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                    <text>T

nfoimcilion
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Januar 1982
INHALT
DOKUMENTATION
Erklärung Ronald Reagans bei der Verabschiedung von
Bundeskanzler Schmidt
Ronald Reagan: Der Friede bleibt unser Ziel
- Neujahrsbotschaft des US-Präsidenten an die Welt Präsident Reagan: Die Sowjets sind für die Unterdrückung
in Polen verantwortlich
- Erklärung über Maßnahmen gegen die Sowjetunion Walter Stoessel erläutert Lage in Polen
- Interview mit europäischen Journalisten HINTERGRUNDMATERIAL
William P. Clark: Der neue Sicherheitsberater Reagans
Die Vereinigten Staaten kämpfen gegen chemische Kriegführung
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuartige Palladium-Katalysatoren
- Spezielle Verbindungen auch für Krebstherapie von Interesse
Von G. Weiss
Naturrätsel am Planeten Saturn
- Kondensation kleiner Materieteile in Randbändern der Ringe •

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Januar 1982

ERKLÄRUNG RONALD REAGANS BEI DER VERABSCHIEDUNG VON BUNDESKANZLER SCHMIDT
- Reagan und Schmidt besprechen die westlichen
Maßnahmen zur polnischen Krise -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Reagan stellte am 5. Januar 1981 nach Beendigung seiner Gespräche mit Bundeskanzler Schmidt im Weißen Haus fest, daß
er seinem Gast gegenüber seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht habe, daß
"jetzt eine greifbare Reaktion des Bündnisses auf die polnische Krise erfolgen muß". Beide Staatsmänner hätten "die Notwendigkeit eindringlicher westlicher Maßnahmen" besprochen, um die polnischen und sowjetischen Behörden
dazu zu bewegen, das Kriegsrecht aufzuheben.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Bundeskanzler Schmidt und ich haben gerade wieder eines unserer Treffen
in einem kritischen Augenblick der Weltpolitik beendet. Natürlich stand im
Mittelpunkt unserer Überlegungen Polen und die Verhängung des Kriegsrechts
über diesem unglücklichen Land.
Wir besprachen

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�Wir besprachen eingehend das Ausmaß sowjetischer Beteiligung an der
gegen das polnische Volk gerichteten Unterdrückung sowie die Notwendigkeit
eindringlicher westlicher Maßnahmen, um die polnischen und sowjetischen Behörden dazu zu bewegen, das Kriegsrecht aufzuheben, all jene freizulassen,
die verhaftet wurden und die Wiederaufnahme eines nationalen Dialogs zu ermöglichen, der zu einer echten Reform führt.
In diesem Zusammenhang ging ich noch einmal mit dem Bundeskanzler die
Reihe von Maßnahmen durch, die ich in meiner Weihnachtsbotschaft und am 29.
Dezember angekündigt hatte. Ich unterstrich meine Überzeugung, daß jetzt eine
greifbare Reaktion des Bündnisses auf die polnische Krise erfolgen muß.Sollte
es uns nicht gelingen, darauf zu beharren, daß die Sowjetunion ihren direkten
und indirekten Druck auf Polen aufgibt, so könnten sich daraus die ernstesten Folgen für die internationalen Beziehungen ergeben.
Unsere heutigen Gespräche deckten ein weites Feld von Themen der Wirtschaft und der Sicherheitspolitik ab. So besprachen wir zum Beispiel die Bedeutung der Verhandlungen über Kernwaffen mittlerer Reichweite in Genf, die
am 30. November begonnen haben, und brachten unsere Hoffnung zum Ausdruck,
daß die Sowjetunion sterile Propaganda vermeidet und konstruktiv auf unsere
Vorschläge einer Null-Lösung für echte Verminderung bei den Kernwaffen
reagiert.
Weitere internationale Fragen unserer Tagesordnung umfaßten die Aussichten für Gespräche über die Verminderung der strategischen Rüstung - die wir
START nennen; außerdem die Lage in Mittelamerika, im Nahen und Mittleren
Osten und im südlichen Afrika sowie der Stand des KSZE-Prozesses im Lichte
der polnischen Krise.
Wir bekräftigen erneut unsere Besorgnis, die wir beide angesichts der
fortdauernden sowjetischen Besetzung Afghanistans hegen sowie unsere Unterstützung für Initiativen des Europaparlamentes

und des Kongresses der Ver-

einigten Staaten, den 21. März zu einem Afghanistan-Tag zu erklären.
Was die
- 2 -

�Was die Vereinigten Staaten angeht, so veröffentlichen sie heute durch
das US-Amt für Internationale Kommunikation (USICA) im Ausland eine Broschüre,
die in beredten Worten die menschliche Seite des Kampfes der Afghanen gegen
die sowjetischen Besatzungsstreitkräfte dokumentiert. Ich habe persönlich
Bundeskanzler Schmidt ein Exemplar überreicht.
Vor allem aber waren wir uns hinsichtlich der Bedeutung der amerikanischdeutschen Partnerschaft und der Notwendigkeit weiterer enger Konsultationen
einig. Wir hoffen, diese Kontakte zu erweitern und zu vertiefen. Wir machen
zudem der öffentlichen Meinung in beiden Ländern, vor allem der jüngeren
Generation, die Verantwortung deutlich, die wir alle bei der Aufrechterhaltung unserer Freundschaft und unserer Verpflichtung gegenüber jenem Instrument teilen, das den Frieden über 30 Jahre lang bewahrt hat - das Nordatlantische Bündnis.
Herr Bundeskanzler Schmidt, auf Wiedersehen.

- 3 -

�6. Januar 1982

RONALD REAGAN: DER FRIEDE BLEIBT UNSER ZIEL
- Neujahrsbotschaft des US-Präsidenten an die Welt

WASHINGTON - (AD) - In einer Neujahrsbotschaft wandte sich Präsident Ronald Reagan

am 31. Dezember 1981 an die Welt und brachte darin

seine Hoffnung zum Ausdruck, daß der Frieden bewahrt und Freiheit für alle
Menschen ermöglicht werde.
Die Botschaft hat folgenden Wortlaut: •
Es ist mir eine große Ehre, Ihnen allen im Namen des amerikanischen
Volkes die besten Wünsche für ein glückliches neues Jahr zu übermitteln.
Wir blicken auf das kommende Jahr als eine Zeit großer Möglichkeiten. Wir
hoffen und beten, daß guter Wille und Rechtschaffenheit die Oberhand behalten mögen und daß die Menschheit es ein wenig besser haben wird aufgrund
der Dinge, die wir als einzelne und als Nation im vor uns liegenden Jahr
tun werden.
In den

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�In den Vereinigten Staaten war das vergangene Jahr eine Zeit erneuerter Hingabe an die grundlegenden wirtschaftlichen und politischen Konzeptionen Amerikas, genau so, wie dies das Volk durch die Wahlen des Jahres
1980 zum Auftrag machte. Nach einer Periode zunehmender Macht der Regierung entschied das amerikanische Volk, daß es an der Zeit sei, von staatlicher Kontrolle und Reglementierung loszukommen und auf etwas zuzusteuern,
das mehr in Einklang mit unserem Glauben an die Freiheit steht - die Freiheit aller und jedes einzelnen.
Die Vereinigten Staaten waren in diesen vergangenen zwölf Monaten mit
Frieden gesegnet - und Frieden bleibt unser Ziel. Unsere militärische Stärke ist diesem edlen Ziel gewidmet. In Übereinstimmung hiermit schlug ich am
18. November im Namen des amerikanischen Volkes der Sowjetunion eine Beseitigung jener Kernwaffen vor, die Europa bedrohen. In den kommenden Monaten
werden die Verhandlungen zwischen unseren beiden Staaten diese Anstrengung
fortführen. Die Vereinigten Staaten haben einen Plan zur Entfernung aller
landgestützten Atomraketen mittlerer Reichweite auf dem europäischen Kontinent vorgelegt. Wir fordern die Sowjetunion auf, sich uns dabei anzuschließen, dieses Ziel zu erreichen.
Es macht uns keine Freude, unsere Mittel zur Herstellung von Kriegsgerät zu verwenden. Während der vergangenen zehn Jahre verringerten die Vereinigten Staaten den Umfang ihrer Streitkräfte und senkten ihre Militärausgaben. Leider wurde diese Geste mit einer massiven Aufrüstung der sowjetischen Streitkräfte beantwortet. Hoffen wir, daß die derzeitige Möglichkeit
für Rüstungsverminderung nicht vertan wird. Die Sowjetunion sollte einsehen,
daß ihre Mittel besser dafür eingesetzt würden, die Bedürfnisse ihres Volkes
zu befriedigen als Vernichtungsinstrumente zu produzieren.
1981 peinigte auch weiterhin sinnlose Gewalt die Welt. In Ägypten wurde
ein großer Mann, ein Mann des Friedens, ermordet. Ein Anschlag wurde auf das
Leben von Papst Johannes Paul verübt, wodurch die Welt fast dieses aufrichtigen Gottesmannes beraubt wurde. Auch ich hatte die Gelegenheit zu erkennen,

- 2 -

�zu erkennen, daß wir die uns bleibende Zeit nützen müssen, um jene Werte zu
fördern, die überdauern werden, wenn wir als einzelne nicht mehr sind.
Ein ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten hat einmal gesagt:
"Das höchste Ideal des amerikanischen Volkes ist der Idealismus... Amerika
ist eine Nation von Idealisten." Dies ist heute genauso richtig wie damals,
als Präsident Calvin Coolidge im Jahr 1925 diese Worte sprach.
Wir Amerikaner bleiben jenem Konzept von Freiheit verpflichtet, das unserem Volk Freiheit und Oberfluß gebracht hat. Zudem sind wir eine Nation,
die sich aus Menschen zusammensetzt, die hierher von überall in der Welt gekommen sind, Menschen aller Rassen und aller Glaubensbekenntnisse, die gelernt haben, miteinander in Frieden und Wohlstand zu leben. Vielleicht kennen auch Sie jemanden oder haben Verwandte, die jetzt hier leben. Nun,sie
sind in genau demselben Maß Amerikaner wie diejenigen, die vor zwei Jahrhunderten auf der Suche nach Freiheit hierherkamen. In einem sehr konkreten
Sinn sind alle Menschen, die sich nach Freiheit sehnen, unsere Mitbürger.
Es ist diese Liebe zur Freiheit, die uns und unsere Vorfahren in dieses
Land brachte.
•

Wegen dieses besonderen amerikanischen Wesenszuges sind unsere Herzen
bei jenen, die Unterdrückung erleiden. Im vergangenen Jahr haben wir gesehen,
wie die Arbeiter in Polen dafür kämpften, ihr Land näher zur Freiheit zu
bringen - und die dafür Blutvergießen und Unterdrückung erlebten. Wir haben
gesehen, wie das mutige Volk Afghanistans gegen gewaltige Widerstände in
dem Versuch ankämpft, ausländische Herrschaft abzuschütteln.
Während meines Lebens habe ich den Aufstieg des Faschismus und des Kommunismus gesehen. Beide politische Theorien verherrlichen die unumschränkte
Macht des Staates. Auf einige Intellektuelle übten diese Ideologien zunächst
eine gewisse Faszination aus. Aber beide haben versagt. Beide verwehren die
gottgegebenen Freiheiten, die die unveräußerlichen Rechte eines jeden Menschen

- 3 -

�Menschen auf diesem Planeten sind, und sie verneinen die Existenz Gottes.
Wegen dieses grundlegenden Fehlers ist der Faschismus bereits zerstört und
ist auch der Bankrott des Kommunismus für jedermann offenbar - eines Systems, das bei der Produktion von Kriegsmaschinerien effizient ist, aber
sein Volk nicht satt machen kann.
Wir Amerikaner beginnen dieses neue Jahr mit erneuerter Verpflichtung
gegenüber unseren Idealen und mit der Zuversicht, daß der Frieden erhalten
bleiben und letztlich Freiheit für alle Menschen herrschen wird.
Wo immer Sie deshalb auch sein mögen: Amerika wünscht Ihnen für dieses
Neue Jahr alles Gute. Und all jenen, die danach verlangen, in Freiheit zu
atmen, die sich nach einem besseren Leben sehnen, sei gesagt: Wir denken
an euch, wir beten für euch, und wir sind stets mit euch.

- 4 -

�6. Januar 1982

PRÄSIDENT REAGAN: DIE SOWJETS SIND FÜR DIE UNTERDRÜCKUNG
IN POLEN VERANTWORTLICH
- Erklärung über Maßnahmen gegen die Sowjetunion -

LOS ANGELES - (AD) - Präsident Reagan hat am 29. Dezember 1981 in
Los Angeles eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die gegen die Sowjetunion
wegen ihrer "gewaltigen und unmittelbaren Verantwortung für die Unterdrükkung in Polen" ergriffen werden sollen.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die Sowjetunion trägt eine gewaltige und unmittelbare Verantwortung
für die Unterdrückung in Polen, über viele Monate hinweg haben die Sowjets
öffentlich und insgeheim einen solchen Schlag gefordert. Durch jetzt bekanntgewordene Briefe an die polnische Führung, durch militärische Manöver
und durch andere Formen der Einschüchterung wurde von ihnen erheblicher
Druck ausgeübt. Nunmehr unterstützen sie öffentlich die erfolgte Unterdrückung.

Vorige

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�Vorige Woche habe ich erklärt, daß ich einen Brief an Präsident
Breschnew geschickt hatte, in dem ich darauf drängte, er möge die Wiederherstellung der grundlegenden Menschenrechte in Polen ermöglichen, wie dies
in der Schlußakte von Helsinki niedergelegt ist. Ich habe ihn außerdem darüber informiert, daß die Vereinigten Staaten bei anhaltender Unterdrückung
keine andere Wahl haben würden, als weitere konkrete politische und wirtschaftliche Maßnahmen zu ergreifen, die unsere Beziehungen beeinflussen.
Die Unterdrückung in Polen dauert an,und Präsident Breschnew hat auf
eine Weise geantwortet, die deutlich macht, daß die Sowjetunion nicht den
Ernst unserer Besorgnis und auch ihre Verpflichtungen nicht versteht, die
sich sowohl aus der Schlußakte von Helsinki als auch aus der Charta der
Vereinten Nationen ergeben. Ich habe daher entschieden, daß die folgenden
sofortigen Maßnahmen gegenüber der Sowjetunion ergriffen werden:
- Alle Flüge der AEROFLOT in die Vereinigten Staaten werden suspendiert.
- Die sowjetische Einkaufskommission wird geschlossen.
- Die Ausgabe oder die Erneuerung von Lizenzen für den Export von elektronischer Ausrüstung, von Computern und anderem hochtechnologischen
Gerät in die Sowjetunion wird suspendiert;
- Verhandlungen über ein neues langfristiges Getreideabkommen werden
verschoben.
- Die Verhandlungen über ein neues amerikanisch-sowjetisches Schiffahrtsabkommen werden suspendiert, und nach Ablauf des derzeitigen Abkommens über Zugangskontrolle sowjetischer Schiffe zu amerikanischen
Häfen am 31. Dezember wird eine neue Regelung in Kraft treten.
- Für die Ausfuhr in die Sowjetunion werden bei einer erweiterten Liste
von Ausrüstungsgegenständen zur ül- und Gasförderung Lizenzen erforderlich. Die Ausstellung solcher Lizenzen wird suspendiert. Hierin
eingeschlossen sind Maschinen zur Rohrverlegung. •
- Amerikanisch

�- Amerikanisch-sowjetische Austauschvereinbarungen, die demnächst zur
Erneuerung anstehen - einschließlich der Abkommen über Energie, Wissenschaft und Technologie - werden nicht erneuert. Eine umfassende
Überprüfung aller anderen amerikanisch-sowjetischen Austauschvereinbarungen wird stattfinden.
Die Vereinigten Staaten wollen ein konstruktives und wechselseitig vorteilhaftes Verhältnis zur Sowjetunion. Wir beabsichtigen, auf hoher Ebene
einen Dialog aufrechtzuerhalten. Aber wir sind bereit, in jedwede Richtung
zu gehen, für die sich die Sowjetunion entscheidet - in Richtung auf größere wechselseitige Zurückhaltung und Zusammenarbeit oder weiter auf einem
unangenehmen und weniger vorteilhaften Weg. Wir werden in den kommenden Tagen und Wochen die Ereignisse in Polen genau beobachten. Weitere Schritte
könnten notwendig sein, und ich bin bereit, sie zu unternehmen. Die amerikanischen Entscheidungen werden von den sowjetischen Maßnahmen bestimmt sein.
Außenminister Haig steht in Verbindung mit unseren Freunden und Verbündeten hinsichtlich der von uns ergriffenen Maßnahmen und hat erklärt, warum
wir der Überzeugung sind, daß solche Schritte zu diesem Zeitpunkt entscheidend sind.
Ich fordere die Sowjetunion noch einmal auf, den eindeutigen Wunsch der
überwältigenden Mehrheit des polnischen Volkes nach einem Prozeß der nationalen Versöhnung, Erneuerung und Reform anzuerkennen.

+ + + + +

- 3 -

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Januar 1982

WALTER STOESSEL ERLÄUTERT LAGE IN POLEN
Interview mit europäischen Journalisten -

WASHINGTON - (AD) - Walter Stoessel, der in Vertretung von Alexander
Haig als amerikanischer Außenminister fungierte, legte am 30. Dezember 1981
in einem Interview mit europäischen Journalisten die Haltung der Vereinigten
Staaten zu den Vorgängen in Polen dar und stellte sich anschließend den Fragen der Presse.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
Während der letzten 18 Monate waren wir Zeugen einer der außergewöhnlichsten Entwicklungen in diesem Jahrhundert. Praktisch die gesamte polnische Bevölkerung, einschließlich großer Teile der kommunistischen Partei,
nahmen an einem noch nie dagewesenen friedlichen Prozeß der Erneuerung und
Reform teil. Es war eine echte Massenbewegung.
In den vergangenen Monaten gab es sogar eine praktische Beendigung der
Streiks, während sich ein interner Konsens über die Zukunft Polens abzu-

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�Polens abzuzeichnen begann.
Aber gerade in dem Augenblick, als diese friedliche Erneuerung Frucht zu
tragen begann, wurde dem Land die schwere Hand des Polizeiterrors auferlegt einem Staat, der sich angeblich auf einer zehn Millionen starken Arbeiterbewegung gründete. Alle freien Menschen müssen sich fragen, warum dies getan
wurde - in Verletzung der Vereinbarungen der Schlußakte von Helsinki, die
von Polen und der Sowjetunion unterzeichnet wurde

-, und was wir dagegen

unternehmen.
Es gibt derzeit in dieser Welt keine wichtigere moralische Frage. Es
ist klar, daß wir mit einer polnischen Militärjunta, die diese Unterdrückung
durchführt und mit der Sowjetunion, deren monatelanger offener und heimlicher
Druck all dies zustande brachte, nicht bei der normalen Tagesordnung bleiben
können.
Im Namen der überwältigenden Mehrheit des polnischen Volkes, das derzeit
nicht für sich selbst sprechen kann, müssen wir eine Erneuerung des nationalen Dialogs zwischen der Solidarität, der Kirche und der Regierung fordern.
Es kann kein sinnvoller Dialog stattfinden, wenn diejenigen eingesperrt
sind, die für die breite Masse des polnischen Volkes sprechen. Man kann nicht
aus einer Gefängniszelle heraus verhandeln.
Die internationale Arbeitsorganisation, die ILO, darf in einem sogenannten Arbeiterstaat noch nicht einmal Arbeiter besuchen.
Die Vereinigten Staaten und der Westen haben eine moralische und politische
Verpflichtung, in dieser Situation nicht nur das Wort zu ergreifen, sondern auch
zu handeln. Daher haben die Vereinigten Staaten den Eindruck, daß sie eine
Führungsrolle übernehmen sollten, und wir hoffen, daß andere ebenfalls handeln werden. Um vor weiterer Unterdrückung abzuschrecken, muß es praktische
Konsequenzen für diejenigen geben, die sie ausüben wollen.
Wir müssen
- 2 -

�Wir müssen uns daran erinnern, daß zur Herrschaft des Bösen nur eins
nötig ist: Daß anständige Menschen daneben stehen und nichts tun. Die Vereinigten Staaten haben nicht die Absicht, nichts zu tun.
FRAGE: Herr Minister, die Maßnahmen, die Sie bisher ergriffen haben,
waren einseitige Maßnahmen. Sehen Sie hier eine Möglichkeit für einen ernsthaften Bruch im Bündnis in dem Sinne, daß Sie Führung ausüben, dann aber
nach hinten schauen und feststellen, daß niemand folgt?
ANTWORT: Ich glaube, das ist wahrscheinlich übertrieben. Wir hatten
natürlich von Anfang an sehr gute Konsultationen hinsichtlich der Lage in
Polen. Und ich glaube.es herrscht gutes Einvernehmen hinsichtlich der verschiedenen Schritte, die von den Regierungen in dieser Situation unternommen werden könnten - und die Schritte, die wir einseitig unternommen haben,
sind abgestuft und maßvoll.
Ich würde annehmen, daß wir unsere Konsultationen über diese Schritte
mit unseren Verbündeten in den kommenden Tagen noch verstärken werden und
unsere Erwartungen und Hoffnungen gehen dahin, daß sich uns andere in parallelen oder ähnlichen Aktionen anschließen - nicht notwendigerweise genau
die gleichen, die wir unternommen haben, aber Schritte, die demselben Ziel
dienen und daß auf keinen Fall Länder so handeln, daß das untergraben wird,
was wir getan haben.
FRAGE: Wenn ich noch einmal auf den letzten Aspekt Ihrer Erklärung
eingehen darf, Herr Minister: Sie sagen, Sie hofften, daß die anderen sich
ihnen anschließen werden oder zumindest nichts untergraben. Gibt es hier
eine Art Sicherheit, eine Gewißheit, daß dies in der Tat passieren wird?
Schließlich haben wir uns innerhalb des Bündnisses fast 18 Monate lang
darüber konsultiert, was im Falle einer sowjetischen Intervention zu tun
sei. Das hat nun stattgefunden und Sie haben Schritte unternommen. Können
Sie denn nicht nach so vielen Monaten der Konsultation mehr oder weniger
vorhersagen, ob Sie zumindest ein biß:hen Unterstützung bekommen?
ANTWORT:

