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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
6. März 1996

05

BOSNIEN

ERGEBNISSE DES NATO-TREFFENS IN ROM
Rede von Botschafter Hunter

FULBRIGHT

DIE VISION DES SENATORS FÜR AMERIKA
UND DIE WELT
Rede von USIA-Direktor Duffey

NACHRICHTENDIENSTE

DIPLOMATISCHE BERICHTERSTATTUNG
IST WERTVOLLE NACHRICHTENQUELLE
Erklärung von Abteilungsleiterin Toby Gati

WAHLEN '96

DIE VORWAHL VON NEW HAMPSHIRE
Ein Überblick
EMPFEHLUNGEN FÜR DIE GESTALTUNG
DER FERNSEHDEBATTEN IM
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKAMPF
von Debra Gersh Hernandez

WAHRUNG

DIE NEUEN 100-DOLLAR-NOTEN
Aufklärungskampagne des
US-Finanzministeriums

DATENAUTOBAHN

NEUES VON DER DATENAUTOBAHN
Übersicht jüngster Entwicklungen

Diese Artikel sind elektronisch abrufbar.
Nähere Informationen erhalten Sie bei der
Presseabteilung der Amerikanischen Botschaft
unter den unten angegebenen Adressen.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228 - 339 23 72
Fax 0228 - 33 31 38
Internet bbsbonn@usia.gov

�BOSNIEN

6. März 1996

Ergebnisse des NATO-Treffens in Rom
Rede von Botschafter Hunter

BRÜSSEL - (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten bei der NATO, Botschafter Robert E. Hunter,
hielt am 19. Februar 1996 vor dem Nordatlantikrat im Anschluß an das NATO-Treffen in Rom zur Überprüfung der
Friedenssicherungsbestrebungen in Bosnien eine Rede, die wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen. An der
Zusammenkunft am 17. und 18. Februar in Rom nahmen Vertreter der Kontaktgruppe sowie die Präsidenten der
drei Länder teil, die hauptsächlich an dem Friedensabkommen für Bosnien beteiligt sind.

Vielen Dank, Herr Vorsitzender. Wie stets ist es mir
eine große Ehre, mit den Menschen zusammenzutreffen, für die wir im Rat alle arbeiten - den Menschen, deren Bestrebungen für den Erfolg unserer
Arbeit bei der NATO von größter Bedeutung sind.
Denn wir können unsere Arbeit nicht leisten, wenn wir
nicht das tun, was Ihnen und den Parlamenten der 16
Bündnismitglieder sinnvoll erscheint und wenn Sie
nicht ihre Wähler dazu veranlassen können, uns bei
unserer Arbeit zu unterstützen. Das gilt meines
Erachtens derzeit mehr als zu jedem anderen Zeitpunkt in der gesamten Geschichte des Bündnisses.
Wir haben keinen Genossen Stalin, um uns einen
Grund zu liefern. Wir haben nur die tief in unseren
Gesellschaften verankerten grundlegenden Werte,
nach denen wir 16 demokratischen Nationen uns
richten, und es ist viel schwieriger, zu einem Zeitpunkt
eine Lanze für die Sicherheit zu brechen, an dem im
übertragenen Sinn die Sonne scheint als zu einer Zeit
direkter militärischer Bedrohung, wie wir sie so lange
hatten.
Zunächst einmal möchte ich Sie alle hier begrüßen, die
Sie von nah und fern gekommen sind, insbesondere
diejenigen aus Nordamerika, die so weit gereist sind,
um diese Woche hier zu sein. Sie nahmen sich Zeit,
obwohl Sie sehr beschäftigt damit sind, sich für das zu
engagieren, was uns allen gemeinsam ist. Ich heiße
Sie willkommen und danke Ihnen für die Hilfe und
Unterstützung, die ich von dieser starken US-Delegation immer erhalten habe. Herzlichen Dank an Delegationsleiter Bereuter und alle seine Kollegen.
Es ist mir eine Ehre, heute morgen mit Präsident

AMERIKA DIENST 05

Karsten Voigt auf dem Podium zu sitzen, und wir alle
freuen uns, Peter Corterier bei so guter Gesundheit zu
sehen. Er hat uns vor einigen Monaten einen gehörigen Schrecken eingejagt. Die von Ihnen gezeigten
Führungsqualitäten, Peter, waren von entscheidender
Bedeutung, insbesondere in der Übergangszeit nach
dem Ende des Kalten Krieges. Sie, Karsten Voigt und
unser Vorsitzender heute morgen haben Außerordentliches bewerkstelligt.
60 Tage sind seit dem Beginn der Umsetzung des
Abkommens von Dayton vergangen, seit dem Tag der
Übergabe der Befehlsgewalt an die NATO, die die
Verantwortung für die Durchführung der militärischen
Teile der Übereinkunft über Bosnien übernahm. Dies
ist das erste Mal, daß wir offiziell Bodentruppen
außerhalb des NATO-Gebietes stationieren. Wir sind
eine feierliche Verpflichtung eingegangen um zu
gewährleisten, daß die militärischen Bestandteile
dieses Abkommens erfüllt werden. Dabei waren sich
alle 16 Länder der Umstände voll bewußt. Ich spreche
von 16, denn sogar Island, das über keine Truppen
verfügt, schickte einen Arzt und zwei Krankenschwestern. Wir sind zusammen dort. Wir haben uns
gemeinsam viele Monate lang mit Bosnien befaßt, und
jeder hier Anwesende weiß, daß wir uns nicht immer
darüber einig waren, was getan werden mußte,
wodurch für uns große Schwierigkeiten entstanden.
Aber wenn ich Jean Monnet zitieren darf, der an der
Gründung einer anderen Institution mitwirkte, die
ebenfalls ihren Sitz in dieser Stadt hat - der Europäischen Union - haben wir in Bosnien sein Ziel erreicht,
nämlich alle an einer Seite des Tisches sitzen zu
haben und das Problem an der anderen. Nach den

Seite 1

�langen Diskussionen und Debatten sowie den oft bis
spät in die Nacht andauernden Meinungsverschiedenheiten über Luftangriffe ist es bemerkenswert, daß wir
am 20. Dezember - zufällig auch der Tag, an dem
unser herausragender Generalsekretär Javier Solana
sein Amt antrat - in der Lage waren, innerhalb einer
Viertelstunde dem Operationsplan und der Übergabe
der Befehlsgewalt an die NATO zuzustimmen. Das ist
phantastisch verglichen mit den stundenlangen
Auseinandersetzungen, die vorher erforderlich waren.
Wir arbeiten hier alle zusammen - nicht als 16 Regierungen, sondern als 16 Nationen. Hier ist Ihre Arbeit
so entscheidend, denn Sie sind diejenigen, die direkt
die Fragen für Ihr Volk beantworten müssen, warum
wir das tun, was wir tun, wie wir Erfolg haben können,
wie wir die optimale Leistung der NATO erzielen wollen
- unter Umständen, in denen die jungen Männer und
Frauen, die in jedem Ihrer Länder so heldenhaft Dienst
tun, gute Chancen hätten, in größter Sicherheit ihrer
Arbeit nachzugehen.
Wir hielten letztes Wochenende in Rom ein Treffen ab.
Im wesentlichen war es die sogenannte Kontaktgruppe
- die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich,
Deutschland, Rußland - mit einem italienischen
Gastgeber. Der Hohe Repräsentant, Carl Bildt, war
dort. Der Oberste Alliierte Befehlshaber Europa,
General Joulwan, war anwesend. Admiral Smith, der
Kommandeur der Friedenstruppe, war dabei sowie die
Präsidenten der drei wichtigsten betroffenen Länder:
Milosevic, Tudjman und Izetbegovic. Sie erzielten
Übereinkunft hinsichtlich der Behandlung des außerordentlich komplizierten Problems Mostar, das großenteils ein Test dafür ist, ob eines der wichtigsten
Elemente des Daytoner Abkommens Bestand hat - die
Kooperation innerhalb der bosnisch-kroatischen
Föderation. Wir erhielten neue Zusagen im Hinblick
auf das Verhalten jeder der drei Parteien und derjenigen, die darauf reagieren. Dazu zählt der Fall der
bosnischen Serben, bei dem unseres Erachtens
Präsident Milosevic für diesen Teil der Abmachung
verantwortlich ist. Weiterhin klärten wir das Verhältnis
der IFOR zu externen Bestrebungen, insbesondere
aenen des internationalen Kriegsverbrechertribunals
für das ehemalige Jugoslawien - die "Verkehrsregeln" damit wir als NATO das Unsrige zu der Einsicht
beitragen können, daß eine politische Regelung Hand
in Hand mit dem Streben nach Gerechtigkeit gehen
muß. Es muß aber auch entschieden ein klares
Verständnis bestehen, daß die wichtigsten Dinge
Vorrang haben, und das wichtigste ist, daß die Truppen der NATO/IFOR die ihnen zugewiesene Arbeit so
effektiv und sicher wie möglich erledigen müssen. Das
ist die erste Aufgabe. Wenn noch anderes getan
werden kann, sollte das natürlich in Betracht gezogen
werden. Wir müssen es richtig machen. Bei Kriegsverbrechern mußten wir die "Verkehrsregeln" einführen. Man könnte auch sagen, das Treffen in Rom
sei eine Realitätsprüfung gewesen. Es diente dazu,

Seite 2

diese Politiker daran zu erinnern - nachdem wir
ungefähr ein Sechstel des Weges des NATO-Mandats
zurückgelegt haben - welche Verpflichtungen sie in
Dayton eingegangen sind.
Bei der NATO handeln wir 16 Mitglieder in dem klarem
Bewußtsein, daß wir gemeinsam nach Bosnien gingen
und es gemeinsam verlassen werden - und zwar zu
dem vorgesehenen Zeitpunkt, nach einem Jahr.
Manche fragten sich, warum wir uns auf diesen
begrenzten Zeitraum geeinigt haben. Meines Erachtens versteht jeder hier Anwesende den Grund.
Erstens müssen wir den Völkern unserer 16 Mitgliedsländer gegenüber Wort halten, die bereit waren, das
Leben junger Männer und Frauen aufs Spiel zu setzen
- einige in einem Land, das von ihrer Heimat weit
entfernt ist. Ferner müssen wir diesen jungen Männern und Frauen gegenüber Wort halten - diesen
engagierten und mutigen Streitkräften der NATO - und
denen anderer Länder, denn wir sind nicht allein. Wie
Sie wissen, sind 14 Mitglieder der Partnerschaft für
den Frieden, insgesamt 17 Länder, entweder in der
IFOR oder unter dem Kommando der NATO oder
werden es in Zukunft sein. Wir mußten auch ganz
deutlich machen, daß wir uns nicht in eine Situation mit
offenem Ende begeben, die ein zweites Zypern werden
könnte. Und wir mußten auch deutlich machen, daß
die Verantwortung für das Funktionieren des Friedens
genau dort liegen muß, wo die Verantwortung liegt - als
erstes bei den Menschen im ehemaligen Jugoslawien,
den Menschen in Bosnien. Und somit gingen wir
gemeinsam in dieses Land und werden es auch
gemeinsam verlassen.
Dies ist eine NATO-Operation. Unter der Führung der
NATO. Mit den Regeln der NATO für ein Engagement
und der Art der NATO, Dinge zu erledigen. Wir haben
für dieses Unternehmen außerordentliche Vorbereitungen getroffen. Wenn man ein historisches Beispiel
sucht - obwohl dieses zweifellos weniger komplex war
- wendeten wir für die Planung dieser Operation
ebensoviel Zeit auf wie für die Operation "Overlord" vor
50 Jahren. Wir haben außergewöhnlich viel Ausbildung und Mühe in andere NATO-Operationen
gesteckt, beispielsweise die Operation "Deny Flight",
um das Flugverbot über Bosnien durchzusetzen. Bis
zur Beendigung von "Deny Flight" im Dezember flogen
die NATO-Länder insgesamt 100.420 Einsätze erstaunliche Bestrebungen in der Luft. Im Rahmen
der Operation "Sharp Guard", die zwar ausläuft, aber in
begrenztem Maße immer noch in Kraft ist, um die
Blockade der montenegrinischen Küste durchzusetzen, wurden mehr als 66.000 Schiffe kontrolliert.
Ungefähr 50.000 Schiffe wurden durchsucht und etwa
1.400 umgelenkt. Sechs versuchten, die Blockade zu
umgehen, was keinem gelang. Diese Aktion haben wir
zusammen mit der WEU unternommen. Somit gingen
wir gut vorbereitet in die IFOR.
Wie unsere Befehlshaber Ihnen mitgeteilt haben

AMERIKA DIENST 05

�werden, ist das kein risiko- und kostenfreies Unternehmen, und es gab bereits einige Opfer. Die meisten
dieser Opfer resultieren jetzt - und vermutlich auch in
Zukunft - nicht von feindlichen Aktionen, obwohl das
noch eine reale Möglichkeit bleibt, sondern von der
Komplexität der Arbeit in einem so schwierigen Umfeld
- mit 3 bis 6 Millionen Minen, von denen es für viele
keinen Nachweis gibt.
Das Treffen in Rom war eine Bestandsaufnahme und
diente jedem der drei führenden Politiker auch als
Erinnerung, daß jeder einzelne von ihnen Aufgaben
hat. Das schließt die bosnische Regierung ein, die
ihrer Pflicht zur Ausweisung aller ausländischen
Streitkräfte nicht nachgekommen ist.
Sie haben
gesehen, was die NATO neulich getan hat, um unsere
genaue Haltung zu verdeutlichen.
Eines der wichtigsten Dinge, die in der IFOR im
Hinblick auf die anderen beteiligten Länder geschehen,
ist die Teilnahme von Streitkräften der Russischen
Föderation. Diese hat bereits zwischen 1.500 und
1.600 Soldaten in das Land entsandt, die als Teil der
NATO-Operation mit der amerikanischen Division
zusammenarbeiten. Während Rußland in diesem Jahr
im Hinblick auf die Wahlen einen äußerst schwierigen
und komplizierten Prozeß durchläuft - bei dem wir dem
Land alles Gute wünschen - hören wir aus diesem
Land viel über die NATO-Erweiterung. Aber wir hören
auch, daß diese russischen Streitkräfte tatsächlich in
Bosnien tätig sind - im Rahmen der Bestrebungen des
Bündnisses.
In meinem Büro ereignete sich am 8. November einer
jener Momente, an die Sie sich immer erinnern
werden, die Sie aber nicht wirklich glauben. Ein Teil
der endgültigen Planung für die IFOR war abgeschlossen, und der Plan für Befehlsarrangements
wurde paraphiert - in dem Allerheiligsten, von dem aus
wir den Kalten Krieg planten und führten. Verteidigungsminister Perry, der Oberste Alliierte Befehlshaber Europa, General Joulwan, sowie Generaloberst
Schewtsow und Marshall Gratschow waren anwesend.
Sie alle unterzeichneten ein Abkommen über die von
der NATO geführte IFOR. Manchmal kann ich immer
noch nicht glauben, daß das geschehen ist.
Natürlich bestehen die Zukunft der NATO und unser
Engagement für sie aus weitaus mehr als nur Bosnien.
Von den vielen Gründen, die uns als Bündnis zu
Aktionen veranlaßten, war einer die Erkenntnis unserer
Mitglieder, daß wir weiterhin eine grundlegende
Verantwortung haben, in unserem eigenen Interesse
dieses Bündnis zu erhalten und zu erweitern.
Als Botschafter der Vereinigten Staaten bei der NATO,
der für den Präsidenten der Vereinigten Staaten
arbeitet - derzeit ein Demokrat - freue ich mich sagen
zu können, daß wir außerordentliche Unterstützung
durch den US-Kongreß erhalten haben - aus beiden

AMERIKA DIENST 05

Lagern. Heute ist eine herausragende Delegation von
Vertretern der amerikanischen Legislative anwesend,
von denen die meisten - einschließlich Senator Roth
und dem Abgeordneten Bereuter - meines Wissens
Republikaner sind. Sie werden noch selbst das Wort
ergreifen, aber ich glaube sagen zu können, daß das
Engagement Amerikas für seine Sicherheit und seine
Werte sowie für die gemeinsame Sicherheit und die
gemeinsamen Werte auf dieser Seite des Atlantiks tief
im amerikanischen Staatsgebilde verankert sind. Wir
hatten 50 Jahre lang Erfolg, weil wir auf überparteilicher Basis vorgingen. Heute sind wir aus demselben Grund erfolgreich. Ich bin zuversichtlich, daß
dieses Engagement fortgesetzt wird - ungeachtet
dessen, wer unsere Nation regiert - sowohl im Weißen
Haus als auch im Kapitol.
Ich würde in der Tat dahingehend argumentieren, daß
dies die vordringlichste Bestrebung der neuen NATO
ist. Die Vereinigten Staaten sind in Europa präsent.
Wir sind eine europäische Macht. Es liegt in unserem
Interesse, hier zu sein. Solange Sie - unsere europäischen Freunde - dies wollen, werden wir hier sein.
Präsident Bush stellte dies bei seinen Bemühungen
eindeutig klar, den Kalten Krieg zu einem Ende zu
bringen. Und sein Nachfolger, Präsident Clinton, für
den zu arbeiten ich die Ehre habe, hat außergewöhnliche Anstrengungen zur Gestaltung der Zukunft
unternommen.
Es gibt vier große Bestrebungen. Eine besteht genau
darin, daß die Vereinigten Staaten Teil dieser Gleichung sind.
Die zweite Bestrebung ist, die Errungenschaften der
vergangenen 50 Jahre zu bewahren. Das begann
damit, die erneute Nationalisierung der Verteidigung zu
verhindern.
Es ist bemerkenswert und vielleicht
einzigartig bei allen Bündnissen der Geschichte, daß
wir am Tag nach dem Sieg nicht nur ein Glas Champagner zusammen tranken und dann jeder seines Weges
ging. Statt dessen kam jeder zur Arbeit bei der NATO
wie gewöhnlich. Wenn 16 Länder an die europäische
Sicherheit denken, denken sie an die NATO. Ja, es
gibt andere Institutionen von entscheidender Bedeutung: Die OSZE (Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa), die WEU (Westeuropäische Union), die Europäische Union, den Europarat.
Das Kernstück bildet jedoch heute wie in der Vergangenheit die NATO. Und deren Kernstück bilden heute
wie in der Vergangenheit die Führungsrolle und das
Engagement der Vereinigten Staaten.
Etwas ebenfalls Bemerkenswertes geschah während
dieser 50 Jahre - bei der NATO, der Europäischen
Union und mit den Bestrebungen einer herausragenden Gruppe von Männern und Frauen mit Vision der
vorherigen Generation, die in den 15 Ländern der
Union und einigen anderen den Krieg als Instrument
ihrer Beziehungen untereinander abschafften. Heute

Seite 3

�ist es undenkbar, daß eines dieser Länder Krieg als
eine Option ansehen würde. Und dennoch befinden
wir uns in einem Jahrhundert, das in Sarajevo mit
einem schrecklichen Vorfall begann, der zum schlimmsten Blutbad in der menschlichen Geschichte überhaupt führte. Wir sind am Ende des Jahrhunderts an
demselben Sarajevo genannten Ort angelangt zu einer
Zeit großer Hoffnungen und des Wissens, daß wir in
diesem Teil des Kontinents die erschreckende Geschichte hinter uns gelassen haben, die diesen
Kontinent bis heute heimgesucht hat.
Nummer drei: Wir sind uns auch bewußt, daß wir
weitergehen müssen, wenn wir unseren Werten und
unserer Sicherheit gerecht werden wollen. Die NATO
wurde bereits erweitert. Das geschah mit dem neuen
strategischen Konzept und der Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrats vor rund vier Jahren.
Wir - die 16 Länder - entschieden im Januar 1994
unter Präsident Clintons Führung, daß die NATO neue
Mitglieder aufnehmen wird.
Diese Entscheidung
wurde getroffen. Es ist jedoch keine Entscheidung, die
in der Luft hängt. Sie gründet auf der Erkenntnis der
Bedeutung, die unsere Hilfestellung für die Gesellschaften Zentraleuropas zur Übernahme des ihnen
angemessenen Platzes im Westen und innerhalb der
großartigen Institutionen des Westens hat.
Es gibt eine Parallele zum Marshallplan. Churchill
bezeichnete ihn als "den am wenigsten schmutzigen
Akt in der Geschichte". Er war jedoch auch ein
strategischer Akt in dem Bemühen, den Ländern beim
Aufbau oder der Schaffung von Demokratie und dem
Wiederaufbau von Volkswirtschaften behilflich zu sein.
Was wir und die NATO heute in Zentraleuropa tun, ist,
den Ländern, die sich der sowjetischen Macht und
Dominanz entledigt haben, Hoffnung zu vermitteln,
daß ihre Bestebungen zum Aufbau freier Gesellschaften Erfolg haben können. Als ein Bündnis sind
wir verpflichtet, eine entscheidende Rolle dabei zu
spielen.
Nummer vier: Wir alle verstehen sehr wohl, daß es ein
Land gibt, dessen Zukunft bei der Entscheidung von
wesentlicher Bedeutung ist, ob wir auf unbegrenzte
Zeit Frieden und Hoffnung haben werden, oder ob wir
einen weiteren Zyklus von Krisen und vielleicht sogar
Konflikten durchlaufen müssen - und das ist Rußland.
Wir haben ein entscheidendes, wenn nicht sogar
lebenswichtiges Interesse am Erfolg des russischen
Experiments in Demokratie, sozialem Wandel, der
Einführung einer Marktwirtschaft und dem Engagement
in der Welt und für die europäische Sicherheit, bei der
das Land eine uneingeschränkte und legitime Rolle
übernehmen soll. Die NATO ist mit dem Aufbau von
Beziehungen zu Rußland befaßt.
Als wir über die Bewältigung dieser vier Herausforderungen sprachen und uns auf die Aufnahme
neuer Länder vorbereiteten, sahen wir uns mit fünf

Seite 4

größeren Problemen konfrontiert.
Nummer eins
bezieht sich direkt auf Sie: Die Aufnahme eines neuen
Mitglieds ist nicht etwas, das mein Präsident oder
irgendein Ministerpräsident vornimmt. Sie wird von
Ihren 16 Parlamenten vollzogen. In den Vereinigten
Staaten handelt es sich dabei um einen Vertrag, der
zwei Drittel der abgegebenen Stimmen des amerikanischen Senats erfordert. Das ist ein feierlicher Akt.
Die NATO verfaßt keine Verträge, die nur auf dem
Papier bestehen. Wir wiederholen nicht die zwanziger
und dreißiger Jahre. Wenn wir eine Verpflichtung
eingehen, müssen wir es meinen, und das beginnt mit
Ihnen. Wir dürfen nicht scheitern.
Zweitens und teils um Ihnen zu demonstrieren, was
getan werden sollte, müssen die Länder, die der NATO
beitreten wollen, Produzenten und nicht nur Konsumenten von Sicherheit sein. Es gibt weder eine
kostenlose Fahrt noch ein kostenloses Essen.
Nummer drei: Wir werden die Länder einzeln und
Schritt für Schritt in die NATO aufnehmen. Wir haben
noch keine Entscheidung getroffen, um welche Länder
es sich handelt und wann genau dieser Schritt unternommen wird. Zweifelsohne haben wir keine Grenze
bezüglich des Beitritts gesetzt. Aber unabhängig
davon, wieviele Länder wir aufnehmen, werden einige
es nicht am ersten Tag und einige niemals schaffen.
Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun um
sicherzustellen, daß wir mit der Aufnahme eines
Mitglieds nicht ein anderes ausgrenzen, weil wir das
Konzept von Grauzonen, Pufferstaaten, Einflußsphären und auch des Kräftegleichgewichts ablehnen, wie
es hier in Westeuropa möglich war.
Nummer vier: Wir wollen die NATO erweitern, ohne
eine neue Trennlinie in Europa zu ziehen. Wir brauchen keinen neuen Eisernen Vorhang.
Und letztens - wenn wir können, wollen wir die NATO
erweitem, ohne die Bemühungen von Demokraten
überall auf der Welt zu unterminieren, einschließlich
der Demokraten in Rußland.
In Bosnien lernen wir sehr viel. Wenn alles mit den
russischen Streitkräften dort klappt, dann können wir
dem russischen Militär sagen, daß es eine legitime
Rolle in Europa spielen muß und die Zukunft des
Landes nicht daran gemessen wird, was wir in Tschetschenien gesehen haben. Ich werde dem russischen
Volk sagen, daß es nicht ausgegrenzt, isoliert und
niedergeschlagen wird wie Deutschland im Jahr 1919.
Statt dessen sagen wir den Russen, daß sie eine
legitime Rolle haben, die sie übernehmen und richtig
spielen müssen, wie wir es Deutschland 1946 gesagt
haben. Die von den russischen Truppen in Bosnien
übernommene Rolle wird Boris Jelzin und seinen
Verbündeten auch vermitteln, daß sie recht hatten,
Beziehungen zum Westen aufzubauen.

AMERIKA DIENST 05

�Was wir mit den Partnern für den Frieden in der IFOR
lernen, ist ein ebenso präzises und praktisches
Lernexperiment dessen, was es heißt, ein NATOVerbündeter zu sein. Es wird uns bei der Anpassung
an das Bündnis behilflich sein. Wir müssen Dinge tun,
die uns helfen, beweglicher, effektiver, effizienter und
flexibler zu sein. Wir müssen durch schlankere,
effektivere Befehlssysteme Geld sparen. Wir tun es
auch aus einem weiteren Grund, als Teil einer der
wichtigsten Entwicklungen, die sich jetzt vollziehen dem erneuten Engagement Frankreichs für die
militärische Seite des Bündnisses. Wir passen uns an,
um auch dies zu ermöglichen. Wir müssen Frankreich
zu seinem Vorgehen beglückwünschen, denn seine
Rolle in Bosnien unterscheidet sich nicht von der jedes
anderen Verbündeten. Und zweifelsohne begrüßen
wir sie.
Die NATO hat drei große Projekte in Angriff genommen, mit denen die fünf Probleme bewältigt werden
sollen. Erstens die Erweiterung selbst. Wir haben die
gründliche Analyse - das "Wie" und "Warum" - aus
zwei Gründen vorgenommen. Wir mußten allen
Ländern sagen, welche Vorteile sie haben, wenn sie
der NATO beitreten und Verbündete werden wollen,
aber auch, was sie tun müssen. Die Studie war darauf
ausgelegt, auch uns zu sagen und uns zu vermitteln,
was wir tun müssen, damit wir ebenso stark sein
können und werden wie heute, wenn - nicht falls,
sondern wenn - wir 17, 18, 19 oder wer weiß wieviele
Verbündete sind.
Dieses Jahr gehen wir über die Studie hinaus und
leiten individuelle, eingehende Dialoge mit den Partnern ein, um herauszufinden, was genau sie tun und
was genau sie tun müssen, damit sie so viel wie
möglich über uns erfahren und vice versa und wir die
erforderliche Arbeit fortsetzen können, damit sie gute
Verbündete werden. Wir passen auch das Bündnis
weiter an.
Das zweite große Unterfangen ist die Partnerschaft für
den Frieden (PFF). Sie wird vielfach unterschätzt, ist
jedoch wahrscheinlich das Wichtigste, das die NATO
seit einer Generation unternommen hat. 27 Länder
sind beigetreten, aber offenkundig unterscheiden sie
sich voneinander. Einige arbeiten hart daran, andere
weniger hart. Das wußten wir, als wir die PFF ins
Leben riefen. Jedes Land unterzeichnet dasselbe
Rahmenabkommen und bereitet ein individuelles
Partnerschaftsprogramm vor. Die Vertreter dieser
Länder kommen in unser NATO-Gebäude. Sie gehen
zur Partnerschafts-Koordinierungszelle bei SHAPE.
Ironischerweise arbeiteten sie zuerst in einem Gebäude, das für das Vorgehen des Bündnisses im Falle
einer zweiten Berlin-Blockade gebaut worden war, falls
dieses erforderlich geworden wäre. Einige dieser
Offiziere des ehemaligen Warschauer Pakts fanden
ihren Arbeitsplatz hinter einem zur Erinnerung aufgestellten Teil der Berliner Mauer - und taten das Gegen-

AMERIKA DIENST 05

teil dessen, was sie während des Kalten Krieges getan
hatten. Es war eine Ironie des Schicksals.
Die PFF-Partner üben mit uns, sie nehmen unsere
Standards an, lernen, wie man auf parlamentarische
Kontrolle reagiert und gehen mit uns nach Bosnien.
Länder, die Mitglied der Partnerschaft für den Frieden
sind, können ständiger Bestandteil der NATO-Familie
werden, und wenn sie nicht die volle Mitgliedschaft
erhalten, werden sie feststellen, daß sie in der Partnerschaft für den Frieden einen Großteil dessen bekommen, was sie wirklich für die Sicherheit benötigen.
Und schließlich entwickeln wir die Beziehungen
zwischen der NATO und Rußland auf direktem Wege.
Wir wissen, daß wir dies tun müssen, und wurden
auch von vielen unserer zentraleuropäischen Partner
darum gebeten. Vaclav Havel aus der Tschechischen
Republik hat dies vielleicht am deutlichsten mit folgenden Worten formuliert: "Ich möchte, daß es eine NATO
wird, die Rußland einbezieht, damit wir hier gemeinsam etwas Konstruktives aufbauen können." In der
NATO werden die Russen ein Stimmrecht haben, aber
- um Mißverständnissen vorzubeugen - niemand kann
sein Veto gegen NATO-Entscheidungen einlegen. Die
NATO wird die offizielle Erweiterung vorantreiben. Wir
beschleunigen sie weder, noch verzögern wir sie.
Unsere Fortschritte sind sorgfältig geplant, offen und
effektiv beim Aufbau der erforderlichen Unterstützung,
und wir erbitten Hilfe von den in diesem Raum Anwesenden. Rußland ist der Partnerschaft für den Frieden
um des Friedens willen beigetreten. Wir unterhalten
besondere Konsultationen. Rußland hat uns am
vergangenen Donnerstag das Dokument für die
offizielle Beteiligung an der IFOR vorgelegt: Die
"Theorie", die der "Praxis" folgt. Und wir werden auf
diese Beziehungen in dem Maße aufbauen, in dem
Rußland bereit und willens und in der Lage ist, dies zu
tun.
Dies sind die drei großen Projekte, die wir in der NATO
in Angriff genommen haben. Unserer Schätzung nach
führen sie zu einer klaren Perspektive bezüglich des
Aufbaus einer Zukunft in Sicherheit hier.
Ein letztes Wort. Ich möchte nochmals auf das
zurückkommen, was ich eingangs erwähnte und
warum wir von Ihnen Leitung, Führung und Unterstützung erwarten. Sine qua non - das ist die unerläßliche
Voraussetzung. Wir in der NATO sehen uns mit einer
großen Herausforderung konfrontiert, die auch eine
gewisse Furcht enthält, während wir das Urteil der
Geschichte abwarten. In einer Generation wird die
Welt auf das zurückblicken, was wir in diesem Raum
und andernorts jetzt tun, und sagen: "Ihr habt es richtig
gemacht", oder "Ihr habt versagt". Ich bin zuversichtlich, daß die Geschichte angesichts dessen, was ich in
den vergangenen drei Jahren in der NATO und in
diesem Nordatlantikrat gesehen habe, am Ende
urteilen wird: "Gut gemacht".

Seite 5

�Ich danke Ihnen sehr für die Gelegenheit, heute
morgen bei Ihnen sein zu können. Ich gratuliere Ihnen
zu Ihrem Engagement für unser gemeinsames Enga-

gement und unsere gemeinsamen Werte.
Vorsitzender, ich danke Ihnen,

Herr

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 05

�FULBRIGHT
6. März 1996

Die Vision des Senators für Amerika und die Welt
Rede von USIA-Direktor Duffey

FAYETTEVILLE - (AD) - Zum Gedenken an den früheren Senator von Arkansas und Verfasser des nach ihm
benannten Programms für Öffentlichkeitsarbeit, J. William Fulbright, hielt der Direktor des US-Informationsamts
(United States Information Agency - USIA), Joseph D. Duffey, bei einer Feierstunde am 28. Februar 1996 in
Fayetteville (Arkansas) nachfolgende Rede.

Das Fulbright-Programm wurde zu einer Zeit ins Leben
gerufen, die in vieler Hinsicht der jetzigen gleicht. Im
Jahr 1946 waren die Vereinigten Staaten gerade
siegreich aus einem langen, schwierigen Krieg
hervorgegangen und verspürten zu Recht ein Gefühl
des Triumphes - sie waren optimistisch bezüglich der
Zukunft sowohl im Hinblick auf die eigenen Aussichten
als auch die Möglichkeiten der Gestaltung einer neuen
Weltordnung. Senator Fulbright zählte zu den hoffnungsvollsten Personen des öffentlichen Lebens jener
Zeit und sprach bei jeder Gelegenheit die Empfehlung
aus, daß die Vereinigten Staaten die Führungsrolle bei
der Schaffung von Programmen und Organisationen
übernehmen sollten, die das Risiko wiederkehrender
Konflikte - ähnlich dem Zweiten Weltkrieg - verringern
könnten.
Aber ebenso wie heute machten sich beunruhigende
Befürchtungen breit - obwohl Sieg das ganze Land
erstrahlen ließ. Die Welt war immer noch ein gefährlicher Ort - damals wie heute hat die Schlichtung eines
großen Kampfes eine Vielfalt neuer und unerwarteter
Herausforderungen ausgelöst. Im Jahr 1946 lastete
die Furcht vor dem Kommunismus und der nuklearen
Vernichtung schwer auf dem Land. Senator Fulbright
hatte immer behauptet, daß die Atombomben von
Hiroshima und Nagasaki der Katalysator waren, der
seine Gedanken auf die Schaffung eines internationalen Austauschprogramms konzentrierte. Er nahm
die Warnung Albert Einsteins ernst, der schrieb, daß
"wir uns eine neue Denkweise zulegen müssen, wenn
die Menschheit überleben soll". Für Fulbright mußte
diese neue Denkweise die Änderung der Sichtweise
von Nationen zueinander beinhalten, und diese
Änderung durfte nicht auf der abgehobenen diplomati-

AMERIKA DIENST 05

schen Bühne stattfinden, auf der sich die internationalen Beziehungen für gewöhnlich entfalten,
sondern zwischen den Bürgern der vielen Nationen
der Welt. Nur der umfangreiche persönliche Austausch von Ideen, Kulturen und Geschichte vermittelte
Fulbright "eine gewisse Hoffnung, daß die menschliche
Rasse nicht Selbstmord begeht".
William Fulbrights Hoffnungen, daß sein Programm
das gegenseitige Verständnis weltweit vertiefen
könnte, gründeten sich auf seine eigenen äußerst
persönlichen Erfahrungen als Rhodes-Stipendiat in
den zwanziger Jahren, die ihn entscheidend prägten.
Obwohl Bill Fulbright seine Heimatstadt Fayetteville in
Arkansas liebte, erkannte er, daß ein Ort allein nicht
die Lektionen lehren kann, die unterschiedliche
Kulturen und Traditionen auf der ganzen Welt bieten
können. Ein einziger Ort ist stets per definitionem
provinziell - sei es Fayetteville, Paris, Oxford oder
Washington. Aber die Summe der Erfahrungen all
dieser Orte vermittelte Fulbright die Einsichten zum
Vermächtnis des einzelnen, das durch Auslandsaustausch erworben werden kann. Seine in Europa
gemachten Erfahrungen erweiterten seinen Horizont er war beeindruckt von der Komplexität der Weltgeschichte und der Kulturen. Vor allem hatten seine
Kontakte zu vielen unterschiedlichen Menschen die
Erkenntnis genährt, daß Amerikas Zukunft letztlich mit
der Zukunft der Weltgemeinschaft verbunden ist.
Die Geschichte des Fulbright-Austauschprogramms
erscheint wie ein Roman in unserer Zeit der Haushaltsengpässe und einem Umfeld, in dem weithin die
Meinung vertreten wird, daß die Regierung wenig zur
Verbesserung der Gesellschaft beitragen kann. Am

Seite 1

�27. September 1945 erhob sich der frischgebackene
Senator aus Arkansas im Senat und erbat von der fast
leeren Kammer die ungeteilte Zustimmung, Kredite aus
Reparationszahlungen und Rückzahlungen aus
Auslandsanleihen zur Finanzierung eines akademischen Austauschprograms zu verwenden. Die
Gesetzesvorlage ging praktisch unbemerkt durch den
Kongreß und erhielt bei jeder Abstimmung einhellige
Unterstützung. An der Seite von Präsident Truman
wohnte Fulbright im August 1946 der Unterzeichnung
des Gesetzes bei, das seinen Namen zum Synonym
für internationalen Goodwill und intellektuelle Offenheit
über die Grenzen hinweg machte. Der offizielle Zweck
des Gesetzes war und ist "die Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses zwischen den Menschen in
den Vereinigten Staaten und den Menschen in anderen Ländern". Weder die Wohlhabenden noch die Elite
oder die Gelehrten sind die Hoffnungsträger für die
Verbesserung des internationalen Friedens, sondern
die Menschen aller Nationen. Nur indem die Möglichkeit des internationalen Verständnisses so weit wie
möglich verbreitet wird, konnte das Programm Senator
Fulbrights Überzeugung zufolge eine Chance haben,
jahrhundertealte Vorurteile und Mißtrauen zu überwinden. Später sagte er über das Programm, das
seinen Namen trug: "Es ist ein bescheidenes Programm mit einem unbescheidenen Ziel - der Einführung eines zivilisierteren, rationaleren und menschlicheren Regimes in internationalen Angelegenheiten...
Ich habe von Anfang an an diese Möglichkeit geglaubt
und tue es immer noch."
Gegen Ende seines Lebens gelangte Senator Fulbright
zu der Auffassung, das Fulbright-Programm sei nach
dem Ende des Kalten Krieges vielleicht noch notwendiger als auf dem Höhepunkt der amerikanisch-sowjetischen Spannungen. Im Gegensatz zu jenem Zeitalter,
in dem die Welt in zwei Glaubensrichtungen gespalten
war, leben wir heute in einer "multipolaren" Welt, in der
das Verständnis nuancierter Unterschiede zwischen
Kulturen von zunehmender Bedeutung ist.
Die
Beziehungen zwischen Ländern werden nicht länger
durch einige wenige Supermächte diktiert, sondern
vielmehr durch unzählige nicht greifbare und komplexe
Faktoren. Noch 1992 forderte Senator Fulbright den
Kongreß auf, das Engagement für das FulbrightProgramm zu bewahren, da es ein wichtiger Weg zum
Verständnis zwischen komplizierten Kulturen sei und
durch den Abbau von Barrieren zwischen Nationen
mehr denn je zur Sache des internationalen Friedens
beitragen könne. Bei jener Gelegenheit sagte er: "Die
größte Macht solcher Austauschprogramme ist
vielleicht, daß sie Nationen in Menschen verwandeln
und Ideologien in menschliches Streben umsetzen."
Seit der Einführung des Fulbright-Programms gingen
über 70.000 Amerikaner im Rahmen des Austauschprogramms ins Ausland, und es ermöglichte 130.000
Ausländern, die Vereinigten Staaten kennenzulernen.
Das Programm ist umfassend und bezieht Studenten

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und Dozenten aus mehr als 500 amerikanischen
Colleges und Universitäten aus jedem Bundesstaat ein
sowie Grundschullehrer und Vertreter aller Berufe und
Schichten. Ausländische Studenten und Wissenschaftler von nahezu 700 ausländischen Institutionen
sind an rund 300 amerikanische Colleges und Universitäten in 46 Bundesstaaten gekommen und haben
damit Hunderttausenden die Möglichkeit verschafft,
aus erster Hand Erfahrungen mit dem noch unbeendeten Projekt der amerikanischen Demokratie zu machen.
Die Liste prominenter Teilnehmer am FulbrightProgramm ist zu lang um sie aufzuführen, aber unter
ihnen sind Universitäts-Rektoren, mit dem Nobelpreis
ausgezeichnete Wirtschafts- und Naturwissenschaftler,
Musiker, Schauspieler und ja, auch Politiker. Senator
Fulbright sah ein Programm voraus, das die führenden
Vertreter der Gesellschaft zur Förderung von Frieden
und Verständnis unter den Nationen anregen sollte.
Aber er sah das Programm auch als etwas, das die
Gesellschaft bewegen würde, wenn die Teilnehmer
ihre Erfahrungen einem immer größer werdenden
Kreis von Menschen vermittelten. Er hegte keinen
Zweifel, daß die durch Kontakte zu fremden Menschen
und Kulturen gelernten Lektionen nicht nur eine
Bereitschaft unter den Teilnehmern schaffen würden,
die umfassendere Sichtweise zu teilen, die sie aus der
sogenannten "Fulbright-Erfahrung" gewonnen hatten,
sondern auch eine brennenden Leidenschaft wecken
würden, andere von der Bedeutung dieser Erfahrung
zu überzeugen.
Der Prozeß der Entdeckung ist ein zentrales Merkmal
der Fulbright-Erfahrung: Die Entdeckung kultureller
Unterschiede, fundamentaler menschlicher Ähnlichkeit
und der quälenden, aber voreiligen Erkenntnis, daß die
eigenen grundlegenden Überzeugungen von Moral,
Politik und dem Sinn des Lebens nicht die vielfältigen
Möglichkeiten des menschlichen Lebens umfassen.
Senator Fulbright hoffte, daß das Austauschprogramm
ein Destillat der größten Qualitäten der Bildung sein
würde:
Der konstanten Herausforderung einer
Neudefinition der eigenen Annahmen, die erschütternde Erfahrung, die das Bekannte plötzlich fremd
erscheinen läßt und die brillante Eröffnung neuer
Sichtweisen. Obwohl William Fulbright stets der
Überzeugung war, daß gute Institutionen von zentraler
Bedeutung für eine gute Gesellschaft sind - wie man
beispielsweise seinem leidenschaftlichen Engagement
für die Vereinten Nationen und seinen lebenslangen
Versuchen zur Reform der Institutionen der USRegierung entnehmen kann - vertrat der Senator auch
die Auffassung, daß gute Institutionen allein unzureichend sind, wenn ein Land nicht rechtschaffene,
gebildete Staatsbürger hat.
Die Ziele der Bildung waren für Senator Fulbright klar
definiert. Vor dem Hintergrund der wachsenden
Betonung von Bildung als vorberuflicher Bildung wies

AMERIKA DIENST 05

�er die Betonung der beruflichen Bildung zurück, die wie er es formulierte - "das Gehirn in Geld umwandelt".
Vielmehr betrachtete er Bildung als großartiges
staatsbürgerliches Projekt, als einzigen Weg zur
Förderung staatsbürgerlicher Tugenden wie Dienst an
der Öffentlichkeit, zivilisiertes Verhalten anderen
gegenüber, Toleranz, Anstand und Gleichberechtigung. Es ist besonders lehrreich, sich Senator
Fulbrights Überzeugung vor Augen zu halten, daß es
in einer Demokratie keine bedeutendere Berufung gibt
als die eines Staatsbeamten. In seiner ersten Rede
als Rektor der University of Arkansas erklärte er:
"Meines Erachtens können Schulen durch die richtige
Betonung der richtigen Fächer den Schülern die
Bedeutung guter Regierungsführung verdeutlichen, sie
lehren, daß Politik der ehrenhafteste aller Berufe sein
kann und die Besten unter ihnen zu einer Laufbahn in
der Politik veranlassen." William Fulbrights Worte, sein
Werk und sein Leben widerlegen den vorherrschenden
Zynismus, der sich gegenwärtig gegen Politik und
Staatsbeamte richtet und sollte als Erinnerung dienen,
daß Bildung und eine gesunde Gesellschaft eng
miteinander verbunden sind.
Fulbright setzte überall große Hoffnung auf die Bildung, hielt sie in einer Demokratie jedoch für besonders wichtig. Nach dem Sieg der Vereinigten
Staaten im Kalten Krieg behaupteten manche, Demokratie sei die einzige Regierungsform, die in der
Zukunft Bestand haben könne. William Fulbright
zeigte sich jedoch nie zufrieden mit der Demokratie.
Vielmehr war er der Überzeugung, daß Demokratie
beständige und große menschliche Bestrebungen
erfordert, um weiterhin erfolgreich zu sein. Im Senat
äußerte er einmal: "Gott hat nicht verfügt, daß unsere
Regierungsform erfolgreich sein wird, und es gibt auch
keine historischen Beweise zur Untermauerung der
These, Demokratie sei die natürliche Gesellschaftsform." Er fuhr fort: "Unsere Regierungsform ist das
Produkt großartiger menschlicher Bestrebungen. Sie
wurde von unseren Vorvätern in der Erkenntnis
geschaffen, daß der Mensch gut, aber auch eine
Bestie sein kann. Es werden immer kluge Taten der
Menschen erforderlich sein, um zu verhindern, daß die
Bestie überhand nimmt."
Senator Fulbright war davon überzeugt, daß die für
den Erhalt der demokratischen Struktur erforderliche
Klugheit nur durch ein starkes System staatsbürgerlicher Erziehung erhalten werden kann. Seine Unterstützung für ein internationales Austauschprogramm
war nur eine Facette seiner Überzeugung, daß
Vorurteile und Mißtrauen überwunden und statt dessen
gegenseitiges Verständnis gefördert werden können,
wenn die Menschen einander nicht so fremd sind. Die
potentiellen Schranken zwischen den Menschen auf
der internationalen Bühne waren beängstigend, aber
er erachtete die Schranken zwischen den Menschen
innerhalb eines Landes als keine geringere Herausforderung. Als Fulbright älter, die Nation heterogener

AMERIKA DIENST 05

und weniger geeint wurde und die politische Rhetorik
an Schärfe zunahm, wuchs seine Überzeugung, daß
die Demokratie nur erhalten werden kann, wenn die
Menschen bei ihren Gesprächen eine gemeinsame
Grundlage haben - inspiriert durch eine Erziehung zu
zivilisiertem und staatsbürgerlichem Verhalten.
Obwohl Senator Fulbright immer ein engagierter
Weltbürger war, überraschte er seine Anhänger
bisweilen durch seine Kritik an der von ihm als missionarisch empfundenen Geisteshaltung Amerikas - dem
eifrigen Streben nach Lösung der weltweiten Probleme, das seines Erachtens oftmals auf Kosten der
demokratischen Gesundheit Amerikas ging.
In seinen späteren Reden und Büchern äußerte
Senator Fulbright zunehmend Kritik an der selbst
auferlegten Rolle der Vereinigten Staaten als Retter
der Welt. In seinem Buch "Wahn der Macht" (The
Arrogance of Power, 1966) schrieb er: "Eine exzessive
Beschäftigung mit auswärtigen Beziehungen ... lenkt
eine Nation von den Quellen ihrer Stärke ab - ihren
inneren Angelegenheiten." Sein Widerstand gegen
den Vietnamkrieg gründete in dieser Überzeugung.
Als internationaler Pragmatiker war er der Ansicht, daß
Amerika bei der Wahl seiner Schlachten klug vorgehen
müsse und die Vorteile des Krieges größer sein
müßten als der dadurch angerichtete Schaden. Seiner
Meinung nach war der Vietnamkrieg unnötig - nicht nur
für die Weltpolitik, sondern auch wegen seines zu
hohen Preises für die Amerikaner - sowohl in Form von
Soldaten als auch der Zerstörung des nationalen
Konsenses.
Er machte sich Sorgen, daß Amerika allzusehr wie ein
überragendes Imperium handelte - seine Regierenden
buchstäblich herumpfuschten, während die Nation
brannte. Er schrieb, "eine ehrgeizige Außenpolitik auf
einer sich verschlechternden Grundlage ist nur eine
begrenzte Zeit lang möglich.... Amerika wird irgendwann ein Desaster erleben, wenn wir nicht unser Haus
in Ordnung bringen oder, genauer gesagt, nicht die
Arbeit wiederaufnehmen, unsere Kinder zu erziehen,
die Armut zu bekämpfen, unsere Städte zu erneuern
und unsere Umwelt zu säubern." Wir brauchen uns
nicht den Isolationismus einiger extremer Kritiker des
gegenwärtigen Internationalismus zu eigen machen,
um mit Senator Fulbright darin übereinzustimmen, daß
jetzt - nach dem Ende des Kalten Krieges - eine echte
Neuüberprüfung der Prioritäten unserer Nation und
des politischen Kurses erforderlich ist, selbst wenn das
eine verringerte Betonung der Führungsrolle Amerikas
in der Welt beinhaltet.
Senator Fulbrights Überzeugung, daß Amerikas
oberste Verantwortung seine innenpolitische Gesundheit ist, war letztlich ein Spiegelbild seiner Ansicht, daß
Amerika nicht durch die Kraft seiner Waffen, sondern
durch die Kraft seines Beispiels eine Führungsrolle in
der Welt übernehmen konnte. Er schrieb: "Wenn die
Vereinigten Staaten der Welt einen Dienst zu leisten

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�haben ... ist es großenteils ein Dienst durch das von
ihnen gegebene Beispiel." Für Senator Fulbright gab
es keine einfache Trennung zwischen Innenpolitik und
internationalen Beziehungen. Die beiden waren eng
miteinander verbunden, und eine Nation, die nicht ein
friedliches, erfülltes, bewunderungswürdiges innenpolitisches Leben aufweisen konnte, hätte wenig
Hoffnung, durch ihr Beispiel Vertrauen zu erwecken.
Er zitierte gerne Edmund Burke, der geäußert hatte,
"das Beispiel ist die Schule der Menschheit, und sie
lernt durch nichts anderes".
Es war besonders wichtig für Demokratien, durch die
Kraft ihres Beispiels zu führen, denn Demokratie
basiert auf einer Reihe von Ideen zu Menschenrechten, Gleichheit und Freiheit. Seit der Unabhängigkeitserklärung - die teilweise mit "dem gebührenden
Respekt für die Meinungen der Menschheit" im
Hinterkopf verfaßt wurde - waren die Vereinigten
Staaten stets zu Recht bemüht, andere Nationen von
den herausragenden Errungenschaften des demokratischen Projekts Amerikas zu überzeugen. Diese
Erfordernis, immer auf die "Meinungen der Menschheit" zu achten, war auch Teil der Motivation des
Fulbright-Austauschprogramms.
Zu den wenigen
Kritikern des Programms zählte Senator Kenneth
McKellar aus Tennessee, der Fulbright nach der relativ
reibungslosen Verabschiedung des Gesetzes gegenüber äußerte "das ist ein sehr gefährliches Gesetzeswerk... Sie bringen unsere Jungen und Mädchen
dorthin und setzen sie Formen des ausländischen
'-ismus' aus." Senator Fulbright antwortete, durch die
Ermutigung einer Verbreitung amerikanischer Kultur
und Werte auf der ganzen Welt würde mehr für die
Förderung von Demokratie getan, als mit Waffen je
erreicht werden könnte.

Senator Fulbright wurde in den Jahren unter Senator
McCarthys Terrorregime Zeuge des Schadens, den
sogenannte Patrioten anrichten können, die eine
unreflektierte Liebe zu Amerika verlangen. Er war der
Ansicht, daß die Institutionen der Vereinigten Staaten,
ihre philosophischen Überzeugungen und Bürger
widerstandsfähig genug waren, um Fragen und
Herausforderungen von innen standhalten zu können.
Tatsächlich war er letztlich der Meinung, Amerikas
große Stärke bestehe darin, daß seine Bürger ihr Land
so sehr liebten, um es ständiger Verbesserung für
würdig zu erachten. Ihm zufolge ist es ein Zeichen der
"politischen und intellektuellen Gesundheit eines
Landes (daß Bürger ihrer Meinung Ausdruck verleihen
dürfen) mit Freiheit und Offenheit". Teil der Idee für
das Fulbright-Austauschprogramm war nicht nur, der
Welt die großartigen Errungenschaften und das
Potential Amerikas vor Augen zu führen, sondern
auch, die Amerikaner zur Erprobung alternativer
Visionen von gutem Leben in anderen Kulturen zu
ermutigen. Ich glaube nicht, daß irgendein FulbrightStipendiat von seinem Auslandsaufenthalt mit einer
Gehirnwäsche durch ausländische '-ismen" zurückkehrte - die Befürchtung von Senator McKellar.
Meines Erachtens sind fast alle Teilnahmer am
Fulbright-Programm mit einer größeren Wertschätzung
für Amerikas Stärken sowie einem Bewußtsein für
seine Mängel zurückgekehrt. Vor allem flößt ihnen die
Fulbright-Erfahrung großen Respekt für die Tatsache
ein, daß es in Amerika nicht nur ein Recht, sondern
eine Pflicht darstellt, sich nicht auf seinen Lorbeeren
auszuruhen, sondern Amerika immer wieder an seinen
eigenen hohen Maßstäben zu messen. Diese Maßstäbe, die sich das Land selbst setzte, waren auch die
Motivation für das Leben und Wirken von Senator J.
William Fulbright.

Obwohl er weiterhin großes Vertrauen in die Anziehungskraft der Demokratie setzte, wenn diese offen mit
anderen Ideologien konkurrieren darf, erachtete
Senator Fulbright das Austauschprogramm nie als
Werbekampagne für amerikanische Werte. Seiner
Meinung nach forderte das Vertrauen in die höchsten
Ideale Amerikas diejenigen, die Amerika lieben, auch
dazu auf, notfalls zum Kritiker Amerikas zu werden. Er
schrieb: "Sein Land zu kritisieren heißt, ihm einen
Dienst zu leisten und ihm Ehre zu erweisen... Kritik ist
mehr als nur ein Recht. Sie ist ein patriotischer Akt,
eine höhere Form des Patriotismus."

Nicht weit entfernt von dem Ort, an dem wir heute
zusammengekommen sind, steht eine Büste des
Senators, unter der die Worte eingraviert sind: "In der
Schönheit dieser Gärten ehren wir die Schönheit
seines Traums: Frieden unter den Nationen und freier
Austausch von Wissen und Ideen auf der ganzen
Erde." Wohl jeder von uns möchte ein solches
Vermächtnis hinterlassen, aber nur wenige verfügen
über den Elan, die Standhaftigkeit und Vision. Senator
Fulbrights Vision war tatsächlich klar und weitblickend.
Wir ehren das Andenken an ihn durch unser fortgesetztes Engagement für diese Vision.

