Menschenleben von ihm zu uebernehmen. Es ist ein Verbrechen gegen die
Menschheit, weil es deren Moral zerstoert.
Labor Air Bulletin
V/23/51
IAA FUER GLEICHEN LOHN BEI GLEICHWERTIGER ARBEIT
Der Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes, einer
der Fachbehoerden der Vereinten Nationen, hat die offizielle
Stellungnahme 34 verschiedener Nationen zur Frage der gleichen
Bezahlung von Maennern und Frauen fuer gleichwertige Arbeit veroeffentlicht.
Mit Ausnahme von Polen haben alle Laender die Entwurftexte
gebilligt, die dem Internationalen Arbeitsamt auf seiner Konferenz am 6. Juni in Genf als Ausgangspunkt fuer die Diskussion unterbreitet werden sollen, wenn auch einige Gruppen Abaenderungen
vorschlugen. Die Delegierten der Vereinigten Staaten wiesen darauf hin, dass ueber die Frage der gleichen Bezahlung von Maennern
und Frauen im Rahmen der Bundesverfassung aller Wahrscheinlichkeit
nach von den verschiedenen Staaten aufgrund ihrer getrennten Zustaendigkeit getrennt entschieden wuerde. Die Vereinigten Stauten
haetten jedoch in Betracht gezogen, eine durch Empfehlung ergaenzte
Konvention zu unterstuetzen, wenn sich eine Mehrheit der im Internationalen Arbeitsamt vertretenen Laender fuer eine Konvention entscheiden sollte.
Der revidierte Konventionsentwurf, der fuer die Diskussion
auf der Konferenz vorbereitet wurde, fordert die ratifizierenden
Laender auf, alle durchfuehrbaren Massnahmen zu ergreifen, um
durch Gesetze oder Bestimmungen, gesetzlich errichtete oder anerkannte Institutionen zur Lohnbestimmung, durch Tarifvertraege oder
eine Kombinierung dieser drei Methoden die Verwirklichung dieses
Prinzios "gleichen Lohn fuer gleiche Arbeit" zu gewaehrleisten.
Labor News from the U.S.
V/25/51

- 16 -

HIOOG 5 Jim 51 1211 B£ K

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Aaszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommi&amp;sio» für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

TT - 22

F r a n k f u r t , 1 . J u n i 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
L a n d a r b e i t e r l o e h n e und b e z a h l t e F e i e r t a g e auf d e r
Tagesordnung d e r IAO - - - - - - - - - - - - - -

1

Punkt-Vier-Programm g e h o e r t zum V e r t e i d i g u n g s prograiam - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

3

Fuenfzig Jahre amerikanische Gewerkschaftsbewegung

4

Lohnangleichung an Lebenshaltungskosten in amerikanischen Tarifvertraegen - - - - - - - - - - - -

8

Asien und Europa sind lebenswichtige Verbuendete im
Kampf gegen die kommunistische Aggression - - - 11
Deutsche Bergbaufachleute in den Vereinigten Staatenl4
Ekuador olant Modernisierung der Bergbauindostrie - 16

LANDARBEITERLOEHNE UND BEZAHLTE FEIERTAGE AUF DER TAGESORDNUNG
DER IAO
'
~~
Die 62 Mitgliedstaaten der Internationalen Arbeits-Organisation sind eingeladen worden, Regierungs-, Unternehmer- und
Arbeitnehmervertreter zur 34. Jahre3konferenz der IAO zu entsenden, die am 6. Juni in Genf zusammentreten wird.
Die Delegierten werden im Verlauf der dreiwoechigen Verhandlungen eine neun Punkte umfassende Tagesordnung bearbeiten, die
das Ziel hat, internationale Mindestnormen auf verschiedenen
wichtigen Arbeits- und Sozialgebieten festzusetzen, die' im uebrigen als Konventionen und Empfehlungen bekannt sind.
- 1-

�zwei Lohnnrobleme fuer die Landwirtschaft - naemlich Massnahmen zur Festsetzung von Mindestloehnen und bezahlte Feiertage - werden zur Sprache gebracht werden. Es ist beabsichtigt,
eine endgueltige Entscheidung mit der Annahme einer Konvention
oder Empfehlung zur Frage der Lohnbestimmungen zu treffen, weil
dieser Punkt bereits auf der 33. Sitzung der Konferenz im Jahre
1950 zur Debatte stand. Die Frage der bezahlten Feiertage in
der Landwirtschaft, die von der Tagesordnung der 33. Konferenz
uebernommen wird, ist in Durchfuehrung einer Resolution aufgegriffen worden, die vom staendigen Landwirtschaftsausschuss der IAO
gebilligt worden war. Die Konferenz wird sich mit zwei Berichten zu dieser Frage beschaeftigen, die 3inen Einblick in die
Gesetze und Methoden der verschiedenen Mitgliedstaaten und ihre
Antworten auf eine diesbezuegliche Umfrage geben.
Ein anderer wichtiger ""unkt der Tagesordnung fuer diese
Konferenz ist die gruendliehe üeberpruefung der Ziele und Mindestnormen der Sozialversicherung mit dem Ziel, ein Rahmenwerk
zu entwickeln, in dem die Fortschritte der letzten -Jahre auf diesem Gebiet beruecksichtigt werden sollen und dessen Aufgabe es
waere, die auf den verschiedenen Gebieten der Sozialversicherung
bestehenden Konventionen der IAO zu revidieren. Es ist ausserdem in Erwaegung gezogen, bei der Eroerterung dieser Fragen das
Ausmass zu besprechen, in. dem in verschiedenen Laendern heute
und in der naechsten Zukunft Massnahmen ergriffen werden koennen, in denen sich die Gesetzgebung ueber die Sozialversicherung
noch in ihrem Anfangsstudium befindet. Diese Diskussion soll
sich .jedoch auch auf solche Laender erstrecken, in denen diese
Gesetzgebung weitgehend bereits entwickelt ist.
Zur Frage der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern werden die Delegierten der Konferenz aufgefordart
werden, internationale Bestimmungen in Form von Lmpfehlun£*en zu
billigen, die sich auf Tarifvertraege und freiwillige Schlichtung und Schiedssprechung beziehen. Sie werden ferner zum
erstenmal die Frage der Zusammenarbeit zwischen oeffentlichen
Behoerden und Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen diskutieren.
Man rechnet ausserdem mit einer endgueltigen Entscheidung
in der Annahme von internationalen formen in Bezug auf gleiche
Bezahlung fuer Maenner und Frauen bei gleicher Arbeitsleistung.
Die uebrigen Punkte der Tagesordnung enthalten einen Bericht
des General-Direktors des IAA*f einen Bericht ueber finanzielle
und Haushaltsfragen, Informationen und Berichte ueber die Verwirklichung von Konventionen und Empfehlungen.
Alle endgueltigen Entscheidungen, die von der Konferenz in
Form von Konventionen oder Empfehlungen gebilligt werden, werden
den Mitgliedstaatan der IAO auf dem ueblichen Wege zugeleitet
werden. Diese Laender haben hierzu Stellung zu nehmen und die
entsprechenden Massnahmen zu ergreifen.
Die Delegation der Vereinigten Staaten wird aU3 je einem
Abgeordneten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer und zwei Abgeordneten der Regierung bestehen. In ihrer Begleitung befinden sich
eine Anzahl Berater, die vom Handelsministerium der Vereinigten
"Staaten, von der nationalen Arbeitgebervereinigung, von der AFL,
dem CIO und anderen zustaendigen Behoerden der Regierung nominiert werden.
Labor Information Bulletin
V/51
- 2-

�PUNKT-VISft-PROGRAMM GEHOERT ZUM VERT5.IDIGUNGSPP.OGRAKM
Praesident Truman nannte das Punkt-Vi er-Programm, in dem
die technische Unterstuetzung entwicklunpsbeduerftiger Gebiete
durch die Vereinigten Staaten vorgesehen ist, einen Teil der
Verteidigungsbemuehungen der freien Welt und die beste Antwort
auf die falschen VersDrechungen des Kommunismus.
Diese Erklaerung stellt eine offizielle Annahme des Berichts
Henry G. Bennetts dar, der in seiner Eigenschaft als Administrator der Verwaltung fuer technische Zusammenarbeit des U.S.
Aussenministerium-3 vor kurzem von einer Reise durch Latein-Amerika zurueckkahrte.
Bennett berichtete von den Fortschritten des technischen
Unterstuetzungsprogramms und sagte, dass 15 formelle Abmachung
gen nun vor der endgueltigen Annahme stuenden, waehrend 22 bereits gebilligt seien.
In der Erklaerung des Praesidenten heisst es weiterhin,,
das Punkt-Vier-Programm ist heute notwendiger als je zuvor.
Die Gefahr einer kommunistischen Aggression zwingt die freie
Welt, eine starke militaerische Verteidigung aufzubauen. Aber
der Kommunismus kann nicht allein durch Waffen aufgehalten werden. Eines seiner gafaehrlichsten Kampfmittel ist die falsche
Propaganda in Laendern, in denen die Menschen unter Hunger, Krankheit, Armut und Unwissenheit leiden.
Das Punkt-Vier-Frogramm ist somit ein Bestandteil des Verteidigungssystems der freien Welt. Es ist die beste Antwort auf
die falschen Versprechungen des Kommunismus. Es bietet den
Menschen der Welt eine Moeglichkeit, das zu tun, was ihnen am
meisten am Herzen liegt, naenlich ihre Lebensbedingungen durch
eigene Bemuehungen zu verbessern.
In diesem Geist wird das Punkt-Vier-Programm von den freien
Laendern Asiens, Afrikas, des mittleren Ostens und Latein-Amerikas beerrueist. Das Punkt-Vier-Abkommen ist bereits von 22
Regierungen unterstuetzt worden. Rund 360 amerikanische Techniker arbeiten in 28 Laendern an ^unkt-Vier-Projekten. Mehr als
240 Techniker aus 34 Laendern werden in den Vereinigten Staaten
fuer diese Aufgaben geschult.
Dies ist jedoch nur ein Anfang. Wie Dr. Bennett berichtete, kann das Punkt-Vier-Programm mit varhaeltnismaessig geringen
Geldaufwendungen etwa 50 Laender mit fast einer Milliarde Menschen helfen, ihre Nahrungsmittelproduktion in fuenf bis zehn
Jahren zu verdoppeln. Aehnliche Fortschritte koennen von diesen
Laendern auf dem Gebiet des oeffentlichen Gesundheits- und Erziehungswesens und auf verschiedenen Sektoren der Wirtschaft erzielt werden.
Dr. Bennett berichtete dem Praesidenten, dass das Programm
von Gewerkschafts- und Wirtschaftsgruppen sowie von kirchlichen
und sozialen Organisationen in den^Vereinigten ^uaaten befuerwortet wird. Er referierte ausserdem von seiner Reise durch
14 lateinamerikanische Laender, von den guten Beziehungen zu den
USA und den Vereinbarungen, die mit ihnen getroffen werden konnten. Der Fortschritt, der im Punkt-Vier-Programm mit den lateinamerikanischen Nationen erzielt worden sei, ist sehr gross.
Auf eine besondere Anfrage der Pressevertreter stellte Dr.
Bennett fest, dass den Vereinigten Staaten aus 42 verschiedenen
- 3-

�Laendern 533 Gesuche um Unterstuetzung im Rahmen des Punkt-VierProgramms zugegangen sei. 254 dieser Gesuche seien genehmigt
und befinden sich bereits in Bearbeitung.
Auf die riesigen natuerlichen und menschlichen Reserven
der Gebiete Lateinamerikas hinweisend, berichtete Bennett, dass
dort die Arbeitsbedingungen im allgemeinen nicht gut seien.
OILA-Memorandum
5/51 Vol. II Nr. 6
William C. Gausmann:
50 JAHRE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Im Jahre 1900 lebten 60% der amerikanischen Bevoelkerung
auf Farmen oder in kleinen Landgemeinden und nur 40% in "Staedten.
Heute ist dieses Verhaeltnis genau umgekehrt. 1900 waren fast
14 von je 100 Amerikanern in Europa geboren. Heute sind nur
8% unserer Bevoelkerung der Bevoelkerung auslaendischer Herkunft.
Die Gesamtbevoelkerung hat sich inzwischen verdoppelt, die Einwohnerzahl ist von 76 Millionen auf ueber 150 Millionen angestiegen.
Diese Zunahme der Bevoelkerung hat sich zumeist in den groesseren Staedten vollzogen. Alte Staedte wie New York, Chikago und
Pittsburg sind um mehr als das Doppelte angewachsen. Aber noch
bedeutsamer war der Aufstieg der neuen Industriezentren. Detroit
zum Beispiel, die Heimat der Automobil-Industrie, hatte 1900
wenig mehr als 250.000 Einwohner. Heute leben in dieser Stadt
und ihrer naeheren Umgebung fast drei Millionen Menschen.
Inzwischen hat die technische Revolution in der Industrie,
d.h. die Entwicklung der Methoden der Massenproduktion, einen ungeheuren Aufstieg des nationalen Wohlstandes ermoeglicht. Waehrend sich die Zahl der Erwerbstaetigen verdoppelt hat, ist das
nationale Einkommen um das vierfache angestiegen. Die Produktionsleistung in den Hers'tellungsindustrien ging sogar in noch
schnellerem Tempo in die Hoehe. Die durchschnittliche woechentliche Arbeitszeit sank von 60 auf 40 Stunden, die zuverlaessigsten statistischen Schaetzungen besagen, dass die amerikanischen
Arbeiter, waehrend sie im Jahre 1900 nur 17% ihres Einkommens
fuer andere Zwecke als fuer Nahrung, Bekleidung und Wohnung ausgeben konnten, im Jahre 1950 etwa 40% ihres Lohnes fuer nichtlebenswichtige Gueter zur Verfuegung hatten. Diese technologische
Entwicklung vollzog sich jedoch nicht unaufhoerlich im gleichen
Rhythmus. Sie wurde durch verschiedene wirtschaftliche Krisen
verzoegert, deren schwerste die grosse Depression von 1929 bis
1934 war, waehrend sie auf der anderen Seite durch zwei Weltkriege beschleunigt wurde.
In diesen 50 Jahren spielten die Gewerkschaften in der amerikanischen Wirtschaft meist nur eine Rolle untergeordneter Bedeutung. Der Grund hierfuer ist sehr einfach: die meisten
Schluesselindustrien, d.h. diejenigen Industrien, die sich am
schnellsten ausdehnten, waren nicht gewerkschaftlich organisiert.
Der amerikanische Gewerkschaftsbund AFL, der in den 80er Jahren
gegruendet wurde, hat verschiedene heroische Versuche unternommen, dia Stahlindustrie zu organisieren. Im Jahre 1901 musste
er jedoch nach einem erbitterten dreimonatigen Streik gegen den
neuen grossen Trust der Stahlgssellschaften ei*- schwere"Niederlage
- 4-

�einstecken. Damit hatten die Arbeiter in der Stahlindustrie ebenso
wie die in der Automobil-, Elektro-, Gummi-, Erdoel- und chemischen Industrie kein wirksames Mittel in der Hand, um ihren Stendounkt zu vertreten, waehrend es ihren Arbeitgebern immer besser
ging.
Die AFL blieb deshalb vornehmlich ein Verband von Handwerkern, die in den aelteren Handwerksberufen und Industrien beschaeftict waren, die fuer die oertlichen und bezirk-lichen i\bsatzmaerkte arbeiteten. Es gab natuerlich Ausnahmen. Der Bergarbeitercrewerkschaft, einer ausgestochenen Industriegewerkschaft,
arelang es in den Kohlenbergwerken in der Zeit vor dem ersten
"Veitkrieg Fuss zu fassen. Die sozialistisch gefuehrten Gewerkschaften der Bekleidungsarbeiter berannen in der zweiten Dekade
dieses Jahrhunderts ihre Arbeit eis Pioniere der Gewerkschaftsbewegung. Eisenbahner schlössen sich trotz der Spaltung der
Berufsverbaende In eine ^nzahl Berufsgewerkschaften zusammen und
konnten auf organisatorischem Gebiet grosse Erfolge erzielen.
Dass es der API nicht gelang, in die neueren Industriezweige
vorzudringen, wurde natürlich haeufig kritisiert. Es muss
jedoch bemerkt werden, dass auch die radikalen syndikalistischen
Organisationen der Industriearbeiter der ,.elt hier keinen Erfolg
hatten.
Der wirkliche Grund hierfuer war, dass der Arbeitsmarkt
zu grossen Schwankungen unterlag, um eine Organisierung so vieler Gruopen der Arbeiterklasse zu ermoeglichen. In der Zeit
von 1900 bis 1914 kamen fast 13.500.000 Einwanderer nach Amerika, ein sehr hoher Prozentsatz von ihnen wurde sofort in den Arbeitsprozess der Industrie eingeschaltet. Sie kamen aus allen
Laendern Euronas, aus hoch industrialisierten Gebieten und aus
rueckstaendigen Landbezirken Polens und Sued-Italiens. Sie hatten miteinander oder auch mit der alten amerikanischen Bevoelkerung nur wenig gemeinsam. Zu Hunderttausenden wurden sie Opfer
einer unverzeihlichen Ausbeutung,und ihr Los war keineswegs
besser als in der "Alten Welt".
Es war in Europa uetlich, die politische Einstellung der
AFL als hoffnungslos rueckstaendig abzutun. Aenn man sich jedoch die objektive Einstellung der amerikanischen Gewerkschaften in der Zeit vor 1914 vor Augen haelt, kann man feststellen,
dass das aeusserst bescheidene politische Programm dieser Organisation und ihm Konzentrierung auf den Schutz der Arbeitsnormen ihrer Mitglieder die einzig durchfuehrbare Methode war. Es
gelanr ihr in der Tat, viele staatliche Gesetze zu Gunsten der
Arbeiter abzuaendern.
Waehrend des ersten Weltkrieges ging die I.Ütgliedszahl der
Gewerkschaften stark in die Hoehe, Vertreter der Arbeiterschaft
wurden zum erstenmal in Fragen nationalpolitischer Bedeutung von
der Regierung zu Pate gezogen. Als der Kriefr vorueber war, begann eine Zeit der politischen Reaktion, der groesste Teil der
gewerkschaftlichen Erfolge ging wieder verloren. Somit waren
die "guten zwanziger Jahre" eine flaue Zeit fuer die Gewerkschaften, die Arbeiter in den Industrien der Massenproduktion wurden
noch immer nicht organisiert. Der Strom der Einwanderung war
jedoch, wie die AFL es gefordert hatte, abgedaemmt worden. Die
Auswirkungen machten sich jedoch nicht unmittelbar bemerkbar.
Schwere Zeiten im landwirtschaftlichen Sueden vor der Depression
in der Industrie im Jahre 1919 fuehrten den Ttaedten viele Landarbeiter zu, und zwar Weisse und Neger, die zu Anfang fuer die
- 5-

�Mitgliedschaft in der Gewerkschaftsbewegung ebenso wenig zu erwaegen waren wie die sued- und osteuropaeischen Einwanderer der
Zeit vor 1914.
Es ist unmoeglich, ausfuehrlioh den Fortschritt der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung seit der Grossen Depression zu
beschreiben. Sobald der Handel wieder aufbluehte, forderten die
Arbeiter, die bisher den Organisatoren der Gewerkschaften keinerlei Gehoer geschenkt hatten, eine energische gewerkschaftliche
Vertretung.
Die AFL begann, ihre Verluste waehrend der Deoression in
den alten Handwerksberufen wieder auszugleichen; sie versuchte
auch, den Arbeitern in den nichtorgani3ierten Industrien zu helfen. Ihre Bemuehungen waren erfolglos und zwar vor allem wecran
des Vetorechtes, das in ihren Spitzenausschuessen vor einer Handvoll alter Funktionaere ausgeuebt wurde, die nicht in der Lage
waren, mit der neuen Entwicklung und den neuen Erfordernissen
Schritt zu halten. Daraufhin wurde der Eongress der Industrieorganisationen (CIO) gegruendet und hatte seeen Ende des Jahres
1937 bereits die Stahl-, Automobil-, Elektro-, Fertigwaren-,
Textil-, Gummi- und Erdoelindustrien erobert.
Eine neue Einstellung gegenueter sozialistischen und wirtschaftlichen Problemen begann jetzt die Amerikaner zu charakterisieren, vor allem waehrend der Zeit der Depression und in den
Jahren des New Deal. Der normale uuerger war nicht mehr bereit,
auf gut Glueck und voellig blind der Macht des Arbeitsmarktes
zu trauen. Obwohl das Vertrauen in das Wettbewerbssy^tem als
Grundlage der wirtschaftlichen Organisation stark blieb, war
man sich darueber einig, dass die Regierung das Volk gegen bestimmte Konsequenzen dieser Politik schuetzen muss, und der
Umfang der oeffentlichen sozialen Leistungen, fuer das Volk wurde weitgehend ausgedehnt. Aus dieser neuen Haltung heraus entwickelten sich die Cozialversicherungsgesetze, ferner eine Vielzahl bindender Vorschriften, durch die fuer die Arbeiter unguenstige Methoden der Betriebstuehrung eingeschraenkt wurden, als
weiteres grosse oeffentliche Projekte wie z.B. die Tennessee
Talbehoerde (TVA). Die Bundesregierung setzte sich mit allen
Mitteln fuer das Werbungsrecht der Gewerkschaften ein. Mindestlohngesetze wurden erlassen, eine Reihe von Massnahmen wurden
gebilligt, die tatsaechlich die Farmer von ihrer Abheengigkeit
von den MarktDreisen befreiten.
Mit Ausnahme einiger Gebiete im Sueden sah man zum erstenmal in der amerikanischen Geschichte im Lohnempfaenger ganz allgemein einen Gewerkschafter. Nach Tausenden harter Konflikte
wurde die Gewerkschaftsbewegung als dauernde Einrichtung anerkannt. Man fing an, Orts- und Landasgewerkschaftsfuehrer bei
der Auswahl politischer Kandidaten und bei der Formulierung von
Parteinrogrammen zu Rate zu ziehen.
Die AFL erholte sich schnell von ihren Misserfolgen und im
Laufe der Jahre kamen sich AFL und CIO in ihrer Haltung und
ihrem Programm immer naeher.
Im Verlauf des zweiten Weltkrieges stiegen die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften staendig, weil diese zeigten, dass
sie faehi/2: waren, die Loehne auf dem Stand der Lebenshaltungskosten zu halten. Nach Kriegsende waren sie bemueht, ihre Erfolge
zu konsolidieren und verhinderten dadurch ein Absinken der Eauf- 6-

�kraft und der Beschaeftigungsziffer, was der groesste Teil der
Volkswirtachafter fuer unvermeidlich gehalten hatte. Nachdem
die Verknappungen der Kriegszeit ausgeglichen und die Lebenshaltungskosten stabilisiert waren, konnte die Gewerkschaftsbewegung in den Jahren 1948 und 1949 und in der ersten Haelfte von
1950 eine bedeutende Erhoehung der Realloehne herbeifuehren. Sie
begann ausserdem mit grossem Erfolg ihre Kampagne zur Erzielung
von Tarifvertraegen, die den Arbeitern soziale Sicherheit garantierten.
Politisch gesehen hatte die Bewegung jedoch einen Rueckschlag erlitten. Die gutgehenden Geschaefte waehrend des Krieges hatten den Unternehmern ihr Selbstvertrauen zurueckgegeben.
Ein Propagandakrieg, weit heftiger als der gegen Roosevelts New
Deal gefuehrte, wurde gegen Trumans Fair Deal eingeleitet. Viele
der fortschrittlichen Vors'chlaege, die von der Gewerkschaftsbewegung stammten, wurden vom Kongress abgelehnt. Das Taft-HartleyOesotz wurde erlassen, das die Gewerkschaften der Vorteile der
Arbeitsgesetze in Rahmen des New Deal berauben sollte. Obwohl
die Gewerkschaften auch weiterhin betraechtliche Lohnerfolge erzielen konnten, bedeutete dieses Gesetz fraglos ein Hindernis
in der Werbetaetlgkeit der Gewerkschaften. Der groesste Teil
der Arbeiter in Verkaufalaeden und fast alle Angestellten stehen
noch ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung.
Die Antworten der Gewerkschaften hierauf war die Bildung
ihrer politischen Aktionskomitees. Alle Gewerkschaften und die
beiden grossen Gewerkschaftsverbaende fuehren nun ein intensives
politisches Bildungsprogramm durch. Es dreht sich hierbei, nicht
nur darum, die Mitglieder fuer die politischen Plaene der aktiven
Mitgliedschaft der Bewegung zu gewinnen. Die Arbeiter muessen
vor allem von der Notwendigkeit ueberzeugt werden, sich staendig
fuer die Politik zu interessieren.
Waehrend die amerikanische Gewerkschaftsbewegung um die Wende
der Jahrhundertmitte ueber die Vermittlung errichteter politischer
Parteien arbeitet, wie sie es auch im Jahre 1900 tat, ist die
Grundlage ihrer politischen Arbeit sehr veraendert. Ihre Hauptaufgabe liegt jetzt nicht mehr wie frueher bei den einzelstaatlichen und oertlicnen Behoerden, sondern bei der Bundesregierung.
Waehrend im Jahre 1900 "Arbeitsfragen" fuer die Gewerkschaften
eng begrenzt waren, sind sie heute an jeder Phase der gesamten
Politik hoechst interessiert.
"Warum bildet die amerikanische Gewerkschaftsbewegung mit
diesem neuen Interesse ihrer Mitglieder fuer die Politik keine
eigene Partei?" fragt man haeufig. ^ine erschoepfende Antwort
auf diese Frage wuerde viel mehr Raum erfordern, als hier zur Verfuegung steht. Ein oder zwei springende Punkte sollen jedoch hier
festgehaltin werden. Selbst heute leben nur rund 6O70 der Gesamtbevoelkerung in den Staedten. In den kleineren Gemeinden ist es
unmoeglich, die Gewerkschaftsbewegung zum Zentrum der oertlicnen
politischen Organisation Z L machen. Ausserdem gibt es auch ein
bundesstaatliches Regierungssystem; das heisst unter anderem,
dass die geringer bevoelkerten landwirtschaftlichen Staaten einen
Einfluss im Senat haben, der nicht im Verhaeltnis zu ihrer Bevoelkerungsziffer steht. Und die Farmer, die man einst als in
Frage kommende Verbuendete der organisierten Arbeiter innerhalb
einer neuen Bewe^unp- ansah, sind viel zu gut durch die Landwirtschaftsgesetze im Rahmen des New Deal geschuetzt, um einer neuen
Partei gegenueber aufgeschlossen zu sein.
- 7-

�Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung muss also, um
einen entscheidenden politischen Einfluss ausueben zu koennen,
mit anderen sozialen Gruppen zusammenarbeiten, von denen man
nicht zu erwarten hat, dass sie mit der Bildung einer ArbeiterPartei einverstanden sind. Nachdem die Gewerkschaften nun in
der Industrie festen ?uss gefasst haben und ihrer politischen
Arbeit mehr Aufmerksamkeit zuwenden koennen, v/ird ihr Einfluss
zweifellos groesser werden. ~uch die Angestellten in den
Staedten muessen zugeben, dass die Gewerkschaftsbewegung am
tatkraeftigsten fuer die Interessen der Verbraucher eintritt.
Seit 1953 ist die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder von wenig ueber 2.500.000 auf 16.500.000 angestiegen. Trotz der anfaenglichen hartnaeckigen Opposition der groessten Unternehmen
der Welt konnte sich die Gewerkschaftsbewegung in diesen Industrien durchsetzen. Die Bewegung ist nocn jung und ungestuem,
sie hat sowohl die Staerke als auch die Schwaechen der Tugend.
Sie wird fortfahren, ihren Einfluss im amerikanischen Leben und
besonders in der Politik zu steigern. Sie kann dies .jedoch nur
tun, wenn sie sich der Kompliziertheiten und Gegenstroeme in
einem Lande von kontinentalen Ausmassen bewusst ist, in dem der
Kapitalismus fuer den Durchschnittsbuerger weit mehr getan hat
als irgendwo sonst auf der Welt.
Während die amerikanische Gewerkschaftsbewegung dem aeu^seren Anschein nach von der britischen Labour Bewegung sehr verschieden ist, sind ihre Ziele, naemlich hoehere Realloehne, Sicherheit im Falle einer Erkrankung und im Kiter, Vollbeschaeftigung, Erhaltung der Demokratie und Erreichung des Weltfriedens
im Grunde sehr aehnlich.
Labor News from tue US
V/2o/51
LOHNANGLEICHUNG AN LEBENSHALTUNGSKOSTEN IN AMERIKANISCHEN TARIFVERTRAEGEN
Die Lebenshaltungskosten stellen seit langer Zeit einen der
wichtigsten Faktoren bei den TarifVerhandlungen der Vereinigten
Staaten dar. Allgemein werden Veraenderungen in den Preisen fuer
Waren und Dienstleistungen, die von einem Arbeiter benoetigt
werden, nach den vorherrschenden Loehnen in der Industrie oder
der gesteigerten Produktionsleistung und anderen wichtigen Faktoren bemessen, die in Lohnverhandlungen eine Rolle spielen.
Normalerweise werden die hieraus sich ergebenden Abmachungen
zwischen Arbeitern und Unternehmern fuer eine bestimmte Zeitspanne - ein, zwei, drei Jahre oder laenger - unterzeichnet.
Lohntarife werden solange nicht geaendert, wie die Abmachung in
Gueltigkeit bleibt. Die Abkommen, die im allgemeinen laenger als
ein Jahr in Kraft bleiben, sehen eine jaehrliche Wiederaufnahme
der Vertragsverhandlungen zur Ueberpruefun.? der Loehne vor.
Die Methode, Lohnangleichungen oefter als einmal im Jahr
vorzunehmen und diese Lohnveraenderungen von den Vereenderungen
in den Lebenshaltungskosten abhaengig zu machen, hat seit dem
Kriegsausbruch in Korea immer mehr um sich gegriffen.
Der rapide Anstieg der -reise spielte zu Ende des Jahres
1950 eine bedeutsame Rolle in dieser allgemein verbreiteten Entwicklung. Derartige, haeufig vorkommende Abmachungen ueber Lebenshaltungskosten, durch die die Loehne an die Preise gekon- 8-

�pelt werden, nennt man oft "Stufen-Klauseln". Nach diesen
Plaenen steigen und sinken Löhne und Preise gemeinsam.
"StufenDVereinbarungen sind weder neu noch ungebraeuchlich.
Die Methode, Lohnveraenderungen auf Grund von Preisveraenderungen vorzunehmen, war in gewissem ausmass waehrend und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg und dann wieder vor dem Zweiten
Weltkrieg vorherrschend, als die Preise rapid anzusteigen begannen.
In juengerer Zeit wurde das Interesse an Lebemhaltungskosten-Plaenen durch die Aufnahme einer Stufen-Klausel in dem
Zweijahresvertrag erweckt, der im Mai 1945 zwischen der General
Motors Gornoration und der Automobilarbeitergewerkschaft abgeschlossen und im Mai 1950 auf fuenf Jahre verlaengert wurde, .alle
drei Monate werden die Loehne unter Zugrundelegung des offiziellen Verbraucherpreisindex' der Regierung angeglicnen.
Nach dieser Vereinbarung sind die Loehne der Arbeitnehmer der
General Motors Vferke in die Hoehe gegangen oder gesunken und
zwar auf der Grundlage von einen Cent pro Stunde fuer eine Veraenderung im Verbraucherpreisindex um 1.14 Punkte. Hierbei hat
sich das folgende Bild fuer die Entwicklung der Loehne ergeben:
Monat, in dem die Angleichung
vorgenommen wurde
Mai
SeDtember
Maerz
Juni
Maerz
September
Dezember
Maerz

Hoehe der Lohnangleichung
(in Prozent pro Stunde)

1948
1948
1949
1949
1950
1950
1950
1951

/
/
/
/

4

5
3
2
1
2
5
3
5

Es ist ersichtlich, dass seit September 1950 diese Automobilarbeiter zum Ausgleich fuer die Preissteigerungen 13 Cents
in der Stunde mehr erhalten haben. Sie bekommen ausserdem im
Rahmen ihres Gewerkschaftsvertrags eine jaehrliche Lohnaufbesserung von vier Cents pro Stunde. Diese Erhoehung, die "jaehrlicher Aufbesserungsfaktor" genannt wird, soll den Arbeitern helfen, ihre Realloehne gleichzeitig mit den Steigerungen der Produktionsleistung des ganzen Landes zu verbessern. Die jaehrliche Produktivitaets-Lohnerhoehung ist jedoch nicht ein notwendiger Bestandteil der Lebenshaltungskosten-Stufenklausel, obwohl
in vielen Vertraegen diese beiden Arten der Lohnangleichung vorgesehen sind.
Diese Lohn-Stufen-Methode der General Motors Werke und der
Automobilarbeitergewerkschaft wurde in den Jahren 1948 und 19*9
nicht von vielen Gewerkschaften nachgeahmt. Dies war zum Teil
auf die traditionelle Politik der Gewerkschaften zurueckzufuehren,
Lohnangleichungen mit der Begruendung zu vermeiden, dass die
Lohntarife auf diese Weise erhoeht, aber auch gesenkt werden koennen, wenn sie von den Lebenshaltungskosten abhaengig sind; sie
zogen es vor, nur ueber Lohnerhoehungen zu verhandeln.
Auf Grund der Preissteigerungen und der Befuerchtungen in
bezug auf einen Mangel an Facharbeitern, der durch den Kriep in
Korea verursacht werden koennte, zeigten sich Gewerkschaften und
Unternehmer im allgemeinen jedoch jetzt eher bereit, des oefteren Angleichungen der Loehne an die Lebenshaltungskosten vorzunehmen.
- 9-

�In den neun Moneten von Ende Juni 1950 bis Ende Maerz 1951
hat sich die Zahl der Arbeiter, von denen bekannt war, dass fuer
sie Tarifvertraege mit derartigen "Stufenklauseln" abgeschlossen
waren, von etwa 500.000 auf rund 2.Ö50.000 erhoeht.
Ausserdem erhalten schaetzungsweise eine Viertel I'illion
Buero- und sonstige Angestellte, die in Firmen beschaeftigt sind,
welche fuer ihre Produktionsarbeiter mit einer Gewerkschaft Ve rtraege abgeschlossen haben, ebenfalls vergleichbare lebenshaltungskostenzuschuesse oder Bonuszahlungen. Deshalb sind gegenwaertig
ungefaehr 2.9o0.000 Arbeitnehmer in die verschiedenen Arten der
Stufen-Vertraege einbezogen.
Ueber eine Million der in solchen Vertraegen erfassten Arbeiter sind in der metallverarbeitenden Industrie beschaeftigt.
Fuer den groessten Teil der Arbeiter hat die Gewerkschaft der
Vereinigten .tiutomobilarbeiter (CIO) mit grossen Automobil- und
Landwirtschaftsgeraetefabriken diese Vertraege abgeschlossen.
15 Gewerkschaften, in denen Eisenbahnschlosser, Gleisarbeiter und
Bueroangestellte der Eisenbahn organisiert sind, haben fuer eine
weitere Million Arbeiter einen Tarifvertrag zustandegebracht.
Bekleidung und Bau sind weitere Industriezweige, in denen die
Loehne einer betraechtlichen Zahl von Arbeitern mit den Lebenshaltungskosten gekoppelt sind.
Von mindestens 80 Landes- und allamerikanischen Gewerkschaften weiss man, dass sie Vertraege mit Stufen-Klauseln abgeschlossen
haben. Mit Ausnahme der Automobilarbeiter- und Eisenbahnergewerkschaften des CIO haben die Textilarbeitergewerkschaft (CIO), die
Internetionale Gewerkschaft der Elektroarbeiter (CIO) und die
Internationale Gewerkschaft der Mechaniker (AFL) am weitgehendsten von der Moeglichkeit der Koppelung der Loehne mit den.Lebenshaltungskosten Gebrauch gemacht.
Ein typisches Merkmal der Vertraege ist die Bestimmung, dass
die Loehne vierteljaehrlich in Anpassung an den vom US-Arbeitsministerium veroeffentlichten Verbraucherpreisindex revidiert
werden. Dieser Index zeigt Veraenderungen in den Preisen fuer
Lebensmittel, Bekleidung, Wohnung und andere Waren und Dienstleistungen auf, die von Arbeiterfamilien und Arbeitern in Grossstaedten mit maessigem Einkommen benoeti;?t werden. Der Index
wird monatlich ermittelt.
Die Hoehe der Lohnangleichung haengt natuerlich von dem Betrag ab, um den die Preise gestiegen oder gesunken sind. Sie
haengt ausserdem von der Methode zur Festsetzung der Lohnveraenderungen ab, ueber die sich Gewerkschaften und Unternehmer
geeinigt haben. In den meisten Fallen erhalten die Arbeiter
.iaehrlich zusaetzlich 1 Cent fuer jede Erhoehung des Lebenshaltungkostenindex um einen Punkt. Im Oktober 1950 stand der Leben«haltungskostenindex zum Beispiel auf 175.6 (1935-1939: 100) und "
im Januar 1951 auf 181.5;Arbeiter, deren Tarifvertrag fuer jede
Indexerhoehung um einen Punkt eine Stundenlohnerhoehunff um 1
Cent vorsieht, erhielten dementsprechend eine vierteljaehrliche
Lohnerhoehung von sechs Cents" pro Stunde, weil der Index in den
drei Monaten um sechs Punkte gestiegen war.
In vielen "Stufen"-Vertraegen wird der Betrag der Lohnsenkungen, die bei einem Lohnrueckgang vorgenommen werden koennen,
nach unten hin begrenzt, nuf der andern Seite ist in verhaeltnismaessig wenigen Vertraegen eine Hoechstgrenze fuer Lohnerboehungen festgesetzt. Mit anderen Worten, die Loehne koennen
- 10 -

�mit den Preisen steigen, v.erden jedoch nicht unter einem vereinbarten Betreg gesenkt, selbst wenn die Preise staerker fallen.
Ein zur Zeit gueltiger Erlass der Regierung besagt, dass
Stufen-Klauseln in Tarifvertraegen der Gewerkschaften, die vor
dem 25. Januar 1951 (an diesem Tag trat das Lohnstabilisierungsnrogramm in Kraft) abgeschlossen wurden, trotz des Lohnstabilisierungsprograiizas bis zum 31. Juni 1951, ungeachtet der Hoehe
solcher Lohnaufbesserungen,in Kraft bleiben duerfen. Handelt
es sich dagegen u.i Vertraege, die nach dem 25. Januar 1951 unterzeichnet wurden, so duerfen nach den gueltigen Bestimmungen
des Erlasses Lohnerhoehungen nicht um mehr als 10 Prozent ueber
die im Januar 1950 gueltigen Tarife hinausgehen.
Labor News from the U.S.
V/11/51
William Green: ASIEN UND EUROPA SIND LEBENSWICHTIGE VERBUENDETE
IM KAMPF GEGEN DIE KOMMUNISTISCHE AGGRESSION
Heute stellt die Bedrohung des kommunistischen Imperialismus die gestirnte freie Welt vor eine klar erkennbare und unmittelbare Gefahr. Wenn es eine Zeit gab, in der man sich ohne Gefahr angeblichen Hoffnungen und sehnsuechtigen Gedankengaengen
hingeben konnte, so ist diese Zeit vorbei. Wenn wir uns jetzt
auf das schlimmste vorbereiten, koennen wir wahrscheinlich nicht
enttaeuscht werden.
Der erste Dolchstoss, der der freien Republik Korea versetzt wurde, duerfte genuegt haben, um aucn den zurueckgezogensten und selbstzufriedensten Nationen die drohende Gefahr vor
Augen zu fuehren - wenn es ueberhaupt in diesem Stadium noch
eines neuen Alarms bedurfte. Dieser verwerfliche Angriff war
nicht nur gegen eine kleine Republik, sondern gegen den Bestand
der menschlichen Freiheit selbst gerichtet.
Ungeachtet der Dinge, die da kommen werden, wird es immer
ein Verdienst fuer die amerikanische Nation sein, dass sie sich
angesichts dieser kritischen Situation mit unerhoertem Mut zu
ihrer Aufgabe als Verfechter der Freiheit und internationalen
Moral bekannt und dementsprechend gehandelt hat. Indem sie die
moralische und materielle Hilfe der Vereinten Nationen zur
Verteidigung von Korea gemeinsam beschlossen, haben sie ein einzigartiges Bravourstueck der Diplomatie vollbracht. Sie hat allen, die gegen gefaehrliche Widersacher in der Welt fuer Freiheit
und Anstaendigkeit einstehen, neue Zuversicht begeben.
Wenn dieses brutale Verbrechen gegen die Menschlichkeit
durch unser eigenes Verschulden seinen Urhebern Belohnung statt
Vergeltung eingebracht haette, waeren wir heute der Verzweiflung naeher als der Hoffnung. In die moralische und physische
Abwehrmauer der freien Welt waere eine nicht wieder gutzumachende Bresche geschlagen worden. Der Wille, der kommunistischen
Aggression in Indien, im Iran, in Westeuropa und allen anderen
Laendern an der Peripherie des Kommunismus zu widerstehen, waere
untergraben worden.
Hieran muss gedacht werden, wenn diese Probleme im klaren
Licht der Vergangenheit betrachtet und ueberprueft werden. Auch
wenn verspaetete Stimmen sich erheben, um die Beschluesse zu
kritisieren, die uns in die Verteidigung Koreas verwickelt haben,
- 11 -

�muessen wir dtiran denken, dess unsere eigene Freiheit schon
lange verloren waere, wenn sie der Verantwortung der "Sommersoldaten" und "Sonnenscheinpatrioten" ueberlassen worden waere.
Die lebenswichtigen Fragen drehen sich heute um die Zukunft und nicht um die Vergangenheit. Die naechsten Schritte
werden von grosser Tragweite sein.
Aufrichtige Menschen koennen hinsichtlich der zu ergreifenden Massnahmen geteilter Meinung sein. Aber alle verantwortungsbewussten Busrger muessen sich darueber im Klaren sein, dass wir
uns zu diesem Zeitpunkt nicht mehr unserer Verpflichtung in dem
Kampf gegen die kommunistische Aggression entziehen koennen.
Die grundlegende, alles beherrschende Frage, in der keine
Meinungsverschiedenheit herrschen kann, heisst heute klar und
unmissverstaendlich: Bestehen oder Untergang.
Es wuerde bedeuten, den Untergang heraufzubeschwoeren, wenn
wir jetzt in unseren Bemuehungen nachlassen und uns der bequemen
Illusion hingeben wollten, das schlimmste sei ueberstanden und
unsere Streitkraefte auf unkluge Weise zu konzentrieren oder in der
grossen Isolation Zuflucht zu suchen. Derartige Massnahmen wuerden diesen Untergang mit Sicherheit herbeifuehren.
Die Gefahren, denen wir gegenueberstehen, betreffen alle
Parteien, Demokraten und Republikaner, Liberale und Konservative,
Arbeiter, Bauern und Industrielle - alle sind ihnen in gleicher
Weise ausgesetzt. Die Ketten, die in Moskau geschmiedet werden,
passen fuer alle Gruopen und Einzelpersoenen ohne jede Bevorzugung oder Vorrechte. Wir werden alle zusammen unterjocht werden,
wenn wir uns nicht eines vereinten Widerstandes faehig und verantwortungsbewusst zeigen.
Um uns aus den Spaltungen und den Streitigkeiten zu retten,
die z. Zt. unter uns herrschen, muss eine Grundlage fuer eine
neue populaere Front gefunden werden - eine populaere Front
gegen den sowjetischen Imperialismus.
Wenn dereinst der Bestand der Freiheit endgueltig gesichert
sein wird, dann wird auch Zeit genug vorhanden sein, um die eigenen Ziele und Ambitionen zu verfolgen. Augenblicklich haben
wir zu wenig Zeit und muessen uns auf die Verteidigung der Freiheit konzentrieren, damit wir spaeter unsere normale Lebensweise
wieder aufnehmen und unseren eigenen Zielen wieder nachgehen
koennen.
Die Kampflinie in diesem Ringen um den Frontabschnitt ist
von niemandem weit entfernt. Obowhl Korea eine halbe Welt von
uns getrennt ist, ist es eine fortlaufende Linie, die sich von
der Front in Korea ueber die Nachrichten und Versorgungswege
nach Washington in die Betriebe, Bauernhoefe, Laeden und Wohnungen in Amerika erstreckt.
Unsere
bildet eine
ist nur ein
Umzingelung

Verteidigungslinie beginnt an der Front in Korea und
geschlossene Kette um den gesainten Erdball. Korea
kleines Segment in dem Kreis der kommunistischen
und des kommunistischer- Drucks.

Die militaerische Aggression in Korea ist nur eine der
vielen Kraefte, die die kommunistische Vorsohwoerung in Bewegung
gesetzt hat, um den Frieden und die Sicherheit der freien Welt
- 1£ -

�in Gefahr zu bringen. Unsere militaeTischen Bemuehungen sind
nicht mehr als nur eine Phase in dem allgemeinen Kampf, der
durchfochten werden muss, damit jene Kraefte unschaedlich gemacht werden. Korea ist ein kleiner Bestandteil des Gesamtbildes der kommunistischen Aggression, die die systematische Zersetzung innerhalb der Vereinten Kationen, die sporadische Gewaltausuebung in Indien, die heuchlerische Kampagne des Stockholmer Friedensannells in den Vereinigten Staaten, Sabotage in
England und Westdeutschland, die bedrohung des Iran, die Ausbeutung der Menschen Asiens und Afrikas und vielfaeltige andere
Methoden zum Ziele hat, fuer die Verleumdung, Umsturz, Sabotage
und Buergerkrieg geeignet sind.
Nutze jede Schwaeche aus, teile und herrsche - das ist ein
altes Sprichwort, das besonders in Haenden von Experten Gueltigkeit erlangt.
Alle muessten sich ueber die staendige Gefahr eines Angriffs durch die Kraefte des Kommunismus im klaren sein. Nicht
so "offensichtlich dagegen ist, wo und in welcher i'orm der naechste Schlag gefuehrt werden wird. '.Vir koennen nur mit Gewissheit sa
gen, dass er wahrscheinlich dort gefuehrt werden wird, wo in
den Augen des Kreml unser schwaechster Punkt ist, wo und zu welcher Zeit dies auch sein mag. Unsere ganze Staerke und Aufnerksamkeit auf ein bestimmtes Gebiet zu konzentrieren, wuerde bedeuten, das3 wir einen Angriff auf andere lebenswichtige Gebiete lenken, die weniger geschuetzt erscheinen.
Dieses Problem wird nicht durch irgendwelche einfachen iEasanahmen und auch nicht durch irgendein einziges grosses militaefisches ilanoever, so glaenzend es auch ausgefuehrt wird, geloest
werden. Die Verteidigung der freien Welt ist heute die schwierigste Aufgabe, die der Menschheit je gestellt wurde. Sie erfordert alle moeglichen politischen, sozialen, wirtschaftlichen
und militaerischen Anstrengungen.
Die internationale Taetigkeit der freien Gewerkschaften,
der Marshallplan, das Punkt-Vier-Programm, die "Stimme Amerikas"
und Lebensmittel fuer die hungerleidenden Menschenmassen in Indien
bilden ebenso einen Bestandteil des Verteidigungssystems wie der
Nordatlantikpakt und der Kampf der Vereinten Nationen in Korea.
Erfolge auf einem dieser Gebiete koennen durch Versagen oder
Vernachlaessigung auf einem anderen Gebiet mehr als zunichte gemacht werden. Sie alle bedeuten einen staendigen Kontakt mit
den Kamnfmitteln und wegen der kommunistischen Expansion und
Aggression.
Die relative Bedeutung Asiens und Europas in der Strategie
des Widerstandes gegen den Kommunismus braucht nicht diskutiert
zu werden. Wir koennen uns nicht den Luxus leisten, uns nur
fuer einen dieser beiden Erdteile zu entschliessen. Wir koennen
uns auch nichL in diesen Kamnf auf irgendeines der militaerischen, wirtschaftlichen, politischen oder moralischen I'amofmittel konzentrieren. Beide Gebiete sind lebenswichtig und alle
Waffen, die wir hervorbringen koennen, werden benoetigt.
Wir muessen auf unserer gesamten Verteidigungslinie die ailitaerische Ueberlegenheit erringen. Wir muessen ein System
der gemeinsamen Zusammenarbeit mit allen freien Nationen der
Welt, in Asien sowohl als auch in Europa, entwickeln.
1^iL/

�Wir muessen unsere Programme der wirtsohaftlichen Unterst uetzung und Entwicklung erweitern, um die Massen der Welt an
der Verteidigung der Freiheit zu interessieren, um die lieber leaenheit der Demokratie dem kommunistischen Despotentum gegenueber zu demonstrieren.
Diese Crossen Aufgaben reichen aus, um all unsere Energie
und unsere Machtmittel fuer lange Zeit in Anspruch zu nehmen.
Sie erfordern Voraussicht, Opferbe.reitschaft und grossen Mut.
Der Preis ist hoch, aber kein Preis ist zu hoch, um fuer
die Erhaltung menschlicher Anstaendigkeit, der Freiheit und
des Weltfriedens zu wirken. Unser einziges Streben muss darauf
gerichtet sein, dafuer zu sorgen, dass wir fuer den Preis, den
wir zahlen, den vollen Wert zurueckerhaiten, indem wir ueber
unsere Machtmittel und Kraefte so verfuegen, dass sie uns soweit
wie moeglich den angestrebten Zielen naeherbringen.
The American Federationist
V/51
DEUTSCHS BERGBAUFAOBLEUTE IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Einer der Hoehenunkte der Studienreise durch die Vereinigten Staaten, auf der sich zur Zeit eine Gruppe aus der deutschen
Bergbauindustrie befindet, war das Wochenende, das diese Gruope
vor kurzem in Willkes-Barre (Pennsylvanien) verbrachte.
Dort, im Kerzen des bedeutendsten Anthrazitgebietes des
Landes, wo viele Duerger deutscher Abstammung sind, wurden die
Gewerkschaftsfuehrer besonders herzlich empfanden und konnten
einen kleinen Einblick in das amerikanische Leben gewinnen, der
eine wertvolle Ercaenzung zu ihren uebrigen Studien darstellt,
in deren Verlauf sie sich vor allem mit den Kohlenbergbaumethoden in Amerika befass.ten.
Den Hoehe^unkt dieses Wochenendes bildete ein Empfang fuer
die deutschen Gaeste In dem dortigen Klubhaus der Deutsch-Amerikanischen Vereinigung. Kongressmitglied Daniel Flcod, der demokratische Repraesentant des Wilkes-Barre-Bezirks im amerikanischen Kongresa, hielt eine Begruessungsansorache und erzaehlte
der Gruppe von seinen Erlebnissen auf einer Reis e durch das
Ruhrgebiet, die er vor kurzem unternommen hatte. Er zog Parallelen zu den Verhaeltnissen in der Berrbauindustrie der Vereinigten Staaten und Europas.
Dr. Wilhelm Keidemann, der Direktor des Kohlenbergwerks
"Konstantin der Grosse" in Bochum, einer der sieben deutschen Bergfachleute, die an der Reise teilnahmen, dankte fuer die Begruessungsansprache im Namen der deutschen Besuchergruppe, deren Studienreise
unter dem Protektorat der ECA im Rahmen des technischen Unterstuetzuncspro^ramms steht. Die drei anderen Mitglieder der Gruppe sind Gewerkschaftsfuehrer.
"Durch bessere Beziehungen zwischen den Maennern der amerikanischen und der deutschen Industrie," sagte Dr. Iieidemann,
"werden wir den Grundstein fuer bessere internationale Beziehungen
legen. Wir betrachten diese Reise durch. Ihr Land als den ersten
Schritt fuer den Aufbau einer Bruecke, die von Ihrem Land in das
unsrige- geschlagen werden muss."
- 14 -

�Er stallte weiter fest, dass Deutschland euch in Zukunft
die Hilfe Amerika? benoetige, und zwar in der Form "jenes 7erstehens, das fuer Sie als Amerikaner notwendig ist, um uns
helfen zu koennen, unsere "Tobleme zu loesen, jedoch nicht immer in Form von Dollars."
Dr. Keidemann erklaerte ferner, dass er erstaunt sei, in
amerikanischen Zeitungen so »venig ueber Europa zu lesen, und
die wenigen Nachrichten aus Europa, die er vorgefunden hatte,
seien baeufig in sensationaller Aufmachung erschienen.
Auch Paul Bruehl, der Vorsitzende der Deutsch-Amerikanischen Vereinigung, begruesste die deutschen Gaeste und erklaerte, seine Vereinigung freue sich darueber, dass Gewerkschaftsfuehrer aus dem "Alten Lande" kaemen, um "unsere Lebensweise und
unsere Industrie zu studieren."
Dr. Heidemann dankte der Vereinigung und berichtete, dass
die Gruppe ueberall in den Vereinigten Staaten mit grosser
Freundlichkeit und Gastfreundschaft empfangen worden sei.
Deutschland hoffe, in der nahen Zukunft viele amerikanische Besucher begruessen zu koennen, um "auf diese '"eise die Bande
des gegenseitigen Verstaendnisses auf beiden Seiten des Atlantiks noch enger zu knuepfen."
"Die Welt sieht einer ungeheuren Gefahr aus dem Osten ins
Auge," fuhr er fort. "Nur in vollster Einigkeit koennen wir
fuer unsere Ideale einstehen." Er wies in diesem Zusammenhang
auf die grosse Bedeutung der Kohle fuer das Verteidigungsprofframm Westeuropas hin.
An den offiziellen Teil des Empfangs schloss sich eine
allgemeine Diskussion an, die im gleichen Geiste der Freundschaft
verlief.
Es war somit ein «rosser Tag fuer die Besuchergruone. Dabei nahm sie die Gelegenheit wahr, die Wohnung eines ortsansaessigen Bergmannes namens Edward Zawatski zu besuchen, um die
Lebensweise eines einfachen amerikanischen Bergmannes zu beurteilen.
Die Mitglieder der deutschen Gruppe zeigten grosses Interesse fuer die gute Ausstattung einer amerikanischen Wohnung.
Sie stellten Fragen hinsichtlich des Einkommens der Familie,
und Frau Zawatzki gab ihnen alle Einzelheiten ueber die Kosten
fuer die Unterhaltung der Wohnung, die Ausbildung ihrer sechs
Kinder und ueber andere wissenswerte Angelegenheiten.
Am Sonnabend Nachmittag wohnte die Grunpe einer Versammlung
der Ortsgewerkschaft Fr. 1616 bei, die der Gewerkschaft der Vereinigten Bergarbeiter Amerikas angeschlossen ist. Dort diskutierten die deutschen Gewerkschafter mit den Ortsgewerkschaftsfunktionaeren die Sicherxieitsprogramme fuer die Bergwerke, die
von Unternehmern und Gewerkschaften gemeinsam mit Unterstuetzung
des Staat3S und dem Bundesstaatlichen Bergbaubuero durchgefuehrt
werden. Mit diesem Programm ist man bestrebt, festzustellen,
welche Arbeitsbedingungen ünlass zu Unfaellen geben koennten,
um sie sofort zu korrigieren, bevor Unfaelle sich ueberheupt ereignen.
Auch der Vohlfahrtsfonds der Bergarbeiter, die Unfallversicherung, und andere Programme der Kohlenbergbauindustrie und der
- 15 -

�Amerikanischen Bergarbeitergewerkschaft wurden besprochen. Man
zog Vergleiche zu den Arbeitsbedingungen in Deutschland.
Am Sonntag Korgen wohnten die Besucher Gottesdiensten bei,
und jeder Deutsche war von einem od:;r mehreren ihrer neugewonnenen amerikanischen Freunde begleitet.
Das letzte Wochenende fand am Sonntagnachmittag mit einem
Ausflug in die Umgebung der Stadt ihren Abschluss. Mitglieder
der verschiedenen Gewerkschaften der Stadt nahmen die deutschen
Besucher in ihren eigenen Wagen mit und betaetigten .sich dabei
als Heisefuehrer.
Im Anschluss an ihren Wochenendbesuch in Wilkes-Barre,
einer Stadt von 76.000 Einwohnern, setzten die Kohlenbergbauspezialistan ihre Heise zum Studium der amerikanischen Bergbaumethoden in diesem Gebiet fort, wo die Arbeitsmethoden denen des
Ruhrgebietes aehnlich sind, weil die Schraege oder des Gefaelle
der Kohlenadern aehnlich sind wie jene im Ruhrgebiet.
Informationsbuero der ECA
V/£2/51
EKUADOR PLANT MODERNISIERUNG DER BERGBAUINDUSTRIE;
In der Provinz Canar in Ekuador wird seit einiger Zeit in
sehr kleinem Umfang Kohle abgebaut. Zur Zeit werden in primitiven Arbeitsverfahren monatlich etwa 50 Tonnen Kohle zu Tage gefordert. Die Kohle wird von den Bergleuten auf dem Ruecken
nach oben getragen. Bei Verwirklichung der gemachten Vorschlaega koennte die Produktion auf 4.000 Tonnen monatlich gesteigert
werden, eine Tat38Che, die auf die kooperativen Bemuehungen ausländischer und einheimischer Fachleute im Rahmen des technisehen Unterstuetzungsprogramms der Vereinigten Staaten ein ausgezeichnetes Licht wirft.
1950 wurde von einem Ingenieur aus Ekuador ein vorlaeufiger
Bericht ueber diese Kohlevorkomruen verfasst. Die Regierung von
Ekuador ersuchte die Vereinten Nationen, ihr einen Experten zur
Verfuegung zu stellen, der bei weitern Studien behilflich sein
koennte. Thoma3 Fräser, ein Ingenieur fuer Kohleaufbereitung
im Bergbaubuero der Vereinigten Staaten, wurde auserwaehlt, dieses Problem in Zusaiamenarbeit mit Ingenieuren aus Ekuador zu
studieren.
Fräser berichtete, dass die dortige Kohle zwar nicht von
hoher Qualitaet und, ohne brikettiert zu werden, wohl kaum als
Hausbrand zu verwenden sei, dass sie sich jedoch wahrscheinlich
fuer die Reizung von Dampfkesseln, fuer die Zement-, Ziegelsteinund Ziegelherstellung und als Treibstoff fuer Lokomotiven verwenden iiesse. Die Ingenieurgruppe stellte genuesrend Kohlereserven fest, die den "voraussichtlichen Bedarf der ekuadorianischen Industrie decken koennten.
Freier arbaitetj daraufhin zusammen mit ekuadoriaJ ischen
Ingenieuren einen Plan zur Modernisierung von zwei Bergwerken
aus, die eins maximale Produktionskapazitast von je 8.0C0 Tonnen
im Monat haben koennten. Die Gruben sollen mit einfachen Vorrichtungen zum Transport der Kohle in Handwagen, zur Ventilierung
der Schlechte und zur Steigerung der Produktionsleistung jedes
einzelnen Bergmannes ausgestattet werden.
- 16 -

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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17-23

Frankfurt,

8. J u n i 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Paul Styles:
Die Bedeutung des TarifVerhandlungswesens -

1

Leon «Touhaux, Vorsitzender der Force
Ouvrie^re:
Freie Gewerkschaften in Frankreich - - - -

3

Amerikanische Gewerkschaftsbewegung und
internationale Angelegenheiten - - - - -

11

Die asiatische Regionalorganisation des
IBFG gegruendet
- - - - - - - - - - - - 1 4

Paul Styles:
DIE BEDEUTUNG DES TARIFVhRHANDLUNSWESENS
Es gibt im ganzen vier Methoden, um Arbeitsbedingungen festzulegen:
1) Sie koennen von dem Unternehmer bestimmt werden;
2) Sie koennen von der Gewerkschaft vorgeschrieben werden;
3) Sie koennen durch Erlass der Regierung angeordnet
werden und koennen
4) auf dem Tarifverhandlungsweg geregelt werden.
Die Geschichte hat gezeigt, dass die beiden ersten Methoden,
die eine absolut einseitige llandlungsvolliecht seitens der Unter- 1-

�nehmer oder der Gewerkschaften voraussetzen, mit dem System der
freien Wirtschaft unvereinbar sind.
Die dritte Moeglichkeit, bei der die Regierung die Arbeitsbedingungen in allen Einzelheiten vorschreibt, unter denen Unternehmer und freie Arbeiter arbeiten sollen, bildet gerade jetzt
Gegenstand lebhafter Diskussionen. Sollen wir in unserem eigenen Lande gerade diejenigen Massnahmen gutheissen, die wir in
anderen Laendern verabscheuen, und damit jenen Kraeften einer
zentralisierten Regierungskontrolle Vorschub leisten, denen
wir ueberell auf der Welt feindlich gegenuebergestellt sind?
Auch die vierte Moeglichkeit, naemlich das Tarif verhandlungsverfahren zwischen den gewaehlten Vertretern der Unternehmer
und der freien Gewerkschaften, mag wohl ein System sein, das
nicht vollkommen ist, aber es ist jedenfalls das beste System,
das von Leuten ausgearbeitet wurde, die auf die Erhaltung ihrer
Freiheiten bedacht sind.
Das TarifVerhandlungswesen entstand nicht erst vor 25 Jahren. Historiker stellten fest, dass die ersten Urs'pruenge dieser Methode in Amerika aus dem Jahre 1636 stammen. Die Leute,
die hierbei .eine Rolle spielten, waren sogenannte "verpflichtete"
Arbeiter und Fischer.
Sie kamen mit einem Agenten ihres Unternehmers Zusammen Und- versuchten, ihn zu bewegen, ihnen einen
Jahreslohn zu zahlen, den er nicht zahlen wollte. Schliesslich
verliessen die Leute in Massen ihre Arbeitsplaetze, was der
Agent des Unternehmers als "Meuterei" bezeichnete. Fuenf Jahre
spaeter beschwerte sich der gleiche Agent des Unternehmers darueber, dass seine Arbeiter die Arbeit an einem Nachmittag niedergelegt hatten, um gegen die unzureichende Verpflegung zu
protestieren. Dies waren wahrscheinlich die ersten Versuche,
mit dem Unternehmer "TarifVerhandlungen" durchzufuehren, die
Arbeiter in Amerika unternahmen. Erst 150 Jahre spaeter jedoch
entstand die erste Gewerkschaft, die mit den heutigen Organisationen eine wirkliche Aehnlichkeit aufweist.
Das Auftreten von ArbeitnehmerOrganisationen, die das
Ziel hatten, auf kollektiver Basis ihre. Tarifvertraege zu verhandeln und zwar zu einer Zeit, in der sich die Demokratie gerade im Aufstieg befand, ist keineswegs als einer jener Zufaelle
der Geschichte anzusehen. TarifVerhandlungen sind lediglich
eine der Begleiterscheinungen der demokratischen Idee. Eigentlich sind sie ein Mittel, um die Demokratie in die Fabriken und
Werkstaetten zu bringen.
In dem Arbeitsgesetz von 1935, das unter dem Namen WagnerGesetz besser bekannt ist, hat der Kongress die Bedeutung der
TarifVerhandlung in einer demokratischen Staatsordnung in klarer Form zum Ausdruck gebracht. In dem Gesetz heisst es:
"Die ungleiche Verteilung der Machtbefugnisse zwischen
Arbeitnehmern, die nicht volle Vereinigungs- und Vertragsfreiheit
besitzen, und Arbeitgebern, die in einer Gesellschaft oder in
einer anderen Form der Besitzvereinigung zusammengeschlossen
sind, belastet und behindert die Wirtschaft und traegt dazu
bei, Wirtschaftsdepressionen noch zu erschweren, indem sie die
Lohntarife und die Kaufkraft der Lohnempfaenger in der Industrie
beeintraechtigt und eine Stabilisierung konkurrierender Lohntarife und Arbeitsbedingungen innerhalb der Industrie erschwert.
"Die Erfahrung hat gelehrt, dass der gesetzliche Schutz
des Vereinigungs- und Vertragsrechtes- der Arbeitnehmer den Wirtschaf tsprozess vor Schaeden oder Unterbrechungen bewahrt und
2 -

�die Handelstaetigkeit durch die Beseitigung gewisser anerkannter Ursachen industrieller Streitigkeiten und Unruhen foerdert
und zwar dadurch, dass Methoden gefunden werden, durch die
eine Beilegung industrieller Streitigkeiten, die sich aus den
Verschiedenheiten in Loehnen, Arbeitszeit oder anderen Arbeitsbedingungen ergeben, auf friedlichem Wege verwirklicht werden
kann; damit sind die Machtbefugnisse bei Tarifverhandlungen
gleichermassen auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber verteilt."
Auf dieses Gesetz gruendet sich noch immer die Arbeitspolitik der Vereinigten Staaten. Als der Kongress im Jahre 1947
das Gesetz fuer Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen revidierte,
sahen die Gesetzgeber keinen Grund, irgendein Wort in diesem
Text abzuaendern. Ueber jeden Zweifel hinaus haben die Ereignisse die Richtigkeit und Gueltigkeit desselben unter Beweis
gestellt.
Die Verpflichtung fuer Arbeitgeber und Gewerkschaften,
TarifVerhandlungen nach bestem Wissen und Gewissen zu fuehren,
und der Wortlaut des eben genannten Gesetzes bilden die Grundlage fuer das Leitmotiv der Regierung und des Tarifverhandlungswesens.
Das Wesen und die Ursachen eines.Notstandes weisen erst
recht auf die Notwendigkeit hin, die Grundsaetze des Tarifverhandlungswesens zu staerken.
Tarifverhandlungen sind die beste Loesung fuer das Problem
der Arbeitsbedingungen. Bevor Arbeitgeber oder Gewerkschaften
zu ihrem eigenen unmittelbaren Vorteil sich entscheiden, irgendeinen anderen Weg zu gehen, der .die TarifVerhandlungen ersetzen
soll, moegen sie daran denken, dass Industrie und Gewerkschaften nicht nur mehr Freiheit geniessen, sondern auch produktiver
wirken koennen, wenn sie unter gemeinsam vereinbarten Bedingungen anstatt unter Bedingungen, die von der Regierung vorgeschrieben sind, zusammenarbeiten.
Es ist wahr, dass sich Notstands- und Stabilisierungsmassnahmen auf das TarifVerhandlungswesen auswirken. Doch gerade
hierin liegt der Kern de'r Aufgabe. Arbeitgeber und Gewerkschaften muessen sich, um ihre gemeinsame Staerke zu erhalten und zu
vergroessern, auf dem Verhandlungsweg ueber die vorzunehmenden
Aenderungen einig werden. Kurz gesagt, die TarifVerhandlung
muss auf die Dauer das Werkzeug zur dauerhaften Formulierung
und Verbesserung der Tarifverhandlungsmethoden sein. Anders
zu handeln wuerde bedeuten, die Erfahrungen der Geschichte ausser
acht zu lassen und eines Tages in dem grossen Ringen zu unterliegen.
The Machinist
V/17/51
Leon Jouhaux, Vorsitzender der "Force Ouvriere":
FREIE GEWERKSCHAFTEN IN FRANKREICH
Fuenf Funktionaere^des Allgemeinen Franzoesischen Gewerkschaftsbundes CGT (Confederation Generale du Travail) ueberreichten am Nachmittag des 19. Dezember 1947 dem Zweiten Generalsekretaer^des CGT, Benoit Frechon, ihre Austrittserklaerung. Es
waren Leon Jouhaux, der Verfasser dieses Artikels, der seit 1909
- 3-

�Generalsekretaer des CGT war, ferner die drei Sekretaere Robert
Botherau, Georges Delamarre und Albert Bouzanquet und der
Kauptkassierer Pierre Neumeyer.
Dieser Schritt war kurz zuvor auf einer Landeskonferenz
beschlossen worden, zu der sich aktive franzoesische Gewerkschafter unter der Schirmherrschaft der Gewerkschaftszeitung
"Force üuvriäre" zusammengefunden hatten. Diese Zeitung war
aus der Untergrund-Veroeffentlichung "Resistance Ouvriere"
entstanden, die die Verteidigung der Freiheit und der gewerkschaftlichen Unabhaengigkeit auf ihre Fahne geschrieben hatte.
Diese Lossagung vom CGT, die die zweite dieser Art seit
dessen Wiedervereinigung im Jahre 1935 war, kam keineswegs unerwartet. Sie war seit sechs Monaten unvermeidlich geworden,
nachdem die kommunistische Partei aufgehoert hatte, eine der
Mehrheitsparteien der Regierung zu sein. Das bedeutet jedoch
nicht, dass die tiefverwurzelten Ursachen zu dieser Handlung
nicht schon vorher bestanden haetten. Ausgeloest wurde sie
dadurch, dass die Mehrheitsmitglieder des CGT zu diesem ZeitDunkt von der Verpflichtung befreit wurden, wie bisher zumindest nach aussen hin die Rechte der Minderheit zu respektieren.
Es muss gesagt werden, dass die angebliche gewerkschaftliche Einheit, die im Jahre 1935 in Toulouse auf Grund der Charta
von Amiens hergestellt wurde, in der die Unabhaengigkeit der
Gewerkschaftsbewegung von allen philosophischen Lehren, allen
religioesen Ueberzeugungen und politischen Parteien proklamiert
wird, nichts weiter als eine leere Phrase war, und die Mehrheit
des CGT, die zum grossen Teil der kommunistischen Partei angehoerte, war nicht aufrichtig, als sie sich zum Prinzip der gewerkschaftlichen Unabhaengigkeit bekannte. Vier Jahre spaeter
bedeutete der Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes fuer die Organisation eine schwere Belastung. ß ie kommunistischen Gewerkschafter erklaerten sich nach einigem Zoegern mit der Politik
des Kreml einverstanden. Die darauf folgende Beteiligung der
Sowjetunion an dem Kampf gegen Nazismus und Faschismus sowie
die Notwendigkeit, sich den Eindringlingen zu widersetzen, fuehrten natuerlich zur Wiedergeburt eines CGT, die sich erneut nach
dem Grundsatz der gewerkschaftlichen Unabhaengigkeit zusammenschloss i
Nach dem Krieg erkannten wachsame franzoesische Gewerkschafter, die sich nicht von dem Licht, das aus Moskau kam, hatten blenden lassen, dass ebenso wie im Jahre 1935 die Ware
nicht Voellig ihrer Bezeichnung entsprach, und dass fuer Kommunisten praktisch die Unabhaengigkeit mehr dem Schein nach als
in 7/irklichkeit bestand. Die nichtkommunistischen Arbeiter hatten nicht das Verlangen, Strohpuppen zu sein, die von Kraeften
dirigiert werden, die ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung
stehen. Diese freiheitsliebenden Arbeiter scharten sich um
eine kleine, von Gewerkschaftern veroeffentlichte Zeitung, die
sich nie durch jene falsche "Einheit" hatte irrefuehren lassen.
Monatelang hatte diese Gruppe alles Moegliche versucht, um die
Situation zu klaeren. Dann berief sie eine nationale Konferenz
der "Force Ouvriere" ein, die kurz als FO bezeichnet wird. Diese erste nationale Konferenz der FO fand nur sechs Wochen vor
dem Bruch mit dem CGT statt.
Auf dieser ersten Konferenz, die am 7. und 8. November
1947 zusammentrat, zog man noch nicht eine Trennung vom CGT in
Erwaegung. Man beschloss lediglich, sich innerhalb des CGT
_ 4-

�energisch dafuer einzusetzen, eine Beherrschung der Organisation
durch eine oolitische Partei zu vermeiden. Auf der Konferenz
der FO wurde eine geheime Abstimmung innerhalb der CGT und eine
verhaeltnisgleiche Vertretung der in dieser Abstimmung gezeigten Tendenzen gefordert.
Dieser Standpunkt wurde auch auf der Konferenz des Nationalkomitees des CGT vertreten, das wenige Tage spaeter, naemlich am 12. und 13. November, zusammentrat. Wie ich in der
Ausgabe der "Force Ouvridre" vom 1. Januar 1948 erklaerte, wurden "diese Gedanken von der Mehrheit der Delegierten des Nationalkomitees des CGT nicht gebilligt."
"War man wirklich der Ansicht," so fuhr ich fort, "dass
in einer so schwierigen Lage, in der sich unser Land heute befindet und in der die Entscheidungen einer zentralen Gewerkschaftsorganisation einer gruendlichen und fachgemaessen Ueberpruefung
der Situation beduerfen, um die Interessen der Arbeiter zu wahren, wir uns damit einverstanden erklaeren koennten, bei allen
unseren Handlungen eine vorgeschriebene Linie zu befolgen, die
uns zum Teil von unverantwortlichen, nichtorganisierten Elementen und selbst solchen Leuten aufgezwungen worden waere, die mit
der Nuetzlichkeit der gewerkschaftlichen Organisation entweder
nicht vertraut sind oder sie sogar anzweifeln?"
"Offen gesagt, wir warnten den Nationalausschuss vor einer
solchen Entscheidung. Trotzdem wurde sie jedoch von der Mehrheit
der kommunistischen Delegierten getroffen."
Durch Streikbefehle ueberstuerzten sich die Ereignisse.
Obwohl beschlossen war, Streikvorschlaege auf der Konferenz des
Nationalkomitees des CGT zu eroertern, die fuer den 19. Dezember anberaumt war, kam es fast augenblicklich zu Streikausbrueohen. Seltsamerweise fielen sie zeitlich mit der Aussenministerkonferenz d®r Grossen Vier in London und der Tagung des amerikanischen Kongresses zusammen, auf der ueber die Erweiterung
der wirtschaftlichen Hilfe fuer Europa entschieden werden sollte. Wie wir damals schrieben, wurden die Streiks im Interesse
einer politischen Partei und zwar der kommunistischen Partei
gefuehrt, die damit die Konferenz in London beeinflussen wollte.
Dies wurde umso offensichtlicher, nachdem der CGT am 26.
November um eine Unterredung mit dem Arbeitsminister nachgesucht hatte, in deren Verlauf ihm die Forderungen der Gewerkschaft unterbreitet werden sollten. Die Regierung erklaerte
sich am folgenden Tage mit einer Lohnerhoehung um monatlich
1.500 Francs einverstanden, die allen Lohnempfaengern in der Privatindustrie und im oeffentlichen Dienst gewaehrt werden sollte.
Ausserdem war eine Erhoehung der Familienbeihilfen und eine
UeberDruefung der allgemeinen Arbeitslage in Bezug auf Loehne,
Preise und Waehrungskurse genehmigt worden.
Diese Konzessionen konnten natuerlich nicht den Beduerfnissen der Arbeiterklasse in vollem Umfang gerecht werden, und
wir brachten die^ in aller Oeffentlichkeit der% Regierung zum
Ausdruck. Gleichzeitig lehnten wir jedoch ungerechtfertigte
Einschraenkungsmassnahmen ab. Wir waren aber der Ansicht^ dass
die Verhandlungen fortgefuehrt werden muessten, und dass "eine
Verallgemeinerung der Streikmethode den Weg zu einem Abenteuer
ebnen wuerde, fuer das kein aufrichtiger Gewerkschafter die Verantworung uebernehmen koennte."
- 5-

�Jedesmal, wenn Gewerkschafter nach demokratischen Verfahrensregeln zu Rate gezogen wurden, lehnte die Mehrheit von ihnen
eine extreme Handlungsweise ab. Das Streikkomitee dagegen, das
weit eher darauf bedacht war dem Kominform statt den Interessen
der franzoesischsn Arbeiter zu dienen, forderte unter Missachtung aller demokratischen Regeln die Streikenden auf, nicht
nachzugeben. Der Befehl zum Generalstreik wurde erteilt. Er
wurde nur in sehr begrenztem Umfang ausgefuehrt, aber es kam zu
Sabotageakten und Ausschreitungen. Die Oeffentlichkeit sah der
Angelegenheit mit gemischten Gefuehlen entgegen. Unter der Arbeiterklasse waren bereits klare Anzeichen der Verwirrung und Uneinigkeit zu erkennen.
Wir bemuehten uns um eine Fortsetzung der Verhandlungen mit
der Regierung, brachten aber gleichzeitig unsere unerschuetterliche Einstellung den Ausnahmegesetzen gegenueber zum Ausdruck.
Es wurden uns Verbesserungen gewaehrt, die gegenueber den Vorschlaegen der Regierung nicht unwesentlich waren. Trotz der
Aufschneidereien und Luegen des Nationalen Streikkomitees wurde
es am 9. Dezember notwendig, den Befehl zu einem ^taktischen
Rueckzug" zu geben. Die Arbeiter, die gestreikt hatten, nahmen
die Arbeit unter den gleichen Bedingungen wieder auf, die ihnen
bereits am 30. November angeboten, von ihren Vertretern jedoch
abgelehnt worden waren.
Die Probe hatte .ein Ende, aber der Schaden war angerichtet.
Die Gewerkschaftsbewegung kam aus diesem Abenteuer geschlagen
heraus. Die Arbeiter desertierten zu Tausenden aus den Reihen
des CGT. Damit bekundeten sie, dass sie Methoden ablehnten,
die mit ihren Interessen und ihrer Wuerde unvereinbar waren".
Denjenigen, die wir aufforderten, unserer Organisation beizutreten, haben wir immer erklaert, dass sie selbst ueber die
Massnahmen entscheiden wuerden, die ihre Gewerkschaften zur
Unterstuetzung ihrer gerechten Forderungen ergreifen wuerden.
Und wir haben immer wieder betont, dass kein Arbeiter blindlings Entscheidungen akzeptieren kann, ueber die er- und seine
eigene Gewerkschaft keine Kontrolle haben. Es war fuef die Arbeiterschaft notwendig, sich ihrer Ziele bewusst zu werden.
Aus diesem Grunde hielt die Force Ouvriere am 18. und 19. Dezember 1947 eine Konferenz ab.
Demokratische Gewerkschafter kamen zusammen, um in ueberzeuge-nder Form den Missbrauch, der mit ihnen und ihren Gesinnungsgenossen getrieben wurde, am"zudecken, zugleich aber auch
.die Verfolgungen zu zeigen, denen sie ausgesetzt waren. Sie
forderten, dass eine Politik abgelehnt wird, die es der politischen Partei einer fremden Macht erlaubt, die Entscheidungen
der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung selbstaendig zu treffen.
Die Delegierten beschlossen daraufhin, eine von demokratischem Geis-t beseelte Gewerkschaftsorganisation neu zu errichten,
den der CGT in der franzoesischen Arbeiterklasse so viele
Jahre lang geoflegt hatte, indem sie auf das herrliche Gebaeude in der Rue Lafayette, das mit den Beitraegen der Arbeiter gebaut worden war, und 'auch auf die Tageszeitung "Le Peunle" verzichteten, die von ihnen gegruendet und dank ihrer Bemuehungen
zu einem Organ groesster Bedeutung geworden wa^.
Im Bewusstsein ihrer Pflicht und ihrer Loyalitaet zum Freiheitsgedanken gruendeten sie die »»Force Ouvriären.
6 -

�Zwei wichtige Grundsaetze schwebten den Gewerkschaftern
vor, die beschlossen hatten, eine neue franzoesische zentrale
Gewerkschafts Organisation in3 Leben zu rufen: Die Respektierung der Demokratie' innerhalb der Organisation und die absolute Unabhaengigkeit der Gewerkschaft von allen politischen oder
klerikalen Kraeften sollte der Grundsatz dieser Organisation
sein. Durch diese beiden Grundsaetze wurde die Force Ouvriere
zur einzigen Gewerkschaftsorganisation, deren Haltung mit der
traditionellen Einstellung der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung voellig identisch war.
Der CGT dagegen hielt weiterhin an seiner Politik fest,
s;Lch bedingungslos den Argumenten und der Haltung des Kominform
"anzupassen. Die Franzoesische Foederation Christlicher Arbeiter
(Confederation Francaise des Travailleurs Chretiens) - (CFTC)
bestaetigte erneut/ganz im Sinne ihres Namens (was jedoch in
keiner Weise an ihrer demokratischen Grundeinstellung etwas
aendert), dass ihre Bestrebungen im Sinne der christlichen Lehre, d.h. um es genauer zu sagen, im Sinne des Programms des sozialen Katholizismus liegen.
Es eruebrigt sich, festzustellen, dass die Gruendung der
Force Ouvriere ueberall in der Arbeiterklasse groesstes Interesse erweckte. In allen Departements Frankreichs wurden ausnahmalos neue Gewerkschaften der FO sofort ins Leben gerufen.
Landesorganisationen, wie z.B. die Landesorganisation der Lehrer, beschlossen, ihre Selbstaendigkeit zu bewahren, aber sie
brachten durch ihren Austritt aus dem CGT eindeutig zum Ausdruck, dass sie den Entschluss der Force Ouvriere billigten und
die Argumente dieser Organisation auch die ihren waren.
Die formelle Errichtung der Force Ouvriere war ein nicht
wieder gutzumachender Schlag fuer die Diktatur, die die kommunistische Partei der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung durch
Gewerkschafter aufzuerlegen versuchte, die den kommunistischen
Anordnungen Folge leisteten.
Zweifellos wird der CGT auch weiterhin in der Lage sein,
behaupten zu koennen, dass er die zentrale Gewerkschaftsorganisation mit der groessten Mitgliederzahl ist. Ueber seine Werbemethoden und seine Beitragserhebung koennte sehr viel gesagt
werden.
Auf jeden Fall ist es in den vergangenen drei Jahren klar
geworden, dass der CGT nur einen Bruchteil der franzoesischen
Arbeiterklasse repraesentiert. Ein Journalist einer Gewerkschaftszeitung konnte im April 1951 auf Grund eigener Beobachtungen und unwiderlegbarer Tatsachen folgendes schreiben:
"Wenn ein Streikbefehl gegeben werden soll, muss er von
der Force Ouvriere erlassen und gebilligt werden. In einem Unternehmen, in dem der CGTK - eine heut weit verbreitete Bezeichnung fuer den CGT, die dessen Gefolgstreue zum Kominform zum
Ausdruck bringen soll - zehnmal staerker ist als die Force
Ouvriere, wird ein Streikbefehl der CGT niemals von mehr als
einem Drittel der Belegschaftsmitglieder, die dem CGT angehoeren, befolgt werden. Dagegen wird ein Streikbefehl der Forde
Ouvriere von der Mehrheit der Belegschaft befolgt."
Die Gruendung der Force Ouvriere entsprach auf gewerkschaftlichem Gebiet einer wirklich historischen Notwendigkeit. Sie
stellt eine Verbindung her zwischen der Gewerkschaftsbewegung von
heute und der aus dem Ende des 19. Jahrhunderte und ueberhaupt mit
der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung aller Zeiten.
- 7-

�»

Wenn jedoch allgemeine Prinzipien fuer irgendeine soziale
Organisation notwendig sind, die in irgendeiner Weise deren
Daseinsberechtigung unterstreichen~tind ihre wesentlichen charakteristischen Merkmale bilden, muss ihnen auch in Form eines
entsprechenden Programms konkrete Gestalt verliehen werden.
Eine Gewerkschaftsbewegung kann sich nicht darauf beschraenken,
individuelle und beschraenkte Forderungen zu vertreten. Wir
sind der Auffassung, dass sie, um ihrer historischen Rolle wuerdig zu sein, es auf sich nehmen mus3, Veraenderungen in der Gesellschaftsstruktur zu bewirken.
Der franzoesische CGT hat, als ihm noch unsere Ideale vorschwebten, bewiesen, dass er sich seiner Verpflichtung eingedenk war, indem er im Jahre 1920 bereits den Gedanken einer Verstaatlichung der Industrie entwickelte. Dies wurde von den
sogenannten Revolutionaeren mit viel Laerm ins Laecherliche gesogen. Als der Wille der Arbeiter sie spaeter zwang, diese
Idee zu akzeptieren, taten sie es zwar, waren aber entschlossen,
sich die Verstaatlichung zur Verfolgung ihrer selbstsuechtigen
politischen Ziele zunutze zu machen, und nicht damit dem Wohle
der Nation zu dienen.
Dagegen erklaerten diejenigen, die die Force Ouvriere
gruendeten, bereits im Januar 1948, sie haetten die Absicht,
nach sorgfaeltiger Ueberpruefung der Wirtschaftslage alle berechtigten Forderungen zu unterstuetzen.
In der Ausgabe des offiziellen Organs der Force Ouvriere
vom 22. Januar 1948 wurde das Grfindungsmanifest der FO veroeffentlicht.
Dieses Manifest enthielt als Hauptpunkte die
folgenden vier: Stabilisierung, Marshall-Plan,° Produktionssteigerung durch Modernisierung und gerechte Einkommensverteilung. n
In einem Kommentar schrieb ich hierzu: "Wenn wir zuerst
die Stabilisierung erwaehnen, denken wir an die Kaufkraft der
Loehne, die um jeden Preis gehalten werden muss, indem wir uns
der schrecklichen Gefahr einer Inflation, die unser Land bedroht, widersetzen.
"Zu diesem Zwecke muss der arbeitende Teil unserer Bevoelkerung die Verantwortung fuer die ganze Nation, insbesondere
fuer die wirtschaftlich schwaecheren Elemente, Leute, die von
kleinen Renten leben muessen, usw. uebernehmen. Durch Stabilisierung der Wirtschaft und der Waehrung muss die tragische Spirale aufgehalten werden, die uns zum Bankrott und die Republik
in die Arme der brutalsten Reaktion fuehren koenr.te.
"Aber die Wirksamkeit einer derartigen Politik der oeffentlichen Y.'ohlfahrt koennte durch gesteigerte Produktionsbamuehungen gesichert werden. Gesteigerte Produktion haengt von der Verwirklichung der Ilodernisierungs- und Ausruestungsolaene ab.
Wenn wir das Ausruestungsmaterial unserer Industrie und Landwirtschaft nicht ueberholen und modernisieren,koennen wir unmoeglich auf einen Fortschritt hoffen.
n

Es kann jedoch keinen Monnet-Plan geben, ohne dass es
einen Plan fuer die amerikanische Hilfe fuer Europa gibt, denn
Modernisierung und Neuausruestung erfordern wirtschaftliche Hilfe und die Importierung all dessen, was in unserer Wirtschaft
fehlt - Rohstoffe, Maschinen, Fertigwaren und Erzeugnisse aller
Art, die uns nur jene amerikanische Hilfe bringen kann."
- 8-

�"Y.'enn wir eine gerechtere Verteilung des Nationaleinkommens fordern, so bleiben wir damit der alten grundlegenden Forderung der Gewerkschaftsbewegung treu. Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit rechtfertigt das Bestehen der Gewerkschaftsbewegung .
"Wenn ein grosser Teil der Fruechte der Arbeit an nutzlosen "Punkten einer irrationellen Verteilung zwischen Hersteller
und Verbraucher festgehalten wird, so sind wir berechtigt,
eine gerechtere Verteilung des Gesamteinkommens durch die Beseitigung parasitenaehnlicher Taetigkeiten, und besonders die
der ueberflue3sigen Mittelsleute, zu fordern. Im Jahre 1948
jedoch ist es in einem Staat, der durch zwei Weltkriege verarmt und au^gesogjn ist, nicht moeglich, allein durch die Reform jener Gesetze,, die die Verteilung des durch die Arbeit
des Volkes geschaffenen Wohlstandes regeln, diese sozialen
Probleme zu loesen. Das Einkommen, das zur Verteilung bereitsteht, muss vergroessert werden.
"Das Nationaleinkommen muss deshalb nicht nur auf die
bestmoegliche Art und V/eise verteilt werden, sondern es muss
auch bedeutend vermehrt werden, um den ungeheuren Anforderungen unserer Tage und unseres Zeitalters gerecht werden zu
koennen. Deshalb muss die Modernisierung und Ausruestung der
Betriebe von einer rationell eingestellten GewerkschaftsOrganisation unterstuetzt werden, die nach immer groesserer Produktivitaet strebt.
Wir haben niemals daran gedacht, den Glauben an jenes Programm aufzugeben. Bei all unseren Handlungen hatten wir den
Leitsatz vor Augen: Kampf gegen eine katastrophale Inflation
durch eine Senkung oder zumindest eine Stabilisierung der Preise, Steigerung und Rationalisierung der Produktion und gleichmaessigere Verteilung der Produkte der nationalen Arbeit. Vor
allem die beiden letzten Faktoren waren es, die uns veranlasst
haben, dieses Programm zu unterstuetzen.
Wenn wir uns zum Beispiel1 fuer ein Programm der sozialen
Sicherheit einsetzen, wenn wir nicht nur dessen Fortsetzung
fordern, sondern auch seine Verallgemeinerung vorschlagen, dann
handeln wir im Sinne einer gerechteren Verteilung des nationalen Einkommens. Wenn wir dem Schuman-Plan unsere Unterstuetzung
zusagen, dann tun wir damit weiter nichts, als dass wir in
Europa die Verwirklichung unseres Grundsatzes der Steigerung
der Produktion durch wohlueberlegte und koordinierte Verwendung
der Rohstoffe und hierbei der zwei grundlegenden Erzeugnisse,
naemlich Kohle und Stahl, foerdern.
Wir haben uns ebenfalls zugunsten einer internationalen
Organisation der Verteilung ausgesprochen, die den Zweck hat,
etwaigen durch einen Weltmangel an bestimmten Rohstoffen verursachten Schwierigkeiten in der Produktion zu begegnen.
In den letzten 3 1/2 Jahren war die Force Ouvriere die
einzige Gewerkschaft, deren Handlungen ausschliesslich von dem
Wunsche bestimmt waren, das Los der franzoesischen Arbeiter zu
bessern und eine gerechtere und freiere Gesellschaftsordnung
aufzubauen.
Das Jahr 1948 sah die Force Ouvriere im Kampf um die Erhaltung des Preisniveaus. Sie uebte zu diesem Zweck einen schweren Druck auf die Regierung aus. Es ist nun Zeit genug verflossen, um die Ergebnisse unserer Bemuehungen uebersehen zu
- 9-

�koennen. (Der Lebenshaltungskostenindex stand zu Anfang des
Monats Februar 1948 auf 1.520 gegen 100 Im Jahr 1938) . Er
erreichte im Juli 1948 die Zahl 1530. Das war natuerlich kein
Rueckgang, aber es bedeutete praktisch die Stabilisierung.
Im Monat Aoril 1948 fand der erste Kongress der Force
^
Ouvriere statt. Er trat in Paris in der "Salle de.la Mutualite"
zusammen. 1.435 Delegierte waren anwesend. Sie legten das
Programm der FO fest und waehlten ihre fuehrenden Organe.
Ich wurde zum Vorsitzenden und Robert Bothereau zum Generalsekretaer gewaehlt.
In der Rede, die ich auf dem Kongress hielt, und die bei den
Delegierten einstimmigen Beifall fand, erklaerte ich mich eindeutig zugunsten einer Vereinigung Europas, und seitdem hat
die Force Ouvriere unaufhoerlich den Kampf um den Frieden durch
die Vereinigung Europas und der Welt und durch eine wirksame
Solidaritaet der Voelker in Anerkennung der Grundsaetze der
Freiheit und der Achtung der Menschenwuerde gefuehrt.
1949 kaempften wir um die Wiedereinfuehrung der freien
Lohnverhandlungen in Form der Tarifabkommen. Seit dem Sommer
vergangenen Jahres hat sich die Regierung als unfaehig erwier
sen, die Preisstabilisierung zu erzwingen. Zu ihrer Verteidigung muss jedoch gesagt werden, dass das Parlament, ohne es zu
wagen, eine klare Haltung zugunsten des wirtschaftlichen Liberalismus einzunehmen, die Politik der Wirtschaftslenkung und
selbst die Politik einfacher Wirtschaftskontrollen abgelehnt
hat. Preise fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse, mit Ausnahme
des Preises fuer V/eizen, und Preise fuer Industrieerzeugnisse
waTen praktisch nicht kontrolliert, waehrend die Loehne auf
der anderen Seite durch ministeriellen Erlass gebunden blieben.
Die Arbeiterschaft hatte schwerwiegenden Konsequenzen dieser unterschiedlichen Behandlung zu tragen. Ein bezeichnendes
Sprichwort, das in dieser Zeit entstanden ist, heisst: "Preise
duerfen den Fahrstuhl benutzen, aber die Loehne werden von der
Regierung gezwungen, die Treppenstufen zu gehen."
Der Kampf um Gerechtigkeit dauerte lange. Dem Ziel, zur
Tarifverhandlung zurueckzukehren, das am ersten Jahrestag der
Gruendung der Force Ouvriere in einem Manifest niedergelegt wurde, war man am 27. Januar 1949 naehergekommen, und zwoelf Monate
spaeter, am 11. Februar 1950, wurde das Gesetz zur Aufhebung
des Lohnstops erlassen. Auch in den folgenden sechs Monaten
musste energisch gehandelt werden, um zu erreichen, dass am
23. August 1950 das Gesetz zur Festsetzung garantierter Mindestloehne erlassen wurde.
Das Hauptziel, das sich die Force Ouvriere fuer das Jahr
1950 gesteckt hatte, wuerde an 3ich schon ein eingehendes Studium erfordern, weil damit die Frage um die Erhaltung unseres
Sozialversicherungssystems verbunden ist. Unsere Organisation
setzte alle ihre Macht in diesem Kampfe ein. Wir beschaeftigten uns mit der Frage der Sozialversicherung bereits im CGT zu
einer Zeit, als dessen jetzige Fuehrer deren Grundsaetze und ihre
Verwirklichung ablehnten, und als die Verfechter des Kapitalismus
Angriffe gegen sie richteten, die sie immer wiederholt haben. Wir
wissen, dass dieser Kampf ein schwerer sein wird, aber wir sind
ueberzeugt, dass soziale Sicherheit und Verstaatlichung jene
Moeglichkeiten sind, die die franzoesische Arbeiterschaft zu ihrer
Befreiung fuehrte. Soziale Sicherheit gibt der Arbeiterklasse die
Moeglichkeit, Schwierigkeiten zu verringern, die Krankheit und
- 10 -

�hohes Alter mit sich bringen. Wir sind aus dem CGT ausgetreten,
um gegen die Vormundschaft einer politischen Partei zu protestieren j die sich einer fremden Nation verpflichtet hat, und um
die Unabhaengigkeit der Gewerkschaftsbewegung zu sichern. Wir
haben allen Grund, mit den bis jetzt erzielten Erfolgen zufrieden zu sein. Unsere Gewerkschaften in den Departements und
unsere Industrieverbaende sind voller Initiative. Sie umfassen
mehr als eine Million Lohnempfaenger und bilden die moralische
Basis des Kampfes, den die franzoesische Arbeiterklasse um
die Besserung ihrer materiellen Lage fuehrt.
Die Force Ouvriäre hat die Herrschaft der kommunistischen
Partei gebrochen. Seit der Gruendung unserer Organisation
schwand der Einfluss der Kommunisten unaufhoerlich. Diese Tatsache bildet eines der charakteristischen Merkmale der Jahre
1949, 1950 und 1951.
Wir werden unser Ziel jedoch nicht erreichen, wenn die
franzoesische Arbeiterklasse sich nicht erneut der beiden Wahrheiten eingedenk wird, dass es "keinen ueberirdischen Helfer
fuer sie gibt, und dass sich die Arbeiter selbst helfen muessen."
Mit unserer Beteiligung an der historischen Gruendung des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften haben wir uns
einen Anspruch auf einen Platz in dem weltweiten Ringen um Freiheit und Frieden erworben. Unsere bruederliche Zusammenarbeit
mit den anderen freien Gewerkschaftsbewegungen wird von Dauer
sein.
Wir von der Force Ouvriere werden der Auffassung unseres
grossen Jean Jauräs treu bleiben, der einmal erklaerte: "Mut
bedeutet, die Wahrheit zu suchen, und die Wahrheit zu sagen bedeutet, nicht der Herrschaft der Luege zu unterliegen."
The American Federationist
V/51
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG UND INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN
"Warum soll sich meine Gewerkschaft um Probleme in Peru,
Indien oder Oesterreich kuemmern? Was geht es mich an, ob die
Lebenshaltungskosten in Paris steigen oder ob die Arbeitslosigkeit in Pakistan zurueckgeht?"
Dies sind die Einleitungsworte einer neuen Flugschrift
mit dem Titel "Der CIO und internationale Angelegenheiten", die
von dem sechs Millionen Mitglieder zaehlenden Kongress der Industrieverbaende veroeffentlicht wurde. Der Vorsitzende des
CIO, Philip Murray, gibt hierauf die Antwort:
"Ein Absinken der Loehne in Paris kann Arbeitslosigkeit in
Pittsburgh oder Detroit bedeuten. Antigewerkschaftliche Aktionen in Buenos Aires koennen in der gesamten Hemisphaere Reaktionen auslossen, die sich auch auf das amerikanische Volk auswirken koennten. Und jede kommunistische Infiltration oderAggression,
die sich immer zuerst gegen die Gewerkschaften richtet, kann zu
jeder Zeit zu einer Weltkrise fuehren.
Aber beschaeftigt sich der CIO mit internationalen Problemen lediglich aus Selbstinteresse? Lediglich, um seinen eigenen
- 11 -

�Mitgliedern ihr Brot und ihre Butter zu sichern? Bestimmt
nicht. Murray sagt hierzu: "Jede amerikanische Gewerkschaft
ist zugleich ein Symbol der Freundschaft und der Zusammenarbeit. Wenn Gewerkschaftsmitglieder nichtorganisierten Arbeitern in einem anderen Betrieb helfen, ihre eigene Ortsgswerkschaft zu errichten, so demonstrieren sie damit ihren Geist
der Kollegialitaet und der Freundschaft. Dieser Geist hat
unsere Gewerkschaften stark und lebensfaehig gemacht. Als demokratische Amerikaner koennen wir vieles tun, um unseren Arbeitskollegen in anderen Nationen zu helfen. Wir erfreuen uns
im aligemeinen eines hoeheren Lebensstandards als die Arbeiter
irgendeiner anderen Nation. Als Gewerkschafter, als Maenner
und Frauen, die um ein besseres Los der Menschheit ringen,
wuenschen wir zu helfen - wir wollen den weniger Beguenstigten
dabei helfen, in den Besitz jener Gueter zu kommet, mit denen
Gott unsere Erde gesegnet hat."
Der CIO ist nicht die einzige Gewerkschaft, die diesen
Wunsch zum Ausdruck gebracht hat. Er steht in enger Zusammenarbeit mit den acht Millionen Mitgliedern der AFL, mit denen
er gemeinsam fuer eine bessere Welt kaempft. Die Hilfe der
amerikanischen Gewerkschaften ist aber auch kein.Wohltaetigkeitsdienst. Philip Murray erklaert in diesem Zusammenhang:
"Durch den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
schaffen wir freundschaftliche und kooperative Arbeitsbeziehungen mit unseren Gewerkschaftskollegen in anderen Laendern.
Diese Beziehungen sind absolut produktiv. Gewerkschafter aus Uebersee
haben uns frueher einmal geholfen; ich vermute sogar, dass auch
wir ihnen helfen koennten. Wir haben ein grosses Selbstinteresse an diesen Angelegenheiten von weltweiter Bedeutung, denn
wir wissen, dass Kommunismus und Diktatur nur in dem Morast
wirtschaftlicher Not gedeihen koennen. Indem wir mit daran
taetig sind, die Gewerkschaftsbewegungen anderer Laender aufzubauen und ihren Mitgliedern zu einem besseren Leben verhelfen,
zeigen wir, dass die echte Demokratie wirklich lebensfaehig
ist. Und wir beweisen damit, dass die Propaganda des Kreml,
in der Amerika als ein Land des Wall-Street-Imperialismus und
ausgebeuteter Sklaven hingestellt wird, nichts anderes als die
Fabrikation kommunistischer Luegen und Verleumdung ist."
Um seine Taetigkeit auf internationalem Gebiet wirksamer
zu gestalten, hat der CIO ein Internationales Komitee gebildet,, an dessen Spitze der Vorsitzende der Bekleidungsarblitergewerkschaft, Jacob S. Potofsky, steht. Dieses Komitee hilft,
auf der ganzen '.Veit Zweigstellen des IBFG aufzubauen, es sendet aber auch noch eigene Vertreter in die verschiedenen Gebiete. Victor Reuther, der Leiter des Bildungsreferats der Automobilarbeitergewerkschaft, ist z.B. der Leiter einer dreikoepfi^en Delegation in Europa.
Welche politischen Ziele verfolgt und unterstuetzt der CIO
in Angelegenheiten von weltweiter Bedeutung? Auf dem Kongress
des CIO im November vorigen Jahres wurde erklaert:
"Die Erringung eines dauernden Friedens ist das erste Ziel
aller Voelker der Welt. Der CIO unterstuetzt mit allen Mitteln
die Staerkung der demokratischen Kraefte in Amerika und auf der
ganzen Welt. Damit bemueht er sich, die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Grundlagen zu schaffen, auf denen der Friede aufgebaut werden kann."
Als die nordkoreanischen Marionetten Stalins im Juni 1950
in die Republik Korea eindrangen, verurteilte der CIO sofort
- 12 -

�diese Handlungsweise. Auf dem Kongress des CIO im November vorigen Jahres wurde erneut bestaetigt, dass der CIO die Vereinten
Nationen in ihrem Kampf gegen die kommunistische Aggression in
Korea mit allen Mitteln unterstuetzt. Der CIO bemerkte, dass
die neue Aggression der chinesischen Kommunisten die Gefahr fuer
den Frieden der Welt vergroes^ere. Nach dem Kongress begruesste
der CIO den vom Beratungsausschuss fuer Internationale Entwicklung verfassten 3ericht"an Praesident Truman. Hierbei unterstuetzt er die Tatsache, dass sich Hunderte von Millionen Menschen gegen Armut und Ungerechtigkeit, gegen Imoerialismus und
Kolonialismus auflehnen. In diesem Bericht heisst es:
"Um dauernden Frieden, Sicherheit und Wohlergehen auf der
Welt zu erreichen, muessen wir gemeinsam eine wirtschaftliche
Offensive gegen Hunger, Armut, Analphabetentum und Krankheit
starten."
Als das Europaeische Wiederaufbauprogramm begonnen wurde,
haben CIO und alle anderen freien Gewerkschaftsgruppen diese
Arbeit unterstuetzt. Gleichzeitig wurde auf dem CIO-Kongress
eine bessere Verteilung der nationalen Einkommen in den MarshallPlan-Laendern gefordert. Seitens des CIO wurde erklaert:
"Wir fordern, dass in zunehmendem Masse solchen Massnahmen
Beachtung geschenkt wird, die direkt oder indirekt zu einer
Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter in solchen Laendern fuehren, die Marshall-Plan-Hilfsgelder erhalten, namentlich Italien, Frankreich und Westdeutschland, wo legislative
und wirtschaftliche Reformen kategorische Notwendigkeiten sind.
Sie sollen es dem arbeitenden Volk ermoeglichen, einen gerechteren Anteil an den aus den Wiederaufbaubemuehungen entstehenden
Gewinnen zu erhalten.
In der Flugschrift des CIO wird darauf hingewiesen, dass
viele amerikanische Gewerkschaftsdelegationen, die sich im Jahre
1950 in Europa aufhielten, scharfe Kritik daran uebten, dass
man es versaeumt hat, die durch die ECA entstandenen Gewinne
den einfachen Arbeitern zuzuleiten. Die amerikanischen Gewerkschafter haben unablaessig behauptet, dass der Lebensstandard
der Arbeiter seit Kriegsende nieht genuegend gesteigert wurde,
waehrend die Unternehmergewinne in einer Anzahl europaeischer
Laender ohne Unterbrechung in die Hoehe gingen.
'Der CIO hat Praesident Trumans Programm fuer wirtschaftliche und technische Unterstuetzung der unterentwickelten Gebiete
der Welt - als Punkt-Vier-Programm bekannt - staendig unterstuetzt und dabei folgende Forderungen gestellt:
"Im Rahmen des Punkt-Vier-Programms muessen auch die Arbeiter unterstuetzt werden, damit die technische Modernisierung der
Industrie mit der Modernisierung der Rechte der Arbeiterschaft
Hand in Hand geht. Der Mindestlohn, die Tarifverhandlung und
die gemeinsame Beilegung von Streitigkeiten muessen in der Liste
der Methoden, die unser Land nach diesen unterentwickelten Gebieten "exportiert", an erster Stelle stehen."
Indem er sich gegen jegliche Form der Diktatur wendet, sei
sie stalinistischer oder faschistischer Art, ist der CIO der
Auffassung, dass diese Unterstuetzung nur solchen Nationen zuteil werden soll, die "in dem Kampf um die Erhaltung und Verbreitung der Demokratie und der Freiheit wirkliche Hilfe leisten
koennen." Er lehnt Kredite fuer Franco-Soanien deshalb ab, weil
-

l

n

-

�dies einer Schwaechung der demokratischen Kraefte in Europa
und Asien gleichkommt. Der CIO billigt das militaerische Hilfsprogramm fuer die Freunde der Demokratie in Europa, um eine erfolgreiche Verteidigung der Demokratie gegen jegliche Aggression
Sowjetrusslands zu ermoeglichen.
Der CIO hat ausserdem gefordert, dass die Arbeiterschaft
noch mehr als bisher am aussenpolitischen Programm der Vereinigten Staaten beteiligt wird,, wozu auch die Vertretung der Gewerkschaften im Aussenministerium und anderen Regierungsbehoerden
gehoert, die sich mit der Aussenpolitik beschaeftigea. In diesem Zusammenhang hat der CIO erklaert:
"Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung verfuegt ueber
Nachrichtenwege und Beziehungen mit dem Ausland, die fuer die
erfolgreiche Durchfuehrung einer demokratischen amerikanischen
Aussenpolitik von grossem Wert sein koennen."
Sozialreferenten und Beamte fuer Arbeitsinformationen sind
in amerikanischen Botschaften auf der ganzen Welt beschaeftigt.
Auch zu den Personalstaeben der ECA in Europa gehoeren Experten
auf dem Gebiet der Arbeitsinformationen.
Durch seine Mitgliedschaft im 60 Millionen Mitglieder
starken Internationalen Bund Freier Gewerkschaften kaempft der
CIO auf weltweiter Basis um Brot, Frieden und Freiheit. Es
ist keine leichte Aufgabe. Die Freiheit muss stets schwer erkauft werden. Aber die Gewerkschaftsbewegung weiss, dass sie
das Salz des Lebens ist, das dem Brot und dem Frieden die
Wuerze gibt.
Program Services Section
V/18/51
DIE ASIATISCHE REGIONALORGANISATION'DES IBFG GEGRUENDET
Der IBFG hat vor kurzem eine neue Regionalorganisation fuer
Asien gegruendet. Auf einer historischen Konferenz in Karachi,
Pakistan, riefen Delegierte aus zwoelf asiatischen Laendern,
die nahezu zehn Millionen Arbeiter vertreten, diese neue Organisation ins Leben, um damit die freie Gewerkschaftsbewegung
zu foerdern.
Die Gewerkschaf ten #in Asien waren niemals so stark wie in
Westeuropa und Amerika. ' Man erwartet,- dass diese Konferenz
einen Wendepunkt in der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung dieses Kontinents darstellen wird. Ihre Gruender prophezeien, dass
die Regionalorganisation eine Rolle von zunehmender Bedeutung
nicht nur im Kampf gegen den stalinistischen Imperialismus, sondern auch in den Bestrebungen zur Erhoehung des Lebensstandards
der asiatischen Bevoelkerung spielen wird.
Faiz Ahmed, der Delegierte aus Pakistan, nominierte den
72jaehrigen N. M. loshi zum Vorsitzenden der Konferenz. Joshi,
"der Vater der indischen und asiatischen Gewerkschaftsbewegung"
wurde einstimmig gewaehlt. Der Veteran der Arbeit dankte fuer
diese Ehre und erklaerte, dass die asiatischen Gewerkschaften
die Hilfe des IBFG brauchen und begruessen. Mit dessen Unterstuetzung koennten starke Gewerkschaften organisiert werden, die
sich erfolgreich fuer eine Verbesserung des Lebensstandards der
Arbeitermassen Asiens einsetzen koennten. Er sagte: "Wir brau- 14 -

�chen vor allem das Kapital und die technischen Erfahrungen, die
uns in Form des Colombo-Plans und des Punkt-Vier-Programms zur
Verfuegung gestellt werden. Die Aufgaben, die auf uns warten,
sind nicht nur sehr bedeutsam, sondern auch weitreichend und
aeusserst schwierig. Wir muessen unsere Bevoelkerung von dem
Joch der Arbeitslosigkeit befreien, und indem wir diesem grossen
Gebiet zu industriellem Fortschritt verhelfen, muessen wir ein
Gleichgewicht unserer Taetigkeit auf landwirtschaftlichem und
industriellem Gebiet herstellen."
De Mungat, der Repraesentant des I3FG fuer Asien, verlas
einen Bericht des Generalsekretaers J. H. Oldenbroek. Mungat
erklaerte, dass der IBFG Regionalorganisationen organisiert habe,
um die verschiedenen Probleme der einzelnen Gebiete auf regionaler Basis loesen zu koennen. Die Selbstaendigkeit jeder einzelnen Regionalorganisation muesse mit der Notwendigkeit in Einklang gebracht werden, die zentralen Richtlinien und die weltweiten Bestimmungen zur Koordinierung der Taetigkeit- der neuen
demokratischen Gewerkschaftsinternationale zu beachten.
Er forderte vor allem die Einigkeit der Gewerkschaften
der freien Welt, die durch "Kraefte bedroht sind, die sich
durch krassen antidemokratischen Geist auszeichnen."
G. G. Metha von der sozialistischen Gewerkschafts-Foederation Hind Mazdoor Sabha in Indien bemerkte, dass zu viele Gewerkschaften in Asien gezwungen seien, die Anordnungen ihrer
Regierungen zu befolgen. Die Gewerkschaften muessten von den
Regierungen vollkommen unabhaengig sein. Er warnte den IBFG
davor, sich durch irrendeine Machtgruppe beeinflussen zu lassen.
Die Delegation der Gewerkschaftsorganisationen der Republik Korea forderte die asiatischen Gewerkschaften auf, die'
Tatsache anzuerkennen, dass die Kommunisten die Aggressoren in
ihrem Lande sind. Die Mitgliederorganisationen des IBFG muessten
sich weigern, irgendetwas zu unternehmen, was fuer die chinesischen Kommunisten von Vorteil sein koennte.
Irving 3rown, der Reoraesentant der AFL in Europa und Mitglied des Exekutivausschusses des IBFG, war ebenfalls zur Teilnahme an der Konferenz in Karachi eingeladen. Er versicherte
den Delegierten, dass der IBFG sich der ungeheuren Bedeutung
starker Gewerkschaften in ganz Asien bewusst sex und versprach
jede nur moegliche Unterstuetzung. Den Regionalorganisationen
wuerde ein groesstmoegliches Mass an Selbstaendigkeit gewaehrt
werden.
"Der IBFG will," so fuhr er fort, "die Gewerkschaftsbewegung von der Bevormundung durch totalitaere Politik und Diktatur
befreien. Wir befolgen den Grundsatz, dass kein Mensch
gezwungen werden kann, einen Weg zu verfolgen, der ihm von anderen vorgeschrieben ist. Der IBFG wird nicht versuchen,andere
zu zwingen, die Ideologie irgendeiner Partei oder Grunpe zu
uebernenmen."
Damit braohte Irving Brown klar zum Ausdruck, dass der
IBFG nicht von irgendeiner Ideologie, ausser der demokratischen,
beherrscht ist. Ihm gehoeren Gewerkschaften an, die sowohl sozialistisch sind als auch andere, die fuer die freie Wirtschaft
eintreten, ^r umfasst Katholiken, Protestanten, Moslems, Hindus und Angehoerige anderer Glaubensbekenntnisse.
- 15 -

�Am letzton Tag der Konferenz, dem 31. Mai, billigten die
Delegierten eine intSchliessung, in der den Vereinten Nationen
und dem Volk in Korea in dem Kampf gegen die kommunistische
Aggression jede nur^moegliche Unterstuetzung zugesagt wird.
Alle Delegierten, mit Ausnahme derjenigen der Indischen Gewerkschaftsorganisation Hind Mazdoor Sabha, stimmten fuer die Resolution, u.a. auch die Delegierten des indischen Gewerkschaftskongresses. In der Entschliessung wird festgestellt, dass das
freie Gewerkschaftstum die Grundlage der Demokratie ist, und
dass Kommunismus gleichbedeutend mit der Missachtung aller Rechte der Arbeiter ist.
Wenn das Volk in Korea seine Unabhaengigkeit an die totalitaeren Stalinisten verlieren wuerde, so waere hierin eine
schwere Niederlage fuer die Arbeiter und die Demokratie zu sehen.
Die Delegierten forderten alle Gewerkschaftsorganisationen auf,
entsprechende Massnahmen zu ergreifen, um die Resolution zu verwirklichen und den Vereinten Nationen zu helfen. Hierzu gehoere
auch der Boykott von Kriegsmateriallieferungen fuer die Angreifer. Die Hilfe, die die Gewerkschaften den suedkoreanischen
Streitkraeften und denen der Vereinten Nationen leisten koennten, muesse erweitert werden, heisst es abschliessend in der
Resolution.
Zuvor hatte die Konferenz eine Entschliessung gebilligt,
die sich gegen die koloniale 'Wirtschaft Asiens wendet. Die Welt
wird darin aufgefordert, mitzuhelfen, den Lebensstandard Asiens
auf ein anstaendiges Niveau zu bringen. Die Notwendigkeit einer
Landreform wird besonders hervorgehoben; auf diese Weise koenne
am besten der kommunistischen Gefahr begegnet werden.
Der Delegierte der freien chinesischen Gewerkschaften, die
sich nun auf Formosa befinden, war Liang Yung Chang. Er berichtet, dass die Arbeitsbedingungen auf dem chinesischen Festland
furchtbar schlecht seien; allein in Schanghai seien 150,000
Arbeiter erwerbslos und 50.000 waeren al3 Zwangsarbeiter nach
Sowjet-Russland und dessen SatellitensU aten geschickt worden.
Lian Yung Ghang fuehrte weiter aus, dass das Los der Arbeiter auf Formosa, obwohl diese Insel von Krieg bedroht sei, laufend verbessert wuerde. Ein Programm sei in die Wege geleitet
worden, das Unfall-, Alters-, Kranken- und Invalidenunterstuetzungen fuer die Arbeiter vorsehe.
Der chinesische Gewerkschaftsfuehrer beschuldigte die stalinistischen Eindringlinge, bei der Eroberung seines Landes die
Unabhaengigkeit
dar Gewerkschaften z.^rstoert zu haben. Demokratische Gewer;-schaftsfuehrer wurden ermordet, andere terrorisiert.
Er berichtete ferner, dass die Opposition gegen die Roten in
China staendig groesser wird und forderte jede nur moegliche Unterstuetzung fuer die dortige Untergrundbewegung.
Delegierte und Beobachter aus Ceylon, Indien, Korea, China,
Malaya, Pakistan, Thailand, Hongkong, Burma, Indonesien, Singapur und von den Philippinen waren zugegen. Es war die dritte
Regionalorganisation, die vom IBFG gesrruendet wurde. Die erste
war fuer Westeuropa und die zweite fuer die westliche Hemisphaere
in Mexiko ins Leben gerufen worden.. Die Errichtung aehnlichor
Organisationen fuer Afrika und den mittleren Osten ist geplant.
Program Services Section
VI/1/51
- 16 -

HICOC 15 Jun 51 11977 5i K

�Internationale

ARBEITSHITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 24

Frankfurt, 22, Juni 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Europaeische Konferenz ueber "Produktivitaet und
Lebensstandard"
- - - - - - - - - - - - - -

1 .

Beziehungen zur Oeffentlicukeit

4

- - - - - - - -

Die Arbeiterschaft muss am wirtschaftlichen Aufstieg teilhaben
- - - - - - - - - - - - - Westeuropa nach drei Marshallplan-Jahren

- - -

9
10

Amerikanischer Experte Äussert sich zu Produktivitaetsproblemen - - - - - - - - - - - - - -

14

Jahreskonferenz der IAO ohne Russland - - - - -

15

EUROPAEISCHE KONFERENZ UEBER "PRODUKTIVITAET UND LEBENSSTANDARD"
Mehr als 175 Persoenlichkeiten aus dem industriellen und
gewerkschaftlichen Leben Westeuropas kamen im Juni in der historischen Abtei Royaumont in der Naehe von Paris zusammen, um
ueber die Beziehungen zwischen gesteigerter Produktionsleistung
und dem Lebensstandard der europaeischen Arbeiter zu diskutieren.
Auf einer dreitaegigen Konferenz aeusserten sich Unternehmer, Betriebsleiter, Arbeitsvorgesetzte und Gewerkschafter zu
diesem Thema. Technische Experten aus allen Sparten des industriellen Lebern brachten eindeutig zum Ausdruck, dass die Lebensbedingungen der meisten europaeischen Arbeiter und besonders derjenigen in Frankreich unter der durchschnittlichen Norm
liegen. Sie beschlossen, Methoden auszuarbeiten, um dieser Si- 1-

�tuation zu begegnen, die allgemein als gefaehrlicr. und ungerecht
bezeichnet wurde. Im Verlauf dieser Diskussionen wurden die
bereite gemachten Erfahrungen in Bezug auf Produktivitaets- und
Betriebsmethoden ausgetauscht.
Der Anlass zu dieser Konferenz war die 5. Internationale
Konferenz fuer Gozielprobleme der Arbeitsorganisationen, die
von dem franzoesischen Nationalen Ausschuss fuer Arbeitsorganisation in Zusammenarbeit mit der franzoesischen Vereinigung
zur Foerderung einer gesteigerten Produktionsleistung und dem
Internationalen Ausschuss fuer Betriebswissenschaftliche Organisation einberufen worden war. Den Vorsitz des franzoesischen
Ausschusses leitete Rolf Nordling.
Einen Hoehepunkt der Konferenz bildeten die Ansprachen amerikanischer Fachleute ueber Produktivitaetsfragen, die aus den
Reihen des amerikanischen Unternehmertums, der Gewerkschaften
und der Regierung kamen. Diese Sachverstaendigen tauschten mit
den europaeischen Konferenzteilnehmern ihre Erfahrungen aus, die
sie sich bei der Entwicklung des fortschrittlichen Wirtschaftssystems in den Vereinigten Staaten, eines hohen Produktivitaetsstandes, eines verbesserten Lebensstandards und einer starken
Gewerkschaftsbewegung angeeignet hatten.
Die Sprecher waren:
Robert Oliver, Berater fuer Arbeitsfragen der ECA in
Washington,
R. R. Zimmerman, Sonderberater des Leiters der_ Abteilung fuer technische Unterstuetzung in der ECA,
William Gomberg, der Leiter des technischen Referats
der Internationalen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarb ^iter,
James M. Silberman, Sachbearbeiter im Arbeitsministerium
der Vereinigten Staaten und
Henry Nunn von der "Nunn-Bush"-Schuhfabrik.
M. Christa, Generalsekretaer der franzoesischen Gewerkschaft
"Fondeurs de France," berichtete von einem Programm zur Steigerung der Produktionsleistung in der franzoesischen Eisen- und
Stahlindustrie. * Er erklaerte, dass man auf Geratewohl zehn Betriabe ausgewaehlt habe, in denen mit diesem Programm begonnen
werden sollte, und die fuer die andern dann als Musterbeispiel
dienen sollten. Fuer die Unternehuer wuerden achttaegire Lehrgaenge.fuer Techniker sechswoechige und fuer Vorarbeiter vierwoechige Ausbildungskurse durchgefuehrt. In dem Betrieb wuerden je vier
oder fuenf Arbeiter zu Schulungsgrupp.en zusammengefasst und angeregt, selbst zu ueberlegen, wie man die Produktionsleistung steigern koenne. Die Loehne gingen im gleichen Verhaeltnis wie die
Produktionsleistung in die Hoehe.
Christa stellte klar heraus, dass nach seiner Auffassung die
wesentlichste Vorbedingung fuer ein durchfuehrbares Produktivitaetsprogramm die Aufgeschlossenheit der Arbeiter im Betrieb ist.
Die Produktionsleistung in den Vereinigten Staaten sei weniger
besseren Moeglichkeiten als vielmehr intensiver Arbeit, gutem
Willen und wissenschaftlichem Studium zu verdanken.
Rene Richards, der Generalsekretaer der franzoesischen Gewerkschaft CGT - Force Ouvriere, erklaerte vor der Konferenz,
dass gemeinsame Bemuehungen der Unternehmer, Gewerkschaften und
Arbeiter zu einem besseren Lebensstandard fuehren koennten, und
- 2 -

�dass er in der Art, in der seine Gewerkschaft begonnen habe, am
Produktivitaetsprogramm mitzuarbeiten, einen guten Anfang konstruktiver Zusammenarbeit sehe.
Der Konferenz wohnten 140 Delegierte aus Frankreich bei.
Andere kamen aus Deutschland, Belgien, Spanien, Finnland,
Grossbritannien, Italien, Holland, Schweden und den Vereinigten
Staaten. Die meisten Delegationen setzten sich aus Vertretern
der Gewerkschaften und der Unternehmer zusammen.
V/aehrend das Hauptthema der Konferenz "Produktivitaet und
Lebensstandard" hiess , aeusserten- sich die Delegierten zu einer
Vielzahl von Problemen, die mit dem nationalen wirtschaftlichen
Wohlergehen in Zusammenhang stehen, wie z.B. Steuerwesen, Stabilitaet der Waehrung, Beschaeftigungslage, Betriebsrationalisierung, soziale Dienstleistungen, Produktionsnormung und Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
Besonders interessant war fuer die meisten Delegierten ein
Bericht aus Schweden ueber soziale Probleme des Arbeitsmarktes.
Dieser Bericht, der von Lennard Cronquist, Gunnar Lindstrom
und Otto Nordenskiold verfasst war, zeip-te auf, dass 10% des
Nationaleinkommens Schwedens fuer soziale Dienstleistungen zum
Nutzen der Arbeiter verwendet werden. Die Arbeitsweise der
schwedischen V/irtschaft sei so organisiert, dass die Arbeiter
an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktionsleistung einen
entsprechenden Anteil haben.. Zu diesem Zweck, heisst es in
dem Bericht weiter, wuerden keine Vereinbarungen ueber Gewinnbeteiligung getroffen, sondern Tarifvertraege zwischen der Industrie und den Arbeitgebern abgeschlossen. Der Bericht weist
darauf hin, dass sich die Arbeiter in Schweden seit den dreissiger Jahren darueber im Klaren sind, dass eine Steigerung der
Produktion eine Vorbedingung fuer die fortlaufende Verbesserung
des Lebensstandards der Arbeiter ist, und- dass die Gewerkschaften Massnahmen zur Foerderung der Rationalisierung der Industrie
ergriffen haben.
Georges Villiers, der Vorsitzende des franzoesischen Arbeitgeberverbandes, erklaerte als Vorsitzender der Sonntagssitzung, er sei ueberzeugt, Frankreich haette viel von jenen
Laendern zu lernen, die sich eines hoeheren Lebensstandards
und eines hoeheren Produktivitaetsst^ndes erfreuten. "Der Lebensstandard der franzoesischen Arbeiter ist ungenuegend,"
sagte er, "und wir duerfen ihnen keine Luegen erzaehlen."
In einer Zusammenfassung der Themen, die auf der Konferenz
zur Debatte standen, fuehrte Nordling auf der Schlusssitzung am
Sonntag aus': "Eine allgemeine und laufende Verbesserung des
Lebensstandards ist nur aufgrund einer Erhoehung der Produktionsleistung moeglich. Leider ist die Mehrheit des franzoesischen Volkes noch nicht zu dieser Erkenntnis gekommen. Trotz
alledem muss die Produktionsleistung in Frankreich gesteigert
werden, und Unternehmer und Gewerkschaften muessen zur Zusammenarbeit aufgerufen werden, um dieses Ziel erreichen zu koennen."
Er schloss mit den Worten: "Die in verschiedenen Betrieben gebammelten Erfahrungen haben gelehrt, dass eine T,roduktionssteigerung ohne eine Beschleunigung der menschlichen Arbeit
moeglich ist, und dass sie durch eine gerechte Verteilung der
aus ihr resultierenden zusaetzlichen Gewinne an Verbraucher, Arbeiter und den Betrieb selbst gesichert werden kann.
ECA Labor Information
VI/8/51
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�Eine grosse Aufgabe fuer U.S. Gewerkschaften:
BEZIEHUNGEN ZUR OSFFENTLICKKEIT
Das heutige Zeitalter kann das Zeitalter der Pflege der&gt;
Beziehungen zur Oeffentlichkeit genannt werden. Mehrmals je
zuvor konkurrieren alle Arten von Organisationen, Einzelpersonen und Industrien um die Gunst der Oeffentlichkeit. Durch alle
moeglichen Mittel versuchen sie, .bei der Oeffentlichkeit ihre
Ideen, ihre Ziele oder auch ihre Erzeugnisse anzubringen.
Alle bemuehen sich in dem grossen Ringen, die Oeffentlichkeit auf ihre Seite zu bringen. Welche Ziele sie auch verfolgen
moegen, seien sie gute oder schlechte, sie wissen alle, das3 ~ie
keinen Erfolg haben koennen, wenn sie nicht so viel Leute wie
nur irgend moeglich fuer ihre Sache gewinnen koennen.
Natuerlich kann es sich auch die Gewerkschaftsbewegung
nicht leisten, auf diesem lebenswichtigen Gebiet hinter den an- ,
deren zurueckzustehen. Sie muss ihre Botschaft allen Buergern
uebermitteln, wenn sie Fortschritte erzielen und ihre Ziele erreichen will.
Die Lebensfaehigkeit der Gewerkschaftsbewegung, ihr Wachstum und ihre Zukunft haengen davon ab, ob sie sich das Wohlwollen und das Verstaendnis der Oeffentlichkeit sichern kann. Das
bedeutet fuer sie, unablaessig und kompromisslos auf erzieherischem Gebiet taetig zu sein.
Nur zu oft geben Zeitungen, Rundfunk, Redakteure und Kommentatoren der Oeffentlichkeit ein falsches Bild von der Gewerkschaftsbewegung. In grosser Aufmachung berichten sie von
Streiks und Ausschreitungen. Wenn irgendein einzelnes Mitglied
einer Gewerkschaft eine falsche Handlung begeht, berichten sie
hiervon in grossen Schlagzeilen. Jeder Missstand innerhalb der
Gewerkschaftsbewegung, sei er auch noch so unbedeutend, wird erbarmungslos ans Licht der Oeffentlichkeit gezerrt.
Die guten Taten der Gewerkschaften werden dagegen zum
groessten Teil ignoriert. Wenn in ueber 90% aller Faelle die
Gewerkschaften auf friedlichem Wege Tarifvertraege mit ihren Arbeitgebern abschliessen, ohne dass auch nur eine einzige Arbeitsstunde verlorengeht, dann sieht die" Presse zumindest hierin
nichts besonderes.
Es ergibt sich hieraus fuer die Gewerkschaftsbewegung die
Notwendigkeit, diese Situation durch eine ununterbrochene Kampagne der Aufklaerung zu korrigieren, in der sie der Oeffentlichkeit zeigt, dass die Ziele der Gewerkschaften, ihr Kampf und
ihre Erfolge der Wohlfahrt des gesamten Volkes dienen.
Der Gewerkschaftsbewegung erwachsen somit auf dem Gebiet
der oeffentlichen Beziehungen grosse Aufgaben. Sie ist fuehrend
im Kampf zur Errichtung eines' freien oeffentlichen Schulwesens.
Sie bemueht sich an fuehrender Stelle um die Verbesserung des
Lebensstandards des Volkes. Sie leistet Pionierarbeit im Kamnf
gegen die sogenannten "Schwitzwerkstaetten"; sie kaempft in
erster Front um gleiche Moeglichkeiten des Aufstiegs fuer Alle,
ohne Rueck3icht auf Rasse, Religion oder Farbe.
Ihr ist es zum grossen Teil zuzuschreiben, dass Schutzgesetze verwirklicht wurden, die alle Arbeiter vor Ausbeutung
schuetzen, dass das Uebel der Kinderbeschaeftigung eingeschränkt
worden ist, dass die uebermaessig lange Arbeitszeit gekuerzt
- 4-

�und dass soziale Sicherheit fuer Millionen Amerikaner geschaffen werden konnte.
Diese Errungenschaften bilden den Grundstein der amerikanischen Lebensform, der von freien Arbeitern
in einem freien Wirtschaftssystem in Zusammenarbeit mit einsichtigen Arbeitgebern gelegt worden ist. Wir muessen unsere
Geschichte wieder und wieder erzaehlen. Es gibt viele Moeglichkeiten, sie vor die Oeffentlichkeit zu bringen, aber eine der
besten ist die Gewerkschaftsnadel, der gewerkschaftliche Betriebsausweis und das gewerkschaftliche Warenzeichen. Dies
sind Symbole des .gewerkschaftlichen Fortschritts, Wegweiser
und Leuchtfeuer auf der grossen Strasse der Gewerkschaftsbewegung. Es sind die Kittel, um der Oeffentlichkeit die Gewissheit zu geben, dass sie ^ualitaetswaren und -dienstleistungen
erhaelt, die von tuechtigen Fachleuten nach hohen amerikanischen Normen produziert werden.
Jeder Gewerkschafter muss alles in seiner Tracht Stehende
tun, um das Evangelium der Gewerkschaftsnadel, des gewerkschaftlichen Warenzeichens und des gewerkschaftlichen Betriebsausweises zu verbreiten. Wenn alle Mitglieder der Gewerkschaften,
ihre Familien und ihre Angehoerige bei ihren Einkaeufen nach
diesen drei Kennzeichen fragen, erweisen sie der gewerkschaftlichen Sache damit einen ungeheuren Dienst. Sie helfen dadurch,
ein grosses! neues Bollwerk zum Schutz des Tarifverhandlunp,swesens und bessere wirtschaftliche Bedingungen fuer alle zu schaffen. Das gewerkschaftliche Warenzeichen blickt auf eine ehrenvolle und denkwuerdige Geschichte zurueck. Es ist in Europa
bereits in den Gilden des Mittelalters zu finden, ja, vielleicht
sogar noch frueher. Die Gilden haben damals ihre Erzeugnisse
gestempelt, um vor der Oeffentlichkeit die ^ualitaet und den
Ruf ihrer Erzeugnisse zu garantieren. Diese Stempel sind die
ersten gewerkschaftlichen Warenzeichen der Vergangenheit.
Das Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen im amerikanischen Gewerkschaftsbund AFL hat es sich zur Aufgabe gemacht,
den Beweis anzutreten, daas Millionen Gewerkschaftsmitglieder,
die sich der Bedeutung dieses Warenzeichens bewusst sind, wissen,
dass sie ihr Ziel erst zur Haelfte erreicht haben, wenn sie
hoehere Loehne durchgesetzt haben. Sie wissen, dass Milliarden
Dollars, die sie gemeinsam dank ihrer Gewerkschaft verdienen,
alljaehrlich fuer Waren und Dienstleistungen ausgegeben werden
muessen, die gewerkschaftlicher Herkunft sind.
Wenn wir beim Einkauf von Waren verlangen, dass diese
das gewerkschaftliche Warenzeichen tragen, duerfen wir nicht
vergessen, dass es ebenso wichtig ist, auf den gewerkschaftlichen Betriebsausweis oder die Gewerkschaftsnadel zu achten.
Diese drei Kennzeichen sind symbolisch fuer den hoechsten Grad
handwerklicher Tuechtigkeit und Solidaritaet; dies gilt sowohl
fuer Waren als auch fuer Dienstleistungen. Es sind die offiziellen Warenzeichen, die Waren und Dienstleistungen von hoher
Qualitaet auszeichnen, es sind zugleich die Warenzeichen der AFI,.
Heute machen die Kosten fuer die Verteilung von Erzeugnissen in vielen Faellen mehr als die Haelfte des Verbraucherpreises aus. Aus diesem Grunde hat diese Sparte der Wirtschaft
eine so grosse Bedeutung erlangt. Zu ihr gehoeren zahlreiche
Arbeitsgebiete, wie z.B. Tankstellen oder Weiterverarbeitung,
Herstellung und Verpackung, Transport und Gross- und Kleinhandel. Wenn wir auf gewerkschaftlichenDienstleistungen bestehen,
sichern wir die vorhandenen Arbeitsplaetze der organisierten Arbeiter und schaffen ausserdem eine staerkere Beschaeftigungs- 5 -

�moeglichkeit fuer Gewerkschaftsmitglieder. Auch in Bezug auf
hygienische Bedingungen in der Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln und Bekleidung ist das gewerkschaftliche Warenzeichen
fuer uns die beste Sicherheit.
Wenn Gewerkschaftsmitglieder den Wunsch haben, 3ich unserer «rossen Organisation anzuschliessen, koennen sie sich bei
den gewerkschaftlichen Verbrauchergenossenschaften einschreiben
lassen. Diese Genossenschaften sind direkt dem Referat fuer
gewerkschaftliche Warenzeichen der AFL angeschlossen.
Wir koennen den Bestand der amerikanischen Arbeitsnormen
nicht sichern, wenn wir nicht jene Waren- und Dienstleistungen
kaufen, die von gewerkschaftlich organisierten Maennern und
Frauen hergestellt bzw. geleistet werden. Als Verbraucher
koennen die Gewerkschaftsmitglieder irgendeiner Ortschaft ihre
Taetigkeit zur Foerderung des gewerkschaftlichen Warenzeichens
dadurch vorantreiben, dass sie eine gewerkschaftliche Verbrauchergenossenschaft bilden, oder sich einer solchen anschliessen,
die das Zentrum aller gewerkschaftlichen Taetigkeit und Aufgaben
in jeder Stadt und ihrer naeheren Umgebung bildet.
Die. Woche des gewerkschaftlichen Warenzeichens ist ein
grosses alljaehrliches Ereignis. Sie findet in diesem Jahr vom
2. bis 8. September statt. Die von der AFL offiziell genehmigte und vom Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen organisierte Woche wird am Sonntag der Arbeit, dem 2. September,
beginnen und am ß. September beendet sein. Der allgemeine
Zweck dieser Woche besteht darin, bessere Beziehungen zur
Oeffentlichkeit zu schaffen und das Verstaendnis fuer alle Organisationen in der AFL zu foerdern.
Die Woche des gewerkschaftlichen Warenzeichens bietet
eine ausgezeichnete Gelegenheit, fuer Waren- und Dienstleistungen mit dem gewerkschaftlichen Warenzeichen zu werben. Geschaeftsleute zeigen in ihren Schaufenstern gewerkschaftlich hergestellte Waren, sie werben fuer diese in den oeffentlichen Tageszeitungen und ueber Rundfunk- und Fernsehstationen. Auch
die Erzeuger steigern ihren Absatz, indem sie die hohe Qualitaet der mit gewerkschaftlichen Warenzeichen versehenen Waren
vor der Oeffentlichkeit preisen. Andere Geschaeftsunternehmen,
die sich mit dem gewerkschaftlichen Betriebsausweis undder Gewerkschaftsnadel ausweisen, wollen hiermit die hohe ^ualitaet
ihrer Waren oder Dienstleistungen demonstrieren. Im allgemeinen
erlassen die Buergermeister und die Gouverneure der Staaten zur
Woche des gewerkschaftlichen Warenzeichens besondere Proklamationen.
1

Das Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen gibt alljaehrlich ein offizielles Verzeichnis ueber Waren heraus, die
das gewerkrchaftliche Warenzeichen tragen. Dieses hat vor allem
den Zweck, unter den Mitgliedern der Gewerkschaften, der Frauenvereinigungen und der gewerkschaftlichen Verbrauchergenossenschaften fuer den Kauf dieser Waren mit gewerkschaftlichem Warenzeichen und die Benutzung der Dienstleistungen gewerkschaftlich
organisierter Unternehmen zu werben.
Dieses Verzeichnis des Referats fuer gewerkschaftliche Warenzeichen ist ein praktisches Nachschlagwerk fuer Verbraucher,
die auf das gewerkschaftliche Warenzeichen achten. Darueber hinaus gibt es den^Kaufleute-n Auskunft darueber, wo sie Waren mit
gewerkschaftlichen Warenzeichen einkaufen koennen. Wenn ein
- 6-

�Kaufmann sagt, dass er nicht in der Lage sei, Waren mit gewerkschaftlichen Warenzeichen zu beschaffen, wird ihm eine solche
Liste ausgehaendigt, in der alle Hersteller dieser Waren genannt
sind. Die Gewerkschaftsmitglieder werden staendig aufgefordert, den Loyalitaetswahlspruch der Gewerkschaftsbewegung zu
beherzigen: "Kauft nur bei solchen Firmen, deren Waren das
gewerkschaftliche Warenzeichen tragen, und kauft nur bei soldhen
Leuten, die den gewerkschaftlichen Betriebsausweis und die Gewerkschaftsnadel besitzen. "
Eine Neuheit in der aktivierten Werbekampagne des Referats
fuer gewerkschaftliche Warenzeichen ist ein Plakat, das Karikaturen traegt und in fuenf Farben illustriert ist. Die Plakate
sind eingerahmt und werden den Gewerkschaftsvorstaenden und
den Zweigorganisationen der AFL fuer die Verwendung in Versammlungsraeumen kostenlos zur Verfuegung gestellt. Ein Schlagwort
auf"einem der Plakate heisst: "Sei Gewerkschafter und kaufe
nur Waren mit gewerkschaftlichem Warenzeichen."
Die Industrieausstellungen der Gewerkschaften der AFL sind
ein ausgezeichnetes Beispiel fuer die guten Beziehungen zur
Oeffentlichkeit. Sie sind anschaulich und dynamisch. Es gibt
in diesen Ausstellungen keine gekuenstelte Pracht, sie sind
ebenso realistisch wie erzieherisch, weil sie nur von gewerkschaftlich organisierten Arbeitern und gerechten Unternehmern
organisiert sind. Die Ausstellungen hinterlassen bei den "Besuchern einen nachhaltigen Eindruck, weil sie eindringlich zeigen, wie gelernte Handwerker der AFL zahlreiche bekannte amerikanische Erzeugnisse herstellen oder bestimmte Dienstleistungen
verrichten.
Funktionaere des Referats fuer gewerkschaftliche Warenzeichen sind ueberzeugt, dass die "Gewerkschaftliche Industrieausstellung", die jetzt stattfindet, die groesste ihrer Art
sein wird. Mit ueber 50,000 qm Ausstellungsgelaende wird sie
jede Ausstellung dieser Art uebertreffen, die je in Amerika
gezeigt wurde.
Im vorigen &lt;Tahr sind die Menschenmassen, die sich in Philadelphia in die riesige Kongresshalle begeben haben, von der
Vielseitigkeit und der Menge der ausgestellten Waren stark beeindruckt gewesen.
Mit den gewerkschaftlichen Industrieausstellungen wurde
vor dem 2. V/eltkrieg begonnen. Die erste fand im Jahre 1938
statt. 1946 wurde die zweite Ausstellung in Sant Louis gezeigt. Es folgten Ausstellungen in Milwaukee und Cleveland.
Jede einzelne bedeutete einen sensationellen Erfolg. Die Zahl
der Besucher war fuer die verschiedenen Ausstellungsraeume,
in denen die gewerkschaftlich hergestellten Waren zur Schau
gestellt wurden, rekordbrechend.
Die gewerkschaftliche Industrieausstellung ist keine Methode der Geldmacherei. Sie kostet im Gegenteil die AFL und
ihre angeschlossenen Gewerkschaften Hunderttausende von Dollar.
Die Gewerkschaften geben dieses Geld.jedoch gern aus, weil
sie wissen, dass dies eine gute Investierung ist. Sie helfen
sich damit, indem sie den gerechten Unternehmer unterstuetzen,
der nur Gewerkschaftsmitglieder beschaeftigt, im Vergleich zu
dem, der ungerecht ist. Wenn die AFL einem gerechten Unternehmer hilft, hilft sie damit auch ihren Mitgliedern.
7 -

�Auf der jetzigen Ausstellung wird es zahllose Ausstellunrsstaende geben, in denen die beruflichen Faehigkeiten und Erzeugnisse der amerikanischen Arbeiterschaft der Oeffentlichkeit
gezeigt werden - vom Reisszwecken bis zum kostbarsten Porzellan,
aber auch Zigarren, Tabak, Bekleidung, Moebel, Rundfunkgeraete
und aehnliches.
Der Gewerkschaftsrat des Baugewerbes von Chicago hat die
gesamte Ostseite der Ausstellungshalle fuer Ausstellungsgegenstaende der Berufe der Maurer, Klempner, Zimmerleute, Elektriker und Maler reserviert. Ein anderer grosser Teil des Ausstellungsgelaendes steht den Waeschereiarbeitern zur Verfuegung.
Die Baecker werden mit allen Arten von Torten und Gebaeck der
Oeffsntlichkeit von ihrer Arbeit berichten. Auch die Gewerkschaften der Dienstleistungsgevorbe, wie die der Fahrer, der
Hausbediensteten und aehnli.cher Berufe werden vertreten sein.
Das Verteidigungsministerium wird in Zusammenarbeit mit
der Armee, der Marine und der Luftwaffe den Besuchern der Ausstellung eine Moeglichkeit geben, die neuesten und besten militaerischen Ausruestungsgegenstaende Amerikas zu besichtigen.
Die Ausstellungen der Armee, der Marine und der Luftwaffe, die
im Jahre 1951 gezeigt werden, zeigen im Gegensatz zu frueheren
militaerischen Ausstellungen die umfassende: Taetigkeit der Gewerkschaften und Unternehmer im Rahmen der nationalen Verteidirunsbemuehungen und die Anwendung der modernen Wissenschaft auf
militaerische.ni Gebiet.
Um eine vollendete Arbeit zu leisten, muessen sowohl Maenner als auch Frauen sich der Bedeutung des gewerkschaftlichen
Warenzeichens bewusst werden und fuer die Sache der Gewerkschaften gewonnen werden. Das Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen der AFL ist stolz darauf, jene Idee vorbereitet und gefoerdert zu haben, die sich heute als eine der lebenswichtigen
wirtschaftlichen Kraefte in Amerika erweist. Auf einem Kongress
der AFL hatte das Referat fuer gewerkschaftliche Warenzeichen
die Resolution eingebracht, die die Gruendung der amerikanischen
Frauenvereinigung bedeutete. In ihr wurde der Zusammenschluss
aller loyalen und aktiven Frauen in die Familie der Gewerkschaften gefoerdert, die eine aggressive Armee von Verbrauchern darstellen sollen und das Geld der Lohn- und Gehalt3empfaenger nur
fuer "aren und Dienstleistungen ausgeben, die von gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern hergestellt bezw. geleistet
werden.
-Jetzt scaliessen sich neue Frauenorganisationen dieser Frauenvereiniging der A F L an. Die Frauen erfuellen damit eine ihrer
vornehmsten Pflichten, indem sie als K&amp;euferinnen der meisten
Lebensr.otwendigkeiten' fuer den Durchschnittshaushalt nicht versaeumen, nach dem gewerkschaftlichan Warenzeichen, dem gewerkschaftlichen Betriebsausweis und der Gewerkschaftsnadel zu fragen.
Das Referat fuer gewerkschaftliche "arenzeichen erkennt mit
Dankbarkeit die grosszuegige Unterstuetzung und die freundschaftliche Zusammenarbeit an, die ihm von Seiten des Vorsitzenden
der A F L , William Green, des Hauntkassierer3 George I'eany und
allen Funktionaeren der anderen Referate der AFL, der nationalen
und allamerikanischen Gewerkschaften, der bundesstaatlichen Gewerkichaftsvorstaende, der zentralen Gewerkschaftsorganisationen
und der Ortsgewerkschaften zuteil wird.
Das Referat ist darueber hinaus den Herausgebern der offiziellen Gewerkschaft?organe, der woechentlichen Gewerkset.aftszei- 8-

�tungen und anderen Gewerkschfaftaveroeffentlichungen dankbar,
die in grosszueaiper Weise zu jeder Zeit R&amp;um fuer Werbezwecke
zur Verfuerunp- gestellt haben.
Das umfassende Programm des Referats fuer gewerkschaftliche Warenzeichen ist dazu bestimmt, die
Oeffentlichkeit ueber
die Bedeutung des gewerkschaftlichen :'.'arenzeichens, des gewerkschaftlichen Betriebs und der Gewerkschaftsnadel zu unterrichten, sie ueber die "rohleme der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufzuklaeren und die Faufkraft der amerikanischen Arbeiter zu steigern, was fuer diese eine proess^re
wirtschaftliche Sicherheit bedeutet. Mit diesem Prorramm soll
au-serdem die Nachfrage nach V.aren, die von Gewerkschaftern
hergestellt sind, gesteigert und allen amerikanischen Arbeitern
ihr Arbeitsplatz bei anstaendigen Loehnen gesichert werden.
Das Plauptziel dieses Referates liegt damit darin, alle
Erfolge, die sich die AFL im Verlaufe der letzten 70 Jahre in
Zusammenarbeit mit der Oeffentlichkeit gesichert hat, mit allen
Buergern zu teilen.
Um dieses Programm wirksam werden zu lassen, ist es notwendig, dass alle Gewerkschaftsmitglieder, ihre Familienangehoerigen und ihre Freunde staendig nur Waren und Dienstleistungen verlangen, die das gewerkschaftliche Warenzeichen tragen.
Das Referat ist fuer die wertvolle Mitarbeit der Funktionaere aller LÜtglied'sorganisationen der AFL dankbar, es weiss
,1'edoch, dass die Mitglieder selbst noch viel mehr fuer die
gemeinsame Sache tun koennten. Alle menschen, die gewerkscnaftlich organisiert sind, muessen eine umfassende universelle
Kampagne zur Foerderung dieser grossen Sache starten, die fuer
die Gewerkschaften und alle Amerikaner so viel bedeutet.
Das Referat bittet deshalb jedes Mitglied der Gewerkschaften, mitzuhelfen, die Botschaft der Bewegung der Oeffentlichkeit zu uebermitteln, um auf diese Weise ihr Verstaendnis und
ihr Wohlwollen zu gewinnen.
The American Federationist

5/51

US-Staotssekretaer fuei1 Arbeit Philio M. Kaiser:
Dri ARBEITERSCHAFT MtftS AU WIRTSCHAFTLICHEN AUFSTIEG TEILHABE
Alle Programme, die mithelfen, die industrielle Produktion
in den freien Gebieten &amp;er Welt zu steigern, koennen ohne die
aktive Unter«uuatzung durch die Arbeiter nicht erfolgreich verlaufen, erklaerte der stellvertretende .nrbeitsmirii-ter der Vereinigten. Staaten, Philip I". Kaiser, dieserTaga in Pbrl?.
Diese Programme, so sagte er, koennen keinen Lrfolr htben,
wenn die Gewinne aus der gesteigerten Arbeitsleistung der betriebe nicht in Form von hoeheren Mnko.rimen fuer die Arbeiter ^elb-t
in die 'Virtschaft wieder zurueckceleitet werden.
In einer Rede vor dem Anerikani ~chen Club in Paria wie-, der
stellvertretende Arb^itsmini-ter darauf hin, dass die Vereinigten Staaten das Bestreben haben, den freien Nationen zu helfen,
Jenen Zustand wirtschaftlicher, politischer und sozialer Stabilitaet zu erreicnen, der eine Gewaehr dafuer bietet, dass sie
nicht dem kommunistischen Kerrschaftsansnruch zum Oofer fallen.
Um .jedoch eine ausgeglichene Entwicklung gewährleisten zu koen- 9-

�nen, die den Grundstein fuer den dauernden Fortschritt in diesen Laendern bildet, muss die Arbeiterschaft an den Gewinnen,
die durch ihre Arbeit erzielt werden, voll beteiligt werden.
Kaiser, der fuer internationale Arbeitsangelegenheiten im
amerikanischen Arbeitsministerium zustaendig ist, brachte seine
Anerkennung fuer die Arbeit der freien Gewerkschaften auf der
ganzen 7/elt zum Ausdruck. Er fuehrte einen Bericht an, der vor
kurzem von Vorsitzenden des Beratungskomitees fuer Fragen der
internationalen Entwicklung veroeffentlicht wurde, und in dem
es heisst:
"Die fraien Gewerkschaften in den unterentwickelten Gebieten haben in ihrem Kampf gegen kommunistische und faschistische
Infiltration lobenswerte Leistungen vollbracht und gleichzeitig danach gestrebt, das wirtschaftliche Los ihrer Mitglieder
zu verbessern. Hierbei sind sie von den amerikanischen Gewerkschaften mit Ratschlaegen und Geldmitteln unterstuetzt worden."
"Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung," fuhr Kaiser
fort, Tiat eine grossartige Leistung vollbracht, indem sie den
freien Gewerkschaftsbewegungen anderer Laender eine helfende
Hand geboten hat. Sie hat dies freiwillig und aus eigener Initiative ge.tan - unabhaengig von der Regierung der Vereinigten
Staaten."
"Die Bestrebungen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung,
die auf eine aufrichtige Unt,erstuetzung und eine enge Zusammenarbeit mit den Arbeitern in den demokratischen Laendern der Welt
gerichtet sind, gehoeren zu der neuen Auffassung der amerikanischen Regierung uebe.r eine wirkliche Diplomatie. Unter diesen
Begriff fallen .heute die Beziehungen zwischen der eigenen Bevoelkerung und den Menschen anderer Laender zwischen den eigenen
Organisationen und Einrichtungen mit aehnlichen im Ausland.
Diese Auffassung ist von der Diplomatie der Vergangenheit so verschieden wie die Atombombe von der wirksamsten Waffe, die man
im Jahre 1941 gekannt hat."
"Die Aussenpolitik der Vereinigten Staaten," bemerkte abschliessend Kaiser, "ist eine Politik der gegenseitigen Unterstuetzung, die sich auf gemeinsame Interessen gruendet. Es ist
der einzige Weg zur Sicherung der gemeinsamen Freiheit und zur
Errichtung eines dauerhaften Friedens in Freiheit."
Labor Press Service
VI/11/51
WESTEUROPA NACH DREI MARSHALLPLAN-JAHREN
Fuer das gestaerkte Westeuropa beginnt das vierte Jahr des
Marshall-Plans. Durch die Erweiterung der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion und die Wiederbelebung des Handels
sind Erfolge erzielt worden, die eine starke Grundlage fuer den
Aufbau eines widerstandsfaehigen westlichen Verteidierungssystens
bilden.
Berichte an den Sonderbotschafter der Vereinigten Staaten
in Europa, Milton Katz, von den Missionen der verschiedenen europaeischen Laender zeigen nach dem dreijaehrigen Bestehen des
Marshall-Plans eine allgemeine Wiederherstellung der wirtschaftlichen Staerke, eine Ausdehnung der Grundstoff- und strategischen
Industrie und eine Abnahme des kommunistischen Einflusses. Diese
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�Faktoren haben .33 den am europaeischun .Viederaufbauprorramm
beteiligten Leond*rn sraoerlicht, mit Zuversicht an den Aufbau
eines vereinten Verteidigungssystems zu gehen, dar zugleich
fr.^on jegliche Bedrohung von aussen einen wirksamen Sshutz
sribt.
Einer der groessten Fortschritte im Marshall-Plan-Brogratara
ist das üb kämmen,, wonach die direkte I.tershall-Plari-Unterstu.itzung
fu;r Gross-Britannien ab 1. Januar 19öl eingestellt wird, weil
in» diesem Land die gestockten ERP-Ziele erreicht worden sind.
Englands wirtschaftliche Staerke, die mit der i'arshall-PlanHilfe wieder hergestellt wurde, wird es diesem Land ermoeglichan,
ein umfassendes Verteidigungs Programm zu starten. Die Rohstoffe,
die im Rahmen dieses Programms nach England exportiert werden,
bilden die Grundpfeiler seiner Industrie.
Auch die wirtschaftliche Staerke Norwegens hat in den
letzten drei Jahren staendig zugenommen. Diese t'ation befindet
sich jetzt in einem ausgezeichneten Zustand politischer Gesundheit und demokratischer Einheit. Die Norweger sind fest entschlossen, ihr Land gegen eine kommunistische Aggression zu
verteidigen. Obwohl Korwegen eine Bevoelkerungsziffer von nur
wenig mehr als drei Millionen hat, ist eine Handelsflotte aufgebaut worden, die die drittgroesste der '.Veit ist; die Zahl der
Schiffe ni mt staendig. zu. Das Land hat seine Aufwendungen
fuer Verteidigungszwecke verdoppelt, seine Streitkraefte um
etwa 30 Prozent erhoeht und rund 33 Prozent der Erwerbsbevoelkerung fuer die Ruestungsindustrie freigemacht. Die Staerke der
kommunistischen Partei ist im Verlauf des Jahres 1949 dermassen
zurueckgegangen, dass die Kommunisten auch noch die elf Mandate
verloren, die sie im norwegischen Parlament, das 150 Mitglieder
zaehlt, innehatten.
Frankreichs beachtliche wirtschaftliche Rehabilitierung,
die durch den r.'arshall-Plan gefoerdert wurde, hat ein Industriepotential geschaffen, das es dem Land ermoeglicht, seinen vollen Beitrag zur Verteidipung Westeuropas zu leisten. I.'it seinen
Grundstoffindustrien, die alle Zeichen der Lelensfaehigkeit tragen, ist Frankreich fest entschlossen, seine Verpflichtungen,
die ihm der Nor.datlantikpakt auferlegt, zu erfuellen. T'an rechnet mit Bestimmtheit auf eine Erweiterung der Produktion, die
von Massnahmen zur Kontrolle der Inflation und zur gerechten
Verteilung knapner Rohstoffe begleitet ist, um sowohl die nationale Verteidigung als auch eine Verbesserung des Lebensstandards
des franzoesischen Volkes garantieren zu koennen.
In Italien war das vergangene Jahr das beste der drei
J'arshall-Plan-Jahre, in dem sowohl an der wirtschaftlichen als
auch an der sozialen Front sichtbare Fortschritte erzielt werden konnten, ^ine der wichtigsten Ursachen fuer die zunehmende
wirtschaftliche und politische Staerke Italiens war die immer
groesser werdende Unsicherheit in der Laltung des Kreml gegenueber seinen kommunistischen Marionetten in Italien und die
entschlossene Haltung, mit der die italiniesche Regierung Vortraege und Verpflichtungen mit dem Westen eigegangen ist. Sie ist
am V/iederaufi'uestungsprogramm und den Bestrebungen zur europaeischen Vereinigung beteiligt. Auf internationalem Gebiet war
Italien eines der Laender, das am tatkraeftigsten zur Zusammenarbeit beitrug.. Es war die erste Kation, die offiziell den
Schumanolan gebilligt hat. Als General Sisenhöwer nach Kaennern
fuer die Verteidigung Westeuropas fragte, antwortete Italien als
eines der ersten Laender mit dem Versprechen, drei Divisionen
zu stellen.
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�Weil sich die Sowjetunion einem Friedensvertrag mit
Oesterreich widersetzt, war dieses L^nd nicht in der Lape, im
gemeinsamen Sicherheitsprogramm'Westeuropas bisher eine Rolle
zu spielen. Es hat sich jedoch glaenzend bewaehrt, indem es
den sowjetischen Satelliten gezeigt hat, wie eine kleine Nation von 6 1/2 Millionen Menschen der kommunistischen Gefahr
mit Zuversicht widerstehen kann, eine Zuversicht,- die ihm durch
die dreijaehrige amerikanische Hilfe zur Erhaltung der Demokratie und einer lebensfaehigen Wirtschaft gegeben wurde. Obwohl es von drei Seiten von kommunistischen Nationen umgeben
ist, sind weniger als fuenf Prozent aller wahlberechtigten
Oesterreicher Kommunisten.
Trotz der Schwierigkeiten, der eine Stadt gegenuebersteht, die durch den Eisernen Vorhang von ihrem Hinterland
abgeschnitten ist, hat Triest in den drei Marshall-Plan-Jahren
grosse Fortschritte auf dem Weg zum Wiederaufbau erzielt. Durch
den Bau von Handelsschiffen und als wichtigster Hafen fuer die
oesterreichischen Importe, die sich zum grossen Teil aus Marshall-Plan- V/aren zusammensetzen, traegt sie zur wirtschaftlichen Staerkung 'Westeuropas bei.
Daenemark, das keine anderen Reichtuemer als seinen eigenen Grund und Boden und die Tuechtigkeit seiner 4 1/4 Millionen Menschen besitzt, hat in der Nachkriegszeit einen Hoechststand an nationalem Wohlstand erreicht. Am Zugang zur Ostsee gelegen ist Daenemark eines der strategisch wichtigsten
Laender Europas. Trotz seiner.langen traditionellen Keutralitaet hat es sich der Gemeinschaft der ^tlantikpakt-Staaten
angeschlossen. Seine Ausgaben fuer militaerische Zwecke werden
im Haushaltsjahr 1951/52 ein Viertel des Gesamtbudgets Daenemarks ausmachen. Die militaerischen Streitkraefte sollen wesentlich ver^roessert werden. Das ECA-Programm hat mitgeholfen, durch die Unterstuetzung beim wirtschaftlichen Wiederaufbau den Grundstein fuer Daenemarks Verteidigungssystem und
eine stabile Wirtschaft zu legen. Ein kommunistischer Einfluss
besteht praktisch ueberhaupt nicht. Die fuer die Kommunisten
abgegebenen Stimmen sind von 141.094 im Jahre 1947 auf 94.523
im Jahre 1950 zurueckgegangen, die Mitgliedsstaerke der kommunistischen Partei wird z.Zt. auf 22.500 geschaetzt, was eine
Abnahme um 63 Prozent seit 1946 bedeutet.
Schweden hat angesichts des Ost-West-Kampfes seine traditionelle Neutralitaet gewahrt. Seine Staerke traegt jedoch
zur Staerke der westlichen Welt bei. Schwedische Kredite und
schwedische Erzeugnisse sind im Rahmen der gemeinsamen Selbsthilfebemuehungen Westeuropas anderen N.arshall-Plan-La endern
zugeflossen. Seine ausgedehnten Reserven an Bauholz tragen
dazu bei, einen der kritischsten Maengel in Westeuropa zu beheben.
Das kleine Island hilft mit, die lebenswichtigen Zugaenge
zum Nordatlantik zu bewachen. In drei Jahren der I.IarshallPlan-Hilfe konnte Island seine Fischereiindustrie modernisieren, die die Grundlage der islaendisc/ien Wirtschaft bildet;
ebenso konnte es sein Wirtschaftssystem durch den Bau von
Wasserkraftwerken vervollstaendigen, die es ihm ermoeglichen,
seine wichtige Aufgabe in der westlichen Verteidigung zu erfuellen.
Auch Westdeutschland, das von den Vereinigten Staaten weitgehend unterstuetzt wird, ist bereit, die Bemuehungen der westlichen Welt zur Erhaltung des Friedens und der Freiheit zu unter- 12 -

�stuetzen. Die industrielle Produktion im April 1948 betrug nur
die Haelfte der Produktion von 1936. In den drei darauffolgenden Jahren ist die Industrieproduktion Westdeutschlands jedoch
auf ueber 125 Prozent des Wertes von 1936 gestiegen. Das Beispiel des Sklavenstaates Ostdeutschland macht es den Westdeutschen klar, was in diesem heutigen Kampf fuer sie auf dem
Spiel steht.
Mit der Verbesserung der Wirtschaftslage in Belgien konnte dieses Land durch die Erweiterung seiner Kredite fuer seine
westeuropaeischen ^achbarn zur staendigeri Staerkung Europas
beitragen. Dies geschieht auf dem Weg ueber die Europaeische
Zahlungsunion, die eine Errungenschaft des europaeischen Wiederaufbauprogramms darstellt. Die Marshall-Plan-Eilfe hat es
Belgien ausserdem ermoeglicht, sein Investierungsprogramm fuer
die Ruestung zu beschleunigen, seine Produktion zu steigern
und der Arbeitslosigkeit wirksam zu begegnen. Belgien hat
sein Ruestungsbudget um 75 Prozent erweitert. Die erhoehte
Produktion strategisch wichtiger Rohstoffe in Belgisch-Kongo
ist ein weiterer Beitrag Belgiens zu den Verteidigungsbemuehun?en.
Auch in Holland ist der wirtschaftliche Wiederaufbau weit
vorangetrieben worden. Aber wie fuer viele andere europaeische
Laender, in denen Mangel an Materialien herrscht, haben sich
auch fuer Kolland auf Grund der Preissteigerungen Schwierigkeiten ergeben. Trotzdem verdoppeln die Hollaender ihr Budget
fuer die Verteidigung, um ihren Verpflichtungen im Rahmen des
Atlantikpaktss nachzukommen. In Holland werden Waffen fuer
die Verteidigung der freien Welt, wie z.B. Jagdflugzeuge und.
Glyzerin fuer Sprengstoffe hergestellt. Der Kommunismus stellt
in Holland nur ein unbedeutendes Problem dar, weil die Zuversicht des hollaendischen Volkes durch die Gewissheit gestaerkt
wird, dass eine Aggression aufgehalten werden kann»
Portugal berichtet, dass seine wirtschaftliche Lage weit
guenstiger als zu jener Zelt ist, in der der Marshall-Plan
noch nicht bestand. Geine neuen Verpflichtungen, die ihn der
Mordatlantikpakt auferlegt, koennen ein^enalten werden. Portugals strategische Bedeutung fuer die Verteidigung des Westens
besteht in den Azoren, seinem grossen Hafen Lissabon und den
Kaefen in seinen Kolonien an den Ost- und Westkuesten Afrikas.
Was strategisch wichtige Rohstoffe betrifft, so macht sich
Portugal durch die Lieferung kleiner Mengen von Beryllium
nuetzlich. uin Produktionskredit ist von der 3CA fuer den
Abbau von Wolfranerzen zur Verfuegung gestellt worden. Er
wird durch Wolframlieferungen zurueckgezahlt, das das Ausgangsprodukt fuer das strategisch wichtige Tungsten ist.
Griechenland, dessen Unabhaengigkeit durch kommunistische
Kinfluesse von aussen und durch den Guerillakrieg der Kommunisten bedroht war, konnte in den letzten Jahren grosse wirtschaftliche £,rfolfi erzielen. Industrie, Vermittluncswesen,
Transport, Handel und Landwirtschaft sind nach neun Priegund Besatzungsjähren wiederaufgerichtet worden. Griechenland
traer-t nun durch strategisch wichtige Materialien zur Verteidigung Westeuropas bei. Grosss Vorraete an Braunkohle und Eisenerzen - zweitausend Jahre alte Blei- und Zinkbergwerke werden neu erschlossen - helfen mit, den Vorrat -ier westeuropaeischen Nationen an strategisch wichtigen Metallen zu vergroessern.
An der oestlichsten Grenze des Wirkungsbereichs des Europaeischen Wieäeraufbaupropramms war es das Hauptziel des Mar- 13 -

�shall-Plans, es der Tuerkei, die dem russischen Imperialismus
lange Zeit sehr nahe stand, zu ernoeglichen, ihr umfassendes
Verteidigungsprogramm durchzufuehren, ohne dabei die zivile
'/Wirtschaft zu schaedigen. Fast 40% des Budgets der Tuerkei
sind fuer Verteidirungszwecke bestimmt. Der Beitrag dieses
Landes ist damit im Vergleich zu seiner Groesse einer der
groessten. Hier ist keine Werbekampagne erforderlich, um die
Morel des tuerkischen Volkes zu staerken. Die Tuerkei ist
bereit und entschlossen, den Kommunismus zu bekaempfen. Der
Kampfgeist tuerkischer Soldaten hat auf den Schlachtfeldern
in Korea seine Probe bestanden. In den letzten Monaten sind
Karshall-Plan-Mittel zur Verbesserung des Strassensystems, zur
Finanzierung der Modernisierung und Erweiterung der Kohlenbergwerke, fuer Kredite an die Landwirtschaft und zur Foerderung
eines umfassenden Prograiims der industriellen Entwicklung verwendet worden.
ECA Labor Information
17/51
AFRIKANISCHER EXPERTE AEUS5ERT SICH ZU PRODUKT IV ITAETSPROBLEM-aK
Einer der bedeutsamsten Faktoren bei der Steigerung der
amerikanischen Produktionsleistung ist die kooperative Haltung
der organisierten Gewerkschaftsbewegung.
Diese Auffassung brachte James LI. Silberman, ein Produktivitaetsexperte im amerikanischen Arbeitsministerium, vor.der
5. Internationalen Konferenz fuer soziale Probleme der Arbeiter
zum Ausdruck, die im Juni in der Abtei Royaumont in der Taehe
von Paris abgehalten wurde.
Zu dieser Konferenz finden sich alljaehrlich Gewerkschaftsfunktionaere, Volkswirtschafter, Industrielle, Professoren, Regierungsvertreter und technische Experten aus den Vereinigten
Staaten und Europa ein. Koeglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Gewerkschaften, die zu einer
Steigerung der Produktionsleistung und einer schnellstmoeglichen Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter fuehren koennen, werden hier ausfuehrlich in Erw&amp;egung gezogen.
Silberman erklaerte ganz offen, dass die amerikanischen
Gewerkschaften eine hoehere Produktionsleistung nicht nur um
ihrer selbst willen, sondern auch als eines Mittels" befuerworten, das die Srhoehung des Lebensstandards des Volkes ermoeglicht. Der amerikanische Gewerkschaftsbund AFL hat nachweislich seit 1896 eine hoehere Produktionsleistung in der Industrie bef uerwortet.
Die Sprecher des amerikanischen Arbeitsministeriums nannten sechs Faktoren, die in der historischen Entwicklung des
Produktivitaetsproblems in Amerika eine wesentliche Rolle gespielt haben:
1.

Die bedeutende Rolle des Einzelmenschen in der amerikanischen Gesellschaftsordnung seit der Zeit der kolonialen Periode;

2.

Die Foerderung der industriellen Forschung;

3.

Die Notwendigkeit eines Massenabsatzmarktes von der
fruehesten Zeit an;
- 14 -

�4.

Das Vorhandensein von Kapital;

5.

Die fruehe Erkenntnis von der Bedeutung einer guten
Geschaeftsfuehrung und guter Fachkenntnisse;

6.

Die Bedeutung der Gruppenforschung.

Silberman ist der Auffassung, da3S alle diese Faktoren
auf dem Prinzip der Freiheit des Einzelmenschen beruhen. Aus
dieser Freiheit ergibt sich die Anerkennung der Menschenwuerde,
der persoenlichen Sicherheit und der persoenlichen Verantwortung. In einer Gemeinschaft freier Menschen wuerden andere
Entwicklungen eine natuerliche Folgeerscheinung darstellen,
wenn sie nicht durch aussenstehende Kraefte behindert wuerden.
"Ich meine damit, dass freie Menschen versuchen werden,
ihre Lebensbedingungen zu verbessern und dass sie damit Erfolg
haben werden, wenn man sie nicht mit Gewalt daran hindert.
Eines „dieser Mittel, die zum Erfolg fuehren, ist die Verbesserung der Produktionsleistung. Die iVahrheit dieser Behauptung
ist im Verlauf der letzten 150 Jahre durch die Entwicklung in
den Vereinigten Staaten praktisch bewiesen worden."
Der Sprecher hob besonders hervor, dass dieser Erfolg in
den Vereinigten Staaten fast ausschliesslich von Maennern und
Frauen europaeischer Herkunft, mit anderen Worten von Emigranten erzielt worden sei.
Silberman nahm zu jedem dieser sechs Punkte Stellung und
zeigte auf, in welcher Weise sie'die Steigerung der amerikanischen Produktivitaet beeinflusst haben.
Er betonte besonders den Gedanken des Massenabsatzmarktes, d.h. das Bestreben amerikanischer Geschaeftsleute, zu
niedrigen Preisen an alle und nicht zu hohen Preisen an nur
wenige zu verkaufen. Diese Richtlinie ist in der Entwicklung
der genormten, auf weite Sicnt geplanten Produktion hoechst
bedeutsam gewesen.
"Dieses System,"so schloss Silberman, "hat fuer die amerikanischen Arbeiter einen hohen Lebensstandard zur Folge gehabt, weil es ihnen durch ihre Beteiligung an den aus der
hoeheren Produktionsleistung entstehenden Gewinnen moeglich
ist, jene Waren zu kaufen, die sie selbst herstellen."
Abschliessend wies der Sprecher darauf hin, dass-wir
bei der Arbeit zur Verbesserung der Produktionsleistung unsere
ureigenste Aufgabe, naemlich die Verwirklichung des menschlichen Fortschritts, in hohem Masse erfuellen»
EGA Labor Information
VI/8/51
JAHRESKONFERENZ DER IAO OHNE RUSSLAND
Die Sowjetunion weigert sich,
organisation beizutreten, die ihre
in Genf eroeffnet hat. Sowohl 6er
andere Mite-liedsorganisationen- des
chungen teil.

der Internationalen ArbeitsJahreskonferenz am 6. Juni
HFL und die CIO als auch
IBFG nehmen an den Bespre-

- 15 -

�George Meany, der Bauptkassierer der AFL, wies darauf hin,
dass die Internationale Arbeitsorganisation bestehen blieb,
waehrend ihre Elternorganisation, der Voelkerbund, nicht mehr
bestuende. Als Gruende hierfuer nannte er folgende:
"Die Internationale Arbeitsorganisation verfolgt ein gu•tes Ziel, ein menschliches Ziel und kuemmerte sich nicht um
Gebietswerbungen, um die !'achtkaempfe zwischen einzelnen Laendern oder imperialistische Ambitionen. Die Internationale Arbeitsorganisation blieb bestehen, weil sie sich mit der einfachen Philosophie der Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter der Welt beschaefti-gte, der Verkuerzung ihrer Arbeitszeit,
der Vergroesserung ihres Einkommens und der Reform ihrer Arbeitsbedingungen. Beute ist die Internationale Arbeitsorganisation einflussreicher als je zuvor."
Inzwischen hat die IAO, gerade als ob sie diese Worte
Meanys bestaetigen wollte, eine Veroeffentlichung herausgegeben, in der gezeigt wird, dass die Mitarbeit der Arbeitnehmer
bei der Einfuehrung von Leistungs- und Praemienloehnen zur
Steigerung der Produktion von entscheidender Bedeutung ist.
Der Bericht, der von einem Expertengremium ausgearbeitet ist,
bringt zum Ausdruck, dass ein allgemeiner Wohlstand nur dann
erreicht werden kann, wenn Leistungslohnsysteme in einer Atmosphaere guter Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern angewendet werden. Die Gruppe schlaegt vor, derartige Systeme soweit wie moeglich zum Gegenstand von Tarifverhandlungen zu machen.
In dem Bericht der IAO wird darauf hingewiesen, dass es
oft zu Streitigkeiten und Unzufriedenheiten unter den Arbeitern
gekommen ist, wenn Leistungslohnsysteme allein zu dem Zweck
eingefuehrt wurden, die Gestehungskosten .zu reduzieren, und
wenn diese Lohnsysteme ohne Zustimmung der /Arbeiter abgeschlossen
wurden. Derartige Systeme sind in allen von Stalin kontrollierten Gebieten gesetzlich angeordnet. Die IAO kommt zu der
Schlussfolgerung, dass jedes Leisturgslohnsystem eine endgueltiece Srhoehunp des Durchschnittseinkommens der betreffenden Arbeiter zur Folge haben muss, andernfalls waere es auch fuer die
Arbeitgeber unbefriedigend und wuerde von den Arbeitern abgelohnt.
Der Vertreter der AFL auf der Konferenz in Genf Ist der
Regional Organisator William Gollins, waehrend Jacob Po'tofsky,
der Vorsitzende der Bekleidungsarbeiter-Gewerkschaft, den CIO
vertritt.
Protfrara Services Section
71/6/51

- IG -

BICOC 2B Jun 51 18)28 5 M 5i C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNCEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dien- n
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
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^^^^^

IV - . 2 6

Frankfurt,

I K H A L T S V O

K a r l I.'arx und umerika

n i

2 9 . J u n i 1951

CHK I Ü

- - - - - - - - - - - -

1

Verschiebungen der liinkommenverteilung i n den
U.3.A.

9

Schiedssprechung und Schlichtung in Sowjetrussland - - - - - - - - - - - - - - - - -

9

Das betriebstechnische iiufgabengebiet der USGewerkschaften - - - - - - - - - - - - - -

li

Unzufriedene tschechische Arbeiter muessen fuer
Russlands Kriegsmaschinerie arbeiten - - - 15
IBFG erhaelt Hilfsmittel fuer unterentwickelte
Laender - - - - - - - - - - - - - - - - - -

KÜRL

16

VARX UTD AFRIKA

V/as den auslaendischen Beobachter in ^merika am meisten
in Erstaunen versetzt, ist die staendige irhoehung des Lebensstandards der lassen. In den Vereinigten Staaten leben jedoch
nicht alle Menschen gleicheren* ssen gut. Nicht alle sind vor
Arbeitslosigkeit, Absatzschwierigkeiten und den anderen Folgeerscheinungen wirtschaftlicher Depressionen geschuetzt. Trotzdem ist im Gegensatz zu den Prophezeiungen Karl !.:arx* die ununterbrochene ^rhoehung des Lebensstandards ein allgemeiner
und ist seit 50 Jahren immer staerker von wirtschaftlicher und
sozialer Sicherheit fuer jeden begleitet.
Georges-Henri !.'artin, der Korrespondent der franzoesischeh
Zeitung "Franoe-Soir" in Neu York ist wie viele andere von dieser Tatsache hoechst beeindruckt, ^r hat sich darueber mit
ndolf Serie unterhalten, einem Amerikaner, der in diesen Fragen
- 1-

�sehr genau Bescheid weiss. Adolf Berle hat seine akademische
Laufbahn aufgegeben, um einer der vertrauten Berater Roosevelts zu werden. Mehrere Jahre hindurch hat er jener kleinen
Gruppe von Maennerh angehoert, die man den "Gehirntrust" des
Nev/Deal nennt. Nachdem er die Finanzen der Stadt New York
einige Zeit verwaltet hat, ist er Unterstaatssekretaer fuer
auswaertige Angelegenheiten und spaeterhin Gesandter fuer Brasilien geworden. Augenblicklich fuehrt er eine bedeutende
Rechtsanwaltpraxis, zu deren Kunden sowohl kapitalistische Unternehmer als auch Gewerkschaften gehoeren. ".Vir geben nachstehend den Standpunkt Adolf Berles wieder, wie er ihn vor dem
franzoesischen «Journalisten dargelegt hat:
Georges-Henri Martin: Amerika ist das Land der Statistik.
Seitdem ich hier hin, studiere ich fortwaehrend die unzaehligen Diagramme und Skalenschwankungen, mit denen man in jedem
Augenblick den Zustand dieses jungen Riesen, der sich in staendigem Wachstum befindet, uebersehen kann.
Diese Statistiken stroemen ein Klima des Optimismus aus,
das ausserordentlich beachtlich ist. Wenn man den Fachleuten
Glauben schenken kann, leben die Menschen hier von Jahr zu
Jahr besser und bequemer und arbeiten dabei weniger.
_ Wenn aber diese Statistiken richtig sind, so haette Karl
Marx unrecht und mit ihm alle Marxisten.
Haben sich Karl Marx und die Marxisten nun in ihren Voraussagen getaeuscht? Und wenn ja, warum? Doch um eine Frage
vorwegzunehmen, wie ist Karl Marx und seine Lehre mit Amerika
in Zusammenhang zu bringen?
Adolf Berle: Waehrend eines Teils des 19. Jahrhunderts sind
die Vereinigten Staaten mehr als jedes andere Land von Karl
Marx und seiner Lehre beeinflusst gewesen. Marx ist in London
Korrespondent jener Zeitung geworden, die als "New York Kerald
Tribüne" in der ganzen Welt bekannt ist. Er hat sich durch
diese Berichterstattung seinen Lebensunterhalt verdient, und
damit ist ihm auch eine Tuer nach Amerika geoeffnet worden,
durch die er die Ideenwelt dieses Landes beeinflusst hat. Die
Zeit hierfuer ist umso guenstiger gewesen, als Marx in einer
Epoche gelebt hat, in der sich zahllose Maenner nach Amerika
begaben, weil sie wegen ihrer linksgerichteten politischen Einstellung von den damaligen konservativen Regierungen Europas
vertrieben sind.
Martin: Hat man damals diese Ideen Karl Marx' fuer Amerika
anwendbar gehalten?
Berle: Denken Sie daran, dass Marx seine Lehre auf Beobachtungen in England gestuetzt hat. Sein Lehrsatz besagt letzten
Endes, dass es nicht genug Waren gibt, um die Beduerfnisse
aller Menschen befriedigen zu koennen, und dass es in einem
kapitalistischen Regime niemals moeglich sein wird, alle
Klassen der Bevoelkerung zufriedenzustellen, weil die kapitalistischen Unternehmen ein Interesse daran haben, die Produktion zu beschraenken - ich betone zu beschraenken - um sich
groessere Gewinne zu sichern.
Martin: Sie wollen damit doch nicht etwa sagen, dass Amerika
kein Land der grossen Gewinne ist?
- 2 -

�Berle: Natuerliofa nicht. '.Vir sind hier noch immer ein Land
der hohen Gewinne, aber das ist nicht der Punkt, der uns im
wesentlichen von den Marxisten trennt. Der Schluessel des Problems liegt ganz wo anders.
In Erkenntnis der Moeglichkeiten, die die wirtschaftliche
Ausdehnung de^ Landes geboten hat, hat sich in amerika eine
oeffentliche Meinung gefomt, die auf dem Cxrundsatz fusst:
7/enn wir mehr 7/aren benoetigen, um den'Bedarf aller Menschen^
zu decken, warum sollen wir nicht soviel produzieren, dass wir
alle Menschen zufriedenstellen koennen?
Martin: Ganz offen gesagt, ist dies der Lehrsatz eines Volkswirtschafters oder eine konkrete '.Wirklichkeit?
Berle: Verstehen Sie mich recht, wir haben nicht versucht,
die L'illionaere zu beseitigen. Diese sind füer niemand ein
Hindernis, solange man den anderen Menschen das sichern kann,
was sie brauchen, und darueber hinaus die Begueterten zur allgemeinen Wohlfahrt beitragen.
Martin: All dies erklaert uns jedoch nicht, weshalb die Voraussagen Karl Marx' in Amerika sich nicht realisiert haben.
Berle:
zwe i.
Martin:

Es gibt hierauf nicht eine Antwort, sondern mindestens
BQginnen wir mit der ersteren.
•

Berle: Marx konnte nicht den erbitterten Kampf voraussehen,
der sich in unserem Land zwischen jenen abspielte, die die Produktion ins Unendliche steigern und jenen, die diese Produktion
beschraenken wollen, um die Vorteile ihrer Situation nicht zu
verlieren, in deren Genuss sie bereits gekommen sind. Was Marx
vor allem jedoch nicht wissen konnte, ist die Tatsache, dass
die Befuerworter der unbegrenten Steigerung der Produktion
letzten ^ndes einen entscheidenden Sieg davongetragen haben.
Martin:

V/ie ist dies moeglich gewesen?

Berle: Durch den Triumph jener Tendenzen, die durch fortschrittliche Gruppen,in Suropa linksgerichtete genannt,
vertreten 'worden sind. Zuerst ist ein heftig-r Kampf gegen die
'.'onopole und Kartelle entbrannt. Sie haben ein Interesse daran
gehabt, die Produktion zu beschraenken und nach eigenem Gutduenken die Absatzmaerkte aufzuteilen, um die hohen Preise stabil
zu halten. Heute fordern die bundesstaatlichen Gesetze Amerikas
und die volkstuemlichen politischen Kraefte, dass der Staat
jeden Industriellen bestraft, der versucht, durch ein .abkommen
mit anderen Industriellen kuenstlich hohe Preise aufrecht zu
halten, indem die Produktion beschraenkt wird. Es handelt sich
hierbei um unsere sogenannten anti-Trust-Gesetze.
Martin: Sie haben vorhin nicht nur von einer Tendenz, sondern
von mehreren Tendenzen fortschrittlicher Gruppen gesprochen.
Berle: Es hat sich tatsaechlich noch ein ander-.r Kampf abgespielt und zwar der der hoeheren Produktionsleistung. Ein
fuerchterlicher Druck, der von der Oeffentlichkeit ausgeuebt
und durch die Verhaeltnisse noch verstaerkt worden ist, hat
die Verbesserung der Produktionsleistung die man bei uns Produktivitaet nennt, vorwaertsgetrieben. Produktivitaet bedeutet

�den Einsatz aller nur moeglichen Energiequellen auf breitester
Basis. Heute produziert der amerikanische Arbeiter in Durchschnitt viermal so viel wie sein euronaeischer Kollege. Ein
amerikanischer Arbeiter, der frueher eine Webmaschine bediente,
bedient heute allein 36. Es ist Aufgabe des Industriellen, zu
oroduzieren. Wenn er versucht, die Produktion zu beschraenken,
kann man ihn, wie ich schon sagte, sogar mit Gefaengnis bestrafen. Die Furcht ist oft ein Beginn zur einsieht, und es ist
verhaeltnissmaessig selten, dass man zu solchen Massnahmen zurueckgreifen muss. Dies ist jedoch sicher eine Tatsache, die
Marx weder vorausgesehen noch selbst in Erwaegüng gezogen hat,
als er uns prophezeit hat, dass der kapitalistische Unternehmer
immer eine Ausdehung der Produktion verhindern wird, um auf
kuenstliche Weise einen Mangel an bestimmten Waren zu schaffen.
Unser System sichert den Bestand des Privatunternehmens, wobei
der Privatunternehmer jedoch eine Rolle spielt, die genau festgelegt ist und die ihn praktisch zum Techniker der Produktionserweiterung werden laesst.
Martin: Dies ist also die Erklaerung fuer den ersten Irrtum
Karl Marx'. Wuerden Sie jetzt Ihre Meinung dazu aeussern, was
Sie soeben den zweiten Irrtum nannten, dem Karl Marx zum Opfer
fiel?
Berle: 7/enn der Kampf um ein Maximum der Produktion und zwar
ein staendis steigendes Maximum gewonnen ist, muss noch der
Kampf um die Verteilung ausgetragen werden. Er hat 50 Jahre
gedauert, und, wenn ich so sagen darf, hat er sich an zwei
Fronten abgespielt. Er ist von fuehrenden forts.chrittlichen
Leuten gegen ihre konservativen Kollegen gefuehrt worden.
Eines schoenen Tages hat Henry Ford erklaert, er koenne so
viele Automobile verkaufen, wie er wolle, wenn er nur pro Wagen einen Dollar verdient. Es ist eine grosse Sensation geworden. Seine Konkurrenten haben versucht, uebrigens ohne Erfolg,
ihn daran zu hindern. Sein Beisoiel ist damals nach und nach
von allen grossen Industrien nachgeahmt worden. Die einzige,
die sich bis zum Schluss widersetzt hat, ist die der elektrischen Energie. Ihr Widerstand ist endgueltig durch Roosevelt
gebrochen worden, .iaehrend also die einen nach einer Steigerung
der Produktion gedraengt haben, haben andere nach niedrigeren
Preisen gestrebt, .aber all dies waere vielleicht wirkungslos geblieben, wenn den ersten Reformen nicht die Roos.evelt'sehe
Revolution gefolgt waere.
Martin:
beitet.

Sie haben eng mit Praesident Roosevelt zusammengearWas verstehen Sie unter seiner Revolution?

Berle; Es handelt sich hierbei um grundlegende Revolutionen
im Kreditsystem, und wir beruehren damit die wesentlichste Ursache des marxistischen Irrtums. Zu der Zeit, als Karl Marx
sein Buch "Das Kapital" geschreiben hat, ist das Kreditwesen
fast voellig unbekannt gewesen. Es hat keine zentralen Banken
sregeben, oder, wenn solche bereits bestanden haben, sind sie
noch im allerersten Anfangsstadium gewesen. Da es Marx nicht
moeglich gewesen ist, die Form des staatlichen Kredits vorauszusehen, hat er a.uch nicht die Sozialisierung des Kredits ahnen
koennen, wie wir sie heute in den Vereinigten Staaten kennen.
Martin: Was verstehen Sie eigentlich unter der Sozialisierung
des Kredits? Und gibt es hierfuer spezielle Formen in Amerika?
Berle: Sie sind erstaunt hierueber, und es ist trotzdem richtig. Marx hat letzten Endes die Sozialisierung der Produktions- 4 -

�mittel vorgeschlagen. V.rir haben die Sache von einer anderen
Seite angepackt. Was Roosevelt zustandegebracht hat, ist zum
groessten Teil gleichbedeutend mit einer Sozialisierung des
Kredits. Der amerikanische Staat schaltet sich in das wirtschaftliche Leben ein, indem die Regierung dem Einzelverbraucher genuegende Kredite zur Verfuegung stellt.
Martin;

In welcher Form ist dies jedoch geschehen?

Berle: Es gibt dafuer zahlreiche Beispiele. Nehmen wir einmal die Nachfrage nach Wohnungen zu niedrigen Preisen. Sie
werden sich erinnern, dass im Jahre 1946 zehn Millionen Soldaten entlassen worden sind. Das Problem der Stunde hat gelautet, ihnen arbeit und ein Dach ueber dem Kopf zu geben - fuer
sie und ihre Familien. Die Regierung hat ihnen fast unbeschraenkte Kredite eroeffnet, damit sie sich eigene Haeuser
kaufen koennen. Was man dem amerikanischen Verbraucher sagen
will, ist im wesentlichen folgendes: "Kauf Dir ein Haus,
das Dir gefaellt, und der Staat wird Dir das Geld vorschiessen.
damit Du es bezahlen kannst."
Martin: Aber es gibt doch genuegend Wohnhaeuser, die zum Ver*kauf angeboten sind und billige Wohnungen? Wenn das der Fall
ist, wozu dienen dann die grosszuegigen Kredite, die vom Staat
angeboten werden?
Berle: Man hat das Notwendige getan. Der Staat hat den Unternehmern ohne Umschweife erklaert: "Es muss gebaut werden."1
Diese haben zur Antwort gegeben, dass sie nicht die hierfuer
erforderlichen Finanzen zur Verfuegung haben. "Gleichgueltig,"
hat die Regierung erwidert. "Borgt Geld bei den Banken, und
der Staat wird die Buergschaft fuer alle Kredite uebernehmen.
Wesentlich ist, dass jeder seine Wohnung hat." Karl Marx hat
in seiner Theorie Haeuser direkt vom Staat bauen lassen und
zum Arbeiter gesagt: "Hier hast Du kostenlos ein Haus." Das
amerikanische System sagt zum Arbeiter: "Hier hast Du Geld,
kauf Dir ein Haus, das Dir gefaellt. Arbeite dann, um es in
aeusserst kleinen Raten - im Laufe von 30 Jahren etwa - abzuzahlen. Sicher steht auf jeden Fall fest, dass man Dich niemals aus dem Haus heraussetzen kann." Die Regierung stellt
dem-amerikanischen Arbeiter ihren Kredit zur Verfuegung, indem
sie ihm erklaert: "Wir vertrauen Dir." Die europaeischen Marxisten versuchen, diesen oder jenen besonderen Zweig der Produktion zu sozialisieren. Wir werden zweifellos viel weiter
kommen, wenn wir ganz allgemein den Kredit sozialisieren. Der
Vorteil unseres Systems, das weit elastischer als das marxistische Prinzip ist, besteht darin, dass der einzelne sich selbst
das Haus aussuchen kann, das ihm gefaellt, waehrend nach marxistischer Auffassung der Arbeiter gern oder ungern das Haus
uebernehmen muss, das der Staat fuer ihn gebaut und ihm mehr
oder minder zwangsweise zugeteilt hat.
Martin: Gibt es eine sehnliche Krediteinrichtung fuer die
Stahlproduktion?
Stahl gehoert doch zu jenen Rohstoffen, aus
denen Verbrauchsgueter gefertigt werden.
Berle: Aber natuerlich. Die Regierung ist der Auffassung,
dass die Stahlproduktion mit jedem Jahr erhoeht werden muss,
um erstens den Lebensstandard zu erhoehen, ganz besonders heute
jedoch aus Gruenden der nationalen Verteidigung, A U S diesem
Grunde wendet sich der Staat auch an die Unternehmer und verlangt von ihnen eine Erweiterung der Stahlindustrie. Die Ant- 5

�wort der Industriellen heisst im allgemeinen: Wir haben hierzu
keine finanziellen Mittel. Die Regierung uebernimmt wiederum
die Verantwortung und stellt Beglaubigungsschreiben aus, in
denen bescheinigt wird, da-as die Produktionserweiterung des
Unternehmerns von oeffentlichem Nutzen ist. Mit diesem Beglaubigungsschreiben ist es dem Unternehmer einer Fabrik moeglich,
hei den Banken Kredite aufzunehmen und sich alle finanzieller
Mittel zu beschaffen, die er braucht, um z.B. neue Hochoefen
bauen zu koennen. Auf diese V/eise hat die Regierung im Verlaufe der letzten fuenf Jahre die Unternehmer der Aluminiumindustrie veranlasst, zwei neue, sehr bedeutsame Unternehmen zu
gruenden. Man ist in Washington der Meinung- gewesen, dass es
im Interesse der Oeffentlichkeit notwendig sei, die Produktionskapazitaet fuer Aluminium zu steigern, um sowohl die Preise zu senken und die Nachfrage der Verbraucher decken zu koennen. -Wie ich bereits erwaehnt habe, ist es die Aufgabe des
Industriellen, zu produzieren. Die Regierung kuemmert sich
um die Steigerung der Verteilung, indem sie oeffentliche Kredite gibt. Die Kredite koennen im gleichen Verhältnis mit
der Steigerung der Produktion erweitert werden, um die Verbrauchsgueter auf die verschiedenen Bevoelkerungsschichten in
ausreichender Weise verteilen zu koennen. Diese Idee blieb
Marx verschlossen, weil er sich ueber Geld- und Kreditprobleme noch vollkommen im Unklaren war. Er war zu jener Zeit noch
der Auffassung, dass Geld gleichbedeutend ist mit Gold. Die
Entdeckung jedoch, dass Geld etwas voellig anderes als Gold
ist, hat es dem amerikanischen System ermoeglicht, anders zu
handeln, als es in den marxistischen Prophezeihungen vorgesehen
war. Geld ist heute nicht mehr durch Gold, sondern durch die
sich staendig steigernde Produktion gedeckt.
Martin: In diesem Zusammenhang moechte ich eine Reihe Prognosen stellen, die uns einen voellig unerwarteten Blick in die
Zukunft oeffnen. In zehn Jahren wird der amerikanische Arbeiter, der heute vier Stunden weniger in der Woche arbeitet als
im Jahre 1940, noch vier Stunden weniger arbeiten koennen.
"'«Vaehrend die Arbeitswoche in Amerika vor zehn Jahren 45 Stunden gehabt hat, zaehlt sie jetzt weniger als 41 Stunden. Im
Jahre 19 60 wird der amerikanische Arbeiter in der Woche nicht
mehr als 37 Stunden arbeiten. Und trotzdem wird in diesem gleichen Zeitraum die Gesamtproduktion der Vereinigten Staaten um
mindestens 20$ und hoechstwahrscheinlich sogar um 40$ erhoeht
sein. Diesen Zahlen liegen hoechst zuverlaessige wirtschaftliche Studien zugrunde. Sie sind von einem sehr bekannten Forschungsinstitut ausgearbeitet, das "The SOth Century Fund" genannt wird, und dessen Vorsitz Sie zur Zeit fuehren. Meines
Wissens handelt es sich hierbei um eine Einrichtung, die ohne
Gewinn arbeitet und die im Interesse der Allgemeinheit heeufig
bestimmte Vorgaenge in der amerikanischen Wirtschaft eingehenden
Studien unterzieht, um sich ein besseres Bild ueber die wirtschaftliche Entwicklung machen zu koennen. Wie sehen Sie im
Licht der Prophezeihungen dieser Einrichtung die Zukunft dieses
amerikanischen Arbeiters, der immer weniger arbeitet, um viel
mehr zu produzieren?
Berle: Dieses Phaenomen ist in Amerika nicht so erstaunlich,
wie Sie anscheinend glauben. Im Verlauf der letzten zehn Jahre
ist der Lebensstandard des amerikanischen Volkes, im Ganzen
gesehen, um 50% verbessert worden. Dies trifft vor allem fuer
die laendliche Bevoelkerung zu. Wenn man sich mit diesen ermutigenden Ziffern beschaeftigt, muss man sich haeufig fragen,
ob die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften nicht einen anderen Lauf genommen haette, wenn Karl Marx, anstatt in London
- 6-

�zu bleiben, nach den Vereinigten Staaten gekommen waere, um dort
die Produktion zu studieren.
Die Verbesserung des Lebensstandards ist moeglich gewesen,
obwohl Amerika in diesem gleichen Zeitraum die Produktion fuer
die nationale Verteidigung zweimal der fuer den Zivilbedarf
voranstellten musste.
Wirtschaftlich gesehen, ist die Produktion von Kriegsgeraeten immer ein glatter Verlust, aber die Regierung in Washington war stets der Meinung, dass, wenn man
fuer die nationale Verteidigung produzieren kann, erst recht
auch Waren fuer den Zivilbedarf herstellen kann. Auf diese Weise ist durch den zweiten Weltkrieg die steigende Kurve der Erhoehung des Lebensstandards nicht unterbrochen worden.

Martin;

Wie ist dies aber moeglich?

Berle: Die amerikanische Produktion steigert sich alljaehrlich
regelmaessig um drei bis fueiif Prozent. Damit verdoppelt sich
unsere Produktion in 15 bis £0 Jahren automatisch.
Martin;

Ist dies jedoch keine Uebertreibung?

Berle: Auf keinen Fall. In den beiden letzten Jahren ist die
Produktion des Landes in noch staerkerem Tempo angestiegen als
man voraussehen konnte. Sie sehen also, dass wir in unseren
Berechnungen durchaus vorsichtig sind. Nach unsaren Schaetzungen muss sich die Gesamtproduktion der Vereinigten Staaten bis
zum Jahre 1960 um mindestens 20% erhoehen. Es ist wahrscheinlich, dass sie sogar 40% hoeher sein wird und zwar ohne uebermaessige Anstrengungen. Wenn die Umstaende es jedoch erforderlich machen, koennte unsere Produktion noch wesentlich hoeher
gesteigert werden.
Martin: Welchem Umstand schreiben Sie dieses Phaenomen der
staendigen Erweiterung zu?
Berle; Vor allem der Verbesserung der Produktionsleistung. Indem man dem Arbeiter fortwaehrend bessere Werkzeuge und bessere
Maschinen gibt, vergroessert man automatisch seine Produktionskapazitaet. Diese Erhoehung der menschlichen Arbeitsleistung
wird auf jaehrlich 2% geschaetzt. Fuer Marx war der Unternehmer
ein Mensch, den man beseitigen musste, weil er Parasit und Ausbeuter war. Unser amerikanisches System hat aus ihm einen Techniker gemacht, von dem man besondere Leistungen erwartet. Er
wuerde sich seiner Pflicht entziehen, wenn er nicht die besten
Mittel faende, um fortschrittliche technische Methoden und Kapitalinvestierungen zu kombinieren, die fuer die Gesamtheit eine
Verbesserung des Lebensstandards bedeuten.
Martin; Was hat diese Steigerung der Produktionsleistung fuer
eine Zeitspanne von zehn Jahren praktiscn zu bedeuten?
Berle: Heute produziert der amerikanische Arbeiter mit Hilfe
seiner Maschinen 25% mehr in einer Arbeitsstunde als 1940.
Martin:

7/em kommt diese gesteigerte Leistung jedoch zugute?

Berle: Die statistischen Angaben der letzten zehn Jahre zeigen
uns, dass die Gewinne aus der Steigerung der Produktivitaet, wie
wir die Arbeitsleistung nennen, ungefaehr gleichmaessig durch
eine Reduzierung der Zahl der Arbeitsstunden und eine Erhoehung
- 7-

�der ^rbeiterloehne absorbiert wurden. Wie Sie bereits ersehnten-, ist die durchscnittliche Arbeitswoche von 45 Stunden im
Jahre 1940 auf weniger als 41 Stunden zurueckgegangen. In einigen Jahren wird man nur noch 37 Stunden in der Woche arbeiten.
Martin: Welche Gewaehr haben Sie dafuer, dass die Vorteile dieser besseren Arbeitsleistung nicht in die Taschen der Unternehmer fliessen?
Berle: Diese Aufgabe der Kontrolle faellt in unserem amerikanischen Wirtschaftssystem den grossen freien Arbeitergewerkschaften zu.
Martin: Wie stellt man sich die Erweiterung der industriellen
Einrichtungen der Vereinigten Staaten vor?
Berle: Wie Sie wissen, sind die Steuergesetz-e seit der Einwirkung des Praesidenten Roosevelt so gefasst, dass die Grossunterneiimer gezwungen sind, einen betraechtlichen Prozentsatz ihrer
Gewinne fuer die Erweiterung der Produktion durch Investierungen zu verwenden. Die Ausdehnung der industriellen amerikanischen Einrichtungen kann fuer die 20 Jahre von 1940 bis 1960
auf 40% geschaetzt werden. Diese Zahl betrifft lediglich den
Aufbau voellig neuer Fabriken. Es handelt sich hierbei natuerlich um Nettowerte,' wobei die Erneuerung abgenutzten Materials
und die Amortisierung nicht einbegriffen sind. Diese Erweiterung um 40% der Gesamtheit der industriellen Einrichtung stellt
eine Investierung des groessten Teils der neu gewonnenen Kapitalien dar.
Martin: Die wichtigste Frage, mit def man sich am haeufigsten beschaeftigt, ist meiner Meinung nach die des Nationaleinkommens. Was besagen Ihre Zahlen in Bezug auf dieses Nationaleinkommen Amerikas?
'
Berle: Hierauf will ich Ihnen gern eine genaue Antwort geben.
Aber um der Verstaendlichkeit halber moechte ich von vornherein
feststellen, dass den Zahlen, die ich angebe, der tatsaeehliche Dollarwert zugrunde liegt, d.h., dass in ihnen bereits
den Wertverlust beruecksichtigt ist, damit Vergleiche ueberhaupt moeglich sind. Das amerikanische Nationaleinkommen, das
im Jahre 1940 135 Milliarden Dollar jaehrlich betrug, hat heute
den Betrag von 250- Milliarden Dollar erreicht. Es wird sich
im Jahre 1960 auf 350 Milliarden Dollar und sehr wahrscheinlich
sogar auf 375 Milliarden Dollar belaufen. Das ist nicht aussergewöhnlich, wenn man diese Zahlen mit dem vergleicht, was sich
in den letzten zehn Jahren abgespielt hat, in denen unser Nationaleinkommen verdoppelt wurde trotz, wie ich bereits erwaehnte,
eines Krieges, der vom wirtschaftlichen Standpunkt aus ein reines Verlustgeschaeft war.
Martin: Bedeutet aber all dies fuer den kleinen Mann' in den
Vereinigten Staaten eine wirkliche Verbesserung seines Lebensstandards?
Berle: Welch1 seltsame Frage. Natuerlich ist es eine Verbesserung, da sich die Bevoelkerungsziffer des Landes im Vergleich
zur Steigerung des Nationaleinkommens relativ nur \.enig erhoeht
hat. Es ist offensichtlich, dass die Erhoehung des Lebensstandards in diesen zehn Jahren eine gewaltige war. Nehmen wir als
Beispiel den Durchschnittswert des kleinen Kapitals, das eine
amerikanische Familie in jeder Form von Besitztum ihr eigen nennt.
- 8 -

�2s besteht in Fora von Ersparnissen, liaeusern, Grundstueeken
und besonders Lebensversicherungspolicen. Nach den Schaetzungen
des "Twentieth Century Fund" besitzt die amerikanische Familie
im Durchschnitt ein Kapital von 5,000 Dollar. Vierzig Prozent
der Familien haben mehr als 5,000 Dollar und 20$ mehr als
2,500 Dollar.
Martin: Was Sie uns gesagt haben, beweist nicht nur, dass sich
der amerikanische Kapitalismus nicht auf dem Wege des Selbstmordes befindet, wie Karl l'arzin seiner Akkumulationslehre glaubte, sondern es zeigt uns,- dass der Amerikaner, was auch im Interesse der Allgemeinheit nur nuetzlich ist, zu einem praktischen Sozialisten geworden ist, auch wenn er sich dieser Tatsache- garnicht bewusst wird.
Rapports France-Etats-Unis
VI/51
VERSCHIEBUNGEN DER EETKauL:ENV ERTEILUNG IN DEN U.S.A.
In seinem Jahresbericht stellt Dr. Burns, der Forschungsleiter des amerikanischen nationalen Bueros fuer wirtschaftliche
Forschung, fest, dass Amerika seit 1929 in seinem Streben nach
einer besseren Verteilung der Einkommen grosse Erfolge erzielt
hat. In der Zeit von 1929 bis 1946 hat sich das durchschnittliche Jahreseinkommen fuer jeden Mann und jede Frau in den Vereinigten Staaten von 690 auf 1.166 Dollar erhoeht. Gleichzeitig
ist das Durchschnittseinkommen jenes einen Prozents der Bevoelkerung mit den hoechsten Einkommen von 15,168 auf 8,994 Dollar
zurueckgegangen. Diese Verschiebung, so sagt der bekannte
Volkswirtschafter, haette sich friedlich und allmaehlich vollzogen, sie koenne jedoch als eine der groessten sozialen Revolutionen der Geschichte s-ewertet vverden.
Dr. Burns berichtet weiter, dass der Anteil der fue lf Prozent der 3evoelkerung mit den hoechsten Einkommen am gesamten
Nationaleinkommen im Jahre 1929
34# saemtlicher persoenlicher
Einkommen betragen habe, aber 1im Jahr 1946 auf 18% zurueckgegangen sei. Durch diese Differenz ist der Anteil der Lohn- und
Öehaltsempfaenger Amerikas in den beiden Dekaden zwischen 1950
und 1950 auf 70'/ö des Nationaleinkommens angestiegen. Nicht nur
der Gesamtbetrag aller Arbeitereinkommen ist groesser geworden,
sondern auch der Prozentsatz am Gesamteinkommen, der dem Arbeiter
zufaellt, ist um 17-jb gestiegen.
Mit dem Hinweis, .dass kein Vergleich mit den Laendern hinter ' dem Eisernen Vorhang moefrlich ist, weil in kommunistischen
Laendern die Veroeffentlichung von statistischen Informationen
mit der Begruendung verboten ist, dass es sich um Staatsgeheimnisse handelt, stellt Dr. Burns trotzdem die Frage, ob irgendeine der sogenannten "Volksdemokratien" Stalins eine so umfassende Demokratisierung im Verteilungsprozess der Einkommen in irgendeinem ihrer eigenen Laender aufweisen koenne.
Program Services Section
. VI/6/51
SC KI EPS STRECKUNG UND { CKLICKTUNG IN SOv/ JET RUSS LA NT
Hit.der Abschaffung des Tarifverhandlungswesens im Jahre
1953 erfuhr auch das Beschwerdeverfahren, das urspruenglich dazu
- 9-

�bestimmt war, Arbeitsstreitigkeiten beizulegen, eine grundlegende i^enderum:. Nach der .Viedereinf uehrung der Tarifverhandlungen im Jahre 1947 zogen die sowjetischen Juristen einen
klaren Trennungsstrich zwischen Streitigkeiten, die sich um
die Festsetzung oder Veraenderungen der Arbeitsbedingungen
drehen und solchen, die sich aus der Anwendung bereits bestehender Arbeitsbedingungen ergeben. Praktisch, so sagen sie, gehoert lediglich diese zweite Gruppe in das besondere Schiedsspruchverfahren, das urspruenglich jedoch fuer beide bestimmt
war. Die Festsetzung der Arbeitsbedingungen und ihre Veraenderungen gehoeren augenblicklich in den Zustaendigkeitsbereich
der Verwaltung.
Die Vermittlungs- und Scniedsrichterausschuesse, die zur
Beilegung von Streitigkeiten ueber Arbeitsbedingungen gebildet waren, wurden mit dem Arbeitsgesetz vom 29. August 1928
aufgeloest. Spaeter ist das Volkskommissariat fuer Arbeit
durch den Zentralrat der Gewerkschaften im Jahre 1923 ersetzt
worden.
Die Schiedsausschuesse, die zu jener Zeit in jedem Betrieb
gebildet wurden, bestehen zwar noch immer, aber seit dem 2.
Januar 1923 ist der wichtigste Teil ihrer Funktionen und zwar
die Festsetzung von Akkordsaetzen und von Produktionsnormen
weggefallen, wie im offiziellen Handbach ueber Arbeitsgesetzgebung von 1946 erklaert wurde. Es sind in V.'irklichkeit Aus-r
schuesse, die die Aufgabe haben, Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Unternehmern ueber die Anwendung der bestehenden
Arbeitsgesetze beizulegen, d.h. es sind reine Beschwerdeausschuesse. In bestimmten Faellen muss die beschwerdefuehrende
Partei ihre Beschwerde dem Ausschuss vortragen, bevor sie sich
an das Gericht wendet. Repraesentanten der Unternehmer- und
der Arbeitnehmerausschuesse sind in gleicher Zahl vertreten,
und wenn kein Uebereinkommen erzielt wird, kann sich der Beschwerdef uehrende an das Gericht wenden. Die Strafen sind unwiderruflich, koennen jedoch von hoeheren Behoerden "von Amts
wegen" abgeaendert werden. Wenn diese die Strafe aufheben,
kann ebenfalls beim Gericht Beschwerde eingereicht werden.
In einigen anderen Faellen steht es frei, sich an das Gericht oder an den Ausschuss zu wenden. Folglich bietet das
sowjetische Gesetz fuer Arbeit-sstreitigkeiten dem Arbeitnehmer
bestenfalls einen Schutz gegen den persoenlichen Lissbrauch der
Ifecht des Unternehmers.
Es gibt jedoch auch Faelle, in denen weder beim Gericht
noch beim Ausschuss Beschwerde eingelegt werden kann. In diesen Faellen müessen hoehere Verwaltungsbehoerden in Anspruch
genommen werden. Dies trifft insbesondere fuer jene Beschaeftigungszweige zu, in denen die Unternehmer kraft des sogenannten Disziplinargesetzbuches ueber weitgehende Disziplinarbefugnisse verfuegen. Sin Arbeitnehmer in solchen Industriezweigen kann, wenn er von der Verwaltung bestraft wird,weder beim
Gericht noch beim Verwaltungsausschuss Berufung einlegen. Er
hat nur die "oeglichkeit, hoehere Vorgesetzte in seinem Unternehmen zu Rate zu ziehen.
The Monthly Labor Review
(Elements of Soviet Labor Law)

17/51
- 10 -

�DAS BETRIEBSTECHNISCHE AUFGABENGEBIET DER US-GEWERKSCHAFTEN
Der Mann im
Bleistift in der
stungsfaehigsten
tatsaechlich ein

weissen Hemd und Krawatte, mit Notizbuch und^
Hand, dem man in vielen der groessten und leiIndustrieunternehmen Amerikas begegnet, ist
Angestellter der Gewerkschaft.

Vielleicht entwirft er Tlaene fuer eine Neuordnung des Betriebs, analysiert die Produktionsziele, oder aber er fuehrt
Zeit- und Bewegungsstudien durch - wenn ihn nicht die traditionelle Antipathie der Gewerkschaften gegen diesen Ausdruck veranlasst hat, dieses Verfahren mit irgendeinem anderen technischen Ausdruck zu bezeichnen. Im allgemeinen beschaeftigt er
sich jedoch mit der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung", die
man gern mit seinem Widerpart, dem Unternehmer, identifiziert.
Wie und warum kamen die amerikanischen Gewerkschaften dazu,
sich mit der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung" zu befassen?
Offen gesagt, die Gewerkschaften drangen in dieses Gebiet
aus Gruenden des Selbstschutzes ein.
Die Arbeitgeber haben die "wissenschaftliche Betriebsleitung" zu einem permanenten und festen Bestandteil der modernen
amerikanischen Industrie gemacht. So wie die Arbeitgeber es fuer
erforderlich hielten, mit den Gewerkschaften zusammenzuarbeiten,
hielten es die Gewerkschaften fuer notwendig, mit der "wissenschaftlichen Betriebsf uehrung" ins Einvernehmen zu komn.en. Sie
gelangten vor einigen Jahren zu der Erkenntnis, dass die einzige
Möeglichkeit, mit ihr zurechtzukommen und sich gleichzeitig
vor der Ausbeutung durch wissenschaftliche Methoden zu schuetzen,
darin bestand, mindestens ebensoviel, wenn nicht sogar mehr als
die Unternehmer, ueber die wirksame Rationalisierung der Industrie zu wissen.
Aus diesem Grunde gibt es gewerkschaftliche Referate fuer
Betriebstechnik, in denen gut geschulte junp;e Maenner beschaeftigt sind, die von der Gewerkschaft bezahlt werden. Wenn irgendein Betriebsplan Hintertueren hat, die sich nachteilig auf
die Arbeiter auswirken koennten, so finden diese Techniker es
sehr bald heraus. Gestuetzt auf eine starke, gut organisierte
Gewerkschaft koennen sie, mit Tatsachen und Informationen bewaffnet, mit dem Bestreben in die Verhandlungen gehen, fuer die organisierten Arbeiter und die Gewerkschaft das beste herauszuschlagen.
Die Bedeutung, die man der "wissenschaftlichen BetriebsfBhrung" mit ihren besonderen Arbeitsmethoden wie Zeitstudien, formelle Leistungslohnsysteme, Arbeitsplatzbewertung, Einstufung
nach Verdienst usw. beimisst, hat sich auf die Industriearbeiter
in den Vereinigten Staaten in grundlegender Weise ausgewirkt.
Die Arbeitgeber haben manchmal versucht, diese Methoden anzuwenden, um zu bestimmen, wie schwer ein Arbeiter arbeiten und was
er verdienen muesste. So koennte die Betriebsleitung zum Beispiel sagen, das Fliessband wuerde nicht so schnell laufen, wie
es eigentlich der Fall sein muesste. Eine Menge statistischer
Unterlagen, die von den Zeitstudienfachleuten der Unternehmer
zusammengetragen wurden, werden als Beweismaterial vorgelegt.
Diese Unterlagen - graphische Darstellungen, Diagramme,' mathematische Tabellen - koennen in einer technisch so komplizierten Ausdrucksweise gehalten sein, dass sie im allgemeinen fuer die Arbeiter unverstaendlich sind. Muessen derartige Statistiken nun
als mathematische Tatsachen akzeptiert werden? Die Gewerkschaf- 11 -

�ten sagen "Kein". Viele der Grundbegriffe, die in der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung" verwendet werden, sind weniger
von einer objektiven als vielmehr der persoenlichen Beurteilung
abhaengig. Die Gewerkschaften vertreten den Standpunkt, dass
der Arbeiter keine Maschine ist und auch nicht als solche gewertet werden kann. Sie sind der Auffassung, dass viele Aspekte der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung" auf fragwuerdigen Vermutungen beruhen, die weder zuverlaessig noch allgemein
gueltig sind.
Dies jedoch nur zu glauben, genuegt aber keineswegs, weil
das Unternehmertum entschieden hat, sich dieser Methoden zur
Foerderung seiner Ziele zu bedienen. Infolgedessen beschlossen
die Gewerkschaften, sich die notwendigen Kenntnisse anzueignen,
um den Unternehmern zeigen zu koennen, wo, wie und warum ihre
Behauptungen falsch und ihre Forderungen unberechtigt sind.
Sie wollten in der Lage sein, sich innerhalb des Tarifverhandlungsprozesses gegen die "wissenschaftliche Betriebsfuehrung"
zu schuetzen.
Viele Gewerkschaften verlegten sich daraufhin auf die
Methode der technischen Dienstleistungen durch die Gewerkschaft.
Die Taetigkeit der Gewerkschaften auf betriebstechnischem Gebiet ist in den Vereinigten Staaten verhaeltnismaessig jung
und trat zum erstenmal zu Ende der Dreissiger Jahre auf.
Fuer die Gewerkschaftsbewegung war die "wissenschaftliche
Betriebsfuehrung" im Grunde eine antigewerkschaftliche Angelegenheit. Um die Jahrhundertwende, als die moderne Betriebstechnik ins Leben trat, befanden sich die Gewerkschaften in der
Defensive. Gewerkschaftsfunktionaere sahen in dem neuen Begriff
eine neue Waffe zur Zerstoerung der Gewerkschaftsbewegung. Diese Auffassung wurde durch die Tatsache bestaerkt, dass die Unternehmer, die die "wissenschaftliche Betriebsfuehrung" befürworteten, an antigewerkschaftlichen Taetigkeiten beteiligt waren.
Der Begriff "wissenschaftliche' Betriebsfuehrung" wurde in Gewerkschaftskreisen als ein Ungeheuer angesehen, das die Gewerkschaften den Unternehmern gefuegig machen und den gesamten Tarif verhandlungsprozess unterminieren soll.
Wie Solonon Barkin von der Textilarbeitergewerkschai't
schrieb, standen die Gewerkschaften auf dem Standpunkt, dass
"Leistungslohnsysteme die Arbeiter in unmenschlicher und selbstmoerderischer Welse gegeneinander aufwiegeln", und dass "Zeitund Bewegungsstudien keine wissenschaftliche Methode zur Bestimmung der Leistung und der Festsetzung der Loehne sind, sondern
lediglich Massnahmen, um- die Wuensche und Meinungen der Unternehmer in mathematischer Form zum üusdruck bringen."
Weil die Gewerkschaften nicht stark genug waren, um die
Einfuehrung der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung", besonders in ihrer Auswirkurg auf die Lohnbedingungen der Arbeiterschaft, verhindern zu koennen, begannen sie eine 'Verbekampagne,
um die Oeffentlichkeit fuer ihre skeptische Einstellung zu gewinnen.
Diese Kampagne fand im Jahre 1915 ihren hoehepunkt, als
das Gesetz zur Kriegsfinanzierung vom Kongress dahingehend abgeaendert wurde, dass man die Bezahlung von Experten, die sich
mit Zeitstudien beschaeftigten, aus Geldmitteln der Regierung
ablehnte.
Nach dem ersten V/eltkrieg stellten die Arbeitgeber eine
Verbindung zwischen "wissenschaftlicher Betriebsfuehrung" und
- 12 -

�den "Unternehmer-"gewerkschaften her. Die Antipathie der Gewerkschaften wurde dadurch nur vergroessert. 7/oimmer es moeglich war, versuchten die Gewerkschaften, Zeitstudien, Leistungslohnsysterae, psychologische Pruefungen und Einstufungssysteme
nach der Leistung abzuschaffen. Zu jener Zeit befand sich die
Industrie der Vereinigten Staaten jedoch im Aufschwung. Die
Unternehmer hatten ihre Aufgabengebiete neu organisiert und
machten sich die neuen Begriffe der Forschung, Normung, Planung und deren Ausfuehruhg zu eigen. Die "wissenschaftliche Betriebsfuehrung" blieb bestehen und mit ihr ihre Methoden. Ilaeufig wurde jedoch mit diesen Methoden Missbrauch getrieben. Die
amerikanischen Gewerkschaften gewannen nach und nach groesseren
Sinfluss und widersetzten sich konsequent den neuen Methoden.
Victor Reuther von der Automobilarbeitergewerkschaft des
CIO, der heute Repraesentant des CIO fuer Europa ist, nahm zur
Gruendung der Automobilarbeitergewerkschaft im Jahre 1956/37
in folgenden 7»orten Stellung:
"Antreibemethoden und ungerechte Leistungsnormen waren
fuer uns ebenfalls ein Grund, uns gegen die Tyrannei in den
Betrieben aufzulehnen, wie all die anderen Ungerechtigkeiten,
die uns veranlasst hatten, uns zu organisieren. In den darauffolgenden Jahren, in denen unsere Gewerkschaft groesser wurde
und dadurch Macht und Einfluss gewann, schuf sie besondere Einrichtungen wie z.B. unser Referat fuer Zeitstudium und Produktionstechnik. Damit haben wir unsere urspruengliche, instinktiv
ablehnende Haltung den Methoden des Zeitstudiums gegenueber •
ueberprueft. Die technischen Erfahrungen, die wir uns in der
Zwischenzeit angeeignet haben, ermoeglichen es uns, an Hand der
Unterstuetzung durch feststehende Tatsachen den Kampf weiterzufuehren.
"Heute sind die technischen Dienste der Gewerkschaft den
Verhandlungsfuehrenden in der gleichen V/eise dienlich, wie
die Techniker den Unternehmern. Wenn eine Arbeits Streitigkeit nicht allzu kompliziert ist, kann die Ortsgewerkschaft
das Lehrmaterial ueber "wissenschaftliche Betriebsfuehrung"
verwenden, das von dem betriebstechnischen Personal der Landesgewerkschaft ausgearbeitet ist. Sie koennen damit die Angaben
der Unternehmer ueberpruefe-n, um z.B. festzustellen, ob die
Schnelligkeit des Fliessbandes erhoeht worden ist. Die Ortsgewerkschaft kann darueber hinaus von sich aus um die direkte
Unterstuetzung durch technische Experten der Gewerkschaft bitten.
"Die wichtigste Tatsache hierbei ist, dass alle gewerkschaftlichen Aspekte, wenn eine Gewerkschaft stark und der Betriebstechniker der Gewerkschaft tuechtig ist, bei den Verhandlungen beruecksichtigt werden koennen. Eine englische Gruppe
von Gewerkschaftern, die vor einiger Zeit unter der Schirmherrschaft des Marshall-Pla-s dieVereinigten Staaten besuchte,
erklaerte im Anschluss an ihre Reise: "Die Gewerkschaftsmitglieder muessen sich darueber im klaren sein, dass die Anwendunr
von Methoden der "wissenschaftlichen Betriebsfuehrung», auch
wenn sie nicht wissenschaftlich sind, in der heutigen Industrie
unvermeidlich und notwendig ist, und dass die Entschlossenheit,
Missbraeuche zu verhindern und diese "wissenschaftliche Betriebsfuehrung soweit wie moeglich zu kontrollieren, eine notwendige Funktion der modernen Gewerkschaftsbewegung ist."
Einige amerikanische Gewerkschaften, wie z.B. die der
Damenoberbekleidungsarbeiter, der Textil- und Automobilarbeiter
haben regulaere gewerkschaftliche Referate fuer Hetriebst&lt;?chnik.
- 12 -

�Anders Gewerkschaften haben weniger formell arbeitende technische Einrichtungen, aber auch sie sind sich mehr#und mehr der
wachsenden Bedeutung der gewerkschaftlichen Ttetigkeit auf
dem Gebiet der Produktionstechnik bewusst.
Auch auf andere V/eise hat die Gswerkschaftsbewegung von
der gewerkschaftlich erarbeiteten Betriebstechnik Gebrauch
gemacht. Ein Beisoiel hierfuer sind die technischen Einrichtungen der allamerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter. Hierzu ein Beispiel, das wir dem monatlich erscheinenden Organ dieser Gewerkschaft "Justice" entnehmen:
"Die gesteigerte Konkurrenz der Nachkriegszeit auf den Absatzmaerkten der Bekleidungsindustrie hat in diesen Betrieben ein
besonderes Problem geschaffen. Noch vor 30 Jahren wurde in
allen Betrieben nach dem System der Zeitarbeit gearbeitet.
.Mit der erhoehten Konkurrenz sahen sich die Firmen gezwungen,
an ihre Arbeitnehmer groessere Anforderungen zu stellen." In
dem Bericht heisst es weiter, dass die Konkurrenzfaehigkeit
der Firmendurch die Zeitlohnbasis geringer wurde. Auf Veranlassung der Gewerkschaftsfunktionaers wurde, ein abgeaendertes.
Produktionssystem auf Stuecklohnbasis eingefuehrt. Nachdem
die verschiedenen Probleme ueberwunden waren, die sich mit
der Neuerung ergeben hatten, stiegen die Loehne der Arbeiter
um mehr als 50?o. Die Gestehungskosten wurden geringer, sodass jeder Betrieb besser in der Lage war, mit anderen zu konkurrieren.
Ein Beispiel fuer die Gruendung eines betriebstechnischen
Referats einer Gewerkschaft bietet die iiUtomobilarbeitergewerkschaft. Sie hat fuer die Gehaeiter und Auslagen ihres technischen Personals, zu dem drei Gewerkschaftstechniker und eine
technische Gehilfin gehoeren, 40.000 Dollar bereitgestellt.
Dieses technische Personal wird vom Landesvorstand der Gewerk- .'
schaft ueber den wirksamsten .,Einsatz seiner Arbeit beraten.
Es ist bemerkenswert, dass diese Techniker selbst langzeitige .Mitglieder einer Gewerkschaft sind. Die Gewerkschaften glauben nicht, dass unabhaengige, akademisch geschulte
technische Berater der Gewerkschaft eine ungeteilte Loyalitaet
bewahren. Die verschiedenen Formen der wissenschaftlichen Betriebsfuehrung sind im wesentlichen Methoden, die von den Unternehmern gefoerdert werden. Nur wenige technische Berater
in der Industrie hatten die notwendigen Kenntnisse, um den
Arbeitern helfen zu koennen, sich vor der Jillkuer des Unternehmertums zu schuetzen. Die Gewerkschaften, die auf diesem
Gebiet am weitesten vorgeschritten sind, sind der Auffassung,
dass Techniker im Dienste der Gewerkschaften enge und dauernde
Beziehungen zu der Gewerkschaft pflegen muessen, und dass ihnen
von der Gewerkschaft selbst gut ueberlegte Anweisungen gegeben
werden muessen. Solei e Beziehungen wuerden nach ihrer üUffassung
fuer die erfolgreichste Anwendung der beruflichen Faehigkeiten
und Erfahrungen der 3etriebstechniker im Dienste einer Gewerkschaft buergen.
Das technische Personal der Gewerkschaften leistet eine
Vielzahl aeusserst wichtiger Dienste fuer die Gewerkschaftsbewegung. Einige ihrer Funktionen muessen anderen vorangestellt
werden,-dies ist jedoch jeweils von der betreffenden Gewerkschaft oder Iniustrie abhaengig. Diese technischen Dienstleistungen der Gewerkschaften bilden die Grundlage fuer Tarifverhandlunge'n. Sie foerdern die Entwicklung der industriellen
Technik im Interesse der Gewerkschaften, der Unternehmer und
der Oeffentlichkeit. Sie dienen als Informationsquelle fuer
die Gewerkschafter, die sich mit technischen Problemen befassen,
und darueberhinaus als Richtlinien fuer diejenigen, die die
- 14 -

�gewerksohtftliohe Politik gestalten.
Ss ist darauf hingewiesen worden, dass die betriebstechnische nrbeit der Gewerkschaften in Amerika einer defensiven
Handlung seitens der Gewerkschaftsbewegung entsorungen ist,
die durch die Gegebenheiten einer bestimmten Situation bedingt war. Die betriebstechnische arbeit der Gewerkschaften
in Suropa mag von weit groesserer Bedeutung seih, weil die
'Wirtschaftssysteme der europaeischen Laender in die Phase
der Verteidigungsproduktion eintreten. Indem die Betriebstechniker- der Gewerkschaften es der Gewerkschaftsbewegung ermoeglichen, sich mit groesserer Zuversicht auf dem Gebiet
der Leistungsfaöhigkeit der Industrie zu bewegen, koennen
sie zu den Bestrebungen der europaeischen Gewerkschaftsbewegung beitragen, die selbst bei einer Steigerung der Verteidigungsproduktion auf die Erhaltung des bestehenden Lebensstandards gerichtet sind.
Labor News from the US
71/8/51
Syd Stogel, Korrespondent des "AFL V.'eekly News Service" in Rom:
UNZUFRIEDENE TSCHECHISCHE ARBEITER MJESSEK FUER RUSSLANDFKRIEGS•"ASCKINERIE ARBEITEN
Ihres fundamentalen Streikrechtes beraubt, blieb den
ehemals freien tschechoslowakischen Gewerkschaftern kein anderes Nittel als "krank" zu sein, um sich gegen die erbarmungslosen Antreibmethoden aufzulehnen, denen die Industriearbeiter
in Rahmen des FuenfJahres-Planes ausgesetzt sind.
Ueberi.ll bleiben die Arbeiter "wegen Krankheit" ihrer
Arbeitsstaette fern. Diese Gewohnheit hat unter den Bergleuten solche Ausmasse angenommen, dass das kommunistische Regime
gezwungen war, Soldaten zum Abbau der Kohle einzusetzen.
Dies ist ein Teil des Gesamtbildes, das ein in Prag
stationierter Diplomat, der si%ch in Rom aufhielt, in einem
Interview ueber die Lage der Arbeiterschaft in der kommunistischen Tschechoslowakei gegeben hat.
Nach der .'..'einung dieses Beamten flea Ausfertigen Dienstes,
der sich seit der "Befreiung" Prags in dieser Stadt befindet,
ist die kommunistische Diktatur in der Tschechoslowakei sowohl
fuer die politischen als auch fuer die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verantwortlich zu machen.
Die Saeuberungsaktion dementia war lediglich ein Anfang,
und niemand fuehlt sich heute noch sicher, selbst nicht der
Praesident Clementis Gottwald. Bei immer gesteigerteren russischen Forderungen nach Kriegsmaterialien und schweren Austestungen kann selbst eine so hoch entwickelte industrielle Basis
wie die der Tschechoslowakei unter der Last solcher Anforderungen zusammenbrechen, erklaerte der auslaendische Beobachter.
Der Diplomat stellt fest, dass die tschechische Industrie
bereits vor dem Ueberfall der Roten Armee auf Korea fuer den
Krier- mobilisiert war, und dass die Ruestungsfabriken in drei
Schichten ununterbrochen Tag und Nacht arbeiteten.
"Die Unzufriedenheit der Arbeiterschaft,"faehrt er fort,
"haette ernsthafte Folgen fuer die Beziehungen des Landes mit
- 15 -

�Russland . ".'eil die Tschechen nicht in der Lage »üren,. all
die wichtigen Varen und Ausrufstunzart zu liefern, die Russland in dem Handelsabkommen zwischen diesen beiden laendern
beansprucht hatt-s, haben die Ru3=?en die Lieferun? von 460.000
Tonnen '.Veizen unterbunden, die der Tschechoslowakei versprochen worden waren. Dadurch wurde die wirtschaftliche Lage der
Arbeiter noch schlechter, zumal seit Deginn des Jahres der
Preis fuer Brot^ das wichtiste Nahrungsmittel in der Tschechoslowakei, um 60,o in die Hoehe gegangen ist. Der Preis fuer ein
Kilogramm Mehl stieg von 7 1/2 auf 21 Kronen. Zum erstenmal
seit Jahren hat erneut eine allgemeine Hortung -von Lebensmitteln
eingesetzt."
Der Diplomat berichtet ferner, dass die Tschechoslowakei
in den Kriegsplaenen der Sowjetunion eine bedeutende Rolle
spielt. Um die Produktion wesentlicher Erzeugnisse zu beschleunigen, haben die Russen befohlen, dass die Tschechen so weit
wie moeglich die FTiessbandmethode anwenden. Maschinen und
Rohstoffe, die von der Sowjetunion nicht beschlagnahmt wurden,
bleiben fuer Russlands Satellitenstaaten reserviert.
""Lieferungen fuer China zum 3eisoiel sind laufend durch
den polnischen Hafen Gdingen geschleust worden. Russland hat
versorochen, die Tschechoslowakei mit Kupfer zu versorgen, das
frueher aus Jugoslawien und anderen Laendern des V.'estens eingefuehrt wurde.
"Am bezeichnendsten," so schliesst der Korrespondent,
"ist die Tatsache, dass der groes.ste Teil der strategisch wichtigen Industrie in den westlichen Teilen der Tschechoslowakei
nach der Slowakei im Osten verlagert wird. Zu den grossen Industrieunternehmen, die zur Zeit weiter nach Russland verligert
werden, gehoeren die Kolbek-Danek-'.Verke in Prag, Skoda in Pilsen. Man hat dabei natuerlich im /iUge, sie vor amerikanischen
Bombern besser schuetzen zu koennen."
AFL Y.'eekly News Service
VI/5/51
IB7G aRKAi.LT HILFSMITTEL J'U^R UI'T^R^HT».T0K^LT^ LAHIID^R
Der Generalrat des Britischen Gewerkschaftskongresses (TUC)
hat mitgeteilt, dass er 60 000 Pfund .Sterling beisteuern werde,
um dem internationalen Bund Freier Gewerkschaften die Hoeglichkeit zu geben, weltweite Regionalorganisationen aufzubauen. Züsaetzlich zu dieser Summe, die der TUC selbst gibt, sind die angeschlossenen Gewerkschaften aufgefordert worden, einen gleichhohen Betrag fuer die drei naechsten Jahre ebenfalls vorzusehen.
Zu diesem Schritt bemerkt der Generalsekretaer des TUC, Sir
Vincent Tewson in der TUC-'.Vochenschrift "Industrienachrichten":
"Der IBFG ist nicht allein begruendet worden, um den Kommunismus
zu bekaempfen oder etwa sich der Diktatpolitik des V/eltgewerk-.
schaftsbundes zu widersetzen, der dem Kominform untersteht, sondern um in erster Linie eine starke und freie Gewerkschaftsbewegung in jenen Laendern aufzubauen, in denen diese noch nicht genuegend entwickelt ist. as ist deshalb fuer die Gewerkschaften
eine selbstverstaendliche Verpflichtung, dass in allen Laendern,
wo diese einen Hoechststand erreicht haben, sie ihren Kollegen
in anderen Laendern in jeder „reise helfend zur Seite steht.
Labor Information LI 642
- 16 -

�Intcrnafionale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Aaszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch .irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 27

Frankfurt, 6. Juli 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Unternehmertun und wirtschaftliche Zusammenarbeit -

1

Britische Gewerkschaften entwickeln Hilfsprogramm
fuer unterentwickelte Laender - - - - - - - - -

9

Bessere Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen erforderlich - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 1
Siegfried Aufhaeuser kommt nach Deutschland zurueck 12
Die Schiedssprechung der amerikanischen Gewerkschaften in Taetigkeit - - - - - - - - - - - - - 1 3
Lebensstandard und Produktivitaet von Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern
abhaengig - - - - - - - - - - - _ _ _ - - _ _ _

16

UNTERNEHMERTUM UND WIRTSCHAFTLICHE ZUSAUVILNARBLIT
Auszuege aus einer Ansprache ueber menschliche Beziehungen
und Produktivitaet, die vor kurzem von R. R. Zimmermann,
einem technischen Sachbearbeiter der ECA-Abteilung fuer
technische Unterstuetzung, in Washington gehalten wurde.
Die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit ist,
soweit sie den Vereinigten Staaten entstammt, vielleicht ein
Gegenbesuch der neuen ..'elt in der alten Welt, der Quelle ihrer
Staerke. Ich bin eher ein praktischer Llensch als ein Philosoph, aber es scheint mir, dass die alte Welt nicht nur ihre
Soehne und Toechter und das Kapital, mit denen das Land aufgebaut wurde, nach der neuen »Veit exportiert hat, sondern noch
einen weit bedeutsameren Faktor: Sie hat zwei getrennte Ge- 1-

�dankengaenge in die neue .Veit gebracht, die sich in Amerika
vereinigt und ein neues Produkt europaeischer Zivilisation hervorgebracht haben.
Die beiden Gedankengaenge oder Auffassungen, die ich meine, sind einmal die Wissenschaften, zum anderen der Begriff
der Menschenwuerde. Beide Begriffe waren europaeiscnen Geistes
und europaeischer Auffassung, sie waren.revolutionaer. Beide
sind in gleichem Kasse bestimmte charakteristische Merkmale
westlicher Kultur. Sie haben beide in Europa eine grosse Verbreitung erfahren. In Amerika haben sie vielleicht eine Variante erzeugt. Diese beiden Begriffe muessen jedoch analysiert
werden.
Die Wissenschaft ist ein geistiges Verfahren, in dessen
Verlauf Beobachtungen angestellt, Hypothesen ausgearbeitet,
Experimente geplant und Schlussfolgerungen ausgewertet werden.
Diese Methode hat in ihrer Anwendung durch Louis Pasteur zu
jenen bekannten neuen Entdeckungen auf medizinischem Gebiet
gefuehrt. Ihre Anwendung in der amerikanischen Industrie hat
zahlreiche technologische Entwicklungen in einem ebenso grossen
Massstab wie in Europa ausgeloest.
Der andere Begriff, die Menschenwuerde, bildet die Grundlage der franzoesischen Revolution, die ganz Europa mit sich
riss. Das Schlagwort: Freiheit, Gleichheit und Bruederlichkeit fand in den Herzen der Amerikaner staerksten Widerhall umsomehr, als der junge Marquis de Lafayette der ringenden amerikanischen Revolution tapfere Hilfe brachte. Auch die Amerikaner hatten damals aehnliche Traeume, die fast den gleichen
Quellen der europaeischen Kultur entsprangen.
Ich moechte ihre Aufmerksamkeit heute auf die Anwendung
jener beiden Ideen in der amerikanischen Kultur lenken und dabei
nicht nur in das Gebiet unserer materiellen Lebenshaltung, sondern auch in das der menschlichen Befriedigung, also eines
nicht materiellen Charakteristikums;, vordringen. Diese menschliche Befriedigung, glaube ich, ist eng mit der in Amerika zu
findenden Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und ebenso unserer Produktivitaet verknuepft. Um diese
Verknuepfung zu illustrieren, moechte ich gern auf zwei Beispiele der Forschung auf dem Gebiete der menschlichen Beziehungen hinweisen. Sie sind in der Tat ueberaus akut, obwohl ein
grosser Teil der Arbeit noch nicht vollendet ist. Ich zeige
sie ihnen deshalb weniger vom Standpunkt eines vollkommen ausgewerteten Ergebnisses wissenschaftlicher Forschung, sondern
vielmehr als Beweise..
Die beiden in Frage kommenden Studien wurden von Sozialwissenschaftlern an Universitaeten durchgefuehrt, die dem Buero
fuer Marineforschung vertraglich verpflichtet sind. Diese Behoerde der Regierung wurde vom Marineministerium nach Beendigung des zweiten /Veitkrieges zu dem Zweck errichtet, .iegliche
Forschungsarbeit, die von der Marine auf allen Gebieten - angefangen bei den Waffen bis zu den medizinischen Entdeckungen geleistet wird, auszuwerten.
Mit Geldmitteln, die von dieser Behoerde bereitgestellt
wurden, hat die Universitaet Michigan in Zusammenarbeit mit
einigen fuehrenden Unternehmen der Vereinigten Staaten eine Studie ueber Organisation, Produktivitaet und Moral begonnen.
Eines der ausgewaehlten Unternehmen war eine grosse Lebensver- 2 -

�Sicherungsgesellschaft, die ueber die Produktionsleistung in
verschiedenen Bueros, in denen die gleiche Arbeit verrichtet
wurde, genau Buch fuehrte. Diese parallelen Einheiten waren
vor einigen Jahren eingerichtet worden, weil das Unternehmen
der Meinung war, da3S bei einem sehr grossen Arbeitsanfall
die Arbeiten schneller erledigt wuerden, wenn die Gesamtzahl
der Konten ihrer Versicherten in Einzelabteilungen unterteilt
wuerde, in denen der Gesamtarbeitsvorgang der Berechnung und
Buchhaltung fuer sich geleistet wird. Die Arbeitnehmer dieser
Unterabteilungen wurden nach den gleichen Gesichtspunkten ausgewaehlt und arbeiteten unter den gleichen Bedingungen. Und doch
war die Produktionsleistung in einigen Abteilungen besser als
in anderen.
Die genaue Feststellung der Produktionsleistung lieferte
ausgezeichnete Unterlagen, mit deren Hilfe die Abweichungen auf
den einzelnen Gebieten festgestellt werden konnten. Der Faktor,
den man analysieren wollte, war die Art der Arbeitsleistung.
Die Forscher der Universitaet fanden heraus, dass die arbeitsvorgeseuzten der Gruppen mit hoeherer Produktionsleistung folgende charakteristische Merkmale aufzuweisen haben:
1. Sie spielen als Arbeitsvorgesetzte eine ganz bestimmte Rolle. Sie verwenden fuer die gleichen Funktionen weniger
Zeit als die Arbeitenden und mehr Zeit fuer die Beratung und
Unterstuetzung ihrer Beschaeftigten.
2. Die Arbeitenden werden von ihren Vorgesetzten weniger
streng ueberwacht, ebenso wie sie auch die Arbeit ihrer Untergebenen weniger ueberpruefen. Sie lassen den Arbeitnehmern •
mehr Handlungsfreiheit und erlauben ihre persoenliche Mitwirkung, wenn Entscheidungen getroffen werden. Katuerlich heben
die Beschaef tigten ein groesseres Interesse, wenn die Struktur
des Betriebes sowohl den Vorgesetzten als auch den Arbeitenden
eine groessere Handlungsfreiheit gibt und sie bei wichtigen
Entscheidungen zu Rate gezogen werden. Es bestehen infolgedessen bessere Moeglichkeiten, sich ueber die Dinge« auszusprechen.
3. Die Vorge-setzten unterrichten die Arbeitnehmer laufend
und lassen sie wissen, was man von ihnen erwartet und was sie
wirklich leisten. Die Vorschlaege der Beschaeftigten zur Befoerderung ?uter Mitarbeiter begruenden sich auf Tatsachen und
sollen von ihren Vorgesetzten wiederum verwirklicht werden.
In einem Ueberblick ueber diese Feststellung werden wir
daran erinnert, dass die Prbduktivitaetsfrage nur ein einziges
Kriterium der Gruppenleistungsfaehigkeit bildet. Die Genugtuung, die den einzelnen aus ihrer Arbeit erwaechst, ist
selbstverstaendlich ebenso bedeutsam, weil die menschliche Befriedigung in einer Demokratie eines der Endprodukte des industriellen Prozesses sein muss.
Die Befriedigung, die eine Arbeit in sich birgt, scheint
eine Funktion der Art der Arbeit zu sein, d.h. der Beachteftigung, des Faehigkeitsniveaus und des Interesses an der Arbeit
selbst. Abgesehen davon gibt es ebenfalls ein Befriedigtsein oder Nichtbefriedigtsein mit der Arbeitsgemeinschaft, in
die man gestellt ist. In den Gruppen mit einer besseren Produktionsleistung sind die Arbeiter'auf ihre Arbeit sehr stolz.
Sie haben das Empfinden, dass ihre Vorgesetzten in ihren Erwartungen vernuenftig sind. Mit guten Vorgesetzten produzieren
die Arbeiter nicht nur mehr, sondern sie sind auch gluecklichor.

•-J

�In dieser Darstellung hüben wir einige besondere Aspekte
der Arbeitsueberwachung in bezug auf Produktivitaet und Moral
festgestellt. Die beauftragten Forscher beeilen sich, uns
davor zu warnen, dass diese Feststellungen nicht unbedingt
auch fuer andere Organisationen gueltig sein muessen. Es wird
z. Zt. eine umfassende Forschungsarbeit geleistet, um diese
Feststellung auf ihre Gueltigkeit unter anderen Arbeitsbedingungen zu ueberpruefen.
Auf grund der bis jetzt getroffenen Schlussfolgerungen
haben Unternehmen und Universitaet beschlossen, eine andere
Schlussfolgerung auf die Probe zu stellen. Sie beabsichtigen,
in einer Gruppe von Arbeitsgemeinschaften noch staerker die
Uebertragung der Verantwortung von der hoeheren Betriebsleitungsebene auf die Arbeitsvorgesetzten auszupraegen und die
Arbeitsvorgesetzten in ihrem Umgang mit ihren Arbeitnehmern
besonders zu schulen, um sie an wichtigen Entscheidungen zu
beteiligen, und um es ihnen zu ermoeglichen, Vorschlaege auszuprobieren und aehnliches mehr. In einer anderen Arbeitsgruppe
versuchten sie dies mit weniger Diskretion und Hessen das technische Personal des Unternehmens arbeitsparende Methoden ausarbeiten und pruefen. Dieses Experiment ist noch nicht beendet. In beiden Faellen ging die Produktion in die Hoehe. Sie
werden sich an die beruehmten Hawthorne-Experimente erinnern,
in denen die Produktion gesteigert, wurde, als die Beleuchtung
verbessert und die Produktion wiederum in die Hoehe ging, als
man die Beleuchtung verringerte. Dies ist ein Beweis dafuer,
dass die wirkliche Ursache dieser Steigerung nicht die Beleuchtung selbst, sondern die Aufmerksamkeit ist, die man den Arbeitnehmern widmet. In dem jetzigen Experiment besteht jedoch
ein wichtiger Unterschied. Die Zahl der Arbeitsplatzwechsel
ist in jenen Einheiten groesser geworden, in denen die Aenderung
der Produktionsmethoden besonders hervorgehoben werden, waehrend sie in solchen niedrig blieb, in denen man groesseren .Vert
auf gute Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
legte. Die Zeit wird hierueber naeheres berichten koennen.
Yv'enden wir uns nun einer zweiten Studie zu, die wir Identifizierung und Akzeptierung der Fuehruni* nennen wollen, einer
Studie, die fuer das Amt fuer Marineforschung vom Institut
fuer menschliche Beziehungen in Philadelphia unter der Leitung
von Dr. Fillmore K. Sanford durchgefuehrt wird. Die bis heute
erzielten Ergebnisse sind bereits in einem Buch zusammengestellt.
Dr. Sanford wollte feststellen, was einfache Arbeiter von ihren
Vorgesetzten denken. Er bediente sich dabei einer Gruppe von
40 Bewohnern Philadelphias, die aus jedem der 24 Stadtgebiete
aufs Geratewohl herausgesucht wurden. Um zu sehen, wie die
Fuehrung vom Standpunkt des Untergebenen aus aussieht, stellte
man ihnen viele Fragen - welche Fuehrer sie' bewundern, welche
sie um Rat fragen,und was sie insbesondere von den Fuehrern
denken. Man pruefte auch gewisse oersoenliche Aspekte der Befragten. Die Pruefung bestand aus acht Punkten, die, wie
fruehere Studien bewiesen haben, einen Persoenlichkeitsgradmesser vom autoritaeren Charakter bis zu dem der Gleichheit
liefern. Ein autoritaerer Charakter, so stellt Sanford und
andere fest, wird als ein umfassender Komplex von Haltungen beschrieben, die in der Persoenlichkeit tief verwurzelt sind.
Der autoritaere Mensch ist jemand, der auf grund seiner ihm erzogenen Gewohnheit sich der Autoritaet der Eltern und anderer
Menschen anzupassen sucht und durch folgende Kennzeichen charakterisiert ist:

4 -

�Grosse Anpassungsfaehigkeit, Verachtung fuer diejenigen,
die ausserhalb seiner Gruppe stehen oder die sich mit den Werten und Eigenschaften des Menschenbildes jener Gruppen zufriedengeben, eine offene Feindseligkeit ihnen gegenueber,verbunden mit einer bereitwilligen Unterwerfung gegenueber dem Staerkeren, jedoch eine berechnende Haltung in den Beziehungen zu
diesen Menschen, Opposition gegenueber dem Gutherzigen, dem
Idealisten, ueberhaupt allem Menschlichen und eine unverkennbare intellektuelle Ruecksichtslosigkeit, gepaart mit einer opportunistischen Intelligenz in ihrem Streben nach persoenlicher
Macht. Diese Kombination zeigt eine Unsicherheit, die tief
in -der Persoenlichkeit steckt und die zu ueberdecken der Einzelne zahlreiche Versuche unternimmt.
Dagegen wird derjenige, dem die Gleichheit der Menschen
ein echtes Prinzip ist, vernuenftig in seinem Verhaeltnis zu
seinen Vorgesetzten sein, die menschliche Gruppenverantwortlichkeit akzeptieren und die soziale Funktion des Fuehrers hervorheben.
Diese Pruefung, ob eine Person autoritaer oder gleichberechtigt gesinnt ist, besteht, so wie sie in Philadelphia angewendet wurde, aus acht einzelnen Fragen:
1. Muss es bei den menschlichen Wesen immer Krieg und
Konflikte geben?
2. Ist das Wichtigste, was ein Kind lernen soll, der
Gehorsam gegenueber seinen Eltern?
3. Koennten einige wenige tuechtige Fuehrer dieses Land
besser vorwaertsbringen als alle Gesetze und Reden?
4. Haben die meisten Menschen, die nicht vorwaertskommen,
nicht genug Willenskraft?
5.

Muessen die Maenner ihren Frauen helfen?

6.

Sollen sich die Frauen aus der Politik heraushalten?

7. Die Leute behaupten manchmal, dass eine Beleidigung
nicht vergessen werden darf, weil sie die Ehre verletzt. Sind
sie damit einverstanden oder nicht?
8.

Kann man allen Menschen Vertrauen schenken?

Selbstverstaendlicti liegen diesen fragen die Verhaeltnisse
in Amerika zugrunde. Die Antworten der meisten, die ihre Mitmenschen fuer gleichberechtigt halten, sind stark verneinend
auf die Fragen 1, 2, 3, 4, 6 und 7, dagegen beja^n. sie die
Fragen 5 und 6. Die Antworten der autoritaeren Charaktere dagegen sind natuerlich gegensaetzllcher Auffassung.
Der Autoritaere bevorzugt in seiner Wahl von Fuehrern
kraftvolle Persoenlichkeiten mit grossem Einfluss. Wenn er sich
an jemand wendet, um dessen Rat einzuholen, wuenscht er einen
Menschen mit Prestige zu fragen, der die Situation klaeren kann.
Der Autoritaere wird sich mit einer starken Fuehrung stets einverstanden erklaeren. Wenn ein Fuehrer Zeichen der Schwaeche
oder einer abweichenden Gesinnung zeigt, wird der Autoritaere
feindselig. "Der Fuehrer, der sich seiner nicht sicher ist,
ist abzulehnen."
- 5-

�Derjenige dagegen, dem die Gleichberechtigung der Menschen
Grundsatz ist, kann sich mit der Machtausuebung eines anderen
einverstanden erklaeren, kann sie aber auch entbehren. Er kann
einen autoritaeren Fuehrer akzeptieren, wenn.die Situation es
erfordert. Und er kann sich seiner Macht auch entziehen, wenn
eine Veraenderung der Situation eintritt.
Das Verhalten des Autoritaeren richtet sich danach, was er
fuer sich gewinnen kann, d.h. es wird beherrscht von einer Art
Haendlergeist. Er kann z.B. dirigieren oder den einflussreichen Fuehrer als einen Menschen ansehen, der ihm Schutz und andere Dinge bieten kann, und als Gegenleistung hierfuer bietet
er ihm seine Loyalitaet.
Der, dem jedoch die Gleichheit der Menschen am Herzen
liegt, wuenscht sich dagegen einen Fuehrer, der persoenlich und
verantwortungsbewusst ist, der seine Mitmenschen achtet und
ihre Ideen- kennenlernen will.
Der Autoritaere sieht in einem Fuehrer weniger den Treeger
einer sozialen Funktion, sondern vielmehr eine Machtperson.
Der andere dagegen denkt funktionell, d.h. er wuenscht,
dass der Fuehrer eine besondere Leistung vollbringt. Wenn die
Fra^e gestellt wird, ob ein Mann ein guter Sprecher ist, 30 wird
er sich mit den Gedankengaengen, der Zahl und der Art seiner
Zuhoerer befassen» bevor er eine Meinung zum Ausdruck bringt.
Der üutoritaere aber wird, wenn er eine hohe Meinung von einem
Menschen hat, ihn als gleichmaessig gut fuer eine Vielzahl von
Taetigkeiten ansehen.
Die Beziehungen des Autoritaeren zum Fuehrer sind persoenlicher Art. Er hat wenig Gemeinschaftsbewusstsein. Er
schliesst sich nicht willig einer Gruppe an, und wenn er es
tut, hat er dabei die Absicht, selbst dabei zu profitieren.
Der andere kuemmert sich um seine Kollegen ebensosehr wie
um seine Vorgesetzten. Er wuenscht, dass die Ziele seiner Gemeinschaft immer hoeher gesteckt werden. Er wird eine Verantwortung uebernehmen, um seiner Gruppe zu helfen und wird freiwillig Aufgaben fuer seine Gruppe uebernehmen, selbst wenn sie
ihm keinen Ruhm oder keinen Dank einbringen. Er wird sich
eher Menschen anschliessen als sie zu beherrschen suchen. Er
passt sich den Situationen, aber nur bedingt dem Fuehrer an.
Schliesslich hat der autoritaere weniger Aussichten, von
seiner Gruppe gewaehlt zu werden. Er wird aller Wahrscheinlichkeit nach von oben her ernannt werden und sich deshalb
seinen Vorgesetzten gegenueber verantwortlich fuehlen, nicht
aber seinen Untergebenen und Mitarbeitern.
Derjenige, fuer den alle Menschen gleich sind, wird das
Bestreben haben, den freundlichen oder populaeren Menschen zu
seinem Fuehrer zu waehlen, vor allem dann, wenn es sich um
eine Stellung handelt, die nicht allzu wichtig ist. Wo jedoch
viel auf dem Spiel steht, wird er sehr waehlerisch sein. Im
Dschungelkrieg wird er den zum Fuehrer waehlen, der ueber die
Faehigkeit verfuegt, seine Kampfeinheit lebend wieder herauszubringen. '
Damit sieht Sanford, objektiv betrachtet, ein dreiteiliges
Verhaeltnis: Die Situation, den Fuehrer und den Gefolgsmann.
Eine bestimmte Art einer Situation wird eine bestimmte Art der
- 6-

�Beziehungen zum Fuehrer und Gefolgsmann erfordern. Wenn weitere
Forschungsergebnisse zur Verfuegung stehen, wird uns diese Denkeinstellung helfen koennen, die Menschen in jene Gruppen zu
gruppieren, in denen sie sich gluecklicher fuehlen und mehr
leisten koennen.
Stellen wir nun einen Vergleich zwischen diesen beiden
Studien an. In der Versicherungsgesellschaft gibt es in den
Gruppen mit hoeherer Produktivitaetsleistung Arbeiter,, die
auf ihre Arbeit stolz sind und Vorgesetzte, die ihre Untergebenen laufend unterrichten und alles mit ihnen besprechen. Mit
anderen V/orten, die Vorgesetzten sind gereifte Persoenlichkeiten, die in anderen Menschen Sicherheit und Vertrauen schaffen.
Sie fuehlen sich selbst verhaeltnismaessig sicher und brauchen
nicht anderen Menschen in einer Form Befehle zu erteilen, dass
sie damit ihre eigenen egoistischen Ziele foerdern. Sie koennen es sich leisten, sachlich zu sein, Tatsachen zu berücksichtigen und sich um andere zu kuemmern.
Diese Feststellungen, so moechte ich fast glauben, sind
in gewisser Hinsicht typisch fuer einen Gruppierungsvorgang,
der in Amerika nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch in vielen anderen Organisationen stattgefunden hat. Dieser Vorgang
steht in schreiendem Widerspruch z*u der alten Auffassung vom
Meister und seinem Diener, der in der Vergangenheit das Wirtschaftsleben sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in
anderen Laendern zu beherrschen versuchte. Gewiss gab es fuer
die "Kapitaene der Industrie", die vor einigen Generationen
die grossen Unternehmungen errichteten, keinerlei Zweifel usber
die Frage, wer ein wirklicher Fuehrer ist. Als jedoch um 1890
in Amerika kein freies Land mehr zur Besiedlung verfuegbar
war und die Emigration aus anderen Laendern schnell abnahm,
begann die schnelle Entwicklung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung mit ihrer Forderung, die Arbeiterschaft als
gleichberechtigt am Verhandlungstisch anzuerkennen. Diese Gewerkschaftsbewegung ist ein dritter wesentlicher Faktor, der
zur Entstehung unserer gegenwaertigen industriellen Einrichtungen beigetragen hat, ebenso wie die Wissenschaft und die
demokratische Auffassung von der Wuerde des Einzelmenschen und
seiner Faehigkeit, mit seinem Wissen und seiner koerperlichen
Kraft sich nuetzlich zu machen. Eine andere Macht, die fuer
unsere Einrichtungen von Bedeutung war, ist der fliessende Charakter der amerikanischen Lebensweise, d.h. die Möglichkeit,
die fast jeder hat, sich unentgeltlich ausbilden zu lassen
und vorwaerts zu kommen.
Im Licht dieser Faktoren, die den Grundstein fuer unsere
soziale Struktur bilden, moechte ich heute feststellen, dass
die Art der Fuehrung, ueber die wir in unseren amerikanischen
industriellen Einrichtungen heute verfuegen, sehr viel mit
unserer Produktivitaet zu tun hat-.
Die meisten Menschen, die vieles ueoer technische Unterstuetzung und gegenseitigen Austausch wissen, beschaeftigen
sich hauptsaechlich mit technologischen und technischen Gesichtspunkten. Ich glaube jedoch, dass die menschlichen und sozialen
Gesichtspunkte im Rahmen der amerikanischen Industrie und des
amerikanischen Lebens fuer unsere Produktivitaet zumindest ebenso
wichtig und wahrscheinlich noch bedeutsamer sind.
Der Wert der vorliegenden Studien liert hauptsaechlich in
der Feststellung, was Menschen gefuehlt und versucht haben. Im
grossen und ganzen streben viele Amerikaner danach, Persoenlich- 7-

�keiten zu sein, die die Gleichberechtigung ihrer Mitmenschen
anerkennen. Mit dieser Grundeinstellung halten es viele von
uns fuer verhaeltnismaessig leicht, den gefuehlsmaessigen und
sozialen Beduerfnissen der Arbeiter und auch ihren Lebensbeduerfnissen Rechnung zu tragen. Wir sind der Ansicht, dass,
wenn Menschen tatsaechlich als Menschen anerkannt werden, wenn
sie das Gefuehl haben, einer echten Gemeinschaft anzugehoeren
und frei ihre Meinung zum Ausdruck bringen und ihre Ideen nach
eigenem Ermessen ansetzen koennen - ebenso wie ihrer Haende
Arbeit - sie auch das Bewusstsein haben, fuer etwas mehr als
nur fuer einen unentbehrlichen Lohn zu arbeiten. Durch diese
Einstellung entwickeln sie sich vom Lohnempfaenger zur Persoenlichkeit.
Ich moechte auf keinen Fall den Vorschlag unterbreiten,
dass wir diese Ideen absolut und vollkommen verwirklichen,
denn sowohl im Wirtschaftsleben als auch in der Regierung gibt
es Menschen in fuehrenden Positionen, die sowohl in gefuehlsmaessiger Hinsicht unreif als auch geistig zu beeinflussen
sind. Es sind vor allem jene, die gern ueber andere triumphieren. Wir haben schon unsere kleinen Diktatoren und manche von ihnen sind garnicht einmal unbedeutend.
Uebrigens sind wir zu einem Stadium verhaeltnismaessig
guter Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmer
durch Kaempfe und Streiks gelangt. Frueher'waren sowohl
Unternehmer als auch Arbeiter absolut egoistisch und kaempften
lediglich fuer ihre eigenen Ziele. Jeder der beiden Partner
widersetzte sich irgendwelchen Veraenderungen in der Form der
Zusammenarbeit, da jeder befuerchtete, dass die Konzessionen
auf Kosten ihres Status oder ihres Prestiges gingen und sie
dadurch in den Augen des anderen herabgesetzt wuerden. Unternehmer und Gewerkschaften haben sich in der Vergangenheit in einen
kostspieligen Kampf um die Frage eingelassen, wer die Fuehrung
der Arbeiterschaft uebernehmen soll. In vielen Faellen haben
die Gewerkschaften deshalb den Kampf gewonnen, weil die Arbeiter der Auffassung waren, dass die Gewerkschaften mit ihnen
identisch sind, dass das Unternehmertum an ihren Problemen nicht
interessiert sei.
'Es hat niemals eine Zeit gegeben, in der es derart wichtig fuer Unternehmer und Gewerkschaftsfuehrer gewesen ist, die
Wuensche und Erwartungen der Arbeiterschaft verwirklichen zu*
helfen, wie es heute der Fall ist. Es hat auch niemals eine
Zeit gegeben, in der eine feindselige Haltung der Arbeiterschaft
gegenueber dem Unternehmertum fuer die gesamte Zivilisation gefaehrlich geworden ist. Die Stimme des Kommunismus ruft laut
nach allen jenen, die unzufrieden sind und die sich nicht als
Teil ihrer industriellen Gruppe fuehlen. Die Stimme der Kommunisten schreien sehr laute, aber verdaechtige Verpsrechungen,
die die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang schon laengst als
hohl und falsch erkannt haben, fuer die die bisherige Freiheit
durch Unterdrueckung ersetzt und ihr Lebensstandard heruntergedrueckt wurde.
Es mag sein, dass die Vereinigten Staaten, die Frucht der
Freiheit und der Wissenschaft, jene Traeume in ein etwas schaerferes Licht gebracht haben, die sich hinter dem grossen Glauben unserer westlichen Zivilisation erstrecken. Es ist Tatsache, dass
in der westlichen Welt, in Europa und Amerika
und wo immer sonst sich unsere Gedenken ausgebreitet haben,
diese nicht nur einen Weg fanden, um den physischen Moeten der
Menschen zu begegnen, sondern auch um dem kleinen Mann auf der
- 8-

�Strasse alle Moeglichkeiten zu geben, seine Kraefte zu entwickeln
und ein aktiver Teilhaber der Gesellschaft zu werden, nicht nur
mit seinem Hirn, sondern ebenso mit seinen Haenden. Wir haben
daher das volle Vertrauen, dass im Gegensatz zur Tyrannei der
Sowjets, die unter utopischen Versprechungen die Freiheit der
Menschen ausgeloescht haben, die freie Welt in Wirklichkeit
nach dem strebt, was fuer die meisten Menschen in ihren Traeumen zum Ausdruck kommt. Ich habe den Glauben, dass die freie
Welt, die erst kuerzlich Hitler-Moussolini beseitigen konnte,
nicht nur dem sowjetischen Imperialismus widerstehen wird, sondern zu gleicher Zeit auch andere Hoffnungen der Menschheit in
Erfuellung bringen kann.
Wir sind bereits sehr weit auf diesem Wege gegangen, um
jedem Menschen dabei zu helfen, sich selbst als wertvolle und
wuerdige Persoenlichkeit zu fuehlen, als wirklicher Buerger in
der Familie und in zunehmendem Masse auch an seiner Arbeitsstaette. Wir kennen das Geheimnis, den Lebensstandard zu
heben - auch heute, wo wir in eine Aera der Wiederbewaffnung
eintreten muessen. Wir haben aber auch die einzige Gelegenheit,
den ganzen Willen freier Menschen aufzurufen, indem wir ihr
Los auf dem Wege zur Freiheit besser gestalten.
Transatlantic Vi/51
Vincent Tewson:
BRITISCHE GEWERKSCHAFTEN ENTWICKELN HILFSPROGRAMM FUER UNTERENTWICKELTE LAENDER
Der nachstehende Artikel von Vincent Tewson, dem Generalsekretaer des britischen Gewerkschaftskongresses, kuendigt an, dass der TUC dem Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften 60,000 Pfund Sterling zur Unterstuetzung
der gewerkschaftlichen Organisation in unterentwickelten
Gebieten zur Verf uegung -stellt. Tewson gibt zugleich
einen aeusserst zeitgemaessen Ueberblick ueber die Ziele
des TUC, die natuerlich auch denen der freien Gewerkschaftsbewegungen der uebrigen Welt entsprechen.
Innerhalt sehr kurzer Zeit - in weniger als 18 Monaten ist 3s dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften nicht
nur gelungen seinen Verwaltungsapparat fuer eine intensive
konstruktive Arbeit zu organisieren, sondern diese Arbeit
auch ununterbrochen weiterzufuehren.
Die Anweisungen, die dem IBFG auf der Gruendungskonferenz
in London im Dezember 1949 gegeben wurden, waren gewiss
aeusserst klar und eindeutig. Es war nicht seine Aufgabe, sich
in unfruchtbare Kontroversen mit dem kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund einzulassen, von dem sich die grosse
Masse der Gewerkschaften der freien '.Veit zurueckgezogen hatte.
Unsere Organisation hatte den Auftrag, eine positive Politik
zu verfolgen, und bereits im Maerz 195Ö beschaeftigte sich der .
Notstandsausschuss des IBFG, dessen Funktion darin besteht,
alle wichtigen und dringenden Fragen zu bearbeiten, die sich
zwischen den regulaeren Konferenzen des Exekutivausschusses ergeben koenner, mit der gewerkschaftlichen Situation in allen
Teilen der Welt und besonders im Fernen Osten, in Suedost-Asien,
dem Mittleren und Nahen Osten und Afrika.
9 -

�Diese Pruefung der gewerkschaftlichen Situation erfolgte
in Uebereinstimmung mit einem der wichtigsten Beschluesse, die
auf der 1. Konferenz in London gefasst wurden. Man war sich
der Notwendigkeit bewusst, die Beziehungen zwischen den freien
Gewerkschaften der Welt zu erneuern, um Missverstaendnisse
und falsche Zielsetzungen zu beseitigen, die im Zusammenhang
mit der Ursache des Bruches zwischen den freien demokratischen
Gewerkschaften und dem Weltgewerkschaftsbund entstanden waren
und gleichzeitig starke und freie Gewerkschaftsorganisationen
zur Foerderung einer fortschrittlichen Arbeiterpolitik in solchen Laendern aufzubauen, in denen die Gewerkschaftsbewegung
nicht genuegend entwickelt war. In einigen Faellen war vielleicht sogar eine falsche Politik festzustellen, weil einzelne
Gewerkschaften unter widerstrebenden politischen und sozialen
Bedingungen operieren mussten. Dies war klarer und eindeutiger als die Direktive, die die Londoner Konferenz dem Exekutivausschuss zur Festlegung seiner unmittelbaren Aufgabe gegeben
hatte.
In dieser Direktive wurde der Ausschuss aufgefordert,
so schnell wie moeglich jene nationalen Gewerkschaftszentren
zu unterstuetzen, die die Hilfe am dringendsten benoetigten.
Zugleich sollte er Verbindungen mit den bestehenden regionalen Gewerkschaftsgruppen aufnehmen, um die moeglichen Grundlagen der Zusammenarbeit bei der Entwicklung regionaler Organisationen ausfindig zu machen. Eine weitere Aufgabe bestand
darin, festzustellen, welche Meinung alle angeschlossenen
nationalen Gewerkschaftszentren bei dem Aufbau eines regionalen Gewerkschaftsapparates haben und die vorlaeufig notwendigen Schritte zu unternehmen, um ein weltweites System regionaler Organisationen als eines integralen Bestandteils des IBFG
zu schaffen.
Diese erste Aufgabe ist mit so viel Energie und Erfolg
angepackt worden, dass der IBFG damit einen klaren Beweis fuer
seine konstruktiven Absichten und positiven Ziele geliefert
hat. Der Fortschritt, der in so kurzer Zeit erzielt wurde,
hat den britischen Gewerkschaftskongress so stark beeindruckt,
dass er beschloss, aus eigenen Geldmitteln eine Summe von
60,000 Pfund Sterling zur Verfuegung zu stellen. Er wendet
sich gleichzeitig an seine ihm angeschlossenen Organisationen
mit der Bitte, mindestens ebenso viel Mittel freizumachen, die
in den naechsten drei Jahren fuer die Entwicklung der regionalen Organisationen und der regionalen Taetigkeit des IBFG bereitgestellt werden sollen.
Da dieser Betrag zusaetz lieh zu den jaehrlichen Mitgliedsbeitraegen geleistet wird, die die britischen Gewerkschaften an den IBFG zahlen, kann er als Beweis fuer das aktive
Interesse gewertet werden, das die britische Gewerkschaftsbewegung am Aufbau der ganzen Welt zeigt. Der TUC fuehlt sich vor
allem fuer die junge Gewerkschaftsbewegung im Commonwealth verantwortlich und hat vor kurzem positive Massnahmen zur Foerderung ihrer Entwicklung eingeleitet, in dem er Bueromaterialien,
Transporteinrichtungen und andere Mittel zur Verfuegung gestellt hat, die fuer die Gewerkschaftszentren in einigen der
Kolonien wichtig sind, aber zurzeit nicht ueber die Mittel
verfuegen, um sich selbst zu unterhalten.
Der TUC hat ausserdem fuer junge Gewerkschafter in den
Kolonien Stipendien und andere Moeglichkeiten der Ausbildung
zur Verfuegung gestellt. Erfahrene Gewerkschafter haben unter
der Schirmherrschaft des britischen Gewerkschaftsbundes TUC
10 -

�die Kolonien besucht, um die Organisatoren der Kolonialgewerkscheften bei ihren praktischen Problemen zu beraten und zu
unterstuetzen.
Es ist damit eine neue Richtlinie in der Politik des TUC
festgestellt. Der TUC setzt sich nachdruecklich dafuer ein,
dass seine Mitgliedsorganisationen ein starkes Interesse an
der Foerderung der Gewerkschaftsbewegung in unterentwickelten
und wirtschaftlich rueckstaendigen Gebieten zeigen* Jus ist
eine Verpflichtung der Solidaritaet, dass Gewerkschafter in
solchen Laendern, in denen die Bewegung herangereift ist,
ihre Kollegen in anderen Laendern tatkraeftig unterstuetzen
und alles foerdern, was auf diesem Gebiet getan werden kann.
Und hier kann viel geleistet werden. Der richtige Weg ist
nach Auffassung des TUC die Zusammenarbeit aller nationalen
Gewerkschaftszentren mit dem IBFG am Aufbau seiner regionalen
Organisationen. Dabei darf keine Zeit verloren und keine
Gelegenheit versaeumt werden, um den Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften zu der weltweiten GewerkschaftsOrganisation zu machen die er sein soll.
Die Zukunft der freien Gewerkschaften haengt von der
gemeinsamen Arbeit der im' IBFG zur Verfolgung der gleichen
Ziele zusammengeschlossenen Gewerkschaften ab. Die Organisation wurde keineswegs allein zu dem Zweck ins Leben gerufen,
den Kommunismus zu bekaempfen, oder der Beschwichtigungspolitik der internationalen Gewerkschaftspolitik des Kominform
entgegenzutreten. Der IBFG und seine ihm angeschlossenen nationalen Gewerkschaften haben wichtigeres zu tun, als lediglich der gefaehrlichen umstuerzlerischen Taetigkeit des Weltgewerkschaftsbundes entgegenzutreten. Zweifellos jedoch ist
es auch eine unserer Aufgaben, die Gewerkschaftsbewegung auf
nationaler und internationaler Ebene von diesen schaedlichen
Einfluessen zu saeubern.
ECA Labor Information
VI/20/51
BESSERE ARBEITGEBER - ARBEITNEHMER BEZIEHUNGEN ERFORDERLICH
Die Beseitigung politischer Gesichtspunkte aus" den Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und die
Festsetzung von Arbeitsbedingungen wurde von zwei italienischen Gewerkschaftern, die eine Studienreise durch die Vereinigten Staaten beendet haben, als Mittel zur Verbesserung der
Beziehungen zwischen Arbeiter und Unternehmer in ihrem eigenen
Lande bezeichnet.
Die beiden Arbeiter Giovanni Caligari aus Mailand und '
Anthony Cocci aus Rom waren Mitglieder einer Besuchergruppe,
die sich aus Vertretern der Buntmetallindustrie zusammensetzte
und ihre einmonatige Studienreise durch die Vereinigten Staaten
im Rahmen des technischen Unterstuetzungsprogramms des Marshallplans soeben beendet nat.
Wir moechten gern, dass sich unsere Gewerkschaften in
ihren Verhandlungen auf Wirtsehaftsfragen beschraenken, so wie
es in den Vereinigten Staaten der Fall ist, sagte Cocci. Wenn
es den Kommunisten gelingt, politische Elemente in diese Verhandlungen hereinzutragen, sind diese Beziehungen in ihrer Gesamtheit gestoort.

�Sein Kollege Caligari wies darauf hin, dass die italienischen Arbeiter eine Modernisierung nicht fuerchten, durch die
ihre Arbeit erleichtert und die Produktionsleistung gesteigert
werden koennte. Die Kommunisten versuchten jedoch die Arbeiterschaft angesichts dieser neuen Idee mit derart viel Bedenken
zu umgeben, dass sie Schiffbruch erleiden muss.
Waehrend ihres Besuches in den Vereinigten Staaten hatten
die Mitglieder der Besuchergruppe ein ungewoehnliches Erlebnis, in dem sie als Uebermittler technischer Informationen zwischen zwei amerikanischen Betrieben taetig waren. In einem
Betrieb sahen sie, wie die durch Azetylen erzeugte Hitze dazu
verwendet wurde, die Q,ualitaet der Zinkbleche zu verbessern.
Die Italiener ueberlegten nicht nur, wie dieses Verfahren in
Italien angewendet werden koennte, sondern erwaehnten es auch
zufaellig in dem naechsten Betrieb, den sie besichtigten* In
diesem Betrieb war dieses Verfahren unbekannt und die Werkleitung beschloss, sich sofort mit dem System zu beschaeftigen
und, wenn es irgend moeglich ist, es anzuwenden.
Waehrend ihrer Reise durch die Vereinigten Staaten besuchte die Gruppe Betriebe in New Jersey, Connecticut, Massachusetts,
Rhode Island, Indiana und Illinois.
SCA Labor Information
VI/20/51
SIEGFRIED AUFKAEUSER KOMMT NACH DEUTSCHLAND ZURUECK
Der nachstehende Bericht, 5er dem Organ der New Yorker
Journalistengewerkschaf.t "Front Page" entnommen ist, gibt die
Geschichte eines New Yorker Journalisten wieder, der vor 1933
Gewerkschaftsfuehrer in Deutschland war und jetzt in dieses
Land zurueckkehrt, um dort die gewerkschaftlichen Organisationen der Angestellten zu unterstuetzen.
Bis zu seiner Rueckkehr nach Deutschland war der ruhige
bescheidene Siegfried Aufhaeuser fuer seine Arbeitskollegen
nichts weiter als ein aelterer deutschsprachiger Journalist.
Nicht viele wussten, dass er vor 1933 in Deutschland ein
bekannter Gewerkschaftsfuehrer und Vorsitzender der maechtigen
Gewerkschaft der Angestellten, des AfA-Bundes, und Mitglied
des Reichstags war. Vor dem Krieg bekleidete er eine fuehreivde Stellung in der deutschen Gewerkschaftsbewegung; er kehrt
nach Deutschland zurueck, um erneut in dem Kampf der freien
Gewerkschaften mitzuarbeiten.
Aufhaeusers gewerkschaftliche und parlamentarische Laufbahn fand mit der Machtuebernalime Hitlers ein jaehes Ende. Zu
Anfang des« Jahres 1933 ereilte ihn das gleiche Schicksal wie
die meisten prominenten Persoenlichkeiten in Deutschland, die
sich mit Hitler nicht einverstanden erklaeren konnten und es
wagten, ihre Stimme gegen ihn zu erheben.
Er wurde verhaftet und als Mitglied des deutschen Parlaments sogar beschuldigt, an jenem berechtigten Reichstagsbrand beteiligt gewesen zu sein. Jahre danach stellte man
fest, dass der Reichstag von Hitlers eigenen Schergen zu propagandistischen Zwecken in Brand gesteckt worden war.
Nach seiner Flucht aus Deutschland begab sich Aufhaeuser
nach Paris und spaeter in die Tuerkei. In Prag wurde er fueh- 12 -

�render Funktionaer der Gewerkschaftsbewegung der Angestellten
des mittleren Europas und der Balkanstaaten, und es gelang
ihm, eine Organisation mit einer Mitgliederzahl von mehreren
100,000 aufzubauen.
In Prag, war er bis zum Jahre 1938 taetig, als Hitlers
Schergen ihn erneut waehrend der nichtprovozierten Invasion
der Tschechoslowakei aufstoeberten. Mit Hilfe von Anhaengern
der Untergrundbewegung konnte er erneut entkommen und ging
diesmal nach London. Aber schon im naechsten Jahr verliess
er England und ging in New York an Land. Mit 53 Jahren begann
fuer ihn ein neues Leben in einem fremden Lande. Hier kannte
ihn das Aussenministerium als wertvollen Berater fuer den Aufbau einer neuen Gewerkschaftsbewegung in Deutschland nach dem
Kriege.
Zweifellos wird Aufhaeuser in der Rehabilitierung des demokratischen Deutschlands und der freien Gewerkschaftsbewegung
eine bedeutende Rolle spielen. Von seiner zehnjaehrigen Erfahrung als taetiges Mitglied der amerikanischen Presse berichtet
er: Wenn ich die Vereinigten Staaten verlasse, so bedauere ich
vor allem, dass ich unsere Gewerkschaft nicht mit mir nehmen
kann. Ich »var sowohl in Deutschland als auch in Amerika Journalist und zugleich waehrend meines ganzen Lebens Gewerkschafter.
Seibsc in Deutschland hatten wir vor 1933 niemals eine
Organisation, die man mit der hiesigen Gewerkschaft haette vergleichen koennen. Es ist eine meiner aufrichtigsten Hoffnungen,
mithelfen zu koennen, die Journalistenverbaende und Gewerkschaften in Deutschland zu vereinigen, wie wir es auch in Amerika
unter dem Banner der Journalistengewerkschaft getan haben.
In Deutschland wird Aufhaeuser seine langjaehrigen gewerkschaftlichen Erfahrungen dazu verwenden, um die gespaltene Organisation der Angesteliten wieder zu einer einzigen maechtigen
Kraft zu vereinigen, wie sie es in der Zeit vor Hitler war.
Aufhaeuser erklaerte, dass
nale Repraesentant das CIO beim
weilt, wahrscheinlich einer der
ist, die mithelfen werden, eine
gewerkschaft aufzubauen.

Victor Reuther, der internatioIBFG, der oft in Deutschland
zahlreichen Gewerkschaftsfuehrer
vereinigte deutsche AngestelltenThe CIO News
VI/25/51

DIE SCHIEDSSFRECHUNG DER AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN IN TÄTIGKEIT
Der beste Weg zum Verstaendnis des Beschwerdemechanismus
und der Schiedssprechung ist die Verfolgung eines gegebenen Falles. Hier handelt es sich um einen Fall, der in einem grossen
Stahlwerk in Pittsburg auftauchte, und als "der Fall der ungewaaohenen Waende"bekannt wurde. Mr. X. ist der Ammoniakdestillateur des Nebenproduktwerkes. Als er am Sonntag, den 27. Juni
1948 zur 4-8 Uhr Schicht zur Arbeit kam, forderte ihn sein Vormann auf, an diesem Tage die Waende des Destillationsraumes innerhalb seiner normalen Arbeit zu waschen. Mr. X. beschwerte sich
und sagte, dass das Waschen -der Waende nie zuvor von ihm verlangt
worden sei, und dass die Waende tatsaechlich erst einmal, und
zwar von einem Pfoertner, gewaschen worden waeren. Der Vormann
sagte: "Nichtsdestoweniger muessen Sie heute die Waende waschen.
j-o

—

�Da3 ist ein Auftrag meines Betriebsfuehrers." X. bat um Erlaubnis, mit einem Mitglied seines Beschwerdekomitees sprechen zu
koennen, bevor er sich entschloesse, was zu tun sei. Nach einigem Zoegern wurde diese Erlaubnis abgelehnt, und X. vor die
Alternative gestellt, entweder die Waende sofort zu waschen
oder nach Hause zu gehen. Er zog es vor, nach Hause zu gehen
(er blieb jedoch auf dem Posten, bis ein Ersatzmann beigeschafft
werden konnte). Am anderen Tage kehrte er zur Arbeit zurueck,
und ihm wurde das Ultimatum gestellt, entweder die Waende zu
waschen oder nach Hause zu gehen. So ging er nochmals nach
Hause. Am dritten Tage wurde ihm der Eintritt ins Werk verweigert. Seine Karte war vom Haken genommen worden, und als er
dagegen protestierte, erklserte die Gesellschaft, dass er seinen
Posten freiwillig aufgegeben haette, und dass damit die Sache
abgeschlossen sei. Natuerlich war sie nicht abgeschlossen.
Mr. X. setzte sich mit seinem Beschwerdekomitee in Verbindung,
und der Fall begann seinen Lauf durch die fuenf Schritte des
Beschwerdemechanismus. Waehrend des vierten Schrittes bot die
Gesellschaft eine Beilegung auf der Basis der Wiedereinsetzung
ohne Bezahlung der rueckstaendigen Loehne an. Die Gewerkschaft
lehnte dieses Angebot ab und wies darauf hin, dass der Vertrag
verletzt worden sei, und dass daher Mr. X. einen Anspruch auf
die verlorenen Loehne haette. Der Fall kam am 29. September
1948 vor ein Schiedsgericht, nachdem ueber drei Monate seit
Beginn der Beschwerdefuehrung vergangen waren. Die Gewerkschaft
brachte als Zeugen Mr. X., drei seiner Mitarbeiter des Nebenproduktwerkes und ein Mitglied des Beschwerdekomitees bei.
Die Untersuchung wurde von einem Mitglied der Untersuchungsabteilung der Gewerkschaft gefuehrt. Die Gesellschaft wurde
durch ihren Rechtsanwalt und ihren stellvertretenden Personalchef vertreten. Drei Zeugen waren vorhanden; und zwar der
Vormann, der Abteilungsleiter und der Direktor der Arbeiterabteilung des Werkes.
Um diesen Fall verfolgen zu koennen ist das Verständnis
der Tatsache, dass der Vertrag ein besonderes Suspendierungsund Entlassungsverfahren vorsieht, notwendig. Diese Klausel
besagt, dass Arbeitnehmer nicht diktatorisch entlassen werden
koennen, und dass in allen Faellen, in denen die Betriebsfuehrung zum Entschluss kommt, dass das Verhalten des Arbeitnehmers
eine Suspendierung oder Entlassung fordere, dieser zunaechst
einmal fuer nicht mehr als fuenf Tage zu suspendieren ist. Vertritt der Arbeitnehmer den Standpunkt, dass die Suspendierung
oder die beabsichtigte Entlassung unberechtigt ist, kann er
eine Beschwerde einreichen, die automatisch nach dem dritten
Schritt der Beschwerdeordnung behandelt wird.
In diesem Falle fuehrte die Gewerkschaft aus, dass die
Gesellschaft den Bestimmungen des Vertrages nicht nachgekommen
sei. Sie hatte Mr. X. ohne Suspendierung und Zulassung einer
Verhandlung entlassen. Es stimmte zwar, dass X. sich einer
Suspendierung aussetzte, indem er sich weigerte, den Auftrag
seines Vormannes auszufuehren. Die in dem Uebereinkommen vorgesehene Verhandlung haette entschieden, ob seine Weigerung
berechtigt war oder nicht, aber es konnte kein Zweifel in Bezug
auf den Anspruch des Herrn X. auf zunaechst einmal eine Suspendierung und eine Verhandlung innerhalb von fuenf Tasren bestehen.
Der Vertrag bestaetigt ausdruecklich, dass diktatorische Entlassungen nicht zulaessig sind. Die Gewerkschaft diskutierte
die Berechtigung der Verweigerung der Waende Reinigung nicht,
obwohl sie zum Ausdruck brachte, dass, wenn Herr X. den normalen Gang der Auftragserteilung gegangen waere und zu einem
spaeteren Zeitpunkt eine Beschwerde eingereicht haette, es fuer
- 14 -

�ihn keine Bereinigung des Vorfalles geben konnte, selbst wenn
festgestellt worden waere, dass die Gesellschaft nicht berechtigt war, das Waendewaschen von ihm zu verlangen, Es waere
mit seinem normalen Stundenlohn bezahlt worden, und die einzige Befriedigung, die er haette haben koennen, waere das Wieder beschmutzen der Waende gewesen.
Die Gesellschaft fuehrte aus, dass sie Herrn X. nicht entlassen haette, sondern dass er freiwillig aus dem Arbeitsverhaeltnis ausschied und daher kein Recht zur Beschwerdefuehrung
bestuende.
Der Schiedsrichter ueberpruefte die Sachlage, ob Herr X.
freiwillig ausgetreten sei oder nicht auf das Genaueste und
kam zu dem Ergebnis, dass Herr X. nicht gekuendigt hatte, und
dass er das Recht der. Beschaeftigung in seiner Position habe,
solange diese bestuende. Da man die vertraglichen Bestimmungen fuer die Entlassung nicht befolgt hatte, war X. Angestellter geblieben, und man hatte ihm einfach nicht gestattet, seiner Arbeit nachzugehen. Das wa? natuerlich nicht zulaessig,
und daher ordnete der Schiedsrichter an, dass X. unter voller
Bezahlung; seiner rueckstaendigen Loehne wieder in seinen Posten einzusetzen sei. Dieser Beschluss wurde am 27. Oktober
gefasst. Einige weitere Tage vergingen, bis X. in der Lage war,
a*n seinen Posten zurueckzukehren. Er erhielt also eine Bezahlung fuer vier I-'onate, und zwar in der gleichen Eoehe, als wenn
er waehrend dieser Zeit gearbeitet haette. In diesem Falle
hatte X. anderweitige Beschaeftigung gefunden, waehrend er auf
die Verhandlung seines Falles wartete. Diese Zwischenverdienste wurden nicht von seinen rueckstaendigen Loehnen abgezogen,
da die Bezahlung von rueckstaendigen Loehnen nicht nur eine
'.Viedergutmachung fuer unberechtigte Zuruecksetzung ist, sondern
auch als Strafe fuer eine Vertragsverletzung gilt.
Haette die Gesellschaft Herrn X. bei seiner Rueckkehr aufgefordert, die Waende zu waschen, haette er sich einem ganz
anderen Problem gegenueber gesehen, da die Gesellschaft dieses
Mal die Beschwerdeordnung des Eollektivverhandlunrsvertrages
auf das Genaueste befolgt haette. Wenn sich X. auch dann noch
geweigert haette, haette man den unparteiischen Schiedsrichter
zur Entscheidung der Frage, ob diese Taetigkeit innerhalb der
Pflichten der Position liege oder nicht, anrufen muessen. Die
Gesellschaft stellte sich jedoch nicht auf diesen Standpunkt,
und Herr X. arbeitet, ohne sich mit dem Gedanken an "Waende"
zu belasten.
Dieser Fall war von ausschlaggebender Wichtigkeit, und
zwar nicht wegen der Frage der Waende, sondern in Bezug auf
die iintlassungsvorschriften und das Recht des Arbeitnehmers,
seinen Posten zu halten, solange dieser besteht. Hierdurch wird
das Gefuehl der Sicherheit vertieft und die lYoeglicukeit der
Ausnutzung verringert, ohne irgendwelche Einschraenkung der
legitimen Rechte der Betriebsfuehrung, da dies auf Grund der
vertraglich festgelegten Ordnung Abhilfe schaffen kann. Es mag
von Interesse sein, dass dieses Problem, nachdem es einmal durch
einen Schiedsspruch geloest war, zu keinem Zeitnunkt und bei
keiner Dienststelle wieder auftauchte.
Der ganze Fall verursachte beachtliche Kosten, allein die
aktenmae^sige Festlegung der Verhandlung kostete einen nicht unbedeutenden Betrag, Loehne der Zeugen rauasten bezahlt werden,
und auch die Zeit des Mitgliedes des Beschwerdekomitees und
der anderen Gewerkschaftsfuehrer kostete Geld. Nichtsdestowe- 15 -

�niger zahlte Herr X. nicht mehr als seine regulaeren Beitraege,
wie sie jedss andere Mitglied der Gesellschaft zahlt, mit anderen Worten also $ 2.00 im Monat. In diesem Falle war der Wiedergutnachungsbetrag hoeher als die Kosten der aller Verhandlungen. Die Gewerkschaft betrachtet jedoch eine Beschwerde
selten, wenn ueberhaupt, vom finanziellen Gesichtspunkt aus.
Sie ist vielmehr daran interessiert Prinzipien und Leitfaeden
festzulegen. Wichtig ist, dass der Vertrag in allen seinen
Einzelheiten respektiert wird. Sehr oft waren die Kosten fuer
ein Schiedsspruchverfahren bei weitem hoeher als die moegliche
Rueckzahlung an die Mitgliedschaft. Nichtsdestoweniger liess
die Gewerkschaft den Fall verhandeln, mit dem Ergebnis, dass
die Rechte der Arbeitnehmer zu feststehenden Begriffen geworden sind.
Auszug aus: Die Geschichte der StahlarbeiterGewerkschaften
LEBENSSTANDARD UND PRODUKTIVITAET VON ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN
GEWERKSCHAFTEN UND UNTERNEHMERN ABHAENGIG
Ein Funktionaer des amerikanischen Bergarbeiterverbandes
ist der Meinung, dass der Anstieg der Produktivitaet und des
Lebensstandards auf die Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften und den Unternehmern zurueckgefuehrt werden kann.
Diesen Bericht erstattete Thomas Kennedy, der stellvertretende Vorsitzende des Bergarbeiterverbandes. Er sprach zu
den Delegierten der Internationalen Arbeitsorganisation und
stellte hierbei fest, dass die 600,000 Mitglieder seiner Gewerkschaft alles zu tun wuenschen, um den Bergleuten in der
ganzen Welt behilflich sein zu koennen.
Kennedy's Meinung geht dahin, dass die Bergarbeiter in
anderen Laendern ebensoviel wie die amerikanischen Arbeiter
foerdern koennen, wenn ihnen die geeigneten Geraete und vernuenftige Arbeitsbedingungen gegeben werden. Er forderte dazu
auf, dass durch die IAO eine Konferenz einberufen werden soll,
an der sich Gewerkschaften, Unternehmer und Regierungen eller
kohleerzeugenden Laender beteiligen sollen, um hier gemeinsame
Probleme der Loesung naeherzubringen.
Noch vor 50 Jahren verdiente der amerikanische Bergarbeiter praktisch bessere Trinkgelder, lebte in werkeigenen"Wohnungen und arbeitete unter fuerchterlichon Bedingungen. Heute
besitzen 65% aller amerikanischen Bergarbeiter eigene Haeuser.
Sie zaehlen zu den bestbezahltesten Arbeitern uncf die Sicherheitsmassnahmen werden in gemeinsamer Arbeit mit den Bergwerksgesellschaften durcheefuehrt.
Labor Air Bulletin
VI/20/51

HIOOO 11 Jul 51 17528 6 M

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITYEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse and anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gehrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 28

Frankfurt, 12. Juli 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Finanzen der amerikanischen Gewerkschaften - -

1

Eine neue Waffe der Y.'eltgewerkschaf tsbewegung

5

- -

Niedrige Arbeitsmoral behindert Produktion der
Satellitenstaaten immer staerker - - - - - - Die Gewerkschaftsbewegung im Fernen Osten
Blut aus Oesterreichs Boden

8

- - - - 11

- - - - - - - - - - -

14

In welchen Berufen arbeiten amerikanische Freuen?