�ANTWORT: Ich glaube, wir können diese Voraussage machen, und wir haben
natürlich schon Unterstützung für die Maßnahmen erlebt, die wir vorher hinsichtlich Polens ergriffen haben. Die meisten Regierungen des Bündnisses
haben hinsichtlich der Kredite ähnliche Maßnahmen ergriffen und achten darauf,
daß Hilfe lediglich dem polnischen Volk selbst zukommt. Das alles läuft also
bereits. Und ich glaube auch, daß wir bei den anderen, gegen die Sowjetunion
gerichteten Maßnahmen Unterstützung für unseren Kurs erleben werden.
FRAGE: Aber ganz offen Herr Minister, haben Sie nicht viel positivere
Schritte seitens der europäischen Länder erwartet?
ANTWORT: Ich glaube wirklich nicht. Natürlich haben wir diese Maßnahmen
erst gestern angekündigt. Die genauen Maßnahmen wurden den Verbündeten mit
einem sehr kurzen zeitlichen Abstand übermittelt.
Wir hatten über solche Maßnahmen als Teil einer, wenn Sie so wollen,
Palette gesprochen - einer Palette von Maßnahmen, die getroffen werden könnten; aber das genaue Paket wurde erst geschnürt, als der Präsident dazu seine Entscheidung gefällt hatte. Das aber geschah sehr rasch nach Erhalt des
Breschnew-Briefs, der durch Ton und Haltung anzeigte, daß wir Schritte unternehmen mußten, und daß sie schnellstens unternommen werden mußten, um so wirkungsvoll wie möglich zu sein.
So viel zum Zeitfaktor. Ich glaube, wir werden nunmehr einen Prozeß der
Konsultationen über diese Maßnahmen erleben. Außerdem wird es seitens der
Europäischen Gemeinschaft eine Reihe von Treffen geben, und auch beim NATORat, möglicherweise ein NATO-Ministertreffen Anfang Januar. Durch diesen
Prozeß werden wir zu einer guten Verständigung gelangen.
FRAGE: Herr Minister, es scheint einen grundlegenden Unterschied zwischen
Ihrer Perspektive und der Ihrer Verbündeten, besonders der Deutschen zu geben,
die die Unterdrückung in Polen als eine

Unterdrückung von Polen durch Polen

ansehen - und daher eine polnische Angelegenheit. Dagegen betrachten Sie sie,
als von der Sowjetunion inspiriert.
- 4 -

c«. k , nn

�Es kann nur das eine oder das andere sein, nicht wahr?
ANTWORT: Wir haben folgenden Eindruck: Während die eigentliche Unterdrückung in Polen offensichtlich durch die Polen selbst ausgeführt

wird,

so wurden sie doch über einen langen Zeitraum hinweg selbst von den Sowjets
unter Druck gesetzt und es sollte keinerlei Zweifel darüber geben, daß letztlich die Sowjets hinter dem stehen, was in Polen vorgeht.
Man kann darüber argumentieren, ob General Jaruzelski autonom handelte,
als er den Schritt zum Kriegsrecht tat, oder ob er direkt durch die Sowjets
hineingestoßen wurde. Ich glaube, die objektive Tatsache ist, daß das Kriegsrecht verhängt wurde, daß die Sowjets dahinter stehen und daß das der Punkt
ist, über den wir uns Gedanken machen sollten.
Ich meine, es sollte auch keinen Zweifel darüber geben, was in Polen
vorgeht, daß wir Zeuge der Unterdrückung einer Arbeiterbewegung sind, daß
wir erleben, wie viele Tausende von Menschen im Gefängnis oder im Internierungslager festgehalten werden und daß es keinen Dialog zwischen Kirche,
Staat und Solidarität gibt.
Dies also geschieht. Es geschieht in Verletzung der Schlußakte von
Helsinki und wir fühlen eine Verpflichtung, unsere Stimme zu erheben. Und
ich glaube, wir alle im Bündnis stimmen darüber überein, daß wir unsere
Stimme wegen dieser Verletzungen erheben sollten.
Die Erklärungen der Besorgnis, die von den Regierungen abgegeben wurden,
waren in dieser Hinsicht sehr deutlich.
FRAGE: Aber,Herr Ministert wann ich hier noch etwas weitergehen darf,
die Ankündigung von Strafmaßnahmen gegen die Sowjetunion sind doch bei dem
Klima der europäischen Politik wirklich ein sehr ernster Schritt. Wir alle
wissen, wie empfindlich das Ost-West-Klima seit einiger Zeit schon ist und
wir alle wissen, wie empfindlich die westlichen Verbündeten insbesondere

- 5 -

�Verbündeten insbesondere dabei sind, nicht zu überreagieren, wenn sie es
vermeiden können.
Ich habe es aus einer Quelle in Bonn, daß die hier in Washington gestern
angekündigten Maßnahmen der Übereinkunft des Bündnisses nach wirklich dem extremen Fall einer militärischen Intervention durch die Sowjets vorbehalten
sein sollten. Aber Sie waren irgendwie etwas schnell bei der Hand, als Sie
die Hälfte dieser Maßnahmen sozusagen aus der Schublade holten, bei denen
das Bündnis übereingekommen war, sie im Fall einer offenen sowjetischen Militärintervention zu ergreifen. Ich könnte mir zu diesem Punkt seitens der
Europäer eine ziemliche Verwirrung vorstellen, daß Sie nämlich ohne ausreichende Konsultation die schärfsten Gegenmaßnahmen ergriffen haben, die möglich waren für den Fall eines Ereignisses, das in den Augen der Europäer noch
gar nicht stattgefunden hat - ich meine die offene Militärintervention durch
die Sowjetunion.
Wie würden Sie diese beiden Einstellungen in Einklang bringen?
ANTWORT: Natürlich ist eine einheitliche Haltung des Bündnisses am
einfachsten dadurch zu erlangen, daß man auf eine offenkundige sowjetische
Militärintervention reagiert - und hierfür wurden ganz genaue Pläne ausgearbeitet, wurde - wie Sie andeuten - eine ganze Liste von Maßnahmen in Erwägung
gezogen.
Gleichzeitig arbeitete das Bündnis aber auch Maßnahmen aus, die in einer
Situation ergriffen werden sollten, die unterhalb einer umfassenden sowjetischen Militärintervention lag. Dies aber ist offensichtlich eine kompliziertere Angelegenheit, und es ist schwieriger, spezielle Reaktionen auszuarbeiten.
Aber ich würde sagen, daß all die von uns ergriffenen Maßnahmen der Art
waren, wie wir sie für einen begrenzteren Notfall, wie auch für den letztendlichen Notfall besprochen hatten.
Es gab

- 6 -

�Es gab keine klare, eindeutige Linie zwischen diesen beiden Arten von
Notfällen. Ich möchte zugleich wiederholen, daß das, was wir bisher unternommen haben, abgestuft und maßvoll war. Es ist keineswegs das Letztmögliche,
das getan werden könnte und wir werden daher die Ereignisse in Polen genau
beobachten und sehen, was sich dort zuträgt. Wenn die Unterdrückung andauert
oder die Lage sich gar verschlimmert, könnte in bezug auf Sanktionen auch
noch anderes in Erwägung gezogen werden.
FRAGE: Glauben Sie wirklich, eine Möglichkeit zu haben, die Haltung der
Sowjets hinsichtlich Polen zu ändern?
ANTWORT: Ich glaube, es gibt eine Möglichkeit. Wir wissen, daß sich die
Sowjets über 18 Monate hinweg aus diesem oder jenem Grund von einer Intervention in Polen zurückhielten. Obgleich sie drohten, Briefe schickten und auf
verschiedene Weise Druck ausübten, so intervenierten sie doch nicht; das
Kriegsrecht wurde nicht ausgerufen.
Diese Einflüsse, die eine solche Zurückhaltung erforderten, sind nicht
plötzlich verschwunden und wir glauben, daß wir durch die von uns getroffenen Maßnahmen jene Elemente der Zurückhaltung dazu ermutigen können * hervorzutreten, daß die Aussicht besteht, daß es Bewegung in Richtung auf jenen Prozeß gibt, der in Polen vor dem 13. Dezember stattfand.
FRAGE: Meinen Sie damit letztlich, daß ein verbaler Ausdruck der Besorgnis eigentlich nicht viel Wert hat und daß der große Prügel die einzige Sprache
spricht, die die Sowjets verstehen?
ANTWORT: Ich glaube, daß es wichtig und willkommen ist, seine Besorgnis
zum Ausdruck zu

bringen, und ich bin sicher, daß diese Sorge aufrichtig und

ernst gemeint ist. Gleichzeitig meine ich aber auch, daß sie durch konkrete
Schritte unterstützt werden muß, die Zeugnis von der Stärke dieser Besorgnis
geben. Und genau das versuchen wir mit unseren Maßnahmen zu tun und hoffen,
daß andere uns folgen werden.

TRAPP-

- 7 -

�FRAGE: Um noch einmal auf das zurückzukommen, was Sie vorhin über bestimmte sowjetische Zwänge und sowjetische Zurückhaltung bei Polen gesagt
haben: Es gibt eine Richtung, die behauptet, dies sei nicht so sehr Zurückhaltung ihrerseits gewesen, sondern vielmehr eine verlängerte Suche nach
der in ihren Augen richtigen Lösung, die es ihnen erlauben würde, die Bewegung niederzuschlagen. Sie hatten nie die Absicht, sie zu tolerieren. Sie
brauchten nur etwas länger, um zur Niederschlagung zu kommen, ohne bis zur
militärischen Intervention zu gehen.
Um etwas den advocatus diaboli zu spielen: Wie können wir annehmen, daß
es Elemente gab, die die Sowjets zurückhielten, da doch offenkundig jener Typ
der Entwicklung, den wir jetzt erkennen - die Niederschlagung - nur etwas
länger dauerte? Wie können wir glauben, daß wir - der Westen oder wer auch
immer - irgendetwas mit dieser Zurückhaltung der Sowjets Über einen so langen Zeitraum zu tun hatten?
ANTWORT: Es ist offensichtlich schwer, genau zu wissen, was die Sowjets
motiviert hat und was sie motiviert. Gleichzeitig ist aber deutlich - und
alle Beweise, über die wir verfügen, deuten darauf hin -, daß die Sowjets
während dieser ganzen Zeit von der Haltung des Westens beeindruckt waren,
von der sicheren Erkenntnis, daß im Fall einer militärischen Intervention
vom Westen sehr harte Maßnahmen ergriffen würden und daß dies einen sehr
nachteiligen Effekt auf die Ost-West-Beziehungen insgesamt und auf die vielen Dinge - sowohl wirtschaftlich als auch politisch - haben würde, an denen die Sowjets interessiert sind.
Ich meine, das ist offensichtlich - und eine der wichtigsten Beschränkungen, die bisher gewirkt haben, eine die, wie ich glaube, auch weiterhin
wirksam bleiben kann.
FRAGE: Um auf mein Argument zurückzukommen: Es war also nicht so sehr
die Tatsache, daß sie nur einfach länger brauchten, um aus diesem Dilemma
herauszukommen...?
ANTWORT:
- 8 -

�ANTWORT: Nein, ich glaube nicht. Sie waren besorgt über den Gang der
Dinge in Polen. Sie haben nach Wegen gesucht, um damit fertig zu werden zurückgehalten durch die westlichen Maßnahmen. Dies ist sicherlich ein
Element des Gesamtbildes.
FRAGE: Herr Minister, dies mag vielleicht eine schwierige Frage sein, aber welche Unterschiede sehen Sie zwischen den Reaktionen in Paris, in
London und in Bonn?
ANTWORT: Das ist schwierig, und ich möchte keine Vergleiche im einzelnen anstellen. Es scheint deutlich, daß die öffentliche Reaktion in Frankreich besonders stark war. Das hat sicher zu tun mit Emotionen in Frankreich
hinsichtlich Polens und der historisch sehr engen Beziehung zur polnischen
Nation. Das wurde sehr deutlich und von da aus waren die Erklärungen der
französischen Regierung besonders nachdrücklich und klar.
Auch in Großbritannien haben wir ähnlich deutliche Erklärungen und Reaktionen gesehen. Ich würde sagen, in der Bundesrepublik ist die Situation etwas anders - und zwar aus verständlichen Gründen. In gewisser Hinsicht ist
die Bundesrepublik in einer anderen Lage. Die geographische Lage Deutschlands ist doch recht anders. Es ist am exponiertesten. Die Bundesrepublik
hat starke Handelsbeziehungen zu Osteuropa und gewichtige humanitäre Anliegen.
Das ist verständlich. Andererseits habe ich den Eindruck, auch in der
Bundesrepublik haben wir eine starke öffentliche Reaktion erlebt. Man macht
sich viele Sorgen darüber, was in Polen vorgeht. Wir stehen mit der Bundesregierung in engem Kontakt, in enger Konsultation und wir freuen uns auf den
Besuch von Bundeskanzler Schmidt nächste Woche in Washington, wo wir Gelegenheit haben werden, auf höchster Ebene mit ihm Gespräche zu führen und,
wie ich hoffe und glaube, zu einer gemeinsamen Beurteilung der Lage und
dessen kommen werden, was getan werden sollte.
FRAGE:

- 9 -

�FRAGE: Herr Minister, ich glaube, wir haben nur noch Zeit für eine
weitere Frage. Würden Sie es geradeheraus sagen: Sie machen sich um die
Deutschen Sorgen?
ANTWORT: Nein, das würde ich nicht sagen. Ich habe ja etwas Erfahrung
mit der Bundesrepublik Deutschland, nachdem ich vier Jahre lang dort Botschafter war. Und ich habe das größte Vertrauen in das deutsche Volk und
in die Bundesregierung, daß man das Richtige tut.
FRAGE: Vielen Dank für Ihre diplomatische Antwort.
ANTWORT: Vielen Dank.

+ + + + +

- 10 -

�intcrgrundmotericil
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Januar 1982

WILLIAM P. CLARK: DER NEUE SICHERHEITSBERATER REAGANS

WASHINGTON - (AD) - Der bisherige Stellvertretende Außenminister
William P. Clark ist von Präsident Reagan zu seinem neuen Sicherheitsberater ernannt worden. Er tritt die Nachfolge von Richard V. Allen an.
Clark hatte sich im amerikanischen Außenministerium rasch eingearbeitet
und sich einen Namen als tüchtiger Verwaltungsmann, harter Arbeiter und geschätzter Vermittler gemacht. Er ist bekannt dafür, klare Entscheidungen zu
treffen und verfügt über sehr gute Kontakte zu wichtigen Regierungsvertretern in Washington. Mit dem Präsidenten ist er seit 14 Jahren persönlich vertraut
und wird in seiner neuen Stellung als Sicherheitsberater im Weißen Haus
direkten Zugang zu Reagan haben.
Wie der Stellvertretende Pressereferent des Weißen Hauses, Larry Speakes,
mitteilte, hat der Präsident Clark mit der "Entwicklung, Koordination und
Durchführung der nationalen Sicherheitspolitik" beauftragt. Clark ist in
seiner neuen Stellung Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates.
Die Ernennung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Die Ernennung Clarks hat in der amerikanischen Presse und Öffentlichkeit weitgehende Anerkennung gefunden.
Clark, am 23. Oktober 1931 in Oxnard, Kalifornien geboren, war Beisitzer am Obersten Gerichtshof von Kalifornien, wohin ihn 1973 Ronald Reagan
in seiner Gouverneurszeit berufen hatte.
Von 1971 bis 1973 war er Richter am kalifornischen Appellationsgerichtshof. Zuvor war er von 1969 bis 1971 an einem oberen Gericht in Kalifornien
tätig.
Von 1967 bis 1969 war er als Stabschef von Gouverneur Ronald Reagan in
Sacramento verantwortlich für die Reorganisation der Exekutive des Staates
Kalifornien und stand dabei in intensivem Kontakt mit mehreren Bundesministerien in Washington und Kongreßabgeordneten aus Kalifornien.
Von 1959 bis 1969 war er Seniorpartner der Anwaltsfirma Clark, Cole
and Fairfield in Oxnard, Kalifornien.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Clark im Rahmen einer nachrichtendienstlichen Tätigkeit nach Westeuropa.
Seine Erfahrung in Rechtsfragen umfaßt die Vertretung von Klienten in
und aus Westeuropa und Mexiko, Vortragstätigkeit über vergleichendes Recht
in Budapest und Salzburg.
Clark besuchte die Universitäten Stanford und Santa Clara sowie die
Loyola Night Law School.

+ + + + +

�Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Januar 1982

DIE VEREINIGTEN STAATEN KÄMPFEN GEGEN CHEMISCHE KRIEGFÜHRUNG

WASHINGTON - (AD) - In einem am 4. Januar 1982 im "Wall Street Journal1
veröffentlichten Leserbrief hat der Direktor des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt,
darauf hingewiesen, daß die Reagan-Administration dem Problem der Anwendung von chemischen Waffen und Giftstoffen "höchste Priorität" einräume.
Das Ziel der amerikanischen Regierung sei es, "der Anwendung von chemischen
Waffen und Giftstoffen gegen unschuldige und wehrlose Menschen in Laos,
Kambodscha und Afghanistan ein Ende zu bereiten".
Der Leserbrief von Richard Burt hat folgenden Wortlaut:
Ich teile viele der Beurteilungen, die in Ihrem Leitartikel vom 18.
Dezember bezüglich der ABC-Fernsehdokumentation über den Einsatz chemischer
Waffen in Südostasien und Afghanistan zum Ausdruck kamen. Ich muß mich jedoch gegen die in diesem Leitartikel und in einem früheren Leitartikel zum
gleichen Thema vertretene Auffassung wenden, die Vereinigten Staaten hätten

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D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�hätten sich nicht nachdrücklich genug mit diesem Problem befaßt.
Diese Administration hat dem Problem der Anwendung chemischer Waffen
und von Giftstoffen höchste Priorität eingeräumt. Leitende amerikanische
Regierungsvertreter, darunter Außenminister Haig, haben zahlreiche öffentliche Erklärungen abgegeben, in denen die Aufmerksamkeit auf dieses abscheuliche und ungesetzliche Tun hingelenkt

wurde. Gleichzeitig hat die

Administration umfassende neue bilaterale und multilaterale Kontakte geknüpft, um andere Regierungen dazu zu bewegen, diesem Problem eine ähnliche Priorität einzuräumen. Die Vereinigten Staaten sind in dieser Angelegenheit auch formell und nachdrücklich bei der Sowjetunion und bei den
Regierungen von Laos und Vietnam vorstellig geworden.
Die erste öffentliche Äußerung über die amerikanische Besorgnis bezüglich des Einsatzes chemischer Waffen in Südostasien und Afghanistan erfolgte
vor über zwei Jahren. Vor 18 Monaten hat die Regierung eine 125seitige Zusammenstellung von Beweisen für einen solchen Einsatz veröffentlicht. Diese
Dokumentation wurde im März vorigen Jahres durch eine weitere längere Veröffentlichung ergänzt. Neben öffentlichen Anstrengungen fanden vertrauliche
diplomatische Bemühungen statt. Bereits

1978 begannen die Vereinigten Staa-

ten diese Frage auf diplomatischem Wege, zuerst mit Laos und dann mit Vietnam
und der Sowjetunion aufzugreifen. Im Jahre 1980 brachten die Vereinigten
Staaten dieses Problem zum erstenmal vor die Vereinten Nationen, wo es uns
und anderen besorgten Regierungen gelang, eine internationale Untersuchung herbeizuführen.
Am 13. September 1981 veröffentlichte die Regierung neue dramatische
praktische Beweise, durch die, wie Außenminister Haig feststellte, Toxine
(Giftstoffe) als Bestandteil der chemischen Einsatzmittel identifiziert
wurden, die in Südostasien verwandt werden. Diese Beweise wurden der
Öffentlichkeit und der Weltgemeinschaft zur Verfügung gestellt, nachdem
die Versuche abgeschlossen und die Ergebnisse der Analysen verfügbar waren.
Seither wurden alle nur möglichen Anstrengungen unternommen, um zusätzliche

- 2 -

�um zusätzliche Beweise zu sammeln und der Öffentlichkeit so viele Einzelheiten wie möglich bezüglich der Informationsquellen, der Methoden der Analyse
und der Auswirkungen unserer Befunde zur Verfügung zu stellen. Ohne die Frage einer sowjetischen Beteiligung ganz zu erfassen, haben wir sie sorgfältig
und genau dokumentarisch

belegt. In meinen eigenen Aussagen vor dem Abrü-

stungsunterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Senats am 10. November habe ich die Beweise für die sowjetische Beteiligung in einiger Ausführlichkeit dargelegt. In diesen gleichen Aussagen habe ich die Auffassung
der amerikanischen Regierung deutlich gemacht, daß wir den Einsatz toxischer
Waffen als eine Verletzung des Genfer Protokolls von 1925 und der Konvention über das Verbot biologischer Waffen von 1975 sowie der Regeln des Völkerrechts betrachten.
Diesen Monat wurde der Auftrag für eine Untersuchung durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen erneuert. Trotz heftigen sowjetischen
Widerstandes sicherte dieser Schritt die Unterstützung durch 86 Nationen zehn mehr als im vorigen Jahr, und 66 mehr als die Handvoll von Ländern,
die den sowjetischen Versuch unterstützten, diese Untersuchung zu unterdrücken. Ich bin mir darüber im klaren, daß kein

Bericht der Vereinten

Nationen allein, keine Resolution allein und keine internationale Untersuchung allein genügen werden, um diesem Tun Einhalt zu gebieten. Und doch
bedeutet diese kürzliche Abstimmung in den Vereinten Nationen einen wesentlichen, wenn auch bescheidenen Schritt in unseren ständigen Bemühungen, ein
breites Segment der öffentlichen Meinung der Welt zu mobilisieren, gegen
die Anwendung dieser barbarischen Waffen zu protestieren und die Einstellung
ihrer Anwendung sicherzustellen.
Die Vereinigten Staaten haben eine Reihe von Initiativen ergriffen, um
die Information über den Einsatz chemischer und toxischer Waffen so weit
wie möglich zu verbreiten. Journalisten wurde direkter und umfassender Zugang zu den zuständigen Wissenschaftlern der Regierung, Untersuchungspersonen und Regierungsvertretern gewährt. Im Oktober besuchte eine Gruppe amerikanischer Regierungsvertreter und Experten Europa, wo sie alle verbündeten

- 3 -

�verbündeten Regierungen im Detail über unsere neuesten Beweise unterrichteten. In jeder der besuchten Hauptstädte kam das Team auch mit Journalisten,
Wissenschaftlern und anderen nicht der Regierung angehörenden Persönlichkeiten mit einem potentiellen Interesse an dieser Sache zusammen. Ein ähnliches
Team traf in New York mit der Gruppe der Vereinten Nationen zusammen, die den
Einsatz chemischer Waffen untersucht,

um den schriftlichen Bericht der Ver-

einigten Staaten an die Vereinten Nationen zu ergänzen.
Das Ziel der amerikanischen Regierung bei all diesen Schritten besteht
darin, der Anwendung von chemischen Waffen und Giftstoffen gegen unschuldige
und wehrlose Menschen in Laos, Kambodscha und Afghanistan ein Ende zu bereiten. Ich darf Ihnen versichern, daß wir weiterhin über diesen Einsatz, so
lange er andauert, Informationen sammeln, analysieren und veröffentlichen
werden. Wir werden uns auch weiterhin bilateral, multilateral und vor jedem
möglichen Forum nachdrücklich mit dieser Angelegenheit befassen.
Die Vereinigten Staaten können jedoch nicht allein handeln, wenn wir
bei der Veröffentlichung und letztlichen Beendigung dieser Greuel Erfolg
haben wollen. Hier haben Privatpersonen und private Organisationen ebenfalls
eine Pflicht zu handeln, und haben die Möglichkeit,wirksam zu handeln. Die
Presse kann eine unerläßliche Rolle als unabhängige Quelle für Beweis und
Analyse spielen. Die Sendung von ABC hat bewiesen, daß es für eine private
Organisation, wenn sie über Entschlossenheit und Initiative verfügt, möglich
ist, Beweise über den Einsatz chemischer und toxischer Waffen zu sammeln,
zu analysieren und auszuwerten. Ich bin sicher, daß Sie sich uns in dem Bemühen anschließen werden, andere dazu zu bewegen, dieser Angelegenheit die
Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient, wie Sie es bezüglich der Anregung eines weltweiten Protestes gegen den Einsatz von Toxinen und anderen
tödlichen und kampfunfähig machenden chemischen Waffen getan haben.
+ + + + +