*

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 05

�NACHRICHTENDIENSTE
6. März 1996

Diplomatische Berichterstattung ist
wertvolle Nachrichtenquelle
Erklärung von Abteilungsleiterin Toby Gati

WASHINGTON - (AD) - Die Berichterstattung des Auswärtigen Dienstes stellt bei den meisten Bedrohungen die
kostengünstigste und risikoärmste Nachrichtenquelle dar, erklärte die Abteilungsleiterin für nachrichtendienstliche
Informationen und Forschung, Tobi Gati, am 22. Februar 1996 vor Kongreßabgeordneten.
In einer Anhörung vor dem Sonderausschuß des Senats für Nachrichtendienste äußerte Gati, diplomatische
Vermittlung und gezielte Auslandshilfe seien der naheliegendste und kostengünstigste Weg für den Umgang mit
Bedrohungen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Abteilungsleiterin Gati in Auszügen.

Herr Vorsitzender, Herr Senator, es ist mir eine Ehre,
Ihnen die Ansichten der Abteilung für Nachrichtendienste und Forschung des Außenministeriums zu den
derzeitigen und prognostizierten weltweiten Bedrohungen unserer nationalen Interessen darlegen zu
dürfen. In seinem Bericht zur Lage der Nation definierte Präsident Clinton sieben Bedrohungen der
Sicherheit und nationalen Interessen der Vereinigten
Staaten: Terrorismus, Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen,
organisiertes
Verbrechen,
Drogenhandel, ethnisch und religiös bedingter Haß,
verbrecherische Staaten und Umweltzerstörung.
Diese sieben Bedrohungen sind unsere oberste
Priorität. Sie stellen unsere unmittelbarsten Gefahren
dar, auf die Dr. Deutch, General Hughes und ich uns
heute konzentrieren werden. Bedrohungen dieser Art
beinhalten die Aktionen feindlicher Staaten und
Gruppen oder transnationale Phänomene mit globalen
Konsequenzen (z.B. Drogenhandel und Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen). Solche
Bedrohungen werden jetzt weithin anerkannt und
ziemlich gut verstanden. Die Nachrichtendienste
leisten einen wertvollen Beitrag zu unserer nationalen
Sicherheit, indem sie diese Bedrohungen gezielt
zusammentragen und analysieren.
Es gibt eine zweite Art von Bedrohung, die oft nicht
erkannt wird - ähnlich dem Hund von Sherlock Holmes,

AMERIKA DIENST 05

der nicht bellte. Solche Bedrohungen entstehen durch
verpaßte oder ungenutzte Chancen zur Förderung
unserer nationalen Tagesordnung. Wenn wir diese
Gelegenheiten nicht erkennen oder unbegründete und
fehlgeleitete Strategien verfolgen, könnten wir existierende Gefahren vergrößern oder neue schaffen. Die
Nachrichtendienste können eine elementare Rolle bei
der Identifizierung von Möglichkeiten für diplomatische
Vermittlung übernehmen und unsere Politiker wesentlich bei ihrem Bemühen um die Lösung von Problemen
unterstützen, bevor diese amerikanische Bürger,
Soldaten oder Interessen gefahren sowie bei ihrem
Bemühen um die Aushandlung von Lösungen für
drängende Probleme. Das ist die Essenz von "Nachrichtendiensten zur Unterstützung der Diplomatie" - ein
oftmals ignorierter aber wesentlicher Bestandteil
unserer nationalen Sicherheit.
Unsere in Bosnien und Nordkorea gemachten Erfahrungen unterstreichen die Bedeutung der Nachrichtendienste bei der Unterstützung von Diplomatie und die
entstehenden Konsequenzen, wenn wir die diplomatischen Chancen nicht sofort ergreifen.
Ähnliche
Gelegenheiten für die Konfliktlösung bestehen auch
andernorts. Wesentlich ist, daß wir den Augenblick
nutzen, um Probleme auf dem Verhandlungsweg zu
lösen und dadurch verhindern, daß verpaßte Chancen zu Bedrohungen unserer Interessen werden.
Beispielsweise erwiesen sich vor kurzem die früh-

Seite 1

�zeitige Entdeckung der entstehenden Krise in der
Ägäis und rechtzeitige nachrichtendienstliche Tätigkeit
während der entscheidenden Stunden möglicher
griechisch-türkischer Zusammenstöße als unschätzbar
bei der Verhinderung eines größeren Streits unter
NATO-Mitgliedern.
Unsere Diplomaten, das Militär und die Mitarbeiter der
Nachrichtendienste spielen wesentliche, sich ergänzende und gegenseitig unterstützende Rollen bei der
Identifizierung und Analyse von Bedrohungen der
Sicherheit und nationalen Interessen der Vereinigten
Staaten sowie der Reaktion darauf. Obwohl ich davon
überzeugt bin, daß alle drei bei diesen gemeinsamen
Bestrebungen entscheidend sind, muß ich eine
Warnung aussprechen: Die in meinen Ausführungen
sowie denen von Dr. Deutch und General Hughes
umrissenen Bedrohungen werden durch Aktionen
verschärft, die unsere weltweite diplomatische Präsenz
herabwürdigen.
Einfach ausgedrückt erzwingen
Haushaltskürzungen die Schließung von Dienststellen
in Übersee, die Abschaffung buchstäblich Tausender
von Positionen im Auswärtigen Dienst, das erzwungene Ausscheiden aus dem Amt von Mitarbeitern des
Auswärtigen
Dienstes
sowie
die
Kürzung verschiedener Programme. Dadurch wurde
bereits unsere Fähigkeit zur Identifizierung, Interpretation und Verringerung der Bedrohungen beeinträchtigt, die wir heute erörtern.
Die Berichterstattung des Auswärtigen Dienstes stellt
die kostengünstigste und risikoärmste nachrichtendienstliche Quelle für die meisten Bedrohungen dar,
und diplomatische Vermittlung sowie gezielte Auslandshilfe sind der naheliegendste, kostengünstigste
Weg für den Umgang mit jeder einzelnen von ihnen.
Was wir nicht länger durch unsere diplomatische
Präsenz und Berichterstattung erreichen können, muß
mit teureren, risikoreicheren Methoden zusammengetragen werden. Weiter verschlimmert wird das
Problem durch den Verlust oder die Verringerung
diplomatischer Foren für die Informationssammlung
durch Militärattaches, Wirtschaftsbeamte und andere
Mitarbeiter der US-Regierung. Noch gefährlicher ist
die Unterminierung unserer Fähigkeit zum Abbau von
Gefahren mit diplomatischen Mitteln und die damit
einhergehende erhöhte Wahrscheinlichkeit, daß den
Bedrohungen mit einer teuren und gefährlichen
Militärintervention begegnet werden muß.
Das geschrumpfte Budget für auswärtige Angelegenheiten hat direkte und negative Auswirkungen auf
unsere nachrichtendienstlichen Fähigkeiten. Wenn die
Tätigkeit unseres Auswärtigen Dienstes eingeschränkt
wird, leiden die Nachrichtendienste darunter. Wir
verlieren entscheidende Informationen und verringern
unsere Fähigkeit, Analysten und Informanten Feedback zu geben. Ferner werden wir der Einsichten der
Mitarbeiter des Auswärtigen Dienstes beraubt, die in

Seite 2

der Lage sind, das Verhalten von Regierungsvertretern
anderer Nationen direkt einzuschätzen, die wir davon
zu überzeugen versuchen, gemeinsam mit uns gegen
verbrecherische Staaten und böswillige transnationale
Akteure vorzugehen.
Ich würde gerne eingehender auf die letztgenannten
Bedrohungen eingehen, werde mich jetzt aber dem
Hauptschwerpunkt dieser Anhörung zuwenden. Die im
folgenden erörterten Bedrohungen sind nach geographischen und funktionalen Gesichtspunkten, jedoch
nicht notwendigerweise ihrer Rangfolge nach geordnet. Alle rechtfertigen ernsthafte Besorgnis und
konzertierte Bestrebungen zur Verringerung der
Gefährdung amerikanischer Interessen.
Die in diesem Bericht erörterte gesamte Liste von
Bedrohungen ähnelt sehr stark der 1995 in meiner
Anhörung vor diesem Ausschuß dargelegten, aber die
Natur und Intensität spezifischer Bedrohungen hat sich
- oftmals als Ergebnis amerikanischer Diplomatie geändert. Obwohl Nordkorea in bezug auf Beschaffung, Analyse und Militär weiterhin eine beträchtliche
Herausforderung darstellt, wurde durch die erfolgreiche Umsetzung des Rahmenabkommens das Nuklearprogramm Pjöngjangs eingefroren, und die Amerikaner
arbeiten jetzt am Nuklearkomplex von Jongbjong an
der Gewährleistung der Sicherheit verbrauchten
Brennmaterials. In Bosnien gipfelten die diplomatischen Bestrebungen unter Führung der Vereinigten
Staaten im Abkommen von Dayton, das dem Land
Frieden brachte, aber jetzt werden wir mit der Bedrohung von Übergriffen auf amerikanisches Personal
(einschließlich amerikanischer Truppen) durch rückständige Mudschahedin und Unversöhnliche auf allen
Seiten konfrontiert. Ferner hat die amerikanische
Diplomatie die Bedrohungen für Amerikaner und
amerikanische Interessen im Nahen Osten verändert
und in gewisser Weise verringert. Fortschritte zu
einem umfassenden Frieden untergraben die Unterstützung für die Hamas und andere Terrorgruppen und
stärken gleichzeitig die Entschlossenheit anderer, den
Friedensprozeß noch stärker zu stören.
Einige der vergangenes Jahr festgestellten Bedrohungen sind jedoch besorgniserregender geworden. In
Südasien fordern Kommentatoren aus Indien und
Pakistan ihre Regierungen öffentlich auf, ihre Nuklearprogramme zuzugeben und zu intensivieren sowie
neue Raketensysteme zu entwickeln und zu dislozieren. Chinas militärische Aufrüstung wird fortgesetzt,
und Beijing veranstaltete eine Reihe bedrohlicher
militärischer Übungen, um Taiwan einzuschüchtern.
Sowohl in Südasien als auch in der Frage der Formosastraße könnte sich die Rolle der Diplomatie als
entscheidend für eine friedliche Lösung erweisen, aber
beides erfordert sorgfältige Überwachung durch die
Nachrichtendienste.

AMERIKA DIENST 05

�Rußland
Die Präsidentschaftswahlen im Juni werden ein
zukunftsweisendes politisches Ereignis für Rußland
sein. Offene und faire Wahlen markieren einen
wichtigen Schritt in der russischen Evolution zur
Rechtsstaatlichkeit. Aber die Umgestaltung Rußlands
in eine offenere Gesellschaft ist nicht gesichert. Die
Entwicklung Rußlands seit 1991 ist von Schwierigkeiten gekennzeichnet. Diese resultieren teilweise aus
der enormen Größe der Aufgabe, aber auch selbst
zugefügte Wunden, beispielsweise die Militärintervention in Tschetschenien, und das Erbe der sowjetischen
Vergangenheit spielen eine Rolle.
In den letzten fünf Jahren ist viel erreicht worden. Es
wurden Schritte unternommen, um die Wirtschaft zu
entmilitarisieren und größeres Gewicht auf Marktwirtschaft zu legen. Eine freie Presse, offene Debatten
und politischer Pluralismus wurden eingeführt.
Rußland erklärte, es akzeptiere die Unabhängigkeit
der anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion willkommene Worte, die in der Praxis ihren Niederschlag finden müssen - und es schuf kooperative
Beziehungen zu westlichen Staaten und Institutionen.
Rußland erfüllte termingerecht die im START I-Vertrag
vereinbarten Atomwaffen- und Raketenreduzierungen.
Bei der Nichtverbreitung stimmen wir vielleicht nicht
jeder russischen Unternehmung zu - beispielsweise
dem Verkauf von Atomreaktoren an den Iran - geben
Rußland aber generell gute Noten für seine Förderung
internationaler Nichtverbreitungsnormen und ihre
Befolgung.
Das gute Abschneiden der kommunistischen und
nationalistischen Kandidaten bei den Wahlen zur
Duma im Dezember 1995 demonstriert die Unzufriedenheit des Volkes mit der Kehrseite der Reformen - dem Anstieg wirtschaftlicher und politischer
Unsicherheit, Kriminalität, wirtschaftlichen Ungleichgewichten und Korruption. Viele sehnen sich nach der
alten Sowjetunion zurück: Sie erinnern die Unbeweglichkeit und Stagnation des kommunistischen
Systems als Stabilität und Sicherheit. Das gilt insbesondere für die gesellschaftlichen Gruppen, die in
den letzten fünf Jahren am meisten gelitten haben,
sowie für die Russen, die sich über die abnehmende
Rolle Rußlands in der Welt ärgern. Ein Sieg der
überzeugten Reformgegner bei den Wahlen im Juni
wäre ein Rückschlag für Rußland. Er könnte die
Integration Rußlands in die Weltwirtschaft behindern,
die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten zur Zusammenarbeit mit Rußland einschränken und die
Chancen für die westliche Wirtschaft vermindern,
einen Beitrag zum Wiederaufbau der russischen
Wirtschaft zu leisten. Umgekehrt wären im Falle der
Wahl eines reformorientierteren Präsidenten im Juni
die Chancen für ein stabileres, demokratischeres und
stärker nach außen gerichtetes Rußland größer.

AMERIKA DIENST 05

Ungeachtet des Wahlausgangs befinden wir uns in
einer Zeit zunehmender nationalistischer Rhetorik, die
mit ausdrücklichen Forderungen nach einer Stärkung
des russischen Staates und der Rolle Rußlands im
Ausland einhergeht, insbesondere in den neuen
unabhängigen Staaten. Kurzfristig sollten wir keine
dramatischen Veränderungen in der russischen
Außenpolitik erwarten. Der neue Außenminister,
Jewgenj Primakow, kennt die Welt und weiß, daß
Rußlands weltweiter Einfluß eher durch Engagement
als durch Isolation vergrößert wird. Rußland ist
weitaus weniger in der Lage, Macht über seine
Grenzen hinaus zu projizieren und westlichen Interessen in Drittländern den Kampf anzusagen als früher
die Sowjetunion. Ebenso wichtig ist, daß die innenpolitischen Kontrollmechanismen, die den wirtschaftlichen Wohlstand des Landes für politische und militärische Zwecke einsetzten, untergraben sind,
regionale Politiker zu neuer Macht gelangten und die
neuen unabhängigen Staaten sowie die einstmals von
der Sowjetunion kontrollierten zentraleuropäischen
Nationen zur Wahrung ihrer Unabhängigkeit entschlossen sind.
Gleichzeitig förderte der Krieg in Tschetschenien
ernsthafte Probleme innerhalb des russischen Militärs
zutage und löste brutale Militäroperationen aus, die die
Menschenrechte verletzten, die Opposition in Rußland
aktiv werden ließen, aber gleichzeitig nicht den
tschetschenischen Widerstand brechen konnten.
Während die andere Teile des Nordkaukasus einbeziehenden Vorfälle den Kreis der Zerstörung
vergrößern, steigen die Gefahren für Moskaus Autorität.
Der Balkan und Europa
Friede und Stabilität im ehemaligen Jugoslawien sind
nur möglich, wenn die Vereinigten Staaten und andere
beteiligte Streitkräfte, Diplomaten und humanitäre
sowie zivile Wiederaufbauorganisationen auf den
Leistungen der amerikanischen Diplomatie im DaytonAbkommen aufbauen. Die Gefahr feindlicher Aktionen
bleibt groß, sowohl zwischen den Parteien als auch auf
Seiten terroristischer Elemente aus dem Ausland. Die
Sicherung des Friedens wird schwierig und seine
Aussichten bleiben zweifelhaft, wenn die Truppenentflechtung und vertrauensbildende Maßnahmen nicht
von Erfolg bei den weitaus schwierigeren Aufgaben
wirtschaftlichen Wiederaufbaus und gesellschaftlicher
Versöhnung begleitet werden.
Diese Aufgaben
erfordern nicht ein oder zwei, sondern viele Jahre.
Das Ausmaß des erforderlichen Wiederaufbaus ist
erschreckend. Der Krieg in Bosnien hat die größten
Flüchtlingsströme seit dem Zweiten Weltkrieg verursacht. Die Infrastruktur und Wohnungen bedürfen
umfassender Reparaturen.
Die kriegführenden
Parteien müssen entwaffnet, Wahlen abgehalten und
die öffentliche Sicherheit wiederhergestellt werden.

Seite 3

�Radikale Extremisten inner- und außerhalb Bosniens
werden versuchen, diesen Friedensprozeß zu vereiteln. Angeklagte Kriegsverbrecher könnten die
Verfolgung durch das internationale Kriegsverbrechertribunal zu umgehen versuchen, indem sie Zwietracht
säen und alte Animositäten schüren. Es ist unerläßlich, daß amerikanische Diplomaten ebenso wie die
Truppen der Vereinigten Staaten und der Alliierten die
uneingeschränkte Unterstützung der Nachrichtendienste erhalten.
Die Aussöhnung in Kroatien hat mit dem Abkommen
über die friedliche Integration des von den Serben
besetzten Ostslawonien unter der Leitung einer
Übergangsbehörde der Vereinten Nationen große
Fortschritte gemacht. Aber auch hier besteht die reale
Gefahr, daß Extremisten und Kriminelle die Entmilitarisierung, die Rückkehr der Vertriebenen und den
Schutz der lokalen Minderheiten - ohne die Ruhe und
soziale Gerechtigkeit nicht gewährleistet sind - zu
blockieren versuchen. Wenn der Frieden in Bosnien
und Kroatien nicht hält, besteht die ernsthafte Gefahr,
daß der Konflikt sich aufgrund aufflammender latenter
Meinungsverschiedenheiten in und zwischen den
anderen Ländern des ehemaligen Jugoslawien
ausbreitet.
In ganz Ostzentraleuropa kämpfen aufstrebende
Demokratien um die Konsolidierung der Reformen, die
Bewahrung der Dynamik der demokratischen Evolution und die Unterstellung der Streitkräfte und Sicherheitsdienste unter zivile Kontrolle. Die Stabilität in
dieser Region ist noch nicht sichergestellt. In Zusammenarbeit mit der Europäischen Union, der
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (OSZE) und einer Reihe anderer fähiger
Partner drängen die Vereinigten Staaten weiterhin auf
Maßnahmen, mit denen diese Nationen gestärkt und in
westlichen Institutionen und Mustern der Zusammenarbeit verankert werden.
Der Nahe Osten und Nordafrika
Das Ziel der amerikanischen Politik im Nahen Osten ist
eine stabile, friedliche, wirtschaftlich prosperierende
und politisch offene Region, in der Israel vollständig
akzeptiert und sicher ist, die Öllieferungen garantiert
sind und der Drang zur Beschaffung weiterer todbringender Waffen in konstruktive Unternehmungen
umgeleitet wird. Der Abschluß des Nahost-Friedensprozesses ist der Schlüssel zur Erlangung dieser Ziele.
Despotische Regime, die zögerliche Einführung von
Wirtschaftsreformen, religiöser Extremismus und hohe
Geburtenraten gefährden noch immer die politische
und wirtschaftliche Stabilität. Nach wie vor bedrohen
Iran, Irak und Libyen ihre Nachbarländer. Unter
Saddam Hussein unternahm der Irak zwei katastrophale Militärinterventionen und verfolgte ein aktives

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Programm zum Bau nuklearer, chemischer und
biologischer Waffen. Seit mehreren Jahren behindert
Bagdad die Arbeit der UN-Kommission, die mit der
Zerstörung der Fähigkeiten des Landes zum Bau
solcher Waffen beauftragt ist. Nachrichtendienstliche
Erkenntnisse der Vereinigten Staaten waren der
UNSCOM bei der Ausübung ihrer Überwachungs- und
Verifizierungsaktivitäten von Massenvernichtungswaffen im Irak behilflich. Irak und Iran bedrohen
weiterhin zwei elementare Interessen der Vereinigten
Staaten: Die regionale Stabilität und den freien Fluß
von Energieressourcen am Golf.
Iran, Irak, Libyen, Syrien und Sudan gewähren noch
immer Terroristen Zuflucht. Mit Ausnahme des Sudan
erarbeiten oder planen sie Programme zur Beschaffung von Massenvernichtungswaffen und Raketentechnologie.
Diese Maßnahmen sind besonders
gefährlich und beunruhigend, wenn sie von autoritären
Regimen mit einem erwiesenen Interesse an regionaler Destabilisierung verfolgt werden. Syrien, das
ebenfalls auf der Liste der Terrorismus fördernden
Staaten steht und chemische Waffen sowie moderne
Raketentechnologie zu beschaffen versucht, verhandelt auch aktiv mit Israel über ein Friedensabkommen.
Die Erlangung eines Abkommens hätte offenkundige
Auswirkungen auf das Verhalten Syriens in diesen
Bereichen.
Terrorismus
Der internationale Terrorismus stellt eine der alarmierendsten Bedrohungen der Sicherheit amerikanischer
Regierungsbediensteter, Zivilisten und anderer
Interessen wie den Nahost-Friedensprozeß dar. Im
Jahr 1995 töteten Terroristen zwei amerikanische
Regierungsvertreter bei einer Schießerei in Karatschi
und weitere fünf bei einem Bombenanschlag in Riad.
Effektive Terrorismusbekämpfungsoperationen verhinderten eine sehr viel höhere Zahl von Verletzten, da
die Versuche von Terroristen, die den für den Anschlag auf das World Trade Center Verantwortlichen
nahestanden, vereitelt wurden, mehrere amerikanische Zivilluftfahrtgesellschaften in Ostasien zu
bombardieren. Unsere Ressourcen für die Sicherheit
werden in der Tat durch die vielen Bedrohungen
unserer Diplomaten und Einrichtungen im Ausland aufs
äußerste strapaziert.
Auf der ganzen Welt sind Amerikaner das Ziel von
Geiselnehmern. Terroristen in Kolumbien und Kaschmir nehmen Amerikaner zur Erpressung von Lösegeld
und/oder als politisches Druckmittel gefangen, und in
mehreren Ländern sind Amerikaner das Ziel von
Terroristen. Der Anschlag auf das World Trade Center
ist eine konstante Erinnerung, daß die Amerikaner in
ihrem eigenen Land weiterhin ungeschützt gegen
ausländische Terroristen sind, die Schlagzeilen
machen und massenhaft Verletzte bewirken wollen.

AMERIKA DIENST 05

�Trotz der Verbreitung neuer, nicht staatlich geförderter
Terrorgruppen stellt staatlich geförderter Terrorismus
eine besondere Herausforderung dar. Angeführt wird
die Liste vom Iran, der Geld, Ausbildung und Waffen
für säkulare und islamische Radikale bereitstellt, die
Gewalt zur Unterminierung unserer Bestrebungen
einer Erleichterung des Friedens zwischen Arabern
und Israelis einsetzen. Im Sudan halten sich viele
Terrorgruppen auf, darunter die ägyptische islamische
Gama'at, die Ägypten mit der Verschwörung zur
Ermordung von Präsident Mubarak in Äthiopien im Juni
vergangenen Jahres zu destabilisieren versuchte.
Neuere terroristische Bedrohungen gehen von dem
Chaos in Afghanistan aus, wo nach dem Ende des
Krieges "Absolventen" die Ausbildungslager verlassen,
die auf die Bekämpfung konservativer Regime brennen. Der ethnische Konflikt in Rußland weitete sich
vor kurzem auf die internationale Arena aus, als
tschetschenische Separatisten ein türkisches Schiff im
Schwarzen Meer entführten. Die Friedenssicherung in
Bosnien wird durch potentielle terroristische Bedrohungen lokaler und ausländischer Elemente
gefährdet.
Drogenhandel und internationales Verbrechen
Große Organisationen, die Drogen produzieren und
schmuggeln, überschwemmen die Vereinigten Staaten
nach wie vor mit illegalen Suchtmitteln und machen
unsere Bestrebungen zur Reduzierung der Nachfrage
zunichte. Häufig beuten sie die Anfälligkeit der
weniger begünstigten Teile unserer Gesellschaft aus
und verschärfen bestehende soziale Defizite. Unser
Interesse an der Stärkung des Trends zu Demokratisierung in unserer eigenen Hemisphäre, das im
vergangenen Jahrzehnt so deutlich ausgeprägt war,
wird durch die Drogenhändler unterminiert.
Die
Tatsache, daß viele Drogenbarone straffrei ausgehen,
höhlt das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Regierung
aus.
Ein Großteil des öffentlichen Augenmerks konzentriert
sich auf Lateinamerika, aber Heroin, das vorwiegend
aus dem südostasiatischen Goldenen Dreieck zwischen Thailand, Burma und Laos kommt, drängt
weiterhin auf den amerikanischen Markt. Fortschritte
bei der Bekämpfung des Drogenhandels waren
mühsam; ohne die Mitarbeit der Herstellerländer
können sie überhaupt nicht erzielt werden. Diese
Mitarbeit zu gewinnen, ist Aufgabe der Diplomatie mit
Unterstützung effektiver Programme für Länder, die
sich der Zusammenarbeit mit uns verpflichtet haben.
Internationales organisiertes Verbrechen kennt keine
Grenzen. Es bedroht den Betrieb amerikanischer
Unternehmen, stört den Übergang zu Demokratie und
Marktwirtschaften und beeinträchtigt die Verteilung und
Effektivität amerikanischer Hilfe. Unser Interesse an
Stabilität und Demokratie in den ehemals sowjetischen

AMERIKA DIENST 05

Republiken und Zentraleuropa wird von kriminellen
Gruppen bedroht, die Vorteile aus der Privatisierung
ziehen, Regierungsvertreter korrumpieren und illegal
erworbenen Reichtum sowie Einschüchterung nutzen,
um die Kontrolle über Banken und Unternehmen zu
erlangen. In dem Maße, in dem das russische organisierte Verbrechen an Stärke gewonnen hat, wurden
Bündnisse mit gut etablierten Kriminellen in Europa,
Südamerika und Asien geschlossen.
Weiterverbreitung
Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen stellt
eine ernsthafte und zunehmende Bedrohung der
nationalen Interessen der Vereinigten Staaten im Inund Ausland dar - und dies wahrscheinlich noch auf
Jahre hinaus. Die Vereinigten Staaten haben die
Eindämmung der Weiterverbreitung zur obersten
Priorität und zum Schlüsselelement ihrer diplomatischen Konsultationen und militärischen Vorbereitungen weltweit gemacht.
Die Vereinigten Staaten
werden die internationalen Bestrebungen zur Aushandlung eines Vertrags über ein umfassendes
Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty CTBT) anführen, den der Präsident im Verlauf dieses
Jahres unterzeichnen möchte. Der CTBT wird zusammen mit der unbegrenzten Verlängerung des
Nichtverbreitungsvertrags (NW) und einem künftigen
Vertrag über die weltweite Einstellung der Produktion
von spaltbarem Material das globale Nichtverbreitungsregime beträchtlich stärken.
Zusätzlich zu diesen multilateralen Bestrebungen
werden sich die Vereinigten Staaten nach wie vor auf
wichtige regionale Brennpunkte konzentrieren, wo die
Weiterverbreitung am wahrscheinlichsten stattfindet
oder zunimmt. Zu diesen Regionen zählen der
Persische Golf, die koreanische Halbinsel und Südasien. Die Vereinigten Staaten werden darauf hinarbeiten, daß spaltbares Material nicht aus der ehemaligen Sowjetunion in die Hände entschlossener
Lieferanten oder Terroristen gelangt.
Am wichtigsten beim globalen Kampf zur Eindämmung
der Verbreitung von Nuklearwaffen sind die Bestrebungen zum Aufspüren und Sicherstellen spaltbaren
Materials in Rußland und den ehemaligen sowjetischen Republiken. Wir erachten dies als ein äußerst
ernsthaftes Problem, obwohl die Anzahl der Vorfälle
von Schmuggel mit spaltbarem Material aus der
früheren Sowjetunion im vergangenen Jahr verglichen
mit den 1994 berichteten Fällen drastisch abgenommen hat. Wir benötigen kontinuierliche internationale
Wachsamkeit seitens der diplomatischen, nachrichtendienstlichen und Strafverfolgungseinrichtungen zur
Bekämpfung des Schmuggels. Ein genaues Verständnis des uns konfrontierenden Problems wird zur
Erarbeitung einer diplomatischen Strategie für den
Nukleargipfel in Moskau im April beitragen.

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�Schlußbemerkung
Die Bedrohung der Amerikaner und amerikanischer
Interessen hat sich im vergangenen Jahrzehnt drastisch verändert. Die Gefahr eines absichtlichen - oder
zufälligen - Atomschlags hat sich stark verringert, aber
das Risiko eines Schadens durch einen Terrorakt oder
ein mit Drogen in Verbindung stehendes Verbrechen
hat sich erhöht. Mit dem Ende des Kalten Krieges, der
Ablösung autoritärer Regime durch aufstrebende
Demokratien sowie der zunehmenden Akzeptanz
offener Märkte und geteilter Verantwortung für Bedrohungen des globalen Ökosystems sollten wir uns
sicherer fühlen als es die meisten von uns tun.
Unser Kopf mag uns sagen, wir seien sicherer, aber
unser Instinkt - und Nachrichten - argumentieren
anders. Kopf und Instinkt haben beide recht. Die
Bedrohung des Überlebens der Vereinigten Staaten
hat sich enorm verringert, aber Bedrohungen unseres
Wohlergehens bestehen weiter und können sogar
zunehmen.

Die hier und in anderen Einlassungen für diese
Anhörung gegebene Übersicht über die wichtigsten
und am leichtesten zu identifizierenden Bedrohungen
unserer Sicherheit sind ein nützlicher Leitfaden für die
Herausforderungen, mit denen sich amerikanische
Politiker, Diplomaten, Militärplaner und Angehörige der
Nachrichtendienste konfrontiert sehen.
Unsere
Mitbürger haben jedoch andere Ängste und fühlen sich
durch die Gefahren bedroht, die weniger leicht zu
definieren oder zu quantifizieren sind. Die Nachrichtendienste leisten gute Arbeit bei der Beschaffung
und Interpretation von Informationen über die oben
erörterten "großen" Bedrohungen. Bei all diesen
Themen - und insbesondere bei transnationalen und
globalen Problemen beschneiden wir unsere
nachrichtendienstlichen Fähigkeiten, setzen unsere
Soldaten einem Risiko aus und schwächen unsere
nationale Sicherheit, wenn wir die diplomatische
Unterstützung oder Auslands- und Entwicklungshilfe
kürzen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 05

�WAHLEN

'9 6
6. März 1996

Die Vorwahl von New Hampshire
Ein Überblick

WASHINGTON - (AD) - Pat Buchanans knapper Sieg
in New Hampshire machte weltweit große Schlagzeilen, weil hier die ersten Vorwahlen der Vereinigten
Staaten stattfanden und sie daher die Aufmerksamkeit
der Medien auf sich zogen.
Aber Buchanans Sieg in dem "Granitstaat" muß im
Kontext gesehen werden. New Hampshire ist ein
kleiner Bundesstaat und infolgedessen entfallen auf
ihn relativ wenige -16 - Delegierte, die zum nationalen
Konvent der Republikaner entsandt werden. Verglichen damit hat Arizona, das die Vorwahlen am 27.
Februar abhielt, beispielsweise 39 Delegierte und
New York, wo die Vorwahlen am 7. März stattfinden,
sogar 102.
Darüber hinaus werden die Delegierten aus New
Hampshire entsprechend der abgegebenen Stimmen
proportional verteilt im Gegensatz zu anderen Bundesstaaten - zum Beispiel Delaware und Arizona - wo der
Wahlsieger alle Stimmen erhält ("winner-take-all"). So
konnte Buchanan die Mehrheit der Delegiertensitze in
New Hampshire auf sich vereinigen, aber bei weitem
nicht alle.
Wie die Washington Times ausführte, siegte Buchanan mit 28 Prozent der Stimmen knapper als bei seiner
Kandidatur im Jahr 1992. Damals konnte er in einem
Zweimannrennen mit Präsident Bush 37 Prozent der
Stimmen auf sich vereinigen. Die konservative Zeitung
schrieb jedoch auch, es sei "nicht besonders implausibel", daß die Stimmen für ihn aus echter Zustimmung für ihn abgegeben worden waren statt als
reine Proteststimmen.
New Hampshire hat in der amerikanischen Politik über
die Jahre hinweg einen gewissen Mythos erlangt, nicht
nur, weil dort die ersten Vorwahlen abgehalten werden, sondern auch, weil der Bundesstaat als starker
Indikator dafür gilt, wer schließlich von der Partei
nominiert wird.

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Auf republikanischer Seite wurde beispielsweise seit
1952 jeder Sieger von New Hampshire nominiert
(obwohl er nicht zwangsläufig die allgemeine Wahl
gewann), mit Ausnahme von Henry Cabot Lodge, dem
amerikanischen Botschafter in Vietnam, der 1964 bei
den Vorwahlen den Sieg davontrug, obwohl er nicht
auf der Kandidatenliste stand, dann aber gegen
Senator Barry Goldwater aus Arizona verlor. Goldwater wurde zwar nominiert, verlor die allgemeine Wahl
aber in einem Erdrutschsieg für Präsident Lyndon
Johnson. Die Präsidenten Eisenhower, Nixon, Ford,
Reagan und Bush hatten alle die Vorwahl von New
Hampshire gewonnen, bevor sie von der Partei
nominiert wurden. Bush verlor jedoch 1992 die
allgemeinen Wahlen.
Bei den Demokraten ist der Mythos weniger offensichtlich. Estes Kefauver war 1952 und 1956 Sieger der
Vorwahl von New Hampshire, aber jedes Mal wurde
Adlai Stevenson nominiert. Stevenson jedoch unterlag
bei beiden allgemeinen Wahlen dem Republikaner
Dwight Eisenhower. 1968 gewann zwar der amtierende Präsident Johnson die Vorwahl von New Hampshire, aber der Anti-Vietnamkriegskandidat Eugene
McCarthy erhielt 42 Prozent der Stimmen, weshalb ihn
die Presse als psychologischen Sieger der Vorwahl
bezeichnete. Johnson zog später seine Kandidatur
zurück, aber McCarthy wurde nicht nominiert. Die
Nominierung ging an Vizepräsident Hubert Humphrey,
der an gar keiner Vorwahl teilgenommen hatte.
1972 schnitt Edmund Muskie schlechter ab, als viele
vermutet hatten. Obwohl er die Vorwahl von New
Hampshire gewann, wurde letztlich George McGovern
nominiert. Gary Hart war 1984 der Sieger von New
Hampshire, nominiert wurde jedoch Walter Mondale.
1992 unterlag Bill Clinton zwar Paul Tsongas, wurde
aber dennoch nominiert. Clinton ist der einzige, der
die Vorwahl von New Hampshire verlor, aber die
Präsidentschaftswahlen gewann.

Seite 1

�Die Vergangenheit ist natürlich keine sichere Richtschnur für die Zukunft. 1952, als die Vorwahl von New
Hampshire erstmals für die amerikanische Politik
Bedeutung erlangte, wurden noch in wenigen Bundesstaaten Vorwahlen abgehalten. Selbst wenn ein
Kandidat alle Vorwahlen gewann, gab es noch viele
Machenschaften, sowohl hinter den Kulissen als auch
im Nationalkonvent der Partei, bevor die Nominierung
sicher war.
1996 ist die Vorwahl in New Hampshire nur eine von
41. In diesem Jahr wandte sich die Aufmerksamkeit

schnell den anderen Bundesstaaten zu, die das Datum
ihrer Vorwahl gegenüber 1992 vorgezogen hatten.
Vorwahlen fanden bereits am 24. Februar in Delaware
(die ersten überhaupt), sowie am 27. Februar in
Arizona, North Dakota und South Dakota statt. Dieses
Jahr werden 23 Bundesstaaten ihre Vorwahlen bis
Ende März abhalten und nahezu 80 Prozent der
Delegierten wählen, wodurch Absprachen und Verhandlungen über das Abtreten von Stimmen zwischen
den Kandidaten während des Parteikonvents unwahrscheinlich werden.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 05

�WAHLEN

'9 6
6. März 1996

Empfehlungen für die Gestaltung der Fernsehdebatten
im Präsidentschaftswahlkampf
von Debra Gersh Hernandez

(AD) - Die Kommission für die Fernsehdebatten der Präsidentschaftskandidaten gab drei Empfehlungen für die
Gestaltung dieser Debatten im Wahlkampf 1996 ab und stellte Kriterien für die Zulassung von Kandidaten auf.
Der nachfolgende Artikel befaßt sich mit diesen Empfehlungen und stellt fest, daß die Kriterien für die
Moderatoren Fernsehjournalisten den Vorzug gegenüber Zeitungsjournalisten geben.
Debra Gersh Hernandez ist Redakteurin bei Editor &amp; Publisher in Washington.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Editor &amp; Publisher, 18. November 1995.
Copyright © 1995 Editor &amp; Publisher, Inc.

Der Kommission für die Fernsehdebatten der Präsidentschaftskandidaten zufolge sollen drei jeweils
90minütige Debatten der Präsidentschaftskandidaten
sowie eine der Vizepräsidentschaftskandidaten an
jedem Mittwoch zwischem dem 25. September und
dem 16. Oktober 1996 abgehalten werden. Die
Debatte der Vizepräsidentschaftskandidaten soll am 9.
Oktober stattfinden.
Von den drei Fernsehdebatten der Präsidentschaftskandidaten, in denen innen- und außenpolitische
Themen zur Sprache kommen, wird eine mit den
Kandidaten hinter traditionellen Rednerpulten stattfinden, die zweite in der Atmosphäre einer Bürgerversammlung, was 1992 bei den Wählern sehr beliebt
war, die dritte sowie die der Vizepräsidentschaftskandidaten in einem informelleren Umfeld, wobei Kandidaten und Fernsehmoderator sitzen.
An jeder Debatte wird nur ein Diskussionsleiter
teilnehmen und nicht das traditionelle Podium von
Fragestellern.
Dem Kovorsitzenden der Kommission, Frank J.
Fahrenkopf, zufolge, werden die Moderatoren von
ABC, CBS und NBC wahrscheinlich nicht für diese
Aufgabe ausgewählt, da die Kommission jemanden
vorziehen würde, der nicht mit den Kandidaten kon-

AMERIKA DIENST 05

kurriert. Eine "nicht bedrohliche und nicht egozentrische" Persönlichkeit wäre "der Verkehrspolizist, der
unseres Erachtens erforderlich ist".
"Diese Moderatoren umgibt die Aura eines Stars", so
der Kovorsitzende Paul G. Kirk. "Das ist unserer
Ansicht nach nicht notwendig. Die Menschen erwarten
von den Debatten der Kandidaten Informationen.
Diese Berühmtheit der Moderatoren könnte störend
sein."
Ausgewählte Gruppen aus der ganzen Nation, die im
Anschluß an die Debatten von 1992 befragt wurden,
wiesen darauf hin, daß die Form eines Podiums nicht
immer Zusatzfragen zuließ, erklärte Fahrenkopf.
Mit nur einem Fernsehmoderator sei die Diskussion oft
flüssiger und die Teilnehmer könnten "natürliche
Zusatzfragen" stellen, erklärte er bei einer Pressekonferenz in Washington im Zusammenhang mit der
Bekanntgabe der Debattenempfehlungen.
Kirk erläuterte, ein Bewerber für den Posten des
Diskussionsleiters brauchte Erfahrung mit politischen
und gegenwärtigen Entwicklungen, müßte mit Kamera
und Kopfhörer umgehen können und ein "gewisses
Talent und berufliche Fähigkeiten" fürs Fernsehen
besitzen.

Seite 1

�Das schließe nicht unbedingt die Journalisten der
Printmedien aus, so Fahrenkopf, da es auch unter
ihnen einige mit Fernseherfahrung gäbe. Dennoch
würden die Moderatoren erst gegen Ende des Verfahrens, möglicherweise sogar erst zwischen den Debatten ernannt, äußerte Kirk.

um zu haben, politische Unterstützung in einer Mehrheit von Wahlbezirken in diesen Bundesstaaten,
entsprechende Geldmittel oder andere Möglichkeiten
zur Finanzierung des Wahlkampfes sowie Förderung
durch Amtsinhaber auf nationaler und bundesstaatlicher Ebene.

Ein 'alter Hase' des Fernsehens, Robert Asman,
wurde zum ausführenden Produktionsleiter der
Debatten bestimmt.

Um Medienberichterstattung und Konkurrenzfähigkeit
zu prüfen, holt die Kommission die Meinung von Chefs
der Washingtoner Nachrichtenzentralen, professionellen Wahlkampfmanagern, Meinungsforschern und auf
Wahlen spezialisierten Politologen ein. Zusätzlich wird
die Kommission Vergleiche hinsichtlich des Umfangs
der Berichterstattung in Zeitungen und im Fernsehen
zwischen diesen Kandidaten und denen der großen
Parteien anstellen und die veröffentlichte Meinung
politischer Kommentatoren berücksichtigen.

Von den ursprünglich vorgeschlagenen 40 Veranstaltungsorten wurden 10 - alle auf Campusgeländen - in die engere Wahl gezogen, von denen Ende
Januar oder Anfang Februar vier ausgewählt werden.
Die Kommission veröffentlichte auch ihre Kriterien für
die Teilnahme von Kandidaten an den Debatten. Die
Kandidaten der Demokraten und Republikaner sind
automatisch inbegriffen. Die Kriterien der Kommission
für die Parteilosen zielen den Richtlinien zufolge darauf
ab, nicht den beiden großen Parteien angehörige
Kandidaten zu identifizieren, die eine realistische
Chance haben, gewählt zu werden.
Die Kandidaten müssen landesweit politische Unterstützung genießen, für die nationalen Nachrichten von
Interesse und konkurrenzfähig sein und nationale
öffentliche Begeisterung oder Interesse aufweisen.
Zu den Indikatoren für die Unterstützung durch
politische Anhänger im ganzen Land zählen: Erfüllung
der verfassungsmäßigen Vorraussetzungen für die
Wahl zum Präsidenten, Erscheinen auf dem Stimmzettel in genügend Bundesstaaten, um eine realistische Chance für eine Mehrheit im Wahlmännerkollegi-

Um schließlich die nationale öffentliche Begeisterung
oder das Interesse feststellen zu können, wird die
Kommission die Ergebnisse von Umfragen nationaler
Meinungsforschungs- und Nachrichtenverbände sowie
die Teilnahme an Zusammenkünften und Versammlungen im ganzen Land prüfen und mit denen der
Kandidaten beider großen Parteien vergleichen.
Informationen über die Debatten - sowohl aktuelle als
auch historische Daten - können auf der Home Page
der Kommission im Internet unter folgender Adresse
abgerufen werden: http://park.org/fair/Events/Debates.
Die Kommission plant auch ein Projekt zur Wählererziehung unter dem Namen "Debate, Watch '96", das
Menschen zusammenbringen soll, um den Debatten
zuzusehen und sie in Schulen, Bibliotheken, Hörsälen

und anderen Foren zu erörtern.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 05

�WAHRUNG

6. März 1996

DIE NEUEN 100-DOLLAR-NOTEN
Aufklärungskampagne des US-Finanzministeriums

Washington - (AD) - Die amerikanische Regierung
informiert zur Zeit mit einer internationalen Aufklärungskampagne über die neuen 100-Dollar-Noten, die
im ersten Quartal 1996 weltweit in Umlauf kommen
sollen. Die neuen Geldscheine weisen modernste
Sicherheitsmerkmale auf, die aufgrund des technischen Fortschritts in der Drucktechnologie notwendig
wurden.
Für die großangelegte Aufklärungskampagne wurden
Broschüren, Poster, Videos, Kurzinfos und gezielte
Werbeanzeigen produziert, mit denen Millionen
Menschen in aller Welt, die den US-Dollar als Zahlungsmittel benutzen, informiert werden. Das USFinanzministerium hat detailliertes Informationsmaterial
an über 200 diplomatische Vertretungen in aller Welt
verschickt, deren Repräsentanten sich bereits mit
Vertretern von Regierungen, Finanzinstituten und der
Industrie zusammengesetzt haben, um sie über die
bevorstehende Einführung der neuen Währung zu
unterrrichten. Millionen von Informationsschriften in 20
Sprachen wurden aufgelegt.
Botschaften veranlaßten die Übersetzung des Informationsmaterials in weitere Sprachen, wie z.B. Lettisch,
Ägyptisch und Tagalog. Um allen Benutzern der
amerikanischen Währung einen möglichst raschen
Zugang zu Informationen zu gewähren, hat das
Finanzministerium sechs Global Information Centers
eingerichtet, die neben der Aufklärung der Öffentlichkeit auch die gezielte regionale Informationsverbreitung koordinieren.
"Nachdem zwei Drittel der amerikanischen Banknoten
im Ausland in Umlauf sind, ist es unsere Verantwortung, alle diejenigen über die bevorstehende
Veränderung aufzuklären, die ihr Vertrauen in unsere
Währung setzen", sagte der Staatssekretär des USFinanzministeriums, John D. Hawke.
Die dem Zentralbanksystem der Vereinigten Staaten
angehörenden 12 Bundesbanken und ihre 24 Filialen

AMERIKA DIENST 05

sind für die Unterrichtung der Finanzinstitute über die
neue Währung in ihren jeweiligen Regionen zuständig.
Im November 1995 leiteten sie ein umfassendes
Programm mit Schulungsseminaren für Geldinstitute in
die Wege und fungieren gleichzeitig als regionale
Auskunftsstelle für die Öffentlichkeit und alle, die im
Finanzwesen tätig sind.
Das Bureau of Engraving and Printing des US-Finanzministeriums legt seit September 1995 einen Vorrat an
neuen 100-Dollar-Noten an. Bisher wurden 600
Millionen Banknoten gedruckt. Nach dem Versand der
Banknoten an die Bundesbanken in allen Teilen der
Vereinigten Staaten sollen die sicheren Geldscheine
der 1996er Serie weltweit in Umlauf kommen, während
die alten Banknoten allmählich von der Zentralbank
ausgetauscht werden.
Neben den neuen 100-Dollar-Noten bleiben die alten
Geldscheine weiterhin gesetzliches Zahlungsmittel.
Die US-Regierung plant keine Abwertung der alten
oder neuen Währung. Regierungsvertreter raten
jedoch allgemein dazu, beim Umtausch von DollarNoten im Ausland darauf zu achten, daß der Umtausch
bei seriösen Devisenhändlern erfolgt, die für faire
Gebühren bekannt sind.
"Besitzern von US-Banknoten in aller Welt können wir
versichern, daß die US-Regierung nicht vorhat, die
alten Scheine aus dem Verkehr zu ziehen", sagte der
Vorsitzende des Zentralbankrates Alan Greenspan.
"Wenn alte Noten von den Finanzinstituten bei der
Zentralbank eintreffen, werden sie einfach gegen neue
ausgetauscht. Der alte und der neue Schein werden
zum vollen Nennwert honoriert".
Während die neue Währung gedruckt wird, informiert
die Aufklärungskampagne die Öffentlichkeit weltweit
über das neue Design der 100-Dollar-Noten, das dazu
beitragen soll, die Sicherheit der amerikanischen
Banknoten im Zeitalter der High-Tech-Drucktechnologie mit hochleistungsfähigen Reproduktionsmedien wie

Seite 1

�Farbkopierern, Digitalscannern, Laserdruckern und
Publishing-Software zu optimieren.
"Das ist die erste größere Änderung der US-Währung
seit 1928, obwohl die Neugestaltung von Banknoten
zur Verbesserung ihrer Sicherheit und Integrität
natürlich nichts Neues ist", sagte US-Schatzmeisterin
Mary Ellen Withrow, die im Rahmen der Aufklärungskampagne bisher schon zahlreiche öffentliche Auftritte
absolvierte. Die US-Währung hat ihr Aussehen seit
1785 mehr als zwölfmal geändert. Withrow fügte
hinzu, daß die neue Währung in bezug auf Format,
historische Porträts und Druckfarben dem charakteristischen "amerikanischen Look" treu bleiben wird.
Auch das Papier, eine Mischung aus Baumwolle und
Leinen, wird sich genauso anfühlen wie bisher.
Das neue Design weist jedoch einige zusätzliche
Sicherheitsmerkmale auf. Am auffälligsten ist das
größere Porträt, das außerdem weiter nach links
versetzt wurde, um einem Wasserzeichen Platz zu
machen.
Mikrodruck und Sicherheitsfäden, die
erstmals bei der Notenserie von 1990 in Erscheinung
traten, wurden beibehalten.
Die Sicherheitsmerkmale
Banknote umfassen:

der neuen

100-Dollar-

* Ein Wasserzeichen rechts des Porträts, das dieselbe historische Persönlichkeit darstellt wie das
Porträt selbst. Das Wasserzeichen läßt sich nicht
kopieren und ist nur sichtbar, wenn man den
Geldschein gegen das Licht hält.
* Ein Sicherheitsfaden, der in Ultraviolettlicht rot
leuchtet. Zur zusätzlichen Sicherheit befindet sich
der Faden bei jedem Nennwert an einer anderen
Stelle.
* Changierende Druckfarbe. Die Zahl in der unteren
rechten Ecke auf der Vorderseite des Geldscheins
erscheint grün, wenn man gerade daraufschaut,
und wechselt bei seitlicher Betrachtung zu schwarz.
* Mikrodruck in der Zahl in der unteren linken Ecke
sowie auf dem Mantel im Porträt Benjamin Franklins.
* Konzentrische feine Linien im Porträt und auf der
Rückseite der Banknote. Diese Art des Drucks ist
äußerst schwierig zu kopieren.
Die neue 100-Dollar-Note ist die erste einer ganzen
Reihe neuer Banknoten, die in jährlichen Abständen

eingeführt werden sollen. Die Sicherheitsmerkmale
können je nach Nennwert variieren. Die 100-DollarNote ist mit allen verbesserten Sicherheitsmerkmalen
ausgestattet, während es beim 1-Dollar-Schein
weniger sein werden. Die Hauptstärke der neuen
Notenserie liegt in der Kombination verschiedener
Sicherheitsmerkmale.

Richard Schmierer, Presseattache,
Amerikanische Botschaft Bonn
Tel. 0228-339 2131
FAX: 0228-333 318
Walter Theurer, Pressesprecher,
Außenstelle
der Amerikanischen Botschaft Berlin
Tel. 030-238 5174
FAX: 030-238 6214
Craig Springer, Direktor
Amerika Haus Frankfurt
Tel. 069 - 971 448 0
FAX: 069-720 205
Lee James Irwin, Direktor
Amerika Haus Hamburg
Tel. 040-450 104 0
FAX: 040-444 705
Sandra Kaiser, Direktorin
Amerika Haus Köln
Tel. 0221-209 010
FAX: 0221 - 255 543
•

Greg Lynch, Direktor
Amerika Haus Leipzig
Tel. 0341-213 8420
FAX: 0341-213 8432
William Graves, Direktor
Amerika Haus München
Tel. 089 - 552 537 0
FAX: 089-553 578
Richard Gilbert, Vanessa Anderson,
Mike Johnson
Global Information Center, London
Tel. 0044 171 831 6262
Weitere Informationen sind beim US-Finanzministerium per FAX 001 202 622-2040 oder über die WebSeite des Finanzministeriums unter http://WWw.
ustreas.gov/. erhältlich.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 05

�DATEN AUTOBAHN
6. März 1996

Neues von der Datenautobahn
Übersicht jüngster Entwicklungen

WASHINGTON - (AD) - Der nachfolgende Artikel faßt die jüngsten Entwicklungen in den Vereinigten Staaten bei
Informations- und Telekommunikationstechnologien zusammen und erörtert Neuheiten auf dem Internet sowie die
Entwicklung einer globalen Informationsinfrastruktur.

Bibliothekskiosk beantwortet Fragen
Ein Informationskiosk in der Bibliothek des Southwestern College in Kalifornien beantwortet Fragen, die
Auskünfte erteilenden, überarbeiteten Bibliothekaren
regelmäßig gestellt werden, wie "Wo kann ich Informationen über (die berühmte Person X) finden?". "Wir
haben festgestellt, daß zwei Drittel der an unseren
Informationsdienst gerichteten Fragen die Region
betreffen", äußert der Dekan des Colleges für Auskunftsdienste in der Zeitschrift Chronicle of Higher
Education. Der Kiosk bietet einen Rundgang durch
die Bibliothek mit Fotos und einem Grundriß an.
Exodus kommerzieller Dienstleistungen beobachtet
Kommerzielle Online-Dienste haben Schwierigkeiten,
Kunden zu halten und sich von anderen Anbietern
abzuheben, weil die informierten Computeranwender
zu kleinen Internet-Anbietern überwechseln, berichtet
The Wall Street Journal. Hand in Hand mit der
Abnahme der Kunden geht das Problem der Anbieter
von Internet-Inhalten, die zunehmend ihre eigenen
Informationen auf das Web schicken und so die
kommerziellen Dienste völlig umgehen. Während die
Zahl der Kunden kommerzieller Dienste im vergangenen Jahrzehnt auf ungefähr 12,5 Millionen gestiegen
ist (mit einer Verdoppelung im letzten Jahr), verachtfachte sich die Zahl der World Wide Web-Nutzer einer
Übersicht der International Data Corporation zufolge
allein im vergangenen Jahr auf acht Millionen.