16

lack Barbash:
DIE FINANZEN DER AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
"Die moderne Gewerkschaft ist in vieler Hinsicht ein grosses
Geschaeftsunternehmen geworden," sagen Philip Murray und !". L.
Cooks.
Dieser Bemerkung fuegte ein Delegierter zum Koneress der
Zimmerer folgende Bemerkung an: "Ich glaube, wir sind alle der
Meinung, dass unser Verband ein grosses Unternehmen ist. Der
Betrieb unseres Zimmermannsheims ist ein grosses Unternehmen.
Die Leitung unserer Druckerei in Indianapolis ist ein grosses
Unternehmen. Die Statistische Abteilung unserer Vereinigten
- 1-

�Bruderschaft kann sich mit den groessten statistischen Bueros
irgend einer Handels- oder Industrie-Organisation vergleichen."
Die "Verwaltung der Gewerkschaftsfinanzen umfasst die Eintreibung der Beitraege, der Eintrittsgebuehren und der Extrabeiträege und die Buchfuehrung darueber. Sie bedeutet auch
die Auszahlung der Arbeitslosen-, Streik-, Krankenunterstuetzungsund der Sterbegelder, die Pruefung der Buecher untergeordneter
Einheiten, Zahlung von Beihilfen an angegliederte Organisationen, Investierung der Verbandsgelder in V/ertpapieren und Grundbesitz und das finanzielle Operieren, wie es ein Unternehmen
mit vielleicht tausend Arbeitern tun wuerde. Diese Funktionen
haben in den inneren Betrieb der Gewerkschaften viele geschaeftsmaessige Praktiken gebracht, die garnicht mit dem Gleichheitsideal harmonieren, fuer das die Gewerkschaften ein Ausdruck
sind.
Diese geschaeftsmaessige Regelung des inneren Geschaeftsbetriebes hat dazu gefuehrt, dass manchen einfachen Mitgliedern
die Gewerkschaft wie ein unpersoenlicher Mechanismus vorkommt.
Die meisten Dinge, die das Mitglied mit der Gewerkschaft zu erledigen hat - Beitraege zahlen und Unterstuetzung erhalten spielen sich in der Atmosphaere einer Bank und nicht so sehr
in der einer bruederlichen Organisation ab. Die Tendenz zu
finanzieller Nuechternheit und Haerte ist einer der Faktoren,
die eine Kluft zwischen der Gewerkschaftsverwaltung und den
Mitgliedern geschaffen haben. Fuer das Mitglied ist die Gewerkschaft "das Buero". Daran muss der Kassierer der CIO Shipyard
Worker (Werftarbeiter) gedacht haben, als er meinte, "es sollten
viel weniger Betraege fuer 'Zeitverlust' aus der Gewerkschaftskasse gezogen werden," und die Hoffnung aussprach, "dass wir
wieder zu den Tagen der kaempferischen Gewerkschaftsbewegung
zurueckkehren, wo es einreichen der Ehre fuer einen Verbandsbruder war, unserer Sache zu dienen ohne Entschaedigung fuer
'Zeitverlust', wenn dadurch nicht gerade sein Unterhalt gefaehrdet wurde." Und bei einer viel aelteren Gewerkschaft finden wir
dieselbe Reaktion, wenn der Grosslogen-Auditor der Maschinisten
klagt, es zeuge von einer Verkuemmerung der gewerkschaftlichen
Moral, wenn Gewerkschaftsmittel fuer verschwenderische und nichtige Zwecke verwandt werden, weil die neuen Mitglieder nicht in
gesunden Gewerkschaftsprinzipien erzogen sind."
Der Konflikt zwischen dem Idealismus und der Leistungsfaehigkeit der Gewerkschaft hat sich nirgends schaerfer manifestiert,
als im Finanzaufbau der Gewerkschaften. Hohe Gehaeiter der Gewerkschaftsangestellten werden als unvereinbar mit den guten
Gewerkschaftsprinzipien angesehen. Der Streit ueber die Gewerkschaf tsgeheelter geht zwischen denen, die glauben, dass kein
Angestellter mehr erhalten sollte als der bestbezahlte Arbeiter
in der Fabrik, und jenen, die versichern, dass Tuechtigkeit und
wirkungsvolle Vertretung der Gewerkschaftsinteressen die Zahlung von Gehaeltern rechtfertigen, die denen von Direktoren
naeher kommen als den Arbeiterloehnen.
Das Gleichheitsgefuehl unter den Arbeitern ist noch stark.
Der Buchdruckerverband machte diese Erfahrung, als ein Antrag
auf Erhoehung der Gehaeiter fuer Vizevorsitzende in einem Referendum abgelehnt wurde. Der Vizevorsitzende Eimer Brown
klagte:
"Dass die Mitglieder nicht willens waren, sie fuer die
Mehrkosten zu entschaedigen, die mit dem Eintritt in das Amt
durch die hohen Lebenskosten und die hoeheren Steuern erwucfc- 2 -

�sen, wird sich in keiner Weise auf die Dienste auswirken, die
diese Funktionaere den Mitgliedern des Buchdiuckerverbendes
leisten. Jeder, der sich um ein Amt im Verband mit der Erwartung auf materielle Entschaedigung fuer seine Muehen bewirbt,
hat schwere- Enttaeuschungen zu gewaertigen. Wie die Minister
muessen auch die Verbandsangestellten mit der Genugtuung zufrieden sein, die der Erkenntnis entspringt, dass sie etwas fuer die
tun, deren Wohl sie dienen."
Als auf dem Kongress des Zimmererverbandes die Gehaeiter
der hoeheren Angestellten diskutiert wurden, drueckte ein Delegierter die moderne Geschaeftsauffassung aus: "Die Arbeiterorganisation nimmt eine Position in der Welt ein, die ein
Teil des Geschaeftslebens ist. Sie hat jetzt den Punkt erreicht, wo wir unsere Angestellten bezahlen muessen im Verhaeltnis zu der geschaeftlichen Leistung, die sie vollbringen."
Philip Tafts Untersuchungen ueber die Gehaeiter der Gewerkschaftsangestellten ergaben, dass die Gehaeiter der oertlichen Funktionaere in einem gewissen Verhaeltnis zu den Arbeiterloehnen in ihrem Beruf stehen. Das durchschnittliche
Wochengehalt eines solchen Angestellten betraegt etwafr75,-.
Die Gehaeiter der Angestellten in der Leitung der allamerikanichen Gewerkschaften lassen keine Beziehung zu den Arbeiterloehnen erkennen. Das Durchschnittsgehalt ist hier - wenn
man von den hoechsten Funktionaeren absieht - etwa fr 5 500,pro Jahr; fr 6 500,- bei den AFL-Gewerkschaften, etwas unter
fr 4 000,- bei den CIO-Gewerkschaften. Die Gehaeiter der Hauptexekutivbeamten stellen sich auf durchschnittlich fr 6 500,-;
bei der AFL auf fr 7 000,-. bei der CIO auf fr 6 000,-.
Der Vorsitzende der UAW-CIO (Automobilarbeiter), einer
Gewerkschaft mit einer Million Mitglieder, erhaelt fr 9 000,-.
Eine heftige Debatte war notwendig, um das Gehalt von fr 5 000,euf diesen Betrag zu erhoehen. Der Vorsitzende der Gummiarbeiter erhaelt fr 4 000,- und der der United Electrical Workers
ungefaehr fr 3 500,-. Der Vorsitzende der Newspaper Guild bezieht kein Gehalt, er arbeitet als Journalist. Der Praesident
der Pulp and Sulphite Workers (Papiermacher) bezieht fr 6 500,-,
t 12 000,- erhaelt der leitende Mann der Ladies' Garment
'.Yorkers. Das hoechste Gehalt scheint das aes Vorsitzenden der
Lastwagenfahrer mit fr 30 000,- zu sein. Die Vorsitzenden der
Bergarbeiter und der Bueroangestellten bei den Eisenbahnen haben je fr 25 000,-, die der Stahlarbeiter, der Musiker und der
AFL je fr 20 000,-. Vergleicht man diese Gehaeiter mit denen
von Angestellten der Privatindustrie, die eine gleiche Verantwortung haben, so erscheinen sie niedrig.
Der demokratische Geist, der in den gewerkschaftlichen
Organisationen lebt, zeigt sich in der Offenheit, mit der ueber
die finanziellen Transaktionen in der Oeffentlichkeit berichtet wird. In den Berichten des Exekutivausschusses an den
Kongress und in den Verbandsblaettern werden gewoehnlich sehr
ausfuehrliche Abrechnungen veroeffentlicht. In der Tat gehoeren zu den Dingen, die die Gewerkschaftszeitungen so schwer
lesbar machen, die vielen Spalten langen und ins Einzelne gehenden Finanzberichte. Die Kalktraeger machen eine Ausnahme.
Einer ihrer letzten Finanzberichte umfasst die ganze Periode
von 1911 bis 1941.
Einer der aufschlussreichsten Finanzberichte ist der der
Buchdrucker. In einer der neuesten Fummern des "Journal" erscheint eine graphische Darstellung, die zeigt, wie die fr 5,80
- 3-

�Monatsbeitrag, die ein Buchdrucker mit 4 250,- Monatseinkommen
zahlt, verwandt werden: $ 4,15 fuer Alterspensionen, 85 Cents
fuer Sterbegelder, 50 Cents fuer des Buchdruckerheim, 30 Cents
fuer wirtschaftliche Einrichtungen, davon 5 Cents fuer das
"Journal".
Die Abrechnung des Newspaper Guild liefert das Material
fuer eine gruendliche Pruefung der Finanzgebarung der Gewerkschaft durch die Mitglieder und die Oeffentlichkeit. Man
kann z.B. daraus erfahren, dass der Redakteur des Verbandsblattes im Vierteljahr $ 845,-, der Leiter der Forschungsabteilung § 885,- erhielt; $ 13 523,- wurden fuer Propagandazwecke
ausgegeben, und die Verwaltungskosten beliefen sich auf
$ 10 770,- in diesem Vierteljahr (September 1945).
Man kann getrost sagen, dass die Finanzberichte der Gewerkschaften mit viel mehr Einzelheiten und viel haeufiger veroeffentlicht werden als die der Trustunternehmungen. Das ist umso
bezeichnender, als bis zum Taft-Hartley-Gesetz kein Zwang fuer
die Gewerkschaften bestand, ueber ihre Finanzgebarung oeffentlich Rechnung zu legen.
Eine allgemeine Tendenz ist das Zurueckgehen der Beitraege
fuer »Vohlfahrtszwecke, die fuer die aelteren Gewerkschaften so
charakteristisch waren. Gewerkschaften neigen immer mehr dazu,
Beitraege nur fuer das zu erheben, was der Buchdruckerverband
als "wirtschaftliche Aktivitaet" bezeichnet. Diese Entwicklung
ist begruendet durch die wachsende Bedeutung der staatlichen
Sozialversicherung; durch den staer*eren Anschluss von ungelernten Arbeitern an die Gewerkschaften, die Wohlfahrtsunterstuetzungen durch die TarifVerhandlungen zu erreichen hoffen; ausserdem
wirkt sich aus, dass die Wohlfahrtseinrichtungen der Gewerkschaften in immer geringerem Masse leistungsfaehig bleiben.
"Wohlfahrtseinrichtungen," sagt Matthew Wöll, "sind, wo sie
noch bestehen, eine staendige Sorgenquelle. Die Beitraege fuer
sie muassen immer wieder erhoeht werden, um mit dem steigenden
Lebensalter Schritt zu halten, und Beitragserhoehungen sind
immer schwer durchzusetzen. Allerhand Scnwierigkeiten ergeben
sich daraus. Nichts bringt soviel Sorgen und Unsicherheit fuer
die Gewerkschaften mit sich als die Wohlfahrtseinrichtungen, wo
sie noch bestehen."
Aber auch andere Zwecke verfolgt die Finanzgebarung der
Gewerkschaften neben der Erhebung der Beiträge zur Deckung der
laufenden Ausgaben der Verbaende. Hohe Eintrittsgelder werden
manchmal erhoben, um die Mitgliederzahl zu beschraenken, namentlich in den Industrien mit "geschlossenen Betrieben". Zu diesem
Zwecke erhoben oertliche Organisationen des Verbandes der Filmoperateure zeitweilig Beitrittsgelder von 4 300,- bis fy 1 000,-.
Andere Gewerkschaften, deren Beitrittsgelder ungefaehr dieselbe
Hoehe erreichten, waren die Zementmaurer, die Plakatankleber
und die Linoleumleger. Die Zentralkasse der Lastwagenfahrer
beansprucht vom niedrigsten Monatsbeitrag von $ 2,- nur 30 Cents,
um die Ortsorganisationen zu einer starken Organisierungstaetigkeit anzuspornen.
Die Bestimmung der Finanzpolitik der Gewerkschaften geht
immer mehr in die Haende der allamerikanischen Verbaende ueber.
Millis und Montgomery stellen fest: "Zuerst lag die Festsetzung
der Beitrittsgelder und der Beitraege in den Haenden der oertlichen, nicht der allamerikanischen Verbaende. Das hat sich aber
4 -

�sehr entschieden geaendert, seitdem die allamerikanischen Ver
beende neue Aufgaben uebernommen und groessere Macht erworben
haben."
Vorabdruck aus dem vom Bund-Verlag Koeln
herausgegebenen Werk Jack Barbash:
Struktur und Taktik der amerikanischen
Gewerkschaften.
David Dubinsky:
EINE NEUE V/AFFE DER WELTGEV/EI&amp;SCHAFTSBEIVEGUNG
Die neue Internationale ist in erster Linie das Ergebnis
des riesigen .'/achstums des Gewerkschaftswesens. Die amerikanische Gewerkschaftstewegung hat seit 1933 einen gewaltigen_
Aufschwung genommen, so dass sie zurzeit 16 Millionen Mitglieder zaehlt. Die auf dem Londoner Kongress in Erscheinung getretene dynamische Einheit der American Federation of Labor (AFL)
und des CIO hob ihr Ansehen und trug zur Staerkung der amerikanischen Gewerkschaften bei. Auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans haben die britischen Gewerkschaften nach einem
furchtbaren totalen Krieg erhoehten Einfluss erlangt. Die freien Gewerkschaften des demokratischen Europa sind trotz der grausamen Unterdrueckung durch die Nazis zu neuen Leben erwacht;
allein in '/{Ostdeutschland zaehlen die wiedererstandenen Gewerkschaften, der Deutsche Gowerkschaftsbund, mehr als fuenf Millionen Mitglieder. In Lateinamerika haben die Gewerkschaften trotz
grosser Schwierigkeiten an Umfang und Reife gewonnen. In Japan
gibt es zurzeit etwa sechs Millionen organisierte Gewerkschaftsmitglieder. Auch in Indien und in den noch unentwickelten Kolonialgebieten hat die Gewerkschaftsbewegung bemerkenswerte
Fortschritte gemacht.
Noch in zweiter Hinsicht weicht die neue Internationale
von dem Vorbild aller ihrer Vorlaeuferinnen ab. So bedeutend
die Ziele und Aktionen der europäischen Gewerkschaften auch
sein moegen, sind sie doch nicht c'e Haupoursache ihrer Entstehung. Die aktuelle und potentielle Staerke der neuen Organisationen ruehrt grossenteils von der aufsteigenden Gewerkschaftsbewegung in Asien und Afrika her. Auf dem Londoner Kongress
traten die jungen Gewerkschaftsbewegungen Asiens und der kolonialen Laender kraftvoll und unabhsengig auf. Sie spielten
nicht die Rolle farbiger Statisten, wie dies - unter heuchlerischer Berufung auf die Gleichberechtigung der Rassen - auf kommunistisch kontrollierten Konferenzen der Fall ist. Dass es sich
hier um eine wirkliche Zusammenarbeit auf der Grundlage der
Gleichberechtigung handelt, zeigte sich darin, dass von den 19
Mitgliedern des Exekutivkomitees, die gewaehlt wurden, 8 aus
Verbaenden stammen, die ausserhalb Europas und Nordamerikas
ihren Sitz haben, wo das Gros der gegenwaertigen Mitgliedschaft
zu finden ist - naemlich 3 aus Asien und dem Mittleren Osten,
2 aus Latein-Amerika und je einer aus Afrika, den Gebieten
Australien-Neuseeland und Westindien, iines der ermutigendsten
Merkmale des Londoner Kongresses war, dass von einem Uebergewicht der Grossmaechte nicht die Rede sein konnte. Der Praesident Paul Finet, ein Belgier, und der Generalsekretaer, J. K.
Oldenbroek, ein Hollaender, sind Vertreter kleiner Staaten, und
um den Anschein zu vermeiden, als werde der Internationale
Freie Gewerkschaftsbund von einer der "Grossmaechte" kontrolliert, waehlte man Bruessel zum Sitz der Organisation.
- 5 -

�Der Grundsatz der Autonomie zieht sich wie ein roter Faden
durch Statut und Struktur der neuen Organisation. Die Aussicht
auf volle Zusammenarbeit mit den Internationalen Gewerkschaftssekretariaten - Organen angeschlossener Verbaende in besonderen Branchen oder Industrien zum Zwecke"der Zusammenarbeit in
der ganzen Welt - wird durch die Annahme des Grundgesetzes der
Autonomie betraechtlich erhoeht. Der Internationale Gewerkschaftsbund und noch mehr der Weltgewerkschaftsbund konnten
sich nie damit abfinden, dass die Internationalen Berufssekretariate auf ihrer Autonomie bestanden. Vor dem ersten "Weltkrieg verfuegten die deutschen Gewerkschaften mit ihrem hochgradigen Zentralismus im Internationalen Gewerkschaftsbund ueber
beherrschenden Einfluss. Dadurch wurde das volle Einvernehmen
mit den Berufssekretariaten sehr erschwert. Nach dem zweiten
Y/eltkrieg beherrschten die ueberzentralisierten sowjetischen
Gewerkschaften den Weltgewerkschaftsbund und suchten die Berufssekretariate auf die Rolle blosser Verwaltungsstellen der internationalen Organisation zu beschraenken. Als die AFL zu entschiedenem Gegenangriff ueberging, stuetzte sie sich weitgehend
auf die Berufssekretariate und setzte sich nachdruecklich fuer
deren Autonomie ein.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind immer mehr zu der
Einsicht gekommen, dass der groesste Gegensatz, der die Menschen
heute in jedem einzelnen Lande und die Nationen voneinander
trennt, nicht darin besteht, dass die einen verstaatlichte Industrie wuenschen, waehrend andere das '/Veiterbestehen von Industrien in Privateigentum vorziehen, sondern darin, dass auf
der einen Seite das Menschenleben missachtet wird, waehrend
auf der anderen Seito menschliche Werte, Rechte und Freiheiten
mehr, als alles geschaetzt werden. Als die britische LabourRec;ierung im vergangenen Jahre in den Vereinigten Staaten und
in Grossbritannien als Verfechterin des "Wohlfahrtsstaates"
scharfen angriffen ausgesetzt war, kamen ihr die amerikanischen
Gewerkschaften zu Kilfe. Das war ein neuartiger Vorgang, in
dem ein bisher unbekanntes Hoechstmass von Uebereinstimmung von
Gewerkschaftern aus Europa, Asien, Afrika und den beiden Amerika erreicht wurde. Die freien Gewerkschaften sind ueberall
zu der Erkenntnis gekommen, dass Nazitum, Faschismus, Falangismus und Kommunismus ihrem .Vesen nach gleich sind, und dass freie
Gewerkschaften mit regierungskontrollierten "Arbeitsfronten"
so unvereinbar sind wie Demokratie und Diktatur. Getreu
diesem Grundsatz erkannte der Londoner Kongress die siamesische und dominikanische Delegation nicht an, weil sie keine
echten Gewerkschaften vertraten.
Die Verteidigung der Demokratie gegen die kommunistischen
Ansprueche auf ./eltherrschaft muss militaerische Massnahmen
nach sich ziehen. Militaerische Sicherheit allein genuegt aber
nicht. Der Internationale Freie Gewerkschaftsbund fordert» politische Freiheit, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Sicherheit muessen fuer das Leben der freien Nationen bestimmend
sein, wirtschaftliche Hilfe fuer die unterentwickelten Laender
und moeglichst baldige volle nationale Freiheit fuer die abhaengigen Voelker sind von wesentlicher Bedeutung fuer die Bekaem^fung
des Totalitarismus. Die erste Voraussetzung fuer die Verteidigung der Weltdemokratie gegen den Kommunismus und jede andere
Art Totalitarismus ist nicht ein Flickwerk von Massnahmen, die
nur eine voruebergehende Erholung ermoeglichen, sondern die Einbeziehung der Wirtschaft der freien Laender in" eine gesunde, ausgeglichene Weltwirtschaft. Die neue Internationale betrachtet
düs Europaeische Hilfsprogramm (ERP) und Praesident Trumans
Punkt-Vier-Programm als eine gesunde, wirksame Politik, die zur
- 6-

�Entstehung einer gemeinschaftlichen Wirtschaft &amp;uf kontinentaler
und universeller Grundlage fuehrt.
Die Vereinigten Staaten sind aus einem revolutionaeren
Kampf um die nationale Unabhaengigkeit hervorgegangen, und das
amerikanische Volk und die organisierte Arbeiterbewegung
blicken auf eine altehrwuerdige Ueberlieferung der Opposition
gegen jede Form des Kolenialregimes zurueck. Die heranwachsende Gewerkschaftsbewegung der zurueckgebliebenen Laender erwartet in ihrem nationalen Unabhaengigkeitskampf von der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung weitgehende Unterstuetzung.
Die amerikanischen Gewerkschaften tragen eine doppelte^
Verantworung; sie muessen nicht nur den Internationalen Freien
Gewerkschaftsbund bei seiner Arbeit unterstuetzen, sondern auch
entschlossen sein, die Aussenpolitik der Regierung der Vereinigten Staaten konsequent in entschieden demokratischem Sinne zu
beeinflussen. Eine schwankende Haltung, wie sie unlaengst
das Staatsdepartement gegenueber Franco-Spanien einnahm, kann
zu grossen Missverstaendnissen bei den Mitgliedern der europaeischen und asiatischen Gewerkschaften fuehren.
Ueberdies wird der Konflikt zwischen dexa Freien und dem
kommunistischen Weltgewerkschaftsbund zwangslaeufig immer heftiger und erbitterter werden. Beide kaempfen den groessten Wettkampf in der 7/elt aus, den Kampf um Herz, Seele und Geist vieler Millionen Arbeiter in zahlreichen Laendern. Die Organisation kann sich da nicht abseits stellen oder leisetreten. Moskau kann der uebrigen Welt den Kommunismus nicht aufzwingen,
ohne zuvor die noch freien Gewerkschaftsorganisationen abzuwuergen, d.h. den Internationalen Freien Gewerkschaftsbund zu zerschlagen, der heute Kopf und Herz der international demokratischen Gewerkschaftsbewegung ist. Die neue Internationale ist
sich des Ernstes der Gefahr voll bewusst. Der Kampf gestaltet
sich umso schwieriger, als der kommunistische Weltgewerkschaftsbund fuer sein Vorgehen gegen die freien Gewerkschaften in den
demokratischen Laendern volle Handlungsfreiheit geniesst, waehrend den freien Gewerkschaften der Zutritt zu allen Laendern
hinter dem Eisernen Vorhang versperrt ist.
Noch schlimmer ist, dass der kommunistische Weltgewerkschafts
bund in Frankreich, Italien und Teilen üfrikas und Asiens noch
in der Uebermacht ist, die sich die Kommunisten in den vier Jahren, waehrend deren die Zusammenarbeit mit den freien Gewerkschaften noch ihrem Ansehen zugute kam, zu verschaffen wusste.
Eine dringende Aufgabe des Internationalen Freien Gewerkschaftsbundes ist es, die durch den kommunistischen Weltgewerkschaftsbund beherrschten Organisationen zu entlarven und die Arbeiter
von ihrem ^influss zu befreien.
Die Bedrohung der Gewerkschaften durch den totalitaeren
Kommunismus gilt fuer alle Laender der Welt. Man kann ihr nur
durch den Kampf der freien Gewerkschaften in der ganzen Welt
entgegentreten. Keine Gewerkschaftsbewegung, die den Totalitarismus in irgendeinem Lande bekaempft, sollte in ihrem Kampfe
gegen eine internationale, von einer riesigen totalitaeren Weltmacht hervorgerufene und gefoerderte Gefahr allein gelassen werden. Die demokratische Gewerkschaftsinternationale ist jetzt zu
einer Lebensnotwendigkeit fuer den gedeihlichen Fortbestand der
menschlichen Freiheit und des sozialen Fortschritts geworden.
Dass diese neue Internationale eine Realitaet ist, wurde durch
den Londoner Kongress, wo sich alle zu gemeinsamer Abwehr der
Bedrohung durch Totalitarismus und Reaktion zusammenschlössen
deutlich vor Augen gefuehrt. Unter den fuehrenden Maennern des
- 7-

�Internationalen Freien Gewerkschaftsbundes befinden sich auch
gleichberechtigte Vertreter des deutschen und japanischen Gewerkschaftsbundes.
Die neue Internationale beruht nicht auf dem Buendnis verschiedener Maechte und wird, anders als beim kommunistischen
Weltgewerkschaftsbund, nicht das Werkzeug eines Staates oder
einer Maechtegruppierung werden. Obwohl voellig unabhaengig
von den Regierungen der Leender, in denen die ihm angeschlossenen
Verbaende Ihren Sitz haben, kann und wird sie in dem sich anbahnenden historischen Kampf zwischen den demokratischen und totalitaeren Laendern nicht neutral bleiben. Keine Organisation,
die fuer Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit eintritt, kann
sich dem Kampf fernhalten, wenn Freiheit und Frieden derart bedroht sind.
Gerade weil die Freien Gewerkschaften so energisch vorgehen,
richten die Kommunisten wurentbrannt Angriffe gegen den Internationalen Freien Gewerkschaftsbund. Seine Gründung ist eine kategorische Absage an den Mythos, dass der sowjetische Totalitarismus eine fortschrittliche Idee sei, oder dass das kommunistische
System irgendetwas bieten koenne, was im Interesse der internationalen Arbeiterklasse liegt. Die Vertreter'von Millionen
Arbeitern aus mehr als 50 Laendern haben nun den Bolschewismus
als Erzfeind der Gewerkschaften gebrandmarkt. Das kann sich
als entscheidender Schlag gegen die Anmassung erweisen, der der
Bolschewismus, der sich als Freund der Arbeiter in der ganzen
Welt aufspielt, seit mehreren Jahrzehnten die meisten Erfolge
verdankt.
Die internationale freie Gewerkschaftsbewegung ist eine
maechtige Waffe im Kampf fuer eine Gesellschaft, in der alle
Menschen und menschlichen Einrichtungen danach streben, ihre
Ideale in zivilisierter Weise und im Geiste der Freiheit zu
verwirklichen.
Aus:

"Foreign Affairs", New York, IV/50

NIEDRIGE ARBEITSMORAL BEHINDERT PRODUKTION DER SATELLITENSTAATEN
I'^R STAERKER
"Mit der Peitsche kann man zwar Maultiere antreiben, aber
Menschen sind eben keine Maultiere," muessen die Helfershelfer
Stalins jetzt immer wieder feststellen. Antreibemethoden sind
hinter dem Eisernen Vorhang an der Tagesordnung. Und das Ergebnis? Widerstand, Auflehnung und niedrige Moral herrschen
unter den Arbeitenden; die Produktion ist dadurch schwer in
Mitleidenschaft gezogen.
Josef Frank, ein hoher stalinistischer Fuehrer, hat unlaengst erklaert, dass sich "die Wirtschaft der Tschechoslowakei in einer verzweifelten Lage befindet und diese Lasre immer
schlechter wird." Der stellvertretende Parteisekretaer sagte
ferner voraus, es sei damit zu rechnen, dass diese f.'ation die
Ziele des Fuenf-Jahresplans nicht erreichen kann. Er gab zu,
dass die Produktion von Erdoel und Kohle nur 84,5% der Produktionsziele erreichen wuerde. Auch die Produktion von Baustoffen
sei wesentlich beeintraechtigt worden. Die Arbeiter verlassen
ihre Arbeitsplaetze in den Bergwerken schneller, als andere
wieder eingestellt werden konnten. In der Landwirtschaft sei
die Lage aehnlich.
8 -

�Der tschechoslowakisch stalinistische Gewerkschaftsfuehrer
Zapotocky fuehrt diese Situation auf den i:angel#an sozialistischer Disziplin" zuruffck. Dieser Mangel wiederum sei vermutlich durch das fehlen einer angemessenen politischen üufklaerung bedingt, reibst Parteimitglieder neigen dazu, so meinte
er, die Bedeutung l^r politischen Schulungslehrgaenge zu unterschaetzen. Voller Verachtung sprach er jedoch vor allem
von den Parteimitgliedern unter den Bergarbeitern in'Kladno.
Diese kouaunistischen Veteranen, fuehrte Zapotocky aus, glauben, dass sie den Kursen fernbleiben koennen, "weil sie die
kommunistische Lebensschule absolviert haben." Er bedeutete
ihnen jedoch, dass diese ihren Lebensschulen voellig kapitalistischer Natur und dass die neue stalinistische Schule etwas
absolut verschiedenes sei. Die "buergerlichen humanitaeren
Auffassungen" von der sozialen Sicherheit sind laengst ueberholt. Der fruehere revolutionaere Kampf um hoehere Loehne
und kuerzere Arbeitszeit wird in einer "Volksdemokratie" zur
konter-revolutionaeren Sabotage, erklaerte Namend, der stalinistische Gewerkschaftsfuehrer.
Der Mangel an Arzneimitteln in der Tschechoslowakei ist
auf den uebermaessigen Verbrauch von Tabletten zurueckzufuehren, wie die Zeitung "Livoda Democracia" ihren Lesern berichtet. Sie geisselt jene Methoden des Tabl3ttenschluckers und
behauptet, dass der menschliche Organismus sich an derartige
Arzneien gewoehnt und diese deshalb ohne Wirkung sind, wenn
man ernstlich krank wird. Ein tschechoslowakischer Fluechtling in Paris gibt hierzu die ironische Bemerkung, dass er damit an die deutsche Besatzungszeit erinnert wuerde, waehrend
der die Menschen vor Gesundheitsschaedigungen durch uebermaessigen Verbrauch von Nahrungsmitteln gewarnt wurden.
'.Vaehrend dies.es Monats sind verschiedenen ungarischen Industrien neue Tarifvertraege aufgezwungen worden. Der Sekretaer Istvan Kossa nannte die Aufgaben und Pflichten der Gewerkschaften, wie sie in diesen neuen Vertraegen bezeichnet sind.
Er berichtet, dass in ihnen strengere Disziplin und Opfer gefordert werden, die zur Steigerung der Produktion notwendig
sind.
Man braucht mehr und mehr Stachanow-Arbeiter, sagte
er. In den neuen Vertraegen seien denen, die das stalinistische Arbeitsgesetz uebertreten, strengste Bestrafungen angedroht.
"Szabad Nep", eine Budapester Zeitung, nimmt zu der Tatsache Stellung, dass es nicht gelungen ist, den Plan fuer die
P'ohlefof.rderung fuer die ersten drei Monate dieses Jahres zu
erfuellen. Dies ist durch steigendes Fernbleiben der Arbeiter
vom Arbeitsplatz, nachlassende Disziplin und unzureichende Arbeitswettbewerbe im Sinne Stachanows verursacht worden. Die
Fierrtarbsiter werden deshalb des Betrugs beschuldigt.
In Bulgarien haben die Stalinisten versucht, die Beziehungen zur Masse des Volkes zu verbessern und einen Aufruf erlassen,
in dem sie freiwillige Kaeinnfer aus der breiten Masse der
Mitgliedschaft
suchen. Das Gewerkschaftsorgan "Trud", das
in Sofia erscheint, hat zu diesen Fragen Stellung genommen. Es
wandte sich' in scharfen V/orten gegen diese freiwilligen Kflmnfer
und beschuldigte sie ihres Mangels an beruflicher Erfahrung,
ihrer ideologischen Ziellosigkeit und der Unfaehigkeit-, das
Vertrauen der Arbeiterschaft zu gewinnen.
"Trud" scheint ausserdem in bezu/~ auf den sogenannten Arbeit sv» et tbewerb , um im s&amp;alinistischen Jargon zu sprechen, pessi- 9-

�mistisch zu sein. Gemeint ist hiermit der Wettbewerb der stachanowistischen "Arbeitshelden." Offiziellen Angeben zufolge
hat sich im Jahre 1949 von 850,545 Gewerkschaftsmitgliedern
nur die Haelfte an dem Arbeitswettbewerb anlaesslich des 1.
Mai beteiligt. Ihre Zahl stieg bis Ende des Jahres 1949 auf
500,000 an. Die Zahlen fuer 1950 werden nicht angegeben, und
zwar hoechstwahrscheinlich deshalb, weil die Zahl der Beteiligten wiederum zurueckgegangen ist. "Trud" berichtet, dass
zwei Gewinner.des Dimitrow-Preises, der ihnen fuer hohe Arbeitsleistungen zuerkannt wurde, naemlich Helena Gerassimowa
und Liliana Dimitrowa, an die weiblichen Textilarbeiter einen
Aufruf gerichtet haben, der jedoch nur wenig Anklang gefunden
hat. Aehnliche Aufrufe an die Arbeiter der Metallindustrie
und anderer Industriezweige trafen ebenfalls auf taube Ohren
und
blinde Augen. "Trud" berichtet, dass eine Art von
w
Luegen-Stachanowismus"sich ausbreitet. Durch Angabe falscher
Produktionszahlen wuessten sich die falschen Stachanows besondere Vorteile zu verschaffen, die sie nicht verdient haetten.
Die schlimmsten Beispiele sind hierfuer die Fabriken "Wasil
Kolarow", "Elprome" und"Metal". Zu einem frueheren Zeitpunkt
hatte sich "Trud" bereits gegen verschiedene Unternehmen gewendet, "in denen wegen Mangels an Disziplin der Produktionsplan
nicht erfuellt werden konnte." Es ist offensichtlich, dass
diese Situation nicht geklaert worden ist, sondern vielmehr
noch schlimmer wurde.
In allen Laendern, die dem sowjetischen Satellitenregime
unterstehen, werden buergerliche Gewohnheiten und buergerliche
Denkweisen, die noch nicht ausgemerzt werden konnten, als Ursache fuer die offensichtlichen Schwaechen bezeichnet. Die
Sozialisten und alten Gewerkschaftsfuehrer sind dabei willkommene Suendenboecke.
Die polnische Zeitung "Trybuna Ludu" veroeffentlichte in
ihrer Ausgabe Nr. 113 einen Bericht aus der Fabrik "Unja" in
Graudenz, in dem sie sich ueber den Fortbestand derartiger
Ideen beschwert. Selbst Parteimitglieder werden fuer schuldig
befunden. Eines dieser Mitglieder ging so weit, den Stachanowisten den Rat zu geben, ihre Produktionsleistung zu reduzieren,
um zu vermeiden, dass die Leistungsnormen noch mehr gesteigert
werden. "Dieser Genosse war einst ein Arbeitsheld, der an
einem Tag 20 Werkstuecke maschinell herstellte. Seine Leistungen gingen spaeter auf 8 - IE Stuecke pro Tag zurueck."
Am 17. Mai 1950 wurde in Polen ein neues Arbeitsp:esetz
erlassen. In ihm wurden schwere Strafen fuer jedes Fernbleiben vom Arbeitsplatz angekuendigt. Dieses Fernbleiben bildet
jedoch noch immer das Ziel haeufiger Angriffe durch die offizielle Presse, die viele Betriebe, und vor allem Bergwerke anprangern. Polnische Fluechtlinge weisen darauf hin, dass das
Fehlen am Arbeitsplatz nicht durch buergerliche oder sozialdemokratische Ideen verursacht wird., sondern dass der Hauptgrund hierfuer in den schlechten Arbeitsbedingungen, dem niedrigen Lebensstandard und der ebenso ungerechten wie strengen Disziplin zu suchen ist, gegen die die Arbeiter nur die einzige
Protestform anwenden koennen, die ihnen zur Verfuegung steht,
naemlich die Krankmeldung.
"Trybuna Ludu" nennt einige Bergwerke, in denen das Fehlen der Arbeiter fuer die Produktion besonders nachteilig gewesen ist. Die schlimmsten dieser Erfahrungen wurden in den
Bergwerken Sosnica, Wirek und Mikulczye gemacht. Dass die
Arbeitsbedingungen in diesen Bergwerken schlechter waren, ist
- 10 -

�durch die Tatsache bewiesen, dass die Arbeiter in Missachtung
der Gesetze sogar in den Streik traten.
Das Bluehen des Buerokratismus ist eine staendige Begleiterscheinung des Stalinismus. In Rumaenien ist die Zahl der
Gehaltsempfaenger im Verlauf des vergangenen Jahres um 21,5%
angestiegen. Von den neuen Arbeitnehmern, die weniger von
Loehnen als vielmehr von Gehaeltern leben, sind die meisten
keine Handarbeiter - das bedeutet also eine zahlenmaessige Zunahme der nichtproduktiven Buerokraten.
Die Stalinisten behaupten, dass derartige Maengel, wie
sie hier auftreten, nur Kinderkrankheiten der Volksdemokratie
seien oder Schwaechen, die ein Erbstueck der buergerlichen Vergangenheit darstellten. Sie wuerden beizeiten beseitigt werden.
In diesem Argument wird jedoch die Tatsache ausser Acht gelassen,
dass selbst in Sowjetrussland die gleichen Maengel immer noch
auftreten. Derartige Schwaechen sind damit Folgeerscheinungen
des stalinistischen Systems. Dies kommt in einem Leitartikel
der "Erawda" zum Ausdruck, in der in scharfen Worten gegen die
schlechte Leistung und die buerokratischen Methoden Beschwerde
gefuehrt wird. Es heisst darin, dass sich die Partei von den
Buerokraten freimachen und Gruppen leistungsfaehiger Arbeiter
bilden muesse. Diese. Kritik, die 24 Jahre nach der Revolution
laut wird, scheint zu besagen, dass der Stalinismus Buerokraten schneller ins Leben ruft als er sie wieder beseitigen kann»
Program Services Section
VI/6/51
DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IM FERNEN OSTEN
Ein Interview mit Sol Sanders.
Viele Nationen in Suedostasien haben sich bereits von
ihrer kolonialen Bevormundung unabhaengig gemacht, sei es
auf friedlichem Wege, sei es durch Kampf. Der Schatten
des Hungers haengt jedoch immer noch ueber diesen Laendern und machthungrige Hyaenen Stalins durchstreifen das
Gebiet, um sich auf alle wehrlosen oder unvorsichtigen
Menschen zu stuerzen. Was geht in Wirklichkeit in diesen Laendern vor? Hierueber aeussert sich Sol Sanders,
ein Auslandskorrespondent, der soeben von einem langen
Aufenthalt in Suedostasien zurueckgekehrt ist. Sanders
hat fuer verschiedene Veroeffentlichungen Artikel geschrieben, unter anderem fuer den "Christian Science Monitor"
den "New Leader" und den "Socialist Call", weiter stand
er im Dienste der "Bangkok Post in Thailand", des "Hindu
of Madres in Indien" und der "Mainichi Papers von Tokio".
Frage: Herr Sanders, wie lange haben Sie sich in Suedostasien
aufgehalten?
Sanders: Ich war zwei Jahre in Thailand, Indonesien, Malaya
und Indochina.
Fra.^e: Im Westen ist eine der wichtigsten Waffen ge^en wirtschaftliche Unsicherheit und Armut die freie Gewerkschaftsbewegung. Gibt es auch in Suedostasien Gewerkschaften*?
Sanders: Ja, in allen Laendern Suedostasiens bestehen Gewerkschaften, wenn auch einige von ihnsn erst nach dem Ostasienkrieg im Jahre 1945 entstanden sind.
- 11 -

�Die Kommunisten haben lange genug gezeigt, dass die Beherrschung der Arbeiter ihr erstes und wichtigstes Ziel in ihrem
Streben nach Macht bilden. Sobald sie die Gewerkschaften unter
Kontrolle haben, benutzen sie diese rueqksichtslos - wie in
der Tschechoslowakex - um mit Gewalt die Regierung an sich zu
reissen.
Frage: Sind die Kommunisten innerhalb der Gewerkschaftsbewegung Suedostasiens als stark zu bezeichnen?
Sanders: Die Kommunisten in Suedostasien bedienen sich dort
selbstverstaendlich der gleichen Methode. Weil die Gewerkschaftsbewegung in jenem Teil der Welt noch sehr jung ist, hatten die
Kommunisten hierbei leider groessere Erfolge. Es ist jedoch
bemerkenswert, zu erwaehnen, dass die Stalinisten in Suedostasien in den dortigen Gewerkschaften im allgemeinen nicht als
kommunistische Nationalisten auftreten. Eine Frage, die uns
in Suedostasien immer wieder beschaeftigt, ist die, ob diese
Gewerkschaftsfunktionaere, die absolute Gefolgsch&amp;ftsleute des
Kremls sind, die wirklichen kommunistischen Fuehrer sind. Es
hat naemlich den Anschein, dass sie eher ihre Befehle erhalten
als die offiziellen Parteifuehrer, die tatsaechlich Mitglieder
der kommunistischen Partei dieser Laender sind. Ich habe z.B.
in Indonesien festgestellt, dass der kommunistisch beherrschte
Gewerkschaftsbund Sobsi seine kommunistischen Propagandaaktionen
beginnt, bevor Alimin, der Leiter der kommunistischen Partei
Indonesiens, die dortige Nachrichtenagentur Antara davon in
Kenntnis setzt.
Frage: Demnach gibt es also auch dort freie demokretisch Gewerkschaften?
Sanders: Ich glaube, dass Sie ganz allgemein die freien Gewerkschaften in Indonesien mit solchen identifizieren koennen, die
wirkliche Gewerkschaften sind. Mit den echten Gewerkschaften
meine ich jene Gewerkschaftsorganisationen,.die in erster Linie
um hoehere Loehne und bessere Arbeitsbedingungen kaempfen und
die fuer ihre Mitglieder TarifVerhandlungen fuehren. Die kommunistischen Gewerkschaften dagegen sind im allgemeinen lediglich
Propagandaagenturen und keine Organisationen, die sich mit Lohnund Arbeitszeitfragen beschaeftigen. Lassen Sie mich ein Beispiel in Indonesien anfuehren. Die Sobsi, die kommunistische
Gewerkschaft, behauptet manchmal, eine halbe Million Mitglieder
zu haben. Eine nichtkommunistische Gewerkschaft jedoch, die
sogenannte Pob, sagt ganz offen, nur rund 30,000 Mitglieder zu
zaehlen. Sie ist jedoch bereit, ihre Geschaeftsbuecher offen
zu legen, um an Hand der Zahlen ueber beitragszahlende Mitglieder zu beweisen, wie stark sie in Wirklichkeit ist.
Frage:

Welche Staerke haben die freien Gewerkschaften?

Sanders: Aufgrund ihrer verhaeltnismaessig spaeten Gruendung sie entstanden erst nach den kommunistischen Gewerkschaften sind die freien Gewerkschaften noch nicht so stark wie ihre moskauhoerigen Gegenspieler. Sie bauen jedoch sehr schnell auf,
und zwar auf einer gesunden gewerkschaftlichen Basis. Vor wenigen Wochen kamen in Karatschi Vertreter freier Gewerkschaften
aus zwoelf asiatischen Laendern als Repraesentanten von zehn
Millionen Arbeitern zusammen, um eine regionale Mitgliedsorganisation des IBFG fuer Asien zu gruenden. Es handelt sich hierbei um den internationalen Bund freier, antikommunistischer Gewerkschaften. Sie hoffen, untereinander und mit den besser or- 12 -

�ganisierten and finanzierten freien Gewerkschaften Europas und
Amerikas im Kampf fuer die Arbeiterbewegung in Asien ihre
Ideen austauschen zu koennen. Ich denke, es ist ein gutes
Vorzeichen, wenn diese Gewerkschaften das positive Ziel anstreben, den Lebensstandard in Asien zu verbessern und sich
nicht nur darauf beschraenken, ihre Energie im Kampf gegen
den kommunistischen Weltgewerkschaftsbund und dessen Filiale
in Peiping zu verschwenden. Auf der Konferenz in Karatschi
wurde einstimmig eine Resolution gebilligt, in der den Vereinten Nationen und dem koreanischen Volk jede Unterstuetzung in
ihrem Kampf gegen die kommunistische Aggression zugesagt wird.
Frage:

Wie arbeiten dort die freien Gewerkschaften?

Sanders: Die freien Gewerkschaften in Suedasien arbeiten
nach den gleichen Grundsaetzen wie die Gewerkschaften im Westen. Es gibt natuerlich zahlreiche Unterschiede, die sich
aus der dortigen Situation ergeben. Einige Gewerkschaften
stellen Organisationen dar, die zugleich fuer die Unabhaengigkeit ihres Landes kaempfen und gleichzeitig Körperschaften
sind, die die Interessen der Arbeiter vertreten. Natuerlich
ergeben sich auch durch die unterentwickelte Industrie in
Asien und vornehmlich in Suedostasien Schwierigkeiten in der
Organisierung der Arbeiter.
Frage: Werden Landarbeiter ebenso wie Industriearbeiter organisiert?
Sanders: Man hat zuweilen versucht, die Landarbeiter zu organisieren. Mit Erfolg geschieht dies in mindestens zwei
suedostasiatischen Laendern, naemlich Malaya und Indonesien.
Indien, wo ich mich ebenfalls vor einigen Wochen einige Zeit
aufhielt, verfuegt ueber eine maechtige Landarbeitergewerkschaft. In Malaya vollzieht sich die gewerkschaftliche Organisierung unter der Fuehrung Jack Braziers, eines Organisators,
den der britische Gewerkschaftskongress (TUC) zur Unterstuetzung
der nichtkommunistischen Gewerkschaften nach Malaya entsandt
hat. Wie ich hoerte, wurden bei dieser Organisierungskampagne
groessere Fortschritte erzielt.
Frage: Sind auch der Marshallplan, die ECA, das Punkt-VierProgramm Praesident Trumans und der britische Colombo-Plan
eine Hilfe beim Aufbau der Wirtschaft und der Hebung des Lebensstandards der Voelker Suedostasiens?
Sanders: Asiens Probleme sind leider so umfassend und entsprechen so wenig unseren eigenen Erfahrungen in Amerika und Westeuropa, dass die ECA mit ihrer Aufbauarbeit in Suedostasien
nur langsam vorwaerts kommt. In Indochina jedoch'hat Robert
Blum, der Administrator der ECA, ein Hilfsaufbauprogramm gestartet, das diesem Land wirksame Unterstuetzung gebracht hat.
Das trifft besonders fuer das noerdliche Vietnam - oder Tongking, wie man es hier nennt - zu. Die ECA arbeitet unablaessig
daran, oei'fentliche anlagen wieder aufzubauen, die waehrend
der Kriegsmassnahmen der Kommunisten in den Jahren 1946 und
1947 zerstoert wurden, weil das Prinzip der "verbrannten Erde"
ruecksichtslos von den Schergen Moskaus angewandt wurde. Das
Punkt-Vier-Programm und der britische Colombo-Plan befinden
sich jedoch noch in ihrem Anfengsstadium^ aber ich glaube, dass
der Punkt-Vier-Plan in Thailand bereits in die Tat umgesetzt
wird.
- 13 -

�Frage: Was koennen die amerikanischen und europaeischen Gewerkschaften tun, um das Misstrauen zu beseitigen, das ein Erbe der
Zeit der kolonisatorischen Vergangenheit ist?
Wie koennen
wir das Verstaendnis und den guten Willen foerdern?
Sanders: Das ist keine leichte Angelegenheit. Ich denke zuerst daran, da3S die Amerikaner verstehen muessen, dass nach
Jahrhunderten eines konsequenten europaeischen Imperialismus der heute zwar tot und verbannt ist - Asien natuerlich argwoehnisch auf uns blickt. Die Buerde des Beweises dieser neuen Politik - einer Politik der uneigennuetzigen Hilfe und der
Zusammenarbeit zwischen Asien und Westeuropa - bleibt auf uns
liegen. Aber dann wird Asien zu vergeben und zu vergessen habend Diese Entwicklung geht bereits in Indonesien vor sich,
wo viele der frueheren hollaendischen Beamten heute in Regierungsstellungen in Indonesien taetig sind. Heute sieht man
in den malaiischen Staaten, dass Briten, Chinesen, Malayen
und andere eintraechtig zusammenarbeiten fuer die Zukunft eines
freien und sich selbst genuegsamen "Schmelztiegels". Die Franzosen in Indonesien arbeiten eine Loesung aus, die, wie jeder
hofft, zu einem freien Vietnam fuehrt. Die Asiaten entdecken
gerade, dass die Unabhaengigkeit allein nicht alle ihre Probleme loesen kann. Viele von ihnen erkennen an, dass Europa und
Amerika nuetzlich sein koennen, vor allem bei der Foerderung
das Aufbaus der industriellen Entwicklung Asiens, dessen Hilfsquellen niemals voellig entwickelt worden sind.
Frage: Wie aber koennen die Kommunisten die Unabhaengigkeit
und den Lebensstandard der Voelker Asiens tatsaechlich bedrohen?
Sanders: Ich bin zwar von einem langzeitigen Aufenthalt in
Asien zurueckgekehrt, aber hier kann ich keine praezise Antwort .
geben. Ich weiss auch nicht, wie irgend ein Land sich fuer
eine gewisse Zeitdauer von dieser Bedrohung abschliessen könnte.
Aber ich glaube mehr und mehr an die Verwirklichung eines
nichtkommunistischen Asiens und an eine Zusammenarbeit zwischen allen Antiimperialisten in Asien und der westlichen Welt.
Und mehr und mehr Menschen Asiens beginnen zu verstehen, dass
es weder logisch ist noch eine Loesung bedeutet, wenn auf der
einen Seite die Ketten des vergangenen 19. Jahrhunderts abgeworfen werden, dagegen der neue sowjetische Kolonialismus, neue
und staerkere Fesseln in Peiping und Moskau schmiedet. Es
scheint mir, das3 hier ein Problem der Einsicht vorliegt. Der
Mensch in Asien hat erkannt, dass seine wirklichen auswaertigen Freunde jene sind, die gegen den Stalinismus kaempfen, auch
dann, wenn er Buerger eines frueheren Kolonialgebiets ist. Und
wir muessen uns darum bemuehen, dass die asiatischen Nationalisten - und sogar die kampfesfreudigen - sich mit uns fuer eine
antikommunistische Welt einsetzen. Wenn die Wuerfel jedoch gefallen sind, dann wuerden auch fuer diese keine Moeglichkeiten mehr
bestehen.
Program Services Section
VI/5/51
BLUT AUS OESTERR^ICHG BODEN
Die nachfolgenden Zeilen entstammen einem Artikel des
"Solidaritaet", dem Zentralorgan des oesterreichischen
Gewerkschaftsbunde3, in dem die 1300 000 organisierten
oesterreichischen Gewerkschafter daran erinnert werden,
- 14 -

�was mit ihrem Erdoel, dem Blut aus Oesterreichs Boden,
geschieht. Die eine Haelfte des Erdoels verschwindet
in Richtung Osten, die andere wird an die OROP geliefert, einer sowjetischen Handelsorganisation, die das
Oel der Oesterreicher an sie "verkauft".
Vor zwanzig Jahren gingen die ersten Waggonladungen des
Oesterreichischen Mineraloels von der Eisenbahnstation Zistersdorf/Goestling zu den Verbrauchern. Der Leiter der Ingenieurarbeiten hielt die uebliohe Rede, ein Orchester spielte einen_
zackigen Marsch und jeder war zufrieden, denn die oesterreichische Wirtschaft begann Nutzen aus den kostbaren natuerlichen
Reichtuemern Oesterreichs zu ziehen.
Das Zistersdorfer Mineraloelgebiet ist mit Bohrtuermen
und Bohrwinden uebersaet, mit Roehrenanlagen und Oelsammlern.
Die Pumpanlagen sind wie Pilze unrep;elmaessig in dem Gebiet
verstreut, sie sammeln das kostbare Mineraloel, das Blut des
oesterreichischen Bodens.
Am Ende des zweiten Weltkrieges wurden die oesterreichischen Mineraloelgewinnungsanlagen zum groessten Teil von der
russischen Besatzungsmacht uebernommen. Heute arbeiten etwa
8000 Arbeiter und Angestellte fuer die sowjetische Mineraloelverwaltung in Oesterreich. Die Arbeiter an den Pumpanlagen werden verhaeltnismaessig gut bezahlt, dennoch ist aber ihr Los
alles andere als beneidenswert. Das Mineraloelgebiet ist naemlich ein ruecksichtslos abgeschlossenes Gebiet, das volle
exterritoriale Privilegien besitzt. Hunderte bewaffneter
Werkschutzpatrouillen kontrollieren das gesamte Oelfeldgebiet
und die Anlagen. Eines derreichsteneuropaeischen Oelfelder
wird heute so behandelt, als ob es ausserhalb Europas laege,
zumindest jedoch ausserhalb Oesterreichs.
Dieses Gebiet ist heute fuer Oesterreich Niemandsland.
Der Reichtum des Landes, das kostbare Mineraloel, das aus den
Tiefen des oesterreichischen Bodens gefoerdert wird, ist nicht
unser Eigentum. Im vergangenen Jahre sdnd etwa l£ Millionen
Tonnen Oel aus diesem Gebiet gebohrt worden, in diesem Jahr
glaubt man diese Ziffer auf 1,8 Millionen erhoehen zu koennen.
Gegenwaertig sind etwa 50% dieses Oels fuer Oesterreich erhaeltlich. Der Vertrieb des Oels wird durch die OROP geleitet, eine von den Russen betriebene Handelsorganisation. Das
Bohren des Oels und der Export des oesterreichischen Oels geschieht ohne jede Einspruchsmoeglichkeit oder irgendeine Kontrolle durch die oesterreichischen Behoarden.
Tankwagen transportieren unser Oel in fremde Laender.
Heute gibt es keine Reden mehr, wenn ein Tankzug abfaehrt,
noch spielt ein Orchester bei solchen Anlaessen. Das oesterreichische Volk wuenscht mit anderen Voelkern einen wirtschaftlichen Austausch auf Gegenseitigkeit zu betreiben, ganz gleich,
wo diese Laender auch liegen moegen. Heute aber erhaelt
Oesterreich ueberhaupt nichts als Ausgleich fuer diese Oellieferungen. Tag und Nacht flieset unaufhoerlich Blut aus Oesterreichs Boden aus dem Lande heraus.
ECA Information
LI 649 6/26/51

- 15 -

�IN .VELCHEN 3ERUFEN ARBEITEN AMERIKANISCHE FRAUEN?
Innerhalb eines Jahres hat die Zahl der berufstaetigen
Amerikanerinnen um 750,000 zugenommen, sodass heute rund 30%
aller Beschaeftigten in den Vereinigten Staaten Frauen sind.
Den groessten Anteil stellen mit 97„4% aller Beschaeftigten
in der Gruppe der Haushaltsangestellten die Frauen. An zweiter Stelle folgen mit 65,1% aller in kaufmaennisehen Berufen Beschaeftigten Stenotypistinnen und aehnliche weibliche Bueroangestellte. Der geringste Prozentsatz, naemlich 2,5%, wird in
der Berufsgruppe Werkmeister erreicht.
Aber auch in den Beschaeftigungsgruppen selbst haben sich
im Laufe des vergangenen Jahres sehr grosse Verschiebungen gezeigt. Es wurde bereits erweehnt, dass innerhalb eines Jahres
750,000 Amerikanerinnen in das Berufsleben neu eingetreten sind,
sodass heute 18 Millionen Frauen berufstaetig sind. Bemerkenswert ist hierbei, dass die Zahl der Verkaeuferinnen im Laufe
eines Jahres um ueber 250,000 abgenommen haben. Dagegen hat
die Zahl der Fabrikarbeiterinnen um 525,000 zugenommen, die der
weiblichen Bueroangestellten um fast 400,000, die der Hausangestellten um ueber 100,000 und die der kleinen selbstaendigen
Geschaeftsleute und Verkaufsstellenleiterinnen um fast 100,000.
Die Zunahme der Haushaltsangestellten hat sich entgegen den
Erwartungen vollzogen, da hier allgemein mit einer weiteren
Abnahme gerechnet wurde. Vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus
ist in bezug auf die Abnahme der Zahl der Verkaeuferinnen hierzu
zu sagen, dass die gewerkschaftliche Organisierung des Verkaufspersonals auch in den Vereinigten Staaten eine sehr schwierige
ist. Die Folge davon ist nicht nur eine verhaeltnismaessig geringe Entlohnung, sondern auch eine sehr hohe Fluktuation, da
jede Frau bestrebt ist, einen besser bezahlten Arbeitsplatz zu
erbalten.
Insgesamt gibt es fast 57.000.000 Frauen in den Vereinigten Staaten, die aelter als 14 Jahre sind. Von diesen sind rund
18.000.000 Berufstaetige - das heisst also, dass jede dritte
Amerikanerin, die aelter als 14 Jahre ist, in den Arbeitsprozess
eingereiht ist.
Die Haelfte der berufstaetigen Frauen ist verheiratet,
ein Drittel wird als alleinstehend in der Statistik bezeichnet,
waehrend das restliche Sechstel verwitwet ist, getrennt lebt
oder geschieden ist.
Im Jahre 1900 betrug der Anteil der erwerbstaetigen Frauen
10%, waehrend des zweiten Weltkrieges stieg er bis auf 36% an,
um jetzt wieder auf 32% abzusinken.
Vor zehn Jahren waren 49% der berufstaetigen Frauen alleinstehend, heute sind es nur noch 32%. Damals waren 30% aller
berufstaetigen Frauen verheiratet, heute sind es dagegen 48%.
Mehr als 25% aller berufstaetigen Frauen, das sind 4,5 Millionen, haben Kinder unter 18 Jahren. Von diesen 4,5 Millionen
Kindern sind l£ Millionen in noch nicht schulpflichtigem Alter,
sie sind also juenger als sechs Jahre.
Wenn das Alter der berufstaetigen Frauen zugrundegelegt
wird, so ergibt sich, dass 31% Alter als 45 Jahre sind.
,

Facts on Women Workers
V/31/51

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5 0

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

17-29

Frankfurt,

2 0 . J u l i 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Produktivitaetsfragen

und Lebensstandard - -

Gewerkschaften im Roten China
D. Abkhazi:

- - - - - - -

Der Schumanplan und Europa

- -

1
4
6

S i r Vincent Tewson:
Die Voraussetzungen f u e r d i e H e r s t e l l u n g und
E r h a l t u n g des W e l t f r i e d e n s
- - - - - - - 1 3

PRODUKTIVITAETSFRAGEN UND LEBENSSTANDARD
Mehr a l s 175 P e r s o e n l i c h k e i t e n des w e s t e u r o p a e i s c h e n i n d u s t r i e l l e n und g e w e r k s c h a f t l i c h e n Lebens versammelten s i c h i n
der h i s t o r i s c h e n A b t e i Royaumont b e i P a r i s , um h i e r d i e Zusammenhaenge zwischen e i n e r g e s t e i g e r t e n P r o d u k t i v i t a e t und dem
L e b e n s s t a n d a r d d e r e u r o p a e i s c h e n A r b e i t e r zu e r o e r t e r n .
I n e i n e r d r e i t a e g i g e n Konferenz ueber d i e s e Frage e r h i e l t e n Unternehmer und U n t e r n e h m e r v e r t r e t e r , A b t e i l u n g s l e i t e r und
Gewerkschafter e i n e U e b e r s i c h t ueber a l l e Fragen des i n d u s t r i e l l e n Lebens, wie s i e von t e c h n i s c h e n Experten gesehen werden.
Diese gaben zu, und zwar z i e m l i c h e i n h e i t l i c h , d a s s d i e Lebensbedingungen der m e i s t e n e u r o p a e i s c h e n A r b e i t e r , i n s b e s o n d e r e
j e n e r in F r a n k r e i c h , u n t e r dem D u r c h s c h n i t t l i e g e n und deshalb
die Folgerung n a h e l e g e n , g e e i g n e t e Methoden a u s z u a r b e i t e n , um
- 1 -

�diese ebenso gefaehrliche wie ungerechte Situation zu aendern.
Der fruehere Geschaeftsfuehrer des CIO fuer Texar, Oliver, berichtete, dass der heutige Lebensstandard des amerikanischen
Volkes in erster Linie durch die Streikpostenkette erkaempft
wurde. Sa war zwar ein bitterer und langwieriger Kampf, aber
er fuehrte zum Erfolg. Nachdem die Versammlung davon ueberzeugt wurde, dass de,r amerikanische Arbeiter tatsaechlich seinen hohen Lebensstandard durch harte Streiks und regelrechte
Schlachten an der Streikpostenkette erzielt hat, berichtete
der T/!arshall-Plan-Vertreter, dass die Erfahrungen, die in den
Vereinigten Staaten gemacht wurden, es durchaus wert sind,
genauer studiert zu werden. Er zeigte auf, dass hiermit nicht
gemeint sei, dass in Europa unbedingt die amerikanischen Beispiele zugrunde gelegt werden muessten; aber wenn man die
frueheren Ergebnisse und die Irrtuener sowie die Erfahrungen
auf diesem Gebiet studiert, so koennte der Europaeer manches
finden* was ein naeheres Studium dieser Entwicklung rechtfertigen wuerde.
Oliver gab dann einige Einzelheiten, an denen er beispielhaft erklaerte, dass er ueberzeugt sei, ein steigender Lebensstandard und eine Beteiligung der Arbeiter an den Gewinnen
aus der Produktionssteigerung sind absolut erforderlich, xim
eine moderne industrielle Wirtschaft aufzubauen. R. R. Zimmermann, der Sonderbeauftragte der Abteilung fuer technische
Unterstuetzung im europaeischen Eilfsprogramm, betonte nachdruecklich, dass in solchen Zeiten, wie wir sie heute durchleben, es besonders wichtig sei, dass die Wuensche der Arbeiter
befriedigt werden. Es hat niemals eine Zeit gegeben, in der
die Gegnerschaft und selbst eine unfreundliche Haltung der
Arbeiter gegen das Unternehmertum so gefaehrlich fuer unsere
gesamte Zivilisation sein koennte wie heute. Zimmermann erinnerte hierbei daran, dass die Stimme der sowjetischen Lockrufe
alle jene aufrufe, die unzufrieden sind, und die sich nicht als
zugehoeriger Teil zu einer Industriegruppe fuehlen. Es genuegt
nicht, darauf hinzuweisen, dass die Tyrannei der Sowjets unter
dem heuchlerischen Versprechen einer utopischen Zukunft die
Freiheiten ganzer Voelker ausgeloescht hat. Unsere Aufgabe ist
es, die .Veit noch freier zu machen, das heisst aber, den Lebensstandard zu heben.
Das bedeutet wiederum, dass die europaeische Zivilisation
heute der Welt zwei neue Begriffe geben muss, und zwar die
der Y/issenschaft und die der Menschenwuerde. Er erwaehnte, dass
diese beiden Erbschaften der alten Welt den groessten Einfluss
auf die amerikanische Kultur gehabt haben. Zu diesen beiden
tritt noch die kaempferische amerikanische Arbeiterbewegung
als dritter Hauptfaktor. Alle drei Faktoren zusammsn haben
das heutige amerikanische Wirtschaftsleben und seine industriellen Organisationen geschaffen. Ein weiterer Faktor ist der
Fluss des amerikanischen Lebens, d.h. die Moeglichkeit, jedem
Einzelnen eine Erziehung und eine Schulung zu geben, die ihm
die Voraussetzung dafuer gibt, bis zu den hoechsten Raengen aufzusteigen. Alle diese Faktoren haben dazu beigetragen, die
Grundvoraussetzungen fuer die amerikanische Produktivitaet zu
schaffen. Er fuegts hinzu, dass die humanitaere und soziale
Seite der amerikanischen Industrie zumindestens so. wichtig fuer
die Produktivitaet ist wie technische und ingenieurmaessige
Faktoren. Im uebrigen bemerkte er, dass er keineswegs jemand
davon ueberzeugen wollte, dass es nur Zartheit und Licht in
den Beziehungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften gaebe.
- 2 -

�.Villiam Gomberg, der Geschaeftsfuehrer der Ingenieurabteilung dar Gewerkschaft der Damenoberbekleidun^sindustrie &lt;?ab
eine Uebersicht ueber die Aktivitaet seiner Gewerkschaft in
der Zusammenarbeit mit der Bekleidungsindustrie, die das Ziel
hatten, die Produktivitaet zu steigern. Gomberg stellte fest,
dass diese «ktivitaet keineswegs einzigartig sei, und am besten
verstanden werden koenne, wenn man den Hintergrund in Betracht
ziehe, d.h. die positive Einstellung der amerikanischen Gewerkschaften zur Fra?,e der Produktivitaet. In den Vereinigten
Staaten wird das Unternehmertum durch eine aggressive Fuehrerschaft beherrscht, die staendif neue Produkte fuer alte Maerkte
sucht und neue Ikerkte fuer alte Produkte. "Aber lassen Sie
mich beruhigt hinzufuegen, dass auch wir unsere Zauselbaerte
haben, die durchaus zufrieden sind mit dem, was eine staatliche
Wirtschaft ihnen bietet - vorausgesetzt, dass die Gewerkschaften
damit einverstanden sind." Er wies dann darauf hin, dass Arbeiter nur dann an Produktions fragen interessiert werden koennen, wenn das wirtschaftliche Aequivalent ihnen binnen kurzem zur
Verfues;unp; stehe, d.h. eine hoehere Entlohnung. Ueberlegungen
auf l^nge Sicht sind ein Luxus, den sich vielleicht Akademiker
leisten koennen, Arbeiter bevorzugen stets die sofortige Entscheidung. Sie schaetzen deshalb sofortige Praemienzahlungen.
Sie koennen natuerlich auch ihren Kindern etwas bieten; sie
haben jedoch nicht die Absicht, bis zu ihrem Tode darauf zu
warten, ob aus ihrer Anteilnahme an einer Steigerung der Produktivitaet auch wirklich etwas fuer sie selbst dabei herauskommt.
|

Es ist Aufgabe der Ingenieurabteilung der amerikanischen
Gewerkschaften, bei einer Beteiligung der Arbeiter bei der
Schaffung und Durchfuehrung einer gesteigerten Produktion die
Gewerkschaft mit allen notwendigen Unterlagen zu versehen,
damit die Arbeiter auch zu ihrem gerechten Anteil kommen.
Hierbei ist es wichtig, all das herauszustellen, was sie tun
koennen und was sie nicht tun koennen. Sie stutzen keineswegs ihr Programm so zurecht, damit auch der ungenuegendste
Arbeitsfaktor auf Kosten niedriger Loehne sich weiterhin behaupten kann. Die gewerkschaftliche Ingenieurabteilung hat
die aufgäbe, ihre eigenen ingenieurmaessigen Kriterien festzulegen und festzustellen, was eine "faire** Produktionsrate ist.
Diese Voraussetzung ist ebenso grundlegend fuer die schuetzende Funktion wie auch fuer die Zusammenarbeit der Gewerkschaften mit den Unte-i.ehiüern. V.'enn die Ingenieurabteilung gerufen
wird, um einen Unternehmer zu unterstuetzen, so ist die grundlegende Frage die nach der Methode, die sich anwenden laesst,
um die Produktion zu steigern unter Beruecksichtigung der Grenzen, die sich durch die maschinelle .nusruestung ergeben.
Gomberg entwickelte dann, wie in den letzten zehn Jahren
eine vollkommene Gewerkschaftsphilosonhie sich in den Vereinigten Staaten entwickelt hat und wie durch die Pionierarbeit, die
auf dem Felde der Unterstuetzung der Unternehmer bei diesen
Massnahmen und in der Zusammenarbeit mit den Unternehmern die
Gewerkschaft der Arbeiter der Damenoberbekleidungsindustrie
als Modell fuer viele andere amerikanische Gewerkschaften diente. Durch die Produktivitaetsingenieure der Gewerkschaften
ist eine annaeherung der Arbeiterschaft an die Anforderungen
einer gesteigerten'Produktivitaet erfolgt. Die Produktivitaetsinpenieure haben aber zugleich die Versuche des Unternehmertums
zurueckpewiesen, ihre einseitigen Massnahmen und ihre einseitige Technik den Arbeitern aufzuoktroyieren.
- 3 -

�Die Produktivitaetsaktivitaet der amerikanischen Gewerkschaften wird von einer nachdrücklichen Forderung auf hoehere Loehne
begleitet. Diese Aktivitaet begann meist als eine schuetzende
Funktion und endete oft mit einer Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaft und Unternehmern auf diesem Gebiet. Diese Zusammenarbeit
besteht aber fuer die Gewerkschaften in erster Linie darin, dass
der Arbeiter einen hoeheren Lohn erhaelt und dass die amerikanische Produktivitaet sich weiter entwickelt.
Alle diese Aktivitaeten, so schloss Gomberg, haben dazu
gefuehrt, dass eine Gruppe amerikanischer Produktivitaetsspezialisten sich mit der Gewerkschaftsbewegung ins Einvernehmen
setzte und dann zum Sprecher der Arbeiterschaft wurde mit dem
Ziel, neue wirksamere industrielle Techniken auszuarbeiten, die
zugleich dazu beitragen, die gegenwaertigen Arbeitsbedingungen
euch fuer den Arbeiter zu verbessern. Die amerikanischen Gewerkschaften foerdern die Produktivitaetsbestrebungen jedoch keineswegs nur aus dem Gedanken einer hoeheren Produktion heraus,
sondern sie sehen hier eine Moeglichkeit, den Lebensstandard
des Arbeiters zu erhoehen.
Labor News from the US
7/6/51

11/25

GEW5RKSGRÄFTEN IM ROTEN CHINA
Als die kommunistischen Armeen China besetzten, gab die
Militaerkontroll-Kommission eine Verlautbarung heraus, dass
die Gewerkschaften fuer die einzelnen Industrien ihre Arbeit
im gewohnten Stile fortsetzen sollten, als ob nichts geschehen
sei. Dadurch existierten die Gewerkschaften noch einige Monate, aber-in der Praxis wurde die gesamte Aktivitaet der Gewerkschaften lahmgelegt. Kommunistische Agenten drangen in die
verschiedenen industriellen Betriebe und sorgten dafuer, dass
bei jeder Wahl fuer die Gewerkschaften die gewuenschten Wahlresultate zustande kamen. Die Folge hiervon war, dass nach und
nach jede Gewerkschaft unter die direkte Kontrolle der kommunistischen Agenten kam, wobei man obendrein behaupten konnte,
dass die Arbeiterschaft hier selbst gesprochen habe. Die heutige Taetigkeit der sich inimer noch Gewerkschaft nennenden Organisationen ist naturgemaess sehr beschraenkt. Die Kauptaufgäbe
besteht darin, alle antikommunistischen Personen in den Betrieben herauszufinden und sie zu registrieren. Das Ergebnis ist
damit praktisch eine schwarze Liste. Auf der anderen Seite
weiss jedoch niemand, ausser einigen kommunistischen Spitzenfunktionaere, welche Namen sich tatsaechlich auf diesen Listen
befinden. Durch diese Ungewissheit .werden praktisch alle Arbeiter in einer staendigen Unruhe- und Ungewissheit gehalten.
Sine andere Aufgabe der "Gewerkschaften" ist heute die
Abhaltung von Massenversammlungen, sobald sich irgendwelche
Zeichen der Unzufriedenheit zeigen. Das ist nach den kommunistischen Richtlinien auch dann erforderlich, wenn die schwarzen
Listen allzu lang werden. Diese Massenversammlungen bieten zugleich eine Moeglichkeit, auf diesen Listen eine Reihe von
Namen wieder auszustreichen. 2s gibt sogar Faelle, in denen
auf diesen iuassenversammlungen die Todesstrafe fuer solche Leute
gefordert wird, die offensichtlich nicht mit allen Vorgaengen
einverstanden sind. Aber das kann ebenso auch mit Arbeitern
geschehen, die voellig unschuldig sind und aus denen lediglich
- 4 -

�eine gewisse Veraergerung spricht. Wenn es jedoch zu viel
verdaechtige Elemente gibt, so uebergeben die kommunistischen
Spitzel die Kamen dieser Personen der Geheimpolizei, die denn
diese Leute verhaftet und unter Umstaenden auch erschiesst.
Diese Verhaftungen geschehen stets bei Nacht. Es wird an
den Tueren geklopft und noch vor der Morgendaemmerung sind
saemtliche Verhaftungen durchgefuehrt. Praktisch sind die
Gewerkschaften im Roten China somit Agenturen der Geheimpolizei, die ueber China ein Terrorregime errichtet hat.
üiine weitere Aufgabe der Gewerkschaften in China besteht
heute darin, die Produktionsleistungen des Arbeiters hochzuschrauben. Hierbei ist bemerkenswert, dass der chinesische
Stachanowist von den Kommunisten geradezu als lebender Buddha
gefeiert wird. Aber sonderbarerweise ist dieser chinesische
"Kämpfer" an der Erschoepfung zugrundegegangen, die sich durch
die Ueberarbeit ergab. Jeder Arbeiter wird gefragt, ob er
bereit ist, den bestehenden Produktionsrekord zu uebertreffen.
Das ist umso leichter fuer die "Gewerkschaften", als ja vorher
jene Arbeiter entfernt wurden, denen man nicht trauen konnte,
sodass die Kommunisten umso leichter alle jene ausbeuten
koennen, -denen sie noch Vertrauen schenken. Man sagt heute
in China, dass die Arbeiter Zitronen geworden sind. ..enn sie
so ausgequetscht sind, dass kein Tropfen mehr aus ihnen herauskommt, wirft man sie auf den Abfallhaufen.
Nach den Mitteilungen des Ministerpraesidenten der Puppenregierung in Peking, Chow An-Lai, sind seit Anfang Mai Irr
Millionen antikommunistischer Personen erschossen worden.
Tatsaechlich wird jedoch die Zahl der von den Kommunisten erschossenen Menschen v/eit groesser sein. Damit sie ihre Kontrolle ueber das Land verstaerken und ihre Fleene ueber die
Eroberung der «Veit beschleunigen koennen, wird jeder, der
schuldig befunden wird - und sei es auch nur in geringem
Grade - einfach verhaftet und bei naechster Gelegenheit erschossen, wenn man es nicht vorzieht, ihn in ein Zwangsarbeitslager zu bringen, da heute bereits in China nicht genuegend
Arbeitskraefte mehr zur Verfuegun&lt;* stehen, um die auferlegten
Produktionsverpflichtungen zu erfuellen.
Die Arbeitszeit betrug vor der kommunistischen Invasion
acht bis neun Stunden am Tag, heute betraegt sie zehn bis
zwoelf Stunden. Gleichzeitig ist jedoch jeder Arbeiter gezwungen, schneller zu arbeiten, um seine ^uote erfuellen zu koennen. Das fuehrt praktisch dazu, dass die taegliche Arbeitszeit zumeist 13 und in vielen Faellen sogar 16 Stunden am
Tag betraegt. Nicntkriegswichtige Industrien sind zum grossen
Teil voellig eingestellt, umso groesser ist der Aufschwung in
der Ruestungsindustrie. Man kann sich vorstellen, mit welchen.
Gefuehlen die Arbeiter zu den vorgeschriebenen Massenversammlungen gehen, wenn sie bereits 16 Stunden an ihrem Arbeitsplatz
standen. Rechnet man noch den Weg von der Arbeitsstaette zur
Fabrik und zurueck dazu, so ist es keinesfalls eine Uebertreibung, wenn heute der chinesische Arbeiter wochenlang keine
Gelegenheit hat, einmal mit seinen Familienmitgliedern sich
zu unterhalten. Der chinesische Arbeiter steht meist vor sechs
Uhr morgens auf, um puenktlich am Arbeitsplatz zu sein. Zu
dieser Zeit schlaeft die Familie noch. Die Arbeit, ist um neun
Uhr abends zu Ende und wenn hier noch zwei oder drei Stunden
durch Sitzungen im Betrieb oder durch gewerkschaftliche Massenversammlungen verlorengehen, so kommt der Arbeiter so snaet
nach Hause, dass er seine Familie schon schlafend vorfindet.
5 -

�I.fen muesste annehmen, dass bei einer derartigen langen
Arbeitszeit auch die Loehne wesentlich gestiegen sind. In
Sowjet-China ist dies jedoch nicht der Fall. Um die Loehne
in ein richtiges Verhaeltnis zu setzen, ist es am besten,
wenn als Basis fuer den «Yert des chinesischen Geldes das_
Grundnahrungsmittel Reis verwendet wird. Als der chinesische
Arbeiter im"Jahre 1947 taeglich neun Stunden arbeitete, konnte
er sich dafuer im Monat 600 Pfund Reis kaufen. Im Jahre 1951
wurde bis zu 16 Stunden am Tage gearbeitet, aber fuer den Gesamtlohn reichte es nur fuer 200 Pfund Reis. Hier muss jedoch
einschraenkend bemerkt werden, dass bei diesem Vergleich der
Nominallohn zugrunde gelegt wird. Der wirkliche Lohn, der
mit nach Mause genommen werden kann, schwankt zwischen 100
bis 150 Pfund Reis im Monat, da 50 Pfund immer fuer die verschiedenen Steuern und Abgaben abgezogen werden muessen, waehrend weitere 50 Pfund Reis - manchmal weniger, icanclimal mehr fuer die mannigfaltigen Formen der freiwilligen Opferabgaben,
fuer die eigenartigsten-Sammlungen und auch fuer solche Zwecke,
wie sie von den machtausuebenden Funktionaeren festgelegt werden,
in Abzug kommen. Selbstverstaendlich bedeuten diese freiwilligen Opfer in der Praxis zwangsweise Abzue^e. 100 Pfund Reis
sind gerade so viel, um taeglich zwei ochuesseln einer sehr
duennen Reismahlzeit oder eines Reisbreis fuer die Mahlzeit
jedes der fuenf Mitglieder 'einer Familie fuer einen Monat zuzubereiten,wenn man einen Durchmesser von drei Mahlzeiten je
Tag zugrundelegt. T'atuerlich sind in den Tausenden von Zwangsarbeitslagern, die ueber das ganze Land verstreut sind, die
Verhaeltnisse noch schlechter, ilin Zwangsarbeiter muss Tag
fuer Tag 16 Stunden lang hart arbeiten und erhaelt nur zwei
Schuesseln Reis bei jeder Mahlzeit. Fuer die Unterstuetzung
seiner Familienmitglieder erhaelt er keinerlei Moeglichkeiten.
Unter diesen Umstaenden ist es nicht erstaunlich, dass Unterernaehrung und lange Arbeitszeit in der Industrie zu Zrmuedungserscheinungen fuehrt und ein starkes Anwachsen der Berufsunfälle zu verzeichnen ist. So war der Durchschnitt der Unfallziffern in der Zeit vor der kommunistischen Herrschaft 3,6 im
Monat, waehrend heute fast Tag fuer Tae; ein Unfall passiert.
wang-Chu vor dem IBFG-Kongress
in Mailand
D. Abkhazi:
D2R SCHITAUPLAN UND ZUR OPA
Z'in Jahr ist bereits seit dem Augenblick verflossen, wo
Robert Schuman seine Idee bekanntgegeben hat, dass die Kohleund Zisenvorkommen Zuropas fuer eine gemeinsame ..irtschaft zur
Verfuegung stehen sollen. Die Unterschriften unter diesem
Plan haben heute dieser Idee Vi/irklichkeit gegeben.
In der Zwischenzeit haben sich in der ganzen V.'elo dramatische Ereignisse vollzogen, i.ber diese konnten der Idee Schumanns nur eine umso groessere v;ichti~keit &lt;reben. heute wird
eine vernuenftige Loesun? der letzten Differenzen zwischen
Deutschland und Frankreich gesucht. Man hatte ursnruenglich
diesen Plan als Kohle-Plan bezeichnet, oder als eine KohleZisen-Gemeinschaft. Tatsaechlich ist dieser Plan jedoch weder
das eine noch das andere, wie man sehen wird, ^llen freien
Laendern steht es offen sich an diesem Plan zu beteiligen,'
der sich gegen niemand wendet, noch ist er ein Kartell, das
von egoistischen Interessenten ins Leben gerufen worden ist.
- 6-

�Die Idee zu diesem Plan erscheint durchaus einfach unS
ueberzeugend. Sie besteht darin, die gesamte deutsoh-frenzo«»sische Produktion an Sfcahl und ^isen in die Ha ende einer Hoher.
Konmission zu legen, deren Verwaltung in gemeinsamen Haenden
liegt und an der sich auch andere europaeische Laender beteiligen koennen.
Diese Voraussetzung ist praktisch genug, um sie auf einen
wirtschaftlichen Plan zu uebertragen. In der Praxis handelt
es sich darum, dass man fuer die Produktion einer Tonne Stahl
1 , 5 - 3 Tonnen Eisenerz benoetigt, je nach dem Eisengehalt
der von 33$ bis 65$ variiert. Ebenso benoetigt man 0,8 bis
1,2 Tonnen Koks oder 1 bis 1,6 Tonnen Kohle, die in Koks umgewandelt wird, wobei die Destillation einer Tonne Kohle etwa
750 kg Hochofenkoks ergibt.
In Frankreich befinden sich als wichtige Bodenschaetze
Europas umfangreiche Eisenerzlager. Diese werden auf etwa 7
Milliarden Tonnen geschaetzt. Sie liegen damit an zweiter
Stelle hinter denen der Vereinigten Staaten. Kurz vor dem
zweiten Weltkrieg betrug die franzoesische Produktion etwa 33
Millionen Tonnen Eisenerz mit einem mittleren iisengehalt von
33$, d.h. also 11 Millionen Tonnen eines 100$igen Eisenerzes.
9/10 der Eisenerze befinden sich in Lothringen. Damit uebertraf
Frankreich bei weitem die britische Produktion, die 4,5 Millionen Tonnen Eisenerz betrug, wenn es auf 100$ umgerechnet wird,
sowie die Produktion Deutschlands mit 3 Millionen Tonnen und
die Luxemburgs mit 2 Millionen Tonnen. Frankreich exportierte
rund 45$ seiner Produktion, 2/3 davon an die belgisch-luxemburgische Zoll-Union und ein weiteres Drittel an Deutschland. Das
damalige Deutschland verarbeitete rund 14 Millionen Tonnen reinen Eisenerzes. Da die deutschen Vorkommen weder in Q,ualitaet
noch in ^uantitaet ausreichend waren, konnten die eigenen Förderungen nicht mehr als 20 bis 25$ seines Bedarfs decken, denn
die mageren Eisenerze enthielten im Durchschnitt nur 25$ Eisen.
Der Rest musste somit von Schweden, Frankreich, Spanien und
von Uebersee importiert werden.
In der Frage der Kohle, diesem ebenso wichtigen Faktor bei
der Aufbereitung des Eisenerzes, ergibt sich jedoch eine ganz
andere Situation. Dank dem Ruhrgebiet verfuegt V.'estdeutschland
ueber den groesseren Teil der europaeischen Kohle, die sich in
Koks ueberfuehren laozst. 1938 betrug seine Produktion 137
Millionen Tonnen Kotue und 36 Millionen Tonnen Koks. Her Export
fester Kohle jeder Art erreichte die Ziffer von 38 Millionen
Tonnen. Im Gegensatz hierzu verfuegt Frankreich nur ueber 47
Millionen Tonnen Kohle und steht dabei an dritter Stelle noch
hinter Grossbritannien, das 232 Millionen Tonnen zur Verfügung
hat. Darueberhinaus ist die franzoesische Foerderung sehr arm
an Kohle, die sich verkoken laesst. Die Koksproduktion konnte
nur auf 7,5 Millionen Tonnen gesteigert werden, waehrend der
Bedarf auf etwa 10 Millionen Tonnen geschaetzt wird.
Bei einem Gesamtverbrauch von jaehrlich etwa 68 Millionen
Tonnen fester Kohle musste Frankreich 21 Millionen Tonnen einfuehren, davon allein'2,5 Millionen Tonnen Koks. Deutschland
und Grossbritannien lieferten Frankreich je etwa 1/3 der fehlenden Menge, der Rest kam aus Belgien, Holland, Polen und anderen
Laendern. Alles in allem ergibt sich, dass Frankreich reich an
Eisenerzen ist und in der Lage ist, fast die Keelfte seiner Froduktion zu exportieren. Frankreich ist jedoch weniger guenstig
gestellt in bezug auf Kohle. Es muss 1/3 seines Verbrauchs ir.i.7 -

�portieren und vor allen die Haelfte des benoetigten Kochofenkoks, der fuer die Erzaufbereitung unbedingt notwendig ist.
Deutschland produziert nur geringe Kengen an Eisenerz,
das obendrein nur einen sehr geringen Eisengehalt hat. Es muss
daher 3/4 seines Verbrauchs importieren. Dagegen ist Deutschland ausserordentlich gut gestellt, was die Kohlenproduktion
anbelangt und kain hier ohne weiteres 1/4 seiner Produktion exportieren.
Wenn man diese Tatsachen zusammenfasst, so ergibt sich
eine geradezu natuerliche Schlussfolgerung:
1.

Die beiden Wirtschaftsgebiete ergaenzen sich.

2.

Bei dem gegenwaertigen Stand der Technik kann eine Erzverhuettung in Frankreich nicht ohne die deutsche Kohle
existieren, aber ebenso wenig kann das Kuettenwesen in
Deutschland gedeihen, wenn keine franzoesischen Erze
zur Verfuegung stehen.

Im Laufe eines Jahrhunderts hat man dreimal versucht, eine
Loesung zu finden, bei der man mit Gewalt die Lage der Grenzen
veraendert hat. Der -Begriff"Kohle und Eisen" hat sich in den
Koenfen der Uenschen so festgebohrt, dass er zur Idee des Krieges und der Zerstoerung wurde.
Auf dieser Grundlage muss man heute die Initiative Schumanns betrachten, d.h. die Vereinigung der deutschen und franzoesichen Kohle- und Eisenquellen, um darueber hinaus durch eine
uebernationale Kontrolle praktisch jeden Krieg zwischen Deutschland und Frankreich nicht allein undenkbar, sondern, materiell
gesehen, auch unmoeglich zu machen.
Es handelt sich hierbei keineswegs, wie zuweilen behauptet
worden ist, um die Schaffun«? eines sich gegenseitig verpflichteten Industriekartells, sondern um eine wirkliche Abstimmung der
beiden sich ergaenzenden Wirtschaftsgebiete, die sich dabei
einer uebernationalen europaeischen Kontrolle unterwerfen muessen.
Die aufnähme, die dieser Plan in der oeffentlichen Meinung der
7/elt gefunden hat, ist noch frisch im Gedaechtnis. Trotz gewisser Bedenken, die der Durchfuehrung dieses Planes entgegengebracht werden, hat die Mehrzahl der interessierten Regierungen
diesem Plan sozusagen sofort zugestimmt. Deutschland war eines
der ersten Laender, das sich zu diesem Plan bekannte. Nur Grossbritannien, das auch hier seinem alten Prinzip des "Abwarten-undSehen" treugeblieben ist, hat sich bis jetzt noch nicht zu einer
Zusammenarbeit bereiterklaert.
Diese Haltung Englands bedarf einiger Erklaerungen:
23 ist unbestreitbar, dass der psychologische Schock, mit
dem die Initiatoren des Schumanplans rechneten, dazu beigetragen
hat, dass die oeffentliche Meinung in England sich abwartend verhaelt. Seit mei^r als einem Jahrhundert hat die britische Kohle
und der britische Stahl die V/eltmaerkte beherrscht. England
sieht sich daher sehr betroffen, weil ohne jede vorhergehende
Aussprache und ohne zuvorige Beratung dieser Plan sozusagen brutal
der Oeffentlichkeit vorgelegt wurde, ohne auf die Punkte Ruecksioht zu nehmen, die Grossbritannien weitgehend betreffen. Es
genuegt, in dieser Hinsicht an den bitteren Ton der englischen
Presse zu erinnern, der im Mai 1950 zu finden war.
8 -

�Vergessen wir hierbei .auch nicht, dass der so oft diskutierte Tunnel zwischen England und Frankreich auch heute noch
nicht seiner Verwirklichung naehergebracht worden ist. Der
Snglaender bevorzugt es aufgrund seiner geistigen Haltung,
insular zu bleiben. Er ist neuen Ideen gegenueber nur recht
wenig aufgeschlossen - ganz im Gegensatz zu den Voelkern, die
sich auf- dem alten Kontinent diesen Ideen anschliessen und diese
begeistert aufnehmen. Es ist sehr schwer fuer den Englaender,
sich bereitzuerklaeren, seine Ideenwelt zu aendern. Es kommt
ihn vor, als ob er dabei einen Teil seiner Souveraenitaet aufgeben muesse. Und hat er nicht im gewissen Sinne auf die Idee
des Schumanplans reagiert, als er sagte, dass ein Land, das
die Kontrolle ueber seine Kohle und seine Erze verliert, nicht
mehr seine nationale Freiheit besitzt?
Tan muss dabei auch verstehen, dass die heutige besondere
Situation ohne jedes Ge,?enstueck in der englischen Geschichte
ist, die aus dem Vereinigten Koenigreich ein Commonwealth machte
und vielleicht nocn staerKer als alle anderen Gruende dazu beitragen, sich gegen die uebrige '.Veit abzuschliessen. Indessen
bleibt trotz allem die Hoffnung, dass Grossbritannien sich dem
Schumanplan zuwenden wird, nachdem dieser Plan durch die Parlamente der beteilis'ten Laender ratifiziert worden ist. Aber
auch dann, wenn keine wirkliche Beteiligung in diesem engeren
Sinne zustande komr.it, wird Grossbritannien sich doch zu einer
Zusammenarbeit bereiterklaeren. Die fortschreitende Vereinigung Europas ist ohne Grossbritannien nicht denkbar und nicht
durchfuehrbar.
Sine der ersten Aufgaben der kuenftigen Hohen Kommission
wird es sein, eine Uebereinstimmung zwischen den Laendern, die
h an diesem Plan beteiligt sind und den abseitsstehenden westeuropaeischen Laendern herbeifuehren, zu denen in erster Linie
Grossbritannien gehoert.
Trotz aller Kritiken und gewisser zoegernder Momente haben
sich die Vertreter der sechs interessierten Laender. naemlich
Westdeutschland, Belgien, Frankreich (die Saar wird zur Zeit
durch Frankreich vertreten), Luxemburg,und Holland am 20. Juni
1950 in Paris getroffen, um hier die Modalitaeten festzulegen,
um ein gemeinsames Arbeiten ihrer Schwerindustrie zu ermoeglichen.
Die nachstehende Tabelle gibt die Produktionsziffern fuer
Kohle, Eisenerz, Eisen und Stahl der Teilnehmerlaender im Jahre
1950 wieder. Danach werden die britischen Zahlen und die der
europaeischen Gesamtproduktion gegeben.
"an muss jedoch hierbei bemerken, dass die Produktion
dieser sechs Laender seit dem letzten Jahr einen nicht unerheblichen Aufschwung genommen hat. Nach den Erfahrungen, die die
ersten drei Monate des Jahres 1951 betreffen, ist die Kohleproduktion in Westdeutschland auf 120 Millionen Tonnen gestiegen,
in Frankreich auf 54 Millionen Tonnen, im Saargebiet auf 17
Millionen Tonnen und in Belgien 29 Millionen Tonnen. V.ras die
Stahlproduktion anbelangt, hat die westdeutsche Produktion 12
"illionen Tonnen erreicht, die Frankreichs 9,6 Millionen Tonnen, die der Saar 2,5 Millionen Tonnen, die Belgiens 4,7 Millionen Tonnen und die Luxemburgs 3 Millionen Tonnen. Fuer die
Teilnehmerlaender am Schumanplan betraegt somit die Produktionssteigerung zu Anfang des Jahres 1951 fuer Kohle dfo, d.h. also
16 Millionen Tonnen mehr und 10% fuer Stahl, d.h. 3 Millionen
Tonnen.
- 9 -

�Die europaeische Produktion im Jahre 1950
(In Millionen Tonnen)

Westdeutschland
Frankreich .
Saar . . . .
Belgien . .
Luxemburg
Niederlande
Italien . .
Total . . .
Grossbritannien
Andere europaeische Laender

110,8
50,8
15,1
27,3
12,3
1.0

Stahl:

Eisenerze: Eisen:

Kohle

22%
20% 2,7 - 9% 9,5
18%
9% 10,3 -34% 7,8
3%
1,7
5% 0,2 - 0,5 3,7 - 9%
1,2 - 4% 2,5 - 6%
2%
- 0,5 - Ifo
0,2 - 0.5 0,6 - 1%

20%
14%
3%
6%
4%

12,1
8,7
1,9
3,8
2,5
0,5
2,5

217,3

39% 14,6 -48% 26,3 - 61% 31,8 - 52%

219,8

40%

3,9 -13% 9,7 - 22% 16,4 - 27%

21% 11,8 -59% 7,1 - 17% 12,8 - 21%
119,9
Total . . ., 557,0 -100% 30,3 -100% 43,1-100% 61,0 -100%

* Der Erzgehalt ist umberechnet auf 100% Eisengehalt.
Man hat uebrigens festgestellt, dass in den Teilnehmerstaaten des Schumanplans im europaeischen Gesamtgebiet, mit
Ausnahme der UDSSR, sich die Kohlenfoerderung 1950 um 39% steigerte; fuer Eisenerz um 48%; fuer Eisen um 61% und fuer Stahl
um 52%.
Die zweite Tabelle zeigt Importe und Exporte der teilnehmenden Laender, wobei lediglich feste Brennstoffe, Eisenerze,
Eisen und Stahl beruecksichtigt ist.
Import- und Exportzahlen fuer 1950
(In Millionen Tonnen)
.feste
Brennstoffe
Imp. Exp,
Westdeutschland
Frankreich .
Saar . . . .
Belgien . .
Luxemburg
Niederlande
Italien . .
Total .
Cx-ossbritannien

19,6

Eisenerze
Imp. Exp.
4,8

11,5

Eisen

Stahl

Imp. Exp. Imp. Exp.
-

0,46

-

1,17

-

2,81
3,13

11,1

0,3

3,8
8,3

- 0,33
0,06

3,8
8,8

0,6

- 0,25
0,21
-

8,5

3,7

6,6

-

15,1

8,5

0,16

0,67

0,82 0,48 -

5,81

-

1,39

Wenn das gestellte Problem in seinen Prinzipien sich auf
den ersten Blick fuer die in Paris versammelten Delegierten
als ein verhaeltnismaessig einfaches darstellte, so ist doch
auf der anderen Seite der Mechanismus, den der Schumanplan vor- 10 -

�gesehen hat, nicht so einfach, um ohne weiteres verwirklicht
zu werden. Die Arbeiten der Vertreter der sechs Laender, die
Jean Monnet leitete, waren ebenso langwierig wie anstrengend.
Die Umwandlung der Prinzipien in die Wirklichkeit des Tages
mussten notwendigerweise gewisse politische, wirtschaftliche,
finanzielle und soziale Schwierigkeiten in das Licht ruecken,
ebenso begegneten sich hier die verschiedenen Interessen, die
oft entgegengesetzter Natur waren. Man nuss hierbei beruecksichtigen, dass die Wirtschaftsstruktur der sechs Teilnehmerlaender eine verschiedene ist, und dass sie nur schwer zu
einer Harmonie gebracht werden koennen. Die Produktion, die
Ertraege, die Technik, die soziale Gesetzgebung, die inneren
Marktbedingungen und bestimmte Schwierigkeiten in den aeusseren Bereichen wie beispielsweise bei dem Sonderstatut der
Saar, den Vollmachten der internationalen Ruhrbehoerde und
sehnliches hat naturgemaess den Ablauf der Verhandlungen gehemmt. Weiter ergab sich, dass, wenigstens fuer die Zwischenperiode, eine Reine von Vorbehalten und Sonderklauseln eingefuehrt werden mussten. Diese Umstellungsperiode war jedoch
von Anfang an vorgesehen, sie sollte sich auf jene Zeit erstrecken, die notwendig war, um die Hohe Behoerde dieser Wirtschaftsgemeinschaft in Funktion treten zu lassen, sie wurde
auf sechs Monate befristet. Gleichzeitig s.ollten in dieser
Zeit die einzelnen Institutionen ihre Arbeit aufnehmen und den
gemeinsamen Markt festlegen.
Eine weitere Uebergangsperiode von fuenf Jahren wurde
vorgesehen, um gelegentliche Stoerungen zu vermeiden, die
sich durch die neuen Organisationen ergeben koennten. Waeh•' rend dieser Periode spielen verschiedene Sicherheitsmassregeln
eine Rolle, deren Aufgabe es ist, die bej diesem Plan am wenigsten beguenstigten Industrien bestimmter Laender zu unterstuetzen. So soll eine Ausgleichskasse errichtet werden, um
den unter besonders schwierigen Verhaeltnissen arbeitenden
belgischen Kohlenbergwerken und italienischen Stahlwerken zu
helfen.
Durch die Ereignisse in Korea ist naturgemaess der gesamte Plan beeinflusst worden. Als im Mai 1950 die Idee dieses
Plans der Oeffentlichkeit unterbreitet wurde, schien die europaeische Produktion eine gewisse gesunde Basis erreicht zu
haben. Wenige Wochen spaeter jedoch hatte sich die wirtschaftliche Situation voellig veraendert, von dem Zustand einer in
voller Bluete stehenden Wirtschaft gelangte man zu einer
Mangelwirtschaft. Dadurch wurde jedoch die Gefahr vermieden,
bestimmte Bergwerke und Fabriken stillzulegen, weil sie unrentabel waren. Auf der anderen Seite hat netuerlich diese
neue Konjunktur die Probleme stark vereinfacht und den Kurs
wieder auf die Hauptprobleme zurueckgebracht. Die Preishausse
schuf darueberhinaus noch andere und fuehrte zu gewissen Sonderwuenschen, die mit dem Ziel des Plans unvereinbar waren. Trotz
allem konnte jedoch der Vertragsentwurf und die Vereinbarungen
am 19. Maerz paraphiert und am 18. April durch die sech3
Aussenminister feierlich unterzeichnet werden. Der Vertrag
ist jetzt noch durch die Parlamente der einzelnen Teilnehmerstaaten zu ratifizieren.
Mit dem Schumanplan ist die erste uebernationale Organisation geschaffen, um die Voraussetzung fuer ein wirtschaftlich
vereinigtes Europa zu schaffen, wobei die Teilnahme an diesem
Plan allen Staaten Europas offen steht. Dieser Satz der gemeinsamen Erklaerung der Aussenminister der sechs Laender charakte11 -

�risiert die tiefgehenden Umwandlungen, die sich in der wirtschaftlichen Struktur der Teilnehmerlaender vollziehen wird.
Zum erstenmal in der Weltgeschichte sind sechs Staaten uebereingekommen, einen Teil ihrer Souveraenitaet einer gemeinsamen Organisation zu ueberantworten. Es handelt sich hierbei
um eine fundamentale Aenderung in den Beziehungen souveraener
Staaten. Die Form des Nationalstaates, die bisher trennend
wirkte, macht heute einer uebernationalen Form Platz, die dazu
beitraegt, diese Staaten zusammenzuschliessen.
Das Ingangsetzen einer gemeinsamen Kohle- und Stahlproduktion umfasst einen Markt von 150 Millionen Verbrauchern,
das ist die Bevoelkerungszahl der sechs Teilnenmerlaender.
Im Innern dieses Marktgebietes, das ebenso rross ist wie das
der Vereinigten Staaten, werden alle Produzenten freien und
gleichen Zugang zu den liilfsmoeglichkeiten haben, aber ebenso
haben alle Verbraucher die Moeglichkeit, sich ebenfalls die
Vorteile dieses Plans zunutze zu machen. Es gibt keine Zoelle
mehr und keine Kontignentierungssysteme, es gibt auch keine
Vorzugstarife noch irgendeine andere Form der Benachteiligung
oder Diskriminierung, die sich dem freien Umlauf der Kohle entgegenstellt, aber nicht nur der Kohle, sondern auch dem Eisenerz, dem Eisen und dem Stahl in einem Gebiet, das von den
sechs Teilnehmerstaaten gebildet wird. Die gesamten Vorraete
an Kohle und Stahl werden ohne Ruecksicht auf ihren Ursprung
je nach dem Bedarf der teilnehmenden Laender diesen uneingeschraenkt zur Verfuegung stehen.
Die Freiheit und die schoepferische Initiative sind die
Basis fuer die gemeinsame Organisation. Die"Unternehmen werden weiterhin die volle Verantwortlichkeit fuer ihre Transaktionen haben, ja, sogar in verstaerktem Masse als bisher, denn
die freie schoepferische Initiative wird wieder hergestellt
durch die Abschaffung der Restriktionspraktiken der Kartelle.
Die Verbraucher werden dadurch gegen die Auswuechse der
Konzentration einer .Virtschaf tsmacht geschuetzt. Daneben werden selbstverstaendlich Vorkehrungen getroffen, um den technischen Fortschritt zu foerden und selbstverstaendlich auch die
Hebung der Lebensbedingungen fuer alle Beteiligten.
Dieser kurze Abriss kann selbstverstaendlich nicht erschoepfend sein, um all das aufzuzeigen, was am Schumanplan
wichtig ist. Er gibt jedoch einen Umriss, bei dem die wichtigsten Aufgaben herausgestellt sind. Hieraus ergibt sich auch
die Notwendigkeit, die Instrumente der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu schmieden.
Es ist noch nicht allzu lange her, dass ein Redakteur
der "New York Herald Tribüne" schrieb, dass Jean Monnet, Frankreichs Wirtschaftsexperte Nr. 1, nicht nur der glueckliche Vater zweier Toechter Anna und Marianne ist, sondern auch Vater
zweier Plaene, des Monnet- und des Schumenplans. Man kann sich
nicht vorstellen, welche Summe an Arbeit, an Hartnaeckigkeit,
an Geduld und an Takt im Laufe der letzten zehn Monate Monnet
beweisen musste, um nicht in den letzten zehn Monaten ueber
irgendwelche Zwirnsfaeden zu stolpern, die seinen Plan zu Fall
gebracht haetten. Die Geschichte wird eines Tages den Namen
Robert Schumans als des Menschen herausstellen, der in einem
der schwersten Augenblicke der Weltgeschichte es verstanden hat,
sich ueber nationale Sonderbestrebungen hinwegzusetzen und die
echten Interessen der Laender und Voelker herauszustellen, um
zu einem Werk beizutragen, das ein entscheidender Beitrag bildet
- 12

�fuer die Integration des von allen moeglichen Kraeften gestossenen Europas und fuer eine staendig anwachsende Zusammenarbeit
zwischen'den Voelkern. Man sollte es nicht verheimlichen:
Eine grosse Hoffnung ist geboren. E3 liegt an uns, diese
Hoffnung zu einem echten Leben zu erwecken.
RAPPORTS France-Etats Unis
Nr. 52 Juli 1951
Sir Vincent Tewson:
DIE VORAUSSETZUNGEN FUER DIE HERSTELLUNG UND ERHALTUNG DES
WELTFRIEDENS
Mit seiner Erklaerung ueber wirtschaftliche und soziale
Forderungen umriss der Gruendungskongress des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften seine Ziele und Aufgaben. Diese
Erklaerung verweist nachdruecklich auf die PrBa.mbel zur IBFGSatzung, in der der Internationale Bund bekraeftigt, "dass
die auf freier Arbeit und wirtschaftlicher Demokratie gegruendete allgemeine .Johlfahrt, die soziale Gerechtigkeit und Sicherheit die Grundlagen bilden, auf denen ein dauernder Friede
aufgebaut werden kann."
Der Internationale Bund hat auf seinem zweiten Weltkongress die Verantwortung, dieser Erklaerung von allgemeinen
Grundsaetzen praktische Wirkung zu verleihen. Der Internationale Bund ist gewiss nicht in der Absicht gegruendet worden,
um lediglich einander mehr oder weniger gleichende Manifeste
und Erklaerungen allgemeinen Inhalts herauszugeben. Als wir
eine internationale Organisation freier Gewerkschaften gruendeten, entledigten wir uns aller kommunistischen Einfluesse,
die uns vom konstruktiven Wiederaufbau einer durch den Krieg
verbrauchten »Veit und von der Errichtung wirtschaftlicher Stabilitaet ablenken wuerden, durch die allein aber Vollbeschaeftigung und ein staendig sich hebender Lebensstandard und sozialer 7/ohlstand fuer alle Voelker gesichert werden koennen.
(Dem Internationalen Bund faellt die bedeutende Aufgabe
zu, bei der Schaffung der fuer die Herstellung und Erhaltung
eines dauerhaften Friedens von uns fuer notwendig angesehenen
Voraussetzungen mitzuwirken. Seit unserem ersten Kongress
sind energische Massnahmen fuer den Aufbau der zur Foerderung
dieser Arbeit benoetigten internationalen und regionalen Einrichtungen getroffen worden. Diese noch unvollstaendigen aber
bereits gut entväckelten Einrichtungen wurden fuer konstruktive
Zwecke geschaffen, mit deren Erfuellung der dauerhafte Weltfriede hergestellt werden wird.

Es ist daher die oberste Pflicht des Internationalen Bundes, diese Einrichtungen von nun an" zur Erleichterung der Zusammenarbeit zwischen industriell entwickelten Laendern auszubauen und praktisch zu verwerten.. Durch sie muss er das Wirtschaftsleben der Voelker in unterentwickelten Laendern organisieren helfen und die Selbstregierungsbestrebungen kolonialer
Gebiete unter der Voraussetzung politischer Freiheit und mit
demokratischen Garantien gegen jede Ausbeutung und Unterdrueckung
foerdern.
Dies alles gehoert zu den wesentlichsten Voraussetzungen
fuer einen dauerhaften Frieden. V/ie sich bereits in der Vergangenheit gezeigt hat, ist die freie Gewerkschaftsbewegung
- 13 -

�eines der HauptInstrumente fuer den Aufbau von Einrichtungen
freier Staatsbuerger und fuer den Fortschritt der Demokratie.
Dieser Kongress muss daher die Notwendigkeit der Erweiterung
und des Ausbaus der internationalen Gewerkschaftsorganisation
anerkennen. Besonders wichtig ist dabei, dass Mittel fuer
die Entwicklung der regionalen Organisationen gefunden werden,
die vom Internationalen Bund in Europa, Asien und fuer die beiden Amerikas geschaffen wurden. Ebenso wichtig ist die Foerderung regionaler Gruppierungen in anderen Gebieten, darunter
in Afrika, wo bereits vorbereitende Schritte unternommen wurden.
Bei tatkraeftiger und planvoller Verwendung dieser Einrichtungen kann der Internationale Bund die Plaene und Massnahmen von Regierungen und Voelkern in allen Teilen der Welt
wirksam beeinflussen. Internationale Beziehungen sollten
nicht eine Angelegenheit geheimer Verhandlungen oder Beratungen zwischen Regierungen sein. Der freie Austausch von Nachrichten zwischen den Voelkern der verschiedenen Laender der
Welt darf nicht behindert werden. Wir muessen ganz allgemein
die gegenseitige Beachtung der Menschenrechte und der Pressefreiheit fordern. Der Friede ist nicht allein eine Angelegenheit der Regierungen. Die Voelker, die ihre Regierungen frei
waehlen, koennen dadurch auch die Politik ihrer Laender bestimmen. Ihre Staerke wird am groessten, wenn sie sich freiwillig
zu Gewerkschaftsorganisationen vereinigen, die die politischen
Massnahmen ihrer Regierungen weitgehend beeinflussen koennen.
Dieses alles trifft fuer Laender zu, in denen die Demokratie
herrscht; in Diktaturlaendern aber ist die Situation umgekehrt.
Deshalb ist mit den Diktaturlaendern eine derartige Kriegsgefahr verbunden, weil das Volk von der Freiheit des Zusammenschlusses, oder von sonstigen demokratischen Mitteln zur Ausuebung der Regierungsgewalt durch das Volk keinen Gebrauch machen kann.
Insbesondere muessen die von den Regierungen der freien
Welt getroffenen Massnahmen zur Entwicklung der Prinzipien der
kollektiven Sicherheit und der gemeinsamen Aktion zur Sicherung
eines dauerhaften Friedens voll unterstuetzt werden. Die grundlegenden Voraussetzungen fuer die Herstellung und Erhaltung des
Friedens sind mit dem von den Vereinten Nationen geschaffenen
Sicherheitssystem gegeben. Dieses System gruendet sich auf den
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, gestuetzt und verstaerkt
durch die Nordatlantikpakt-Organisation, die Westliche Union
und den Europarat, die Organisation fuer Europaeische Wirtschaftliche Zusammenarbeit und anderen, wie.den Benelux-Zollvertrag,
die t^-uesseler und Duenkirchener Vertraege, den FranzoesischItalienischen Zollvertrag und das Amerikanische Gesetz fuer Auslandshilfe, die alle mit den Zielen und Aufgaben der Vereinten
Nationen in Zusammenhang stehen.
Der Internationale Bund sagt diesen Massnahmen seine uneingeschraenkte Unterstuetzung zu. Neben ihrer Aufgabe, die Verteidigung der freien Welt zu staerken, dienen sie alle konstruktiven Zwecken, und zwar der Erhaltung des Friedens. Der Internationale Bund weist ohne Zoegern und aufs energischste jede
Propaganda zurueck, durch die versucht wird, diese gegen die
Aggression gerichteten Verteidigungsmassnahmen als kriegsaehnliche oder imperialistische Bestrebungen irgendeiner der Westmaechte hinzustellen.
Eine notwendige Voraussetzung fuer die Gewinnung eines •
dauerhaften Friedens besteht darin, dass von der oeffentlichen
14 -

�Meinung der ganzen Welt anerkannt wird, dass die errichtete Verteidigungs-Organisation eindeutig friedlichen Absichten dient_
und dass die freien demokratischen Laender das Recht haben, sich
selbst gegen die Aggression zu bewaffnen. Es ist daher eine
wesentliche Aufgabe des Internationalen Bundes, der Propaganda
entgegenzutreten, durch die dieses Verteidigungssystem als
Aufbau einer gegen irgendein Land gerichteten politischen und
militaerischen Organisation entstellt werden soll. '-Vir muessen
mit allen uns zur Verfuegung stehenden Mitteln den Nachweis ueber
die friedlichen Absichten des Verteidigungsprogramms verkuenden
und verbreiten und keine Luege der Kommunisten unwiderlegt
lassen.
Eine gewerkschaftliche Kampagne auf dieser positiven Linie
ist es, die richtige Antwort auf das kommunistische Betrugsmanoever ihrer "Friedens"-Propaganda zu geben. Diese Propaganda
schreckt auch nicht vor noch so skrupelloser und verlogener Kritik an den Motiven der Vereinten Nationen zurueck. Sie versucht
systematisch, das Verteidigungsprogramm zu unterminieren. Der
organisierten Sabotage, der staendigen Einmischung in Streiks
und der Ausnutzung von Arbeitsstreitigkeiten, insbesondere bei
Transport- und Hafenarbeitern, muss begegnet werden. Wir muessen
ueber jeden Zweifel klar herausstellen, dass die Gewerkschafter
der freien Welt entschlossen sind, ihre Lebensart, ihre demokratischen Einrichtungen und ihre Freiheit zu verteidigen, indem
sie sich unerschuetterlich fuer die Verteidigungsprogramme der
daran beteiligten Nationen einsetzen.
Der Internationale Bund hat ein Recht darauf, an die gewerkschaftliche Tradition internationaler Solidaritaet zu
appellieren, um deren Gewicht zur Unterstuetzung dieser Politik
zu erhalten. Durch die Ereignisse in Korea wird die Staerke
und Einmuetigkeit unserer Unterstuetzung auf eine entscheidende
Probe gestellt. '.Vir bekraeftigen den Beschluss der Vereinten
Nationen, von der Waffe Gebrauch zu machen, um der Aggression
an der von ihnen zwischen Nord- und Suedkorea festgelegten Demarkationslinie Einhalt zu gebieten. In der Frage der mit dem
Koreakrieg aufgeworfenen grundsaetzlichen Probleme kann es bei
uns keine Kapitulation geben. Wir koennen uns keiner Taeuschung
ueber die schicksalhaften Folgen hingeben, die sich fuer die
ganze freie Welt ergeben wuerden, wenn die Streitkraefte der
Vereinten Nationen bei ihrer Mission der Befreiung Suedkoreas
versagen sollten. vVenn den Aggressoren gelehrt werden soll,
dass Aggressionen keine Dividenden tragen, so ist es Seche der
Vereinten Nationen, mit dem Koreakrieg ein Beispiel dafuer zu
geben, und somit einen Sieg zu erringen, der auf dem Wege zum
dauerhaften Frieden liegt.
Nunmehr muessen aber weitere positive Massnahmen getroffen
werden, um die konstruktiven Elemente des Sicherheitssystems zu
entwickeln, die zur Herstellung des Weltfriedens beitragen. In
den Vertraegen und in anderen Dokumenten, auf die das SicherheitS'
system aufgebaut worden ist, wurde immer wieder betont, dass die
Vertragspartner die Notwendigkeit fuer die Zusammenfassung ihrer
Bemuehungen anerkennen, um den wirtschaftlichen Wiederaufbau zu
foerdern, ihre wirtschaftlichen Aktionen zu organisieren und koordinieren, Konflikte innerhalb ihrer Wirtschaftspolitik auszuschalten, die Produktivitaet zu erhoehen und die Leistungsfaehigkeit ihrer Industrien zu verbessern, den internationalen Handel
zu entwickeln und den unterentwickelten Laendern die Moeglichkeit zu geben, sowie allen ihren Voelkern einen hoeheren Lebensstandard und bessere soziale Bedingungen bereitzustellen.
- 15 -

�Ein weiterer konstruktiver Weg in Richtung buf den Weltfrieden liegt in der Arbeit von Koerperschaften wie dem Beratenden Ausschuss des Commonwealth, dem die Regierungen von Australien, Kanada, Ceylon, Indien, Neuseeland, Pakistan und Grossbritannien angehoeren. Die Colombo-Konferenz wurde auf Initiative der britischen Regierung in der Hoffnung einberufen, dass
auch nicht zum britischen Commonwealth gehoerende Regierungen,
die ein Interesse an Sued- und Suedostasien haben, teilnehmen
und zur Wirtschaftsentwicklung eigene Sechsjahresplaene aufstellen wuerden. Die insgesamt 570 Millionen Menschen umfassenden
Laender dieses weitraeumigen Gebiets stellen eine bedeutende
Nahrungsmittel- und Rohstoffquelle fuer die ganze industrialisierte Welt dar. Trotzdem haben diese Voelker seit vielen Generationen nur Armut und Hunger erlitten, Es gehoert daher mit
zur Verantwortlichkeit nicht nur der zum Commonwealth gehoerenden Regierungen, sondern aller an den Problemen dieses und aehnlicher Gebiete Interessierten, im Sinne des konstruktiven Colombo-Plans zu wirken, sowie zu der Arbeit der von der britischen
Regierung errichteten Koerperschaft fuer Koloniale Entwicklung
beizutragen. Dieses sind Beispiele fuer Aufgaben, die ueberall
in der Welt unternommen werden muessen, wo industriell entwickelte Laender die Pflicht haben, zum Fortschritt der Menschen beizutragen.
Alle diese konstruktiven Massnahmen auf v/irtschaftlichen
Gebiet stellen die schöpferische und positive Seite des kollektiven Sicherheitssystems dar. Wir duerfen nicht zulassen, dass
die volle Bedeutung der Politik der Vereinten Nationen durch rein
politische und militaerische Aspekte dieses Systems geschmaelert
wird. Die Verwirklichung der in den Vertraegen und Buendnissen
festgelegten Ziele, durch die eine zusammengefasste und gemeinschaftliche Aktion nicht nur fuer die Interessen der Verteidigung,
sondern auch fuer die wirtschaftlichen, sozialen und humanitaeren
Interessen aller Voelker bereitgestellt wird, erfordert derartige bestimmte Programme. Der Internationale Bund hat Einrichtungen aufgebaut, mittels derer die freien Gewerkschaften an der
Aufstellung dieser Programme mitarbeiten koennen. Sie bedeuten
Vollbeschaeftigung fuer die Menschen in unterentwickelten Laendern sowie in den industriell entwickelten Gemeinschaften, und
damit einen ansteigenden Lebensstandard fuer alle. Ferner wird
durch die exportfaehigen Ueberschuesse an Lebensmitteln und
Rohstoffen, die in einem Lande produziert werden koennen, das
internationale Handelsvolumen zum Segen aller Laender anschwellen.
Auf der Grundlage dieser Plaene wird das -Programm der vom
Internationalen Bund aufgestellten wirtschaftlichen und sozialen Forderungen erfuellt werden. An der Entwicklung der im Rahmen dieser Plaene erforderlichen Zusammenarbeit wird die unverschaemte und verlogene Kritik der kommunistischen Propaganda abprallen, und die Ursachen der sozialen Unzufriedenheit, die sich
der Kommunismus zunutze macht, werden beseitigt werden. Der Internationale Bund hat jetzt die Aufgabe, die GewerkschaftsOrganisation in allen Teilen der Welt zu entwickeln. Dann werden wir
in der Lage sein, an den konstruktiven Arbeiten fuer die Herstellung und Erhaltung des Weltfriedens voll und ganz teilzunehmen.
Auszug eines Referats von Sir
Vincent Tewson, Zweiter Weltkongress des IBFG in Mailand,
4. - 12. Juli 1951
- 16 -

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 31

F r a n k f u r t , 3 . August 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die s t a a t l i c h e Organisation fuer Arbeitsvermittlung
in I r l a n d
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - _ i
Es geschah i n Karachi

- - - - - - - - - - - - - - - 4

I n t e r n a t i o n a l e Sommerschule des I.B.F.G. fuer Westeuropa
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 0
Praemien fuer Sonderleistungen

- - - - - - - - - - 1 3

Amerikanische S t a h l a r b e i t e r besuchen b r i t i s c h e
Betriebe - • - - ™ - - - - - - . - . . . . . . .

j£

DTE STAATLICHE ORGANISATION FUER ARBEITSVERMITTLUNG IN IRLAND
Vom Ministerium fuer soziale Wohlfahrt, Dublin, Irland.
Die staatliche Organisation fuer Arbeitsvermittlung in
Irland wurde auf Grund des im Jahre 194-9 erlassenen Gesetzes
ueber Arbeitsvermittlung errichtet. Es ist eine bis ins einzelne durchorganisierte und sich ueber das ganze Land erstreckende Organisation. Im ganzen gibt es 123 oertliche
Arbeitsaemter in den verschiedenen Teilen des Landes; im
Durchschnitt hat jede Grafschaft fuenf solcher Aemter.
Allgemein gesprochen arbeiten zweiunddreissig dieser
Arbeitsaemter fuer die groesseren Staedte und deren Umgebung;
das Personal setzt sich aus Beamten des Ministeriums fuer
soziale Wohlfahrt zusammen. Die uebrigen 91 Arbeitsaemter
- 1-

�befinden sich in Kleinstaedten und sind fuer diese und die sie
umgebenden Gebiete zustaendig. Die Arbeitsaemter in den Kleinstaedten werden in der Regel von Personal geleitet, das nur auf
eine bestimmte Zeit angestellt ist und die Arbeit als Nebenarbeit
verrichtet. Die entsprechende Zentralstelle beim Ministerium
fuer soziale Wohlfahrt erteilt allen 123 Arbeitsaemtern die fuer
ihre Arbeit erforderlichen Weisungen und beaufsichtigt ihre
Taetigkeit.
Die Registrierung
Alle, die ueber das schulpflichtige Alter hinaus sind,
koennen sich, gleichviel ob sie Arbeit haben oder nicht, bei
einem Arbeitsamt registrieren lassen; dies kann entweder durch
persoenliche Vorsprache geschehen oder brieflich. Das Amt vermerkt das Alter des Bewerbers, seine Kenntnisse und Fertigkeiten,
sowie die Art der gewuenschten Arbeit.
Im Hinblick darauf, dass es, namentlich in letzter Zeit,,
fuer die Wirtschaft des Landes sehr wesentlich ist, dass Arbeitskraefte sofort dort eingesetzt werden, wo in der Landwirtschaft
oder bei der Rasenarbeit Luecken bestehen, ist die Eintragung
betreffend fruehere Arbeitserfahrung ausfuehrlicher gehalten,
als es allgemein ueblich ist. Gleichfalls wird angegeben, ob
der Betreffende gewillt ist, Arbeit in anderen Teilen des Landes
anzunehmen. Zweckmaessigkeitshalber werden die Meldungen nach
Berufszweigen geordnet; zu diesem Zwecke sind ungefaehr 38O verschiedene Berufsgruppen aufgestellt worden.
Wo es sich durchfuehren laesst, werden Frauen und jugendliche Bewerber (d.h. Bewerber unter 18) in gesonderten Raeumen
oder in einer besonderen Abteilung des Arbeitsamtes registriert.
Wo weder das eine noch das andere moeglich ist, werden in der
Regel besondere Empfangszeiten fuer sie vom betreffenden Arbeitsamt festgesetzt. Des weiteren werden, soweit es moeglich ist,
Frauen und Jugendliche von Beamtinnen registriert.
Die Bewerber halten ihre Bewerbung dadurch aufrecht, das5
sie sich in regelmaessigen Abstaenden - in der Regel mehrmals
in der Woche, mindestens aber einmal alle zwei Wochen - persoenlich oder brieflich beim Arbeitsamt melden. Antraege auf Arbeitslobenuntex'stuetzung koennen nur beruecksichtigt werden, wenn eine
solche Meldung erfolgt ist.
Wie der Apparat funktioniert
Ein Unternehmer, der die Dienste eines Arbeitsamtes in
Anspruch nehmen will, meldet seinen Bedarf bei einem solchen an.
Das Arbeitsamt bemaeht sich, ihm am Ort wohnende Arbeitskraefte
zur Verfuegung zu stellen. Unter den registrierten Arbeitssuchenden werden solche ausgewaehlt, und dem Arbeitgeber vorgeschlagen, die fuer den betreffenden Arbeitsplatz geeignet erscheinen. Wenn der Beamte des betreffenden Arbeitsamtes nicht in der
Lage ist, fuer die betreffende Arbeit geeignete Personen vorzuschlagen, weil keine entsprechenden Bewerbungen bei ihm vorliegen,
schlaegt er ein bestimmtes Verfahren ein, nach dem die Einzelheiten
betreffend den offenen Arbeitsplatz noetigenfalls innerhalb von
ein oder zwei Tagen den bei saemtlichen anderen Arbeitsaemtern
in Irland registrierten Arbeitssuchenden zur Kenntnis gebracht
werden koennen. Dieses Verfahren besteht darin, dass Einzelheiten mit Bezug auf den offenen Arbeitsplatz der Zentralstelle gemeldet werden, welches sie ihrerseits den verschiedenen lokalen

2

�Arbeitsaemtem meldet. Diese teilen sodann den entsprechenden
Eewerbern alle Einzelheiten mit; des weiteren werden die Einzelheiten auch "oeffentlich durch Aushang" bekanntgegeben.
Die Arbeitsvermittlung ist kostenlos und erfasst das ganze
Land. Der Leiter eines Arbeitsamtes kann dem Arbeitssuchenden
einen Schein fuer Freifahrt ausstellen, vorausgesetzt dass sich
der Arbeitgeber oder der registrierte Arbeitsuchende verpflichtet, die Fahrtkosten zurückzuzahlen; das Arbeitsamt kann ihm
auch das noetige Fahrgeld vorstrecken, damit der Arbeitsuchende
zur Vorstellung fahren kann. In Faellen, in denen registrierte
Arbeitsuchende auf Arbeitslosenunterstuetzung Anrecht haben,
kann ein Teil des Vorschusses aus dem Fonds fuer Arbeitslosenunterstuetzung genommen werden.
Fuehlungnahme mit den Arbeitgebern.
Der Leiter eines Arbeitsamtes hat die Pflicht, die Arbeitgeber des betreffenden Gebietes von Zeit zu Zeit aufzusuchen,
um sie zu veranlassen, das Arbeitsamt von gegebenenfalls frei
werdenden Arbeitsplaetzen zu unterrichten. Wenn die Arbeitgeber die bei ihnen frei werdenden Arbeitsplaetze dem zustaendigen Arbeitsamt unverzueglich melden, so kann dieses alle notwendigen Massnahmen ergreifen; auf diese Weise wuerde der
Bedarf in der Regel schnell und gut befriedigt, das unerfreuliche Feilbieten von Arbeitskraeften vermieden werden. Des
weiteren wuerde es auf diese Weise den Arbeitsaemtem leichter
gemacht, entsprechende Stellen an Personen zu vermitteln, die
sich anderenfalls um Arbeitslosenunterstuetzung beratenen wuerden.
Es gibt keine Statistik ueber den Prozentsatz der Zahl der
Arbeitsvermittlungen, die du^ch die Arbeitsaemter erfolgt sind,
im Vergleich zu den gesamten Einstellungen im ganzen Land;
jedoch laesst sich feststellen, dass die einzelnen Arbeitsaemter
seit Kriegsende im Jahr ungefaehr 50,000 Arbeitsplaetze vermittelt haben.
Besondere Aufgaben des Arbeitsamtes
Es ist von Interesse "festzustellen, dass die Arbeitsaemter
gelegentlich besondere Aufgaben durchfuehren. So fuehren zum
Beispiel die Arbeitsaemter Listen von ehemaligen Angehoerigen
der irischen Wehrmacht, um auf diese Weise den Veteranen alle
nur moegliche Hilfe bei der Wiedereingliederung ins bürgerliche Leben zu gewaehren; auf Grund dieser Listen werden denjenigen Arbeitgebern Vorschlaege gemacht, die sich bereit erklaert haben. Veteranen bevorzugt einzustellen.
Sodann befassten sich die Arbeitsaemter in den Jahren 1944
bis 1947 mit dem von der Regierung durchgefuehrten Projekt der
Beschaffung von Erntearbeitern. So wurden den Bauern in den
betreffenden Gebieten Arbeitskraefte aus den ueberfuellten Gebieten der Westkueste als Erntehilfskraefte zur Verfuegung gestellt. Der Staat trug die Reisekosten fuer jeden Arbeiter
und beteiligte sich an der Deckung seiner Nebenausgaben und
Unterhaltskosten. Dazu wurden in den Jahren 1943 bis 1947 noch
besondere Listen von Landarbeitern und Rasenarbeitern gefuehrt.
Ein weiteres Beispiel fuer die Mitarbeit der Arbeitsaemter
bei der Durchfuehrung verschiedener Projekte bilden die Projekte
fuer Torf- und Rasengewinnung, die von der Regierungsstelle fuer
Rasenzuechtung durchgefuehrt wurden. In diesem Zusammenhang wurden
Arbeitsuchende in den verschiedenen Teilen des Landes von den
freien Arbeitsplaetzen durch die Arbeitsaemter in Kenntnis

- 3-

�gesetzt; die Arbeitsaemter sorgten auch dafuer, dass sie zu
den Arbeitsplaetzen fahren konnten. Im Jahre 1948 uebernahm
die Regierungsstelle fuer Rasenzuechtung von den Grafschaften
einige Bodenreklamations- und Rasenzuechtungsprojekte. Bei
der Durchfuehrung dieser Projekte wurden nur einheimische
Arbeitskraefte verwandt, die, soweit das erforderlich war,
von den oertlichen Arbeitsaemtern vermittelt wurden.
Ausschuesse zur Beratung Jugendlicher
Den Arbeitsaemtern in Dublin, Cork, Limerick und Waterford
sind Ausschuesse zur Beratung Jugendlicher angegliedert. Diese
Ausschuesse setzten sich aus Vertretern der Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Kirchen, Erziehungsbehoerden und oertlichen Verwaltungsbehoerden, sowie aus anderen, an Jugendfragen interessierten
Personen zusammen. Der Zweck dieser Ausschuesse ist, den
Minister fuer soziale Wohlfahrt mit Bezug auf die den Arbeitsaemtern zu erteilenden Weisungen zu beraten, soweit es sich um
die Behandlung von jugendlichen Arbeitsuchenden handelt; die
Ausschuesse haben ferner die Aufgabe, die Jugendlichen und ihre
Eltern bei der Berufswahl und in anderen Fragen zu beraten.
Die Ausschuesse bemuehen sich, eine Zusammenarbeit zwischen
Lehrern, Eltern und Arbeitgebern herbeizufuehren und den Schulentlassenen passende Arbeitsplaetze zu vermitteln. Sie bemuehen
sich ferner, mit den jugendlichen Arbeitnehmern in den ersten
Jahren ihrer Taetigkeit in Fuehlung zu bleiben und sie zu
beraten.
Die Erweiterung des Arbeitsgebietes der irischen Organisation fuer Arbeitsvermittlung hat natuerlich an dem urspruenglichen Zweck dieser Behoerde nichts geaendert. Die verschiedenen irischen Regierungen haben ausnahmslos den Standpunkt
vertreten, dass der Staat die Freiheit des Individuums, sich
eine Arbeit nach seinem Ermessen zu suchen, nicht beschraenken
duerfe. Die oben beschriebene Taetigkeit soll lediglich dazu
dienen, dem Einzelnen dabei behilflich zu sein, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden; der Staat uebt jedoch in dieser
Beziehung keinerlei Druck aus.
Employmert Security Review
VI, 1951
Richard Deverall (Vertreter des Asien-Gewerkschaftsbundes,
Asien (A.F.L.)):
ES GESCHAH IN KARACHI
Unter der brennenden Sonne in WestHPakistan zog an einem
Sonnabend Nachmittag eine Parade der Gewerkschaften am Rathaus
vorbei, die Hauptstrasse von Karachi entlang. Welch buntes
Bild bot dieser endlose Zugl 1000 von Kamelen, 900 von Pferden
und 1000 von Eseln gezogene Fahrzeuge begleiteten Tausende
freier Gewerkschafter von Pakistan.
Waehrend die Pakistan-Gewerkschafter ihre Fahnen schwangen
und Gewerkschaftsschlagworte und Grussse den asiatischen Gewerkschaftsfunktionaeren zuriefen, schritten die stattlichen
Kamele, den Kopf hoch in die Luft der Freiheit und Unabhaengigkeit erhoben, majestaetisch die Strasse entlang. Koreanische
Gewerkschaftsfuehrer gingen von Wagen zu Wagen und riefen ihren
Pakistan-Bruedern zu:
- 4 -

�"Pakistan Zindabadl" (Es lebe Pakistan*)
Diese praechtige Demonstration in Karachi bedeutete eine
Voranzeige fuer die Stadt, dass am folgenden Montag der ehrwuerdige Gewerkschaftsfuehrer von Indien, Mr. N. M. Joshi,
die erste regionale Konferenz des Internationalen Bundes der
freien Gewerkschaften zusammenrufen wuerde. Als Joshi die
Tagung mit Hamraerschlag eroeffnete, waren ungefaehr 31 Gewerkschaftsabgeordnete von elf Laendern des Freien Asien im grossen
Saal des Rathauses anwesend, um den Eroeffnungsansprachen und
den Begruessungen der Eruder-Delegierten beizuwohnen.
Neben dem Vorsitzenden Joshi aus Indien sassen zwei Vizepresidenten, Chun Chin-han vom Koreanischen Arbeiterbund und
R. E. Jayatilaka vom Gewerkschaftskongress Ceylon. Pakistan*s
M. A. Khatib begruesste die auslaendischen Abgeordneten und
Beobachter im Namen des gesamten Pakistan-Arbeiterbundes und
Irving Brown, A.F.L., war als Vertreter des Internationalen
Bundes der Freien Gewerkschaften (I.B.F.G.) erschienen.
In seiner Rede betonte Kollege Brown die Notwendigkeit,
dass die unorganisierten Arbeiter im Freien Asien sich organisieren und zusammenschliessen, damit die Voraussetzung zur
Erlangung groesserer wirtschaftlicher Vorteile fuer die Arbeiter Asiens geschaffen wird. Er unterstrich die Tatsache, dass
waehrend der letzten zwei Jahre, als die I.B.F.G. in Asien
die Fuehrung erlangte, hat der Weltgewerkschaftsbund (W.G.B.),
eine Spitzelorganisation, sich in vielen Teilen Asiens praktisch
aufgeloest.
Das Erwaehnen des W.G.B. brachte die beruechtigte W.G.E.Konferenz, die Ende lovember 19*9 in Peking stattfand, ins
Gedaechtnis zurueck, zu der die kommunistischen "Gewerkschaftsfuehrer" zum Schein zusammengetreten waren, um mit den SowjetEeratern den militaerischen Umsturz Suedost-Asiens vorzubereiten. Die veroeffentlichten Vorgaenge jener W.G.B.-Versammlung
klingen wie diejenigen eines Armeegeneralstabes - Angriff,
Waffen, Partisanen, Kriegfuehrung und aehnliches mehr.
Im krassen Kontrast hierzu war der Verlauf der I.F.F.G.Konferenz in Karachi ein einziger Schrei nach Frieden, eine
Forderung, dass Stalins Kriegstreiber sich von Asien fernhalten
sollten, eine sachliche Diskussion der lebensnahen Probleme der
Aroeiter des freien Asiens. Waehrend W.G.B. sich als eine der
militaerischen Einheiten der kommunistischen Weltarmee entpuppt
hat, marschiert der I.B.F.G. mit Worten und Taten an der Spitze
derer, die Freiheit, Unabhaengigkeit und wahre Menschenwuerde
auf ihr Banner gesetzt haben.
Auf der Viertage-Kcnferenz der I.E.F.G. wurden viele
aktuelle Themen behandelt, viele Entschluesse gefasst, Abstimmungen fuer die Schaffung einer permanenten regionalen parteipolitischen Organisation fuer die I.B.F.G. in Asien durchgefuehrt, und Indiens weitgereister Dhyan Mungat zum Sekretaer
gewaehlt. Die Glanzpunkte der Konferenz bildeten die Diskussion
ueber Plantagenarbeit und Arbeiterschutzgesetzgebung, Korea und
der durch das kommunistische Banditenregime des Mao auf die
Arbeiterschaft Chinas ausgeuebte Druck.
Die Plantagen sind tief in der Volkskunde und im Gedaechtnis der Amerikaner, die nicht vergessen koennen, dass durch
Sklavenarbeit einst der Tabak, die Baumwolle und andere auf
Geldverdienen eingestellte Plantagen des kolonialen und

- 5-

�nach-revolutionaeren Amerika angelegt wurden, verankert.
Diese Dinge gehoeren der Vergangenheit Amerikas an, doch
in vielen Teilen Asiens ist Onkel Tom immer noch lebendig und wenn auch der die Peitsche schwingende Simon Legree schon
lange nicht mehr unter den Lebenden weilt, so leben doch noch
zehntausende asiatischer Arbeiter unter den gleichen Verhaeltnissen, die vor 100 Jahren im suedlichen Teil der Vereinigten
Staaten bestanden.
Kollege Sibnath Eanerjee, der Vertreter von Indiens Hind
Mazdoor Sabha, erklaerte bei der Konferenz:
"Eine der Hauptgrundlagen fuer die Kolonial- und HalbKolonialwirtschaft weiter Gebiete Asiens bilden die jetzt
Jahrhunderte alten, ausgedehnten Plantagen. Weite Flaechen,
die frueher der Nahrungsversorgung der oertlichen Bevoelkerung
dienten, wurden waehrend des letzten Jahrhunderts fuer Gummi-,
Tee-, Zucker-, Kaffee-, Kokosnuss- und Gewuerzplantagen benutzt,
die das sogenannte "Cash-Crop" System (auf Geldverdienen eingestelltes Erntesystem) verkoerperten. Durch das PlantagenSystem wurden die Arbeiter vieler ihrer wirtschaftlichen und
bürgerlichen Grundrechte beraubt und leben auf dem Niveau
der Halbversklavten.
"Die Plantagenwirtschaft ist ueber ganz Asien .verbreitet
und wird durch private Gruppen der Grosserzeuger kontrolliert.
Wie bekannt, wurde durch diese privaten, ausbeutenden Gruppen
ein enormer Profit aus dem Eoden Asiens gezogen. In dem Masse
wie die asiatischen Arbeiter verarmten, gelangten die Plantagenbesitzer zu Wohlstand."
Diese Betrachtungen bildeten einen Teil der bei der Konferenz durch das Subkommittee abgegebenen Erklaerungen.
Eanerjee betonte die Schwierigkeiten des Organlsierens der
Plantagen-Arbeiter in Indien:
"Die Schwierigkeiten sind in Traditionen zu suchen - bei
den feudalen Lords in Gestalt von Managern, die keine Annaeherung an die Arbeiter oder eine Ansprache an sie zulassen."
Kollege Deven Sen° von dem Indischen Gewerkschaftsbund
I.N.T.U.C. hob hervor, dass es in Asien (das chinesische Festland ausgenommen) 3*000.000 Plantagenarbeiter gibt und dass
die Loehne nicht hoeher als 33 cents pro Tag sind. Sen erklaerte, dass trotzdem Tee, Gummi und andere Plantagenprodukte
Asiens zu den internationalen Guetern gehoeren und seit dem
Ausbruch des Koreakrieges die Gummi- und sonstigen Preise gestiegen sind, die Gehaeiter auf einer beklagenswert tiefen
Stufe stehen geblieben sind.
Sen erklaerte:
"Die Hauptschwierigkeit bei der Organisation der Plantagenarbeiter besteht darin, dass die Plantagen weit ausserhalb der
Staedte liegen. Es besteht keine Verbindung und so hat natuerlicb jeder Plantagen-Manager seine eigenen Gesetze. Fr besitzt
ausgedehnte Flaechen Landes - mehrerer tausend Morgen - und es
ist sehr schwierig alle Gebiete zu erreichen.
"Die trotz dieser Hindernisse gemachten Fortschritte sind
wirklich sehr ermutigend, und ich bin ueberzeugt, dass im Laufe

- 6-

�der Zeit es moeglich sein wird, eine starke, eng verbundene
Plantagenart-eiterorganisation zur Verteidigung der Arbeiterrechte zu bilden."
Kollege Faiz Ahmed aus Ost-Pakistan erklaerte:
"Menschen koennen doch nicht auf dem Niveau der Tiere leben.
Man sollte Menfchen nicht zumuten,in solchen Hauesern, wie sie
den Plantagenarbeitern zur Verfuegung stehen, zu leben. Ich
moechte auch hervorheben, dass unsere Regierungen in Asien, wenn
sie auch Anspruch erheben, die Vertreter des Volkes genannt zu
werden, bis jetzt nicht genug zur Verbesserung der Lage der
Plantagenarbeiter beigetragen haben. Die Plantagen-Manager
halten sich fuer weitraaechtigerals die Premierminister."
Die Sprecher von Ceylong und Malaya schlössen sich den
Forderungen der freien Arbeiterschaft hinsichtlich einer schnellen Abhilfe der Missbraeuche auf den Plantagen Asiens an.
Mr. Jayatilaka aus Ceylon forderte, dass diese Zustaende
so verbessert werden muessten, "dass an die Stelle der durch
Generationen herangezogenen armen, abgemagerten, halb-nackten
Arbeiter eine Generation tritt, deren Kinder und Nachkommenschaft die Aussicht auf eine bessere Zukunft haben."
Mit einem machtvollen Aufruf nach hilfe und Unterstuetzung
wandte sich Kollege Liang Yung-chang aus dem Freien China an
die Abgeordneten und sprach ueber den chinesischen Arbeiterbund,
der sich jetzt auf Taiwan stuetzt:
"Allein in Shanghai sind bekanntlich ueber 150.000 Arbeiter
arbeitslos geworden, nachdem sie der sogenannten "Befreiung" durch
die Kommunisten gefolgt waren. Von diesen Arbeitslosen wurden
mindestens 50.000 Arbeiter nach Sowjet-Russland und andere
russische Satellitenstaaten fuer Zwangsarbeiten verschickt.
"Schaetzungsweise sind ueber 1.500.000 chinesische Arbeiter
fuer die kommunistische Aggression ir_ Korea zwangsweise eingezogen worden oder haben ihr Leben auf dem Schlachtfeld der koreanischen Front lassen muessen.
"Die Wirtschaft des Festlandes ist durch die Methode der
Kommunisten, die Industrieanlagen der Staedte wie Shanghai,
Canton, Hankow und Tientsin unbarmherzig abzubauen und sie in
die Grenzgebiete der Sowjet-Union, wie die Mandschurei und
Sinkiang, zu verlegen, rui»lert worden."
Kollege Liang Yung-chang und sein Mitabgeordneter, Kollege
Teng Wan-hsi, gaben eine Peschlussfassung hinsichtlich des kommunistischen Imperialismus, die dem Mailaender Kongress des
I.B.F.G. vorgelegt worden war, bekannt.
In der Peschlussfassung gegen die Untergrabun* der Arbeiterrechte durch die chinesische Besatzung auf dem Festland, die gewaltsame Einfuehrung der obligatorischen Schiedsgerichte, des Vierzebn-Stunden-Tages und der Zwangsarbeitslager nach sowjetischem
Muster in China vorzugehen, die der Mailaender I.B. F. Gj-Ver Sammlung
unterbreitet wurde, wurde die Bitte ausgesprochen, "einen intensiven Kampf gegen Kriegshetzer wie Stalin und Mao zu fuehren,
die Zwangsarbeit zu bekaempfen und das Hinmetzeln von Asiaten
durch die kommunistischen Imperialisten zu brandmarken." Ferntr
wurde der I.B.F.G. gebeten, "alle freien Gewerkschaftszentren

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�aufzurufen, ihre moralische und politische Macht zur Anfeuerung
ihrer Regierungen, das kommunistisch besetzte China zu blockieren,
einzusetzen."
Die chinesische Beschlussfassung enthielt eine weitere
Bitte an den I.B.F.G., naemlich "zu veranlassen, dass alle
freien Gewerkschaften in det ganzen Welt sich weigern sollten,
Schiffsladungen fuer das besetzte China und alle anderen
Kominform-Laender zu verschiffen oder zm loe'schen." Ferner
wurde der I.B.F.G. durch diese Beschlussfassung dringend dazu
aufgefordert, seine Mitglieder zu veranlassen, ihre moralische
und politische Macht zu verwenden, die jeweiligen Regierungen
dahingehend zu beeinflussen, dass sie entweder die Anerkennung
der kommunistischen Junta im besetzten China verweigern oder,
sollte eine solche Anerkennung der kommunistischen Junta gegenueber bereits ausgesprochen worden sein, jene sofort zurueckzuziehen. Damit soll die Solidaritaet der freien Arbeiter der
Welt und deren Entschluss dokumentiert werden, kein Land unter
die Herrschaft der Militaristen kommen zu lassen, die versuchen,
den kommunistischen Imperialismus ueber ganz China, Korea,
Japan, Indo-China und andere Laender eines nach Freiheit und
Gerechtigkeit als angeborenes Recht schreienden Asiens auszudehnen."
Kollege Chun Chin Han vom Koreanischen Gewerkschaftsbund
erklaerte:
"Seit der kommunistischen Invasion im vergangenen Jahr hat
unsere koreanische Federation iure ganzen Kraefte dazu eingesetzt, sich mit den alliierten Truppen im Kampf um die Verteidigung unseres Vaterlandes und die Erhaltung der Freiheit zusammenzuschliessen. Millionen Koreaner sind den kommunistischen
Waffen zum Opfer gefallen.
•

"Die meisten Fuehrer und Mitglieder des Koreanischen
Arbeiterbundes, dies es versaeumt hatten,bei der ersten kommunistischen Invasion im letzten Sommer in den Sueden zu fliehen,
wurden von den Roten als "Reaktionaere" bezeichnet und ermordet
oder nach Nord-Korea verschleppt. Ihre Zahl erreichte 30,000.
"Fast alle Industrieunternehmen wurden durch die Zerstoerungen der nord-koreanischen Kommunisten im vergangenen Sommer
in Asche gelegt."
Und weiter erklaerte der Fu«hrer der koreanischen Arbeiterschaft:
"Der gegenwaertige Koreanische Krieg ist nicht ein Krieg
lokaler Art, er verkoerpert den ersten Konflikt zwischen der
auf Prinzipien der Freiheit basierenden Demokratie und de« auf
Diktatur aufgebauten Kommunismus.
"Einige Menschen, die nur oberflaechlich den Lauf der Weltgeschichte kennen, sprechen immer noch - in der Vorstellung
eines noch vorhandenen offenen Weges - von einer friedlichen
Loesung oder einer Koalition mit den Kommunisten. Friedliche
Loesungen oder Koalition mit ihnen suchen, waere wie die Hand
denjenigen zu reiche», die uns das Haus in Brand gesetzt haben.
Schweine sollten als Schweine behandelt werden."
Als diese Erklaerungen bei der Konferenz zur Sprache kamen,
ergriff Faiz Ahmed aus Pakistan das Wort:

- 8-

�"Wir sollen unsere Ansieht ueber die Geschehnisse in K«rea
wiedergeben. Was heute in Korea geschieht, kann morgen in Pakistan, uebermorgen in Indien u.s.w. geschehen. Ich schliesse
mich der obigen Erklaerung voll und ganz an."
Nach dem Fuehrer der Gewerkschaften Pakistans wandte sich
Indiens Harihar Nath Shastri von der I.N.T.U.C. mit wohlerwogenen und eindrucksvollen Worten an die Versammelten:
"Die Situation in Korea, wie sie sich bis heute entwickelt
hat, ist eine solche, dass eine bloss in Worten ausgedrueckte
Sympathie faer das Ringen Chinas und Koreas empfinden, dann ist
das Wenigste, was Sie tun koennen, dass Sie eine aufrichtige,
moralische Unterstützung denjenigen gewaehren, die in ihrem
Lande den Kampf gegen die totalitaere Aggression fuehren.
Dieser Kampf ist'ein Kampf, der in der Endanalyse die
ganzen asiatischen Vo«lker betrifft, und ich zweifle nicht
daran, dass, wenn Korea und China verloren sind, keine Macht
der Welt - selbst der Himmel nicht - Asien schuetzen koennte.
Das Wenigste, das wir tun koennen, ist, dieser Resolution
unsere aufrichtige Unterstuetzung zuteil werden zu lassen."
Der bei der Konferenz gefasste Beschluss, die "totalitaeren, aggressiven Maechte" zu brandmarken ut^d den Voelkern
in Korea zum Siege ueber die aggressiven Maechte zu verhelfen,
brachte den Willen der Konferenz zum Ausdruck, "alle Arbeiterorganisationen anzuspornen, geeignete Schritte zur Durchfuehrung
der Resolutionen der Vereinten Nationen zu unternehmen, naemlich
die Lieferung von Kriegsmaterial an den Angreifer einzustellen
und jeden nur moeglichen, im Machtbereich der Gewerkschaften
liegenden positiven Eeistand zu leis.ten."
Der Eeschluss wurde von der Majoritaet der Abgeordneten
gutgeheissen.
Darauf begab sich Mr. Cbun Chin Han zu Mr. Shastri aus
Indien, um ihm fuer seine tatkraeftige Unterstuetzung zu
danken, und waehrend er vor ihm stand, legte sich ein Scbweigen
ueber die Reihen der Abgeordneten, alt die beiden Arbeiterfuehrer Asiens sich die Haende drueckten. Mr. Chun war so
ergriffen, dass Traenen der Freude die Wangen des Koreanischen
Arbeiterfuehrers herunterrollten - Freude darueber, dass er
nach seiner Rueckkehr in das kaempfende Korea seinen Gewerkschaftern sagen koennte, dass die regionale Konferear des
I.B.F.G. geschlossen hinter ihnen stuende.
Durch weitere Eeschluesse bei der Karachi Konferenz wurde
empfohlen, eine enge Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft hinsichtlich der Durchfuehrung internationaler und nationaler
Wirtschaftsentwicklungsprorramme in den asiatischen Laendern
anzustreben. Ferner sollen in Asien Gesetze fuer die Arbeiter
eingefuehrt werden, die ihnen das Recht geben, als Gesamtheit
Verhandlungen zu fuehren und innerbetriebliche Gewerkschaften
und willkuerliche Entlassungen fuer ungueltig zu erklaeren.
Und schliesslich soll an den I.P.F.G. mit der Bitte herangetreten werden, bei der Vorbereitung von "Proschueren und Flugschriften behilflich zu sein, die den Arbeitern Asiens verstaendliche Informationen hinsichtlich der geltenden Prinzipien,
der Taetigkeit der freien Gewerkschaft, der Kollektivverfahren
u.s.w. in ihrer eigenen Sprache vermitteln sollen."

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�Vor allem vereinte die regionale Konferenz des I.B.F.G.
in Asien Gewerkschafter aus Japan und Pakistan, aus Ceylon
und Indonesien, aus Indien und Eurma, aus Malaya, den
Philippinen und Hongkong, aus Formosa und Thailand - Fuehrer
aus Laendern mit verschiedenen Problemen, die aber in gleicher
Weise sich verpflichtet haben, mit dem I.E.F.G. fuer die Befreiung der arbeitenden Voelker Asiens und fuer die Festigung der Demokratie der unabhaengigen und uebrigen bei der
Konferenz vertretenen Laendern Asiens zu marschieren.
Wenn sich auch einige bei der Konferenz vertretenen
Laender im Guerillakrieg mit den Kommunisten befinden, so
marschieren die Fuehrer der freien Gewerkschaftsbewegung
Asiens doch in dem Kreuzzug der I.E.F.G. Hand in Hand mit
den Arbeitern der uebrigen Welt, im Bestreben, eine bessere
Zukunft fuer alle Arbeiter der Welt zu schaffen - nicht fuer
die im Osten oder Westen, sondern fuer die Arbeiter der ganzen
Welt.
The American Federationist
VIT, 1951
INTERNATIONALE SOMMFRFCHULE DES I.BTF.G._ EUER WESTEUROPA
Unter der Leitung von Gust de Muynck und Hans Gottfurcht
fuehrte der I.B.F.G. vom 29. Juli bis 11. August 1951 in
Wörgl/Tirol eine Sommerschule durch, zu der mehr als 40 Teilnehmer westeuropaeischer Gewerkschaften sich versammelten.
Durch die Einteilung der Teilnehmer in vier Sprachengruppen
wurdendie sprachlichen Hemmnise ueberwunden, wobei der I.B.F.G.
die Dolmetscher stellte. Diese Aufteilung in Sprachgruppen
hatte den weitei-e-n Vorteil, dass im Anschluss an die Uebersetzungen die einzelnen Sprachgruppen das Thema ausgiebig
diskutieren und dann bestimmte Fragen zum Thema stellen
konnten. Die getrennten Diskussionen fuehrten dadurch zu
einer erschoepfenden Behandlung der Vortrage der einzelnen
Referenten, wobei sich naturgeraaess einzelne Fragen ueber-schnitten und ergaenzten.
Diese Sommerschule war somit ein Experiment, wobei man
sich bei Beginn nicht darüber im klaren war, ob es gelingen
wuerde. Es zeigte sich aber schnell, dass diese Form der
Aufteilung in Sprachengruppen die sprachlichen Schwierigkeiten
restlos ueberbrueckt, auch wenn hierbei nicht jede europaeische
Sprache beruecksichtigt werden konnte.
Seihst in einem Kursus, der sich auf zwei Woche erstreckte, koennen nicht alle Probleme erschoepfend behandelt werden.
Die Vortraege wurden eroeffnet durch Gust de Muynck, der ueber
die Verantwortlichkeiten der Gewerkschaftsbewegung in einer
sich aendernden Gesellschaftsordnung berichtete. Alfred
Eraunthal gab dann eine ausgezeichnete Analyse der Wirtschaftssysteme, Fritz Fricke vom DGB und Rose Etienne von der franzoesichen CGT-Force Ouvriere referierten ueber die Stellung
des Arbeiters in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft, wobei
Rose Etienne den typisch aus der franzoesischen Sicht gesehenen Standpunkt entwickelte, wodurch die Problematik der
ganzen Fragen zu Tage trat.

- 10

�Es folgten Kurzreferate ueber die Gewerkschaftsbewegung
der einzelnen europaeischen Laender, wobei die Karsteilnehmer
selbst als Sprecher auftraten, Leon Dale berichtete ueber die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung, Hans Gottfurcht ueber die
internationale Bewegung unter besonderer Eeruecksichtigung der
Theorie, der Geschichte und der Organisation.
Neben diesen Referaten gab es Terschiedene Ausfluege in
den Bereich der Praxis, Innsbruck wurde besichtigt, wobei die
Einrichtungen der Konsumgenossenschaften im Vordergrunde standen, ein zweiter Ausflug fuehrte nach Salzburg, waehrend der
dritte als Ziel Kaprun hatte, jenen Ort, wo mit Hilfe von
ERP-Mitteln ein gewaltiges Stauwerk gebaut wird, das die Stromversorgung Oesterreichs wesentlich verbessern wird. Diese Besichtigung fuehrte automatisch zur Diskussion wichtigster
Probleme, sei es die ERP-Hilfe oder die Steigerung der Produktiv! taet, die ohne eine Erhoehung der elektrischen Kapazitaet
sich kaum ohne weiteres verwirklichen Hesse.
Den Hoehepunkt der Sommerschule brachte der Besuch des
Generalsekretaers des I.B.F.G., J. H. Oldenbroek. Er berichtete ueber den Weg des I.B.F.G. von London bis Mailand, ueber
die Erfolge, die in der kurzen Zeit errungen werden konnten,
aber auch ueber die Schwierigkeiten, die zu bewaeltigen waren.
Oldenbroek bekannte ganz offen, dass manches haette mehr getan
werden koennen, aber hierbei muesse auch die Situation beruecksichtigt werden, die zu jener Zeit bestanden hat.
In der kurzen Zeit des Bestehens hat der I.B.F.G. eine
Reihe regionaler Organisationen geschaffen, die ihre eigenen
Probleme zu bearbeiten, aber stets den I.B.F.G. als hoechste
beschlussfassende Koerperschaft anzuerkennen haben. In der
UNO, dem Internationalen Arbeitsamt und der UNESCO ist der
I.E.F.G. erfolgreich taetig, wobei er in Bezug auf Aktivitaet
weitaus an erster Stelle liegt. Naturgemaess ist eine Erweiterung der Aktivitaet denkbar, aber der I.E.F.G. ist keine
Organisation mit unermessliehen finanziellen Kraeften. Schon
in Europa laesst sich feststellen, dass die lateinischen Laender keine guten Eeitragszahler sind, waehrend die skandinavischen Staaten als Musterbeispiele gelten koennen. Ebenso koennen die Beitraege der nordamerikanischen Gewerkschaften nicht
die geringen Eingaenge wettmachen, die aus den uebrigen Teilen
der Welt nach Bruessel fliessen.
Die Verschiedenheit der Sprachen ist ein weiterer Punkt,
der zu einer gewissen Verschwendut p in der Arbeit fuehren muss.
Obwohl nur vier Sprachen als offizielle anerkannt sind, werden
doch etwa 30$ der gesamten Arbeitszeit des I.E.F.G.-Personals
fuer Uebersetzungsarbeiten benoetigt, die wiederum ueberprueft
und geglaetted werden muessen, um eine hochwertige Pressearbeit sicherzustellen. Aus diesem Grunde muessen auch Wuensche abgelehnt werden, die weitere Sprachen als offizielle
einfuehren wollen, damit der Leerlauf nicht noch proesser wird.
Nach dem Londoner Kongress musste praktisch alles zunaechst
improvisiert werden, es genuegte nicht, einen Mitarbeiterstab
zu engagieren, sondern dieser musste auch so aufeinander abgestimmt sein, dass ein positives und vertrauensvolles Zusammenarbeiten selbstverstaendlich wurde.- Dies ist heute der Fall,
- 11 -

�ebenso ist die Pressearbeit laengst ueber die Kinderkrankheiten
hinaus. Vielleicht waere es damals besser gewesen, etwas behutsamer vorzugeben, aber auf der anderen Seite war keine Zeit zum
Abwarten vorhanden, esraussteeinfach gebandelt werden, auch
wenn sich auf Grund dieser File spaeter hier und da Beanstandungen ergaben.
Es war zu erwarten, dass nach der Uebersetzung der Ausführungen des Generalsekretaers in den einzelnen Sprachengruppen sich eine Fuelle von Fragen ergaben, wobei trotz der
Aufforderung Oldenbroeks zur Kritik sich eine eigentlich kritischen Femprkungen zeigten - offensichtlich hatte Oldenbroek
mit seiner offenen Sprache diese Kritik selbst vorweggenommen.
Aus der Fuelle der Fragen seien nur zwei herausgenommen,
die der skandinavischen Delegation, aus welchen Gruenden man
nur beilaeufig von dem Angebot der Zusammenarbeit seitens des
Weltgewerkschaftsbundes Kenntnis genommen hat und die Frage
der deutschen Delegation, ob der I.P.F.G. nicht dafuer Sorge
tragen koenne, dass bei der Verteilung der Marshallplangelder
etwas staerker die Interessen der Arbeitenden beruecksichtigt
werden koennten.
Auch hierzu aeusserte sich Oldenbroek sehr offen. Das
Angebot des Weltgewerkschaftsbundes kam kurz vor dem Mailaender
Kongress zur Kenntnis des I.B.F.G. Nun wissen Gewerkschafter
aus der kommunistischen Praxis, dass immer dann die Generallirie eine Aenderung erfaehrt, wenn mit der bisherigen Methode
keine Erfolge erzielt werden konnten. Und bis zu diesem Zusammenarbeitsangebot waren die Repraesentahten des I.P.F.G.
Lakaien des amerikanischen Imperialismus und der Wallstreet,
um im Jargon des Weltgewerkschaftsbundes zu reden.
Wenn jetzt ploetzlich die Aufforderung zur Zusammenarbeit
laut wird, dann koennen die bisherigen Vorwuerfe doch nicht
vollkommen richtig sein, zumal der WGB sein Programm nicht
verleugnen kann. Das mindeste, was bei einem solchen Angebot,
wenn es auch nur einigermassen ehrlich gemeint sein soll, zu
erwarten ist, das ist die Ruecknahme der Verleumdungen, bevor
man sich zusammensetzt, falls man einigermassen Anspruch auf
Achtung erheben will. Aber daran denkt der WGB ueberhaupt
nicht - und aus diesem Grunde ist das Angebot zur Zusammenarbeit auch nicht sonderlich ernst genommen worden. Im uebrigen
laesst sich immer dann ein solches Anerbieten finden, wenn die
Linie des WGP sich festgerannt hat und eine Kette von Misserfolgen an der Tagesordnung ist. Unter diesen Umstaenden war es
vollkommen zwecklos, sich naeher mit dem Anerbieten der Zusammenarbeit zu befassen, es gab fuer den I.B.F.G. wichtigere Dinge.
Die Frage der deutschen Vertreter nach einer besseren
Unterstuetzung durch den I.B.F.G. bei der Verteilung der
Marshallplangelder und einer staerkeren Beruecksichtigung der
Arbeitenden fand ebenfalls eine klare Antwort durch Oldenbroek.
Er fuehrte aus, dass diese Verhandlungen zwischen de« amtlichen
Vertretern der USA fuer Fragen des Marshallplans und den Vertretern der einzelnen Regierungen gefuehrt werden. Der I.P.F.G.
kann auf die an diesen Vereinbarungen beteiligten Regierungen
keinerlei direkten Druck ausueben, dies ist vielmehr Aufgabe der
Gewerkschaften in den einzelnen Laendern Westeuropas. Es liegt
hier an den Gewerkschaften, dafuer Sorge zu tragen, dass ihr Einfluss auf die Regierungen ein staerkerer wird ohne ih,re aktive

- 12 -

�und entscheidende Mitarbeit ueber die Vergebung der Marshallplanmittel nichts entschieden wird. Hier hat der I.B.F.G.
keine Moeglichkeit des Eingreifens, er kann zwar Empfehlungen
ausarbeiten, aber nicht mehr. Die eigentliche und tatsaechlich wirksame Form der Beeinflussung liegt jedoch bei den
Gewerkschaftszentralen der-einzelnen Laender. In diesem Zusammenhang bedauerte es Oldenbroek, dass ein so erheblicher
Teil der Marshallplanmittel fuer Nahrungsmittel verwendet
werden musste, anstatt die westeuropaeische Wirtschaft bereits
frueher wieder auf eigene Fuesse zu stellen. Aber in jenen
Jahren nach 19*5 war eben die Frage der Versorgung der Bevoelkerung mit Lebensmitteln der zentrale Punkt in allen Besprechungen und Verhandlungen. Dadurch verzoegerte sich der
wirtschaftliche Wiederaufbau, der heute mit aller Energie
beschritten werden muss. Es ist offensichtlich, dass hier
die Gewerkschaften sich einen staerkeren Einfluss auf die Verteilung der Marshallplanmittel sichern muessen, aber man darf
dabei nicht uebersehen, dass fuer die europaeischen Gewerkschaften noch ein weites Feld beackert werden muss. Ein knappes
Drittel aller Arbeitenden in Westeuropa ist gewerkschaftlich
organisiert, wobei auch die britischen Gewerkschaften trotz
ihres starken Einflusses nicht sehr stark ueber dieses Drittel
hinausgekommen sind, waehrend die skandinavischen Gewerkschaften in weit staerkerem Masse Erfolge errungen haben. Auch in
solchen speziellen Fragen wie die der Verteilung der Marshallplanmittel zeige sich deutlich, wie wichtig eine geschlossene
gewerkschaftliche Organisation ist und immer dort die besten
Erfolge erzielt werden, wo die Organisation stark und einheitlich ist. Und dies sei auch die eigentliche Aufgabe der Sommerschule des I.B.F.G., die Notwendigkeit einer staerkeren
Organisierung herauszustellen, damit die Gewerkschaften auch
auf politischem Gebiet den Einfluss erringen, dessen sie zur
Verwirklichung ihrer Ziele beduerfen.
Eigener Bericht von
Herrn Hans Ettkorn
Stuart T. B. Morrison, Amt fuer Sicherung der Arbeitsplaetze:
PRAF.MIEN FUER SONDERLEISTÜNGEN
Eine gute Idee macht sich oft bezahlt. Dieses stellte
Alexander Fall fest, der Leiter der Abteilung fuer Leistungen
an Anspruchsberechtigte im Amt fuer Sicherung des Arbeitsplatzes. Fall ist der erste Angestellte des betreffenden
Amtes, der eine Praemie fuer Sonderleistungen im Rahmen des
vom Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten durchgefuehrten
Programms der Praemierung von Sonderleistungen erhielt.
Die Praemien fuer Sonderleistungen wurden eingefuehrt, um
die Leistungen des Ministeriums und der ihm angegliederten
Aemter zu steigern und Leerlauf zu vermeiden; das Praemiensystem soll den Angestellten einen Anreiz geben, Neuerungen
und Verbesserungen vorschlagen.
Fall erhielt eine solche Praemie in Gestalt einer Befoerderung in eine hoehere Gehaltsstufe; seine Leistung bestand darin, dass er eine neue Form des Ablegens von Material einfuehrte,
das den Dienststellen des Ministeriums zu informatorischen
Zwecken zugaenglich gemacht wird; es handelt sich dabei um Entscheidungen betreffend die Anerkennung oder Zurueckweisung von
Anspruechen auf Arteitslosenunterstuetzung. Fall fuehrte die
- 13 -

�Ablage des Materials in Form von losen Blaettern ein. Die betreffenden Entscheidungen werden in einer monatlich erscheinenden Reihe veroeffentlicht; jeder Jahrgang erhaelt ein Inhaltsverzeichnis, d.h. es erscheinen im Jahre 13 solcher Hefte.
Somit wuerden also in wenigen Jahren zu den bereits vorhandenen,
hunderte von neuen Heften hinzukommen, die man alle durchsuchen
muesste, wenn man auf fruehere Entscheidungen zurueckgreifen
wollte. Es handelte sich also darum, das Material so zu ordnen,
dass es den Dienststellen ohne weiteres zugaenglich gemacht werden
konnte. Fall widmete sich diesem Problem und das Ergebnis war
die neue Methode der Ablage in losen Blaettern.
Die von Fall eingefuehrte Methode sieht folgendermassen
aus: Die anfallenden Entscheidungen werden in einem Ordner in
losen Blaettern abgelegt, und zwar nach Inhalt geordnet; das
betr. Stichwort wird auf einem Zwischenblatt vermerkt; Hinwelse
wo weiteres Material zu finden ist, werden hinzugefuegt. Das
anfallende Material wird so hergerichtet, dass es ohne weiteres
in den Ordner passt.. Entscheidungen in aehnlich gelagerten
Faellen werden zusammen abgelegt. Der Benutzer sucht sich also
unter dem Stichwort die entsprechenden
Entscheidungen heraus.
Da sie alle zusammen abgelegt sine1, braucht er nicht, wie bisher,
zahllose Inhaltsverzeichnisse zu durchstoebern. Unter dem betreffenden Stichwort wird auch im weiteren Sinne einschlaegiges
Material abgelegt, so dass der Benutzer sofort eingehend informiert wird. Diese Neuerung und Verbesserung ist von einigen
staatlichen Dienststellen uebernommen worden; sie benutzen die
gleichen Zwischenblaetter, das gleiche Format und die gleichen
Stichworte fuer ihr eigenes Material. Auf diese Art koennen
die Hefte ausgewertet werden, ohne dass dadurch weitere Unkosten entstehen.
Die Methode, Angestellte fuer besondere Leistungen zu belohnen, ist bereits in der Industrie, in der Ge»ck«eft»welt und
in staatlichen Dienststellen eingefuehrt worden und gehoert mit
zu einer erfolgreichen Personalpolitik. Es hat sich gezeigt,
dass, wo diese Methode geschickt gehandhabt wird, die Angestellten eine Reihe von nuetzlichen Vorschlaegen mit Bezug auf Neuerungen, verbesserte Verfahren usw. gemacht haben; ohne die
Praemie fuer besondere Leistungen waeren diese Vorschlaege wahrscheinlich nicht gemacht worden. Das System der Praemien fuer
Sonderleistungen ist sowohl fuer den Arbeitnehmer wie fuer den
Arbeitgeber von Vorteil. Der Arbeitnehmer wird angeregt, darueber nachzudenken, wie er den Arbeitsvorgang verbessern ko«ennte.
Da der Arbeitnehmer mit den Einzelheiten des Arbeitsvorganges
eingehender vertraut ist, als es sein Vorgesetzter jemals sein
kann, fallen irgendwelche Maengel des Verfahrens dem Arbeitnehmer in der Regel zuerst auf; er ist also in der Lage, sie
abzustellen und Leerlauf zu vermeiden. So ist also er es, der
entsprechende Verbesserungsvorschlaege machen kann. Die ihm
winkende Praemie bietet ihm einen Anreiz, dies auch wirklich
zu tun.
Das Amt fuer Sicherung des Arbeltsplatzes hat staendig
darauf hingewirkt, seine Angestellten Vorschlaege einreichen
zu lassen. Es hat die Abteilungsleiter angewiesen, in dieser
Beziehung zu ermutigen. Die Angestellten sind sich darueber
klar, dass ihre Vorschlaege nicht nur zu einer Steigerung der
Leistungen ihrer Dienststelle beitragen, sondern ihnen vielleicht
auch noch sogar Geld einbringen. Praemiert werden koennen Vorschlaege, die geeignet sind, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, besseren Dienst am Publikum, Leistungssteigerung oder
14 -

�sonstige Verbesserungen herbeizufuehren. Die betreffenden Vorschlaege koennen sich sowohl auf die vom Angestellten selbst
verrichtete Arbeit, als auch auf irgend einen anderen Taetigkeitszweig des Amts beziehen. Die Anregungen muessen jedoch
ausserhalb des Rahmens der normalen Anforderungen liegen, wie
sie an einen Angestellten in der entsprechenden Position gestellt werden koennen.
Antraege auf Gewaehrung einer Leistungspraemie muessen
eine genaue Beschreibung des betreffenden Vorschlages enthalten, sowie der Vorteile, die sich aus seiner Annahme ergeben würden. Der Antrag wird auf gewohnlichem Papier mit
der Maschine geschrieben und in doppelter Ausfertigung samt
den dazu gehoerigen Anlagen auf dem gewoehnlichen Dienstwege
an den Leistungspraeraien-Ausschuss des Amts fuer Sicherung des
Arbeitsplatzes geleitet.
Der Leistungspraemien-Ausschuss entscheidet nicht darueber,
ob ein' Verbesserungsvorschlag angenommen oder abgelehnt werden
soll. Diese Entscheidung wird vom Vorgesetzten des betreffenden Angestellten selbst oder nach Ruecksprache mit den ihm
uebergeordneten Instanzen getroffen. Der Vorgesetzte des betreffenden Angestellten stellt einen Antrag auf Gewaehrung
einer Leistungspraemie nur dann, wenn der Vorschlag angenommen
worden ist. Der Ausschuss untersucht lediglich die einem solchen Antrag zugrundeliegenden Tatsachen und teilt das Ergebnis
seiner Untersuchungen zusammen mit seinen Empfehlungen dem dem
Arbeitsministerium angegliederten Ausschuss fuer Leistungspraemien mit. Dieser Ausschuss des Ministeriums untersucht
die ihm vom Ausschuss des Amts mitgeteilten Ergebnisse und
Empfehlungen und teilt seine Entscheidung dem Arbeitnehmer,
der den Vorschlag gemacht hat, mit.
Nicht alle Vorschlaege werden praemiert; wenn aber eine
Praemierung erfolgt, so kann sie in Gestalt einer Barzahlung,
einer besseren Einstufung um ein, zwei oder drei Stufen oder
auf andere Art erfolgen. Es werden im Rahmen dieses Programs
auch Ehrenpraemien, Medaillen und Urkunden verliehen; der uns
zur Ve-fuegung stehende Raum laesst eine weitere ins Einzelne
gehende Schilderung jedoch nicht zu.
Der Vorschlag des Herrn Fall, der das System der Ablage
in losen Blaettern einfuehrte, ist typisch dafuer, wie man
"etwas besser macht". Es gibt zweifellos auch andere Angestellte, die mehr oder weniger konkrete Vorstellungen davon
haben, wie man gewisse Arbeitsvorgaenge verbessern koennte.
Das Amt fuer Sicherung des Arbeitsplatzesraoechtedie Betreffenden ermuntern, ihren Vorschlaegen konkrete Gestalt zu verleihen.
Das Ziel des Praemiensysteras ist nicht die Praemie als
solche. Wesentlicher ist, dass es dazu fuehrt, dass die Angestellten des Amts gemeinsam an einer Verbesserung der Arbeitsmethoden arbeiten.
Employment Security Review
VI,1951

- 15 -

�Harry L. Turtledove:
AMERIKANISCHE STAHLARBEITER BES7CHFN PRTTTSCHE BETRIEBE

Fuenf amerikanische Gewerkschafter s t e l l t e n auf i h r e r
5-woechigen Besuchsreise durch Gross-Britannien f e s t , dass
die Betriebe der b r i t i s c h e n S t a h l i n d u s t r i e ueber Erwarten
gut mit modernen Maschinen e i n g e r i c h t e t sind.
"Der b r i t i s c h e Arbeiter muss, weil die Mechanisierung
i n der b r i t i s c h e n I n d u s t r i e noch nicht so weit f o r t g e s c h r i t ten i s t , schwerer a r b e i t e n a l s sein Kollege i n den Vereinigten S t a a t e n , " sagte Joseph Molony, L e i t e r des D i s t r i k t s 4
der Gewerkschaft der Vereinigten S t a h l a r b e i t e r von Amerika
(CIO). "Die Anzahl der neuen Maschinen und die allgemeine
Sauberkeit i n den Eetrieben hat einen sehr grossen Eindruck
auf uns gemacht."
Molony i s t e i n e r der fuenf Gewerkschafter des 15-koepfigen
amerikanischen Produktivitaets-Teams - das zweite, das a l s
Gast des Anglo-Amerikanischen P r o d u k t ! v i t a e t s r a t s zum Studium der b r i t i s c h e n Industrien nach England g e r e i s t i s t .
Als ein T e i l des Produktiv!taetsprogramms des Marshallplans sind s e i t 1948 b r i t i s c h e Gruppen in die Vereinigten
Staaten g e r e i s t , um die i n d u s t r i e l l e n Methoden der U. S. zu
s t u d i e r e n . Die e r s t e Gruppe aus den Vereinigten Staaten, die
nun Gross-Britannien b e r e i s t e , bestand aus T e x t i l a r b e i t e r n .
Beide Gruppen, die T e x t i l - wie auch die Stahlgruppe sind ein
Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Team. Ausser Molony bestand d i e
Vertretung der Arbeiterschaft aus weiteren v i e r S t a h l a r b e i t e r n .
Diese Gruppe besuchte 14 Werke im ganzen Lande.
"In manchen modernen Betrieben konnte man sich beinahe
v o r s t e l l e n , dass man in D e t r o i t s e i , " sagte ein Mitglied der
Gruppe a u s . "Die Hauptschwierigkeit bei e i n e r Produktionssteigerung l i e g t wohl d a r i n , dass das Produktionsvolumen
Gross-Eritanniens geringer i s t a l s das der Vereinigten S t a a t e n .
Ausserdem hat der amerikanische Fabrikant mehr Sinn fuer die
mechanischen H i l f s m i t t e l a l s der b r i t i s c h e .
"In den i n d u s t r i e l l e n Beziehungen," sagte Michael Kerwin,
Mitglied der Vereinigten Automobilarbeiter-Gewerkschaft (CIO),
"hat Gross-Eritannien einen Vorsprung vor den Staaten.
Uebera l l wo wir hinkamen wurden die Arbeltgeber-ArbeitnehmerEeziehungen auf e i n e r hoeflichen, freundlichen Easis gepflogen.
Auf jeden F a l l h a t t e es den Anschein, dass sie besser seien
a l s bei uns zu Hause."
Die M e t a l l i n d u s t r i e Gross-Britanniens beschaeftigt p r o p o r t i o n a l zu den Maennern ebensoviel Frauen wie i n den Vere i n i g t e n S t a a t e n , obwohl die Frauen in Gross-Eritannien eine
groessere Anzahl von Arbeiten v e r r i c h t e n . Die amerikanischen
Gewerkschafter waren a l l e r d i n g s ueber die Tatsache e r s t a u n t ,
dass bei gleicher Arbeit verschiedene Loehne fuer Maenner
und Frauen bezahlt werden.
Die Kantinen, sportlichen und k u l t u r e l l e n Einrichtungen
h i n t e r l i e s s e n einen grossen Eindruck bei der amerikanischen
Gruppe - und der Ausschank von Bier in den Fabriken b e g e i s t e r te die Arbeiter.
ECA Labor Information
August 7, 1951
- 16 HICOG 16 4ug 5 1 119SE S U

5 C

�Internationale

ARBEITSMTTEIMINGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 32

Frankfurt,
I N H A L T S V E R Z

FI

10. August 1951

CHNIS

Die Bedeutung des "Tages d e r A r b e i t " 1951 - - - -

1

Die G e s c h i c h t e des "Labor Day" i n den U.S.A.

4

- -

"Labor Day"-'Botschaften a m e r i k a n i s c h e r Gewerkschaftsführer - - - - - - - - - - - - - - - -

5

"Menschenwuerde und p e r s o e n l i c h e F r e i h e i t " Gruesse
an d i e amerikanischen A r b e i t e r zu dem Tage
Arbeit - 8
Wie l e b t d e r a m e r i k a n i s c h e A r b e i t e r ? - - - - - -

9

Eine Erhebung ueber d i e A r b e i t s f a e h i g k e i t von
Rentnern i n den U.S.A.
- - - - - - - - - - - - 1 1
Die O r g a n i s a t i o n s b e s t r e b u n g e n der AFL im Sueden
d e r U.S.A.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 4

DTF BFDFUTUNG DES "TAGFS DER ARBFIT" l?5l
Der Tag der Arbeit im Jahre 1951 hatte fuer die europaeisehen Arbeiter eine ungewoehnliche Bedeutung. Man vermisste
die Picknicks, Wiener Braten und Mussestunden am Strand. In
Neapel stiessen stattdessen die freien Arbeiter mit kommunistischen Aktivisten zusammen, die mit Stoecken bewaffnet waren.
In Athen nahmen Hunderte von Gewerkschaftern an Versammlungen
teil, um Reden ueber ernsthafte Probleme anzuhoeren. In WestBerlin, auf das die Kommunisten ein gieriges Auge werfen, wurde
den freien deutschen Arbeiter in riesigen Massenkundgebungen
von amerikanischen Gewerkschaftsfuehrern versichert, dass man
sie nicht vergessen wird.
In Moskau marschierte das Militaer.

- 1 -

�All dies ereignete sich am 1. Mai. Waehrend der 1. Mai
im wesentlichen ein europaeischer Feiertag der Arbeit ist,
stammt der Gedanke von Amerikanern. Amerikanische Delegierte
brachten im Jahre 1889 auf dem Pariser Kongress der zweiten
Sozialistischen Internationale eine Resolution ein, in der gefordert wurde, den 1. Mai zu einem internationalen Feiertag
der Arbeit zu erklaeren. Ein Grund hierfuer war, dass am
1. Mai 1886 ein Generalstreik in Chicago, mit dem man den
8-Stundentag erzwingen wollte, mit dem beruechtigten "Blutbad
von McCormack" endete.
Die amerikanischen, in "Knights of Labor" organisierten
Gewerkschafter lehnten den Gedanken des Maifeiertages der Sozialisten ab. Sie hatten sich seit 1884 darum bemueht, den
ersten Montag im September zum amerikanischen Feiertag der
Arbeit zu machen, und ihre Plaene wurden von Erfolg gekroent,
als der Kongress ihn im Jahre 1894 zum nationalen Feiertag
erklaerte.
In den Jahren seit dem 1. Weltkrieg hat die europaeische
Arbeiterschaft den 1. Mai nicht in Einigkeit gefeiert. Die
Stimme des stalinistischen Kommunismus hat diesen Feiertag
sowohl in Russland als auch anderswo ins Laecherliche gezogen, so wie er auch die internationalen Bestrebungen der
europaeischen Gewerkschaftsbewegungen fuer lächerlich erklaert hat.
Zuweilen hat es dem russisch-imperialistischen Kommunismus gefallen, sich in nicht-kommunistische Gewerkschaften und
Arbeiterparteien einzudraengen, so wie es kurz nach dem 1.
Weltkrieg der Fall war, als viele Sozialdemokraten und andere
gewillt waren, die sichtbaren Fehler des Sowjetregimes in der
Hoffnung zu uebersehen, dass politische Demokratie und Freiheit
des Einzelnen zu einer Aenderung der Wirtschaftsverhaeltnisse
fuehren und der Arbeiter den ihm gebuehrenden Status erlangen
wuerde.
Zuweilen hielt es die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken auch fuer vorteilhaft, die Arbeiterklasse zu entzweien und die Sozialdemokratie und jene Einrichtungen zu
bekaempfen, die die Gewerkschaftsbewegungen in Laendern wie
Deutschland und Oesterreich geschaffen hatten. Damit ebneten
sie faschistischen Diktatoren den Weg, die die Macht ueber
eine zahlenmaessig starke, aber uneinige Gewerkschaftsbewegung
erringen konnten. Wir denken hier an Mussolini in Italien,
Hitler in Deutschland und Dolfuss in Oesterreich.
In diesem Jahr Hessen sich die freien, europaeischen
Gewerkschaften, die durch die amerikanische Wirtschaftshilfe
im Rahmen des Marshallplanes weitgehend gestaerkt und ermutigt
wurden, durch das heuchlerische kommunistische Ersuchen um Zusammenarbeit nicht taeuschen. Sie waren dagegen entschlossen,
vor aller Welt die wahren Ziele und Absichten der Kommunisten
zu demonstrieren.
In Oslo konnten die freien Arbeiter die Plaene der Kommunisten im Keim ersticken, indem sie eine groessere wirkungsvollere Kundgebung organisierten. Sie forderten unter anderem,
dass ein Opfer der kommunistischen Saeuberungsmethoden freigelassen wuerde, naemlich Anna Kethly, eine ungarische Gewerkschaftsfuehrerin und Mitglied im Parlament, die nun in einem
- 2 -

�Konzentrationslager hinter dem Eisernen Vorhang gefangen gehalten wird. Transparente mit Kethlys Namen belebten den
skandinavischen anti-kommunistischen Schlachtruf "Friede
in Freiheit".
In ganz Griechenland fanden zum 1. Mai Kundgebungen
statt. Der Berater fuer Arbeitsfragen in der ECA, D. Alan
Strachan, der Mitglied der Automobilarbeitergewerkschaft des
CIO ist, sprach zu den Arbeitern von Athen und Pyraeus. Die
Kommunisten hatten wenig zu sagen.
In Stockholm nahm Viktor J. Sjaholm, der Leiter der
Arbeitsabteilung in der F.CA-Mission und Mitglied der Lokomotivfuehrergewerkschaft, zum vierten Mal mit seinen Eisenbahnerkollegen an der Kundgebung zum Tag der Arbeit teil.
Der vielleicht schwerste Schlag gegen die Kommunisten war
die riesige Gewerkschaftskundgebung der freien deutschen Arbeiter auf dem Platz der Republik in West-Eerlin. Tausende von
Mitgliedern des starken deutschen Gewerkschaftsbundes DGB
lieferten,ohne sich an der Naehe der Russen zu stoeren, einen
ueberzeugenden Beweis ihrer Solidaritaet. Sie hoerten ergreifende Reden amerikanischer Gewerkschaftsführer.
Viktor Reuther, der internationale Repraesentant der CIO
begeisterte seine Zuhoerer, als er sagte:
"Seitdem der Tag der Arbeit am 1. Mai gefeiert wird, hat
die freie Gewerkschaftsbewegung der Welt noch nie einen besseren Grund zum Feiern gehabt als heute an dieser Stelle, wo die
heroischen Berliner Arbeiter, die an der Grenze zweier Welten
stehen, der neuen Tyrannei so schwere Schlaege versetzt haben.
"Ihr habt der ganzen Welt den so dringend benoetigten Beweis geliefert, dass die wirksamste Antwort auf die stalinistische Aggression nicht der negative und isolierte AntiKommunismus der Reaktionaeren, sondern die Entschlossenheit der
freien Maenner ist, die Demokratie durch die Verwirklichung des
demokratischen Idealismus in einem praktischen, positiven Programm sozialer und wirtschaftlicher Tat zu foerdern."
Henry Rutz, der Vertreter der AFL in Westdeutschland, richtete eine Botschaft an die Arbeiter"Deutschlands, der Tschechoslowakei, Polens und an alle Voelker hinter dem Eisernen Vorhang, die sich nach Frieden sehnen, und vor allem an jene Millionen, die fuer ihren Kampf um Freiheit mit Versklavung in russischen Arbeitslagern belohnt wurden."
"Ich sage jenen Millionen, Ihr seid nicht vergessen. Die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung arbeitet zusammen mit dem
Internationalen Bund freier Gewerkschaften Plaene zu Eurer Befreiung aus."
"Der Weltfriede, wie ihn jeder sich wuenscht, wird nur
garantiert sein, wenn in den Laendern unter kommunistischer
oder, wie in Spanien, unter faschistischer Tyrannei die Menschen, die noch zum Schweigen verurteilt sind, wieder in der
Lage sein werden, ihr Schicksal in Ihre eigenen Haende zu
nehmen.

- 3\

�"Wir arbeiten fuer den Tag, an dem alle Nationen im Osten
und Westen den ersten Mai als den grossen Weltfeiertag, den
grossen Feiertag der Freiheit feiern koennen."
ECA Labor Information
VII/31/1951
DIE GESCHICHTE DES "LABOR DAY" IN DEN U.S.A.
Der "Labor Day", der im Jahre 1882 als Feiertag fuer die
amerikanischen Arbeiter eingefuehrt wurde, wird nun am 1. Montag
des Monats September von jedem Buerger der Vereinigten Staaten,
vom Schuljungen bis zum Praesidenten gefeiert.
Der Gedanke, in jedem Jahr einen Tag zu Ehren der Arbeit .
zu feiern, wurde zum ersten Mal am 8. Mai 1882 von Peter J.
McGuire in Vorschlag gebracht. Er war damals Vorsitzender
der Gewerkschaft der Zimmerleute und Tischler Amerikas und
fuehrender Funktionaer in der ersten grossen amerikanischen
Gewerkschaftsorganisation, genannt "Knights of Labor", ("Ritter
der Arbeit").
Er unterbreitete der Zentralgewerkschaft in New York einen
Vorschlag, in dem er die Gewerkschaftsbewegung aufforderte, "sich
einen Tag auszuwaehlen, an dem in einem Aufmarsch die Staerke und
der Geist der Arbeiterorganisationen aller Welt gezeigt werden
sollte". Dem Aufmarsch sollte ein "Picknick" oder eine Festveranstaltung folgen.
McGuires Vorschlag wurde angenommen. Mehr als 10.000 organisierte Arbeiter marschierten auf dem beruehmten Broadway in
New York, hoerten Reden und Konzerte und nahmen dann an einem
riesigen Picknick im Elm Park teil. Es war ein grosser Erfolg,
wenn auch die grosse Menge der Arbeiter sich erst am Abend versammeln konnte, weil sich viele Unternehmer weigerten, den Arbeitern einen freien Tag zu geben.
Die Generalversammlung der Organisation "Knights of Labor"
stimmte bald nach dem ersten Aufmarsch dafuer, den "Labor Day"
alljaehrlich zu feiern. Am 9. Oktober 1884 beschlossen die
Foederationen der Berufs- und Arbeitergewerkschaften Amerikas
und Kanadas (spaeter AFL), den Labor Day zu einem nationalen
Feiertag zu erklaeren.
Oregon war 1887 der erste Staat, in dem er erste Montag
im September zu einem gesetzlichen Feiertag zu Ehren der Arbeit
erklaert wurde. Innerhalb weniger Monate folgten die Staaten
Colorado, Massachusetts, New York und New Jersey diesem Beispiel, und 1894 erklaerte der amerikanische Kongress den "Labor
Day" zum nationalen gesetzlichen Feiertag. Heute wird er in
allen Staaten gefeiert.
Den traditionellen Aufmarsch und das grosse Picknick am
"Labor Day" gibt es noch heute in vielen Teilen Amerikas; mehr
und mehr g°hen die Menschen in den Vereinigten Staaten Jedoch
dazu ueber, die Gelegenheit eines dreitaegigen Wochenendes
wahrzunehmen. Sie begeben sich mit ihren Familien per Auto in
die Gebirge oder an den Strand, um mit neuem Interesse und neuer
Arbeitskraft am Dienstag die Arbeit in den Schulen und Fabriken
wieder aufzunehmen.
Labor Air Bulletin
VIII/16/1951
- 4 -

�^LABOR^AY'^BOTECHAFTEN AMERIKANISCHER GEWERKSCHAFTSFÜHRER
Maurice Tobin, U. S. Arbeitsminister:
Freiheit, die Verbesserung der Lebensverhaeltnisse fuer die
Menschen und Weltfriede sind die hoechsten Ziele der amerikanischen Politik. Es sind die Ziele aller Menschen guten Willens
in jedem Land und der "Labor Day" im Jahre 1951» einem Jahr der
Krisen und Kaempfe, der Unruhen und Entmutigungen, ist ein guenstiger Zeitpunkt, um festzustellen, welche Fortschritte wir inzwischen erzielt haben. Vor 100 Jahren erklaerte Louis Kossuth,
der grosse ungarische Kaempfer fuer die Freiheit, in New York:
"Die Sache der Freiheit ist ausschlaggebend fuer das Schicksal
der Menschheit, und in jedem Teil der Welt, in dem sie an Boden
gewinnt, wird sie nach und nach fuer alle diejenigen, die sich'
nach ihr* sehnen, ein gemeinsames Ziel sein."
Das ist der Grundsatz, zu dem sich die Vereinigten Staaten
von ganzem Herzen bekannt haben. Wir haben gelernt, dass der
Begriff Freiheit eindeutig und unveraenderlich ist. Es ist die
Pflicht aller friedensliebenden Menschen, darauf zu achten, dass
die Flamme der menschlichen Freiheit nicht erlischt .
Es ist
die Pflicht aller Nationen, die die Grundregeln der Moral achten,
um die Freiheit ihrer Nachbarn genau so besorgt zu sein wie um
ihre eigene. In dieser kleinen Welt gibt es fuer uns nur zwei
Moeglichkeiten: entweder wir alle sind gemeinsam frei oder wir
sind getrennt und ohne Freiheit.
Freiheit ist mehr als Selbstregierung, mehr als Gedanken-,
Rede-, Religions- und Versammlungsfreiheit. Heutzutage sind
menschliche Freiheit und Verbesserung des menschlichen Loses so
eng miteinander verbunden, dass ihre Unterschiede nur schwer
festzustellen sind. In der heutigen Zeit ist politische Demokratie nicht aasreichend. Sie muss durch wirtschaftliche und
soziale Demokratie ergaenzt werden, wenn Freiheit die Bedeutung
haben soll, die ihr zukommt.
Wenden vir uns nun dem kuehnen Plan .Praesident Trumans zu,
den er mit seinem Punkt-vier-Programm entworfen hat und der der
Weltfreiheit und gleichen wirtschaftlichen Moeglichkeiten fuer
alle gewidmet ist. Jahrhunderte lang haben eine Milliarde
Maenner und Frauen in Asien, Afrika und Suedamerika ein Hungerdasein gefuehrt.
Von dem, was dafuer getan wird, diese unterentwickelten
Gebiete aus dem Sumpf der Krankheiten, des Hungers, der Unwissenheit und der landwirtschaftlichen und industriellen Rueckständigkeit zu befreien, und von der Unterstuetzung einer grossen
Armee menschlicher Wesen, die zur wirtschaftlichen Hilfslosigktit
verurteilt sind, haengt nicht nur ihre Befreiung aus den Ketten
der Armut und Verzweiflung, sondern auch der Friede der Welt ab.
Solange in einem solchen Ausmass Mangel herrscht, haben wir eine
Welt, die wirtschaftlich zur Haelfte frei ist und die zur Haelfte
versklavt ist; diese Welt kann nicht bestehen, denn sie wankt
unter politischen Unruhen und internationaler Verwirrung. Indien
braucht Trinkwasser ebenso dringend wie Weizen, im Mittleren
Osten koennten durch Landbewaesserung grosse Ackerbaugebiete
erschlossen werden, und in Afrika muss die Schlafkrankheit
mit medizinischen Mitteln bekaempft werden, um grosse Gebiete
fruchtbar machen zu koennen. Auf der ganzen Welt muss die
Landwirtschaft modernisiert und Daenune und Wasserkraftwerke

- 5-

�muessen errichtet werden.
All dies und noch mehr muss
auf weltweiter Basis getan werden, wenn die Verbesserung des
menschlichen Loses mehr als nur eine leere Versprechung sein soll.
Lassen Sie sich nicht durch die aeusseren Erscheinungen des
amerikanischen Lebens irrefuehren. Ich versichere Ihnen, dass
das Gefuehl der Solidaritaet mit anderen Voelkern, die in Freiheit leben und diese Freiheit zu schaetzen wissen, jetzt ein Bestandteil des amerikanischen Glaubens ist.
Wir haben durch den Marshallplan und den Nord-Atlantik-Pakt
bewiesen, dass die Hilfsquellen Amerikas der freien Welt zur
Verfuegung stehen. Ich kann Ihnen versprechen, dass wir durch
nichts veranlasst werden koennen, in unserer Hilfe fuer jene
Sache nachzulassen, fuer die wir bereits so viel gegeben haben.
Amerika bekennt sich nach wie vor zu den demokratischen Grundsaetzen der gleiche Rechte und Moeglichkeiten fuer alle, der
Glaubens- und Gedankenfreiheit und der Freiheit der Menschen,
sich ihr eigenes Schicksal selbst zu gestalten.
William Green, Vorsitzender der AFL:
Im Namen der acht Millionen Mitglieder der AFL uebermittele
ich hiermit den freien Arbeitern der Welt aufrichtige Gruesse
zum "Labor Day".
Fuer uns in Amerika ist die Freiheit der Arbeit das kostbarste Gut. Wir haben aus der Erfahrung die Lehre gezogen, dass
die freien Gewerkschaften in Respektierung der Wuensche und Bedürfnisse ihrer Mitglieder und frei von einer Bevormundung oder
Kontrolle ihrer Regierung grosse wirtschaftliche, soziale und
politische Fortschritte erzielen koennen.
Unsere Beobachtungen, die wir ueber die Gewerkschaftsbewegungen unter totalitaerer Herrschaft angestellt haben, haben uns
ebenfalls gelehrt, dass die Arbeiter, wenn ihre Gewerkschaften
unter der Kontrolle eines Staates stehen, zu Sklaven der Diktatur werden und keine Moeglichkeit mehr haben, durch gemeinsame
Bemuehungen ihre Lebensbedingungen zu verbessern.
Was wir heute in dieser Welt am dringendsten benoetigen,
ist Friede - Friede, um in der Zukunft groessere Fortschritte
zu erzielen, und Friede, um die Wunder der Wissenschaft zur
Erleichterung der Buerde der Arbeiterschaft und der Menschheit
ueberhaupt weiterentwickeln und nutzbar machen zu koennen.
An diesem Tag der Arbeit verpflichten sich die amerikanischen
Arbeiter, sich ihrer Verantwortlichkeit zu unterziehen, indem sie
die Verteidigung der freien Welt so staerken, dass ein weiterer
Weltkrieg verhindert werden kann. Wir sind im Namen des Friedens
zur Erfuellung dieser Aufgabe verpflichtet.
Auf lange Sicht gesehen ist militaerische Bereitschaft
allein jedoch keine Loesung. Wir muessen zusammen mit Sowjetrussland eine Entscheidung treffen, in der jegliche Aggression
verboten und es der freien Welt ermoeglicht wird, in Frieden zu
leben.
Die freien Nationen koennen, indem sie gemeinsam jeder
Aggression gegenuebertreten und, wie in Korea, den Aggressoren
vernichtende Niederlagen beibringen, den Prozess beschleunigen,
Russland zur Vernunft zu bringen.

- 6-

�Die Arbeiterschaft Amerikas begruesst die geschlossene
Front der freien Welt gegen den sowjetischen Imperialismus.
Wir wuenschen, dass.die Arbeiter Europas, Asiens und anderer
Laender jenseits der Ozeane wissen, dass wir ihnen zur Verteidigung der Freiheit entschlossen zur Seite stehen, und dass
wir niemals nachgeben werden, solange der Sieg der Freiheit
der Menschen nicht gesichert ist.
Philip Murray, Vorsitzender des CIO:
Der "Labor Day" ist der besondere Feiertag der amerikanischen Arbeiter. Es ist ein Tag der Entspannung- aber auch
ein Tag, an den man sich ueber die Zukunft der Arbeiterschaft
in Amerika und auf der ganzen Welt Gedanken macht.
Am "Labor Day 1951" senden die amerikanischen Arbeiter
den Arbeitern der demokratischen Welt ihre kollegialen Gruesse.
Wir sind stolz darauf, in den vergangenen Jahren die Bande
der Freundschaft mit den Arbeitern und ihren Gewerkschaften
in vielen Laendern der Welt gestaerkt zu haben.
Die Gewerkschaftemitglieder Amerikas wissen, dass es
keinen Frieden, keinen dauernden Wohlstand und keine Hoffnung
auf Frieden geben kann, solange die kommunistische Diktatur
und Reaktion die Demokratie und ihre Einrichtungen bedroht.
Wir sind entschlossen, alles zu tun, was in unserer Macht
steht, um diesen demokratischen Einrichtungen Staerke und
Lebensfaehigkeit zu verleihen. Wir wissen so gut wie Ihr,
dass die Gewerkschaftsbewegung in jedem Land das Eollwerk
der Demokratie ist.
Wenn Diktatoren an die Macht kommen, ist ihre erste
Handlung die Zerstoerung oder Uebernahme der freien Gewerkschaften. So ereignete es sich im nazistischen Deutschland
und in den sowjetischen Satellitenstaaten. Das Gleiche sahen
wir in Spanien und Argentinien.
Am "Labor Day 1951" erneuern die Gewerkschaften Amerikas
ihr Geloebnis, fuer die Freiheit der Gewerkschaftsbewegung in
allen Laendern zu kaempfen. Die amerikanischen Arbeiter sind
gegen den reaktionaeren Faschismus und gegen das reaktionaere
Sowjetsystem, das die Freiheit zerstoert und die Gewerkschaften
unterdrueckt.
Aber die amerikanischen Gewerkschaften wissen auch, dass
sich verbessernder Wohlstand fuer die demokratische Welt, fuer
ihre Menschen und ihre Gewerkschaften von ausschlaggebender Bedeutung ist.
Aus diesem Grunde hat der CIO, in dessen Namen ich spreche,
den Marshallplan und das Punkt-Vier-Programm unterstuetzt, mit
denen den unterentwickelten Gebieten Hilfe gebracht wurde; und
aus dem gleichen Grunde wird der CIO jeden wertvollen Plan unterstuetzen, der mithilft, den Lebensstandard des "kleinen
Mannes" auf der Welt zu verbessern.
So uebersende ich an diesem "Labor Day" im Namen der sechs
Millionen Mitglieder des CIO den Gewerkschaftern der ganzen
Welt unsere Gruesse. Ich verspreche Euch, dass der CIO im
Kampf der Demokratie um ein besseres Leben fuer alle Menschen
stets eine fuehrende Rolle spielen wird.

- 7-

�Thomas Kennedy, Vize-Vorsltzender der Amerikanischen Ber&amp;arbeltergewerkschaft:
Im Namen des Vorsitzenden der amerikanischen Bergarbeitergewerkschaft, John L. Lewis, und aller Mitglieder dieser Organisation moechte ich der freien Gewerkschaftsbewegung der Welt
unsere bruederlichen Gruesse uebermitteln. Wir von der Bergarbeitergewerkschaft wuenschen ihnen eine Verbesserung ihres
Lebensstandards, ihrer Loehne und sonstigen Arbeitsbedingungen.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung, und vor allem
^iie Bergarbeitergewerkschaft, hat seit dem Labor Day im vorigen Jahr wichtige Frfolge errungen. Wir moechten unseren
Gewerkschaftskollegen auf der ganzen Welt den Rat geben, so
zu handeln, dass ihre wirtschaftliche Organisation im Gefuege
der Demokratie in einer Weise Eeruecksichtigung findet, dass
sie ihre Ziele durch Kollektivverhandlungen verwirklichen
koennen.
Viel Glüeck und Erfolg in Euren Bemuehungen 1
Labor Air Bulletin
VIII/16/1951
Christian Fette, Vorsitzender des DGB:
"MENSCHF.NWÜERDE UND PERSOENLICHE FREIHEIT", GRUESSE AN DIE
AMERIKANISCHEN ARFEITER ZU DEM TAG DER ARBEIT.
Auch in diesem Jahre begeht die amerikanische Arbeitnehmerschaft wieder den "Tag der Arbeit" - den Tag, an dem
sich das ganze Volk der Vereinigten Staaten in Freude und
Stolz zum Wert der Arbeit und zur Ehrung der arbeitenden
Menschen bekennt.
Aber die Gedanken der amerikanischen arbeitenden Menschen
gehen ueber den Rahmen ihres Landes und ihres Kontinents hinaus.
Mehr denn je spielen sie heute in der Politik und Wirtschaft
ihres Landes und der gesamten freien Welt eine bedeutende Rolle.
Ihre maechtigen Gewerkschaftsorganisationen haben besonders
nach 1945 eine entscheidende Rolle in der Foerderung einer po •
sitiven demokratischen Weltpolitik gespielt. Sie haben von
Anbeginn alle jene Kraefte gestuetzt, die totalitaere Maechte
dadurch bekaenpfen, dass sie die Voraussetzunfen fuer Faschismus und Bolschewismus - naemlich wirtschaftliches Chaos und
soziale Not - praktisch zu beseitigen suchen.
Die grossen amerikanischen Gewerkschaften sind damit zu
wesentlichen Traegern des Freiheitskampfes in der Welt geworden, eines Kampfes, in dem es um den sozialen Inhalt der modernen Demokratie und damit um ihren Bestand ueberhaupt geht.
Sie sind ein wichtiger Teil des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften, jenes Bundes freier Arbeiter in der freien
Welt, die nicht gewillt sind, Menschenwuerde und persoenliche
Freiheit an Reaktlonaere von rechts und links zu verkaufen.
Wir deutschen Gewerkschafter, die wir uns nach dem Terror
des Hitlersystems in sechs Jahren einen Deutschen Gewerkschaftsbund mit 5,7 Millionen freiwilligen Mitgliedern geschaffen haben,
wissen, was dieser Kampf fuer die Freiheit bedeutet. Wir wissen
auch, was es bedeutet, dass die amerikanischen Gewerkschaften

-8-

�entschlossen sind, wie bisher mit ihren Kollegen in allen
freien Laendern aktiv an der Neugestaltung der freien Welt
in solidarischer Gemeinschaft mit den freien Gewerkschaften
ueberall mitzuwirken.
Im Namen des deutschen Gewerkschaftsbundes entbiete ich
unseren Bruedern und Schwestern in Amerika unseren Gruss und
wuensche ihnen und ihren stolzen Organisationen Erfolg und
Staerke fuer das gemeinsame Ziel: fuer Freiheit, soziale
Gerechtigkeit und wahren Frieden unter den Voelkern einer
freien Welt i
Christian Fette
Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaft!bundes
WIE LEBT DER AMERIKANISCHE ARBEITER ?
Viele unserer Leser haben uns in Zuschriften gefragt, wie
der durchschnittliche amerikanische Arbeiter lebt, was er verdient, wieviel Stu iden er arbeitet und wie er seine Freizeit
verbringt. Offen gesagt, es gibt nicht so etwas wie einen
Herrn Durchschnittsarbeiter. Es ist unvermeidlich, dass die
Verhaeltnisse in den verschiedenen Industrien und in den verschiedenen Teilen des Landes verschieden sind.
Anstatt Ihnen von dem Durchschnittstrbeiter zu erzaehlen,
wollen wir einige Arbeiter aus verschiedenen Industrien'herausgreifen. Heute steht uns Walter Peterson, ein junger lediger
Mechaniker gegenueber. Er ist in der New Jersey-Maschinenfabrik in Hoboken (New Jersey) beschaeftigt. Die Belegschaft
dieses Betriebes zaehlt etwa 250 Arbeitnehmer. Peterson ist
Maschinendreher und stellt verschiedene Maschinenteile her.
Er ist von dem Unternehmer als angelernter Arbeiter eingestuft, ist mit dieser Einstufung jedoch .nicht einverstanden.
Nach seiner Ansicht leistet er Facharbeit. Er wird jedoch
entsprechend der Einstufung bezahlt. Er verdient in der
Stunde 1,68 Dollar. Der Grundlohn.betraegt 1,58 Dollar, in
der Nachtschicht verdient er jedoch 10 Cents mehr pro Stunde.
Zufaellig ist der Zuschlag fuer Nachtarbeit in vielen anderen
Betrieben weitaus hoeher. Da viele Auftraege zu erledigen sind,
arbeitet Peterson woechentlich 48 Stunden und alle ueber 40
Stunden geleisteten Arbeitsstunden werden mit zusaetzlichen
50% verguetet. Der Betrieb arbeitet an einigen Auftraegen der
Regierung, stellt jedoch im wesentlichen Waren fuer den Zivilbedarf her. In der Woche verdient Peterson bei einer Arbeitszeit von 48 Stunden 87,36 Dollar. Diesen Betrag erhaelt er
jedoch nicht in bar, weil von Steuern und Praemien fuer die
Arbeitslosen-, Unfall-, Sozial- und Invalidenversicherung abgezogen werden. Da er nicht verheiratet ist, sind seine Abgaben ziemlich hoch, und er bringt in der Woche 72 Dollar
nach Hause. Wenn er eine Frau haette und ein oder zwei Kinder,
waeren seine Steuern wesentlich niedriger. Die Nachtschicht
dauert von 20:30 Uhr bis 07:00 Uhr morgens mit einer halben
Stunde Essenspause um 02:30 Uhr. Peterson gewoehnt sich allmaehlich an diese Arbeitszeit. Er fruehstueckt, wenn er nach
Hause kommt, und nimmt eine Mahlzelt ein, bevor er zur Arbeit
geht. Fuer seine Verpflegung braucht er woechentlich 10 oder
13 Dollar. Er bereitet seine Speisen zu Hause selbst zu. Seine
Spezialitaeten sind Roastbeaf oder Hammelbraten, Haschee und
Schweinekottelett. Seine Hauptmahlzeit ist z.Z"t. das Fruehstueck. Es besteht aus Fruchtsaft, einem Viertel Liter Milch,

- 9-

�Fruechte, Speck, Eier und Gebaeck. Er nimmt jedoch keinen
Kaffee zu sich, da Kaffee ihn nervoes macht. Fuer seine Miete
zahlt er 15 Dollar im Monat. Das ist sehr billig. Er wohnt
in Manhattan in einer Wohnung ohne Heizung mit 3 Raeumen. Er
hat heisses Wasser und seine eigene Toilette, und weil er ledig
ist, meint er, dass die Wohnung gut genug fuer ihn ist. Ausserdem will er keine teure Wohnung bezahlen.
Fuer Bekleidung gibt er jaehrlich etwa 150 Dollar aus.
Ein neuer Anzug kostet 45 oder 50 Dollar. Fuer ein halbes
Dutzend weisser und ein halbes Dutzend Sporthemden braucht er
etwa 36 Dollar, 24 Paar Struempfe kosten 12 Dollar. Unterwaesche und Krawatten kosten 15 Dollar und ein paar Arbeitsschuhe 8 Dollar. Ausserdem kauft er sich in jedem Jahr einen
Ueberzieher fuer etwa 35 oder 40 Dollar. Das ergibt einen
Betrag von 155 bis 165 Dollar im Jahr.
Gibt es in seiner Wohnung viel mechanische Einrichtungen?
Einen mit Gas betriebenen Kuehlschrank, ein elektrisches Bueg«leisen, einen elektrischen Brotroester und ein Radio mit Plattenspieler. Er hat keinen Fernsehapparat, weil er seine Freizeit
am liebsten mit Lesen verbringt.
Natuerlich ist er gewerkschaftlich organisiert. Er gehoert
der Internationalen Mechanikergewerkschaft der AFL an, die ueber
600.000 Mitglieder zaehlt, und er ist in seiner Gewerkschaft
aeusserst aktiv. Seine Ortsgewerkschaft hat 1200 Mitglieder,
und er nimmt stets an den regelmaessigen monatlichen Versammlungen teil. Es finden ausserdem in der Zwischenzeit ausserordentliche Betriebsversammlungen statt. Er ist jetzt Kandidat
fuer den ünterhaltungsausschuss, der unter anderem Programme
fuer Abendgesellschaften, Bierabende und Ausfluege fuer die
Mitglieder ausarbeitet. Man bildet ausserdem Kegel- und
Korbballmannschaften.
Die Ausgaben dieses Arbeiters sind im Vergleich zu seinem
Einkommen ziemlich niedrig. Was macht er mit seinem uebrigen
Geld? Er hat eine Freundin, und sie gehen haeufig zusammen
aus; zum Kino, zum Konzert, zu Vortraegen, Tanzveranstaltungen,
zum Ballett und Picknick. Im Sommer verbringen sie viel Zeit
am Strand. Peterson spart ausserdem. Denn wer kann es wissen?Eines Tages koennte er vielleicht sogar heiraten1.
Der Tarifvertrag seiner Gewerkschaft enthaelt viele Klauseln,
die nach der Meinung aller Arbeiter sehr gut sind. Fuer Arbeit
am Sonnabend werden 150$ gezahlt, selbst wenn der Arbeiter waehrend der Woche an einem Tag nicht zur Arbeit erschien.Dieser Bericht ist ein Beispiel fuer das Leten vieler
junger, lediger Arbeiter in den Vereinigten Staaten. Das Bild
mag sich wesentlich veraendern, wenn der Arbeiter heiratet und
einige Kinder hat.
Program Services Section
V/28/1951

- 10 -

�EINE ERHEBUNG UEBER DIE ARBF.ITSFAEHIGKEIT, VON RENTNERN IN
DEN* P.S.4?
Schaetzungsweise zwei Drittel bzw. drei Viertel der
Maenner und Frauen, die augenblicklich Alterspensionen beziehen, sind arbeitsunfaehig. Die meisten von ihnen haben
fuer immer aufgehoert zu arbeiten. Einige von ihnen koennen
jedoch arbeiten und arbeiten nach'ihrer Pensionierung auch in
Berufen, die nicht so grosse Ansprueche wie ihre ursprünglichen Berufe an sie stellten. Zweifellos koennten noch mehr
arbeiten, wenn Arbeitsplaetze vorhanden waeren, die ihrer begrenzten Arbeitsfaehigkeit entspraechen.
Dieses geschaetzte Ausmass der Arbeitsunfaehigkeit unter
allen aelteren Pensionsempfaengern in den Vereinigten Staaten
bezieht sich auf die gegenwaertige, im Verhaeltnis als Vollbeschaeftigungsperiode anzusprechende Situation. Bei einem
Arbeitsmarkt, der fuer die Beschaeftigung aelterer Leute weniger guenstig waere, waere der Prozentsatz der Arbeitsunfaehigkeit niedriger als diese Schaetzung, weil mehr koerperlich arbeitsfaehige Personen von 65 Jahren und darueber untaetig waeren
und Altersrenten beziehen wuerden.
Der Begriff der Arbeitsunfaehigkeit ist natuerlich relativ,
und der geschaetzte Prozentsatz der arbeitsunfaehigen Rentenempfaenger haengt davon ab,wie man diesen Begriff definiert.
Bei der zugrundeliegenden Schaetzung wurde ein Rentenerapfaenger
als arbeitsunfaehig betrachtet, wenn er nicht in der Lage war,
den Beruf, den er vor seiner Pensionierung susuebte, vollzeitlich weiter zu betreiben.
Die vorliegende Schaetzung stuetzt
sich auf die Aussagen einzelner Altersrentenempfaenger in 20
verschiedenen Staedten. Insgesamt wurden in der Zeit von 1941
bis 194-9 3362 Maenner und 622 Frauen befragt, die in den acl t
Jahren von 1940 bis 1947 die ersten Unterstuetzungen bezöge»;
man wollte feststellen, wie es ihnen nach ihrer Pensionierung
erging. Unter anderem fragte man sie, was sie von ihrem Gesundheitszustand und ihrer Arbeitsfaehigkeit hielten. Die Gebrechen, ueber die sie klagten, und jegliche Beschaeftigung,
die sie in dem der Befragung vorausgehenden Jahr ausgeuebt
haetten, wurden notiert.
In der Auswertung der gesammelten statistischen Unterlagen wurden Rentenempfaenger zuerst gemaess ihrer Meinung
bezueglich ihrer Arbeitsfaehigkeit zur Zeit der Eefragung in
drei Klassen gruppiert. Sodann studierte man die Statistiken
ueber die Beschaeftigung der Rentenempfaenger nach ihrer Pensionierung in jeder einzelnen Klasse und ihren gegenwaertigen Gesundheitszustand*
Bei der Eingruppierung der Rentenempfaenger nach ihrer
Meinung bezueglich ihrer Arbeitsfaehigkeit, bediente man sich
der folgenden Einstufungsraethode:
1. Diejenigen, die sagten, sie koennten vollzeitlich,
d. h. 35 oder mehr Stunden pro Woche, einen Beruf ausueben,
fuer den sie auf Grund ihrer Erfahrungen qualifiziert sind.
2. Diejenigen, die sich fuer vollkommen arbeitsunfaehig
hielten und
3. diejenigen, die erklaerten, sie seien arbeitsfaehig,
jedoch mit der Einschraenkung, dass die Arbeit "leicht" oder nur
"kurzzeitlich sein duerfe.
- 11

�In allen drei Klassen waren auch einige Unterstuetzungsempfaenger, deren Unterstuetzungen fuer einen Monat oder laenger
in dem der Erhebung zugrundeliegenden Jahre wegen ihrer Einkuenfte aus irgendeiner Beschaeftigung gesperrt waren.
Die meisten der Rentenempfaenger, die sich fuer vollzeitlich arheitsfaehig in ihren urspruenglichen Berufen erklaerten,
wenn sie hierzu die Moeglichkeit hatten, waren wahrscheinlich
auch wirklich hierzu in der Lage. So waren zum Beispiel im
Kriegsjahr 1944 89% aller maennlichen, in Ohio wohnhaften uni
in der Erhebung erfassten Rentenempfaenger irgendwie beschaeftigt. Zwei Drittel der Maenner, die sagten, sie koennten vollzeitlich arbeiten, waren das ganze Jahr hindurch auch vollzeitlich erwerbstaetig. Als die Nachfrage nach Arbeitskraeften
jedoch nachliess, war der Prozentsatz der Rentenempfaenger mit
nicht-vollzeitlicher Beschaeftigung. geringer und variierte
zwischen 44 und 72$. in den verschiedenen, in der Erhebung beruecksichtigten Gebieten, weil es fuer aeltere Maenner und
Frauen im allgemeinen schwieriger ist, eine Beschaeftigung in
der Industrie oder im Handel zu finden.
Die meisten Rentenempfaenger, die sich fuer vollkommen
arbeitsunfaehig erklaerten, waren wahrscheinlich krank. Sie
sagten, sie litten an Herzkrankheiten, hohem Blutdruck, Laehmungserscheinungen, Gicht, Blutarmut, Nachlassen der Sehkraft,
Krebs, Nierenerkrankheiten und anderen degenerierenden Alterserscheinunf:en. Einige Maenner, und zwar waren es 1944 bis zu
29 % und in den uebrigen Jahren von 4 - 19 #, hatten irgendeine Beschaeftigung, meist eine Gelegenheitsarbeit. Die Mehrzahl jedoch hatte zur Zeit der Befragung ihren Arbeitsplatz
aufgegeben, und andere waren trotz schwerer gesundheitlicher
Schaeden noch erwerbstaetig.
Aus der Studie ueber ihre Beschaeftigungsziffer waehrend
des Jahres der Erhebung und ueber ihre eigenen Anschauungen in
Bezug- auf ihre Gesundheit kann man die Schlussfolgerung ziehen,
dass alle Rentenempfaenger, die sagten, sie seien arbeitsunfaehig, auch als arbeitsunfaehig anzusehen sind.
Die Rentenempfaenger, die sagten, sie koennten nur kurzzeitlich arbeiten oder eine leichte Arbeit verrichten, setzten
sich aus Maennern und Frauen in einer Vielzahl verschiedener
Situationen zusammen. Mit Ausnahme des Erhebungsjahres 1944
in Ohio, wo der Prozentsatz 70 betrug, hatten weniger als die
Haelfte (32 - 46 %) der Maenner, die erklaerten, nur kurzzeitlich oder leicht arbeiten zu koennen, irgendeine Beschaeftigung. Einige der Rentenempfaenger, die keine Arbeit hatten,
hatten die Hoffnung verloren, einen Arbeitsplatz zu finden und
hielten sich in ihren urspruenglichen Berufen fuer arbeitsunfaehig. Andere dagegen haetten keine vollzeitliche Beschaeftigung uebernehmen koennen, die grosse Kraftanstrengung erfordert haette; einige haetten wahrscheinlich ueberhaupt nicht
arbeiten koennen. aber weil sie erklaerten, "bestimmte Arten
von Arbeit" verrichten zu koennen, wurden sie zu denen gezaehlt,
die Kurzarbeit oder leichte Arbeit uebernehmen koennten.
Die groesste Gruppe unter den Rentenempfaengern in dieser
Kategorie, die irgendeine Arbeit hatten, waren Maenner, - meist
Handarbeiter - die waehrend eines Teils des Jahres der Erhebung
oder auch ununterbrochen in diesem Jahr Beschaeftigungen ausge_
uebt haben, die weniger koerperliche Anstrengungen erforderten
als ihr herkoemmlicher Beruf. Wenige arbeiteten waehrend des
ganzen Jahres in kleinen eigenen Geschaeftsunternehmen. Ein
- 12 -

�alter Mann z. F., der Spritzlackierer in einer Klavierfabrik
gewesen war, zuechtete Hunde waehrend des Jahres der Erhebung.
Einige arbeiteten vollzeitlich in der Industrie, verrichteten
jedoch verhaeltnismaessig leichte Arbeiten. Typisch war ein
frueherer Maler, der als Wachmann beschaeftigt war. Die
meisten dieser Kategorie waren jedoch im Jahre der Erhebung
nur als Gelegenheitsarbeiter taetig; ein frueherer Zimmermann arbeitete gelegentlich privat fuer Familien, und ein
frueherer Arbeiter einer Stahlfabrik leistete Gartenarbeit
fuer seine Nachbarn.
Eine kleine Zahl von Maennern war waehrend eines Teils
des Jahres oder im ranzen Jahr in den herkoemmlichen Beschaeftirunpsarten taetig. Einige von ihnen mussten nach ihrer Wiedereinstellung feststellen, dass die Arbeit fuer sie zu schwer
war. urd sie hoerten wieder auf zu arbeiten. Ein Arbeiter aus
der ftahlindustrie war zum Beispiel acht Monate lang als Arbeiter der gleichen Branche taetig, musste jedoch dann aufhoeren,
weil er die schweren Arbeiten, die man von ihm verlangte, nicht
mehr leisten konnte. Er sagte, er habe Schmerzen in den Beinen,
koenne jedoch leichtere Arbeit verrichten. Andere hatten waehrend des ganzen Jahres gearbeitet, erklaerten aber den mit der
Erhebung Beauftragten, sie koennten nicht mehr laenger durchhalten. Wenige machten den Eindruck, auch weiterhin vollzeitlich in ihren urspruenglichen Berufen taetig sein zu koennen.
Ein bestimmter Prozentsatz derjenigen Rentenempfaenger,
die unter bestimmten Einschraenkungen hinsichtlich ihrer Arbeitsfaehigkeit erklaert hatten, eine Beschaeftigung ausueben zu koennen, duerften zu denen gezaehlt werden, die in dem Sinne arbeitsunfaehig waren, dass sie nicht ihre urspruenglichen Berufe ausueben konnten. Vorsichtig geschaetzt wuerde es sich dabei um
die Haelfte dieser Kategorie handeln.
Wenn man der Zahl der total arbeitsunfaehigen Rentner die
Haelfte derer hinzuzaehlt, die sich, fuer bedingt arbeitsfaehig
halten, wuerde man zu einer vorsichtigen Schaetzung der Gesamtzahl derer kommen, die wahrscheinlich fuer eine vollzeitliche
Beschaeftigung in ihren herkoemmlichen Ferufen untauglich sind.
In Boston (Erhebungsjahr 1946) und in PhiladelphiaFaltimore (194-9) gab es mehr arbeit sunfaehige Rentenempfaenger
als In den uebrigen in der Erhebung beruecksichtigten Gebieten,
was vor allem darauf zurueckzufuehren-ist, dass die in diesen
beiden Gebieten Befragten schon laenger Renten bezogen (1 bis
6 bzw. 1 bis 9 Jahre) als die bei frueheren Erhebungen Befragten, fuer die die Dauer der Unterstuetzungsberechtigung nur
1 bis 3 Jahre betrug. Da diese Erhebungen in Boston und
Bfeltinore juengeren Datums sind und sich auf Rentner erstrecken,
die schon laengere Zeit Renten beziehen, sind die Feststellungen
betreffs der Arbeitsunfaehigkeit in diesen beiden Beispielen
fuer die Gesamtlage in den Vereinigten Staaten vor Inkrafttreten
der Gesetzesaenderungen im Jahre 1950 zweifellos zutreffender
als die d&lt;r frueheren Studien.
Die Beispiele, die den obengenannten Prozentzahlen zugrunde liegen, erstreckten sich auch auf wenige Einzelfaelle,
in denen die Betreffenden waehrend des ganzen Jahres den
Pensionsbestimmungen unterliegende Beschaeftigungen vollzeitlich ausuebten und keine Renten bezogen. Wenn sich die Prozentsaetze auf Faelle beziehen wuerden, in denen nur Rentenempfaenger
beruecksichtigt sind, die waehrend eines Teils des Jahres oder
ununterbrochen Renten bezogen, waeren sie ein wenig hoeher.
Ausserdem konnten annaehernd zwei Prozent der Rentenempfaenger,

- 13 -

�die urspruenglich als Beispiele herausgegriffen waren, wegen
Krankheit nicht befragt werden. Ihre Einbeziehung wuerde
ebenfalls den Prozentsatz der Arbeitsunfaehigen erhoehen.
Bei der Abschaetzung der Arbeitsunfaehigkeitsziffer aller
Altersrentenempfaenger des Landes haben diese Umstaende Berücksichtigung gefunden.
Die in der Gesetzesaenderung von 1950 enthaltenen Bestimmungen, die besagen, dass nach sechs Vierteljahren des
Versichertseins Anspruch auf Rente besteht, haben wahrscheinlich zu einer Erhoehung der Arbeitsunfaehigkeitsquote gefuehrt,
weil unter denen, die frueher keinen Anspruch auf Renten hatten,
jetzt aber unterstuetzungsberechtigt sind, einige kranke Personen sind. Diese Auswirkung auf die Arbeitsunfaehigkeitsquote wird wahrscheinlich nicht durch eine Steigerung der
Pensionsquote koerperlich arbeitsfaehiger Personen aufgehoben,
die durch die Erhoehung der Renten, wie sie auch in der Gesetzesaenderung von 1950 vorgesehen ist, ausgeloest wurde,
weil die Erhoehung der Renten in erster Linie den Zweck hatte,
einen Ausgleich fuer die Steigerung der Lebenshaltungskosten
nach 1939 zu schaffen und nicht die Kaufkraft der Renten zu
erhoehen. Die Altersrenten sind, verglichen mit den Loehnen
noch zu niedrig, um denjenigen, die weiterarbeiten koennen,
Veranlassung zu geben, sich pensionieren zu lassen.
Wenn man alle diese Faktoren in Eetracht zieht, erscheint
es wahrscheinlich, dass zwei Drittel bis drei Viertel der zur
Zeit Altersrenten beziehenden Rentner - Maenner und Frauen
gemeinsam veranlagt - in dem Sinne arbeitsunfaehig sind, dass
sie nicht ihre urspruenglichen Berufe vollzeitlich ausueben
koennen.
Der Prozentsatz der arbeitsunfaehigen Rentenempfaenger
wird mit den Jahren zweifellos groesser werden, weil sich die
durchschnittliche Zeitspanne seit ihrer Pensionierung und damit auch ihr Durchschnittsalter erhoehen. Die Arbeitsunfaehigkeitsquote wird ebenfalls groesser werden, auch wenn die Unternehmer ihre Einstellung in der Frage der Pensionierung
aendern und ihre Arbeitnehmer so lange wie moeglich arbeiten
lassen, weil weniger arbeitsfaehige Personen ihre Beschaeftigung aufgeben werden. Sollte es jedoch zu einer schwierigen
wirtschaftlichen Depression kommen, durch die arbeitsfaehige
Maenner und Frauen von 65 Jahren und darueber von dem Arbeitsmarkt gedraengt und in die Pensionierung gezwungen wuerden,
wuerde die Tendenz einer steigenden Arbeitsunfaehigkeitsquote
der Altersrentenempfaenger ins Gegenteil umschlagen, weil die
Zahl der Rentenempfaenger durch das Hinzukommen arbeitsloser,
noch arbeitsfaehiger Rentner erhoeht wuerde.
Social Security Bulletin
VI/1951
J. L. Rhodes, Bezirksleiter fuer Werbung der AFL:
DIE ORGANISATIONSBESTREBUNGEN DER AFL IM SUEDEN DER U.S.A,
Im Laufe des vergangenen Jahres richteten die Gewerkschaften der Suedstaaten der U.S.A. ihr Hauptaugenmerk auf eine Erhoehung der Loehne. Die Veranlassung hierzu war ein dauerndes
Ansteigen der Lebenshaltungskosten. Die meisten Organisationen
waren hierbei recht erfolgreich, wenn auch in vielen Faellen
die von der Arbeiterschaft erreichte Lohnerhoehung durch ein
weiteres Ansteigen der Lebenshaltungskosten prompt wieder aufgehoben wurde.
14 -

�Die Arbeiter in den Suedstaaten fahren fort, sich Gewerkschaften anzuschliessen and neue Organisationen zu bilden. Das
Zunehmen der Mitgliederzahl der AFL im Sueden ist erstaunlich.
Durch die neuerdings im Sueden gegruendeten neuen Industrien
wurden viele neue Verdienstmoegiichkeiten geschaffen. Wenn auch
keine ernstliche Knappheit an Arbeitskraeften besteht, so machte
sich doch eine Verdichtung des Arbeitsmarktes bemerkbar.
Ein neues Interesse fuer die Gewerkschaftso^ganisation erwachte durch ueberhoehte Preise, zu hohe Mieten und die Unzulaenglichkeit der Loehne fuer nichtorganisierte Arbeiter. Dies
sind die Faktoren, die das Ansteigen der Gesamtmitgliederzahlen
der Gewerkschaften im Sueden trotz Widerstand der Arbeitgeber
und der antigewerkschaftlichen Gesetzgebung beschleunigen.
Der Sueden ist der Bauplatz neuer Atorakraftanlagen geworden, die einen Kostenpunkt von Hunderten von Millionen Dollars
darstellen und nach deren Abschluss Tausende von Arbeitern Beschaeftigung finden werden. Die AFL hat es verstanden, das
Vertrauen der meisten Arbeiter in Oak Ridge zu gewinnen. Zur
Zeit vertritt die AFL drei der Hauptgruppen und mehrere kleinere Gruppen der Atomkraftbetriebe und der damit verbundenen
Eeschaeftigungszweige.
Die Organisation der Farmarbeiter macht in den Zitronenplantagen Floridas und in dem Rio Grande-Tal von Texas gute
Fortschritte. Die Milchfarmarbeiter in Louisiana, Kentucky
und Georgia werden von der Nationalen Gewerkschaft der Fsrraarbeiter organisiert.
Eine hervorragende Organisationskampagne wurde neulich
von der Internationalen Gewerkschaft der Angestellten bei der
"Consolidated Aircraft Corporation" du^chgefuehrt. Aehnllche
Organisationsbestrebungen sind in allen Staaten des Suedens
im Gange.
Die Textilindustrie im Sueden weist die hoechste Zahl an
beschaeftigten Industriearbeitern auf. In diesem Gebiet uebermittelt die Textilarbeitergewerkschaft den Arbeitern laufend
die Werbebotschaften der AFL. Meistens befinden sich die
Textilfabriken in Staaten mit einer drastischen Antigewerkschaftlichen Gesetzgebung. Die Loehne der Textilarbeiter muessten erhoeht und nur durch eine tatkraeftige Arbeiterorganisation koennte
eine Verbesserung der unzulaenglichen Lohntarife erreicht werden.
Die Internationale Chemiearbeiter-Gewerkschaft hat ihr
Betaetigungsfeld im ganzen Sueden. In Oak Ridge hatte sie zu
den AFL Erfolgen beigetragen. Weitere Programme dieser Gewerkschaft werden in Florida, Louisiana und anderen suedlichen
Staaten verfolgt. In allen suedlichen Gegenden konnten viele
Gruppen cer verschiedenen chemischen Industriezweige der
Chemiearbeiter-Gewerkschaft einverleibt werden.
Die Gewerkschaftsbewegung bemu«ht sich dauernd, die Importierung mexikanischer Arbeitskraefte einzuschraenken und zu
kontrollieren. Erschütternde Tatsachen wurden von der von
Praesident Truman eingesetzten Untersuchungsgruppe berichtet.
Hunderttausende von "Grenzgaengern" sind auf Veranlassung gewinnsuechtiger amerikanischer Arbeitgeber diesseits des Rio
Grande in die Vereinigten Staaten gekommen. Durch diesen

- 15 -

�Zustrom mexikanischer Staatsangehoeriger und ihre Bereitwilligkeit, frier erbaermliche Loehne zu arbeiten, wurde die amerikanische Arbeiterschaft gescraedigt. Die Nationale FarmarbeiterGewerkschaft und andere AFL-Gewerkschaften haben gegen die
Untergrabung des amerikanischen Lohnstandards - eine Folge der
Verschwoerung gewisser Arbeitgeber, die Schaffung angemessener
Arbeitsbedingungen zu vereiteln - gekaempft.
Laut den bei den suedlichen Dienststellen der AFL eingelaufenen Berichten soll ein Teil der Unternehmer gewillt sein,
sich mit der Föderation zum Zwecke der Regulierung des Zustroms
mexikanischer Staatsangehoeriger und zur Unterstuetzung der sich
auf illegale Grenzgaenger beziehenden Einwanderungsgesetze zusammenzuschliessen. Es wurde vorgeschlagen, dass diejenigen
Arbeitgeber, die illegal eingewanderte Arbeitnehmer einstellen,
strafrechtlich verfolgt werden sollen.
An alle neuaufgenommen Gewerkschafter werden jetzt Sozialversicherungskarten ausgegeben. Es ist mit allem Nachdruck
darauf hingewiesen worden, dass diese Karten an illegal Eingewanderte nicht ausgegeben werden sollen.
Mexikanern, die illegal in diesem Lande leben, wird es
gestattet, bei den vom Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen durchgefuehrten Repraesentationswahlen ihre Stimme auf derselben
Basis wie amerikanische Buerger abzugeben. Dieser Ausschuss
sollte die Grenzgaenger an der Teilnahme an solchen Wahlen
hindern.
Dies stellt ein aeusserst ernstes Problem dar. Die
Nationale Farmarbeiter-Gew°rkschaft hat durch das Verbreiten
von Berichten ueber diese Zustaende eine grosse erzieherische
Arbeit auf diesem Gebiet geleistet. Die AFL versucht durch
die gesetzgebenden Organe in Washington eine Gesetzgebung zu
erwirken, welche der auf den Zustrom von Grenzgaengern zurueckzilfuehrenden Lohnsenkung Einhalt gebieten soll.
Die AFL-Bewegung im Sueden wird in den kommenden Monaten
auf viel Widerstand stossen. Sie beabsichtigt,ihm mutig zu
begegnen.
The American Federationist
VII/1951

- 16 -

KICCIO £3 i l l g 51 11855 6 II

�Internationale

ARBEITSHITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 33

Frankfurt, 17. Aurust 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Wie lebt man in Moskau?

1

Neue Richtlinien der ECA zur Foerderung der
Produktivitaet

4

Beschaeftigungslage im amerikanischen
Bergbau

5

Amerikanische Gewerkschafter in Frankreich

7

Bodenreform - Ein Schluessel zur wirtschaftlichen Entwicklung

9

Vereinte Kationen beschaeftigen sich mit dem
V/ohn raumprob lern in Asien

13

'.Veitgesundheitsorganisation bekaempft Malaria
in Indien

14

WIE LEBT MAN IN MOSKAU?
George C. Se:.imens, der Autor des folgenden Artikels, hat kuerzlich mit einer englischen Delegation
Russland besucht. In der Londoner sozialistischen
Zeitschrift "Tribüne" berichtet er darueber:
Wie sieht das Leben in Russland im Vergleich zum Leben bei
uns aus? Der staerkste Unterschied ergibt sich wohl im Leben

- 1 -

�der Frauen. In Russland ist fast jede verheiratete Frau gezwungen, arbeiten zu gehen, um mitzuhelfen, das Haushaltsgeld
auszugleichen - ausser natuerlich, wenn ihr Mann in der giuecklichen
Lage ist, ein betraechtlich hoeheras Einkommen zu haben als der
Durchschnitt. Darin, so erklaerten uns unsere russischen Fuehrer,
bestehe die Emanzipation der Frauen; sie haetten es gern, arbeiten zu gehen und wirtschaftlich unabh&amp;engig zu sein. Um Muetter
in den Stand zu setzen, arbeiten zu gehen, werden die Kinder, sobald sie nur einige Wochen alt sind, in Krippen und Kindergaerten
geschickt.
Wenige Frauen leisten qualifizierte Arbeit. Die meisten sind
mit verhaeltnismaessig unqualifizierter Arbeit beschaeftigt, wie
zum Beispiel Strassenkehren, Auf- und Abladen von Lastautos, Erdarbeiten - "alles", so sagte man uns, "ausser der allerschwersten
Arbeit". Tatsaechlich scheint fast die ganze unqualifizierte Arbeit von Frauen geleistet zu werden. Sie erhalten bei gleicher
Beschaeftigung die gleiche Bezahlung w"le Maenner, aber da sie gewoehnlich die minderqualifizierten Arbeiten verrichten, sind ihre
Durchschnittsloehne niedriger als die der Maenner.
' Wir versucnten wiederholt, die Koehe der Loehne festzustellen, aber es war unmoeglich, genaue Statistiken oder auch nur eine
verlaessliche Schaetzung der durchschnittlichen Lohnhoehe zu erhalten. Wir-konnten jedoch feststellen, dass die Unterschiede
zwischen den einzelnen Loehnen und Einkommen phantastisch hoch
sind fuer ein Land, das behauptet, sozialistisch zu sein. Die
meisten Leute, die wir fragten, sagten, der Durchschnittslohn
mache ungefaehr 900 Rubel aus, waehrend das Familieneinkommen, wegen des niedrigeren Verdienstes der Frau, ungefaehr 1600 Rubel betraep-t. Dies-e Schaetzung ist wahrscheinlich ein wenig zu optimistisch, da sie auf die sehr grosse Zahl der unqualifizierten
Arbeiter nicht Bedacht nimmt.
Eine Krankenschwester verdient ungefaehr 400 Rubel im Monat
bei einer Arbeitswoche von sechs Tagen zu sechs Stunden. Wenn
sie die Zahl der Arbeitsstunden verdoppelt, erhaelt sie auch den
doppelten Lohn. Ein Arzt erhaelt waenrend der ersten fuenf Jahre
nur 600 Rubel und selbst nach 20 Jahren nur 1200, ausser er spezialisiert sich und erwirbt zusaetzliche Qualifikationen. Nach
30 Dienstjahren bekommt er jedoch eine Pension von 40 Prozent
seines Gehaltes und zusaetzlich auch noch das Gehalt, wenn er
weiterarbeiten will.
Die Bezahlung eines Lehrers haengt von der Art der Schule
ab. Er erzielt ein Hoechsteinkommen von 1500 Rubel pro Monat in
den hoechsten Schultypen und moeglicherweise weniger als 1000
Rubel in einer Volksschule. Nach 25 Jahren erhaelt auch er eine
Pension von 40 Prozent. Auch er kann sein Einkommen verdoppeln,
wenn er doppelte Schichten arbeitet. In Moskau zum Beispiel
werden die meisten Schulen infolge des Mangels an Schulgebaeuden
nach einem Zweischichtensystem betrieben. Ein Bergarbeiter
erhaelt einen Grundlohn von 1000 Rubel im Monat. Ist er ein
Stachanow-Arbeiter, kann er bis zu 6000 Rubel verdienen. Das
hoechste Gehalt, das wir feststellten, bezog ein Spezialist,
Professor der Medizin, der 12.000 Rubel im Monat erhielt - dreissie
mal soviel wie eine Krankenschwester.
Es war nicht leicht fuer uns, ausfindig zu machen, wieviel
und wie gut die gawoehnlichen Leute essen, da wir immer in den
besten Hotels und Restaurants verpflegt wurden. Nur einmal nahmen
wir eine Mahlzeit ein, die auch die Studenten der Anstalt, die wir
besuchten, erhielten. Von den Preisen, die wir in den Geschaeften
sahen, aufgrund der Tatsache, dass es keine Rationierung gibt,
und auch von dem, was uns die Leute ueber ihre Essgewohnheiten

- 2 -

�erzaehlten, empfingen wir den Eindruck, dass die meisten Russen wahrscheinlich etwas mehr essen als wir, aber dass sie ein
gutes Stueck mehr als die Haelfte des gesamten Familieneinkommens fuer Lebensmittel ausgeben muessen.
Die Kleidung, die man in den Strassen sieht, ist im allgemeinen dunkler und schaebiger als bei uns. Alle Maenner tragen
Anzuege, gewoehnlich dunkle. Kleidungsstuecke wie Sportsakkos
oder rauhe Stoffe wie Tweed sind unbekannt. Ja zwei von uns,
die Harris-Tweed-Sakkos trugen, wurden wiederholt gefragt, wie
sie denn solche schlechte Kleider tragen koennten.' Harris
Tweed ist bekanntlich ein besonders ruter, dicker englischer
Stoff. Auch die Kleidung der Frauen ist etwas farblos, die Roekke sind gewoehnlich kurz und wenige Frauen schminken sich. Stoffe guter 4ualitaet und gutgeschnittsne Kleider sind vorhanden,
aber teuer. Anderseits koennen Stoffe schlechter ^ualitaet und
Kleider, die schlechter sind als jene, die man normalerweise in
England sieht, ziemlich billig gekauft werden.
Viele Konsumgueter, wie zum Beispiel Hausnaitungss-egenstaende, Schreibmaterialien, Buecher und so weiter, sind leicht zu
haben. Andere notwendige Artikel sind jedoch sehr kna^p. So
sahen wir zum Beispiel eine lange Schlange von Frauen, die sich
nach Zwirn anstellten, und hoerten auch eine lebhafte Auseinandersetzung, als Frauen, die sich um Leinentaschentuecher angestellt hatten, nichts mehr erhielten, weil der Vorrat ausverkauft war.
Kinderwagen, Fahrraeder und I.!otorraeder sind in den Strassen
kaum zu sehen. Zwar gibt es genug Autos in L.'oskau und in anderen Staedten, die wir besuchten, aber die meisten gehoeren
oeffentlichen Organisationen. In ganz Moskau gibt es nicht mehr
als zehntausend Autos in Privatbesitz. Auf einer Kollektivfarn
bei Suchumi an der Kueste des Schwarzen Meeres fanden wir jedoch,
dass 35 der insgesamt 415 Familien im letzten Jahr ein Auto gekauft hatten.
Offiziell gibt es keine Arbeitslosigkeit und jeder Buerger
hat Anspruch auf einen Posten. Aber trotzdem Rahen wir eine Anzahl von Bettlern, meist Kruepnel, und auch ein Kind, die neben
der Kasse eines Geschaeftes im Zentrum Moskaus um Kleingeld bettelten. Krueppel gibt es, wie man verstehen wird, sehr viele,
waehrend man kaum jemals Prothesen sieht.
Wir waren besonders bepierig, .etwas von den Wohnverhaeltnissen zu sehen zu bekommen. Aber obwohl wir im europeeischen Russland an die 6000 Kilometer herumfuhren, war unser Aufenthalt
ueberall so kurz, dass wir kaum eine Moeglichkeit hatten, Wohnunge
zu besichtigen. Die einzige Ausnahme war Moskau, wo ich zwoelf
Tare verbrachte. Dort sind die Y.'ohnverhaeltnisse entsetzlich.
Und doch erklaerten uns unsere Fuehrer, als wir durch die aer^sten
Elendsviertel gingen, die wir jemals gesehen hatten, dass Koskau
die einzige Hauptstadt der 'Veit sei, in der es keine 31 ums gebe.'
Im Zentrum Moskaus lebt man normalerweise in grossen Wohnbauten. Die meisten dieser Wohnblocks sind arg vernachlaessirt,
viele von ihnen feucht und gewoehnlich schlecht eingerichtet. Die
Waende sehen aus, als ob sie seit Jahren keine Farbe mehr gesehen
haetten; der L'oertel faellt ab. Auch kleinere Cebaeudo, die es
gibt, befinden sich in einem unmoeg-lichen Zustand. Alte Kirchen,
die nicht mehr fuer ihren ursoruenflichen Zweck verwendet werden,
werden fuer Wohnzwecke benutzt.
In den Vororten Moskaus, und im geringeren Ausmass auch im

�Zentrum, gibt es Blockhaeuser aus Holz, die mit Lloertel beworfen sind. Biese Blockhaeuser bestehen gewoehnlich aus
zwei Raeumen und besitzen fast nie eine entsprechende Fundierung, so dass sie 3ich meistens senken. Ihre Tueren und
Fensterrahmen sind kaum jemals rechteckig und passen daher
auch nicht.
Diese Wohnstaetten sind nicht nur schlecht, sie sind auch
ueberfuellt in einem Ausmass, das wir uns nicht vorstellen
koennen. Kaeuser und Wohnungen haben fuer den Brieftraerrer
eine Liste der Bewohner an den Tueren angebracht. Viele der
kleinen Blockhaeuser, die wir sahen, zeigten lange Listen mit
Namen, und zumindest einige dieser Namen muessen fuer ganze
Familien gestanden sein. 3s ist natuerlich keineswegs ueberraschend, dass die Verhaeltnisse so schlecht sind, denn das
Wohnungsproblem war bereits vor dem Krieg sehr ernst, und seither hat sich die Zahl der Bevoelkerung Moskaus zumindest verdoppelt. Die Zahl der Neubauten in Moskau ist, selbst nach den
optimistischesten angaben, die wir erhielten, betraechtlich
weniger als die Kaelfte der Neubauten Londons, umgerechnet auf
den Kopf der Bevoelkerung.
.Ich war als Kind vor 23 Jahren in Moskau und kann mich an
einiges erinnern. Zweifellos ist seither ein grosser Fortschritt gemacht worden. Alle Hauptstrassen sind nun breit angelegt und asphaltiert. Der Verkehr ist dicht. Die oeffentlichen
Verkehrseinrichtungen, die hoffnungslos unzureichend waren,
scheinen nun recht gut zu funktionieren. Ueberall sieht man
grosse, neue oeffentliche Gebaeude. Die Untergrundbahn ist
hoechst eindrucksvoll.
Der Gegensatz zwischen .diesen imposanten neuen Gebaeuden
und den entsetzlichen allgemeinen Wohnverhaeltnissen ist jedoch
enorm. Als wir darueber Fragen stellten, erklaerte man uns,
dass die Untergrundbahn von jedermann benuetzt wuerde und daher
eben grossartig sein muesse, waehrend Wohnungen ja nur einzelnen
Familien dienen. Wir konnten uns aber nicht des Gefuehls erwehren, dass etwas grundlegend falsch sein muss, wenn man mehr
Gewicht auf protzenhafte Aeusserlichkeit legt als auf die Befriedigung normaler menschlicher Befuerfnisse.
LOA Labor Information
VIII/8/51
NEUE RICHTLINIEN DER ECA ZUR FOLRDKRUNG D1£R PRODUKT IV IT ALT.
Die 3GA hat eine Reihe neuer Richtlinien fuer eine "Produktionshilfskamnagne" in Westeuropa ausgearbeitet, die im wesentlichen dazu bestimmt sind, nicht nur die Produktivitaet zu
steigern, sondern auch die daraus entstehenden Gewinne auf die
Arbeiter, Verbraucher und Unternehmer gerecht zu verteilen. Um
ihre Bemuehungen auf einzelne Industriezweige und Betriebe zu
konzentrieren, beabsichtigt die ECA, ihren allgemeinen Kurs zu
aendern und nicht nur wie bisher mit den Regierungen zusammenzuarbeiten, sondern auch einen Verwaltungsapparat zu gruenden,
der die direkte Verbindung mit Gewerkschaften,einzelnen Unternehmen, einzelnen Betriebsleitern, Industrieverbaendenund Gewerkschaf tsfuehrern herstellt.
Zu den besonderen Problemen, mit denen man sich befassen
will, gehoeren die Gedankenlosigkeit auf sozialem und industriellem Gebiet, der mangelnde Ansporn fuer Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Steigerung der Produktionsleistung, gewisse nach- 4 -

�teilige Massnahmen seitens der Kartelle, Berufsvereinigungen,
Geschaeftskollegen und haeufig auch seitens der Regierungen,
nachteilige Massnahmen und Kannfxaethöden der Gewerkschaften,
die sich unter Unistaenden gegen einzelne Arbeiter richten, die
ihre Arbeitsleistung erhoehen wollen, die Befuerchtungen der
Gewerkschaften vor einer Ankurbelung der Produktion und vor
einer dadurch hervorgerufenen Arbeitslosigkeit, der Mangel an
Kapital oder unerschwingliche Zinssaetze, der Mangel an Dollar
zur Anschaffung bestimmter Maschinen und der Mangel an Rohstoffen und Maschinen. Geldmittel der Regierung und der oertlichen
Behoerden sollen unter der Bedingung bewilligt werden, dass
1. damit ein befuerwortetes Programm zur Steigerung der
Produktivitaet in einem Unternehmen verwirklicht werden kann,
damit wichtige militaerische oder Zivilgueter hergestellt werden
koennen oder die Verteilung verbessert werden kann.
£. die Gewinne, die aus der Verbesserung der Produktivitaet entstehen, an die Arbeiter der Betriebe in Form hoeherer
Loehne und in Form niedriger Preise an die Verbraucher gerecht
verteilt werden.
3. die Arbeiter der Betriebe oder Firmen an der Planung
und der Ausfuehrung der Programme zur Steigerung ihrer Produktivitaet freien Anteil nehmen koennen, und dass
4. Kredite nach ihrer Rueckzahlung wieder zur Ankurbelung
der /Wirtschaft verwendet werden.
Diese neuen Richtlinien der EGA werden als Beispiel fuer
die allgemeine Tendenz angesehen, die sowohl in amerikanischen
privaten Finanzkreisen als auch in halboeffentlichen Einrichtungen wie zum Beispiel der "World Bank" herrschen.
Wenn also amerikanisches Kapital ins Ausland geht, soll man
nicht nur pruefen, ob eine Nation Hilfe braucht, sondern auch,
ob sie bereit ist, sich selbst zu helfen, indem sie versucht,
finanzielle und andere Methoden, die in den Vereinigten Staaten
bereits erfolgreich erprobt wurden und sich als vorteilhaft erwiesen haben, anzuwenden.
V/eekly Labor News Digest
VIIT/1/51
BESCHAEFTIGUNGSLAGE IM AMERIKANISCHEN BERGBAU.
Ein Sorgenkind aller Nationen ist die Foerderung ihrer Bergwerke. Selbst wenn sie nicht weitgehend industrialisiert sind,
besteht trotzdem ein bestimmter Bedarf an Energie und Schwermetallen. Sie muessen entweder Mittel und Wege finden, um diesen Bedarf zu decken, oder sie muessen dafuer sorgen, dass sie
genuegend ürbeitskraefte haben, die ihre natuerlichen Hilfsquellen in ausreichender Menge ausbeuten koennen, um den Bedarf des
Landes selbst zu decken und in besonderen Faellen auch den lüxportvernflichtungen nachkommen zu koennen.
Die Vereinigten Staaten gehoeren zu den Laendern, in denen
groessere Mengen an Kohle, Kupfer, Eisenerz, Petroleum, Blei,
Zink, Bauxit und anderen Metallerzen gefoerdert werden. Darueber
hinaus haengt das gesamte Aufruestungsprogramm vom Bergbau ab,
ganz abgesehen von dem normalerweise hohen Verbrauch, der durch
die intensive Industrialisierung und den Export bedingt ist.
Trotz der Notwendigkeit, seit Beginn der Feindseligkeiten in Korea
- 5 -

�die Foerderung wesentlich zu steigern, ist die Beschaeftigtenziffer des Bergbaus tatsaechlich unvereendert geblieben. Die
Zahl der woechentlichen Arbeitsstunden ist dagegen wesentlich
erhoeht worden, wodurch auch das vorhandene Reservoir an Arbeitskraeften ver°;roessert wurde, ohne dass zusaetzliche Arbeiter eingestellt wurden. Der Mangel an Facharbeitern im Erzbergbau hat- sich erneut bemerkbar gemacht, eine Erscheinung, die
auch waehrend des 2. Weltkrieges zu beobachten war.
Wenn zu anderen Zeitpunkten -die Nachfrage nach den Produkten der Bergwerke in ungewoehnlicher Weise anstieg, war es
letzten Endes der Mangel an Arbeitskraeften, der in vielen
Sektionen des amerikanischen Bergbaus ausschlaggebend war. Die
im allgemeinen abgelegene Lage der Bergwerke und die besondere
Art der Arbeit vergroesserten dieses Problem. Bergwerksleiter
koennen in kritischen Zeiten nicht auf bedeutende Reserven an
Arbeitskraeften zurueckgreifen, wie zum Beispiel Frauen, Jugendliche und koerperbehinderte Arbeiter, weil diese füer die schwere
und unangenehme Arbeit in den Bergwerken untauglich sind. Schutzgesetze verbieten die Beschaeftigung von Frauen und Jugendlichen
im Untertagebergbau. Die isolierte Lage der Bergwerke bringt es
auch mit sich, dass die Arbeit in den Bergwerken auf die Stadtbevoelkerung Weniger anziehend wirkt, obwohl die Stundenloehne
fuer Bergarbeiter hoeher sind als fuer Fabrikarbeiter. Eine andere Schwierigkeit besteht darin, dass im Bergbau fachlich geschulte Arbeitskraefte gebraucht werden.
Die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bergleute in der Nachkriegszeit hindert viele Bergarbeiter daran,
dieser Industrie den Ruecken zu kehren, wenn sich andere Beschaeftigungsmoeglichkeiten bieten. Ausserdem sind besondere Wohlfahrtsprogramme eingefuehrt und die aerztliche Betreuung ist verbessert worden. Die betriebseigenen Siedlungen verschwinden immer mehr. Viele Bergarbeiter koennen jetzt in Staedten leben,
weil die Strassen besser sind und viele Arbeiter ihren eigenen
Wagen haben.
Die Mechanisierung hat in der amerikanischen Bergbauindustrie
einen zweifachen Zweck erfuellt. Sie hat die Verdienstmoeglichkeiten der Arbeiter und auch ihre Produktionsleistung gesteigert.
Die Beschaeftigtenziffer im Bergbau betrug 1950 rund 904.000, d.h.
mit anderen Worten, auf 50 Arbeiter in nichtlandwirtschaftlichen
Betrieben kam etwa ein Bergarbeiter. 30 Jahre frueher waren rund
1.£30.000 Personen in den Bergwerken beschaeftigt, d.h. auf 22
Arbeitnehmer in der Industrie und dem Handel kam ein Bergarbeiter.
Unter den jetzigen Verhaeltnissen ist die Wahrscheinlichkeit einer
Spannung auf dem Arbeitsmarkt fuer Bergarbeiter geringer als im
Vergleich zu frueheren Zeiten, wenn ein gesteigerter Bedarf an
Bergwerksprodukten bestand.
Eine Ausnahme in der allgemeinen Aufwaertstendenz des Bergbaus bildet der Kohlenbergbau. Selbst waehrend des 2. Weltkrieges
wurde die Produktion durch den Mangel an Arbeitskraeften nicht wie
in Grossbritannien und anderen Laendern ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen. Eine beachtliche Verlaengerung der Arbeitswoche
im Erz- und Mineralbergbau und in der Steingewinnung verbunden mit
einer geringen Erhoehung der Beschaeftigtenziffer im April. 1951
waren von einer Verlaengerung der Arbeitswoche im Kohlenbergbau
von 43,9 auf 46 Stunden begleitet. Im Gegensatz hierzu wurden betraechtliche Ueberschuesse'an Arbeitskraeften in diesem Fruehjahr
aus zwei Kohlenbergbaugebieten und eine verkuerzte Arbeitswoche in
den Anthrazit- und Braunkohlenbergwerken gemeldet. Verbesserte
Bergwerksmaschinen und die Konkurrenz anderer Brennstoffe waren
fuer diesen Rueckschlag mitverantwortlich. So wurde zum Beispiel

- 6 -

�auf vielen Eisenbahnstrecken die Dampflokomotive durch Dieselmotoren ersetzt, ebenso wurden Taüsende von Yvohnungen mit Oel
oder Erdgas geheizt, die man vor einem ViertelJahrhundert noch
mit Kohle heizte.
In allen Staaten der USA gibt es Beschaeftigungsmoeglichkeiten in Bergwerken, die Haelfte aller Bergarbeiter ist jedoch
auf die Staaten Pennsylvanien,tfest-Virginia,Texas und Kentucky
konzentriert. Die groessten Konzentrationen nach der Art der
Foerderung sind in Pennsylvanien und Y/e st-Virginia vorzufinden,
wo 28 °/o der bituminoesen Kohle abgebaut werden. 35 % der Gesamt foerderung an Rohoel und Erdgas werden in Texas gewonnen.
Durch das Verteidigungsprogramm ist ein Anreiz dazu gegeben,
minderwertige Kupfer- und Eisenerzbergwerke in verschiedenen Gebieten von Michigan, Montana, Minnesota und New York auszubeuten.
Die geeigneten Arbeitskraefte fuer diese Bergwerke ausfindig zu
machen wird fuer Gewerkschaften und Unternehmer ein Problem erstrangiger Bedeutung sein.
Weekly Labor News Digest
VIII/1/51
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTER IN FRANKREICH.
"Der franzoesische Arbeiter braucht mehr Lebensmittel und
mehr Kleider, und die amerikanische Gewerkschaftsbewegung wuerde
es begruessen, wenn er diese bekommen koennte", erklaerte der
Gewerkschaftsfunktionaer Joe Glazer nach seinem kuerzlichen Besuch in Frankreich. Glazer, der Leiter der Bildungsabteilung
der dem CIO angeschlossenen Gewerkschaft der Gummi-, Kork-, Aluminium- und Plastikarbeiter von Amerika, verbrachte auf Ersuchen
der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) einen
Monat in Frankreich, um mit franzoesisehen Gewerkschaften zusammenzuarbeiten.
Er zieht einen Vergleich zwischen den wirtschaftlichen Verhaeltnissen der Arbeiter in Frankreich und denen in Amerika und
stellt dabei fest, dass die franzoesischen Arbeiter der Gummiindustrie bei einer laengeren Arbeitswoche wesentlich weniger
verdienen als ihre Kollegen in den Vereinigten Staaten, dass sie
jedoch die gleichen oder sogar noch hoehere Preise zahlen. Die
einzige Ausnahme ist die Miete, die in Frankreich sehr niedrig
ist. Mach den Worten eines Gewerkschaftsfunktionaers aus
Marseille "lebt der franzoesische Arbeiter von der Hand in den
Mund. Die Familienunterstuetzungen bewahren den verheirateten .
Arbeiter und seine Familie vor dem Kungerdasein. Der Arbeiter
gibt 70 % seines Einkommens fuer Nahrungsmittel aus. Er hat
keine Ersparnisse und keinen finanziellen Rueckhalt."
Nach der Auffassung Glazers ist die Schwaeche der Gewerkschaftsbewegung in Frankreich sowohl Ursache als auch Auswirkung
der unzulaenglichen Lebensverhaeltnisse der Arbeiter. Die
Organisierten sind in drei Gruppen aufgespalten - den kommunistisch beherrschten Gewerkschaftsbund (CGT), den katholischen
Gewerkschaftsbund und die nichtkommunistischen, sozialistisch
orientierten Gewerkschaftsgruppen (CGT - Force Ouvriöre).
Die zahlenmaessige und organisatorische Schwaeche. der franzoesischen Gewerkschaftsbewegung und die beschraenkten finanziellen Mittel der Arbeiter spiegeln sich in der aeusserst schwachen
finanziellen Lage der Gewerkschaften wider und werden durch sie
noch erschwert. "Bei zahlreichen Gewerkschaftsversammlungen sah
- 7 -

�ich die Arbeiter stundenlang auf Baenken ohne Rueckenlehne
sitzen, weil die Gewerkschaft nicht genuegend Geld hat, um
Stuehle zu kaufen," berichtet Glazer. "Ich unterhielt mich
mit Gewerkschaftsfunktionaeren, die Stunden damit verbrachten,
Briefe selbst zu tippen, anstatt draussen in den Ortsgewerkschaften taetig zu sein. Sie hatten jedoch kein Geld, um eine
Sekretaerin einzustellen. Ein Gewerkschaftsfuehrer in dem bedeutendsten Zentrum der Gummiindustrie Clermont-Ferrand erzaehlte mir, dass er seinen kleinen Wagen aufgeben und sich
des Fahrrads bedienen muesse, weil die Gewerkschaft. das notwendige Benzin nicht bezahlen koenne. Und dabei war er fuer
ein grosses Gebiet verantwortlich, und er wurde in seiner Arbeit durch diesen Umstand natuerlich stark behindert. Glazer
ging naeher auf die einzelnen Faktoren ein, die fuer diese Verhaeltnisse verantwortlich sind. Er berichtete, dass die Gewerkschaften sehr wenig Tarifvertraege haetten und die Moeglichkeit der Einziehung des Gewerkschaftsbeitrages durch den Unternehmer ebenso unbekannt sei wie irgendeine vertragsmaessig
festgelegte Bestimmung, nach der die Arbeitnehmer des Betriebs
Gewerkschaftsmitglieder sein muessen. "Es gibt kein organisiertes Beitragszahlungs3ystem und viele, die an die Gewerkschaft
glauben und sich als Gewerkschaftsmitglied fuehlen, haben monatelang keinen Beitrag gezahlt. Ich hatte zahlreiche laengere
Besprechungen mit verschiedenen Gewerkschaftsfuehrern ueber
unser Beitragssystem und seine Arbeitsweise, stellte jedoch fest",
das dieser Gedanke fuer sie voellig neu ist."

s

Die franzoesischen Gewerkschaften sind also, um die Worte
des Gewerkschaftsfuehrers aus Marseille zu gebrauchen - " zu
sehr gespalten und zu schwach, um fuer Dinge zu kaempfen, die
ihnen zustehen." Die Regierung ist entweder nicht bereit oder
schreckt davor zurueck, strenge Preiskontroll- und Steuergesetze zu erlassen, die den Arbeitern helfen koennten. Obwohl
der Marshallplan eine grosse Hilfe bedeutet, ist die wirtschaftliche Lage des franzoesischen Arbeiters schlechter als 1939.
Es ist ein fruchtbarer Naehrboden fuer die Demagogen der Linken naemlich die Kommunisten - und die der Rechten, die Gaullisten.
Beide versprechen eine starke Regierung, und viele ueberdruessige und enttaeuschte Arbeiter folgen ihnen.
Joe Glazer sieht fuer diese kritischen Probleme nur zwei
Loesungen: "Die Anwendung moderner Produktionsmethoden und die
Schaffung einer starken Gewerkschaftsbewegung, damit die Arbeiter den ihnen zustehenden Anteil an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktion erhalten." Der Marshallplan, so betont er,
sei in beiden Richtungen eine grosse Kilfe. Die EGA arbeite
nicht nur an einem umfassenden Programm zur Unterstuetzung der
Steigerung der franzoesischen Praduktivitaet, sondern sie ist
auch staendig bemueht, den franzoesischen Gewerkschaften die
Erfahrungen und Methoden der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung bei der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage .der Arbeiter zu uebermitteln.
Joe Glazer ist nicht der erste amerikanische Gewerkschaftsfuehrer, der nach Frankreich geht, um Betriebe zu besuchen und
mit Gewerkschaftsfuehrern, Betriebsraeten sowie einfachen Gewerkschaftsmitgliedern zusammenzutreffen, Gewerkschaftsfilme zu
zeigen und Gewerkschaftslieder zu singen. Er und die anderen,
die vor ihm in Frankreich waren, unternahmen nach seinen Worten
diese Reise, "um den freien franzoesischen Gewerkschaften durch
Informationen, neue Gedanken und Methoden zu helfen, tatkraeftigere Organisationen aufzubauen." Sie waren aber auch dort, um
mitzuhelfen, bei den franzoesischen Arbeitern ein besseres und
realistischeres Verstaendnis fuer die amerikanische Gewerkschafts- 8-

�bewegung und Amerika selbst zu erwecken. Und da Joe Glazer
seine Beobachtungen, die er ueber die Lage der Gewerkschaften
in Frankreich gemacht hat, seiner Gewerkschaft mitteilt und sich
mit seinen Kollegen hierueber unterhaelt, dient er noch einem
dritten Zweck: er erweckt naemlich bei amerikanischen Gewerkschaftern ein besseres Verstaendnis und Mitgefuehl fuer die Probleme ihrer Arbeitskollegen in der ganzen Welt.
Weekly Labor News Digest
711/25/51
BODENREFORM - EIN SCHLUESSEL ZUR WIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG.
Die Vereinten Nationen haben in Zusammenarbeit mit der
Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft ihre erste weltweite Erhebung ueber Misstaende in der Struktur der Landwirtschaft als eines Hindernisses fuer die wirtschaftliche Entwicklung
beendet. Die Ergebnisse dieser Erhebung werden vom Wirtschaftsund Sozialrat der Vereinten Nationen im August und von der Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft auf deren Konferenz
im November behandelt werden. Man erwartet, dass durch den Bericht,
der auf Ersuchen der Generalversammlung ausgearbeitet wurde,
grosses Interesse fuer die Probleme und die Notwendigkeit der
Landreform in vielen Laendern erweckt wird.
In dem Bericht wird zu Anfang auf die bedeutende Rolle hingewiesen, die landwirtschaftliche Einrichtungen im grossen Rahmen
der landwirtschaftlichen Taetigkeiten spielen. Viele dieser Einrichtungen stellen in ihrer jetzigen Form ein Hindernis fuer die
wirtschaftliche Entwicklung und die Erzeugung von Nahrungsmitteln
dar. Zu den Grunduebeln in der Landwirtschaft gehoeren die Zerstueckelung des Grundbesitzes, die Unsicherheit des Pachtsystems,
die unzureichenden Kreditmoeglichkeiten sowie die Starrheit und
die Ungerechtigkeit des Besteuerungssystems.
Das auf der ganzen Welt am haeufigsten auftretende Problem
in der landwirtschaftlichen Struktur ist die unrentable Groesse
des Grundbesitzes. Nur in verhaeltnismaessig sehr wenig Faellen
entspricht die Groesse des Bauernhofes dem Aufwand an Arbeit, den
Erfordernissen der Bauernfamilien und dem Bedarf eines Landes an
Nahrungsmittelerzeugung. Nach diesen Punkten beurteilt sind die
Bauernhoefe entweder zu klein oder zu gross, hierbei dreht es sich
jedoch nicht nur um die Bodenflaeche. V.'ichtig ist vielmehr, dass
von den Produktionsreserven des Landes groesstmoeglicher Gebrauch
gemacht wird. Ein Bauernhof von einer bestimmten Groesse kann in
einem Land und unter gewissen Verhaeltnissen zu gross und in einem
andern Land unter anderen Verhaeltnissen zu klein sein. In vielen
Laendern, in denen die Bevoelkerungsziffer sehr hoch ist, sind zahlreiche Koefe zu klein, um selbst dem Bauern und seiner Familie ein
Unterhaltsminimum zu sichern.
Die Konzentration des Landbesitzes in grossen Guetern, wie
zum Beispiel in den meisten Teilen Asiens und des Mittleren Ostens,
fuehrt oft dazu, dass Teile grosser Gueter an kleine unabhaenrige
Paechter verpachtet werden. In anderen Gebieten, wie zum Beispiel
in Lateinamerika, sind grosse Hoefe als geschlossene Einheit im
Besitz Einzelner und werden auch als solche bewirtschaftet. Wenn
grosse Gueter in Einzelteilen von kleinen Paechtern bewirtschaftet
werden, stellen uebertrieben hohe und unveraenderliche Pachten die
groessten Schwierigkeiten dar, die der Entwicklung im Wege stehen.
Weitere Hindernisse sind die Unsicherheit der Pacht ohne jedlichen
gesetzlichen Schutz, geringe Bareinnahmen des Paechters, mit denen
er keine Investierungen vornehmen kann, und im allgemeinen der geringe Anreiz, den Ertrag zu steigern und die Einrichtungen zu ver- 9 -

�bessern. Unter diesen Umstaenden werden durch den Grossgrundbesitz nicht jene Vorteile geboten, die bei einer Bewirtschaftung im grossen und durch die entsprechenden Investierungen
moeglich-'sind. Der Landeigentuemer uebernimmt nur einen geringen Teil der Gestehungskosten, waehrend dem Paechter nur ein
geringer Teil jener Gewinne zufliesst, die man sich aufgrund
verbesserter Arbeitsmethoden verspricht.
Bei den grossen Guetern, die al3 geschlossene Einheit bewirtschaftet werden, unterscheidet man Gueter, die in wenig besiedelten Gebieten mit viel Brachland nur oberflaechlich bewirtschaftet werden, und intensiv bearbeite Grundstuecke, die
man in uebersiedelten Gebieten vorfindet, in denen ein Mangel
an geeignetem Ackerboden herrscht. In beiden Faellen werden
der Landbevoelkerung nur. unzufriedenstellende Beschaeftigungsmoeglichkeiten geboten; hierzu kommt ein geringes Verantwortungsbewusstsein und wenig Initiative seitens der Arbeitgeber,
wobei ein sehr niedriges Einkommen die Folge ist. In Lateinamerika ist eine ganze Haelfte des Ackerbodens in Pachtgrundstuecke in einer Groesse von ueber 6.000 Hektar aufgeteilt, die
Eigentumsrechte dieser Grundstuecke sind jedoch auf nur lf %
der Bauern konzentriert. Die grosse l'asse der Landbevoelkerung
setzt sich somit aus kleinen Paechtern und besitzlosen Landarbeitern zusammen. In den meisten Laendern, in denen es schlecht
bewirtschafteten Grossgrundbesitz gibt, entspricht die landwirtschaftliche Erzeugung nicht der notwendigen Erzeugung von Nahrungsmitteln. Nahrungsmittel mit hohem Naehrwert und fuer die Gesundheit wichtige Funktionen sind besonders kanpp. Derartige Wirtschaftssysteme des Grossgrundbesitzes ermoeglichen vielleicht
Wenigen einen grossen Reichtum, aber sie sind im Grossen und Ganzen nicht in der Lage, eine allgemein ausreichende Kaufkraft jenen Leuten zu bieten, die auf dem Lande leben und arbeiten. Die
Konzentration von Grundstuecken auf bestem Ackerboden zwingt
haeufig die Besitzer kleinerer Grundstuecke dazu, aermlichen
Boden an steilen Abhaengen zu bebauen, wo die Gefahr einer Bodenauswaschung sehr gross ist.
Das Plantagensystem ist in Gebieten vorzufinden, die stark
tiberbesiedelt sind. In Westindien zum Beispiel, wo auf einen
Quadratkilometer bebauten Ackerlandes 75 bis 125 Menschen kommen, trifft man meist grosse, nur schlecht ausgenutzte Plantagen
an. Was die Versorgung der schlecht ernaehrten eingeborenen Bevoelkerung betrifft, so wirft ein solches System in allen Faellen
schwierige Probleme auf. Die in den meisten Laendern bestehende
Notwendigkeit, eine gerechtere Verteilung des Gesamteinkommens
und groessere Moeglichkeiten des sozialen Fortkommens zu sichern,
ist mit diesem Plantagensystem unvereinbar. Fast ueberall, wo
das Plantagensystem in der Landwirtscnaft vorherrscht, haben Einfrucht- oder Fruchtwechselsysteme, die auf den Export ausgerichtet
sind, nachteilige Folgen fuer die wirtschaftliche Stabilitaet und
die inlaendische wirtschaftliche Entwicklung.
In engem Zusammenhang mit diesen fundamentalen Misstaenden
in der agrarwirtschaftlichen Struktur der unterentwickelten Gebiete steht die grundlegende Notwendigkeit einer Klaerung der
Besitz- und Wasserrechte. Eine Gesetzes Ordnung, die diese Rechte
nicht eindeutig und gerecht bestimmt, ist leistungsfaehigen landwirtschaftlichen Methoden wenig dienlich. Sie fuehrt zu fortgesetzten Streitigkeiten ueber die Besitzrechte, erhaelt die Unsicherheit und foerdert die Vergeudung von Land, Wasser und Arbeitskraeften.
Von den zahlreichen Hilfsmitteln, die die Bauern benoetigen,
um erzeugen zu koennen, ist keines wichtiger als angemessene
- 10 -

�Kreditmoeglichkeiten. Kleine Grundstuecksbesitzer leiden im
allgemeinen unter dem Mangel an Krediten oder unguenstigen
Kreditbedingungen staerker als Grossgrundbesitzer. Eine Ueberpruefung des Kreditsystems der Landwirtschaft in einigen unterentwickelten Gebieten hat gezeigt, dass die Zinssaetze vielerorts unvernuenftig hoch sind. In Indien zahlen Grossgrundbesitzer 12 - 15 jo Zinsen, waehrend die grosse Masse der Schuldner
zwischen 12 und 50 % und manchmal sogar bei Anleihen ohne Sicherheiten bis zu 300 L/o zahlen muss. In vielen anderen Laendern ist
durch uebertriebene Zinssaetze und Mangel an langfristigen Kreditmoeglichkeiten eine weitgehende Verschuldung der Landbevoelkerung hervorgerufen. In vielen Faellen deuten die grossen Schulden der Bauern nicht etwa auf grosse Kapitalanlagen hin, sondern
sie sind dadurch entstanden, dass mit geliehenem Geld der taegliche Verbrauch finanziert werden musste. In Ceylon sind 73 %
der Bauern verschuldet, sodass 90 % der Kredite fuer nichtproduktive Zwecke aufgenommen werden mussten.
Unkluge steuerpolitische Massnahmen hatten verheerende Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Erzeugung. In vielen unterentwickelten Gebieten der Welt besteht ein starres Steuersystem,
das auf einer unzweckmässig ausgewaehlten und nur selten verbesserten
Besteuerungsgrundlage beruht. Eine solche Besteuerung steht in
keinem Verhaeltnis zu dem Stand der Einkommen, vor allem dann,
wenn die Preise sich aendern. Waehrend wirtschaftlicher Depressionen sind die Steuern zu hoch und bei guter Wirtschaftslage zu
niedrig. Unvernuenftig hohe Steuern fuer Kleinbauern, ob sie
direkt oder indirekt erhoben werden, tragen zu einer chronischen
Verschuldung der Landbevoelkerung bei und foerdern die Tendenz,
Hypotheken aufzunehmen und die Grundstuecke an Grossgrundbesitzer
zu verkaufen.
Waehrend es verhaeltnismaessig leicht ist, ueberall die den
agrarwirtschaftlichen Einrichtungen anhaftenden Fehler festzustellen, ist es nicht so einfach, ganz bestimmte Verbesserungen
vorzuschlagen. Die meisten der erwaehnten Probleme sind gegenseitig voneinander abhaengig. Die Wirksamkeit von Reformen
haengt haeufig von gemeinsamen Massnahmer. auf vielen wechselseitig sich ergaenzenden Taetigkeitsgebieten ab. Bestimmte durchfuehrbare Reformen sind verhaeltnismaessig einfache Massnahmen,
die in den meisten Faellen ohne eine grundlegende Veraenderung
de-r wirtschaftlichen und sozialen Struktur der Landwirtschaft angewendet werden koennen. Hierzu gehoeren die Vereinheitlichung
zerstueckelter Grundstuecke einzelner Bauernhoefe, um eine groessere Leistungsfaehigkeit zu gewaehrleisten, die genaue Bestimmung und Registrierung von Besitz- und Wasserrechten, eine Reform
des Steuersystems, um ihm eine gerechtere und geschmeidigere
Grundlage zu geben, die Bereitstellung von langfristigen Krediten
bei angemessenen Zinssaetzen und die Verbesserung des Schulungsund Beratungswesens auf dem Lande. Wenn auch die Durchfuehrung
der Programme dieser Art keineswegs einfach ist, so stehen doch
hier genuegend Erfahrungen zur Verfuegung, die eine gute Gewaehr
dafuer bieten, dass man solche Reformen, wenn sie richtig angepackt werden, mit Erfolg durchfuehren kann.
An vielen Stellen, wo wirtschaftliche und soziale Probleme
am dringendsten sind, werden einschneidendere und schwierigere
Reformen notwendig. Die meisten dieser Reformen erfordern eine
Uebertragung der Besitzrechte von Grundbesitzern auf Bauern. In
den vergangenen Jahrzehnten haben mehrere Laender umfassende Reformen dieser Art verwirklicht. Das Ausmass dieser Umwaelzungen
geht aus der Tatsache hervor, dass zum Beispiel in Indien bis zum
Januar 1950 1.800.000 Hektar (mehr als ein Drittel der gesamten
Anbauflaeche) in den Besitz von Bauern ueberfuehrt wurden, und
- 11 -

�dass drei Millionen Bauern nach.den neuen Gesetzen Land gekauft
hatten. In Mexiko, wo das Pachtsystem in der Zeit von 1922 bis
1945 einer grundlegenden Aenderung unterzogen worden war, ist
nahezu die Haelfte der gesamten Anbauflaeche (sieben Millionen
Hektar) in Kleinbauernbesitz uebercegangen.
Zu diesen Massnahmen, die in verschiedenen Laendern ergriffen
wurden, gehoeren auch die Einfuehrung und UnterstuetzUng der
bäuerlichen Erzeugungs- und Absatzgenossenschaften. In ihnen
ist ein hoeehst bedeutsames Mittel zur Verbesserung des bestehenden Agrarsystems zu sehen. Bestimmte Arten der Bewirtschaftung
auf genossenschaftlicher Basis haben ebenfalls gute Ergebnisse
durch die Foerderung der Schaffung neuer Einrichtungen im Anschluss
an die Bodenreform gezeitigt. Bauerngenossenschaften arbeiten
ueberall dort mit guten Erfolgen, wo die Bodenreform bereits durchgefuehrt ist. Durch Grosseinkauf und zentralisierten Absatz koennen die Genossenschaften ihren Mitgliedern wesentliche finanzielle
Vorteile bieten. Die baeuerlichen Genossenschaften foerdern zugleich die Spezialisierung sowie die Normung und erhoehen damit
die Leistungsfaehigkeit.
Die grundlegendsten Massnahmen, die zur Beseitigung gewisser
Maengel in den Landwirtschaftssystemen angewendet werden, haben
wesentliche Veraenderungen im Umfang und der Art der Erzeugung
zur Folge. In vielen Gebieten, in denen unguenstige Naturbedingungen herrschen, vor allem in solchen mit trockenem oder tropischem Klima, ist es schwer, ohne besondere Unterstuetzung der
Regierung eine Umgestaltung der landwirtschaftlichen Struktur
durchzufuehren, die sich auf kleine unabhaengige Grundstuecke
erstreckt. In solchen Gebieten muessen Bodenreformmassnahmen
Teil eines umfassenden Entwicklungsplanes sein, der in Gestalt
geschlossener regionaler Entwicklungsprogramme, einer grosszuegigen Investierung-, gemeinsamer Bemuehungen zur Ausnutzung von
Land und Wasser, der Bekaempfung der Bodenerosion, grossangelegter Bewaesserungsprojekte sowie der Erweiterung des Transportwesens verwirklicht wird.
In den ueberbevoelkerten Gebieten der Welt koennte das Landwirtschaftssystem auf engraeumige, intensive Bewirtschaftung umgestellt werden, wie zum Beispiel die Baumwollerzeugung. Solche
Massnahmen sind zusammen mit der Bodenreform wichtig, weil die
^volle wirtschaftliche Entwicklung auf breiter Front durchgefuehr-t
'werden muss. Wenn Agrarreformen allein durchgefuehrt werden, ohne
dass auch anderen Sektoren des Wirtschaftssystems Beachtung geschenkt wird, ist es moeglich, dass diese Reformen erfolglos bleiben. Genau so kann man auch nicht erwarten, dass die industrielle
Entwicklung, der in den meisten unterentwickelten Gebieten jetzt
hoechste Aufmerksamkeit geschenkt wird, erfolgreich verlaeuft,
wenn der Lebensstandard der baeuerlichen Bevoelkerung nicht verbessert wird, und wenn' das durch die Industrialisierung zusaetzlich
geschaffene Einkommen auf der anderen Seite durch landwirtschaftliche Pachten und Zinsen absorbiert und nicht zur Steigerung des
Lebensstandards der Landbevoelkerung verwendet wird. Es darf
weiterhin nicht uebersehen werden, dass durch Agrarreformen, die
die Einkommensverteilung aendern und die landwirtschaftliche Erzeugung steigern, eine Ausdehnung der Industrie ermoeglicht wird,
die dann eine zusaetzliche industrielle Kaufkraft erzeugen und
neue eigene Absatzmaerkte schaffen kann. Auf diesem Wege ist die
Reform eines mangelhaften Agrarsystems ein Schluessel zum wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt.
Der Bericht enthaelt am Schluss bestimmte Empfehlungen an Regierungen in solchen Laendern, in denen die agrarpolitischen.Verhaeltnisse "ein Hindernis fuer die wirtschaftliche Entwicklung dar- 12 -

�stellen." Diese Regierungen werden aufgefordert, agrarpolitische Probleme im Lichte ihrer eigenen wirtschaftlichen und
sozialen Ziele zu studieren und sich bei wichtigen Entscheidungen auf gruendliche wissenschaftliche Untersuchungen zu
stuetzen. Es wird ausserdem empföhle», die einschlaegigen
Erfahrungen anderer Laender zu studieren. Den Regierungen
wird die Moeglichkeit vor Augen gefuehrt, sich der Einrichtung
der Vereinten Kationen und ihrer Fachbehoerden zu bedienen,
jedoch nur unter der Bedingung, dass sie bereits selbst Massnahmen in dieser Richtung ergriffen haben und die zur Verfue^ung
stehenden Mittel fuer weitgehendere Plaene der wirtschaftlichen
Entwicklung verwenden.
Economic and Social Problems
in the United Nations
VIII/51
VEREINTE NATIONEN BESCHAEFTIGEN SICH MIT DEM WOHNRAUMPROBLEM IN
ASIEN.
Wie eine Mission von Sachverstaendigen, die vom Sozialrat
der Vereinten Nationen zusammengestellt wurde, vor kurzem berichtete, stellen die "in Asien vorliegenden Verhaelthisse die
schwierigsten Wohnraumprobleme der Walt dar". Die Mission besuchte Indien, Pakistan, Malaya, Singapur und Thailand. Ihr
Bericht enthaelt auch ein Kapital ueber die Philippinen, das von
einem philippinischen Experten ausgearbeitet wurde.
Nach den Schaetzungen der Mission leben 100 bis 150 Millionen asiatischer Familien in ueberbelegten, ungesunden und
schlechten Unterkuenften. Ein grosser Prozentsatz dieser Menschen ist in Wohnungen zusammengepfercht, deren Einzelzimmer
zwei oder noch mehr Familien beherbergen.
Hauptsaechlich in Indien, Pakistan und Malaya ist dieses
Problem zum Teil durch die Millionen von Fluechtlingsfamilien
bedingt, die unter menschenunwuerdisren Bedingungen in behelfsmaessigen Lehmhuetten wohnen. Die Einwohnerzahl von Delhi zum
Beispiel ist in der Zeit von 1947, als die Teilung des Landes
stattfand, bis heute von 800.000 auf 1.600.000 angewachsen, von
denen rund 500.000 Fluechtlinge sind. Aehnlich liegen die Verhaeltnisse in Kalkutta, das 1945 2.500.Q00 Einwohner zaehlte und
heute an die fuenf Millionen hat, von denen rund zwei Millionen
Fluechtlinge sind, die nach 1947 in die Stadt kamen. Auch in
Malaya sind die Verhaeltnisse aehnlich, wo die Zusammenballung
von Menschen in den Staedten waehrend des Krieges noch beschleunigt
wurde, als die Landbevoelkerung vor den auf der malaiischen Halbinsel vordringenden Japanern in die Staedte wie zum Beispiel
Singapur fluechtete.
Aehnlich sind die Probleme auf den"Philippinen. Etwa 80 c/o aller Gebaeude in Manila, von denen ueber die
Haelfte Wohnhaeuser waren, wurden waehrend des Krieges zerstoert
oder beschaedigt.
Die Experten berichten ferner, dass die Verhaeltnisse in den
Doerfern und Landbezirken ebenso schlecht und ungesund sind. 85 %
der Bewohner der besuchten Laender leben auf dem Lande. Die bedeutendste Folgeerscheinung dieser Verhaeltnisse ist die Tatsache,
dass Krankheiten wie Tuberkulose, Cholera und Lungenentzuendung
nicht bekaempft werden koennen.
Die Mission stellte fest, dass ein grosser Teil der Wohnbauund Gemeindeentwicklungsprojekte, die waehrend der letzten zwanzig
Jahre von den staatlichen und lokalen Behoerden versuchsweise durch- 13 -

�gefuehrt wurden, sich als falsch erwiesen und viel Vergeudung,
Verwirrung und Entmutigung verursacht haben. Es gab ein paar
gut ausgearbeitete Projekte zur Verbesserung der Wohnverhaeltnisse in diesen Gebieten, jedoch konnten diese Laender nicht
die Kosten fuer diese Programme bestreiten, deren Verwirklichung
fuer alle schlecht untergebrachten Familien auf dem Lande und
in der Stadt eine wesentliche Verbesserung der Wohnverhaeltnisse bedeutet haette.
Die Mission empfahl unter anderem, dass die Vereinten
Nationen ein Programm internationaler Zusammenarbeit auf dem
Gebiet des Wohnbaus und der Staedte- und Landplanung entwickeln.
Sie brachte hierbei die Auffassung zum Ausdruck, dass sich
internationalen Organisationen eine grossartige Gelegenheit
boete, wirksam fuer die Verbesserung der Wohnverhaeltnisse zu
arbeiten, indem sie ihre Taetigkeit auf Projekte und Programme
konzentrieren, die sich auf das Erziehungswesen, die Volksgesundheit und Hygiene, die Foerderung der Landwirtschaft und der
sozialen Verhaeltnisse auf dem Lande, die Entwicklung von Bewaesserungs- und Stromerzeugungsanlagen und auf die industrielle
Entwicklung erstrecken. Angesichts des grossen Interesses fuer
eine technische Untarstuetzung des Wohnhaus und der Gerne inaeentwicklung, das man in den besuchten Laendern an den Tag gelegt
hat, forderte die Mission die Vereinten Nationen auf, im Zuge
ihres technischen Unterstuetzungsprogramms wirksame Arbeit auf
diesem Gebiet zu leisten.
Aufgrund der Empfehlungen der Mission schlug der Sozialrat
vor, im Rahmen des technischen Unterstuetzungsprogramms der
Vereinten Nationen Ausbildungsinstitute zur Schulung von Bautechnikern und Bauingenieuren in Sued- und Soedostasien zu
errichten und Schulungskurse ueber einfache Baumethoden in die
Srziehungs- und Gemeindeentwicklungsprogramme der Vereinten
Nationen zu uebernehmen, die in den Lehrplaenen bereits vorgesehen sind. Der Sozialrat empfahl ausserdem, dass man sich vor
allem der Vorbereitung besonderer Studien ueber die Wohnbaufinanzierung, den Entwurf von Wohnbauprogrammen und die Staedteplänung widmen solle. Diese Arbeit wuerde in Zusammenarbeit mit
den regionalen Wirtschaftskommissionen der Vereinten Nationen
durchgefuehrt werden - der Wirtschaftskommission fuer Asien und
den Fernen Osten, fuer Lateinamerika und fuer Europa.
Economic and Social Problems
in the United States
VIII/51
WELTGESUNDHEITS ORGANISATI PN 3EKAEMPFT MALARIA IN INDIEN.
Die Malaria, der Weltfeind Nummer Eins der Volksgesundheit,
befaellt alljaehrlich in Indien eine von je vier Personen. Zu
Beginn des Jahres 1949, kurz nachdem die Weltgesundheitsorganisation ihre weltumspannende Attacke gegen diese Krankheit begonnen hatte, bat die indische Regierung die Weltgesundheitsorganisation und den Internationalen Kinderhilfsfonds, vier Arbeitsgruppen zur Verfuegung zu stellen, die in vier verschiedenen Gebieten
Anleitungen zur Bekaempfung dieser Krankheit geben sollten. Die
erste Gruppe begann mit einem Ueberwachungsprogramm in der Provinz Mysore an der Suedwestkueste Indiens. Die kleine Gruppe
setzte sich aus Paul Bierstein, einem amerikanischen Volksgesundheit sexperten, seiner Frau und einigen indischen Fachleuten zusammen. Bierstein- war schon vorher als Mitglied einiger Malariastudiengruppen in Griechenland, Aethiopien und Jugoslawien taetig.
Ein Bericht ueber seine zweijaehrige Arbeit in Mysore beleuchtet

- 14 -

�einige dieser Probleme, die bei der Durchfuehrung seines Gesundheitsprogramms ueberwunden werden mussten und die Dienste,
die den Menschen in Indien damit erwiesen wurden.
Die wichtigste Aufgabe bestand darin, den einheimischen,
auf dem Gebiet der Volksgesundheit Beschaeftigten die modernen
Methoden zur Bekaempfung der Malaria zu zeigen, fuer die Ueberwachung der Krankheit unter moeglichst niedrigem Kostenaufwand
zu sorgen und eine staendige Organisation zu errichten, die
diese Methoden nach Beendigung der Anleitungsperiode selbstaendig anwenden kann.
Die Gruppe arbeitete in einem Gebiet von 70 Quadratkilometern Umfang mit einem grossen landwirtschaftlichen Potential
und einer Bevoelkerung von rund 140.000 Menschen. Die Gemeinden waren in ihrer Groesse sehr verschieden - von kleinsten
Doerfern mit einigen Dutzend Bewohnern bis zu Staedten mit 5.000
bis 25.000 Bewohnern. Oftmals gab es fuer Gemeinden mit 10.000
und mehr Einwohnern keine ortsansaessigen Aerzte, Krankenschwestern oder Krankenhaeuser. In einigen Faellen war der
naechste Ort, an dem aerztliche Hilfe geleistet werden konnte,
40 bis 50 Kilometer entfernt. Die Benachrichtigungsmoeglichkeiten waren sehr duerftig. Sechsmonatige jaehrliche Regenperioden mit einer Niederschlagsmenge von 750 Zentimetern erschwerten nicht nur den Transport, sondern vermehrten auch die
Brutstaetten der malariauebertragenden Moskitos. Viele Doerfer
waren waehrend der Regenperiode ueberhaupt nicht zu erreichen.
Da man den rueckstaendigsten Teil des Staates Mysore zur Durchführung der Aufklaerungskampagne ausgesucht hatte, hatte man
es hauptsaechlich mit aberglaeubischen Menschen ohne jede Schulausbildung zu tun, die noch immer unter dem Kastensystem lebtenUeberbleibsel einer Ordnung, die in den groesseren Staedten
schnell verschwindet.
Eines der Hauptprobleme der Gruppe bestand darin, das Vertrauen der Dorfbewohner zu gewinnen. Diese Aufgabe fiel vor
allem Frau Bierstein und den daenischen Krankenschwestern zu,
die sich der Gruppe spaeter anschlössen und die Vorhut der
daenischen Gesundheitsinspektoren und Arbeitsgruppen bildeten,
die durch Spruehungen den gefaehrlichen Insekten zu Leibe gingen.
Sie belehrten die Landbevoelkerung darueber, wie sie ihre
Wohnungen zum Bespruehen vorbereiten muessen, und wie man Lebensmittel ,und Kleidung behandeln muss. Zuvor hatte die Gruppe
die Grundbegriffe der dortigen Sprache erlernen muessen, um den
Leuten erklaeren zu koennen, dass die Malaria durch eine gewisse
Art Moskitos uebertragen wird. Sie zeigten ihnen, wie malariauebertragende Moskitos aussehen, und wo sich ihre typischen
Brutstaetten befinden. Nach Erledigung dieser Aufgabe gingen
an Ort und Stelle ausgebildete Bekaempfungstruppen daran, die
Innenwaende der Wohnungen und die Verstecke der Moskitos rund um
die Wohnungen zu bespruehen.
Weil gerade Kinder fuer Malaria besonders anfaellig sind,
was durch Unterernaehrung und Lungenerkrankungen noch beguenstigt
wird, widmete man sich ganz besonders Gesundheitsproblemen von
Mutter und Kind. Die Schwestern und Hebammen beschaeftigten sich
besonders mit Schulkindern. Viele Kinder hatten Laeuse, Kraetze
und Hautinfektionen. Man lehrte die Muetter Sauberkeit, baute
Latrinen und zeigte den Kindern, wie man sie in hygienischer
Weise benutzt. Schulbaeder wurden gebaut, wo die Kinder mit Hilfe der Lehrer und Schwestern taeglich badeten. Freiwillige Gruppen lieferten jede Woche saubere und sterile Handtuecher fuer
die Kinder. Bald verschwanden Kraetze und Laeuse. Mit Mangezweigen improvisierte man Zahnbuersten und erklaerte den Kindern,
- 15 -

�wie sie ihre Zaehne outzen muessen. Die Dorfbev;ohner lehrte
man, Seife aus einer fetthaltigen Nuss herzustellen, die in
diesen Gebieten im Ueberfluss gedeiht.
Waehrend des Aufenthaltes der Gruppe in Indien kam es in
diesem Gebiet zu einem epidenieartigen Ausbruch der Pest. Die
Gruppe "stellte sich sofort auf die Bekaempfung der Pest um.
Sineftoche,nachdem sie ihre Flohbekaempfungsaktion mit Spruehmitteln beendet hatte, die genau so ausgefuehrt wird wie die
Bekaempfung der malariauebertragenden Moskitos, wurden keine
weiteren Erkrankungen mehr gemeldet. Die Leute hatten vor der
Pest weit mehr Ang3t als vor der Malaria, sodass sie von dieser
Bekaempfungsaktion der Gruppe noch staerker beeindruckt wurden
als von ihrer Arböit zur Unterdrueckung der Malaria. Die Pestbekaempfungsaktion wurde mit einem Kostenaufwand von 3£ Gents
pro Kopf der Bevoelkerung durchgeführt. Im Staate Mysore
wendet man seitdem die von der Gruppe vorgefuehrten Methoden
zur Pestbekaempfung planmaessig an.
Um die Menschen in diesem Gebiet vor der Malaria zu schuetzen und diese Krankheit tatsaechlich vollkommen auszumerzen,
benoetigt man jaehrlich schaetzungsweise 12 Gents pro Person.
Als die Gruppe in diesem gefaehrlichen Gebiet ankam, stellte
sie fest, dass viele Bauern mitten in der Erntezeit nicht auf
dem Felde waren, sondern malariakrank zu Hause lagen. Als sie
die Gegend verliessen, waren alle Bauern auf dem Felde und
konnten ihre schwere Tagesarbeit verrichten. Die Malaria war
derart zurueckgegangen, dass sie kein Volksgesundheitsproblem
mehr darstellte, und die oertlichen Arbeitsgruppen, die von der
internationalen Studiengruppe ausgebildet wurden, blieben
aeusserst wachsam, um ein V.'iederauf treten der Krankheit zu verhindern. Die Dorfbewohner, fuer die einst die Malaria eine
Begleiterscheinung des taeglichen Lebens war, die generatiunenlang immer sozusagen heimisch war und immer wieder auftrat,
haben heute fast vergessen, dass sie einmal von dieser Krankheit schwer heimgesucht waren. Einer der sichtbaren Beweise
fuer die Veraenderung im Landleben ist die Tatsache, da-~ss die
Arbeiter ihre Tagesarbeit frueher und schneller beenden und nicht
mehr so sehr auf die liilfe ihrer Kinder auf den Feldern angewiesen sind. Dadurch besuchen mehr Kinder die Schule, wo die
Gesundheitserziehungsprogramme von einheimischen, gruendlich
ausgebildeten Schwestern durchgefuehrt werden.
7/enn einmal ein Malariabekaempfungsprorramm angelaufen und
ortsansaessiges Personal zur Fortfuehrung der Arbeit ausgebildet
ist, setzen sich die oertlichen Regierungsstellen mit allen
Mitteln fuer eine Fortsetzung der Malariabekaempfungsprogramme
ein.
Es ist eines der vielen Programme, die von der Veitgesundheitsorganisation und dem Kinderhilfsfonds durchgefuehrt werden
und zur Verwirklichung, eines der Grundziele dieser Organisationen
beitragen: die Volksgesundheitseinrichtungen zu verbessern,
indem man die Menschen zu der Sehnsucht erzieht, in einer gesunden Umgebung zu leben.
Economic and Social Problems
in the United Nations
VIII/51

- 16 HICOO 28 tut 51 18351 « II

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der F mexikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 34

Frankfurt,

24 August 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Zuschlagiahlungssysteme in den Vereinigten
Staaten

1

"Dreiseitige Partnerschaft" - Eine neue
Moeglichkeit zur Loesung von Lohnkonflikten .*

3

Technische Zusammenarbeit mit Lateinamerika

6

Amerikanische Hilfe fuer Europas Arbeiter

8

Amerikanische Wohltaetigkeitsorganisationen
beschaeftigen sich mit der Lage minderbemittelter Familien

10

Bologna - Ein Beispiel fuer den Wiederaufbau
Italiens.