�6. Januar 1982

1

NEUARTIGE PALLADIUM-KATALYSATOREN
Spezielle Verbindungen auch für Krebstherapie von Interesse
Von G. Weiss

(AD) - Die Erforschung metallorganischer Verbindungen bringt immer wieder Überraschungen. So verwies kürzlich Dr. George R. Newkome, Chemiker an
der Staatsuniversität Louisiana in Baton Rouge, in einem Bericht an die
"National Science Foundation" (NSF-Nationale Forschungsstiftung der USA)
auf neue Möglichkeiten zur Anwendung bestimmter Organoppalladium-Verbindungen sowohl in der chemischen Industrie als auch in der Medizin. Palladium gehört zu den Metallen der Platingruppe und ist ein Edelmetall. Schon
seit einigen Jahrzehnten spielt es als Katalysator - insbesondere bei Hydrierprozessen - eine wichtige Rolle, weil es große Mengen Wasserstoff aufzunehmen vermag. Dieser adsorbierte Wasserstoff ist sehr aktiv und reagiert mit vielen Stoffen, mit denen er normalerweise nicht reagieren würde.
Der Katalysator selbst, ein Hilfsmittel zur Beschleunigung oder Verlangsamung chemischer Reaktionen, erfährt dabei keinerlei chemische Veränderung.
Mit

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�Mit finanzieller Unterstützung der NSF befaßt sich Dr. Newkome vor
allem mit löslichen Katalysatoren. Die jüngsten Untersuchungen galten
einer Klasse metallorganischer Palladiumverbindungen, bei denen Palladium
als zentrales "Kern"-Atom an seinem Platz im Molekül gehalten werden soll,
damit die katalytische Wirkung erhalten bleibt. Laut Newkome fungieren die
Organopalladium-Verbindungen als lösliche Katalysatoren. Winzige Mengen davon sind bei Anwesenheit von Wasserstoff in der Lage, ganz bestimmte organische Moleküle wirksam umzubauen. Da sie gegenüber Hitze, Licht und oxidierenden Prozessen beständig sind, könnten sie nach Ansicht Newkomes und
seiner Mitarbeiter eine wichtige Rolle dabei spielen, die Energiekosten für
zahlreiche chemische Prozesse drastisch zu verringern.
Beispielsweise führen geringe Strukturveränderungen an diesen Molekülen zu Verbindungen, die eine monomolekulare Schicht von metallischem Palladium auf schwer zugänglichen Oberflächen ablagern können. Daraus ergebe sich
eine Möglichkeit, so Dr. Newkome, Bereiche von aktivem Metall in Reaktionsgefäße direkt einzubauen, um so ein katalytisches Medium von einem ganz bestimmten Wirkungsmechanismus zu schaffen. Die Anwendung solcher Organopalladium-Reaktionsmedien bei der Synthese komplexer zwei- und dreidimensionaler Moleküle eröffne einen neuen Weg zu einem höchst interessanten und
aktiven Gebiet der Chemie.
- Chemotherapeutikum Organopa1ladium-Verbindungen einer ganz bestimmten Geometrie müßten
nach Ansicht Newkomes, ähnlich wie die in der Krebstherapie vielfach angewandten cis-Platin-Verbindungen, von hohem therapeutischem Wert sein. Sie
wären wesentlich aktiver und weniger toxisch als die heute in der Krebstherapie üblichen Schwermetall-Präparate.
Von der Forschergruppe Newkome wurden inzwischen bei einer ganzen
Serie von Organopalladium-Verbindungen die für solche Zwecke erforderlichen

- 2 -

�erforderlichen Molekül strukturen "konstruiert" und die Struktur jedes einzelnen Typs bestimmt. Erste Versuche zur Erprobung an Desoxyribonucleinsäure
(DNS) ergaben, daß sie auf diese eine etwa zehntausendfach stärkere Wirkung
haben als cis-Platin-Verbindungen. Die Tendenz zur Zerstörung von Zellen
mit hoher Teilungsrate, die für Krebsgeschwülste typisch sind, ist bei ihnen sehr viel stärker ausgeprägt. Somit wäre es möglich, mit sehr viel niedrigeren Dosen als bei den heute üblichen Präparaten auszukommen, wodurch
das Problem unerwünschter, ja unakzeptabler Nebenwirkungen wie z.B. eine
irreversible Schädigung der Nieren, wesentlich gemildert würde.

+ + + + +

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�6. Januar 1982

NATURRÄTSEL AM PLANETEN SATURN
Kondensation kleiner Materieteile in Randbändern der Ringe -

(AD) -- Die Ringscheiben des Planeten Saturn sind erstaunlich dünn,
haben ausgesprochen scharfe Ränder und bestehen teilweise aus Partikeln,
die auf rätselhafte Weise nach ihrer Größe sortiert sind. Dies berichtete
eine Gruppe von Wissenschaftlern der Stanford-Universität (Kalifornien)
auf einer Regionaltagung der "American Geophysical Union" Anfang Dezember
1981 in San Francisco, auf der neue Forschungsergebnisse aus dem N^\SARaumfahrtunternehmen VOYAGER 2 erörtert wurden.
Dr. G. Leonard Tyler und Dr. R. von Eshelman (beide Professoren der
Elektrotechnik) fanden bei der Auswertung von Meßdaten eines Radiowellenexperiments von Bord der Sonde, daß die Dicke der Ringe in vertikaler Richtung bei höchstens 500 m, wahrscheinlich eher bei 400 m liege. Dies gelte
für den gesamten Ringbereich von ca. 180 000 km Ausdehnung.
VOYAGER 2

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�VOYAGER 2 hatte den Planeten bzw. dessen Ringsystem bereits passiert
und sandte nun Radiostrahlen der Frequenzen 3,6 cm (X-Band) und 13 cm (S-Band)
zu der jenseits des Saturn stehenden Erde. Dabei wurden die Radiowellen an den
Planetenringen in einer Weise gestreut und abgelenkt,die Rückschlüsse auf die
Dicke der Ringscheiben und die Größe der darin schwebenden Partikel - von der
Größe eines Golfballs bis zu der eines acht bis zehn Meter großen Hauses zulassen. An den Ringrändern erfuhren die Radiowellen die "klassische" Streuung. Die Beobachtungen ergeben, daß die Ringkante extrem scharf und ziemlich
glatt ist.
Eine Frage war damit beantwortet, die schon vor mehr als 300 Jahren gestellt wurde, nachdem Huygens im Jahr 1656 den Ring des Saturn entdeckt
hatte. Die neuen Erkenntnisse werfen jedoch viele neue Fragen auf: Weshalb
ist z.B. die Materie in den Ringen nicht gleichmäßig verteilt? Es gebe Abschnitte, so Tyler, in denen sehr kleine Partikel im Kantenbereich regelrecht
aufgehäuft seien. Solche Bänder habe VOYAGER 2 entlang der Hauptringe C, B
und A immer wieder gefunden. Die Wissenschaftler bezeichnen sie als "Kondensationen".
Der planetennächste C-Ring wurde von VOYAGER 2 am gründlichsten sondiert. Die ungleichmäßige Materieverteilung in den Kondensationsbereichen
sei, wie Professor Tyler erklärte, ganz auffällig gewesen. "Auf irgendeine
Weise hält die Natur dort Material zurück und häuft es am Rande auf". Welcher mechanische Prozeß dem zugrunde liege, wisse man gegenwärtig nicht. Er
scheine im A-Ring, in der dritten Scheibe, nur teilweise wirksam zu sein,
denn dieser weise an einer der Ringkanten - nicht an beiden - Aufhäufungen
auf. Beim B-Ring sei an einer Außenkante die Aufhäufung kleiner Materieteile deutlich zu beobachten (die andere Randzone wurde nicht untersucht).
An den schmalen Ringen des Planeten Uranus, die jeweils kaum mehr als
100 km breit sind (im Gegensatz zu 18 000 bis ca. 25 000 km Hauptringbreiten beim Saturn), zeigt sich dem Bericht Tylers zufolge ein ganz ähnliches
Phänomen. Wie ein Bedeckungsexperiment mit Hilfe eines Sterns ergab, ist dort

�ist dort im Randbereich ebenfalls eine Kondensation von Partikeln zu beobachten, die etwa die gleiche Größe wie die Partikel der aufgehäuften Materie in den Saturn-Ringen haben dürften.
Professor Tyler und seine Mitarbeiter wollen als nächstes die Auswertung der Meßdaten vom B-Ring des Saturn zu Ende führen und dann versuchen,
den relativen Anteil der großen und kleinen Partikel in den Ringen herauszufinden. Die Meßdaten aus dem Radiowellenexperiment mit X-Band und S-BandImpulsen ergaben außerdem, daß in der großen Lücke zwischen dem A- und B-Ring,
in der sogenannten Cassini-Teilung, kleine Partikel fast völlig fehlen, dagegen Materietrümmer von etwa 10 m Größe verhältnismäßig häufig anzutreffen
sind. Woraus die Ringmaterie besteht, weiß man nicht. Jedoch gibt es gute
Gründe für die Annahme, daß es sich hauptsächlich um Eisbrocken handelt.
- Heißes Gas im Bahnbereich von drei Saturnmonden Knapp 100 000 km außerhalb des Saturn-Ringsystems registrierte
V0YAGER 2 den Beginn einer ringwulstförmigen Zone sehr heißen Gases. Sie
hat etwa 450 000 km Durchmesser und reicht bis ungefähr 12 Saturn-Radien,
d.h. bis ca 720 000 km Entfernung vom Planeten in den Raum hinaus. Auf der
Tagseite ist ihre Ausdehnung merklich größer als auf der im Planetenschatten liegenden Seite.
Das dünne Gas - pro Kubikmeter dürften kaum mehr als 1000 Teilchen
vorhanden sein - war zur Zeit des Durchgangs von VOYAGER 2 ungefähr 300
mal heißer als die Sonnenkorona. Es ist dies der schwache, ausgedehnte
Strahlenkranz der Sonne mit sehr dünner Gasatmosphäre, die angesichts der
Bewegungsgeschwindigkeit der Partikel eine Temperatur von 1,2 bis 1,5
Millionen Grad haben dürfte.
Im Jahr 1979 hatte VOYAGER bereits eine heiße Plasma-Wolke um den Planeten Jupiter entdeckt, die jedoch nur die Hälfte der Temperatur besaß, die
im August 1981 in Saturn-Nähe gemessen wurde. Dr. S.M. Krimigis, Chefwissen-

�Chefwissenschaftler des Raumfahrtdepartments am Institut für angewandte
Physik der Johns Hopkins-Universität (Baltimore, Maryland), berichtete, daß
in dem betreffenden Bereich von der US-Sonde PIONIER 11 im Jahr 1979 und von
VOYAGER 1 im November 1980 relativ "kühles", wenn auch ein paar Millionen
Grad heißes Plasma registriert worden sei. Dessen Dichte war ungefähr Tausendmal größer als die des superheißen Gases, das VOYAGER 2 beobachtete. Es
befindet sich in einer Region, in der die Monde Dione und S-12 (Abstand
vom Planetenzentrum 377 000 km) sowie Rhea (526 800 km) den Saturn umkreisen.

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                    <text>AMERIKA DIENST
"VoN^

6. J a n u a r 1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
Chronologie der Ereignisse In Afghanistan
- Juni bis Dezember 1987 Afghanistan: Acht Jahre sowjetischer Besatzung
- Zusammenfassung eines Berichts des amerikanischen Außenministeriums
Die Aufrüstung der Sandinisten
- Ein Hintersrundbericht Beginn des Wahlprozesses mit Vorwahlen und Parteiversammlungen
- Wichtige Termine im Vorfeld der Wahlen 1988 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Impfstoff gegen Typhus
- Gute Schutzwirkung - geringe Kosten - leicht anwendbar -

Themenindex AMERIKA DIENST 1987

* * * * * *

United States Information Service
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Telex: 8-85432

�v^°5*&lt;

VION

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

4

6. Januar 1988

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- Juni bis Dezember 1987 -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie der
Ereignisse in Zusammenhang mit der Besetzung Afghanistans durch Streitkräfte
der Sowjetunion; abgedeckt ist der Zeitraum von Juni bis Dezember 1987.

1. Juni
Berichten der Mujahedin an Agence
France Press (AFP) zufolge haben diese einer sechs Tage währenden, intensiven Land- und Luftoffensive sowjetisch-afghanischer Truppen gegen ihre
Stützpunkte in der Ostprovinz Paktia
Einhalt geboten. In der Region Jaji
fand ein Angriff von drei Seiten
statt, und 15 Sowjets wurden getötet,
als bei einem Zusammenstoß sowjetische Luftstreitkräfte die Mujahedin
einzukreisen und ein Lager in Jaji zu
stürmen versuchten. Angaben der Mu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

jahedin zufolge verloren sie 25 Mann
und einen Kommandanten, Abdul wahab;
es gab 80 Verwundete. Zwei Flugzeuge
und ein Kampfhubschrauber wurden abgeschossen und 150 regierungstreue
afghanische Soldaten gefangengenommen.

2. Juni
Bei einer Bombenexplosion in einem Bazar in Rawalpindi (Pakistan)
wurden 27 Personen - davon sieben
schwer - verletzt. Die Bombe wurde
möglicherweise von Saboteuren des af-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ghanischen Regimes gelegt.

11. Juni

3. Juni
In einem Kino in Peshawar (Pakistan) explodierte eine möglicherweise
von Saboteuren des afghanischen Regimes gelegte hochexplosive Bombe. Dabei wurden zwei Menschen getötet und
24 verwundet, fünf davon schwer.
Ein hoher Befehlshaber der Mujahedin in Kandahar, Mohammad Ishaq
alias Lala Malang, Angehöriger der
Hisb-e-Islami Gruppierung des Maulvi
Yunus Khalis, wurde getötet, als eine
Granate
seinen
Kommandostützpunkt
traf.

9. Juni
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge wurden im Monat Mai mindestens 29 sowjetisch-afghanische Militärflugzeuge
abgeschossen,
einschließlich
eines
militärischen
Transportflugzeuges am 29. Mai, in
dem sich möglicherweise 12 afghanische Piloten auf dem Weg von Kabul
zum Luftstützpunkt Bagram befanden.

10. Juni
Mujahedin nehmen eine wichtige
Gebirgsregion im Norden Herats ein,
von der aus die lebenswichtige Straße
von Towraghondi nach Herat zu übersehen ist, die als eine der wichtigsten
Nachschubrouten der im Westen Afghanistans
operierenden
sowjetischen
Streitkräfte gilt. Berichten der Mujahedin an die iranische Nachrichtenagentur IRNA zufolge waren nach 10
Tagen schwerer Kämpfe 15 Dörfer in
der Region befreit.

Radio Kabul berichtet vom Begräbnis des Brigadegenerals Abdul Qayyum
Siddiq, Leiter der politischen Abteilung bei den Streitkräften in der
Provinz Kandahar, mit allen militärischen Ehren. Er wurde erschossen,
als er gerade im Bezirk Arghandab
(Provinz Kandahar) Erklärungen zur
Politik der nationalen Aussöhnung abgab.
An seiner Beerdigung nahmen
hochrangige RegierungsVertreter, unter ihnen der Verteidigungs- und der
Innenminister, teil.
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge könnte eine Rakete der Mujahedin ein militärisches Transportflugzeug des Typs Antonov-26 beschädigt haben, bevor das Flugzeug eine
Notlandung unternahm.
Das Flugzeug
stürzte im Gebiet Shajui (Provinz
Zabul) ab. Alle Insassen wurden getötet, bevor es nach Kandahar zurückkehren konnte.
Normalerweise kann
eine AN-26 40 Passagiere aufnehmen.

14. Juni
Westliche Diplomaten zitieren Berichte, denen zufolge die Mujahedin
in der Nähe von Mazar-i-Sharif einen
weiteren mit einer AN-26 durchgeführten Militärtransport mit 43 Passagieren abgeschossen haben könnten.
15. Juni
Westliche
diplomatische
Kreise
berichten, der Verteidigungsminister
des Regimes, Generalmajor Mahammad
Rafi, habe Kandahar besucht, wo die
monatelange
sowjetisch-afghanische
Kampagne zur Säuberung der Region von
Mujahedin scheinbar nur wenig Fortschritte zeigte, nachdem sie im Juni
nahezu zum Stillstand kam, als eine

- 2 -

�große Zahl von Soldaten des Regimes
desertierte.
Diplomaten berichten,
daß die Armee des afghanischen Regimes seit Beginn der Kampagne vor drei
Wochen möglicherweise 1 000 Mann an
Verlusten zu verzeichnen habe, viele
von Ihnen jugendliche Studenten, die
aus den Schulen und Universitäten Kabuls heraus zwangsverpflichtet wurden.

30. Juni

Der entmachtete afghanische König, Zahir Shah, erklärt in einem in
Paris veröffentlichen Interview, er
sei bereit, ohne persönliche Ansprüche an der "Wiederherstellung der Unabhängigkeit" und "der Freiheiten"
des afghanischen Volkes mitzuarbeiten.
Der französischen Zeitschrift
"Defense Active" berichtet er, "eine
für das afghanische Volk akzeptable
Lösung" sei mit dem sowjetischen
Staatsmann Michail Gorbatschow möglich.

Westliche Diplomaten berichten,
sowjetische Streitkräfte hätten von
Sympatisanten der Mujahedin bewohnte
Gebiete in Kandahar dem Erdboden
gleichgemacht. Sie erklären, entlang
der 26 Kilometer langen Straße zum
Flughafen seien Häuser und Vegetation
eingeebnet worden, um ein Gefechtsfeld zu schaffen. Die Stadtbevölke
rung, vor dem Krieg fast 200 000 Menschen, ist inzwischen auf weniger als
40 000 gesunken.

1. Juli
Radio Kabul berichtet, eine von
Mujahedin gelegte Bombe sei in einem
Bus mit Regierungsangestellten explodiert. Dabei wird eine Person getötet und neun verwundet, zwei davon
schwer.

22. Juni
4. Juli
Westliche Diplomaten berichten,
Studenten und, wie es heißt, Sympathisanten
der
rivalisierenden
Splittergruppen Parcham und Khalq
hätten sich in der Universität von
Kabul ein Gefecht geliefert, bei dem
vier Studenten umkamen, einschließlich des Schwagers von Innenminister
Syed Mohammas Gulabzoi.

26. Juni
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge nehmen sowjetische Streitkräfte die Kampfhandlungen wieder
auf, nachdem es den Streitkräften des
afghanischen Regimes nicht gelungen
war, Mujahedin aus ihren Stützpunkten
in den Paghman-Bergen nur 15 Kilometer westlich von Kabul zu vertreiben.

Zwei möglicherweise von Saboteuren des Kabuler Regimes gelegte hochexplosive Autobomben gehen in einer
belebten Einkaufsgegend in Karachi
(Pakistan) hoch. Dabei werden mindestens 72 Menschen getötet und mehr
als 250 verletzt, unter ihnen Frauen
und
Kinder.
Pakistanische Regierungsbeamte beschreiben den Bombenanschlag als den blutigsten terroristischen Anschlag in der Geschichte Pakistans. Zahlreiche junge Pakistanis
gehen auf die Straße und rufen Parolen gegen die drei Millionen in Pakistan lebenden afghanischen Flücht1inge.

7. Juli
Ein Beamter des amerikanischen
Außenministeriums
erklärt,
afgha-

- 3 -

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von L'yp L •;-. 25 jatzt eindeutig eine
geringere Holle boi den Kampfhandlungen.
Sowjet, Lech- afghanische
Flugzeuge
bombardieren das Dorf Gadai im Bezirk
Dajaur (Pakistan). Dabei werden fünf
Menschen, darunter eine Frau und drei
Kinder, getötet und zwei verletzt.

11. Juli
Der Führer des afghanischen Widerstandes, Maulvi Mohammad
Yunus
Khalis von der Hisb-e Island entkommt
nur knapp einem terroristischen Bombenanschlag, der möglicherweise von
der Geheimpolizei des Regimes in Kabul (KHAD) geplant war. Zwei seiner
Mitarbeiter werden von Glassplittern
verletzt und mehrere geparkte Autos
beschädigt, als die in der Nähe eines
Stützpfeilers für das Hauptgebäude
gelegte Bombe explodiert, ohne jedoch, wie beabsichtigt, das Gebäude
zum Einsturz zu bringen.

i. Juli
"' j&lt; st.I ich»
Di, loraate i l&gt; r i c h t e n ,
il3 »ich naci mehreren Joe tu n BchWe
•er Kämpfe uowj e t Ische Truppen aaj
. westlich von Kabul ,e!: ; n u a G:.
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Streit
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. e h l d a r ; \, daß •'.': • Lul Lv
•r Uujahedi l &lt; ' c. Au: i l

Lischer i ... Ii

in

Lufl 1

o' ligung
:;owj

hrankt.

IS. Juli
Bei
einer
Presse! onfe •e:i ; in
Washington fordert ein Fiihroi der Mi;
. ahedin t3ie Sowjetunion auf, i&gt; r En
gagement für den Frieden •/x demonstrieren, indem sie ihre Streitkräfte
aus
Afghanistan bedingungslos ab
i:ieht. Dr. Najibullah hafrai , Leiter
des politischen Komitees der Jaralat- *
e Islami, erklärt, die Sowjets be
nutzten Afghanistan als Testgelände
für neue Waffen und als Ausbildungsplatz für ihre Truppen. Zudem hofften sie, Afghanistan als Sprungbrett
für eine zukünftige Politik der Expansion zu benutzen.
Lafraie zufolge liegt mehr als 70
Prozent von Afghanistan In Trümmern
und fünf Millionen Flüchtlinge - die
größte Zahl in der Welt - seien nach
Pakistan und in den Iran geflüchtet.

16. Juli
Der
afghanische
Staatsmann
Najibullah empfängt den Sekretär des
Nationalrates der Indischen Komunistischen Partei.
Der kommunistische
indische Staatsmann leitet eine Delegation bei einem Freundschaftsbesuch
in Kabu1.

�1/. Juli
Radio Kabul behauptet, Mujahedin
hätten Gardez, die Hauptstad.. der
Provinz Paktia, beschossen.
Dabei
seien 6 Personen getötet und 11 vor
letzt worden.