Informationssysteme Leute, die sich mit dem Internet,
kundenfreundlicher Bedienung und Vernetzung
auskennen, berichten Kopfjäger in der Zeitschrift
Information Week.
Computerverbrechen
Die von einem Professor der Michigan State University
durchgeführte Befragung bei 150 Sicherheitsdirektoren
von Unternehmen ergab, daß 98,6 Prozent Computerverbrechen in ihren Unternehmen erlebt hatten, so die
Tampa Times. Die häufigsten Probleme waren
Kreditkarten- und Telekommunikationsbetrug, Benutzung der Computer für persönliche Zwecke durch die
Angestellten, nicht genehmigter Zugang zu vertraulichen Akten und das unrechtmäßige Kopieren von
Software. "75 bis 80 Prozent dieser Vorfälle geschehen im Haus", stellt ein Sicherheitsberater fest.
Sinkende Gebühren für Zellularfunk
Die Gebühren für Zellulartelephone in den Vereinigten
Staaten, die angesichts der enormen Nachfrage seit
Jahren hoch waren, könnten schließlich auf den
Wettbewerbsdruck reagieren und sinken, berichtet The
Wall Street Journal. Die Nachfrage verlangsamt sich,
und der Wettbewerb hat in New York, Chicago und
Washington zugenommen. Statistiken der 15 größten
Anbieter in den Vereinigten Staaten belegen eine
12prozentige Zuwachsrate im Jahr 1995, verglichen
mit 63 Prozent im Vorjahr. Der Vormarsch von
persönlichen Kommunikationsdienstleistungen könnte
die Preise noch weiter drücken.

Anforderungsprofil für Computerexperten
Im Jahr 1996 suchen die Arbeitgeber im Bereich der

AMERIKA DIENST 05

Seite 1

�Interessante Web Sites auf dem Internet

Text only:
http://www.pbs.org/newshour/textonly/hometext.html

Nachfolgend einige nützliche Adressen auf dem World
Wide Web.
The Food and Nutrition Information Center (FNIC) der
National Agricultural Library:
gopher://gopher.nal. usda.gov:70/11/infocntr/fnic
http://www.nalusda.gov/fnic/
Diese Seite enthält eine Vielfalt elektronischer Zugangspunkte für die vollständigen Texte der Bibliographien, Ressourcenlisten und Übersichten des Zentrums, darunter Material für die Nahrungsmittelkennzeichnung sowie Software über Nahrungsmittel und
Ernährung. Zusätzlich sind Informationen über die
menschliche Ernährung und Nahrungsmittelaufklärung
erhältlich.
College and University Home Pages:
http://www.mit.edu:8001/people/cdemello/univ.html
Diese Seiten bieten Knotenpunkte für die Home Pages
von über 2.300 Colleges und Universitäten in 77
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The Hubble Telescope's "deepest-ever view of the
universe":
http://www.stsci.edu/pubinfo/PR/96/01.html
Mehrere Hundert nie zuvor gesehene Galaxien können
bei dieser "allertiefsten" Sicht des Universums betrachtet werden, die mit dem Hubble-Weltraumteleskop der
NASA vorgenommen wurde. Neben den klassischen
spiral- und ellipsenförmigen Galaxien gibt es eine
verblüffende Vielfalt anderer Formen und Farben von
Galaxien, die ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis
der Evolution des Universums sind.

PBS's Online News Hour:
http://www.pbs.org/newshour/
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 05

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ergebnisse des NATO-Treffens in Rom &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Hunter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Fulbright&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vision des Senators für Amerika und die Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von USIA-Direktor Duffey&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Nachrichtendienste&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Diplomatische Berichterstattung ist wertvolle Nachrichtenquelle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Abteilungsleiterin Toby Gati&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'96&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Vorwahl von New Hampshire&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Empfehlungen für die Gestaltung der Fernsehdebatten im Präsidentschaftswahlkampf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Debra Gersh Hermandez&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Währung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die neuen 100-Dollar-Noten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aufklärungskampagne des US-Finanzministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Datenautobahn&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neues von der Datenautobahn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht jüngster Entwicklungen&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Vereinte Nationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Adlai E. Stevenson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Für eine Neuregelung der Wahlbezirksordnung in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zu der am 26. März 1962 vom Obersten Bundesgericht der USA gefällten Grundsatzentscheidung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Raumflug&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Interkontinentales Fernsehen über Satelliten noch in diesem Jahr&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Faltbare Schichtplatte als Stromgenerator&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Radioteleskope für Venus-Raumsonde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue technische Entwicklungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Astro- und Geophysik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Forschungen in der Astronomie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Forschungen in der Geophysik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Fernsehen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fernsehprogramme für Kinder unter psychologischer Lupe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Boston-University-Studie über die Verantwortung der TV-Programmgestalter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Kulturnachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Paperbacks als Schulbücher&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ramon Novarros Comeback am Broadway&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strawinskys Fernsehballet "Noah und die Flut"&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Die Reise um die Erde" als Musical&lt;br /&gt;</text>
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und

CT

United States Information Service

6. April 1977
INHALT

DOKUMENTATION
Carter: Weitere entschlossene Abrüstungsbemühungen
- Erklärung zur Begrüßung von Außenminister Vance am 2. April 1977
Carter-Pressekonferenz vom 30. März 1977 zu den SALT-Verhandlungen
- Wortlaut Gemeinsames amerikanisch-sowjetisches Kommunique

INFORMATION
Amerikanische Computerkonferenz: Technik - Anwendung - Probleme
- Tagung vom 13. - 16. Juni 1977 in Dallas (Texas) -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Einzelatome mit Laser-Lichtenergie identifiziert
Supermagnet in Hybrid-Konstruktion
- Energiebedarf fast zwei Drittel geringer -

Um Übci/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�3

1

I

I

Dokumentation
United States Information Service

7/1977

CARTER: WEITERE ENTSCHLOSSENE ABRÜSTUNGSBEMÜHUNGEN
Erklärung zur Begrüßung von Außenminister Vance am 2. April 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat bei der Begrüßung von Außenminister Vance nach dessen Rückkehr von den SALT-Verhandlungen in Moskau am
2. April 1977 die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten unterstrichen,
mit den Sowjets zu einem Abkommen über die Begrenzung und Reduzierung der
strategischen Waffen zu gelangen.
Der Präsident gab auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews bei Washington,
wo die Maschine von Vance gelandet war, folgende kurze Erklärung ab:
"Wir haben zum ersten Mal einen umfassenden Vorschlag unterbreitet, um
die Atomwaffen in der Welt zu begrenzen und dann drastisch zu verringern.
Wir betrachten das als einen notwendigen ersten Schritt.

Wir sind absolut

entschlossen, unermüdlich mit den sowjetischen Führern harmonisch zusammenzuarbeiten, um die Abhängigkeit von Atomwaffen zu verringern.

Wir werden

alles in unserer Macht stehende tun, um die Bindungen der Freundschaft und
des gegenseitigen Vertrauens mit den sowjetischen Führern zu stärken.
Ich

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�r

Ich möchte dem Außenminister meinen Dank für die gute Reise und die gute
Verhandlungsposition und den Erfolg der Reise aussprechen.

Und ich möchte

Herrn Breschnew und Herrn Gromyko und anderen in der Sowjetunion meinen Dank
aussprechen für die sehr produktiven Verhandlungen über viele der angeschnittenen Fragen.
Wie der Außenminister gesagt hat, Verhandlungen über einen drastischen
Abbau der Atomwaffen nach all den Jahren - einem Vierteljahrhundert - sind
eine sehr schwierige Angelegenheit.

Aber wir werden sie mit Entschlossenheit,

mit Ausdauer und mit Hoffnung auf Erfolg weiterbetreiben.
Unsere ganze Administration wird sehr viel Mühe auf die Vorbereitung der
Fortsetzung der Gespräche verwenden, die im Mai in Genf stattfindet.

Und ich

bin der Überzeugung, daß die Sowjets letztlich mit uns übereinstimmen werden,
daß es dem sowjetischen Volk und dem amerikanischen Volk und der übrigen Welt
zum Vorteil gereicht, wenn wir unsere Abhängigkeit von diesen zerstörerischen
Waffen verringern."

Vance: Rüstungskontrolle kann nicht über Nacht erreicht werden
Nach der Rückkehr des amerikanischen Außenministers äußerten sich am
3. April 1977 Präsident Carter wie auch Außenminister Vance selbst optimistisch
über die Zukunft der SALT-Gespräche, wobei darauf hingewiesen wurde, daß die
Vorschläge der USA sorgfältiger und längerer Verhandlungen bedürften.
Vor Journalisten sagte der amerikanische Außenminister wörtlich:
"... Ich hoffe, daß die Sowjets - nachdem sie die Einzelheiten unseres
Planes näher prüfen konnten- mit Fragen zu den verschiedenen Aspekten an uns
herantreten werden, und selbstverständlich sind wir bereit, diese mit ihnen
zu erörtern.
Sie
- 2 -

�Sie haben nachdrücklich zu verstehen gegeben, daß sie die Gespräche
weiterführen wollen, und sie haben dementsprechend ein Datum Mitte Mai für
die Wiederaufnahme der Gespräche genannt.
war sachlich und offen.

Die Haltung während der Gespräche

Ich fand, daß die Verhandlungen nützlich waren. Und

Sie wissen sicherlich, daß auch Außenminister Gromyko gesagt hat, er finde,
daß die Gespräche sehr nützlich und notwendig gewesen seien.

Wie ich schon

einmal gesagt habe: Rüstungskontrolle ist eine Angelegenheit, die nicht
über Nacht erreicht werden kann ..."

+ + + + +

3 -

�Dokumentation
United States Information Service

7/1977

CARTER-PRESSEKONFERENZ VOM 30. MÄRZ 1977
ZU DEN SALT-VERHANDLUNGEN
- Wortlaut -

Washington - (AD) - Präsident Carter hat am 30. März auf einer besonderen Pressekonferenz zu den SALT-Verhandlungen von Außenminister Vance
in Moskau Stellung genommen, die vom 28. bis 30. März stattfanden. Die
Einleitung Carters sowie die Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
"Guten Tag!

Wir waren den ganzen Nachmittag mit den aus Moskau einge-

gangenen Berichten und Depeschen beschäftigt, und nun möchte ich dem
amerikanischen Volk über das, was sich ereignet hat, Bericht erstatten.
Wir haben den sowjetischen Führern in den letzten beiden Tagen ein
umfassendes Paket von Abkommen unterbreitet, die - falls sie abgeschlossen
werden - ein dauerhaftes Fundament für eine friedlichere Welt legen würden:
durch eine Verringerung der großen Gefahr der Atomwaffen, die das politische
Gleichgewicht und die Kapazität und das Gleichgewicht der strategischen
Waffen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion erhalten würde.
Einer

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�*

Einer unserer Vorschläge bei diesem Gespräch über Nuklearwaffen war
sehr kurz und war unsere zweite Option.

Das wäre praktisch die Ratifizie-

rung des Übereinkommens von Wladiwostok, das man bereits erreicht hatte.
Der Unterschied zwischen uns und der Sowjetunion in diesem Punkt besteht darin, daß die Sowjets behaupten, Außenminister Kissinger und meine
Vorgänger - Präsident Ford und vor ihm Nixon - hätten zugestimmt, auf eine
Dislozierung der Marschflugkörper (Cruise Missiles) zu verzichten.

Wir

sind dagegen der Auffassung, daß wir uns niemals zu etwas derartigem bereiterklärt haben.

Wir haben die Sowjetunion jedoch ersucht, ein Abkommen

über alle anderen Dinge zu akzeptieren und die Frage der Marschflugkörper
und des neuen russischen Bombers, des Backfire-Bombers, bis auf spätere
fortzuführende Verhandlungen zu vertagen.

Diesen Vorschlag lehnten sie ab.

Der andere Vorschlag ist sehr viel weitreichender und hat tiefgreifende
Auswirkungen, die, wie ich meine, für "nsere eiaenen Nation und für die
übrige Welt segensreich wären.

Dabei geht es um wesentliche Reduzierungen

des Standes der Dislozierung von Raketenrampen und MIRV-Raketen unter den
Höchststand von 2400 und 1320, der in den Übereinkommen von Wladiwostok
festgelegt worden war - also um wesentliche Reduzierungen.
Zweitens geht es darum, die Entwicklung und Dislozierung jeglicher
neuer Waffensysteme zu stoppen. Ein dritter Punkt zielt darauf ab, den
der7Pitigen Stand von etwa 550 Interkontinentalraketen - unsere Minuteman
und die als SS-17, SS-18 und SS-19 bekannten sowjetischen Raketen - einzufrieren.
Ein nächster Punkt ist die Dislozierung aller mobilen Raketen - ihrer
SS-16 sowie anderer und unserer - im Entwicklungsstadium stehenden MX-Rakete.
Bei einem weiteren Punkt handelte es sich darum, zu einer strikten Begrenzung in der Dislozierung des Backfire-Bombers und einer strikten Be- 2 -

JL

�•

..

Begrenzung der Reichweite für Marschflugkörper zu gelangen.
Ein weiterer Teil unseres Vorschlags besteht darin, die Zahl der
Testflüge für Raketen auf sechs Abschüsse pro Jahr für Interkontinentalraketen und sechs für Mittelstreckenraketen zu begrenzen und die Sowjetunion zu ersuchen, uns eine sichere Möglichkeit zu geben, um zwischen ihrer
Interkontinentalrakete mit mobiler Abschußrampe - der SS-16 - und ihrer
mobilen Rakete mit begrenzter Reichweite - der SS-20 - unterscheiden zu
können.
Insgesamt bedeuteten diese Vorschläge eine faire, ausgewogene und
wesentliche Reduzierung im Wettrüsten, was - wie ich glaube - die Gewähr
für eine dauerhafte Verringerung der Spannungen und für gegenseitigen Nutzen
für unsere beiden Länder geboten hätte. Auch diesen Vorschlag haben die
Sowjets zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht akzeptiert.
Beide Partner haben, wie morgen in einem gemeinsamen Kommunique bekanntgegeben werden wird, vereinbart, die Erörterungen in der ersten Hälfte des
Monats Mai in Genf fortzusetzen.
Es wird Sie vielleicht interessieren, zu erfahren, daß einige andere
Punkte, die wir vorschlugen, darin bestanden, eine angemessene Verifizierung
zu erreichen, die Verschleierung zu beenden und eine sogenannte Daten-Bank
zu schaffen, mit deren Hilfe wir die Sowjetunion über den Stand unserer
eigenen Rüstungen zu einem bestimmten Zeitpunkt unterrichten würden und die
Sowjets uns über den ihren, so daß wir einen gesicherten, gegenseitig vereinbarten Stand der Waffenkapazität besitzen würden.
Ich darf vielleicht auf noch einige weitere Dinge eingehen. Außer der
Erörterung der SALT-Abkommen Anfang Mai in Genf haben wir vereinbart, noch
weitere Themen zu besprechen - Südafrika und die anstehenden möglichen
Nahostverhandlungen - und wir sind übereingekommen, acht Arbeitsgruppen einzusetzen: eine, um ein Abkommen auszuarbeiten, aufgrund dessen wir auf eine
- 3 -

�•J

eine Entwicklung von Kapazitäten zur Zerstörung von Beobachtungssatelliten
verzichten würden, damit wir ein sicheres Mittel besitzen, um die Sowjets
zu beobachten;und sie können damit ebenfalls über ein sicheres Mittel verfügen, um uns von Satelliten aus zu beobachten.
Die zweite Gruppe soll die Bedingungen für ein möglichst umfassendes
Verbot von Atomwaffenversuchen erörtern, damit wir in Zukunft keine
Nuklearwaffen mehr testen.

Und wir haben die Sowjets auch ersucht, mit

uns auf ein Verbot der Versuche mit Nuklearsprengsätzen für friedliche
Zwecke hinzuwirken.
Eine weitere Arbeitsgruppe, die nach beiderseitiger Vereinbarung eingesetzt werden soll, wird sich mit den Bedingungen befassen, aufgrund derer
wir den Indischen Ozean entmilitarisieren oder die militärischen Anstrengungen in dieser Region verringern könnten.
Wieder eine andere Arbeitsgruppe wird aus Experten gebildet werden, um
die Bedingungen zu erörtern, die uns die Möglichkeit geben, uns auf eine
Vorausankündigung aller Raketentests zu einigen,so daß wir vielleicht schon
24 Stunden vorher die Sowjets davon in Kenntnis setzen würden, daß wir als
Versuch eine unserer Raketen abfeuern werden. Die Sowjets würden uns in der
gleichen Weise benachrichtigen.
Eine weitere Gruppe wird Wege prüfen, um eine umfassende Rüstungskontrolle in der Lieferung konventioneller Waffen an Drittländer, vor allem
Entwicklungsländer, zu erreichen.
Eine andere Gruppe soll erörtern, wie wir beiderseits zur Verhinderung
der Ausbreitung der Nuklearwaffenkapazität (Nonproliferation) beitragen
könnten. Die Länder brauchen eine Möglichkeit, um Atomkraft für die
Herstellung von Elektrizität zu verwenden, aber wir hoffen, daß sich die
Sowjets uns und unseren Verbündeten und Freunden anschließen werden, um die
Fähigkeit der Nationen zu verringern, Nuklearbrennstoffe für die Herstellung
- 4 -

�*

V

Herstellung von Sprengkörpern zu verwenden.
Ein weiterer Punkt ist, daß wir - auf Ersuchen der Sowjetunion - übereingekommen sind, über die Abschaffung der Kapazität zur Führung eines
Krieges mit Strahlen oder chemischen Waffen zu sprechen.
Die achte Gruppe schließlich, auf deren Einsetzung wir uns geeinigt
haben, soll Mittel und Wege prüfen, wie wir uns gegenseitig darauf einigen
könnten, auf größere Anstrengungen in der Zivilverteidigung zu verzichten.
Wir sind der Ansicht, daß die Sowjets auf dem Gebiet des Bevölkerungsschutzes
sehr viel getan haben. Wir haben weniger getan, aber wir möchten, daß wir
uns beide darauf einigen, keine großen Summen für diese Anstrengungen auszugeben.
Das Gesamtergebnis der Besprechungen bestand also darin, einen festen
Vorschlag über drastische Verringerungen der Nuklearkapazit?t in der
Zukunft zu unterbreiten, auf den die Sowjets noch nicht reagiert haben diese Gespräche werden Anfang Mai fortgesetzt werden - und Studiengruppen einzusetzen, die die Analyse der anderen acht von mir aufgezählten
Punkte weiterführen sollen.
Ich bin jetzt gerne bereit, Ihre Fragen zu beantworten.
Frage: Herr Präsident, entschuldigen Sie, wenn ich nicht aufstehe,
aber ich möchte nicht die Kamera hier blockieren.
Sind Sie noch immer der Auffassung, daß die Sowjets unsere Menschenrechtskampagne in keiner Weise mit den Rüstungskontroll Verhandlungen in
Zusammenhang gebracht haben?
Antwort:

Ich kann Ihnen natürlich nicht garantieren, ob nicht im

Denker der Sowjets ein Zusammenhang zwischen den Menschenrechtsanstrengungen
und diesen jetzigen SALT-Verhandlungen besteht.
- 5 -

Wir haben jedenfalls keinen

�V

keinen Beweis, daß dies der Fall wäre.
Außenminister Vance hat es beispielsweise für recht beachtlich gefunden,
daß, als Generalsekretär Breschnew eine vorbereitete Erklärung zur Frage
der Menschenrechte abgab, er es auf einer völlig getrennten Sitzung von der
Zusammenkunft tat, auf der SALT besprochen wurde.
So wie wir es beurteilen, bestand kein Zusammenhang.

Aber ich kann

nicht garantieren, daß im Denken der Sowjets kein Zusammenhang besteht.
Frage:

Herr Präsident, Sie haben gesagt, daß die Sowjets behaupteten,

Außenminister Kissinger und Ihre Vorgänger hätten versprochen, daß sie
die Marschflugkörper (Cruise Missiles) als Waffensystem nicht installieren
würden.
Antwort: Ja!
Frage: Wo aber und in welcher Weise haben sie behauptet, daß dieses
Versprechen gegeben wurde, und haben Sie nachgeprüft, um herauszufinden, ob
es tatsächlich der Fall war?
Antwort: Ja. Beide, Präsident Ford und Außenminister Kissinger haben
vor der Öffentlichkeit und im privaten Gespräch mir gegenüber darauf bestanden, daß es von Seiten der Vereinigten Staaten niemals irgendeine
Zustimmung gegeben habe, die Dislozierung oder Entwicklung der Marschflugkörper einzuschränken oder zu verbieten.
Die in dem ersten Übereinkommen von Wladiwostok, das wie Sie wissen,
bisher noch nicht ratifiziert worden isc, gebrauchte Formulierungen sprachen
von einem Verbot von aus der Luft gestarteten Raketen.
Außenminister Kissinger vertrat den Standpunkt - und er ist weitaus
besser in der Lage,dies darzulegen, als ich für ihn sprechen könnte - daß
damit ballistische Raketen, die das Thema der Wladiwostok- übereinkommen
- 6 -

K.

�Wladiwostok-Übereinkommen bildeten, gemeint seien.
Vor zweieinhalb Jahren, als diese Verhandlungen geführt wurden, wußte
man noch wenig über die Kapazität dieser Marschflugkörper, und es gab über
sie überhaupt keine ins einzelne gehende Diskussion.

Die Sowjets be-

haupteten, daß sie bei der Diskussion über die aus der Luft gestarteten
Raketen von den Marschflugkörpern (Cruise Missiles) gesprochen hätten.
Außenminister Kissinger sagte, daß er nicht über Cruise Missiles gesprochen habe.
Frage:

Herr Präsident, um bei dem Punkt zu bleiben, die Sowjets

behaupten nicht, daß es irgendeine geheime Vereinbarung oder Erörterung
oder irgendetwas derartiges gegeben habe?
Antwort:
Frage:

Nein!
Sie sprachen also über den Text, die Formulierungen des

Wladiwostok-Übereinkommens?
Antwort:
Frage:

Genau!
Hatten die Russen zu SALT einen Gegenvorschlag, den sie uns ange-

boten haben, oder begnügten sie sich damit, unsere Vorschläge anzuhören?
Antwort: Sie hörten unsere beiden Vorschläge an. Gewiß, ihr Vorschlag
bestand darin, das Wladiwostok-Übereinkommen gemäß ihrem Verständnis zu
ratifizieren, wozu gehörte, daß sie den Backfire-Bomber entwickeln dürfen,
wir dagegen nicht unsere Marschflugkörper. Das ist ein Abkommen, das wir
niemals als Teil des Wladiwostok-Übereinkommens verstanden haben.
Frage:

Mr. Carter, wenn es zur Erzielung eines Fortschrittes notwendig

sein sollte, wären Sie bereit, Ihre Erklärungen zu den Menschenrechten zu_
- 7 -

�zu modifizieren?
Antwort:

Nein!

Ich werde meine Erklärungen zu den Menschenrechten

nicht modifizieren.

Meine Erklärungen zu den Menschenrechten stehen im

Einklang mit dem Gewissen unseres Landes.

Ich meine, daß im internationalen

Recht immer wieder aberkannt wurde, daß verbale Erklärungen oder irgend
welche Äußerungen der Überzeugung einer Nation keine Einmischung in die
Angelegenheiten eines anderen Landes bedeuten.
Im übrigen haben die Sowjets doch die Menschenrechte ratifiziert^als
sie die Charta der Vereinten Nationen angenommen haben.

Das Helsinki-Über-

einkommen, das noch in diesem Jahr in Belgrad auf seine Einhaltung überprüft
wird, schließt ebenfalls die Menschenrechte ein.
Absicht, meinen Standpunkt zu ändern.

Ich habe daher nicht die

Es ist ein Standpunkt, der nach

meiner Auffassung genau die Haltung unseres Landes wiedergibt.
Ich halte es nicht für richtig, die Konzeption der Menschenrechte
mit den SALT-Verhandlungen zu verknüpfen. Ich betrachte das al*- eine
falsche Verbindung. Ich hoffe, daß die SALT-Verhandlungen Erfolg haben
werden, wenn wir diese Gespräche im Laufe des Jahres im mühevollen Detail
fortsetzen. Sie werden nur dann erfolgreich sein, wenn die Sowjets überzeugt sind, daß es in ihrem Vorteil liegt, auf eine weitere Verpflichtung eine sehr kostspielige Verpflichtung und eine sehr bedrohliche Verpflichtung zum Wettrüsten zu verzichten - und nur, wenn unser eigenes Volk glaubt,
daß wir den gleichen Vorteil daraus ziehen. Darauf hoffen wir.
Frage: Herr Präsident, wie würden Sie das charakterisieren, was heute
vorgefallen ist? Wie groß ist der Rückschlag? Haben wir damit gerechnet,
daß die Sowjets unseren Positionen gegenüber aufgeschlossener sein würden?
Antwort:

Es gab weder in direkten noch in indirekten Kontakten mit

Breschnew Hinweise darauf, daß sie bereit wären, unsere Standpunkte zu
akzeptieren.

Wir haben in einem Zeitraum von fünf bis sechs Wochen
- 8 -

�Wochen sorgfältig einen Vorschlag für drastische Reduzierungen ausgearbeitet, den wir als ausgewogen betrachteten.
Ich darf sagen, daß die wichtigen Mitglieder des Kongresses, das
Außenministerium, mein eigener Stab, der Verteidigungsminister, die
Mitglieder des Gemeinsamen Stabes (der US-Streitkräfte) einstimmig der
Meinung waren, daß es sich um einen guten und fairen Vorschlag handelt.
Ich habe gehofft, daß die Substanz unseres Vorschlages in Zukunft von
der Sowjetunion akzeptiert werden wird, denn es liegt in ihrem und unserem
Vorteil, das zu tun.
Aber ich bin überhaupt nicht entmutigt. Außenminister Vance hat mir
telegraphiert, daß er enttäuscht darüber ist, daß wir nicht sofort zu
einem Übereinkommen gelangt sind, aber er war nicht entmutigt. Ich meine,
die Tatsache, daß ein gemeinsames Kommunique verfaßt wurde, das morgen früh
veröffentlicht wird und die Tatsache bekannt gibt, daß unsere beiden
Länder diese Gespräche ohne Unterbrechung fortsetzen, ist ebenfalls sehr
ermutigend.
Frage:

Herr Präsident, wäre es fair zu sagen, daß die Gespräche zusam-

mengebrochen sind, weil die Vereinigten Staaten gegenwärtig nicht bereit
sind, Einschränkungen für die Marschflugkörper (Cruise Missiles) zu
akzeptieren?
Antwort:
Frage:
Antwort:

Nein!
Ist das nicht der Kernpunkt?
Das ist keineswegs der Kernpunkt. Wir sind bereit, Ein-

schränkungen für die Marschflugkörper zu akzeptieren, wenn dies Bestandteil
eines ausgewogenen Gesamtpaketes ist. Wir sind nicht bereit, ein
einseitiges Verbot für die Entwicklung oder die Dislozierung von Marschflugkörpern zu akzeptieren, wenn die Sowjetunion nicht entsprechende Zugeständnisse macht, einschließlich des Backfire-Bombers.
- 9 -

Wir haben eiji

�-K

ein Paket zusammengestellt, das fair und ausgeglichen ist, aber wir sind
nicht bereit, einseitig auf eine Möglichkeit zu verzichten, wenn die Sowjetunion nicht eine entsprechende Gegenleistung bietet.
Frage:

Ich habe nicht gemeint einseitig, aber bei der Reise von

Außenminister Kissinger in die Sowjetunion im Januar 1976 fanden aktive
Verhandlungen über eine ausgewogene Reduzierung statt, bei denen es auch
um gewisse Begrenzungen für Marschflugkörper ging.
Wenn Sie also sagen, daß die Sowjets erklärten, wir hätten einer
Einschränkung der Marschflugkörper zugestimmt, beziehen sie sich dann
nicht auf das Jahr 1976 und nicht auf Wladiwostok, als die Marschflugkörper
tatsächlich nur auf dem Reißbrett existierten und nicht in der Wirklichkeit?
Antwort: Ich glaube nicht - aber ich möchte mich nicht in die Lage
versetzen, für Außenminister Kissinger zu sprechen - daß es jemals die
Unterstellung eines amerikanischen Einverständnisses hätte geben können,
daß die Sowjets ohne Begrenzung den Backfire-Bomber bauen und dislozieren
dürften, während wir die Marschflugkörper einschränkten. Das ist der
Standpunkt, den die Sowjets in dem Obereinkommen von Wladiwostok einnahmen.
Frage: Herr Präsident, haben die Russen erklärt, warum sie den umfassenden Vorschlag ablehnen? War es deswegen, weil sie keine so drastischen
Reduzierungen wollen, wie Sie sie vorgeschlagen haben, oder war es,weil sie
glaubten, die Begrenzungen für Marschflugkörper wären nicht ausreichend?
Haben sie irgendwelche Gründe angeführt?
Antwort: Ich weiß noch nicht. Ich habe noch keine endgültige Analyse
von Außenminister Vance vorliegen. Er war noch vor einigen Minuten in der
amerikanischen Botschaft in Moskau und hat einen ausführlichen Bericht über
den Verlauf der Verhandlungen für mich vorbereitet. So weit ich zu diesem
Zeitpunkt weiß, haben die Sowjets keine spezifischen Gründe dafür genannt,
warum sie unseren Vorschlag ablehnten.
Ich
- 10 -

�Ich vermute, daß dieser Vorschlag so substantiell ist und eine radikale
Abkehr vom bisherigen bedeutet, indem er strikte Begrenzungen und eine
Reduzierung der vorhandenen Raketen und ein Verbot der Entwicklung oder
Dislozierung neuer Raketen für die Zukunft enthält, daß die Sowjets einfach
mehr Zeit brauchen, um ihn zu prüfen.
Ob sie ihn bei den Verhandlungen in Genf im Mai oder später akzeptieren
werden oder nicht, kann ich heute einfach noch nicht sagen.
Frage: Die Gespräche im Mai werden zwischen Herrn Gromyko und Herrn
Vance stattfinden?
Antwort:
Frage:

Das ist richtig.
Herr Präsident, Senator Baker hat gerade vorhin erklärt, daß Sie

bei der Unterrichtung der führenden Vertreter des Kongresses gesagt hätten,
Sie beabsichtigten/hart 1 zu bleiben.

Haben Sie das gesagt, und was meinen

Sie damit?
Antwort: Ja, das habe ich gesagt. Ich glaube, daß es wichtig für uns
ist, in diesem Jahr eine Chance zu nutzen, nicht nur eine oberflächliche
Ratifizierung von Regeln auszuhandeln, wie das Wettrüsten weitergehen kann,
sondern ein Einfrieren der Entwicklung und Dislozierung neuer Raketen und
eine tatsächliche Reduzierung der Träger und der Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) unter den früher vereinbarten Stand.
Was diese Punkte anbetrifft, so beabsichtige ich,in meiner Haltung sehr
fest zu bleiben. Ich halte es nicht für vorteilhaft für unsere Nation,
stückweise zusätzliche Vorschläge zu machen. Unsere Erfahrungen in der
Vergangenheit haben uns gelehrt, daß die Sowjetunion aus umfassenden Vorschlägen jene Punkte herauslöst, die für sie von Vorteil sind, und die
Verhandlungen über jene Punkte des Vorschlags fortsetzen will, die für sie
nicht so günstig wären.
Ich

�Ich habe daher die Absicht, stark weiterzuverhandeln, um die führenden
Männder unseres Landes wissen zu lassen, was wir vorschlagen, und ich bin
nicht in Eile.

Es ist schon wichtig genug, methodisch und sorgfältig

vorzugehen, aber ich möchte hoffen, daß sich die Sowjets mit uns auf
drastische Reduzierungen und strikte Begrenzungen in Zukunft einigen werden,
die niemals Teil eines bisherigen Abkommens gewesen sind.
Frage:

Herr Präsident, darf ich hier nachhaken?

Antwort: Bitte!
Frage:

Wenn Sie sagen, Sie wollen die Verhandlungen fortsetzen,

besteht dann eine Chance, daß Sie im Mai nach Genf gehen könnten, da Sie
sich ohnehin Anfang Mai in Europa aufhalten werden?
Antwort:

Es steht tatsächlich auf meinem Plan, nach Europa zu

reisen - nicht nur, um mit den Verbündeten in London zusammenzukommen,
sondern auch mit Präsident Assad aus Syrien, und wo dieses Treffen stattfinden wird, weiß ich noch nicht.

Aber ich habe gegenwärtig keine Absichten,

auf dieser Reise mit sowjetischen Führern zusammenzutreffen.
Frage:

Herr Präsident, wie wird diese Daten-Bank funktionieren?

Wird

sie auch alle konventionellen Rüstungen einschließen?
Antwort: Das wäre eine Sache, die getrennt erörtert werden müßte. Seit
langem bildet die Daten-Bank eine Streitfrage bei den in Wien stattfindenden
Verhandlungen über eine beiderseitige, ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte, in deren Rahmen wir die Sowjets ersucht haben, uns einen Überblick
über ihr Arsenal innerhalb der Staaten des Warschauer Paktes zu geben.
Hierbei handelt es sich in erster Linie um konventionelle Waffen.
Die

�Die Daten-Bank jedoch, auf die ich mich heute nachmittag bezog, ist
eine Inventur der Kernwaffen, die in die SALT-Gespräche einbezogen wurden der strategischen Kernwaffen.

Bisher haben wir auf beiden Seiten eine

ziemlich gute Methode der Inventur von Waffen entwickelt, die tatsächlich
disloziert worden sind.

Wir streben jedoch einen freien und exakten Aus-

tausch mit der Sowjetunion über die Frage an, über wieviele Waffen sie und
über wieviele wir verfügen, damit wir genauer jede Abweichung von diesen
Zahlen feststellen können.
Frage:

Wenn ich hieran anknüpfen dürfte, würde dies irgendeine Art

der Verifizierung beinhalten?
Antwort: Ja. Wir möchten die Frage der Verifizierung mit allem Nachdruck offenlegen. Bei einem umfassenden Testverbot hätten wir gerne eine
Inspektion an Ort und Stelle. Die Sowjets haben diesem Prinzip niemals
zugestimmt, aber sie haben dies im Rahmen der Erörterungen einige Male
erwähnt. Außenminister Gromyko hat im vorigen Jahr vor den Vereinten
Nationen eine Erklärung abgegeben, in der von der Möglichkeit von
Inspektionen an Ort und Stelle die Rede war. Wir sind in der Tat der
Meinung, daß die Verifizierung bei einem umfassenden Rüstungsbegrenzungsabkommen eine entscheidend wichtige Rolle spielt. Es ist ganz klar, daß
es bei einer Verifizierung eine Verschleierung nicht gibt, und eine Verifizierung in begrenzterem Umfang beinhaltet auch die Daten-Bank, von der ich
gerade sprach. Noch eine Frage.
Frage: Darf ich bitte diese Frage stellen. Hat das Scheitern dieser
Gespräche in irgendeiner Weise Ihre Einstellung hinsichtlich der Entwicklung
künftiger amerikanischer Waffensysteme beeinflußt? Mit anderen Worten,
sind Sie jetzt eher geneigt, sich für eine volle Produktion des B-l-Bombers
oder für irgendein anderes modernes Waffensystem einzusetzen?
Antwort:

Nun, wenn wir zum Abschluß der Erörterungen im nächsten Monat

den Eindruck gewinnen, daß die Sowjets uns gegenüber nicht in Treu und
- 13 -

�und Glauben handeln und daß ein Abkommen unwahrscheinlich ist, dann wäre
ich gezwungen, eine weit tiefergehende Verpflichtung gegenüber der Entwicklung und Dislozierung zusätzlicher Waffen einzugehen.

Aber ich möchte

eine solche Entscheidung so lange nicht treffen, bis ich zu der Überzeugung
gelangt bin, daß die Sowjets nicht in Treu und Glauben handeln.

Ich hoffe,

sie werden in Treu und Glauben handeln.
Ich möchte jetzt noch eine Frage von Wes beantworten.
Frage:

Herr Präsident, noch eine Frage hinsichtlich der einschneidenden

Reduzierungen.

Weil die Sowjets anscheinend heute über mehr Trägersysteme

verfügen als wir, gibt es deshalb Einwände, daß sie im Falle einschneidender
Reduzierungen mehr Waffen vernichten müßten als wir?
Antwort: Einschneidende Reduzierungen würden beide Seiten in etwa
gleichem Maße betreffen. Weniger einschneidende Reduzierungen, sagen wir
einmal von 2 400 auf 2 200 Träger, würden die Sowjets weitaus nachteiliger
treffen als uns. Ein Teil unseres Verhandlungspaketes betrifft die
schweren Raketen, die SS-9 und die SS-18, von denen es gegenwärtig 308 Stück
gibt.
Wir haben in unser Verhandlungspaket eine wesentliche Reduzierung unter
diese Zahl einbezogen.

Aber ich glaube, daß Einzelheiten unseres Vorschlages

zu einem späteren Zeitpunkt enthüllt werden sollten.

Ich möchte mir hin-

sichtlich der Einzelheiten Zurückhaltung auferlegen, weil Außenminister
Vance und Außenminister Gromyko Absprachen in bezug auf die Darlegung der
Verhandlungen getroffen haben, über die ich noch nicht voll informiert bin.
Aber ich glaube, die genauen Zahlen können zu einem späteren Zeitpunkt
verfügbar gemacht werden.
Ich danke Ihnen."

+ + +
- 14 -

�1

Hß

py

b]

Dokumentation
United States Information Service

7/1977

GEMEINSAMES AMERIKANISCH-SOWJETISCHES KOMMUNIQUE

WASHINGTON - (AD) - Die USA und die Sowjetunion naben am 31. März 1977
nach Abschluß der Gespräche, die US-Außenminister Cyrus R. Vance in Moskau
geflihrf hat, ein gme-'nsame" Kommuniq' -&gt; veröffentlich*
Das Kommunique hat
folgenden Wortlaut:
Vom 28. bis 30. März 1977 führten der Generalsekretär des Zentralkomitees
der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, L I . Breschnew und das Mitglied
des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion,
Außenminister der UdSSR, A.A. Gromyko, Gespräche mit dem Außenminister der
Vereinigten Staaten von Amerika, Cyrus R. Vance, der sich zu einem offiziellen
Besuch in Moskau aufhielt.
Im Laufe der Gespräche fand eine allgemeine Erörterung der amerikanischsowjetischen Beziehungen sowie bestimmter internationaler Probleme von gemeinsamem Interesse für die Vereinigten Staaten und die UdSSR statt.
Die Behandlung von Fragen, die für den Abschluß des neuen Abkommens über
die Begrenzung strategischer Offensivwaffen relevant sind, nahmen den zentralen

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�zentralen Platz in den Gespräche ein. Beide Seiten sind übereingekommen»die
Erörterung dieser Fragen fortzusetzen.
Ferner fand ein Meinungsaustausch über eine Reihe anderer Fragen bezüglich der Begrenzung der Rüstungen und der Abrüstung statt.

Es wurde verein-

bart, daß bilaterale Kontakte, einschließlich von Zusammenkünften von Experten,
gepflogen würden, um diese Angelegenheiten zu erörtern.
Die Behandlung internationaler Fragen schloß die Vorbereitende Konferenz
in Belgrad sowie die Lage auf Zypern und im südlichen Afrika ein. Sie bekräftigten die Bedeutung des Viermächte-Abkommens vom September 1971. Besondere
Aufmerksamkeit wurde der Lage im Nahen Osten geschenkt.

Beide Seiten sind

übereingekommen, daß die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und
der UdSSR als Ko-Vorsitzende der Genfer Konferenz wesentlich ist, um einen gerechten und dauerhaften Frieden in diesem Gebiet herbeizuführen.

Es wurde

Übereinkunft erzielt, in der ersten Hälfte des Monats Mai 1977 in Genf ein
Treffen des Außenministers der Vereinigten St&lt; cen un^ des Außenministers der
UdSSR abzuhalten, um einen gründlichen Meinungsaustausch über das Nahost-Problem, einschließlich der Frage der Wiederaufnahme der Genfer Konferenz,zu pflegen.

Einige der anderen in den Gesprächen in Moskau behandelten Fragen werden

dann ebenfalls besprochen werden.
Die Erörterung praktischer Fragen der bilateralen Beziehungen führte zu
mehreren spezifischen Übereinkommen.

+ + + + +

�7/1977

AMERIKANISCHE COMPUTERKONFERENZ: TECHNIK - ANWENDUNG - PROBLEME
Tagung vom 13. - 16. Juni 1977 in Dallas (Texas)

- (AD) - Ein sorgfältig zusammengestelltes Vortragsprogramm, Seminare
und Analysen der jüngsten Entwicklungen bei Kleincomputeranlagen, insbesondere auf dem rapide wachsenden Gebiet der verbraucherorientierten Datenspeicherung und Datenverarbeitung, kennzeichnen die "Nationale Computerkonferenz" vom 13. - 16. Juni 1977 in Dallas (Texas). Mehr als 300 Firmen und
Institute sind außerdem mit Ausstellungen vertreten, die die modernsten technischen Entwicklungen und Anwendungsmöglichkeiten präsentieren. Die ca.
25 000 Besucher, die erwartet werden, erhalten Gelegenheit, sich umfassend
darüber zu informieren, welche Arbeitsmethoden und Ausrüstungen den jeweiligen Anforderungen am besten gerecht werden, kostengünstig sind und zu optimalen Ergebnissen führen. Aber auch der Komplex Datenschutz und sicherer
Prozeßablauf, einschließlich der Gefahr von Datenmißbrauch und Manipulation,
des Zugriffs Unberechtigter oder der Beeinflußbarkeit von Computerprogrammen,
sowie politische Probleme und Aufgaben im Zusammenhang mit der elektronischen
Datenverarbeitung werden eingehend behandelt.
Veranstalter ist die "American Federation of Information Processing

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�r -»

Processing Societies" (AFIPS - US-Verband der Gesellschaften für Datenverarbeitung).

Angesichts ihrer Bedeutung als Treffpunkt der Fachwelt nicht

nur aus den Vereinigten Staaten, sondern auch aus Europa, Asien, Lateinamerika,
dem Nahen Osten und Afrika erfährt die Konferenz eine besondere Förderung seitens des US-Außenministeriums und des US-Handelsministeriums.

Ähnlich wie

bei der vorangegangenen Tagung im Jahre 1975 in New York erwartet man im Juni
Hunderte von Teilnehmern aus dem Ausland.

Das Ereignis bietet Vertretern von

Wirtschaft und Industrie aus aller Herren Ländern eine einzigartige Gelegenheit zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch.
Die rapide fortschreitenden Veränderungen in der Technik der Informationsverarbeitung und ihrer Anwendung machen, so Konferenzvorsitzender Dr. Portia
Isaacson, kontinuierliche Weiterbildung zu einem dringenden Bedürfnis.

Die

Tagung sei deshalb so geplant und vorbereitet worden, daß sie Computerspezialisten, Organisationschefs für elektronische Datenverarbeitung (EDV), leitenden Persönlichkeiten in Wirtschaft und Industrie, Benutzern, Lehrern und Regierungsvertretern Gelegenheit gibt, zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln.
Der einzelne soll Unterstützung für die Wahrnehmung seiner speziellen beruflichen Aufgaben erhalten und im Hinblick auf sein berufliches Fortkommen gefördert werden.
Wie ein Sprecher der AFIPS erklärte, werden in jedem der 11 vorgesehenen
Seminare über Themen, die für EDV-Management und für technische Spezialisten
von besonderer Bedeutung sind, die jeweiligen Fragenkomplexe ausgelotet. Die
Leitung jedes der ganztägigen Seminare liegt in den Händen von Kapazitäten
ihres Fachs. Die Themenbreite reicht vom flächenabdeckenden Datenübertragungsnetz mit Satellitenstationen und zentraler Verarbeitungseinheit bis zur Langzeitplanung. Von den mehr als 300 Vorträgen der Experten basiert ein Teil auf
gleichzeitig eingereichten wissenschaftlichen Abhandlungen. In Round-TableGesprächen zwischen Vertretern führender Herstellerfirmen und Benutzern, in
Lehrveranstaltungen und Sonderarbeitskreisen für EDV-Organisationschefs nimmt
der Informationsaustausch zwischen Computerspezialisten und den für die Datenverarbeitung verantwortlichen Spitzenvertretern der Unternehmen einen beson- 2 -

-K

�besonderen Platz ein.

Mehr als 1100 Stände sind bereits reserviert, um "die

bisher größte und umfassendste Ausstellung von Computern und Zubehör, Softwaren, Systemen und Dienstleistungen zu präsentieren".

Vorgesehen sind fer-

ner ein nationaler Programmier-Wettbewerb, der einen in seiner Art einzigartigen Test für Logik- und Programmierleistung darstellt, und eine Ausstellung verbraucherorientierter Computer.
Die Themen in den Seminaren umfassen u.a. strukturierte Information,
d.h. "linienbezogener" Informationsumfang entsprechend dem Informationsbedürfnis auf den verschiedenen Stufen der betrieblichen Hierarchie, ferner
die Entwicklung von EDV-Langzeitplänen, on-line-Systeme, Einführung in die
physikalischen Vorgänge bei Anwendung der Software und in Computer-Verbundsysteme, Datenbank-Organisation, Vergleich von Datenbank-Systemen, Berufsbildung für Informatiker, Normierung der Software und Mikroprozessoren samt Ursprung und Trends sowie nach Anwendungsbereichen gegliedertes Konstruktionskonzept. Für Interessenten aus dem Ausland hat AFIPS eine mehrsprachige Broschüre über die Konferenz und ihre Ziele herausgebracht.
Die Betreuung der Besucher ist aufs Beste organisiert. Unter der Telefonnummer 800-556-6882, die von jedem Ort innerhalb der USA gebührenfrei angerufen werden kann, erhält der Interessent die gewünschten Auskünfte über
die günstigsten Anreisewege und Unterbringungsmöglichkeiten. Zum Service gehört außerdem die Reservierung der billigsten Flugbilletts nach Dallas (mit
Einsparungen bis 30 Prozent) für den Konferenzbesucher selbst. Familieangehörige und Kollegen. Am Flughafen Dallas-Fort Worth und im Konferenzzentrum
sind besondere Schalter für die Betreuung der ankommenden und weiterreisenden
Konferenzteilnehmer eingerichtet.

+ + + + +

- 3 -

�UUi//cn/choft
und Technik
United States Information Service

7/1977

EINZELATOME MIT LASER-LICHTENERGIE IDENTIFIZIERT

- (AD) - Über die Entwicklung eines Verfahrens, mit dem erstmals einzelne Atome angeregt, erfaßt und identifiziert werden können, berichten
Wissenschaftler des Oak Ridge National Laboratory (ORNL) in Tennessee, USA.
Es wurde "ein völlig neuartiges Instrument" der analytischen Chemie geschaffen, mit dem das absolute Höchstmaß an Empfindlichkeit zu erreichen und nicht
nur das einzelne Atom, sondern auch dessen Reaktion mit anderer Materie zu beobachten ist.
Das Verfahren beruht auf der Anregung einzelner Atome in Gasen durch
die Photonen eines intensiven Laserstrahls. Im ORNL wurde demonstriert, daß
auf diese Weise Einzelatome des Elementes Caesium in einigen Trillionen anderer Atome und in Molekülen verschiedenster Art erfaßt werden können. Die
Methode ist aus Projekten der Grundlagenforschung hervorgegangen, die von
der Abteilung Biomedizin und Umweltforschung der ERDA (US-Energieforschungsund Entwicklungsbehörde) zur Verbesserung von Meßverfahren für die Kontrolle
der Luftqualität in Angriff genommen wurden.
Die Bewegungen einzelner Atome können mit dem Raster-Elektronenmikroskop
"sichtbar" gemacht werden.

Ebenso läßt sich der radioaktive Zerfall eines

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�-

eines Atoms registrieren.

Aber bei diesen Verfahren ist es nicht möglich,

ein Einzelatom auszuwählen, zu isolieren und zu beobachten.

Das neue ORNL-

Verfahren ist vor allem für solche Gebiete der Forschung von Bedeutung, wo
es zur Lösung von Problemen darauf ankommt, geringe Mengen von Atomen zu
identifizieren und zu zählen.

Dies trifft z.B. für die Identifizierung und

Messung chemischer Schmutz- und Schadstoffe zu. Außerdem könnte die neue
Methode die Identifizierung neuer, nur in äußerst kleinen Mengen synthetisierter Elemente erleichtern.

Sie könnte ferner helfen, seltene nukleare

Reaktionen wie jene zu registrieren, die unter Beteiligung von Neutrinos aus
der Sonne vor sich gehen. Auch bei der Suche nach den "Quarks", die heute
als die eigentlichen Grundbausteine der Materie angesehen werden, erhofft
man sich bessere Meßmethoden mit dieser Art einer "Laser-Sonde".
Das Verfahren wird folgendermaßen beschrieben: Ein intensiver Laserstrahl wird in einen Proportionalzähler gepulst - ein Registrierinstrument,
in dem sich gleichzeitig die Kammer mit der Gasprobe befindet.

Die Intensi-

tät und gleichzeitig sorgfältig gesteuerte Frequenz des uaserlicht-Impulses
sorgen dafür, daß jedes Atom jenes Typs, den man erfassen will, zunächst angeregt und dann ionisiert wird.

Das führt dazu, daß jedes Atom des "ange-

sprochenen" Elements ein Elektron verliert, während die Milliarden von Atomen
oder Molekülen anderen Typs im wesentlichen unbeeinträchtigt bleiben.

Der

Proportionalzähler ist so empfindlich, daß er erlaubt, einzelne Elektronen
zu zählen, die innerhalb der Kammer von Atomen abgestreift werden.

Die im

ORNL demonstrierte Methode läßt sich unter Verwendung verschiedener Instrumente auf etwa die Hälfte aller bekannten Elemente anwenden; unter gewissen
Umständen werden auch mehrere Laser eingesetzt. Auch Moleküle sind zu klassifizieren, indem man sie aufspaltet und dann die atomaren Bestandteile identifiziert.

+ + + + +

�Uli//cn/ch(ift
und Technik
United States Information Service

7/1977

SUPERMAGNET IN HYBRID-KONSTRUKTION
Energiebedarf fast zwei Drittel geringer

- (AD) - Mit einem Hybrid-Magnetsystem, der Kombination aus einem herkömmlichen w^ssergeLiulten Magneten und einer superleitfähigen Spule, wurde
am Nationalen Francir&gt;-Bitter-Magnetforschungsinstitut (NML) in Cambridge
(Massachusetts) eine Feldstärke von 254 000 Gauss erzielt. Dies entspricht
etwa dem 500 OOOfachen der Stärke des erdmagnetischen Feldes. Bei dem Gerät handelt es sich um eine Sonderkonstruktion im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts amerikanischer und niederländischer Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. B. Bruce Montgomery (NML). Das Institut steht unter der Regie
des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und wird von der amerikanischen
Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) gefördert.
Für die Erzielung der Höchstleistung in der jüngsten Versuchsserie waren 4,5 Megawatt (4,5 Millionen Watt) Strom erforderlich. Man hätte jedoch,
wie Dr. Montgomery erklärte, 12 - 13 Megawatt gebraucht, wenn ausschließlich
ein wassergekühlter Kupfermagnet gleicher Größe und Feldstärke benutzt worden
wäre. Bei der Hybrid-Konstruktion wird ein solcher wassergekühlter Magnet nur
als Einsatz für die große Außenspule verwendet, die aus einem Supraleiter be-

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�/ «

besteht.

Superleitfähiges Material zeichnet sich dadurch aus, daß sein

elektrischer Widerstand bei Abkühlung auf extrem tiefe Temperaturen auf Null
zurückgeht, so daß der einmal zugeführte elektrische Strom ständig fließt.
Für die Erzeugung eines Magnetfeldes wird keinerlei Strom verbraucht - die
Energie ausgenommen, die für die Kühlung der Spule auf Tiefsttemperatur erforderlich ist.

Bestimmte Materialien,

z.B. eine Legierung aus den Metal-

len Niob und Tantal, eignen sich als Supraleiter besonders gut.

In vielen

Laboratorien arbeiten Werkstoffexperten jetzt daran, zum Zweck der Kostenund Energieeinsparung Supraleiter zu entwickeln, dere. "Sprungtemperatur"
- d.h. jene Temperatur, bei der die Superleitfähigkeit einsetzt - nicht so
extrem niedrig liegt wie beispielsweise bei der Niob-Tantal-Legierung.
Im Gegensatz zu wassergekühlten Magneten läßt sicn jedoch bei Supraleiter-Magneten die Feldstärke nichtbeliebig steigen.. Mit zunehmender
magnetischer Feldstärke wächst der elektrische Widerstand. Bei der NiobTantal-Legierung liegt die Feldstärken-Grenze bei ca. 85 000 Gauss. Ein
wassergekühlter Magnet dagegen ist in seiner Leistung nicht begrenzt. Mit
mehr Energie ließen sich theoretisch immer höhere Felci.vcärken erzeugen. In
der Praxis jedoch müssen neben den Anforderungen an die Kühlung zum Abführen
der riesigen Wärmemengen, die den Magneten zerstören würden, auch die enoniien
mechanischen Belastungen der Spule durch die elektromagnetischen Kräfte berücksichtigt werden. Prof. Francis Bitter vom MIT, n-ch dem heute das Nationale Laboratorium für Magnetforschung benannt ist, war einer der Pioniere
für die Konstruktion der modernen wassergekühlten Magnete.
Im Verbund leisten die beiden Magnettypen jedoch das itestmögliche, was
technisch auf dem Gebiet der Magnetkonstruktion gegenwärtig zu erreichen ist.
Bei den künftigen Versuchsserien im NML will man u.a. Feldstärken bis zu
300 000 Gauss erzeugen.

Dafür wären ca. 10 Megawatt Energie erforderlich -

die Grenze dessen, was die Generatoren des Instituts zu produzieren vermögen.
Später wird der Hybridmagnet für die Durchführung weiterer Experimente nach
Nijmwegen (Holland) transportiert, wo vor kurzem ein Magnetlabor (mit einer
Energieproduktion bis 6 Megawatt) eingerichtet wurde.
Nach
- 2 -

�Nach Ansicht der Wissenschaftler des NML bedeutet die Entwicklung des
Hybrid-Magneten einen wichtigen Schritt zur Konstruktion großer SupraleiterMagnetsysteme.