11

AFL fordert Massnahmen zur Kontrolle der
Inflation
'.

12

AFL-Funktionaere fordern intensivere politische
Anteilnalune

13

ZUSCHLAGZAHL1N3SSYSTEME IN DEN VEREINIGTEN STAATEN.

Die 40-stuendige Arbeitswoche und der achtstuendige Arbeitstag sind Beschaeftigungsnormen, die fuer die Mehrzahl der amerikanischen Arbeiter sichergestellt sind. Aufgrund der kurzen Arbeitszeit und des hohen Lebensstandards steht dem amerikanischen
Arbeiter viel Freizelt fuer seine Fortbildung und seine Erholung
zur Verfuegung.
Eingeengte Arbeitsmaerkte und die Erweiterung der Produktion erfordern jedoch eine Beschaeftigung ueber die regulaere

- 1 -

�Arbeitswoche und den Arbeitstag hinaus. Besondere Zuschlagszahlungen werden deshalb an alle laenger arbeitenden Arbeitnehmer geleistet, um sie fuer die Beschwerlichkeiten und Unannehmlichkeiten der Ueberstundenarbeit zu entschaedigen.
Die Entwicklung der Zuschlagszahlungsmethoden und ihre verschiedenartige Anwendung werden in einem Artikel analysiert, der
unter der Ueberschrift "Premium Pay: Analysis of Industrial
Practices" (Zuschlagszahlung: Analyse der industriellen Praxis)
in der Septemberausgabe des vom statistischen Buero des US-Arbeitsministeriums veroeffentlichten "Monthly Labor Review"
erscheint.
Vor dem Zweiten Weltkrieg war es dank des Fortschritts der
gewerkschaftlichen Organisation und der Lohn- und Arbeitsstundengesetzgebung moeglich, das Ausmass der Zuschlagszahlungen zu
erweitern. Das Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen aus dem Jahre
1938 ging in dieser Richtung sehr weit. Die "eineinhalbfache"
Verguetung fuer die Arbeitszeit, die ueber die 40-Stundenwoche
hinaus geleistet wird, wurde fuer die meisten Arbeitnehmer gefordert, die unter die Bestimmungen des Gesetzes fielen. Nach
dem Walsh-Healy Gesetz fuer sogenannte Vertragsfirmen, das im
Jahre 1936 erlassen wurde, erhalten alle Arbeitnehmer, deren
Firmen an bundesstaatlichen Auftraegen arbeiten, Ueberstundenzuschlaege fuer jede Arbeit, die ueber den* achtstuendigen Arbeitstag oder die 40-stuendige Arbeitswoche hinaus geleistet wird.
1941 waren die Bestimmungen ueber Zuschlagszahlungen in der
Mehrzahl der Industrien der Massenproduktion rechtsgueltig.
Ueberstundenzuschlaege fuer jegliche Arbeit ueber 40 Stunden in
der Woche oder ueber acht Stunden am Arbeitstag waren allgemein
ueblich. In Tarifvertraegen wurden ausserdem besondere Zuschlagszahlungen fuer Feiertagsarbeit vorgesehen. Fuer Arbeit an bezahlten Feiertagen wurde der doppelte Lohn gezahlt, waehrend die
Arbeit an nichtbezahlten Feiertagen mit doppeltem oder eineinhalbfachem Lohn verguetet wurde. 1942 waren in der Mehrzahl der
Tarifvertraege Bestimmungen ueber Sonnabend- und Sonntagszuschlaege
in eineinhalbfacher bzw. doppelter Hoehe der normalen Loehne vorzufinden. Eine Ausnahme bildeten lediglich die Industrien, in
denen durchgehend gearbeitet wird.
Waehrend der Jahre 1948 und 1949 war es allgemein ueblich,
Ueberstundenarbeit auf Tagesbasis zu berechnen. Diese Methode
ist auch heute noch im allgemeinen ueblich. Das Prinzip der
woechentlich berechneten Ueberstundenarbeit hat, wenn es in bestimmten Industrien auch heute noch in der Lohnkalkulation angewendet wird, an Bedeutung verloren. Bei beiden Methoden ist die
eineinhalbfache Verguetung der Ueberstundenarbeit gebraeuchlich.
Nur wenige Industrien zahlen Zuschlaege bei weniger als aoht Arbeitsstunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche. In der Bekleidungs-,
Druckerei-, Telefon-, Telegrafen- und Bauholzindustrie beginnt
die Verguetung von Ueberstundenarbeit bereits bei 30 bis 37^stuendiger Arbeitswoche und einem unter acht Stunden liegenden
Arbeitstag.
Auch Bueroangesteilte erhalten bestimmte Zuschlaege fuer
Ueberstundenarbeit. Auch hier ist das Grundgehalt nach der festgesetzten 40-stuendigen Arbeitswoche berechnet, und jede zusaetzliche Arbeitsstunde pro Woche wird mit einem Zuschlag von 50 %
verguetet. Eine Ausnahme bilden die Herstellerindustrien, in
denen die Ueberstundenarbeit auf Tagesbasis berechnet wird.
Die Zuschlagszahlung fuer Arbeit an Sonnabenden, Sonntagen
- 2 -

�und Feiertagen ist verschiedenartig und entspricht den
charakteristischen Unterscheidungsmerkmalen der einzelnen
Industrien. Im allgemeinen ist fuer die Arbeit an Sonnabenden
eine eineinhalbfache Bezahlung vorgesehen. In einigen Tarifvertraegen wird dabei die Bedingung gestellt, dass die Arbeiter
zuvor eine vollstaendige 40-stuendige Arbeitswoche mit fuenf
Arbeitstagen hinter sich gebracht haben. In den meisten Abmachungen ist fuer Sonntagsarbeit eine doppelte Bezahlung vorgesehen. Was andere Feiertage betrifft, so enthalten fast alle
Vertraege Bestimmungen, nach denen sie eingehalten werden, aber
nur 58 &lt;jb der Vertraege sehen eine regulaere Bezahlung der Feiertage vor, an denen nicht gearbeitet wird. Die Arbeit an Feiertagen wird gewoehnlich mit doppeltem Lohn verguetet, in einigen
Faellen wird sogar der zweieinhalbfache und dreifache Lohn
gezahlt.
In Industrien, die durchgehend arbeiten, sind fuer die
zweite und dritte Schicht Stundenlohnzuschlaege von vier bzw.
sechs Cents vorgesehen.
Durch den Zweiten Weltkrieg wurde es notwendig, die durchgehende Schichtarbeit einzufuehren, das Fehlen am Arbeitsplatz
moegli-chst einzuschraenken und die Leistungsfaehigkeit zu steigern.
Um diese Ziele erreichen zu koennen, wurde in einer im Jahre 1942
erlassenen Anordnung, die waehrend des ganzen Krieges gueltig war,
bestimmt, dass jede Ueberstundenarbeit bei mehr als acht Stunden
pro Tag und mehr als 40 Stunden pro Woche und jede Arbeit am
sechsten Tag einer festgesetzten Arbeitswoche mit eineinhalbfachem Lohn verguetet wird. Fuer die Arbeit an sechs Feiertagen
ist der gleiche Zuschlag vorgesehen, fuer die Arbeit am siebten
Tag einer festgesetzten Arbeitswoche wird die doppelte Bezahlung
gewaehrt. Diese Anordnung bedeutet eine Abkehr von der vor dem
Krieg ueblichen Methode, den Zuschlag fuer jegliche Ueberstundenarbeit mit Ausnahme des siebten Arbeitstages in einer Woche auf
50 # des Normallohnes zu beschraenken.
Das gegenwaertige Verteidigungsprogramm in den Vereinigten
Staaten hat sich auf die Frage der Ueberstunden-, Schicht-,
Wochenend- und Feiertagsbezahlung entscheidend ausgewirkt. Von
verschiedenen interessierten Seiten wurde vorgeschlagen, fuer die
Dauer der kritischen Zeit die Ueberstundenbezahlung abzuschaffen.
Charles E. Wilson, der Leiter der Verteidigungsmobilisierung, hat
diesen Standpunkt abgelehnt und sich fuer die Beibehaltung der
Zuschlagszahlungen fuer eine laengere als eine 40-stuendige Arbeitszeit in der Woche mit der Begruendung eingesetzt, dass die
Abschaffung der Ueberstundenzuschlaege ndas Lohnstabilisierungsprogramm und die Wechselbeziehungen in der Industrie im allgemeinen erschuettern wuerde".
Weekly Labor News Digest
VIII/8/51
"DREISEITIGE PARTNERSCHAFT"
L05SUNG VCN LOHNKONFLIKTEN7

-

EINE NEUE MPEGLICHKEIT ZUR

Der amerikanische Kongress beschaeftigt sich zurzeit erneut
mit der dreiseitigen Zusammensetzung des amerikanischen Lohnstabilisierungsausschusses, dem Vertreter der Gewerkschaften,
der Unternehmer und der Regierung angehoeren, die die Aufgabe
haben, in kritischen Zeiten eine Lohnstabilisierung herbeizufuehren und vorhandene Streitigkeiten beizulegen. Aus der Zusammensetzung dieses Gremiums hat sich der speziell amerikanische
Ausdruck "Dreiseitige Partnerschaft1* gebildet, der bereits zu

- 3-

�einem feststehenden Begriff auf dem Gebiet der Wechselbeziehungen zwischen diesen drei Partnern geworden ist.
Wingate H. Lucas" (Demokrat, Texas) hat als Mitglied des
Repraesentantenhauses nach mehrwoechigen Untersuchungen eines
Unterausschusses eine Abaenderung des Gesetzes fuer die Verteidigungsproduktion vorgeschlagen, die, wenn sie gebilligt
wuerde, eine einschneidende Veraenderung der Zusammensetzung
des Lohnstabilisierungsausschusses bedeuten wuerde.
Der Ausschuss setzt sich in seiner jetzigen Form aus 18
Mitgliedern zusammen, die das Unternehmertum, die Gewerkschaften
(je drei des CIO und der AFL) und die Regierung paritaetisch vertreten. Die Mitglieder, die nicht die Regierung vertreten
werden von Praesident Truman ernannt, nachdem sie von den Gruppen,
die sie repraesentieren, nominiert wurden. Die Regierungsmitglieder werden von den uebrigen Mitgliedern als "unparteiisch*?
akzeptiert; auch alle uebrigen wichtigen Berufungen in den Lohnstabilisierungsausschuss werden von den Vertretern der beteiligten
Gruppen auf ihre Unparteilichkeit hin geprueft.
Der Lohnstabilisierungsausschuss, der der Verwaltung fuer
wirtschaftliche Stabilisierung untersteht, hat die Aufgabe, Richtlinien zur Lohnstabilisierung auszuarbeiten, diese Richtlinien
zu verwirklichen und die Einhaltung ihrer Bestimmungen durchzusetzen. Er hat ausserdem die Befugnis, Streitigkeiten beizulegen.
Nach der Gesetzesvorlage von Lucas wuerde sich der neue Ausschuss in seiner Mehrheit aus Vertretern der Regierung zusammensetzen. Er haette nicht mehr das Recht, Lohnbestimmungen zu erlassen, sondern seine Taetigkeit bliebe darauf beschraenkt, Richtlinien hierfuer auszuarbeiten und diese dem Administrator fuer die
wirtschaftliche Stabilisierung zu unterbreiten. Eine dritte
wesentliche Veraenderung waere die Beseitigung zumindest eines
grossen Teiles der Schlichtungsbefugnisse des Ausschusses.
Der Vorschlag, im Lohnstabilisierungsausschuss eine klare
Mehrheit der Regierungsmitglieder zu bilden, ist von dem gegenwaertigen Lohnstabilisierungsausschuss mit der Begruendung angegriffen worden, dass damit die dreiseitige Funktion des Ausschüsse" zerstoert wuerde. Die "Dreiseitige Partnerschaft" sei
bestrebt, die demokratischen Werte des freien Tarifverhandlungswesens zu erhalten, soweit dies waehrend einer Krisenperiode
ueberhaupt moe&lt;?:lich sei. Der Lohnstabilisierungsausschuss argumentiert weiter, dass eine der groessten Staerken der amerikanischen Lebensweise die bewiesene Faehigkeit der Gewerkschaften
und Unternehmer ist, ihre Probleme in Zusammenarbeit mit der
Regierung, aber nicht unter der Bevormundung der Regierung zu
loesen.
Wenn es in :ritischer Zeit im Interesse der Oeffentlichkeit
notwendig wird, den Partnern die Befugnis, endgueltige Entscheidungen zu treffen, zu entziehen, so muss die Regierung unter allen
Umstaenden bestrebt sein, jene grundlegenden Werte der Selbstbestimmung, wozu auch das Tarifverhandlungswesen gehoert, in die
Zukunft hinueberzuretten. In einer Krise muss die Regierung ein
echter Treuhaender fuer die Freiheiten der Partner sein. Es ist
deshalb fuer die Regierung erforderlich, so zu handeln, dass nach
Beendigung der Krise diese Freiheiten mit einem Minimum an Schaden
von den Partnern wieder uebernommen werden koennen.
George W. Taylor, der Vorsitzende des LohnstabilisierungsaussGhusses erklaerte, die Gesetzesvorlage von Lucas wuerde der
erfolgreichen dreiseitigen Zusammenarbeit im Ausschuss ein Ende

�bereiten und ihn zu einer "ftegierungsmaschinerie" stempeln.
Eine paritaetische dreiseitige Vertretung der Interessengruppen
im Ausschuss ist jedoch fuer die gute Zusammenarbeit im Stabilisierung sprogramm absolut notwendig.
Das Prinzip der dreiseitigen Partnerschaft ist in kritischen
Zeiten in den Vereinigten Staaten wiederholt angewendet worden.
Es wurde zum erstenmal verwirklicht, als der amerikanische Arbeitsminister waehrend des Ersten Weltkrieges einen dreiseitigen Beratungsausschuss ernannte. Dieses Gremium hatte den Vorschlag
gemacht, die Vereinigten Staaten sollen waehrend ihrer Teilnahme
am Kriege einen dreiseitigen Ausschuss zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und zur Vermeidung von Aussperrungen und Streiks ernennen. Hierauf wurde
die Nationale Arbeitsbehoerde fuer die Kriegszeit gebildet, die
sich aus fuenf Vertretern der Gewerkschaften, fuenf Vertretern
der Unternehmer und zwei Beisitzern als Vertreter der Regierung zusammensetzte.
Auch Praesident Wilsons Nationale Konferenz ueber industrielle
Fragen, die im Jahre 1919 abgehalten wurde, wurde ebenso wie die
nach dem Zweiten Weltkrieg von Praesident Truman einberufene Konferenz aus Vertretern der drei Interessengruppen zusammengestellt.
Es ist Samuel Gompers, dem ersten Vorsitzenden der APL, zuzuschreiben, eine dreiseitige Zusammensetzung der Internationalen Arbeitsorganisation vorgeschlagen zu haben, die mit seiner Unterstuetzung
auf der Friedenskonferenz in Versailles gegruendet wurde.
Der Arbeitsausschuss der Elsenbahnen (1920-1926) war ebenfalls
dreiseitig zusammengesetzt. Nach dem Nationalen Gesetz fuer die
industrielle Wiederaufrichtung war der Nationale Arbeitsausschuss,
der waehrend der ersten Amtsperiode Praesident Roosevelts zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten gegruendet wurde, ebenso wie
mehrere der besonderen Industrieausschuesse dreiseitig ausgerichtet,
die nach dem gleichen Gesetz Ins Leben gerufen wurden.
Waehrend des Zweiten Weltkrieges wurde die Zusammenarbeit der
drei Partner auch in dem Nationalen Schlichtungsausschuss, dem
Nationalen Arbeitsausschuss in der Kriegszelt und dem Nationalen
Lohnstabi11sierungsausschuss verwirklicht. Seit 1945 haben verschiedene Staedte, vor allem Toledo (Ohio), oertliche dreiseitige
Ausschuesse gebildet, um Arbeitsstreitigkelten beizulegen und, was
ihnen auch tatsaechlich gelungen ist, durch Kompromisse zu verhindern. Im ganzen Lande hat sich die dreiseitige Partnerschaft
in den Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern und
vornehmlich auf dem Gebiet der Schiedssprechung in Arbeitsstreitigkeiten eingebuergert und wird sowohl von den Gewerkschaften als
auch von der Industrie befuerwortet.
4

Eine der Befuerchtungen, die in der letzten Zeit In bezug auf
die gegenwaertige Form des Lohnstabilisierungsausschusses laut
wurden, ist von dem Senator Robert A. Taft zum Ausdruck gebracht
worden, der hierbei eine Moeglichkeit sieht, dass die Vertreter
der Gewerkschaften und der Unternehmer eine Koalition bilden und
dadurch die Vertreter der Regierung ueberstimmen koennen. In einer
eingehenden Studie ueber die "dreiseitige Partnerschaft", die Beilegung von Streitigkeiten und die Lohnpolitik waehrend des Zweiten
Weltkrieges stellt dagegen Professor William H. McPherson fest,
dass es bei den Tausenden von Faellen, die waehrend des Zweiten
Weltkrieges von den drei dreiseitigen Ausschuessen zur Beilegung
von Arbeltsstreitigkeiten und Lohnstabilisierung behandelt wurden,
es nur ganz selten zu einer derartigen Koalition gekommen Ist.
In einer Zusammenfassung seiner Feststellung ueber die
— 5—

�"dreiseitige Partnerschaft" waehrend des Zweiten Weltkrieges
kommt McPherson zu der Schlussfolgerung, dass die Beilegung von
Streitigkeiten oder ein Lohnstabllisierungsprogramm von Gewerkschaften und Unternehmern gemeinsam freiwillig akzeptiert oder
gebilligt werden muss, wenn sie Erfolg haben soll. Die dreiseitige Zusammensetzung der Ausschuesse gibt den Gewerkschaften
und den Unternehmern durch die Moeglichkeit, sich der Stimme zu
enthalten, ein echtes Vetorecht, dessen man sich jedoch nur
unter grossen Opfern bedienen kann. Es kann also nur selten angewendet werden. Diese Form der Zusammensetzung der Ausschuesse
traegt ausserdem dazu bei, dass die Vertreter der Regierung fuer
die einzelnen Paelle volles Verstaendnis haben und dadurch als
Vermittler zwischen den beiden Partnern taetig sein koennen und
fuer alle drei Partner annehmbare Beschluesse auszuarbeiten imstande sind.
Obwohl die dreiseitige Form der Ausschuesse durchaus Gefahren
in sich birgt, deren groesste darin besteht, dass die Vertreter
der Regierung durch eine Koalition der beiden anderen Partner
ueberstimmt werden koennten, werden nach der Auffassung McPhersons
die Nachteile und Gefahren dieses Systems durch seine Vorteile bei
weitem aufgewogen.
Weekly Labor News Digest
VII/18/51

TECHNISCHE ZUSAMMEN ARBEIT MIT LATEIN AM ERIKA.

(Auszuege aus einem Bericht, der von Serafino
Romualdi im Namen der AFL der dritten Standford-Konferenz ueber lateinamerikanische Fragen vorgelegt wurde.) .
Lateinamerika als Gesamtheit gehoert zu jenen Gebieten der
Welt, die technische Unterstuetzung brauchen. Diese Unterstuetzung
ist notwendig, um eine Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung und der industriellen Produktion zu ermoeglichen, ohne
die nur geringe oder ueberhaupt keine Aussicht besteht, den Lebensstandard der Bevoelkerung zu verbessern. Lateinamerika verfuegt ueber grosse Reserven an Mineralien und anderen Rohstoffen,
die fuer die freie Welt in ihren Berruehungen, eine wirkungsvolle
Verteidigungsfront gegen jegliche kommunistische Aggression aufzubauen, wesentlich sind. Die Bedeutung Lateinamerikas liegt so
klar auf der Hand und ist dementsprechend anerkannt, dass man sie
nicht weiter zu betonen braucht.
Lateinamerika bietet jedoch bestimmte eigene Probleme, die
durch die politische Unstetigkeit bedingt sind, die man wiederum
Umstaenden zuschreiben muss, die man als chronische Krisen der
Demokratie bezeichnen koennte. Mit wenigen Ausnahmen scheinen die
verfassungsmaessigen Regierungen nicht in der Lage zu sein, sich
der regelmaessig wiederkehrenden Anschlaege militaristischer Gruppen zu erwehren, die in den meisten Faellen gewaltsam die Macht an
sich reissen und, um an der Macht zu bleiben, totalitaere Methoden
einfuehren. Damit werden die produktiven Kraefte der Nation (Arbeitskraefte und Kapital) Zwangsmassnahmen unterworfen, die eine
regelmaessige Entfaltung jedes wirtschaftlichen und sozialen
Fortschritts behindern. Bevor man deshalb mit einem Programm der
technischen Zusammenarbeit in Lateinamerika beginnt, das sowohl
technische Unterstuetzung als auch die notwendige Finanzierung
vorsieht, muesste eine Festigung des demokratischen Regimes ge-

- 6 -

�waehrleistet sein, was nach unserer Auffassung eine unerlaessliche Vorbedingung ist.
Der Beratungsausschuss fuer Internationale Entwicklung
schliesst sich dieser Auffassung an, wenn er feststellt, dass
"Fortschritte am besten in einer wirklich demokratischen Staatsordnung gedeihen", und dass fuer eine "wirtschaftliche Entwicklung nach unseren Begriffen Redefreiheit, wirtschaftliche
Sicherheit, das Recht, vor einem Gericht gehoert zu werden, das
Recht zu arbeiten, das Recht, sich zu organisieren, das Streikrecht und das Wahlrecht selbstverstaendliche Voraussetzungen
sind" - mit anderen Worten, dass ein echtes Klima der politischen
Demokratie herrschen muss, das es Jedem ermoeglicht, an den Angelegenheiten des Staates aktiv Anteil zu nehmen.
Ausser der technischen Unterstuetzung, die in der Lieferung
von Maschinen fuer die Landwirtschaft und die Industrie besteht,
braucht Lateinamerika Kapital. Zwar sind wir der Ansicht, dass
allgemeine Bemuehungen zur besseren Verwendung des Eigenkapitals
der Laender, das zurzeit entweder untaetig oder hauptsaechlich In
spekulativen Unternehmungen investiert Ist, wesentlich zur Behebung des Kapitalmangels beitragen koennten. Aber wir geben auch
zu, dass zur erfolgreichen Durchfuehrung grossangelegter Programme
der technischen Zusammenarbeit die Investierung auslaendischen
Kapitals notwendig ist. Diese Investierung auslaendischen Kapitals,
vor allem von Privatkapital, wirft jedoch eine Reihe von Problemen
auf, die in der In Lateinamerika weitverbreiteten Tendenz wurzeln,
sich, um es mit ihren eigenen Worten zu sagen, von der "finanziellen Abhaengigkeit vom Ausland" freizumachen. Dies ist ein Begriff,
der sich fuer politische Spekulationen und totalitaere Demagogie
besonders eignet, und den Kommunisten und fanatische Nationalisten
senr willkommen heissen und ihn gern fuer propagandistische Zwecke
gegen die Vereinigten Staaten verwenden. Man muss dem jedoch zugutehalten, dass die Methoden und Missbraeuche der Vergangenheit
eine Erklaerung fuer die relativ grosse Popularitaet solcher Sedanken sind. Eine Reihe lateinamerikanischer Regierungen haben
tatsaechlich Gesetze erlassen, die eher gegen als fuer eine
Investierung auslaendischen Privatkapitals in diesen Laendern
sprechen. Natuerlich kann mit der Finanzierung irgendwelcher grossangelegter Programme der technischen Zusammenarbeit in Lateinamerika nicht darauf gewartet werden, dass die gegenwaertigen
Schwierigkeiten zwischen Regierungen und privaten Geldgebern ueberwunden sind. Eine Teilloesung waere, wenn man fuer produktive
Investierungen in Lateinamerika grosse Betraege oeffentlicher Geldmittel In Form von Anleihen bereitstellen koennte, die von den
ueberstaatlichen Finanzeinrichtungen bereitgestellt wuerden. Inzwischen koennte durch Aufklaerung der Oeffentlichkeit und auch
durch neue Verhaltungsverfahren der voraussichtlichen Geldgeber
selbst aller Wahrscheinlichkeit nach der Weg zur Wiederaufnahme
der Privatinvestierung in grossem Masstab und unter Bedingungen
geebnet werden, die fuer beide Teile zufriedenstellend waeren.
Die Regierungen und die Voelker Lateinamerikas muessen sich
darueber im klaren sein, dass auslaendlsche Investoren ein Anrecht
auf positive Garantien in bezug auf angemessene Verzinsung und
Sicherheiten haben muessen. Auslaendlsche Investoren muessen sich
dagegen vergegenwaertigen, dass die Zeiten des willkuerlichen
Unternelimertums, das sich nur von dem Gewinnmotiv leiten und
motivieren Hess, der Vergangenheit angehoeren. Das Kapital muss
sich jetzt den in Aussicht stehenden Gebieten zur Investierung
mit einer neuen Einstellung naehern, die ausser der Erwartung,
rechtmaessige Gewinne zu erzielen, den ueberzeugenden Wunsch enthalten muss, den Menschen zu helfen, einen hoeheren Lebensstandard

7

�zu erreichen. Diese neue fortschrittliche Auffassung muesste
ausserdem den Plan enthalten, den Wirtschaften der kreditaufnehmenden Laender zu helfen, und, wenn moeglich, selbsterhaltend
zu werden und sie von auslaendischer Vormundscnaft voellig freizumachen. Vor allem muessten sie jedoch ihre eigenen Hilfsquellen
dazu verwenden, die Wohlfahrt der Kassen zu verbessern und nicht
die Gewinne Einzelner zu vermehren, damit die demokratische Lebensweise, fuer die das Kapital einen wesentlichen Bestandteil bildet,
in den Augen der notleidenden Menschen unterentwickelter Gebiete
als ihre groesste Hoffnung auf eine bessere Zukunft gerechtfertigt
werden kann.
Inter-American Labor Bulletin
VIII/51

AMBRIKAIIISCHB HILFE FUER EUROPAS ARBEITER.

Im Sommer dieses Jahres haben eine Reihe amerikanischer
Persoenlichkeiten, darunter zwei Kongressausschuesse der Vereinigten Staaten, Europa besucht und sich mit den wirtschaftlichen
Verhaeltnissen dieses Erdteils beschaeftigt. Sie faellten einstimmig das Urteil, dass die ERP-Hilfe nicht bis zu den Arbeitern
vorgedrungen ist. Diese Auffassung kam besonders deutlich in einer
Erklaerung des damaligen stellvertretenden ECA-Administrators zum
Ausdruck, der in Portland (Oregon) sagte: "Es ist eine grausame
Tatsache, dass sowohl franzoesische als auch italienische Unternehmer noch immer dazu neigen, die Arbeiterschaft als eine kompakte
Masse minderwertiger Menschen anzusehen, deren Hoffnung auf ein
besseres Leben in wirtschaftlicher und geistiger Hinsicht ungestraft ignoriert werden kann." Diese bittere Erkenntnis ist verschiedentlich von AFL- und ClO-Sachverstaendigen in Arbeitsfragen
bestaetigt worden, die antikommunistische europaelsche Gewerkschaften
mit Geldmittel und Ratschlaegenunterstuetzt hatten, und die mit der
unveraenderten Einstellung der europaelschen Unternehmer hoechst
unzufrieden sind. Kaiser, der stellvertretende amerikanische Arbeitsminister, erklaerte vor dem amerikanischen Klub in Paris:
"Die Verbesserung des Lebensstandards der Menschen in unterentwickelten Gebieten ist ein wichtiges strategisches Ziel der amerikanischen Aussenpolitik."
Die europaelschen Regierungen haben fuer die sozialen Aspekte
der amerikanischen Aussenpolitik volles Verstaendnis. Sie sind
jedoch noch nicht In die Koepfe der Industriellen eingedrungen, die
immer noch dazu neigen, die Marshallplanhilfe als ein Verfahren der
materiellen Neuinvestierung In Europa zerstoerterGrundstoffindustrien anzusehen. Fuer Frankreich zumindest ist diese Meinung in
gewissem Sinne nicht ueberraschend, weil der groesste Teil der Hilfe seit 1948 ueber Herrn Monnet in die grossen Grundstoffindustrien
geflossen ist, die zum groessten Teil entweder verstaatlicht sind
oder staatlicher Kontrolle unterstehen. (Die wichtigste Ausnahme
bildet die Stahlindustrie). Die zahllosen kleinen Fabriken, in
denen 50 bis 200 Arbeiter beschaeftigt sind, sind vom Monnet-Plan
in seiner bisherigen Form nicht erfasst worden. Da in den Herstellerindustrien die allgemeine Aufmerksamkeit jetzt weniger auf
Investierungen als auf die Produktivitaet gelenkt wird (die zweite
Moeglichkeit zur Steigerung des Sozialproduktes), wird der menschlichen Seite der Produktion, den Wechselbeziehungen in den einzelnen Unternehmen, dem Verantwortungsgefuehl des einzelnen Arbeiter
und den Leistungsloehnen mehr Beachtung geschenkt.
Die wachsende amerikanische Unzufriedenheit mit dem wirtschaft- 8 -

�liehen Fortschritt und den sozialen Verhaeltnissen in den freien
europaeischen Laendern resultiert daher in der Forderung, die
gesteigerte Produktivitaet oder die bessere Verwendung der zur
Verfuegung stehenden Arbeitskraefte und Materialien durch das
Schlagwort "Mehr Waren, billigere Waren, hoehere Loehne" zu
inspirieren. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Verwaltung
fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit beschlossen, in Ueberelnkunft
mit den verschiedenen Regierungen den einzelnen Unternehmen in
den Marshallplan-Laendern eine direkte finanzielle und technische
Hilfe zu leisten. William H. Joyce ist zum stellvertretenden
Administrator fuer Produktionsfragen ernannt worden mit der Aufgabe, die neue Kampagne zu organisieren. Aus Gegenwertfonds des
ERP werden rund 250 Millionen Dollar zur Durchfuehrung dieser
Kampagne bereitgestellt werden. In diesem Programm ist das
romanische Frankreich, ein zur Haelfte agrarisches Land und zur
Haelfte Industriestaat, dabei jedoch zweifellos das Schluesselland.
Das franzoesische Produktivitaetszentruat, das von Lemaresquier
und Griminelli unter der Ueberwachung von Robert Buron, des Wirtschaftsrnlnisters der zurueckgetretenen Regierung, geleitet wird,
hat in der Verbreitung der Produktivitaetspropaganda beachtliches
geleistet. Und nachdem viele franzoesische Vertretergruppen aus
der Industrie die Vereinigten Staaten besucht haben, werden bereits
neue Produktionsmethoden in den Fabriken angewendet. Mit den neuen
Massnahmen, die gegenwaertig von der ECA und franzoesischen Behoerden besprochen werden, will man erstens die Modernisierung der
Betriebe und der Produktionsmethoden beschleunigen und zweitens
die Arbeiter an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktion und
der hoeheren Produktivitaet in den betreffenden Unternehmen direkt
beteiligen. Zu Ende des Monats Juli bildeten die drei nichtkommunistischen Gewerkschaften Force Ouvriere, CFTC und CGC ein
eigenes Produktiv!taetszentrum, das das nationale Produktivitaetszentrum unterstuetzen soll. Es ist daher zu erwarten, dass diese
Gewerkschaften die Vorschlaege zur Neuorganisation franzoesischer
Betriebe, die von amerikanischen Experten auf der Ebene der Betriebsleitung ausgearbeitet werden sollen, mit allen Mitteln unterstuetzen werden.
Diese Spezialisten, die von den Unterabteilungen der amerikanischen Regierung und den grossen Unternelimen in den Vereinigten
Staaten regulaer beschaeftigt werden, gehen wie ein rtirbelsturm
durch eine Industriegruppe. Probleme, wie Kontrolle der Gestehungskosten, Ausgaben, des Vertriebs, der Produktion und anderer betriebswirtschaftlicher Vorgaenge, der Planung und Festsetzung von
Produktionszielen, Verkaufsanteile und Leistungslohnsysteme,
Plaene fuer die Einstufung nach Verdienst, Analyse und Auswertung
der Statistik, Kontrolle der Geschaeftstaetigkeit und alle anderen
finanziellen und sozialen Fragen werden von einem Stab von Personalverwaltern, Inspektoren der Betriebsleitung, Buchhaltern und
Sozialarbeitern geloest. Einzelheiten ueber das neue System sind
noch nicht bekannt. Man rechnet damit, dass amerikanische Betriebsleiter in einige franzoesische Fabriken geschickt werden, um die
letzten N'aencel zu beseitigen, nachdem die Betriebstechniker Ihre
Arbeit beendet haben.
Der springende Punkt der franzoesischen Produktivitaetsfrage
wird die Eelohnung von Unternehmern, die Modernisierungen vornehmen, durch Steuerverguenstigun^en sein. Interne franzoesische
Probleme machen es notwendig, die einzelnen Unternehmen in Irgendeiner Weise vertraglich an die franzoesischen Produktlvitaetsbehoerden zu binden. Der Unternehmer wuerde sich als Ausgleich
fuer die bevorzugte Steuerbehandlung damit einverstnaden erklaeren,
gewisse Verpflichtungen zu uebernehmen. Gleichzeitig wuerde er
- 9 -

�sich aufgrund seines Vertrages wahrscheinlich Anrechte auf
Kredite der ECA erwerben. Es ist offensichtlich, dass derartige Methoden viel zur Beilegung des Klassenkampfes in den
Betrieben selbst unö zur Verbesserung der veralteten Methoden
des Tarifverhandlungswesens beitragen wuerden. Eine solche
Entwicklung waere vor allem im Hinblick auf die neue Gesetzgegung zu begruessen, die, wenn man nach den ersten Eindruecken
urteilen will, nur wenig neue oder positive Merkmale versprechen.
Labor Information
ECA - FYI - 239

AMERIKANISCHE WOHLTAETIGKEITSORGAKISATIONEN BESCKAEFTIC-EN SICH
MIT DER LAGE MINDERBEMITTELTER FAKILIEN.

Ein Bericht der amerikanischen Regierung beschaeftigt sich
mit den Familien, die jaehrlich weniger als 2.000 Dollar verdienen. Der Bericht sieht hinter den rein statistischen Tatsachen die menschlichen Wirklichkeiten und schildert die Verhaeltnisse, unter denen die Menschen leben und ihre Umwelt.
Das Buch enthaelt Tatsachenberichte ueber 100 Familien in
27 verschiedenen Staaten und beschreibt, wie sich einzelne Menschen durchschlagen muessen, um mit 2000 Dollar jaehrlich leben
zu koennen, waehrend die Regierung erklaert, fuer einen Mindestlebensunterhalt braucht man jaehrlich 3.600 Dollar. Es gibt mehr
als 10 Millionen Familien, deren jaehrliches Einkommen unter
2000 Dollar liegt.
Der Eericht ist das Ergebnis einer Studie, die von neun Organisationen auf Ersuchen des Gemeinsamen Komitees fuer die Vorbereitung des Wirtschaftsbericht es durchgefuehrt wurde. Das
Komitee will dieses Tatsachenmaterial als Argumente zur Unterstuetzung seiner Forderungen vor dem Repraesentantenhaus zur
Sprache bringen. Senator John Sparkman (Demokrat, Alabama) hat
um Anschauungsmaterial zur Ergänzung dieser Studien nachgesucht.
Die Feststellungen umfassen 22 Seiten, die Tatsachenberichte 121
Seiten«
Etwa zwei Drittel der befragten Familien waren verschuldet.
Ein Drittel hiervon hatte Arztrechnungen zu bezahlen. Einige
Familien versuchten, das Krankheitsproblem durch den Beitritt zu
irgendwelchen Krankenversicherungen zu loesen, aber die meisten
konnten sich nicht einmal diesen Schutz leisten.
Nur wenige Arbeiter der niedrigen Einkommensgruppe sind
gegen Arbeitslosigkeit versichert. Die Folge davon Ist, dass,
wenn der Ernaehrer krank wird oder sich einen Unfall zuzieht, die
Familie nicht nur seinrn Lohn verliert, sondern gleichzeitig vor
das Problem der Bezahlung der Arztrechnungen gestellt ist. Eine
Reihe Ernaehrer waren Facharbeiter, die woechentlich bis zu 60
Dollar verdienten, deren gesamtes Jahreseinkommen jedoch infolge
Krankheit, unregelmaessiger Beschaeftigung und schlechten Wetters niedriger als 2.000 Dollar war.
Der sroesste Teil der Einkommen wurde fuer Lebensmittel ausgegeben, ob die Familie nun ein oder zehn Kinder h&amp;tte« Selbst
in den kleineren Familien war der Betrag, der fuer Lebensmittel
ausgegeben werden konnte, von der Hoehe der Miete abhaengig.
.Nicht selten traf man Familien mit sieben Personen an, die fuer
zwei Raeurae und ausserhalb des Hauses gelegene Toiletten woechentlich 12 Dollar zahlten. Nur wenige hatten das Glueck, in oeffent- 10 -

�liehen Wohnbauten zu wohnen, in denen die Mieten einigermassen
erschwinglich waren.
In dem Bericht helsst es woertlich: "Wir streiten uns noch
immer in kleinen Staedten und grossen Staedten ueber das Wohnungsproblem, waehrend zahllose Kinder im Schmutz aufwachsen."
Die von den Familien am haeufigsten angewendete Methode zur
Senkung der Kosten fuer die Ernaehrung bestand darin, Fleisch und
Milch, - ausgenommen fuer Saeuglinge - vom Speisezettel zu streichen
und sie durch Kartoffeln und billige Gemuesesorten zu ersetzen.
Neue Kleider waren eine Seltenheit. Die meisten groesseren Kleidungsstuecke wurden gebraucht gekauft.
All diese Dinge - duerftige Ernaehrung, schlechte Wohnungen
und der Mangel an warmen Kleidern - wirkten sich auf den Gesundheitszustand aus. Nur 13 der 100 Familien verfuegten ueber Ersparnisse, und zwar handelte es sich dabei meistens um Gelder,
die aus einer Versicherung oder einer Erbschaft stammen. Diese
Familien hatten das grosse Glueck, dass sie durch keine ernstliche
Krankheit oder einen sonstigen wirtschaftlichen Rueckschlag ihre
Ersparnisse hatten in Anspruch nehmen muessen. Bei einem Viertel
aller befragten Familien lebte der Vater nicht mehr oder hatte seine
Familie verlassen. Ueber die Haelfte der Ernaehrer hatte die Grundschule weniger als acht Jahre besucht, aber fast alle hatten beschlossen, dass ihre Kinder eine bessere Schulausbildung haben
sollten, gleichgueltig, wie stark der Geldbeutel der Familie damit
belastet wuerde.
Die Organisationen, die sich an der Erhebung beteiligten,
waren der Amerikanische Verband der Sozialangestellten, der Vorstand
Juedischer Verbaende und der Wohlfahrtsfonds, die Amerikanische
Vereinigung fuer Familienunterstuetzung, die Siedlungsvereinigung,
die Vereinigung zur Unterstuetzung von Reisenden, die Liga zur
ünterstuetzung der Stadtbevoelkerung, das Komitee fuer Kinderarbeit
sowie die Konferenz Katholischer Wohltaetigkeitsorganisationen und
die Heilsarmee.
Daily News Service
VIII/17/51

BOLOGNA

-

EIN BEISPIEL FUER DEN WIEDERAUFBAU ITALIENS.

Ein Brennpunkt des Transportwesens Italiens ist die norditalienische Stadt Bologna. Am Fusse der Apenninen und am Rande
der grossen norditalienischen Tiefebene gelegen, ist Bologna ein
Schluesselpunkt im Eisenbahnnetz zwischen Nord- und Sueditalien.
Wegen seiner strategischen Lage wurde Bologna waehrend des
2. Weltkrieges schwer bombardiert, und seine Bahnhoefe, die sechs
Hauptlinien aus verschiedenen Richtungen aufnehmen, wurden schwer
beschaedigt.
Heute befindet sich diese Stadt - und mit ihr ganz Italien mit Hilfe des Marshallplanes auf dem Wege zum Wiederaufbau. Der
Hauptbahnhof von Bologna ist mit 2 Kontrollstationen ausgeruestet
worden, die zu den modernsten in Europa zaehlen.
Von diesen Stationen aus wird der Verkehr auf 23 Gleisen
ueberwacht, die sich ueber ein Gebiet von annaehernd 600.000 qm
erstrecken. Die Stationen wurden von den staatlichen italienischen
Elsenbahnen unter Zuhilfenahme von Gegenwert-Fonds der ECA einge-

ll

�richtet, die fuer den Wiederaufbau der Eisenbahnen bereitgestellt
worden waren.
Der Kontrollraum, der 3 Maennern Platz bietet, liegt in der
oberen Etage der Kontrollstation. Seine Einrichtung besteht aus
einer Uhr, einem schwarzen Kontrollbrett aus Kristall und einer
grossen Skala, die mit zahllosen kleinen Knoepfen bedeckt ist.
Mit der Betaetigung eines Knopfes wird ein umfassender
Mechanismus von Kontrolleinrichtungen und Signalen in Bewegung
gesetzt, mit denen die Zuege sicher in den Bahnhof geleitet werden.
Nach dem Bruchteil einer Sekunde bewegt sich in einer Entfernung
von einem Kilometer ein Haltesignal, eine Weiche aendert automatisch
ihre Stellung, und der Zug rollt sicher auf einem der 23 Gleise in
die Stadt Bologna.
700 km elektrischen Drahtes waren zur Verbindung der in den
Kontrollstationen befindlichen Installationen notwendig, die ausgereicht haetten, um eine Verbindung zwischen Turin und Rom herzustellen. Weitere 185 km Draht durchlaufen spinnennetzartig die
unterirdischen Verbindungsrohre zu den Bahnhofsweichen und den
Signalstationen.
Bologna hat den einzigen Bahnhof in Italien, der mit derartigen. Kontrollstationen ausgeruestet Ist. Sie haben wesentlich
zu der zweokmaessigen Arbeitsweise dieses wicntigen italienischen
Eisenbahnknotenpunktes beigetragen.
ECA Labor Information
VII1/8/51

AFL FORDERT MASSNAHMEN ZUR KONTROLLE DER INFLATION. •
Die Kaufkraft des Dollars ist heute nur noch etwas mehr als
halb so hoch wie vor zwoelf Jahren, der amerikanische Lebensstandard ist niedriger als vor-sieben Jahren. Diese Entwicklung
wird sich noch schlimmer auswirken, wenn nicht konkrete Massnahmen zur Kontrolle und zur Verhinderung der Inflation ergriffen
werden.
Dies wird Im monatlichen Wirtschaftsueberblick der AFL zum
Ausdruck gebracht, in dem weiterhin bemerkt wird, dass durch das
neue Gesetz fuer die Verteidigungsproduktion die Preise noch weiter
ansteigen werden. Da von dem jetzigen Kongress kein besseres
Gesetz zu erwarten sei, muesse die Regierung auf schnellstem Wege
andere, gegen die Inflation gerichtete Massnahmen ergreifen.
Um eine weitere Inflation zu verhindern, werden in dem AFLBericht folgende Massnahmen vorgeschlagen:
1. hoehere Steuern, soweit dies durchfuehrbar ist;
2. der verstaerkte Verkauf von Schatzanweisungen der
Regierung an Privatpersonen und weniger an Banken, und
3. strenge Kontrollen der Bankkredite.
Die Verbraucher muessen ausserdem ihre Ersparnisse soweit
wie moeglich erhoehen, und alle Sektoren der Wirtschaft muessen
zusammenarbeiten, um die Produktion von Verkaufsguetern auf dem
hoechstmoeglichen Niveau zu halten.
Die Hauptursache der Inflation Ist ein Mangel^ an Verkaufsguetern zu einer Zeit, in der die Kaufkraft sich erhoeht. Durch
- 12

�Preiskontrollen allein kann die Inflation nicht verhindert werden,
und wenn ihre wahren Ursachen nicht bekaempft werden, koennen
Preiskontrollen niemals wirksam sein, sondern werden einfach zum
Schwarzmarkt fuehren.
Wenn die Preise auch zeitweise unveraendert gehlieben sind,
so ist es doch unvermeidlich, dass sie mit der Steigerung der
Verteidigungsproduktion in die Hoehe gehen, dass die Produktion
ziviler Gueter zurueckgeht und die Verbraucher um die verfuegbaren Verbrauchsgueter regelrecht bitten muessen. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, werden die Verbraucher in dem Bericht aufgefordert, die Preisentwicklungen genau zu verfolgen, keine Waren
zu ueberhoehten Preisen zu kaufen und nur das zu kaufen, was sie
tatsaechlich und unbedingt benoetigen.
"Waehrend die Inflation unser gefaehrlichster Feind im
eigenen Lande ist", faehrt der Bericht fort, "ist der Weltkommunismus unser schlimmster Feind draussen. Wir muessen die
kommunistische Taktik und die Taeuschungsmanoever durchschauen,
furchtlos verhandeln und uns weigern, ueber Grundsaetzlichkeiten
zu feilschen oder ein weiteres kommunistisches Vordringen an
irgendeiner Stelle der Welt zuzulassen. Wir muessen jene ermutigen, die hinter dem Eisernen Vorhang leben und bestrebt sind, sich
von ihren Unterdrueckern freizumachen."
Die militaerische und wirtschaftliche Hilfe fuer Europa muss
nach der Auffassung der AFL fortgesetzt werden, die Westmaechte
muessen an den Kuesten und auf den Inseln des Mittelmeeres Luftund Seestuetzpunkte errichten. Die militaerische Schlagkraft
Japans muss wiederhergestellt und dieses Land nach Unterzeichnung
des Friedensvertrages in den Pazifik-Verteidigungspakt aufgenommen
werden» Die Streitkraefte der Vereinten Nationen muessen in Korea
bleiben, bis dieses Land wieder frei und geeinigt ist»
In dem iranischen Oelkonflikt stellt sich die AFL auf die
Seite Grossbritanniens mit der Begruendung, dass die Perser, die
England beschuldigen, den "Reichtum ihres Landes zu pluendern",
vergessen, dass die technischen Erfahrungen und das Kapital Grossbritanniens erst die Entwicklung der Oelindustrie durch einen
langfristigen Vertrag mit dem Iran ermoeglicht haben, dass Persien
zu einem gewissen Wohlstand gekommen ist.
Die neue Regierung des Irans hat diesen Vertrag gebrochen und
die Anglo-Iranische Oelgesellschaft verstaatlicht. Die AFL ist
der Meinung, dass der Iran seinen Vertrag mit England einhalten
muesse, weil die Respektierung von Vertraegen den Schluessel zu
Vertrauen und zu Sicherheit bildet und das Gesetz und die Ordnung
einer verfassungsmaessigen Regierung auf grundlegenden Vereinbarungen und Vertraegen beruhen, die von der Mehrheit der Buerger
durch ihre gewaehlten Abgeordneten gebilligt sind.
Daily News Service
VI11/17/51

IFL-FUNKTIONAfiRE FORDERN INTENSIVERE POLITISCHE ANTEILNAHME.

Hohe Funktionaere der AFL haben in ihren Botschaften zum
imerikanischen Tag der Arbeit die Notwendigkeit einer intensiveren
&gt;olitischen Betaetigung hervorgehoben.
Der Vorsitzende William Green bemerkte, dass der amerikanische
:ongress beeinflusst wird, "hoeheren Preisen und noch hoeheren Ge-

13

�winnen auf Geheiss der Geschaeftsinteressenten die Tore zu
oeffnen". Die gleiche Koalition Im Kongress, die fuer den Erlasa
des verwerflichen Taft-Hartley-Gesetzes verantwortlich war, hat
sich erneut gegen Gewerkschaften und Verbraucher zusammengeschlossen.
"'Wenn wir unsere politische Betaetigung nicht erweitern und
vervollstaendigen, koennte die Gewerkschaftsbewegung durch eine
nachteilige Gesetzgebung viel von den Erfolgen verlieren, die sie
sich in langen Jahren durch Organisierung, Kampf und TarifVerhandlungen erobern musste."
"Unsere grosse Aufgabe ist es, den Wuergegrlff zu lockern, mit
dem eine reaktionaere Koalition den Kongress zu beherrschen sucht.
Wir muessen 1952 einen wirklich liberalen Kongress waehlen, um die
Interessen der Arbeiter und der Verbraucher unserer Nation zu
wahren. Wir muessen eine Regierung und einen Kongress haben, die
die Beduerfnisse der Menschen respektieren und die Gefahren erkennen, die die freie Welt bedrohen. Wir koennen eine solche Regierung und einen solchen Kongress haben, wenn Jeder wahlberechtigte
Buerger von seinem Wahlrecht Gebrauch macht."
Hauptkassierer George Meany erklaerte, die "Organisierung der
Nichtorganisierten stelle noch immer ein wesentliches Problem fuer
die APL dar." Aber jetzt muessen wir einer neuen Gefahr begegnen.
Wenn auch der "Amerikanische Plan" fehlgeschlagen, der Plan der
Unternehmer misslungen ist, der die Arbeiterschaft in Not und Armut
gestuerzt haette, und wenn es auch nicht zur Verwirklichung der
antigewerkschaftlichen Gesetzgebung gekommen Ist, mit der man die
Gewerkschaften zurueckwerfen und In die Defensive zwingen wollte,
so ist es doch zu dem Erlass des Taft-Hartley Gesetzes gekommen.
Dieses Gesetz hat vieles von dem fertiggebracht, was den Unternehmern zu unserer Zeit niemals vorher gelungen waere.
"Vergesst folgendes nicht: Als die Stimmen ausgezaehlt wurden,
mit denen das Taft-Hartley-Gesetz Im Jahre 1947 angenommen wurde,
waren wir eindeutig unterlegen. Als Praesident Trumans Veto gegen
dieses Gesetz ueberstlmmt wurde, waren wir ebenfalls ohne Zweifel
unterlegen. Das Grosskapital, das durch die Nationale Fabrikantenvereinigung und ihre Puersprecher Im Kongress vertreten ist, erhiell
die erforderlichen Stimmen, nicht wir hatten sie. Wenn wir diese
Situation aendern wollen, gibt es fuer uns meines Wissens nur einen
Weg: Wir muessen die notwendigen Stimmen erhalten."
"In allen Bezirken und in allen Ortsgewerkschaften muessen wir
fuer dieses Ziel arbeiten. Nicht in Washington wird gewaehlt, die
Kongressleute werden draussen im ganzen Lande gewaehlt. Wir muesse:
deshalb auf oertlicher Basis die notwendige Arbeit verrichten."
Charles J. McGowan von der Gewerkschaft der Kessel- und Grobschmiede sagte: "Die Entwicklungen im Kongress und in vielen
Einzelstaaten haben die arbeitende Bevoelkerung gezwungen, sich
auf freiwilliger Basis zusammenzuschliessen, um sich gegen die
Angriffe zu wehren, die auf politischem Gebiet gegen unsere Gewerkschaftsbewegung gefuehrt werden. Wir muessen nicht nur alles
in unserer Macht stehende vollbringen, um unsere wirtschaftliche
Organisation, unsere Gewerkschaft weiter aufzubauen und zu
staerken, sondern wir muessen auch als einzelne Buerger auf freiwilliger Basis mit anderen Gleichgesinnten zusammenarbeiten, damit jene Leute In oeffentliche Aemter gewaehlt werden, die in
Ihrem Herzen an den Wahlspruch "Gott segne Amerika" wirklich glauben und nach ihm auch stets handeln.
AI Hayes von der allamerikanischen Gewerkschaft der Mechanikei
- 14 -

�erklaerte: "Die Feinde des Fortschritts, die durch ihre reichen
und maechtigen "Drahtzieher" Im Kongress arbeiten, wollen, dass
sich unsere Regierung gegen die grosse Masse des Volkes wendet.
Sie versuchen, sie zu einem Hindernis auf dem Wege des Fortschritts umzugestalten. Wenn wir unseren Verpflichtungen uns
selbst und unseren Kindern gegenueber gerecht werden wollen,
muessen wir einen Weg finden, um unserer organisierten Staerke
mehr Binfluss auf die Politik zu geben - der Politik in unserem
Stadtbezirk, in unseren Staedten und Gemeinden und schliesslich
auf die staatliche und nationale Politik. Wenn wir es zulassen,
dass unsere politische Staerke durch Zustaendlgkeitsstreitigkeiten und geringfuegige Meinungsverschiedenheiten aufgespalten
wird, so unterstuetzen wir damit nur unsere Feinde."
Alexander McKeown von der Strumpfarbeitergewerkschaft
erklaerte: "Wir muessen endlich einsehen, dass es verlorene Liebesmuehe ist, einen schlechten Kongress ueberreden zu wollen,
gute Arbeit zu leisten. Wir muessen alle unsere gesamte Energie
dafuer einsetzen, den gegenwaertigen Kongress durch einen besseren
Kongress im Jahre 1952 zu ersetzen."
H.L. Mitchell von der Nationalen Landarbeitergewerkschäft
bemerkte: "Die Gewerkschaftsbewegung muss Ihre gesamten Bemuehungen auf die Vorbereitung der Wahlen im kommenden Jahre
konzentrieren. Das bedeutet, dass sie nicht nur die Gewerkschaftsmitglieder schulen und aufklaeren muss, sondern auch die natuerlichen Verbuendeten der Gewerkschaftsbewegung - die kleinen Bauern,
die kleinen Geschaeftsleute, die Angestellten und die Intellektuellen. Die Koalition der jetzigen gegen die Gewerkschaften eingestellten Kongressabgeordneten hat das fortschrittliche Programm
der Regierung scheitern lassen."
Woodruff Randolph von der allamerikanischen Buchdruckergewerkschaft sagte: "Die Gewerkschaftsbewegung muss den Leuten
nicht nur zeigen, welche Art der Gesetzgebung fuer das Land vorteilhaft ist, sondern muss endlich auch die gegen sie gerichtete
Kritik ueberwinden und als der bessere Berater der gemeinsamen
Interessen der Oeffentlichkeit auftreten."
T. C. Caroll von der Gewerkschaft der Strassenarbeiter vertritt
folgenden Standpunkt: "Die Gewerkschaften muessen bei Ihrer Arbeit
ein wachsames Auge auf die Kongressbeschluesse richten. Dieser
Kongress hat es unterlassen, das Wohl der Lohnverdiener ebenso zu
hueten wie das des Kapitals. Im Kriegsfalle hat sich die Gewerkschaftsbewegung niemals Ihren Verpflichtungen entzogen, dagegen
blueht jetzt bereits das Geschaeft der Kriegsgewinnler. Hiergegen
protestiert die Gewerkschaftsbewegung energisch, waehrend anscheinend gewisse Leute In offiziellen Positionen einfach die Vorhaenge zuziehen, ut die Schuldigen zu verbergen."
W. L. Allen von der Gewerkschaft der Telegrafenarbeiter ist
folgender Meinung: "Unter den 57 % der Wahlberechtigten, die im
vorigen Jahre nicht abgestimmt haben, befanden sich viele Millionen
Lohnempfaenger. Sie haben mit ihren Stimmen die Macht, solche
Leute zu waehlen, die ihre politischen Interessen beruecksichtigen
und darauf achten werden, dass sie ihren gerechten Anteil an den
Fruechten des Fortschritts erhalten. Offensichtlich machen sie
sich keine Gedanken darueber, wer sie vertritt, und legen deshalb
keinen Wert darauf, zu waehlen. Aus diesem Grunde konnten viele
gewerkschaftsfreundliche Senatoren und Abgeordneten fuer das
Repraesentantenhaus 1950 nicht gewaehlt werden. So hat die Arbeiterschaft heute weniger Freunde im Kongress als vor zwei Jahren.
Hieraus erklaert es sich auch, dass das verwerfliche Taft-HartleyGesetz noch Immer in Kraft ist."

- 15 -

�Richard P. Walsh von der Gewerkschaft der Buehnenarbeiter
nahm mit folgenden Worten zu der Frage der politischen Betaetigung
Stellung: "Bei den Wahlen 1948 und 1950 brachte das Grosskapital
eine genuegende Zahl seiner Repraesentanten in Amt und Wuerden,
um uns die Fluegel zu beschneiden. Nun stehen wir vor einem schwerwiegendem Problem, das die Richtigkeit unserer Einstellung beweisen
duerfte. Die hohen Lebenshaltungskosten haben eine allgemeine
Unruhe hervorgerufen. Dieses Mal sollten die Waehler unseren
Argumenten besser Gehoer schenken. Wenn diese Argumente in richtiger und ueberzeugender Weise vorgebracht werden, dann werden die
Leute endlich wach werden und gesetzgebende Koerperschaften waehlen,
die liberal genug sind, um das Problem der Inflation in' der richtigen Weise anzupacken und gute soziale Gesetze zu erlassen. Zugleich
werden sie die schlechten Gesetze, mit denen man die Gewerkschaftsbewegung untergraben wollte, endlich hinwegraeumen."
Lee W. Minton von der Gewerkschaft der Glasflaschenblaeser
sagte: "Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung ist in den vergangenen fuenf Jahren durch eine voreingenommene Gesetzgebung
erschuettert worden. Und doch scheint die grosse Masse der amerikanischen Arbeiterschaft in einem apathischen Zustand zu leben.
Die amerikanische Arbeiterschaft muas schnellstens aktiver werden
und dafuer sorgen, dass Ihre Vertreter Im Kongress und ihre Senatoren ueber ihre Wuensche genau unterrichtet werden. Ich moechte
jeden, der an der Wohlfahrt der gesamten Nation und auch an einer
geordneten Wirtschaft Interessiert ist, auffordern, sich staerker
um die Arbeit der Regierung zu kuemmern, damit der Kurs geaendert
wird."
D. W. Tracy von der Internationalen Gewerkschaft der Elektroarbeiter erklaertei "Wir erwarten am liebsten einen direkten Widerruf des Taft-Hartley Gesetzes, in jedem Falle aber eine fuer die
Gewerkschaften guenstige Abaenderung. Die Gewerkschaftsbewegung
wird sich mit diesem ungerechten Gesetz niemals abfinden und nicht
eher ruhen, als bis es aus unseren Gesetzbuechern verschwunden ist.
Die gesamte Gewerkschaftsbewegung muss sich der Notwendigkeit einer
unaufhoerllchen politischen Betaetigung In ihrem eigenen Interesse
und zum Schutz der Rechte des Arbeiters bewusst sein."
J. H. Lyons von der Gewerkschaft der Ei»«nkonstrukteure aeusser
seine Meinung folgendermassen: "Wir haben einen langen Weg zurueckgelegt und wollen auf die errungenen Erfolge nicht Verzicht leisten,
sondern wir wollen fortfahren, fuer weiteren Fortschritt in unserer
nationalen Wirtschaft zu kaempfen. Das ist das Ziel der Gewerkschaftsbewegung, und es kann nur durch stete gemeinsame Bemuehungen
erreicht werden."
William F. Schnitzler von der Gewerkschaft der Baeckerei- und
Konditoreiarbeiter warnte die Gewerkschaftsbewegung vor einer
"kuenstlich geschaffenen Krise, die man dazu ausnutzen koennte, die
gerechten Forderungen der Gewerkschaftsbewegung abzulehnen."
Lester Washburn von der Automobilarbeitergewerkschaft stellte
fest: "Es gibt keinen besseren Weg, alle amerikanischen Arbeiter
zu schuetzen, als sie alle durch starke, demokratische und finanzkraeftige Gewerkschaften zu vertreten. Der nlchtorganisierte Arbeiter befindet sich heute In einer nicht beneidenswerten und gefaehrlichen Lage. Er braucht eine Gewerkschaft zumindest ebenso
noetig wie die Gewerkschaft Ihn braucht."
Daily News Service
VIII/17/51

16 H1C0O 4 9*pt 51 18338 8 V

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

• IV - 35

Frankfurt, 31. August 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Bereits vor 3100 Jahren wurde gestreikt

1

Die Arbeiter der Tschechoslowakei verweigern
"freiwillige Zusammenarbeit"

3

Die erwerbstaetige Japanerin

5

Britische Gewerkschaften und Kommunismus

7

Wie amerikanische Gewerkschaften finanzschwache
Betriebe unterstuetzen

9

Italien erzeugt Strom mit vulkanischen
Daempfen
t

13

Kommunismus in Burma verliert an Boden

15

US-Baeckergewerkschaft schafft eigenen Unfallverhuetungsfilm

16

BEREITS VOR 5100 JAHREN WURDE GESTREIKT.
Ein Gelehrter der Universitaet Chikago hat einen Streik
buchstaeblich "ausgegraben", der vor etwa 3100 Jahren stattfand.
Es war zurzeit der Eroberung Trojas, als aegyptische Arbeiter, die an der Fertigstellung und Ausschmueckung des Grabmals
des aegyptischen Pharaonen Ramses III. in Thebens "Tal der Koenige"
beschaeftigt waren, die Arbeit einstellten, weil sie ihre Loehne
zu dem festgesetzten Zeitpunkt nicht erhielten.
Von diesem Streik wird in einer aegyptischen amtlichen Denk- 1 -

�•

schrift aus jener Zelt berichtet, deren Uebersetzung in der
neuesten Ausgabe des von William F. Edgerton herausgegebenen
"Journal of Near Eastern Studies" (Zeitschrift nahoest 1*1 eher
Studien) veroeffentlicht ist. Edgerton ist Aegyptologe und Vorsitzender der Fakultaet fuer orientalische Sprachen am orientalischen Institut der Universitaet Chicago.
Die Arbeiter traten buchstaeblich in den Streik, indem sie
ihre Arbeitsplaetze am Grabmal des Pharaonen verliessen und sich
an anderen Plaetzen der Umgebung versammelten.
Als Beamte der Regierung eiligst hinzugezogen wurden, weigerten
sich die Arbeiter, ihre Arbeit wiederaufzunehmen, mit folgender Begruendung: "Es sind Hunger und Durst, die uns hierher treiben.
Wir haben keine Kleidung, keine Arzneien, keine Fische und kein Genuese."
Obwohl der Bericht unvollstaendig ist, geht aus ihm hervor,
dass die Arbeiter im Verlauf eines Jahres fuenfmal streikten, weil
ihre Lebensmittelrationen nicht rechtzeitig geliefert wurden oder
unzureichend waren. Sie verweigerten jedesmal die Arbeit, wenn sie
keine Lebensmittel erhielten. Ihr Streik war natuerlich immer
erfolgreich.
Obwohl zu jener Zeit In Aegypten eine Inflation herrschte, durch
die der Preis fuer Weizen um 500 % in die Hoehe ging, mag es fuer
Ramses III, haeufig schwierig gewesen sein, genuegend Lebensmittel
fuer die Arbeiter zusammenzubekommen. Edgerton vermutet jedoch,
dass die Streikenden eine Art primitiver Erpressungsmethoden angewendet haben.
Ein Verwandter des Pharao namens To war zum Wesir des Regenten
ernannt worden und wurde dadurch zum zweitmaechtigsten Mann in
Aegypten. Offensichtlich gehoerte es zur Taktik Tos, diese Streiks
In Szene zu setzen. Anstatt dem Hungertode nahe zu sein, werden
Ile Arbeiter in dem koenigllchen Grabmal lediglich im Auftrage Tos
einen Druck auf seine Verwandte ausgeuebt haben.
Die offensichtliche Milde, mit der fuer damalige Zeiten die
Arbeiter behandelt wurden, indem man restlos ihren Forderungen stattgab, laesst sich entweder durch den Einfluss Tos oder die grosse Bedeutung ihrer Arbeit erklaeren.
Der Pharao konnte keine Unterbrechung der Arbeiten im Grabmal
hinnehmen, weil es eine seiner wichtigsten Lebensaufgaben war, noch
zu Lebzeiten das gewaltiee Bauwerk zu errichten, das nach seinem
Tode sein Leben als das eines "grossen Gotts" verherrlichen wuerde.
Zum erstenmal erhielt man Kenntnis von diesem Streik durch ein
primitives Bruchstueck, einer Scherbe aus Ton, die sich in einem
Eerliner Museum befand. Die gesamten Vorkommnisse wurden von einem
damaligen Schriftgelehrten auf einem inzwischen beschaedigten
Papyrusstreifen schriftlich niedergelegt, der sich jetzt in einem
Museum in Turin befindet.
Mitglieder des Lehrkoerpers des orientalischen Instituts der
Unlversltaet in Chikago hatten zum erstenmal 1925 mit Nachforschungen
am Grabmal Ramses III. in Theben begonnen, um diesem ersten ueberlleferten Streik auf den Grund zu gehen.
The CIO News
VIII/13/51

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�DIE ARBEITER DER TSCHECHOSLOWAKEI VERWEIGERN "FR ET'.VILLI GS ZUSAMMENARBEIT" .

Weder durch Ueberredungen, noch durch Versprechungen und
Saeuberun~saktionen ist es den Kommunisten gelungen, das Rueckgrat des Widerstandes der Arbeiter gegen das stachanowistische
Antreibungssystem und andere Methoden der sogenannten "sozialistischen Arbeitsdisziplin" in den Laendern hinter dem Eisernen
Vorhang zu brechen. Die verschiedenen stalinistischen Diktaturen
sahen sich deshalb bezwungen, mehr und mehr zur nackten Gewalt zu
greifen, um die Durchfuehrung der Anordnungen zur Planerfuellung
zu erzwingen. Dies geht aus einer Reihe Berichte hervor, die
nach dem Westen durchsickerten.
Ein weiterer Beweis hierfuer Ist sogar die offizielle kommunistische Presse und der kommunistische Runkfunk. So massregelte zum Beispiel der tschechoslowakische KInisterpraesident
Zapotocky am 8. August Betriebsraete, Gewerkschaften und Betriebsleiter aufs schaerfste, weil es Ihnen nicht gelungen war, die Anordnung vom 29. Juli auszufuehren, In der die Uebernahme von
77.500 Verwaltungsangestellten in den Produktionsprozess der
Industrie angeordnet worden war. Der KInisterpraesident erklaerte:
"Eines ist gewiss - und wir muessen dies als unabaenderliche Tatsache anerkennen - wir werden der Anordnung Folge leisten und die
Uebernahme der Verwaltungsangestellten in die Industrie durchfuehren muessen."
Natuerlich war diese intensive Propagandakampagne, mit der
man die Verwaltungsangestellten ueberreden wollte, ihre Familien,
ihre Wohnungen und ihre Bueros freiwillig zu verlassen, um In die
Bergwerke oder Fabriken zu gehen, ein Fehlschlag. Ein Beweis
hierfuer sind die Angestellten der Stadt Prag. In den letzten
Monaten wollten nur 1.191 Angestellte ihren Arbeltsplatz wechseln,
obwohl man denen, die sich freiwillig zur Arbeit In den Bergwerken
melden, besondere Vorteile bietet. Nur 35 dieser Angestellten
wollten in den Kohlenbergwerken von Maehrisch-Ostrau arbeiten,
obwohl in der kommunistischen Propaganda auf den Mangel an Arbeitskraeften p-erade in diesem Dezirk besonders hingewiesen worden war.
I»'an bot den Freiwilligen verschiedene Bevorzugungen beim Ruecktransport nach Prag nach Ihrer zweijaehrigen freiwilligen Arbeit
im Bergwerk.
Ein weiteres bezeichnendes Beispiel sind die Angestellten der
Pramen-Verteilungsstellen In der Lebensmittelbranche. Von 2.000,
die zur Arbeit in den Bergwerken bestimmt waren, weigerten sich
300 ohne jede Umschweife. Auch die Betriebsleiter wurden von der
Regierung zurechtgewiesen, weil sie diejenigen Arbeiter zurueckgestellt hatten, die fuer eine Verwaltungsarbelt untauglich waren,
oder nur eine geringe Arbeitsleistung aufzuweisen hatten. Die
Fabrikbetriebe, die die ueberwiesenen Arbeiter aufnehmen sollten,
lehnten dies haeufig mit der Entschuldigung ab, sie haetten noch
nicht die notwendigen Maschinen und seien auch noch nicht genuegend
vorbereitet, um sie beschaeftigen zu koennen. Der "Sabotage an
der Verordnung", wie es die Regierung nennt, machen sich also nicht
nur die Arbeiter, sondern auch die Unternehmer schuldig.
Bevor man mit dieser Kampagne der Ueberfuehrung von Verwaltungsangestellten in den Produktionsprozess begann, hatte man
bereits auf die Absolventen der hoeheren Schulen, die aelter als
15 Jahre sind, einen Druck ausgeuebt,. um sie zu veranlassen, eine
Beschaeftigung in der Fabrik oder Im Bergwerk anzunehmen. Das
Ergebnis dieser Massnahme und der uebrigen, die noch folgten, ist
die Zerstoerung des Familienlebens und die Trennung von Vaetern,
Iüiettern und Kindern. In einer neueren Verordnung sieht man vor,

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�schriftliche Vertraege abzuschliessen, nach denen es Lehrlingen
verboten ist, ihren Arbeitsplatz zu verlassen, wenn dies nicht
aufgrund ausserordentlicher Verhaeltnisse - aber auch dann nur
mit behoerdlicher Genehmigung - geschieht. Alle diese Massnahmen weisen darauf hin, dass es den Stalinisten seit ihrer
Machtuebernahme im Februar 1948 nicht gelungen ist, sich die
freiwillige Mitarbeit der Arbeiterschaft zu sichern.
Diese Verordnungen sind ausserdem durch die grossen Verpflichtungen notwendig geworden, die die Tschechoslowakei im
Rahmen des fuenfjaehrigen Handelsabkommens, das am 5. November
1950 unterzeichnet wurde, der Sowjetunion gegenueber eingegangen
ist. Schwerwiegende und weitverbreitete Leistungsunfaehigkeit
der Industrie, gegen die die offizielle Presse fortwährend
Sturm laeuft, macht die Erfuellung dieser Verpflichtungen fast
unmoeglich.
Die Folge hiervon ist ein allgemeiner Mangel an Waren, ein
finanzielles Defizit und Inflationsspiralen als Begleiterscheinungen. Bei dem Versuch, sich aus diesen wirtschaftlichen
Schwierigkelten herauszuwinden, hat die tschechische Regierung
zu immer drastischeren Massnahmen gegen die Arbeiterschaft
Zuflucht genommen. Hierzu gehoeren natuerlich auch Ihre neuesten
Bemuehungen um eine weitere Steigerung der Produktionsnormen.
Dass es den tschechischen Arbeitern gelungen ist, sich den
immer wiederkehrenden stachanowistischen Antreibungskampagnen zu
widersetzen, wird durch konkrete Zahlen bewiesen, die vom
Nationalen Planungsbuero am 29. Juli 1951 bekanntgegeben wurden.
Diesem Bericht zufolge Ist die Arbeitsleistung des Einzelnen In
der ersten Haelfte dieses Jahres um 3,9 % angestiegen. In dem
Plan war fuer das Jahr 1951 eine Steigerung um 11 % gefordert
worden. Der Steigerung von 3,9 % in der ersten Haelfte von 1951
steht eine Erhoehung von 7 % in dem gleichen Zeitraum des Jahres
1950 gegenueber. Ueber den Prager Rundfunk wurde dem Nationalen
Zentralkomitee der tschechoslowakischen Hauptstadt, das mit der
Stadtverwaltung beauftragt ist, am 13. August vorgeworfen, bei
der Zusammenstellung von freiwilligen Arbeitskolonnen fuer die
Hopfenernte aeusserst nachlaessig gewesen zu sein. Das Komitee
hatte sich verpflichtet, 10.000 Freiwillige zusammenzustellen,
aber nur 1.600 standen bei der Ernte zur Verfuegung, wie im Rundfunk mitgeteilt wurde. Auch in anderen Gegenden war die Antwort
der Arbeiter auf diesen Aufruf enttaeuschend. Von schaetzungswelse 50.000 Helfern, die zum Einbringen der Ernte benoetigt wurden,
konnte nur die Haelfte ausgehoben werden, und die dadurch geschaffene Lage wurde vom Prager Rundfunk als "kritisch" bezeichnet«
Eine der Ursachen, die die Unzufriedenheit unter den Arbeitern
in der Tschechoslowakei naehren, ist das wachsende Ansteigen der
Unfallziffern in der Industrie. Man zaehlt jetzt dreimal so viel
schwere Unfaelle am Arbeitsplatz wis vor dem Kriege.. In einem
Kommentar hierzu bemerkte der Vorsitzende der tschechoslowakischen
Gewerkschaften, Frantisek Zipka, in zynischer Weise vor dem
Parlament: "Ein Arbeiter, der einen Unfall hat, verliert seine
Arbeitsfaehigkeit. Nach Beendigung seiner Behandlung kann er noch
immer arbeitsunfaehig sein. Auf diese Weise entstehen fuer den
Staat Unkosten, zugleich gehen Arbeltsstunden verloren. Wenn der
Unfall durch eine Explosion, durch einen Brand oder eine andere
Katastrophe verursacht ist, muss mit erheblichen Schaeden an
Maschinen und anderen Ausruestungsgegenstaenden der Industrie und
Verlusten an Rohstoffen und Fertigwaren gerechnet werden." So Ist
es woertlich in der "Prace" vom 13. Juli 1951 zu lesenl
In dem Bestreben, derartige Verluste zu vermeiden, hat die
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�Regierung den Gewerkschaften die Verantwortung fuer die Sicherheit smassnahmen uebertragen. Dies ist seit 1945 die zweite
Aenderung in ihrem Programm. Zipka erklaerte in der stalinistischen Zeitung "Prace" am 7. Juli hierzu: "Arbeitsunfaelle
sind meistens auf die Unvorsichtigkeit und Nachlaessigkeit der
Arbeiter zurueckzufuehren." Fluechtlinge aus der Tschechoslowakei dementieren diese Behauptung und beschuldigen Zipka, wie ein
Arbeitgeber und nicht wie ein Gewerkschaftsfuehrer zu sprechen.
Sie sind der Ansicht, dass die gesteigerten Unfallziffern in den
Fabriken und in den Bergwerken durch den Mangel an Sicherheitsmethoden oder durch veraltete Einrichtungen und ueberbeanspruchte
Maschinen bedingt sind, die regelrecht zusammenbrechen und zahlreiche Unfaelle verursachen. Eine weitere Ursache der Unfaelle
ist die staendige Beschleunigung des Arbeitstempos. In den
Fabriken und besonders in den Bergwerken werden Menschen und
Maschinen durch das stachanowistische Antreibesystem gezwungen,
schneller als bisher zu arbeiten: ein anormaler Verschleiss an
Menschen und Maschinen ist die unausbleibliche Folge. Es kommt
zu unnoetigen Unfaellen, und die Arbeitsmoral sinkt zwangslaeufIg.
Propagandaschlagworte ueber den "Aufbau des Sozialismus" sind
fuer derartige Arbeitsbedingungen kein Ausgleich. Die stalinistischen Machthaber der Tschechoslowakei muessen in immer staerkerem
Masse Terror und brutale Gewalt anwenden, um einmal den passiven
Widerstand zu ueberwinden, und zum anderen aus ihren Opfern immer
mehr herauszuholen.
Program Services Section
VIII/14/51

DIE ERWERESTAETIGE JAPANERIN.

Die erwerbstaetige Frau lebt auch in Japan immer noch unter
dem Joch alter Gebraeuche und Traditionen; aber heute sind schon
mehr als eine Million Japanerinnen eifrige Gewerkschaftsmitglieder.
Trotz der vielen Hindernisse, die zu ueberwinden waren, haben sie
betraechtliche Fortschritte erzielt.
Gladys Dickason, die als erste .Gewerkschafterin aus Amerika
in offizieller Mission nach Japan geschickt wurde, hatte nach
einem viermonaticren Besuch in Japan diesen allgemeinen Eindruck
von dem Fortschritt gewonnen, den die arbeitenden Frauen Japans
erzielt hatten.
Fraeulein Dickason ist Vizevorsitzende und Leiterin der
Forschungsabteilung der Bekleidungsarbeitergewerkschaft des CIO.
In ihrem Buero in der Zentrale der Bekleidungsarbeitergewerkschaft des CIO in New York sprach Fraeulein Dickason zu Vertretern der "CIO News" ueber ihre Beobachtungen in Japan.
Sie unternahm diese Reise als Sachverstaendige fuer Frauentagen in den Gewerkschaften. Um sich Informationen ueber Loehne,
Arbeits- und Lebensbedingungen und die Taetigkeit der Gewerkschaften an Ort und Stelle einzuholen, hat sie etwa 50 Betriebe
besucht, In denen rund 120.000 Arbeiter, meist Frauen, beschaeftip;t
sind. Sie wohnte Versammlungen bei und hatte Unterredungen mit
Vertretergruppen oertlicher Gewerkschaften, die sich aus Maennern
und Frauen zusammensetzten. Sie unterhielt sich mit Beamten der
Regierung, die sich mit Arbeits- und Frauenfragen beschaeftigen.
Im Beisein von Gewerkschaftsfunktionaeren fuehrte sie Besprechungen
mit Arbeitgebervertretern, sie sprach aber auch anlaesslich ver-

5 -

�schiedener Massenkundgebungen der Gewerkschaften.
"Das Interesse der Frauen fuer die Gewerkschaften und fuer
Angelegenheiten oeffentlicher Bedeutung ist wirklich erstaunlich,"
berichtete Gladys Dickason. "So ist zum Beispiel der Prozentsatz
der Wahlbeteiligung; der Frauen groesser als der der Ma-enner."
"Die Amerikaner moegen es mit Erroeten zur Kenntnis nehmen,
wenn sie an die eigene Wahlbeteiligung denken, dass mehr als 80 %
der Wahlberechtigten an den Wahlen' teilnehmen."
Wir neigen zu der Annahme, dass das Gesicht des japanischen
Menschen ausdruckslos ist. Was jedoch mit zu den lebendigsten
Erinnerungen Gladys Dickasons gehoert, ist der aufgeweckte und
anteilnehmende Gesichtsausdruck der japanischen Frauen, mit denen
sie sich unterhielt.
Sie stuermten regelrecht in die Versammlunersraeuine, um sie
sprechen zu hoeren. Bei ihren Besuchen in den betriebseigenen
Schlafsaelen, in denen noch viele Frauen leben, war sie immer von
einer grossen Schar wissensdurstiger Frauen umgeben, die mit Hilfe
eines Dolmetschers ihr Hunderte von Fragen stellten.
Ein grosser Prozentsatz der erwerbstaeti^en Frauen, in Japan
ist sehr jung. Das Mindestarbeitsalter ist 15 Jahre. Gladys
Dickasons jedoch berichtete, dass einige von ihnen nicht aelter
als 10 oder 12 Jahre ausgesehen haetten, sie jedoch gut und gern
15 Jahre und aelter gewesen sein koennen, weil man dem Japaner Im
allgemeinen sein Alter nicht ansieht. Nur etwa 15 % der erwerbstaetigen Frauen sind vorheiratet.
Der Status der in der Industrie beschaeftigten Frauen Ist
durch die umwaelzenden Veraenderungen in der Gesetzgebung und Verfassung In der Nachkriegszeit wesentlich verbessert worden. Diese
Veraenderungen haben eine Revolution der gesellschaftlichen Stellung der Frau in Japan bewirkt.
Zu den wichtigsten Veraenderungen gehoert das Wahlrecht der
Frau, das sie zum erstenmal im April 1946 ausuebte. Jede Diskriminierung aufgrund des Geschlechts in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Beziehung ist fuer ungesetzlich erklaert und
den Frauen sind heute die gleichen Bildungsmoeglichkelten gewaehrt
worden.
Das Gesetz fuer Arbeltsnormen, das sich sowohl auf erwerbstaetige Maenner als auch Frauen erstreckt, beschraenkt die taegliche
Arbeitszeit auf acht Stunden und die woechentliche Arbeitszeit In
den Hersteller- und verarbeitenden Industrien auf 48 Stunden. Es
legt gewisse Beschraenkungen fuer die Ueberstundenarbeit der Frau
auf und verbietet darueber hinaus gefaehrliche und gesundheitsschaedliche Arbelt fuer Frauen.
Das Gesetz ueber gewerkschaftliche Organisation, das im Dezember 1945 erlassen wurde und sich sowohl auf Maenner als auch auf
Frauen erstreckt, garantiert das Recht, sich gewerkschaftlich zu
organisieren sowie das Streikrecht.
"Die traditionellen Schwierigkeiten, denen die Frauen ausgesetzt waren,lassen diese beiden Gesetze als Urkunden der Freiheit
fuer die Frau erscheinen."
Nach der neuesten verfuegbaren Statistik zurzeit des Aufenthalts Gladys Dickasons in Japan waren von einer gesamten 33 Millionen Menschen zaehlenden Erwerbsbevoelkerung mehr als 12 Millionen Frauen. Nahezu die Haelfte hiervon war in der Landwirtschaft

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�schaft beschaeftist.
Nur rund 2,5 Millionen Frauen oder 38 % der 6,5 Killionen
in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben Besthaeftigten arbeiten
in der Hersteller- und verarbeitenden Industrie. Ueber zwei
Killionen sind im Handel und Gewerbe beschaeftigt. Sine Killion
Frauen verdient sich in den Dienstleistungsindustrien ihr Brot,
und 210.000 sind bei der Regierung beschaeftigt.
Eine der ueberraschendsten Tatsachen ist es, betont Gladys
Dickason, dass es in Japan eine grosse Anzahl unbezahlter Arbeiter
gibt, die man sogar in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben antrifft.
Kehr als sieben Killionen Maenner und Frauen, das heisst etwa
ein Drittel aller in dieser Kategorie, erhalten keinen Lohn. Sie
arbeiten in der grossen Zahl der Familienbetriebe , die fuer die
Gewerkschaften in Japan eines der schwierigsten Probleme darstellen.
Nahezu drei Killionen oder 43 % aller erwerbstaetigen Frauen
in Fabriken und Ladengeschaeften werden nicht entlohnt. Nur
wenirr mehr als 1,5 Millionen der 2,5 Millionen Frauen, die in der
Herstellerindustrie beschaeftigt sind, erhalten einen Lohn. Die
üarloehne der Frauen sind Im Durchschnitt um mehr als die Haelfte
niedriger als die der Kaenner.
In Anbetracut der grossen Schwierigkeiten, mit denen die erwerbstaetige Frau gerade in Japan zu kaempfen hat, duerfte die
Tatsache ein Beweis fuer ihre bejahende Haltung den Gewerkschaften
gegenueber sein, dass von je vier Mitgliedern in der Gesamtmitgliederzahl ein Kitglied eine Frau Ist.
Insgesamt gibt es 1.304.332 weibliche Gewerkschaftsmitglieder.
Etwa 38 % aller Frauen, die eine bezahlte Beschaeftigung ausueben,
gehoeren einer Gewerkschaft an.
Nach der Industriezugehoerigkeit ist die groesste Gruppe gewerkschaftlich organisierter, erwerbstaetiger Frauen in der Textilindustrie vorzufinden, in der 284.000 Frauen Gewerkschaftsmitglieder sind und damit 71 % der gesamten Kitgliederzahl dieser
Gewerkschaft ausmachen.
The CIO News
VIH/13/51
C K . Hartwell, Herausgeber des TUC-Organs:
BRI TISCHE GEWERKSCHAFTEN UND KOKMTNISKUS .

Da sich die Sorrmersaison der gewerkschaftlichen Konferenzen
in England ihrem Hoehepunkt, naemlich der Jahresversammlung des
Britischen Gewerkschaftskongresses (TUC) im September genaehert
hat, werden bereits Vermutungen ueber etwaige Aenderunn;en in der
Politik gegenueber wichtigen gewerkschaftlichen Problemen laut.
Am wenigsten Hoffnung, eine Chance zu haben, besteht dabei
fuer die Kommunisten. Sie blicken auf ein nicht besonders erfolgreiches Jahr zurueck. Seit Ostern haben ihnen die uebrigen
Delegierten in allen Konferenzen eine ablehnende Haltung gezeigt,
und eine Abstimmung nach der anderen hat erwiesen, dass Ihr Bemuehen, dem Kommunismus In den Gewerkschaften eine fuehrende Stellung zu sichern und ihn zu staerken, voellig fehlgeschlagen ist.
In der Metallarbeitergewerkschaft, deren 80u.OOO Kitglieder
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�wesentliche Arbeiten an Verteidigungsprojekten verrichten, hat
Jack Tanner vor kurzem einen Sieg ueber seinen kommunistischen
Rivalen errungen, als er von den Mitgliedern der Gewerkschaft
zum Vorsitzenden gewaehlt wurde. Zuvor hatte die gleiche Gewerkschaft unter Anwendung der gleichen demokratischen Methoden die
Kommunisten aus den hohen Aemtern innerhalb der Gewerkschaft
vertrieben. Hierunter faellt auch der Ruecktritt zweier Organisatoren auf Landesebene.
Diese Rueckschlaege der Kommunisten fallen zeitlich mit einem
Tiefstand des politischen Einflusses des Kommunismus zusammen,
denn kein einziger Anhaenger der kommunistischen Partei ist als
Abgeordneter im Parlament, und nur wenige konnten ihre Mandate in
den Ortsverwaltuneen beibehalten, die sie sich errunt en hatten,
als sie ein wenig Ansehen aus den Kriegserfolgen der Roten Armee
zu ihren Gunsten in die Waagschale werden konnten.
Enttaeuscht darueber, dass es ihnen nicht gelungen ist, die
schweren Verluste, die sie in der Politik erlitten hatten, auf
industriellem Gebiet wiedergutzumachen, haben sich die Kitglieder
der kommunistischen Partei daran erinnert, dass es ihre wichtigste
Aufgabe ist, in den Betrieben kommunistische Parteigruppen zu
bilden. Sie haben zu erkennen gegeben, dass es ihr Ziel ist, nicht
Hunderte solcher Gruppen, sondern vielmehr Tausende zu bilden, von
denen viele, wenn die uebliche kommunistische "Normaltaktik" angewendet wird, ihre Existenz vollkommen verbergen oder ihre politische Zugehoerigkeit unter dem Namen wie "Arbeiterschutzkomitees"
tarnen wuerdo^ waehrend sie bestrebt sind, Stimmen fuer solche
Kandidaten zu sammeln, die von den Parteifuehrern fuer die Aemter
in Orts- und Landesgewerkschaften vorgesehen sind.
Dass von selten des TUC bereits vor drei
und andere Methoden aufmerksam gemacht wurde,
gangen, und es fand in diesem Jahr wohl keine
3tatt, auf der das schwierige Problem, um das
handelt, nicht erwaehnt worden waere.

Jahren auf diese
ist niemandem enteinzige Konferenz
es sich hierbei

In mehreren Faellen haben jedoch die Delegierten aufgrund
ihrer traditionellen Toleranz Minderheitsgruppen gegenueber gezoegert, drastische Massnahmen gegen die Taetigkeit einer organisierten Gruppe in ihren Reihen zu ergreifen, die zwar wenig Respekt
fuer demokratische Grundsaetze zeigt, aber nichtsdestoweniger die
demokratischen Einrichtungen zu ihrem Vorteil ausnutzt.
Auf der anderen Seite sehen sich aber verschiedene Gewerkschaften aufgrund bitterer Erfahrungen veranlasst, dieser Gefahr
prompt zu begegnen. So bestand zum Beispiel die Gewerkschaft der
Bueroangestellten vor zwei Jahren darauf, dass sich die Kandidaten
fuer alle Aemter in der Gewerkschaft auch zu ihrer politischen
Ueberzeugung bekennen. Damit war den Hoffnungen vieler kommunistischer Bewerber ein Ende gesetzt, zu denen auch jener Mann gehoerte, der in diesem Jahr bei den Wahlen um den Vorsitz der Gewerkschaft mit sechs gegen eine Stimme geschlagen wurde.
Inzwischen haben etwa acht Kommunisten ihre Positionen als
oertliche Gewerkschaftsfuehrer dazu ausgenutzt, Betriebsraeten
und anderen gewerkschaftlichen Koerperschaften Meinungen aufzuzwingen, die mit der Politik der Gewerkschaft nicht in Einklang zu
bringen sind. Sie wurden daraufhin aus der Gewerkschaft ausgestossen.
Die Gewerkschaft der Transport- und Fabrikarbeiter, die 1,3
Millionen Mitglieder zaehlt, hat es vor zwei Jahren fuer notwendig
erachtet, aehnliche Regelungen zu treffen.
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�Von den gewaehlten Vertretern der 350.000 Arbeiter im Verteilergewerbe hatte die Mehrheit auf der Jahresversammlung der
Gewerkschaft verlangt, dass der englische Botschafter in Madrid
abberufen wird. Aber nur wenige Kaende wurden gehoben, um'die
Forderung nach dem Rueckzug aller auslaendischen Truppen aus
Korea und andere Resolutionen zu unterstuetzen, die den Zweck
hatten,' die sowjetische Aussenpolitik zu rechtfertigen oder die
Politik der westlichen Laender zu diffamieren.
Ausserdem entschieden sich die Delegierten bei der Wahl des
Vorsitzenden mit grosser Mehrheit fuer ein Parlamentsmitglied,
der der Gewerkschaftsbewegung angehoert, und nicht fuer seinen
kommunistischen Rivalen. Gleichzeitig ging die Zahl der Kommunisten unter den 113 Punktionaeren der Landes- und Bezirksvorstaende auf sechs zurueck.
All diese Tatsachen zeigen, dass sich die englischen Gewerkschaften in voller Ausuebung ihres Rechtes, zu kritisieren
und eine Aenderung in der Politik ihrer Regierung herbeizufuehren,
mehr und mehr der grossen Gefahren bewusst sind, die durch eine
allzu tolerante Haltung den kommunistischen Infiltrationsmethoden
gegenueber nicht nur ihre Gewerkschaften, sondern auch die wirtschaftliche Staerke und demokratische Struktur ihres Landes bedrohen.
The CIO News
VIII/20/51
»VIS AFER1KANI3CEE GEWERKSCHAFTEN FINANZSCHWACHE BETRIEBE UNTERSTUETZEN.
Wenn auch die amerikanische Gewerkschaftsbewegung ein Kampfmittel darstellt, so hat sie sich doch nach Richtungen entwickelt,
die auf einen Europaeer zuweilen ueberraschend wirken. So pflegt
zum Beispiel seit langer Zeit schon eine bedeutende amerikanische
Gewerkschaft, naemlich die der Damenoberbekleidungsarbeiter (ILGWU),
mit den Unternehmern eine Form der Zusammenarbeit, die auf dem
folgenden Grundsatz beruht: Es ist besser, ein gesundes Unternehmen wieder auf die Beine zu bringen, als es untergehen und die
Arbeiter erwerbslos werden zu lassen.
Das Beispiel der ILGWU ist zweifellos fuer die gesamte Gewerkschaftsbewegung Amerikas nicht allgemeingueltig. Aufgrund
Ihrer Eigentuemlichkeit, der Bedeutung und Lebendigkeit der Gewerkschaftsorganisation, die diesen Standpunkt vertritt, ist es
jedoch der Muehe wert, sich naeher damit zu befassen.
Diese Art der gewerkschaftlichen Arbeit erfordert natuerlich
geschultes Personal, das in der Lage ist, ein Unternehmen auf
seine Maengel genauestens zu untersuchen und Abhilfe zu schaffen.
Sie erfordert ebenfalls seitens der Gewerkschaften wie auch der
Unternehmer eine Geisteshaltung, der jegliches Gefuehl des Misstrauens fernliegen muss. Der Arbeitgeber muss wissen, dass man
ihm nicht auf sein gutes Gesicht hin hilft, und der Arbeiter muss
sein Bestes tun, nicht nur, um seinen Lohn zu erhalten, sondern
auch um seinem Betrieb die Moeglichkeit zu geben, sich gegen die
Konkurrenz durchzusetzen.
Mit dem geschulten Personal meinen wir die technischen
Experten der Gewerkschaft: Techniker, die aufgeschlossen sind und
genau die Aufgaben ihrer Gewerkschaft kennen. Er wird von der Gewerkschaft bezahlt. Er ist es, der Methoden ausarbeitet, deren
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�Beachtung bei der Pestsetzung der Loehne anerlaesslich sind,
der die Organisation der Betriebe mit dem Ziel studiert, die
Produktivitaet zu verbessern und die Crewinne aus dieser Verbesserung in Form hoeherer Loehne den Arbeitern zuzuleiten. Es
ist der "Mann der Produktivitaet".
Zu Anfang Juni fand in der Abtei Royaumont in der Naehe von
Paris eine Arbeitskonferenz statt, die sich mit den sozialen und
organisatorischen Problemen der Arbeiter beschaeftigte. Die
Frage der Produktivitaet stand ebenfalls auf der Tagesordnung,
und verschiedene Sprecher aeusserten ihre Ansichten zu dieser
Frage. Einer von ihnen war ein technischer Experte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung: William Gomberg von der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter. Als Einleitung nahm er
mit folgenden Worten zum amerikanischen Unternehmertum Stellung:
"Man darf nicht vergessen, dass wir uns in einem Lande, das
so gross und so dynamisch wie die Vereinigten Staaten ist, gluecklich preisen koennen, dass die Leitung der Industrie in den Haenden kuehner Fuehrer liegt, die staendlg nach neuen Produkten fuer
alte Absahzmaerkte und nach neuen Maerkten fuer alte Produkte
suchen. Damit Sie nicht der Ansicht sind, dass ich Ihnen ein allzu optimistisches 3ild vor Augen halten moechte, beeile ich mich,
hinzuzufuegen, dass auch wir noch einen bestimmten Prozentsatz an
Unternehmern alter Praerrung haben, die, wenn wir Gewerkschafter
es zuliessen, sich sehr wohl damit begnuegen koennten, die Vorteile einer statischen Wirtschaft fuer sich allein zu beanspruchen.
Sie sind stets bereit, Ihnen zu erklaeren, dass die vorhandenen
Absatzmaerkte uebersaettigt sind, dass durch niedrige Preise nur
ein Chaos herbeigefuehrt und keine neue Moeglichkeit erschlossen
wird, und dass durch hoehere Loehne die Gestehungskosten in untragbarer Weise gesteigert werden. Sie werden uns anschliessend
erklaeren, dass wir mit unseren Forderungen nach hoeheren Loehnen
erst die wirkliche Steigerung der Produktivitaet abwarten muessen.
Gleichzeitig wird diese selbe Gruppe behaupten, dass die Wirtschaft
unseres Landes ihr groesstmoegliches Potential an Investierungen
absorbiert habe, und wird sich weigern, ihre Fabriken zu vergroessern und ihre Einrichtungen zu erneuern. Sie werden Ihnen
sagen, dass die Loehne der Produktivitaet angepasst werden muessen,
aber sie werden nichts tun, um mitzuhelfen, diese Produktivitaet
zu steigern. Gluecklicherweise ist in unserem Lande diese kleine
Gruppe Unternehmer durch dynamische Elemente aus der Unternehmergemeinschaft zum Schweigen gebracht worden. Wir Gewerkschafter
haben diese pe-ssimist Ische Einstellung von Anfang an grundsaetzllch
abgelehnt."
Es ist also das Ziel der technischen Experten der amerikanischen Gewerkschaften, jene Apparaturen und Voraussetzungen auszuarbeiten, durch die die Arbeiter an dem Verkauf und an den Gewinnen
aus einer Steigerung der Produktion beteiligt werden koennen.
Diese Beteiligung muss sich jedoch in der Form eines sofortigen
Gewinnes zeigen, denn "Belohnungen auf lange Sicht sind ein Luxus,
den sich nur Akademiker leisten koennen. Arbeiter muessen heute
leben und Ihre Kinder heute erziehen; auf lange Sicht sehen und
abwarten wollen,bedeutet fuer sie Tod."
Es ist einfacher, die Arbeitswelse dieser technischen Einrichtungen zu verstehen, wenn man sie im Lichte der grundliegenden
Politik betrachtet, die die amerikanischen Gewerkschaften mit
ihren Kollektivverhandlungen verfolgen. Diese Politik besteht
darin, mit Energie und Ausdauer hoehere Loehne zu fordern.
Dieser dauernden Forderung liegt die Ueberzeugung zugrunde,

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�dass nur gutgefuehrte Unternehmen die Moeglichkeit haben, hohe
Loehne zu zahlen. "Grenzunternehmen", das heisst solche, deren
Gestehungskosten so hoch sind, dass sie ihnen kaum Gewinne ermoeglichen, halten sich mit Muehe und Not an der Grenze vor dem
Zusammenbruch. Es ist offensichtlich, dass diese Unternehmen
stark bedroht sind, wenn die Gewerkschaften zu -hohe Loehne fordern und wenn ihre Direktoren keine Reform der ueberholungsbeduerfti^en Arbeitsmethoden durchfuehren.
In diesem Moment beginnt die Taeti?;keit der technischen
Experten der 3ewerkschaft: Sie sind staendig bereit, ein Rettun-'smanoevor durchzufuenren, wenn dies ueberhaupt moeglich ist,
um einen "Grenzbetrieb" vor dem Ruin zu bewahren und es ihm zu
ermoeclichen, die von der Gewerkschaft geforderten Loehne zu
zahlen. Sie werden mithelfen, die Wirtschaftlichkeit des Betriebes zu verbessern. Sich mit Loehnen zu begnuegen, die unter
dem Niveau der Konkurrenzbetriebe liegen, wird nicht als rechtmaessiges Mittel zur Unterstuetzung der Leitung eines Unternehmens betrachtet. Dies wuerde nur eine Belohnung fuer Unfaehigkeit darstellen.
Und nun ein schematisches Beispiel zu einer solchen Hilfsaktion:
Nehmen wir an, in einem Gebiet, das der Zustaendigkeit einer
Gewerkschaft untersteht, bestehen die beiden Betriebe "A" und
"B". In dem Tarifvertrag ist vorgesehen, dass die Stuecklohntarife so festgesetzt sind, dass ein durchschnittlicher Stundenlohn von X Dollar garantiert ist. Die Tarife werden dementsprechend festgesetzt,und die Gewerkschaft uebt in den Betrieben
eine Kontrolle aus, um festzustellen, wie es sich damit verhaelt.
Sie stellt fest, dass in dem Betrieb "A" alles nach dem Rechten
geht und der durchschnittliche Stundenlohn tatsaechlich X Dollar
betraegt. In dem Betrieb "B" dagegen ist dieser Stundenlohn geringer. Der Leitung dieses Betriebes "B" wird also mitgeteilt,
dass sie nicht die Bestimmungen des Vertrages einhaelt, und die
Gewerkschaft fordert eine Revidierung der Stuecklohntarife, damit
der vorgesehene Mindestlohn gesichert ist. Der Unternehmer
antwortet, dass er die Tarife nicht erhoehen kann, ohne sein
Unternehmen zu ruinieren. Die Gewerkschaft steht nun vor der
Frage, ob sie auf der Einhaltung der Bestimmungen bestehen und
damit die Gefahr einer Betriebsschliessung heraufbeschwoeren soll.
Die Gewerkschaft entschliesst sich also zu einem Kompromiss
und schlaegt der Betriebsleitung des Unternehmens "B" vor, bei
der Neuorganisierung der Arbeitsmethoden mitzuhelfen. In diesem
Augenblick bestehen drei Moeglichkeiten:
1. Der Unternehmer kann der Auffassung sein, dass die
Einzelheiten der Betriebsfuehrung, wie zum Beispiel Arbeitseinteilung und Arbeitsmethoden innerhalb des Betriebs die Gewerkschaft nichts angehen. Er haelt es fuer Dinge, die der Betriebsleitung vorbehalten sind. "Einverstanden" wird die Gewerkschaft
erwidern, "aber Sie respektieren nicht den Tarifvertrag, denn
die Loehne, die sie zahlen, sind niedriger als der vereinbarte
Durchschnitt. Wir werden uns deshalb an einen Schiedsrichter
wenden." Der Schiedsrichter wird wahrscheinlich den Unternehmer
zwingen, die Tarife zu erhoehen, und das Unternehmen wird sich
in einer verhaengnisvollen Lage befinden.
2. Die Gewerkschaft kann zu dem Entschluss kommen, dass
nichts zu aendern ist, und sie ueberlaesst es dem ^nternelimer
selbst, sich aus der Affaere zu ziehen, haelt jedoch ihre For-

- 11 -

�derunjen ohne Ruecksicht auf den Betrieb, der daran zugrunde
gehen wird, aufrecht. Es ist uebrigens eine ausgezeichnete
Wirtschaftstheorie, dass ein unrentables Unternehmen seine
Tueren schliessen muss und sein Absatz und seine Arbeiter von
der Konkurrenz absorbiert werden. Die amerikanischen Gewerkschaften sind sich jedoch darueber klar geworden, dass sich das
freie Spiel der industriellen Konkurrenz weitaus besser in den
Handbuechern der Wirtschaftspolitik als in der Wirklichkeit abspielt. Es wuerde nicht lange dauern, bis die Industrie eher
einem Dschungel als einer zivilisierten Gemeinschaft gliche.
3. Das Unternehmen ist gesund, und die Betriebsleitung
setzt sich aus verstaendigen Leuten zusammen. Es ist dem Interesse der Arbeiter und Verbraucher dienlicher, wenn man diese
Produktionseinheit ermutigt, mit einem Maximum an Ertrag zu
arbeiten. Hieraus entwickelt sich die Zusammenarbeit zvischen
der Betriebsleitung und den technischen Experten der Gewerkschaft.
Die Angelegenheit wird In allen Einzelheiten studiert, und der
technische Experte der Gewerkschaft laesst ihr die In anderen
aehnlichen Unternehmen gesammelten Erfahrungen zugutekommen.
Es muss natuerllch bemerkt werden, dass diese Hilfe auf
keinen Fall so gehandhabt werden darf, dass das am schlechtesten
bewirtschaftete Unternehmen auf Kosten der darin beschaeftigten
Arbeiter existieren kann. Wenn der von der Gewerkschaft unterstuetzte Arbeitgeber bestehen will, muss er sich in bezug auf
Loehne an die Vorschriften der Gewerkschaften halten und befaehigt
sein, das Problem der Konkurrenz zu loesen. "Wir sind der Ansicht,
dass die Unternehmer aufgrund ihrer Verstaendigkeit und ihres
Einfallsreichtums in der Fabrikation, aber nicht aufgrund ihrer
mehr oder weniger grossen Faehigkeit, Vereinbarungen ueber
moeglichst niedrige Loehne zu-treffen, vor der Konkurrenz bestehen koennen."
Ausserdem stellt die Arbeit der technischen Experten der
Gewerkschaften einen Schutz fuer die Interessen der Arbeiter dar,
wenn aussenstehende Experten, die zu Rate gezogen werden, die
Neuorganisation der bestehenden Betriebe durchfuehren. Jede
Neuorganisation bringt neue Arbeitsplaetze mit sich, fuer die
Stuecklohntarife neu festgesetzt werden muessen.
Nehmen wir an, ein Arbeiter hat bewiesen, dass er an seinem
frueheren Arbeitsplatz 1.60 Dollar verdienen kann. Man gibt ihm
nun einen anderen Platz. Der technische Experte der Betriebsleitung fuehrt ein Zeltstudium durch und setzt den Tarif so fest,
dass der Arbeiter gezwungen ist, mehr zu arbeiten als vorher,
wenn er 1.60 Dollar verdienen will. Der Protest des Arbeiters
koennte erfolglos sein, denn der Experte wird erklaeren, seine
wissenschaftlichen Metboden haetten bewiesen, dass der Arbeiter
zu langsam arbeite. Es ist sehr leicht moeglich, dass die neue
technische Organisation des Betriebs den verborgenen Zweck hat,
das Arbeitstempo der Arbeiter zu steigern. Es liegt also an den
Experten der Gewerkschaft, durch Zeitstudien festzustellen, ob
eine Beschleunigung vorliegt oder nicht.
Man erwaehnte als Beispiel eine Kleiderfabrik In Virginia,
wo die technischen Experten der Gewerkschaft versuchten, die
Verbesserung auszuwerten, die den Experten der Unte 'nehmer zufolge dank einer neuen technischen Arbeitseinteilung ermoeglicht
wurde. Diese Behauptung hatte als Vorwand gedient, um die
Loehne um 25 - 30 % verringern zu koennen, was, so behauptete
die Betriebsleitung, durch die Veraenderungen der Arbeitsmethoden ausgeglichen waere, mit denen eine entsprechende Reduzierung der Arbeitszeit ermoeglicht worden waere. Nach ein-12-

�gehenden Studien bezifferten die technischen Experten der Gewerkschaft die wirkliche, aufgrund neuer Methoden herbeigefuehrte Verbesserung auf 7 % und weigerten sich, die von dem Unternehmen
festgesetzten Lohntarife anzuerkennen.
Niemand wird es leugnen, dass die Frage der Produktivitaet in
den amerikanischen Gewerkschaften hoechst akut ist. Eine Steigerung der Produktivitaet ist in ihren Augen die einzige Moeglichkeit, den Lebensstandard nicht nur der Arbeiter, sondern der gesamten Bevoelkerung zu verbessern. In diesem Kampf spielt der
technische Experte der Gewerkschaft eine sehr bedeutsame Rolle.
Seine Aufgabe ist jedoch nicht leicht, denn selbst in Amerika gibt
es unfortschrittliche Unternehmer. Aus diesem Grunde muss der
technische Exporte vor allem auch ein erfahrener Psychologe sein.
Er kann in der Verbesserung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern Grosses leisten.
Wo ist in Wirklichkeit der Unternehmer, der nicht jammert,
wenn man von ihm eine Lohnerhoehung verlangt? Seine Einstellung
ist jedoch vosllig anders, wenn mit dieser Forderung genaue Vorschlaege unterbreitet werden, die es der Betriebsfuehrung ermoeglichen, den Gewinn einer besseren Betriebsorganisation mit den Arbeitern zu teilen. In der Arbeit der technischen Experten der Gewerkschaften ist also ein Getriebe zu sehen, das fuer die Riesenmaschine der amerikanischen Wirtschaft aeusserst nuetzlich ist:
Diese Einrichtung stellt zweifellos einen ausgezeichneten Exportartikel dar, den sich auch Europa zu eigen machen sollte.
Rapports France-Etats Unis
VIII/51

ITALIEN ERZEUGT STRCW MIT VULKANISCHEN DAEMPFEN.

Die Kohle, die auch als "schwarze Kraft" bezeichnet wird,
muss verbrannt werden, um Wasser in Dampf zu verwandeln; es war
die erste Kraftquelle, mit der man Elektrizitaet erzeugte. Spaeter
nutzte man Wasserkraefte, die sogenannte "weisse Kraft" dazu aus,
Turbinen zu drehen, mit denen Strom fuer die Betriebe und Wohnungen
in allen Laendern erzeugt wird. Heutzutage hat man in Italien
jedoch eine neue Kraftquelle gefunden und nutzbar gemacht: vulkanische Daempfe. Eine solche Kraftquelle im Larderello-Tal, einer
abgelegenen Gegend der Provinz Toscana, etwa 60 Kilometer suedlich
von Florenz gelegen, erzeugt jaehrlich fuer das energiearme Italien
fast zwei Milliarden Kilowattstunden Strom. Man nennt das Produkt
dieses grossen Naturgiganten "vulkanische Energie".
Jahrhundertelang war das Tal von Larderello Schauplatz des
ungezuegelten Spiels wilder Naturkraefte. Die Erdoberflaeche des
Tals wird von hochschiessenden helssen Dampfsprudeln und Quellen
siedenden Schlammsund kochenden Wasseis durchbrochen, denn das Tal
befindet sich ueber einem Vulkan, der weit unter der Erdkruste
glueht und sich unterirdisch ueber ein Gebiet von annaehernd 210
Quadratkilometern erstreckt. Regenwasser, das durch den poroesen
Fels In grosse Ablagerungen heisser Lava dringt, wird fortlaufend
in Dampf umgewandelt. Jahrelang brodelte diese maechtige Kraft im
Innern der Erde, bis eines Tages Maenner der Technik den Entschluss
fassten, sie nutzbar zu machen und Strom fuer Italiens energiebeduerftige Eisenbahnen, Fabriken und den Zivilbedarf zu erzeugen.
Die Italienischen Arbeiter machten diese Riesenreserven an
Dampfkraft nutzbar, indem sie Bohrloecher in das Erdinnere trieben,
- 13 -

�aehnlich wie der amerikanische Arbeiter in Texas oder Louisiana,
der nach Erdgas bohrt.
Es ist ein schauriger Anblick, wenn mit einem Bohrer die
Felsschicht durchbrochen wird und damit die Pforte zu den unterIrdischen Dampfbehaeltern freigegeben wird. Der siedende Dampf &lt;
dringt zischend durch das Bohrloch nach oben. Der Druck macht
sich mit einer solchen Gewalt frei, dass der Erdboden wie bei
einem Erdbeben schwankt und zittert. Einige statistische Angaben
ueber das Werk moegen fuer unsere Leser von Interesse sein. Wir
verdanken sie Signore Bartelli, einem italienischen Korrespondenten.
"Durch einige Bohrloecher stroemen stuendlich 35 Tonnen Dampf mit
einem Druck von 170 kg auf einen Quadratzentimeter bei einer Geschwindigkeit von 390 m in der Sekunde und einer Temoeratur von
215 Grad^Celsius." .
Es Ist keine leichte Aufgabe, einen .so maechtigen Geiser zu
baendigen. Die Maenner, die die Aufgabe haben, im Innern des
Bohrschachtes die erforderlichen Einrichtungen anzubringen, die
Beton- und Stahlanlagen bauen, muessen mit gebeugten Knien arbeiten, um die heftigen Erdstoesse aus dem Erdinnern zu ueberstehen. Sie stopfen ihre Ohren mit Watte aus, um ihre Trommelfelle vor dem Laerm zu schuetzen, und trotz dieser Vorsichtsmassregel haben viele ihr Gehoer verloren.
Manchmal laesst die Natur ihre Kraefte nicht ohne einen erbitterten Kampf nutzbar machen. Bartelli berichtete als Beispiel von
dem Eohrschacht Nr. 50 im Tal von Larderello. Die Bohrarbeiten
waren gerade im Gange, als ein grosser Dampfstrahl zu fruehzeitig
ausbrach. Das Droehnen dieses furchtbaren Ausbruches, das in den
Bergen rings um das Tal widerhallte, war furchtbar. Um den Dampf
niederzuhalten, war vorher Wasser In den Bohrschacht gepumpt worden.
Dieses Wasser wurde in einen gluehenden Sprudel verwandelt und
Plünderte von Metern in die Luft geschleudert. Rot gluehende Felsstuecke und siedender Schlamm wirbelten umher. Die Hitze war so
stark, dass sich die Eisentraeger eines staehlernen Eohrturms,
der in der Naehe stand, kruemmten. Die Arbeiter gewannen jedoch
den Kampf gegen die Naturkraefte, und In kurzer Zeit konnte der
Dampf abgeschirmt und durch Rohrleitungen zu den Generatoren geleitet werden.
Die Kraftwerke in Larderello sind die einzigen in der Welt,
die mit vulkanischer Energie betrieben werden. Es sind dort
staendig 1.500 Arbeiter beschaeftigt, von denen 300 Elektroarbeiter
sind, die den Dampf in elektrischen Strom umwandeln. Diese
Elektroarbeiter verdienen monatlich etwa 35.000 Lire, was in
deutscher Waehrung etwa 235 D-I»'ark entspricht.
Die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern sind
in Larderello aussergewoehnlich gut. Die Elektroarbeiter gehoeren der italienischen Gewerkschaft Freier Elektroarbeiter an,
die dem nichtkommunistischen italienischen Gewerkschaftsbund angeschlossen ist. Sie arbeiten In der Woche 48 Stunden, und Ihre
Gewerkschaft hat fuer sie Sozialversicherungs- und Krankenunterstuetzungen, bezahlten Urlaub, 13 bezahlte Feiertage im Jahr und
eine Weihnachtsgratifikation durchgesetzt.
Die Kraftwerke in Larderello sind gross und ausgedehnt.
Weilenweit, schlaengeln sich Rohrleitungen durch das Tal, und
zahlreiche Verbindungsleitungen koppeln die gischtenden Dampfschaechte mit. Kraftstationen, Transformatoren, Kondensationstuermen und chemischen Fabriken. In Larderello wird ein wertvolles Nebenprodukt gewonnen. Die vulkanischen Daernpfe dieses

- 14 -

�Gebietes enthalten Borax, Amriioniumkarbonat und Spuren anderer
Chemikalien. Vor etwa 200 Jahren haben die Italiener eine
Industrie errichtet, durch die diese Produkte aus den Daempfen
gewonnen werden. Als einzige Quelle natuerlicher Borsaeure der
.Veit hat diese chemische Fabrik im vorigen Jahr ueber 4.500 Tonnen chemischer Produkte erzeugt.
Durch aetzende Oxydbildung wurden die kupfernen elektrischen
Anlagen und Leitungen in Larderello meistens zerstoert. Man hat
dieser Schwierigkeit durch die Verwendung von Aluminiumdraehten
im ganzen Betrieb abgeholfen.
Im Zentrum der italienischen Halbinsel freieren, kann Larderello
seinen Kraftstrom nach allen Richtungen schicken und Italiens Vorraete an elektrischer Energie ergaenzen. Etwa 65 % des erzeugten
Stromes werden von d'en staatlichen Eisenbahnen abgenommen. Weitere
25 )\ werden in den Fabriken verbraucht, waehrend die restlichen
10 % Bueros und Wohnungen mit Licht ström versorgen.
Zu Anfang des Jahres 1944 wurden in Larderello die Turbinen,
Generatoren, chemischen Fabriken und Arbeiterwohnungen von deutschen
Truppen auf dem Rueckmarsch zerstoert. Amerikanische Heeresingenieure und amerikanische Techniker halfen den Italienern, die
Anlagen mit einem Kostenaufwand von acht Milliarden Lire wiederaufzubauen. Im August des vergangenen Jahres drehte sich wieder
die erste Turbine.
"Im Jahre 1950 lieferte Larderello 7-| % der gesamten Stromerzeugung Italiens. Mit den neuen Anlagen kann dieser Anteil nun
um weitere 5 % gesteigert werden. Es ist wohl der billigste Strom
der Welt, der hier erzeugt wird. Denn der Bau von Wasserkraftwerken ist kostspielig, und mit Kohle betriebene Elektrizitaetswerke sind im Verbrauch sehr teuer.
Da Italien nur ueber minderwertige Kohle verfuegt und die
Moeglichkeiten einer Nutzbarmachung der Wasserkraft begrenzt sind,
kann die Bedeutung Larderellos nicht hoch s;enug einweschaetzt werden.
Die Reserven an vulkanischen Daempfen sind in Larderello anscheinend unerschoepflich, waehrend Wasserkraftwerke saisonbedingten
Schwankungen in der Versorgung unterworfen s^nd.
Es handelt sich hier tatsaechlich um ein einzigartiges Unternehmen - "Vulkane drehen Turbinen" - mit denen in Italien Strom
erzeugt wird, um einem Land zu helfen, das bestrebt ist, aus eigener
Kraft heraus wieder wirtschaftlich selbstgenuersam zu werden. Die
Allamerikanische Gewerkschaft der Elektroarbeiter ist stolz auf
die Hilfe, die die USA den italienischen Arbeitern und besonders
den Elektroarbeitern zukommen laesst, die soviel dazu beitragen
koennen, dass auch die uebrin;e Bevoelkerung wieder zu produktiven
Buergern wird. Die amerikanischen Elektroarbeiter ^ruessen die
ECA und wuenschen ihr in allen ihren Unternehmungen den gleichen
Erfolg wie in Larderello.
The Electrical Workers Journal
VII/51
Organ der Allamerikanischen Gewerkschaft der Elektroarbeiter (AFL)

KOMMUNISMUS IN BURMA VERLIERT AN BODEN.

Der Kommunismus kann in Suedostasien durchaus besiegt werden.
Aber hierfuer braucht man wirtschaftliche und soziale Hilfe und
- 15 -

�auch eine gewichtige militaerische Staerke. Dies ist die
Meinung des sozialistischen Ministerpraesidenten in Burma,
Thakin Nu. In einem Interview mit Henry R. LIeberman von der
"New York Times" fuegte der 44-jaehrige burmesische Ministerpraesident hinzu, eine friedliche Beilegung des Korea-Konfliktes
muesse nicht unbedingt eine Erhoehung der kommunistischen Gefahr in diesem Gebiet zur Folge haben. Die Marshallplan-Hilfe
sei ein wirksames Gegengewicht gegen den kommunistischen Druck.
Im vergangenen Jahr erhielt Burma von der Verwaltung fuer
Technische Zusammenarbeit mehr als zehn Millionen Dollar fuer
die Entwicklung des Gesundheitswesens, die Poerderung der Landwirtschaft und des Transportwesens, sowie fuer die Einfuhr
wichtiger Verbrauchsguetern.
Thakin Nu erklaerte: "Wir brauchen Techniker, Ausruestungen,
Berater und finanzielle Unterstuetzung. Wir wuerden diese Unterstuetzung von jedem Lande annehmen, das sie gewaehren will, ohne
uns politische Fesseln anzulegen. Das amerikanische Programm
bringt uns die Art der Hilfe, wie ich mir sie vorstelle."
Als der Ministerpraesident gefragt wurde, ob ein Friede in
Korea den chinesischen Kommunisten nicht die Moeglichkeit geben
wuerde, ihre Hilfe fuer die kommunistischen Rebellen gegen die
burmesische Regierung zu aktivleren, antwortete er: "Wenn wir
uns den Frieden in Korea zunutzemachen und selbst unsere Vorbereitungen zur Abwehr einer Aggression treffen, glaube ich nicht,
dass dieser Friede eine Gefahr bedeutet."
Thakin unterstrich, dass er den Kommunismus und jegliche
Form der Diktatur ablehne, und fuhr dann fort:
"Ich moechte auf demokratischem Wege ein sozialistisches
System einfuehren. Ich werde das Volk selbst ueber dieses System
entscheiden lassen. Wenn es ihm gefaellt, werden wir gewaehlt.
Wenn nicht, sollen sie uns eben fortjagen."
Der burmesische Ministerpraesident war der festen Ueberzeusung, dass die kommunistische Revolte gegen seine Regierung
im Absterben ist und die burmesischen Kommunisten eine immer geringer werdende Gefahr darstellen, denn, so sagte er, "wir haben
die Massen auf unserer Seite."
Program Services Section
VIII/15/51
US-BAECKERGEWERKSCHAFT SCHAFFT EIGENEM UNFALLVERHUETUNGSFILM.

Die wachsende Zahl der gewerkschaftlichen Filme wird um
einen weiteren vermehrt werden, sobald die Gewerkschaft der Backund Suesswarenarbeiter auf Ihrem Kongress am 17. September ihren
Delegierten den neuen Film "Es haengt von Dir ab" zeigen wird,
der von einer Filmgesellschaft In Hollywood hergestellt wurde.
Der Film beschreibt jene Unfaelle, die erfahrungsgemaess in der
Back- und Suesswarenindustrie auftreten und hat die Aufgabe,
drastisch die Unfaelle am Arbeitsplatz darzustellen und zu bekaempfen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft, William F. Schnitzler,
teilte mit, dass dieser Film nach seinem Start, allen Ortsgruppen
der Gewerkschaft zur Verfuegung steht.
Daily News Service

- 16 M C 00 IE Sept 51 18338 6 K

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNCEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office oi Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 36

Frankfurt, 7. September 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Grundlegende Probleme der Gewerkschaftsbewegung .. 1
Das einzige Mittel zur Steigerung der Reallöhne .. 5
Sozialistischer '.Vettbewerb in der Sowjetunion
zum Scheitern verurteilt
Kommunale Entwicklungsprogramme in Ekuador

8
10

Europaeische Produktionstechniker sammeln wertvolle Erfahrungen in den U.S.A
11
Amerikanische Kommunisten besuchen Russland

14

Hoehere Loehne und mehr Arbeit durch neue Produktionsmethoden

16

Fannia K. Cohn, Sekretaerin im Arbeiterbildungsreferat der
Allamerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter:
GRUNDLEGENDE PROBLEME DER OEyraRKSCiJ^FTSBEV.'EGUNG
Die Gewerkschaftsbewegung ist sich immer dessen bewusst
gewesen, wie wichtig es ist, ihre Mitglieder in ihren Anschauungen, ihren Grundsaetzen und ihrer Politik zu schulen
und sie darauf vorzubereiten, aktiv an der Loesung ihrer
Probleme mitzuarbeiten. Natuerlich sind die Gewerkschaften
selbst, ihre Versammlungen und ihre taeglichen Aufgaben
die beste Schule fuer die Arbeit in der Praxis. Um jedoch
dem Einzelnen ein eingehenderes Studium ueber die Hintergruende der Gewerkschaftspolitik zu ermoeglichen und ihn
dabei zu unterstuetzen,seine Rolle als Buerge einer echten
1

�Demokratie zu spielen, haben die Gewerkschaften die Notwendigkeit erkannt, ihre Arbeit auf dem Gebiete der Arbeiterbildung zu erweitern. In dieser Hinsicht hat das Buero fuer
Arbeiterbildung, die erzieherische Waffe der AFL, eine fuehrende und anerkannte Rolle gespielt.
Die Aufgaben dieses Bueros sind heute von groesserer
Bedeutung als je zuvor. Die Gewerkschaftsbewegung hat in den
Vereinigten Staaten eine bestimmte Reife erreicht. Sie steht
nicht mehr tagtaeglich vor der Notwendigkeit, um ihr blosses
Existenzrecht zu kaempfen. Durch ihre eigene Staerke hat
sie sich einen anerkannten Platz in der Gesellschaft gesichert, dessen Berechtigung nicht mehr anzuzweifeln ist. Auf
politischem und wirtschaftlichem Gebiet hat sich die Bewegung als eine konstruktive Macht entwickelt, mit der gerechnet werden muss.
Aber diese grossen Erfolge der Gewerkschaftsbewegung
haben ihr auch neue Probleme und neue Pflichten auferlegt.
Sie steht heute vor der Aufgabe, nicht nur fuer sich selbst,
sondern auch fuer die gesamte Lebensgemeinschaft des Staates
Fuehrer zu stellen. Sie hat sich viele Freunde gewonnen,
sie musste jedoch dabei feststellen, dass sie maechtige Gegenspieler hat.
Obwohl diese es nicht mehr wagen, wie einst einen frontalen Angriff gegen die Gewerkschaften zu fuehren oder zu
versuchen, sie vollkommen zu zerstoeren, sind sie doch immer noch bestrebt, die Macht der Gewerkschaften zu schwaechen und sie zumindest eines Teils ihrer Handlungsfreiheit
zu berauben. Unablaessige Wachsamkeit ist deshalb auch fuer
eine starke Gewerkschaftsbewegung geboten. Wenn die Gewerkschaften ihre Positionen beibehalten und verbessern wollen,
muessen sie von den Faehigkeiten, die in ihren eigenen Reihen zu finden sind, weitgehenden Gebrauch machen. Die jungen Maenner und Frauen, die den Gewerkschaften zustroemen,
muessen dafuer geschult werden, der Gewerkschaftsbewegung zu
dienen, die wiederum ihnen dienen muss, wenn alle ihre Faehigkeiten zu voller Entfaltung kommen sollen.
In der Vergangenheit sind zahlreiche bekannte Fuehrer
aus der Gewerkschaftsbewegung hervorgegangen, Maenner und Frauen, die sich die Achtung aller Sektoren der staatlichen Lebensgemeinschaft erworben haben. Sie wurden in der Schule
der Erfahrung in den einzelnen Ortsgewerkschaften,als Streikposten, in den Streikbueros und in dem Kampf um den Aufbau
der Organisation angesichts ueberwaeltigender Schwierigkeiten
herangebildet.
Die ersten Kaempfe, unter denen die Gewerkschaftsfuehrer
heranwuchsen, und in denen sie die Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung kennenlernten, sind nun vorueber. Heute gibt es nur
wenige Gewerkschaftsmitglieder, die vor der Notwendigkeit stehen, jene Kaempfe zu durchstehen, und jene Opfer zu bringen,
die von den Pionieren der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
verlangt wurden. Es ist vorteilhaft, dass sich die Gewerkschaften eine Position erobert haben, in der diese Kaempfe
nicht mehr notwendig sind, und die es ihnen ermoeglicht, weitere Erfolge fuer ihre Mitglieder herauszuschlagen, von denen
sie noch vor einer Generation nicht zu traeumen wagte. Dies
bedeutet jedoch auch gleichzeitig, dass die neuen Mitglieder
nicht jene Kampferfahrung haben, die, wenn sie auch oft
grosse Opfer verlangte, grosse Fuehrer hervorbrachte.
2 -

�Wenn die Gewerkschaftsbewegung auch in der Zukunft Fuehrer von der gleichen ^ualitaet wie jene der frueheren Zeit
haben will, uiuss sie irgendeinen Weg finden, um ihren Mitgliedern jene bitteren Lehren der Vergangenheit vor Augen
zu fuehren, die ihnen heute erspart bleiben.
Muessen die jungen Mitglieder alle üaenipfe und Haarten
durchstehen, wie sie die Pioniere der Gewerkschaftsbewegung
kannten, um sich in dieser Bewegung bewaehren zu koennen?
Nein. Der junge amerikanische Buerger braucht nicht mehr
die Kaempfe der Gruendungsvaeter der Republik durchzumachen,
um ein wertvoller Buerger in der Lebensgemeinschaft der
Nation zu sein. Der junge Buerger lernt sein Amerika auch
nur in der Schule, der Hochschule, in seinen Schulbuechern
und dem Geschichtsunterricht kennen. So kann auch der junge
Gewerkschafter mit Hilfe eines wirksamen Schulungsprogramms
viel von seiner Gewerkschaft und der ersten Kampfzeit der
Gewerkschaftsbewegung lernen. Hieraus entwickelt sich eine
Loyalitaet fuer die Bewegung, die sich auf Verstaendnis und
Ueberzeugung gruendet.
Auch heute werden die Probleme, denen die Gewerkschaftsbewegung gegenuebersteht, immer umfassender. Es sind nicht
mehr allein Streiks, Streikpostenketten und Kollektiv-Verhandlungen, durch die die- Lebensverhaeltnisse der Arbeiter
verbessert werden. Die Gewerkschaften beschaeftigen sich
auch nicht mehr nur mit den Arbeitsbedingungen der Arbeiter.
Sie versuchen vielmehr, ihn zu schuetzen und seine Lebensbedingungen als Verbraucher und als Buerger zu verbessern. Sie
sind bestrebt, ihren Mitgliedern volle und sichere Beschaeftigung und einen ausreichenden Schutz in Zeiten der Arbeitslosigkeit, in Krankheitsfaellen und im Alter zukommen zu lassen.
Bei allen diesen Problemen, wie auch bei den Lohn- und
Arbeitszeitproblemen selbst, spielt die Regierung eine Rolle
von staendig zunehmender Bedeutung. Um ihre Mitglieder zu
schuetzen und deren Interesse zu wahren, behandelt die Gewerkschaftsbewegung in Washington und anderen Hauptstaedten
der einzelnen Staaten tagtaeglich neue Probleme. Die Gewerkschaften muessen in der Lage sein, Gesetzgebungsprobleme auf
vielerlei Gebieten zu bearbeiten, weil die Aufgaben der Regierung sich mehr und mehr auf die Gewerkschaften und ihre Mitglieder direkt auswirken. Darueberhinaus suchen auch andere Sektoren der staatlichen Lebensgemeinschaft in der Entwicklung
eines Programms fuer eine bessere Zukunft Amerikas und der Welt
nach geeigneter Fuehrung.
Zusammen mit anderen produktiven und schoepferischen Gruppen, einschliesslich Bauern, Akademikern und allen vorwaerts
strebenden Elementen der Gesellschaft, hat die Gewerkschaftsbewegung eine historische Funktion zu erfuellen. Vereint mit
diesen neuen Freunden kann sie einen gesunden Elnfluss auf
die Entwicklung einer Politik ausueben, die dazu beitraegt,
Sicherheit und Freiheit nicht nur fuer das eigene Land, sondern fuer alle Voelker der Welt zu garantieren.
Dass sich die Arbeiterschaft dieser neuen Moeglichkeit
bewus3t ist, hat sie bereits bewiesen. Der Sieg der Alliierten im vergangenen Krieg und die Bewahrung der freien Nationen vor der nazistischen und faschistischen Tyrannei sind zum
grossen Teil der'historischen Rolle zu verdanken, die die ame3 -

�rikanische Gewerkschaftsbewegung bei der Mobilisierung der
Arbeitskraefte und der natuerlichen Hilfsreserven des Landes
gespielt hat.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hat mitgeholfen, die Gewerkschaften und andere demokratische Kraefte
in den uebrigen Laendern zu staerken; und zwar sowohl in
Laendern, die mit Amerika verbuendet waren, als auch in solchen, in denen amerikanische Truppen die Diktatoren beseitigt haben, die die Arbeiterschaft unterdrueckten. Sie hat
vor allem Verantwortungsbewusstsein und Verstaendnis fuer
jene Weltprobleme an den Tag gelegt, die sie in die vorderste Front der Weltdemokratie gestallt haben. In der Verwaltungsorganisation des Marshall-Planes hat die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung heute eine wichtige konstruktive Aufgabe zu erfuellen, wie sie es auch bereits bei der Entwicklung dieses Planes getan hat.
Die neuen Funktionen, die zu erfuellen die Gewerkschaftsbewegung heute berufen ist, sind so zahlreich und so umfassend, dass diese Bewegung neue Arbeitsmethoden anwenden
musste. Auf vielen Gebieten musste sie auf Experten zurueckgreifen, die wirklich wertvolle Arbeit geleistet haben. Wenn
jedoch diese Experten auch heute noch noetig sind, um die
komplizierten Probleme der Gewerkschaften zu loesen, so koennen sie doch niemals eine aufgeklaerte und aufgeschlossene
Mitgliedschaft ersetzen. Denn wenn die Mitglieder die grundlegenden Probleme nicht verstehen, werden sie auch nicht
die Voraussetzungen fuer ihre Loesung kennen, Experten aber
koennen sie nur verwirklichen, wenn der Boden vorbereitet ist.
Die Festlegung einer Politik ist eine Funktion, die
die Gewerkschaften keinem Aussenstehenden uebertragen kann,
denn sie bildet den Hauptinhalt der Demokratie.
Die »Veit erwartet von der Gewerkschaftsbewegung der Vereinigten Staaten ein konstruktives Programm, das den Interessen der notleidenden Menschheit auf der ganzen Welt Rechnung tragen muss.
Niemand kann sich der Tatsache entziehen, dass grosse
wesentliche Reformen nicht ohne Gesetzgebung zustandegebracht
werden koennen. Die besten Elemente in der Gesellschaft
werden bereit sein, sich der Gewerkschaftsbewegung in ihren
Bestrebungen anzuschliessen, einen positiven Einfluss auf
die Regierung auszuueben.
Die Gewerkschaftsbewegung kann sich mit ihrer realistischen Auffassung und ihrer ueberlegten und vorsichtigen Politik an einer solchen Fuehrun« beteiligen. Um sich das Vertrauen aller fortschrittlich denkenden Mitbuerger zu sichern,
muss sie ihre Achtung vor dem Wissen, dem Verstaendnis und
der Aufklaerung vor der Fuehrung und auch vor den Millionen
Gewerkschaftsmitgliedern unter Beweis stellen, denen der
Segen der Demokratie zugedacht ist. Dies ist zugleich die
aktuellste Aufgabe und eine neue Moeglichkeit fuer weitere
Fortschritte der Gewerkschaftsbewegung.
The Federationist
XI/49
- 4-

�DAS EINZIGE rflTTEL ZUR STEIGERUNG DiJt REALLQ&amp;HNE
Der nachstehende Artikel, der in der Londoner "Sunday
Times" am 26.3.1951 veroeffentlicht wurde, wird von
den Fuehrern des Europeeisehen Produktivitaetsprogramms
als eine bedeutende Abhandlung zu diesem Thema betrachtet. Der .Verfasser ist der Generalsekretaer
der britischen Chemiearbeitergewerkschaft Bob Edwards.
Im Jahre 1950 produzierte Amerika mit. einer Bevölkerungsziffer von 150 Millionen Waren im Werte von 260 Milliarden
Dollar. Eine halbe Killion amerikanischer Bergleute foerderten mehr Kohle zutage als die zwei Millionen Bergarbeiter in
Europa. Eine Arbeitsstunde in Amerika entspricht heute 15
Arbeitsstunden auf der uebrigen Welt.
Der Impuls der amerikanischen Produktion ist so gewaltig,
dass sich das amerikanische Volk heute des hoechsten Lebensstandards der ganzen weit erfreuen kann. Es steigerte sich
1950 das Durchschnittseinkommen jedes einzelnen Llannes, jeder
Frau und jedes Kindes um 9&gt;. Es trifft zu, dass der amerikanische Wohlstand durch viele rein natuerliche Faktoren erleichtert wird. Aber selbst wenn man diese Faktoren beruecksichtigt, bleibt die wesentlichste Ursache dieser hohen Produktivitaet die viel hoehere Leistungsfaehigkeit der amerikanischen Industrie im Vergleich zu der in England und im uebrigen Europa. Dies ist wiederum durch die Tatsache bedingt,
dass sich die amerikanischen Arbeiter durch ihre Gewerkschaften den Grundsatz zu eigen gemacht haben, dass ihr Lebensstandard
von einer staendig ansteigenden Produktionsleistung
abhaen*rig ist, und sie haben nicht gezoegert, neue Ideen der
industriellen Betriebsfuehrung und Arbeitsmethoden zu akzeptieren.
In den letzten zehn Jahren haben der britische Gewerkschaftskongress TUC und die britische Regierung immer wieder
auf die Notwendigkeit einer gesteigerten Produktion hingewiesen. Diese Aufforderung hat in gewissem -lasse zu Erfolgen
gefuehrt. 1950 war die Produktion um 9&gt;b hoeher als 1949,
und trotz Rohstoffmangel konnte dieser Vorsprung auch in den
ersten sechs Monaten des Jahres 1951 beibehalten werden.
Er kann jedoch noch wesentlich erweitert werden, wenn beide
Partner der Industrie bereit sind, die noch bestehenden hinderlichen veralteten 2iethoden zu beseitigen.
Die 50 verschiedenen Berichte der Besuchergruppen, die
nach Amerika gereist sind, um dort Fragen der Produktivitaet
zu studieren, beweisen ohne jeglichen Zweifel, dass moderne
Produktionsmethoden und wissenschaftliche Betriebsleitung
bei allgemeiner Anwendung von Anreizlahnsystemen eine staendis;e Erhoehunsr der Realloehne ermoeglichen und den Einfluss
und die Staerke der amerikanischen Gewerkschaften eher erweitert als beschraenkt haben. An Hand des Berichtes einer
Besuchergruppe, die sich aus britischen Gewerkschaftsfunk tionaereb zusammensetzte und 1949 in den Vereinigten Staaten
weilte, um die Arbeitsweise der amerikanischen Gewerkschaften
und ihre Auswirkung auf die industrielle Produktion kennenzulernen, hat der Verwaltungsausschuss des TUC den Gewerkschaften folgende Vorscnlaege unterbreitet:
a) Sie muessen sich aktiv fuer moderne Methoden der
Produktion und Betriebsleistung einsetzen, um die
Leistungsfaehigkeit der Industrie zu verbessern.
- 5 -

�b)

Sie muessen Leute beschaeftigen, die in der Lage sind,
bei der Loesung von Produktionsproblemen Ratschläge
zu erteilen, und sie muessen mithelfen, ihre eigenen Referate fuer Produktionsfragen zu errichten,
wo es angebracht ist.

cj Sie muessen fuer grosszuegige Ausbildungs- und Schulungseinrichtungen fuer ihre Mitglieder sorgen und
d)

ueberpruefen, ob ihre Organe Produktionsprobleme
so wirksam wie moeglich behandeln und Beschreibungen geeigneter technischer Apparaturen und Methoden
an ihre Mitglieder verteilen.

Dies stellt eine Revolution in der Denkweise der Gewerkschaften dar und, wenn auch die britischen Gewerkschaften
nicht den Wunsch haben, amerikanische Produktionsmethoden unveraendert auf die britischen Industrien zu uebertragen, so
unterstreichen sie doch die Notwendigkeit gesteigerter Produktion durch Modernisierung und Neuausruestung.
Diese Notwendigkeit erfordert die Beibehaltung eines
hohen Niveaus der Kapitalinvestierung, und da wahrscheinlich
80% der britischen Wirtschaft in Privathand bleiben, kann
diese Kapitalinvestierung nur aus den Gewinnen oder Ueberschuessen kommen. Wenn die neuerdings gestellten Forderungen
nach Lohnerhoehungen durch Beanspruchung eines groesseren
Teils der Gewinne befriedigt werden sollen, werden entweder
die Kapitalinvestierungen reduziert oder die Preise gesteigert werden muessen. Folglich werden die Realloehne der
Arbeiter - zum Unterschied von der groesseren Lohntuete nicht erhoeht werden.
Die gesteigerte Produktion pro Arbeiter und pro Arbeitsstunde ist der einzige Ausweg aus diesem Dilemma. Es ist
der Weg, die Realloehne zu erhoehen und gleichzeitig die
Preise zu senken, vorausgesetzt, dass die Gewinne aus der
gesteigerten Produktion an alle gleichmaessig verteilt werden.
Die chemische Industrie, mit der ich mich unmittelbar
beschaeftige, ist ein bezeichnendes Beispiel. Die gesteigerte Produktion in diesem Industriezweig ist ein wichtiger
Schluessel zur Zukunft Grossbritanniens als Industriemacht.
Diese Industrie liefert nicht nur die Zubringerrohstoffe
fuer alle Grundstoffindustrien, sondern ihre Erzeugnisse gehoeren auch zu den wichtigsten Exportartikeln. Wenn wir
diesen Export vor allem nach den Dollargebieten steigern
koennen, vergroessern wir unsere Moeglichkeit, mehr Lebensmittel und lebenswichtige Rohstoffe zu importieren.
Die grosse Ausdehnung der chemischen Produktion in den
vergangenen Jahren ist vor allem auf die Modernisierung und
Neuausruestung zurueckzufuehren, woraus sich ergibt, dass
die Arbeiter dieser Industrie Traeger sehr hoher Kapitalanlagen sind. Auf jeden Arbeiter dieser Industrie kommen im
Durchschnitt Betriebsanlagen und Ausruestungen im Werte von
1600 Pfund Sterling, mit denen er chemische Erzeugnisse im
Werte von etwa 2400 Pfund Sterling im Jahre produziert. Wenn
die jetzigen Plaene zu weiteren Kapitalinvestierungen verwirklicht sind, werden auf jeden Chemiearbeiter rund 2500
Pfund Sterling in Form von Betriebsanlagen kommen, die eine
6 -

�Produktionskapazitaet fuer chemische Erzeugnisse im Werte von
3500 Pfund üterling jaehrlich darstellen.
Die volle Auswertung dieses wertvollen Besitzes muss jedoch durch eine aufgeschlossenere Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Arbeitern und deren Bereitwilligkeit ermoeglicht werden, sich den neuen Verhaeltnissen anzupassen. Viele
Betriebe leben weiter in dem alten Trott und begnuegen sich
damit, unter Anwendung alter Produktionsmethoden geringe Gewinne zu erzielen. Wir haben noch Zeit, aber die Zeit ist
bemessen. Selbstzufriedenheit wird bald durch die gesteigerte Konkurrenz erschuettert werden, die vor allem aus Amerika,
Kanada und den wiederbelebten chemischen Industrien Deutschlands kommt.
Neue Ausruestungen und neue Betriebe allein reichen
nicht aus. Sie sind nur Mittel und Werkzeuge. Die chemische
Industrie und natuerlich auch alle anderen Industrien muessen
die Durchschnittsproduktion zu einem Hoechststand bringen.
Hierzu ist es erforderlich, dass Anreizlohnsysteme allgemein
angewendet werden. Wir haben selbst die Erfahrung gemacht,
dass in jede:,i Betrieb, in dem diese Systeme in gemeinsamer
Zusammenarbeit und nicht durch willkuerlichen Entscheid der
Betriebsleitung eingefuehrt wurden, hoehere Produktivitaet
und hoehere Ertrae&amp;e bei niedrigeren Gestehungskosten moeglich wurden und die Einkommen der Arbeiter um 30 bis 60%
ueber den nationalen Mindestlohn gesteigert werden konnten.
Die Anreizlohnsysteme sind je nach den oertlichen Verhaeltnissen und Erzeugnissen verschieden. Sie sind aus der Bezahlung aufgrund von Zeit- und Bewegungsstudien, aus Stueckloehnen und Akkordloehnen oder einer Kombination dieser drei Verguetungsmethoden entwickelt.
Unsere Mitglieder haben, wie uebrigens auch in anderen
Industrien, die Einfuehruns derartiger Systeme gefuerchtet in Anbetracht der zwischen den beiden Weltkriegen gesammelten
schlechten Erfahrungen nicht ohne guten Grund.
In der Nachkriegszeit jedoch hat man sich ein ganz neues
Bild von ihrem Zweck und ihren Auswirkungen gemacht und sie
zu schaetzen gelernt. ^&gt;ie Arbeiter im allgemeinen und besonders unsere Betriebsraete haben sich dieser neuen Verantwortlichkeit unterzogen, und sie haben nun Verstaendnis fuer die
Grundsaetze und Methoden der Anreizlohnsysteme. Die Forderung
nach solchen neuen Methoden der industriellen Betriebsfuehrung
ist deshalb von dem einfachen Arbeiter selbst gekommen.
Anreizlohnsysteme als Schluessel zur gesteigerten Produktivitaet werden niemals bereitwillig und rueckhaltlos akzeptiert, wenn die Gewerkschaften keine Vereinbarungen mit den
Unternehmern getroffen haben, die den Gewerkschaftsfunktionaeren und Betriebsraeten das Recht geben, sich an der Ausarbeitung der Methoden und Zeitnormen zu beteiligen und sie zu
kontrollieren. Wenn wir aus einer sichtbaren wirtschaftlichen
Niederlage eine Lehre ziehen und die Grundlagen fuer eine
Wirtschaft des Ueberflusses legen wollen, muessen diese neuen
Methoden zu einer Selbstverstaendlichkeit in der gesamten britischen Industrie werden.
ECA Labor Information
- 7

�SOEIALISTISCI&amp;R lYSTTBhVasRB IK DLR SOWJSTUNKK ZUM SCHEITERN
VERURTEILT
Diese Feststellung ist einem Artikel zu entnehmen, der
vor kurzem in der sowjetischen Gewerkschaftszeitung "Trud"
veroeffentlieht wurde. Ihr Verfasser ist V. V. Kuznetsoff,
der Fuehrer der sowjetischen Gewerkschaften. Kuznetsoff
kuendigt an, dass einschneidende Veraenderungen in dem sogenannten sozialistischen Arbeitsdisziplinsystem angeordnet
wurden. Diese Zassnshme schliesst sich einer langen Reihe
von Bemuehungen an, Kaengel zu beseitigen und lüssbraeuche
unmoeglich zu machen, Bemuehungen, die sich bereits ueber drei
Jahrzehnte erstrecken.
Die kommunistische Theorie, die besagt, der sozialistische '.Vettbewerb sporne die Arbeiter zu noch groesseren Anstrengungen bei der Steigerung der Produktivitaet an, hat sich
in der ?raxi3 als irrtuemlich erwiesen. Dies wird durch eine
vor kurzem beendete Untersuchung mehrerer sowjetischer Gewerkschaf tsfuehrer bestaetigt, die natuerlich hohe stalinistische
Beamte sind, vom Politbuero ernannt wurden und ihre Untergebenen selbst auswaehlen.
Die Untersuchungen haben, wie Kuznetsoff erklaerte, bewiesen, dass viele Direktoren und Betriebsleiter, aber auch
Gewerkschaftsbuerokraten die endlosen sozialistischen Wettbewerbe mechanisch und ohne Begeisterung durchfuehren. Produktionsziele und Formen werden festgesetzt, ohne dabei die Arbeiter zu Rate zu ziehen. Die ablehnende Haltung der Arbeiter ist nicht ueberwunden, und ihre aktive Kitarbeit ist
keineswegs gesichert.
In vielen Faellen, so gibt Kuznetsoff zu, hat der Versuch, die Arbeiter zu Aktivisten zu erziehen und damit finanzielle Vorteile, ansehen und Vorrechte zu gewinnen, zu schweren Missbraeuchen gefuehrt. Fuer die Betriebsleitung gilt
iuantitaet oft mehr als ^ualitaet, um gute Berichte einreichen und die Produktionsziele als"uebertroffen" melden zu
koennen." 7/aren, die leicht herzustellen sind, werden in zu
grosser ifenge produziert, waehrend andere Artikel, die in
anderen Fabriken gebraucht werden, nicht in genuegender Anzahl vorhanden sind. Damit wird das wirtschaftliche Gleichgewicht nichv erreicht, das die mit der Produktionsplanung Beauftragten anstreben.
Fabrikdirektoren behalten ausserdem ihre alten Produktionsmethoden bei, gegen die sich hohe Buerokraten schon jahrelang gewehrt haben, und geben einfach falsche Produktionsziffern an. Sie bedienen sich dieser Faelschungen, um obendrein gelobt zu werden und die ausgesetzten Praemien zu erhalten. Der schlimmsten Vergehen auf diesem Gebiet hat sich
Kuznetsoff zufolge die Transportmaschinenindustrie schuldig
gemacht. In frueheren Veroeffentlichun"-en anderer sowjetischer Zeitungen wurden noch andere Industrien genannt. Seit
laengsrer Zeit ist jedoch praktisch jede Industrie der sowjetischen Wirtschaft diesem Prozess der sogenannten "Selbstkritik" unterworfen gewesen.
Kuznetsoff beschwert sich darueber, dass auch bei der
Verteilung von Praemienzahlungen im sozialistischen Vettbewerb nach den Methoden Stachanows Korruption getrieben wird.
8 -

�Oft werden Praemien Arbeitern zuerkannt, die nichts oder nur
wenig getan haben, um sie zu verdienen. Bei der Verteilung
der Preise scheinen Tolitik und Guenstlingswesen eine hervorragende Rolle zu spielen, oder aber die Praemien, die durch
gefleischte Berichte zuerkannt wurden, werden g.eichmeessig
unter die Arbeitnehmer des Betriebs verteilt, sodass niemand
soviel erhfllt, um darin einen Ansporn zu sehen.
Kuznetsoff wirft ausserdem den Betriebsleitern vor, ihre
Bemi;ehungen in erster Linie auf die Steirerung der Produktion
und weniger auf die Befriedigung der Beduerfnisse der Arbeiter
zu richten, wie zum Beispiel den Wohnungsbau. Sie vergaessen,
dass angemessene Lebensbedingungen eine Vorbedingung f'uer die
Steigerung der Produktion sind.
Man hat in Russland eine neue Reihe von Massnahmen gebilligt, um solche Uissbraeuche und Maengel im sowjetischen
System der Arbeitsdisziplin und des sozialistischen Vettbewerbs zu beseitigen. Die neuen Richtlinien enthalten verschiedene Bestimmungen und Bedingungen fuer die verschiedenen
Industrien. Zur Senkung der Produktionskosten werden konkrete
Vorschriften erlassen. Die Fabriken muessen sich bei der Herstellung ihrer Erzeugnisse genau an die Vorschriften der Regierung halten. Es werden ausserdem Sparsamkeit in der Verwendung von Rohstoffen und eine Verbesserung der ^ualitaet gefordert.
Angesichts der Tatsache, dass man sich schon seit drei
Jahrzehnten oder zumindest seit dem ersten Fuenf-Jshresolan,
der 1928 begann, in dieser Richtung bemueht, haben sich viele
Experten fuer sowjetische Fragen und auch Fluechtlinge aus
dem "Arbeiterparadies" skeptisch zu diesem Versuch geaeussert.
Leistungsfähigkeit und Begeisterung, so erklaeren sie, koennen nicht befohlen werden, Erst recht kann die Buerokratie
nicht auf Befehl abgeschafft werden.
Sie sind der ansieht, dass eine grundlegende Ursache fuer
diese immer wiederkehrenden Fehler und Uissbraeuche die Ueberzeugung der sowjetischen Arbeiter ist, dass sie nicht die
kollektiven Besitzer der Produktionsmittel sind, und dass
die Gewinne aus der gesteigerten Produktion nicht gerecht verteilt werden. Die Arbeiter sehen die wachsende Kluft zwischen
der buerokratischen Elite und den einfachen Arbeitern.
Das sowjetische System des imitierten Wettbewerbs ist
ein klaeglicher Ersatz fuer den wirklichen 'Wettbewerb, der
bei einer echten Zusammenarbeit in der freien .Veit floriert.
Ebenso ist das sowjetische System der "Selbstkritik" nicht
einmal ein schlechter Ersatz fuer v/irkliche Kritik, üie
kann nicht Rede- und Pressefreiheit oder die Rivalitaet politischer Parteien ersetzen, die sich um die Unter^tuetzung
ihrer Politik durch die breite Masse des Volkes bemuehen
muessen. üuf wirtschaftlichem Gebiet ist Selbstkritik nichts
anderes als Zurechtweisung kleinerer Beamten durch solche in
hoeheren Stellungen. Die Beamten im zweiten Rang, die ihre
Irrtuemer zwar einsehen, waelzen die Schuld auf den dritten
Rang eb. So geht dies weiter, bis die unterste ochicht der
riesigen buerokratischen Pyramide, also schliesslich die Arbeiter, verantwortlich gemacht werden, über die Fehler und
Vergehen scheinen immer wieder aufzutauchen. A'enn ein I an^el
an einer Stelle beseitigt ist, tritt er an einer anderen auf.
9 -

�Zusammen mit der Sklavenarbeit und anderen Einrichtungen
des Stalinismus ist die bolschewistische Methode der "Selbstkritik" in alle Satellitenstaaten der Sowjetunion exportiert
worden. Deshalb ist auch die offizielle Presse jeder dieser
Marionettenregierungen augenblicklich mit Beschwerden angefuellt, die denen Kuznetsoffs gleich sind.
In Sowjetrussland, dem Mutterland des Stalinismus, konnte
man durch endlose Saeuberungsaktionen, die in den obersten und
untersten Reihen der herrschenden Partei und in dem buerokratischen Gebilde durchgefuehrt wurden und bei denen es schwerste
Strafen hagelte, diese Probleme nicht loesen. wenn die Bolschewisten, die seit 34 Jahren die diktatorische Gewalt ausueben, ihr eigenes Land von der buerokratischen Leistungsfaehigkeit nicht befreien koennen, ist es kein 'Wunder, dass ihre
Koerigen, die aehnliche Methoden anwenden, in ihrer kurzen
Karriere als Diktatoren ebenfalls versagt haben.
Keinem dieser Tyrannen ist es je eingefallen, dass es
hiergegen nur ein einziges wirksames Mittel gibt: naeralich
demokratische Methoden!
Program Services Section
VIII/SS/51
KOM::UNALE SKTV.-IGKLUT^GSPROGRA:,^^ I N EKUADOR

.am 14. Mai 1951 haben der Fraesident von Ekuador und die
Minister fuer Finanzen,Regierungsauftraege, oeffentliche Arbeiten und soziale Wohlfahrt ein "Programm der kommunalen Entwicklung durch die Initiative der Zivilbevoelkerung" angekuendigt. Nachdem Glenn Leet, ein Berater der Vereinten Nationen fuer Kommunale Entwicklungsprogramme eine Inspektionsreise nach Ekuador unternommen hatte, wurde das Programm von
den Vereinten Nationen gebilligt, .auf Ersuchen der Regierung
von Ekuador stellt diese Organisation einen amerikanischen
Soziologen zur Verfuegung, der sich seit langem auf soziologische Probleme in Lateinamerika spezialisiert hat und bei
der Durchfuehrung des Programms Ratschlaege erteilen soll.
Der Sinn dieses Programms in Ekuador ist, ein neues Verhaeltnis der Zusammenarbeit zwischen den zentralen und oertlichen Behoerden und der ortsansaessigen Bevoelkerung herzustellen. Dadurch sollen die Menschen ermutigt werden, ihre
Freizeit fuer kommunale Reformen zur Verfuegung zu stellen,
deren Wahl ihnen selbst ueberlassen bleibt.
In dem Programm ist vorgesehen, dass die nationalen, provinzialen, kantonalen und oertlichen Behoerden den Bewohnern
ihrer verschiedenen Zustaendigkeitsgebiete den Begriff "Kommunalentwicklung" auf folgende Weise auseinanderlegen:
"Wenn in einer Gemeinde durch die freiwillige und unbezahlte Arbeit ihrer Bewohner Arbeit von oeffentlichem Nutzen
geleistet wird, wird die Regierung des Landes jedem einzelnen
Arbeiter als Ansporn eine kleine Praemie fuer seine taegliche
Arbeit gewaehren.
"Diese Praemie, die pro Tag einen Sucre betraegt und unter dem Namen 'Sucre des Patriotismus' bekannt ist, soll kein
10 -

�Lohn oder Gehalt sein, sondern vielmehr eine Anerkennung
der Regierung fuer den wertvollen patriotischen Beitrag,
den jeder Einzelne durch seine Arbeit in seiner Freizeit
zur Foerderung gemeindlicher Reformen geleistet hat."
Der 'Sucre des Patriotismus' kann je nach Wunsch der Betreffenden an Einzelpersonen oder auch kollektiv verteilt
werden. Jede Art der Arbeit, die von oeffentlichem Nutzen
ist, passt in dieses Programm, so zum Beispiel die Verbesserung von Strassen, der Bau neuer Strassen, Entwaesserung,
Bewässerung, Flussregulierung, Bau von Schulen, 'Wasserversorgung oder Schaffung von hygienischen Einrichtungen.
In der Verordnung ist ausserdem die Bildung nationaler,
Drovinzialer und 'lokaler Ausschuesse fuer Komiuunalentwicklung und die Ernennung technischer Sachbearbeiter vorgesehen, die die Vorschlaege zur Kommunalentwicklung auf ihre
Brauchbarkeit ueberpruefen sollen. Das Programm wird aus dem
re^ulaeren Haushalt des Landes finanziert, und zu seiner
Durchfuehrung ist kein zusaetzliches Verwaltungspersonal erforderlich.
Dieses Programm in Ekuador bedeutet fuer Lateinaraerika
zum erstenmal die Verwirklichung der Grundsaetze der "Beschaeftigunp durch Kommunalentwicklung", die zum erstenmal
von den Vereinten Nationen in Griechenland angewandt worden
waren. Leet und andere Sachverstaendige haben zahlreiche
Doerfer und Landbezirke in Ekuador besucht, um festzustellen,
wie dieses Programm am besten den dortigen Verhaeltnissen angepasst werden kann. Das Programm in seiner endgueltigen
Form, in der es gebilligt wurde, gruendet sich zum Teil auf
die Ergebnisse der an Ort und Stelle durchgefuehrten Studien.
Economic and Social Programs
in the United Nations
VIII/51
EUROPÄISCHE PRODUKT IONS TECHNIKER SALiMSLN WERTVOLLE ERFAHRUNGEN IN DEN U.S.A.
Die erste Besuchergruppe, die sich aus Produktionstechnikern verschiedener europaeischer Gewerkschaften zusammensetzte und im Rahmen des technischen Unterstuetzungsprogramms
der ECA die Vereinigten Staaten besuchte, hat vor kurzem ihre
Orientierungskurse in New York beendet und ist in Untergruppen aufgeteilt worden, die ihre Studien in den fuer sie in
Frage kommenden Industrien fortsetzen.
Die Gruppe selbst ist in ihrer Zusammensetzung der Nation,
die die Produktionstechniker besuchen, sehr sehnlich. Die
Vereinigten Staaten, deren Menschen aus allen Teilen der Welt
kommen, sind oft als "Schmelztiegel" bezeichnet worden. Die
Besuchergruppe setzt sich aus drei Schweden, einem Norweger,
zwei Daenen, einem Deutschen und einem Englaender zusammen.
Die einzelnen Mitglieder der Gruppe werden jetzt vorgestellt:
Folke Eberhard Svensson aus Huddinge (Schweden) ist ein
Vertreter der Schwedischen Textilarbeiter-Gewerkschaft, der
gemeinsam mit Olav Bruvik aus Haus (Norwegen) amerikanische
Betriebe aufsucht. Bruvik ist Vorsitzender der Norwegischen
- 11 -

�Textilarbeiter-Gewerkschaft. Beide betreiben ihre Studien
unter der Anleitung Solomon Barkins, des Leiters der Forschungsabte ilunp der Amerikanischen Textilarbeiter-Gewerkschaft, die dem CIO angeschlossen ist.
Henry Ernest Matthews aus Surrey (England), ein Sachbearbeiter fuer industrielle Fragen in der Gewerkschaft der
Fabrik- und Kommunalarbeiter, der zusammen mit Arnold R.
Johannesson, dem Vorsitzenden der Klempner-Gewerkschaft
Daenemarks umherreist. Diese beiden Experten arbeiten unter
der Leitung Dr. William Gombergs, des Leiters des Referats
fuer Technische Betriebsleitung in der Allamerikanischen
Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter (AFL).
Harry Jensen aus Kopenhagen, ein Treuhaender und Bezirkskassierer der Ortspewerksch&amp;ft Fr. 12 der Daenischen
.'/iechaniker-Gewerkschaft, der gemeinsam mit Hans Hagnell aus
Stockholm, dem Leiter des Wirtschaftlichen Forschungsreferats der ochwedischen Metallarbeiter-Gewerkschaft die Studienarbeiten durchfuehrt. Robert Kanter, der stellvertretende Leiter des Referats fuer Forschung und Technik in
der Vereinigten KUtoncbilarbeiter-Gewerkschaft von Amerika
(CIO), beobachtet und foerdert die nrbeit Jensens und
Hagnells.
Zwei weitere Mitglieder der uruppe fuehren ihre Studien
allein durch. Es sind dies ülfred Beyer aus Duesseldorf,
ein Chemiestudent und nebenamtlicher Referent in der DGBHauptabteilung II, parlamentarische Verbindungen und ERP,
der sich eingehend mit Produktivitaetsfragen der Gummi-Industrie in ükron [ Ohio) beschaeftigt.
Per Adolph Geijer aus Falun iSchweden), ein Zeitstudienexperte und Vorsitzender der Ortsgewerkschaft in Falun, die
der Gewerkschaft der technischen und Bueroangestellten angeschlossen ist, muss seine Studien beschleunigt durchfuehren,
weil er aufgrund gewerkschaftlicher Verpflichtungen fruehzeitig nach Schweden zurueckkehren muss.
Die Gruppe kam am 13. Juli in den Vereinigten Staaten
an und verbrachte die ersten vier Wochen in New York, wo
sie an Vorlesungen bekannter amerikanischer Universitaetsprofessoren teilnahm.
In diesen Vorlesungen wurden alle Phasen der amerikanischen Industrie unter besonderer ßeruecksichtigung der Probleme der tsetriebsleitung, der Gewerkschaften und der sozialen .Yohlfahrt behandelt, unmittelbar nach der letzten Vorlesung wurde die GruDpe in kleinere Einheiten aufgeteilt.
Matthews begab sich allein nach Peoria in Illinois, wo er
die Traktorenfabrik besichtigte, in der 28 000 Arbeiter beschaef tigt sind, deren tarifverhandlungsberechtigte Gewerkschaft die Automobilarbeiter-Gewerkschaft des CIO ist. Er
ging sodann nach Lima in Ohio, um die v.echselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern in dem Unternehmen
Baldwin-Hamilton zu studieren. In dieser Fabrik, in der Aus3Chachtungsmaschinen hergestellt werden, stellte Matthews
fest, dass der Tarifvertrag, den die Automobilarbeiter-Gewerkschaft abgeschlossen hatte, eine Aufbesserungsklausel
enthaelt. Nach dieser Bestimmung werden die Loehne zu Beginn
eines jeden der fuenf Jahre, ueber die sich der Vertrag er- 12 -

�streckt, automatisch um vier Cents pro Stunde erhoeht. Diese
automatische Lohnerhoehung gruendet sich auf die Tatsache,
dass sich die amerikanische Wirtschaft jaehrlich aufgrund
technologischer Fortschritte um 2&amp;# erweitert. Die Lohnaufbesserung wirkt sich somit weder auf Kosten noch auf Preise
aus und somit auch nicht auf die Verhandlungen um andere Erhoehungen der Grundloehne des Unternehmens.
Johannesson hatte inzwischen Washington besucht, wo er
Unterredungen mit Martin Durkin, dem Vorsitzenden der allamerikanischen Klempner-Gewerkschaft fuehrte. In Washington arbeitete Johannesson mehrere Tage praktisch als Klempner und
erwarb sich viele neue Kenntnisse bei der Anwendung mechanischer Hilfsmittel in diesem Handwerk.
Matthews und Johannesson trafen sich in Toledo wieder
und setzten ihre Reise gemeinsam fort. Auf ihrem Rueckweg
nach New York bereiteten sie sich auf ihre Konferenzen mit
Dr. Gomberg vor und besuchten Steinbrueche, Zementfabriken
und aehnliche Betriebe. Beide waren von den kameradschaftlichen Beziehungen zwischen Weissen und Negern stark beeindruckt
und waren erstaunt, den "schwarzen" Mann als voellie: Gleichberechtigten in Gewerkschaftsversammlungen zu sehen.
Bruvik und Svensson verliessen zusammen mit Franklin
Bishop, dem Stellvertreter von Barkin, New York, um die Verhandlungen zwischen der Textilarbeiter-Gewerkschaft und dem
Betriebsleiter mehrerer Fabriken in Pennsylvemien zu beobachten. Ihre Arbeit beschraenkte sich bis. jetzt auf reine
Beobachtung der Vorgaenge am Konferenztisch. Sie werden
voraussichtlich eingehende Produktionsstudien in den riesigen Textilfabriken Neu Englands durchfuehren.
Hagneil und Jensen gingen nach Detroit, wo sie unter
der Leitung Robert Kantors mit Funktionaeren der Automobilarbeiter-Gewerkschaft zusammenarbeiteten. Jensen machte
einen Abstecher nach einer der Ortsgewerkschaften dieser Organisation in Toronto (Kanada), dann besichtigten sie gemeinsam den Zweigbetrieb "Dodge" der Chrysler Corporation Dodge.
Sie beobachteten einen Tag lang die Herstellung der DodgeAutomobile, angefangen vom geschmolzenen Metall bis zum fertigen Erzeugnis.
Salt Lake City in Utah war das erste Reiseziel Geijers.
Er besichtigte die Stahlfabrik Geneva bei Provo und hatte
mehrere Besprechungen mit Vertretern der Stahlarbeiter-Gewerkschaft des CIO. Er begab sich hierauf nach Pittsburgh,
wo er mehrere Konferenzen mit William Jacko von der Amerikanischen Stahlarbeiter-Gewerkschaft (CIO) fuehrte. Von dort
wird er nach Washington reisen und vor seiner Abreise nach
Schweden Unterredungen mit den Beratern fuer Arbeitsfragen
in der ECA fuehren.
Beyer hat seine gesamte Zeit damit verbracht, die Gummiindustria in Akron (Ohio) zu studieren.
Waehrend des naechsten Abschnitte ihrer Studienreise
wird die Gruppe in verschiedene Betriebe geschickt werden,
wo sie die Produktionsmethoden studieren soll. Sie wird
sich erst Mitte September wieder vereinigen und gemeinsam nach
Knoxville in Tennessee reisen, um sich dort ueber die Arbeit
- 13 -

�der Verwaltungsbehörde des Tennessee-Tales zu informieren.
Etwa am 15. Oktober wird die Gruppe die Rueckreise
nach Europa antreten.
ESA Labor Information
VIII/27/51
AMERIKANISCHE KOMMUNISTEN BESUCHTEN RUSSLAND
Als Katharina die Grosse russische Zarin war, wollte sie
eines Tages eine Besichtigungsreise nach der Krim unternehmen.
Ihr Guenstling, Feldmarschall Potemkin, wollte sich unter
allen Umstaenden ihre Gunst erhalten. Er liess deshalb entlang der Strasse, die Katharina durchfahren musste, Musterdoerfer bauen und stellte wohlgenaehrte, eigens zu diesem
Zweck angeheuerte Bauern an dieser Strasse auf, waehrend
er eifrig darauf bedacht war, die verarmten, hungerleidenden Sklavenarbeiter vor den Blicken der Zarin zu verbergen.
Katharina war hocherfreut, und damit war die Stellung Potemkins staerker als zuvor.
Heute braucht man nicht mehr derartige Taeuschungsmanoever durchzufuehren, wenn kommunistische "Gewerkschaften"
aus Amerika oder anderen Laendern Stalins Paradies besichtigen. Diese Kommunisten sehen bereits vor ihrer Ankunft
Potemkin'sehe Doerfer vor ihrem geistigen Auge. Das neueste
Beispiel hierfuer ist die Reise der sogenannten araerikanischen"Gewerkschafts"delegation nach Suropa, an deren Spitze
Leon Straus stand, der Vizevorsitzende der "Gewerkschaft"
der Pelz- und Lederarbeiter, die wegen ihrer kommunistischen
Einstellung aus dem CIO ausgeschlossen worden war. Von
den elf kommunistisch gesinnten "Gewerkschaftern", die diese
Reise durch Russland, Polen und kommunistische Gebiete in
Italien und Frankreich unternahmen, gehoeren sechs Gewerkschaften an, die aus dem CIO ausgestossen wurden. Fast alle
anderen waren einfache Gewerkschaftsmitglieder, die nur
ihre eigenen Vertreter und die der kommunistischen Farteifraktion ihrer Betriebe waren. Nach ihrer Rueckkehr in die
Vereinigten Staaten veranstalteten die Delegierten eine
Pressekonferenz, in der sie von den Schoenheiten des Sowjetparadieses berichteten. Jedesmal, wenn die Reporter jedoch
Fragen stellten, Hessen sieh die falschen Fassaden der
Potemkin'sehen Doerfer erkennen.
"Warum ist es sowjetischen Arbeitern nicht erlaubt, einen
Rei3epass zu besitzen?" fragte man zum Beispiel. Ein unverstaendliches Murmeln war die Antwort.
In dem gemeinsamen Bericht wird behauptet,
mals die Geheimpolizei der Gruppe gefolgt sei."
tungsleute jefbeh fragten, woher man dies wisse,
Leon Straus zoegernd: "Soviel uns bekannt ist,
nicht gefolgt."

dass "nieAls Zeierkleerte
ist man uns

Keiner der Delegierten konnte russisch sprechen, und
alle waren somit auf die vier Dolmetscher angewiesen, die
die sowjetische Arbeitsfront zur Verfuegung gestellt hatte.
Diese Dolmetscher waren natuerlich ohne Ausnahme Agenten der
NKWD.
- 14 -

�Straus behauotete, die friedlichen Absichten Stalins
seien offensichtlich, weil die Sow.jet-Union keinerlei Kriegsvorbereitungen treffe. Nach mehreren Fragen stellte es sich
jedoch heraus, dass er und seine Genossen nicht verlangt hatten, irgendetwas, was mit einer Kriegsproduktion zu tun haben
koennte, zu besichtigen. Kurz gesagt, die Kommunisten organisierten eine Vergnuegungsreise nach der Sowjet-Union, die
im voraus festgelegt war, und ueber die man schon vor der
Reise haette entsprechende Berichte schreiben koennen. Vielleicht war dies auch tatsaechlich der Fall.
Eine andere"Gewerkschafts"delegation, diesmal aus England, besuchte vor kurzem das kommunistische Polen. Obwohl
die meisten Delegierten Kommunisten oder Gleichgesinnte waren,
konnten sich einige Nichtkommunisten in die Gruppe einschleichen. Einer von ihnen namens Louis Wright, der Vorsitzende
der Baurawollweber-Gewerkschaft und ein aussichtsreicher Kandidat der Labour-Partei fuer das Parlament, berichtete in
der "Manchester Evening News" folgendes ueber seine Reiseerlebnisse: "Die Taube Picassos flattert in papierener Form
in allen Schaufenstern. Es ist die Taube des Friedens, und
damit der Friede innerhalb Polens erhalten wird, sind in
den Betrieben, auf den Bauplaetzen und in allen Fabriken Uniformierte anwesend, die mit automatischen Waffen ausgeruestet
sind. Bei all diesen Friedensbeteuerungen war es natuerlich
schwierig, eine Erklaerung fuer die anti-britische und antiamerikanische Propaganda zu finden, die ueberall betrieben
wird."
Wrie-ht und eine Grunpe anderer Gewerkschafter besuchten
Nova Huta, eine neugebaute Stadt mit einer Einwohnerzahl von
etwa 120,000. Die dortigen Textilfabriken waren nach dem
Bericht Wrights mit den schlechtesten in Lancashire zu vergleichen. In einer Diskussion ueber den Lebensstandard polnischer und britischer Baumwollarbeiter erklaerte V.'right:
"Es ist schwierig, den Lebensstandard des polnischen Baumwollarbeiters mit dem des britischen zu vergleichen, aber an
Kand der Preise und Loehne kann man sich ungefaehr folgendes
Bild machen, wenn man den Durchschnittslohn in Lancashire
mit sechs Pfund Sterling beziffert.
Um ein Popelinhemd zu kaufen, muss ein Pole eine Woche
und ein Englaender 15 Stunden arbeiten. Der Erloes aus
fuenf Wochen Arbeit eines polnischen Arbeiters und l£ Wochenseines englischen Kollegen entspricht dem Preis eines Herrenanzugs. Fuer'ein Pfund Kartoffeln arbeitet der polnische
Baumwollarbeiter 29 Minuten und sein britischer Kollege 10
Minuten. Ein Pfund Kaese kostet einen Polen 154 Minuten Arbeit und einen englischen Arbeiter 26 Minuten. Waehrend der
polnische Arbeiter fuer 20 Zigaretten jedoch nur 48 Minuten
arbeitet, braucht der britische Arbeiter 70 Minuten, um sie
zu verdienen - aber hisr ist die englische Steuer sehr hoch.
Wright berichtet, dass die Gewerkschaftsdelegetion und
ihre einzelnen Mitglieder waehrend ihres Aufenthaltes in
Polen staendig bewacht wurden. Im Fluesterton fragte er
den Leiter einer Textilfabrik, warum er bewaffnete Wachposten
brauche. Fuer den Leiter dieses sowjetischen Unternehmens
waren bewaffnete .Yaechter eine Selbstverstaendlichkeit, und
er hatte fuer die Frage Wrights kaum Verstaendnis. '..right
beschloss seinen Bericht mit der Bemerkung: "Als ich Polen
verliess, konnte ich micht nicht des Gedankens erwehren - 15 -

�was nuetzt es einem Mann, wenn er die .Veit gewinnt und seine
Seele dabei verliert?"
Program Services Section
VIII/15/51
hOSHSRS LOSKNS UND MEHR ARBKIT DURCH 1-IÜ.US PRODUKTI OTSMETHODKN
Die Kuehlschraenke, die in der Hauptstadt der westlichsten Provinz Oesterreichs hergestellt werden, sind ueberall
auf der Welt, in Suedafrika wie in Schweden, in der Tuerkei
wie in Siam, stark gefragt.
Die Bregenzer Elektra-Gesellschaft, die vor fuenf Monaten eroeffnet wurde, hat ihre MonatsProduktion bereits von
100 auf 500 Kuehlschraenke erhoeht. Man plant, bis zum November monatlich sogar 1000 Kuehlschraenke herzustellen.
Sin wesentlicher Faktor fuer die rapide Steigerung der
Produktion sind die unablaessigen Bemuehungen, die Troduktivitaet der 20 Arbeiter des Betriebs fortwaehrend zu verbessern.
"Es ist ein kleiner Betrieb, in dem kleine Kuehlschraenke hergestellt werden," erklaerte Eduard Sommer, der technische Leiter. "Wir legen besonderen Wert auf praktischen Sinn
bei der Ausarbeitung neuer Arbeitsmethoden; unsere Aufmerksamkeit gilt weniger einer Unzahl kostspieliger Ausruestungsgegenstaende. Wir haben in der Tat die meisten Betriebseinrichtungen selbst entwickelt."
Eine Einrichtung, die eine Zeitersparnis von 25'^ ermoeglichte, ist eine rotierende Schweissanlage. Anstatt die
Kuehleinrichtung Stueck fuer Stueck zusammenzuschweissen,
werden die verschiedenen Einzelteile auf diese Anlage aufmontiert, und die Stellen, die geschweisst werden muessen,
werden dem Arbeiter durch Drehen der Anlage zugefuehrt.
Wenn die Kuehleinrichtung von dieser Anlage abgenommen wird,
ist sie fertig zum Isolieren und kann dann, in den Kuehlschrank eingebaut werden.
"Die Loehne konnten bereits erhoeht werden, was durch
die hohe Produktion moeglich war," erklaerte Sommer weiter.
Eine andere Verbesserung der Produktion war die Installation des sogenannten "runden Tisches". Es ist eine Werkbank, die sich durch Beruehren mit dem Fuss drehen laesst.
Der Arbeiter kann, ohne seinen Stand zu veraendern, das Isolierungsmaterial an den verschiedenen Kuehleinrichtunren anbringen. Die hierdurch gesparte Zeit betraegt schaetzungsweise 4:0p.
Sin wenig Sinn fuers Praktische bei der Einrichtung des
Betriebes konnte ebenfalls zur Verbesserung der Produktivitaet beitragen, ^ie Rollwagen z.B., auf denen die Kuehlschraenke transportiert werden, sind genau so hoch wie die
Pruefstaende. Die Apparate koennen ohne ueberfluessipe Anstrengung von dentfagenauf die Pruefstaende geschoben werden.
Sommer beabsichtigt, die Zahl der ^rbeiter zu erhoehen.
Der Betrieb hat naemlich viele ^uftraege aus dem Ausland erhalten. Auch Italien und der Nahe Osten interessieren sich
jetzt fuer diese Kuehlschraenke. Das grosse Problem jedoch,
so sagt Sommer, ist es, den Wuenschen der Verbraucher hechnung zu tragen.
aCA Labor Information
IX/10/51
- 16 HICOO 19 S«pt M 18J43 58 0

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 37

Frankfurt, 14. September 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
U.S.-Gewerkschaften bejahen neue Lohnpolitik

1

U.S. Kabinett spricht amerikanischer Arbeiterbewegung Anerkennung aus

3

Der wirtschaftliche "Wiederaufstieg Norwegens seit
1945

4

Vereinte Nationen unterstuetzen Afghanistan bei
der Erschliessung von Erdoelquellen

6

Ein Marshallplan-Projekt in der Sowjetzone
Oesterreichs

7

Die Entwicklung der griechischen Gewerkschaftsbewegung

9

Britische Gewerkschaften und Weltfrieden

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Neue Stromerzeugungsanlagen in Griechenland

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U.S. GEV/ERKSCKAFTEN BEJAHEN NEUE LOHNPOLITIK
Vor kurzem wurde berichtet, dass sich der amerikanische
Lohnstabilisierungsausschuss einstimmig entschlossen hatte,
die Loehne direkt an die Lebenshaltungskosten zu koppeln.
"The Machinist", das woechentliche Organ der 600,000 Mitglieder zaehlenden allamerikanischen Mechaniker-Gewerkschaft
(AFL), begruesst die festen Zusicherungen der Regierung,
die erklaerte, man werde es nicht zulassen, dass die Loehne
den Preisen nachhinken und die Tarife fuer Ueberstundenarbeit reduziert werden.
Die Zeitung erinnert uns sodann daran, dass sich die
Gewerkschaften aus den Behoerden fuer Fragen der Verteidigung solange zurueckgezogen hatten, bis die Struktur des
Lohnstabilisierungsausschusses geaendert und den Gewerkschaf- 1-

�ten eine angemessene Vertretung zugebilligt war. Sie zitiert
^raesident Truman, der bei der Unterzeichnung des revidierten
Gesetzes zur Verteidigungsproduktion erklaerte:. "In dem
gleichen Masse, in dem mit diesem Gesetz Preis- und Lebenshaltungskostenerhoehungen gestattet werden, wird es notwendig sein, entsprechende Lohnangleichungen zu gewaehren. Wir
koennen von unseren Arbeitern nicht verlangen, dass sie ihren
Lebensstandard reduzieren, nur um einen Ausgleich fuer die
hoeheren Gewinne zu schaffen, die in diesem Gesetz fuer das
Unternehmertum vorgesehen sind."
Und wie stellen sich die Unternehmer zu der neuen, in
Vorbereitung befindlichen Lohnpolitik? In dem Magazin
"Business Week" heisst es: "Die neue Politik ist eine wichtige Garantie dafuer, dass das Verteidigungsprogramm nicht
durch langwierige Streiks gestoert wird."
Mit der Feststellung, dass die Loehne die Grundursache
von Arbeitsstreitigkeiten in einex Zeit wirtschaftlicher Umstellungen und wirtschaftlicher Ungewissheit sind, behauptet
"Business Week", andere Streikprobleme waeren weniger gefaehrlich, wenn diese Streitfrage in harmonischer Weise geloest
werden koennte. Damit geben die GrossUnternehmer ihr Einverstaendnis zu Vereinbarungen ueber die Gewerkschaftszugehoerigkeit der Betriebsmitglieder, nach denen alle Arbeiter eines
Betriebes einer Gewerkschaft beitreten muessen, die um die
Mitgliedschaft der Arbeitnehmer erfolgreich wirbt, wie im
Falle der United States Rubber Company und der Gummiarbeitergewerkschaft des CIO.
Gleichzeitig haeufen sich Berichte, in denen die Vermutung ausgesprochen wird, dass das vereinigte Komitee fuer
Arbeitspolitik aufgeloest wuerde. Diese Koerperschaft bedeutet in den Verhandlungen mit der Regierung ueber Mobilisierungs- und 'Stabilisierungsprobleme eine Zusammenfassung
der Staerke der AFL, des CIO und der Mechaniker- und Eisenbahner-Gewerkschaft. Louia Stark berichtet in der "New York
Times", dass sich eine grosse Mehrheit des Exekutiv-üusschusses der AFL dafuer ausgesprochen hat, die Zusammenarbeit
mit dem CIO abzubrechen. Dieser Entschluss hatte die Form
einer Empfehlung, die dem Jahreskongress der AFL, der am
17. September in San Franzisko begonnen hat, vorgelegt worden
ist. Die AFL hat damit einen direkten Zusammenschluss in
bestimmten Fragen vorgezogen. Der CIO sprach sich dagegen
fuer eine funktionelle Einheit, d.h. ein tagtaegliches enges
Zusammenarbeiten bei der Behandlung bestimmter Probleme;
dies sollte zugleich die Stufe der Vorbereitung eines voelligen organischen Zusammenschlusses sein. Stark zitiert
einen fuehrenden Funktionaer der AFL, der hierzu erklaerte:
"Der CIO hat in den vergangenen Monaten unsere Zusammenarbeit
zu seinen Gunsten dahingehend ausgenutzt, sich selbst in verschiedener Weise und in bestimmten Organisationen der Regierung zu staerken. Wir bestehen auf unserem Wunsch nach einer
wirklichen organischen Einheit der beiden Organisationen,
wir lehnen daher die funktionelle Einheit ab.n
Dieser Beschluss der AFL wirkt sich jedoch in keiner
Weise auf die Mitgliedschaft der beiden Organisationen AFL
und CIO im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften aus.
Sie werden erneut, jede von sich aus, versichern, dass sie
nach wie vor den Marshall-Plan, den Kampf gegen den kommuni- 2-

�stischen Imperialismus und die Verteidigung des sozialen und
wirtschaftlichen Fortschritts auf der ganzen Welt unterstuetzen.
Program Services Section
VIIl/lö/51
U.S. KABINETT SPRICHT AMERIKANISCHER ARBEITERBEWEGUNG ANERKENNUNG AUS
In Botschaften zum amerikanischen "Tag der Arbeit" an
die Vereinigung der Gewerkschaftspresse haben Mitglieder des
Kabinetts Praesident Trumans der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung fuer ihre energische antikommunistische Haltung und
ihre Unters tuetzung des Verteidigungsprogramms ihre Anerkennung ausgesprochen.
Arbeitsminister Maurice J. Tobin erklaerte, "die Gewerkschaftsbewegung hat in dem Kampf um Freiheit, Besserstellung
der Menschheit und Frieden eine fuehrende Rolle gespielt."
Sie habe es in Zusammenarbeit mit den Unternehmern ermoeglicht, dass Amerika in der Produktion fuer die Verteidigung
und im erneuten Aufbau der wirtschaftlichen und abwehrbereiten
Staerke der freien Welt grosse Erfolge erzielt hat.
Der Minister fuer Landwirtschaft, Charles F. Brannan,
sprach der immer besser werdenden Zusammenarbeit zwischen
Gewerkschaften und Bauern seine Anerkennung aus und wies-in
scharfen Worten alle jene zurecht, die faelschlich behaupteten, dass diese beiden Gruppen fuer die hohen Preise verantwortlich seien.
"Es ist fuer die Nation wichtig, dass Arbeiter und Bauern
wissen, dass diese gegen sie gerichteten, selbstsuechtigen
Vorwuerfe voellig falsch sind. Der Arbeiter muss wissen, dass
die Bauern nicht selbst die Preise der meisten landwirtschaftlichen Erzeugnisse festsetzen, und der Bauer muss wissen,
dass die Preise fuer die Erzeugnisse der Industrie nicht vom
Arbeiter bestimmt werden."
Der Finanzminister John W. Snyder erklaerte, die Gewerkschaftsbewegung habe im Dienste der Nation viele wertvolle
Beitraege geleistet, von denen einer der bedeutsamsten ihre
unablaessige Aktivitaet zugunsten des amerikanischen Sparprogramms mittels Schatzanweisungen sei. Snyder forderte
die Gewerkschaften auf, weiterhin dieses Programm zu unterstuetzen und - wenn moeglich - zu erweitern und damit die
Wirtschaft staerken und die Inflation bekaempfen zu helfen.
Der Handelsminister Charles Sawyer beglueckwuenschte die
Gewerkschaftsbewegung zu ihrer realistischen Einstellung den
Lohn- und Preiskontrollen gegenueber. Die Inflation muesse
mit allen Mitteln bekaempft werden, und diese Kontrollen sind
unerlaesslich, wenn die wirtschaftliche Stabilitaet beibehalten werden soll.
Frank Pace, der Heeresminister, bemerkte, dass sich das
Militaer, um seine Beduerfnisse befriedigt zu sehen, auf das
Verstaendnis und die Unterstuetzung des arbeitenden Volkes
verlasse.
- 3-

�"Wir leben heute in einer Zeit des militaerischen Aufbaus zur Abwehr gewisser Aggressionen. Die normalen Wechselbeziehungen in der Industrie sind heute gewissen Stoerungen
unterworfen. Trotz dieser voruebergehenden Schwierigkeiten
wissen wir jedoch, dass die Aufgabe, die wir zu erfuellen
haben, wichtig genug ist, um fuer sie Opfer zu bringen. Wir
koennen sie nicht hinauszoegern, solange der Weltkommunismus
bereit ist, seine Ziele durch bewaffnete Aggressionen zu verfolgen."
Der Luftwaffenminister Thomas K. Finletter und der stellvertretende Verteidigungsminister, Frau Anna M. Rosenberg,
schlössen sich den Worten des Heeresministers an. Finletter
sagte noch, Gewerkschaften und Militaer arbeiteten in Amerika
fuer das gleiche Ziel, naemlich die Sicherung des Friedens.
Er lobte die Gewerkschaften fuer ihre Bemuehungen zur Durchfuehrung des Verteidigungsprogramms und erklaerte, das Militaer sei gewiss, dass, wenn es zum Krieg kaeme, die Gewerkschaftsbewegung die bewaffneten Streitkraefte beim Aufbau
einer starken Verteidigung mit allen Mitteln unterstuetzen
und damit erneut den Sieg garantieren wuerde.
Frau Rosenberg bezeichnete die freien Gewerkschaften als
eine wichtige Waffe gegen die kommunistische Aggression und
fuegte hinzu, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung
die Verantwortung in der gegenwaertigen Krise uebernehmen
wuerde, indem sie sich aktiv an jedem einzelnen Abschnitt
des Verteidigungsprogramms beteilige. Die Gewerkschaften
haetten die Gefahr der inneren Zersplitterung und der Sabotage
dadurch verringert, dass sie die Kommunisten aus einflussreichen Stellungen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung vertrieben haetten.
Daily News Service
VIII/17/51
DER WIRTSCHAFTLICHE WIEDERAUFSTIEG NORWEGENS SEIT 1945
Norwegen ist ein kleines Land mit einer Einwohnerzahl,
die nicht.halb so hoch wie die Londons ist. Der Beitrag,
den das norwegische Volk waehrend des zweiten Weltkrieges
zum Sieg der Alliierten leistete, war erstaunlich und stand
in keinem Verhaeltnis zu den begrenzten Reserven und Kraeften einer so kleinen Nation.
Als das Land im Jahre 1945 nach fuenf Jahren ruecksichtsloser wirtschaftlicher Ausbeutung durch Hitlers Beauftragte
befreit wurde, waren seine natuerlichen und wirtschaftlichen
Moeglichkeiten weitgehend zerstoert oder schwer mitgenommen.
Dies gilt sowohl fuer Norwegens Fischerei als auch fuer die
walfischverarbeitende Konservenindustrie und die Bauholzwirtschaft. Es trifft ebenso fuer einige der wertvollsten
Kapitalanlagen des Landes zu, wie zum Beispiel die norwegischen Kraftwerke und die Handelsflotte.
Seit Ende des Krieges und der endgueltigen Befreiung
sind nun sechs Jahre vergangen. Zusammen mit allen anderen
freien Nationen Europas und der westlichen Welt steht Norwegen heute vor der doppelten Aufgabe, seinen Wiederaufbau zu
vollenden - d.h. die in den wenigen Nachkriegs jähren erziel- 4 -

�ten Erfolge zu sichern - wie auch als Mitglied des Nordatlantikpaktes zur kollektiven Verteidigung Europas gegen die
neue Bedrohung aus dem Osten beizutragen. Norwegen wird dieser
doppelten Aufgabe vor allem durch Anwendung moderner industrieller Froduktivitaetsmethoden gerech^.
"Sechs Jahre sind vergangen, seitdem Norwegen wieder
frei wurde. In dieser Zeit hat dieses Land in Frieden und
Freiheit gelebt. 2a stellt sich die Frage: Wie ist diese
Zeit ausgenutzt worden?"
Mit dieser Frage beginnt eine kleine Broschuere, die unlaengst von der norwegischen Arbeiter-Partei in Oslo herausgegeben wurde. In ihr sind die wichtigsten, in den letzten
sechs Jahren erzielten Erfolge aufgezaehlt. Am Anfang der
Liste wird zu der Frage der Erziehung und Beibehaltung der
Vollbeschaeftigung Stellung genommen.
Waehrend die Arbeitslosigkeit in nur einem einzigen
Jahr der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen (1920 - 39)
geringer als 10% war und Mitte der dreis-siger Jahre auf mehr
als ein Drittel anstieg, konnte seit der Befreiung die Vollbeschaeftigung ununterbrochen aufrechterhalten werden.
"Seit 1945 ist die Beschaeftigtenziffer um 120,000
(d.h. 9% aller Arbeitskraefte der Nation) angestiegen,"
heisst es in der Broschuere. "Es gibt heute mehr offenstehende Arbeitsplaetze als Arbeitsuchende. Die Menschen haben
sich an diese Situation so gewoehnt, dass fuer sie die Vollbeschaeftigung eine Selbstverstaendlichkeit geworden ist."
Der Schluessel zu diesem Erfolg ist der eindrucksvolle
Fortschritt in Norwegens Industrieproduktion und der Leistungsfaehigkeit seiner Industrien seit der Befreiung. Heute ist
die Gesamtproduktion der norwegischen Industrie mindestens
um 70% hoeher als im Jahre 1945 und liegt um 35 bis 40%
ueber dem Vorkriegsniveau.
Eine der entscheidendsten und fortschrittlichsten Wendungen in der Produktivitaet der norwegischen Industrie zum Unterschied von dem Gesamtvolumen der Produktion - ist
in der Entwicklung der norwegischen Landwirtschaft seit 1945
zu sehen. Mit Stolz wird in der Broschuere darauf hingewiesen, dass eine Steigerung des landwirtschaftlichen Ertrages
um 25% erzielt wurde, obwohl in diesem Wirtschaftszweig,
50,000 Personen weniger als zuvor beschaeftigt sind.
Die fuenf entscheidenden Mittel, durch die diese Erfolge
erzielt wurden, werden.in der folgenden Rangordnung angefuehrt:
1.)
2.)
3.)
4.)
5.)

Vollbeschaeftigung.
Wiederherstellung und Erweiterung der wichtigsten
industriellen Einrichtungen, die zum Teil mit Hilfe
des Marshall-Plans beschafft werden konnten.
Neue und bessere Produktionsmethoden (d.h. Produktivitaet) .
Der allgemeine Arbeitseifer.
Bessere Ausbildung und Schulung.

Ein aöderes bezeichnendes Beispiel fuer Norwegens Fortschritt in der industriellen Produktivitaet ist die Tatsache,
- 5

�dass dank wissenschaftlicher Forschung und modernisierter
Arbeitsgeraete die durchschnittliche Fangbeute des norwegischen Fischers heute um 40 bis 50% hoeher ist als in den
dreissiger Jahren.
Was die Erweiterung wichtiger industrieller Einrichtungen betrifft, so sind in den letzten fuenf Jahren 20 Millionen Kronen zu diesem Zweck investiert worden. Mehr als 10%
dieser Investitionsmittel kamen aus Marshall-Plan-Mitteln
und -Krediten.
Den groessten Fortschritt erzielten die stromerzeugende
Industrie"und die Schiffahrt Norwegens. Unter Ausnutzung
der riesigen natuerlichen Reserven an Wasserkraft konnte die
Erzeugung elektrischen Stromes gegenueber der Vorkriegszeit
um fast das Doppelte gesteigert werden.
Einen aehnlichen Erfolg erzielte die norwegische Schifffahrt. Obwohl waehrend des Krieges fast die Haelfte der
Schiffstonnage der norwegischen Handelsflotte verlorenging,
ist die Flotte jetzt weit groesser als vor dem Kriege.
Die Broschuere beendet ihren Bericht ueber den errungenen Fortschritt mit einer Warnung fuer die Gegenwart und
die Zukunft: "Der Krieg geht weiter auf der Welt. Wir hoffen, dass er sich nicht ausdehnt. Der Schutz unseres Friedens und unserer Freiheit ist deshalb eine Aufgabe, der wir
uns vor-allen anderen widmen muessen, und die militeerische
Bereitschaft ist eine Frage ueber Leben oder Tod fuer alle
Voelker, die den Wunsch haben, ihre Freiheit zu erhalten."
ECA Labor Information
VIII/9/51
VEREINTE NATIONEN UNTERE,TUETZEN AFGHANISTAN BEI DER ERSCHLIESSUNG V CK • ERP OELQUELLEN
Die Regierung von Afghanistan hat die Vereinten Nationen um ihre technische Unterstuetzung bei der weiteren Erforschung der Erdoelvorkommen gebeten, die man zur Befriedigung der inlaendischen Beduerfnisse zu erschliessen hofft.
Eine Erdoelversorgung aus eigenen Quellen und die entsprechenden Anlagen zur Raffinierung wuerden Afghanistan die
Versorgung mit Treibstoff zum Antrieb der Motoren und zur
Aufrechterhaltung des Kraftwagentransports sichern. Der
Kraftstoff wird aber auch zur Ergaenzung der schwindenden
Holzreserven als Heizmaterial fuer Wohnungen und fuer die
Entwicklung der Industrie gebraucht. Afghanistan benoetigt
ausserdem Asphalt fuer seine Strassen und als Baumaterial.
Das Vorhandensein von Erdoelablagerungen in Afghanistan
ist seit langem bekannt oder zumindest vermutet. In einem
Bezirk z.B. pflegte die Bevoelkerung an die Erdoberflaeche
durchgesickertes Erdoel in einfachen Gefaessen aufzufangen
und in Oellampen oder als Medizin zu verwenden. In der Vergangenheit sind verschiedentlich vorlaeufige Untersuchungen
angestellt worden. Aber nun hat Afghanistan um die technische Unterstuetzung der Vereinten Nationen nachgesucht, um
sich genaue Angaben ueber die geologische Beschaffenheit und
die Struktur des Erdbodens zu beschaffen, die den frueheren
6 -

�Untersuchungen nicht entnommen werden konnteji. In Beantwortung dieses Gesuches haben die Vereinten Kationen einen niederlaendischen Erdoelgeologen nach Afghanistan geschickt, der
mit Hilfe eines einheimischen Experten wieder groessere ardoelablagerungen festgestellt hat. Der Sachverstaendige der
Vereinten Nationen hat ausserdem Vorschlaege zur Bildung einer
afghaniscnen iirdoelgewinnungsOrganisation, zur Ausbildung einheimischen Personals fuer die Bohrarbeiten und zu weiteren
notwendigen Massnahmen zur Durchfuehrung von Bohrarbeiten im
Lande den zustaendigen Stellen unterbreitet.
Die Regierung von Afghanistan ist zur Zeit damit beschäftigt, einige dieser Empfehlungen zu verwirklichen, aber sie
hat auch die Vereinten Nationen fuer die folgenden Arbeitsabschnitte um weitere Unterstuetzung durch Sachverstaendige
gebeten. Mit dieser Bitte zugleich hat sich die Regierung
damit einverstanden erklaert, die mit der Erdoelgewinnung verbundenen Risiken zu uebernehmen und die volle Verantwortlichkeit fuer einen Erfolg oder einen Fehlschlag des Unternehmens
zu uebernehmen. Der zweite Sachverstaendige, der von den
Vereinten Nationen zur Verfuegung gestellt wird, ist ein
Bergbauingenieur, der ebenfalls aus den Niederlanden kommt
und ueber umfassende Erfahrungen in der Erdoelbohrung und
-gewinnung verfuegt.
Bei der Durchfuehrung dieses Programms der Erdoelgewinnung werden, besonders was den Transport dar Geraete betrifft,
zahlreiche Schwierigkeiten zu ueberwinden sein, weil Afghanistan keine Eisenbahnen hat. Der Strassentransport ist nicht
nur wegen des gebirgigen Gelaendes unzulaenglich, sondern
auch weil die Strassen zu bestimmten Jahreszeiten gesperrt
und fuer den Transport der erforderlichen schweren Austestungen nicht geeignet sind. Man hat fuer bestimmte Teile
des Projekts den Transport auf dem Luftwege in Erwaegung gezogen.
Die Mission zur Entwicklung der Erdoelgewinnung stellt
einen Abschnitt in einem koordinierten Plan zur technischen
Unterstuetzung Afghanistans dar. Man rechnet damit, dass
die Vereinten Nationen und ihre Fachbehoerden in den kommenden Monaten eine Anzahl weiterer Experten in bestimmten Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung auf Ersuchen der afghanischen Regierung in dieses Land schicken werden.
Economic and Social Problems
in the United Nations VIIl/51
EIN MARSEALLPLAK-PROJEKT IN DER SOWJETZONE OESTERREICHS
Etwa 30 Kilometer hinter dem Eisernen Vorhang ist eine
mit Marshallplan-Geldern erbaute Baumwollspinnerei zu einem
Musterbeispiel amerikanischer Produktionsmethoden geworden.
Die Spinnerei Walek &amp; Co. in Wiener Neustadt, das in
der russischen Zone Oesterreichs liegt, ist heute die modernste in Europa. Ihre weiss leuchtenden, einstoeckigen Gebaeude
und ihre zweckmaessige angelegten Grundstuecke stechen aus
der duesteren und zerbombten Umgebung wie ein Zukunftstraum
hervor.
Die Fabrik wurde im November vorigen Jahres fertiggestellt. Seitdem sind unzaehlige Betriebsleiter, Ingenieure
- 7 -

�und Techniker aus allen Teilen Europas und sogar aus Indien
gekommen, um die neuen Einrichtungen zu besichtigen. Ein
Journalist eines fuehrenden oesterreichischen Wirtschaftsblattes schrieb nach einem Besuch in der Fabrik, "er habe das
Gefuehl gehabt, eine andere Welt zu betreten."
Da- die Fabrik doch mit amerikanischer Hilfe gebaut wurde
und innerhalb der Sowjetzone liegt, ist es seltsam genug,
dass sie nur von wenig Amerikanern und Russen besucht wird.
Amerikaner sind meistens daran gehindert, weil ihnen das
Betreten der Sowjetzone verboten ist. Die Russen sihd der
Fabrik wohl aus Verlegenheit ferngeblieben, denn sie stellt
einen glaenzenden Beweis fuer die industrielle Ueberlegenheit des Westens dar.
Mit dem neuen Unternehmen wird eine Fabrik der Firma
Y/alek und Co. ersetzt, die waehrend des Krieges gaenzlich
zerstoert wurde. Am 13. August 1943 wurde die alte Fabrik
von drei Bomben getroffen. Die erste explodierte in den
Hoefen, ohne Schaden anzurichten, die zweite legte die Stromund Wasserversorgung still, und die dritte zerstoerte die
Haupthalle der Spinnerei.
Die Arbeiter konnten einige der Gebaeude wieder notduerftig zusammenflicken, einige Maschinen aus den Truemmern
retten und sie wieder zusammensetzen; zum groessten Teil
war das Unternehmen jedoch ruiniert, und fast alle Arbeiter
wurden entlassen.
Otto Walek, der zusammen mit seinem Bruder Franz das
Unternehmen leitet, erklaerte, man haette die alte Fabrik
natuerlich wieder ausbessern koennen, hielt es jedoch fuer
wirtschaftlicher, einen vollkommen neuen Betrieb errichten
zu lassen.
"Die alte Fabrik war nach ihrör Fertigstellung im Jahre
1936 eine der besten in Europa," berichtete Walek. "Waehrend
im Weltkrieg in der Entwicklung der europaeischen Textilindustrie jedoch ein Stillstand eingetreten war, wurden in
den Vereinigten Staaten grosse Fortschritte gemacht, und
heute sind uns die Amerikaner um Jahre voraus."
Die neuesten amerikanischen Ideen sind in der neuen
Fabrik verwirklicht worden. Zuerst waren die Arbeiter ueberrascht, als sie feststellten, dass der groesste Teil der
Fabrik, naemlich die Spinnerei, ohne ein einziges Fenster
oder ein Glasdach gebaut wurde. Inzwischen haben sie erfahren, dass man die Absicht hatte, die Halle von den atmosphaerischen Bedingungen der Aussenwelt hermetisch abzuschliessen,
weil geringfuegige Veraenderungen im Licht, der Temperatur
oder der Luftfeuchtigkeit ausreichen, um ein Reissen feiner
Fasern zu verursachen.
Fluoreszierende Lampen sorgen fuer gleichmaessiges
Licht, das vom Wetter draussen unabhaengig ist. Mit Luftregulatoren lassen sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit ganz
nach Wunsch regulieren, und die Luft wird staubfrei gehalten,
indem sie alle fuenf Minuten vollkommen erneuert wird. Unter
diesen Bedingungen und mit neuen amerikanischen Maschinen
kann eine so feine Faser hergestellt werden, dass ein Strang
von ueber 250 km Laenge nur knapp ein Kilogramm wiegt.
- 8 -

�Die meisten amerikanischen Maschinen wurden von den
Saco-Lowell"-Werkstaetten in Boston geliefert. Sie wurden
mit 980.000 Dollar aus Marshallplangeldern und 235.000 Dollar der Export-Import Bank finanziert. Zur Deckung der
Bau- und Installationskosten wurden ausserdem aus Marshallplan-Gegenwertmitteln 56 Millionen Schillinge freigegeben,
was einem Betrag von mehr als zehn Millionen D-Mark entspricht. Insgesamt wurde mehr als die Haelfte der gesamten
Aufbaukosten mit amerikanischen Mitteln gedeckt.
M

Die Fabrik produziert heute alljaehrlich 990.000 Kilo
feiner Fasern und Garne und die gleiche Menge an Kord fuer
Reifen, elektrische Isolierungen und andere Gummierzeugnisse.
40% der Produktion werden in Oesterreich selbst abgesetzt,
waehrend 60% auf westeuropaeischen Absatzmaerkten gegen Devisen verkauft werden.
In der Fabrik sind 1100 Arbeiter beschaeftigt, das sind
400 mehr als in dem alten Betrieb 'in seinen besten Tagen.
Etwa zwei Drittel der Arbeitnehmer sind Frauen, und viele sind
Facharbeiter, die seit der Zerstoerung der Automobil- und
Flugzeugfabriken der Stadt waehrend des Krieges erwerbslos
wurden.
Die Fabrik ist wegen der guten Arbeitsbedingungen ein
beliebtes Ziel fuer Arbeitssuchende. Durch die Luftregulatoren ist die Gefahr der Lungenerkrankungen gebannt, die in
Textilfabriken besonders haeufig anzutreffen ist. Geraeuschabsorbierende Deckon und Waende reduzieren den Laerm der
Maschinen, iin modernes Verbandszimmer mit allen neuzeitlichen Einrichtungen, wie Roentgenanlage und Ultraviolette
Bestrahlung, steht den Arbeitern jederzeit zur Verfuegung.
Im Omnibuspendelverkehr werden die Arbeiter kostenlos morgens
zur Fabrik und abends nach Hause gebracht. In der Werkkantine koennen sie fuer etwa 35 Pfennig ein warmes Mittagessen
bekommen.
Die Arbeiter zeigten deutlich, was sie von ihrem Betrieb
halten als oesterreichische Kommunisten auf geheimen Befehl
der Sowjets im Herbst vorigen Jahres versuchten, in ganz
Oesterreich durch einen Generalstreik Unruhen zu erzwingen.
Die Arbeiter der Firma Walek weigerten sich "rundweg, in den
Ausstand zu treten, und als schwerbewaffnete Mannschaften benachbarter russischer Fabriken geschickt wurden, um die Tore
abzusperren, baten sie um Unterstuetzung durch die Wiener
^olizei, die ihnen Zugang zur Fabrik und ihren Arbeitsplaetzen
verschaffte. Der sowjetische Hohe Kommissar fuer Oesterreich
hatte inzwischen eingesehen, dass die Beteuerungen der oesterreichischen Kommunistenfuehrer ueber ihren Einfluss auf die
Arbeiterschaft ein leeres Geschwaetz war, sodass er daraufhin
sich von dem Putschversuch distanzierte.
VII/20/51
DIE ENTWICKLUNG DER GRIECHISCHEN GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Die Urspruenge der griechischen Gewerkschaftsbewegung gehen bis zum Anfang dieses Jahrhunderts zurueck. Damals gab
es jedoch noch keine sonderlich bemerkenswerte gewerkschaftliche Taetigkeit in Griechenland.
- 9-

�Die Gewerkschaften traten erst im Jahre 1914 in Erscheinung, nachdem die Balkankriege vorueber waren und das griechische Parlament das Gesetz Nr. 28.1 ueber die Betaetigung
der Gewerkschaften verabschiedet hatte. Aber selbst zu dieser Zeit blieben die Gewerkschaften als solche noch isoliert,
es fehlte auf nationaler und mehr noch auf internationaler
Ebene an Zusammenarbeit und Koordinierung. Es gab nur uerufsraete, die sich getrennt und unabhaengig voneinander betaetigten. Auch gab es keine Landesgewerkschaften. Sie wurden
erst spaeter gagruendet.
Das Beispiel europaeischer Laender mit einer gut entwickelten Gewerkschaftsbewegung begann jedoch die Aufmerksamkeit der griechischen Gewerkschafts?uehrer auf sich zu ziehen
und liess den Gedanken aufkommen, eine Gewerkschaftszentrale
fuer ganz Griechenland aufzubauen.
1918 wurde der erste griechische Gewerkschaftskongress
abgehalten, auf dem die Gruendung des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes beschlossen wurde. Der damals noch
junge Allgemeine Griechische Gewerkschaftsbund wurde jedoch
zu einem Schauplatz politischer und ideologischer Differenzen,
sodass es in den ersten fuenf Jahren seines Bestehens zu
einer Spaltung in der griechischen Gewerkschaftsbewegung kam,
die von Anfang an grosse Schwierigkeiten verursachte. Die
Tatsache, dass Griechenland zu jener Zeit nur eine kleine
Industrie und folglich eine zahlenmaessig begrenzte industrielle Erwerbsbevoelkerung hatte, liess das Problem der gewerkschaftlichen Organisierung nicht, wie es in industriell hochentwickelten Laendern der Fall ist, zu einer dringenden Kotwendigkeit werden. Auf der anderen Seite erleichterte der
Mangel an Erfahrung und Tradition in den griechischen Gewerkschaften eine Beeinflussung von aussen her. Trotz alledem
war man zu jener Zeit allgemein bemueht,'GewerkschaftsOrganisationen auf Landesebene aufzubauen, die zum groessten Teil
bald nach der Gruendung des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes ins Leben gerufen wurden. Man kann sagen, dass
der Gewerkschaftsbund zeitlich gesehen diesen Organisationen
vorausging und aus Berufsraeten entstand, ein Merkmal, das
sich bis jetzt in der Struktur und dem Status der griechischen
Gewerkschaftsbewegung erhalten hat.
Die griechische Gewerkschaftsbewegung blieb bis zum
Jahre 1926 aufgespalten. Ein Teil bestand aus dem Gewerkschaftsbund, der in Athen seinen Sitz hatte und von den Kommunisten
beherrscht wurde, waehrend der andere Teil sein Zentralbuero
in Piraeus hatte und von Nichtkommunisten und einer anderen
unabhaengigen Gruppe beeinflusst war.
Im Jahre 1926 fand ein nationaler "Einheits"-Kongress
der Gewerkschaften statt, auf dem die gesarate Organisation
in die Haende der Reformisten ueberging. Seitdem hat sich
ein schwerer und ruecksichtsloser Kampf zwischen den Reformisten auf der einen Seite und den Kommunisten auf der anderen
Seite abgespielt. Die Kommunisten, die ueber die organisatorischen Mittel der kommunistischen Partei ihre Propaganda
und Presse und ueber ausreichende materiaile Mittel verfuegten, haben die Aufgabe einer Vereinigung der Gewerkschaftsbewegung immer wieder erschwert.
Trotzdem konnten im Jahre 1928, als der dritte griechische Gewerkschaftskongress zusammentrat, die Reformisten im
- 10 -

�Exekutivausschuss des Gewerkschaftsbundes wiederum die Oberhand behalten. Der Kampf wurde haerter und haerter. Ein
Jahr spaeter, im Jahre 19£9, hielten die Kommunisten,auf
einen Befehl aus dem Ausland hin, einen eigenen Kongress ab
und gruendeten den "Vereinigten" Allgemeinen Griechischen
•Gewerkschaftsbund, der, wie sie selbst zugaben, ein Werkzeug
der kommunistischen Partei war. Die Gruendung dieses kommunistisch gesonnenen Gewerkschaftsbundes fuehrte jedoch zur
voelligen Isolierung der Kommunisten von der Arbeiterschaft,
und aus diesem Grunde unterbreiteten sie in Ausfuehrung ihrer
neuen Instruktionen aus Moskau neue Vorsohlaege zu einer tatsaechlichen Vereinigung der beiden griechischen Gewerkschaftsbuende.
Es wurde eine Vereinbarung getroffen, aber mit der Machtuebernahme durch den Diktator General Metaxas am 4. August
1936 wurde jede weitere Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung
in Griechenland unterbrochen.
Waehrend der Besatzung Griechenlands durch die Achsenmaechte, die dieser Episode folgte, konnten die freien Gewerkschaften ebenfalls keinerlei Taetigkeit entfalten, die Arbeiter verliessen die Gewerkschaften, waehrend es den Kommunisten durch ihre nationale Widerstandsbewegung und auch mit
Hilfe der freien Gewerkschaften gelang, die Arbeiterschaft
unter ihre Kontrolle zu bekommen und sich damit auf die voellige Beherrschung der Gewerkschaften vorbereiten konnten.
Kurz nach der Befreiung des Landes sahen sich die griechischen Gewerkschaften in den Haenden der Kommunisten, die
in der Zwischenzeit die verschiedenen Gewerkschaften durch
Gewalt in ihre Macht gebracht und ihre Agenten in ihnen festgesetzt hatten. Der Kreml hatte das Ziel gesetzt, bei den
Versuchen, Griechenland auf die andere Seite des Eisernen
Vorhangs zu bringen, die Gewerkschaften als Brueckenkoepfe
zu verwenden.
Ein schwerer und ungleicher Kampf wuetete daraufhin innerhalb der Gewerkschaftsbewegung, in dem die freien Gewerkschafter danach strebten, sich zu behaupten, waehrend sich
die Kommunisten aller nur erdenklichen Mittel bedienten. Sie
verfuegten ueber den riesigen organisatorischen Apparat der
kommunistischen Partei und ueber ausreichende finanzielle
und propagandistische Mittel und zoegerten nicht, ruecksichtslos Drohungen, Gewalt und Terror anzuwenden; dadurch gelang
es ihnen auch, fuer eine gewisse Zeit die Funktionaere der
freien Gewerkschaften dem Gewerkschaftsbund und den beiden
Gewerkschaftszentren in Athen und Piraeus zu entfremden und
erneut die Kontrolle der gesamten Gewerkschaftsbewegung des
Landes zu uebernehmen.
Die freien Gewerkschafter Hessen sich jedoch nicht entmutigen und gaben den Kampf nicht auf. Zu Anfang waren sie
dem Verzagen nahe, als die Kommunisten waehrend ihres Staatsstreiches 150 fuehrende Funktionaere der freien Gewerkschaften hinrichten Hessen, aber sie hielten unerschuetterlich
an den Grundsaetzen der demokratischen Gewerkschaften fest
und setzten ihren Kampf fort, der langsam aber sicher Erfolge
zeitigte.
Die freie Gewerkschaftsbewegung ging aus dem Blutbad,
das der kommunistische Terror angerichtet hatte, mit dem ge- 11 -

�staerkten Willen hervor, weiter aktiv zu sein und die' Gewerkschaften von dem eisernen Griff der kommunistischen Hydra zu
befreien. Die griechischen Gewerkschaften standen zu jener
Zeit allein, sie fuehlten sich von den freien Gewerkschaften
der westlichen Laender verlassen, die damals noch freundschaftliche Beziehungen zu dem kommunistischen Weltgewerkschaftsbund unterhielten und die internationale kommunistische Propaganda noch um ihre eigenen abfaeiligen Bemerkungen
ueber die griechischen Gewerkschaften bereicherten. Dies
ist eine unangenehme Erinnerung, die jedoch durch die Tatsache gemildert wird, dass «ich der unablaessige Kampf der
freien griechischen Gewerkschaft en,, wenn auch spaet, in nationaler und internationaler Hinsicht als voellig gerechtfertigt und notwendig erwiesen hat» Hierbei war es jedoch
noetig, dass die wirklichen Absichten des stalinistischen
Weltgewerkschaftsbundes erkannt wurden, und dass auch andere
Laender die blutigen Schrecken und die zynischen Methoden des
Kommunismus am eigenen Leibe erfahren mussten, bevor das Gewissen der Gewerkschaften im Ausland wach wurde und bevor sie
anfingen, fuer den Kampf der freien griechischen Gewerkschaften Gefuehl und Verstaendnis zu haben.
Unter unaufhoerlichen Anstrengungen/und im Kampf gegen
einen weit staerkeren Feind, der nicht vor Mord, Betrug, Faelschung, Luege und Gewalt zurueckschreckte, konnten die freien
Gewerkschafter in Griechenland nach und nach ihre Stellung
innerhalb der Gewerkschaftsbewegung zurueckerobern. Hand in
Hand mit diesem Kampf ging zu jener Zeit das Ringen der griechischen Nation als Gesamtheit, die ihre Kraefte zu einem
schweren Kampf auf Leben und Tod mobilisierte.
Im Maerz 1948, als dieser Kampf seinen Hoehepunkt erreicht hatte, wurde der neunte griechische Gewerkschaftskongress abgehalten, auf dem die Grundlagen zum Wiederaufbau der
Bewegung auf freier demokratischer Basis gelegt wurden. Es
war der erste freie Konpress nach der Befreiung Griechenlands
von den Achsenmaechten. In der Geschichte der griechischen
Gewerkschaftsbewegung war dieser Kongress trotz zahlreicher
Maengel ein Ereignis von hervorragender Bedeutung.
Obwohl die eigentlichen Probleme der Arbeiterschaft
noch nicht eroertert wurden und die vom Gewerkschaftsbund zu
unternehmenden Schritte noch nicht definiert werden konnten,
wurde doch eine hoechst bedeutsame Aufgabe erfuellt: Man
waehlte den ersten Exekutivausschuss des unabhaengigen Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes, der dem freien
Willen griechischer Arbeiter entsprang.
Der neunte Kongress der griechischen Gewerkschaften fiel
zeitlich mit der ersten Spaltung innerhalb des Weltgewerkschaftsbundes zusammen, der vom sowjetischen Imperialismus
ganz offen zur S_toerung der Verteidigung der freien Welt missbraucht wurde. Im Gewissen internationaler Gewerkschaftsfuehrer regten sich Zweifel ueber die Richtigkeit der Vorwuerfe,
die der unabhaengigen griechischen Gewerkschaftsbewegung gemacht wurden, und sie entdeckten sehr schnell die Falle, in
die sie der Kommunismus gelockt hatte.
Dann folgte die endgueltige Spaltung des Weltgewerkschaftsbundes und im Dezember 1949 die Gruendung des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften, in dem auch der Griechische All12 -

�gemeine Gewerkschaftsbund mitbestimmendes Mitglied war, und
dessen Gruendung eine glaenzende Rechtfertigung der von der
griechischen Gewerkschaftsbewegung gefuehrten Kaemnfe war.
Der unerbittliche ideologische Konflikt zwischen den
freien Gewerkschaften auf der einen Seite und dem Kommunismus auf der anderen liess es zur vornehmsten Pflicht des
IBFG werden, sich mutig und entschlossen fuur die Verteidigung der demokratischen und freiheitlichen Ideale einzusetzen, weil der Kommunismus die Freiheit mit Terror und
Gewalt unterdrueckt und zugleich durch eine fortwaehrende
Agitation den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Laender unterminiert mit der Absicht, aus dem Elend der Arbeiterschaft
Vorteile zu schlagen.
Der Allgemeine Griechische Gewerkschaftsbund hat sich
in Anerkennung der Grundsaetze der freien demokratischen
Gewerkschaftsbewegung an die Seite der uebrigen freien Gewerkschaften der Welt gestellt, in dem er sich als mitbestimmendes Mitglied an der Gruendung des IBFG aktiv beteiligte.
Die griechische kommunistische Partei hatte zwar nach
der Niederlage in dem Buergerkrieg, in den sie Griechenland
gestuerzt hatte, ihre Taetigkeit einschraenken muessen. Aber
auf der sechsten Plenarsitzung ihres Zentralkomitees legte
sie die Form und den Umfang ihrer weiteren Taetigkeit in
Griechenland fest. Auf Anordnung des Kominform hat sie wiederum die Eroberung der Gewerkschaften zu ihrem obersten
Ziel erklaert und den Kampf um die Herrschaft ueber diese
Bewegung erneut begonnen. Finanzielle Mittel standen dabei
in Huelle und Fuelle zur Verfuegung.
Seitdem ist, wie es die taeglichen Ereignisse beweisen,
die kommunistische Agitation auf diesem Gebiet in vollem
Gange. Es herrscht in Wirklichkeit ein Krieg des internationalen Kommunismus gegen Griechenland, der in einer noch intensiveren Form als bisher, wenn auch mit anderen Mitteln,
weitergefuehrt wird.
Angesichts dieser Situation hat der Exekutivausschuss
des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes, der unerschuetterlich an seiner ideologischen Ausrichtung festheelt,
es sich zur Aufgabe gemacht, den Unterschied zwischen den
Grundsaetzen und der Politik klar herauszustellen, die die
freien Gewerkschaften von der kommunistischen Arbeitsfront
distanzieren. Er appelliert an das Gewissen der freien Arbeiter und ruft alle mutigen Kaempfer zur Verteidigung der
freien Gewerkschaften gegen jegliche kommunistische Aggression
auf.
Unter Beachtung dieser Grundsaetze und in dem Bestreben,
die freie griechische Gewerkschaftsbewegung, wieder aufzubauen, bereitete der Exekutivausschuss des Allgemeinen Griechischen Gewerkschaftsbundes, diesmal vom IBFG unterstuetzt,
den zehnten griechischen Gewerkschaftskongress vor, der
aeusserst erfolgreich war. Dies geht auch aus dem Geschaeftsbericht hervor, der vom IBFG dem zweiten internationalen
Gewerkschaftskongress in Mailand vorgelegt wurde.
Die griechischen Gewerkschaften haben heute nach all den
Kaempfen und Schwierigkeiten, die sie zu ueberwinden hatten,
ihren Weg gefunden.
- 13 -

�Trotz aller internen Schwierigkeiten konnten sie sich
jetzt in verstaerktem Masse auch mit den wirtschaftlichen,
sozialen und beruflichen Problemen des arbeitenden Volkes bescheeftigen. Sie organisierten eine Reihe von Streitgespraechen, in deren Verlauf nicht nur bewiesen wurde, dass der
Mythos der kommunistischen Propaganda falsch und verlogen
ist, nach dem es in Griechenland angeblich keine gewerkschaftlichen Freiheiten gaebe und dass "Gewerkschafts"fuehrer, nur
weil die Streiks befehligten, zum Tode verurteilt wurden,
sondern sie haben auch wesentlich zur Loesung der sozialen
unö wirtschaftlichen Probleme beigetragen.
Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang auch die Leistungen der griechis.chen Gewerkschaften bei dem wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes.
News Letter of the General Confederation of Greek Workers Nr. 25
BRITISCHE GEWERKSCHAFTEN UND WELTFRIEDEN
Der maechtige britische Gewerkschaftsbund TUC mit seinen
acht Millionen Mitgliedern hat sich vor kurzem mit ueberwaeltigender Mehrheit fuer das Verteidigungsprogramm der LabourRegierung ausgesprochen. Ein Parlamentsmitglied der LabourPartei, Kapitaen Harry Purcey, gibt in diesem Artikel einige
Erklaerungen hierzu. Purcey hatte erst vor kurzer Zeit die
Vereinigten Staaten besucht.
Purcey diente 30 Jahre lang bei der Marine und kam niemals weiter westlich als bis Trinidad. Er hatte immer den
Wunsch,Amerika zu sehen, um sich ein Bild ueber das Leben auf
diesem westlichen Kontinent machen zu koennen.
Auf die Frage, ob es nicht fuer einen Menschen von seinem
Rang ungewoehnlich sei, als Abgeordneter der Labour-Partei
Parlamentsmitglied zu sein, erwiderte Purcey, dass es bis
1912 keinem einfachen Marinesoldaten moeglich gewesen sei,
Offizier zu werden. Natuerlich stuende die Mehrheit der Marineoffiziere auf der anderen Seite, d.h. in der Partei der
Konservativen. Trotzdem haette beim Militaer immer eine
gute liberale Tendenz geherrscht, und es sei moeglich, dass
im Laufe der Zeit und mit der Verbesserung der politischen
Kenutnisse und Schulung mehr und mehr Marineoffiziere sich
nach ihrer Entlassung um Mandate fuer das Parlament bewerben
wuerden, so wie auch er es vor 30 Jahren getan habe. Purcey
vertritt im Parlament ^ast Hüll, einen der vier Stadtteile
der drittgroessten englischen Hafenstadt. Er ist vor allem
Vertreter der Seeleute- und Hafenarbeiterbezirke. Es ist
interessant^estzustellen, dass es in Hüll praktisch keine
Arbeitsstreitigkeiten gibt; die Erklaerung hierfuer ist einfach: es geht den Hafenarbeitern in England unter der LabourRegierung heute besser denn je zuvor, weil sie alle Beschaeftigung haben, und weil sie im Schutz des umfassenden Sozialversicherungs-Systems stehen, das heute in England besser
ist als in allen anderen Laendern der Welt.
Der Marshall-Plan, so berichtet Purcey, hat die englischen Betriebe mit Rohstoffen versorgt und bei der Wiederaufrichtung der kriegszerstoerten englischen Wirtschaft mitge- 14

�holfen. Drei von je vier Haeusern wurden in England waehrend
des Krieges zerstoert oder beschaedigt. Die llershallplan-Hilfe
fuer England wurde praktisch durch Verpflichtungen Englands
anderen Laendern gegenueber und durch die Gewaehrung von Krediten und Anleihen aufgehoben.
Was das Verteidigungsprogramm betrifft, so ist England
heute das am hoechsten besteuerte Land der Welt, es hat pro
Kopf der Bevoelkerung zur Verteidigung wohl mehr beigetragen
als jede andere Nation. Die Zahl der unter Waffen Stehenden
ist heute in England dreimal so hoch wie 1914 kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges und zweimal so hoch wie 1939.
Bei einer Bevölkerungsziffer von 50 Millionen zaehlt England
eine Million Soldaten. Das Aequivalent fuer Amerika mit seinen 150 Milli
nschen waere also drei Millionen Soldaten.
England beteiligt sich mit gleicher Aktivitaet an den Verteidigungsanstrengungen. Die britische Marine trat fast gleichzeitig mit der amerikanischen Marine in Korea in Aktion.
Niemand unterschaetzt die Luftwaffe oder die Armee Russlands. Die russische "Achillesferse" ist jedoch die Marine.
Im letzten halben Jahrhundert war Russland in drei Kriege
verwickelt. Der russisch-japanische Krieg von 1905 brachte
eine schwere Niederlage. In den Kriegen 1914 und 1939 wurden
an die russische Marine keine grossen Anforderungen gestellt.
Die Russen sind niemals Seeleute gewesen, und sie haben heute
im Vergleich zu den amerikanischen und englischen Seestreitkraeften, die die groessten der Welt sind, praktisch keine
Ueberwasserflotte.
Obwohl Russland das raeumlich groesste Land der Welt
ist, hat es unter zahlreichen natuerlichen Nachteilen zu
leiden, wie z.B. die riesigen Entfernungen. Es muss deshalb
seine Streitkraefte aufteilen und kann sie nicht an einer
einzigen Stelle konzentrieren. Das Transportwesen Russlands
ist keineswegs gut. Vom marinetechnischen Standpunkt aus
gesehen hat Russland vier offene Meereskuesten: das Eismeer,
in dem natuerlich kein Krieg gefuehrt wflrde, die Ostsee,
das Schwarze Meer und der Stille Ozean im Fernen Osten. Die
Ostsee und das Schwarze Meer sind praktisch Binnenseen, in
denen einige Marinestreitkraefte unterhalten werden muessen,
die der Hauptflotte verlorengehen. Das bedeutet, dass die
strategisch wichtigste Kueste Russlands sich im Fernen Osten
befindet. In diesem Gebiet kann Amerika aber immer auf die
Hilfe Englands und besonders die der englischen Flotte bauen.
Im Falle eines Krieges mit Russland muessen deshalb die Energie und Aufmerksamkeit Grossbritanniens dem Kampf zur See
gewidmet werden. Truppen und Material muessen zur See befoerdert werden, die Schlagkraft der Marine wird einer der
ausschlaggebenden Faktoren sein.
Wenn man von der Moeglichkeit einer Krieges mit Russland spricht, muss man sich vergegenwaertigen, dass nicht die
Atombombe das wirksamste Abschreckmittel gegen Russland ist,
sondern vielmehr die Tatsache, dass sich zum erstenmal in
der Geschichte Amerika und England, bevor es noch zu einem
Schuss gekommen ist, verpflichtet haben, gemeinsam den europaeis chen Kontinent zu verteidigen. Wenn dies von Anfang an
auch 1914 und 1939 der Fall gewesen waere, waeren diese beiden Kriege wohl voellig anders verlaufen. Diese Argumente
sollen zu keinem Missverstaendnis fuehren und nicht den Ein- 15 -

�druck erwecken, Russlands Staerke wuerde unterstuetzt. Die
Verteidigungsbemuehungen muessen in der jetzigen Zeit unter
allen Umstaenden gefoerdert werden, weil die einzige Sprache,
die die Russen verstehen, die der Staerke'und nicht die der
Schwaeche ist.
Befragt, was nach seiner Meinung das beste Mittel zur
Durchfuehrung einer politischen Offensive waere, die die
Russen von ihren kriegsvorbereitenden Tendenzen abhalten
koennte, antwortete Purcey: "Eine der besten Methoden, deren
man sich bedienen koennte, waere eine gemeinsame Kampagne
der Vereinten Kationen, in der man Russland eine allgemeine
Abruestung untei' allgemeiner Ueberwachung vorschlagen wuerde.
Mit der Abruestung waeren alle Voelker der schweren Verpflichtung enthoben, grosse unwirtschaftliche Ausgaben fuer die
Verteidigung machen zu muessen. Alle Laender haetten die
Moeglichkeit, ihre Wirtschaft auf die Friedensproduktion
einzustellen und jedem einen besseren Lebensstandard, groessere soziale Sicherheit und alle sonstigen Vorteile zukommen
zu lassen, die das Wohlergehen der Kationen und der Welt
insgesamt verbessern wuerden.
Ob Russland einen solchen Vorschlag akzeptieren kann?
Dieser Vorschlag ist in verschiedener Form Russland natuerlich schon unterbreitet worden. Die Russen erklaerten immer
wieder, dass sie ihn grundsaetzlich billigten. Sie erklaerten sich bereit, alles moegliche zu tun. Wenn man jedoch zu
Einzelheiten ueberging und die Frage einer ausreichenden
Ueberwachung angeschnitten wurde, dann wollte- Russland, wie
allgemein bekannt ist, keinerlei annehmbare Uebe"rwachungsmethoden akzeptieren, die anderen Laendern eine Gewaehr dafuer
bieten koennten, dass Russland nicht doch im geheimen aufruestet.
Program Services Section
IX/6/51
NEUE STROMERZEUGUNGSANLAGEN IN GRIECHENLAKD
Mit Hilfe des Marshallplans werden jetzt die laendlichen
Bezirke Griechenlands der elektrischen Stromversorgung angeschlossen woei die in den Staedten befindlichen Krafterzeugungs
anlagen erweitert werden. Dieses Programm, das im Jahre 1955
beendet^sein soll, wird drei hydroelektrische und eine Dampfkrafterzeugungßanlage umfassen, zu denen dann die Verteilungsanlagen treten. Die Wasserkraftanlagen werden am Wodas, am
Ladhon und am Loures-Fluss errichtet. Die Anlage, die auf
Dampfkraft basiert, ist bereits im Bau. Sie liegt in der
Naehe von Aliveri,. einer Insel in Euboea, auf der sich grosse
Lignit-Ablagerungen befinden. Lignit ist eine minderwertige
Kohle, die hier jedoch mit einfachen Mitteln aufbereitet wird
und gleichzeitig als Brennstoff fuer dieses neue Kraftwerk
diänt. Ein amerikanisches Ingenieurunternehmen, die Ebasco
Dienst G.m.b.H., ueberwacht den Bau und die Arbeit dieser Anlage. Der aus Griechen bestehende Stab der oeffentlichen
Stromverwaltung wird das Werk uebernehmen, sobald es spaetestens im Jahre 1955 fertiggestellt ist. Die Gesamtkosten
dieses Projektes werden etwa 80 Millionen Dollar betragen. In
diesem Betrag ist ein Posten von 54 Millionen Dollar enthalten,
der fuer Lieferungen aus dem Ausland entstanden ist, waehrend
10 Millionen Dollar auf direkte Unterstuetzung entfallen, die
durch den Marshallplan gewaehrt werden.
EGA Special Report
VIII/7/51
- 16 IICOG

25 Mp&lt; 51 U542 6 II

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse «ad anderen Quellen dar «ad dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werde«.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht-als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 38

Frankfurt,

£ 1 . September 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Das Europaeische Hilfsprogramm und s e i n e Gegner . .

1

P r o d u k t i o n s p l a n der SCA f i n d e t i n Europa B e i f a l l

4

N i e d e r l a g e der Kommunisten b e i den f i n n i s c h e n
Gewerkschaftswahlen
Die neue b r i t i s c h e Verordnung ueber die Regelung
von A r b e i t s s t r e i t i g k e i t e n
Z e i t s t u d i e n von d e r anderen S e i t e gesehen

.

6
7
9

Foerderung d e r P r o d u k t i v i t a e t durch Normung

13

U . S . f o r d e r n Bodenreform auf der ganzen Welt

14

DAS EUROPAEISCHE HILFSPROGRAMM UND SEINE GEGNER
Die B e r i c h t e der ECA-Verwaltung z e i g e n auf, d a s y zur
g l e i c h e n Z e i t , i n d e r s o w j e t i s c h e Agenten Hunderte von M i l l i o n e n D o l l a r ausgeben d u e r r e n , um d i e f r e i e Welt i n e i n
Chaos zu s t u e r z e n und z u g l e i c h d i e Bemuehungen d e r a m e r i kanischen w i r t s c h a f t l i c h e n U n t e r s t u e t z u n g z u n i c h t e zu machen, Amerika auf d i e kommunistischen Luegen ueber d i e
" i m p e r i a l i s t i s c h e K r i e g s p o l i t i k der USA" a n t w o r t e n muss.
Die b e s t e Antwort, d i e durch die ECA gegeben werden kann,
l i e g t wohl i n den Einladungen an Hunderte von S t u d i e n g r u p p e n , d i e im Rahmen des t e c h n i s c h e n Unterstuetzungsprogramms
- 1 -

�der EGA die Vereinigten Staaten besuchen, wobei die Mitglieder
der Studiengruppen sich aus Gewerkschaftsfunktionaeren, Landwirten, Technikern und Industriellen zusammensetzen, die aus
westeuropaeischen Laendern Amerika besuchen, um hier im Rahmen
des technischen Hilfsprogramms moderne Produktionsmethoden
zu studieren. Die Erfahrungen, die diese Fachleute zurueck
nach Europa bringen, sind zugleich der beste Beweis, dass
Amerika keinen Krieg will, aber in jedem Fall durch entsprechende Verteidigungsmassnahmen den Aggressionen des Kreml
ein Halt entgegenzusetzen wuenscht.
Die Mitglieder dieser Studiengruppen lernen bei ihren
Reisen in den Vereinigten Staaten auch den kleinen Mann kennen, mit dem sie staendig in Beruehrung kommen. Dadurch hoeren sie aus berufenem Munde ueber die Lebensweise des amerikanischen Arbeiters, des Bauern und des Angestellten. Es
kommt natuerlich vor, dass ein voreingenommener Besucher sich
Scheuklappen anlegt und nur das sehen will, was ihm in seine
Richtung'passt. Aber im allgemeinen kommen mit den Besuchergruppen objektiv eingestellte Yvesteuropaeer nach ümerika, die
vor allem den ungeheuren Einfluss der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung auf die Lebenshaltung der breiten Masse erkennen. Eine ganze Anzahl dieser Besucher ist zu der Schlussfolgerung gekommen, dass hier eine gigantische wirtschaftliche
Revolution stattgefunden hat und dass hier der Arbeiter und
der kleine Mann der Strasse alle jene Errungenschaften erreicht haben, von denen er vor zwei Jahrzehnten nur traeumen
konnte und die im allgemeinen den Forderungen entsprechen, die
die marxistische Lehre als Endziel fuer den einzelnen aufgestellt hat. Das betrifft allerdings nicht das Eigentum an
den Produktionsmitteln selbst, sondern nur einen optimalen
Anteil an den durch diese erzielten Gewinnen. Eine solche
wirtschaftliche Revolution hat in dieser Form in Sowjetrussland nicht stattgefunden, hier ist zwar das Privateigentum
gemaess der marxistischen Lehre beseitigt, aber der einzelne
russische Arbeiter hat dadurch keineswegs seinen Lebensstandard erhoehen koennen. Wenn heute immer noch der Eiserne Vorhang heruntergelassen bleibt, so ist zweifellos der Hauptgrund
hierfuer, dass die russischen Machthaber keineswegs daran
interessiert sind, dass der russische Arbeiter uebe*rhaupt etwas ueber den Lebensstandard des amerikanischen Arbeiters erfaehrt.
Einige Studiengruppen bestanden ausschliesslich aus Gewerkschaftern, fuenf von ihnen haben in den letzten vier Monaten ausgedehnte Studien durchgefuehrt, wobei sie in erster
Linie an Hochschulen solche Seminare und Vorlesungen hoerten,
die vor allem die Arbeit der Gewerkschaftsbewegung betrafen.
So wurden die Roosevelt-Hochschule in Chicago, die WisconsinUniversitaet in Madison, die Cornell-Universitaet in Ithaka
bei New York, das Technologische Institut fuer Massachusetts
und die Harvard-Handelshochschule in Cambridge besucht. Fach
diesen theoretischen Vorbereitungen gingen die Studiengruppen
an die praktische Arbeit, sie besuchten Fabriken und Werkanlagen, aber auch Bergwerke, um ueberall die Produktionsmethoden
in der Praxis naeher kennen zu lernen und sich gleichfalls
ueber die Tarifvertragsverhandlungen zu orientieren. Dabei
hatten sie selbstverstaendlich jegliche Freiheit, um jene Seiten des amerikanischen Lebens kennen zu lernen, die nach der
Meinung amerikanischer Gewerkschafter noch durchaus reformbeduerftig sind. Die Studiengruppen haben sich daher ein Bild
- 2

�der Wirklichkeit machen koennen, sei es in sozialer oder in
wirtschaftlicher Hinsicht, aber sie erfuhren hierbei auch,
wie die amerikanischen Gewerkschaften in Zusammenarbeit mit
politischen Kraeften sich darum bemuehen, jene Schattenseiten des amerikanischen Lebens auszumerzen, moegen diese nun
in der Gemeinde, in der Provinz oder im Staat bestehen, moegen hierfuer kommunale, einzelstaatliche oder bundesstaatliche Aktionen erforderlich sein.
Die Mitglieder der Studiengruppen haben selbstverstaendlich auch mit den ürbsitsberatern der ECA ueber die wirtschaftlichen Probleme Europas gesprochen, wobei vor allem die Frage
im Vordergrund stand, ob durch eine Erhoehung der Produktivitaet eine Erhoehung des Lebensstandards erreicht werden kann.
Diese Frage ist deshalb von entscheidender Bedeutung, weil
durch die immer notwendiger werdende Verteidigungsbereitschaft gegen kommunistische Aggressionen auch in Westeuropa
ein Verteidigungsprogramm unumgaenglich wird, wobei aber
die bisherige Gueterproduktion fuer den zivilen Sektor nicht
beeintraechtigt werden soll. Auch die Gefahr einer Inflation
laesst sich vermeiden, wenn durch eine Beibehaltung des
jetzigen Produktionsniveaus der bestehenden Nachfrage entsprochen werden kann. Fuer Deutschland wuerde dies bedeuten,
dass das Arbeitslosenheer wieder in den Erwerbsprozess eingereiht wird, dass aber darueber hinaus durch eine Steigerung
der Produktivitaet fuer den zivilen Sektor genuegend Bedarfsgueter produziert werden, um Engpaesse zu vermeiden. Da jedoch zu diesem Produktiv itaetsprogramia auch die Frage gehoert,
dass mehr Nahrungsmittel zu niedrigeren Kosten erhaeltlich
sein muessen, so sind gegenwaertig zahlreiche Experten aus
der Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten mit dem Studium
der dortigen Agrarmethoden beschaeftigt. Dabei wird gleichzeitig geprueft, welche dieser Methoden sich auch fuer die
westeuropaeische Landwirtschaft eignet. Die Notwendigkeit
der Verbilligung der Massennahrungsmittel ist heute schon
von elementarer Bedeutung fuer den Lebensstandard der breiten
Masse, erst recht jedoch angesichts der Drohungen, die der
Kreml immer wieder vom Stapel laesst.
Gegenwaertig weilen zwoelf junge weibliche Landwirtschef tsexperten in den Vereinigten Staaten, die aus fuenf
Laendern Westeuropas kommen, um hier an dem Agrarschulungsprogramm fuer weibliche Agronomen teilzunehmen, das von der ECA
protegiert und mit Hilfe des Landwirtschaftsministeriums der
USA durchgefuehrt wird.
Elf Techniker aus Daenemark, Belgien und Norwegen studieren insbesondere die Anordnung und den Aufbau landwirtschaftlicher Gebaeude. In allen drei Laendern gibt es traditionelle Methoden, vor allem in bezug auf die Bauweise und
die Abmessungen, aber diese sind voellig veraltet und erfordern dringend eine Revision, um Arbeitskraft, Materialien
und investierte Kapitalien einzusparen und mit diesen ersparten Mitteln mehr und besseres aufzubauen.
Dreizehn andere Studiengruppen beschaeftieen sich mit
der Bekaempfung von Vorratsschaedlingen, mit der wirtschaftlicheren Verwendung von Holz und Bauholz, der Aufzucht des
Viehs, der Lagerung und Verpackung von Obst und Gemuese,
mit ihrer industriellen Konservierung, mit der Bewaesserung
und Erschliessung neuen Ackerbodens und der Mechanisierung
- 3-

�der Landwirtschaft, mit den Ancaumoeglichkeiten von Soyabohnen
und der Durchfuehrung von Bodenanalysen, mit der Gartenkultur und der ^rnte von Alfalfagras-Samen, der Seuchenbekaempfung
durch ^uarantaenemassnahmen und schliesslich mit der Foerderung des Zuckerruebenanbaus und seinen Voraussetzungen.
Fuenfzehn weitere Studiengrupnen widmen sich industriellen Problemen, sie informieren sich ueber Haefen und Dockanlagen, ueber industrielle Organisation und Betriebstuehrung,
ueber Gebaeudekonstruktionen und"Ausnutzung von Naturgasquellen, die Erhoehung der Produktiviüaet in der Baumwollindustrie
und der Bekleidungsfabrikation, die Verwaltung der Telefonaemter, die verlustfreie Lagerung von Korn, die Herstellung
von Keks und Biskuit, fuer Europa wichtige chemische Forschungsarbeiten, Stahlzieh- und -Valzanlagen, die Verlegung
von Draehten und Kabeln, die Anwendung von Leimverbindungen
und Zement, Verwendungsmoeglichkeiten fuer plastische fassen
und schliesslich neue Destilliermethoden durch Aufspaltung
und Trennung unter besonderen Verhaeltnissen.
Sieben amerikanische .Experten, die vor allem auf dem
Gebiet der Begründung und Durchfuehrung spezieller Forschungsaufgaben geschult sind, werden ihre Erfahrungen gegenseitig
austauschen und ergaenzen, um eine otudienreihe vorzubereiten, die in ,7esteuropa durchgefuehrt werden soll und sich
mit der Frage beschaeftigen wird, ob aehnliche Institutionen
direkt in Westeuropa begruendet, werden sollen und welche .
Forschungsgebiete am notwendigsten fuer die einzelnen Laender sind. Der Beitrag, der auf Westdeutschland entfallen
soll, ergibt sich aus einem Besuch des deutschen Mitglieds
des OSEC-Komitees fuer wissenschaftliche und technische Angelegenheiten, Dr. Joachim Pretsch, der vor einiger Zeit
die USA unter diesem Gesichtspunkt bereiste.
EGA Labor Information
VI 11/31/51
PRODUKTIONSPLAN DER ECA FINDET IN EUROPA BEIFALL
Die neue Kampagne der ECA zur Foerderung der Produktivitaet hat in den nichtkommunistischen Gewerkschaftszeitungen
Europas allgemein ein guenstiges Echo gefunden.
Das "Programm der ECA soll den Europaeern helfen, ihre
Industrien zu modernisieren, ihre Produktionsmethoden zu
verbessern und ihren Ausstoss zu steigern, wobei den Arbeitern gleichzeitig ein gerechter Anteil an den Gewinnen gesichert werden soll.
Weil diese klaren Forderungen einem der Hauptdiskussionspunkte der Kommunisten der. Boden entzogen hat, hat
die kommunistische Presse in Europa, wie nicht anders zu erwarten war, "einmuetig" gegen das gesamte Programm Stellung
genommen.
Eines der freien Gewerkschaftsorgane Frankreichs, naemlich das des Christlichen Gewerkschaftsbundes ICFTC), billigt
das Programm unter der Bedingung, dass "es sorgfaeltig ueberwacht wird."
- 4

�Grundsaetzlich stimmtdem Programm auch Andre Malterre,
der Generalsekretaer des Gewerkschaftsbundes der Arbeitsvorgesetzten (Confederation Generale des Cadres)zu, der in
einem Leitartikel des offiziellen Organs seiner Gewerkschaft
"Le Greuset des Cadres" schreibt:
"Das Ziel, die Fruechte der Produktivitaet unter Unternehmern, Lohnempfaengern und Verbrauchern gerecht zu verteilen, ist ausgezeichnet."
Gewerkschaftlich orientierte Tageszeitungen, wie z.B.
"Combat", "Le Populaire" und "Franc-Tireur" brachten Artikel,
in denen die Notwendigkeit des Programms bejaht und gegen
jene Unternehmer der Industrie in scharfen Worten Stellung
genommen wird, die sich immer noch zu den Prinzipien der
"Mentalitaet der niedrigen Loehne und hohen Gewinne" bekennen.
Gewerkschaftsfuehrer in Deutschland billigten das Vorhaben in aehnlicher Weise und brachten nicht nur ihr Interesse daran zum Ausdruck, sondern sagten auch ihre Unterstuetzun« zu. Ludwig Rosenberg, Leiter der Hauptabteilung
II des Deutschen Gewerkschaftsbundes, berichtete, dass er
mit der Vorbereitung eines Wirtschafts- und Fropagandaprogramms beschaeftigt ist, das mithelfen soll, die Ziele des
ECA-Programms zu verwirklichen.
In einer Produktivitaetsbroschuere, die vom Deutschen
Gewerkschafts-Bund herausgegeben wurde, begruesst Georg
Reuter, der stellvertretende Vorsitzende des DGB und Leiter
der Hauptabteilung Film, Presse und Rundfunk diese Kampagne
und erklaert: "Der Hauptinhalt der Gewerkschaftsziele ist
es, das Sozialprodukt so gerecht wie moeglich unter die
Bevoelkerung zu verteilen und es staendig zu vermehren,
um auf diese Weise den Lebensstandard zu heben."
"Die Produktivitaet einer Volkswirtschaft ist deshalb
nicht nur fuer die Arbeitgeber, sondern und moeglicherweise
sogar in erster Linie fuer die Arbeitnehmer von Bedeutung."
In Holland sind in offiziellen Gewerkschaftsorganen
bisher noch keine Kommentare gegeben worden, dagegen aeusserten sich bereits zwei gewerkschaftlich orientierte Tageszeitungen zu dem Thema. "Vrije Volk", eine sozialistische
Arbeiterzeitung, erklaerte in vorsichtigem Ton:
"Es besteht die Gefahr, dass die ECA Aufgaben uebernimmt, zu deren Erfuellung sie nicht die noetigen Mittel
besitzt und auch nicht gerade die passendste Institution
ist. Es besteht weiter die Gefahr, dass die ^arshall-hilfe
zu einer Hilfe fuer Industrien und nicht fuer Laender wird."
Die katholische Gewerkschaftszeitung "Volksgrant" bezeichnete die neuen Bemuehungen als "Hoffman-Plan" und hob
besonders die Unternehmen der Regierung hervor.
Das daenische, gewerkschaftlich orientierte Blatt
"Social Demokraten" berichtete in grossen Schlagzeilen von
dem neuen Programm. Diese grosse, in ganz Daenemark gelesene Tageszeitung wies auf die Bedeutung des Programms hin,
die ihm als mittel zur Steigerung der Loehne und^ zur Senkung
der Verbraucherpreise zukommt.
- 5

�Die schweizerische sozialistische Zeitung "Volksrecht",
die in Zuerich erscheint, gab zu den Auswirkungen des Planes auf die franzoesischen Gewerkschaften folgende Erklaerung:
"Wir koennen behaupten, dass dieser Plan den freien
franzoesischen Gewerkschafts Organisationen neue weite Perspektiven eroeffnet. Der Grundsatz einer wirksamen technischen Unterstuetzung duerfte fuer die Entwicklung der Produktivitaet Frankreichs aeusserst fruchtbringend sein, die
nach unserer Auffassung von hervorragender Bedeutung ist.
The CIO News
IX/10/51
NIEDERLAGE DER KOMMUNISTEN BEI DEN FINNISCHEN GE'.vaP.KSOHAFTSWAHLEN
Auf dem diesjaehrigen Kongress des finnischen-Gewerkschaftsbundes (S.A.K.) waren die Kommunisten in der Minderheit, da bei der Wahl der Kongressdelegierten die Sozialdemokraten einen klaren Sieg errangen.
Ihr Erfolg ist zweifellos ihren energischen und unermuedlichen Anstrengungen bei der Bekaempfung der kommunistischen Machenschaften und ihrer Schlagwortdrescherei zu
verdanken. Die Sozialdemokraten stellten der kommunistischen Taktik ein ganz bestimmtes Programm entgegen und verfochten ihre Meinung in offenen Aussprachen bei allen Gewerkschafts- und Betriebsversammlungen. Angesichts dieser unzweideutigen Haltung ihrer Gegner waren die Kommunisten gezwungen, offene Aussprachen mit ihnen zu vermeiden, s
In dem Bestreben, ihre Kandidaten und ihre Mitglieder
ueber ihre Meinung zu informieren, verteilten die sozialdemokratischen Gewerkschaftsfunktionaere eine woechentlich erscheinende kleine Broschuere mit dem Titel "Zur Sache".
Je naeher der Tag der Wahl rueckte, umso groesser wurde die
Nachfrage nach dieser Veroeffentlichung, und schliesslich
wurde sie vielen Arbeitern an ihrem Arbeitsplatz ueberreicht.
Alle anderen modernen politischen Kampfmethöden, einschliesslich der Erforschung der oeffentlichen Meinung, wurden in
den Kampf geworfen.
Das Ergebnis dieser aktiven Wahlkampagne war, dass 60%
aller Gewerkschafter zu den Wahlurnen gingen, ein Prozentsatz,
wie man ihn seit dem Kriege nicht gekannt hatte.
Durch diese starke Opposition wurden die Kommunisten
aus dem Gleichgewicht gebracht, sie versuchten daraufhin,
die angewendeten Wahlmethoden zu bemaengeln. Bereits vor
vier Jahren waren die Wahlmethoden im Gewerkschaftsbund SAK
abgeaendert worden. Waehrend es vorher jeder Gewerkschaft
freigestanden hatte, nach welcher Wahlmetnode sie ihre Delogierten ernennen wollte, hatte der Kongress im Jahre 1947
beschlossen, dass die Gewerksciiaften das gerechtere System
der Verhaeltniswahl anwenden muessen, wenn es unter der Mitgliedschaft konkurrierende Gruppen gibt, und dass allen Mitgliedern Gelegenheit gegeben werden muss, sich an der Wahl zu
beteiligen.
- 6 -

�In diesem Jahre versuchten die Kommunisten zu beweisen,
dass das Recht, die Delegierten nach den Grundsaetzen der
Verhaeltniswahl festzustellen, mit den Satzungen des Gewerkschaftsbundes SAK unvereinbar sei. Die Kommunisten bezweckten damit natuerlich, dass Gewerkschaften mit sozial-demokratischer Mehrheit Verhaeltniswahlen abhalten sollten, waehrend
kommunistisch beherrschte Gewerkschaften in letzter Minute
einfach direkte Mehrheitswahlen haetten durchfuehren koennen.
Sie fuegten diesen Argumenten die laecherliche Behauptung
hinzu, die Mehrheit der Gewerkschaft stuende ja sowieso auf
ihrer Seite.
Die beste Antwort an die Kommunisten waren die Wahlergebnisse - sozialistische Kandidaten erhielten mehr als 107.000
Stimmen und die Kommunisten 88.000. Dies bedeutete, dass 152
Sozialisten und nur 65 Kommunisten fuer den Kongress als
Delegierte gewaehlt wurden.
Finnische Gewerkschafter, die an die Demokratie glauben,
sind der Ueberzeugung, dass ihre Bemuehungen eine konkrete
Lehre fuer die freie Welt darstellen. Sie wissen, dass sie
die Kommunisten in gerechten Wahlen schlagen koennen. Und
der Kongress der finnischen Gewerkschaften hat beschlossen,
aus dem vom Kominform beherrschten Weltgewerkschaftsbund
endgueltig auszutreten.
Labour VIII/51
DIE NEUE BRITISCHE VERORDNUNG USBER DIE REGELUNG VON ARBEITSSTREITIGKSITEK
Die britische Verordnung Nr. 1305 besteht nicht mehr,
und an ihre Stelle tritt eine neue Verordnung, die Gewerkschaf tsvertraege und ueberhaupt das Tarifverhandlungswesen
foerdert.
Nach der neuen Verordnung ueber Arbeitsstreitigkeiten
in der Industrie sind Streiks und Aussperrungen nicht illegal. Aber jede Gewerkschaft oder jede Arbeitgeberorganisation, die sich ueblicherweise an der freiwilligen Regelung
der Loehne und Arbeitsbedingungen innerhalb einer Industrie
beteiligen, kann den Arbeitsminister davon unterrichten, dass
in der betreffenden Industrie eine Streitigkeit vorliegt.
Der Arbeitsminister kann den Streitfall sodann dem Gericht fuer industrielle Streitigkeiten uebergeben, das auf
der gleichen Basis gebildet wird wie das fruehere Nationale
Schiedsgericht.
Jeder Entschluss dieses Gerichtes wird automatisch zu
einer Bestimmung des Tarifvertrags zwischen den Arbeitern
und Unternehmern. Bei Nichtbeachtung dieser Bestimmung haben
die entsprechenden Vertragspartner das Recht, bei den Zivilgerichten eine Klage wegen Vertragsbruchs anhaengig zu machen.
Bevor jedoch ein Streitfall dem Gericht uebergeben wird,
muss sich der Arbeitsminister davon ueberzeugen, dass man alle
Moeglichkeiten zur Beilegung des Streits durch Beanspruchung
der bestehenden Vermittlungseinrichtungen in der Industrie
erschoepft hat.
- 7-

�Einige Industrien - ihre Zahl wird immer groesser - haben
ein Abkommen getroffen, nach dem Streitigkeiten, die nicht
in dem normalen Verhandlungsverfahren beigelegt werden koennen, an ein Industriescericht oder eine im Vertrag festgelegte
Schiedssprechungsinstitution ueberwiesen werden. V.'ird der
Streitfall durch Entscheid einer dieser Institutionen beigelegt, eruebrigt sich eine Inanspruchnahme des Gerichts durch
den Arbeitsminister.
Bedeutsamer noch ist die Tatsache, dass der Arbeitsminister nicht verpflichtet ist, einen Streitfall einem Gericht
zu uebergeben, solange ein Streik oder eine Aussperrung oder
eine andere Massnahme, die einen schwerwiegenden Bruch des
Vertrags darstellt, in Durchfuehrung begriffen ist.
Das Problem der Schlichtung von Streitigkeiten in solchen
Industrien, in denen der Prozentsatz der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter verhaeltnismaessig niedrig ist und in
denen daher entsprechende Verhandlungsinstitutionen fehlen,
ist durch eine Klausel in der Verordnung geloest, die dem
Arbeitsminister die Befugnis gibt, einen Bericht ueber eine
Streitigkeit von einer Gewerkschaft oder einer ArbeitgeberOrganisation anzunehmen, die seines Erachtens fuer die Arbeitgeber oder Arbeitnehmer der betreffenden Industrie zustaendig
ist.

Diese neue Verordnung ist das Ergebnis monatelanger Verhandlungen zwischen dem TUC, den Arbeitgeberorganisationen
bzw. Vertretern der verstaatlichten Industrien und Alfred
Robens und seinem Vorgaenger im Arbeitsministerium.
Nach Aussagen von Gewaehrsleuten des TUC duerften die
Verhandlungen im Januar dieses Jahres begonnen haben, als
der Verwaltungsrat des TUC im Hinblick auf das Versprechen,
das man den Delegierten auf dem vorjaehrigen Kongress gegeben
hatte, die uebliche Ueberpruefung der Arbeitsweise der Verordnung Nr. 1305 vornahm.
Ende Februar waren bereits konkrete Vorschleege Gegenstand der Verhandlungen, die unter dem Titel "What the TUC
is Doing" (Vtes der TUC bearbeitet) veroeffentlicht wurden.
Bei der Eroerterung der Einzelheiten der vielen Entwuerfe,
die notwendig waren, bevor man sich ueber den endgueltigen
rechtsverbindlichen Wortlaut einigen konnte, wurden die Erfahrungen der angeschlossenen Gewerkschaften und ihre schriftlichen und muendlichen Kommentare vor dem Kongress beruecksichtigt, mit der Absicht, jene Bestandteile der Verordnung Nr.
1305, die die Gewerkschaften fuer wertvoll hielten, zu erhalten.
Bemerkenswert unter diesen war die Bestimmung in Absatz
III, nach der die Gewerkschaften die Eoeglichkeit hetten,
eine widerspenstige Firma - ob sie einer Arbeitgeberorganisation angehoart oder nicht - zu zwingen, die Loehne zu zahlen
und die Arbeitsbedingungen einzuhalten, die die Gewerkschaften
in Verhandlungen mit einer groesseren Zahl von Firmen der
betreffenden Industrie vereinbart hatten. Diese ^oeglichkeit
besteht auch nach der neuen Verordnung.
. Labour
- 8-

VIIl/51

�ZEITSTUDIEN VON DER ANDEREN SEITE GESEHEN
Es gibt eine genze Reihe von Moeglichkeiten, sich unerlaubte Vorteile zu verschaffen, sei es auf legalem oder illegalem Wege. Es gibt Leute, die einen Zigarettenladen pluendern, aber es gibt auch Geschaefte, die sich Tausende von
Mark dadurch verschaffen, dass sie sehr knapp wiegen. Es
gibt auch Unternehmer, die pro Arbeitsstunde sich 5 Pfennig
verschaffen, indem sie den Beschaeftigten einen Lohn zahlen,
der 5 Pfennig unter dem vereinbarten Satz liegt. Man kann
aber auch mit der Stoppuhr aehnliche unehrliche Rechenkunststuecke fertigbringen.
Ein Beispiel hierzu: Nehmen wir einmal an, dass im Verlaufe einer Zeitstudie festgelegt wird, dass 5% der Arbeitszeit Dingen gewidmet werden kann, die.nicht unmittelbar mit
der Arbeit in Verbindung stehen. Eine solche Vereinbarung
kann bei einer pharisaeerhaften Auslegung dazu fuehren, dass
sich dadurch eine Unternehmerpraemie von mehr als einer Million Mark ergibt.
Die amerikanische Gewerkschaft der AUtomobilarbeiter
gibt hierzu ein Beispiel. Eine der groessten amerikanischen
Gesellschaften, die mehr als 100.000 Arbeiter beschaeftigt,
hat eine Vertragsformel etwas unrichtig und einseitig ausgelegt und war dadurch in der Lage, an ihren Arbeitern im
Jahre rund neun Millionen Doller zu profitieren. Dieser Betrag ist doppelt so hoch wie jene Summe, die bei einem gewissen Kettenhandelsunternehmen Jahr fuer Jahr dadurch gewonnen wird, dass bei einer schnellen Bedienung die Waren knapp
gewogen werden und Uebergewichte ebenso schnell uebersteigert berechnet werden.
Heute steht dieses Kettenhandelsunternehmen, nicht allein
da mit seinen Methoden. 7/ahrscheinlich wird mancher Leser,
wenn er diesen Artikel studiert, feststellen, dass auch in
seinem Betrieb aehnliche sonderbare Praktiken gang und gaebe
sind.
Gehen wir zurueck zu der Vereinbarung, dass 5% der teeglichen Arbeitszeit fuer persoenliche Zwecke zur Verfuegung
stehen. Ein achtstuendiger Arbeitstag bedeutet 8 x 60 Minuten, also 480 Minuten. Fuenf Prozent von 480 Minuten sind
24 Minuten. Das bedeutet, dass nicht 480 Minuten pro Tag
gearbeitet wird, sondern tatsaechlich 456 Minuten. Die erwaehnten 24 Minuten stehen fuer nichtbetriebliche Zwecke dem
einzelnen Arbeiter zur Verfuegung. .Venn man diese Summe durch
8 teilt, so ergibt sich, dass die produktive Zeit 57 Minuten
fuer jede Arbeitsstunde betragen muss. Dies entspricht auch
genau dem Vertrag: 57 Minuten m 95% Arbeitszeit und 5% oder
3 Minuten sind dem Arbeiter fuer eigene Zwecke freigegeben.
Diese Rechnung ist vollkommen klar. Sie wird auch in Grossbetrieben wie General Motors und Ford durchgefuehrt.
Was geschieht nun tatsaechlich in den /.erken? .Vas geschieht zum Beispiel in einer der groessten Gesellschaften,
einem der gesottensten amerikanischen Monopolbetriebe mit
seinen rund 100.000 Arbeitern?
Schoen, die Zeitstudienabteilung berechnet dieses Zugestaendnis der 5%igen Privatzeit etwas anders und kommt zu
dem Schluss, dass fuer jede Stunde 3 Minuten fuer Dersoenliche
9

�Zwecke des Arbeiters zur Verfuegung stehen. Das heisst also,
wie gesagt, 3 Minuten je Stunde. Nun gut, sagt das Unternehmen, das heisst also, dass der Arbeiter 60 Minuten an seiner
Maschine zu stehen hat und dann 3 Minuten sich privaten
Dingen widmen kann, also nicht drei Minuten in jeder Stunde,
sondern 3 Minuten auf 63 Minuten gerechnet. Vjenn man dies
umrechnet, so bedeutet dies keine 5%, wie es im Vertrag steht,
sondern nur 4,76%.
Anstatt 57 Minuten Arbeitszeit und 3 Minuten Ruhe hat
dieses Unternehmen also 60 Minuten Arbeit und 3 Minuten Ruhe
festgelegt. Wenn man das pro Arbeitskraft einmal nachrechnet, so ergibt sich, dass 1/7 Minute an Arbeitszeit pro Stunde
verlangt wird, wofuer keine Berechtigung besteht. Diese
1/7 Minute fuer jede Stunde wird bereits pro Tag zu 1 1/7
Minuten. Auf das Jahr berechnet ergeben sich somit 285 Minuten fuer den einzelnen Arbeiter. Fuer die 100.000 Lohnarbeiter waechst sich diese Massnahme der Firma zu rund 4.750.000
Arbeitsstunden an, die durch eine einfache einseitige Korrektur eines Vertrages gewonnen sind. Wenn man den Durchschnittslohn pro Stunde auf 2 Dollar berechnet, so ergibt sich durch
eine einfache Berechnung, dass die Gesellschaft aus dieser
anscheinend geringfuegigen Aenderung des Abkommens einen Nutzen
von 9 Millionen Dollar an unbezahlter Arbeitszeit innerhalb
eines Jahres auf Kosten der Belegschaft gewinnt!
Natuerlich kann man sich auf den Standpunkt stellen,
dass 1/7 Minute pro Arbeitsstunde gar nichts bedeutet. Die
l/7 Minute ist wesentlich kuerzer als die Zeit, die man
braucht, um sich die Sache ueberhaupt zu ueberlegen. Tatsaechlich ist diese Angelegenheit jedoch eine Sache, die die
Gewerkschaften nicht durchgehen lassen koennen. Natuerlich
scheint es sich nur um eine Kleinigkeit zu handeln, aber
wenn man, wie es hier geschehen ist, der Sache einmal nachgeht, so ergibt sich, dass das Unternehmen einen Sondergewinn
von 9 Millionen Dollar hat, da es fuer die 1/7 Minute nichts
zahlt. Vom Standpunkt der 9 Millionen handelt es sich aber
keineswegs um eine Kleinigkeit.
Dieses eine Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass
bei allen Zeitstudien nicht nur die Arbeiter bloss die Zeitnehmer kontrollieren, sondern aucb erfahrene Experten zur
Stelle sind, um jeden Versuch, den Vertrag mit Klauseln so
auszustatten, dass das Unternehmen doch noch Sondervorteile
herauszieht, abzuwehren. Dass die Kalkulation die Vernachlaessigung kleinster arithmetischer Groessen stets zu ihren
Gunsten vornimmt, scheint im Einzelfall und auf die einzelne
Arbeitsstunde bezogen, nicht allzuviel auszumachen, umsomehr
bedeuten diese Groessen jedoch etwas, wenn man sie auf das
Jahr und auf die Gesamtbelegschaft umrechnet. Der Anteil
an der Arbeitszeit, der abgesetzt werden muss fuer' die Befriedigung persoenlicher Beduerfnisse oder umgekehrt der Betrag,
der effektiv fuer die tatsaechlich geleistete Arbeitszeit
gezahlt wird, wird in den Zeitstudienberechnungen mit dem
Begriff Zykluszeit benannt. Diese Zykluszeit ist der Gesamtbetrag der Minuten fuer die Arbeitsvorbereitung, der von der
Gesamt-Arbeitszeit abgezogen wird, die Zykluszeit ist die
Zeit, in der ein Arbeitsvorgang vorbereitet wird, bis er'tatsaechlich beginnen kann. Die Zykluszeit schliesst auch die
Gesamtzeit ein, die fuer persoenliche Faktoren etewaehrt wird,
fuer Arbeitsunterbrechungen und fuer alle anderen notwendigen
- 10 -

�Zeiten bis zur tatsaechlichen Durchfuehrung der Arbeit selbst.
Wir bringen hier die Unterlagen der Bulova-Uhren-Gesellschaft,
die von dem Industrieingenieur David Anderson und dem Leiter
der Standard-Abteilung Arthur Hansen herausgegeben wurde.
"Waehrend des durchschnittlichen neunstuendigen Arbeitstages
wurden die folgenden Zugestaendnisse fuer eine besondere Form
der Arbeit gemacht:
Form des Zugestaendnisses

Persoenliche Zwecke
Ermuedung
Unterbrechungen, Neueinrichtungen
We r kz e ug v or be r e i t ung,
Reinigen usw.
Gesamtsumme der Zugestaendnisse

Minuten pro Tag

In Prozenten der gesamten 9-stuendigen
Arbeitszeit

27
54

5%
10%

27

5%

54

10$

162 Minuten

30% der Arbeitszeit des
9-stuendigen
Arbeitstages

Die normale Zeit, die jeder einzelne Arbeitsvorgang pro
Stueck bei dieser Studie benoetigte, belief sich auf 0,15
Minuten. Die allgemein angewandte Methode der Festlegung
der Zeitzugestaendnisse, also die tatsaechliche Zeit fuer
den Arbeitsvorgang betraegt
0,150 Minuten.
w
Summe der Zugestaendnisse 30%
0,045
Standardzeit
0,195 Minuten.
Die stuendliche Produktion wird daraufhin wie folgt
festgelegt: 60 Minuten werden geteilt durch 0,195 Minuten.
Es ergibt sich somit pro Stunde eine Stueckzahl von 307,2.
Diese Zahl wird jetzt als Basis fuer den betreffenden Arbeitsvorgang zugrunde gelegt. Die taegliche neunstuendige Produktion auf dieser Basis wuerde daher 307,2 x 9 betragen, das
heisst also, 2.764,0 Stueck p r o Tag.
Wenn man jedoch richtig rechnet - und die Zeitstudieningenieure der Gewerkschaft haben diese Rechnung sorgfaeltig
geprueft - so ergeben sich nur 2.520 Stueck p r o Tag.
Zieht man naemlich von den 540 Minuten des gesamten
Neunstundentages 162 Minuten,
die dem 30%igen Zugestaendnis
entsprechen, ab, so kommt - man zu einer tatsaechlichen Arbeitszeit von 378 Minuten fuer den Neunstundentag.
Wenn man die tatsaechliche Arbeitszeit von 378 Minuten
durch die fuer den Arbeitsvorgang notwendige Zeit (0.15 Minuten) dividiert, erhaelt man eine Produktionsziffer von 2.520
Stueck fuer den Neunstundentag.
Die Differenz zwischen 2.520 und 2.764,8 Stueck ist also
244,8 Stueck. Dies ist die Produktion, um deren Bezahlung
der Arbeiter betrogen wird. 244, 8 Stueck sollen nach der
Rechnung des Unternehmens produziert und nicht bezahlt werden.
Der Irrtum liegt natuerlich darin begruendet, dass die
Zeitzugestaendnisse an den Arbeiter nach dem gesamten Arbeits- 11 -

�tag berechnet werden, entweder nach acht Stunden oder nach
neun Stunden.
Der gesamte Arbeitstag besteht aus der dem Arbeiter zugestandenen Zeit fuer persoenliche Faktoren und der tatsaechlichen Arbeitszeit. Wenn das Zeitzugestaendnis 30^ betraegt,
dann beziehen sich diese 30% auf den gesamten Arbeitstag.
Man zieht also diese dreissig Prozent ab, und was uebrigbleibt, ist die tatsaechliche effektive Arbeitszeit. Man
teilt diese Arbeitszeit durch die fuer den Arbeitsvorgang
notwendige Zeit und erhaelt die Zahl der Arbeitsgaenge, die
verlangt werden koennen.
Dies waere eine ehrliche und korrekte Rechnung.
Wenn man jedoch Sondervorteile herausschlagen will, bedient man sich der Rechenkunststueckmethode, die viele Unternehmer anwenden. Man stellt zuerst den Prozentsatz der fuer
verschiedene nichtproduktive Faktoren zugestandenen Zeit
fest, nehmen wir an 30% insgesamt.
Diese 30% bezieht man lediglich auf die tatsaechliche
Arbeitszeit. Und hier haben wir den Trick. Man bezieht den
gleichen Prozentsatz auf einen kleineren Betrag, naemlich
die tatsaechliche Arbeitszeit, anstatt auf den gesamten Arbeitstag.
Hieraus ergibt sich, dass die Zeit in Minuten oder Sekunden, die fuer Ermuedüng und die verschiedenen anderen,
nichtproduktiven zeitverbrauchenden Faktoren zugestanden wird,
kuerzer ist. Es bedeutet, dass von dem Arbeiter ein hoeheres
Arbeitstempo verlangt wird. Es bedeutet, dass von dem Arbeiter eine Produktion verlangt wird, die nicht bezahlt wird.
Das heisst also: 30% von 378 Minuten (die tatsaechliche
Arbeitszeit des Neunstundentages nach dem Beispiel der BulovaGesellschaft) und nicht 30% von 540 Minuten.
Wenn die gesamte Zykluszeit eines Arbeitsvorgangs (d.h.
die Arbeitszeit plus vereinbartem Zugestaendnis von 18 Sekunden) 60 Sekunden betraegt, laesflt sich Zeit unterschlagen,
indem man 42 Sekunden mit 30&gt; multipliziert. Hieraus ergeben
sich naemlich 12,6 Sekunden an Zeitzugestaendnis. Die ehrliche Methode ist die, dass man 60 Sekunden mit 30% multipliziert. Dan erhaelt man naemlich 18 Sekunden an Zeitzugestaendnis fuer persoenliche Faktoren.
Ganz einfach gesagt: man muss, um ehrlich zu verfahren,
den Prozentsatz des Zeitzugestaendnisses mit der Zahl der Minuten des gesamten Arbeitstages multiplisieren, dann zieht man
das Ergebnis von den Minuten des gesamten Arbeitstages ab und
erhaelt die tatsaechliche Arbeitszeit. Dividiert man die
tatsaechliche Arbeitszeit durch die fuer einen Arbeitsvorgang
erforderliche Zeit, so erhaelt man die Zahl der erforderlichen
herzustellenden Stuecke.
Es hat auf den ersten Blick den Anschein, dass hier nur
ein sehr geringfuegiger Irrtum vorliegt. Multipliziert man
jedoch mit zweitausend Stunden pro Jahr und mit einhundert
oder eintausend Arbeitern oder sogareinhunderttausend Arbei- 12 -

�tern, dann wird dieser "geringfuegige Irrtum" zu einem grossen
Betrag und damit zu einem Betrug auf Kosten der Arbeitenden.
UAW-CIO Ammunition
VIII/51
FOERDERUKG DER PRODUKTIVITÄT DURCH NORMUNG
Viele Unternehmer in Europa sind sich dessen bewusst,
dass die Normung ihrer Erzeugnisse im Hinblick auf die Gestehungskosten wuenschenswert ist. Aber nur wenige Unternehmen
halten es fuer moeglich, sich von den alten Traditionen freizumachen, die darin bestehen, dass man den individuellen
v/uenschen der Verbraucher Rechnung traegt. Und doch ist
die belgische Baumwoll- und Flachsweberei "Camille de Stoop"
in Courtrai dazu uebergegangen, anstatt 20 verschiedener Farben und Q,ualitaeten nur noch sechs oder sieben herzustellen,
eingerechnet Hemdenstoffe, Kattun und Matratzendrelle. Diese
Massnahme trug wesentlich zur Steigerung der Produktivitaet um
22% in einem Zeitraum von weniger als einem Jahr bei. In einigen Faellen war man auf Grund der Normung gezwungen, neue
Kaeufer zu suchen, die sich jedoch in Holland, den Vereinigten
Staaten, Grossbritannien, Norwegen und Schweden fanden. Im
ganzen werden etwa 50% der Produktion dieser Firma exportiert.
Zu den neuesten Abnehmern gehoeren das englische und das belgische Heer.
Im Jahre 1950 waren in diesem Betrieb 100 Menschen beschaeftigt. 1951 waren es 130, und die Produktion pro Arbeiter hatte sich um 22% gesteigert. Diese Verbesserung war unter anderem auch einem neuen kleinen Zusatzgeraet zu verdanken, das die Knoten und Verunreinigungen aus den Faeden entfernt. Sachverstaendige hatten diese Vorrichtung in amerikanischen Betrieben im Jahre 1946 gesehen. Sie wird in der
Schweiz hergestellt, kostet etwa 6.50 D-Mark, und mit ihr
lassen sich 10 bis 20% der Arbeitszeit einsparen.
Eine andere grundlegende Aenderung bestand darin, dass
man dazu ueberging, ein qualitativ besseres Garn einzukaufen.
Das bedeutet, dass den V.ebern die Arbeit erleichtert wird.
Da ihr Entlohnungssystem nicht geaendert wurde, verdienen
sie jetzt etwa 20% mehr (d.h. 20 - 25 Francs pro Stunde) als
frueher, als noch Garne von schlechterer 5,ualitaet verarbeitet
wurden. Die Loehne anderer Arbeiter wurden auf Grund verschiedener Neuerungen des Betriebes um 10 bis 15% verbessert.
Zu den Neuanschaffungen an Maschinen gehoert auch eine
schweizer "Pirn"-Spulmaschine, an der ein Arbeiter jetzt 60
Spindeln gleichzeitig ueberwachen kann, wogegen er an der alten Maschine nur 20 betreuen konnte. Eine weitere Neuerung
ist eine moderne amerikanische Maschine, die die Spulen automatisch reinigt. Zu ihrer Bedienung genuegt ein Arbeiter.
Mit dieser Arbeit waren frueher drei oder vier Arbeitskraefte
beschaeftigt. Die Betriebsleitung wartet zur Zeit auf die
Lieferung 24 neuer automatischer Webstuehle aus der Schweiz
und weiterer 24 aus Belgien. Dieser Kauf wird ein entscheidender Schritt in der Modernisierung der 78 Jahre bestehenden
Fabrik sein. Ein '//eber wird in Zukunft 12 //ebstuehle bedienen koennen, wozu jetzt noch vier bis sechs Arbeiter erforderlich sind. Man beabsichtigt jedoch nicht, Belegschaftsmit- 13 -

�glieder zu entlassen, weil nur 16 Webstuehle durch neue ersetzt
werden und die Produktion zugleich erweitert wird. Die 16
alten Webstuehle sollen an eine Weberei in Australien verkauft werden.
Ausser diesen Neuerungen, die auf eigene Initiative der
Firma vorgenommen wurden, hat man noch eine Reihe anderer Veraenderungen durchgefuehrt, die von einer Besuchergruppe dreier amerikanischer technischer Betriebsleiter vorgeschlagen .
wurden. Diese Gruppe hatte unter der Schirmherrschaft der
ECA im Rahmen des Programms fuer technische ünterstuetzung
19 Betriebe der Textilindustrie in Europa besichtigt und anschliessend einen zusammenfassenden Bericht geschrieben. Eine
Anzahl nichtformeller Empfehlungen der Gruppe sind von der
Firma Stoop bereits verwirklicht worden. Hierzu gehoeren:
1. Eine Umstellung der Tische, an denen die Stoffe
ueberprueft werden, um zu gewaehrleisten, dass das natuerliche Licht von links kommt anstatt von rechts, damit der Pruefer die ^ualitaet des Stoffes besser pruefen kann und seine
Augen weniger angestrengt werden.
2. Beim Weben das Verknoten mit der Hand durch einen
mechanischen Verknoter zu ersetzen.
3. Eine neue Methode anzuwenden, nach der man groessere
Mengen von Garn auf die Spulen bringen kann, damit weniger
Zeit zum Neuauffuellen der Spulen verlorengeht.
Andere allgemeine Empfehlungen der amerikanischen BesuchergruDpe, wie z.B. die Verwendung von Arbeitskarten, auf
denen die Funktionen des Arbeiters und seine ueblichen Arbeiten aufgefuehrt sind, werden zur Zeit in einzelnen belgischen
Baumwollfabriken und von dem Verband belgischer Baumwollweber
erwogen. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass hierdurch
der Status der belgischen Baumwollspinn- und Baumwollwebindustrie, die hinsichtlich ihrer Bedeutung an dritter Stelle
in Belgien steht, verbessert werden kann, d.h. dass die Zahl
der Arbeitnehmer erhoeht werden kann. Bisher sind die Zu
hohen Produktionskosten, die auf den Mangel an Normung und auf
unzulaengliche Vertriebs- und Verteilungskosten zurueckzufuehren sind, als das schwierigste Problem dieser Industrie
angesehen worden. Man hat ihnen deshalb auch in der Durchfuehrung des Programms fuer technische ünterstuetzung besondere
Beachtung geschenkt.
Die Arbeitnehmer der Firma Stoop sind in den sozialistischen und katholischen belgischen Gewerkschaften organisiert.
Ihre Vertreter treten regelmaessig mit den Unternehmern in
Betriebsberatungen zusammen, um Veraenderungen und Neuerungen
innerhalb des Betriebs zu besprechen und dann erst durchzufuehren.
ECA, Research and Analysis
VIII/7/51
U.S. FORDERN BODENREFORM AUF DER GANZEN WELT
Die Vereinigten Staaten haben in einer grundsaetzlichen
Erklaerung ueber den Landbesitz ein grundlegendes, sich ueber
- 14 -

�laengere Zeit erstreckendes Programm der Bodenreform auf weltweiter Basis gefordert.^
Als der amerikanische Delegierte Isador Lubin auf der
Genfer Konferenz des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen eine EntSchliessung zu diesem Zweck einbrachte,
berichtete er von den ausgezeichneten Ergebnissen der Landreform in Japan, die unter amerikanischer Fuehrung durchgefuehrt worden war, und bezeichnete sie als ein Beispiel dafuer, was auf diesem Gebiet geleistet werden kann.
Lubin teilte dem Rat der Vereinten Nationen mit, dass
in weniger als zwei Jahren drei Millionen japanischer Bauern
Land erworben haetten. Unter der amerikanischen Politik der
Bodenreform seien die japanischen Bauern von einem erdrueckenden System der Bauernhoerigkeit befreit worden, und die landwirtschaftliche Erzeugung habe eine beachtliche Steigerung
erfahren.
Die Richtigkeit seiner EntSchliessung, die, wie er sagte,
die oeffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten widerspiegelt, wurde durch die Worte Praesident Trumans bestaetigt,
die er bei der Eroeffnung der Verhandlungen ueber den Friedensvertrag mit Japan an die Konferenz in San Franzisko
richtete:
"Ueber achthunderttausend Hektar Ackerland sind den alten
Grossgrundbesitzern abgekauft und an Landarbeiter weiterverkauft worden," erklaerte der Praesident, als er von den demokratischen Fortschritten in Japan in den letzten sechs Jahren sprach. "Heute gehoeren etwa 90$ der gesamten Anbauflaeche des Landes jenen, die sie bearbeiten. 1945 verfuegten
sie nur ueber 50$."
Der sowjetische Delegierte G. P. Arkadieff stellte in
einer langen Rede die Aufrichtigkeit der Vorschlaege Lubins
in Frage. Der britische Delegierte G. T. Corley-Smith gab
ihm hierauf eine zurechtweisende Antwort und fragte den sowjetischen Delegierten, ob die Kollektivierung der russischen
Bauernhoefe die Millionen an Menschenopfern wert gewesen sei,
die diese Massnahmen in Russland gefordert haetten.
Lubin betonte in seiner Rede, dass ein weltweites Programm
der Bodenreform zur Steigerung des Lebensstandards und zur
Foerderung des Friedens und der wirtschaftlichen Stabilitaet
erforderlich sei.
"Die lebenswichtige Notwendigkeit, das Los von Millionen
Landarbeitern zu verbessern, ist heute eine der groessten Aufgaben der freien Welt. Es ist an der Zeit, die Aufmerksamkeit der Welt auf landwirtschaftliche Arbeitsmethoden zu lenken, die fuer Millionen Bauern und Landarbeiter wirtschaftliches und soziales Elend bedeuten."
Lubin machte auf die Tatsache aufmerksam, dass drei Viertel der gesamten Weltbevoelkerung ihr Einkommen aus der Bebauung des Ackerbodens ziehen muessten. Ausser dem Problem des
besitzlosen Bauern gaebe es noch das des Bauern, der zwar
einen gewissen Landbesitz sein eigen nennt, der aber haeufig
durch seine staendige Verschuldung an Krediteinrichtungen
in seiner Arbeit gehemmt ist. Andere Probleme, die geloest
- 15 -

�werden muessen, sind die endlosen Streitigkeiten ueber Besitztumsrechte und die schwere Steuerbelastung, die in keinem
Verhaeltnis zur Zahlungsfaehigkeit der Bauern stuende.
"Aus diesen Gruenden muss die Bodenreform eines der
grundlegenden Probleme der Vereinten Nationen sein. Es ist
klar, dass sie im Gedankengut des amerikanischen Volkes
einen breiten Raum einnimmt."
Lubin versicherte, man sei in den Vereinigten Staaten
immer der Auffassung gewesen, dass ein guter Ackerboden nicht
nur grossen Grundstuecksbesitzern vorbehalten sein darf.
"Wir sind um die Bodenreform besorgt, weil wir um die Wahrung
der Menschenwuerde, der sozialen Gerechtigkeit und die Beseitigung unnoetiger sozialer und politischer Spannungen besorgt
sind."
Lubin forderte in seiner Resolution die Regierungen auf,
die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, um folgende Ziele
zu erreichen:
1. Sicherheit des Landbesitzes fuer denjenigen, der
den Boden bearbeitet, und eine Moeglichkeit fuer ihn, einen
gerechten Anteil an seinem Ertrag zu erhalten.
2. Die Moeglichkeit fuer den Besitzlosen, der den Boden bearbeitet, Land zu erwerben.
3. Die Unterteilung der Anbauflaeche in Bauernhoefe,
deren Groesse eine Gewaehr fuer ihre Rentabilitaet bietet.
4. Kredite fuer die Landwirtschaft zu vernuenftigen
Zinssaetzen.
5. Annehmbare Pachtsaetze fu'er gepachtetes Land und
gerechte Besteuerung.
6. Genossenschaftliche Organisationen fuer die wesentlichsten Dienstleistungen.
7. Verpflanzung solcher Industrien auf das Land, die
eine Ergaenzung der landwirtschaftlichen Einkommen darstellen
koennen.
8. Bessere Schulausbildung und Foerderung allgemeiner
Erziehungsmassnahmen in Landbezirken.
9. Einrichtungen fuer die Ausbildung von Bauern in der
landwirtschaftlichen Forschung und Technik sowie die Verrbesserung der sozialen Stellung des Landarbeiters.
Ein direktes Ergebnis der Bodenreform, so heisst es in
der Resolution, waere die Erweiterung der Nahrungsmittelerzeugung, die bisher mit der Steigerung der Bevoelkerungsziffer nicht Schritt halten konnte. Die Vorteile hieraus wuerden sich fuer den groessten Teil der Weltbevoelkerung sehr
bald bemerkbar machen.
ECA Labor Information
IX/10/51
- 16 -

KICOO 28 Sapt 51 1 6 3 4 4 « U

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

17-39

Frankfurt, 28. September 1951

I URAL

TS

V E R Z E I C H N I S

Gewerkschaften und £CA-Programm

1

Die Stellung Sowjetrusslands zu Karl Marx und
seinen Werken

10

U.S. Bergarbeitergewerkschaft hilft Arbeitsunfaehigen wieder ins Erwerbsleben

16

Nelson H. Cruikshank, Leiter der Arbeitsabteilung der ECA
fuer Europa:
GEWERKSCHAFTEN UND ECA-FROGBAKM
Es ist noch nicht ein Jahr her, .als der Vorsitzende
der Amerikanischen Gewerkschafts-Foederation, William Green,
mich bat, meiner Ernennung als Leiter der Arbeitsabteilung
der ECA-Verwaltung fuer Europa zuzustimmen. Kurz vor
Weihnachten begab ich mich im vergangenen Jahr nach Europa.
In dieser kurzen Zeit ist es selbstverstaendlich unmoeglich,
eine Autoritaet fuer die wirtschaftlichen Probleme Europas
zu werden. Im uebrigen war ich mir sehr wohl dessen bewusst, dass ich mit meinem Amt eine grosse Verantwortung
uebernehme, aber ich war mir nicht ganz im klaren, was angesichts der ungeheuren Bedeutung und der Kompliziertheit
- 1 -

�der Probleme am besten getan werden koenne, um hier einige
Schritte weiterzukommen. So hatte ich mich auf die Versicherungen der ECA-Sachbearbeiter zu verlassen, dass sie mich in
meinem Vorhaben unterstuetzen wuerden, fuer das mich die
Amerikanische Gewerkschaftsfoederation vorgeschlagen hatte
und das ich auch nach bestem Wissen und Gewissen erfuellen
will, üeute ist bereits etwa die Haelfte der 18 Monate vorueber, in denen ich meine Arbeit durchfuehren konnte, umso
erfreulicher ist es fuer mich, jetzt auf dem 70. Kongress
der Amerikanischen Gewerkschaftsfoederation ueber meine bisherige Arbeit zu berichten.
Der Kongress der AFL, der jetzt in San Franzisko abgehalten wird, ist zugleich ein gutes Forum fuer diesen Rechenschaftsbericht. Es war vor etwa vier Jahren, als die Amerikanische Gewerkschaftsfoederation gleichfalls in San Franzisko in einem kritischen Augenblick ihre energi che Stimme fuer
den Marshallplan erhob, viele Monate frueher, als die amerikanische Gesetzgebung diesen Plan Wirklichkeit werden liess.
In jener Resolution, die den Marshallplan unterstuetzt, heisst
9s nach den Protokollen des 66. Kongresses der AFL:
"Der Tag ist zu ernst fuer eine Politik der improvisierten und bruchstueckweisen Annaeherung unserer Beziehungen zu
denen anderer Laender. Freiheit, Sicherheit und Wohlstand
aller Voelker bedingen, dass unsere Regierung keine Anstrengungen scheuen darf, allen Voelkern behilflich zu sein, die
den Willen haben, untereinander und mit uns zusammen zu arbeiten, um den Wiederaufbau der Welt voranzutreiben. Das betrifft sowohl die besiegten als auch die siegreichen Nationen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, Elend und Hunger sind
die besten Antriebskraefte fuer jeden Totalitarismus, moege
er von rechts oder links kommen. Die Erhaltung des Friedens
in der Welt und die Aufrechterhaltung der freien demokratischen Regierungen in Westeuropa sind unmittelbar abhaengig
von der sofortigen wirtschaftlichen Unterstuetzung Amerikas,
wie dies im Vorschlag des Staatsministers Marshall zum Ausdruck kommt."
Der Exekutivausschuss der AFL, der im vergangenen Monat
in Montreal zusammentrat, ueberpruefte die Beziehungen der
AFL zur Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA)
und stellte fest, dass die AFL unaufhoerlich den'Harshallnlan seit seiner Ingangsetzung im Jahre 1947 unterstuetzt
hat. Der Exekutivausschuss ist ueberzeugt, dass der Fortschritt, der in der wirtschaftlichen Wiedergesundung erzielt
worden ist, seine damaligen üntschluesse absolut rechtfertigt.
Ich moechte jetzt einige der Tatsachen mitteilen, die
den Standpunkt des Exekutivausschusses vollauf rechtfertigen.
Wenn man das Jahr 1947 mit dem Jahr 1950 vergleicht, so
stellen wir fest, dass die gesamte industrielle Produktion
in den Marshallplanlaendern sich um 46^o erhoeht hat. D*e
Stahlproduktion ist um 65^ gestiegen, die Zahl der erzeugten
Kilowattstunden um 37&gt;, die Eisenbahntransporte um 18&gt;,
die Agrarproduktion um £S£ und die Oelraffinierung um das
dreifache. Der einzige wichtige Sektor der Produktion, der
mit den Fortschritten nicht Schritt haelt, sind die Bergwerke, die heute nur 93% jener Kohlenmenge foerdem, die 1938
die Schaechte verliess. ^ber auch hier ist gegenueber 1947
eine Steigerung von ZO'/i, festzustellen.
- 2 -

�Der Umfang der Handelsbeziehungen zwischen den Teilnehmerlaendern des Marshallplanes ist heute um 25% hoeher als
der Vorkriegsstand, waehrend er im Jahre 1947 um 33% darunter lag.
über es gibt noch weitere Anzeichen fuer einen bemerkenswerten Fortschritt der wirtschaftlichen Wiedergesundung.
Ohne die wirtschaftlichen Grundvoraussetzungen, die durch den
Marshallplan erzielt wurden, wuerde Westeuropa ueberhaupt
nicht in der Lage sein, seine Verteidigungsmassnahmen gegen
kommunistische Aggressionen auch nur auf dem Papier durchzufahren. Obgleich auch heute noch wirtschaftliche und militaerischs Hilfsmassnahmen erforderlich sind, wo die Situation
es erfordert, macht sich doch in zunehmendem Masse ein Vertrauen in die Staerke und die Feehigkeit der westeuropaeischen Demokratien bemerkbar, sich selbst verteidigen zu koennen. Das ist eine Tatsache, obwohl man sich durchaus darueber im klaren ist, dass die Notwendigkeit der unvermeidlichen Verteidigungsruestungen in starkem Masse jene Bemuehungen beeintraechtigt, die die Erhoehung des Lebensstandards
Westeuropas als Ziel gesetzt haben.
In diesem Zusammenhang muss jedoch darauf hingewiesen
werden, dass es einige Folgeerscheinungen des Marshallplanes
gibt, die vielleicht ebenso wichtig sind wie die messbaren
wirtschaftlichen Fortschritte. Eine der wichtigsten Umwaelzungen ist die voellige Neuorientierung auf solchen Gebieten,
wo es geradezu eine durch Generationen hindurchgehende Engstirnigkeit in bestimmten Fragen gab: Heute sind die Grenzen in Westeuropa bis zu einem gewissen Grade bereits geoeffnet worden, die einer vernuenftigen wirtschaftlichen Abstimmung des Gueteraustausches im Wege standen. Um einem Amerikaner klar zu machen, wie sich die Situation in Westeuropa
dem unvoreingenommenen Betrachter praesentierte, muss man
sich vorstellen, dass jeder einzelne der 49 Staaten der Vereinigten Staaten von Nordamerika sich darum bemuehte, alle
jene Bedarfsgueter selbst zu erzeugen, die dem amerikanischen
Lebensstandard entsprechen. Die einzelstaatlichen Behoerden
wuerden diese Produktion innerhalb ihres Bereichs mit allen
Mitteln foerdern, wobei auch kostspielige und unwirtschaftliche Produktionsstaetten durch hohe Zoelle an jeder Grenze
geschuetzt wuerden - es ergaeben sich solche Extreme, dass
durch enorme Schutzzoelle die ueberhoehten Produktionskosten
fuer Orangen und Pampelmusen in Michiganer Gewaechshaeusern
noch "lukrativ" abgesetzt werden koennen, waehrend auf der
anderen Seite durch aehnliche Schutzzoelle protektionierte
Autofabriken im schoenen Florida noch mit Ueberschuessen arbeiten koennten. Dieses Bild wird noch weiter dadurch vervollstaendigt, dass die Einwohner der verschiedenen Laender
eine verschiedene Sprache sprechen, was nicht nur effektiv,
sondern auch bildlich gemeint ist. Die ganze staatsmaennische Kunst ihrer Regierungsform scheint darin zu bestehen,
dass jeder einzelne Staat von sich aus die Zollbarrieren der
anderen zu beseitigen oder zu umgehen wuenscht, aber durchaus
nicht daran denkt, von sich aus die eigenen Zollbarrieren zu
beseitigen oder wenigstens die Zollsaetze herabzusetzen.
Aber trotz aller dieser Hindernisse, die es in Westeuropa
gibt, konnte ein nicht unwesentlicher Fortschritt in der Richtung einer besseren wirtschaftlichen gegenseitigen Abstimmung
der Beduerfnisse der einzelnen Laender erzielt werden, ^ine"
- 3-

�der weitreichendsten Massnahmen in dieser Hinsicht war die
Gruend.ung der Europa eischen Zahlungs-Union, Es handelt sich
hierbei um ein Clearingsystem, das den wirtschaftlichen Gueteraustausch zwischen den Laendern ermoeglicht, die Mitglied
dieser Union sind, wobei es gleichgueltig ist, ob die getaetigten Kaeufe in der V.'aehrung des betreffenden Landes entrichtet werden koennen oder nicht. Es besteht somit die Moeglichkeit, dass die EZU die Grundlage fuer ein einheitliches Banksystem fuer ganz Westeuropa werden kann, genau so wie es die
Nationalbank fuer ganz Nordamerika ist.
Aber noch weitere Europaplaene fuer eine zunehmende wirtschaftliche Abstimmung sind bereits im Werden. So gibt es
heute schon den Begriff Benelux - dies ist eine Zollunion zwischen Belgien, den Niederlanden und Luxemburg. Dies ist der
erste Schritt zur Beseitigung ueberfluessiger westeuropaeischer
Grenzschranken gewesen, die den wirtschaftlichen Gueteraustausch behindert haben. Vor kurzem ist ein neuer Plan angelaufen, der weit nachhaltigere positive Einwirkungen haben
wird als jeder andere. Es handelt sich hierbei um den Schumanplan, der die Eisenerz- und Kohleversorgung der sechs
mitteleuropaeischen Kationen sichern soll und hindernde gegenseitige Massnahmen abschafft. Weiterhin ist durch die Gruendung der Organisation fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit
Europas (OEEC), die im Laufe einer direkten Einladung der
Marshallplanverwaltung an die westeuropaeischen Regierungen
vollzogen wurde, ebenfalls ein betraechtlicher Schritt nach
vorn in der wirtschaftlichen und politischen gegenseitigen
Abstimmung der einzelnen Laender getan worden. Der Europarat hat die Aufgabe, engere politische Bindungen zu schaffen.
Der Nordatlantikpakt bindet ebenfalls die einzelnen Nationen
enger aneinaader, wobei zugleich die Vereinigten Staaten und
Kanada einen wesentlichen Beitrag zur Verteidigung lebenswichtiger Gebiete bieten.
Diese sich gegenseitig unterstuetzenden Organisationen
und Abkommen setzen sich.von Tag zu Tag staerker durch. Sie
berechtigen uns zu der Hoffnung, dass Europa jetzt in ein
Stadium gelangt, dass mit unserer eigenen Situation vor dem
Unabhaengigkeitskrieg grosse Aehnlichkeit hat - damals verschwand ein Abkommen nach dem andern - sei es sofort, sei es
nach einiger Zeit - das einzelne Staaten getroffen hatten,
um sich gegenseitig abzuschliessen und eigensuechtige Ziele
zu vertreten. Aber diese Abkommen verschwanden restlos und
es folgte eine langzeitige Periode des Aufstiegs der amerikanischen Wirtschaft, die ohne die Abschaffung der einzelstaatlichen Verbote, Beschraenkungen und Abwehrmassnahmen
niemals erreicht worden waere.
Natuerlich sind die politischen Erfolge, die neben den
wirtschaftlichen erzielt worden sind, ebenso wichtig, da diese
Fortschritte den Grad der Entwicklung aufzeigen, den der
echte Glaube an Demokratie und Freiheit erreicht hat.
In Frankreich fuehlen wir durchaus, dass die heutige
Situation alles andere als zufriedenstellend ist. Aber ich
erinnere mich sehr deutlich der Situation im Jahre 1946, als
ich dort zwei Monate zubrachte. Ich weiss noch sehr genau,
dass damals eine Anzahl einflussreicher Ministerposten von
Mitgliedern der kommunistischen Partei besetzt waren, und
dass die Kommunisten ein Regiment fuehrten, wobei der Terror
- 4-

&lt;.