18. Juli
Radio Kabul, zufolge werden drei
Menschen getötet und 10 weitere, unter ihnen zwei Kinder, verletzt, als
eine Bombe im Kabuler Wohngebiet Mic
rorayon explodiert. Für den Bombenanschlag werden Mujahedin verantwort
1 ich gemacht.
Radio Kabul berichtet, Mujahedin
hätten Raketen auf ein Kino in Bamian
abgefeuert, in dem sich Bürger zur
Diskussion des neuen Kntwurfs für ei
iip afghanische Verfassung zu sammenge
funden hatten.
Dabei werden sechs
Menschen, unter ihnen zwei Frauen,
getötet und 20 verletzt.
Die
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar berichtet, die Sowjetunion
habe seit der Revolution von April
19/8 Afghanistan mit 1,1 Milliarden
Dollar in Form von Projekthilfe, Verbrauchsgütern und Krediten Unterstützung geleistet. Der Gesamtumfang so
wjetischer Hilfe für Afghanistan be
lief sich vor und nach der Revolution
der Kommunisten im Jahr 1978 auf 3
Milliarden Dollar.
Von
Radio
Pakistan
zitierten
Quellen der Mujahedin zufolge werfen
sowjetische Streitkräfte in den Gebieten Dand und Panjwai (Provinz
Kandahar) Napalmbomben.

19. Juli
Radio Pakistan berichtet, die Mu-

jahedin hätten in einer drei Tage
währenden größeren Offensive gegen
sowjetisch-afghanische
Stützpunkte
auf
einem
40
Kilometer
langen
Straßenabschnitt zwischen Kabul und
Jalalabad mehr als 1 000 sowjetisch
afghanische Soldaten getötet.
Zwei
militärische Lager und 20 Militärstützpunkte nahe der Straße werden
dem Erdboden gleichgemacht und eine
große Zahl von Panzerfahrzeugen sowie
viel Munition zerstört.
Die Operation mit dem Decknamen
"Operation Avalanche" wird von der
Fernsehgesellschaft CBS übertragen.
Sie gilt bis heute als größter Kampf
gegen sowjetisch afghanische Truppen.

22. Juli
Bakhtar berichtet aus Kabul, daß
eine von Mujahedin gelegte Mine in
der Provinz Takhar nahe Taoqan in einem Bus explodierte und alle 22 Insassen umkamen.
Bei einer zehntägigen Zusammen
kunft von 1 200 Befehlshabern der Mu
jahedin in der afghanischen Westprovinz Ghowr wird eine Resolution ver
abschiedet, mit der die Wahl eines
Jihad Revolutionsrat gefordert wird,
der über die Zukunft Afghanistans
entscheiden soll. Der Rat sollte in
den nächsten sechs Monaten von Beamten der Provinzen und beauftragten
Vertretern aus verschiedenen Kriegs
gebieten gewählt werden. Ferner würden Mujahedin aller islamischer Gruppen eingeladen, ihre Meinung zu äussern. Die Resolution fordert dringend eine Einigung von Gruppen in und
außerhalb
Afghanistans.
Bei
dem
Treffen in Gowr nehmen hauptsächlich
Befehlshaber
der
Jamiat-e-Islami
Gruppierung
teil; nicht vertreten
sind verschiedene wichtige Befehlsha
ber aus dem Osten Afghanistans, die

�andere» Gruppen angehären.

tegisch wichtigen Tals blockiert hat
ten.

26. Juli
2. August
Radio Kabul berichtet, daß der
Vorsitzende der Komaission zur nationalen Aussöhnung i*m Bezirk Andarab
(Provinz Baghlan) von Mujahedin wäh
rend eines Gebets La einer Moschee
getötet wurde.

28. Juli
Dio Regierung Pakistans Lagt bei
der afghanischen Regierung ihre Be
schwerde über ,:woi Worfalle ein, bei
denen Artliieriegranaten im Stammes
gebiet
Bajaur einschlugen.
Dabei
wurden sechs Kensehen getötet und
fünf weitere vertatst.

29. Juli
Zwei hochexplosive Zeitbomben mit
einem Gewicht von Jeweils 15 Kilo,
die in zwei LkW- -Batterien angebracht
waren, werden einem Lastwagen mit Ka
buler Kennzeichen entnommen, der bei
einer Gaststatte in Peshawar (Pakt
stan) parkt. b'ünt Insassen des Last
wagens werden vorhattet.

30. Juli
Eine Shia Widerstandsgruppe, die
Harakat e Island,
berichtet,
ihre
Kämpfer hätten in nahezu drei Wochen
dauernden schweren Kämpfen im Sang
lagh Tal, 100 Kilometer westlich von
Kabul, 13 Plugzeuge und vier Hubschrauber abgeschossen und 100 Solda
ten des Regimes getötet. AFP berich
tet, die Kämpfe hätten begonnen, als
motorisierte Kinheiten der sowje
tisch afghanischen Armee die Ausgänge
des z'ir Verbindung des Nordens stra

Anläßlich
einer
Besuchsreise
sucht der Abteilungsleiter für poli
tische Angelegenheiten im amerikanischen
Außen:;,i ni sI erium,
Michae 1
Armacost, den pakistanischen Premier
minister Mohammad Khan Junejo in
Rawalpindi auf.
Dabei kommt es zu
einem Meinung h über &lt;'io bi
lateralm Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Pakistan so
wie über Afgh
n.

4. August
Der
Afg1
Ken
Islamischen
Presseagentur (AIP) zufolge werden 35
Mujahedin, unter ihnen der Befehlsha
ber einer Provinz, getötet und 20
weitere verwu
, als sie versuchen,
Soldaten des Kabuler Regimes in einen
Hinterhalt AU Locken. Diese schlagen
jedoch zurück. Ferner werden 2.'5 Re
giorungssoIdaton bei. Kampfhandlungen
in der Provinz Paktia getötet.

7. August
Durch eine vom Kabuler Regime ge
legte terroristische Bombe werden
zwei Personen getötet und 24 ver
letzt, als diese in einem Laden auf
der G.T. Straße in Peshawar (Paki
stan) explodiert.

8. August
Radio Kabul zufolge hat der Sonderberichterstatter bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, Professor Felix Ermacora, seinen
neuntägigen Besuch in Afghanistan be

- 6 -

�endet.
Er besuchte Gefängnisse und
Krankenhäuser in Kabul, wo er auch
mit verscbiedenen Regierungsvertretern zusammentraf. Ferner unternahm
er Besuche in die Provinzen Herat und
Balkh. In Kabul besuchte er das Zentralgefängnis Pul- e Charkhi und das
Ermittlungszentrum des Ministeriums
für Staatssicherheit. Er sprach mit
einer Reihe von Personen, die im Rahmen der Amnestie vom April 1987 freigelassen wurden.
Ermacora besuchte
auch die Gefängnisse in Herat und
Mazar-i-Sharif.
Westlichen diploma
tischen Quellen zufolge wurde ihm jedoch lediglich gestattet, zwei poli
tische Gefangene zu Einzelgesprächen
zu treffen.

9. August
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge fliehen über tausend Flüchtlinge als Folge von schweren Bombardierungen und einer sowjetisch-afgha
nischen Offensive gegen Mujahedin im
Norden der afghanischen Hauptstadt
nach Kabul. Die Flüchtlinge erklären, es seien bei den Bombardements
der sowjetisch afghanischen Truppen
viele Menschen getötet und zahlreiche
Häuser zerstört worden.
Westliche
DipLomaten
erklären
ferner, Mujahedin hätten in ganz Afghanistan im Monat Juli 42 Flugzeuge
und Hubschrauber abgeschossen.

11. August
In Mardan (Pakistan) explodieren
drei Bomben. Dabei werden 18 Menschen getötet und 45 verletzt. Zwei
Explosionen treffen eine Bushaltestelle und die dritte ein Sportstadion in der Stadt, die 65 Kilometer
von Peshawar entfernt liegt.

13. August
Radio Kabul berichtet, durch eine
Rakete der Mujahedin sei ein Transportflugzeug des Typs Antonov- 26 abgeschossen worden.
Darin befanden
sich sieben Insassen und von den Menschen in der Region Khost in der Provinz Paktia benötigte Gebrauchsgüter.
Das Flugzeug befand sich auf dem Weg
nach Kabul. Außer den sieben Passa
gieren, unter denen sich zwei Kinder
befanden, werden fünf Besatzungsmitglieder getötet.
Najibullah nimmt an einer Zusammenkunft im Storay Palast teil, wo
der 40. Jahrestag der Unabhängigkeit
Indiens begangen wird. Das Treffen
wurde vom Zentralkomitee der PDPA und
der Gesellschaft für afghanisch indische Freundschaft organisiert.

14. August
Durch eine von Terroristen gelegte Bombe werden in Peshawar (Pakistan) zwei Menschen getötet und 13
verwundet, zwei von ihnen schwer.
Die Bombe wurde in der Kanalisation
vor einer Häuserzeile mit belebten
Geschäften im Stadtzentrum gelegt.
Schon vorher war eine andere Bombe
auf dem Gelände der Universität explodiert und hatte einen Stromtransformator zerstört.
Berichten von AIP zufolge ist eine von Agenten des Kabuler Regimes
gelegte Bombe in der von Mujahedin
gehaltenen Marktstadt Kaga Bazaar, 40
Kilometer von Jalalabad entfernt, explodiert, wobei 17 Menschen getötet
und 20 verwundet wurden. Bei den Opfern handelt es sich hauptsächlich um
Bauern aus den umliegenden Dörfern,
die hier ihre Waren verkaufen wollten.

7 -

�16. August
Teherans Nachrichtenagentur IRNA
Derichtet, Ende Juli hätten Mujahedin
etwa einen Kilometer einer Pipeline
zerstört, mit der Kraftstoff von der
Sowjetunion nach Afghanistan transportiert wird. Die Mujahedin behaupten, diese Rohrleitung nach siebenstündigen Kämpfen gesprengt zu haben.
Dabei wurden zwei sowjetische Panzer
zerstört und drei sowjetische Militärberater sowie 16 Offiziere und
acht Soldaten des Kabuler Regimes getötet. Durch den Schaden an der Pipeline wird der Transport von Kraftstoff aus der Sowjetunion zum größten
Luftstützpunkt in Shindand (Provinz
Farah) unterbrochen.

17. August
Berichten von Radio Kabul zufolge
hat die afghanische Regierung der Regierung des Iran eine scharf formulierte Protestnote übermittelt, mit
der Einspruch gegen den Beschuß durch
Granatwerfer, 23 mm Artillerie, Luftabwehr, Maschinengewehre und BodenBoden-Raketen am Grenzposten Islam
Qillah erhoben wird. Durch den vor
drei Tagen aufgenommenen Beschuß werden ein Offizier und ein Soldat
schwer verwundet und schwere Material Verluste und Schäden an militärischen Anlagen verursacht.

21. August
Bakhtar berichtet aus Kabul von
einem Besuch Najibullahs in Kandahar,
wo er mit Angehörigen der Streitkräfte, Geistlichen und Parteivertretern
zusammentrifft.
Der
afghanische
Staatschef hält Reden zur nationalen
Aussöhnung und verleiht einer ausgewählten Gruppe von Offizieren und
Soldaten Auszeichnungen für ihre Tap-

ferkeit im Kampf gegen die Mujahedin.

25. August

Westlichen Diplomaten zufolge ha
ben
sowjetisch-afghanische
Streitkräfte die Stadt Sheikhabad in der
Region
Shomali
in
fortgesetzten
schweren Kämpfen in dem Gebiet nahezu
zerstört. Fast 200 sowjetische und
afghanische
Soldaten
werden
bei
Sheikhabad und Qara Bagh getötet.
Anfang des Monats nahmen Mujahedin 17
sowjetische Soldaten gefangen, unter
ihnen ein hochrangiger Offizier, wodurch die Sowjets gezwungen wurden,
einen Gefangenenaustausch anzubieten.
Die Medien des Kabuler Regimes be
haupten, der Befehlshaber der Mujahedin, Aga Muhammad, sei in Paghman ge
fangengenommen und Munition und Rake
ten seien in großem Umfang erbeutet
worden..
Laut Radio Kabul hat der afgha
nische Staatsmann Najibullah an einer
Zeremonie zum Jahrestag der Gründung
der Luftwaffe und der Luftstreitkräfte der Demokratischen Republik Afghanistan (DRA) teilgenommen. In seiner
Rede verweist er darauf, in den neun
Jahren seit der Revolution von April
1978 hätten mehr als 100 afghanische
Piloten ihre Ausbildung an sowje
tischen
Luftfahrtakademien
abge
schlössen und mehr als 400 Angehörigen der Luftwaffe hätten Weiterbildungskurse besucht. Er bittet um eine stille Gedenkminute zu Ehren der
im Krieg getöteten Soldaten.
Er
nennt die Namen von 15 Off zieren in
den Rängen vom Leutnant bis zum
Oberst, die - neben anderen - im
Kampf gefallen sind.

26. August
AFP
8 -

berichtet, Mujahedin

hätten

�in der Nähe von Kandahar einen Militärstützpunkt
der
Regierung
fünf
Stunden lang mit Granaten beschossen.
Dabei seien Dutzende von Soldaten ge
tötet sowie Kraftstoff und Versorgungsgüter in die Luft gesprengt worden.

Drittens sollte eine für die Mujahedin akzeptable unparteiische Regierung mit der Aufgabe betraut werden, den sowjetischen Abzug zu überwachen. Die Sicherheitsangelegenheiten dieser vorläufigen und unparteiischen Regierung sollten während des
sowjetischen Truppenabzugs der afghanischen Armee obliegen, nachdem be
schlössen worden ist, daß die Be
fehlshaber aller Einheiten für die
Mujahedin akzeptabel sind und daß all
jene Offiziere, die nach dem Staats
streich von 19 78 zu den Mujahedin de
sertiert waren, ihre früheren Ränge
und Stellungen zurückerhalten.

Eine terroristische Bombe des Ka
buler Regimes explodiert in der Nähe
einer Bushaltestelle in Dera Ismail
Khan in Pakistan. Dabei wird eine
Person getötet und fünf weitere verletzt .

28. August
Radio Pakistan berichtet, mehr
als 150 Beamte des Kabuler Regimes,
unter ihnen Agenten des KHAD, seien
vergangene Woche bei einer Bombenexplosion in Jalalabad getötet worden.

31. August
In einer Diskussion mit Reportern
beim 63. Pressebegegnungsprogramm des
Journalistenverbandes von RawalpindiIslamabad (Nawaz Raza Gruppe) schlägt
der Ingenieur Gulbuddin Hekmatyar von
der Amir Hisb-e Islami in Afghanistan
ein vier Punkte umfassendes Friedensprogramm zur Beendigung des Krieges
in Afghanistan vor.
Ihm zufolge
sollten sowjetische Truppen aus den
Kriegsgebieten auf die Luftstützpunkte Bagram (Provinz Kabul), Shindand
(Provinz Farah), Dehdadi
(Provinz
Balkh), Dasht-e Abdan (Provinz Kunduz) und Kelagai (Provinz Baghlan)
zurückverlegt werden, von wo aus ihr
Abzug
beginnen
sollte.
Zweitens
sollten alle für den Krieg geschaffenen afghanischen Militär- und Milizposten abgeschafft und die Soldaten
auf die Stellungen zurückverlegt werden, die sie vor dem Krieg eingenommen hatten.

Viertens würde die "unparteiische
und vorläufige Regierung" unmittelbar
durch eine vorläufige Mujahedin Re
gierung abgelöst, die von in Iran und
Pakistan lebenden Flüchtlingen und in
den befreiten Gebieten Afghanistans
ansässigen Bürgern auf der Basis der
Verhältniswahl gewähl '&lt;, und von einer
repräsentativen "Shoor.a" (einem Beratergremium) gebildet wird.
Gulbuddin zufolge sei die Rolle
Zahir Shahs bei der Beendigung des
Krieges in Afghanistan eine sowje
tische Maßnahme mit dem Ziel, dem andauernden Jihad zu schaden und Zwie
tracht unter den Mujahedin zu sähen.
Er erklärt, der Shah sei vom afgha
nischen Volk vollständig abgelehnt
worden und könne daher für die Zukunft Afghanistans keine positive
Rolle spielen.

2. September
Berichten von Radio Kabul zufolge
trifft der pakistanische Oppositionsführer, Marshall der Luftwaffe a.D.
Asghar
Khan
von
der
Tehrik- iEstiqlal-Partei, mit Najibullah zusammen, der ihm die Regierungspolitik
der nationalen Aussöhnung erklärt.

- 9 -

�Asghar Khan ist auf Einladung der Nationalen Front der DRA in Kabul zu
einem Freundschaftsbesuch eingetroffen.
Das Mitglied des Zentralkomitees
der KPdSU und erste Stellvertretende
Außenminister der Sowjetunion, Julij
Woronzow, trifft mit dem Außenminister der URA, Abdul Wakil, zusammen.
Bei diesem Anlaß findet ein
Meinungsaustausch über bilaterale Angelegenheiten zwischen den beiden
Ländern sowie über internationale
Fragen statt. Der sich zu einem Arbeitsbesuch in Kabul aufhaltende sowjetische Minister diskutiert ferner
die Kabuler Politik der Nationalen
Aussöhnung.

7. September
Pakistan und das Regime in Kabul
nehmen in Genf ihre indirekten Ge
spräche über Afghanistan wieder auf.
Dies ist die vierte Phase der siebten
Gesprächsrunde.
Westliche Diplomaten berichten,
sechs Personen seien getötet und 30
verletzt worden, als auf dem Obstmarkt Share Nau in Kabul zwei Bomben
explodieren.

9. September
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge explodiert eine Bombe im Ministerium für Staatssicherheit, in
dem sich das Hauptquartier des afghanischen Geheimdienstes KHAD befindet.
Dabei kommt es zu erheblichem Sachschaden und zu einer nicht bekannten
Zahl von Toten.

10. September
Durch eine von Terroristen des
Kabuler Regimes gelegte Bombe werden
in Peshawar zehn Personen verletzt,
von denen sechs in Krankenhäuser eingeliefert werden müssen.
Bei einem terroristischen Bombenanschlag im Vorort Badamibagh von La
höre werden zwei Personen getötet und
25 verletzt, fünf von ihnen schwer.
Die Genfer Annäherungsgespräche
über Afghanistan werden vertagt, ohne
daß eine Übereinkunft erzielt worden
wäre. Der Vormittler der Vereinten
Nationen, Diego Cordovez, zeigt sich
enttäuscht darüber, daß keine Übereinkunft über den Zeitplan für einen
Truppenabzug erzielt worden ist, fügt
jedoch hinzu, die Unterschiede zwischen den KInste1lungen beider Seiten
hätten sich weiterhin verringert.
Der zu einem Besuch in Pakistan
weilende
belgische
Minister
Leo
Tindemans bestätigt den Standpunkt
seiner Regierung, die Wurzel der Probleme Afghanistans läge in der sowje
tischen Intervention in diesem Land.

12. September
Radio Pakistan berichtet, bei der
Explosion einer Mine auf der Straße
bei Parachinar im Bezirk Kurrum seien
ein Lieferwagen zerstört sowie fünf
Personen getötet und sieben verletzt
worden.

13. September
Die
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar berichtet, Mujahedin hätten
mit einer Reihe von Boden-Boden-Rake
ten nachts Wohngebiete in Jaialabad
beschossen. Dabei werden fünf Perso-

- 10 -

�nen getötet und elf verletzt.

16. September

Berichten von Bakhtar zufolge
wird auf dem Flug von Kabul nach Kunduz eine Maschine des Typs AN-26 in
der Nähe der Stadt Kunduz von einer
Rakete der Mujahedin getroffen. Dabei werden alle 13 Insassen getötet.

Bei der Explosion einer von Terroristen
gelegten
Bombe auf der
Straße bei Warsak in Peshawar werden
sieben Personen getötet und 3 7 verletzt, sechs von ihnen schwer. Die
Bombe ist in einem Lieferwagen untergebracht und beschädigt in der Nähe
befindliche Autos und Geschäfte.

14. September
AFP berichtet von einer großen
Operation mehrerer hundert Mujahedin
in der Südprovinz Kandahar, bei der
Dutzende von Milizposten zerstört
werden, die von dem im Jahre 1985 von
den Mujahedin desertierten und übergelaufenen
Befehlshaber
Esmatullah
Muslim errichtet worden waren. Im
Laufe der Woche unternehmen etwa 35
Mujahedin-Gruppierungen
(Angehörige
von sechs Widerstandsparteien) im
Verbund einen Angriff auf einem 70
Kilometer
langen
Straßenabschnitt
zwischen Kandahar und Spin Baldak in
der pakistanischen Provinz Baluchistan. Dabei werden 30 Angehörige der
Miliz getötet und 55 verwundet.
Die Mujahedin zerstören sechs Posten und nehmen einen Stützpunkt des
Regiments in Spin Baldak unter schweren Beschuß. Etwa ein Dutzend Milizposten geraten in Bedrängnis und Muslim fordert aus Kabul Verstärkung an.

15. September
Westliche
Diplomaten
erklären,
sowjetische Truppen hätten das Gebiet
entlang der Hauptstraße, die die Provinzen Kunduz, Badakhshan und Takhar
verbindet, verwüstet und auf einem
500 Meter breiten Streifen entlang
der Straße Häuser und Vegetation dem
Erdboden gleichgemacht.

Ein von seiner sechswöchigen Reise nach Afghanistan zurückkehrender
französischer
Journalist
berichtet
AFP in Paris, neun der Nord- und
Westprovinzen
Afghanistans
könnten
jetzt als von der Kontrolle des Kabuler Regimes "halbswegs befreit" ange
sehen werden.
Bertrand Gallet erklärt, der Befehlshaber der Mujahe
din, Ahmad Shah Mahsud, habe seine
Stellung im Norden Afghanistans in
den vergangenen Monaten gefestigt.
Er berichtet, die Situation im Norden
habe sich seit seinem letzten Besuch
im Jahr 1984 erheblich weiter entwikkelt. In den neun hauptsächlich von
Masuds Rat im Norden kontrollierten
Provinzen gebe es Gallet zufolge einen auf vier Ebenen operierenden Widerstand, bei dem Bauern ihre eigenen
Dörfer, eine Garnison mehrere Dörfer
und eine mobile Einsatztruppe ganze
Täler verteidigten. Die vierte Ebene
werde von einer Eliteeinheit gebildet, die "zentrale Gruppe" genannt
und in größeren Kämpfen gegen sowje
tische und afghanische Truppen einge
setzt wird.
Gallet erklärte, das
wichtigste Ziel des Rates im Norden
sei die Unterbrechung von Straßen,
die von Kabul in die Sowjetunion und
nach Pakistan führen.

17. September
Berichten von Bakhtar zufolge
treffen Raketen der Mujahedin Gardez,
wobei zwei Kinder getötet und vier

- 11 -

�verletzt werden. Die Raketen richten
in Wohngebieten und Moscheen der
Stadt und ihrer Umgebung erheblichen
Schaden an.

Schuld eingestanden und zugegeben,
sie seien vom KHAD, der Geheimpolizei
des Kabuler Regimes, entsandt worden.
Die pakistanische Polizei nimmt ihnen
Sprengstoff und Zeitzünder ab.

19. September
21. September
Kine von Terroristen gelegte Bom
be explodiert in einer Bushaltestelle
in Rawalpindi in Pakistan.
Dabei
werden vier Menschen getötet und 17
verletzt, davon zwölf schwer.