Diese könnten u.a. für die Stromerzeugung im Rahmen neuer

Techniken, einschließlich der Kernfusion, von Bedeutung sein.

Außerdem H e s -

sen sich damit extrem starke Magnetfelder für die Untersuchung und Erprobung
verbesserter Supraleiter erzeugen.

In der Grundlagenforschung werden Magnet-

felder hoher Intensität zum Studium von Materie-Eigenschaften benutzt - z.B.
von Atomen, Halbleitern oder magnetischen Materialien.

Geräte, mit denen

Magnetfelder von mehr als 300 000 Gauss erzeugt werden können, würden der
experimentellen Physik noch bessere Hilfsmittel als bisher verfügbar an die
Hand geben, um vor allem die Geheimnisse der magnetischen und elektrischen
Eigenschaften der Materie zu lüften.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: Weitere entschlossene Abrüstungsbemühungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zur Begrüßung von Außenminister Vance am 2.April 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter-Pressekonferenz vom 30. März 1977 zu den SALT-Verhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsames amerikanisch-sowjetisches Kommunique&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Computerkonferenz: Technik - Anwendung - Probleme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Tagung vom 13. - 16. Juni 1977 in Dallas (Texas) -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;Einzelatome mit Laser-Lichtenergie identifiziert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Supermagnet in Hybrid-Konstruktion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Energiebedarf fast zwei Drittel geringer -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

6. April 1979

PRÄSIDENT CARTER KÜNDIGT NEUE ENERGIE-MASSNAHMEN AN
- Wortlaut der Rede vom 5. April 1979 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 5. April 1979 in einer
mit Spannung erwarteten Rede neue Maßnahmen auf dem Energiesektor angekündigt,
die gleichzeitig einer Steigerung der einheimischen Produktion und der Einsparung von importiertem öl dienen sollen.

Die Rede hat folgenden Wortlaut:

Das Energieproblem unseres Landes ist ernst, und es wird noch ernster.
Wir verschwenden zu viel Energie, wir kaufen viel zu viel öl im Ausland,und wir
produzieren selbst nicht genug öl, Erdgas oder Kohle in den Vereinigten Staaten.
Die Bundesbürokratie und der Papierkrieg, die der Überwachung der Preise, der
Förderung und des Absaztes von Energie dienen, sind so kompliziert geworden,
daß es fast nicht zu glauben ist.
immer höher, was immer wir tun.

Die Energiepreise sind hoch und steigen

Der Verbrauch an Kohle und Sonnenenergie, die

in großer Menge vorhanden sind, hinkt weit hinter deren großem Potential her.
Der jüngste Störfall im Kernkraftwerk auf dem Three Mile Island in Pennsylvania
hat auf dramatische Art und Weise aufgezeigt, daß wir auch noch andere Energieprobleme haben.

Was können wir tun?

Wir können diese Probleme gemeinsam lösen.
Die

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�W

Die Preisüberwachung durch die Bundesregierung hält gegenwärtig unsere
Förderung niedrig, ermutigt zur Energieverschwendung und erhöht die Abhängigkeit
von ausländischem öl.
Die derzeitige Gesetzgebung fordert, daß diese Preiskontrollen bei öl bis
September 1981 beseitigt werden müssen,und sie gibt mir mit Ende des kommenden
Monats die Vollmacht, mit der Aufhebung der Kontrollen zu beginnen.

Um einen

möglichen plötzlichen wirtschaftlichen Schock auf ein Mindestmaß zu begrenzen,
habe ich mich entschlossen, mit der schrittweisen Aufhebung der ölpreisüberwachung am 1. Juni zu beginnen und sie in den nächsten 28 Monaten Zug um Zug bei
im wesentlichen einheitlichen Sätzen abzuwickeln.

Eine unmittelbare Auswir-

kung dieses Vorgehens wird darin bestehen, daß die Förderung von öl und Erdgas
in unserem Lande steigen wird.
Wenn die staatlichen Kontrollen aufhören, werden die Preise für öl aus vorhandenen Quellen steigen, und die öl gesell Schäften werden, sofern wir sie nicht
entsprechend besteuern, gewaltige und unverdiente Konjunkturgewinne einstecken.
Wir müssen den öl gesell schaffen eine Konjunkturgewinnsteuer auferlegen, um dem
amerikanischen Volk einen Teil dieses Geldes zu erhalten. Diese Steuermittel
werden in einen Energiesicherungsfonds eingebracht und dazu verwandt werden,
Familien mit niedrigen Einkommen vor den Folgen steigender Energiepreise zu
schützen, ein effizienteres Massenverkehrssystem aufzubauen und Amerikas technisches Genie auf die Aufgabe zu lenken, unsere langfristigen Energieprobleme
zu lösen.
Lassen Sie mich all dies nun im Detail erläutern.

Ich halte das für sehr

wichtig und hoffe, daß Sie mir gut zuhören und mir Ihre Mitarbeit und Unterstützung angedeihen lassen.
Die Energiekrise ist greifbar.

Ich habe im Jahre 1977 erklärt, und ich

sage es heute - fast genau zwei Jahre später - noch einmal:

Die Zeit wird knapp.
Auch

4

�Auch wenn sich die Lage auf Three Mile Island gebessert hat und wir jede
mögliche Vorsichtsmaßnahme getroffen haben, die Bevölkerung in jenem Gebiet zu
schützen, bereitet dieser nukleare Störfall offensichtlich uns allen Sorge.
Ich habe die Errichtung einer Unabhängigen Expertenkommission des Weißen
Hauses verfügt, die die Ursachen dieses Störfalls untersuchen und Empfehlungen
zur Verbesserung der Sicherheit in Kernkraftwerken ausarbeiten soll.

Sie, meine

Zuhörer, haben Anspruch auf uneingeschränkte Unterrichtung und Sie werden diese
erhalten.
Wenngleich dieser Störfall unsere unmittelbare Aufmerksamkeit verdient,
so ist doch die Hauptursache des Energieproblems unseres Landes das Erdöl. Wir
hängen auf gefahrvolle Art und Weise von unsicheren und kostspieligen ausländischen ölbezugsquellen ab.
Seit dem ölembargo von 1973 ist die Förderung in den Vereinigten Staaten
tatsächlich rückläufig. Unsere Einfuhren aber steigen. Einige wenige fremde
Länder bestimmen, wieviel Ol gefördert wird und welchen Preis wir zahlen müssen.
Noch vor zehn Jahren haben wir kaum öl importiert.
die Hälfte des Öls, das wir verbrauchen, im Ausland.

Heute kaufen wir etwa

Wir sind der bei weitem

größte Kunde von öl aus den OPEC-Ländern, kaufen wir doch ein Viertel der Gesamtförderung dieses Länderkartells.

In diesem Jahr werden wir 50 Milliarden

Dollar für die öleinfuhren aufwenden - das sind etwa 650 Dollar für jeden Haushalt in den Vereinigten Staaten.
Diese wachsende Abhängigkeit macht uns auf gefährliche Weise anfällig
bei plötzlichen Preiserhöhungen und Lieferunterbrechungen: In den Jahren 1973
und 1974 wurde ein ölembargo verhängt, und die Preise vervierfachten sich fast
über Nacht. In den letzten Monaten verringerten die Unruhen im Iran das ölangebot auf dem Weltmarkt, und die Preise des OPEC-Kartells schnellten abermals
empor.
Diese

�r

Diese Schocks stellten für uns eine entscheidende Warnung in bezug auf
die ölsituation dar; unser Land hat auf diese Warnungen aber bisher nicht reagiert.

Unsere nationale Stärke hängt in gefährlicher Weise von einer dünnen

Kette aus öltankern ab, die sich halb um die Erde erstreckt und ihren Ausgang im Nahen Osten und im Gebiet des Persischen Golfs nimmt - einer der instabilsten Regionen der Erde.
Der Nationale Energieplan, den ich im April 1977 vorgeschlagen habe, war
die erste große Anstrengung, dieser Probleme Herr zu werden.

Anschließend

debattierte der Kongreß 1B lange Monate, währenddessen sich die Interessengruppen um Vorteile rauften.

Einige meiner damaligen Vorschläge erlangten

Gesetzeskraft und zeitigen bereits positive Ergebnisse.

Die Vorschläge, die

das öl betrafen, erlangten keine Gesetzeskraft, und wir haben inzwischen Zeit
verloren, die unwiderbringlich ist.
Mit neuen Gesetzesvollmachten bin ich nunmehr in der Lage, ohne Zögern
zu handeln.
Es gibt keine Patentlösung für alle Fragen.
Wir müssen mehr sparen.

Und wir müssen uns

Wir müssen mehr fördern.

nunmehr in einer großen nationalen

Anstrengung zusammenfinden, um die amerikanische Technologie zur Sicherung der
Energieversorgung in der Zukunft zu benutzen.
Die wirksamste Maßnahme, die wir ergreifen können, um zu größerer Sparsamkeit und höheren Förderleistungen im eigenen Land zu ermutigen, besteht
darin, aufzuhören, die ölimporteure zu belohnen und die Verschwendung zu begünstigen, indem wir die Preise für amerikanisches öl weit unter dem Preis der
Ersatzbeschaffung oder unter dem wahren Wert halten.
Das ist ein schmerzlicher Schritt und ich sage Ihnen unverblühmt: Jeder
von uns wird weniger öl verbrauchen und mehr dafür bezahlen müssen.
Es ist aber ein notwendiger Schritt,und ich wünsche, daß Sie das voll
und ganz verstehen.
Die

�Die übermäßigen Überwachungsmaßnahmen der Bundesregierung müssen aufhören.

Die schrittweise Aufhebung der Überwachung wird die Preise für Erdölprodukte
allmählich steigen lassen.

Kurzfristig wird dieses Vorgehen auch unsere Infla-

tionsrate um einen kleinen Satz erhöhen, das aber ist der Preis, den wir dafür
bezahlen müssen, unsere Abhängigkeit von einem ausländischen öl karte 1 ! zu vermindern.

Langfristig werden uns die Maßnahmen, die ich heute abend hier verkünde,
im Kampf gegen die Inflation helfen.

Andere Länder werden sich uns anschließen

und uns unterstützen, wenn wir unseren Ölverbrauch einschränken und unsere eigene Energieerzeugung steigern.

Es wird dem Länder-Ölkartell künftig schwerer

fallen, die Preise zu erhöhen.

Der Dollar wird stärker werden, und die Preise

für viele Einfuhrgüter werden niedriger liegen.

Das wird unsere Wirtschaft

stärken und die Inflation in den kommenden Jahren verlangsamen.

Die Beseitigung der staatlichen Überwachung könnte jedoch die ohnehin
hohen Gewinne der öl gesell Schäften weiter erheblich vermehren.

Wie ""'ch schon

gesagt habe, wird den Gesellschaften ein Teil dieser überhöhten neuen Gewinne
völlig unverdient zufallen - was wir Konjunkturgewinne nennen.

Aus diesem Grund müssen wir eine neue Konjunkturgewinnsteuer einführen,
um diese nicht erwirtschafteten Milliarden Dollar zurückzuerhalten und um
sicherzustellen, daß Sie - das amerikanische Volk - fair behandelt werden.

Ich möchte betonen, daß diese Konjunkturgewinnsteuer nicht das amerikanische
Volk betrifft.

Sie

ist nichts anderes als eine Steuer auf die neuen Gewinne

der öl Produzenten, die sie vereinnehmen werden,ohne sie erwirtschaftet zu haben.

Selbst wenn wir die Konjunkturgewinnsteuer einführen, werden unseren ölproduzenten erhebliche neue Gewinne zufließen - genug, um hinreichend Anreiz
zur Steigerung der heimischen Förderung zu geben.

Ich werde verlanger-,

daß sie diese neuen Erträge zur Entwicklung neuer Energieträger für Amerika

- 5 -

�*

Amerika verwenden, und nicht dazu, Warenhäuser und Hotels aufzukaufen, wie es
einige von ihnen in der Vergangenheit getan haben.
Führende Männer im Kongreß, die meine Auffassung von der Notwendigkeit
einer Konjunkturgewinnsteuer teilen, haben mich davor gewarnt, daß wir uns
als Folge dieser Vorschläge mit zwei sehr realen Bedrohungen konfrontiert sehen
werden.
Erstens, so sicher wie die Sonne aufgeht, so sicher ist von den ölgesellschaften zu erwarten, daß sie dafür kämpfen, diese Profite zu behalten, die sie
nicht erwirtschaftet haben. Wenn Sie nicht Ihre Stimme erheben, werden jene
mehr Einfluß auf den Kongreß haben

als Sie.

Zweitens, das unvermeidliche Gerangel der Interessengruppen um einen größeren
Anteil an diesen Zusatzerträgen vermag den Kongreß in zwei Lager zu spalten,
ihn in eine Sackgasse zu führen und handlungsunfähig zu machen. Wenn Sie Ihrer
Stimme nicht Gehör verschaffen, wird die Selbstsucht einiger weniger einmal
mehr Maßnahmen blockieren, die dringend erforderlich sind, um der ganzen Nation
zu helfen.
Ich werde kämpfen, um diese Steuer durchzubekommen, um den Energiesicherungsfonds zu errichten und unseren künftigen Energiebedarf zu decken; und heute abend
bitte ich Sie um Ihre Hilfe. Lassen Sie bitte Ihre Senatoren und Ihre Abgeordneten wissen, daß Sie die Steuer auf Konjunkturgewinne unterstützen - und daß
Sie nicht wollen, daß die Notwendigkeit zur Produktion von mehr Energie als Vorwand genommen wird, um die Öffentlichkeit zu betrügen und unserem Land Schaden
zuzufügen.
Wir können unsere Herausforderung auf dem Gebiet der Energie meistern,
aber ich werde nicht Menschen ungebührliche Lasten auferlegen, wenn sie schon
jetzt kaum wissen, wie es reichen soll.
Ein Teil des Aufkommens aus der Konjunkturgewinnsteuer wird dazu verwandt
werden, um jenen zu helfen, die durch steigende Energiepreise am stärksten be^

\

�betroffen sind.
Ich werde jeden Einzel Staat ersuchen, Gesetze zu erlassen, die Amerikaner
davor schützen, daß ihren willkürlich die Heizung ihrer Wohnungen gesperrt wird.
Wir werden die zig Millionen Dollar, die wir bereits in Prozessen wegen
Preistreiberei gegen öl gesell Schäften gewinnen, zur weiteren Unterstützung
auf dem Energiesektor für Bürger unterer Einkommensklassen verwenden.
Um der Fairness willen

werde ich den Kongreß ersuchen, die Lücken im Ge-

setz für steuerliche Abschreibungen im Ausland zu schließen, die den großen
öl gesellschaften heute unnötige Gewinne verschaffen.
Und um einen kurzfristigen inflationären Druck abzuwehren, werde ich vorschlagen, daß die heute für importiertes Rohöl und importierte Rohölprodukte
geltenden Tantiemen und Abgaben für einen begrenzten Zeitraum aufgehoben werden.
Neben der Abschaffung der Regierungskontrolle von öl zur Ermutigung der
Produktion müssen wir noch andere Maßnahmen ergreifen, um die Versorgung zu
steigern und unsere eigenen einheimischen Brennstoffreserven bestmöglich zu
nutzen.
- Ich habe heute eine Regierungsverordnung unterzeichnet, die strikte
Fristen für die Überwindung der bürokratischen Schwierigkeiten bei wichtigen
neuen Energieprojekten setzt, wie beispielsweise Rohrleitungen, Seehäfen und
Raffinerien.
- Wir werden Schritte unternehmen, um die bürokratischen Hindernisse für
den Bau der geplanten Rohrleitung nach Texas zu beseitigen, die in einem Sumpf
von über 700 Bewilligungsanträgen auf einzelstaatlicher und kommunaler Ebene
während der letzten 14 Monate steckengeblieben ist.
- Wir werden die Suche nach und die Produktion von öl und Erdgas auf Bundesland steigern.
- Diese

�#•

- Diese Woche haben meine persönlichen Vertreter in Mexiko-Stadt Verhandlungen begonnen, von denen wir hoffen, daß sie zu einem Abkommen über den Verkauf von mexikanischem Erdgas an die Vereinigten Staaten zu einem für beide
Länder fairen Preis führen werden.
- Die drei Bundesbehörden, die für die Kohle zuständig sind, werden mir
innerhalb von 60 Tagen über Mittel und Wege berichten, um den stärkeren Verbrauch
von Kohle - unserer reichhaltigsten Energiereserve - zu fördern.
Und ich werde bald wichtige Maßnahmen zur Steigerung und Beschleunigung
der Verwendung von Sonnenenergie bekanntgeben.
über die Produktion von mehr Energie hinaus müssen wir mehr Energie sparen.
Sparen ist unsere billigste und sauberste Energiequelle.

Es hilft die Inflation

zu dämpfen, und jedes Faß öl, das wir sparen, ist ein Faß, das wir nicht einzuführen brauchen.
Wir haben 19 weitere Verbraucherländer aufgerufen, sich uns in der Verpflichtung anzuschließen, den zu erwartenden Ölverbrauch um fünf Prozent zu senken.
Um diese Einsparungen zu erreichen:
- habe ich den Kongreß um eine ständige Vollmacht auf vier Gebieten ersucht, von denen eines in der Anordnung besteht, daß die Thermostaten in allen
wirtschaftlich genutzten Gebäuden im Winter nicht höher als 65 Grad (Fahrenheit, ca. 18 Grad Celsius) und im Sommer nicht niedriger als 80 Grad (Fahrenheit, ca. 27 Grad Celsius) eingestellt werden dürfen. Sobald ich diese Vollmacht erhalte, werde ich sie anwenden.
- Es werden Schritte unternommen werden, um das freie Parken für Regierungsbedienstete abzuschaffen, um die Verschwendung von Benzin für die Fahrt
zur Arbeit zu verringern.

Ich fordere alle Arbeitgeber auf, diesem Beispiel

zu folgen.
- Steuerabschrei-

*

�- Steuerabschreibungen werden die Verwendung von holzgeheizten Öfen
fördern.
- Ich ersuche alle Bürger, die Geschwindigkeitsbeschränkung von 55 Meilen
pro Stunde (ca. 90 km/h) einzuhalten, und alle Einzelstaaten, für die Einhaltung zu sorgen.

Dies ist eine der wirksamsten Methoden, um Treibstoff zu

sparen.
- Ich werde für unsere 50 Bundesstaaten Ziele zur Verminderung des Benzinverbrauches setzen und jeden Staat ersuchen, sein Ziel zu erfüllen. Der Zeitplan wird strikt sein. Sollten die Bundesstaaten bei einer Benzinknappheit
ihre Ziele nicht erfüllen, dann werde ich Zwangsmaßnahmen anordnen, um die erforderlichen Einsparungen zu erzielen, einschließlich der Schließung von Tankstellen an Wochenenden. Wenn diese Einsparungen nicht vorgenommen werden,
werden wir fast mit Sicherheit schon in diesem Sommer mit Benzinknappheit rechnen müssen.
Ferner ersuche ich einen jeden von Ihnen, für unser Land wichtige Schritte
zu unternehmen.

Ich bitte Sie, in Zukunft jede Woche 15 Meilen weniger zu

fahren als bisher.

Eine Möglichkeit hierfür ist, daß Sie nicht jeden Tag mit

dem eigenen Wagen zur Arbeit fahren.

Benutzen Sie zumindest einmal in der

Woche den Bus oder eine Fahrgemeinschaft oder - wenn Ihre Arbeitsstätte in der
Nähe Ihrer Wohnung liegt - gehen Sie zu Fuß.
Derartige Maßnahmen können von entscheidender Bedeutung für unser Land
sein. Denn wenn wir uns so verhalten, können wir jeden Tag Hunderttausende
Barrel öl einsparen. Dies wird dazu beitragen, die ölpreise niedrig zu halten,
und es liegt auf der Hand, daß Sie Geld sparen werden, welches Sie sonst für
Benzin ausgegeben hätten.
Wenn dies auf vorübergehender Basis nötig sein sollte,
- werde ich unter Umständen bestimmte Fristen für Umweltschutzmaßnahmen
verlängern, um auf diese Weise eine ernsthafte Benzinverknappung vermeiden zu helfen.

.,

�- Wenn Elektrizitätswerke dies nicht freiwillig tun, könnten sie die Auflage erhalten, nicht mit öl betriebene Kraftwerke mit voller Kapazität
zu fahren und den zusätzlich gewonnenen Strom in Gebiete zu leiten, wo
Erdölkraftwerke stufenweise umgestellt werden können.
Bisher habe ich davon gesprochen, mehr Energie zu produzieren und mehr
Energie einzusparen.
In den nächsten Minuten möchte ich zu Ihnen über den dritten - und verheißungsvollsten - Teil unseres Kampfes für die Energiesicherung sprechen:
von dem Übergang zu reichlicheren Energiequellen durch die Entwicklung und Nutzung der amerikanischen Technologie.
Wir investieren bereits etwa 3,5 Milliarden Dollar jährlich, um neue
Energievorräte zu entwickeln, die wir in der Zukunft benötigen werden.
Wir müssen diese Anstrengungen intensivieren. Genauso wie wir mit großem
Einsatz und geistiger Anstrengung amerikanische Astronauten auf dem Mond landen ließen, werden wir gleiche massive und zielstrebige Anstrengungen unternehmen, um das Ziel der nationalen Energiesicherung durch Technologie zu erreichen. Wir müssen jetzt damit beginnen, um wieder die Kontrolle über unsere
Energiezukunft zu gewinnen.
Deshalb ist der Energiesicherungsfonds - der aus der Steuer für Konjunkturgewinne gespeist wird - von so entscheidender Bedeutung. Deshalb ist jede
Stimme, die im Kongreß für diesen Fonds abgegeben wird, eine Stimme für die Zukunft Amerikas - und jede ablehnende Stimme ist ein Votum für exzessive Profite der öl gesell Schäften, für die Abhängigkeit von den Launen ausländischer
öl kartelle.
Der Energiesicherungsfonds wird uns in die Lage versetzen, eine gesunde
Strategie in der Energieforschung und -entwicklung zu verfolgen.

In
- 10 -

�In den kommenden Jahren können wir Automobile, Gebäude, Zubehörteile
und Maschinen herstellen, die uns bessere Dienste leisten und weniger Energie
verbrauchen.
Wir können den Massenverkehr verbessern und unser gesamtes Verkehrssystem
sauberer, schneller und wirksamer gestalten.
Wir können die Nutzung unserer großen Kohlevorkommen ausweiten, indem wir
Kohle in Gas, flüssige und feste Brennstoffe umwandeln.
Wir können lernen, wie unsere gewaltigen Reserven an Ölschiefer genutzt
werden können.
Aus den Produkten unserer Wälder und unserer Anbauflächen können wir mehr
Gasahol (Mischung Benzin/Alkohol) produzieren, wie dies bereits in einigen Staaten des Mittleren Westens getan wird, um Benzin zu ersetzen.
Wir können den Betrieb kleinerer Wasserkraftwerke fördern, die durch normale Flüsse angetrieben werden, ohne Notwendigkeit für große Staudämme.
Und wir können uns in wachsendem Maße der letztlichen Quelle aller Energie
zuwenden - der Sonne.
Es gibt Solartechniken, die bereits wirtschaftlich sind. Mit den gebotenen
Steuerabschreibungen und mit Hilfe unseres neuen Energiesicherungsfonds können
wir eine noch schnellere Entwicklung und Nutzung der Sonnenenergie fördern.
In Zukunft werden wir die Sonnenenergie auf vielfache andere Weise nutzen, einschließlich der direkten Umwandlung des Sonnenlichtes in Energie. Wir wenden
diese Methode bereits für begrenzte Zwecke an, wie beispielsweise in unserem
Raumfahrtprogramm. Wissenschaftliche Entdeckungen sind jedoch erforderlich,
um sie nutzvoller in unseren Heimen und Fabriken anwenden zu können.

Der

�Der Energiesicherungsfonds, der aus den Konjunkturgewinnen herrührt,
wird für diese erregenden neuen Energieprogramme aufkommen.
Alle diese Schritte können Teil eines weitergefaßten internationalen Bemühenssein.

Andere Länder sind bestrebt, mit uns zu arbeiten.

Die Maßnahmen und Pläne, die ich heute abend angekündigt habe, werden uns
vom importierten
Zukunft führen.

öl wegbringen und zu einer wahren Energiesicherung in der
Diese Maßnahmen werden uns ein besseres Leben bringen.

Es

sind notwendige Schritte, weil unser Land sich einem ernsthaften ölproblem
sowie einer umfassenderen Energieherausforderung gegenübersieht.

Es geht hier

um die Zukunft unseres geliebten Landes.
Wir Amerikaner sind mit ähnlichen Herausforderungen in der Vergangenheit
fertig geworden. Unser Land hat vieles durchgestanden, ist gewachsen und aufgeblüht.

Amerika ist ein großes Land, und wir verfügen über reichhaltige

Ressourcen und über den technologischen Genius.
Wir müssen uns über die Dringlichkeit dieser Herausforderung voll und ganz im
klaren sein - und wir müssen zusammenarbeiten,um sie zu bewältigen.
wir auch dies durchstehen und blühen und gedeihen.
Triumph davontragen.
Ich danke Ihnen, gute Nacht.

+ + + + +

Dann werden

Und wir werden auch den

�</text>
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                    <text>FRIEDEN UND ABSCHRECKUNG
0

Rede des US-Außenministers vor der Georgetown-Universität
- 6. April 1982

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Alexander Haig hat
am 6. April 1982 in einer vielbeachteten Rede vor dem Zentrum für Strategische
und Internationale Studien an der Georgetown-Universität über die Verteidigungsposition des Westens angesichts einer wachsenden sowjetischen Bedrohung
und die Notwendigkeit der Abschreckung für die Erhaltung des Friedens gesproch
Die Rede des amerikanischen Außenministers mit dem Titel "Frieden und
Abschreckung" hat folgenden Wortlaut:
Es ist eine traurige Tatsache des modernen Zeitalters, daß der Mensch
ein Mittel zu seiner eigenen Vernichtung erfunden hat. Seit 37 Jahren muß
die Menschheit mit der schrecklichen Last der Kernwaffen leben. Seit dem
Anbruch des Atomzeitalters sind diese Waffen Anlaß zur ernsten Sorge unserer
Völker und stehen im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte. Jeder Präsident
der Vereinigten Staaten hat seither diese Sorgen geteilt. Jede Administration
mußte sich in diese Debatte einschalten.
Es ist richtig, daß jede nachfolgende Generation erneut die Art und Weise
in Frage stellen sollte, mit der ihre Führer so furchterregende Verantwortung
ausüben. Es ist richtig, daß jede neue Administration sich dem furchtbaren
Dilemma stellen muß, das der Besitz von Kernwaffen mit sich bringt. Es ist
richtig, daß unsere Nuklearstrategie einer ständigen Überprüfung ausgesetzt
wird.
Die Strategie

�Die Strategie der nuklearen Abschreckung
Wenn wir über diese Fragen debattieren, dann dürfen wir nicht zulassen,
daß die Komplexität der Probleme und die Schicksalsschwere dieser Fragen uns
blind gegenüber der gemeinsamen Position macht, auf der wir alle stehen.
Niemand ist jemals für den Atomkrieg eingetreten. Keine verantwortungsbewußte
Stimme hat jemals versucht, seine Schrecken zu bagatellisieren. Im Gegenteil,
seit den ersten Tagen der Nachkriegszeit haben die Führer Amerikas die einzige

&gt;

Nuklearstrategie erkannt, die im Einklang mit unseren Werten und unserem Oberleben - unserer physischen Existenz und was das Leben lebenswert macht steht, nämlich die Strategie der Abschreckung. Die massive Zerstörungsmacht
dieser Waffen schließt aus, daß sie einem anderen als diesem Zweck dienen
können. Die katastrophalen Folgen eines weiteren Weltkrieges - mit oder ohne
Kernwaffen - lassen die Abschreckung vor einem Konflikt zu unserem höchsten
Ziel und zu unserer einzigen vernünftigen militärischen Strategie in der
modernen Zeit werden.
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges hat die Strategie Amerikas und des
Westens daher den Kernwaffen eine einzige Funktion zugewiesen: Die Verhütung
des Krieges und die Erhaltung des Friedens. Das Kernstück dieser Abschreckungsstrategie ist das Erfordernis, daß das Risiko der Führung eines Krieges so
hoch angesetzt werden muß, daß es jede möglichen Vorteile einer Aggression
überwiegt. Die Kosten der Aggression dürfen nicht auf die Opfer der Aggression
beschränkt werden.
Diese Strategie der Abschreckung hat die ständige Billigung der Völker

*
*

des Westens gefunden. Sie hat im amerikanischen Kongreß überparteiliche Unterstützung erhalten. Sie hat die einhellige Unterstützung aller aufeinander
folgenden verbündeten Regierungen gefunden.
Die Abschreckung hat Unterstützung gefunden, weil sie funktioniert. Nukleare
Abschreckung und kollektive Verteidigung haben den Frieden in Europa, dem Ausgangspunkt von zwei Weltkriegen in diesem Jahrhundert, bewahrt. Sicherlich

�bewahrt. Sicherlich haben weder Verbesserungen der Natur des Menschen noch
eine Stärkung der internationalen Ordnung Kriege weniger häufig oder weniger
brutal werden lassen. Seit 1945 sind Millionen von Menschen in über 130
internationalen Kriegen und Bürgerkriegen umgekommen. Aber die nukleare Abschreckung hat einen Konflikt zwischen den beiden Supermächten verhütet einen Konflikt, der selbst ohne Kernwaffen der zerstörerischste Krieg in der
Geschichte der Menschheit wäre.

Die Erfordernisse der westlichen Strategie
Der Besitz von Kernwaffen allein garantiert noch keine Abschreckung. In
der ganzen Geschichte haben Gesellschaften ihre totale Vernichtung riskiert,
wenn der Preis des Sieges groß genug war oder die Folgen der Unterwerfung
schwer genug waren. Vor einem Krieg, vor allem einem Atomkrieg, kann jedoch
noch abgeschreckt werden, wenn wir in der Lage sind, einem Aggressor einen
militärischen Vorteil aus seinem Handeln zu verwehren, und damit sicherstellen,
daß er sich bewußt ist, daß er in einem Konflikt mit uns nicht die Oberhand
gewinnen kann. Abschreckung erfordert, kurz gesagt, die Aufrechterhaltung
eines sicheren militärischen Gleichgewichts - eines Gleichgewichts, das
nicht durch einen Überraschungsangriff oder einen plötzlichen technologischen
Durchbruch umgestoßen werden kann. Die Qualität und Glaubwürdigkeit der Abschreckung muß an diesen Kriterien gemessen werden. Alle Administrationen
haben diese Tatsache begriffen und die Bedeutung eines Gesamtgleichgewichtes
unterstrichen. Die jetzige Administration kann dahinter nicht zurückbleiben.
Die Strategie der Abschreckung ist in ihren wesentlichen Punkten die
gleiche geblieben. Aber es haben sich die Erfordernisse für die Aufrechterhaltung einer sicheren Kapazität zur Abschreckung in allen Umständen weiter
entwickelt. In den ersten Tagen der unangefochtenen nuklearen Überlegenheit
Amerikas war die Aufgabe, einen Aggressor vor ein unannehmbares Risiko zu
stellen, nicht schwierig. Die Drohung der massiven Vergeltung war so lange
voll glaubwürdig, wie die Sowjetunion nicht entsprechend reagieren konnte.

- 3 -

�reagieren konnte. In dem Maße jedoch, in dem das nukleare Arsenal der Sowjetunion wuchs, begann diese Drohung, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Um die Glaubwürdigkeit der westlichen Abschreckung aufrechtzuerhalten,
wurde das Konzept der flexiblen Antwort (flexible response) ausgearbeitet
und im Jahre 1967 von den Vereinigten Staaten und ihren NATO-Partnern formell
eingeführt. Seitdem wurde vereinbart, daß die NATO einer Aggression zunächst
auf derjenigen Ebene entgegentreten würde, auf der sie stattfindet, während
sie sich die Flexibilität vorbehält, den Konflikt, wenn notwendig, zu
eskalieren, um die Einstellung der Aggression und den Abzug des Aggressors
zu gewährleisten. Der Zweck dieser Strategie besteht nicht lediglich darin,
in einem Konflikt, wenn er uns aufgezwungen wird, erfolgreich zu bestehen,
sondern, was noch wichtiger ist, den Ausbruch eines Konfliktes von vornherein zu verhüten.
Die Strategie der flexiblen Antwort geht nicht von der Prämisse aus, daß
ein Atomkrieg unter Kontrolle gehalten werden könne. Jede aufeinanderfolgende
verbündete und amerikanische Regierung waren davon überzeugt, daß ein Atomkrieg, wenn er erst einmal begonnen habe, sich einer solchen Kontrolle entziehen könnte. Sie haben sich daher auf eine Strategie geeinigt, die die
Abschreckungswirkung einer möglichen nuklearen Antwort beibehält, ohne einen
solchen Schritt in irgendeiner Form zu automatisieren.
Das Bündnis hat die Verwirklichung der Strategie der flexiblen Antwort
auf ein Spektrum von Streitkräften gestützt, von denen jedes Element eine
unerläßliche Rolle bei der Gewährleistung der Glaubwürdigkeit einer westlichen
Strategie der Abschreckung spielt. An dem einen Ende des Spektrums stehen
die strategischen Streitkräfte Amerikas - unsere schweren Bomber, Interkontinentalraketen und Raketenunterseeboote. Seit Gründung der NATO bildeten
diese Streitkräfte die letztliche Garantie der westlichen Sicherheit - eine
Rolle, die sie auch in Zukunft beibehalten werden.
Am anderen

�Am anderen Ende des Spektrums stehen die konventionellen Streitkräfte
des Bündnisses, einschließlich der amerikanischen Truppen in Europa. Diese
Streitkräfte müssen stark genug sein, um jede noch so massive und anhaltende
konventionelle Aggression niederschlagen zu können. Sie müssen widerstandsfähig und ausdauernd genug sein, um den politischen Führern Zeit genug zu
gewähren, die Schwere der Bedrohung abzuschätzen, sich den in der Sache
liegenden entmutigenden Aussichten der nuklearen Eskalation zu stellen und
durch Diplomatie die Einstellung eines Konflikts und die Wiedergewinnung
etwa

verlorengegangenen westlichen Territoriums zu erreichen. Die lebens-

wichtige Rolle, die die konventionellen Streitkräfte in der Abschreckung
spielen, wird zu oft zu gering eingeschätzt - vor allem von jenen, die lautstark ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck bringen, daß man sich auf Kernwaffen
verläßt. Eine verstärkte konventionelle Verteidigungsposition stärkt die Abschreckungswirkung der Nuklearstreitkräfte und verringert die Aussicht, daß
sie je eingesetzt werden müßten.
Die Verbindung der strategischen und der konventionellen Streitkräfte
sind die nuklearen Streitkräfte am Schauplatz, d.h., die nuklearen MittelStreckensysteme der NATO in Europa. Diese Systeme sind ein konkreter Beweis
für die Ernsthaftigkeit der amerikanischen Verpflichtung. Sie sind ein
konkreter Ausdruck der Bereitschaft der NATO, zu Kernwaffen Zuflucht zu
nehmen, wenn dies notwendig ist, um die Freiheit und Unabhängigkeit ihrer
Mitglieder zu erhalten. Darüber hinaus gewährleistet die Präsenz von Kernwaffen in Europa, daß die Sowjetunion niemals glauben kann, daß sie die
Vereinigten Staaten von ihren Verbündeten trennen oder einen begrenzten
Krieg mit begrenzten Risiken gegen irgendein NATO-Mitglied führen könnte.
Die Strategie der flexiblen Antwort und die Streitkräfte, die ihre
Glaubwürdigkeit darstellen, bringen mehr zum Ausdruck als einfach nur das
herrschende militärische Kräfteverhältnis. Die Strategie des Westens bringt
auch die politische und geographische Realität eines Bündnisses von 15
unabhängigen Nationen zum Ausdruck, von denen die mächtigste von allen anderen
- außer einer - durch 4 000 Meilen Ozean getrennt ist.
Abschreckung ist
- 5 -

�Abschreckung ist also mehr als eine militärische Strategie. Sie ist das
wesentliche politische Faktum, das die westliche Koalition verbindet. Zweimal
in diesem Jahrhundert ist es Amerika nicht gelungen, sich aus den Konflikten
Europas herauszuhalten, aber es war in der Lage, rechtzeitig die Verwüstung
Westeuropas zu verhindern. Weder wir noch unsere Verbündeten können es uns
leisten, daß sich die Geschichte nach dem gleichen Muster ein drittes Mal
wiederholt. Wir haben deshalb eine Strategie gewählt, die die amerikanische Macht
und die Verteidigung Europas einbezieht und dem Prinzip Substanz verleiht,
daß die Sicherheit des Bündnisses unteilbar ist.

Die vor uns liegende Aufgabe
Während des letzten Jahrzehnts hat die Sowjetunion eine anhaltende Aufrüstung in dem ganzen Bereich ihrer Nuklearstreitkräfte durchgeführt, die
darauf angelegt ist, diese Strategie des Bündnisses zu untergraben. Die
sowjetischen Modernisierungsanstrengungen haben diejenigen des Westens bei
weitem übertroffen. Die Entwicklung und Dislozierung sowjetischer Interkontinentalraketen stellt heute eine ernste und wachsende Bedrohung eines großen
Teiles unserer landgestützten Interkontinentalraketen-Streitmacht dar. Eine
neue Generation sowjetischer Mittelstreckenraketen ist auf unsere europäischen
Verbündeten gerichtet.
Während der letzten zehn Jahre haben die Sowjets eine beispiellose Vielfalt neuer strategischer Systeme und Systeme des Mittel Streckenbereichs in
ihre Arsenale eingeführt, einschließlich der SS-17-, SS-18- und SS-19-Interkontinentalraketen, des Backfire-Bombers, der Typhoon-Unterseeboote und
mehrerer neuer Typen von unterseebootgestützten Raketen sowie die Mittelstreckenrakete SS-20. Im Gegensatz dazu haben die Vereinigten Staaten im gleichen Zeitraum Zurückhaltung geübt und nur die Tridentrakete und das Trident-Unterseeboot
sowie die langsameren Marschflugkörper eingeführt.
Um das sich hieraus ergebende Ungleichgewicht in den Griff zu bekommen,
hat Präsident Reagan eine Verteidigungskonzeption übernommen und dem amerikanischen

�dem amerikanischen Kongreß Programme vorgeschlagen, die dazu dienen sollen,
die Abschreckung aufrechtzuerhalten, das Ungleichgewicht zu beheben und dadurch die westliche Strategie zu stützen, die ich umrissen habe.
Sein kraftvolles strategisches Modernisierungsprogramm, das im vergangenen Oktober vorgestellt wurde, dient dazu, die Aufrechterhaltung einer
sicheren und verläßlichen Kapazität sicherzustellen, die einem Gegner den
Vorteil jeglicher Form von Aggression verwehrt - einschließlich eines Überraschungsangriffs.
Die Entscheidung des Präsidenten in der ersten Woche seiner Amtsübernahme,
in Einklang mit dem NATO-Beschluß vom Dezember 1979 mit der Produktion und
der Dislozierung der PERSHING II und der landgestützten Marschflugkörper
voranzugehen, stellt eine Anstrengung zur Verstärkung der Verbindung
zwischen den strategischen Streitkräften der Vereinigten Staaten und den
konventionellen und nuklearen Streitkräften der NATO in Europa dar. Dieser
NATO-Beschluß wurde als Reaktion auf die massive Aufrüstung mit der auf
Westeuropa

gerichteten SS-20 getroffen

um sicherzustellen, daß die UdSSR

niemals eine Aggression in dem Glauben beginnt, ihr eigenes Territorium könne
einem Angriff gegenüber immun bleiben oder die europäische Sicherheit könne
jemals von der der Vereinigten Staaten abgekoppelt werden.
Die Verbesserungen, die wir bei unseren eigenen konventionellen Streitkräften vornehmen - bezüglich ihrer Bereitschaft, ihrer Mobilität, ihrer Ausbildung und ihrer Ausrüstung -, sollen jene Art kraftvoller und elastischer
konventioneller Kapazität sicherstellen, die die Strategie der flexiblen Antwort erfordert.
Es ist wichtig, die Wechselbeziehung zwischen diesen drei Typen von
Streitkräften zu sehen. Die Erfordernisse in jeder Kategorie hängen von dem
Umfang bei den anderen ab. Ähnlich sind ihre Funktionen miteinander verbunden.
Dies versteht auch die Sowjetunion. Aus diesem Grunde hat sie folgerichtig

- 7 -

�sie folgerichtig eine Verpflichtung gegen den Ersteinsatz von Kernwaffen vorgeschlagen, die hier im Westen einigen Widerhall gefunden hat.
Die NATO hat ebenfalls folgerichtig solche sowjetische Vorschläge zurückgewiesen, die so viel bedeuten, wie Europa ungefährdet konventionell angreifen zu können.
Wenn der Westen Moskau die Freiheit lassen würde, die Ebene des Konflikts

•&gt;

zu wählen, die ihm am meisten paßt, und Natur und zeitlichen Ablauf jeglicher
Eskalation gänzlich dem sowjetischen Belieben überließe, wären wir gezwungen,
konventionelle Streitkräfte in einem Umfang zu unterhalten, der mindestens
dem der Sowjetunion und ihrer Verbündeten im Warschauer Pakt entspräche.
Diejenigen im Westen, die sich für die Übernahme einer Politik einsetzen,
die

keinen Ersteinsatz

("no first use policy") fordert, gelangen selten

zugleich auch zu dem Vorschlag, die Vereinigten Staaten sollten wieder die
Wehrpflicht einführen, den Umfang ihrer Streitkräfte verdreifachen und ihre
Wirtschaft auf Kriegswirtschaft umstellen. Und doch läßt das Fehlen solcher
Maßnahmen und die Forderung nach Vermeidung eines Ersteinsatzes dem Westen
praktisch nichts, womit er die konventionellen Vorteile und die geopolitische
Lage der Sowjetunion gegenüber Europa ausgleichen könnte. Die westlichen Befürworter einer Politik des Verbots eines Ersteinsatzes verschließen sich
auch den Konsequenzen, die eine amerikanische Entscheidung für das westliche
Bündnis hätte, bei der Verteidigung Europas das Risiko eines Atomkriegs
nicht zu akzeptieren. Eine solche Politik des "Nichtersteinsatzes" wäre das
Ende der Strategie der flexiblen Antwort und damit der Glaubwürdigkeit der
westlichen Strategie der Abschreckung. Nähmen die Vereinigten Staaten eine
solche Haltung ein, würden sie ihre Verpflichtung gegenüber Europa einschränken. Aber das Bündnis kann nicht als Gesellschaft mit beschränkter Haftung
funktionieren. Es kann nur als eine Partnerschaft überleben, der sich alle
voll und gleichermaßen verpflichtet fühlen - geteilter Nutzen, geteilte Lasten,
geteilte Risiken.
Ein weiteres

»

�Ein weiteres Konzept, das in letzter Zeit das Interesse wachgerufen hat,
ist das eines Einfrierens der Kernwaffen. Während wir für die Sorgen empfänglich sind, die diesem Vorschlag zugrundeliegen, so müssen wir doch auch die
schwachen Punkte einer solchen Haltung verdeutlichen.

Ein Einfrieren auf gegen-

wärtigem Niveau würde ein instabiles und unausgewogenes militärisches Kräfteverhältnis fortbestehen lassen.

Es würde ein Jahrzehnt einseitiger sowjetischer

Aufrüstung belohnen und die Vereinigten Staaten für ein Jahrzehnt einseitiger
Zurückhaltung bestrafen. Wie Präsident Reagan vergangene Woche unterstrichen
hat, würde ein solches Einfrieren alle sowjetischen Anreize beseitigen, sich
an einer sinnvollen Rüstungskontrolle zu beteiligen, die die Kriegsausrüstung
beschneidet und das Risiko eines Krieges vermindert.
Ein Großteil der Argumentation für ein nukleares Einfrieren dreht sich
um die Frage, wieviel "genug" ist. Jede Seite besitzt Tausende abschußbereiter
Kernwaffen. Macht es dann wirklich einen Unterschied, wer vorn liegt? Die
Frage selbst ist irreführend, da sie davon ausgeht, daß Abschreckung lediglich
eine Angelegenheit der Anzahl der Waffen sei oder der Anzahl der Toten, die
es geben würde. Das ist nicht der Fall.
Denken wir doch zuerst und zuförderst daran, daß wir versuchen, die
Sowjetunion, nicht uns selbst abzuschrecken. Die dynamische Natur der nuklearen Aufrüstung der Sowjetunion beweist, daß die sowjetischen Führer nicht an
das Konzept der "Angemessenheit" glauben. Sie werden sich sicherlich nicht
durch eine Strategie oder durch Streitkräfte abschrecken lassen, die darauf
beruhen.

Erinnern wir uns auch daran, daß die nukleare Abschreckung nicht nur in
Friedenszeiten funktionieren muß, in Momenten der Ruhe. Die Abschreckung steht
vor ihrer eigentlichen Bewährungsprobe in Zeiten höchster Spannung, sogar
inmitten des aktuellen Konflikts. Unter solch extremen Umständen, wenn es
bereits um Ungeheures gehen könnte, wenn die sowjetische Führung das Gefühl
haben könnte, die Existenz ihres Regimes selbst sei gefährdet - wer kann sagen, ob sie ein gewaltiges Risiko eingehen würde oder nicht, wenn sie der
- 9 -

�sie der Ansicht wäre, daß letztendlich der sowjetische Staat den Sieg davontragen wird?
Die Abschreckung beruht also nicht auf einem statistischen Vergleich der
Anzahl oder der Größe von Kernwaffen.

Vielmehr hängt die Abschreckung von

unserer Fähigkeit ab, einen Aggressor von der Erlangung eines militärischen

v

Vorteils abzuhalten, und nicht zuzulassen, daß er in einem Konflikt den Sieg
davonträgt, sogar, nachdem man einen massiven Nuklearschlag erlitten hat.

*

Nur wenn wir eine solche Kapazität aufrechterhalten, können wir vor einem
solchen Schlag abschrecken.

Die Abschreckung hängt konsequenterweise von

einem militärischen Gleichgewicht ab, das sich nicht nach Anzahl der Gefechtsköpfe bemessen läßt, sondern von einem Gleichgewicht der komplexen Wechselbeziehung von Kapazität und Verwundbarkeiten.

Militärisches Gleichgewicht, Krisenmanagement und amerikanische Diplomatie
Der Zustand des militärischen Gleichgewichts und seine Auswirkung auf
den Abschreckungswert der amerikanischen Streitkräfte wirft einen Schatten
über jede geopolitische Entscheidung größeren Umfangs.

Es hat von Tag zu

Tag Auswirkungen auf das Verhalten der amerikanischen Diplomatie.

Es beein-

flußt das Management internationaler Krisen und die Bedingungen, unter denen
sie bewältigt werden.
Das Bemühen um das nationale

Intersse

und die nationale

Sicherheit

gehört zu den wichtigsten Beschäftigungen der Führung eines jeden Landes
dieser Erde.

Ihre Entscheidungen und ihre Außenpolitik werden tiefgreifend

von ihrer Sicht beeinflußt, die sie von dem militärischen Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion haben, sowie von der Kapazität, über die diese beiden verfügen, zu ihrer Sicherheit beizutragen oder
sie zu bedrohen.
Und noch

- 10 -

*

�Und noch wichtiger:

Die Vorstellung vom militärischen Gleichgewicht

beeinflußt auch die psychologische Haltung sowohl der amerikanischen als
auch der sowjetischen Führung, wie sie auf Ereignisse in der Welt reagieren.
Für die absehbare Zukunft wird das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion so sein, daß unsere Meinungsverschiedenheiten die Gemeinsamkeiten überwiegen.

Es muß unser Ziel sein, diesen Wettbewerb in Gren-

zen zu halten, ihn unter Gewaltniveau zu halten, während wir unsere Interessen und die unserer Verbündeten schützen. Unsere Fähigkeit zur Sicherung
dieser Ziele wird entscheidend von dem Zustand des strategischen Gleichgewichts beeinflußt. Jede Beurteilung, die wir treffen, und jede Beurteilung
durch die sowjetische Führung wird davon überschattet.
Daher muß die sowjetische Führung beim Kalkulieren ihrer Risiken bei
Subversion und Aggression, bei der Suche nach neuen Stellvertretern oder bei
der Stützung schwankender Stellvertreter sorgfältig die Möglichkeiten und Aussichten auf eine wirksame amerikanische Reaktion abwägen.

Die sowjetischen

Kalkulationen müssen nicht nur die amerikanischen Kapazitäten zur Beeinflussung regionaler Entwicklungen in Rechnung stellen, sondern auch die amerikanische Bereitschaft, sich der Aussicht auf eine amerikanisch-sowjetische Konfrontation und daraus folgender Eskalation zu stellen.

Eine amerikanische

Führung muß auch ihrerseits vergleichbare Kalkulationen anstellen, während
sie auf regionale Konflikte reagiert, auf sowjetisches Abenteurertum reagiert
und versucht, internationale Krisen auf eine Weise zu bewältigen, die in Einklang mit den amerikanischen Interessen steht.
Schlicht gesagt, hängt unsere eigene Verwundbarkeit gegenüber nuklearer
Erpressung sowie die unserer Freunde gegenüber politischer Erpressung von
unserer Fähigkeit und Bereitschaft ab, glaubwürdig mit jeglicher sowjetischer
Bedrohung fertigzuwerden.

Eine starke und glaubwürdige strategische Position

vergrößert die Stabilität und entmutigt jegliche sowjetische Versuchung zum
Abenteurertum, stärkt aber gleichzeitig unsere Position bei der Reaktion auf
politisch-militärische Drohungen der Sowjetunion.
Rüstungskontrolle

�Rüstungskontrolle und nukleare Abschreckung
In keinem anderen Bereich der Diplomatie hat das militärische Gleichgewicht größere Wirkung als bei der Rüstungskontrolle.

Die Rüstungskontrolle

kann die Abschreckung verstärken und das militärische Gleichgewicht auf einem
niedrigeren Niveau des Risikos und der Anstrengung stabilisieren.

Die

Rüstungskontrolle kann aber ein Gleichgewicht Weder bringen, noch wiederherstellen, das durch unsere Verteidigungsanstrengungen aufrechtzuerhalten wir
nicht gewillt sind.
Genau wie die einzig zu rechtfertigende Nuklearstrategie die der Abschreckung ist, so ist das übergeordnete Ziel der Rüstungskontrolle die Verminderung des Kriegsrisikos.

Der entscheidende Zweck der Rüstungskontrolle

ist es nicht, Geld zu sparen, auch wenn sie dies täte; ihr Zweck ist es nicht,
angenehme Gefühle zu verbreiten oder die internationalen Beziehungen zu verbessern, auch wenn sie solche Wirkungen haben mag.

Der zentrale Zweck der

Rüstungskontrolle muß sein, das militärische Gleichgewicht zu stärken, von
dem die Abschreckung abhängt - auf vermindertem Waffen- und Risikoniveau.
Am 18. November 1981 legte Präsident Reagan den Rahmen für ein umfassendes Programm der Rüstungskontrolle dar, dazu entworfen, diesen Zielen zu dienen. Er verpflichtete die Vereinigten Staaten zur Suche nach umfassenden
Verringerungen bei den nuklearen und konventionellen Streitkräften, die zu
gleichen, vereinbarten Begrenzungen auf beiden Seiten führen soll. Vergangene Woche legte er die Schritte dar, die wir unternommen haben:
- In Genf haben wir detaillierte Vorschläge unterbreitet, die die Kernwaffen mittlerer Reichweite begrenzen und jene Raketen gänzlich beseitigen
sollen, die beiden Seiten die größte Sorge bereiten. Dieser Vorschlag hat
die starke und einhellige Unterstützung unserer Verbündeten erhalten.
- In Wien verhandeln wir zusammen mit unseren Verbündeten über Verringerungen des Umfangs der konventionellen Streitkräfte in Europa.

Diese Ver-

handlungen dauern nun schon über acht Jahre an - ohne echten Forschritt. Da^
- 12 -

�Da wir nunmehr vor einer diplomatischen Auszehrung stehen, müssen wir dringend
darüber nachdenken, wie wir die Ost-West-Gesprä'che über die Verringerung der
konventionellen Streitkräfte neu beleben und den Fortschritt bei diesen Gesprächen stimulieren können.
- Höchste Priorität in den vergangenen Monaten hatte für uns die Beendigung der Vorbereitungen für die Verhandlungen mit der Sowjetunion über die
strategischen Waffen.

Auch hier werden wir umfassende Verringerungen auf ein

verifizierbares, gleiches Niveau vorschlagen.

Auch hier werden wir detaillier

te Vorschläge unterbreiten, wenn die Verhandlungen eröffnet werden.
Die Erfolgsaussichten in jedem dieser Bereiche der Rüstungskontrolle
hängen von der Unterstützung des Verteidigungsprogramms des Präsidenten ab.
Diese notwendige Forderung wurde als eine Politik der Aufrüstung zum Zweck
der Verminderung der Waffen karikiert.

Das ist ganz einfach nicht wahr.

Wie die Vorschläge von Präsident Reagan für die Raketen mittlerer Reichweite
verdeutlichen, hoffen wir, daß wir diese Systeme niemals dislozieren müssen.
Aber wir müssen die Bereitschaft demonstrieren, das Gleichgewicht durch solche Dislozierungen aufrechtzuerhalten, wenn wir überhaupt Aussicht auf ihre
Reduzierung und Stabilisierung durch Rüstungskontrolle haben sollen.
Die Verhandlungen Anfang der siebziger Jahre über einen Vertrag zur Begrenzung von Raketen-Abwehrsystemen (ABM-Systemen) stellen ein historisches
Beispiel dar.