�dieser Partei sich bis in die Haushaltungen von Millionen
Franzosen bemerkbar machte. Seit jenem Jahr, in dem der
Marshallplan zum ersten Male in Frankreich verankert wurde,
hat sich die franzoesische Regierung zugleich von allen kommunistischen Kontrollen im Ministerrat und in den einzelnen
Ministerausschuessen frei machen koennen. Natuerlich blieb
der Druck und die Drohungen der untergrunderfahrenen kommunistischen Partei, aber die Zahl der kommunistischen Abgeordneten ist seitdem von 181 auf 101 zurueckgegangen.
In Belgien ist die Zahl der kommunistischen Abgeordneten
von 23 auf 7 herabgesunken, in Holland von 10 auf 8, in Norwegen ist kein einziger der 11 Abgeordneten im Parlament geblieben und in Grossbritannien ist die kommunistische Partei
ebenfalls ueberhaupt nicht mehr im Unterhaus vertreten. In
Westdeutschland gibt es bei 402 Abgeordneten nur 15 Kommunisten und kein einziger von ihnen ist in seinem Wahlkreis
aufgrund einer dort bestehenden.Mehrheit gewaehlt worden.
Auch in Griechenland, das durch Krieg und Besatzungsfolgen
verwuestet wurde, haben die Kommunisten weder mit Stimmzetteln noch mit Gewalt ihre Niederlage verhindern koennen.
Die Kommunisten haben jedoch auch in den Gewerkschaften
staendig an Einfluss verloren. In Frankreich, wo die Kommunisten den CGT kontrollieren, bleibt dieser noch die staerkste Organisation mit seinen - so wird behauptet - immer noch
drei bis dreieinhalb Millionen Mitgliedern, A U S dieser Zahl
geht jedoch hervor, dass der CGT seit 1947 etwa zwei Millionen Mitglieder verloren haben muss. Die freie Gewerkschaftsbewegung in Frankreich zaehlt heute bereits einundeinehalbe
Million Mitglieder.
Vor fuenf Jahren kontrollierten die italienischen Kommunisten die Gewerkschaftsbewegung, ohne dass es eine wirksame Opposition gab. Heute steht der ferngesteuerte CGIL
staendig im Kampf mit der energischen und wachsamen CISL,
die heute bereits mehr als 1 200 000 Mitglieder zaehlt und
in ihren Messnahmen durch 300 000 Mitglieder anderer nichtkommunistischer Gewerkschaften unterstuetzt wird.
Das wachsende Gefuehl der Staerke und das zunehmende
Vertrauen dieser westeuropaeischen Gewerkschaftsfuehrungen
wird in betraechtlichem Masse durch des Vorhandensein einer
echten Solidaritaet unterstuetzt, die sich durch die weltweite internationale Gewerkschaftsbewegung ergibt, die seit
1949 im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften organisiert ist und ihren Sitz in Bruessel hat. Dieser Bund, der
3eit seiner Gruendung in London erst zwei Jahre besteht, hat
bereits drei Millionen neue Mitglieder gewinnen koennen, sodass
heute 52 Millionen Mitglieder aus 80 dem IBFG angeschlossenen
Gewerkschaften in 60 Laendern demokratische Prinzipien anerkennen. Im Gegensatz hierzu hat der kommunistisch beherrschte 'Weltgewerkschaftsbund staendig Mitgliedsorganisationen
und damit Anhaenger verloren. Wichtiger jedoch als diese
Verluste an Mitgliedern duerfte jedoch die Tatsache sein,
dass der Weltgewerkschaftsbund ueberall in der Welt als Werkzeug des kommunistischen Imperialismus gebrandmarkt wird.
Jeder Arbeiter in der freien Welt weiss heute, was der WGB
tatsaechlich ist. Den .anstoss zu dieser iiitlarvung gab der
Kongress der Amerikanischen Gewerkschaftsfoederation im Jahre
1944 in New Orleans, wo diese angebliche "Gewerkschaft" namens
- 5-

�WGB bereit3 als der verlaengerte Arm der Moskauer Diktatoren
erkennt wurde. Viele Arbeiter in Westeuropa - wenn auch
laengst nicht alle - die noch vor kurzem gezwungen waren, ihre
nominelle Mitgliedschaft in den von den Sowjets kontrollierten Arbeitsfronten beizubehalten (die sich zwar immer noch
Gewerkschaften nennen, aber es nicht einmal dem Namen nach
sind) haben laengst den wahren Charakter dieser Organisationen erkannt und sich echten Gewerkschaften angeschlossen.
Wenn auch manches erreicht werden konnte, wie es auch
aus den Feststellungen des Exekutivausschusses hervorgeht,
was mit den vVuenschen der AFL in bezug auf den Marshallplan
uebereinstimmt oder sich in deren Richtung bewegt, so muss^
doch zugegeben werden, dass wir noch weit davon entfernt sind,
alle jene Ziele erreicht zu haben, die wir uns gestellt hatten.
Hierbei moechte ich mich wiederum auf die Sitzung des Exekutivausschusses in Montreal beziehen, die mit einer Resolution
beendet wurde, in der es heisst:- Die Bemuehungen des Marshallplans, den Lebensstandard der Voelker Westeuropas zu
verbessern und dem Verbraucher alle Ertraege der Foerderung
der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit zukommen
zu lassen, koennen von allen jenen unterstuetzt werden, die
demokratische Grundrechte verteidigen wollen. Aber die Voraussetzungen muessen geaendert werden, denn es ist nicht
die Absicnt dieses Planes, niedrige Loehne und hohe Preise
zu konservieren, zumal diese zu einem besonders geringen Lebensstandard fuehren, wie es in Schluessellaendern wie Frankreich und Italien der Fall ist, obwohl es nicht der Fall zu
sein brauchte. Und es kann nicht der Zweck des Marshallplanes sein, auf der einen Seite alles zur Bekaempfung des Kommunismus und zur Wiedergesundung Europas zu unternehmen, auf
der anderen Seite durch eine Unterbezahlung der Arbeiterschaft
der kommunistischen Agitation Tuer und Tor zu oeffnen.
Was besagt nun eigentlich die erwaehnte Resolution des
Exekutivausschusses der Amerikanischen Gewerkschafts-Foederation?
Zuerst nimmt diese zu verschiedenen Beobachtungen Stellung,
die von Mitgliedern des Ausschusses gemacht wurden, als sie
als Delegierte zum Kongress des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften im Juli Mailand und anschliessend Europa, besuchten. Viele dieser Delegierten haben als aktive Gewerkschafter Europa bereist und mit dem Arbeiter selbst gesprochen. Sie fragten ihn, was er von den Gewerkschaften erwarte
und sie entdeckten dabei einige bedenkliche Beispiele niedriger Loehne und ueberlegten sich dabei die Wirkungen uebertioehter Preise. Diese Ausschussmitglieder kamenzu dem
Sohlüss, dass die beste Basis fuer alle Fortschritte in Eurooa
die loyale Haltung des einfachen Arbeiters ist. Sie stellten
weiter fest, dass der Durchschnittsarbeiter in Italien und
Frankreich in erster Linie sich durch Brot ernoehrt, weil der
Preis dieses Nahrungsmittels billig ist, weil dieser streng
kontrolliert wird. Sie beobachteten weiter, dass er in 'Wohnungen lebt, die weit unter dem Durchschnitt liegen, die er
aber deshalb bewohnt, weil hier die Mietsaetze behoerdlich
festgelegt sind. i&gt;ie Wohnungen worden jedoch nur selten geheizt, weil die Preise fuer Kohle oder andere Brennstoffe
viel zu hoch sind. Weiter stellten die Delegierten fest,
d iSS die Garderobe des Arbeiters meistens aus einem Ueberzieher und einem Anzug besteht, wobei er sich zwar einen weiteren
- 6-

�Anzug kaufen kann, dann aber nur die allernotwendigsten Lebensmittel fuer laengere Zeit erstehen kann, da der Lohn nicht
ausreicht, um sich beides zugleich leisten zu koennen. Und
wenn der Arbeiter eine groessere Familie zu ernaehren hat,
wird er erst recht nicht an Neuanschaffungen denken koennen.
Diese Erfahrungen veranlassten diese amerikanischen Gewerkschafter, sich das Bild Westeuropas etwas genauer anzusehen. Waehrend sie die ausserordentlichen Erfolge des Marshallplans anerkannten, sahen sie ebenso auf die statisti-^
sehen Ergebnisse, Sie entdeckten dabei, dass ein franzoesischer Arbeiter, der eine vierkoepfige Familie zu ernaehren
hat, in den Jahren zwischen 1938 und 1948 einen Rueckgang
seines Lebensstandards um 31% zu verzeichnen hatte und dass
er bis zum Ende des Jahres 1950 nur etwa ein Drittel von dem
witder erringen konnte, was er in der Zwischenzeit verloren
hatte. Sie entdeckten weiter, dass bei steigenden Preisen
und hinterherhinkenden Löhnen der franzoesische Arbeiter kaum
imstande gewesen ist, sich seinen bisherigen Lebensstandard
zu erhalten, wenn man die letzten neun oder zehn Monate hierbei zugrunde legt.
Was aber muss getan werden, damit wir diese Dinge wieder
in Ordnung bringen, damit die Gewinne gehalten werden koennen,
die erzielt worden sind und die zur Sicherung Westeuropas
ausserordentlich beitragen koennen? Wenn wir von der Sicherheit Westeuropas sprechen, dreht es sich um die Sicherheit
und die Freiheit der ganzen Welt - aber was kann hier getan
werden? Die Antwort ist keineswegs einfach. Sie liegt niemals in einem einfachen demagogischen Appell. Euer alle
jene jedoch, die diese Probleme sozusagen aus erster Hand
kennen lernen, ragen einige Punkte heraus, die unter denen,
die unbedingt getan werden muessen, an erster Stelle stehen:
1.) Muessen jene Anstrengungen verstaerkt werden, die
restriktiven Handelspraktiken zu vermindern, die das Ausweiten des euronaeischen Gueteraustausches verhindern;
2.) muessen die Bemuehungen intensiviert und erweitert
werden, die die Vereinigung des zivilen und militaerischen
europaeischen Wirtschaftspotentials zum Ziele haben;
3.) energische Massnahmen muessen sofort einsetzen, um
jede Inflation zu verhindern und zugleich die Lebenshaltungskosten zu senken, um auf diese Weise die Kaufkraft des Arbeiters zu erhoehen. Ein solches Programm muss dadurch in
seiner Wirkung erhoeht werden, dass endlich ein gerechteres
Steuersystem durchgesetzt wird, das vor allem jene Kreise
staerker Heranzieht, dia auch in der Lage sind, diese Steuern zu entrichten und die zum groessten Teile heute ihre
eigentlich auf sie entfallenden Steuern nicht zahlen - das
sind in erstei Linie die Unternehmer in Frankreich, Italien
und Deutschland;
4.) muessen Massnahmen getroffen werden, um die Produktivitaet zu erhoehen. Es kann keinerlei Reichtum zur Verteilung kommen, der nicht produziert worden ist. Um dies verstaatlich zu machen, sei darauf hingewiesen, dass vor 50
Jahren der Ausstoss je Arbeitskraft und Arbeitsstunde in Europa
der gleiche gewesen ist wie in den Vereinigten Staaten. Heute
betraegt der Ausstoss je Arbeitsstunde und Arbeiter nur ± des
- 7

�in den Vereinigten Staaten erreichten Produktionsstandes.
Wenn der Ausstoss je Stunde und Arbeiter heute in Europa
ebenso hoch waere wie in Amerika, dann wuerde die gesamte
Produktion Europas sich auf 405 Milliarden Dollar im Jahr
belaufen - ein ungeheurer Abstand zu der tatsaechlichen jetzigen Jahresproduktion Europas im Werte von etwa 135 bis 150
Milliarden Dollar. Wenn die Produktivitaetsquote Europa
nur um die Haelfte des Ausstossunterschiedes gesteigert werden koennte, so koennten damit die gesamten Kosten fuer die
Verteidigungsanstrengungen gedeckt werden und zu gleicher
Zeit der Lebensstandard der europaeischen Bevoelkerung sehr
erheblich erhoeht werden.
Heute wird sich Europa Tag fuer Tag staerker der Notwendigkeit einer gesteigerten Produktion bewusst. Die Gewerkschaften haben bereits erkannt, dass das Lebensniveau ihrer
Mitglieder in erster Linie von der Steigerung der Produktiv itaet abhaengig ist - aber gleichzeitig verschiebt sich der
Nachdruck, der auf der Frage der Sicherheit ruht. Die gemeinsamen Sicherheitsbemuehungen basieren, immer staerker in Richtung einer Sicherheit, die die Entwicklung einer dynamischen
und sich erweiternden Wirtschaft zur Voraussetzung hat, aus
der sich allein eine wirkliche Sicherheit ergibt. Es ist
kein unerfreuliches Anzeichen, dass auch eine stetig groesser
werdende Zahl Industriefuehrer sich ebenfalls dieser Tatsachen
bewusst wird.
Eines der ermutigendsten Ereignisse der letzten Jahre
ist eine Erklaerung, die ausgangs des vergangenen Jahres von
18 Regierungen abgegeben worden ist, die Mitglieder der Organisation fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas
(OEEC) sind und in der gesagt wird, dass alle Anstrengungen
gemacht werden wuerden, um die Produktion in den naechsten
fuenf Jahren alljaehrlich um 5% zu erhoehen.
In Beantwortung dieser Tatsachen und angesichts der
dringlichsten Noete der westeuropaeischen Staaten legt die
Verwaltung des Marshallplans in den letzten Monaten den
staerksten Nachdruck auf eine Unterstuetzung der Marshallplanlaender in ihren Bemuehungen zur Steigerung der Produktivitaet.
Bei dieser Aufgabe wird die Arbeitsabteilung der ECA eine
besondere Verantwortung uebernehmen muessen.
Da viele Mitglieder meines Bueros direkt aus den Reihen
der amerikanischen Gewerkschaften kommen, erkennen wir vielleicht besser als alle anderen, dass es hier ebenso Gefahren
wie auch besondere Hoffnungen in den Bemuehungen gibt, die
Produktivitaet zu steigern. So erkennen wir zum Beispiel,
dass ohne besondere Sicherheitsvorkshrungen alle diese Anstrengungen nichts weiter sein wuerden als eine blosse Beschleunigung der Arbeitsvorgaenge, die dem Arbeiter keinerlei Vorteile
bringen wuerde. Die Mitarbeiter der Arbeitsabteilung haben
ihre eigenen Erfahrungen mit jenen angeblichen Experten gemacht, deren Hauptweisheit die Stoppuhr und der Rechenschieber
ist, und sie sind obendrein stolz darauf, Beschleunigungen
der Arbeitsvorgaenge durchgefuehrt zu haben, wobei auch Arbeitskraefte abgebaut werden konnten. Das ist in vielen amerikanischen Werken geschehen, in denen meine Mitarbeiter vor geraumer
Zeit beschaeftigt waren. Wir sind jedoch heute entschlossen,
unter allen Umstaenden dafuer Sorge zu tragen, dass das technische Unterstuetzungsprogramm der ECA fuer die Foerderung der
- 8-

�Produktivitaet nicht in einer derartigen Form missbraucht
wird, ebenso werden keinerlei Entartungserscheinungen hingenommen werden, sondern in diesen Faellen wird sofort Widerspruch erhoben.
Das wirkliche Produktivitaetsprogramm sieht vor, dass
Standardbestimmungen fuer die Ausweitung der Unterstuetzung
der Unternehmer bei der technischen Beratung zugleich den
Arbeiter in diesen Unternehmen schuetzen muessen. Ueberall
dort, wo ein Produktivitaetsprogramm anlaeuft, muss der Arbeiter einen gerechten Anteil an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktivitaet erhalten, das heisst, er muss eine vollere
Lohntuete nach Hause bringen koennen. /Vir sind uns im klaren
darueber, dass es nicht leicht sein wird, wirksame und gerechte
Voraussetzungen hierfuer zu schaffen, vor allem in Laendern
wie Italien und Frankreich. Aber die Fuehrer der freien Gewerkschaftsbewegung haben uns bereits ihre uneingeschraenkte
Mitarbeit bei der Loesung dieser Probleme zugesagt. Trotz
der Schwierigkeiten dieser Aufgaben gehen wir an diese Arbeit
heran, weil wir von der Arbeitsabteilung uns dessen bewusst
sind, dass wir nicht deshalb nach Suropa entsandt worden sind,
um einfach das Ja und Amen der Gewerkschaften zu einer vergroesserten Produktivitaetskampagne uns geben zu lassen. Ich
versichere jedem auf mein Wort, dass, solange ich der Leiter
der Arbeitsabteilung der ECA fuer Europa bin, es keine Kampagne fuer eine gesteigerte Produktivitaet geben wird, wenn
nicht alle Vorkehrungen getroffen worden sind, um den Lohnerapfaengern und den Verbrauchern unter allen Umstaenden einen
gerechten Anteil aus den Ertraegen der gesteigerten Produktivitaet zu sichern. Und ich weiss, dass auch saemtliche Mitarbeiter meines Bueros die gleiche Meinung vertreten und die
gleiche Forderung stellen werden - aber auch alle Mitglieder
der Arbeitsabteilungen der ECA-Verwaltungen in den einzelnen
Mitgliedsstaaten vertreten uneingeschraenkt dieses Prinzip.
Da der Charakter des ECA-Programms kein statisches ist,
weil die Erfordernisse des Verteidigungsprogramms sich den
veraenderten Verhaeltnissen anpassen muessen, so aendern sich
auch manche Verantwortlichkeitsbereiche der Arbeitsabteilungen. Die Sachbearbeiter der einzelnen Arbeitsabteilungen in
den verschiedenen Laendern der I'arshallplanstaaten werden
neue Aufgaben uebernehmen muessen, sie werden aber darauf
achten muessen, dass die Auftraege fuer bestimmte Versorgungsgueter, die an westeuropaeische Unternehmen erteilt werden,
vor allem dort gegeben werden, wo der damit verbundene hoehere Beschaeftigungsstand eine Staerkung der Position der freien Gewerkschaften zur Folge hat. Die Leiter der Arbeitsabteilungen wie die Sachbearbeiter im Buero des Pariser Sonderbeauftragten wissen durch ihren staendigen Kontakt mit den
Gewerkschaftsfuehrern sehr genau Bescheid, wo die geeigneten
Fabriken und Werke vorhanden sind, in denen Verteidigungsmittel hergestellt werden koennen, ohne dass irgendwelche
Gefahren der Sabotage oder einer Untergrundbewegung bestehen,
oder wo die Lieferung durch Streiks verzoegert werden koennte,
weil von den Kommunisten inszenierte politische Streiks ausbrechen.
Diese und viele andere Verantwortlichkeiten werden wir
in den kommenden Lonaten uebernehmen muessen; Ich weiss, dass
ich diesen Appell an amerikanische Gewerkschaftsfuehrer zu
einer Zeit richte, wo diese bis zum. aeussersten beansprucht
sind, um den Kampf gegen die drohende Inflation mit aller
- 9 -

�Energie durchzufuehren, die Amerika bedroht, ich weiss, dass
mit aller Kraft p-epen das Teft-Hartley-Gesetz opponiert werden muss, das die Organisationsfreiheiten des amerikanischen
Arbeiters bedroht, ich weiss, dass energische Schritte fuer
ein besseres Y/ohnbauprogramm erforderlich sind, dass die
soziale Sicherheit verbessert werden muss, dass endlich das
Gesetz ueber die Arbeitslosenversicherung Wirklichkeit werden muss - all das sind Kaempfe, die ich keineswegs uebersehe, obwohl ich seit vielen Monaten nicht mehr in Amerika
sein konnte. Ich weiss auch, dass die Hilfsquellen der
Gewerkschaften bis zu jener Gren2,e beansprucht sind, die
sich durch das Verteidigungsprogramm ergeben, ich weiss auch,
welche Bedeutung das Programm zur Stabilisierung der Wirtschaft hat. Obwohl ich mir all dieser Dinge bewusst bin,
apoelliere ich dennoch an die Fuehrer und Funktionaere der
amerikanischen Gewerkschaften auf diesem Kongress der amerikanischen Gewerkschaftsfoederation, uns in all unseren Bemuehungen den Ruecken zu staerken, die wir als verantwortliche Repraesentanten der Gewerkschaften in Europa unternehmen.
Ohne diese Rueckendeckung werden unsere Erfolge keinerlei
dauernde Bedeutung haben. Aber man uebersehe dabei nicht,
dass diese Anstrengungen nur ein Teil des gemeinsamen Kampfes
sind, den die Gewerkschaften durchzufechten haben und der
heute eine weltweite Bedeutung gewonnen hat. Dieser Kampf
soll dazu beitragen, uns den Frieden zu erhalten, unseren
eigenen freien Vv'eg der Lebensgestaltung zu waehlen und unsere
Freiheit und die .Vuerde des arbeitenden Menschen in der
gesamten freien Welt zu erhalten.
ECA Labor Information
FYI-255
DHC STELLUNG S 0;,rJETRUSSL/^vTDS ZU K^RL MARX UND SEINEN WERKEN
Ueber dem Werk Karl Marx' scheint ein tragisches Schicksal zu schweben: nahezu 70 Jahre nach seinem Tod und mehr
als 50 Jahre nach dem Tode seines engsten Mitarbeiters Friedrich Engels gibt es noch immer keine Gesamtausgabe seiner
Schriften, die von Millionen Menschen sehnlichst erwartet
wird.
Als wirtschaftlicher Schriftsteller, der zu Anfang voellig unbekannt und gegen Ende seiner Karriere verhasst und
zugleich gefuerchtet war, hatte 63 Marx nicht leicht, einen
Herausgeber zu finden, der mutig und verstaendnisvoll genug
gewesen waere, sein Gesamtwerk zu veroeffentlichen. Engels,
der seinen Freund um zwoelf Jahre ueberlebte, verbrachte den
groessten Teil seiner Zeit damit, die zahlreichen Manuskripte
Marx' zu entziffern und zu ordnen, vor allem um die Baende
II und III des "Kapitals" zusammenzustellen. E3 war ihm
jedoch nicht vergoennt, seinen groessten Wunsch verwirklicht
zu 3ehen und die gesamten V.erke Marx' mit seiner Biographie
zu veroeffentlichen. Nach dem Tode Engels schien diese Aufgabe der juengsten Toclter Marx', Eleanor Marx-Aveling, zuzufallen. Sie hatte bereits mehrere Schriften ihres Vaters,
die in Englisch abgefasst waren, veroeffentlieht, als sie'
auf Grund einer Nervenzarraettung den Freitod waehlte. Die
begonnene Aufgabe wurde dadurch wiederum unterbrochen. Die
Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die dann das Erbe
der Schriften Marx' und Engels' antrat, konnte ebenfalls
- 10 -

�nicht den 'Wunsch verwirklichen, den der sterbende Engels
noch geaeussert hatte. Die theoretischen Streitigkeiten im
Zeitalter des Revisionismus liessen Karl hautsky und Eduard
Hernstein, die beide lange Zeit in der naechsten Umgebung
Engels gelebt hatten, zu politischen Widersachern werden und
hinderte sie daran, gemeinsam dieses grosse Werk zu vollenden.
In der Zeit nach dem Tode ü-ngels (1895) bis zum Beginn des
Ersten '.Veitkrieges tauchten durch die Initiative Einzelner
nur eine Reihe Fragmente der zahlreichen und bedeutsamen
Manuskripte Marx' aus der Vergessenheit wieder auf.
Sollte die russische Revolution des Jahres 1917 mit ihrer
anfaenglichen Geisteshaltung die Moeglichkeit geben, endlich
das ersehnte Licht in die von den beiden Gruendern des wissenschaftlichen Sozialismus hinterlassenen Werke zu brin-yan? Sollte die Idee einer grossartigen und vollständigen Ausgabe, die
so lange und so sehnlich von den Arbeiterfuehrern der ganzen
Welt erwartet wurde, endlich Wirklichkeit werden?
j-»er Mann, der diese Aufgabe uebernehmen sollte und auf
Grund seiner bisherigen Taetigkeit als Forscher und durch seim e
frueheren Arbeiten fuer diese grosse Aufgabe glaenzend befaehigt war, war D. Rjasanoff. Was die Arbeiterbewegung des
Abendlandes bisher versaeumt hatte, obwohl sie ueber die erforderlichen Mittel verfuegte, betrachtete von nun an der
Kommunismus als seine erste Pflicht, zumal er sich berufen
sah, dieses Werk zu uebernehmen.
In einer biographischen Notiz ueber Rjasanoff, die man
im Namensverzeichnis im Band VII der Werke Lenins (erschienen Moskau ]928j finden kann, liest man folgendes:
Rjasanoff, D.B. (geboren 1870). i^iner der aeltesten
russischen Sozialdemokraten. Beteiligte sich kurz nach
1890 an der Organisation der ersten Arbeiterzentren in Odessa.
Fuenf Jahre Gefaengnis, drei Jahre unter strengster Ueberwachung, dann Emigration. Bemuehte sich, die Tendenzen der
ersten Iskra und des Oekonomismus zu vereinigen; war einer
der Gruender der Gruppe "Borba" (Der Kampf). Widmete sich
waehrend der Revolution im Jahre 1905 der Gruendung von Gewerkschaften in Odessa und Petersburg. Musste erneut auswandern und betaetigte sich innerhalb der sozialistischen Bewegung des Westens. Wurde von der deutschen Sozialdemokratie
beauftragt, den literarischen Nachlass Marx* und Engels'
und die Geschichte der Ersten Internationale an Hand der Originaldokumente zu studieren. Internationalist waehrend des
Krieges. Rueckkehr nach Russland 1917, Eintritt in die bolschewistische Partei, beteiligte sich an der Vorbereitung der
Oktoberrevolution. R. ist einer der Gruender der kommunistischen Akademie in Moskau und des Marx-^ngels-Instituts, dessen Leiter er zur Zeit ist. Mitglied des Exekutivausschusses
der Sowjets der U.R.S.S.
Aber leider! Drei Jahre nach Erscheinen dieser Notiz
war Rjasanoff aus seinem Amt als Leiter des Marx-Engels-Instituts entfernt worden, das er im Jahre 1922 gegruendet hatte.
Ohne d9ss etwe.s ueber die Gruende dieser Ungnade bekannt wurde, ohne Prozess und ohne oeffentliches Urteil war Rjasanoff
festgenommen und deportiert worden. Ueber das ande seines
Lebens gibt es nur sehr ungenaue Angaben, Er scheint eine
risse Zeit in Saratow an der Wolga gelebt zu haben und kurz
vor Ausbruch -des zweiten Weltkrieges gestorben zu sein.
- 11

�1930, ein Jahr vor seiner Entfernung aus dem Amt, war
Rjasanoff anlaesslich
seines 60. Geburtstages offiziell gefeiert und zumngroessten Marxologen der Epoche" proklamiert
worden. Die sozialistische Akademie hatte dieses Ereignis
grossartig gefeiert, indem sie eine Schrift von 650 Seiten
veroeffentlichte, die dem hervorragenden marxistischen Gelehrten gewidmet war. Die deutsch-russische Zeitschrift
"Unter dem Banner des Marxismus" hatte ihm ebenfalls einen
begeisterten Artikel gewidmet, in dem es einleitend hiess:
Initiator einer grossen Zahl Studien ueber Entstehung,
Entwicklung und Propagierung des Marxismus, Verfasser der
weitverbreiteten biographischen Aufzeichnungen ueber lirx
und Engels, Entdecker und Herausgeber mehrerer Hundert ihi er
Manuskripte, Redakteur der grossen russischen Ausgabe und
der vollstaendigen internationalen Ausgabe ihrer Werke, Leiter des Marx-Engels-Instituts, Redakteur der drei wissenschaftlichen, der marxistischen Forschung gewidmeten Zeitschriften und schliesslich Inspirator einer immer groesser
werdenden Zahl von Forschern. Auf diesen Gebieten hat Rjasanoff die Ziele, Wege und Methoden der Marxologie vorgezeichnet und gleichzeitig die Bedingungen einer systematischen
und methodischen Organisation der Marxologie und ihrer Entwicklung geschaffen.
Um die ganze Groesse der von Rjasanoff waehrend seiner
achtjaenrigen Taetigkeit am Marx-Engels-Institut geleisteten Arbeit ermessen zu koennen, muss man sich vergegenwaertigen, dass dank der Bemuehungen und des Koennens dieses
Gelehrten Russland heute ganz allein ueber die Gesamtheit
der Dokumente, Unterlagen und Manuskripte verfuegt, die zur
Zusammenstellung einer historischen Ausgabe der Werke Marx'
und Engels* unerlaesslich sind. Der Plan fuer eine solche
Ausgabe wurde im Jahre 1922 der sowjetischen Regierung, durch
Rjasanoff unterbreitet. Diese billigte das Projekt und bewilligte die zu seiner Durchfuehrung erforderlichen Geldmittel. Von 1923 - 1925 arbeitete Rjasanoff gemeinsam mit
einer Grupoe sorgfaeltig ausgesuchter Forscher mit ausserordentlichem Eifer an der Suche nach ^uellenmaterial, das der
Verwirklichung der Idee einer Gesamtausgabe haette dienlich
sein koennen. Auf zahlreichen Reisen in die Laender Westeuropas erwarb er mehrere Privatbibliotheken, die aeusserst
seltene Buecher und dokumentarische Sammlungen ueber die Geschichte der Arbeiterbewegung, des Sozialismus und insbesondere die Erstausgaben von verken Marx* und Engels' enthielten.
Er gruendete damals an dem Moskauer Institut, dessen Leiter
er war, das in seiner Art einzige "Marx-Engels-Kabinett".
Es sind vor allem aber die Archive des Instituts, die den1
groessten Reichtum des literarischen Verhaeltnisses Marx und
Engels' enthalten. Sie bilden die Grundlage der monumentalen
Ausgabe, die Rjasanoff geplant hatte.
Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die bis
1933 den literarischen Nachlass Marx' und Engels' verwaltete,
wurde zum Hauptlieferanten Rjasanoffs. Sie oeffnete dem
russischen Marxologen ihre Archive und gab ihm die Erlaubnis, alle gewuenschten Schriften und Dokumente zu fotokopieren. Auf diese Weise konnte das Institut in Moskau in den
Besitz des gesamten Nachlasses von Marx und Engels gelangen.
Die gleichen Moeglichkeiten wurden Rjasanoff aber auch von
verschiedenen anderen privaten und oeffentlichen Instituten
- 12 -

�und Bibliotheken gewaehrt. Er konnte ixa Britischen Museum
in der Oeffentlichen Buecherei von New York, an der Preussischen Staatsbibliothek, in den historischen Archiven von
Koeln und an anderen Stellen die Briefe und Manuskripte
Marx' und Engels' und die sich auf ihre Arbeiten, beziehenden Dokumente ebenfalls fotokopieren. Bei Eduard Bernstein,
der noch im Besitz wichtiger Manuskripte Marx' war, fand
das Vorhaben Rjasanoffs den besten Anklang. Bernstein gab
sogar seine eigenen Plaene fuer eine Herausgabe der MarxEngelsachen 'werke daraufhin auf.
1925 traf Rjasanoff im Namen des Moskauer Instituts
ein Abkommen mit dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei
Deutschlands und mit der Soziologischen Gesellschaft, die
in Frankfurt von Professor Carl Gruenberg geleitet wurde.
Dadurch kam es zur Gruendung einer Herausgeber-Gesellschaft, die unmittelbar danach die erste Lieferung des MarxEn "els-Archivs veroeffentlichte: es war ein Buch von mehr
als 5C0 Seiten, das bedeutende philosophische und historische Beitrage russischer Gelehrter wie Deborine und Wolguine
sowie den Anfang einer "Geschichte der Ersten Internationale"
enthielt, die der Feder Rjasanoffs entsprungen war. Zu den
nichtveroeffentlichten Dokumenten gehoerte der erste Teil
des Manuskripts ueber die "Deutsche Ideologie" und Briefe, die
zwischen Marx und Vera Zassulitsch ausgetauscht worden waren.
Hier findet man auch bereits den detaillierten Plan ueber
die Gesamtausgabe der Werke Marx' und Engels*, die beruehmte
"MEGA" (Marx-Engels-Gesamt-Ausgabe).
Sie sollte 42 Baende in Oktavformat umfassen, die in
vier Abschnitten unterteilt waren.
Der erste abschnitt umfasste: philosophische, wirtschaftliche, historische und politische Schriften mit Ausnahme
der Schrift "Das Kapital"(17 Baende)}
Im zweiten Abschnitt sollte veroeffentlicht werden:
"Das Kapital", und zwar nach einem gaenzlich neuen Plan unter
Verarbeitung der zahlreichen und umfangreichen Manuskripte
Marx', die bislang unveroeffentlicht geblieben sind (13
Baende);
Der dritte Abschnitt war vorgesehen fuer die gesamte
Korrespondenz zwischen Marx und Engels, die ungekuerzt wiedergegeben werden sollte (10 Baende);
Im vierten Abschnitt sollte der allgemeine Index untergebracht werden (ß Baende).
Jeder der vier Abschnitte wurde einem auf dem betreffenden Gebiet erfahrenen Experten uebergeben, der von mehreren
Fachkraeften unterstuetzt wurde, die ueber langjaehrige Erfahrungen in der Entzifferung der Handschriften Marx' und Engels
verfuegten, eine Vorbedingung, die zur Bearbeitung der Konzente und Briefe unerlaesslich war.
Von diesen 42 geplanten Baenden konnte Rjasanoff in der
Zeit von 1926 - 1930 nur fuenf herausgeben, von denen drei
den Briefwechsel zwischen Marx und Engels behandeln. Aber
schon die Vorworte, die kritischen und historischen Anmerkungen, die diese Baende bereichern, zeugen von dem Umfang seines
- 13

�Wissens und der Fuelle seiner Erfahrungen, die er sich in
seiner dreissigjaehrigen Taetigkeit im Dienste der Marxologie erworben hatte.
Von dem Nachfolger Rjasanoffs, V. Adoratski, dem jetzigen Leiter des Staatsarchivs, kann nicht das gleiche gesagt
werden. Er war durch keinerlei besondere Sachkenntnis zur
Vollendung der begonnenen Arbeit wirklich berufen. Und doch
wurden von 1931 -1935 unter seiner Leitung weitere sechs
Baende der MEGA veroeffentlicht, deren Texte bereits von
Rjasanoff und seinen Mitarbeitern abgefasst und vorbereitet
worden waren. Ebenso uebernahm Adoratski die Leitung des
von Rjasanoffs gegruendeten Instituts, das von nun an den
Namen "Marx-Engels-Lenin-Institut" fuehrte.
Wir haben bereits von dem Verschwinden Rjasanoffs berichtet. Was das Schicksal seiner Manuskripte betrifft, so koennen wir hier leider keinerlei Illusionen naehren, die man
sich ueber sie macht, weil wir die Vernichtungsmethoden der
unter dem Befehl Stalins stehenden Inquisitoren kennen.
Was das Schicksal der Baende betrifft, die waehrend der
kurzen Amtszeit Adoratskis veroeffentlicht wurden, so koennen
wir auch hier wieder nur Vermutungen aussprechen. Nach dem
Verschwinden Rjasanoffs im Jahre 1931 wurden die Anzeichen
immer haeufiger, dass das "marxistische" Russland den Gedanken einer Gesamtausgabe der Y/erke von Marx und Engels voellig
aufgegeben hatte.
Die Ausloeschung der Vergangenheit hat sich in mehreren
Etappen vollzogen, woran man wiederum die Tradition der stalinistischen Methoden erkennt: Die Ausschaltung Rjasanoffs
und seiner besten Mitarbeiter, die staendig zunehmende Austilgung saemtlicher Spuren ihrer Namen und ihrer Arbeiten in
spaeteren Veroeffentlichungen, die voellige Aufgabe des Gedankens einer Veroeffentlichung der MEGA - was auch zur Folge
hatte, dass die bereits gedruckten Werke eingestampft wurden das Verschwinden dieser Baende aus russischen und aus auslaendischen Bibliotheken durch Agenten und schliesslich die sogenannte "Saeuberung" der Werke Marx' und Engels1 unter Zuhilfenahme sogenannter "populaerer" Ausgaben, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrten. 'Wie wir spaeter sehen werden, kann man die Spuren dieser Saeuberungsaktion sowohl an
Ausgaben, die in der ui*spruenglicnen Sprache erschienen waren,
als auch an den russischen Ausgaben verfolgen. Damit ersetzte
man nach und nach die MEGA, ein wissenschaftliches und vollstaendiges Werk, durch eine Serie unabhaengiger Veroeffentlichungen, die man hier und da anscheinend planlos in Zeitschriften veroeffentlichte. Auf der anderen Seite "russifizierte"
man die Werke Marx* und Engels' und veröffentlichte die noch
nicht herausgegebenen Manuskripte ausschliesslich in russischer
Sprache. Die Art und Weise, in der man die verschiedenen Veroeff entlichungen dem Laser praesentierte, legt Zeugnis ab von
der Verwirrung und Angst jener Leute, die mit dieser Aufgebe
betraut waren. Kommentare fehlen fast paenzlich oder sie sind
von einer fast laecherlichen Kuerze. So enthaelt an einzelnen
Stellen jede Seite eines Textes von Marx oder Engels ein vernichtendes Urteil ueber den Polizeistaat und das"Sklavensystem,
die auf der anderen Seite von Stalin im Namen des Marxismus
eingefuehrt wurden. Aenderungen wurden somit fuer die Sowjets
zu einer zwingenden Notwendigkeit.
- 14 -

�Das war also das tragische Schicksal der von Rja3anoff
unter der Schirmherrschaft des "marxistischen Staates" so
glorreich begonnenen Aroeit, die von Stalin selbst, dem
"genialen Schueler" Marx1, abgebrochen werden musste. Rjasanoff, der so streng in seinem Urteil ueber die Art und Weise
war, in der der Vorsitzende der deutschen Sozialdemokratischen
Partei den literarischen Kachlass Marx' und Engels' verwaltet
hatte, konnte nicht ahnen, dass sein Traum einer Gesamtausgabe
dieser Werke in dem "Lande des Sozialismus" noch weniger Chancen hatte, verwirklicht zu werden als in irgendeinem kapitalistischen Lande.
Leider hatte der Fehl3Chlag dieses Unternehmens eine
noch viel sc hl Liiere Konsequenz angesichts der nicht abschaetzbaren Folgen fuer jeglichen weiteren Versuch der endgueltigen
Herausgabe dieser Werke. Waehreud der ßluetezeit des Nazismus in Deutschland konnten die Archive der Sozialdemokratischen Partei nur teilweise gerettet und in oicharheit gebracht
werden. Der wichtigste Teil hiervon befindet sich heute im
Internationalen Institut fuer Sozialgeschichte in iimste'rdam.
Man wartet jedoch noch darauf, dass ein Verzeichnis der Schriften und Dokumente veroeffentlicht wird, die sich in 6er Obhut
dieses Instituts befinden, um ihre Bedeutung ermessen zu
koennen. üs ist heute schon mit groesster 'Wahrscheinlichkeit
anzunehmen, dass das Institut nicht saemtliche Dokumente besitzt, die von Rjasanoff fuer das Moskauer Institut photokopiert oder erworben wurden. Dieses Institut ist damit zur
Zeit das einzige, das ueber die hinterlassenen 'Werke Marx'
und Engels' verfuegt, und damit haelt Stalin den Schluessel
zu jedem weiteren Unternehmen in der Hand, mit dem man die
Arbeit Rjasanoffs wieder aufnehmen und fortsetzen wollte.
Man koennte natuerlich jetzt schon anfangen, die Unterlagen
und Dokumente zusammenzutragen, die noch in den groesseren
kulturellen Zentren Yvesteuropas und der Vereinigten Staaten
vorhanden sind. Es ist jedoch zu befuerchten, dass eine Gesamtausgabe der Werke Marx' und Engels' niemals verwirklicht werden kann, solange der Zutritt zu den Archiven des Moskauer
Instituts nicht gestattet ist.
Mehr als jedes andere Ereignis in ^ussland seit der
Machtuebernahme Stalins zeigt die Zerstoerung der Arbeiten
Rjasanoffs den entgueltigen Bruch zwischen den von dem "marxistischen" Diktator eingefuehrteri Regime und den authentischen marxistischen Gedankengängen, die noch zu Lebzeiten
Lenins Geltung hatten.
V'enn es gestattet ist, einen bestimmten Zusammenhang zwischen den verschiedenen Typen der Geheimpolizei herzustellen,
die man seit 1918 in ^u:sland von der Tscheka bis zur M.'.D gekannt hat, wenn die Unterdrueckung jeglicher politischer Opposition von vornherein fuer den Bolschewismus traditionell gewesen ist, dann laesst sich sagen, dass ein Umschwung von der
Ziviliation zum Barbarentum stattgefunden hat. Die Behandlung,
die die stalinistische Autokratie den Werken Marx' und ^ngels'
zuteil werden liess, und ihre "Umwandlung" und ihre Verfaelschung zeigt in beispielhafter '..eise, bis zu welchem Grad der
Stalinismus die absolute Verneinung jeglicher Kultur bedeutet.
Preuves
IX/1951
- 15 -

�U.S. BERGARBSITERGEWERKSCKAFT HILFT ARBEITSUNFÄHIGEN WIEDER
INS ERWERBSLEBEN
John L. Lewis, der Vorsitzende der amerikanischen Bergarbeitergewerkschaft, ist einer der schaerfsten Kritiker
Praesident Trumans. Bei den letzten drei Praesidentschaftswahlen hat er ohne Erfolg republikanische Kandidaten unterstuetzt. Trotzdem ist dem Wohlfahrts- und Pensionsfonds der
Bergarbeitergewerkschaft durch Praesident Trumans Komitee
fuer die Beschaeftigung Koerperbehinderter die Anerkennung
ausgesprochen, worden.
Vizeadmiral Ross Mclntire, der Vorsitzende des Komitees,
bezeichnete diesen Fonds als eine ausgezeichnete Errungenschaft auf einem aeusserst schwierigen Gebiet, ja sogar als
die beste gewerkschaftliche Einrichtung dieser Art. Er erklaefte wörtlich: "Der Wohlfahrts- und Pensionsfonds der
Bergarbeitergewerkschaft hat den koerperbehinderten Arbeitern
hervorragende Dienste geleistet, indem er bewiesen hat,.dass
Menschen mit schwerer koerperlicher Behinderung wieder zu
wirtschaftlich und sozial wertvollen Buergern werden koennen.
Sie koennen aus der Verzweiflung, der Abhaengigkeit, der Not
und der Hilflosigkeit gerettet werden, wenn ihnen die geeigneten Mittel zu ihrer koerperlichen Gewandtheit und beruflichen Eingliederung zur Verfuegung gestellt werden."
Der Fonds wurde im Oktober 1947 gegruendet. Was hat
er seit dieser Zeit erreicht? Mclntire berichtet hierzu:
"Der erste Patient, ein hilfloser, bettlaegeriger
Krueppel, ist nach dreieinhalbjaehriger Behandlung durch
Aerzte, Therapeutiker und Berufsberater wieder zu einem Buerger geworden, der fuer sich selbst sorgen kann. Bis zum 1.
Januar 1951 sind fuer 658 weitere koerperbehiriderte Bergarbeiter Umschulungskurse begonnen worden, mit denen man sie
wieder zu brauchbaren Mitbuergern machen will."
Was dies bedeutet, zeigt uns am besten das Beispiel
Rüssel Browns, eines gelaehmten Bergarbeiter in Seth, West
Virginia. Brown hatte 1939 einen Unfall und war durch dessen
Folgen zehn Jahre lang bettlaegerig. Die Aerzte seiner Heimatstadt waren der Meinung, dass nichts mehr zu machen sei.
Die Gewerkschaft bezweifelte dies und bewirkte, dass Brown
im Rühmen des Wohlfahrtsfonds der Gewerkschaft in das New
YorKer Institut fuer Krankenoflege und koerperliche Genesung
aufgenommen wurde. Ein Jahr spaeter konnte Brown wieder mit
Hilfe von Kruecken laufen. Dann kamen fuer ihn sechs Monate
Berufsausbildung.
Ein kleines Haeuschen in der Naehe seiner Wohnung wurde
in eine Schuhreparaturwerkstatt umgebaut. Die staatliche fiehoerde fuer Berufseingliederung stellte die notwendigen Maschinen zur Verfuegung. Seine Gewerkschaft gab ihm einen
Kredit in Hoehe von 480 Dollar, um die notwendigen v.erkzeuge
und Materialien zu kaufen. Brown erklaerte vor kurzem:
"Dank meiner Ortsgewerkschaft und hilfsbereiter Menschen meiner Umgebung habe ich keine Schulden mehr. Die Arbeit als
Schuhmacher ist nicht halb so schwer wie meine ersten Gehversuche an Kruecken."
Program Services Section
IX/5/51
- 16 -

H1C0U 5 Oot 51 18346 (&gt; U

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessentea direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 40

Frankfurt, 5. Oktober 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die gewerkschaftliche Organisation der
Angestellten

1

Daenemark zeigt eine Moeglichkeit zur Steigerung der Produktivitaet

6

Aus der Arbeit der OEEC

8

Die Taetigkeit der Gewerkschaften in
Venezuela

• 12

Aktiver Humanismus in der Gewerkschaftsbewegung

• 14

Einfuhrzoelle beeintraechtigen Steigerung
der Produktivitaet

16

DIE GEWERKSCHAFTLICHE ORGANISATION DER ANGESTELLTEN.
Maurice J. Tobin:
Maurice J. Tobin Ist in Kabinett Truman als Staatssekretaer fuer Arbeitsangelegenheiten taetig, eine
Stellung, die in der Praxis der eines Ministers
entspricht, auch wenn es in den Vereinigten Staaten
die Bezeichnung Minister offiziell nicht gibt.
Durch die Tatsache, dass ein Kabinettsmitglied diese
- 1

�Ausfuehrungen gemacht hat, gewinnen sie besonderen
Wert.
Heute zaehlt Amerika etwa 15 Millionen Angestellte. Von
diesen 15 Millionen sind aber weniger als zwei Millionen Mitglieder gewerkschaftlicher Organisationen. Schon diese beiden
Zahlen beweisen, dass auf dem Gebiet der Zusammenschliessung der
Angestellten in Gewerkschaften noch ausserordentlich viel -Arbeit,
geleistet werden muss, denn diese Angestellten benoetigen Gewerkschaften, wenn sie mit ihren Gehaeltern nicht meilenweit hinterherhinken wollen, die Gewerkschaften brauchen die Angestellten,
damit die organisatorische Staerke eine noch groessere als bisher
wird.
Natuerlich kann man die Verhaeltnisse der Angestellten in
Amerika mit denen anderer Laender vergleichen, was vor allem dann
moeglich ist, wenn auf Studienreiser gerade diese Frage aufgerollt
wird. In diesem Licht sind natuerlich die Gehaeiter der amerikanischen Angestellten durchaus ertraegliche.
Im Grosshandel sind in den Vereinigten Staaten etwa vier Millionen Angestellte beschaeftigt. Vor etwa 30 Jahren sagte ein Gewerkschaf tsfunktionaer: "Wenn Gott in seiner Allmacht heute auf
die Erde herniederstiege, wuerde er doch kaum genuegend Staerke
haben, um eine kampfkraeftige Gewerkschaftsorganisation im Grosshandel auf die Beine zu stellen". Dieser Punktionaer hat aber
zweifellos nicht nur die Allmacht Gottes unterschaetzt, sondern
auch die Angestellten im Grosshandel. In beiden Richtungen hatte
er unrecht, und heute hat die Gewerkschaft laengst bewiesen, dass
er falsch urteilte. James Suffridge und Vernon Kousewright haben
niemals ihre Aufgabe mit einer solchen Einstellung begonnen, sie
waren Maenner der Praxis, die wussten, dass die Angestellten des
Grosshandels organisiert werden muessen - sie begannen mit ihrer
Propaganda und organisierten die Angestellten. Heute ist diese Gewerkschaft In der APL staerkemaessig an neunter Stelle stehend dabei waechst diese Gewerkschaft auch heute noch weiter.
Trotz aller Fortschritte muss jedoch gesagt werden, dass die
gewerkschaftliche Organisation der Angestellten gerade begonnen hat.
Der Exekutivausschuss der AFL bestaetigte dies in seiner letzten
Sitzung, als er die Feststellung traf, dass auf diesem Gebiet gewerkschaftlicher Organisation sozusagen eben die Oberflaeche angekratzt Ist.
Das ist ein sehr ernstes Problem. Es ist deshalb so ernst,
weil die Zahl der Anges-tellten von Jahr zu Jahr zunimmt. Vor zehn
Jahren gab es nur 11 Millionen, damals waren es etwa 24 % aller
Lohn- und Gehaltsempfaenger der USA.* Heute sind es mehr als 15
Millionen, ihr Anteil belaeuft sich auf 28 % aller Lohn- und Gehaltsempfaenger. Die Zahl der Angestellten nimmt immer weiter zu,
Aufgabe der Gewerkschaften muss es sein, mit dieser Entwicklung
Schritt zu halten und ihre entsprechenden gewerkschaftlichen Organisationen mit dieser Entwicklung im Schritt zu halten.
Diese Angestellten brauchen die gewerkschaftliche Organisation.
Sie brauchen sie, weil sie sonst In der wirtschaftlichen Entwicklung
zurueckblelben. Der Durchschnittswochenlohn eines Industriearbeiters ist seit 1939 um etwa 170$ gestiegen. Die Gehaeiter der
3ueroangestellten sind In der gleichen Zeit nur um 92 % gestiegen.
Der Fabrikarbeiter hat im Maerz dieses Jahres durchschnittlich
64,33 Dollar in der Woche oder 1,57 Dollar in der Stunde verdient.
Der Durchschnittsangestellte im Grosshandel verdiente jedoch, entsprechend umgerechnet, in der Woche nur 48,95 Dollar oder in der
Stunde 1,24 Dollar. Ein wesentlicher Anteil der hoeheren Lohnbasis
des Fabrikarbeiters ist darauf zurueckzufuehren, dass es auf diesen
- 2 -

�Gebieten starke und einflussreiche Gewerkschaften gibt.
Die gewerkschaftliche Organisation der Angestellten ist
jedoch nicht allein deswegen erforderlich, weil dadurch hoehere
Loehne und bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Sie
ist ebenso wichtig, weil durch die Gewerkschaft die Angestellten
eine Moeglichkeit haben, sich selbst in die Verhandlungen ueber
Lohnfragen und Arbeitsbedingungen in einer Form einzuschalten,
die den Wuenschen der Angestellten entspricht. Erst durch die
Gewerkschaft haben die Angestellten jedes Unternehmens und jeder
Dienststelle das demokratische Recht der Mitsprache, er ist dadurch etwas mehr als ein Angestellter mit einem vom Unternehmen
ausgefertigten Anstellungsvertrag. Besteht aber in dem Unternehmen eine gewerkschaftliche Organisation, so kann der Angestellte all das aussprechen, was ihn bewegt, und das wird von den
Gewerkschaftsvertretern wiederum den Unternehmern vorgelegt, um
auf dieser Basis zu entsprechenden Vereinbarungen zu kommen.
Wenn der Angestellte organisiert ist, so hat er eine Stimme,
die mitspricht, er fuehlt sich in einem tieferen Sinne mit dem
Unternehmen verbunden, denn jetzt hat er ein groesseres Interesse
an dem Fortschritt des Unternehmens. Dadurch geht der Angestellte
zugleich mit einer besseren Aufgeschlossenheit und einer groesseren
Zufriedenheit an seine Arbeit.
Damit bleibt aber der Angestellte nicht mehr der veraergerte
Gegenspieler des Unternehmers, w3e die marxistische Lehre ihn
glauben machen will. Der Angestellte und der Unternehmer werden
Partner in den fremeinsamen Bemuehungen, das Unternehmen zu Erfolgen zu fuehren. Der Angestellte weiss, dass er durch groessere
Anstrengungen auch eine Moeglichkeit hat, bei Abschluss entsprechender Tarifvertraege sich seinen Anteil an den Auswirkungen
seiner besseren Arbeit zu sichern, die mit seinem groesseren Einsatz geleistet werden konnte.
Aber heute gibt es immer noch Angestellte, die ihre Nase
ziemlich vernehmlich ruempfen, wenn die Sprache auf die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Arbeit gelenkt wird. Dabei ist diese
Srhabenheit nichts anderes als eine besondere Form eines Snobismus,
sie glauben, dass Gewerkschaften nur fuer Arbeiter und nicht fuer
Angestellte zustaendlg sind, dass jedoch diese Arbeiter weit unter
der Kategorie der Angestellten stehen. Deshalb halten sie es fuer
eine Entwuerdigung des Angestellten, wenn er zu der gleichen Gewerkschaft gehoeren sollte, der auch Arbeiter angehoeren, Menschen,
die in einem Overall dahergehen.
Dabei verdienen die Fabrikarbeiter mehr Geld als die Angestellten. Sie koennen fuer ihre Familien bessere Lebensmittel,
bessere Bekleidung und bessere Wohnungen erwerben. Sie koennen
ihre Kinder in hoehere Schulen schicken. Aber trotzdem glauben
viele Angestellte immer noch, dass es eine Entwuerdigung waere,
wenn Angestellte gemeinsam mit Arbeltern In den gleichen Gewerkschaften organisiert waeren. Fuer jeden, der heute noch so denkt,
muss der Angestellte ein Opfer seiner Vorurteile sein. Aber es
ist mehr als das: Es ist ein dummer Streich.
Man sollte glauben, dass mit dem Verschwinden der Postkutsche
auch diese Form des Denkens vorbei sein sollte. Man sollte meinen,
dass diese Denkweise fuer solche Leute reserviert sein sollte, die
tatsaechlich snobistisch sind oder den Snobismus gepachtet haben.
Und die unorganisierten Angestellten haben und kennen ihn nicht.
Ganz und garnicht.
Es muss ausgesprochen werden, dass die Gewerkschaftsbewegung
- 3 -

�eine der konstruktivsten Kraefte der Geschichte der Vereinigten
Staaten gewesen sind. Und wenn irgendjemand glaubt, dass er zu
gut waere, um sich ihnen anzuschliessen, so moechte ich diesen
Menschen doch einmal naeher kennenlernen.
Heute ist es ein Vorrecht geworden, einer amerikanischen Gewerkschaft anzugehoeren. Es ist eine Ehre fuer jeden, einer Gewerkschaft als Mitglied zu dienen. Und jeder Arbeiter, ganz
gleich, welche Farbe sein Kragen* hat, wird mit Stolz seiner Gewerkschaft angehoeren. Warum ist dies bei den Leuten, die einen
weissen Kragen zu tragen als besonderes Vorrecht ansehen, so
wesentlich anders?
Die Gewerkschaften sind eine der vornehmsten Organisationen
der Demokratie, wie sie je in ihr hervorgebracht wurden. Sie
sind die logische Erweiterung der Prinzipien der Demokratie in das
geschaeftliche und das industrielle Leben Amerikas.
Demokratie bedeutet, eine Stimme zu haben. Sie bedeutet, an
Entscheidungen teilzunehmen, die die eigene Wohlfahrt betreffen.
Und das ist es ja gerade, was die Gewerkschaftsbewegung will:
Eine Stimme in der Fabrik, eine Stimme Im Warenhaus, eine Stimme
ueberall da, wo Menschen beschaeftigt sind. Sie bedeutet das
Recht, an der Verwaltung des industriellen und geschaeftlichen
Lebens teilzuhaben.
Und wer ist der wirkliche Mitbuerger in der geschaeftlichen
und industriellen Gemeinschaft? Der Arbeiter, denn er hat eine
Stimme und wendet sie auch an. Wer ist ein guter Amerikaner?
Der Fabrikarbeiter, der seine Stimme anwendet und auswertet, oder
etwa der Angestellte, der im Hintergrund still dasitzt und sich
Anordnungen unterwerfen muss, bei deren Festlegung er kein Jota
mitzureden hatte?
Dieses System der Mitwirkung, der Mitspräche in allen Angelegenheiten, die die eigene Wohlfahrt betreffen, ist der Felsgrund,
auf dem die gesamten amerikanischen Verteidigungsanstrengungen
beruhen. Die Vertreter der Arbeiter und der Unternehmer in den
verschiedenen Verteidigungszentren helfen einmuetig, das gesamte
Verteidigungsprogramm zu foerdern und zu unterstuetzen. Sie
wurden von der Regierung gebeten, mitzuwirken, weil die Regierung
der Meinung ist, dass auf diesem Wege die wirkungsvollste Moeglichkeit gefunden wird, die Staerke der gesamten Nation gegen den
Kommunismus zu wappnen.
. Diese Zusammenarbeit traegt heute zur Staerkung und zur Erhoehung des Wirkungsgrades der Wirtschaft und der Industrie bei,
ebenso wie sie dazu beitraegt, die Regierung stark und tatkraeftig
zu unterstuetzen. Ebenso wie die Buerger einer Nation wertvolle
Beitraege zu dem Fortschritt der Nation leisten koennen, wenn ein
demokratisches System ihnen eine Moeglichkeit dafuer gibt, genau
so koennen die Mitbuerger in einer industriellen Gemeinschaft an
dem Fortschritt der Industrie teilhaben, wenn man ihnen die Moeglichkeit gibt, durch freie und demokratische Organisationen an
dieser Arbeit teilzunehmen.
Es gibt eine Reihe guter, sauberer, verantwortungsbewusster
Gewerkschaften fuer Angestellte, wie diese fuer den Grosshandel,
wo jeder Beschaeftigte seine industrielle Mitbuergerschaft ausueben kann. Daneben gibt es aber auch Gewerkschaften, die nur
diesen Namen tragen, aber weder gut noch sauber sind und im uebrigen
sich demokratischen Spielregeln nicht unterwerfen.
*

Der amerikanische Angestellte heisst Weisser-Kragen-Arbeiter.
4

�Aber diese Gewerkschaften, wenn man sie ueberhaupt so nennen
darf, verlieren staendig an Einfluss, waehrend echte Gewerkschaften ihren Einfluss staendig erweitern.
Angestellte werden sich jedoch auch niemals in Gewerkschaften
organisieren, die in ihrem Vorstand noch Kommunisten haben. Darueber gibt es keinerlei Zweifel. Sie brauchen jedoch gute und
loyale Gewerkschaften mit wirklichen Fuehrern, genau so wie es in
anderen Gewerkschaften der Fall ist. Die Kommunisten sind seit
langem aus der offiziellen Familie der amerikanischen Gewerkschaften ausgeschlossen worden. Und ich vertraue darauf, dass
der geringe Einfluss, den sie auf einigen Gebieten der Angestelltenbewegung noch immer haben, sehr bald verschwinden wird.
Es gibt ausgezeichnete Gewerkschaften, die den Kampf auf
dieser wichtigen Front der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung vorantreiben - der Front der Angestellten. Diese Gewerkschaften muessen mit groesserer Energie an ihre historische Aufgabe herangehen,
die noch immer vorhandenen Unorganisierten fuer die Gewerkschaften
zu gewinnen. Heute, in der fuenften Dekade des 20. Jahrhunderts,
bedeutet dies, die Angestellten zu organisieren. Ich habe bereits
betont, dass die Gewerkschaften die Angestellten brauchen, ebenso
wie die Angestellten Gewerkschaften benoetigen. Viele dieser Angestellten, vor allem in den technischen und aus handwerklichen
Berufen hervorgegangenen Gruppen, haben Erfahrung und Uebung auf
diesem Gebiet, sie kennen die Hintergruende, sodass sie sich fuer
die Gewerkschaften von besonderem Wert erweisen koennen. Ihre
schulische Vorbildung und ihr Intellekt koennen ausserordentlich
wirkungsvoll die Erfahrungen und das praktische Wissen der Gewerkschaftsfunktionaere unterstuetzen. Ich bin der Ueberzeugung,
dass gerade durch eine breitere Mitwirkung der Angestellten in
den Gewerkschaften deren Verantwortungsbewusstsein noch weiter
gesteigert werden wird.
Bei dieser Gelegenheit moechte ich ueber ein Aufgabengebiet
im Grosshandel sprechen. Hiermit meine ich das Problem des Stellenwechsels. Sie alle wissen, wie wichtig dieses Problem ist.
Kaum hat die Gewerkschaft eine Anzahl Bueroangestellter organisiert, so hat ein grosser Teil bereits wieder die Stellung gewechselt und die Gewerkschaft hat mit den neueingetretenen Angestellten wieder die gleiche Arbeit. Die Gewerkschaften haben Tag
und Nacht zu tun, um mit diesen neuen Mitgliedern, die sehr
haeufig ihren Arbeitsplatz wechseln, in Kontakt zu bleiben. Aber
die Arbeit ist eine Sisyphusarbeit, man kann ebenso gut Wasser in
einem Sieb transportieren wollen.
Unter diesen Voraussetzungen kann eine Gewerkschaft niemals
auf die Dauer ihre Organisationsarbeit durchfuehren. Und es ist
auf der anderen Seite verstaendlich, wenn kein Grosshandelsunternehmen eine staendige Arena fuer eine immerwaehrende Organisationskampagne sein will. Aus diesem Grunde haben die Unternehmer und
die Gewerkschaften eine Antwort auf diese Verhaeltnisse und zwar
im Rahmen der TarifVertragsverhandlungen ausgearbeitet. Diese
Loesung heis-st kurz und schlicht der Gewerkschaftsbetrieb, der
"Union-shop".
Das soll nun nicht etwa heissen, dass der Grosshandel ohne
weiteres den Gewerkschaftsbetrieben zugestimmt haette, so ganz
ohne jeden Kampf - aber allgemein laesst sich doch sagen, dass
der Grosshandel sich weit geringer dem Gewerkschaftsbetrieb widersetzt hat als etwa Herstellerunternehmen. Der Grosshandel hat
der Einfuehrung des cewerkscnaftlichen Betriebs, des "Union-shop"
im gesamten Grosshandel in den Vereinigten Staaten prinzipiell
zugestimmt. Die Vorschriften des "Union-shops" besagen, dass in
5 -

�diesen Betrieben jeder Neueintretende entweder der Gewerkschaft
beitreten oder aus dem Unternehmen wieder ausscheiden muss. Solange jemand in dem Unternehmen beschaeftigt ist, muss er also
der Gewerkschaft angehoeren.
Der "Union-shop" wirft im Grosshandel neue Probleme auf,
nach meiner Meinung gehoert diese Klausel in die einzelnen Tarifvertraege. Die Unternehmer sind deshalb damit einverstanden, weil
dadurch die staendigen Werbefeldzuege der Gewerkschaften ueberfluessig werden, und jetzt die Werbung neuer Mitglieder durch andere Massnahmen erreicht wird. Gleichzeitig verschwinden auch die
Streitigkeiten zwischen den Organisierten und den sogenannten
"Trittbrettfahrern", die den Gewerkschaften nicht beitreten, aber
ihre Erfolge auch fuer sich in Anspruch nehmen. Und schliesslich
wird durch den "Union-shop" die Gewerkschaft staerker werden. Eine
wirklich starke Gewerkschaft braucht nicht alle zehn Minuten Gehaltszulagen zu fordern, um ihre Mitglieder halten zu koennen. Es kann
mit dem Unternehmer in aller Offenheit ueber diese Fragen gesprochen werden, ohne dass es dabei zu einem voelligen Bruch zu
kommen braucht. Eine starke Gewerkschaft wird bei Verhandlungen
mit dem Unternehmer immer eine groessere Verantwortungsbereitschaft
zeigen als eine schwache.
vVenn ich sagte, dass die Klausel ueber Gewerkschaftsbetriebe
in gewerkschaftliche Tarifvertrae^e genoert, so ziehe ich mir damit
im gesamten Grosshandel die Kritik aller jener Angestellten zu, die
imner noch glauben, sehr klug zu sein, wenn sie auf das Recht pochen,
einer Gewerkschaft nicht beitreten zu brauchen.
Heute erlaubt sogar das Taft-Hartley-Gesetz den Gewerkschaftsbetrieb ueberall dort, wo die Belegschaft in einer Abstimmung zum
Ausdruck bringt, dass sie einen solchen wuenscht. Und wenn die
Arbeiter und Angestellten im Grosshandel inn wuenschen, so muessen
sie derartige Abstimmungen in ganz Amerika fuer den Grosshandel
fordern, damit der Gewerkschaftsbetrieb auch dort zu etwas selbstverstaendlichem wird.
Der Gewerkschaftsbetrieb oder "Union-shop" wird einen konstruktiven Einfluss auf den gesamten Grosshandel haben. Der Unternehmer,
der das erkannt hat und daraus die entsprechenden Folgerungen
zieht, verdient hoechste Anerkennung.
Ich habe wiederum einen Appell an die Angestellten berichtet,
sich in den Gewerkschaften zu organisieren, nicht nur, weil es
fuer sie guenstig ist, sondern weil ich glaube, dass es fuer ganz
Amerika von Vorteil sein wird. Das Wachsen der Gewerkschaften
staerkt die Demokratie. In dieser Zeit der grossen Krisis und
der die ganze Welt ueberschattenden Gefahren muessen wir die Demokratie so stark wie moeglich machen. Und ich weiss, dass die Gewerkschaften einen hervorragenden Anteil an diesen Bemuehungen
uebernehmen werden.
Labor Press Service
VIII/51
DÄNEMARK ZEIGT EINE iJOSGLICHKSIT ZUR STEIGERUNG DER PRODVKTIVITAST.

Die Sondermission der ECA fuer Daenemark hat ein wirksames
Mittel gefunden, um die Aufmerksamkeit der daenischen Unternehmer
auf ihre neue Produktivitaetshilfskampagne zu lenken.
Die Frage, wie das Produktivitaetsproerramm mithilft, die
6 -

�dringenden wirtschaftlichen Probleme der Nation zu loesen, wird
das Hauptthema der ECA-Ausstellung sein, die im Rahmen der
daenlschen Arbeltsmesse vom 11. - 21. Oktober gezeigt wird.
Charles A. Marshall, der Leiter der daenlschen ECA-Mission,
hat als Beitrag einen Artikel geschrieben, in dem die allgemeinen
Ziele der Produktivitaetskampagne und ihre Vorteile fuer
Daenemark zum Ausdruck gebracht werden. Der Artikel wird in
dem amtlichen Messekatalog erscheinen.
Von welcher Tragweite diese Ausstellung der ECA und der
Artikel in dem Messekatalog sind, zeigt die Tatsache, dass auf
dieser Messe eine grosse Zahl daenischer Unternehmer vertreten
sein wird.
Dadurch hat die Informationsabteilung der ECA eine Moeglichkeit, Einzelpunkte zu dem neuen Programm, das im allgemeinen noch
nicht genuegend populaer ist, unmittelbar an solche Persoenlichkeiten zu bringen, die fuer die Foerderung der Produktivitaet
entscheidend sind.
In seiner in dem Katalog enthaltenen Botschaft erklaert
Marshall, dass Daenemark in seinem Eedarf an Devisen nicht mehr
wie in der Vergangenheit lediglich von dem Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse abhaengig sein darf.
"Was jetzt notwendig ist, ist eine Erweiterung der daenlschen Exporte an Industrieerzeugnissen, und zu diesem Zweck muss
die Produktivitaet der daenlschen Industrie gesteigert werden."
"Hoehere, Produktivitaet erfordert die bestmoegliche Verwendung von Arbeitskraeften, Maschinen und Material. Sie bedeutet
einen hoeheren Produktionsausstoss pro Arbeiter und pro Stunde."
"Hoehere Produktivitaet bedeutet nicht groessere Anforderungen
an den Arbeiter", fuehrte Marshall weiter aus und griff damit der
Beschuldigung vor, das Programm sei eine altbekannte "Antreibemethode". Die meisten Arbeiter in Europa arbeiten schwer genug,
nach modernen Begriffen manchmal sogar zu schwer, aber sie arbeiten
nicht immer mit der grösstmoeglichen Wirksamkeit. Produktivitaet
bedeutet, wirksamere Arbeit zu leisten."
Die technische Unterstuetzung im Rahmen der Produktivitaetskampagne ist keine unbekannte Sache fuer die Daenen, denn das
Land hat bereits im Rahmen des Technischen Unterstuetzungsprogramms
350 Experten nach den Vereinigten Staaten geschickt, um amerikanische Produktivitaetsmethoden zu studieren. Die Ergebnisse sind
hervorragend gewesen.
Im Rahmen des neuen Programms wird ein Gremium von Experten
der Industrie in Paris gebildet werden, zu dem auch Industrietechniker gehoerten, um deren Unterstuetzung die daenlschen Unternehmer nachsuchen koennen. Sie sollen bei Untersuchungen ueber
3etriebsanordnung und Betriebsausruestung, neue und bessere Erzeugnisse, Verbesserung der Produktionsmethoden und bei der Ausarbeitung besserer Vertriebs- und Buchfuehrungsmethoden behilflich
sein.
"Gesteigerte Produktivitaet erfordert nicht unbedingt hoehere
finanzielle Aufwendungen und groessere physische Anstrengung. Sie
kann genau so gut erreicht werden, indem man zum Beispiel das
Material naeher an den Arbeitsplatz heranbringt und dem Arbeiter
damit Zelt, koerperliche Anstrengung und Energie erspart. Anstatt
grosse und teure Maschinen zu kaufen, koennte ein Betriebsleiter
- 7 -

�zum Beispiel die Anordnung der Maschinen in den Werkstaetten
verbessern, um damit die Leistungsfaehigkeit seines Betriebs zu
steigern."
Der Missionsleiter fuehrte Beispiele an, wo die gesteigerte
Produktivitaet sich bereits bezahlt gemacht hat. Durch besondere
industrielle Schulung konnte in einem Betrieb die Produktion um
18 % gesteigert werden. In einer Kopenhagener Schuhfabrik sei die
Produktion um 42 % und die Beschaeftigtenziffer um 23 % erhoeht
worden; die Loehne der Arbeiter wurden verbessert und dAe Verbraucherpreise gesenkt. Nachdem in einem anderen Unternehmen 100
Vorarbeiter und Arbeiter geschult worden waren, wurde die
Produktion in der Zeit von 1946 bis 1950 verdoppelt.
Die besondere Aufmerksamkeit seiner Leser lenkte Marshall
auf die neue Moeglichkeit, innerhalb der westeuropaeischen Voelkerfamilie den Handel auszuweiten, nachdem die Europaeische
Zahlungsunion errichtet und fruehere Zollhindernisse verringert
worden sind.
"Wenn Daenemark diese Moeglichkeit, mehr Maren nach Europa
und nach den Dollargebieten zu exportieren, voll ausnutzen will,
muss es ihm aufgrund der Leistungsfaehigkeit seiner Industrie
moeglich sein, zu konkurrenzfaehigen Preisen zu verkaufen,"
erklaert Marshall abschliessend. "Ich bin gewiss, dass die
Daenen die Paehigkeit und den Willen haben, diese Probleme erfolgreich In Angriff zu nehmen. Sie haben es in der Vergangenheit getan und koennen es auch heute wieder tun."
ECA Labor Information
IX/6/51

AUS DER ARBEIT DER OEEC.

Die Vertreter der Mitgliedstaaten der Organisation fuer
Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas (OEEO) haben auf ihrer
letzten Konferenz folgende Erklaerung abgegeben:
Wir haben die Anforderungen ueberprueft, die an die europaeische Wirtschaft gestellt werden, und die sich aus den Bedürfnissen ergeben, die fuer unsere Voelker zurzeit am wichtigsten
sind. Es handelt sich um die Garantie der individuellen und
kollektiven Sicherheit unserer Laender und um die Entwicklung
ihrer wirtschaftlichen Staerke und Wohlfahrt. Wir sind ueberzeugt, dass wir diesen Beduerfnissen durch einzelne und gemeinsame Handlungen gerecht werden koennen, vorausgesetzt, dass die
Regierungen und Voelker die erforderlichen Anstrengungen in bezug
auf eine Steigerung der Produktivitaet machen, sodass alle ernstkiften Schwierigkeiten, die sich aus den Wirtschaftsbeziehungen
mit dem Ausland ergeben, durch die Zusammenarbeit mit anderen
Laendern ueberwunden werden koennen. Wir sind der Auffassung,
dass diese beiden Bedingungen sich erfuellen lassen.
Die Regierungen sind sich darueber einig, dass das grosse
Ziel ihrer Politik darin bestehen muss, in den naechsten fuenf
Jahren die Gesamtproduktion um 25 % zu steigern. Durch diese
Erhoehungen der Produktion kann in diesem Zeitraum eine Verbesserung des Lebensstandards und ein weiterer sozialer Fortschritt
erzielt werden. Gleichzeitig koennen die Bedingungen erfuellt
werden, die die Verteidigung an uns stellt. Die Regierungen werden im Sinne der Konvention ueber die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas zusammenarbeiten, um gemeinsam jene Schritte zu
8

�unternehmen, die notwendig sind, um dieses Ziel verwirklichen
zu koennen.
Die Bedingungen in den einzelnen Laendern noe-en verschieden
sein, aber trotzdem ist die europaeische »Virtschaft als .iesarntheit durch einen konzentrierten Einsatz ihrer Hilfsquellen in der
Lage, ihre Produktivitaet um den Betrar; von alljaehrlich 5 ^ zu
steigern. Die Aufgaben, die den Mitgliedstaaten in der Vergangenheit gestellt waren, waren nicht weniger schwierig. Durch die
schwere Arbeit ihrer Menschen, und dank der grosszuerigen Hilfe
der Vereinigten Staaten konnten sie allein in den letzten drei
Jahren eine Steigerung der Produktion um 25 % verwirklichen.
Europa verfuögt ueber umfangreiche natuerliche Hilfsquellen,
ein riesiges industrielles Potential, eine grosse und tuechtige
Erwerbsbevoelkerung, und es hat die Moeglichkeit, schnelle Fortschritte zu machen. Die restlose Mobilisierung dieser Hilfsquellen erfordert Voraussicht, Entschlossenheit, den V/unsch guter
Zusammenarbeit und eine Politik, die sich auf soziale Gerechtigkeit stuetzt. Die Regierungen sind ueberzeugt, dass eine solche
Politik die Voraussetzung dafuer ist, die Erfolge sichern zu
koennen, die bereits erzielt wurden. Die soziale -Gerechtigkeit
erfordert die gerechte Verteilung der Lasten Und Abgaben, um auch
auf diese Weise das Wohlergehen der weniger beguenstigten Schichten
der 3evoelkerung zu foerdern. In vielen Laendern wird die Steigerung der Produktion zuerst zur Staerkung der Verteidigung und
zur Erweiterung des Exports verwendet werden muessen, damit die
hoeheren Kosten fuer Importe bestritten werden koennen. Aber ein
immer niroesser werdender Ueberschuss muss verfuegbar sein, um die
Versorgung mit Verbrauchsguetern zu verbessern, mehr Haeuser zu
bauen und den Beitrag europaeischer Industriestaaten zur Foerderung
unterentwickelter Laender und Gebiete zu erhoehen.
Herrn das Problem der Erweiterung der Produktion auf diese
Weise gemeinsam In Angriff genommen wird, koennen wir der Zukunft
ohne die Befuerchtung entgegen sehen, dass die wirtschaftliche
Besserstellung auf unbestimmte Zeit hinausgezoegert werden muss,
oder dass den Verteidigungsbemuehungen eine wirtschaftliche
Depression folgt. Man kann hoffen, dass die jetzigen Verhaeltnisse, die eine Einschraenkung erforderlich machen, voruebergehender
Natur sind. Die Industrie kann gewiss sein, dass, nachdem die
Zeit grosser Aufwendungen fuer die Verteidigung vorueber ist, der
Bedarf so hoch sein wird, dass kein Teil der verschiedenen nutzbaren Produkticnskapazitaeten untaetig zu bleiben braucht. Die
Arbeiter in der Industrie und der Landwirtschaft koennen in der
Gewissheit, staendig beschaeftlgt zu sein, zur Steigerung der
Produktion beitragen.
Um eine allgemeine wirtschaftliche Erweiterung mit der gewuenschten Schnelligkeit zu verwirklichen, muessen Massnahmen
ergriffen und Bedingungen erfuellt werden, die nachstehend aufgefuehrt sind:
Die Regierungen werden so schnell wie moeglich Schritte
unternehmen zu dem Zweck, gemeinsam die Ziele der Produktionssteigerung auf dem Gebiet der Kohlegewinnung, Stahlerzeugung,
Stromerzeugung und der Ernte landwirtschaftlicher Produkte zu erreichen. Sie werden sich ausserdem damit beschaefti^en, die Ziele
auf dem Gebiet des Wohnungsbaues und der Umsiedlung von Arbeltskraeften festzulegen.
Mangel an Kohle, Elektrlzitaet und Stahl bedeutet eine Gefahr
fuer die allgemeine industrielle Erweiterung. Die Kohleproduktion
ist nicht In genuegendem Masse gesteigert worden, um den immer
- 9 -

�groesser werdenden Bedarf der Industrie und des Zivilverbrauchs
im eigenen Land und im Ausland zu decken. Europa muss Mittel
und Wege finden, um nicht mehr von den teuren Importen amerikanischer Kohle abhaengig zu sein, es muss die Industrie vor
Unterbrechungen in der Produktion schuetzen und die fuer den
Haushaltsgebrauch erforderliche Kohle beschaffen. Auch die Nachfrage nach elektrischer Energie wird staendig groesser. Die gesteigerte Erzeugung von Kohle und Strom muss durch eine wirksamere und bessere Verwendung ergaenzt werden.
Um ihre Verteidigung zu staerken, mehr Haeuser zu bauen und
ihre Industrien und Landwirtschaft mit modernen Ausruestungen und
Maschinen auszuruesten, brauchen die Mitgliedsstaaten mehr Stahl.
Hierdurch wird eine erhoehte Produktion von Koks und Eisenerzen
erforderlich.
Auch die Erzeugung anderer knapper Rohstoffe,' wie zum Beispiel
nichteisenhaltige Erze, muessen erhoeht und die verfuegbaren
Vorraete gerecht unter die einzelnen Laender verteilt werden. Zu
diesem Zweck wird es erforderlich sein, dass auch andere Regierungen durch die Vermittlung bestehender internationaler Organisationen bei diesen Aufgaben mitarbeiten. Es muessen mehr
Nahrungsmittel erzeugt werden, was vor allem durch die Verwendung
wirksamerer Arbeitsmethoden erreicht werden kann. Insbesondere
muss die Erzeugung von Viehfutter vermehrt werden, um die Versorgung mit Fleisch und Milchprodukten zu verbessern.
Der Mangel an Wohnraum Ist ein akutes Problem, das in einigen
Gebieten sogar beunruhigend ist. Besonders dort, wo Arbeitsmoeglichkeiten fuer anderwaerts Beschaeftigungslose vorhanden sind,
werden mehr Haeuser gebraucht.
In einigen europaeischen Laendern konnte die Arbeitslosigkeit
noch nicht ueberwunden werden. Energische Massnahmen sind notwendig, um diese Situation abzustellen. In Westdeutschland gibt
es noch etwa 1.000.000 Erwerbslose, In Italien sind es 2.000.000,
ganz zu schweigen von den Kurzarbeitern. Dies bedeutet sowohl
grosse Haerten fuer den Einzelnen und betraechtliche Verluste fuer
die Allgemeinheit. Das Arbeitslosenproblem ist wahrscheinlich
durch eine wirtschaftliche Ausweitung im Lande selbst zu loesen,
In Italien dagegen gibt es nur einen Ausweg, naemlich den der
Auswanderung. Auch die vielen Fluechtlinge in Deutschland, der
Tuerkei und Griechenland stellen ein ernstes Problem dar. Zur
Ueberwindung dieser Schwierigkeiten ist es notwendig, dass die
Mitgliedsstaaten laufend zusammenarbeiten, zur voelligen Beseitigung der Arbeitslosigkeit ist jedoch die Zusammenarbeit aller
Regierungen unbedingt erforderlich.
Die Steigerung der Produktivitaet ist in der Erweiterung der
Produktion der wichtigste Faktor. Durch die Erhaltung einer
hohen Leistungsfaehigkeit der Arbeiter und Unternehmer und durch
einen wirklichen Beitrag aller Schichten der Bevoelkerung sind
grosse Fortschritte moeglich. Die fortlaufende Ergaenzung und
Modernisierung der Ausruestungen traegt zu diesem Fortschritt bei.
Die Produktivitaet kann jedoch auch, abgesehen von zusaetzlichen
Investierungen, durch geeignete neue Produktionsmethoden gesteigert werden.
Inflatorische Preissteigungen muessen verhindert werden,
weil eine Inflation eine Produktionserweiterung gefaehrden und
die Verteidigungsbemuehungen der verschiedenen Laender behindern
und zu grossen sozialen Ungerechtigkeiten Veranlassung geben
wuerde. Jede Regierung Ist dafuer verantwortlich, ein Gleichgewicht zwischen den im Land verfuegbaren Waren und Dienstleistungen
- 10 -

�und der vorhandenen Nachfrage auf dem betreffenden Markt herzustellen. Zu diesem Zweck muss eine entsprechende und richtige
Steuer und Finanzpolitik verfolgt werden. Diese Politik muss
sich auf den Grundsatz stuetzen, dass Lasten glelchmaessig zu
verteilen sind. Die Stabilitaet der Preise kann jedoch nicht
durch Massnahmen einzelner Laender allein gesichert werden.
Preise auf dem Inlandsmarkt sind auch durch auslaendische Faktoren beeinflusst. Zusammenarbeit unter den Mitgliedsstaateu
und den anderen Regierungen ist deshalb unerlaesslich, um ein
groesseres Mass an Stabilitaet fuer Rohstoffpreise zu erreichen
und eine Kontrolle der Inflation zu ermoeglichen.
Fuer die meisten Mitgliedsstaaten bilden die finanziellen
Beziehungen mit anderen Laendern noch immer eine Frage der Abhaengigkeit. Die Stabilitaet der Zahlungsbilanz rtewisser Laender
ist durch neuere rapide Preissteigerungen fuer Importe Im Gegensatz zu den Exporten schwer bedroht worden. Es ist deshalb
lebenswichtig, dass die Bemuehungen, die auf Internationaler
Basis aur Erreichung einer groesseren Stabilitaet der Preise
fuer Rohstoffe gemacht wurden, von Erfolg gekroent sind. Gesteigerte Produktion durch die restlose Verwendung der menschlichen und materiellen Reserven und die Kontrolle der Inflation
werden uns dem Zeltpunkt naeher bringen, zu dem alle europaeischen Laender in der Lage sein werden, ihre Rechnungen ohne
Unterstuetzung vom Ausland zu zahlen. Es ist deshalb wichtig,
dass sie ihre Exportbemuehungen fortsetzen, und dass gleichgesonnene Laender Bedingungen fordern, die wirkliche Erfolge gewaehrleisten. Um die Erweiterung der Produktion zu unterstuetzen
und die wirtschaftlichen Hilfsquellen Suropas so wirksam wie
moeglich zum Einsatz zu bringen, werden die Mitgliedsstaaten in
ihren Bemuehungen fortfahren, alle jene Hindernisse abzubauen,
die dem Handel im Wege stehen und die Zusammenarbeit der Regierungen innerhalb der europaeischen Zahlungsunion foerdern.
Die Industriestaaten Westeuropas haben in der Vergangenheit
mit den Voelkern unterentwickelter Laender gemeinsam gearbeitet,
die grosse Kapitalinvestierung benoetigen, um ihre Produktionskapazitaet erweitern zu koennen. Sie haben auch in der Nachkriegszeit trotz eigener Sorgen um ihren Wiederaufbau ihre Bemuehungen auf diesem Gebiet fortgesetzt. Es Ist vorgesehen, dass
die zukuenftige wirtschaftliche Ausdehnung in Europa zu einer
weiteren Entwicklung der wirtschaftlich rueckstaendigen Gebiete
beitraegt.
Die Regierungen der Mitgliedsstaaten sind entschlossen, die
in dieser Deklaration genannten Ziele durch gemeinsame und individuelle Bemuehungen zu foerdern. Innerhalb anderer internationaler Organisationen, denen sie angehoeren moegen, werden die
Grundsaetze dieser Deklaration fuer sie ausschlaggebend sein.
Angesichts der neuen Aufgaben auf dem Gebiet der europaeischen
Zusammenarbeit sind sich die Regierungen der Mitgliedsstaaten der
gegenseitigen Abhaengigkeit solcher Laender bewusst, deren Bestrebungen und Ziele gleich sind. Gemeinsames Ziel und ein echter
3elst der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Laendern werden
fuer sie auch weiterhin eine Richtschnur ihrer Politik und die
Vorbedingung zu ihrem Erfolg sein.
Im Vertrauen auf die Zukunft Europas und die Paehi^keit
seiner Menschen, mit den Aufgaben der heutigen Zeit fertig zu
werden, verpflichten sich die Regierungen bei der Ausfuehrun^ der
Irundsaetze, die in dieser Deklaration enthalten sind, tatkraeftig
zusammenzuarbeiten und alle Schichten der Bevoelkerung aufzufordern, ihren wichtigen Beitrag dazu zu leisten.
0E2C Information
51/8
- 11 -

�DIE TAETIGKBIT DER GEWERKSCHAFTEN IN VENEZUELA.
Die allgemeine wirtschaftliche Prosperitaet Venezuelas, die
zum groessten Teil durch den Export von Petroleum ermoeglicht wird,
ist von einer allgemeinen Erhoehung des Lebensstandards der Arbeiter bis zu einem Niveau begleitet, das man noch nie in der Geschichte Venezuelas gekannt hat. Wenn auch statistische Angaben
ueber die Zahl der Beschaeftigten und ueber die Arbeitslosigkeit
nicht verfuegbar sind, bevor die Ergebnisse der Zaehlungen des
Jahres 1950 bekannt sind, so laesst sich die Zeit schon sas;en, dass
von 1949 bis 1950 durch fast totale Vollbeschaeftigung gekennzeichnet ist. Arbeitslosigkeit stellt auf keinen Fall ein wichtiges
nationales Problem Venezuelas dar. Im Verlaufe des Jahres 1950
haben sich die Realeinkommen der Arbeiter erheblich verbessert.
Die Preise fuer die meisten Verbrauchsgueter sind stabil geblieben
oder sind gesenkt, waehrend die Kehrzahl der Lohntarife beibehalten oder erhoeht worden ist.
Die Gewerkschaftsbewegung hat jedoch durch die Militaerregierung der Junta unter schweren Beschraenkungen zu leiden. So
sind zum Beispiel zahlreiche Gewerkschaftsorganisationen als
illegal erklaert worden. Auf Einladung der Regierung Venezuelas
hat Mitte des Jahres 1949 eine Mission des Internationalen Arbeitsamtes das Land besucht, um die venezolanische Gewerkschaftsbewegung, die Sozialversicherung und aehnliche Einrichtungen zu
studieren. Der Bericht dieser Mission des IAA enthielt genauere
Informationen ueber die organisatorischen Misstaende innerhalb
der Gewerkschaftsbewegung des Landes und die sich hieraus ergebenden Gefahren fuer die Arbeiterschutzgesetzgebung Venezuelas,
die zwar fortschrittlich ist, aber deren Verwirklichung zum
groessten Teil von den Gewerkschaften abhaengt. Die Massnahmen,
die die venezolanische Regierung nach der Abreise der Mission
ergriffen hat, sind in dem Bericht als ein bedeutsamer Schritt
zur Wiedererrichtung der verfassungsmaessigen Garantieen bezeichnet,
ohne die eine Gewerkschaftsbewegung nicht frei und ihren Aufgaben
gemaess arbeiten kann.
Nach dem Staatsstreich im November 1948, durch den die demokratische Verwaltung durch die gegenwaertige Militaerregierung
der Junta ersetzt worden ist, sind die demokratischen Parteien
offiziell aufgeloest worden. Die Arbeitspolitik der Junta-Regierung besteht in einem fortschrittlichen sozialen nVohlfahrtsprogramm und der Trennung der Gewerkschaften von der Politik, insbesondere ihre Losloesung von der fuer illegal erklaerten "Partei
fuer Demokratische Aktion."
Im Februar 1949 ist die von der demokratischen Partei unterstuetzte Gewerkschaftsfoederation CTV, die bedeutendste Gewerkschaftsorganisation in Venezuela, und die ihr angeschlossenen Gewerkschaften, zu denen auch der wichtige Verband der Petroleumarbeiter gehoert, offiziell aufgeloest worden.. Die 705 Ortseewerkschaften der CTV, die annaehernd vier Fuenftel aller Gewerkschaften in Venezuela einschliesst, sind durch diese Bestimmung
als Einzelorganisation nicht in Mitleidenschaft gezogen, sie koennen jedoch nicht mehr auf legalem Wege zusammenarbeiten. Es ist
ihnen befohlen worden, neue Funktionaere unter Bedingungen zu
waehlen, die vom Arbeitsministerium vorgeschrieben sind. Es ist
schwierig, sich an die Wahlvorschriften des Arbeitsministeriums zu
halten, eine staendige Abnahme der Zahl der Orts^ewerkschaften ist
die unausbleibliche Folge.
Die Tarifvertraege, die fuer eine Dauer von drei Jahren von
der Gewerkschaft der Petroleumarbeiter im Februar und Maerz 1948
12 -

�abgeschlossen sind, hat ein Erlass der Regierung fuer rechtsgueltig erklaert, obwohl die Gewerkschaft fuer ungesetzlich
erklaert worden ist. Nach den Bestimmungen des Vertrages koennen
nach zwei Jahren neue Verhandlungen ueber Lohntarife aufgenommen werden. Als die Funktionaere der PetroLeumarbeiter zu Anfang
1950 jedoch versucht haben, sich auf diese Bestimmungen zu berufen, ist ihnen dies unmoeglich gemacht worden, weil die Gewerkschaften kein legales Existenzrecht mehr haben und das Tarifkomitee der Gewerkschaften gesetzlich nicht anerkannt worden ist.
Die sich durch diese Massnahme ergebenden Streiks im Mai 1950
sind durch drastische Massnahmen der Regierung gebrochen worden.
Die 47 streikenden Ortsgewerkschaften, in denen der groesste
Teil der Arbeiter der Erdoelindustrie und nahezu die Haelfte der
fast 50.000 Petroleumarbeiter organisiert sind, hat ein Befehl
der Regierung einfach voellig aufgeloest. Die meisten dieser Gewerkschaften gehoeren der nichtkommunistischen Partei fuer demokratische Aktion an, aber einige sind auch dem kommunistischen
Gewerkschaftsbund der Erdoelarbeiter "Cosutrapet" angeschlossen.
Dieser Organisation ist zusammen mit der Kommunistischen Partei
Venezuelas wegen ihrer Teilnahme an den Streiks verboten, die von
der Regierung als rein politisch und umstuerzlerisch bezeichnet
worden sind. Die Mitgliederzahl der Gewerkschaften der Erdoelarbeiter, die sich vor dem Verbot der Gewerkschaft auf ueber 60 %
aller Erdoelarbeiter belaufen hat, ist im Dezember 1950 auf nur
noch rund 10 % der frueheren Mitgliedszahl zurückgegangen.
Im Anschluss an die Oelstreiks im Mai 1950 hat die Regierung
einen Untersuchunsrsausschuss ernannt, der die bestehenden Kollektivvertrae&lt;^e untersuchen soll. Der Ausschuss, der sich urspruenglich
aus Vertretern der drei Interessengruppen zusammengesetzt hat,
ist trotz des Ruecktritts der Gewerkschaftsdelegierten bestehen
geblieben und hat dem Arbeitsminister Im November einen Teilbericht'
ueberrelcht, der nicht veroeffentlicht worden ist. Als der dreijaehrige Tarifvertrag Anfang 1951 kurz vor seinem Ablauf bestanden
hat, ist ein Arbeitskomitee der Petroleumindustrie gebildet worden,
in dem alle bestehenden gesetzlichen Gewerkschaften der Erdoelarbeiter vertreten sind. Unter der Fuehrung des Arbeitsministeriums ist dieser Ausschuss mit Unternehmervertretern zusammengetreten. Bis zum 9. April 1951 hat man kein Abkommen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern treffen koennen, die Regierung hat
daraufhin durch einen offiziellen Erlass die' Gueltigkeit des
erloschenen Vertrags um weitere 2\ Jahre verlaengert. Der neue
Vertrag enthaelt nur wenige Abaenderungen, die vornehmlich wirtschaftlicher Art sind. Der Erlass bezieht sich auf Arbeitnehmer
im Tagelohn und Monatsgehalt. Ausgenommen sind ungefaehr 1.000
Arbeiter der Handelsmarine, die zur See fahren, (ihr Tarifvertrag
ist im Mal 1951 abgelaufen) sowie Arbeltsvorgesetzte, die mit
entsprechenden Aufbesserungen durch freiwillige Betriebsvereinbarungen rechnen koennen. Unter Einbeziehung des Abkommens fuer
die Arbeiter der Handelsmarine rechnet man damit, dass sich die
verlaengerten Vertraege auf insgesamt etwa 45.000 Arbeiter erstrecken werden.
Der Erlass der Regierung wird eine durchschnittliche Erhoehung der Jaehrlichen Realloehne der Erdoelarbeiter um
schaetzungsweise 16 % zur Folge haben. Zu den grundsaetzlichen
Veraenderungen gehoeren Bestimmungen ueber Lohnerhoehungen in
Iioehe von 2 - 5 Bolivar taeglich, eine Erhoehung des Mindestlohntarifs von 14 auf 16 Bolivar pro Tag, hoehere.Mietzuschuesse,
hoehere Mutterschaftsunterstuetzungen und erhoehte Urlaubszuschuesse. Die Gueltigkeit der Bestimmungen, nach der Gewerkschaftsdelegierte fuer Gewerkschaftskongresse Anspruch auf eine
15-taegige bezahlte Beurlaubung haben, ist auch auf internationale
Konferenzen ausgedehnt worden. Viele Arbeiterunterstuetzunsen,
die zuvor von den Unternehmern freiwillig gezahlt worden sind,
- 13

�erklaert jetzt das Gesetz als obligatorisch. Die Unkosten,
die der Industrie aus den Lohnerhoehungen und den hoeheren
Unterstuetzungen erwachsen, werden sich schaetzungsweise auf
jaehrlich ueber 100 Millionen Bolivar (etwa 120 Millionen DM)
belaufen, wie Vertreter der Krdoelgesellschaften erklaerten.
In der aufbluehenden Elsenerzindustrie Venezuelas wurde
im Mai 1951 ein dreijaehriger Tarifvertrag zwischen einem
Zweigbetrieb der riesigen U S Stahlgesellschaft "Bethlehem
Steel Corporation" und einer Ortsgewerkschaft der Arbeiter im
Elsenerzbergbau unterzeichnet. In Gewerkschaftskreisen gilt
dieser Vertrag als fortschrittlich. Die Verhandlungen, die in
Gegenwart von Arbeitsinspektoren der Regierung durchgefuehrt
wurden, verliefen friedlich. 53 der 56 Forderungen der Gewerkschaften wurden in den Vertrag aufgenommen und unter anderem
auch eine allgemeine Erhoehung der Tagesloehne um 3,4 Bolivar
gebilligt. Der Vertrag kann nach 18 Monaten gekuendigt und
neue Verhandlungen ueber Loehne und Mietzuschuesse koennen wieder
aufgenommen werden.
Notes on Labor Abroad
51/5

Mark Starr:
AKTIVER HUMANISMUS IN DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG.
Mark Starr, der heute der Leiter der Schulungsabteilung
der all-amerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter ist, begann seine Laufbahn als Bergarbeiter in England.
Heute leitet er in der genannten Gewerkschaft die gesamte
Schulungsarbeit, sowie die Abendkurse und die Erholungsaktionen
seit dem Jahre 1935. Er ist in erster Linie bestrebt, der
Oeffentlichkeit zu zeigen, wie eine Gewerkschaft arbeitet, und
dass ihr Platz in einer industrialisierten demokratischen Gesellschaft von lebenswichtiger Bedeutung ist. Waehrend der
vergangenen Jahre hat Mark Starr zahlreiche Veroeffentlichungen
durch seine Beitraege bereichert, u.a. "Labor and Nation",
"The Educational Forum", "The Survey" und "Teachers College
Record".
Weil die Gewerkschaften in ihre Arbeit alle Maenner und
Frauen einschliessen, die ihre Arbeitskraft fuer einen Lohn oder
ein Gehalt einem Unternehmer zur Verfuegung stellen, koennen sie
Anspruch darauf erheben, eine so weite Basis zu haben wie der
aktive Humanismus selbst. Eine kleine Minderzahl der Gewerkschaften ist mitunter nicht ganz mit diesem Ideal der proletarischen Solidaritaet einverstanden, aber die Praxis der Gewerkschaftsbewegung vereinigt zu ihrem eigenen Fortschritt Maenner
und Frauen ohne jeden Unterschied In bezug auf Geschlecht, Rasse
oder Glauben.
Eine andere haeufig nicht bemerkte Verbindung zwischen der
Humanitaetsbewegung und den organisierten Gewerkschaften ist der
bedeutende Beitrag, den die organisierte Arbeiterschaft im
letzten Jahrhundert erbracht hat, um zur, Wohlfahrt der Allgemeinheit beizutragen. Sicher sind die Gewerkschaften ebenso ureigene amerikanische Errungenschaften wie heisse Wuerstchen oder
Kuerbispasteten. Eine der ersten Versammlungen der Grünaungsvaeter der Gewerkschaften wurde in der Halle der Zimmerleute in
Philadelphia abgehalten, lange bevor die Handelskammer und die
Nationale Vereinigung der Fabrikanten existierten und ueberhaupt
14

�jene Gebaeude geschaffen wurden, die fuer diese Vorhaben geeignet waren. Es ist allgemein bekannt, dass Horace Mann in
seinem Kampf fuer eine durch Steuermittel unterstuetzte
oeffentliche Erziehung keinen staerkeren und bestaendigeren
Verbuendeten als die organisierte Gewerkschaftsbewegung hatte.
Was die Gewerkschaftsbewegung in ihrem Kreuzzug fuer die
Humanitaet und gegen die "Schwitzbuden" getan hat, wie sie
den traditionellen vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang
waehrenden Arbeitstag beseitigt hat, kann nur durch ein
wirkliches soziales Verantwortungsbewusstsein erfasst werden.
Heute leben die Menschen laenger, es gibt viel weniger Elendshoehlen als damals, heute geht fast jedes Kind zur Schule,
unsere Bevoelkerung befindet sich in einem guten Gesundheitszustand - all dies ist in erster Linie erreicht worden, well
die Gewerkschaften die Basis fuer die Organisation jener Menschen waren, die fuer ein wirkliches Leben arbeiteten und fuer
ein anstaendiges Wohnen kaempften, die sich fuer soziale Sicherheit, hoehere Loehne und kuerzere Arbeitszeit einsetzten, im
Gegensatz zu jenen Hochgeborenen und geschaeftstuechtigen Superklugen, die diese Forderungen mit allen Mitteln bekaempfen ebenso wie heute die Amerikanische Medizinische Gesellschaft die
obligatorische Gesundheitsversicherung bekaempft.
Heute wird mit groesstem Nachdruck danach gestrebt, neue
und bessere Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern
einzufuehren. Natuerlich ist bei einer Beruecksichtigung
humanistischer Ideale festzustellen, dass ein patriarchalischer
Zustand in den augenblicklichen Wechselbeziehungen unmoeglich
ist, weil die moderne Industrie auf einer weiten Basis aufgebaut Ist, in der die Beziehungen zwischen den Eigentuemern einer
Gesellschaft und den Arbeitern und Angestellten voellig unpersoenlich geworden sind. Aus dem gleichen Grund kann der Arbeiter
nicht staendig wie ein Kind behandelt werden. Die ganze Geschichte
der alten diktatorischen Methoden in den industriellen Beziehungen
zeigt auch, wie unsinnig und wirkungslos diese Haltung gewesen
Ist. Wenn der Oberste Gerichtshof der USA die Gesetzmaessigkeit
der Wapnerakte bestaetigt hat, so stellt er damit ein Einverstaendnis der Oeffentllchkeit mit den Tarifvereinbarungsgrundsaetzen als den wirksamsten Weg fest, um die industriellen Beziehungen weiter zu tragen.
Gewiss bereichern die Gewerkschaften die Ideale der Demokratie,
indem sie ueberall dort taetig sind, wo das Leben ihrer Mitglieder
beeinflusst wird. Sie fordern deshalb ein staerkeres Wort in
den industriellen Beziehungen. Die Gewerkschaften legen daher
nicht den groessten Nachdruck auf das Wort Eigentum, sondern auf
das Wort Volk. Die Gewerkschaften druecken damit die Meinung
ihrer Mitgliedschaft aus, zu denen Maenner und Frauen gehoeren,
die fuer ihren Lebensinhalt zu arbeiten haben. Sie geben damit
auf der anderen Seite dem alleinstehenden einzelnen Arbeiter ein
Gefuehl der Staerke und der Zusammengehoerigkeit.
In Grossbritannien, wo einige Grundstoffindustrien der Allgemeinheit gehoeren und von ihr geleitet werden, haben die Gewerkschaften neue Funktionen erhalten. Sie bemuehen sich heute
vor allem in der gemeinsamen Beratung der Probleme in den
Betriebskoerperschaften, sie muehen sich jetzt um eine Loesung
jener Probleme, die durch das System der Anrelzloehne und eine
erhoehte Produktivitaet geschaffen werden, zumal sie glauben,
dass dadurch der Lebensstandard in der heutigen Gemeinschaft verbessert werden kann. In der westdeutschen Bundesrepublik hat
-^ie Gewerkschaft jetzt das Recht der Mitbestimmung erhalten, sie
kontrolliert damit bis zu einem gewissen Grade die Industrie und
- 15 -

�sieht sich zugleich dem Problem gegenueber, ihre Funktionaere
und Mitglieder so zu schulen, dass sie in dem Bereich der
komplizierten technischen Fragen dazu instande sind, ihr Wissen
ueber Loehne, Arbeitszeit, Gewerkschaften und Arbeitsbedingungen
so zu vervollstaendlgen, dass sie wirklich mitsprechen und mit
entscheiden koennen.
Der Kampf, den die freien Gewerkschaften in der gesamten
Welt fuehren, und in dem die AFL und der CIO eine hervorragende
Rolle gespielt haben, darf neben allem anderen nicht vergessen
werden. Zu oft haben die Voelker auf dem Schlachtfeld Siege
errungen und diese auf den Reisfeldern verloren. Weit wirksamer
als die Stimme Amerikas und alle Informationen und Propagandadienste der staatlichen Stellen sind die Bemuehungen des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, der die Arbeiter Im
Morgen- und Abendland unterstuetzt, sich selbst zu helfen, indem
freie Gewerkschaften gegruendet werden. Aus diesem wie auch aus
anderen* Gruenden sollte es ein groesseres Verstaendnls und eine
bessere Wuerdigung dieser Leistungen geben, damit sich die Anhaenger der aktiven humanistischen Bewegung und der Gewerkschaften
gegenseitig unterstuetzen, um weitere Fortschritte zu erzielen.
The Humanist
1951

EINFUHRZOELLE BEBINTRABCHTTOEN STEIGERUNG DER PRODUKT! VIT ABT.

In einem Schreiben, das am 26. September in der franzoesischen Zeitung "Le Monde" veroeffentlicht wurde, beschwert sich
Andre Manuel darueber, dass von der franzoesischen Regierung eingefuehrte Zoelle auf importierte Maschinen aus den Vereinigten
Staaten die Entwicklung wirksamer Produktionsmethoden In der
franzoesischen Textilindustrie stark beeintraechtigen. In dem
Schreiben helsst es:
"In den ersten beiden Jahren des Marshallplans hatte die
franzoesische Textilindustrie die Moeglichkeit, amerikanische
Maschinen einzukaufen, die sie mit den 10 % bezahlte, die das
Waehrungsamt aus ihren Exporten nach Laendern mit harter Waehrung
fuer sie reserviert hatte. Die franzoesische Regierung gab dem
Druck des Finanzministeriums und des Praesidenten des Verbandes
kleiner und mittlerer Maschinenhersteller nach und fuehrte einen
Zoll ein, durch den die Importe von Textilmaschinen aus den
Vereinigten Staaten unter Berechnung der bereits bestehenden
Steuern mit rund 40 % belastet wurden. Durch diese Massnahme
sind die 700.000 Textilarbeiter des Landes gezwungen, unter
schlechten Bedingungen zu produzieren, weil sie, wenn sie ihre
Produktivitaet erhoehen wollen, moderne Maschinen brauchen.
Daily Productivity Bulletin
IX/27/51

16 -

KICOC 5 Oct 31 1.634' i M

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di* (olgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office oi Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 41

F r a n k f u r t , 12. Oktober 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Gewerkschaftsbewegung in Kenia

1

Die Sprache der Gewerkschaftsbewegung

5

Die kleinen Nationen auf der Friedenskonferenz in San Franzisko

7

Das Weltfriedensprogramm des CIO

11

Die Geschichte eines hollaendischen Arbeitersl3

DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IN KENIA
Die Entwicklung einer starken Gewerkschaftsbewegung wurde
in Kenia durch den niedrigen Kulturstand und durch die schwierigen Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes
erschwert. Die Lage ist weit schwieriger als in den englischen Kolonien Westafrikas, weil es in Kenia asiatische und
weisse Ansiedler gibt. Das Hochland von Kenia ist eine der
wenigen Gebiete Afrikas, dessen Klima fuer europaeische Ansiedler ertraeglioh ist. Die Politik der ortsansaessigen Behoerden war darauf ausgerichtet, weisse Ansiedler anzuwerben
und im Lande zu halten, weil dieses Land Kapital, Facharbeiter und tuechtige Unternehmer braucht. Durch den Fortschritt
auf dem Wege zur politischen Selbstbestimmung und zur Befreiung von den Kontrollen, die von Whitehall ausgeuebt wurden,

1

�ist es jedoch zwischen dem Wunsch der Europaeer nach ihrer
Vorherrschaft auf der einen Seite und den politischen Ambitionen der Afrikaner und Asiaten auf der anderen zu Konflikten gekommen.
Kurz nach dem zweiten V/eltkrieg wurde das Arbeitsministerium Kenias umorganisiert und erweitert. Die hoechsten
Stellungen im Ministerium wurden von Persoenlichkeiten aus
dem britischen Kolonialamt und dem britischen Arbeitsministerium besetzt, die seitdem versucht haben, eine verantwortungsbewusste Gewerkschaftsbewegung aehnlich der in Grossbritannien zu entwickeln. Die Gesetze ueber gewerkschaftliche
Funktionen wurden im November 1949 revidiert, um dieses
Programm zu erleichtern. Auch andere Arbeitsgesetze wurden
einer Revision unterzogen.
Die Knappheit an Ackerland Ist das Hauptproblem in
Kenia. Grosse Gebiete wurden fuer die Ansiedlung von Weissen
und andere gesondert fuer Eingeborene bereitgestellt. Die
Entwicklung des Landes nach europaeischen Masstaeben war
kostspielig und langwierig. Das Land genuegte nicht, um
durch Anwendung der uebllchen landwirtschaftlichen Arbeitsmethoden den Lebensunterhalt fuer die sich staendig vergroessernde Eingeborenenbevoelkerung zu sichern. Die Eingeborenen Hessen sich nur unwillig in die fuer sie bestimmten
Gebiete umsiedeln. Ein grosser Teil der Eingeborenenbevoelkerung blieb in dem Siedlungsgebiet der Weissen, wo sie als
Landarbeiter ihr Brot verdienten, aber durch den Versuch der
weissen Farmer, die Zahl dieser "Fremden" zu reduzieren, kam
es laufend zu Unstimmigkeiten.
Die Zunahme der Bevoelkerungsziffer und der Wunsch,
Viehbesitz zu erwerben, hat viele Afrikaner gezwungen, sich
nach einem Erwerb umzusehen. Ein paar Monate Arbeit waehrend
des Jahres reichen fuer den Eingeborenen jedoch aus, um
seine Kopfsteuern zu zahlen, und um die wenigen Waren zu
kaufen, die er unbedingt fuer seinen Lebensunterhalt braucht.
Auf Grund des //ohnraummangels und des Zugehoerigkeitsgefuehls
des Kenia-Volkes zu Land und Stamm kehrt der üfrikaner, der
in den Staedten eine Beschaeftigung in der Industrie gesucht
hat, bald wieder heim. Die Arbeitslosigkeit ist deshalb gering, die Nachfrage nach Arbeitskraeften uebertrifft das Angebot. Facharbeiter, meistens Asiaten, sind aeusserst knapp.
Die afrikanische Bevoelkerung, die zum grossen Teil nicht
lesen und nicht schreiben kann, deren Gesundheitszustand haeufig zu wuenschen uebrig laesst, kann als Arbeitskraeftereservoir weder die Industrie noch die Landwirtschaft befriedigen.
Die Unternehmer verpflegen und beherbergen meistens ihre
afrikanischen Arbeiter, die Loehrie in bar sind daher sehr
niedrig. Durch stark ansteigende Preise nach dem Kriege
wurden auch die Loehne erhoeht, eiber solange es nicht zu
einer Erhoehung der Barloehne kommt, bleibt diese Aenderung
fuer den Afrikaner unbefriedigend.
Alle diese Schwierigkeiten sind durch die Bemuehungen
um die Foerderung des wirtschaftlichen Niveaus noch vermehrt
worden. Durch die Einfuehrung hoher Schutzzoelle, durch
die die minder wichtigen Industrien des Landes gefoerdert
werden sollen, hat Kenia die Einfuhr benoetigter Verbrauchsgueter, die die eigene Industrie noch nicht in genuegender Menge
herstellen kann, erschwert. Die Steuereinkuenfte des Landes
- 2

�reichen nicht aus, um selbst fuer die wenigen Europaeer moderne Programme der Erziehung und der Sozialfragen finanzieren zu koennen. Fuer die Eingeborenen ist aber in dieser
Richtung nur wenig getan worden.
Die Gesetzgebung Kenias sieht, wie in anderen britischen Kolonien, die Registrierung der Gewerkschaften und
die Beilegung industrieller Streitigkeiten vor. Weil sich
der Afrikaner jedoch eher als Angehoeriger eines Stammes
denn als regulaerer Lohnverdiener fuehlt, ist es in Industriebetrieben nur in wenigen Faellen zurspontanen gemeinsamen Aktion gekommen.
1949 waren, wie die nachstehende Tabelle zeigt, acht
Gewerkschaften eingetragen. Nur vier von ihnen werden vom
Arbeitsministerium als aktiv oder "leistungsfaehig" angesehen.
Datum der Eintragung

Name der Gewerkschaft

30. Sept. 1937

Gewerkschaftsbund
Ostafrikas
Ostafrikanische Gewerkschaft fuer asiatische Arbeiter
Druckergewerkschaft von
Kenia
Gewerkschaft asiatischer
Beamte in Kenia
Gewerkschaft asiatischer
Eisenbahner in Kenia
und Uganda
Transportarbeitergewerkschaft
Schneider- u. Bekleidungsarbeitergewerkschaft
Schuhmachergewerkschaft

5. April 1941
5. Sept. 1946
21. April 1947
21. April 1947
30. Juli

1946

10. Juli

1948

10. Dezember 1948

Angegebene
Mitgliederzahl
2,426
64
44 Afrikaner
204 Asiaten
1,350
1,608
2,564
569
351

Die Organisatoren der Gewerkschaften waren im allgemeinen Europaeer oder Asiaten. Der erste afrikanische Gewerkschaf tsfuehrer, der zum Studium nach Grossbritannien
geschickt wurde, war Meschack Okelo Ndisi, der Generalsekretaer der Transportarb3itergewerkschaft.
Die Gewerkschaftsbeauftragten der drei britischen Territorien in Ostafrika (Kenia, Tanganjika und Uganda) haben versucht, durch Anordnungen und Anleitungen der Regierung die
stabilen und verantwortungsbewussten Gewerkschaften zu foerdern, die beitragzahlende Mitglieder haben und aufrichtige
Funktionaere, die sich der Mitgliedschaft gegenueber verantwortlich fuehlen. Viele Organisationen, die aktiv waren und
sich Anhaenger unter den Afrikanern erworben haben, erfuellen
jedoch nicht diese Bedingungen. Beamte des Arbeitsministeriums Kenias und die Arbeitsberater im britischen Kolonialamt, die Ostafrika besucht haben, sind der Auffassung, dass
die kommunistischen Fuehrer die Eingeborenen durch einen
vergeblichen und kostspieligen politischen Streik irregefuehrt,
die Arbeit anerkannter Gewerkschaften behindert, die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gestoert und die
- 3-

�Gewerkschaften vor der Oeffentlichkeit in Misskredit gebracht haben, Ein Ostindier namens Makhan Singh, von dem
bekannt ist, dass er mit dem kommunistischen Weltgewerkschaftsbund in Verbindung steht, war in Kenia aeusserst
aktiv und hatte bei der Organisation von Streiks und Demonstrationen afrikanischer Arbeiter in der Industrie, Regierungsbetrieben und den Plantagen in den Jahren von 1948 bis1
1950 ziemliche Erfolge.
Auf ihrer Konferenz im November 1949 wurden sich die
drei Arbeitsbeauftragten darueber einig, dass eine Gesetzgebung erforderlich ist, die Arbeitsunterbrechungen in wichtigen Industriezweigen regelt. Ferner muss eine gewerkschaftliche Organisation von ihren Mitgliedern regelmaessig
Beitraege einziehen, wenn sie als legale Gewerkschaft registriert werden soll. Ss muessen einfachere Organisationsformen angestrebt werden, als man sie bisher in den eingetragenen Gewerkschaften kennt. Diese Organisationen muessen
gesetzliche Bedingungen erfuellen und auf Ersuchen ihre
Konten und Geschaeftsbuecher ueberpruefen lassen. Es muss
moeglich sein, Gewerkschaften zu verbieten, die sich eines
Vergehens schuldig gemacht haben. Schliesslich muessen
Gewerkschaftsfunktionaere in ihrem Beruf oder in der Industrie als Arbeitnehmer beschaeftigt sein, also an Plaetzen,
fuer die die betreffende Gewerkschaft zustaendig ist. Die
Verordnungen ueber Gewerkschaften, die 1937 erlassen und
1943 erneut fuer gueltig erklaert wurden, sind gemaess diesen Beschluessen im November 1949 revidiert worden.
Die ürbeitsbeauftragten beguenstigen ausserdem die
Durchfuehrung von Tarifverhandlungen durch dreiseitige Mindestlohnausschuesse, die fuer bestimmte Industrien und
Berufe nach dem Vorbild der englischen Lohnausschuesse gebildet wurden. Seit einigen Jahren ist in Kenia eine Verordnung ueber I^indestloehne in Kraft, und verschiedene Ausschuesse haben Empfehlungen eingereicht, die fuer die Verordnungen ueber Mindestloehne als Grundlage dienten. Man
erwaegt zur Zeit eine Revision dieser Vorschriften, um den
Ausschuessen weitgehendere Befugnisse zu verleihen, wie zum
Beisoiel jene, die im englischen Gesetz fuer Lohnausschuesse
aus dem Jahre 1945 enthalten sind.
Radikale Elemente in Kenia haben die Bemuehungen der
Regierung, die Gewerkschaften zu unterstuetzen, so ausgelegt,
als wollte man sie zu Dienern der Europaeer, der Unternehmer und der Regierung erniedrigen. Sie kritisieren die Bemuehungen der Behoerden, gewerkschaftliche Organisationen
zu registrieren, hierbei handelt es sich vor allem um den
ostafrikanischen Gewerkschaftskongress, der unter der Fuehrung seines Sekretaers Makhan Singh und des Vorsitzenden
Frederick Kubai im Mai 1949 gegruendet worden war.
Das Arbeitsministerium ist bestrebt, in seinen Berichten zu zeigen, dass Arbeitergruppen, die die Gewerkschaftsbeauftragten des L'inisteriums zu Rate gezogen und mit seiner
Hilfe Beschwerdeverfahren gefuehrt haben, Verbesserungen erzielen konnten, und dass auf der anderen Seite Arbeiter,
die planlos gestreikt haben, ihren Streik und darueber hinaus ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Notes on Labor Abroad
V/51
4 -

�DIE SPRACHE DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
"Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung benimmt sich
so, als waere sie noch eine schwache Minderheit. Man
koennte meinen, sie fuehle sich einer zuernenden Unternehmerklasse gegenueber politisch hilflos, als waere ihr
eigener Lebensstandard staendig neuen Angriffen ausgesetzt, und als waere ihre unmassgebliche Stimme die
Einzige, die das Interesse der Nation gegen die Profitgier von Sonderinteressen verteidigt."
Diese Worte stammen von Daniel Bell, dem füer Gewerksohaftsfragen verantwortlichen Redakteur des "Fortune Magazins". Bell
fuegt jedoch sofort hinzu, dass in dieser Darstellung offensichtlich etwas falsoh ist, denn auch zu anderer Zeit sind
sich Gewerkschaftsfuehrer darueber im klaren, dass sie in den
Vereinigten Staaten 15 Millionen Mitglieder haben. Die
"Union-shop"-Vereinbarungen sind in zahlreichen Industrien
zur Selbstverstaendlichkeit geworden. Fast jede groessere
Industrie ist 'gewerkschaftlich organisiert, die Lohn- und
Arbeitsbedingungen sind wesentlich verbessert worden. Tausende von Gewerkschaftern sind in den Aufsichtsraeten kommunaler Betreuungsorganisationen und aehnlicher Einrichtungen
taetig. Verglichen mit den dreissiger Jahren haben die
Streiks an Bedeutung verloren, die Kampfmethoden sind weniger hart geworden. Zahlreiche Gewerkschaftsfunktionaere sind
in Marshallplan-Missionen und als Sozialattaches in amerikanischen Botschaften im Ausland fuer Amerika taetig. Die Gewerkschaftsbewegung ist zu wirklicher Macht gekommen». Und
sie ist sich dieser Tatsache voll bewusst.
Bell bemerkt hierzu: "Die amerikanischen Gewerkschaftsfunktionaere bedienen sich nur selten oder ueberhaupt nicht
einer gegen das Kapital gerichteten Propaganda, wenn sie
europaeischen und asiatischen Arbeitern von Amerika erzaehlen.
Eine Aufgabe uebrigens, der sie sich mit grosser Energie und
grossem Geschick widmen. Mit grossem Stolz hat die Gewerkschaftsbewegung auf ihre eigene maechtige Stellung im amerikanischen Leben als einen Beweis fuer die Vitalitaet des demokratischen Systems hingewiesen. Durch die ECA und ihr technisches Uhterstuetzungsprogramm hat die amerikanische Arbeiterschaft den europaeischen Gewerkschaften gezeigt, wie durch
gesteigerte Produktiv!taet der Lebensstandard der Arbeiter
verbessert werden kann."
Bell zitierte Marx Lewis, einen Sekretaer der Hutmachergewerksohaft der AFL und einen frueheren Fuehrer der Sozialistischen Partei, der auf seinem Weg nach Europa zu einem
Gewerkschaftsdelegierten sagte:
"Amerika ist nicht mehr das kapitalistische Ungeheuer,
und Sie koennen mit gutem Gewissen vor Europaeern von uns
als der besten Hoffnung auf eine wirkliche industrielle Demokratie sprechen."
Radio Moskau hat versucht, aus einem offensichtlichen
Paradoxon Kapital zu schlagen. Er hat in haemischer Schadenfreude auf die Kritik hingewiesen, die von der Geschaeftswelt
oder der Regierung an der Gewerkschaftsbewegung geuebt wird,
waehrend zu gleicher Zeit die amerikanische Gewerkschaftsbewegung als Werkzeug der "Wall Street" bezeichnet wurde. Was
- 5 -

�die Kommunisten absichtlich uebersehen, ist das Wesen des
demokratischen Staatssystems. Sie sind so daran gewoehnt,
die Befehle ihres Diktators auszufuehren, dass sie es sich
nicht vorstellen koennen, dass die Arbeiterschaft voellig
frei Kritik ueben kann. Das Geben und Nehmen des Tarifverhandlungswesens und demokratischer Kompromisse sind ihrer
Gedankenwelt voellig fremd. Amerikanische Arbeiter betaetigen sich im Rahmen einer demokratischen Staatsordnung aktiv und unabhaengig - einer Staatsordnung, die nicht nur
die Rechte der Mehrheit garantiert, sondern auch der Minderheit die Freiheit laesst, danach zu streben, eine Mehrheit
zu werden.
Trotzdem ist es eine Tatsache, dass amerikanische Gewerkschafter weit mehr Kritik ueben, wenn sie in ihrem eigenen
Lande sprechen, als wenn sie zu Auslaendern im Ausland sprechen. Und warum dieser Unterschied? Bell zitiert einen
Gewerkschaftsfunktionaer, der die folgende treffende Beobachtung machte:
"Zu seiner Frau spricht man in einer bestimmten Weise,
aber von ihr spricht man in einer anderen."
Dies ist natuerlich nicht die einzige Erklaerung fuer
dieses Paradoxon. Bell nennt noch eine Reihe anderer Gruende. Er erinnerte uns daran, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung eine langjaehrige Tradition hat. Fuer Samuel Gompers, den Gruender der AFL, waren die Ziele der Gewerkschaften auf hoehere Loehne, kuerzere Arbeitszeit und bessere
Arbeitsbedingungen beschraenkt und umfassten weniger das sozialistische Ziel, eine gerneinnuetzige Organisation zu sein.
Gompers' Ziel ist mit dem einen V/ort "Mehr" zusammenzufassen.
"Aber," sagt Bell, "wenn man Macht teilen will, dann muss
man notgedrungen auch die Art und Weise aendern, in der sie
ausgeuebt wird. Diese Dynamik, die noch immer innerhalb der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegungen blueht, bedeutet fuer
die Unternehmer eine ununterbrochene Herausforderung und ist
zum grossen Teil fuer den Verdacht verantwortlich, Gewerkschaften seien eine radikale Macht. Die einfache GompersPhilosophie des "Mehr", das von den Unternehmern gefordert
wird, hat bei der Schaffung des amerikanischen Lebensstandards eine wesentliche Rolle gespielt."
Bell stellt ausserdem fest, dass die Satzungen der AFL
und vieler alter Gewerkschaften marxistische Forderungen enthalten, die bereits 1886 aufgenommen und inzwischen niemals
abgeaendert wurden.
In den Tagen, in denen die Gewerkschaften durch Werbeaktionen staendig groesser wurden, kam es zu schweren Kaempfen
zwischen den Gewerkschaften und den Unternehmern. Bell bemerkt dazu: "Gewalt hinterlaesst im Gedaechtnis der Menschen
Spuren, die durch die Zeit niemals ganz ausgeloescht werden.
Viele Frauen der Gewerkschaftsfuehrer, wie zum Beisniel May
Reuther, erinnern sich noch sehr gut daran, wie ihre Maenner
blutueberstroemt und geschlagen von der Streikpostenkette zurueckkamen." Oder "Die Sprache des V.erbestreiks ist agitatorisch. Die Gemueter der Menschen muessen erregt, Beschwerden und Unzufriedenheit uebertrieben und die Betriebsleiter
und Unternehmer als leibhaftige Teufel hinbestellt werden."
Ein anderer Aspekt dieses Problems ist Bell zufolge der
Wunsch nach Schlagzeilen in der Presse. So berichtete zum
- 6 -

�Beispiel ein Redakteur des CIO: "Als der Rechtsberater des
CIO Arthur Goldberg eine Pressekonferenz gab und eine berechtigte Erklaerung abgab, in der er ein breitgetretenes
Geruecht ueber die Stellungnahme der Gewerkschaft zu Lohnstreitigkeitsproblemen dementierte, wurde seine Erklaerung
von der Presse ignoriert. Als Jim Carey in der folgenden
Woche ein Gutachten ueber das Gesetz fuer Verteidigungsproduktion abgab, wurde die Sache im ganzen Lande populaer,
und das Lohn- und Preisproblem wurde dramatisiert.
Noch eine andere ungeloeste Frage in diesem politischen
Bilderraetsel ist die Tendenz der Gewerkschaften, irgendeine Erklaerung der Nationalen Arbeitgebervereinigung als
den Standpunkt des gesamten Kapitals auszulegen. Gleichzeitig bezeichnen die Sprecher der Unternehmerschaft die Gewerkschaftsbewegung als eine Einheit und erwaehnen dabei nicht
die verschiedenen Meinungsrichtungen der Gewerkschaften. AI
Heyes, der Vorsitzende der Mechanikergewerkschaft bemerkte
hierzu:
"In Verhandlungen und in Ausschuessen der Regierung kommen wir mit den Unternehmern gut ueberein. Der Bestand des
TarifVerhandlungswesens ist gesichert, und man ist sich ueber
die Notwendigkeit einig, einen hohen Lebensstandard beizubehalten. Wenn jedoch manchmal Gewerkschaften und Unternehmer
als Einzelorganisationen aufeinanderstossen, 'wie zum Beispiel
die Mechanikergewerkschaft und die Handelskammer, oder der
CIO und die AFL, dann aendert sich das Bild voellig."
Wenn der Ton auch verschieden ist, in dem die Verhandlungen gefuehrt werden, so sind sich doch Gewerkschaften und
Unternehmer dessen bewusst, dass sie voneinander abhaengig
sind. Und wenn sie sich gegenseitig kritisieren, dann heisst
das nicht, dass sie unversoehnliche Feinde sind. Sie sind
Verhandlungspartner in dem staendigen Geben und Nehmen von
Ideen und Einfluessen, die Wesensmerkmale der demokratischen
Lebensweise sind. Waehrend Gewerkschaften und Unternehmer
energisch das verteidigen, was sie als ihre legitimen Rechte
ansehen, dann sind sie sich doch in der Erkenntnis einig, dass
alles getan werden muss, um die Freiheit in der Welt zu erhalten.
Program Services Section
IX/21/51
DIE KLEINEN NATIONEN AUF DER FRIEDENSKONFERENZ IN SAN FRANZISKO
Ein bemerkenswertes Merkmal der Verhandlungen ueber den
japanischen Friedensvertrag war die entschlossene und einheitliche Haltung der kleinen Nationen gegenueber den Versuchen des Sowjetblocks, den Friedensvertrag zu torpedieren.
Ein Ueberblick ueber die Verhandlungen in San Franzisko
zeigt, dass unter den kleinen Maechten nicht nur bei der Abstimmung ueber den Vertrag, sondern auch in ihren Reden voellige
Einigkeit herrschte. Sie gaben klar zu erkennen, dass Russlands Maoht, mit der es die kleinen Nationen unter Druck
setzen wollte, endgueltig geringer geworden ist. Die kleinen
Nationen erklaerten sich fuer die Ziele des Friedensvertrags,
billigten den darin enthaltenen Geist der Versoehnyng, der
Grosszuegigkeit und des Realismus und brachten ihr Vertrauen
- 7

�den Vereinigten Stauten gegenueber zum Ausdruck, die an dem
Abschluss des Friedensvertrages fuehrend beteiligt waren.
Der Vorwurf des Sowjetblocks, der Friedensvertrag sei ein
Ergebnis amerikanischer "Diktatur", wurde von Carl Berendsen
aus Neu-Seeland prompt zurueckgewiesen. Er erklaerte:
"Wir bekennen uns zu dem wohlwollenden Vertrag, den wir unterzeichnet haben, und lassen uns durch die Vorwuerfe der
sowjetischen GrupDe nicht irremachen. Anspielungen auf die
sogenannte "Diktatur" der Vereinigten Staaten lassen uns
unberuehrt. Wir im suedlichen Pazifik sind der Gefahr einer
Diktatur gegenueber besonders empfindlich. Wir kennen Jedoch
die Vereinigten Staaten und haben in diesem Zusammenhang keinerlei Befuerchtungen. Aber wir kennen auch andere, und
es ist die Gefahr der Diktatur dieser anderen, die uns beunruhigt.
Er liess keine Zweifel darueber, dass er damit den kommunistischen Expansionismus im Pazifik meinte. Die sowjetische Delegation unter der Fuehrung Andrej A. Gromykos und
die Delegationen der beiden Satellitenstaaten sind naoh der
Auffassung Berendsens zu dieser Konferenz erschienen, nicht
um Japan zu unterstuetzen oder sich fuer den Frieden einzusetzen, sondern um Unruhe zu stiften.
Der Neu-Seelaender wies darauf hin, dass die Sowjetunion
bereits frueher Gelegenheit hatte, ihre Einwaende geltend zu
machen, dass sie von dieser Koeglichkeit jedoch keinen Gebrauch gemacht hat. Er forderte Russland ausserdem auf, Aufklaerung ueber das Schicksal Hunderttausender japanischer
Kriegsgefangener in Sibirien zu geben. Er schloss seine Rede
mit dem ueberzeugenden Argument: "üinem Land, des durch den
Raub der Mandschurei und die Besetzung der Kurilen soviel
profitiert hat, steht es schlecht an, wenn es die ehrlichen,
aufrichtigen und bescheidenen Versuche der Vereinigten Staaten und anderer Kationen kritisiert, die die schwierigen Probleme loesen moechten, vor die uns ein Friedensvertrag mit
Japan stellt."
Mit geschickter Ironie nahm Percy C. Spender, der Delegierte Australiens, zu einer von der Gruppe Gromykos vorgeschlagenen Abaenderung des Vertragstextes Stellung. Diese
Gruppe hatte gefordert, Japan die Presse-, Religions-, Meinungs- und oeffentliche Versammlungsfreiheit zu gewaehren,
"jedoch nicht jene Freiheit," so sagte Spender, "die Russland
seinem eigenen Volk oder den Voelkern jener Kationen einraeumt,
die seiner unerbittlichen Macht unterworfen sind."
Diese Freiheiten seien in der Praeambel zum Friedensvertrag verankert, doch die kommunistischen Delegierten kuemraerten sich wenig hierum, "weil es ja nicht ihre Aufgabe sei,
an diesem Ort die Wahrheit zu sprechen oder festzustellen, sondern lediglich irrezufuehren."
Im Gegensatz zu den verhaeltnismaessig grosszuegigen Bestimmungen des Vertrages schlug die sowjetische Delegation
strenge Restriktionen gegen Japan vor, was ihr eine scharfe
Antwort des Delegierten aus Ceylon J. H. Jayewardene einbrachte. Er sagte ganz offen, dass derartige Restriktionen,
besonders auf dem Gebiet der Verteidigung, den Friedensvertrag
nicht nur fuer die auf der Konferenz vertretenen Staaten, sondern auch fuer andere, besonders fuer Indien, unakzeptierbar
machen wuerden.
- 8 -

�"Der Grundgedanke, von dem die Voelker Asiens beseelt sind,
ist, dass Japan frei sein muss," fuhr er fort. "Ich fordere,
dass dieser Gedanke ohne Einschraenkung. im Friedensvertrag
verankert wird."
Der Delegierte aus Ceylon erklaerte sein Einverstaendnis
damit, dass kleinen Nationen das Recht gegeben wird, an der
Ausarbeitung des Friedensvertrages mitzuwirken, was unmoeglich
gewesen waere, wenn man den Vorschlag der Sowjetunion befolgt
und den Entwurf des Vertrags den vier Grossmaechten China,
Grossbritannien, Russland und den Vereinigten Staaten ueberlassen haette. Auch Dr. Charles Malik, der Delegierte des Libanon, unterstrich die Bedeutung der Tatsache, dass kleine
Nationen an der Ausarbeitung des Friedensvertrages teilnehmen
durften. "Mein Land ist eines der kleinsten, die hier vertreten sind, und unsere Verteidigungsbemuehunge/i- sind im Vergleich zu denen der Grossmaechte und selbst der Laender mitt**
lerer Groesse praktisch unbedeutend. Wenn wir der Einladung
der Vereinigten Staaten gefolgt und heute hier vertreten sind,
so wollen wir damit lediglich die moralische Solidaritaet der
Menschheit bekunden, die in diesem Zeitalter der Vereinten
Nationen international anerkannt wird. Solange der Kleine
die Gewissheit hat und in dieser Gewissheit bestaerkt wird,
dass er trotz seiner materiellen Unbedeutenheit mit dazu gehoert, besteht eine Hoffnung auf Frieden in der Welt. Denn
nichts ist mehr dazu angetan, jenes Gefuehl der Ungerechtigkeit zu naehren, das frueher oder spaeter zu Krieg und Empoerung fuehren wird, als das Gefuehl, willkuerlich aus einer
Gemeinschaft ausgestossen zu sein. Gleichgueltig, was auch
die Materialisten denken moegen: Nichts ist willkuerlicher
und ruecksichtsloser, als Menschen und Nationen nach dem Umfang ihrer Macht und ihrer materiellen Liittel zu beurteilen."
Die Tapferkeit, mit der die kleinen Nationen hier ihren
Standpunkt vertreten haben, gewinnt besonders angesichts der
Tatsache an Bedeutung, dass der drohende Schatten des Kommunismus ueber einigen dieser Laender schwebt.
Kronprinz Savang aus dem Koenigreich Laos lenkte die Aufmerksamkeit der Zuhoerer auf die Lage seines Landes, das an
das kommunistische China grenzt. "Trotz Krieg und Leiden ist
dieses Land frei und demokratisch geblieben, und aufgrund seiner geographischen Lage steht Laos noch immer im Schatten der
Kriegsgefaehr. Aus diesem Grund wuenscht es, dass der Kriegszustand mit Japan beendet werden moege. Die Delegation aus
Laos ist gewiss, dass der Abschluss eines Friedensvertrages
in San Franzisko sehr viel Gutes bewirken wird, indem er in
die Kerzen der Menschen wieder freundschaftliche Gefuehle säet."
Die Erklaerungen und Stimmen der kleinen Nationen waren
keine automatischen von vornherein feststehende Billigungen
des Friedensvertrages, denn die meisten von ihnen brachten
zahlreiche ernsthafte Bedenken zum Ausdruck. Trotzdem waren
sie bereit, diese Unstimmigkeiten zu ueberwinden, die im Grunde
genommen nicht ernstlicher Natur waren und die Hauptziele der
Konferenzen nicht bedrohten.
Der Delegierte aus Pakistan M. Zafrulh Khan sagte,dass sein
Land es gern gesehen haette, dass China an der Konferenz teilnehmen wuerde, er bedaure auch die Abwesenheit Indiens und
Burmas. Es sei jedoch eine Genugtuung festzustellen, dass
die asiatischen Laender auf dieser Konferenz vertreten sind
una mehr als ein Viertel aller in San Franzisko versammelten
Nationen ausmachten.
- 9 -

�Viele von ihnen haetten durch Japan grosse Verluste an
Menschenleben und Eigentum erlitten. Sie begruessten jedoch
die Freizuegigkeit des Vertrages, der einen gerechten Frieden ermoegliche. Uebermaessige Restriktionen gegen Japan
wuerden auch ihren eigenen Zwecken nicht dienlich sein. Waehrend der Sowjetblock behauptete, der Friedensvertrag sei ein
Schritt zu einem neuen Krieg im Pazifik, erklaerte der Delegierte aus Pakistan: "Wir sind uns darueber einig, dass es
ein guter Friedensvertrag ist, obwohl er einige Maengel hat.
Er birgt nach unserer Auffassung nicht die Saat eines neuen
Krieges in sich. Er hat wirklich den Zweck, den Frieden wieder herzustellen. Es ist der Beginn eines neuen Abschnitts
in den Beziehungen zwischen Ost und West, wie sie in den
letzten Jahrhunderten bestanden haben, und wir begruessen
ihn als den Vorboten einer gluecklichen Zukunft."
Paul Van Zeeland aus Belgien als Delegierter einer anderen kleinen Nation sprach sich anerkennend ueber den aufrichtigen Friedensgeist aus, der in dem Vertrag enthalten ist.
"Wir beglueckwuenschen die grossen Gedanken, die ihn inspirierten. Wir sehen in ihm die Sprache des Friedens, und wir
bringen die Hoffnung zum Ausdruck, dass andere internationale
Massnahmen in dem gleichen Geist der Grosszuegigkeit vollzogen werden, der zugleich Zeugnis ablegt des Realismus und des
Mutes, und der der gesamten Welt einen dauerhaften und gerechten Frieden sichert."
Premierminister Shigeru Yoshida versprach im Namen Japans, dass sein Land mit allen Kraeften dazu beitragen werde,
"die folgenden Generationen vor der Geissei des Krieges zu
bewahren. Wir haben hier Delegierten zugehoert, die uns an
die schrecklichen Leiden und die grossen materiellen Zerstoerungen des letzten Krieges im Pazifik erinnert haben. Mit
dem Gefuehl des Bedauerns erinnern wir uns an die Rolle, die
das alte Japan in diesem katastrophalen menschlichen Ereignis gespielt hat. Ich spreche bewusst von dem alten Japan,
weil aus der Asche des alten Japan ein neues Land entstanden
ist."
"Durch die Leiden und die Zerstoerungen, die der Krieg
ueber Japan selbst gebracht hat, ist unser Volk von jeglichem
Wunsch oder dem Streben nach militaerischen Eroberungen befreit worden."
"Mein Volk hat nun den heissen Wunsch, mit seinen Nachbarn im Fernen Osten und mit der ganzen Welt in Frieden zu
leben und seinen Staat so aufzubauen, dass er allen Buergern
ein besseres Leben ermoeglichen kann." Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich Japan bald den Vereinten Nationen
anschliessen duerfte und schloss mit folgenden Worten: "Wir
wollen unseren Platz unter den Nationen wieder einnehmen, die
sich dem Frieden, der Freiheit, dem Fortschritt und der Gerechtigkeit verschrieben haben, und wir versprechen, dass Jaoan
im Streben nach diesen Zielen seinen vollen Beitrag leisten
wird."
ECA Labor Information
IX/13/51

- 10 -

�DAS WELTFRISDENSPROGRAI"- DES CIO
Manchmal veroeffentlichen Gewerkschaften Beitraege in
der Presse, um waehrend einer Arbeitsstreitigkeit ihren
Standpunkt der Oeffentliohkeit mitzuteilen. Kuerzlich jedoch erschien in der "New York Times" eine volle Seite unter dem Titel "Fuer den Weltfrieden", der von dem CIO-Kongress des Staates New York abgefasst war. Es handelte sich
um eine Resolution, die einstimmig von den Delegierten angenommen war, die eine Million Gewerkschaftsmitglieder in diesem Staate vertreten. Man fragt sich, warum der CIO einen so
ungewoehnlichen Schritt unternommen hat und diesen Beitrag
veroeffentlichte.
Hier ist die Antwort: Der CIO-Kongress des Staates New
xork hat sich dieser Methode bedient, um vor allen Diplomaten, die zur Ratifizierung des japanischen Friedensvertrages
in San FranZisko versammelt sind, zu demonstrieren, dass die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung rueckhaltlos fuer die
Grundsaetze einsteht, die die amerikanische Regierung zum
Ausdruck gebracht hat und deren Grundgedanke ist, dass unsere
'.Veit von der Angst vor einem neuen Krieg befreit werden muss.
Diese Grundsaetze heissen die Unterstuetzung und Verteidigung
der Demokratie auf der ganzen Welt und die Herstellung des
Friedens und des guten Willens zwischen allen Nationen gut.
Nur autokratische Regierungen, die niemals vor den Rachegefuehlen und etwaigen Erhebungen ihrer Voelker sicher sind,
suchen nach Krieg und Aggression, um damit ihre Machtstellung zu sichern. Amerikas Liebe zur Demokratie und zum Frieden stuetzt sich auf ein gesundes Nationalgefuehl und auf
seine Erfahrungen in der Geschichte.
Zur Verwirklichung dieser Grundsaetze muss so schnell
wie meeglich der Demokratie auf der ganzen Welt Kampfstaerke verliehen werden; fest und unnachgiebig muss jeder Aggression und jedem Uebergriff des kommunistischen Imperialismus
entgegengetreten werden. Ein umfassendes Unterstuetzungsprogramm ist einzuleiten., um allen befreundeten Nationen bei
ihren Bemuehungen zu helfen, ihre wirtschaftliche Stellung
zu staerken und den Lebensstandard ihrer Buerger zu verbessern. Der CIO weist daraufhin, dass die kommunistische
Diktatur in Russland allein fuer die heutigen Kriegsgefahren
verantwortlich ist, und wirft Stalin vor, die Ziele und Methoden Hitlers uebernommen zu haben.
Zu diesen Methoden gehoeren internationale Intrigen,
fuenfte Kolonnen, wirtschaftlicher Zwang, Furcht, heimtueckische Aggression, und wenn alle diese Methoden nichts helfen,
offener Krieg, der entweder direkt gefuehrt, oder den Satellitenstaaten befohlen wird. Massnahmen des Kreml, die sich
gegen Frieden und Demokratie richten, druecken sich in der
Verhinderung jedes wirksamen internationalen Planes zur Atomkontrolle aus, in der Blockade Berlins, in der getarnten
Einmischung im Iran, im Guerillakrieg in Griechenland, in
der Unterjochung der Tschechoslowakei und anderer Nachbarstaaten unter die kommunistische Tyrannei, in dem Kampf auf
den Philippinen und in dem verbrecherischen und blutigen
Angriff gegen die Republik Korea, der von der Regierung Stalins inszeniert und unterstuetzt wird, und den nordkoreanische und chinesische Armeen durchfuehren.
- 11 -

�Der CIO spricht den Vereinten Nationen fuer ihren Widerstand gegen die kommunistische Aggression seine Anerkennung
aus und erklaert, die Sowjetunion wiederhole die gleichen
zersetzenden Methoden heute in San Franzisko, wo sie mit allen Mitteln versuchte, eine konstruktive Loesung des japanischen Problems zu verhindern.
Der heutige Konflikt ist nach der Auffassung des CIO
ein Kampf zwischen der freien Arbeiterschaft und dem Zwangsarbeitersystem. Die freie Arbeiterschaft ist der Auffassung,
dass die Angriffsplaene der sowjetischen Diktatur den Untergang der freien Gewerkschaftsbewegung auf der ganzen Welt
bedeuten wuerden, wenn man ihnen nicht Einhalt gebieten koennte. Es wird auf die grosse Kluft zwischen den sowjetischen
Machthabern und dem sowjetischen Volk mit den folgenden
Worten hingewiesen: Die russischen Menschen sind ebenso
die Opfer der kommunistisch imperialistischen Ambitionen
wie die Voelker der anderen Welt. Deshalb duerfen keine
Bemuehungen gescheut werden, um das russische Volk zu ermutigen, Massnahmen zu ergreifen, die dieses Land fuer immer
auf die Seite des Friedens, der gegenseitigen Achtung und
der internationalen Zusammenarbeit bringen koennten.
Der CIO laesst sich auch nicht durch das Friedensgeschrei oder die Vorschlaege des"friedlichen Nebeneinander
von Kommunismus und Demokratie" irrefuehren, das zur Zeit
das Schlagwort der Stalinisten ist. Er ist davon ueberzeugt,
dass die Machthaber im Kreml nur Eines fuerchten: das aber
ist nicht die Unzufriedenheit des Volkes, nicht das Elend,
das sie verursachen, nicht die Menschenleben, die sie zerstoeren, sondern sie fuerchten einzig und allein bewaffnete
Staerke, und deshalb sind die freien Nationen der Welt endgueltig gezwungen worden, Russland zu zeigen, dass sie entschlossen sind, einem jeglichen weiteren Angriff mit aller
Macht entgegenzutreten. Auch eine ploetzliche Aenderung der
Politik des Kreml darf die freie Welt nicht veranlassen, die
Kampflinie zu verlassen, die sie gegen die Aggression bezogen hat. Es wird Russlands Strategie bleiben, von Frieden
zu sprechen und dadurch zu versuchen, die Demokratien davon
abzubringen, bewaffnet und fuer den Ernstfall bereit zu bleiben. Die russischen Machthaber, die ueber genuegend Zwangsarbeitslager verfuegen, die fuer jene aus dem eigenen Volk
bestimmt sind, die ihre Unzufriedenheit und ihren Unwillen
offen zur Schau tragen, koennen ruhig dieses Spiel des "friedlichen Nebeneinander von Kommunismus und Demokratie" solange
weiterspielen, wie sie es wuenschen; sie koennen aber auch
ploetzlich und unvorhergesehen ihr Gesicht veraendern. Bewaffnete Staerke genuegt jedoch nicht, sagt der CIO; dadurch
wird die sowjetische Aggression nur aufgehalten aber nicht
im Keime erstickt. Die kommunistische Waffe der gewaltsamen
Erpressung»der Aggression und schliesslich der offenen Kriegsfuehrung kann aus dem kommunistisch imperialistischen Arsenal
nur dann entfernt werden, wenn die Sowjetunion mit ihren unterjochten Staaten und Voelkern von einer Welt umringt ist, die
wirtschaftlich gesichert und fortschrittlich ist und unter
demokratischen Regierungen lebt. Dies ist die einzige Moeglichkeit, Russland aufzuhalten. Es ist die Aufgabe der Vereinten Nationen, des Marshall-Flans und des Punkt-Vier-Programms, die Verteidigungsbemuehungen durch ein umfassendes
Programm der sozialen und politischen Aufrichtung zu ergaenzen.
Die Verteidigung muss mit wirtschaftlicher Sicherheit und po- 12 -

�litischer Freiheit gekoppelt sein. Die Gewerkschaftsbewegung
stellt sich mit aller Energie und Entschlossenheit dieser
Aufgabe zur Verfuegung.
Program Services Section
IX/7/51
DIE GESCHICHTE EINES HOLLAENDISCHEN ARBEITERS
Noch vor sechs Jahren, im letzten "Hungerwinter" Kollands unter deutscher Besatzung, lebte Gerard van Leeuwen,
ein hollaendischer Schlosser, von Kartoffelschalen und Tulpenknollen.
Die Fabrik, in der van Leeuwen jetzt arbeitet, ist waehrend des Fliegerangriffs der deutschen Luftwaffe auf Rotterdam im Jahre 1940 durch Brandbomben voellig niedergebrannt
worden. Inzwischen ist von den alten Unternehmern eine neue
Fabrik gebaut worden, die den Namen "de Hoop" fuehrt und
elektrische Geraete fuer die Marine herstellt. Die Lebensbedingungen sind dank der grossen Anstrengungen, die fuer
die wirtschaftliche Wiederaufrüstung Hollands beispielhaft
sinü, fuer van Leeuwen heute weit besser. Obwohl uober die
Haelfte aller hollaendischen Schiffe waehrend des 2. Weltkrieges verlorenging, ist die Kandelstonnage dieses Landes heute
wieder proesser als vor dem Krieg. Dieser Umstand ist den
Bemuehungen der hollaendischen Industrie und der hollaendischen Arbeiter zu verdanken, fuer die wir in der Firma de
Hoop und dem Schlosser Gerard van Leeuwen ein bezeichnendes
Beispiel sehen. Sie haben mitgeholfen, der hollaendischen
Schiffahrt wieder einen bedeutenden Platz unter den Nationen
der Welt zu sichern.
Die Firma de Hoop besteht seit 1892. Sie stellt heute
zahlreiche komplizierte elektrische Anlagen fuer moderne
Schiffe her. Die neue Fabrik steht nahe an der Kueste im
wiederaufgebauten Rotterdam, an der Kuendung des Rheins, die
das Ausfahrtstor des noerdlichen und mittleren Europas und
den groessten Hafen der Welt bildet.
Kurz vor dem Krieg hatte die Firma de Hoop genuegend
Geldmittel gespart, um ihre Fabrik neu einzurichten. Zum erstenmal seit vielen Jahren sollte sie die Koeglichkeit haben,
einen Betrieb nach Masstaeben der modernen Technik und der
Eeistungsfaehigkeit aufzubauen. Bevor jedoch der Umzug in
das neue Gebaeude stattfinden konnte, wurde das Zentrum von
Rotterdam und mit ihm das moderne Fabrikgebaeude waehrend
des grossen Luftangriffs am 14. Kai 1940 zerstoert, der eine
Vergeltungsmassnahme der deutschen Luftwaffe fuer diehartnaeckige Verteidigung der Hollaender war.
Gerard van Leeuwen, der 1940 Geschaeftsreisender war,
tauchte waehrend des Krieges unter und konnte mit vielen
seiner Landsleute nur mit Muehe und Not die Hungerwinter in
Holland ueberleben. Nach der Befreiung, seiner Heimat musste
er zwei Jahre lang in der hollaendischen Armee dienen. Kach
seiner Entlassung fasste er den Entschluss, seine Arbeit zukuenftig in den Dienst seines Landes zu stellen. Holland,
dessen Wirtschaft schwer erschuettert, dessen strebsame Bevoelkerung jedoch guten Mutes war, begann ein Industrialisie- 13 -

�rungsprogramm fuer das ganze Land. In der Industrie sah Holland die einzige Moeglichkeit, sich wieder aufzurichten, und
hierzu brauchte es Tausende von Arbeitern. Van Leeuwen besuchte kostenlos eine Schule der Regierung, um sich als
Schlosser ausbilden zu lassen. Nach erfolgreicher Beendigung
der Ausbildung arbeitete er kurze Zeit fuer ein anderes Unternehmen und kan dann vor drei Jahren zur Firma de Hoop. In
diesen Werken sind von 1050 Arbeitnehmern etwa 800 Arbeiter
direkt in den Produktionsprozess eingeschaltet. Gerard arbeitet an einer mit Marshallplanmitteln gekauften Drehbank und
an einer Presse, er stellt hier Schalter, elektrische Motorenanlasser, Sicherungen, PruefLampen und andere elektrotechnische
Geraete her. Seine r.'erkbank steht in einer geraeumigen, gut
eingerichteten Werkstatt, wo sich die einzelnen Produktionsverfahren nebeneinander vollziehen. Es gibt kein Fliessband,
weil zu viel verschiedene Arten von Erzeugnissen meist in kleineren Mengen oder nach Auftraegen hergestellt werden - eine
Tatsache, die, um die V/orte der Betriebsleitung zu gebrauchen,
die "Staerke und die Schwaeche" des Unternehmens ist. Durch
guenstige Geschaeftsabschluesse ist die Firma jedoch in der
Lage, mit dem Bau einer neuen Fabrik zu beginnen, wo bestimmte genormte Erzeugnisse im Fllessbandverfahren hergestellt
werden sollen.
Gerard arbeitet woechontlich 48 Stunden. Er hat 15 Minuten Fruehstueckspause und eine halbe Stunde Mittagszeit.
Nach Gerards Auffassung sind die Arbeitsbedingungen gut, und
auch nach amerikanischen Begriffen koennen sie als gut bezeichnet werden, obwohl es in den grossen Maschinenhallen an
strengen Wintertagen ziemlich kalt ist. Auch die Unfallverhuetung steht auf ziemlich hohem Niveau. Es gab hier noch
keinen Streik.
Fuer seine 48-stuendige Arbeitswoche erhaelt Gerard nach
deutschem Geld DM 61.-. Sein Nettolohn betraegt etwa DM
58.-. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen einen gleichen Beitrag fuer den Pensionsfonds, auf dessen Unterstuetzungen Gerard mit 65 Jahren Anspruch hat. Die hoechste Pension betraegt
60% des letzten Lohnes. Von dem Lohn werden ausserdem Beitraege fuer die Krankenversicherung abgezogen. Auch hier bezahlt der Arbeitgeber den gleichen Anteil. Wenn ein Arbeiter
krank wird, erhaelt er 52 .Vochen lang 90% seines Lohnes. Er
hat Anspruch auf kostenlose aerztliche, fachaerztliche und
Krankenhausbehandlung. Die Unternehmer zahlen an die Regierung, ausserdem 15fr aller Arbeitsloehne, die verschiedenen
Fonds zufHessen, aus denen zusaetzliche Altersrenten, Unfallunterstuetzungen und Kinderbeihilfen gezahlt werden. Gerard
erhaelt mit drei Kindern vierteljaehrlich eine Kinderbeihilfe
von etwa DM 150.-.
Als Gerard in den Betrieb dettoopeintrat, schloss er
sich der Gewerkschaft an. Es gibt in Holland nicht das System
des "Union Shop" wie in Amerika, wo jeder Beschaeftigte Mitglied der Gewerkschaft sein muss. Aber Gerard wusste, dass
die Arbeiter Vertreter haben muessen, die fuer sie eintreten.
Er hatte die iVahl zwischen der sozialistischen, katholischen
und protestantischen inetallarbeitergewerkschaft. Er entsc; loss
sich fuer die sozialistische ANMB, die dem hollaendischen Gewerkschaftsbund N W , der groessten und fortschrittlichsten
uewerkschaftsOrganisation, angeschlossen ist.
- 14 -

�Die ANMB ist mit 71.000 Hitgliedern die groesste Einzelgewerkschaft des Landes. 10.000 hiervon sind Metallarbeiter
in Rotterdam. Diese Gewerkschaft ist in dem Unternehmen de
Hoop seit 1900 vertreten, und 75#&gt; der gewerkschaftlich organisierten Belegschaftsmitglieder linsgesamt 325) gehoeren dieser
Organisation an. Durch Funktionaere erhaelt sie die Verbindung zu ihren Mitgliedern aufrecht. Auf 25 organisierte Arbeiter in jedem Betrieb kommt ein Gewerkschaftsvertreter. Es
gibt keine regelmaessigen Versammlungen der. Gewerkschaftsmitglieder. Die AMNB verteilt alle 14 Tage ein Mitteilungsblatt
an ihre Mitglieder. Im Winter finden vier bis sechs Filmabende statt, zu diesem Zweck werden von der Gewerkschaft Vorfuehrungsraeume gemietet. Bei besonderen Anlaessen, wie z.B. den
Massenkundgebungen des N W zur Unterstuetzung des Beschlusses
des Sicherheitsrates in Bezu? auf Korea, werden die Arbeiter
durch Rundschreiben von ihrer Gewerkschaft informiert.
Wie bei fast allen Gewerkschaften steht die Lohnfrage
im Vordergrund. Die Loehne unterliegen in Kolland jedoch
der Lohnkontrolle. Vor allem auf den Druck der Gewerkschaften
hin hat die Regierung innerhalb von 15 Monaten dreimal eine
Lohnerhoehung von fuenf Prozent angeordnet. Die hollaendischen Gewerkschaften haben sich damit einverstanden erklaert,
diese Hoechstgrenze von 5% anzuerkennen, obwohl die Lebenshaltungskosten vor der letzten Lohnerhoehung um 10% gestiegen
waren. Dieses Einverstaendnis mit einer Kuerzung des Lebensstandards war ein Beitrag der Gewerkschaftsbewegung in dem
Kampf gegen die Inflation.
Das zweitwichtigste Problem der Gewerkschaften ist augenblicklich der Mangel an Grundstoffen, der, wenn die Verhaeltnisse noch kritischer werden, fuer viele Leute der Verlust ihrer Beschaeftigung zu werden droht. ~Rohstoffe, die
Holland nur in begrenztem Umfang zur Verfuegung stehen und
dann sehr teuer sind, sind fuer dieses Land nicht nur wertvoll, sondern geradezu lebenswichtig. Holland muss 91$ aller
Rohstoffe, die in der hollaendischen Industrie verarbeitet
werden, importieren. Der zu geringe Unterschied zwischen den
Loehnen der Facharbeiter und der ungelernten Arbeiter ist
ein weiteres grosses Problem fuer die hollaendische Industrie.
Die hollaendischen Gewerkschaften koennen auf wesentliche
Erfolge fuer ihre Mitglieder hinweisen, die sie in jahrelanger
Taetigkeit erringen konnten. Bevor sich die Gewerkschaften
mit der Urlaubsfrage beschaeftigten, erhielten die Arbeiter
jaehrlich sechs Tage Urlaub. Nach und nach wurde das Minimum
auf 12 Tage hochgeschraubt. In der Firma de Hoop koennen
sechs Tage Urlaub hintereinander genommen werden. Die uebrigen sechs Tage werden nur einzeln gewaehrt. Die Ortsgewerkschaft der ANMB in Rotterdam, der auch Gerard angehoert, versucht nun, die Arbeiter fuer die Forderung zu gewinnen, den
14-taegigen Urlaub ununterbrochen nehmen zu koennen. Das
Jahr 1946 war hinsichtlich der gewerkschaftlichen Erfolge in
der Firma de Hoop von besonderer Bedeutung. Es konnte vereinbart werden, dass alle Arbeiter fuer eine Woche nicht beanspruchten Urlaubs zwei Wochenloehne ausbezahlt bekommen. A'enn
die Frau eines Arbeiters stirbt, erhaelt er vier Tage bezahlten Urlaubs. Frueher dagegen standen ihm in einem solchen
Fall nur zwei Tage zu. Wenn ein Arbeiter heiratet, bekommt
er zwei Tage Urlaub, wogegen er frueher keinen Heiratsurlaub
erhielt. Jedes Mitglied der ANMB, das 25 Jahre lang in einem
Betrieb beschaeftigt ist, erhaelt jaehrlich zwei zusaetzliche
- 15 -

�Urlaubatage und bei 40 Jahren Dienstzeit sechs zusaetzliche Urlaubs tage. Ausserdem wurde ein System der Gewinnbeteiligung
eingefuehrt, was man in Holland nur selten vorfindet. Wenn
das Unternehmen einen Gewinn erzielt, erhaelt jeder Arbeiter
jaehrlich eine Praemie, die 2% seines gesamten Lohnes ausmacht.
Seit 1946 konnten zum Jahresende den Arbeitern des Betriebes
regelmaessig Praemien ausbezahlt werden. Gerard van Leeuwen
ist 35 Jahre alt und seit 12fc Jahren verheiratet. Sein aeltestes Kind ist 12 Jahre alt und die beiden anderen Kinder sind
vier und drei Jahre. Sie wohnen In einer Vierzimmerwohnung,
fuer die sie woechentlich, nach deutschem Geld gerechnet, etwa
DM 7.- Miete zahlen. Diese Miete ist von der Regierung festgesetzt. Gerard besitzt ein kleines Rundfunkgeraet. Er hat
natuerlich kein Auto und auch kein Fahrrad - das uebliche
Transportmittel in Holland. Gerard geht zu Fuss zur Arbeit,
etwa 20 Minuten und nimmt, wie alle hollaendischen Arbeiter,
sein Mittagessen mit in die Fabrik. Er verzehrt es in einer
der drei Kantinen.
Er liest eine konservative Zeitung, kann sich aber kein
Magazin leisten. Nur selten geht er ins Kino. Er ist Mitglied
des sozialen Klubs, er zahlt hier monatlich 15 hollaendische
Cents. Dort kann er unentgeltlich Ping Pong, Billard und
Karten spielen. Es gibt ausserdem Tennis-, Gesangs- und Fussballgruppen, die von den Unternehmern unterstuetzt werden.
Die Gewerkschaft haelt die Einrichtung des sozialen Klubs der
Firma de Hoop fuer gut.
Ein Arzt ist dem Betrieb zugeteilt, der jedoch nicht regelmaessig anwesend ist. Die Arbeiter werden in unregelmaessigen
Zeitabstaenden kostenlos geroentgt. Vor kurzem wurde in dem
Betrieb eine Fortbildungsschule eingerichtet, wo die Lehrlinge
zwei Jahre lang praktisch und theoretisch unterrichtet werden.
Trotz dieser Einrichtungen und der guten Arbeitsbedingungen
wechseln im Monat durchschnittlich 25 Arbeiter ihren Arbeitsplatz. Die Betriebsleiter erklaeren, dass dies durch Entlassungen wegen mangelnder Faehigkeit, durch freiwillige Kuendigung
der Arbeiter, well sie die Art der Arbeit nicht lieben, oder
durch den Wunsch bedingt sei, in einem anderen Betrieb mehr
Geld zu verdienen.
Die neueste Errungenschaft auf dem Gebiet der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in diesem
Betrieb ist der 19 Mitglieder zaehlende Betriebsrat. Ein Mitglied vertritt die Arbeitgeber und 14 Betriebsraete vertreten
die Arbeiter, die uebrigen die Angestellten. Die Mitglieder
werden alle zwei Jahre neugewaehlt, der Betriebsrat waehlt
seinen Vorsitzenden und seinen Sekretaer selbst. Der Betriebsrat ist im wesentlichen eine beratende Koerperschaft. Er hat
keine direkten Befugnisse, sondern wird als der erforderlicher
Mittelsmann zwischen Gewerkschaften und Unternehmern von beiden Partnern respektiert. Die Gewerkschaft, die sowohl im
Betriebsrat als auch im gesamten Betrieb am staerksten vertreten ist, naemlich die ANMB, ist der Auffassung, dass dieser
Betriebsrat im Vergleich zu anderen Betrieben in Holland ueberdurchschnittlich gut ist; auf der anderen Seite waere es aber
zu wuenschen, dass er in Fragen, die sich direkt auf den Betrieb
beziehen, mehr zu sagen hat. Die Gewerkschaftsfunktionaere haben sich fuer die Durchsetzung ihrer Forderung einen Zeitraum
von drei Jahren als Ziel gesetzt und hoffen, dass dieser Wunsch
in dieser Zeit verwirklicht werden kann.
ECA Labor Information VI11/23/51
- 16 HI00C IE Oet 51 1834» C U

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission fUr Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 42

F r a n k f u r t , den 1 9 . Oktober 1951

I N H A L T S V E R Z
Gewerkschaften begruessen

£ ICH N I 3

"Produktivitaetsfeldzug"

der ECA

1

V/er verfliegt in Amerika ueber das Haushaltsgeld? .. 3
Gleiche Verteilung der Produktionsertraege bekämpft
gleichzeitig Kommunismus
Neue Probleme der japanischen Gewerkschaftsbewegung

4
7

Eine Erklaerung der OEEC
9
Was hat die freie Wirtschaft in den U.S.A. vollbracht?
11
Der Kongress des kanadischen Gewerkschaftsbundes .. 14

GEWERKSCHAFTEN BEGRUESSEN "PRODUKTIVITAiTSFELDZUG" DER ECA
"Der neue Produktivitaetsfeldzug der ECA ist von der
freien Gewerkschaftsbewegung mit grosser Begeisterung aufgenommen worden. Was den Gewerkschaften hierbei besonders zusagt, ist die Tatsache, dass die Forderung einer gerechten
Beteiligung der Arbeiter an den Gewinnen aus der gesteigerten Produktivitaet besonders hervorgehoben wird. Wenn dieser
neue Feldzug bei den Unternehmern den gleichen Anklang finden wuerde, dann waere bereits viel zur Verbesserung des
Lebensstandards in allen Laendern getan."
Dies ist die Meinung des Leiters des Politischen Aktionskomitees des CIO, Jack Kroll. Nach seiner Rueckkehr von
einer Studienreise durch Grossbritannien, Frankreich, Italien,
Griechenland, Israel, Westdeutschland und Schweden erklaerte
Kroll, die amerikanische Gewerkschaftsbewegung haette sohr
- 1-

�zum Wohl und zur Stabilitaet der europaeisehen Gewerkschaftsbewegung beigetragen.
Die groesste Staerke besitzen die Gewerkschaften in
Schweden, Israel und Grossbritannien, diese Laender erfreuten sich auch der groessten Stabilitaet. Ohne Erwerbslosigkeit und mit ausgeglichenem Staatshaushalt sind ste allen anderen auf dem vVeg zum Aufbau weit voraus. Diese Leistungen
sind ein sichtbarer Beweis fuer die konkreten Auswirkungen,
die die Bemuehungen der Gewerkschaften fuer ein Land haben
koennen. Kroll berichtete woertlich: "1950 produzierte Amerika mit 150 Millionen Einwohnern Waren im Werte von 260.000
Millionen Dollar. Eine halbe Million amerikanischer Bergleute foerderten mehr Kohle zutage als die zwei Millionen
Bergleute Europas gemeinsam; eine Arbeitsstunde in Amerika
entspricht in ihrem Ertrag 15 Arbeitsstunden in der uebrigen
Welt.
Der Hauptgrund fuer diese hohe Produktivitaet ist die
weit hoehere Leistungsfaehigkeit der amerikanischen Industrie;
und diese ist wiederum vornehmlich auf die Tatsache zurueckzufuehren, dass der amerikanische Arbeiter durch seine Gewerkschaft das Grundprinzip anerkannt hat, dass der wachsende Lebensstandard von einer staendigen Erhoehung der Produktion abhaengig ist. Er hat sich deshalb nicht davor gescheut, neue Methoden der Betriebsfuehrung und neue Arbeitsmethoden zu akzeptieren."
Durch Modernisierung und Neuausruestung hat sich auch
die chemische Industrie in Grossbritannien wesentlich erweitert. "In allen Betrieben, in denen diese Neuerungen
eingefuehrt werden konnten, ist es zu einer Steigerung der
Produktivitaet und gleichzeitig zu einer Senkung der Produktionskosten gekommen. Die Arbeitsloehne sind um 30 - 60%
ueber die im Land gueltigen Grundlohntarife erhoeht worden.
Es war nicht leicht, den Entschluss derartige Methoden einzufuehren, zu verwirklichen."
Die Mitglieder des Britischen Gewerkschaftskongresses
(TUC) befuerchteten, wie auch die Arbeiter in anderen Industrien, am Anfang nicht ohne guten Grund die Einfuehrung dieser Systeme. Sie hatten in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen mit diesen zu 'schlechte Erfahrungen gemacht. In den
Nachkriegs jähren hat man den Zweck und die Auswirkungen dieser Methoden jedoch mit ganz anderen Augen angesehen. Der
Arbeiter selbst hat nach ihnen verlangt. Leistungslohnsysteme
als Schluessel zur gesteigerten Produktivitaet werden niemals
bereitwillig und rueckhaltlos akzeptiert, wenn die Gewerkschaften kein Abkommen mit den Unternehmern getroffen hatten,
das den Gewerkschaftsfunktionaeren und Betriebsraeten das
Kecht garantierte, an der Entwicklung und Anwendung dieser
Methoden mitzuarbeiten und ihre Durchfuehrurig zu kontrollieren.
Wenn wir die Grundlage zu einer Wirtschaft des Ueberflusses legen wollen, muessen diese neuen Methoden in der
gesamten britischen Industrie zur allgemeinen Selbstverstaendlichkeit werden.
Program Services Section
IX/26/51
- 2 -

�WER VERFLIEGT IN AMERIKA UEBER DAS HAUSHALTSGELD?
Diese Frage und die verschiedenen Antworten darauf
bilden einen viel behandelten Gegenstand des zeitgenoessischen amerikanischen Humors. Die Tatsache, dass amerikanische Frauen 80% der Kaufkraft aller Familien verausgaben,
hat.Anlass zu zahlreichen Reklamekampagnen gegeben. In
der Annahme, dass die Kaufkraft der Frauen groesser ist
als die der toenner, sind die Reklamefachleute bestrebt,
den Geldbeuteln der Frauen so viel Dollar wie moeglich zu
entziehen.
Es ist sehr schwierig, zu beweisen, dass die Frauen
ueber 80% der Kaufkraft der Familien verfuegen, und es ist
auch schwierig, das Gegenteil zu beweisen. Es ist sogar
schwierig, festzustellen, wie man zu dieser Zahl kommt. Jemand hat es sich zur Aufgabe gemacht&gt; die Quelle dieser Angabe ausfindig zu machen. Nachdem er in allen moeglichen
Schriften Machforschungen angestellt hatte, entdeckte er die
erste Spur schliesslich in einem Buch, das im Jahr 1934 veroeffentlicht wurde, und dessen Verfasser diese Information
auf einer Konferenz in Erfahrung gebracht hatte, die 19£7
an der Universitaet Chikago stattfand. Er fand nur wenig
Beweise fuer die Gueltigkeit dieser ßehauptung. Doch diese
Zahl ist zu einem so weit verbreiteten Begriff geworden,
dass sie selbst von Frauen als richtig akzeptiert wird.
Zahlreiche Erhebungen ueber die Sinkaufsgewohnheiten
der Familien sind inzwischen angestellt worden, und die Zahl
der verschiedenen Antworten auf die Frage "Wer verfuegt
ueber die Kaufkraft der Familie?" ist im grossen und ganzen
der Zahl der verschiedenen Erhebungen gleich, die ueber diese Frage angestellt wurden. Die Unzulaenglichkeit der statistischen Angaben der Marktforschung ist zum «rossen Teil
hieran schuld. In dem Bestreben, sich fuer ihre Zwecke wertvolle Angaben zu beschaffen, haben Reklamefachleute und
Reklamefirmen auf Grund nicht allgemeingueltiger Beispiele
und Suggestivfragen Untersuchungen durchgefuehrt, deren Ergebnisse jedoch nicht als gueltig anzusehen sind.
Eine neuere Untersuchung, die zuverlaessige Informationen liefert, wurde im Jahr 1949 durchgefuehrt. Sie besagt,
dass Frauen 55% der Wareneinkaeufe der Familien taetigen.
Darueberhinaus sind sie zusammen mit den "aennern an weiteren 11% der Einkaeufe beteiligt. Die Maenner kaufen unabhaengig von den Frauen fuer 30# ein und Kinder kaufen selbstaendig 4% der von amerikanischen Familien benoetigten Waren.
Der Durchschnitt von 55% ist jedoch grossen Unterschiedlichkeiten unterworfen, wenn man die einzelnen Verbrauchsgueter betrachtet. So werden zum Beispiel nur 4% aller Herrenanzuege und -A-aentel von Frauen gekauft, obwohl sie bei dem
Einkauf weiterer 21% mitreden. Die Beteiligung der Maenner
am Einkauf von Frauenbekleidung ist noch geringer. Allein
taetigen sie nur 5% und mit den Frauen gemeinsam weitere 6%
dieser Einkaeufe. Nahezu 90% aller Frauenbekleidung wird von
Frauen gekauft und etwa 3/4 der Herrenbekleidung von iJaennern.
Ein bezeichnendes Beispiel fuer gemeinsamen Einkauf sind
Moebel und Teppiche, von denen 56% bzw. 33% von "aennern und
Frauen gemeinsam gekauft werden. Damentoilettenartikel, Stoffe

�und Vorhaenge werden zu 90% nur von ürauen gekauft. Von allen
Elnkaeufen an Maedchenkleidung und Kuechengeraeten entfallen
80£ auf Frauen und etwa 2/3 aller Lebensmitteleinkaeufe. Teppiche und Decken werden zu 60$ von Frauen gekauft, und aehnlich ist ihr Anteil an den Elnkaeufen von Schmuckwaren, Knabenbekleidung und Arzneien.
Was elektrische Geraetel41%). Moebel(ein Drittel) Toilettenartikel fuer Herren und Eisenwaren (ein Drittel) betrifft,
so sind Frauen allein weit geringer an diesen Elnkaeufen beteiligt. Sie kaufen weniger als ein Fuenftel des Brennmaterials'fuer den Haushalt, etwa ein Zehntel des Treibstoffes
und Motorenoels, die fuer den Wagen der Familie gebraucht werden, und nur in sechs von 100 Faellen kaufen Frauen selbstaendig Automobile.
An dem Gesamtbetrag der verfuegbaren Dollar gemessen, sind
die jaehrlichen Dollareinkaeufe der verheirateten amerikanischen Frauen im Durchschnitt verhaeltnismaessig gering, weil
der fuer Einkaeufe verwendete Teil der Einkommen begrenzt ist.
"'enn man jedoch die geschaetzte Zahl von 55% fuer Ausgaben fuer
den persoenlichen Verbrauch,ausschliesslich der Dienstleistungen, zugrundelegt, stellt man fest, dass im.Jahr 1950 Frauen
in amerikanischen Familien mehr als 72 Milliarden Dollar ausgegeben und bei der Ausgabe von weiteren 14,5 Milliarden Dollar mitzureden-hatten, die bei gemeinsamen Elnkaeufen mit den
l'aennern ausgegeben wurden. In diesen Zahlen ist nicht der
Anteil der Frauen an den 62.1 Milliarden Dollar enthalten, die
sie 1950 fuer Dienstleistungen ausgaben, und auch nicht die
10.7 Milliarden Dollar an persoenlichen Ersparnissen. Insgesamt gesehen hatte also die amerikanische Frau bei der Verwendung des im Jahre 1950 verfuegbaren Gesamteinkommens in
Hoehe von 204,3 Milliarden Dollar ein sehr grosses Wort mitzureden.
Y/enn man sich diese Zahlen vor Augen haelt, wird man
feststellen, dass die amerikanische Frau ihrem Lande vielleicht
einen der groessten Dienste erwei3en kann. Denn eine kluge
und ueberlegte Verwendung dieser ungeheuren Kaufkraft ist wesentlich als ein Mittel zur Kontrolle der gegenwaertigen inflatorischen Tendenzen.
Die.Bedeutung des Mannes als Einkaeufer duerfte durch
diese Zahlen in gewissem i,:asse unterschaetzt werden, weil
sich die Erhebung nur auf verhaeltnismaessig wenig Bauernfamilien erstreckte. Es ist anzunehmen, dass die Maenner auf
dem Lande einen groesseren Prozentsatz der Verbrauchsgueter
ihrer Familien einkaufen als der Mann in der Stadt. Ausserdem
ist der Einfluss der Maenner auf das, was gekauft werden soll,
weit groesser als ihre tatsaechliche Beteiligung an den Einkaeufen 135% gegenueber 30%).
Weekly Labor News Digest
IX/12/51
Harry Martin:
GLEICHE VJP.TEILUTIC- DER

PRODUKTICKSERTRASGJ:

BEKAEMFFT GLEICH-

Harry Martin ist Vorsitzender der amerikanischen Journalistengewerkschaft und gegenwaertig Chef fuer Arbeits- 4 -

�informationell in der ECA-Verwaltung Paris.
Unglücklicherweise ist heute ein Verteidigungsprogramm
notwendig geworden, um die Existenz der freien Welt auch fuer
die Zukunft sicherzustellen. Die Verteidigungsstaerke muss
so gross werden, dass sie den militaerischen Kraeften auf der
Gegenseite einigermassen ebenbuertig ist. Hierbei erhebt
sich jedoch ein anderes Problem. Es darf nicht wieder die
Parole "Kanonen oder Butter" alles andere ueberschatten, sondern in der freien Welt muessen trotz der Notwendigkeit,
fuer die Verteidigungsproduktion Kanonen zu schaffen, fuer
die Arbeiter genuegend Butter und andere Lebensmittel zur Verfuegung stehen, in wirtschaftlicher Hinsicht ist die Verteidigungsproduktion ein glatter finanzieller Verlust, aber die
Freiheit laesst sich heute ohne Opfer nicht mehr schuetzen.
Mit anderen Worten: Ein Teil der zur Verfuegung stehenden
Rohstoffe und finanziellen Mittel muss fuer militaerische
Zwecke bereitgestellt werden.
Es gibt jedoch Moeglichkeiten, trotz dieser Abzweigung
finanzieller Quellen, wichtigerRohstoffe und wertvoller Arbeitsstunden das bisherige Produktionsniveau ziviler Gueter
aufrechtzuerhalten, wenn die Produktivitaet gesteigert wird.
Gerade in Europa laesst sich hier noch sehr viel erreichen,
denn die europaeische Wirtschaft ist noch weit von dem Optimum ihrer Leistungsfaehigkeit entfernt.
Im Jahre 1900 war die Zahl der in der Industrie benutzten
"Pferdestaerken" je Arbeitskraft in Europa und Amerika die
gleiche. Heute entfallen auf jeden amerikanischen Arbeiter
8 PS, auf den westeuropaeischen Arbeiter jedoch nur 2 3/4 PS.
Westeuropa kann durch eine vernuenftige Reorganisierung, bessere Werkzeuge und durch eine BerQcksichtigung der Grundsaetze
der Produktivitaetssteigerung seine industrielle Erzeugung
ohne weiteres um 100 Milliarden Dollar im Jahr steigern.
Schon die ernsthafte Beschaeftigung mit diesem Problem wuerde
bedeuten, dass der Lebenshaltungsstandärd in Westeuropa sich
stetig verbessern koennte und damit zugleich die gesamte wirtschaftliche Lage - auch wenn gleichzeitig fuer die Zwecke der
Verteidigung militaerische Gueter produziert werden muessen.
Die Verwaltung fuer europaeische Zusammenarbeit IECA)
setzt sich nachdruecklich fuer eine Steigerung der Produktivitaet ein. Staendig sind Studiengruppen der verschiedensten
Industriezweige auf dem Wege nach Amerika, denen Werkmeister,
Facharbeiter, Direktoren und Ingenieure angehoeren, die die
amerikanische Industrietechnik kennenlernen wollen, um sie auch
in Westeuropa einzufuehren. Bisher haben 543 Studiengruppen
die Vereinigten Staaten besucht, denen 4034 Fachleute angehoerten. Diese Studienreisen haben bereits viele wertvolle
Anregungen nach Europa gebracht, diedie europaeische Produktion vorangetrieben haben. Das auffallendste Moment in allen
Studienberichten ist im uebrigen die Tatsache, dass das Geheimnis der amerikanischen Produktivitaet darin besteht, dass
die amerikanische Industrie keine Produktivitaetsgeh.eimnisse
hat.
Die gleichmaessige und gerechte Verteilung der Fruechte
einer gesteigerten Produktivitaet unter Arbeitern und Unternehmern ist deshalb so wichtig, weil nur dadurch die kommunistischen Verlockungen unterbunden werden koennen. Die europaei- 5-

�sollen Arbeiter werden aber nur dann einen hoeheren Anteil
an einer erweiterten Produktion erringen koennen, wenn es
starke und freie Gewerkschaften in den westeuropaeischen Staaten gibt. Unter der Herrschaft des Kommunismus sind Gewerkschaften nichts anderes als sta&amp;tlich kontrollierte Arbeitsfront-Apparaturen.
Der IBFG, der erst vor kurzem in Mailand seine Tagung
abhielt, vereinigte etwa 350 Delegierte aus 61 verschiedenen
Laendern. Der IBFG hat in der kurzen Zeit seines Bestehens
im Kampf gegen den Kommunismus hervorragende Erfolge erzielt.
Wenn heute der Kalte Krieg in Europa gewonnen werden konnte,
so ist dies in erster Linie dem Wirken der freien Gewerkschaftsbewegung zuzuschreiben.
Die ungeheure Wichtigkeit einer starken freiheitlichen
Gewerkschaftsbewegung hat sich in Oesterreich gezeigt. Nachdem
die Kommunisten bei den Wahlen fuer das Parlament und die Betriebsraete eine*' eklatante Niederlage erlitten, versuchten sie
aehnlioh wie in der Tschechoslowakei mit Gewalt die Macht zu
uebernehmen. Trotz aller Einschuechterungsversuche der Sowjets setzte sich die Arbeiterschaft zur Wehr - der sowjetische
Hohe Kommissar fuer Oesterreich erklaerte daraufhin ziemlich
naiv, dass die Russen sich nicht in interne Streitigkeiten
einmischten. Die geplante Revolution war damit zusammengebrochen.
Aber auch in der Schlacht um die Haefen Westeuropas hatten
die Kommunisten keinerlei Erfolge.. Hier versuchte der Kreml
alles, um die Transportarbeiter Westeuropas zur Sabotage der
Versorgung mit Verteidigungswaffen zu gewinnen. Aber die freien Gewerkschaften erklaerten, dass sie fuer die ordnungsgemaesse
Entladung der Transportschiffe Sorge tragen und die kommunistische Herausforderung zurueckweisen wuerden. Hierbei ist zu
beachten, dass die Kommunisten in einigen Haefen ueber Hochburgen verfuegen, sodass sie waschechte Kommunisten auf die Transportschiffe dirigieren konnten. Aber die gewerkschaftstreuen
Transportarbeiter organisierten rechtzeitig freiwillige Entladegruppen, sodass keinerlei Stoerungen geschahen und ausserdem
die Kommunisten das Nachsehen hatten. So brachen die bereits
in der kremlhoerigen Presse besprochenen "Friedensmassnahmen"
in Cherbourg und in Neapel wie in allen anderen Haefen sohmaehlich zusammen.
Wie stark der kommunistische cinfluss in den bisherigen
Hochburgen zurueckgegangen ist, zeigt am besten das Beispiel
der Dockarbeitergewerkschaft in Marseille. Hier hatten die
Kommunisten noch zu Ende des Jahres 1950 von 55 Sitzen 54 inne.
Nach den vergeblichen Sabotageaktionen verloren die Kommunisten 44 Sitze, waehrend die CGT-Force Ouvriere anstatt ueber
einen Sitz heute ueber 45 verfuegt. Und so wie in Marseille
wurde ueberall die Schlacht um die Haefen Westeuropas gewonnen.
Heute hat die Arbeiterschaft wieder neue Hoffnung und neuen Glauben gewonnen. Ueber&amp;ll hat sich die Ueberzeugung durchgesetzt, dass das Dogma des Kommunismus in 'Wirklichkeit schwärzeste Reaktion bedeutet, die auf alnem internationalen Imperialismus und einer Lnterdrueckung des Individuums beruht. Immer
staerker setzt sich die Idee durch, dass echte Demokratie ein
starker Fels ist, auf dem fuer die Zukunft gebeut werden kann.
Amerika wird Europa helfen, sich gegsn jede Unterdrueckun? zu
- 6-

�verteidigen und zu schuetzen bis Europa stark genug ist, um
seinen eigenen Schutz uebernehmen zu koennen.
Wenn die weltpolitische Situation unter diesem Aspekt
gesehen wird, so ergibt sich nicht nur die Wichtigkeit und
Notwendigkeit einer Steigerung der Produktivitaet, sondern
auch die unumgaengliche staerkere Beteiligung der Arbeiterschaft an den Fruechten einer hoeheren Produktion. Wenn der
Arbeiter nichts anderes zu verlieren haette als seine Ketten,
dann kaempft er auch niemals fuer eine Staatsform, die unter
solchen Verhaeltnissen eben keine Demokratie sein kann. Wenn
der Arbeiter jedoch einen gesicherten Lebensstandard hat,
dann wird er ohne Zoegern fuer seine Freiheit kaempfen - erst
recht, wenn durch eine steigende Produktivitaet auch sein
eigener Anteil an ihren Fruechten stetig waechst.
Die westeuropaeischen Unternehmer sollten recht bald die
"Wichtigkeit dieses Problems erkennen - sehen sie es nicht,
dann schaufeln sie sich selbst und Europa das Grab, wenn sie
aus Egoismus zu den besten Helfershelfern des Kommunismus
werden.
Labor Information
9/51
I
NEUE PROBLEME DER JAPANISCHEN GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
(Auszuege aus einem Artikel der Zeitschrift "The Reporter".
Der Verfasser war Korrespondent der Londoner "Daily Herald", des oeffentlichen Organs der britischen LabourPartei).
Die frueheren und kommenden Ereignisse in der japanischen
Gewerkschaftsbewegung sind nicht ein rein internes Problem
Japans. Sie sind vielmehr fuer Russland, das staendig ein
Auge auf Japan wirft, die chinesischen Kommunisten und auch
fuer die Vereinigten Staaten und den gesamten Westen von hoechstem Interesse.
Die Beziehungen zwischen der japanischen Gewerkschaftsbewegung und den freien.Gewerkschaften im Westen werden immer
enger.
t

Japanische Delegierte haben als voellig Gleichberechtigte
an der Gruendung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften in London teilgenommen. Die japanische Gewerkschaftsbewegung ist vom internationalen Arbeitsamt anerkannt worden. j-.ine
Anzahl amerikanischer und britischer Gewerkscheftssachverstaendige haben innerhalb der Arbeitsabteilung der Besatzungsbehoerden in Tokio Hilfsdienste geleistet, indem sie der rasch aufbluehenden japanischen Bewegung beratend zur Seite standen und
uebrigens nicht linder lOO^ig mit der Arbeitspolitik McArthurs
einverstanden waren.
Der japanische Gewerkschafter ist im allgemeinen kein
Anti-Amerikaner, auch wenn er nicht immer mit"der amerikanischen Politik in Japan voellig einverstanden ist. Es besteht
jedoch die Gefahr, dass die Vereinigten Staaten, weil dies
vielleicht angemessen erschien, das Risiko eingegangen sind,
sich einer Netion zu entfremden, die nachtueessig und ideologisch gesehen auf unsere Seite gehoert.
- 7-

�Wie sich deshalb die japanische Gewerkschaftsbewegung
entwickelt, ist fuer die ganze Welt von brennendem Interesse.
Denn nur wenn die japanischen Gewerkschaften die Arbeitsgesetze
und andere Errungenschaften beibehalten und sichern koennen,
und wenn sie den. niedrigen Lebensstandardlzur Zeit nur 70# des
Lebensstandards vor dem Kriege) den Lebensbedingungen im Westen besser anpassen koennen, kann vermieden werden, dass erneut der Vorwurf des wDumpingsn oder "Kuliarbeiters" erhoben
wird.
Gewerkschaftsvertreter der Besatzungsbehoerde geben zwar
zu, dass eine gewisse Gefahr besteht, aber sie sind doch,
wenn auch mit Vorsicht, optimistisch. Sie sind der Ansicht,
dass die japanische Gewerkschaftsbewegung potentiell die
maechtigste und bedeutendste demokratische Macht darstellt,
die es im NachkriegsJapan gibt, eine Behauptung,- die besonders in Bezug auf das V/ort potentiell zutreffen duerfte.
Die Hoffnungen der japanischen Gewerkschaften wurden groesser, als der IßFG im April vorigen Jahres ankuendigte, dass
er die Forderungen der japanischen Lehrergewerkschaft unterstuetze, die mit 400.000 Mitgliedern die groesste Lehrergewerschaft der Welt ist. Diese Organisation hatte sich fuer eine
Aufhebung der den japanischen Gewerkschaften auferlegten Beschraenkungan eingesetzt, u.a. auch das Verbot der normalen
politischen Betaetigung der Angestellten der japanischen Regierung.
Eine weitere Ermutigung fuer die Gewerkschaften in Japan
war die Tatsache, dass der Verband der Bergarbeitergewerkschaften einen 26-taegigen Streik siegreich beenden konnte, an
dem 70% der 433.000 Kohlenbergleute Japans teilgenommen hatten.
Dieser Streik war die groesste rein wirtschaftliche Auseinandersetzung seit Kriegsende. Fuer di^e Gewerkschaftsbeamten
der Besatzungsbehoerden war es eine Genugtuung, dass das Abkommen, das den Streik beendete, durch Schiedsspruch zustandegebracht wurde.
Die groessten Probleme der Bewegung sind in den Augen
der Sachverstaendigen der Besatzungsbehoerden die uebermaessig
hohe Zahl der Gewerkschaftsfunktionaere, die Notwendigkeit einer besseren Schulung der Mitglieder, die Gefahr kommunistischer Infiltration und die Notwendigkeit einer Neugruppierung
der zahlreichen Ortsgewerkschaften auf Landesbasis.
Nach der Auffassung der japanischen Gewerkschaftsfuehrer
besteht das Hauptproblem darin, den durchschnittlichen japanischen Arbeiter zu jener Geisteshaltung zu erziehen, in der er
freudig fuer die V.'ohlfahrt seines Landes arbeitet.
Das Mittel zur Verwirklichung dieses ..unsches und zur
Abwehr des Kommunismus ist nach Auffassung dieser Funktionaere
die Steigerung des Lebensstandards des arbeitenden Volkes.
Ein hoher Gewerkschaftsfunktionaer erklaerte: "Was die japanischen Gewerkschaften fuerchten, ist weniger die .Machtzunähme
des Kommunismus als vielmehr das Grosswerden des Faschismus
in Japan, «enn diese Gefahr Gestalt annimmt, und wenn Gesetze
erlassen v/erden, die die Rechte der japanischen Gewerkschaften
beeinträchtigen, dann werden wir uns nicht nur auf das langsame Wahlverfshrcn verlassen, um eine Regierung an die I'acht zu
bringen, die uns angenehm ist."
- 8 -

�"Wir werden in einem solchen Falle mit allen traditionellen Mitteln der Gewerkschaften kaecipfen, und wir werden
ausserdem im Hinblick auf die Tatsache, dass Japan lebenswichtige Rohstoffe importieren muss, die Gewerkschaften ande
rer Laender auffordern, die Rohstofflieferungen nach Japan
zu unterbinden."
The CIO News
1/1/51
ElMfl EKKLAEROftü DER ÜÜ.EC
Am 30. August 1951 gab der Vorsitzende des Rates der
OEEC Dr. Stlkkers die nachstehende Erklaerung ab:
Die Vertreter der europaeischen Voelker treten jetzt zu
einer Konferenz zusammen. Der Wille der Voelker, der sich
auf den Wunsch nach Freiheit stuetzt, hat Jahrhunderte lang
bei der Gestaltung der Weltgeschichte mitgewirkt. Wir glauben, dass dieser Wille auch heute stark ist. Er hat in den
drei Jahren der Zusammenarbeit einen Aufschwung erfahren, in
denen gemeinsam nach einer Loesung unserer Probleme gesucht
wurde. Diese Zusammenarbeit ist trotz aller Gefahren, die
unsere Lebensweise heute bedrohen, die Grundlage unseres Vertrauens.
Wir muessen den Tatsachen ins Auge sehen. Wir leben in
einer sehr gefahrvollen Zeit. Unsere blosse Existenz steht
auf dem Spiel. Nur wenn sich jeder Einzelne von uns mit
allen Kraeften einsetzt, koennen wir jene Sicherheit erringen,
die wir brauchen, um an der staendigen Verbesserung des sozialen und wirtschaftlichen Wohlergehens unserer Voelker weiterzuarbeiten.
Die Voelker des Freien Europa, die' im Rat der OEEC vertreten sind, stellen sich heute die Frage: "Koennen wir jemals von der Angst vor einem kommenden Krieg befreit werden?
Koennen wir hoffen, dass die Welt je von materieller Not frei
sein wird? Wird die echte soziale Gerechtigkeit ein staendiger Begleiter unseres Lebens sein?
Wir sind der festen Ueberzeugung, dass alle diese Fragen
bejaht werden koennen. Es wird jedoch hierzu erforderlich
sein, dass der Einzelne und die Gemeinschaft mit ganzer Kraft
produktive Arbeit leisten.
Die Probleme und Bedingungen sind in den einzelnen Laendern sehr unterschiedlich. Diese Bemuehungen werden hoechste
Anforderungen an die Energie und den Einfallsreichtum unserer
Voelker stellen. Unter diesen limstsenden werden unsere Laender auf ihre eigene ./eise und zugleich in Uebereinstimmung mit
ihren Partnern die notwendigen Bedingungen schaffen, die Freiheit und Frieden fuer Europa als Gesamtheit und allen seinen
Ii.enschen ein besseres Leben sichern werden.
In den drei Jahren seit der Unterzeichnung der Konvention fuer die wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas haben
wir weit mehr erreicht, als wir jemals fuer moeglich gehalten
hatten, üuf jedem Gebiet der Produktion sind grosse Steigerungen zu verzeichnen. Die industrielle. Produktion ist 45^0
hoehar als im Jahrs 1945. Die landwirtschaftliche Erzeugung,
bei der eine Steigerung weit schwieriger ist, kann eine Er- 9

�hoehung von 25% aufweisen, .auch in bezug auf Handel und
Zahlungsverkehr sind bemerkenswerte Verbesserungen erzielt
worden. Die Wiederherstellung der Produktionskapazitaet
hat eine Exportsteigerung von 91% ermoeglicht. Das Dollardefizit Westeuropas ging von 8 Milliarden Dollar im Jahre
1947 auf 1 Milliarde Dollar im Jahre 1950 zurueck. Durch
dieses verminderte Defizit ist eine. Rueckkehr zu finanzieller Stabilitaet im In- und Ausland ermoeglicht worden.
Durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Verhaeltnisse
ist es zu einer Belebung des Aussenhandels innerhalb Europas
gekommen, was eines der Hauptziele unserer Organisation ist.
Es besteht darueber wohl kein Zweifel, dass die Massnahmen,
die wir zur Liberalisierung des Handels ergreifen sollten, ferner das Abkommen ueber eine gemeinsame listenmaessige Zusammenstellung von Erzeugnissen, die ohne mengenmaessige Beschraenkung unter den europaeischen Laendern im freien Handel ausgetauscht werden sollen, und schliesslich die Errichtung der
Europaeischen Zahlungsunion nicht moeglich gewesen waeren,
wenn nicht die europaeischen Regierungen gemeinsam nach Grundsaetzen gehandelt haetten, die von unserer Organisation hier
in Paris festgelegt wurden.
Es ist noch ein anderer Umstand./ den man heute nicht
ausser Acht lassen kann. Ich meine damit die Hilfe, die uns
von jenseits des Atlantiks zuteil wurde. Der Grosszuegigkeit
des amerikanischen Volkes und seiner Regierung ist der Marshallplan zu verdanken, ohne den der Wiederaufbau in Europa
unmoeglich gewesen waere. Wir sind stolz, dass wir unsere
Dankbarkeit auf konkrete Weise bezeugen koennen. Es ist den
Bemuehungen Europas gelungen, in drei Jahren nahezu all das zu
vollbringen, was wir gehofft haben, in vier Jahren zu erreichen.
Der Marshallplan ist ein Erfolg geworden.
Die 18 Minister, die Europa vertreten, stehen vor neuen
Problemen und Aufgaben; sie werden von dem, was in der Vergangenheit erreicht wurde, inspiriert und sind gegenwaertig mit
neuen Aufgaben beschaeftigt. In den naechsten fuenf Jahren
werden wir zusammenarbeiten, wie wir das in der Vergangenheit
getan haben, um eine weitere Ausdehnung der europaeischen
Wirtschaft zu erreichen, die allein uns die Kraft geben kann,
den Forderungen der Zeit gerecht zu werden.
Das Schriftstueck, das Sie vor sich haben, ist eine Darlegung dessen, was die achtzehn europaeischen Regierungsmitglieder der OEEC durch einzelne und gemeinsame Aktionen in den
kommenden fuenf Jahren erreichen wollen.
«Vir wollen die ungeheuren Anstrengungen, die erforderlich
sind, nicht unterschaetzen, aber wir sind sicher, dass Europa
die noetigen materiellen und geistigen Kraefte besitzt, um
sie zu bewaeltigen.
Es ist unsere Aufgabe, das Vertrauen unserer Voelker wiederherzustellen, indem wir ueber die gegenwaertig schwere
Zeit hinaus einer Zukunft entgegensehen, in der Europas Reichtum voll genutzt werden kann, um einen besseren Lebensstandard
zu erzielen.
10 -

�Wir stimmen alle darin ueberein, dass es jetzt nicht an
der Zeit ist, apathisch zu sein. Wir muessen mit unseren
Voelkern daran arbeiten, die Kraftquellen unseren Laendern
nutzbar zu machen und die menschliche Y.'uerde zu wahren, sodass
Furcht und Not gebannt sind.
Das ist die aufgäbe, die wir uns selbst in Europa gestellt
haben.
ÖEEC Information Division
WAS HAT DIE FREIE WIRTSCHAFT IN DEN Ü.S.A. VOLLBRACHT?
Was hat das System der freien Wirtschaft in Amerika fuer
die Arbeiter vollbracht? - Dies ist eine entscheidende Frage,
denn die Sozialisten behaupten, ihr System sei besser, waehrend die Kommunisten sagen, die amerikanischen Arbeiter wuerden
ausgebeutet.
Zuerst ein //ort zum Grundsaetzlichen. Kein Wirtschaftssystem kann erfolgreich sein, wenn es nicht den noetigen Ansporn bietet. In Amerika ist der wirtschaftliche Ansporn durch
den natuerlichen Wunsch der Menschen, vorwaertszukommen, gegeben. Bestimmte wirtschaftliche Rechte sind gewahrt, damit
jeder in voller Freiheit diesen Wunsch verwirklichen kann:
das Recht, Eigentum zu besitzen, sich seinen Arbeitsplatz
selbst auszuwaehlen, irgendein Geschaeftsunternehmen zu gruenden und einen angemessenen Gewinn zu erzielen, eine Gewerkschaft zu organisieren und Verhandlungen um Loehne und Unterstuetzungen zu fuehren, eine Arbeitgebervereinigung zu organisieren, einen Vertrag abzuschliessen und zwar entweder zwischen Geschaeftsunternehnen oder Gewerkschaften und Arbeitgebern, und schliesslich das Recht, wirtschaftliche Konzerne
ins Leben zu rufen, die frei mit anderen konkurrieren. Und
ueber allem steht das Recht jedes Einzelnen, sich sein eigenes
Urteil zu bilden und danach zu handeln und seine eigenen wirtschaftlichen Entscheidungen zu treffen. Diese Rechte bilden
die Grundlage der Initiative und des Verantwortungsbewußtseins des Einzelnen, die unerlaessliche Vorbedingungen des wirtschaftlichen Fortschritts sind.
Ein weiterer Faktor war in der wirtschaftlichen Entwicklung Amerikas von grosser Bedeutung: der freie Markt, der sich
ueber ein Gebiet von drei Millionen Quadratmeilen erstreckt,
in dem es keine Zollgrenzen und keine Unterschiede in der Waehrung gibt, ein Markt, der 150 Millionen Menschen zu versorgen
hat. Dadurch wurde es der Industrie moeglich, durch Massenproduktion die Gestehungskosten zu senken und damit Erzeugnisse
von guter Q,ualitaet zu Preisen zu verkaufen, die auch fuer die
Arbeiter erschwinglich sind. Durch hohe Loehne wurde die zur
Durchfuehrung der Massenproduktion erforderliche Kaufkraft geschaffen.
Zu diesem freien Markt, der sich ueber das ganze Land ausbreitet, waren immer jedem Menschen die Tore geoeffnet. Ohne
Rue*cksicht auf seine soziale Stellung hat er die Moeglichkeit,
seine Talente und Faehigkeiten zu entwickeln. Das freie 'Wirtschaftssystem appelliert an die Energie und das geistige Koennen von Millionen der tuechtigsten Buerger, um jene Werkzeuge
und Maschinen zu schaffen und jene industriellen Organisationen
- 11 -

�zu bilden, die dem Arbeiter einen hohen Lebensstandard ermoeelichen. Die Konkurrenz unter den verschiedenen Firmen
war füer die Geschaeftsleute im allgemeinen ein Ansporn, her-•
vorragende Erzeugnisse zu moeglichst niedrigen Preisen zu
verkaufen, ihre »Varen staendig zu verbessern und neue zu erfinden, um den Wuenschen der Verbraucher gerecht zu werden.
Millionen von Verbrauchern haben durch ihre Wahl unter den
miteinander konkurrierenden Produkten auf einem freien Markt
entschieden, was hergestellt werden soll, und welche Unternehmen bestehen bleiben sollen. Leistungsunfaehige Betriebe
sind dadurch ausgeschaltet worden. Die Industrie ist auf
einem hohen Niveau der Leistungsfaehigkeit gehalten worden,
was fuer einen hohen Lebensstandard wesentlich ist. Der
Wettbewerb wurde zuweilen durch monopolistische Verbindungen
der Industrie behindert. Aber durch besondere ünti-TrustGesetze ist viel dagegen getan worden. Im ganzen gesehen,
ist es im Verlauf des letzten halben Jt-hrhunderts durch den
Wettbewerb ermoeglicht worden, immer grosse Mengen an Waren
von -guter ."iualitaet auf den Harkt zu bringen, deren Preise
fuer den groessten Teil der Bevoelkerung erschwinglich waren.
Vor hundert Jahren konnte der amerikanische Arbeiter im
Durchschnitt in einer Arbeitsstunde tfaren im Werte von 31
Cents herstellen, wenn die heutige Kaufkraft des Dollars zugrundegelegt wird. Infolgedessen war seine Arbeitszeit eine
lange, sein Lohn war sehr niedrig, weil er eben nicht genug
produzieren konnte, um genuegend zu verdienen; aber der Anreiz, die Produktion zu steigern, war sowohl fuer den Arbeitgeber als auch fuer den Arbeiter ein. grosser. Neue Maschinen und neue Arbeitsmethoden erhoehten die Produktion fortlaufend pro Arbeitskraft und pro Stunde. Die besten Erzeuger
wurden durch den Wettbewerb belohnt. 1890 belief sich die
stuendliche Produktionsleistung eines Arbeiters im Durchschnitt auf 53 Cents, der Durchschnittslohn war 48 Cents,
wiederum nach der heutigen Kaufkraft des Dollars gerechnet.
In jener Zeit war die junge Gewerkschaftsbewegung nicht stark
genug, um den Arbeitern ihren rechtmaessigen Anteil an dem
hoeheren Reichtum zu sichern, den sie produzierten. In den
folgenden 20 Jahren erhoehte sich die Produktivitaet um 19
Cents pro Arbeitsstunde, die Loehne jedoch nur um zwei Cents.
Als die Gewerkschaften dann waehrend des ersten Weltkrieges
maechtiger wurden, konnten die Arbeiter ihre Verluste aufholen. Von 1900 bis 1920 gingen die Loehne um 16 Cents pro
Stunde in die Höhe und die Produktivitaet nur um 6 Cents.
Von dieser Zeit an und besonders nach dem Anschwellen der
TÜtgliederstaerke der Gewerkschaften in den dreissiger Jahren
wurden die Unternehmer durch die Forderungen der Gewerkschaften noch hoeheren Loehnen gezwungen, die Produktivitaet
schneller als je zuvor zu steigern. Die Loehne hielten Schritt,
und in der Seit von 1920 bis 1940 wurden die Produktion und
auch die Loehne verdoppelt. Waehrend der Nachkriegsdepression
war diesem Fortschritt vorlaeufig ein ünde gesetzt. Die Arbeitgeber, die zum Ausgleich fuer die Lohaerhoehungen Preissteigerungen durchsetzen konnten, hatten jetzt kein Interesse
daran, die Gestehungskosten zu senken und die Produktivitaet
zu steigern. Die Arbeiter mussten feststellen, dass ihre
Lohngewinne durch Preissteigerungen zunichte gemacht wurden.
Als jedoch den Preissteigerungen im Jahra 1948 Einhalt geboten wurde, begannen Produktivitaet und Loehne erneut zu steigen, iioehere Produktivitaet ist somit immer die Grundlage
fuer hoehere Loehne gewesen. '
12

�Die Kaufkraft des Lohnes fuer eine Arbeitsstunde des
Industriearbeiters wurde in der Zeit von 1890 bis 1950 verdreifacht: sie stieg von 48 Cents auf 1.76 Dollar. Ausserdem wurde seine Arbeitszeit verkuerzt. Wenn wir 1900 mit
1950 vergleichen, stellen wir fest, dass der Wochenlohn des
Arbeiters verdoppelt wurde, waehrend seine Arbeitszeit in
der Woche von 55 oder 60 Stunden auf 40 Stunden zurueckging.
Seine woechentliche Freizeit wurde um 15 bis 20 Stunden verlaengert. Das amerikanische Arbeitsministerium erklaert diese Erfolge und die Gewinne der amerikanischen Arbeiter in dem
halben Jahrhundert von 1900 bis 1950 mit folgenden Worten:
1901 blieben einer Arbeiterfamilie, nachdem sie ihre Lebensmittel, ihre Kleider und ihre Miete bezahlt hatte, nur 17%
ihres Einkommens fuer andere Zwecke, wie zum Beispiel aerztliche behandlung, Ersparnisse, Erholung und Ausbildung. Irgendein Luxus war ihnen damit nicht moeglich, sie waren nicht
einmal gegen ein unvorhergesehenes Unglueck geschuetzt, sie
hatten auch nicht die Mittel fuer eine angemessene Ausbildung
ihrer Kinder. Heute gibt eine Arbeiterfamilie im Durchschnitt
36 - 41% ihres weit hoeheren Einkommens fuer solche Nebenausgaben aus - der Jahresbetrag, der uebrig ist, nachdem sie sich
mit den Lebensnotwendigkeiten versorgt hat, ist, nach den heutigen Preisen gemessen, von 230 auf 1100 Dollar gestiegen.
Das bedeutet, dass der Arbeiter heute mehr Geld fuer Moebel,
fuer Haushaltgeraete, fuer ein Auto, fuer bessere aerztliche
Betreuung, fuer Reise und Erholung und ein besseres soziales
Leben zur Verfuegung hat. Er hat noch mehr Zeit, sich in seiner Gewerkschaft und innerhalb seiner Lebensgemeinschaft zu
betaetigen, er hat ausserdem die Moeglichkeit, seinen Kindern
eine bessere Ausbildung angedeihen zu lassen. Der Durchschnitts-Amerikaner besucht heute die Hochschule. Die Dauer
seiner Schulausbildung ist heute um vier Jahre laenger. als
1900 - naemlich zwoelf Jahre gegen acht.
Der Arbeiter lebt heutzutage in einer weit besseren Wohnung. Nur in -wenigen Arbeiterwohnungen gab es 1900 elektrisches Licht, fliessendes Wasser, ein Bad oder auch nur eine
Brause. Das Telefon war dem Arbeiter unbekannt. Heute sind
all diese Dinge in fast allen Arbeiterwohnungen Selbstverstaendlichkeiten, in vielen gibt es ein Telefon. Vor 50 Jahren waren die Arbeiterwohnungen klein und ueberfuellt und
lagen haeufig in den Elendsvierteln der Staedte. Heute sind
viele dieser Elendsviertel beseitigt worden, obwohl auch heute
noch manche bestehen. Die Arbeiter wohnen im allgemeinen in
groesseren, schoener gelegenen Wohnungen, der eigene Wagen
ermoeglicht es vielen, in den Vorstaedten zu wohnen. 1901 hatten nur 20% der Arbeiter ein eigenes Haus, heute sind es rund
50%.
Eine Arbeiterfamilie kann sich heute eine bessere Ernaehrunp leisten und mehr Eier, mehr Milch und mehr vitaminhaltige Lebensmittel kaufen, üuch ihre Bekleidung ist besser. Sie
gehoert automatisch der Sozialversicherung an, die ihnen eine
Altersrente und Arbeitslosenunterstuetzung bietet, in vielen
Turifvertraegen der Gewerkschaften sind Altersrenten sowie
Kranken- und Euersorgeunterstuetzungen vorgesehen. Die betriebseigene Arbeitersiedlung, in der die Arbeiter der Gnade
des Unternehmers ausgeliefert waren, ist kaum mehr anzutreffen.
Die Arbeiter sind heute unabhaengiger. Das Recht, sich in
Gewerkschaften zu organisieren, ist gesetzlich verankert. Vertraege mit unternehmerhoerigen Gewerkschaften, schwarze Listen
«*

- 13

�und die Anwendung von Gewaltmassnahmen gegen Streikende sind
als ungesetzlich erklaert worden.
In Bezug auf die Verteilung des Einkommens hat sich in
den USA im letzten ViertelJahrhundert eine friedliche Revolution abgespielt. Die hoechsten Einkommensgruppen erhalten
heute einen weit geringeren, die Arbeiter und andere Gruppen
mit niedrigem Einkommen einen weit hoeheren Anteil des gesamten Nationaleinkommens. 1929 waren 34% des Gesamteinkommens
der Nation den 5% zaehlenden Angehoerigen der hoechsten Einkommensgruppe vorbehalten. 1946 war ihr Anteil auf fast die
Haelfte, naemlich 16&gt;, zusammengeschrumpft, d.h. die Angehoerigen der niedrigeren Einkommensgruppen, also häuptsaechlich
Arbeiter, erhielten 1946 25 Milliarden Dollar des gesamten
Einkommens, die, wenn es 1929 verteilt worden waere, den obersten 5% ebenfalls fast zur Haelfte zugeflossen waeren.
Im gesamten gesehen,
Gewinne fuer die Arbeiter
Gesamteinkommens, die die
stets versprochen hatten,

zeigen diese 50 Jahre genau jene
und j.ene Art der Verteilung des
Sozialisten und die Kommunisten
aber niemals erreichen konnten.

Ein Vergleich zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa zeigt, warum in Amerika ein hoeherer Lebensstandard
moeglich ist. Vor dem zweiten Weltkrieg war der Wert der
Produktion pro Kopf der Bevoelkerung in den Vereinigten Staaten 2 1/3 mal so hoch wie in Eurooa - 1360 Dollar in den USA
und 550 Dollar in Europa. Die ungeheure industrielle Proriuktivitaet der USA, die dem freien Wirtschaftssystem zu verdanken ist, ihre Maschinen und ihre Arbeitsmethoden, ihre Massenproduktion und ihre J'assenabsatzmaerkte haben es den Arbeitern
ermoeglicht, sich einen hohen Lebensstandard zu erarbeiten.
Seit dem zweiten Weltkrieg ist die Produktion pro Kopf der
Bevoelkerung in den USA wieder um mehr als 50% gestiegen, in
Europa dagegen nur um 5%, was auf die Kriegszerstoerungen zurueckzufuehren ist, die zuerst wieder ausgeglichen werden mussten.
Die Produktion oro Kopf der Bevoelkerung ist in den USA heute
3 1/2 mal so hoch wie in Europa - 2100 Dollar in den USA, 600
Dollar in Europa. Hoffentlich kann die J^roduktivitaet auch in
Europa wesentlich gesteigert werden, damit auch dort der Lebensstandard hoeher werden kann.
Labor's Ivionthly Survey
AFL 9/51
DER KONGRESS DES KANADISCHEN GEWERKSCBAFTSBUNDES
Paul Finet, der fruehere Vorsitzende des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften, hielt vor dem Kongress des Kanadischen Gewerkschaftsbundes (CCL) in Vancouver eine bedeutsame Rede. Im Anschluss an seine Rede wurde eine Resolution
angenommen, in der die Absicht des IBFG gebilligt wurde, Geldmittel fuer seine ^ufklaerungs- und Werbearbeit in Suedostasien bereitzustellen. Der Kanadische Gewerkschaftsbund will
sich mit 50.000 Dollar beteiligen, von denen bereits 10.000
Dollar aufgebracht sind.
Ausserdem wurde eine Reihe politischer Erklaerungen gebilligt, denen zufolge die Werbetätigkeit verstaerkt, bessere
Tarifvertraege mit hoeheren Lohntarifen abgeschlossen, Refor- 14 -

�tuen in den. Provinz- und Staatsbehoerden und ihrer Dienstleistungen fuer das Volk gefordert und eine aktivere politische
Betaetigung angeregt werden soll.
Der Kongress brachte seine feste Entschlossenheit zum
Ausdruck, eine Vereinigung der Gewerkschaftsbewegung zu unterstuetzen, indem er allen Eunktionaeren und allen Gewerkschaftsvorstaenden nahelegt, ihre Bemuehungen fuer eine voellige
Zusa:rjaenarbeit, die Herstellung der organischen Einheit aller
gleichgesonnenen Gewerkschaftsorganisationen und ihre Zusammenfassung in einer einzigen Organisation fuer ganz Kanada
fortzusetzen.
In einer Entschliessung ueber Loehne wird darauf hingewiesen, dass durch die unvorhergesehenen und willkuerlichen
Steigerungen der Lebenshaltungskosten in den vergangenen Monaten Lohnerhoehungen zur unbedingten Notwendigkeit geworden
sind, wenn der jetzige Lebensstandard beibehalten werden soll.
Der Kongress forderte ferner, dass die angeschlossenen
Gewerkschaften unter Berücksichtigung ihrer eigenen Beduerfnisse und Verantwortlichkeiten sofort Massnahmen ergreifen,
um diese dringend erforderlichen wesentlichen Lohnerhoehunren
durchzusetzen.
In der Entschliessung wurde ausserdem der Lohnkoordinierungsausschuss des Kanadischen Gewerkschaftsbundes aufgefordert, die angeschlossenen Gewerkschaften in ihren Lohnforderungen noch mehr als bisher zu unterstuetzen. Es wird ferner
empfohlen, regionale Lohnkoordinierungsausschuesse zu bilden,
die mit dem Landesausschuss und den Ortsgewerkschaften in
allen Bezirken zusammenarbeiten.
Dieser Vorschlag wurde von der Versammlung weitgehend
unterstuetzt. Sprecher wiesen besonders darauf hin, dass damit im Grunde alle Ortsgewerkschaften aufgefordert werden, sich
bei der Forderung von hoeheren Loehnen gegenseitig zu unterstuetzen, besonders dann, wenn es noetig ist, zu streiken.
"Es bedeutet," so sagte ein Delegierter kurz und buendig,
"dass wir die Haerten und Lasten gemeinsam tragen muessen."
Der Kongress stellte ausserdem fest, dass die Arbeitslosigkeit in Kanada um sich greift, und wendete sich in scharfen Worten gegen die Dojainiumsregierung, weil sie nicht die
Vorschlaege des Kanadischen T-ewerkschaftsbundes in Erwaegung
gezogen hat, die darauf ausgingen, den bevorstehenden Entlassungen in der Automobilindustrie Einhalt zu gebieten. Er
beschloss durch Abstimmung, eine Organisation erwerbsloser Arbeiter ins Leben zu rufen.
Er forderte sodann, dass die kanadische Regierung in den
betroffenen Gebieten Projekte zur Arbeitsbeschaffung aufstellt
und die Unterstuetzungen aus der Arbeitslosenversicherung
erhoeht.
In anderen EntSchliessungen wird die Regierung ersucht,
sofort Preiskontrollen einzufuehren, die Preise auf einen
moeglichst niedrigen Stand zurueokzubringen, wenn es erforderlich ist, Subventionen zu zahlen, und die strengen Kreditbe3chraenkungen zu lockern, damit der Arbeitslosigkeit durch eine
Erweiterung des Verbrauchermarktes begegnet werden kann.
- 15 -

�Die Forderung nach einer Altersrente von 65 Dollar im
Monat, die bei einem Alter von 65 Jahren faeilig ist, ohne
dass ueberprueft werden muss, ob der Betreffende unterstuetzungsbeduerftig ist, wurde von dem Kongress einstimmig
gebilligt. Gegenwaertig wird eine Pension von 40 Dollar bei
einem Alter von 70 Jahren gezahlt, ohne dess die Unterstuetzungsberechtigung nachgewiesen werden muss.
Der Kongress billigte das Erziehungsprogramm des Kanadischen Gewerkschaftsbundes und begiueckwuenschte die Funktionaere zu ihrer Arbeit im letzten Jahr, die der Bekaempfung
der Diskriminierung und der Intoleranz gewidmet war. Emmett
Holmes aus Tancouver, ein Neger, der als Delegierter der
Holzarbeiter-Ortsgewerksohaft Kr. 1-217 anwesend war, beruehrte in seinem Kommentar zu diesem Bericht ein heikles Thema.
"Es ist wie mit der Hitze," sagte er, als er von der
Diskriminierung sprach'. "Man kann sie nicht sehen, aber man
fuehlt sie."
Mosher kritisierte in seiner Rede in scharfen Worten
die Unternehmer,die den kommunistischen Gewerkschaften dadurch
helfen, indem sie "billige" Vertraege unterschreiben.
"Ohne die Hilfe dieser Unternehmer waere es den kommunistischen Gewerkschaften viel schwerer, sich ueber Wasser zu halten; aber dessenungeachtet kann in Bezug auf das Endergebnis
kein Zweifel bestehen."
"Der Kommunismus wird ganz bestimmt besiegt werden, soweit dies die Gewerkschaftsbewegung in Kanada betrifft. Es
ist den kommunistischen Gruppen immer schwerer geworden, Anhaenger zu gewinnen, weil der Kommunismus eindeutig als eine
Verschwoerung staatsuntreuer Buerger demarkiert wurde, die
im Interesse einer fremden Macht handelt."
In Bezug auf innerkanadische Angelegenheiten wurde erklaert: "Im Verlauf des letzten Sommers haben die Lebenshaltungskosten eine nie zuvor gekannte Hoehe in Kanada erreicht.
Dadurch wurden die Lohnerhoehungen wirkungslos, die nur unter
.ungeheuren Bemuehungen und in vielen Faellen durch kostsnieligs Streiks errungen werden konnten.
Wenn die Arbeiter das, was sie von den Unternehmern erkaempfen konnten, wieder verlieren, weil ihre Regierung
nicht bereit ist, ihre Interessen genuegend zu wahren, so
duerfte es ueberfluessig sein, darauf hinzuweisen, dass ihnen
keine andere Moeglichkeit bleibt, als ihre eigenen Vertreter
ins Parlament und die gesetzgebenden Organe der Regierung zu
waehlen, um auf diese Weise ihre Interessen gewahrt zu sehen.
Man sagt nicht zuviel, wenn man behauptet, dass die wirtschaftliche Lage eine wesentlich andere geworden waere, wenn eine
politische Partei die Macht gehabt haette, den Wuenschen der
Arbeiterschaft Rechnung zu tragen. Damit wtere dem kanadischen Volk ungeheuer viel erspart geblieben.
The CIO News
X/l/51

- 16 -

Etooo ra o « si lejs« 6 ••

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel •tollen Auszuge aus dar amerikanischen Presse nnd anderen Quellen dar and dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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angefordert worden. Auf Wonach worden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
D«r Inhalt dar „Arbeitsmitteilungen" tot nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommisaion für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
___

IV - 43

F r a n k f u r t , 26. Oktober 1951

I N H ALT

S V E R Z E I C H N I S

Die Aufgabe der Gewerkschaftsbewegung Im
J a h r 1952

1

Die wirtschaftllohe Situation Europas

3

Aus der Arbeit der finnischen Gewerkschaftsbewegung
12
Amerikanische Hilfsorganisation feiert
zehnjaehriges Bestehen

16

George Meany, Hauptkassierer der AFL:
DIE AUFGABE DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IM JAHR 1952
Unsere Sicherheit als Nation, unsere Lebensweise und
die der freien Welt sind heutzutage von der seit Menschengedenken furohtbarsten Versohwoerung gegen den Fortschritt
der Menschheit bedroht - von der kommunistischen Forderung
nach der Weltherrschaft. Und doch ist angesichts dieser
aufsteigenden Gefahr das amerikanische Volk geneigt, Entscheidungen hinauszuzögern. Es soheint zu glauben, wir
koennten niemals besiegt werden, weil wir noch nie geschlagen worden sind. Der Hauptgrund, dass wir noch niemals einen
Krieg verloren haben, ist die Tatsache, dass die Amerikaner
in Zeiten nationaler Gefahr sich immer auf den Pioniergeist
ihrer Vorfahren und nioht auf Teilnahmslosigkeit und Apathie
besonnen haben.
1 -

�Jeder Einzelne von uns ist fuer die gegenwaertige verwirrte Situation, in der sich unsere Nation befindet, verantwortlich. Wenn wir mit unserem Kongress nicht zufrieden
sind, und wenn wir ueber den Gang der Weltentwicklung enttaeuscht sind, so haben wir niemandem anderem als uns selbst
die Schuld hierfuer zuzuschreiben. Die Menschen koennen
nur das erreichen, wofuer sie zu arbeiten und zu kaempfen
bereit sind. Wenn unsere Freiheit heute bedroht ist, dann
deshalb, weil wir nicht immer genuegend wachsam gewesen
sind und zu dem entscheidenden Zeitpunkt geschlafen haben.
Wir koennen es uns nicht leisten, uns auf den Standpunkt zu stellen, dass wir kein Interesse an der Politik haetten. Wir koennen es uns auch nicht leisten, den Freunden
der Gewerkschaftsbewegung zu sagen: "Haltet Euch gefaelligst
aus meiner Politik heraus, ich waehle, wen ich will." Wir
als Gewerkschaftsfunktionaere und als integraler Bestandteil
unserer gewerkschaftlichen Aktivitaet muessen das politische
Feld betreten.
Zwar sind der "Amerikanische Plan" und der Hungerplan
der Unternehmer nicht geglueckt, und es kam auch nicht zu
der antigewerkschaftlichen Gesetzgebung, mit der man die
Gewerkschaftsbewegung unterdruecken und sie in die Defensive
draengen wollte. Aber es ist den Gewerkschaftsfeinden immerhin gelungen, das Taft-Hartley-Gesetz durchzusetzen.
Was war eigentlich der "Amerikanische Plan"?

Es war

nichts anderes als die obligatorische Einfuehrung des "openshop" in der gesamten Industrie. IBeim "open-shop" steht es
jedem Arbeiter frei, der Gewerkschaft beizutreten oder nicht).
Der Plan wurde von der Nationalen Arbeitgebervereinigung im
Jahre 1921 finanziert, und durch ihn wurde die gesamte Nation
18 Monate lang von einer Seite auf die andere geworfen.
Die Gewerkschaftsbewegung wurde in einigen unserer
groessten Staedte zeitweilig voellig aus der Industrie verdraengt. Es war der Zweck dieses Plans, gewerkschaftlich
organisierte Arbeiter zu zwingen, mit nichtorganisierten in
den Betrieben zusammenzuarbeiten, wobei man die Theorie
im Auge hatte, dass, wenn Gewerkschafter mit nichtorganisierten Arbeitern in den Betrieben zusammen sein muessen, die
Gewerkschaften nicht laenger bestehen koennen.
Am 4. Juni 1951 fasste das Oberste Bundesgericht der
Vereinigten Staaten im Rahmen des Taft-Hartley-Gesetzes
drei Beschluesse, die sich alle auf das Baugewerbe auswirkten und den folgenden Grundsatz hinsichtlich der Auslegung
der Absichten des Kongresses im Rahmen des Taft-Hartley-Gesetzes enthielten: die Gewerkschaften haben nicht das
Recht, gewerkschaftlich organisierte Arbeiter bei ihrer Weigerung zu unterstuetzen, mit nichtorganisierten zusammenzuarbeiten.
Dies war ein offizieller Beschluss des Obersten Bundesgerichtes der Vereinigten Staaten. Das Gericht sagt nicht,
ob das Gesetz gut oder schlecht ist. Es sagt lediglich,
dass es verfassungsgemaess ist, dass es im Sinne der Absichten des Kongresses liegt, und dass es eben einfach ein Gesetz ist.
- 2 -

�Wir duerfen eines nicht vergessen: Als man bei der Abstimmung ueber das Taft-Hartley-Gesetz im Jahre 1947 die
Stimmen zaehlte, wurde gerecht verfahren, Es ging auch mit
rechten Dingen zu, als das Veto Praesident Trumans gegen dieses Gesetz ueberstimmt wurde. Es war das Kapital, vertreten
von dem Nationalen Arbeitgeberverband und von seinen Freunden im Kongress, wie Taft und Hartley, das die Stimmen erhielt.
Nicht wir hatten die Stimmenmehrheit. Wenn wir deshalb dieser
Situation ein Ende bereiten wollen, gibt es meines Erachtens
nur einen Weg: Wir muessen die Stimmen fuer uns bekommen.
Wir werden es niemals erreichen, dass das Taft-HartleyGesetz widerrufen wird, wenn im Kongress nicht Maenner und
Frauen sitzen, die Freunde der Ideen und Grundsaetze unserer
grossen Gewerkschaftsbewegung sind.
Die politische Arbeit unserer Gewerkschaften durch die
Gewerkschaftsliga fuer politische Erziehung (Labor League
for Political Education) anzukurbeln, ist eine schwere Arbeit.
Es dreht sich nicht darum,einfach darueber zu sprechen und
sie dann zu vergessen. So nachteilig 3as Taft-Hartley-Gesetz
auch ist, so fordert es doch jede Ortsgewerkschaft in unserem
Lande geradezu dazu heraus, die Anfangsschritte dieser Arbeit
zu leisten.
Es steht nichts in den Buechern unserer Verfassung, was
eine Ortsgewerkschaft daran hindern wuerde, die Initiative
zu ergreifen und eine Aufklaerungskampagne durchzufuehren
oder ihre Geldmittel dazu zu verwenden, diese Kampagne zu finanzieren, mit der sie ihre eigenen Mitglieder dazu bewegen
will, am Wahltag zu den Urnen zu gehen. Das kann jede Ortsgewerkschaft tun, und damit waeren tatsaechlich die ersten
Schritte der schwierigen Aufgabe getan, unsere Mitglieder,
unsere Familien und unsere Freunde zum Waehlen zu veranlassen.
Wenn uns dies gelingt, braucht es uns um die Wahlergebnisse nicht bange zu sein. Wir wissen, wie sie stimmen werden. Wir wissen, dass sie jene Leute waehlen, die die Wohlfahrt und die Interessen der grossen Masse des arbeitenden
Volkes im Auge haben, die in Wirklichkeit der echte Reichtum
dieses grossen Landes ist.
Fangen wir sofort damit an und widmen wir uns mit allen
Kraeften dieser Aufgabe bei den naechsten Wahlen im Jahre
1952J
Justice
IX/1/51
Paul G. Hoff man:
Dia WIRTSCHAFTLICH*. SITUATION EUROPAS
Im August 1945 nahm ich an einer Versammlung des Rates
der Internationalen Handelskammer in London teil. Waehrend
der Besprechung erreichte uns die Nachricht, dass der Krieg
in Japan beendet war. Soweit ich mich erinnere, veranlasste
uns diese Nachricht, vieles von dem zu uebergehen, was auf
unserer festgelegten Tagesordnung noch uebrig war. Viele
von denen, die an diesem Tage anwesend waren, werden sich
- 3-

�daran erinnern, wie schnell
der Frage zuwandten, welche
friedlichen Handel zwischen
schen Welt getroffen werden

- und hoffnungsvoll! - wir uns
neuen Vorkehrungen fuer einen
der freien und der kommunistikoennten.

Viele von Ihnen werden sich auch daran erinnern koennen,
dass der Kreml aufgefordert, wurde, Vertreter zu dieser Versammlung zu entsenden. Als diese Einladung abgesagt wurde,
drueckten wir unser Bedauern darueber aus. Ueber die Abwesenheit der Sowjets dachten wir aber wirklich nicht allzuviel
nach. Schliesslich waren sie ja unsere Verbuendeten.
In der freundlichen Atmosphaere, die die Nachricht des
Sieges ueber Japan schuf, begannen wir ernsthafte Plaene fuer
den wirtschaftlichen Wiederaufbau auszuarbeiten. Der ueberzeugte Optimismus, den der Friede im Pazifik ausgeloest hatte,
veranlasste uns alle, die bedeutendste Tatsache zu uebersehen.
Wir vergessen, dass der Kreml mit der Ablehnung, sich uns
in London auszusohliessen, lediglich an seiner Parteilinie
festhielt. In jenen gluecklichen Tagen strichen wir einfach
alles aus unseren Gedanken, was wir alle wussten, dass der
Kreml nur einem einzigen Zweck diente -damals, vorher, und
seitdem - die freie Welt zu zersetzen. Waehrend wir uns enthusiastisch in die Diskussion der Moeglichkeiten stuerzten, Wirtschaftsverbindungen mit dem Kreml zu schaffen, stuerzte sich
der Kreml noch energischer auf seine Plaene, uns auszubooten.
Kurz, wir uebersahen, dass Marx, Lenin und Stalin gerade das meinten, was sie sagten, als sie erklaerten, dass der
Kapitalismus abtreten muss und der internationale Kommunismus seine Stelle einnehmen muss.
Wenn wir auf den Verlauf dieser fuenf oder sechs Jahre
zurueckblicken, dann glaube ich zugeben zu muessen, dass
der Kreml im Ganzen gesehen viele Erfolge in diesem totalen
Krieg gegen den Kapitalismus hatte. Im Jahre 1945 folgten
etwa 200 Millionen Menschen den Befehlen des Kremls. Heute
hat sich diese Zahl vielleicht vervierfacht. Auf jeden Fall
wird geschaetzt, dass etwa 800 Millionen Menschen der Stimme
Moskaus gehorchen muessen. Unzweifelhaft gehorchen viele
von ihnen nur mit Furcht und Zittern. Ich glaube aber, dass
man mit Sicherheit sagen kann, dass bei den meisten dieser
800 Millionen der Geschaeftsmann - so wesentlich er fuer die
kapitalistische Welt ist - keinerlei Ansehen besitzt.
Es ist tatsaechlich fraglich, ob die meisten dieser 800
Millionen Menschen ueberhaupt eine Vorstellung davon haben,
was ein Geschaeftsmann ist. Uebrigens gibt es im Russischen
kein Wort fuer "Geschaeftsmann". Die Russen benutzen nur
Schlagworte, wenn sie auf diese Funktion in der westlichen
Gesellschaftsordnung Bezug nehmen.
Die meisten Eroberungen des Kremls in den vergangenen
halbdutzend Jahren erfolgten durch innere Aggression - durch
Umsturz und Sabotage innerhalb der Laender - aber nicht durch
Eroberungskriege gegen Laender. Das bewaehrte Rezept des
Kremls war immer die Ausbeutung innerer Schwaechen anderer
Laender, und dieses Rezept ist bisher wahrhaftig mit Volldampf
angewandt worden. Die Ergebnisse sind verblueffend, wie
zum Beispiel in China.

4

�Einige Leute vermuteten, dass der Kreml seine .Vorherrschaft jetzt so weit ausgedehnt hat, wie er es beabsichtigte,
und dass sein Programm von nun ab lediglich in der Konsolidierung und dem Schutz der Gewinne besteht, die seit dem
Kriege gemacht wurden. Dies ist ein Standpunkt, den Moskau
selbst sehr gern unterstuetzt. Dieser aber ist, nach meiner
Ansicht, ein Irrtum ungeheuersten Ausmasses. Die Maenner
des Kremls glauben und hoffen, dass die bisherigen Massnahmen erst der Anfang sind. Nichts wird sie zufriedenstellen,
solange es noch keine kollektivierte Welt gibt. Ich habe
genug eigene Erfahrungen mit Moskauer Taktiken, um die Wahrheit dieser Erklaerung versichern zu koennen. Sie brauchen
sich aber nicht auf mein Wort zu verlassen - ich verweise Sie
auf die drei vorgenannten Persoenlichkeiten - Marx, Lenin
und Stalin. Sie haben zu diesem Thema viel zu sagenl
Die Geschichte wird uns noch eines geradezu kriminellen
Wohlbehagens fuer schuldig befinden, wenn wir nicht erkennen,
dass dieser kommunistische Vorstoss zur Weltherrschaft den
Kapitalismus ueberall vor Gericht gestellt hat. Das Kernproblem ist die Erhaltung des Kapitalismus gegen die Verheissungen des Kommunismus.
Wenn wir Wirtschafter - gleichgueltig welchen Landes ein Urteil zu unseren Gunsten wollen, dann tun wir gut daran,
die Voelker der ganzen 'Welt davon zu ueberzeugen, dass das
Wirtschaftssystem, von dem wir ein Bestandteil sind, mehr
fuer sie tun wird als irgendein anderes System, und weiterhin, dass es das einzige System ist, das den Menschen die
Hoffnung bietet, in einem Klima der Freiheit, der Sicherheit
und der freien Entfaltung zu leben.
In diesen schnell wechselnden Zeiten mecht sich ein konstanter Faktor bemerkbar, der uns Wirtschafter herausfordert.
Dieser ist der Faktor der Unruhe - der Unruhe, verursacht
durch den Entschluss der Menschen, selbst ihr Los zu bessern.
Wir sehen es bei den lange schlummernden Voelkern der Erde,
die sich heute selbst waychruetteln. Ein besseres Leben ist
fuer sie kein leerer Traum, an dem sich nichts aendern laesst.
Wir wissen, die Sowjets versprechen ihnen taeglich ein besseres Leben. Es ist mir klar, dass unsere freie Gesellschaft
diesen Versprechen der Sowjets durch Taten und nicht durch
Worte entgegentreten muss. Dieses ist die Herausforderung,
der wir erfolgreich entgegentreten muessen, wenn wir die Gesellschaftsform beibehalten wollen, in der wir als Wirtschafter eine wuerdige Stellung einnehmen.
Ich glaube, dass jede objektive Bewertung der Welt zu
dem Schluss fuehren wird, dass der Kapitalismus in keinem Lande gesicherter ist als in den Vereinigten Staaten. Es ist
ganz sicher wahr, dass der Wohlstand in Amerika in einem
schnelleren Verhaeltnis wäschst als in anderen Teilen der
Welt, dass es in den Vereinigten Staaten eine groessere Kapitalansammlung gibt, und dass es in meinem Lande einer groesseren Anzahl Menschen besser geht als sonst irgendwo in der Welt.
Daher glaube ich, dass es sich lohnt, nach den Gruenden
fuer die verhaeltnismaessig solide Position der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu suchen, d.h. der Vereinigten
Staaten. Gewiss, das Vorhandensein von Tausenden von Meilen
rfasseroberflaeohe an beiden Kanten unseres Landes ist ein
Teil dieser ehrlichen, aufrichtigen Antwort. Ich moechte
- 5 -

�aber einwerfen, dass die ganze Antwort tatsaechlich weit ueber
den Zufall'der weiten Grenzen hinausreicht. Eine Antwort,
die der Sache wesentlich naeherkommt, lautet meiner Ansicht
nach etwa so:
t

1. Der Kapitalismus, wie er in den Vereinigten Staaten
vorhanden ist, hat eine fortlaufende und zunehmende Leistungsfaehigkeit zur Schaffung von Wohlstand bewiesen.
2. Dieser staendig wachsende Wohlstand wird mit vernuenftiger Gerechtigkeit auf die Bevoelkerung verteilt.
3. Der amerikanische Kapitalismus hat einen neuen Kurs
angenommen, der in meinem Lande immer haeufiger als das "soziale Bewusstsein der Wirtschaft" bezeichnet wird.
Jeden dieser Faktoren, die unseren Kapitalismus staerken, moechte ich gern kurz mit Ihnen besprechen. Wenn es
erforderlich ist, die Leistungsfaehigkeit des Kapitalismus
der Vereinigten Staaten bei der Schaffung von »Vohlstand nachzuweisen, so fuehre ich die Tatsache an, dass ungefaehr ein
Drittel aller Waren der Welt in den Vereinigten Staaten hergestellt werden und fast die Haelfte aller Fabrikerzeugnisse
der Erde; wir besitzen aber nicht einmal ein Drittel der Rohstoffquellen. Tatsaechlich besitzen wir schaetzungsweiee
1/15 der Weltbevoelkerung, 1/15 des Landgebietes der Erde
und 1/15 seiner Rohstoffquellen. Was wir haben, ist eine
viel hoehere Produktivitaet, d.h. eine groessere Leistung
pro Arbeitsstunde. Wir Amerikaner glauben ziemlich leidenschaftlich an die .Produktivitaet. Wir glauben, dass unser
materieller Wohlstand weitgehend von einem staendig ansteigenden Produktionsausstoss pro Arbeitskraft abhaengt. Andererseits wissen wir, dass dieser fast ausschliesslich davon abhaengt, in welchem Ausmass wir den grossen Hebel der Maschine
benutzen koennen und die Energie der Treibstoffes und des
Wassers zum Betreiben dieser Maschine einspannen koennen.
Nur Maenner, die mit Maschinen ausgeruestet sind, koennen
Wohlstand im Uebermass schaffen, und wenn das, was wir wollen,
Wohlstand im Uebermass fuer viele Menschen ist, so besteht
die Aufgabe darin, die Produktion ueberall dadurch hochzutreiben, indem mechanische Muskeln fuer die menschlichen Muskeln
eingesetzt werden.
Lassen Sie mich nun andererseits zu dem zweiten Punkt
kommen, den ich fuer die verhaeltnismaessig sichere Position
des Kapitalismus in den Vereinigten Staaten voranstelle: die
gleichmaessige Verteilung des Wohlstandes. Die Produktivitaet
hat uns die Gelegenheit geboten, aus Millionen unserer Buerger
"KaDitalisten" zu machen. Peter Drucker hat eine treffende
Feststellung zu diesem Punkt gemacht:
"Wir haben in diesen 50 Jahren gelernt, dass die Produktivitaet ein sozialer Prinzip und nicht einfach ein wirtschaftliches Prinzip ist. Anders ausgedrueckt, die gesteigerte Produktivitaet muss zu einem groesseren Einkommen fuer Viele beitragen sowie zur groesseren Arbeitsplatzsicherheit der Arbeiter und zur groesseren Zufriedenheit des Verbrauchers, um
ueberhaupt p:ut zu sein. Es genuegt nicht, dass sie lediglich
zu Profiten beitraegt."
Ein Blick auf das veraenderte Schema der Wohlstandsverteilung in den Vereinigten Staaten wird diese Aeusserung aus- 6 -

�gezeichnet beleuchten.
Die Statistik zeigt, dass fuer die amerikanische Bevoelkerung von 153 Millionen beinahe 40 Millionen Automobile
vorhanden sind. Hier aber einige Zahlen, die mir noch bedeutungsvoller erscheinen. Im Jahre 1949 erhielten 26$ aller nordamerikanisehen Lohnempfaenger 3000 Dollar oder mehr an Loehnen und Gehaeltern. Zehn Jahre vorher jedoch, im Jahre
1939, bezogen nur 15# der US-Lohnempfaenger ein Einkommen
von gleicher Kaufkraft - ein Zuwachs von beinahe 70$ innerhalb eines Jahrzehnts. Fuer den Umschwung, der zwischen
1900 und 1950 stattgefunden hat, sind keine zuverlaessigen
Ziffern vorhanden. In jeder Dekade ist aber ein zunehmender
Prozentsatz des Insgesamt erzielten Wohlstandes zu der niedrigeren Einkommensgruppe gewandert.
Diese Medaille hat natuerlich auch eine Kehrseite. Die
hoechste Einkommensgruppe in Amerika hat in den fuenf Jahrzehnten zwischen 1900 und 1950 einen stark abfallenden Prozentsatz des insgesamt erzielten Wohlstandes erhalten. Die
meisten Mitglieder der US-Delegation koennen persoenlich bezeugen, dass ihre Einkommen, brutto und netto, waehrend der
zwei vergangenen Jahrzehnte betraechtlich gesunken sind.
Der Abstand zwischen dem Einkommen des Praesidenten einer
Gesellschaft und dem am niedrigsten bezahlten Arbeiter hat
sich betraechtlioh verringert.
Wir sind im Endergebnis eine Nation geworden, in der,
vom materiellen Standpunkt gesehen, Klassenunterschiede nicht
mehr von besonderer Bedeutung sind. So wurde erst kuerzlich
in einer Umfrage der Zeitschrift "Fortune" die Frage gestellt
"Zu welcher Klasse gehoeren Sie?" Das Ergebnis war eine
Bestaetigung von fast 90$ aller Befragten, dass sie sich zum
Mittelstand rechnen.
Wir gehoeren einfach alle zum Mittelstand und sind stolz
darauf. Darum wuerden auch, wenn irgendeiner eine Neuverteilung des Reichtums vorschlagen wuerde, fast alle von uns mit
der Frage antworten: "Wessen Reichtum?" Denn fast alle von
den 40 Millionen Familien haben privates Eigentum in der einen
oder anderen Form. Diese 40 Millionen Familien sind sich
ferner der Tatsache bewusst, dass sie an jeder Steigerung des
Gesamtwohlstandes teilnehmen werden.
Vielleicht besteht daher allgemeines Einverstaendnis
unter uns allen darueber, dass unsere Energien in erster Linie auf die Vergroesserung des zu teilenden Bratens gerichtet sein sollten, als diese Energien in Streitigkeiten darueber zu- zersplittern, wieviel jeder von dem augenblicklich
zur Verfuegüng stehenden Braten zu erhalten hat.
Die beste Art, Ihnen jene Form, die ich als sozialbewussten"Kapitalismus" bezeichnete, zu erlaeutern, ist die,
Ihnen von einem Forum zu berichten, an dem ich kuerzlich in
der Stadt New York teilnahm.
An diesem Forum nahm eine Anzahl Wirtschafter teil, aber der
groesste Teilder Versammlungsteilnehmer waren Intellektuelle
Maenner wie Erwin Canhan, Russell Davenport, Peter Drucker,
Lewis Galentiers, Harry Gideonse und Frank Tannenbaum. Unser
Thema lautete: "Was hat der amerikanische Kapitalismus fuer
und gegen die einzelnen Menschen waehrend der vergangenen 50
- 7 -

�Jahre unternommen?n Dies war eine Frage, mit der man sich
nach unserer Ansicht, ehrlioh auseinanderaetzen muss. Schliesslich liegt die grundsaetzliche Rechtfertigung der freien Gesellschaft in der Gelegenheit, die sie allen Mensohen als
Einzelpersonen gibt, ihre natuerlichen Faehigkeiten zu verwirklichen. In der Ideologie des Kremls lebt der Mensch, um
dem Staat zu dienen; in unserer Ideologie lebt der Staat, um
dem Menschen zu dienen. Wie weit hat, so fragen wir uns,
Amerika seinen Buergern gedient?
Waehrend des ersten Teils der Versammlung versuchten wir
abzuschaetzen, was seit 1900 in den Vereinigten Staaten, hinsichtlich der Moeglichkeit vorwaertszukommen und sich zu entwickeln, geschehen ist,* und ob. die Amerikaner waehrend des
letzten Jahrhunderts in materieller, bildungsmaessiger und
geistiger Hinsicht tatsaechllch fortgeschritten oder zurueokgefallen sind.
Es bestand einstimmiges Einvernehmen darueber, dass, soweit es. sich um den materiellen Fortschritt des Einzelnen handelte, ein V'unäer geschehen ist. Quantitativ und qualitativ
haben sich seine Moeglichkeiten ungeheuer vervielfacht. Im
Jahre 1900 verfuegte Amerika ueber 27 Millionen Arbeitsplaetze nur mittelmaessige Arbeitsplaetze - fuer eine Nation von 75
Millionen Menschen. Im Jahre 1915 waren 62 Millionen Arbeitsplaetze verfuegbar fuer 150 Millionen Mensohen - und diese
Arbeitsplaetze waren auch weitaus besser. Die Realloehne der
Fabrikarbeiter hatten sich mehr als verdoppelt, Versicherungs-,
Pensions- und Gesundheitsplaene fuer die Arbeiter hatten allgemeine Annahme göf undenf und die Arbeitsstunde ist von 60
auf 40 Stunden pro Woche gesenkt worden.
Im Jahre 1900 waren die materiellen Vorteile unseres
Wirtschaftssystems weitgehend auf eine kleine Gruppe an der
aeussersten Spitze der Wirtschaft besohraenkt. Im Jahre 1945
ist, wie wir gesehen haben, unser weitaus groesserer Wohlstand viel gleichmaessiger auf die ganze Bevoelkerung verteilt.
Bei der Frage der bildungsmaessigen Gelegenheiten des
Einzelnen bestand abermals Einvernehmen - ein Wunder hat auch
hier stattgefunden. Am Ende des letzten Jahrhunderts waren
nur 7% aller Kinder der Vereinigten Staaten, die sich im Alter der hoeheren Schueler befanden, noch in der Schule. Im
Jahre 1945 war diese Gesamtzahl auf 80% gestiegen. Im Jahre
1900 hatten wir 7200 Hochschul- und Universitaetsprofessoren.
Heute haben wir mehr als die zehnfache Zahl davon - mehr als
72,000. Seit der Jahrhundertwende ist die Zahl unserer Abiturienten (College Graduates) sechsmal so schnell gestiegen
wie die Zahl der Bevoelkerung.
Bei der Frage nach den Moeglichkeiten des geistigen Fortschritts kamen wir bei der Erwaegung des Fuer und Wider zu
dem Schluss, dass wir vorwaertsgeschritten sind. Wir stellten fest, dass im amerikanischen Leben ein Nachlassen der Heuchelei und eine Abnahme des Vorurteils und der Intoleranz
stattgefunden hat. Wir stellten das Aufkommen neuer und besserer Beziehungen zwischen grossen Gruppen der .Bevoelkerung
fest sowie die Entwicklung von neuen Masstaeben des persoenlichen Verhaltens und neuer Einsichten in die gegenseitige Abhaengigkeit aller Amerikaner.

- 8-

�Die Moeglichkeiten in allen dieser drei Gruppen sind Angelegenheiten des "sozialbewussten Kapitalismus". Wir sind jedoch
darueber erfreut ueber die Erklaerung unserer Intellektuellen,
dass Fortschritte erzielt worden sind. Bitte erhalten Sie
aber nicht den Eindruck, dass irgendeiner von uns auch nur
den Gedanken hatte, dass wir ueber eine erledigte Seche sprachen. Was am klarsten herausgestellt wurde, war der Weg, den
wir noch zurueckzulegen haben, bevor wir alle die Zuversicht
haben koennen, die es nur gibt, dass der Kapitalismus, sogar
der sozialbewusste Kapitalismus, als gesichert angesehen werden kann. Jedesmal, wenn wir glauben, dass die „Aufgabe in
materieller, bildungsmaessiger und geistiger Hinsicht mehr
fuer mehr Menschen zu tun, beendet ist, sind wir selbst am
Ende.
loh moechte nun noch etwas ueber Europa sagen.
Ich nehme an, dass ich genuegend Empfehlungsschreiben
von Ihnen fuer diese Aufgabe besitze. Waehrend meiner Taetigkeit bei der ECA hatte ich zwei Jahre den Vorzug, die Wirtschaft Europas zu betrachten; Jahre, die meinen eigenen Standpunkt unermesslich erweitert haben und mir neuen und tiefen
Respekt fuer alles abgenoetigt haben, was Europa ist und darstellt. Ich glaube das Recht des Freundes zu haben, Dinge
zu erlaeutern, die von groesster Bedeutung fuer uns alle sind.
Ich moechte zuerst ueber die Moeglichkeiten zur Steigerung der euronaeisohen Produktivitaet sprechen. Wir alle
wissen natuerlich, dass das Wort Produktivitaet eine Vielzahl
von Gedanken und Taetigkeiten, Planungsfaehigkeit, Arbeitnehmerkoennen, Maschinenausruestung und Anordnung von Maschinen,
Methoden, Entwuerfen und moralische Fragen umfasst, - nur um
einige zu nennen. Der grundsaetzliche Faktor aber, der Faktor, von dem alle Anstrengungen, die Produktivitaet zu heben,
abhaengen, ist die elektrische Kraft. Wir koennen ein scharfes Bild von ihrem Wirkungsvermoegen fuer die Produktivitaet
in Europa erhalten, indem wir anerkennen, dass die Erzeugungsmoeglichkeiten sehr fest mit dem vorhandenen Strom verknuepft
sind.
Die US-Erzeugung pro Kopf ist aber 2^ mal so gross wie
die europaeische Erzeugung pro Kopf. Diese Tatsache /wirft
jedoch keinerlei Schatten auf die europaeisohen Arbeiter.
Der wesentliche Punkt dieser Angelegenheit ist, dass hinter
jedem amerikanischen Arbeiter 2t mal so viele Pferdestaerken
stehen, 2&amp; mal so viel maschinelle Muskeln, die ihm helfen,
als bei seinem europaeisohen Gegenueber.
Hier sollte man sich an das Folgende erinnern: Der Vorteil, dessen sich der amerikanische Arbeiter hinsichtlich
der vorhandenen Pferdestaerken erfreut, entstand allein waehrend der letzten 50 Jahre. Im Jahre 1900, soweit es sich
noch bestimmen laesst, standen Europa und die Vereinigten
Staaten hinsichtlich der Pferdestaerken auf gleicher Höhe.
Tatsaechlioh entfielen bei Beginn des Jahrhunderts auf beiden Seiten des Atlantik nur etwa 3/4 Pferdestaerken auf den
einzelnen Arbeiter*. In Amerika aber schnellte sie auf mehr
als 8 Pferdestaerken pro Arbeiter empor, waehrend die Ziffer
fuer Europa im Jahre 1950 etwa 2 3/4 Pferdestaerken pro Arbeiter betrug.
- 9-

�Wenn die westeuropaeische Erzeugung pro Kopf im Jahre 1950
der der Vereinigten Staaten entsprochen haette, so haette hier
das Brutto-Volkseinkommen 500 Milliarden Dollar anstelle von
170 Milliarden Dollar betragen.
Damit Sie nioht denken, das3 ich einen gefuehllosen oder
pessimistischen Standpunkt einnehme, lassen Sie mich schnell
hinzufuegen, dass ich bei der ECA sehr erfreut war, festzustellen, dass die europaeische Wirtschaft den Problemen der
Kraftsteigerung einen grossen Vorzug einraeumten. Ich moechte erwaehnen, dass wir in der ECA diesen Anstrengungen jede
Unterstuetzung gaben und andererseits ermutigt wurden, die Ergebnisse in kurzer Frist in Erscheinung treten zu sehen.
In den wenigen Tagen meiner neuerlichen Anwesenheit in
Europa habe ich erneut die Entschlossenheit bemerkt, die tausend Dinge zu tun, die erforderlioh sind, um die Produktivitaet zu steigern. Und wenn ich feststelle, dass dieses nur
ein guter Anfang der Aufgabe ist,, so meine ich lediglich, dass
wir einen erweiterten Austausch von Personen haben sollten,
mehr technische Berater, die den Ozean in beiden Richtungen
kreuzen, mehr Lehrgaenge fuer fortschrittliche Produktionsmethoden, fuer leitende Angestellte vom Vorarbeiter aufwaerts.
Erst vor ein paar Tagen erfuhr ich von zwei Vorfaellen
aus der Praxis dieses Programms. Der Leiter der Eisengiesserei in einer franzoesischen Fabrik fuhr nach den Vereinigten
Staaten im Rahmen eines technischen Unterstuetzungsprogramms
der ECA. Bei seiner Rueckkehr stellte er seinen Maschinenpark
um, vereinfachte die Arbeitsgaenge und schulte sein Personal
fuer die neuen Aufgaben.
Das Ergebnis: Die Arbeitsstunden pro erzeugte Tonne
fielen von 222 auf 83, die Preise wurden um 25% gesenkt, die
Loehne stiegen um 20% - und sein gesamter Arbeitsvorgang wandelte sich voellig um! Dieses ist natuerlich ein Ausnahmefall,
es ist aber ein Fall, der die Moeglichkeiten, die in der gesteigerten Produktivitaet ruhen, beispielhaft veranschaulicht.
Ein weiteres Beispiel: Eine franzoesische Schuhfabrik
schickte, ebenfalls im Rahmen des ECA "Technical Asslstanoe
Programm", einen Stab von Technikern naoh den Vereinigten
Staaten. Aenderungen in den Arbeitsmethoden nach ihrer Rueokkehr erbrachten eine Erzeugungssteigerung von 20%. Die neue
Leistungsfaehigkeit in der Fertigung ermoeglichte es dieser
Gesellschaft, trotz scharfer Steigerung der Materialkosten
ihre Preise beizubehalten. Weiterhin berichtete mir ein Textilfabrikant von der Steigerung seiner Produktion von 72 auf
92% der theoretischen Produktionskapazitaet, ohne eine einzige
neue Maschine aufzustellen.
Ich erinnere mich sehr gut des Misstrauens, dem das erste
technische unterstuetzungsprogramm der ECA begegnete. So war
es fuer mich bei meiner Rueckkehr sehr erfreulich, zu entdecken,
dass das neue Wort "Produktivitaet" ein wirksames und pofiulaeres Thema in der Unterhaltung, in Zeitungen und Zeitschriften
ist.
Da die Produktivitaet in Europa weiterhin ansteigt, glaube
ich mit Sicherheit voraussagen zu koennen, dass sie hier einige
ueberrasehende Veraenderungen in der Verteilung des Wohlstandes,
d".h. in weitestem Masse der Verteilung des neu geschaffenen
- 10

�Wohlstandes, erleben werden. Waehrend der ganzen Zelt, die
ich bei der ECA war, hoffte loh, dass irgendein europaeisoher
Fabrikant den gleichen, kuehnen und schöpferischen Schritt
unternehmen wuerde, den Henry Ford damals im Jahre 1914 unternahm - einer Handlung, die meines Erachtens wie keine andere
dazu beigetragen hat, das wirtsohaftliohe Denken unserer Generation zu varaendern.
Eines sohoenen Tages erklaerte Ford, dass er von nun ab
jedem Angestellten seiner Fabrik mindestens fuenf Dollar pro
Tag zahlen wuerde. Diese Ankuendigung liess die Welt aufhorchen. Ganz bestimmt liess es die Vereinigten Staaten aufhorchen, denn schon zu dieser Zeit, als Henry Ford diese Ankuendigung machte, gehoerten die Arbeitnehmer seiner Fabrik zu
den hoeQhstbezahlten des Landes und verdienten durchschnittlich etwa zwei Dollar pro Tag.
Fords Schritt basierte auf einem sehr einfachen Gedanken:
Er konnte nicht alle Wagen verkaufen, die er zu verkaufen hoffte, wenn nicht viele Leute genug Geld verdienten, um sie zu
kaufen. Er hatte kein Interesse fuer einen Klassenmarkt; er
wollte einen Massenmarkt, und wenn er einen Massenmarkt wuenaohte, so war es das Beste, diesen selbst zu schaffen.
In der Frage des Massenmarktes und der Kaufkraft hat vielleicht niemals jemand ergreifendere Erfahrungen gemacht als
ich. Nach dem ersten Weltkrieg gab es kaum einen Arbeiter
in der Studebaker-Fabrik, der genug verdiente, um einen unserer
Wagen zu kaufen. Im Jahre 1920 erhielten die Studebaker-Arbelter durchschnittlich 1200 Dollar im Jahr und unter den Kaeufern unserer Erzeugnisse waren die Studebaker-Arbeiter auffallenderweise unter den Fehlenden.
Nach dem zweiten Weltkrieg war die Lage gaenzlich anders.
Eins der schwersten Probleme, dem ich als Praesident der Studebaker-Gesellschaft gegenueberstand, war das, die 10 oder 13,000
Arbeitnehmer zu ueberzeugen, dass sie mit einer grossen Zahl
anderer kaufhun^riger Amerikaner anzustehen hatten und zu warten, bis sie fuer ein neues Autq^an die Reihe kommen - eine derartige Anzahl von Auftraegen fuer Studebaker-Automobile hatten
wir damals von den Studebaker-Arbeitnehmern.
Der Grund hierfuer? In Dollars von 1920 ausgedrückt betrug das Durchschnittseinkommen unserer Arbeitnehmer gut ueber
3,000 Dollar im Jahr, d.h. die Realloehne dieser Maenner hatten
sich um mehr als das 2£fache erhoeht.
Ich habe gesagt, dass wir unsere Aufgaben jenseits des Atlantik mit dem Gefuehl einer nie ganz abzuschliessenden Tätigkeit betrachten. Dieses gilt ebenso ueberall dort, wohin wir
in der freien Welt blicken - es bleibt viel nichtabgeschlossene
Arbeit zu tun. Diesen Problemen nachzugehen, das moechte ich
eindruecklich betonen, bedeutet die Bereitschaft, sich von
Tradition und Gewohnheiten zu trennen. Es bedeutet das Niederreissen der Barrieren zwischen den Menschen, gleichgueltig,
ob es wirtschaftliche, politische oder soziale Schranken sind.
Es bedeutet das Vermeiden jeder Fallstricke, Wie die Einrichtungen der Kartelle, Monopole und Schutzzoelle. Es bedeutet
das staendige Handeln mit der Ueberzeugung, dass, um mehr zu
haben, jedermann mehr produzieren muss. Es bedeutet die Entwicklung und Ausdehnung der Massen-Energie, der Massenproduktion, des Massenverkaufs und der Massenmaerkte, da jedes voö
dem anderen abhaengig ist.
- 11 -

�Ich kenne die Menschen Europas und seine Industriefuehrer
gut genug, um tiefen Resjekt fuer ihre Faehigkeiten zu besitzen, diese Aufgabe zu erfuellen.
Als ich im vorigen Jahr meine Taetigkeit bei -der ECA abschloss, war ich zu einigen Schluessen gelangt, die sich kurz
umreissen lassen: Die wirtschaftlichen Moeglichkeiten Westeuropas sind gewaltig. Dieses Gebiet der Erde ist, im ganzen
gesehen, mit Rohstoffquellen gesegnet. Mann fuer Mann sind
diese Menschen in der Produktivitaet allen anderen Menschen
auf der Welt kraeftemaessig gewachsen. Wenn Westeuropa nur
aus dem Nutzen ziehen wird, was es besitzt, so kann es einen
sensationellen Sprung vorwaerts machen.
Ich moechte klar herausstellen, dass ich hier nicht die
Verhaengung eines amerikanischen Planes fuer europaeische Einrichtungen und Methoden vorschlage. Gleichzeitig jedoch bin
ich voellig ueberzeugt, dass, wenn dieser dynamische Vorwaertssprung erreicht werden soll, Europa den drei Faktoren
volle Beachtung schenken sollte, die grundsaetzlich zu dem
Fortschritt der Vereinigten Staaten im letzten halben Jahrhundert beigetragen haben: Gesteigerte Produktivitaet,
gleichmaessigere Verteilung des Wohlstandes und ein sozialbewussteres Herangehen an die Aufgaben der Industrie.
Ich habe ueber die Vereinigten Staaten gesprochen und
ich habe ueber Europa gesprochen. Ich habe versuoht, meine
tiefe üeberzeugung auszudruecken, dass es feststehende und bewaehrte Mittel gibt, die emporschnellende Forderung der Menschen fuer ein besseres Leben ueberall zu erfuellen und dass
wir durch Ausnutzung dieser Methoden und ihre Durohfuehrung
alle gluehenden Versprechen des Kreml in den Schatten stellen
koennen.
Ich moechte mit dem Ausdruck einer noch gluehenderen
üeberzeugung schliessen: Die freien Voelker Europas und die
Vereinigten Staaten muessen zusammenhalten, zusammenarbeiten und, wenn noetig, ihre Freiheit gemeinsam verteidigen.
Wenn die freie Welt ihre Quellen ausnutzt, wenn sie die
grosse dynamisohe Macht der Freiheit selbst voll einsetzt, so
kann sie in dieser Dekade der 50er Jahre einen derartigen
Fortschritt erzielen, dass es keine Macht jemals wagen wird,
sie anzugreifen. Ich versichere, dass die Moeglichkeit fuer
gemeinsame Werke so gross ist, dass die enttaeuschten und
einsamen Menschen, die auf uns durch die eisernen und die Bambusvorhaenge blicken, von sich aus entscheiden werden, dass
sie Anspruch auf den besseren Lebensstil haben, den sie bei
uns sehen. Sie werden sich selbst gegen das Regime entscheiden, dass sie gefangen haelt.
Tatsaechlich, wenn die freien Voelker der Welt das leisten, was sie, wie ich weiss, leisten koennen, so werden sie
in der Lage sein, das klassische Schlagwort der Marxisten gegen sie zu kehren und den enttaeuschten und versklavten Arbeitern hinter den eisernen Vorhaengen sagen koennen: "Erhebt
Euch, Ihr habt nichts zu verlieren als Eure Ketten."
AUS DER ARBEIT DER FINNISCHEN GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
Die finnische Gewerkschaftsbewegung sah sich unter dem
Druck inflationistischer Tendenzen und kommunistischer Propa- 12 -

�ganda in den beiden letzten Jahren gezwungen, eine Reihe von
Lohnforderungen zu stellen. Drei allgemeine Lohnerhoehungen
wurden im Jahre 1950 gewaehrt. In den vergangenen Monaten
hat sich die sozialdemokratische Mehrheit in dem Finnischen
Gewerkschaftsbund (SAK) jedoch damit einverstanden erklaert,
mit der Regierung einen "wirtschaftlichen Waffenstillstand"
zu schliessen, um die Stabilisierung zu foerdern. Zwei Faktoren, die die wirtschaftliche Lage in Finnland schwierig gestalten, sind die Nachbarschaft der Sowjetunion und die grosse
Zahl der Kommunisten innerhalb der Gewerkschaftsbewegung.
Bei den Gewerkschafts- und Parlamentswahlen im Ffuehjahr und
Sommer 1951 konnten sich die Sozialdemokraten jedoch eine
groessere Mehrheit sichern, als sie in den vergangenen Jahren
je hatten, und damit eine Atmosphaere schaffen, in der es
leichter war, ein Wirtschaftsprogramm zur Stabilisierung der
nationalen '.Virtschaft durchzufuehren.
Auf seinem Kongress im Juni 1951 beschloss der Finnische
Gewerkschaftsbund auf Abstimmung, endgueltig aus dem kommunistischen /Weltgewerkschaftsbund auszutreten. Dieser Entschluss war die letzte Phase eines Programms, das sich die
sozialdemokratische Mehrheit innerhalb der Gewerkschaftsbewegung Finnlands zu Ende des Jahres 1949 zum Ziel gesetzt
hatte.
In mancherlei Hinsicht ist das Gesetz ueber Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in Finnland
den entsprechenden Gesetzen seiner skandinavischen Nachbarlaendern sehr sehnlich. In Finnland konnten jedoch in den 20er
und 40er Jahren keine sehr friedlichen Beziehungen innerhalb
der Industrie Zustandekommen. Weniger als die Gesetzgebung
waren es die Kriegsverhaeltnisse waehrend der sowjetischen Besatzung, die eine Festigung der Beziehungen zwischen den Gewerkschaften und Unternehmern herbeifuehrten.
Gemeinsam mit anderen, demokratisch gesonnenen Gewerkschaften in Finnland schloss sich der Finnische Gewerkschaftsbund dem Weltgewerkschaftsbund nach seiner Gruendung im Herbst
1945 an. Die guten Gewerkschafter glaubten damals, dass Gewerkschaftsbewegungen mit verschiedener politischer Orientierung auf nichtpolitischer Basis zusammenarbeiten koennten, um
gemeinsam die Arbeitsbedingungen in allen Teilen der Welt zu
verbessern. Zu jener Zeit hatten die Sozialdemokraten die
Mehrheit im Exekutivausschuss des Finnischen Gewerkschaftsbundes, obwohl einige der groessten Mitgliedsgewerkschaften, vor
allem die der Transport-, Forst-, Floss-, Textil-, Holz- und
Moebeiarbeiter kommunistischer Kontrolle unterstanden. Auch
nach dem Kongress im Jahre 1947 konnten die Sozialdemokraten
ihre Mehrheit aufrechterhalten, wenn auch sechs von den 14
Mitgliedern des Exekutivausschusses, der damals fuer vier
Jahre gewaehlt wurde, Kommunisten waren.
In der Zeit von Juni bis September 1949 fanden mehrere
kommunistisch inspirierte Streiks ohne Zustimmung des Exekutivausschusses des Gewerkschaftsbundes statt. Dadurch wurde der
Bruch mit dem .'/eltgewerkschaftsbund herbeigefuehrt. Rene
Arachard, der damalige .Generalsekretaer der franzoesischen Bauarbeitergewerkschaft und Ausschussmitglied in der Berufsabteilung des Weltgewerkschaftsbundes fuer Baustoffe aus Holz und
Bauhandwarke, kam kurz nach Ausbruch dieses Streiks nach Finnland. Vermutlich hatte er die Absicht, die-Spaltung innerhalb
- 13 -

�der finnischen Gewerkschaftsbewegung in kommunistisch gefuehrte und sozialdemokratische Gewerkschaften zu ueberpruefen.
Die sozialdemokratische Mehrheit zweifelte an dem Recht der
Weltgewerkschaftsbewegung, sich in ein rein internes Problem
einzumischen. Dieser Gruppe missfiel besonders die Tätigkeit
Arachards, der einen starken Hang nach den kommunistischen
Gewerkschaften hin hatte und die Meinung des finnischen Gewerkschaftsbundes nicht teilte, dass diese Streiks illegal
waeren. Kurz danach stellte der Finnische Gewerkschaftsbund
seine Beitragszahlungen an den Weltgewerkschaftsbund ein, besohloss jedoch, die endgueltige Entscheidung ueber den Austritt aus dem Weltgewerkschaftsbund dem Kongress im Jahre
1951 zu ueberlassen.
Als Sofortmassnähme gegen die wilden Streiks im Jahre
1949 stiess der Eiekutivausschuss sieben kommunistische Gewerkschaften wegen illegaler Streiktaetigkeiten voruebergehend
aus dem Gewerkschaftsbund aus. Zu Ende September 1949 waren
fuenf dieser Gewerkschaften unter der Bedingung wieder aufgenommen worden, dass sie in Zukunft die Satzungen und Beschluesse
des Gewerkschaftsbundes respektieren. Zwei grosse kommunistische Gewerkschaften, die Finnische Transportarbeiter- und die
Forst- und Flossarbeitergewerkschaft waren im Juli 1951 noch
nicht wieder aufgenommen worden.
Nach den Ereignissen der Jahre 1949 und 1950 steigerten
kommunistische Organisationen in Finnland und in der Sowjetunion ihre Bemuehungen, um innerhalb der finnischen Gewerkschaftsbewegung Fuss zu fassen. Aber sie hatten dabei nur
wenig Erfolg. In den Reihen des Finnischen Gewerkschaftsbundes selbst versuchten Kommunisten erfolglos, diese Organisationen dazu zu bringen, sich der kommunistischen Bewegung der
"Friedenspartisanen" anzuschliessen. Eine Delegation des Weltgewerkschaftsbundes, die im Juni 1950 Finnland besuchte, unternahm den Versuch, wieder gute Beziehungen zwischen den beiden Organisationen herzustellen, waehrend die "Sowjetische
Gesellschaft fuer kulturelle Beziehungen mit dem Ausland"
(VOKSJ bemueht war, die Zahl finnischer Gewerkschaftsdelegationen zu vergroessern, die 1950 die Sowjet-Union besuchten.
Zwar besuchten einige Gewerkschaftsdelegationen die SowjetUnion, aber im allgemeinen hatte der Weltgewerkschaftsbund
in seinen Bemuehungen nur wenig Erfolg.
Inzwischen waren auch die Sozialdemokraten nicht untaetig geblieben. Vom Beginn der Streiks an hatten sozialdemokratische Gewerkschafter versucht, Nichtkommunisten in kommunistisch gefuehrten Gewerkschaften fuer sozialdemokratische
Gewerkschaften zu gewinnen. Die Gewerkschaft der Lastwagenfahrer fuehrte eine Warbekampagne durch, um die Mitglieder
der kommunistischen Transportarbeitergewerkschaft "herueberzuholen". Die Gewerkschaft der Landarbeiter versuchte, die
Forst- und Flossarbeitergewerkschaft durch Uebernahme ihrer
Mitglieder zu schwaechen. Der Erfolg war, dass man gegen
Ende des Jahres 1950 die Mitgliedszahl der beiden ausgeschlossenen Gewerkschaften nur noch auf 60% der Zahl des Jahres 1948
sohaetzte. Die Mitgliederzahl der beiden antikommunistischen
Gewerkschaften war jedoch nicht entsprechend angestiegen.
Die Mitgliedsstaerke der meisten finnischen Gewerkschaften
war tatsaechlich im 2. Quartal des Jahres 1950 niedriger als
1948. Dieser Rueckgang ist zum Teil auf den Austritt einiger
Antikommunisten aus kommunistischen Gewerkschaften zurueckzufuehren, die jedoch nicht in andere Gewerkschaften eintraten,
- 14 -

�und zum Teil auf die Abnahme der Mitgliedszahl in Gewerkschaften mit sozialdemokratischer Fuehrung, was vermutlich mit der
Unzufriedenheit der Mitglieder ueber den geringen Erfolg in
der Durchfuehrung des Wirtschaftsprogramms des Finnischen
Gewerkschaftsbundes zu erklaeren ist. Im April 1950 zaehlte
der Finnische Gewerksohaftsbund etwa 265 000 Mitglieder in
37 Landesgewerkschaften, verglichen mit rund 304 000 und
342.000 Mitgliedern in den Jahren 1948 bzw. 1947, als die Mitgliedstaerke am groessten war.
Im April 1951 waehlten die Mitgliedsgewerkschaften des
Finnischen Gewerkschaftsbundes Delegierte zu ihrem Vierjahreskongress. Bei diesen Wahlen konnten die Sozialdemokraten
152 Mandate gewinnen, waehrend den Kommunisten nur 65 und
der nichtpolitischen Seeleutegewerkschaft nur fuenf Mandate
zufielen. Verglichen mit dem Kongress im Jahre 1947, bedeutete dies, in Zahlen ausgedrueckt, eine Steigerung der nichtkommunistischen Staerke von 57 auf 68j# und eine Abnahme
der kommunistischen Staerke von 43 auf 29$.
Soziale Wechselbeziehungen
Die politischen und wirtschaftlichen Umstaende in Finnland haben dazu gefuehrt, dass durch Arbeitsstreitigkeiten
eine grosse Zahl von Arbeitsstunden verlorenging. In den
20er Jahren war die Zahl sehr hoch und erreichte im Jahr
1927 ihren Hoehepunkt in der finnischen Wirtschaftsgeschichte,
naemlioh 1,529.182 Arbeitsstunden, die durch Streiks verlorengingen. Der Hauptgrund zu diesen Streiks war die Lohnfrage.
Bevor der Acht-Stundentag im Jahre 1917 gesetzlich festgelegt
wurde, drehte es sich bei Arbeitsstreitigkeiten hauptsaechlich
um die Arbeitszeit. Seit 1920 aber wurde praktisch kein
Streik wegen der Arbeitszeit gefuehrt.
Das Tarifverhafldlungswesen und die Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten in der finnischen Industrie wurden nach dem
ersten Weltkrieg und erneut im Jahre 1946 gesetzlich geregelt.
In diesen Gesetzen sind die Bestimmungen festgelegt, die
Tarifvertraege enthalten muessen. Sie regeln ausserdem die
Ausserkraftsetzung eines Tarifvertrages und bestimmen, wie
Verletzungen von Vertra9gen zu bestrafen sind. Fuer die meisten Industriezweige sind Tarifvertraege abgeschlossen, die
sich im allgemeinen auf Loehne, Arbeitszeit, Rahepausen, Arbeitsverteilung, Vsrtragsende und andere Bestimmungen erstrecken.
Das Tarifvertragsrecht fuer Personen, die vom Staat beschaeftigt sind, wurde gesetzlich zum ersten Male im Jahre
1942 garantiert, obwohl die Angestellten der Regierung bereits
seit 1922 in dem "Verband der Intellektuellen Arbeiter" gewerkschaftlich organisiert waren.
Die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern
wurden in den ersten Arbeitsgesetzen kaum erwaehnt (Gesetz
ueber Tarifvertraege aus dem Jahre 1924). Guenstige Bedingungen zur Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die in dieser Gesetzgebung leider nicht geschaffen
worden waren, entwickelten sich erst nach dem Winterkrieg
mit der Sowjetunion von 1939 auf 1940. Am 24. Januar 1940
wurde ein allgemeines endgueltiges Abkommen von den Dachorganisationen der Gewerkschaften und der Unternehmer unterzeichnet, nachdem ueber gemeinsame Probleme in gegenseitigen Ver- 15 -

�trauen verhandelt werden sollte. Dieses Abkommen erwies sich
jedoch als zu allgemein gehalten, um die Beziehungen zwischen
den beiden Partnern foerdern zu koennen.
Ein anderes allgemeines Abkommen, das 1944 vom Finnischen
Gewerkschaftsbund und der Zentralfoederation Finnischer Arbeitgeber getroffen worden war, wurde 1946 erneuert. Es bildet
die Grundlage fuer Verhandlungen zwischen den Organisationen,
fuer Verfahren zur Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten, Iwaehrend der Gueltigkeit des Abkommens sind Streiks nicht erlaubt)
fuer die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
und die Vertretung der Arbeiter auf betrieblicher Ebene.
Monthly Labor Review
VI11/51
AMERIKANISCHE HJftFS ORGANISATI CT FEIERT

ZSHNJAEHRIGES

BESTEHEN

Philip Murray, der Vorsitzende des CIO, teilte vor kurzem
mit, dass der Ausschuss des CIO fuer Gerneinschaftshilfe zur
Unterstuetzung der Opfer des zweiten Weltkrieges und des Krieges in Korea bisher 30 Millionen Dollar fuer andere Laender
aufgewendet hat.
Murray sprach am £. Oktober bei einem Bankett in Detroit,
das anlaesslich des 10. Jahrestages der Gruendung dieses Ausschusses gegeben wurde. Der Koehepunkt dieser Zusammenkunft
war die Ueberreichung des von diesem Ausschuss gestifteten
"Philip Murray Preises" an den Senator James Murray aus Montana "fuer hervorragende Verdienste um die Wohlfahrt der
Menschheit." Murray berichtete, dass grosse Geldsummen noch
waehrend des zweiten Weltkrieges als direkte Hilfe nach Europa
und Asien geschickt wurden. Als Beispiel nannte er die amerikanische Hilfe beim Abtransport von Kindern aus London, die
man in sichereren Landbezirken unterbrachte.
Nach dem Krieg sind Geldmittel zum Wiederaufbau zur Verfuegung gestellt worden', u.a. auch zur Durchfuehrung besonderer gewerkschaftlicher Projekte in 17 Laendern Europas und
Asiens. Er wies darauf hin, dass nicht nur Westeuropa sondern
auch Osteuropa unterstuetzt wurde, bevor der Eiserne Vorhang
eine Scheidewand zwischen Westen und Osten legte und jegliche
weitere Hilfe unmoeglich machte.
lieber das amerikanische Rote Kreuz unterstuetzt der Ausschuss im Augenblick vor allem die Opfer des Krieges in Korea.
Nach dem Krieg wurde der Ausschuss, der bis dahin den Namen
"Kriegshilfsausschuss" trug, umbenannt und seine Taetigkeit
innerhalb Amerikas und auch in Uebersee erweitert. Mehr als
10 000 Mitarbeiter sind in den Vereinigten Staaten und im Ausland fuer den Ausschuss taetig, der insgesamt fuer Hilfsaktionen in Amerika und im Ausland 300 Millionen Dollar verausgabt
hat, wovon der groesste Teil in Amerika blieb.
An der Konferenz nahmen u.a. teil: Walter Reuter, der
Vorsitzende der Automobilgewerkschaft; C. A» Knight, der Vorsitzende der All-Amerikanischen Oelarbeitergewerkschaft; Emil
Rieve, der Vorsitzende der Textilarbeitergewerkschaft,und
James B. Carey, der Vorsitzende der All-Amerikanischen Gewerkschaft der Elektro-, Rundfunk- und Maschinenarbeiter und Hauptkassierer des CIO.
ECA Labor Information
X/10/51
- 16 HIC0O 51 Oet Bl 11989 » V

�V

Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
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Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 44

Frankfurt,

2. November 1951

IKHALTSVSRZfilCHN
Die groesseren Aufgaben der ECA

IS
«...