20. September
Radio Kabul berichtet, Najibullah
habe zu der Eröffnungssitzung der ersten landesweiten Versammlung des Ha
zara Volkes gesprochen. Dazu zählen
eine Million Menschen, die sich zum
Schiitentum bekennen. Er erklärt, in
der Fakultät für Religiöse Studien
würden eine schiitische Abteilung
eingerichtet sowie eine eigene Schule
für diese Religion eröffnet, Zeitungen in ihrer Sprache herausgegeben,
besondere Radioprogramme würden in
ihre Region Hazarajat übertragen und
mehr Hazaras zur Ausbildung in die
Sowjetunion geschickt.
Najib empfängt das Mitglied des
Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei
Bangladeshs, Matiul Rahman.
Dabei
wird die Erweiterung freundschaftlicher Beziehungen zwischen der Demokratischen Volkspartei Afghanistans
(PDPA) und der Kommunistischen Partei
Bangladeshs diskutiert.
Radio Pakistan berichtet, 50 Afghanen seien von der Polizei der
Nordwestlichen
Grenzprovinz
(NWFP)
wegen subversiver Aktivitäten festge
nommen worden. Der Innenminister informiert die Nationalversammlung Pakistans, die Afghanen hätten ihre

Der pakistanische Premierminister
Mohammad Khan Junejo trifft Präsident
Reagan, als beide Staatsmänner in New
York Reden vor der Generalversammlung
der Vereinten Nationen halten. Während der Zusammenkunft bestätigt Prä
sident Reagan, die Vereinigten Staa
ten würden Pakistan bei seinen Pro
blemen mit Afghanistan unterstützen.
Beide kommen überein, daß der unmittelbare Abzug sowjetischer Truppen
aus Afghanistan absolut unerläßlich
sei.
Sie vereinbaren ferner, es
sollte in Zukunft in Kabul ein Regime
geben, das die Hoffnungen des afgha
nischen Volkes widerspiegelt.
Westlichen Diplomaten zufolge explodiert eine Bombe in einem Gebäude,
in dem sich das Büro der Luftfahrtge
Seilschaft Bakhtar und das Verkehrsministerium befinden. Die Zahl der
Toten wird auf drei bis acht ge
schätzt. Das Gebäude wird, wie auch
das Nachbarhaus, in dem Radio Afgha
nistan ansässig ist, evakuiert.

24. September
Der pakistanische Premierminister
Junejo erklärt der Vollversammlung
der Vereinten Nationen, das Afghanistan-Problem sei durch die Präsenz
ausländischer Truppen in diesem Land
hervorgerufen.
Wenn diese Afghanistan verließen, könne eine Übereinkunft über die zukünftige Regierung
des Landes rasch erzielt werden. Er
erklärt weiterhin, Pakistan würde eine Rückkehr zum Normalzustand in Af-

- 12 -

�ghanistan begrüßen, wenn
ment getroffen wird, das
ghanische Volk und auch
Drittel der Bevölkerung
bildenden fünf Millionen
Flüchtlinge im Iran und
akzeptabel ist.

ein Arrangefür das affür die ein
Afghanistans
afghanischer
in Pakistan

Bakhtar berichtet, 19 Personen,
unter ihnen Kinder, seien getötet
worden, als Mujahedin in Bezirk Shindand in der Provinz Herat Raketen abfeuern.
Berichten von Radio Kabul zufolge
weiht Najibullah die Militärpolitische Universität ein.
Ihm zufolge
ergibt sich ein Bedarf für eine solche Universität aus der Tatsache, daß
Streitkräfte der entscheidende Faktor
bei der Festigung der Macht des Volkes seien. Er erklärte ferner, die
Bedeutung dieser Rolle habe unter den
Bedingungen der nationalen Aussöhnung
noch zugenommen. Die militärpolitische Universität von Minsk unterstützt den Aufbau der Universität.

28. September
Berichten westlicher Diplomaten
zufolge ergeben sich 100 Soldaten des
afghanischen Regimes, als ihr Konvoy
in der Nähe von Ghazni von Mujahedin
angegriffen wird.

29. September
Westliche
Diplomaten
erklären,
sowjetische Soldaten hätten sich von
einigen exponierten Stützpunkten in
Afghanistan zurückgezogen, da die
verbesserte Luftverteidigung der Mujahedin die Nachschubbeschaffung erschwert. Zahlreiche sowjetische Soldaten seien nun in Darul Aman konzentriert, einem großen sowjetischen
Stützpunkt in unmittelbarer Nähe zu

Kabul.
Westlichen Diplomaten zufolge
gen Mujahedin einen Hinterhalt
einen großen sowjetischen Konvoy
der Straße von Logar nördlich
Pul-i-Alam und zerstören dabei 20
25 Panzer und andere Fahrzeuge.

lefür
auf
von
bis

30. September
Berichten der Kabuler Nachrichtenagentur Bakhtar zufolge wird bei
einer Routinesitzung des Revolutionsrates der DRA der Generalsekretär des
Zentralkomitees der PDPA, Najibullah,
einstimmig zum Präsidenten des Revolutionsrates der DRA und Vorsitzenden
des Präsidiums des Revolutionsrates
der DRA gewählt. Der amtierende Präsident Haji Mohammad Chamkani wird
zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden des DRA-Revolutionsrates ge
wählt.
Bakhtar berichtet, der afghanische Außenminister Abdul Wakil habe
in seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen erklärt, der nicht erklärte Krieg gegen
sein Land habe die nationale Wirtschaft ruiniert. Er erklärt, 2 000
Schulen, 350 Brücken, 50 Kulturzentren, 131 Krankenhäuser, 224 Moscheen
und Gebetshäuser, 258 Produktionsstätten, Tausende von Lastwagen und
Tausende von Kilometern der Hauptstraßen und Kommunikationswege seien
zerstört. Ihm zufolge beläuft sich
der Gesamtschaden an der Wirtschaft
des Landes (in Milliarden Afghanis)
auf drei Viertel der Gesamtinvestitionen, die zur Entwicklung Afghanistans in den vergangenen 50 Jahren
ausgegeben wurden. Er erklärte, im
ganzen Land seien mehr als 3 200 Ausschüsse zur nationalen Aussöhnung gebildet worden. Etwa 83 000 Flüchtlinge seien zurückgekehrt, mehr als

- 13 -

�30 000 Mujahedin hätten ihre Waffen
niedergelegt, und nahezu 600 bewaffnete
Oppositionsgruppen
mit
etwa
53 000 Leuten stünden in Verhandlungen mit der Regierung.

5. Oktober

2. Oktober

6. Oktober

Die Nachrichtenagentur Bakhtar in
Kabul berichtet, daß eine 5 000 Mann
starke Gruppe unter Führung von Abdur
Kasul Pahlawan in der Provinz Faryab
die Politik der nationalen Aussöhnung
akzeptiert und RegierungsVertretern
eine große Menge Waffen übergeben ha
ben.

Der pakistanische Außenminister
Sahibzada Yaqub Khan erklärt der Na
tionalversammlung, die Waffenliefe
rungen des Regimes in Kabul sowie die
Bombenanschläge seien vom Kabuler Re
gime angewandte Taktiken, um von der
pakistanischen Regierung die Aufgabe
ihrer Grundsatzpolitik im Hinblick
auf Afhanistan zu erzwingen.

3. Oktober

Radio Pakistan berichtet, afgha
nische Regicrungstruppen hätten 21
Panzergranaten auf Landi Khana in der
Nähe der Garnisonsstadt Landi Kotal
am Khyber Paß abgefeuert, wobei ein
Pakistani getötet und sieben weitere
Personen, unter ihnen zwei afgha
nische Flüchtlinge, verletzt werden.

Radio Pakistan meldet die Landung
von zwei Kamp fhubs ehr aubern der afghanischen Luftwaffe in Chitral, die
von den örtlichen Behörden aufge
bracht wurden. Ein Sprecher des pa
kistanischen Außenministeriums stellt
später klar, daß die beiden sowje
tischen Kampfhubsehrauber im Verwaltungsbezirk Mastuj in Chitral gelandet sind.
Auf Bitten der sowje
tischen Regierung, die erklärt, die
Verletzung des Luftraums sei versehentlich erfolgt, liefert die pakistanische Regierung die Besatzung an
die sowjetische Botschaft in Islamabad aus. Der Sprecher berichtet, die
Sowjets hätten die Kampfhubschrauber
beschädigt, um sie außer Gefecht zu
setzen.
Die Besatzung sagt aus, sie seien
Angehörige der Schutzbrigade des KGB
und von Alma A.ta in Kasachstan über
Wakhan nach Mastuj (Chitral) geflogen. Zu den sechs Besatzungsmitgliedern gehören ein Major und ein Hauptmann.

Bei einem Terroranschlag in einem
Gemüsemarkt in Islamabad werden vier
Personen verletzt.

7. Oktober
Eine amerikanische Journalistin
und Autorin eines Buches über ihre
Reisen im Inneren Afghanistans, erklärt bei einer Kongreßanhörung, afghanische Kinder würden ohne Zustimmung oder vorheriges Wissen ihrer Eltern zwangsweise zur Ausbildung in
die
Sowjetunion
geschickt.
Jan
Goodwin, die verantwortliche Redakteurin von Ladies' Home Journal in
New York und Autorin von "Caught in
the Crossfire" hatte bei einem Besuch
in Kabul Regierungsvertreter interviewt, die für das Programm im Herbst
1985 verantwortlich zeichneten. Ihren Aussagen zufolge werden alle zwei
Monate Kinder aus Kabuler- und Vorortschulen ohne vorherige Benachrichtigung ihrer Eltern in die Sowjet-

- 14 -

�union "verschifft".
Die Nachrichtenagentur Bakhtar in
Kabul veröffentlicht das TASS- Interview mit Najib, in dem er erklärt,
2 000 Dörfer seien zum Regierungsla
ger übergewechselt und 83 000 Flüchtlinge zurückgekehrt. Ferner arbeiteten jetzt mehr als 6 000 bewaffnete
Oppositionelle für die Regierung.

8. Oktober
Bakhtar berichtet, sechs Anführer
der insgesamt 1 500 Mitglieder starken Oppositionsgruppen in der Provinz
Herat hättenh in den vergangenen
sechs Monaten Protokolle für einen
Waffenstillstand unterzeichnet. Ferner seien acht bewaffnete, 3 262 Mann
zählende Oppositionsgruppen dem Ruf
zur nationalen Aussöhnung gefolgt und
mit ihren Waffen zur Regierungsseite
übergelaufen.
Im selben Zeitraum
kehrten 800, insgesamt A 000 Personen
zählende Familien nach Hause zurück
und nahmen ihr Leben in unterschiedlichen Gebieten der Provinz Herat
wieder auf. Weiterhin wurden 25 Angehörige des Stammes der Jirgas aufgefordert, die nationale Aussöhnung
in ihrer Provinz voranzutreiben.
Westlichen
Diplomaten
zufolge
werden bei der Detonation der bisher
größten
Autobombe
im
Shahr-e-Nau
Wohngebiet in Kabul mindestens 27
Menschen getötet und mehr als 30 verletzt. Nach inoffiziellen Berichten
von Augenzeugen könnte sich die Zahl
sogar auf 72 Tote und mehr als 100
Verletzte belaufen.

10. Oktober
Radio Kabul berichtet, Najibullah
habe ein Dekret erlassen, das die
Streitkräfte, die Ministerien für na-

tionale Verteidigung, innere Angelegenheiten und Staatssicherheit ermächtigt, Waffen zu festgesetzten
Preisen von abtrünnigen Mujahedin zu
kaufen.

12. Oktober
Berichten von Radio Pakistan zufolge werden bei einer Bombenexplo
sion in einem Busbahnhof in Peshawar
11 Personen verletzt.
Ungefähr 15
Busse im Busbahnhof werden beschädigt.
Der sowjetische Botschafter in
Pakistan, Abdul-Rakham Ogly Wezirow,
bekräftigt in einer Ansprache vor dem
pakistanischen Institut für interna
tionale Angelegenheiten (PI1F) die
ernste Absicht seiner Regierung, ihr
"begrenztes Kontigent" aus Afgha
nistan abzuziehen, der Rückzug sei
jedoch abhängig von der vollständigen
Beendigung ausländischer Einmischung
in die inneren Angelegenheiten Afgha
nistans. Er erklärt, die Sowjetunion
habe den Wunsch, Afghanistan "als unabhängigen und neutralen Staat zu sc
hen, der freundschaftliche Beziehungen zu allen seinen Nachbarländern
unterhält".

13. Oktober
Armand Hammer kommt mit einer
Sondermaschine zu einem Besuch der
Demokratischen Republik Afghanistan
und Gesprächen mit Najibullah in Ka
bul an. Sie sprechen über die nationale Aussöhnung und erörtern jüngste
politische Entwicklungen.
Maulvi Yunus Khalis, Anführer der
Hezb-e-Islami, widerspricht in einem
Interview mit der kuweitischen Nachrichtenagentur (KUNA) in Islamabad
Beschuldigungen, zwei seiner Kommandeure hätten für 1 Million Dollar 16

- 15 -

�Stinger- Raketen an die iranische Re
gierung verkauft.

18. Oktober
Berichten der Nachrichtenagentur
Bakhtar in Kabul zufolge wird die
zweite Konferenz der PDPA über die
Politik der nationalen Aussöhnung un
ter Teilnahme von 67 7 gewählten Dele
gierten eröffnet.
Maulvi Yunus Khalis, 66, Angehöriger der Hezb e Island, wird ein
stimmig zum gewählten Leiter der sie
ben Parteien umfassenden afghanischen
Widerstandsbewegung gewählt. Der Posten des Sprechers, der alle drei Monate unter den sieben Widerstandsfüh
rern zu rotieren pflegte, wird abge
schafft und alle sieben Führer stimmen für Khalis als Anführer der Bewe
gung für einen Zeitraum von 18 Mona
ten.

21. Oktober
Westlichen
Diplomaten
zufolge
gibt es im Anschluß an die zweite na
tionale Konferenz der PDPA Berichte
von großangelegten Verhaftungswellen
und Kntlassungen von Parteiangehöri
gen, die dem ehemaligen afghanischen
Anführer Babrak Karmal treu ergeben
sind. Es gelangen wiederholt Berichte in die Hauptstadt, daß mehr als
2 000 PDPA Angehörige möglicherweise
aus der Partei ausgeschlossen werden
und zahlreiche bereits verhaftet worden sind.

22. Oktober

Pakistan verantwortlich. Seiner Aussage zufolge haben inhaftierte Terroristen zugegeben, von der Kabuler
Regierung finanziert und ausgebildet
worden zu sein. Er fügt hinzu, die
Überwachung sei verstärkt und neue
Gesetze erlassen worden, um die in
terroristische Aktivitäten verwickelten Personen strengstens zu bestrafen.

23. Oktober
Auf dem Badaber Scheme Platz in
der Nähe von Peshawar explodiert eine
von Terroristen gelegte Bombe, wobei
vier Menschen getötet und 17 verletzt
werden, sechs davon schwer. Die Bombe war unter einem Berg von Obst plaziert worden. Durch die Detonation
werden ein nahegelegenes Hotel und
ein Gemüseladen beschädigt.
Berichten westlicher Diplomaten
zufolge hat das Regime das Anwerben
von zum Teil noch nicht einmal 16jäh
rigen Jugendlichen wieder aufgenommen. Vertreter der Regierung und des
KHAD besuchen zahlreiche Schulen und
rekrutieren Jugendliche direkt aus
dem Klassenzimmer heraus.

24. Oktober
Bei einem zur Anhörung von Fällen
im Zusammenhang mit subversiver Tä
tigkeit einberufenen Sondertribunal
in Peshawar wird über einen afgha
nischen Staatsbürger und einen KHADAgenten die Todesstrafe für zwei Bombenanschläge verhängt.
Eine Explosion erfolgte in einem afghanischen
Flüchtlingslager und eine weitere in
der Nähe der Schulaufsichtsbehörde,
wobei 14 Personen verletzt wurden.

Tn einem Interview mit der BBC
macht der pakistanische Innenminister
Nasim Ahmed Ahir die Regierung in Kabul für terroristische Aktivitäten in
- 16 -

�27. Oktober
In Kabul stationierte westliche
Diplomaten berichten, ihren osteuropäischen Kollegen zufolge, die an dem
kürzlich beendeten zweiten PDPA-Kongreß teilgenommen hatten, würden in
Kürze 2 000 Karmal-Anhänger ausgewie
sen. Andere können zum Rücktritt gezwungen werden, wenn sie nicht einen
Kid über künftige Loyalität sowie die
Aufgabe der Parteibindungen ablegten.
Zu Beginn des Monats waren 15 enge
Vertraute von Karmal, einschließlich
seines Vetters Mahmud Baryalai, entlassen worden.
Die französische Botschaft in Is
lamabad erklärt AFP gegenüber, der
französische Journalist Alain Guillo
sei von der afghanischen Armee in der
nördliche Provinz Faryab gefangenge
nommen worden. Er wurde zusammen mit
Kommandeur Mohammad Amin von der
Harkat- e Inquilab- e Islami-Partei Ende letzten Monats gefaßt, als er mit
der Gruppe unterwegs war. Ein übergelaufener
Widerstandsführer
hatte
der afghanischen Armee einen Tip ge
geben.
Guillo
wurde
dann
nach
Shiberghan verschleppt.

den sind. Den schweizer und pakistanischen Experten zufolge sind die
Zahlen der afghanischen Opfer mit die
höchsten in der jüngsten Geschichte
und höher als die Zahl der Opfer, die
in einem konventionellen Krieg zu beklagen wären.

28. Oktober
Radio Pakistan berichtet, daß
zwei amerikanischen Fotojournalisten,
Lee Shapiro und James Lindelof, die
eine Dokumentation über den Krieg in
Afghanistan erstellten, in einem wie sich später herausstellt - sowje
tischen
Kampfhubschrauber-Hinterhalt
nördlich von Kabul ums Leben kamen.
Ihre Film- und Fotoausrüstung wurde
Berichten zufolge von sowjetischen
Soldaten
beschlagnahmt,
die
den
Kampfhubschrauber
zur
Durchsuchung
der
Leichen
verlassen
hatten.
Shapiro und Lindelot befanden sich
mit einer Gruppe von Mujahedin von
Gulbuddin
Hekmatyars
Hezbe-Islami
auf dem Rückweg von Nordafghanistan
nach Pakistan.

29. Oktober
Nach vorläufigen Schätzungen eines von afghanischen Flüchtlingen in
Pakistan erstellten Untersuchungsberichts sind seit Beginn des Widerstandes gegen das Regime in Kabul und
die Sowjets im Jahr 19 78 ca. 1,5 Millionen Afghanen getötet, ernsthaft
verwundet oder verletzt worden. Dr.
Marek Sliwinski von der Universität
Genf und Dr. Ijaz Gilani von Gallup
Pakistan leiteten die Untersuchung
und gelangten zu der Schlußfolgerung,
daß 9 Prozent der Ziffer, auf die
sich die afghanischen Bevölkerung vor
Ausbruch des Krieges belief oder jeder
elfte
Familienangehörige
der
Flüchtlinge in diesem Krieg getötet
und weitere 3,1 Prozent verletzt wor-

Streitkräfte der Mujahedin unter
dem Kommando von Ahmad Shah Mahsud
von Jamiat-e-Islami erobern die afghanische Garnison der Militärpolizei
von Keran (Provinz Badakhshan), wobei
29 Soldaten den Tod finden und 266
gefangengenommen werden. Die Mujahedin verlieren 14 Männer, 11 weitere
werden verwundet. Durch die nachfolgende Kapitulation der Miliz des Kabuler Regimes im Nachbartal Monjan
wird
ein wichtiger Versorgungsweg
nach Pakistan wieder geöffnet.

- 17 -

�30. Oktober
Die Nachrichtenagentur Bakhtar in
Kabul berichtet, der Revolutionsrat
habe ein Dekret erlassen, durch das
afghanischen
Flüchtlingen
Amnestie
gewährt und die Rückkehr ohne Strafverfolgung gestattet würde. Heimkeh
rern, die unter die Wehrpflicht fallen, würde eine sechsmonatige Schonfrist eingeräumt, während der sie das
Land verlassen könnten, sofern sie
dies wünschten.

31. Oktober
Dakht :ir
berichtet
ferner,
Najibullah sei in Begleitung einer
Delegation in die Sowjetunion abge
reist, um an den Feierlichkeiten anläßlich des /0. Jahrestages der Okto
berrevolution teilzunehmen.

2. November
Berichten von Radio Kabul zufolge
hat der Revolutionsrat ein Dekret erlassen, mit dem das neue Gesetz über
Zusammenkünfte und
Handlungen der
Großen
Versammlung
verabschiedet
wird. Die Loya Jirga wird dem Dekret
gemäß zum alleinigen Zweck der Verabschiedung der Verfassung und Wahl des
Präsidenten des Landes abgehalten.

3. November
Radio Pakistan berichtet, Mujahe
din hätten drei Flugzeuge und zwei
Hubschrauber am internationalen Flughafen von Kabul abgeschossen.

5. November

Khalis, Anführer der Islamic Alliance
of Afghan Mujahidin und Leiter der
Hezb-e-Islaroi Afghanistans Versuche
einer nationalen Aussöhnung durch das
Regime in Kabul sowie Friedensbemühungen durch die Annäherungsgespräche
der Vereinten Nationen kategorisch
ab.
Seinen Worten zufolge wünsche
der Widerstand statt dessen direkte
Verhandlungen mit der Sowjetunion.

6. November
Laut Berichten von Radio Pakistan
haben
die
sowjetisch-afghanischen
Streitkräfte im Gebiet Moqur (Provinz
Ghanzi) chemisches Gas zum Einsatz
gebracht, was den Tod von vier Muja
hedin zur Folge hatte. Eine gepanzerte Einheit greift Positionen der
Meujahin an, wird jedoch zurückge
schlagen, wobei neun sowjetische und
afghanische Soldaten den Tod finden
und zahlreiche verletzt werden. Die
Mujahedin ziehen sich zurück und be
haupten, die sowjetish afghanischen
Truppen hätten chemische Gasgranaten
auf sie abgefeuert.

8. November
Radio Pakistan berichtet, Mujahe
din hätten zwei Transportflugzeuge
und einen Hubschrauber auf dem Gelände
des
Militärstützpunktes
Khost
(Provinz Paktia) zerstört. Die Flugzeuge waren zur Anlieferung von Versorgungsgütern für die Garnison ge
landet.
Berichten von Radio Kabul zufolge
hat der Revolutionsrat ein Dekret erlassen, das die Formierung und Eintragung von politischen Parteien als
Teil des nationalen AussöhnungsProzesses regelt.

In einer Pressekonferenz bei den
Vereinten Nationen lehnt Maulvi Yunus
- 18 -

�9. November

12. November

Der pakistanische Staatsminister
für auswärtige Angelegenheiten, Zain
Noorani, erklärt in einer Ansprache
vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen, die anhaltende Präsenz ausländischer Truppen sei "die Wurzel
des Konflikts" in Afghanistan.
Er
eröffnete die neunte Jahresdebatte
der Vollversammlung über Afghanistan.
Seinen Ausführungen zufolge hat das
Regime in Kabul versucht, mit "in ununterbrochener Folge von den Propagandabehörden produzierten geschönten
Statistiken" das "mystische Bild" eines glaubhaften Regimes zu schaffen.