Damals hatten die Sowjets bereits um Moskau ein Verteidigungs-

system gegen ballistische Raketen gebaut.
Die Vereinigten Staaten hatten kein solches System disloziert.

Die

Rüstungskontrolle war das einzige Mittel, um einen ansonsten attraktiven
und kostspieligen Weg des Wettrüstens auszuschließen.

Und doch begannen

die Sowjets erst mit ernsthaften Verhandlungen, nachdem die amerikanische Regierung sich um die Unterstützung des Kongresses für ein amerikanisches ABMProgramm bemüht und dies sichergestellt hatte.

Das Ergebnis war der Vertrag

von 1972, der die Raketen-Abwehrsysteme begrenzte und der heute noch in Kraft
ist.
Dieser Vorgang
- 13 -

�Dieser Vorgang wiederholte sich erst kürzlich bei den Mittelstreckenraketen. Jahrelang hatten sich die Sowjets um eine Begrenzung der amerikanischen Nuklearstreitkräfte in Europa bemüht; sie hatten sich jedoch immer
geweigert, irgendwelche Begrenzungen ihrer eigenen, auf Europa gerichteten
Nuklearstreitkrä'fte in Erwägung zu ziehen.

Erst nachdem die NATO ihre Ent-'

Scheidung vom Dezember 1979 traf, amerikanische PERSHING II-Raketen und
landgestützte Marschflugkörper zu dislozieren, war die Sowjetunion bereit,
ihre SS 20-Raketen auf den Verhandlungstisch zu legen.
Auch auf dem Gebiet der strategischen Rüstungen gibt es wenig Aussichten,
daß die Sowjetunion jemals gleichwertigen Begrenzungen auf niedrigerer Ebene
zustimmen wird, es sei denn, sie wird zuerst davon überzeugt, daß die Vereinigten Staaten sonst entschlossen sind, eine Gleichwertigkeit auf höherer
Ebene aufrechtzuerhalten.

Es ist beispielsweise unrealistisch anzunehmen,

daß die Sowjetunion einer Reduzierung des bedrohendsten Elementes ihrer Streit
kräftestruktur, nämlich ihrer schweren, mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten Interkontinentalraketen zustimmen würde, wenn sie nicht davon überzeugt wäre, daß sonst die Antwort der Vereinigten Staaten in der Dislozierung
vergleichbarer Systeme bestehen würde.
Für viele, die es ablehnen, daß man sich auf Kernwaffen verläßt selbst für die Verteidigung oder Abschreckung - ist die ganze Angelegenheit
moralischer Natur. Auch für jene, die die Strategie der Abschreckung erarbeitet haben, und für jene, die sich um eine Aufrechterhaltung ihrer Wirksamkeit bemühen, ist diese Frage ebenfalls vorrangig moralischer Natur. Ein
Argument, das man immer wieder hört, läuft darauf hinaus, daß wir uns im
Atomzeitalter entscheiden müssten, zwischen unseren Werten und unserer
Existenz. Wenn die Nuklearwaffen die einzige Abschreckung gegenüber nuklearer Erpressung darstellen, dann - so argumentieren einige - sollten wir das
Risiko eines nuklearen Konfliktes lieber fallen lassen als es einzugehen.
Diese Entscheidung ist jedoch falsch. Indem wir das militärische Gleichgewicht und die Abschreckung aufrechterhalten, schützen wir die entscheidend
wichtigen Werte der westlichen Zivilisation - eine demokratische Regierung,
persönliche Freiheit und die religiöse Freiheit - und bewahren den Frieden.
- 14 -

�den Frieden.

Wenn wir die Abschreckung nicht aufrechterhalten, dann würden

wir letztlich unsere Freiheit opfern, während wir tatsächlich die Wahrscheinlichkeit erhöhten, auch eine nukleare Zerstörung zu erleiden.
Als Menschen, als freie Männer und Frauen, müssen wir diese falsche Alternative zurückweisen und die Extreme nukleare Katastrophe und nukleare Erpressung zurückweisen.

Im Atomzeitalter ist die einzige mit dem überleben und

der Zivilisation in Übereinstimmung stehende Entscheidung die Abschreckung.
Ein hervorragender Theologe hat einmal unser Zeitalter als eine Ära
bezeichnet, in der "die größten Möglichkeiten unentwirrbar mit den schrecklichsten Gefahren vermengt sind".

Die wissenschaftlichen und technologischen

Fortschritte, die für unsere Zivilisation so entscheidend sind, machen auch
ihre Zerstörung möglich.

Vor dieser Realität kann man nicht die Augen ver-

schließen.
Die Amerikaner waren sich immer des Dilemmas bewußt, das die Kernwaffe mit sich bringt. Von dem Augenblick an, da die Wissenschaft das Atom
freisetzte, waren unser Instinkt und unsere Politik darauf gerichtet, es auch
zu kontrollieren.

Diejenigen, die heute die Verteidigungspolitik Amerikas

leiten, teilen voll und ganz den Wunsch der Menschen in aller Welt, das nukleare Wettrüsten zu beenden und mit der Erreichung wesentlicher Reduzierungen
der nuklearen Rüstungen zu beginnen.
Angesichts der schrecklichen Gefahren solcher Waffen hat Amerika in
einer Weise reagiert, die am besten sowohl die Sicherheit als auch den Frieden
erhält, die unsere Gesellschaft und unsere Werte schützt und Hoffnung ohne
Illusion bietet.

Die Strategie der Abschreckung hat den Frieden mehr als 30

Jahre lang erhalten.

Sie hat die Grundlage für Rüstungskontrollbemühungen

gebildet, und sie bietet die beste Möglichkeit für die Kontrolle und den Abbau der Gefahren, denen wir uns gegenübersehen.
Abschreckung erfolgt nicht automatisch.
Weise erlangt werden.

Sie kann nicht auf billige

Unsere Fähigkeit, sie zu bewahren, hängt von unserer
- 15 -

�von unserer Fähigkeit ab, das militärische Gleichgewicht zu erhalten, das
gegenwärtig durch die sowjetische Aufrüstung bedroht wird.

Wenn wir die Ab-

schreckung durch Rüstungskontrolle und Rüstungsreduzierung verstärken wollen,
dann müssen wir die Sowjets davon überzeugen, daß ihre Anstrengungen zur
Unterminierung der Abschreckungswirkung unserer Streitkräfte keinen Erfolg
haben werden.

I
Die Kontrolle und Reduzierung der nuklearen Waffen, gestützt auf Ab-

i

schreckung, ist die einzig wirksame geistige, politische und moralische Antwort auf Nuklearwaffen.

Es steht zu viel auf dem Spiel, und die Folgen eines

Irrtums sind zu katastrophal^ um Abschreckung auszutauschen gegen einen Sprung
ins Ungewisse.

Die Anreize für eine wirkliche Rüstungskontrolle sind vorhan-

den, und beide Seiten haben die Möglichkeiten und die Pflicht, sie zum Tragen
zu bringen.
Wir müssen uns klar sein über unsere Ziele im Atomzeitalter. Wir bemühen
uns um eine Reduzierung des Kriegsrisikos und um die Schaffung eines stabilen
militärischen Gleichgewichts auf einem niedrigeren Niveau des Risikos und der
Anstrengung. Wenn wir dies heute tun, dann können wir vielleicht ein Gefühl
des beiderseitigen Vertrauens und der Zusammenarbeit schaffen, das die Grundlage für noch ehrgeizigere Schritte morgen bietet. Aber vor allem werden wir
"die größte Chance" für den Frieden suchen.