1

Bulgarische F l ü c h t l i n g e besiedeln mit Hilfe
des ü a r s h a l l p l a n s unbebaute Gebiete der
Tuerkei

8

Die Gewerkschaft der Filmkomparsen in Amerika 11
Die Bauindustrie hat noch v i e l zu lernen . . .

15

Milton Katz:
DIS GROESSEREN AUFGABEN DER ECA
Wir haben manchmal gedacht, dass wir einen Schluessel zu
dem historischen Prozess der Westwaertsbewegung in den Vereinigten Staaten, dem Prozess de9 "Westzuges", finden koennen.
Da wir uns nach Westen in den Vereinigten Staaten bewegten ich spreche ueber die gesamte, weitlaeufige Volksbewegung auf
dem Kontinent - mussten wir zu jeder Zeit bereit sein, mit den
Indianern zu kaempfen. Man stand unter dem staendlgen Risiko
eines Angriffs von selten der Indianer, und so blieb es, bis
man die Wasser des Pazifik erreichte. Wir hatten diese Lage
hinzunehmen und damit fertig zu werden. Wenn die Leute in
den Vereinigten Staaten nicht darauf vorbereitet gewesen waeren die Indianer zu bekaempfen und dies als einen Teil ihrer
taeglichen Aufgabe ansahen, dann haetten sie sich nicht nach
Westen vorwaerts bewegt.
1

�Wenn es andererseits der alleinige Zweck der Westbewegung
gewesen waere, Indianer zu bekaempfen, waeren wir ebenfalls
nicht nach '.Vesten vorgerueckt. Es war die Aufgabe, eine neue
'.Veit aufzubauen und den grossen amerikanischen Traum zu verwirklichen, der die Leute in Bewegung hielt. £.s war die Verwirklichung der latenten amerikanischen Kraft, als wir westwaert3 zogen. Ein Teil des Prozesses war die Aufgabe, diejenigen, die im Wege standen, beiseite zu stossen. Aber im Grunde genommen war es eine schoepferische Bewegung mit einer stark
empfundenen Zweckhaftigkeit.
Koennen wir fuer die atlantische Gemeinschaft heute irgendetwas entwickeln, das dem gleichkommt, was dies fuer die Amerikaner damals bedeutet hat? Wir haben das amerikanische Glaubensbekenntnis, die amerikanische Doktrin in den Knochen, im
Gefuehl, in den Fingerspitzen und im Blute. Sehr wenige sind
befaehigt, das klar zum Ausdruck zu bringen, jedoch wir alle
reagieren darauf, Es erklaert die Einheit des amerikanischen
Lebens, trotz allen Geschreis, das sie verdunkelt. Wird ein
atlantisches, Glaubensbekenntnis auftauchen, das die fehlenden
bejahenden Komponenten liefert?
Worin bestehen diese bejahenden Komponenten? Sie koennten im Wesentlichen die gleichen sein, naemlich ein Wille,
eine Welt zu schaffen, in der jedes menschliche Wesen seine
latenten Wachstumsfaehigkeiten verwirklichen koennte. Waehrend
wir die notwendige Aufgabe durchfuehren, den Kreml in diesen
Zonen aus der Macht zu verdraengen, mue3sen wir gleichzeitig
dafuer Sorge tragen, eine sich ausdehnende Wirtschaft zu foerdern, um die wirtschaftlichen Vorbedingungen zu schaffen, unter
denen ein volles Gedeihen des Geistigen stattfinden kann.
Lassen Sie uns versuchen, diese Denkweise auf die unmittelbare Aufgabe, unsere Verteidigung und die der freien Welt
aufzubauen, in Anwendung zu bringen. Ich halte es fuer wahrscheinlich und wesentlich, dass diese Aufgabe, wenn wir erfolgreich sein sollen, im Zusammenhang mit einer sich ausdehnenden
Wirtschaft angepackt, durchdacht und ausgearbeitet wird. Ich
denke beispielsweise, dass wir unsere Aufgabe nicht als eine
Aufgabe lediglich fuer das Jahr 1&amp;51 oder das Jahr 1952 zu betrachten haben; wir haben sie als eine Aufgabe anzusehen, die
wir, sagen wir, im Jahre 1947 begonnen haben und die wir etwa
in einer 10-Jahresperiode - also von 1947 bis 1957 - zu bewaeltigen haben.
Gestatten Sie mir, diesen Faden fuer einen Augenblick fallen zu lassen. Ich werde wieder auf ihn zurueckgreifen. Was
ist Europa heutzutage? In vieler Hinsicht ist Europa ein
Schlachtfeld. Auf vielerlei Art und Weise leidet es seit 1945
unter den Attacken der Sowjet Union. Im Jahre 1947 fingen wir
an, uns in diesen Kampfe zu wagen, und zwar mit der Ankuendigung
der Truman-Doktrin und ihrer Anwendung auf Griechenland. Dann
kam der Marshall Plan, aber dieser Kampf hat seitdem weiter gewuetet, jedoch mit einem beachtlichen Mass von Erfolg auf Seiten der freien Laender.
Wenn wir auf den Zeitraum von 19^7 - 1950 zurueckblicken,
koennen wir feststellen, dass wir waehrend di'eser Zeit unsere
eigene Verteidigung vernachlaessigt haben. nV'ir wissen das
jetzt, und wir wissen auch, dass die Welt in einer viel besseren Verfassung gewesen waere, wenn die Vereinigten Staaten einen
11 -

�viel groesseren ausbau ihrer Ruestungan beibehalten haette,
als dies wirklich der Fall war. .Vir wissen ebenfalls, dass
das gleiche fuer Europa gilt, 'fliegen dieser Vernachlaessigung
von 1947 - 1950 muessen wir durch einen besonders intensiven
Nachdruck auf der Ruestungsseite waehrend der naech3ten paar
Jahre einen Ausgleich schaffen, Es wuerde jedoch ein schwerer Fehler sein, wenn wir es zuliessen, dass dies als eine
Preisgabe der Aufgabe, das Los des Menschen zu verbessern,
missverstanden wuerde.
Fuer mich ist es klar, dass wir Kanonen und Brot zuwege
bringen muessen - dass wir es sollten - und dass wir es koennen. &lt;Yir koennen die Ruestungsstaerke Europas und der Kordatlantischen Gene inschaft ausbauen und gleichzeitig den Lebensstandard in Europa erhoehen, sowie die Aussichten auf eine
weitere Verbesserung des Lebensstandards auf lange dicht in
starkem Kasse vergroessern.
Ich moechte jetzt gern diese allgemeinen Ziele und Normen in eine Serie spezifischer Ziele umsetzen. Hier moechte
ich von Dingen sprechen, mit denen sie alle vertraut sind.
Zunaechst handelt es sich einmal um den Aufbau der Verteidigung in Europa.
Zweitens gibt es die nufgabe, Europas Erzeugung und Produktivitaet zu erhoehen;
Drittens besteht die Notwendigkeit, eine viel gerechtere
Verteilung der europaeischen Erzeugung, als sie heutzutage in
weiten Gebieten dieses Kontinents besteht, zu bewirken.
Ich moechte Ihnen nahebringen, dass diese drei Dinge zusammengehoeren. Keines von ihnen ist auf lange Sicht ohne die
beiden anderen zu verwirklichen. Sie sind miteinander verbunden, so wie es etwa das Ziel war, «merika aufzubauen und die
Indianer bei diesem Prozess beiseite zu draengen.
Sie koennen keine erhoehte europaeische Produktivitaet
und einen wirklich hohen Lebensstandard in Europa auf lange
Sicht erreichen, ohne die militaerische Staerke Europas auszubauen. Diese Feststellung mag auf Sie wie ein Schock wirken.
Es ist heute in Europa die weitverbreitete Tendenz vornanden,
an das Jiederaufruestungsprogramm zu denken, als ob man an
Rizinu3oel daechte. Es ist etwas, was Sie schlucken muessen,
aber Sie betrachten es in aeusserst negativer '..'eise. Es wird
als eine schmerzliche, wenn auch notwendige Ablenkung der
Hilfsquellen von der Hauptbeschaeftigung der menschlichen Rasse
angesehen. Man denkt daran als an etwas, das die Genesung,
die europaeische Stabilitaet, unterbindet und die wir alle zuwege zu bringen hoffen, das andere aber nichtsdestoweniger
tun muessen.
Die Ruestung ist nicht nur eine Notwendigkeit fuer die
Erhaltung unserer Freiheit, sondern man kann auch das materielle
Potential Europas ohne diese nicht verwirklichen. Warum? Wenn
Sie auf die Entwicklung Europas zurueckblicken, werden Sie
feststellen, dass die Furcht einer der groessten Einzelfaktoren i3t, die den wirtschaftlichen Fortschritt verhindern. Die
Sowjet-Union ist sich darueber klar, und sie hat die Furcnt
vor dem Kriege und vor der Invasion als wesentlichstes und systematischstes Instrument bei ihrem Angriff auf Europa benutzt.
- 3 -

�Furcht verschaerft und verschlimmert soziale Spannungen
und unterbindet eine gemeinschaftliche Aktion innerhalb der
einzelnen Nationen und untereinander. Sie vertieft den Restriktionismus und den Protektionismus; sie verhindert ein
staerkeres Ansteigen der Investierungen und Flanungen auf
lange Sicht.
Lassen Sie mich dies an dem Falle Frankreich illustrieren. Unsere Leute von der Landwirtschaft haben uns gesagt,
dass es moeglich sein wuerde, die landwirtschaftliche Erzeu-?
gung Frankreichs in vier oder fuenf Jahren zu verdoppeln.
Um das zu erreichen, muessen sie Schritt A, B, C, D, und E
tun. Sie werden diese Schritte auch vornehmen, in der Hoffnung, dass sie zu irgend etwas fuehren werden. In einer Atmosphaere, bei der Sie staendig glauben, dass die Welt um Sie
herum in die Luft gehen wird, unternehmen Sie nicht etwas, was
vier oder fuenf Jahre lang keine Ergebnisse zeitigen wird.
Das Gleiche gilt fuer Investierungsprogramme, Arbeiterschulungsprogramme und aehnliches.
Wir wissen, was die Kapitalflucht fuer Europa bei dem
Versuch, eine stabile Genesung zu erreichen, bedeutet hat,
und wir wissen, dass nichts besser dazu angelegt ist, die
Kapitalflucht zu verringern, als die Verringerung der Furcht
vor dem Kriege. Bevor sich die Voelker './Osteuropas nicht
einigermassen sicher gegen Invasion und Krieg fuehlen, werden
sie nicht die Bedingungen schaffen koennen, die es den Voelkern
//Osteuropas ermoeglichen, die latenten wirtschaftliohen Moeglichkeiten dieses reich gesegneten Kontinentes zu verwirklichen.
Behalten Sie das im Auge. Erinnern Sie sich deren, dass es
gerade so wahr ist, dass Sie eine wirkliche Verteidigung
Europas nicht ohne wirtschaftliche Staerke erreichen koennen,
wie es ebenso zutrifft, dass Sie wirtschaftliche Stabilitaet
und wirtschaftliches Gedeihen in Europa nicht ohne militaerische
Sicherheit erzielen koennen.
Sie muessen diese Schutzwehr errichten, und hinter dieser
Schutzwehr koennen Sie die Aufgabe, fuer die Zukunft zu bauen,
durchfuehren.
/ie steht es mit der Produktivitaet? Es ist klar, dass
die europaeische Erzeugungskapazii;aet wesentlich ist fuer die
Verteidigung Europas. Velches sind die Moeglichkeiten fuer
eine erhöhte Produktivitaet? Ich habe mir Muehe gegebenv
Statistiken zu vermeiden, ich moechte jedoch eine erwaehnen,
von welcher Sie schon zuvor gehoert haben, ich denke, sie het
Gueltigkeit und ist bedeutsam. Sie hat mit der Auffassung von
einem nationalen Bruttoerzeugnis zu tun, womit in Kurzschriftform beschrieben wird, was ein Volk waehrend eines bestimmten
Jahres erzeugen kann.
Das Bruttosozialprodukt Europas hat einen Wert von 135
Milliarden Dollar an Guetern und Dienstleistungen. Wenn die
Produktivitaet Europas pro Kopf die bleiche waere wie diejenige
der Vereinigten Staaten, wuerde Europa jedes Jahr nicht 135
Milliarden Dollar, sondern 450 Milliarden oder 5ü0 Milliarden
an Guetern und Dienstleistungen produzieren.

- 4-

�Lassen Sie uns die Tatsache als gegeben hinnehmen, dass
die europaeische Produktivitaet in absehbarer Zeit nicht derjenigen Amerikas angeglichen werden kann. Es ist jedoch einwandfrei moeglich, dass die europaeische Produktivitaet ein
Drittel dieser Luecke innerhalb eines absehbaren Zeitraumes
schliessen kann. Wenn die Produktivitaet soweit gesteigert
werden koennte, um ein Drittel dieser Luecke zu decken, so
wuerde das bedeuten, dass Europa jedes Jahr 100 Milliarden oder
mehr seiner Leistung an Guetern und Dienstleistungen hinzufuegen
wuerde. Das wuerde bedeuten, dass genug Gueter und Dienstleistungen vorhanden waeren„ um eine gewaltige, bewaffnete
Streitmacht fuer Europa aufzubauen und um gleichzeitig einen
erhoehten Lebensstandard zu erreichen. Das sind tatsaechlich die
Moeglichkeiten der Leistungsfaehigkeit in Europa. Sie sind zu
verwirklicheni, wenn wir die politische Geschicklichkeit, die
Zaehigkeit und Vorstellungskraft besitzen, sie in die Tat
umzusetzen.
Eine der Voraussetzungen, die erforderlich ist, um dies
zustande zu bringen, ist eine gerechtere Verteilung der Erzeugung. Bei einer letzten Analyse bedeutet erhoehte Erzeugung
- Erzeugung durch lebendige Menschen, durch die Bauern, die
Arbeiter und die verantwortlichen Leiter des europaeischen
Wirtschaftslebens. Man kann Methoden entwickeln, und man kann
Geraete entwicklen, aber wenn man nicht die Beweggruende kennt
und den Ansporn besitzt, um sie zur Ausfuehrung zu bringen,
wird man die menschliche Energie nicht entfachen. Wenn die
grosse Hasse der Bauern, verantwortlichen Geschaeftsleiter,
Bueroangestellten, Arbeiter, und so fort, die im produktiven
Arbeitseinsatz in Europa stehen, keinen Vorteil fuer sich selbst
bei einer Steigerung der Produktivitaet herausspringen sehen,
dann wird man diese nicht erreichen. Man wird sie nicht erreichen, ungeachtet aller technischen Unterstuetzun^sgruppen,
die die Vereinigten Staaten stellen moegen. Man wird sie nicht
erreichen, selbst wenn man saemtliche Gewerbeschranken zerschlaegt. Diese Dinge sind zwar notwendig, aber sie werden nicht
ausreichend sein. Man braucht den zuendenden Funken und die
Beweggruende, um die menschliche Energie zu entfachen.
Ich moechte einige Statistiken fuer unser eigenes Land
erwaehnen. Ich tue dies, um meinen Standpunkt zu illustrieren.
Jederman hat Kenntnis von der steigenden Leistungsfaehigkeit
Amerikas von 1900 bis 1950. Jederman wei3S, dass im Jahre 1900
die Leistungsfaehigkeit Europas und der Vereinigten Staaten
ungefaehr gleich gross war. heute ist die Produktion pro Kopf
in den Vereinigten Staaten 3, 4 oder 5 mal so gross wie diejenige Europas, ./eniger allgemein bekannt ist eine andere tiefe
Stroemung, welche diese Ausweitung begleitete.
Neulich sah ich einige Einkommensteuer-Statistiken, die
durchaus aufschlussreich waren. Im Jahre 1950 waren es 33 oder
34 Prozent - - ich entsinne mich nicht mehr der genauen Zahl - der Bevoelkerung der Vereinigten Staaten, die ein Einkommen
von mehr als 3000 Dollar pro Jahr hatten. Im Jahre 1939, also
gerade 11 Jahre frueher, hatten nur 23 Prozent unserer Bevoelkerung
ein Einkommen, das nach ihrer tatsaechlichen Kaufkraft den 3000
Dollar des Jahres 1950 gleichwertig war. V.'enn wir 3000 Dollar
als einen Ausdruck fuer Kaufkraft und nicht als eine Zahl benutzen, so stieg der Anteil der Leute mit diesem Einkommensbetrag
von 23 Prozent auf 33 Prozent zwischen 1939 und 1950.
- 5 -

�Ich kann Ihnen dieselbe Sache in einigen einfachen
menschlichen Beispielen erzaehlen. Ich weiss nicht, wieviele von Ihnen die Ergebnisse der 1950er Volkszaehlung in den
Vereinigten Staaten durchgesehen haben. .Vir alle wissen
natuerlich, dass waehrend der vergangenen 50 Jahre die Entwicklung der grossen Staedte mit ihren Mietwohnhaeusern
stattgefunden hat. '.Vir alle haben das Emofinden, als ob wir
uns in eine Art des verstaedterten Lebens hineinbegeben haben,
das dahin geht, das Eigenheim zu verdraengen. Fuer mich war
daher keine Zahl in der 1950er Volkszaehlung auffallender als
die Zahl der Eigentuemer eigener Heime. Diese Zahl war naemlich die hoechste, seit man damit begonnen hat, diese Frage
zu stellen. Im Jahre 1890 hat man zum ersten Male damit angefangen, die Frage zu stellen, wieviele Le^te Eigentuemer
eines eigenen Heimes seien. Der Verhaeltnissatz der Bevoelkerung, der ein eigenes Keim hatte, war im Jahre 1950 groesser,
als er es je zuvor gewesen ist, trotz der Verstaedterung in
den Vereinigten Staaten.
Sie koennen die gleiche Feststellung auf dem Gebiet der
Erziehung machen. Im Jahre 1900 gingen 7 - IC Prozent der
Kinder in den Vereinigten Staaten, die sich im vorgerückteren hoeheren Schulalter befanden, noch in die hoehere
Schule. Im Jahre 1950 besuchten annaehernd 80 Prozent der
Kinder, die sich in dem vorgerueckteren hoeheren Schulalter
befanden, noch die hoehere Schule.
Ich koennte auch die wohlbekannte Steigerung bei den
Loehnen erwaehnen, die sich seit 1900 mehr als verdoppelt
haben. Ob Sie es nun von der Seite der Erziehung, der Eigenheime oder des Einkommens aus betrachten - - Sie koennen
immer feststellen, dass die Ausweitung Amerikas von einer Ausstreuung der Fruechte der amerikanischen Erzeugung begleitet
worden ist.
Einer der auffallendsten Unterschiede zwischen den amerikanischen und den europeeischen Gewerkschaften besteht in ihrer Haltung gegenueber der Erzeugung. Die amerikanischen Gewerkschaften halten es fuer erwiesen, dass es im Interesse des
Volkes liegt, die Erzeugung zu steigern. Es ist eins der
Hauptthemen der AFI und des CIO. Der durchschnittliche europaeische Gewerkschafter neigt dazu, systematische Plaene zur
Steigerung der Produktivitaet als Machenschaften anzusehen, um
aus ihm mehr herauszupressen, ohne dass er selbst irgendetwas
davon haette. Es war ein unerlaessliches Element bei der Produktivitaetssteigerung in den Vereinigten Staaten, dass sich
die amerikanische Arbeiterschaft der Tatsache bewusst war,
dass eine Steigerung in der arzewung zu ihrem eigenen Nutzen
ging.
Lassen Sie mich jetzt zu meinem naech3ten Punkt uebergehen. Ich habe versucht aufzuzeigen, dass man kein wirtschaftliches Gedeihen ohne militaerische Sicherheit haben und dass
man keinen wirksamen üusbau der Verteidigung in Europa ohne
wirtschaftliche Staerke erreichen kann. Ich habe ausserdem
versacht aufzuzeigen, dass man keine gesteigerte Produktivitaet erreichen kann, ohne dass man eine Verteilung der Fruechte
der Erzeugung auf einer breiteren Basis vorsieht, yunmehr
moechte ich zu meinem letzten Punkt kommen.
Sie koennen das Los der grossen Mehrheit der europaeischen Bevoelkerung, es sei denn innerhalb sehr enger Grenzen,
6 -

�nicht wesentlich verbessern ohne eine Steigerung der europaeischen Leistungsfähigkeit. Die Gesamterzeugung Europas
ist unzureichend, um einen weitverbreiteten angemessenen Lebensstandard auf einer breiten Basis zu gewaehrleisten. Es
ist nicht genug vorhanden, um gerade auszukommen. Jeder Prozess, der die Energien Europas auf eine erbitterte Balgerei
um die vorhandenen Vorraete konzentrieren wuerde, koennte nur
zu sozialen Umwaelzungen, zu allgemeiner Verwirrung oder einer
anders verteilten ^rmut fuehren. Er wuerde darauf hinausgehen, Europa zu seinem eigenen Feinde zu machen. Andererseits
ist es sozial, politisch und nraktisch durchfuehrbar, die Erzeugung zu steigern und sich die Gewissheit zu verschaffen,
dass ein geteilter Zuwachs besser ist. Es gibt viele .Vege,
um solch eine gerechte Verteilung durchzufuehren. Es kann
auf dem 7/ege der Lohnpolitik, der Steuerpolitik, der Preispolitik und durch andere Formen der Regisrungseinwirkung erreicht werden. Es kann auch durch den Lebensprozess einer
Gesellschaft, abseits von jeglicher Regierungseinwirkung, geschehen, so wie es sich in weitem Kasse in den Vereinigten
Staaten als wahr erwiesen hat.
Hat irgend jemand von Ihnen einen Blick in den Vertrag
der General Motors Corporation mit der Vereinigten Autoarbeitergewerkschaft geworfen, der vor ein oder zwei Jahren unterzeichnet wurde? Es ist ein bemerkenswertes Schriftstueck
wegen des Lichts, das es auf den Stand der Erziehung bei der
amerikanischen Arbeiterschaft und auch der Arbeitgeberseite
wirft. Es war ein Vertrag, in welchem die General Motors
automatische Lohnerhoehungen ueber einen Zeitraum von fuenf
Jahren hinweg bewilligten. Diese Erhoehungen beruhten, soweit
ich mich erinnere, auf einem Voranschlag der jaehrlichen Produktivitaetssteigerungen. Die Gewerkschaften und die Arbeitgeberseite waren sich in ihrem Urteil einig, dass es moeglich sei, eine solche jaehrliche Steigerung der Produktivitaet zu erzielen.
Von seiten der Arbeiterschaft bedeute es die Erkenntnis,
dass eine Steigerung der Produktivitaet der richtige »Veg sei,
um ihre Loehne zu erhoehen und einen betraechtlichen Anteil an
dieser Steigerung zu erhalten. Von seiten der Arbeitgeber
bedeutete es die Uebernahme der Verantworung dafuer, dass
eine gesteigerte Produktivitaet tatsaechlich erzielt wuerde,
und das Zugestaendnls, dass es ihre Funktion sei, die Produktivitaet zu steigern, und dass ihre Fruechte in gerechter
Weise zu teilen sein wuerde.
Dieser Vertrag ist ein hoechst bemerkenswertes Schriftstueck, sowohl vom Standpunkt der Beziehungen zwischen der
Arbeitgeberseite der Automobilindustrie und den Arbeitern,
als auch von den Erziehungsmoeglichkeiten her. &lt;.'ir erinnern uns noch der bitteren Streiks des Jahres 1936, und wir
stellen fest, was fuer bemerkenswerte Fortschritte zwischen
den Jahren 1936 und 1950 gemacht worden sind, als dieser
Vertrag unterzeichnet wurde.
ich habe mich bei Ihnen hier ins Plaudern verloren. Ich
habe versucht, laut vor Ihnen zu denken. So wie ich die
Dinge sehe, kommen ,v&gt;ir von zwei Gedankengängen her zu aehnlichen Schlussfolgerungen. Der eine setzt bei einer vViederorwaegunp' unserer fundamentalen Ziele ein. Der andere setzte
bei einer Betrachtung unserer dringendsten unmittelbaren Beduerfnisse ein.
- 7-

i

�Was brauchen wir wirklich im Leben?
auf Gerechtigkeit und Freiheit beruht.

Sinen Frieden, der

Was bedeutet das in der Sprache der Welt, wie sie uns
gegeben ist? Ein gleichmaessig durchgefuehrtes Programm zu
beginnen, durch das der Kreml in der freien und der von ihm
ueberschatteten weit wie auch in der Welt seiner Satellitenstaaten, aus der Macht gedraengt wird, und gleichzeitig ein
Programm der Entwicklung und des Gedeihens zu beginnen, bei
welchem alle Voelker den festen Glauben haben, dass sie eine
Welt aufbauen, die auf positiven Werten beruht, und dass sie
diejenigen zurueckdraengen muessen, die diese Welt zerstoeren
wollen.
Das dringendste, unmittelbare ßeduerfnis in Europa ist
heute die Wiederaufruestung. Bei der Untersuchung dieses
Beduerfnisses sind wir zu der Schlussfolgerung gekommen, dass
die /iederaufrttstung Hand in Hand mit einem stetig durchgefuehrten Programm einer gesteigerten Produktivitaet und einem
Programm fuer eine gerechtere Verteilung der gesteigerten Erzeugung, als dies bisher geschehen ist, vor sich gehen muss.
Kanonen und Brot sind nicht nur miteinander vereinbar,*
sie sind zuweilen miteinander notwendig. Nur, wenn Sie Ihre
Perspektive auf ein paar wenige Monate begrenzen, werden Sie
unter der Einbildung leiden, dass sie miteinander in Widerspruch staenden. einige wichtige Elemente im DOlitischen Leben Europas von heute trachten danach, eine politische Streitfrage um diesen angeblichen Konflikt zwischen wirtschaftlichem
Aufschwung und militaerischer Sicherheit aufzurichten. Wenn
diese jedoch aus der richtigen Perspektive, auf weite Sicht
und im Lichte der wirklichen Tatsachen betrachtet werden,
stuetzen sie sich gegenseitig.
ECA-Inf orma t i on
BULGARISCHE FLÜSCHTLINGE BESIEDELN MIT nILFE HES MARSKALLPLANS
UNBEBAUTE GEBIETE DER TUERKEf
~"
Dreissig neue Doerfer werden zur Zeit in der Tuerkei
aufgebaut und sollen zu Anfang des Jahres 1952 fertiggestellt
sein, um einen Teil des ungeheuren Zustroms bulgarischer
Fluechtlinge aufnehmen zu koennen. Heimatlos und verlassen
ueberqueren taegllch Hunderte von Moslems tuerkischer Abstammung, von Bulgarien kommend, die tuerkische Grenze, weil sie
der staendigen Verfolgung muede sind. Unbebautes, fruchtbares
Ackerland in den westlichen, mittleren und oestlichen Teilen
der Tuerkei ist fuer diese Fluechtlingsfamilien bereitgestellt
worden.
Ueber 200 000 Menschen, die in Bulgarien geboren und
gross geworden sind, kamen in den ersten neun Monaten des Jahres 1950 an den offiziellen Grenzuebergangsstellen in die
Tuerkei. Man rechnet bis zum Ablauf des Jahres 1951 mit weiteren 50 000. Es sind noch keine Anzeichen dafuer vorhanden,
dass dieser Zustrom abnehmen wird, oder dass im naechsten oder
usbernaechsten Jahr diese unertraegliche Diskriminierung ein
Ende haben wird, die diese Menschen aus ihrer Heimat vertreibt.
Bereits seit mehr als 30 Jahre kommen Emigranten aus Bulgarien in die Tuerkei. Es waren jaehrlich jedoch nur rund
8 -

�150 000. Diese Zuwanderung hatte unmittelbar nach der Aufloesung des Osmanischen Reiches im Jahre 191© begonnen. Die
tuerkischen Moslems kamen nicht nur aus Bulgarien, sondern
auch aus anderen noerdllchen Teilen des Reiches, um sich
innerhalb der Grenzen der heutigen Tuerkei einen Wohnsitz
zu suchen. Diese Umwanderung war jedoch freiwillig, verursacht durch den ,7unsch der Moslems, sich in der Heimat ihrer
Rasse niederzulassen und unter Angehoerigen ihrer Religion
und ihrer Sprache zu leben. Dieser langsame Zustrom wurde
1950 zur Flut. Die kommunistische Regierung Bulgariens unterdrueckte die Moslems, die so viele Jahre in Bulgarien gelebt hatten, durch ein Regime der rücksichtslosen politischen, religioesen und wirtschaftlichen Verfolgung. Diskriminierende und ungerechte Steuern wurden ihnen auferlegt,
ihre Ernten beschlagnahmt, man verweigerte ihnen die Lebensraittelrationen, und die Freiheit der Religion wurde ihnen
nicht gewaehrt. Sie wurden in ihren Staedten und Doerfern
verdaechtigt, und ihre normalen Beziehungen zu ihren Mitbuergern und alten Freunden wurden unterbrochen. Diejenigen,
die ihnen freundlich gesinnt waren oder mit ihnen in Geschaeftsverbindung standen, wurden bedroht.
Diese Verfolgung, mit der man offensichtlich bezweckte,
die Minderheit der Moslems aus Bulgarien zu vertreiben, hatte
nooh eine andere Folge, die von erfahrenen politischen Beobachtern ebenfalls, ßls beabsichtigt bezeichnet wird. Es war
die Tatsache, dass Hunderttausende hilfloser Menschen, die
meist im hohen Alter standen und arbeitsunfaehlg waren, zur
Belastung der tuerkischen Wirtschaft in dieses Land getrieben wurden, um damit das oestlichst gelegene Mitgliedsland
der demokratischen Voelkergemeinschaft des Westens zu schwaechen und zu schaedigen. Im Jahre 1951 erreichte diese Verfolgungskampagne in Bulgarien einen neuen Hoehepunkt, und
der Strom der Fluechtlinge, die die Grenze ueberquerten,
wuchs zu einem Tagesdurchschnitt von 800 und einem Jahresdurchschnitt von 292 000 Menschen an.
Die tuerkischen Bauern und die tuerkische Regierung gaben
sioh alle erdenkliche Muehe, diese hilflosen Menschen so gut
wie moeglich aufzunehmen. Das Problem nahm jedoch in kurzer
Zeit solche Auamasse an, dass es als internationales Problem
gewertet werden musste. Ein Ansiedlungsprojekt mit einem Kostenaufwand von 25 Millionen Dollar wurde vorbereitet, und
die Internationale Fluechtlingsorganisation {IR0) und der
Marshallplan stellten Geldmittel und Sachverstaendige zur Beratung zur Verfuegung.
Von diesen 25 Millionen Dollar wurden 10,7 Millionen
durch den Marshallplan aufgebracht,
die ausnahmslos fuer die
Sinrichtung der Doerfer, fuer ;«rohnhaeuser,- Scheunen, Saat,
Viehbestand, Bekleidung und aerztliche Betreuung verwendet wurden. Diese Unterstuetzung durch den Marshallplan hat nicht
nur humenitaere sondern auch wirtschaftliche Bedeutung. Die
Haelfte der Fluechtlinge sind bis jetzt in bisher nicht bebauten Gebieten angesiedelt worden. Alle, die man noch in Zukunft
ansiedeln wird, werden Neuland erschliessen. Neues Ackerland
bedeutet neue Ernten, und wie die '.Virtschaftsberater des Programms erklaerten, neue Ernten bedeuten mehr Lebensmittel fuer
die Tuerkei und fuer den Export nach anderen Landern, die
selbst nicht genuegend Nahrungsmittel erzeugen.
9 -

�I
Der tuerkisc:;e Bauer, der groesstenteils in ^rmut und
Abgeschlossenheit von der Aussenwelt in Lehmhuetten wohnt,
hat dem allgemeinen Aufruf zur Unterstuetzung der Fluechtlinge gegenueber eine erstaunliche Grosszuegigkeit an den Tag
gelegt. Nur alte und sehr junge Leute kommen aus Bulgarien.
Diejenigen, die im militaerdienstpflichtigen Alter stehen,
werden hinter dem Eisernen Vorhang zurueckgehelten. Wenn
auch die am meisten begehrten, im arbeitsfaehigen Alter Stehenden nicht in diesem Fluechtlingsstrom zu finden sind, so
haben die Tuerken doch ihren Glaubensgenossen ohne Vorbehvlt
eine herzliche Aufnahme bereitet, und sie teilen bereitwillig
ihr schweres Los.
In einem Bezirk der Tuerkei, in dem jedes Dorf eine ümigrantenfamilie aufgenommen hatte, stellte man den Fluechtlingen eine V/ohnung zur Verfuegung, und materielle Spenden sollten ihnen ueber die ersten 3echs Monate hinweghelfen. In einem
anderen Ort war der Fluechtling, der sich dort niederliess,zufaellig ein Priester. Die Dorfbewohner ernannten ihn zu ihrem
Dorfpriester, und jeder spendete fuer seine Familie ein Schaf,
um ihr den Anfang zu erleichtern.
Diese Grosszuegigkeit in den Doerfern war eine grosse
Hilfe, reichte jedoch nicht aus, um mit den staendig wachsenden Anforderungen Schritt zu halten. Denn fast alle Fluechtlinge kommen mit nur ganz wenig Habseligkeiten ueber die
Grenze; sie besitzen bestenfalls eine Wolldecke und ein paar
Gegenstaende, die sie in ihren Schal gewickelt haben. Alles
uebrige wurde ihnen von kommunistischen Grenzbeamten abgenommen. Die meisten Familien bringen ihren Ofen mit an die Grenze. Fuer sie ist er mehr als ein Gegenstand, auf dem man
kocht; ar bedeutet ihnen Waerme, Haeuslichkeit und Heimat.
Die Grenzwachen erheben auf einen Ofen, der vielleicht 200
Lira gekostet hat, einen Zoll von 2 000 Lira, und der Fluechtling muss ihn schweren Herzens jenseits der'Grenze lassen.
Sie sitzen bedrueckt in den tuerkischen Aufnahmelagern, ihre
wenigen Habseligkeiten aengstlich bewachend. Die Sorge um
das Schicksal, das sie erwartet, steht jedem ins Gesicht geschrieben.
90% der Fluechtlinge sind Bauern, die fuer die Landwirtschaft der Tuerkei wertvolle Arbeitskraefte sind. Die restlichen 10% sind Handwerker, die fuer den Aufbau der 30 neuen
Doerfer sehr wertvoll sind. Etwa die Haelfte der ankommenden
Familien wird von amtlicher Seite als "hilflos" eingestuft,
d.h., dass sie keine Verwandte in der Tuerkei haben7 die ihnen helfen koennen, und dass sie ueber keinerlei Mittel verfuegen.
Diesen Mittellosen stellt man 12 Hektar staatseigenen
Landes,, ein Hau», Ochsen, Arbeitsgeraete, Säet, Viehfutter,
Lebensmittel und Geld zur Verfuegung, das ihnen bis zum Verkauf der ersten ISrnte ausreicht.
In vielen Faellen schliessen sich die Dorfbewohner zusammen, um gemeinsam dem Fluechtling ein Haus zu bauen. Die
Fluechtlinge selbst arbeiten am schwersten und am laengsten.
Bis jetzt sind die Fluechtlinge in den westlichen und mittleren Teilen der Tuerkei angesiedelt worden. Doch diese Gebiete sind bald nicht mehr aufnahmefaehig. Die Doerfer sind besetzt, und das gute Ackerland ist bereits vergeben. Neu an- 10«
*

�kommende Fluechtlinge werden jetzt nach den oestlichen Teilen
der Tuerkei geleitet, ein abgelegeneres und nicht kultiviertes Gebiet, in dem jedoch gutes, unbebautes Ackerland im
Ueberfluss vorhanden ist. Die Ansiedlungsmoeglichkeiten in
diesen Gebiet werden zurzeit geprueft. In dem gesamten Gebiet muessen neue Strassen gebaut, die WasServersorgung muss
sichergestellt und Bauernhoefe muessen gebaut werden. Die
Anbauflaeche der Tuerkei ist fast um 20^. groesser als 1947.
Die Ertragfaehigkeit eines Morgens ist um 13$ gesteigert.
In dem gleichen Zeitraum haben sich die Einkuenfte aus dem
Verkauf von Weizen verdoppelt. Dies ist zum grossen Teil
dem Arbeitseifer der handfesten tuerkischen Landbevoelkerung
zu verdanken.
Auch das landwirtschaftliche Erweiterungsprogramm der
tuerkischen Regierung ist eine Ursache hierfuer und nicht zuletzt die landwirtschaftlichen Maschinen und die Ratschlaege
und Instruktionen von Sachverstaendigen, die der Marshallplan
zur Verfuegung gestellt hat. Ein Teil des Erfolges ist zweifellos auch den bulgarischen Fluechtlingen zuzuschreiben, deren Bemuehungen nun anfangen, sich bemerkbar zu machen. Man
sieht sie bei schwerer Arbeit auf den Feldern Anatoliens.
Reisende treffen sie auf den Feldwegen und Dorfstrassen in
ihrer neuen, von Schweiss und muehseliger Arbeit beschmutzten
khakifarbenen Kleidung an. Sie unterhalten sich in einer
Sprache, die man sonst in der Tuerkei nicht hoert. Sie haben
noch sehr wenig, aber sie haben eine neue Heimat gefunden, sie
leben in Freiheit und haben die Moeglichkeit, in den riesigen,
unerschlossenen Gebieten der Tuerkei zu arbeiten.
ECA Information
1/3/51
Richard H. Gordon, Vorsitzender der AFL Gewerkschaft der
Filmkomparsen:
DIE GEWERKSCHAFT DER FILMKCUPARSEN IN AMERIKA
-Vor vielen Jahren, als die in der Filmindustrie Hollywoods Beschaeftigten noch nicht gewerkschaftlich organisiert
waren, charakterisierte ein Arbeitgebervertreter die Arbeit
der Filmkomparsen "als den undankbarsten und unbefriedigsten
Beruf in der Liste aller menschlichen Besohaeftigungen".
Diese Erklaerung beruhte zu jener Zeit zweifellos in
mancherlei Hinsicht auf Wahrheit. Aber inzwischen konnten
die Komparsen dank ihrer Zugehoerigkeit zu einer starken Gewerkschaft der AFL ihr Los wesentlich verbessern. Es bleibt
natuerlich noch manches zu tun, aber wir sind dabei, unsere
Ziele zu verwirklichen.
Im Grunde war das Hauptproblem der KoiüDarsen die Tatsache, dass die Filmindustrie zwar zu jeder Zeit auf eine bestimmte Reserve an Talenten zurueckgreifen koennen muss, dass sie
diesen wichtigen Arbeitskraeften jedoch keine dauernde Beschaeftigung bieten kann.
Im Jahre 1936 wurde zum Beispiel die anfallende Konparsenarbeit in Hollywood unter 22.937 Personen verteilt, mit
dem Ergebnis, dass die durchschnittliche Zahl der pro Arbeit- 11 -

�nehmer gearbeiteten Tage in dem ganzen Jahr nur 11,72 und
das durchschnittliche Jahreseinkommen pro Einzelperson nur
105,63 Dollar betrugen.
1940 hatten die Filmkomparsen in der Filmschauspielergewerkschaft der AFL eine wirksame Vertretung, und die Zahl
der Personen, die sich fuer die Arbeit als Komparsen bereithielten, war auf 7007 zurueckgegangen. Das durchschnittliche
Jahreseinkommen pro Arbeitnehmer in der Komparserie war auf
361 Dollar angestiegen.
Nach 1945 entstand die Gewerkschaft- der Filmkomparsen
als selbstaendige Organisation, und die Zahl der registrierten Komparsen wurde bis zum Ende des Jahres 1950 noch weiter
reduziert. Sie erreichte damals den bisher niedrigsten Stand
von 3.467 Personen, die in diesem Jahr insgesamt 3.941.954
Dollar verdienten. Damit erreichte das durchschnittliche
Jahreseinkommen den bisher hoechsten Betrag von 1.137 Dollar.
Dies ist zwar noch immer eine sehr bescheidene Zahl, aber
man darf nicht vergessen, dass es ein Durchscnitt fuer eine
gesamte Berufsgruppe ist, in der einige Rassentypen und sonstige Sondertypen vertreten sind, die nicht mit regelmaessiger
Beschaeftigung waehrend des ganzen Jahres als Komparsen rechnen koennen, weil es nicht genuegend Filme gibt, in denen
sie gebraucht werden. Viele Komparsen verdienen heutzutage
jaehrlich zwischen zwei- und viertausend Dollar. Einige haben nooh ein weit hoeheres Einkommen.
Die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Berufskomparsen ist durch die verstaendnisvolle Zusammenarbeit zwischen der AFL Gewerkschaft der Filmkomparsen und den Arbeltgebern ermoeglicht worden.
Seit jenen Tagen, als Komparsen taeglich fuer drei Dollar und ein Eintopfessen arbeiteten, sind ihre LIindestloehne
um mehrere hundert Prozent erhoeht worden. Und Tausende ungelernter Amateurkomparsen sind ausgeschaltet worden und konkurrieren nicht mehr mit den erfahrenen Berufskomparsen um
die Rollen, die zum groessten Teil von "Central Casting",
der Arbeitsvermittlungsbehoerde fuer Komparsen vergeben werden.
Die Gewerkschaft der Filmkomparsen ist auf die Fortschritte stolz, die sie in der kurzen Zeit von sechs Jahren erzielt
hat. Sie ist ausserdem darauf stolz, dass sie von.anderen
Gewerkschaften in Hollywood und von den Arbeitgebern anerkannt
wird.
Was ist eigentlich die Arbeit der Filmkomparsen? Sie bilden den menschlichen Hintergrund, vor dem die Filmstars ihre
Rolle spielen, allgemein gesprochen unterscheidet sich die
Arbeit der Komparsen und die der Filmschauspieler dadurch,
dass Komparsen waehrend ihres Auftretens nicht im Diaioc SDrechen.
Sie koennen zum Beispiel als Konnarse in Gala am Tisch
eines Nacht-Clubs sitzen, waehrend die Filnstars tanzen oder
singen. Solange ein Darsteller nicht spricht, ist er Komparse.
Aber wenn er einen Satz oder auch nur ein Wort im Einzeldialog spricht, dann ist er Filmschauspieler und wird dementsprechend besser bezahlt.
- 12 -

�Eine Anzahl von Filmstars waren frueher Komparsen und
andererseits koennen fruehere Darsteller in Stummfilmen
heute Komparsen sein.
Die Gewerkschaft der Filmkomparsen wurde 1945 von einer
Gruppe von Komparsen gegruendet. Zu jener Zeit spielte sich
in den Filmstudios ein erbitterter Streit um die Zustaendigkeitsfrage ab, und die eine Partei der Streitenden wurde
von der kommunistischen Partei unterstuetzt. Eine kleine
Gruppe Stoerenfriede hatte die Komparsen veranlasst, aus
der Filmschauspielergewerkschaft auszutreten, und versuchte
nun, sie in die von den Kommunisten unterstuetzte Organisation aufzunehmen. In diesem Augenblick wachte der uebrige
Teil der Komparsen, der die Mehrheit bildete, endlich auf.
Komparsen sind, ebenso wie Filmschauspieler, grundsaetzlich
konservativ. Sie wollten von ihren kommunistischen Kollegen
• nichts wissen, die den Versuch machten, zur Erreichung ihrer
eigenen subversiven Ziele die Filmstudios zu schliessen.
Wir gruendeten die Gewerkschaft der Filmkonparsen und
vereinigten uns mit der Filmschauspielergewerkschaft und anderen nicht-kommunistischen Organisationen, um die Kommunisten
aus den Studios zu vertreiben. In diesem Kampf bewiesen die
Komparsen Hollywoods, dass sie das Recht haben, Seite an Seite mit anderen Gewerkschaften,um die Verbesserung der Lebensbedingungen des arbeitenden Volkes zu kaempfen.
1946 gewann die Gewerkschaft der Filmkomparsen mit ueberwaeltigender Mehrheit ueber ihre Gegenspieler eine vom Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen durchgefuehrte Zustaendigkeitswahl, und seitdem ist sie die Vertreterin der Filmkomparsen. Unmittelbar nach ihrer offiziellen Anerkennung schloss
die Gewerkschaft ihren ersten Tarifvertrag mit den Filmproduzenten ab, durch den die Komparsen mehr als eine Million Dollar an rueckwirkenden Lohnernoehungem erhielten. Seitdem war
die Gewerkschaft unaufhoerlich bemueht, die Lohn- und Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder zu verbessern.
Unsere wichtigsten Lohntarife fuer den Stundentag sind
folgende: Allgemeine Komparsen 15,56 Dollar, Komparsen in
besonderer Kleidung, T&amp;enzer, Schlittschuhlaeufer oder Schwimmer 22,23 Dollar. Wir haben viele besondere Lohnstufen, so
z.B. fuer Komparsen, die ein Kamel oder einen .Siefanten reiten. Sie verdienen 50 Dollar am Tag. Wenn sie ein Kamel
oder einen Elefanten fuehren, verdienen sie 35 Dollar taeglloh. Fuer Nachtarbeit erhalten sie zusaetzlich 10% und doppelten Lohn fuer Sonntags- und Feiertagsarbeit.
Wenig mehr als ein Jahr, nachdem die Gewerkschaft der
Filmkomparsen unter dem Wagner-Gesetz zur einzig zulaessigen
Vertreterin von Filmkomparsen in Tarifverhandlungen erklaert
worden war, erliess der Kongress ge.-ren das Veto des Praesidenten das Taft-Hartley-Gesetz. Dieses Gesetz bedeutet fuer
uns in unseren Tarifverhandlungen alt den Produzenten ein
furchtbares Handikap, weil mit ihm allen Fersonen, die Arbeit im Film suchen, gleichgueltig ob sie eine Faehigkeit
oder Erfahrungen haben oder nicht, die Tore zu den Studios
geoeffnet werden.
In den Verhandlungen mit den Produzenten, in denen wir
uns darum bemuehten, dieser grossen Gefahr zu begegnen, nahm
- 13 -

�unsere Gewerkschaft eine fuehrende Stellung ein. Schliesslich
konnten wir es durchsetzen, dass erfahrene und registrierte
Komparsen bei der Einstellung bevorzugt werden. Dadurch wurde es verhindert, dass Tausende von unerfahrenen Neuankoemmlingen die Reihen der Filmkomparsen ueberschwemmten, und die
Handlungsweise unserer Gewerkschaft war auch fuer andere Gewerkschaften in der Filmindustrie vorbildlich.
Nach den Bestimmungen unseres Tarifvertrages mit den
Studios i3t ein Ausschuss von Vertretern der Filmhersteller
und der Komparsen gebildet worden, der sich mit besonderen
Problemen befasst, die nicht in dem Vertrag beruecksichtigt
werden koennen. V/ir hatten mehrere Konferenzen ueber Probleme von Minderheitsgruppen besonderer rassischer Herkunft,
und gerade in dieser Hinsicht ist viel Gutes getan worden.
Wenn auch einige dieser Probleme seit vielen Jahren in der
Filmindustrie bestehen und ueber Nacht nicht geloest werden
koennen, so glauben wir jedoch, dass ein besseres Einvernehmen zwischen Unternehmern und Komparsen durch diese Konferenzen gefoerdert wird.
Die Gewerkschaft der Filmkomparsen spielt im Zentralen
Gewerkschaftsausschuss in Los Angeles, im AFL Vorstand des
Staates Kalifornien, im Filmkomitee der AFL von Hollywood
und dem Theaterverband des Staates Kalifornien eine hoechst
aktive Rolle. ;7ir sind ausserdem auf jedem bundesstaatlichen
Kongress der AFL vertreten.
Die Gewerkschaft sieht ihre Aufgabe darin, allen Maennern und Frauen zu helfen, die sich ihren Lebensunterhalt
durch Lohnarbeit verdienen. Auch haben andere Gewerkschaften
Ortsausschuesse und Verbaende von Einzelstaaten unsere Gewerkschaft hundertprozentig unterstuetzt, wenn sie schwierige
Probleme, wie z.B. Vertragsverhan31ungen oder die V/ahrung der
Rechte ihrer Mitglieder nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz, zu loesen hatte. Vor kurzem wurde der Gewerkschaft der
Filmkomparsen von den Delegierten des Zentralen Gewerkschaftsausschusses von Los Angeles, die mehr als 350.000 Mitglieder
der AFL vertreten,hoechste Anerkennung zuteil, als sie den
Exekutivsekretaer dieser Gewerkschaft H. O'Neil Shanks in
den Exekutivaus3chuss dieses Gremiums waehlten, das eine der
bedeutendsten zentralen Koerpersohaften in den Vereinigten
Staaten ist.
Die regierende Koerperschaft der Gewerkschaft der Filmkomparsen ist der Direktorenausschuss, der sich aus 33 im
Arbeitsverhaeltnis stehenden Mitgliedern der Gewerkschaft
zusammensetzt, die von den uebrigen Mitgliedern gewaehlt werden. Alljaehrlich werden £2 .nussohussmitglieder fuer drei
Jahre, und die Funktionaere werden jaehrlich gewaehlt. Alle
Mitglieder des Ausschusses und alle Funktionaere mit Ausnahme
des Exekutivsekretaers sind ehrenamtlich fuer die Gewerkschaft
ta'etig. Wir fuehlen uns geehrt durch die Anwesenheit eines
Philippinen, eines Negers, eines Mexikaners, Chinesen, Hawaianers und eines amerikanischen Indianers in diesem ausschuss.
Es gab eine Zeit, da die meisten Komparsen in Plollywood
am Rande des Elends standen. Die Lage war fuer sie zu einem
gewissen Zeitpunkt, der allerdings viele Jahre zurueckliegt,
so schlecht, dass der Tageslohn von drei Dollar und Mittagessen
- 14 -

�zu 1.25 Dollar und ohne Essen reduziert wurde. Diese Zeit
ist jedoch vorueber und wird solange nicht wiederkehren, wie
die Komparsen in ihrer AFL Organisation vereinigt bleiben.
Hierbei muss ich an die Tatsache denken, dass wir trotz
der niedrigen Beitraege, die an unsere Gewerkschaft gezahlt
werden (monatlich 2 Dollar), in den sechs Jahren seit der
Gruendung unserer Organisation eine finanzielle Grundlage gebildet haben. '.Vir vsrfuepen haute zum Teil in bar, zum Teil
in Schatzanweisungen der Regierung ueber ein Netto-Vermoegen
von 237.295 Dollar, was eine Gewaehr dafuer ist, dass niemand
mehr mit den Komparsen umspringen kann, wie er will.
The American Federationist
VIII/51
DIE BAUINDUSTRIE HAT KOCH VIEL ZU LERNEN
Sir Ben Lockspeiser ist Sekretaer des Referats fuer wissenschaftliche- und Industrie-Forschung der amerikanischen
Bauarbeitergewerkschaft. Kachstehend folgt eine Zusammenfassung der Kommentare, die er ueber die Leistungsfaehigkeit der Bauindustrie gegeben hat, als er vor wenigen Tagen
vor dem Forschungsausschuss der Bauindustrie sprach.
Die Verbesserung der Baumaterialien und der fertigen Baustoffe sowie bessere Kenntnisse ihrer richtigen Verarbeitung
haben sich in den letzten 30 Jahren auf die Planung, die Konstruktion und die Gebaeudeerhaltung ausgewirkt. Das technische .'/issen um Aufbau, Fundamentierung und Baumethoden ist
wesentlich erweitert worden.
Dies sind zweifellos Fortschritte, aber es besteht noch
immer das unanrenehme Gefuehl, dass das Baugewerbe nur sehr
schwer in der Lage ist, Keues zu lernen.
Das allgemeine Bild, das von ihr gegeben werden muss,
spiegelt einen relativen Stillstand wider. Y/aehrend andere Industriezweige wesentliche Fortschritte erzielt haben, hat sich
das Beugewerbe damit abgefunden, rueckstaendig zu bleiben.
Es spricht nicht fuer Eurona, wenn heute dort die Gewohnheit
vorherrscht, nach den Vereinigten otaaten zu sehen, um ueber
bedeutsame technologische Fortschritte Informationen zu erhalten.
Fortschritte in der Technik koennen mit einer Steigerung
der vorfuegbaren mechanischen Energie Hand in Hand gehen. Es
ist die L'aschine, durch die die Menschen von der Knappheit zum
Ueberfluss kamen, u d deshalb sollte einmal die Frage gestellt
werden, inwieweit die Bauindustrie von der L'aschine Gebrauch
macht und dabei wird man feststellen, dass die Verwendung von
^?asohinen dort sehr beschrtenkt ist.
Der Arbeiter der Bauindustrie hatte im Jahre 1935 im
Durchschnitt nicht mehr als die Htelfte einer Pferdestaerke zur
Verfuegung im Vergleich zu 2&amp; Pferdestaerken mechanischer Energie fuer die Arbeiter der uebrigen Kerstellerindustrien. Vermutlich hat sich in der Zwischenzeit dieser Unterschied zuungunsten der Bauindustrie noch erhoeht.
- 15 -

�Beim Aufbau eines Doppelwohnhauses muss ein grosser Teil
der Baumaterialien mehr als einmal transportiert werden, und
es werden tetsaechlich 1200 Tonnen Material hauptsaechlich
mit der Hand befoerdert. Wie jeder moderne Betriebswirt weiss,
ist nichts so teuer wie die angeblich billige ungelernte Arbeit. Die Unkosten fuer Maschinen beim Bau eines Hauses im
Werte von 1300 Pfund Sterling letwa DM 15,500) sind geringer
als 30 Pfund Sterling 1DM 360) im Vergleich zu dem Betrag von
400 Pfund Sterling {DM 4,800), der fuer Arbeitskraefte aufgewendet werden muss.
Es ist Tatsache, dass es sich um eine Industrie handelt,
in der der kleine Unternehmer vorherrscht. 1950 gab es tatsaechlich mehr eingetragene Firmen als Maurer. Etwa 87% der
Baufirmen beschaeftigten weniger als 20 Arbeiter, waehrend
nur 4% mehr als je 1000 Arbeiter hatten.
Etwa ein Drittel aller Bauarbeiter ist in Firmen beschaeftigt, die weniger als 20 Arbeitnehmer haben. Zwei Drittel arbeiten in Betrieben, deren Belegschaft weniger als 100 Mitglieder zaehlt, und nur 12% arbeiten in Unternehmen, in denen 1000
oder mehr Arbeiter beschaeftigt sind.

\

Viele dieser unzaehligen Firmen sind sehr unrentabel. Hierfuer gibt es jedoch keinen triftigen Grund, denn die Groesse
eines Unternehmens ist im allgemeinen kein Gradmesser fuer seine Leistungsfaehigkeit. Ausschlaggebend ist vielmehr, was sich
ein Unternehmer zutraut und wie er seine Arbeit anpackt. V/enn
er versucht, in kleinem Umfang die gleiche Arbeit so wie ein
grosser Betrieb zu tun, ist es fast gewiss, dass er bei der Verwendung seiner Arbeitskraefte verschwenderisch ist.
Auch die kleinen Firmen koennten wirtschaftlich arbeiten,
wenn sie sich auf besondere Arbeiten spezialisieren wuerden,
so z.B. als Vertragsfirmen, die in einem bestimmten Bezirk um
groessere Unternehmen gruppiert werden. Die Verwendung von
Maschinen am Bauplatz koennte dann wirtschaftlicher werden.
Selbst an kleinen Bauplaetzen koennten Maschinen eingesetzt
werden, z.B. fuer Ausschachtungsarbeiten. Dieses System liesse
sich mit dem der Kleinbauern vergleichen, die Traktoren, Maehmaschinen oder Maehdrescher groesserer landwirtschaftlicher Betriebe in Anspruch nehmen, weil sie sich keine eigenen Maschinen leisten koennen.
Jene Bedingungen zu schaffen, die es ermoeglichen, dass
der Bauarbeiter durch einen hoeheren Einsatz der mechanischen
Energie unterstuetzt wird, waere nicht nur im jetzigen Rahmen
der Bautaetigkeit wuenschenswert, sondern, was vielleicht noch
wichtiger ist, es wuerde damit auch die Moeglichkeit geschaffen,
in weiterem Masse Fertigteile entweder im Betrieb oder an der
Baustelle selbst herzustellen.
Ein technischer Fortschritt dieser Art wuerde zu einer
wirksamen Arbeiteinteilung an der Baustelle beitragen und den
reibungslosen Verlauf der einzelnen Arbeitsgaenge garantieren,
wie es in jeder modernen Herstellerindustrie der Fall ist.
Labour X/51

- 16 -

HI000 ? BOT 81 1835« 1 1

10

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar nnd dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 46

Frankfurt, den 16. November 1951

I L H ü L T S V E R Z E I C K N I S
IAO-Konferenz ueber Umsiedlungsfragen

1

Die Kommunisten in Westdeutschland

5

Gewerkschaftliche Entwicklung in Syrien .... 7
Lohnpolitik und Inflationseinfluesse

9

Wann wird endlich mehr produziert?

13

Produktion i3t der Schluessel zum hohen
Lebensstandard

15

IAO-KONFERENZ U^BER UMSIEDLUNGSFRAGEN
Delegierte aus 27 Laendern, lie vom 2. bis 16. Oktober
zu der Konferenz ueber Umsiedlungsfragen in Neapel zusammengekommen waren, sprachen sich fuer die Bildung eines Beratungsausschusses fuer europaeische Umsiedlungsfragen aus.
Diese Konferenz war von der Internationalen Arbeitsorganisation einberufen worden.
Die Konferenz hatte den Zweck, die Probleme der Umsiedlung ueberzaehliger Menschen aus europaeischen Laendern in
Gebiete, die fuer ihre volle Entwicklung zusaetzliche Arbeitskraefte brauchen, zur Sprache zu bringen. Zuvor war
vom Internationalen Arbeitsamt ein ausfuehrliches Programm
aufgestellt worden, in dem die Bildung einer Verwaltung fuer
Umsiedlung und eines Umsiedlungshilfsfonds vorgeschlagen
- 1 -

�wurde. In dem Programm ist vorgesehen, im ersten Jahre
200.000, im zweiten Jahr 300.000 und in den folgenden drei
Jahren jaehrlich 400.000 Personen umzusiedeln. Fuer das
erste Jahr wuerde ein Umsiedlungshilfsfonds zur Verfuegung
gestellt, aus dem zinsfreie Kredite an beduerftige Umsiedler
gewaehrt werden, die sie voraussichtlich in 30 Raten innerhalb von 2fc Jahren zurueckzahlen sollen.
Der Plan des Internationalen Arbeitsamtes sieht ausserdem vor, dass innerhalb dieser Organisation eine Verwaltung
fuer Umsiedlungsfragen gebildet wird, deren Arbeit zu ueberpruefen und nach fuenf Jahren entweder einzuschraenken oder
zu beenden ist. Diese Verwaltung fuer Umsiedlungsfragen
wuerde einem Umsiedlungsausschuss unterstehen, der sich aus
Delegierten solcher Laender zusammensetzt, die Umsiedler
abgeben oder aufnehmen, und die Zahlungen in den eigenen
Sonderfonds dieser Verwaltung vorgenommen haben, der von dem
ordentlichen Budget der Internationalen Arbeitsorganisation
getrennt waere. Ausser den Teilnehmerstaaten, die bei Abstimmungen je eine Stimme haben, wuerden Vertreter der Vereinten Nationen und anderer Faohbehoerden, der Organisation
amerikanischer Staaten, des Europarates und der Organisation
fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas ohne Stimmberechtigung an den Beratungen des Ausschusses teilnehmen.
Bei der Anwendung der vom Ausschuss fuer Umsiedlungsfragen
aufgestellten Richtlinien wuerde ein Umsiedlungsrat behilflich sein, der sich aus Vertretern von 12 Kationen zusammensetzt und fuer zwei Jahre gewaehlt wird. Ferner wuerde
ein Beratungsausschuss mitwirken, der sich aus Vertretern
ueberstaatlicher Organisationen zusammensetzt, die sich direkt mit Umsiedlungsfragen beschaeftigen.
Dieser in Vorschlag gebrachte Beratungsausschuss waere
als Ersatz fuer die von der Internationalen Arbeltsorganisation vorgeschlagene Behoerde anzusehen. Der Vorsohlag wurde
von der Konferenz gebilligt. Die Vereinigten Staaten, Australien und Kanada, d.h. die drei fuehrenden Aufnahmelaender,
enthielten sich der Stimme.
An dieser Konferenz von Delegierten der Regierungen
nahmen folgende Laender teil: Argentinien, Australien, Oesterreich, Belgien, Bolivien, Brasilien, Kanada, Chile, Daenemark,
Ekuador, Finnland, Frankreich, die deutsche Bundesrepublik,
Griechenland, Italien, Luxemburg, Holland, Norwegen, Paraguay,
Peru, Portugal, Schweden, die Schweiz, Gross-Britannien, USA,
Uruguay und Venezuela, Beobachter des Vatikans und der Tuerkei waren anwesend.
An internationalen Organisationen waren vertreten: die
Vereinten Nationen, die Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft, die Organisation fuer Erziehung, Wissenschaft
und Kultur, die Weltbank, die Weltgesundheitsorganisation,
die Internationale Fluechtlingsorganisation, das Buero der
Hochkommissare der Vereinten Nationen fuer Fluechtlingsfragen,
die Organisation fuer die Wirtschaftliche Zusammenarbeit Europas und der Europa-Rat, Ausserdem entsandten zahlreiche
ueberstaatliohe Organisationen Beobachter.
Vorsitzender der Konferenz war Sir Guildhaume MyrddinEvans aus Gross-Britannien, ein Mitglied des Verwaltungsrates
der Internationalen Arbeltsorganisation. Jeff Rens, stellvertretender Generaldirektor des IAA, war Generalsekretaer der
Konferenz.
- 2 -

�Der Vorschlag, einen Beratungsausschuss zu bilden, der
von der Konferenz in Neapel gebilligt wurde, wird dem Verwaltungsrat des IAA Mitte November vorgelegt werden. Wenn
er gebilligt wird, wird sich dieser Ausschuss aus Vertretern
derjenigen Laender zusammensetzen, die in Neapel vertreten
waren, und die sich fuer die Umsiedlung in Uebersee interessieren. Er wuerde auch diesen Regierungen gegenueber verantwortlich sein.
In der Resolution, die auf dieser Konferenz angenommen
wurde, wurde festgestellt, dass die Vertreter in diesem Ausschuss ausreichende Befugnisse haben muessen, die es ihnen
erlauben, ihre Aufgaben zu erfuellen. Sie haben folgende
Aufgaben: grundlegende Fragen zu behandeln, insbesondere
die Foerderung, Anregung und Unterstuetzung internationaler
Massnahmen, und Moeglichkeiten internationaler Finanzierung
in Erwaegung zu ziehen; sich naeher mit den Notwendigkeiten
und Moeglichkeiten der Umsiedlung und jener Art internationaler Massnahmen zu befassen, die zur Durchfuehrung solcher
Massnahmen auf individueller oder gegenseitiger Basis wuenschenswert sind; den Regierungen und den ueberstaatlichen
Organisationen auf dem ueblichen Dienstweg Vorschlaege zu
unterbreiten; darauf hinzuwirken, dass in allen Programmen
der wirtschaftlichen Entwicklung der Umsiedlungsfaktor voll
beruecksichoigt wird, und regelmaessig den Regierungen der
angeschlossenen Laender ueber den Fortschritt seiner eigenen Taetigkeiten Bericht zu erstatten.
Die Konferenz billigte ausserdem Entsohliessungen, in
denen bestimmte Richtlinien fuer die aerztliche Untersuchung
und die Auswahl von Umsiedlern enthalten sind, und sie forderte die Regierungen auf, sofort Vorkehrungen fuer den
Transport von Umsiedlern zu treffen. Der Bericht des Ausschusses ueber die Auswahl der Umsiedler auf Grund der aerEtlichen Untersuchung, der von der Konferenz gebilligt wurde,
enthaelt eine Liste von Vorschriften, die bei der Auswahl
von Umsiedlern, die sich um gewoehnliche oder Schwerarbeit
bewerben, auf nationaler Basis zu beachten sind; ferner ein
Handbuch fuer den Arzt, das erklaert, wie Personalkarteien
anzulegen sind, in denen die Ergebnisse der aerztlichen Untersuchungen angefuehrt sind, und ein Muster eines vorschriftsmaessigen Berichtes ueber die Ergebnisse der aerztlichen Untersuchung; ausserdem wird angegeben, bei welchen Krankheiten
die betreffenden Bewerber entweder nach wirksamer Behandlung
wieder vorstellig werden koennen, endgueltig abgelehnt werden
muessen oder fuer Schwerarbeit unfaehig sind.
Die Arbeitsgruppe fuer Transportfragen empfahl einstimmig, dass der Verwaltungsrat des IAA einen Sachverstaenfligenausschuss ernennen moege, der sich mit der Frage beschaeftigen soll, ob es notwendig ist, internationale Normen fuer
die Unterbringung und die Wohlfahrt der Umsiedler an Bord
der Schiffe aufzustellen. Sie ermaechtigte ausserdem den
Generaldirektor des IAA, mit der Internationalen Organisation
fuer Zivile Luftfahrt und anderen zustaendigen internationalen Koerperschaften zu beraten, welche Methode am besten ist,
um die Sicherheit und Wohlfahrt der auf dem Luftwege befoerderten Umsiedler zu gewaehrleisten.
Die Arbeitsgruppe fuer Beratungsdienste unterbreitete
einen Vorschlag, nach dem das IAA entsprechend der verfuegbaren finanziellen Mittel technische Unterstuetzung leisten
- 3 -

�soll, weil die Unkosten die Mittel uebersteigen, die von
den Teilnehmerstaaten aufgebracht werden koennen. Die Arbeitsgruppe fuer die technische Durchfuehrung der Umsiedlung erklaerte, dass das wirksame Funktionieren der Organe,
die mit der Auswahl, der Rekrutierung, der Ausbildung und
der Aufnahme der Umsiedler beauftragt sind, wesentlich fuer
die kuenftige Entwicklung der Umsiedlung ist. Wenn auoh
zur Zeit einige Regierungen keine internationale Unterstuetzung fuer diese Arbeit benoetigen, so duerfte sie doch fuer
andere Regierungen hoechst wertvoll sein. Die Arbeitsgruppe
war jedoch der Auffassung, dass das IAA in entsprechendem
Umfang fortfahren moege, in allen diesen Fragen und besonders auf dem Gebiet der Berufsausbildung technische Unterstuetzung zu geben.
Paul Ramadier, der fruehere Premierminister Frankreichs
und jetzige Vorsitzende des Verwaltungsrates des IAA, erklaerte in seiner Ansprache auf der letzten Sitzung der
Konferenz, dass die "internationale Arbeitsorganisation in
vielerlei Hinsicht ein amerikanisches Produkt ist. Ich
moechte noch weiter gehen und Ihre Aufmerksamkeit auf einen
sehr seltsamen Aspekt der gegenwaertigen Situation lenken.
Zu Anfang hatte der Hauptteil, der praktisch auch der einzige Bestandteil des IAA war, die Aufgabe, internationale Gesetze zum Schutz der Arbeiter zu entwerfen. Diese Idee war
im Friedensvertrag von Versailles niedergelegt worden, und
in der Zeit zwischen den beiden Kriegen war es praktisch die
einzige Taetigkeit dieser Organisation. Im Jahre 1944 jedoch
wurde auf der Konferenz in Philadelphia darauf hingewiesen oder soll ich sagen, dass die«Vereinigten Staaten darauf
hingewiesen haben? - dass das Internationale Arbeitsamt
nicht unbegrenzt fortfahren koenne, Konventionen zu entwerfen und abzuaendern, die'immer den gleichen Gegenstand behandeln. Wenn das internationale Arbeitsgesetzbuch einmal vollstaendig ist, dreht es sich nur noch darum, die Einzelheiten
der Bestimmungen abzuaendern und zu verbessern. Deshalb war
es notwendig, diese an Bedeutung staendig verlierende Arbeit
fallen zu lassen und eine aktivere Rolle zu uebernehmen.Dieser Gedanke wurde in unserer Satzung verankert. Ein zweifellos bescheidener Anfang war damit geschaffen,,dass wir damit
begannen, die Errichtung internationaler Koerperschaften und
internationaler Behoerden technisch zu unterstuetzen und zu
foerdern. Heute unterbreitet der Generaldirektor den wohlueberlegten Vorschlag, unsere Taetigkeiten nach neuen Gesichtspunkten wesentlich zu erweitern. Warum sollte damit
sofort ein Grund zu einer solchen Beunruhigung gegeben sein?
Und fuer welche Leute? Offensichtlich fuer diejenigen, die
uns unseren Weg wiesen und erklaerten: "Dies ist die Strasse
die Ihr in Eurer kuenftigen Arbeit einhalten muesst."
Jeff Rens, der Generalsekretaer der Konferenz und der
stellvertretende Generaldirektor des IAA gab eine Zusammenfassung der in der Vergangenheit von dem IAA auf dem Gebiet
der Umsiedlung geleisteten Arbeit und der Gruende, die dazu
Anlass gaben, diese Konferenz einzuberufen. Er wies darauf
hin, dass keine internationalen Massnahmen notwendig waeren,
wenn alle Regierungen ueber die Verwaltungsapparate und die
finanziellen Mittel verfuegten, die hierzu unerlaesslich sind.'
Dies sei jedoch nicht in allen Laendern der Fall. '.Vir waren
uns nie im Zweifel darueber, dass diese internationale Hilfe
nicht mehr als eine Ergaenzung sein soll. Wir waren der An4 -

�sieht, dass internationale Massnahmen die Entwicklung eigener Einrichtungen in den einzelnen Staaten foerdern wuerden.
Welche Massnahmen die Regierungen auch beschliessen werden,
wir werden fortfahren, sie so gut wie moeglich zu unterstuetzen.
Robert West, der Delegierte der Regierung der Vereinigten Staaten, erklaerte, warum sich die Delegation seiner Regierung nicht fuer die EntSchliessung ausgesprochen hatte,
nach der ein Beratungsausschuss fuer europaeische Umsiedlungsfragen errichtet werden soll. Er sagte: "Diese Enthaltung kann nicht als Mangel an Interesse der Regierung der
Vereinigten Staaten ausgelegt werden, praktische Loesungen
zu den Problemen zu finden, die sich mit der Erweiterung der
europaeischen Umsiedlungstaetigkeit ergeben. Unsere Auffassung
ist es, dass wir Schritt fuer Schritt an die Loesung des Problems herangehen muessen, d.h. dass wir zuerst solche Dinge
tun muessen, die eindeutig als praktische Massnahmen zu werten sind. Wir muessen in Erwaegung ziehen, dass diese Konferenz nur ein Stadium in dem schwierigen Prozess ist, in
dem eine Loesung dieses Gesamtproblems gefunden werden soll.
Die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten den Plan des IAA
nicht akzeptieren konnten, darfnicht falsch ausgelegt werden.
Hierdurch wird in keiner Weise etwas an der Tatsache geaendert, dass die Regierung der Vereinigten Staaten das IAA und
seine Arbeit sehr hoch einschaetzt.
Papst Pius XII. erklaerte vor 100 Delegierten dieser
Konferenz waehrend einer Sitzung in Castelgandolfo: "Wir
stellen mit Genugtuung fest, dass diese Konferenz dazu beigetragen hat, die Welt die Wichtigkeit dieser Aufgabe und den
Ernst dieses Problems erkennen zu lassen. Vor allem freut
uns die Tatsache,. dass die geistigen und moralischen Werte,
die sowohl bei der Auswanderung als auch bei der Einwanderung
gesichert, geschuetzt und entwickelt werden muessen, auf
Ihrem Kongress entsprechend gewuerdigt worden sind.
ILO News Service
X/26/51
DIE KOMMUNISTEN IM WESTDEUTSCHLAND
Auszug aus der Rede von Irving Brown, dem Vertreter der
American Federation of Labor in Europa, auf dem Kongress
der AFofL in San Francisco am 18. September 1951.
"Waehrend die kommunistische Partei noch immer
die Mehrheit der organisierten Arbeiterschaft in Frankreich
und Italien darstellt, sind in Westdeutschland die Sozialdemokraten die herrschende Kraft in der geeinten Gewerkschaftsbewegung. Auf der anderen Seite befindet sich Ostdeutschland
unter Sowjetherrschaft und dort wird aufgeruestet. Aber
selbst in dieser von den Sowjets kontrollierten Zone haben
die wirklich demokratischen Kraefte die von den Sowjets beherrschten Gewerkschaften und politischen Parteien derart
durchsetzt, dass die Sowjets sich nicht auf Ostdeutschland
verlassen koennen. Ostdeutschland ist das einzige Gebiet
jenseits des Eisernen Vorhangs, in dem ein offener und von
den Massen getragener Widerstand gegen die Sowjetunion lebendig ist. Die Kraft der demokratischen Gewerkschaftsbewegung
in Westdeutschland ist in den vergangenen Monaten dadurch
- 5 -

�verstaerkt worden, dass den deutschen Gewerkschaften das Mitbestimmungsrecht in der maechtigen Eisen-, Stahl- und Kohleindustrie des Ruhrgebiets gewaehrt wurde. Die ünterstuetzung
durch die amerikanischen Gewerkschaften und den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) hat wesentlich zu diesem Sieg der deutschen Gewerkschaften beigetragen.
Aber daneben gibt es andere Schwaechen und Gefahren in
Westdeutschland. Die kommunistische Partei hat immer noch
eine gewisse Bedeutung innerhalb der Gewerkschaften, was vor
allem der Tatsache zuzuschreiben ist, dass sie nahezu 400
bezahlte Funktionaere im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB)
hat und in zahlreichen Betriebsraeten in der deutschen Industrie einen gefaehrlichen Einfluss ausueben kann. Das alles
gibt der KPD eine Staerke, die in keinem Verhaeltnis mit der
wirklichen Lage in 'Westdeutschland steht.
Ich habe gerade einen Bericht von einer der fuehrenden
Persoenlichkeiten der nichtkommunistisohen Gewerkschaftsbewegung erhalten, in dem es u.a. heisst:
"Der folgende Bericht umfasst 211 Grossbetriebe (mit
mehr als 500 Arbeitnehmern) aus der Gegend von Hamburg und
anderen mittelgrossen und Kleinstaedten in Rheinland-Westfalen (unter Ausschluss der Bergwerke).
"Von diesen 211 Betrieben hatten 74 KP-Mitglieder in
ihrem Betriebsrat. Mit anderen Worten: ein Drittel dieser
Grossbetriebe haben Kommunisten in ihrem Betriebsrat.
"Verglichen mit der Gesamtzahl der gewaehlten Betriebsratsmitglieder in diesen 211 Betrieben, haben die Kommunisten (unter Ausschluss wiederum der Bergwerke) 10$ aller
Sitze.
"In diesen 211 Grossbetrieben sind insgesamt 1844 Betriebsratsmitglieder gewaehlt worden. Die politische Aufteilung
ist folgende:
SPD
937

KPD
150

CDU
135

Andere Partelen
17

Neutral (.') .
605

"Es ist dabei bemerkenswert, dass die Kommunisten mehr
Leute haben als die CDU. Ein anderer bemerkenswerter Faktor
ist das staendige Anwachsen der sogenannten "Neutralen".
Eine grosse Anzahl von Sympathisierenden und wirklichen Kommunisten tauchen jetzt als "Neutrale" auf.
"In den Bergwerken haben die Kommunisten ca. 27-28% aller Betriebsratsmitglieder. Dies beweist wiederum, dass sofort etwas geschehen muss."
Noch weit gefaehrlicher ist die Tatsache, dass die Kominformpolitik in Westdeutschland mit Neo-Nazibewegungen spielt
und sie selber schafft Bewegungen, die wie Kommunisten von
"Frieden" und einem "geeinten Deutschland", gegen Wiederaufruestung und eine europaeische Armee reden. Aus einem vertraulichen Bericht, der mir zugegangen i3t, geht hervor, dass
die offiziellen KPD-Fuehrer ihren Vertrauensmaennern in den
Betrieben Anweisung gegeben haben, Einheitsfront-Aktionen mit
Nazigruppen wie z.B. der SRP zu unterstuetzen. Ein solches
- 6 -

�Kommunazi-Buendnis passt ausgezeichnet in die Sowjetparole
vom Kampf gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands und
Westeuropas herein. Waehrend auf der einen Seite in Deutschland ein solches Zusammengehen gefoerdert wird, hetzen die
Kommunisten auf der anderen Seite in der ganzen Welt alle
demokratischen und liberalen Elemente mit ihren Greuelberichten ueber das Wiederaufleben des Neo-Nazismus auf. Selbst
die offiziellen alliierten Stellen in Deutschland machen
sich zum Sprachrohr dieses Unsinns. So hat.zum Beispiel der
amerikanische Hohe Kommissar in Westdeutschland LlcCloy neulich zwar das Versagen der Kommunisten festgestellt, im selben Atemzug aber vor der Gefahr des Nazismus gewarnt. Das
ist eine gefaehrliche Erklaerung. Die Wahrheit in dieser
Sache ist, dass der Nazismus in Deutschland nur eine Gefahr
wegen seiner Verbindung mit dem Totalitarismus der Sowjets
ist.
Die Gefahr eines Wiederauflebens einer kommunistischnazistischen Bewegung in Deutschland wird weiterhin dadurch
gesteigert, da3s die Alliierten nur sehr langsam der deutschen Republik die Rechtsgleichheit gewaehren und die rasche
Integrierung Deutschlands in ein westeuropaeisches Wirtschafts- und Verteidigungssystem immer wieder hinauszoegern.
Das kuerzlich getroffene Abkommen zwischen den Aussenministern
Frankreichs, Englands und der Vereinigten Staaten, das der
Deutschen Bundesrepublik "virtuelle Unabhaengigkeit" gewaehrleistet, ist unzureichend und wird weiteres Oel in das nationalistische Feuer der Kommunazi-Propaganda giessen. Dieses
Versagen der Besatzungsbehoerden, groesseres Vertrauen in
den demokratischen Arbeiterkreisen und zwar sowohl innerhalb
der Gewerkschaften wie auch innerhalb der politischen Parteien zu gewinnen, hilft nur denjenigen. Kraeften, die das Wiederaufleben des deutschen Nationalismus als einen Rauchvorhang benutzen fuer das Hauptbestreben der Sowjets - naemlich
die Kontrolle der Ruhr und Westdeutschlands in die Hand zu
bekommen und dadurch Europa tatsaechlich zu beherrschen.
Denn das ist das System der doppelten Buchfuehrung in der
Sowjetdiplomatie - in Deutschland Zusammenarbeit und Foerderung des Neo-Nazismus, ausserhalb Deutschlands aber Propaganda ueber das Wiederaufleben des sogenannten Neo-Nazismus in
Deutschland."
GEWERKSCHAFTLICHE SWi'V.'ICKLUNGIilN IN SYRIüN
Dank der Baumwoll- und Weizenrekordernten, hoher Exportpreise und Syriens unabhaengiger Stellung als Handelsstaat
nach der Aufloesung der Zollunion mit dem Libanon im Kaerz
1950 haben sich die Arbeitsbedingungen in Syrien im Verlauf
des Jahres 1950 verbessert. Waehrend der wirtschaftlichen
Depression des Jahres 1949 nahm die Arbeitslosenziffer in
den handwerklichen Berufen und in der Textilindustrie beunruhigende Formen an. In dieser Industrie ist etwa ein Viertel
der Erwerbsbevoelkerung der syrischen Industrie beschaeftigt.
Nach der Aufloesung der gemeinsamen Zollunion verfolgte die
Regierung Syriens eine Politik des Protektionismus, und die
Beschaeftigtenziffer in der Industrie nahm erheblich zu.
In Verbindung mit der Baumwollrekordernte ging auch die Beschaeftigtenziffer in der Landwirtschaft in die Hoehe. Die
Arbeitslosigkeit in den Staedten ging von etwa 40$ der gesam- 7 -

�ten erwerbstaetigen Bevoelkerung der Industrie (etwa 90 000)
zu Beginn des Jahres 1950 bis zurr, Ende des Jahres um 25% zurueck, wie von Arbeitsbeamten Syriens schaetzungsweise angegeben wurde. Ende 1950 wurden- ueber die Haelfte der 87 000
Fluechtlinge Palaestinas, die in Syrien geblieben waren, als
"beschaeftigungsfaehig" eingestuft. Hiervon waren nahezu
60% arbeitslos und von der Unterstuetzung der UKRWA (Hilfsorganisation der UN) voellig abhaengig. 30% hatten selbst Arbeit gefunden, und die uebrigen wurden von dieser Organisation
beschaeftigt.
Bei Ausbruch der Feindseligkeiten in Korea forderten
die Gewerkschaften hoehere Loehne.
Im 3. Quartal des Jahres 1950, in dem sich die Geschaeftslage verbesserte und die Preise in die Hoehe gingen, gab die
Regierung den Forderungen der Gewerkschaften statt, und die
Loehne wurden erhoeht.
Am 28. Februar 1950 wurde ein Gesetz ueber gewerkschaftliche Vereinigung erlassen, und am 5. September trat eine
neue Verfassung in Kraft.
Das Genossenschaftsgesetz, das von dem Syrischen Gewerkschaftsbund befuerwortet wurde, sieht sowohl landwirtschaftliche als auch industrielle Genossenschaften vor. Der
Gewerkschaftsbund entwarf eine Reihe mustergueltiger Verordnungen ueber Genossenschaften und legte der Bevoelkerung die
Bildung von Verbrauchergenossenschaften in allen groesseren
Staedten nahe. Drei Verbrauchergenossenschaften waren zu
Ende des Jahres gebildet worden. Der Landwirtschaftsminister
gruendete mit Hilfe von zwei Sachverstaendigen aus Palaestina,
die unter der britischen L&amp;ndatsregierung Erfahrungen auf
diesem. Gebiet gesammelt hatten, landwirtschaftliche Genossenschaften, deren besondere Aufgabe es ist, Kredite und landwirtschaftliche Maschinen zur Verfuegung zu stellen.
In der neuen Verfassung sind Grundsaetze fuer die kuenftige Gesetzgebung niedergelegt, die innerhalb von zwei Jahren
vervollstaendigt sein muss. Die Bestimmungen ueber Arbeitsbedingungen legen folgendes fest: das Recht der Buerger auf
Arbeit, die Begrenzung der Arbeitszeit und bezahlte Wochenfeiertage und Jahresurlaub. Sie sehen die Bildung eines Sozialversicherungssystems vor und erklaeren die Pflichtarbeit
fuer ungesetzmaessig, wenn es nicht in Zeiten nationalen Notstandes ist.
Vor Ablauf des Jahres 1950 hatte die syrische Regierung
die Organisation fuer Erziehung, Wissenschaft und Kultur der
Vereinten Kationen um Unterstuetzung bei der Ausarbeitung des
Sozialversicherungssystems gebeten. Die Zahl der registrierten Gewerkschaften wurde in Syrien im Jahre 1950 von 127 auf
149 erhoeht. Die Schätzungen ueber die I'itgliederzahlen
sind verschieden und werden von Beamten des Arbeitsministeriums
mit 26 800 fuer 1949 angegeben, waehrend Gewerkschaf tsfunktionaere von 80 000 Mitgliedern im Jahre 1950 sprechen. Zu Ende
des Jahres 1950 waren 110 der registrierten Gewerkschaften dem
von der Regierung finanziell unterstuetzten syrischen Gewerkschaftsbund, dem einzigen nationalen Gewerkschaftsbund des
Landes, angeschlossen. Der bedeutende Gewerkschaftsbund der
Hafenstadt Latakia, der sich zuvor geweigert hatte, dem Syrischen Gewerkschaftsbund beizutreten, vereinigte sich mit dieser
Organisation Anfang 1951.

8

�1950 setzte sich der Syrische Gewerkschaftsbund fuer
den Erlass von iirbeitsgesetzen ein und veroeffentlichte unter
dem Titel "al limmal" (Die Arbeiter) ein woechentliches Organ
mit einer Auflageziffer von 5 000. Der Gewerkschaftsbund
setzte seine Politik der Nichteinmischung in lokale Angelegenheiten fort und behielt seine Keutralitaet gegenueber dem
Weltgewerkschaftsbund unddem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften bei.
Kotes on Labor Abroad
VII-VIII/51
George Philip Delaney:
LOHNPOLITIK UND iNFLA'i'IlKSSINFLu'ESStt
Angesichts der Bedrohung durch die kommunistische
Aggression sind die freien Nationen dazu gezwungen worden,
zur Verteidigung ihrer Interessen eine 7/iederbewaffnung durchzufuehren. lüit der 7/iederaufruestung ist eine neue Gefahr,
die Gefahr der Inflation aufgetaucht. Sine Inflation hat,
sobald sie entstanden ist, die Tendenz, sich auszudehnen,
ohne sich dabei durch Landesgrenzen aufhalten zu lassen, bis
sie schliesslich auf alle Nationen ue.bergegriffen hat.
Es bleibt natuerlich jedem einzelnen Land selbst ueberlassen, unabhaengig von den anderen Nationen Loesungen fuer
die zahlreich auftauchenden Probleme auszuarbeiten, die
ihnen als zweckmaessig erscheinen. Trotzdem betreffen diese
Probleme alle unsere Nationen gemeinsam, und es ist daher
zeitgemaess und angebracht, sie zur Diskussion zu stellen.
3s sind dies Probleme komplizierter und tiefgreifender Natur, die jedocn durchaus praktische Folgen haben, eine Tatsache, die sich in den letzten Jahrzehnten hinreichend fuer
alle Arbeiter von vitalstem Interesse erwiesen hat, eine lebenswichtige Angelegenheit fuer die Gewerkschaften aller Nationen.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind der festen Ueberzeugung, dass, wenn die offizielle Lohnpolitik waehrend der
augenblicklich herrschenden Inflations-Periode ihren Zielen
zum Erfolg verhelfen will, diese Lohnpolitik auf der Erkenntnis dreier grundlegender Prinzipien fussen muss. Zunaechst
ist es wichtig und notwendig, dass die TarifVerhandlungen
auch weiternin eine grundlegende Rolle in der Wirtschaft spielen. Massnahmen, die im Zusammenhang mit Belangen der oeffentlichen Lohnpolitik getroffen werden, koennen moeglicherweise
zur Ergaenzung der TarifVerhandlungen dienen, sie duerfen
jedoch niemals mit der Absicht ergriffen werden, diese Verhandlungen zu verdraengen. Zweitens kann eine einschraenkende
Politik in Bezug auf Lohnfragen nicht zum Erfolg fuehren, es
sei denn, dass dieser ein allgemeines anti-inflationistisches
Kontrollsystem voreusgeht, welches auf einer gerechten Grundlage beruht und von dem Motiv geleitet wird, die Lasten gleichmaessig zu verteilen. Drittens und letztens bleibt festzustellen, dass eine einschraenkende Lohnpolitik als solche
keine Loesung darstellt. Das beste Mittel gegen die Inflation
ist die iroduktion. Eine Lohnpolitik, die industrielle Unruhen ausloest, die sich stoerend auf den best-moeglichen
Einsatz der Arbeitskraft und der Arbeitsmittel auswirken,
oder die die Arbeiter eines jeglichen wirklichen Gewinnanteils
-9 -

�am wirtschaftlichen Fortachritt beraubt, wird letzten Endes
ihren eigenen grossen Zielen das Grab schaufeln.
Wenn eine Lohnpolitik erfolgreich sein will, so muss
sie verstehen, sich den industriellen Gegebenheiten sowie
den wechselnden timstaenden und n.rfordernissen anzupassen.
Sie muss bemueht sein, die Anwendung willkuerlicher Lethoden, die ihre Daseinsberechtigung einzig und allein "verwaltungstechnischen Bequemlichkeitsgruenden" verdanken, zu
vermeiden, anstatt sie zu staerkeru Sie muss den Arbeitern
Gewaehr dafuer bieten, dass Gerechtigkeitserwaegungen nicht
Gesichtspunkten der Zweckmaessigkeit zum Opfer fallen, dass
ihre Belange in fairer Weise gehoert werden und» sofortige
Beruecksichtigung finden, und dass Haerten, soweit wie irgend moeglich, gemildert werden. Eine Lohnpolitik muss bemueht sein, eine Besserung im Lohngefuege herbeizufuehren,
nicht aber eine Fortdauer der bestehenden Ungerechtigkeiten
und Unterschiede anzustreben.
Eine Stabilisierung ist nicht mit einer Schematisierung
gleichzusetzen. Scharfe und starre Lohnkontrollen wuerden
sich nur schaedlich auf ein fortschrittliches Stabilitaetsbestreben auswirken, ganz besonders aber im Zusammenhang mit
einer Verteidigungsanstrengung auf weite Sicht, wie sie heute
gegeben ist. Solche Lohnkontrollen wuerden nur eine gegenteilige V.irkung auf die Arbeitsintensitaet, Arbeitsmoral und
Arbeitsleistung ausueben. Jedes Lohngefuege muss grundsaetzlich beweglich sein; das ist - im Gegensatz zu einer scheinbaren Stabilitaet - eine wesentliche Voraussetzung fuer eine
echte Stabilitaet.
Das bedeutet, dass man den Methoden und Verfahren, die
sich aus dem System der Kollefctivverhandlungen entwickelt
haben, ein hohes I.:ass an Vertrauen und gutem Willen entgegenbringen muss. Eine brauchbare Lohn-Stabilisierungspolitik muss erkennen, dass die Lohnverhandlungen als solche
ein System der unparteiischen Stabilisierung darstellen.
Im Gegensatz zu den Preisen, die von Tag zu Tag steigen,
schalten Lohnabkommen unkontrollierbare Schwankungen aus,
und bieten in Bezug auf Stabilitaet eine dauerhafte Garantie
fuer ihren Bestand. Sie verringern Ungewissheit und spekulative Einfluesse, die in der Hauptsache fuer das Entstehen
von Inflationen verantwortlich sind.'
Weiterhin haben sich durch die Tarif-Verhandlungen realistische und praktische Methoden fuer die verwaltungstechnische Handhabung der Tarifloehne ergeben, die auf den gemachten Erfahrungen aus erster Hand jene Personen, die mit den
Tatsachen der gegebenen Situation am vertrautesten sind, eufbausn. Angesichts der sterilisierenden Auswirkung der Tarifverhandlungen muessen diese auch weiterhin das hauptsächlichste Hilfsmittel zur Festsetzung und Handhabung dieser
Tarife bleiben. Die oeffentliche Lohnpolitik sollte kein
Ersatz, sondern vielmehr eine Ergaenzung des Tarifverhandlungsverfahrens sein.
Ein Ansteigen des allgemeinen Lohn-Niveaus mit der Tendenz, die erhoehten Lebenshaltungskosten auszugleichen, kann
eher als eine Folge, aber nicht als Ursache der Preis-Inflation angesehen werden. Die seit Ausbruch des Korea Konfliktes
auf diesem Gebiete gesammelten Erfahrungen beweisen das zur
Genuege.
- 10 -

�Am 3Chaerfsten zogen die Preise bei den Waren an, bei
deren Produktionskosten die Loehne eine relativ unbedeutende
Rolle spielen, und bei denen das Einkommen des Arbeiters bei
der direkten Marktnachfrage nicht ins Gewicht faellt. Spekulationen am .Warenmarkt, Zurueckhaltung von Guetern und die
Profitgier der Kaendler und Produzenten naehren den Herd
der Inflation.
Wolts man sich bemuehen, eine Inflation zu bekaempfen,
indem man eine zurueckhaltende Lohnpolitik unter Nichteinfuehrung durchgreifender Preiskontrollen betreibt, oder indem
man der Arbeiterschaft, Lohnerhoehungen zur Anpassung an die
erhoehton Preise verweigert, so wuerde das gleichbedeutend
sein mit dem Versuch, dieses Uebel dadurch zu bekaempfen,
dass man eines seiher Symptome zu heilen sucht.
'.Venn man dem Problem, der Inflation Einhalt zu gebieten,
im Zuge einer einschraenkenden Lohnpolitik begegnen will und zwar nur au3 dem einfachen Grunde, weil sich Loehne leichter kontrollieren lassen als Preise - so wuerde man damit
eine empoerende Ungerechtigkeit an denen begehen, die fuer
Loehne und Gehaeiter arbeiten, und wuerde denjenigen einen
ungebuehrlichen grossen Teil der Lasten auferlegen, denen es
am schwersten faellt, sie zu tragen.
Die Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten ist bereit,
ihren Anteil an den Aufgaben zu uebernenmen und ihren gerechten Anteil an allen notwendigen Opfern, die aus dem Verteidigungsbeitrag erwachsen, zu tragen. Sie besteht jedoch darauf,
dass nicht von ihnen verlangt wird, dass sie die wirtschaftlichen Folgen einer legislativen oder administrativen Wachsicht gegenueber anderen Kreisen, - die tatsaechlich viel
eher imstande sind, diese Lasten zu tragen - auf sich nehmen
muss. Lfan darf nicht von ihr erwarten, dass sie einem System
guten V.'illen entgegenbringt, das sie auffordert - auf Kosten
ihres Lebensstandards und mit ihrem Geld - besondere Vorrechte
und Freiheiten zu unterstuetzen, die ihren Arbeitgebern, Hausherren, den Kaufleuten und Haendlern, mit denen sie geschaeftlich zu tun haben oder Spekulanten und Gewinnlern im allgemeinen ohne weiteres gewaehrt werden.
Solch eine Politik wuerde nicht nur alle Grundsaetze der
Gerechtigkeit verletzen, sondern sie wuerde sich auch letzten
Endes selber zugrunderichten. .Vuerde man versuchen, inflationistische Tendenzen durch Verfolgung einer strikten Lohneinschraenkungspolitik auszugleichen, so wuerde diese nur dazu
dienen, die Grundmaengel und Fehler in anderen lebenswichtigen Kontrollbereichen fuer eine gewisse Zeit zu verschleiern,
was wiederum dazu fuehren wuerde, die Zielsetzung einer weitsichtigen, wirtschaftlichen Stabilisierung zu gefaehrden.
Den inflationistischen Erscheinungen muss entgegengewirkt
werden, indem man auf ihre ursaechlichen Entstehungsgruende
zurueckgreift, und indem man an den Punkten zu Gegenmassnahmen
in Form von Kontrollen ansetzt, an denen man die damit verbundenen augenblicklichen Haerten auf ein Mindestmass beschraenken kann. Da eine Lohnstabilisierungspolitik sich
in den hoeheren Sinkommensstufen nur unbedeutend auswirkt,
sollte man eben dort den Hebel ansetzen und die betreechtlichen Verdienstspannen beschneiden, was mit Leichtigkeit getan
werden kann, ohne die Gesundheit und den Wohlstand des produk11 -

�tiven Leistungsvermoegens zu gefaehrd9n. Im Gegensatz dazu
muss man sich vor Augen halten, dass der groesste Teil des
Verdienstes der Lohnempfaenger fuer Ernaehrung, i.'iete und
sonstige lebensnotwendigen Dinge verwandt wird.
Eine fortschrittliche anti-inflationistische Lohnpolitik mu3S ebenfalls ein gerechtes Steuerprogramm enthalten, das
auf dem Grundsatz der jeweiligen Zahlungsfähigkeit basiert.
Das bedeutet, dass Personen hoher Einkommensstufen und Gesell- •
schaften mit grossem Gewinn am hoechsten besteuert werden
sollten. Der Lebensstandard der Familien der niedrigen und
mittleren Einkommensstufen sollte durch die steuerliche Belastung keinesfalls noch weiter gedrueckt werden, da das zu
einer Schaedigung der Gesundheit und des allgemeinen Wohlstandes der davon Betroffenen fuehren wuerde.
Eine solche Politik muss weiterhin ein wirkungsvolles
und aktiv betriebenes Kontrollprogramm zur Verhuetung von
.'/arenanhaeufungen und Spekulationsmanoevern und auch Preiskontrollen durchfuehren. Sie muss gleichfalls ein Produktions-Kontroll-System aufrechterhalten, das eine planvolle
Lenkung der benoetigten Materialien und sonstigen Mittel in
die Gebiete, in denen der Bedarf an diesen lebenswichtigen
Guetern fuer die Friedens- und Verteidigungsproduktion am
groessten ist, sichert. Erst, nachdem derartige Massnahmen
tatsaechlich ergriffen worden sind, mag es angebrecht sein,
die Gewerkschaftsvertreter anzuhalten, Zurueckhaltung bei
ihren Lohnforderungen zu ueben. Die Meinung der amerikanischen Gewerkschaften in Bezug auf die hauptsaechlichsten Punkte einer zweckmaessigen Lohnpolitik unter dem Gesichtspunkt
eines allgemeinen anti-inflationistischen Kontroll-Systems
koennen vielleicht am besten abschliessend zusammengefasst
werden in einem Auszug einer Erklaerung, die dem Praesidenten
der Vereinigten Staaten von dem Vereinigten Komitee fuer Gewerkschaftspolitik (United Labor Policy Committee) ueberreicht
wurde, das sich aus dem Kongress der Industrie-Verbaende (C.I.O.)
und dem amerikanischen Gewerkschaftsbund (A.F.L.) zusammensetzt.
"Die Lohnstabilisierungspolitik muss sich fuer entsprechende Erhoehungen der Lohnsaetze einsetzen, die als Ausgleich
fuer die gesteigerten Lebensheltungskostsn unerlaesslich sind.
Die Lohnstabilisierung darf nicht zu einem Einfrieren der
Loehne fuehren. Ferner muss diese Politik eine Aufbesserung
der unter dem Durchschnitt liegenden Loehne anstreben, und fuer
einen Ausgleich von Ungerechtigkeiten in den augenblicklich bestehenden Lohnsaetzen innerhalb der Industrie oder zwischen
einzelnen Industriezweigen sorgen. Dem heute in weitesten Kreisen anerkannten Grundsatz, dass die Lohnempfaenger in gleicher
.'/eise an den Vorteilen des wirtschaftlichen Fortschritts und
Produktionsanstiegs - den der Staat von seinen Industriearbeitern fordern muss und wird - beteiligt werden sollten, sollte
die Lohnstabilisierungspolitik in ganz besonderem Masse verfolgen.
Eine jede Lohnstabilisierungspolitik muss bestehende allgemeingueltige Tarifabkommen respektieren, da diese als solche
eine Sicherheitsgarantie bieten.
Die jetzigen Regelungen bezueglich der Ueberstunden-Bezahlung fuer Praemienlohnarbeit, die augenblicklich unter dem
Schutz tariflicher Abkommen oder unter gesetzlichem Schutz
- 12 -

�steht, muessen auch weiterhin als unantastbar gelten. Diese
Bestimmungen setzen keineswegs die Durchfuehrung einer Arbeitswoche, die laenger waere als die im «ugenblick als normal zu betrachtende, voraus, sondern bieten lediglich einen
-Anreiz fuer produktive Ueberstunden- und Feiertagsarbeit."
Das Komitee erklaerte ferner: "Unsere Arbeitskraft ist
die groesste individuelle Kraftquelle der Kation. Es waere
angebracht, L'assnahmen zur Staerkung und Vergroesserung der
Arbeitsreserven zu treffen. Wenn man diesbezuegliche Schritte
unternimmt, so sollte das in dem Bewusstsein der Tatsache geschehen, dass man mit freier Arbeit das Produktionspotential
der versklavten Arbeiterschaft anderer Kationen schlagen kann.
Die freie Arbeit muss bei der Erreichung des Zieles einer
groesstmoeglichsten Produktionsnorm eine entscheidende Rolle
spielen."
Sol D. Ozer, Leiter der Wirtschaftsabteilun.? im Buero fuer
Arbeitsangelegenheiten der EGA:
V;AI:N WIRD ENDLICH I&gt;:H.KH FKCDUZIEKT?

William Foster, der Verwalter der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Europa (ECA) kuendigte vor einiger Zeit ein
neues Produktivitaetsprogramm an. Dieses neue Programm fand
in Europa eine sehr starke Resonanz, wobei es Zustimmungen
und Kritik gab. Die Haerte dieser Reaktion war durchaus gerechtfertigt, denn diese neuen Ziele, die erreicht werden sollten und fuer die nur eine verhaeltnismaessig geringe Dollarhilfe der ECA zur Verfuegung gestellt wurde, heben die westeuropaeischen Laender zwangslaeuf ig, herausgefordert, endlich
ihre restriktive Mentalitaet abzustreifen, die bislang ihre
Wirtschaftsraeume abdrosselten und durch die ihren Voelkern
das volle Ausmass eines anstaendigen Lebensstandards vorenthalten wurde, zu dem eine moderne technische Auffassung der
Produktivitaet sie ohne weiteres fuehren wuerde.
Die ECA schlug vor, dass die teilnehmenden Regierungen
in jedem Lande eine bestimmte Anzahl Werke ausfindig machen,
die den Wunsch haben, gemeinsam sich fuer lodernisierungsbemuehungen einzusetzen. Die ECA ihrerseits hatte vorgesehen,
dass in diesen Faellen eine sehr wesentliche Unterstuetzung
in technischer und finanzieller Hinsicht erfolgen sollte, um
diesen Werken dabei behilflich zu sein, aller Welt ueberzeugend
klarzulegen, dass es moeglich ist, in kurzer Frist die Produktivitaet wesentlich zu erhoehen, die vermehrte Produktion auch
zu verkaufen und dabei gleichzeitig die wesentlichen "ehrertraege der Verbesserungsmassnahmen in gerechter Weise zu verteilen: an den Unternehmer in Form eines hoeheren Gewinns,
an den Arbeiter in Form eines hoeheren Lohnes und an den Verbraucher in Form eines niedrigeren Preises. Die ECA-Verwaltung unterstrich mit allem Nachdruck diese sozialen Bedingungen des Produktivitaetsprogramm3. Durch die ueberzeugende
Demonstration der Erfolge dieser Bemuehungen hofft die ECA
mehr und mehr Unternehmer dazu zu bewegen, ihre Produktionsbedingungen zu modernisieren und zu ueberholen und die Ertraege
daraus in gemeinsamen Bemuehungen mit ihrer Belegschaft so aufzuteilen, wie es die Richtlinien vorsehen. Das erstrebte Ziel
ist eine aioh stetig ausweitende Wirtschaft, die die Garantie
fuer einen sich unablaessig erhoehenden Lebensstandard der
- 13 -

�Buerger '.Vesteuropas geben kann, ohne dass dabei irgendeine
der demokratischen Freiheit gefaehrdet wird.
Damit gruendet sich das neue EiGA-PTOßraam auf die Ueberzeugung, das.3 die Schwierigkeiten, die einer wachsenden Produktivitaet 3ich gegenueberstellen, zutiefst mit den sozialen Verhaeltnissen in den westeuropaeischen Laendern zusammenhaengen. Sie sind also nicht in erster Linie oder gar einzig
und allein auf die Unwissenheit ueber die besten Produktionsverhaeltnisse zurueckzufuehren - diese sind durchaus bekannt sondern auf die Tatsache, dass kein grundsaetzlicher Wechsel
in der Einstallung gegenueber Fragen der Produktivitaet erreicht werden kann, solange die Grundlage der ilentalitaet der
Restriktionen, also der die Wirtschaft einengenden Faktoren,
sich nicht als voellig falsch erwiesen hat. In dieser Richtung hat die ECA-Verwaltung gehofft, durch die Unterstuetzung
fortschrittlicher Industrieller und erfahrener Gewerkschafter
Proben moderner Technologie demonstrieren zu koeunen. Aber
die Ueberbleibsel traditioneller Vorstellungen, die liebe
Gewohnheit bedrohen dieses ECA-Programm - und hier haben sich
mehr Scheingegengruende gefunden, als die meisten Buerger
Westeuropas auch nur im entferntesten ahnen. Aber die ECA
wuenscht dennoch einige Proben auf das Exempel zu machen,
zumal die LToeglichkeiten hierfuer gegeben sind. Die ECA-Verwaltung hat absolut Recht, wenn sie alles daran setzen will,
die Idee der wirtschaftlichen Einsehraeakungspolitik mit all
ihren Schutzzoellen und diskriminierenden Methoden zu Grabe
zu tragen, die in Westeuropa ueberaus stark verbreitet sind
und zu gleicher Zeit zur allgemeinen Zufriedenheit der Voelker selbst zu demonstrieren, dass noch immer in den westlichen
Demokratien eine starke wirtschaftliche Vitalitaet sich kraftvoll durchzusetzen vermag.
Das Programm der ECA fuer die Produktivitaet erstreckt
sich ueber groessere Zeitraeume. Bereits im Sommer 1948 wurden die Vertreter des Bueros fuer Arbeitsstatistik nach Europa eingeladen, um hier Studien ueber die in Grossbritannien
und Frankreich gebraeuchlichsten Produktionsmethoden durchzufuehren. Die Ergebnisse waren sehr entmutigende, denn sie
zeigten auf, dass die Produktion je Arbeiter und Arbeitsstunde
in diesen Laendern nur einen Bruchteil jener Ziffer erreichte,
die in aehnlichen Werken der Vereinigten Staaten anzutreffen
waren. Besprechungen ueber diese Ergebnisse auf beiden Seiten
des Ozeans fuehrten zu der Gruendung des Anglo-Amerikanischen
Produktivitaetsrates und des Technischen Unterstuetzungsprogramms der ECA. Studiengruppen mit Vertretern der Industrie
und der Arbeiterschaft, die oft von Regierungsvertretern begleitet wurden, reisten in die Vereinigten Staaten, um hier
Einblick in amerikanische Produktionamethoden zu erhalten.
Ihre Berichte unterstuetzteh staendig die Schlussfolgerung,
dass die Produktivitaet je Arbeitsstunde in den amerikanischen
Werken betraeohtlich hoeher lag und dass diese hoehere Produktivitaet einen viel hoeheren Lebensstandard fuer die breite
Masse des Volkes zur Folge hatte. Diese Berichte hatten einen
betraechtlichen Einfluss auf die Intellektuellen der Heimatlaender und Sinn und Begriff des Wortes "Produktivitaet" wurden haeufiger kommentiert und angewendet als in den Vereinigten
Staaten selbst. Die ECA unterstuetzte diese Aktivitaet und
finanzierte die Forschungsarbeit zur Ermittlung der besten amerikanischen Produktivitaetsmethode, die gewonnenen Erfahrungen
wurden interessierten europaeischen Unternehmen ohne weiteres
und ohne jede Kosten zur Verfuegung gestellt.
14 -

�Die Bedeutung dieser frueheren Bemuehungen der SC* sollten nicht unterschaetzt werden, denn sie trugen dazu bei, dass
eine Atmosphaere der Einfuehrbarkeit produktionssteigernder
Methoden geschaffen werden konnte, vor allen in jenen wichtigen Bereichen, wo ein solches Verstaendnis zuvor nicht vorhanden war. Auf der anderen Seite hatten diese Bemuehungen jedoch nicht die gewuenschten Erfolge, um die gewohnten Produktionsmethoden abzuaendern, aber auch die Preise und die Loehne
blieben unveraendert. Der Unterschied zwischen dem Verstaendnis fuer eine Idee und deren Durchführung war zu gross,
schon die vielen Risiken, die sich fuer den einzelnen ergaben,
wenn er sich fuer die Produktivitaet in der Praxis einsetzte,
waren viel zu unangenehm, um den Kampf mit den alten Gewohnheiten durchzufechten - ganz abgesehen davon, dass eben Theorie und Praxis etwas durchaus verschiedenes sind. 2s gab zwar
einige wichtige Beispiele, wo die Lehren, die Teilnehmer der
Studiengruppe aus den USA mit in ihre Heimat genommen hatten,
wirklich angewendet wurden. Diese Musterbeispiele lagen jedoch nur am Rande und ungluecklicherweise wurden die Berichte
hierueber nicht in der richtigen Form publiziert.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Arbeit der ECA die .
Produktivitaet in Suropa nicht zu steigern vermochte. Die
Statistiken beweisen dies im uebrigen sehr ueberzeu^end.
Wichtiger jedoch war die Unterstuetzung, die die EC* jenen
zahlreichen Werken gab, deren Produktion ins Hintertreffen
kam, weil hier gewisse Ersatzteile nicht zu beschaffen waren
oder in viel zu geringen Mengen bereitgestellt werden konnte.
Das gleiche gilt fuer den notwendigen Strom oder fuer andere
Rohstoffe. Diese Aktivitaet, die sich natuerlich ebenfalls
in einem Produktionsanstieg auswirkte, erfuellte jedoch nicht
den eigentlichen Zweck der Bemuehungen der ECA, durch Aenderungen in den Methoden der Produktion eine hoehere Produktivitaet zu erzielen. Einen wesentlich staerker in dieser Richtung gehenden Einfluss hatten die Bestrebungen der ECA, bestimmte neue Maschinen und Ausruestungen den westeuropaeischen
Unternehmen zur Verfuegung zu stellen, wobei die Finanzierung
direkt oder indirekt erfolgte. Diese neuangeschafften neuen
Geraete und Maschinen waren im allgemeinen vom letzten Typ,
ihre Einfuehrung trug somit selbstverstaendlich zu einer hoeheren Produktivitaet in diesen Werken bei. Ungluecklicherweise
aber brachte die Einfuehrung neuer Maschinen keine sozialen
Verbesserungen mit sich, die in dem Programm der ECA das
Hauptthema waren. Die Preise wurden in diesen Faellen nicht
heruntergesetzt, noch wurden die Loehne erhoeht. In vielen
Faellen wer der einzige Erfolg der ECA-Bemuehungen die Srhoehung der Gewinne fuer den Unternehmer, obwohl diese bereits
hoch genug waren.
Labor and Nation
PRODUKTION IST DER SCHLUESSEL ZUM HOHEN LEBENSSTANDARD
Statistiken, die von der AFL aufgestellt und in ihrer offiziellen Zeitschrift veroeffentlicht wurden, zeigen, dass sich
die Loehne der amerikanischen Arbeiter in einem fast direkten
Vörhaeltnis zur Produktion in den U.S.A. erhoeht haben.
Vor hundert Jahren lag die Stundenleistung des amerikanischen Durchschnittsarbeiters bei einem Produktionswert von
15 -

�31 Cents, an der Kaufkraft des heutigen Dollars gemessen. Die
Arbeitszeit war lang und die Loehne niedrig, weil die Arbeiter
nicht genug produzierten, um einen besseren Lohn zu realisieren.
Die Produktion wurde durch neue Maschinen und Methoden
erhoeht. Gegen 1890 entsprach die stuendliche Arbeitsleistung
des Arbeiters einem v/ert von 53 Cents, sie erhielten einen
Lohn von 48 Cents, wiederum an dem heutigen effektiven Wert
des Dollars gemessen.
Die Produktivitaet stieg waehrend der naechsten 20 Jahre
i um 19 Cents, die Loehne jedoch nur um 2 Cents. Als aber waehrend des ersten Weltkrieges die Gewerkschaften einflussreicher
wurden, gewannen die Arbeiter ihre Verluste zurueck, die Loehne
stiegen zwischen 1910 und 1920 um 16 Cents per Stunde, die Produktivitaet jedoch nur um 6 Cents.
Ale die Zahl der Gewerkschaftsmitgliedschaft sich von
3,000,000 im Jahre 1930 auf 9,000,000 im Jahre 1940 erhoehte,
zwangen jetzt neue Lohnforderungen die Arbeitgeber zu einer
beschleunigten Produktionssteigerung. Die Loehne hielten
Schritt - und zwischen 1920 und 1944 verdoppelten sich Produktion und Loehne. Waehrend der Inflation, als die Arbeitgeber
die Preise den Lohngewinnen gemaess erhoehen konnten, stand
ploetzlich jeglicher Fortschritt still. Bei einer Untersuchung
der Preiserhoehungen des Jahres 1948 suchten die Arbeitgeber
erneut nach iiitteln und Wegen die Produktion zu steigern.
Die gesteigerte Produktion war schon immer die Basis
einer Lohnerhoehung. Die Kaufkraft der Stundenleistung eines
Fabrikarbeiters, also sein wirklicher Lohn, hat sich zwischen
1890 und 1950 von 4ö Cents auf 1,76 Dollar mehr als verdreifacht, waehrend seine Arbeitswoche von ungefaehr 60 Stunden
auf 40 Stunden zurueckgegangen ist.
Waehrend der letzten 25 Jahre vollzog sich in den Vereinigten Staaten eine friedliche Revolution in der Verteilung
der Einkommen. 1929 konzentrierte sich 34% des Gesamteinkommens auf die Gruppe der oeberen 5% der Einkommenempfaenger;
gegen 1946 hatte sich dieser Prozentsatz des Gesamteinkommens
dieser Gruppe fast um die haelfte bis auf 18% verringert. Das
bedeutet, dass die niedrigen Einkommensstufen, hauptäaechlich
Angestellte.und Arbeiter, 25,Oüu,000,pOO Dollar des gesamten
Einkommens des Jahres 1946 erhielten. iNacb den Verteilungsschema von 1929 waeren diese 25 Milliarden an die reichsten 5%
gegangen.
Labor News from the US
11/5/51

- 16 -

H1CXS 30 NOT Ol 18362 « I!

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar and diene*
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office oi Labor Affairs
HICOG, APO 737, Frankfurt
angefordert werden. Aal Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
^_^^^^_^_^^^____^__^^_____^—^^^^_

IV - 47

Prankfurt, 23. November 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Produktion - der Weg zur Freiheit

1

Harvard erweitert sein SchulungsProgramm fuer
Gewerkschafter

6

Schach und Gewerkschaften

6

Produktivitaetspolitik erfordert gerechte Grundlagen

9

Arbeiterschulung in Puerto Rico

15

Marion H. Hedges:
PRODUKTION - DER WEG ZUR FREIHEIT
Ein franzoesischer Unternehmer kam eines Tages nach den
Vereinigten Staaten. Hier sah er sich viele Werkanlagen und
Fabriken an. Er lausohte in New York und Washington wichtigen Vortraegen und kehrte dann in sein Heimatland zurueck.
Ploetzlich entschloss er sich jedoch, nioht darauf zu warten,
bis ein in psychologischer Hinsicht geeigneter Moment eintritt, um seine Beobachtungen auszuwerten, sondern sofort damit zu beginnen. Und so beschloss er, das Gesehene sofort
in seiner eigenen Fabrik in Frankreich zu verwirklichen. Und
er faengt tatsaechlich damit an. Das Ziel seiner Produktion
wird von ihm um ZOjL hoeher als bisher festgelegt. Die Loehne
werden im Durohschnitt um IO56 im Wege einer freiwilligen Vereinbarung erhoeht. In der Fabrik wird ein Kasten aufgestellt,
in den die Arbeiter Vorschlaege zur Verbesserung der Produk- 1

�tionsmoeglicbkeiton legen sollen. Er bekennt sich zu dem
Prinzip, "dass die Arbeiter an den Fruecüten einer gesteigerten Produktivitaet sofort beteiligt werden sollen. Eine ebenso einfache wie ueberzeugende Massnahme des franzoesischen
Unternehmers bestand darin, dass jeder Arbeiter nach Hause
gehen konnte, sobald er sein Arbeitspensum erledigt hatte.
Und auf Grund dieser Massnahmen stellt er fest, dass diese •
Pruefmethoden ausserordentlich erfolgreich sind. Sein Unternehmen hat ein ausserordentliches Mass an Publizitaet gewonnen, alle Veit beschaeftigt sich mit dem, was hier geschieht.
Und so erhaelt er in wenigen Wochen ueber .4 000 Bewerbungen
von Arbeitern, die noch in anderen Fabriken taetig sind, aber
gern zu ihm kommen wollen. Diese Geschichte ist gegenwaertig
in allen westeuropaeischen Laendern zu hoeren, sie ist weder
erfunden noch ist sie besonders ausgewaehlt. Sie erzaehlt
lediglich, was in Frankreich und anderen Laendern Europas heute vor sich geht.
Natuerlich gingen diesen Experimenten eine ganze Reihe
eingehender Versuche in Amerika voraus, wobei alle Einzelheiten genau analysiert wurden. Das Experiment war ein erfolgreiches, die Analyse besierte dabei auf den Erfahrungen dieser
typisch franzoesischen Geisteshaltung - jeder Unternehmer erkannte die Gueltigkeit dieser Behauptungen, dass sehr viele
der Misstaende in der Industrie und im sozialen System durch
eine steigende Produktion sich abstellen lassen.
Die Gewerkschaften haben ihren Anteil an diesem Programm.
Die Gewerkschaften haben immer wieder erklaert, dass es voellig nutzlos ist, irgendeinem Land der Marshallplangruppe zu
helfen, wenn diese Hilfe nicht allen Schichten dieser Voelker
zugute kommt.
Die Gewerkschaften haben immer wieder auf die
Rolle hingewiesen - und zwar Jahre hindurch - dass die Dynamik
der amerikanischen Wirtschaft in einer staendig zunehmenden
Kaufkraft besteht - ohne eine gleichmaessige Verteilung der
Fruechte der Produktivitaet wuerde die amerikanische Wirtschaft
sehr schnell steril werden und stagnieren.
Die Wirtschaftsfuehrer der europaeisohen Laender haben,
als sie mit den besonderen Nachkriegsbedingungen sich auseinandersetzen mussten, sich auf einen neuen Prozess der sozialen
Diagnose gestuerzt. Diese soziale Diagnose wird zwar keine neuen Elemente fuer die heutige Situation feststellen, aber sie
wird ergeben, dass neue Elemente und neue Fragenstellungen fuer
diese neuen Elemente in der gegenwaertigen Situation notwendig
sind.
Die Resultate einer solchen Diagnose lassen sich leicht
auf die folgenden Feststellungen konzentrieren: 1.) Der Kapitalismus hat ueberall die Produktion vorwaertsgetrieben.
Der
Sozialismus auf der anderen Seite hat fuer eine bessere Verteilung des Ertrags Sorge getragen. Das Pendel der oeffentlichen
Meinung schwankt zwischen diesen beiden Grundtendenzen hin und
her.
2.) Die wirtschaftliche Erfahrung ist zu dem Schluss gekommen, dass es zwecklos ist, ueber die Verteilung zu sprechen,
wenn die Produktion nicht hoch genug ist und genug produziert
werden kann, um «inen hohen Lebensstandard zu erzielen. Die
Studien, die die rorschungsabteilung der Vereinten Nationen
durchfuehrte, sind kennzeichnend fuer die Staerke und die
Schwaeche der Nationen. Auf der untersten Stufe steht Indone2 -

�sien, es bringt nur so viel an Volkseinkommen hervor, um fuer
jeden Einwohner 25 Dollar im Jahr an Verdienstmoeglichkeiten
zu bieten. In Italien wird ein Maximum von 225 Dollar im Jahr
erreicht, in Russland von 308 Dollar, in den Niederlanden von
etwa 450, in England etwa 650, in Kanada etwa 870 und in den
Vereinigten Staaten etwa 1500 Dollar pro Kopf und Jahr. Natuerlich sind dies keine grossen Reichtuemer, aber die Produktionsleistung der Vereinigten Staaten hat ein Nationaleinkommen zur Folge gehabt, das einmalig ist und ohne jede Vergleichsmoeglichkeit oder Parallelfall in der Geschichte dasteht. Man
braucht auch tatsaechlich nur diese Ziffern herauszustellen, um
dabei festzustellen, dass andere Laender entweder aus Neid die
Vereinigten Staaten hassen oder aber dadurch ermuntert werden,
aehnliche Erfolge auch in Ihrer Industrie zu erzielen und das
Vorbild der USA anzuerkennen. Aus diesen Erwaegungen ist
ueberall heute das Interesse fuer die Produktion und die Mittel zu ihrer Steigerung festzustellen. Die soziale Analyse
muss hierbei jedoch feststellen, dass jede Philosophie, die
entweder ausschliesslich auf der steigenden Produktion oder
ausschliesslich auf dem Prinzip der Verteilung der Ertraege
der gesteigerten Produktion beruht, ein Irrtum ist. Die Pforte zu einer neuen Freiheit, durch die die Menschen zu neuen
Hoehen kommen koennen, muss verbunden sein mit eilen wirtschaftlichen Notwendigkeiten, nur so sind gute Aussichten fuer alle
zu erzielen.
Die geistigen Fuehrer der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sind sich darueber im klaren, dass hier ein Prozess der
Revision vor sich geht, der alle Ideologien erfasst hat - auch
den Sozialismus. Haakon Lie, der bekannte norwegische Sozialdemokrat, hat in den "Sozialistischen Kommentaren", dem Organ
der britischen Sozialisten, ueberzeugende Argumente hierfuer
gebracht. Lie uebersohreibt seinen Artikel "Demokratischer
Sozialismus in unserer Zeit" und sagt hier unter anderem: "Die
kommunistische Bewegung klebt an den marxistischen Dogmen und
findet ihre Staerke in vorbereiteten theoretischen Formulierungen, die aus der marxistischen Erbschaft abgeleitet werden,
die auf alle Fragen eine Antwort bereit zu haben scheint. Wir
wuerden uns selbst zum Narren halten, wenn wir die Anziehungskraft dieses wohlgeknuepften Systems auf viele Menschen unterschaetzten, unter denen sich sonderbarerweise auch viele Intellektuelle befinden. Dieses System zieht aber auch viele
aus der aelteren Generation der Sozialdemokraten an, weil hier
der Nachdruck auf den Klassenkampf gelegt wird, der ihnen immer wieder als der entscheidende Faktor fuer soziale Aenderungen hingestellt wurde. Es wird Zeit, dass unsere Bewegung endlioh einen neuen der Jetztzeit angepassten sozialen Ausblick
gestaltet - eine neue Ideologie. Das ist heute wichtiger denn
Je, weil die fortgeschritteneren Laender mit einer besonderen
Verantwortung belastet sind", wenn sozialdemokratische Fuehrer
die Verantwortung in der Regierung gegenueber der Allgemeinheit
uebernehmen. Dies geschieht nicht mit Gewalt, sondern durch
Ideen und üeberzeugungen. Dies erfordert aber mehr als die
Uebernahme der primitiven Theorie ueber den Klassenkampf. Es
ist erforderlich, dass die Interessen aller Buerger einer Nation,
das heisst nicht nur die der organisierten Arbeiterschaft, in
Batracht gezogen werden muessen. Diese doppelte Aufgabe - die
Fuehrung der Regierungsgeschaefte zu nutze und zu fromm aller
und zu gleicher Zeit diese Aufgaben mit einer ueberzeugenden
Kraft durchzufuehren - scheint ein geeigneter Ausgangspunkt
fuer eine neue sozialistische Theorie zu sein, die auf einer
realistischen Grundlage beruht.

3

�Aber es gibt noch andere Gruende, weshalb die Entwicklung einer neuen sözialbetonten Idee so wichtig ist. Nach
der Zahl ihrer Mitglieder und auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist die amerikanische Gewerkschaftsbewegung heute die
staerkste in der freien Welt und die Herstellung enger Arbeitsbeziehungen ist fuer die internationale Arbeiterbewegung ausserordentlich wichtig. Das gilt nicht allein fuer
die kommenden Monate, in denen der Kampf fuer den Frieden
alle Kraefte in Anspruch nehmen wird, sondern auch fuer die
aufkommenden Probleme der naechsten Jahre, wenn der Westen
eine ueberzeugende militaerische Ueberlegenheit erreicht hat.
Diese maechtige Militaermacht kann in den Haenden reaktionaerer Amerikaner ebenso gefaehrlich sein wie Dynamitpatronen
in den Haenden spielender Kinder. Wir muessen daher mit unseren Freunden jenseits des Atlantiks viel enger als bisher
arbeiten."
Soweit Haakon Lie. Die amerikanischen Gewerkschafter
sind auf Grund ihrer amerikanischen Geisteshaltung Pragmatiker. Sie sind nicht mit Irgendwelchen Theorien verheiratet.
Dies ist auch der Grund, weshalb die marxistische Philosophie
mit ihren spitzfindigen Festlegungen niemals Eingang bei der
Mehrzahl der amerikanischen Gewerkschaften gefunden hat.
Dies mag auf der anderen Seite dazu beigetragen haben, dass
wirtschaftliche Grundsaetze einen Platz in der bodenstaendigen Philosophie der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sioh
sichern konnten. Die grosse Tatsache, dass die Vereinigten
Staaten gegenwaertig ein Produktionssystem entwickelt haben,
das die Armut abschaffen kann und tatsaechlich dies auch
fertigbringt, ist als Theorie ebenso wichtig wie die der Evolution oder die Einsteinsche Relativitaetstheorie. Diese
bedeutsame Tatsache der sich durchsetzenden Ideologie gegenueber anderen erzeugt natuerlich Feindschaften, auch von anderen Seiten her als der kommunistischen. Irgend jemand hat
einmal sehr klar herausgestellt, dass jeder, der ueberkommene Meinungen oder üeberzeugungen durch andere ersetzen will,
sich viel staerker der Gefahr des Lynchens aussetzt als Jemand, der sich etwa an fremdem Eigentum vergreift. Wenn heute
jemand sich erhebt und erklaert, dass "alle gegenwaertigen
Ideologien von einer Wirtschaft des Mangels herrühren und wir
eine Wirtschaft des Ueberflusses beginnen muessen", so wird
er in die Gefahr kommen, wegen seinerwVergewaltigung"ueberkommener Meinungen hemmungslos niedergeschrien ^u werden und zwar
von allen moeglichen Seiten her.
Es gibt jedoch eine Anzahl von Prinzipien und Methoden,
die sich ohne weiteres von den grossen Tatsachen ableiten lassen. Es handelt sich hierbei um die folgenden vier Punkte:
1.) Die Maschine allein genuegt nicht. Die Maschine
ist nur ein Werkzeug, aber nicht mehr. Die blosse Ueberpflanzung von Maschinen in andere Laender garantiert keineswegs,
dass dieses Land sich einen dauernden Wohlstand erwerben kann.
Die Technologie, eine Wissenschaft, die sich mit Maschinen beschaeftigt, hat als ihren Mittelpunkt den Menschen selbst und
ihr Ziel ist einzig und allein die Verbesserung der menschlichen Lebensverhaeltnisse. Die Amerikaner haben hier sehr viel
von den unruhigen letzten dreissig Jahren gelernt. Sie haben
gelernt, dass die Technik in einer sich ausdehnenden Wirtschaft
die Technik einer sich immer staerker ausbreitenden Kaufkraft
der breiten Masse ist. Dieses Prinzip ist ein unveraenderliches und kann nur in der gleichen Form wie andere unabaender-

4 -

�liehe Grundsaetze verletzt werden mit allen sich daraus ergebenden Folgerungen. Sobald naemlich die Kaufkraft nachlaesst,
verliert die Wirtschaft ihr Gleichgewicht, auch wenn es hierbei oertliche Verschiedenheiten gibt.
2.) Massenproduktion bezieht sich auf das Ziel der Produktion, das heisst, sie bezieht sich auf die gesamte Bevoelkerung. Die Massenproduktion bezieht sich weiter auf grosse
Einheiten an Arbeitern, aber auch auf Maschinen, die in der
Lage sind, grosse Mengen an Guetern herzustellen. Die Technik der Massenproduktion kann von kleineren Industrien auf
kleinerer Basis durchgefuehrt 'werden - dies ist ein sehr wichtiges Prinzip. Diese Tatsache darf auch nicht im Punkt-VlerProgramm, das der Unterstuetzung wirtschaftlich zurueckgebliebener Laender dient, oder anderen internationalen Programmen
der wirtschaftlichen Hilfe uebersehen werden.
3.) Der Klassenmarkt ist eine unvermeidbare Folge der
noch dem Handwerklichen verhafteten Industrie. Die Handwerker, die taeglich nur einige wenige Erzeugnisse herstellen,
muessen diese natuerlicn zu hohen Preisen an einige wenige
Personen verkaufen, die diese Preise zahlen koennen. Das
Ziel des Massenmarktes ist die Erfassung der gesamten Bevoelkerung.
4.) Analysen, die die gegenwaertige amerikanische Gesellschaft betreffen, sind zuweilen etwas sehr vereinfachend
mit ihren Schluessen, wie dieses Prinzip der Massenproduktion
in den Vereinigten Stebten ueberhaupt entstanden ist. Aber
die Motive hierfuer sind sehr leicht aufzudecken. Die Amerikaner sind durch und durch von dem Gedanken der Demokratie erfuellt. Die Leidenschaft der Amerikaner, Fortschritte zu erzielen, an die Spitze zu kommen, es ebensoweit zu bringen wie
der Nachbar, ebenso viel leisten zu koennen wie der andere
sind Urbestandteile der amerikanischen Demokratie. Und dieses
grosse Teilhaben an den Guetern des Arbeitsprozesses mit dem
ausgepraegten Bewusstsein, hieiauf ein Recht zu haben, hat
im letzten Grunde die Massenproduktion zu einer unvermeidbaren
Konsequenz der demokratischen Form der amerikanischen Gesellschaft gemacht.
*

*

*

Natuerlich sind durch den Marshallplan neue Formen der
internationalen Beziehungen geschaffen worden. Diese neuen
Formen der Beziehungen haben sich gegenueber der bisherigen
traditionellen Geheimniskraemerei der Diplomatie durchgesetzt. Die Beziehungen der Marshallplanlaender sind nicht
mehr darauf abgestellt, was die Diplomaten oder die Vertreter
der Regierungen sagen und tun. Die Vertreter der Voelker treffen sich Tag fuer Tag und besprechen gemeinsame Probleme. Sie
tauschen dabei auch Erfahrungen aus, die Schranken der Sprachen und der Traditionen werden dabei zerbrochen. Sie haben
dabei entdeckt, dass gleiche Bedingungen in den Industrien zu
gleichen Wirkungen fuehren. Diese neue Diplomatie, die Diplomatie der Vertreter des Volkes und nicht allein der Reprae3entanten der Regierung ist eines der markantesten Charakteristiken der heutigen Generation. Gerade fuer die Gewerkschaftsbewegung ist diese Einstellung nichts sonderbares. Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hat sich immer stark mit den Gewerkschaften anderer Laender verbunden gefuehlt. Und auf diesen Verbindungen kann und wird eine neue bessere Welt aufgebaut
werden.
- 5 -

�HARVARD ERWEITERT SEIN SCHULUNGSPROGRAMM FIBR GEWERKSCHAFTER
Das Harvard-Gewerkschaftsprogramm, ein hervorragendes
Seminar der Harvard-Universitaet fuer die Schulung von Gewerkschaftern, hat sich zu internationaler Bedeutung entwickelt.
Sechs Vertreter auslaendischer Gewerkschaften trafen sich anlaesslich der zehnten Jahressitzung des Seminars, die Ende
Oktober begann und 13 Wochen dauert, mit acht Gewerkschaftsmitgliedern in den Vereinigten Staaten. Es ist in diesem Jahr
das erste Mal, das den internationalen Arbeitsproblemen besonderes Interesse entgegengebracht wird.
Die Gewerkschaftsvertreter von üebersee kamen aus Oesterreich, England, Deutschland, Irland, Holland und Norwegen. In
den Seminardiskussionen haben sie durch die Darstellung ihrer
Erfahrungen in den Arbeitsproblemen in ihren Laendern zu einem
besseren Verstaendnis wirtschaftlicher Fragen beigetragen.
Clinton Golden, der ehemalige Berater fuer Arbeitsfragen in
der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) sprach
ueber Aufgaben der internationalen Arbeiterbewegung. Die grundlegende Aufgabe des Seminars erstreckt sich auf die Schulung
verantwortlicher Gewerkschafter. Gewerkschaftsvertreter werden
woeohentlich 24 Stunden in den Klassenraeumen des Harvard-Instituts fuer Wirtschaftsangelegenheiten zubringen.
In einem der Seminare, das von Professor James Healy
ueber Arbeitsbeziehungen gehalten wird, werden Gewerkschafter
mit Unternehmern zusammenkommen. Unternehmer, die an diesen
Seminaren teilnehmen, besuchen die Kurse fuer Fortgeschrittene
des Harvard-Instituts fuer Wirtschaftsangelegenheiten. Sechs
dieser Unternehmer sind auslaendische Studenten, die im Rahmen
des Studienprogramms der ECA %n die USA entsandt wurden. Das
Harvard-Gewerkschaftsprogramm, das einzige Universitaetsprogramm in den Vereinigten Staaten fuer die Schulung von Gewerkschaftern, wird von Professor Healy geleitet. Die ECA unterstuetzt in diesem Jahr die Teilnahme auslaendischer Gewerkschaftsvertreter, denn sie glaubt, dass ein gegenseitiges Verstehen der Probleme der Arbeiterbewegung der freien Welt nachhaltig zum Wiederaufbau der einzelnen Nationalwirtschaft beitraegt.
Labor News in the US
11/9/51
SCHACH UND GEWERKSCHAFTEN
Das uralte Schachspiel ist seit einiger Zeit von den Sowjets als ideologisches Kampfmittel eingesetzt worden. Im ersten Augenblick erscheint dies voellig'unverstaendlich. Wer
sich aber ueber die theoretische Doktrin aller totalitaeren Bewegungen im klaren ist, wird sehr schnell begreifen, dass auch
das Schachspiel zu einem Element dieser Systeme werden kann.
In Deutschland hat die NSDAP eine Fuelle von Veranstaltungen
durchgefuehrt, zu denen jeder mehr oder minder gezwungen kommen musste - die Menschen muessen staendig in Bewegung gehalten
werden, sie muessen sich mit bestimmten Themen befassen: mit
dieser Methode lenkt jede Diktatur die oeffentliche Meinung in
die gewuenschte Richtung.
Und so ist in Russland das Schachspiel zu einem Element der
Bewegung geworden. Die Schachfiguren sind in der ganzen Welt
- 6 -

�weisse und sohwarze, in Sowjetrussland sind sie weiss und rot.
Die weissen Figuren repraesentieren den Kapitalismus, sie weisen pflichtgemaess ausgesprochen dekadente Zuege auf, sie symbolisieren Luxus und Militarismus - kurz all das, was in
Russland dem kapitalistischen System vorgeworfen wird. Die
roten Figuren sind dagegen positiv gehalten, der rote Koenig
ist durch einen froehlichen Stachanowarbeiter dargestellt,
dessen Muskeln voller Energie und dessen Antlitz voller Leben
ist - ein Arbeiter, der Wunderleistungen in produktionstechnischer Hinsicht vollbringen kann. Und so geht es von Figur
zu Figur, auf der einen Seite nur positive, auf der andern nur
negative Zuege.
Stalin geht mit seiner Foerderung des Schachspiels auf
russische historische Vorkommnisse zurueck. Den russischen
Studenten war vor der Jahrhundertwende das Schachspielen verboten, da das Studium darunter litt. Als jedoch die russischen Studenten sich gegen die zaristische Unterdrueckung auflehnten, ordnete der russische Kultusminister K a s s o die
Aufhebung des Verbots an, wobei er offen erklaerte, dass das
Sohachspielen den meisten Studenten keine Zeit mehr fuer
revolutionaere Betaetigung uebrig lassen werde.
Heute gibt der sowjetische Staat Millionen an Rubeln
fuer die Propaganda des Schachspielens aus, ueberall gibt es
Sohachklubs mit besonderen Bueros, die alle der gleichen
Aufgabe dienen, die Kultur des Schachspiels in die breiten
Massen zu bringen.
Tatsaechlich kann ein ausgezeichneter Schachspieler es
in Sowjetrussland zu etwas bringen. Der russische Schachmeister Michael B o t w i n n l k
wird offiziell als Ingenieur
vorgestellt, ebenso sein Trainer Wjacheslaff R a g o s i n.
Beide sind aber 'Berufsschachspieler, Botwinnik gehoert zu
dem Kreis der 400 Auserwaehlten, die ein luxurioeses Leben
fuehren koennen, jederzeit die schoensten Sanatorien der
Krim und andere feudalen Erholungsstaetten besuchen duerfen,
einen Wagen staendig zur Verluegung haben - Botwinnik hat
darueber hinaus noch zwei hohe sowjetische Orden verliehen
bekommen.
Ragosin lebt im Schatten Botwinniks, er ist der Chefredakteur der Zeitschrift "Schach in Sowjetrussland". Seine
Hauptarbeit ist jedoch die Ausarbeitung neuer Kombinationen
fuer den russischen Schachmeister, diese werden mit den hervorragendsten Schachspielern durchgearbeitet und nach ihrer
theoretischen Festlegung Botwinnik unterbreitet und zur Auswertung zur Verfuegung gestellt. Eine Veroeffentlichung dieser Versuchspartieen kommt aber erst dann in Frage, wenn Botwinnik diese Kombinationen in Meisterschaftskaempfen angewandt hat.
Das ganze System des Schachkultur-Wettbewerbs wird aber
erst dadurch zu einer Massenbewegung, als sich hier jeder auszeichnen kann und durch gute Turnierleistungen auch vorwaerts•kommt. So kann ein junger Schachmeistsr, der einige oertliche Siege errungen hat, aber keine besondere Ausbildung durchmachte, sich Mindesteinnahmen von 2000 Rubeln in der Woche
erwerben - das ist das Doppelte, was er im Buero oder in der
Fabrik herausholen koennte. Und so traeumen Millionen junrrer
Russen von dieser Moeglichkeit eines leichten unl besseren
Lebens - die Sowjets aber wissen, dass durch die Schuchklubs

7

�Millionen solcher Menschen erfasst werden, die sich sonst
nicht fuer Politik interessieren - ein Ventil ist geschaffen,
das niemals zu gefaehrlichen Ueberdruecken fuehren kann.
Wo ein junger Schachspieler Ueberdurchschnittliches
leistet, wird er meist ueber den oertlichen Schachklub zu
einem Propagandisten des Schachs., er besucht laufend die
Schachklubs der Umgebung, nachdem er genuegend fuer die sowjetischen Belange der Schachkultur gedrillt wurde. Die Parteilinie wird hier voellig klar: Auf der einen Seite
braucht man Millionen Schachenthusiasten in den Klubs, auf
der andern Seite aber routinierte Schaohpropagandisten, die
gut bezahlt werden und die neben ihrem Spiel auch die Propagandataktik beherrschen muessen -• wer von der Bevoelkerung
noch in keiner anderen Organisation erfasst ist, muss wenigstens Schachklubmitglied sein. Bei den aelteren Leuten gibt
man sich jedoon keine besondere Muehe, aber jeder Jugendliche
landet zumindest im Schachklub, wenn er sich bei anderen Organisationen druecken konnte.
Und genau so ist es in den Betrieben. Wer eifrig beim
Schachklub mitmacht, kann sich aridere Dinge erparen, Prinzip
ist eben auch hier, die "Leute" immer etwas bestimmtes tun,
ihnen nicht zu eigenen Gedankengaengen Zeit zu lassen. Das
mu3?te auch Fjodor B o g a r t i t s c h u k erfahren, ein
Roentgenologe, der aus Zeitvertreib Schach spielte, aber mit
Leib und Seele Roentgenforscher war. Bogartitschuk spielte
einmal, ohne sich die Konsequenzen zu ueberlegen, gegen Botwinnik und gewann von fuenf Spielen drei. Damit glaubte
Bogartitschuk die Sache fuer erledigt, weil er das Schach
nur als Spiel ansah - als er jedoch wieder zu seiner Arbeit
zurueckkehrte und seine Beteiligung an Schachwettbewerben zwischen den Kolcnosen, den Industrie-"gewerkschaften", den
Staedten, den Bundstaaten der Sowjetunion und 'anderen Tournieren ablehnte, weil er als Roentgenologe weiter taetig sein
wollte, erhielt er eine Anklage wegen "Sabotage der Schachkultur unter der Jugend". Als Bogartitschuk eines Tages in
Kiew weilte, gelang ihm von hier aus ueber Polen die Flucht
nach dem ,/esten. Heute arbeitet er in Kanada wieder als
Roentgenologe, und wenn er Zeit und Lu3t hat, spielt er auch
einmal Schach. Trotz seiner Flucht aus der Sowjetunion hat
er aber dennoch Verstaendnis und Sympathie fuer die grossen
russischen Schachmeister, aus deren geliebtem Spiel Stalin
ein intellektuelles Narkotikum entwickelte, das restlos in
seinem Dienst steht.
Die "Gewerkschaften" der Sowjetunion haben nichts mehr
mit ihren frueheren Aufgaben zu tun - nur der Name ist geblieben, es ist tatsaechlich eine Arbeitsfront. All das, was
Robert Ley einmal als KdF ausprobiert hat, ist auch in Russlund zu finden. Aber Ley hat das billigste Mittel des Narkotisierens vergessen: das Schachspielen. Da es im uebrigen
ein Mittel ist, den ührgeiz kuenstlioh aufzustacheln, so kann
man mit dieser Schachspielerei auch andere Zwecke erreichen der Ehrgeiz ist an sich verstaendlich, aber die Chance, bequem zu leben und das Doppelte zu verdienen, fuehrt in der
Praxis schon zu manchen Ergebnissen fuer den sowjetischen Apparat.
Jetzt duerfte es auch klar werden, warum Schach und Gewerkschaften in dor IdSSR zusammengehoeren: Beide 3ind nicht nur
- 6 -

�voellig ungefaehrlich, sondern sind im Gegenteil ideologische
Waffen, die reffiniert eingesetzt werden. Man mag darueber
laecheln, aber der voellig unpolitische üoentgenologe Bogartitschuk kann etwas anderes berichten ....
Labor and Nation
V/51
Maurice Bouladoux:
PRODUKTIVITAETSPQLITIK ERFORDERT GERECHTE GRUNDLAGEN
1.

Die schlechten Nebenbedeutungen des Wortes Produktivitaet.

Es gehoert zu-den schwersten Fehlern des Kapitalismus,
dass er die Arbeiterschaft gezwungen hat, den instinktiven
Arbeitsimpuls abzubremsen, der ganz von selbst zu einer
staendig zunehmenden Wirksamkeit fuehrt. Die Arbeiter wissen aus langen und bitteren Erfahrungen, dass persoenliche
oder gemeinsame Anstrengungen nicht belohnt werden, sondern
dass dadurch in Gegenteil fraglos Risiken hervorgerufen werden.
Sehr viele franzoesische Arbeiter sind der Meinung, dass
die Idee der Produktivitaet geradezu verkettet ist mit der
relativen Abwaertsbewegung der Lohnskala, wie sie sich bisher
im Zuge der erhoehten Produktion ergeben hat. Dieser Vorgang
ist allgemein bekannt: Hierbei wird der Faktor Zeit so
genau wie moeglich kalkuliert. In dem Augenblick jedoch, wo
die durchschnittliche Leistung des Arbeiter zunimmt, vermindert der Unternehmer den Betrag der gewaehrten Zeit. Dadurch
kann nur der Arbeiter mit einer ungewoehnlichen physischen
Kraft oder mit einer aussergewoehnlichen Geschicklichkeit hohe
Loehne erreichen, ohne sich dabei gesundheitlich zu gefaehrden.
Dies erkleert z. T., warum der franzoesische Arbeiter
mit einer argwoehnisehen Zurueckhaltung die Vorschlaege fuer
eine zunehmende Produktivitaet zur Kenntnis nimmt. Der Franzose ist dabei ebenso hitzig wie die Arbeiter in andern Laendern und seine Geschicklichkeit liegt unzweifelhalft ueber
dem Durchschnitt.
Kann man ihm diese Haltung verargen? Es erscheint zweckmaessiger, die grosse Zahl der Unternehmer zu tadeln, die weder ihre sozialen Pflichten verstanden haben noch ihre wirklichen Interessen wahrnehmen.
Wenn eine Politik des hohen Produktivitaetsniveaus Erfolg
haben soll, so ist es notwendig, dass die Arbeiter in gleichem Masse an den Ertraegen teilhaben, die durch ihre Anstrengungen geschaffen werden und dass ihre Loehne nicht nur mit
einigen wenigen Prozenten erhoeht, sondern verdoppelt oder
verdreifacht werden, je nach den erzielten Erfolgen, ohne dass
sie jedoch gezwungen werden, mit ausserordentlicher Schnelligkeit oder unter unannehmbaren Bedingungen zu arbeiten.
Viele Unternehmer sind irrtuemlich der Meinung, dass die
Produktivitaet in erster Linie von der Anstrengung des Arbeiters abhaengt und dass die Praemie, die ihm gewaehrt wird,
stets durch einen Teil des Produktionsueberschusses begrenzt
- 9 -

�werden sollte, der durch die Erhoehung seiner Arbeitsgeschwindigkeit erreicht wurde. Andere Unternehmer gehen noch weiter
und reden von einer Erhoehung der gesetzlich zulaessigen Zahl
der Arbeitsstunden. Obwohl aber die Leistung des Arbeiters
als Standard fuer die Messung der Produktivitaet dient, haengt
die Produktivitaet nicht nur von der Arbeitsleisung ab, die
von einem menschlichen Wesen erreicht wird, sondern sie ist
ebenso stark durch die wissenschaftliche Organisation der
Arbeit beeinflusst, durch den Grad der Mechanisierung, die
Qualitaet der Rohmaterialien usw. Ein grosser Teil der
franzoesischen Unternehmer vernachlaessigt jedoch diese elementaren Voraussetzunren.
Angesichts dieser Tatsachen stehen die freien franzoesischen Gewerkschaften einer doppelten Verantwortlichkeit gegenueber: Einmal durch ihre Unterstuetzung zu allen Anstrengungen beizutragen, die zum Nutzen der wirtschaftlichen Entwicklung durchgefuehrt werden und die dem ganzen Land zum
Vorteil dienen - auf der andern Seite jedoch durch eine Erhoehung der Loehne und Gehaeiter diese in eine vernuenftige
Beziehung zu den erreichten wirtschaftlichen Fortschritten zu
bringen. Die Grundsaetze, nach denen sich die Gewerkschaften
in allen Produktivitaetsfragen richten muessen, sind somit
wirtschaftlicher und sozialer Natur. Diese muessen aber
gleichzeitig nebeneinander verfolgt werden, damit nicht in
einem Bereich das verloren geht, was auf dem anderen gewonnen
werden konnte.
Der Lebensstandard eines Volkes steht in engem Zusammenhang mit der Produktion. Ein hoher Produktivitaetsstandard
ist unerlaesslich, wenn ein Volk solche sozialen Fortschritte
erreichen will wie die Verminderung der Arbeitszeit, die
Erhoehung der Loehne, die laengere Schulpflicht Junger Menschen, um dadurch ihre Erziehung und ihre Ausbildung besser
zu vervollstaendigen, bevor sie in den Arbeitsprozess eintreten, oder die Vermeidung der uebermaessigen Beschaeftigungszeitverlaengerung aelterer Arbeiter, indem man ihnen eine ausreichende Pension gibt. Jede Arbeitsstunde muss einen staendig
wachsenden Wohlstand schaffen. Aber das vorbehaltlose Festhalten an diesem Zweck sollte in der Praxis vorsichtig betrieben werden. Die Denkgewohnheiten der Unternehmer und der Arbeiter ueber diese Dinge sollten sorgfaeltig analysiert werden,
um hier gewisse Fallstricke zu vermeiden.
Die Versuche, eine verstaerkte Produktion zu erreichen,
muessen mit dem Gedanken durchgefuehrt werden, die koerperlichen, geistigen und moralischen Energien des Arbeiters einzusparen und fuer die unentbehrliche Entwicklung der Persoenlichkeit volle Freiheit zu gewaehren. Dies schliesst ein
Problem ein, das mit der Unterstuetzung des Betriebsvertrauensmannes, des Betriebsrates oder ganz allgemein gesprochen
mit Hilfe der gewerkschaftlichen Organisationen geloest werden muss. Die Fortschritte auf den Gebiet der Produktivitaet
muessen durch die Zusammenarbeit des Arbeiters fuer seinen
Arbeitsplatz und nicht zu seinem Nachteil, wie es leider nur
zu oft der Fall ist, erzielt werden. Die franz'oesischen Arbeiter haben bis heute in dieser Hinsicht noch keine genuegenden
Garantien erhalten und dies erklaert auch zum Teil ihr gegenwaertiges Misstrauen gegen jede Propaganda fuer eine Steigerung der Produktivitaet.
Ein anderer Grund fuer das Unbehagen gegenueber einer zunehmenden Produktivitaet ist die Aussicht einer durch techni- 10 -

�sehe Gruende bedingten Arbeitslosigkeit. Die Erinnerung an
die vergangenen Depressionen ist noch nicht verschwunden,
und obgleich die gegenwaertige wirtschaftliche Lage keine
Besorgtheit innerhalb der Arbeiterschaft erzeugt, so befuerchtet sie doch, dass eine nachdrueckliche Mechanisierung'
zu einer neuen Arbeitslosenwelle fuehren koennte. Die gewerkschaftliche Organisation sollte sich um diese Dinge kuemmern, was jedoch nicht bedeuten soll, dass sie eine engstirnige Garantiepolitik durchfuehren soll, um jedem Arbeiter
die Beibehaltung seines jetzigen Arbeitsplatzes zu sichern.
Umgruppierungen muessen zur gegebenen Zeit geprueft werden,
wobei ein Ausgleich durch Arbeitslosenversicherung vorausgesetzt werden soll und zugleich der Wohnungsbau anzukurbeln
ist.
Es ist jedoch Tatsache, dass selbst der groesste Einfluss
auf die Begeisterung, eine besser* Arbeit zu leisten und damit die Produktivitaet zu steigern, nicht ausreicht, um dem
Arbeiter einen Lohnausgleich zu geben. Diese Vernachlaessigung jedes Gerechtlgkeitsgefuehls haelt Bitterkeit und Misstrauen im Arbeiter wach, die allein durch Taten und nicht mehr
durch einfaeltige gluehende Appelle vertrieben werden koennen.
2.

Der Arbeiter hat bisher keinerlei Vorteile durch
die wirtschaftliche Erholung Westeuropas gehabt.

Als Frankreich 1945 befreit wurde, war jedermann der
Meinung, dass von allen aufrichtige Anstrengungen gemacht
werden sollten, um eine schnelle Wiedererholung der franzoe8isohon Wirtschaft zu erreichen. In diesem Geiste der Freundschaft versprach Amerika wesentliche Lieferungen an Rohmaterialien
und Ausruestungen. Der Arbeitseifer des franzoesischen Arbeiters war der bedeutendste Faktor,der bei der Wiedererholung
zutage trat, jöie gleiche Tatkraft war jedoch weder vonseiten
der Behoerden noch vonselten der Unternehmer erkennbar, als
es sich um die Erhoehung der Kaufkraft der Arbeiterschaft
handelte.
Die Schnelligkeit, mit der das franzoesische Eisenbahnnetz, die Bergwerke und die Bruecken wiederhergestellt wurden, hat tatsaechlioh allgemeine Bewunderung gefunden. Diese
Leistung erweckte in den franzoesischen Arbeitern einen berechtigten Stolz. Die statistischen Berichte zeigen jedoch nur
allzu klar, dass die Arbeiterschaft zwar ihre Pflicht tat,
aber keineswegs entsprechend bezahlt wurde.
Index *)
1956 (Basis -100)
Industrieproduktion
Ha ushaltsverbrauc h
Produktivitaet
Lebenskosten
Loehne
)

1946

1950

84
83
73
645
347

123
103
100

* von Steigerung

46 %

1813

24 £
37 $
180 #

977

181 jo

Diese Zahlen sind amtlich. Sie stammen entweder vom Nationalen Institut fuer Statistik und Wirtschaftsberichte
oder - soweit es sich um Produktivltaetszahlen handelt vom Buero des Chefberaters fuer den Monnet-Plan. Die
Lebenshaltungskosten wurden dem offiziellen Index des
Jahres 1946 entnommen, in dem Verbraucherpreise angefuehrt
werden (bekannt als Index der 34 Artikel). Der Lohnindex
basiert auf den Hauptloehnen der Metallindustrie des
Pariser Gebietes.
- 11 -

�Waehrend zwischen den Jahren 1946-50 die industrielle Produktion sich um 46% steigerte und einen Punkt erreichte, in
dem sie ihren hoechsten Stand zwischen den beiden Weltkriegen
wieder errang und waehrend die Produktivitaet selbst um 37$
anstieg, blieb die Kaufkraft des Arbeiters unveraendert.
Fuer den ungeschulten Beobachter mag es so aussehen, als
ob sich der Lebensstandard verbesserte, aber diese Verbesserung
ist nur im Hinblick auf die Unterdrueckung des schwarzen Marktes vorhanden, die es der Bevoelkerung heute erlaubt, das Geld
zur Erneuerung ihrer Garderobe auszugeben, das 1946 durch den
Unterschied zwischen "amtliohen" und wirklichen Preisen verschluckt wurde. Trotzdem bleibt dieser Lebensstandard betraechtlich unter dem Stand des Jahres 1938.
Wir duerfen hierbei nicht vergessen, dass die Wirtschaft
durch die grossen Verluste an beweglichem und unbeweglichem
Eigentum belastet war, die durch den Krieg verursacht wurden.
Der haeusliche Verbrauch hat jedoch den Vorkriegsumfang erreicht, im Jahre 1950 sogar ueberschritten, aber hiervon hat
die Arbeiterschaft keinerlei Vorteil gehabt. Offensichtlich
haben andere Gesellschaftskreise den Umfang des nationalen
"Kuchens" und seine Vergroesserung seit 1946 verschlungen, und
das Problem, das wir hier behandeln muessen, ist eine Folge
dieser wirtschaftlichen Tatsache.
Wie kann eine solche Situation geheilt werden? Wenn es
in Frankreich eine starke und einige Gewerkschaftsbewegung
gaebe, koennten zweifellos geeignete Loesungen gefunden werden. Diese Voraussetzung liegt jedoch ungluecklicherweise
nicht in der gewerkschaftlichen Macht. Sie kann nur nach
einer gewissen Zeit erreicht werden, sodass Schritt fuer
Schritt gekaempft und alle zur Verfuegung stehenden Mittel
angewendet werden muessen.
Das kommunistische Ablenkungsrezept.
Das Problem wird im uebrigen dadurch erschwert, dass die
unter kommunistischem Einfluss stehende CGT (Allgemeiner Gewerkschaftsbund) ganz freimuetig erklaert, dass sie eine Katastrophenpolitik fuer das Richtige haelt. In dem Bestreben,
eine "Volksdemokratie" an die Macht zu bringen, vergroessert
sie die Irrtuemer des gegenwaertigen Wirtschaftsregimesj
selbst auf die Gefahr hin, das Vertrauen der Arbeiterschaft
zu der Gewerkschaftsbewegung zu zerstoeren, hetzt sie zu unpopulaeren Streiks auf, die haeufig zum Scheitern verurteilt
sind. Sie fuehrt weiterhin eine staendige Propaganda gegen
den echten Begriff der Produktivitaet und natuerlich auch
gegen den Marshallplan. Sie sabotiert systematisch die verhaeltnismaessig wenigen Errungenschaften eines demokratischen
Wirtschaftssystems, die die vierte Republik gebracht hat. Zu
allererst hat die Einfuehrung der Betriebsraete uns nicht die
Erfolge gegeben, die erhofft wurden. Dies ist ebenso auf ihr
eigenes Schuldkonto zu buchen als auf das der streitbaren
Unternehmer.
Eine derartige Lage verstaerkt natuerlich die Position
der Unternehmer und erschwert die Durchfuehrung einer zufriedenstellenden Loesung. Es gibt jedoch unter den franzoesischen Unternehmern viele, die ihre Bereitwilligkeit gezeigt
haben, mit der Arbeiterschaft zusammenzuarbeiten und die dankenswerte Aktionen durchfuehrten, um das praktische Interesse
- 12 -

�t

der Arbeiterschaft in Fragen der Produktivitaet zu foerdern.
Derartige Aktionen blieben jedoch, da die ünterstuetzung der
Regierung ausblieb und sie stets bekaempft wurde, wenn sie
sich regte, in ihrer Natur sporadisch und in ihrer Reichweite
begrenzt.
Eine Politik des sozialen Fortschritts erfordert in
Wirklichkeit - wie es in dem Bericht des Leiters des Internationalen Arbeitsamtes vorgeschlagen wurde - eine Kombination
wesentlicher und untrennbarer Elemente: Die Stabilisierung
der Preise in naher Zukunft, eine allgemeine Erhoehung der
Loehne unter Beruecksichtigung der Produktivitaetssteigerung
sowie Massnahmen, um den Arbeitern einen gerechten Anteil
an den Ertraegen der industriellen Produktion zu sichern.
3.

Was getan werden muss.

Die wachsende Produktivitaet ist ein wesentliches Element fuer jede gesunde Politik, die darauf abzielt, den allgemeinen Lebensstandard der arbeitenden Schichten zu erhoehen; dieses Mittel allein ist jedoch ungenuegend. Das Streben nach einer Loesung dieses Problems kann nur verwirklicht
werden innerhalb des Rahmens einer breiteren Politik, einer
zweckmaessigeren Verteilung der Kaufkraft, die in liberalerer V.'eise der Arbeiterklasse zugute kommt. Zu gleicher Zeit
muss jedoch eine geschlossene Politik in nationalem Masstab
eine gleichmaessigere und wirtschaftlich fuehlbare Neuverteilung des Nationaleinkommens garantieren.
Im EinDlick auf die Loehne ist es notv»iendig, dass die
Arbeiter eine gleichwertige Verguetung fuer den Anstieg der
Produktivitaet erhalten. Diese Verguetung sollte ihnen nicht
allein in der Form jener traditionellen Fraenie gegeben werden, die nur jenenMohrrueben allzu aehnlich sind, die einem
Affen hingehelten werden, um ihn unter einer schweren Buerde
anzutreiben, sondern in Uebereinstimmung mit bestimmten Regeln, die eine groessere Beachtung der Anstrengungen ergeben,
die von allen betroffenen Kreisen erfuellt werden, seien es
Arbeiter, Eigentuemr oder Manager, und die dafuer buergen,
dass alle einen gerechten Anteil an den Erfolgen erhalten,
die gemeinsam erzielt worden sind.
Die Probleme sind zahlreich, und sie erfordern ein
staendiges und gruendliches Studium. Dies ist auch der Grund,
weshalb die einzelnen franzoesichen Gewerkschaften eine gemeinsame intergewerkschaftliche Zentrale fuer das Studium
und die Erforschung der Produktivitaetsfragen gegruendet haben. Mitglieder dieser Zentrale sind die Confederation
Francaise des Travailleurs Chretiens (Franzoesische Vereinigung christlicher Arbeiter), die Confederation Generale des
Cadres (Allgemeine Meistervereini^ung) und die Confederation
Generale du Travail - Force Ouvriere (Allgemeine Arbeitervereinigung - Dritte Kraft). Diese Zentrale, die gemeinsam mit
der franzoesischen Vereinigung fuer Produkt!onserhoehung arbeitet und die unter der Kontrolle der drei Gewerkscheftsverbaende steht, ist in der Lage, als beratende Koerperschaft bei
allen Streitfragen mitzuwirken, bei denen es sich um Kampfe
mit besonderen Problemen handelt.
Diese beratende Koerperschaft, die von den Gewerkschaftsverbaenden gegruendet wurde
und die einzig und allein ihren Belangen zu dienen hat, wird
somit deren weitgehendes Vertrauen haben. Es ist ueberdies
13 -

�V

beabsichtigt, dass bestimmte Studien durchgefuehrt werden, um
vom technischen Standpunkt aus die besten Bedingungen der Arbeitsorganisation zu bestimmen, die zur gleichen Zeit mit den
grundlegenden ArbeitsvorausSetzungan der freien gewerkschaftlichen Organisationen vereinbar sind.
Seit mehr als einem Jahr haben wir als eines der wirksamsten Mittel der Produktionssteigerung in Frankreich die
Umwandlung und - wenn es moeglich ist - die Errichtung von
Muster-Werkanlagen in bestimmten Gebieten vorgeschlagen unter den gleichen technischen und wirtschaftlichen Bedingungen wie aehnliche Anlagen in den Vereinigten Staaten durchgefuehrt wurden. Gegebenenfalls wuerde eine solche Politik
der Einrichtung solcher Uusterwerke, die in Schluesselgebieten erstellt werden und die in erster Linie mit Artikeln
fuer den laufenden Verbrauch hervortreten sollen, die franzoesischen Unternehmer unter den Zwang stellen, die Methoden, die in diesen •Verken ueblich sind, nachzuahmen. Um
hier vom sozialen Standpunkt aus Folgerungen zu ziehen,
muessen natuerlich solche Werke mit derartigen Experimenten
den groesstmoeglichsten Dienst einer fortschrittlichen Politik erweisen, d.h. dem Lohnempfaenger die Moeglichkeit geben,
an diesen Betriebsarbeiten und an den Ertraegen beteiligt
^u sein. Das erste dieser Erfordernisse muss darin bestehen,
den Arbeitern Loehne zu geben, die mit jenen in Einklang stehen,
die amerikanische Arbeiter in sehnlichen 'Werken erhalten.
Aber offensichtlich machen es die in Frankreich vorherrschenden Bedingungen unmoeglich, dieses Experiment in der bevorstehenden Zukunft voll durchzufuehren. Die wesentliche Aufgabe wird somit darin liegen, sich diesen Bedingungen soweit
wie moeglich zu naehern, in jedem Fall aber diese Bedingungen
in betracht zu ziehen und darueber hinaus einen psychologischen "Schock" hervorzurufen, von dem vieles erwartet werden
kann.
Die intergewerkschaftliche Studienzentrale (CIERP) wird
in ihrer beratenden Eigenschaft und auch in ihrer die Initiative
ergreifenden Taetigkeit eine bedeutende Rolle zu spielen haben.
Die Regierung koennte jedoch sehr stark eine solche Politik
unterstuetzen, selbst wenn sie fuer sich das Recht beanspruchte,
eigene Unternehmen zu betreiben. Man kann jedoch erwarten,
dass die Regierung das Recht fuer sich selbst in Ansrruch
nehmen wird, wenigstens soweit es die Prioritaet betrifft,
Marshallplanmittel sowohl als eigene Kredite an Unternehmen
auszuschuetten, die mit den Gewerkschaften einen Vertrag abgeschlossen haben, der Bestimmungen darueber enthaelt, dass
die Verguetung des Arbeiters im Masstab der Produktionssteigerung erhoeht wird. Vielleicht wird die Regierung wiederum
vorgeben, wie es auch frueher der Fall gewesen ist, hiervon
nichts wissen zu wollen, fuer die Zukunft jedoch koennen wir
lediglich uns darueber freuen, dass der Gedanke an diese Voraussetzungen in einer geraden Linie mit den, wirklichen Absichten der ECA liegt.
Die Unterstuetzung der Oeffentlichkeit ist seit dem erfolgreichen Publlkwerden unentbehrlich,, die von dem gemeinsamen
Gebrauch aller dieser Massnahmen erwartet werden kann. Diese
Unterstuetzung haengt von einer gleichgerichteten Wirtschaftspolitik ab, die insbesondere folgende Punkte umfassen muss:
1. Die Kontrolle der industriellen Vereinbarungen mit der
Absicht, ihre Malthusianismen Aktionen zu unterdruecken;
- 14 -

�2. Die Reorganisierung der Verteilung durch die Ausschaltung der Mittelsleute, deren ünzahl sich in einem
ausserordentlichen Mass erhoeht hat, wozu ein gesetzlicher
und ein steuerreio^tlicher Protektionismus beitrug;
3. und endlich, dass die Frage, mit der wir uns am
meisten befassen muessen, eine Reform der Steuergesetzgebung
ist, durch die die Steuerlast gleichmaessig auf alle Schichten der Buergerschaft verteilt wird. Damit wird, auch zugleich eine breitere Verteilung der Kaufkraft erzielt, sie
wuerde dadurch nicht mehr in den Kaenden einiger weniger
konzentriert bleiben.
Als Beispiel sei wiederum auf Frankreich hingewiesen,
wo die Lohnempfaenger 60ft der gesamten arbeitenden Bevoelkerung ausmachen, aber nur 45% des Nationaleinkommens erhalten» trotzdem aber an direkten Steuern 67% zahlen.
Alle diese L'isstaende muessen berichtigt werden, und die
Franzoesische Gewerkschaft Christlicher Arbeiter hat es fuer
ihren Teil nicht daran fehlen lassen, der Oeffentlichkeit jene
heilenden Massnahmen, zu empfehlen, die sie studiert hat und
die sie heute fordert.
Niemand verkennt die Reichweite dieser Aufgaben, aber
die franzoesischen Gewerkschaften haben alles vorbereitet, um
in loyaler und aktiver Zusammenarbeit, deren Bedeutung niemand unterschaetzen wird, einer nationalen Politik der wirtschaftlichen Ausdehnung und der erhoehten Produktivltaet zur
Verfuegung zu stehen, die auf jenen Prinzipien der Gerechtigkeit basieren, die hier skizziert worden sind.
Frances L. Kauf man, Spezialist fuer Arbeitsschulung, Institut
fuer Arbeitsbeziehungen, Universitaet Puerto Rico:
AHBSITBRSCEÜLÜNG IN PUERTO RICO
Das Institut fuer Arbeitsbeziehungen an der Universitaet
Puerto Rico ist gerade etwas ueber ein Jahr alt. Nach seiner Einrichtung durch die Universitaet Puerto Rico innerhalb
ihrer Abteilung fuer Sozialwissenschaft begann das Institut
im August 1950 unter der Leitung von Dr. Simon Rottenberg
seine Arbeit.
Das Institut dient hauptsaechlich einer doppelten Aufgabe,
naemlich, sich mit der Schulung der Arbeiter und ihrer Ausbildung zu Betrieb30bleiternzu befassen. Wie es in der Darlegung der Aufgaben des Instituts heisst, hat sich das Arbeiterschulungsprogramm des Instituts folgende Ziele gesetzt:
1) Auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Arbeitsfragen
und der Arbeitsbeziehungen Forschungen durchzufuehren und
Veroeffentlichungen herauszugeben.
2) Gewerkschafter zu tuechtigen Sachbearbeitern för
Gewerkschaftsangelegenheiten zu schulen und sie und die Gewerkschaftsmitglieder mit den Grundzuegen und Konsequenzen
der Gewerkschaftspolitik und ihrer Rolle in der Gesamtstruktur
der Wirtschaft vertraut zu machen.
Das Institut arbeitet mit einem hauptamtlich angestellten zentralen Stab, der aus einem Direktor, einem Arbeiter-

15

�Schulungsspezialisten, Frances Kaufman, einem Forschungsassistenten, Alfredo Nazario und zwei Sekreteeren besteht. Hierzu kommt ein Ausschuss von ungefaehr 20 Lehrern der Arbeiterklassen, die von Zeit zu Zeit zu nebenamtlichen Lehrdiensten
herangezogen werden.
Die Arbeiterschulungstaetigkeit des Instituts verteilt
sich folgendermassen:
1) Klassen fuer Arbeiter; Waehrend des ersten Jahres wurden ungefaehr 40 Arbeiterbildungsklassen eingerichtet. Zu
den Lehrfaechern gehoerten: Tarifvertraege, Arbeitsgesetzgebung, Parlamentsregeln, die Wirtschaft von Puerto Rico, Grundzuege der Uekonomie, die Regierung von Puerto Rico, Englisch
fuer Arbeiter und Gewerkschaftsbüchhaltung. Die Klassen werden entweder fuer Mitglieder besonderer Gewerkschaften oder
fuer eine Anzahl von Mitgliedern verschiedener Gewerkschaften
in einem bestimmten Gebiet eingerichtet. Sie sind auf der
Unlversitaet von Rio Piedras wie auch in anderen Teilen der
Insel abgehalten worden. Einige Kurse trafen sich nur achtmal, wohingegen andere viel haeufiger, bis zu einem Maximum
von 32 Malen, zusammenkamen. Die meisten Studenten waren
bis jetzt Gewerkschaftsfunktionaere.
2) Unterricht durch Rundfunk: Sin neunwoechiger Rundfunkkursus fuer Arbeiter ueber die Wirtschaft in Puerto Rico
wurde begonnen, um auch die Landbewohner zu erreichen. Der
Kurs wurde zweimal woechentlich ueber eine Reihe von Rundfunkstationen der Insel uebertragen.
3) Filme: Zwei Filme werden vorbereitet, die bei Gewerkschaftstreffen gezeigt werden sollen, der eine behandelt die
Wirtschaft von Puerto Rico, der andere die Geschichte der
Arbeiterbewegung.
4) Eintaegige Seminare: Verschiedene eintaegige Seminare
wurden in mehreren Staedten der Insel abgehalten. Diese
Seminare finden gewoehnlich am Sonnabend oder Sonntag statt
und bringen Ausfuehrungen ueber die Insel- und Bundesarbeitsgesetzgebung auf Puerto Rioo.
5) Südamerikanisches SchulungsProgramm: Man plant einen
sechs Monate dauernden Schulungskurs fuer eine ausgewaehlte
Gruppe suedamerikanischer Gewerkschafter, der zusammen mit
der Inter-Amerikanisehen Regionalorganisation des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften durchgefuehrt werden soll.
Der Kurs soll Ende 1951 beginnen und enthaelt Vorlesungen,
die durch Aussenbesichtigungen unterstuetzt werden.
6) Lehrerbildungsinstitut: Ende September wurde ein dreitaegiges Lehrerbildungsseminar abgehalten. Fuer die Arbeiterschulungsklassen wurden Lehrkraefte von der Universitaetsfakultaet, den Regierungsabteilungen und anderer geeigneter
Stellen herqngezogen. Man nimmt jedoch an, dass ein Sonderseminar mit speziellen Lehrmethoden fuer Arbeiter sehr zum
Nutzen dieses nur zeitweilig besohaeftigten Lehrstabes waere.
7
) Veroeffentlichungen: Brochueren, die Themen behandeln,
die fuer Gewerkschaftsfunktionaere und -mitglieder von Interesse sind, werden ueberall auf der Insel verteilt. Einige
hiervon sind Nachdrucke staatlicher Veröffentlichungen, doch
der groesste Teil ist hauptsaechlich fuer die Arbeiter von
Puerto Rico geschrieben.

AFL-News Letter
Nov. 51 IIII/ll
16 HICO0 5 DM 31 1 S M 3 6 I

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dl« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IY - 48

F r a n k f u r t , den 30. November 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Harvard-Universitaet bildet Gewerkschaftsfunktionaere aus
Arbeiterschutz und industrielle Unfallverhütung
Lohnpolitik und Vollbeschaeftigung

1
4
5

Fortschritt trotz ueberkommener Reminiszenzen .. 11

DIE HARVARD-UNIVERSITAET BILDET GEWERKSCHAFTSFUNTICNAERE AUS
Die Harvard Universitaet, die bislang die feudalste Universitaet der Vereinigten Staaten gewesen ist, .hat jetzt in
ihr Vorlesungsprogramm Fragen der gewerkschaftlichen Schulungsarbeit aufgenommen. Der Leiter dieser Kurse, Professor
James J. Healy, verfolgt hiermit die Absicht, die Gewerkschaf tsfunktionaere zu einer groesseren Verantwortlichkeit
in-ihrer praktischen Arbeit heranzubilden. Die Hoerer, die
diese Kurse besuchen, sind bereits Funktionaere, sodass es
Aufgabe der Kurse ist, diesen Persoenlichkeiten zusaetzliche
Hilfsmittel und technische Moeglichkeiten zu bieten, um ihre
Arbeit in den Gewerkschaften noch besser ausfuehren zu koennen und zugleich einen neuen Typ des Funktionaers heranzubilden, der auch die Verantwortung gegenueber der Allgemeinheit
in seiner Arbeit uebernimmt.
- 1-

�Das Arbeitsprogramm selbst begann bereits vor zehn Jahren,
als Robert Watt, der Vertreter der AFL fuer Schulungsfragen,
die Universitaet besuchte und hi3r die Frage stellte, ob die
Universitaet bereit waere, neben ihren Vorlesungen ueber die
Ausbildung in der Betriebswirtschaft und der oeffentlichen Verwaltung auch solche ueber die Schulung gewerkschaftlicher
ehrenamtlicher Mitarbeiter uebernehmen wuerde und ob die Universitaet ihre Lehrmoeglichkeiten in den Dienst einer solohen
Erziehungsarbeit stellen wuerde.
Die Harvard-Universitaet erklaerte sich einverstanden. Und
so laeuft diese Arbeit bereits zehn Jahre, acht Gewerkschaften
haben diese Beniuehungen der Universitaet nachdruecklich unterstuetzt, die alle der AFL angehoeren, waehrend sioh der CIO
von diesen Kursen zurueckgezogen hat. Aber auch auslaendische Gewerkschaften schalten sich in diese Schulungsarbeit
der Harvard-Universitaet ein, es sind dies die Gewerkschaften in
Westdeutschland, Oesterreich, Holland, Norwegen, Irland und
Grossbritannien, so dass neben den acht amerikanischen Vertretern der Gewerkschaftsbewegung noch seohs niohtamerikanische
hinzutreten. Jetzt ist jedoch zum ersten Male die Studentenschaft der Kurse nach Kationen aufgeteilt worden, aber man
glaubt, daae gerade durch diese Internationalitaet die Erfolge
der Schulungsarbeit umso bessere sein werden, da durch diese
Vielfaeltigkeit der Erfahrungen sioh eine ganz andere Wirkungsmoeglichkeit ergibt als wenn nur amerikanische Hoerer die
Kurse besuchten.
Es laufen insgesamt 12 Vorlesungen fuer die Dauer der
Studienzeit, die 13 Wochen betraegt, wobei aber nicht jede Vorlesung sich ueber die Geaamtzeit erstreckt. Die Vorlesungen
umfassen Wirtschaftsanalyse, Bearbeitung von Beschwerden und
das Schlichtungsverfahren, Probleme der Arbeitsbeziehungen,
Arbeitsgesetzgebung, die wirtschaftlichen Voraussetzungen des
Tarifvertragswesens und anderes. Die formelle Seminararbeit
umfasst Jedoch nur einen kleinen Teil des Gesamtprogramms,
obwohl hier bereits 25 Vorlesungsstunden verankert sind, sodass ueber den groesseren Teil der Wochenstunden hier bereits
verfuegt ist.
Nun darf man jedoch nicht annehmen, dass die Seminare
in der sonst an Universitaeten ueblichen Form durchgefuehrt
werden. Es gibt hier keinen Professor, der am Katheder steht
und seine Meinung fix und fertig aufgegliedert zum besten
gibt. An der Harvard-Universitaet geht man bei diesen Kursen von einem Fall, wie er in der Praxis vorkommt, aus und
entwickelt an diesem Fall die gesamte Problematik. Dann werden den Studierenden Parallelfaelle mitgeteilt, aus denen sie
selbst ihre Folgerungen zu ziehen haben - diese Faelle haben
sie dann in den Seminaren zu vertreten. Eier entwickelt sioh
somit eine Situation, wie sie wirklioh in der alltaeglichen
Praxis staendig vorkommt, hier im Seminar wie bei der praktischen Arbeit muss der Funktionaer mit diesen Dingen fertig
werden - und hier in Harvard wird es ihm keineswegs leicht
gemacht, denn in der Diskussion des Falles erhebt sich ein
Einwand nach dem anderen, werden abweichende Gesetzesstellen
zitiert, die sofort widerlegt werden muessen, dem Funktionaer
wird also nicht d&amp;q geringste geschenkt. Und wenn er wirklich nicht mehr ein noch aus wissen sollte - das kommt nicht
allzu oft vor - dann wird in einer gemeinsamen Diskussion des
Falles die richtige Loesung mit samt dem Untergrund aufgezeigt.
- 2-

�Eine weitere Stufe dieser gewerkschaftlichen Vorlesungsarbeit bildet die Behandlung der Probleme der Arbeitsbeziehungen. Hier ist die Kitarbeit insofern schwieriger, als neben
den Funktionaeren der Gewerkschaften auch Vertreter der Unternehmer an diesen Seminaren teilnehmen. Hier ist also die
Diskussion wesentlich schaerfer und pointierter, hier zeigt
es sich aber bereits, wer ein geschickter Unterhaendler ist
und wer mit seinen Argumenten sich durchzusetzen versteht.
Diese Seminare sind somit eine aeusserst glueckliche Loesung,
vor allem deshalb, weil man hier mehr die i'iefenarbeit, also
die wirklich erschoepfende Behandlung eines Themas pflegt
als eine ausgesprochene Breitenarbeit, wie sie in den Grundkursen oft unumgaenglich ist.
Die Karvard-Universitaet ist jedoch noch einen Schritt
weitergegangen. Es hat 3ich herausgestellt, dass es wenig
sinnvoll ist, die Diskussionsleitung solcher Seminare nur
Mitgliedern des Lehrkoerpers anzuvertrauen, weil hier die
Kenntnis der Praxis und der Erfahrung fehlt. So ist man dazu
uebergegangen, anerkannte Fachleute als Lehrbeauftragte heranzuziehen. So behandelt jetzt das Gebiet Arbeitsgesetze ein
bekannter Arbeitsrichter, ueber internationale Gewerkschaftsfragen sprioht Clinton S. Golden, der fruehere stellvertretende Vorsitzende der amerikanischen Stahlarbeiter und heute
Sonderberater fuer Arbeitsfragen in der ECA-Verwaltung.
In der Zwischenzeit haben natuerlich die Gewerkschaften
selbst aehnliche Anstrengungen gemacht, um fuer ihre Mitgliedschaft eine aehnliche Schulungsarbeit durchzufahren. Aber
diese auf oerfclicher Basis durchgefuehrten Arbeiten wenden
sich an den Betriebsvertrauensmann und das einzelne Mitglied,
waehrend bei der Harvard-Universitaet der Funktionaernachwochs
und seine Ausbildung im Vordergrund stehen. Hier sollen vor
allexn die Nachwuchskraefte fuer die hoeheren Verwaltungsposten
in den Gewerkschaften ausgebildet werden, wozu ganz andere
Voraussetzungen gehoeren als bei der Schulung jener Funkticnaere, die Tag fuer Tag anfallende Arbeit zu bewaeltigen haben.
Es wurde bereits erweehnt, dass durch die Teilnahme europaeischer Studenten an den Gewerkschaftsseminaren der HarvardUniversitaet sich eine wirkliche Bereicherung der Studienarbeit ergibt. Die teilnehmenden Funktionaere erfahren die Verschiedenheiten der Auffassungen und die Unterschiedlichkeiten
der Kampfmethoden, sodass sich fuer die Praxis ausserordentlich
wertvolle Anregungen ergeben. Das gleiche gilt auch zun Beisoiel fuer den Marshallplan, der fuer die amerikanischen Funktionaere nichts wesentliches bedeutete, sondern oft als ueb$rfluessige Steuerschroepfung angesehen wurde. Durch die Unterhaltung mit europaeischen Funktionaeren sehen sie jetzt diese
Probleme in einem ganz anderen Licht, sie werden aber das, was
sie hier erfahren haben, wieder weiter tragen und damit zum
gegenseitigen internationalen gewerkschaftlichen Verstehen
entscheidend beitragen.
Auf der anderen Seite haben amerikanische Funktionaere
erfahren muessen, dass sie mit ihren Sozialversicherungen noch
weit hinter den in Europa erreichten Stufen zuruockgeblieben
sind, wie etwa in Fragen der Arbeitslosenversicherung oder
der automatischen Pensionierungsmoeglichkeit, sobald ein bestimmtes Alter erreicht ist. Und die amerikanischen Gewerkt
schafter lernen jetzt die Rolle der europaeischen Gewerkschaftsbewegung kennen, die weitgehend die amerikanische Entwicklung
3

�beeinflusste, auch wenn diese aus der anderen wirtschaftlichen
Situation des Landes heraus voellig andere Schritte .gegangen
ist und diese allein ging.
Heute jedoch ist durch die
internationale Bindung der Gewerkschaften die Moeglichkeit
viel groesser geworden, die Errungenschaften in einem Lande,
wenn sie ihre Feuerprobe bestanden htben, auch auf andere
Laender zu uebertragen, wie es jetzt bei den Sozialversicherungsmas snahmen der Vereinigten Staaten geschehen ist.
Diese Ergebnisse fallen sozusagen am Rande der Harvardkurse ab, sie sind jedoch entscheidend fuer den Geist der
Kurse.
Die Seminare fuer Gewerkschaftsfragen haben somit durch
ihre internationale Besetzung noch das Ergebnis gehabt, dass
die amerikanischen Gewerkschaften fuer internationale Probtome
aufgeschlossener werden und zugleich den grossen Beitrag anerkennen, den die europaeisohen Gewerkschaften der gemeinsamen Sacte beigesteuert haben.
Program Service Section
Labor Special # 87
ARBEITERSCHUTZ UND INDUSTRIELLE UNFALLVERHUETUNG
."Der Unfall eines einzelnen bedeutet fuer alle ein
Unfall." Diese Redewendung charakterisiert seit langem die
Solidaritaet der freien Arbeiterbewegung bei der Abwehr von
Schlaegen jeglicher Richtung. .Diese Redewendung ist jedoch
jetzt noch weiter umschrieben worden, Praesident Truman wendet sie wie folgt an: wDer Unfall eines einzelnen betrifft
alle." Er meinte es wörtlich und bezog sich dabei auf die
vielen Betriebsunfaelle und die Notwendigkeit eines laufenden Unfallverhuetungsprogramms, das sich auf alle Staaten
der U.S.A. erstrecken und die Zahl der Unfaelle verringern
soll. "In einer demokratischen Lebensform beschuetzen wir
die Werte des menschlichen Lebens und des menschlichen
Gluecks gegen die Ausbeutung durch einzelne Leute oder den
Staat." In den Vereinigten Staaten sind Gewerkschaften, Arbeitgeber und Regierung an der Gesundheit und Sicherheit
der Arbeiter interessiert. Staendig werden Unfallverhuetungsfeldzuege durchgefuehrt, um Sicherheitsmassnahmen in der
Industrie zu foerdern. Natuerlich werden auch dabei wirtschaftliche Betrachtungen angestellt, aber die Hauptbetonung
liegt auf dem hohen Wert des Individuums.
Massnahmen zum Krankheitsschutz und zur Unfallverhuetung
wurden bereits vor 50 Jahren in Angriff genommen. Waehrend
der ersten Jahre versuchte man in Amerika vor allem Feuerverhuetungsmassnahmen in den Betrieben zu treffen. Fabrikbraende nahmen damals oft dramatische Umfaenge an und brachten ganze Gemeinden in Aufruhr und fuehrten zu schaerfstem
Protest. Amerika wurde geradezu von einer Gesetzeswelle zur
Feuerverhuetung ueberflutet. Aber die Unfallverhuetungsingenieure merkten bald, dass Betriebsbraende nur eines der
kleineren Probleme waren. Die meisten Betriebsunfaelle
wurden durch Stuerzo verursacht, durch Ausgleiten auf •schmierigem Boden, durch Stolpern ueber Draehte, Seile, Werkzeuge
und andere Materialien. Man setzte daraufhin durch, dass
die Boeden in den Fabrikshallen eben, trocken, sauber und
uebersichtlich sein muessen. Heutzutage ist ein unebener,
nasser oder beschmutzter Boden in einem Betrieb ein Verstoss
gegen das Gesetz.
- 4 -

�Freilaufende Reeder oder bewegliche Teile wurden verkleidet, denn man sagte sich, dass bewegliche Teile, die
einen nicht beruehren, auch keine Verletzung hervorrufen
koennen. Eine andere Ursache von Krankheiten und Verletzungen ist der Fabrikstaub, haeufig fuehrt er zu langsamem Tod
durch Tuberkulose. Ausserdem entzuendet sich Staub leicht
durch Funken von Hammerschlaegen oder Motoren, er kann Explosionen hervorrufen, die Betriebe lahmlegen und viele Arbeiter verletzen. Jetzt werden funkensichere Werkzeuge und
Motore hergestellt, um Staubexplosionen zu verhindern. Entlueftungsanlagen und besondere Gesichtsmasken sorgen dafuer,
bestimmte Berufskrankheiten zu vermeiden.
Arbeitnehmer und Arbeitgeber setzten sich mit Unfallverhuetungsingenieuren zusammen, um noch ein anderes ernstes
Problem, das der Augenverletzungen, zu loesen. Unter den
Ursachen der Augenverletzungen finden sich aetzende Saeuren
und Daempfe, Splitter, spritzende Farben, fluessige Metallspritzer und ausserordentlich grelles Licht. Verschiedene
Arten Schutzbrillen beheben diese Unfallquellen. Ausserdem
wurde eine nicht blendende Beleuchtung erfunden, die den
Arbeitsplatz genuegend erhellt, ohne jedoch dabei auf die
Augen besonders anstrengend zu wirken.
Sohwere und leichte Metallhelme sowie sehr starke Metallkappen, die in die Arbeitsschuhe eingebaut werden, sind andere Methoden, mit denen man die Arbeiter von Kopf bis Fuss zu
schuetzen sich bemueht. Heute wendet man diese Schutzmassnahmen nicht nur im Bergbau an, sondern auch im Bauwesen,
beim Schiffsbau und einer Reihe anderer Industrien.
Mit dem Ansteigen der Produktion von Verteidigungsmaterialien und Konsumwaren sind in letzter Zeit Millionen neuer und unerfahrener Arbeiter in amerikanischen Fabriken eingestellt worden. Viele Arbeiter mussten auch Arbeitsgaenge
uebernehmen, mit denen sie verhaeltnismaessig wenig vertraut
waren. Dies vergroesserte natuerlich die Haeufigkeit der
Betriebsunfaelle.
Den noch verbleibenden Problemen wird nunmehr groesstes
Interesse gewidmet, und zwar gilt es in erster Linie die Arbeiter dazu zu erziehen, selbst an ihre Sicherheit zu denken.
Sie muessen verstehen, dass ihre Sicherheit und die ihrer
Arbeitskameraden wichtiger als irgendein Produktionsplan i3t.
In tausenden Fabriken im ganzen Lande suchen Unfallverhuetungs- •
aussohuesse, denen Gewerkschaften wie Arbeitgeber angehoeren,
neue Wege, gerade diesen Punkt klarzumachen, denn sie stimmen
mit Praesident Truman ueberein:
"Der Unfall eines einzelnen betrifft alle."
Program Services Seotion
Labor Special 103
51/11/16
Alfred Roberts, Vertreter des britischen Gewerkschaftsbundea:
LOHNPOLITIK. VOLLBESCHAEFTIGUNQ UND AUFGABEN DER I.A.O.
Die Diagnose ueber die Wirtsohaftskrankheit der Welt und
die vorgeschlagenen Heilmittel scheinen entsprechend den wirt- 5-

�schaftlichen und politischen Richtungen der Sprecher zu
schwanken. I.:an wird zu der Auffassung gedraengt, dass entweder durch Uebersehen oder mit Absicht der Begriff "objektive Betrachtung" in den meisten Faellen verlorengegangen ist. Es kann
sein, dass ich mich des gleichen Fehlers schuldig mache, ich
will aber mindestens versuchen, bei der Behandlung dieses
Problems realistisch zu bleiben.
Das erste Erfordernis in dem Bemuehen, die Lohnpolitik
zu bestimmen, gleichgueltig wie der Stand der Wirtschaft oder
sozialen Entwicklung ist, besteht darin, sich nicht mit statischen Kraeften, sondern mit Kraeften zu befassen, die staendig schwanken. Die Industrie ist dynamisch. Sie ist dem
tagtaeglichen Druck nationaler und internationaler Ereignisse
ausgesetzt, die Ausgleiche innerhalb der Industrie erfordern:
Sie kann nicht aus sich selbst leben. Die Rohmaterialien
schwanken in ihrer Qualitaet, in der Quantitaet und in der
Verfuegbarkeit fuer eine bestimmte Industrie; die Arbeitsbedingungen wechseln dauernd mit der Verbesserung der Verfahren
und einem entsprechenden Wechsel des Risikos; die Wirtschaftlichkeit schwankt - dies sind Fakturen, die ihre unmittelbaren
Rueckwirkungen auf das Wohlergehen der Industriebevoelkerung
und damit auf die gesamte Volkswirtschaft haben.
Aus diesem Grunde ist eine Betrachtung der Lohnpolitik
an sich unwirklich; sie muss mit anderen Faktoren, wie Produktivitaet, Preisen und Ertraegert verknuepft werden. Es muss
auch erkannt werden, dass die Behandlung und Entscheidung
dieser Politik nicht Regierungen, Arbeitgebern oder Gewerkschaften als getrennten Einheiten obliegt, sondern dass sie
das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen allen drei Elementen
sein muss.
Unter Anerkennung dieser Tatseche hat sich die britische
Gewerkschaftsbewegung im Maerz 1948 als ihren Beitrag zur Erhaltung der Vollbeschaeftigung und des wirtschaftlichen Wiederaufbaus der Nation die Politik der Lohnbeschraenkung zu
eigen gemacht. Diese Politik wurde als Teil einer gemeinsamen
Anstrengung angenommen, die alle Teile der Bevoelkerung beruehrt; zur gleichen Zeit wurde die freiwillige Begrenzung
der Dividende eingefuehrt. Industrie und Handel wurden aufgefordert, die Preise, wo es ueberhaupt moeglich ist, freiwillig
herabzusetzen und die Regierung verschaerfte die Preiskontrolle.
Die Teilnahme der Gewerkschaften an diesen Kontrollen wurde
seitens der Regierung, deren Politik nicht nur auf die Stabilisierung, sondern auch auf die Herabsetzung der Gewinne und
Preise abzielte, zur Bedingung gemacht.
Auf diese Weise wurden die Loehne bis zum Sommer 1950
im wesentlichen stabilisiert. Die Einzelhandelspreise jedoch
stiegen weiter an, was teilweise ala Ergebnis der Abwertung
des Pfund-Sterling im September 1949 gefolgert werden kann.
Die Politik der Beschraenkung war niemals als staendige
Einrichtung gedacht und die internen Spannungen, die sie waehrend des Zeitraumes ihrer Durchfuehrung ausgeloest hat,
Hessen offenbar werden, dass sie nicht fuer unbestimmte Zeit
fortgesetzt werden konnte, besonders seitdem sie eine strengere Form nach der Abwertung angenommen hatte. Die Politik
hatte ihre positiven Seiten - z.B. wurde die Notwendigkeit
gesteigerter Produktivitaet dauernd betont - aber ihr Objekt
war vorwiegend die negative Seite, naemlich die Beschraenkung
- 6-

�der Lohnerhoehungen zu einer Seit, als die Preise zum Steigen
neigten.
Trotz vieler Schwierigkeiten erwies sich diese Politik
als recht erfolgreich in der Erhaltung eines grossen Masses
an Stabilitaet in der '»Virtschaft des Landes - ein Faktor,
der zu einer erheblichen Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen gefuehrt haette, wenn nicht ausserhalb des Einflusses der britischen Gewerkschaften, dar Regierung und der Unternehmer liegende Faktoren sich zum Nachteil
der eigenen und anderer Volkswirtschaften dazwischengedraengt
haetten. Die den freien Voelkern durch die aggressive Politik
des Kommunismus aufgezwungenen Aufruestungs- und Verteidigungsprogramrae fuehrten zu Materialverknappungen, die die
Rohstoffpreise hinaufgetrieben haben. Bei steigenden Rohstoffpreisen, die ihrerseits die Inlandpreise hochtrieben,
waren unter diesen Umstaenden einige Lohnangleichungen unvermeidlich und der britische Gewerkschaftskongress nahm im
September 1950 eine Resolution an, die die fruehere Lohnpolitik aufhob. Dieses bedeutete jedoch nicht ein Versagen
der Politik, sondern war eher ein Beweis fuer die Elastizitaet eines gesunden Koerpers gegenueber aeusseren Erschuetterungen. Es gibt Leute, die an den Begriff einer fein ausbalancierten Wirtschaft glauben, die aber voellig von dem
abhaengig sein soll, was die Gewerkschaftsbewegung bezueglich
der Loehne unternimmt. Die Tatsachen der letzten Monate Weltmarkteinengung und Preissteigerungen bei Rohstoffen haben das Truegerische dieser Auffassung bewiesen. Die Lohnsaetze 3ind nur ein Faktor einer verwickelten Gleichung mit
vielen Variablen und die Gegenmassnahmen der Gewerkschaft
muessen immer davon abhaengig sein, was mit den anderen Variablen vor sich geht.
Dia Erfahrungen der britischen Gewerkschaften in der
Lohnpolitik sind mit diesen Ausfuehrungen kurz dargestellt.
Auf Grund dieser Erfahrung und dem Studium des Problems im
allgemeinen haben sie sich ueberzeugt, dass gewisse grundsaetzliche Notwendigkeiten bestehen, denen jedes Land bei
der Behandlung der Lohnpolitik Beachtung schenken muss, besonders in Bezug auf ein Programm der Vollbeschaeftigung.
Es besteht zweifellos eine zunehmende Bereitschaft zur
Unterstuetzung der Ueberzeugung, dass, wenn die Vollbeschaeftigung gewaehrleistet werden soll, irgendeine Form einer
langfristig abgesprochnenen Lohnpolitik erforderlich ist.
Wahrscheinlich besteht aber weniger Einigkeit darueber, welches die Objekte einer derartigen Politik sein sollten und
unter welchen Bedingungen diese fuer die Gewerkschaft annehmbar waere.
Jede derartige Politik sollte das positive Ziel haben,
dass die Vollbeschaeftigung nicht durch unverantwortliche Aktionen irgendeines Teiles der Bevoelkerung gefaehrdet werden
kann und die Erhaltung und Verbesserung der Loehne und Lebensbedingungen der arbeitenden Bevoelkerung gewaehrleistet bleibt^
Diese Ziele werden nicht durch eine Politik gesichert, die
kuenstliche Schaerfen in der Wirtschaft einfuehrt und nur
daran interessiert ist, die jetzige Verteilung des Volkseinkommens beizubehalten. Diese Ziele muessen eindeutig dargelegt werden, die Politik selbst muss regelmaessig ueberprueft
werden, um zu gewaehrleisten, dass ihre Ziele erreicht werden.
- 7 -

�Mit diesen grundsaetzlichen Zielen waere jede Form der
Lohnpolitik auf vier grundsaetzlichen Prinzipien- aufzubauen - erstens, dass die Freiheit der Gewerkschaften, Kollektiv-Verhandlungen zu fuehren, beibehalten werden muss; zweitens, dass die arbeitende Bevoelkerung in der Lage sein sollte, ihren relativen Anteil am Volkseinkommen zu steigern;
drittens, dass andere Teile der Bevoelkerung zu Massnahmen
schreiten, die die der Gewerkschaftsbewegung ergaenzen; und
viertens, dass die Regierung ihren notwendigen Beitrag fuer
diese Prinzipien leisten sollte.
In erster Linie ist es aus Gruenden, die weit ueber den
gewoehnlichen Vorgang der freiwilligen Lohnverhandlung hinausgehen, besonders wichtig, dass die Freiheit und die Unabhaengigkeit der Gewerkschaften erhalten bleiben. Um jedoch
ihre Geltung als vertretende Organisation zu erhalten, kann
eine Gewerkschaft nicht damit zufrieden sein, sich lediglich
mit Loehnen, Arbeitsstunden, Sicherheitsvorkehrungen und
der Vielzahl anderer Angelegenheiten zu befassen, die tagtaeglich die Gewerkschaft beschaeftigen, sondern sie muss
staendig danach streben, dies in einer Form zu tun, dass sie
wenigstens die Mehrzahl der Arbeiter befriedigt, die sie
vertritt, damit deren allgemeine Interessen in dieser dauernd wechselnden Wirtschaftssituation ausreichend geschuetzt
und gefördert werden. Dies ist eine Verantwortung, die
nicht anderen uebertragen werden kann. Es gibt keinen Ersatz
fuer die Gewerkschaft und dieses Problem kann auch nicht
durch gesetzgeberische Beschraenkungen geloest werden, die
darauf abzielen, die Verhandlungsstaerke der Gewerkschaften
zu verringern.
Zweitens ist es sehr wichtig, dass die Lohnpolitik
nicht negativ aufgefasst wird im Stile eines Einfrierens
der Loehne oder sogar eines Beibehaltens der bestehenden Verteilung des Volkseinkommens des betreffenden Landes. Das
"Einfrieren" wflrde zu einer besonderen Belastung der Wirtschaft mit einer besonderen Lohnstruktur fuehren, die beinahe
mit Sicherheit immer unanwendbarer werden wird. Ich stimme
jedoch nicht mit dem Vorschlag ueberein, dass der allgemeine
Stand der Loehne nur im Verhaeltnis zum Zuwachs des allgemeinen Standes der Produktivitaet steigen sollte. Die Lohnempfaenger sollten allgemein oder in bestimmten Industrien
nicht daran gehindert werden, ihren relativen Anteil an der
Industrie-Erzeugung zu steigern, der in vielen Laendern der
Welt immer noch viel zu klein ist. Damit soll aber nicht die
Notwendigkeit der Steigerung der Produktivitaet geleugnet
werden. Die Notwendigkeit, das System der Leistungsloehne
ueberall zu erweitern, wo es irgend moeglich ist, erkenne ich
an und lasse sie auch gelten, vorausgesetzt, dass dies unter
Fuehlungnahme und mit dem Einverstaendnis der Gewerkscnaften
durchgefuehrt wird.
Drittens stimme ich vollstaendig damit ueberein, dass
die volle Zusammenarbeit aller Teile der Bevoelkerung ein
wesentliches Element jeder Politik ist, die eine Selbst-Beschraenkung und ein groesseres Verantwortungsbewusstsein hinsichtlich der Forderung nach hoeheren Einkommen verlangt.
Viertens sollte die Regierung ihr Ziel der Vollbeschaeftigung und die Massnahmen, die zur Sicherung dieses Zieles vorgesehen sind, weitestgehend bekanntmachen, einschliesslich
aller anti-inflationistischer Massnahmen, Preiskontrollen und,

8

�soweit angebracht, Preissubventionen. Die Regierung sollte
auch fuer die Schaffung ausreichender sozialer Einrichtungen
verantwortlich sein, besonders zum Schutz der Leute mit kleinen Festeinkommen. In allen diesen Angelegenheiten sollte die
Regierung staendig mit beiden Seiten der Industrie die Fuehlung aufrecht erhalten.
Ich betone, dass dies die Prinzipien sind, auf die jede
Lohnpolitik aufzubauen ist, wenn sie fuer die organisierte
Arbeiterschaft annehmbar sein soll. Selbst dann bleibt die
Frage offen, welche genaue Form die Lohnpolitik annehmen soll.
Andere Laender werden andere Methoden als wuenschenswert betrachten. Weiter ist es wichtig, dass jede Industrie ihre
eigene Lohnstruktur ueberprueft, um zu gewaehrleisten, dass
sie mit den besonderen laufenden Umstaenden Schritt haelt
und beweglich genug ist, um Aenderungen in den Organisationsund Produktionsmethoden in Betracht zu ziehen.
Ich will mich nun einem anderen Gesichtspunkt, dem Problem
der Vollbeschaeftigung, zuwenden. Die heutige Weltlage erfordert, dass eine zunehmende Betonung auf die internationale
Auswanderung zur Hebung der Beschaeftigungssituation gelegt
wird. Eins der Ziele des Arbeitskraefte-Programms der Internationalen Arbeiterorganisation, das auf Grund der Entscheidungen der
leitenden Koerperschaft in Angriff genommen wurde, besteht
darin, eine bessere internationale Verteilung der Arbeitskräfte herbeizufuehren, um dadurch den Lebensstandard der Voelker
ueberall zu heben. Eine einmalige Verknuepfung von Umstaenden Massenverschleppungen waehrend des Krieges, kriegsbedingte
Unterbrechung der normalen Wanderbewegung, steigende Geburtsziffern der Laender - hat dazu beigetragen, in einigen Laendern einen grossen Arbeitskraefteueberschuss zu schaffen, den
die Volkswirtschaft nicht aufnehmen kann, waehrend zur gleichen Zeit in anderen Laendern ein akuter Arbeitskraeftemangel
besteht. Es ist selbstverstaendlich, dass es hier zu einem
Ausgleich kommen kann, wenn die Voraussetzungen dafuer geschaffen werden.
Die Internationale Arbeitskonferenz hat durch die Annahme
der Philadelphia-Erklaerung von 1944 hinsichtlich der Ziele
und Zwecke der Internationalen Arbeits-Organisation, der I.A.O.
bereits den Auftrag gegeben, unter den Nationen der Welt Programme zu foerden, die die Schaffung von Einrichtungen fuer
die Ausbildung und Versetzung von Arbeitskraeften ermoeglichen,
einschliesslich der Foerderung von Auswanderungsmoeglichkeiten
zwecks neuer Beschaeftigung und Ansiedlung, wobei ausreichende
Garantien fuer alle Betroffenen gegeben sein muessen.
Dies ist ein Problem, das die Arbeiter ueberall direkt
angeht und das nur von einer Organisation wirkungsvoll behandelt werden kann, in der die Arbeiter selbst direkt vertreten
sind und die ihnen die Sicherheit gewaehrt, dass die Programme
mit ausreichenden Garantien durchgefuehrt werden, die fuer die
Arbeiter der Auswanderungs- und der Einwanderungslaender gewaehrt werden muessen. Einige Schritte sind in dieser Richtung
schon durch den revidierten '•Vertrag fuer Arbeitskräfte-Auswanderung" unternommen worden; die Gewaehrung technischer Hilfe
fuer Regierungen bei der Errichtung oder Verbesserung nationaler Arbeitsvermittlungen, die ein wichtiger Faktor fuer die
Bestimmung der Arbeitskraftanforderungen sind, sowie die Vereinfachung verwaltungsmaessiger Formalitaeten hinsichtlich der
Z uv/anderer.

�Begrenzte finanzielle Mittel haben bisher die Taetigkeit
der I.A.O. auf diese Massnahmen besohraenkt, aber das Ausmass
des Wanderungsproblems und die dringende Notwendigkeit einer
Loesung im Interesse der Arbeiter erfordert eine betraechtliohe
Ausdehnung der Taetigkeit der Organisation. Sie sollte einerseits das Ziel der technischen Unterstuetzung auf diesem Gebiet erweitern und andererseits eine weitgehende praktische
Tae€igkeit auf dem Gebiet der Internationalen Wanderbewegung
durohfuehren. Viele Arbeiter, die keine Beschaeftigung in
ihren gegenwaertigen Laendern finden koennen, sind beispielsweise nioht in der Lage, auszuwandern, da sie nicht die Mittel
fuer ihre Ueberfahrt aufbringen koennen. Sofern erforderlioh,
sollte die I.A.O. Plaene fuer die internationale Finanzierung
der Auswanderer-Transportkosten und der Senkung dieser Kosten
entwerfen, und zwar durch eine Kontrolle auf internationaler
Ebene hinsichtlich der See- und Lufttransportmittel, die fuer
die Wanderung benoetigt werden. Die Organisation sollte in
allen Phasen der Rekrutierungs- und Auswahlarbeiten beraten
und unterstuetzen, damit kein Arbeiter bei seiner Ankunft im
Aufnahmeland die Feststellung machen muss, dass er, ohne eigenes Verschulden, fuer einen Beruf ausgewaehlt worden ist, der
seinen Faehigkeiten nicht entspricht. Es gibt in den Aufnahmelaendern viele Arbeitsplaetze, die auf Grund der mangelnden
Befaehlgung der Einwanderer nicht besetzt werden koennen. Andererseits gibt es viele, die nicht auswandern koennen, da sie
fuer die vorhandene Arbeit nioht ausreichend ausgebildet sind.
Die I.A.O. sollte Berufsausbildungs- und Umschulungsprogramme
entwickeln, un die Faehigkeiten vorhandener Arbeiter den Einwanderungsbeduerfnissen anzupassen. Sie sollte den Regierungen
hinsichtlich der Vorkehrungen fuer die Aufnahme und Unterbringung der zuwandernden Arbeiter Rat und Unterstuetzung gewaehren und sollte ihre Anstrengungen fuer den Schutz der zuwandernden und der ansaessigen Arbeiter fortsetzen und zwar durch
Unterstuetzung und Beratung der Regierungen beim Abschluss
zweiseitiger Vereinbarungen fuer die Einwanderung.
Die Planung und Durchführung der Wanderbewegungen groesseren Ausmasses ist dringend erforderlich und ich habe bereits
einige der Richtungen angedeutet, in denen meiner Ansicht
naoh allgemeines Einvernehmen darueber- besteht, dass Massnahmen erforderlich sind: Massnahmen, die, wie ich nochmals betonen muss, die I.A.O. ausfuehren kann, da sie den Auftrag
und die notwendige Erfahrung besitzt. Ihre gegenwaertigen Mittel sind jedoch voellig unzureichend und.zusaetzliche finanzielle Mittel sind erforderlich. Sierauessengefunden werden.
Damit komme ich nun zu dem letzten Punkt. Bei verschiedenen regionalen Konferenzen und innerhalb der leitenden Koerperschaft haben die Vertreter der Regierungen von dieser Rednertribuene der Gewerkschaftsorganisation nicht nur ihr volles
Lob ausgesprochen, sondern auch neue Plaene und eine noch
groessere Ausweitung ihrer Arbeit gefordert. Bei den Versammlungen des Finanzausschusses haben wir die Forderungen der
Vertreter der gleichen Regierungen - obgleich nicht notwendigerweise dieselben Vertreter - gehoert, dass die Zeit gekommen
ist, den steigenden Aufwendungen ein Halt zuzurufen und das
Budget auf der Grundlage eines Prioritaetssystems zu stabilisieren. Ich habe es erwaehnt, dass die Arbeit einer dynamischen Organisation wie der I.A.O. nicht ausschliesslich von
finanziellen Erwaegungen bestimmt werden kann. Der entscheidende Faktor muss immer die Arbeit sein, die geleistet werden
muss. Die I.A.O. muss ihre organisatorischen Faehigkeiten
10 -

�vervollkommnen und sie in den Dienst aller stellen. Sie
muss die Fuehrung auf dem Gebiet der Sozialpolitik uebernehmen. Sie muss den lebendigen Glauben an die Ziele erwecken,
die sie verkoerpert und staendig danach trachten, diesem
Ausdruok zu geben in allem, was sie unternimmt. Die I.A.O.
muss bei ihrer Arbeit der Zusammenfuehrung der verschiedenen
Voelker der gesamten Welt zu einem gemeinsamen Zweck danach
trachten, ihren universellen Charakter zu erhalten und zu
erweitern. Wir koennen ueberzeugt sein, dass wir, wenn wir
taeglich unseren Beitrag zur Erfuellung dieser Verantworung
leisten, unaufhaltsam der Erreichung unseres Zieles entgegenschreiten - einer besseren Welt des Friedens.
Das ist genau das, was die Arbeiter jahrelang bereits
gesagt haben. Seit ihrer Einfuehrung haben die Arbeiter der
Welt der I.A.O. ihre innigste ünterstuetzung gegeben. Sie
sind stolz auf ihre Erfolge und auf die Geltung, die sie
sich selbst in Weltangelegenheiten erworben hat. Ich moechte
aber die Regierungen und Arbeitgeber bitten, sich immer daran
zu erinnern, dass in dieser Welt der Sorgen, der Spannungen
und Befuerohtungen die Arbeiter diese Organisation schliesslich nach ihrer Bereitschaft beurteilen werden, sich mit
ihren Aufgaben ehrlich auseinanderzusetzen, um die sozialen
und wirtschaftlichen Probleme zu loesen, die die Hauptursaohen der Weltunsicherheit sind. Eine Beschneidung dieser
Taetigkeit durch eine armselige und missguenstige Finanzpolitik seitens der Mitgliedsstaaten wuerden die Arbeiter weder
verstehen noch jemals verzeihen.
Stenoprotokoll der Rede
Nelson Cruikshank:
FORTSCHRITT TROTZ UEBERK OMMENER REMINISZENZEN
In Frankreich, einem der Schluessellaender, das sich am
Marshallplan beteiligt und wie in Italien eines der beiden
Laender, in denen die Kommunisten noch immer die Ergebenheit
eines nioht unbetraechtlichen Bevoelkerungsteils besitzen»
hat sich der Begriff der Produktivitaet in einem einzigartigen Masse durchgesetzt. Mehr als in allen anderen Laendern
der Welt haben hier Presse, politische Parteien, fuehrende
Persoenlichkeiten aller moeglichen Organisationen den Gelegenheiten staendigen Ausdruck gegeben, die sich durch eine verbesserte industrielle V/irksamkeit erreichen lassen und mit
denen die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme, die auf Frankreich lasten, geloest werden koennen.
Troductivite" ist ein verhaeltnismaessig sonderbares Wort,
wenn man an die Zeit vor einigen Jahren zurueckdenkt, aber
heute erscheint es in erstaunlicher Kaeufigkeit in Zeitungen
und in Gewerkschaftsversammlungen, in industriellen und technischen Veroeffentlichungen, in Reden und in Debatten der
Nationalversammlung, in den Aufrufen der politischen Parteien, aber auch in den Programmen der Gewerkschaften und der
Unternehmerverbaende.
Aber jene Resolutionen und die Diskussionen in den Zeitungen bedeuten keineswegs wirkliche Aktionen und sie erzeugen
auch nicht mehr Gueter als bisher. Aber diese Aufmerksamkeit
fuer die Idee offenbart ein Interesse, das bereits konkretere
Formen angenommen hat und in der Zukunft erst recht sich
durohsetzen wird. Ohne Zweifel ist es ein Zeichen der Entschlossenheit wichtiger Kreise des franzoesisohen Volkes,
neue Methoden versuchsweise anzuwenden.
- n -

�Frankreich sah sich nach dem Kriege einem schwierigen
Wiederaufbauproblem gegenübergestellt. Mit Hilfe der
Marshallplanverwaltung und mit viel schwerer Arbeit des
franzoesischen Volkes konnte die Gesamtproduktion soweit
gesteigert werden, dass Sie fast 40 &lt;f&gt; ueber dem Stand von
1938 lag. Die bestehenden Werke Frankreichs sind nicht nur
wiederhergestellt, sondern auch stark verbessert worden.
Moderne Stahlwerke, gewaltige Wasser- und Dampfkraftanlagen,
neue Erdoelaufbereitungsanlagen und Roehrensysteme sind
bereits oder sind in Kuerze fertiggestellt. Die Bergwerke
und die Eisenbahnen wurden modernisiert und weiter entwickelt.
Aber irgendwelche positiven Aus Wirkungen haben sich jedoch
zugunsten des Lebensstandards der Masse des Volkes durch diese
langfristigen Modernisierungen noch nicht ergeben. Betraechtliche Mittel jedoch, die fuer Investitionsnoete vorgesehen
waren, mussten anstatt fuer ihren eigentlichen Zweck denen
des laufenden Bedarfs dienen. So besteht ein staendiger Abzug an Menschen, Materialien und Geldmitteln fuer die Beduerfnisse der Verteidlgungsbemuehungen in Indochina. Dieser Faktor und andere haben dem eirifaohen franzoesischen Arbeiter ein geruhsames Leben vorenthalten.
Vielleicht sind die sozialen und politischen üebel noch
entscheidender, die heute die franzoesische Gesellschaftsordnung daran hindern, so zu funktionieren, wie es am zweokmaessigsten waere. Franzoesische Geschaeftsleute erkennen
jene Grundregeln nicht an, wie zun Beispiel den freien Wettbewerb oder die Verantwortlichkeit des Staatsbuergers gegenueber dem Ganzen, die es erst ermoeglichen, dass auch das
kapitalistische System sich den gemeinsamen Bestrebungen
der Demokratien anpassen kann. Die politischen Ueberzeugungen des Franzosen, die eng, fest und genau sind, bringen es
mit sich, dass es viele Parteien gibt, die jedooh zu wenig
gemeinsame Grundgedanken aufweisen. Viel zu viel Franzosen
wollen sich die Wertschaetzung als Staatsbuerger der Mittelklasse dadurch erwerben, indem sie ein Einzelhandelsunternehmen
aufmaohen oder ein Cafe eroeffnen - hier produzieren sie praktisch ueberhaupt oder fast ueberhaupt nichts fuer die Gesamtwirtschaft, beziehen aber doch von ihr ein Einkommen.- Aus
all diesen Gruenden sieht sich der franzoesische Durchschnittsarbeiter einem bestaendigen Kampf mit dem Nahrungsmittel- und
Kleidungsbedarf seiner Familie gegenübergestellt. Er sieht
aber auch zugleich viele Beispiele eines luxurioesen Lebens,
das in scharfem Gegensatz zu seinem eigenen Schicksal steht.
Er weiss auchwaiterhin, dass dieser Luxus in erster Linie jenen Gruppen zugute kommt, die sich waehrend der franzoesischen
Niederlage zu Anfang des zweiten Weltkriegs ueberall als Raffkes demaskierten und spaeter mit der Vichy-Regierung und den
deutschen Besatzungsbehoerden zusammenarbeiteten und auch hier
lediglich fuer ihren Profit sorgten, heute jedoch trotz aller
Massnahmen laengst wieder ihre alten wirtschaftlichen und politischen Vorrechte und Stellungen wiedergewonnen haben.
Diese Verhaeltnisse schaffen eine Welle der Unzufriedenheit, die die franzoesischen Kommunisten sehr geschickt fuer
ihre eigenen Absichten auszunutzen verstehen. Zu ihrer ausgezeichneten Kaderorganisation und ihrer vom Kreml her finanzierten Propaganda tritt noch der Ruf hinzu, den sich die
kommunistischen Fuehrer der Widerstandsbewegung waehrend des
zweiten Weltkriegs erwerben konnten, ebenso die energischen
Anstrengungen, die von ihnen unternommen wurden, um die Leitung
aller Arten Arbeiter- und Intellektuellenorganisationen zu
- 12 -

�uebernehmen. Es kommt hinzu, dass der Franzose seit jeher
radikal und revolutionaer ist, sodass auch hier die Kommunisten es verhaeltnismaessig leicht hatten, den franzoesischen
Arbeiter daraufhin anzusprechen und zu umwerben. Alle diese
Tatsachen bilden den Schluessel dafuer, dass fuenf Millionen
Franzosen die kommunistischen Listen waehlen, um zu protestieren und dass die Mehrheit der organisierten Arbeiterschaft
im kommunistisch beherrschten CGT (Congr&amp;s Generale du Trauail Allgemeiner Arbeiterkongress) zu finden ist. Dadurch kompliziert sich das soziale, wirtschaftliche und politische Leben
noch staerker und erschwert alle Bemuehungen, die Bedingungen,
die fuer die Verzoegerung der wirtschaftlichen und sozialen
Wiedergesundung verantwortlich sind, auf einen besseren Stand
zu bringen. Das Endergebnis ist ein staendiger Krisenzustand,
bei dem der Lebensstandard immer in der Gefahr schwebt, nooh
weiter herunterzugehen und Frankreich entweder in die Haende
der Stalinisten oder in die der totalitaeren Maechte auf der
rechten Seite zu schleudern. Steigerungen der Produktivitaet
jedoch, einmal in dem weiteren Sinne einer weitreichenderen
Wirksamkeit der Wirtschaft als auch in dem Sinn der hoeheren
arbeitsstuendlichen Leistung des Industriearbeiter, bieten
augenfaellige und verwirklichbare Wege, das Volkseinkommen
zu erhoehen und einen Lebensstandard zu erreichen, der ein
Minimum an politischer Stabilitaet zu schaffen vermag und
zugleich die Gelegenheit, die Energien aller Franzosen fuer
die grundlegenden Loesungen ihrer Probleme zu sammeln.
Eine Betonung der Produktivitaet sollte unter solchen
ümstaenden als eine natuerliohe Entwicklung angesehen werden,
aber man darf die Tatsache nicht uebersehen, dass die wichtigsten Kraefte des Landes eher eine stabilisierte als eine sich
ausdehnende Wirtschaft erwarten. Eine Unmasse an Energie
ist aufgewendet worden, um den bestehenden Reichtum aufzuteilen und so blieb infolgedessen kaum der Gedanke an eine Verbreiterung der wirtschaftlichen Basis. Die Investitionen wurden zumeist mit oeffentlichen Mitteln in den verstaatlichten
Industrien durchgefuehrt, waehrend Privatsparmittel meist
ins Ausland gelenkt wurden, weil man kein Vertrauen in die
Zukunft der franzoesischen Wirtschaft hatte. Die industrielle
Wirtschaft wer und ist in Kartellen und Verkaufsvereinigungen
hervorragend durchorganisiert, wodurch der Wettbewerb vermindert wird und restriktive Tendenzen zu Tage treten, bei denen
der Profit auf Grund der durchgefuehrten Geschaefte in bester
Weise zur Verteilung kommt, er aber nicht vermehrt wird. Die
Vorstellung, hoehere Loehne zu zahlen, um Massenmaerkte schaffen zu koennen, wurde ueberhaupt nicht in Erwaegung gezogen.
Die Mehrzahl der Arbeiter folgte andererseits marxistisch
denkenden Fuehrern und glaubte damit eher an eine revolutionaere Neuorganisierung der Gesellschaft als an die Hoffnung, soziale Gerechtigkeit zu finden oder ein annehmbares Leben im
Rahmen einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung fuehren zu
koennen. Unter diesen ümstaenden muss eine hoehere Produktion
lediglioh zu noch hoeheren Profiten der Unternehmer und der
Manager fuehren. Die Minderheit der katholischen Gewerkschaften hat aehnliohe Plaene fuer eine grundsaetzliche Reform ausgearbeitet, weil sie gegen einen echten Wettbewerb ein tiefes
Misstrauen hat. Die Gewerkschaften konzentrierten sioh bei
ihrer Arbeit auf politische Ziele und entwickelten niemals
eine genuegende Staerke, um hoehere Loehne zu erkaempfen und
die menschliohe Arbeit zu einer kostspieligen Angelegenheit zu
maohen. Politische Parteien und aufeinanderfolgende Regierungen
- 13

\

�spiegeln diesen Standpunkt wider und ueben keinen Druck auf
die Steigerung des industriellen Wirkungsgrades aus. Die
Kraefte, die fuer die wachsende Produktion der bereinigten
Staaten verantwortlich sind, waren dadurch, dass sie sozusagen nicht vorhanden waren, geradezu auffallend.
Ein derartiger Druck existiert noch immer nicht. Aber
es mehren sich die Zeichen, dass er zu Tage tritt, auch wenn
die geschilderten Bedingungen noch weithin wirksam sind. Die
nicht zu leugnende Notwendigkeit, einen Weg zu finden, der
aus dem Labyrinth des Dilemmas herausfuehrt, hat einen fruchtbaren Boden fuer die Notwendigkeit der Produktivitaet geschaffen. Eine derartige Situation wuerde bestimmt spontan die
franzoesischen Interessen in den Jahren nach dem Krieg angespornt haben. Die Hilfsquellen der ECA-Programme fuer Produktivitaet und technische Unterstuetzung haben die natuerliche
Entwicklung vervielfacht, sie sind heute auf einem Punkt angelangt, dass sie allgemeines Interesse finden und eine Diskussion entfachen, wie sie eben geschildert wurde. Einige
der Hindernisse der industriellen Wirksamkeit haben bereits
vieles von ihrer Staerke verloren, andere werden schon heftig
angegriffen. Der Kampf wird keineswegs leicht sein fuer jene,
die neue Wege beschreiten wollen. Die Fuehrer der kommunistischen Gewerkschaften, an Kartellsysteme gewohnte Unternehmer neben anderen reaktionaeren Gruppen verfuegen noch immer
ueber Machtpositionen, sie werden jeden Veraenderungen 'Widerstand entgegenbringen, die eine Situation betreffen, in der
die eine Seite leicht neue Anhaenger gewinnen und die andere
leioht Gewinne scheffeln kann. Jeder, der hier den Mut aufbringt, neue iVege fuer den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt zu entwerfen, muss Hilfe und Unterstuetzung finden,
wenn Frankreich der Demokratie erhalten bleiben soll. Es
sind bereits genuegend Schritte unternommen worden, damit
den Freunden des Fortschritts Ermunterungen gegeben werden
und ihnen die helfende Hand entgegengestreckt wird.
Die nachdrueckliche Beteiligung am ECA-Produktivltaetsprogramra war ein weiterer Schritt vorwaerts. Es folgte die
Erkenntnis eines Problems, das fuer Unternehmer, Gewerkschaften und Regierung von wechselseitigem Interesse war. Hunderte frenzoesischer Industrieller, Techniker und Arbeiter haben
gemeinsam die Vereinigten Staaten besucht, um hier die Faktoren zu studieren, die fuer die hohe Produktivitaet ihrer eigenen Industrien verantwortlich sind. Gewerkschaften, Unternehmerverbaende und die Ministerien arbeiten in der Produktivitaetskommission gemeinsam zusammen, um eine gestiegene Produktivitaet durchzusetzen. Das gleiche trifft fuer die Zusammenarbeit in der Verwaltung der Froduktivitaetszentrale zu, der
franzoesischen Vereinigung fuer erhoehte Produktivitaet. Die
Wichtigkeit dieser aktiven Arbeit wird durch die Reaktion der
Kommunisten augenscheinlich. Bencit Frachon, der Vorsitzende
der CGT, der von den Kommunisten beherrschten Allgemeinen Arbetervereinigung, fuehrte einen.scharfen Angriff"auf den Gesamtbegriff der Produktivitaet durch, als er seine wichtige
Rede auf dem Kongress dieser Gewerkschaft hielt. Die kommunistische Gewerksohaftspresse kritisiert unaufhoerlich die freien Gewerkschaften wegen ihrer Zusammenarbeit mit diesem Programm und mit den amerikanischen Gewerkscnaftern in der ECA,
die in ihrer Verwaltung taetig sind, als "servile Lakaien der
Wall-Street".
- 14 -

�Die Erfolge, die die Stalinisten fuerchten, werden durch
die Ergebnisse in einer Schuhfabrik beleuchtet, nachdem der
Unternehmer von einer Studienreise aus den Vereinigten Staaten
zurueckkehrte, die Fragen der Produktivitaet zum Thema hatte.
Naohdem die Arbeitsmethoden geaendert wurden, konnte eine
50#ige Steigerung der Leistung seiner Fabrik festgestellt werden, die es ihm erlaubte, die Loehne um £0% zu steigern und
die bisherigen Verkaufspreise zu halten, obwohl die Rohmaterial
kosten um 1556 bis 20% gestiegen waren. Von noch groesserer Bedeutung war vielleicht die Unterstuetzung, die er durch die
Regierung erhielt, als seine neue Arbeitsmethode eine ploetzliche Knappheit an umlaufendem Kapital mit sich brachte. Besondere Mittel zu niedrigem Zinsfuss wurden durch die Produktivitaetszentrale bereitgestellt, um. sehnliche fortschrittliche
Massnahmen anderer Unternehmer gleichfalls zu unterstuetz9n
und vor allem das Risiko des Zusammenbruchs zu vermeiden, weil
der Erfolg zu sohnell und zu ploetzlich kam.
Eine Vielzahl einzelner Unternehman wenden heute neue
Methoden an, um fortschrittliche Ergebnisse zu erzielen. Ein
anderer Schritt zu dem gleichen Ziel wird von der gesamten
Giessereiindustrie unternommen, die durch ihre Arbeitgebervereinigung eine intensive industrielle Leistungssteigerungsbemuehung begonnen hat. Hier werden Schulungskurse fuer Betriebsleiter, fuer die Meister und fuer die Arbeiter eingerichtet, wobei franzoesische und amerikanische Fachingenieure
beratend zur Seite stehen. Zehn Firmen haben an der ersten
Serie dieser Massnahmen sich beteiligt, viele andere werden
folgen. Die freien Gewerkschaften setzen sich nachdruecklich
fuer diese Massnahmen ein, dies hatte zur Folge, dass die
beteiligten Unternehmen zu der Ueberzeugung kamen, dass es
absolut notwendig ist, dem Arbeiter und dem Verbraucher einen
gleichwertigen Anteil an den Ertraegen der hoeheren Produktivitaet zu gewaehren. Die organisierten Unternehmer scheinen
zu fuehlen, dass sie hinter dem Interesse der Oeffentlichkeit
an der Produktivitaet zurueckgeblieben sind, es hat noch vor
kurzem eine ganze Anzahl Bestaetigungen dafuer gegeben, die
auf fruehere Vorteile hinwiesen und die bisherige Aufmerksamkeit verstaerkten, die diesem Frobleiu zuueil »vurde.
Waehrend die Mehrzahl der organisierten Arbeiter noch
immer den Funktionaeren der kommunistischen Gewerkschaften Gehoer schenkt, die alle Produktivitaetsmassnahmen als eine von
den Amerikanern inspirierte "Beschleunigung" verdammen, haben
die entschlossen kaemDfenden freien Gewerkschaften (die katholische CFTC, die CGT-FO und die CGG, der Verband der I'eister,
Ingenieure und Techniker) ihre Teilnahme zugesagt, sie arbeiten mit den verschiedenen Produktivitaetsausschuessen zusammen
und erklaeren sich mit Aenderungen einverstanden, wenn sie
ueberzeugt sind, dass die Arbeiterschaft an dem Ertrag der
gesteigerten Produktion beteiligt wird. Diese Organisationen
wurden zu den soaerksten Stuetzen der ECA in ihrem Feldzug
fuer die Weckung des Interesses fuer neue Methoden der industriellen Leistungssteigerung. Sie haben gesehen, dass ihre
Lohnsteigerungen seit dem Kriege durch die Treissteigerungen
mehr als wiederausgeglichen wurden und realisieren jetzt die
'"oeglichkeit, dies dadurch zu vermeiden, dass kuenftig hoehere
Loehne sich durch eine hoehere Produktion ergeben. Die drei
Gewerkschaften arbeiten bei diesen Bemuehungen eng zusammen,
sie haben ein gsmeinsames Forschungsbuero gegruendet, das den
Verbesserungen der Produktivitaet und ihren Methoden besondere
- 15

�Aufmerksamkeit widmet und vor allem das Wissen um die ingenieurmaessigen Zusammenhaenge fuer die Gewerkschaften zur
Verfuegung stellt, damit fuer die Arbeiterschaft ein gleichwertiger Anteil an den erzielten Mehrertraegen gesichert
werden kann»
Die ECA ist jetzt*dabei, ein neues Produktlonshilfsprogramm zu entwickeln, dessen Bestimmung es ist, den Lebensstandard und hierbei besonders den des Arbeiters zu erhoehen, indem Produktivitaetssteigerungsmassnahmen in bestimmten Werken
durchgefuehrt werden, wo eine gerechte Verteilung der Gewinne
aus der erhoehten Produktion sichergestellt ist. Die nichtkommunistischen Gewerkschaften haben diesem Programm ihre
volle Unterstuetzung zugesagt, sie haben die ersten Ankündigungen in breiten Zuegen kommentiert. Die franzoesische Presse
hat'sich im grossen ganzen gleichfalls fuer den Plan ausgesprochen, die einzigen bedeutsameren Kritiken kommen von der nationalistischen Rechten und der stalinistischen Linken. Viele
Unternehmer schrieben an die ECA-Mission in Paris, um hier
Einzelheiten ueber die Vorschlaege zu hoeren, als diese in
den Tageszeitungen und der Gewerkschaftspresse angekuendigt
wurden.
Das neue ECA Programm kann damit auf eine betraeohtliche
Unterstuetzung durch die breite Oeffentlichkeit rechnen. Dafuer sprechen bereits sehr viele Anzeichen. Vier Punkte erscheinen hierbei besonders ermutigend:
1.) Mehrere politische Parteien setzten sich fuer gesteigerte Produktivitaetsbemuehungen ein und erklaerten diese
Anstrengungen als Teil ihres eigenen Programms, was bereits
bei den letzten Wahlen zum Ausdruck kam. Eine der staerksten
Bestaetigungen erfuhr das Programm durch die MRP, die in
der neuen Koalitionsregierung vertreten ist;
2.) ein radikal-sozialistischer Deputierter, Ren€ Mayer,
hat besonderen Nachdruck auf die Loesungen einiger franzoesischer Probleme, die mit der erhoehten Produktivitaet zusammenhaengen, bei seinem erfolglosen Versuch gelegt, von der Kammer
als Ministerpraesident bestaetigt zu werden. Mayer bekleidet
jetzt einen Schluesselposten als Finanz- und Wirtschaftsminister in der neuen Regierung;
3.) die MRP hat der Kammer einen Gesetzesvorschlag unterbreitet, durch den fuer solche Unternehmen eine niedrigere
Sondersteuer und Verkaufssteuerzugestaendnisse festgelegt werden, die mit den Gewerkschaften Tarifvertraege abgeschlossen
haben, die eine Beteiligung der Arbeiter an den Ertraegen der
durch technische Umstellungen erzielten Produktivitaet vorsehen;
4.) ein betraechtliches Hindernis fuer bessere wirtschaftliche Moeglichkeiten kann beseitigt werden, wenn es dem
neuen Ministerpraesidenten Rene" Pleven gelingt, seine bekannte
Absicht zu verwirklichen und eine Gesetzgebung durchfuehrt, die
sich gegen die restriktive Praxis der Wirtschaftsorganisationen
wendet und zugleich andere Widerstaende gegen einen freien
Wettbewerb beseitigt.
Es ist moeglich, dass jeder dieser Vorschlaege nur eine
Idee bleibt und nicht verwirklicht wird. Aber von Frankreich
her gesehen bedeuten diese Prinzipien ermutigende Zeichen fuer
einen Willen, der mit neuen Mitteln eine Loesung fuer alte
Probleme sucht.
Labor and Nation 51/6
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�International«

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
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Hohes Kommission für Deutochland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 49

Frankfurt, 7. Dezember 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Seeleute gegen Stalin wegen der Verteidigungslasten

1

Taft-Hartley-Qesetz foerdert nicht industriellen Frieden. 3
Probleme der landwirtschaftlichen Produktivitaet
Frankreichs

4

Tagung des Exekutivaussohusses des IBFG
Gleicher Lohn fuer gleiche Arbelt
Heath zum neuen Leiter der ECA-Abteilung fuer Arbeitsfragen ernannt

* .IE
13
15

SEELEUTE! GEGEN STALIN WEGEN DER VERTEIDIGUNGSLASTEN
Christoph Columbus brauchte zwei Monate, um den Atlantik
zu durchqueren, als er auf seiner Reise war, die zur Entdekkung Amerikas fuehrte. Heute benoetigt ein Flugzeug weniger
als 15 Stunden, um die gleiohe Reise zu machen. Raum und
Zeit sind unter der Wirkung der modernen Wissenschaften zusammengeschrumpft. Heute sind Europa und Asien die Pforten
Amerikas.
Als Philipp Murray, der Vorsitzende des CIO, auf dem
8. Kongress der Gewerkschaft der Binnenschiffahrt sprach, bemerkte er, dass Raum und Zeit heute ihren Begriff voellig veraendert haben. Heute liegt tatsaechlich durch die Verbesserung der Verbindungswege und der Transportmittel Europa und
Asien vor der Pforte Amerikas. Die Welt ist heute durch ein
Netz von Verbindungswegen miteinander verknuepft, wie es zuvor nie der Fall gewesen ist. Es ist also nioht erstaunlich,
- 1 -

�dass die Delegierten dieser Seeleutegewerkschaft sehr viel
Zeit den Problemen der Aussenpolitik widmen.
Aus diesem Grunde ist eine Resolution ueber die Aussenpolit"lk von dieser Gewerkschaft in New York angenommen worden,
die ein bedeutsames Dokument ist.
2s deckt die Hintergruende der gegenwaertigen Weltkrisis
auf, ist aber keineswegs irgendeine beliebige Erklaerung, die
in der ueblichen wortreichen Form der diplomatischen Sprache
gehalten ist. Sie spricht von dem, Kreuzweg der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung und sie spricht aus dem Herzen.
Die Resolution der Binnenschiffahrtsgewerkschaft macht
die Politik des internationalen Stalinismus fuer die gegenwaertigen Spannungen verantwortlich und erklaert:
"Sechs Jahre 3ind vergangen, seitdem die bewaffneten
Streitkraefte und die Kriegsmaschinerie des vereinigten nazifaschistischen und japanischen Imperialismus vernichtet wurden. Aber trotzdem gibt es heute noch keinen Frieden. An
seine Stelle sind staendige Konflikte getreten, ebenso die
Drohung bewaffneter Konflikte. In Korea gibt es sogar einen
richtiggehenden Krieg, der sich jetzt bereits, auf das zweite
Jahr erstreckt. In zahlreichen und weiten Gebieten der Welt
wird der Friede systematisch untergraben. Die Sicherheit der
Voelker ist durch offene Aggressionen oder durch Machenschaften der 5. Kolonne bedroht. In einem Land nach dem anderen
ist die Demokratie entweder zerstoert worden oder sie ist
gezwungen, ihr Leben zu verteidigen. Einzig und allein die
kommunistische Diktatur in Sowjetrussland traegt fuer diesen
tragischen und verhaengnisvollen Stand der Verhaeltnisse in
der ganzen Welt die Schuld, nur sie ist dafuer verantwortlich
zu machen.
Die Gewerkschaft fuer Binnenschiffahrt klagt dann in
ihrer Resolution Stalin an, die Ziele und Methoden Hitlers
uebernommen zu haben. Die Resolution erklaert, dass der Kreml
jeden Vorschlag, der die Abruestung oder eine wirksame internationale Kontrolle der Atomwaffen vorsieht, blockiert hat.
Sie zitiert die Grausamkeiten, die von der UdSSR und ihrer
5. Kolonne begangen wurden. Die SeeleUtegewerkschaft zollt
dann dem Heldentum der Streitkraefte der Vereinten Nationen
ihren Beifall, die die Kommunisten in Korea zurueckgedraengt
haben. Sie erklaert, dass die Opfer, die die tapferen Soldaten gebracht haben, nicht umsonst gewesen sein duerfen. Es
heisst dann wörtlich weiter:
"Das europaeische Wiederaüfbauprogramm, das im Rahmen
des LIarshall-Plans entwickelt wurde - es hat die fruehere Truman-Doktrin erweitert, dem Kommunismus dadurch Einhalt zu gebieten, indem die Demokratie und die Sicherheit ueberall unterstuetzt werden - ist verfeinert und stark ausgedehnt worden
und hat bereits ausserordentlich viel zur Staerkung der freien
Voelker Europas beigetragen.
"Das europaeische Wiederaufbauprogramm erweist sich heute
als ein einzigartig _, Beispiel fuer eine wohlgesinnte und
ohne jede Voraussetzung gegebene grosszuegige Hilfsaktion
einer Nation, die der Welt in einem Zustand dringender Not
hilft. Der CIO und die uebrige freie amerikanische Gewerkschaftsbewegung haben allen Grund, auf ihre schoepferische
- 2 -

�Rolle in der Entwicklung und der Verwirklichung dieses Programms stolz zu sein.
"Es gibt nichts geheimnisvolles oder zersetzendes bei
den umfangreichen Wiederaufbaumassnahmen, die durch die Aktion
des Marshall-Plans moeglich wurden. Wir blicken auf die Gewerkschaftsbewegung und andere wirklich demokratische Kraefte
der Nationen, die diese Unterstuetzungen erhielten, wobei wir
Wert darauf legen, dass diese Hilfsmassnahmen sich zu Gunsten
einer stabileren wirtschaftlichen Lage und eines verbesserten
Lebensstandards fuer die Buerger dieser Laender auswirken dadurch erst erfuellen wir die Ziele unserer eigenen Kation,
die Freiheit und Demokratie ueberall zu fcerdern wuenscht.
"Die Binnenschiffahrtsgewerkschaft erklaert, dass die
Drohung des Kremls gegenueber der demokratischen Zivilisation
nur durch bewaffnete Staerke aufgehalten werden kann. Infolgedessen ist die Verteidigungsruestung den uebriggebliebenen
freien Nationen regelrecht aufgezwungen worden. Die CIO-Gewerksohaften setzen sich fuer den Nordatlantik-Pakt ein und
begruessen ihn. Sie werden dafuer sorgen, dass die amerikanische Arbeiterschaft ihren vollen Anteil an der gemeinsamen
Verantwortlichkeit uebernimmt. Sie warnt zugleich davor, dass
durch einen Kurswechsel der Taktik des Kremls die freie Welt
vor gewissen Schritten zurueckgeschreckt wird, die durch den
bisherigen Lauf der Din&amp;e gewaehlt werden mussten. Sie verdammt die kommunistische Propaganda, einen Hass des Krieges
dadurch erreiohen zu wollen, indem man von einem einseitigen
scheinbaren Friedensmanoever oder von einem zweitrangigen
"friedlichen Nebeneinander" spricht. Dies beweist lediglich,
dass das russisohe Volk ebensosehr das Opfer der kommunistischen Aggression geworden ist wie die uebrige Welt."
Die Resolution, die auf dem Kongress der Binnenschiffahrtsgewerkschaft einmuetig angenommen wurde, beendet ihre Feststellungen mit den Worten:
"Wir unterstuetzen die Anstrengungen unserer Regierung
und der Vereinten Nationen, um das Punkt-Viar-Programm wirksam durchzufuehren, die Fortsetzung der Verteidigungsruestungen gegen die sowjetischen Aggressionen und die Verankerung
eines Programmes auf breiter Basis zur Verbesserung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhaeltnisse. Wir fordern dies in dem Bewusstsein, dass jede Verteidigung ohnewirtschaftliche Sicherheit und politische Freiheit unzureichend
ist. Wir fordern die Regierung auf, sich dafuer einzusetzen,dasa
diese sehr schwierigen Aufgaben geloest werden, wobei die
Versicherung abgegeben wird, dass die Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten die Entschlossenheit, die Kuehnheit, den Mut
und den Glauben an demokratische Ideale haben, durch die
eines Tages der Erfolg erreicht wird."
Program Services Section
Labor Special Nr. 186
TAFT-HARTLEY-GESETZ FOERDERT NICHT INDUSTRIELLEN FRIEDEN
Ein fuehrender Experte der amerikanischen Regierung erklaerte, "duroh das Taft-Hartley-Gesetz sind die Spannungen
in den industriellen Wechselbeziehungen nicht vermindert,

3

�sondern tatsaeonlioh haeufigere Ursachen zu Kontroversen gegeben."
Gustav Peck, ein Experte fuer Arbeitsfragen mit langjaehriger Erfahrung, der in der Kongresgbibllothek taetig ist,
sagte vor dem Unteraussohuss des Senats fuer Arbeitsfragen,
die Zahl der Streiks sei seit 1947 zurueokgegangen, "was auf
eine Vielzahl von Paktoren, aber am wenisten auf das TaftHartley-Gesetz zurueckzufuehren sei."
"Wenn das Taft-Hartley-Gesetz auch viele Praktiken des
Tarifverhandlungswesens festgelegt und zahlreiche Probleme
in Verbindung mit TarifVertragsbestimmungen geloest hat, so
hat es doch anscheinend nicht die Spannungen in den industriellen Wechselbeziehungen vermindert oder eine glattere Beilegung der Probleme erwirkt, die Gegenstand der Verhandlungen zwisohen Gewerkschaften und Unternehmern bilden." Peck
brachte diese Auffassung in einem schriftlichen Sonderbericht
an den Unteraussohuss des Sonata zum Ausdruck.
"In Wirklichkeit kann man behaupten, dass die Abgeneigtheit einiger Gewerkschaften und Unternehmer, gewisse Bestimmungen des Taft-Hartley-Gesetzes zu akzeptieren, und die
Streitigkeiten, die sich in Zusammenhang mit der Bedeutung
und dem Zweok anderer Bestimmungen ergeben haben, die Ursachen zu Kontroversen vermehrt haben."
Peck berichtete, selbst gewerksohaftsfeindliche Volkswirtsohafter seien sich darueber einig, dass den Gewerkschaften die Erhoehung der Leistungsfaehigkeit der Industrie zu
verdanken ist, und dass "man sich praktisch allgemein darueber im Klaren sei, dass die Tarifverhandlungsform bestehen
bleiben muss." Streiks und Streikdrohungen wuerde es solange
geben wie es TarifVerhandlungen gibt, und gelegentliche oder
vereinzelte Arbeitsunterbrechungen seien einer Erhaltung
des "Friedens unter allen Umstaenden" vorzuziehen.
Pecks Bericht an den Unteraussohuss des Senats trug
den Titel "Faktoren des erfolgreichen Tari&amp;erhandlungswesens".
Der Vorsitzende des Ausschusses,Hubert H. Humphrey (Demokrat,
Minnesota), unterbreitete diesen Bericht dem Kongress mit
dem Bemerken, es handele sich um eine "den Tatsachen entsprechende Studie, deren Feststellungen natuerlich weder fuer
den Unteraussohuss noch fuer irgendeinen Senator verpflichtend
sein sollen."
Daily News Service
. XI/28/51
Henri Brousse:
PROBLEME DER LANDWIRTSCHAFTLICHEN PRODUKTIVITAET FRANKREICHS
Man hat bereits sehr viel ueber die Vorteile eines Ansteigens der Produktivitaet in der landwirtschaftlichen Produktion berichtet. Wenn man die gleiche Zahl an Produktion
mit weniger Arbeits:, «unden einbringen kann, so lassen sich
dadurch die Kosten der Produktion herabsetzen, d.h. also,
die Entlohnungsmoeglichkeit der menschlichen Arbeit waechst
und' demzufolge auch der Wohlstand in der Landwirtschaft.
Aber dies setzt voraus, dass die Preise, die beim Verkauf
erzielt werden, nicht von sich aus fuehlbar absinken,
- 4 -

�d.h., dass man nicht vor einem Markt mit Baisse-Tendenzen
stehen darf. Es waere unnuetz, die Landwirte zu ueberzeugen,
dass es notwendig ist, sich mit besseren Geraeten auszumästen, um sich auf eine bessere Rendite vorzubereiten, wenn
das Missverhaeltnis der Preise das Resultat ihrer Modernisierungsbestrebungen zunichte macht und die von ihnen getragenen Opfer, um sich mit besseren Maschinen zu versorgen, unnuetz blieben.
Das hier gestellte Problem laesst zwei Loesungen zu:
Entweder eine Erhoehung der Produktivitaet ohne eine Erhoehung
der Produktion, oder aber eine Erhoehung, die Produktivitaet
und Produktion gemeinsam umfasst, was jedoch voraussetzt, dass
neue Kanaele gefunden werden, um den Produktionsueberschuss
aufzusaugen, sei es durch erhoehten Verbrauch, sei es durch
Export.
Vor dem Jahr 1938 hatte Frankreich sich fuer die erste
Loesung entschieden. Vom Standpunkt des Produzenten landwirtschaftlicher Gueter aus gesehen kann man sagen, dass
Prankreich sozusagen unter einer Glasglocke lebte. Um die
Binnenpreise aufrecht zu erhalten, leitete man einen Teil
der Ernte ab, indem man sie destillierte oder fuer den menschlichen Gebrauch unverwendbar machte. Man konnte damals nicht
exportieren, weil die Produktionskosten wesentlich ueber den
Weltmarktpreisen lagen.
Um aus dieser Situation herauszukommen, mussten die Kosten der Produktion herabgesetzt werden, d.h. man musste
sioh besser ausruesten. Aber die Gewinnspanne war so gering wenn sie ueberhaupt vorhanden war - dass irgendwelche Neuanschaffungen, die eine Erhoehung der Produktivitaet gestattet
haetten, einfach nicht in Betracht gezogen werden konnten.
Man befand sich somit in einer Zwickmuehle, aus der
einfach kein Aufweg gefunden wurde. In dem Masse, wie die
Ertraege sich vergroesserten, verminderte sich die Ackerbauflaeohe. Waehrend es im Jahre.1892 noch 25 Millionen Hektar
Ackerland gab, waren es 1939 nur noch 20 Millionen, 1950 dagegen gerade noch 18,5 Millionen Hektar. Die ungenutzte
Flaeohe vergroesserte sich dementsprechend. Alles in allem
hat die Intensivierung der Kulturarbeiten auf gutem Boden
zur Folge gehabt, dass eine Abnahme mittelmaessigen Bodens
sioh durchsetzte, so dass dadurch ein ungefaehres Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage erzielt wurde.
Diese Situation eines theoretischen Gleichgewichtszustandes ist jedoch tatsaechlich aeusserst unbequem. Die
Veraenderlichkeit des Verbrauchs ist so gross, dass der geringste Ueberschuss sich in katastrophalen Baissen fuer den
Landwirt auswirkt, auf der anderen Seite aber die geringste
Mindererzeugung zu Preishaussen fuehrt, die jedoch wiederum
von Inflationen begleitet werden, die selbstverstaendlich
fuer die Gesamtwirtschaft schaedlich sind.
Eine Situation, die auf der einen Seite staendig die
Merkmale eines Defizits und einer Importnotwendigkeit und auf
der anderen Seite eine staendige Exportneigung aufweist,
soheint alles in allem ein geringeres Risiko mit sich zu
bringen, als ein unsicheres Gleichgewicht.
5 -

�Technisch gesehen ist es leicht, die franzoesiscne landwirtschaftliche Erzeugung um 50%, vielleicht sogar um 100$
zu erhoehen. Die Mittel dazu sind vorhanden. Erinnern wir
uns nur des franzoesischen Verbrauchs an Stickstoffduengemitteln, die, in Stickstoffeinheiten gerechnet, etwa 8,4 kg
pro Jahr und Hektar betragen, waehrend es in Belgien 40 kg
und in Holland 50 kg sind.
Das wirkliche Problem ist somit kein rein technisches.
Es handelt sich in erster Linie um ein Problem der Methodik.
Diese Methodik existiert selbstverstaendlich. . Die westeuropaeischen Laender, die unmittelbare Nachbarn Frankreichs
sind, haben - von Skandinavien abgesehen - eine sehr dichte
Bevoelkerung und ein unzureichendes Ackerland. Sie sind fast
durchweg Dßtizitlaender, wenn man den Masstab der Versorgung
mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen an sie legt. Sie koennen heute nicht mehr wie vor dem Kriege Lebensmittel aus
Ungarn, Rumaenien, Ostdeutschland und Polen importieren.
Sie muessen heute auf Importe aus ferner liegenden Laendern
zurueckgreifen und diese in harterttaehrungbezahlen, was
sie uebrigens ohne die Marshallplanh4,lfe nicht tun koennten.
Die franzoesischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse wuerden
uebrigens bei einem Import den Vorteil bieten, dass zumindest die Transportkosten weit geringer sind.
Die Verteidigung des Friedens bringt eine wachsende Nachfrage nach ügrarerzeugnissen mit sich. Nicht allein, dass
das Ivlilitaer einen hoeheren Verbrauch hat als Zivilpersonen vor allem an Fleisch - es muessen darueber hinaus fuer die
Armee Reservelagor angelegt werden. Die Verteidigungsbemuehungen sind bereits auf den Nahrungsmittelfcedarf der Vereinigten Staaten angewachsen und habea dadurch die Exportmoeglichkeiten der typischen Ueberschusslaender vermindert. Die verfuegbaren agrarischen Exportgueter in Argentinien und Australien sind heute begrenzt durch die ^.rhoehung des inlaendischen
Verbrauchs. Der wachsende Importbedarf Indiens konkurriert
ebenfalls mit den Laendern Westeuropas.
Frankreich ist aber durchaus in der Lage, eine Hauptrolle
als Ausgleichsfaktor fuer die Nahrungsm ittelversorgunp; Europas
zu spielen. Man muss aber die jetzige Methodik der Angebote
der franzoesischen Landwirtschaft in eino wirkliche Methodik
ueberfuehren, um die Landwirte von der Notwendigkeit der Mehrproduktion zu ueberzeugen und ihnen zugleich die Zuversicht zu
geben, dass sie bessere Erloese erzielen: nur des haelt sie
von der Zoegerung zurueck, notwendige Investitionen durchzufuehren. Besser waere es natuerlich, den glatt.en Absatz ihrer
Erzeugung zu garantieren.
Die Laender Westeuropas sind mehr oder minder durch den
Krieg zugrundegerichtet, wobei es sich in erster Linie vor
allem um Westdeutschland und Italien handelt.. Aber sie koennen ihre Lebensmittelimporte bezahlen, sie muessen es sogar,
sei es, dass sie einen Teil ihrer 1/Iarshallplanhilfe dabei
opfern, die eigentlich dem Wiederaufbau der deutschen Industrie zugute kommen sollte und die sie deshalb nicht im vorgesehenen Kasse durchfuehren koennen, sei es, dass sie ihre
Nahrungsmittelimporte dadurch bezahlen, indem sie Industriegüter exportieren. Die franzoesische Industrie kann dieser
Konkurrenz auf dem franzoesischen Binnenmarkt begegnen, wobei
sie im Gegensatz zur allgemeinen Meinung an einem Tiefstand der
- 6-

�Preise fuer Agrarerzeugnisse deshalb interessiert ist, weil
eine Erhoehung der Kaufkraft des Arbeiters dadurch ermoeglicht wird, dass also Lohnerhoehungen zu einem erheblichen
Teil verhindert werden.
Die franzoesischen Landwirte haben damit die Wahl zwischen einer Politik der Steigerung ihrer Produktion und
einer Politik, die auf das Risiko der NichtUnterbringung
eines Teils der Ernte Ruecksicht nimmt.
Vom Standpunkt der Industrie laesst sich hierauf manches antworten. Hierzu gehoert vor allem die Feststellung,
dass die franzoesische Landwirtschaft durchaus exportfaehig
sein koennte. Dadurch gaebe es gesteigerte Moeglichkeiten,
franzoesische Industriepordukte zu kaufen. Unter Beruecksichtigung der Verteidigungsruestungen, die jetzt in Europa
durchgefuehrt werden muessen, scheint es der Industrie jedoch
nicht an Auftraegen zu mangeln. Wenn die Agrarproduktion
gesteigert werden kann, so wuerde Frankreich in der Lage
sein, die Lieferung solcher Produkte sich zu sichern, die
heute seiner Industrie fehlen, und dadurch eine Reihe wesentlicher Engpaesse beseitigen, wie sie z.B. beim Huettenkoks bestehen. Schliesslich muss darauf hingewiesen werden,
dass der Devisenausgleich nicht notwendigerweise immer nur
zwischen zwei Laendern zu erfolgen hat, sondern dass dieser
Austausch sich auf drei oder vier Laender erstrecken koennte,
die gleichfalls an Frankreich liefern oder von Frankreich
beziehen. Durch diesen multilateralen Ausgleich waere es
moeglich, solche Gueter zu importieren, an denen Frankreich
heute Mangel hat, wie z.B. Leinen, Holzschliff, Zellulose,
anstatt Fertigprodukte einzufuehren.
Um jedoch sich eine staendige Auslandskundschaft zu
schaffen und um diese sich zu erhalten, muss man selbstverstaendlich immer auf dem Markt Angebote angeben. Man kann
sich keine Kunden sohhffen, wenn man lediglich einen sich
vielleicht ergebenden Ernteueberschuss erhofft; wobei der
Binnenmarkt jedoch stets in gleicher Hoehe beliefert werden
soll. Darueberhinaus ist jedoch das Problem der Qualitaetskontrolle von besonderer Wichtigkeit. Wenn man diesen
Iv'oeglichkeiter: sich nicht verschliessen will, so muss man
selbstverstaendlich erstklassige Gueter exportieren.
In den freien Laendern, d.h. in jenen, die nicht einer
totalen Lenkung unterworfen sind, kann man nicht verlangen,,
dass die Landwirtschaft sich in Dichtung einer Erhoehung der
Produktion bewegt, damit der Ueberschuss exportiert werden
kann, wenn hierbei keine Gewinne moeglich sind. Man sollte
hierbei jedoch auch daran denken, dass England z.B. fuer
zwei Jahre im voraus zu festen Preisen abgeschlossen hat.
Es konnte dies tun, denn es verfuegt ueber eine verhaeltnismaessig stabile Waehrung, und der Absatz auf dem Binnenmarkt
ist immer ein absolut sicherer. In Frankreich ist das Proolem
nicht das gleiche. Die Regierung kann in dieser Richtung
nichts unternehmen. Es gibt keine Preisgarantie, die wirksam
genug ist, wenn sie nicht von einer Abnanmegerantie begleitet
ist, und es kann keine solche Abnahmegarantie geben, solange
man nicht mit anderen europaeischen Maerkten in Verbindung
steht. Um dies zu erreichen, muessen die Produktionskosten
heruntergeschraubt werden, d.h. also, die Produktivitaet muss
erhoeht werden.
- 7 -

�Seit einiger Zeit sind die Preise faer Industrieerzeugnisse sehr viel schneller angestiegen, als die Preise fuer
landwirtschaftliche Produkte. Wenn man fuer 1949 als Preisbasis 100 setzt, so zeigt der-Index fuer Indüstriegueter bereits fuer Mai 1951 einen Stand von 164, waehrend der Index
fuer Agrarerzeugnisse erst auf 123 gestiegen ist. Die Landwirte muessen daher einen sehr viel groesseren Anteil an
Agrarerzeugnissen liefern, um die unentbehrlichsten Indüstriegueter zu kaufen, seien es Kunstduenger, Masohinen, Geraete
oder Wagen. Hieraus geht bereits hervor, wie ausserordentlich
schwer Investierungen zu Gunsten einer Steigerung der Agrarproduktion heute sind.
Prankreich kommt bei seiner landwirtschaftlichen Exportpolitik in Bezug auf Grundnahrungsmittel, wie Getreide, Fleisch
und Molkereiprodukte in Wettbewerb mit den grossen Farmen
Nord- und den Haziendas Suedamerikas, die zwar auf extensiver
Basis arbeiten, aber trotzdem in preislicher Hinsicht mit
der Intensiven Agrarwirtsohaft Nordamerikas konkurrieren koennen. Zu gleicher Zeit gibt es dort ein verhaeltnismaessig
hohes Niveau des Lebensstandards, d.h. die dortigen Verhaeltnisse stehen in starkem Gegensatz zu den Bedingungen der
franzoesischen Landwirtschaft. Es gibt jedoch fuer Frankreich
keine andere Loesung als ein Heraufschrauben der Produktivitaet.
Man muss endllfh aus dem Stadium der Selbstgenuegsamkeit herauskommen und zu einem halb-industriellen Wirtschaftssystem gelangen, wobei - selbst wenn man die bisherige Arbeitweise
der franzoesischen Agrarwirtsohaft beibehalten will - man
doch zu einer grundlegenden Aenderung der Strukturverhaeltnisse gezwungen ist.
Bei einer Betrachtung der Situation wird man zuerst die
Zahl der landwirtschaftlichen Gueter herabsetzen muessen.
Hierbei sollen jedoch die besonderen Kulturen wij.Weine,
Fruechte, Baumschulen und Blumen ausser Betracht bleiben.
R. Dumont, ein agrarpolitischer Experte, ist der Meinung, dass
die Mannigfaltigkeit der klassischen Agrarkulturen abgeschafft
werden mues-fdie darauf beruht, saemtliche Nahrungs- und Futtermittel selbst zu produzieren. Es reicht vom Ertrag aus gesehen durchaus, wenn eine Familie ein Gebiet bearbeitet, das bis
zu 30 Hektar heruntergeht. Dieses Minimum ist in den Gebieten
des Gemueseanbaus restlos erreicht worden, wie z.B. in der
Champagne, die ausserordentlich geeignet ist fuer den Gemueseanbau. Dieses Minimum ist jedoch noch sehr weit entfernt von
dem zweckmaessigsten Durchschnittsmasse das erforderlich ist,
um hier moderne Geraete einzusetzen, wie sie beim Gemueseanbau
erforderlich sind, wenn dieser sich auf mehrere 100 Hektar erstreckt.
Frankreich kultiviert heute 134 Millionen Hektar, die jedoch alles in allem nicht mehr als eine Million Landwirtschaftsbetriebe bilden sollten. Heute zaehlt man jedoch noch immer
zwei Millionen. Die Abschaffung von einer Million landwirtschaftlicher Betriebe ist unter allen Umstaenden erforderlich.
Sie ist ebenso notwendig wie eine Verminderung der Handarbeit
in der Landwirtschaft. Nicht notwendig ist jedoch eine weitgehende Entvoelkerung der landwirtschaftlichen Betriebe, denn
ein Teil der Handarbeit kann in den kleineren Betrieben eingesetzt werden, um hier bestimmte Produkte zu gewinnen und um
gleichzeitig die Voraussetzungen zu schaffen, eine Qualitaetssteigerung zu erzielen, die fuer den Export unerlaesslich ist.
Hierzu gehoert die Einrichtung moderner Molkereien, von Kuehl- 8 -

�anlagen, Einrichtungen von Sohnellgefrierbetrieben und schliesslich von Konservenfabriken.
Weiter fordert die Umgestaltung der franzoesischen Landwirtschaft - schon um eine Arbeitslosigkeit zu vermeiden eine Wirtschaft der Expansion. Natuerlloh haengt diese Wirtschaft, wenn sie sich weiter ausdehnen soll, damit zusammen,
dass die Kaufkraft erhoeht werden muss, d.h. also eine Steigerung der Produktivitaet auf allen Gebieten, also sowohl in
der Industrie als auch im Gewerbe wie erst recht in der Landwirtschaft.
Das Anwachsen der Produktivitaet macht eine Aenderung
der landwirtschaftlichen Struktur erforderlich. Die Abschaffung der alten innergebietliohen Zollschranken und vor allem
die Entwicklung der Transportmittel haben die Landkarten der
Kulturen stark veraendert. Wenn man jedoch in internationalem
Rahmen produzieren will, dann muss die franzoesische Landwirtschaft die Produktion so entwickeln, dass es aus seiner klimatischen Lage groessere Vorteile zieht und alle jene Anbauerzeugnisse fallen laesst, die die Voraussetzungen nicht erfuellen. Eine gesteigerte Produktivitaet erfordert somit eine
Spezialisierung.
Die landwirtschaftliche Produktion hat sich bisher im
grossen und ganzen - wenn auch nicht Immer - nach den erzielbaren Preisen ausgerichtet. Diese Politik des Protektionismus
neigte zu sehr dazu, die jetzige landwirtschaftliehe Struktur
in die Zukunft zu retten und die so notwendige Reform zu
verzoegern. R. Dumont erklaert in diesem Zusammenhang: "Die
Methoden dieses Protektionismus trugen haeufiger zu einer kuenstliohen Beibehaltung der kleinen Bauernhoefe und damit zu einer
Steigerung des Verbrauchs bei und weniger zu einer Modernisierung der Ausruestung. Man konzentrierte sich vor allem auf
fruohtbare Gebiete, die durch ihren hoeheren Ertrag beguenstigt waren, waehrend die Investierung von Kapital vor allem
in aermeren Gegenden notwendig gewesen waere."
Durch andere protektionistische Massnahmen werden die
Kulturen reioher Anbaugebiete geschuetzt (Rueben, Wein, Most),
naemlich durch die Umwandlung unverkaeuflieher Ueberschuesse
in Alkohol, fuer die der Staat einen hohen Preis bezahlen
muss, die er jedooh nicht unter 60 # des Einkaufspreises absetzen kann. Die Milliarden, die auf diese Welse verausgabt
werden, sind in Wirklichkeit getarnte Subventionen zugunsten
solcher Kulturen, die kaum zwei Millionen Hektar von insgesamt
34 Millionen Hektar Anbauflaeche umfassen. Die sozialen und
politischen Ursachen, die diese Massnahmen erforderlich gemacht haben, behindern einen Fortschritt der Produktivitaet
und zwar nicht nur, weil die Vergeudung von Reichtuemern durch
Destillierung vom wirtschaftlichen Standpunkt aus unvernuenftig ist, sondern weil sie auch dazu beitragen, die Produktion
von alkoholliefernden landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu
erhalten.
Die Bodenflaeche, die fuer den Ruebenanbau geeignet ist,
ist sehr begrenzt, was fuer die betreffenden Landwirte ein
wirkliches Privileg bedeutet. Das wichtigste Argument, das
zugunsten der Erweiterung des Zuckerruebenanbaus angefuehrt
wird, ist, dass die intensive Bearbeitung des Bodens, die erforderlich ist, und die dank des Zucker- und Alkoholpreises
- 9 -

�gebuehrend belohn wird, eine wesentliche Steigerung des Ertrags bei solchen Kulturen zur Folge hat, die den Zuckerrueben in der Frucht folgen. Die Saeuberung des Bodens von Unkraut ist heute oh'ne wiederholtes Jaeten und Kacken durch
einfache Bestreuung mit chemischen Pulvern moeglich. Versuche haben gezeigt, dass Ytoizen, der unter gleichen Bedingungen
auf umgepfluegten Luzernfeldern angebaut wird, dieselbe Ertragsfaehigkeit hat wie auf Boeden, die vorher Zuckerrueben
trugen.
Die Unterstuetzung der Landwirtschaft muss sich hauptsaechlich auf 3oeden mittlerer Guete und auf gute Boeden,
die schlecht ausgenutzt sind, erstrecken.
Bei zu armen 3oeden sollte nur dann Geld investiert werden, wenn sie infolge eines Fehlers ertragsarm sind, der ohne
uebermaessige Ausgaben beseitigt werden kann. Auf diese Weise
ist das Gebiet der Limousin durch die Anwendung von Kalk in
ein verhaeltnismaessig wohlhabendes Landwirtschaftsgebiet umgewandelt worden. Auf jeden Fall muessen mittelmaessige Bodensorten so gut wie moeglich ausgenutzt werden.
Das Gleiche gilt fuer zu abschuessige Anbeuflaechen,
die hier und da noch gepflegt werden. R. Duxriont nennt an dieser Stelle die Landschaft der Br'iangonnais, wo zur Bearbeitung
eines Hektars noch tausend Arbeitsstunden notwendig sind.
Stark abschuessige Bodenflaechen muessen bewaldet oder als
Weideland benutzt werden.
Ausser den grossen Guetern im Soissonnais, die 200 bis
800 Hektar umfassen, weitgehend motorisiert und mit modernen
Maschinen gut ausgeruestet sind, und den Gebieten des Vivarais
oder den halbverlassenen weiten Flaechen der Causses, gibt
es in Frankreich viele Gegenden, wo der Ackerboden von mittlerer ^ualitaet und zuweilen sogar reich aber schlecht bearbeitet ist, wie z. B. das Tal der Garonne .
Im Bezirk Cavaillon hat sich seit 1880 eine rapide Vorwaertsentwicklung vollzogen, und an die Stelle des Spatens
ist der Traktor getreten. Man hat die alten Kulturen aufgegeben und sicn dem Anbau von Gemuese, Tomaten und Melonen
gewidmet. Die Mentalitaet des Bauern ist dort die eines Pioniers, der unaufhoerlich neue Moeglichkeiten ins Auge fässt;
im Gegensatz hierzu faellt der Suedwesten Frankreichs, der sich
nicht entwickelt hat, staendig mehr ab. Indem man die notwendigen Entwicklungen in rueckstaendigen Gebieten, die gute
natuerliche Bedingungen bieten (Boden und Klima), vorantreibt,
kann man die Produktivitaet in ungeheurem Masse steigern.
Moderne landwirtschaftliche Maschinen sind sehr teuer.
Eaeufig erfordern sie den Bau von Hallen zu ihrer Unterbringung. Aber abgesehen von diesen kostspieligen Investierungen
gibt es eine ganze Anzahl billigere Moeglichkeiten, von denen
man erwarten kann, dass sie entweder eine wesentliche Steigerung des Ertrags zustandebringen oder den Arbeitsaufwand verringern, d.h. also in beiden Faellen die Produktivitaet steigern.
Die Verwendung von gutem Saatgut erfordert keinerlei zusaetzliche Arbeit. In dieser Beziehung bleibt noch viel zu
tun uebrig. Der Anbau von Mais zur Gewinnung des Maiskorns
bringt in Frankreich einen durchschnittlichen Ertrag von 15
- 10 -

�Doppelzentnern. Dank der Verwendung von veredeltem HybridenSäatmais betraegt der Durchschnittsertrag im amerikanischen
Staate Jowa heute 40 Doppelzentner. Die erzielte Steigerung
des Ertrags betraegt mehr als 33 %.
In Frankreich werden natuerliche Weideflaechen häufig
sich selbst ueberlassen, nur selten und in ungenuegender Menge
wird Kunstduenger verwendet. Man koennte den Ertrag der Boeden durchschnittlicher Guete zumindest verdoppeln, wenn man
die englische Methode der "zeitweiligen Wiesen" anwenden wuerde.
Durch Kalkgaben koennte man den Prozentsatz solcher Graaser
erhoehen, die fleisch- und milchbildend sind. Diese "zeitweiligen Wiesen" werden etwa alle acht Jahre neu eingesaet, wobei
die Saatmischung fruehe Grassorten fuer den Fruehling und spaete
fuar den Herbst enthaelt, um auf diese Weise die V/achstuiusPeriode des Grases und damit die Zeit der Verwendungsfaehigkeit als
Weideflaeche zu verlaengern.
Man sieht noch heute in dem meisten franzoesischen landwirtschaftlichen Gebieten Kinder, die den ganzen Tag Vieh hueten, anstatt zur Schule zu gehen. DÜese Zeitverschwendung
koennte durch Anlegung von Weidezaeunen vermieden werden.
Diese Zaeune, durch die die Wiesen in kleinere Weideplaetze
eingeteilt werden, die sich staendig verschieben lassen, ermoeglichen es, dem Vieh Immer frisches und vitaminhaltiges
Gruenfutter zu bieten.
Die Konservierung des Heus geschieht unter Anwendung der
bekannten Methode des "Heumachens", die viele Arbeitskraefte
erfordert, und bei der das Gras nicht in zu gruenem Zustand
geschnitten werden darf. Das Heu, das zum Teil schon vertrocknet ist, ist schwerer zu verdauen und bildet bei der Verdauung
vor allem Zucker. Es eignet sich fuer Arbeitstiere, aber
nicht fuer Vieh, das Fleisch und Milch liefern coli. Es
braucht junges Gras, das reich ist an Eiweisstoffen. Es gibt
Heusilos, die fuer mittlere und selbst kleinere Bauernhoefe
gedacht sind, waehrend die Turmsilos, wie man sie in Amerika
kennt, den sehr grossen Guetern vorbehalten bleiben. Trotz
ihrer ungeheuren Vorteile (Produktivitaetserhoehung um mindestens ein Drittel) ist die Methode der Heukonservierung in
Silos, die allgemein angewendet werden sollte, abgesehen von
sehr fortschrittlichen Landwirtschaftsgebieten, noch nicht
sehr weit verbreitet.
Man kann es sich in Frankreich nicht leisten, die wichtigste Humusquelle, die zur Erhaltung" der Ertragsfaehigkeit des
Bodesn unentbehrlich ist, naemlich den natuerlichen Dung, verlorengehen zu lassen. Und doch wird dieser natuerliche Doflg
nur schlecht ausgenutzt infolge der Verluste in den Stallungen
und auf dem Dunghaufen, die durch das Entweichen von Ammoniak
im Sommer und durch die Auswaschung der Haufen durch Regen
entstehen. Der Bau von betonierten Dung- und Jauchegru/ben
stellt eine einmalige Geldauslage dar, die sich durch eine Steigerung des Ertrags um 20 bis 30 % bezahlt macht.
Das Verfahren der kuenstlichen Befruchtung findet immer
groessere Verbreitung und wird sich sehr bald durch einen gesteigerten Ertrag an Fleisch und Milch bemerkbar machen, weil
sie progressiv das Gros des Viehbestands auf das TÜveau der
ausgesuchten Zuchttiere bringt» Aber die rationelle Ernaehrung
des Viehbestandes bleibt noch dem groes^ten Teil der Viehzuechter unbekannt. Die Verschwendung wichtiger Futterstoffe,
11 -

�die- sich hieraus ergibt, ist unuebersehbar.
Kommen wir schliesslich zu dem Begriff der zeitlichen
und raeumlichen Einteilung der landwirtschaftlichen Arbeit,
durch die es moeglich ist, die infolge unguenstiger Witterung bisher nutzlose Zeit wirksam auszunutzen und Transportschwierigkeiten soweit wie moeglich zu beseitigen. Manchmal
kann ein einfacher Wanddurchbruch eine Ersparnis von Hunderten von Arbeitsstunden jaehrlich bedeuten. Die Befoerderung,
das Gehen und Kommen nehmen ueberall viel mehr Zeit in Anspruch
als die produktive Arbeit selbst. Diesen Zeitverlust zu reduzieren, hat sich das franzoesische"Institut fuer Wissenschaftliche Organisation der Landwirtschaftlichen Arbeit" (I.O.S.T.A.)
zur Aufgabe gemacht.
Dieser kurze Deberblick genuegt., um die Vielseitigkeit der
Gebiete zu zeigen, in denen die systematische Forschung nach
der Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivitaet zur
Anwendung kommt, in denen aber die mit finanziellen Schwierigkeiten verbundenen Neuerungen nicht einmal beruecksichtigt
sind, wie sie etwa die Mechanisierung der Landwirtschaft darstellt. Man wird sich besser ein Bild von der Bedeutung einer
Reduzierung der Produktionskosten und der besseren Verteilung
der Lebensmittel machen koennen, wenn man ueberlegt, dass die
grosse Masse der Lohnempfaenger 50% ihres Einkommens fuer
den Kauf von Lebensmitteln verwendet., Wenn man diesen Prozentsatz auf 30% reduzieren koennte, wuerden die freigewordenen
20% der Bau- und Nahrungsmittelindustrie riesige Moeglichkeiten erschliessen, durch die wiederum neue Tueren geöffnet würden.
Der Modernisierung der Landwirtschaft und der fuer sie
arbeitenden Industrien haette in dem Monnet-Plan mehr Beachtung geschenkt werden muessen, denn hiervon ist zum grossen
Teil der Aufschwung der gesamten Wirtschaft Frankreichs abhaeng ig.
Die Moeglichkeiten zur Steigerung des Ertrags der landwirtschaftlichen Arbeit sind zahlreich und nicht immer kostspielig. Es handelt sich lediglich darum, sie der Oeffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen. Die franzoesischen Bauern
und zumindest die juengeren sind in geringerem Masse Gewohnheitsmenschen, als man es sich vorstellt. Noetig ist jedoch,
dass man sich mit ihnen beschaeftigt und ihr Vertrauen gewinnt.
Die Behoerden, deren Aufgabe es ist, an die Allgemeinheit heranzutreten, sind in Frankreich jedoch unglaublich arm an Personal, die ihnen gewaehrten Kredite sind unbedeutend. Was vermoegen jedoch Studien und Forschungen auf dem Gebiete der
landwirtschaftlichen Produktivitaet, wenn ihre Verallgemeinerung nicht die Bruecke zum Praktischen schlaegt?
RAPPORTS
France-Etats Unis Xl/51
TAGUNG-DES EXEKUTIVAUSSCHUSSES DES IBFG
Auf dieser Tagung wurden mehr als eine Million neuer Mitglieder aus vier Kontinenten in den,IBFG aufgenommen, wodurch
sich die Gesamtmitgliederzahl auf annaehernd 55 Millionen erhoeht. Die groesste der neuen Mitgliedsorganisationen ist der
- 12 -

�Australische Gewerkschaftsbund mit 800.000 Beitragszahlern.
Als Vertreter des Gebietes Australien-Neuseeland im Exekutivausschuss des IBFG fungiert Albert Monk, der Vorsitzende des
Australischen Gewerkschaftsbundes. Zu den anderen, neuaufgenommenen Gewerkschaften gehoeTen: die Italienische Arbeiterunion UIL, der Gewerkschaftskongress von Singapur, der Gewerkschaftsbund von Britisch-Guyana, der Gewerkschaftsbund von
Ekuador und sechs kleinere Gewerkschaftsgruppen aus Trinidad.
Der IBFG-Vorsitzende Sir Vincent Tewson vom britischen
Gewerkschaftsbund TUC und der Generalsekretaer J". H. Oldenbroek
teilten mit, dass fuer regionale Organisationsarbeiten in notleidenden Gebieten ein Fonds in Hoehe von 700.000 Dollar fast
vollstaendig aufgebracht sei. Der kanadische Gewerkschaftsbund CCL sei hieran mit 6.000 Pfund beteiligt, der britische
TUC mit fast 100.000 Pfund, der amerikanische CIO mit 100.000
Dollar, der Anteil des oesterreichischen Gewerkschaftsbundes
betraegt 10.739 Pfund Sterling.
Aufwendungen fuer Organisations- und Erziehungsprojekte
in einer Gesamthoehe von 100.000 Pfund wurden ebenfalls genehmigt. In Asien wird ein Regionalbuero eroeffnet und Organisatoren werden fuer verschiedene Zeitspannen nach Japan, Korea
und Indochina entsandt werden. Auch ein in Accra fuer Westafrika zu eroeffnendes Buero und Projekte in Nord- und Ostafrika, Lateinamerika und auf den Inseln des Karibischen Meeres
sollen aus diesem Fonds finanziert werden.
Ferner wurde ein Plan genehmigt,nach dem in der Naehe des
Zentralbueros des IBFG ein internationales Gewerkschaftszentrum
errichtet werden soll. Dort sollen Gewerkschafter in Fragen
der internationalen gewerkschaftlichen Taetigkeit geschult
werden.
Grosse Beachtung schenkte man auch der Schaffung von
gewerkschaftlichen Sohulungseinrichtungen in Frankreich und
Italien. Die schwedischen Gewerkschaften haben ihr Haus
"La Breviere" in der Naehe von Paris- fuer diesen Zweok Zur
Verfuegung gestellt.
Der Exekutivausschuss beschloss durch Abstimmung, fuer
die Unterstuetzung der Opfer der Ueberschwemmungen in Norditalien eine Million Lire zu spenden. Er forderte die Gewerkschaften aller Nationen auf, selbstaendig ihren Beitrag zur
Linderung der Not in Norditalien zu leisten. Die AFL und der
CIO haben CARE-Pakete im Werte von 1.000 bzw. 500 Dollar in
das Katastrophengebiet gescnickt. Die Hilfsmittel werden von
Giulio Pastore verteilt werden, der Mitglied im Exekutivausschuss und Generalsekretaer des italienischen Gewerkschaftsbundes CISL ist.
Die naechste Konferenz des Generalrates ist fuer Juli
1952 in Berlin vorgesehen.
Labor Information
Bruessel
GLEICHER LOHN FUER GLEICHE ARBEIT
Eines der bekannten Ziele der freien Arbeitergewerkschaften
kann sehr einfach mit dem Schlagwort "Gleicher Lohn fuer
- 13

�gleiche Arbeit" ausgedrueckt werden. Arbeiterinnen in Fabriken
und Bueros fuehren einen staendigen Feldzug, um diesea Ziel zu
aichern, einea Zielea, daa der Internationale Bund Freier
Gewerkachaften ala daa aoziale Fundamentalrecht bezeichnet.
Die Frage des gleichen Lohnes fuer Maenner und Frauen,
die die gleiche Arbeit leisten, ist als eine der wichtigsten
Angelegenheiten in den Vordergrund getreten. Es war das seit
mehr als 20 Jahren gesteckte Ziel der Gewerkschaften: aber bis
vor kurzem war der Fortaohritt zu diesem Ziel recht langsam.
Der IBFG drueokt gegenwaertig mit erneuter Kraft und Nachdruck
auf diese Forderungen.
Delegierte des IBFG verlangten auf dem zweiten internationalen Kongress in Mailand, dass diese Forderung als soziales
Fundamentalrecht in allen Mitgliedslaendern zu betrachten sei.
Unabhaengig von der Sitzung des IAA in Genf wurde ein neuer
Beschluss getroffen, der die Regierungen fuer die Foerderung
des Prinzips der gleichen Loehnung verantwortlich macht.
Man erwartet somit von den Regierungen, die in Uebereinstlmmung mit den IAA-Beschluessen handeln, die Einfuehrung der
gleichen Loehnung durch eine entsprechende Gesetzgebung in ihren
Laendern. Dadurch muessen sie mit Arbeitgebern, Behoerden-Organisationen und Gewerkschaften zusammenarbeiten.
Gerade jetzt ist die Aufmerksamkeit der Arbeiterschaft
auf England gerichtet, wo der Kongress der Arbeitergewerkschaft
mit dem Schatzkanzler ueber die Anerkennung des Rechtes der
Frauen,den gleiohen Lohn fuer gleiche Arbeit zu erhalten,
verhandelt. Einer der umstrittensten Punkte ist die Tatsache,
dass die konservative Regierung versicherte, dieses Prinzip
aufrecht zu erhalten. Der TUC beabsichtigt, die Konservativen
an ihre Versprechen zu erinnern.
Die daenisohen Frauen, die in dem viertstaerksten Verband
des Landes vereinigt sind, draengen ebenso stark auf die Erfuellung ihrer Forderungen. Die daenische Vereinigung der weiblichen Arbeiter, die 96.000 Mitglieder zaehlt, legte ihre Strategie auf einen kuerzlich in Kopenhagen abgehaltenen Jubilaeumskongress fest. Die Vereinigung versucht, Frauen in den Verwaltungsausschuessen der Schluesselindustrie unterzubringen, um
hier durch konsequente, aber vernuenftige Forderungen die Löhne
der weiblichen Arbeiter an die der Maenner anzugleichen. Grosse
Fortschritte sind hierdurch bereits in Daenenark erzielt worden.
Vor 30 Jahren betrug der Lohn weiblicher Arbeiter durchschnittlich nur 50 % von dem der Maenner. Diese Ziffer ist laengst
in die Koehe gestiegen und liegt heute bei ungefaehr 70 $&gt;.
Nach den letzten Berichten aus Daenemark haben die Frauen, die
in der Eisen- und Stahlindustrie beschaeftigt sind, einen Sitz
in dem Verwaltungsausschuss der Eisenarbeiter gewonnen - ein
Vorteil von wichtigster Bedeutung - durch den sie sich spaetere
Konzessionen sichern koennen. In Frankreich verstaerken die
.. Frauen-Organisationen ihre Aktivitaet und fordern die Anerkennung als aktive politische und wirtschaftliche Kraft. Von 21
Millionen franzoesischer Frauen sind beinahe 8 Millionen Lohnempfaengerinnen. Sehr" oft sind diese Frauen die alleinigen
Verdiener in der Familie, sie haben also die gleichen Verantwortungen wie ein maennlicher Arbeiter.
Jahre hindurch behaupteten versc/iiedöne Regierungen, dass
hoehere Loehne fuer Frauen Forderungen fuer hoehere Familion14 -

�zulegen nach sich ziehen wuerden und somit hoehere Preise
und hoehere Steuern verursachten. Organisierte Arbeiter
glaubten ebenfalls, dass diese Behauptung wahr sei und dass
erhoehte Loehne fuer Frauen die Verpflichtung £uer eine Herabsetzung der Familienzulagen bedeutete.
Angestellte werden oft bei allgemeinen Gehaltserhoehungen vergessen. Die IAA schlaegt den Regierungen als ersten
Schritt zur iLoesung des Problems vor, die gleichen Loehne
fuer Maenner und Frauen im gleichen Rang zu gewaehren. Selbst
in asiatischen Laendern, wo die Gewerkschaften gerade im
Beginn sind, ihre Kraefte spuerbar zu machen, heben die Arbeiter die gerechte Forderung der Frauen, gleiche Loehnung
fuer gleiche Arbeit zu erhalten, anerkannt.
IBFG-Delegationen, die den Wachstum der Arbeiterbewegungen in wenig entwickelten Gebieten foerdern, unterstuetzen
die Forderung der Arbeiter, dass die Frauenrechte in allen
Gewerkschaftsprogrammen beruecksichtigt werden.
In den U.S.A. besteht immer noch eine Ungleichheit zwischen den Loehnen der Arbeiter und Arbeiterinnen, jedoch
gleicht man die Loehne jetzt beschleunigt an.
Die Lohnstufen fuer Journalisten, die durch die amerikanische Zeitungs-Innung festgelegt sind, erlauben keinen Unterschied gegenueber weiblichen Angestellten. Es zeigt sich
mehr und mehr in der Industrie und im Handel, dass die Gewerkschaftsfuehrer sich dafuer einsetzen, das Prinzip der gleichen
Loehnung durchzufuehren.
Heute foerdern 17 von 26 Regierungen das Prinzip der
gleichen Loehnung. Die Gewerkschaften werden also nach und
nach die allgemeine Empfehlung des IAA durchsetzen koennen.
Die Kommission der U.S.A. fuer die Regelung des Statuts der
Frauen denkt stets an diese Forderung. Man hat aber allen
Grund, zu hoffen, dass dieses Ziel der Gewerkschaften bald
erreicht ist, Loehne und Gehaltsstufen bei zufriedenstellender Arbeit ohne Unterschied des Geschlechts festzulegen.
World Labor News
Script XI/26
HEATH ZUM NEUEN LEITER DER ECA-ABTEILUNG FUER ARBEITSFRAGEN
ERNANNT
Joseph F. Heath, ein amerikanischer Gewerkschaftsfunktionaer und Sachverstaendiger fuer europaeische Gewerl&lt;schaftsfragen,
ist zum Leiter der Abteilung fuer Arbeit im Hauptbuero der
ECA in Paris ernannt worden.
Heath ist von Paul R. Forter, dem ECA-Beauftragten fuer
Europa, in diese Stellung berufen worden und ist damit der
Nachfolger fuer Nelson Cruikshank, der jetzt Berater fuer Arbeitsfragen im Amt fuer Arbeit in der ECA in Washington ist.
Heath, der einstmals Vorsitzender einer Ortsgewerkschaft der
All-Amerikanisohen Gewerkschaft der Elektroarbeiter (AFL) war,
wird dieses Amt auch weiterhin beibehalten, wenn die Funktionen der ECA am 29. Dezember der neuen Verwaltung fuer Gemeinsame Sicherheit (Mutual Security Agency - MSA) uebertragen
werden.
- 15 -

�Als Leiter des Amtes fuer Arbeitsfragen wird Heath seine
Taetigkeit fortsetzen, die er 1949 begonnen hat, als er zum
stellvertretenden Leiter der Arboitsabteilung in der ECA fuer
Griechenland ernannt wurde und die freien europaeisohen Gewerkschaften in ihrem Kampf gegen den Kommunismus unterstuetzte.
Allgemein betrachtet, hat er eine doppelte Aufgabe. Er
wird die Interessen der europaeisohen Gewerkschaften immer dann
vertreten, wenn ECA-Programme damit in Zusammenhang stehen
und er wird, um seine eigenen Worte zu gebrauchen, ein "Freund
vor Gericht1* sein. Es wird sein Bestreben sein, Gewerkschaftskreise ueber die wahren Ausmasse solcher Programme aufzuklaeren.
"Wir wuenschen nicht, dass dem europaeisohen Arbeiter
ein verzerrtes Bild von unseren Zielen und unserer Planung vorsohwebt. Wenn sie falsch dargestellt werden, so werden sie
von den Kommunisten fuer ihre Propaganda ausgenutzt."
Als unbeirrbarer Exponent der freien Gewerkschaftsbewegung
Europas hat Heath zahlreiche Unterredungen mit den Funktionären nationaler und internationaler Gewerksohaftsorganisationen
gehabt. Er arbeitet fuer einen Austausoh der Ideen und Methoden, dank derer die amerikanische Gewerkschaftsbewegung einen
Teil ihrer grossen Ziele erreichen konnte. Er unterstuetzt
ausserdem den Kampf der europaeisohen Gewerkschaftsbewegung um
bessere Arbeitsbedingungen, hoehere Loehne und eine groeesere
Vertretung in den Aussohuessen der Betriebsleitung.
Es ist eine seiner besonderen Pfliohten, im Zuge der
neuen Produktivitaetskampagne der ECA die Interessen der Arbeiterschaft zu wahren, indem er den Sonderbeauftragten der
ECA ueber die Stellungnahme der Gewerkschaften zu dieser Kampagne unterrichtet und dadurch gewaehrleistet, dass ein gerechter Anteil an den gesteigerten Gewinnen an die Arbeiter verteilt
wird.
"Wir koennen es uns nicht leisten, die Freundschaft der
europaeisohen Arbeiter zu verlieren, denn wenn wir sie verlieren, koennen wir sie nie wieder zurueckgewinnen."
Heath, der aus Philadelphia stammt, war 24 Jahre lang in
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung aktiv taetig. Verschiedentlich war er Funktionaer in Orts-, Bezirks und Landesgewerkschaften der AFI, Vorsitzender der Ortsgewerksohaft 98b
der All-Amerikanischen Gewerkschaft der Elektroarbeiter, Vorsitzender der Ortsgewerksohaft 26 der Amerikanischen Gewerkschaft
der Regierungsangestellten, Sekretaer des Gewerksohaftsvorstandes der Metallberufe in Philadelphia, Finanzsekretaar der Metallberufe an der Ostkueste und schliesslich Landesvizevorsitzender
und Vertreter der Gewerkschaft der Regierungsangestellten.
Seine Berufung in die ECA-Mission fuer Griechenland kam
zu einer Zeit, als das Land um sein Bestehen gegen das organisierte Bandentum kommunistischer Guerillas kaempfen musste.
Er nutzte seine gewerkschaftliche Erfahrung sofort aus, um dem
griechischen Gewerkschaftsbund zu helfen, sioh von der kommunistischen Infiltration freizumachen und den Weg des freien demokratischen Gewerkschaftswesens zu beschreiten.
Heath war massgeblich daran beteiligt, den Zehnten PanHellenischen Gewerkschaftskongress im Jahre 1950 zustandezubringen in dessen Verlauf die Verfassung auf eine weit groessere Mitgliederzahl abgestimmt und die Bildung besonderer Verbaende innerhalb der griechischen Gewerkschaftsbewegung vorgesehen wurde.
• 16 HXCOO U M S

Uta« e H s c

EGA

-Lahor Information
XH/6/51

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Dia folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Preise und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mittflieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

iv - 50

Prankfurt, den 14. Dezember 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Gewerkschaften und Produktivitaet ...