Im Anschluß an ein Treffen mit
Maulvi Yunus Khalis, dem neu gewählten Führer der sieben Parteien umfassenden Allianz, erklärt Präsident
Reagan,
der
Rückzug
sowjetischer
Truppen sei der "Schlüssel zur Lösung
der Afghanistan-Krise" und bis dies
geschehe werde "die Unterstützung,
die der Widerstand durch die Vereinigten Staaten erfahren habe, eher
verstärkt denn verringert". Er fährt
fort:
"Im Namen des amerikanischen
Volkes grüße ich den Vorsitzenden
Khalis, seine Delegation und das Volk
von Afghanistan selbst. Sie sind eine Nation von Helden. Gott schütze
Sie."

10. November
Tn einer Ansprache vor der Vollversammlung, der Vereinten Nationen
drängt der amerikanische Botschafter
Herbort Okun die Sowjetunion, "ihren
Worten Taten folgen zu lassen" und
ihre Truppen aus Afghanistan abzuzie
hen.
Er erklärt, wenn die Sowjetunion wirklich den Wunsch zur Lösung
des afghanischen Problems hege, könnte ;ie einem kurzfristig angelegten
Zeil plan
für
den
Rückzug
ihrer
"120 000 Truppen aus diesem Land zu
stimmen.
Die Vollversammlung der Vereinten
Nationen verabschiedet zum neunten
Mal und mit der bisher größten Mehrheit eine Resolution, in der die Sowjetunion zum Abzug ihrer Truppen aus
Afghanistan aufgefordert wird.
Die
Abstimmung mit 123 zu 19 Stimmen bei
11 Enthaltungen dokumentiert gleichzeitig die Ablehnung der intensiven
Unterstützung seitens der Sowjetunion
und des Kabuler Regimes. Im letzten
Jahr ergab die Abstimmung 122 zu 20
Stimmen, bei 11 Enthaltungen.

Bai einer Bombenexplosion in einem Wohngebiet in Rawalpindi (Pakistan) werden neun Personen verletzt.

13. November
Ein Vertreter des amerikanischen
Außenministeriums erklärt in einer
Veranstaltung
für die Presse in
Washington, die Moral der Mujahedin
sei von einem "beständigen Hoch" gekennzeichnet, da die Sowjets in Afghanistan offensichtlich Rückschläge
erlitten haben. Seinen Worten zufolge habe der afghanische Widerstand im
Jahr 1987 "außerordentlich gut" funktioniert und würde seine "hervorragenden Leistungen" erwartungsgemäß im
Jahr 1988 fortführen. Er bekräftigt
ferner, die Bedeutung des Besuchs einer Delegation afghanischer Mujahedin
in den Vereinigten Staaten werde noch
durch die Tatsache unterstrichen, daß
sie zum ersten Mal von einem gewählten ständigen Leiter angeführt werde,
von Maulvi Yunus Khalis.

- 19 -

�14. November
Radio Pakistan berichtet, daß Mu
jahedin den Leiter des Geheimdienstes
KHAD, Brigadegeneral Abdul. Mannan,
bei ßinem Einsatz in der Nähe der
Stadt Ghazni ernsthaft verwundet ha
ben.

15. November
Berichten der afghanischen Pres
seagentur in Peshawar zufolge haben
130 Truppen des Regimes in Kabul die
Streitkräfte der Mujahedin unter dem
Kommando
von
Maulvi
Nizamuddin
Haqqani von Hezb e Islami (Khalis)
bei heftigen Kämpfen in der Provinz
Paktia unterstützt.
17. November
Hin Sowjetunionexperte der Rand
Corporation erklärt in Washington,
die Sowjetunion versuche mit Gorbatschows "Glasnost" (Offenheit) auf po
litischem Wege zu erreichen, was ihr
militärisch in Afghanistan versagt
bleibe.
Im Verlauf des vergangenen
Jahres hätten die Sowjets aufgrund
der von den Mujahedin in jüngster
Zeit benutzten hochmodernen Fiugab
wehrwaffen 300 Militärflugzeuge im
Wert von 2,5 Milliarden Dollar verloren. Wenn man die Kosten für die
Ausbildung der mit diesen Flugzeugen
verlorenen Besatzungen noch hinzurechne, bedeute dies für die Sowjets
eine erhebliche finanzielle Bela
stung. Der von den Sowjets hervorgerufene Eindruck von Kompromißbereitschaft zu Afghanistan bedeute lediglich, daß diese von ihren eigenen Bedingungen diktiert sei.
Radio Pakistan zufolge hält Präsident Zia ul-Haq in Wana (Bezirk
Süd Waziristan) eine Rede vor einer
großen Jirga (StammesVersammlung).

Vor den Stammesvertretern erklärte
er, man habe den Eindruck, die Sowjetunion sei am baldigen Rückzug ihrer Truppen aus Afghanistan interessiert, wolle aber gleichzeitig ihr
gewonnenes Terrain halten.
Der
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar zufolge erklärt der afgha
nische Außenminister Abdul Wakil in
einer Ansprache vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, es seien
bis zu diesem Zeitpunkt 90 000 afgha
nische Flüchtlinge aus Lagern in Pa
kistan und Iran heimgekehrt, 30 000
Männer von 174 bewaffneten Gruppen
hätten sich der Regierung unterstellt.

18. November
Eine unabhängige internationale
Juristengruppe, die angebliche Menschenrechtsverletzungen in Afghani
stan untersucht hatte, kommt zu dem
Schluß, daß die Sowjetunion und ihr
Stellvertreterregime in Kabul Akte
des Völkermords gegen das Volk von
Afghanistan begangen haben. In ihrem
der Presse in Washington übergebenen
Schlußbericht wird betont, daß die
Durchführung der sogenanten nationa
len Aussöhnungspolitik
vom Januar
keinen Beitrag zur Wiedereinführung
der grundlegendsten Menschenrechte in
Afghanistan
geleistet
habe.
Die
Gruppe erklärt, daß sich weiterhin
mindestens 10 000 afghanische Flüchtlinge pro Monat nach Pakistan absetzten.
Die Saudi Gazette berichtet, daß
Mujahedin unter der Führung von Ahmad
Shah Mahsud
den sowjetisch-afghanischen Posten Tappeh- e-Khana (Provinz Badakhshan) erobert und dabei
mehrere hundert Soldaten, darunter
auch Sowjets, gefangengenommen haben.
Vor dem Fall dieses strategischen Postens hätten die Mujahedin einen
20 -

�zweiwöchigen Umweg über die Berge in
Kauf nehmen müssen, anstatt die normale zweitägige Route durch offenes
Gelände zu nehmen.
Eine von Terroristen gelegte Bombe explodiert
in einem Bus bei
Peshawar. Eine Person wird getötet,
19 verletzt, von denen 17 in ein
Krankenhaus eingeliefert werden.

rung müsse seinen Erklärungen zufolge
von einer Person geleitet werden, die
das Vertrauen der Mujabedin, der afghanischen Flüchtlinge und der gegenwärtigen Kabuler Regierung genieße.
Radio Kabul zufolge legen 100 Mujahedin im Bezirk Qarabagh (Provinz
Kabul) die Waffen nieder und nehmen
das Angebot der nationalen Aussöhnung
an.

19. November
24. November
AFP zufolge werden bei zwei Bombenangriffen von sechs MiG Kampfflugzeugen des Kabuler Regimes im Stammesbezirk von Bajaur nördlich von
Peshawar sechs Personen getötet und
20 verletzt.
Zu den Toten zählen
vier Pakistani und zwei afghanische
Flüchtlinge.

22. November
Laut Radio Pakistan erobern die
Mujahedin einen Sicherheitsposten bei
Charika (Provinz Parwan). Die sowje
tisch- afghanischen Truppen geben die
sem Bericht zufolge den Posten ohne
Widerstand auf. Vier Soldaten werden
gefangengenommen und Waffen erbeutet.
Radio Pakistan berichtet, der pakistanische Präsident Zia ul-Haq habe
in einer Pressekonferenz seiner Überzeugung Ausdruck verliehen, daß das
sowjetische Angebot eines Truppenabzugs aus Afghanistan ernstgemeint
sei. Pakistan sei bereit, in diesem
Zusammenhang seine volle Zusammenarbeit anzubieten. Er schlägt vor, daß
die sowjetischen Truppen so bald wie
möglich aus Afghanistan abgezogen
werden sollen und diese Maßnahme mit
der Einsetzung einer geschäftsführenden Regierung unter der Kontrolle einer UN-Friedenstruppe gekoppelt sein
solle. Die geschäftsführende Regie-

Laut AFP beging Generalleutnant
Muhammad Nabi Azimi, auch erster
Stellvertretender
Verteidigungsminister, angeblich Selbstmord nachdem
eine Woche zuvor eine von ihm kommandierte Offensive zum Entsatz der be
lagerten Garnison Khost gescheitert
war. Ca. 300 seiner Männer seien angeblich zu den Mujahedin übergelaufen, weitere 300 seiea gefangengenommen und die verbleibenden in einer
Schlacht getötet worden, in der die
Mujahedin seinen Truppen zahlenmäßig
überlegen gewesen seien.
Es gibt
keine offiziele Bestätigung für diese
Meldung.
Najibullahs jüngerer Bruder Mohammad
Siddique
alias Siddiqullah
lief Ende des vergangenen Monats zu
den Truppen von Ahmad Shah Mahsud im
Pandschir-Tal über.
Er wurde von
seiner Frau und seinen Kindern begleitet.
Der Afghan Agency Press zufolge
erklärt der Führer der Hesb-e Islami,
Gulbuddin Hekmatyar, in einer Pressekonferenz, daß das afghanische Volk
nach Opferung von 1,2 Millionen Menschen die Sowjetunion dazu gezwungen
habe, sich zum Abzug ihrer Truppen
innerhalb einer kurzen Frist bereitzuerklären.

- 21 -

�25. November

29. November

Die
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar meldet, 300 Mujahedin unter
der Führung von Sher Ahmad Abbas Quli
hätten in der Provinz Herat ihre Waffen niedergelegt, um sich dem Prozeß
der nationalen Aussöhung anzuschliessen.

Bakhtar berichtet, daß die Loya
Jirga (Große Versammlung) heute morgen in der Halle des Polytechnischen
Instituts von Kabul unter Teilnahme
von 1 500 gewählten Volksvertretern
sowie ausländischen und afghanischen
Gästen eröffnet wird.

26. November
AFP berichtet, Pakistan habe eine
vom Kabuler Regime für den 29. November
einberufene
Stammesversammlung
zur Verabschiedung der neuen Verfassung und Wahl eines Staatspräsidenten
als Farce abgelehnt.

28. November
Bei einem terroranschlag in einem
Bazar von Peshawar werden 20 Menschen
verletzt, darunter zwei Frauen Und
zwei Kinder. Die Bombe explodiert in
einem
Btekleidungsladen
des MenaBazars und vernichtet mehrere Läden
in der Umgebung.
Bakhtar berichtet, daß 650 bewaffnete und Unbewaffnete Mujahedin
unter Führung Von Samruddih ihren
Kampf aufgegeben und sich dem Prozeß
der nationalen Aussöhnung in der Provinz Jowzjan angeschlossen haben.
Laut Radio Pakistan erobern Hu ja
hedin nach einwöchigem Kampf die Garnison Sangcharak (Provinz Jowzjart),
125 Kilometer Von der sowjetischen
Grenze entfernt.
Etwa 200 Kabuler
Regierungssoldaten sind Berichten zufolge getötet, 21 Soldaten und Offi
ziere gefangengenommen worden.
Ein
Bomber wird abgeschossen, sieben Pan
zer Uhd gepanzerte Fahrzeuge zerstÖft.

AFP meldet, daß das Polytechnische Institut von vier gewaltigen
Explosionen erschüttert wird, nachdem
Hujahedin Raketen von den Hügeln im
Westen Kabuls abfeuern. Die Raketen
explodieren während Najibullahs An
spräche vor der Versammlung. Im weiteren Verlauf der stundelangen Rede
Najibullahs kreisen Flugzeuge über
Kabul.
Westliche Journalisten, die nach
Kabul zur Beobachtung der großen Versammlung
eingeladen worden waren,
fahren nach dem Raketenangriff durch
Kabul und beobachten, daß afghanische
und sowjetische Soldaten eine Zone
von zwei Quadratkilometern um das Polyttechnikum abgeriegelt haben.
In seiner Eröffnungsrede gibt Na
jibullah Zu, daß das 160 Kilometer
südöstlich von Kabul gelegene Khost
von den Mujahedin belagert wird und
Nacht für Nacht 50 tonnen Nahrungs
mittel eingeflogen Werden, um die
40 0000 Einwohner der belagerten Gar
nisonsStadt zu ernähren.
In einem interview mit dem Londoner Sunday Telegraph erklärt der pakistanische Präsident Zia ul-Haq, internationale Präsenz sei absolut unerläßlich» um sicherzustellen, daß
dfer Rückzug vollständig und ernstge
meint sei und um eine Rückkehr der
sowjetischen Truppen zu verhindern.
Zur Zusammensetzung der geschäftsfüh
renden Regierung schlägt der Präsident vor, je ein Drittel solle aus

- 22 -

�Hujahedin, afghanischen Flüchtlingen
und Vertretern des Kabuler Regimes
bestehen.

30. November
Bakhtar zufolge verabschiedet die
Loya Jirga den neuen Entwurf für die
Verfassung der Republik Afghanistan
(zuvor Demokratische Republik Afghanistan) , in dem die Bedeutung der nationalen Aussöhnung bekräftigt wird.
Die Loya Jirga wählt außerdem Dr. Najibullah einstimmig zum Präsidenten
der Republik Afghanistan.
Die New York Times meldet, der
afghanische Staatschef Najibullah habe einen zwölfmonatigen Zeitplan für
den Abzug der sowjetischen Truppen
aus Afghanistan vorgeschlagen.
Ihm
zufolge sei dieser Vorschlag bereits
mit der sowjetischen Seite "ausgehandelt" worden.

1. Dezember
In einer Rede vor Oberschülern in
Florida erklärt Präsident Reagan, er
werde
Generalsekretär
Gorbatschow
beim
bevorstehenden
Gipfeltreffen
mitteilen, daß es für die Sowjets an
der Zeit sei, ein Datum für den Abzug
ihrer Truppen aus Afghanistan festzusetzen.
Der Londoner Times zufolge werden
12 Menschen in einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Regierungssoldaten und privaten Bewachern eines
früheren Mujahedin-Kommandeurs getötet, der vor zwei Jahren zum Regime
übergelaufen und in den Rang eines
Generals befördert worden war. Die
Konfrontation
begann
als
General
Esmat Muslim, ein Delegierter der
Loya Jirga und Mitglied des Revolutionsrats der Regierung, versuchte,

gewaltsam eine Straßensperre zu passieren.
Bakhtar berichtet, der Charge
d'Affaires der pakistanischen Botschaft in Kabul sei ins Außenministerium zitiert worden, um eine Protestnote in Empfang zu nehmen. Der Note
zufolge waren am 28. November zwei
Menschen getötet und acht weitere
verletzt worden, nachdem
Boden-Boden-Raketen auf Grenztruppen in Dakka
und Grenzposten nahe Torkham abgefeuert worden waren.
Bakhtar zufolge greifen Mujahedin
Gebiete im Bezirk Khost (Provinz
Paktia) sowie in den Bezirken Sarkani
und Asmar (Provinz Kunar) mit Raketen
an und zerstören dabei Wohnhäuser und
töten mehrere Menschen.
Bakhtar berichtet über eine Pressekonferenz Dr. Najibullahs, des Präsidenten der Republik Afghanistan
(RA), in der dieser in- und ausländischen Journalisten, darunter auch
solchen aus dem Westen, die folgenden
Mitteilungen macht:
Die gesamte Auslandshilfe an Afghanistan belaufe sich auf 220 Millionen Dollar oder 11 Milliarden Afghanis für die sozio-ökonomische Entwicklung, 80 Prozent davon stammten
aus der Sowjetunion.
Die Sowjetunion stelle außerdem
"Gratishilfe" in Form von Primärgütern im Wert von Milliarden Afghanis
bereit.
In sieben Jahren seien 37 000
Flüchtlinge (im Durchschnitt 5 000
pro Jahr) heimgekehrt, während sich
diese Zahl in den neun Monaten seit
Verkündung der Politik der nationalen
Aussöhnung auf 100 000 Rückkehrer belaufen habe.

- 23 -

�In acht Jahren hätten sich 12 000
Angehörige oppositioneller bewaffne
ter Gruppen ergeben, während sich in
zehn Monaten nach Verkündung der Politik der nationalen Aussöhung 30 000
Personen "der Volkssouveränität** angeschlossen hätten. Die Zahl hätte
wesentlich höher liegen können, wenn
die pakistanischen und iranischen Behörden die Rückkehr von Flüchtlingen
nicht behindert hätten.
Der einseitige Waffenstillstand
sei bis 20. Juli 1988 verlängert worden. Der Gesamtzeitraum des Waffenstillstands belaufe sich damit auf
eineinhalb Jahre.
Der
einmalige
Mujahedin- Führer
Esmat Muslim sei krank und drogenund alkoholabhängig.
Dies sei auch
der Grund, warum er sich bei der Konfrontation mit Regierungstruppen an
einer Straßensperre vor der Loya
Jirga auf eine solche Art und Weise
benommen habe. Er sei früher bereits
in ärztlicher Behandlung gewesen und
befinde sich gegenwärtig im Kranken
haus.
In seiner Schlußrede vor der Loya
Jirga hatte Najibullah zuvor erklärt,
während des Krieges seien 10 000 junge Leute zur naturwissenschaftlichen
Ausbildung in die Sowjetunion ge
schickt worden.

2. Dezember
Eine gewaltige Autobombe explodiert vor dem alten Bezirksgericht in
Peshawar. Eine Person wird getötet,
11 weitere werden verletzt. Die Polizei nimmt einen Verdächtigen beim
Versuch fest, in das Stammesgebiet zu
fliehen.

3. Dezember
Radio Kabul zufolge empfängt Najibullah die Häuptlinge, Ältesten und
Vertreter
des
Zadran- Stammes
und
spricht mit ihnen über die Probleme
und Schwierigkeiten im Bezirk Khost.
An dem Treffen nimmt auch der Minister für Nationalitäten und Stammesangelegenheiten, Sulayman La'eq, teil.
Najibullah empfängt außerdem mehrere Älteste aus Kandahar, die als
Volksvertreter an der Loya Jirga
teilgenommen hatten.
Er weist die
zuständigen Gremien an, die Schwie
rigkeiten und Probleme der Menschen
von Kandahar zu lösen.

4. Dezember
In der Sendung ABC World News
Tonight erklärt der Direktor des Sowjetischen Instituts für weltwirtschaftliche und internationale Bezie
hungen, der gleichzeitig einer der
wichtigsten Berater Gorbatschows ist,
vor Journalisten, daß er den Abzug
der sowjetischen Truppen aus Afgha
nistan im Jahr 1988 erwarte.

5. Dezember
Radio Pakistan meldet den Abschuß
von sieben Artilleriesalven auf das
Gebiet nahe Ashakhel, nördlich von
Landi Kotal im Khyber-Bezirk. Dabei
seien vier pakistanische Frauen und
drei Kinder getötet worden.

6. Dezember
Radio Kabul zufolge werden im
Einklang mit Präsident Najibullahs
Amnestiedekret zur Freilassung von
5 000 Gefangenen 2 300 Häftlinge aus
dem Zentralgefängnis Pul-e Charkhi

- 24 -

�und weitere 94 aus dem Gefängnis von
Jalalabad entlassen.
Der Vorsitzende der Islamic Alliance of Afghan Mujahidin, Maulavi
Yunus Khalis, erklärt, daß die vom
pakistanischen Präsidenten Zia ul-Haq
vorgeschlagene Annahme einer Koalition mit den Kommunisten in Afghanistan der Annahme des Kommunismus
und dem Verrat an den afghanischen
Märtyrern und ihrem Kampf gleichkommen würde.

7. Dezember
Bakhtar berichtet, eine Gruppe
von 600 Männern unter Führung von Abdul Rahman habe die Beendigung des
Kampfes in der Provinz Herat versprochen.
AFP meldet, daß in dem ersten je
durchgeführten Raketenangriff auf eine pakistanische Garnisonsstadt ein
pakistanischer Soldat getötet und etwa zwei Dutzend verwundet worden seien, einige davon schwer. Afghanische
Truppen schießen Boden-Boden-Raketen
auf die Garnison Landi Kotal am Khyber-Pass ab, die etwa 50 Kilometer
von Peshawar entfernt liegt. Landi
Kotal ist das Hauptquartier der Miliz
und Armeeverbände an der Grenze.
Bald nach der Loya Jirga hatten
die Mujahedin ihre Aktivitäten an der
Hauptstraße zwischen Kabul und Torkham verstärkt. Nachdem die Mujahedin
die Straße an mehreren Stellen blokkiert haben, wird der Verkehr eingestellt.
Schwere Kämpfe werden aus
Dakka, Kama Daka, Monau und Nazian in
Afghanistan gemeldet, und die Leichen
von sechs während der Kämpfe getöteten Mujahedin werden nach Peshawar
zurückgebracht.
Am vierten Tag des
Beschüsses mit Mörsern und weitreichenden
Kanonen
aus
Afghanistan

schicken sich die Einwohner von Dörfern in der Umgebung von Landi Kotal
an, ihre Häuser zu verlacsen. Bewohner der Region veranstalten eine Demonstration gegen den Artilleriebeschuß aus Afghanistan.

8. Dezember
Bakhtar zufolge wird ein Protokoll für gegenseitige Zusammenarbeit
zwischen der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (PDPA) und der Sozialistischen Partei des Jemen unterzeichnet .

9. Dezember
n

ie
westdeutsche
Tageszeitung
"Die Welt" berichtet, daß in den
nördlichen
Provinzen
Afghanistans
entlang der sowjetischen Grenze trotz
der Kabuler Schlagworte "Waffenstillstand" und
"nationale Aussöhnung"
neue Waffen gegen die Mujahedin eingesetzt werden. Einem Interview mit
einem Vertreter des Widerstandes zufolge, der nach einem dreimonatigen
Aufenthalt in der Provinz Balkh das
europäische Büro der Hezb-e-Islami in
Bonn besuchte, waren die Kämpfe angeblich so intensiv, daß viele sowjetische Dörfer am anderen Ufer des Amu
Darya evakuiert werden mußten.
Der Mujahid erklärt, die von den
Sowjets abgefeuerten Projektile führten zu beschleunigter Verwesung des
Körpers der getroffenen Personen.
Dies bedeute somit einen Angriff auf
den islamischen Glauben, demzufolge
der Körper eines im Heiligen Krieg
gefallenen Moslems nicht verfällt.
Die Sowjets verwendeten außerdem Bomben, die nur durch bestimmte Geräusche ausgelöst werden sowie Bomben,
die in der Luft explodierten und einen Regen scharfer Nägel auslösten.

- 25 -

�Die Sowjets verlegten sich zunehmend
auf Nachtoperationen unter Zuhilfenahme von Leuchtkugeln, durch die die
Mujahedin geblendet würden, da sie
nicht wie die sowjetischen Soldaten
mit Schutzbrillen ausgerüstet seien.

durchgeführt worden seien.
Regierungshubschrauber habe er selten be
obachtet.