+ + + + +

(

�</text>
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                    <text>Amerika Dienst&#13;
&#13;
Information&#13;
und&#13;
Dokumentation&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
I N H A L T&#13;
&#13;
DOKUMENTATION&#13;
Präsident Reagan legt Vorschlag für eine Zwischenlösung in Genf dar&#13;
- Ansprache des US-Präsidenten am 30. März 1983 Rede des US-Präsidenten in Los Angeles am 31. März 1983&#13;
- Wortlaut US-Senator:&#13;
&#13;
Zukunft ist nur gemeinsam zu bewältigen&#13;
&#13;
- Berlin-Rede von Senator Mathias -&#13;
&#13;
HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
Die USA verteidigen die Menschenrechte in El Salvador und weltweit&#13;
- Von Elliot Abrams Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen im US-Außenministerium&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
Poliklinik für Zuckerkranke&#13;
&#13;
Um Ubcr/cn Jung von&#13;
ßclcocxcmplorcn&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 22 40&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
PRÄSIDENT REAGAN LEGT VORSCHLAG FÜR EINE ZWISCHENLÖSUNG IN GENF DAR&#13;
- Ansprache des US-Präsidenten am 30. März 1983 -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Fernsehansprache&#13;
an das amerikanische Volk am 30. März 1983 seinen Vorschlag für eine Zwischenlösung bei den INF-Verhandlungen in Genf dargelegt.&#13;
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:&#13;
Als ich in der vorigen Woche über die Entspannungsprogramme dieser Administration zum amerikanischen Volk sprach, habe ich unsere Entschlossenheit&#13;
zum Ausdruck gebracht, unsere Abhängigkeit von der schrecklichen Kraft von Kernwaffen zur Gewährleistung des Friedens zu verringern.&#13;
&#13;
Und heute möchte ich&#13;
&#13;
einige Worte zu diesem entscheidend wichtigen Aspekt unserer Sicherheitspolitik und zu unseren Bemühungen sagen, die Arsenale, die das Leben unserer eigenen Bürger, unserer Freunde und Verbündeten und sicherlich auch unserer Gegner so belasten, drastisch zu verringern.&#13;
Wie Sie wissen, hat diese Administration während der letzten anderthalb&#13;
Jahre ein umfassendes und weitreichendes Rüstungskontroilprogramm entwickelt,&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Rüstungskontrollprogramm entwickelt, das darauf abzielt, tiefgreifende Verringerungen der Kernwaffen herbeizuführen, die Welt von chemischen Waffen zu&#13;
befreien und den Umfang der konventionellen Streitkräfte in Europa zu verkleinern.&#13;
&#13;
Ich werde in meiner Rede morgen zu diesen Initiativen mehr sagen, aber&#13;
&#13;
heute vormittag möchte ich mich auf eine dieser Verhandlungen konzentrieren.&#13;
&#13;
Ich bin gerade mit den Botschaftern der Länder des Nordatlantischen&#13;
Bündnisses zusammengetroffen.&#13;
&#13;
Wir haben sie hierher eingeladen, weil die Bür-&#13;
&#13;
ger ihrer Länder mit den Amerikanern eine tiefe Hoffnung auf Erfolg der Genfer Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) in Genf teilen.&#13;
Die Streitkräfte, über die in den INF-Verhandlungen gesprochen wird, berühren&#13;
direkt die Sicherheit unserer Verbündeten.&#13;
&#13;
Wie ich Ihnen vorige Woche sagte,&#13;
&#13;
hat die Sowjetunion Hunderte von mächtigen neuen SS-20-Raketen disloziert,&#13;
die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet und in der Lage sind, die Städte&#13;
und Verteidigungseinrichtungen in Europa und die unserer Freunde und Verbündeten in Asien zu treffen.&#13;
&#13;
Die Sowjets haben diese Streitkräfte aufgebaut,&#13;
&#13;
obwohl keine vergleichbare Bedrohung von der NATO ausging.&#13;
Unterlaß disloziert.&#13;
&#13;
Sie haben sie ohne&#13;
&#13;
Heute existieren über 350 SS-20-Raketen mit über 1000&#13;
&#13;
nuklearen Gefechtsköpfen.&#13;
&#13;
Die NATO wird mit der Dislozierung einer spezi-&#13;
&#13;
fischen Abschreckung vor dieser Bedrohung erst Ende dieses Jahres beginnen,&#13;
es sei denn, es kommt - wie wir hoffen - ein Abkommen über die Beseitigung&#13;
solcher Waffen zustande, das diese Dislozierung unnötig machen würde.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten verhandeln mit der vollen Unterstützung unserer&#13;
Verbündeten seit über einem Jahr in Genf, um die Sowjetunion zu überzeugen,&#13;
daß es für beide Seiten ein weit besserer Kurs wäre, sich auf die Beseitigung&#13;
dieser gesamten Waffenkategorie zu einigen.&#13;
und weitreichend.&#13;
&#13;
Ein solches Abkommen wäre fair&#13;
&#13;
Es würde die Sicherheit der Sowjetunion ebenso fördern wie&#13;
&#13;
die Sicherheit der NATO.&#13;
&#13;
Und es würde die Hoffnungen und Wünsche der Menschen&#13;
&#13;
1fl ganz Europa und Asien auf eine Beendigung der Bedrohung erfüllen, die durch&#13;
diese Raketen gegeben ist.&#13;
Bisher hat&#13;
&#13;
�Bisher hat die Sowjetunion diesen Vorschlag abgelehnt, und sie hat&#13;
bisher versäumt, eine ernsthafte Alternative zu bieten.&#13;
&#13;
Die Sowjets beharren&#13;
&#13;
auf der Erhaltung ihres gegenwärtigen Monopols bei diesen Waffen.&#13;
&#13;
Gemäß ihrem&#13;
&#13;
jüngsten Vorschlag würden die Sowjets allein fast 500 Gefechtsköpfe auf ihren&#13;
SS-20-Raketen in Europa behalten und Hunderte weiterer im Fernen Osten, während wir weiterhin Null hätten.&#13;
&#13;
Ihr Vorschlag würde ihnen tatsächlich mehr&#13;
&#13;
SS-20-Raketen belassen, als sie zu Beginn der Gespräche im Jahr 1981 hatten.&#13;
Zudem haben die Sowjets eine Propagandakampagne begonnen, die offenkundig&#13;
darauf abzielt, Amerika von seinen Verbündeten zu trennen und die Verbündeten&#13;
untereinander.&#13;
&#13;
Seit Beginn dieser Verhandlungen vor nunmehr fast 18 Monaten habe ich&#13;
die Sowjets mehrmals darauf gedrängt, auf unseren Vorschlag einer Null-NullLösung mit einem eigenen Vorschlag zu reagieren.&#13;
&#13;
Ich habe zudem unsere Be-&#13;
&#13;
reitschaft wiederholt, einen jeglichen ernsthaften Alternativvorschlag in Erwägung zu ziehen.&#13;
&#13;
Das Ausbleiben eines solchen Vorschlags ist Quelle tiefer&#13;
&#13;
Enttäuschung bei uns allen, die wir den Wunsch hegen, daß diese Waffen beseitigt oder zumindest um ein Beträchtliches vermindert werden.&#13;
&#13;
Aber ich habe&#13;
&#13;
nicht die Absicht, diesen Schatten, der auf die Genfer Verhandlungen gefallen&#13;
ist, unsere Suche nach dem Frieden noch weiter verdunkeln zu lassen.&#13;
&#13;
Was die nuklearen Mittelstreckenraketen in Europa angeht, so wäre es&#13;
besser, keine zu haben, als auch nur einige; aber wenn es denn einige geben&#13;
muß, so ist es besser, einige wenige zu haben, als viele.&#13;
&#13;
Wenn die Sowjets&#13;
&#13;
jetzt nicht einer vollständigen Beseitigung dieser Waffen zustimmen, so hoffe&#13;
ich doch, daß sie sich uns zumindest bei einem Zwischenabkommen anschließen&#13;
werden, das diese Waffen beträchtlich und bis zu einem gleichen Umfang auf&#13;
beiden Seiten verringern würde.&#13;
&#13;
Zu diesem Zweck hat Botschafter ?aul Nitze&#13;
&#13;
seinen sowjetischen Gesprächspartner darüber informiert, daß wir bereit sind,&#13;
ein Zwischenabkommen auszuhandeln, bei dem die Vereinigten Staaten ihre geplante Dislozierung von PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern&#13;
um ein Beträchtliches verringern würden, vorausgesetzt, die Sowjetunion reduziert die Anzahl der Gefechtsköpfe ihrer weiterreichenden nuklearen Mittelstreckenraketen weltweit bis auf den gleichen Umfang.&#13;
&#13;
Botschafter Nitze&#13;
&#13;
�Botschafter Nitze hat dargelegt, daß die Vereinigten Staaten diesen Vorschlag als einen ernsthaften ersten Schritt zur totalen Beseitigung dieser&#13;
Waffenklasse betrachten,und hat meine Hoffnung übermittelt, daß die Sowjetunion sich uns in dieser Auffassung anschließen wird.&#13;
Unser Vorschlag für die gesamte Beseitigung dieser Systeme bleibt auf&#13;
dem Tisch.&#13;
&#13;
Wir haben vorgeschlagen, daß die Verhandlungen einige Wochen früher&#13;
&#13;
als ursprünglich geplant wieder aufgenommen werden sollen.&#13;
&#13;
Die Sowjets haben&#13;
&#13;
dem zugestimmt, und die Verhandlungen werden am 17. Mai weitergehen.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
hoffe, daß diese Initiative zu einem baldigen Abkommen führen wird.&#13;
Wir sind weiterhin bereit, alle ernsthaften sowjetischen Vorschläge zu&#13;
prüfen, die den fundamentalen Anliegen entsprechen, die wir zum Ausdruck gebracht haben.&#13;
Ich habe die NATO-Botschafter heute nicht nur deshalb hierher eingeladen, um mit ihnen diese Entwicklungen zu besprechen, sondern auch um zum Ausdruck zu bringen, wie sehr ich die feste Unterstützung schätze, die die Verbündeten unseren Verhandlungsbemühungen in Genf entgegengebracht haben, und&#13;
ich kann ihnen versichern, daß ich mich persönlich zu engstmöglichen Konsultationen mit ihnen über INF verpflichtet fühle. Dieser Konsultationsprozeß hat&#13;
sich bereits als der intensivste und produktivste in der Geschichte des Nordatlantischen Bündnisses erwiesen. Er hat die heute verkündete Initiative zu&#13;
einer B'ündnisinitiative im besten Sinne des Wortes gemacht. Und während des&#13;
vergangenen Monats haben wir und unsere Verbündeten uns intensiv über die INFVerhandlungen konsultiert. Ich stand in häufigem und engem Kontakt mit anderen Regierungschefs. Vizepräsident Bush führte während seiner Europareise&#13;
sehr produktive Gespräche mit den Führern unseres Bündnisses über INF. Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger haben einen Meinungsaustausch mit ihren Kollegen in Regierungen von Bündnisländern geführt, und&#13;
die Sonderberatungsgruppe der NATO ist in regelmäßigen Abständen zusammengetreten, um über die Verhandlungen zu sprechen und Kriterien zu prüfen, die die&#13;
Grundlage für den Standpunkt des Bündnisses zu INF bilden sollen.&#13;
Die bei&#13;
&#13;
�Die bei diesen Konsultationen zum Ausdruck gebrachten wohlerwogenen&#13;
Auffassungen der Verbündeten waren eine wesentliche Hilfe bei der Gestaltung dieser neuen Initiative.&#13;
&#13;
Dieser Prozeß ist ein Modell dafür, wie ein&#13;
&#13;
Bündnis freier und demokratischer Nationen in kritischen Fragen zusammenarbeiten kann und muß.&#13;
&#13;
Er ist die Quelle unserer Einigkeit und verleiht uns&#13;
&#13;
eine Stärke, der etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen niemand hoffen kann.&#13;
Und er gibt mir großes Vertrauen in den schließlichen Erfolg unserer Bemühungen in Genf, eine sicherere, ja sicherere Welt für alle Völker der Erde zu&#13;
schaffen.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
REDE DES US-PRÄSIDENTEN IN LOS ANGELES AM 31. MÄRZ 1983&#13;
- Wortlaut -&#13;
&#13;
LOS ANGELES - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 31. März 1983 in&#13;
einer Grundsatzrede vor dem World Affairs Council (Rat für weltpolitische Fragen) die Abrüstungspolitik der Vereinigten Staaten erläutert und noch einmal&#13;
die Bedeutung seines am Vortag unterbreiteten Vorschlags für eine Zwischenlösung bei den INF-Verhandlungen in Genf unterstrichen.&#13;
&#13;
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:&#13;
&#13;
In der vorigen Woche habe ich zum amerikanischen Volk über unsere Pläne&#13;
zur Gewährleistung unserer Sicherheit und der unserer Verbündeten gesprochen.&#13;
Ich kündigte eine langfristige Anstrengung in unserer wissenschaftlichen Forschung an, um eines Tages der Bedrohung durch offensive Nuklearraketen begegnen&#13;
zu können.&#13;
&#13;
Was ich vorgeschlagen habe, ist, daß Nationen ihre besten Energien&#13;
&#13;
darauf verwenden sollten, von dem nuklearen Schreckgespenst wegzukommen.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
dürfen nicht einfach resignieren und uns mit einer Zukunft abfinden, in der die&#13;
Sicherheit beider Seiten davon abhängt, daß das Leben von Millionen von unschuldigen Männern, Frauen und Kindern bedroht wird.&#13;
Heute möchte&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Heute möchte ich über einen weiteren lebenswichtigen Aspekt unserer&#13;
nationalen Sicherheit sprechen - unsere Bemühungen, die Gefahren moderner&#13;
Waffen zu begrenzen und zu verringern.&#13;
&#13;
Wir leben in einer Welt, in der ein totaler Krieg die Katastrophe bedeuten würde.&#13;
&#13;
Und wir leben in einer Welt, die durch eine große moralische&#13;
&#13;
Auseinandersetzung zerrissen wird - zwischen der Demokratie und ihren Gegnern,&#13;
zwischen dem Geist der Freiheit und jenen, die die Freiheit fürchten.&#13;
&#13;
In den letzten 15 Jahren - und schon länger - hat die Sowjetunion eine&#13;
unablässige militärische Aufrüstung durchgeführt und die Vereinigten Staaten&#13;
auf vielen wichtigen Gebieten der militärischen Macht überholt, indem sie&#13;
sich eine nur als offensiv zu bezeichnende militärische Kapazität zugelegt&#13;
hat.&#13;
&#13;
All die moralischen Werte, die unser Land liebt - Freiheit; Demokratie;&#13;
&#13;
das Recht der Völker und Nationen, ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen;&#13;
nach eigener Wahl zu leben, zu reden und zu schreiben - all diese Grundrechte&#13;
werden durch einen mächtigen Gegner in Frage gestellt, der nicht will, daß&#13;
diese Werte fortbestehen.&#13;
&#13;
Das ist unser Dilemma - und es ist ein schwieriges:&#13;
die Freiheit verteidigen als auch den Frieden erhalten.&#13;
&#13;
Wir müssen sowohl&#13;
&#13;
Wir müssen fest zu&#13;
&#13;
unseren Prinzipien und unseren Freunden stehen, während wir eine Katastrophe&#13;
verhindern.&#13;
Die westliche Verpflichtung zum Frieden durch Stärke hat Europa die&#13;
längste Friedenszeit seit einem Jahrhundert beschert.&#13;
&#13;
Wir können nicht so tun,&#13;
&#13;
als ob die spezifische Gefahr der Kernwaffen nicht existiere.&#13;
&#13;
Aber wir dürfen&#13;
&#13;
auch nicht zulassen, daß dieses Problem uns lähmt - und uns unsere moralische&#13;
Pflicht vergessen läßt.&#13;
Das ist die Herausforderung, die uns die Geschichte übertragen hat.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
Menschen aus dem 20. Jahrhundert, die wir so stolz darauf sind, selbst die&#13;
Kräfte der Natur zu meistern, sind gezwungen, mit einer der schwersten mora-&#13;
&#13;
�schwersten moralischen Herausforderungen zu ringen, vor der je eine Generation&#13;
stand.&#13;
&#13;
Meine Ansichten über die Sowjetunion sind wohlbekannt, auch wenn ich&#13;
&#13;
sie manchmal nicht wiedererkenne, wenn sie an mich zur'ückvermittelt werden,&#13;
und unser Programm für die Aufrechterhaltung, Stärkung und Modernisierung unserer nationalen Verteidigung ist klar dargelegt worden.&#13;
&#13;
Heute möchte ich&#13;
&#13;
Ihnen etwas zu dem sagen, was wir tun, um die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern.&#13;
&#13;
Mas Amerika bisher getan hat&#13;
&#13;
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Vereinigten Staaten in den&#13;
internationalen Bemühungen, über Begrenzungen der Kernwaffen zu verhandeln,&#13;
führend.&#13;
&#13;
Im Jahr 1946, als die Vereinigten Staaten das einzige Land der Welt waren,&#13;
das diese furchtbaren Waffen besaß, haben wir nicht andere mit der Androhung&#13;
ihres Einsatzes erpreßt, und wir haben unsere gewaltige Macht auch nicht dazu&#13;
benutzt, Land zu erobern, unsere Position voranzutreiben oder die Herrschaft&#13;
über andere zu suchen.&#13;
&#13;
Widerlegt nicht allein schon unsere Geschichte die Be-&#13;
&#13;
schuldigung, wir würden eine Überlegenheit anstreben oder wir würden eine Bedrohung des Friedens darstellen?&#13;
&#13;
Wir haben den Baruch-Plan für eine interna-&#13;
&#13;
tionale Kontrolle aller Kernwaffen und aller Kernenergie vorgeschlagen - alles, was mit dem nuklearen Bereich zu tun hatte, sollte einer internationalen&#13;
Behörde unterstellt werden.&#13;
&#13;
Das wurde von der Sowjetunion abgelehnt.&#13;
&#13;
Einige&#13;
&#13;
Jahre später, 1955, legte Präsident Eisenhower seinen Plan der "Offenen Himmel"&#13;
vor:&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten Pläne von militärischen&#13;
&#13;
Einrichtungen austauschen und Luftaufklärung zulassen, um die Gefahr eines&#13;
Überraschungsangriffs zu bannen.&#13;
&#13;
Auch das wurde von der Sowjetunion abgelehnt.&#13;
&#13;
Seither ist ein gewisser Fortschritt erzielt worden - weitgehend auf&#13;
amerikanische Initiative hin.&#13;
&#13;
Der begrenzte Teststoppvertrag von 1963 verbot&#13;
&#13;
Kernwaffenversuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser.&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
Die Ein-&#13;
&#13;
�Die Einrichtung des "heißen Drahtes" im Jahr 1963 - verbessert im Jahr 1971 bietet eine direkte Kommunikation zwischen Washington und Moskau, um Fehleinschätzungen während einer Krise zu verhindern.&#13;
&#13;
Der Nichtweiterverbreitungs-&#13;
&#13;
vertrag von 1966 soll die Ausbreitung von Kernwaffen verhüten.&#13;
&#13;
Im Jahr 1971&#13;
&#13;
erreichten wir ein Abkommen über besondere Kommunikationsverfahren, um uns gegen die ungewollte oder nicht genehmigte Anwendung von Kernwaffen zu sichern,&#13;
und wir schlössen einen Meeresbodenvertrag ab, der die Stationierung von Kernwaffen auf dem Meeresboden verbietet.&#13;
&#13;
Die Abkommen über eine Begrenzung der&#13;
&#13;
strategischen Rüstungen von 1972 begrenzten die Raketen-Raketenabwehrsysteme&#13;
(ABM) und die Zahl der strategischen Offensivraketen.&#13;
&#13;
Und die Konvention über&#13;
&#13;
das Verbot biologischer Kriegführung von 1972 verbietet - oder sollte eigentlich verbieten - die Entwicklung, Produktion und Lagerung von biologischen und&#13;
toxischen Waffen.&#13;
Aber obwohl wir viele Abkommen erreicht haben, haben wir auch viele Enttäuschungen erlitten. Das amerikanische Volk hatte gehofft, durch diese Maßnahmen die Spannungen zu verringern und mit dem Aufbau eines konstruktiven Verhältnisses zur Sowjetunion zu beginnen.&#13;
Statt dessen haben wir erlebt, daß die militärischen Arsenale der Sowjets&#13;
weiterhin in praktisch allen wichtigen Bereichen wachsen. Wir haben eine Darstellung der sowjetischen Macht rund um den Erdball erlebt. Und wir haben den&#13;
sowjetischen Widerstand gegen wesentliche Verringerungen und gegen Maßnahmen&#13;
einer wirksamen Verifizierung erlebt - vor allem das letztere. Und ich muß&#13;
leider sagen, daß es zunehmend ernstere Gründe gibt, daran zu zweifeln, daß&#13;
die Sowjets die Rüstungskontroi labkommen einhalten, die sie bereits unterzeichnet und die einzuhalten wir uns beide verpflichtet haben. Dazu werde ich in&#13;
naher Zukunft wahrscheinlich einiges zu sagen haben.&#13;
Als ich mein Amt antrat, habe ich dem amerikanischen Volk zwei Versprechen bezüglich Frieden und Sicherheit gegeben:&#13;
&#13;
Ich versprach, unsere ver-&#13;
&#13;
nachlässigte Verteidigung wiederherzustellen, um den Frieden zu erhalten und&#13;
zu stärken; und ich versprach, verläßliche Abkommen anzustreben, um die Kern- 4 -&#13;
&#13;
�die Kernwaffen zu verringern.&#13;
&#13;
Diese beiden Versprechen werden eingehalten.&#13;
&#13;
Heute hängen nicht nur der Frieden, sondern auch die Chancen für eine&#13;
echte Rüstungskontrolle von der Wiederherstellung des militärischen Gleichgewichts ab.&#13;
&#13;
Wir wissen, daß es die Ideologie der sowjetischen Führer nicht&#13;
&#13;
zuläßt, daß sie irgendeine Schwäche des Westens unausgenützt oder ein Vakuum&#13;
der Macht unausgefüllt lassen.&#13;
&#13;
Man könnte meinen, daß für sie Verhandlung&#13;
&#13;
nichts weiter ist als eine andere Form des Kampfes.&#13;
&#13;
Und doch glaube ich, daß&#13;
&#13;
die Sowjets dazu bewogen werden können, ihre Arsenale abzubauen - aber nur&#13;
wenn sie erkennen, daß es absolut notwendig ist.&#13;
&#13;
Nur wenn die Sowjets die&#13;
&#13;
Entschlossenheit des Westens erkennen, seine eigenen Streitkräfte zu modernisieren, werden sie einen Anreiz verspüren, über ein verifizierbares Abkommen&#13;
zu verhandeln, das einen gleichen niedrigeren Stand herstellt.&#13;
&#13;
Und das ist&#13;
&#13;
ganz einfach einer der Hauptgründe, warum wir unsere Verteidigungsstärke wieder aufbauen müssen.&#13;
&#13;
Die gesamte Modernisierung unserer strategischen Streitmacht ist vom&#13;
Kongreß gebilligt worden - mit Ausnahme des landgestützten Pfeilers der&#13;
Triade.&#13;
&#13;
Wir rechnen damit, die Billigung dieses endgültigen Programms durch&#13;
&#13;
den Kongreß später in diesem Frühjahr zu erhalten.&#13;
&#13;
Ein Programm für die Mo-&#13;
&#13;
dernisierung der strategischen Streitkräfte muß sich auf einen nationalen, überparteilichen Konsens stützen.&#13;
&#13;
Während des letzten Jahrzehnts haben viele auf-&#13;
&#13;
einanderfolgende Administrationen Vorschläge für die Rüstungskontrolle und die&#13;
Modernisierung unterbreitet, die in die Wirren der politischen Kontroverse geraten sind.&#13;
&#13;
Niemand hatte etwas von dieser inneren Spaltung.&#13;
&#13;
Wir alle müssen&#13;
&#13;
unsere früheren Standpunkte aus einer neuen Perspektive betrachten.&#13;
&#13;
Ich siche-&#13;
&#13;
re Ihnen zu, daß ich mich an einer solchen neuen Betrachtungsweise beteiligen&#13;
werde und entschlossen bin, zur Herstellung einer neuerlichen überparteilichen&#13;
Übereinstimmung beizutragen.&#13;
&#13;
Meine andere Priorität auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit bei&#13;
meinen Amtsantritt war eine gründliche Überprüfung des gesamten Rüstungskontrollbereiches.&#13;
&#13;
Seither haben wir in Koordination mit unseren Verbündeten&#13;
&#13;
- 5-&#13;
&#13;
�unseren Verbündeten das umfassendste Programm von Rüstungskontroll initiativen vorgelegt, das je unterbreitet wurde.&#13;
&#13;
Noch nie in der Geschichte hat&#13;
&#13;
eine Nation so viele große gleichzeitige Anstrengungen unternommen, um die&#13;
Instrumente des Krieges zu begrenzen und zu verringern:&#13;
- Im vorigen Monat hat der Vizepräsident in Genf die Vereinigten Staaten&#13;
verpflichtet, ein totales und verifizierbares Verbot chemischer Waffen&#13;
auszuhandeln.&#13;
&#13;
Solche unmenschlichen Waffen, wie auch toxische Waffen,&#13;
&#13;
werden unter Verletzung des internationalen Rechts in Afghanistan, Laos&#13;
und Kampuchea eingesetzt.&#13;
- Zusammen mit unseren Verbündeten haben wir einen umfassenden neuen Vorschlag für eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der konventionellen Streitkräfte in Europa unterbreitet.&#13;
- Wir haben kürzlich der Sowjetunion eine Reihe weiterer Maßnahmen vorgeschlagen, um das Risiko eines Krieges durch Zufall oder Fehleinschätzung zu verringern. Und wir überlegen bedeutsame neue Maßnahmen, die&#13;
zum Teil aus Konsultationen mit mehreren bedeutenden Senatoren herrühren.&#13;
- Wir haben gemeinsam mit unseren Verbündeten eine Konferenz über Abrüstung&#13;
in Europa vorgeschlagen.&#13;
&#13;
Auf der Basis eines ausgewogenen Ergebnisses&#13;
&#13;
des Madrider KSZE-Folgetreffens soll eine solche Konferenz neue Mittel&#13;
und Wege erörtern, um die Stabilität und Sicherheit in Europa zu fördern.&#13;
- Wir haben der Sowjetunion die Verbesserung der Verifizierungsbestimmungen zweier Abkommen über die Begrenzung von Nuklearversuchen unter der&#13;
Erde vorgeschlagen, aber die Antwort war bisher negativ.&#13;
&#13;
Wir werden es&#13;
&#13;
weiter versuchen.&#13;
- Und was am wichtigsten ist, wir haben weitreichende Vorschläge gemacht&#13;
- auf die ich nachher kurz eingehen möchte - für einschneidende Verringerungen der strategischen Waffen und für die Beseitigung einer gesamten&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�einer gesamten Klasse von Mittel Streckenwaffen.&#13;
&#13;
Ich bin entschlossen, eine echte Rüstungskontrolle zu erreichen - verläßliche Abkommen, die sich im Laufe der Zeit bewähren werden, keine kosmetischen Abkommen, die große Erwartungen wecken, um dann die Hoffnungen nur&#13;
umso grausamer zu enttäuschen.&#13;
&#13;
Bei all diesen Verhandlungen wird unsere Politik von bestimmten Grundprinzipien geleitet:&#13;
&#13;
- Erstens, unsere Bemühungen um Rüstungskontrolle sollen zu wesentlichen&#13;
Verringerungen auf beiden Seiten führen.&#13;
&#13;
- Zweitens, wir beharren darauf, daß Rüstungskontrollabkommen gleich und&#13;
ausgewogen sein müssen.&#13;
- Drittens, Rüstungskontroi labkommen müssen wirksam verifizierbar sein.&#13;
Wir können die Sicherheit unseres Volkes und der Völker der Welt nicht&#13;
aufs Spiel setzen.&#13;
&#13;
- Viertens, wir gehen davon aus, daß Rüstungskontrolle kein Selbstzweck&#13;
ist, sondern ein lebenswichtiger Teil einer breit angelegten Politik,&#13;
die auf die Stärkung von Frieden und Stabilität abzielt.&#13;
&#13;
Mit diesen festen Prinzipien im Auge ist diese Administration in die Verhandlungen über die mächtigsten Waffen in den amerikanischen und sowjetischen&#13;
Arsenalen eingetreten - die strategischen Kernwaffen.&#13;
&#13;
Verhandlungen über&#13;
&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START)&#13;
Im Juni 1983 trafen in Genf amerikanische und sowjetische Delegationen&#13;
zusammen, um die Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen, die wir als START bezeichnen, zu beginnen.&#13;
&#13;
Wir haben versucht, ein Ab-&#13;
&#13;
kommen auszuarbeiten, das den Stand der strategischen Waffen auf beiden Seiten&#13;
verringert.&#13;
&#13;
Ich habe vorgeschlagen, die Zahl der Raketen um die Hälfte und&#13;
&#13;
die Zahl der Gefechtsköpfe um ein Drittel zu verringern.&#13;
&#13;
Nicht mehr als die&#13;
&#13;
Hälfte der verbleibenden Gefechtsköpfe dürfte auf landgestützten Raketen montiert sein.&#13;
&#13;
Das würde beiden Seiten eine größere Sicherheit auf gleichem und&#13;
&#13;
niedrigerem Stand der Streitkräfte gewähren.&#13;
Dies würde nicht nur die Zahl verringern - es würde auch genau jenen&#13;
Typen von Kernwaffen spezifische Grenzen setzen, die die größte Gefahr darstellen.&#13;
Die Sowjets haben einen Gegenvorschlag unterbreitet.&#13;
Reihe schwerer Bedenken gegen diesen Vorschlag geäußert.&#13;
&#13;
Wir haben eine&#13;
Aber - und das ist&#13;
&#13;
wichtig - die Sowjets haben das Konzept der Verringerungen akzeptiert.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
nehme an, daß das auf die feste Entschlossenheit zurückzuführen ist, die wir&#13;
an den Tag gelegt haben.&#13;
&#13;
In der gegenwärtigen Verhandlungsrunde haben wir&#13;
&#13;
ihnen das Grundelement eines Vertrages über umfassende Verringerungen der strategischen Arsenale unterbreitet.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten haben bei den START-&#13;
&#13;
Verhandlungen kürzlich ferner einen Vertragsentwurf für eine Reihe bedeutsamer&#13;
Maßnahmen eingebracht, die Vertrauen bilden und das Risiko eines Konflikts verringern sollen.&#13;
&#13;
Diese Verhandlungen werden auf unsererSeite unter der fähigen&#13;
&#13;
Leitung von Botschafter Edward Rowney geführt.&#13;
&#13;
Nukleare Mittel Streckensysteme (INF)&#13;
Wir verhandeln in Genf auch über die Beseitigung einer ganzen Klasse&#13;
neuer Waffen vom Angesicht der Erde.&#13;
Seite Mitte&#13;
&#13;
�Seit Mitte der siebziger Jahre disloziert die Sowjetunion eine nukleare&#13;
Mittelstreckenrakete, die SS-20, mit der Rate von einer Rakete pro Woche.&#13;
Heute gibt es 351 dieser Raketen, von denen jede drei höchst treffsichere Gefechtsköpfe trägt, die in der Lage sind, Städte und militärische Stützpunkte&#13;
in Westeuropa, Asien und im Nahen Osten zu zerstören.&#13;
&#13;
Die NATO besitzt keine vergleichbare Waffe.&#13;
&#13;
Und die NATO hat auch diese&#13;
&#13;
neue beispiellose Eskalation in keiner Weise provoziert.&#13;
&#13;
Es war vielmehr so,&#13;
&#13;
daß wir 1000 nukleare Gefechtsköpfe von Gefechtsfeldwaffen aus Europa abgezogen haben,während die Sowjets ihre SS-20-Raketen dislozierten.&#13;
&#13;
Diese&#13;
&#13;
wesentliche&#13;
&#13;
Verlagerung im militärischen Kräfteverhältnis in&#13;
&#13;
Europa veranlaßte unsere westeuropäischen Verbündeten, selbst vorzuschlagen,&#13;
daß die NATO ein Mittel finden solle, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.&#13;
Im Dezember 1979 verkündete&#13;
&#13;
sie einen kollektiven Doppelbeschluß:&#13;
&#13;
- Erstens in Westeuropa 572 landgestützte Marschflugkörper und PERSHING&#13;
II-Raketen zu dislozieren, die die Sowjetunion erreichen können - zu&#13;
dem Zweck, den sowjetischen SS-20-Raketen etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen und eine Abschreckung zu schaffen.&#13;
&#13;
Die erste Dislozierung&#13;
&#13;
dieser NATO-Waffen ist für Ende dieses Jahres vorgesehen.&#13;
&#13;
- Zweitens Verhandlungen mit der Sowjetunion über die beiderseitige Verringerung dieser Mittelstreckenraketen anzustreben.&#13;
&#13;
Im November 1981 haben die Vereinigten Staaten in Abstimmung mit unseren&#13;
Verbündeten einen umfassenden neuen Vorschlag unterbreitet.&#13;
&#13;
Die NATO würde&#13;
&#13;
auf ihre eigenen Dislozierungen verzichten, wenn die Sowjets ihre Raketen abschaffen.&#13;
&#13;
Die Sowjetunion weigerte sich und setzte im Westen eine intensive&#13;
&#13;
Kampagne in Gang, um die NATO-Dislozierungen zu blockieren, die noch nicht&#13;
einmal begonnen hatten.&#13;
&#13;
In der Zwischenzeit wächst die Zahl der sowjetischen&#13;
&#13;
Raketen weiter.&#13;
&#13;
Unser Vorschlag&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
�Unser Vorschlag bedeutete keineswegs ein "Alles oder Nichts".&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
sind bereit, jeden sowjetischen Vorschlag zu prüfen, der den folgenden&#13;
Normen der Fairness entspricht:&#13;
&#13;
- Ein Abkommen muß zu gleichen Zahlen der sowjetischen und amerikanischen&#13;
Mittelstrecken-Streitkräfte führen.&#13;
&#13;
- Die Nuklearstreitkräfte anderer Länder, wie die britischen und französischen, sind unabhängig und sind nicht Teil der bilateralen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen.&#13;
&#13;
Es handelt sich dabei um strate-&#13;
&#13;
gische Waffen, und die strategischen Arsenale der Sowjets wiegen sie&#13;
mehr als auf.&#13;
&#13;
- Weiter darf ein Abkommen die Bedrohung nicht von Europa nach Asien verlagern.&#13;
&#13;
Bei der Reichweite und der Mobilität der SS-20-Raketen müssen&#13;
&#13;
sinnvolle Begrenzungen dieser Raketen und vergleichbarer amerikanischer&#13;
Systeme weltweit gelten.&#13;
&#13;
- Ein Abkommen muß wirksam verifizierbar sein.&#13;
&#13;
- Und ein Abkommen darf schließlich nicht die Fähigkeit der NATO untergraben, sich selbst mit konventionellen Streitkräften verteidigen zu&#13;
können.&#13;
Wir haben uns eng mit unseren atlantischen Verbündeten konsultiert,&#13;
und sie stehen nachdrücklich hinter diesen Prinzipien.&#13;
&#13;
Anfang dieser Woche&#13;
&#13;
habe ich unseren Verhandlungschef in Genf, Botschafter Paul Nitze, angewiesen, die sowjetische Delegation von einem neuen amerikanischen Vorschlag in&#13;
Kenntnis zu setzen, der die volle Unterstützung unserer Verbündeten hat.&#13;
&#13;
Wir sind bereit, ein Zwischenabkommen auszuhandeln, um unsere geplanten Dislozierungen zu verringern, wenn die Sowjetunion ihre entsprechenden&#13;
Gefechtsköpfe auf einen gleichen Stand reduziert.&#13;
&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
Dies würde alle amerikanischen&#13;
&#13;
�, alle amerikanischen und sowjetischen Waffen dieser Klasse einschließen, wo&#13;
immer sie stationiert sind.&#13;
Unser Angebot einer Null-Lösung für beide Seiten wird selbstverständlich&#13;
als unser Endziel auf dem Tisch bleiben.&#13;
&#13;
Gleichzeitig bleiben wir, wie wir&#13;
&#13;
dies von Anbeginn waren, für ernsthafte Gegenvorschläge offen.&#13;
Die sowjetischen Verhandlungsführer sind jetzt nach Moskau zurückgekehrt,&#13;
wo unser neuer Vorschlag, so hoffen wir, während dieser Verhandlungspause sorgfältige Prüfung erfahren wird.&#13;
&#13;
Botschafter Nitze hat vorgeschlagen, die Ver-&#13;
&#13;
handlungen Mitte Mai, also mehrere Wochen früher als geplant, wieder aufzunehmen, und die Sowjets haben dem zugestimmt.&#13;
Ich bedaure es, daß die Sowjetunion bisher nicht bereit war, die völlige Beseitigung dieser Systeme auf beiden Seiten zu akzeptieren.&#13;
&#13;
Die Frage,&#13;
&#13;
. die ich jetzt der sowjetischen Regierung stelle, ist, auf welchen gleichen&#13;
Stand sie zu verringern bereit ist, wenn sie nicht zur Beseitigung bereit ist.&#13;
&#13;
Nonproliferation&#13;
Der neue Vorschlag soll dazu dienen, in Genf zu einem baldigen und echten Fortschritt zu führen. Wenn die Rüstungskontrolle jedoch wirklich vollständig sein und die Sicherheit der Welt gestärkt werden soll, dann müssen wir&#13;
auch unsere Bemühungen steigern, der Ausbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten.&#13;
Jedes Land, das eine friedliche Weltordnung schätzt, muß das seinige&#13;
dazu tun.&#13;
&#13;
Unsere Verbündeten haben - als wichtige Nuklearexporteure - auch&#13;
&#13;
eine sehr große Verantwortung, die Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern.&#13;
Um diesem Ziel zu dienen, sollten wir alle umfassende&#13;
&#13;
Sicherheitsvorkehrungen&#13;
&#13;
als eine Vorbedingung für künftige Lieferverpflichtungen auf dem nuklearen Sektor einführen.&#13;
&#13;
In den kommenden Tagen werde ich mit anderen führenden Staats- 11 -&#13;
&#13;
�führenden Staatsmännern der Welt über die Notwendigkeit einer dringlichen&#13;
Behandlung dieser Dinge und andere Maßnahmen gegen die nukleare Proliferation&#13;
sprechen.&#13;
&#13;
Das Einfrieren von Kernwaffen&#13;
&#13;
Das sind die Dinge, die wir bisher auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle&#13;
getan haben.&#13;
&#13;
Unsere Vorschläge sind fair, weitreichend und umfassend, aber&#13;
&#13;
wir sind noch weit von unserem Ziel entfernt.&#13;
&#13;
Wir Amerikaner sind manchmal ungeduldige Menschen.&#13;
&#13;
Ich vermute, daß&#13;
&#13;
das ein Symptom unseres traditionellen Optimismus, unserer traditionellen&#13;
Energie und unseres traditionellen Geistes ist. Oft ist es eine Quelle der&#13;
Stärke.&#13;
&#13;
Bei Verhandlungen kann jedoch Ungeduld ein echter Nachteil sein. Oe^&#13;
&#13;
der von uns, der schon einmal mit Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern&#13;
oder irgendwelchen anderen Lohnverhandlungen zu tun hatte, weiß, daß Geduld&#13;
die Verhandlungsposition stärkt.&#13;
&#13;
Wenn eine Seite zu ungeduldig oder zu hem-&#13;
&#13;
mungslos zu sein scheint, dann hat die andere Seite keinen Grund, einen Kompromiß anzubieten, und jeden Grund,abzuwarten - in, der Erwartung,daß die ungeduldigere Seite als erste nachgeben wird.&#13;
&#13;
Das ist nun einmal eine Grundtatsache des Lebens, die aus dem Auge zu&#13;
verlieren wir uns nicht leisten können, wenn wir mit der Sowjetunion verhandeln.&#13;
net.&#13;
&#13;
Deren Verhandlungsposition war niemals von Großzügigkeit gekennzeichEine solche würde der grundlegend militanten Einstellung der marxistisch-&#13;
&#13;
leninistischen Ideologie zuwiderlaufen.&#13;
&#13;
Es ist also lebenswichtig, daß wir Geduld, Entschlossenheit und vor&#13;
allem nationale Einigkeit an den Tag legen.&#13;
&#13;
Wenn wir zerstritten erscheinen&#13;
&#13;
- wenn die Sowjets vermuten, daß innenpolitischer Druck und innenpolitische&#13;
Forderungen unsere Position untergraben werden, dann werden sie sich auf die&#13;
Hinterbeine stellen.&#13;
&#13;
Und das kann nur ein Abkommen verzögern und könnte sogar&#13;
&#13;
- 12 -&#13;
&#13;
�könnte sogar unsere Hoffnungen auf ein Abkommen zerstören.&#13;
&#13;
Darum mache ich mir solche Sorgen über den Vorschlag eines nuklearen&#13;
Einfrierens, wie er gegenwärtig im Repräsentantenhaus behandelt wird.&#13;
&#13;
Die&#13;
&#13;
meisten derjenigen, die für das Einfrieren sind, haben sicherlich die besten&#13;
Absichten und machen sich Sorgen über das Wettrüsten und die Gefahren eines&#13;
Atomkrieges.&#13;
&#13;
Niemand teilt ihre Besorgnis mehr als ich. Aber so gut ihre&#13;
&#13;
Absichten auch sein mögen, diese Vorschläge für ein Einfrieren würden mehr&#13;
schaden als nützen.&#13;
&#13;
Sie scheinen eine einfache Lösung zu bieten.&#13;
&#13;
gibt keine einfachen Lösungen für komplizierte Probleme.&#13;
&#13;
Aber es&#13;
&#13;
Wie H.L. Mencken ein-&#13;
&#13;
mal trocken bemerkte, gibt es für jedes Problem eine Lösung, die einfach, elegant und falsch ist.&#13;
&#13;
Das Konzept des Einfrierens ist aus vielerlei Gründen&#13;
&#13;
gefährlich:&#13;
&#13;
- Es würde den heutigen hohen, ungleichen und instabilen Stand der Nuklearstreitkräfte festschreiben und dadurch die sowjetischen Anreize, über&#13;
echte Verringerungen zu verhandeln, verkleinern.&#13;
- Es würde unseren Verhandlungsführern in Genf den Teppich unter den Füßen&#13;
wegziehen, wie sie selbst gesagt haben.&#13;
&#13;
Denn warum sollten schließlich&#13;
&#13;
die Sowjets verhandeln, wenn sie schon ein Einfrieren in einer Position&#13;
des Vorteils für sich erreicht hätten?&#13;
&#13;
- Obwohl manche Leute der Meinung sind, daß man sich über ein Einfrieren&#13;
leicht einigen könnte, brächte es doch gewaltige und komplizierte Probleme mit sich im Hinblick darauf, was denn nun eingefroren werden soll,&#13;
wie dies erreicht und vor allem, wie dies verifiziert werden kann.&#13;
&#13;
Der&#13;
&#13;
Versuch, diese entscheidend wichtigen Einzelheiten auszuhandeln, würde&#13;
uns nur von dem Ziel ablenken, über Verminderungen Einigung zu erzielen&#13;
- und wer weiß für wie lange.&#13;
&#13;
- Der Einfrierungsvorschlag wäre darüber hinaus weit sinnvoller, wenn eine&#13;
ähnliche Bewegung gegen Atomwaffen einen ähnlichen Druck auf die sowje-&#13;
&#13;
- 13 -&#13;
&#13;
�die sowjetischen Führer in Moskau ausüben würde.&#13;
&#13;
Wie es der frühere&#13;
&#13;
amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown formuliert hat:&#13;
&#13;
Das&#13;
&#13;
Einfrieren zielt darauf ab, "Druck auf die Vereinigten Staaten, nicht&#13;
jedoch auf die Sowjetunion auszuüben".&#13;
&#13;
- Und schließlich würde ein Einfrieren die Sowjets für eine 15jährige&#13;
Aufrüstung belohnen, während wir auf unsere heutige Ausrüstung festgelegt würden, die in vielen Fällen veraltet ist und dringend der Modernisierung bedarf.&#13;
&#13;
Drei Viertel der sowjetischen strategischen Gefechts-&#13;
&#13;
köpfe befinden sich auf Einsatzsystemen, die fünf Jahre oder weniger alt&#13;
sind, während sich drei Viertel der amerikanischen strategischen Gefechtsköpfe&#13;
&#13;
auf Systemen befinden, die 15 Jahre alt oder noch älter sind.&#13;
&#13;
Es kommt natürlich einmal der Zeitpunkt, an dem alles veraltet ist nur, das Problem ist, daß dieser Zeitpunkt für uns weitaus früher&#13;
kommt als für die Sowjets.&#13;
&#13;
Und nach einem Einfrieren könnten wir daran&#13;
&#13;
überhaupt nichts mehr ändern.&#13;
&#13;
Unsere strategischen Bomber vom Typ B-52 sind älter als viele der Piloten, die sie fliegen; wären dies Automobile, würde man sie als antik bezeichnen.&#13;
&#13;
Ein Einfrieren würde uns auf absolute Überalterung festschreiben.&#13;
&#13;
Es&#13;
&#13;
ist einfach zuviel verlangt, von den Männern und Frauen in unseren Streitkräften&#13;
zu fordern, daß sie ihr Leben mit überholten Ausrüstungen aufs Spiel setzen.&#13;
Die zwei Millionen patriotischen Amerikaner in unseren Streitkräften verdienen&#13;
die beste und modernste Ausrüstung, um sie - und um uns - zu schützen.&#13;
&#13;
Ich bin sicher:&#13;
&#13;
Jeder Präsident hat davon geträumt, die Welt sicherer&#13;
&#13;
zu gestalten, als er sie vorgefunden hat.&#13;
&#13;
Ich versichere Ihnen, es ist mein&#13;
&#13;
Ziel - und die Überzeugung ist mir heilig -.Fortschritte in Richtung auf&#13;
Rüstungsverminderungen bei jeder der Verhandlungen zu erzielen, die gegenwärtig&#13;
stattfinden.&#13;
&#13;
Ich appelliere an alle Amerikaner - in beiden Parteien und in allen&#13;
Zweigen unserer Regierung -,sich mir in diesem Bemühen anzuschließen.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
dürfen es nicht zulassen, daß unsere Meinungsverschiedenheiten oder unsere&#13;
- 14 -&#13;
&#13;
�oder unsere Parteipolitik uns davon abhalten, den Frieden zu stärken und die&#13;
Rüstungen zu vermindern.&#13;
&#13;
Ich spreche gegenüber unseren Verbündeten und Freunden in Europa und&#13;
Asien die Verpflichtung aus: Wir werden uns auch weiterhin eng mit Ihnen&#13;
konsultieren.&#13;
&#13;
Wir sind uns bei den Verhandlungen mit unseren Gegnern über&#13;
&#13;
Fragen, die für Sie, Ihre Sicherheit und Ihr Wohlergehen von Belang sind,&#13;
unserer Verantwortung bewußt.&#13;
&#13;
Den Führern und dem Volk der Sowjetunion rufe ich zu:&#13;
&#13;
Schließen Sie&#13;
&#13;
sich uns an auf dem Weg zu einer friedlicheren und sichereren Welt.&#13;
&#13;
Lassen&#13;
&#13;
Sie uns wetteifern im Bereich der Ideen, auf dem Gebiet der friedlichen&#13;
Konkurrenz.&#13;
&#13;
Lassen Sie die Geschichte einmal die Feststellung treffen, daß&#13;
&#13;
wir unsere Theorien durch menschliche Erfahrungen erprobt und daß wir nicht&#13;
einander zerstört haben im Namen der Rechtfertigung unserer jeweiligen Lebensart.&#13;
&#13;
Und lassen Sie uns in unserem internationalen Verhalten Zurückhaltung&#13;
&#13;
üben, so daß eines Tages ein beiderseitiges Vertrauen und ein sicherer Friede&#13;
an die Stelle des gegenwärtigen Klimas des Mißtrauens treten können.&#13;
&#13;
Gibt es einen besseren Zeitpunkt, um uns diesem Vorhaben erneut zu verpflichten, als die Osterzeit, in der Millionen von Menschen in aller Welt demjenigen huldigen, der uns Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen&#13;
gelehrt hat?&#13;
&#13;
Dies, meine amerikanischen Mitbürger, ist das Ziel aller demokratischen&#13;
Nationen - ein Ziel, das Festigkeit, Geduld und Verständnis erfordert.&#13;
die Sowjetunion in diesem Geiste reagiert, dann stehen wir bereit.&#13;
&#13;
Wenn&#13;
&#13;
Und wir&#13;
&#13;
können unserer Nachwelt das Vermächtnis des Friedens übermitteln - Frieden&#13;
und Freiheit sind die größten Gaben, die eine Generation der anderen vermachen&#13;
kann.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
- 15 -&#13;
&#13;
�I&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
15&#13;
&#13;
US-SENATOR: ZUKUNFT IST NUR GEMEINSAM ZU BEWÄLTIGEN&#13;
- Berlin-Rede von Senator Mathias -&#13;
&#13;
BERLIN - (AD) - Der republikanische Senator Charles McC. Mathias, Jr.&#13;
aus Maryland hat auf der 12. deutsch-amerikanischen Zwei Jahreskonferenz der&#13;
Atlantik-Brücke und des American Council on Germany in Berlin seine feste&#13;
Überzeugung zum Ausdruck gebracht,daß die westlichen Nationen ihre Zukunft&#13;
nur gemeinsam bewältigen können.&#13;
Die Ansprache des Senators vom 25. März 1983 hat folgenden Wortlaut:&#13;
Es ist mir eine Ehre, auf der 12. Zweijahreskonferenz des American&#13;
Council on Germany und der Atlantik-Brücke sprechen zu dürfen.&#13;
&#13;
Es ist eine&#13;
&#13;
Freude, mit so vielen Freunden zusammen zu sein.&#13;
Wir werden diese Freundschaft brauchen, um diese Diskussionen durchzustehen.&#13;
&#13;
Ich möchte sie aber jetzt nicht beurteilen, indem ich auf unsere&#13;
&#13;
Probleme eingehe und unsere Meinungsverschiedenheiten bedauere, ich möchte&#13;
vielmehr auf unsere gemeinsamen Zielsetzungen zu sprechen kommen.&#13;
Ich will&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Ich will diese meine Gedanken nicht zum Trost vortragen, sondern weil&#13;
ich der Überzeugung bin, daß wir, je klarer wir unsere beiderseitigen Interessen definieren, desto weitgefaßter unsere Politiken und Maßnahmen in Einklang bringen können.&#13;
&#13;
Die Notwendigkeit einer solchen Kooperation ist immer&#13;
&#13;
vorhanden und ist nach meiner Meinung einfach zwingend geworden.&#13;
Wenn wir unsere gemeinsamen Ziele fördern wollen, dann müssen wir mit&#13;
der Einsicht beginnen, daß die in Amerika und in Deutschland verankerte Atlantische Gemeinschaft durch etwas mehr fundiert ist als durch die gegenseitige Verpflichtung ihrer Mitglieder, einander im Falle eines Angriffs zu helfen.&#13;
&#13;
Dieses Versprechen ist selbstverständlich die Grundlage.&#13;
&#13;
len geholfen, den Frieden in Europa zu bewahren.&#13;
&#13;
Es hat uns al-&#13;
&#13;
Das ist zwar der Kern unseres&#13;
&#13;
Verhältnisses, aber es ist nicht die Seele unseres Bündnisses.&#13;
Der Pakt, den wir vor mehr als einer Generation geschlossen haben, ist&#13;
mehr als eine Abmachung für kollektive militärische Sicherheit.&#13;
&#13;
Dieser Pakt&#13;
&#13;
ist defensiv in dem Sinne, daß er keine Aggression androht, aber er ist auch&#13;
in die Zukunft gerichtet.&#13;
&#13;
Nach Artikel 2 des Nordatlantikvertrages kamen wir&#13;
&#13;
zusammen, um "zur weiteren Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher internationaler Beziehungen bei(zu)tragen", und zwar indem wir die "freien Einrichtungen festigen... und... die Voraussetzungen für die innere Festigkeit&#13;
und das Wohlergehen fördern."&#13;
&#13;
Wir haben also keine enggefaßte, statische&#13;
&#13;
Auffassung unserer Pflichten niedergelegt, sondern eine aktive, expansive&#13;
Vorstellung unserer Chancen und Aufgaben.&#13;
Wir haben nicht nur vom Krieg verwüstete Länder wieder aufgebaut, sondern wir haben auch neue Institutionen geschaffen - die OECD, das GATT, die&#13;
Weltbank und den Internationalen Währungsfonds sowie die Europäische Gemeinschaft -, um das wirtschaftliche Wachstum zu fördern und die Welt gegen neues&#13;
Unheil zu stärken. Zu Anfang unseres Bündnisses schufen wir so ein vernünftiges Gleichgewicht der Verteidigungsanforderungen und der Förderung des Wohlstandes. Wir schmiedeten Schwerter und Pflugscharen, um vor einem Krieg abzuschrecken und den Frieden zu sichern.&#13;
Über 20 Jahre&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�über 20 Jahre lang haben uns die beiden sich ergänzenden Strategien&#13;
mit beachtlichem Erfolg immer weiter gebracht.&#13;
&#13;
Aber etwa im letzten Jahr-&#13;
&#13;
zehnt ließ nicht nur unser Schwung nach, sondern unsere Wege gingen auch auseinander - weniger innerhalb der NATO als außerhalb ihres Bereichs, aber doch&#13;
eigentlich in beiden Bereichen.&#13;
&#13;
Es gibt viele Erklärungen für das, was geschehen ist.&#13;
&#13;
Daß die Sowjets&#13;
&#13;
die nukleare Parität erreichten und daß Amerika so lange und tragisch in&#13;
Vietnam verwickelt war, hat viele Berechnungen der militärischen und politischen Stärke über den Haufen geworfen.&#13;
&#13;
Und die ölschocks von 1973 und 1979&#13;
&#13;
warfen ebenso viele wirtschaftliche Annahmen über den Haufen.&#13;
&#13;
Und schließlich&#13;
&#13;
hat die sich hinausziehende internationale Rezession der letzten Jahre uns&#13;
viel von unserem Vertrauen zu uns selbst und zu anderen genommen.&#13;
&#13;
Solche Entwicklungen - und ich habe nur einige der ganz offensichtlichen&#13;
erwähnt - haben eine tiefe Auswirkung auf die gegenwärtigen Verhältnisse und&#13;
unsere Zukunftserwartungen.&#13;
&#13;
Leider waren unsere Antworten auf diese Entwick-&#13;
&#13;
lungen zu oft zu kurzatmig und improvisiert - ein Versuch, die Position gerade&#13;
noch zu halten.&#13;
&#13;
Manchmal sah es so aus, als ob wir Hegel recht geben wollten,&#13;
&#13;
wenn er sagt, daß unter dem Druck großer Ereignisse ein allgemeines Prinzip&#13;
nicht viel hilft.&#13;
&#13;
Ich stimme dem nicht zu.&#13;
&#13;
Genau dann, wenn Ereignisse uns besonders be-&#13;
&#13;
lasten, sollten wir in allgemeinen Prinzipien Hilfe suchen.&#13;
&#13;
Und die Regel,&#13;
&#13;
an die wir uns nach meiner Auffassung wieder halten müssen, ist die, daß das&#13;
Wachstum wieder unser Hauptanliegen als Nationen und als Verbündete sein muß.&#13;
&#13;
Eine geschlossene Gesellschaft kann es sich vielleicht eine Zeitlang&#13;
leisten, ihre Untertanen in ihren Hoffnungen und Wünschen einzuschränken.&#13;
Aber ein solches System kann nicht gleichzeitig die Optionen einschränken&#13;
und kreative Energie freisetzen.&#13;
&#13;
Selbst ein Weltreich, das so riesig und so&#13;
&#13;
reich ist wie das, über das Moskau herrscht, kann Zeichen der Stagnation erkennen lassen, wenn es sich selbst zu eng gegen den Wandel verfestigt und Neu-&#13;
&#13;
- 3,-&#13;
&#13;
�und Neugier, Ausdruck und Experiment unterdrückt.&#13;
Aus anderen aber ebenso zwingenden Gründen müssen Demokratien ständig&#13;
den Blick ihrer Bürger zu weiten suchen. Unsere Regierungen können kurze Zeitspannen der Einschränkung überstehen, aber nicht den unbegrenzten Aufschub&#13;
von wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt. Wir sind wie Radfahrer auf&#13;
einem Hochseil, die ihren Schwung behalten müssen, um ihr Gleichgewicht zu&#13;
behalten.&#13;
&#13;
Stabilität kann für uns nur durch Vorwärtsbewegung garantiert werden.&#13;
&#13;
Zweifellos kann unser Wachstum nicht länger territorial gesehen werden.&#13;
Noch wird es durch neu entdeckte Rohstoffreserven beschleunigt werden. Was&#13;
wir am meisten brauchen werden, ist Einfallsreichtum, und das ist glücklicherweise eines der Bestandteile des Wachstums, das in unbegrenzter Menge vorhanden ist. Unsere Aufgabe besteht darin, Verhältnisse zu schaffen, die unsere&#13;
erfinderischen Fähigkeiten am besten anregen - ein politisches, soziales und&#13;
wirtschaftlichem Universum, das uns große Chancen bietet und uns die größtmögliche Freiheit des Handelns läßt.&#13;
Im physischen Sinne existiert dieses Universum bereits, aber es ist weniger ein einziges System als eine Konstellation dreier, ungleicher und wenig&#13;
gefestigter Galaxien. Die uns am nächsten liegende und strahlendste besteht&#13;
aus den modernen, industrialisierten Demokratien des Westens. Die größte zumindest was die Bevölkerungszahl und das unausgeschöpfte Potential angeht liegt jenseits des südlichen Horizonts. Und die dritte steht unter einem roten Stern, der ein unheimliches Licht wirft - die kommunistischen Staaten Europas und Asiens.&#13;
Wir können die Geographie oder die Geschichte nicht ändern, die diese&#13;
drei getrennten und ungleichen Ganzheiten geschaffen haben. Aber wir können&#13;
mehr tun, um zu verhindern, daß sie miteinander kollidieren. Wir müssen sehr&#13;
viel mehr tun, um breitere, stabilere und produktivere Verbindungen unter ihnen&#13;
zu schaffen, damit sie - zur Koexistenz gezwungen - auch zur Kooperation gelangen.&#13;
Kooperation beginnt&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Kooperation beginnt bei uns selbst.&#13;
&#13;
Innerhalb unserer eigenen Gemein-&#13;
&#13;
schaft ist kein einziges Land, nicht einmal die Vereinigten Staaten, groß&#13;
oder reich genug, um allein zu florieren.&#13;
&#13;
Wir könnten uns vielleicht in der&#13;
&#13;
Isolation eben am Leben erhalten, aber wir könnten uns gewiß nicht sicher&#13;
fühlen oder sicher sein ohne sowohl die kollektive Verteidigung als auch den&#13;
umfassenden Handel•&#13;
Diese Realität hat unser Bündnis über drei Jahrzehnte lang geleitet.&#13;
Sie sollte heute nicht bestritten werden.&#13;
wir voneinander&#13;
&#13;
abhängig sind.&#13;
&#13;
Wir kommen nicht darum herum, daß&#13;
&#13;
Es gibt keine ehrenhafte Alternative zur ge-&#13;
&#13;
genseitigen Unterstützung.&#13;
Und doch sind heute mächtige Kräfte am Werk, die diese Richtschnur nicht&#13;
mehr gelten lassen wollen. Manche Leute suchen wirtschaftliche Rettung im Protektionismus. Manche hängen einer Illusion des Friedens nach - eines Friedens,&#13;
der durch Verweigerung der notwendigen Maßnahmen der kollektiven Verteidigung&#13;
gewonnen werden soll, oder eines Friedens, der durch übertriebene Investitionen&#13;
in Waffen auferlegt werden soll.&#13;
All diese Leute, ob Amerikaner oder Europäer, ob Protektionisten, Pazifisten oder Unilateralisten,erliegen einem gemeinsamen Irrtum.&#13;
&#13;
Sie bestreiten&#13;
&#13;
die unumstößliche und unbequeme Tatsache der gegenseitigen Abhängigkeit - in&#13;
der Überzeugung, daß es für ein Land allein machbar wäre, das Verhalten anderer&#13;
zu kontrollieren oder sich selbst gegen dieses Verhalten immun zu machen.&#13;
se Überzeugung ist fehl am Platze.&#13;
&#13;
Die-&#13;
&#13;
Ihr zu folgen wäre töricht, ja vielleicht&#13;
&#13;
sogar tödlich.&#13;
Ihr nicht zu folgen, vor allem nicht den sehr starken wirtschaftlichen&#13;
Interessengruppen in unseren Ländern, wird auch nicht leicht sein. Manche dieser Interessengruppen haben nicht nur tiefverwurzelte Überzeugungen, sondern&#13;
auch beträchtliche politische Macht.&#13;
&#13;
Sie üben eien großen Einfluß aus, und in&#13;
&#13;
vielen Fällen steht ihre Stärke jetzt im Dienste der Bestrebungen gegen den Wandel und einer Politik, die uns auf den Weg der Stagnation weist.&#13;
Wir müssen&#13;
&#13;
�Wir müssen deshalb überzeugender sein, wenn wir das Evangelium des&#13;
Wachstums predigen.&#13;
&#13;
Wir müssen unsere Bürger und die Organisationen, die sie&#13;
&#13;
vertreten, überzeugen, daß die Schmerzen der Anpassung durch den Lohn des&#13;
Wachstums von morgen gestillt werden.&#13;
&#13;
Wenn wir dieser Botschaft in allen unseren Ländern Gehör verschaffen wollen, dann müssen wir sie auf alle anwendbar machen.&#13;
&#13;
Amerikanische Industrie-&#13;
&#13;
arbeiter - um nur ein Beispiel zu nehmen - werden nicht leicht auf neue Schutzmaßnahmen für sich selbst verzichten, wenn sie nicht erleben, daß die Europäer&#13;
und Japaner alte Handelsschranken, die sie errichtet haben, abbauen.&#13;
&#13;
Jene,&#13;
&#13;
die Zugeständnisse machen, werden dafür eine faire Behandlung erwarten.&#13;
&#13;
Frei-&#13;
&#13;
willige Opfer werden gemeinsameOpfer sein müssen.&#13;
&#13;
Und in dem gleichen Maß, in dem wir gemeinsam die Konsequenzen eines freien internationalen Marktes bei Gütern und Dienstleistungen zu tragen haben, müssen wir auch die Anstrengungen koordinieren, die wir unternehmen, um unsere&#13;
Binnenmärkte zu stimulieren.&#13;
&#13;
Die OECD-Staaten sind einander die besten Kunden&#13;
&#13;
und zugleich die stärksten Konkurrenten.&#13;
&#13;
Durch die Gestaltung ihrer Währungs-&#13;
&#13;
politik und durch die Behandlung der Nachfrage müssen sie gleichfalls zu engeren Partnern werden, damit sie sich nicht gegenseitig des Kapitals berauben,&#13;
das notwendig ist, um durch Investitionen neue Arbeitsplätze zu schaffen.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
können nicht auf der einen Seite des Atlantik Männern und Frauen wieder Arbeit&#13;
beschaffen, während die Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite so hoch bleibt,&#13;
daß eine gesteigerte Produktion keine Käufer findet.&#13;
&#13;
Wenn ich diese Vorschläge in solch verkürzter Weise vortrage, so will ich&#13;
damit nicht unterstellen, es gäbe einfache Antworten auf unsere wirtschaftlichen&#13;
Probleme.&#13;
&#13;
Ganz im Gegenteil:&#13;
&#13;
Der industrialisierte Westen steht vor einer Pe-&#13;
&#13;
riode des schmerzhaften strukturellen Wandels bei der Arbeit, die wir tun, sowie bei Fähigkeiten und bei Organisationsweisen, derer wir bedürfen, um sie zu&#13;
tun.&#13;
&#13;
Mein Argument ist lediglich, daß wir uns durch diesen Sturm nicht auf ver-&#13;
&#13;
schiedenen Wegen schlagen sollten.&#13;
&#13;
Wir können aber auch nicht versuchen, abzu-&#13;
&#13;
warten, bis er vorüber ist, indem wir einen stillen Hafen ausfindig machen, wo&#13;
&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�machen, wo wir Schutz zu finden meinen.&#13;
&#13;
Wir müssen im Konvoi segeln und un-&#13;
&#13;
sere Maschinen stärker unter Dampf setzen, um einen beständigen Kurs in Riehtung Wachstum zu halten.&#13;
&#13;
Die von uns im Rahmen unseres eigenen Systems ergriffenen Maßnahmen werden dabei natürlich nicht angemessen sein, auch nur unsere eigene Erholung&#13;
und Expansion zu sichern, sollten die Entwicklungsländer zusammenbrechen, während wir unsere Stärke wiederfinden.&#13;
&#13;
Wir sehen natürlich, daß ein Bankrott un-&#13;
&#13;
serer wichtigsten Schuldnerländer - die ja auch wichtige Kunden und in einigen&#13;
Produktionsbereichen unsere Rivalen sind - unser finanzielles Haus gleichfalls&#13;
zum Einsturz bringen würde.&#13;
&#13;
Aus Gründen des wirtschaftlichen und politischen&#13;
&#13;
Eigeninteresses müssen wir die Staaten der Dritten Welt so behandeln, als hinge&#13;
unser überleben von ihrem ab.&#13;
&#13;
Denn das tut es.&#13;
&#13;
Sogar im Falle der Vereinigten Staaten, bei denen die Ausfuhren erst in&#13;
jüngerer Zeit einen bedeutsameren Anteil des Bruttosozialproduktes auszumachen&#13;
begannen, nehmen nunmehr die nicht der OPEC angehörenden Entwicklungsländer&#13;
fast ein Drittel dessen auf, was wir im Ausland verkaufen.&#13;
&#13;
Sie kaufen von uns&#13;
&#13;
mehr als die Europäische Gemeinschaft insgesamt bzw. mehr als unsere drei größten Handelspartner Kanada, Japan und Mexiko.&#13;
&#13;
Wenn ihre Nachfrage schrumpft -&#13;
&#13;
oder gar in einem Chaos von Zahlungseinstellung und beendeter Kreditgewährung&#13;
ganz verschwindet -, verschwinden auch die Aussichten auf eine Wiedergesundung&#13;
in den Vereinigten Staaten.&#13;
&#13;
Die von uns gewünschte Expansion zu Hause muß so gelenkt werden, daß sie&#13;
auch Expansion in der Dritten Welt einschließt.&#13;
&#13;
Auch hier müssen wir unsere&#13;
&#13;
Maßnahmen koordinieren - sowohl die Rettungsmaßnahmen der internationalen Finanzinstitutionen, wo bereits ein guter Anfang gemacht wurde, als auch die langfristigen, öffentlichen und privaten Anstrengungen bei Investitionen zur Schaffung stärkerer Grundlagen eines anhaltenden Wachstums in den Entwicklungsländern.&#13;
Es geht nicht darum, gutes Geld hinter schlechtem herzuwerfen oder unkluge westliche Banken vor den Folgen ihres Handelns zu schützen.&#13;
&#13;
Aber selbst wenn auch&#13;
&#13;
dies zu den Ergebnissen gehören würde, so wäre unser Ziel dennoch das gleiche ein Desaster zu vermeiden, weil unser gemeinsames Heil in einer wachsenden,&#13;
&#13;
�einer wachsenden, nicht in einer zerschlagenen Weltwirtschaft liegt.&#13;
&#13;
Und wie steht es um unsere Beziehungen zum kommunistischen System in&#13;
einer Periode solch hoher Anspannung bei Ressourcen und unserem politischen&#13;
Willen?&#13;
&#13;
Können wir, da unser Haus in Unordnung geraten ist, von unseren&#13;
&#13;
abenteuerlichen Rivalen etwas anderes erwarten als Schadenfreude und Schritte,&#13;
die auf Vorteile aus unserer Verwirrung und unseren Sorgen aus sind?&#13;
&#13;
Bei der&#13;
&#13;
Antwort hierauf hängt viel von der Geschwindigkeit und von der Entschlossenheit ab, mit der wir uns in Bewegung setzen.&#13;
&#13;
Aber was eine Krise für den&#13;
&#13;
Westen ist, ist noch lange nicht eine großartige Gelegenheit für den Osten.&#13;
Tatsächlich ist auch die kommunistische Welt aus dem Gleichgewicht geraten,&#13;
und durch unsere gleichzeitigen Konfrontationen mit neuen Gefahren könnten wir&#13;
- ich will nicht allzu optimistisch sein -, aber könnten wir in der Lage sein,&#13;
ein besseres Verständnis zu schaffen.&#13;
&#13;
Von der Sowjetunion können wir derzeit mit Gewißheit nur sagen, daß&#13;
ihre neue Führung vor einigen grundlegenden Alternativen steht, vor politischen&#13;
Entscheidungen, die durch die politische Sklerose der letzten Breschnew-Jahre&#13;
hinausgeschoben wurden.&#13;
&#13;
Wir können nicht sagen, welche Entscheidung getroffen&#13;
&#13;
werden wird, und auch nicht, wie bald sie getroffen wird.&#13;
&#13;
Aber ich glaube,&#13;
&#13;
wir dürften zurecht skeptisch hinsichtlich der dauerhaften Vorteile sein, die&#13;
sich für das Regime aus seinem derzeitigen Bemühen um Disziplin ergeben werden.&#13;
Es ist schwer, aus Drohung eine Verbindlichkeit zu machen.&#13;
&#13;
Auch wenn es mög-&#13;
&#13;
lich wäre, die Arbeiter dazu zu bringen, rechtzeitig an ihrem Arbeitsplatz zu&#13;
erscheinen, dürften sich doch mit nachlassender Zunahme der verfügbaren Arbeitskraft, mit dramatischer Überalterung der Industrieanlagen, mit schwierigerer&#13;
Erschließung und kostspieligerem Transport der Rohstoffe sowie mit dem, Rückgang&#13;
der Deviseneinnahmen aus dem Energieexport zusammen mit dem Absinken der OPECPreise selbst die sprachgewaltigen Wirtschaftspropheten Moskaus an die freudlosen Realitäten anzupassen haben.&#13;
&#13;
Auch die sowjetische Führung muß Wachstum anstreben, wenngleich nicht&#13;
im selben Ausmaß wie die Führungen im Westen.&#13;
&#13;
Wenn ich auch nicht an der an-&#13;
&#13;
haltenden Bereitschaft der ersteren zweifle, im Ausland Unfrieden zu säen,&#13;
- 8 -&#13;
&#13;
�zu säen, so kann ich mir doch nicht vorstellen, daß die Sowjets bei ihren&#13;
Abenteuern in der Karibik, in Asien und in Afrika im Lauf der Jahre mehr verdient haben als Wirtschaftsdefizite.&#13;
&#13;
Ich würde nicht gern ihre Rechnungen in&#13;
&#13;
Kuba, Vietnam oder Afghanistan zu zahlen haben.&#13;
tionen in Osteuropa abzuschätzen haben.&#13;
&#13;
Noch möchte ich ihre Subven-&#13;
&#13;
Und ich wäre überrascht, wenn Moskau,&#13;
&#13;
hätte es die Wahl, sich dafür entscheiden würde, die immer höheren Rechnungen&#13;
für seine Klienten zu begleichen, wenn ein kräftigeres und offeneres internationales Wirtschaftssystem diesen Abfluß seiner Reserven etwas verringern würde.&#13;
&#13;
Die Frage ist, ob wir im Westen den Kommunisten eine solche Alternative&#13;
bieten können oder nicht.&#13;
&#13;
Wenn wir der Meinung sind, ihr System nähere sich&#13;
&#13;
dem Zusammenbruch - und ich bin nicht dieser Meinung -, dann müßten wir natürlich wünschen, seine Selbstzerstörung zu beschleunigen, obgleich die damit verbundenen Explosionen zu einem Niederschlag führen würden, der auch für uns weit&#13;
tödlicher als saurer Regen wäre.&#13;
&#13;
Wenn wir jedoch davon ausgehen, daß die sowje-&#13;
&#13;
tische Götterdämmerung weder bevorsteht noch unvermeidlich ist, dann könnte&#13;
jetzt ein besserer Zeitpunkt denn je sein, ein neues Rahmenwerk einer Zusammenarbeit anzustreben, die sich auf gemeinsame wirtschaftliche Interessen gründet.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten machten dem Osten ein solches Angebot zu Beginn&#13;
des Marshall-Plans, in der aufgeheizten Atmosphäre des frühen Kalten Krieges.&#13;
Stalin wies den Vorschlag zurück, und auch Andropow dürfte noch nicht bereit&#13;
sein, den Preis zu zahlen - eine echte Offenlegung der wirtschaftlichen Konten&#13;
und einen offenen politischen Umgang miteinander -, den eine jede wirksame Zusammenarbeit zwischen unserem System der Marktwirtschaft und ihrem kontrollierten Planwirtschaftssystem erfordern würde.&#13;
&#13;
Wir werden die Antwort ohnehin&#13;
&#13;
erst dann erfahren, wenn wir versuchen, sie ihm zu entlocken.&#13;
&#13;
Und wir können&#13;
&#13;
nicht wissen, wohin dieser Weg Ost und West führen würde, wenn wir nicht versuchen, auf ihm voranzugehen.&#13;
&#13;
Zu lange haben wir uns bei der politischen Kommunikation mit den kommunistischen Mächten auf Fragen der Rüstungskontrolle und der Zurückhaltung in&#13;
der Dritten Welt oder bei den Menschenrechten konzentriert.&#13;
&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
Dies sind lebens-&#13;
&#13;
�sind lebenswichtige Themen, aber der Dialog neigt dazu, in einer Atmosphäre&#13;
stattzufinden, die eher zu Propaganda und Paranoia als zum Fortschritt anregt.&#13;
Würden wir bei unserer Erforschung der gegenseitigen Interessen auch die Möglichkeiten eines erweiterten Handels mit einbeziehen, würden wir zumindest&#13;
einen andersartigen Kontaktbereich eröffnen, einen Weg, der von der Konfrontation fortführt.&#13;
Ich überschätze die Aussichten auf produktive Beziehungen nicht.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
unterschätze auch nicht die Schwierigkeiten, eine westliche Haltung gegenüber&#13;
einem solchen Unterfangen zu koordinieren.&#13;
&#13;
Und ich glaube nicht, daß wir sehr&#13;
&#13;
lange ein Arrangement aufrechterhalten können, bei dem die Vereinigten Staaten&#13;
aufgefordert sind, ihre Mittel auf die gemeinsame Verteidigung zu konzentrieren,&#13;
während die Europäer Schrittmacher dabei sind, in den Wettstreit um kommerzielle&#13;
Vorteile im Osten einzutreten.&#13;
&#13;
Genau wie bei der Politik, die es zu verfolgen&#13;
&#13;
gilt, um unsere eigenen Volkswirtschaften wiederzubeleben und um zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum in der Dritten Welt anzuregen, müssen wir auch&#13;
hier im Gleichschritt, in Harmonie und gerüstet auf unsere gemeinsamen Ziele&#13;
zugehen.&#13;
Aber bewegen müssen wir uns. Stillstehen würde bedeuten, Boden zu verlieren. 300 Jahre ist es her, daß Deutsche - 34 Memmoniten an Bord eines Schiffes mit dem Namen "Concord" - zum erstenmal nach Amerika kamen. Sie wagten&#13;
sich ins Unbekannte, suchten die Freiheit und die Chance auf ein besseres Leben.&#13;
Die gleichen Motive - und ein ähnlicher Glaube an unsere Fähigkeiten, uns ein&#13;
solch besseres Leben und eine sicherere Zukunft zu schaffen,- sollten auch heute&#13;
unsere Gemeinschaft in ein neues, bahnbrechendes Unterfangen führen.&#13;
Damals gingen unsere Vorfahren die Risiken als einzelne ein. Jetzt müssen wir sie als Nationen eingehen. Wenn wir uns dieser Herausforderung stellen, tun wir gut daran, uns an einen anderen Satz von Hegel zu halten, an einen,&#13;
bei dem wir, wie ich meine, alle einig sind. Er schrieb: "Das Leben hat nur&#13;
dann einen Wert, wenn es etwas Wertvolles als ein Ziel hat." Frieden, Sicherheit und Wachstum in Freiheit sind unsere Ziele. Gehen wir sie gemeinsam an,&#13;
+ + + + +&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
DIE USA VERTEIDIGEN DIE MENSCHENRECHTE IN EL SALVADOR UND WELTWEIT&#13;
- Von Elliot Abrams Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen im US-Außenministerium&#13;
&#13;
- (AD) - In einem Vortrag im Chatham House in London im Frühjahr 1982&#13;
lenkte der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger die Aufmerksamkeit auf eine, wie er es nannte, "ironische Umkehr" in den europäischamerikanischen Beziehungen. In der Vergangenheit, so meinte er, hätten die&#13;
Amerikaner zu der Ansicht geneigt, die Tatsache, daß sie sich nicht in die&#13;
europäische Machtpolitik einmischten, sei ein Zeichen überlegener moralischer&#13;
Tugend. Geschützt durch zwei Ozeane, seien sie in der glücklichen Lage, sich&#13;
über ihre europäischen Freunde zu erheben, weil diese sich so sehr mit Machtpolitik befaßten und weil sie angeblich gegenüber moralischen Normen so indifferent seien. Aber, so fuhr Kissinger fort, heute ist es so, daß die Vereinigten Staaten häufig von einigen ihrer europäischen Freunden beschuldigt&#13;
werden, von Machtpolitik besessen und gegenüber moralischen Normen, d.h. den&#13;
Menschenrechten, indifferent zu sein. Diese Besetzung von geistigen Positionen, die die jeweils andere Seite aufgegeben hat, wird, so schließt&#13;
Kissinger, besonders deutlich in Fragen, die in irgendeiner Form mit der&#13;
sogenannten Dritten Welt zu tun haben, wo sich so viele strittige Menschenrechtsfragen stellen.&#13;
Es ist&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Es ist jetzt über zwei Jahre her, daß Prsäident Reagan sein Amt übernommen hat, und es mag manche Beobachter überraschen:&#13;
&#13;
Wir haben wirklich&#13;
&#13;
eine Menschenrechtspolitik.&#13;
&#13;
Nach meiner Auffassung hat diese Politik zwei Ziele:&#13;
&#13;
die Menschenrechts-&#13;
&#13;
bedingungen in einer großen Zahl von Gebieten in der ganzen Welt zu verbessern, damit die Menschen, die dort leben, etwas davon haben; und die Verpflichtung der Vereinigten Staaten für die Sache der Freiheit in der ganzen Welt&#13;
deutlich zu machen.&#13;
&#13;
Diese Ziele sind natürlich nicht nur nicht widersprüch-&#13;
&#13;
lich, sondern sie sind untrennbar.&#13;
&#13;
Und doch ist es außerordentlich schwer,&#13;
&#13;
daraus in der Praxis eine Politik zu formulieren, die beide Ziele erreicht.&#13;
&#13;
Wir leben nicht in einer idealen Welt, und wir haben auch kaum die Wahl,&#13;
uns je für das Ideale zu entscheiden.&#13;
&#13;
In der realen Welt haben wir meist&#13;
&#13;
nicht einmal die Wahl zwischen Gut und Böse, sondern nur zwischen Schlecht&#13;
und noch Schlechter; oder vielleicht noch genauer gesagt dazwischen, daß es&#13;
so bleibt oder daß es noch schlechter wird.&#13;
&#13;
Die Ereignisse in Vietnam und&#13;
&#13;
im Iran haben gezeigt, daß schlechte Lagen sich noch verschlechtern können,&#13;
und es scheint, daß man Nicaragua jetzt auch auf diese Liste setzen kann.&#13;
Viele demokratische Gegner von Präsident Thieu oder des Schahs lebten unter&#13;
jenen Regimen in Furcht, aber sie lebten und setzten ihre Oppositionstätigkeit fort.&#13;
Exil.&#13;
&#13;
Unter den Nachfolgerregimen sind sie tot, im Gefängnis oder im&#13;
&#13;
All das dürfte sich jetzt in Nicaragua wiederholen.&#13;
&#13;
Diese Frage ist nicht ganz so beunruhigend, wenn die Opposition gegen&#13;
einen Diktator demokratisch ist und unsere Unterstützung verdient.&#13;
&#13;
Aber wenn&#13;
&#13;
sie weitgehend antidemokratisch ist, dann wird die Sache höchst schwierig.&#13;
Denn ein schlechtes Regime durch ein noch schlechteres zu ersetzen, kann keine&#13;
vernünftige Menschenrechtspolitik sein.&#13;
&#13;
Diese Frage wird noch schwieriger, wenn man an Mächte denkt, die Menschenrechtsverletzungen über ihre Grenzen hinweg exportieren.&#13;
beispielsweise die Regierung von Haiti nur Einwohner Haitis.&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
So unterdrückt&#13;
Die Diktatur&#13;
&#13;
�Die Diktatur Kubas unterdrückt aber nicht nur Kubaner, sondern bedroht auch&#13;
die Freiheit in der Karibik und in Mittelamerika und arbeitet auf der ganzen&#13;
Welt gegen die Demokratie.&#13;
&#13;
Es ist also nur ein erster Schritt, wenn man Menschenrechtsverletzungen&#13;
kritisiert und auf sie aufmerksam macht.&#13;
rechtsgruppen eine unschätzbare Rolle.&#13;
&#13;
Hier spielen die privaten MenschenEine Regierung muß jedoch weiter gehen&#13;
&#13;
und eine realistische Politik entwickeln, die darauf abzielt, mit gegebenen&#13;
Weltproblemen fertig zu werden, einschließlich möglicher Nachfolgerregime&#13;
und deren Bedrohung der Menschenrechte.&#13;
&#13;
Ich hoffe, daß es auf der Hand liegt, mit welchem Ernst sich die ReaganAdministration mit den Menschenrechtsfragen befaßt.&#13;
&#13;
Wir sind der Auffassung,&#13;
&#13;
daß sich eine wirklich ernsthafte Menschenrechtspolitik mit den fundamentalen&#13;
Fragen befassen muß, wie die Vereinigten Staaten bei dem immer komplizierter&#13;
werdenden Prozeß der Entwicklung demokratischer Institutionen helfen können unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Freiheit auf der Linken wie auf&#13;
der Rechten viele Feinde hat.&#13;
&#13;
Wir meinen, daß man nur dann, wenn diese Fragen&#13;
&#13;
berücksichtigt werden, sagen kann, daß man wirklich versucht, eine Menschenrechtspolitik zu formulieren, die wirksam sein kann.&#13;
&#13;
Die gegenwärtige Kontroverse zwischen der Reagan-Administration und&#13;
einigen unserer europäischen Freunde wegen der amerikanischen Politik in El&#13;
Salvador muß in diesem Zusammenhang untersucht werden.&#13;
&#13;
Aus unserer Sicht ist unser Ziel in El Salvador ein doppeltes:&#13;
&#13;
Einmal&#13;
&#13;
wollen wir den Prozeß der Versöhnung durch Demokratie sowie politische und wirtschaftliche Reform fördern, und zum andern wollen wir der Armee bei der Bekämpfung der Guerilla helfen.&#13;
dies:&#13;
&#13;
Denn wenn eines sicher ist in El Salvador, dann&#13;
&#13;
Die bewaffneten Gruppen der Guerilla, die von Kommunisten geführt wer-&#13;
&#13;
den, die mit Moskau, Havanna und Managua verbündet sind, kämpfen nicht für die&#13;
Menschenrechte.&#13;
&#13;
Sie kämpfen um die Macht.&#13;
&#13;
Und von den Modellen, die sie zu&#13;
&#13;
verbreiten suchen, wissen wir, daß sie Macht für sich selbst meinen und diese&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�und diese Macht niemals mit der Bevölkerung von El Salvador teilen wollen.&#13;
&#13;
Eine beträchtliche Zahl unserer europäischen Kritiker sieht die Dinge&#13;
jedoch anders.&#13;
&#13;
Sie beschuldigen umgekehrt die Vereinigten Staaten, sie seien&#13;
&#13;
in gefährlicher Weise von "Ost-West"-Fragen "besessen";&#13;
&#13;
sie seien hoffnungs-&#13;
&#13;
los mit einem archaischen und ungerechten Status quo verheiratet; und sie seien&#13;
gegenüber der Sache des Friedens, der sozialen Gerechtigkeit und der Reform&#13;
in El Salvador indifferent - wenn nicht gar feindlich.&#13;
&#13;
El Salvador steht heute mitten in einem blutigen Guerilla-Krieg.&#13;
hat er begonnen?&#13;
&#13;
Wie&#13;
&#13;
El Salvador ist das kleinste und am dichtesten besiedelte&#13;
&#13;
Land Mittelamerikas und ein Land mit einer langen Geschichte der Gewalt, Armut und Unterdrückung.&#13;
&#13;
Im Oktober 1979 stürzte eine Gruppe junger Offiziere&#13;
&#13;
in mittleren Rängen die Regierung von General Carlos Romero und stieß zwei&#13;
Drittel der Offiziere in einem höheren Rang als Major aus den Streitkräften&#13;
aus.&#13;
&#13;
Die revolutionäre Proklamation der Armee verpflichtete die neue Regie-&#13;
&#13;
rung auf freie Wahlen, ein demokratisches politisches System, grundlegende&#13;
wirtschaftliche und soziale Reformen und Frieden mit Honduras.&#13;
&#13;
Die Grund-&#13;
&#13;
lage der Verpflichtung der neuen Armeeführung war die Überzeugung, daß die&#13;
beherrschende Rolle, die die Armee von 1932 bis 1979 in der Politik El Salvadors&#13;
gespielt hatte, für das Land schlecht gewesen war, für die Armee schlecht gewesen war und für die meisten Offiziere schlecht gewesen war.&#13;
&#13;
Die neue Füh-&#13;
&#13;
rung war überzeugt, daß das Bündnis zwischen Armee und der Oligarchie der&#13;
Grundbesitzer gelöst werden müsse und die Armee eine Berufsarmee werden sollte.&#13;
&#13;
Die Armee schuf eine neue Regierung, der sich solche progressiven Kräfte&#13;
wie Ungo und seine Partei anschlössen.&#13;
&#13;
Der hoffnungslose Zank in dieser neuen&#13;
&#13;
Regierung machte sie handlungsunfähig, und im Januar 1980 ging die christlichdemokratische Partei, die traditionell&#13;
&#13;
stärkste Oppositionspartei, eine vor-&#13;
&#13;
sichtige Partnerschaft mit der Armee ein, die Napoleon Duarte seinen Sieg in&#13;
den Präsidentschaftswahlen von 1972 verwehrt und ihn für sieben Jahre ins Exil&#13;
nach Venezuela verbannt hatte.&#13;
Regierungsjunta.&#13;
&#13;
Zusammen bildeten sie jetzt die Revolutionäre&#13;
&#13;
Viele glaubten, diese Ehe werde nicht lange halten. Aber sie&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Aber sie hielt und brachte eine Reihe drastischer und weitreichender wirtschaftlicher und sozialer Reformen hervor, einschließlich der Verstaatlichung&#13;
aller Banken und eines der massivsten Landverteilungsprogramme in der Geschichte Lateinamerikas, und führte zu den Wahlen im Oktober 1982.&#13;
&#13;
Genau zu dem Zeitpunkt, an dem diese Reformen verabschiedet wurden,&#13;
schlössen sich fünf marxistisch-leninistische Gruppen in El Salvador mit Hilfe&#13;
Fidel Castros zusammen, gründeten die Faribundo Marti Volksbefreiungsfront&#13;
(FMLN) und schufen ein internationales Netz von politischen Helfern und militärischen Lieferanten.&#13;
&#13;
Irgendwie gelang es der FMLN, eine Handvoll prominenter&#13;
&#13;
salvadorianischer Demokraten für sich zu gewinnen, von denen einige in der&#13;
ersten Revolutionsregierung mit der Armee gewesen waren, weil man dachte, daß&#13;
die Mitwirkung dieser Leute der Bewegung einen gemäßigten Anstrich geben würde.&#13;
Die Demokraten, die unter den Aufständischen im eigenen Land keinerlei Macht&#13;
ausüben, wurden nach Lateinamerika, Europa und den Vereinigten Staaten entsandt, um für internationale Unterstützung zu werben.&#13;
&#13;
Die FMLN befehligt die&#13;
&#13;
Guerilla, beschafft Waffen und Mittel und Ausbildung durch ihre Verbindungen&#13;
zu Havanna, Moskau, Managua und der PLO und ist entschlossen, einen marxistischleninistischen Staat nach dem Muster der Sowjetunion zu errichten.&#13;
&#13;
Die Gründung der FMLN im Mai 1980 kann als der Beginn des gegenwärtigen&#13;
Kampfes in El Salvador angesehen werden.&#13;
&#13;
Die FMLN, das muß hervorgehoben wer-&#13;
&#13;
den, begann ihren Krieg nachdem die revolutionäre Regierungsjunta an die Macht&#13;
gekommen war, nachdem die Landreform begonnen hatte und nachdem sich die Regierung auf ein demokratisches politisches System verpflichtet hatte.&#13;
&#13;
In Gesellschaften wie in El Salvador,wo die Mehrheit der Bevölkerung&#13;
nicht in der Stadt lebt, ist eine Schicht landbesitzender Bauern wohl das wirksamste Hindernis gegen eine kommunistische Machtübernahme.&#13;
&#13;
Rund 20 Prozent des&#13;
&#13;
bebaubaren Landes in El Salvador ist bereits an frühere Pächter verteilt worden - gegen den Widerstand der alten Oligarchie.&#13;
&#13;
Ein landbesitzender Bauer&#13;
&#13;
war genau das, was die neue Regierung in El Salvador wollte.&#13;
&#13;
Ist es ein Wun-&#13;
&#13;
der, daß die fünf kommunistischen Gruppen, aus denen die FMLN besteht, sich ange-&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�sich angesichts einer solchen Entwicklung verpflichtet fühlten, ihre ideologischen Differenzen zu begraben und sich zu vereinen, um die Regierung z;u&#13;
stürzen, bevor deren Programme voll verwirklicht waren?&#13;
Die Motive, der FMLN, El Salvador in einen bitteren Krieg zu stürzen,&#13;
hatten mit den berechtigten Anliegen des salvadorianisehen Volkes nichts zu&#13;
tun.&#13;
&#13;
Sie hatten lediglich zu tun mit dem Wunsch einer Handvoll Fanatiker d$r&#13;
&#13;
totalitären Linken, nach dem Muster ihrer Helfer in Kuba und in der Sowjetunion und trotz all der Gewalttätigkeit und des wirtschaftlichen Schadens,&#13;
die damit verbunden sind, die absolute Macht zu erringen.&#13;
Daher stand die amerikanische Regierung 1981 vor einer großen politischen Entscheidung: Sollten wir der Regierung von El Salvador Militärhilfe gewähren oder nicht? Einige unserer Freunde in der Sozialistischen&#13;
Internationale drängten uns dazu, nicht in der Politik von El Salvador zu&#13;
"intervenieren". Man sagte uns, wir sollten das salvadorianische Volk seine&#13;
eigene Zukunft selbst bestimmen lassen. Nun hat aber schon vor über einem&#13;
Jahrhundert John Stuart Mill darauf hingewiesen, daß "die Doktrin der Nichtintervention, soll sie ein legitimes Moralprinzip sein, von allen Regierungen&#13;
akzeptiert werden muß. Die Despoten müssen genauso wie die freien Staaten ihre&#13;
Zustimmung dazu geben, von ihm gelenkt zu werden. Geschieht dies nicht, so&#13;
führt seine Einhaltung durch die freien Länder lediglich zu der miserablen&#13;
Tatsache, daß die Unrechten zwar den Unrechten helfen können, aber die Gerecht&#13;
ten nicht den Gerechten helfen dürfen." Denn gerade weil es dem salvadorianischen Volk nicht möglich war, über seine Zukunft selbst zu bestimmen, weil&#13;
Kuba, Nicaragua, die PLO, Äthiopien, Nordkorea, Libyen, Vietnam und die Sowjetunion alle die FMLN unterstützen und weil im Konflikt von El Salvador die unrechte Seite gewaltige Mengen an Militärhilfe, Ausbildung und logistischer&#13;
Unterstützung erhielt, sahen die Vereinigten Staaten ihre moralische Verpflichtung darin, der gerechten Seite zu helfen - der neuen salvadorianischen Regierung. Nichts, was sich seit 1981 zugetragen hat, macht diese moralische Verpflichtung weniger zwingend. Ja, die Ergebnisse der Wahlen des letzten Jahres&#13;
machen sie nur noch zwingender.&#13;
Die Menschen&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�Die Menschen dort gingen unter ungeheuer schwierigen Bedingungen zur&#13;
Wahl.&#13;
&#13;
Die marxistische Führung beschloß, eine konzertierte Kampagne durchzu-&#13;
&#13;
führen, um den Volkswillen daran zu hindern, sich zu äußern - eine Kampagne,&#13;
die Guerillaangriffe auf Wahllokale einschloß.&#13;
&#13;
Trotz all dieser Hindernisse&#13;
&#13;
ging das Volk von El Salvador in einem Umfang zu den Wahlurnen, der alle Vorhersagen übertraf.&#13;
&#13;
Nahezu 1,5 Millionen Menschen wählten, wahrscheinlich mehr&#13;
&#13;
als 80 Prozent der Wahlberechtigten.&#13;
&#13;
Wegen der von der Guerilla kommenden Ge-&#13;
&#13;
walt gingen die Wähler manchmal meilenweit zu sichereren Wahllokalen oder standen - sogar unter Beschuß - stundenlang Schlange für die Möglichkeit, ihre&#13;
Stimme für die Zukunft von El Salvador abzugeben.&#13;
&#13;
Das salvadorianische Volk zeigte in seiner überwältigenden Mehrheit durch&#13;
die Weigerung, auf die Warnungen der FMLN zu reagieren, sowie dadurch, daß die&#13;
Menschen mit ihrer Wahlbeteiligung ihr Leben aufs Spiel setzten, daß dieses&#13;
Volk nicht von marxistisch-leninistischen Insurgenten beherrscht werden möchte.&#13;
Es zeigte damit auch seine Überzeugung, daß eine gewählte Regierung, nicht die&#13;
Diktatur einer kommunistischen Elite,die größte Hoffnung auf den Schutz seiner&#13;
grundlegenden Menschenrechte bietet.&#13;
&#13;
Es ist die gewählte Regierung von Prä-&#13;
&#13;
sident Magana, die sich jetzt der Drohung eines gewaltsamen Sturzes durch eine&#13;
gutausgerüstete, von außen unterstützte marxistisch-leninistische Guerilla&#13;
stellen muß.&#13;
&#13;
Natürlich wurden die Wahlergebnisse angefochten, aber Jose Napoleon&#13;
Duarte, der aufgrund des Wahlergebnisses sein Amt verlor, erklärte selbst,&#13;
daß diese Beschuldigungen Teil einer Kampagne seien, die Wahlen zu verunglimpfen.&#13;
&#13;
Es waren internationale Beobachter eingeladen worden, Wahl kämpf&#13;
&#13;
und Wahlen zu überwachen,&#13;
&#13;
über 200 Beobachter aus über 40 Staaten waren an-&#13;
&#13;
wesend, und mehr als 700 Journalisten dienten praktisch ebenfalls als Beobachter.&#13;
&#13;
Diese Beobachter waren im großen und ganzen der Meinung, daß der Wahl-&#13;
&#13;
prozeß ordnungsgemäß, fair und - von den Guerillaangriffen abgesehen - auch&#13;
friedlich war.&#13;
&#13;
Und obgleich es Vorwürfe hinsichtlich eines Druckes von Re-&#13;
&#13;
gierungsseite gab, bemerkte Erzbischof Rivera y Damas in bezug auf die Wahlen,&#13;
daß, "falls es Druck gegeben hat, dieser nicht von der Regierung kam, sondern&#13;
von denjenigen, die die Wahlen nicht wollten."&#13;
Mit dem&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Mit dem Argument, Parteien, die die FMLN repräsentierten, seien nicht&#13;
auf den Stimmzetteln erschienen, wurden die Wahlen zusätzlich diskreditiert.&#13;
Dabei waren sie dazu aufgefordert worden, gleichfalls anzutreten, hatten dies&#13;
jedoch mit der Begründung abgelehnt, ihre persönliche Sicherheit sei gefährdet und sie seien generell gegen die Abhaltung von Wahlen.&#13;
&#13;
Wäre aber die&#13;
&#13;
Sicherheit ihr eigentliches Anliegen gewesen, so hätten sie darüber mit Präsident Duarte und dem Wahlleiter Bustamante verhandeln können.&#13;
&#13;
Statt dessen&#13;
&#13;
wiesen sie solche Verhandlungen nicht nur zurück, sondern griffen Wähler und&#13;
Wahllokale an.&#13;
&#13;
Dadurch wird klar, daß sie etwas anderes am meisten fürchte-&#13;
&#13;
ten - und die Wahlergebnisse bestätigten diese Befürchtung auf dramatische&#13;
Weise - nämlich die öffentliche Bestätigung der Unpopularität der FMLN in&#13;
El Salvador.&#13;
&#13;
Haben die Wahlen, hat die derzeitige Regierung Fortschritte bei den&#13;
Menschenrechten mit sich gebracht, die sich den wirtschaftlichen Reformen anschließen?&#13;
&#13;
Fortschritt bei den Menschenrechten ist zu verzeichnen - wenn-&#13;
&#13;
gleich auch langsam.&#13;
&#13;
Todesfälle unter der Zivilbevölkerung,&#13;
&#13;
die von poli-&#13;
&#13;
tischer Gewalt von allen Seiten herrühren, gingen von rund 800 je Monat gegen&#13;
Ende 1980 auf 200 je Monat im letzten Halbjahr 1982 zurück.&#13;
&#13;
Mängel bei der&#13;
&#13;
militärischen Disziplin werden ebenfalls langsam abgestellt - durch zunehmenden Professionalismus und Ausbildung im Menschenrechtsbereich, durch verbesserte Kommunikation und Befehlsanweisungen, die die Achtung vor den Nichtkombattanten betonen.&#13;
&#13;
Repräsentative Institutionen, geschaffen durch allge-&#13;
&#13;
meines Wahlrecht, sind federführend beim Entwurf einer modernen Verfassung&#13;
und bei den Vorbereitungen für die Präsidentschaftswahlen, die später im Jahr&#13;
stattfinden sollen.&#13;
&#13;
Alle Parteien befürworten die Einsetzung der neuen Frie-&#13;
&#13;
denskommission, zu deren Aufgaben die Arbeit an einem Amnestiegesetz sowie&#13;
Verhandlungen über die Beteiligung der Opposition an den nächsten Wahlen gehören. Es sollte ganz deutlich gesagt werden, daß die Regierung der Vereinigten Staaten solche Verhandlungen wünscht.&#13;
Es sollte jedoch auch deutlich sein, daß der Fortschritt - solange der&#13;
Aufruhr anhält - auch weiterhin eher in Metern als in Meilen gemessen werden&#13;
dürfte.&#13;
&#13;
Der von der FMLN im Mai 1980 begonnene Hader hat eine Kettenreaktion&#13;
- 8 -&#13;
&#13;
�eine Kettenreaktion der Gewalt und der Gegengewalt in Gang gesetzt, die die&#13;
salvadorianische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit miteinbezogen hat und die&#13;
das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen in El Salvador gewaltig erhöht hat.&#13;
Wenn diese Kettenreaktion unter Kontrolle gebracht werden soll, dann muß das&#13;
Kämpfen unter Kontrolle gebracht werden.&#13;
&#13;
Einige Kritiker der Reagan-Administration fordern, wir sollten die Regierung von El Salvador dazu zwingen, in Verhandlungen mit der FMLN einzutreten - nicht hinsichtlich der Teilnahme an Wahlen, sondern mit dem Ziel, ihr&#13;
mehrere Ministerien und einen Anteil an der Staatsmacht anzubieten.&#13;
&#13;
Egal, so&#13;
&#13;
sagen jene, ob die Guerillaangriffe seit 1980 das Töten gewaltig verstärkt haben; egal, ob die Guerilla versucht hat, die Wahlen zu sabotieren und vielleicht auch die Präsidentschaftswahlen im Dezember attackiert und egal, ob&#13;
die Guerilla über eine größere Anhängerschaft in El Salvador verfügt oder&#13;
nicht.&#13;
&#13;
Sie hat Verhandlungen angeboten, und wenn erst die salvadorianische&#13;
&#13;
Regierung zustimmt, dann wird das Töten aufhören.&#13;
&#13;
Aber die jüngste Geschichte Südostasiens allein schon hat uns eine bittere Lektion hinsichtlich der Verhandlungen mit Kommunisten gelehrt.&#13;
&#13;
Wenn&#13;
&#13;
wir die Regierung von El Salvador dazu zwingen würden, mit der Guerilla als&#13;
gleichem Partner zu verhandeln, würden wir ihren Zusammenbruch riskieren.&#13;
Und wenn die sich hieraus ergebende Anarchie zu einem Sieg der Guerilla führen&#13;
würde, könnten wir sicher sein, daß das Schicksal des salvadorianischen Volkes&#13;
ein Leben ohne Freiheit und ohne Respektierung seiner Menschenrechte wäre.&#13;
&#13;
Die Guerilla rechnet mit der Möglichkeit, daß die Vereinigten Staaten&#13;
unter dem zunehmenden Druck unserer westeuropäischen Freunde schließlich die&#13;
Regierung von El Salvador doch dazu zwingen, Macht an die Guerilla abzugeben - ohne Wahlen, durch Verhandlungen.&#13;
Strategie einer "guerra prolongada" geht.&#13;
&#13;
Das ist es, worum es bei der FMLNSie ist davon überzeugt, daß die&#13;
&#13;
öffentliche Meinung des Westens - der deus ex machina der extremen Linken ihr schließlich doch den Sieg bringen wird, den an der Wahlurne zu bekommen&#13;
sie sich nicht einmal erträumen könnte - wenn sie nur den militärischen Druck&#13;
&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
�militärischen Druck beibehält. Zudem kann die Guerilla einem ermutigenden&#13;
Modell folgen:&#13;
&#13;
Sie weiß, daß das leidenschaftliche Interesse an der Menschen-&#13;
&#13;
rechtssituation in El Salvador verglimmen wird, wenn sie erst einmal den Sieg&#13;
davongetragen hat. Denn wie interessiert ist in diesem Tagen die "aufgeklärte&#13;
öffentliche Meinung des Westens an der Menschenrechtssituation in Kuba, in&#13;
Vietnam, sogar in Kampuchea?&#13;
&#13;
Es gibt bestimmt keinen verünftigen Menschen,&#13;
&#13;
der behauptet, die Siege der Guerilla in diesen Ländern habe zugleich ein&#13;
Ende der Menschenrechtsverletzungen mit sich gebracht.&#13;
Aber es gibt einen Weg, um das Töten in El Salvador zu beenden.&#13;
&#13;
Die&#13;
&#13;
Spitze der FMLN, die den Krieg 1980 begann, könnte ihn genauso gut 1983 einstellen.&#13;
&#13;
Sie könnte einen Waffenstillstand ausrufen.&#13;
&#13;
teiligung an den bevorstehenden Wahlen zustimmen.&#13;
&#13;
Sie könnte einer Be-&#13;
&#13;
Sie könnte ihre Streit-&#13;
&#13;
kräfte zu ihren Basen und Ausbildungslagern in Nicaragua&#13;
&#13;
zurückschicken. Sie&#13;
&#13;
könnte die Amnestievorschläge diskutieren, die die kürzlich eingesetzte salvadorianische Friedenskommission vorbereitet.&#13;
&#13;
Sie könnte der Regierung von&#13;
&#13;
El Salvador die Chance geben, die von ihr begonnenen Reformen zu vollenden.&#13;
Sie könnte in gutem Glauben über eine sichere Beteiligung an den kommenden&#13;
Wahlen verhandeln, anstatt das Versprechen abzugeben, auf die Wähler zu&#13;
schießen.&#13;
Halte ich es für wahrscheinlich, daß die FMLN solche Entscheidungen&#13;
treffen wird? Nein, nicht solange die "aufgeklärte" öffentliche Meinung des&#13;
Westens die Reagan-Administration weiterhin dazu drängt, die Regierung von&#13;
El Salvador zu Verhandlungen zu zwingen. Unter diesen Umständen hat die FMLN&#13;
keinen Anreiz, die guerra prolongada zu beenden.&#13;
Ich fürchte sehr, daß viele unserer Kritiker, sogar uns freundschaftlich gesonnener Kritiker, bei ihrer Beurteilung der gegenwärtigen amerikanischen Politik zu El Salvador eine Art selektiver Moral haben. Die Vereinigten Staaten und die Regierung von El Salvador werden an den anspruchsvollsten&#13;
Menschenrechtsmaßstäben gemessen, während man die FMLN und ihre Verbündeten&#13;
entschuldigt, überhaupt irgendwelchen Maßstäben gerecht zu werden. Tatsache&#13;
ist, daß wir in den Vereinigten Staaten der Meinung sind, es sei unsere&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�sei unsere Pflicht, den Versuch zu machen, an diese Ideale heranzureichen;&#13;
aber wir sind zugleich der Meinung, daß diese Maßstäbe ohne Unterschied gelten müssen.&#13;
&#13;
Solange sie dies nicht tun, bleiben sie willkürliche politische&#13;
&#13;
Haltungen, die sich lediglich als Menschenrechte ausgeben.&#13;
&#13;
Vor einer Generation kam Stephen Spender zu der gleichen Erkenntnis,&#13;
als in Spanien der tragische Bürgerkrieg tobte.&#13;
Sympathien der republikanischen Seite.&#13;
&#13;
Zunächst galten alle seine&#13;
&#13;
Aber im Verlauf mehrerer Reisen in&#13;
&#13;
dieses Land erkannte er, daß die schrecklichen Untaten nicht nur Monopol&#13;
einer einzigen Seite&#13;
&#13;
wäre - es gab derer viel zu viel auf beiden Seiten.&#13;
&#13;
Und er schrieb etwas, was ihm stets zur Ehre gereichen wird:&#13;
&#13;
"Ich erkannte,&#13;
&#13;
daß es mir eigentlich gar nicht wirklich um die ermordeten Kinder ging, solange ich mich nicht unterschiedslos um jedes ermordete Kind kümmerte."&#13;
&#13;
Wir versuchen, in El Salvador zum Aufbau eines demokratischen Systems&#13;
beizutragen, in dem Kinder in Frieden leben können.&#13;
&#13;
Es gibt in El Salvador&#13;
&#13;
zu viele Menschen mit Gewehren, aber die Gewehre der einen Seite schützen die&#13;
Wahllokale, während die Gewehre der anderen Seite auf sie zielen.&#13;
&#13;
Können wir&#13;
&#13;
wirklich zögern, auf welcher Seite wir stehen wollen?&#13;
&#13;
In vielen Ländern sind heutzutage die Menschenrechte sowohl von repressiven Regierungen als auch von einer mörderischen Guerilla bedroht, die öffentlich ihre Verachtung für die Demokratie zum Ausdruck bringt.&#13;
&#13;
Die Aufgabe,&#13;
&#13;
eine Regierung zu reformieren, ist frustrierend, schwierig und langwierig;&#13;
aber niemand, der es mit den Menschenrechten ernst meint, kann eine Politik&#13;
verfolgen, die schließlich die Macht in die Hände von leninistischen Banden&#13;
legt,die sich über die Menschenrechte lustig machen und offenkundig keine Unterstützung im Volk haben.&#13;
&#13;
Sowohl die radikale Rechte als auch die radikale&#13;
&#13;
Linke in El Salvador sehen in den Vereinigten Staaten das Haupthindernis auf&#13;
ihrem Weg zur Macht - und diese Tatsache ist in sich selbst Beweis dafür,&#13;
daß zumindest sie unsere Politik der Unterstützung der Mitte begreifen.&#13;
&#13;
Denn das&#13;
&#13;
- 11 -&#13;
&#13;
�Denn das ist unsere Politik - der Mitte beim Aufbau der Demokratie zu&#13;
helfen.&#13;
&#13;
Dies ist keine hektische oder modische Menschenrechtspolitik, aber&#13;
&#13;
die Menschenrechtspolitik ist auch keine Schrulle und keine Modesache.&#13;
&#13;
Sie&#13;
&#13;
ist eine Anstrengung, sich mit der verwickelten Lage in hundert Ländern und&#13;
mit hundert verschiedenen Situationen, in denen Männer und Frauen Leben oder&#13;
Freiheit verwehrt wird, auseinanderzusetzen.&#13;
&#13;
Dies erfordert von uns, un-&#13;
&#13;
sentimental und unromantisch in unserem Denken zu sein und statt dessen klar&#13;
und ernst.&#13;
Ich komme aus einem Land, in dem zu viele unserer Landsleute ihr Leben&#13;
für die Menschenrechte gegeben haben - für das Leben und für die Freiheit anderer -, um eine Verpflichtung einzugehen, die geringer tyäre.&#13;
&#13;
- 12 -&#13;
&#13;
�ä&#13;
&#13;
Wi//cn/chaft&#13;
und Technik&#13;
&#13;
II M 111V&#13;
&#13;
• il 111 Li i&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
POLIKLINIK FÜR ZUCKERKRANKE&#13;
&#13;
- (AD) - Eine speziell auf die Erfordernisse von Diabetikern abgestellte&#13;
Poliklinik wurde Anfang dieses Jahres am Klinikum der Stanford-Universität&#13;
(Kalifornien) eröffnet.&#13;
&#13;
Wie ihr Leiter, Dr. Frederic Kraemer, erklärte, sei&#13;
&#13;
damit endlich eine Idee verwirklicht worden, die Ärzte verschiedener Fachrichtungen schon lange hegten.&#13;
&#13;
Denn angesichts der vielen und verschiedenartigen&#13;
&#13;
Komplikationen, die bei Diabetes-Patienten auftreten können, sei es bisher&#13;
"... nicht möglich gewesen, Diagnosen und Therapieprogramme so umfassend auszuarbeiten, wie wir es gerne gesehen hätten".&#13;
&#13;
Kraemer ist Endokrinologe. Die&#13;
&#13;
neue Poliklinik für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten wurde der Abteilung&#13;
für Endokrinologie (Lehre von der Funktion innersekretorischer Drüsen) angeschlossen.&#13;
&#13;
An der Diabetes-Poliklinik sind u.a. Fachärzte für Neurologie, Nephrologie, Augenkrankheiten, Rheumakrankheiten und Gicht sowie Ernährungswissenschaften stationiert.&#13;
&#13;
Bisher wurden Diabetiker mit Erkrankungen des Nerven-&#13;
&#13;
systems, der Augen, mit Störungen der Nierenfunktion oder Gefäßkrankheiten an&#13;
die jeweiligen Spezialkliniken weiterverwiesen.&#13;
&#13;
Jetzt soll in enger Zusammen-&#13;
&#13;
arbeit der Spezialisten nach der optimalen medizinischen "Ganzheitsbetreuung"&#13;
des Diabetikers gesucht werden.&#13;
Vor allem&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 22 40&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Vor allem gehe es darum, so Dr. Gerald Reaven, Professor für innere&#13;
Medizin und Chef der Abteilung für Gerontologie, Komplikationen wie z.B. Erkrankungen des peripheren Gefäßsystems so rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, daß es nicht zum Absterben von Gewebe und zu&#13;
muß.&#13;
&#13;
Amputationen kommen&#13;
&#13;
Die Tätigkeit aller Arzte und das medizinische Personal ist auf den Dia-&#13;
&#13;
betiker konzentriert; die bisher übliche Aufsplitterung der Therapie mit Spezialbehandlung an verschiedenen Spezialkliniken soll der Vergangenheit angehören.&#13;
Besonderer Wert wird auf die Schulung der Patienten gelegt, z. B.&#13;
Zuckerwerte regelmäßig selbst zu bestimmen oder sich strikt an die vorgeschriebene Diät zu halten.&#13;
&#13;
Die insulin-abhängigen und nicht insulin-abhän-&#13;
&#13;
gigen Patienten erhalten Therapiepläne für die Weiterbetreuung durch den Hausarzt.&#13;
&#13;
Bei der zweiten Gruppe wird nur in manchen Fällen Insulin angewandt;&#13;
&#13;
häufig reicht jedoch die Einhaltung von Diät oder die Einnahme von Tabletten&#13;
für die Behandlung aus. Die Ursachen dieser zwei Diabetes-Formen sind verschieden, jedoch können sie zu denselben Komplikationen führen. Auch Nichtdiabetiker mit Störungen des Fettstoffwechsels, z. B. mit zu hohem Cholesterinspiegel, werden an der neuen Poliklinik betreut.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Vorschlag für eine Zwischenlösung in Genf dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des US-Präsidenten am 30. März 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Präsidenten in Los Angeles am 31. März 1983&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Senator: Zukunft ist nur gemeinsam zu bewältigen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Berlin-Rede von Senator Mathias -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die USA verteidigen die Menschenrechte in El Salvador und weltweit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Elliot Abrams -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen im US-Außenministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Polikinik für Zuckerkranke</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