1

Der europaeische Arbeiter und der
Marshallplan

9

CIO fordert Verbesserung des Sozialvers icherungsprogramms

13

Gewerkschaftliche Entwicklung im Irak

15

Edwin Fletcher:
GEWERKSCHAFTEN UND PRODUKTIVITAET
1.
Solange die Gewerkschaften an dem Verhaeltnis zwischen
Loehnen, Gewinnen und Preisen interessiert sind, muessen sie
ihre Verhandlungen unter dem Leitstern der Produktionskapazitaet derjenigen Industrie fuehren, mit der sie es zu tun haben. Zu gewissen Zeiten werden sich die Gewerkschaften vornehmlich mit Verhandlungen ueber den Anteil der Produktion besohaeftigen, der den Arbeitern zugutekommt. Aber auf lange
Sicht gesehen stellt die Wirksamkeit, mit der sie ihre Arbeitszeit ausnuetzen, den grundlegenden Faktor dar, der fuer den
Lebensstandard bestimmend ist. Das soll nioht heissen, dass
die Gewerkschaften alle ihre wirtschaftlichen Probleme loesen
koennten, wenn sie sich auf Produktionsprobleme konzentrieren;
dies ist leider zu weit von den Gesamtproblemen entfernt, um
wahr zu sein.
2.
An dieser Stelle moechte ich einige Faktoren zur Sprache
bringen, die mit der Produktion und der Produktivitaet in Zu- 1

�sammenhang 3tehen, und mit denen sich die Gewerkschaften be• schaeftigen muessen; die ihnen von Natur aus am Herzen liegen
muessen und nicht etwa, weil irgendeine dringende Notwendigkeit dazu vorliegt, wie Dollarknappheit oder Wiederaufruestung.
Ich moechte so gut wie moeglich Allgemeinheiten vermeiden
und mich mit Problemen befassen, die besonders fuer die Gewerkschaften von Belang sind. Aus verstaendlichen Gruenden werde
ich mich hierbei hauptsaechlich mit England beschaeftigen
muessen.
Gewerkschaftliche Ziele
3.
Ich moechte mich nicht in den Bereich der politischen
Fragen begeben, ob das Privatunternehmen dem Untergang geweiht
ist, und ob die Gewerkschaften einer solchen Entwicklung etwas nachhelfen sollten. Nach meiner Meinung sind Gewerkschaften dafuer da, die Interessen ihrer Mitglieder zu schuetzen
und zu foerdern, wie Loehne, Arbeitsbedingungen, Zustand und
Kontrolle des Arbeitsplatzes; und sie haben die Aufgabe, diese
Bedingungen zu verbessern. Allgemein gesagt: je mehr Moeglichkeiten der Lohn-, Gewinn- und Preiskomplex enthaelt, umso
eher haben die Gewerkschaften eine Chance, fuer ihre Mitglieder etwas Besonderes herauszuholen.
In Grossbritannien, wo es eine Vollbeschaeftigung gibt,
sind diese Moeglichkeiten wesentlich groesser, weil die uebersohuessige Produktion eines jeden Jahres der Wirtschaft genuegend Spielraum laesst, um es uns zu ermoeglichen, das
System der freien TarifVerhandlung, das uns doch am Herzen
liegt, beizubehalten.
Was sind unsere Aufgaben?
4.
Im Gegensatz zu den Eroerterungen ueber die Frage, welcher
Anteil des tatsaechlich Produzierten den Arbeitern zufliessen
kann (wenn die Anteile Aller auch wirklich 100 # der Produktion ausmachen), eine Frage, die im allgemeinen durch genuegend
statistische Unterlagen geklaert werden kann, ist es doch schwierig, mit einiger Genauigkeit zu bestimmen, inwieweit man mit
einer Produktivitaetssteigerung einer Firma oder einer Industrie rechnen kann.
5.
Auf der anderen Seite bestuende die Moeglichkeit, eine
Fuelle an Informationen ueber den sehr unterschiedlichen Leistungsstand in verschiedenen Betrieben innerhalb zahlreicher
Industrien zusammenzutragen. Grossbritannien hat zum Beispiel
einige der leistungsfaehigsten Betriebe der Welt: die Gesenkachmiedewerke Garrington, die Tonwarenfabrik Wedgwood, usw.,
aber es gibt auch, oft in den gleichen Industriezweigen, viele
Firmen mit altmodischen Maschinen und Gebaeuden. Es ist das
alte Problem: die technische Leistungsfaehigkeit innerhalb
eines Industriezweiges ist nicht gleichzusetzen mit dessen
wirtschaftlicher Leistungsfaehigkeit.
6.
Aus vielerlei Gruenden konnten sich derartig leistungsunfaehige Unternehmen weit laenger behaupten, als es auf Grund
schwankender Nachfrage nach ihren Erzeugnissen gerechtfertigt
gewesen waere. ür*3r den inflationistischen Verhaeltnissen
der Kriegszeit, waehrend des Wiederaufbaus in der Nachkriegszelt und bei der Vollbeschaeftlgungspolitik der Labour-Partei
Konnten mehr als zehn Jahre lang Gewinne nur allzu leicht erzielt werden. Man erinnere sich daran, dass ein wirtschaftlicher
Erdrutsch mit all seinen sozialen Nachteilen ein - vielleicht
- 2 -

�grausames - Versohwinden der am wenigsten leistungs- und konkurrenzfaehigen Unternehmen zur Folge gehabt haette. In
einer Vollboschaeftigung haben wir unser Wirtschaftssystem
nicht so gruendlich gesaeubert, wie es bei einer wirtschaftlichen Depression der Fall gewesen waere.' Zahlreiche Faktoren,
die hierbei eine Rolle spielen, muessen untersucht werden.
Fuer den Gewerkschafter ist Produktivitaet nicht ein einzelnes, in sich abgeschlossenes Problem, sondern eine weitverzweigte Kombination von Problemen.
Internationaler Vergleich
7.
Eine Untersuchung dieser Faktoren kann in jedem Lande
getrennt angestellt werde'n. Ein Vergleich mit anderen Laendern waere aber immerhin interessant und koennte uns helfen,
uns ein besseres Urteil zu bilden, wenn wir auch mit den wohlbekannten Schwierigkeiten rechnen muessen, die sich ergeben,
wenn auf internationaler Basis genaue Vergleiche der industriellen Leistungsfaehigkeit angestellt werden sollen. Es handelt sich hier um eine in der Entwicklung stehende Methode,
an der die Gewerkschaftsbewegung stark interessiert ist. In
einem solchen Falle bedarf es keiner Entschuldigung, wenn man
seinen Blick nach der Industrie der Vereinigten Staaten wendet, ueber die Informationen, verglichen mit anderen, im Ueberfluss vorhanden sind.
8.
Ob wir die statistische Arbeit Rostas nehmen, die im
»Virtschaftsblatt "Economic Journal" und vom Internationalen
Arbeitsamt veroeffentlicht wird, oder tatsaechlicheUntersuchungen in den Vereinigten Staaten, wie sie von den Studiengruppen angestellt werden, die von dem Anglo-Amerikanischen
Produktivitaetsausschuss gefoerdert werden - wir kommen immer
wieder zu der gleichen Feststellung, naemlich, dass die Industrie der Vereinigten Staaten zwei- bis dreimal so produktiv
wie die Grossbritanniens ist. Die Schwierigkeit ist die, dass
sich in dieser Situation so viele Menschen sehnsuechtigem Denken hingeben und fuer diese Situation das verantwortlich machen, was ihnen gerade passt. Ich fuer meinen Teil bin jener
Leute geradezu ueberdruessig, die mir etwas von der Produktivitaet in den Vereinigten Staaten erzaehlen wollen und daran
ihre eigene, ihnen gefaellige Theorie anknuepfen, wie zum
Beispiel jene, die zur Zeit viele englische Unternehmer vertreten, die sich ausschliesslich auf die "Haltung der Arbeit
gegenueber" konzentrieren moechten.
9.
Eine solche Einstellung, nach der man annehmen koennte,
dass ein gleicher Produktivitaetsstand schnell erreicht werden
koennte, ist besonders fuer die Gewerkschaften aeusserst gefaehrlich. Unterstrichen werden muss vielmehr die Tatsache,
dass seit der Jahrhundertwende die Vereinigten Staaten staendig produktiver geworden sind als Grossbritannien. Es ist ein
viel groesseres Unterfangen, der Entwicklung eines halben
Jahrhunderts entgegenzuarbeiten als eine "Geisteshaltung der
Arbeit gegenueber" abzuaendern, besonders wenn es sioh um eine
so missverstandene Haltung handelt. Die britischen Gewerkschafter arbeiten im allgemeinen zumindest genau so schwer wie
ihre Kollegen in den Vereinigten Staaten.
10. Es gelang Grossbritannien, im Verlauf des Jahres 1949 die
industrielle Produktion um &amp;i jo zu steigern, wobei die Zahl
der Beschaeftigen in der Industrie nur um ein Prozent in die
Hoehe ging. Fuer den groessten Teil des Jahres 1950 war die
3

�Steigerungsquote der Produktivitaet noch höher; wir befanden
uns also, in Vergleich zur Vorkriegszeit, im Aufstieg. Durch
die Umstellungsschwierigkeiten und den Materialmangel auf
Grund der Verteidigungsruestung erlitten wir in dieser Entwicklung jedoch vor kurzem einen Rueckschlag, die Produktlvitaetssteigerung kann deshalb im Jahre 1951 nicht so gross
sein wie im Jahre 1950.
KapitalInvestierung
11. Obwohl genaue Informationen nicht vorhanden sind, zeigen doch eine Reihe Schaetzungen, dass Steigerungen der Produktivitaet und Kapitalinvestierungen stark voneinander abhaengig sind. Dies ist im allgemeinen sehr einleuchtend. Die
Industrie der Vereinigten Staaten verbraucht pro Arbeiter
etwa dreimal soviel elektrischen Strom wie die englische Industrie.
12. Es besteht kein Zweifel darueber, dass die Kapitalinvestierung bei einem Vergleich auf internationaler Basis den
Hauptfaktor bildet, und dass auch die Entwicklungen auf diesem Gebiet von ausschlaggebender Bedeutung sind. Man kann
feststellen, dass diese Entwicklung noch groesseren Unterschie
den in den beiden Laendern zustrebt. Neuere Berichte aus
den Vereinigten Staaten besagen, dass die Ausdehnung der Industrien fortgesetzt wird, und dass das Buero fuer die Verteidigungsmobilisierung eine wesentliche Steigerung der ProduktionsJcapazitaet der Grundstoffindustrien fordert.
13. In England hat sich die Tendenz entwickelt, die Notwendigkeit von Kapitalinvestierungen zur Steigerung der nationalen Produktivitaet zu verneinen. Dies scheint vornehmlich
politisch begruendet zu sein, denn wir leben in einer Situation, in der man sich im allgemeinen darueber einig ist,
dass sich die Verteidigungsruestung nachteilig fuer die Kapitalinvestierung auswirken muss. Diese Investierung betrug
im Jahre 1949 in England etwa 18 % der englischen Produktion,
wovon die Haelfte Investierungen der Industrie waren. Die
obengenannte Tendenz ist jedoch insofern teilweise gerechtfertigt, als wir durch verbesserte Faehigkeiten der Betriebsleiter betraechtlicbs Steigerungen der Produktivitaet mit den
vorhandenen Betrieben und ohne groessere Ermuedung der Arbeiter zustandebringen koennen. (Die Gefahren und Verwicklungen
einer Ueberspannung der Produktionskapazitaet der europaeischen Grundstoffindustrien sind an anderer Stelle zu eroertern
Zwei Moeglichkeiten
14. Es gibt zwei verschiedene Moeglichkeiten, das Problem
der Steigerung der Produktivitaet in Angriff zu nehmen.
15. An erster Stelle muessen wir einen betraechtlichen Teil
unserer Hilfsquellen dazu verwenden, eine groessere Zahl jener ausgezeichneten Maschinen zu beschaffen, die von Menschen
erfunden wurden, ohne die ein grosser Teil der Menschheit
jedoch arbeiten muss. Dies ist kein neues Problem. Wir Gewerkschafter protestieren seit Jahren dagegen, dass man sowohl
im englischen Mutterland als auch in den Kolonialgebieten der
Industrie zuviel in Form von Gewinnen entzieht. Aus diesem
Grunde hatte sich auch die britische Gewerkschaftsbewegung im
Jahre 1948 dazu entschlossen, eine Politik der beschraenkten
Lohnforderungen zu betreiben.
- 4 -

�16. Zweitens gilt es, die Frage zu stellen, wie wir die vorhandenen Ausrüstungen der Industrie besser ausnutzen koennen.
Obwohl die exekutive Verantwortlichkeit in den Beenden der
Unternehmer liegt, waere es selbstverstaendlich unzureichend,
wenn man sich allein auf sie verlassen wollte. Koennen wir
uns als Gewerkschafter an die Aufgabe heranwegen, uns mit unrentablen Unternehmen zu beschaeftigen und sie entweder zu
zwingen, rentabler zu werden oder mitzuhelfen, ihnen einen Fortbestand unmoeglich zu machen? Es wird in zunehmendem Masse
bedeutsam, dass unsere sehr begrenzten Vorraete an Rohstoffen,
Kohle, Elektrizitaet und an fachlich geschulten Arbeitskräften ihre Wirksamkeit nicht dadurch verlieren duerfen, dass sie
zu weit und ohne Unterschied verteilt wuerden. Einige Sektoren der britischen Industrie haben seit dem Kriege diesem
Punkt grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Auch die Gewerkschaften
waren hieran beteiligt. So hat zum Beispiel die ^ufslchtsbehoerde der Baumwollindustrie zu einer Neuentwicklung der gesaraten Industrie ermutigt. In den meisten Faellen waren es
jedoch die einzelnen Betriebe, die selbst Massnahmen ergriffen
haben.
17. Es ist bezeichnend, dass vor allem solche Unternehmen
diesen Weg beschritten haben, die bereits aeusserst erfolgreich sind. Es hat den Anschein, dass die Kluft zwischen den
leistungsfaehigen und unwirtschaftlichen Untsrnehmen immer
groesser wird.
Monopole
18. Es koennte behauptet werden, der dauernde Bestand einer
verhaeltnismaessig unrentablen Firma unter solchen Umstaenden
sei auf den ersten Blick ein Beweis fuer monopolistische Verhaeltnisse. Die britischen Gewerkschaften haben ihren Einfluss
dahingehend geltend gemacht, die Ernennung einer Aufsichtsbehoerde fuer Monopole zu erwirken. Sie setzen sich nun mit
Nachdruck fuer eine Erweiterung dieser Behoerde ein, weil sie
etwaige Auswirkungen des Monopols auf die Leistungsfaehigkeit
der Industrie ebensosehr befuerchten wie die Gefahren, die
unnoetig hohe Preise und Gewinnspannen mit sich bringen. Die
genaue Wahl des Mittels zur Abhilfe, das dann angewendet werden muss, wenn der Grad der monopolistischen Entwicklung nicht
mehr mit dem Interesse der Oeffentlichkeit zu vereinbaren ist,
muss von den Verhaeltnissen abhaengen, die jeweils in einer
Industrie vorherrschen.
Industrielle Struktur
19. In einigen Industrien waren die Gewerkschaften der Auffassung,
dass eine zufriedenstellende Entwicklung in der Form der Kapi- .
talinvestierungen oder eine Entwicklung der Produktions- und
Betriebsleitungsmethoden unmoeglich ist, wenn diese Industrien
nicht verstaatlicht wuerden.
20. In anderen Industrien duerfte eine Organisation in bestimmter Form notwendig sein, um jene Bedingungen zu schaffen, unter
denen die Privatunternehmer selbst fuer sich oder gemeinsam genuegend Schritte unternehmen, um die Produktivitaet zu steigern. Ein Versuch wurde hierzu in Grossbritannien unternommen, als man in Jahre 1947 das Gesetz fuer Industrielle Organisation und Entwicklung erliess, dem ein einziges Ziel zugrundelag: Die Leistungsfaehigkeit des Privatunternehmens durch die
- 5 -

�t
Bildung von Beratungsausschuessen fuer industrielle Entwicklung zu steigern. Der Au.sschuss setzt sich aus Vertretern
der Arbeiter und Unternehmer und aus einigen Unabhaengigen
zusammen. Dieses Gesetz gab der Regierung die Moeglichkeit,
Ausschuesse fuer industrielle Entwicklung zu ernennen, wenn
diese von einer groesseren Zahl Psraonen in einem Industriezweig gewuenscht wurden. Diese Bemuehungen waren nicht von
Erfolg gekroent, es gibt nur vier solcher Ausschuesse. Ein
intensiver Widerstand wurde von den Unternehmern organisiert.
Dies geschah aus vielerlei Gruenden, und, wie bereits oben
erwaehnt, auch deshalb, weil die vergangenen Jahre im allgemeinen ziemlich leichte Gewinne eingebracht hatten. Warum
sollte deshalb etwas geaendert werden?
21. Der Vorteil der Ausschuesse fuer industrielle Entwicklung besteht darin, dass sie einen recht unabhaengigen Zentralpunkt fuer eine Industrie darstellen, dem ein technischer
Personalstab angegliedert werden kann. Ein solches Zentrum
ist von grossem Wert, wenn man Bedingungen schaffen will,
unter denen sich die Gewerkschaften aktiv an der Steigerung
der Leistungsfaehigkeit der Privatindustrie beteiligen koennen. Die Produktivitaet ist ein Bestandteil der Wechselbeziehungen in der Industrie. Man muss sich jedoch unter Zuhilfenahme einer Organisation, die von der Lohnverhandlungamaschinerie getrennt ist, auf bequemste Art eingehender mit
ihr befassen.
Industrielle Forschung
££. Der wissenschaftliche Fortschritt schreitet in einem solchen Masse voran, dass es innerhalb eines Landes - und natuerlich noch mehr auf internationaler Basis - schwierig ist, mit
den Entwicklungen Schritt zu halten. Die Kapitalinvestieruag
koennte sehr schnell zu einer ueberalterten Methode werden.
Jede Entwicklung kann die Fortdauer der Beschaeftigung beeintraechtigen und interessiert die Gewerkschaften deshalb nicht
als vollendete Tatsache, sondern bereits in ihrer Entstehung.
Normalerweise ist es fuer eine Gewerkschaft besser, auf die
Methode einen Einfluss auszuueben, mit der neue Maschinen
eingefuehrt werden und sich mit dem Sohutz der betroffenen
Arbeiter zu beschaeftigen, anstatt sich der Einfuehrung verbesserter Maschinen zu widersetzen. Eine solche Haltung ist
jedoch nur moeglich, wenn die Gewerkschaft im voraus ueber
etwaige Veraenderungen unterrichtet und beraten wird. In England ist die Lage nicht voellig zufriedenstellend, aber mehr
und mehr koennen sich die Gewerkschaften eine Beteiligung an
der Arbeit der Ausschuesse der genossenschaftlichen Forschungsorganisationen sichern, von denen es ueber 40 fuer die bedeutenderen Industrien gibt. Das Interesse der Gewerkschaften
an dieser Arbeit wird mehr und nehr als gerechtfertigt angesehen, weil die Forschungsorganisationen gezwungen waren, sich
nicht nur mit der Forschung allein, sondern sich auch mit dem
Ausmass zu beschaeftigen, in dem die Ergebnisse dieser Forschung tatsaechlich in der Industrie verwendet werden, ebenso
mit der Anordnung der Maschinen und den Arbeitsmethoden. Wenn
auch eine Ueberscheidung der Forschungsarbeit in gewissem
Masse gerechtfertigt ist, so bestehen doch Moeglichkeiten einer
engeren europaeischen Zusammenarbeit, was vor allem jene Forschungsprojekte betrifft, die auf internationaler Basis mit
gemeinsamem Personal besetzt und finanziert werden.
- 6 -

�Betriebleitung
23. Die Unterschiede zwischen leistungsfaehigen und leistungsunfaehigen Unternehmen und die Tatsache, dass viele Betriebe
ohne neue Maschinen ihre Produktivitaet verhaeltnismaessig
leicht steigern konnten, geben Anlass zu der Schlussfolgerung,
dass die Betriebsleistungsmethoden in England wesentlich verbessert werden koennen. Da wir nicht mit irgendeiner Veraenderung der grundlegenden Struktur der Industrie rechnen koennen, muessen unsere Gewerkschaften bestrebt sein, das zu unternehmen, was zur Verbesserung dieser Verhaeltnisse getan
werden kann. Nicht dass unsere Buerde groesser waere, aber
unsere Zeit wird durch eine unfaehige Betriebsleitung doch
letzten Endes verschwendet. In besseren Betrieben mit groesserem Ertrag und besserer Bezahlung haetten wir nicht unter
groesserer Ermuedung zu leiden. Aus diesem Grunde hielt es
der britische Gewerkschaftskongress fuer angebracht, die
Gruendung des britischen Instituts fuer Betriebsleiter zu
unterstuetzen, das vornehmlich eine Einrichtung der Arbeitgeber ist. Mehr als 20 Gewerkschaften unterstuetzen dieses Institut in nuetzlicher Weise. Hieraus erwachsen diesen Gewerkschaften einige direkte Vorteile, aber das Hauptziel ist,
einem sehr bedeutsamen Mangel innerhalb der Unternehmerschaft
abzuhelfen, naemlich der Unkenntnis ueber die Gewerkschaften
und die gewerkschaftlichen Ziele. In einem grossen Teil der
Industrie scheint ein enger Zusammenhang zwischen modernen
Betrieben und Ausruestung auf der einen Seite und einer guten
Betriebsleitung auf der anderen zu bestehen. Der Grund hierfuer mag vielleicht sein, dass unter solchen Bedingungen vermeidbare Streitigkeiten und Gegensaetzlichkeiten fuer die betreffenden Firmen aussergewoehnlich kostspielig sind; sie
koennen es sich nicht leisten, eine gute Betriebsleitung zu
vernachlaessigen.
Arbeitszelt
24. Die zunehmende Mechanisierung wirkt sich auch auf den
seit langem waehrenden Kampf der Gewerkschaften um eine kuerzere Arbeitszeit aus, weil es fuer die Unternehmer mehr und
mehr bedeutsam wird, der Dauer der Arbeitsvorgaenge an den
Maschinen mehr Beachtung zu schenken als der Arbeitszeit des
einzelnen Arbeiters an diesen Maschinen. Schichtarbeit wird
fuer sie somit rentabler und sollte es auch fuer die Arbeiter
werden. Gleichzeitig wuerde eine gleichmaessigere Verteilung
der Arbeitszeit eine Entlastung der Stromversorgung in den
Hauptabnahmestunden bedeuten. Die Gewerkschaft laesst jedoch
dabei nicht soziale und wirtschaftliche Erwaegungen im Zusammenhang mit der Schichtarbeit ausser acht.
25. Die normalen Arbeitsstunden wie auch die Ueberstunden
muessen natuerlich entsprechend den charakteristischen Merkmalen und Bedingungen
jeder Industrie festgelegt werden. Das
alte Schlagwort n0b man nach Stueck oder Zeit bezahlt wird,
kuerzere Arbeitszeit bedeutet auf jeden Fall hoehere Bezahlung" duerfte vielleicht im Augenblick nicht als unbedingt zutreffend bezeichnet werden. Andererseits duerfte in dem Vorschlag, im Interesse eines bestmoeglichen Ertrags laenger zu
arbeiten, nicht die Ueberlegung beruecksichtigt sein, welche
Arbeitszeit hinsichtlich der Leistung die beste ist. Es ist
unbedingt notwendig, dass man dieses Problem eingehender studiert. In den Vereinigten Staaten wurde die Auffassung laut,
dass der Forderung nach laengerer Arbeitszeit haeufig ueber- 7 -

�spitzte Hoffnungen auf moegliche Produktionssteigerungen zugrundeliegen koennten. Diese Steigerung waere demnach umsomehr zu erhoffen, als man die Verlaengerung der Arbeitszoit
fuer laengere Zeit beibehalten wuerde. Der ausschlaggebende
Faktor ist aber mehr und mehr die Arbeitszeit der Maschine.
26. Besonders in weitgehend mechanisierten Betrieben, wie z.
B. in modernen Stahlwerken, die weniger Ausweichmoeglichkeiten
haben als aeltere Typen, koennen Zweifel an einer ununterbrochenen Versorgung mit Rohstoffen grosse Schaeden verursachen.
iDas Problem der internationalen Warenabkommen ist fuer die
Gewerkschaften von grossem Interesse, gehoert jedoch nicht in
den Rahmen dieser Diskussion). Dass kostspielige Maschinen
dauernd in Betrieb sein muessen, um wirtschaftlich zu sein,
leuchtet jedem ein. Als Verhandlungsfaktor muss diese Frage
jedoch von den Gewerkschaften eingehender geprueft werden.
Die Methode der Darstellung der Produktionskosten und Gewinne
in einer beweglichen graphischen Kurve ist fuer Verhandlungen
deshalb besonders geeignet, weil dadurch vermieden wird, dass
man die Produktionskosten als einen statischen Begriff betrachtet, waehrend er doch von anderen Faktoren, wie z.B. der Beschaffenheit der Produktionsmittel, weitgehend .abhaengig ist.
Seitens der Unternehmer ist man jedoch noch zu sehr abgeneigt,
genaue Einzelheiten und Statistiken ueber die Betriebe zu enthuellen. Trotz der Verbesserungen, die in England dank der
neuen Gesetzgebung moeglich waren, laesst die gegenwaertige
Situation noch viel zu wuenschen uebrig.
Gewerkschaftliche Erfahrung und Sohulung
27. Wenn die gewerkschaftliche Forderung, angehoert zu werden
und mitreden zu duerfen, berechtigt sein soll, und wenn der gesamte Verhandlungsprozess den Gewerkschaften Vorteile bringen
soll, ist es klar, dass sie sich an vielen eingehenden Diskussionen beteiligen muessen. Die Grundlage dieser Diskussionen muessen die in der Industrie gesammelten Erfahrungen sein,
es ist deshalb fuer Gewerkschaftsvertreter in zunehmendem Masse
erforderlich, dass sie sich umfassende Kenntnisse ueber moderne
Produktions- und Betriebsleitungsmethoden aneignen. Die Gewerkschaften selbst muessen sich dafuer verantwortlich fuehlen,
dass die entsprechenden Moeglichkeiten geboten werden.
28. Die gegenseitigen Besuche der Arbeiter in ihren Betrieben
im Lande selbst wie auch im Ausland muessen gefoerdert werden.
Die europaeische Zusammenarbeit auf technischem Gebiet, an
der sich auch die Gewerkschaften beteiligen, erlangt immer
groessere Bedeutung.
29. Doch dies allein genuegt nicht. Es ist unsere dringende
Aufgabe, eigene Gewerkschaftskurse ueber Themen der Produktion
und Betriebsleitung durchzufuehren, um den Gewerkschaftsfunktionaeren und Betriebsvertretern eine Moeglichkeit zu geben, nicht
nur moderne Methoden, sondern auch die Einstellung der Gewerkschaften zu diesen Methoden in allen Einzelheiten zu besprechen.
Solche Lehrgaenge sind wegen des erzielten Erfahrungsaustausches
von hohem Wert. Als es sich in England zeigte, dass die Wortfuehrer der Gewerkschaften bei Verhandlungen ueber technische
Probleme ueber die neuesten Entwicklungen in der Industrie nicht
ausreichend orientiert waren, hat der britische Gewerkschaftskongress eine Reihe einwoechiger Kurse ueber Produktions- und
Betriebsleitungsfragen arrangiert. Der grosse Anklang, den diese
Kurse gefunden haben, zeigt, wie noetig es war, in dieser Hinsicht
8 -

�etwas zu unternehmen. Es sind Vorkehrungen getroffen worden,
um einem bestimmten Prozentsatz der Teilnehmer an diesen Kursen eine anderweitige Fortgeschrittenenausbildung zu ermoeglichen. Es ist nur allzu richtig, wenn man hinzufuegt, dass
unsere Bemuehungen in dieser Richtum um ein Mehrfaches gesteigert werden muessen.
30. Das technische Personal der Gewerkschaften wird am besten dadurch unterstuetzt, dass man Gewerkschafter ausbildet
und in die entsprechenden Stellungen beruft; es ist retsam,
sich in dieser Beziehung nicht auf Aussenstehende zu verlassen. Es ist einfacher, aus einem Gewerkschafter einen
Produktionstechniker als aus einem ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung stehenden Techniker einen Gewerkschafter zu
machen, mit dem wir auch tatsaechlich zufrieden sind.
Gewerkschaftliche Zusammenarbeit
31. Die Produktion wird nicht hervorgezaubert, sondern ist
genauestens organisiert, viele Aspekte dieser Organisation
muessen von den Gewerkschaften in Verhandlungen bearbeitet
werden. Gelegentlich koennen mittelbare Interessen der Gewerkschaftsmitglieder eine Haltung erfordern, die Einzelnen
oder Gruppen von Gewerkschaftern - was unter Beruecksichtigung
ihrer eigenen Interessen richtig oder falsch sein kann - nur
wenig genehm sind. So kann es auch unter fast inflatorischen
Umstaenden gute Gewerkschaftspolitik sein, zu einer gewissen
Beschraenkung in den Lohnforderungen zu raten, was von der
Mehrheit oder auch einer Minderheit der Mitglieder befuerwortet werden kann. In unserem gegenwaertigen Entwicklungsstadium ist dies unvermeidlich. Es waere ein schlechter Dienst
fuer die Gewerkschaftsbewegung, wenn wir Produktions- und Pror
duktivitaetsangelegenheiten in einer Weise behandeln wuerden,
in der die Integritaet der Gewerkschaften als freie Industrieverbaende der Arbeiter zu deren eigenem Schutz und ihrem Fortschritt nicht mehr eindeutig garantiert waere. Erforderlich
ist, dass die Gewerkschaften ein wirklich kaempferlsches Interesse an der Produktivitaet ihrer eigenen Arbeit nehmen und
nicht stillschweigend die Einstellung der Arbeitgeber zu diesen Fragen gutheissen. Ausserdem trifft es noch immer zu,
dass die Gewerkschaften in dem Streben nach hoeherer Leistung
ihren staerksten Druck auf die Unternehmer ausueben, indem
sie darauf bestehen, dass die Industrie fuer die Verbesserung
des Lebensstandards der Arbeiterschaft sorgen muss. Wenn die
Gewerkschaften in der heutigen Zeit besonders an Produktionsfragen interessiert sind, so ist hierin eine Tendenz zu sehen,
die auf wirtschaftliche und industrielle Entwicklungen zurueckzufuehren ist, die aber auf keinen Fall den Kampfgeist der
Gewerkschaften schwaechen darf. Diese Bewegung muss vielmehr
in der Lage sein, ihren Einfluss auf bestimmte und auch allgemeine Dinge staendig geltend zu machen.
- Protokollauszug DER EUROPAEISCHE ARBEITER UND DER MARSHALLPLAN
Es ist noch nicht allzu lange her - es war das Jahr
1948 - als Europa von Armut und Zerstoerung heimgesucht wurde.
Zum zweiten Male innerhalb einer Generation war die Wirtschaftsstruktur des Kontinents schwer erschuettert worden.
Der Kommunismus, der unter solchen Verhaeltnissen immer leichtes Spiel hat, reckte sein Haupt hoeher. Zeitweilig hatte
- 9-

�*

es tatsaechlich den Anschein, als ob er ganz Europa unter
seinen Fdlessen zerstampfen wuerde.
Das bedauernswerteste Opfer in diesem wirtschaftlichen
Elend war der europaeische Arbeiter. Es war kein Zufall,
wenn die Kommunisten in ihrer politischen Taetigkeit ihr
Hauptaugenmerk auf die Arbeiterschaft Europas riohteten vor allem also auf die Gewerkschaftsbewegung.
Die Kommunisten streckten ihre Haende schon nach einer
Frucht aus, die fast ausgereift war. Darüberhinaus war die
Sicherheit der gesamten freien Welt bedroht, wenn Europa nicht
erneut ein starkes und gesundes Mitglied der demokratischen
Gemeinschaft werden konnte.
Aber 1948 war auch das Jahr, in dem der Marshallplan mit
einem Programm nach Europa kam, das zum Ziel hatte, die europaeische Wirtschaft wieder auf eigene Fuesse zu stellen.
Von diesem Zeitpunkt an ist die kommunistische Expansion
in Europa steckengeblieben, der Kommunismus ist laengst in
die Defensive gedraengt.
Die Beauftragten des Marshallplans waren sich immer darueber im klaren, dass die europaeische Arbeiterschaft unter
anstaendigen Lebensverhaeltnissen leben muss, die es wert
sind, verteidigt zu werden, wenn Europa stark genug sein
soll, sich zu behaupten. Zwar ist der Lebensstandard noch
nicht annaehernd so hooh wie er sein sollte, aber die wirtschaftliche Lage der europaeischen Arbeiter waere heute unendlich schlechter, wenn es den Marshallplan nicht gaebe.
Das erfolgreiche Gelingen des Wiederaufbauprogramms
haengt von dem europaeischen Arbeiter ab, weil erstens vier
Fuenftel der europaeischen Exportgueter, die zum Ausgleich
des europaeischen Dollarkontos gebraucht werden, Erzeugnisse
der Industrie sein muessen, und weil zweitens die positive
Mitarbeit der Industrie-Arbeiterschaft fuer die gesteigerte
Produktion notwendig ist, die fuer die Verteidigungsbemuehungen der westlichen Welt erforderlich ist. Schliesslich ist
dieser Teil der europaeischen Bevoelkerung ein kritischer Faktor in dem ideologischen Krieg, der zur Zeit gegen den imperialistischen Kommunismus gefuehrt wird.
Trotz aller Fröpagandamittel, die die Kommunisten in die
Waagschale werfen, steht die Mehrheit der europaeischen Arbeiter heute hinter dem Marshallplan. Die freien Gewerkschaftsorganisationen bilden die staerkste Einzelmacht in Europa, die
sich fuer wirtschaftlichen Wiederaufbau einsetzt und die Rettung der Demokratie vor allen totalitaeren Uebergriffen sicherstellt.
Seit Beginn des Marshallplans hat sich in sieben von zehn
bedeutenderen Laendern, die von Amerika wirtschaftlich unterstuetzt werden, die Beschaeftigungslage gebessert. Es sind
dies Daenemark, Frankreich, Deutschland, Holland, Norwegen,
Schweden und England. Von dem Jahr 1948 als Basis ausgehend
liegt die Zunahme der Beschaeftigungsziffer in diesen Laendern
zwischen 3 % (Schweden) und 20 % (Deutschland). In Frankreich
stieg sie um 6 #, in England um 8 % und in Holland um 7 %. Norwegen und Daenemark meldeten eine Steigerung un 11 #. Selbst
das schwer mitgenommene Oesterreich und Italien hatten aehnliche

10

�Erfolge zu verzeichnen. Nur in Belgien ist die Beschaeftigungsziffer zurueckgegangen.
In Europa, als Gesamtheit betrachtet, arbeiten heute vier
Millionen Menschen mehr als im Jahre 1946. Dies stellt eine
Zunahme der Beschaeftigungsziffer seit Beginn des Wiederaufbauprogramms um etwa 3,2 % dar.
Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg waren die Realloehne der meisten europaeischen Arbeiter unglaublich niedrig.
Mit Eintreten der Marshallhilfe trat jedoch eine Wendung ein,
die Realloehne der Arbeiter stiegen wieder langsam an. Die
Grundbedingungen waren in den einzelnen Laendern natuerlich
sehr verschieden.
Seit Beginn des Marshallplans im Jahre 1948 sind die
Realloehne in Daenemark um 6,7 # in die Hoehe gegangen. Belgien, Holland und Schweden hatten die gleiche Erhoehung zu
verzeichnen; waehrend sich die Realloehne der norwegischen
Arbeiter um 3,8 % steigerten, konnten die oesterreichischen
Arbeiter eine Verbesserung um 13,8 # gegenueber dem Stand von
1948 durchsetzen. In Frankreich sind die Realloehne der Arbeiter ebenfalls angestiegen, und zwar um 3,7 % fuer verheiratete Arbeiter und um 3,9 % fuer Alleinstehende. In Italien betraegt die Gesamterhoehung 6,4 %. Am auffaelligsten war die
Verbesserung der Realloehne in Westdeutschland - sie verbesserten sich um nicht weniger als 41,4 %. Die 36 #ige Steigerung
in England ist trotz der schweren Belastungen der englischen
Wirtschaft infolge der Verteidigungsbemuehungen kaufkraftmaessig
stabil geblieben. Nur in Holland war, bedingt durch oertliche
Umstaende, ein Rueckgang der Kaufkraft der Loehne zu verzeichnen.
Trotz dieses ueberwaeltigenden Wiederaufbaus ist die Arbeit noch nicht vollendet. Die Wunden, die der zweite Weltkrieg geschlagen hatte, waren so tiefe, dass trotz all dieser
Erfolge der Lebensstandard der Arbeiter besonders in Oesterreich, Frankreich, Italien und Westdeutschland immer noch unter dem Niveau des VorkriegsJahres 1938 liegt.
Dies ist darauf zurueckzufuehren, da3S die Verhaeltnisse
in vielen Gebieten Europas bei Beginn des Marshallplans nicht
schlimmer haetten sein koennen. Seit dem Beginn der wirtschaftlichen Hilfe Amerikas ist die Abwaertsentwicklung der
realen Kaufkraft zu einer Aufwaertsbewegung geworden. Aber
gemessen an der Kaufkraft der amerikanischen Arbeiter hat sich
die Kaufkraft der Arbeiter in Oesterreich, dem Jahre 1938 gegenueber, um 10 % verringert. Unter den gleichen Umstaenden
ist sie in Deutschland um 13 #, in Italien um 2 % und in Frankreich sogar um 37 % niedriger.
Was Lebensmittel betrifft, so verfuegt der Arbeiter in
einem Land wie Frankreich demnach nur ueber ein Drittel der
Kaufkraft des amerikanischen Arbeiters. Und der Lohn des italienischen Arbeiters besitzt nur 25 % der Kaufkraft fuer Lebensmittel seiner amerikanischen Kollegen.
Das Schreckgespenst des Hungers ist heute jedoch gebannt,
und die Lebensmittelrationierung gehoert auf dem groessten
Teil des Kontinents heute der Vergangenheit an. Europas Arbeiter brauchen sich nicht mehr vor der Kaelte unendlich lang
erscheinender Winter zu fuerchten, und man kennt nicht mehr
- 11 -

�die strenge, fast verzweifelte Rationierung von Elektrizitaet,
Gas und sonstigen Notwendigkeiten des taeglichen Lebens. Ein
grosser Teil der Gegenwertfondmittel aus dem Marshallplan insgesamt 442 Millionen Dollar - ist fuer den Bau billiger
Mietwohnungen verwendet worden, um den europaeischen Arbeitein
bessere Wohnmoeglichkeiten zu bieten.
Trotz dieses Wiederaufbaus konnten die waehrend des
Krieges zerstoerten Gebaeude nicht wiederhergestellt werden,
ebenso war es nicht moeglich, zur Linderung der Wohnungsnot
in Frankreich, Italien, Griechenland und Westdeutschland allzuviel zu tun.
Die Vorteile, die der Marshallplan den europaeischen Arbeitern brachte, liegen auf der Hand. Vor Einsetzen des Marshallplanes hatte der Einfluss der Kommunisten auf die europaeische Gewerkschaftsbewegung seinen Hoehepunkt erreicht.
Heute, nach drei Jahren, ist dieser Einfluss geringer als er
Je in der Nachkriegszeit war.
Es war zum Beispiel Europas Arbeiterschaft, die als erste
die Handlungsweise der Vereinten Nationen gegenueber der kommunistischen Aggression in Korea guthiess. Waehrend andere
Sektoren der europaeischen Gesellschaft noch lange Debatten
ueber die Frage fuehrten, ob sie d9m Beispiel der Vereinigten
Staaten folgen sollten, stellte sich die Arbeiterschaft ohne
Zoegern auf ihre Seite. Unter Verwendung aller zur Verfuegung stehenden Informationsmittel wurde die Handlungsweise der
Vereinten Nationen als lebensnotwendig fuer die Verteidigung
der Demokratie dargelegt. Die europaeischen Arbeiter, deren
pazifistische Gesinnung man seit langem kennt, waren nicht
mehr gewillt, eines scheinbaren Friedens willen um jeden Preis
nachzugeben.
Und damit Europa stark genug ist, seine Existenz selbst
zu verteidigen, setzen sich die europaeischen Arbeiter dafuer
ein, dass Waffenlieferungen im Rahmen des Atlantik-Paktes sicher entladen werden. Dies trifft selbst fuer Frankreich zu,
wo noch so viel zu tun uebrigbleibt. Zu Beginn des Marshallplans war Marseille einer der grossen Haefen, die voellig von
den Kommunisten beherrscht waren. Sie hatten 54 von 55 Sitzen
in den Betriebsraeten der Dockarbeiter'inne. Hiervon sind
ihnen jedoch nur zehn Sitze geblieben, die Waffen fuer die
Verteidigung der freien Welt werden ohne jeden Zwischenfall
entladen. Aehnlich sieht es auch in anderen grossen europaeischen Haefen wie Cherbourg und Neapel aus.
Wie die europaeischen Arbeiter heute eingestellt sind,
ist aus einem Vorfall zu ersehen, der sich vor weniger als
einem Jahr in Oesterreich ereignete. Die Kommunisten planten
mittels eines Generalstreiks einen rücksichtslosen Staatsstreich. Die in freien Gewerkschaften organisierten Arbeiter Oesterreichs, die die ueberwaeltigende Mehrheit der Erwerbsbevoelkerung des Landes bilden, versagten jedoch ihre
Mithilfe. Und der kommunistische Griff nach der Macht wurde
zu einem klaeglichen Fehlschlag.
Dies sind einige der immer zahlreicher werdenden Beispiele, die zeigen, dass es den Kommunisten nicht gelingt, die europaeischen Arbeiter zur Erreichung ihrer eigenen Ziele zu
missbrauchen.
- 12 -

�Dies sind einige wenige Beispiele, die zeigen, wie durch
die Vorteile, die den Arbeitern aus dem Marshallplan erwuchsen, neues Vertrauen in die Demokratie und neue Hoffnungen
auf ein besseres Morgen geschaffen wurden.
Es muss jedoch gesagt werden, dass es noch zwei Laender
in Europa gibt, wo der Kommunismus in zaeher Selbstverteidigung noch immer eine Macht bleibt, mit der gerechnet werden
muss. Es sind dies Frankreich und Italien, deren Arbeiter
einen anstaendigen Lebensstandard und einen gerechten Anteil
an den Fruechten aus dem Wiederaufbau erhalten muessen, bevor
der Einfluss der Kommunisten beseitigt werden kann. Die Unternehmer in diesen Laendern muessen sich darueber im klaren sein,
dass die Arbeiter Anteil an den Fruechten einer gesteigerten
Produktivitaet - die bereits hoeher ist als vor dem Kriege haben muessen.
Es war das Hauptziel des Marshallplans, die wichtigsten
Industrien wieder dahin zu bringen, dass sie funktionieren und
produzieren koennen. Dieses Ziel ist im grossen und ganzen
erreicht worden.
Vor uns liegt jedoch noch die Aufgabe, diese Produktivitaet noch weiter zu steigern und dafuer zu sorgen, dass die
Arbeiter in Form hoeherer Loehne und niedrigerer Preise auoh
Vorteile von ihr haben.
Die
rung der
richtet.
kann und

neue Kampagne der Marshallplan-Verwaltung zur SteigeProduktivitaet ist besonders auf diese Ziele ausgeDie europaeische Industrie produziert bereits. Sie
muss aber noch leistungsfaehiger werden.

Wenn die europaeischen Industrien erst einmal neu organisiert, mit neuen Produktionsmitteln ausgeruestet und nach neuen Gesichtspunkten orientiert sind, wird Europa, einer neueren
Schaetzung des ECA-Administrators zufolge, in der Lage sein,
seine wirtschaftliche Leistungsfaehigkeit um 100 Milliarden
Dollar jaehrlich zu steigern. Dies wuerde bedeuten, dass der
Lebensstandard der europaeischen Arbeiterschaft, besonders in
Gebieten, in denen jetzt noch Unsicherheit herrscht, weiterhin
steigen wuerde, waehrend diese Nationen zur gleichen Zeit fuer
die Verteidigung des Westens ihre Abwehrschritte vorbereiten.
Es wird ausserdem bedeuten, dass den bereits geschwaechten
Kommunisten in Europa endgueltig der Todesstoss versetzt wird.
Dieser letzte Schritt muss noch getan werden, um den Wiederaufbau Europas zu vollenden, es muss dafuer gesorgt werden,
dass die Arbeiterschaft des Kontinents den Lebensstandard erringt und sich der Lebensweise erfreut, die es wert sind, verteidigt zu werden.
ECA Labor Information
CIO FORDERT VERBESSERUNG DES SOZIALVERSICHERUNGSPROGRAMMS
In der Erwaegung, dass schaetzungsweise 5&amp; Millionen Amerikaner Unterstuetzungsgelder beziehen und ein Viertel der
Nation "am Rande der Not lebt," hat der CIO ein erweitertes
bundesstaatliches Sozialversicherungsprogramm gefordert, das
eine Lebens-,Kranken- und Unfallversicherung enthaelt und dem
ein hoeherer Mindestlohn zugrundegelegt werden soll.
- 13

�"Jeder Amerikaner muesste im Schutze dieser Versicherung
stehen, die Unterstuetzungen muessten so erhoeht werden,
dass alte Leute und Hinterbliebene einen besseren sozialen
Schutz haben," hiess es in der Dezember-Ausgabe der ClO-Veroeffentlichung "Economic Outlook". "Auoh der Invalide muss
in diese Versicherung einbezogen werden, die KrankheitsVersicherung muss zusammen mit anderen Bestandteilen eines bundesstaatlichen Gesundheitsprogramms fest verankert werden, zu
dem z.B. die Ausbildung fuer den Sanitaetsdienst und der Bau
von Krankenhaeusern gehoeren.
"Die amerikanischen Unternehmer muessen aufgefordert werden, angemessenere Mindestloehne zu. zahlen und bessere Sicherheiten gegen Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfall und Todesfall zu
bieten, die hierdurch entstehenden Mehrausgaben sind als Produktionskosten zu betrachten."
In dem "Outlook" heisst es weiter, dass alle einzelstaatlichen Programme der Sozialversicherung in einem bundesstaatlichen Versicherungssystem vereinigt werden muessen, das
gleiche und angemessene Unterstuetzungen und die Erfassung aller Buerger garantiert.
Im "Outlook" wird ferner die "Jenner"-Abaenderung zu dem
neuen Steuergesetz verurteilt, die es einem Staate erlaubt,
die Oeffentlichkeit Einblick in die Listen der Unterstuetzungsempfaenger nehmen zu lassen. Dadurch waeren jene, die unterstuetzt werden muessen, um leben zu koennen, mit einem "grausamen und nicht zu rechtfertigenden Stigma gekennzeichnet."
"Die richtige Antwort auf das Problem der unwuerdigen
offenen Listen der Unterstuetzungsempfaenger sei eine kluge
Handhabung der Wohlfahrtsbehoerden durch ein entsprechendes
Personal geschulter und kompetenter Leute, die Sinn fuer
menschliche Wohlfahrt haben, und die wissen muessen, unter
welchen Umstaenden Hilfe wirklich erforderlich ist. Es ist
unmenschlich, alle Unterstustzungempfaenger als "Schmarotzer"
oder "Parasiten" zu brandmarken."
Rund dreieinviertel Millionen Amerikaner im Alter von
ueber 65 Jahren beziehen Altersrenten, die im Durchschnitt
fuer eine einzelstehende Person 43 Dollar und fuer ein Ehepaar 67 Dollar betragen. Mehr als eine Million Muetter und
Kinder beziehen gemaess den Bestimmungen des Hinterbliebenengesetzes "jammervoll niedrige Unterstuetzungen". Die durchschnittliche Unterstuetzung fuer eine Witwe mit zwei Kindern
betraegt zur Zeit 104 Dollar im Monat oder weniger als 25
Dollar in der Woche. Sechzehn Millionen Arbeiter fallen nicht
unter die bundesstaatlichen Mindestlohngesetze, der bundesstaatliohe Mindestlohn von 75 Gents reicht fuer eine durchschnittliche Familie von vier Personen gerade dazu aus, ihr
Dasein zu fristen.
"Die Verteidigung Amerikas ist nicht eine Angelegenheit
von Maschinengewehren und Atombomben allein; Jede Sicherheit
haengt, auf lange Sicht gesehen, auch von den Menschen ab gesunden, hoffnungsvollen und produktiven Menschen, die bereit
sind, sich fuer die Erhaltung ihrer Lebensweise restlos einzusetzen."
Daily News Service
II1/10/51
14 i

�GEWERKSCHAFTLICHE ENTWICKLUNGEN IM IRAK
Im Anschluss an die wirtschaftliche Depression im Irak
ist die Beschaeftigtenziffer seit Mitte 1950 in die Höhe gegangen, waehrend Lohn- und Arbeitsbedingungen praktisch unveraendert blieben. Im Arbeitsministerium gab es nur wenig
Beamte, die sich mit dem Erlass der notwendigen Arbeitsschutzgesetze beschaeftigten, und weder die Industriearbeiterorganisationen noch die anderen Gewerkschaften waren in der Lage,
solche Gesetze durchzusetzen.
1949 und zu Anfang 1950 erreichte die Arbeitslosigkeit den
Hoeohststand der Nachkriegsjähre, was z.T. auf die Entlassung
der Soldaten aus Armee und Polizei zurueckzufuehren ist. Wie
Arbeitsbeauftragte der Regierung erklaerten, war dieses Problem vor allem fuer Angestellte, Bauarbeiter und diejenigen
Fellachen besonders gross, die in die Staedte kamen, um dort
Beschaeftigung zu suchen. Mit der Verbesserung der allgemeinen
wirtschaftlichen Verhaeltnisse und der -Inangriffnahme der Bauprojekte der Regierung ging die Arbeitslosigkeit in der letzten
Haelfte des Jahres 1950 und zu Anfang des Jahres 1951 zurueck.
Nach der Auswanderung von 85,000 Juden nach Israel gab es sogar
offenstehende Arbeitsplaetze.
Nachdem die Konvention 68 des Internationalen Arbeitsamtes
vom Parlament des Iraks ratifiziert war, die sich auf die Organisation des Arbeitsvermittlungsdienstes bezieht, unterrichtete der Generaldirektor fuer Arbeit und soziale Sicherheit
die Leiter der vier Arbeitsaemter in Bagdad, Mosul, Basra und
Kirkuk ueber neu zu treffende Massnahmen. Die Arbeitsinspektoren (sechs in Bagdad und je einer in den drei uebrigen StaedtenJ
wurden angewiesen, die Unternehmer zu veranlassen, der Regierung Vorschlaege ueber Beschaeftigungsbedingungen, Loehne, Arbeitszeit und andere Arbeitsbedingungen zu unterbreiten.
Frueher hatten sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer damit
gezoegert, derartige Vorschlaege der Regierung zu uebermitteln,
weil sie befuerchteten, dass ihnen hieraus ein Nachteil entstehen koennte.
Im Mai 1951 gab es nur 12 schwache Gewerkschaften mit insgesamt 7265 Mitgliedern. Zwei Gewerkschaften der Zimmerleute
waren gegen Ende des Jahres 1950 mit der Begruendung verboten
worden,dass sie sioh durch kommunistische Infiltration und
subversive Ideen beeinflusst, nicht den Massnahmen der Regierung unterordnen wollten.
Seit Dezember 1949 waren fast alle Streiks von nichtorganisierten Arbeitnehmern einzelner Firmen ausgerufen worden. Zu
diesem Zeitpunkt waren das Notstandsgesetz und das Streikverbot
aufgehoben worden. Es hat demnach den Anschein, dass diese Arbeiter in ihren Forderungen mehr Erfolg hatten als die von der
Regierung erlaubten Gewerkschaften.
Im Verlauf des Jahres 1950 wurden drei Streiks gefuehrt,
jedoch nur einer von einer Gewerkschaft. In jedem Falle konnten die Arbeiter ihre wichtigsten Forderungen durchsetzen, die
sich entweder auf hoehere Loehne oder bessere Lohnzahlungsmethoden bezogen. In der ersten Haelfte des Jahres 1951 kam es zu
zwei Streikaktionen. Vom 22. Februar bis zum 7. Maerz streikten 1,300 Arbeiter der Basra Petroleum Company. Sie forderten,
dass man ihnen die zwei Stunden bezahlt, die sie taeglich auf
- 15 -

�den Autobussen der Gesellschaft auf dem Weg zur Arbeitsstaette
und wieder nach Hause zubringen. Nach der endgueltigen Beilegung des Streiks erklaerte sich die Firma lediglich bereit, zu
versuchen, die Fahrtzeit der Arbeiter zu verkuerzen, fuer Unfaelle, die sich waehrend dieser Fahrt ereignen, Unterstützungen zu zahlen, und gewisse andere, geringfuegige Zugestaendnisse
zu machen. Der zweite Streik war durch eine Aussperrung der
Arbeiter in den Textilbetrieben der Firma Fattah Pasha und Ahli
in Bagdad ausgeloest worden. Nach Beendigung der Aussperrung
wurde auch dieser Streik beigelegt.
Die Regierung traf vor kurzem Massnahmen, um den Mangel an
etwa 60.000 preiswerten Wohnungen zu beheben und der Arbeitslosigkeit unter den Bauarbeitern abzuhelfen. Dem Ministerium
fuer Soziale Angelegenheiten wurden in der Zeit von 1950 bis
1951 fuer den Bau von 225 kleinen Haeusern, die hauptsaechlioh
fuer juengere Regierungsbeamte bestimmt waren, Geldmittel in
Hoehe von 75.000 Dinar ( DM 862 000) zur Verfuegung gestellt.
Der groesste Teil dieser Haeuser sollte in Tel-Mohammed, einer
Vorstadt von Bagdad, gebaut werden. Dort ist bereits ein Bauprojekt von 208 Wohnhaeusern fertiggestellt worden.
Ein Grundstueck, das fuer den Bau von Wohnungen fuer
30,000 Fellachen aus Bagdad bereitgestellt worden war, deren
Sohilfhuetten staendig der Gefahr ausgesetzt sind, ueberflutet
zu werden, wurde 1951 fuer den Bau eines Krankenhauses vorgesehen, weil die Fellachen sich weigerten, umzuziehen. Ein
Wohnungsbauprojekt von 700 Haeusern soll Ende des Jahres 1951
fertiggestellt sein. Die Unkosten hierfuer werden sich auf
3.430.000 DM belaufen.
Der Bau wird von der Stadtverwaltung von Basra geleitet,
die ausserdem die Herstellung von 1000 aus Lehmziegeln gebauten Haeuser geplant hat, die von Fellachen durch jaehrliche
Ratenzahlungen von 5 oder 6 Dinar (58,80 - 70,50 DM) kaeuflioh
erworben werden koennen. Im April forderte der Minister fuer
soziale Angelegenheiten die sofortige Abaenderung eines im
Jahre 1947 erlassenen uesetzes, nach dem Arbeitgeber, die mehr
als 200 Personen beschaeftigen, verpflichtet sind, ihren Arbeitern Wohnungen zur Verfuegung zu stellen. Die Irak Petroleum Co., eines der 12 groessten Unternehmen, die unter dieses
Gesetz fallen, hat bereits im Gebiet von Kirkuk 250 Wohnhaeuser
fuer Arbeiter gebaut.
Es ist damit zu rechnen, dass aufgrund der juengsten Entwicklung in der Petroleumindustrie des Iraks - die Unternehmen
haben einen neuen, bis 1961 laufenden Vertrag abgeschlossen,
der eine 50 #ige Beteiligung der Irak-Regierung an den Exporterloesen des Petroleums vorsieht - sowohl der Wohnungsbau als
auch die Gewerkschaften einen starken Aufschwung nehmen werden.
Notes on Labor Abroad
51/7-8

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Äffairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post angeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
SjSjfsnfallen,

IV - 51

F r a n k f u r t , den 2 1 . Dezember 1951

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
"Pilot-Betriebe" als Pruef- und Beweismoeglichkeit fuer Produktivltaetssteigerungen

1

Die erwerbstaetige Japanerin im Schutz neuer
Arbeitsgesetze

9

Die Stellungnahme der norwegischen Gewerkschaften zu den Problemen der Loehne, der
Preise und der Produktion

11

Neuer Fischschwarmdetektor bedeutet mehr
Nahrungsmittel fuer Europa

14

William Gomberg:
"PILOT-BETRIEBE" ALS PRÜEF- UND BE'tfEISMOEGLICEKEIT FUER
PRÖDÜMTvmsiTSSTSIGiiRÜTJGEB
Als am 17. Juni vier und eine halbe Million Franzosen
von insgesamt 17 Millionen Waehlern ihre Stimmzettel in die
Urnen legtenund sich fuer den kommunistischen Kurs und gegen
die Demokratie entschieden, weitere 3,6 Millionen dem Appell
der Gaullisten folgten und sich damit gleichfalls fuer die
Abschaffung der Demokratie aussprachen und die Verwirklichung
einer rechtsradikalen Diktatur forderten, da zeigte es sich
sehr deutlioh, dass die Kommunisten sich nooh immer ihre Hauptkraft in der Arbeiterklasse erhalten haben.
Dieses Echo der kommunistischen Propaganda ist in wirtschaftlicher Hinsicht verstaendlich. Es ist Tatsache, dass
die Industrieproduktion Frankreichs immer neue Rekorde erreicht. Aber die Arbeiter haben an diesem Aufschwune nioht
den geringsten Anteil. Nach einer Statistik in "Business
Week" liegt jetzt die industrielle Produktion 40 % •: ,ber
dem Vorkriegsstand und man rechnet damit, dass sie noch um
- 1 -

�weitere 6 bis 10 % ansteigen wird. Der Grosshendelsindex der
Industrieproduktion ist auf 63 §&amp; geklettert, der Grosshandelsindex fuer Nahrungsmittel auf 16 %, fuer Rohmaterialien auf
102 #, fuer den Pariser Bezirk ist jedoch der Index fuer Nahrungsmittel auf 30 % angestiegen. Aber waehrend der Einzelhandelspreisindex 30 mal so hoch wie vor dem Kriege ist, ist
der Lohnindex nur um etwa das 13fache gestiegen. Das bedeutet, dass die durch die Froduktivitaetssteigerung erzielten
Gewinne zwar sehr betraechtliche geworden sind -sie koennen
auch in erster Linie auf den Marshallplan zurueckgefuehrt
werden - dass diese Gewinne aber nur die Industrie selbst erzielt hat, waehrend die Kaufkraft der Arbeiterschaft sich noch
nicht wieder auf den Vorkriegsstand geschraubt hat. Es ist
daher weder neu noch ueberraschend, dass der Marshallplan sich
bei der franzoesischen Arbeiterschaft keiner besonderen Beliebtheit erfreut.
Natuerlich koennen die Amerikaner behaupten, dass ohne
die Marshallplanmittel die franzoesische Industrie ihren Wiederaufbau nur sehr langsam haette durchfuehren koennen oder
dazu angesichts der besonderen Weltwirtschaftsverhaeltnisse
ueberhaupt nicht_ in der Lage gewesen waere. Unter
diesen Umstaenden gaebe es fuer die franzoesischen Arbeiter
nur noch groessere Haerten und Erwerbslosigkeit. In jedem Falle ist hier jedoch eine betraechtliche Veraergerung ueber den
"reichen Onkel" festzustellen, weil diese Mittel dazu beigetragen haben, eine Ungleichheit zu schaffen, wie die eben angegebenen Zahlen beweisen und aus diesem Grunde sich ueber die
Marshallplanhilfe eher eine Veraergerung als eine Dankbarkeit
ergeben musste.
Aber wie koennen die Amerikaner diese Situation loesen?
Dieses franzoesische Probier;., gibt es in Grossbritannien
dagegen nicht. Die britische Arbeiterregierung war ebenso
stark wie einsichtig genug, um die Interessen der Arbeiterschaft zu schuetzen, weil sie von jedem kommunistischen Einfluss frei war und ihre Ziele niemals verwaessern liess. Der
Regierung gelang es, die britischen Arbeiter davon zu ueberzeugen, dass sie an den Segnungen des Marshallplans beteiligt
sind, weil die Ertraege gerecht aufgeteilt wurden. Dadurch
wirkten sich die Verhaeltnisse nicht in einer Form wie in Frankreich aus. Man muss gerade diesen Punkt herausstellen, weil
es eine weitverbreitete Meinung gibt, dass die Erfolgslosigkeit
des Marshallplans in Frankreich auf propagandistische Maengel
zurueckzufuehren ist. Aber selbst eine weit groessere und bessere Anzeigenkampagne haette hier nicht helfen koennen. Nicht
der Mangel an Publizitaet hat diesen Fehler herbeigefuehrt, sondern eine gewisse und bedeutsame Phase der franzoesischen Politik. Hierueber muss man sich vor allem anderem im klaren sein.
Ob es nun so geplant war oder ob es nur zufaellig so geschah, der Marshallplan hat sich jedenfalls selbst auf die
Theorie der"Sickerungs"-Theorie abgestellt: "Kuenmert Euch um
die fuehrenden Schichten, die Ertraege werden nach und nach
auch bis zu den niedrigsten Gruppen durchsickern." Diese Form
der Politik war in den ersten Jahren der schweren Depression
anzuraten, aber sie erwies sich sehr bald als voellig unwirksam.
Das amerikanisoud Volk verwarf diese Politik mit der Wahl im
Jahre 1932. Kein noch so grosser Aufwand an Anzeigen und Propaganda, mag er auch noch so geschickt sein, kann diese "Siokerungs"-Theorie dem europaeischen Arbeiter im Jahre 1951
- 2

�als die wirkliche.Loesung aller Probleme empfehlen.
Die Amerikaner muessen darauf bestehen, dass ihre wirtschaftliche Hilfe in einer Weise angewandt wird, um ein guenstiges Klima zu schaffen - vor allem fuer jene "franzoesischen Unternehmer, die sich bereit erklaeren, endlich einmal mit jenen
ueberkommenen Methoden der Ausbeutung der Arbeiterschaft zu
brechen. Diese Forderung ist ebenso wichtig wie die finanzielle
Stabilitaet, denn hier ergibt sich ein Appell an eine zahlenmaessig weit staerkere und wichtigere soziale Klasse.
Die Formulierung des franzoesischen Problems mit diesen
Begriffen ist keineswegs neu. Im fruehen Februar des.Jahres
1950 haben die damaligen Leiter des Bueros fuer Arbeitsangelegenheiten Boris Shiskin, der bei der ECA taetig war,und Jim
Stern, der Leiter der Produktivitaetsabteilung im Buero fuer
Arbeitsangelegenheiten, Besprechungen auf einer realistischen
Basis begonnen, die eine zweckmaessigere Verteilung und Vergebung der Marshallplanmittel sicherstellen sollten. Im September
1950 gab eine Studiengruppe amerikanischer Gewerkschafter Lucia, Berenger und Gibbons - ihren Bericht ueber die Ergebnisse
ihrer Studienreise durch Frankreich heraus. Sie wiesen darauf
hin, dass die negative Raktion der franzoesischen Arbeiter in
bezug auf die Marshallplanhilfe zwischen einer offenen Feindschaft und einer voelligen Uninteressiertheit schwankte. Gemaess
den in diesem Bericht geaeusserten Bemerkungen rief der neu ernannte, aus dem CIO hervorgegangene Arbeitsbereter der ECA
Rober Olivler eine Gruppe Gewerkschafter zusammen, um ein neues
Programm fuer Frankreich festzulegen. Dieser Gruppe gehoerten
Victor Reuther, William Gomberg und Harold Gibbons an. Ken Douty,
der leitende Beauftragte fuer Arbeitsfragen in der franzoesisohen Mission, wurde nach Paris gebeten, um an der Konferenz teilzunehmen. Und bei dieser Konferenz entstand zum ersten Mal die
Idee, Pilot-Betriebe in Frankreich zu errichten. Aber es war
nicht die Zeit vorhanden, dieses Vorhaben in allen Einzelheiten
festzulegen. Uebrigens war die Wahl des Begriffs "Pilot-Anlage"
bereits eine etwas unangenehme Angelegenheit. Eine "Pilot-Anlage"
bedeutet in der Sprache des Ingenieurs ein kleines Laboratorium,
das seine Arbeiten in der Hoffnung durchfuehrt, die Grundlage
fuer eine groessere, kostspieligere Anlage ermitteln zu koennen.
Die Beziehung zwischen einer Pilot-Anlage und einer regulaeren
besteht darin, dass erstere den Zweck hat, lediglich als Versuchsabteilung zu dienen und alle Irrtuemer ausschalten soll,
die sioh zu Ungunsten eines Betriebs der Massenproduktion ergeben koennten. Die gesamte Theorie der Pilot-Anlage besteht darin, durch Beispiel und praktische Erfahrung die Materie kennen
zu lernen.
Die Idee,durch Beispiele Erfahrungen zu sammeln, wurde kuehn
auf die franzoesische Situation uebertragen. Das Denken einiger Mitglieder des ECA-Stabes wurde mit einigen wohlmeinenden
Franzosen geteilt, die daran interessiert waren, die Situation
in der franzoesischen Industrie grundlegend zu aendern. Die
Ueberlegungen lagen jedoch ziemlich in der gleichen Richtung.
Der franzoesische Industrielle blieb davon ueberzeugt, dass geringe Gewinnspannen und hohe Umsaetze in den Vereinigten Staaten
sioh ohne weiteres ermoeglichen lassen, jedoch nicht in Frankreich. Wenn jedoch an Hand von Beispielen bewiesen wird, wie
sioh diese Geschaeftsmethoden auch auf Frankreich erfolgreich
uebertragen lassen und das Unternehmen entsprechend gefuehrt
wird, dann sind auch die franzoesischen Geschaeftsleute ohne
weiteres bereit, sofort ihr altmodisches Denkprinzip aufzugeben
und sie erwaermen sich fuer ein System des hohen Lohnes und der
3 -

�niedrigen Verkaufspreise. Unterredungen mit franzoesischen
Geschaeftsleuten, die sich ueber eine Zeit von sechs Wochen
erstreckten, sind durchaus nicht beweiskraeftig, sie sind aber
sehr aufschlussreich. Wiederholt musste man entdecken, dass
der franzoesische Geschaeftsmann kaum noch der Vetter aus der
Kolonialzeit ist, der keine Ahnung von den grossen amerikanische]! Wirtschaftsgrundsaetzen hat, aus der der grosse Katechismus der Rotarier besteht, und die heute wiederum eine von oben
her kommende Anregung fuer eine grundsaetzliche Theorie erwarten. Seine Kenntnis der amerikanischen Praxis war durchaus
zufriedenstellend, sein Wissen um die wirtschaftliche Philosophie uebersteigt. die seines amerikanischen Ebenbildes in
sehr vielen Faellen. Ein Strickwarenhersteller stellte fest,
dass er den Verkaufspreis eines Pullovers von 25 DM auf 8.50
DM herabsetzen und dabei noch immer einen kleinen Gewinn erzielen koennte. Und wenn er es jedoch tun wollte, warum soll
er es eigentlich? Praktisch wuerde dies nur bedeuten, dass er
bei einem ebenso hohen Gewinn oder sogar bei einem geringeren
noch mehr Aktivitaet als bisher aufzuwenden haette. Und weiter ist er der Meinung, dass der Einzelhaendler einfach die
bisherige Spanne fuer sich in Anspruch nehmen wird, das heisst
den Verkaufspreis nicht herabsetzt, sondern die groessere
Differenz fuer sich behalten wird.
Natuerlich gelangt nichts von diesem graswurzelhaften
Denken in den offiziellen Feststellungen oder in den vielen
Reden zum Vorschein. Alle offiziellen Reden preisen die Vorteile des vielfachen Umschlags, des geringen Gewinns und erst
recht die Notwendigkeit einer erhoeüten Produktivitaet. Aber
die Syndici der Unternehmer haben nur halboffizielle Positionen inne, und sie verfolgen selbstverstaendlich die Politik,
wie sie von den Mitgliedern der Verbaende gewuenscht wird.
Und sie fuehren diese umso wirksamer durch, weil sie viele
Jahre hindurch es verstanden haben, sich nach aussen hin eine
gute oeffentliche Meinung zu schaffen. Die notwendigen Konferenzen gehen mit allen Zeremonien vor sich* allen geeigneten
Plattheiten wird in der Oeffentlichkeit ein starkes Echo verschafft. Als ich einmal ziemlich privat mit einem der hervorragendsten Organisatoren solcher Konferenzen mich etwas ausfuehrlicher unterhielt, gestand er mir ganz offen ein, dass
er immer noch einen sehr anstaendigen Profit machen koennte,
wenn er die Preise fuer die Haushaltsartikel reduzierte, die
er herstellte. Er meinte jedoch: "Warum soll ich es aber tun?
Der Markt fuer m9ine Erzeugnisse ist voellig unelastisch."
Jeder Syndikus einer Industriegruppe bringt es fertig, fast
alle Handelsgewohnheiten ihren Mitgliedern aufzuzwingen, weil
sie die Faehigkeit haben, die Zahl der neu in eine bestimmte
Industrie Eindringenden einzuschraenken. Diese Macht ist vor
allem auf die von ihnen ausgeuebte Kontrolle ueber knappe Rohmaterialzuteilungen zurueckzufuehren. Vor der Eroeffnung eines Unternehmens muss der Inhaber sich eine Handelserlaubnis
durch das Wirtschaftsministerium verschaffen. Neue Antraege,
die eine Geschaeftseroeffnung betreffen, werden vom Wirtschaftsministerium an die Geschaeftsfuehrung des betreffenden Industriellenverbandes weitergeleitet, die nun festzustellen hat,
ob in diesem Industriezweig noch Moeglichkeiten fuer die Eroeffnung eines neuen Unternehmens bestehen. Das bedeutet in
der Praxis, dass die Konkurrenten des Unternehmers von morgen
darueber zu Gericht sitzen, ob dieser die Genehmigung oder
das Verbot erhaelt, sich auf diesem Marktgebiet zu betaetigen.
Wenn der Antrag eines Tages endgueltig durch das Wirtschaftsministerium zurueckgewiesen wird, so kann es nicht dazu ver-

- 4 -

�pflichtet werden, die Gruende fuer diese Ablehnung aufzudekken. Es gibt gegen diesen Entscheid auch keinerlei Berufungsmooglichkeit. Und daneben gibt es eine Unzahl aehnlicher Punkte, wo durch das franzoesische sehr komplizierte Gesetzgebungssystem die Gemeinschaft der franzoesischen Unternehmer
einen starken Druck ausueben kann, um etwaige Konkurrenten,
die Aussenseiter sind, in die allgemeinen Schranken zurueck
zu weisen.
Was ich hier berichte, bestaetigt nur die Beobachtungen,
die Kritiker des franzoesischen Wirtschaftssystems wie Lanes
gemacht haben:
"In einem solchen System ist der selbstverstaendliche
Drang nach einer Ausdehnung des Unternehmers im Interesse
des Unternehmens entweder ziemlich unentwickelt oder voellig
abwesend. Tatsaechlich ist der Unternehmer geneigt, wenn
er schon zu etwas entschlossen ist, alle Moeglichkeiten fuer
eine Weiterentwicklung zunaechst zu vertagen," weil der Hauptnachdruck auf die Staerkung und die Erhaltung des Unternehmens gelegt wird und weiterhin eine allzu schnelle Entwicklung
des Unternehmens dieses frueher oder spaeter dazu zwingen
koennte, von Aussenstehenden Kapitalien aufnehmen zu muessen
und dadurch die Alleinbeherrschung des Unternehmens in eine
sohwere Gefahr geraet, die unter Umstaenden diese zu unter- .
hoehlen vermag. Weil jedoch die Unabhaengigkeit ein so kostbares Gut ist, besteht sehr haeufig eine uebermaessige Vollstaendigkeit des Fabrikationsprogramms, die einer wirksamen
rationellen Produktion aeusserst nachteilig ist. Das System
der Untervertraege zwecks Lieferung bestimmter Teile oder
die Geschaeftsverbindung mit Teillieferanten, die in Amerika
fuer die Industrie eine Form der Zusammenarbeit auf der fabrikatorischen Ebene geschaffen hat durch eine entsprechende
Verteilung der Einzelauftraege, ist in Frankreich noch immer
nur in ganz geringem Umfang durchgefuehrt."
"Man kann sogar eine starke Tendenz feststellen, Moeglichkeiten eines staerkeren Wachstums abzubremsen, weil die Theorie
besagt, dass das Unternehmen genug verdient und dass ein zusatzlicher Profit die zusaetzlichen Muehen nicht wert ist.
Diese besondere Abweichung, die im uebrigen keineswegs ungewöhnlich ist, bleibt dem Denken der meisten Amerikaner voellig
fremd, wie sie sich auch durch die immer wiederkehrende Frage
der Touristen zu erkennen gibt "Aber wollen sie denn nicht verdienen?" Die Antwort ist selbstverstaendlich, dass sie es
moechten, dass sie in jedem Falle soviel verdienen wollen, wie
sie zum Leben benoetigen. Die Franzosen neigen dazu, ebenso
in Verlegenheit zu kommen, wie wenn sie mit dem Eigensinn der
franzoesischen Eingeborenen in Verbindung gebracht werden, die
den ueblichen Lohnanreizen unzugaenglich sind. Das ist im
Lichte der Tatsachen genau das gleiche."
Es gibt zwei Wege fuer die Vorbereitung einer Pilot-Anlage.
Die eine besteht darin, dass amerikanische Industriellsten und
Gewerkschafter es eirem franzoesischen Unternehmer ermoeglichen,
die besten zur Verfuegung stehenden amerikanischen technischen
Methoden anzuwenden. Diese Formen der Technik beruhen darauf,
dass die grundsaetzliche Wirtschaftspolitik des Unternehmens
auf einem schnellen Umschlag der Gueter besteht, sodass sich
geringe Gewinnsaetze je Einheit, eine hohe Produktivitaet und
hohe Loehne in geradezu automatischer Konsequenz ergeben. Der
- 5 -

�Grundappell sollte sioh an die patriotischen Gefuehle der
franzoesischen Unternehmerschaft wenden. Andre Coret, ein
franzoesischer Industrialist, der Mitglied der Studiengruppe
gewesen ist, hatte sioh zweifellos an diese Gedankengeenge
erinnert, als er folgendes schrieb:
"Um dieses Ziel zu erreichen, ist es unerlaesslioh, eine
solche Haltung von Grund auf zu schaffen, da in Frankreich
sowohl die fuehrenden Maenner der Industriellen-Vereinigungen als auch die Gewerkschaftsführer sehr oft (dies kann
uebrigens durchaus guten Willens in gutem Glauben geschehen)
sich in einen verhaengnisvollen Kreislauf einspannen lassen die beruehmte Schlange beisst sich dabei in den Schwanz der auf der Meinung basiert, dass es nioht moeglioh ist, diesen ueberkommenen Grundsatz des Denkens jener Maenner zu beseitigen, die sie auf ihre Posten berufen haben. Und diese Grundeinstellung macht jede Tat vergeblich, die das Bestreben hat,
den gegenwaertigen Stand der Dinge endlich einmal zu aendern.
"Es ist deshalb erforderlich, einmal ein konkretes Beispiel zu geben und dabei den Endzweck sich vor Augen halten,
das heisst also, auf einer kleineren Plattform ein Musterbeispiel durchzufuehren, das nur ein Experiment in geringerem
Umfang bedeutet. Aus diesem Grunde kann eine Pilot-Anlage
aeusserst nuetzlich wirken."
Die zweite Moeglichkeit, den Begriff der Pilot-Anlage
staerker in den Vordergrund zu ruecken, besteht darin, einen
nicht in orthodoxen Gedankengaengen steckenden Unternehmer,
der sich nicht echten oder unechten Eartellgrundsaetzen verschrieben hat und der zugleich darauf bedacht ist, sein Unternehmen durch die Schaffung neuer Maerkte und die Eroberung
bestehender Maerkte auszuweiten, ausfindig zu machen. In dieser Situation befanden sich 1911 Henry Ford und 1930 Henry
Kaiser, heute muss man aber gleichdenkende franzoesische Unternehmer mit der Laterne suchen. Aber ihr Einfluss wuerde
in Frankreich deutlich spuerbar werden, weil ihre unorthodoxen
Geschaeftsmethoden die bisherige wirtschaftliche Sicherheit
jener Unternehmen bedrohen wuerden, die diese Methoden nicht
anwenden. Es kann jedoch nicht erwartet werden, dass sogenannte prominente Unternehmer, die mit dem Syndici der Unternehmerorganisationen durch dick und /duenn gehen, ein derartiges Temperament entwickeln wuerden. Tatsaechlieh wuerde es
keineswegs ueberraschen, wenn die Feststellung getroffen werden muss, dass die gefundenen Unternehmer fuer die Pilot-Anlage stirnrunzelnd von den Syndici angesehen werden und gleichzeitig als Aussenseiter der sozialen Ordnung hingestellt wuerden. Diese Unternehmer werden viel leichter ausserhalb der
Unternehmerorganisationen zu finden sein, als wenn man sie auf
dem ueblichen Wege entdecken wollte.
Es erhebt sich die Frage, was wir als Amerikaner diesen
Unternehmern bieten koennen. Ich habe sehr schnell festgestellt, dass die von uns angebotene technische Unterstuetzung
nicht ausreicht, un den Unternehmer zu veranlassen, wirkliche
Risiken auf sich zu nehmen. Die nackte Wahrheit laeuft darauf
hinaus, dass in den meisten Faellen diese technische Unterstuetzung von der Abteilung fuer technische Kilfe geleistet,
wird, ohne dass von unserer Seite aus entsprechende Forderungen gestellt werden, die dafuer Sorge tragen, dass die Fruechte
der gesteigerten Produktivitaet auch den Arbeitern zugute kommen.
- 6 -

�Ein vielleicht noch staerkerer Anreiz der üeberredung, das Risiko einer solchen Pilot-Anlage zu uebernehmen, liegt in der
Moeglichkeit der Erhaltung eines Kredits aus dem fuer die
Zwecke der Produktivitaetssteigerung bereitgestellten Fond.
Von jedem Unternehmer wird verlangt, dass er mehr als 10 %
Zinsen fuer alle Darlehen zahlt, die ihm von der Bank von
Prankreich oder ihrenZweiginstituten gewaehrt werden. Darueberhinaus wird verlangt, dass er diese Darlehen mit seinem eigenen persoenlichen Giro unterzeichnet. Alle Vorteile der kooperativen Organisationsform werden unter diesen ümstaenden bedeutungslos, ganz abgesehen davon, dass ihre Gueltigkeit nur eine
beschraenkte ist. Die Nachfrage nach Krediten ohne die Bereitstellung eines entsprechenden Fonds an Gegenwertmitteln, die
ausreichend ist, um in Frankreich jede Hebelwirkung zu vermeiden, ist stark genug, um die soziale und wirtschaftliche Lage
jener Unternehmen zu beeinflussen, die um diese Kredite nachsuchen.
Die Entwicklung eines Meohanismus fuer die Durchfuehrung dieser
Pilot-Anlagen wird jedoch auroh die Schwaeche der freien franzoesischen Gewerkschaften beeintraechtigt, die auf einigen Gebieten vorhanden ist. Ein Beispiel hierfuer bietet die PilotAnlage in der Giessereiindustrie. Der Vorsitzende des Produktivitaetskomitteder Foroe Ouvriere unterrichtete mich voll
Stolz, dass es in der Giessereiindustrie bereits eine PilotAnlage gaebe. Tatsaechlich versperrte er sich zwar nicht gegen eine Pilot-Anlage, aber er nannte das ganze eine PilotAnlage - naemlich die gesamte Giessereiindustrie.
Auf der Grundlage einer Reihe Empfehlungen, die der Berater der ECA Laws machte, wurde ein weitmaschiges industrielles Schulungsprogramm in die 'Wege geleitet. Darüberhinaus
wurden Produktions- und Schulungsleiter fuer zehn Anlagen eingestellt. Der Vorsitzende der Force Ouvriere war bei der Beschaffung eines Kredits von 18 Millionen Franken behilflich,
die vom franzoesischen Produktivitaetsbuero gewaehrt wurden,
wobei er jedoch nicht klaeren konnte, ob es sich um ein Darlehen oder eine Zuwendung handelte, die der Finanzierung dieses
Projektes dienen sollte. Das franzoesische Produktivitaetsbuero
wird durch Gegenwertmittel finanziert. Ihm wurde als Gegenleistung nichts anderes auferlegt als die Durchfuehrung bestimmter Kurse ueber die Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und
Gewerkschaftern, die Unternehmern die Moeglichkeit geben sollte,
sich ueber diese Frage naeher zu orientieren. Wenn die Produktivitaet ansteigt, so hat er das Recht, die Frage zu stellen,
in welchem Masse die Arbeiter hieran beteiligt werden. Auf
Grund der franzoesischen Praxis der Gewinn- und Verlustrechnung und der technischen Begrenzungen der Berechenbarkeit des
Produktivitaetsanstiegs kann man sich sehr leicht sagen, dass
dies nur eine Wiederholung der alten ECA-Praxis unter einem neuen Namen ist - die Finanzierung des Pilot-Projekts durch Amerika
und die Ausbeutung so ziemlich des gesamten Ertrages durch die
franzoesische Mittelklasse.
Das Muster einer Pilotanlage ist in Frankreich bereits in
Betrieb, das im uebrigen ueber eine weitreichende Publizitaet
verfuegt. Es handelt sich hierbei um die Firma Telemechanique,
die elektrische Kontrollgeraete herstellt. Vier andere Unternehmer stellen die gleichen Erzeugnisse her, zahlen aber nur
Löhne, die die Haelfte der bei Telemechanique gezahlten erreichen. Die Bonuszahlungen der Telemechanique, die diese doppelt
so hohen Loehne ermoeglichen, sind jedoch genau kalkuliert.
Selbst wenn man die Grundloehne miteinander vergleicht, so ergibt sich, dass diese bei der Telemechanique um zehn Prozent
- 7 -

�hoeher liegen als bei den Konkurrenjen. Ich fragte nuji die
Mitglieder des Produktivit'aetskomites der Foroe Ouvriere, weshalb sie keine Forderungen auf vergleichbare Loehne bei den
anderen unternehmen stellen. Die Antwort war, dass sie mit den
Unternehmern verhandelten, dass diese die gleichen Produktionsmassnahmen wie Telemechanique einfuehren sollten. Sie schienen jedoch nicht daran zu denken, dass es wesentlich klueger
waere, den Konkurrenten der Telemechanique dadurch dienlich zu
sein, indem sie Lohnerhoehungen forderten ohne jede Ruecksicht
auf den gegenwaertigen Stand der Produktion und lediglich dabei
die Tatsache beruecksiohtigen sollten, dass Telemechanique den
Lohnstandard fuer die gesamte Industrie festlegt. Tatsaechlioh
waren jedoch aufgrund dieser Vorschlaege einige der Mitglieder
des Produktivitaetski^nites betroffen, da eine solche Lohnforderung, die gegebenenfalls nur durch einen Streik durchzusetzen
gewesen waere, lediglioh dem Kommunisten Wasser auf die Muehlen
leiten wuerde. Dieses Beispiel soll nur deshalb gegeben werden,
um aufzuzeigen, bis zu welchem Grade man eine wirkliche Unterstuetzung durch die Verwaltungsorgane einiger franzoesischer
Gewerkschaften erwarten kann, wenn man ihre gegenwaertige Einstellung und ihren Machtbereich fuer die Durchführung irgendwelcher Plaene in Reohnung stellt.
In dieser Hinsicht koennen jedoch einige interessante Entwicklungen berichtet werden. Die CGT ist bekanntlich die von
den Kommunisten beherrschte Gewerkschaft, die vor der Eroberung
die franzoesische Zentralgewerkschaft gewesen Ist. Es ist jedoch keineswegs gesagt, dass die CGT ihre Anhaenger auch kuenftig bei der Stange halten kann, selbst wenn die Struktur dieser
Organisation die gleiche bleibt und selbst wenn es ihr gelingt,
guenstige Arbeits- und Lohnbedingungen fuer ihre Mitglieder
durchzusetzen. Zwei Beispiele sind dafuer bezeichnend, wo die
oertlichen Fuehrer der Gewerkschaft aioh mit der Zentrale ueberwarfen, weil ein klug beratenes Unternehmen nicht unbetraechtliche Lohnzugestaendnisse diesen Mitgliedern gemacht hat.
Ein guter Teil der Hoffnungen auf einen Erfolg der Pilotanlagenprojekte liegt in den Haenden der Fuehrer der Ortsgewerkschaften. Unterrichtete Beobachter haben bereits festgestellt, dass ein gesundes und energisches Funktionaerkorps,
das sich mit oertlichen TarifVerhandlungsproblemen intensiv
beschaeftigt, auoh imstande ist, sich in anderen Fragen durchzusetzen. Die Pilotanlagenprojekte muessen deshalb auf der
Basis solcher Voraussetzungen durchgefuehrt werden, das heisst
in derartigen Ortsbetrieben und auf einer geeigneten kommunalen
Basis.
Amerika kann dabei alle Voraussetzungen schaffen, die diese
oertlichen Funktionaere mit der entsprechenden geistigen Nahrung
versorgen kann und zugleich den Gesichtskreis dieser Funktionaere
insofern erweitern, indem eine Umgebung geschaffen wird, in der
ein auf lokaler Ebene wirklichkeitsgetreues und wirtschaftlich
durchfuehrbares Tarif Verhandlungsweg geschaffen warden kann.
Eine solche Entwicklung wuerde eine erfrischende Verabschiedung von der bisherigen Praxis der wertlosen Unsinn-Form sein,
die als Karikatur amerikanischer gewerkschaftlicher und unternehmerischer Zusammenarbeit herumgeistert und die im europaeischen Denken so weit verbreitet ist. Dies wuerde zugleich eine
Moeglichkeit sein, um die Arbeiterschaft von dem politischen
Spekulantentum des franzoesischen CGT loszuloesen, indem ihnen

8

�konkrete wirtschaftliche Vorteile geboten werden, die die Arbeiter vor diesen Abenteuern schuetzen werden.
Labor, and Nation
71/51
DIE ERWERBSTAETIGE JAPANERIN IM SCHÜTZ NEUER ARBEITSGESETZE
Wie aus Berichten des neuen japanischen Arbeitsministeriums
hervorgeht, sind in japanischen Seidenspinnereien wesentliche
Verbesserungen der Arbeitsbedingungen beschaeftigter Frauen
erzielt worden.
Das Kontraktsystem besteht nicht mehr. Das Amt fuer erwerbstaetige Frauen und Jugendliche, das im Jahre 1947 errichtet wurde, berichtet, dass das Kontraktsystem nicht mehr besteht.
Eltern haben keinerlei Recht, Vertraege ueber die Arbeit ihrer
Kinder abzuschliessen oder ihre Loehne an sich zu nehmen. Und
die Unternehmer koennen die weiblichen Arbeiter nicht mehr
zwingen, sich lediglich innerhalb des Werksgelaendes aufzuhalten. Das System der Unterbringung weiblicher Arbeiter in
betriebseigenen Sohlafsaelen ist einer Reform unterzogen worden.
Das Mindestalter fuer die Einstellung ist von 11 auf 15 Jahre
erhoeht worden. Weibliche Arbeiter werden naoh demselben
Tarif bezahlt wie Maenner, wenn die gleiche Arbeit verrichtet
wird. Die Gewerkschaften werden gefoerdert. Frauen duerfen
nicht in Nachtschicht arbeiten, die Arbeitszeit ist auf die
Sechstagewoche und den Neunstundentag reduziert worden^ hierbei
ist eine Stunde fuer Mittagessen und Ruhepausen vorgesehen.
Von diesen und anderen Reformen berichtete das Referat
fuer erwerbstaetige Frauen in der Industrie im japanischen Amt
fuer erwerbstaetige Frauen und Jugendliche, nachdem in dem
Gebiet von Tokio und Yokohama im Jahre 1949 in 20 Seidenspinnereien Erhebungen durchgefuehrt worden waren. Von 6.827 Arbeitern waren 5.661 (-85.9%) Frauen.
Unter den alten Kontraktsystem lieferten verschuldete Eltern (meist Bauern) durch den Abschluss eines Vertrags mit
einem Agenten einer Seidenspinnerei ihre jungen Toechter dieser Industrie in die Haende. Die Maedchen wurden in eine entfernt gelegene Provinz gebracht und wie Gefangene im Werkgelaende der Fabrik untergebracht. Durch das neue Arbeitsgesetz
wurde das Kontraktsystem fuer ungesetzlich erklaert, ebenso
konnten Gewerkschaften errichtet werden. Jetzt ist, wie das
Buerö fuer Frauen und Jugendliche feststellt, die Arbeiterschaft
der Seidenspinnereien gewerkschaftlich gut organisiert, sie
verhandelt in Tariffragen bereits haeufig mit den Unternehmern.
In einigen Betrieben sind 98% der weiblichen Arbeiter der Gewerkschaft beigetreten.
Die meisten weiblichen Arbeiter sind sehr jung. Das Durchschnittsalter der gesamten Gruipe, mit d^r sich das Amt befasst
hatte, betrug 19,2 Jahre. Von je 100 weiblichen Arbeitern waren
26 Maedchen juenger als 17 Jahre; 42 waren juenger als 18 Jahre,
63 juenger als 20 und 91% waren unter 25 Jahren.
Obwohl der Lohn, der bei Eintritt in die Seidenspinnereien
gezahlt wird, der gleiche ist wie in anderen Herstellerindustrien, wird der Lohn fuer routinierte, aber ungelernte Arbeiter
niemals wesentlich ueber den Mindestlohn hinaus erhoeht. Nur
- 9 -

�wenige weibliche Arbeitnehmer haben jemals die Moeglichkeit,
besser bezahlte Positionen uebernehmen zu koennen.
Selbst Frauen, die schon zehn bis 15 Jahre in dem gleichen
3etrieb beschaeftigt sind, verdienen nur das eineinhalbfache
ihres Anfangslohnes. Nur 2,6 % der in dieser Erhebung beruecksiohtigten Frauen waren als Vorgesetzte, hoehere Angestellte
oder hochqualifizierte Facharbeiter taetig, waehrend fast die
Haelfte der Maenner 146,656) solche Berufe ausueben.
Der groesste Teil der Maedchen lebt noch immer in sehr
einfachen Schlafsaelen, die in Bezug auf Ruhe und Privatleben,
Heizung, Beleuchtung und sanitaere Anlagen viel zu wuenschen
uebrig lassen. In einem Saal sind zehn Maedchen untergebracht.
Das Essen ist duerftig und ohne genuegend Abwechslung. Das
Leben in den Schlafsaelen mag dem Amerikaner oder dem Jiuropaeer
als eintoenig und gezwungen erscheinen; man muss es jedoch unter Berueoksichtigung der Gepflogenheiten und der frueheren
Zeiten, wie sie fuer das erwerbstaetige japanische Maedchen
ueblich waren, betrachten. Nahezu 70% der in dieser Erhebung
erfassten Personen waren Maedchen vom Land, die wahrscheinlich
zum groessten Teil von einem noch eintoenigeren Landleben direkt
in die Fabrik gekommen waren.
Nach den neuen Vorschriften koennen die Maedchen, die in
betriebseigenen Schlafsaelen untergebracht sind, kommen und gehen,
wie es ihnen beliebt, üusschuesse der Arbeiterinnen fuer die
Selbstverwaltung werden gefördert. Zu jedem Schlafsaal gehoert
ein Speiseraum, eine Buecherei und ein Klubzimmer, in dem auch
Gaeste empfangen werden koennen.
Wie es den Forderungen des neuen Arbeitsgesetzes entspricht,
haben alle Betriebe Abmachungen ueber - meist unbezahlten - Mutterschaftsurlaub getroffen. Nur wenige Frauen ersuchen, wie das
oben genannte Amt feststellte, um eine Varlaengerung ihrer Beurlaubung nach dar Entbindung, und nur an zwei der in den Betrieben befragten Frauen wurden Familienzulagen gezahlt. Mehr als
die Haelfte der beschaeftigten Frauen arbeiteten, um ihre Familie zu unterstuetzen. In dieser Beziehung liegen die Verhaeltnisse fuer die erwerbstaetige Frau in Japan sehr sehnlich wie
in den Vereinigten Staaten. Die Untersuchungen des Frauenbueros
des amerikanischen Arbeitsministeriums haben gezeigt, dass, im
ganzen gesehen, die weiblichen Arbeitnehmer - ob sie nun verheiratet oder ledig sind - einen grossen Teil der Verantwortung
fuer den Unterhalt der Familie zu tragen haben.
Die neuen japanischen Arbeitsgesetze, unter denen die genannten Fortschritte erzielt wurden, sind fuer alle Herstellerindustrien verbindlich. Das ausfuehrliche Gesetz ueber gerechte Arbeitsbedingunen enthaelt eine Bestimmung, nach der Frauen
und Maennamgleiche Loehne zu zahlen sind. Es verbietet fuer
Frauen und Kinder jegliohe Nachtarbeit und setzt eine Grenze
fuer Ueberstunden. Es verbietet dem Unternehmer, eine Frau zu
entlassen, weil sie schwanger ist, oder weil sie bereits ein
Kind zur Welt gebracht hat.
Andere Arbeitsgesetze erstrecken sich auf die Sicherheit
der Beschaeftigung, Erwerbslosenunterstuetzung, Krankenversicherung und schliesslich auf die Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie auf die gewerkschaftliche
Organisation.
Labor Information Bulletin
10/51
10 -

�DIE STELLUNGNAHME DER NORWEGISCHEN GEWERKSCHAFTEN ZU DEN PROBLEMEN DER LOEHNE. DER PREISE UND DER PRODUKTTÖN
Konrad Nordahl, der Vorsitzende der Norwegischen Gewerkschaf tsfoederation, hielt kuerzlich zwei Ansprachen, die eine
gute Zusammenfassung der Einstellung der organisierten Arbeiterschaften in Norwegen zu den Problemer. der Loehne, der Preise
und der Produktion waehrend der Zeit der Verteidigungsvorbereitungen darstellen. Die Hauptpunkte der beiden von Nordahl gehaltenen Reden werden hier zusammengefasst.
Auf der in Oslo stattgefundenen Versammlung des Nationalrats der Norwegischen Gewerkschaftsfoederation sprach Nordahl
ueber die wirtschaftliche Lage des Landes im Hinblick auf die
Lohnpolitik und die Gewerkschaftsarbeit. Er befasste sich
hauptsaechlich mit den letzten Entwicklungen auf dem Gebiete
der Loehne und Preise und unterbreitete seitens des ExekutivRats einen Antrag auf die dringende Wiedereinfuehrung der
von 1945 bis Fruehjahr 1950 angewandten Stabilisierungspolitik.
Hierbei sollen vier Hauptpunkte beruecksichtigt werden;
a)

Uebermaessigen, auf Preistreiberei zurueckzufuehrenden
Profiten soll durch Auferlegung von Zoellen oder
durch andere Massnahmen Einhalt geboten werden. Die
auf diese Weise gewonnenen Summen sollten fuer eine
Herabsetzung der Preise verwandt werden;

b)

Eine in erhoehtem Masse durchgreifende Preiskontrolle
soll Privatunternehmen davon abhalten, aus anziehenden Preisen uebermaessige Gewinne zu erzielen;

o)

Eine wirksame und gerechte Besteuerung soll auch bei
der Land- und Forstwirtschaft durohgefuehrt werden.
Jeder Stauerbetrug muss streng geahndet werden;

d)

Die Produktion muss auf allen Gebieten zur vollen
Leistungsfaehigkeit gebracht werden.

Nordahl sagte in seiner Ansprache unter anderem:
"Unser Bestreben nach dem zweiten Weltkrieg war es, eine
Inflationsentwicklung zu vermeiden, und viele Laender haben
in dieser Hinsicht Enormes geleistet. In diesem Zusammenhang
hat die Gewerkschaftsbewegung in der Erkenntnis, dass stabile
Preise von groesserem Wert fuer den Lohnempfaenger als Kompensationen fuer die sich unserer Kontrolle entziehenden Preissteigerungen sind, eine gedrosselte Lohnpolitik getrieben.
"Zur Erlaeuterung der treibenden Kraft hinter der heutigen Preisgestaltung moechte ich erwaehnen, dass die in meiner
Heimat gewaehrten Lohnerhoehungen sich auf den Lebenskostenindex im Verhaeltnis 1:5 ausgewirkt haben. Dabei bezieht sich
ein Teil auf die Lohnerhoehung, waehrend fuenf Teile fast ganz
einer Preiserhoehung fuer Rohmaterialien zuzuschreiben sind.
"Wenn dies ein nur meine Heimat betreffender Einzelfall
gewesen waere, dann haetten wir natuerlich einen guten Grund
anzunehmen, dass unsere Wirtschaftspolitik eine falsche war,
aber da wir wissen, dass die Situation in fast allen Laendern
dieselbe ist, muessen anscheinend die Gruenae ausserhalb der
Kontrollmoeglichkeiten eines jeden einzelnen Landes liegen.
- 11 -

�"Sollte es uns nicht moeglich sein, diese Gruende zu erforschen, dann muss ein grosser Teil der Diskussion, die wir
hier fuehren, als wertlos angesehen werden. Urlauben Sie
mir, hier einige von dem Wirtschaftsrat der Vereinten Nationen
fuer Europa (ECS) kuerzlich im Bericht veroeffentlichten
Schaetzungen anzufuehren. Die Zunahme der Leistungsfaehigkeit
pro Arbeiter wird fuer 1950-1951 fuer Skandinavien und Holland
auf 5#, fuer Gross-Britannien auf 6#, fuer Frankreich, Belgien
und Westdeutschland auf 8-10% gesohaetzt. Die durchschnittliche Zunahme fuer ganz Europa wird auf 9% geschaetzt.
"Aber diese Schaetzungen basieren auf der bedeutsamen
Annahme, dass die Laender imstande sein werden, ihre Rohmaterialprobleme sowohl hinsichtlich der Versorgung als auch
der Preise zu loesen. Es ist auch fuer die Gewerkschaftsbewegung von Wichtigkeit, die Gruende fuer die umfangreiche internationale Preissteigerung, di§ in den letzten Jahren zu empfindlichen Preissteigerungen verschiedener hoechst wichtiger Rohmaterialien gefuehrt hat, gegen diesen Hintergrund zu untersuchen.
Ich erwaehne hier Wolle, Baumwolle, Haeute, Blech, Zink, Sohrott,
Papier, Zellulose u.a.
"Eine solche umfassende und zum Teil auch unterschiedliche
Preissteigerung wird natuerlich durch viele Faktoren hervorgerufen. Ich glaube aber, dass die Kauptgruende wie folgt zusammengefasst werden koennen:
"1. Die Produktion verschiedener wichtiger Rohmaterialien
hat mit der zunehmenden Weltproduktion nicht Schritt gehalten.
In diesem Zusammenhang begegnen wir unmittelbar den besonderen
Problemen der in der wirtschaftlichen Entwicklung zurueckgebliebenen Laender. Die Laender dieser Kategorie sind wichtige Rohstoffquellen fuer die ganze Welt.
"2. Den zweiten Punkt bildet die von gewissen Laendern
foroierte Hortung fuer Verteidigungszweoke. Diese Taktik
scheint sich jetzt bei einer steigenden Anzahl von Laendern
breit zu machen.
"Hier finden wir zweifellos die Epklaerung fuer eine so
gewaltige Preissteigerung gegenueber den tatsaechlichen Produktionskosten. Die Ursache des Ansteigens der Preise ist eigentlich nur im Wunsch nach groesserem Profit bei den Verkaeufern
und in der grossen Kauflust bei den Kaeufern zu suchen. Das
sich darbietende Bild wird noch unangenehmer, wenn man weiss,
dass die Kaufer oft nicht Privatleute sind, sondern dass hinter den verstaendlichen Aufkaeufen die Staaten selbst stehen
und - um zum Zuge zu kommen - jeden nur verlangten.Preis zahlen.
So werden grosse Profite erzielt, die weder durch eine groessere
Produktion mit Hilfe der Arbeiter oder der Unternehmer gerechtfertigt sind. Dies steht in direktem Widerspruch zu den sonst
aufrechterhaltenen Prinzipien gegenueber den Lohnempfaengern,
naemlich dass eine Produktionssteigerung, also eine hoehere und
auch eine verbesserte Produktion, hoehere Loehne zur Folge hat.
Diese Entwicklung auf dem Preismarkt hat eine Inflationsgefahr
geschaffen. Die Parole "Freie internationale Wirtschaft ohne
Einschraenkung durch den Staat" hat ihre schlechten Erfolge,
die jetzt viele Laender der Welt mit einer ernsten Inflation
bedrohen, eindeutig gezeigt. Jedes einzelne Land kann eine
nationale Planwirtschaftspolitik in dem Bestreben, die niedrigsten Preise zu erzielen, verfolgen und im Zusammenhang damit
- 12 -

�strenge Massnahmen einfuehren, aber dieselben Laender wirtschaften vollkommen uneingeschraenkt bei ihrem internationalen
Gueteraustausch. Fuer Exportgueter werden dann Preise zugelassen, die in keinem Verhaeltnis zu den Produktionskosten und
einem angemessenen Verdienst stehen. Die anderen Laender sind
dadurch gezwungen, mit ihren Exportguetern in der gleichen Weise
zu verfahren, und so ergibt sich die jetzige fatale Preisentwicklung. Ich muss bemerken, dass die wirtschaftliche Moral
auch in meinem eigenen Lande nicht viel besser war. Auch dort
werden einige Exportgueter zu ueberhoehten Preisen verkauft.
"Sehr ernst ist natuerlich die Lage fuer diejenigen Laender, die keine auf dem Weltschwarzmarkt gefragten Gueter haben.
Die wirtschaftliche Lage dieser Laender ist bereits eine sehr
prekaere.
"Ich weiss, dass die gegenwaertige gespannte wirtschaftliche Lage durch die Verteidigungspolitik der westlichen Demokratien hervorgerufen wurde. Die Furcht vor dem ünvorbereitetsein
gegenueber einem erneuten Angriff seitens undemokratischer Staaten hat sie gezwungen, unsere Verteidigungskraft zu staerken.
Dieses Vorbereitetsein muss natuerlich von dem einzelnen Buerger bezahlt werden, aber es kann nicht geduldet werden, dass di9
Erzeuger, die die strategisch wichtigen Rohmaterialien in der
Welt kontrollierten, so enorme Profite daraus ziehen, dass das
ganze Waehrungssystem gefaehrdet und der Lebensstandard der
breiten Masse empfindlioh heruntergesetzt wird. Dies fuehrt
zu sozialen Unruhen in einem jeden Lande und, anstatt einer
groesseren Sicherheit - das Ziel der gegenwaertigen Politik
des Bereitseins - wird das Gegenteil eintreten.
"Ich weiss, dass diese Fragen internationale Fragen sind.
Die kuerzlich gebildeten Commodity-Committees (Warenkommissionen)
haben die Aufgabe, sowohl die gegenwaertige grosse Knappheit an
Rohmaterialien als auch die zukuenftigen Produktions- und Verbraucherprobleme, die in diesem Zusammenhang auftauchen, zu
untersuchen. Die Wirksamkeit dieser Kommissionen bleibt jedoch
abzuwarten.
"Seit kurzem wurden von einigen Laendern Massnahmen ergriffen, um die knappe Belieferung mit Rohmaterialien so nutzbringend wir nur irgend moeglich auszuwerten. Diese Politik sollte
sowohl von den Regierungen als auch von den Angestellten- und
Arbeiterorganisationen unterstuetzt werden.
"Das Beste waere natuerlich, eine internationale Loesung
dieser Probleme zu finden.
"Es wird in immer staerkerem Masse empfunden, dass wir
international anerkannte Regelungen brauchen, die Erzeugern
und Kaufleuten verbieten, Preise zu verlangen, die entschieden
in keinem Verhaeltnis zu den Produktionskosten der Gueter stehen. Es ist auch notwendig, internationale Abkommen dahingehend zu treffen, dass es den Regierungen in Zeiten der Knappheit nicht erlaubt werden sollte, groessere Guetermengen zum
Zwecke der Hortung zu kaufen, wodurch die Arbeitsmoeglichkeit
in anderen Laendern unterminiert wird.
"Diese Rohmaterialprobleme sind von so entscheidender
Wichtigkeit fuer einen vollen Arbeitseinsatz, dass ich den Vertretern der internationalen Arbeiterschaft raten moechte, jene
zum Gegenstand eines SpezialStudiums zu machen und, falls moeg- 13

�lioh, einen Plan zur Stabilisierung der Preise und zur Schaffung
eines"staendigen Flusses der internationalen Rohmaterialien
vorzuschlagen."
Auszug aus den Sitzungsprotokollen.
NEUER FISCHSCHWARMDETEKTOR BEDEUTET. MEHR NAHRUNGSMITTEL FUER
EUROPA
Eine Krabbe hat heute in Daenemark nur noch geringe Chancen, laengere Zeit am Leben zu bleiben. Aber auch Heringe
und Dorsche teilen das gleiche Schicksal, setdem die daenischen Fischer einen Ultraschall-Fischdetektor in Gebrauch haben, der ihnen von den USA im Rahmen des Karshallplanes zur
Verfuegung gestellt wurde.
Dieses Instument kann unter der Wasseroberflaeche einen
Raum von der Groesse zweier Wohnblocks einer Grosstadt absuchen. Es lassen sich damit Umfang und Tiefe eines Fischschwarms,
seine genaue Lage und selbst die Fischart feststellen. Krabben
koennen bis zu einer Tiefe von 300 Metern festgestellt werden.
Das Tierleben in den nordeuropaaischen Meeren ist noch
immer privaterer und ungestoerterer Natur als das Leben eines
Guppy im Aquarium eines Wohnzimmers. Und doch sind durch das
neue Geraet die Chancen einiger Fischgattungen, den daenischen
Netzen zu entgehen, um 50% verringert worden.
Das bedeutet natuerlich auch mehr Nahrungsmittel auf dem
Tisch des Arbeiters in den Laendei'n der Nordatlantik-Gemeinschaft. Es bedeutet Wohlstand fuer einen daenischen Industriezweig, der in jahrhundertealter, wenn auch oft abenteuerlicher
Geschichte wurzelt.
Der Fischdetektor ist offiziell unter dem Namen "Bendix
Ultraschall-Tiefenmesser" bekannt. Leute wie Kapitaen Robert
Jensen aus Skagen in Daenemark sehen in ihm in erster Linie
"ein wertvolles Hilfsmittel fuer die Fischerei."
Jensen spricht aus Erfahrung, denn die Verbundenheit seiner Familie mit diesem rieruf wird nach Hunderten von Jahren
bemessen. "Nehmen wir z.B. Heringe", so Deginnt er seine Erzaehlung. "Bevor wir den Tiefenmesser einsetzen konnten, brachte ein Heringsfang nur in seltenen Faellen einen wirklichen
Gewinn ein, weil wir zuviel Zeit benoetigten, um den Standort
der Heringe festzustellen. Ich schaetze, dass unsere Chancen
in dieser Beziehung jetzt um 50% groesser sind."
Kit dem "Wir" meint Jensen seinen Bootsmann Egon Koller,
den dritten Kaat Henning Karinussen und den 19 Jahre alten
Koch Verner Jensen, die die Mannschaft der 47 Tonnen grossen
"Helder" bilden.
Die "Helder" ist eines der 16.000 Fischerboote, ihre Besatzung gehoert zu den 14.000 vollbeschaeftigten und 6.000saisonbeschseftigten Daenen, die durch Fischfang ihr Brot verdienen.
In diesem Land mit einer Einwohnerzahl von weniger als
vier Killionen sind die Fischerboote klein; mehr als die Haelfte
haben eine Kapazitaet von weniger als fuenf Tonnen, und nur
1300 Schiffe sind groesser als 1500 Tonnen.
- 14 -

�Der Fischdetektor ist ein amerikanisches Erzeugnis, das
ziemlich auffaellig ist und aller Augen auf sich lenkt. Aber
Jensen erinnert sich auch noch an die Baumwolle, die im Rahmen des Marshallplanes geliefert wurde, und aus der seine
Netze geflochten sind; er erinnert sich an den Treibstoff
und das Oel, mit dem die durch Krieg und Besatzung lahmgelegte
Industrie wieder auf die Beine gebracht wurde.
Daenemark arbeitet nun wieder in seinem alten traditionellen Gewerbe und liefert Millionen von Europaeern Nahrungsmittel. Der englische Speisezettel konnte 1950 z.B. durch
37.500 Tonnen daenischer Fische bereichert werden. Damit hat
England von den 135.000 Tonnen Fisch, die von Daenemark in
diesem Jahr exportiert wurden, den groessten Anteil uebernommen. Die gesamte Fangbeute dieses Jahres belief sich auf
280.500 Tonnen.
Dies bedeutet eine Steigerung gegenueber dem Jahre
1949 um 16.000 Tonnen. Im gleichen Jahr verdoppelte Daenemark
seinen Export an Filet und Teichforellen nach Amerika und belieferte den amerikanischen Fischmarkt mit 1.320 Tonnen. Der
Fischverbrauch in Daenemark selbst stieg um 165.000 Tonnen.
Die daenischen Fischer werden auf der Basis der Gewinnbeteiligung entlohnt. Der Gewinn aus den ersten 50% einer
Beute wird zur Instandhaltung des Schiffes verwendet. Der
Rest wird wie folgt verteilt: 15% fuer den Kapitaen, 13%
fuer den ersten Bootsmaat, 12% fuer den zweiten Bootsmaat und
8% fuer den Koch.
Der Heimathafen der "Helder", Skagen, ist, was das Entladen von Fischen betrifft, der groesste und beschaeftigste
Hafen Daenemarks. Zuweilen koonnen an einem Tag bis zu 600
Boote in den Hafen einlaufen und ihre Ladung loeschen. 1950
wurden dort insgesamt 71.500 Tonnen Fisch fuer 15 Millionen
DM versteigert.
Die Bewohner Skagens sind von dem Fischereigewerbe abhaengig. Die aeltere Generation unter den 8.000 Einwohnern
dieser Stadt sieht es noch als einen Luxus an, an irgendeinem
Tag ausser sonntags Fleisch zu essen. Normalerweise besteht
viermal in der Woche die Hauptmahlzeit aus Fisch.
Mit einem Fischerboot neben dem anderen bildet die Kueste
von Skagen eine ununterbrochene Linie von Fischernetzen, die
an Masten und Radkaesten aufgehaengt sind. Gruene, luftgefuellte Glaskugeln, an denen die Netze auf See in der entsprechenden Tiefe ausgehaengt werden, glitzern an sonnenbeschienenen Decks. Zu solchen Zeiten durchwogt ein emsiges Treiben
den Hafen - die Fischer bessern ihre Netze aus oder sortieren
die Fische, fuer den Verkauf in der Auktionshalle.
Fisch, Fischerei und Fischer beherrschen die Docks, die
Kaffeehaeuser und den Marktplatz. Selbst Neuerfindungen, wie
der Ultraschall-Tiefenmesser, vermochten nicht den Charakter
dieser Fischereihaefen wesentlich zu veraendern. Und alles,
was dazu dient, die Zeit zu verkuerzen, die diese Maenner zur
Ausuebung ihres Berufes brauchen, ist nicht nur willkommen,
sondern wird geradezu zum Stadtgespraech.
Jetzt korrjnen die Fischer oefter zum Entladen in den
Hafen. "Ich habe mehr als' die Kaelfte eines Jahreseinkommens
- 15 -

�gebraucht, um mir einen Fischdetektor fuer mein Boot, den
"Picator" kaufen zu koennen," berichtete Kapitaen Kai Kirkedal.
"Jetzt moechte ich ihn nicht mehr missen, denn der Heringsfang
bringt mir 60% meines .Einkommens ,ein." Kapitaen Kirkedal
verdient im Monat etwa 750 DM.
Er erklaert ferner, dass "vom Dezember bis zum Maerz
im Nordatlantik die beste Zeit fuer den Heringsfang ist der Wind muss oestlich stehen und es muss kalt sein. Mit
dem Fischdetektor haben wir an einem oder zwei Wintertagen
soviel Heringe gefangen wie unser Boot fassen kann."
Man wird sich aber fragen, inwiefern Kirkedal einen
Vorteil durch den Marshallplan hatte, wenn er die Haelfte-eines Jahreseinkommens aufwenden musate, um den Fischdetektor
kaufen zu koennen.
Kurz gesagt die Marshallplan-Kredite und -Zuwendungen
dienen einer Nation als Gesamtheit. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte Daenemark zu wenig Gueter, die es zum Tausch gegen benoetigte Waren haette anbieten koennen, die fuer den
Wiederaufbau seiner Wirtschaft unerlaesslioh waren. Durch
den Marshallplan konnte Daenemark jedoch ueber Dollarmittel
verfuegen, mit denen es diese Waren kaufen konnte.
Eine Dollarzuwendung wird an die Vereinigten Staaten
nicht zurueokgezahlt. Der Verdienst eines halben Jahres
fuer Kapitaen Kirkedal entspricht den Dollarkosten eines
Fischdetektors. Sein von ihm bezahltes daenisches Geld floss
in den sogenannten daenischen "Gegenwertfonds". Die daenische
Regierung verfuegt ueber diesen Fonds und verwendet ihn zur
Finanzierung des Wiederaufbaus bestimmter staatlicher Projekte,
die waehrend des Krieges und der Besatzungszeit zerstoert oder
vernachlaessigt wurden.
Auf
Tausende
nen, die
arbeiten

diese &lt;Veise haben Kirkedal und Jensen und viele
anderer Daenen die Erzeugnisse sich beschaffen koensie benoetigen, um leistungsfaehiger und produktiver
zu koennen.

Ihre Arbeit hilft mit, den Lebensstandard der Daenen
und all der Voelker zu verbessern, die daenische Erzeugnisse
benoetigen.
ECA Labor Information

- 16 -

HICO0 3 Jan 51 183M I II

10

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

IV - 52

Frankfurt, den 28. Dezember 1951

I N H A

L T S V B R Z E I C H N I S

Der amerikanische und der europaeische Unternehmer ...

1

Mitgliederzahlen und Tarifvertraege kanadischer
Gewerkschaften

4

Die Loehne in der amerikanischen Stahlindustrie

5

Die Sozialversicherung der U.S. gewaehrt Muettern
erhoehten Schutz

7

"Mit diesen Beenden"

8

Die Internationale Arbeitsorganisation berichtet von
ihrer Arbeit
«

10

Die Gewerkschaftsbewegung in Mittel- und Suedamerika . 13
Zwei Jahre IBFG und die Erfolge

14

Hollaendische Gewerkschaften fuer E in Schaltung in
Produktivitaetsmassnahmen

16

DER AMERIKANISCHE UND DER EUROPAEISCHE UNTERNEHMER
Eine ernsthafte und wichtige Frage, die zugleich politischer, wirtschaftlicher und geistiger Natur ist, tauchte in den
letzten Monaten mehrmals in der oeffentlichen Diskussion auf.
Jedermann, dem das gute Funktionieren und die innere Gesundheit
dessen am Herzen liegt, was man gemeinhin die "westliche" Welt'
nennt, sollte sioh diese Frage vorlegen: ob naemlioh unsere
Unternehmer untereinander nooh die gleiche Sprache sprechen
und in den gleichen Linien denken. Oder, knapper ausgedrueckt:
die Frage ist entstanden, ob sich der amerikanische Kapitalismus
in der gleichen Richtung bewegt wie der europaeische oder ob da
nicht, innerhalb der Gedankenwelt des Unternehmertums, eine
ernstliche Spaltung oder Meinungsverschiedenheit zwischen Amerikanern und Europaeern entstanden ist.
1 -

�In der ersten Dezemberwoche fand in New York eine Tagung
der "Internationalen Konferenz der Industriellen" statt, ein
Neuankoemmling in der Welt der internationalen Organisationen;
die Tagung war einberufen und durchgefuehrt worden von Amerikas
maechtigem Industriellenverband, der "National Association of
Manufacturers". Auf dieser Tagung prasselten die Differenzen
zwischen den amerikanischen Veranstaltern und ihren europaeischen
Gaesten hart aufeinander-- genau so, wie man das in den letzten
Jahren schon mehrfach auf Kongressen der Internationalen Handelskammer und Industriellenkonferenzen im Rahmen der amerikanischen
Marshallplanorganisation und der Pariser Organisation fuer "wirtschaftliche Zusammenarbeit" erlebt hat. Auf dieser New-Yorker
Tagung gab es eine faszinierende Debatte, gefuehrt auf der einen
Seite von Charles Wilson, Generaldirektor des amerikanischen
Konzerns "General Motors", und auf der anderen Seite von Sir
Norman Kipping, dem Praesidenten des Nationalverbandes der Britischen Industrie; die eine Seite forderte die andere auf, den
"altmodischen Kapitalismus der Alten »Veit" durch das "fortschrittliche amerikanische System des freien "Wettbewerbs" zu ersetzen und die andere Seite erwiderte, dass die Amerikaner ihre Methode
nur darum anwenden koennen, weil sie "aus dem vollen wirtschaften koennen, d.h. weder Rohstoffsorgen noch Absatzsorgen noch
Fragen der Zahlungsbilanz und der Waehrung noch Kreditschwierigkeiten kennen; und im uebrigen haetten so viele amerikanische
Industrien ihren Frieden mit Staatskontrolle und den Organen
staatlicher Planung gemacht, dass man von "freier Wirtschaft"
wohl kaum noch reden koenne."
Dieser Gegensatz innerhalb der industriellen Elite hueben
und drueben zu beiden Seiten des Atlantik ist einer der ernstesten Faktoren in den amerikanisch-europaeischen Beziehungen. Bekanntlich werden die noch verbleibenden Zahlungen des Marshallplanes, ausdruecklich auf Wunsch der amerikanischen Geschaeftswelt, so verwendet, dass ein Druck auf die europaeische Industrie
ausgeuebt wird, ihre Produktionsmethoden zu modernisieren, ihre
Kalkulation zu veraendern und alle restriktiven Methoden (Kartelle,
Monopole, Marktaufteilungen, Preisabkommen usw.) zur Ausschaltung
der Konkurrenz fallen zu lassen. Die meisten europaeischen Industriellen akzeptieren heute das Prinzip der Modernisierung der
Produktion nach amerikanischem Muster - aber das von den Amerikanern gepredigte Prinzip der "Freude an der Konkurrenz" als Ansporn füer vermehrte Anstrengungen und Verbesserungen, hat - nach
maerikanischer Ansicht - sich in Europa nicht durchsetzen koennen.
Und die Sprecher der amerikanischen Wirtschaft, z.B. der erwaehnte
Generaldirektor der "General Motors" in seiner Ansprache in New
York, erklaerten, dass man den Rueckstand der europaeischen Industrie gegenueber der leistungsfaehigeren Produktion in den USA
nicht nur durch Betriebsrationalisierungen undfiinfuehrungdes
Taylor-Systems aufholen koenne; die ganze Konzeption der europaeischen Industriellen verlange eine gruendliche Modernisierung.
Nun muss man sich zwar darueber klar sein, da3S amerikanische
Industriolle gerne den Rock des Missionars anziehen und auf der
ganzen Welt in schulmeisterlichem Tön die Ueberlegenheit ihrer
Methoden, Ansichten und Taetigkeiten predigen - und man braucht
ihre Reden nicht auf die Goldwaage zu legen, denn in der Praxis
sieht auch in Amerika manches anders aus als in pathetischen
Reden im Bankettsaal. Aber ein Koernchen 'Wahrheit ist doch daran.
Die ameri. kanische Industrie war einmal unendlich viel ellenbogenhaerter, ruecksichtsloser, draufgaengerischer und sozialreaktionaerer als die europaeische; die ßuacher von Upton Sinclair und
Jack London, die vor einem halben Jahrhundert die damalige Realitaet
- 2

�aufzeichneten, waren kaum uebertrleben.
Inzwischen hat sich viel geaendert. Die Gesetzgebung der
Aera Roosevelt trug zu diesen Aenderungen viel bei; aber entscheidender war und ist, dass die geistige Einstellung des
Unternehmertums sich gewandelt hat. Und diese neue geistige
Haltung des amerikanischen Unternehmertums ist es, die von
den Sprechern der amerikanischen Wirtschaft heute immer wieder,
haeufig in ungeschickter Form und mit peinlich wirkendem Selbstlob, der «Veltoeffentlichkeit vorgefuehrt wird.
In Wirklichkeit ist es so, dass der geschilderte Riss quer
durch die Schicht der amerikanischen Industriellen, Betriebsdirektoren und "Managers" hindurch geht - es ist fast, wenn
auch nicht haargenau, ein Generationsgegensatz. Oberflaechlich
gesehen, ist das Kennzeichen der juengeren Generation,die
heute schon die Oberhand gewonnen und sich sehr erfolgreich
durchgesetzt hat, dass sie politisch verhaeltnismaessig weit
"links" steht. Sie akzeptiert freudigen Herzens, nicht nur
notgedrungen, die staatlichen Planungs-, Kontroll- und Sozialschutzinstanzen in der Wirtschaft, und sie hat ein System so
ueberraschend enger Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften geschaffen, dass der Auslaender stets erstaunt ist - wie etwa
ueber den gemeinsamen Besuch von Universitaetskursen ueber Betriebswissenschaften usw. von Industriellen, Direktoren und Prokuristen zusammen mit ihren eigenen Betriebsraeten und den Funktionaeren der zustaendigen Gewerkschaften. Ausserdem ist die
Zahl der paritaetisch zusammengesetzten Kommissionen fuer Betriebs- und Produktionsfragen und dgl. gewaltig angeschwollen wobei es sich,wohlgemerkt, zumeist nicht um gesetzlich vorgeschriebene oder behoerdllche Organe handelt, sondern um freiwillig gebildete Instanzen der wirtschaftlichen und betrieblichen Selbstverwaltung.
Aber die "linke" gewerkschaftsfreundliche und sozialreformatorische Einstellung der juengeren amerikanischen Industriellengeneration ist nur ein Teil des Bildes. Der andere und vielleicht wichtigere Teil ist ihre Experimentierfreudigkeit. Was
es in amerikanischen Fabriken an Experimenten gibt, 'zumeist sozialer Natur, und immer mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen
Betriebsleitung und Belegschaft zu verbessern, ist kaum noch zu
uebersehen. Betriebskrankenkassen, Betriebspensionskassen, Betriebsaltersheime usw. gibt es in grosser Zahl und nach vielen
verschiedenen Formeln und Prinzipien, und zwar bei Gross- wie
auch bei Mittelbetrieben; und ebenso gibt es unendliche Formeln
und Rezepte fuer Gewinnbeteiligung der Belegschaft, Praemienausschuettungen an die Belegschaften nach dem Muster und Schluessel
der Aktiendividenden, verschiedene Experimente fuer "JahresLohngarantie" (bei der „dem Arbeiter ein Jahresgesamteinkommen
fuer 2080 Arbeitsstunden garantiert wird, naemlich 40 Arbeitsstunden pro i/oche in den 52 Wochen des Jahres) und andere Formeln mehr; es gibt Experimente, wie man durch technische Methoden die Zahl der Betriebsunfaslle vermindern und wie man aelteren Arbeitern Leben und Arbeit erleichtarn kann usw.
Nun ist das Standard-Gegenargument von europaeischer Seite,
dass es das gleiche und sehnliches in Europa auch gebe, unbedingt richtig; aber Umfang, Ausdehnung, Tempo und Vorurteilslosigkeit dieser Experimentier- und Reformfreudigkeit sind in
Amerika groesser. Nimmt man zu diesen Dingen noch die bekannten
Faktoren dazu, wie die Massenproduktion mit geringem Profit, die
- 3 -

�Politik der hohen Loehne, die groessere Konsumkraft erzeugt,
und die staendigen Reformen und Verbesserungen in bezug auf
Produktionstechnik und Fabrikationsmethode, dann hat man in der
Tat einige frappante Unterschiede vor sich, die die heutigen
tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten zwischen amerikanischem
und europaeischem Unternehmertum sehr deutlich illustrieren.
"Der Bund"
Bern, XIl/16/51
MITGLIEDERZAHLEN UND TARIFVERTRAEGE KANADISCHER GEWERKSCHAFTEN
Die Zahl der Mitglieder aller Gewerkschaften in Kanada
betrug im Jahre 1951 insgesamt 1029,000, - das ist, dem Jahre
1950 gegenueber, eine Steigerung um 2% oder, in Zahlen eusgedrueckt, um mehr als 22,000. Dies geht aus der 14. Jahreszaehlung kanadisoher GewerksohaftsOrganisationen hervor, die
vom kanadischen Arbeitsministerium durchgefuehrt wurde. »Vie
die nachstehenden Zahlen zeigen» wird durch diese Erhoehung
die Aufwaertstendenz in den Mitgliederzahlen seit 1939 fortgesetzt:
Jahr:

Mitgliederzahl:

Jahr:

1939
1940
1941
1942
1943
1944

359,000
362,000
462,000
578,000
665,000
724,000

1945
1946
1947
1948
1949
1951

Mitgliederzahl:
711,000
832,000
912,000
9 78,000
1,006,000
1,029,000

Etwa 85$ der Gewerkschaftsmitglieder gehoeren Gewerkschaften an, die einem der drei kanadischen Gewerkschaftsbuende angeschlossen sind. Seit Dezember 1949 hat sich die Zahl der
Mitglieder des Gewerkschaftsbundes "Trades and Labor Congress"
(TLC) um annaehernd 2,5$, die des "Canadian Congress of Labor"
(CCL) um mehr als 3# und die der "Canadian and Catholic Confederation of Labor" (CCCL) um mehr als 7$ erhoeht. Die Mitgliederzahlen der einzelnen Gewerkschaftsbuende sind der nachstehenden Tabelle zu entnehmen:
Trades and Labor Congress of Ganada (TLC)
davon in Gewerkschaften, die AFL und TLC
angeschlossen sind 1/
TLC allein

470,926

Canadian Congress of Labor (CCL)
davon im CIO und CCL
im CCL allein

312,532
204,945
107,587

Gewerkschaften, die nicht dem CCL angeschlossen
sind
nur der AFL angeschlossen
nur dem CIO angeschlossen
All-Amerikanische Eisenbahnergewerkschaft

389,973
80,953

11,307
1,500
40,459

Andere unabhaengige All-ümerikanische Gewerkschaften 50,205
Kanadischer und Katholischer Gewerkschaftsbund
(CCCL)
- 4 -

86,184

�National Council of Canadian Labor
Canadian Föderation of Labor

2/

5,138

Z/

3,971

Landes-, Bezirks- oder Ortsgewerkschaften, die
nicht dem CCL angeschlossen sind
»
Insgesamt
1,028,521
1/ Fuenfundsechzig Ortsgewerkschaften mit 6,993 Mitgliedern sind direkt und ausschliesslich der AFL
und auch dem TLC angeschlossen.
2/

Diese Zahl bezieht sich auf die angeschlossenen Gewerkschaften, die ihre Mitgliedszahlen dem Arbeitsministerium mitteilten.

Von den 307 Tarifvertraegen, die von der kanadischen Arbeitsverwaltung im Jahre 1951 registriert wurden, enthalten
46 (15%) sehr verschiedenartige sogenannte "Stufengleitklauseln", nach denen die Loehne im gleichen Verhaeltnis wie der
offizielle Lebenshaltungskostenindex erhoeht werden. Die Abteilung fuer '.Virtschaft und Forschung im kanadischen Arbeitsministerium teilt mit, dass die bestehenden Vereinbarungen der
Stufengleit-Klauseln im allgemeinen bestimmen, dass der Stundenlohntarif im Anschluss an eine Erhoehung des Lebenshaltungskostenindex heraufgesetzt werden muss. Im Gegensatz hierzu
war es im Jahre 1950 allgemein ueblich, fuer jede Erhoehung
des Lebenshaltungskostenindex um einen Punkt eine woechentliche Praemie von 25 Cents zu gewaehren. In den Vertraegen von
1951 dagegen wird zumeist festgelegt, dass jede Erhoehung des
Lebenshaltungskostenindex um 1,3 Punkte eine Stundenlohntariferhoehung um einen Cent zur Folge haben muss. Fuer den Fall,
dass der Index jedoch zurueckgeht, sind keine entsprechenden
Vorkehrungen getroffen. Die Vertraege, die Stufengleit-Klauseln enthalten, sind ici Durchschnitt fuer weit mehr Arbeiter
gueltig als solche, in denen derartige Bestimmungen nicht verankert sind.
Notes on Labor Abroad
51/7 - 8
i

DIE LOEHNE IN DER

A I T E R B U N ISCHEN

STAHLINDUSTRIE

Die gegenwaortigen 3emuehungen der amerikanischen Stahlarbeitergewerkschaft (CIO) um einen neuen Tarifvertrag fuer
die stahierzeugende Industrie hat die Aufmerksamkeit der Oeffehtlichkeit in den Vereinigten Staaten auf die Lohnstruktur
in diesem Industriezweig konzentriert. Zur gleichen Zeit, in
der Verhandlungen gefuehrt werden, hat das Buero fuer itrbeitsstatistik im amerikanischen ürbeitsministerium einen Bericht
ueber die Lohnstruktur in der Eisen- und Stahlindustrie veroeffentlicht. Die Angaben gelten fuer den Monat Januar des
Jahres 1951. Der durchschnittliche Stundenlohn (ohne Zuschlaege fuer Ueberstunden) betrug fuer 600.000 Arbeiter in der
Eisen- und Stahlindustrie rund 1.79 Dollar. Die Loehne der
mittleren Lohngruppen, denen 50$ aller Stahlarbeiter angehoeren, bewegten sich zwischen 1.50 und zwei Dollar pro Stunde.
In der Eisen- und Stahlindustrie ist der Grad der Unahhaengigkeit der Betriebe von Zubringerbetrieben sehr verschieden. In einigen Unternehmungen spielen sich saemtliche Produk- 5 -

�tionsprozesse ab - von der Gewinnimg der Rohstoffe bis zur
Herstellung der fertigen StahlerZeugnisse. Andere Gesellschaf tsunternehmen, in einigen Faellen auch einzelne Fabriken,
haben sich auf bestimmte Erzeugnisse spezialisiert. Im allgemeinen ist die Mannigfaltigkeit der Arbeitsplaetze, die in
ihren Anforderungen an die Arbeiter wiederum sehr verschieden
sind, ein charakteristisches Merkmal dieser Industrie. Ein
Standard-Lohnsystem mit 32 verschiedenen Stufen ist aus diesen Gruenden aufgestellt worden, der Unterschied zwischen den
einzelnen Stufen kommt in der Bezahlung im allgemeinen durch
einen Stundenlohnunterschied von fuenf Cents zum Ausdruok.
Nach einem "Genossenschaftlichen Lohnstudien-System" werden
bestimmte Berufe nach einem Punktsystem bewertet, bei dem Erfahrung, Geschicklichkeit, Verantwortung, Kraftaufwand und
Arbeitsbedingungen eine Rolle spielen.
Die Industrie ist hauptsaechlich auf die Gebiete der mittleren Atlantikkueste und die der grossen Seen konzentriert.
Hier sind ueber fuenf Sechstel aller Stahlarbeiter taetig.
Sie sind fast 100^-ig gewerkschaftlich organisiert. Die fuehrende Gewerkschaft ist die Vereinigte Stahlarboiter-Gewerkschaft
von Amerika ICIO). Das Wesen dieser Industrie bringt es mit
sich, dass in ihr fast nur Maenner beschaeftigt sind.
In dem allgemeinen Durchschnittslohn des Stahlarbeiters
in Hoehe von 1.79 Dollar pro Stunde sind keine Zuschlaege fuer
Ueberstundenarbeit enthalten. Er war Mitte Januar 1951 einer
der hoechsten Durchschnittsloehne in den amerikanischen Herstellerindustrien. Gebietsmaessig variierte der Durchschnittslohn von 1.68 Dollar im Sueden bis 1.81 Dollar im Gebiet der
grossen Seen. Etwa 1% der Arbeiter erhielten in der Stunde
weniger als 1.30 Dollar, und 1,2% verdienten drei Dollar und
mehr in der Stunde.
In 168 Berufsgruppen bewegten sich die Loehne zwischen
einem Durchschnitt von 1.34 Dollar fuer Feger in Drahtfabriken
und 5 Dollar fuer Blechwalzer in Werken, in denen nur heiss
gewalzt wird. Fuer die Haelfte der Berufe lagen die Durchschnittsstundenloehne zwischen 1.70 und 2.10 Dollar.
Zur Zeit der Erhebung betrug der durchschnittliche Stundenlohn einschliesslich der Ueberstundenpraemien 1.88 Dollar. Aus
Angaben fuer den Monat September 1951 geht hervor, dass dieser
Betrag ungefaehr gleich geblieben ist.
Zu einigen der direkten Lohnverguenstigungen fuer Stahlarbeiter gehoeren Sonderzuschlaege fuer Spaetschicht- und Ueberstundenarbeit, bezahlte Feiertage und Urlaub. Die durchschnittlichen Mehraufwendungen der Unternehmer fuer diese Sonderzuschlaege beliefen sich auf etwa 11 ."5 Cents fuer jede geleistete
zusaetzliche Arbeitsstunde. Fuer indirekte Vergüenstigungen,
wie z.B. gesetzlich vorgeschriebene Versicherungen (Arbeitslosen-,
Alters-, Hinterbliebenen- und Unfallversicherung) und fuer
freiwillige Versicherungen betrugen die ausgaben der Unternehmer
fuer jede geleistete Arbeitsstunde im Durchschnitt 4,6 bzw.
2,5 Cents.
Die Aufwendungen fuer Pensionsplaenc, die von den Arbeitgebern allein finanziert werden, wurden nicht berechnet, weil
sie im Augenblick nicht als charakteristisch fuer die gesamte
Stahlindustrie angesehen werden. Im allgemeinen ist jedoch eine
Pension vorgesehen, die bei Erreichen des 65. Lebensjahres oder
- 6 -

�bei Eintritt totaler Erwerbsunfaehigkeit eines Arbeitnehmers
mit 15 Dienstjahren gezahlt wird.
In den TarifVerhandlungen, die gegenwaertig in der Stahlindustrie gefuehrt werden, stellt die Stahlarbeitergewerkschaft Amerikas 22 Vertragsforderungen, darunter eine "wesentliche" Lohnerhoehung auf Grund hoeherer Lebenshaltungskosten,
ein garantiertes Jahreseinkommen, Ueberstundenbezahlung fuer
Arbeit an Sonnabenden und Sonntagen, acht bezahlte Feiertage
im Jahr, grosszuegigere .Urlaubsbestimmungen, hoehere Praemien
fuer Nachtarbeit und einige andere Vergünstigungen. Man rechnet ausserdem damit, dass die Gewerkschaft eine Lohnerhoehung
auf Grund gestaigerter Produktivitaet fordern wird.
Die Stahlfirmen geben jedoch vor, ohne eine Erhoehung der
Stahlpreise keine- Lohnerhoehungen und sonstigen Vergünstigungen gewaehren zu koennen. Sprechern der Industrie zufolge koennen den Arbeitern nach dem jetzigen Stand nicht mehr als sechs
Cents an Stundenlohnerhoehungen gewaehrt werden, wenn die Bestimmungen des Lohnstabilisierungsausschuases ueber die Lebenshaltungskosten nicht verletzt werden sollen. Die Gewerkschaft
ist dagegen der Auffassung, dass die Arbeiter auf Grund erhoehter Lebenshaltungskosten Anspruch auf eine Lohnerhoehung von
mindestens zwoelf Cents in der Stunde haben, und dass sie ferner Produktivitaetszuschlaege und andere Verguenstigungen erhalten muessen, die insgesamt 25 Cents oder mehr ausmachen
muessen.
Fuer den Fall, dass keine Einigung erzielt ist, wenn die
jetzt gueltigen Vertraege abgelaufen sind, wird der Praesident
den Lohnstabilisierungsausschuss mit der Beilegung des Streitfalles beauftragen, um einen Streik zu vermeiden, der das Mobilisierungs- und Verteidigungsprogramm schwer in Mitleidenschaft ziehen koennte.
Weekly Labor News Digest
VI/49
DIE SOZIAL VERSICHERUNG DER U.S. GEWAEHRT MUETTERN ERHOKHTEN
SCHÜTZ
Naoh der im Jahre 1950 erlassenen Abaenderung zum bundesstaatlichen Sozialversicherungsgesetz fuer die Vereinigten Staaten haben Frauen im allgemeinen groessere Rechte und ebenso
Anspruch auf hoehere Unterstuetzungen. .Dies trifft sowohl
fuer verheiratete Frauen, Muetter und Witwen als auch fuer
solche berufstaetige Frauen zu, die ihre Familie unterhalten.
Das neue Gesetz beruecksichtigt z.B. in weit groesserem Unfang
als das alte die wirtschaftlichen Beduerfnisse der unterhaltsberechtigten Frau mit Kindern. Bisher hatte die Frau eines
pensionierten oder sozialversicherten Arbeiters in keinem
Fall vor Erreichen des 65. Lebensjahres Anspruch auf monatliche
Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung. Nach dem neuen
Gesetz dagegen ist eine Frau, die ein minderjaehriges Kind versorgt, das Anspruch auf Unterstuetzung aus der Sozialversicherung hat, ebenfalls unterstuetzungsbörechtigt, gleichgueltig,
welchen Alters sie ist. Diese Zahlungen werden bis zum 18.
Lebensjahr des Kindes fortgesetzt.
Nach dem alten Gesetz hatte eine Mutter, die das minderjaehrige Kind ihres verstorbenen oder geschiedenen Gatten
- 7 -

�unter ihren Namen versorgt, keinen Anspruch auf monatliche Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung, nenn sie jetzt jedoch fuer den Lebensunterhalt ihres eigenen Kindes oder eines
gesetzlich adoptierten Kindes aufkommt, das Anspruch auf Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung hat, und wenn sie nicht
wieder geheiratet hat, wird auch an sie eine monatliche Untecr
stuetzung gezahlt. Zur Zeit des Todes ihres versicherten oder
geschiedenen Gatten muss ihr Lebensunterhalt entweder auf Grund
einer Abmachung oder einer gerichtlichen Verfuegung mindestens
zur Haelfte von diesem bestritten worden sein. Durch diese Bestimmung findet in dem neuen Gesetz die Tatsache Beruecksichtigung, dass eine geschiedene Frau, deren Lebensunterhalt zum
groessteh Teil aus dem Einkommen ihres ehemaligen Gatten finanziert wurde, nach dessen Tod die Hinterbliebenenrenten mindestens ebenso dringend braucht wie eine Frau, deren Ehe nicht
aufgeloest wurde.
Die Be stimm uns in dem neuen Gesetz, nach der die Militaerzeit waehrend des zweiten Weltkrieges fuer die Sozialversicherung als Arbeitszeit voll angerechnet wird,, hat fuer viele
Frauen zusaetzliche Unterstuetzungen gebracht. Dieses Gesetz
sieht nicht nur die Anrechnung der Militaerzeit fuer Frauen vor,
die selbst beim Militaer dienten, sondern Spricht auch vielen
Witwen und Muettern gefallener Soldaten einen Anspruch auf
Hinterbliebenenrente zu. Hinterbliebene gefallener Soldaten,
die in der Sozialversicherung versichert waren und minderjaehrige Kinder hinterliessen, koennen jetzt selbst dann durch die
Sozialversicherung unterstuetzt werden, wenn sie nach den Bestimmungen des Gesetzes ueber die Versorgung von Soldaten eine
Pension beziehen wuerden. Wenn die Dienstzeit waehrend des
zweiten Weltkrieges zu der Arbeitszeit des gefallenen Gatten
oder Sohnes, waehrend der er der Sozialversicherung angehoerte,
hinzugezaehlt wird, werden viele Frauen sofort Anspruch auf
Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung erhalten.
Facts on Women Workers
9/30/51
"MIT DIESEN HAENDEN"
"Mit diesen Haenden" ist die Geschichte von 400.000 Arbeitern des Schneidereigewerbes in den Vereinigten Staaten und
Kanada - die Schilderung eines Kampfes, den eine Gruppe amerikanischer Arbeiter durch ihre organisierte Staerke und durch
den Aufbau einer maechtigen Gewerkschaft mit ihren eigenen
Haenden gegen unmenschliche Bedingungen fuehrte, um sich und
ihren Familien anstaendige Lebensbedingungen zu sichern.
Dieser Film wurde von der All-amerikanischen Gewerkschaft
der Damenoberbekleidungsarbeiter hergestellt, um ihr Goldenes
Jubilaeum aus Anlass ihres 50-jaehrigen Bestehens zu feiern.
Die Geschichte von den KaempTen, die gefuehrt werden mussten,
um die Gewerkschaft gruenden und erhalten zu koennen, ist in
die Herzen der Mitglieder eingeschrieben, und man war der Ansicht, dass diese Geschichte zum Leben erweckt und in ansprechender Form mit den besten Berufstalenten, die dem amerikanischen
Film zur Verfuegung stehen, vor die Oeffentlichkeit und die
uebrige Arbeiterschaft gebracht werden muesse.
Tatsache ist, dass ein solcher Film praktisch von jeder
einzelnen Gewerkschaft haette gedreht werden koennen, denen

8

�die 16 Lflillionen organisierter Arbeiter in den Vereinigten
Staaten und Kanada angehoeren. Bestimmte Vorfaelle, ortsgebundene Probleme, Namen und Daten wuerden verschieden sein aber das Wesentliche waere in allen Faeilen dtis gleiche.
Wenn sich der amerikanische Arbeiter heute eines hohen
Lebensstandards erfreut, so zeigt der Film, wie erbittert
er Schritt fuer Schritt darum kaempfen musste.
Gegen hartneeckige Unternehmer, die sich in keiner ".»'eise
von den Arbeitgebern in der uebrigen Welt unterschieden,
musste jeder Fortschritt schwer erkaempft werden. Wenn jauch
die Unternehmer in den Vereinigten Staaten inzwischen gelernt
haben, dass eine liberale Politik der Beziehungen zwischen
Arbeitgebern und Gewerkschaften sowohl den ersteren als auch
den letzteren zugutekommt, so muss doch hervorgehoben werden,
dass es die Dynamik der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
war, die diese Veraenderung zustandegebracht hat.
Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter haben nicht
vergessen, wieviel Lluehe es gekostet hat, ihre Gewerkschaften
aufzubauen und zu den jetzigen Lebensbedingungen zu kommen,
und sie wissen auch, was es kostet, diese Erfolge fuer clie
Dauer zu sichern. Sie wissen, dass es letzten Endes ihre
Wachsamkeit, ihre Solidaritaet, ihre organisierte Staerke und
die Erhaltung der demokratischen Freiheiten sind, die den Ausschlag geben. Sie sind entschlossen, von dieser soliden Grundlage der Errungenschaften der Vergangenheit aus ihren Weg zu
neuen Horizonten fortzusetzen.
Der groesste Teil der Mitglieder der Gewerkschaft der
Damenoberbekleidungsarbeiter, die die Gewerkschaft erfbaute,
waren Einwanderer, die ihre Heimat in Russland, Polen, Italien
und anderen Laendern verlassen hatten, weil sie sich von der
Neuen »Veit mehr versprachen. Viele hatten die Pogrome in
Europa kennengelernt; andere mussten der politischen Verfolgung entfliehen; wieder andere waren Vorkaempfer und Fuehrer
in der europaeischen Arbeiterbewegung gewesen.
Trotz der schlechten Verhaeltnisse, die ^sie vorfanden,
hatten sie ihren Traum von einer Neuen Welt nicht aufgegeben.
Sie wussten die Freiheit zu schaetzen, und sie schlössen sich
der Gewerkschaft an, um dem echten Begriff der Freiheit sowohl
im industriellen als auch im politischen Leben eine Bedeutung
zu geben.
Eine Ortsgewerkschaft der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter nennt sich Ortsgewerkschaft Nr. 48 zum Andenken an die Revolution von 1848; eine andere Ortsgewerkschaft
italienisch sprechender Arbeiter traegt im Gedenken an die
Franzoesische Revolution im Jahre 1789 die Nr. 89. Ihr Leitspruch heisst "Pane e Rose" (Brot und Rosen).
Dies ist im wesentlichen das Motto der gesamten Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter. Denn fuer diejenigen,
die die Gewerkschaft gruendeten, waren das Recht, sich seinen
Lebensunterhalt zu verdienen und das Recht auf Freiheit und
Glueck untrennbar miteinander verbunden.
Dadurch, dass die Gewerkschaft der DamenOberbekleidungsarbeiter fuer Sicherheit des Arbeitsplatzes, fuer eine Verkuerzung der woechentlichen Arbeitszeit von 70 und 80 Stunden auf
- 9 -

�35 Stunden und fuer bessere Loehne sorgte, hat sie ihren Mitgliedern mehr Freizeit ermoeglicht, in der sie die Annehmlichkeiten des Lebens geniessen koennen. Aber die Gewerkschaft ist nooh weiter gegangen und hat ihren Mitgliedern
nicht nur ein besseres Leben gesichert, sondern auch Einrichtungen geschaffen, die es ihnen ermoeglichen, diese groessere
Freizeit zu geniessen»
Mit ihren Heimen im ganzen Land hat die Gewerkschaft
der Damenoberbekleidungsarbeiter ein weitreichendes Schulungs-,
Kultur- und Erholungsprogramm in die Wege geleitet, das den
Wuenschen und Beduerfnissen ihrer Mitglieder angepasst ist.
Tausende von Arbeitern nehmen an sportlichen Veranstaltungen,
Musikabenden, Vortraegen uebor Kunst, Tanzveranstaltungen
und Theatervorfuehrungen der Gewerkschaft teil. Das Bildungsreferat unterhaelt eine Arbeiterhoohschule, an der Berufsdozenten oder Experten der Gewerkschaft Kurse ueber Gewerksohaftsgeschichte, Rhetorik, Psychologie, Gewerkschaftsprobleme, das Musikhoeren, aktuelle und Wirtschaftsfragen geben.
Das sogenannte "Unity House", das Sommerheim der Gewerkschaft, das einen Wert von einer Million Dollar hat, spielt
in diesem Programm eine wesentliche Rolle. Die Gewerkschaft
bietet ihren Mitgliedern und Gaesten nioht nur einen luxurioesen Ferienaufenthalt zu durchaus erschwinglichen Preisen,
sondern laedt auch in jedem Sommer bekannte Dozenten, Unterhaltungskuenstler und Musiker ein.
Weil die Staerke einer demokratisphen Gewerkschaft davon
abhaengig ist, ob ihre Mitglieder aufgeklaert und wachsam sind,
hat die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter ein
besonderes Schulungsprogramm aufgestellt, das Lehrgaenge fuer
neue Mitglieder, Sonderkurse fuer Betriebsratsvorsitzende,
fuer Mitglieder oertlicher Gewerkschaftsvorsteende und fuer
zukuenftige Funktionaere vorsieht. Weiter wird Unterricht
ueber die Struktur und Arbeitsweise der Gewerkschaft, ueber
die Organisationsmethoden, das Abhalten von Gewerkschaftsversammlungen, die Fuehrung der Geschaeftsbuecher der Gewerkschaft,
ueber Streik und das Unterbreiten von Forderungen der Arbeiter
erteilt.
"Mit diesen KaendenJ* erzaehlt die Geschichte der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter an Hand der Lebensgeschichte eines einzelnen Mitglieds der Gewerkschaft. Mit dieser Geschichte veranschaulicht der Film ausserdem, was sich
ereignet, wenn sich freie Arbeiter in einem freien Land zusammenschliessen, um sich ein glueckliches Leben und wirtschaftliche Gerechtigkeit zu verschaffen.
Auszug aus dem Prospekt zu
"Mit diesen Haenden" der ILGWU
DIE INTERNATIONALE ARBEITS ORGANISATI PN BERICHTET VON IHRER
ARBEIT
""""—
Vor wenigen Wochen sagte der Generaldirektor der Interna• tionalen Arbeitsorganisation, David A. Morse, vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen:
"Die Internationale Arbeitsorganisation ist universell.
Sie befasst sich mit allen einschlaegigen Fragen und sucht
- 10 -

�Loesungen unter dem Gesichtspunkt des Interesses aller Voelker.
Sie ist kein Werkzeug in der Hand eines Staates oder einer
Staatengruppe und wird es auch niemals sein. Sie wird jeden
Staat als Mitglied begruessen, der bereit ist, die Verpflichtungen auf sich zu nehmen, die sich aus der Charta der Internationalen Arbeitsorganisation ergeben."
Diese Botschaft wurde von den Vereinten Nationen mit Beifall aufgenommen. Die Internationale Arbeitsorganisation hat
in den Jahren ihres Bestandes laengst bewiesen, dass sie eine
unparteiische Einrichtung im Dienste der Gerechtigkeit und der
Freiheit ist. Ihr Ziel ist durch die Charta festgelegt: Die
Arbeits- und Lohnverhaeltnisse in der ganzen Welt zu verbessern
und so die Grundlagen fuer einen allgemeinen und dauernden Frieden zu legen.
Die Internationale Arbeitsorganisation wurde auf der Pariser Friedenskonferenz naoh dem ersten V/eltkrieg geschaffen.
Sie war von Anfang an eine selbstaendige Koerperschaft, die mit
dem Voelkerbund zwar verbunden war, aber nicht von ihm abhing.
Im Jahre 1946 wurde sie zu einer der technischen Spezialorganisationen, die der UNO angeschlossen sind. Ihr Arbeitsfeld
ist die Verbesserung der sozialen Verhaeltnisse und der Arbeitsbedingungen. Sie hat nicht nur eine Reihe von Unters uchunren
ueber Arbeitsfragen in den verschiedensten Teilen der Welt
durchgefuehrt, sondern auch bedeutende praktische Fortschritte
in der Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Bevoelkerung
zahlreicher Laender erzielt. Der Sitz der Organisation ist in
Genf, dem ehemaligen Sitze des Voelkerbundes.
Die dreiteilige Struktur der Organisation ist sehr klar
und uebersichtlich. Dia hoeohste Instanz ist die Jahreskonferenz, auf der die Vertreter aller Kitgliedsstaaten Beschluesse
fassen und alljaehrlich das Arbeitsprogramm der Organisation,
ihre Geschaeftsfuehrung und die Ernennung und Taetigkeit der
leitenden Funktionaere festlegen und ueberpruefen. Fuer die
Ausfuehrung der Beschluesse der Jahreskonferenz ist der Exekutivausschuss verantwortlich. Die Organisation verfuegt ueber
ein staendiges Sekretariat, das Internationale Arbeitsamt. Gegenwaertig sind 65 Staaten der Organisation angeschlossen. Das
juengste Mitglied ist Japan, das erst vor wenigen Wochen beigetreten ist.
Die Arbeit der Internationalen Arbeitsorganisation vollzieht sich unter Beachtung der staatlichen Souveraenitaet. Die
Organisation kann Vertraege ausarbeiten und den Staaten zur
Ratifizierung vorlegen, aber ihre Beschluesse sind nicht von vornherein fuer alle Mitglieder verbindlich. Eine weitere Besonderheit der Organisation ist die paritaetische Vertretung der drei
Elemente, die das Wirtschaftsleben in jedem Lande bestimmen:
naemlich Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Regierungsvertreter.
Zu den praktischen Erfolgen der Internationalen Arbeitsorganisation gehoert vor allem die Ausarbeitung einer Reihe von
Abkommen, die das internationale Arbeitsrecht bilden. Diese
Abkommen legen die Begrenzung der Arbeitszeit, eine Mindestlohngrenze und eine Anzahl sozialer Vorteile fuer die Arbeiter jener
Laender fest, die diese Abkommen unterzeichnet haben. Auch die
gewerkschaftliche Freiheit wird durch die Bestimmungen des internationalen Arbeitsrechtes gewaehrleistet. Insgesamt wurden
durch die Initiative der Organisation bis heute 98 internationale
11 -

�Abkommen unterzeichnet und 88 Empfehlungen an alle Staaten
herausgegeben. Viele der Mitgliedsstaaten haben die Empfehlungen der Organisation nicht nur befolgt, sondern durch
fortschrittliche soziale Gesetze noch ueberboten.
Urspruenglich war die Mitgliedschaft bei der Internationalen Arbeitsorganisation an die Zugehoerigkeit zum Voelkerbund
gebunden. In der Folgezeit wurden jedoch zahlreiche Staaten,
die bei ihrer Gruendung dem Voelkerbund nicht angehoerten, zur
Internationalen Arbeitsorganisation zugelassen.
Im vergangenen Sommer wurde Deutschland, das die Organisation vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs verlassen hatte,
wieder aufgenommen. Das deutsche Beitrittsgesuch wurde von
dem stellvertretenden Praesidenten der Organisation, Leon
Jouhaux, der vor kurzem mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, mit grosser Energie befuerwortet. Jouhaux sagte
bei diesem Anlass: "Man kann nicht vom Haas leben, man kann
nicht auf Rachegefuehlen bauen."
Kuerzlich hat die Internationale Arbeitsorganisation eine
Erhebung ueber die Zwangsarbeit eingeleitet. Ueberall, wo
Zwangsarbeit besteht, sollen die Verhaeltnisse untersucht und
die Mittel zur Abschaffung dieser barbarischen Einrichtung gefunden werden. Die Vereinten Nationen und alle der Internationalen Arbeitsorganisation angeschlossenen Regierungen haben
ihre Mithilfe bei dieser Untersuchung zugesagt.
Eine andere Frage, mit der sich die Organisation befasst,
ist die planmaessige Lenkung der Auswanderung und die Unterbringung dieser Arbeitskraefte.
Besondere Aufmerksamkeit widmet die Internationale Arbeitsorganisation allen Problemen, die die Taetigkeit der Gewerkschaften und das Wohlergehen der Arbeiterschaft betreffen. In
den letzten Jahren hat die Organisation nach der Aufforderung der
UNO den Text eines Abkommens zur Sicherung der Gewerkschaftsfreiheit ausgearbeitet. Zwoelf Staaten haben dieses Abkommen
bereits gesetzlich verankert, weitere Ratifizierungen werden
erwartet.
Die moralischen Grundsaetze, auf denen die arbeit der
Organisation beruht, wurden in einer Erklaerung niedergelegt,
die auf der Konferenz von Philadelphia im Jahre 1944 angenommen wurde. In dieser Erklaerung stehen u.a. folgende Saetze:
"Arbeit ist keine Ware. Die Armut, wo immer sie zu finden
ist, gefaehrdet den Wohlstand aller Laender. Freiehit der
Meinungsaeusserung, Koalitions- und Vereinigungsfreiheit sind
die Grundlagen bestaendigen Fortschritts. Alle Menschen, ohne
Unterschied der Rasse, des Glaubensbekenntnisses und des Geschlechtes haben das Recht, ihre materielle und geistige Entwicklung in Freiheit und Wuerde, in wirtschaftlicher Sicherheit
und mit gleichen Moeglichkeiten zu verfolgen."
Diase Erklaerung ist die Richtlinie fuer die gesamte Taetigkeit der Internationalen Arbeitsorganisation im Interesse
der freien 7/elt.
World Labor News
Script 10
12 -

�DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IN MITTEL- UND SUSP AMERIKA
Vor einem Jahr fand in M^xioo-City eine Zusammenkunft statt,
die fuer die organisierte Arbeiterschaft Lateinamerikas einen
Wendepunkt in ihrer Geschichte darstellt. Vertreter fast aller
Laender Sued- und Mittelamerikas waren auf diesem historischen*
Kongress der Arbeit vertreten. Das Ziel war einfach und genau
festgelegt: Die Staerkung der lateinamerikanischen Gewerkschaften durch ihren Zusammenschluss im Rahmen des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften.
Diese Tagung stellte den Gipfelpunkt einer Entwicklung
dar, deren erste Ansaetze im 19. Jahrhundert liegen, als die
Arbeiter in Sued- und Mittelamerika zum erstenmal ihren Willen
bekundeten, sich zu organisieren. V/elcher Weg von jenen bescheidenen Anfaengen bis zum machtvollen Zusammenschluss, der
heute in ganz Lateinamerika eine Front der Arbeit gegen jede
Form von Diktatur schafftl
Schon vor der Gruendung des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften hat die Arbeiterschaft Lateinamerika ihre Kraefte gefestigt und zusarmengefasst. Gewiss fiel das Ende des
Zweiten Weltkriegs mit dem Hoehepunkt des kommunistischen Einflusses in Lateinamerika und mit den Anf.aengen der peronistischen Bewegung in Argentinien zusammen, aber demnach erlebte
die demokratische Gewerkschaftsbewegung in allen Laendern
Sued- und Mittelamerikas zur gleichen Zeit einen machtvollen
Aufschwung. Es blieb dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften vorbehalten, alle demokratischen Gewerkschaften zum
gemeinsamen Kampf fuer Freiheit und sozialen Fortschritt in
diesem Teile der Welt zusammenzuschliessen.
Eine der ersten überstaatlichen Gewerkschaftsorganisationen der Neuen Welt war die 1920 gegruendete Allamerikanische
Arbeitervereinigung. Sie wurde durch die Initiative der American
Föderation of Labor - der groessten Gewerkschaftsorganisation
der Vereinigten Staaten - und des mexikanischen Gewerkschaftsbundes ins Leben gerufen. Der Allamerikanischen Arbeitervereinigung gehoerten die Gewerkschaften der verschiedenen Laender
Mittel- und Suedamerikas an.
Fast zwei Jahrzehnte vergingen, bis im Jahre 1938 eine
neue lateinamerikanische Gewerkschaftsorganisation geschaffen
wurde, die allgemeineren Charakter hatte und sich auf fast alle
Laender Zentral- und Suedamerikas erstreckte. Ihr gehoerten
neben den argentinischen Gewerkschaften, die damals unter sozialistischer Fuehrung standen, die liberalen Gewerkschaften Kolumbiens und verschiedene Gewerkschaften in Kuba, Chile und Uruguay
an, deren Tendenz jedoch damals oft eine kommunistische war.
Dieser Gewerkschaftsbund, der unter den Anfangsbuchstaben
CTAL bekannt war, geriet nach und nach voellig unter die Kontrolle der kommunistischen Elemente. Eine Anzahl Gewerkschaften,
die sich dem kommunistischen Einfluss entziehen wollten, traten
aus der CTAL aus. Andererseits entstanden in vielen Laendern
des amerikanischen Kontinents neue Gewerkschaftsorganisationen,
die von vornherein den ^nschluss an den CTAL ablehnten. In der
gleichen Zeit wurde schliesslich eine neue Form der Regierungsgewerkschaft, die peronistischen Arbeiterorganisationen gegruendet, die das diktatorische Regime Argentiniens unterstuetzten.
Das Ende des Krieges fuehrte in ganz Lateinamerika zu einer
Verstaerkung der Bewegung fuer die Schaffung sozialer Einrichtungen. Ueberaü bildeten sich neue Gewerkschaften, namentlich
- 13 -

�in Uruguay, Chile, Peru, Kuba und Mexiko. Voellig neue Gewerkschaftsorganisationen entstanden in Costa-Rica und Kolumbien. In Venezuela und Haiti bildeten sich ebenfalls Gewerkschaften, diese zwangen die Unternehmer, die bis dahin keine
organisierten Arbeiter geduldet hatten, die neuen Organisationen anzuerkennen und mit ihnen zu verhandeln. Ueberall standen die sozialen Fragen im Vordergrund. Neben den neuen Gewerkschaften brachen aber auch viele frueheren Mitgliedsgewerkschaften des CTAL mit diesem wegen seiner kommunistischen
Linie. So gab es in ganz Sued- und Mittelamerika zahlreiche
Gewerkschaften, die keinen internationalen Zusammenhalt besessen. Erst im Januar 1948 wurde auf einer Tagung in Lima
eine Dachorganisation fuer alle diese Verbaende geschaffen,
de\r CIT, der interamerikanische Arbeiterbund. Gemeinsam
war allen diesen Organisationen ihre soziale Orientierung und
ihre demokratische Haltung. Die peronistischen Gewerkschaften
wuenschten, zu dieser Internationale zugelassen zu werden,
aber dies wurde rundweg abgelehnt, denn der CIT wollte keine
antidemokratischen Verbaende als Mitglieder haben.
Drei Jahre lang stellte der CIT die einzige ueberstaatliohe Organisation demokratischer Gewerkschaften in Sued- und
Zentralamerika dar. In Zentralamerika waren ihr namentlich
die Gewerkschaften von Kuba, Haiti, Mexiko und Costa Rica angeschlossen.
Vor einem Jahr wurde eine besondere Konferenz fuer den
Ansohluss an den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
einberufen. Der CIT ergriff bereitwillig die Gelegenheit,
sich einem breiteren Rahmen einzugliedern. In der ersten Zeit
standen der Fusion gewisse juristische Hindernisse im Wege,
aber schliesslich wurden alle Schwierigkeiten, ueberwunden und
kurz nach der Konferenz von Mexico City im Januar 1951 kam die
Einigung zustande.
Damit ist die Schaffung einer kraeftigen Organisation der
demokratischen Arbeiterschaft Lateinamerikas abgeschlossen.
Im Rahmen des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften kaempfen die Arbeiter in Sued- und Zentralamerika nunmehr in geschlossener Front gegen Reaktion, Diktatur und Kommunismus, fuer Frieden, -Freiheit und sozialen Fortschritt.
World Labor News
Script 10
ZWEI JAHRE IBFG UND DIE ERFOLGE
Vor zwei Jahren, im Dezember 1949, wurde der Internationale Bund Freier Gewerkschaften gegruendet. Diese Organisation entsprach einem Beduerfnls fuer Millionen von Arbeitern
in der ganzen Welt. Daraus erklaert sich auch sein rasches
Wachstum. Heute, nach zweijaehrigem Bestand, sind 53 Millionen Arbeiter in allen Laendern und Erdteilen in diesem Bund
organisiert, um gemeinsam ihre Freiheiten, ihre "echte, ihre
Lebenshaltung und ihre Menschenwuerde zu verteidigen. Sozialer Fortschritt, Friede und Freiheit sind die Ziele des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Vor einigen «Vochen hielt der Exekutivausschuss dieser
Organisation seine sechste Tagung in Bruessel ab. Auf dieser
Zusammenkunft wurden weitreichende Beschluesse gefasst, die
fuer die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung in vielen Laendern von groesster Bedeutung sind.
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�In mehr als sechzig Laendern fuehren die Arbeiter den
Kampf fuer soziale Gerechtigkeit, Demokratie und eine friedliche Zusammenarbeit aller Voelker unter der gemeinsamen Flagge
des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Wohl niemals zuvor ist eine Organisation so rasch zu solcher Macht und zu solcher Reife herangewachsen.
Vier Jahre lang, von 1945 bis 1949, arbeiteten die demokratischen Gewerkschaften der Welt mit den kommunistischen Arbeiterorganisationen im Rahmen des 'Weltgewerkschaftsbundes zusammen. Trotz allen guten Willens konnten sie jedoch diese
Zusammenarbeit auf die Dauer nicht aufrechterhalten, denn es
wurde von Tag zu Tag offenkundig»,dass die Kommunisten den
Weltgewerkschaftsbund lediglich als ein Instrument der russischen Ausdehnungspolitik betrachteten. Als sich alle Versuche,
diese Organisation dem kommunistischen Einfluss zu entziehen,
als aussichtslos erwiesen, zogen sich die demokratischen Gewerkschaften aus dem Weltgewerkschaftsbund zurueck und hielten
in London eine Tagung ab, auf der sie beschlossen, sich in
einer, neuen Internationalen Organisation zusammenzuschliessen.
So entstand der Internationale Bund Freier Gewerkschaften. Die
juengste Tagung in Bruessel fand unter der Leitung des Vorsitzenden der Organisation, Sir Vincent Tewson, statt. Das war
die erste Zusammenkunft des Exekutivausschusses seit seiner
Wahl auf dem Zweiten Kongress des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften, der im vergangenen Sommer in Mailand stattfand.
Auf dieser Tagung wurden elf Beitrittsgasuche vorgelegt. Unter
den Gewerkschaften, die sich dem Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften anschliessen wollen, befinden sich der Australische Gewerksohaftsrat, die Unione Italiana del Lavoro, der
Gewerkschaftsrat von Singapur, ferner Organisationen aus Trinidad
und Britisch Guiana. Wenn alle diese Beitritte angenommen werden, so wird der Bund eine weitere Million neuer Mitglieder
zaehlen.
Ein Beschluss dieser Tagung betraf die Finanzierung der
Organisations- und Erziehungstaetigkeit in den wirtschaftlich
rueckstaendigen Ltendern. Der Fonds fuer Regionale Entwicklung, der diese Taetigkeit unterstuetzt, belaeuft sich auf
700.000 Dollar. Ein grosser Teil dieses Betrags wurde bereits
aufgebracht. Der Britische Gewerk^chaftsrat hat seine Anhaenger aufgefordert, 100.000 Ffund beizustellen, aber diese Summe
wurde ueberboten. Der amerikanische Gewerkschaftsbund CIO hat
100.000 Dollar beigesteuert.
Derzeit nehmen Vertreter des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften regen enteil an der Gewerkschafts- und Erziehungsarbeit in «sien, Suedamerika und Afrika. In naechster
Zeit sollen Organisatoren des Bundes nach Japan, Korea und
Indonesien geschickt werden. Eine Zentralstelle fuer Westafrika
wird in Accra errichtet werden, waehrend nach Nordafrika, nach
Ostafrika und nach Zentralamerika Sondermissionen entsandt
werden.
Auf der Bruesseler Tagung sprach sich der Exekutivausschuss
fuer die Selbstverwaltung und die Selbstbestimmung jener Gebiete
aus, die heute abhaengige Territorien oder Protektorate sind,
soweit ihr Entwicklungszustand das zulaesst. Fuer diejenigen
Gebiete, die zur Selbstverwaltung noch nicht reif sind, soll
eine Kontrolle durch die Vereinten Kationen eingefuehrt werden.
- 15

�Weiter erhob der Aussohuss Protest gegen die Einschraenkungen der Gewerkschaftsfreiheit in verschiedenen Laendern
und forderte die Internationale Arbeitsorganisation auf, darueber eine Erhebung durchzufuehren.
Schliesslich bekraeftigte der Ausschuss seine demokratische Haltung auch in weltpolitischen Fragen. Er analysierte
die Organisation des Atlantikpakts und verlangte die Anwesenheit von Gewerkschaftsvertretern in allen verantwortlichen
Instanzen der Organisation des Atlantikpakts, der NATO. Die
Internationalen Berufssekretariate werden aufgefordert, der
NATO ihre Mitarbeit zu gewaehren.
In einer der Resolutionen, die in Bruessel gefasst wurden,
heisst es:
"Wir treten dafuer ein, dass die freie Gewerkschaftsbewegung in ihrem Kampf fuer den Frieden und gegen den Kommunismus
im Wirkungsbereich der Gewerkschaften alle Kraefte einsetzen,
um die Verteidigungslinien gegen einen moeglichen kommunistischen Angriff in Europa zu verstaerken.
Labor Worls News
Script 11
H01LAENDISCHE GEWERKSCHAFTEN FUER EINSCHALTUNG IN PRODUKTIVITAETSMASSNAHMEN
Auf einer Konferenz des hollaendischen Gewerkschaftsbundes
N W in Utrecht sprach sich J. 0» Suurhoff, ein Funktior.aer des
N W , fuer eine gesteigerte Produktivitaet in der hollaendischen
Industrie aus, die sich jedoch auf die enge Zusammenarbeit
zwischen Gewerkschaften und Unternehmern stuetzen muesse.
Fuer die Arbeiter waere es jedoch geradezu eine "irrsinnige Lage", wenn sie es zugeben wuerden, dass ihre Loehne mit
der Produktivitaet gekoppelt werden, solange die Gewerkschaften
bei der Festlegung der Methoden zur Steigerung der Produktivitaet noch nichts mitzureden haetten.
Suurhoff brachte warnend zum Ausdruck, dass die Gewerkschaften "ohne das Recht, mitzureden, auch die gemeinsame Verantwortung ablehnen. Wir geben uns nicht damit zufrieden, dass
man schoene Worte um eine unechte Zusammenarbeit macht oder
den Arbeitern hie und da freundschaftlich auf die Schulter
klopft, weil sie zur Zeit so wenig streiken."
"Wenn man wirklich industriellen Frieden, Zusammenarbeit
und die Beseitigung des Klassenkampfes auch fuer die Zukunft
erreichen will, muss man schon mehr tun als nur schoene Worte
reden. Wir haben uebrigens nichts gegen schoene Worte, wenn
wir klar sehen, dass hinter diesen Worten Taten stehen, die beweisen, dass man es wirklich ernst meint. "Ich gebe zu, dass
dies ein unangenehmes Argument ist. Aber es ist unweigerlich
richtig. Moegen alle Personen, die im politischen wie im industriellen Leben eine fuehronde Stellung innehaben und sich
nicht von 3elbstsuechtigen Gedanken leiten lassen, sich veranlasst sehen, den Arbeitern ihren Anteil an der gemeinsamen
Verantwortung zu uebertragen, bevor es zu spaetist."
Daily News Service

iii/ie/51
16 H1C0G e A n 52 1B367 « U

3 0

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D I E N S T

INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. Januar 1952 - 31. März 1952

Seite
1.) ALLGEMEINES

1

2.) KOMMENTARE

5

3.) SONDERBEILAGEN

6

4.) ARTIKEL FÜR DIE FRAU

8

5.) JUGEND

10

6.) GEISTIGES LEBEN

11

7.) WIRTSCHAFT UND ARBEIT

12
•

8.) LANDWIRTSCHAFT

16

* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA
DIENST" kostenlos Bildmaterial

�iL. .-AllGEMEINES,
4/1/52

*

IRO zieht Bilanz
Das Ozeanographische Institut von Woods Hole
sammelt Erfahrungen über die nordatlantischen
Meeresströmungen
Die zehn wichtigsten Ergebnisse der asrtronomisehen
Forschung im Jahre 1951

9/1/52

*

Die Sonne tönt .
Weltenraum

Funksignale aus dem

Das Leben im Jahre 2027
Morgenrot am Filmhimmel
11/1/52

*

Rekruten vor dem Fernsehschirm
Ausbildungsunterricht durch Fernsehübertragungen
bei der Marine
Auf der Spur des Schnupfenvirus
Berlin Anno 1930 auf der New Yorker Bühne.
John van Drutens Bühnenstück "Iam a Camera"

16/1/52

*

Internationale Verständigung durch persönlichen
Kontakt
Babylonische Sprachentwirrung
Die voraussichtlichen Vorzüge einer endgültigen
Weltsprache
Die gefährliche "rosa Lady"
Gegen den Mißbrauch von Schlaftabletten

18/1/52

*

Sister Ann Joachim, eine der interessantesten
Frauen der USA
"Alcometer" im Kampf gegen betrunkene Autofahrer
Wir werden das Raumschiff erleben

23/1/52

Die Vereinigung "Operation Democracy".
Kultureller Austausch zwischen amerikanischen
und westdeutschen Städten
*

Aus der Arbeit der UN-Vollversammlung in Paris

''Sicherheit beim Absturz"
Neue Gesichtspunkte im Flugzeugbau
ZTu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST'
kostenlos Bildmaterial
- 1 -

�ALLGEMEINES
25/1/52

*

David K. Bruce - der zweite Mann im State
Department

*

Das Palais de Chaillot besitzt einen eigenen
Gebetraum für UN-Delegierte

*

Versandhaus für Bakterien
Stephan Wolpe - ein Künstler, der sich treu bleibt

30/1/52

*

Zum Geburtstag Abraham Lincolns am 12. Februar
Tiere im Winterschlaf
50 Jahre amerikanisches Genossenschaftswesen
Amerikanische Farmgenossenschaften
* * * * * *

1/2/52

"Zum Seemann geboren" - Admiral L.D. McCormick,
Oberbefehlshaber der NATO-Seestreitkräfte
Eine neue Aera der Landwirtschaft?
"Krilium", das neue Dünge- und Bodenverbesserungsmittel
Über eine neue einheitliche internationale
Fliegersprache

6/2/52

*

Das amerikanische St. Moritz

*

Der Schlittschuh fahrende Scholar - Dick Button

*

Wunderland Colorado
Wiedergutmachung an Winnetous Erben
Senfgas für kranke Kinder
Bedeutende Erfolge in der Behandlung von Leukämie

8/2/52

*

Kameradschaft der Völker auf See
Länger und glücklicher leben
Probleme für alternde Menschen
Journalismus per Elektron

-

2

-

�ALLGEMEINES
13/2/52

*

Elektroingenieure als Mädchen für alles
Synthetische Photosynthese

15/2/52.

*

Marlenes Tochter
Maria Riva, die Tochter der Dietrich

*

Die Sportfliegerei in den USA

*

Die Pathologie, das gute Gewissen der Ärzte
Das Zeugnis - eine Reliquie aus dem vorigen
Jahrhundert?

20/2/52

*

George Washington: Bauer, General und Staatsmann
(Zu seinem Geburtstag am 22. Februar)

*

Der Sender im Schützenloch
Verbesserungen des Nachrichtensystems der amerikanischen Streitkräfte
Schach in der dritten Dimension

22/2/52

*

"Amerika-Haus Ruhr" öffnet seine Pforten

*

Das Magnetophon -erobert Amerika
Wissenschaft mit Bagger und Geigerzähler
Deutsche Jungärzte an amerikanischen Krankenhäusern

27/2/52

*

Das Museum für Wissenschaft und Technik in
Chikago
Wir sterben nicht aus
Gespräch über die Chancen und Erwartungen der
Menschheit

29/2/52

*

"Handeln ist das große Geheimnis des Erfolgs"
Am 2. März 1829 wurde der deutsche Rebell der
Freiheit und amerikanische Politiker Carl Schurz
geboren

*

"Nach Oregon oder zum Teufel!"
Die Sonne - bei Licht besehen
Neues Sonnenobservatorium registriert durch
Elektronen-Lenkgerät die gesamte Sonne.naktivität
Deutsche Bücher in Amerika
* * * * *

*

�ALIGEMEINES
5/3/52

7/3/52

Bundespräsident Heuss spricht zur Eröffnung der
"Woche der Brüderlichkeit"
*

Travelers Aid - Schutzengel der Reisenden

*

Der erste schwimmende Sender der "Stimme Amerikas

*

Als Krankenschwester in Korea
Synthetische Edelsteine sind keine minderwertigen
"Glasbonbons"
Sind die Vereinigten Staaten imperialistisch?
Zur "Woche der Brüderlichkeit" 1952
Aussprüche großer Männer

12/3/52

*

Spokane - die "Fröhliche Bergarbeiterstadt"
Amerikanischer Geschäftsmann bestimmt zwei
Drittel des jeweiligen Reingewinns seiner Firma
für karitative Zwecke
Das Geheimnis um Adolph Strasser
Die sonderbare Lebensgeschichte eines großen
Arbeiterführers
Zur "Woche der Brüderlichkeit" 1952
Aussprüche großer Männer

14/3/52

*

Panama-Kanal - heiße Zone Zentralamerikas
West Points stolze Tradition
Vor 150 Jahren wurde die berühmte amerikanische
Militärakademie gegründet
Kulturgeschichte des Zeichenfilms

19/3/52

ÄtherfreundSchäften
Seit zwei Jahren haben die deutschen Funkamateure
wieder die Möglichkeit, internationale Verbindungen aufzunehmen
Das Schulspeisungsprogramm in den Westsektoren
Berlins
Schubert - Portrait eines Musikers
Das letzte Werk des in Deutschland geborenen
und kürzlich in den USA verstorbenen Musikkri-rtikers Dr. Alfred Einstein

�ALLGEMEINES
21/3/52

*

Moderne Isolationstechnik ermöglicht "Heizung"
mit Körperwärme
Kreuzweg der Kalmücken
"Amahl und die nächtlichen Gäste"
Gian-Carlo Menotti schrieb erste Fernsehoper

26/3/52

*

Das Transpazifik-Kabel hat seine Bedeutung
verloren

*

Der Amerikanische Automobilverband AAA
Biber als Fallschirmspringer

28/3/52

*

Atlantic City, der Badeort zwischen New York
und Philadelphia
Staatsexamen im Gefängnis
Todesursache: Angst
* * * * * *

2)

KOMMENTARE

4/1/52

Wiedersehen in Washington

9/1/52

Europa vor dem Wendepunkt

11/1/52

Europa und die amerikanischen Wahlen

16/1/52

Zuversichtliche Stimmung in Washington

18/1/52

Eine Mahnung an Europa
* * * * * *

1/2/52

Bonn im Mittelpunkt

6/2/52

London - eine entscheidende Etappe

13/2/52

Diskutable Bedingungen

15/2/52

Appell an die Vernunft

20/2/52

Neutralismus - eine Utopie
- 5 -

�KOMMENTARE
22/2/52

Optimismus in Lissabon

27/2/52

Eine erfolgreiche Konferenz

29/2/52

Lissabon und die Präsidentschaftswahlen
# • # * * #

5/3/52

Die Schuldigen an den Pranger

7/3/52

Tito und die deutsche Wiederbewaffnung

14/3/52

Stimmungsbarometer New Hampshire

21/3/52

Die zweite Runde

26/3/52

Erst Europa - dann die Saar

28/3/52

Der Kreml hat das Wort
* * * * * *

3)

SONDERBEILAGEN

11/1/52

Trumans Botschaft über die Lage der Nation
Schlußkommunique der Truman-Churchill-Besprecbungen

18/1/52

Trumans Wirtschaftsbotschaft an den US-Kongreß

23/1/52

McCloy: Rede vor Studenten der Universität Freiburg vom 21.1.1952

30/1/52

Acheson
Auszüge
nischen
Action"

zum Punkt-Vier-Programm
einer Rede vom 25.1.1952 vor der amerikaOrganisation "Americans Por Democratic
in New York
* * * * * *

6/2/52

Resolutionsentwurf der US-Senatoren über die
Schaffung der "Vereinigten Staaten von Europa"
und Antwortschreiben Präsident Trumans vom 31«
Januar 1952
- 6 -

�SONDERBEILAGEN
15/2/52

Vierter MDAP-Halbjahresbericht Trumans (Auszüge)

22/2/52

Die Londoner Kommuniques
Wortlaut zweier Kommuniques, die nach Abschluß
der Londoner Besprechungen von den Außenministern
der drei Westmächte und dem deutschen Bundeskanzler sowie von den Außenministern der Vereinigten
Staaten, Großbritanniens und Prankreichs herausgegeben wurden

27/2/52

9. ViertelJahresbericht McCloys
Die grundsätzliche Deklaration der NATO
Das Abschlußkommunique des Nordatlantikrates
* * -x-

5/3/52

Achesons Rechenschaftsbericht über Lissabon (29.2.52)
Truman eröffnet das erste Programm des schwimmenden Senders der "Stimme Amerikas" (Rede v.4.3«52)

7/3/52

"Report on Germany"
Auszüge aus dem 3ericht eines Unterhausausschusses
des US-Repräsentantenhauses über die auf einer
Reise durch Westdeutschland und Berlin gesammelten Eindrücke von den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen in der Deutschen Bundesrepublik

14/3/52

Wortlaut eines Interviews, das Dr. Adenauer einem Vertreter der amerikanischen Wochenzeitschrift "United States News and World Report" gab

19/3/52

Wortlaut der US-Note zum österreichischen Staatsvertrag
Wortlaut des alliierten Entwurfes eines Staatsvertrages für Österreich

28/3/52

Wortlaut der amerikanischen Antwortnote vom
25.3.1952 auf den sowjetischen DeutschlandvorscbLag
Truman-Botschaft vom 24.3.1952 zum Flüchtlingsproblem
henschai csbericht General Eisenhowers vom 2.4

�il__ARTIKEL_PÜR_DIE_PRAü
9/1/52

Zwölf-Ton-Musik im Kinderzimmer
Was wird aus Musterschülern
Ein Kapitel über angereicherte Nahrungsmittel
*

Die fahrbare Kinderklinik
Unfallverhütung durch bedachtsam gewählte Kinderkleidung
Gleichberechtigte Frauen
Neues Verfahren zur Tiefkühlung von Fischen
bereits auf hoher See
Neue Auszeichnung für Marguerite Higgins

*

23/1/52

Kindheit und Gesellschaft
*

Ausblick auf die Frühjahrsmode 1952
Warum so eilig?
Eine amerikanische Mutter erzählt aus ihrem Alltag
Ratschläge zur Erhaltung gesunder und zur Behandlung kranker Füße
Hausfrau oder Karriere?
Die' schwierige erste Dekade
Carepakete für Korea
Eine wundersame Insektenbekämpfungsanlage
* * * * * *

6/2/52

Zum Tode Dorothy Dix', der meistgelesenen Journalistin Amerikas
Frauen in Halbtagsstellungen
Empanadas aus Chile und Falafel aus Israel
über ein internationales Kochbuch
Wer verfügt über das Haushaltsgeld?
*

Vollendete Gebrauchskunst
Musterschau für Möbel in Chikago

- 8 -

�ÄBIIKSL-EÜß-DIE-EBAU
20/2/52

Mr. Groggle muß noch viel lernen
Besprechungen eines kürzlich in New York erschienenen "Leitfadens für intelligente Männer zum
besseren Verständnis der Frau"
"Kein Mitleid bitte . . ."
Eine unverheiratete Amerikanerin verbittet sich
das Mitleid der Umwelt
Darf ein Kind auch "nein" sagen?
Die Orientalin und das Punkt-Vier-Programm
Kleine Kaffeepause groß geschrieben . . .
Wie in Chikago an Hand von Tests festgestellt
wurde, ist die umstrittene Kaffeepause des Angestellten ein Mittel zur Leistungssteigerung
Eine Modenschau besonderer Art
Vom amerikanischen weiblichen Arbeitsmarkt
*

5/3/52

*

*

*

•

*

•

*

-

*

"Ich bin mit drei Männern verheiratet"
Aus dem Leben der Mrs. Eisenhower
Frauenstudium - immer noch zu männlich?
Für und wider eine Lehrplanreform zugunsten
der "höheren Töchter"

*

"Modell 1952" - zart und verspielt
Brigitte Horney findet Amerika himmlisch
Wie können Eltern ihren Kindern helfen, Freunde
zu gewinnen?

19/3/52

*

" . . . Ich hätte sterben mögen für die Schönheit"
Die de Mille-Story
Amerikanische Ärztin und Psychologin gibt Ratschläge für Kindererziehung
Vom Mythus der Wundernahrung
Das Weltmeer um uns
Der amerikanische Bestseller "The Sea Around Us"
von Rachel Carson
Moskauer Mode in New York
Gegen die Trägheit des Herzens
Mrs. Ellen I McCloy zum 125-jährigen Bestehen
des Krefelder Frauenvereins
* * * * * *

_ 9_

�Januar 1952

Die Waljäger vom Kap Cod
Kalulu und der Tausendfüßler
Eine Tiergeschichte
Nonstopflug der Zugvögel
..Abraham Lincoln auf dem Totempfahl
Der Indianerstamm der Raben in Alaska errichtete
aus Dankbarkeit für die Befreiung von der Sklaverei
einen Totempfahl mit einem Standbild Abraham
Lincolns
Kriegsrat mit Friedenspfeife
Abhaltung von Versammlungen bei den Indianern
Nordamerikas
* * * * * *

Februar 1952

Rotkehlchen und der Güterzug
Eine wahre Geschichte
Iglu, das billigste Haus der Welt
Besuch bei den Eskimos in den arktischen Ländern
Die wunderbare Geschichte von Amerikas bedeutendstem Amateur-Astronomen
Fußball im Dornröschenschlaf
*

Schauspieler aus Kreppapier und Pappmache
Eine Kindergruppe in Annapolis geht mit einem
selbstgebastelten Marionettentheater auf Tournee
* * * * * *

März 1952

Huhurit und sein Brüderchen
Eine Indianererzählung
*

100 Jahre "Onkel Toms Hütte"
Ein guter Handel
Eine Geschichte aus der amerikanischen Kolonialzeit •
Frau Eskimo bittet zu Tisch
Aus dem Leben der Eskimos (2.Folge)
* * * * * *

- 10 -

�6)

GEISTIGES LEBEN

Januar 1952

Wie denken Sie über die Danirier?
Man haßt am "anderen", womit man in sich selbst
nicht fertig geworden ist, lehrt die Psychologie
der Gruppenvorurteile
Europa, Amerika und die Musik
Ein Viertel Jahrtausend Yale
Eine Weltrundschau der Literatur
Die einzige umfassende internationale Literaturrevue gibt der deutsche Schriftsteller Ernst E.
Noth in Oklahama heraus,
Akademisches Allzuakademisches
Die deutsche Universität leidet unter dem Gewicht ihrer Tradition und unter Mangel an Kontakt mit der Öffentlichkeit
* * * * * *

Februar 1952

Es bleibt noch viel zu tun
Ein Aufruf gegen die geisuige Müdigkeit unserer
Zeit von Pulitzer-Preisträger Edgar A. Mowrer
Interview mit einem Roboter
Über die Kapazität des ersten Elektronen-Gehirns
in der amerikanischen Industrie
Der Abenteurer Lorenzo da Ponte
Aus dem Leben des Librettisten der Mozart-Opern
"Figaros Hochzeit","Don Giovanni" und "Cosi fan
tutte"
Hitlers Vermächtnis an das deutsche Kunstschaffen
Eindrücke eines amerikanischen Kunsthistorikers
nach einem Besuch in der Bundesrepublik«Von Dr.
Alfred Werner
* *

März 1952

*

*

Die große Debatte
Die Niederlage des amerikanischen Isolationismus
Amerika entdeckt neuerdings die Freude am reinen,
gesprochenen Wort
Hinter den Kulissen der koreanischen Waffenstills tandsverhandlungen
Buchauktion auf Weltreise
Internationales Theater als Brücke zwischen den
Völkern
* * * * * *
- 11 -

�Z1__™?SCHA20N5_^BEIT
4/1/52

* Europa lernt von Amerika
US-Produktionsmethoden bewähren sioh auch
in Europa
*

Neukonstruktionen vorläufig "auf Eis gelegt"
Lieferstop für Werkzeugmaschinen für US-Automobilindustrie
Gewerkschaftsführer von morgen auf der Schulbank
Gedämpfter Optimismus am Baumwollmarkt
Neues Herstellungsverfahren für Gummi
100 Photokopien in der Minute

H/l/52

Weiter ansteigende Produktion und. hoher
Beschäftigungsstand
EOA-Garantien ermöglichen amerikanische K^Ltalinvestierungen in der europäischen Wirtschaft
Amerikas "Volkswagen" wird im Warenhaus verkauft
Miss Hardy arbeitet 6 Tage im Monat nur für die
Steuer
Stahlarbeiterstreik vorläufig ausgesetzt
Setzmaschine mit Lochstreifensender
US-Stahlindustrie in Zahlen
Spareinlagen erreichen Höchststand
Unabhängigkeit der US-Gunmiindustrie von fernöstlichen Gummieinfuhren

18/1/52

* Europäische Raffinerien für orientalisches Öl
Starke Zunahme der Lebensversicherungen
Industrie hat großes Auftragspolster
ölchemie wird zur Großindustrie
Der deutsche Arbeiter besitzt eine größere
soziale Sicherheit
CIO-Gewerkschaft dreht Film aus der praktischen
Arbeit
"Holmanit" macht Lehm zum Heizmittel
"Ausfrieren" - ein neues Trocknungsverfahren
- 12 _

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
18/1/52

Die OEEC berichtet über ihre Arbeit im Jahre 1951

25/1/52

Amerikas Wirtschaft im Zeichen der westlichen
Verteidigung
*

Europas Schiffbau kommt auf Touren
Ein Blick in die Geschäftsberichte der US-Gesellschaften
US-Handelslaboratorien lösen technische Knoten
im "Handumdrehen"
Warum die amerikanischen Arbeiter ein garantiertes
Jahreseinkommen fordern
Die Stellungnahme des Präsidenten der amerikanischen CIO-Gewerkschaft, Philip Murray
Technik und Wissenschaft in der US-Ölindustrie
Turbinengeneratoren mit "Hohlkühlung"
* * * * * *

1/2/52

Die Hintergründe der russischen Handelsoffensive
Großwirtschaftsräume in Zahlen gesehen
Die industrielle Entwicklung in Westeuropa,
Sowjetrußland, den USA und Westdeutschland
(Schaubild)
Produktionsausweitungen schufen angespannte Versorgungslage bei Kraftstrom
Kunststoffe - der "Schrei der Stunde"
Die USA an der Schwelle des Atomzeitalters
Die amerikanischen Gewerkschaften wurden von
Menschen aus 38 verschiedenen Nationen aufgebaut
Der "AFI News Reporter" - eine neue Gewerkschaftszeitung

8/2/52

Gegensätze zwischen europäischem und amerikanischem Kapitalismus
Kreditschöpfung auf neuen Wegen
Ein Blick hinter die Kulissen der amerikanischen
Flugzeugindustrie

- 13 -

�IIETSCHAET-USD-AEBEIl.
8/2/52

Produktionssteigerung - der Schlüssel zum höheren
Lebensstandard
Die Entwicklung der Löhne im Verhältnis zu den
Produktionsleistungen in den letzten 100 Jahren
"Telefonitis" - eine Zeitkrankheit
Die großen Überraschungen bei den US-52-er Modellen blieben aus
Eine neue Gleitschutzvorrichtung

15/2/52

Die Kohle muß reichen
Wie kann Europa von Kohleneinfuhren unabhängig
gemacht werden?
Amerikas Hausfrauen schwören auf tiefgekühltes
Obst und Gemüse
Invasion neuer Kunstfasern
Höhere Umsätze und Gewinne für 1952 erwartet
Ausgefallene Werbeideen brachten volle Kassen
Arbeitsschutzgesetze für die Frau in den USA
Eine Frau kämpfte für die arbeitenden Frauen

22/2/52

Kanada '- die Rohstoffkammer des Westens
Schiffahrts-"Boom" dauert an
Lebensversicherungen stark gefragt
US-Exporte erreichten neuen Höchststand
"Highway-Sklerose", die Verkehrskrankheit der USA
"Suburbanite" ein neuer Autoreifen
"Xm" - der "Scheibenwischer1 für Brillen

29/2/52

Der amerikanische Außenhandel im Spiegel des
letzten Jahres
Gebrauchsgüterindustrie hat Sorgen
Metallzuteilungen um weitere 10$ gekürzt
Kapazitätsausweitungen werden beschleunigt
Mehr Zeitungspapier in Sicht
21 Uhr - Ladenschluß
- 14 -

�WIRTSCHAFT JJNp__ARJ3EIT
29/2/52

New Yorker «-Preiskrieg" schlägt hohe Wellen
"Kaltziehen" von Stahl - keine Utopie mehr
Radioaktiver Kobaltdraht für Werkstoffprüfung
*

7/3/52

* * * * *

Alle zwei Minuten ein neuer Volkswagen
Gute Jahresabschlüsse der Banken
Der "Dollar-Kreislauf" (Schaubild)
Die Einnahmen und Ausgaben des US-Staatshaushaltes
1952-53
Amerikanische Impxteure sind wählerischer geworden
K

Hubschrauber - das "Automobil" der Luft?
Blauer "Virginia-Dunst" in den USA
"CAMEL" weiterhin führend - PALL MALI holt auf
Mangel an Arbeitskräften nimmt zu
"Atomreifen" mit größerer Lebensdauer
Die ideale Schulbank

19/3/52

HANOMAG intensiviert Rationalisierungsbestrebungen
Beträchtliche Zunahme der Emissionen
Schwefel bleibt knapp
Der Wert der Kohle wurde neu "entdeckt"
Erhöhung der Förderleistung von 570 auf 880
Mill. Tonnen geplant
Brathähnchen und Mastgänse vom Fließband
Die "Soziale Revolution" der USA
Tonfilm im eigenen Atelier
Mylar - ein neues Kunstharz

26/3/52

Die europäische Energieverbundwirtschaft kann
verwirklicht werden
US-Finanzexperten im Meinungsstreit über antiinflatorische Maßnahmen
- 15 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
26/3/52

Die chemische Industrie - "Mädchen für alles"
Aluminiumindustrie mit Siebenmeilenstiefeln
Tiefgekühlte Diners a la Qarte
US-Speisewagengesellschaften beschreiten neue
Wege zur Kostensenkung
Warum unterstützen die Arbeiter das Wirtschaftssystem der USA?
"Germanium" ersetzt Radioröhre
* * * * * *

§2__5Mffi35§25APT
Januar 1952 *

Hinweise für den Viehzüchter
Plattenspieler im Schweinestall
Gute Erfolge mit synthetischer Schweinemilch
Das häuslichste Haustier - die Kuh
Was bedeutet PH?
Mit Hilfe der PH-Skala wird der Kalkgehalt des
Bodens gemessen
Gegen Maul- und Klauenseuche
* * * * * *

Februar 1952

Rechenschaftsbericht der amerikanischen Landwirtschaft für 1951
*

Soja - die vielseitigste Anbaupflanze der Welt
Sollen Eier gewaschen werden?
Stallbedingungen für die Aufzucht gesunder Kälber
Die Qualität der Kartoffel (Folge I)
Ratschläge zur Verbesserung der Kartoffel
* * * * * *

- 16 -

�LANDWIRTSCHAFT
März 1952

*

Die Zukunft der Landwirtschaft

*

Diverse Gemüse aus den hängenden Gärten der Armee
Hydrokulturen der US-Army in Japan
Boden - die Schatzkammer der Vereinigten Staaten
Von Russell Coleman, Präsident des Verbandes der
amerikanischen Düngemittelindustrie
Hühner am laufenden Band
Die Qualität der Kartoffel (Folge II)
Die Kochqualität
Wieviel trinkt ein Tier?
* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

- 17 -

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INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL
DES "AMERIKA DIENST"
vom 1. April

1952 - 30. Juni 1952

Seite

1.

ALLGEMEINES

1

2.

SONDERBEILAGEN

5 .

3.&lt;

FÜR DIE FRAU

7

4.

JUGEND

9

5.

GEISTIGES LEBEN

10

6.

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

11

7.)

LANDWIRTSCHAFT

16
* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA
DIENST" kostenlos Bildmaterial

�1) ALLGEMEINES
2/4/52

NATO - Garant des Friedens
Zum 3. Jahrestag der Gründung der Nordatlantikpakt- J
Organisation
*

Helikopter - Nußschalen der Luft
Langfristiges Herzforschungsprogramm der medizinisehen Wissenschaft in Framingham, Mass.,

4/4/52

*

Hat unser Kind Musik im Blut?
Vier Teste überzeugen Eltern, ob es Zweck hat,
ihren Kindern Musikunterricht erteilen zu lassen

*

Ostern in den Vereinigten Staaten
Geheimnisvolle Zusammenhänge zwischen den Jahresringen der Bäume und der zyklischen Wiederkehr von
Sonnenflecken
Ein halbes Jahrhundert Hollywood
Vier Jahre Weltgesundheitsorganisation

9/4/52

Brüder, die in Einheit leben
Die Grenze zwischen den USA und Kanada ist seit mehr

*

als 100 Jahren ohne jegliche Befestigung
Basketball - Das Spiel der großen Männer

11/4/52

Mr. "X" geht nach Moskau
George F. Kennan, Rußland-Experte Nr. 1
der USA
Holz aus Tacoma
Tacoma gehört neben Seattle zu den wichtigsten
Umschlaghäfen im amerikanischen Nordwesten
Amerikanische Kinderhilfe für Korea

*

Durch elektrischen Herzschock ins Leben zurückgerufen

16/4/52

*

Am Grabe F. D. Roosevelts
Zum 7. Todestage des amerikanischen Präsidenten
am 12. April

*

Die Renovierung des Weißen Hauses ist beendet
Die fremdsprachige Presse in den USA
Der See in den Schwarzen Bergen
Archäologische Funde geben Aufschluß über das
Leben der Ureinwohner des amerikanischen Kontinents

18/4/52

*

Die neue Aera in der Met und der New xork
City Opera Company

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DlEflST*
kostenlos Bi ldmaterial
1

x

�ALLGEMEINES
18/4/52

^

Internationale Regelung des Straßenverkehrs
Am 25. März 1952 trat die Internationale Straßenverkehrskonvention in Kraft
Eine bittere Erfahrung
"Endstation Sehnsucht" - Regisseur Elia Kazan
widerlegt Gerüchte über seine politische Vergangenheit

23/4/52

*

Meisterwerke des XX. Jahrhunderts
Künstlerische Veranstaltung des "Kongresses
für kulturelle Freiheit" in Paris
Der"Eiserne Mann"
Das Wahr- und Warnzeichen des Eisernen Tales
am Roten Berge bei Birmingham
Dämme und Fluten
Der "Pick-Sloan-Plan" soll im Missouri-Gebiet
die Gefahr erneuter Hochwasserkatastrophen
bannen
James W. Riddleberger Deutschlandkenner im amerikanischen Außenministerium

25/4/52

*

Pierre Monteux - Botschafter der Musik
Amerikanische Bundesbehörden zahlen Prämien
für Vorschläge und Anregungen zur Rationalisierung und Verbilligung der Arbeitsmethoden

\

Dinosaurier-Eier aus Afrika
Entdeckungen im Jahre 1951
30/4/52

*

Neuer Oberbefehlshaber der NATO
Ridgway Nachfolger General Eisenhowers

K

Die Bostoner Symphoniker
Erfolgreicher Kampf gegen die Kinderlähmung
Menschen ohne Heimat - das große Problem
des 20. Jahrhunderts
* * * * *

2/5/52

*

Die Philantropie der Rockefellers (I)
Roboter als Wetterprophet

*

*

Der New Yorker Hafen
Die europäische Integration
Yor drei Jahren unterzeichneten zehn europäische y
Staaten die Satzung des Europa-Rates

�ALLGEMEINES
7/5/52

*

Zum 124. Geburtstag Henri Dunants, des
Schöpfers des Rnten Kreuzes
"Woche der Musik" in. den USA

A.

Die Odyssee des Heiniiun Suhliemann
Berlin - Barometer internationaler Politik
Zur Aufhebung der Berliner Blockade vor
drei Jahren
Muttertag in den USA
9/5/52

*

Von Aahwahnachee bis Zylyff
Die New Yorker Stadtbibliothek
Die Philantropie der Rockefellers (II)
Banthin gegen Magengeschwüre
Pulitzer-Preise verliehen

14/5/52

16/5/52

"Die genaue Zeit, bitte"
Die amerikanische Rundfunkstation '/V/V sendet
Zeitangaben
Amerika bewahrt seine Tradition
*

Atomkraft und Radioisotope zum Wohle
der Menschheit

*

"Ersatzstoffe" erobern den Industriemarkt
Warum kauft Mrs. Jones ein grünes Kleid?
Mathematische Biologie - ein neuer Zweig
der Naturwissenschaft
"Reader's Digest", die meistgelesene
Publikation der Welt

21/5/52

Der amerikanische Bevölkerungsschwerpunkt verlagert sich ständig weiter nach Westen
Der Weise von Concord
Aus dem Leben des amerikanischen Dichterphilosophen Ralph Waldo Emerson
Tödliche Viren gegen wuchernde Zellen
Der Stand der Krebsforschung in den USA

23/5/52

Amerika gedenkt der Toten
Zum "Memorial Day" am 30. Mai
Dammbau-Zentrale Denver/Colorado
"Vom unendlichen Leben ich singe
Aus dem Leben Walt Whitmans

P

-

3

..."

�ALLGEMEINES
28/5/52

Idlewild - größter Zivilfiughafen der Welt
Flüchtlinge der Revolution
Über Carl F. Wittkes neues Buch
"Refugees of Revolution"
Berufseignungstests in den Schulen,
in der Industrie und bei den Streitkräften

30/5/52

A

Meteorstudien mit Super-Schmidt-Kameras
Die Millionen des "Herzogs von Florida"
Geschichte eines Mannes, der ein großes
Dschungelgebiet in Florida kultivieren wollte

^

Fernsehen rund um die Erde
6/6/52

Reklame für die gute Sache
Aus der Arbeit des amerikanischen "Rates für
Reklame", einer Gesellschaft, die große Werbekampagnen im Dienst am Gemeinwohl durchführt

^

Was ist "American Way of Life"?
Neun bekannte amerikanische Persönlichkeiten
diskutieren die geistigen Grundlagen der
Vereinigten Staaten
Die Stadt der "Heiligen der letzten Tage" Salt Lake City
Zum Tode John Deweys am 1. Juni
11/6/5:

X

Das große Puppenkonzil in den USA
Gefiederte Flugzeuge und Wolfsmilch-Wolle

&lt;

Grönlands größter Exportartikel: Eisberge
1 3/6/52

Gorki - der totgeschwiegene Humanist

x

Mr. Ex-President
Amerikas Präsidenten werden nach Ablauf
ihrer Amtszeit wieder einfache Staatsbürger
ohne Pensionsansprüche
Drei UNESCO-Institute in der Bundesrepublik
1 8/6/52

Die schweigenden Farmer
Aus dem Alltag des Trappistenklosters

New Meileray

Organverpflanzungen in lebenden Körpern
20/6/52

Amerika vor der Olympiade
Freie Bahn den jungen Unternehmern
Über "Junior Achievement Firms", in denen
junge Menschen spielerisch die Grundzüge des
Kaufmannsstandes erlernen

^

�ALLGEMEINES
20/6/52

Uralte Indianerkultur am Mississippi
Bakterienkrieg als Propaganda (I)
Deutsche Nobelpreisträger sprechen sich gegen
die kommunistischen Anschuldigungen aus

25/6/52

*

Die Jungfernfahrt der "United States"
Bakterienkrieg als Propaganda (II)
Wissenschaftler und Politiker der westlichen
Welt überführen die Sowjets und ihre Anhänger
der verleumderischen Fälschung
Das Gebot der Stunde ist Humanitas
Von Peter Viereck

27/6/52

Betriebsärztliche Betreuung in den USA
Gemeinsame militärische Ausbildung für
Soldaten der freien Welt
Die Kunstakademie New Yorks

* * * * * *

2)

SONDERBEILAGEN

2/4/52

Wortlaut der Rundfunkansprache General Dwight
D. Eisenhcwers anläßlich des ersten Jahrestages der Gründung von SHAPE

11/4/52

Ansprache Präsident Trumans vom 8. April über
die Bedeutung des Punkt-Vier-Programms

1 6/4/52

Unterzeichnung des japanischen Friedensvertrages durch Präsident Truman

23/4/52

Acheson zur Deutschlandfrage
Auszüge einer Ansprache des US-Außenministers
vom 19. April vor dem amerikanischen Journalistenverband in Washington
Wir], die Völker der Vereinten Nationen, sind
entschlossen . . .
Zum 7. Jahrestag der Konferenz von San Franzisko
am 25. April 1952

25/4/52

Amerika wählt (I)
Sheriff, Bürgermeister und Präsident
Das amerikanische Volk wählt 800 000 Vertreter
Botschaften amerikanischer Gewerkschaftsführer
zum 1. Mai
- 5 -

�SONDERBEILAGEN
30/4/52

Truman zum Inkrafttreten des japanischen Friedensvertrags
* * * * * *

9/5/52

Deutschland - heute und morgen
Auszüge aus einer Ansprache Dr. Henry Kellermans
vom 5. Mai 1952 auf dem Empfang der Carl SchurzGesellschaft in Philadelphia
Erklärung Präsident Trumans zum letzten Waffenstillstandsangebot der Vereinten Nationen (7.5.52)
Amerika wählt (II)
Ursprung, Entwicklung und Vorgang der "Primaries" *
in den Vereinigten Staaten

21/5/52

Rede Präsident Trumans vom 20. Mai 1952 anläßlich
des 150-jährigen Bestehens der Militär-Akademie
in West Point

26/5/52

Amerika wählt (III)

*

Geschichte des amerikanischen Zweiparteien-Systems
Zur Unterzeichnung des Generalvertrages
30/5/52
Wortlaut der Dreier-Erklärung zur SVG
Acheson zur Unterzeichnung des EVG-Vertrages
* * * * * *

6/6/52

Wortlaut der Botschaft Präsident Trumans vom 2.6.52
an den US-Senat anläßlich der Übersendung der Verträge von Bonn und Paris
Wortlaut der Rede Dean Achesons vom 2.6.52 anläßlich
der Unterzeichnung des Generalvertrages und des Vertrages über die EVG

13/6/52

Erklärung des US-Außenministers Dean Acheson vom
10. Juni 1952 zu der Drei-Mächte-Konvention und
dem NATO-Protokoll vor dem außenpolitischen Ausschuß des US-Senats
Bruce: Bundesrepublik ein wesentliches Element
der EVG
Amerika wählt (IV)
Feldzüge um Wähler-Stimmen - Methoden und Finany
zierung der Wahlkampagnen in den Vereinigten Staaten

1 8/b/^

San Franzisko und Panmunjon
Zwei denkwürdige Jahrestage in der letzten Juniwoche
Rede Präsident Trumans anläßlich der Kiellegung des
ersten mit Atomkraflaigetriebenen Unterseebootes
( H . Juni 1952)
- 6 -

*

�SONEERBEILAGEN
20/6/52

*

27/6/52

Biographie von Walter J. Donelly
Die Geburtsstunde einer Nation
Der 4. Juli in den Vereinigten Staaten
Text der Unabhängigkeitserklärung
Kongreßsitzung vom 4. Juli 1776

*

Amerika wählt (V)
Biographien der zehn Anwärter auf eine Kandidatur
um die Präsidentschaft und Vizepräsidentschaft der
Vereinigten Staaten

* * * * * *

3)

ARTIKEL FÜR DIE FRAU

2/4/52

*

Eine echte "Mammy" Mary McLeod Bethune
Eine junge Deutsche wirkt in New York für
Berlins Studenten
Für jeden etwas im internationalen Kaufladen
der Vereinten Nationen
Mangelberuf Krankenschwester
Grundumsatz und Körpergewicht
Wie wird die Amerikanerin wählen?
Ergebnis einer Umfrage

,,

Ursula Thiess macht Karriere
Erfolge der deutschen Nachwuchsschauspielerin
in Hollywood
Auch große Frauen haben Modesorgen
16/4/52

*

Der Tag der Gesundheit des Kindes
Der 1. Mai in den Vereinigten Staaten

*

Vorurteile gegen Superwohnungen
Die Entwicklung der Mode in den letzten Jahrzehnten

*

Claudette Colbert
Die Frau mit den Märchenaugen
Konvention für die politische
Gleichberechtigung der Erau
Migräne eine Allergie?

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
30/4/52

Die Frau im zwanzigsten Jahrhundert
*

Einwanderer in den USA bereiten sich
auf ihre Staatsbürgerprüfung vor

*

Museen für Kinder
Texas zeigt Stoffe und Modelle für heiße Tage
Internationaler Kinderhilfsfonds verstärkt
Arbeit in Asien und Afrika
Milch in Scheiben
* * * * * *

14/5/52

Dr. Martha Eliot, die Leiterin des US-Bundesamtes für Jugendfürsorge
Das Leben der Familie Garland Durchschnitt des amerikanischen Lebensstandards
*

Wo die Vereinten Nationen zu Mittag essen
Mode - leicht verrückt
Doppelröcke, Pumphosen und andere Neuheiten
auf New Yorker Modeschauen
Die amerikanische Frau im -Berufsleben
Aschenbrödel - beliebtestes Märchen
Vitamin C zur Behandlung von Brandwunden

28/5/52

*

*
*

Amerikanische Haus- und Küchengeräte für Europa
Große Frau ganz privat Mrs. Roosevelt
Warum sind sie unzufrieden?
Testergebnisse in Arbeits- und Berufsfragen
Kunsterziehungsprogramm an den Schulen von Chikago
"Sie sagen, was sie denken"
Ein populäres Radioprogramm
Amerikanische Urgroßmutter veröffentlicht
ihre Lebensgeschichte
Kindergärten auf kooperativer Basis
Nicht so viel bücken
53 Projekte in 72. Ländern
Aus der Arbeit des Kinderhilfsfonds der UN
- 8 -

�ARTIKEL PUR DIE FRAU
11/6/52

*

Mittlerin zwischen Ost und West
Zum 60. Geburtstag von Pearl S. Bück
Aus dem Leben einer amerikanischen Diätköchin
Das menschliche Gesicht der Tiere
Persönliche Initiative fördert Völkerverständigung
Welt-Freundschafts-Fonds der Frauen
Ist Kriminalität schon im Kindesalter absehbar?
Eine Frau fliegt über den Atlantik - Amelia Earhart

25/6/52

Die Herrin von Fort Knox - Mrs. Nellie Tayloe Ross,
Schatzmeister der USA

*

Eine außergewöhnliche Mädchenschule
Das fortschrittliche Bennington College in Vermont
Überfüttert die Kinder nicht!
Kopfschmerz der Friedlichen - Neue Erkenntnisse
in der Erforschung der Migräne
Veränderlich wie die Launen einer Frau - Sommerkollektionen
Frischmilch in Konserven
* * * * * *

4)

JUGEND

April 1952

Peter der Dritte - der kein Osterhase sein wollte
Gigi und die Ostereier-Krone
Eine Ostergeschichte aus dem Gnomenreich
Schiffsreise durch sechs Jahrtausende
Überblick über die Entwicklung des Schiffsbaus
Wie Admiral Peary den Nordpol entdeckte
Triumph und Tragik der Arktis-Forscher
Das lebendige Museum
Das Naturkunde-Museum für Kinder in San Franzisko
* * * * * *

Mai 1952

Der Seehund, der Angst vorm Wasser hatte
*

Der größte Zirkus Amerikas spielt für kranke
Kinder in New York
- 9 -

�JUGEND
Mai

1952

*

"Rodeos", die Cowboy-Wettkämpfe des
amerikanischen bestens
Der weiße Vogel mit dem grünen Kreuz
Ein ehemaliges Transportflugzeug als "fliegende Rettangsambulanz"
Erfolgreiche Schüler-Polizei in Chikago
Europareisen amerikanischer Studenten 1952 mehr
als verdoppelt
YWCA hält Nationalkonvent ab
* * * * * *

Juni 1952

Daniel Boone - Der Held der Wildnis
Weißt du, wieviel Monde stehen
Die "Familie" unserer Sonne
Meeresungeheuer - Sage oder Wirklichkeit?
Eine amerikanische Münzenausstellung zeigt
die seltsamsten Zahlungsmittel der Welt
Achtung: Rotes Licht
Verkehrserziehung als Unterrichtsfach
* * * * * *

5) GEISTIGES LEBEN
April 1952

Die Kritik am Buch der Bücher
^er Stand der wissenschaftlichen Bibelforschung
Die Wirtschaftslage des amerikanischen Buchautors
*

Das Wunder der musikalischen Schöpfung
Auszug aus "A Composers World" von Paul Hindemith
Eine der anregendsten Ausstellungen dieses Jahres: "Vierzehn Augen in den Magazinen eines
Museums"
US-Institut für internationales Erziehungswesen
veröffentlicht Jahresbericht
August Macke-Ausstellung in New York
Hugo-Wolf-Biographie in USA erschienen
"Europäische Geschichte" eines amerikanischen
Historikers in Deutschland erschienen
* * * * * *

- 10 -

�GEISTIGES LEBEN
Mai 1952

*

Getanztes Leben und erlebtei' Tanz Martha Graham und Doris Humphrey
Die Vernichtung des Judentums durch den Kreml

*

Eugene O'Neill und die moderne Dramatik
Die neue Welt wird porträtiert
Bericht von der Neukartographierung der westlichen Hemisphäre
Ausstellung zweier Mainzer Bibeln in der Kongreßbibliothek in Washington
Columbia-Universität in New York beginnt Ostasien-Seminar
20 Millionen Besucher der National-Galerie in
Washington
Wallfahrt amerikanischer Katholiken nach Barcelona
* * * * * *

Juni 1952

Zur bevorstehenden Veröffentlichung einer Autobiographie der Menschheit
*

Beethoven-Händschriften in Amerika
Sammlungen von Notenhandschriften und Briefen
großer europäischer Musiker in den USA
Geknebelte Sowjetwissenschaft - Der wohlüberlegte
Mord an der Vererbungsforschung

*

Auf das Zusammenleben kommt es an - über das
Pulbright-Programm
Religionsgemeinschaften in den USA
Relaisstationen im Weltall
Zehn Jahre Tanglewood

* * * * * *

6) WIRTSCHAFT UND ARBEIT
2/4/52

Im Delawaretal entsteht Amerikas Ruhrgebiet Neues Stahlzentrum Morrisville
Deutsche Spielwaren eroberten Amerika
Bilanz der II. Internationalen Spielwarenmesse
in New York
- 11 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
2/4/52

Kalt- und Ölgummi auf dem Vormarsch
Westdeutschland zweitgrößter Werkzeugmaschinenexporteur
Kreuzzug mit Pinsel und Quast - 65$ aller amerikanischen Familien streichen heute ihre Wohnungen
selber
Der Magier von Bad Nenndorf
Public-relations, wie sie sein sollen
"Verjüngungsbäder" für Nylon
Neuer Kunststoffüberzug
Klemmsicherer Reißverschluß
Moskauer "Handelsfrühling" ohne "Schwalben"
Der inflationistische Druck ist gewichen
bbröckelnde Preise - bessere Versorgungslage zurückhaltende Käufer
Erdölsorgen - vorläufig unbegründet
Der amerikanische Reisekompass zeigt nach Europa
Die soziale Sicherung der Arbeitnehmer in Deutschland und den USA
Betriebsdemokratie und Mitbestimmung - international
gesehen.
Wo arbeitet die Amerikanerin?
Die "fliegende Schreibmaschine"

16/4/52

Die richtige Heilmethode
Preiskontrollen oder freier Markt?
Aufträge für Riesentanker
Fast 2 Millionen dwt Schiffsraum auf den amerikanischen Helligen
Die wirtschaftliche Stärke in Ost und West (Schaubild)
VI. internationaler Kongreß für Weidewirtschaft
in den USA
Der automatische Parkplatz
AutoSteckbrief
Der größte PKW-Motor: Chrysler K - 31 0

- 12 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
1 6/4/52

Pur und wider den Indexlohn
Lohngleichheit von Mann und Frau
Reallöhne in den Marshallplanländern 1938 und 1951
Probleme des Düsenmotorbaues
Keramische Werkstoffe statt Metalle

25/4/52

Die Conti-Werke suchen neue Wege zur Leistungssteigerung
Elektrizität in neuer "Ehe" mit Aluminium
Der US-Staatshaushalt in 4 Jahrzehnten
Neues aus der Atomphysik
XPs - Herolde eines neuen Zeitalters
Die Entwicklung der amerikanischen Stahlarbeitergewerkschaft
Der garantierte Jahreslohn in der Praxis
Verbesserte Metallsehneideverfahren

50/4/52

In Labrador wird das größteriisenerzgebietder
Welt erschlossen
Amerikanische Wirtschaftslage teils rosig, teils
grau gesehen
Aufrüstung kein gutes Geschäft
Lehrlingsausbildung und Berufsschulung in den USA
Gewerkschaftsunterricht für Lehrer
Büchsenmilch mit Geschmack von Frischmilch
Durchsichtiger Kunststoff aus Zucker
* * * * * *

7/5/52

Schaumgummi erobert Amerika
Vielfältige Verwendungsarten - hervorragende Eigenschaften
Lebenshaltungskosten in den USA 1941 - 1952
Hohe Spareinlagen als Inflationsbremse
Über 4 Millionen Firmen in den USA

- 13 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
7/5/52

Die "Arbeiterhochschulen" der CIO-Gewerkschaft
"Taylorismus" und "Mayoismus"
Die Entwicklung der amerikanischen Betriebsverhai tnisse
Vom Abfall zum wichtigen Rohstoff - Die Rinde
der Douglas-Tanne
Die Badeanstalt in der Aktentasche

14/5/52

*

Aktivierung der innerbetrieblichen Reserven bei
der Dortmund-Hörder Hüttenunion A.C.

*

Wallstreet zwischen 1792 und 1952
Die New Yorker Börse feiert ihren 160. Geburtstag
Wie groß wird das Defizit im amerikanischen Staatshaushalt?
Die Bedeutung des Abzahlungsgeschäftes und der
Kreditbüros im amerikanischen Wirtschaftsleben
Was erwartet den deutschen Einwanderer in den USA?
Arbeitsmarkt und Verdienstmöglichkeiten
X-2 verdoppelt Haltbarkeit von Kunstseide
Veredelte Baumwolle mit Eigenschaften synthetischer Fasern

21/5/52

So arbeitet die "Wall Street"
Ein Interview mit dem deutschen Handelsattache
in New York
Ausbau von Erzbergwerken im In- und Ausland
Steigender Brennstoffverbrauch in der ganzen Welt
Überblick über die Weltenergieversorgung 1929-1950
Arbeitsfrieden ohne Gesetzgeber und Richter
Die freiwilligen Abmachungen der US-Gewerkschaften
zur Eindämmung der StreiKgefahr
Weibliche Halbtags- und Stundenarbeit in den USA
Das Problem der Morphinsynthese
Billiges Kohlehydrierverfahren

28/5/52

*

"Das Herz des Viertakters schlägt in Detroit"
Die ^'ordwerke - die größte Industrieanlage der Welt
Der "Fall" Giannini
Federal Reserve Board gegen Monopolisierungstendenzen im Bankwesen
- 14 -

�* WIRTSCHAFT UND ARBEIT
28/5/52

Weltfilmproduktion im Spiegel der

etzten 20 Jahre

Neue Farben mit Titanpigmenten - Synthetische
Edelsteine aus Farbpigmenten
Was erwartet den deutschen Einwanderer in den USA?
Der US-Arbeitsmarkt bis 1953
Arbeitsbedingungen in der amerikanischen Landwirtschaft
Atombatterie
Feuerlöscher im Benzintank
* * * * *

11/6/52

Die Rolle der Aktiengesellschaften in der US-Wirtschaft
Die deutsche Wissenschaft stand Pate
Amerikas Chemische Industrie "entdeckte" die Kohlehydrierung
Die Aufga en der Weltbank im Jahre 1952
Serie "Was erwartet den deutschen Einwanderer in
den USA9"
Die Verhältnisse in der amerikanischen Schuhindustrie
Die amerikanische Negerbevölkerung holt auf
1 0 000 Zeichen/sec mit dem "Charactron"
Hochwertige Treibstoffe durch neues Raffinationsverfahren
Kalt-Polybutadien
Schrumpffeste Kunstseide

18/6/52

*

Technische Planung nach neuartiger Methode
Kaiser-Frazer spart Arbeitsstunden und Personal
Fünf Jahre Taft-Hartley-Gesetz
Westdeutschland im Mittelpunkt der Toronto-Messe
Wieviel kostet ein Kilo Film?
UNESCO im Kampf gegen die künstlichen Kulturschranken
Die Gewerkschaften am Kreuzweg
Wandlung vom Arbeiterscnutzverband zum wirtschaftlichen Kontrollorgan?
Feuersichere Wolle

- 15 -

�"WIRTSCHAFT UND ARBEIT
18/6/52

Alkohol aus Holzabfällen
F!ugzeugtreibstoffe mit hoher Verbrennungstemperatur
Pia: tisches Fernsehen

25/6/52

*

Deutschland fragt - Amerika antwortet Der Technologische Informationsdienst des RKW

*

Amerikanische Flugzeugprod; ktion rollt
Der amerikanische "Kapitalismus" im Spiegel neuer
Wirtschaftsthe rien
Weltre'sernte auf Vorjahrshöhe
Ameri anischer "union-shop" und deutsches Mitbestimmungsrecht
Der Feuerlöscher in der Handtasche
Der perfekte

alzstreuer

Schallplatte als Sparschwein
"Walkie-lookie1
* * * * * *

IXm LANDWIRTSCHAFT
April 19i2

Neues Verfahren der "Herstellung"' von Süßwasser
aus Meerwasser
Neue Luzernes rte gibt gute Weidu - Die Bewährung
der Nomad-L zerne
*

Experimente mi

präparierten Rüben- und Gemüsesam n

Die Nahrungsmittelreserven der Welt liegen im Ozean
Das Notizbuch des Bauern
Aufzeichnung n ersparen Arbeit un

Ärger

Landwirtschaftliches Produktionsprogramm Amerikas
für 1952
53 Millionen Truthühner
Eierproduktion in den USA
* * * * * *

- 16 -

�i

* LANDWIRTSCHAFT
Mai 1952

Das internationale Weizenabkommen
Queckentöterin Trespe
*

Das Geld wächst auf der Wiese
Salz für die Milchkuh
Amerikanische Plugzeuge gegen Heuschrecken im
Mittleren Osten
Neue Geräte zur Düngerverteilung
Pasteurisieren von Eiern
Amerikanische Jungfarmer besuchen Europa
* * * * * *

Juni 1952 *

Riesenfußball mitten im Urwald
Ein Wald wird in Stunden gerodet
Fliegenbekämpfung mit chemischen Mitteln

*
*

Erfahrungen mit künstlicher Befruchtung
Kleine Mäuse - Große Geschäfte
Chinchilla-Zucht in Kalifornien
Insektenvertilgungsmittel fördern Pflanzenwachstum
Die Verteilung der Traktoren in den Ländern
der Welt
Amerikanische Parmjugend in Westdeutschland
* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

- 17 -

�A M E R I K A

D I E N S T

f~^

^UJLZT

INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTSNHATERIAL UND ARTIKEL
DES »AMERIKA DIENST»
vom 1. Juli 19t?2 - 2o.September 1952.

Seite
1

1.) ALLGEMEINES
2.) SONDERBEILAGEN

5

% ) FÜR DIE FRAU

6

4.) FÜR DIE J1NS1I)

8

5.) GEISTIGES LEBEN

9

6.) WIRTSCHAFT UND ARBEIT

lo

7.) LANDWIRTSCHAFT

15

* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der »AMERIKA DIENST»
kostenlos Bildmaterial

�1) ALLGEMEINES
2/7/52

4/7/52

11/7/52

16/7/52

Philadelphia - Schrein der amerikanischen
Freiheit
Wissenschaftler entwickeln neue
Ratten-Vernichtungsmittel
Osteuropa hinter Stacheldraht
Zu dem Buch "Eroberung durch Terror"
r'on Leland Stowe
* Die gestörte Kurzwelle
Beobachtungen der Sonnenaktivität durch ein weltumspannendes Netz von Observatorien
* Nordamerikas älteste Siedlung
Das 800 Jahre alte Old Oraibi in der Reservation
der Hopi-Indianer
Geheimnisvoller Pazifik
Wissenschaftliche Expedition in die Tiefen des
Pazifischen Ozeans
Zehn Ereignisse machten Geschichte
Die für die Entwicklung der USA wichtigsten
Ereignisse
* Großhändler in Fliegenden Bananen
Erfolgreicher•amerikanischer Hubschrauber-Konstrukteur
Das Chamäleon würde blaß vor Neid
Verblüffende Farbänderungen bei Fischen
*
*

18/7/52

*

Indianer, Mexikaner,, Amerikaner
Von Oliver La Farge, dem Verfasser des bekannten
Indianerromans "Der große Nachtgesang"
PVP als Blutplasma-Ersatz
Menschen an der Schwelle des Weltraums
Ich war Volontär bei der UN
Studenten aus aller Welt lernen die UN durch
praktische Arbeit aus eigener Anschauung kennen
Die Negerpresse in den USA

23/7/52

New York braucht billige Wohnungen
Die Vereinigten Staaten von Europa in amerikanischer
Perspektive
Neue Hoffnung für Geisteskranke
Erfolge mit chemischer Schocktherapie

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

�ALLGEMEINES

n/1/52
6/JÖ/52

Sozialversicherung für Selbständige
# # # Tt *

*

Zwischen Tiefsee und Dschungel
Zum 75» Geburtstag von William Beebe
Cleveland —

Amerika en miniature

Das billige gute Buch
Heue Tierteljahrea-Pocket-Book-Serie
*New World Writing*
Rockefellerstiftung verteilte im 2»Quartal
1952 zehn Millionen Dollar
Die Klima-Anlage im menschlichen Körper

8/8/52

Würstchenbude bringt Millionenkapital
USA. - Die Permanente Revolution
Buchbesprechung einer kürzlich in Deutsch
erschienenen selbstkritischen Analyse der USA
13/8/52

*

Die Trommeln rufen zum Pow-Wow
Das Treffen der nordamerikanischen Indianer
in öallup
Was ist Blindheit?
TU nimmt sich Lösung; der Blinden-Probleme an
Die amerikanischen

Universitätsverlage

Tosemite Talley - Das Ferien-Paradies
in der Sierra Nevada

15/8/52

Das Ende einer Revolution! Klassen im
•klassenlosen'1 Staat der UdSSR
Aufführung von Johann Strauss* »Sine Nacht in
Venedig* im Freilichttheater von Jones Beaoh
in New Xork
Nationaltheater ohne Subventionen
Rolle der ANTA (American National Theatre and
Academy) im amerikanischen Theaterleben

2o/8/52

Die Forstwirtschaft in den USA
Eine Stadt ist zu vermieten
Privatunternehmer baut Stadt für 7o ooo Einwohner
22/8/52

*

Wyoming - der Staat auf dem Berg

*

Der Tater des amerikanischen realistischen Romana
leben und Werk Theodore Dreisers

- 2

�22/Ö/52

*Haben wir Zeit, ein Taxi zu nehmen?*
Bas Terkehrsproblem der amerikanischen Großstädte und Vorschläge zu seiner Lösung

27/8/52

Methode zur Konservierung *lebender"Bautstttcke
Luftbrücke über den Pazifik
Naoh Korea aind zu jeder Stunde loo Transportflugzeuge; der KULTS unterwegs
Gruß an Trossingen
Amerikanische Stimme zur 5oo—Jahrfeier der
Mundharmonika-Stadt
LABOR DAX - Tag der Besinnung und der Mahnung

29/8/52

Die staatliche Druckerei der USA.
lex Feldzug gegen das Analphabetentum
UNESCO bildet in aller Welt »Missionare in
Wort und Schrift* aus
Das internationale Netz der Höhenforschung
Hochgebirgslaboratorien im Dienste naturwissenschaftlicher Forschung
* * * # *

3/9/52

*

New Orleans - ein Welthandelsplatz
Yollinvalide mit Beruf und Lebensziel
Aus der Arbeit des Mew Torker Instituts für
Physikalische Medizin
Zur Ökonomie des Lesens
Winke für den, der mit seiner Lektüre
"nicht durchkommt*

5/9/52

*

Garl Schürzt Unbeirrbarer Rebell der Freiheit

*

Das Weiße Saus im Wandel der Jahrhunderte

*

lo/9/52

• • . Und wieder fallen alle Zehne
Kein Sport in den USA hat so viele aktive
Anhänger wie das Kegeln
1H0 gegen Krankheit und Seuchen
Europa und das Technische Hilfsprogramm der
Weltgesundheitsorganisation.
Idean muß manrhaben
Deutscher_Sehneidermeister wird in USA angesehener business man
Die Mohawka von Brooklyn
4 000 Mohawk-Indianer arbeiten bei Stahlbaufirmen
in Brooklyn

�ALLGEMEINES
Für Hilfsbereitschaft und Fairness
Aus der Tätigkeit der vier großen amerikanischen Clubs Rotary, Kiwanis, Lions und
Exchange

lo/9/52

12/9/52

*

Der Selfmademan, der Plugwege baut
Die rollende Blutbank
Eisenbahnspezialwagen hilft in der großen
Blutspendeaktion
Sinnesorgane und ihre Fehler
Musikalität und verfeinerter Geschmackssinn
sind von Genen abhängig
Hie unsichtbaren Mörder
über die Erforschung der Pflanzenviren versucht
man die Erreger der menschlichen Tirenerkrankungen der medizinischen Kontrolle zu unterwerfen

17/9/52

Onkel Toms VersieherungsgeSeilschaft
Charles Spaulding, ein Pionier des zwanzigsten
Jahrhunderts
Khigge ex cathedra
Amerikanische Eochschulen machen ausländische
Studenten mit den Gewohnheiten des Landes vertraut
Hemingways neues Werk *The old Man and the Sea*
Universität unter dem Polarkreis
Alaska, Land mit der großen Zukunft

19/9/52

Lärmbekämpfung erhöht Produktivität
Erfahrungen eines amerikanischen Industriewerkes
Anonym« Größe
Her Bildhauer James Earle Praser
Kabeljau auf der Börse
H e Pisch-Börse von Boston

24/9/52

Brücken zwischen Kontinenten
Aufgaben der Amerikat-Häuser in der Welt
34o Millionen Tolt gegen Krebsgeschwüre und
Materialfehler
Hollywood dreht ^Joe-Louis-Pilm1"
26/9/52

*

Herzen unter dem Messer
Methoden und Möglichkeiten der Thorax-Chirurgie
In der größten Baumwollspinnerei der USA

- 4 -

�26/9/52

*

Der *Supreme Court", Amerikas höchste richterliche Gewalt
* * * *

*

2) SdSDBRBBILAGEH
2/7/52

Wir werden in Berlin "bleiben
Berliner Rede dea "US-Außenministers Dean Aoheson
Tom 29o6.1952

4/7/52

AMERIKA WÄHLT (VI)
Wie wird man Kandidatt
Form, Aufgabe und Durchführung der nationalen
Parteikonvente der.USA.

11/1/$ 2

Das neue China Mao l'se-tungs - eine totale
Despotie
Leitartikel der "Times of India" vom 2.Juli 1952

18/7/52

"Jaran glaube ich" ?!
Menschliche Bekenntnisse amerikanischer Persönlichkeiten zu Anstand, Würde, Gerechtigkeit
und Freiheit
John Steinbeck antwortet einem Kommunisten
Brief des amerikanischen Schriftstellers an den
kommunistischen italienischen Schriftsteller
Ezio lad de i

23/7/52

*

"Daran glaube ich" (II)
Bekenntnisse amerikanischer Persönlichkeiten
ZXL Anstand, Würde, Gerechtigkeit und Preiheit
•

»

»

*

»

*

6/8/52

"AMERIKA" - ein Dorn im Auge der Sowjets
Zur Einstellung des Erscheinens der russischsprachigen amerikanischen Monatszeitschrift
"Amerika" im Bereich der Sowjetunion

27/8/52

Erklärung Präsident Trumamzum amerikanischen
Peiertag der Arbeit (1.9.52)
LABOR DAT 1952
Ton Maurice J.Iobin, Arbeitsminister der USA
*

* * * *

�SOfflQEBBEIIAGEK
12/9/52

Amerika wählt (VII)
Die große Bewährungsprobe
Wahlkampf um die US-Präsidentsehaft ist in
vollem Gange

17/9/52

Dean Acheson zur weitpolitischen läge (11.9.52)

19/9/52

Das Erbe Carl Schurz'
Bede des amerikanischen Hochkommissars
Walter J.Bonnelly in der Frankfurter Paulakircha (17.9.52)
* * * * *

3) ARTIKEL FÜR DIE FRAU
9/7/52

*

Die Welt erlebt mit nur drei Sinnen (I)
Ton Helen Keller
Ernst zu nehmende Backfische
Psychologin weist nach, daß die junge Amerikanerin von heute ausgesprochen verantwortungsbewußter Mensch ist
Die ganze Welt wartet
Das Tagebuch der 13-jährigen Anne Frank
Unbeschwerte SchwangerSchaftswochen
Internationales Stipendium für Frauen
33 Ländern

23/7/52

aus

x

^

Gleiches Recht für die Frau
Eine Round-Table-Diskusaion der Universität
von Chicago über die sich ständig wandelnde
Rolle der Frau in den USA.
Die Welt erlebt mit nur drei Sinnen (II)
Ton Helen Keller
Das redselige Geschlecht
Wer ist redseliger, Mann oder Frau?
Pflanzen- oder gemischte Kost?
Forschungsergebnisse zu einer alten Streitfrage
Schülerin aus Bayern
dem Akkordeon

erobert- Amerika mit

Eierschalen nicht wegwerfen
* * * * *

- 6-

�ARTIKEL PUR DIE FRAU
13/8/52:
Das einsame Land der schwerhörigen Kinder
*

Variationen iil&amp;er ein Thema, in Stoff
Ans der Arbeit amerikanischer Modeschöpfer
Die Frau» Reserve des amerikanischen Arbeitsmarkt es
Inte rnationaler Kinderhilfafomda setzt Arbeit fort
Salfclos braucht nicht geschmacklos zu sein

2.7/8/52

*Die amerikanischen Frauen könnten den Präsidenten wählen ...*
Der politische.Einfluß der amerikanischen Frau.
Das begabte Kind
Aufgaben, die außergewöhnlich begabte Kinder
Eltern und Lehrern stellen
Atome in der Küche
Radioaktive Substanzen kommen Nahrungsmitteln
zugute
Indiskretionen über die kommende Herbstmode
Sinn für Humor gehört zur glücklichen Ehe
Karl au Anderson filmt
Die verborgene Blums
Ein neuer Roman Pearl S. Rucks
*

10/9/52

* * * *

Die Wunderbare Wirkung der Spieltherapie
Schwer erziehbare Kinder spielen sich von ihren
Komplexen frei
*

Ihre Exzellenz, die Frau Botschafter
Eugenie Anderson,US-Botschafterin in Dänemark

*

Tierkinder erziehen Menschenkinder
Kinder entwickeln Verantwortungsgefühl,Fürsorglichkeit beim Spielen mit jungen Tieren
Nebenlinie der Modet Der Sweater
Sag niemals »immer*
Ratschläge für eine gute Ehe
Studium - die beste Mitgift

24/9/52

*

Gespräch mit Marian Anderson

*

Kinderspielplätze - Paradiea der New Torker Kinder
Waschtag ohne Schrecken

�ARTIKEL FÜR VIR FBAU
24/9/52

Neues Antibioticum

gegen Akne

Wohlriechende: Farben ttschmecken^besaer
Forschungsergebnisse einer chemischen Versuchsanstalt
Frauenclubs planen Veitreise zur Hebung; &lt;ies
Seme ins chaf t sgedankens
* * * * *

4) JUSEEB
Juli 1952

Lebende Fossilien im Schatten der Wolkenkratzer
Chemiker - ein Beruf mit Zukunft
Schwere Musik leicht gemacht
M e New Torker Philharmoniker bereiten wieder
Konzerte für Kinder und Jugendliche vor
Unter dem Schlamm der Sintflut
Ausgrabungen im Delta des Enphrat und ÜÜgris
Yor der Wissenschaft steht der Mensch
Erfahrungen eines Austauschstudenten in den USA
* * * * * *

August 1952 * Bronco Charlie
Der letzte Postreiter aus dem Wilden Westen
"Der Streik schadet den Blumen*
Stuart Jackson, ein neunjähriger Zeitungsverleger
75 Jahre "Konservierter Schall*
Von Kdisons. phonographischer Walze zum
Magne t ephonb an d
Geheimnis der fliegenden Monarchen
Wissenschaftler versuchen das ©eheimnis des Wanderflugs eines Schmetterlings zu enträtseln
Schwarze Kiesel für die UN
Bin einzigartiges; Gr.eschenk der Insel Ihodos
*

* * * *

�September 1952

Der leichtsinnige Urachjäger
Eine. Ihdianererzählung
*Eie pjferde stehlende Katze von Oregon*
Im amerikanischen Westen sind auf Pumas
Kopfpreise ausgesetzt
•Jungferninseln* mit buntbewegter Vergangenheit
Seeräuber und Zuckerrohrpflanzer traten
Kolumbus' Erbe an
Himmelsfeuerwehr im Urwald
Todesmutige Bauchspringer ersticken Waldbrände im Keime
* * * * *

5) «5I8TISBS LEBEN
Juli

1952

Menottis Einfluß auf die moderne amerikanische Opernbühne
Mary Gassatt - Malerin der Mutter und Kinder
Eegistrierte Sehirnwellen
über Erfahrungen mit Elektroencephalographen
Erzieherische Formung der Gesamtpersönlichkeit
Die landwirtschaftliche Kochschule von
Michigan
Offener Brief TTpton Sinclairs an Joseph Stalin
Deutsche Chorstühle im Metropolitan Museum
* * * * *

August 1952

Kind und Kultur
über das Hauptwerk des Kinderspezialisten
Er« med« Er.phil. Arnold. Gesell, das in
deutscher.Sprache erschien
Wort, Müsi^j Geräusche
Erfolgreiches Fest moderner schöpferischer
Kunst an der Erandeis-TIhiversität
Genialität und Disziplin
Ben Stahl fand Synthese zwischen den künstlerischen und praktischen Werten der Malerei
und Graphik
- 9 -

�GEISTIGES LBBüiN
August

1952

Beutsehe Bandesrepüblik nimmt am
Fulbright-Prograinm "teil
25o deutsche Studenten und Bozenten werden
ab 1953 jährlich im lahmen des Fulbrightr-Austausehprogramms in den USA. studieren
# * * * *

September 1952

*

"Weg von den farblosen Aufsätzen*
T Gilbert G'rosvenor und sein "National
Geographie Magazine*

*

Sinclair Lewis:1 letzte Tage
Ton Alexander Manson, dem Privatsekretär
des amerikanischen Bichters
OoHenry - der "Entdecker"' Hew Xorks
William Sydney Porter, der unter dem
Pseudonym 0»Henry Weltrühm erlangte
Bas Traumhaus von Peterb.orough
Im Haus der greisen Mäzenin Marian MacBowell
schrieb Thorton Wilder ttBie Brücke von
San Luis.Key*
Beutsehe lucherfolge in den USA
* : &lt; * * * *

6] WIRTSCHAFT UND ARBEIT
2/7/52

*

Betroiter Zukunftsmusik

*

Herrscher über Milliarden Kilowatt
Bie "Bonrarille Power Administration"1 verfügt über die größten Staudämme der.Welt
Bars hatte eine Idee
Deutsche Eln-Mann-Niederlassung überwindet
internationale lohstoffkontrollen
Kunststoffe haben eine große Zukunft
Gewerkschaftliche Selbstkontrolle in den USA
Reform des Arbeiterbildungswerks in einer
US-Gewerkschaft
Zweirädriger Eisenbahnwagen
"Synchro—TapeH: - ein neues Magneto phonband

- lo -

�WÜHSOHAKL UND AHBSIf
9/7/52

Erdöl in Nordalaska
Rationelleres Metallformua&lt;gpverfahren durch
Metallpulver
Bergbau ohne Bergleute
Heißwasser zur Schwefel- und Salzgewinnung,
Kohl«verbrennung unter Tage, Leichtmetall aui
dem Ozean
USA-Gewerkschaften und politische Wahlen
Die amerikanischen Arbeitnehmerverbände als
politischer Faktor
Präzisionsuhr ohne Steine

16/7/52

Auch Amerikas Zeitungen haben ihre Sorgen
Ißfc-Wirtschaft trotz Stahlstreik stabil
Gewinnbeteiligungs- und Pensionspläne in der
US-Privatindustrie
Größere soziale Sicherheit durch Initiative der
Unternehmer
Warum arbeitet die Amerikanerin?
Die Universitäten dringen ins Volk
Mangangewinnung aus Hochofenschlacke
•

6/8/52

# * • •

Der Prosperitätswall gegen den. Kommunismus
Das amerikanische Hilfeprogramm für Ostasien
zeitigt erste Erfolge
Lebt der Amerikaner besser als wir?
. Auf je 4 Arbeitnehmer 5 Aktionäre
Die großen Industrieunternehmen der USA in
Zahlen gesehen
Die 8 Gebote des sozialen Friedens
Ursachen der innerbetrieblichen Spannungen
Kaffeemaschine mit Wählseheibe
Magnetpumpe für flüssige Metalle
Metalle freischwebend geschmolzen

11 -

�WIRTSCHAFT UJSD ARBEIT
13/8/52

*

Tradition und Fortschritt verbinden sich bei
Soennecken
Anzüge aus Erdöl - völlig knitterfrei
•Chemische* Textilindustrie auf dem Tormarsch
Wer besitzt die amerikanische Industrie?
Die Masse der Aktien befindet sich in der
Band von Kleinaktionären
Ungewöhnliche Metalle in der modernen Industrie
"Union Shop* mit neuem Akzent
"Motor der Zukunft*
225-Megahertz-Transi stören
HoQhspannungs-Trockengleichriehter

2o/8/52

Leistungsfähiger - schneller - billiger
Bin alter Kraftfahrer zieht Bilanz
Das Fernsehen erobert den amerikanischen
Kontinent
Amerikas Wirtschaft zur Jahresmitte
Trotz Stahlstreik normale Entwicklung
Der ideale Lebensmittelladen der Zukunft
Die strukturellen Veränderungen in der
amerikanischen Textilindustrie
Kunstharzbeton mit doppelter Festigkeit
Fertigbetonplatten für Industrie und Wohnungsbauten

27/8/52

Zur Stärkung der freien Welt
Das neue KSA-Gesetz konzentriert die amerikanische Wirtschaftshilfe
Werkzeugmaschinenfabrik »Till Märkte zurückerobern
Die USA sind eine Billion Dollar wert
tiberblick über das amerikanische Volksvermögen
Zwischen Scylla und Charybdis.
Die Frage der Preispolitik in dem USA
Sin Haus aus Stroh
Die gleitende Lohnskala in den. Vereinigten
Staaten

- 12 -

�WIFTSCHAFT UND ARBEIT
27/8/52
Die "sprechende" Fahrbahn
Neue Gummifarben mit überragenden Eigenschaften
Neues Hochleistungskabel
Die Gewerkschaften als Hüter des Lebensstandards
*

3/9/52

* * * *

Man sagt Merck und meint Medizin
Väterliche Tradition und eigene Initiative
schufen ein bedeutendes Industrieunternehmen
in der Neuen Welt
Die amerikanische Wirtschaft im Jahre 1975
Wie amerikanische Volkswirtschaftler die wirtschaftliche Entwicklung der USA in den nächsten
25 Jahren sehen
Titanerzeugung soll durch staatliche Hilfe
forciert werden
US-Gewerkschaften als potentieller Wahlblock
Neuerungen in der Meßtechnik
Apothekerwaage mit 1/10 Milligramm Genauigkeit
Microgasometer

10/9/52

Compax PH-Messer
Minot Rotary Microtome
Strontium 90 als Dickenmesser
Die Türkei löst ihre Verkehrsprobleme
Amerikanische Autos erhalten ein neues Gewand
Baisse am amerikanischen Wollmarkt
Radar für den Flughafen
Weltpolitik als Thema der Erwachsenenbildung
"Musterbetrieb" der amerikanischen Textilindustrie
Aluminiumüberzüge nach neuem Tauchverfahren

- 13

�WISH5QHAPT UHB ARBEIT
17/9/52

Das Scrjnalfilmprogramm der MSA unterstützt die
Bestrebungen der deutschen Produktivitätsaktion
4oQ-BH 11 ionen—Do 11 ar-AJ.umIni.uHBV erk in Alaska
Manganerzeugung soll durch staatliche Subventionen erhöht werden
Deutsche Maschinen für amerikanisches Aluminiumwerk
Wie kaufe ich einen gebrauchten Wagen? (I)
Streikfrage und Gewerkschaftsmonopol in
den USA
Frauen

im amerikanischen

Plugzeugbau

Einkommen der Ärzte,Rechtsanwälte und Zahnärzte in den "USA
Neue "Wunderfaser" widersteht 1 4oo Grad Celsius
Penicillinpräparat gegen Gelenkrheuma
BAL gagen Hauterkrankungen
Cortison gegen Haarausfall
24/9/52

Hollywoods Pilmproduzenten in der Zwickmühle
Selbstbedienung bei Woolworth
Steht eine nochmalige Erhöhung der Aluminiumkapazität bevor?
Wie kaufe ich einen gebrauchten Wagen? (II)
Gewerkschaftliche "Tachhoehschule* in den USA
Die I1GWU besehreitet neue Wege im Arbeiter-,
bildungswerk
Farbfernsehen jetzt technisch durchführbar
Marisilid gegen TBC

* * * * *

- 14 -

�7) LASMIRTSCHAFT
August

1952

Internationale Abwehrmaßnahmen gegen die
Bang*sehe Krankheit
G'afi-Schutzhülle für Obst und Gemüse
Versand von frischem Gbst und Gemüse ohne
Kühlung
Klima-Kalender für Bauern und Gärtner
Amerikanischer Klimaforscher errechnet
Waohstumseinheiten für Hutzpflanzen
Ein Pionier des ITeizenbaues
Einkommensverhältnisae in der amerikanischen
Landwirtschaft
Hormone gegen Sterilität
* * * * *

September 1952

Bodenbeschaffenheit und menschliche Exnährung
Ein ungewöhnliches Geschenk
Die Universität von Missouri erhält 4ie
Guernae^Zuchtviehherde mitsamt Liegenschaften als Geschenk
Viehfutter waggonweise aus dem Labor
Schwefel in Landwirtschaft und Industrie
Ein neues Vitamin-A-Präparat
Rekordernten aus Hydrokulturanlagen
Interessantes für den Bauern

* * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der »AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

- 15 -

�A M E R I K A

D I E N S T

W V

VVMA-

INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL
DES "AMERIKA DIENST"
vom 1. Oktober 1952 «- 31 • D.esember 1952

Seite

1.) ALLGEMEINES

1

2.)

SONDERBEILAGEN

5

3.)

PUR DIE FRAU

5

4.)

EUR DIE JUGEND

7

5.)

GEISTIGES LEBEN

8

6.)

WIRTSCHAFT UND ARBEIT

9

7.) LANDWIRTSCHAFT

12
* * * * »

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

�1) ALLGEMEINES
1/10/52 * Cape Cod, der historische "Landungssteg" Amerikas
Der Mann am Ton-Steuer Die physikalische Technik kommt den Musikfreunden
vor den Lautsprechern zu Hilfe
* Er war ein unzeitgemäß glücklicher Mensch Zum Tode des Dichterphilosophen George Santayana
Aus dem Kraftfahrwesen der USA Ermäßigte Versicherungsprämien für unfallfreies Fahren
3/10/52
Die amerikanische Handelsflotte Zwei neue Typen von 10 C00 BRT-Handelsschiffen
Völker sprechen miteinander Auslandische Studenten an der Universität von Ohio
Hollywoods Talentsucher mit neuer Mission
8/10/52 * An der Pforte des Düsenzeitalters
Die neue Theatersaison am Broadway
Nur für starke Nerven Der neue dreidimensionale Tonfilm "CINERAMA" in
New York angelaufen
* Es gibt nicht Freund noch Feind Über alle Grenzen hinweg betreiben die Quäker ihr
stilles Werk der Nächstenliebe
10/10/52
USA und Montan-Union
* Das neue Thule Amerika baut Flugplätze in der Arktis
Industrieforschungsinstitut untersucht nationalökonomische Verhältnisse
Trygve Lie zum 24. Oktober 1952, dem Tag der
15/10/52
UN-Sonder- Vereinten Nationen
ausgabe
Vermitteln - Verhandeln - Versöhnen Sieben Jahre UN-Charta
Die Bank der UN und ihre Aufgaben Weltbank und Internationaler Währungsfonds
Aus der Tätigkeit des Wirtschafts- und Sozialrates
der Vereinten Nationen
Aus der Arbeit der Vereinten Nationen im Jahre 1952
15/10/52 * Schiffsmuseum in "Lebensgröße" im historischen Hafen
von Mystic
Augenzeuge einer Apokalypse Arthur Köstlers erster Band seiner Autobiographie
* Episoden aus dem Verhandlungszelt von Panmunjom
17/10/52
Limit: sechs Weltsprachen Zwei französische Sprachforscher weisen einen neuen
Weg aus dem Sprachenbabel unserer Welt
Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial
- 1 -

�ALLGEMEINES
17/10/52 * Auf zwei Quadratkilometer ein Mensch Nevada lebt vom Fremdenverkehr und Bergbau
Sprechstunde für Blattläuse Naturwissenschaftler nutzen Mikroben, um
Pflanzenseuchen zu bekämpfen
22/10/52 * Sorgloses Alter in der Blumenkolonie Stiftung des Staates New Jersey schenkt alten
Leuten eigene Siedlungskolonie
* Pracht per Luftexpreß
Kleine Tempel echter Filmkunst
24/10/52
UN-Haushaltplan für 1953
Man ist so alt wie seine Arterien Durchblutung bestimmt die körperliche Verfassung eines Menschen
* Die Kunst, öl zu bohren
Im größten Tierspital der Welt Aus der Arbeit des Angell-Memorial-Hospitals
in Boston
29/10/52
Probleme der UN-Vollversammlung Die 7. Vollversammlung, die neue Bewährungsprobe der großen internationalen Organisation
* Büffelhäute und Känguruhleder Ein Blick auf die amerikanische Lederindustrie
Fremdsprachenunterricht von acht Jahren an Die Yale-Universität untersucht ein vieldiskutiertes Unterrichtsproblem
* Beseelte Drahtgestelle Sandy Calder, einer der eigenwilligsten Bildhauer Amerikas
31/10/52 * Boston - Keimzelle der USA Die historische und kulturelle Bedeutung der Haupt
stadt des amerikanischen Bundesstaates Massachusetts
"Große Bücher der westlichen Welt" Der Verlag der "Encyclopedia Britannica" in
Chikago gibt Jetzt in 54 Bänden die "Großen
Bücher der westlichen Welt" heraus
Moderner amerikanischer Gebrauchs-Stil
Der Dichter und sein Lektor Die Geschichte der Freundschaft zwischen Thomas
Wolfe und seinem Verlagslektor Maxwell Perkins
* Herve J. L'Heureux Der neue rangälteste amerikanische Generalkonsul
in Deutschland
* * * * *
5/11/52
Pflugscharen statt Schwerter Zur einjährigen Arbeit der UN-Abrüstungskommission
Die Kohlenpipeline im Pittsburgher Revier
Erste Hilfe für Geigen und Trompeten Die Vereinigung amerikanischer Musikgesellschaften
unterstützt Musiker in kriegsgeschädigten Ländern
- 2 -

�INES
7/11/52 * Die Korbmacherinnen von Arizona Nach uralten Vorlagen flechten die Eingeborenenfrauen der Indianerstämme Arizonas ihre formschönen
und bunten Körbe
Die Luxusvilla des Sowjetdelegierten bei den
Vereinten Nationen auf Long Island
Rost nagt an der Zivilisation Forschungsinstitute der USA führen scharfen Kampf
gegen Metallkorrosion.
* Tampa, an der Westküste Floridas gelegen, ist
Industriezentrum, Kurort und Welthafen zugleich
Langsamfahren - keine Garantie gegen Unfälle
"Er war still und immer voller Güte..." Besprechung der Einsteinbiographie aus Bela
Kornitzers neuem Band "Amerikanische Väter und Söhne"
U/11/52
Die Viehzucht in den USA
Der Vulkanausbruch auf San Benedicto
Bibel bricht Verkaufsrekorde
19/11/52 * Charleston ist eine der schönsten und eigenartigsten
Städte des amerikanischen Südens
Walt Disney: Auch ein Kulturfilm muß unterhalten
Das elektronische Gedächtnis
Im Zeichen der Roten Feder Sammelfeldzug füllt die Wohlfahrtskassen der Gemeinden
21/11/52 * Die Spanisch-Moos-Sammler von Louisiana
Spielzeugangebot wie noch nie
* Die Brezellegende
* Amerika und sein Truthahn
26/11/52
Millionengeschäfte mit Ruß
* Wie ich Schachmeister wurde von Larry Evans, dem 19jährigen amerikanischen
Schachmeister
Musik lehren heißt Menschen erziehen
28/11/52 * Hurrikan-Flieger über der karibischen See
Die Räucherkammer der USA Smithfield in Virginia ist durch seinen Schinken
bei den Feinschmeckern der ganzen Welt ein Begriff geworden
Den Erzfeind hegen und pflegen... Analyse der gegenwärtigen russischen Haß-Kampagne
gegen die USA und der Ziele und Formen der Sowjetpropaganda überhaupt
Schwester Kenny Die um die Bekämpfung der Spinalen Kinderlähmung
verdiente Krankenschwester
* * * * *

�ALLGEMEINES
3/12/52

*
5/12/52

*

10/12/52

*
*
*

12/12/52

*
*

17/12/52

*

19/12/52

*
*
*

Menschenrechte - eine Verpflichtung
Am 10. Dezember 1948 wurde in Paria die "Allgemeingültige Erklärung der Menschenrechte" von der UNVollversammlung unterzeichnet
Regen ohne Risiko - Die künstliche Auslösung von Regen
Wisconsin - Milch, Käse und sozialer Portschritt
Weihnachtsbäume - Ein Weihnachtsrundbrief von Robert
Frost
Weihnachtsbräuche in den USA
Geschichten um die Weihnachtskarte
In Amerikas Christbaumwäldern
Frau Weihnachtsmann von Oklahoma
22 Millionen Dollar zur Bekämpfung der Tuberkulose
bfachte der vorjährige Verkauf der "Xmas-Seals"
Der Erfinder des Streptomycins • Interview des diesjährigen Trägers des Nobelpreises für Medizin, Professor Selman A. Waksman
Häuser auf Rädern - Wohnwagen-Anhänger finden eine
immer größere Gemeinde
"Laßt die Moleküle rasen..." - Ein Laie spaziert durch
das Atomlaboratorium Brookhaven
Die Erdölfarmer von Oklahoma
Produktivität eine Geisteshaltung
Aber Frauen leben länger als Männer ...
Einzelheiten über den Bevölkerungsstand der Erde
gibt die 700 Seiten starke Publikation der V.'HO
"Lebensstatistiken und Todesursachen"
Deutsche Richter im Zuschauerraum - Deutsche Juristen
finden bei amerikanischen Jugendgerichten Beispiele
väterlich - rücksichtsvoller Prozeßführung
Vom Waisenknaben zum Finanzminister - Zur 150. Wiederkehr des Geburtstages von Christopher Gustavus Memminger
Kunst und Werbung
Frauen bei der UNESCO
Kapitol: Schauplatz großer Entscheidungen - Seit 150
Jahren werden im Kapitol die wichtigsten politischen
Entscheidungen der Vereinigten Staaten getroffen
Bücher - Filme - Bilder - Foren
Die Programme und Projekte der HAMERICAN LIBRARY
ASSOCIATION"
Avenue der Botschaften - Diplomaten von 77 Nationen
leben in Washington
Andersens Märchen am Broadway
* * * * *

- 4 -

�2) SONDERBEILAGEN
3/10/52

22/10/52
31/10/52

5/11/52

7/11/52

AMERIKA WÄHLT (VIII)
Macht und Verantwortung
Bedeutung der amerikanischen Präsidentschaft als
oberste Exekutive des Landes
Rede des amerikanischen Außenministers Dean Acheson
vom 16. Oktober 1952 vor der UN-Vollversammlung in
New York
Auszüge aus der Rede des US-Außenministers Dean
Acheson vom 24. Oktober 1952 vor dem I. Politischen
Ausschuß der UN-Vollversammlung
AMERIKA WÄHLT
IX. Folge und Schluß
"Die Wahlmänner . »• stimmen durch Stimmzettel für
einen Präsidenten ..."
Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen 1948 und
1952 Aufschlüsselung der 531 Wahlmänner nach einzelnen Bundesstaaten.
*

*

3) ARTIKEL FÜR DIE FRAU
8/10/52

2 2/10/52

Die Frauen in den gesetzgebenden Körperschaften von
New Hampshire
UN-Organisationen sorgen für die Ausbildung von
Hebammen in asiatischen und latein-amerikanischen
Ländern
Das kleine Porträt (I)
Die Bibliotherapeutin Sadie Peterson Delaney
Geld - psychologisch betrachtet
Ergebnisse einer Reihe von Umfragen über
die Beziehungen des Menschen zum Geld
Selbstvertrauen schon in der Kinderstube
M
Good Housekeeping" - Drinnen und Draußen
Erziehung zum Staats- und Mitbürger, ein Schulfach
am Mills College in Kalifornien
Schmitz, Gnepp und Hutzelbrod
Deutsch-PennsyIvanischer Küchenzettel
Gesellschaftliches Rezeptbuch 1952
Amy Vanderbilts Ein Buch für gutes Benehmen, wie es
der Neuzeit angepaßt ist
Sie begeisterte Könige und Bürger
Annie Oakley, das scharfäugige Mädchen aus Ohio
Das kleine Porträt (II)
Doriot Antony, erste Flötistin bei den Bostoner
Symphonikern

- 5 -

�ARTIKEL!ÜR DIE *EAU
22/10/52

Die Hausfrauen-Polizistinnen von Milwaukee

5/11/52

* New Yorker Ausstellung über die Geschichte
der Suffragettenbewegung in den USA
* Wenn das Kind nicht schlafen will ...
Amerikanischer Wissenschaftler untersucht,
warum Kinder sich gegen das Zubettgehen sträuben
Das kleine Porträt (III)
Ida Hildibrand - die Freundin der Farmersfrauen
Landschaft auf Lager
Amerikanische Photographin arbeitet als
"Filmszenerie-Detektiv" für Hollywood
In 57 Staaten sind die Frauen gleichberechtigt
Bericht des UN-Generalsekretärs Trygve Lie

19/11/52

Ein Bündel Malstifte
Ein schizophrenes Kind malt sich gesund
In Schönheit verhungern
Amerikanische Ernährungs-Wissenschaftler raten
bei allen "Sehne11-Abmagerungs-Kuren" zur Vorsicht
Wandelbare Mode - Spiegelbild der Zeit
Das Bostoner Kunstmuseum zeigt zur Zeit eine
umfassende Sammlung von Kleidern aus den vergangenen 250 Jahren
Brillen sind "fashionable"
Eis-Shows im New Yorker Madison Square Garden
Über die Freiheit zur Selbstdisziplin
"Mutter-Sohn-Team" erstmals im Kongreß der USA

3/12/52

.Die natürliche Überlegenheit der Frau
Von Ashley Montagu, Direktor des anthropologischen Instituts der Rutgers-Universität
in New Brunswick
Das kleine Porträt (IV)
Gewebte Geschichtsbücher - Deutschamerikanerin
restauriert wertvolle Gobelins
Ehe der Jugendrichter eingreift •••
Erwachsenen-Forum soll gefährdete Jugendliche
vor der Bekanntschaft mit dem Gericht bewahren
Frauen in den Vereinten Nationen
Frauen übernehmen diplomatische Funktionen bei
den UN-Delegationen
Warm behütet in den Winter
Große, weiche Winterhüte in der Gunst der
Amerikanerin

�^

ARTIKEL FÜR DIE FRAU

17/12/52

* Psychologin auf eigenen Wegen
Die in Deutschland geborene Psychotherapeutin
Karen Eorney starb am 4. Dezember in New York
* Eltern sind reizend, aber ...
Amerikanische Teenagers sprechen über "elterliche" Probleme
Vati ist kein Kinderschreck
Disziplin und die Rolle des Vaters in der
Erziehung der Kinder
Das kleine Porträt (V)
Florence Chambers - Olympiamedaille und
Züchterdiplom
Das Kleid der Zukunft
Synthetische Pasern und Pasermischungen sind
eine starke Konkurrenz natürlicher Produkte
Sandwiches für festliche Stunden
•

# • * *

4) ARTIKEL FÜR DIE JUGEND

m

Oktober 1952 Der Teufel und Daniel Webster
"Mensch, ihr seid doch anständige Kerle!"
Kinder erteilen den Erwachsenen von Bloomfield
eine Lektion darin, was es heißt, Mitbürger
zu sein
* Ich breche die Blitze •••
Im Jab.e 1752 erfand Benjamin Franklin den
Blitzableiter
"Halloween" - Nacht der Hexen und Geister
Kindermummenschanz am 31. Oktober
Rennwagen aus Schrott
"Hotrod"-Rennen an den Salzseen im Staate Utah
November 1952

*

Das Kaninchen und die Brunnenwächter
Eine Tiergeschichte aus dem amerikanischen
Märchen- und Sagenschatz
Das Tagebuch einer kleinen Stadt
Fünfzehnjährige Jungen und Mädchen einer höheren
Schule schreiben ein Buch über ihre Heimatstadt
Pack die Angelrute ein •••
In den USA gibt es Millionen begeisterter junger
Angler
Mister Clark, der Büffelzüchter
Trupp 198
New Yorks blinde Pfadfinder

Dezember 1952

Die Geschichte vom kleinen Esel
Eine Weihnachtsgeschichte aus dem amerikanischen
Süden

�JUGEND
Dezember 1952

Der Schneeschuhgeist der Sierra Nevada
Ein amerikanischer Landbriefträger vollbrachte 20 Jahre lang Übermenschliches
an Entsagung und Hilfsbereitschaft
Das Wunder der gefüllten Strümpfe
Die Entstehungsgeschichte eines amerikanischen Weihnachtsbrauches
Besuch in der Spielzeugstadt
Eine kleine Weihnacht :krippe gab Anregung
für die Anlage einer selbstgebastelten
Spielzeugstadt
* * * * *

5) GEISTIGES LEBEN
Oktober 1952

*

Geigerzähler korrigieren Geschichtsbücher
Archäologen bestimmen mit Isotopenkalender
und Atomuhr das genaue Alter historischer
und prähistorischer Funde
Ostasiatische Kunstsammlungen in den USA
Neues Programm zur Veröffentlichung von
Dissertationen
Was Geschäftsleute sammeln
Eine Ausstellung privater Gemäldesammlungen
Engländer gewinnt Carnegie-Preis
Das Carnegie-Institut zeichnet den englischen
Maler Ben Nicholson aus

November 1952^ Über den wahren Humanismus
Interview mit Albert Einstein
* Der begabte Zuhörer
Von Aaron Copland
Worpswede in Florida
Sarasota, das Künstlerstädtchen am Golf
von Mexiko
Tennessee Williams in Moll und Dur
US-Außenministerium verteilt Fachbibliographie
Dezember 1952

Deutsche Maler in Amerika
Ein Menschenalter reicht nicht aus
Interview mit dem jungen amerikanischen
Dirigenten Thomas Schippers
* Die Dumbarton Oaks-Sammlung für byzantinische
Kunst
Die Pyramidentexte
Der erste Buddhistentempel der USA eingeweiht
* * * * *

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
1/10/52

*

Werkzeuge des "Management" für deutsche
Unternehmer
Amerikanische Betriebsführer berichten
deutschen Industriellen über ihre Erfahrungen
Der .Farmer wird umworben
Beide Parteien versprechen das gleiche
USA lehnen Vorschläge zur Bildung eines
neuen Gummikartells ab
Der Sender des US-Normenamtes übermittelt
Zeit-, Frequenz- und Tonsignale
Amerikanische Landarbeiterprobleme
Die nächsten 10 Jahre in der amerikanischen
Gewerkschaftspolitik
Besser und schöner als Papierwolle
Neues amerikanisches Kunstharzmaterial für
den Glaswarenversand

8/10/52

*

Im Emslandmoor geht der Mammutpflug um
Bankiers, Kredite und Kartelle
NAM-Gutachten umreißt die Möglichkeiten und
Hindernisse für ausländisches Anlagekapital
in Westdeutschland
Heilmittel für alle Welt
Amerikanische pharmazeutische Werke für den
Riesenbedarf an Medikamenten
Die Renaissance der Baumwolle
Lohnwellen und Sozialleistungen in der
amerikanischen Privatindustrie
Der Arbeiter muß das Ziel seiner Arbeit kennen
Größeres wirtschaftliches Verständnis durch
volkswirtschaftliche Fortbildungskurse
Leuchtschirm und Schattenflugzeug als
konstante Wegweiser
Cortisongewinnung vereinfacht

15/10/52

*

Erdöl verändert Landschaft und Menschen
4-5 ölgesellschaften in Nord-Dakota
Neue Riesen-Ölleitung wird Texas mit dem
Westen verbinden
Hudson in Konkurrenz mit Ford
Neuer Wagentyp in der billigen Preisklasse
Das Autovermietgeschäft nimmt ständig zu
Mode- und Textilkrise in den USA
Neuheiten auf dem amerikanischen Weihnachtsmarkt
Deriechte Mann am rechten Platz
Deutsche u»d amerikanische Produktivitätserfahrungen Verden in Berlin gezeigt

22/10/52

- 9-

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
22/10/52

Mehr Wissenschaftler in die Betriebe
Die Verteidigungsausgaben müssen erhöht werden
Erhöhung der Gesamtausgaben auf rund 250 Milliarden Dollar wahrscheinlich
Der ungekrönte König aller Sehreibutensilien
Ein Kapitel sozialer Selbstverwaltung
Die "Agreed Bills" im Staate Illinois als
Vorbild für die Sozialgesetzgebung
Flüssiger Kunststoff
"Abstossende" Farbe
Neues Schweißgerät für Nichteisenmetalle

29/10/52

Der Venezuela-Handel hat goldenen Boden
Wie man heute in Amerika baut
Gewaltiger Anstieg des luftfrachtverkehrs
Westdeutschland hat größten Anteil an der
Steigerung des Frachtvolumens
In den USA ist der Automat "Mädchen für alles"
Die russischen "Paradieslöhne" - einmal
nüchtern betrachtet
Die hundertprozentige Kunststoffwohnung

5/11/52

Industrie baut Basteln zu einem Millionengeschäft aus
Amerikanische Wirtschaftslage weiterhin stabil
Die Wandlung der Einkommenstruktur
"Autofahren" im Schulzimmer
Amerikanische Frauenarbeit und Frauenlöhne
Neues Jugend-Arbeitsschutzgesetz
Hochempfindlicher Wärmemesser
Photographiere mit Datum
Regenschirm mit Fenster

32/11/52

Betrachtung zu den deutsch-amerikanischen
Betriebsführerbesprechungen
Läden ohne Waren und Verkäufer
Ein Experiment zur Senkung der Preise und
Betriebskosten
Konkurrenzkampf auf dem Automarkt verschärft sich
Erdölwunder in der modernen Chemie
Berufswahl und höheres Schulwesen in den USA
Kleinzündanlage mit "Superfunken"
Oszillograph-Kontrollwaage für LKW

*

- 10 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
19/11/52

*

Amerikanisches Weihnachtsgeschäft läuft an
Neue Tongeräte mit neuen Effekten
Auf die richtige Farbe kommt es an
Amerikanische Geschäfte prüften verschiedene
Barben auf ihre "Verkaufseigenschaften"
Wandlungen im Arbeitsplatzwechsel in den USA
Neues gummiartiges Produkt mit großer Widerstandsfähigkeit
Neue Kunstgummiqualität verringert Reifenerwärmung

26/11/52

Planung und Test - Das A und 0 der
Produktivitätssteigerung
Weiterhin lebhafte Investitionstätigkeit in
der US-Industrie
Volkswagen auf US-Markt durchaus konkurrenzfähig
Technisches Spielzeug beherrscht den diesjährigen
amerikanischen Weihnachtsmarkt
Die Bedeutung der amerikanischen Gewerkschaftspresse
Koffer-Fernsehapparate mit Germanium-Transistoren
"Rechnendes" Transportband
Ungeziefer-sichere Kleidung

3/12/52

Bessere Wohnungen - Niedrigere Baukosten
MSA-Bergarbeitersiedlungen als Modelle für
den künftigen sozialen Wohnungsbau
"Werkprofessoren" - Ein Bindeglied zwischen
Hochschule und Industrie
Autobahnbau mit privaten Mitteln
Amerikas Erfahrungen mit einem internationalen
Problem
Die Kältetechnik in Dienste der modernen Industrie
"Musikkonserven" bedrohen die Existenz des
Berufsmusikers
Spuranzeiger lokalisiert Heizrohrschäden
Wasserski für Düsenflugzeuge
Düsenpropeller-Flugzeug

10/12/52

Das RKW - die Clearingstelle für technische
Erfahrungen aus aller Welt
-Liiternationales Wirtschaftstreffen der Freien
Welt 1953 in Wien
Das Zentrum der Aluminium-Industrie liegt
in Kanada und Alaska
"Glas"-Kunststoffe so hart wie Stahl
"Ferngelenkte" Handlungsreisende
"Walkie-listen" - der verlängerte Arm des Chefd
- 11 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
10/12/52

Pharmazeutika in Kapselform
Neue Papiersorte aus Glas

17/12/52

Amerikanischer Wirtschaftsspiegel 1952
(Schaubild)
Ein Jahr der Konsolidierung
Der Dollarkreislauf (Schaubild)
Produktionsausweitung - der Schlüssel zur
Erfüllung der Verteidigungsaufgaben
Großwirtschaftsräume in Zahlen gesehen
(Schaubild)
Die Außenhandelsstruktur veränderte sich
Der amerikanische Außenhandel im Jahre 1952
(Schaubild)
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung 1952
Das Wachstum der US-Gewerkschaften (Schaubild)
* * * * *

7) LANDWIRTSCHAFT
Oktober 1952

November 1952

Dezember 1952

*

Die große Zukunft der Hybriden Formen
Große Fische im Genossenschafts-Netz
Amerikanische Fischer organisieren sich
zu Genossenschaften
Kraftfutter aus dem eigenen Betrieb
Künstliche Trocknung ermöglicht rationellere
Futterwirtschaft
Saatgutkontrolle in Texas
Neuer Trächtigkeitstest bei Kühen
US-Landwirtschaftsministerium will
Rosinenexport subventionieren
USA tauschen Weizen gegen Dünger
Der Dichter hinter dem Pflug
Louis Bromfield als Pionier der
Bodenkultivierung
Impfstoffe gegen Hühnerkrankheiten
Jede Stunde ein Ferkel
Arbeitsbericht von einer Drei-Mann-Schweinezucht in Delaware
Es geht auch ohne Melken
Kurioses Experiment amerikanischer Viehzüchter
Maßnahmen zur Hebung der Eier-Produktion
Höherer Zuckergehalt der Zuckerrüben
Zwergwuchs bei Rindern
- 12 -

�LANDWIRTSCHAFT
Dezember 1952

Hexereien mit Hirse
Colchicinpräparat beschleunigt
Zuchtauslese
Mehr Schweinefleisch - weniger Fett
Die Schweinezüchter von Ohio haben ihre
Produktion nahezu ganz auf Fleischschweine
umgestellt
Äcker schwimmen ins Meer
Experimente im Mississippital veranschaulichen, welch ungeheure Mengen von Mutterboden jährlich durch Auswaschung verloren
gehen
Buschrodung mit chemischen Mitteln
Erfahrungen mit Chlorphenoxy-Essigsäuren
Hülsenfruchtanbau seit 6000 Jahren
Ersatzstoffe für Eiweiß
Neomycin gegen Mastitis
#

*

*

•

#

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMEEIXA DIENST
kostenlos Bildmaterial

- 13 -

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                <text>Inhaltsverzeichnis über Nachrichtenmaterial und Artikel des "Amerika Dienst" vom 01. Januar 1952 - 31. März 1952</text>
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S 1

INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL DES
"AMERIKA DIENST"
vom 1. Januar 1952 - 31. März 1952

Seite
1.) ALLGEMEINES

1

2.) KOMMENTARE

5

3.) SONDERBEILAGEN

6

4.) ARTIKEL FÜR DIE FRAU

8

5.) JUGEND

10

6.) GEISTIGES LEBEN

11

7.) WIRTSCHAFT UND ARBEIT

12

8.) LANDWIRTSCHAFT

16

* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA
DIENST* kostenlos Bildmaterial

�iL. .-ALLGEMEINES,
4/1/52

*

IRO zieht Bilanz
Das Ozeanographische Institut von Woods Hole
sammelt Erfahrungen über die nordatlantischen
Meeresströmungen
Die zehn wichtigsten Ergebnisse der aartronomisehen
Forschung im Jahre 1951

9/1/52

*

Die Sonne tönt . . . Funksignale aus dem
Weltenraum
Das Leben im Jahre 2027
Morgenrot am Filmhimmel

11/1/52

*

Rekruten vor dem Fernsehschirm
Ausbildungsunterricht durch Fernsehübertragungen
bei der Marine
Auf der Spur des Schnupfenvirus
Berlin Anno 1930 auf der New Yorker Bühne.
John van Drutens Bühnenstück "lam a Camera"

16/1/52

*

Internationale Verständigung durch persönlichen
Kontakt
Babylonische Sprachentwirrung
Die voraussichtlichen Vorzüge einer endgültigen
Weltsprache
Die gefährliche "rosa Lady"
Gegen den Mißbrauch von Schlaftabletten

18/1/52

*

Sister Ann Joachim, eine der interessantesten
Frauen der USA
"Alcometer" im Kampf gegen betrunkene Autofahrer
Wir werden das Raumschiff erleben

23/1/52

Die Vereinigung "Operation Democracy".
Kultureller Austausch zwischen amerikanischen
und westdeutschen Städten
Aus der Arbeit der UN-Vollversammlung in Paris

'•Sicherheit beim Absturz"
Neue Gesichtspunkte im Flugzeugbau
ZM den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIEN3?'
kostenlos Bildmaterial
- 1 -

�ALLGEMEINES
25/1/52

*

David K. Bruce - der zweite Mann im State
Department

*

Das Palais de Chaillot besitzt einen eigenen
Gebetraum für UN-Delegierte

*

Versandhaus für Bakterien
Stephan Wolpe - ein Künstler, der sich treu bleibt

30/1/52

*

Zum Geburtstag Abraham Lincolns am 12. Februar
Tiere im Winterschlaf
50 Jahre amerikanisches Genossenschaftswesen
Amerikanische Farmgenossenschaften
* * * * * *

1/2/52

"Zum Seemann geboren" - Admiral L.D. McCormick,
Oberbefehlshaber der NATO-Seestreitkräfte
Eine neue Aera der Landwirtschaft?
"Krilium", das neue Dünge- und Bodenverbesserungsmittel
Über eine neue einheitliche internationale
Fliegerspräche

6/2/52

*

Das amerikanische St. Moritz

*

Der Schlittschuh fahrende Scholar - Dick Button

*

Wunderland Colorado
Wiedergutmachung an Winnetous Erben
Senfgas für kranke Kinder
Bedeutende Erfolge in der Behandlung von Leukämie

8/2/52

*

Kameradschaft der Völker auf See
Länger und glücklicher leben
Probleme für alternde Menschen
Journalismus per Elektron

-

2

-

�ALLGEMEINES
13/2/52

*

Elektroingenieure als Mädchen für alles
Synthetische Photosynthese

15/2/52.

*

Marlenes Tochter
Maria Riva, die Tochter der Dietrich

*

Die Sportfliegerei in den USA

*

Die Pathologie, das gute Gewissen der Ärzte
Das Zeugnis - eine Reliquie aus dem vorigen
Jahrhundert?