Bakhtar zufolge übermittelt die
Loya Jirga eine Botschaft an UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar,
derzufolge trotz der Einschüchterungspolitik und sogar blutiger Akte
der Behörden Pakistans und Irans über
120 000 Flüchtlinge heimgekehrt seien.

Die Teheraner Nachrichtenagentur
IRNA berichtet, daß die Mujahedin einen massiven Angriff afghanischer und
sowjetischer Truppen zur Beendigung
der
dreimonatigen
Belagerung
von
Khost vereitelt hätten. In ihrem Ge
genangriff töteten oder verwundeten
die Mujahedin 300 afghanische Solda
ten. Die vereinten afghanisch- sowje
tischen Streitkräfte landen daraufhin
500 Soldaten einer Kommandoeinheit,
die von den Mujahedin unter hohen
Verlusten
zurückgeschlagen
werden.
Außerdem schießen sie drei Flugzeuge
ab, deren Piloten ums Leben kommen,
und zerstören fünf Panzer und mehrere
gepanzerte Fahrzeuge. Etwa 150 afghanische Soldaten und Offiziere,
darunter ein Oberst, ergeben sich den
Mujahedin. Insgesamt werden von den
Mujahedin nach ihren eigenen Angaben
seit Beginn der Schlacht um Khost 800
kommunistische Soldaten getötet, verwundet oder gefangengenommen.

Radio Kabul berichtet, daß unter
dem Präsidialdekret vom 30. November
515 Gefangene freigelassen werden;
260 aus dem Kabuler Zentralgefängnis
Pul-e Charkhi, 196 aus Gefängnissen
in der Provinz Balkh und 59 aus Ge
fängnissen in der Provinz Farah.
Radio Pakistan berichtet, Mujahedin hätten in einem Raketenangriff 90
sowjetische und afghanische Soldaten
in Kandahar getötet oder verwundet.

12. Dezember
Radio Kabul zufolge feuern Muja
hedin Raketen und Mörsergranaten auf
die Stadt Maimanah (Provinz Faryab)
ab, wodurch 10 Menschen getötet und
34 verwundet wurden.
In einem Interview mit AFP erklärt ein französischer Arzt, der
sich zu humanitärer medizinischer
Versorgung in Afghanistan aufhält,
die Schlacht um Khost halte an. Dies
sei nicht länger ein Guerrilla-Krieg,
da die Schlachten zwischen den Muja
hedin und den von den Sowjets unterstützten afghanischen Truppen über
drei Wochen hinweg getobt hätten. Er
selbst habe Tag und Nacht unter massiven Luftangriffen gearbeitet, die
unter Zuhilfenahme von Leuchtkugeln

13. Dezember

14. Dezember
In einem Interview erklärt der
Abteilungsleiter für Angelegenheiten
des Nahen Ostens und Südasiens im
amerikanischen
Außenministerium,
Robert Peck, die Vereinigten Staaten
hofften, daß 1988 das Jahr des Rückzugs der sowjetischen Truppen aus Afghanistan sein werde.
Das Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow vom 8. bis
10. Dezember in Washington habe die
Grundlagen für weitere diplomatische
Bemühungen zur Beilegung des Afgha
nistan-Problems geschaffen, die bei
der nächsten Runde der Genfer Annähe
rungsgespräche im Februar verfolgt

- 26 -

�werden sollten.

15. Dezember
Ein Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums erklärt, die Vereinigten Staaten warteten weiterhin
auf die Verkündung des Zeitplans für
den Rückzug der sowjetischen Truppen
aus Afghanistan.
21. Dezember
Dem Staatssekretär für politische
Angelegenheiten
im
amerikanischen
Außenministerium, Michael Armacost,
zufolge hoffen die Vereinigten Staaten, daß die für Februar angesetzten
Genfer Annäherungsgespräche über Afghanistan die letzten sein werden.
Er äußert dies bei der Vorstellung
des jährlichen Lageberichts des Aussenministeriums zu Afghanistan, in
dem das Jahr 1987 aufgrund der Erfolge des Widerstands im Kampf gegen die
sowjetisch-afghanischen
Streitkräfte
als "das Jahr der Mujahedin" eingestuft wird.

* * * * *

- 27

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

6. Januar 1987

AFGHANISTAN:

ACHT JAHRE SOWJETISCHER BESATZUNG

- Zusammenfassung eines Berichts des amerikanischen Außenministeriums

WASHINGTON - (AD) - Dem am 21. Dezember 1987 vom amerikanischen Außenminister ium veröffentlichten Bericht "Afghanistan: Acht Jahre sowjetischer Besetzung" zufolge ist der sowjetische Versuch, die Kontrolle über Afghanistan
zu erringen, gescheitert.
Der Konflikt hält an, aber "militärische, diplomatische und politische Ereignisse wenden sich zuungunsten der Sowjets".
Die Mujahedin haben als Freiheitskämpfer in vielen Bereichen die Initiative ergriffen, während die immer noch aktiven sowjetischen Streitkräfte nunmehr
eine eher reaktive Verteidigungshaltung eingenommen haben.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Zusammenfassung des Berichts:

Mach acht Jahren brutalen Krieges
gegen das afghanische Volk sind sowjetische
Versuche,
die
Kontrolle
über Afghanistan
zu erringen, gescheitert. Der Konflikt zwischen den
sowjetischen
Besatzungstruppen
und
dem afghanischen Widerstand hält an,
hat sich jedoch verändert. Tod, Zerstörung und Leiden eines unschuldigen
Volkes bestehen fort, aber militärische, diplomatische und politische
Ereignisse
wenden
sich
zuungunsten
der Sowjets. Der Druck könnte Moskau
letztlich
dazu
veranlassen,
sein
schreckliches
und
letztlich
aus-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

sichtsloses Unternehmen in Afghanistan zu beenden.
Im achten Jahr der sowjetischen
Besetzung ist die militärische Initiative in vielen Bereichen in die
Hände der Mujahedin übergegangen. Es
haben auf ihrer Seite in diesem Jahr
stärkere Kampfhandlungen mit saisonbedingten
Fluktuationen
stattgefunden. Das Regime verkündete im Januar
einen Waffenstillstand, der im Juli
und dann wieder im November verlängert wurde, seine Streitkräfte hielten ihre Verpflichtung zu dieser Waf-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�fenruhe jedoch nicht ein.
Die sowjetischen Truppen waren
ebenfalls aktiver, nahmen letztlich
aber eher eine Verteidigungshaltung
ein, die sich auf Reaktion beschränkte.
In der zweiten Jahreshälfte zogen sie sich von mehreren isolierten
Stützpunkten zurück. Den Sowjets und
ihren afghanischen Vasallen ist ihre
uneingeschränkte
Vorherrschaft
am
Himmel entglitten. Sie haben in der
Luft und am Boden zunehmend Verluste
erlitten. Kabuls Soldaten sind wiederholt zu Hunderten desertiert und
der
Umfang
der
Streitkräfte
wird
hauptsächlich durch massive Zwangsverpflichtungen aufrechterhalten.
Trotz in diesem Jahr erfolgter
Bemühungen
sind
die
sowjetischen
Stellvertreter
in Kabul dabei gescheitert, Anreize für ihre Gegner
oder prominente neutrale Personen zu
schaffen, um gemeinsam eine von Najibullah (Najib) und seiner Demokratischen
Volkspartei
Afghanistans
(PDPA) beherrschte Regierung zu bilden.
Im Januar hat Najib eine Kampagne
zur
"nationalen
Aussöhnung"
verkündet.
Angebote zur Beteiligung
daran sind dem früheren afghanischen
Herrscher Sahir Schah, einer Reihe
prominenter parteiloser organisierter
Afghanen und Führern der Widerstand bewegung übermittelt worden, die dieses Angebot aber zurückgewiesen und
eine
"Aussöhnung"
mit
der
sowjetischen Vorherrschaft (auch wenn sie
in afghanischem Gewand
daherkomm'.)
verweigert haben. Das Regime hat in
diesem Jahr vermehrt Konzessionen gemacht, die jedoch für das afghanische
Volk auch nicht akzeptabel waren.
Das von Moskau gewählte Herrschaftsinstrument, die PDPA, ist geschwächt worden.
Die Zersplitterung
der Partei ist durch den Ausschluß
des
früheren
Parteiführers
Babrak

Karmal und
seiner Anhänger
weiter
fortgeschritten.
Obwohl Najib, auch
innerhalb
der Partei, nur geringe
persönliche
Unterstützung
erfährt,
ernannte er sich im September zum
Staatsoberhaupt.
Als
im
Dezember
durch eine unrechtmäßige, von Parteimitgliedern
durchsetzte
Versammlung
eine neue Verfassung geschaffen wurde, ließ sich Najib zum Präsidenten
wählen
Bei dieser Sitzung änderte
das Regime seinen Namen von "Demokratische Republik Afganistan" (DRA) in
"Republik Afghanistan" (RA).
Der afghanische Widerstand stellt
weiterhin in allen Teilen des Landes
eine Herausforderung für die Sowjets
und die Kontrolle des Regimes dar.
Im vergangenen Jahr ist er jedoch zu
einer noch größeren Bedrohung geworden.
Die militärischen Fähigkeiten
der Mujahedin haben in vieler Hinsicht zugenommen - eine verbesserte
Kooperation und Luftverteidigung bedeuteten, daß viele Landesteile effektiv von der Kontrolle der Sowjets/des
Regimes
befreit
wurden.
Die Moral der Mujahedin ist besser
denn je. Die politische Zusammenarbeit innerhalb der Allianz der sieben
Parteien umfassenden Widerstandsbewegung in Peshawar hat sich verbessert.
Im Oktober wählten die Mitglieder der
Allianz Maulavi Mohammed Yunis Khalis
von der Hesb-e-Islami-Partei für eine
Amtszeit von 18 Monaten zu ihrem
"Rais" oder Führer.
Die von den Vereinten Nationen
unterstützten Gespräche über Afghanistan wurden im Jahr 1987 fortgeführt.
Die
Annäherungsgespräche
zwischen Pakistan und dem Kabuler Regime - haben Meinungsverschiedenheiten über einen Zeitplan für den sowjetischen Rückzug - das einzige noch
ungelöste Problem - verringert.
Im
März und im September
verringerte
sich der Zeitraum zu den von Kabul

- 2 -

�vorgeschlagenen 16 Monaten und den
von Pakistan vorgeschlagenen acht Monaten. Gegen Jahresende schlug Najib
vor, Kabul könne möglicherweise 12
oder weniger Monate akzeptieren.
In der Diplomatie haben die Sowjets versucht, auf internationaler
Ebene die Legitimation der Regierung
zu verbessern, indem sie aus Kabul
Emissäre
zu
einem
sechsmonatigen
weltweiten diplomatischen Werbefeldzug entsandten.
Kabul verzeichnete
im Hinblick auf seine diplomatische
Anerkennung einige Gewinne, dennoch
scheiterten die Bemühungen als Ganzes.
Andere Länder verurteilen weiterhin die Besetzung und weisen sowjetische Behauptungen zurück, es gäbe eine andere Lösung der Probleme in
Afghanistan
als
den
sowjetischen
Rückzug.
Bei der Generalversammlung
im November sprachen sich 123 Nationen, die größte bis jetzt erzielte
Zah', für eine Resolution aus, mit
der der ;;nm\ttelbare und vollständige
Rückzug ausländischer Streikräfte aus
Afghani itan gefordert wurde. Die Resolution ist mit generell zunehmenden
Mehrheiten in jedem Jahr seit der sowjetischen Besetzung Afghanistans am
27. Dezember 1979 verabschiedet worden.

Washington haben Erwartungen geweckt,
daß die UdSSR einen annehmbaren Vorschlag zum Rückzug vorlegen würde.
Tatsächlich haben sich die Sowjets
geweigert, sich auf einen "eindeutigen Termin" für einen Truppenabzug
festzulegen.
Die Welt wird den sowjetischen Absichten weiterhin skeptisch gegenüberstehen, wenn die Sowjets nicht einer Regelung zustimmen
- die sie dann auch durchführen -,
die den bedingungslosen, schnellen
und vollständigen Abzug ihrer Truppen
vorsieht.

Perspektiven:
Die Aussicht auf
den Frieden hat erhebliche Anziehungskraft bei einem Volk, das neun
Jahre der Tyrannei und acht Jahre
ausländischer Besetzung erlitten hat.
Aber die Afghanen haben eindeutig erklärt, daß sie keinen Frieden zum
Preis einer fortgesetzten Fremdherrschaft akzeptieren werden.
Moskau
hat wiederholt erklärt,
le | itische Entscheidung zum Abzug is;: getroffen worden",
Öffentliche Erklärungen der Sowjets im Vorf&lt; Ld
Gipfeltreffens
zwischen
R igan
tu.tschow im Dezember in
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'V IO N **

6. Januar 1988

DIE AUFRÜSTUNG DER SANDINISTEN
- Ein Hintergrundbericht -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 12. Dezember 1987 gehaltenen Rede deutete
der nicaraguanische Verteidigungsminister Humberto Ortega an, daß die militärische Aufrüstung der Sandinisten wesentlich umfangreicher ist als in der Vergangenheit vom amerikanischen Außenministerium angenommen wurde.

"Wir
haben gegenwärtig
250 000
Menschen zu unserer Verteidigung organisiert und bewaffnet. Wir werden
diese Bemühungen
nicht aufgeben."
Darüber
hinaus prahlte er:
"Bald
werden wir ca. 300 000 Menschen haben
und
wir
werden
versuchen,
etwa
600 000 angemessen ausgebildete und
organisierte Leute in den Reihen der
allgemeinen Verteidigung des Landes
zu haben." Die erstgenannte Zahl von
250 000 liegt um mehr als das Doppelte über der letzten Schätzung des
amerikanischen Außenministeriums vom
Oktober
1987.
Ortegas
Anspruch,

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Embassy of the United States of America

letztlich eine Zahl von 600 000 militärisch ausgebildeten Personen zu erlangen, weckt erhebliche Zweifel an
der Ernsthaftigkeit der sandinisten
im Hinblick auf das Friedensabkommen
in Mittelamerika.
Ortegas Rede wurde augenscheinlich durch Fragen veranlaßt, die ihm
von
der
Tageszeitung
"Washington
Post" im Nachgang zu einem Interview
mit Roger Miranda Begoechea, einem im
Oktober 1987 in die Vereinigten Staaten übergelaufenen Major der Sandinistischen Volksarmee, gestellt wurden.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zum Zeitpunkt seines Übertritts war
Miranda seit 1982 Chef im Sekretariat
des nicaraguanischen Verteidigungsministeriums und Mitglied des Zentralkomitees der Sandinisten. Das Sekretariat ist die einzige Organisation,
die Verteidigungsminister Ortega direkt unterstellt ist. Dadurch wurde
dem damaligen Major Miranda mehr exekutive Macht eingeräumt als dem Chef
des Generalstabs, einem Generalmajor.
Zweimal
hat
Verteidigungsminister
Ortega - vielleicht unbeabsichtigt Mirandas
Aussagen
erhärtet.
Zum
Zeitpunkt von Mirandas übertritt erklärte Ortega, Miranda sei der wichtigste und potentiell gefährlichste
Überläufer der Sandinistisschen Front
gewesen, den es jemals gegeben habe.
Ortegas Rede vom 12. Dezember verlieh
den Angaben Mirandas zusätzliche Beweiskraft, da sie stattfand, bevor
Ortega
exakt
wissen
konnte,
was
Miranda
in
einem
mit
Sperrfrist
versehenen Interview am 10. Dezember
gesagt hatte.
Bei seiner Flucht nahm Miranda
Dokumente mit, die seinen Angaben zufolge geheime Protokolle über militärische Zusammenarbeit mit der Sowjetunion enthalten. Die "Washington
Post" verwies darauf, daß diese "Verstärkungen bei Personal und von den
Sowjets gelieferter Ausrüstung vorsehen, die im Falle ihrer Verwirklichung in den nächsten sieben Jahren
etwa ein Fünftel der heutigen Bevölkerung unter Waffen stellen würden".

Miranda machte zusätzliche Angaben zu
folgenden Themen:

1. Militärische Themen
- Die Strategie der Sandinisten für
die anhaltende militärische Aufrüstung.
- 2

- Kubanische und sowjetische
ter in Nicaragua.
- Das Direktorat
Aufklärung.

für

Bera-

Militärische

- Ausrüstung, Struktur, Kommunikationswesen und Taktik der sandinistischen Armee.
- Abkommen mit der Sowjetunion über
Bestand
und
Instandsetzung
für
die sandinistische Luftwaffe.
- Neue Ausrüstung
ischen Marine.

der

sandinist-

- Verkauf
nordkoreanischer
an Nicaragua.

Waffen

- Kommunikations- und Informationssysteme des Verteidigungsministeriums.
- Abhörfähigkeiten in Nicaragua.
- Unterstützung der Guerilla in El
Salvador durch die Sandinisten.

2. Politische Themen
- Angaben zu Lebenslauf und Lebensführung hoher und mittlerer Vertreter der Sandinisten.
- Geschäftliche
Aktivitäten
Sandinisten-Commandantes.

der

Zu den wichtigsten Enthüllungen
gehört die Tatsache, daß die Sowjets
den Sandinisten die Lieferung von
Kampfflugzeugen des Typs MiG-21 versprochen haben, die nach 1991 erfolgen soll. Die Sandinisten haben ausserdem um Lieferung von zusätzlichen
Hubschraubern der Typen Mi-25 HIND-D
und Mi-17 HIP sowie eines Transportflugzeuges vom Typ AN-26 gebeten.

�Die
Sandinisten
beabsichtigen,
Armee und Miliz auf eine Gesamtstärke
von 500 000 Mann auszubauen.
Die
Lieferung einer großen Zahl zusätzlicher Schützenpanzer, Geschütze auf
Selbstfahrlafetten,
PanzerabwehrWaffen, Boden-Luft-Raketen sowie Flugabwehrgeschütze wird erwartet oder wurde schon ausgeführt. Für die Marine
werden drei neue 400-Tonnen Schiffe
aus der Sowjetunion erwartet.
Miranda zufolge sind die Commandantes der Sandinisten davon überzeugt, daß der einzige Weg zur Sicherung der Entwicklung ihres marxistischen Programms in Nicaragua darin
besteht, eine mächtige Armee aufzubauen.
"Man kann Vereinbarungen unterzeichnen, man kann den Anschein
von mehr Flexibilität im politischen
System erwecken, aber worüber sie
niemals
verhandeln werden
ist die
Entwicklung der sandinistischen Armee. Sie wissen, daß sich ihre Macht
langfristig auf den umfang dieser Armee
gründet,"
erklärte
er
der
"Washington Post".
Die Sandinisten
"verspüren keinerlei Wunsch, über die
Größe der Armee zu verhandeln, die
sie in Nicaragua zu unterhalten planen.
Ja, sie werden an Gesprächen
teilnehmen.
Aber nach Monaten der
Diskussion werden sie erklären, daß
sie keine Vereinbarung erzielt haben.
Meiner Meinung nach ist dies der verwundbarste Punkt - an dem sie die geringste Neigung zeigen, Frieden in
Mittelamerika herbeizuführen."
Laut Miranda fuhren die Sandinisten trotz des Friedensplans für
Mittelamerika
fort, die salvadoranischen Untergrundkämpfer zu unterstützen.
Auf Bitten des GuerrillaFührers Joaquin villalobos erklärte
sich Humberto Ortega im September
1987 bereit, salvadoranische Guerrillas in der Bedienung von Boden-LuftRaketen auszubilden. Gegen Ende Ok-

tober 1987 schlössen 15 salvadoranische
Guerrillas
einen
35tägigen
Lehrgang für die Bedienung verschiedener Boden-Luft-Raketen ab.
Die in
Managua durchgeführte Ausbildung war
von den sandinistischen Commandantes
gebilligt worden.
Die Operation für den Waffennachschub wird von einer unter dem Namen
"Das Büro" bekannten Geheimorganisation durchgeführt, die von Commandante Bayardo Arce geleitet wird. Waffen für Guerrilla-Gruppen in El Salvador, Costa Rica, Kolumbien und andere lateinamerikanische Länder kommen mit Linienflügen oder -schiffen
in Managua an, wo sie gelagert werden.

Der mittelamerikanische Friedensplan
als Waffe zur Entwaffnung der Widerstandskämpfer
Die
Sandinisten
beabsichtigen
nicht, die Friedensvereinbarungen von
Guatemala einzuhalten.
Den Sandinisten wurde von kubanischen und sowjetischen Beratern angeraten, von "Demokratie", "Pluralismus" und "Freiheit" zu reden. Das Ziel, einen marxistischen
Staat aufzubauen, solle
heruntergespielt
werden.
Dazu
Miranda:
"Sie (die Sandinisten) haben nicht den Willen, diesen Frieden
zu erlangen...
sie hatten mit den
Sowjets und Kubanern schon eine Vereinbarung
für die
(sandinistische)
Armee für die nächsten acht Jahre getroffen... Mit welchem Wunsch werden
sie denn dann von Frieden reden, wenn
sie gleichzeitig im Hinterkopf an die
Schaffung einer der mächtigsten Armeen Lateinamerikas denken - mit einer Bewaffnung, wie nur wenige andere
Armeen in Lateinamerika sie besitzen?... Die Sandinisten sind langsam
zu der Erkenntnis gelangt, daß der
Widerstand auf dem Lande eine Basis
der Unterstützung besitzt - eine be-

- 3 -

�deutende gesellschaftliche Basis. In
der Tat ist dies eine grundlegende
Tatsache, um zu erklären, warum sie
nach so vielen Offensiven der sandinistischen
Armee
immer
noch
dort
sind.
Der Widerstand auf dem Lande
bewegt sich wie ein Fisch im Wasser."
Als Reaktion auf ein etwaiges direktes
Singreifen
der
Vereinigten
Staaten in Nicaragua planen die Sandinisten Invasionen in Costa Rica und
Honduras sowie die Gefangennahme von
US-Amerikanern und Erbeutung amerikanischen Eigentums.

* * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

6. Januar 1983

BEGINN DES WAHLPROZESSES MIT VORWAHLEN UND PARTEIVERSAMMLUNGEN
- Wichtige Termine im Vorfeld der Wahlen 1988 -

WASHINGTON - (AD) - Der lange Auswahlprozeß der republikanischen und demokratischen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten
Staaten 1988 umfaßt eine komplizierte Vielzahl von Vorwahlen in den Bundesstaaten, Parteiversammlungen und Parteikonventen.