6. April 1988

14

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL

Shultz' Friedensplan für den Nahen Osten kommt zum richtigen Zeitpunkt
- Von US-Senator John H. Chafee -

Verfügungen der Vorlage zum Handelsgesetz
- Bericht der Konferenz von Repräsentantenhaus und Senat -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

NASA ändert Startplane für Raumtransporter
- Forschungs-Plattform muß vorzeitig geborgen werden

INMARSAT-Funk auch für den Flugverkehr

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
r

Hintergrundmaterial

%w^

6. April 19i

14

SHÜLTZ' FRIEDENSPLAN Ft)R DEN NAHEN OSTEN
KOMMT ZUM RICHTIGEN ZEITPUNKT
- Von US-Senator John H. Chafee -

Der nachfolgende Artikel wurde am 29. März 1988 im Christian Science Monitor veröffentlicht.

Trotz des Widerstandes von Premierminister Jitzhak Shamir gegen den
von Außenminister Shultz vorgelegten
Friedensplan wird Shultz noch in dieser Woche zu einer weiteren diplomatischen Rundreise durch die Region
aufbrechen und um Unterstützung für
seinen Plan werben.
Seit der ersten Vorlage des Plans
von George Shultz werden die Stimmen
der
Pessimisten
zunehmend
lauter.
Vor der letzten Reise des Außenministers in die Region warnte Henry
Kissinger vor den zahlreichen Fußangeln, die der neue Friedensprozeß
birgt.
"Die vereinigten Staaten dürfen
sich keiner Täuschung hingeben", erklärte er und fügte hinzu, "das idyl-

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Embassy of the United States of America

lische
Bild
einer
internationalen
Konferenz im Vorfeld einer durch Geben und Nehmen in bilateralen Verhandlungen
zustandegekommenen
Übereinkunft ist eine Fata Morgana. Ein
Patt wird unweigerlich das Ergebnis
direkter Gespräche sein ... "
In Wahrheit ist jedoch kein Zeitpunkt je für die Erlangung des Friedens im Nahen Osten geeignet. Nachdem ich vor kurzem die Region besucht
und mit zahlreichen der politisch
Verantwortlichen gesprochen habe, mit
denen Außenminister Shultz zusammengekommen ist, kann ich mehrere Gründe
dafür aufzählen, warum die Neinsager
widerlegt werden könnten.
Mit dem
Entschluß zu dieser Mission hat sich
Shultz zweifelsohne
eine gewaltige
Aufgabe vorgenommen, aber eine Viel-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zahl von Faktoren lassen diesen Zeitpunkt der Friedensmission vielversprechend erscheinen.
Zunächst muß den tiefgreifenden
Auswirkungen des iranisch-irakischen
Krieges auf die Politik
im Nahen
Osten Rechnung getragen werden. Sie
sind das vordringlichste Anliegen der
arabischen Entscheidungsträger in der
Region.
Sie machen sich ernsthafte
Sorgen über eine Ausbreitung des Konfliktes in die übrige Golfregion und
fühlen sich durch religiösen Extremismus und den Drang nach Hegemonie
des
Khomeini-Regimes bedroht.
Sie
sind bereit, alles in ihrer Macht
Stehende zu tun, um gegen die durch
diesen
Krieg
enstandene
Bedrohung
vorzugehen. Indikator für dieses Anliegen war die im letzten Jahr getroffene Entscheidung, Ägypten trotz
seiner separaten Friedensvereinbarung
mit Israel wieder in die arabischen
Reihen aufzunehmen.
Um ihr Augenmerk uneingeschränkt
auf den iranisch-irakischen Konflik
richten zu können, sind die politischen
Entscheidungsträger
in der
Region besonders an einer wirksamen,
ständigen, auf dem Verhandlungswege
erzielten Lösung für die besetzten
Gebiete interessiert und hören sich
daher die von Shultz unterbreiteten
Vorschläge genau an.
Zweitens ist durch die dreimonatigen Demonstrationen in den besetzten Gebieten die gesamte Aufmerksamkeit der Israelis auf die demographische Zeitbombe gelenkt worden, mit
der sich ihr Land konfrontiert sieht.
Die jugendlichen, steinewerfenden Palästinenser sind die Vorhut einer Bevölkerungsexplosion, als deren Folge
die Juden zu Beginn des nächsten
Jahrhunderts
im
Gazastreifen,
der
Westbank und in Israel selbst nur
noch eine Minderheit sein werden.
Wenn diese militärische Besetzung ohne politische Lösung andauert, könnten aus den jugendlichen Rebellen
verbitterte Erwachsene mit tödlicheren Waffen als steinen werden.

Dies ist der Zeitpunkt, um den
jungen Palästinensern
zu beweisen,
daß Diplomatie und Verhandlungen eine
Lösung hervorbringen können, zu der
Gewalt und Terrorismus nie geführt
haben.
Die Bevölkerung in den besetzten Gebieten wird nicht nur zahlreicher, sondern auch aufgebrachter
werden - es sei denn, alle betroffenen Parteien nutzen die Gunst dieser
Stunde, worauf Shultz drängt. Unter
denjenigen, die sich die Gunst der
Stunde zunutze machen, müssen natürlich Palästinenser sein, die - so
hofft man - ihren höchst schlechberatenen Boykott der Shultz-Initiative
aufgeben werden.
Drittens ist Israel jetzt in der
Lage, von der amerikanischen Führungsrolle zu profitieren.
Die gespaltene Koalitionsregierung ist das
Spiegelbild einer zutiefst geteilten
Nation. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung weigert sich, infolge der
Verhandlungen
auch nur einen Teil
"Groß-Israels"
aufzugeben,
während
die andere Hälfte eine Art "Land-fürFrieden-Vereinbarung"
befürwortet.
Der durch eine dritte, um Israels
Wohlergehen besorgte Partei vorgelegte Friedensplan von Shultz bietet den
Vertretern beider Seiten die Möglichkeit, sich dank eines Vorschlags in
einer Koalition zu vereinigen, der
den Weg aus der Patt-Situation aufzeigt.
Und schließlich sind viele der
heute politisch Verantwortlichen in
den arabischen Ländern der amerikanischen Einflußnahme gegenüber aufgeschlossen.
Das sind diejenigen, mit
denen wir zusammenarbeiten können.
Präsident Hosni Mubarak zum Beispiel zeigt Begeisterung für das Engagament des amerikanischen Außenministers.
König Hussein - der den
Ideen von Außenminister Shultz bestenfalls halbherzig gegenübersteht hat sich um die Friedensverhandlungen
verdient gemacht und Bereitschaft zur
Übernahme von Risiken für die Sache
des Friedens gezeigt. Angesichts der
Gewalttätigkeit im politischen Umfeld

- 2 -

�des Nahen Ostens kann man nicht davon
ausgehen, daß wir immer so entgegenkommende Partner unter den Arabern
haben werden.
Shultz gebührt Ehre und Ermutigung für seine Bemühungen.
Kann es
je einen geeigneteren Zeitpunkt zur
Erlangung des Friedens geben?

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

*

6. April 1999

14
VERFÜGUNGEN DER VORLAGE ZUM HANDELSGESETZ
Bericht der Konferenz von Repräsentantenhaus und Senat

WASHINGTON - (AD) - Fast 200 Mitglieder des amerikanischen Kongresses haben in intensiver Arbeit die 1 000 Seiten umfassende Vorlage zum Handelsgesetz
zusammengestellt, die Repräsentantenhaus und Senat im vergangenen Jahr verabschiedet haben.
Bis zum 31. März 1989 waren fast alle Meinungsverschiedenheiten zwischen
den 17 Arbeitsgruppen der Konferenz beigelegt und die Berichte erstellt. Nach
Beendigung der Osterpause am 10. April wird der vollständige Gesetzentwurf dem
Kongreß zur Abstimmung vorgelegt.
Vorbehaltlich der sicherlich noch vorzunehmenden
nachfolgend die wesentlichen Verfügungen des Gesetzes.

Verhandlungsvollmacht
- Der Präsident ist zu Verhandlungen über bilaterale und multilaterale
Handelsabkommen
befugt,
insbesondere zur derzeit in Genf
stattfindenden Uruguay-Runde.
- Der Präsident ist befugt, ohne
Konsultation des Kongresses Zölle
um bis zu 50 Prozent zu senken.
Repräsentantenhaus und Senat haben weiterhin das Recht, nicht
die
Zölle betreffende
Abkommen
"auf schnellem Wege" zu entscheiden, das heißt, innerhalb von 60
Tagen nach Vorlage und ohne Zusatzartikel .
Wenn der Präsident im Verlauf der
Uruguay-Runde den Kongreß nicht in

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Änderungen

bringen wir

angemessener Weise zur Handelspolitik
konsultiert, kann der Kongreß auf eine Verfügung zurükgreifen, die die
von beiden Kammern durch Abstimmung
"auf schnellem Wege" getroffene Entscheidung aufhebt.
- Die Vereinigten
Staaten werden
sich zum 1. Januar 1989, also ein
Jahr nach den anderen führenden
Handelsnationen
der
Welt, der
weltweiten Reform der Zollklassifizierungen - dem harmonisierten
System - anschließen.
- Mit der Gesetzesvorlage wird der
Präsident angewiesen, der Sowjetunion und anderen Staatshandelsländern den Zugang zum Allgemeinen
Zoll- und
Handelsabkommen
(GATT) zu verwehren, es sei denn,

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Telex: 8-85432

�diese verfolgen eine marktorientierte Politik oder der Kongreß
erteilt seine ausdrückliche Genehmigung.

Unfaire Handelspraktiken
(Abschnitt 301)
- "Vorbehaltlich
anderslautender
Anweisung des Präsidenten" geht
das Recht der Entscheidung über
Sanktionen gegen unfaire Handelspraktiken
eines anderen Landes
vom Präsidenten auf den amerikanischen
Handelsbeauftragten
(USTR) über.
- Der Handelsbeauftragte ist ausschließlich in "ungerechtfertigten" Fällen
(wenn ein anderes
Land ein Abkommen bricht) befugt,
Sanktionen zu verhängen, es sei
denn, die wirtschaftlichen Kosten
würden deren Nutzen überschreiten
oder die nationale Sicherheit wäre gefährdet.
In weniger schwerwiegenden, "unvernünftigen" und "diskriminierenden"
Fällen sind Sanktionen nicht obligator Lach.
- Gemäß den Verfügungen des "Super
30.1", der mit geringfügigen Änderungen aus der Senatsvorlage hervorging, ist es Aufgabe des Handelsbeauftragten, die Länder zu
benennen, die ständig auf unfaire
Handelspraktiken
zurückgreifen.
Der Handelsbeauftragte muß versuchen, solche Praktiken zu unterbinden,
deren
vollständiger
Abbau
amerikanischen
Produkten
beste Exportchancen gewähren würde.
Sollten die Verhandlungen
scheitern, obliegt es dem Handelsbeauftragten, Fälle gemäß Abschnitt 301 zu benennen, die obligatorische Sanktionen zur Folge
haben könnten.
Mit Annahme des "Super 301" verwarfen
die Konferenzteilnehmer
den
vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Gephardt-Zusatzartikel, der auf

die Länder mit "übermäßigen und ungerechtfertigten"
Überschüssen
beim
Handel mit den vereinigen Staaten abzielt.
Im Rahmen des Gephardt-Zusatzartikels müßten alle Uberschußländer ihre unfairen Handelspraktiken
aufgeben, andernfalls droht ihnen automatisch die Sanktion, ihre im bilateralen Handel erzielten Überschüsse
um 10 Prozent pro Jahr zu reduzieren.
Obwohl auch mit "Super 301" nicht
voll und ganz einverstanden, nahm das
Weiße Haus gegenüber dem Gephardt-Zusatzartikel
eine noch
ablehnendere
Haltung ein und war entschlossen, das
Handelsgesetz insgesamt mit einem Veto zu belegen.
- Die von den Vereinigten Staaten
erstellte Liste unfairer Handelspraktiken umfaßt zusätzlich die
Verweigerung von Rechten für Arbeitnehmer,
gezielte
Exporte
(Fälle, in denen eine Regierung
Maßnahmen
zu
Exportankurbelung
mit Importhemmnissen in einem bestimmten
Industriezweig
kombiniert) sowie Marktzugang
(wem
eine Regierung mit einem Karte]1
zusammenarbeitet, um Importe abzublocken) .
- Die Konferenz lehnte eine Verfügung ab, derzufolge der Finanzausschuß
des
Senats
oder
der
Haushaltsausschuß
des
Repräsentantenhauses
befugt
wären,
Verfahren
gemäß
Abschnitt
301
einzuleiten.
- Die Internationale Handelskommission
der
Vereinigten
Staaten
(ITC) muß Länder benennen, die
amerikanischen
Auslandsinvestitionen
in staatlich
subventionierte heimische Industrien Beschränkungen
auferlegen.
"Auf
der Grundlage des ITC-Berichtes
ist es Aufgabe des Handelsbeauftragten, Überprüfungen im Rahmen
von Abschnitt 301 eigenständig in
die Wege zu leiten, die sich mit
den seines Erachtens nach ungeheuerlichsten
Praktiken
befassen... " stellt der Konferenzbc-

�Dumping

rieht fest.

- Mit einer weiteren Verfügung wird
verhindert, daß von den Vereinigten Staaten verhängte Dumpingzölle umgangen werden, indem an einem Produkt in den Vereinigten
Staaten oder einem Drittland geringfügige Änderungen vorgenommen
werden oder indem ein zu DumpingPreisen
angebotenes Element in
einem in den Vereinigten Staaten
montierten Produkt verwendet wird.

Der
Handelsbeauftragte muß die
Entscheidung zu einer Überprüfung
im Rahmen von Abschnitt 301 innerhalb von 12 Monaten treffen.

Importentlastung (Abschnitt 201)
- Die
endgültige
Entscheidungsbefugnis, ob für einen Industriezweig
angesichts einer
Importschwemme
vorübergehend
Zölle,
Quoten oder sonstige Entlastungsmaßnahmen
eingeführt
werden,
liegt beim Präsidenten.
Die Gesetzesvorlage des Repräsentantenhauses sieht die Übergabe der
Entscheidungsbefugnis an den Handelsbeauftragten vor.

Unter Dumping versteht man den
Verkauf von Produkten auf einem ausländischen Markt unter dem angemessenen Preis, entweder unterhalb der
Produktionskosten oder unter dem im
Export- oder einem Drittland geforderten Preis.

- Selbst wenn der Handelsbeauftragte Entlastungsmaßnahmen für die
Industrie empfiehlt, liegt es im
Ermessen des Präsidenten, diese
zu verweigern, wenn "zum Beispiel
eine bestimmte Maßnahme größere
wirtschaftliche und soziale Kosten als Nutzen zur Folge haben
würde".

- Die Gesetzesvorlage sieht den Abbau von "zweckentfremdetem Dumping" vor, also der Praxis des
Imports von Waren mit Einzelkomponenten, die auf einem dritten
Markt zu Dumping-Preisen gehandelt werden.
Dies ist ein Verhandlungsziel
der
Vereinigten
Staaten bei der Uruguay-Runde.

Die
nationale
Sicherheit
wurde
der Liste von Fakten hinzugefügt,
die der Präsident bei der Entscheidung für oder gegen Importentlastung für einen Industriezweig erwägen muß.

Das Handelsministerium muß Firmen
überwachen, die mehrfach des Dumping beschuldigt worden sind und
die Überprüfung dieser Fälle unverzüglich in die Wege leiten.

Die Entlastungsmaßnahmen sind auf
acht Jahre beschränkt und können
nach einer Zwei Jahresfrist ablaufen, wenn
die Industrie keine
Schritte zur Anpassung an die
ausländische
Konkurrenz
unternimmt.
Neben Zöllen und Quoten kann der
Präsident staatliche Ausbildungszuschüsse
für Arbeitnehmer
und
durch Auktion erzielte Quoten als
eine Form der Entlastung verfügen.

- 3 -

in
nicht
marktwirtschaftlich
orientierten
Ländern
war
die
Preiskalkulation in Dumpingfallen
stets ein Problem. Anstatt jetzt
einen Preis von einem Ersat^land
anzunehmen, muß das Handelsministerium
den
Preis
anhand
der
Weltmarktpreise für die einzelnen
Komponenten kalkulieren.
Die Konferenzteilnehmer haben eine Verfügung verworfen, anhand
derer
amerikanische
Firmen das
Handelsministerium umgehen könnten, indem sie die Fälle von
fortgesetztem
Dumping
bei
den
amerikanischen
Bundesgerichten
vorbringen.

�- Die Vereinigten
Staaten dulden
jetzt ein geringfügiges Maß an
Dumping und erheben nur dann Zölle, wenn das Dumping eines bestimmten Produktes eine gewisse
Grenze
überschreitet.
Israel,
das als einziges Land ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten unterhält, ist von
diesen
Zöllen
befreit,
selbst
wenn das Dumping die "Höchstgrenze" überschreitet.

Exportkontrollen
- Die Vereinigten Staaten verbieten
für drei Jahre Importe der japanischen Toshiba Machine Corporation und der norwegischen Kongsberg Vaapenfabrik wegen des illegalen Verkaufs von Hochtechnologie verbieten, mit der die Sowjetunion das Aufspüren ihrer Unterseeboote erschwert.
Außerdem
wird der amerikanischen Regierung
für drei Jahre der Kauf von Produkten der Muttergesellschaft von
Toshiba untersagt.

Das Recht auf geistiges Eigentum
- Der
Handelsbeauftragte muß die
Länder benennen, die Patente, Urheberrecht, Handelsmarken und anderes
geistiges Eigentum
nicht
entsprechend
schützen.
Falls
Verhandlungen
zur
Unterbindung
dieser Praktiken scheitern, muß
der Handelsbeauftragte eine unverzügliche
Überprüfung
dieser
unfairen Handelspraktiken durchführen, die Sanktionen zur Folge
haben
könnten.
Der
Präsident
kann diese Sanktionen widerrufen,
wenn deren Verhängung den nationalen Wirtschaftsinteressen entgegenstehen.

Ausnahmen von diesen Sanktionen
können für die Aufrechterhaltung der
nationalen Sicherheit, die Heiligkeit
von Verträgen, für die Beschaffung
von Ersatzteilen und aus einigen anderen Gründen gewährt werden.
Für
ähnliche zukünftige Überschreitungen
werden zwei- bis fünfjährige Sanktionen verhängt.

- Der Patentschutz wird auf Herstellungsverfahren, wie etwa den
in der Biotechnik und im pharmazeutischen
Bereich
angewandten
Verfahren ausgeweitet.

COCOM, die Kommission
für den
Ost-West-Handel
- welche sich aus
Vertretern
Japans
und
sämtlicher
NATO-Länder
außer
Island
zusammensetzt - ist eine freiwillige Interessenvereinigung, die sich die Verhinderung einer Verbreitung von Hochtechnologie an nicht mit uns befreundete Länder zum ziel gemacht hat.

Telekommunikation
- Der
Handelsbeauftragte
muß die
Länder benennen, die den Import
von
Telekommunikationsprodukten
mit unfairen Handelsschranken belegen, und - wie im Falle der
Verfügung zum Schutz des geistigen Eigentums - gemäß Abschnitt
301 unverzüglich Maßnahmen gegen
die Länder in die Wege leiten,
die nicht von solchen Praktiken
Abstand nehmen.

- Mit dem Gesetz wird die Kontrolle
von Exporten an COCOM-Länder und
die sogenannten
5(k) Länder
Nicht-COCOM-Länder, die sich an
die COCOM-Regeln halten - gelokkert.

Eine Lizenz für den Export von
Gütern
unterhalb
eines
bestimmten
technologischen
Niveaus wird
nicht
erforderlich, was hauptsächlich auf
Exporte nach China zutrifft.
Jedes
Jahr muß der Handelsminister diesen
Ländern ihren lizenzfreien Status bestätigen, indem er nachweist, daß
diese über ein engmaschiges Exportkontrollsystem verfügen.

den
- 4 -

Zur Verdeutlichung der bestehenRechtslage kamen die Konferenz-

�gelassen, welches
an
ausländische
glieder ächtet.

teilnehmer überein, daß das Verteidigungsminister ium
Exportlizenzen
nur
im Hinblick auf Angelegenheiten der
nationalen
Sicherheit
überprüfen
soll, nicht der Außenpolitik.

Schmiergelder
Regierungsmit-

Landwirtschaft
- Alaska wird der Export von 50 000
Barrel
Rohöl
der
Sorte
North
Slope nach Kanada pro Tag erlaubt.
Der Export raffinierten
Öls von mehr als 70 000 Barrel
pro Tag wird zukünfigen Raffinerien in Alaska verboten.

- Wenn die Uruguay-Runde bis Fnde
September keine Reformen über den
weltweiten Handel mit Aqrarorodukten zustandebringt, wird das
amerikanische
Landwirtschaftsministerium ein Kreditprogramm zur
Vermarktung der heimischen Weizen-, Futtergetreide- und ölsaatenernte im Jahr 1990 durchführen.

Auslandsinvestitionen

Die Höchstgrenze für den im Ausfuhrsteigerungsprogramm bis lQ°n
zugrundegelegten wert der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wird
von 1,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden
Dollar
angehoben.
nas
Programm ist auf die europäische
Gemeinschaft gerichtet und wird
regierungseigene Mehrerträge als
Subvention
für
amerikanische
landwirtschaftliche
Ausfuhren
einsetzen, um Marktanteile zurückzuerobern und unfairen Wettbewerb
auf Drittmärkten
auszugleichen.

Der Präsident wird die Befugnis
haben, Aufkäufe, Fusionen oder
Übernahmen amerikanischer Firmen
durch
ausländische
Unternehmen
zum Schutz der nationalen Sicherheit zu unterbinden, nicht aber
zum Schutz des "notwendigen Handelsverkehrs", wie eine frühere
Sprachregelung vorsah.
Die Konferenzteilnehmer sind sich
über einen Zusatz uneinig, mit
dem dem Kongreß Zugang zu vertraulichen Informationen des Handelsministeriums
über
ausländische Investoren gewährt würde.
Eine noch viel strengere vom Repräsentatenhaus
verabschiedete
Bestimmung - das Bryant Amendment
- haben sie schon verworfen, welches die Offenlegungspflicht für
ausländische Investoren mit erheblichen Beteiligungen an amerikanischen Geschäfts- oder Immobilienunternehmen vorsah.

Das Finanzierungsniveau für zielgerichtete Ausfuhrbeihilfen, welches Subventionen für die Ausfuhr
von Nicht-Getreideerzeugnisse als
Ausgleich für unfairen Wettbewerb
zur Verfügung stellt, wird - vorbehaltlich der Bewilligunq - im
Jahr 1988 von 110 Millionen auf
215 Millionen Dollar angehoben.

Wegen des Bryant-Amendment drohte
die Regierung ein Veto gegen das Handelsgesetz
an.
Diesen
Streitpunkt
müssen die Konferenzteilnehmer nach
ihrer Rückkehr aus den Ferien noch
beilegen.
- Trotz
der
Unterstützung
des
Weißen Hauses für eine solche Änderung haben die Konferenzteilnehmer eine Bestimmung zur Lockerung des Gesetzes zur Verhinderung korrupter Praktiken fallen

Vergeltungsmaßnahmen
gegen
Länder, die Fleischimporte aufgrund
von Uberprüfungsnormen verbieten,
die nicht allein dem Schutz der
öffentlichen
Gesundheit
dienen,
wird das Gesetz zulassen, aber
nicht vorschreiben.

internationale Verschuldung, Wechselkurse und Finanzen

- 5 -

- Das Gesetz wird zwei Untersuchun-

�gen über die Möglichkeiten zur
Schaffung einer neuen internationalen Behörde verlangen, welche
Schulden der Dritten Welt aufkauft und umschuldet oder umwandelt und die Ermäßigungen an die
Schuldnerländer
zurückfließen
läßt. Die erste Untersuchung wäre innerhalb von sechs Monaten
von der Reagan-Administration zu
erstellen, die zweite innerhalb
von einem Jahr von der kommenden
Regierung.
Wenn die Untersuchungen nicht zu
dem Schluß kommen, daß eine solche
Umschuldungseinrichtung
Zahlungsverzug, Unterbrechung von Schuldenrückzahlung oder die Verminderung des
Wertes ausstehender Schulden zur Folge hat, wird der Finanzminister Verhandlungen über die Schaffung einer
solchen Einrichtung mit anderen Industrieländern aufnehmen.
Finanzminister James Baker, der
seinen eigenen seit 1985 laufenden
Lösungsvorschlag zum Schuldenproblem
favorisiert, tritt der Idee einer
neuen
Umschuldungseinrichtung
energisch entgegen.
- Die
Konferenzteilnehmer
ließen
von
der
Regierung
abgelehnte
Sprachregelungen fallen, die von
den Vereinigten Staaten verlangt
hätten, einen "konkurrenzfähigen"
Wechselkurs für den Dollar festzusetzen und diesen Kurs durch
Marktinterventionen
seitens
der
Zentralbank zu stützen.
In
seiner
derzeitigen
Fassung
verlangt das Gesetz vom Finanzminister
lediglich Verhandlungen, um
die von anderen Ländern zur Schaffung
von Handelsüberschüssen durchgeführte
Manipulation von Wechselkursen zu beenden, eine Bestimmung, die insbesondere auf Südkorea und Taiwan gerichtet ist. Darüber hinaus muß er dem
Gesetz zufolge mit Regierungsvertretern anderer Industrieländer Gespräche führen, um eine bessere Koordinierung
der Wirtschaftspolitik
und
Stabilität der Wechselkurse zu er-

reichen, genau wie die vereinigten
Staaten dies in der Siebeneraruppe
(G-7) derzeit tun.
- Eine auf Japan abzielende Bestimmung wird die Vergabe von vorzugskonzessionen für den Handel
mit amerikanischen Bundesanleihen
an Firmen in solchen Ländern verbieten, die sich weigern, amerikanischen
Firmen
das
aleiche
Recht einzuräumen.
Die Bestimmung trifft drei japanische Firmen, die derzeit die Erlaubnis
haben, direkte Geschäfte mit der
Zentralbank zu tätigen (Nomura,
Nikko und Daiwa) und gibt Japan
vor ihrem Inkrafttreten ein Jahr
Zeit, seine Politik zu ändern.

Arbeit und Bildung
- Trotz der Androhung eines Vetos
vom Weißen
Haus billigten die
Konferenzteilnehmer eine Bestimmung, die von Arbeitgebern in Unternehmen mit über 100 Beschäftigten verlangen wird, eine Firmenschließung 60 Tage im voraus
anzukündigen.
Eine Vorankündigung muß auch bei der Kündigung
von mehr als einem Drittel - oder
über 500 - Mitarbeitern einer
Firma erfolgen.
- Mit Billigung der Regierung bewilligten die Konferenzteilnehmer
980 Millionen Dollar für ein Umschulungsprogramm zur Unterstützung
entlassener
Arbeitskräfte,
gleichgültig ob sie ihre Stelle
durch Importe oder aus anderen
Gründen verloren haben.
- Trotz der Ablehnung durch die Regierung haben die Konferenzteilnehmer außerdem Ausgleichszahlungen
für Arbeitnehmer
in Industriezweigen
ausgeweitet,
die
durch ausländischen Wettbewerb in
Mitleidenschaft
gezogen
wurden.
Das schon bestehende
Programm,
das derzeit 200 Millionen Dollar
pro Jahr kostet, würde um weitere
80 Millionen Dollar aufgestockt.

�Zunächst werden die Gelder aus
Steuereinnahmen
gespeist.
Später
hoffen
die Konferenzteilnehmer
jedoch, die Gelder durch eine allgemeine importgebühr von bis zu 0,15 Prozent zu erhalten.
Dies hinge davon
ab, ob es den vereinigten Staaten gelänge, das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (CATT) zur Genehmigung
einer solchen Gebühr bewegen zu können .

Verschiedenes

See- und Luftverkehr
- Die
Konferenzteilnehmer
kamen
überein, die .'schon heute weitreichende Handlungsfreiheit des Rundesseeamts
zur
Vergeltung
für
ausländische
"Frachtführer"
(Hochseeschiffe, die auf regulären Routen ihren normalen Dienst
verrichten) auszuweiten.
Wenn amerikanischen Linienschiffen im Ausland die gleiche Behandlung die solche Schiffe ihrerseits
in den Vereiniccen Staaten genießen,
verweigert wird, und wenn die Operationen amerikanischer Schiffe durch
unfaire
Handelsschranken
in diesen
Ländern beeinträchtigt werden, kann
die Kommission mit Sanktionen Vergeltung üben, einschließlich einer Gebühr von bis zu einer Million Dollar
auf ein ausländisches Linienschiff.
Die Kommission wird innerhalb von 120
Tagen Nachforschungen über vermutete
unfaire
Handelspraktiken
anstellen
müssen, doch der Präsident könnte gegen
Entscheidungen
der
Kommission
sein Veto einleaen.
Das Ministerium für Transport und
Verkehr wird die zulässige Zeitspanne zur Überprüfung von Behauptungen, wonach amerikanischen
Fluggesellschaften
der
gleiche
Zugang zu ausländischen Flughäfen
und den Luftverkehrsdiensten verweigert wird, von 180 Tagen auf
90 Tage verringern müssen.

- 7 -

- Die
Konferenzteilnehmer
entschlossen sich zur Aufhebuna der
Besteuerung von "unerwarteten Gewinnen" (windfall Drofits) durch
Ölgeschäfte. Die Steuer war zwar
zur Abzweigung von Gewinnen an
die Regierung gedacht, als die
staatliche Kontrolle der amerikanischen Ölpreise 1980 aufaehoben wurde, hat aber seit dem
Preisverfall der vergangenen zwei
Jahre keine Gelder eingebracht .
Das Gesetz wird zusätzliche Mittel in Höhe von 3,5 Millionen
Dollar an das Büro für internationalen Handel des Amts zur Förderung von mittelständigen Unternehmen und fünf Millionen Dollar
für weitere Zuschüsse zur Unterstützung
der
Exporttätir,kei t
kleinerer Betriebe bereitstellen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

6. ADril 1^88

14

NASA ÄNDERT STARTPLÄNE FÜR RAUMTRANSPORTER
Forschungs-Plattform muß vorzeitig geborgen werden

WASHINGTON - (AD) - Weil die am 7. April 1984 von einem Raumtransporter in
460 km Höhe abgesetzte Plattform für Langzeitexperimente (LDEF - Long-Duration
Exposure Facility) früher als erwartet in tiefere Schichten der Frdatmosohäre
eintritt und abzustürzen droht, muß der Zeitplan der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt (NASA) für einige Raumtransporter-Starts geändert werden.

Ursprünglich wollte man das 9 715
kg schwere, mit 57 Experimenten bestückte Gerät des Langley-Forschungszentrums elf Monate nach dem Absetzen
im Weltraum
zur Erde zurückholen.
Aber die Starttermine der Raumtransporter konnten damals nicht eingehalten werden; das CHALLENGER-Unglück
vom Januar 1986 führte zu neuen, massiven Verzögerungen.
Die LDEF-Umlaufbahn wurde bis Anfang der neunziger Jahre als stabil angesehen. Neuere Beobachtungen ergaben jedoch, daß
dies nicht mehr zutrifft, so daß die
NASA
nunmehr
im Juli
1989
einen
Shuttle-Flug
einschieben
muß.
Das
Absinken des LDEF-Satelliten ist eine
indirekte Folge verstärkter Sonnenaktivität, die bewirkt, daß sich die
Erdatmosphäre ausdehnt und der Satellit verstärkter
Bremswirkung durch

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Luftmoleküle ausgesetzt ist.
Am vorgesehenen Termin für den
Start der DISCOVERY (4. August 1988)
soll sich nichts ändern. Jedoch muß
wegen der Rückführung der LDFF-Plattform der zunächst für den Herbst 1989
geplante Start von ASTRO-1, eines
Forschungssatelliten für Messungen im
Ultraviolettbereich, um mehrere Monate verschoben werden. Das Gerät wird
nun mit einem Breitband-Röntaenstrahlenteleskop ausgerüstet, mit dem die
Supernova
1987A
beobachtet
werden
soll. Die Folgereaktionen der Fxplosion dieses Sterns - in mehr als 200
Jahren wegen der Nähe des Objekts das
sensationellste
Ereignis
für
die
Astronomie - werden auch zu dem späteren Zeitpunkt noch erfaßt werden
können.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die Besatzung der DISCOVERY, die
den ersten Flug mit einem Raumtransporter
nach
der
CHALLENGER-Katastrophe unternimmt, soll einen TDRSSatelliten absetzen.
Er dient für
Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung und ist unerläßlich, um beispielsweise die Meßdaten des HubbleWeltraumteleskops zur Erde zu übermitteln. Dieses soll am 1. Juni 1989
von einem Raumtransporter in die Umlaufbahn gebracht werden und erfordert mindestens zwei TDRS-Satelliten.
Der Start eines dritten TDRS-Gerätes
ist für 1989, eines vierten für 1990
geplant. Die TDRS-Geräte machen eine
Reihe
von
NASA-Bodenstationen
zur
Überwachung von Raumtransportern und
anderen Raumfahrzeugen mit der Zeit
überflüssig.

sion anzusehen sind, mit der das Universum entstand.
Den
neuen
NASA-Plänen
zufolge
sind für 1990 zwei zusätzliche Raumtransporter-Missionen
vorgesehen
eine davon in Verbindung mit dem
Raumlabor SPACELAB.
Der Start des
Gammastrahlen-Observatoriums wurde um
drei Monate auf März 1990 vorverlegt.
Der Termin für die ULYSSES-Mission,
eines europäischen Forschungssatelliten zur Sondierung der Polgebiete der
Sonne, bleibt unverändert. Start ist
im Oktober 1990.

* * * * * *
Bei der zweiten Shuttle-Mission
(27. Oktober 1988) wird der Raumtransporter
ATLANTIS
eingesetzt.
Wichtigste Aufgabe ist das Absetzen
von zwei militärischen Nachrichtensatelliten. Am 19. Januar 1989 soll
erneut die DISCOVERY mit TDRS-3 an
Bord und am 2. März 1989 die COLUMBIA
mit
einer
militärischen
Nutzlast
starten.
Unter den Forschungssatelliten, deren Start 1989 mit einem
Raumtransporter erfolgen soll, befinden sich MAGELLAN zur Kartierung des
Planeten Venus sowie GALILEO (Gemeinschaftsprojekt mit der Bundesrepublik
Deutschland) zur Sondierung des Planeten Jupiter.
Noch 1988 werden mit unbemannten
Raketen sechs Nutzlasten, im kommenden Jahr vier und 1990 sieben in Erdumlaufbahnen gebracht.
Damit wurde
auf drei weitere in diesem Zeitraum
vorgesehene Starts verzichtet.
Bis
1995 werden insgesamt 30 nichtmilitärische Nutzlasten, die nach früheren Plänen vom Space Shuttle abgesetzt werden sollten, von unbemannten
Raketen
auf
ihre Bahnen gebracht.
Eine davon ist der COSMIC BACKGROUND
EXPLORER (COBE).
Er registriert die
kosmische
Hintergrundstrahlung
Emissionen, die als Reste der Energiefreisetzung infolge der Urexplo-

�AMERIKA DIENST
7

^ION &amp;

Wissenschaft und Technik

6. April 1988

14

INMARSAT-FUNK AUCH FÜR DEN FLUGVERKEHR

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die vorgeschlagenen
Zusatzvereinharungen
zur Konvention
der Internationalen Seefunksatelliten
Organisation (INMARSAT) ratifiziert,
die
den
Mitgliedstaaten
erstmals
Funkverbindungen von Flugzeugen aus
über
Satellit
ermöglichen
würden.
Die INMARSAT-Konvention regelt normalerweise
Funkverbindungen
von
Schiffen auf See über Satellit zu
Küstenstationen.
Gegenwärtig werden
4 000 solcher Stationen unterhalten.
Wird auch die Luftfahrt eingeschlossen, müssen zahlreiche weitere Bodenstationen eingerichtet werden.
Ihr
Zahl hängt vom Bedarf ab; für die
neuen
Dienstleistungen
würden
von
INMARSAT Gebühren zur Deckung der Betriebskosten
erhoben.
Die Zusätze
treten in Kraft, wenn 30 oder 45

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Partnerstaaten
ratifiziert
haben;
bisher haben dies 21 getan, die zusammen ca. 70 Prozent der Investitionsanteile für das INMARSAT-System
ausmachen.
Funkverbindungen
via
Satellit
sind - da weniger anfällig gegen atmosphärische Störungen - weitaus zuverlässiger als der bisher übliche
Funk für den Flugverkehr. Der amerikanische Außenminister George Shultz
gab die offizielle Verabschiedung der
neuen Vereinbarungen durch die Vereinigten Staaten auf der Sitzung des
INMARSAT-Direktoriums Ende März 1988
in London bekannt.

+ + + + + +

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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                <text>&lt;strong&gt;1. FBI - Die Bundeskriminalpolizei der USA (IV)&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Schießprobe entschied über Schuld und Unschuld&lt;br /&gt;&lt;em&gt;4. Folge einer Serie von sechs Artikeln&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Leben in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stützpunkte halten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Basballspiel und die statistische Leidenschaft der Amerikaner&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Gerhard Moosleitner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Wahljahr 1960&lt;br /&gt;Wie wählt man in den USA (I)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Am 8. November regieren die Bürger mit dem Stimmzettel&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Richard M. Scammon, Leiter der Abteilung Wahlenforschung des Governmental Affairs Institute, Washington. Wir veröffentlichen seinen Beitrag in zwei Folgen&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Pulitzerpreis 1959 verliehen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltraum - Neuland der praktischen Forschung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnisse des zivilen Weltraumprogramms der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Zusammenarbeit beim Wirtschaftsprogramm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des amerikanischen Präsidenten vor den beiden Häusern des Kongresses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA überprüfen Entwurf zum Seerechtsvertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- James L. Malone begründet Haltung der US-Regierung vor Kongressmitgliedern -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Multilaterale Handelsabsprachen besser als nationaler Protektionismus&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Bill E. Brock, dem US-Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Menschenrechtspolitik der Reagan-Administration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Michael Novak -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
"'V

"""""

A&lt;

6. Mai 1987

17

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan verspricht Unterstützung von Verhandlungen in Mittelamerika
- Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Zeitungsverleger Reagan kritisiert Handelsgesetze des Kongresses
- Rundfunkansprache des Präsidenten Reagan; Rüstungskontrollabkommen in Reichweite
- Erklärung zu den START-Verhandlungen -

WIRTSCHAFT
Maßnahmen der Bundesbank zur Einschränkung der Geldmenge bestätigt
- Kommentare des Bundesbankpräsidenten Paul Volcker -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Internationale Zusammenarbeit lebensnotwendig
- Die wichtigste Lehre aus Tschernobyl -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"4~

"**""

c&amp;

Dokumentation

6. Mai 1987

17

REAGAN VERSPRICHT UNTERSTÜTZUNG VON VERHANDLUNGEN IN MITTELAMERIKA
- Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Zeitungsverleger -

NEW YORK - (AD) - In einer Ansprache vor dem Verband der amerikanischen
Zeitungsverleger auf Ellis Island hat Präsident Reagan am 3. Mai 1987 seine
"volle Unterstützung für jede Art von Verhandlungen, die in ganz Mittelamerika
zum Aufbau der Demokratie ohne weiteres Blutvergießen beitragen können" zum
Ausdruck gebracht. Gleichzeitig gab Reagan aber auch zu verstehen, daß die
Hilfe seiner Administration für die nicaraguanischen Freiheitskämpfer "nicht
eingestellt wird", bis das Regime der Sandinisten die demokratischen Bestrebungen des Volkes von Nicaragua erfüllt.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Der Traum der Freiheit hat am
heutigen Tag, da wir uns hier auf
Ellis Island unter dem Blick der
Freiheitsstatue versammelt haben, für
uns eine besondere Bedeutung. Es wäre ein leichtes, hierher zu kommen
und wiederum die Geschichte derer zu
erzählen, die durch diese Tore gegangen sind, um einfach noch einmal die
Freiheiten zu feiern, die wir Amerikaner genießen.
Aber mein Auftrag ist heute ein
schwierigerer,
und
meine
Aufgaben
sind
dringlicher
- sie
betreffen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nicht diejenigen, die in dieses Land
kamen sondern den Traum, der sie
hierhin führte. Heute sind noch andere Menschen auf der Suche nach diesem Traum, und sie haben uns ebenfalls eine erleuchtende Geschichte zu
bieten - eine Geschichte, die all denen aus dem Herzen sprechen muß, die
auf diese Insel gelangten und diese
großartige Dame hier im Hafen verehren. Ich spreche von der Bevölkerung
Mittelamerikas.
Lassen Sie mich mit dem Jahr 1981
beginnen. Ich frage mich, wie viele

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�unter ihnen sich daran erinnern, daß
wir auf eine fast fatalistische Anerkennung des kommunistischen Sieges in
diesem Land - wenn nicht sogar in der
ganzen Region - stießen, als wir das
erste Mal die Aufmerksamkeit auf die
Krise in El Salvador richteten.
Die Demokratie, so wurde behauptet, könne in El Salvador nicht funktionieren: das Volk sei zu arm; es
habe keine demokratische Tradition;
es lehne die von uns angebotene Chance der Demokratie ab; ja, seine Sympathie liege auf Seiten der kommunistischen Guerrilla.
Aber dann erhielt das schweigende, leidende Volk von El Salvador eines Tages die Möglichkeit, selbst zu
wählen, und trotz der Gewehrkugeln,
Bomben und Todesdrohungen der Kommunisten beteiligte sich das Volk von
El Salvador in Rekordzahlen und wartete stundenlang in Menschenschlangen, um zu wählen - um für die Demokratie zu stimmen,
Beobachter des Kongresses berichteten mir von einer Frau, die auf dem
Weg zur Wahlurne durch Gewehrfeuer
verwundet wurde. Sie weigerte sich,
die Schlange zu verlassen und ihre
Wunde versorgen zu lassen bis sie gewählt hatte.
Eine Großmutter, die
von den Guerrillas gewarnt worden
war, daß sie getötet werde, wenn sie
von der Wahlurne zurückkehre, erklärte diesen:
"Ihr könnt mich töten,
ihr könnt meine Familie töten, ihr
könnt meine Nachbarn töten, aber ihr
könnt uns nicht alle töten." Das war
die Stimme Mittelamerikas - das Zeugnis eines Volkes, das zur Freiheit
entschlossen war.
Viel ist seit 1981 erreicht worden,
in einer Region, in der Militärdiktaturen
die Gesellschaft beherrschten, schlägt die Demokratie

Wurzeln. Vor einem Jahrzehnt war nur
Costa Rica eine Demokratie.
Heute
sind zu Costa Rica gewählte Zivilregierungen in El Salvador, Guatemala
und Honduras hinzugekommen - nur Nicaragua bleibt eine Diktatur.
Aber
während der Trend zur Demokratie in
Mittelamerika unmißverständlich ist,
bleibt aufgrund des sandinistischen
Totalitärismus in Nicaragua eine gewaltige Bedrohung von Freiheit und
Demokratie in Mittelamerika bestehen.
Das Streben von Millionen Menschen
nach Freiheit ist weiterhin unerfüllt.
Die gewählten Führer der benachbarten
mittelamerikanischen
Staaten
verstehen dies; sie wissen, daß das
nicaraguanische Regime ihre Zukunft
und die Stabilität der Hemisphäre bedroht.
Sie wissen, daß die Errichtung
eines wahrhaft
demokratischen
Systems in Nicaragua - mit den vollständig garantierten Rechten der versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit
- auf lange Sicht die einzig wirkliche Hoffnung für Frieden und Sicherheit der Region bietet. Sie wissen, daß ein solches System eine Kontrollinstanz für jede Art von Regierung bedeutet, den Militarismus entmutigt und das Recht des Volkes auf
die Wahl seines eigenen Schicksals
sicherstellt.
Aus diesem Grund sind die Ansichten
unserer
mittelamerikanischen
Freunde und die Bestrebungen des nicaraguanischen Volkes ein und dasselbe - die Schaffung einer umfassenden,
vom Volk gewählten und legitimen demokratischen Herrschaft in Nicaragua.
Was wir also für Nicaragua anstreben,
ist
denkbar
einfach:
Selbstbestimmung
durch das nicaraguanische Volk - das Recht, seine
Führer in freien, fairen und regelmäßigen Wahlen mit verschiedenen Parteien zu wählen.