20/2/52

*

George Washington: Bauer, General und Staatsmann
(Zu seinem Geburtstag am 22. Februar)

*

Der Sender im Schützenloch
Verbesserungen des Nachrichtensystems der amerikanischen Streitkräfte
Schach in der dritten Dimension

22/2/52

*

"Amerika-Haus Ruhr" öffnet seine Pforten

*

Das Magnetophon erobert Amerika
Wissenschaft mit Bagger und Geigerzähler
Deutsche Jungärzte an amerikanischen Krankenhäusern

27/2/52

*

Das Museum für Wissenschaft und Technik in
Chikago
Wir sterben nicht aus
Gespräch über die Chancen und Erwartungen der
Menschheit

29/2/52

*

"Handeln ist das große Geheimnis des Erfolgs"
Am 2. März 1829 wurde der deutsche Rebell der
Freiheit und amerikanische Politiker Carl Schurz
geboren

*

"Nach Oregon oder zum Teufel!"
Die Sonne - bei Licht besehen
Neues Sonnenobservatorium registriert durch
Elektronen-Lenkgerät die gesamte Sonne.naktivität
Deutsche Bücher in Amerika
* * * * *

*

�INES
5/3/52

7/3/52

Bundespräsident Heuss spricht zur Eröffnung der
"Woche der Brüderlichkeit"
*

Travelers Aid - Schutzengel der Reisenden

*

Der erste schwimmende Sender der "Stimme Amerikas

*

Als Krankenschwester in Korea
Synthetische Edelsteine sind keine minderwertigen
"Glasbonbons"
Sind die Vereinigten Staaten imperialistisch?
Zur "Woche der Brüderlichkeit" 1952
Aussprüche großer Männer

12/3/52

*

Spokane - die "Fröhliche Bergarbeiterstadt"
Amerikanischer Geschäftsmann bestimmt zwei
Drittel des jeweiligen Reingewinns seiner Firma
für karitative Zwecke
Das Geheimnis um Adolph Strasser
Die sonderbare Lebensgeschichte eines großen
Arbeiterführers
Zur "Woche der Brüderlichkeit" 1952
Aussprüche großer Männer

14/3/52

*

Panama-Kanal - heiße Zone Zentralamerikas
West Points stolze Tradition
Vor 150 Jahren wurde die berühmte amerikanische
Militärakademie gegründet
Kulturgeschichte des Zeichenfilms

19/3/52

ÄtherfreundSchäften
Seit zwei Jahren haben die deutschen Funkamateure
wieder die Möglichkeit, internationale Verbindungen aufzunehmen
Das Schulspeisungsprogramm in den Westsektoren
Berlins
Schubert - Portrait eines Musikers
Das letzte Werk des in Deutschland geborenen
und kürzlich in den USA verstorbenen Musikkritikers Dr. Alfred Einstein

- 4 -

�ALLGEMEINES
21/3/52

*

Moderne Isolationstechnik ermöglicht "Heizung"
mit Körperwärme
Kreuzweg der Kalmücken
"Amahl und die nächtlichen Gäste"
Gian-Carlo Menotti schrieb erste Fernsehoper

26/3/52

*

Das Transpazifik-Kabel hat seine Bedeutung
verloren

*

Der Amerikanische Automobilverband AAA
Biber als Fallschirmspringer

28/3/52

*

Atlantic City, der Badeort zwischen New York
und Philadelphia
Staatsexamen im Gefängnis
Todesursache: Angst
* * * * * *

22_KOMMENTARE_
4/1/52

Wiedersehen in Washington

9/1/52

Europa vor dem Wendepunkt

11/1/52

Europa und die amerikanischen Wahlen

16/1/52

Zuversichtliche Stimmung in Washington

18/1/52

Eine Mahnung an Europa
* * * * * *

1/2/52

Bonn im Mittelpunkt

6/2/52

London - eine entscheidende Etappe

13/2/52

Diskutable Bedingungen

15/2/52

Appell an die Vernunft

20/2/52

Neutralismus - eine Utopie

- 5-

�KOMMENTARE
22/2/52

Optimismus in Lissabon

27/2/52

Eine erfolgreiche Konferenz

29/2/52

Lissabon und die Präsidentschaftswahlen
# * * * * *

5/3/52

Die Schuldigen an den Pranger

7/3/52

Tito und die deutsche Wiederbewaffnung

14/3/52

Stimmungsbarometer New Hampshire

21/3/52

Die zweite Runde

26/3/52

Erst Europa - dann die Saar

28/3/52

Der Kreml hat das Wort
* * * # * *

32__SONDERBEILAGEN
11/1/52

Trumans Botschaft über die Lage der Nation
Schlußkommunique der Truman-Churchill-Besprechungen

18/1/52

Trumans Wirtschaftsbotschaft an den US-Kongreß

23/1/52

McCloy: Rede vor Studenten der Universität Freiburg vom 21.1.1952

30/1/52

Acheson
Auszüge
nischen
Action"

zum Punkt-Vier-Programm
einer Rede vom 25.1.1952 vor der amerikaOrganisation "Americans Por Democratic
in New York
* * * * * #

6/2/52

Resolutionsentwurf der US-Senatoren über die
Schaffung der "Vereinigten Staaten von Europa"
und Antwortschreiben Präsident Trumans vom 31»
Januar 1952
- 6 -

�SONDERBEILAGEN
15/2/52

Vierter MDAP-HalbJahresbericht Trumans (Auszüge)

22/2/52

Die Londoner Kommuniques
Wortlaut zweier Kommuniques, die nach Abschluß
der Londoner Besprechungen von den Außenministern
der drei Westmächte und dem deutschen Bundeskanzler sowie von den Außenministern der Vereinigten
Staaten, Großbritanniens und Prankreichs herausgegeben wurdai

27/2/52

9. Viertel Jahresbericht McCloys
Die grundsätzliche Deklaration der NATO
Das Abschlußkommunique des Nordatlantikrates
# * * * * *

5/3/52

Achesons Rechenschaftsbericht über Lissabon (29.2.52)
Truman eröffnet das erste Programm des schwimmenden Senders der "Stimme Amerikas" (Rede v.4.3«52)

7/3/52

"Report on Germany"
Auszüge aus dem Bericht eines Unterhausausschusses
des US-Repräsentantenhauses über die auf einer
Reise durch Westdeutschland und Berlin gesammelten Eindrücke von den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen in der Deutschen Bundesrepublik

14/3/52

Wortlaut eines Interviews, das Dr. Adenauer einem Vertreter der amerikanischen Wochenzeitschrift "United States News and World Report" gab

19/3/52

Wortlaut der US-Note zum österreichischen Staatsvertrag
Wortlaut des alliierten Entwurfes eines Staatsvertrages für Österreich

28/3/52

V/ortlaut der amerikanischen Antwortnote vom
25.3.1952 auf den sowjetischen Deutschlandvorscüag
Truman-Botschaft vom 24.3.1952 zum Flüchtlingsproblem

31/3/52

•cechenschai tsoericht General Eisenhowers vom 2.&amp;
- 7 -

�il__ARTIKEL_FÜR_piE_PRAU
9/1/52

Zwölf-Ton-Musik im Kinderzimmer
Was wird aus Musterschülern
Ein Kapitel über angereicherte Nahrungsmittel
*

Die fahrbare Kinderklinik
Unfallverhütung durch bedachtsam gewählte Kinderkleidung
Gleichberechtigte Frauen
Neues Verfahren zur Tiefkühlung von Fischen
bereits auf hoher See
Neue Auszeichnung für Marguerite Higgins

23/1/52

Kindheit und Gesellschaft
*

Ausblick auf die Frühjahrsmode 1952
Warum so eilig?
Eine amerikanische Mutter erzählt aus ihrem Alltag
Ratschläge zur Erhaltung gesunder und zur Behandlung kranker Füße
Hausfrau oder Karriere?
Die' schwierige erste Dekade
Carepakete für Korea
Eine wundersame Insektenbekämpfungsanlage
* * * * * *

6/2/52

Zum Tode Dorothy Dix', der meistgelesenen Journalistin Amerikas
Frauen in Halbtagsstellungen
Empanadas aus Chile und Falafel aus Israel
Über ein internationales Kochbuch
Wer verfügt über das Haushaltsgeld?
*

Vollendete Gebrauchskunst
Musterschau für Möbel in Chikago

- 8 -

�ABra£L-EtlB_DIE-EEAU.
20/2/52

Mr. Groggle muß noch viel lernen
Besprechungen eines kürzlich in New York erschienenen "Leitfadens für intelligente Männer zum
besseren Verständnis der Frau"
"Kein Mitleid bitte . . ."
Eine unverheiratete Amerikanerin verbittet sich
das Mitleid der Umwelt
Darf ein Kind auch "nein" sagen?
Die Orientalin und das Punkt-Vier-Programm
Kleine Kaffeepause groß geschrieben . . .
Wie in Chikago an Hand von Tests festgestellt
wurde, ist die umstrittene Kaffeepause des Angestellten ein Mittel zur Leistungssteigerung
Eine Modenschau besonderer Art
Vom amerikanischen weiblichen Arbeitsmarkt
* * * * * *

5/3/52

*

"Ich bin mit drei Männern verheiratet"
Aus dem Leben der Mrs. Eisenhower
Frauenstudium - immer noch zu männlich?
Für und wider eine Lehrplanreform zugunsten
der "höheren Töchter"

*

"Modell 1952" - zart und verspielt
Brigitte Horney findet Amerika himmlisch
Wie können Eltern ihren Kindern helfen, Freunde
zu gewinnen?

19/3/52

*

" . . . Ich hätte sterben mögen für die Schönheit"
Die de Mille-Story
Amerikanische Ärztin und Psychologin gibt Ratschläge für Kindererziehung
Vom Mythus der Wundernahrung
Das Weltmeer um uns
Der amerikanische Bestseller "The Sea Around Us"
von Rachel Carson
Moskauer Mode in New York
Gegen die Trägheit des Herzens
Mrs. Ellen I McGloy zum 125-jährigen Bestehen
des Krefelder Frauenvereins
* * * * * *

- 9-

�Januar 1952

Die Waljäger vom Kap Cod
Kalulu und der Tausendfüßler
Eine Tiergeschichte
Nonstopflug der Zugvögel
Abraham Lincoln auf dem Totempfahl
Der Indianerstamm der Raben in Alaska errichtete
aus Dankbarkeit für die Befreiung von der Sklaverei
einen Totempfahl mit einem Standbild Abraham
Lincolns
Kriegsrat mit Friedenspfeife
Abhaltung von Versammlungen bei den Indianern
Nordamerikas
* * * * * *

Rotkehlchen und der Güterzug
Eine wahre Geschichte

Februar 1952

Iglu, das billigste Haus der Welt
Besuch bei den Eskimos in den arktischen Ländern
Die wunderbare Geschichte von Amerikas bedeutendstem Amateur-Astronomen
Fußball im Dornröschenschlaf
Schauspieler aus Kreppapier und Pappmache
Eine Kindergruppe in Annapolis geht mit einem
selbstgebastelten Marionettentheater auf Tournee
* * * * *

*

Huhurit und sein Brüderchen
Eine Indianererzählung

März 1952
*

100 Jahre "Onkel Toms Hütte"
Ein guter Handel
Eine Geschichte aus der amerikanischen Kolonialzeit •
Frau Eskimo bittet zu Tisch
Aus dem Leben der Eskimos (2.Folge)
* * * * * *

- 10 -

�§2__551§1155§_ii52?l.
Wie denken Sie über die Danirier?
Man haßt am "anderen", womit man in sich selbst
nicht fertig geworden ist, lehrt die Psychologie
der Gruppenvorurteile

Januar 1952

Europa, Amerika und die Musik
Ein Viertel Jahrtausend Yale
Eine Weltrundschau der Literatur
Die einzige umfassende internationale Literaturrevue gibt der deutsche Schriftsteller Ernst E.
Noth in Oklahama heraus.
Akademisches Allzuakademisches
Die deutsche Universität leidet unter dem Gewicht ihrer Tradition und unter Mangel an Kontakt mit der Öffentlichkeit
* * * * * *

Es bleibt noch viel zu tun
Ein Aufruf gegen die geistige Müdigkeit unserer
Zeit von Pulitzer-Preisträger Edgar A. Mowrer

Februar 1952

Interview mit einem Roboter
Über die Kapazität des ersten Elektronen-Gehirns
in der amerikanischen Industrie
Der Abenteurer Lorenzo da Ponte
Aus dem Leben des Librettisten der Mozart-Opern
"Figaros Hochzeit","Don Giovanni" und "Cosi fan
tutte"
*

Hitlers Vermächtnis an das deutsche Kunstschaffen
Eindrücke eines amerikanischen Kunsthistorikers
nach einem Besuch in der Bundesrepublik.Von Dr.
Alfred Werner
* * * * * *

März 1952

Die große Debatte
Die Niederlage des amerikanischen Isolationismus
Amerika entdeckt neuerdings die Freude am reinen,
gesprochenen Wort
Hinter den Kulissen der koreanischen Waffenstillstandsverhandlungen
Buchauktion auf Weltreise
Internationales Theater als Brücke zwischen den
Völkern
* * * * * *
- 11 -

�Z1_JNI5TSCHA^TJJN^_AEBJ:IT

4/1/52

*

Europa lernt von Amerika
US-Produktionsmethoden bewähren sich auch
in Europa

*

Neukonstruktionen vorläufig "auf Eis gelegt"
Lieferstop für Werkzeugmaschinen für US-Automob ilindustrie
Gewerkschaftsführer von morgen auf der Schulbank
Gedämpfter Optimismus am Baumwollmarkt
Neues Herstellungsverfahren für Gummi
100 Photokopien in der Minute

H/l/52

Weiter ansteigende Produktion und hoher
Beschäftigungsstand
ECA-Garantien ermöglichen amerikanische K^italinvestierungen in der europäischen Wirtschaft
Amerikas "Volkswagen" wird im Warenhaus verkauft
Miss Hardy arbeitet 6 Tage im Monat nur für die
Steuer
Stahlarbeiterstreik vorläufig ausgesetzt
Setzmaschine mit Lochstreifensender
US-Stahlindustrie in Zahlen
Spareinlagen erreichen Höchststand
Unabhängigkeit der US-Gunmiindustrie von fernöstlichen Gummieinfuhren

18/1/52

*

Europäische Raffinerien für orientalisches öl
Starke Zunahme der Lebensversicherungen
Industrie hat großes Auftragspolster
Ölchemie wird zur Großindustrie
Der deutsche Arbeiter besitzt eine größere
soziale Sicherheit
CIO-Gewerkschaft dreht Film aus der praktischen
Arbeit
"Holmanit" macht Lehm zum Heizmittel
"Ausfrieren" - ein neues Trocknungsverfahren
- 12 _

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
18/1/52

Die OEEC berichtet über ihre Arbeit im Jahre 1951

25/1/52

Amerikas Wirtschaft im Zeichen der westlichen
Verteidigung
*

Europas Schiffbau kommt auf Touren
Ein Blick in die Geschäftsberichte der US-Gesellschaften
US-Handelslaboratorien lösen technische Knoten
im "Handumdrehen"
Warum die amerikanischen Arbeiter ein garantiertes
Jahreseinkommen furdern
Die Stellungnahme des Präsidenten der amerikanischen CIO-Gewerkschaft, Philip Murray
Technik und Wissenschaft in der US-Ölindustrie
Turbinengeneratoren mit "Hohlkühlung"
* * * * * *

1/2/52

Die Hintergründe der russischen Handelsoffensive
Großwirtschaftsräume in Zahlen gesehen
Die industrielle Entwicklung in Westeuropa,
Sowjetrußland, den USA und Westdeutschland
(Schaubild)
Produktionsausweitungen schufen angespannte Versorgungslage bei Kraftstrom
Kunststoffe - der "Schrei der Stunde"
Die USA an der Schwelle des Atomzeitalters
Die amerikanischen Gewerkschaften wurden von
Menschen aus 38 verschiedenen Nationen aufgebaut
Der "AFI News Reporter" - eine neue Gevverkschaftszeitung

8/2/52

Gegensätze zwischen europäischem und amerikanischem Kapitalismus
Kreditschöpfung auf neuen Wegen
Ein Blick hinter die Kulissen der amerikanischen
Flugzeugindustrie

- 13 -

�1TIETSCHAE1_UÜD_AEBEIT.
8/2/52

Produktionssteigerung - der Schlüssel zum höheren
Lebensstandard
Die Entwicklung der Löhne im Verhältnis zu den
Produktionsleistungen in den letzten 100 Jahren
"Telefonitis" - eine Zeitkrankheit
Die großen Überraschungen bei den US-52-er Modellen blieben aus
Eine neue Gleitschutzvorrichtung

15/2/52

Die Kohle muß reichen
Wie kann Europa von Kohleneinfuhren unabhängig
gemacht werden?
Amerikas Hausfrauen schwören auf tiefgekühltes
Obst und Gemüse
Invasion neuer Kunstfasern
Höhere Umsätze und Gewinne für 1952 erwartet
Ausgefallene Werbeideen brachten volle Kassen
Arbeitsschutzgesetze für die Frau in den USA
Eine Frau kämpfte für die arbeitenden Frauen

22/2/52

Kanada - die Rohstoffkammer des Westens
Schiffahrts-"Boom" dauert an
Lebensversicherungen stark gefragt
US-Exporte erreichten neuen Höchststand
"Highway-Sklerose", die verkehrskrankheit der USA
"Suburbanite" ein neuer Autoreifen
"Xm" - der "Scheibenwischer^ für Brillen

29/2/52

Der amerikanische Außenhandel im Spiegel des
letzten Jahres
Gebrauchsgüterindustrie hat Sorgen
Metallzuteilungen um weitere 10$ gekürzt
Kapazitätsausweitungen werden beschleunigt
Mehr Zeitungspapier in Sicht
21 Uhr - Ladenschluß
- 14 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
New Yorker ttPreiskrieg" schlägt hohe Wellen

29/2/52

"Kaltziehen" von Stahl - keine Utopie mehr
Radioaktiver Kobaltdraht für Werkstoffprüfung
* * * * * *

7/3/52

*

Alle zwei Minuten ein neuer Volkswagen
Gute Jahresabschlüsse der Banken
Der "Dollar-Kreislauf" (Schaubild)
Die Einnahmen und Ausgaben des US-Staatshaushaltes
1952-53
Amerikanische Importeure sind wählerischer geworden

*

Hubschrauber - das "Automobil" der Luft?
Blauer "Virginia-Dunst" in den USA
"CAMEL" weiterhin führend - PALL MALL holt auf
Mangel an Arbeitskräften nimmt zu
"Atomreifen" mit größerer Lebensdauer
Die ideale Schulbank

19/3/52

HANOMAG intensiviert Rationalisierungsbestrebungen
Beträchtliche Zunahme der Emissionen
Schwefel bleibt knapp
Der Wert der Kohle wurde neu "entdeckt"
Erhöhung der Förderleistung von 570 auf 880
Mill. Tonnen geplant
Brathähnchen und Mastgänse vom Fließband
Die "Soziale Revolution" der USA
Tonfilm im eigenen Atelier
Mylar - ein neues Kunstharz

26/3/52

Die europäische Energieverbundwirtschaft kann
verwirklicht werden
US-Finanzexperten im Meinungsstreit über antiinflatorische Maßnahmen
15 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
26/3/52

Die chemische Industrie - "Mädchen für alles"
Aluminiumindustrie mit Siebenmeilenstiefeln
Tiefgekühlte Diners a la Parte
US-Speisewagengesellschaften beschreiten neue
Wege zur Kostensenkung
Warum unterstützen die Arbeiter das Wirtschaftssystem der USA?
"Germanium" ersetzt Radioröhre
* * * * * *

§2—IfM5!![I22§25APT
Januar 1952 *

Hinweise für den Viehzüchter
Plattenspieler im Schweinestall
Gute Erfolge mit synthetischer Schweinemilch
Das häuslichste Haustier - die Kuh
Was bedeutet PH?
Mit Hilfe der PH-Skala wird der Kalkgehalt des
Bodens gemessen
Gegen Maul- und Klauenseuche
* * * * * *

Februar 1952

Rechenschaftsbericht der amerikanischen Landwirtschaft für 1951
*

Soja - die vielseitigste Anbaupflanze der Welt
Sollen Eier gewaschen werden?
Stallbedingungen für die Aufzucht gesunder Kälber
Die Qualität der- Kartoffel (Folge I)
Ratschläge zur Verbesserung der Kartoffel
* * * * * *

- 16 -

�LANDWIRTSCHAFT
März 1952

*

Die Zukunft der Landwirtschaft

*

Diverse Gemüse aus den hängenden Gärten der Armee
Hydrokulturen der US-Army in Japan
Boden - die Schatzkammer der Vereinigten Staaten
Von Russell Coleman, Präsident des Verbandes der
amerikanischen Düngemittelindustrie
Hühner am laufenden Band
Die Qualität der Kartoffel (Folge II)
Die Kochqualität
Wieviel trinkt ein Tier?
* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

- 17 -

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INHALTSVEEZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL
DES "AMERIKA DIENST"
vom 1. April

1952 -' "50. Juni 1952

•

Seite

1. ) ALLGEMEINES

1

2.')

SONDERBEILAGEN

5

3.")

PUR DIE FRAU

7

4.: )

JUGEND

5. )

GEISTIGES LEBEN

10

6.") WIRTSCHAFT UND ARBEIT

11

7.') lANDWIRTSCHAFT

16

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Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA
DIENST" kostenlos Bildmaterial

�1) ALLGEMEINES
2/4/52

NATO - Garant des Friedens
Zum 3' Jahrestag der Gründung der NordatlantikpaktOrganisation
*

Helikopter - Nußschalen der Luft
Langfristiges Herzforschungsprogramm der medizinischen Wissenschaft in Framingham, Mass.,

4/4/52

"

Hat unser Kind Musik im Blut?
Vier Tests überzeugen Eltern, ob es Zweck hat,
ihren Kindern Musikunterricht erteilen zu lassen

*

Ostern in den Vereinigten Staaten
Geheimnisvolle Zusammenhänge zwischen den Jahresringen der Bäume und der zyklischen Wiederkehr von
Sonnenflecken
Ein halbes Jahrhundert Hollywood
Vier Jahre Weltgesundheitsorganisation

9/4/52

*

Brüder, die in Einheit leben
Die Grenze zwischen den USA und Kanada ist seit mehr
als 100 Jahren ohne jegliche Befestigung

*

Basketball - Das Spiel der großen Männer
Mr. "X" geht nach Moskau
George F. Kennan, Rußland-Experte Nr. 1
der USA

11/4/52

*

Holz aus Tacoma
Tacoma gehört neben Seattle zu den wichtigsten
Umschlaghäfen im amerikanischen Nordwesten
Amerikanische Kinderhilfe für Korea
Durch elektrischen Herzschock ins Leben zurückgerufen

16/4/52

*

Am Grabe F. D. Roosevelts
Zum 7. Todestage des amerikanischen Präsidenten
am 12. April

*

Die Renovierung des Weißen Hauses ist beendet
Die fremdsprachige Presse in den USA
Der See in den Schwarzen Bergen
Archäologische Funde geben Aufschluß über das
Leben der Ureinwohner des amerikanischen Kontinents

18/4/52

*

Die neue Aera in der Met und der New Iork
City Opera Company

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENS"'.
kostenlos Bildmaterial
..

�ALLGEMEINES
18/4/52

Internationale Regelung des Straßenverkehrs
Am 25. März 1952 trat die Internationale Straßenverkehrskonvention in Kraft
Eine bittere Erfahrung
"Endstation Sehnsucht" - Regisseur Elia Kazan
widerlegt Gerüchte über seine politische Vergangenheit

23/4/52

*

Meisterwerke des XT. Jahrhunderts
Künstlerische Veranstaltung des "Kongresses
für kulturelle Freiheit" in Paris
Der"Eiserne Mann"
Das Wahr- und Warnzeichen des Eisernen Tales
am Roten Berge bei Birmingham

25/4/52

*

Dämme und Fluten
Der "Pick-Sloan-PlanM soll im Missouri-Gebiet
die Gefahr erneuter Hochwasserkatastrophen
bannen

*

James W. Riddleberger Deutschlandkenner im amerikanischen Außenministerium

*

Pierre Monteux - Botschafter der Musik
Amerikanische Bundesbehörden zahlen Prämien
für Vorschläge und Anregungen zur Rationalisierung und Verbilligung der Arbeitsmethoden
Dinosaurier-Eier aus Afrika
Entdeckungen im Jahre 1951

30/4/52

*

Neuer Oberbefehlshaber der NATO
Ridgway Nachfolger General Eisenhowers
Die Bostoner Symphoniker
Erfolgreicher Kampf gegen die Kinderlähmung
Menschen ohne Heimat - das große Problem
des 20. Jahrhunderts
* * * * *

2/5/52

*

Die Philantropie der Bockefellerad)
Roboter als Wetterprophet
Der New Yorker Hafen
Die europäische Integration
Vor drei Jahren unterzeichneten zehn europäische
Staaten die Satzung des Europa-Rates
- 2 -

�ALLGEMEINES
7/5/52

Zum 124. Geburtstag Henri Dunants, des
Schöpfers des Boten Kreuzes
"Woche der Musik" in den USA
Die Odyssee des HeinrigJb üuhliemann
Berlin - Barometer internationaler Politik
Zur Aufhebung der Berliner Blockade vor
drei Jahren
Muttertag in den USA

9/5/52

Von Aahwahnachee bis Zylyff
Die New Yorker Stadtbibliothek
Die Philantropie der Rockefellers (II)
Banthin gegen Magengeschwüre
Pulitzer-Preise verliehen

14/5/52

*

"Die genaue Zeit, bitte"
Die amerikanische Rundfunkstation '.V'.VV sendet
Zeitangaben
Amerika bewahrt seine Tradition

*\/

16/5/52

Atomkraft und Radioisotope zum Wohle
der Menschheit
"Ersatzstoffe" erobern den Industriemarkt
Warum kauft Mrs. Jones ein grünes Kleid?
Mathematische Biologie - ein neuer Zweig
der Naturwissenschaft
"Reader's Digest", die meistgelesene
Publikation der Welt

21/5/52

Der amerikanische Bevölkerungsschwerpunkt verlagert sich ständig weiter nach Westen
Der Weise von Concord
Aus dem Leben des amerikanischen Lichterphilosophen Ralph Waldo Emerson
Tödliche Viren gegen wuchernde Zellen
Der Stand der Krebsforschung in den USA

23/5/52

Amerika gedenkt der Toten
Zum "Memorial Day" am 30. Mai
Dammbau-Zentrale Denver/Colorado
"Vom unendlichen Leben ich singe
Aus dem Leben Walt Whitmans
- 3 -

..."

�ALLGEMEINES
28/5/52

Idlewild - größter Zivilflughafen der Welt
Flüchtlinge der Revolution
Über Carl P, Wittkes neues Buch
"Refugees of Revolution"
Berufseignung"
in den Schulen,
in der Industrie und bei den Streitkräften

50/5/52

Meteorstudien mit Super-Schmidt-Kameras
Die Millionen des "Herzogs von Florida"
Geschichte eines Mannes, der ein großes
Dschungelgebiet in Florida kultivieren wollte
Fernsehen rund um die Erde

6/6/52

Reklame für die gute Sache
Aus der Arbeit des amerikanischen "Rates für
Reklame", einer Gesellschaft, die große Werbe
kampagnen im Dienst am Gemeinwohl durchführt
Was ist "American Way of Life"?
Neun bekannte amerikanische Persönlichkeiten
diskutieren die geistigen Grundlagen der
Vereinigten Staaten
Die Stadt der "Heiligen der letzten Tage" Salt Lake City
Zum Tode John Deweys am 1. Juni

11/6/52

Das große Puppenkonzil in den USA
Gefiederte Flugzeuge und Wolfsmilch-Wolle
Grönlands größter Exportartikel: Eisberge

13/6/52

Gorki - der totgeschwiegene Humanist
Mr. Ex-President
Amerikas Präsidenten werden nach Ablauf
ihrer Amtszeit wieder einfache Staatsbürger
ohne Pensionsansprüche
Drei UNESCO-Institute in der Bundesrepublik

18/6/52

Die schweigenden Farmer
Aus dem Alltag des Trappistenklosters

New Melleray

Organverpflanzungen in lebenden Körpern
20/6/52

Amerika vor der Olympiade
Freie Bahn den jungen Unternehmern
Über "Junior Achievement Firms", in denen
junge Menschen spielerisch die Grundzüge des
Kaufmannsstandes erlernen
- 4 -

�ALLGEMEINES
20/6/52

Uralte Indianerkultur am Mississippi
Bakterienkrieg als Propaganda (I)
Deutsche Nobelpreisträger sprechen sich gegen
die kommunistischen Anschuldigungen aus

25/5/52

*

Die Jungfernfahrt der "United States"
Bakterienkrieg als Propaganda (II)
Wissenschaftler und Politiker der westlichen
/Veit überführen die Sowjets und ihre Anhänger
der verleumderischen Fälschung
Das Gebot der Stunde ist Humanitas
Von Peter Viereck

27/6/52

Betriebsärztliche Betreuung in den USA
Gemeinsame militärische Ausbildung für
Soldaten der freien »Veit
Die Kunstakademie New Yorks

* * * * * *

2)

SONDERBEILAGEN

2/4/52

Wortlaut der Rundfunkansprache General Dwight
D. Eisenhcwers anläßlich des ersten Jahrestages der Gründung von SHAPE

11/4/52

Ansprache Präsident Trumans vom 8. April über
die Bedeutung des Funkt-Vier-Programms

1 6/4/52

Unterzeichnung des japanischen Friedensvertrages durch Präsident Truman

23/4/52

Acheson zur Deutschlandfrage
Auszüge einer Ansprache des US-Außenministers
vom 19. April vor dem amerikanischen Journalistenverband in Washington
Wir, die Völker der Vereinten Nationen, sind
entschlossen . . .
Zum 7. Jahrestag der Konferenz von San Franzisko
am 25. April 1952

25/4/52

Amerika wählt (i)
Sheriff, Bürgermeister und Präsident
Das amerikanische Volk wählt 800 000 Vertreter
Botschaften amerikanischer Gewerkschaftsführer
zum 1• Mai

�SONDERBEILAGEN
30/4/52

Truman zum Inkrafttreten des japanischen Friedensvertrags
* * * * * *

9/5/52

Deutschland - heute und morgen
Auszüge aus einer Ansprache Dr. Henry Kellermans
vom 5. Mai 1952 auf dem Empfang der Carl SchurzGesellschaft in Philadelphia
Erklärung Präsident Trumans zum letzten Waffenstillstandsangebot der Vereinten Nationen (7.5.52)
Amerika wählt (II)
Ursprung, -Entwicklung und Vorgang der "Primaries"
in den Vereinigten Staaten

21/5/52

Rede Präsident Trumans vom 20. Mai 1952 anläßlich
des 150-jährigen Bestehens der Militär-Akademie
in West Point

28/5/52

Amerika wählt (III)
Geschichte des amerikanischen Zweiparteien-Systemb
Zur Unterzeichnung des Generalvertrages

30/5/52
Wortlaut der Dreier-Erklärung zur SVG
Acheson zur Unterzeichnung des EVG-Vertrages
* * * * * *

6/6/52

Wortlaut der Botschaft Präsident Trumans vom 2.6.52
an den US-Senat anläßlich der Übersendung der Verträge von Bonn und Paris
Wortlaut der Rede Dean Achesons vom 2.6.52 anläßlich
der Unterzeichnung des Generalvertrages und des Vertrages über die EVG

13/6/52

Erklärung des US-Außenministers Dean Acheson vom
10. Juni 1952 zu der Drei-Mächte-Konvention und
dem NATO-Protokoll vor dem außenpolitischen Ausschuß des US-Senats
Bruce: Bundesrepublik ein wesentliches Element
der EVG
Amerika wählt (IV)
Feldzüge um Wähler-Stimmen - Methoden und Finanzierung der Wahlkampagnen in den bereinigten Staaten

1 8/6/52

San Franzisko und Panmunjon
Zwei denkwürdige Jahrestage in der letzten Juniwoche
Rede Präsident Trumans anläßlich der Kiellegung des
ersten mit Atomkraflangetriebenen Unterseebootes
(14. Juni 1952)
- 6 -

�•SONDERBEILAGEN
20/6/52
27/6/52

*

Biographie von V/alter J. Donelly
Die Geburtsstunde einer Nation
Der 4. Juli in den Vereinigten Staaten
Text der Unabhängigkeitserklärung
Kongreßsitzung vom 4. Juli 1776
Amerika wählt (V)
Biographien der zehn Anwärter auf eine Kandidatur
um die Präsidentschaft und Vizepräsidentschaft der
Vereinigten Staaten

* * * * * *

3)

ARTIKEL FÜR DIE FRAU

2/4/52

Eine echte "Mammy" Mary McLeod Bethune
Eine junge Deutsche wirkt in New York für
Berlins Studenten
Für jeden etwas im internationalen Kaufladen
der Vereinten Nationen
Mangelberuf Krankenschv/ester
Grundumsatz und Körpergewicht
Wie wird die Amerikanerin wählen?
Ergebnis einer Umfrage
Ursula Thiess macht Karriere
Erfolge der deutschen Nachwuchsschauspielerin
in Hollywood
Auch große Frauen haben Modesorgen

1 6/4/52

Der Tag der Gesundheit des Kindes
Der 1. Mai in den Vereinigten Staaten
Vorurteile gegen Superwohnungen
Die Entwicklung der Mode in den letzten Jahrzehnten
Claudette Colbert
Die Frau mit den Märchenaugen
Konvention für die politische
Gleichberechtigung der Erau
Migräne eine Allergie?
- 7 -

�. ARTIKEL FÜR DIE FRAU
30/4/52

Die Frau im zwanzigsten Jahrhundert
Einwanderer in den USA bereiten sich
auf ihre Staatsbürgerprüfung vor
Museen für Kinder
Texas zeigt Stoffe und Modelle für heiße Tage
Internationaler Kinderhilfsfonds verstärkt
Arbeit in Asien und Afrika
Milch in Scheiben
* * * * * *

Dr. Martha Eliot, die Leiterin des US-Bundesamtes für Jugendfürsorge

H/5/52

Das Leben der Familie Garland Durchschnitt des amerikanischen Lebensstandards
Wo die Vereinten Nationen zu Mittag essen
Mode - leicht verrückt
Doppelröcke, Pumphosen und andere Neuheiten
auf New Yorker Modeschauen
Die amerikanische Frau im -Berufsleben
Aschenbrödel - beliebtestes Märchen
Vitamin C zur Behandlung von Brandwunden
28/5/52

*

Amerikanische Haus- und Küchengeräte für Europa
Große Frau ganz privat Mrs. Roosevelt
Warum sind sie unzufrieden?
Testergebnisse in Arbeits- und Berufsfragen
Kunsterziehungsprogramm an den Schulen von Chikago
"Sie sagen, was sie denken"
Ein populäres Radioprogramm
Amerikanische Urgroßmutter veröffentlicht
ihre Lebensgeschichte
Kindergärten auf kooperativer Basis
Nicht so viel bücken
53 Projekte in 72 Ländern
Aus der Arbeit des Kinderhilfsfonds der UN
* * * * * * *

- 8 -

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
11/6/52

*

Mittlerin zwischen Ost und West
Zum 60. Geburtstag von Pearl S. Bück
Aus dem Leben einer amerikanischen Diätköchin

*

Das menschliche Gesicht der Tiere
Persönliche Initiative fördert Völkerverständigung
Welt-Freundschafts-Fonds der Frauen
Ist Kriminalität schon im Kindesalter absehbar?
Eine Frau fliegt über den Atlantik - Amelia Earhart

25/6/52

*

Die Herrin von Fort Knox - Mrs. Nellie Tayloe Ross,
Schatzmeister der USA

*

Eine außergewöhnliche Mädchenschule
Das fortschrittliche Bennington College in Vermont
Überfüttert die Kinder nicht!
Kopfschmerz der Friedlichen - Neue Erkenntnisse
in der Erforschung der Migräne
Veränderlich wie die Launen einer Frau - Sommerkollektionen
Frischmilch in Konserven
* * * * * *

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April 1952

Peter der Dritte - der kein Osterhase sein wollte
Gigi und die Ostereier-Krone
Eine Ostergeschichte aus dem Gnomenreich
Schiffsreise durch sechs Jahrtausende
Überblick über die Entwicklung des Schiffsbaus
Wie Admiral Peary den Nordpol entdeckte
Triumph und Tragik der Arktis-Forscher
Das lebendige Museum
Das Naturkunde-Museum für Kinder in San Franzisko
* * * * * *

Mai 19^)2

Der Seehund, der Angst vorm Wasser hatte
*

Der größte Zirkus Amerikas spielt für kranke
Kinder in New York

- 9-

�- JUGEND
Mai

1952

*

"Rodeos", die Cowboy-Wettkämpfe des
amerikanischen Westens
Der weiße Vogel mit dem grünen Kreuz
Ein ehemaliges Transportflugzeug als "fliegende Rettangsambulanz"
Erfolgreiche Schüler-Polizei in Chikago
Europareisen amerikanischer Studenten 1952 mehr
als verdoppelt
YWCA hält Nationalkonvent ab
* * * * * *

Juni 1952

Daniel Boone - Der Held der Wildnis
Weißt du, wieviel Monde stehen
Die "Familie" unserer Sonne
Meeresungeheuer - Sage oder Wirklichkeit?
Eine amerikanische Münzenausstellung zeigt
die seltsamsten Zahlungsmittel der Welt
Achtung: Rotes Licht
Verkehrserziehung als Unterrichtsfach
* * * * * *

5) GEISTIGES LEBEN
April 1952

Die Kritik am Buch der Bücher
^er Stand der wissenschaftlichen Bibelforschung
Die Wirtschaftslage des amerikanischen Buchautors
*

Das Wunder der musikalischen Schöpfung
Auszug aus "A Composers World" von Paul Hindemith
Eine der anregendsten Ausstellungen dieses Jahres? "Vierzehn Augen in den Magazinen eines
Museums"
US-Institut für internationales Erziehungswesen
veröffentlicht Jahresbericht
August Macke-Ausstellung in New York
Hugo-Wolf-Biographie in USA erschienen
"Europäische Geschichte" eines amerikanischen
Historikers in Deutschland erschienen
* * * * * *

- 10 -

�GEISTIGES LEBEN
Mai 1952

*

Getanztea Leben und erlebter Tanz Martha Graham und Doris Humphrey
Die Vernichtung des Judentums durch den Kreml

*

Eugene O'Neill und die moderne Dramatik
Die neue Welt wird porträtiert
Bericht von der Neukartographierung der westlichen Hemisphäre
Ausstellung zweier Mainzer Bibeln in der Kongreßbibliothek in Washington
Columbia-Universität in New York beginnt Ostasien-Seminar
20 Millionen Besucher der National-Galerie in
Washington
Wallfahrt amerikanischer Katholiken nach Barcelona
* * * * * *

Juni 1952

Zur bevorstehenden Veröffentlichung einer Autobiographie der Menschheit
*

Beethoven-Handschriften in Amerika
Sammlungen von Notenhandschriften und Briefen
großer europäischer Musiker in den USA
Geknebelte Sowjetwissenschaft - Der wohlüberlegte
Mord an der Vererbungsforschung

*

Auf das Zusammenleben kommt es an - über das
Pulbright-Programm
Religionsgemeinschaften in den USA
Relaisstationen im Weltall
Zehn Jahre Tanglewood

* * * * * *

6) WIRTSCHAFT UND ARBEIT
2/4/52

Im Delawaretal entsteht Amerikas Ruhrgebiet Neues Stahlzentrum Morrisville
Deutsche Spielwaren eroberten Amerika
Bilanz der II. Internationalen Spielwarenmesse
in New York
- 11 -

�"WIRTSCHAFT UND ARBEIT
2/4/52

Kalt- und ölgummi auf dem Vormarsch
Westdeutschland zweitgrößter Werkzeugmaschinenexporteur
Kreuzzug mit Pinsel und Quast - 65# aller amerikanischen Familien streichen heute ihre Wohnungen
selber
Der Magier von Bad Nenndorf
Public-relations, wie sie sein sollen
"Verjüngungsbäder" für Nylon
Neuer KunststoffÜberzug
Klemmsicherer Reißverschluß

9/4/32

Moskauer "Handelsfrühling" ohne "Schwalben"
Der inflationistische Druck ist gewichen
bbröckelnde Preise - bessere Versorgungslage zurückhaltende Käufer
Erdölsorgen - vorläufig unbegründet
Der amerikanische Reisekompass zeigt nach Europa
Die soziale Sicherung der Arbeitnehmer in Deutschland und den USA
Betriebsdemokratie und Mitbestimmung - international
gesehen.
Wo arbeitet die Amerikanerin?
Die "fliegende Schreibmaschine"

16/4/55

Die richtige Heilmethode
Preiskontrollen oder freier Markt?
Aufträge für Riesentanker
Fast 2 Millionen dwt Schiffsraum auf den amerikanischen Helligen
Die wirtschaftliche Stärke in Ost und West (Schaubild)
VI. internationaler Kongreß für Weidewirtschaft
in den USA
Der automatische Parkplatz
AutoSteckbrief
Der g r ö ß t e PKW-Motor: C h r y s l e r K - 310

-

12 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
1 6/4/52

Für und wider den Indexlohn
Lohngleichheit von Mann und Frau
Reallöhne in den Marshallplanländern 1938 und 1951
Probleme des Düsenmotorbaueü
Keramische Werkstoffe statt Metalle

23/4/52

*

Die Conti-Werke suchen neue Wege zur Leistungssteigerung
Elektrizität in neuer "Ehe" mit Aluminium
Der US-Staatshaushalt in 4 Jahrzehnten
Neues aus der Atomphysik
XPs - Herolde eines neuen Zeitalters
Die Entwicklung der amerikanischen Stahlarbeitergewerkschaft
Der garantierte Jahreslohn in der Praxis
Verbesserte Metallsehneideverfahren

30/4/52

In Labrador wird das größte Eisenerzgebiet der
Welt erschlossen
Amerikanische Wirtschaftslage teils rosig, teils
grau gesehen
Aufrüstung kein gutes Geschäft
Lehrlingsausbildung und Berufsschulung in den USA
Gewerkschaftsunterricht für Lehrer
Büchsenmilch mit Geschmack von Frischmilch
Durchsichtiger Kunststoff aus Zucker
* * * * * *

7/5/52

*

Schaumgummi erobert Amerika
Vielfältige Verwendungsarten - hervorragende Eigenschaften
Lebenshaltungskosten in den USA 1941 - 1952
Hohe Spareinlagen als Inflationsbremse
Über 4 Millionen Firmen in den USA

- 13 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Die "Arbeiterhochschulen11 der CIO-Gewerkschaft

7/5/52

"Taylorismus" und "Mayoismus"
Die Entwicklung der amerikanischen Betriebsverhaitnisse
Vom Abfall zum wichtigen Rohstoff - Die Rinde
der Douglas-Tanne
Die Badeanstalt in der Aktentasche
14/5/52

*

Aktivierung der innerbetrieblichen Reserven bei
der Dortmund-Hörder Hüttenunion A.G.

*

Wallstreet zwischen 1792 und 1952
Die New Yorker Börse feiert ihren 1 60. Geburtstag
Wie groß wird das Defizit im amerikanischen Staatshaushalt?
Die Bedeutung des Abzahlungsgeschäftes und der
Kreditbüros im amerikanischen Wirtschaftsleben
Was erwartet den deutschen Einwanderer in den USA?
Arbeitsmarkt und Verdienstmöglichkeiten
X-2 verdoppelt Haltbarkeit von Kunstseide
Veredelte Baumwolle mit Eigenschaften synthetischer Pasern

21/5/52

So arbeitet die "Wall Street"
Ein Interview mit dem deutschen Handelsattache
in New York
Ausbau von Erzbergwerken im In- und Ausland
Steigender Brennstoffverbrauch in der ganzen Welt
Überblick über die Weltenexgieversorgung 1929-1950
Arbeitsfrieden ohne Gesetzgeber und Richter
Die freiwilligen Abmachungen der US-Gewerkschaften
zur Eindämmung der StreiKgefahr
Weibliche Halbtags- und Stundenarbeit in den USA
Das Problem der Morphinsynthese
Billiges Kohlehydrierverfahren

28/5/52

*

"Das Herz des Viertakters schlägt in Detroit"
Die -"'ordwerke - die größte Industrieanlage der Welt
Der "Fall" Giannini
Pederal Reserve Board gegen Monopolisierungstendenzen im Bankwesen
- 14 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
28/5/52

Weltfilmproduktion im Spiegel der

etzten 20 Jahre

Neue Farben mit Titanpigmenten - Synthetische
Edelsteine aus Farbpigmenten
Was erwartet den deutschen Einwanderer in den USA?
Der US Arbeitsmarkt bis 1953
Arbeitsbedingungen in der amerikanischen Landwirtschaft
Atombatterie
Feuerlöscher im Benzintank
* * * * *

1/6/52

Die Rolle der Aktiengesellschaften in der US-Wirtschaft
Die deutsche Wissenschaft stand Pate
Amerikas Chemische Industrie "entdeckte" die Kohlehydrierung
Die Aufga en der Weltbank im Jahre 1952
Serie "Was erwartet den deutschen Einwanderer in
den USA?"
Die Verhältnisse in der amerikanischen Schuhindustrie
Die amerikanische Negerbevölkerung holt auf
10 000 Zeichen/sec mit dem "Charactron11
Hochwertige Treibstoffe durch neues Raffinationsverfahren
Kalt-Polybutadien
Schrumpffeste Kunstseide

i8/6/52

*

Technische Planung nach neuartiger Methode
Kaiser-Frazer spart Arbeitsstunden und Personal
Fünf Jahre Taft-Hartley-Gesetz
Westdeutschland im Mittelpunkt der Toronto-Messe
Wieviel kostet ein Kilo Film?
UNESCO im Kampf gegen die kunstlichen Kulturschranken
Die Gewerkschaften am Kreuzweg
Wandlung vom Arbeiterscnutzverband zum wirtschaftlichen Kontrollorgan?
Feuersichere Wolle

- 15 -

�WIRTSGHAFT UND ARBEIT
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Alkohol aus Holzabfällen
Fugzeugtreibstoffe mit hoher Verbrennungstemperatur
Pia tisches Fernsehen

25/6/52

*
*

Deutschland fragt - Amerika antwortet Der Technologische Informationsdienst des RKW
Amerikanische Flugzeugprod ktion rollt
Der amerikanische "Kapitalismus" im Spiegel neuer
Wirtschaftsthe rien
Weltreisernte auf Vorjahrshöhe
Ameri anischer "union-shop" und deutsches Mitbestimmungsrecht
Der Feuerlöscher in der Handtasche
Der perfekte

alzstreuer

Schallplatte als Sparschwein
"Walkie-Lookle*
* * * * * *

7)

LANDWIRTSCHAFT

April 1 9-2

Neues Verfahi en der "Herstellung'' von Süßwasser
aus Meerwasser
Neue Luzernes rte gibt gute Weich- - Die Bewährung
der Nomad-L zerne

*

Experimente mi

präparierten Rüben- und Gemüsesam n

Die Nahrungsmittelreserven der Welt liegen im Ozean
Das Notizbuch des Bauern
Aufzeichnung n ersparen Arbeit un

Ärger

Landwirtschaft.iches Produktionsprogramm Amerikas
für 1952
53 Millionen Truthühner
Eierproduktion in den USA
* * * * * *

- 16 -

�»

LANDWIRTSCHAFT
Mai 1952

Das internationale «eizenabkommen
Queckentöterin Trespe
*

Das Geld wächst auf der Wiese
Salz für die Milchkuh
Amerikanische Plugzeuge gegen Heuschrecken im
Mittleren Osten
Neue Geräte zur Düngerverteilung
Pasteurisieren von Eiern
Amerikanische Jungfarmer besuchen Europa
* * * * * *

Juni 1952 *

Riesenfußball mitten im Urwald
Ein Wald wird in Stunden gerodet
Fliegenbekämpfung mit chemischen Mitteln

*
*

Erfahrungen mit künstlicher Befruchtung
Kleine Mäuse - Große Geschäfte
Chinchilla-Zucht in Kalifornien
Insektenvertilgungsmittel fördern Pflanzenwachstum
Die Verteilung der Traktoren in den Ländern
der Welt
Amerikanische Farmjugend in Westdeutschland
* * * * * *

Zu dsn mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

- 17 -

�A M E R I K A

D I E N

INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL
DES "AMERIKA DIENST»
vom 1. Juli 1952 - 3o«September 1952

Seite
1

1.) ALLGEMEINES
2.) SONDERBEILAGEN
3.) FÜR DIE FRAU
4.) FÖR DIE JUGEND»

8

5.) GEISTIGES LEBEN

9

6.) WIRTSCHAFT UND ARBEIT

lo

7.) LANDWIRTSCHAFT

15

* * * * * *

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der »AMERIKA DIENST»
kostenlos Bildmaterial

�1) ALLGEMEINES
2/7/52

4/7/52

*
*

11/7/52
*

16/7/52

*
*

18/7/52

*

Philadelphia - Schrein der amerikanischen
Freiheit
Wissenschaftler entwickeln neue
Ratten-Vernichtungsmittel
Osteuropa hinter Staoheldraht
Zu dem Buch "Eroberung durch Terror"
Von Leland Stowe
Die gestörte Kurzwelle
Beobachtungen der Sonnenaktivität durch ein weltumspannendes Netz von Observatorien
Nordamerikas älteste Siedlung
Das 800 Jahre alte Old Oraibi in der Reservation
der Hopi-Indianer
Geheimnisvoller Pazifik
Wissenschaftliche Expedition in die Tiefen des
Pazifischen Ozeans
Zehn Ereignisse machten Geschichte
Die für die Entwicklung der USA wichtigsten
Ereignisse
Großhändler in Fliegenden Bananen
Erfolgreicher amerikanischer Hubschrauber-Konstrukteur
Das Chamäleon würde blaß vor Neid
Verblüffende Farbänderungen bei Fischen
Indianer, Mexikaner, Amerikaner
Ton Oliver La Farge, dem Verfasser des bekannten
Indianerromans "Der große Nachtgesang"
PVP als Blutplasma-Ersatz
Menschen an der Schwelle des Weltraums
Ich war Volontär bei der UN
Studenten aus aller Welt lernen die UN durch
praktische Arbeit aus eigener Anschauung kennen
Die Negerpresse in den USA

23/7/52

New York braucht billige Wohnungen
Die Vereinigten Staaten von Europa in amerikanischer
Perspektive
Neue Hoffnung für Geisteskranke
Erfolge mit chemischer Schocktherapie

Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
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- 1 -

�ti/r/52
fi/8/52

Sozialversicherung für Selbständige

*

Zwischen Tiefsee und Dschungel
Zum 75»fteburtstagvon William Beebe

Cleveland

Amerika en miniature

Das billige gute Buch
Haue Viertelj ahrea-Poeket-Book-Serie
•New World Writing*
Bockefellerstiftung verteilte im 2.Quartal
1952 zehn Billionen Dollar
8/8/52

Die Klima-Anlage im menschlichen Körper
Würstchenbude bringt Millionenkapital
USA - Die Permanente Revolution
Buchbesprechung einer kürzlich in Deutsch
erschienenen selbstkritischen Analyse der USA
Die Trommeln rufen zum Pow-Wow
Das Treffen der nordamerikanischen Indianer
in Gtallup

13/8/52

Was ist Blindheit?
UM nimmt sich Lösung der Blinden-Problerne an
Die amerikanischen
15/8/52

*

Universitätsverlage

Tosemite Valley - Das Ferien-Paradies
in der Sierra Nevada
Das Ende einer Revolution» Klassen im
"klassenlosen" Staat der UdSSR
Aufführung von Johann Strauss1 "Eine Sacht in
Venedig» im Freilichttheater von Jones Beaeh
in New Xork

2o/8/52

Nationaltheater ohne Subventionen
Bolle der ANTA (American National Theatre and
Academy) im amerikanischen Theaterleben
Die Porstwirtschaft in den USA
Eine Stadt ist zu vermieten
Privatunternehmer baut Stadt für 7o ooo Einwohner

22/8/52

Wyoming - der Staat auf dem Berg
•

Der Tater des amerikanischen realistischen Homana Leben und Werk Theodore Dreisers

�ALLSBMBINB3
"Haben wir Zeit, ein Taxi zu nehmen?*
Bas Terkehrsproblem der amerikanisohen Großstädte und Vorschläge zu seiner Lösung

22/8/52

27/8/52

*

Methode zur Konservierung "lebender"Bautstücke

*

Luftbrücke über den Pazifik
Nach Korea sind zu jeder Stunde loo Transportflugzeuge der UATS unterwegs
Gruß an Trossingen
Amerikanische Stimme zur; Soo-Jahrfeier der
Mundharmonika-Stadt
LAROE BAI — Tag der Besinnung und der Mahnung
Mtt staatliche Uruekerei der USA

29/8/52

Hex Feldzug gegen das Analphabetentum
UHESCQ bildet in aller Welt »Missionare in
Wort und Schrift* aus
Bas internationale Netz der Höhenforschung
Hochgebirgslaboratorien im Henste naturwissenschaftlicher Forschung
* # * *

3/9/52

*

*

New; Orleans - ein Welthandelsplatz
Tollinvalide mit Beruf und Lebensziel
Aus der Arbeit des lew Torker Instituts für
Physikalische Medizin
Zur Ökonomie des Lesens
Winke für den, der mit seiner Lektüre
"nicht durchkommt*

5/9/52

*

Carl Schurz* unbeirrbarer Rebell der Freiheit

*

Bas Weiße Kaue im Wandel der Jahrhunderte

*

lo/9/52

. . . Und wieder fallen alle Zehne
Kein Sport in den USA hat so viele aktive
Anhänger wie das Kegeln
WHO gegen Krankheit und Seuchen
Saropa und das Technische Hilfsprogramm der
Weltgesundheitsorganisation
Ideen muß mannhaben
Beutsoher_Sehneidermeister wird in USA angesehener business man
Bie Mohawka von Brooklyn
4 000 Mohewk-Indianer arbeiten bei Stahlbaufirmen
in Brooklyn

- 3-

�ALLGEMEINES
Pur Hilfsbereitschaft und Pairness,
Aus der Tätigkeit der vier großen amerikanischen Clubs Eotary, Kiwanis, Lions und
Exchange

1o/9/52

12/9/52

*

Der Selfmademan, der Plugwege baut
Die rollende Blutbank
Eisenbahnspezialwagen hilft in der großen
Blutspendeaktion
Sinnesorgane und ihre Pehler
Musikalität und verfeinerter Seschmaekssinn
sind von fienen abhängig

17/9/52

Die unsichtbaren Mörder
über die Erforschung der Pflanzenviren versucht
man die Erreger der menschlichen Tirenerkrankungen der medizinischen Kontrolle zu unterwerfen
Onkel Toms Versicherungsgesellschaft
Charles Spaulding, ein Pionier des zwanzigsten
Jahrhunderts
Knigge ex cathedra
Amerikanische Hochschulen machen ausländische
Studenten mit den Gewohnheiten des Landes vertraut
Hemingways neues Werk *The old Man and the Sea*

19/9/52

Universität unter dem Polarkreis
Alaska, Land mit der großen Zukunft
Lärmbekämpfung erhöht Produktivität
Erfahrungen eines amerikanischen Industriewerkes
Anonyme Größe
Der Bildhauer James Karle Praser

24/9/52

*

Kabeljau auf der Börse
Die Pisch-Börse von Boston
Brücken zwischen Kontinenten
Aufgaben der Amerika-Häuser in der Veit
34o Millionen Tolt gegen Krebsgeschwüre und
Materialfehler
Hollywood dreht •-Joe-Louis-Pilm*

26/9/52

Herzen unter dem Messer
Methoden und Möglichkeiten der Thorax-Chirurgie
In der größten Baumwollspinnerei der USA

-

*

-

�ALLGEMEINES
26/9/52

*

Der ttSapreme Court*, Amerikas höchste richterliche Gewalt
* * * * #

2) SagPEBBBILAGEN
2/7/52

Wir werden in Berlin bleiben
Berliner Rede dea US-Außenministers Dean Aoheson
vom 29»6.1952

4/7/52

AMERIKA WÜHLT (71)
Wie wird man Kandidat?
Form, Aufgabe und Durchführung der nationalen
Parteikonvente der-USA

11/7/52

Das neue China Mao Tse-tungs - eine totale
Despotie
Leitartikel der "Times of India" vom 2.Juli 1952

18/7/52

"Jaran glaube ich" •!
Menschliche Bekanntnisse amerikanischer Persönlichkeiten zu Anstand, Würde, Gerechtigkeit
und Freiheit
John Steinbeck antwortet einem Kommunisten
Brief des amerikanischen Schriftstellers an den
kommunistischen italienischen Schriftsteller
Ezio Taddei

23A/52

"Daran glaube ich" (II)
Bekenntnisse amerikanischer Persönlichkeiten
zu Anstand, Würde, Gerechtigkeit und Freiheit
*

* * * *

6/8/52

"AMERIKA" - ein Dorn im Auge der Sowjets
Zur Einstellung des Erscheinens der russischsprachigen amerikanischen Monatszeitschrift
"Amerika" im Bereich der Sowjetunion

27/8/52

Erklärung Präsident TrumanJzum amerikanischen
Feiertag der Arbeit (1.9.52)
LABOR DAT 1952
Von Maurice J.Tobin, Arbeitsminister der USA
* * * * *

- 5-

�S03HSBBBILAGEN
12/9/52

Amerika wählt (VII)
Die große Bewährungsprobe
Wahlkampf um die US-Präsidentschaft ist in
vollem G-ange

17/9/52

Eean Acheson zur weltpolitischen Lage (11.9.52)

19/9/52

Das Erbe Carl Schurz*
Bede des amerikanischen Hochkommissars
Walter J.Donnelly in der frankfurter Paulakirohe (17.9.52)
•

* * . * *

3) ARTIKEL PUB DIB FRAU
9/7/52

*

Die Welt erlebt mit nur drei Sinnen (I)
Ton Helen Keller
Brnst zu nehmende Backfische
Psychologin «eist nach, daß die junge Amerikanerin von heute ausgesprochen verantwortungsbewußter Mensch ist
Die ganze Welt wartet
Das Tagebuch der 13-jährigen Anne Prank
Unbeschwerte Schwangerschaftswochen
Internationales Stipendium für Frauen
33 Ländern

23/7/52

aus

Gleiches Beoht für die Frau
Bine Bound-Table-Diskusaion der Universität
von Chicago über die sich ständig wandelnde
Bolle der Prau in den USA
Die Welt erlebt mit nur drei Sinnen (II)
Ton Helen Keller
Das redselige Geschlecht
Wer ist redseliger, Mann oder Prau?
Pflanzen- oder gemischte Kost?
Forschungsergebnisse zu einer alten Streitfrage
Schülerin aus Bayern
dem Akkordeon

erobert- Amerika mit

Eierschalen nicht wegwerfen
*

* * * *

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
13/8/52
Das einsame Land der schwerhörigen Kinder
*

Variationen ülaer ein Thema, in Stoff
Aus der Arbeit amerikanischer Modeschöpfer
Die Frau* Reserve des amerikanischen Arbeitsmarkt es
Internationaler Kinderhilfsfomda setzt Arbeit fort
Saltios braucht nicht geschmacklas zu sein

2.7/8/52

*Die amerikanischen Frauen könnten den Präsidenten wählen ••••
Der politisch«,Einfluß der amerikanischen Frau
Das begabte Kind
Aufgaben, die außergewöhnlich begabte Kinder
Eltern und Lehrern stellen
Atome in der Küche
Radioaktive Substanzen kommen Nahrungsmitteln
zugute
Indiskretionen über die kommende Herbstmode
Sinn für Humor gehört zur glücklichen Ehe
Harlan Anderson filmt
Die verborgene Blume
Ein neuer Roman Pearl S. Ruoks
*

lo/9/52

* * * *

Die wunderbare Wirkung der Spieltherepie
Schwer erziehbare Kinder spielen sioh von ihren
Komplexen frei
*

Ihre Exzellenz:, die Frau Botschafter
Eugenie Anderson,US-Botschafterin in Dänemark

*

Tierkinder erziehen Menschenkinder
Kinder entwickeln Verantwortungsgefühl,Fürsorglichkeit beim Spielen mit Jungen Heren
Nebenlinie der Model Der Sweater
Sag niemals *immer*
Ratschläge für eine gute Ehe
Studium - die beste Kitgift

24/9/52

*

Gespräch mit Marian Anderson

*

Kinderspielplätze - Paradies der New Torker Kinder
Waschtag ohne Schrecken

- 7 -

�JJCTIKSIt FÜS Dia F&amp;A.U
24/9/52

Neues i n t i b i o t i c u m

gegen i k n e

Wohlriechende Farben *schmecken ,M, liiesaer
Forschungeergebnisae e i n e r chemischen Versuchsanstalt
Franenclübs planen Weltreise zur Hebung ies
Semeins chaftsgedankens
* * * * *

4) JUGE3EB
Juli 1952

lebende Fossilien im Schatten der Wolkenkratzer
Chemiker - ein Beruf mit Zukunft
*

Schwere Musik leicht gemacht
Die New Torker Philharmoniker bereiten wieder
Konzerte für Kinder und Jugendliche vor
Unter dem Schlamm der Sintflut
Ausgrabungen im Helta des Enphrat und ügris
Vor der Wissenschaft steht der Mensch
Erfahrungen eines Austauschstudenten in den USA
* * * * * *

August 1952 * Bronco Charlie
Eer letzte Postreiter aus dem Wilden Westen
"Der Streik schadet den Blumen*
Stuart Jackson, ein neunjähriger Zeitungsverleger
75 Jahre •Konserrierter Schall*
Won Kdisona phonographiseher Walze zum
Magnet©phonband
Geheimnis der fliegenden Monarchen
Wissenschaftler versuchen das Seheimnis des Wanderflugs eines Schmetterlings zu enträtseln
Schwarze Kiesel für die UN
Sin einzigartiges; Geschenk der Insel Ihodos
* * * * *

�jussxa
September 1952

Der leichtsinnige Hirachjäger
Eine.IhdianererZählung
*Uie pferdestehlende Katze von Oregon*
Im amerikanischen Westen sind auf Pumas
Kopfprej se ausgesetzt
*Jungferninseln* mit buntbewegter Vergangenheit
Seeräuber und Zuckerrohrpflanzer traten
Kolumbus1 Erbe an
Himmelsfeuerwehr im Urwalä.
Todesmutige Bauchspringer ersticken Waldbrände im Keime
# • * * #

3) SSI8TiaSfl LEBEN
Juli

Menottis Einfluß auf die moderne amerikarnisohe Opernbühne

1952
*

Mary Casaatt - Malerin der Mütter und Kinder

*

Registrierte Cehirnwellen
über Erfahrungen mit Elektroencephalographen

E r z i e h e r i s c h e Formung der (Sesamtpersönlichkeit
Die landwirtschaftliche Kochsehule von
Michigan
Offener Brief TTpton Sinclairs an Joseph Stalin
Deutsche Chorstuhle im Metropolitan Museum
*

August 1952

» # * #

Kind und Kultur
über das Hauptwerk des Kinderspezialisten
Er« med. Ir.phil. Arnold! Gesell, das in
deutscher-Sprache erschien
Wort, Musikj äeräusche
Erfolgreiches Fest moderner schöpferischer
Kunst an der Erandeis-Uhlversität
Genialität und Eisziplin
Ben Stahl fand Synthese zwischen den künstlerischen und praktischen Werten der Malerei
und Graphik

�GEISTIGES LBJäJSN
August

1952

Deutsche Bandesrepublik nimmt am
Fulbright-Programm teil
25o deutsche Studenten und Dozenten werden
ab 1955 jährlich im lahmen des Pulbrightr-Ans-tauschprogramms in den USA. studieren
# * * * *

September 1952 *

*

"Weg von den farblosen Aufsätzen*
T Gilbert ßrosvenor und sein "national
Geographie Magazine*
Sinclaar Lewis:, letzte Tage
Ton Alexander Manson, dem Privatsekretär
des amerikanischen Richters
OoHenry - der*Entdecker* E'ew Xorks
William Sydney Porter, der unter dem
Pseudonym O.Henry Weltruhm erlangte
Bas Traumhaus von Peterborough
Im Haus der greisen Mäzenin Marian MäeBowell
schrieb Thorton Wilder *Ble Brücke von
San Luis.Key*
Deutsche lucherfolge in den USA
*

•

•

*

*

#

61 WIRTSCHAFT TOD ARBEIT
2/7/52

*

Betroiter Zukunftsmusik

*

Herrscher über Milliarden Kilowatt
Bie "Bonuville Power Administration* verfügt über die größten Staudämme der-Welt
Lars hatte eine Idee
Deutsche Bin-Mann-Nlederlassung überwindet
i n t e r n a t i o n a l e Rohstoffkontrollen
Kunststoffe haben eine große Zukunft
Gewerkschaftliche S e l b s t k o n t r o l l e i n den USA
Reform des Arbeiterbildungswerks i n e i n e r
US-Gewerkschaft
Zweirädriger Eisenbahnwagen
*Synchro-Tape * - ein neues Magnetophonband

- lo -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
13/8/52

*

Tradition und Portschritt verbinden sieh bei
Soennecken
Anzüge aus Erdöl - völlig knitterfrei
«Chemische* Textilindustrie auf dem Tormarsch
Wer besitzt die amerikanische Industrie?
Die Hasse der Aktien befindet sich in der
Hand von Kleinaktionären
Ungewöhnliche Metalle in der modernen Industrie
"Union Shop* mit neueat Akzent
«Motor der Zukunft«
225-Magahertz-Transistören
Hbohspannungs-Trockengleichrichter

2o/8/52

Leistungsfähiger - schneller - billiger
Sin alter Kraftfahrer zieht Bilanz
Das Fernsehen erobert den amerikanischen
Kontinent
Amerikas Wirtschaft zur Jahresmitte
Trotz Stahlstreik normale Entwicklung
Der ideale lebensmittelladen der Zukunft
Die strukturellen Veränderungen in der
amerikanischen Textilindustrie
Kunstharzbeton mit doppelter Festigkeit
Fertigbetonplatten für Industrie und Wohnungsbauten

27/8/52

Zur Stärkung der freien Welt
Das neue MSA-Geaetz konzentriert die amerikanische Wirtschaftshilfe
Werkzeugmasohlnenfahrik .7.111 Märkte zurückerobern
Die USA sind eine Billion Dollar wert
Überblick über das amerikanische Tolksvermögen
Zwischen Scylla und Gharybdis
Die Frage der Preispolitik in den USA
Sin Haus aus Stroh
Die gleitende Lohnskala in den
Staaten

12 -

Tereinigten

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
27/8/52
Die "sprechende" Fahrbahn
Neue Gummifarben mit überragenden Eigenschaften
Neues Hochleistungskabel
Die Gewerkschaften als Hüter des Lebensstandards
*

3/9/52

* * * *

Man sagt Merck und meint Medizin
Väterliche Tradition und eigene Initiative
schufen ein bedeutendes Industrieunternehmen
in der Neuen Welt
Die amerikanische Wirtschaft im Jahre 1975
Wie amerikanische Volkswirtschaftler die wirtschaftliche Entwicklung der USA in den nächsten
25 Jahren sehen
Titanerzeugung soll durch staatliche Hilfe
forciert werden
US-Gewerkschaften als potentieller Wahlblock
Neuerungen in der Meßtechnik
Apothekerwaage mit 1/10 Milligramm Genauigkeit
Microgasometer

10/9/52

Compax PH-Messer
Minot Rotary Microtome
Strontium 90 als Dickenmesser
Die Türkei löst ihre Verkehrsprobleme
Amerikanische Autos erhalten ein neues Gewand
Baisse am amerikanischen Wollmarkt
Radar für den Plughafen
Weltpolitik als Thema der Erwachsenenbildung
"Musterbetrieb* der amerikanischen Textilindustrie
Aluminiumüberzüge nach neuem Tauchverfahren

- 13 -

�WIRTSCHAFT 'Jim ARBEIT.
— — • • •

•

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17/9/52

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II» • 1.1 • •

»•!••

Das Schmalfilmprogramm der MSA unterstützt die
Bestrebungen der deutschen Produktivitätsaktion

4oo-Millionen~nollar-^J.uminiuacfferk i n Alaska
Manganerzeugung soll durch staatliche Subventionen erhöht werden
Deutsche Maschinen für amerikanisches Aluminiumwerk
Wie kaufe ich einen gebrauchten Wagen? (I)
Streikfrage und Gewerkschaftsmonopol in
den USA
Frauen

im amerikanischen

Plugzeugbau

Einkommen der Xrzte,Rechtsanwälte und Zahn—
ärzte in den USA
Neue -lunderfaser" widersteht 1 4oo Grad Celsius
Penicillinpräparat gegen Gelenkrheuma
BAL gagen Hauterkrankungen
Cortison gegen Haarausfall
24/9/52

Hollywoods Pilmproduzenten in der Zwickmühle
Selbstbedienung bei Woolworth
Steht eine nochmalige Erhöhung der Aluminiumkapazität bevor?
Wie kaufe ich einen gebrauchten Wagen? (II)
Gewerkschaftliche "Faehhoehschule* in den USA
Die ILGrWU beschreitet neue Wege im Arbeiter-,
bildungswerk
Parbfernsehen jetzt technisch durchführbar
Marisilid gegen TBC

* * * * *

- 14 -

�7)

LACTfflRTSCHAPT

August

1952

Internationale Abwehrmaßnahmen gegen die
Bang1sehe Krankheit
(Sa^-Schutzhülle für Obst und Semüse
Versand von frischem Obst und Gemüse ohne
Kühlung
Klima-Kalender für lauern und Särtner
Amerikanischer Klimaforscher errechnet
Wachstumseinheiten für Hutzpflanzen
Ein Pionier des Veizenbaues
Einkommensverhältnisae in der amerikanischen
Landwirtschaft
Hormone gegen Sterilität
*

September 1952

*

•

•

*

•

Bodenbeschaffenheit und menschliche Ernährung
Ein ungewöhnliches Geschenk
Die Universität von Missouri erhält Aie
ßuernaey-ZuchtviehiiercLe mitsamt Liegenschaften als (Je schenk
Yiehfutter waggonweise aus dem Labor
Schwefel in Landwirtschaft und Industrie
Ein neues Yitamin-A-Präparat
Rekordernten aus Hydrokulturanlagen
Interessantes für den Bauern

•

* * * *

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- 15 -

�7) UünMIRTSCHAET
August

1952

Internationale Abwehrmaßnahmen gegen die
Bang*sehe Krankheit
ffias-Schutzhülle für Obst und ©emüse
Tersand von frischem Obst und ftemüse ohne
Kühlung
Klima-Kalender für lauern und Särtner
Amerikanischer Klimaforsoher errechnet
Wachstumseinheiten für lutzpflanzen
Ein Pionier des W/eizenbaues
Einkommensverhältnisae in der amerikanischen
Landwirt schaft
Hormone gegen Sterilität
*

September 1952

*

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*

*

•

Bodenbeschaffenheit und menschliche Ernährung
Ein ungewöhnliches G-eschenk
Die Universität von Missouri erhält tie
Giuernaey-Zuchtviehherde mitsamt Liegenschaften als Geschenk
Yiehfutter waggonweise aus dem Labor
Schwefel in Landwirtschaft und Industrie
Ein neues Yitamin-A-Präparat
Rekordernten aus Hydrokulturanlagen
Interessantes für den Bauern

*

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*

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- 15 -

�Nummer 223

F.uropagespräche in Rom: .Wenn ich ein Vöglein war.,.'

Zeichnung: Lej«

�INHALTSVERZEICHNIS ÜBER NACHRICHTENMATERIAL UND ARTIKEL
DES "AMERIKA DIENST"
vom 1. Oktober 1952 - 31. D-esember 1952

Seite

1.) ALLGEMEINES

1

2.)

SONDERBEILAGEN

5

3.)

PUR DIE FRAU

5

4.) PUR DIE JUGEND

7

GEISTIGES LEBEN

8

6.) WIRTSCHAFT UND ARBEIT

9

5.)

7.) LANDWIRTSCHAFT

12
* * * *

*

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�1) ALLGEMEINES
1/10/52 * Cape Cod, der historische "Landungssteg" Amerikas
Der Mann am Ton-Steuer Die physikalische Technik kommt den Musikfreunden
vor den Lautsprechern zu Hilfe
* Er war ein unzeitgemäß glücklicher Mensch Zum Tode des Dichterphilosophen George Santayana
Aus dem Kraftfahrwesen der USA Ermäßigte Versicherungsprämien für unfallfreies Fahren
Die amerikanische Handelsflotte 3/10/52
Zwei neue Typen von 10 000 BRT-Handelsschiffen
Völker sprechen miteinander Auslandische Studenten an der Universität von Ohio
Hollywoods Talentsucher mit neuer Mission
8/10/52
An der Pforte des Düsenzeitalters
Die neue Theatersaison am Broadway
Nur für starke Nerven Der neue dreidimensionale Tonfilm "CINERAMA" in
New York angelaufen
* Es gibt nicht Freund noch Feind über alle Grenzen hinweg betreiben die Quäker ihr
stilles Werk der Nächstenliebe
10/10/52
USA und Montan-Union
* Das neue Thule Amerika baut Flugplätze in der Arktis
Industrieforschungsinstitut untersucht nationalökonomische Verhältnisse
15/10/52
Trygve Lie zum 24. Oktober 1952, dem Tag der
UN-Sonder- Vereinten Nationen
ausgabe
Vermitteln - Verhandeln - Versöhnen Sieben Jahre UN-Charta
Die Bank der UN und ihre Aufgaben Weltbank und Internationaler Währungsfonds
Aus der Tätigkeit des Wirtschafts- und Sozialratet
der Vereinten Nationen
Aus der Arbeit der Vereinten Nationen im Jahre 195^
Schiffsmuseum in "Lebensgröße" im historischen Hafex
1 5/10/52
von Mystic
Augenzeuge einer Apokalypse Arthur Köstlers erster Band seiner Autobiographie
Episoden aus dem Verhandlungszelt von Panmunjom
17/10/52
Limit: sechs Weltsprachen Zwei französische Sprachforscher weisen einen neuen
Weg aus dem Sprachenbabel unserer Welt
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�ALLGEMEINES
17/10/52 * Auf zwei Quadratkilometer ein Mensch Nevada lebt vom Fremdenverkehr und Bergbau
Sprechstunde für Blattläuse Naturwissenschaftler nutzen Mikroben, um
Pflanzenseuchen zu bekämpfen
22/10/52 * Sorgloses Alter in der Blumenkolonie Stiftung des Staates New Jersey schenkt alten
Leuten eigene Siedlungskolonie
* Pracht per Luftexpreß
Kleine Tempel echter Filmkunst

24/10/52

UN-Haushaltplan für 1953

*

29/10/52
*

*
31/10/52

*

*

5/11/52

Man ist so alt wie seine Arterien Durchblutung bestimmt die körperliche Verfassung eines Menschen
Die Kunst, öl zu bohren
Im größten Tierspital der Welt Aus der Arbeit des Angell-Memorial-Hospitals
in Boston
Probleme der UN-Vollversammlung Die 7. Vollversammlung, die neue Bewährungsprobe der großen internationalen Organisation
Büffelhäute und Känguruhleder Ein Blick auf die amerikanische Lederindustrie
Fremdsprachenunterricht von acht Jahren an Die Yale-Universität untersucht ein vieldiskutiertes Unterrichtsproblem
Beseelte Drahtgestelle Sandy Calder, einer der eigenwilligsten Bildhauer Amerikas
Boston - Keimzelle der USA Die historische und kulturelle Bedeutung der Hauptstadt des amerikanischen Bundesstaates Massachusetts
"Große Bücher der westlichen Welt" Der Verlag der "Encyclopedia Britannica" in
Chikago gibt jetzt in 54 Bänden die "Großen
Bücher der westlichen Welt" heraus
Moderner amerikanischer Gebrauchs-Stil
Der Dichter und sein Lektor Die Geschichte der Freundschaft zwischen Thomas
Wolfe und seinem Verlagslektor Maxwell Perkins
Herve J. L'Heureux Der neue rangälteste amerikanische Generalkonsul
in Deutschland
# # » # #
Pflugscharen statt Schwerter Zur einjährigen Arbeit der UN-Abrüstungskommission
Die Kohlenpipeline im Pittsburgher Revier
Erste Hilfe für Geigen und Trompeten Die Vereinigung amerikanischer Musikgesellschaften
unterstützt Musiker in kriegsgeschädigten Ländern
- 2 -

�ALLGEMEINES
7/11 /52A* Die Korbmacherinnen von Arizona Nach uralten Vorlagen flechten die Eingeborenenfrauen der Indianerstämme Arizonas ihre formschönen
und bunten Körbe
Die Luxusvilla des Sowjetdelegierten bei den
Vereinten Nationen auf Long Island
Rost nagt an der Zivilisation Forschungsinstitute der USA führen scharfen Kampf
gegen Metallkorrosion.
* Tampa, an der Westküste Floridas gelegen, ist
Industriezentrum, Kurort und Welthafen zugleich
Langsamfahren - keine Garantie gegen Unfälle
"Er war still und immer voller Güte..." Besprechung der Einsteinbiographie aus Bela
Kornitzers neuem Band "Amerikanische Väter und Söhne"
U/11/52
Die Viehzucht in den USA
Der Vulkanausbruch auf San Benedicto
Bibel bricht Verkaufsrekorde
19/11/52 * Charleston ist eine der schönsten und eigenartigsten
Städte des amerikanischen Südens
Walt Disney: Auch ein Kulturfilm muß unterhalten
Das elektronische Gedächtnis
Im Zeichen der Roten Feder Sammelfeldzug füllt die Wohlfahrtskassen der Gemeinden
21/11/52 * Die Spanisch-Moos-Sammler von Louisiana
Spielzeugangebot wie noch nie
*\ple Brezellegende
* Amerika und sein Truthahn
26/11/52
Millionengeschäfte mit Ruß
* Wie ich Schachmeister wurde von Larry Evans, dem 19jährigen amerikanischen
Schachmeister
Musik lehren heißt Menschen erziehen
28/11/52 * Hurrikan-Flieger über der karibischen See
Die Räucherkammer der USA Smithfield in Virginia ist durch seinen Schinken
bei den Feinschmeckern der ganzen Welt ein Begriff geworden
Den Erzfeind hegen und pflegen... Analyse der gegenwärtigen russischen Haß-Kampagne
gegen die USA und der Ziele und Formen der Sowjetpropaganda überhaupt
Schwester Kenny Die um die Bekämpfung der Spinalen Kinderlähmung
verdiente Krankenschwester
* * * * *

�ALLGEMEINES
3/12/52

*
5/12/52

*

10/12/52

*
*
*

12/12/52

*
*

17/12/52

*

19/12/52

*
*
*

Menschenrechte - eine Verpflichtung
Am 10. Dezember 1948 wurde in Paris die "Allgemeingültige Erklärung der Menschenrechte" von der UNVollversammlung unterzeichnet
Regen ohne Risiko - Die künstliche Auslösung von Regen
Wisconsin - Milch, Käse und sozialer Fortschritt
Weihnachtsbäume - Ein Weihnachtsrundbrief von Robert
Prost
Weihnachtsbräuche in den USA
Geschichten um die Weihnachtskarte
In Amerikas Christbaumwäldern
Prau Weihnachtsmann von Oklahoma
22 Millionen Dollar zur Bekämpfung der Tuberkulose
bfachte der vorjährige Verkauf der "Xmas-Seals"
Der Erfinder des Streptomycins - Interview des diesjährigen Trägers des Nobelpreises für Medizin, Professor Selman A. Waksman
Häuser auf Rädern - Wohnwagen-Anhänger finden eine
immer größere Gemeinde
"Laßt die Moleküle rasen..." - Ein Laie spaziert durch
das Atomlaboratorium Brookhaven
Die Erdölfarmer von Oklahoma
Produktivität eine Geisteshaltung
Aber Prauen leben länger als Männer ..•
Einzelheiten über den Bevölkerungsstand der Erde
gibt die 700 Seiten starke Publikation der V/HO
"Lebensstatistiken und Todesursachen"
Deutsche Richter im Zuschauerraum - Deutsche Juristen
finden bei amerikanischen Jugendgerichten Beispiele
väterlich - rücksichtsvoller Prozeßführung
Vom Waisenknaben zum Pinanzminister - Zur 150. Wiederkehr des Geburtstages von Christopher Gustavus Momminger
Kunst und Werbung
Prauen bei der UNESCO
Kapitol: Schauplatz großer Entscheidungen - Seit 150
Jahren werden im Kapitol die wichtigsten politischen
Entscheidungen der Vereinigten Staaten getroffen
Bücher - Filme - Bilder - Poren
Die Programme und Projekte der "»AMERICAN LIBRARY
ASSOCIATION"
Avenue der Botschaften - Diplomaten von 77 Nationen
leben in Washington
Andersens Märchen am Broadway
# * * * #

- 4-

�2) SONDERBEILAGEN
3/10/52

2 2/10/52
31/10/52

5/11/52

7/11/52

AMERIKA WÄHLT (VIII)
Macht und Verantwortung
Bedeutung der amerikanischen Präsidentschaft als
oberste Exekutive des Landes
Rede des amerikanischen Außenministers Dean Acheson
vom 16. Oktober 1952 vor der UN-Vollversammlung in
New York
Auszüge aus der Rede des US-Außenministers Dean
Acheson vom 24« Oktober 1952 vor dem I. Politischen
Ausschuß der UN-Vollversammlung
AMERIKA WÄHLT
IX. Folge und Schluß
M
Die Wahlmänner ... stimmen durch Stimmzettel für
einen Präsidenten ..."
Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen 1948 und
1952 Aufschlüsselung der 531 Wahlmänner nach einzelnen Bundesstaaten.
* * * * *

3) ARTIKEL FÜR DIE FRAU
8/10/52

2 2/10/52

Die Frauen in den gesetzgebenden Körperschaften von
New Hampshire
UN-Organisationen sorgen für die Ausbildung von
Hebammen in asiatischen und latein-amerikanischen
Ländern
Das kleine Porträt (I)
Die Bibliotherapeutin Sadie Peterson Delaney
Geld - psychologisch betrachtet
Ergebnisse einer Reihe von Umfragen über
die Beziehungen des Menschen zum Geld
Selbstvertrauen schon in der Kinderstube
"Good Housekeeping" - Drinnen und Draußen
Erziehung zum Staats- und Mitbürger» ein Schulfach
am Mills College in Kalifornien
Schmitz, Gnepp und Hutzelbrod
Deutsch-Pennsylvanischer Küchenzettel
Gesellschaftliches Rezeptbuch 1952
Amy Vanderbilti Ein Buch für gutes Benehmen, wie es
der Neuzeit angepaßt ist
Sie begeisterte Könige und Bürger
Annie Oakley, das scharfäugige Mädchen aus Ohio
Das kleine Porträt (II)
Doriot Antony, erste Flötistin bei den Bostoner
Symphonikern

- 5 .

�ARTIKEL FÜR DIE FRAU
22/10/52

Die Hausfrauen-Polizistinnen von Milwaukee

5/11/52

* New Yorker Ausstellung über die Geschichte
der Suffragettenbewegung in den USA
* Wenn das Kind nicht schlafen will ...
Amerikanischer Wissenschaftler untersucht,
warum Kinder sich gegen das Zubettgehen sträuben
Das kleine Porträt (III)
Ida Hildibrand - die Freundin der Farmersfrauen
Landschaft auf Lager
Amerikanische Photographin arbeitet als
"Filmszenerie-Detektiv" für Hollywood
In 57 Staaten sind die Frauen gleichberechtigt
Bericht des UN-Generalsekretärs Trygve Lie

19/11/52

Ein Bündel Malstifte
Ein schizophrenes Kind malt sich gesund
In Schönheit verhungern
Amerikanische Ernährungs-Wissenschaftler raten
bei allen "Schnell-Abmagerungs-Kuren" zur Vorsicht
Wandelbare Mode - Spiegelbild der Zeit
Das Bostoner Kunstmuseum zeigt zur Zeit eine
umfassende Sammlung von Kleidern aus den vergangenen 250 Jahren
Brillen sind "fashionable"
Eis-Shows im New Yorker Madison Square Garden
über die Freiheit zur Selbstdisziplin
w
Mutter-Sohn-Team" erstmals im Kongreß der USA

5/12/52

Die natürliche Überlegenheit der Frau
Von Ashley Montagu, Direktor des anthropologischen Instituts der Rutgers-Universität
in New Brunswick
Das kleine Porträt (IV)
Gewebte Geschichtsbücher - Deutschamerikanerin
restauriert wertvolle Gobelins
Ehe der Jugendrichter eingreift •••
Erwachsenen-Forum soll gefährdete Jugendliche
vor der Bekanntschaft mit dem Gericht bewahren
Frauen in den Vereinten Nationen
Frauen übernehmen diplomatische Funktionen bei
den UN-Delegationen
Warm behütet in den Winter
Große, weiche Winterhüte in der Gunst der
Amerikanerin

�„, ARTIKEL FÜR DIE FRAU
17/12/52

* Psychologin auf eigenen Wegen
Die in Deutschland geborene Psychotherapeutin
Karen Eorney starb am 4. Dezember in New York
* Eltern sind reizend, aber ...
Amerikanische Teenagers sprechen über "elterliche" Probleme
Vati ist kein Kinderschreck
Disziplin und die Rolle des Vaters in der
Erziehung der Kinder
Das kleine Porträt (V)
Florence Chambers - Olympiamedaille und
Züchterdiplom
Das Kleid der Zukunft
Synthetische Pasern und Pasermischungen sind
eine starke Konkurrenz natürlicher Produkte
Sandwiches für festliche Stunden
# # * # #

4) ARTIKEL PUR DIE JUGEND
Oktober 1952 Der Teufel und Daniel Webster
"Mensch, ihr seid doch anständige Kerle!"
Kinder erteilen den Erwachsenen von Bloomfield
eine Lektion darin, was es heißt, Mitbürger
zu sein
* Ich breche die Blitze ...
Im Jahxe 1752 erfand Benjamin Franklin den
Blitzableiter
"Halloween" - Nacht der Hexen und Geister
Kindermummenschanz am 31. Oktober
Rennwagen aus Schrott
"Hotrod"-Rennen an den Salzseen im Staate Utah
November 1952

*

Das Kaninchen und die Brunnenwächter
Eine Tiergeschichte aus dem amerikanischen
Märchen- und Sagenschatz
Das Tagebuch einer kleinen Stadt
Fünfzehnjährige Jungen und Mädchen einer höheren
Schule sehreiben ein Buch über ihre Heimatstadt
Pack die Angelrute ein •••
In den USA gibt es Millionen begeisterter junger
Angler
Mister Clark, der Büffelzüchter
Trupp 198
New Yorks blinde Pfadfinder

Dezember 1952

Die Geschichte vom kleinen Esel
Eine Weihnachtsgeschichte aus dem amerikanischen
Süden

�JUGEND
Dezember 1952

Der Schneeschuhgeist der Sierra Nevada
Ein amerikanischer Landbriefträger vollbrachte 20 Jahre lang Übermenschliches
an Entsagung und Hilfsbereitschaft
Das Wunder der gefüllten Strümpfe
Die Entstehungsgeschichte eines amerikanischen Weihnachtsbrauches
Besuch in der Spielzeugstadt
Eine kleine Weihnachl :krippe gab Anregung
für die Anlage einer selbstgebastelten
Spielzeugstadt
# # * * *

5) GEISTIGES LEBEN
Oktober 1952

Geigerzähler korrigieren Geschichtsbücher
Archäologen bestimmen mit Isotopenkalender
und Atomuhr das genaue Alter historischer
und prähistorischer Funde
Ostasiatische Kunstsammlungen in den USA
* Neues Programm zur Veröffentlichung von
Dissertationen
Was Geschäftsleute sammeln
Eine Ausstellung privater Gemäldesammlungen
Engländer gewinnt Carnegie-Preis
Das Carnegie-Institut zeichnet den englischen
Maler Ben Nicholson aus
November 1952# Über den wahren Humanismus
Interview mit Albert Einstein
* Der begabte Zuhörer
Von Aaron Copland
Worpswede in Florida
Sarasota, das Künstlerstädtchen am Golf
von Mexiko
Tennessee Williams in Moll und Dur
US-Außenministerium verteilt Fachbibliographie
Dezember 1952

Deutsche Maler in Amerika
Ein Menschenalter reicht nicht aus
Interview mit dem jungen amerikanischen
Dirigenten Thomas Schippers
* Die Dumbarton Oaks-Sammlung für byzantinische
Kunst
Die Pyramidentexte
Der erste Buddhistentempel der USA eingeweiht
# » * # •

�WIRTSCHAFT UND ARBKIT
1/10/52

*

Werkzeuge des "Management" für deutsche
Unternehmer
Amerikanische Betriebsführer berichten
deutschen Industriellen über ihre Erfahrungen
Der Farmer wird umworben
Beide Parteien versprechen das gleiche
USA lehnen Vorschläge zur Bildung eines
neuen Gummikartells ab
Der Sender des US-Normenamtes übermittelt
Zeit-, Frequenz- und Tonsignale
Amerikanische Landarbeiterprobleme
Die nächsten 10 Jahre in der amerikanischen
Gewerkschaftspolitik
Besser und schöner als Papierwolle
Neues amerikanisches Kunstharzmaterial für
den Glaswarenversand

8/10/52

*

Im Bmslandmoor geht der Mammutpflug um
Bankiers, Kredite und Kartelle
NAM-Gutachten umreißt die Möglichkeiten und
Hindernisse für ausländisches Anlagekapital
in Westdeutschland
Heilmittel für alle Welt
Amerikanische pharmazeutische Werke für den
Riesenbedarf an Medikamenten
Die Renaissance der Baumwolle
Lohnwellen und Sozialleistungen in der
amerikanischen Privatindustrie
Der Arbeiter muß das Ziel seiner Arbeit kennen
Größeres wirtschaftliches Verständnis durch
volkswirtschaftliche Fortbildungskurse
Leuohtschirm und Schattenflugzeug als
konstante Wegweiser
Cortisongewinnung vereinfacht

15/10/52

* Erdöl verändert Landschaft und Menschen
45 ölgesellschaften in Nord-Dakota
Neue Riesen-Ölleitung wird Texas mit dem
Westen verbinden
Hudson in Konkurrenz mit Ford
Neuer Wagentyp in der billigen Preisklasse
Das Autovermietgeschäft nimmt ständig zu
Mode- und Textilkrise in den USA
Neuheiten auf dem amerikanischen Weihnachtsmarkt
Der lechte Mann am rechten Platz
Deutsche ujid amerikanische Produktivitätserfahrungen Verden in Berlin gezeigt

22/10/52

- 9-

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
22/10/52

Mehr Wissenschaftler in die Betriebe
Die Verteidigungsausgaben müssen erhöht werden
Erhöhung der Gesamtausgaben auf rund 250 Milliarden Dollar wahrscheinlich
Der ungekrönte König aller Schreibutensilien
Ein Kapitel sozialer Selbstverwaltung
Die "Agreed Bills" im Staate Illinois als
Vorbild für die Sozialgesetzgebung
Flüssiger Kunststoff
"Abstossende" Farbe
Neues Schweißgerät für Nichteisenmetalle

29/10/52

Der Venezuela-Handel hat goldenen Boden
Wie man heute in Amerika baut
Gewaltiger Anstieg des Luftfrachtverkehre
Westdeutschland hat größten Anteil an der
Steigerung des Frachtvolumens
In den USA ist der Automat "Mädchen für alles"
Die russischen "Paradieslöhne" - einmal
nüchtern betrachtet
Die hundertprozentige Kunststoffwohnung

5/11/52

Industrie baut Basteln zu einem Millionengeschäft aus
Amerikanische Wirtschaftslage weiterhin stabil
Die Wandlung der Einkommenstruktur
"Autofahren" im Schulzimmer
Amerikanische Frauenarbeit und Frauenlöhne
Neues Jugend-Arbeitsschutzgesetz
Hochempfindlicher Wärmemesser
Photographiere mit Datum
Regenschirm mit Fenster

J2/11/52

Betrachtung zu den deutsch-amerikanischen
Betriebsführerbesprechungen
Läden ohne Waren und Verkäufer
Ein Experiment zur Senkung der Preise und
Betriebskosten
Konkurrenzkampf auf dem Automarkt verschärft a c
Erdölwunder in der modernen Chemie
Berufswahl und höheres Schulwesen in den USA
Kleinzündanlage mit "Superfunken"
Oszillograph-Kontrollwaage für LKW

*

- 10 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
19/11/52

*

Amerikanisches Weihnachtsgeschäft läuft an
Neue Tongeräte mit neuen Effekten
Auf die richtige Farbe kommt es an
Amerikanische Geschäfte prüften verschiedene
Barben auf ihre "Verkaufseigenschaften"
Wandlungen im Arbeitsplatzwechsel in den USA
Neues gummiartiges Produkt mit großer Widerstandsfähigkeit
Neue Kunstgummiqualität verringert Reifenerwärmung

26/11/52

Planung und Test - Das A und 0 der
Produktivitätssteigerung
Weiterhin lebhafte Investitionstätigkeit in
der US-Industrie
Volkswagen auf US-Markt durchaus konkurrenzfähig
Technisches Spielzeug beherrscht den diesjährigen
amerikanischen Weihnachtsmarkt
Die Bedeutung der amerikanischen Gewerkschaftspresse
Koffer-Fernsehapparate mit Germanium-Transistoren
"Rechnendes" Transportband
Ungeziefer-sichere Kleidung

3/12/52

Bessere Wohnungen - Niedrigere Baukosten
MSA-Bergarbeitersiedlungen als Modelle für
den künftigen sozialen Wohnungsbau
"Werkprofessoren" - Ein Bindeglied zwischen
Hochschule und Industrie
Autobahnbau mit privaten Mitteln
Amerikas Erfahrungen mit einem internationalen
Problem
Die Kältetechnik in Dienste der modernen Industrie
"Musikkonserven" bedrohen die Existenz des
Berufsmusikers
Spuranzeiger lokalisiert Heizrohrschäden
Wasserski für Düsenflugzeuge
Düsenpropeller-Flugzeug

10/12/52

Das RKW - die Clearingstelle für technische
Erfahrungen aus aller Welt
internationales Wirtschaftstreffen der Freien
Welt 1953 in Wien
Das Zentrum der Aluminium-Industrie liegt
in Kanada und Alaska
"Glas"-Kunststoffe so hart wie Stahl
"Ferngelenkte" Handlungsreisende
"Walkie-Üsten" - der verlängerte Arm des Chefs
- 11 -

�WIRTSCHAFT UND ARBEIT
10/12/52

Pharmazeutika in Kapselform
Neue Papiersorte aus Glas

17/12/52

Amerikanischer Wirtschaftsspiegel 1952
(Schaubild)
Ein Jahr der Konsolidierung
Der Dollarkreislauf (Schaubild)
Produktionsausweitung - der Schlüssel zur
Erfüllung der Verteidigungsaufgaben
Großwirtschaftsräume in Zahlen gesehen
(Schaubild)
Die Außenhandelsstruktur veränderte sich
Der amerikanische Außenhandel im Jahre 1952
(Schaubild)
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung 1952
Das Wachstum der US-Gewerkschaften (Schaubild)
* • # *

•

7) LANDWIRTSCHAFT
Oktober 1952

November 1952

Dezember 1952

*

Die große Zukunft der Hybriden Formen
Große Fische im Genossenschafts-Netz
Amerikanische Fischer organisieren sich
zu Genossenschaften
Kraftfutter aus dem eigenen Betrieb
Künstliche Trocknung ermöglicht rationellere
Futterwirtschaft
Saatgutkontrolle in Texas
Neuer Trächtigkeitstest bei Kühen
US-LandwirtSchaftsministerium will
Rosinenexport subventionieren
USA tauschen Weizen gegen Dünger
Der Dichter hinter dem Pflug
Louis Bromfield als Pionier der
Bodenkultivierung
Impfstoffe gegen Hühnerkrankheiten
Jede Stunde ein Ferkel
Arbeitsbericht von einer Drei-Mann-Schweinezucht in Delaware
Es geht auch ohne Melken
Kurioses Experiment amerikanischer Viehzüchter
Maßnahmen zur Hebung der Eier-Produktion
Höherer Zuckergehalt der Zuckerrüben
Zwergwuchs bei Rindern
- 12 -

�LANDWIRTSCHAFT
Dezember 1952

Hexereien mit Hirse
Colchicinpräparat beschleunigt
Zuchtauslese
Mehr Schweinefleisch - weniger Fett
Die Schweinezüchter von Ohio haben ihre
Produktion nahezu ganz auf Fleischschweine
umgestellt
Äcker schwimmen ins Meer
Experimente im Mississippital veranschaulichen, welch ungeheure Mengen von Mutterboden jährlich durch Auswaschung verloren
gehen
Buschrodung mit chemischen Mitteln
Erfahrungen mit Chlorphenoxy-Essigsäuren
Hülsenfruchtanbau seit 6000 Jahren
Ersatzstoffe für Eiweiß
Neomycin gegen Mastitis
•

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Zu den mit * bezeichneten Artikeln liefert der "AMERIKA DIENST"
kostenlos Bildmaterial

- 13 -

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ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG. APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

7 - 3

Frankfurt, den 1 . Februar 1V52

I N HALTSVBRZBICHNIS

Die Lohnangleichung an die Lebenshaltungskosten in
Westeuropa ."

1

Die Ursachen des industriellen Friedens

8

Paul Finet zur amerikanischen Gewerkschaftsbewegung

11

Vollbesohaeftlgung in Schweden

13

Franzoesisohe Seeleute blickten hinter den
"Eisernen Vorhang

15

Die Lohnangleichung an die Lebenshaltungskosten in Westeuropa
In allen Laendern, in denen die Verbraucherpreise ataendig dazu neigen, sich zu erhoehen, bildet die Angleichung der
Lohntarife an die veraenderten Lebenshaltungskosten ein Problem von lebenswichtiger Bedeutung. Mit zunehmenden Inflationserscheinungen wird die Forderung nach automatischer Angleichung der Loehne oder regelmaessiger Erneuerung der Tarifyertraege immer haeufiger. Weil die Inflation oder zumindest
die Gefahr einer Inflation seit dem Ende des zweiten Weltkrieges allen Laendern droht, die Mitglieder des Europaeischen
Wirtschaftsrates sind, sind haeuflg Diskussionen ueber eine
diese Steigerung ausgleichende Lohnanpassung gefuehrt worden.
Man hat jedoch erkannt, dass die Lohnangleichung allein kein
wirksames Mittel zur Schliessung der Luecke zwischen Kaufkraft
und Angebot bei den Verbrauchsguetern ist. Eine grundlegende
Loesung dieses Problems muss in einer Steigerung der Produktivltaet gesucht werden.

- 1

�In dem Bemuehen, die Kaufkraft der Loehne in den L'arshallplan-Laendern in der Nachkriegszeit stabil zu erhalten, hat
man zu verschiedenen Kitteln gegriffen. Die automatische Lohnangleichung an die Lebensnaltungskosten i3t weit verbreitet,
sie findet sich in Belgien, Luxemburg, Daenemark, Italien und
dem freien Territorium Triest und zwar in Form eines dezentralisierten Tarifvernandlungssystems in Belgien und Luxemburg und
in Form entsprechender Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern auf Landesbasis in den uebrigen drei Laendern.
Verschiedentlich wurde auch in Norwegen und Schweden die gleiche
Methode der Lohnangleichung befolgt wie in Daenemark.
In England sind seit dem ersten Weltkrieg" einige Tarifvertraege in Kraft, die automatische "Stufengleif-Klauseln enthalten. Ende lyöl arbeiteten etwa 10% aller englischen Arbeitnehmer aufgrund ihrer Tarifvertraege unter Stufengleit-Bestimmungen. In Frankreich gab es nur wenige solcher Vertraege.
In Oesterreich, Westdeutschland und Holland sahen sich die
Gewerkschaften auf Grund der Erfahrungen, die sie nach dem ersten
Weltkrieg waehrend der Inflation gemacht hatten und durch die
Bedenken einer Wiederholung dazu veranlasst, von der Forderung
nach automatischer Lohnangleichung abzusehen. Selbst in diesen
Laendern waren jedoch gewisse Lohnerhoehungen unumgaenglieh,
nachdem Preissteigerungen von beunruhigenden üusmassen eingetreten waren. Derartige Lohnangleichungen mussten jedoch in
Oesterreich und Holland von der Regierung genehmigt werden.
In den Laendern, in denen die automatische Lohnangleichung nicht
bekannt ist, hat man versuent, durch haaufige Erneuerung der
Tarifvertraege Abhilfe zu schaffen. Waehrend die Bestimmungen
ueber die Lohnangleichung in den einzelnen Laendern und auch
von Zeit zu Zeit innerhalb der einzelnen Laender verschiedene
sind, blieben die Argumente hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen
Auswirkungen die gleichen. Die Gegner des Stufengleit-Prinzipa
behaupten, dass es der Inflation Vorschub leiste, die PreisLohn-Spirale ins Leben rufe, ja sogar die Inflation beschleunige.
Diejenigen, die dieses System befuerworten, sind dagegen der
Auffassung, dass in ihm nicht die eigentliche Ursache der Inflation zu suchen ist, weil zuerst die Preise anziehen muessen,
bevor eine Lohnangleichung gefordert wird, wenn die Preise
jedoch erhoeht werden, ist eine Lohnanpassung notwendig, um
das Realeinkommen der Lohnempfaenger zu schuetzen. Allein das
Bestehen einer solchen Bestimmung duerfte dazu anspornen, die
Preise zu stabilisiaren. Ihrer Meinung zufolge kann ausserdem
eine ordnungsgemaesse und im voraus berechnete Lohnangleichung,
so wie sie in den Stufengleit-Klauseln der Tarifvertraege
der Gewerkschaften vorgesehen ist, fuer eine .Virtschaft weniger schaedlich sein als die durch Preissteigerungen hervorgerufene Unruhe innerhalb der Industrie oder die langwierigen
TarifVerhandlungen, die Begleitumstaende haeufig wiederkehrender Krisen sind.
Die in London erscheinende Wirtschaftszeitung "Economist"
bringt die Auffassung zum Ausdruck, dass eine gewisse Form der
Lohnangleichung sogar mithelfen koennte, der Inflation entgegenzuwirken; "Diese k'oeglichkeit waere dadurch gegeben, dass die
Loehne den Preisen erst in einem bestimmten Zeitabschnitt folgen und die Srhoehungen der Loehne geringer als die der Preise
sind. Der Zweck der Klausel waere, den Gewerkschaften als Ausgleich fuer die nachhinkenden Loehne ein Gefuehl der Sicherheit zu geben. Die Einfuehrung der Stufengleitklausel koennte
somit die englische Industrie vor einem Chaos bewahren."

- 2 -

�'Vo der Einfluss der Gewerkschaften bei Tarifverhandlungen
so gross ist wie in den meisten westeuropaeischen Laendern seit
dem zweiten '.Veitkrieg, besteht die Tendenz, Lohnerhoehungen vorzunehmen, wenn eine fuehlbare Preissteigerung eintritt. Die
Angst vor einer inflationistischen Spirale hat jedoch die Gewerkschaften veranlasst, sich wa«hrend eines grossen Teiles der
Nachkriegszeit in ihren Lohnforderungen Beschraenkungen aufzuerlegen.
Die Gewerkschaftsfuehrer sind in den meisten l'arshallplanLaendern entschieden fuer eine Preiskontrolle eingetreten. Unter bestimmten Bedingungen sind die Lohntarife mit dem Lebenshaltungskostenindex gekoppelt worden. Auf der anderen Seite jedoch
haben die Gewerkschaften ihr traditionelles Ziel einer Steigerung
des Realeinkommens der Arbeiter, dem gesteigerte Froduktivitaet
zugrunde liegen muss, nicht aus dem Auge gelassen.
Die Auswirkungen der automatischen Lohnangleichungsbestimmungen auf die .Virtschaft haengen davon ab, wie haeufig solche
Angleiohungen vorgenommen werden, in welcher Hoehe ein Ausgleich
gewaehrt wird, ob diese Massnahmen ein Sinken oder Steigen des
Preisindex' bewirken und in welchem Grade die verschiedenen Freisindizis, die bei der Lohnangleichung verwendet werden, eine Veraenderung der Preise widerspiegeln, die tatsaechlich von den betreffenden Arbeitern gezahlt werden.
Zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Laendern hat
man, um einer Inflation entgegenzuwirken, den zeitlichen Zwischenraum zwischen den einzelnen Lohnangleichungen verlaengert
und die Preiserhoehungen nur zum Teil durch Lohnerhoehungen ausgeglichen, um einen bestimmten Abstand zwischen den Erhoehungen
des Preisindex' und den Lohnerhoehungen zu schaffen. Regierungen, Gewerkschaften und Unternehmer haben haeufig eine Verbindung von Lohnerhoehungen und Produktivitaetssteigerungen einer
Kopplung der Loehne an die Preise vorgezogen; diese Methode ist
jedoch in keinem Lande ununterbrochen zur Anwendung gekommen.
In den nachstehenden Ausfuehrungen wird beschrieben, inwieweit in den Marshallplan-Laendern in der Nachkriegszeit Lohnangleichungen durchgefuehrt wurden, um hauptsaectlich fuer die Arbeiter der Industrie einen Ausgleich fuer die veraenderten Lebenshaltungskosten zu schaffen. Wir werden uns nicht mit anderen Arten der Lohnangleichung beschaeftigen, die zu gewissen
Zeiten und unter gewissen Umstaenden, angewendet worden sind, so
zum Beispiel Belohnungen fuer Produktivitaetserhoehungen oder
um groessere Lohnunterschiede fuer verschiedene Berufe zu schaffen. Es wird gezeigt, wie automatische Stufengleitskalen verhaeltnismaessig haeufig in den Tarifvertraegen der Gewerkschaften auftreten und wie die Lohntarife in Erkenntnis der Veraenderungen, denen die Lebenshaltungskosten unterworfen sind, in
regelmaessigen Zeitabstaenden abgeaendert werden. Es wird
ausserdem gezeigt, welche Rolle die Regierungen hierbei gespielt
haben, sei es durch gesetzliche Anordnungen von Lohnveraenderungen, durch deren Genehmigung oder Ablehnung oder durch
eigene Verhandlungen mit den betreffenden Partnern ueber die
Hoehe der Lohnveraenderung.
In Belgien, Daenemark, Italien, Luxemburg und dem freien
Territorium von Triest sind Bestimmungen ueber eine automatische
Lohnangleichung in fast allen Tarifvertraegen enthalten, die im
Dezember 1951 sowohl fuer Arbeiter als auch fuer Angestellte in
der Industrie gueltig waren. Arbeitern in der Landwirtschaft
und Regierungsangestellten wurden in Daenemark und bis zu einem

- 3 -

�gewissen Grade auch in Belgien und Italien automatische Lohnerhoehungen gewaehrt. Die Tarifvertraege in England, die sich
ueber eineinhalb bis zwei Millionen Arbeitnehmer erstrecken d.h. etwa 10% der unselbstaendigen Erwerbsbevoelkerung - enthalten Bestimmungen ueber automatische Lohnangleichungen. In
Frankreich sind derartige Bestimmungen nur in wenigen Tarifvertraegen vorzufinden, das neue Gesetz bringt hier allerdings eine
grundlegende Aenderung.
In Korwegen und Luxemburg werden Lohnangleichungen in der
Regel halbjaehrlich vorgenommen. In Daenemark werden die Loehne vierteljaehrlich revidiert, und ebenso war es in Schweden,
als dort noch Bestimmungen ueber die automatische Lohnangleichung in Kraft waren. In Italien, Triest und Belgien kann eine
Anpassung der Loehne an die Lebenshaltungskosten alle zwei
Monate erfolgen. In Island hat man in der Zeit von 1940 bis
Januar 1948 die Loehne monatlich den Lebenshaltungskosten angepasst. Seit Januar 1948 sind durch verschiedene Gesetze und
Verordnungen der Regierung monatliche, vierteljaehrliche und
dann halbjaehrliche Lohnangleichungen angeordnet worden. Die
gesetzlichen Bestimmungen in England sind in bezug auf die
Gueltigkeitsdauer der Lohnangleichungen verschieden. In einigen
Faellen werden sie sogar nur einmal im Jahre durchgefuehrt.
t

Die zentralen Arbeitgeberverbaende und Gewerkschaften in
Schweden und Norwegen haben in den dreissiger Jahren und nach
1945 bzw. von 1939-1946 Vereinbarungen getroffen, in denen automatische Angleichungen der Loehne an die Lebenshaltungskosten
vorgesehen waren. In Schweden ist man nach 1946 von dieser Ivlethode abgekommen, in Norwegen hat man sie erst in letzter Zeit
abgeaendert. -Seit 1940 werden in Island die Loehne zur Anpassung
an die Lebenshaltungskosten recht haeufig veraendert. Eine Ausnahme bildete lediglich die Zeit zwischen 1948 und 1950, als
solche Massnahmen durch Gesetz suspendiert waren. In Irland
hat man in Tarif Verhandlungen zum Ausgleich fuer Erhoehungen
der Lebenshaltungskosten von Zeit zu Zeit Lohnaufbesserungen gewaehrt, ohne sich jedoch durch "Stufengleif-Bestimmungen festzulegen.
Einige diesernStufengleitn-Klauseln sehen einen hundertprozentigen, andere einen geringeren Ausgleich fuer hoehere Lebenshaltungskosten vor. Die Vereinbarungen ueber Lohnangleiohungen, die waehrend des Krieges in Schweden getroffen wurden,
legten Lohnausgleiche fest, die teils nur die Haelfte und teils
nur drei Viertel der Steigerung des Lebenshaltungskostenindex1
ausmachten. Die im Oktober 1950 in Norwegen getroffenen Vereinbarungen gewaehrten einen Ausgleich nur fuer solche Preiserhoehungen, die durch die Beschraenkung der Subventionen verursacht
waren. Zurzeit sind neue Verhandlungen hierueber im Gange.
Haeufig werden Loehne dadurch angeglichen, dass man einfach
den Stundenlohn-Tarif erhoeht, wenn dar Lebenshaltungskostenindex um eine bestimmte Anzahl von Punkten gestiegen ist. Hierbei ist nicht ausdruecklich festgelegt, bis zu welcher Koehe
ein Ausgleich gewaefirt werden muss. In solchen Faellen ist
die prozentuale Lohnerhoehung offensichtlich fuer die Arbeiter
der niedrigen Einkommensstufen guenstiger.
In England wird in den Vereinbarungen ueber Lohnangleichungen im allgemeinen bestimmt, dass der Grundlohn um einen bestimmten Betrag zu erhoehen ist. Dieser Betrag ist je nach Alter
und Geschlecht des Arbeitnehmers verschieden. Einige Vereinbarungen, so z.B. die in der Baumwollindustrie, sehen jedoch auch
eine prozentuale ü,rhoehurig des "Standardtarifes" vor.
- 4 -

�In Daenemark werden fuer je sechs Punkte, um die sich der
daenische Index fuer Einzelhandelspreise in den Monaten Januar
und Juli ueber die Indexziffer 291 11914*100) erhoeht hat, erwachsenen maennlichen Arbeitern einen Stundenlohnzuschlag von
fuenf ^re, weiblichen Arbeitnehmern 3,3 0re und Jungarbeitern
zwei 0re mit "Wirkung von dem darauffolgenden 1. Maerz bzw. 1.
September gewaehrt.
Daenemark ist das einzige Land, in dem sich die Loehne
nach einem Lebenshaltungskosten-Index richten, in dem die .Einkommensteuer beruecksichtigt ist. Auch in Holland und Schweden
werden Indizis veroeffentlicht, in denen die Steuern enthalten
sind, werden jedoch nur selten zum Zwecke der Lohnangleichung
verwendet.
In Belgien, Daenemark, England, Island, Italien, Norwegen
und Schweden sind in den betreffenden Abkommen automatische Lohnangle ichungen fuer Erhoehungen und Senkungen des Preisindexes
vorgesehen.
Die Furcht vor der Inflationsspirale, die sowohl gewerkschaftliche Kreise als auch Kreise der Regierung beunruhigt,
war bestimmend fuer das Ausmass, in dem man automatische Lohnangleichungen als Entschaedigung fuer Preiserhoehungen vorgenommen hat. In Oesterreich und Deutschland haben die Gewerkschaften die automatische Lohnangleichung nicht verlangt. Auch
die drei Gewerkschafts Organisationen Hollands KW, KAB und CNV, haben
gemeinsam mit ihrer Regierung dieses Verfahren abgelehnt. In
Frankreich ist es der Regierung bis vor kurzem gelungen, dem
gewerkschaftlichen Druck nach allgemeiner Verwirklichung der
automatischen Lohnangleichung zu widerstehen. Der englische
Gewerkschaftsbund TUC hatte im November 19*9 versucht, die ihm
angeschlossenen Gewerkschaften zu veranlassen, fuer ein Jahr
die Stufengleit-Bestimmungen ihrer Tarifvertraege ausser acht
zu lassen, wenn sich der Preisindex fuer Verbrauchsgueter in
der Zwischenzeit nicht um mehr als fuenf Prozent steigern wuerde. Dieser Versuch scnlug jedoch fehl.
Eine andere, aber aehnliohe Lethode zur Angleichung der
Loehne an die Lebenshaltungskosten besteht darin, dass Gewerkschaften und Unternehmer die Vereinbarung treffen, bei einer
Steigerung der Lebenshaltungskosten neue Tarifverhandlungen aufzunehmen. Nach den Stufengleit-Bestimmungen sind sowohl Hoehe
des Ausgleichs als auch Periodizaet der Lohnangleichung von
vornherein festgelegt. Nach der soeben erwaehnten Methode der
vorzeitigen Tarifkuendigungsmoeglichkeit sind diese beiden Begriffe dagegen unbestimmt. Im Falle einer Neuaufnahme von Tarifverhandlungen ist jedoch die Moeglichkeit gegeben, rueckwirkende Lohnerhoehungen zu gewaehren. aine Neuaufnahme von
TarifVerhandlungen war z.B. in der Schweiz vorgesehen, und zwar
vierteljaehrlich nach den von der Regierung erlassenen Bestimmungen, die von 1941 bis 1946 gueltig waren, und unregelmaessig
nach privaten Vereinbarungen, auf die die Regierung keinen
Einfluss hatte, und die man von 1947 bis 1951 kannte. Seit
1948 werden in .'/Ostdeutschland alle vier bis sechs Monate eine
immer groessere Zahl von Tarifvertraegen neu abgeschlossen.
Dieses Verfahren kennt man auch in England, und zwar vor allem
seit Ende des Krieges, ausgenommen sind natuerlich jene Vertraege, die an sich 3ciion Stufengleit-Klauseln enthalten. Auch in
Frankreich bedient man sich in einigen Faellen dieser Methode.
In Norwegen wurden die Bestimmungen ueber automatische
Lohnangleichungen, die in den von 1945 bis 1946 abgeschlossenen
Tarifvertraegen enthalten waren, 1949 und 1950 von Vereinbarungen
5 -

�abgeloe3t, die fuer eine bestimmte iürhoehung der Lebenshaltungskosten einen automatischen Ausgleich durch Lohnerhoehungen und
fuer eine weitere Steigerung des Lebenshaltungskostenindex*
eine Neuaufnahme der Tarifverhandlungen vorsehen.
In einigen Laendern haben die Vertreter der Regierung,
der Gewerkschaften, der Industrie und anderer Sektoren der
Wirtschaft ueber die Hoehe der zu kontrollierenden Preise, die
Hoehe der Subventionen, ueber Steuersaetze, Sozialunterstuetzungen, Beitraege zur Sozialversicherung und auch ueber die
Anpassung der Lohntarife an die Preise gemeinsam Verhandlungen gefuehrt. Diese Verhandlungen fuehrten in Oesterreich zu
einem formellen Abkommen. Die schwedische Regierung fuehrt
wirtschaftspolitische Besprechungen mit Vertretern der verschiedenen interessierten Gruppen. Ganz bestimmte Vorschriften
ueber die Besprechung wirtschaftlicher und sozialer Fragen zwischen den von der Regierung und der .Virtschaft ernannten Vertretern gibt es in Frankreich, Belgien, Holland und Norwegen.
Dagegen werden in iängland diese Verhandlungen zwischen Beauftragten des Arbeitsministeriums und Vertretern der Unternehmer und Gewerkschaften gefuehrt. Die englische Regierung hat
im allgemeinen nach solchen Beratungen eine Verlautbarung
ueber ihre Politik der Lohn- und Preisstabilisierung vsroeffentlicht.
Die hollaendische Regierung behaelt sich die Kontrolle
der Loehne und ferner das Recht vor, gegen Lohnerhoehungen,
ueber die man sich in 'iarifVerhandlungen einig wurde, ihr
Veto einzulegen. Die drei nichtkommunistischen Gewerkschaftsorganisationen N W , KAB und CNN stimmen dieser Politik zu.
In Frankreich hat die Frage der Lohnangleichung wiederholt
Anlass zu politisch-wirtschaftlichen Krisen gegeben. Das
franzoesische Parlament hat die Streitfrage zeitweilig durch
Abaenderungen der Gesetzgebung beigelegt. Lit dem Gesetz vom
Februar 1950 wurde das Recht, nach Belieben TarifVerhandlungen
zu fuehren, wiederhergestellt, und gleichzeitig wurde eine
Nationale Jtommission ins Leben gerufen, in der Regierung, Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertreten sind, und die die Aufgabe
hat, fuer das ganze Land gualtige, garantisrte ilindestloehne
vorzuschlagen, die sodann durch einen ^rlass des Kabinetts
fuer allgemeinverbindlich erklaert werden. Diese Mindestloehne,
die fuer die verschiedenen Industrien, Berufe und Ortsklassen
festgelegt werden, sind von Zeit zu Zeit erhoeht worden, wenn
dies in den Augen der Gewerkschaften in Anbetracht der ^rhoehungen der Lebenshaltungskosten gerechtfertigt war.
Im September 1951 beschaeftigte sich die franzoesische
Nationalversammlung gegen den Protest der Kabinettskoalition
in erster Lesung mit einer Gesetzesvorlage, die die Anwendung
einer Stufengleit-Klausel bei der Festsetzung von l-iindestloehnen einfuehren wollte. Hiernach sollte eine ürhoehung der
lündestlebenshaltungskosten eines Arbeiters um fuenf Prozent
oder mehr sofort durch eine entsprechende xurhoehung des Mindestlohnes ausgeglichen werden, 'im allgemeinen jedoch sollte
diese Angleichung nur einmal in drei Monaten vorgenommen werden.
Noch im November 1951 war ueber diese Gesetzesvorlage nicht
entschieden.
Der franzoesische Premierminister kuendigte an,
die Regierung hoffe, diese Vorlage durch Bestimmungen ersetzen
zu koennen, "die den Arbeitern noch bessere Sicherheiten bieten,
aber auch eine Stoerung der wirtschaftlichen Stabilitaet vermeiden." Inzwischen nat das Parlament jedoch grundsaetzlich
fuer die üiinfuehrung der Stufengleitklausel gestimmt.

- 6-

�Die griechische Regierung setzt die Lohntarife noch immer
nach einem Gesetz aus dem Jahre 1944 fest und erhoeht von
Zeit zu Zeit den Uindesttarif, wenn die Gewerkschaften dies
wegen der erhoehten Lebenshaltungskosten verlangen. Die griechischen Gewerkschaftsfuehrer haben jedoch verlangt, dass man
dieses Gesetz ausser Kraft setzt und dass man ihnen das Hecht
gibt, fuer die einzelnen Industrien Tarifverträge mit Stufengleit-Klauseln abzuschliessen.
Nach der Abwertung eines grossen Teils der euronaeischen
Y/flhi'ungen im Jahre 194« und nach Beginn des Krieges in Korea
waren die Regierungen der Ilarshallplan-Laender bemueht, Lohnerhoehungen moaglichst lange hinauszuzoegern. Die Erhoehungen
der Grosshandelspreise drohten deaals das Gleichgewicht der
Aussenhandelsbilanzen und der Stattsbudgets der ueisten dieser
Laendor zu 3toeren, weil sie eine Erhoehun.? der Preise fuer
Importwaren und der Subventionen fuer Lebensaittel zur Folge
hatten.
Die Auswirkungen der Stufengleitklauseln und aohnlichen
Methoden zur Anpassung der Loehne an die effektive Kaufkraft
des Realeinkommens koennen unmoeglich genau verfolgt werden,
weil erstens daneben noch Lohnaufbesserungen anderer Art gewaehrt wurden, zweitens die Veraenderungen der Lebenshaltungskosten in einigen dieser Laender nur unvollstaendig zu erfassen
sind, und weil drittens in einigen Laendern statistische Angaben
ueber Loehne fenlen und da, wo sie vorhanden sind, sie die Veraenderungen der Einkommen und nicht die der Lohntarife aufzeigen. Die Lohnentwicklung wird jedoch nicht nur durch die Veraenderungen der Tarife bestimmt, sondern auch durch andere Faktoren, wie z.B. die Unterschiede zwischen gut- und schlechtbezahlten Industriezweigen.
Index fuer Stundenloehne, Lebenshaltungskosten und
Realeinkomuen in zehn Liarshallplan-Laendern im 2.
Quartal der Jahre 1950 und 1951 11936 - 100)
Stundenlöhne:

U

Lebenshaltungskosten: 2)

Realeinkommen:
1)

1950

1951

1950

1951

19S0

1951

Daenenark

2c0

239

17b

194

126

123

Belgien

3Ö5

431

352

395

109

109

Italien

5,465

5,985

4,778

5,345

114

112

Niederlande

191

211

236

263

81

80

Oesterreich

.602

761

605

619

91

95

Westdeutschland

155

166

153

165

101

113

Norwegen

200

213

166

19*

120

110

England

239

258

182

197

131

131

Irland

195

217

167

201

104

108

1.)

Die Angaben ueber die Einkommen der Industriearbeiter in
Oesterreich gölten nur fuer Wien. Sie betreffen in Korwegen nur L'aenner. Diese ZaiJ.en bezieheu sich fuer alle
- 7 -

�angefuehrten Laender nur auf die in der Industrie beschaeftigten Arbeitnehmer, unberuecksichtigt bleiben die Arbeitslosen und die Einkommen in der Landwirtschaft.
2.) Die Waren- und Dienstleistungen, die diesem Index zugrundeliegen und die Methoden zur Zusammenstellung der Preise,
auf die sie sich gruenden, sind von Land zu Land sehr verschieden ISiehe Text).
Die
umstehende Tabelle zeigt fuer zehn Marshallplan-Laender den Stand der Preise fuer Verbrauchsgueter, die durchschnittlichen Stundenloehne und die Realloehne, die man dadurch errechnet hat, dass man den Einkommens-Index durch den betreffenden
Index fuer Verbraucherpreise dividiert hat. Die Tabelle zeigt
nicht die Unterschiede des Standes der Realeinkommen zwischen
den angefuehrten Laendern, weil diese Unterschiede in der Vorkriegszeit sehr gross waren. Man kann der Tabelle lediglich
die Veraeriderung der Realeinkommen seit 1938 entnehmen.
Im Vergleich zu 1938 sind die Realloehne in Holland heute
am niedrigsten, was auf einen langfristigen Lohnstop zurueckzufuehren sein duerfte, dem eine Lohnangleichung folgte, die jedooh nur zum Teil einen Ausgleich fuer die Preissteigerungen seit
Beginn des Korea-Krieges darstellt. Man schaetzt, dass der Stand
der Realloehne in Frankreich, das in der obenstehenden Tabelle
nicht angefuehrt ist, im Vergleich zur Vorkriegszeit im vierten
Quartal 1950 noch niedriger war als in Holland. In beiden Laendern wird die wirtschaftliche Lage der Arbeiter mit Familie zum
Teil durch Kinderbeihilfen verbessert, die von Zeit zu Zeit entsprechend den Preisveraenderungen einer Revision unterzogen werden. Die Kinderbeihilfen sind in Frankreich jedoch nicht in dem
gleichen Ausmass wie die Loehne den Preisen angopasst worden.
In Italien, Daenemark und Belgien, wo die Loehne seit 1945
am regelmaessigsten den veraenderten Preisen entweder durch Stufengleit-Bestimmungen oder durch einen regeli^aessigen Neuabschluss von Tarifverträgen aufgebessert wurden, betrug der Index fuer Realloehne im zweiten Quartal des Jahres 1951 112, 123
bzw. 109. In der Liste der zehn Laender steht Daenemark hinsichtlich der Hoehe seiner Realloehne an dritter, Italien an 5.
und Belgien an 7. Stelle.
Die italienischen Arbeiter mit Familie, die recht hohe
Familienunterstuetzungen beziehen, erhalten wesentlich mehr als
in den verfuegbaren Statistiken ersichtlich ist. Wenn diese
Unterstuetzungen in dieser Tabelle beruecksichtigt waeren, waere
Italiens Stellung verhaeltnismaessig guenstiger als es in dieser
Tabelle zum Ausdruck kommt'.
Monthly Labor Review
1/52
Die Ursachen industriellen Friedens
Streiks sind dramatische Ereignisse, ueber die in grossen
Schlagzeilen berichtet wird. Aber weit haeufiger sind friedliche Beziehungen in der Industrie anzutreffen. Streiks bilden
nur eine Ausnahme. Der Zusammenarbeit zwischen Arbeitern und
Unternehmern widmet man in der amerikanischen Industrie groesste
Beachtung.
Es gibt in den Vereinigten Staaten eine private Organisation, die sich mit der Frage beschaeftigt, was das gute Ver- 6 -

�haeltnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ausmacht, und
wie es gefoerdert und verbessert werden kann. Es handelt sioh
hier um die Nationale Vereinigung fuer Planung, die von den Gewerkschaften und auch von den Unternehmern unterstuetzt wird.
Diese Organisation hat unlaengst die Ergebnisse einer Erhebung
veroeffentlicht, die in der Firma "Colorado Fuel and Iron Company'
angestellt wurde. Es ist die neunte Untersuchung dieser Art
ueber bestimmte Industrieunternehmen, in denen ausgezeichnete
Beziehungen zwischen den Arbeitern und der Betriebsleitung bestehen. Fruehere Untersuchungen wurden in Zellulose- und Papier-, Glas- und chemischen Fabriken, sowie Textil-, Flugzeugund Stahlwerken durchgefuehrt. Die Feststellungen, die man in
den //erken der "Colorado Fuel and Iron Company" in i'innequa machen konnte, spiegeln praktisch drei Abschnitte in der Geschichte
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung wider: die anti-gewerkschaftliche Zeit, die Zeit der gelben Gewerkschaften und die der
unabhaengigen Gewerkschaftsorganisation. Von 1882 bis 1915 kam
es in Kinnequa zu Streikaktionen, die zu heftigen Auseinandersetzungen fuehrten. Auf die Initiative der Firma wurde sodann eine
gelbe Gewerkschaft gebildet, die die Belegschaft des Betriebs
vertreten sollte. Dies gesohah im Rahmen des sogenannten Rockefeiler- Planes, der In der amerikanischen Industrie weite Verbreitung fand. Man kam damit jedoch nicht zum Zuge. Wie die meisten gelben Gewerkschaften konnte sich auch diese nicht mohr
laenger behaupten und musste 1937 aufgeloest werden, nachdem
kurz zuvor unter dem New Deal des Praesidenten Roosevelt das
nationale Arbeitsgesetz erlassen worden war.
Nach einer Zeit der Wirrnis wurden die Arbeiter in der
Stahlarbeiter-Gewerkschaft des CIO organisiert. Wie in vielen
anderen Faellen hatten auoh hier die Organisatoren der Gewerk-,
schaft erkannt, dass eine gelbe Gewerkschaft einer unabhaengigen Gewerkschaftsorganisation als Sprungbrett dienen kann.
Die gegenwaertig guten Beziehungen kamen nicht ueber Nacht
zustande. Die Unternehmer waren zu Anfang von der Gewerkschaft
nicht sonderlich begeistert. Nach 1943 waren sie jedoch zusammen mit der Ortsgewerkschaft aufrichtig bemueht, durch Kollektivverhandlungen eine Verbesserung der Situation herbeizufuehren.
Die nationale Vereinigung fuer Planung berichtet, dass man
sich damit die Grundsaetze zu eigen machte, auf denen sich gute
Beziehungen in der Industrie aufbauen.
Hierzu gehoert an erster
Stelle, dass sich der Unternehmer mit TarifVerhandlungen und
Gewerkschaft abfindet. Die Gewerkschaften muessen zu der Erkenntnis kommen, dass die Wohlfahrt und die Beschaeftigung ihrer
Arbeiter von der erfolgreichen Arbeit des Betriebs abhaengig
sind. Gleichzeitig muss eine groessere Produktionsleistung
ihren Niederschlag in hoeheren Loehnen finden. Die Gewerkschaften muessen verantwortungsbewusst und demokratisch sein. Der
Unternehmer darf nicht versuchen, sich in innergewerkschaftliche
Angelegenheiten einzumischen oder das Vertrauen der Arbeiter in
die Gewerkschaft zu untergraben. Das gegenseitige Vertrauen
muss auf dem guten Willen und dem ehrlichen Streben nach Zusammenarbeit beider Partner beruhen. Keiner von ihnen darf versuchen, durch unnachgiebige Haitung und ruecksichtsloses Beschreiten des gesetzlichen Weges*eine Loesung der Probleme herbeizufuehren. Die Beziehungen und gemeinsame Diskussionen muessen auf
freizueglger und dehnbarer Basis gepflegt werden. Die Verhandlungen muessen auf Probleme des Alltags, auf Streitfragen und
Beschwerden konzentriert werden, die so schnell wie moiglich zu
klaeren sind. Es muss ein dauernder Nachrichten-, Eeinungsund Informationsaustausch zwischen der Gewerkschaft und dem
Unternehmer stattfinden.
- 9

�Durch die Befolgung dieser Grundsaetze, die die guten Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern ermoeglichen, konnte das Unternehmen "Colorado Fuel and Iron Company"
aufbluehen. Die Produktionsleistung wurde mehr und mehr gesteigert, die Konkurrenzfaehigkeit der Firma wurde immer staerker. Gleichzeitig verbesserten sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer. Das Bewusstsein ihrer Menschenwuerde steigerte sich, und die gewannen eine neue Auffassung ueber
ihre Mitwirkung in der Gewerkschaft, im Betrieb und innerhalb
der Gemeinschaft. Die Arbeltsdisziplin beruht in erster Linie
auf freiwilliger Basis und wird nicht durch den Staat oder eine
andere aussenstehende Behoerde erzwungen, sie ist vielmehr auf
eigenen Wunsch der Gewerkschaft zustandegekommen.
25% der Belegschaft dieses Unternehmens sind latein-amerikanischer Herkunft. Sechs Prozent sind Neger, die Uebrigen
stammen aus England' oder anderen europaeischen Laendern. Man
kennt keine Diskriminierung im Betrieb, weder aus rassepolitischen Erwaegungen heraus noch aus einem anderen Grunde. Jeder
wird aufgrund seiner Faehigkeiten und seiner Tuechtigkeit eingestellt und befoerdert. Weniger als fuenf Prozent der Belegschaft sind Frauen, die zum groes3ten Teil Buerotaetigkeiten verrichten. 25% der Arbeitnehmer sind in diesem Unternehmen seit
20 Jahren oder noch laenger beschaeftigt, einige von ihnen sogar seit 50 Jahren. Unentschuldigtes Fehlen kennt man fast
ueberhaupt nicht. Die Arbeitsplatzwechsel-Ziffer betraegt
jaehrlich nur zwei Prozent im Vergleich zu sechs Prozent, die den
Durchschnitt fuer ganz Amerika bilden.
Mehr als zwoelf Jahre lang hat dieses Werk ununterbrochen
unter Ausnutzung seiner vollen Produktionskapazitaet gearbeitet,
und es hat keine saisonbedingten Schwankungen in der Beschaeftigung gegeben. Ein wichtiger Beitrag zu dieser Stabilitaet
der Beschaeftigung ist das gemeinsame Lehrlinge-Programm. Lehrlinge sind meist Söehne alterer Arbeiter. Sie verdienen bei
Beginn ihrer Lehrzeit 1,18 Dollar in der Stunde. Nach Je sechs
Monaten wird ihr Lohn regelmaessig erhoeht.
Der Ortsausschuss der Stahlarbeiter-Gewerkschaft ist durchaus demokratisch, und jedes Mitglied wird zur aktiven Beteiligfing an der gewerkschaftlichen Arbeit aufgerufen. Das Problem
des kommunistischen Einflusses ist seit langem ueberwunden. Die
Wahlen sind vollkommen frei, bei den letzten Wahlen waren alle
Gewerkschaftskandidaten Antikommunisten. Die Wahlen sind natuerlich wie in allen amerikanischen Gewerkschaften geheim.
Dieser Ortsausschuss arbeitet mit anderen Ortsgewerkschatten eng zusammen, wenn jaehrlich mit Hilfe der üniversitaet Colorado Schulungskonferenzen abgehalten werden. Der Ortsausschuss
leistet auf oertlicher Basis ausgezeichnete Erziehungsarbeit.
Junge Gewerkschafter werden fuer fuehrende Positionen geschult.
Nichtig ist, dass sie wissen, dass die Fortschritte, die dank
friedlicher und freier Tarifverhandlungen heute erzielt werden
koennen, in vergangenen Jahren nur durch hartnaeckigen Kampf
errungen werden konnten. Sie sollen es lernen, das uebernommene
Lrbe zu schaetzen.
Die Gewerkschaft veroeffentlicht eine Wochenzeitung unter
den Titel "Steel News". Hierin ist ein anderes Mittel zu sehen,
um die Mitglieder zu schulen und sie von der Notwendigkeit zu
ueberzeugen, sich an der gewerkschaftlichen Arbeit zu beteiligen. Es ist eine Gewaehr fuer die Beachtung demokratischer
Grundsaetze innerhalb der Gewerkschaft.

- 10 -

�In keinem der neun ueberprueften Industrieunternehmen hat
di9 Nationale Vereinigung
fuer Planung festgestellt, daas die
Zusammenarbeit in einer nVerv;oehnung" der Arbeiter durch die
Betriebsleitung besteht. Zusammenarbeit bedeutet auch nicht,
dass die Gewerkschaft in ihren Forderungen weniger aktiv und
weniger unabhaengig waere. £a bedeutet vielmehr, dass beide
Partner vernuenftig und verantwortungsbewusst sind, und dass
diese Zusammenarbeit fuer jeden von Vorteil ist - fuer die Arbeiter, den Unternehmer und die Allgemeinheit.
Special Services Branch
1/14/52
Paul Finet zur amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
Paul Finet, der ehemalige Vorsitzende des IBFG, kehrte
unlaengst von seinem vierten Besuch in den Vereinigten Stauten
nach Europa zurueck. In einem Interview, dessen '..ortlaut in
dem monatlichen Or^an des IBFG "Freie Gewerkschaftswelt" veroeffentlicht wurde, berichtet er von seinen iindruecken, die
das arbeitende Amerika auf ihn machte. Auf die Frage, was ihn
am meisten beeindruckte, antwortete Finet:
"In ihrem .v'esen sind die Arbeiter auf beiden Seiten des
Atlantik nicht sehr verschieden. Der tatsaechliche Unterschied
ist die andersgeartete Atmosphaere in den Betrieben und im amerikanischen Leben ueberhaupt. Die sozialen Unterschiede sind
auf ein Minimum reduziert. ILs herrscht ein kameradschaftlicher
Geist zwischen Unternehmern und Arbeitern, wie er etwa in einer
Sportmannschaft vorhanden ist. 3s waere sehr schwierig, in
turopa hierfuer eine Farallele zu finden, beide sprechen sich
nicht nur gegenseitig als Personen gleichen Randes an, sondern
der Chef scheint auch jeden Arbeiter persoeniich zu kennen.
Die Arbeiter, die ich beobachtete, zeigten in ihrer Haltung dem
Chef gegenueber wirklich 'keinerlei Unterwuerfigkeit.
"'.Veil man in Amerika einen hoeheren Grad der sozialen
Gleichheit kennt, ist dem amerikanischen Arbeiter auch nicht
jenes Klassenbewusstsein eigen, an das wir denken, wenn wir
vom Klassenkampf sprechen. Sie sind sich bewusst, da3s -jeder
Erfolg auf Kosten der Kapitalisten verwirklicht werden muss,
aber zur staendigen Verbesserung ihres Lebensstandards streben
sie einen gerechteren Anteil an den Gewinnen an. Armut und Kot,
das Los so vieler «rbeiter in iuropa und Asien, gibt es nicht,
zumindest nicht in den Industriegebieten des Cstons, die ich
besuchte*. Die guten Lebensbedingungen des durchschnittlichen
Arbeiters tragen dazu bei, dass er dem Luxus, dessen sich ein
geringer Teil der Bevoelkerung erfreut, voellig uninteressiert
gegenuebersteht."
Man fragte Finet, welche Rolle die Gewerkschaften im amerikanischen Leben spielten. "Die 16 Millionen Kitglieder der amerikanischen Gewerkschaften haben sowohl im wirtschaftlichen als
auch im politischen Leben ein grosses .fort mitzureden. Ich
glaube jedoch, da3s die Rolle, die sie im politischen Leben
Amerikas spielen, unbedeutender ist als die der eurooaeischen
Gewerkschaften. Dies ist auf die unterschiedlichen Methoden
und Auffassungen der amerikanischen Gewerkschaften zurueckzufuehren. In Amerika wollen die Gewerkschaften nicht, um ihr Ziel
zu erreichen, zu der Gesetzgebung selbst Zuflucht suchen. Sie
ziehen es vor, direkt üit den Unternehmern inre Angelegenheiten
zu regeln.
.vichtige Fragen, wie bezahlter Urlaub", Kranken- und

- 11 -

�Invalidenversicherung, Alterspensionen, Einstellungsbedingungen
und Fragen des Senioritaetsrechtes werden auf dem Wege der
TarifVerhandlung geklaert. loh glaube, dass die amerikanische
Regierung in den kommenden Jahren einschreiten muss, um allen
Arbeitern die Vorteile zu garantieren, deren sich die Mehrheit
ihrer Kollegen bereits erfreut. Inzwischen haben d'le Gewerkschaften einen beachtlichen
Grad an Unabhaengigkeit und Handlungsfreiheit erreioht.n
Der Berichterstatter der "Freien Gewerkschaftsweltn fragte sodann Finet, warum die amerikanischen Gewerkschaften so
maechtig sind. Er antwortete:
"Duroh die Einbeziehung sogenannter Union-Shop-Klauseln
in die Tarifvertraege wird es'den Arbeitern zur Pflicht gemacht,
einer Gewerkschaft beizutreten. Deshalb koennen die Gewerkschaften mit einer ziemlich stabilen Mitgliederzahl und auch
mit ausreichenden Geldmitteln rechnen. So wie die Menschen in
Belgien beispielsweise, wq, die Wahlpflicht besteht, es als
eine ganz natuerliche Tatsache hinnehmen, dass sie am politischen Leben ihres Landes teilnehmen muessen, ist es dem organisierten amerikanischen Arbeiter eine Selbstverstaendlichkeit,
dass sein Betriebsobmann ein aktiver Gewerkschafter ist."
Natuerlich wurde Finet auch ueber die Modernisierung der
amerikanischen Industrie befragt. Hierauf antwortete er:
"Ich besichtigte zwei Kohlenbergwerke. Im Mathies-Bergwerk in Pennsylvanien wird bituminoese Kohle abgebaut, das Bergwerk eignet sich in geradezu idealer .Veise fuer die Modernisierung. Mit Hilfe von Maschinen, die erst vor wenigen Monaten angeschafft wurden, koennen zwei Bergleute innerhalb von
SO Minuten 40 bis 45 Tonnen Kohle abbauen, sie uebertreffen
damit bei weitem die Leistungen im europaeischen Kohlenbergbau.
In dem Steinkohlenbergwerk in Pottsville, das ich besuchte, waren die Verhaeltnisse allerdings schwieriger. Die Modernisierung ist dort nicht so weit vorgeschritten wie im Weichkohlenbergbau. n
Auf die Frage, ob die zunehmende Mechanisierung fuer die
Bergleute eine drohende Arbeitslosigkeit bedeute, erwiderte
Finet:
"Zwar ist die Zahl der Untertage arbeitenden Bergleute
stark zurueckgegangen, aber dafuer ist die Zahl der Beschaeftigten, deren Arbelt im Ueberpruefen und Instandhalter, besteht,
im gleichen Verhaeltnis zum Rueckgang der Zahl jener Arbeiter,
die direkt produktiv taetig sind, angestiegen. Hierbei ist
nioht die Extraarbeit beruecksichtigt, die durch Pflege und
Instandhaltung der Maschinen entsteht."
Der belgische Gewerkschaftsfuehrer berichtete sodann von
den Stahlwerken, die er besuchte - die Stahl- und Walzwerke
und die Metallfabriken der Midvale Steel Company in Philadelphia. "Als frueherer Metallarbeiter haette ich es durchaus
nicht als Verlust betrachtet, wenn man mir in den MidvaleStahlfabriken einen Arbeitsplatz als Facharbeiter angeboten
haette. Vom produktionstechnischen Standpunkt aus sind die
amerikanischen Fabriken auf Grund einer besseren allgemeinen
Planung unseren Betrieben ueberlegen. Die Produktion ist bis
in die kleinsten Einzelheiten sorgfaeltigst organisiert. Den
Arbeitsbedingungen wird weit mehr Beachtung geschenkt. Der
Arbeiter hat nur ein Minimum an koeroerlichen Anstrencuneen aufzuwenden. "
- 12 -

�Ueber den Wohnungsbau und die Wohnverhältnisse in Amerika
berichtete Finet folgendes:
"In Amerika ist das Wohnraumproblem ebenso akut wie in
Suropa. Doch ist es fuer Amerika nichts Ungewoehnliches, 1000
Wohneinheiten in.wenigen Monaten an einer Stelle zu errichten.
In Pittsburgh sah ich mir eiaJLge Arbeiterwohnungen an, die
1U38 gebaut wurden und andere, die erst aus neuerer Zeit- stammen. Ich war erstaunt ueber die soziale Initiative in einem
Land, von dem man im allgemeinen berichtet, dass es eine Einmischung der staatlichen Behoerden in die Angelegenheiten der
Privatindustrie ablehnt. Die Gewerkschaften stehen im Kampf
um ein grosaijuegiges Wohnbauprogramm, das den Arbeitern billige
Wohnungen verschaffen soll, in vorderster Linie. Sie halten es
fuer undenkbar, dass es in einem so wohlhabenden Land wie den
Vereinigten Staaten noch Elendsviertel gibt."
Was die europaeisohen Arbeiter von den amerikanischen
Gewerkschaften lernen koennten, fragte man schliesslich Finet',
und hier meinte er:
"Die Taetigkeit innerhalb der Gewerkschaften und die Durohfuehrung der Tarifverhandlungen duerften fuer die europaeisohen
Arbeiter beispielhalft sein. Die amerikanischen Gewerkschaften
sind absolut geschaeftstuechtig. Sie haben sich auf dem Gebiet der Forschung, der Erziehung und der Publizistik in einer
Weise betaetigt, dass sich die Gewerkschaften der ganzen Welt
diese Arbeiter zum Vorbild nehmen sollten. Die Mitgliedsbeitraege sind hoch, und jeder weiss, dass sie gut verwendet.werden. In New York sah ich das Buero der Allamerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter. Mit einer Uitgliedszahl von 400.000 und einem Personal st ab des Zentraljbueros von 250 Angestellten besitzt diese Gewerkschaft eine eigene
Rundfunkstation. Die Gewerkschaft der Bekleidungsarbeiter hat
eine eigene Bank, die nicht nur die finanziellen Transaktionen
der luitglieder taetigt, sondern auch Unternehmern, die in Schwierigkeit geraten sind, Darlehen geben kann.
"Was die TarifVerhandlungen betrifft, so war ich von der
Wirksamkeit der von den amerikanischen Gewerkschaften angewendeten Methoden stark beelndruokt. Die Gewerkschaften werden
von Wirtschafts- und Rechtssachverstaendigen gut beraten. Die
Staerke und Solidaritaet der Gewerkschaftsbewegung ist beachtenswert. Vielleicht wendet man politischen Problemen nicht
genuegend Aufmerksamkeit zu, aber was das 'Brot- und Butterproblem ' betrifft, so beurteilt man die Gewerkschaftsfuehrer
nach ihrer Faehigkeit, die Unternehmer zum Zahlen zu zwingen."
Finets Erfahrungen und Erkenntnisse erinnern uns wieder an
die Bedeutung eines umfangreichen Meinungs- und Informationsaustauschs. Ein solcher Austausch kommt allen zugute, denn der
Austausch verschiedener Erfahrungen foerdert die Einigkeit,
und die Gewerkschaftsbewegung hat laengst gelernt, dass in der
Einigkeit zugleich Staerke liegt.
Special Services Branch
1-25-52
Vollbeschaeftigung in Schweden
Die Aufrechterhaltung der Vollbescnaeftigung in Schweden
ist eine Aufgabe, die die schwedische Regierung in der Form
- 13 -

�uebernommen hat, wie sie von der schwedischen sozialdemokratischen Partei vorgeschlagen war. Es ist dies ein 'Grundsatz,
der in engstem Einvernehmen mit der schwedischen '.Wirtschaftspolitik der letzten Jahre steht. In den Richtlinien zur Aufrechterhaltung der Vollbeschaeftigung wird hervorgehoben, dass
eine hohe Kachfrage nach Waren durch die Stabilisierung einer
hohen Investitionsquote gesichert werden muss. Die Wirtschaftspolitik des Landes ist darauf ausgerichtet, die private Investitionstaetigkeit durch Besteuerung und durch Kontrollen zu
lenken, Einer Erklaerung des schwedischen Finanzkonitees zufolge wird die Regierung ihre Taetigkeit auf wirtschaftlichem
Gebiet dadurch erweitern, dass sie die private Investitionstaetigkeit strengeren Kontrollen unterwirft und ihren Einfluss
auf die gesamte Investierungspolitik vergroessert.
Um die ins Auge gefa3sten Ziele zu erreichen, beabsichtigt
man, den Privatverbrauch sich nicht in dem gleichen Tempo wie
in den vergangenen Jahren steigern zu lassen. Kr muss vielmehr
durch hoehere Steuern gelenkt werden, u*m damit eine Moeglichkeit
zur Erweiterung des Investitionsvolumens in der vorgesehenen
Richtung zu geben.
Das Finanzkomitee erklaert weiterhin, dass den Sozialreformen eine bestimmte Grenze gesetzt ist, es kommt zu der Schlussfolgerung, dass diese Reformen in den kommenden fuenf Jahren
nicht ausgedehnt werden duerfen.
Die schwedischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind sich
darin einig, dass ein rationeller Einsatz der Arbeitskraefte
durch den Liangel an vernuenftigen Lohndifferenzierungen zwischen den verschiedenen Industrien und vor allem zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern stark erschwert wird. Nach
der Auffassung des Komitees muesste dieses Problem von Privatunternehmern und Gewerkschaften gemeinsam geloest werden, aber
auch die Regierung des Landes und die Gemeindebehoerden muessten
sioh mit dieser Frage beschaeftigen. Um koerperlich schwere
Arbeit in den Grundstoffindustrien und die Schichtarbeit attraktiver zu gestalten, muessen hoehere Loehne gezahlt und entsprechend der Anzahl der Berufsjahre regelmaessig Lohnerhoehungen
gewaehrt werden. Auch die Berufsausbildung ist von groesster
Wichtigkeit. Das Durchschnittsalter der Facharbeiter ist in
den meisten schwedischen Industrien ziemlich hoch; wenn nicht
geeignete Massnahmen getroffen werden, um einen ausreichenden
Zustrom junger Facharbeiter zu gewaehrleisten, koennten sioh
einige Unternehmen gezwungen sehen, wegen Mangel an Facharbeitern ihre Taetigkeit einzuschraenken.
Indem man die Bedeutung einer vollen Auswertung der zur
Verfuegung stehenden Maschinen und Ausrüstungen hervorhebt
und den Arbeitern, die Nachtschichtarbeit leisten, bessere
ÜJrholungsmoeglichkeiten gewaehrt und besondere Vorrechte auf
vorteilhafte Wohnraeume bietet, wird die Arbeiterschaft staerker an Kachtschichtarbeit interessiert werden.
Der Finanzausschuss empfiehlt weiterhin, dass die Regierung in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern und den Gewerkschaften eine liberale Einwanderungspolitik betreibt, wenn sich
hieraus fuehlbare wirtschaftliche Vorteile ziehen lassen.
Die Zahl der einwandernden auslaendischen Arbeitskraefte wird
einen der Faktoren darstellen, die fuer die Entwicklung der
Produktion in den naechsten fuenf Jahren entscheidend sind.

- 14 -

�Die Bemuehungen zur Steigerung der Produktion in der Zeit
von 1951 bis 1955 muessen auf die Steigerung der Leistungsfaehigkeit des einzelnen Arbeiters konzentriert werden. Der Finanzausschuss ist der Auffassung, dass, auf lange Sicht gesehen,
Investierung und hoehere Produktivitaet in engem Zusammenhang
stehen werden. Die Ergebnisse der in neuerer Zeit vorgenommenen hohen Investierungen duerften sich schon in allernaechster
Zukunft bemerkbar machen. Ausserdem muss die Wirtschaftspolitik ihr Ziel darin sehen, vor allem den leistungsfaehigsten
Sektoren der schwedischen Industrie Moeglichkeite.n zur Ausdehnung zu bieten.
Nach eingehenden Besprechungen uebcr Preiskontrollfragen
mit Industrieunternehmen und Gewerkschaften hat das Komitee auf
die Gefahr hingewiesen, dass dauernde Preiskontrollen einer Steigerung der Produktivitaet im V.'ege stehen koennten. Das Komitee
gibt, zu, dass es unter den jetzigen Vejrhaeltnissen nioht ratsam
ist, die Preiskontrolle zu beseitigen. Sollten sich die Verhaeltnisse Jedoch bessern, dann muesste eine grosszuegigere
Methode zur Beeinflussung der Preise gefunden werden. Die jetzige Methode der Festsetzung von Preisen füer einzelnetfarendurch
die Regierung muss durch, eine allgemeine Ueberwachung der
Preisentwicklung und durch ein Einschreiten im Fall' einzelner
Missbraauche ersetzt werden.
Notes on Labor Abroad
9/10 - 51
Franzoesische Seeleute blickten hinter den "Eisernen Vorhang"
Einige franzoesische Seeleute hatten Gelegenheit, einen
Blick hinter den Eisernen Vorhang zu werden. Nach ihrer Rueckkehr in ihre Heimat konnten sie den kommunistischen Fuehrern
ihrer "Gewerkschaft" die vielsagende Mitteilung machen, du3s die
sowjetischen Satellitenstaaten keine Arbeiterparadiese sind.
Nach ihrer langen Seereise, die sie ueber Odingen und Riga
fuehrte, kamen die franzoesischen Seelaute nach Nantes zurueck,
wo sie im Hafen von dem Sekretaer ihrer Gewerkschaft empfangen
wurden. Er stellte ihnen sofort aehrere Fragen, offensichtlich
in der Erwartung, begeisterte Berichte ueber das, was sie gesehen hatten, natuerlich vor allem ueber die dortigen Arbeitsbedingungen, zu hoeren. "Sie muessten naechstes Mal mit uns
kommen", sagte ein franzoesischer Seemann, "dann koennten sie
sich selbst davon ueberzeugen, dass das Leben, das man in diesen Laendern fuehrt, unsere franzoesischen Arbeiter schwerlich
zufriedenstellen wuerde."
Der ausfuehrliche Bericht der franzoesischen Seeleute wurde
in dem offiziellen Organ des Mittelllaendischen Komitees der
Transportarbeiterfoederation "Air - Terre - Mer" veroeffentlicht.
Dieses Komitee vertritt die Transportarbeiter in Frankreich, Italien und Griechenland. Wir geben den Bericht hier auszugsweise
wieder:
"Wir wurden nicht mit Blumen empfangen, sondern mit zahllosen Maschinenpistolen. Die Polizeibeamten dort tragen ihre
Pistolen nicht versteckt wie unsere Polizisten, sondern ganz
offen, als ob sie damit den Leuten Respekt einfloessen wollten.
Bei unserer Ankunft kam uns ein Lotsenschiff entgegen, das von
einer bewaffneten Mannschaft besetzt war. Der Lotse kam in Begleitung seiner Leute an Bord unseres Schiffes. Es war uebrigens
schwierig, festzustellen, ob wir es mit Soldaten oder Zivilisten
zu tun hatten. Sobald wir in den Hafen eingelaufen waren, wurden alle Luken unseres Schiffes von bewaffneten Maennern be- 15

�setzt, waehrena anaere aas ganze Schiff durchsuchten. Das Funkgeraet und sogar unsere privaten Rundfunkgeraete und Kameras
wurden beschlagnahmt und verschlossen aufbewahrt. Wir mussten
uns alle an Deck einfinden und unsere Ausweispapiere vorzeigen.
£s wurde uns der strenge Befehl erteilt, alle unsere Schubladen, Sohraenke, Kisten usw. nicht abzuschliessen. Waehrend
man die Personalpapiere aller Schiffsangehoerigen an Deck ueberpruefte, wurde das Schiff gruehdlich durchsucht. Man hielt
uns laenger als eine halbe Stunde an Deck fest.
"Sie koennen sich vorstellen, dass wir nach dieser Begruessung wenig Lust hatten, an Land zu gehen. Einige unserer
Leute beantragten die erforderlichen Ausweise, um das Sohiff
verlassen zu koennen; sie erhielten sie erst kurz vor Abfahrt
des Schiffes, sodass auch sie nioht an Land gehen konnten.
"Was wir sahen, war wenig geeignet, uns zu ueberzeugen,
dass man dort wirklich so friedensliebend ist, wie es die Kommunisten staendig behaupten. Wir begegneten unterwegs mehreren
Kriegsschiffen, die Manoever durchfuehrten. Im Abstand von 10
Minuten tauchte immer wieder ein Duesenjaeger auf, und -die
einzigen Kraftfahrzeuge, die wir vom Sohiff aus an der Kueste
sehen konnten, waren von uniformierten Maennern besetzt.
"Obwohl unser Aufenthalt sehr kurz war, konnten wir die
Dockarbeiter bei der Arbeit beobachten. Fuer das Ausladen eines
Schiffes wurde nicht wie sonst eine ganze Mannschaft eingesetzt.
Man laesst vielmehr einen Mann allein arbeiten, und nur wenn
er unbedingt Hilfe benoetigt, wird er von einer Mannschaft unterstuetzt, die zu irgendeinem Schiff abkommandiert werden kann,
das zufaellig Entladehilfe braucht.
"Den Menschen, die man dort zu Gesicht bekommt, steht das
Elend im Gesicht geschrieben. Ihre Kleider sind zerlumpt, und
sie machen den Eindruck, als ob sie dringend eine gute Mahlzeit
brauohten.
"Auf der anderen Seite traegt die Polizei schoene Uniformen, die Polizisten sehen wirklich nicht hungrig aus. Sie sind
sicher gut bezahlt. Der Verkehr wird von weiblichen Polizisten
geregelt, wie man sagt, sind deren Loehne doppelt so hoch wie
die der Facharbeiter.
"Sagen Sie unseren Kollegen, dass sie mit ihren Aussagen
aeusserst vorsichtig sein sollen. Viele Polen, die frueher in
Frankreich lebten und naoh Polen zurueokgekehrt sind, wurden
zur Polizei einberufen, man gewaehrte ihnen alle moeglichen
Vorteile, um sie dem Regime gefuegig zu machen, und sie verstehen franzoesisch. Ein franzoesischer Seemann, der sioh
eine Bemerkung ueber Josef Stalin erlaubte, wurde von der Polizei festgenommen und erst kurz vor Abfahrt unseres Schiffes
wieder freigelassen.
"In Riga beschaeftigt man Frauen, die schwere Lasten und
Pritschen tragen muessen oder" zu Ausbesserungsarbeiten an Eisenbahngeleisen herangezogen werden. Wie man uns sagte, arbeiten s-ie taeglich zwoelf Stunden.
"Was wir sahen und hoerten, hat uns eindeutig gezeigt,
dass es kein Vergnuegen ist, im Sowjetparadies zu leben."
MSA Information
1/17/52

16
II M I 5« I H K III I C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplar können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

V- 4

Frankfurt, den 15. Februar 1V52

INHALTSVERZEICHNIS

Das Geheimnis der Produktivltaet in den Ü.S.A

1

Die Kohlenfoerderung b e r e i t e t den Kommunisten
Sorge

6

Gewerkschaften und Kapitalismus in Amerika und
Europa
Die Notwendigkeit gewerkschaftlicher Schulung

y

11

Die staatliche Organisation fuer Arbeitsvermittlung
in Irland
13
Eine wichtige Aufgabe fuer die Schule

16

Das Geheimnis der Froduktivitaet in den Ü.S.A.
Im Rahmen des Austausohprogramms, das auf die Initiative
der frueheren ECA-Verwaltung zurueokzufuehren ist und jetzt
von der Verwaltung fuer Gemeinsame Sicherheit weitergefuehrt
wird, reisen Vertreter europaeischer Gewerkschaften, Unternehmer und Techniker der europaeischen Industrie nach den Vereinigten Staaten, um die neuesten Produktionsmethoden der amerikanischen Industrie kennenzulernen. Diese Besuchergruppen stellen
immer wieder fest, dass das Geheimnis der amerikanischen Produktivltaet nicht nur in der Maschine liegt.
Eine Gruppe von Vertretern der franzoesischen Schuhindustrie,
deren Bericht an die Schuhhersteller Frankreichs vor kurzem
uebersetzt wurde, hat zu den menschlichen Ursachen der Produktivltaet in Amerika Stellung genommen.
"Es ist die Geisteshaltung der Menschen und nicht die Maschine, die den amerikanischen Lebensstandard hocLhaelt," erklaerten
die franzoesischen Besucher, die Arbeiter, Techniker, Werkmeister
oder auoh Betriebsleiter waren. Ihr Bericht besagt, dass "der
- 1 -

�ausschlaggebende Faktor der Produktivitaet der Mensch ist, weil
Produktivitaet nicht nur ein technisches Problem ist, sondern
vielmehr eine Geisteshaltung voraussetzt, die natuerlicherweise
bestimmte Arbeitsmethoden hervorbringt."
"Wir unterstreichen die Bedeutung des Produktivltaetsbewusstseins", heis3t es weiter in dem Bericht. "Es umfasst die
loyale Zusammenarbeit aller Menschen mit gleichen Interessen,
das ernsthafte Streben nach gegenseitigem Verstaendnis und ein
Solidaritaetsgefuehl, da3 alle im Betrieb Beschaeftigten verbindet."
"Die Menschen in den Vereinigten Staaten sind nicht rein
zufaellig produktivitaetsbewusst geworden." Der Bericht der
franzoesiscn=m Besucher weist auf die wirtschaftliche Depression
zu Anfang der dreissiger Jahre hin, der eine Zelt folgte, in
der sich eine neue Auffassung ueber das Verhaeltnis zwischen
Arbeitgeber und Arbeitnehmer entwickelte, die fuer Gewerkschaften und Unternehmer von gemeinsamem Interesse rar. Es ist fuer
Europaeer immer wieder Erstaunlich, festzustellen, dass heiss
umstrittene Probleme in Amerika von Gewerkschaftern und Unternehmern gemeinsam geloest werden, und dass sich der Arbeitgeber
und der Vertreter der Belegschaft nach Klaerung einer solchen
Streitfrage wieder voellig einig*sind, sich nichts nachtragen
und dann sofort bereit sind, sich mit gleichem Eifer wie vorher
um die Produktion zu bemuehen." Die Franzosen erklaerten in
diesem Zusammenhang in ihrem Bericht:
"Die Mitglieder dieser Besuchergruppe hegen gemeinsam den
Wunsch, dass in Frankreich eine aehliche Geisteshaltung sich entwickeln moege. Sie wissen, dass kein technologischer Fortschritt
sichtbare Ergebnisse zeitigen wird, wenn die Arbeiter unserer
Betriebe nicht erkennen, dass sie produktivitaetsbewusst sein
muessen, was nur durch loyale Zusammenarbeit erreicht werden kann."
Aus einem sehr praktischen Grunde moechten die franzoesischen Arbeiter diese Geisteshaltung auch in Frankreich verwirklich! sehen« So heisst es in dem Bericht: "Waehrend ein franzoesischer Arbeiter mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von
100 Francs (DM 1.25) etwa 60 Stunden arbeiten muss, um sich ein
Paar Schuhe kaufen zu koennen, muss sein amerikanischer Kollege,
dessen Stundenlohn im Durchschnitt 1,50 Dollar (DM 6.30) betraegt,
nur 12 oder IS Stunden arbeiten, d.h. also, dass er in etwa
einem Viertel der Zeit das Gleiche verdient. Wenn man die Wichtigkeit der verschiedenen Verbrauchsgueter beruecksichtigt, kann
man sagen, dass die Kaufkraft des amerikanischen Arbeiters etwa
viermal so gross ist wie die seines franzoesischen Kollegen.
Und diese Zahl vier bringt auch den durchschnittlichen Unterschied
in der Produktiv!taet Amerikas und Frankreichs zum Ausdruck."
Die amerikanischen Arbeiter, die sich nach den Erfahrungen
der Besucher einmal in der gleichen L8ge sehen moechten wie der
franzoesische Arbeiter, sollten sich die Zeit nehmen, sich mit
den folgenden Auszuegen aus einem Artikel der Zeitschrift
"Workers" zu beschaeftigen. Denn sie geben ein Bild, wie es
dem franzoesischen Volk von seinen eigenen Vertretern vor Augen
gehalten wird, und das dazu angetan ist, bessere internationale
Beziehungen unter all jenen Voelkern zu foerdern, die sich mit
uns im Kampf gegen die sowietische Gewaltherrschaft vereint haben.
"Es dreht sich um eine Feststellung, die vor allen anderen
betont werden muss. Der Besucher, der in der Erwartung nach Amerika kommt, aussergewoehnlicha Werkzeuge und Maschinen zu entdecken, wird schwer enttaeuscht sein. Er wird keine Geheimnisse
- 2 -

�feststellen, durch die maerehenhafte Erfolge erzielt werden koennen, und er wird auoh keine Arbeiter sehen, von denen ueberdurohschnittliche Leistungen verlangt werden. Und trotzdem wird er
mit Erstaunen feststellen, was man erreicht hat, er wird sich
darueber wundern, wie die Amerikaner es fertigbringen, ihre
Produktionszelt dermassen zu reduzieren und Verbrauohsgueter
auf den Markt zu bringen, die um die Haelfte oder sogar um dreiviertel billiger sind als die gleichen Waren in Frankreich, wenn
man sie nach der erforderlichen Arbeitszelt und den Arbeitsaufwand berechnet. Und dabei sind die Masohinen und Werkzeuge,
die in Amerika zur Verfuegung stehen, denen in Frankreich sehr
sehnlich, und auch hier muessen viele verschiedene und haeufig
komplizierte Typen hergestellt und viele Klelnauftraege erledigt
werden.
"Der Zweck dieser Ausfuehrungen ist es, zu zeigen, wie die
amerikanischen Betriebe dieses Problem geloest haben. Wenn auoh
die technischen Methoden eine bedeutsame Rolle spielen, so ist
der Faktor Mensch doch bei weitem der wichtigste.
"In der Literatur und in der Presse Westeuropas wird bei
jeder Gelegenheit darauf hingewiesen, dass die Menschen mehr
Beachtung verdienen als die Maschinen, und dass die Gesinnung
der Arbeiter wichtiger ist als ihre Werkzeuge. Mann kann nicht
umhin, diesen Grundsatz gutzuheissen.
"Aber in der amerikanischen Literatur und Presse werden
diese Dinge nicht so sehr betont und nioht selten findet man
Buecher, Zeitungsartikel oder Filme, in denen die Maschine verherrlicht wird. Trotzdem ist es unmoeglioh, die Tatsache zu
ueberseüen.dass der Mensoh in den Vereinigten Staaten weit mehr
respektiert wird als in den Laendern Westeuropas.
"Wir wuerden ueber unser Thema hinausgehen, wenn wir versuchen wolltsn, die amerikanische Zivilisation auf ihre menschliche Seite hin zu ueberpruefen, denn wir sind Gewerkschafter
und wollen dies den Philosophen und Soziologen ueberlassen; aber
es ist ebenso unmoeglich, in einer Betrachtung ueber die Produktivitaet dem menschlichen Faktor nicht den ersten Platz einzuraeumen.
"Diese Achtung vor dem Einzelmenschen ist stark ausgepraegt.
Fuer Mensohen der lateinischen Welt ist es wahrscheinlich schwierig, die amerikanische Denkweise voellig zu verstehen und sie
klar definieren zu koennen. Diese Volksgruppen sind so zahlreioh
und so verschiedenartig, dass ein Verstaendnis der amerikanischen Denkweise nur zum Teil moeglloh ist. Trotzdem sind die
gemeinsamen Merkmale des amerikanischen Wesens, wenn auch sehr
verschieden, so doch offensichtlich. Es sind jene Merkmale,
von denen wir ausgehen, wenn wir versuchen, jene Geisteshaltung
zu erklaeren, die in amerikanischen Betrieben vorherrscht.
"Der Einzelne wird respektiert und er wird identifiziert
duroh seinen Namen und durch seinen Vornamen. Damit ist sioh
der Arbeiter der Tatsache bewusst, dass er einen individuellen
Charakter hat, der in seiner Art einzig ist. Wenn auch der
Einzelne duroh Üeberiegung zu der Erkenntnis kommt, dass er
Bestandteil einer Gemeinschaft ist, die das soziale Gebilde seines Landes darstellt, so sind es trotzdem sein eigenes Wesen
und sein eigenes Gewissen, die ihn im Umgang mit anderen Menschen beherrschen.
"Dies ist die Antithese zur totalitaeren Auffassung der
Gesellschaftsordnung, in der der Einzelmensoh nur eine Zelle
- 3 -

�ohne eigenes Denken darstellt und verpflichtet ist, dieses Denken einem kollektiven Muster anzupassen.
"Bedeutet dies, dass es in Amerika kein soziales Gewissen
gibt, und dass diese Zusammenballung von 140 Millionen keine
Gemeinschaft darstellt, sondern eine Versammlung von 140 Millionen isolierten Einzelpersonen?
"Keineswegs. Weil der Einzelne sich voellig darueber im
klaren ist, dass er eine Persoenlichkeit und einen eigenen Charakter besitzt, weiss er auch, dass andere Menschen normalerweise auf die gleichen Reohte Anspruoh haben wie er. Er respektiert damit in anderen die persoenlichen Eigenschaften, die er
selbst besitzt. Aus dem Wunsch heraus, sich frei zu fuehlen,
respektiert der Amerikaner die Freiheit der anderen. Weil er
als Mensch behandelt werden will, behandelt er auch die anderen
als Mensohen. Diese Denkweise ist so ausgapraegt, dass sie oft
zu Situationen fuehrt, fuer die wir kein Verstaendnis haben.
Ein Beispiel ist das Familienleben. Die Autoritaet der Eltern
Jungen Menschen gegenueber, die noch nicht £0 Jahre alt sind,
ist nicht so gross wie in unseren Familien, wo noch die willkürlichen Rechte des "pater families" bestehen.
"Der hohe Lebensstandard der gesamten Bevoelkerung, der
einen allgemeinen Wohlstand ermoegllcht, den wir in Europa nur
in wenigen reichen Familien kennen, hat die sichtbaren Unterschiede in der sozialen Stellung des Einzelnen wesentlich reduziert. Diese Gleichschaltung, sofern es eine solche ueberhaupt
gibt, wird dadurch herbeigefuehrt, dass Tian sioh das Beste und
nicht das Schlechteste zum Ziele nimmt. Deshalb gibt es auch
kein Klassenbewusstsein, weij. Jeder die gleichen Moeglichkeiten
hat, vorwaertszukommen. Seinen -Vorgesetzten oder seinem Arbeitgeber gegenueber hat der Arbeiter keine Minderwertigkeitskoaplexe, weil er mit Bestimmtheit weiss, dass er vorwaertskommen
und selbst in hoechste Positionen berufen werden kann, wenn er
den Wunsch und die Faehigkeit dazu hat.
" M n e logische Folge dieser Achtung vor dem Einzelnen und
seiner Freiheit ist der amerikanische Grundsatz von den gleichen
Chanoen fuer Alle.
"Die Erinnerung an den maerchenhaften Aufstieg der Vanderbilts, Rockefeiler und vieler anderer ist im Geist der Amerikaner sehr lebendig geblieben. Wenn ein solcher aussergewoehnlioher Aufstieg auch heute aeusserst selten ist, gibt es doch
noch Beispiele, in denen Menschen mit Nichts angefangen haben
und einflussreiche Geschaeftsleute oder Fuehrer der Industrie
geworden sind. Es ist Grundsatz, Jedem die Moeglichkeit zu geben, seine Talente anzuwenden und Jeder, der sich weigern wuerde,
einem Menschen diese Chance zu bieten, wuerde als antisoziale
Kreatur betrachtet werden.
"Die oben erwaehnten Beispiele und die weniger bekannten,
die sich noch laufend ereignen, verringern den Wert von Diplomen und das Ansehen solcher Leute, die Diplome besitzen. Ein
Mansch wird nicht nach der Anzahl seiner Diplome bewertet, sondern nach seiner praktischen Faehigkeit, an seinem Arbeitsplatz
seinen Mann zu stehen. Es gibt deshalb fuer Absolventen von
Hochschulen praktisch keine Vorrechte. Es kaeme niemandem in
den Sinn, einem Mensohen, der bewiesen hat, dass er tuechtig
ist, eine gute Stellung zu verweigern mit der Begruendung, er
habe keine Hochschule besucht. Die amerikanischen Hochschulen
sind stets voll belegt, weil das erworbene Wissen die Entwick-

- 4 -

�lung der persoenlichen Faehigkeiten wesentlich erleichtern kann,
ohne dass es absolut erforderlich waere, ein Diplom zu erwerben.
" M n drittes gemeinsames Merkmal des "amerikanisierten"
Menschen ist sein unerschuetterlioher Glaube an das bekannte
Sprichwort "Zeit ist Geld". Die Geschiohte der amerikanischen
Industrie bestaetigt eindeutig, dass immer dann mehr Geld verdient wurde, wenn Zeit gespart werden konnte. Es muss vielleicht gesagt werden, dass dieses Sprichwort den Grundgedanken
der Produktivitaet in treffendster Form zum Ausdruck bringt.
Wenn man zugibt, dass Geld erhoehte Kaufkraft bedeutet, dann
stellt das Bemuehen, Zeit zu sparen, letzten Endes den Schluessel zur Produktivitaet und zu allen anderen Moeglichkeiten, die
sich durch sie eroeffnen, dar.
"Diese drei Grundsaetze, die wir soeben aufgezaehlt haben,
und die die Grundlage der amerikanischen Denkweise bilden, loesen in sozialer Beziehung logische Folgerungen aus, die wir bereits in den Betrieben verwirklicht finden. Zweifellos ist
die Atmosphaere in den Betrieben, die unsere Gruppe besucht hat,
eine direkte Folge dieser drei grundlegenden Auffassungen.
Wenn es nur selten vorkommt, dass die Maschinen in einem
Betrieb mit den Namen der betreffenden Arbeiter versehen sind,
dann einfach deshalb, weil im Betrieb jeder den anderen kennt.
Wenn jedoch ein Arbeiter mit der Oeffentlichkeit in Beruehrung
kommt, wird sein Name auf einem kleinen Schild angegeben, das
am Schreibtisch, am Schalter, am Aufzug oder ueber dem Sitz
eines Cknnibusfahrers angebracht ist. Die Angestellten und Arbeiter wollen nicht nur Nummern sein und wuerden es als eine
Erniedrigung ansehen, wenn sie am Kragen oder an der Muetze
durch eine Nummer gekennzeichnet waeren.
"Im Betrieb wird jeder beim Vornamen genannt, was eine
Atmosphaere der Vertraulichkeit schafft. Die Autoritaet des
Vorarbeiters oder des Abteilungsleiters kommt nicht in Form
wlllkuerlicher Vorrechte zum Ausdruck, sondern in Form der persoenlichen Beratung. Jeder Arbeiter, der sich seiner Persoenllchkeit bewusst ist, ist sich tatsaechlich auch seiner Verantwortlichkeiten bewu33t. Man hat ihm eine Arbeit anvertraut, die
er aus Selbstachtung so gut wie moeglich zu verrichten bemueht
ist. Wenn er nur schlechte Arbeit leistet, wird man nicht sagen,
dass ein gewisser Arbeiter nichts von seiner Arbeit versteht,
sondern man wird offen erklapren, dass George Smith ein schlechter Arbeiter ist. Seine Arbeit ist also nicht anonym.
"Das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen ist stark ausgapraegt und wirkt sioh nach zwei Richtungen aus. Der Vorarbeiter weiss, dass George Smith persoenliches Verantwortungsbewusstsein hat, und er hat keinerlsi Grund, diese Verantwortung und die
eines anderen, ihm unterstehenden Arbeiters selbst zu uebernehmen. Damit kann er sich ganz seiner Aufgabe als Vorarbeiter widmen. Weil auch er seinen Verantwortungsbereich sehr gut kennt
und seinem Namen Ehre machen will - und zwar aus dem gleichen
Grunde wie George Smith - gibt ihm auch sein Chef, der Abteilungsleiter, freie Hand in seiner Arbeit, was auch diesem ermoegllcht,
sich seinen eigenen Pflichten zu widmen. Genau so ist das Verhaeltnis zwischen dem Abteilungsleiter und dem Betriebsleiter.
Der Betriebsleiter braucht sich nicht mit Dingen zu belasten,
die den Produktionsgang im Betrieb betreffen, er kann deshalb
all seine Bemuehungen vollkommen auf die Verwaltung, des Betriebs
konzentrieren.
In einer solchen Atmosphaere, in der jeder seinen eigenen
Verantwortungsbereich kennt, muessen Verdienste natuerlich belohnt
- 5 -

�und Nachlaessigkeiten bestraft werden. Die Loehne bilden das
fuer diesen Zweck geeignete Kittel. Da diese Loehne die Kaufkraft darstellen, ist man sich ihrer grossen Bedeutung bewusst,
und jeder versucht, nicht nur seinen Lohn zu halten, sondern
ihn, wenn moeglich, zu verbessern.
MSA Information
1/22/52
I
Die Kohlenfoerderung bereitet den Kommunisten Sorge
Kohle ist in allen Laendern ein lebenswichtiger Rohstoff.
Seit dem Zeitpunkt, zu dem die Agenten des Kreml die Macht in
Osteuropa an sich gerissen haben, haben sie wiederholt auf die
'.Vichtigkeit einer gesteigerten Kohlenf oerderung hingewiesen.
Sie haben damit jedoch keinen Erfolg, und zwar deshalb» weil sie
versucht haben, die Bergleute anzutreiben, und weil die einzige
Taktik, die die Kommunisten kennen, darin besteht, die "Arbeitsdisziplin" noch strenger zu handhaben."
Aber hoeren wir, was einige Kommunisten darueber selbst zu
sagen haben.
Aus Ungarn erhielten wir kuerzlich den neuesten Bericht
ueber den Stand des Fuenf jahresplanes'. Er war in einer Ausgabe
der "Szabad Kep" abgedruckt. In diesem Bericht heisst es:
"Die Schwierigkelten, die sich im vorigen Jahr und in
der ersten Haelfte dieses Jahres bemerkbar machten, bestanden
auch im dritten Quartal dieses Jahres. Die Kohlenfoerderung
blieb noch immer hinter den gesteckten Zielen zurueck, obwohl
Partei und Gewerkschaften mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfuegung stehen, diesem Uebel zu Leibe gerueckt waren. Eine
Kampagne zur Staerkung der Arbeitsdisziplin folgte der anderen.
Die tuechtigsten russischen Bergleute wurden nach Ungarn gebracht. Die Bergleute wurden veranlasst, Produktionsversprechen an Rakosi zu unterschreiben. Aber auch diese Versprechen
wurden nicht erfuellt. Erno Gero, der fuehrende Mann der ungarischen Wirtschaft, gab auf einer Konferenz der Bergwerkadirektoren zu, dass die Moral der Arbeiter Im Sinken begriffen ist.
Er versprach ihnen, die Fleischrationen zu verbessern, aber,
so sagte er, die Arbeitsdisziplin muss besser werden." Er beklagte sich ueber zu haeufiges Zuspaetkommen und das Fernbleiben vom Arbeitsplatz sowie ueber Herumstehen in den Fabriken
und "Sabotage".
Er berichtete ausserdem, dass von 50(^0 neuen Arbeitern,
die vor kurzem fuer die Bergwerke Tatabanya rekrutiert worden
waren, nur wenige laenger als vier Wochen in den Kohlengruben
blieben. Es handelte sich hier um Frauen, Jugendliche, Bueroangestellte und ehemalige Bauern, die im Zuge der Kollektivierung ihren Wohnsitz wechseln mussten. Sie wurden zur Grubenarbeit unter Tage herangezogen, ohne hierfuer ausgebildet zu sein.
Man wird sich erinnern, dass Tatabanya das Bergwerk ist,
in dem sich am 30. September eine grosse Katastrophe ereignete.
Die Regierung hatte bekanntgegeben, dass 81 Bergleute ums Leben
gekommen waren. Fluechtlinge schaetzen die Zahl der toedlich
Verunglueckten auf 200. In ihrem Eifer, die Produktion zu steigern, hatten die Bergwerksleiter die Sicherheitsvorschriften
voellig vernachlaesslgt.

6 -

�Auch der stellvertretende Premierminister Rakosi nahm
kuerzlioh die Gelegenheit wahr, den Bergarbeitern sein Missfallen auszusprechen. Er sagte: "40# der ungarischen Bergleute sind Kommunisten. Sie muessen es sein, die eine strenge
Arbeitsdisziplin rueckhaltlos unterstuetzen. Sie sollten als
Stossarbeiter den anderen als Beispiel vorangehen. Aber sie
sind undiszipliniert. Sie sind die ersten, die wegen des Mangels an Lebensmitteln protestleren, und sich dem stachanowistischen und anderen sowjetischen Methoden widersetzen."
Rakosi koennte hlnzugefuegt haben, dass sich diese Leute
sogar darueber beschweren, dass Ungarn zuviel Lebensmittel
nach Russland schicken muss und im Ueberfluss leben koennte,
wenn Russland diese Lieferungen von Ungarn nicht forderte.
Die Bergleute machten ihrem Unwillen in den Worten Luft: "Wir
koennen von Rakosls Versprechungen nicht leben." Das ist kein
Wunder, denn die Preise fuer Schinken, Speck, Butter und Oel
haben sich seit. Mai verdreifacht, und die Fleischrationen sind
gekuerzt worden.
Erst im vorigen Monat wurden 400 ungarische Bergleute
verhaftet, weil sie oeffentlich gegen eine Senkung der Fleischration protestiert hatten. Die Ernaehrungslage ist fuer die
Bergleute dadurch noch schlechter geworden, dess sie keine
Zeit mehr haben, ihre kleinen Gaerten zu bearbeiten. Man verlangt von ihnen, dass sie im Bergwerk an Sonnabenden und haeuflg auoh an Sonntagen Ueberstunden leisten.
Angesichts dieser Schwierigkeiten fordern ungarische
Kommunistenfuehrer wie Rakosi und Gero groessere Strenge in
der Handhabung der Arbeitsdisziplin, obwohl derartige Versuche
bereits geseheitert sind. Wie weit diese Arbeitsdisziplin gehen kann, zeigt ein Vorfall, ueber den die "Nepszava" berichtet.
In Tatabanya wurde ein "Volkserzieher" damit beauftragt,
waehrend und nach der Arbeltszeit Bergleute zu ueberwachen, die
regelmaesslg vom Arbeitsplatz fernbleiben.
Auch in der Tschechoslowakei hat das Regime mit aehnlichen
Schwierigkeiten zu kaempfen. Am 3. November wurden die Ergebnisse des dritten Quartals des Jahr-Planes 1951 veroeffentlicht.
Es wurde zugegeben, dass die Kohlenfoerderung 6#6 niedriger
war, als man veranschlagt hatte. Infolgedessen musste auch
die Produktion in den Giesserelen und anderen von der Kohle
abhaengigen Industrien zurueckbleiben.
"Am 13. November gaben Radio Prag und die Prager Presse
bekannt: Strenge Massnahmen werden ergriffen, um die in der
Stahlindustrie herrschende Krise zu bek&amp;empfen. Diese kritische Lage ist eine Folgeerscheinung der Krise im Kohlenbergbau."
Auch hier in der Tschechoslowakei koennen wir eine tyoisch
kommunistische Reaktion feststellen. Der tschechische Minister fu.er Arbeitseinsatz Havelka kuendigte eine intensive Kampagne an, in deren Verlauf Jugendliche im Alter von 17 bis
22 Jahren zu Bergleuten und Jungen zwischen 15 und 17 Jahren zu
Bergwerkslehrlingen ausgebildet werden sollen. Auch auf junge
Maenner, die ihrer Dienstpflicht in der Armee genuegt haben,
wird ein Druck ausgeuebt, um sie zu veranlassen, in den Bergwerken einen Arbeitsplatz anzunehmen. Nicht besser ergeht es
den Jugendlichen Landarbeitern. Drack, aber nicht Belohnung
ist die kommunistische Parole. Der tschechische Innenminister
Nosek sprach z.B. vor kurzem den Bergleuten in Maehrisch-Ostrau
sein Befremden darueber aus, dass sie eine Arbeitswoche von 44
- 7 -

�Stuftden gefordert hatten. Was in der Vergangenheit revolutionaer gewesen sei, sei heute reaktionaer. Bergleute, die nicht
damit einverstanden sind, dass an Sonnabenden nloht eine kurze,
sondern eine normale Sohioht gearbeitet wird, verurteilte er
als Staatsfeinde.
Es mag beilaeufig erwaehnt werden, dass Bergleute in Amerika und Westeuropa nur selten am Sonnabend arbeiten, und wenn
sie es tun, gewaehrt man ihnen volle Lohnzusohlaege fuer Mehrarbeit.
Wenden wir uns nun Rumaenien zu, von wo uns ebenfalls Berichte ueber die Unzufriedenheit unter den Kohlenbergarbeitern
erreichten. Kuerzlioh gab ein frueherer italienischer Kommunist, der aus Rumaenien fluechtete, einen Tatsachenbericht
ueber die Arbeitsbedingungen in rumaenlsohen Kohlenbergwerken.
Nennen wir diesen Italiener Luigl. Er berichtete, dass in
den Bergwerksgebieten Fetrila., Vulcan und Lppeni in der Naehe
von Petrosani alte pensionierte Bergleute aus ihren Wohnungen
vertrieben wurden, um Platz fuer neurekrutierte Bergarbeiter zu
maohen.
"Die Mehrheit der Bergleute sohloss sich der Kommunistischen Partei aus Gruenden der Zweokmaessigkeit an. Nur 5% von
ihnen sind jedoch ueberzeugte Kommunisten. Wenn sie ernueohtert sind und keine Illusionen mehr haben, wenden sie sioh
meistens der Religion zu. Die Rumaenen sind hoechst empoert
darueber, dass die Bergwerksleitung in den Haenden von Russen
liegt, die Angestellte einer "gemeinsamen Gesellschaft"
(Sovromcarbune) sind.
Unfaelle ereignen sioh in den Bergwerken haeufig, ihre
Zahl nimmt staendig zu. Die Sicherheitsmassnahmen werden aus
Gruenden der Produktionssteigerung vernachlaessigt. Der Durchschnittslohn betraegt monatlioh 9000 Lei, d.h. DM 250.-,
Nebenbei gesagt entspricht dieser Monatslohn dem Verdienst
eines amerikanischen Bergmannes fuer vier Tage Arbeit.
Doch hoeren wir uns Luigis Augenzeugenbericht weiter an:
"Stossarbeiter in rumaenischen Bergwerken koennen monatlioh bis zu 12.Ü0Ü Lei verdienen, aber sie ruinieren dabei meistens ihre Gesundheit. Einer von ihnen namens Ludovic Papp,
der im vorigen Jahr als "Arbeitsheld" gefeiert wurde, befindet
sioh nun mit einer Tuberkulose im Krankenhaus. Die Bergleute
erzaehlen sich deshalb den zynischen Witz: "Werde Stossarbeiter und verdiene Dir eine lange Bettruhe." Das Krankenhaus in
Petrosani, einer Stadt von 15.000 Einwohnern, hat nur 250 Betten. Es f9hlt ausserdem an Medikamenten. Die runaenischen
Bergleute verachten ihre Kameraden, die sich zur Steigerung der
Leistungsnormen ausbeuten lassen und vermoegen ihrer koerperlichen Staerke und ihrer Fertigkeiten mehr arbeiten als der
Durchsohnitt. Schon die Tatsache, dass die Redakteure runaeni3cher Zeitungen es fuer notwendig halten, fast taeglich die
Arbeiter zu tadeln, die sich dem Stachanow-System widersetzen,
ist ein Bewei3 dafuer, dass der Widerstand unter der Arbeiterschaft gros3 ist.
Weil diese Stossarbeiter verhasst sind, forderte die ruraaenisohe Zeitung "Vita Sindicala" Betriebsleiter sowie Partelund Gewerkschaftsfuehrer auf, jene Arb3iter"liebevoller" zu behandeln, die sich bereiterklaeren, die Produktionsleistung zu
steigern.
- 8

�Das Regime In Rumaenlen Ist heute, wie auch in anderen
Satellitenstaaten der Sowjetunion, mit verstaerktem Eifer daran
gegangen, Frauen und Jugendliche fuer die Bergwerke zu rekrutieren. Luigi beriohtet in diesem Zusammenhang:
"Die Erbitterung unter den Bergleuten nimmt zu, wenn sie
mitansehen muessen, wie ihre Frauen in den Gruben Kohle hauen
muessen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Auch
dass ihre Soehne zum Verlassen der Schule gezwungen werden, um
in die Bergwerke zu gehen, traegt wenig dazu bei, sie dem
Regime gegenueber fruendlioher zu stimmen."
Auch in polnischen Bergwerken bekaempfen die Kommunisten
mit allen Mitteln das haeufige Fehlen, den haeufigen Arbeitsplatzwechsel und den Widerstand gegen das Stachanow-8ystem.
Die polnischen Bergleute erzaehlen sich einen nooh grimmigeren
Witz als ihre rumaenischen Kollegen: "Sei ein Held der Arbeit,
und Du wirst schnell in den Himmel kommen."
Hilary Mine, der Wirtsohaftsfuehrer Polens, erklaerte in
seiner letzten Rede an Arbeiter und Bergwerkbesitzer warnend,
dass, wenn die in der Vergangenheit aufgetrenenen Schwierigkeiten auoh im kommenden Jahr nicht zu beseitigen waeren, die
Arbeiter bereit sein muessten, noch groessere Haerten auf sioh
zu nehmen. Dies betreffe besonders den Mangel an Verbrauohsguetern. Opfer waeren notwendig, um die kuenftige Sicherheit
des Vaterlandes gewaehrleisten zu koennen. Die polnisohen
Bergleute, von denen man groessere Arbeitsanstrengungen verlangt, und deren Produktion zum grossen Teil naoh Sowjetrussland exportiert wird, fragen sich jedooh mit Reoht: "Welches
Vaterland?"
Die polnischen Bergleute gaben ihrer Unzufriedenheit u.a.
dadurch Ausdruck, dass sie sich weigerten, die Beltraege an
die Gewerkschaft zu »ahlen. "Glos Praoy" berichtet, dass nur
65$ der Arbeiter Beltraege entrichten, obwohl die Mitgliedschaft
in der polnisohen Arbeitsfront obligatorisch ist. Die Zeitung
fordert wie gewöhnlich staerkere Kontrollen.
Diese Reihe der Beweise fuer die Unzufriedenheit der Arbeiterschaft koennte an Hand offizieller Verlautbarungen und
Pressemeldungen aus allen Laendern der sowjetischen Einflusssphaere nooh lange fortgesetzt werden. Die Methoden sind mit
nur auffaellig wenig Abweichungen ueberall die gleichen. In
den Grundstoffindustrien, wie z.B. dem Kohlenbergbau, ist die
Produktion, im ganzen gesehen, unzureichend. Was achlagen die
Stalinisten vor, um diesem Uebel abzuhelfen? Fuer sie gibt
es keine andere Moeglichkeit als jenes Mittel, das man schon
seit 34 Jahren ohne Erfolg in Sowjetrussland anwendet: Letzten
Endes wird immer die Arbeiterschaft verantwortlich gemaoht.
Die Parole heisst ueberall: Verbessert die Arbeitsdisziplin.
Ueberall nimmt der Terror immer krassere Formen an.
Massnahmen, die die Fehler des kommunistischen Wirtschaftssystems beseitigen wuerden, wuerden das Ende des Regimes bedeuten. Denn was tatsaeohllch hierbei erforderlich waere, ist die
Beseitigung der Diktatur und die Wiedererringung der Freiheit.
Program Servioes Seotion
XI-16-51
Gewerkschaften und Kapitalismus in Amerika und Europa
Die grosse Wirtschaftskrise zwischen den beiden Weltkriegen
foerderte in wesentlichem Masse die Entwicklung der grossen
9 -

�Industriegewerkschaften. Auch der wirtschaftliche Aufstieg
waehrend und nach dem Kriege trug dazu bei, der Gewerkschaftsbewegung als Gesamtheit Macht und Elnfluss in der Industrie zu
verschaffen. Professor Sumner Süchte von der Harvard-Universitaet preegte die Bezeichnung "labouristic economy" (gewerkschaftsorlentierte Wirtschaft). Er und viele andere sind der
Auffassung, dass die neuen Entwicklungen in der amerikanischen
Wirtschaft das Merkmal der gesteigerten Macht der Gewerkschaftsbewegung auf industriellem und sozialem Gebiet tragen. Es mag
Leute geben, die mit dieser Auffassung nicht einverstanden
sind oder auf die Tatsache hinweisen, dass der politische Elnfluss der Gewerkschaftsbewegung beispielsweise hinter dem der
Bauern weit zuruecksteht. Aber es ist kaum anzuzweifeln, dess
die Gewerkschaften heute im allgemeinen staerker sind als je
zuvor. Die Erfolge einiger der groessten Gewerkschaftsorganisationen in Bezug auf Lohnerhoehungen, Stufengleit-Klauseln
und Pensionsplaene waren hoechst eindrucksvoll. Darueberhinaus
wird die Gewerkschaftsbewegung jetzt im allgemeinen von dem
Unternehmertum und anderen Gruppen im Staate als staendige und
vielleicht unerlaessliche Einrichtung akzeptiert, wenn sie
auch gelegentlich Rueckschlaege hinnehmen mus3te, fuer die
das Taft-Hartley-Gesetz und natuerlich auch die grossen Auseinandersetzungen zwischen wirtschaftlichen und reinen Machtinteressen als Symbol gelten koennen.
Woertlich genommen bleibt die bejahende Haltung der Gewerkschaftsbewegung in Amerika dem kapitalistischen Wirtschaftssystem gegenueber eine Tatsache, die fuer das Privatunternehmen
im Gegensatz zum oeffentlichen Unternehmen einen Vorteil bedeutet, die freie Tarifverhandlung mit dem Unternehmer wird in
jedem Fall einer Lohnbeatiimune durch die Regierung vorgezogen.
Im groessten Teil Europas und in vielen anderen Teilen der
Welt haben die Gewerkschaften Verbindungen mit antikapitalistiachen Parteien oder Bewegungen eingegangen und sie zuweilen
aus ihrer fuehrenden Stellung verdraengt. Sie waren entweder
sozialistisch, kommunistisch oder katholisch orientiert oder
hingen mit irgendeiner anderen Ideologie zusammen. In den Vereinigten Staaten waren sie bestrebt, "ein moeglichst grosses
Stueck des kapitalistischen Kuchens zu erhalten, aber nicht
einen neuen Kuchen selbst zu backen - obwohl sie den Koch wenig
schaetzen und ihm nicht sonderlich vertrauen." Um die Mitte
dieses Jahrhunderts gaben sich jedoch viele amerikanische Gewerkschaften nicht mehr mit hoeheren Loehnen und einer kuerzeren Arbeitszeit zufrieden, obwohl diese Ziele in ihren Programmen noch immer einen breiten Raum einnehmen. Aber sie wuenschten jetzt auch eine groessere wirtschaftliche Sicherheit fuer
die Arbeiter durch den Abschluss von Pensionsplaenen und durch
aehnliche Einrichtungen. Sie sind sich der Bedeutung der Realloehne bewusst geworden, sie beanspruchen mehr und mehr sogenannte Stufengleit-Klauseln, d.h. Bestimmungen, die die Loehne
an die Lebenshaltungskosten koppeln. Sie haben festgestellt,
dass die Wirtschaftspolitik ihres Landes und auch die Ereignisse
im Ausland sich immer auf die Lage der Arbeiter auswirken werden,
sie beteiligen sich deshalb aktiv an der Formulierung und Beeinflussung dieser Politik. Sie fangen an, bewusst in oeffentlichen Angelegenheiten, im Erziehungswesen und auf anderen wichtigen Gebieten mitzuwirken, die die Gewerkschaften der alten Z e it
als belanglos abgetan hatten. Bis jetzt haben sie noch keine
direkte Beteiligung an der Betriebsleitung gefordert, viele
Gewerkschaftsfuehrer wuerden sie uebrigens entschieden ablehnen;
aber schon ist John L. Lewis nicht mehr der Einzige, der die
Entscheidungen der Unternehmer entweder auf friedlichem Wege
oder auch durch eine unnachgiebige Haltung tatsaechlich beeinflusst hat.

10 *

�All dies bedeutet, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung wesentlich zu der Umwandlung des amerikanischen Kapitalismus beigetragen hat, auch wenn sie ihn theoretisch befürwortet. Und diese Veraenderung war so einschneidend, dass
Kapitalisten und auch andere Leute bereits bezweifeln, ob es
noch das gleiche Wirtschaftssystem wie frueher ist. Die Antwort auf diese Frage ist letzten Endes eine Frage der Interpretation der Begriffe. Alle, auch die amerikanischen Gewerkschaften, scheinen sich darueber im klaren zu sein, dass das amerikanische Wirtschaftssystem als Kapitalismus zu bezeichnen
ist, gleichgueltig, ob sioh hier Veraenderungen der Funktionen
vollzogen haben, zumindest solange bleibt dieses System kapitalistisch, wie das Privateigentum in dieser oder Jener Art die
Grundlage dieses Wirtschaftssystems bildet.
Es ist deshalb leicht moeglich, dass zukuenftlge Historiker die Unterschiede zwischen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung und - sagen wir - der britischen oder deutschen Gewerkschaftsbewegung als wesentlich geringer ansehen, als diese
uns heute erscheinen. Waehrend die amerikanische Gewerkschaftsbewegung unmissverstaendlich jede ideologische Auffassung antikapitalistischen Charakters und insbesondere Jedes Programm
der Kollektivierung des Eigentums abgelehnt hat, hat sie sich
mit Erfolg um die Solidaritaet der Arbeiter bemueht, wie es
auch in den europaeisohen Gewerkschaften der Fall ist, und es
Ist ihr in sehnlicher V/eise gelungen, nach und nach den sozialen Einfluss der Gewerkschaften als Gesamtheit zu steigern. Es
koennte sein, dass die Mitwirkung der westeuropaeischen Gewerkschaftsbewegung bei der Umformung des kapitalistischen Wirtschaftssystems weniger radikal war als die der amerikanischen
Gewerkschaften, wenn dies in den entsprechenden Schlagworten
auoh nicht zum Ausdruck kommt.
Wenn es Jedoch einen entscheidenden Unterschied zwischen
amerikanischen und europaeisohen Gewerkschaften gibt, dann ist
es ihre Einstellung zur Produktivitaet. Wenn auch der typische amerikanische Arbeiter und seine Gewerkschaft sehr haeufig um Juristische Begriffe und ihre Auslerunp feilschen, so
erkennen sie doch im allgemeinen die Abhaengigkeit eines hoeheren Lebensstandards von der höheren Produktivitaet an. Fuer
ihre europaeisohen Kollegen ist es dagegen bezeichnend, dass
sie in Produktivltaetserfolgen einen Anlass zur Steigerung der
Arbeitslosigkeit und der Ausbeutung sehen. Auch die Haltung
der Unternehmer zur Produktivitaet ist verschieden und weist
einen Unterschied auf, der die Verschiedenertigkeit der Besitzverhaeltnisse, des historischen und kulturellen Erbgutes und
der allgemeinen wirtschaftlichen Motivierung widerspiegelt.
Wenn die Gewerkschaftsbewegung trotzdem dem "Kapitalismus"
ihre Unter3tuetzung nicht versagt hat, so hat sie, wenn auch
zum Teil ohne es zu wissen, dazu beigetragen, die amerikanische
Wirtschaft zu etwas ganz anderem zu machen, als sie es um die
Jahrhundertwende war, wenn auch Sprache und Wortpraegung wiederum hinter der Wirklichkeit zurueckgeblleben sein moegen.
Labor News from the U. S.
1-15-52
Die Notwendigkeit gewerkschaftlicher Schulung
Damit die Mitglieder der Gewerkschaften gleichen politischen und sozialen Zielen zustreben, damit der Zusarunenhang in-

11 -

�nerhalb der Gewerkschaftsbewegung gewaehrleistet bleibt, braucht
man heute wie frueher auch andere Mittel wie Streikposten und
Werbecarolen. Man braucht jedoch mehr als Versprechungen, die
einen schnellen politischen Erfolg in Aussicht stellen, oder
Drohungen mit antigewerkschaftlichen Gesetzen, wenn die organisierte Gewerkschaftsbewegung der Fuelle ihrer Verpflichtungen
gegenueber ihren Mitgliedern und der Allgemeinheit gerecht werden
soll. Selbst eindrucksvolle politische Kampfreden und glattzuengige Wahlreden bieten keineswegs eine echte Moeglichkeit,
die seit langem bestehenden Forderungen der Arbeiterschaft zu
befriedigen, Eine der tat3aechlich konkretesten Methoden, die
jedoch noch nicht genuegend erprobt ist, ist ein grundlegendes
Programm der gewerkschaftlichen Schulung sowohl fuer die Mitglieder als auch fuer die Funktionaere, das darauf ausgerichtet
ist, die Gewerkschaften und die Bevoelkerung im allgemeinen
ihrer Verantwortlichkeit bewusst werden zu lassen.
Wenn auch eine immer groesser werdende Zahl Gewerkschaften
sich darueber im klaren ist, dass wirksame Schulung und Orientierung dringend notwendig ist, will es die Gewerkschaftsbewegung als Gesamtheit noch nicht zugeben, dass die Scbulungsarbeit
eine logische Grundlage fuer das Gefuehl der Staerke am Verhandlungstisch, fuer eine wirksame politische Betaeti^ung und,
fuer die Erkenntnis des staendlg zunehmenden Verantwortlichkeitbereiches bilden kann, dessen sich der Staat zu unterziehen hat.
Trotzdem ueberrascht die Feststellung, dass eine grosse
Zahl Gewerkschafter an der erzieherischen Taetigkeit lebhaft
interessiert ist. Das Bemuehen, sich ein abstraktes Wissen
anzueignen, wird heute vielleicht von praktischen Erwaegungen
uebertrumpft. Einige sind der Ansicht, dass eine derartige
Schulung fuer ihre jetzige oder kuenftige Arbeit als Funktionaer wertvoll sein kann. Andere sind sich ihrer unzureichenden
Kenntnisse bewusst, die sie sich durch die normale Schulausbildung erworben haben. Eine nicht unbetraechtliche Zahl Jedoch
ist einfach der Auffassung, dass Schulung fuer sie, ihre Ortsgewerkschaft und ihre Umgebung einfach unumgaenglioh ist. Aber
dieses Verlangen nach einer zweckmaessigen Schulung steht bei
der Mitgliederschaft der Gewerkschaften haeufig erst im Anfangsstadium, man tastet gewissermassen noch im Dunkeln. Die ausgezeichnete Arbeit, die von einigen fortschrittlichen Gewerkschaften geleistet wird, erfasst nur einen Bruchteil derer, die
dieser Ausbildung beduerfen. Der groesste Teil der Arbeit auf
diesem Gebiet bleibt noch zu tun.
Die allgemeine Lage kann nicht wesentlich verbessert werden, wenn sich nicht bei einer groesseren Anzahl hoher Funktioneere die sichere Erkenntnis durchsetzt, dass die gewerkschaftliche Schulung wichtig ist und dementsprechend mit finanziellen Mitteln und durch Zurverfuegungstellung des erforderlichen Personals unterstuetzt werden muss.
Eine positive Haltung der zentralen Vorstaende gegenueber
dieser Arbeit kann den Funktionaeren der Ortsgewerkschaften
als Richtschnur dienen und dadurch ihre so wesentliche Mitarbeit erwirken, ohne die es bestimmten Interessenvertretern
moeglich sein wuerde, wertvolle erzieherische Programme zu untergraben, die wirklich geeignet waeren, die breite Masse
ihre Verantwortung dem Staat gegenuaber erkennen zu lassen.
Leider deutet nichts darauf hin, dass genuegend einflussreiche zentrale und oertliohe Gewerkschaftsbehoerden bereit
waeren, die gewerkschaftliche Schulung zu foerdern. Sie sind

- 12 -

�offensichtlich zu sehr mit ihren Gewerkschaften selbst beschaeftigt, um sich um ihre einzelnen Mitglieder kuemmern zu koennen.
Die bedeutungsvolle Rolle, die die Gewerkschaftsbewegung
in der Politik uebernommen hat, koennte vielleicht der gewerkschaftlichen Schulung den Auftrieb geben, den sie seit langen
benoetigt. Trotz der zahlreichen Stimmen, die sich gegen die
angebliche gewerkschaftliche Vorherrschaft erheben, ist die
Teilhaberschaft der Gewerkschaften an allen Angelegenheiten
nationaler Bedeutung, eine feststehende Tatseche und unwiderruflich. Wenn man auch der Gewerkschaftsbewerunsr nicht jenen
Status gewaehrt hat, den sie verlangte, so arbeitet sie doch
aktiv in den Verteidigungsbehoerden der amerikanischen Regierung mit.
Zusammen mit ihren Gegenspielern aus der Industrie arbeiten die Vertreter der Gewerkschaften in oeffentlichen und privaten Sonderausschüssen mit, die die Aufgabe haben, die wirtschaftliche Staerke des Landes zu stabilisieren. Die Gewerkschaftsbewegung hat leider nicht in dem gleichen Umfang wie
Industrie und Regierung genuegend qualifizierte Vertreter, die
entweder auf gewerkschaftlicher oder auf staatlicher übene
den an sie gestellten Anforderungen gerecht werden koennen.
Waehrend der Bedarf an tuechtigen und gut informierten
Gewerkschaftsvertretern immer groesser wird, die einflussreiche hauptamtliche Stellungen als Berater uebernehmen muessen,
macht sich auch unter den Mitgliedern und den unteren Funktionaeren nioht selten ein Mangel an Verstaendnis fuer die Politik und die Handlungsweise ihrer Repraesentanten in der Regierung und anderen wiohtigen Zentralbehoerden bemerkbar.
Labour
XI1/51
Die staatliche Organisation fuer Arbeltsvermittlung in Irland
Die staatliche Organisation fuer Arbeitsvermittlung in
Irland wurde auf Grund des im Jahre 1949 erlassenen Gesetzes
ueber Arbeitsvermittlung errichtet, sie ist bis ins einzelne
durchorganisiert und erstreckt sich ueber das ganze Land. Im
ganzen gibt es in den verschiedenen Teilen des Landes 123 oertliche Arbeitsaemter. Im Durchschnitt hat Jede Grafschaft fuenf
soloher Aemter.
32 dieser Arbeitsaemter arbeiten praktisch fuer die groesseren Staedte; das Personal setzt sich aus Beamten des Ministeriums
fuer soziale Wohlfahrt zusammen. Die uebrigen 91 Arbeitsaemter
befinden sich in Kleinstaedten und sind fuer diese und die sie
umgebenden Gebiete zustaendlg. Die Arbeitsaemter in den Kleinstaedten werden in der Regel von Personal geleitet, das nur
auf eine bestimmte Zeit angestellt ist und die Arbeit als Nebenarbeit verrichtet. Die entsprechende Zentralstelle beim Ministerium fuer soziale Wohlfahrt erteilt allen 123 Arbeitsaemtern die fuer ihre Arbeit erforderlichen Weisungen und beaufsichtigt ihre Taetigkeit.
Alle Iren, die das schulpflichtige Alter ueberschritten
haben, koennen sloh, ganz gleich ob sie Arbeit haben oder nioht,
bei einem Arbeitsamt registrieren lassen; dies kann entweder
durch persoenlloho Vorsprache geschehen oder brieflich. Das
Amt vermerkt das Alter des Bewerbers, seine Kenntnisse und
Fertigkeiten sowie die Art der gewuenschten Arbeit.
13 -

�&lt;•

Im Hinbliok darauf, dass es namentlich In letzter Zelt
fuer die Wirtschaft des Landes sehr wesentlich ist, dass Arbeit skraefte sofort dort eingesetzt werden, wo Luecken bestehen, ist die Eintragung frueherer Arbeitserfahrungen ausführlicher gehalten als es allgemein ueblich ist. Gleichfalls wird
angegeben, ob der Betreffende gewillt ist, Arbeit in anderen
Teilen des Landes anzunehmen. Die Meldungen werden nach Berufszweigen geordnet; zu diesem Zweoke sind ungefaehr 360 verschiedene Berufsgruppen aufgestellt worden.
Wo es sich durchfuehren laesst, werden Frauen und jugendliche Bewerber in gesonderten Raeumen oder In einer besonderen
Abteilung des Arbeitsamts registriert. Wo weder das eine noch
das andere moeglioh ist, werden besondere Empfangszeiten festgesetzt. Soweit es moeglich ist, werden Frauen und Jugendliche
von Beamtinnen registriert.
Die Bewerber halten ihre Bewerbung dadurch aufrecht, dass
sie in regelmaessigen Abstaenden - in der Regel mehrmals in der
Woche, mindestens aber einmal alle zwei Wochen - persoenlioh
oder brieflich beim Arbeltsamt rueokfragen. Antraege auf Arbeltslosenunterstuetzung koennen nur berueokslohtigt werden, wenn
eine solche Meldung erfolgt ist.
Ein Unternehmer, der die Dienste eines Arbeitsamtes in Anspruch nehmen will, meldet seinen Bedarf an. Das Arbeitsamt bemueht sioh, ihm am Ort wohnende Arbeitskraefte zur Verfuegung
zu stellen, unter den registrierten Arbeitssuchenden werden
solohe ausgewählt und dem Arbeitgeber vorgeschlagen, die fuer
den betreffenden Arbeitsplatz geeignet erscheinen. Wenn der
Beamte des Arbeitsamtes nicht in der Lage ist, geeignete
Personen vorzuschlagen, weil keine entsprechenden Bewerbungen
vorliegen, aohlaegt er ein bestimmtes Verfahren ein, nachdem
Einzelheiten ueber den offenen Arbeltsplatz innerhalb von ein
oder zwei Tagen den bei saemtliohen anderen Arbeitsaemtern in
Irland registrierten Arbeitssuchenden zur Kenntnis gebraoht
werden koennen. Dieses Verfahren besteht darin, dass Einzelheiten ueber den offenen Arbeitsplatz der Zentralstelle gemeldet
werden, die sie dann den verschiedenen Arbeitsaemtern meldet.
Diese teilen sodann den in Frage kommenden Bewerbern alle Einzelheiten mit{ weiter werden die Einzelheiten auch oeffentlioh
duroh Aushang bekanntgegeben.
Die Arbeitsvermittlung ist kostenlos und erfasst das ganze
Land. Der Leiter eines Arbeitsamtes kann dem Arbeitssuchenden
einen Sohein fuer Freifahrt ausstellen, vorausgesetzt, dass
sioh der Arbeitgeber oder der registrierte Arbeitsuchende verpflichten, die Fahrtkosten zurueokzuzahlen; das Arbeitsamt
kann ihm auch das noetige Fahrgeld vorstrecken, damit der Arbeitsuchende zur Vorstellung fahren kann. In allen Faellen, in
denen registrierte Arbeitsuchende auf Arbeltslosenunterstuetzung
Anrecht habtn, kann ein Teil des Vorschusses aus dem Fonds fuer
Arbeltslosenunterstuetzung genommen werden.
Der Leiter eines Arbeltsamtes hat die Pflioht, die Arbeitgeber seines Gebietes von Zeit zu Zeit aufzusuohen, um sie zu
veranlassen, das Arbeitsamt von frei werdenden Arbeitsplaetzen
zu unterrichten. Wenn die Arbeitgeber die bei ihnen frei werdenden Arbeitsplaetze dem zustaendigen Arbeitsamt unverzueg-lioh melden, so kann dieses alle notwendigen Massnahmen ergreifen; auf
diese Weise wird der Bedarf in der Regel sohneil und gut befriedigt, das unerfreuliche Feilbieten von Arbeitakraeften ist dadurch
vermieden. Auf diese Weise wird den Arbeitsaemtern leichter ge-

- 14 -

�macht, Stellen an Personen zu vermitteln, die sich andernfalls
um Arbeitslosenunterstuetzung bemuehen wuerden.
Es gibt keine Statistik ueber den Prozentsatz der Zahl
der Arbeitsvermittlungen, die durch die Arbeitsaemter erfolgt
sind, im Vergleich zu den gesamten Einstellungen im ganzen
Land; Jedoch laesst sich feststellen, dass die einzelnen Arbeitsaemter seit Kriegsende im Jahr ungefaehr 50,000 Arbeitsplaetze vermittelt haben*
Es ist von Interesse festzustellen, dass die Arbeitsaemter
gelegentlich besondere Aufgaben durohfuehren. So fuehren zum
Beispiel die Arbeitsaemter Listen ehemaliger Angehoeriger der
irischen Wehrmacht, um auf diese Weise den Veteranen alle nur
moegliche Hilfe bei der Wiedereingliederung ins buergerliche
Leben zu gewaehren; auf Grund dieser Listen werden denjenigen
Arbeitgebern Vorschlaege gemacht, die sioh bereit erklaert
haben, Veteranen bevorzugt einzustellen.
Sodann befassten sich die Arbeitsaemter mit dem von der
Regierung durohgefuehrten Projekt der Beschaffung von Erntearbeitern. So wurden den Bauern in den betreffenden Gebieten
Arbeltskraefte aus den ueberfuellten Gebieten der Westkueste
als Erntehilfskraefte zur Verfuegung gestellt. Der Staat trug
die Reisekosten fuer Jeden Arbeiter und beteiligte sich an der
Deckung seiner Nebenausgaben und Unterhaitakosten. Dazu wurden in den Jahren 1943 bis 1947 noch besondere Listen von Landarbeitern gefuehrt.
Ein weiteres Beispiel fuer die Mitarbeit der Arbeitsaemter
bei der Durohfuehrung verschiedener Projekte bilden die Projekte
fuer Torfgewinnung, die von der Regierungsstelle durchgefuehrt
wurden. In diesem Zusammenhang wurden Arbeitsuchende in den
verschiedenen Teilen des Landes von den freien Arbeitsplaetzen
durch die Arbeitsaemter in Kenntnis gesetzt; die Arbeitsaemter
sorgten auch dafuer, dass sie zu den Arbeitsplaetzen fahren
konnten. Im Jahre 1948 uebernahm die Regierungsstelle von den
Grafschaften einigeBodenameliorationsprojekte. Bei der Durohfuehrung dieser Projekte wurden nur einheimische Arbeltskraefte
verwandt, die, soweit es erforderlich war, von den oertlichen
Arbeitsaemtern vermittelt wurden.
Den Arbeitsaemtern in Dublin, Cork, Limerick und Waterford
sind besondere Ausschuesse zur Beratung Jugendlicher angegliedert. Diese Ausschuesse setzen sich aus Vertretern der Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Kirchen, Erziehungsbehoerden und oertlichen Verwaltungsbehoerden sowie aus anderen, an Jugendfragen
interessierten Personen zusammen. Der Zweck dieser Ausschuesse
ist, den Minister fuer soziale Wohlfahrt zu beraten, soweit es
sich um die Behandlung von jugendlichen Arbeitsuchenden handelt;
die Ausschuesse haben ferner die Aufgabe, die Jugendlichen und
ihre Eltern bei der Berufswahl und in anderen Fragen zu beraten.
Die Ausschuesse bemuehen sioh, eine Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Eltern und Arbeitgebern herbeizufuehren und den
Schulentlassenen passende Arbeitsplaetze zu vermitteln. Sie bemuehen sich ferner, mit den Jugendlichen Arbeitnehmern in den
ersten Jahren ihrer Taetigkeit in Fuehlung zu bleiben und sie
zu beraten.
Die Erweiterung des Arbeitsgebietes der irisohen Organisation fuer Arbeitsvermittlung hat netuerlioh an dem ursprueng1lohen Zweck dieser Behoerde nichts geaendert. Die verschiede-

15

�nen irischen Regierungen haben ausnahmslos den Standpunkt vertreten, dass der Staat die Freiheit des Individuums, sich eine Arbeit nach seinem Ermessen zu suchen, nicht beschraenken duerfe.
Die Taetigkeit der Arbeltsaemter soll lediglich dazu dienen,
dem einzelnen dabei behilflich zu sein, einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden; der Staat uebt Jedoch in dieser Beziehung keinerlei Druck aus.
Employment Security Review
6/51
Eine wichtige Aufgabe fuer die Schule
"Keine Schule darf sich ruehmen, gute Arbeit zu leisten,
wenn sie ihre Schueler nioht darauf vorbereitet, einen fruchtbaren Kontakt mit allen Organisationen eines modernen Staates,
einschliesslich den Gewerkschaften, aufzunehmen.n Dies erklaerte Mark Starr vor Schuelern der St. Paul's Schule am 4.
Maerz In Concord im Staate New Hampshire.
Starr, der Direktor fuer Arbeitsrbildung in der Allanerikanischen Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter (AFL),
steht auf dem Standpunkt, die Gewerkschaftsbewegung habe am meisten unter der Tatsache zu leiden gehabt, dass man sie vernaohlaessigt und falsche Informationen ueber ihre Taetigkeit verbreitet habe. Nur gelegentlich vorkommende Streiks und seltene
Faelle von Ausschreitungen und Erpressungen wuerden im allgemeinen als Neuigkeiten angesehen. Das, was die Gewerkschaft
fuer das Wohl der Allgemeinheit getan habe, wuerde nur selten
gebuehrende Anerkennung finden.
Er sagte zum Beispiel, man habe nur wenig Beachtung der
Tatsache geschenkt, dass Kurt Carlsen, der heroische Kapitaen
der "Flylng Enterprise", Mitglied der AFL Gewerkschaft der
Schiffskapitaene, Schiffsmaate und Steuermaenner ist, und dass
die Maenner, die vor einigen Jahren bei der Bergung der dreiJaehrigen Kathie Fiscus mithalfen, die in einen unbenutzten
Erdoelschacht gefallen war, Mitglieder der AFL Gewerkschaft
der Betriebsingenieure waren.
"Wenn Verstaendnis fuer das Verhaeltnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgebracht werden und die Zusammenarbeit zwischen verstaendnisvollen Arbeitgebern und Gewerkschaften gefoerdert werden soll, muss die Schule allen Maennern und
Frauen, die guten Willens sind, helfen, sich ein richtiges Bild
ueber die Gewerkschaftsbewegung zu machen, dem auch wirklich
Tatsachen zugrundeliegen," sagte Starr abschliessend.
Daily News Service
III/4/52

16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILIINGEN
Di« (olgenden Artikel stellen AuszUge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankhirt
angefordert werden. Auf Wunsch werden dies« auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Dar Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

V - 5

Frankfurt, den 29. Februar 1952

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Mindestnormen fuer das Lehrlingswesen

1

Heilands Premierminister zur amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung

9

Kuropaeer studieren moderne Agrarmethoden

10

Energie-Schluessel zur Wirtschaftskraft Europas 12
Hellmittel und medizinische Geroete durch den
Karshallplan

15

Kindestnormen fuer das Lehrlingswesen
Sin Handbuch der amerikanischen Mechaniker-Gewerkschaft
Blnfuehrung:
Da der Beruf des Mechanikers einer Jener Berufe ist, die
in groeastem Masse faohmaennlsches und technisches Eoennen voraussetzen, hat der Beratungsaussohusa fuer das Lehrlingswesen
in der AIlamerikanisehen Gewerkschaft der Mechaniker in dem vorliegenden Handbuch bestimmte Normen fuer das Lehrlingswesen
festgelegt, die bei der Ausbildung und Schulung von Lehrlingen
fuer den Mechanikerberuf Richtschnur und Gewaehr dafuer bieten
•ollen, des« die Fertigkeiten und das Wissen, die siob Gesellen
in diesem Beruf durch labrrelange praktische Erfahrung angeeignet haben, durch die Einfuehrung eines genormten Systems der
Lehrlingsausbildung fuer die Zukunft erhalten bleiben.
In die sem Sinne wird euch gefordert, dass diese Normen so
gut eingehalten werden, wie es die CJmstaende erlauben, dass
- 1-

�Fragen der Produktion gegenueber der Ausbildung als Probleme
zweitrangiger Bedeutung behandelt und dass ^ualitaet ueber Quantitaet gestellt wird.
Richtlinien fuer die Lehrlingsausbildung;
1. Alter der Lehrlinge: Bewerber fuer eine Lehrstelle muessen
zwischen 16 und 23 Jahre alt sein.
2. Dauer der Lehrlingsausbildung: Die Dauer der Lehrlingsausbildung soll nicht
weniger als 8.000 Stunden ununterbrochener
Beschaeftigune- umfassen. Wenn sich der Lehrling bereits frueher gewisse Erfahrungen in diesem Beruf erworben hat, die mit
einer Lehrlingsausbildung gleichgestellt werden koennen, so
kann der Lehrlingsausschuss diese Kenntnisse abschaetzen und
eine entsprechende Kuerzung der Lehrzeit empfehlen.
3. Probezeit: Fuer alle Lehrlinge, die in Uebereinstimmung
mit diesen Bestimmungen beschaeftigt werden, sollen die ersten
1.000 Arbeitsstunden als Probezeit gelten. Waehrend dieser
Zeit kann dar Lehrvertrag von einer der beiden beteiligten Seiten durch Kuendigune: geloest werden. Der Beratungsausschuss
fuer Lehrlingsfregen und die Registrierungsbehoerde sollen jedoch hierueber in Kenntnis gesetzt werden. Nach Beendigung
der Probezeit kann der Lehrvertrag von beiden beteiligten Seiten
jedoch nicht gekuendigt werden, wenn der Lehrlingsausschuss
diese Kuendigung nach entsprechender und sorgfaeltiger Erwaegung der angegebenen Gruende nicht billigt.
4. Lehrplan: (Siehe nachfolgende Beispiele fuer die Arbeitseinteilung waehrend der Lehrzeit).
(Die nachfolgenden "Plaene der Arbeitseinteilung" sind allgemein und sollen bei dem Entwurf entsprechender Plaene
in den verschiedenen Fabriken lediglich als Richtschnur
dienen. Der Arbeitsverlauf selbst und die Anzahl der Stunden, die fuer Jeden Lehrabschnitt aufgewendet werden sollen,
werden von den zur Verfuegung stehenden Einrichtungen und
der Art der Arbeit abhaengig sein, die in dem bestimmten
Betrieb verrichtet wird, fuer den diese Normen angewendet
werden sollen.)
Bei der Ausarbeitung von Lehrplaenen sollen die verschiedenen Arten der Arbeiten, die verwendeten Maschinen und die in bestimmten anerkannten Lehrwerkstaetten zur Verfuegung stehenden
Einrichtungen berueckslchtlgt werden, denn die Lehrzeit hat den
Zweck, durch Ausbildung an allen Maschinen und durch Unterweisung in allen Formen der Arbeit, die zu dem betreffenden Beruf
gehoeren, tuechtige Handwerker heranzubilden. Unter allen ümstaenden soll die Gesamtzeit der Lehrlingsausbildung nicht
unter achttausend Arbeitsstunden liegen.
5.

Berufsschulausbildung:
(a) Der Ausschuss fuer Lehrlingsfragen soll in Zusammenarbeit mit den Schulbehoerden technische Schulungskurse durchfahren, die die praktische Lehrlingsarbeit ergaenzen.
(b) Jeder Lehrling soll an einem anerkannten Berufsschullehrgang -fuer solche Lehrlinge teilnehmen, die ihre Lehrzeit in Uebereinstimmung mit diesen Vorschriften ableisten,
er soll Jaehrlich regelmaessig zumindest an 144 Berufsschul-

- 2 -

�stunden teilnehmen. Wo es keine Berufsschulen gibt, soll
Jeder Lehrling an einem gleichwertig anzusehenden technischen Lehrgang teilnehmen. Von Lehrlingen darf nicht verlangt werden, dass sie ausserhalb ihrer Arbeitszelt an
Berufslehrgaengen teilnehmen, es sei denn, sie werden fuer
dftose Zeit gemaess den Bestimmungen des Tarifvertrags und
des Lehrvertrags bezahlt.
•

6. Arbeitszeit fuer Lehrlinge: Die Arbeitszeit pro Tag und
pro Woohe und die Arbeitsbedingungen sollen fuer Lehrlinge die
gleiohen sein wie fuer Gesellen. Der Lehrling soll zu Jeder
Zelt gemeinsam mit einem Gesellen oder unter der Aufsicht eines
Gesellen arbeiten. Keinem Lehrling darf es erlaubt werden,
Mehrarbeit zu leisten, es sei denn, die gesamte Werkstaette
oder Abteilung, in der er beschaeftigt ist, arbeitet naoh einem
regelmaessigen (Jeberstundenplan.
7.

Loehne:
(a) Lehrlinge sollen nicht weniger verdienen, als in der
nachstehenden Lohntabelle angegeben ist:
In den ersten sechs Monaten 50% des Lohntarifs fuer Gesellen
il
n
n
»
55% "
" m zweiten "
w
•
n
• • dritten "
60% "
a
it
N
*
65%
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80% "
siebenten
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II
n
»
90% "
" n achten
"
Nach Beendigung der Lehrzeit erhaelt der Ausgelernte den
vollen Gesellentarif.
(b) Lehrlinge, denen bereits gesammelte Erfahrungen in demselben Bexuf angerechnet werden, sollen nach ihrem Eintritt
fuer ihre Leistung den Lohntarif derjenigen Stufe erhalten,
in die sie auf Grund ihrer .Erfahrungen eingereiht werden.
Sie koennen auch nach Antritt ihrer Lehrzeit nachtraeglich
hoeher eingestuft werden, wenn ihre frueheren Berufserfahrungen sie hierzu berechtigen.

8. Regelmaessige Pruefungen: Der Lehrlingsausschuss wird die
Berichte ueber die praktische Arbeit und die Berufsschulausbildung der Lehrlinge vor Abschluss eines Jeden Halbjahres oder zu
anderen festgelegten Zeitpunkten ueberpruefen, um sioh ueber die
Fortschritte der Lehrlinge am Arbeitsplatz und in der'Berufsschule und ueber andere Dinge zu informieren, die fuer die Entwicklung des Lehrlings aufschlussreich sein koennen. Der Ausschluss soll Empfehlungen unterbreiten, die ihm wuenschenswert
erscheinen.
9. Zahl der Lehrlinge in einem Betrieb: Auf Je zehn Gesellen
soll im Betrieb ein Lehrling kommen. Fuer den Fall, dass Arbeitskraefte abgebaut werden muessen, sollen auch Lehrlinge
abgebaut werden, sodass auch hier dieses Verhaeltnls 1:10 bestehen bleibt.
10. Lehrlingsvertrag: Der Lehrling und seine Eltern oder
sein Vormund (bei MinderJaehrigen) unterzeichnen einen Vertrag,
der von dem Arbeitgeber gegengezeichnet und von dem Ausschuss
fuer Lehrlingsfragen gebilligt wird. Jeder Vertrag, der unter
Anerkennung der hier beschriebenen Normen abgeschlossen wird,

- 3 -

�soll eine Bestimmung enthalten, die die Einhaltung dieser Normen
zur Bedingung macht. Aus diesem Grunde sollen der Lehrling,
seine Eltern (oder Vormund) und der Arbeitgeber eine Abschrift
dieses Vertrags erhalten. Eine Abschrift des Lehrlingsvertrags
soll also ausgehaendigt werden an;
a) Lehrling
b) Arbeitgeber
o) Gewerkschaft
d) Ausschuss fuer Lehrlingsfragen
e) Registrierungsbehoerde
11. Lehrlingsvorgesetzter: In jedem Betrieb, in dem Lehrlinge
beschaeftigt werden, wird eine Person bestimmt, die allgemein
als Lehrlingsvorgesetzter bekannt ist. Es kann sich hierbei,
besonders in groesseren Betrieben, um einen hauptberuflichen
Lehrmeister oder um einen Werkmeister, Vorarbeiter oder Gesellen handeln. Der Lehrlingsvorgesetzte i3t fuer die Durchfuehrung des Lehrlingsprogramms im Betrieb verantwortlich und wird
von dem Gemeinsamen Ausschuss fuer Lehrlingsfragen bei seiner
Arbeit beraten und beaufsichtigt. Er ist fuer die Einteilung
der Lehrlinge zu den Arbeiten, die sie nach dem Lehrplan verrichten sollen, verantwortlich, er schreibt Berichte ueber den
Stand der Lehrlingsausbildung und steht den einzelnen Lehrlingen zur Loesung ihrer persoenlichen Probleme als Berater zur
Seite. Durch entsprechende Vereinbarungen mit dem Gemeinsamen
Ausschuss fuer Lehrlingsfragen koennen ihm noch andere Funktionen uebertragen werden.
12.

Gemeinsame Ausschuesse fuer Lehrlingsfragen:
(•) Der Gemeinsame Ausschuss fuer Lehrlingsfragen ist
ein Ausschuss, in dem Arbeitgeber und Gewerkschaft paritaetisoh vertreten sind.
(b) Verwaltungsmaessige Einzelheiten:

1. Der Ausschuss tritt jaehrlich mindestens viermal zusammen, wobei eine Zusammenkunft in jedem Quartal des Kalenderjahres zu bevorzugen ist. Er waehlt unter seinen Kitgliedern
einen Vorsitzenden und einen Sekretaer.
2. Alle Mitglieder des Ausschusses, auch der Vorsitzende
und der Sekretaer, sind berechtigt, ueber alle Fragen abzustimmen.
3. Ist der Vorsitzende des Ausschusses in irgendeinem
Jahre der Vertreter der Unternehmer, so muss der Sekretaer ein
Vertreter der Gewerkschaft (oder umgekehrt) sein.
4. Der Aussohuss stellt Richtlinien und Bestimmungen auf,
die die erforderlichen Verwaltungsverfahren regeln.
(o) Aufgaben:
1. Die Ausbildungsnormen und die Moeg Henkelten des Lehrlings zu erhoehen, sich berufliche Erfahrung anzueignen.
2. Lehrvertraege zwisohen Unternehmer und Lehrling zu
billigen und diese Vertraege der zustaendigen Registrierungsbehoerde zur Eintragung vorzulegen.

- 4 -

�3. Mit dem Lehrlingsvorgesetzten, mit dem Arbeitgeber
und den Betriebsleuten der Gewerkschaft zusammenzuarbeiten.
4. Alle Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitgeber
und Lehrling in Bezug auf die Lehrlingsausbildung anzuhoeren und
zu klaeren, wenn solche Meinungsverschiedenheiten durch den
Lehrvertrag nicht entschieden werden koennen, oder wenn sie
von dem Lehrlingsvorgesetzten nicht in zufriedenstellender
Welse beigelegt werden koennen.
5. Durch Pruefung der Arbeitsberichte und durch Praefunigen, denen die Lehrlinge, wenn man es fuer ratsam oder erforderlich haelt, von Zeit zu Zeit unterzogen werden, haelt sich der
Ausschuss ueber den Fortschritt der Lehrlinge in ihren handwerklichen Faehigkeiten und ihren technischen Kenntnissen auf
dem laufenden.
6. Der Ausschuss verfasst elljaehrlich einen Taetigkeitsberlcht fuer den Unternehmer, die Gewerkschaft und die Registrierungsbehoerde.
7. Allgemein gesagt ist der Ausschuss fuer die erfolgreiche Durohfuehrung dieser Vorschriften verantwortlich, indem er
sich den hier angefuehrten Pflichten unterzieht; mit oeffentliohen und privaten Behoerden zusammenarbeitet, die seine Arbeit
foerdern koennen, indem er sich Publiziteet verschafft, um sioh
die Unterstuetzung der Oeffentllchkeit zu sichern, und indem
er mit allen in Frage kommenden Stellen in staendiger Verbindung bleibt.
13. Berater: Die Bereter in diesem Ausschuss nehmen auf dessen
Ersuchen an seinen Konferenzen teil, beraten den Ausschuss in
Fragen, die mit dem Lehr]ingswesen im Zusammenhang stehen, und
stellen ihre Unterstuetzung zur Verfuegung, wenn sie damit
eine Verbesserung der Lehrlingsausbildung erwirken koennen.
14. Bescheinigung ueber erfolgreiche Beendigung der Lehrzelt:
Nach erfolgreicher Beendigung der Lehrzeit unter Einhaltung der
vorliegenden Bestimmungen sorgt der Lehrlingsausschuss dafuer,
dass eine Bescheinigung ueber die Beendigung der Lehrzeit ausgehaendigt wird.
15. Offizielle Billigung dieser Vorschriften: Bevor diese
Vorschriften in Kraft treten, muessen sie von dem Arbeitgeber,
der Gewerkschaft und der Registrierungsbehoerde offiziell gebilligt werden.
16. Etwaige Absonderungen dieser Vorschriften: Diese Bestimmungen koennen zu ,Jeder Zeit durch Mehrheitsbeschluss des Ausschusses fuer Lehrlingsfragen mit Zustimmung des Arbeitgebers,
der Gewerkschaft und der Registrierungsbehoerde abgesondert werden, vorausgesetzt, dass eine solche Abaenderung die von der
Allamerikanischen Gewerkschaft der Mechaniker festgesetzten Mindestnormen nicht verringert. Durch solche Abaenderungen duerfen
Jedoch keine Lehrvertrtiege geaendert werden, die zu dem Zeitpunkt
der Abaenderung in Kraft sind, es sei 'denn, dass alle an diesem
Vertrag beteiligten Partner ihre ausdrueckliche Zustimmung hierzu
geben.
17. Einhaltung der Vorschriften: Diese Vorschriften werden
hiermit zun Bestandteil eines Jeden Lehrvertrags erklaert. Die
Unterzeichnung oines Lehrvertrags verpflichtet deshalb die Beteiligten zu ihrer Einhaitun«.

5 -

�18. Gebilligt wird dieser
am
und im Namen der Ortsgewerkschaft
und (Name des Arbeitgebers)

19
fuer
oder des Bezirks

(Die nachstehenden Lehrplaene, die die einzelnen Arbeiten
aufzeigen, die Lehrlinge in den verschiedenen Mechanikerberufen erlernen nuessen, sollen lediglich als Richtschnur dienen
fuer die Aufstellung von Lehrplaenen in bestimmten Betrieben
oder Industrien. Wir fuehren an dieser Stelle deshalb Beispiele einiger Lehrplaene an, wie sie in den Lehrlingsbestimmungen
der Tarifvertraage einiger unserer 3ezirks- und Ortsgewerkschaften vorgesehen sind. »Vir haben diese Lehrplaene ausgewaehlt,
weil sie sich dort, wo sie angewendet wurden, als ziemlich erfolgreich erwiesen haben.)
Wenn solche Lehrplaene in bestimmten Betrieben oder Industrien angewendet werden, kann die Verschiedenheit der hergestellten Produkte, der verfuegbaren Einrichtungen usw. es erforderlich machen, dass:
1. Die Zahl der einzelnen zu erlernenden Arbeiten erhoeht
wird (wir befuerworten jedoch nicht eine Yerminflerung dieser
Zahl);
2. die Zahl der Stunden geaendert wird, die fuer die einzelnen Arbeiten aufgewendet werden.
Lehrplaene
In einem Betrieb, in dem der Mechanik rberuf ausgeuebt
wird, muss der Lehrling mit Kenntnissen und Erfahrungen in diesem Beruf ausgeruestet werden, die es ihm gestatten, sioh nach
Beendigung seiner Lehrzeit als kompetenter l'echanikergeselle
zu qualifizieren. In der Lehrzeit sollen die Lehrlinge die
folgenden T&amp;etigkeiten ausueben, wobei nicht erforderlich ist,
die hier angegebene Reihenfolge einzuhalten.
Mechanijcer (Lehrplan-Anleitung Nr. 1)
ungefaehre Dauer
(in Stunden)
Werkzeugkunde
320
Bohrmaschine (Einzelspindel)
480
Bohrmaschine (radial)
480
Hobelbank
480
Fraesmaschine
960
Drehbank
1,120
Revolverdrehbank
480
Bohrmaschine
960
Anreissen
480
Montage
480
Reparaturarbeiten an Maschinen (allgemein)
640
Wiederholung und Verschiedenes
480
Schleifmaschine (innen, aussen, Oberflaeohe) ... 480
Stahlbehandlung durch Eitze
160
insgesamt

8,000

Mechaniker (Lehrplan-Anleitung Nr. 2)
Werkzeugkunde
167
Bohrmaschine (Einfach, mehrfach und radial) .... 333
Adjustieren
666

- 6 -

�Hobelbank
666
Fraesmaschine (vertikal und horizontal)
855
Drehbank
1,556
Bohrmaschine (vertikal und horizontal)
666
Schleifmaschine (Innen, aussen und Oberflaeche)
666
Zahnradschneiden
500
Stossbank
555
Anreissen und Werkbankmontage
855
Werkbankmontage
1,556
Bohrmaschine
666
insgesamt 9,005
Werkzeugmacher (Lehrplan-Anleitung Nr. 1)
Werkzeugkunde, Gebrauch von Werkzeugen und Material
520
Bokzmaschinen
800
Fraesmaschinen
1,500
Drehbaenke
1,800
Hobelbank, Stossbank usw
Schleifmaschinen (innen und aussen)
1,040
Reparatur von Werkzeugen etc.
1,040
Werkbankarbeit
2,600
insgesamt 10,400
Werkzeugmacher (Lehrplan-Anleitung Nr. 2)
Profilschleifer
Drehbank
Fraesmaschine
Werkzeugschleifen
Zylindersohlelfen
Oberf laechensohleifen
Höbe lbank
Beerten
Werkzeugpruefen
insgesamt

500
1,500
1,500
1,000
1,000
1,000
500
500
500
8,000

Werkzeugmacher (Lehrplan-Anleitung Nr. 5)
Hobelbank
Drehbinke
Fraesmaschinen
Schleifmaschinen (alle Typen)
Reparatur von Maschinen
Werkbankarbeit
insgesamt

1,000
1,500
1,500
1,000
500
2,500
8,000

Autoschlosser (Lehrplan-Anleitung Nr. 1)
(Vergaser- und Dieselmotore)
".Yerkzeugkunde
Bremsen
Reifen, Raeder, Federn
«
Hinter- und Vorderredachsen, Steuerung,
Univeraalgelenke
Kupplung, Transmissionen
Kuehlung
Treibstoff, Vergaser, Funpen, Injektoren
Generalueberholen von Maschinen
Sammlerbatterien
Anlassen von Kotox&gt;en, Lichtmaschinen, Lampen,
elektrische Anlagen
7 -

160-160
56C-54C
560-540
560-740
560-540
520-400
960-1280
1,600-1800
160-200
1,280-1,500

�Schweissen, Ha rtloeten, Loeten

200-300
8,000

insgesamt
Autoschlosser ILehrplan-Anleitung Kr.2)

Monate

Auseinandernehmen Auseinandernehmen des Motors
von Teilen
Abmontieren des Vorderteils
und der Bremsen, der Steuerung, Raeder usw.

Stunden

6

1,040

des Vorderteils und der
Bremsen, der Fus =rasten,
Uebertragungswellen und Antriebswellen, usw.

9

1,560

Motor, einschl. Transmisslon, Differential, Bremsen, usw.

3

520

praktische Arbeit Bohren, Werkbankarbeit, einIn der Werkstatte schl. Fraesen, Feilen U3'.v.

3

520

6

1,040

Ueberholea

Zusammensetzen
und Einbauen

Ueberholen von

Kupplung, Transmission,
Differential, Steuerung usw.

Ueberholen des

Motors, einschl. Einfahren
und Pruefen
7
Elektrische
Kabel und Beleuchtung pruefen
Anlagen
und ausbessern; Ueberholen
der Verteiler Anlasser, Lichtmaschinen usw.
4
Treibstoffanlagen Pruefen und Reparieren der Benzinleitungen und Vergaser,
Pruefen der Frischluftzufuhr
4

Allgemeine Inspektion
Schweissen

Allgemeine Inspektion, auch
nach Fahrprobe
Schweissen, Loeten, Haerten
und Richten von Einzelteilen
insgesamt

1,214

693
693

3

520

3
48

520
8,320

Autoschlosser (Lehrplan-Anleitung Nr. 3)
Karosserie und Federn
Vorderachse und Steuerung
Hinterrad- und Achsenmontage
Transmission und Kupplung
Motor
Bremsen
Pruefen von Vergasung, Zuendung, elektr. Anlagen,
Kuehlung, Treibstoffpumpe
Wiederholung und Verschiedenes (darf nicht mehr als
25J6 der in einem Vierteljahr geleisteten
Arbeitsstunden in Anspruch nehmen)
insgesamt

Stunden
600
1,000
1,000
1,000
2,000
600
1,600

8,000

Autoschlosser (Lehrplan-Anleitung Nr. 4)
Karosserie und zugehoerige Teile

1,000

8

�Stunden
Bremsen, Kupplung, Transmission, Differential und
zugehoerlge Teile
•
Motor und zugehoerlge Teile
Pruefen von Treibstoffpumpe, Vergasung und elektr.
Anlagen
%
Verschiedenes
insgesamt

1,500
1,500
1,500
2,500
8,000

Flugzeugmechanikerlehrllng
Modellmachen
Metellformen mit der Hand
Bearbeiten von Einzelteilen
Blechzurichtung und Vormontage
Zusammensetzen des Rumpfes
Zusammensetzen des Mittelteils
Fluegelfabrikati on und Montage
Fabrikation und Montage der Seitenruder
Holz, Stoff, Anstrich
Anstrich und Fertignontage
Kabelflechten
Installation und Hydraulik
Fabrikation und Schweissen von Stahl
Elektrische Anlagen
Fertigmontage
Zusammensetzen und Einbauen von Lichtmaschinen
Ueberholen der Motore
Bedienung von Flugzeugen
Technische Fachschulausbildung
Hydraulik und verschiedene Anlagen, Elektrik, Funk,
Instrunente, Lichtmaschinen, Aufbauten
EinJaehrige Fachschulausbildung
insgesamt

120
120
80
120
120
120
120
120
120
80
40
480
200
520
1,380
668
400
1,000
432
1,936
114
8,320

Quelle: Allamerikanische Mechanikergew.
Hollands Prenlermlnlster zur amerikanischen Gewerkachaftsbewegung
Der hollaendische sozialistische Premierminister Willem
Drees erklaerte vor kurzem in Amsterdam, seine Taetigkeit in
den Vereinigten Staaten waehrend seines Besuchs im Januar sei
nach seiner Rueckkehr in ungerechtfertigter Weise in Holland
kritisiert worden, obwohl es zur Zeit seiner Abreise allgemein
bekannt gewesen sei, dass er die Absicht hatte, mit amerikanischen Gewerkschaftarn und Fuehrern sonstiger sozialer Gruppen
Verbindungen aufzunehmen.
"Auf der einen Seite sagte man, ich haette mit Kapitalisten Freundschaft geschlossen, waehrend auf der anderen Seite
behauptet wird, ich sei als "Parteinann" und nicht als Vertreter
unseres Landes nach den USA gegangen, weil ichn mit Gewerkschaftsfuehrern und Arbeitern Unterredungen fuehrte, erklaerte der
Premierminister in einem Artikel, der im Organ des sozialistischen Gewerkschaftsbundes veroeffentlicht wurde. Premierminister
Drees ist Mitglied der hollaendischen Arbeiterpartei; er half
mit, den hollaendischen "Arbaitsvereinigung" zu organisieren,
ein Nachkriegsexperiment zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
"Fuer nich hatten neine Bemuehungen keinen anderen Zweck,
als nich mit den Arbeitsbedingungen, den Sozialversioherungssystemen und der Haltunr der Arbeiter und der Gewerkschaften
vertraut zu machen.
- 9-

�"Ich kann mit Genugtuung feststellen, dass die Erfahrungen, die ich sammeln konnte, fuer mich ungeheuer wertvoll
waren. V.'ie aehnlich waren die Probleme - wenn auch in andersartigem Verheeltnis - denen, die wir hi9r in unserem eigenen
Lande zu loesen haben, und wie gross war das gegenseitige
Verstaendnis fuer Dinge, die auf dem Gebiet der Arbeit getan
werden koennenl"
Premierminister Droes betonte, man sei in Amerika der
festen Ueberzeugung, dass jede Steigerung des Lebensstandards
von einer Steigerung der Produktion abhaengig ist. Eine der
grossen amerikanischen Gewerkschaften habe eine besondere
Abteilung, in der die Unternehmer ueber moderne und leistungsfaehige Produktionsmethoden beraten wuerden.
"Aber die Arbeiter wissen auch, dass Produktionssteigerungen allein keine Gewaehr fuer bessera Lebensbedingungen
oder groessere soziale Sicherheit sind, wenn e3 keine starken
Gewerkschaften und keine umfassende Sozialgesetzgebung gibt,"
fuhr Premierminister Drees fort. "Das Ausmass der gewerkschaftlichen Taetigkuit und der Sozialgesetzgebung ist gegenueber
Holland verschieden, aber die amerikanischen Arbeiter sind
sich der Notwendigkeit dieser beiden Faktoren bewusst."
Drees stellte fest, dass sich die amerikanischen Gewerkschaften auf breitester Basis mit Fragen beschaeftigen, die
sich gewiss nicht auf Loehne und Arbeitszeit allein beschraenken. Gesundheitseinrichtungen, die in Amerika nicht im gleichen Hasse wie in Holland durch bundesstoatliche Gesetze festgelegt sind, ziehen die Aufmerksamkeit der Gewerkschaften ganz
besonders *uf sich. Er berichtete von einem Gesundheitazentrum
einer Gewerkschaft, da3 ausschliesslich mit ICitt9ln der Gewerkschaft aufgebaut worden war, und nun zur Haelfte von Gewerkschaften und Unternehmern finanziert wird. Sehr viel wurde
fuer die Arbeiterbildung getan. Drees berichtet von einem
Besuch in einer Schule fuer Betriebsleiter und in einer "Schulungs- und Bildungsabteilung* einer Gewerkschaft, wo vielseitige Arbeit geleistet wurde.
T o r einigen Tagen erhielt ich von einem Funktionaer dieser Abteilung einige Buecher und Broschueren ueber die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten," sagte der Premier»
minister. "In eines dieser Buecher hatte er die Widmung geschrieben: "Gruesse an die Kollegen in den hollaendischen Gewerkschaften." Es ist mir eine Freude, diese Grueäse zu uebermitteln.
"Das Amerikanische Gewerkschaftskomitee arbeitet auf internationaler 3asis mit den freien Gewerkschaften anderer
Laender zusammen. Diese Zusammenarbeit wird zusammen mit wachsendem gegenseitigem Verstaendnis fuer die Erhaltung der Freiheit und die Verbesserung des Wohlstandes und der sozialen
Sicherheit in zunehmendem Masse von Bedeutung sein."
KSA Resorts
III/5/52
Eurooaeer studieren moderne Agrarmethoden
Europaei3Che Experten, die naoh den Vereinigten Staaten
gehen, um amerikanische Produktionsmethoden zu studieren,
koennen zuweilen auch den Amerikanern noch etwas zeigen. Dies

10 -

�gilt besonders fuer die Landwirtschaft. Landwirte, besonders
aus Nordeuropa, wissen z.B. sehr gut, wie man noch mehr Getreide aus einem Morgen Land herausholt, und wie die Milchleistung
einer Kuh noch besser gesteigert werden kann. Aber die europaeischen Landwirte brauchen fuer ihre Arbeit weit mehr Arbeitskraefte als die amerikanischen Farmer.
Da die Landflucht immer groessere Ausmasse annimmt und
mehr und mehr Arbeiter wegen der besseren Verdienstmoegliohkelten in die Staedte gehen, sind europaeisohe Agrarexperten
hauptsaechlich an arbeitsparenden landwirtschaftlichen Methoden und Maschinen interessiert. Ihre Hauptaufgabe besteht
darin, die Produktionsleistung des einzelnen Arbeiters zu steigern, um einen Ausgleich fuer die abwandernden Arbeitskraefte
zu schaffen und damit dazu beizutragen, die Preis« fuer Lebensmittel niedrig zu halten.
In einigen Teilen Suedeuropas, Suedostaslens und Nordafrikas koennten die Ernten und die Ertraege der Viehhaltung
verdoppelt werden, was einen wesentlichen Beitrag zur Deckung
des Bedarfs an Lebensmitteln und Kleidung in der freien Welt
bedeuten wuerde.
Das Programm zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion bedeutet nicht nur eine Staerkung des Wirtschaftspotentials dieser ^aender, sondern bringt auch einen hoeheren
Lebensstandard fuer deren Bewohner mit sich und steigert zugleich ihre Faehigkeit, sich gegen den Kommunismus zu verteidigen.
Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen des Marshallplans
839 Agrarexperten aus Yuesteuropa und Suedostasien nach den
Vereinigten Staaten geschickt,- um dort Mittel und Wege zur
Steigerung der Produktivitaet in der Landwirtschaft zu studieren. Sie nahmen an 210 Lehrveranstaltungen tei'l, angefangen
von agrarwirtschaftlichen Vorlesungen bis zur Unterweisung in
modernen Methoden der Zucke^ruebenverwertung.
Die amerikanische Verwaltung fuer Gemeinsame Sicherheit
(MSA), der nun die Lenkung der wirtschaftlichen und militaerischen Hilfe Amerikas in Uebersee uebertragen ist, arrangiert
ausserdem Besuche amerikanischer Agrarexperten nach solchen
Laendern, die von Amerika unterstuetzt werden. Das gesamte
landwirtschaftliche Unterstuetzungsprograrnm wird durch die Zusammenarbeit Tausender amerikanischer Farner, Farmerorganisationen, landwirtschaftlicher Hochschulen und des amerikanischen
Landwirtschaftsministeriums ernoeglicht. In unterentwickelten
Laendern Suedostasiens, wie Burma, Indochina, Thailand und
den Philippinen, haengt der Lebensstandard der eingeborenen Bevoelkerung, die sich zu 80-90$ aus Bauern zusammensetzt, voellig von diesen Unterstuetzungsprograrnm ab. Im nahen Osten ist
es die Tuerkei, die unter Anwendung fuer diesen Staat revolutionaerer Neuerungen zur Modernisierung ihrer Landwirtschaft
vorwaertsstrebt. Die fortschrittliche Entwicklung in diesem
Land wird dazu beitragen, die Luecke in seiner Lebensmittelversorgung zu 3Chliessen, die durch den Verlust der Importe aus
Laendern hinter den Eisernen Vorhang entstanden ist. 28 junge
Tuerken verbrachten ein Jahr in den Vereinigten Staaten, um dort
Dinge zu lernen, die sie nach ihrer Rueckkehr den tuerkischen
Bauern mitteilen koennen.
Das nur wenig Nahrungsmittel erzeugende England hat sich
von seiner seit Jahrhunderten befolgten traditionellen Land-

- 11 -

�Wirtschaftspolitik abgewandt und foerdert mit allen Mitteln
die neuen Methoden der Nahrungsmittelerzeugung. Britisohe
Agrarexperten konnten mit Hilfe des Austauschsprogramms des
Marshallplans viel lernen. Sie waren besonders interessiert
an den Methoden der Arbeitgeber in der Landwirtschaft, die
in Amerika dazu beigetragen haben, dass die Farmer zwei- bis
fuenfmal soviel Lebensmittel pro Arbeitsstunde erzeugen koennen wie die Landwirte in England.
Westdeutschland, das sioh dem Problem gegenuebersieht,
ausser seiner Bevoelkerung elf Millionen Flueohtlinge aus den
Laendern hinter dem Eisernen Vorhang zu ernaehren, prueft alle
amerikanischen Arbeitsmethoden, die geeignet sein koennten,
die landwirtschaftliche Erzeugung zu steigern. Ein deutscher
Agrarexperte leitet seit seiner Rueckkehr aus den Vereinigten
Staaten eine bekannte bundesstaatliche Informationsabteilung,
die Veroeffentllchungen, Lehrfilme, Marktberichte und andere
Informationen fuer die Landwirtschaft ausarbeitet, Dinge, die
fuer den amerikanischen Farmer laengst Selbstverstaendllchkeiten geworden sind.
Die Maisproduktion konnte in Frankreich wesentlich gesteigert werden, nachdem zwei franzoesische Agrarexperten in den
Vereinigten Staaten im Jahre 1949 vier Monate lang den Anbau
von Hybridenmais studierten. 1950 wurden in Frankreich etwa
150 Tonnen Hybridenmais verbraucht. 1951 betrug der Verbrauch
bereits 1,000 Tonnen und die Anbauflaeche fuer Hybridensaatmais, der 1953 zur Aussaat gelangt, "umfasste 800 Hektar.
Die Ertragsfaehigkeit von Hybrideniaais ist um 25 bis 50%
groesser als die der bisher uebliohen franzoesischen Anbausorten.
Ein deutscher Experte fuer Viehzucht hat zusammen mit Vertretern des amerikanischen Landwirtschaftministeriums Forschungsarbeiten ueber eine wenig bekannte Tierkrenkheit durchgefuehrt, was fuer die Viehzuechter in beiden Laendern von Vorteil sein wird.
ECA-Information
Energle-Schluessel zur Wirtschaftskraft Europas
Energie ist das Lebensblut der Industrie, Europas staendig steinende Industrieproduktion braucht neue Energiezufuhren. Der Marshallplan hat die Bemuehungen, der im Wiederaufbau
begriffenen Industrie die noetigen Energien bereitzustellen,
nachdrueoklich unterstuetzt, aufgrund der Gewissheit unterstuetzt, dass das Gedeihen und die Verteidigung der freien Welt
untrennbar mit der Energieversorgung zusammenhaengen.
Die OEEC erklaerte anlaesslich der Annahme ihre3 Prorramms
zur Steigerung der europaeischen Industrieproduktion,dass, um das
Verteidigungsprogramm durchzufuehren und zugleich den Lebensstandard zu steigern, Westeuropa in den naechsten fuenf Jahren
seine Produktion um weitere 25% steigern muss. Energieversorgung, die ausreichend sein soll, ist 3omit ein wichtiger Faktor
zur Durchfuehrung dieses Programms.
Kein anderer Einzelfaktor spielt eine solch wichtige Rolle
bei der Produktionssteigerung wie die Energie. Eine Maschine
mit eigenem Antrieb laesst die Haende des Arbeiters fuer andere
Arbeiten frei und Jluropa wird in den kocinenden Jahren sehr viel
Arbeit fuer freie Haende haben.
- 12

�Der Stromverbrauch der europaeiachen Industrie steigt
staendlg an. Die Produktion haelt Jedoch noch Schritt mit
den Plaenen des SCA-Programms, das eine jaehrliche Mehrproduktion von etwa 8$ vorsah. Bis zum Jahre 1951 hatte sich die
Stromerzeugung im Vergleich zu den VorkriegsJahren verdoppelt,
die Haelfte dieses Fortschritts war seit dem Jahre 1947 zu
verzeichnen. Der industrielle Energiebedarf ist aber nooh
Immer weitaus hoeher als die Erzeugung, bis zum Jahre 1954
wird die3 Jedoch in noch weit groesserem Masse der Fall sein.
Nach den letzten Berechnungen wird das Stromdefizit unter normalen Wasserverhaeltnissen im Jahre 1954 etwa 4,7000,000 kw betragen, waehrend es 1951 erst 3,500,000 kw ausmacht. Der Energiemangel wird vor allem in Grossbritannien, Italien, Deutschland und Holland zu Engpaessen fuehren, waehrend in Griechenland und Oesterreich das Defizit geringer 3ein wird. Nach den
Berechnungen fuer die Jahre 1951 bis 1954 wird bei normalen
Wasserverhaeltnissen in Belgien und Frankreich ein betraechtlioher Energieueberschuss vorhanden sein.
Der Marshallplan leistete einen erhebliohen Beitrag zu der
bedeutungsvollen Steigerung der Stromversorgungskapazitaet.
Dieser Beitrag, der in Form einer finanziellen Hilfe stattfand,
belief sich bis zum 1. August 1951 auf 665 Millionen D-Mark zuzueglioh eines Betrages aus dem Gegenwertfond in Höhe von weiteren 4,116 Millionen D-Mark. Von Anfang an wurde besonderer
Wert darauf gelegt, vor allem grosse Projekte, in erster Linie
Jedooh im Bau befindliche Staudaemme fertigzustellen; ebenso
wurde in der Anlaufphase des. Marshallplans der Ankauf sofort
einsetzbarer Anlagen gefoerdert. Die ECA hat die westsuropaeisohsn Regierungen staendig darin bestaerkt, den Energieprojekten ein besonderes Prioritaetsvorrecht einzuraeumen und das
Interesse des privaten Kapitals wie auoh der Internationalen
Bank dadurch zu foerdern, dass sie solchen Projekten ihre grundsaetzliche Unterstuetzung zusagte.
In Frankreich allein wurde ungefaehr eine Summe von 4,2
Milliarden D-Mark fuer Kraftwerke verausgabt. An dieser Summe
hat sich die ECA direkt mit 160 Millionen D-Mark und mit weiteren 2100 Millionen D-Mark aus dem Gegenwertfond beteiligt.
Im Jahre 1949 wurden 3,130 Millionen Francs aus dem Gegenwertfond zugewendet, um den Plan der Nutzbarmachung der Rhone,
der Frankreich Jaehrlich zusaetzlich 14 Milliarden kw Strom
erbringen kann, durchzufuehren.
Dieses sioh ueber 30 Jahre erstreckende Projekt sieht vor,
dass 22 Daemme im Tal der Rhone erbaut werden. Damit wird die
Rhone zugleioh vom Genfer See bis zum Mittelmeer schiffbar und
bewaessert Tausende von Aeckern, die bisher brach lagen.
Der erste Abschnitt dieses riesigen Brojekts war die Fertigstellung des Ganlaaiat-Damms. Dieser Damm, fuer den
2,395,000 Francs aus Gegenwertfondmitteln aufgewendet wurden,
ist der groesste Staudamm Europas und liefert eine Energiekapazltaet von 390,000 kw. Der naechste Bauabschnitt bildete die
Stauung der Rhone bei Donzere, wobei das Wasser der Rhone in
einen zementierten Seitenkanal abgelenkt wurde. Die naeohste
Etappe war der Bau des Wasserkraftwerks in Mondragon. Das mit
Hilfe von 2,850,000 Franos aus Gegenwertfondsmitteln finanzierte
Donzere-Mondragon Projekt wird nach seiner Fertigstellung im
naeohsten Jahre Frankreichs Stromerzeugung um 2 Millionen kw
im Jahr steigern.

13 -

�Oesterreich erhielt bis zum 30. Juni 1951 aus Gegenwertfondsmitteln 231,000,000 D-Mark fuer die Fertigstellung von
Kraftwerken und fuer die Ausruestung solcher Anlagen. Der
Kaprun-Danm an der Enns mit seiner 129 Meilen langen Ueberlandleltung, die in Richtung Wien fuehrt, wird eine Energie
von 600 Millionen kw im Jahr erzeugen - das sind 10 Prozent
der oesterreichischen Gesamtproduktion. Diese Leitung, die
ueber 680 Stahlma3ten laeuft, die 5,000 Tonnen wiegen, hat bereits sehr wesentlich die bedrohte Stromversorgung Wiens verbessert. Mehr als Zweidrittel der Gestehungskosten wurden von
der ERP getragen, das Projekt konnte innerhalb von neun Monaten fertiggestellt werden. In. diesem Kraftwerk ist ein so
hoher Druck auf die Flaeche eines Quadratzentimeters zu finden, wie es in keinem anderen Werk dieser Groessenordnung erreicht wird.
In Bröunau an der deutsch-oesterreichischen Grenze wurde
der Bau eines Kraftwerks am Inn von dem OesterrelchischenBayerischen Kraftwerk in Angriff.genommen. Das Werk besteht
aus vier Einheiten mit einer Leistung von je 2-i,000 kw, die
eine Gesamtenergie von 96,000 kw erzeugen. Zwei Einheiten werden das oesterreichische und zwei das bayerische Netz versorgen. Die Gesamtkosten fuer das Kraftwerk werden mit 120 Millionen D-Mark veranschlagt. Die ECA erteilte die Genehmigung,fuer
2,395,000 D-Mark aus den Vereinigten Staaten moderne Baugeraete
fuer dieses Projekt anzukaufen.
In Italien erhielt die Gesellschaft Idroelettrica Piemonte in Turin im Jahre 1950 eine Anleihe von 26,500,000 D-Merk,
um ein komplettes Dampfkraftwerk anzukaufen. Dieses Kraftwerk
soll die Wasserkraftwerke Norditaliens in jenen Faellen mit
Strom versorgen, wo durch Stromauafaelle die Versorgung der
Industrie gefaehrdet ist - bei Wasserkraftwerken ist dies
vor allem in den Sommermonaten der Fall. Turin, das wichtigste
Industriezentrum Italiens, hat 'seit Ende des Krieges besonders
schwer unter Stromkuerzungen und -ausfaellen gelitten. Das
neue Werk wird dazu beitragen, diesen Mangelzustand zu beheben. Insgesamt hat Italien bis zum 30 Juni 1951 mehr als 570
Millionen D-Mark zum Bau von Kraftwerken aufgewendet, die ECA
hat sich daran mit 277 Millionen D-Mark beteiligt.
Die Erweiterung des Kyndby-Kraftwerkes auf der daenischen Insel Seeland, deren Kosten sich auf 42 Millionen D-Mark
belaufen; sollen noch in diesem Jahre fertiggestellt sein.
Das Kraftwerk Kyndby wird gemeinschaftlich mit zwei, anderen
Kraftwerken auf Seeland und zusaetzlichen Stromlieferungen aus
Schweden das oestliche Daenemark bis zu 90 Frozant mit Strom
versorgen. Die Baukosten fuer dieses Projekt wurden zur Haelfte aus Marshallplanmitteln bestritten. Die Erweiterung des
Kjtadby-Werkes ist nur ein Teil des Plans der d&amp;enlschen Regierung, Daenemark voellig von den kleinen, unwirtschaftlichen
und unrentablen Kraftwerken unabhaengig zu machen.
In Deutschland hat die Erweiterung des Kraftwerks Hannover-Ost wesentlich zu dem schnellen Wiederaufbluehen des Kamburger Hafens beigetragen. Eine Marshallplanzuwendung von
10,000,000 D-Mark nachte es moeglich, die Energieerzeugung
von 70,000 kw auf 140,000 kw zu steigern. Die Fertigstellung
dieses Dampfkraftwerkes hat den groesseren Strombedarf, der
auf die allgemeine Wiederbelebung der Industrien im Hamburger
Gebiet zurueckzufuehren ist, decken koennen. Eine weitere Zuwendung von 11,000,000 D-Mark bestritt die Baukosten der neuen

- 14 -

�110,000 kw Ueberlandleitung von Hannover-Ost nach Hamburg,
ueber die der Strom des Kraftwerkes in das Netz geleitet
wird. Die Gesamtkosten fuer diese beiden Projekte betrugen
27,000,000 D-Mark. Ton dieser Summe stammen 21,000,000 DMark aus Marshallplanmitteln und 6,000,000 D-Mark aus privaten Quellen.
Es besteht bereits ein gewisser Stronaustausch zwischen
den benachbarten europaeischen Laendern. Es ist jedoch nicht
moeglich, das Stromdsfizit durch eine Kopplung der bestehenden europaeischen Netze zu ueberbruecken. Ueberschuesse be.stehen an 3ich haeufiger eis Defizite, aber sie bestehen
nicht zur gleichen Zeit, ein gesanteuropaeisches Netz wuerde
daher die Schwierigkeiten zur Zeit noch nicht beseitigen
koennen.
Um diesen Strommangel zu beheben, hat sich die Karshallplan-Verwaltung dafuer eingesetzt, zusaetzliche Kraftwerke in
den Laendern mit einem hohen Stromdefizit zu errichten, waehrend in den Laendern, die durch neue Ueberlandleitungen zu eii ner Verminderung des Defizits beitragen koennen, diese Leitungen und Transf or:;»atorenstationen erbaut werden muessen.
Es wurde auch besonders darauf. Wert gelegt, Waermekraftwerke zu errichten, um einen besseren Ausgleich zwischen
Waerme- und Wasserkraftwerken zu erzielen, um damit die saisonbedingten Maengel besser zu ueberwinden.
Es ist das Ziel der ECA, die europaeische Energieversorgung duroh Errichtung neuer und Erweiterung bestehender
Kraftwerke um fuenf Millionen kw pro Jahr zu steigern, damit
bedeutend mehr PS hinter jedem europaeischen Arbeiter stehen
und somit die Voraussetzungen fuer eine staendig wachsende
Produktion gegeben sind.
ECA Information
Heilmittel und medizinische Geraete durch den Marshallplan
fuer Europa
Radium, eiserne Lungen und DDT, die im Rahmen der Marshallplan-Hllf3massnahmen nach Westeuropa geschickt wurden,
waren fuer die Wiedergesundung dieses Kontinents von einer
Bedeutung, die bei weitem in keinem Verhaeltnis zu den Kosten
steht.
Von Beginn des Marshallplans im Fruehjahr 1948 bis zum
30. Juni 1951 waren aus Marshallplanmitteln insgesamt 200
Millionen D-Mark fuer Arzneien und medizinische Geraete aufgewendet worden. Wunderwirkende Heilmittel und moderne
Heilmethoden haben den Europaeern geholfen, sich einen normalen Gesundheitszustand wieder zu verschaffen. Die Krebsforschung in Frankreich, die Belieferung Hollands mit Brutkasten fuer fruehgeborene Kinder und die Herstellung Jcuen3tlicher Glieder in Griechenland sind einige Beispiels fuer
die Arbeit auf medizinischem Gebiet, die in Europa unter
verhaeltnismaessig geringem Kostenaufwand geleistet werden
konnte.
Die Entwicklung der pharmazeutischen Industrie in Frankreich in den letzten drei Jahren ist beispielhaft fuer das
Wiedererstarken Westsuropas unter dem Marshallplan. Unmittel-

- 15 -

�bar nach dem Kriege, aber noch vor dem Einsetzen des Marshallplans, hatte Frankreich fuer Penicillin, Streptomyzin und
andere Antibiotika 15 Millionen D-Mark ausgegeben. Damit war
bei weitem der Bedarf Frankreichs nicht gedeckt, aber es verfuegte nur ueber geringe Dollarreserven. Seit Beginn des
Marshallplans hat Frankreich Heilmittel dieser Art im "Werte
von 42 Millionen D-Mark erhalten.
Gleichzeitig konnte in diesem Land selbst dank der Hilfe
des Technischen Unterstuetzungsprogramms der ECA mit der Herstellung solcher Heilmittel begonnen werden; heute ist Frankreich sogar in der Lage, bestimmte Arzneien zu exportieren.
Vor kurzem wurden 2,250,000 D-Mark fuer den Bau von zwei Streptomyzin- Werken bereitgestellt, deren Produktion den gesamten
Inlandsbedarf decken wird.
Auch die Krebsforschung und -behandlung wurde in Frankreich
mit ECA Mitteln gefoerdert. Dank einer Sendung von 10 Milligramm Radium im Werte von 336.000 D-Mark konnte die groesste
radiumtherapeutische Klinik Frankreichs weiterarbeiten. Fuenf
Spezialinstrumente, "Autotechnicons" genannt, die bei der
•
Kreb3diagnose das Gewebe automatisch untersuchen, wurden ebenfalls nach Frankreich geliefert. Mit diesen Geraeten koennen
in unterbrochenem Arbeitsgang viermal so viel Untersuchungen
durchgefuehrt werden wie bei dem alten Handverfehren.
Mit dem Flugzeug wurden drei "Eiserne Lungen" nach
Paris gebracht, die zur Bekaempfung der spinalen Kinderlaehmung in dem kritischen Jahr 1949 benoetigt wurden. Flugzeugladungen von DDT, dem bekannten Insektenbekaempfungsmlttel,
wurden nach Europa geschickt, um unter der Anleitung amerikanischer Spezialisten bei einer Malaria-Bekaempfungskampagne
verwendet zu werden. Groessere Mengen gingen zum gleichen
Zweck nach Franzoesisch Afrika. Dem Institut Pasteur in Saigon wurden zur Bekaempfung der Tuberkulose medizinische Geraete
im Vferte von 84,000 D-Mark zur Verfuegung gestellt.
Die Modernisierung und Neuausruestung der Penicillinwerke
in Daenemark und Oesterreich wurde durch einen Zuschuss aus
Marshallplanmitteln in Hoehe von 945.000 D-Mark ermoeglioht.
Die Penicillin-Fabrik in Daenenark kann nun auch Korwegen und
Schweden versorgen, waehrend sich das in Oesterreich erzeugte
Penioillin durch eine besondere Haltbarkeit auszeichnet und
gespeichert werden kann, um etwaigen Notfseilen vorzubeugen.
Zwei Sachverständige aus England, die von der ECA bezahlt
werden, leiten die Herstellung und das Anpassen von kuenstlichen Gliedern in einer grossen orthopaedischen Werkstaette in
Griechenland. Ueber 20,000 Amputierte, groesstenteils Kriegsopfer, werden in einem benachbarten Hospital behandelt, das
zu einem grossen Teil mit Hilfe der ECA erweitert una modernisiert werden konnte.
Wie diese Beispiele zeigen, ist dioser uralte Kampf, in
den die Menschheit von Jeher verwickelt ist, na.emlich der
Kampf gegen Krankheit und Tod, in den letzten drei Jahren
mit Hilfe des Marshallplans in Europa erfolgreich gefuehrt
worden.
ECA Information

- 16 T D c » W7» (I II

�Internationale

ARBEITSHITTEILUNCEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
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aufzufassen.

V - 6

F r a n k f u r t , den 1 4 . iLärz 1952

I N H A L T S V JS R Z ii I C H K I S

Soziale Sicherheit in den Vereinigten Staaten ..
Wright Mills neue Theorie ueber den Angestelltenberuf

1

13

Soziale Sloherhelt in den Vereinigten Staaten
Die meisten Europaeer sehen die sozialen Verhaeltnisse
Amerikas so, wie sie die sozialkritisohen Romane Steinbeeks
und Dos Passos vor zwanzig Jahren geschildert haben. Amerika
ist fuer sie ein Land, in dem ein freies kapitalistisches
Wirtschaftssystem Aufstiegsmoegliohkeiten fuer jeden, soziale
Sloherhelt aber fuer niemand bietet. Sie sahen auf der einen
Seite den "self-made businessman", der sioh vom Zeitungsverkaeufer emporgearbeitet hat, auf der anderen den Fabrikarbeiter, fuer den niemand sorgt, wenn er einmal arbeitsunfaehig
geworden ist.
Dass dieses soziale Bild trotz der veraenderten Verhaeltnisse nooh immer vorherrscht, ist wohl der Eindringlichkeit
einer kuenstlerisohen Darstellung zuzusohreiben. Aber auoh
eine gewisse Propaganda hat dazu beigetragen, dieses Bild zur
Foerderung ihrer Ziele festzunageln. So haben es zum Beispiel
die Kommunisten zur Rechtfertigung des niedrigen Lebensstandards
In der Sowjetunion benuetzt. Ja, sagen sie, der amerikanische
- 1 -

I

�Arbeiter hat einen hoeheren Lohn, es stimmt, dass er sich ein
Auto kaufen kann, ein Haus, und alles was dazugehoert. Aber
im Gegensatz zum Arbeiter in der UdSSR steht er ohne sozialen Schutz da.
Wie liegen die Verhaeltnisse aber wirklich? Die letzten
fuenfzehn Jahre haben nahezu jedem Lohnempfaenger in den Vereinigten Staaten eine ausreichende soziale Sicherstellung gebracht. Daneben beziehen 7,650.000 Arbeiter auf Grund von
Kollektivvertraegen Sozialleistungen wie Altersrente, Unfallentschaedigung und Krankengeld.
Die vorliegende Zusammenfassung ist fuer Gewerkschafter,
Sozialwissenschafter und alle jene gedacht, die ein klares
Bild des Sozialversicherungswesens der Vereinigten Staaten bekommen wollen.
*

*

*

Das Gesetz aus dem Jahre 1950 sieht erhoehte Bundesversicherungsleistungen fuer Millionen neuer Berechtigter vor.
AUS DEM INHALT: EINLEITUNG. - FUENFZEHN JAHRE BUNDES-SQZIALVERSICHERUNGEN. Ihre vordringlichsten Aufgaben: Kinderhilfe,
Blinden-, Alters- und Arbeitslosenunterstuetzung. DIE VERWALTUNGSTECHNISCHE ORGANISATION DES SOZIALVERSICHERUNGSWESENS
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN. DAS GESETZ AUS DEM JAHRE 1950.
EIN BEDEUTENDES HILFSPROGRAMM FUER ALTE ARBEITER UND IHRE
FAMILIEN: Weitere Vorteile des neuen Gesetzes; ein wesentlicher Fortschritt, der in kuenftigen Errungenschaften seine
Fortsetzung finden wird.
E i n l e i t u n g
Am 28. August 1950 hat Praesident Trurnan die "Novelle
aus dem Jahre 1950 zum Sozialversicherungsgesetz" unterzeichnet, das eine Reform des seit dem Jahre 1935 in den Vereinigten Staaten in Geltung gewesenen Bundes-Sozialversicherungagesetzes darstellt. Die neuen Massnahmen stellen einen wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiete der Altersversorgung, Familienunterstuetzung, Arbeitslosenunterstuetzung, Unterstuetzung
der Hilfsbeduerftigen, der Blinden und aller derjenigen dar,
denen das Schicksal einen angemessenen Lebensunterhalt versagt
hat.
Das Gesetz aus dem Jahre 1950 sieht vor allem eine Erhoehung der Anzahl der Arbeiter, die zum Bezug einer bundesstaatlichen Altersrente berechtigt sind, vor. Diese stieg von
35,000,000 auf 45,000,000. Hier sind die Nutzniesser vor
allem diejenigen, denen bisher kein Schutz durch Altersversorgung zustand. Es handelt sich hierbei um folgende Gebiete:
Landwirtschaft: 850.000 Arbeitende; selbstaendig, nicht in
der Landwirtschaft Erwerbstaetige: 4,700.000 Arbeitende;
Haushalt: 1,000.000 Arbeitende.
Ausserdem werden 3,000.000 pensionierte Arbeiter schon
ab September 1950 eine hoehere Rente erhalten und ab 1. Januar
1950 - diese Massnahmen sind inzwischen zum Gesetz geworden werden drei von vier in der Wirtschaft taetige Amerikaner
sozialversichert sein; eine Massnahme, die darauf hinzielt,
alte Leute vor drohender Armut zu schuetzen. Von der finanziellen Seite aus gesehen gibt diese neue Massnahme die Moeglichkeit, die monatliche Rente fuer alte Arbeiter und ihre
2 -

�Familien um durchschnittlich 77,5$ zu erhoehen. Dadurch wird
die vom Bundesstaat gewaehrte Alterspension durchschnittlich
46 Dollar gegenueber der frueher gezahlten Rente von 26 Dollar
betragen. Der monatliche Rentenanspruch eines Amerikaners
ohne Familienangehoerige kann unter dem neuen Gesetz 68,5 Dollar erreichen. Fuer Arbeiter mit Familienangehoerigen wurde
die Maximalgrenze von 85 Dollar auf 150 Dollar im Monat erhoeht.
Dennoch umfasst die "Novelle zum Sozialversicherungsgesetz" aus dem Jahre 1950 nur einen Teil des Gebietes, das in
Europa im allgemeinen als "Sozialversicherung" bezeichnet
wird. Zum Beispiel sind in den Vereinigten Staaten die Arbeiter durch andere bundesgesetzliche Massnahmen und durch Gesetze der einzelnen Bundeslaender, durch die fast saemtliche
Arbeiter und Angestellte erfasst werden, gegen Arbeitsunfall
geschuetzt. Ausserdem ist die berufliche Umschulung und Wiedereinstellung der Kranken, Invaliden und der Arm- und Beinamputierten Gegenstand eines sehr fortschrittlichen bundesstaatlichen Hilfsprogramms, das unter dem Titel "Wiedereinstellung der Invaliden und Kranken in den Vereinigten Staaten"
im US-Bundesgesetzblatt Nr. 23 vom 1. Juli 1950 veroeffentlicht
wurde.
Alles in allem haben die Bundesregierung, die einzelnen
Landesregierungen und die Gemeinden im Jahre 1949 einen Gesamtbetrag von 10,500.000,000 Dollar zur Finanzierung der Sozialversioherungs-Gesetze und -Programme auf den verschiedenen Gebieten ausgegeben, waehrend die zahlreichen privaten Wohlfahrtsorganisationen auf dem Gebiete der Altersversorgung,
der Unterstuetzung der Kinder, der Invaliden, etc. im vergangenen Jahr 2,000,000,000 Dollar fuer Programme, die mit den
oeffentlichen Massnahmen parallel laufen, ausgegeben haben.
Ausserdem ist die Zahl der amerikanischen Handels- und
Industriebetriebe im staendigen Anwachsen begriffen, die zusaetzlich zu den staatlichen Sozialversicherungsmassnahmen «in System der Pensions-, Kranken-, Arbeitsunfallversicherung
einfuehren, durch das in vielen Faellen die oben erwaehnten
Altersrenten nicht nur wesentlich erhoeht, sondern sogar verdoppelt werden. Zu den Schutzmassnahmen, die den Arbeitnehmern und ihren Familien vom Staate und von privater Seite auf
diesen verschiedenen Gebieten geboten werden, kommen noch die
oft bedeutenden Zuwendungen der verschiedenen Gewerkschaftsverbaende, die hilfsbeduerftigen Arbeitern zugute kommen.
Die Reichweite der neuen staatlichen Bemuehungen auf dem
Gebiete der Sozialversicherung wird durch die Tatsache beleuchtet, dass im Juni 1950, als die neuen gesetzlichen Bestimmungen
noch nicht in Kraft waren, 2,930,357 Personen eine staatliche
Unterstuetzung im Rahmen des Alters- und Hinterbliebenen-Versorgungsprogrammes erhielten, was einer Ausgabe von 60,681,000
Dollar aus oeffentlichen Geldern entspricht. Vom Juni 1936
bis Juni 1950 betrugen die Ausgaben des Bundessohatzes fuer
diesen Zweok ueber 3,375.000.000 Dollar.
Im Juni 1950 hat die Bundesbehoerde folgende Betraege zur
Finanzierung der oeffentlichen Unterstuetzungsprogramme der einzelnen Staaten der Union zugeteilt: 122,350,600 Dollar fuer
2,790,068 Faelle von Altersfuersorge; 4,394,000 Dollar fuer
95,418 Faelle von Blindenfuersorge; 46,035,000 Dollar fuer Kinderbeihilfe (1,659,766 Kinder). In der Zeit von Juni 1936 bis
Juni 1950 beliefen sich die bundesstaatlichen Ausgaben fuer
- 3 -

�oeffentliche Wohlfahrt auf insgesamt 13,028,000,000 Dollar.
Im folgenden werden wir sehen, dass die Bundesregierung eine
Ausdehnung dieser Hilfeleistung auf Personen, die unfreiwillig
der Oeffentlichkeit zur Last fallen, ins Auge fasst.
Bevor wir auf die neuen, in der "Novelle aus dem Jahre
1950 zum Sozialversicherungsgesetz" enthaltenen Massnahmen der
Sozialversicherung eingehen, wird es zweifellos zweckmaessig
sein, die seit dem Inkrafttreten des Sozialversicherungsgesetzes aus dem Jahre 1935 erzielten Erfolge einer kurzen Betrachtung zu unterziehen und einen allgemeinen üeberblick ueber
die verwaltungstechnische Organisation des heute in den Vereinigten Staaten bestehenden Sozialversicherungs-Systems zu geben.
FOnfzehn Jahre Bundes-Sozialversioherung
Schon vor Unterzeichnung des Sozialversicherungsgesetzes
durch Praesident Roosevelt am 14. August 1935 gab es in den Vereinigten Staaten eine Reihe von Sozialversicherungs-Kasanahme».
In vielen Staaten waren schon seit Jahren gesetzliche Bestimmungen in Kraft, nach denen Arbeitern, die erkrankt waren oder
waehrend der Ausuebung ihres Berufes einen Unfall erlitten haben, eine Entschaedigung bezahlt werden musste. Bundeseinheitliche Gesetze sorgten ebenfalls fuer den Schutz der Seeleute
und der Arbeiter in anderen Berufsgruppen.
Ein besonderes Programm der Bundesregierung sah die Auszahlung einer jaehrlichen Altersrente an Eisenbahner und Staatsbeamte vor, waehrend durch Staatsgesetze und oertliche gesetzliche Bestimmungen fuer Zahlung einer Pension an Angestellte
und Arbeiter des oeffentlichen Dienstes gesorgt war.
Das Gesetz aus dem Jahre 1935 ist ein Markstein, weil es
die erste gemeinsame Aktion aller Regierungsstellen - der Bundesregierung, der einzelnen Staatsregierungen und der oertlichen
kommunalen Verwaltungshehoerden - ist, um das Problem der wirtschaftlichen Stabilitaet, insoweit sie von der Sicherheit der
Arbeitnehmer und ihrer Familien beeinflusst wird, zu loesen.
Es gab den einzelnen Staaten auch die Moeglichkeit, das System
der Krankenversicherung und des Wohlfahrtswesens auszubauen.
Das Gesetz, das eine Bestaetigung des oeffentlichen Einverstaendnisses mit der Auffassung, der Staat trage die Verantwortung fuer die soziale Sicherstellung der Allgemeinheit, darstellt, war das Ergebnis einer langjaehrigen Entwicklung des
amerikanischen Wirtschafts- und sozialen Lebens. Im Laufe
eines halben Jahrhunderts wurde aus einem Agrarstaat ein Handels- und Industriestaat. An Stelle der Einfamilien-Farm, die
Familienmitglieder aller Altersstufen und beider Geschlechter
mit Unterhalt und produktiver Arbeit versorgte, trat als Grundlage der industriellen Wirtschaft die Familie mit ihrem Wohnsitz
in der Stadt, fuer deren Unterhalt ein "Familienerhalter" sorgte,
der im Gehalts- oder Lohnverhaeltnis stand. So kam es, dass
Arbeiter, deren Kraefte infolge vorgeschrittenen Alters nachgelassen hatten, schwer Arbeit finden konnten, andererseits aber
nicht ueber genuegend Ersparnisse verfuegten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das Problem wurde dadurch noch ernster,
dass die Bevoelkerung Amerikas sich im Laufe von fuenfzig
Jahren beinahe verdoppelt hatte, wodurch sich auch die Anzahl
von alten Leuten erhoehte; dabei erhoehte der rasche Fortschritt
auf dem Gebiete der Wissenschaft und der Hygiene die allgemeine
Lebensdauer ganz wesentlich. Die allgemeine Unsicherheit, die
durch diesen Stand der Dinge in einem hochentwickelten Industriestaat waehrend der wirtschaftlichen Depression in den Vereinlg-

- 4 -

�ten Staaten vor zwanzig Jahren geschaffen wurde, beeindruckte
die oeffentliche Meinung sehr stark. Die alten Arbeiter waren
natuerlich diejenigen, die zuerst und am schwersten betroffen
waren, denn sie waren die ersten, die entlassen, und die
letzten, die wieder aufgenommen wurden. Der Staat zog die
Konsequenz aus dieser Situation und beschloss einzugreifen,
was schliesslich zum irlass des Sozialversicherungsgesetzes
im Jahre 1935 fuehrte.
Vordringlichste Aufgabe:
Oscar. R. Ewing, der Leiter des Sozialversicherungswesens,
wies kuerzlich auf die durch Bundesgesetze erzielten Fortschritte auf dem Gebiete der Kinderfuersorge hin und stellte
fest, dass die Summe der ifiinzelleistungen, die im Laufe der
letzten fuenfzehn Jahre im Rahmen der Sozialversicherung ausbezahlt wurden, 24,000,000,000 Dollar betrug.
Sin Grossteil dieses Betrages war fuer die Verbesserung
der Kinderfuersorge bestimmt, so dass die Saeuglingssterblichkeit von 1935 bis 1948 um 57 Prozent herabgedrueckt wurde,
wobei die Todeszahl innerhalb eines Jahres von 56 auf 32 pro
1000 Lebendgeburten sank, innerhalb des gleichen Zeitraumes
sank die Sterblichkeit bei Kindern im vorschulpflichtigen
Alter ( 1 - 4 ) um 64 Prozent und bei Kindern im schulpflichtigen Alter um 57 Prozent. Die Zahl der Todesfaelle durch die
verbreitetsten Kinderkrankheiten (Diphtherie.Scharlach, Keuchhusten und Masern) verminderte sich um 88 rrozent. Die Sterblichkeit bei Woechnerinnen nahm ebenfalls zusehends ab, naemlich um 79,5 Prozent oder von 58 auf 12 Todesfaelle pro
10,000 Lebendgeburten. Der Prozentsatz an ülntbindungen in Kliniken erhoehte sich von 37 auf 86. Obowhl wir nicht behaupten
koennen, dass das Sozialversicherungsgesetz die Ursache aller
dieser begruessenswerten Fortschritte ist, so hat das Gesetz
dabei doch eine wesentliche Rolle gespielt.
Ausser Barzahlungen sah das Gesetz aus de« Jahre 1935 ein
Programm vor, das den einzelnen Bundesstaaten fuer den Ausbau
des oeffentllchen Gesundheitsdienstes und der Kinderfuersorge
Hilfe gewaehrte. Diese llittel - die in der Form aerztlicher
Betreuung, ürforschung der Kinderkrankheiten, Aufrechterhaltung
von Betreuungsstellen usw. zur Verwendung kamen - beliefen
sich im Laufe von fuenfzehn Jahren auf 189,367,598 Dollar.
Vor 1935 gab es in den Bundesstaaten verschiedene Formen
der Unterstuetzung fuer Kinder armer Familien, aber in vielen
Bezirken bestanden ueberhaupt keine Betreuun^seinrichtungen.
Im Jahre 1934 wurden 280,000 Kinder unterstuetzt; die Zahlungen waren sehr niedrig und betrugen durchschnittlich monatlich
11 Dollar pro Kind. Kraft des Gesetzes aus dem Jahre 1935 kamen
Programme, die gemeinsam von den einzelnen Staaten und der
Bundesregierung finanziert wurden, in allen Staaten zur Durchfuehrung, mit Ausnahme von Nevada, wo sie wegen der sehr geringen Bevoelkerungsdichte ueberfluessig sind. Zur Zeit werden
durch diese gesetzlichen Bestimmungen ueber 1,600,000 Kinder
unterstuetzt, wobei die durchschnittliche iüonatsleistung 46
Dollar pro Kind und fast 73 Dollar pro unterstuetzter Familie
betraegt. Von Juni 1935 bis Juni 1950 wurden von den oeffentlichen Dienststellen 2,756,000,000 Dollar fuer dieses Gebiet
der Sozialfuersorge aufgewendet.
Blinden-. Alters- und Arbeitslosen-Unterstuetzung
Vor 1935 bestanden in siebenundzwanzig Staaten gesetzliche
- 5 -

�Bestimmungen fuer Darzahlungen an Blinde. 32.000 bis 34.000
Blinde erhielten im Jahre 1934 eine monatliche ünterstuetzung
von ungefaehr 20 Dollar. Derzeit erhalten 77.000 Blinde im
Rahmen de3 Programms der Bundesregierung eine monatliche Ünterstuetzung von durchschnittlich 47 Dollar. Durch das Gesetz
vom Jahre 1950 werden weitere 18.000 Personen, die bisher nur
in den Staaten Pennsylvania, Missouri, Nevada und Alaska unterstuetzt wurden, in das Programm einbezogen. Von 1935 bis 1950
wurden 287,000.000 Dollar fuer Blindenunterstuetzung veranschlagt.
Vor 1935 gewaehrten ungefaehr dreissig Staaten armen
alten Leuton eine Ünterstuetzung. Im Jahre 1934 erhielten
235.000 alte Leute eine monatliche ünterstuetzung von durchschnittlich 14 Dollar. Das Gesetz vom Jahre 1935 schuf zwei
Gruppen von Unterstuetzungsempfaengem: diejenigen, die vor
ihrer Pensionierung regelmaessig Zahlungen an die oeffentliche
Pensionsanstalt leisten, und solche, die eine ünterstuetzung
von einem oeffentlichen Fonds fuer die ünterstuetzung armer
alter Leute beziehen. Die erste Gruppe umfasst 2,100.000
Personen, die derzeit Unterstuetzungen beziehen, sowie 750.000
junge Muetter und Kinder, die ebenfalls innerhalb dieser Aktion
unterstuetzt werden.
Vor dem Inkrafttreten des Gesetzes aus dem Jahre 1950
waren 35,000.000 der insgesamt 64,000.000 Arbeiter und Angestellte durch die staatliche Altersversicherung erfasst. Zur
Zeit sind weitere 10,000.000 Personen altersversichert, wobei
die Altersrenten um durchschnittlich 77 Prozent erhoeht wurden,
wie aus der folgenden Analyse der neuen gesetzlichen Bestimmungen hervorgeht. Die Unterstuetzungen, die im Juni 1950 unter
dem Titel Altersversicherung gemaess den gesetzlichen Bestimmungen des Jahres 1935 gewaehrt wurden, beliefen sich auf
3,375,556,469 Dollar. Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass
nicht nur dem pensionierten Arbeiter oder Angestellten die
Altersrente zugute kommt, sondern auch seiner Frau und den von
ihm unterhaltenen Familienmitgliedern. Wenn wir in Betracht
ziehen, da3S eine amerikanische Familie im Durchschnitt 3,6
Mitglieder hat, koennen wir sehen, dass die Altersversicherung,
die 45,000.000 Arbeiter und Angestellte erhalten, tatsaechlich
130,000.000 Amerikanern zugute kommt, d.h. dem groessten Teil
der Bevoelkerung von 150,500.000 Einwohnern, die eine Alteraversicherung benoetigen.
An hilfsbeduerftige, alte Leute, die keine Altersrente
und keine ünterstuetzung durch das oeffentliche Versicherungsprogramm beziehen, wurde innerhalb von fuenfzehn Jahren ein
Betrag von 9,985.000.000 Dollar an Unterstuetzung3g»ldern ausbezahlt. Zwei Millionen neunhunderttausend Personen dieser
Gruppe erhalten jetzt als ünterstuetzung unter diesem Titel
eine monatliche ünterstuetzung von durchschnittlich 44 Dollar.
Die Bundesregierung kommt fuer die Haelfte der Spesen auf, die
durch die Durchfuenrung dieses Programms in den einzelnen Staaten sich ergeben.
Vor 1935 bezahlte ein einziger Staat, naemlich Wisconsin,
Durch das Sozialversicherungsgesetz aus dem Jahre 1935 kamen saemtliche Staaten in den Genuss
dieser Unterstuetzungsmassnahme, nach der arbeitslose Amerikaner
innerhalb eines Zeitraumes von fuenfzehn Jahren insgesamt
7,949,549.413 Dollar erhielten.

Arbeitslosenunterstuetzungen.

Im Juni 1949 waren 31,500.000 Arbeiter arbeitslosenversichert, wodurch ihnen im Falle "vollkommener Arbeitslosigkeit"
- 6

�eine woechentliche Unterstuetzung von durchschnittlich - nicht
maximal - mehr als 20 Dollar zusteht, was einer monatlichen
Arbeitslosenunterstuetzung von ungefaehr 85 Dollar entspricht.
Dank dieser Massnahmen wurden die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit, die am 3nde des Jahres 1948 und waehrend des ersten
Halbjahres 1949 ein alarmierendes Ausmass anzunehmen drohten,
sehr abgeschwaecht.
Der Aufbau des oel'fentlichen Versicherungs-Systems in den Vereinigten Staaten
Durch das Versicherungsgesetz aus dem Jahre 1935 wurde
das Unterstuetzungssystem in den Vereinigten Staaten nach acht
Programmen organisiert, zu deren Durchfuehrung eine Einteilung
in drei verschiedene Untorstuetzungskategorien vorgenommen
wurde:
1.

2.

3.

Sozialversicherung
a)

Arbeitslosenversicherung

b)

Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung

Staatliohe Unterstuetzung der Hilfsbeduerftigen
a)
b)

Altersfuersorge
Blindenfuersorge

c)

Kinderbeihilfe

Allgemeine Kinderfuersorge

a) "Mutter und Kind"-Gesundheitsdienst
b) Befuersorgung verkrueppelter Kinder
o) ..ohlfahrtswesen fuer Kinder
Das Versicherungsgesetz ist ein Bundesgesetz, aber die
Bundesregierung fuehrt nur eines der obengenannten Programme
durch: die Alters- und Hinterbliebenenversicherung. Die uebrigen sieben Programme werden von den einzelnen Statten unter
Vitarbeit und finanzieller Unterstuetzung seitens der Bundesregierung durchgefuehrt. Diese Kittel gelangen durch das
Finanzministerium zur Verteilung, und zwar im Einvernehmen mit
der Bundesbehoerdo fuer soziale Verwaltung, des U.S.-Bundesamtes
fuer soziale Fuersorge, einer autonomen Organisation, der
ausser den Betreuungsinstitutionen das Erziehungswesen, der
oeffentliche Gesundheitsdienst, die Ueberwachung der Lebensmittel und Medikamente, sowie die Abteilung "Berufliche Umschulung und Wiedereinsteliung" des Gesundheitsamtes unterstehen.
Auf dem Gebiete der Altersversicherung wurden gleich zu
Beginn gewisse prinzipielle Richtlinien festgelegt: die Arbeiter fuehren einen geringen Prozentsatz ihres Einkommens an
den Bundesfonds ab; das Ausmass der Altersrente muss nicht unbedingt mit der noehe der Betraege in Einklang stehen, die
die Arbeiter an den Fonds leisten. Um Anspruch auf eine Altersrente erheben zu Koennen, muessen die Arbeiter waehrend einer
festgesetzten Mindestzeit ihre Beitraege geleistet haben.
Auf dem Gebiet der Arbeitslosenversicherung hat das Sozialversicherungsgesetz nicht fuer ein bundeseinheitiicnes Arbeitslosenversicherunrssystem Vorsorge retroffen, sondern errcoeglichte
es den einzelnen Staaten, ihre eigenen Plaene auszuarbeiten.
Im Itehmen dieses Gesetzes wurde eine Bundessteuer vorgeschrieben,
- 7 -

�die von gewissen Unternehmungen, die mehr als sieben Personen
beschaeftigen, erhoben wird. Jeder Staat erlaesst seine
eigenen Gesetze, die bestimmen, wer und wieviel Personen Anspruch auf Arbeitslosenunterstuetzung haben und fuer welche
Zeitspanne diese gewaehrt wird. Die woechentliche Unterstuetzung, deren Hoehe in den einzelnen Staaten verschieden
ist, betraegt im allgemeinen die Haelfte des Wochenlohnes des
betreffenden Arbeiters.
Von der staatlichen Unterstuetzung, die Hilfsbeduerftigen
dank der Geldmittel, die die Bundesregierung den einzelnen
Staaten fuer diesen Zweck zur Verfuegung stellt, gewaehrt wird,
werden nur Personen ueber 65 Jahre, Blinde, Kinder unter sechzehn und 16- und 17-jaehrige Kinder, die regelmaessig die
Schule besuchen, erfasst. Durch das Gesetz aus dem Jahre 1950
kam eine vierte Gruppe von Unterstuetzungsempfaengern hinzu:
Amerikanische Staatsbürger ueber 18 Jahre, die vollkommen
berufsunfaehig sind.
Die Hoehe des Beitrages, den die Bundesregierung in den
einzelnen Staaten zur Durchfuehrung ihrer Frogramme auf dem
Gebiete derfciuetterfuexsorge,der Bekaempfung von Kinderkrankheiten, der Unterstuetzung verkrueppelter Kinder und der allgemeinen Kinderfuersorge gewaehrt, wird je nach der Dringlichkeit bestimmt, die aus den Plaenen ersichtlich ist', die die
einzelnen Staaten jaehrllch bei der Bundesverwaltungsbehoerde
einreichen muessen. Die Differenz zwischen dem Gesamtbetrag
der Unterstuetzung und dem Bundesbeitrag wird von den einzelnen Staaten finanziert. Die von den Staaten aufgestellten
Plaene beziehen sich auf folgende Details: Arztvisiten,
Schwangerschaftsbetreuung, Konferenzen ueber die Gesunderhaltung der Kinder, Gesundheitsdienst in Sohulen, Krankenpflege
in Kliniken, Schulen und daheim, aerztliche Betreuung und
haeusliche Pflege der Woechnerinnen vor und nach der Geburt,
Lehrvortraege fuer Aerzte, Zahnaerzte und Pflegerinnen ueber
Fragen der Kinderkrankheiten, strenge aerztliche Ueberwachony
verkrueppelter Kinder, Unterbringung dieser Kinder in besonderen Heimen zum Zwecke ihrer Erziehung und Eingliederung in
die menschliche Gesellschaft, unterstuetzung von Waisen und
Kindern hilfsbeduerftiger Eltern, Erziehung und Betreuung der
verwahrlosten Jugend.
Das Gesetz aus dem Jahre 1950 - Ein bedeutendes Hilfsprogramm
fuer alte Arbeiter und deren Familien""
Das Gesetz, das Praesident Triiman am 20. August 1950 unterzeichnete, enthaelt ungefaehr dreissig groessere Abaenderungen
des Sozialversicherungsgesetzes aus dem Jahre 1935, durch das
die staatlichen Hilfsmassnahmen fuer pensionierte Arbeiter
und ihre Familien bedeutend erweitert werden. Es enthaelt
auch wichtige Bestimmungen, auf deren Grundlage Personen sieben
anderer Kategorien des Sozialversicherungs-Systems in den Vereinigten Staaten guenstigererUnterstuetzungsbedingungen teilhaftig werden.
Die wichtigsten Abaenderungen zu Gunsten pernsionierter
Arbeiter und ihrer Familien sind die folgenden:
1. Die Bundes-Altersversicherung erstreckt sich auf
9,700.000 Neuversicherte; von diesen werden 7,650.000 versicherungspflichtig sein, waehrend die restlichen 2,050.000 eine
freiwillige Versicherung eingehen koennen, vorausgesetzt, dass
- 8 -

�sich ihre Arbeitgeber damit einverstanden erklaeren, die Bundesabgaben fuer Sozialversicherung zu bezahlen. Mach dem Gesetz aus dem Jahre 1950 werden von der Gesamtzahl von ueber
64,000.000 Beschaeftigten, 44,700.000 versichert sein, gegenueber 35,000.000 im Jahre 1935. Die Neuversicherten sind hauptsächlich: 4,700.000 Selbstaendige,nicht in der Landwirtschaft.
Erwerbstaetige mit einem Mindest-Nettoeinkommen von 400 Dollar
im Jahr, ausgenommen: Aerzte, Zahnaerzte, Tieraerzte, Ingenieure »Architekten und gewisse andere lierui'sgruppen; 850.000
Landarbeiter; 1,000.000 Hausangestellte; 600.000 Angestellte
nicht auf Gewinn abzielender Unternehmungen (freiwillige Versicherung); 1,450.000 Angestellte der Staats- und Landesregierungen (grossenteils freiwillig Versicherte); 200.000 Beamte der
Bundesregierung; 150.000 Amerikaner, die in Gebieten ausserhalb
der Vereinigten Staaten beschaeftigt sind; Arbeiter und Angestellte aus Puerto Rico und den Virginia Inseln; 350.000 Personen, die zugleich Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind.
2. Fuer Arbeiter und Angestellte, die gegenwaertig eine
Altersrente beziehen, wuerde sich diese um durchschnittlich
ungefaehr 77 Prozent erhoehen und zwar von ungefaehr 50 Prozent
fuer die hoechsten Klassen bis zu 100 Prozent fuer die untersten Klassen, wie es au3 der folgenden Tabelle ersichtlich ist:
Oegenwaertige Rente: 10 15

20 25

30 35 40 45

Neue Rente:

37 46

54 59

20 30

46 Dollar

64 68,5 68,5

n

3. Eine neue Berechnungsbasis wird angewendet, um die Renten fuer kuenftige Rentenempfaenger zu erhoehen, und um die
Altersversicherung einem groesseren Personenkreis zugaenglioh
zu machen. Die Arbeiter und Angestellten, die nach 1950 wenigstens fuer sechs Vierteljahre versichert waren, werden Anspruch
auf eine Rente haben in Hoehe von 50 Prozent der ersten 100
Dollar ihres durchschnittlichen Monatseinkommens, plus 15 Prozent fuer je weitere 200 Dollar (auf der Basis eines jaehrlichen Hoechstgenaltes von 3.600 Dollar). Die Versicherung fuer
«±0 Jahresviertel ist das Hoechstmass, das zur Erlangung des
vollen Versicherungsanspruches erforderlich ist. Nach dem Gesetz aus dem Jahre 1935 richteten sich die Renten nach einem
jaehrlichen Hoechsteinkommen von 3,000 Dollar. Infolgedessen
wird ein Arbeiter mit einem Monatseinkommen von durchschnittlich 300 Dollar, 50 Dollar von den ersten 100 Dollar seines
Gehaltes, plus 15 Prozent der restlichen 200 Dollar, das ist
30 Dollar, erhalten, wodurch er Anspruch auf eigene staatliche
Rente von insgesamt 80 Dollar im Monat hat.
4* Die Auszahlung von Renten an die hinterbliebenen Witwen und an die Ehemaenner verstorbener oder pensionierter Arbeiterinnen, die von diesen erhalten wurden, wird grosszuegig
gehandhabt. Die ueber 65 Jahre alte Gattin hat noch Anspruch
auf einen Betrag in der Hohe der halben Monatsrente des Gatten.
Nachfolgend wird eine Tabelle veroeffentlicht, aus der die Erhoehung der Renten ersichtlich ist, auf die ein alleinstehender
pensionierter Mann einerseits und der pensionierte Ehegatte
und die pensionierte Ehegattin andererseits Anspruch haben.
Pensionierter alleinstehender Mann
Nach einer Versicherungsdauer von fuenf Jahren
Durchschnittliches Monatsgehalt ... Dollar 100 200 250 300
Rente nach dem alten Gesetz
"
26
37
42 /
Rente nach dem neuen Gesetz
"
50
65
72 80
/ Nach dem alten Gesetz gab es fuer diese Gehaltsstufe keine
Altersgrenze
- 9-

�fach einer Versicherungsdauer von dreissig Jahren
Durchschnittliches Monatsgehalt ... Dollar 100 200
n
Rente nach den-alten Gesetz
32,5 45
n
Rente nach dem neuen Gesetz
i.
50
65

250
52
72

300
/
80

Pensionierter Ehegatte und pensionierte Ehegattin
Nach einer Versi.cherungsdauer von fuenf »Jahren
Durchschnittliches Monatsgehalt .. Dollar
w
Rente nach dem alten Gesetz
Rente nach dem neuen Gesetz
•

100
48
75

200
67
98

250 300
78,2 /
109 120

/ Nach dem alten Gesetz gab es fuer diese Gehaltsstufe keine
Altersrente
5. Nach dem neuen Gesetz erhaelt eine Witwe den gleichen
Betrag wie nach dem alten Gesetz - drei Viertel der urspruenglichen Rente. Im neuen Gesetz ist aber insofern eine Aenderung
vorgesehen, als die Hinterbliebenen ei/ies verstorbenen Arbeiters
eine Rente nach folgender Abstufung erhalten: Das erste Kind
drei Viertel der urspruenglichen Rente und die anderen die
uebliche Haelfte. Infolgedessen kann die an die Kinder eines
verstorbenen Arbeiters ausbezahlte Rente um ein Vielfaches
hoeher sein al3 die urspruengliche Rente, die er bei Lebzeiten
bezogen haette.
6. Nach dem abgeaenderten Gesetz wurden die Rentenbezuege
fuer einen Elternteil, fuer dessen Unterhalt gesorgt werden
muss, auf 75 Prozent der urspruenglichen Rente (gegenueber 50
Prozent nach dem alten Gesetz ) erhoeht.
7. Nach dem neuen Gesetz wird beim Tod eines Arbeiters
eine Pauschalsumme ausbezahlt, waehrend dies nach dem alten
Gesetz nur in dem Fall geschah, wenn kein Hinterbliebener Anspruch auf eine monatliche Rente hatte. Diese Pauschalsumme
betraegt das Dreifache der urspruenglichen Rente nach dem alten
Gesetz. Die Versicherten muessen den Tod eines versicherten
Arbeiters innerhalb der vorgesehenen Frist von zwei Jahren melden, um auf die Rente Anspruch erheben zu koennen, auf die
Ehegatten, Gattinnen, Kinder oder andere Versorgungsberechtigte
einen Anspruch haben.
8. Die lioehe des monatlichen Gehaltes, das ein pensionierter Arbeiter nach seiner Pensionierung beziehen darf, ohne der
Altersrente verlustig zu werden, wurde von 14,99 auf 50 Dollar
erhoeht. Ueber 75 Jahre gibt es keine solche Gehaltsgrenze
mehr.
9. In Bezug auf die Anzahl von Vierteljahren der Versicherungsdauer, die erforderlich ist, um in den Genuss einer
Rente zu gelangen, bestimmt das Gesetz, dass Uaennern, die
waehrend des 2. Weltkrieges als Soldaten gedient haben, fuer
die Zeit ihrer Dienstleistung ein Monatsgehalt von 160 Dollar
angerechnet wird, es gilt die Zusatzbestimmung, da3S diese
Beguenstigung nicht gewaehrt wird, falls die Dienstzeit bereits
bei irgendeiner anderen staatlichen Pension angerechnet wurde.
10. Es wurde vereinbart, die Bestimmungen des Gesetzes
aus dem Jahre 1950 zu folgenden Terminen in Kraft treten zu
lassen:
10 -

�Termin fuer das Inkrafttreten der neuen Bestimmungen ueber
die Versicherungsdauer: 1. Januar 1951.
Die Erhoehung der Rente bei Personen, die zur Zeit bereits eine Rente beziehen, erfolgt ab 1. September 1950.
Renten, die auf Grund der Neuformulierung des Rentengesetzes gewaehrt werden, gelangen erstmalig am 1. Kai 1952
zur Auszahlung.
.11. Die Hoechstgrenze des Jahresgehaltes, die fuer die
Berechnung der Rente in Frage kommt, wurde mit 3.600 Dollar
festgesetzt; nach dem alten Gesetz betrug die Eoechstgrenze
3.000 Dollar.
12. Die Beitragssaetze, die zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Arbeitern zu entrichten sind, wurden wie folgt
erhoeht: 1950-53, 1&amp;&gt;; 1954-59, 2%; 1960-64, 2 &amp; ; 1965-69, 3&gt;i;
1970 und spaeter, 3£-/0; selbstaendig Erwerbstaetige bezahlen
das li-fache der obigen Saetze.
Weitere Vorteile des neuen Gesetzes: Der Fortschritt, der
durch das Gesetz aus dem Jahre 1950 auf den anderen Gebieten
der Sozialversicherung erzielt wurde, kann wie folgt zusammengefasst werden:
Arbeitslosenversicherung: Die Hoechstgrenze der Unterstuetzungen betraegt, je nach dem Staat, 15 und 28 Dollar je Woche
und die Mindestgrenze 3 bis 10 Dollar je Woche. In den meisten Staaten ist die Mindestgrenze 5 Dollar; die Zeit, fuer
die Arbeiter und Angestellte zum Bezüge einer Arbeitslosenunterstuetzung berechtigt sind, betraegt, je nach dem jeweiligen
Staat, 14 bis 26 Wochen.
Altersunterstuetzung: Die Bundesregierung bezahlt 75 Prozent
der ersten 20 Dollar, die monatlich von den einzelnen Staaten
an die Rentenempfaenger ausbezahlt werden, plus 50 Prozent
des Restbetrages bis zu einer Hoechstgrenze von 50 Dollar pro
Person.
Staatliche Unterstuetzung der Kinder hilfsbeduerftiger filtern:
Die Bundesregierung kommt fuer 75 Prozent der ersten 12 Dollar,
die von den einzelnen Staaten im Durchschnitt an Unterstuetzung je Kind bezahlt werden auf, plus 50 Prozent des
Restbetrages bis zu einer Hoechstgrenze von 27 Dollar fuer
das erste Kind und 16 Dollar fuer jeden Hinterbliebenen.
T.utter und Kind"-Gesundheitsdienst: Der von der Bundesregierung zu leistende Beitrag, der nach dem alten Gesetz ll,0u0.000
Dollar pro Jahr betrug, wurde auf 15,0oü.0ü0 Dollar fuer das
Finanzjahr, da3 am 1. Juli 1950 begann, erhoeht. In den folgenden Jahren wird er 16,500.000 Dollar betragen.
Fuersorge fuer verkrueppelte Kinder: Der von der Bundesregierung zu leistende Beitrag, der bisher 7,500.000 Dollar pro
Jahr betrug, wurde fuer das am 1. Juli 1950 begonnene Finanzjahr auf 12,000.000 Dollar erhoeht; in den darauffolgenden
Jahren wird er 15,000.000 Dolllar betragen.
Wohlfahrtsunterstuetzungen fuer Klndar: Der von der Bundesregierung zu leistende Beitrag, der bisher 3,500.000 Dollar
betrug, wird auf 10,000.000 Dollar erhoeht.
Unterstuetzung fuer Puerto Rico und die Virgin-Inseln: Fuer
Puerto Rico ist ein Hoechstbetrag von 4,250.000 Dollar fuer
- 11 -

�den bundesstaatlichen Beitrag im Gesetz aus dem Jahre 1950 vorgesehen und 160.000 Dollar fuer die Virgin-Inseln.
Diese Unterstuetzung wird fuer die folgenden vier Kategorien Unterstuetzungsennfaenger gewaehrt: hilfsbeduerftige Personen ueber 65 Jahre, Blinde, Kinder unter 16, 16 - 17-jaehrige
Kinder, die regelmaessig eine Schule besuchen, dauern! und vollkommen Arbeitsunfaehige mit einem Mindestalter von 18 Jahren.
Jfis ist das erste Mal, dass diesen amerikanischen Territorien
von der Bundesregierung solche ansehnlichenBetraege fuer den
Ausbau ihres Fürsorgewesens zugewiesen wurden.
Bemerkenswerter Fortschritt, der in kuenftigen Errungenschaften
seine Fortsetzung finden wird.
Als Praesident Truman das Gesetz aus dem Jahre 1950 unterzeichnete, bemerkte er, dass dessen Inkrafttreten einen "bemerkenswerten Fortschritt" darstelle, fuegte aber hinzu, dass
"noch viel geleistet werden muss, ehe die Sozialfuersorge zu
voller Befriedigung Anlass gibt".
"Durch diese Art von Gesetzgebung, die den sozialen Fortschritt unterstuetzt", fuegte Praesident Truman hinzu, "koennen wir am besten beweisen, dass unsere demokratischen ifiinrichtungen Garanten fuer Freiheit und die Sicherheit aller Staatsbuerger sind, über in Zukunft muss sich die Altersversicherung
auf eine weit groessere Anzanl von Amerikanern erstrecken."
Praesident Truman wird seinerseits alles ihm Moegliche tun,
um ein wirkungsvolleres Versicherungssystem einzufuehren und
ein Programm zur Durchfuehrung zu bringen, das Arbeitern und
Angestellten, die infolge zeitweiliger oder dauernder koerperlicher Behinderung ihres Gehaltes verlustig werden, Hilfe
bringt.
Ueberdies werden die Bemuehungen der Bundesregierung in
dieser Richtung in immer steigendeia Masse von den amerikanischen
Gewerkschaften unterstuetzt, denen reichliche finanzielle Mittel zur Unterstuetzung hilfsbeduerftiger Arbeiter zur Verfuegung stehen, sowie von Industrie- und Handelsbetrieben, die
in ihre Kollektrivvertraege Klauseln mit ausdruecklicher Betonung der Sozialversicherung aufnehmen. Der Beweis hierfuer
kann durch den Kollektivvertrag erbracht werden, der im Mai
1950 zwischen der Leitung und den 250.000 Arbeitern und Angestellten von "General Motors", eine der drei groessten Automobilfabriken in den Vereinigten Staaten, abgeschlossen wurde.
Waehrend der naechsten fuenf Jahre werden diese Arbeiter und
Angestellten in den Genuss verschiedener sozialer Beguenstigungen gelangen, die ihren Arbeitgeber zusaetzlich eine iillion
Dollar kosten wird. Die in diesem Vertrag vorgesehenen Altersrenten werden sich auf insgesamt beinahe 120 Dollar im v o n a t
erhoehan, wovon ein Teil von der Bundesregierung getragen wird.
.Veiter enthaelt dieser Kollektivvertrag Bestimmungen, denen
zufolge die Leitung einen Teil der Spesen fuer aerztliche Betreuung und Spitalspflege trae^t und im Falle von Krankheit
oder Unfaellen woechentliche Zuschuesse gevwaehrt.
Das sorgfaeltig abgestimmte Zusammenwirken von staatlichen, privaten und gewerkschaftlichen Massnahmen, sowie die
enge Zusammenarbeit zwischen Staat und .Virtschaft im Hinblick
auf die Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter, sind
die wahren Garanten fuer ein immer staerker werdendes System
der sozialen Sicherheit in den Vereinigten Staaten.

- 12 -

�Wright Hills neue Theorie ueber den Angestelltenbe
Wir leben in einer V.elt, die wir nicht verstehen. Was
jedoch noch mehr bedeutet: '.Vir wissen, dass wir sie nicht
verstehen. -Vir wenden uns deshalb mit besonderem Interesse
einem Buch zu, da3 uns den Vteg zu einer neuen Auffassung
ueber das Leben in Amerika im 20. Jahrhundert weist, Es
handelt sich um das Buch "White Collar" (Weisser Kragen),
dessen Verfasser C. Wright Mills ist.
Der Mittelstand frueherer Zeiten, so sagt Hills, setzte
sich hauptsaechlich aus selbstaendigen Handwerkern zusammen.
Sie stellten zu Anfang des 19. Jahrhunderts wahrscheinlich
80$ der arbeitenden Bevoelkerung dar. 1870 machten die selbstaendigen Arbeiter nur noch ein Drittel und 1940 ein Viertel
der Erwerbsbevoelkerung aus. Das Sinken der Zahl unabhaengiger Farmer begann vor 50 Jahren und wurde in den zwanziger
Jahren dieses Jahrhunderts akut. Zur gleichen Zeit uebernahm
das Grosskapital nicht nur die Fabrikation, sondern auch die
Verteilung der Erzeugnisse, die Position des kleinen Geschaeftsmannes wurde damit staendig unsicherer.
Aber waehrend die Mittelklasse frueherer Zeiten von
33% der Erwerbsbevoelkerung im Jahre 1870 auf 20% im Jahre
1940 zusammenschrumpfte, wuchs die neue Mittelklasse von
6% auf 25% an. Sie setzt sich aus Betriebsleitern (10%),
Angestellten mit akademischer Ausbildung 125%), Kaufleuten
(25%) und einfachen Bueroangestellten (40%) zusammen. Die
Angehoerigen dieser Mittelklasse werden, wie die Lohnempfaenger, von anderen beschaeftigt und im grossen und ganzen besser
bezahlt als die Arbeiter. Aber die unterschiede verwischen
sich langsam, das Prestige des Angestelltenberufs nimmt
unaufhoerlich ab.
In den groessten und interessantesten Abschnitten des
Buches beschreib!; Mills die verschiedenen '..elten des "White
Collar"-Arbeiters, das ist der Arbeiter mit dem weissen Kragen, also der Angestellte. In der Betriebsleitung, so erklaert Mills, hat der Angestellte die besten Moeglichkeiten,
in hoehere Einkommensgrurpen zu kommen, aber er erinnert
daran, dass das erfolgreiche Vorwaertskommen in der Betriebsleitung immer weniger von Dingen abzuhaengen scheint, die
einst als unentbehrliche Eigenschaften des wirklichen Kaufmanns galten - Ehrlichkeit, Sparsamkeit, Fleiss und Entschlussbereitschaft. Persoenlichkeit und die Gabe der Manipulation sind jedoch
jene Eigenschaften, die heute ausschlaggebend sind. Heute ist es der zu allem entschlossene
Geschaeftsmann, der vorwaertskommt. Was die akademischen Berufe betrifft, so sind es hier die Mediziner und Juristen, die
mehr und mehr Leute beschaeftigen und die groesste Rolle unter den ünabhaengigen spielen. Beinen Intellektuellen dagegen
wird es immer schwieriger, sich zu behaupten, wenn sie nicht
einer Buerokratie innerhalb der Geschaeftswelt oder der Regierung angehoeren.
Die grosse Expansion der neuen Mittelklasse hat sich jedoch vor allem unter den Kaufleuten und den Bueroangestellten
vollzogen. Mills gibt einen neuartigen Ueberblick ueber die
Entwicklung des modernen Grosskaufhauses, er zeigt, wie der
Persoenlichkeitsfaktor seine zentrale Stellung verloren hat
und zur gleiohen Zeit diese "Persoenlichkeit" zum ausschlaggebenden Faktor im Verkauf geworden ist. Ebenso eindrucksvoll
13 -

�ist das Bild, das er von den grossen Bueros entwirft, die fuer
moderne Unternehmen und fuer die Regierung notwendig sind.
Modernisierung und Rationalisierung stehen hier in voller
Bluete, der Unterschied zwischen einem Arbeiter im Betrieb
und einem Angestellten im Buero verwischt sich mehr und mehr.
Mills hat nur wenig ueber die Lebensweise der Angehoerigen dieser neuen Mittelklasse zu sagen. Die Arbeit selbst
bietet an und fuer sich keine Befriedigung, man lebt deshalb
fuer seine Freizeit. Die Freizeit ist nicht nur wichtig, weil
sie eine direkte Genugtuung bedeutet, sondern auch deshalb,
weil sie dem Angestellten die Moeglichkeit bietet, seinen Anspruch auf ein gewisses Prestige geltend zu machen. Es wird
immer seltener, so versichert Mills, dass Angehoerige des Angestelltenberufs damit rechnen, eine wirkliche Karriere machen
zu koennen. Den alten Traum vom persoenlichen Erfolg haben
sie aufgegeben, sie sind aber bereit, sich mit einer ausreichenden sozialen Sicherheit zufriedenzugeben.
Da die neue Mittelklasse bereits einen grossen Beatandteil der Gesamtbevoelkerung darstellt und dieser Bestandteil
wahrscheinlich noch groesser wird, moechte man natuerlich gern
wissen, welchen Einfluss sie auf das Leben der Kation ausueben
wird. Mills hat nur wenig Hoffnung, dass dieser Einfluss
nutzbringend sein wird. Er rechnet mit einem Anwachsen der
Angestelltengewerkschaften, aber diese Gewerkschaften werden
nach seiner Ansicht ausserordentlich konservativ sein. Auf
politischem Gebiet wird der Angestellte gedankenlos das Zweiparteiensystem akzeptieren oder die Reihen der politisch uninteressierten vergroessern.
Es ist, kjirz gesagt, ein duesteres Bild, das er uns malt,
und dies nicht einmal mit Unrecht. Die industrielle Revolution, der sich die westliche V.'elt und besonders die Vereinigten Staaten so eifrig hingeben, hat uns fast unbewusst in ein
System der Massenproduktion, des Massenvertriebs und der Massenbeeinflussung gestuerzt, das bisher ungekannte Ausmasse angenommen hat. Jeder traditionelle Typ der Menschenbeziehungen
ist veraendert worden, jede sonst selbstverstaendliche Regel
der menschlichen Haltung ist in Frage gestellt.
Aus diesem Grund muss Mills unbedingt ernst genommen werden. Aber es ist auch moeglich, dass gerade in der heutigen
Zeit manche Dinge nicht so schlecht stehen, wie er es behauptet. Es ist moeglich, dass wir, wie Mills es ausdrueckt,
"einer Gesellschaftsordnung entgegentreiben, in der die Menschen gesteuerte V.'esen eines Garn isons Staat es sind." Aber
das soll nicht heissen, dass wir bereits an diesem Punkte
angelangt sind, oder dass eine solche Entwicklung unvermeidlich waere.
Auf jeden Fall ist niemand ausser wenigen hartgesottenen
Grossagrariern der Auffassung, dass wir die Massenproduktion
aufgeben koennen oder muessen. Wir wissen jetzt, dass es "uns
moeglich ist, nicht nur alle lebensnotwendigen Uueter zu produzieren, sondern auch eine Vielzahl von Luxusgegenstaenden, die,
wohlgemaerkt, Jedem zugaenglich sein muessen. Wir werden nicht
freiwillig zu einer Mangelwirtschaft zurueckkehren. Die Frage
ist, wie wir solche Vorteile sichern, vermehren und gerechter
verteilen koennen, waehrend wir zur gleichen Zeit jenen Tendenzen im Wirtschaftssystem der Massenproduktion entgegenwirken, die eine Gefahr fuer die Gesundheit des Einzelnen und
der Gesellschaft darstellen.
- 14 -

�Das, worum es in der Auseinandersetzung mit Mills geht,
ist nicht etwa die Tatsache, dass er keine Antwort hierauf
wuesste (niemand weiss sie), sondern dass er handelt, als
ob er eine Antwort wuesste. Der Titel "White Collar" verraet eine ziemlich radikale Einstellung, aber kein radikales
Programm, Mills wirft dieser Gruppe staendig Feigheit, Nervenversagen und Flucht aus der Wirklichkeit vor, aber er sagt
niemals, was diese Gruppe eigentlich tun muesste.
Einer der Lehrmeister Hills ist Karl Marx, und obwohl
er ein freidenkender Revisionist ist, glaubt er in irgendeiner
Weise an die marxistische Revolution, an die Uebertragung der
Macht von einer Klasse auf die andere. Dies hat er ganz
eindeutig in einem heftigen Angriff auf die Theorie von der
Revolution des Unternehmertums zu erkennen gegeben. "Macht,"
so sagt Hills, "liegt nicht in den Haenden der Betriebsleiter,
sondern in denen der Eigentuemer." "An der Quelle oeffentlicher Entscheidungen," schreibt er an anderer Stelle, "stehen
maechtige Leute, die selbst nicht unter den nachhaltigen
Auswirkungen ihrer eigenen Entscheidungen zu leiden haben."
Fast immer beschaeftigt er sich mit der Existenz einer
Oligarchie, einer kleinen Gruppe von Reichen und Maechtigen,
die enteignet werden koennen und muessen.
Die Essenz seines Baches ist jedoch die Behauptung, dass
der Maschinismus der Massenproduktion und der Massenverteilung
in gewissem Sinne selbstherrlich ist. In den Ausfuehrungen
ueber sein imaginaeres Grosskaufhaus schreibt er: "Es ist
schwierig, festzustellen, wer nun eigentlich der Besitzer des
Basars ist
Er ist selbstschoepferiscfc und selbsterhaltend, und niemand ist sein Besitzer." Vielleicht gibt es im
Zentrum dieses Systems Leute mit hohen Privilegien, die fast
voellig verantwortungslos sind, *ber selbst wenn dem so waere wuerde durch ihre Beseitigung dem Leben des "White-Collar"Arbeiters mehr Inhalt gegeben, als es heute hat?
Die Tatsache, dass sich Mills weigert, in diesen Punkten
ausfuehrlich zu sein, laesst den Verdacht aufkommen, dass er
weiss, dass er kein revolutionaeres Programm aufweisen kann,
das einer kritischen Betrachtung st&amp;ndhaelt. Doch er besteht
darauf, die moralische Entruestung und den Sinn fuer moralische Ueberlegenheit hervorzuheben, die die Geburtsrechte des
Revolutionaeren sind. Unerbittlich macht er den Intellektuellen den Vorwurf, sie seien eine Klasse, die der Politik
den Ruecken kehrt. "Es fehlt ihnen einfach der Wille dazu."
Die "Entfremdung des Intellektuellen"nennt er einen "Jammer
und eine Form des Sichgehenlassens in Selbstbequemlichkeit."
Er gibt zu, dass die Schwierigkeiten, die sich einer wirksamen politischen Betaetigung entgegenstellen, gross sind.
Aber er besteht darauf, dass "die Intellektuellen von dem,
was sie in ihrem Innern als falsch erkannt haben, verraten
sind." Das koennte zutreffen, aber das Recht, solche Vorwuerfe zu erheben, hat nur Einer, der bereit ist, zu sagen,
was die Intellektuellen tun koennen und tun sollen - und das
kann Mills nicht.
Sein unnachgiebiger revolutionaerer Eifer verwickelt ihn
in einige befremdende Widersprueche. So bedauert er z.B. den
Wohlstand, dessen sich die Vereinigten Staaten in groesserem
Masse als irgendein anderes Land erfreuen." Von einem Volk,
das eine derartige Geschichte der sich steigernden und ununterbrochenen materiellen Befriedung durchgemaoht hat," so
- 15 -

�schreibt er, "kann man nicht erwarten, dass es wirtschaftliche Ueberlegungen anstellt, die seine politischen Institutionen in Kampfstaetten des ideologischen Konfliktes oder
ihre Gemueter in politische Foren umwandeln wuerde." Welch
eine Katastrophe!
In seinem Vorwort schreibt Mills: "In Worten der sozialen Philosophie ausgedrueckt, liegt diesem Buch die Annahme
zugrunde, dass das liberale iäthos, wie es in den beiden ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts von Leuten wie Beard,
Dewey und Holmes entwickelt wurde, jetzt haeufig belanglos
geworden ist. Der marxistische Standpunkt, der in Amerika in
den dreissiger Jahren populaer war, ist heutzutage oft unzureichend."
Die Annahme ist in beiden Punkten richtig und Mills
traegt bedeutend zu dem Prozess der Gestaltung einer neuen
und lebensfaehigen Gesellschaftslehre bei. Der Wert seiner
Arbeit ist jedoch dadurch beschraenkt, dass er an der Vorstellung festhaelt, selbst ein Radikaler zu sein. Was ist
Radikalismus heutzutage? Sich mit der radikalen Atmosphaere
abzufinden, ohne diese Frage zu beantworten, ist eine Form
der Verantwortungslosigkeit und in gewissem Sinne eine Flucht.
Edmund Wilson hat aus seinen marxistischen Tagen eine Haltung
beibehalten, die nicht nur rein intellektueller, sondern
auch moralischer ueberlegener Natur ist. Irving Howe, der
Mills Radikalismus befuerwortet, kann uns niemals davon ueberzeugen, dass das, was er gut heisst, mehr als eine Geste
ist. Dwigth Macdonais ist ebenfalls zeitweilig als Vertreter
des Radikalismus aufgetreten, obwohl er in einer Kritik zu
dem Buch "White Collar" zugibt, dass er sioh "hilflos und
verwirrt fuehlt." iSr ist der ansieht, dass Mills ebenfalls
dieses Gefuehl hat. Aber er wuerde es nicht zugeben.
So ergibt sich die Frage, ob der radikale Kenschentyp
heute Menschen, wie z.B. auch Mills, nicht daran hindert,
soviel wie moeglich zum Verstaendnis und zur Lenkung sozialer
Umwaelzungen beizutragen. Die Tendenzen unserer Gesellschaftsordnung sind im grossen und ganzen ziemlich klar und, insgesamt
gesehen, erschreckend. Wenn irgendjemand einen praktischen
Vorschlag zur Hand hat, wie die Uebel einer Massengesellschaft
beseitigt oder vermieden werden koennten, dann moege er ihn
unter allen Umstaenden vorbringen. Wenn es jedoch nicht einen
solchen Plan gibt, waere es dann nicht besser, aus den Vorteilen, den Widerstaenden und den Misstaenden, die man festgestellt hat, oder noch feststellen kann, das Bestmoegliche
herauszuholen? Sollen wir nicht diese sich lediglich entruestende radikale Haltung ablehnen und endlich an die Arbeit
gehen?
The New Leader
1-28-52

- 16 -

IT i p r 3 1 18375

0 * 8 0

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und
dienen der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren
Mitglieder. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weiter« Exemplare können kostenlos bei dem
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post
zugeleitet. Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme
irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

T - XI
I H H A L T S T E B 2 S I C H N I S
Bessere Lebensbedingungen in Westdeutachland

2

Gewerkschaftlicher Iura ouss auf lange Sicht
abgestellt sein. Di« Lehren aus den Ereignissen
Heuseelands, Kanadas und Ausstraliens

3

Solomon Barkini Lohnbestiramungt Trick oder Technik

7

Bie Beitrage der Arbeitsbewertungsplaene
zu den Lohnverhandlungen,

8

Bar Mensch in dar Produktion
(Aus einer Publikation des British Institute of Management

9

William Gombergi Bar Zwack der Arbeitsbewertung

13

Schulungsarbeit der britischen Gewerkschaft*»
Bar britische Gewerkschaftsbund (TUC) fuehrt drei gut organisierte
Wochenkurse als Sommerschule in Oxford durch und veranstaltet darueber
hinaus eine umfangreiche Anzahl von Wochenendkursen im ganzen Land« Viele Gewerkschaften haben dazu eigene Schulungskurse fuer ihre Mitglieder.
Bia "Arbaitarbildungs-Vereinigung** (WSA) und das "Nationalkomitee der
Arbeiterschulung" (NCLC) bieten ebenfalls verschiedene Fortbildungsmoegliohkeiten fuer "Gewerkschaftsstudenten". Abgesehen von diaaan gewerkschaftlichen Schulungsveranstaltungen in dar Heimat wardan viele Kollagen in diesem Jahr fuer Schulung und Bildung sozusagen ein Haus weitergehen» nach Genf mit dar WEA, nach Oslo mit dam HCLC und nach Helsingfors und La Breviere zu dan von dam I3FG und seiner europaeisohen
ßegional-Organisation betriebenen Kursen.
In einigen Faellen werden Ferien und Schulung zusammengekuppelt, in
anderen werden achttaegiga Schulungskurse als Arbeitszeit gerechnet, waehrend die Ferien gesondert stattfinden« Aber ob es sich um ihre Perien
handelt oder nicht, die Mehrheit AMT Sthulungsbeflisaenen verdanken die
Teilnahme an den Kursen entweder ihrar Gewerkschaft oder dem TUC«
Mehr und mehr englische Gewerkschafter benutzen die Sommerzeit auf
die Weise, um ihre Kenntnisse zu erweitern und sich darueber hinaus ein
SfeaielTiaeen fuer ihre gewerkschaftliche Taetigkait anzueignen.

.

1

-

quellet "Freie Gewerkschaftswelt"
24 - 25/1952

�Bessere Lebensbedingungen in Westdeutachland
In Westdeutschland konnte infolge einer Steigerung der Kohleproduktion zu Rekordhoehe in diesem Winter, der glücklicherweise
sehr mild war, eine Kohlennot vermieden werden. Diese Steigerung verspricht auch, West-Deutschland Einsparungen von Millionen Dollar
au bringen, die es bisher fuer die Einfuhr amerikanischer Kohle
zu 22 Dollar die Tonne ausgeben musste.
Die Sachverstaendigen halten sich nun berechtigt zu der Annahme, dass die Produktion im Jahre 1952 die Ertragsziffer des Jahres
1951 in Hoehe von 119 Millionen Tonnen noch um 10 Millionen Tonnen
uebersteigen wird«
Im letzten Jahr hat Westdeutschland ungefaehr 5 Millionen Tonnen
Kohle aus den Vereinigten Staaten eingefuehrt. In diesem Jahr war
geplant, 6 bis 8 Millionen Tonnen zu importieren« Obwohl der Kohlebedarf in Westdeutschland infolge der andauernden Entwicklung der Industrie staendig ansteigt, besteht jedoch Anlass zu der Hoffnung,
dass Abstriche an den Schaetzungen fuer die erforderlichen Importe
vorgenommen werden koennen. Bs wird sogar fuer moeglich gehalten, dass
Westdeutschland Ende dieses Jahres nicht mehr von amerikanischer
Kohle abhaengig sein wird, obwohl es aufgrund seiner1 Verpflichtungen
nahezu 20 Millionen Tonnen Kohle im Jahr nach anderen europaeischen
Laendern ausfuehren muss.
Das Hauptverdienst fuer das ploetzliche Ansteigen der Kohleproduktion kommt einem neuen gemischten deutsch-amerikanischen
Kohle-Produktionsausschuss zu. In diesem Ausschuss sitzen Vertreter
der westdeutschen Regierung, der Betriebsleitungen, der Gewerkschaften und des amerikanischen Hilfsprogramms, Sie ueberpruefen
und koordinieren die Plaene fuer die Steigerung der Produktivitaet.
Der neue Produktionsaufschwung im ersten Monat dieses Jahres ist
zurueckzufuehren auf einen am 1. Januar 1952 eingefuehrten Plan
fuer Leistungspraemien, Die Bergleute erhalten einen Zuschlag fuer
"Extra"-Leistungen, Es wird erwartet, dass dieses neue System eine Steigerung der Gesamtproduktion von 5 his 10 Prozent mit sich
bringen wird.
Andere Massnahmen, die vom Kohleproduktionsausschuss schon ergriffen wurden oder geplant sind, werden nicht so schnelle Erfolge
zeitigen, werden aber dazu beitragen, die auf lange Sicht berechnete Aufwaertsbewegung in der Produktion aufrechtzuerhalten. Die
500 Millionen Mark im Marshallplan-Gegenwertsfonds, die in den letzten drei Jahren fuer Investitionen freigegeben wurden, beginnen
sich auszuwirken und werden sich weiter auswirken. Jetzt werden die
deutschen Banken aufgefordert, sich am Investitionsprogramm zu beteiligen. Weitere 50 Millionen D-Mark aus Gegenwertfonds werden
unt«r der Bedingung freigegeben, dass die Banken ihrerseits ein Darlehen von 100 Millionen D-Mark aufbringen.
Die amerikanischen Gelder werden ebenfalls verwendet, um zur
Behebung des Mangels an Bergmannswohnungen beizutragen. Tausende
von Bergleuten sind immer noch in barackenartigen Gemeinschaftshaeusern untergebracht.
Die ungenuegenden Lebensbedingungen haben viele Bergleute veranlasst, die Gruben zu verlassen, und der sich daraus ergebende
Wechsel an Arbeitskraeften hat den Prozentsatz an erfahrenen»gut
ausgebildeten Bergleuten verringert. Die Produktivitaet leidet

�unter diesem Paktor wie auch unter der allgemeinen Auswirkung schlechter Wohnungsbedingungen auf die moralische Verfassung der Arbeitskraft«.
Der Wohnungsbau hat nun eingesetzt, vorerst mit dem Ziel, 1952
46.OOO Wohnungseinheiten zu bauen. Die gleiche Anzahl von Wohnungen
sollen im Jahre 1953 errichtet werden» Es wird geschaetzt, dass damit der gegenwaertige Bedarf gedeckt sein wird. Die Tatsache allein,
dass die Haueser versprochen worden sind, hat bereits die Wirkung
eines Staudamms gegen die Flut der in andere Berufe abwandernden
Bergleute gehabt.
Gewerkschaftliches Nachrichten-Bulletin
Nr. 39/40 - 52

Gewerkschaftlicher KUrs muss auf lange Sicht abgestellt sein
Die Lehren aus den Ereignissen Neuseelands, Kanadas und Ausstraliens
Die Gewerkschaften dieser Laender haben erhebliche Schwierigkeiten zu ueberwinden, die in erster Linie darauf zurueckzufuehren sind,
dass man sich die Gewerkschaftspolitik etwas bequem machte und alle
Portschritte und Erfolge vom Staat erwartete. Die Vorkommnisse muessen jedoch genau analysiert werden, um den Kern der Ursachen zu erkennen, die zu den Jetzigen Schwierigkeiten fuehrten. Wenn heute diese Schwierigkeiten als Polge planwirtachaftlicher Bestrebungen hingestellt werden, so erfordert dieser Vorwurf erst recht eine kritische Wuerdigung der Ereignisse - auch fuer die europaeische Gewerkschaftsbewegung ergeben sich aus diesen Vorkommnissen gewisse Konsequenzen.
In Neuseeland streikten die Hafenarbeiter, die Aktion wurde durch
kommunistische Agenten ausgeloest und staendig geschuert. Natuerlich
brach der Streik gerade in dem Augenblick aus, als in den Haefen Neuseelands Hochbetrieb herrschte, sodass die Erfolgsvoraussetzungen fuer
den Streik gute zu sein schienen; die Polge war, dass sich die Kuehlhausarbeiter und die Seeleute der Streikbewegung anschlössen. Nun
besteht jedoch in Neuseeland seit 1925 die Regelung, dass die Gewerkschaften sich einer Schiedssprechung unterwerfen koennen, indem sie
eine entsprechende Erklaerung gegenueber den Behoerden abgeben - die
automatische Folge ist der Verzicht auf das Streikrecht. Diesen
Schritt glaubten die neuseelaendischen Gewerkschaften damals vornehmen zu koennen, weil eine gewerkschaftsfreundliche Regierung am
Ruder war, sodass die Meinung vorherrschen konnte, dass die Interessen
der Gewerkschaften auch nach der Unterzeichnung auf jeden Fall gewahrt bleiben.
Nun wurde 1950 in Neuseeland eine konservative Regierung gewaehlt.
Damit ergab sich fuer die Gewerkschaften eine voellig neue Situation,
da sie auf das Streikrecht grundsaetzlich verzichtet hatten. Um aus
dieser Zwangslage herauszukommen, bildeten die Arbeiter des Transportgewerbes, der Kuehlhaeuser und der Hafenbetriebe eine neue Gewerkschaft, sodass die Poederation der Gewerkschaften Neuseelands etwa
ein Drittel ihrer Mitglieder verlor. Der jetzt gefaellte Schiedsspruch, der sich nur auf die von der alten Gewerkschaft erfassten
Arbeiter erstreckte, gewaehrte fuer diese Mitglieder aufgrund der
gestiegenen Lebenshaltungskosten eine allgemeine Lohnerhoehung von
15^* Da jedoch die neugegruendete Gewerkschaft sich dem Schiedsgerichtsverfahren nicht unterworfen hatte, erhielten deren Mitglieder
keine Lohnerhoehung. Es kam jedoch zu direkten Verhandlungen mit
der neuen Gewerkschaft, die auch zu einem positiven Erfolg zu gelangen

- 3

�schienen - die Gewerkschaft lehnte jedoch grundsaetzlioh Jede Ueberstundenarbeit ab, obwohl fuer die neuseelaendischen Eaefen die
Hochsaison heranrueokte« Sie konservativ« Begierung hatte inzwischen
duroh eine zielbewusste Lenkung der oeffentlichen Meinung dafuer gesorgt, dass die Sympathien der Oeffentlichkeit gegen die neue Gewerkschaft eingestellt war, obwohl die kommunistischen Drahtzieher geschickt
im Hintergrund blieben« Die Regierung konnte nunmehr zum entscheidenden Schlag ausholen, sie erklaerte einen nationalen Hotstand und
stellte der neuen Gewerkschaft eine Frist, bis zu der die Begierungsforderungen angenommen werden mussten. Als die Arbeiter dieses Ultimatum ablehnten, wurde kurzerhand der neuen Gewerkschaft die Anerkennung entsogea und sie dadurch aufgeloest« Die Haefen wurden von
Truppen besetzt, die zugleich die Hafenarbeiten uebernahmen.
Es wurde bereits erwaehnt, dass die Dachorganisation der neuseelaendischen Gewerkschaften, die 7oederation der Gewerkschaften Neuseelands, der Entwicklung mit einer gewissen Nervositaet folgte« Durch
das Verderben der Haelfte der Obsternte in den Haefen und das Liegenbleiben der Wolle wurde die neuseelaendische Wirtschaft schwer erschuettert, die Oeffentlichkeit billigte die Massnahmen der konservativen Regierung und verurteilte das Verhalten der Gewerkschaft, wobei massgebende Zeitungen geflissentlich die Unterschiede zwischen
der kommunistisch infiltrierten neuen selbstaendigen Gewerkschaft und
der Foederation verwischten. Die Foederation lehnte in aller Oeffentlichkeit das Vorgehen der Hafenarbeiter ab und brandmarkte die Machenschaften der Agenten des Kreml«
Hach dem Einsetzen der Truppen brach der Streik zusammen* Aber
Jetzt holte die konservative Begierung zu entscheidenden Schritten aus«
Wach der Aufloesung der neuen Gewerkschaft durch ihre Streichung im
Begister und der Beschlagnahme ihres Vermoegens und ihrer Akten wurden
einfach Begierungsgewerkschaften als Gewerkschaften anerkannt, die
lediglich auf dem Papier existiert hatten, wenn den Jetzt wieder zur
Arbeit zurueckkehrenden Streikendem nicht bedeutet worden waere, dass
nur "Gewerkschaftsmitglieder" einen Arbeitsplatz erhalten - auf diese
Weise konnten die Mitgliederzahlen dieser Begierungsgewerkschaften
schnell in die Hoehe steigen«
Die Poederation der Gewerkschaften Neuseelands hatte 1936 die
damalige Arbeiterregierung veranlasst, die Zwangsmitgliedschaft bei
den Gewerkschaften einzufuehren, wie es beispielsweise bei Aerzteoder Anwaltskammern der Fall ist« Dieses Prinzip fuehrte Jetzt dazu,
dass die kuenstlich auf die Beine gestellten Begierungsgewerkschaften
sehr schnell aufbluehten« Da hier jedoch die Funktionmere eher zur
Stelle waren als die Mitglieder, so wurden diese "Gewerkschaften" zu
nichts anderem als zum verlaengerten Ans der konservativen Regierung
Neuseelands«
Diese Entwicklung war nur moeglich, weil vor 16 Jahren die Gewerkschaften es sich allzu leicht gemacht hatten, einfach die Zwangsmitgliedschaft durchzusetzen« Damit erstarb der kaempferische Geist der
Gewerkschaften, die im uebrigen auf die Politik der frueberen Arbeiterregierung Buecksicht zu nehmen hatte - das Schiedsspruchverfahren war unter diesen Umstaenden durchaus bequem fuer eine inaktive
Gewerkschaft«
Und die Lehren aus dem Fall Neuseeland! Die Gewerkschaften muessen politisch neutral bleiben, sie duerfen sich nicht einseitig einer
einzigen Partei - und sei es die massgebliche und majerisierende verschreiben« Je bequemer man es sich macht, umso grosser kann die
Auswirkung in der entgegengesetzten Hinsicht sein« Uninteressierte
Mitglieder fuehren zum Absterben einer Gewerkschaft, Kommunistische
Punktionaere verfolgen ihre eigenen Ziele ohne Jede Buecksicht auf

4 -

�die Konsequenzen, in Neuseeland haben ihre Aktionen die Gewerkschaften
unpopulaer gemacht und sie zur Ohnmacht verurteilt« Es wird einige
Jahre dauern, bis die neuseelaendische Gewerkschaftsbewegung wieder
ein imponierender Machtfaktor sein wird.
Das zweite Beispiel einer gewerkschaftlichen Fehlentwicklung ist
in Kanada gegeben. Hier ist es dem kanadischen Gewerkschaftabund (Canadian Congress of Labor) nicht gelungen, eine echte und eindeutige
politische Schulunesarbeit unter seinen Mitgliedern durchzufuehren.
Die Gewerkschaften verliessen sich gar.z einfach darauf, da:s die Partei es schon machen werde. Dadurch wurde die Mitgliedschaft ziemlich
uninteressiert, sie kue.imerte sich kaue um die Arbeit der Gewerkschaft.
Die Inflation nahm m^n als etwai naturgegebenes hin, es ging den Arbeitern verhaeltnismaessig gut, Arbeitslosigkeit war unbekannt und
die Lo hne stiegen nominal ziemlich regelmaessig an, Betriebsversammlungen fanden kaum statt, aber wenn sie einberufen wurden, kamen nur
wenige Mitglieder - im uebrigen erledigten die Funktlonaere die Arbeit.
Es gab nach den Wahlen in Kanada ein fuerchterliches Erwachen»
Die Arbeiterpartei behielt in Ontario von ihren 21 Sitzen gerade zwei,
in den Staedten verlor sie betraechtlich« Waehlennaseen, auf dem Lande blieb fast nichts an Waehl'-rn uebrig. Zwar waren es immer noch
19% aller Stimmen, aber das ergab nur 2$ aller Sitze.
Die Zahl der Mitglieder der kanadischen Gewerkschaften ist jedoch nach wie vor hoch, aber der Zuwachs geht immer schleppender vor
sich. Im vergangenen Jahre wirkte sich auch in Kanada die Trennung
der AFL in den gemeinsamen Ausschuessen von dem CIO aus, wodurch auch
die gemeinsamen politischen Komitees aufgeloest wurden. Dadurch hat
sich in Kanada ein Gefuehl der Unsicherheit bei den Gewerkschaften ergeben, obwohl die Cueltigkeit des Closed shop-Systems aufrechterhalten
werden konnte, nachdem fuenf Jahre darum gekaempft wurde. Diese Bestimmung besagt, dass nur Gewerkschaftsmitglieder in Betrieben eingestellt werden duerfen, wenn ein solches Abkommen mit der zustaendigen Gewerkschaft abgeschlossen wurde.
In Kanada sind die Verhaeltnisse aiso weit besser als in Neuseeland fuer die Gewerkschaften - aber auch hier zeigt sich deutlich,
wohin eine politische üninteressiertheit der Mitgliedschaft und eine
zu enge Bindung an eine Partei fuehren kann. Die Wichtigkeit des
staendigen Kontakts zwischen Gewerkschaftsmitgliedern und Ortsausschüssen ist ebenfalls unterschaetzt worden. Die kanadischen Gewerkschaften werden sehr schnell die Konsequenzen aus diesen Vorgaengen ziehen und alles daran setzen, um wieder eine kaempferische Gewerkschaftsbewegung, an der Jedes einzelne Mitglied lebhaften Anteil nimmt, wieder auf die Beine zu stellen. Jede Saturiertheit bedeutet den Tod der Gewerkschaftsbewegung - das ist die Lehre des Falles der kanadischen Gewerkschaftsbewegung.
Die Schwierigkeiten der australischen Gewerkschaftsbewegung liegen auf einem ganz anderem Gebiet 1 Die T^rifloehne werden hier nicht
durch direkte Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern
festgelegt, sondern durch ein Schied.:jericht. Das war in einer Zeit
der Massenarbeitslosigkeit gewiss eine verstaendliche Massnahme, im
Zeitalter der Vollbeschaeftioing ist ein solches System aber zu eineD Bremsklotz fuer die Gewerkschaften geworden. Das Schiedsgericht
ist geradezu eu einem Gericht geworden, in dem die Anwaelte der Gewerkschaften und die der Unternehmer sich erbittert bekaempfen, um
LohnsugestaenlalM« aeranssukelen. Das Ist verhaeltniamaeerig leicht
fct&gt;l steigenden Preisen, in anderen Faellen vers.igt jedoch dieses
Schiedssystem, da die Schiedsrichter auf die wirterh^ftliche Lage Je-

-

5 -

�ner Betriebe ßuecksicht nehmen muessen, die nur mit einem Grenznutzen
arbeiten. Unternehmen, die ihren Betrieb voellig durchrationalisiert
haben, verdienen infolgedessen ausgezeichnet, aber die Gewerkschaften
•uessen sich mit Hinweisen der gegnerischen Anwaelte zufrieden geben,
dass diese Ausnahmen keine Regel darstellen und deshalb unberücksichtigt bleiben muessen«
Dieses System traegt auch dazu bei, die Lohndifferenzen in den
Betrieben selbst gegenseitig anzugleichen« Hier haben die Gewerkschaften es Jedoch erreicht, dass neben dem Grundlohn noch ein sogenannter Hebenlohn bezahlt wird, der Je nach den fuer die Stellung
erforderlichen Faehigkeiten gestaffelt ist. Diese Staffelung ist sehr
weit gediehen, es bestehen Jedoch natuerliche Grenzen fuer die Festlegung der Differenzierungen, im uebrigen ergeben sich hierdurch in
der Praxis eine Fuelle von Schwierigkeiten.
Es ist auch in Deutschland kein Geheimniss, dass der gute Facharbeiter meist zugleich der beste Gewerkschafter ist. Nun wird aber
gerade der Facharbeiter durch das System der schiedsgerichtlichen
Festlegung der Lohnsaetze am staerksten getroffen, waehrend der Hilfsarbeiter durch dieses System bevorzugt wird. Der Facharbeiter hat aber
keinerlei Moeglichkeiten, sich vorwaerts zu arbeiten, die Inanspruchnahme der Hebenloehne ist ebenfalls nicht Jedermanns Sache - die guten Gewerkschafter resignieren aus diesen Gruenden nach und nach. Zudem werden die Nebenloehne nicht in dem gleichen Umfang erhoeht wie die
Grundloehne, sodass hier eine zunehmende Nivellierung vor sich geht.
Die australischen Gewerkschaften koennen natuerlich noch streiken
aber bei der endgueltigen Lohnfestsetzung ist doch das Schiedsgericht
allein zustaendig, sodass der Wert eines Streiks sehr problematisch
ist. Leistungspraemien werden von den australischen Gewerkschaften
grundsaetzlich abgelehnt, im uebrigen haben es die Unternehmer auch
garnicht noetig, sich auf solche Praemien einzulassen, da Ja der Entscheid des Schiedsgerichts fuer die gesamte Branche massgeblich ist.
Der Kardinalfehler des Systems liegt darin, dass der Lohn fuer
die gesamte Branche Geltung hat. Als eine Massenarbeitslosigkeit
drohte, vertraten die Gewerkschaften das Prinzip der Leistungsmoeglichkeit der Industrie oder der Masse der einzelnen Unternehmen. Bei
der Feststellung eines Durchschnitts muessen aber alle unrentabel
arbeitenden Betriebe mitberuecksichtigt werden, fuer die modernen
Grossbetriebe ist also der Durchschnittslohn eine ausgezeichnete Angelegenheit, naemlich eine zusaetzliche Verdienstquelle.
Lohnfragen sind fuer eine Gewerkschaft die entscheidende Aktionsmoeglichkeit. Durch das australische Schiedsgerichtssystem sind die
Gewerkschaften in ihren wichtigsten Aufgabengebieten lahmgelegt, die
Verhandlungen vor dem Schiedsgericht arten in Juristische Spitzfindigkeiten aus, die Protokolle solcher Schiedssprüche umfassen zuweilen
mehrere 1000 Seiten. Gerade der Facharbeiter wird vera*rgert, die Gewerkschaftsbewegung muss nach und nach erstarren, Kampfgeist und Aktivitaet finden kein Ventil. In einer Zeit der ruecklaeufigen Konjunktur mag dieses Schiedsgerichtsverfahren seine Vorteile haben, bei
steigender Konjunktur wird es Jedoch zum Hemmschuh und Bremsklotz.
Es kommt noch ein weiterer Punkt hinzu. Die Gewerkschaften haben
durch diese Schiedsgerichtsverfahren die Moeglichkeit der Anpassung der
Loehne an veraenderte Preise, Das koennen andere Bevoelkerungskreise
nicht automatisch oder wenigstens mit einer gewissen Automatik nicht
erzwingen, wie etwa ßentner oder Handwerker. Die Machtposition der
Gewerkschaften wird in dieser Hinsicht in der Oeffentlichkeit sehr
haeufig voellig falsch gesehen und erst recht unverstaendig kritisiert.

6

�Es ist eine Frage der Zeit, wie lange die australischen Gewerkschaften dieses S; otem des Schiedsgerichts beibehalten werden. Gluecklich sind sie «it diesem System nicht geworden, die qualifizierten Arbeiter sind zudem unzufrieden mit ihrer Organisation« Die Oeffentlichkeit hingegen redet von einer gewerkschaftlichen Maschinerie, die
Jedooh nicht existiert , sondern nur die Maschinerie der Schiedsgerichte. Vielleicht ist jedoch das eine klar, dass Produktivitaetssteigerungen auf diesem Schiedsgerichtswege nicht erreichbar eind echte und reale Lohnerhoehungen sind nur durch eine Steigerung des
Sozialprodukts moeglich. Bei unzufriedenen und veraergerten Arbeitern wird die Leistung jedoch unnoetig zwangslauefig abgebremst.
Wenn die australischen Unternehmer an einer Produktivitaet interessiert sind,; so waere der erste Schritt dazu eine Weckung des Interesses der Arbeiter durch frei zu vereinbarende Tarifloehne - das setzt
jedoch voraus, dass Unternehmer und Gewerkschafter die Zwangsschiedssprechung ablehnen und beseitigen.

Lohnbeatimmungt Trick oder Technik?
Von Solomon Barkin, Leiter der Forschungsabteilung der US-Textilartnitergewerkschaft.
Die formalen Systeme der Arbeitsbewertung sind waehrend der letzten Jahre in steigendem Masse von den Arbeitgebern verwendet worden.
Ihre Anwendung wurde waehrend der Kriegszeit betraechtlich gefoerdert,
da sie einen Weg boten, tragbare Lohnerhoehungen sicherzustellen. Das
War Labor Board erkannte die Notwendigkeit an, innerhalb einer Fabrik
Ungerechtigkeiten bei den Loehnen auszugleichen. Die Arbeitsbewertungsmethoden lieferten ein brauchbares Werkzeug zur Angleichung der Loehne fuer einzelne Arbeiten. Das kam den massgebenden Analytikern des
Board entgegen. Die Gewerkschaften waren gegenueber den Nachteilen
dieser ^laene nicht uebermaessig empfindlich, da sie unter allen Umstaenden Lohnerhoehungen zu erreichen wuenschten. Da die Arbeitsbewertungsmethoden durch da3 War Labor Board gebilligt wurden, gaben
die Gewerkschaften rasch ihre Zustimmung. Obgleich das Board diese
Plaene hauptsaechlich im Hinblick auf die geltenden Lohnspannen pruefte, die von der organisierten Arbeiterschaft unguenstig beurteilt wurden, waren die Gewerkschaften oft bereit, sich alle Vorteile, die sie
aus diesen Progrannen ziehen konnten, zu sichern, da ja die kollektiven Vertragsverhandlun^en selbst diese Programme nicht aendern konnten. Als Folge hiervon wurden diese ^laene nit groesserer Bereitschaft
akzeptiert, als es unter gewohnlichen Unstaenden haette erwartet werden koennen.
Waehrend der letzten Jahre haben die Arbeitgeber vier Grundmethoden der Arbeitsbewertung entwickelt. Diese sind
1.

das Rangfolgeverfähren, welches die Arbeiten als Ganzes miteinander vergleicht;

2.

die Methode der Gruppeneinteilung, die willkuerlich Arbeitsstufen
festsetzt und sie definiert, wobei gefordert wird, dass, wie bei
der Zivilverwaltung, alle Arbeiten unter diese vorher aufgestellten Stufen aufgeteilt werden;

3.

das Punktsystem, welches die Arbeiten nach gegebenen Bewertungsmerkmalen vergleicht, gewoehnlich 10 - 15 an der Zahl, bei denen die
Punktwerte fuer die verschiedenen vorher definierten Abstufungen
dieser Merkmale angegeben sind;

- 7

�4.

die Methode des Vergleichs nach Merkmalen, welche die Arbeiten mit
Hilfe gegebener Bewertungsmerkmale vergleicht.

Grundsaetzlich beruhen diese Arbeitsbewertungsmethoden mit Ausnahme des Rangfolgeverfahrens auf der Auswahl einer willkuerlichen Reihe
von Arbeitsmerkmalen und einer Liste von Werten fuer die Abstufungen,
die entweder vorher definiert werden wie beim Punktsystem oder durch
vergleichende Untersuchungen der bereits in einer Fabrik bestehenden
Verhaeltnisse der Arbeiten untereinander ermittelt werden, wie bei der
Methode des Vergleichs nach Merkmalen.
Nach dieser Einteilung der Arbeiten wird eine vorher bestimmte
Lohnskala zu diesen festgelegten Arbeiten in Beziehung gesetzt. Diese
Lohnkurve wird entweder durch einen Vergleich mit den ueblichen Loehnen fuer Schluesselarbeiten ermittelt, oder unabhaengig mit Hilfe einer Lohntheorie des Arbeitgebers oder der Ingenieure, die das System
einrichten, oder durch die bestehenden Loehne fuer Schluesselarbeiten.
Die oben skizzierten Arbeitsbewertungsmethoden sind nicht nur ein
System zur Ermittlung einer Lohnskala zur Zeit der Einfuehrung, sondern auch eine starre Methode zur Kontrolle der Festsetzung aller zukünftigen Loehne«
Die Uebergangszeit hat in steigendem Masse viele Arbeiten ans
Licht gebracht, die man waehrend des Krieges uebersehen hatte, als
die Gewerkschaften darauf bedacht waren, Lohnerhoehungen zu erzielen»
Gewerkschaften, die mit diesen Plaenen Erfahrungen gesammelt haben,
sind jetzt gegen die diesen Plaenen innewohnenden Fehler empfindlicher
geworden« Die Arbeitgeberschaft hoffte, diese Plaene zur Lohnsenkung
in der uebergangszeit verwenden zu koennen, hat aber in der grossen
Mehrzahl der Faelle dies nicht getan, weil der Schwerpunkt auf allgemeinen Lohnerhoehungen lag. Es beginnen sich jedoch die Crenzen dieser Arbeitsbewertungsplaene fuer kollektive Vertragsvi-rhandlungen bereits zu zeigen. In steigendem Masse versuchen die Gewerkschaften,
von diesen Plaenen loszukommen, wo sie in den Vertrag aufgenommen worden sind.
Die oben kurz geschilderten Arbeitsbewertungsverfahren stehen im
Gegensatz zu den Verfahren der kollektiven Vertragsverhandlungen. Normalerweise werden die Arbeitsloehne durch gegenseitiges Uebereinkommen festgesetzt. Bei ihrer Bestimmung spielen viele Faktoren eine
Rolle. Es gibt keine begrenzte Zahl von Bewertungsmerkmalen und keine
feste Stufenfolge von Werten fuer jedes Merkmal. Tradition, die herkoemmlichen Beziehungen der Arbeiten zueinander, Produktivitaet, Angebot und Nachfrage an besonders ausgebildeten Arbeitskraeften, Verhandlungsgeschick und Eigenart der Arbeiten spielen bestaendig bei
der endgueltigen Festlegung einer Lohnskala durch kollektive Verhandlungen eine geneinsame Ro'lle. Der jeweilige Schwerpunkt wechselt im
Lauf der Zeit, neue Arbeiten kommen auf, neue Loehne werden gefordert.
Die Gewerkschaften wuenochen keine starre festgelegte Methode zur Abschaetzung der Arbeitswerte,
*

#

*

Die Beitraefte der Arbeitsbewertungsplaene zu den Lohnverhandlungen
Der Nachdruck, den die Arbeitgeber auf die Arbeitsbewertungsverfahren le^en, hat nichtsdestoweniger einige bedeutsame Beitraege zum
Verfahren bei den kollektiven Vertragsverhandlungen zur Folge gehabt,
naemlich indem die Annahme folgender Prinzipien hierdurch gefoerdert
wurde»
1. Die Notwendig! eit eines formalen Syctems von Arbeitsloehnen im
Gegensatz zu einem Sy tem individueller Loehne. Das Ergebnis war,
dass jetzt viel mehr Gesellschaften formale Lohnsysteme haben.

-

8

-

�2.

Herabsetzung der Zahl der verschiedenen Loehne innerhalb eines
Werkes sowie der Versuch, sie auf Lohnuntercchiede von 2,5 bis
5 Cents zu begrenzen.

3.

Eine grundsaetzliche Methode zur Differenzierung der Arbeitsloehne.

4«

Arbeitsbeschreibungen als notwendiger Bestandteil des Lohnsystems,
wobei Jede sorgfaeltig definierte Arbeit auf einen bestimmten Lohn
Anspruch hat. Das Ergebnis wu.r eine groessere Gleichfoermigkeit
der Arbeiterloehne und die Herabsetzung der Lohnunterschiede auf
Grund von Geschlecht, Religion, Rasse oder Farbe.

Deshalb hat die Anwendung der Arbeitsbewertung das kollektive
Vertragsverhandlungsverfahren erleichtert, weil die Gewerkschaften
immer eine Erreichung dieses Zieles durch kollektive Verhandlungen erstrebt haben. Die Gewerkschaften haben es oft als wuenschenswert betrachtet, einen dieser Plaene anzunehmen, da sie sie als eine willkommene Zwischenstufe auf dem 'liege zu einem ordnungsgemaessen und gebilligten Lohnsystem angesehen haben.

Der L'.en3ch in der Produktion. (Aus einer Publikation des British Institute of Management)
Die Haltung der in der Produktion taetigen Menschen gegenueber
dem Betrieb, ihr Verhalten untereinander und gegenueber der Betriebsleitung und das Verhalten der Betriebsleitung ihnen gegenueber sind
entscheidend fi er den Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens. Wenn
die Menschen nicht wissen, was sie zu tun haben oder warum sie es tun,
wenn Regeln und Notwendigkeiten von ihnen nicht verstanden werden,
wenn die Arbeiter fuehlen, dass man sie ungerecht behandelt und wenn
sie der Betriebsleitung nicht vertrauen, dann wird der Produktionserfolg inner geringer sein als er sein koennte.
Die Fabrik wird ihre
Leistungsfaehigkeit nic:.t voll entfalten koennen, wie gut auch ihre
Produktionsmethoden, ihre Planungsarbeit und der Zustand ihrer Maschinen sein moegen.
Der Arbeiter sollte daher ueber die Ziele und Plaene der Betriebsleitung informiert werden, ebenso ueber die Produktionszahlen und den
Umfang der Verkaeufe. Man sollte ihm auch einiges ueber die Organisation und die Produktionsprozesse in anderen Abteilungen sagen, damit
er eine klare Vorstellung von seinem persoenlichen Beitrag zum Endprodukt hat. Genau so wichtig ist es, dass die Betriebsleitungen die Auffassungen, Ideen und Vorschlaege des Arbeiters erfaehrt, besonders wenn
sie bessere Arbeitsmethoden betreffen. Der Arbeiter kennt sicherlich so
gut wie irgendein anderer einige Moeglichkeiten, den Arbeitsprozess zu
verbessern und die Verschwendung von Zeit und Material zu vermeiden«
Es ist ein Teil der Verantwortlichkeit der Belegschaftsvertreter, dafuer
zu sorgen, dass Informationen in beide Richtungen geleitet und dass
schlummernde Ideen und Energien zum Nutzen aller verwertet werden,
•

*

•

Leistungsanreize
Welcher Typ der Leistungsanreize wahrscheinlich die besten Resultate bringt, haengt vom Menschen ab und von der Art der Arbeit, die er
zu verrichten hat. Als der Handwerker ein Produkt vom Beginn bis zu
seiner Vollendung herstellte und unter seinen Haenden wachsen sah, gab
es noch eine echte Befriedigung durch die blosse schoepferische Taetigkeitj dieselbe Art der Befriedigung also, die ein Kuenstler fuehlt,

- 9 -

�wenn er ein Bild malt. Da aber Jetzt nur wenige Arbeiter mehr als
einen kleinen Teil des gesamten Produktionsaufträges erledigen und
oftmals kaum noch mehr als eine Arbeitsverrichtung im Rahmen eines
Arbeitsganges, ist diese schoepferische Befriedigung nur noch selten
zu erreichen» Es gibt allerdings andere Anreize» Ehrgeiz, die Hoffnung auf Befoerderung, Wetteifer, manchmal sogar das Bestreben, einen gut gelittenen Vorgesetzten zu erfreuen, wie das besonders bei
jungen Arbeiterinnen der Fall sein kann. Alle diese Faktoren bestimmen neben vielen anderen die Menschen dazu, wie intensiv sie
arbeiten werden. Nichtsdestoweniger ist der allgemeinste Anreiz
fuer den einfachen Mann und fuer die einfache Frau, die keine unmittelbare Chance einer Befoerderung sehen und deren Arbeit nicht
interessant genug ist, damit sie um ihrer selbst willen getan werden koennte, eine Celdbelohnung»die der zusaetzlichen Anstrengung
entspricht.
Sie ist aus dem einfachen Grunde der allgemeinste Anreiz, weil Geld das uebliche Mittel ist, um die Ziele zu erreichen,
die die meisten Menschen erstreben: Groessere Sicherheit und Behaglichkeit fuer sich selbst und ihre Familien, Es ist ganau das gleiche Motiv, das.die Taetigkeit des selbstaendigen Geschaeftsmannes,
des Landwirts oder des Haendlers anspornt. Wir werden diesen Anreiz spaeter noch besprechen,
•

*

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Der Zweck der Praemiensysteme«
Wenn ein Mensch einmal an seine Arbeit gewoehnt ist, wird er
in einem gleichbleibende Tempo arbeiten, das seinem Temperament entspricht. Dieses Tempo kann waehrend der Arbeit nicht leicht geaendert
werden. Wenn er nicht einige persoenliche Vorteile sieht ( zum Beispiel eine besondere geldliche Belohnung), wird er dazu neigen,
kleine Arbeitsunterbrechungen zu dulden, entweder aus persoenlichen
Gruenden oder durch Maschinenstoerungen entstandene Unterbrechungen,
Der Erfolg einer Tagesproduktion wird darunter leiden.
Ein gut
ausgearbeitetes Praemiensystem ist nicht in erster Linie dazu bestimmt, das Arbeitstempo zu beschleunigen,waehremd der Arbeiter seine Taetigkeit tatsaechlich ausuebt, ( das ist nie t einmal in allen
Faellen erwuenscht, da die ^ualitaet der Produkte darunter leiden
kann), sondern ihn stetiger arbeiten zu lassen und ihn daran zu
interessieren, dass Unterbrechungen sofort zur Kenntnis des *Bfsi«htsfuehrenden Vorgesetzten gelangen.
•

*

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Festsetzung von Akkordbetraegen oder Akkordzeiten.
Vor der Entwicklung der Arbeitsstudien war das Feststellen der
Stueckloehne eine Aufgabe des Akkordschaetzers.
Er war im allgemeinen ein Mann mit langjaehriger praktischer Erfahrung bei der Erledigung der Arbeitsgaenge, die er zu beurteilen hatte,Er studierte
die Zeichnungen, pruefte die Vorrichtungen und Werkzeuge und ging
vielleicht auch einmal in die Werkstatt, um mit dem Arbeiter, der den
Auftrag ausfuehren sollte, die Arbeitsmethoden zu besprechen. Schliesslich wog er alle diese Faktoren mit Hilfe seiner eigenen Kenntnisse
ab und setzte eine Vorgabezeit oder - was frueher wahrscheinlich war einen Stn«cklohn fest. Diese Entscheidung konnte von dem Arbeiter
anerkannt werden oder auch nicht. Der Arbeiter konnte recht gut der
Meinung sein, dass er besser als der Akkordschaetzer wisse, wieviel
Zeit die Erledigun&gt; des Arbeitsauftrags in Anspruch nehmen werde.
Wurde der Akkordsatz nicht akzeptiert, dann folgten Verhandlungen,
bis ein beiderseitig annehmbarer Akkordlohn vereinbart war.

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10

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�Diese Methode der Festsetzung des Akkordlohns wird noch in grossem Umfange angewandt, vor allem in Werkstaetten, die haeufig wechselnde Arbeitsauftraege erledigen. Es ist dort schwierig, Arbeitsstudien durchzufahren, weil die Serien der einzelnen Artikel im allgemeinen recht klein sind. Die Methode wird auch in der schweren Industrie angewandt« Sie wird sich dort ohne Zweifel auch noch viele
Jahre behaupten, obwohl sie fuer die Betriebsleitung und fuer die
Arbeiter Nachteile bringt«
Der erste Nachteil besteht darin, dass der Akkordschaetzer, wie
erfahren er auch sein mag, eben immer nur schaetzt. Allerdings
wird ein erfahrener Mann ziemlich genau schaetzen. Eo hat sich Jedoch wiederholt erwiesen, dass Menschen, die eine Arbeit leisten,
nur selten wissen, wieviel Zeit sie in Anspruch nehmen sollte. Wenn
sie nicht ausgebildet sind, einen Arbeitsgang zu analysieren und die
wesentlichen Elemente von den auszuschliessenden Elementen ( wie Unterbrechungen dieser oder Jener Art) zu trennen, dann besteht die Gefahr, dass sie die auszuschliessenden Elemente nicht beachten oder als
Teile des Arbeitsganges ansehen.
Der zweite Nachteil ist der, dass kein nachpruefbarer Bericht
ueber den Arbeitsgang vorliegt, wenn die Berechtigung des Akkordsatzes spaeter bestritten wird oder wenn sich einzelne Elemente des
Arbeitsganges aendern. Es steht dann das Urteil des Akkordschaetzers im Gegensatz zu dem Urteil des Arbeiters,
Um sich selbst
su schuetzen, wird der Akkordschaetzer deshalb leicht dazu neigen,
den Akkordlohn ziemlich niedrig anzusetzen. Er ist dann in der Lage, ihn zu erhoehen, wenn er darum ersucht wird, ohne zu grosse Zugestaendnisse zu machen. Das Ergebnis duerfte unter solchen Umstaenden immer ein Akkordlohn sein, der den Arbeiter nicht zu seinem Hecht kommen laesst. Wenn andererseits ein leicht erreichbarer
Akkordlohn festgesetzt ist, wird der geschickte Arbeiter zurueckhaltend sein, seine ganze Leistungsfaehigkeit einzusetzen, weil er befuerchten muss, dass der Akkordlohn beschnitten wird. Er beschraenkt
deshalb vielleicht sogar seine Leistung bis zu einer Grenze, von der
er annimmt, dass sie von der Betriebsleitung noch geduldet wird. Der
Stueckakkord haette damit auigehoert, als Anreizmitte 1 noch irgendeinen Wert zu haben.
Der dritte Nachteil geschaetzter Stueckakkorde besteht darin,
dass die Betriebsleitung nicht zu genauem Zahlenmaterial gelangt, dass
sie fuer Kostenrechnungen, Toranschlaege usw. braucht, und dass AI«
durch Maschinenschaeden und sonstige Arbeitsunterbrechungen verlorene
Zeit in der Regel nicht genau erkennbar wird.
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Festsetzung der Akkordsaetze durch Arbeitsstudien
Arbeitsstudien als Grundlage der Entlohnung nach den Leistungen
fuehren - wie wir gesehen haben - zu einer viel groesseren Genauigkeit,
denn Jedes Element des Arbeitsganges wird dabei geprueft und Jede
Beobachtung schriftlich niedergelegt. Die fuer Jedes Element erforderliche Zeit wird viele Male gemessen und notiert, so wie auch alle
Einzelheiten ueber Arbeitsmethoden und Werkzeuge schriftlich niedergelegt werden. Der Bericht wird aufbewahrt. Wenn irgendeine Frage
auftaucht, die die Torgabezeit betrifft, besteht fuer alle Beteiligten zu Jeder Zeit die Moeglichkeit, ihn einzusehen. Die festgestellten Zeiten koennen von den betrieblichen Gewerkschaftsvertretern kontrolliert werden, Tatsaechlich ist es erwuenscht, dass Vertrauensleute
der Gewerkschaften in den Betrieben, die Arbeitsstudien betreiben,
die Verfahren kennen und im Gebrauch einer Stoppuhr ausgebildet sind.
Die Arbeitsstudien leiden noch darunter, dass man sie in der Vergangen-

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11

-

�heit zu einem Geheimnis gemacht hatte,
F
uer den Arbeiter vorteilhaft ist die Tatsache, dass die durch Arbeitsstudien festgesetzten Zeiten keine durch Arbeitsunterbrechungen
und llaschinenstillstand hervorgerufenen Zeitverluste enthalten. Wenn
sie eintreten, kann der Arbeiter fuer die Dauer der Unterbrechungen
seinen Zeitlohn verlangen und sich so den Akkordverdienst sichern, den
er vorher erreicht hatte. Auch die Betriebsleitung kann dadurch, dass
sie am Ende einer Woche oder eines Monats in den Berichten erscheinende Wartezeiten analysieren lae:st, feststellen, wo die Unterbrechungen vorkommen und sie kann Schritte unternehmen, die die Unterbrechungen in Zukunft verhueten.

Eine andere fuer den Arbeiter guenstige Eigenschaft der durch
Arbeitsstudienmethoden festgesetzten Zeiten ist der Einschluss eines
bestimmten Prozentsatzes als Erholungazuschlag. Die fuer verschiedene Arbeitsarten und verschiedene Arbeitsbedingungen festgelegten Prozentsaetze werden fast allgemein anorkannt, Sie ermoeglichen es, dass
kein Arbeiter - sei er mit leichter oder mit anstrengender Arbeit beschaeftigt - am Ende des Tages uebermuedet ist, vorausgesetzt, dass
er fuer die Art der Arbeit, die er leistet, geeignet ist.
Vielleicht dar einzige, was vom Standpunkt des Arbeiters aus zugunsten der einfachen Akkordschaetzung gesagt werden kann, ist, dass
man ueber die Pestsetzung verhandeln kann. Der Arbeiter fuehlt dann,
dass er einiges dazu zu sager. hat, was er verdienen kann, waehrend
ein Verhandeln zwischen dem Arbeiter und demjenigen, der die Vorgabezeit auf Grund durchgefuehrter Arbeitsstudien festsetzt, unnoetig ist.
Das bedeutet nicht, dass Kollektivverhandlungen ueber die Geldloehne,
die zu zahlen sine1, nicht mehr angebracht waeren; sie sind es in genau der gleichen Weise, wie unter Jedem anderen System, Es bedeutet
auch nicht, dass eine Vorgabezeit, die durch Arbeitsstudienmethoden
festgesetzt wurde, nicht abgelehnt werden koennte. Wichtig ist, dass
die Vorgabezeit sofort kontrolliert wird, wenn moeglich unabhaengig
von denen, die sie festsetzten, falls ihre Hichtigkeit angezweifelt
wird. Es bedeutet jedoch, dass Diskussionen ueber eine Vorgabezeit
auf einer Grundlage niedergeschriebener Tatsachen vor sich gehen koennen, die von jedem Beteiligten zu kontrollieren sind, auch - wenn das
erforderlich ist - vom Arbeiter selbst. Nichtsdestoweniger ist der
Arbeiter berechtigt, Sicherungen zu verlangen, dass die Resultate der
Arbeitsstudien aufrechterhalten und nicht missbraucht werden. Die
erste dieser Scherungen muss darin bestehen, dass die Studien zur
Nachpruefung durch jeden Betroffenen zur Verfuegung stehen. Die zweite Sicher,ng muss darin bestehen, dass die Vorgabezeit nicht verringert wird, wenn sich die Arbeitsmethoden nicht aendern. Diese Sicherungen gehoeren zu oen fundamentalen Regeln der Anwendung von Arbeitsstudien, deren Erfolg von gegenseitigem Vertrauen abhaengt. Wenn
dieses Vertrauen einmal gebrochen wurde, ist die weitere Lohnfestsetzung durch Arbeitsstudien eine Zeitvergeudung, weil ihr Wert als
Mittel der Lohnfindung fuer Stueckakkorde nicht mehr vorhanden ist.
Viele Firmen, die durch Arbeitsstudien festgesetzte Akkorde in
einer Werkstatt um ersten Male anwenden, geben die Bedingungen und
Garantien schriftlich bekannt und lassen sie in der Werkstatt auahaengen. Der Anhang B ist eine genaue Kopie einer solchen Ankuendigung
(nur die Namen sind weggelassen), die in einer Fabrik im Londoner Gebiet waehrend des letzten Jahres verwendet worden ist. Verhandlungen
mit den Vertretern der Arbeiter hatten stattgefunden, bevor die Studien
durchgefuehrt wurden. Alle Arbeiten waren in vollem Umfange studiert
worden. Der Betriebsleiter las die Notiz Absatz fuer Absatz der versanin-lten Belegschaft. Jeder Werk tatt vor, kurz bevor das neue System
in Kraft gesetzt »urde. 2s sollte dar.it erreic. t werden, dass .jeder
3otro:'fene er voll und ra.'.\z v rstand und dass Fr^-en dazu gestellt und

1?

�Aussprachen daxueber stattfinden konnten« Es wird auoh als notwendig
angesehen, dass den Arbeitern nicht spaeter als am folgenden Tage der
Verdienst des Vortages bekannt ist. wenn die Vorgabezeiten durch Arbeitsstudien festgesetzt worden sind.
•

•

«

Sonderpraeaien
Sin anderes Anreizsystem ist der Aufmerksamkeit wert, bevor wir
diesen Teil abschliessen. Es ist in Grossbritannien nicht in grossem
Umfange angewandt worden, aber eine Anzahl bedeutender Firmen wendet
es an und es wird behauptet, dass man damit beachtenswerte Erfolge erzielt hat. Es besteht aus einer ganz besonders sorgfaeltigen Einschaetzung eines Jeden Arbeiters nach bestimmten Zeitabstaenden (drei
oder sechs Monaten). Der Umfang der Produktion eines Arbeiters, die
^ualitaet seiner Arbeit, die Innehaltung festgesetzter Zeiten, die allgemeine Faehigkeit, die Zusammenarbeit mit den aufsiehtnfuehrenden Vorgesetzten und mit seinen Kollegen und andere Faktoren werden dabei
gewertet. Zusätzliche Zahlungen werden gegeben, wenn die ^ualitaet
der Arbeitsleistungen ueber dem Durchschnitt liegt. Als Ergebnisse
der verschiedenen aufeinanderfolgenden Einschaetzungen koennan die
gezahlten Praemien hoeher oder niedriger als die Torgezahlten sein,
Je nach Leistung und Haltung des einzelnen Arbeiters. Das System ist
nuetzlich fuer Betriebe, die Produkte von hoher Qualitaet anfertigen,
da die meisten Entlohnungssysteme nach Leistungen nicht unmittelbar
der Aufrechterhaltung der £ualitaet der Arbeit dienen, obwohl die Lohnzahlung gewoehnlich gute Arbeit als Bedingung voraussetzt.
Aus der Schrifti Leistungssteigerung durch
Organisation
(Bund-Verlag, GmbH, Koeln)
(Gegen Erstattung des Portos kann dl« Schrift
kostenlos bezogen werden)

William Gomberg, Leiter der Forschungsabteilung der Allamerikanischen
Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeitert
Der Zweck der Arbeitsbewertung.
Die Arbeitsbewertung ist ein Verfahren zur Untersuchung von Arbeiten innerhalb eines Betriebes, um ihr Verhaeltnis zueinander nach
dem Arbeitsinhalt festzulegen« Ihr Anliegen ist es, einen Masstab zu
schaffen, um alle Arbeiten so genau und objektiv wie moeglich miteinander vergleichen zu koennen.
Es gibt vier hauptsaechliche Methoden zur Bewertung der Arbeitt
Rangfolgeverfahren, Gruppeneinteilung, Punktbewertung und Vergleich
nach Merkmalen« Alle diese Techniken drehen sich Jedoch um eine einzige Fraget Was ist der Inhalt einer Arbeit im Verhaeltnis zu anderen
Arbeiten im Betrieb? Die Arbeitsbewertung darf nicht mit den Leistungsloehnen verwechselt werden« Die Arbeitsbewertung misst die Arbeit als
solche und beschaeftigt sich nur mit den Grundstundenloehnen« Di* Leistungslöhne bilden ein Mass fuer die persoenliche Anstrengung und betreffen den individuellen Lohn und die Arbeitsgeschwindigkeit« Wenn
eine Praemie oder irgend eine andere Form des Leistungslohnes zu den
durch die Arbeitsbewertung entwickelten Grundloehnen hinzugefuegt wird,
dann koennen allerdings die beiden Elemente der Lohngestaltung so miteinander verquickt sein, dass es im Einzelfall unter Uastaenden fast
unmoeglieh wird, sie auseinander zu halten.

15

�Um jedoch ein klares Terstaendnis der Arbeitsbewertung zu erlangen,
ist es wesentlich, sich der grundsaetzliehen unterschiede im Zweck »wischen der Arbeitsbewertung und einem Leistungslohnsystea bewusst zu sein«
Die Arbeitsbewertung befasst sich ausschliesslich mit dem relativen
Schwierigkeitsgrad der Arbeiten, so wie er in den Grundstundenloehnen
zum Ausdruck kommt. Bin Leistungslohnsystem beschaeftigt sich mit dem
Verhaeltnis des individuellen Lohnes zu den Unterschieden des individuellen Arbeitsergebnisses»
Der Grundzweck der Arbeitsbewertung ist nichts Neues« Die Tatsache,
dass nicht alle Arbeiten den gleichen Lohn wert sind, ist sowohl von
den Arbeitern wie den Betriebsleitungen erkannt worden. Die Aufstellung
einer Lohnskala ist eine der hauptsaechlichen Aufgaben eines Tarifvertrages. Der Zweck einer Lohnskala ist Festsetzung unterschiedlicher
Stundenloehne fuer verschieden hohe Arbeitswerte. Zum Beispiel sind
die historischen Unterschiede zwischen den Lohnsaetzen fuer Lehrlinge,
Hilfsarbeiter und Handwerker schon seit langem anerkannt. In dieses
sehr weiten Sinne ist die Arbeitsbewertung so alt wie die Tarifvertraege.
Charakteristisch fuer die Arbeitsbewertung ist die Art, wie sie
an das Problem der Beurteilung des relativen Arbeitsinhaltes herangeht.
Diese Art und die mit ihr verbundenen Techniken sind hauptsaechlich aus
dem Problem der Bestimmung der Lohnunterschiede in Industriezweigen mit
Massenproduktion entwickelt worden.
Vor dem Kriege erlangten die Arbeitsbewertungsmethoden ihre groesste Verbreitung in der Metallbearbeitung und der Elektroindustrie. Die
Massenproduktion in diesen Industrien fuehrte zur Spezialisierung der
Arbeiten, fuer die die Arbeiter nur einige einzelne spezielle Fertigkeiten benoetigen. Ein gelernter Mechaniker in einem Betrieb musste
viele verschiedene Arten von Drehbaenken, Fraesmaschinen, Schraubenmaschinen usw. zu bedienen wissen. Im Gegensatz dazu erfordert eine
Pabrik mit Massenproduktion einen Maschinenarbeiter, der wie ein angelernter Bedienungsmann an einer Presse nur an einer Maschine arbeiten
kann und ausgebildet ist.
Die Betriebsleitungen versuchten deshalb, eine Technik zu entwickeln,
um die Arbeiten ausschliesslich danach zu bewerten, was die gerade vorliegende Arbeit in dem in Präge kommenden Betrieb erforderte. Der groessere Nachdruck lag auf der inneren Folgerichtigkeit» Der historische
gewerbliche Lohnaufbau, der auf dem Lehrling, dem Hilfsarbeiter und dem
Facharbeiter beruhte, war in den Industriezweigen mit Massenproduktion
nicht anwendbar. Erst kuerzlich ist die Arbeitsbewertung eine bedeutende
Streitfrage bei TarifVerhandlungen geworden. Viele Betriebe der Massenproduktion, in denen die Bewertung zuerst eingefuehrt wurde, waren
nicht gewerkschaftlich erfasst, Betriebe des Metallgewerbes mit einem
hohen Anteil von allseitig ausgebildeten Facharbeitern zahlten auch weiterhin die ueblichen Handwerkers^etze. Die Lage hat sich in wenigen Jahren veraendert» Der Krieg beschleunigte den Zug zur Massenproduktion.In
der ganzen Metallindustrie verwischte sich die fruehere klare TTennungslinie zwischen Massenproduktion und handwerklicher Fertigung. Fruehere
Berufsverbaende wie die internationale Vereinigung der Maschinenbauer
mit einen hohen Bewusstseia von handwerklicher Tradition und Lohngestaltung haben sich schnell im Bereich der Massenproduktion ausgebreitet.
Die zum CIO gehoerenden Auto-, Stahl- und Elektroarbeiter und andere aus
der Massenproduktion entstandene Gewerkschaften haben bereits seit langem Interesse an den Methoden der Lohndifferenzierung gezeigt.
Als Ergebnis dieser Entwicklungen ist die Arbeitsbewertung eine
der strittigsten Fragen bei den laufenden Lohnverhandlungen geworden.
Um die Auseinandersetzungen ueber die Arbeitshewertung auf das geringste
Mass zurueckzufuehren, ist es wichtig, dass die Mitglieder der Verhandlungskocinission, der Bewertungsausschuesse und andere, die die Verant-

14

-

�wortung fuer Entscheidungen auf diesem Gebiet tragen, sorgfaeltig ( im
Toraus) die Grundursachen ermitteln, die hinter der allgemein verbreiteten Einstellung gegen die Arbeits'bewertung stehen.
Die Gruende fuer das Misstrauen und den Widerstand der Arbeiterschaft
sind nicht schwer zu finden. Oft verstanden die Arbeiter nicht die Bewertungstechnik, und die Betriebsleitungen zogen bisweilen ihren Vorteil
hieraus. Diese Dmstaende trugen zu dem allzu weit verbreiteten Fehlschluss bei, die Arbeitsbewertung sei eine Art von Zauberformel, die
man etwa wie einen Rechenschieber handhaben koenne und die die menschliche Urteilsfaehigkeit entbehrlich mache.
Missverstaendnisse dieser Art sind zu einem grossen Teil an der
Opposition der organisierten Arbeiter gegen die Arbeitsbewertung
schuld. Die Lage ist aehnlich wie bei den frueheren Versuchen, Arbeitszeitstudien und Leistungsloehne als Waffe zur Dnterbietung der
Tarifvertraege zu benutzen. Das fuehrte dazu, die Arbeiterschaft
gegen fast alle Methoden "wissenschaftlicher Betriebsfuehrung" einzuMksen, einschliesslich der rationellen. In Juengster Zeit vorgekommene Versuche, die Arbeitsbewertung in der gleichen Weise zu missbrauchchon, haben so zu Rueckschlaegen gefuehrt«
Eine Tatsache allein sollte Jedoch genuegen, diese ganze Auffassung
von der "magischen ?ormelu zu zerstreuen. Es gibt mindestens vier
verschiedene Methoden zur Bestimmung der relativen Arbeitsschwierigkeit, die alle als Arbeitsbewertung bezeichnet werden. Ferner gibt es
eine unbegrenzte Zahl von Kombinationen und Abaenderungen dieser vier
grundlegenden Methoden. Die Befuerworter der Arbeitsbewertung sind
oft durchaus verschiedener Meinung in bezug auf die relativen Vorteile
ihrer eigenen Methode und - selbstverstaendlich - die ünzulaenglichkeit aller anderen Methoden. Kurz, keiner der gaengigen Bewertungsplaene ist fehlerlos oder wissenschaftlich objektiv. Selbst die Plaene, welche "Punkte" in dem Bestreben nach mathematischer Genauigkeit
anwenden, verletzen grundlegende mathematische Gesetze in vielen
wichtigen Paellen,
Glücklicherweise sieht man heute mehr und mehr ein, dass die Arbeitsbewertung genau so wie jedes andere Tarifvertragsverfahren auf
menschlichem Urteil beruht. Ausserdem draengt eine wachsende Anzahl von
Befuerwortern der Arbeitsbewertung darauf, dass die ganze Sache gemeinsam von Gewerkschaft und Betriebsfuehrung behandelt wird, damit die
Missverstaendnisse vermieden werden, die sich aus einer einseitigen
Behandlung ergeben.
Ein anderer Grund fuer die Skepsis und die Opposition der Arbeiterschaft ist die Tatsache, dass die Arbeitsbewertung als ein Ersatz fuer
Tarifvertraege, anstatt ein Werkzeug fuer sie zu sein, missbraucht worden ist.
Die Bestimmung einer relativen Lohnskala durch einen Tarifvertrag
braucht nicht nur nach den Gesichtspunkten der Arbeitsbewertung allein
erfolgen. Die Arbeitsbewerung ist ein Versuch, ein objektiveres Mass
fuer den relativen Arbeitsumfang festzusetzen, als dies sonst moeglich
ist. Die schliessliche Lohnskala als Ergebnis einer Tarifvertragsverhandlung kann durchaus das Ergebnis der Beachtung vieler Paktoren sein,
und dabei voellig unanhaengig vom Arbeitsumfang,
Die Tatsache, dass eine verhaeltnismaessig spezialisierte Arbeit
sich auf dem aeussersten Ende einer Befoerderungslaufbahn befindet,
kann zu einem hoeheren Bewertungssatz fuehren, als es allein durch die
Berücksichtigung der relativen Arbeitsschwierigkeit gerechtfertigt sein
wuerde.

- 15

�feiterhin wird ein« stark« Nachfrage nach einem schwachen Angebot irgend einer besonderen Facharbeit die benoetigten Arbeitakraefte nicht
verfuegbar machen, wenn die Betriebsleitung auf der Beibehaltung von
gekuenstelten Arbeit«bew«rtung8grund«a«tzen besteht* Sodann kann die
Tatsache, dass dl« Arbeit einen stark •aisonmaessigen Charakter traegt,
also den betreffenden Arbeiter viel kuerzer« Zeit als eine ander« Arbeit in der gleichen fabrik b«schaeftigt, zu relativ hoeheren Stundenloehnen fuer diese Arbeit fuehren, ganz unabhaengig von dem relativen
Schwierigkeitsgrad der beiden Arbeiten«
Alles dieses laeuft darauf hinaus, dass die relative Arbeitsschwierigkeit genau so wenig allein da« relative Lohnniveau bestimmt, wio die
Produktionskosten den Preis des Produktes« Die Arbeitabewertung ist eine Hilf« zur Beurteilung bei Tarifvertfagsverhandlung^nj sie ist nicht
da« einzige Kriterium fuer die relative Lohnskala*
Sie Statistiken ueber das Lohnniveau in bestimmten Gebieten, wie
man sie in anderen Abhandlungen ueber Arbeitsbewertung findet, sind voellig ausser Betracht gelassen* Die sogenannte Theorie des vorherrschenden oertlichen Lohnes gehoert in keine Behandlung der Arbeitsbewertung*
Die Arbeitsbewertung hat es nur damit zu tun, die relative Arbeitsschwierigkeit zu messen. Die Pestsetzung eine« Grundlohnes, auf dem
die Lohnskala aufgebaut wird, haengt von den jeweiligen Lohntheorien
der TarifVertragspartner ab* Die Gewerkschaftsbewegung in den USA hat
die Theorie eines Gebietslohne« restlos abgelehnt angesichts einer
Volkswirtschaft, In der die meisten Produzenten fuer einen Harkt
arbeiten, der die gesamte Nation umfaast*
Es wird einer Gewerkschaft wenig helfen,die Arbeitsbewertung nur
dazu zu benutzen oder anzunehmen, um die gleiche Lohnsumm« unter der
gleichen Arbeitergruppe aufzuteilen in der Annahme, dass sie so die
Lohnstruktur rationalisiert haette. Das wuerde die durch die Pehler
der Betriebsleitung verursachten Probleme einfach auf die gewerkschaftliche Organisation oder irgend eine ausgleichende Lohnerhoehung verlagern* Vom Gewerkschaftsstandpunkt aus ist der Hauptzweck, zu dem die
Technik der Arbeitsbewertung bei Verhandlungen dienen kann, die Verteilung eines Zuwachses zu der gesamtsten Lohnsumme in der Weise, dass
einige der bestehenden Ungerechtigkeiten, ausgeglichen werden*
Die Arbeiter klagen darueber, dass die Arbeitsbewertung dazu dient,
ihren individuellen Wert zu vermindern, indem sie ihr Augenmerk auf die
jeweilige Arbeit richtet anstatt auf den Hann, der die Arbeit ausfuehrt.
Sie weisen auf aehnliche Zustaende auf anderen Gebieten hin* Beispielsweise werden in groesen Krankenhaeusern die Patienten durch verschiedene Aerzte untersucht« Waere es moeglich, die Arbeit eines Arztes, der
mit dem Hoerrohr das Herz untersucht, zu bewerten und zu erklaeren, dass
diese besondere Arbeit verhaeltnismaessig einfach sei und deshalb kein
normales Arztgehalt verdiene? Sie behaupten, dass es genau so unpraktisch
waere, Uediziner auf dieser Basis auszubilden wie einen Schlosserlehrling.
Genau wie die Hausfrau Knorpel und Knochen in Kauf nehmen muss, wenn sie
Pleisch kauft und bezahlt, muesste die Betriebsfuehrung die _*asaetzlichen Paehigkeiten des Arbeiters nehmen und sie zu Bestandteilen der Arbeit machen.
quelle: "Arbeitsbewertung"
Ein praktisches Handbuch fuer Gewerkschafts- und Betriebsfunktionaere
von Willian Gomberg

- 16 -

�Inlcrnallonalt

ARBEITSNITTEILUNGEN
Uie folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und
dienen der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren
Mitglieder. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei dem
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post
zugeleitet. Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme
irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

V - XII

I n h a l t s v e r z e i c h n i s

:

Paul R. Hutchings:
Die heutige Gewerkschaftsfront der Angestellten

Seite

1

Produktivität - die Quelle unserer Staerke

Seite

6

Das Senioritaetsrecht des amerikanischen Arbeiters

Seite 11

Pruefung der Wirtschaftsfreiheit

Seite 13

Boris Shishkin:

Paul R. Hutchings, Vorsitzender der allamerikanischen Gewerkschaft
der 3ueroangestellten:
Sie heutige Gewerkschaftsfront der Angestellten
"Die Jront der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sind die
15 000 000 Angestellten der Vereinigten Staaten. Sie bilden eine
Herausforderung der amerikanischen Arbeiterschaft und das ist der
Punkt, an dem sie ihre Kraft und Staerke sammeln ..IUSS. Weniger
als 2 Millionen dieser 15 Millionen Angestellten sind Mitglied
der Gewerkschaften. Diese Arbeiter brauchen die organisierte
Gev:erk3chE.f t, und die organisierte Gewerkschaft braucht sie."
Diese Worte sprach Arboitsminister Maurice J. Tobin, als er im
vergangenen Soamur an die Versammlung einer der groessten Angestellten1

�gewerkschaften innerhalb der Amerikanischen Gewerkschaftsfoederation
Worte der Begruessung richtete. Die American Federation of Labor
ist die Dachorganisation der oertlich und branchemaessigen zusammengeschlossenen Gewerkschaften, der auch die Allanerikanis ehe Angestellten-Union als Mitglied angeschlossen ist.
Die ernste Lage der Angestellten war» Gegenstand vieler Kommentare, aber nur wenige Persoenlichkeiten haben der Oeffentlichkeit
so freimuetig die Tatsache terkuendet, dass die wirkliche Loesung der
wirtschaftlichen Probleme des Angestellten in der Hinwendung zur Gewerkschaftsorganisation und in der Annahne gewerkschaftlicher Grundsaetze
liegt.
"Vas ist eigentlich ein Arbeiter mit weissem Kragen?", wie in den
Vereinigten Staaten die Angestellten ganz allgemein bezeichnet werden.
Diese irrefuehrende, dem eigentlichen Wesen ausweichende Redensart ist
entstanden, um jenen Teil unseres Arbeitsheeres zu kennzeichnen, der
keine "blauen Kragen", keine Arbeitsanzuege und keine Overalls traegt.
Er bezieht sich auf jene Personen, die nicht all Teil des Erzeugungsund Versorgungsheeres angesehen werden. Es ist Jer sogenannte "Nichthandarbeiter," der nichtsdestoweniger hauefig genug sich auf die Geschicklichkeit seiner Haende und seine neuro-muskulaere Koordination, das
heisst die tatkraeftige Zusammenarbeit seiner Ilerven und Muskeln verlassen muss, um der geforderten Arbeit Herr zu werden.
In die weite Klasse der Angestellten fallen die vielseitigen Gruppen der Stenotypisten, Lehrer, Musiker, der im Sozialdienst Taetigen,
der Buchhalter, Handwerker, Journalisten, Telephonisten, Reisenden und
Vertreter, Ingenieure, Bueroangestellten und viele andere mehr.
Obwohl einige Angestelltengruppen zurzeit gut organisiert sind,
wie z.B. die Musiker, Schauepieler, Eisenbahn- und Postangestellten
und andere, so ist es eine nuechterne Tatsache, dass heute annaehernd
85$ der 15 Millionen Angestellten des Landes nicht gewerkschaftlich
organisiert sind»
Was ist eigentlich den unorganisierten Angestellten geschehen? Sie
haben eine Hiederlage nach der anderen eingesteckt. Ein US-Regierungsbeamter hat kuerzlich geschaetzt, dass der Angestellte heute einen um
6j» hoeheren Reallohn verdient als 1939» Der Fabrikarbeiter andererseits hat heute ein Realeinkommen, das fast 50/« ueber dem von 1939
liegt.
Was ist die Ursache fuer diese grosse Differenz? Wer hat schuld,
dass es dem Angestellten nicht gelang, wenigstens im gleichen Schritt
wie sein in der Fabrik arbeitender Bruder voranzuschreiten? Die Antwort ist» Die fehlende gewerkschaftliche Organisation.
Der amerikanische Kopfarbeiter - abgesehen von den 2 Millionen,
die organisiert sind - zahlt teuer fuer seine unterlassene Organisierung, Arbeitsminister Tobin schaetzt in einer neuerer. Ausgabe des
"Bulletin des Arbeitsministeriums", dass in der 18aonatigen Periode
von Januar 1950 bis letzten Juni 20 Millionen unorganisierte amerikanische Arbeiter mehr als drei Milliarden Dollar an Kaufkraft eingebuesst
haben.
Einen grossen Teil dieses enormen Verlustes haben notwendigerweise
die 13 Millionen unorganisierter Angestellter auf sich genommen.
Das kaufmaennische Personal in den Geschaefts- und Industriebueros
stellt einen erheblichen Teil der Angestelltengruppe dar. Der Organi-

2 -

�sierung dieser arbeitenden Menschen ist die Arbeit der Allamerikanischen
Gewerkschaft der Bueroangestellten gewidmet. Ss ist eine gewaltige Aufgabe, diesem riesigen Arbeitsheer von Stenotypisten, Buchhaltern, Uaschinenschreibem, Bedienern von Bueromaschinen, Handlungsgehilfen und anderen, die den Bueronervenzentren der amerikanischen und kanadischen
Industrie und Geschaeftswelt dienen, die Vorteile und Wohltaten eines
beruflichen Zusammenschlusses zu bringen.
Buero- und kaufmaennisehe Angestellte sind,
schwer zu organisieren. Organisierungsmethoden,
Arbeitern als gesund erwiesen haben, wirken sich
kampagnen unter den Bueroangestellten nicht aus,
gar manchmal Sueokschlaege.

geschichtlich gesehen,
die aioh bei anderen
bei Organisationsja, sie bringen so-

Der Glorienschein von Tfuerde und Auszeichnung, der um die Buerotaetigkeit gewunden ist, hatte eine Einstellung und ein Empfinden im
Gefolg«, die rorsichtig ueberwunden werden muesseri, wenn die Bueroangertellten Ton ihren Befuerchtungen befreit werden und eine wirkliche
Gelegenheit erhalten sollen, vorwaertszukorimen und ihren eigentlichen
Platz auf dem amerikanischen Gewerkschaftsgebiet auszufuellen.
Der Bueroangestellte ist im allgemeinen gegen alles eingestellt,
was seinen Chef verletzen oder sein Ansehen und seine Bedeutung verringern koennte. Er arbeitet staendig in viel engerer Verbindung
mit der Leitung als der Produktions- und Versorgungsarbeiter, Er
wird haeufig als der verlaengerte Arm vier Geschaeftsleitung angesehen,
der die Myriaden Dokumente und Aufzeichnungen handhabt und verwaltet,
die Verbindung im Betrieb und mit den Geschaeftspartnern unterhaelt und
andere Einzelheiten, wie sie zur Arbeit des Bueroangestellten gehoeren.
Der Bueroangestellte ist meist nicht gewillt, seiner nahen Verbundenheit mit der Geschaeftsleitung zu entsagen. Er widersetzt sich allem,
was seine Eigenschaft als Individuum, al3 selbstaendigem Wesen beeintraechtigen koennte. Wenn, wie es haeufig vorkoinmt, die Geschaeftsleitung aus Kunsichtigkeit die beiderseitigen Vorteile nicht erkennt,
die sich daraus ergeben, dass sie einen wohlorganisierten Stab an Bueroangestellten hat, die frei von Aengsten um unzulaengliche Gehaeiter, Ar»
beitsunsicherheit, Befoerderungsungluecken und aehnlichem sind, dann
spiegelt der Bueroangestellte zunaechst haeufig die gegnerische Einstellung der Geschaeftsleitung gegenueber den Gewerkschaften wider •
Nur dann gehen sie dazu ueber, die Grundsaetze der Organisation anzuerkennen, wenn die Angestellten davon ueberzeugt werden koennen, dass
eine gewerkschaftliche Organisierung üie mit einem wirklichen Hilfsmittel versieht, durch das sie Selbstbewusstsein erlangen, und zugleich
auch die wahren Interessen der Gesellschaft foerdert und gleichzeitig
eine angemessene Eueckverguetung in Dollar bringt fuer die Dienste, die
sie leisten, wobei sie sich frei von Furcht vor Unsicherheit fuehlen
und in der Gewerkschaft ein Hilfsmittel fuer freundschaftliche fiogelung
der Bueroprobleme sehen«
Auch der Arbeitgeber muss umerzogen werden. Die Gewerkschaft muss
ihn ueberzeugen von ihres Interesse an dem Erfolg seines Unternehmens
und von der Tatsache, dass durch die Organisierung sein Buerostab eine stark erweiterte Gelegenheit zur Entwicklung der einzelnen Persoenlichkeiten fuer die Ausbildung von Puehrereigenschaften haben wird. Die
Ausdehnung demokratischer Grundsaetze auf das Buero gilt dann seinen
Angestellten als eine beachtliche Stimme in der Industriegemeinde.
Wir rnuessen den Arbeitgeber zu der Erkenntnis bringen, dass seine
Mitarbeiter im Buero einen groesseren Einsatz fuer das /Wohlergehen der
Pinna entwickeln, wenn sie an demokratischen Entscheidungen, die ihre
Arbeitsbedingungen bei den Unternehmern angehen, Arcteil nehmen. Sie

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3 -

�koirunen zu der Erkenntnis, dass ea erst einmal den Unternehmern gut
gehen auss, wenn sie alle vorwaertskommen wollen. Das giat ihrer Arbeit eine neue Wuerze.
Die 3ueroangestellten kommen somit dabin, sich selbst als einen Teil
der '.Yettbewerbsmannschaft anzusehen, und dass sich bei angestrengterer
Arbeit ein hoeherer Gewinn ergeben wird, an de« sie teilnehmen koranin.
Wenn die Bueroangestellten wach geworden sind und die Notwendigkeit
ihrer Organisierung anerkennen, dann entdecken sie, dass sie ihre eigene
Organisation haben moechten. Sie noechten nicht von einer Schablone
und einer Politik verschluckt werden, die organisierte Arbeiter anderer
Gevrerbe ausgearbeitet haben. Sie ersehnen vielmehr eine organisatorische
Eigenart und wollen selbst an die Loesun0 threr Bueroprobl'eme herangehen.Die Allamerikanische Bueroangestellten-Gewerkschaft verschafft ihnen
diese Mittal«
iüehr als 2^0 sich selbst verwaltende O.tsgewerkschaften arbeiten
gegenwaertig in den gesauten Vereinigten Staaten und Kamada, sie haben
mit mehr als 600 Handels- und Industrieunternehmen Tar'HTvertraege abgeschlossen. Sie umfassen rund 40 000 Mitglieder - von Neufundland bis San
Diego und von Vancouver bis Miami,
Organisation erzeugt wieder Organisation, i/enn unorganisierte Bueroange3te?lte in einer Gemeinde von den Vorteilen erfahren, die die organisierten Angestellten bei einem anderen Unternehmen erreicht haben, so
wird ih'.en die Moeglichkeit klar, diese Gewerkschaftsmethoden zu benutzen,
um ihre eigenen Gehaeiter und Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Jedes Jahr organisieren sich viele neue Angestelltengruppen und
verbinden sie': mit unserer allamerikanischen Gewerkschaft, in der sie
durch die Anwendung gewerkschaftlicher Grundsaetze ihr wirtschaftliches
Schicksal am gemeinsamen Verhandlungstisch ausarbeiten.
V/aehrend des letzten Jahres habe., sich die Angostelltenstaebe zahlreicher grorser und wichtiger Industriekonzerne der Allamerikanischen
Bueioange.tellten-Gewerkschaft zugewendet. LIehr als 4C0 kaufmaennische
und Buoroangeste] lte der' grossen 3uffalo-'.7erke dertforthingtonPump
Conpany organisierte-: 3ich kuerzlich in unserer Ortsgewerkschaft 212,
ungeachtet der Tatsache, dass die Produktions- und Versorjungsarbeitar
dieses ',7 rkes von einer der gro gen CIO-Gewerkschaf t vertreten werden,
die also auch daran interessiert ist, den Angestelltenstab zu erfassen.
Die Kernfrage wurde klargestellt: Durch die National Labor Relation
Board, eine Auf :;ichtsbehoerde fu=;r die Gewerkschaften,wurde eine Stimmzettelwahl durchgefuehrt. Hierbei bekundeten die Bueroangeutellten
ihren .Vunsch, von einer Gewerkschaft vertreten zu werden, die sich ausschliesslich den Probienen der kaufmaennisehen und Bueromitarbeiter widmet.
Das grosse 3. 36 Boi.iber-',.'erk der Consolidated Vultee Aircraft Corporation in Port V.'orth, Texas, war ebenfalls der 3chauplatzeines Organisations'jieges der allamerikanischen Gewerkschaft der Bueroangestellten. Mehr als 1500 Mitglieder des Büropersonals dieses Werkes wandten
sich im letzten SoTjner der Allamerikanischen Gewerkschaft der Bu-.roangectellten zu und sti.inten in einer V/ahl dafuer, dass sie durch diese
Gewerkschaft bei Verhandlungen fuer bessere Angestelltenbedingungen vertreten sein wollen.
Andere bedeutsame kaufmaennische Gruppen wurden neuerdings unter das
Banner der Allamerikanischen Angestellten Gewerkschaft gebracht wie etwa
das Büropersonal solcher Werke wie die Capital Transit Company in
Washington D.C., die Chicago Pneumatic Tool Company in Utica N.Y., die
Kennecott Copper Corporation in Bingham Canyon/ütah, die A.P. Controls

- 4 -

�Corporation in llilwaukee, die Cities Service Refining Corporation,
Verwaltuugsbuero in Lake Charles/Louisiana, die Abercombie and Fitch
(..'arenhaus) in New ^fork City und die Permanent Hospitals in Vallejo
und Ean Francisco, Kalifornien.
Diese ve schiedenen Firr.er. werden erwaehi.t, um ein Bild von der
Verbreitung der kaufmaennisehen Organisation zu geben, und zwar sowohl geographisch als auch hinsichtlich der verschiedenen Industriegruppen.
In Kanada hat rut ueber die Ilaelfte des kaufnaennicchen Personals
in der beherrschenden Papier- und Eellstoif-Indu3trie dieses Landes die
Alla.nerikanische Angestellten Union als ihren Verhandlungsvertreter erwaehlt, sie geniessen bereits verbesserte Gehaeiter und hervorragende
Arbeitsbedingungen.
Diese Organisation ist. in Kanada jedoch nicht allein auf die kaufmaennischen Angestellten dieser Industrie beschraenkt. Die Bueroangestellten der Dominion "Tabana °re Company Ltd. von Bell Island, einer
Insel, die vor der Tordkue3te Neufundlands liegt, hoerten von der
Allamerikanisc en Angestellten-Union und geniessen bereits die Vorteile der Kollektiv-Verhandlungen ihrer oertlichen Gewerkschaft auf diesem entlegenen Eiland. Der ka fmaennische Stab der Niagara Hydro Electric, ein Bauprojekt, hat eine Ortsgewerkschaft der Allamerikanischen
Union eingerichtet und hat -.Tesentliche Verbesserungen ihrer Loehne und
Arbeitsbedingungen erzielen koennen.
Andere juengere kanadische Organisationen haben den Buerostab der
Canadian I:on Foundries von Thrce Rivers,Quebec, und die Dominion Foils
Company in der gleichen Stadt, das St. Lawrence Alloy3 lerk in Eeauharnols/
^uebec, die Comstock Engineering Conpany in Toionto und viele andere
gewerkschaftlich organisiert.
Die grosse Aufgabe dieser allamerikanischen Union ist es, an '..en
Grundsaetzen, auf die die Gewerkschaft ge^ruendet wurde, festzuhalten
und weiterhin den Angestellten aller Industrien in beiden Laendern eine
echte Gelegenheit zu bieten, ihr rirtschaftliches ",','ohlergehen durch
Kolle'- tiwerhandlur.gon zu verbessern und dabei ihre Eigenart zu bewahren und zu foerdern.
J=den Tag wender: sich kaufmaennische Angestelltengruppen bei der
Suche n".ch ein-jr Antwort auf ihre wirtschaftlichen Probiene und, nachdem sie von den Erfolgen anderer kaufnaenr.ischer Gruppen gehoert haben,
schliessen sich der Allamer^kanischen Union an. Das ist die Loesung.
Wie die Organisation koerperlich waechst, so waechöt sie auch in der
Statur, d.h. in dem, was sio vorstellt.
Sie sa me",t staendig '.vertvoile Erfahrungen und bildet ^eschickte
fachmaer.nische üepraesentar.ten aus, die faehig sind, der. neuerdings
organisierten kaufmaennischen Gruppen beizustehen, wenn sie ihren speziellen Berufsprobleren wirksam gegenuebertreten wollen.
Die Notwendigkeit zur Entwicklung entsprech-nder Forschungs- und
Erziehungsabteilun_en darf nicht uebersfther. werden. Die Allanerikanische Angestellten-Union hat eine zwecknae. si/;e Forschungsabteilung eingerichtet, die von einen erfahrenen Forschungsexperten gefuehrt wird.
Sie will in technischen und enu:ren komplizierten Probienen Beistand
leisten, wie sie avs dem U.w. Lohnst-ibilisi^iungs-i-rogramn herwachsen,
ebenso bei der Notwendigkeit, sich nit den Arbeitsbewertungsproblenen
und anderen grundlegenden Dinjen von besonderen Belang fuer das kaufmaerinicche Personal aur.einan erzu3etze.n.
Ein auf dem lai:f enden gehaltener Kodifizierungs- und Analysierungs-

5 -

�plan aller Vereinbarungen der Union ist eingefuehrt worden, so dass die
Studienergebnisse und Informationen ueber spezielle Vertragsklauseln
rasch zur Hand sind und laufend beraten werden koennen vor allem in Bezug
auf Forn und Aenderungen der Verhandlungsart oertlicher Gewerkschaften
der Angestellten-Union in den verschiedenen Industrien und geographischen
Gebieten.
Jeden Monat findet Jedes Mitglied der Union in seinem Hausbriefkasten ein Exemplar der offiziellen Druckschrift "The Office V.'orker."
Sie informiert ihn ueber organisatorische Fortschritte, zugestandene
Lohnerhoehungen und viele andere wichtige Dinge, die von unmittelbarem
Interesse fuer ihn und sein Wohlergehen als Bueroangestellter sind.
Die Angestellten brauchen eine entschiedene Orgnnisation. Die Bueround kaufmaennisehen Angestellten, die einen breiten Ausschnitt aus der
Kopfarbeitergruppe bilden, benoetigen das Recht, durch Kollektiwerhandlungen an den Entscheidungen ueber ihre Gehaeiter und ueber ihre Arbeitsbedingungen am Ort ihrer Beschaeftigung teilzunehmen.
Sie koennen ihre Ziele erreichen ohne Aufgal3 ihrer Wuerde oder
ihres Ansehens durch ihre Ortsgewerkschaften derA^lamerikanischen
Angestellten-Uni&amp;h, die sich ausschliesslich aus Buero- und kaufmaennischen Angestellten zusammensetzt und sich ausschliesslich ihren Problemen widmet - die (AFL) Union der Bueroangentellten,
"The American Pederationist", Vol. 59» No. 4

Boris Shiskin: Wirtschaftsberater der American Pederation of Labor
Produktivitaet - die quelle unserer Staerke
Wenn wir Gueter produzieren und Dienstleistungen schaffen, so zeugen wir damit Wohlstand. Amerika mit seinen 150 Millionen Menschen
setzt auf diese Weise das Doppelte um wie Westeuropa mit seinen 275
Millionen Menschen.
Unser Land verfuegte ueber viele Vorzuege. Zunaeohst einmal ist es
-reich an natuerlichen Hilfsquellen. Nutzholz, Eisen, Kupfer, Oel und eine
reiche Zahl anderer Rohstoffe ruhen innerhalb unserer Landesgrenzen und
warten auf ihre Erschliessung. Und wir erschlossen sie. Wnehrend die
meisten europaeischen Laender fuer viele ihrer Industrierohstoffe von der
Einfuhr aus Uebersee oder dem Ausland abhaengig waren, fanden wir den
groessten Teil unseres Bedarfs im eigenen Land.
Ein weiterer gewaltiger Vorteil wax die Einheitlichkeit der Vereinigten Staaten. Innerhalb unseres Landes herrschten weder Sprachschranken
noch Zollnauern. Ein Fabrikant in Michigan konnte seine Produkte, wenn
er wollte, in Oregon, Louisiana oder Maine verkaufen. Ein Obstzuechter
in Kalifornien brauchte sich keinerlei Sorgen zu machen ueber eine "ausgeglichene Handelsbilanz" fuer seine Produkte etwa gegenueber den Maschinen, die er vielleicht in Michigan kaufen nusste, wie es etwa ein italienischer Zuechter muss, wenn er seine Erzeugnisse nach der Schweiz, Italien
oder nach den Vereinigten Staaten verkaufen will.
Der dritte grosse Vorteil war unser Wettbewerb- und Unternehmersinn.
Waehrend der Wettbewerbsgeist die Ja.«rd nach neuen, besseren und billigeren Methoden wach hielt, haben wir Gesetze beschlossen, die den freien
Wettbewerb vor dem '.Vuergegriff der Monopolwirtschaft schuetzen.
U n s c vierter Vorteil war das allmaehliche Entwickeln und Wachsen
der Organisatior.staetigkeit der amerikanischen Arbeiterschaft mit dem
Ziel, dem Einzelnen einen fairen Anteil an den Pruechten der Produktion

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�zu sichern. Die Maschine hatte denflussund den Schmutz des industriellen Lebens mit sich gebrächt. In ihrem Kielwasser folgte die Ausbeutung, der staendige Druck nach mehr Arbeitsstunden, der unerbittliche
Druck um niedrigere Loehne. Hier rausste ein Gegengewicht geschaffen
werden. Und der Ansatzpunkt fuer den ausbleichenden Hebel kam mit den
Kollektivtarif-Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
Waehrend das organisierte T/irken der Arbeiterschaft diese lebenswichtige Handhabe fuer einen gorechteren Anteil am Industriefortschritt
schuf, ermoeglichte die freiwillige Selbstorgani3ation der Arbeiter
auch ein ausgeglicheneres Wachstum unserer gesamten industriellen Ge*meinschaft. Von der Stroemung des 19. Jahrhunderts mit ihren Forderung
nach schulgeldfreien Volksschulen bis zu der Bewegung des 20. Jahrhunderts fuer soziale Sicherung und besseres V.'ohnen, ist es die ununterbrochene Benuehung der Arbeiterschaft gewesen, die dazu beitrug, die vermehrte Produktion in bessere Lebensverhaeltnisse umzuformen.
Wenn eine Fabrik, uie 1000 Einheiten am Tag fertigte, heute 1 200
Einheiten mit derselben Arbeiter- und Stundenzahl taeglich herausbringen
kann, dann oager wir, dass die Produktivitaet um 20$J zugenommen hat. Das
kann ermoeglicht worden sein durch bessere Maschinen, durch den reibungsloseren Ablauf der Herstellung und durch guenstigere Produktionsmetho^en, oder eine Verbindung dieser und anderer Faktoren.
Produktion ist das Ausmass der produzierten Gueter selbst. Hoehere
Produktion kann das Ergebnis des Einsatzes einer groesseren Zahl Arbeiter
oder einer laengeren Arbeitsdauer sein. Sie ist nicht notwendigerweise
das Ergebnis einer ;roeoseren Nutzleistung. Sie kann naemlich mit Hilfe
von mehr Menschen und einem laengeren Arbeitsplan erreicht werden, selbst
bei einer absinkenden Nutzleistung des Einzelnen.
Produktivitaet ist der Wert der Produktion je K0pf und Arbeitsstunden! n i * anderen Worten: der Umfang der Produktion je Kopf und Zeiteinheit. Die industrielle Produktivitaet ist das Produktionsmass Je Kopf
und Stunde. Eine Aenderung in der Produktivitaet gibt das llass fuer die
Veraenderung der industriellen Nutzleistung. Steigende Produktivitaet
bedeutet, dass die Erzeugung leistungsfaehiger geworden ist und weniger
kostet.
Wenn die gleiche Zahl Arbeiter, bei unveraenderter GesamtStundenzahl, mehr Einheiten des gleichen Produkts erzeugen kann, so fallen die
Herstellungskosten je Einheit, denn jede Einheit kostet herstellungsmaessig weniger. Wenn die Produktionskosten, sagen wir einer Taschenlampe, auf diese Weise von einem Dollar auf 80 Cents je Stunde herabgedrueckt werden koennen, dann betraegt der Gewinn aus der gesteigerten
Produktivitaet 20 Cents an jeder Einheit« Dieser gesamte Gewinn kann
als erhoehter Nutzen fuer den Fabrikanten in Erscheining treten. Wenn
die Loehne fuer die Arbeiter, die diese Taschenlampe fertigen, gleich
bleiben und ebenso der Preis der gleiche bleibt, so wuerde der Profit
des Unternehmers je Taschenlampe um 20 Cents steigen.
Ebenso kann aber auch der ganze Gewinn der Produktivitaet in hoehere
Loehne umgewandelt werden. Oder es koennte dazu dienen, die Preise des
Erzeugnisses zu senken. Oder der Ertrag der vermehrten Produktivitaet
koennte in dreiflichtungenaufgeteilt werden» al3 hoeherer Unternehraergewinn, als hoeherer Lohn fuer den Arbeiter und als gesenkter Preis fuer
den Verbraucher.
Auch die gesteigerte Produktivitaet der Wirtschaft als Ganzes kann
in gleicher V/eise gemessen und beurteilt werden wie die Produktivitaet
des einzelnen Unternehmers. Der Wert der gesamten Produktion unserer
ganzen Wirtschaft, den jeweiligen Preisschwankungen angepa;st, repraesentiert den tatsaechlichen Wert der Gueter und Dienstleistungen, die innerhalb eines Zeitabschnitts erzeugt und geschaffen wurden.

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�Die Produktivitaet der amerikanischen Wirtschaft war in einem stetigen Aufstieg begriifen. Im privaten Sektor der Wirtschaft unter Auslassung der ausgesprochenen Regierungsdien^tleistungen und der Wehrmacht
stand der jaehrliche Anstieg der Produktivitaet zwischen 1909 und 1941
auf den Durchschnittssatz von 2,1^. Dies ist natuorlich nur ein Durchschnitt. Depressionen, d.h. wenn weniger Kapital in neuen Ma3chinenanlagen investiert wird, verlangsamen das Tempo, solange sie andauern,
sie zeigen ihre Wirkung meist erst spaeter. In anderen Jahren hat es
Spruenge nit überdurchschnittlichen Steigerungen gegeben. Aber dieses
Bild zeigt, dass bei einer* Aufrechterhaltung dieses durchschnittlichen
Prozentsatzes der industriellen Vervollkommnung die Nutzleistung in
ungefaehr 50 Jahren verdoppelt werden kann.
Seit Ende des letzten Krieges ist dieser Prozentsatz der zunehmenden Produktivitaet bedeutend angestiegen. Seit 1949 stieg die Produktivitaet konstant mit etwa 5"i/j i m J-hre an. Wenn dieses Tempo einer steigenden Produktivitaet beibehalten wird, so kann die Leistungsfaehigkeit schon
in 20 Jahren verdoppelt werden,
Dis Produktivitaet ist daher die quelle, au:, der eine ganze ITi-.tion
schoepfen kann, um eine allgemeine wirtschaftliche Besserstellung herbeizufuehren. Entscheidend Jedoch fuer Erfolg oder Uisslingen der
Uebertragung der erhoehten Produktivitaet in einen besseren Lebensstandard ist die Faehigkeit, den Nutzen der verbesserten Produktivitaet
in eine wirtschaftliche Besserstellung fuer alle zu verwandeln. Durch
Mehrproduktion mit geringeren Konten ist es moejlich, sowohl den Unternehmergewinn als auch die Loehne ohne Preissteigerung zu erhoehen.
Die steigende Produktivitaet in der amerikanischen V/irtschaft
spiegelt wirksame Kraefte wider, die weitreichender sind al3 die verbesserte Leistungsfaehikeit im Rahmen eines einzelnen Werkes, einer
liine oder eines anderen erzeugenden Unternehmens. Die neue Technologie
(technische Wirtschafts- und Gewerbelcunde) hat das Tempo de3 Wirtschaftslebens ueberall beschleunigt, Wo Handel und Gewerbe vor 50 Jahren ohne
Stromlinienbahnen, Fernlagtzuege, Eil-Luftfracht und Luftpost betrieben
wurden, spielen sie sich heute unter ilithilfe all dieser zusaetzlichen
Schnelligkeit ab, plus Fernschreiber und Fern-Schnellsprechdienst. Die
Schnelligkeit der Bewegung und Verbindung allein hat schon die Leistungsfaehigkeit der Wirtschaft gesteigert. Die moderne Technologie hat uns
neue Stoffe und neue Produkte geschenkt, ebenso neuartige Maschinen geschaffen, die die Produktion besser und schneller gestalten koennen.
Die groesste oekonomische Frage unserer Zeit ist nun die: Wie koenner vir am besten diese bessere Wirtschaft sorg- nisation in hoehere Realeinkommen umwandeln? Wie koennen wir die zunehmende Menge neuer Produkte in die finanzielle Reichweite einer groesseren Anzahl Lienschen
bringen, die sie brauchen und in der Lage sein moechten, sie zu kaufen?
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung erkannte fruehzeitig die
fundamentale ./ichtijkeit der Beziehungen zwischen Lohn und steigender
Produktivitaet. Schon vor mehr als einem ViertelJahrhundert nahm im Jahre 1925 die T-.jung der Amerikanischen Gewerkschaftsfoederation (Al'L)
folgende Resolution an, die von dem Delegierten John P. Frey vorgeschlagen wv rde.
"Soziale Ungleichheit, industrielle Unstabilitaet und Ungerechtigkeit muessen wachsen, wenn nicht die Realloehne der Arbeiter und die
Kaufkraft ihrer Loehne, gepaart mit einer staendigen Verminderung der
Arbeitsstunden am Ts?g, im Verhältnis zu der zunehmenden menschlichen
Produktionskraft weiter entwickelt und vorangetrieben werden."
Die Amerikanische Gewerkschaftefoei ration, die eine Anzahl Studien ueber das Verhaeltnis zwischen Lohn und Produktivitaet durchfüehrte,
schlug als "moderne Lohnpolitik der organisierten Arbeiterschaft" eine
solche vor, die die erhoehte Produktivitaet in hoeheren Loehnen widerspiegelt.
8

�Als ein Teil des (grossen Gesantprogramna der wirtschaftlichen
Stabilisrung waehrend der gegenwaertigen Abwehrperiode hat die Arbeiterschaft das Lohnstabilisierungsprogramm angenommen und unterstuetzt«
Jedoch hat die Arbeiterschaft von Anfang an mit der Zustimmung mur
Lohnkontrolle als Teil einer breiteren Abwehr gegen jede Inflation die
Notwendigkeit dargelegt, dass Lohnerhoehungen, die die gesteigerte Produktivitaet widerspiegeln, zuzulassen sind.
Schon am 11» Januar 1951 erklaerte ein gemeinsamer Bericht, der
dem Lohnstabilisierunrrsamt von den Gewerkschaften vorgelegt wurdet
"Der jetzige Verkaufsmarkt macht es offensichtlich, dass eine
Herabsetzung der Kosten je Produktionseinheit, die sich aus .verbesserter Leistungsfaehigkwit ergeben hat, nie t dazu fuehrt, die Preise zu
senken. Die Ablehnung einer Lohnanpassung an den industriellen Fortschritt wuerde daher nicht den Verbrauchern zugute komnen, sondern
allein zur Vermehrung des Unternehmergewinns dienen.
Das Hichtzustandekommen einer Vereinbarung ueber die Zulaessigkeit
einer Lohnanpassung, sei sie in bestehenden Vertraegen festgelegt oder
in kuenftigen vereinbart, wuerde ein Eingriff dieses Amtes in die
Verteilung des Nationaleinkommens zun Schaden der Arbeiteranteile und
zum Nutzen des Geschäfts- und Direktorialeinkoncens darstellen. Dies
wuerde eine schmerzliche Ungerechtigkeit gegenueber den Arbeitern sein,
deren Rolle in Produktionsprozess 30 lebenswichtig ist.
Eine Beteiligung an den Ertraegen des industriellen Fortschritts
und gesteigerter Produktivitaet wuerde erheblich zur Foerderung der Moral und der Leistungsfaehigkeit der Arbeiter beitragen und dabei gleichzeitig die wirtschaftliche Stabilitaet staerken."
i'uenf llonate spaeter handelte das Lohnstabilisierun^samt nach diesem
Vorschlag, aber in zweischneidiger 7eise, Es gab die Erlaubnis zu geringen,
aber
auf der steigenden Produktivitaet basierenden Lohnerhoehungen,
jedochnur bei Abkommen, die vor dem 26, Januar getroffen waren.
Das Ergebnis war ein doppelseitiger Zustand. Arbeiter mit vor dem
26. Januar 1951 abgeschlossenen Tarifvertraegen konnten Lohnerhoehungen,
die sich auf die cteigende Produktivitaet gruendeten, erhalten. Diejenigen, die keine entsprechenden Schritte vor diesem Stichtag unternom.'iwn hatten, bekamen solche Lohnerhoehungen jedoch nicht.
Im Oktober 1951 legten die Gewerkschaftsmitglieder des ^ohnstabilisierunjsantes eine Entschliessung vor, die dringend eine Politik forderte, die die Produktivitaetslohnerhoehungen fuer alle Arbeiter zuliess.
Das Lohnstabilisierungsamt unterliess es jedoch, die noetigen Schritte
zu unternehmen. Am 26, Hai eroeffnete der Vorsitzende des Lohnstabilisierungsamtes, Nathan Feinsinger, eine dreitaegige Beratung, um das
Fuer und Wider dieser *'rage zu erwaegen. Die Amerikanische Gewerkschaftsfoederation erbrachte bei dieser Beratung den Nachweis, dass das Amt
voll und ganz berechtigt sei, Lohnerhoehungen auf Grund der gestiegenen
Produktivitaet in einem Ausnass bis zu ll£ zu bewilligen, wenn solchen
Erheohungen von der Gewerkschaft und der Geschaeftsleitung zugestimmt
worden i3t.
Der Antrag der Amerikanischen Gewerkschaftsfoederation war mit der
Tatsache begruendet, dass sich die Produktivitaet in der amerikanischen
Wirtschaft als Ganzem pro Kopf und Jtunde zwischen 1949 und 1950 um
5,97^» zwischen 1950 und 1951 um 5»4^' erhoeht hatte. Es wurde dargelegt,
dass waehrend dieser zweijaehrlgen Periode von 1949 bis I95I die Produktivitaet in der privaten '.Virtschr.ft um 11,67' stieg. Auf dieser Grundlage hielt es die Amerikanische Gerrerkschaftsfoederation fuer ebenso gerecht wie notwendig, dass das Amt eine allgemeine Anordnung erlaesst, die

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�Produktivitaetslohnerhoehungen von maximal 11$« zulae3st.
'.Yenn das Amt durch die Anordnung, Produktivituetslohnarhoehungen
im Rahmen von llfi als Ergebnis kollektiver Verhandlungen zu genehmigen
erlauben wuerde, so wuerde es im Effekt den Arbeitern gestatten, gleichen Schritt mit ihrem Anteil an der steigenden Produktivitaet fuer die
Periode 1?49 - 1951 zu halten. Der Antrag war also nicht gegruendet
auf Llutmassungen oder irgendeine Schaetzung', wie hoch die kuenftigen
Aenderungen in der Produktivitaet sein koennten, er ist vielmehr gegruendet auf die feststehende Tatsache, dass waehrend dieser zweijaehrigen
Periode, in der die Produktivitaet anstieg, es den Arbeitern nicht
genehmigt wurde, an dem Nutzen dieses Aufschwungs ihren berechtigten
Anteil zu erhalten,
Lohnerhoehungen, gegruendot auf Produktivitaetsgewinnen, sind
keineswegs inflationistischer Natur, Selbst wenn die Preisebene waehrend der vergangenen 50 J- hre gestiegen ist, so liegt das wirkliche
Einkommen pro Kopf heute im V.rhaeltnis von 2J zu 1, verglichen mit der
Lage vor einen halben Jahrhundert. Durch Erfahrung ist bewiesen worden, dass der beste V.'eg, wie sich die Produktivitaetsgewinne in einen
hoeheren Lebensstandard umwandeln koennen, der ist, den Arbeitern zu
genehmigen, sich an dem Produktivitaotsgewinn durch angemessene Lohnerhoehungen zu beteiligen.
Es muss vollkommen klargestellt werden, dass dieser Vorschlag nicht
die Absicht vertritt, die Produktivitaetsgewinne voll und ganz in
hoehere Loehne umzuwandeln. Angenom.-.en, die unmittelbaren Arbeitskosten
je Einheit belaufen sich auf 30;' des '..'ertes des Fertigprodukts. Ein
ll^iges Ansteigen der Loehne wuerde im Verhaeltnis zur Produktivitaetostei^erung nicht mehr als den Arbeitsante. 1 am Produktivitaf;tsgewinn
erfordern, ein Anteil, der nur ein Bruchteil des gesamten Gewinnes ist«
Im Falle der Erzeugung von 111 Einheiten pro Kopf/stunde anstatt
100 wird es moeglich, eine solche Lohnerhoehung, die sich uuf gestiegene Produktivitaet gruendet, ohne weiteres zu gewaehren und trotzdem
die Arbeitsko:ten pro Einheit des Erzeugnisses nicht hoeher gleiten zu
lassen, sondern auf dem bisherigen Stand zu belassen.
Gesteigerte Produktivitaet bedeutet nicht, dass die Arbeiter einer
angespannteren Anstrengung unterworfen werden. Im Gegenteil, die' zusamnengefassten Ergebnisse einer besseren Technologie, vorteilhafterer
Organisation der Erzeugung und hoehere fachliche Fertigkeiten haben
es moeglich gemacht, eine ueberlange Arbeitszeit zu verkuerzen, ebenso
die Loehne zu erhoehen un dadurch die Realeinkommen staendig zu erhoeher..
7/enn eine gesteigerte Produktivitaet nicht von einer Steigerung
des Realeinkommens begleitet ist, so kann die Kaufkraft nicht mit der
erhoehten Srzeugurigsmoeglichkeit Schritt halten. Es ist in hohem Kasse
lebenswichtig, sicherzustellen, da-ss nach Ueberschreiten des Gipfelpunktes der Abwehrproduktion noch eine genuegende Kaufkraft verfuegbar
ist, um einen vollen Fluss der zivilen Produktion nach Durchfuehrung der
^bwehrmassnahnen zu gewaehrleisten. "le USA werden sicher einmal einer
Versetzung und Aufloesung gegenueberstehen, wenn sie den Loehnen nicht
zugestehen, die juengsten Produktivitaetsgewinne aufzuholen.
Das Ziel der Amerikanischen Gewerkschaltsioederation ist eine
lljiige Steigerung der Loehne, die Produktivitaetsgewinne von 1949
bis 1951 begruenden diese Forderung, Das Lohnstabilisierungsamt sollte
eine solche Erhoehung bewilligen, sie sollte verwirklicht werden durch
das Instrument gemeinsamer Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Unternehmer.
Steigende Produktivitaet ist die quelle der Staerke der gesamten
'•Virtschaft, Produktivitaetslohnerhoehungen sind das üittel, um diese
-

10

�Quelle zu den Lebenswurzeln des zukuenftigen Wachstums Amerika» zu
leiten.
"The American Federatlonist",
Vol. 59/No. 6

Das Senioritaetsrecht der amerikanischen Arbeiter.
Der amerikanische Arbeiter schaetzt die Vorteile, die ihn auf Grund
seiner Senioritaet zuteil werden, ueberaus hoch. Das Senioritaetsrecht
ist ein Recht des Dienstalters - je laenger jemand bei einen Unterne'jnen
oder in einer Industrie beschaeftigt ist, umso hoehere Hechte hat er,
er kann z.B. erst dann entlassen werden, wenn alle mit einer gleichartigen Arbeit beschaeftigten Kollegen, die nach ihm in den Betrieb eintraten, entlassen worden sind. Bei liassenentlassungen hat er auch bei
Neueinstellungen das Hecht, bevorzugt wieder eingestellt zu werden diese Holle auf Grund des Dienstalters wird in den amerikanischen
Tarifvertraegen durch den Ausdruck ".Senioritaetsrecht" wiedergegeben.
Diese Hechte sind zumeist c*urch Tarifvertraege geschaffen worden, zuweilen sind sie auch durch die Initiative einzelner Arbeitgeber moeglich.
Das Senioritaetsrecht kann fuer die Dauer des bezahlten Urlaubs
oder der Kranktage entscheidend sein, 'wenn sie dem Arbeiter zustehenj
ebenso kann es bei Befoerderungen oder Personaleinschraenkungen eine
entscheidende Holle stielen. Die Versetzung in den Pensionsstand und
die Auswahl der Arbeiter fuer Tag- oder Nachtarbeit kann sich ebenfalls n^ch der Senioritaet richten. Der amerikanische Arbeiter schaetzt
vorpllem vier Formen der Vorteile der amerikanischen Senioritaet, die
"Sein taegliches Leben beeinflussen. Es handelt sich hierbei um die
Reihenfolge bei der Entlassung und Befoerderung, den Pensionsanspruch
und den bezahlten Urlaub.
Das amerikanische Amt fuer Statistik hat den Versuch gemacht, die
Wichtigkeit dieser Vorteile festzustellen, die sich aus dem Senioritaetsrecht ergeben und durch Kollektiwertraege wirksam wurden. Im Juni 1951
sind 330 Kollektiwertraege, die fuer 4 Millionen Arbeiter gelten, genauestens geprueft, ueber das Ergebnis wurde eine Studie zusammengestellt.

Befoerderungen.
Die Reihenfolge, die bei Entlassungen und Befoerderungen eingehalten werden muss, zaehlt zu den Vorteilen, die 3ich auf Grund des
Senioritaetsrechtes gegenueber anderen Arbeitern ergeben. Die Gewerkschaften bestaetigen, dass es sehr schwierig ist, die Peststellung zu
treffen, wem der Vorrang zu geben ist, zumal keine Vergleichsmethoden
existieren» Sie treten jedoch dafuer ein, der Zahl der Dienstjahre eine groessere Bedeutung fuer Befoerderungen zuzumessen, als auf Grund von
Verdiensten. Die Arbeitgeber hingegen sind der Meinung, dass, wenn man
sich bei Befoerderungen ausschliesslich auf das Dienstalter stuetzt, man
Gefahr laeuft, fuer gewisse' Arbeiten wenig leiatungsfaehige oder ungeeignete graefte aufsteigen zu lassen.
Die Rolle, die das Dienstalter fuer die ^rage der Befoerderung
spielt, ist in ungefaehr 60# der Vertraege genau festgelegt, sie umfassen 52;$ der Arbeiter, die in dieser Studie beruecksichtigt wurden.
Die meisten Vertraege fordern durchweg die Geeignetheit oder bestimmen, dass die Arbeiter fuer den hoeheren Posten die benoetigte Leistungsfaehigkeit haben muessen, wenn das Dienstalter bei der Befoerderung
den Ausschlag geben soll.
11

�Entlassungen und Wiedereinstellungen.
Die Aufstellung einer Entlassungsordnung, die sich auf den
Senioritaetsrecht aufbaut, ist fuer ungefaehr 74$ der Vertraege vorgesehen und betrifft 56$ der Arbeiter. Gemaess diesen Bestimmungen muesste
grundsaetzlich der zuletzt eingestellte Arbeiter zuerst entlassen werden. Beinahe die Haelfte dieser Vereinbarungen betonte jedoch ausdruecklich, dass das Personal mit dem hoechsten Dienstalter in der Lage sein
muss, die geforderte gute Arbeit zu leisten. 12?' der geprueften Vereinbarungen, die sich auf 500 000 Arbeiter erstrecken, lassen die Bevorzugung des Dienstalters nur dann gelten, wenn die Faehigkeiten der durch
das Senioritaetsrecht geschuetzten Arbeiter gleichwertig sind. Die
Industrien der Serienproduktion (z.B. Apparate, Steine, Ton, Glas, Petroliumraffinaden, Lebensmittel und aehnliches) und das Transportwesen legen dem Dienstalter bei Entlassungen den groessten V?ert bei. 95$ der
Arbeiter, die den geprueften Vereinbarungen unterliegen, sind in diesen
Industrien beschaeftigt. In der Tabak-, Textil, Gas- und Elektrizitaetsindustrie betraegt der Anteil 75$» i n d e r Verpackungs- Papiertind Metallbearbeitungsindustrie 50$. Die Bauindustrie ist die einzige,
die auf das Senioritaetsprinzip bei Entlassungen keinerlei fiuecksicht
nimmt, was hauptsaechlich auf den Saisoncharakter der Arbeit in dieser
Industrie zurueckzufuehren ist. In der Bekleidungsindustrie ist die Berücksichtigung des Senioritaetsrechtee bei Entlassungen ziemlich selten,
es herrscht dort die Gewohnheit, waehrend der flauen Zeit verkuerzt zu
arbeiten.
Im allgemeinen richtet sich die Wiedereinstellung von Arbeitern
nach dem Senioritaetsprinzip; die Arbeiter mit der hoechsten Senioritaetsstufe werden somit als erste wiedereingestellt.

Pensionen und bezahlter Urlaub.
Pensionen und bezahlter Urlaub gehoeren ebenfalls zu den Vorteilen,
die ein Arbeiter durch ein Senioritaetsrecht fuer sich selbst beanspruchen kann. In diesem Fall ist es nicht erforderlich, mit anderen
Arbeitern verglichen zu werden.
Ungefaehr zwei Drittel der Arbeiter profitieren von dem Pensionssystem, dass sich auf eine bestimmte Anzahl Dienstjahre stuetzt. Die
meisten Pensionssysteme werden durch Tarifvertraege eingefuehrtj diese
Vorteile treten zu der Altersrente, die durch die Sozialversicherung gewaehrt wird, noch hinzu.
Die Dauer des bezahlten Urlaubs bildet einen weiteren wesentlichen
Vorteil fuer den Arbeiter. Kehr als 70$ der Arbeiter haben Anspruch
auf bezahlten Urlaub, dessen Laenge sich nach den Dienstjahren richtet,
wobei der Tarifvertrag die Einzelheiten festlegt.
Im Augenblick gibt es weder ein industrieweites noch ein bezirkliches Einheitspro^ramn, die Senioritaetsrechte der Arbeiter, die in
die Verteidigungsindustrie uebernommen worden sind, zu sichern. Jedoch
sehen verschiedene Vereinbarungen die Aufrechterhr.ltung dieser ursprünglichen Senioritaetsrechte vor, sobald die eigentliche Arbeit wiederaufgenommen wird, falls vorher eine Ueberweisung in die Verteidijungsindustrie
stattgefunden hat. Dies gilt jedoch nur, wenn die Ueberweisung auf Veranlassung einer Regierungsstelle erfolgte.
(Studie des amerikanischen Staatsministeriums
fuer Arbeit)

-

12

�Pruefung der Wirtschaftsfreiheit.
Was hat das amerikanische freie Unternehmer tum eigentlich dem
Arbeiter gebracht? Lies ist eine sehr heikle Trage - wobei die Sozialisten ihr System als das bessere anpreisen, waehrend die Kommunisten
behaupten, dass der amerikanische Arbeiter ausgebeutet wuerde,
Zunaechst einige grundlegende Betrachtungen. Kein Wirtschaftssystem kann zum Erfolg fuehren, wenn es nicht echten Beduerfnissen
entspringt. In Amerika wurzelt der wirtschaftliche Ansporn im natuer—
liehen Wunsch des llenschen zur persoenlichen Leistung. Gewisse wirtschaftliche Hechte sind sichergestellt, so dass jeder die rolle Freiheit hat, das Erwuenschte in die Tat umzusetzen. Das Recht, sich Besitz
zu erwerben oder einen bestimmten Beruf auszuwaehlen, sich mit irgendeinem
Geschaeft zu befassen und angemessen zu Terdienen, eine Organisation aufzuziehen und gemeinsam um hoehere Loehne und soziale Vergünstigungen
zu verhandeln oder eine Handelsgesellschaft zu gruenden. Leiter hat
Jeder das Hecht, Vertraege abzuschliessen, sei es zwischen Firnen untereinander oder zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern) das Hecht, ein
Geschaeft zu fuehren, bedeutet die Anerkennung des freien Wettbewerbs«
Und ueber allem hat jeder einzelne das Hecht, nach eigenem Gutduenken
zu handeln und eigene wirtschaftliche Entschluesse zu treffen. Alle
diese Rechte bilden das Fundament der persoenlichen Initiative und der
Verantwortlichkeit, die den wirtschaftlichen Fortschritt ausmachen.
Ein anderer Faktor ist dabei auesserst wichtig: Der freie Markt,
der sich rauenlich ueber ein Gebiet von drei LIillior.en ^uadratmeilen
ohne jede Zolltarifbeschraenkun^en oder Waehrungsuntersehiede ausdehnt,
bedient heute 150 Millionen Llenschen.
Dadurch ist es der Industrie moe.;lich geworden, durch Massenproduktion die Kosten zu senken und somit hochwertige Erzeugnisse zu
Preisen zu verkaufen, die die Arbeiter anlegen konnten. Hohe Loehne
haben die Kaufkraft geschaffen, die zur Aufrechterhaltung der Massenproduktion notwendig ist.
In diesem weltoffenen freien Markt steht es Jedermann frei, seine
Talente und Faehigkelten zu entfalten. Das freie Unternehmertum entwickelte die Energie und den Schoepfungsgeist von Millionen massgebender
Mitbuerger, um Werkzeuge, Maschinen und industrielle Einrichtungen zu
schaffen, die den Arbeitern einen hohen Lebensstandard ermoeglichen«.
Der Wettkampf der Unternehmen untereinander gab dem Geschaeftsmann ganz
allgemein den Ansporn, das bestmoeglichste Erzeugnis zu moeglichst geringem Preis auf den Markt zu bringen, die Erzeugnisse staendig zu verbessern und neue Artikel herauszubringen, die dem Beduerfnis der Verbraucher angepasst sind. Millionen Verbraucher haben durch ihre Auswahl
unter den miteinander in Wettbewerb stehenden Erzeugnissen des freien
Marktes bestisimt, was produziert werden soll und welche Unternehmen produzieren sollen« Hicht leistungsfaehige Firmen wurden dadurch vom Markt
ausgeschlossen} ein hoher Standard industrieller Leistungofaehi^keit, der
zur Erhaltung eines hohen Lebensstandards erforderlich ist, wurde dadurch
zwangslauefig aufrechterhalten. Zwar wurde der Wettbewerb zuweilen durch
monopolistische industrielle Zusanmenschluesse behindert, jedoch trugen
die Anti-Trust-Gesetze viel dazu bei, um dies zu verhueten. Im ganzen
gesehen, ist es aber im vergangenen halben Jahrhundert auf G und des Wettbewerb ssystems moejlich gewesen, den Markt mit einem reichhaltigen Angebot qualitativ guter Erzeugnisse zu versorgen und zwar zu Preisen, die
die Kehrzahl der Bevoelkerung bezahlen konnte.
Vor hundert Jahren hat der amerikanische Durchschnittsarbeiter nicht
mehr als 31 Cents in Form des Produktionswertes pro Arbeitsstunde, gemessen
am Dollar in heutiger Kaufkraft, erzeugt. Trotz langer Arbeitszeit waren
seine Loehne sehr niedrig, weil er nicht genug herstellen konnte, um sich
-

13

-

�einen angemessenen Lohn zu sichern. Aber der Anreiz zur Produktionssteigerung war gross - sowohl fuer die Unternehmer als auch fuer die
Arbeiter, Allmaehlich wurde durch neue Maschinen urd neue Arbeitsmethoden die Produktion Je Kopf und Stunde erhoeht. Das Wettbewerbssystem
belohnte die besten Unternehner. Um I890 erzeugten die Arbeiter 53
Cents in Form de« Produktionswertes pro Arbeitsstunde und erhielten 48
Cents Stundenlohn, gemessen in Dollar der heutigen Kaufkraft,
In Jenen Tagen war die noch in den Anfaengen steckende Gewerkschaftsbewegung nicht einflussreich genug, um den Arbeitern ihren gerechten Anteil am aufkommenden Wohlstand, der ihnen z* verdanken war,
xu sichern, Di« Produktivitaet stieg in weiteren 20 Jahren um 19
Cents pro Stunde an, die Loehne aber nur um 2 Cents, Als dann waehrend
des ersten Weltkrieges die Gewerkschaften maechtiger wurden, holten die
Arbeiter ihre Verluste ein. Von 1910 - 1920 stiegen die Loehne um 16
Cents Je Stunde, die Produktivitaet um 6 Cents. Von diesem Zeitpunkt
an und besonders durch die wachsende Mitgliedschaft der Bewegung in den
30iger Jahren zwangen die Forderungen nach hoeh:ren Loehnen die Unternehmer, ihre Produktivitaet mehr denn Je- au steigern. Die Loehne hielten Schritt und von 1920 bis 1944 verdoppelte sich sowohl die Produktion
Je Kopf/stunde als auch das Arbeitsentgelt, Waehrend der NachkriegsInflation trat ein Stillstand ein. Obgleich die Unternehmer die Preise erhoehen konnten, um Lohnforderungen auszugleichen, mangelte es an Interesse,
die Kosten herabzusetzen und die Produktivitaet zu erhoehenj die Arbeiter sahen ihre Lohnerhoehungen durch Preissteigerungen zunichte gemacht.
Als aber 1948 di e Preiserhoehungen genauer untersucht wurden, stiegen die
Produktivitaet und di«^Loehne wieder an. Steigende Produktivitaet aber
war schon immer die Grundlage fuer steinende Loehne gewesen.
Die Kaufkraft pro Arbeitsstunde des Fabrikarbeiters - sein Reallohn
naemlich - stieg um das Dreifache in der Zeit von 1890 bis 1950, naemlich von 48 Cents auf I.76 Dollar. Seine Arbeitszeit wurde dabei verkuerzt. Vergleicht man 1900 mit 1950, so kann festgestellt werden, das*
der Wochenlohn des Arbeiters sich verdoppelte, v.aehrend seine Arbeitsstunden in der Woche sich von 55 oder 60 auf 40 reduzierten. Er hatte
also Je T.'oohe 15 - 20 Erholungsstunden mehr zur Verfuegung.
Das amerikanische Arbeitsminlsteriun fuehrt diesen und andere Vorteile auf, die die amerikanischen Arbeiter in den vergangenen 50 Jahren
erreicht haben« im Jahre 1901 blieben einer Arbeiterfamilie, nachdem
sie ihre Ausgaben fuer Nahrung, Kleidung und Wohnung beglichen hatte,
nur I79S ihres Einkommens fuer andere Ausgaben uebrig, wie etwa aerztliche
Betreuung, Ersparnisse, Erholung, Erziehung und Fortbildung, Dies gestattete keinen Luxus, nicht einmal eine genuegende Sicherung bei Notfaellen oder eine angemessene Erziehung der Kinder. Heutzutage steht der
durchschnittlichen Arbeiterfamilie mit 36$ bis 41/S «in viel groesserer
Einkommensbetrag fuer solche Sonderausgaben zur Verfue^-ung - der Jaehrliche
Betrag, der nach Abzug der Kosten fuer die Lebensnotwendigkeiten verbleibt,
ist von 230 auf 1100 Dollar angestiegen, wenn die heutigen Preise zugrundegelegt werden. Das bedeutet, da'ss der Arbeiter heute mehr iloebel oder
Haushaitsgeraete oder sogar ein Auto erwerben kann. Er geniesst eine
bessere aerztliche Fuersorge, er kann mehr Geld fuer Reisen und Erholung
ausgeben, er hat mehr Zeit fuer seine gewerkschaftlichen und kommunalpolitischen Interessen und kann seinen Kindern eine bessere Erziehung geben.
Heute besucht der Durchschnittsamerikaner die hoehere Schule| er besucht
sie heute vier Jahre laenger als frueher, d.h.. heute 12 Jahre, waehrend
er sie 1900 nur 8 Jahre lang besuchte. Der Arbeiter lebt heut« in einer viel besseren Wohnung als frueher. Um 1900 gab es nur in wenigen Arbeiterwohnungen Strom, fliessendes Wasser, Badeeinrichtungen oder wenigstens eine grause, Fernsprecher waren dem Arbeiter etwas Unbekanntes,
Heute sind diese Dinge in fast allen Arbeiterwohnungen eine Selbstverstaendlichkeit geworden, viele besitzen ei«en FernsprecJaanschluss. Vor
50 Jahren waren die Arbeiterwohnungen klein und ueberfuellt, sie lagen oft

-

14

-

�in den Elendsvierteln der Staedte. Jetzt sind viele Slums beseitigt,
wenn es auch noch immer einige gibt. Im Jahre 1901 besessen nur 20$
der Arbeiter Eigenheime, heute sind es etwa 507»«
Eine Arbeiterfamilie von heute kennt eine wesentlich bessere Ernaehrung, sie verbraucht mehr Eier, Vilch und vitaminhaltige Nahrungsmittel wie Zitrusfrüchte; ihre Kleidung ist besser. Sie sind durch
Sozialversicherungen fuer ihr Alter versorgt, sie kennen die Arbeitslosenversicherungen, viele Tarifvereinbarungen der Gewerkschaften sichern
ihnen Pensionen und sorgen fuer Gesundheits- und '/r'ohlfahrtseinrichtungen.
Das gesellschaftseigene Fabrikdorf, in dem Werkbeamte das Leben der Arbeiter beherrschen, ist schnell im Verschwinden. Heute sind die Arbeiter voellig unabhaengig. Das Recht, sich in Organisationen zusanmenzuschliessen, wurde durch Gesetz zugelassen. Tarifverträge seitens gelber "Gewerkschaften", schwarze Listen, die frueher ueblichen Strafmassnahmen gegen Streikende, wurden durch Gesetz ausgemerzt.
Erzeugtes Nationaleinkommen je Arbeitsstunde von 1850 - 1950
(Der Dollar ist auf "Normal"dol]ar mit der Kaufkraft des Jahres
1QSO umgerechnet. )

FABRIK-STUNDENLOHN PRO KOPF

850

1860

1870

1860

1890

1900

1910

1920

1930 1940

1950

Zur labeilet
Die "Produktion je Arbeitsstunde stellt das gesamte produktive Nationaleinkommen dar unter Beruecksichtigung aller arbeitstaetigen Personen.
Der Lohnsatz stellt den Durchschnittslohn des Fabrikarbeiters je Stunde
dar.
Saemtliche Zahlen sind auf die Kaufkraft des Dollar im Jahre
1950 umgestellt, um Preisschwankungen auszuschalten, die Zahlen stellen
also die echte Kaufkraft dar.
#«*
Hinsichtlich der Verteilung des Einkommens hat Amerika in den
letzten 25 Jahren ebenfalls eine friedliche ümwaelzung erfahren. Spitzeneinkommen sind wesentlich geringer geworden, dagegen sind die Arbeiterund andere niedrige Einkommensklassen weit hoeher als bisher am Nationaleinkommen beteiligt. Im Jahre 1929 waren die % Bezieher von Spitzeneinkommen mit 34$ am Gesamteinkommen beteiligt, waehrend dieser Prozentsatz im Jahre 1946 auf fast die Haelfte, naemlich 18$, zurueckging.
Da»'bedeutet, dass die niedrigen Einkommensgruppen, hauptsaechlich also
die Arbeiterschaft im Jahre I946 etwa 25 Milliarden an Einkommen hatten,
das, wenn es prozentual ebenso wie 1929 verteilt worden waere, zu einem
wesentlichen Teil den wohlhabendsten 5$ zugute gekommen waere.

-

15 -

�Alles in allem zeigt dieser Ueberblick ueber die letzten 50
Jahre sehr deutlich die dem Arbeiter erwachsenden Vorteile und
die Neuaufteilung des Einkommens, das die Sozialisten und Kommunisten zwar immer versprechen, aber niemals gehalten haben.

Erzeugung je Kopf in den Vereinigten Staaten und Europa

U.5.A.

EUROPÄISCHE
NATO-LÄNDER
INSGESAMT

ENGLAND

FRANKREICH

ÜBRIGE
EUROPÄISCHE
NATO-LANDER

Ein Vergleich zwischen Amerika und Europa zeigt, warum in den USA
ein hoeherer Lebensstandard moeglich ist. Vor dem zweiten Weltkrieg
betrug die Produktion in den USA das 2 l/3fache derjenigen von Europa - d.h. 1360 Dollar in den,USA und 550 Dollar Produktionswert pro
Kopf in Europa. Die ueberragende industrielle Produktion Amerikas,
ein Ergebnis des freien Unternehmertums, seine Maschinen und Verfahren, seine Massenproduktion und Massenabsatzmaerkte haben es den
Arbeitern ermoeglicht, sich e.inen hohen Lebensstandard zu sichern.
Seit dem zweiten Weltkrieg ist die Produktion pro Kopf um mehr als
50$ angestiegen, in Europa wegen der Kriegseinwirkungen, die zuerst
beseitigt werden mussten, dagegen nur um 5$« Die heutige Produktion
in Amerika betraegt pro Kopf das 3-§-fache derjenigen von Europa: in
den USA ergibt sich ein Produktionswert je Kopf von 2 100 Dollar,
in Europa von 600 Dollar. Es wird erwartet, dass die Produktion in
Europa in einem solchen Masse ansteigt, dass der Lebensstandard erhoeht werden kann.
"Labor Monthly Survey"
Vol. 12/9

-

16

�Internationale
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und
dienen der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaf tsschulen und deren
Mitglieder. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei dem
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post
zugeleitet. Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme
irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIII

inuiSTinnciriis
Giulia Pastorei
Italiens wirtschaftliche Sorgen..........
George ,Y. Brooks und Rüssel] Allen:
Das gewerkschaftliche Sohulungsprogramm
der Papierarbeitergewerkschaften. .. ,.nn ~r

..«.»............ .Seite

I

1

Seite

5

Forschung»- und Produktivitaetsprobleme
in der britischen Schuhindustrie...

Seite 12

Amerikanische Stahlarbeitergewerkschaft
billigt Leistungsuntersuchung

Seite 14

Amerikanische Gewerkschafter und ihre
Haltung «a politischen Ratschlaegen

Seite 16

Giulio Pastore, Vorsitzender der ciSLi
Italiens wirtschaftliche Sorgen,

(

Ich habe den Eindruck, dasa sowohl unsere als auch die allgemeine
europaelache Situation nicht ao ist, wie es an internationalen Stellen
oft gesagt wird, dass naemlich Italien sich in einer Epoche der Wie»
dergesundung und des Wohlstandes befindet.
"Uns allen ist bekannt, dass unsere Wirtschaft angesichts des
Budgetdefisits und der 2 Millionen Arbeitslosen nicht gerade auf Rosen gebettet ist."
Diese Feststellung erschien in der italienischen Zeitung "Corriere
della Sera" vom 15. Juli und stammte von einer mit der italienischen
Wirtschaft besonders gut vertrauten Autoritaet, dem frueheren Minister
Cesare Merzagora, der ganz gewiss nicht zu denen gehoert, die besonders
pessimistisch eingestellt sind.
Es besteht kein Zweifel darueber, daae Italien eich in einer der
schwierigsten Zeiten seiner demokratischen Wiedergesundung befindet.
Das Budgetdefizit von 1952 und 1955 wird wahrscheinlich den niederschmetternden Betrag von 617 Milliarden Lire erreichen.
Im folgenden gebe ich einige Tatsachen ueber Italiens wirtsohaft-

�Hohe Lage bekannt, die auf dem italienischen Gewerkschaftskongress
der C.I.S.L. in Mailand voroeffentlicht wurden. Diese Tatsachen beziehen aioh jedoch auf nur 23 norditalienisch« Provinzen.
In der Textilindustrie arbeiten waehrend der letzten sechs Monate ron 103.628 Arbeitern 89,550 verkuerzt und 5»4?» wurden voruebergehend entlassen.
Im Sektor der Bekleidungsindustrie arbeiten 64$ verteuerst. 7*3^
wurden vorruebergehend entlassen«
Auch in der Maschinenindustrie sind die Beobachtungen entmutigend!
Innerhalb einer Gruppe Unternehmen arbeiten von 61,000 beschaeftigten
Arbeitern 30.339 verkuerzt und 4»483 wurden •oruebergehend entlassen.
Sie Krisis macht sich auch in der chemischen Industrie bemerkbar«
Ton den beobachteten Unternehmen arbeiten bei insgesamt 21,736 Beschaeftigten 13,335 oder 62.2fS verkuerzt und 1,917 oder 8.8J» wurden
waehrend der. letzten 6 Monate voruebergehend entlassen. Zusammengefasst ergibt sieh folgendes Bild: Ton 1,776 in Horditalien gelegenen
Unternehmen mit insgesamt 213,000 Arbeitern arbeiten 133,690 oder
72j( verkuerzt und 14,006 oder 6,5^ wurden waehrend der letzten 6 Monate voruebergehend entlassen.
Waehrend es auf dem Arbeitssektor sehr unguenstig aussieht, haben sich dagegen die italienischenttiternehmenrecht guenstig entwickelt. Dies geht aus den Gewinnen hervor, die die groesseren Industriekonzerne im Jahre 1951 im Tergleich zu denen des Jahres 1950
erzielten« 13 der groesseren Elektrizitaetsgesellschaften hatten
einen durchschnittlichen Gewinnanstieg bis zu 18ji zu verzeichnen.
Acht der groesseren Gruben- und Metallgesellschaften haben Durchschnittsgewinne von 695S erzielt« Bei den groesseren Unternehmen der chemischen
Industrie erreichte der durchschnittliche Gewinnzuwachs sogar 98^o«
In einem Land wie Italien, dessen Wirtschaft charakterisiert ist
durch ihre ausserordentliche Unbeweglichkeit, Qie Enge der Uaerkte
mit ihrem monopolistischen Charakter und die starke Arbeitslosigkeit um nur die hervorstechendsten Anzeichen zu erwaehnen - hofft die demokratische Gewerkschaftsbewegung mit ihrem starken Terantwortungsgefuehl eine tragende Solle zu spielen« So beschlossen die demokratischen Gewerkschaften auf ihrem ersten Bundeskongress, ihre Lohnforderungen in den Grenzen der in jedem Fall gesicherten Produktion jeder
Industrie zu halten, waehrend sie andererseits sich dafuer einsetzen,
dass den Arbeitern unmittelbare Torteile in Form hoeherer Loehne aus
allen Produktionssteigerungen zustehen«
In Italien besteht der sogenannte Nationale Produktionsausschuss.
Seiner Arbeit standen jedoch Hindernisse im Weg« Ausserdem wurde von
Seiten der Unternehmer und der Regierungsfachkreise Widerstand gegen
die neue Lohnpolitik der CI3L in der Frage der Familienausgleichsloehne entgegengesetzt.
Nur der Hinweis auf schwere Unruhen in grossem Ausmasse, ermoeglichte die Wiederaufnahme von Verhandlungen auf diesem Gebiet und das
Ergebnis, das seinen Ausgang in Form einer Antwort auf ein Memorandum
der CISL an die Regierung nahm, wurde in Form eines Abkommens erst
in der Mitte dieses Jahres erreicht«
Dieses Abkommen legt das Ziel fest, das die CISL sich in Bezug auf
die Industriearbeiterloehne gestellte hatte« Es bedeutet die Erhoehung
der Familienzuschlaege in einem Gesamtbetrag von ungefaehr 48 Milliarden Lire«

2

�Die Gewerkschaft ist jetzt auch auf dem Gebiete der Landwirtschaft
um die Zahlung von Fanilienzuschlaegen bemueht. Es wird dabei vorausgesetzt, dass die Verhandlungen greifbare Vergünstigungen bieten, die
besonders den in der Landwirtschaft Taetigen in Sueditalien zugute
kommen werden*
Wenn auch der Sieg der Gewerkschaften in der Frage der Familienzuechlaege einen Gewinn fuer die arbeitende Bevoelkerung darstellt,
so bleibt doch die Arbeitslosigkeit ein sehr schweres Problem fuer
die Arbeiter und Gewerkschaften Italiens. Sie bedeutet einen Krebsschaden fuer die ohnehin geringe Kaufkraft der italienischen Arbeiterschaft.
Die Kaufkraft der in der italienischen Nahrungsmittelindustrie
Beschäftigten wurde kuerzlich vom Büero fuer Arbeitsstatistik des
amerikanischen Arbeitsministeriums verglichen. Legt man fuer den
Durchschnittslohn in den Vereinigten Staaten 100$ zu Grunde, so
nimmt der Lohn der italienischen Nahrungsmittelindustriearbeiter
mit 31$ den letzten Platz ein. Die entsprechenden Frozentsaetze anderer
Laender betrugen! Norwegen 73$» Daenemark 70$, Gross-Britanien 67$,
Schweiz 56$, Frankreich 51!«» Holland 44$ und Oesterreich 36$»
Die Kaufkraft der italienischen Lohnempfaenger sinkt dabei staendig, da die mangelnde Bereitschaft der Kaufleute, die Preise zu senken, zu Erhoehungen fuehrt. Von Dezember 1951 bis zum Juni 1952
betrugen die Preissenkungen im Grosshandel ungefaehr 10$, jedoch
blieben fast alle Preise fuer lebenswichtige Dinge, besonders im
Nahrungsmittelsektor, unveraendert. Trotz der niedrigen Grosshandelspreise stiegen in einzelnen Faellen dennoch die Einzelhandelspreise«
Die CISL hat neben ihren an die Adresse der Regierung gerichteten Forderungen hinsichtlich der Massnahmen zur Freissenkung in diesem
Jahre eine eigene Aktion in Form eines psychologischen Feldzugs
gegen Preiserhoehungen unternommen« In jeder Provinz wurden Einwohner-Aussohuesse zum Schutz der Verbraucherschaft gebildet. Di«
Teilnahme stand allen Bevaelkerungsschichten frei; in 90$ aller Provinzen konnte ein begeisterter Widerhall festgestellt werden«
Ein Dienstag wurde daraufhin zum "Verbrauchertag" erklaert« An
diesem Tage wurden von der CISL-Zentrale Resolutionen an die praefekten und das Wirtschaftsministerium gesandt. Diese Resolutionen
forderten wirksame Massnahmen zur Niedrighaltung der Preise. Natuerlich regte diese Aktivitaet der freien Gewerkschaftsbewegung die Kommunisten auf. 7/ieder einmal war die Initiative nicht von ihnen ergriffen worden.
Trotz der Anstrengungen, die von den Organisationen der freien
Arbeiterschaft und ihrer Anhaenger gemacht wurden, hielten sich die
Ergebnisse in engen Grenzen und blieoen auf bestimmte Gebiete begrenzt. Die allgemeine Situation erfuhr keine bedeutende Verbesserung.
Es kann nicht geleugnet werden, dass die Lage in den ersten
Monaten des Jahres 1952 sich-verschlechterte. Die Kaufkraft der
arbeitenden Schichten ging herunter.
Die wirtschaftlich negative Situation unseres Landes ist derart, dass die CISL keine Hoffnung auf eine schnelle und wirksame
Unterstuetzung durch amtliche Stellen hat. Andererseits erkennt
die CISL an, dass es unter den bestehenden Umstaenden sehr schwierig ist, eine allgemeine Wiederaufwertung der Loehne durch andere
als Zwangsmassnahmen zu erreichen.

3 -

�Ernsthaft behindert werden die gegenwaertigen Anstrengungen
der italienischen Arbeiterschaft zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit durch die Reduzierung der Zahl der Arbeiter an einer
Arbeitsstelle. So wird das kuerzlich von der Regierung angekündigte Programm zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit wahrscheinlich
im Sande verlaufen.
Die Finanz- und Steuerverordnungen, die ebenfalls eine zusaetzliche Belastung fuer den Arb.eiter bringen und eine zusaetzliche
erhebliche Lohnverringerung hervorrufen, bewirken gleichfalls
einen Bschaeftigungsrueckgang, anstatt die Zahl der Arbeitsplaetze
zu erhoehen.
Die C-ISL hat deshalb Vorschlaege zur Verbesserung des gegenwaertigeh italienischen starren Produktionssystems unterbreitet»
Wir haben dringend auf die Ergreifung geeigneter Massnahmen
zur Senkung der Lebenshaltungskosten hingewiesen. Die freie
Gewerkschaftsbewegung in Italien is t in jeder Hinsicht bemueht,
die Realeinkommen der arbeitenden Bevoelkerung zu schuetzen. Wir
moechten gern eine Situation erleben, in der die finanziellen Ertraege oeffentlicher und privater Investierungen zu erhoehter. und
ausgedehnterer Kachfrage nach Industrieerzeugnissen fuehren. Wir
sind staeadig um die Entwicklung eines allgemeinen gesunden Absatzmarktes in unserem Lande bemueht. Wir verlangen eine angemessene Kaufkraft fuer alle.
Italiens freie Arbeiter haben sich verpflichtet, nicht gaenzlich gerechtfertigten voruebergehenden Entlassungen ernsthaften
Widerstand entgegenzusetzen und verlangen die Einschaltung der
Regierung in das Problem des Inlandabsatzes bestimmter, lebenswichtiger Erzeugnisse - ausser Nahrungsmitteln - zu Standardpreisen durch eine vorgeschriebene Form des Systems.
Da die konservativen Kraefte die produktiven Moeglichkeiten
der Zusammenarbeit auf regierungsmaessiger Grundlage immer staerker begrenzen, ergreift die CISL die Initiative auf privater Grund*
lage. Durch peraoenliche Zusammenarbeit ihrer Mitglieder werden
Wirkungen erzielt, die revolutionaerer sind als der kommunistische
Herrenstandpunkt. Die CISL setzt ein umfangreiches Schulungsprogramm in die Tat um. Durch dieses Programm wird beabsichtigt, die
Bevoelkerung in die Lage zu versetzen, mit den wesentlichen Produktivitaetsvereinheitlichungen vertraut zu werden und neue Wege zu
finden, um den wirtschaftlichen Aufstieg des Landes zu foerdern.
In der Atmosphaere der Unsicherheit, in der die italienische
Industrie sich gegenwaertig befindet, hat Ale CISL die wichtige
Aufgabe, die kluefte zu ueberbrueoken. Dies kann nur geschehen
durch eine gewissenhafte, stete und direkte Zusammenarbeit zwischen
den Unternehmern und den fuer die Produktion Verantwortlichen sowie
jenen, die gleichzeitig die grosse Masse der Verbraucher vertretennaemlich die freien Gewerkschaften.
"The American Federationist",

Vol. 59, Ho. 9t 195^
(Giulio Paetore ist Generalsekretaer der Confederazione Italiana
Sindacati Lavoratori, die dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften angeschlossen ist. Die CISL wird scharf von der kommunistischen CIGL bekaempft, die jedoch nach und nach in Italien an
Einfluss verliert.)
(Red.)
4

�George ff. Brooks und Russell Allen:
Das gewerkschaftliche Schulungsprogramm der Papierarbeitergewerkschaften.
Zwei Gewerkschaften der Zellstoff- und Papierindustrie, die Zellstoffr,_ Sulfit- und Papiermuehlenarbeitergewerkschaft und die Papierhersl^ellergewerkschaft (beide AFL) haben ein gruendliches Schulungaprogramm- fuer Funktionaere, gewerkschaftliche Vertrauenslaute und
die Mitglieder der seit 1948 bestehenden Beschwerdeausschuesse durchgeführt. Dieses Programm unterscheidet sich in folgendem von den
ueblichen gewerkschaftlichen Schulungsprojektent 1.) Die Schulungskurse gehoeren zu dem feststehenden Aufgabenkreis der Gewerkschaften!
die Be zirksfunktionaere sind fuer ihre Durchfuehrung verantwortlich.
2.) Der Unterricht in den Ortsgewerkschaften wird von Dozenten erteilt, die von der Ortsgewerkschaft eigens hierfuer berufen wurden.
Diese Dozenten sind angewiesen, in erster Linie die Methoden anzuwenden und das Material zu gebrauchen, die von den Schulungsabteilungen
der beiden allamerikanischen Gewerkschaftsorganisationen ausgearbeitet
und herausgegeben wurden.
Bevor man nun daran ging, dieses Schulungsprogramm zu starten,
stellte man sorgfaeltige Untersuchungen darueber an, was bisher auf
dem Gebiet der gewerkschaftlichen Schulung geleistet worden ist.
Hierbei pruefte man auch Broschueren, Filme, Bildbaender und andere
traditionelle Schulungsmittel und kam dabei zu dem Schluss, dasa
dieses Material keine besondere Bedeutung hat und von nicht allzu
grossem bleibenden Wert ist.
Zwei Dinge fehlten vor allem, die zu einem erfolgreichen Programm
gehoerem Die direkte Mitwirkung der Gewerkschaftsfuehrer am Schulungsprogramm und die umfangreiche Teilnahme aktiver Gewerkschaftsmitglieder. Das hier beschriebene Programm weist diese beiden Vorzuege auf und wird nicht nur von voruebergehendem Wert sein.
Die Ausbildungskurse fuer die Dozenten werden direkt von den
Schulungsabteilungen durchgefuehrt und zwar auf Veranlassung und
unter der Mitarbeit der Bezirksfunktionaere. Diese Funktionaere
besitzen nicht allein die erforderlichen Verhandlungsbefugnisse
oder die Vollmacht fuer die Erledigung von Beschwerden aus den
Betrieben, sie verfuegen ausserdem ueber die volle Verantwortung
fuer die Durchfuehrung und Leitung der Schulungskurse.
Die Bedeutung der gewerkschaftlichen Fuehrung wird durch ein
apaeter angefuehrtes Beispiel geklaertj es muss hier bereits gesagt
werden, dass sie von entscheidender Wichtigkeit ist. Sie ist grundlegend fuer den Erfolg des Programms und umfasst vor allem die an
erster Stelle stehende Fra^e der Qualitaet - naemlich die Annehmbarkeit. Die fuehrenden Persoenlichkeiten der Gewerkschaften, vom
stellvertretenden Vorsitzenden abwaert3, nehmen an diesem Programm
auf Jeder Stufe aktiv teil. Praktisch ist es also ebenaosehr ihr
Programm wie das der Schulungsabteilung.
Der Einsatz ehrenamtlicher Lehrkraefte geschah urspruenglich'
aus dem einfachen und verstaendlichen Grunde, uhnoetige Geldausgaben und personal einzusparen. Diese Methode hat jedoch'auch
ihre Vorteile, die anfaenglich nicht voll anerkannt wurden« Es ist
dies die einzige Moeglichkeit fuer die beiden Gewerkschaf^sorgahisationen, die sich an eine grosse Zahl Mitglieder wenden, die mit
anderen Schulungsprogrammen nicht erfasst werden koennten. Die
ehrenamtlichen Lehrkraefte der beiden Gewerkschaften belaufen sich.
auf einige Tausend Funktionaere,- gewerkschaftliche.Vertrauensleute^
Beschwerdekomitee-Mitglieder, sowie einfache Gewerkschaftsmitglieaer
daneben jedoch solche, die weder ein Seminar, noch einen Kursus
noch etwa eine Konferenz besuchen wuerdeh. Diese freiwilligen

-

5 -

�Lehrkraefte leisten weit mehr und sind zu viel groesseren. Zugestaendnissen bereit als jeder berufsmaessige Dozent, Sie halten
ihre Vortraege in Gewerkschaftsraeumen, in Saelen, oeTfentliohen
Bibliotheksraeumen oder Schulen und richten sich voellig danach,
welche Zeit ihren Kursusteilnehmern am guenstigsten erscheint.
Sie sind schnell mit den oertlichen Verhaeltnissen und den Personen
vertraut, viele von ihnen besitzen ein ausgesprochenes natuerliches
Lehrtalent, alles in allem haben sie bewiesen, dass sie ein hochwertiges Schulungsprogramm durchfuehren koennen.
Die Lehrkraefte wiederholen ihre Kurse, sie erweitern ihr
Lehrpensum jedoch von Jahr zu Jahr. Dadurch wird erreicht, dass
dieses Schulungsprogramm in den einzelnen Ortsgew.erkschaften staendig auf dem laufenden gehalten wird.
Dieser zuletzt erwaehnte Vorteil ist unschaetzbar. Im allgemeinen wurde frueher innerhalb des gewerkschaftlichen Schulungsprogranims ein bestimmter Kuraus abgehalten, danach verschwanden
die Dozenten wieder» . Bei der jetzigen Methode wird den Mitgliedern
der Ortsgewerkschaft ein wirkliches Lernen ermoegliaht, der Studienkursus ist gut aufgebaut und ausgearbeitet, er umfasst eine derartige Stoffuelle, dass alljaehrlich neue Studienklassen errichtet
werden koennen. Die Lehrkraefte der Ortsgewerkaohaften widmen sich
meist viel interessanteren und wichtigeren Aufgabengebieten als
die an vielen Orten bestehenden Schulungskomitees der Verbaende.
, Der persoenlichen Initiative der Lehrkraefte ist keine Grenze
gesetzt, sie steht jedoch in fester Verbindung mit den gewerkschaftlichen Schulungsabteilungeö, die stets-, darueber informiert wurden,
wo Schulungskurse abgehalten werden koennen. Der Dozent sohickt
einfach eine schriftliche Materialanforderung an das Häuptbuero.
Er bestellt die Lernunterlagen klassenweise, sodass die Schulungsabteilung ziemlich gut unterrichtet ist ueber die Fortschritte)
die in den einzelnen Gruppen gemacht werden. Nachdem die ersten
acht Lektionen des ersten Lehrgangs durchgearbeitet sind, uebermittelt der Dozent dem Schulungsbuero seine endgueltigen Anwesenheit sberichte. Auf der Baals dieser Berichte werden am Ende eines
jeden Schulungslehrganges fuer die Teilnehmer Zeugnisse ausgestellt.
Die Auswahl der Lehrkraefte bleibt vollkommen den Ortsgewerkaohaften 'ueberlassen. Sie werden entweder vom Vorsitzenden nominiert oder bei einer ZusammenkUJ&amp;ft der Ortsgewerkschaft durch Abstimmung ermittelt. Es werden hierbei jedoch auch solche Kraefte
ausgewaehlt, die bereits frueher einen Funktionaersposten bekleideten oder nur einfache Mitglieder sind, also keine anderen Funktionen ausueben. Die Schulungsabteilung hat zwax bestimmte Bedingungen aufgestellt, die der vorgeschlagene Dozent au erfuellen
hat, letzten Endes liegt die Entscheidung jedoch bei der Ortsgewerkschaft und die Sohulungsabteilung hat keinerlei Macht, Einwendungen durchzusetzen oder ihr Veto gegehueber bestimmten Lehrkraeften einzulegen.
Die Kosten des Schulungsprogramms werden von den beiden allamerikanischen Gewerksohaftsorganisationen und den Ortsgewerkschaften gemeinsam getragen. Die Gewerkschaftszentrale zahlt
die Gehaeiter und die Auslagen der angestellten Lehrkraefte, die
das Arbeitsmaterial ausarbeiten und die bertlichen Lehrkraefte
sohulen. Ausserdem kommen sie fuer die Miete der Konferenzraeume
auf und beschaffen das Unterrichtsmaterial sowohl fuer die auszubildenden Lehrkraefte als auch fuer die Schulungslehrgaenge in
den Örtsgewerkschaften selbst. Die Ortsgewerkschaften vergueten
den Ausfall, der den Lehrkraeften durch den viertaeglgen Ausbildungslehrgang entstanden ist (einschliesslich der Reisekosten

- 6 -

�und sonstigen Auslagen) und finanzieren di« Errichtung oertlicher
Schulungsklassen.
Methoden und Material.
Zwei Hauptlehrmethoden werden angewandti Die Fuehrung von
Diskussionen auf Grün* von Fragebogen und die der Diskussion
folgende "Praxisprobe". Beide Methoden basieren auf den erfolgreichsten Prinzip, naemlich dem Lernen durch die Praxis. Die
gewerkschaftlichen Vertrauensleute "berichten" z. B. nicht, wie
sie neu Eingestellte behandeln. Sie zeigen vielmehr Beispiele
aus der Praxis, wie etwa ein *ortgeplaenkel mit einem solchen Heuling, dessen Werdegang (vielleicht sogar ein anti-gewerkschaftlicher) der Klasse bekannt ist, jedoch nicht dem gewerkschaftlichen
Vertrauensmann. Dadurch wird der Klasse ein praktisches Beispiel
gegeben, das anschliessend eifrig diskutiert wird. Die Klasse
urteilt sehr scharf darueber, wie der gewerkschaftliche Vertrauensmann vorgegangen ist, was er dabei haette besser machen koennen,
was er dabei uebersehen hat, usw.. Die gleiche Methode wird uebrigens bei Beschwerdefaellen angewandt.
Die Kursusteilnehmer sind nicht verpflichtet, den Vorgang zu
beherrschen. Sie erhalten jedoch Fragebogen, aus denen ihre Gewandtheit bei der Loesung spezieller Probleme wie etwa bei ueberstunden, Zahl der Urlaubstage,Feiertagszuschlaege, hervorgeht.
Die Methode des Lernens durch blosses Zuhoeren wird am seltensten
angewandt, da sie nur die geringsten Erfolge zu verzeichnen hat.
Sie dient lediglich dazu, um auf ein anderes Unterrichtsgebiet
ueberzuwechseln und die Klasse darueber zu informieren, was als
naechstea geschehen soll.
Die Lehrmethoden, die bei den Kursen angewandt werden, sind
natuerlich festgelegt. Manchmal werden einige humoristische
Wendungen in die Diskussionen eingeflochten, die mit Hilfe der
Fragebogen gefuehrt werden. Die jeweiligen Themen sind streng
voneinander abgegrenzt1, die sich daran anschliessenden Diskussionen sind und koennen je'doch in ihrem Inhalt sich sehr unterscheiden. Der Dozent muss aber immer bemueht sein* jede Ungenauigkeit sofort richtig zu stellen. Seine Aufgabe besteht ebenfalls darin, bestimmte Themen anzuregen, die Diskussion za lenken
und zum Schluss einen Ueberblick zu geben. Waehrend also die
Lehrmethoden und die allgemeinen Diskussionsthemen ziemlich feststehen, ist die Art und Weise, wie der Lehrstoff behandelt wird,
durchaus verschieden.
Das Lehrmaterial ist sorgfaeltig ausgearbeitet und gibt dem
Dozenten eine Vielzahl Anhaltspunkte und aufschlussreiche Einzelheiten fuer die Diskussionen. Den Instruktoren wird ausserdem
nahegelegt,sich selbst geeignetes Diskussionsmaterial und "Streitfaelle" zu beschaffen.
Der Lehrstoff
Der grundlegende Lehrstoff des Schulungsprogramms ist in
acht Punkten fuer jeden Kursus festgelegt.
(1) Worin bestehen die Aufgaben des gewerkschaftlichen Vertrauensmannes? (Fragebogenmethode)
(2)

Begruessung des neu Eingestellten (Praktische Darstellung).
Gewerkschaftliche Errungenschaften (Fragebogenmethode).

- 7 -

�(3) V/ie eine Gewerkschaft geleitet wird (Fragebogenmethode).
Statuten.
Das Vermoegen der Gewerkschaften.
Die Mehrheit entscheidet - aber die Minderheit hat Recht»..
(4) Beschwerdefaelle und -verfahren. (Fragebogenmethode und
praktische Darstellung).
(5) Der Tarifvertrag (Fragebogenmethpde)(6)

Beschwerd«regelung (Fragebogenmethode - JPjpaktische Darstellung - Beschwerdeberichte)

(7)

Informationen fuer den gewerkschaftlichen Vertrauensmann
(FragebogenmethodeJ:
Taft-Hartley-Gesetz.
Wagner-Gesetz.
Pensionsplaene und soziale Sicherheit.
Eerichte und Protokolle.

(3) Beschwerdewesen (Praktisch^ Darstellung)
Der vom Dozenten der Ortsgewerkschaft zu behandelnde Lehrstoff
ist, wie an Hand des Beispiels gezeigt wird, durchaus zu bewaeltigen.
Die folgenden Beispiele sprechen dabei fuer sich selbst.
Die gesamte Klasse oder eine bestiamte Gruppe Kursusteilnehmer
widmet sich einer Reihe Fragen, die die Art und Weise betreffen, wie
die Gewerkschaft arbeitete So erscheint zum Beispiel der nachstehende
Satz auf dem Fragebogen und soll mit "richtig" oder ••falsch'* beantwortet werden.
"Kann ein Mitglied den Ortsvorsitzenden der Gewerkschaft auf
einer Konferenz der Ortsgewerkschaft kritisieren, weil er Jm Verlauf eines Beschwerdefalles allein zur Direktion geht, um ueber
diesen Streitfall zu verhandeln?"
Die Kursusteilnehmer beantworten die an sie gerichteten Fragen
nach ihrem eigenen Empfinden und ihren eigenen Kenntnissen der Gewerkschaftsorganisationen .
Ein anderer Fragebogen enthaelt Behauptungen ueber die Statuten,
die von den Schulungsteilnehmern mit "richtig" oder "falsch" beantwortet werden muessen, wie zum Beispiels
"Die Rechte der Minderheit umfassen:
1.) Die unbeschraenkte Moeglichkeit, bei Versammlungen der Ortsgewerkschaft ihre Ansicht zu vertreten.
2.) Die Verhinderung einer Abstimmung ueber einen Antrag, ueber den
sich die Mehrheit bereits einig ist.
Die Kursusteilnehraer muessen sich natuerlich darueber klar werden,
inwieweit diese Behauptungen mit den Statuten in Einklang stehen
und diskutieren anschliessend ueber die tatsaechliche Sachlage in
Bezug auf die vorgebrachten Ausfuehrungen.
Der Lehrgang befasst sich hauptsaechlich mit der Behandlung
alltaeglicher Unzulaenglichkeiten und Beschwerden. Diese werden
8

�teilweise im Fragebogen aufgefuehrt oder auch durch praktische
Uebungen dargelegt. So wird in einem Lehrgang zum'Beispiel eroertert, wie sich der gewerkschaftliche Vertrauensmann eines Betriebes pflichtgemaess .zu verhalten hat, wenn er in das, liuero
des Abteilungsleiters gerufen wird, um hier die Namen seiner Kollegen anzugeben, die bei einer kleinen Spielerei «ine Fabrikuhr
boschaedigt hatten - andere meinten, es haette eine regelrechte
Papierballenschlacht in der Maschinenhalle stattgefunden. Bei
der Uebung beobachteten nun die Kursusteilnehmer, wie einer der
ihren mit dem Abteilungsleiter verhandelt und spaeter witf'd darueber diskutiert, wie sie selbst sich anstelle des Vertrauensmannes
verhalten haetten.
Die ersten acht Punkte, die aufgefuehrt wurden, beziehen sich
auf den GrundSchulungskurs fuer Funktionaere, gewerkschaftliche
Vertrauensleute und Beschwerdekomitee-Mitglieder. Es werden solche
Themen behandelt, die fuer die Dozenten nicht allzu schwierig sind,
da ihr Hauptaugenmerk auf die Lehrmethode und die Technik des Lehrens
gerichtet sein muss.
Die folgenden vier punkte des Schulungsprogramms und gwar die
Punkte 9 - 1 2 behandeln das Senioritaetsrecht. Bei diesen Punkten
muss ein wesentlich staerkerer Nachdruck auf die Schulung gelegt
werden als bei den vorangegangenen leicht fasslichen Themen der:
Fall sein konnte. Auf der anderen Seite nehmen diese Lehrmethoden
weniger Zeit und Muehö. in A n 9 P r u ch t da die Lehrkraefte bereits
eigene Klassen geleitet haben.
Die Schulung der Lehrkraefte fuer die Senioritaetskurse erfordert die Erwerbung der notwendigen Kenntnisse und das Bekanntsein mit der Praxis sowie der Bedeutung der verschiedenen Senioritaetsaysteme. Bis heute wurden die Senioritäetsprobleme in drei
Dezirkem mit unterschiedlichem Erfolg geleitet. rBas Senioritaetsproblam ist jedoch noch zu kompliziert, um in der-g-egenwaertigen
Form Ton allen Gewerkschaftsdozenten in den Lehrgangsunterricht
eingebaut zu werden. Die Unterweisung in die Probleme des Senioritaetsrechts fuer die Punkte 11 und 12 fuer einzelne Werke bedarf
ebenfalls noch einer besonderen Klaerung; mit entsprechenden Materialvorbereitungen wurde bereits begonnen.
Das Senioritaetsrecht wurde fuer den zweiten Kursus, der vier
Dis.kussionspunkte umfasst, vorgesehen. Seitdem die Industrie im
Jahre 1949 durch Auftragsmangel gezwungen war, Entlassungen ausausprechen, wurde dieser Kursus dringend notwendig. Obgleich dieses
Problem augenblicklich nicht in gleichem Masse akut i3t, erscheint
es doch wichtig genug, um als zweiter Kursus im Programm festgelegt
zu werden. Der naechste Kursus wird sich mit gewissen wirtschaftlichen Fragen, die fuer die Zellstoff- und Papierindustrie von
besonderem Interesse sind, beschaeftigen. Ausserdem werden die
Beziehungen zwischen Loehnen, Preisen, Gewinnen und anderen rein
wirtschaftlichen Fragen eroertert werden muessen. Die Ausarbeitung
brauchbaren Materials fuer diesen Abschnitt des Schulungsprogramms
duerfte jedoch nicht leicht sein.
Das Schulungsprogramm an der Pazifischen Kueste.
Die beiden Gewerkschaften der Zellstoff- und Papierindustrie
fuehrten im Fruehjahr und im Winter 1951 i m Gebiet der pazifischen
Kueste ein grossangelegtes Schulungsprogramm durch. Die Schulungskurse fuer Dozenten wurden durch die stellvertretenden Landesvorsitzenden der beiden Gewerkschaften organisiert. In Zusammenarbeit
mit den Schulungssekretaeren legten sie fest, wo und wann die Schulungskurse durchgefuehrt werden sollen, Sie luden alle Ortsgewerk^schaften

9 -

�ein, Vertreter zu diesen Schulungskursen zu entsenden.
Bevor diese Schulungslehrgaenge begannen, hatten die Schulungsabteilungen bereits vollstaendige Listen ueber die Teilnehmer in
Haenden. Bei der Einteilung der Kursusteilnehmer in die vorgesehenen SchulungsZentren wurde selbstverstaendlich auf ihren Wohnsitz
Ruecksicht genommen. So konnte jeder kuenftige Dozent rechtzeitig
benachrichtigt werden, wann und wo der Kursus beginnt.
Vierzehn Schulungskurse wurden auf zehn Staedte verteilt.
Drei Mitglieder der gewerkschaftlichen Schulungsabteilung erteilten den Unterricht. 3s vmrden zweitaegige Schulungslehrgaenge abgehalten, die um neun Uhr morgens begannen und um 17*30 Uhr beendet
wurden. Irgendwelche Schulungsarbeit waehrend der Abendstunden
wurde grundsaetzlich abgelehnt, ebenso gab es keine sogenannte geplante Erholung. Bei diesem zweitaegigeh Lehrgang wurden die ersten
vier Punkte des Schulungsprogrammes durchgenommen. Xja Anschluss
daran konnten die zukuenftigan Dozenten wieder nach Hause gehen,,
zuvor wurden sie jedoch mit verschiedenen Aufgaben betraut, die sie
waehrend der einmonatigen Unterbrechung des Lehrganges zu erfuftllen
hatten. Jeder Dozent sollte ausserdem zwei Beschwerdefaelle, die'
er in seiner eigenen Praxis erlebt hat, schriftlich niederlegen.
Aus diesen Berichten wurde das Material ausgewaehlt, das dann in
das Schulungsprogramm mitaufgenommen wird. 7/eiterhin wurden die
Kursleiter angewiesen, bei ihrer Ortsgewerkschaft einen Bericht
zu erstatten und die Lehrgaenge vorzubereiten, d.h., die in Frage
kommenden Teilnehmer zu notieren, die Zeit und den Ort des Lehrgangs festzulegen und schliesslich eine Aufstellung des Materials
anzufertigen, das fuer den ersten Lehrgang gebraucht wird. Ferner
sollten die Dozenten noch ein Buch lesen, das die Beziehung zwischen
Meister und gewerkschaftlichem Vertrauensmann behandelt.
Nach fuenf Wochen fand ein weiterer zweitaegiger Schulungslehrgang statt. Diesmal wurden die Schulungszentren von 10 auf 8 reduziert. Die Punkte 5 - 8 wurden durchgearbeitet und durch praktische Lehrmethoden ergaenzt. inzwischen war der Lerneifer der
Dozenten wesentlich groesser geworden, sie bekamen allmaehlich ein
gesundes Gefuehl fuer die Wichtigkeit ihres Postens und waren sicherer geworden.
Die Anmeldungsformulare der Teilnehmer an den Ortslehrgaengen
und die Materialanforderung wurden eingereicht. Die Probleme, die
sich in der Zwischenzeit ergeben hatten, wurden selbstverstaendlich
ausgiebig besprochen. Falls die Unterstuetzung eines Vertreters
der allamerikanischen Gewerkschaften noetig wurde, sei es, dass
die Beteiligung der Kursusteilnehmer zu wuenschen uebrig Hess,
sei es aus irgendwelchen anderen Gruenden, so wurde dafuer Sorge
getragen. Bevor die Dozenten entlassen wurden, um ihre Lehrtaetijkeit auszuueben, hatten die Schulungsabteilungen eine genaue Vorstellung von den Problemen, die sich ergeben konnten.
Auch auf diesem zweiten zweitaegigen Lehrgang wurde von einem
Mitglied des Schulungsstabes ueber'jede Klasse eine Kontrolliste
gefuehrt. Um sich ftfer weitere Lehraufgaben zu qualifizieren,
muss jeder Dozent an dem gesamten viertaegigen Schulungskursus'
teilnehmen, die ihm gestellten Aufgaben erfuellen und imstande sein,
den Lehrgang mit seiner Klasse durchzufahren, er muss also zuvor
den Beweis erbringen, dass er die Lehrmethoden und die Probleme
verstanden hat. Dabei war die Feststellung sehr erfreulich, dass
nur etwa 10$ der Teilnehmer fuer eine weitere Lehrgangsarbeit
ungeeignet sind.

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�Eine Statistik ueber das Schulungsprogramm an der pazifischen
Kueste ist sehr aufschlussreioh. Eine Gesamtzahl von 143 Uaennem
und Frauen nahmen an dem Dozentenlehrgang teil, unter anderem zehn
Vertreter und Funktionaere der Gewerkschaftszentrale. Zehn Teilnehmer fuehrten den viertaegigen Lehrgang nicht zu Ende, weitere
fuenf fielen spaeter noch aus den verschiedensten Gründen aus.
Von den 110 Dozenten haben 81 tatsaechlich die ersten acht
Punkte des Lehrgangs mit ihren Teilnehnern durchgenommen. Mehr
als 20 Dozenten haben in zwei Kursen unterrichtet und einem
Instruktor wurde die besondere Aufgabe zuteil, in einer neuen
Ortsgewerkschaft zu unterrichten. Die Lehrgaenge wurden von
ueber 800 Ortsgewerkschaftsfunktionaeren, gewerkschaftlichen Vertrauensleuten und Gewerkschaftsmitgliedern besucht.
Diese Ergebnisse der gewerkschaftlichen Schulungsarbeit sind
ausserordentlich beachtlich. Die Zahl der Lehrstunden ueberstieg
noch die der Hochsohulen, die groessere Hilfsmittel und mehr Personal zur Verfuegung haben. Eine bekannte Hochschule, die Gewerkschaftskurse durchfuehrt, berichtete im September 1951 die erfolgreiche Durchfuehrung von 24 Studienkursen. Die Universitaet verfuegt Jedoch ueber zehn hauptberufliche Lehrkraefte, die den gewerkschaftlichen Unterricht erteilen.
Umfang und Auswertung des Programms.
Anfang 1952 war dieses Sohulungsprogramm bereits gut fundiert.
Ueberall in Amerika waren Dozenten geschult worden, sei es an der
pazifischen Kueste oder in Britisch-Kolumbien, in Ontario oder
Quebec in Kanada; in Wisconsin, Minnesota oder Michigan, sei es in
den Suedstaaten; in den Staaten Heu-Englands, im noerdlichen Teil
des Staates Hew York oder in den mittelatlantischen Staaten. Die
Teilnahme der Ortsgewerkschaften* war recht unterschiedlich, Jedoch
leistete ein grosser Prozentsatz der Ortsgewerkschaften, die um
die Foerderung des Schulungsprogramms gebeten wurden, dem Aufruf
Folge.
An Jedem Schulungslehrgang nimmt immer ein Vertreter der Gewerkschaftszentrale teil. Diese Vertreter muessen notfalls ebenfalls in der Lage sein, die Schulungslehrgaenge abzuhalten. Im
grossen und ganzen Jedoch haben sie innerhalb des Schulungsprogramms nur eine beratende Funktion, genau so wie in allen anderen
Angelegenheiten der Ortsgewerkschaften.
Bis jetzt sind "575 Dozenten ausgebildet worden. Die Mehrzahl
von ihnen hat in ihrer zustaendigen Ortsgewerkschaft Lehrgaenge
aufgestellt und erteilt staendig Unterricht.
Das Schulungsprogramm der Ortsgewerkschaften kann jetzt nur
noch dort als experimentell bezeichnet werden, wo es sich um neuhinzugekommenen Lehrstoff handelt. Das Kernmaterial des Lehrgangs
liegt fest. Es sind genuegend Unterlagen vorhanden! um gewisse Voraussagen mit Bestimmtheit machen zu koennen, wie etwa folgendet
1.) Von drei ausgebildeten Dozenten werden zwei in den Ortsgewerkschaften lehren. 2.) Zwei Drittel der Ortsgewerkschaften haben den Wunsch und die Mittel, um an diesem Programm teilzunehmen.
3.) SO"* der Ortsgewerkschaften, die Teilnehmer zu den Anfangskursen entsenden, lassen ihre Dozenten auch spaeter die hoeheren
Kurse besuchen und unterstuetzen das Programm, indem sie die Lehrgaenge erweitern, in denen gewerkschaftliche Grundgebiete gelehrt
werden.
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�Dieses Programm dient nicht nur der Erziehung, sondern auch
der Schulung. Die Gewerkschaftsfunktionaere wollen keine Erziehungsluecken ausfuellen, die vielleicht bei ihren Mitgliedern vorhanden sind. Die Gewerkschaften verfolgen ganz bestimmte Zwecke und
verwenden wohlerprobte Methoden. Das «'ort "Schulung" ist nicht so
aufzufassen, als waere es rein zufaellig gebraucht. Viele alltaeglichen Probleme, mit denen der Vertreter der Ortsgewerkschaft sich
beschaeftigen muss, haben jedoch eine oppositionelle Bedeutung;
auch die gewerkschaftliche Tradition ist bewegt und fordert zu
Aktionen heraus. Der Inhalt und die Richtung der Diskussionen innerhalb der Lehrgaenge wird daher hoechstwahrscheinlich durch die
Haltung, die Wertschaetzung und das Wissen der Lehrgangsteilnehmer
bestimmt.
Das wichtigste Ergebnis dieses Programms ist die Tatsache, dass
sich die Ortsgewerkschaft fuer den langsamen und- schwierigen, letzten Endes jedoch erfolgreichen Prozess der Selbsthilfe entschieden
haben. Beide Gewerkschaften der Papierindustrie, von denen hier die
Rede ist, haben eine starke oertliche Selbstaendigkeit erworben und
verfuegen ueber eine aktive, ideenreiche Gewerkschaftsbewegung. Diese charakteristischen Merkmale ermoeglichen erst e^.n derartig bedeutendes Schulungsprogramm. Ausserdem traegt dieses Programm dazu bei,
jene Bestrebungen weiter zu verfolgen, die den Anlass-zur Gruendung
der Gewerkschaften gaben.

Monthly Labor Review,
1952, Vol. 74, No. 4
Forschungs- urtd Produktivitaetsprobleme in der britischen Schuhindustrie.
Zwei verhaeltnismaessig neue Forschungsergebnisse tragen wesentlich zur Produktivitaetssteigerung in der Schuhindustrie bei.
Die SATRA-Forschungsgemeinschaft (British Boot, jShoe &amp;_Allied
_Trade8 Research Association) hat eine Reihe Untersuchungen zur
FeststeTlung der Arbeitsleistung in Betrieben abgeschlossen,
waehrend die Forschungsarbeit ihrer Laboratorien hinsichtlich
der Beschaffenheit des Schuhmaterials wesentliche Einsparungsmoeglichkeiten feststellen konnte.
Mehr als 90$ aller Betriebe dieses Industriezweiges gehoeren dem Verband an.
Wissenschaftliche und technische Gruppen des Verbandes haben
eine Reihe Fabriken besucht und Durchschnittsplanziffern auf Grund
der Leistungen der drei besten Betriebe ausgearbeitet. In den
Uebersichten v/erden die Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Betrieben nach ihrem Ausstoss, den Arbeitskosten und dem Gewinn berechnet. In den meisten leistungsfaehigen Betrieben betragen die Ausgaben fuer Arbei'tsloehne um 25$ weniger als in den
uebrigen Betrieben, waehrend der Gewinn um £2 pro Woche hoeher
liegt. Es ist daneben ein- Verfahren zur schnellen und sicheren
Schaetzung der ^ualitaet eingefuehrt worden, das auch ohne Festlegung von Nornalwerten zeigt, dass zwischen den mooglichen Qualitaetsklassen eine Schwankung von 60 bis 90$ besteht.
Auf Grund dieser Untersuchungen ist die SATRA nunmehr in der
Lage, den einzelnen Unternehmen eine mehrfache Auswahlsmoeglichkeit
zur Festlej-ung ihrer Produl-.tivitaetsziele vorzulegen. Die planziffern lassen sich je nach der Anzahl der fertiggestellten Schuhe,

12

�der Anzahl der Arbeitsgaenge je Vorarbeiter, der durchschnittlichen
Arbeitsleistung je Arbeiter oder aber nach dem Prozentsatz der
Ausschuss-Schuhe festlegen. Neben den Planziffern fuer jeden Arbeitagang werden allgemeingültige Produktivitaetsziffern fuer jede
Abteilung und jeden Betrieb festgelegt. Diese sind besonders wichtig, da sie sich nicht allein darauf beschraenken, die weniger
leistungsfaehigen Betriebe auf den gleichen Stand wie die besten
zu bringen, sondern, da selbst die besten Betriebe wunde punkte
aufweisen, «in Leistungssoll festlegen, das auch fuer diese Gueltlgkeit besitzt.
Unter Verwendung des Zahlenmaterials, das von den Betriebeleitungen zur Verfuegung gestellt wird, kann der Verband zweckmaessige Varsohlaege zur Steigerung der Produktivitaet vorlegen.
Bas Verfahren ist noch in den Kinderschuhen, aber nach den Berichten der. Unternehmen sind bereits Verbesserungen von 10 bis 15$
zu verzeichnen.
Manchmal wird das Leistungssoll um 15 oder 20$ ueberschritten,
womit de* Beweis erbracht ist, dass mit den zur Verfuegung stehenden Arbeitakraeften, Maschinen und Material die festgesetzte produktionshoechstleistung erreicht werden kann.
Vor einiger Zelt erklaerte der Leiter der Indusltrieabteilung
de» SATKAj F.G. Bailey, auf einer Konferenz, deren Thema"Dte Prodüktivltaetssteigerung in der Schuhindustrie" lautete, dass ihre
Forschuhgen.auf dem Gebiet aar Schuhindustrie darauf ausgerichtet
seien, zu beweisen, dass das Verhaeltnis der taeglichen Arbeitsleistung in sich selbst ein guter Masslab fuer die produktivitaet
eines Betriebes ist. Er wies auf einen Forschungsbericht hin,
aus dem hervorgeht, dass die Beschaeftigung von Arbeitern auf
Tageslohnbasis eher als Symptom denn, als Ursache fuer die geringe
Produktivitaet gewertet wird und hauptsaechlich dort zu finden
ist, Wo die bestehende Organisation und der Fluse der Arbeit es
den Beschaeftigten unmoeglioh machen, im Akkord ausreichende Loehne
zu verdienen. Weiterhin wird darin festgestellt, dass die Leistungsfaehigkeit der Betriebsleitung durch die beharrlichen Forderungen
der Akkordarbeiter nach guenstigen Bedingungen einen starken Antrieb erhielt. Fast immer mussten die SATRA-Untersuchungskommissionen feststellen, dass der entscheidende Faktor darin lag, in
welchem Masse die Betriebsleitungen den Finger auf den Puls der
Abteilungen' legten.
In der Schuhfabrik wie in den meisten Industriezweigen, wo
die Bearbeitung und der innerbetriebliche Transport der Ware
schaetzuhgsweise 60 - 80$ der Gesamtarbeitszeit beanspruchen,
ist die Transportfrage ein Problem von besonderer Bedeutung.
Auf Grund entsprechender Untersuchungen hat die SATRA ein neues
Foerdergeraet fuer die Durchfuehrung der Arbeitsgaenge entwickelt.
Es ist so eingerichtet, dass es zwischen den einzelnen Arbeitsgaengen anhaelt, also den verschiedenen Arbeitsgeschwindigkeiten
gerecht werden kann. Es bietet somit eine ideale Voraussetzung
fuer ein schnelles Arbeiten und ermoaglicht bei besonders schwierigen Umstaenden die Seachtung der erforderlichen Sorgfalt .
Durch seine Beschaffenheit laesst es ein ununterbrochenes Arbeiten
in voellig bequemer Stellung zu. Ein spiralfoermiger Behaelter
reguliert den Arbeitsnachacliub nach dem Prinzip der Schwerkraft.
Sobald der Arbeitsgang an der Maschine beendet und der Schuh auf
das Foerdergeraet zurueckgestellt ist, -wird der Schuh automatisch
zum naechsten Arbeitsgang weiterbefoerdert.

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�Im Anschluss an die Untersuchungen drehte die SATRA einige
Schmalfilme, die Arbeiter"stars" bei ihrer Arbeit zeigen. Da
sonst in einem Film das Hauptaugenmerk nicht auf die Voraussetzungen fuer. aussergewoehnliche Arbeitsleistungen gerichtet
wird, hat der Verband ein voellig neues Filmgeraet unter der Bezeichnung "Tachograph" eingefuehrt. Dieses registriert auf elektrischem v/ege die maschinellen Bewegungen und die Geschwindigkeiten und schaltet dadurch viele menschliche Irrtuemer aus, die
bei der Verwendung von Stoppuhren entstehen. Es kann laengere
Zeit hindurch registrieren und hat bereits zur Verbesserung weiterer Hilfsmittel fuer die ununterbrochene Herstellung gefuehrt.
Bei der Fabrikation von Schuhen werden die Hauptunkosten
durch das Material verursacht. Die SATRA beraet Herstellerfirmen bei der Auswahl besonders geeigneter Materialien und arbeitet
gemeinsam mit den Materiallieferanten an der weiteren Verbesserung
des Schuhmaterials und Zubehoere. Vor kurzem hat der Verband
einen Index zur Berechnung.der Haltbarkeit des Ober- und Sohlenleders ausgearbeitet.
Eine gesteigerte Wirtschaftlichkeit wird beim Zuschneiden von
Sohlenleder durch sorgfaeltig gearbeitete Originalmuster gewaehrleistet. Es ist durchaus nicht ungewoehnlich,' wenn in einer Fabrik,
die eine Vielfalt von Schuhformen herstellt, mehr als 200 Groessen
gebraucht werden, und es ist sicherlich nicht zweckmaessig, fuer
Jede einzelne Groesse eine Zuachneidepresse zu haben. Drei Formen
pro Schuhgroesse sind gerade praktisch, und, die SATRA vermittelt
den einzelnen Firmen die fuer ihre eigene Produktion geeigneten
Zuschneidepressen.
"Target"
No.8/9, 52
Amerikanische Stahlarbeitergewerkschaft billigt Leistungsunter'suchung.
Der Bericht der Stahlbaukommission enthaelt keine Aufstellung
bestimmter Vorsohlaege wie der Bericht der Stahl- und'Eisenkommission. Er beschreibt in objektiver Weise die Eindruecke, die die
Mitglieder dieser Kommission auf ihrer Studienreise gesammelt haben,
jeder technische Abschnitt schlisset mit einer Zusammenfassung der
darin aufgeworfenen Fragen.
Das Thema wird nacn drei verschiedenen Gesichtspunkten behandelte Bruecken- und Stahlgeruestebau, Stahlwalz- und mechanische
Fabrikation3anlagen.
Die Leistung des einzelnen Arbeiters liegt in den Vereinigten
Staaten hoeher, was im wesentlichen auf die Verwendung von breiten
Profilflanschen zurueckzufuehren ist. Weiterhin ergibt sich dort
eine hoehere produktivitaet durch die Tatsache, dass die verschiedenen Arbeitsgebiete in den Werkhallen nicht streng abgegrenzt und
eingeengt sind. Zum Beispiel darf doft ein Monteur jede Art hand*
werklicher Arbeit ausfuehren, die zu einer Montage erforderlich ist,
wie zum Beispiel passen, nieten, schwaivaen, uvw.. Dadurch wird ein
ununterbrochener Arbeitsgang gewährleistet und es entsteht kein
Zeitverlust durch das Warten, auf die Beendigung* des vorhergehenden
Arbeitsganges. In amerikanischen Betrieben werden weniger Hilfekraefte, wie z. B. zur Bedienung, wie etwa Zutraeger, gebraucht,
da die Produktionsarbeiter den Flusa, des Materials selbst bewerkstelligen.

14

�In Amerika wird die Arbeit in den technische-» Einzelheiten
im voraus schematisch festgelegt, was den Produktionsprozess dann
epaeter erleichtert.
Die Einfuehrung-verschiedener Sicherheitsvorschriften in den
britischen Betrieben bei der Schweisgung von Verbindungsstuecken
machte die Verwendung von Stahlplatten erforderlich, die staerker
als die normalerweise ueblichen sind. Es wird vorgeschlagen, eine
Revision des Leistungsfaktors in den britischen Betrieben durchzufahren, um Einsparung durch die Verwendung, anderer platten vorzunehmen.
Viele amerikanische Verarbeitungsbetriebe haben aioh auf die
Herstellung bestimmter Zubehoerteile spezialisiert, die sie dann
an andere Verarbeitungsbetriebe absetzen, die sich ihrerseits auf
die Herstellung anderer Teile konzentrieren.
Der Maschinenbau steht auf dem Vorlesungsplan vieler amerikanischer Hochschulen und üniversitaeten.
Im Gegensatz zu Grossbritannien gibt es dort keine fest«
woechentliohe Stundenzahl fuer Stahlbauarbeiter und keine Bezahlung fuer Schlechtwetter-Perioden. Bei langfristigen Vertraegen
werden entapreohende Sicherheiten geboten, obwohl einige in Grossbritannien eingsfuehrte Methoden dort nicht angewendet werden.
In dem Bericht heisst est "
Hinter dem Einzelnen stehen
die amerikanischen Gewerkschaften, die sich der Notwendigkeit
bewuset sind, die Methoden der Betriebsfuehrung zu erforschen und
bei ihrer Anwendung in den Betrieben mitzuhelfen.' Dies wird durch
ihre einzigartige Organisation ermoeglicht, und obschon sie in
dieser Torrn in den britischen Betrieben nicht existiert, kann sehr
viel zur Erreichung einer besseren Zusammenarbeit der verschiedenen
Gewerkschaften auf Betriebsebene getan werden."
"Technische Gewerkschaftsabteilungen koennen Vertreter der
Arbeiterschaft in Produktionsleitungsmethoden ausbilden, damit sie
in der Lage sind, bei Besprechungen gemeinsamer Produktionsaussohuesse einen.konkreten und wertvollen Beitrag zu leisten, ohne
dabei- ihre Forderungen bei Lohnverhandlungen zu gefaehrden* In
dieser Beziehung ist schon einiges getan worden, aber es koennte
noch viel mehr getan werden, der Antrieb hierzu muesete allerdings von Seiten der&gt;beruflieh orientierten Gewerkschaften kommen.»
"Pas Interesse der Gewerkschaften an der Produktionsleitung
und der daraus resultierenden Beibehaltung eines exhoehten Lebensstandard* ist ein wesentlicher Paktor fuer die Staerke und Elaatizitaet der amerikanischen Industrie."
Weiter wird erwaehnt, dase die Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten die Berechnung der normalen taegllchen Arbeitsleistung
durch die Messung der fuer die einweinen Handgriffe beanspruchten
Zeit anerkennen; das« alle Lohnverhandlungen auf Betriebsebene
gefuehrt werden; dass die meisten der beeuchten Betriebe die Arbeiter nach ihref Leistung bezahlen, und dass die Verbundenheit
der oertlichen Gewerkschaften mit'den einzelnen» Fabriken den
Betriebsangehoerigen ein besonderes Interesse an der Leiatungsfaehigkeit und dem Gedeihen des Betriebes vermittelt.
Die Kommission hat festgestellt, dass die Werkanlagen in
amerikanischen Betrieben ^laeufig Einrichtungen zur Erleichterung

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15 -

�des Materialtransports und zur Einsparung von Arbeitakraeftan
haben, die eine schnellere Arbeiteabwicklung gewaehrleisten,
iri-e «um Beispiel Hilfflaufzuege und Transportgeraete, besondere
Gabelstapler und Elektrokarren.
•Target"
HO. 8/9, $?
Amerikanische Gewerkschafter und ihre Haltung au politischen
Ratschlaegen
lieber die Frage des Wertes gewerkschaftlicher Ratschlaege
in politischen Angelegenheiten ist eigentlich bisher nur sehr
wenig.geaeussert worden. Das ist insofern natuerlloh, als
seither alle Folgerungen mehr oder minder fr&amp;gwuerdiger Natur
warent da man ueber Vermutungen nicht hinauskam.
Nun hat jedoch der bekannt*, amerikanische Meinungsforscher
Elmo Roper, der Leiter der Prueforganisation fuer oeffentliehe
Meinung, eine besondere Untersuchung durchgefuehrt, um festzustellen, in welchem Masse amerikanische Gewerkschaftsmitglieder
sich nach den Empfehlungen ihrer Organisation bei der Stimmabgäbe richten. Wenn alle Gewerkschaftsmitglieder sich in die
Wahllisten aufnehmen Hessen und am Wahltag ihre Stimme so abgeben, wie es die fuehrenden Maenner der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung vorgeschlagen haben, dann wuerde sich allein aus
den Reihen der Gewerkschaftemitglieder eine Steigerung von etwa
acht Millionen Stimmen ergeben. Bisher ging naemlich nur etwa
die Haelfte der Gewerkschaftsmitglieder zur I&amp;h-lurne, die ander«
Haelfte verzichtete auf jede Wahlbeteiligung, weil sie zu viel
Scherereien machte.
Aus dem Bericht Ropers geht nicht hervor, dass Gewerkschaftsmitglieder keine aktive politische Rolle spielen. Weniger als die
Haelfte der Befragten erklaerte den Interviewern, dass sie bei
jeder Wahl ihre Stimme, abgegeben habe, sei es bei Wahlen der Gemeinde, der Einzelstaaten oder des Bundes, die in den letzten
vier Jahren abgehalten wurden. Die Bemuehunge» der AFL-Liga fuer
politische Schulung, des Politischen Aktionskomitees des CIO sowie der -politischen Ausschusses der verschiedenen unabhaengigen
Gewerkschaften gehen dahin, die Gewerkschaftsmitglieder und ihre
Familien zur Einschreibung in die Stimmlisten zu veranlassen und
sie am Wahltag an die Urnen zu bringen. Natuerlloh erfolgt auch
hier eine Beeinflussung des Waehlers, wobei sich die Gewerkschaften jedoch gewoehnlich keiner Partei verschreiben, sondern stets
den gewerkschaftsfreundlichen Kandidaten empfehlen.
Special Article,
LS 52 - 5070

-

16

O l l t l l K S ! 1»'» ! MIC

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und
dienen der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren
Mitglieder. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei dem
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post
zugeleitet. Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme
irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

Y -

IIT

i H n A 1. x a v t u i t i i; a » i s
Eisenhowers Rad« vor das AFL-Kongrese in New York

Seite

1

George Meanyi
Warum der amerikanische Arbeiter
das fraie Unternehmertum unteretuetzt

Seite

9

Bewegungsstudie halbiert Anlernzeit

Salt« 12

Hans Hansen:
Dia daenisehen Baugenossenschaftan zeigen
Moeglichkeiten verstaerkten Wohnungsbaus

Seite 14

Zunahme des Mittelstandes in den Vereinigten Staaten».

Seite 13

Eisenhowera Rede vor den AFL-Kongress in New York
Die Einladung, auf Ihren Kongress zu sprechen, gibt mir die
erste Gelegenheit, das zu tun, was ich schon lange vorhatte! naemlich vor die amerikanischen Gewerkschaften zu treten und ihnen die
Versicherung zu geben, dass die freie Welt immer in ihrer Schuld
bleiben wird fuer ihre tatkraeftige Unterstuetzung, die sie unserem Sieg in letzten Kriege angedeihen Hessen. Immer, wenn Ich
waehrend des Krieges Botschaften an die Gewerkschaften richtete,
war ich mir der Tatsache bewusst, dass ich die Uniform meine»
Landes trug. Deshalb legte ich stets besonderen Wert auf die
beiden folgenden Punktet Erstens, dass Krieg herrschte und wir
in einen schrecklichen Konflikt um die Verteidigung der Freiheit
verwickelt waren} und zweitens, dass unsere kaempfende Truppe,
Infanteristen, Marine und Luftwaffe, Eure Soehne, Eure Freunde
und Kameraden, Waffen brauchten, die nur von den arbeitenden Maennern und Frauen geschmiedet werden konnten. In diese Botschaften
legte ich die ganze Inbrunst eines Mannes, der das schreibt, was
ihm am Herzen liegt. Und der Widerhall war stark, weit staerker
als jemals der Appell eines einzigen Mannes haette sein koennen.
Lassen Sie mich heute einfach und klar zum Ausdruck bringen, dass
der Beitrag der freien amerikanischen Gewerkschaften zum Siege der
Freiheit alle Erwartungen ueberstieg.

�Fuer alle Zeiten haben Sie bewiesen, dass die freie Gewerkschaftsbewegung besser arbeiten, besser produzieren, bessere
Loehne erzielen und ueberhaupt guenstigere Ergebnisse zustande
bringen kann als Sklavenarbeiter, seien es die im damaligen
Nazi-Deutschland oder im heutigen kommunistischen Russland.
Heute ist unsere Aufgabe weniger dramatisch, aber nicht weniger wichtig oder weniger noetig. Es handelt sich jetzt darum, den
Frieden zu sichern, den wir so teuer erkauften. Wieder muss die
Gewerkschaftsbewegung gemeinsam mit allen anderen Cruppen Amerikas
ihre Posten beziehen, um die freie Welt so stark an Herz und Herren
zu machen, dass eine Aggression undenkbar wird.
Bei dieser grossen Aufgabe ist Ihre Verantwortung eine andere
als jene waehrend des Krieges. Und so ist es auch bei min Meine
Aufgabe ist auch fuer mich eine voellig neue. Und ich weiss, dass
Sie mir glauben, dass ich diese Pflicht niemals uebernommen haette,
waere ich nicht davon ueberzeugt, dass dies meine Aufgabe ist, die
ich im Dienste Amerikas zu erfuellen habe.
Die Tatsache, dass ich heute als Zivilist, als Kandidat fuer
das hoechste Amt unseres Landes vor Sie trete, bedeutet nicht,
dass ich mehr von Ihnen zu verlangen haette als wenn ich in uniform erschienen waere. Sie kennen mich sicherlich gut genug, um
zu wissen, daas ich nicht gekommen bin, um mich einzuschmeicheln.
Ich bin auch nicht zu Ihnen gekommen, um Ihnen ein Angebot zu
machen oder um Ihre Unterstuetzung zu buhlen. Meine Ansichten
ueber die Gewerkschaftsbewegung werden keim« anderen sein als sie
es seit langem waren, ohne Ruecksicht auf die Haltung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung auf diesem Kongress in Bezug auf die
Frage der Unterstuetzung eines Praesidentschaftskandidaten. In
dieser wichtigen Angelegenheit werde ich mich immer nur von einem
Motto leiten lassen: Was ist gut fuer Amerika, fuer ganz Amerika?
Meine Aufgabe hat sich zwar geaendert, ich jedoch habe mich
nicht geaendert.
In meinem ganzen Leben habe ich immer das gesagt, was ich dachte, und ich habe auch stets gedacht, was ich sagte. Daran wird
niemand etwas aendern. Mein ganzes Leben lang habe ich mir einen
tiefen und grundsaetzlichen Glauben an mein Land, sein Tolk, seine
Grundsaetze und seine geistigen Werte bewahrt. Auch das wird niemand aendern.
In dieser meiner neuen Rolle habe ich mit vielen meiner Mitbuerger ueber die grossen Aufgaben von heute gesprochen und auch
ueber die ernsten Probleme, denen wir in den naechsten vier Jahren
gegenueberstehen werden. Jedermann hat ein Recht, zu wissen, was
in meinem Kopf und in meinem Herzen vor sich geht.
Unter dem Druck jener Maenner, die Macht als Recht ansehen,
aber nicht als Verantwortung, sind wir gezwungen, das Aeusserste
zu tun. Politische Fuehrer haben es zugelassen, dass unsere Nation in einen Krieg verwickelt wurde, in dem wir keinerlei Plaene
fuer einen Sieg vorbereitet haben. Politische Fuehrer Hessen
es zu, dass der Abscheu vor dem Kommunismus uns voneinander trennt,
anstatt uns zu einen, wie es haette sein koennen. Und anstatt
innere Probleme zu loesen, nutzten politische Fuehrer diese Probleme fuer engstirnige parteipolitische Zwecke aus. Ich weiss, dass
Millionen Mitglieder der AFL ebenso wie ich von diesem Washingtoner
Durcheinander genug haben, und ich weiss, dass viele von Ihnen mir
helfen werden, diese Misstaende zu beseitigen.

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staatliches Beilegung*- und Schlichtungswesen ist. Es steht aus
Ruecksicht auf politische Manoever solange beiseite, bis der Siedepunkt der Streitigkeiten erreicht ist.
Das staatliche Schlichtungswesen ist in Amerika in einen derartigen Verruf eekonnan. daaa unaa-r VnlV «n«#Unk«T«oi«» ««h«« »•»-

In Wahrheit ist es so, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung viel geschickter und schneller als die amerikanische Verwaltung diesen Problemen begegnete. Ich habe zum Beispiel nie davon gehoert, dass Sie das Problem'eines kommunistischen Agenten in
einer hohen politischen Stellung "Fantasiegeschichte" nannten. Ganz
im Gegenteil, Sie haben gezeigt, wie man durch gruendliches Begreifen des Kommunismus und durch die Entschlossenheit, ihn zu bekaempfen, Organisationen von jedem kommunistischen Einfluss frei halten
kann. Sie haben den Kommunisten wirklich kein glueckliches Heim
bereitet, in dem sie gedeihen und sich weiter entwickeln konnten.
Unsere aufrichtigen amerikanischen Gewerkschafter haben beachtlich
dazu beigetragen, den Widerstand des amerikanischen Arbeiters gegen
den Kommunismus zu staerken.
.Ich weiss, dass Sie meine Ansichten ueber gewerkschaftliche
Probleme als Diskussionsthema wuenschten. Deshalb moechte ich von
Anfang an sagen, dass ich der Meinung bin, dass in Washington eine
Regierung am Ruder sein sollte, die dem Arbeiter im gleichen Umfang
wie dem Unternehmer Vertrauen einfloesst. Zur Zeit gibt es keine
derartige Regierung. Um jedoch eine Regierung zu berufen, der beide
Teile vertrauen koennen, brauchen wir nicht noch mehr Gesetze, sondern eine staerkere Führerschaft.
Vielleicht ist es nicht fehl am Platze, in diesen Tagen der
politischen Forderungen und Gegenforderungen daran zu erinnern,
dass es meine Partei war, die das Recht der Arbeiter, sich zu organisieren und Tarifverträge abzuschliessen, gesetzlich verankerte.
Dieses Recht wurde erstmalig in dem Eisenbahnarbeiter-Gesetz von
1926 festgelegt. Es wurde so langt als vorbildlich angesehen, bis
spaetere Verwaltungen damit Politik machten.
Das Norris-LaGuardia Gesetz wurde ebenfalls unter der Regierung
meiner Partei verabschiedet. Diese beiden Gesetze schafften die
Grundlage fuer die legalen Rechte der Arbeiterschaft und ihrer
Gewerkschaften. Auf dieser Basis wurden weitere rechtliche Verordnungen aufgebaut, die das Wachstum der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung foerderten.
Ich weiss sehr gut, welche konkreten Vorteile das Anwachsen
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung brachte.
Bevor ich vor 41 Jahren in die Armee eintrat, arbeitete ich
in einem Kaeserei- und Kuehlhauabetrieb in Kansas. In damaligen
Zeiten war das eine sehr schoene Stellung. Ich arbeitete 84 Stunden pro Woche und zwar in der Nachtschicht von sechs Uhr abends
bis sechs Uhr morgens, sieben Naschte in einer Woche. Seitdem
haben jedoch die Gewerkschaften in Zusammenarbeit mit den Unternehmern das Los der Arbeitenden weitgehend verbessert.
Heute nehmen in Amerika die Gewerkschaften einen sicheren
Platz im industriellen Leben ein. Nur eine Handvoll unbelehrbarer Reaktionaere beschaeftigt sich mit dem haesslichen Gedanken, die Gewerkschaften zu spalten und den Arbeitern das Recht
auf freie Wahl ihrer Gewerkschaft streitig zu machen.
Ich kann diese Leute nicht gebrauchen — gleichgueltig,
welcher politischen Partei sie angehoeren -- die sich unnuetzen,
dummen Traeumen von einem Zurueckdrehen der Uhr der Zeit zu jenen
Tagen hingeben, da die Arbeiter noch nicht organisiert waren und
eine zuaammengewuerfelte, hilflose Masse bildeten. Es ist naemlich nicht nur der Unternehmer, der die Arbeiter ausbeuten kann.
Oder sollten die Arbeiter den aussergewoehnlichen Vorschlag der

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3 -

�In Wahrheit ist es so, daas die amerikanische Gewerkschaftsbewegung viel geschickter und schneller als die amerikanische Verwaltung diesen Problemen begegnete. Ich habe zum Beispiel nie davon gehoert, daas Sie das Problem"eines kommunistischen Agenten ia
einer hohen politischen Stellung "Fantasiegeschichte" nannten. Ganz
im Gegenteil, Sie haben gezeigt, wie man durch gruendliches Begreifen des Kommunismus und durch die Entschlossenheit, ihn zu bekaempfen, Organisationen von jedem kommunistischen Einfluss frei halten
kann. Sie haben den Kommunisten wirklich kein glueckliches Heim
bereitet, in dem sie gedeihen und sich weiter entwickeln konnten.
Unsere aufrichtigen amerikanischen Gewerkschafter haben beachtlich
dazu beigetragen, den Widerstand des amerikanischen Arbeiters gegen
den Kommunismus zu staerken.
.Ich weiss, dass Sie meine Ansichten ueber gewerkschaftliche
Probleme als Diskussionsthema wuenschten. Beshalb moechte ich von
Anfang an sagen, dass ich der Meinung bin, dass in Washington ein«
Regierung am Ruder sein sollte, die dem Arbeiter im gleichen Umfang
wie dem Unternehmer Vertrauen einfloesst. Zur Zeit gibt es keine
derartige Regierung. Um jedoch eine Regierung zu berufen, der beide
Teile vertrauen koennen, brauchen wir nicht noch mehr Gesetze, sondern eine staerkere Puehrerschaft.
Vielleicht ist es nicht fehl am Platze, in diesen Tagen der
politischen Forderungen und Gegenforderungen daran zu erinnern,
dass es meine Partei war, die das Recht der Arbeiter, sich zu organisieren und Tarifvertraege abzuschliessen, gesetzlich verankerte.
Bieses Recht wurde erstmalig in dem Eisenbahnarbeiter-Gesetz von
1926 festgelegt. Es wurde so lange als vorbildlich angesehen, bis
spaetere Verwaltungen damit Politik machten.
Bas Norris-LaGuardia Gesetz wurde ebenfalls unter der Regierung
meiner Partei verabschiedet. Biese beiden Gesetze schafften die
Grundlage fuer die legalen Rechte der Arbeiterschaft und ihrer
Gewerkschaften. Auf dieser Basis wurden weitere rechtliche Verordnungen aufgebaut, die das Wachstum der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung foerderten.
Ich weiss sehr gut, welche konkreten Vorteile das Anwachsen
der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung brachte.
Bevor ich vor 41 Jahren in die Armee eintrat, arbeitete ich
in einem Kaeserei- und Kuehlhausbetrieb in Kansas. In damaligen
Zeiten war das eine sehr schoene Stellung. Ich arbeitete 84 Stunden pro Woche und zwar in der Nachtschicht von sechs Uhr abends
bis sechs Uhr morgens, sieben Naechte in einer Woche. Seitdem
haben jedoch die Gewerkschaften in Zusammenarbeit mit den Unternehmern das Los der Arbeitenden weitgehend verbessert.
Heute nehmen in Amerika die Gewerkschaften einen sicheren
Platz im industriellen Leben ein. Nur eine Handvoll unbelehrbarer Reaktionaere beschaeftigt sich mit dem haesslichen Gedanken, die Gewerkschaften zu spalten und den Arbeitern das Recht
auf freie Wahl ihrer Gewerkschaft streitig zu machen.
Ich kann diese Leute nicht gebrauchen — gleichgueltig,
welcher politischen Partei sie angehoeren — die sich unnuetzen,
dummen Traeumen von einem Zurueckdrehen der Uhr der Zeit zu jenen
Tagen hingeben, da die Arbeiter noch nicht organisiert waren und
eine zusammengewuerfelte, hilflose Masse bildeten. Es ist naemlich nicht nur der Unternehmer, der die Arbeiter ausbeuten kann.
Oder sollten die Arbeiter den aussergewoehnlichen Vorschlag der

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�jetzigen Regierung ueber die Massnahmen gegen einen angedrohten
Eisenbahnerstreik schon wieder vergessen haben? Der oberste
Fuehrer der Demokratischen Partei stellte die Forderung, alle
Streikenden in die Armee einzuziehen!
Als damaliger Stabschef fand ich mich in diese Angelegenheit
verwickelt. Das war im Fruehjahr 1946. Ich war gerade von einer
Inspektionsreise im Pazifischen Ozean zurueckgekehrt und wollte
mich in Georgia ein klein wenig erholen. Da kam ein Telefongespraech aus Washington. Ich wurde angewiesen, sofort nach Washington zurueckzukommen, um den Befehl ueber die streikenden Eisenbahner zu uebernehmen, die gerade in die Armee einberufen werden
sollten. Unter bitterem Protest weigerte ich mich. Man sagte
mir, dass ich der einzige Militaer sei, mit dem die Eisenbahner
ueberhaupt sprechen wuerden. Ich uebernahm also die Aufgabe.
Aber ich war natuerlioh Soldat und kein Streikbrecher.
Soweit ich mich erinnere, widersprach mein jetziger Wahlgegner nicht der Einberufung der Streikenden in die Armee. Auch
sein sich fuer die Vizepraesidentachaft bewerbender Anhaenger
stimmte fuer diese Massnahme. Letzten Endes ueberstimmten jedoch
die Angehoerigen der Republikanischen Partei im Senat diesen Vorschlag.
Ich strebe keine Schiedsgewalt ueber die Arbeiterschaft oder
die Industrie an. Ich glaube nicht daran, dass der Praesident
einer freien Nation sie ausueben kann, ohne dass die Nation ihre
Freiheit einbuesst. Mein Gegner hat am "Tag der Arbeit" sehr
klar zum Ausdruck gebracht, dass er die Macht haben will, als
Praesident Entscheidungen zu erzwingen. Das ist genau das, was
ich ablehne. Der grundsaetzliche, unversoehnliche Unterschied
zwischen seiner und meiner Position ist der, dass er und seine
Partei den Zwang befuerworten, waehrend ich ihn ablehne!
Lassen Sie uns frei ueber das Problem des Streiks sprechen.
Das Recht aller Schaffenden, ihre Arbeit niederzulegen, ist ein
Musterbeispiel der Freiheit. Hitler unterdrueckte jeden Streik.
Stalin unterdrueckt ebenfalls jeden Streik. Das Einberufen von
Streikenden zur Armee wuerde den Streik natuerlich auch unterdrücken. In jedem einzelnen Fall wird aber die Freiheit unterdrueckt. Es gibt Dinge, die schlimmer sind, viel schlimmer als
streikende Arbeiter. Eines von diesen ist der Verlust der Freiheit.
Die Zeit ist gekommen, unserem Volke die Wahrheit zu sagen.
Heute, am Tage unserer Verfassung, der die Annahme unseres Verfasaungadokumentes in Erinnerung bringt, hat diese Wahrheit besondere Bedeutung. Die meisten Streiks koennen vermieden werden,
ohne unsere Verfassung durch illegale Beschlagnahme von Eigentum
oder die Einberufung von Streikenden in die Armee zu verletzen.
Vieles bleibt noch zu tun, um Arbeitsstreitigkeiten ohne Streiks
xu schlichten.
Ich bin sicher, dass die Industrie wie auch die Gewerkschaften
ueber eine ausreichend verantwortliche Fuehrerschaft verfuegt, auf
der sich eine feste Basis fuer einen Arbeitsfrieden aufbauen laesst.
Es ist hoechste Zeit, dass wir einige verantwortliche Fuehrer in
die Regierung bekommen, damit wir recht bald an diese Aufgabe herangehen koennen.
Um nur ein Beispiel dafuer zu nennen, wo diese Aufgabe zu beginnen waere, bedenken Sie bitte wie erbaermlich unfaehig unser

�staatliches Beilegungs- und Schlichtungswesen ist. Es steht aus
Ruecksicht auf politische Manoever solange beiseite, bis der Siedepunkt der Streitigkeiten erreicht ist.
Das staatliche Schlichtungswesen ist in Amerika in einen derartigen Verruf gekommen, dass unser Volk moeglicherweise schon vergessen hat, was durch Schlichtung ueberhaupt erreicht werden kann.
Ernsthafte, wohlueberlegte Schlichtung hat schon manche Konflikte
innerhalb der Interessengruppen geloest; ja, sie hat auch Kriege
beendet. Erinnern wir uns doch, was Ralph Bunche tat, als er zwischen den Arabern und den Juden vermittelte. Sicherlich ist keines
der Probleme der Arbeiterbewegung so verwickelt, mit so viel Erregung
angefuellt und so hart umstritten wie das Problem, das er zu loesen
half, indem er den Staat Israel ins Leben rief. Das alles kann durch
Vermittlung erreicht werden. Lassen Sie uns das nicht vergessen.
Sicherlich koennen wir uns auch bei Arbeitsstreitigkeiten solch
echter Bemuehungen und ruhiger Aufrichtigkeit bedienen. Voraussetzung dafuer ist allerdings, dass wir Maenner in der Regierung
haben, die selbst ruhig und aufrichtig sind.
Eine vorbeugende Medizin hat bei der Erhaltung der Gesundheit
schon Wunder bewirkt. Vorbeugende Vermittlung koennte die Fieberflecken in unserer Wirtschaft oftmals schon vorzeitig anzeigen.
Fuer Streitigkeiten von nationaler Bedeutung, die selbst redliche VermittlungBbeauehungen ueberdauern - und deren wird es bestimmt einige geben - halte ich es ebenso wie ein grosser Staatsmann der Gewerkschaftsbewegung. Er war grundsaetslich fuer Freiwilligkeit und gegen jeden Zwang. Ich zitiere ihm "Die Arbeiter
Amerikas halten an freiwilligen Einrichtungen fest, die sie gegenueber den Systemen des Zwanges bevorzugen, da sie diese nicht nur
fuer ungeeignet halten, sondern sogar als Bedrohung ihrer Rechte,
ihrer Wohlfahrt und ihrer Freiheit betrachten." Das sind Worte,
die der Gruender und weitsichtige Fuehrer der grossen amerikanischen Gewerkschaft, der AFL, San Gompers gesprochen hat.
Natuerlich ist es nicht notwendig, dass ich Ihnen vor Augen
fuehre, dass es keine allgemein gueltigen Heilmethoden fuer die
schnelle Beseitigung von Arbeitsstreitigkeiten gibt. Ebenso ist
die Gewaehrung besonderer Verguenstigungen hoeheren Ortes bestimmt
nicht der leichtere Weg, einmal begonnene Streiks zu gewinnen, wie
die Stahlarbeiter vor kurzem erst erfahren mussten.
Verbote, Beschlagnahmungen und sehnliche Massnahmen werden die
fundamentalen Probleme, die zu einem Streik fuehren, nicht loesen.
Auf welchen Platz werden wir von der starken Hand einer Regierungsintervention verwiesen? Sie bringt uns lediglich in das Wartezimmer von Regierungsbeamten - weit vom Ausgangspunkt entfernt. Sie
koennen garantieren, dass Maenner, die so weit vom Schuss entfernt
sitzen, praktisch nichts darueber wissen.
Jeder, der sagt, dass er zwar gegen auedrueckliche Verbote,
jedoch fuer die Beschlagnahme zum Zweck des Ausgleichs in allen
Faellen des nationalen Hotstandes ist, redet bewusst Unsinn. Jede
Beschlagnahme schliesst eine Befehlsgewalt in betonter Form in sich
ein. In dem Moment, da die Regierung Bergwerke oder Eisenbahnen
beschlagnahmt, werden die Gerichte eine Verfuegung gegen jeden
Streik erlassen, da die Streikenden, wenn auch ohne ihre Zustimmung, ploetzlich Angestellte der Regierung geworden sind.

-

5 -

�Nachdem die Eisenbahnen beschlagnahmt waren, erwirkte die
Regierung ein Verbot nach dem anderen gegen die Eisenbahnarbeiter.
Die Eisenbahner werden Ihnen erzaehlen koennen, genau so wie sie
es mir erzaehlten, dass die Beschlagnahmen eine Kalamitaet fuer
die "Angestellten" sein koennen. Sie Terfuegung selbst, die durch
die Beschlagnahme gerechtfertigt wird, ist zeitlich wii auch in
ihrem Tollen Ausmass voellig unbegrenzt.
Wenn die Regierung in einem durch den Kongress proklamierten
nationalen Notstand in einen Streik eingreift, um die Wiederaufnahme der Arbeiten zu sichern, muss sie gleichzeitig Tarifverhandlungen anregen und diese nicht unterdruecken. Es gibt keinen
anderen Weg, um an die Streitigkeiten, die dem Streik zugrunde
liegen, heranzukommen.
Ich muss nochmals betonen, dass weder der Arbeitsfrieden noch
der Frieden im internationalen Bereich gesetzlich verankert werden
kann. Dieser kann nur durch gegenseitige Respektierung gesichert
werden, durch den Willen zum Frieden und eine verantwortungsbewusste, humanitaere Führerschaft.
Eine durch die Industrie betonte Gesellschaftsform, die sich
im groesstmoeglichen umfang der wirtschaftlichen Freiheit verschrieben hat, muss sich auch bei TarifVerhandlungen selbst immer treu
bleiben. Diese Haltung ist die beste Methode, um die Arbeitsbedingungen zu Versendern und zu verbessern und dadurch den amerikanischen Lebensstandard zu erhoehen.
Gesunde Tarifvertraege erfordern verantwortungsbewußte
Gewerkschaften und verantwortungsbewusste Arbeiter und Angestellte.
Schwache Gewerkschaften koennen nicht verantwortungsbewusst sein.
Das allein ist Grund genug dafuer, dass wir starke Gewerkschaften
haben muessen.
Der Kampf zwischen der Gewerkschaftsbewegung und der Industrie
kann nicht aus der Welt geschafft werden, ohne die wirtschaftliche
Freiheit aufzugeben. Der Regierung faellt dabei die Rolle des Unparteiischen zu. Ich hoffe sehr, dass wir bald eine Verwaltung
haben werden, die die Regeln des ehrlichen Partners beachten wird*
Unsere schlimmsten Fehlschlaege bei den Tarifverhandlungen
der letzten 50 Jahre erlitten wir, als die Regierung die Rolle
des unparteiischen Schiedsrichters aufgab und aktiv in den Kampf
eingriff.
Ich vermute, dass Sie darauf warten, von mir etwas Naeherea
ueber das Taft-Hartley-Gesetz zu hoeren. Ich will Ihnen ganz
genau sagen, wie ich dazu stehe:
Ich nehme an, dass Ihr eigener Ezekutivausschuss festgestellt
hat, dass er darauf vorbereitet ist, eine, wie sie heute genannt
wird, "realistische" Haltung zu den Zusatzantraegen anzunehmen.
Und meine Einstellung dazu ist genau die gleiche. Ich sage Ihnen
das ebenso einfach wie klar. Ich bin fuer eine Abaenderung, aber
nicht fuer eine Aufhebung dieses Gesetzes.
Ich werde keinen Abaenderungsvorschlag unterstuetzen, der die
Fechte der arbeitenden Maenner und Frauen schwaecht. In dem Bemuehen um eine wuenschenswerte Abaenderung des Gesetzes werde ich
den Rat und die Vorschlaege aller interessierten Gruppen einholen der Oeffentlichkeit, der Unternehmer und der Arbeiter. Und ich

�kann Ihnen versichern, aeine Herren, dass ich es ernst und aufrichtig
meine und dass diese Aufforderung zur Zusammenarbeit keine leere
theatralische Geste ist, wie sie in den letzten Jahren so oft geaacht wurde. Ich bin davon ueberzeugt, dass die Abaenderung des
Gesetzes zustande kommen kann, und zwar in einer Fora, dass keiner
von Ihnen, der gerecht denkt, die Resultate als unvernuenftig ansehen wird. Eine derartige Gesetzgebung kann niemals als endgueltig betrachtet werden; und was die Arbeitsgesetze betrifft, so
verspreche ich Ihnen das eine, dass die Gewerkschaftsbewegung
immer gleichberechtigt neben anderen stehen wird, wenn ich irgendeine Verantwortlichkeit in der Exekutive haben werde.
Es ist die amerikanische Art, die Dinge so zu nehmen wie sie
sind, jedoch staendig auf Verbesserungen bedacht zu sein.
Ich zitiere einige der Grundsaetze, von denen ich glaube, dass
es wichtig ist, sie gesetzlich weiter auszuarbeiten: Foerderung
des Tarifverhandlungssystems; das Recht auf Streik; die vorherige
Bekanntgabe eines beabsichtigten Streiks; die Forderung, dass Gewerkschaften wie auch Unternehmer die bestehenden Vertraege unbedingt einhalten; die Verpflichtung, dass den Mitgliedern der
Gewerkschaften regelmaessig Bericht erstattet wird ueber die
Finanzen ihrer Organisation.
Ich habe ueber das Taft-Hartley-Gesetz mit Vertretern der
Gewerkschaftsbewegung wie auch denen der Industrie gesprochen.
Ich weiss, wie das Gesetz gebraucht werden kann, um die Gewerkschaften zu zerschlagen. Bas muss anders werden. Aaerika will
kein Gesetz, das den Bankerott der Gewerkschaften konzessioniert,
und ich will das auch nicht. (Beifall).
Ich bin der Meinung, dass, wenn alle patriotischen amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer schwoeren mueasen, dass sie kein«
Kommunisten sind, an die Arbeitgeber, ait denen sie verhandeln
auesaen, die gleiche Anforderung gestellt werden auesste. Meine
Daaen und Herren, lassen Sie mich Ihnen hierzu meine persoenliche
Meinung sagen: Ich habe nichts dagegen, jeden Morgen einen Treueschwur auf die Vereinigten Staaten zu leisten. Ich wuerde stolz
sein, jeden Abend einen Eid zu leisten, dass ich kein Kommunist
bin. Aber ich wuerde es ganz entschieden ablehnen, das zu tun,
wenn lediglich mir als Einzelnem diese Auflage geaacht wuerde,
weil ich zufaelligerweise ein Veteran oder irgendein Einwohner
von Kansas oder ein Gewerkschafter bin.
Ich aoechte jetzt der hervorragenden Arbeit gedenken, die
Sie in Kampfe gegen den Kommunismus und gegen den kommunistischen
Einfluss innerhalb der Arbeiterschaft anderer Laender leisteten.
Unsere amerikanischen Gewerkschafter haben ihren arbeitenden Bruedern anderer Rationen, die den Kommunismus dort bekaempfen,wo
der Kampf am erbittertsten ist, uneigennuetzig geholfen und sie
nachdruecklich unterstuetzt. Die ganze freie Welt steht in ihrer
Schuld.
Die fundamentalen Probleme meiner letzten Dienstreise nach
Europa schlössen den Kampf gegen den Kommunismus ein. Ich moechte
hiermit Irving Brown, dem Vertreter der AFL, fuer seine wertvolle
Zusammenarbeit und Unters tuetzung oeffentlich meine Anerkennung
aussprechen.
Er wurde von sehr faehigen Maennern unterstuetzt, unter ihnen
Matthew Woll, der ueberall dort, wo der Kampf am haertesten ist,

-

7 -

�zur Stelle ist, sei es in den Fabriken, in den Docks, in den Bergwerken oder in den Gewerkschaftshallen.
Wir duerfen niemals vergessen, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung nur deshalb stark genug ist, ihren Kollegen im Ausland zu helfen, weil unser Wirtschaftssystem ihr Vorwaertskommen
ermoeglichte. Alle Vorteile, die der amerikanische Arbeiter bisher erzielt hat und auch die Vorteile, die er in Zukunft noch erringen wird, waeren nicht moeglich ohne das freie, sich staendig
ausdehnende produktive System der amerikanischen Industrie. Derjenige, der den Mut hat, von uns zu verlangen, dass wir unser System durch ein anderes ersetzen, verstoesst damit gegen die unmittelbaren Interessen der Gewerkschaften. Er ist dadurch gefaehrlich,
vor allem, wenn er dabei annimmt,im Namen der Gewerkschaften, einer
Weltanschauung oder einer politischen Partei zu sprechen.
Gerade Sie als Gewerkschafter muessen das besonders gut wissen.
Die Arbeiter sind immer und ueberall die auserwaehlten Zielscheiben
gewisser Demagogen. Wie viele verworrene, ehrgeizige Schematiker
haben davon getraeumt, auf den Ruecken der Arbeiter der ganzen
Welt zur Macht empor zu steigen! Sie haben diese Traeume jedoch
immer dort gehabt, wo sich die Ruecken der Arbeiter unter Armut
und Verzweiflung beugten. Ss ist eines jener echten amerikanischen
Merkmale der Groease, dass auch ein Mann aus dem Arbeiterstande
hier nicht beiseite geschoben wird. Er bekommt kein Klasseschild
umgehaengt. Wir sind keine geschlossene Gesellschaft. Wir sind
eine Gesellschaft freier Memschen und freier Buerger. Wir sind
alle - mit der Hand oder mit dem Kopf, mit Geschick und Staerke Arbeiter«
Aus diesem Grunde widersetze ich mich all denen, die besonders seltsame Aufrufe an die Gewerkschaften richten. Man kann
Sie nicht von den uebrigen Buergern durch eine besondere "Behandlung" irgendwelcher Art trennen - sei es zur Unnachgiebigkeit
oder in der wohlwollenden Form des Schulterklopfens. Die Gewerkschaften als einen besonderen Fall zu behandeln, hieaae
Ihre wolle Wuerde als amerikanische Buerger zu verneinen.
loh glaube nicht, dass der amerikanische Arbeiter irgend
etwas anderes von seiner Regierung verlangt als Fairness und
Gerechtigkeit. Mein festes Versprechen, das ich Ihnen gebe,
lautet aot Soweit ich imstande bin, eine Lage zu beurteilen,
werde ich Ihnen immer Gerechtigkeit und Billigkeit widerfahren
lassen. loh wiederhole damit mein Versprechen, das ich Ihnen
am Tag der Arbeit gab. Lassen Sie sich getrost in Ihren politischen Handlungen immer von Ihrem Gewissen bestimmen; ich
werde immer versuchen, ein wahrer Freund der Gewerkschaften zu
•ein.
Diese einfachen Ideale der Gerechtigkeit und Billigkeit fuer
alle sind die Staerke unserer ganzen Lebensform. Sie koennen
jedoch durch industrielle Streitigkeiten gefaehrdet werden. Ein
solcher Streit, der in einen Klassenkampf ausartete, hat die Freiheit in anderen Laendern der Welt voellig zerstoert.
Diese Streitigkeiten zu verhindern, gehoert zu den grossen
Verantwortungen und den Aufgaben der Regierung. Sie zu verhindern bedeutet aber nicht nur, einfach den Ausbruch eines
Streits zu bedauern, sondern vielmehr die Ursachen zu bekaempfen.
Die Inflation ist gegenwaertig ein drohender Grund dafuer. In
den kommenden Wochen werde ich noch viel ueber den Kampf gegen
diese Bedrohung zu sagen haben. Im Augenblick denke ich daran,

�dass eines uns allen klar sein solltet Jene, die die Entwicklung
dieser Bedrohung zuliessen, werden sie nicht wieder von den Heimstaetten der amerikanischen Arbeiter nehmen koennen. Dieser unheilvolle Streit wird nicht von selbstzufriedenen Maennern beseitigt, die der Meinung sind, die Stimmen der amerikanischen Arbeiter
schon sicher in ihren Taschen zu haben.
Meine Herren, ich bin von bescheidener Herkunft. Ich glaube
daher, die elementaren Beduerfnisse und Rechte aller arbeitenden
Maenner und Frauen gut zu kennen. Ich kenne sie nur allzu gut,
als dasa ich den Versuch unternehmen wuerde, politisches Kapital
aus den Sorgen zu schlagen, die jeder einzelne um seine soziale
Sicherheit, seine Wohnung, seinen Lohn, die Arbeitslosenversicherung und die Erhaltung des Wertes seiner Spareinlagen hat.
Meine Damen und Herren, ich habe schon aufgefuehrt, und ich
wiederhole es hier, dass diese Massnahmen der Boden sind, den wir
jedem amerikanischen Buerger bereiten muessen, um zu verhindern,
dass er in Unglueck stuerzt, das er nicht selbst verschuldet hat.
Es ist billig und zugleich erniedrigend, versuchen zu wollen,
aus diesen Problemen Munition fuer oder gegen eine Partei zu
achmieden. Es sind Probleme, fuer deren Loesung die Intelligenz
und Redlichkeit aller Amerikaner, die guten Willens sind, eingesetzt werden muss.
Ich komme nioht mit Schickealsprophezeiungen; ich verspreche
auch keine ünmoegliohksitsn. loh bin aber dar tiefen üeberzeugung, dass vor uns unbegrenzte Moeglichkeiten fuer uns alle liegen. Wir sind ein junges Tolk und ein junges Land. Der Aufbau
Amerikas hat erst begonnen. Wir koennen uns sin Amerika bauen,
dessen Gerechtigkeitssinn und guter Wille dem materiellen Rahmen
und den besonderen geistigen Faehigkeiten aller arbeitenden Maenner und Frauen entspricht.
Mit Gottes Hilfe werden wir das tun koennen.
Meine Damen und Herren, ich moeohte mich noch einmal bei
Ihnen bedanken fuer die grosse Ehre, die Sie mir mit Ihrer Einladung bezeugten. Ich bin Ihnen sehr zu Dank verpflichtet.
Quellet

Protokoll des
71. AFL-Kongresees,
3« Tagesbericht.

Warum der amerikanische Arbeiter das freie Unternehmertum unterstuetzt
George Meaay, Erster Vorsitzender der AFLt
Warum unterstuetzt der amerikanische Arbeiter den Kapitalismus?
Das ist eine der immer wiederkehrenden Fragen der europaeischen
Gewerkschafter, die innerhalb des ECA-Austauschprogramms die Vereinigten Staaten besuchen. Diese Frage beantwortete bereite der
amerikanische Sozialistenfuehrer Norman Thomas in einem kuerzlich
gegebenen Interview. Im Gegensatz dazu steht die Ansicht George
Meanre, des ersten Vorsitzenden der American Federation of Labor.
Vor allen Dingen ist Meany der Meinung, dass das Wort "Kapitalismus" eine ausgesprochen falsche Bezeichnung fuer das amerikanische Wirtschaftssystem ist. Die dogmatische Definition und
Beschreibung des Kapitalismus, wie sie Karl Marx praegte und wie

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�sie von den stalinistischen Zeitgenossen wiederholt wird, hat
durch die grundlegenden und drastischen Versenderungen unserer
Gesellschaftsordnung keine Beziehung mehr zur Wirklichkeit.
Die amerikanische Gesellschaftsordnung ist immer dynamisch,
anpassungsfaehig und fortschrittlich gewesen. Niemals war sie
Jedoch feudalistisch. Die ungeheuer bedeutungsvollen Reformen,
die jahrzehntelang, ganz besonders aber seit 1932, durchgefuehrt
wurden, bilden die Fortsetzung und einen Hoehepunkt der permanenten amerikanischen Revolution. Jene Reformen sind die Verwirklichung der Ideale der hervorragendsten Liberalen von Jefferson bis zu Roosevelt. Und auf dem ganzen Wege, angefangen von
dem unentgeltlichen Besuch oeffentlicher Schulen und den allgemeinen Wahlen bis zur Sozialversicherung und den Massnahmen gegen
das Itonopolwesen, stand die amerikanische Gewerkschaftsbewegung
in vorderster Linie im Kampf fuer die dem allgemeinen Interesse
dienenden Reformen.
Die Gewerkschaften ziehen es vor, die amerikanische .Yirtschaftsstruktur das System des freien Unternehmertums zu nennen. Dieses System unterstuetzt der amerikanische Arbeiter
hauptsächlich deshalb, weil es ihm im Verein mit Freiheit und
Demokratie einen sehr hohen Lebensstandard gebracht hat.
Da hungrige Menschen leicht dazu neigen, den Wert der Freiheit und der Demokratie zu unterschaetzen, muessen erst einmal die
materiellen Vorteile in Betracht gezogen werden, die der amerikanische Arbeiter gewonnen hat.
Man kann jedoch beides nicht vollstaendig voneinander trennen,
da eines vom anderen abhaengig ist. Doch ist der wirtschaftliche
Fortschritt, den Amerika gemacht hat, wirklich erstaunlich. Die
Kaufkraft des Reallohnes eines Arbeiters stieg von 1890 bis 1930
um das dreifache. Die Arbeitswoche verkuerzte sich von 60 auf 40
Stunden. Um die Jahrhundertwende blieben einem Arbeiter, nachdem
er fuer sich und seine Familie Lebensmittel, Kleider und Wohnutig
bezahlt hatte, nur noch siebzehn Prozent seines Einkommens fuer
alle anderen Ausgaben uebrig. Heute gibt die Familie eines einfachen Arbeiters, bei einem weit groesserem Einkommen, ungefaehr
vierzig Prozent ihres Einkommens fuer so wichtige Dinge wie Erziehung, aerztliche Fuersorge, Erholung, Reisen, Moebel und Hausrat aus und kann trotzdem noch Ersparnisse machen. Hinzu kommt
noch, dass der Arbeiter wesentlich mehr Zeit hat, um sich um seine
Gewerkschaft, seine Kirche, kurz alle ihn interessierenden charitativen, sozialen, kulturellen und politischen Angelegenheiten zu
kuemmern und darin taetig zu sein. Dies macht ihn zu einem vollwertigen Mitglied seiner Gemeinde.
Um die Jahrhundertwende hatte ungefaehr nur jede fuenfte Arbeiterfamilie ihr eigenes Haus. Um 1900 konnten sich auch nur
wenige die Annehmlichkeiten der Elektrizitaet, des Badezimmers,
des Kuehlschrankes, oder sehnlicher Dinge leisten. Heute findet
man alle diese Dinge selbstverstaendlich, sie gelten nicht mehr
als Luxus. Natuerlich waren diese Veraenderungen nur durch ein
gewaltig erhoehtes Volksvermoegen zustandegekommen.
Die Frage ist nun, ob die Arbeiterschicht an einer gerechten
Verteilung des hoeheren Volkseinkommens Anteil gehabt hat.
Gerade auf diesem Gebiet hat sich jedoch eine wirkliche, noch
heute andauernde Revolution vollzogen. Die Einkommens- und Erbschaftssteuer sowie andere Finanz- und Sozialreformen, die von

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�der Arbeiterschaft sehr nachdruecklich unterstuetzt wurden, haben
die Verteilung des Vermoegens erheblich veraendert. Die Grossverdiener haben einen weit geringeren, die Arbeiterschaft einen sehr
viel hoeheren Anteil an dem gesamten privaten Nationaleinkommen
als vor fuenfzig oder sogar nur zwanzig Jahren.
Es sei hierbei nur wiederholt, wie Samuel Gompers die Ziele
der organisierten Arbeiterschaft auslegtet "Wir wollen mehr und
mehr an den guten Singen des Lebens teilhaben. Wir fordern immer
wieder, dass durch Steuerreformen und Tarifvertraege der Anteil
des Arbeiters an der Produktion noch weiter gesteigert wird."
Durch die internationale Notlage muessen vielleicht einige unserer
Forderungen zurueckgestellt werden, da wir gewillt sind, Opfer zu
bringen und unseren gerechten Anteil an den Lasten, die der amerikanischen Arbeiterschaft durch Stalins aufgezwungene Wiederaufrüstung auferlegt werden, auch tragen wollen.
Der hohe Lebensstandard der Amerikaner beruht auf verschiedenen Cruenden. In erster Linie sind es jene Beweggruende, die
eine freie Gewerkschaftsordnung mit sich bringen. Freiheit und
die Achtung der persoenlichen Rechte bilden die eigentliche Ursache, dass wir unsere ungeheuer ergiebigen Naturschaetze dem
allgemeinen Wohl zukommen lassen. Wir haben technische Wunder
entwickelt, die die Produktivitaet auf eine Hoehe geschraubt haben, die man sich vor fuenfzig Jahren noch nicht haette traeumen
lassen. Vor dem zweiten Weltkrieg war die Leistung des einzelnen
amerikanischen Arbeiters zweieinhalb mal so hoch wie in Europa.
Heute ist die Produktion pro Kopf dreieinhalb mal so hoch wie die
der Westeuropaeer und sechs oder sieben mal so hoch wie die der
Russen. Die grundlegende Erklaerung hierfuer ist, dass der amerikanische Arbeiter weit mehr durch Maschinen unterstuetzt wird als
der Arbeiter anderer Laender. Im Durchschnitt steht dem Arbeiter
in Westeuropa nur ein Drittel der Maschinenkraft des amerikanischen
Arbeiters zur Verfuegung. Der Russe jedoch hat noch weit weniger
Maschinen als der Westeuropaeer zur Verfuegung.
Es gibt aber noch andere, wesentliche Gesichtspunkte fuer den
"laissez-faire"-KapitaliamuB oder europaeischen Kapitalismus, der
in Amerika nicht vorhanden ist. Das freie Unternehmertum Amerikas
wird durch Anti-Trustgesetze geregelt, die, durch die Macht der Gewerkschaften gestaerkt, den strangulierenden Einfluss der Kartelle
oder Monopole auf die amerikanische Wirtschaft verhindern. Es ist
zum Beispiel einer Interessengemeinschaft verboten, sich mit gleichen Wirtschaftsgruppen zu verbuenden, um durch eine Minderung der
Produktion ein hohes Preisniveau zu halten. Diese Massnahme sichert
einen ehrlichen Wettbewerb. Die allgemeine Politik der Industriellen
ist eine Massenproduktion von Waren, die mit einem geringen Gewinn
auf einem riesigen Markt, der ueber 150 Millionen Verbraucher zaehlt,
abgesetzt werden. Und hierbei gibt es keine Zoll- und Handelsschranken, wie es auf dem europaeischen Kontinent der Fall ist.
Diese Art des freien Konkurrenzkampfes bietet den sichersten
Weg zum Erfolg. Es besteht das gleiche Recht fuer den Unternehmer
und den Arbeiter, vorwaerts zu kommen und seine wirtschaftliche und
soziale Lage zu verbessern. Dieses Recht ist gesichert. Ich behaupte nicht, dass das System des freien Unternehmertums gesetzlich
ein vollkommenes ist. Davon ist es noch weit entfernt und immer
wieder werden seine Fehler von der Gewerkschaft kritisiert. Nach
seiner Ansicht gibt es jedoch kein besseres System.

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�Es existieren aber noch immer Misstaende. Die Schwaechen
werden jedoch Schritt fuer Schritt durch die entschlossene Zusammenarbeit der liberalen Kraefte und der Gewerkschaften ueberwunden*
Das sind einige der wesentlichen Gruende, warum der amerikanische Arbeiter die freie Wirtschaft unterstuetzt. Wir haben Freiheit in wirtschaftlicher, kultureller und auch politischer Hinsicht.
Und jede totalitaere Macht, die versucht, uns diese Freiheit zu
rauben, muss gegen den amerikanischen Arbeiter kaempfen.
Es muss jedem klar gemacht werden, dass die Amerikaner nicht
die Absicht haben, ihr Wirtschaftssystem und ihre Ideologie anderen
Voelkern aufzuzwingen. Andere Laender moegen den Weg des demokratischen Sozialismus waehlen -- oder irgend ein anderes System
foerdem, solange sie nicht den Weltfrieden und die Unabhaengigkeit anderer Laender durch imperialistische Aggressionen bedrohen.
Die amerikanischen Arbeiter , sowie die Amerikaner ueberhaupt
wuenschen nur, den Menschen anderer Laender zu helfen, ihren Lebensstandard zu heben und die Fruechte freier Arbeit in Frieden und
Freiheit zu geniessen.
Quellet
Features ünit Labor Special,
Ho. 190
Bewegungsstudie halbiert Anlernzeit
Heue Arbeitsmethoden in Verbindung mit neuen Schulungssystemen
haben bei der Steigerung der ProduktlTitaet der Kayser Bondor Strumpffabrik in Baidock, England, eine wichtige Rolle gespielt. Bis 1947
sassen die Arbeiterinnen, die kettelten, saeumten und die Struempfe
prueften, in verschiedenen fiaeumen. Dadurch ging viel Zeit und
Arbeitskraft beim üebergang von einem zum anderen Arbeitsgang verloren.
Die Maedel arbeiten jetzt in Gruppen, die die drei Arbeitsgaenge unter sich aufteilen. Diese Methode reduziert nicht nur
die Dauer der Arbeitsgaenge, es wurde ausserdem festgestellt, das»
einer der groessten Vorteile darin besteht, dass der Pruefer einen
festgestellten Fehler.sofort verbessern lassen kann* Die Produktion
und der Arbeitslohn sind dadurch um 20$ gestiegen.
Weiterhin konnte die Anlernzeit fuer Saeuaen und Ketteln von
12 Monaten auf 12$ Wochen herabgesetzt werden. Zu der Zeit, da
daa Anlernen noch nicht so gut organisiert war, sass der Anlernling mit einer qualifizierten Arbeiterin zusammen und lernte von
ihr, so gut es eben ging.
Als man 1947 intensiv durchgefuehrte Lehrgaenge einfuehrte,
wurde die Anlernzeit von 12 auf 6 Monate reduziert. Im letzten
Jahr jedoch fuehrte man erstmalig Bewegungsstudien bei einem
Abschnitt des Unterrichts durchs der durchschnittliche Anlernling
erreicht jetzt den erforderlichen Leistungsstandard bereits in 12$
Wochen. Ein Maedchen, das waehrend des Unterrichts die erforderliche Geschicklichkeit erreicht hatte, buesste sie oftmals wieder
ein, sobald es seinen Platz innerhalb der Gruppe, die in der Werkstatt arbeitete, einnahm. Man loeste dieses Problem zum grossen
Teil dadurch, dass man der Arbeiterin einen Arbeitsplatz in einer
Produktionsabteilung anwies, die von der Werkstatt der Fabrik

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�getrennt war, in der jedoch die Arbeiterinnen den gleichen Leiatungaatandard wie aie aelbat hatten, da aie ebenfalls im Unterricht geschult worden waren.
Hier bleibt nun daa Maedel.bis die naechate TJnterrichtaklaaee
den erforderlichen Leiatungsstandard vermittelt hat, erat dann
wird aie von der Produktionsabteilung in die Fabrikwerkstatt versetzt.
Bewegungsstudien sind auch bei der Schulung der Sortierer angewandt worden, daa aind jene Arbeiter und Arbeiterinnen, die die
gefaerbten und schlusabehandelten Struempfe nach Paaren sortieren.
Vor der Einfuehrung der Bewegungsstudie betrug die durchschnittliche
Anlernzeit sechs Monate. Sie konnte jetzt auf neun Wochen herabgesetzt werden, ohne die Leistungen irgendwie zu vermindern.
Ebenso wie in der Abteilung der Saeumer und Ketteier hat man
auch bei den Sortierern die neuen Methoden der Gruppenarbeit angewandt | innerhalb von zwei Jahren waren hier die Leistungen um
50# und die Loehne um J0% gestiegen. Vor der Einfuehrung des
Gruppenarbeitssystems hatten die Sortierer, die Etikettierer (Arbeiter, die den Markennamen auf den Struempfen anbringen), und die
Falter, die die Struempfe falten und verpacken, je einen Arbeitsraum.
Nach dem neuen System der Gruppenarbeit werden alle diese
Arbeitsgaenge gemeinsam in einem Raum ausgefuehrt. Die Dauer
der Arbeitsgaenge wurde dadurch auf ein Minimum reduziert, ein
Foerderband bringt die verpackten Struempfe in daa Lager und
bringt zugleich leere Kartons zu den Faltern.
Ein anderer Beitrag zur Beschleunigung der Produktion in
dieaer Abteilung wurde mit der Errichtung einea Gestells zwiachen
dar Zurichterei(hier werden vor allem die Fadenenden entfernt)
und der Sortierabteilung geleistet. Bis dahin wurden die Struempfe
auf einem Lastkarren von der Zurichterei duroh eine Tuer in die
Sortierabteilung gebracht. Jetzt hat man die Wand zwiachen dieeen
beiden Abteilungen beseitigt und dafuer ein Gestell erriohtet. Dia
Zurichter achieben mit Struempfen vollgestopfte Behaelter in dieaaa
Gestell, die Sortierer koennen auf der anderen Seite die Struempfe
herausnehmen, wann und wie ee ihnen gerade paaat.
Nach dem Vorschlag einea Arbeiters wurde fuer jeden Sortierer
eine gesonderte verateilbare Lampe angebracht. Auch diese Massnahme hat zur Verbesserung dea Arbeitsergebnisses beigetragen, da
auf diese Weise eine Ueberanstrengung der Augen vermieden wird.
In der Strickabteilung wurde hauptaaechlich durch neue Maschinen eine 25-prozentige Produktionssteigerung innerhalb einea Jahre«
erreicht. Man kann jetzt das Verdoppeln der Einfassung an dreisaig
Struempfen in einem automatischen Arbeitsgang vornehmen, waehrend
frueher jede Einfassung einzeln mit der Hand verdoppelt werden
muaate.
Selbst bei einem verhaeltniamaeaaig geringen Arbeitsergebnis
muss die Leitung des Werkes in Anbetracht der fuer Schulung benoetigten Zeit der Placierung neu eingestellter Arbeiter auf besondere
geeignete Arbeitsplaetze ataendige Aufmerksamkeit widmen. Frueher
war die Placierung der Arbeitekraefte ausschliesslich von einem
Interview mit dem Personalchef abhaengig. Auch heute noch wird
daa "Interview" ala der wichtigate Faktor bei der Auawahl dea

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13 -

�Personals angesehen; vor zwei Jahren hat man jedoch die vom
Nationalinstitut fuer Psychologie entworfene Eignungspruefung
eingefuehrt. Die Ergebnisse dieser Pruefungen werden in dem
Bericht des Personalchefs mit aufgezeigt; der dadurch gewonnene
Gesamteindruck, ermoeglicht dann eine besonders geeignete Placierung des Neulings in der Fabrik.
In der Fabrik besteht ein Gemeinschaftliches Produktions Komitee (GPK) und ein Betriebsrat. Letzterer besteht aus 21
Mitgliedern, die ihren Vorsitzenden wechselweise fuer ein Jahr
aus den Reihen der Leitung des Betriebs und fuer das naechste
Jahr aus dem Kreis der Arbeiter waehlen. In Verbindung mit dem
GPK gibt es ein Vorschlagsschema-Komitee, das die Hoehe der Praemien fuer geeignete Vorschlaege empfiehlt. Das GPK diskutiert
lediglich Produktionsprobleme, waehrend alle anderen Angelegenheiten vom Betriebsrat bearbeitet werden.
Die neuen Arbeitsmethoden wurden mit voller Unterstuetzung
der Arbeiter eingefuehrt, die fast alle Mitglieder der Gewerkschaft der Strumpfarbeiter sind.
"Target"
51-11-12

Hans Hansens Die daeniachen Baugenossenschaften zeigen Moeglichkeiten
verstaerkten Wohnungsbaus.
In dem Kopenhagener Vorort RVidovre beschaeftigt sich die
daenische Baugenossenschaft "Arbejderbo" augenblicklich mit einem
Bauvorhaben, das fuer den daeniachen Nationalfond fuer Wohnungsbau unter ümstaenden eine Ersparnis von 112,000,000 Kronen bedeutet und Tausenden, die auf der Wohnungs-Warteliste stehen, neue
Hoffnung gibt. Der daenischen Baugenossenschaft, die von den
Gewerkschaften gegruendet wurde, ist es gelungen, die Kosten fuer
107 Wohneinheiten um 15$ im Verhaeltnis zum gegenwaertigen Stand
zu senken. Dies wurde erreicht durch eine weitgehende Rationalisierung der Bautechnik,wobei man besonderen Wert auf die sorgfaeltige Abstimmung der in üntervertraegen festgesetzten Arbeiten legte
und vor allem die Verwendung fertig konstruierter und genormter
Betongussteile vorsieht, die an Ort und Stelle hergestellt werden.
Im daenischen Bauwesen ist es ueblich, alle Vertraege fuer
die vorkommenden einzelnen Arbeiten direkt zu vergeben, anstatt
einen einzigen Vertragspartner damit zu beauftragen; zugleich
wird dem jeweiligen "Hauptkontraktor" ein gewisser finanzieller
Spielraum gegeben, der ihn gegen unvorhergesehene Ereignisse
schuetzt. Bei dem Bauvorhaben wichen der Vorsitzende der "Arbejderbo", Erik Jensen, der Architekt Eske Kristensen und der
Ingenieur P. E. Malstrom von der bisherigen daenischen Tradition
ab und stellten in Zusammenarbeit mit zahlreichen finanzstarken
Kontraktoren einen bis in alle Einzelheiten gehenden Plan auf,
bevor sie Angebote einholten. Der Erfolg dieses Vorgehens bestand darin, dass die Angebote, die angenommen wurden, dem absoluten Minimum viel naeher kamen als es sonst gewoehnlich der Fall
war.
Ein weiterer bedeutsamer Faktor ist der Umfang, in dem neue
Methoden der Betonbauweise die Ziegelsteinbauweise ersetzt haben.

- 14

�Die Aussenwaende bestehen aus Betonplatten von der Croease 60 z
110cm. Sie werden in der "Fabrik", die sich im Freien direkt
neben dem Bauplatz befindet, gefertigt, d.h. im Buettelverfahren
gegossen und heissbehandelt. Diese und sehnlich konstruierte
groessere Platten fuer das Fundament und den Boden werden mit
Hilfe von fahrbaren Kraenen an Ort und Stelle gebracht. Vertikale Innenteile werden direkt in vertikalen Verschalungen gegossen; dieses Verfahren wird der Aufsetzmethode vorgezogen*
Die Standardgussvorrichtungen bestehen aus Holz; sie sind leicht
versetzbar und koennen immer wieder benutzt werden.
Jede Wohneinheit besteht aus vier zweistoeckigen Wohnungen.
Jede Wohnung ist fuer eine Familie mit drei bis vier Kindern
bestimmt; im ersten Stock befindet sich ein Wohnzimmer, eine
Kueche mit einer Essnische- sowie eine Spuelkueche. Im zweiten
Stock liegt ein grosses Schlafzimmer, ein etwas kleineres Schlafzimmer fuer die juengsten Kinder, zwei etwa halb so grosse Zimmer
fuer die aelteren Kinder, die ihr "eigenes" Zimmer haben sollen,
und schliesslich ein Badezimmer. Es ist kein Keller vorhanden,
jedoch ist ein Verschlag vorgesehen, den man zum Abstellen der
Fahrraeder benutzen kann. Fuer die 107 Wohneinheiten soll eine
Zentralheizungsanlage sowie eine Cemeinschaftswaescherei eingerichtet werden. Die daenischen Arbeiterfamilien, die demnaechst
dort einziehen werden, bezahlen etwa 200 Kronen Miete im Monat;
das entspricht ungefaehr einem Wochenlohn.
Die Gesamtbaukosten fuer eine Wohnung betragen 40,230 Kronen
oder etwa 24.000 DM. Die Kosten liegen damit ungefaehr iyf&gt; unter
den gegenwaertigen Baukosten. Man verspricht sich bei dem gesamten
Bauvorhaben durch Anwendung rationalisierter Methoden eine Ersparnis von 700 000 daenischen Kronen. Es erscheint jedoch noch etwas
zu frueh, um bestimmte Angaben zu machen. Verschiedene Sachverstaendige halten es fuer das Beste, diese neuen Methoden erst bei
vier- oder mehrstoeckigen Gebaeuden anzuwenden, ehe sie mit ihnen
vielleicht Schiffbruch erleiden. Andere Sachverstaendige meinen
wiederum, man koenne die Kosten noch weiter reduzieren.
Nachdem nun, nach dreizehn Jahren, die Rationierung der Verbrauchagueter in Daenemark aufgehoben wurde, (Kaffee und Zucker
wurden erst im vergangenen Monat freigegeben), bleibt das Wohnungsproblem noch immer eines der wichtigsten Probleme der daenischen
Wirtschaft. In diesem Jahr sieht der Baufinanzierungsetat der
Regierung die Schaffung von 16 000 neuen Wohnungen vor. Eine
Ersparnis von 7000 Kronen pro Wohnung oder eine Gesamtersparnis
von 112 000 000 Kronen wuerde fuer 13.915 Wartende eine neue
Wohnung bedeuten.
Sonderbericht der
MSA Labor Division,
Kopenhagen.

Zunahme dea Mittelstandes in den Vereinigten Staaten
Eine allmaehliche Veraenderung der Einkommensschichtung der
Vereinigten Staaten hat in den letzten 20 Jahren zu einer Verbreiterung des Mittelstandes gefuehrt. Im Verlaufe dieses Prozesses hat sich die Hoehe des Bevoelkerungsanteils innerhalb der
Spitzeneinkommengruppe und der niedrigsten Einkommenstufe zahlen-

15

�maessig verringert. Tor kurzen beendete Simon Kuznets vom amerikanischen Wirtschaftsforschungsinstitut eine umfangreiche Abhandlung
ueber diese Veraenderungen in der amerikanischen Einkommensstruktur.
Die Ergebnisse dieser Studie wurden von Geoffrey H. Moore fuer die
"American Economic Review", einer amerikanischen Wirtschaftszeitung,
eingehend analysiert. Eine amerikanische Zeitung, die einen Kommentar zu dieser Abhandlung veroeffentlichte, erklaerte, die Studie
zeige, dass in den Vereinigten Staaten eine friedliche soziale
Revolution mit durchgreifenden wirtschaftlichen Folgen vor sich geht.
Im Jahre 1929 gaben 513 Personen ihr Einkommen mit einer Million
Dollar oder mehr an, im Jahre 1948 waren es nur noch 149« Ton 1929
bis 1948 stieg das Einkommen des einprozentigen Bevoelkerungsanteils
mit Spitzeneinkommen um 8$; das Einkommen der restlichen 99$ erhoehte
sich jedoch um 124$. Waehrend des 35-jaehrigen Zeitraums von 1913
bis 1948 stieg das Einkommen der unteren 99$ um das Vierfache.
Waehrend der Zeit von 1929 bis 1939 sank das Individualeinkommen beider Gruppen, und zwar bei der oberen Einkomaensklasse um 39$
und fuer die verbleibenden 99$ der Bevoelkerung um 18$. Von 1939
bis 1948 trat wiederum eine wesentliche Erhoehung ein. Sie betrug
78$ pro Kopf fuer die oberste Einkommensgruppe und 174$ fuer die
untere Einkommensklasse. Diese Veraenderungen in der Einkommensschichtung der verschiedenen Bevoelkerungskreise zeigen eine Tendenz
nach der Mitte hin - und zwar wird sie hervorgerufen durch das steigende Einkommen der niedrigeren Einkommensklassen, einem Absinken
der Spitzeneinkommensklassen und schliesslich einem Ansteigen des
Einkommens der Mittelklasse.
Fuer die Hebung des Einkommensstandards werden verschiedenartige
Begruendungen gegeben. Man "uehrte dabei vor allem an, dass die
Loehne und Gehaeiter im Verhaeltnis zu den Einkommen aus Renten,
Dividenden und Zinsen erheblich gestiegen sind. Die Gehaeiter der
Angestellten haben sich um 134$ pro Kopf der Bevoelkerung erhoeht,
waehrend die Einkuenfte in der Landwirtschaft, Einzelunternehmen
und Handwerksbetrieben um 143$ gestiegen sind.
Die Hebung des Einkommens minderbemittelter Familien hat sich
am staerksten ausgewirkt. Sie wurde spuerbar durch groessere Aufwendungen fuer Verbrauchsgueter und einer groesseren Nachfrage in
den Geschaeften. Im Jahre 1939 hatte eine von 10 Familien ein Einkommen von 3000 Dollar oder mehr und eine von 45 Familien gehoerte
zu der Einkommensgruppe mit 5000 Dollar und mehr. Im Jahre 1948
jedoch hatte die Haelfte aller Familien ein Einkommen von 3000
Dollar oder mehr und eine unter 6 Familien war in der Einkommensgruppe 3000 Dollar und mehr.
Viele Wirtschaftssachverstaendige glauben, dass die Veraenderungen in der Einkommenverteilung die Wiederholung einer Wirtschaftskrise verhindern wuerden. Die wirtschaftliche Lage hat
durch das Anwachsen des Mittelstandes zweifellos eine Stabilisierung erfahren. Die Angehoerigen des Mittelstandes sind so zahlreich wie nie zuvor und verfuegen ueber den groessten Einkommenanteil. Sie besitzen eine starke Kaufkraft und betraechtliche
Spareinlagen; sie tragen dadurch zur Ausdehnung des amerikanischen
Marktes bei. Nach Ansicht vieler Wirtschaftssachverstaendiger wird
die Erhoehung des Realeinkommens des Durchschnittsamerikaners noch
weiter andauern und eine Erhoehung der Produktivitaet sowie ein
Anwachsen des Kapitals zur Folge haben, wobei sich die Durchschnittsziffern erhoehen.
Weekly Labor News Digest
VIl/43
-

16

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