- 2 -

�Die Mehrheit der Mittelamerikaner
hat diese Wahl getroffen - für Freiheit und Demokratie.
Und ich bin
heute hierher gekommen, um Ihnen zu
sagen, daß die Contras, die Freiheitskämpfer
Nicaraguas,
für
die
gleiche Sache kämpfen, für die diese
mutige Frau in El Salvador ihr Leben
riskiert hat - die Demokratie. Eine
wahrhafte Demokratie, die in gesunden, stabilen, demokratischen Institutionen verwurzelt ist und die volle
Bandbreite der politischen Freiheiten
und
Menschenrechte
gewährleistet.
Und ich bin hierher gekommen, um zu
erklären, daß die Regierung der Vereinigten Staaten dem amerikanischen
Volk das gleiche gelobt hat, das die
Freiheitskämpfer ihrem Volk gelobten
- daß unser Ziel in Nicaragua eindeutig ist: freie Wahlen.
Andererseits
haben Sowjets und
Sandinisten ebenfalls eine Wahl getroffen, nicht für die Demokratie,
nicht für eine freie Presse und nicht
für freie Wahlen, sondern für Kontrolle durch Gewalt.
Allein im Jahr 1986 betrug die
gesamte Hilfe des Ostblocks an die
Sandinisten über 1 Milliarde Dollar.
Diese sowjetischen Lieferungen haben
das kleine Land Nicaragua zu einer
aggressiven Nation mit der größten
Militärmacht Mittelamerikas gemacht,
die die Sicherheit der ganzen Region
bedroht.
Täuschen Sie sich nicht:
Die Sowjets stellen die Vereinigten
Staaten auf eine Willensprobe, was
die Zukunft dieser Hemisphäre anbelangt.
Die von ihr angebotene Zukunft besteht in ständig wachsender
kommunistischer Ausdehnung und Kontrolle.
Und dies ist die Wahl, vor der
der Kongreß und unser Volk stehen:
eigentlich
eine grundlegende Wahl:
- 3

zwischen Demokratie und Kommunismus
in Nicaragua, zwischen Freiheit und
sowjetisch unterstützter Tyrannei.
Was mich selbst angeht, so bin
ich entschlossen, mich dieser sowjetischen Herausforderung zu stellen
und zu gewährleisten, daß die Zukunft
dieser Hemisphäre von ihrer Bevölkerung gewählt und nicht von kommunistischen Aggressoren aufgezwungen wird.
Ich könnte stundenlang über unsere Verhandlungen mit den Sandinisten
erzählen: den CONTADORA-Prozeß
und
die Missionen meines diplomatischen
Unterhändlers
Philip
Habib.
Aber
seit den ersten Verhandlungen im Jahr
1979, als die Sandinisten eine demokratische,
pluralistische
Gesellschaft versprachen, haben wir erlebt,
daß diese Marxisten-Leninisten niemals beabsichtigten, diese Versprechungen einzuhalten; wir haben erlebt, daß sie immer wieder Verhandlungen benutzten, um zu verzögern und
um die Weltmeinung zu manipulieren.
Deshalb bleibt die Wahl immer noch
dieselbe: Demokratie oder Kommunismus, Wahlen oder Diktatur, Freiheit
oder Tyrannei.
Die Debatte über die Mittelamerikapolitik in diesem Land ist direkt
und hart gewesen - und bisweilen sogar hitzig.
Obwohl solche Debatten
gesund sind, wissen wir alle, daß ein
geteiltes Amerika nicht die Führungskraft stellen kann, die für die Gewährung von Unterstützung und Vertrauen für die entstehenden Demokratien in Mittelamerika notwendig sind.
Ich glaube nicht, daß es im Kongreß
irgend jemanden gibt, der die Errichtung einer weiteren Basis der sowjetischen Subversion, eines weiteren
Kuba, an den Küsten Amerikas erleben
möchte -' aber das ist genau das, was
gegenwärtig geschieht. Dies ist heute ein Problem, bei dem alle Amerika-

�ner sich einig sein müssen; es ist
einfach zu wichtig, um in den nächsten Wahlen Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen den Parteien zu
sein. Wenn wir die Freiheitskämpfer
fallen lassen, geben wir den Sowjets
freie Hand in Mittelamerika und bereiten
ihnen
einen
ihrer
größten
außenpolitischen
Erfolge
seit
dem
Zweiten Weltkrieg.
Ohne den Druck seitens der mittelamerikanischen Demokratien und der
Freiheitskämpfer würden die Sowjets
schon bald ihren Stützpunkt in Nicaragua festigen und die Subversion in
El Salvador würde Wiederaufleben.
Nicaragua hat sogar schon Costa
Rica mit seinen Agenten infiltriert sie warten nur auf das Startzeichen.
Bald könnte die Voraussage der Kommunisten von einem über Mittelamerika
hinwegfegenden "revolutionären Feuer"
Wirklichkeit werden.
Wir sollten uns keinen Illusionen
über das letzte Ziel des Milliarden
Dollar teuren Kriegs der Sowjets in
Nicaragua hingeben. Ich beabsichtige
nicht, dem nächsten
amerikanischen
Präsidenten eine solche Krise zu hinterlassen.
Fast vierzig Jahre hindurch haben die Vereinigten Staaten
einen
überparteilichen Konsens zur
Außenpolitik bewahrt. Die Demokratische Partei - die Partei von Franklin
Roosevelt, Harry
Truman
und
John
Kennedy - hat die Demokratie und unsere nationale Sicherheit fest unterstützt. Dies ist nicht die Zeit für
eine der beiden Parteien, sich von
dieser Tradition oder der Sache der
Freiheit zu entfernen - insbesondere,
wenn die Bedrohung geographisch so
nahe liegt. Das Überleben der Demokratie in unserer Hemisphäre erfordert eine Politik der Vereinigten
Staaten, die mit dieser überparteilichen Tradition im Einklang steht.

Ich möchte deshalb heute den Rahmen dieser Politik beschreiben, einer
Politik, die mit der Unterstützung
der stabilen, seit langem bestehenden
Demokratie in Costa Rica und der Verwurzelung der Demokratie in El Salvador, Guatemala und Honduras beginnt.
Viele Mitglieder des Kongresses haben
die Bedeutung der Aufrechterhaltung
ausreichender Niveaus an Wirtschaftshilfe betont, um diesen Demokratien
beizustehen. Meine Zustimmung hierzu
könnte nicht stärker sein. Aus diesem
Grund
muß
zusätzliche
Wirtschaftshilfe an die vier mittelamerikanischen Demokratien genehmigt werden.
Zweitens ist enge Zusammenarbeit
mit
unseren
demokratischen
Freunden in Mittelamerika ebenfalls
unerläßlich, und unsere Politik besteht heute wie schon in der Vergangenheit darin, die diplomatischen Bemühungen zur Erzielung eines dauerhaften Friedens weiterzuführen.
Präsident Arias von Costa Rica
hat dieses Jahr schon einen Vorschlag
vorgelegt, der auf die Erreichung einer friedlichen Lösung des Konflikts
in Nicaragua abzielt. Der Kern seines Vorschlags ist das Beharren auf
Demokratie in Nicaragua. Meine Administration hat regionale diplomatische Initiativen mit dem Ziel von
Frieden und Demokratie immer unterstützt, sei es durch CONTADORA, durch
persönliche Treffen mit der in Nicaragua herrschenden Partei oder durch
die
aktuellen
Mittelamerikainitiativen.
Lassen Sie mich dazu heute erklären, daß ich jeder Art von Verhandlungen meine volle Unterstützung gewähre, die in Mittelamerika zum Aufbau
der
Demokratie
ohne
weiteres
Blutvergießen beitragen können. Wie
Sie wissen, erhielt ich unlängst ein
von 111 Mitgliedern des Repräsentan-

�tenhauses unterzeichnetes Schreiben,
in dem intensive diplomatische Bemühungen gefordert werden, "um Frieden,
Sicherheitsgarantien für alle mittelamerikanischen Staaten, die Förderung
demokratischer Institutionen und den
Abzug sowjetischen und nicaraguanischen Militärpersonals aus Nicaragua
zu erreichen".
Obwohl ich nicht mit dem gesamten
Inhalt des Schreibens übereinstimme,
schließe ich mich gewiß den Kongreßabgeordneten bei der Forderung nach
Wiedereinführung von Presse-, Religions-, Versammlungs- und
Redefreiheit sowie von freien Wahlen an, die
samt und sonders von der Regierung
Nicaraguas verweigert werden. Unser
Senat hat mit 97 zu einer stimme eine
Resolution
verabschiedet,
aus
der
hervorgeht,
daß
ein
"dauerhafter
Frieden sich nur im Kontext demokratischer
Systeme
verwirklichen
läßt..., die der Abschaffung großer
Armut verpflichtet sind, der Schaffung von wirksamen Mitteln, mit denen
allen
Elementen
der
Gesellschaft
gleiche Möglichkeiten zur Verfügung
stehen ... und freien und regelmäßig
stattfindende Wahlen ...".
Obwohl ich keine Einwände gegen
die vom Kongreß angestrebte Herbeiführung einer friedlichen Lösung auf
diplomatischem Wege in Nicaragua erheben werde, können Sie feststellen,
daß die Demokratie der Schlüssel ist
und daß dies im Kongreß mehrheitlich
anerkannt wird.
Aus diesem Grunde
glaube ich fest daran, daß es eine
solide Grundlage gibt, auf der wir
gemeinsam mit dem Kongreß Anstrengungen zur Lösung dieses Konflikts in
Mittelamerika
unternehmen
können.
Ich möchte alle Bemühungen unternehmen, um auf diese Ziele hinzuarbeiten, und ich hoffe, daß sich der Kongreß mir dabei anschließt.

Das ist der Ansatzpunkt für das
dritte Element unserer Politik - unser Engagement und unsere Unterstützung für die Freiheitskämpfer, die
einem freien Nicaragua ihr Leben und
ihre Ehre geweiht haben. Die Unterstützung, die diese Regierung den nicaraguanischen
Freiheitskämpfern
in
ihrem Kampf für Frieden und eine demokratische Regierung leistet, wird
unverändert bleiben, bis das Regime
in Nicaragua den Hoffnungen des nicaraguanischen Volkes auf
Demokratie
Rechnung trägt.
Mit jedem Tag zeigt das nicaraguanische Volk mehr Empörung angesichts der Unterdrückung durch die
kommunistischen Machthaber.
Der demokratische Widerstand Nicaraguas, zu
dem die Freiheitskämpfer zählen, bietet heute die einzige Alternative zur
Diktatur der Vergangenheit und zum
Kommunismus der Gegenwart. Diese Alternative heißt Demokratie und sie
gewinnt zunehmend die Unterstützung
des nicaraguanischen Volkes.
Solange ich Präsident bin, habe
ich nicht die Absicht, diesen Bemühungen des Volkes von Nicaragua, das
seine Freiheit und das Recht auf die
Wahl seiner eigenen nationalen Zukunft erlangen will, unsere Unterstützung zu versagen.
In den nächsten Monaten werde ich den Kongreß
bitten, wiederum Mittel für die Freiheitskämpfer zu bewilligen.
Hierbei
möchte ich nochmals die Gefahr des
von einigen Kongreßmitgliedern verfolgten
Kurses
betonen:
daß
der
schnellste Weg zum Frieden in Mittelamerika in der Aufgabe unseres Einsatzes für die nicaraguanischen Freiheitskämpfer liegt.
Verzögerungen und mangelnde Entscheidungskraft im Inland können nur
zu unnötigem Leid in Nicaragua beitragen, das Vertrauen der in dieser

- 5 -

�Region entstehenden Demokratien erschüttern und unsere eigene Sicherheit gefährden. Wir haben in diesen
vergangenen sieben Jahren einen langen Weg zurückgelegt, um den Charakter des sandinistischen Regimes und
seine aggressiven Ziele gegen das eigene Volk
und
die
demokratischen
Nachbarn in Mittel- und Südamerika zu
verstehen. Es bildet sich ein neuer
Konsens beider Parteien heraus, der
all die alten Entschuldigungen außer
acht läßt.
Im vergangenen Jahr erhob die New
York Times in einem Kommentar mit der
Überschrift "The Road to Stalinism"
den Vorwurf, die von den Sandinisten
versprochene "pluralistische Revolution" werde "hoffnungslos verraten".
In dem Artikel heißt es: "Nur der
Leichtgläubige kann die jetzt hervortretenden Wurzeln des Polizeistaates
übersehen".
Sogar mein alter Freund
Tip O'Neill erklärte im Anschluß an
einen der offensichtlichsten Aggressionsakte der Sandinisten, daß Daniel
Ortega genau das sei, wofür er ihn
immer gehalten habe, ganz einfach ein
"marxistisch-leninistischer
Kommunist", der
eine
"Revolution
ohne
Grenzen" heraufbeschwören wolle.
Die Frage, die sich dem amerikanischen Volk und dem Kongreß der Vereinigten Staaten stellen muß, lautet:
"Was tun wir, um dem abzuhelfen?"
Obwohl die brutalen, totalitären
und subversiven Intentionen des sandinistischen Regimes fast überall anerkannt sind, steht die Antwort auf
die Frage der weiteren Hilfe an die
Freiheitskämpfer noch aus.
Aber ich glaube, es wird zunehmend erkannt, daß die Freiheitskämpfer die einzigen sind, die zwischen
den Sandinisten und ihren expansio-

-6

nistischen Zielen stehen; daß sie das
größte Hindernis darstellen, um das
gesamte Mittelamerika davor zu bewahren, vom "revolutionären Feuer" der
Kommunisten erfaßt zu werden; daß die
Freiheitskämpfer die einzigen sind,
die dem Volk von Nicaragua die Hoffnung auf Freiheit und dem stabilen
und dauerhaften Frieden in Lateinamerika eine Chance bieten.
Sie verdienen unsere Unterstützung. Deshalb wird die bevorstehende
Abstimmung im Kongreß darüber, ob wir
weiterhin die Freiheitskämpfer in Nicaragua unterstützen wollen, wohl die
wichtigste von unseren Abgeordneten
1987 getroffene Wahl und möglicherweise auch eine der wichtigsten in
ihrer Laufbahn in einem öffentlichen
Amt werden.
Für die Presse und die Medien ist
dies eine ebenso wichtige Frage. Ich
muß bemerken, daß in der neuen Demokratie von El Salvador kommunistisch
unterstützte Guerillas versuchen, die
demokratische Herrschaft zu Fall zu
bringen, und dies findet in den Medien kaum oder gar keine Aufmerksamkeit. Und doch kämpfen nur jenseits
einer Grenze in Nicaragua die Freiheitskämpfer
gegen ein
totalitäres
kommunistisches
Regime
und
werden
weit und breit als gesetzlose Terroristen oder noch Schlimmeres angegriffen.
Sie müssen entschuldigen, aber
diese Geschichte muß in den Zusammenhang gestellt werden. Dieser Zusammenhang wird vom aggressiven Charakter des Kommunismus der Sandinisten
geliefert.
Heute kennt das nicaraguanische Volk die Realität des sandinistischen Kommunismus: die Brutalität, die Armut und Unterdrückung,
und aus diesem Grund wissen sie, was
wir nur zu oft vergessen: daß es sich
für die Freiheit zu kämpfen lohnt.

�Es ist dieselbe genaue Kenntnis der
Unterdrückung und das Streben nach
Freiheit, das die tapferen afghanischen Widerstandskämpfer stärkt und
ihnen den Mut gibt, ihre Waffen gegen
die überwältigende Macht der sowjetischen Militärmaschinerie zu erheben;
dasselbe Wissen veranlaßt die tapferen Angolaner und Kambodschaner, in
langen Befreiungskriegen gegen ihre
von sowjetischer Seite unterstützten
Unterdrücker
zu
kämpfen;
dasselbe
Wissen veranlaßte das Volk von Grenada, amerikanische Soldaten, die ihr
Land befreiten, zu umarmen und Blumen
auf ihren Weg zu streuen.
Und war es nicht erhebend, auf
den Mauern nicht Graffiti von der Art
"Yankee
Go
Home",
sondern
"Gott
schütze Amerika" zu lesen. Sie haben
alle auf den Ruf nach Freiheit geantwortet - ein Ruf, der besondere Bedeutung erlangt in diesen Gebäuden,
auf dieser Insel, wo so viele unserer
Vorfahren
die
Freiheitsstatue
mit
Freudentränen begrüßten.

Dieser Wahl sehen wir uns gegenüber; zwischen dem Licht der Freiheit
und der Dunkelheit der Unterdrückung.
Als unsere Vorfahren nach schrecklichen Reisen, bei denen Krankheiten
und Leid überwunden werden mußten,
zuerst die Fackel der Freiheitsstatue
erblickten, wußten sie, daß ihnen ein
Licht
leuchtete
"those
huddled
masses, yearning to breathe free".
Für diejenigen, die nur die Bitterkeit des Verlangens und der Unterdrückung kennen, leuchtet diese Fakkel besonders hell. Heute ist Freiheit unser heiliges Gut, das Versprechen Amerikas an die gesamte Menschheit.
Wir sollten diese Flamme immer
hoch halten, damit sie die Welt erleuchtet, ein Leuchtfeuer, das über
diesen Hafen hinaus reicht, in die
Dschungelberge Nicaraguas, wo junge
Männer heute für dieselben Freiheiten
kämpfen und sterben, die uns teuer
sind, in die Herzen der Menschen, die
überall für Freiheit kämpfen.

Wir vernehmen den Ruf nach Freiheit in der Arbeit, der Sie Ihr Leben
verschrieben haben, und er ist klar
und stolz jeden Morgen und jeden
Abend auf den Seiten der freien Presse zu vernehmen. Obwohl in Nicaragua
dieser Ruf durch die Schließung von
"La Prensa" auf tragische Weise zum
Schweigen gebracht worden ist, vernehmen wir
immer noch die mutige
Stimme ihrer Herausgeber in, Violeta
Chamorro, die
klarmacht, daß
die
Presse zum Thema Freiheit niemals ihre Augen verschließen kann: "... Ohne
Pressefreiheit",
so
Chamorro,
"gibt es weder eine repräsentative
Demokratie noch die Freiheit des Einzelnen noch soziale Gerechtigkeit...
nur Dunkelheit, Rechtlosigkeit, Mißbrauch, Mittelmäßigkeit
und Unterdrückung" .

- 7 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

6. Mai 1987

17

REAGAN KRITISIERT HANDELSGESETZE DES KONGRESSES
- Rundfunkansprache des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Am 2. Mai 1987 hielt Präsident Reagan seine wöchentliche Rundfunkansprache an das amerikanische Volk, die wir nachfolgend im
Wortlaut veröffentlichen.
Meine lieben Mitbürger! Hier in
Washington liegt eine arbeitsreiche
Woche hinter uns, wobei die Frage des
internationalen
Handels
im Vordergrund stand.
Das
Repräsentantenhaus
verabschiedete ein Gesetz, durch das eine
neue Handelsschranke errichtet würde,
und hier im Weißen Haus führte ich
ausführliche Gespräche über Handelsfragen mit Premierminister Nakasone
aus Japan, einem der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Diese Entwicklungen sind für uns
alle bedeutsam, weil eine der schwerwiegendsten Bedrohungen für den wirtschaftlichen Aufschwung und amerikanische Arbeitsplätze
in protektionistischen
Gesetzen besteht, durch
die Handelsschranken
errichtet und
höhere Zölle verhängt werden.
Indem eine solche Haltung die
Vergeltung ausländischer Regierungen
bewirkt, leitet sie letztlich einen
Handelskrieg
ein, schließt ausländische Märkte und macht Wirtschaftswachstum in unserem eigenen Land zu-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Nakasone und
chen haben.

nichte.
Leider hat sich das Repräsentantenhaus entschlossen, diesen Weg zu
verfolgen, aber die Abstimmung hat
auch einen positiven Aspekt.
Sehen
Sie, dadurch, daß sie eine überparteiliche
Haltung
ermutigte,
haben
sich eine ganze Reihe von Demokraten
den Republikanern bei der Ablehnung
eines besonders schlechten Zusatzes
angeschlossen.
Die Abstimmung im Repräsentantenhaus diese Woche zeigt an, daß wir
uns in einer starken Position befinden, um die Verabschiedung schlechter
Vorschläge wie diesem im Kongreß zu
verhindern.
Glauben Sie mir, ich
würde gern vernünftige Handelsgesetze
unterzeichnen, aber ich werde meine
Unterschrift
nicht
unter
Vorlagen
setzen, durch die Märkte geschlossen
und die Schaffung weiterer Arbeitsplätze verhindert werden.
Was nun meine Gespräche über Handelsfragen
mit
Premierminister
Nakasone angeht, so sind die Nachrichten positiver.
ich habe schon
betont, daß wir gegen Protektionismus
und für freien Handel sind, aber es
gibt dabei noch eine andere Seite.
Freier Handel bedeutet auch fairen Handel.
Und das heißt, daß es
anderen Staaten nicht gestattet wird,
unsere
Handelspolitik
ihrerseits
durch die Errichtung von Handelsschranken auszunutzen.
Ich habe kürzlich höhere Zölle
für die Einfuhr bestimmter japanischer Produkte verhängt und damit auf
die Unfähigkeit Japans reagiert, unsere Vereinbarung über den Handel mit
Halbleitern » durchzusetzen.
Dieses
Vorgehen sowie unsere gesamten Handelsbeziehungen mit Japan waren eines
der
Themen,
die
Premierminister

ich ausführlich

bespro-

Wir sind uns in der Ablehnung
protektionistischer
Maßnahmen
auf
beiden Seiten des Pazifiks einig.
Ich
habe
meiner
Hoffnung
darüber
deutlich Ausdruck verliehen, daß unsere fortdauernde Überprüfung von Daten im Hinblick auf das Halbleiterabkommen Beweise für dessen Befolgung
erbringen und es uns gestatten wird,
die unlängst gegen japanische Produkte verhängten
Beschränkungen
einer
Revision zu unterziehen.
Der Premierminister brachte erneut das Engagement seiner Regierung
für die Erfüllung unserer Handelsvereinbarungen
und die
Zusammenarbeit
für den freien Handel im Pazifik und
in der ganzen Welt zum Ausdruck.
Premierminister Nakasone stimmte
überdies einer Ankurbelung der japanischen Wirtschaft zu, wodurch die
Nachfrage nach amerikanischen Produkten in Japan zunehmen sollte.
Ich möchte mich nun einer anderen, in dieser Woche behandelten Frage zuwenden, einer Frage, die den
Handel, den Haushalt und übermäßige
Ausgaben betrifft.
Unser Handelsdefizit spiegelt die
Tatsache wider, daß unser Land mehr
ausgibt als es einnimmt, und der
Schlüssel
zu diesem Problem liegt
darin, die Defizite der Bundesregierung unter Kontrolle zu bringen.
Vor zwei Jahren haben wir einen
bedeutenden Schritt in diese Richtung
unternommen, als
der
Kongreß
dem
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
zustimmte, durch das nach und nach die Defizite reduziert und schließlich ein
ausgewogener Haushalt erzielt werden.

- 2 -

�Im Gegensatz zum Problem des Handels waren jedoch die Entwicklungen
dieser Woche an dieser Front nicht
ermutigend.
Zum Beispiel verabschiedete der Senat gewisse Verfahrensweisen, die eine Überschreitung der Ausgabenziele von Gramm-Rudman-Hollings
wesentlich leichter machen, von Zielen, die erst vor 17 Wochen vereinbart wurden.
Ihre unmittelbare
Reaktion
ist
die gleiche wie meine: Es ist doch
immer wieder dasselbe.
Der Kongreß verabschiedet weiter
Gesetze mit immer höheren Ausgaben
und ignoriert dabei fortwährend seine
Versprechungen an das amerikanische
Volk nach Gramm-Rudman-Hollings - das
Versprechen, aufzuhören, einen Mischmasch an überzogenen Ausgabengesetzen
zu verabschieden und stattdessen mit
einem umfassenden Haushalt aufzuwarten, der die Defizite unter Kontrolle
bekommt.
Wie ich schon immer gesagt habe,
besteht das Problem im Haushaltsverfahren des Kongresses selbst.
Der
Kongreß weigert sich schlichtweg, irgendeine
Haushaltsdisziplin
auszuüben. Aus diesem Grunde ist es unerläßlich, dem Präsidenten die Befugnis
zu verleihen, zu intervenieren und
der Verschwendung ein Ende zu machen.

schrieben würde.
Wenn der Kongreß
sich nicht selbst zur Disziplin anhalten kann, dann muß das amerikanische Volk nein sagen.
Glauben sie mir, die Ereignisse
der vergangenen Woche haben mir wieder gezeigt, wie wichtig diese beiden
Initiativen sind.
Das sind also die Neuigkeiten
dieser Woche.
Lassen Sie mich noch
einen Augenblick über die nächste Woche
und
einen
weiteren
wichtigen
Punkt unserer Tagesordnung, das Drogenproblem, sprechen.
Wir werden eine Konferenz im Weißen Haus für ein drogenfreies Amerika
ankündigen.
Dadurch wird uns die
Chance eröffnet werden, die bis jetzt
auf diesem Kreuzzug erreichten Fortschritte zu prüfen und danach eine
Plan für die Zukunft zu entwerfen.
Und das sind gute Neuigkeiten.
Bis nächste Woche, danke fürs Zuhören und Gott schütze Sie.

Um dies zu erreichen, benötige
ich dasselbe Instrument, das den Gouverneuren von 43 Staaten zur Verfügung steht: ein selektives Veto, ein
Instrument, um bei diesen massiven
Ausgabengesetzen
des Kongresses zu
intervenieren
und
verschwenderische
Haushaltsposten auszumerzen.
Und natürlich beweist der Kongreß
ebenfalls, daß wir wirklich eine Verfassungsänderung benötigen, durch die
ein
ausgewogener
Haushalt
vorge- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

^r,oN^

6. Mai 1987

17
REAGAN:

RÜSTUNGSKONTROLLABKOMMEN IN REICHWEITE

- Erklärung zu den START-Verhandlungen WASHINGTON - (AD) - Einen Tag vor der Eröffnung der achten Runde der Genfer Verhandlungen über die Reduzierung strategischer Waffen (START) veröffentlichte Präsident Reagan am 4. Mai 1987 eine Stellungnahme, in der er erklärte,
die Vereinigten Staaten blieben "der Erlangung einschneidender, beiderseitig
verifizierbarer und stabilisierender Reduzierungen in den nuklearen Arsenalen
der Vereinigten Staten und der Sowjetunion voll und ganz verpflichtet". Reagan
bemerkte weiterhin, er sei "fest davon überzeugt, daß ein Abkommen über die
Reduzierung strategischer Waffen sogar noch in diesem Jahr in Reichweite ist,
wenn die Sowjets bereit sind, die verbliebenen noch ausstehenden Probleme zu
lösen".
Nachfolgend drucken wir den Text der Erklärung im Wortlaut:

Seit Anbeginn meiner Regierungszeit bestand das allererste Ziel im
Bereich der Rüstungskontrolle in der
Erlangung bedeutsamer und verifizierbarer Reduzierungen nuklearer Offensivwaffen - besonders der am meisten
destabilisierenden
schnellfliegenden
ballistischen Raketen.
Ich habe unseren amerikanischen
Unterhändler
bei START angewiesen,
die Bemühungen zur Erlangung eines
Abkommens zum Abbau strategischer Offensivwaffen um 50 Prozent zu intensivieren.
Im Hinblick darauf werden

United States Information Service
Embassy of the United States of America

die Vereinigten Staaten in Kürze bei
START den Entwurf für einen Vertragstext vorlegen. Dieser Text wird die
grundlegenden
Übereinkünfte
widerspiegeln, die Generalsekretär Gorbatschow und ich bei unserem Zusammentreffen in Reykjavik im vergangenen Oktober erzielt haben.
Er wird
auch auf von sowjetischer Seite nach
Reykjavik
vorgebrachte Anliegen
in
Betracht
ziehen
und
eine
breite
Grundlage
für die Schaffung eines
fairen und dauerhaften START-Abkommen
liefern.

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�sieben Jahre nach Inkrafttreten
eines START-Abkommens.

Morgen wird in Genf die achte
Runde unserer Verhandlungen mit der
Sowjetunion
über
eine
Reduzierung
strategischer Waffen und zu Fragen
der strategischen Verteidigung eröffnet.
Zusammen mit den am 23. April
wiederaufgenommenen
Verhandlungen
über
nukleare
Mittelstreckenwaffen
finden jetzt auf allen drei Ebenen
der
Verhandlungen
über
Kern- und
Weltraumwaffen Gespräche statt.
Wir haben bei START erhebliche
Fortschritte erzielt.
Ich bin fest
davon überzeugt, daß ein START-Abkommen sogar noch in diesem Jahr in
Reichweite ist, wenn die Sowjets bereit sind, die noch ausstehenden Probleme zu lösen. Das wichtigste dieser Probleme betrifft die Notwendigkeit, zum Zweck der Sicherung strategischer Stabilität bei Gefechtsköpfen
auf ballistischen Raketen Untergrenzen festzusetzen.
Wir werden ebenfalls Bewegung in
den Bereich der Verteidigung im Weltraum
bringen.
Unsere Unterhändler
kehren mit der Bereitschaft nach Genf
zurück, einen neuen
amerikanischen
Vorschlag auf den Verhandlungstisch
zu legen, den Außenminister Shultz
bei seinen Treffen in Moskau besprochen hat. Dieser neue Vorschlag umfaßt folgende Bestandteile:
- Sowohl die Vereinigten
Staaten
als auch die Sowjetunion verpflichten sich, bis zum Jahr 1994
nicht vom ABM-Vertrag zurückzutreten.
- Diese Verpflichtung würde von der
Anwendung der im Rahmen von START
verhandelten Reduzierungen abhängen, d.h. von einer SOprozentigen
Verringerung auf gleiche Niveaus
von 1 600 nuklearen Trägersystemen und 6 000 Gefechtsköpfen, mit
angemessenen
Untergrenzen
über

- Das Abkommen würde nicht die souveränen Rechte der Parteien nach
internationalem
Gewohnheitsrecht
verletzen, sich im Falle einer
erheblichen Verletzung des Abkommens oder bei Gefährdung ihrer
wichtigsten Interessen davon zurückzuziehen.
- Nach 1994 könnte jede Seite Verteidigungssysteme
nach
eigener
Wahl
stationieren,
wenn
dazu
nicht auf beiden Seiten anderslautende Vereinbarungen getroffen
werden.
Um auf beiden Seiten Vertrauen zu
schaffen, indem wir im Bereich der
strategischen Verteidigung
die Berechenbarkeit weiter verbessern und
als Reaktion auf vorgebrachte Besorgnisse der Sowjets schlagen wir weiterhin vor, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion jährlich Zahlenmaterial über ihre geplanten Aktivitäten austauschen.
Wir versuchen
ferner, für die Vereinigten Staaten
und
die Sowjetunion
wechselseitige
Informationsgespräche über ihre jeweiligen Bemühungen im Bereich der
strategischen Verteidigung und Besuche von damit in Zusammenhang stehenden Forschungseinrichtungen zu vereinbaren, wie wir dies auch bereits
mit unserer Initiative der offenen
Labors getan haben.
Darüber hinaus
haben wir Vorschläge zur Vereinbarung
beiderseitig anerkannter Verfahrensweisen für die gegenseitige Beobachtung der Tests von strategischen Verteidigungssystemen unterbreitet.
Seit der Eröffnung der Genfer
Verhandlungen über Mittelstreckenraketen (INF) gab es bei diesen Verhandlungen einige neue Entwicklungen.
Vergangene Woche unterbreiteten die

- 2 -

�Sowjets einen detaillierten INF-Vertragsentwurf, der nun zusammen mit
unserem eigenen Text auf dem Verhandlungstisch
liegt.
Wir
untersuchen
den sowjetischen Vorschlag genau und
bitten die Sowjets um Klärung einiger
wichtiger Punkte in ihrem Text.
Der sowjetische Vorschlag scheint
die von Generalsekretär Gorbatschow
und mir in Reykjavik erzielten Übereinkünfte über Obergrenzen bei Mittelstreckenraketen längerer Reichweite (LRINF) und den Grundsatz über ein
weltweites Gleichgewicht zwischen unseren beiden Ländern bei Raketensystemen
kürzerer
Reichweite
(SRINF)
widerzuspiegeln.
Trotzdem gilt es noch wichtige
Probleme zu lösen, bevor ein INF-Abkommen abgeschlossen werden kann; dazu zählen die Verifizierung und die
SRINF. Verifizierung ist ein besonders wichtiger Problemkreis.
Obwohl
der sowjetische Entwurf darauf hindeutet, daß sie sich darum bemühen,
in einigen grundlegenden Bereichen,
die zur wirksamen Verifizierung erforderlich sind, ein Abkommen herbeizuführen, müssen sie jedoch noch die
wichtigsten
Einzelheiten
mitteilen,
die zur Erarbeitung eines wirksamen
Systems der Verifizierung erforderlich sind.
Darüber hinaus sind sie
unseren
Bedingungen
zur
Inspektion
von Testgeländen nicht nachgekommen,
auf denen wir Verletzungen des INFAbkommens vermuteten.
Ein anderer
wichtiger
Problemkreis
betrifft
Kurzstreckensysteme.
Wir und unsere Verbündeten bestehen
auch weiterhin darauf, daß ein Abkommen zu diesen Systemen bilateraler
Art, dabei dem Umfang nach weltweit
gültig, im Einklang mit einem ersten
INF-Vertrag und wirksam verifizierbar
sein muß.
Darüber hinaus sind sowjetische Anstrengungen, Raketen an-

derer
Länder
als
der
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion mit zu
berücksichtigen, offensichtlich nicht
akzeptabel. Wir setzen unsere engen
Konsultationen mit unseren Verbündeten in Europa und Asien über SRINF
und andere INF betreffende Fragen
fort.
Unsere Genfer Unterhändler - angeführt
von
den
Botschaftern
Max
Kampelman,
Mike
Glitman
und
Ron
Lehman - haben ausgezeichnete Arbeit
geleistet und noch viel zu tun. Wir
sind zu harten Verhandlungen bereit
und entschlossen, unseren Teil dazu
beizutragen, um - zum ersten Mal in
der Geschichte - wirkliche Reduzierungen bei Nuklearwaffen herbeizuführen.
Es ist jetzt an den Sowjets,
Entschlossenheit zu demonstrieren und
Bewegung in diese wichtigen Fragen zu
bringen.
Trotz all der in Genf erzielten
Fortschritte gibt es Ereignisse hier
im Inland, die das von uns so sorgfältig
gelegte Fundament
zerstören
könnten, das die Sowjets an den Verhandlungstisch zurückgeführt und sie
dazu bewogen hat, zum ersten Mal
ernsthaft über unsere jeweiligen nuklearen Arsenale zu verhandeln. Von
einigen Mitgliedern des Repräsentantenhauses wurden Anstrengungen unternommen, dem Verteidigungshaushalt Zusätze über Rüstungskontrolle beizufügen, die unseren Unterhändlern den
Boden unter den Füßen wegziehen und
unsere lebensfähigsten Verteidigungsprogramme untergraben würden - wie
etwa
unsere Strategische Verteidigungsinitiative.
Und jetzt sieht es
so aus, als ob einige Senatoren die
gleiche Richtung einschlagen wollten.
Damit keine Mißverständnisse aufkommen:
Ich werde mein Veto gegen
jedes Gesetz einlegen, das unsere Fähigkeit beschneidet, uns zu verteidi-

- 3 -

�gen und es den Sowjets freistellt,
ihre militärische Aufrüstung fortzuführen.
Die Vereinigten Staaten bleiben
der
Erlangung von einschneidenden,
beiderseitig verifizierbaren und stabilisierenden
Reduzierungen
in den
nuklearen Arsenalen der Vereinigten
Staten und der Sowjetunion voll und
ganz verpflichtet.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

"V,ow *

6. Mai 1987

17

MASSNAHMEN DER BUNDESBANK ZUR EINSCHRÄNKUNG DER GELDMENGE BESTÄTIGT
- Kommentare des Bundesbankpräsidenten Paul Volcker -

WASHINGTON - (AD) Der Präsident der amerikanischen Bundesbank, Paul
Volcker, hat bei einer Anhörung vor einem Unterausschuß für das Bankwesen im
Repräsentantenhaus am 30. April 1987 bestätigt, daß die amerikanische Bundesbank in den letzten Tagen die Geldmenge verringert hat, damit die Zinssätze
anziehen und um den Dollar zu stützen.

"Wir waren etwas vorsichtiger damit, ... dem Markt Reserven zur Verfügung zu stellen" und haben eine
"weniger entgegenkommende Politik angewandt, die teilweise die Dollarschwäche widerspiegelt", so Volcker.
Ihm zufolge kann diese Politik als
eine "sachte und solide Methode" bezeichnet werden.
Volcker fügte hinzu, daß gleichzeitig mit der Verringerung der Geldmenge durch die amerikanische Zentralbank es "ganz und gar vernünftig
wäre, wenn im Ausland ergänzende Maß-

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Embassy of the United States of America

nahmen in umgekehrtem Sinne getroffen
würden", besonders in Japan.
Angesichts dieser von Volcker abgebenen Stellungnahme berichteten Beamte des Weißen Hauses, der japanische Premierminister
Nakasone habe
Präsident Reagan zu Beginn der zwei
Tage dauernden Gespräche in Washington erklärt, sein Land unternehme genau diese Schritte: er sagte, er habe japanische Banken angewiesen, ihre
kurzfristigen Zinssätze herabzusetzen.
In

einer

Pause

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der Anhörung be-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�tonte Volcker
Reportern gegenüber,
die Maßnahmen der Bundesbank "seien
im Hinblick auf eine Korrektur der
Politik sehr beschränkt". Das Eingeständnis einer Verschiebung in der
Politik
ist
ungewöhnlich.
Solche
Maßnahmen werden in der Regel nicht
eher bestätigt, als bis sie vollständig durchgeführt worden sind.
Volcker
bemerkte, er habe die
Haltung der Bundesbank erwähnt, weil
"ich jegliche Verwirrung aus dem Weg
räumen möchte, die darüber eventuell
bestehen könnte".
Er bemerkte zur
herrschenden inflationären Marktpsychologie, "es sei gut für die Zinssätze, sie niedriger zu halten als
sie sonst sein würden" um zu vermitteln, "daß sich jemand um das Geschäft kümmert".
Der Bundesbankpräsident erwähnte
einige Faktoren, die zu dem beitragen, was er "psychologische Empfindsamkeit"
der
Finanzmärkte
nannte.
Dazu zählt, so Volcker, auch die gegenwärtige Debatte im Repräsentantenhaus über Vorschläge zu schärferer
Handelsgesetzgebung.
Die Besorgnis über die langsamen
Fortschritte der Regierung bei der
Bewältigung
des schwer
defizitären
Bundeshaushalts sei ein weiterer Faktor.
"Die Zeit ist gekommen, um bei
diesen ewig währenden Haushaltsüberlegungen
energisch vorzugehen", so
der Bundesbankpräsident.
"Was diese
Märkte wirklich brauchen, ... sind
Maßnahmen beim Haushalt und das Vertrauen darauf, daß diese Maßnahmen
auch durchgeführt werden.
Das gibt
es einfach nicht".
Auf die Frage eines Reporters, ob
der jüngste Rückgang des Dollars die
Anpassung "absolut und grundsätzlich"
weit genug vorangetrieben habe, antwortete Volcker, "absolut und grund-

sätzlich, so wahr ich hier stehe".
Auf die Frage, ob Beamte der
Zentralbank immer noch an bisherigen
Prognosen festhielten, daß die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr
Zuwachsraten von etwa 2,5 bis 3 Prozent
verzeichnen
werde,
erwiderte
Volcker, "Ich glaube nicht, daß irgendetwas geschehen ist, das einen
bedeutenden
Wandel
herbeiführen
wird", zumindest nicht in dieser Hinsicht.
Den angekündigten Schwerpunkt der
Anhörung des Unterausschusses bildeten Fortschritte der amerikanischen
und britischen Bankenaufsicht bei der
Errichtung eines gemeinsamen Systems
von Anforderungen im Hinblick auf Risikokapital
bei Institutionen, die
ihrer Aufsicht unterstehen.
Volcker
bemerkte,
diese
Aufsichtsbeamten
sollten
in der Lage
sein, bis zu diesem Sommer ein System
anzuwenden, das "einen Rahmen zur erheblichen Stärkung unserer gegenwärtigen Aufsichtsverfahren, um zu beurteilen, ob das Kapital ausreicht"
bilde. Das System würde weitere besondere Anforderungen ergänzen, die
bereits im Inland Anwendung finden
und die von den Banken verlangen, ein
Kapital zu halten, das bestimmten
Prozentsätzen
ihrer
Vermögenswerte
entspricht.
Volcker berichtete dem Ausschuß
von seinen Hoffnungen, daß Japan und
andere Länder gemeinsam mit den vereinigten Staaten und Großbritannien
später an einem Ansatz auf internationaler Ebene arbeiten werden. "Die
Globalisierung der Märkte hat zu einem erheblichen Anstieg des internationalen Wettbewerbs geführt und zu
einem Bewußtsein, daß Unterschiede im
Führungsstil der überwachenden Stellen rund um die Welt zu Verzerrungen

- 2 -

�im Wettbewerb führen können" und fügte hinzu, daß "die Gefahr in einem
internationalen Wettbewerb der Nachlässigkeit besteht".

* * * * * *
3 -

�AMERIKA DIENST
^

^

c&amp;

Wissenschaft und Technik

6. Mai 1987

17
INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT LEBENSNOTWENDIG
- Die wichtigste Lehre aus Tschernobyl -

WASHINGTON - (AD) - Was die "lebensnotwendige Zusammenarbeit" unter den
Nationen bedeutet, wie sie in der Schlußakte von Helsinki vorgesehen ist, werde durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 demonstriert.
Zum ersten Jahrestag jenes Ereignisses wiesen Mitglieder der USKommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), Steny Hoyer und
Dennis DeConcini (als Vertreter des Repräsentantenhauses und des Senats des
US-Kongresses) auf die engen Zusammenhänge zwischen Umweltproblemen und anderen, im Helsinki-Abkommen angesprochenen Fragen hin, zu denen auch der freie
Informationsaustausch und die Ausweitung menschlicher Kontakte gehörten.
Die Erklärung der Kommissionsmitglieder hat folgenden Wortlaut:
"Der 26. April ist der erste Jahrestag des Nuklearunfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Sowjetunion. Dieses Ereignis demonstriert,
wie andere in den letzten Jahren
auch, die große Bedeutung von Zusammenarbeit zwischen den Nationen, wie
sie in der Schlußakte von Helsinki
vorgesehen ist. Dazu gehört auch das
Niederreißen der Mauern von Geheimhaltung, die zwischen ihnen bestehen,
damit wir für unsere Bevölkerung und
unsere Umwelt das Höchstmaß an Schutz
gewährleisten können. Es macht mehr
als alles andere zuvor klar, welch
enger
Zusammenhang
zwischen Umwelt

United States Information Service
Embassy of the United States of America

und anderen Helsinki-Fragen, etwa dem
freien Fluß von Informationen und der
Ausweitung menschlicher Kontakte, besteht.
Wir ehren jene, die bei der Bekämpfung der Brände im Werk Tschernobyl ihr Leben riskierten und von
denen manche es auch verloren.
Sie
handelten in vieler Hinsicht wahrlich
heldenhaft. Den Angehörigen der Menschen, die als Folge des Unfalls ihr
Leben verloren, gilt unser tiefstes
Mitgefühl.

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�Wir geben unserer Sorge um die
Tausende Ausdruck, die in den durch
Tschernobyl
am meisten
betroffenen
Gebieten lebten und arbeiteten. Die
Ängste und Schwierigkeiten, denen sie
sich im vergangenen Jahr ausgesetzt
sahen, waren in der Tat gewaltig.
Wir teilen auch die Enttäuschung derjenigen, die - ohne Erfolg - versuchten, Kontakte zu knüpfen, Care-Pakete
zu schicken oder auf andere Weise ihren in den betroffenen Gebieten lebenden Verwandten und Freunden zu
helfen.
Schließlich hoffen wir, daß unsere Anstrengungen im Rahmen des Helsinki-Prozesses, auch der Wiener-Folgekonferenz, zu einer Welt führen mögen, in der sich menschliche Tragödien wie diejenigen, die aus dem Unfall von Tschernobyl erwuchsen, nicht
wiederholen."
In einem Artikel vom 23. April
1987 auf der Titelseite der Zeitung
"The Washington Times" befaßte sich
Martin Sieff mit den Auswirkungen des
Unfalls auf Europa.
"In Osteuropa
verstärkte das Unglück vom 26.April
1986 die wachsenden Spannungen zwischen Moskau und seinen Satelliten im
COMECON, die schon durch die sowjetischen Maßnahmen zur Anhebung der ölpreise über das Niveau der Weltmarktpreise
belastet
waren",
schreibt
Sieff. "Die Westeuropäer waren total
verärgert,
daß
das
Unglück
von
Tschernobyl nicht rechtzeitig gemeldet worden war, um Maßnahmen zum
Schutz gegen Strahlenverseuchung von
landwirtschaftlichen
Produkten
und
Vieh ergreifen zu können.
Das anfängliche Schweigen des Kreml wurde
als Beweis gewertet, daß die 'Glasnost'-Politik von Michael Gorbatschow
eindeutige Grenzen hat.

von

Tiere, Gemüse und Milch im Wert
Millionen Dollar auf dem ganzen

Kontinent wurden vernichtet. Die Europäische Gemeinschaft verhängte für
Frischnahrungsmittel aus dem COMECONBlock einen zeitweiligen Einfuhrstop,
der die Satelliten Moskaus schätzungsweise 975 Millionen Dollar kostete.
In Polen, das von der radioaktiven Wolke am stärksten betroffen war,
gab die Untergrundorganisation
KOS
bekannt, daß die Radioaktivität im
Zentrum von Warschau um das 150fache
über der normalen Hintergrundstrahlung lag. In Nordskandinavien mußten
die Lappen unzählige Rentiere wegen
Strahlenverseuchung schlachten und so
wahrscheinlich für Generationen ihre
Lebensgrundlage vernichten.
Und in
einigen Teilen Bayerns war der radioaktive Niederschlag 30 bis 40 mal höher als bei allen vorangegangenen
Kernwaffentests. Sogar im englischen
Lake-Distrikt wurde das Hundertfache
des krebsverursachenden Radioisotops
Cäsium-137 gegenüber dem Normalwert
gemessen.
Dem Unfall folgte im November eine enorme Vergiftung des Rheins mit
Chemikalien.
Die beiden Ereignisse
verhalfen der Partei der Grünen in
der Bundesrepublik bei den Wahlen im
Januar zu dem eindrucksvollen Ergebnis von acht Prozent. Dies wiederum
veranlaßte die größte Oppositionspartei, die SPD, sich stärker nach links
zu orientieren - damit wurde ironischerweise die sowjetische Kampagne, Europa zu neutralisieren und der
Nuklearverteidigung der NATO die Zähne zu zeigen, noch verstärkt. Ebenso
gewannen in Österreich die Grünen im
November ihre ersten Sitze im Parlament. ..
Das von Soziologen so bezeichnete
'Tschernobyl-Syndrom' wirkt sich so
aus, daß in der Öffentlichkeit jeder
nukleare Unfall weithin
Bestürzung

- 2 -

�und fingste auslöst.
Verlautbarungen
der Regierungen, in denen die Gesundheitsbedrohungen überhaupt nicht angesprochen oder heruntergespielt werden, begegnet man mit Skepsis... In
Belgien mußte beispielsweise die Regierung auf Verlangen der Niederlande
Reaktoren eines Kraftwerks nahe der
holländischen Grenze abschalten, weil
die
Mehrzahl
der
Arbeiterschaft
streikte.
Die Regierung der Niederlande bezweifelte die Behauptung des
Nachbarlandes und engen Verbündeten,
daß die Sicherheit der Anlage von den
Auseinandersetzungen nicht betroffen
sei - eine Entwicklung, die zeigte,
daß Tschernobyl der erste Nuklearunfall mit Auswirkungen auf andere Länder war.

Nuklearprogramm ein größerer Unfall
ereignen, brächte dies umgehend Stimmen für die Labor-Partei.
Obgleich Tschernobyl die Europäer
erschauern ließ, hat die Verwendung
von Kernenergie auf dem Kontinent sogar zugenommen.
EUROSTAT, das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaft, berichtet, daß die Produktion von Kernenergie im vergangenen Jahr um 8,6 Prozent angestiegen
sei.
Führend auf diesem Gebiet ist
Frankreich, das nach der Ölkrise von
1973 den Bau von Kernkraftwerken forcierte.
Gegenwärtig
liefern
diese
dem Land 70 Prozent des elektischen
Stromes."

Das westdeutsche Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' warf der IAEO vor,
250 Geheimberichte über schwerere Unfälle und Pannen in Kernreaktoren in
den Mitgliedstaaten zurückzuhalten...
Am 17. April erklärte die IAEO, seit
1983, als zur Verbesserung der nuklearen Sicherheit ein Meldesystem für
Störfälle
eingerichtet worden war,
etwa 260 Berichte über Störfälle erhalten zu haben.
In
Großbritannien
erregte
das
Syndrom Ängste wegen der kontroversen
nuklearen
Wiederaufbereitungsanlage
von Sellafield, dem früheren Windscale bei Cumbria.
Bis Tschernobyl
stand es in dem Ruf, die gefährlichste und am schlechtesten betriebenen
zivile Nuklearanlage
der
Welt
zu
sein. Im vergangenen Jahr hieß es in
einem
britischen
Parlamentsbericht,
daß
infolge
ständiger
Lecks
von
Sellafield die Irische See zu dem am
stärksten radioaktiv verseuchten Meer
der Erde geworden sei... Die oppositionelle
Labor-Partei
verpflichtete
sich, Großbritannien als Nuklearmacht
auszuschalten. Sollte sich in Sellafield oder andernorts im britischen
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan verspricht Unterstützung von Verhandlungen in Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Zeitungsverleger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan kritisiert Handelsgesetze des Kongresses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunkansprache des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Rüstungskontrollabkommen in Reichweite&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zu den START-Verhandlungen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maßnahmen der Bundesbank zur Einschränkung der Geldmenge bestätigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kommentare des Bundesbankpräsidenten Paul Volcker -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Zusammenarbeit lebensnotwendig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die wichtigste Lehre aus Tschernobyl -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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