Das Ziel dieser Veranstaltungen
ist die Benennung von Delegierten der
einzelnen Bundesstaaten für die nationalen Parteikonvente beider Parteien, die im Jahr 1988 für die Demokraten vom 18. bis 21. Juli in Atlanta und für die Republikaner vom
15. bis 18. August in New Orleans
stattfinden werden.
Jeder Bundesstaat bestimmt sein
eigenes System, die meisten wenden
jedoch eine der folgenden vier Arten
von Vorwahlen an:

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Vorwahl zur Auswahl von Delegierten, bei der die Namen der Präsidentschaftskandidaten
nicht
im
einzelnen
auf den
Stimmzetteln
erscheinen; es werden lediglich
Kandidaten
für den
Delegierten
beim
Parteikonvent
aufgeführt,
wobei diese ihre Präferenz für
einen
Präsidentschaftskandidaten
angeben können, aber nicht müssen.
Vorwahl mit Empfehlungen für einen
Präsidentschaftskandidaten,
bei der die Wähler auf
ihren
Stimmzetteln
sowohl
Präsident-

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�Schaftskandidaten als auch Delegierte für den Parteikonvent anKreuzen können, die entweder einen bestimmten Präsidentschaftskandidaten bevorzugen oder keine
Präferenz angeben.
- Rechtsverbindlicher Wettkampf mit
nur einem Gewinner, bei dem die
Ergebnisse der Wahl für den Präsidentschaftskandidaten
die Bezirksdelegierten
des
Präsidentschaftswahlkampfes in jedem Kongreßwahlbezirk
bestimmen
sowie
die Delegierten der Bundesstaaten
für den Gewinner im gesamten Bundesstaat.
- Vorzugsvorwahlsystem mit verhältnismäßiger
Vertretung, bei der
die Ergebnisse der Wahl des Präsidentschaftskandidaten
diesem
Kandidaten Delegierte im Verhältnis zum Wahlergebnis jedes einzelnen Kandidaten zuordnen.
Diese Prozesse der Vorwahlen werden in zahlreichen Staaten durchgeführt.
Dabei bilden Bürger Gruppen
zur öffentlichen Unterstützung eines
Kandidaten und wählen dann auf einer
Grundlage, die im Verhältnis zur Beliebtheit des Kandidaten steht, Gruppenmitglieder aus, die an den später
stattfindenden
Parteikonventen
der
Einzelstaaten teilnehmen, bei denen
dann die Delegierten für die nationalen Parteikonvente ausgewählt werden.
Nachfolgend
veröffentlichen
wir
die Termine der demokratischen (D)
und
republikanischen
(R) Vorwahlen
(primaries - p ) , Parteiversammlungen
caucus - C) und Parteikonvente für
die
amerikanischen
Bundessstaaten.
Wenn keine Parteizugehörigkeit angegeben ist, finden die Veranstaltungen
für beide Parteien zum selben Termin
statt.

- 2

�14. Januar
Michigan
27. Januar
Hawaii
29. Januar
Michigan
8. Februar
Iowa
16. Februar
New Hampshire
23. Februar
Süd-Dakota

(R) (Bezirkskonvent)
(R) (C)
(R) (Parteikonvent im Staat)
(C)
(P)
(P)

Minnesota
27. Februar
Kansas
28. Februar
Maine
1. März
Vermont
5. März
Süd-Carolina

(C)

(C)

Kansas

(R) (Parteikonvent im Staat)

Wyoming
8. März
Alabama

(C)
(P)

Arkansas

(P)

Florida

(P)

Georgia

(P)

Hawaii

(D) (C)

Idaho

(D) (C)

Kentucky

(P)

Louisiana

(P)

Maryland

(P)

Massachusetts

(P)

Mississippi

(P)

(R) (Bezirkskonvent)

(P) (unverbindlich)
(R) (P)

- 3

�Missouri
Nevada

Nord-Carolina
Oklahoma
Rhode Island
Tennessee
Texas
Virginia
Washington
10. März
Alaska
12. März
Süd-Carolina
14. März
Nord-Dakota
15. März
111 i no i s
19. März
Kansas
Wyoming
26. März
Michigan
29. März
Connecticut
4. April
Colorado
5. April
Wisconsin
16. April
Arizona
10. April
Utah
19. April
New York
Vermont
21. April
Nevada
25. April
Utah

�26. Apri 1
Pennsylvania

(P)

Vermont
3. Mai
District of Columbia

(R) (C)

Indiana

(P)

Ohio
10. Mai
Nebraska

(P)

West Virginia
14. Mai
Arizona
16. Mai
Delaware
17. Mai
Oregon
24. Mai
Idaho
7. Juni
Kalifornien

(P)

(P)

(P)

(R) (Parteikonvent im Staat)
(C)
(P)
(P)
(P)

Montana

(P)

New Jersey

(P)

Neu-Mexico
14. Juni
Nord-Dakota
16. Juni
Alaska

(P)
(P)
(R) (Parteikonvent im Staat)

******

- 5 -

�AMERIKA DIENST
^7

a

Wissenschaft und Technik
b. Januar 1938

NEUER IMPFSTOFF GEGEN TYPHUS
- Gute Schutzwirkung - geringe Kosten - leicht anwendbar -

WASHINGTON - (AD) - Massenimpfungen in Ländern der Dritten Welt sind wegen
der damit verbundenen technischen und organisatorischen Schwierigkeiten noch
immer ein Problem. Eine Ausnahme bildete bisher nur die Immunisierung gegen
Pocken. Diese gefürchtete Infektionskrankheit, die für Millionen von Menschen
Erblindung, Entstellung oder den Tod bedeutet hatte, konnte dank der Impfaktionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerottet werden.
Es sind
jetzt zehn Jahre her, daß der WHO der wohl letzte durch natürliche Ursachen
ausgelöste Fall aus Afrika (Merka in Somalia) gemeldet wurde.

Ein in gewisser Weise vergleichbares Ergebnis erhoffen sich Wissenschaftler der amerikanischen Medizinischen
Bundesforschungsanstalten
(National Institutes of Health - NIH)
von einem neuartigen Impfstoff gegen
Typhus.
Wie Dr. Charles Lowe vom
NIH-Institut für Kindergesundheit und
menschliche Entwicklung (National Institute of Child Health and Human
Development - NICHD) kürzlich berichtete, erwiesen sich die klinischen
Versuche mit dem in seinem Institut
entwickelten Impfstoff in Nepal als
überaus vielversprechend.
Innerhalb

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von 17 Monaten gingen in den für die
Erprobung
ausgewählten
Dörfern
die
Erkrankungsziffern
im Vergleich
zu
den Kontrollgruppen, die ein Placebo-Präparat erhielten, um 75 Prozent
zurück.
Die Vakzine wird aus einer zukkerähnlichen Substanz in der Außenhülle des Typhusbakteriums gewonnen.
Schon eine einzige Dosis bewirkt Immunität - und der dafür benötigte
Impfstoff kostet nur einen Cent, d.h.
nicht einmal zwei Pfennige.
Demgegenüber haben die beiden anderen ge-

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�genwärtig verfügbaren Impfstoffe erhebliche Nachteile:
Der eine, der
aus kompletten Bakterienzellen gewonnen wird, erfordert zwei bis drei Injektionen, hat schwere Nebenwirkungen
(verursacht u.a. Schwellungen, Fieber, Kopfschmerzen) und erfordert alle zwei bis drei Jahre Auffrischungsimpfungen zur Erhaltung der Immunität. Pro Dosis kostet er 1,25 Dollar.
Der zweite Impfstoff wird in Pillenform verabreicht.
Aber es müssen
drei oder vier Dosen gegeben werden,
um einen Schutz zu erreichen, der etwa dem entspricht, der durch die neue
Vakzine mit nur einer einzigen Dosis
erzielt wird. In Entwicklungsländern
sind jedoch Impfungen mit Mehrfachdosen schwer durchführbar.
Ebenso machen die erwähnten Nebenwirkungen der
erstgenannten Vakzine ihre Anwendung
schon allein aus diesem Grund in Ländern der Dritten Welt praktisch unmöglich. Ein weiterer ganz wichtiger
Vorteil des neuen Impfstoffes:
Er
braucht nicht gekühlt zu werden, was
bei den meisten anderen Vakzinen ein
schwerwiegender Hinderungsgrund ist,
um -ue z.B. in tropischen Ländern mit
eineiT nur unzulänglich funktionierenden Gesundheitswesen und lückenhafter
Infrastruktur einzusetzen.
In Entwicklungsländern erkranken
jährlich ungefähr 50 Millionen Menschen am Typhusfieber, viele sterben
darein. Das Risiko ist dort am größten,
wo
Nahrung
und
Wasser
mit
menschlichen Ausscheidungen verunreinigt: sind, oder in Entwicklungsländern, wo Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Hochwasser Kanalisation und
Kläranlagen beschädigen oder zerstören.
Der neue Impfstoff wurde von einer
internationalen
Forschergruppe
aus den USA, Schweden, Frankreich und
Nep. •' an 7000 freiwilligen Versuchs- 2

personen im Alter zwischen fünf und
44 Jahren erprobt. Die Wissenschaftler kontrollieren auch künftig den
Antikörper-Spiegel bei den Probanden,
um Erfahrungen darüber zu sammeln,
wie lange der Schutz anhält.
In
Frankreich und Mexiko wurden die Vakzine bereits zugelassen.
Dr. Lowe
erwartet die Genehmigung für die Vereinigten Staaten nach Abschluß der
Nepal-Studie im März 1988. Ein ebenfalls am NICHD entwickelter, aber
noch wirksamerer Impfstoff gleichen
Typs, der
das Immunsystem
stärker
stimuliert, soll helfen, Kinder unter
zwei Jahren und ältere Menschen besser gegen eine Typhuserkrankung zu
schützen.

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST 1987
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst 1987
erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themen
kreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1, 25

Mittelamerika

7, 17, 28, 30, 31, 36, 37,

Südafrika

8, 35

Martin Luther King

2

Vereinigte Staaten
Haushalt 1987/88
Botschaft zur Lage der Nation
Reagans Jahreswirtschaftsbericht
Strategie zur Nat. Sicherheit
Tran/Geiseln - Waffenaustausch
icht der Tower-Kommission
'. Jahrestag "Stimme Amerikas"
Marshall-?lan
Nominierungen
Amb. Burns Nachruf
Handelsminister Baldrige Nachruf
Unabhängigkeitstag
Amerikanische Verfassung
Privatisierungskommission
Reagan-Besuch in Bonn
Berliner Mauer
Prokl. "Tag der Deutsch-Amerikaner"
weltfrieden
Shultz/Informationsfluß

1 -

2
4
5
5, 6, 7, 8
9, 11
9
9
21, 22
10, 21, 28, 36, 40
24
27
24
29, 33
31
23
28
35
30
36

�Ost-West-Beziehungen
und
Rüstungspolitische Themen
Abrüstung/Rüstungskontrolle

Reagan/Gorbatchow Gipfeltreffen
Ost-West-Beziehungen
Spionage Moskauer Botschaft
Null-Lösung
SDI
NATO
INF
ABM
Kern- u. Weltraumwaffen

3, 5, 10, 11, 13, 15, 16, 17,
18, 20, 22, 24, 26, 27, 29,
37, 38, 42, 43
39, 42, 43, 44
30, 33
14
16
11, 37, 42
11, 23, 29, 31
9, 12, 15, 18, 27, 29, 32,
33, 34, 35, 38, 39, 40, 43, 44
10, 13, 19, 32
35

Internationale Probleme
Wirtschaft, Handel u. Finanzen
Wirtschaftsgipfel Venedig
Sonderausgaben zum Wirtschaftsg.
Terrorismus
Kommunismus
Drogen
Menschenrechtsverletzungen
Tschernobyl
Persischer Golf
Ozonloch

10, 14, 15, 16, 17, 18, 22,
25, 26, 34, 37, 38, 41
22, 23
21. Mai u. 1. Juni 1987
4, 22, 24
2
8, 9, 20, 21, 39
10
17
21, 22, 26, 34, 37, 38
42

Wissenschaft und Technik
Rauchen
NASA
Weltraum allgemein
Forschung
AIDS
Krebs

1
2, 4, 15, 22, 34, 40, 44
5, 21
3, 7, 23, 43
12, 13, 16, 21, 40, 41
11, 14, 24

�Reden und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
18. Januar 1987
Die vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland:
Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen
(Tönnissteiner Kreis)

11. Februar 193 7
Die amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen:
Mythen und Verpflichtungen
(industrie-Club, Düsseldorf)

1.

April 1987
Die wiedergeborene Null-Lösung
(Der Artikel wurde am 18. März 1987 in der New York Times
veröffentlicht)
AD Nr. 12

8.

April 1987
Warum amerikanische Truppen in Europa bleiben sollen
AD Nr. 13 - 8. April 1987

15. April 1987
Glasnost und der Konsens im Westen
- Ansprache in Berlin -

5.

Mai 1987
Burt: Deutsch-amerikanische Zusammenarbeit Schlüssel zur
Rüstungskontrolle
- Rede in Ansbach -

20. Mai 1987
Glasnost und das Bündnis
- Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik -

25. Juni 1987
Der Marshall-Plan: Politik der Vision
- Rede aus Anlaß des 40. Jahrestages der Verkündung des
Marshall-Plans in Berlin -

- 3 -

�4.

November 1987
Die Weltwirtschaft: Perspektiven für eine geteilte Verantwortung
- Rede vor der Amerikanischen Handelskammer in der Bundesrepublik
(Atlantik-Brücke, Industrie- und Handelskammer Mittlerer Neckar,
Stuttgart)

16. November 1987
Ist die NATO noch zeitgemäß
- Rede vor der Hanns-Seidel-Stiftung in München AD Nr. 41, 19. November 1987

25. November 1987
Die Revolution im Informationswesen und die deutsch-amerikanischen
Beziehungen
- Rede auf dem Bertelsmann-Forum, Gütersloh Sonderdienst 25. November 1987

- 4 -

�Sonderdienste

26. März 1987
Die sowjetische Militärmacht 1987
(Sechste Dokumentation des US-Verteidigungsministeriums)

15. Juni 1987
Berliner Mauer niederreißen für die Sache des Friedens
- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor

14. August 1987
Reagan optimistisch über Abschluß eines Abrüstungsabkommens
- Fernsehansprache des Präsidenten -

27. August 1987
Reagan: Offenheit bei sowjetischen Militärangelegenheiten
- Rede Präsident Reagans zu Ost-West-Beziehungen -

3.

Dezember 1987
Chronologie der Entwicklung im Bereich der Mittelstreckenwaffen (IMF)
- 1977 bis 1987 -

7.

Dezember 1987
Hintergrundmaterial zum Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und
Generalsekretär Gorbatschow in Washington
- 7. bis 10. Dezember 1987 -

* * * * * *

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse In Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Juni bis Dezember 1987&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Afghanistan: Acht Jahre sowjetischer Besatzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung eines Berichts des amerikanischen Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Aufrüstung der Sandinisten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Hintergrundsbericht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beginn des Wahlprozesses mit Vorwahlen und Parteiversammlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wichtige Termine im Vorfeld der Wahlen 1988&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Impfstoff gegen Typhus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gute Schutzwirkung - geringe Kosten - leicht anwendbar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Themenindex&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Amerika Dienst 1987</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

6. Januar 1993

c f&gt;fytCCJ

Etnboss

53OO Bonn ^

START II

DER START-II-VERTRAG
Eine Übersicht des Weißen Hauses

PORTRAT

WARREN CHRISTOPHER:
DER "VOLLBLUTDIPLOMAT"
Porträt des designierten Außenministers
INNENMINISTERIUM VOR WICHTIGEN
HERAUSFORDERUNGEN
Porträt von Bruce Babbitt

VERTEIDIGUNGSEXPERTE ZUM NEUEN
CHEF DES PENTAGON BERUFEN
Porträt von Les Aspin
ANTHONY LAKE BRINGT DREISSIGJÄHRIGE ERFAHRUNG IN DER
AUSSENPOLITIK MIT
Porträt des designierten
Nationalen Sicherheitsberaters
ERSTE FRAU AN DER SPITZE DES
JUSTIZMINISTERIUMS
Porträt von Zoe Baird
DESIGNIERTER HANDELSBEAUFTRAGTER
IST ÄUSSERST KONKURRENZORIENTIERT
Porträt von Mickey Kantor
O'LEARY SOLL ENERGIEMINISTERIUM
NEUEN KURS GEBEN
Clinton wünscht Betonung
alternativer Energieträger

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�PORTRÄT

EHEMALIGER BÜRGERMEISTER VON
DENVER ZUM VERKEHRSMINISTER BERUFEN
Porträt von Federico Pena
LÄNDLICHE ENTWICKLUNG SCHLÜSSEL
FÜR ESPYS ERFOLG
Porträt des designierten
Landwirtschaftsministers
ERNENNUNG EINES LANDESWEIT
GESCHÄTZTEN BILDUNGSPOLITIKERS
ZUM ERZIEHUNGSMINISTER
Porträt von Richard Riley
IM AUSLAND GEBORENE AMERIKANERIN
ZUR UNO-BOTSCHAFTERIN BERUFEN
Porträt von Madelaine Albright
MILITÄR- UND SICHERHEITSEXPERTE
NEUER LEITER DER CIA
Porträt von R. James Woolsey

�START

II
6. Januar 1993

DER START-II-VERTRAG
Eine Übersicht des Weißen Hauses
Die folgende Übersicht zum am 3. Januar 1993 in Moskau von den Präsidenten Bush und Jelzin unterzeichneten START-Il-Vertrag wurde am 1. Januar 1993 vom Weißen Haus veröffentlicht.
Am 3. Januar 1993 werden Präsident George Bush
und Präsident Boris Jelzin den Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten von Amerika und der Russischen
Föderation über die Weitere Reduzierung und Begrenzung Strategischer Offensivwaffen unterzeichnen. Der
häufig als START II bezeichnete Vertrag wird die von
den beiden Präsidenten beim Washingtoner Gipfeltreffen am 17. Juni 1992 unterzeichnete Gemeinsame
Vereinbarung kodifizieren.
Der Vertrag wird die destabilisierendsten strategischen
Waffen - schwere ballistische Interkontinentalraketen
(ICBMs) und ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen
(MIRVed ICBMs) - beseitigen und die in beiden Ländern stationierten Bestände an strategischen Nuklearwaffen um zwei Drittel der gegenwärtigen Niveaus
drastisch reduzieren.
Der Vertrag umfaßt ein Protokoll über die Beseitigung
oder Konversion von schweren ICBMs und schweren
ICBM-Silos, ein Protokoll über die Vorführung und
Inspektion schwerer Bomber sowie eine Regierungsvereinbarung über die Zuordnung.
Beziehung zum START-Vertrag
Der neue Vertrag baut auf dem am 31. Juli 1991
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterzeichneten START-Vertrag auf, fordert jedoch
sehr viel einschneidendere Reduzierungen der strategischen Nuklearstreitkräfte. Alle START-Regelungen
bleiben bestehen, sofern sie in dem neuen Vertrag
nicht ausdrücklich geändert wurden. Aufgrund der
engen Beziehung zwischen den beiden Verträgen
kann START II nicht vor dem START-Vertrag in Kraft
treten. Darüber hinaus soll er während der gesamten
Dauer von START in Kraft bleiben.
Zentrale Obergrenzen
Der Vertrag wird gleiche Obergrenzen für die Anzahl
strategischer Nuklearwaffen festsetzen, die von beiAMERIKA DIENST 1

den Seiten disloziert werden können. Die Obergrenzen werden für zwei Phasen definiert: Phase I soll
sieben Jahre nach Inkrafttreten des START-Vertrags
und Phase II bis zum Jahr 2003 abgeschlossen sein.
Phase II kann bis Ende des Jahres 2000 beendet
werden, wenn die Vereinigten Staaten zur Finanzierung der Beseitigung strategischer Offensivwaffen in
Rußland beitragen können.
Der Vertrag wird Reichweiten für einige der zentralen
Obergrenzen festsetzen.
Phase I
Bis zum Ende der ersten Phase muß jede Seite die
Gesamtzahl ihrer stationierten strategischen nuklearen Gefechtsköpfe auf 3.800-4.250 reduziert haben.
Dies beinhaltet sowohl die Anzahl der auf dislozierten
ICBMs und unterseebootgestützten ballistischen
Raketen (SLBMs) befindlichen Gefechtsköpfe als auch
die Zahl der Gefechtsköpfe, mit denen schwere Bomber mit nuklearem Auftrag ausgerüstet sind.
Von der Gesamtzahl von 3.800-4.250 Gefechtsköpfen
dürfen sich nicht mehr als 1.200 auf stationierten
MIRVed ICBMs, nicht mehr als 2.160 auf dislozierten
SLBMs und nicht mehr als 650 auf schweren ICBMs
befinden.
Phase II
Bis zum Ende der zweiten und letzten Phase muß jede
Seite die Gesamtzahl ihrer stationierten strategischen
nuklearen Gefechtsköpfe auf 3.000-3.500 reduziert
haben. Von diesen dürfen sich keine auf MIRVed
ICBMs einschließlich schwerer ICBMs befinden. Daher
müssen alle MIRVed ICBMs von den dislozierten
Streitkräften beider Seiten beseitigt werden. Mit nur
einem Gefechtskopf bestückte ICBMs sind erlaubt.
Auf SLBMs dürfen sich nicht mehr als 1.700-1.750
stationierte Gefechtsköpfe befinden.
Bezüglich
MIRVed SLBMs besteht kein Verbot.
Seite 1

�Vergleich zwischen den zentralen Obergrenzen
von START und START-II
Der nachfolgende Vergleich zwischen den vom STARTVertrag und vom START-Il-Vertrag festgesetzten
zentralen Obergrenzen stellt sichfolgendermaßendar:

ten um bis zu jeweils vier Gefechtsköpfe pro
Rakete reduzieren. Es besteht keine Gesamtobergrenze bei der Anzahl von Gefechtsköpfen,
die verringert werden können.
Eine Obergrenze von 105 ICBMs von einem
dieser Typen kann um bis zu jeweils fünf Gefechtsköpfe reduziert werden. Eine solche ICBM
darf nur in Silos stationiert werden, in denen sie
zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des STARTVertrags disloziert war.

Bei der Gesamtzahl der strategischen Gefechtsköpfe sieht der START-Vertrag eine Obergrenze von 6.000 anrechnungsfähigen Gefechtsköp-fen vor. Phase I von START II geht von
3.800 bis 4.250 tatsächlichen Gefechtsköpfen
aus. Diese Zahl soll schließlich in Phase II von Daher können die mit drei Gefechtsköpfen bestückte
START II auf 3.000 bis 3.500 begrenzt werden. amerikanische Minuteman-Ill-ICBM und die russische
SS-17-ICBM mit vier Gefechtsköpfen sowie 105 der
Für Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen mit sechs Gefechtsköpfen ausgerüsteten russischen
legt der START-Vertrag eine Obergrenze von SS-19-ICBM auf einen einzigen Gefechtskopf redu4.900 fest, während bei START II in beiden ziert werden, um der Forderung nach Beseitigung aller
Phasen keine spezifischen Grenzen definiert MIRVed ICBMs gerecht zu werden. Die amerikanisind.
sche ICBM Peacekeeper und die russische schwere
ICBM SS-18 sowie die SS-24-ICBM, die alle mit jeBallistische Interkontinentalraketen mit Mehrweils 10 Gefechtsköpfen bestückt sind, und die verfachgefechtsköpfen (MIRVed ICBMs) werden
bleibenden SS-19-ICBM müssen im Einklang mit den
von START nicht erfaßt, während START II,
START-Verfahren beseitigt werden.
Phase I, eine Obergrenze von 1.200 festlegt
und START II, Phase II, deren völlige Abschaf- Beseitigung von Raketensystemen
fung vorsieht.
Im START-Vertrag können stationierte SLBMs und die
Gefechtsköpfe auf seegestützten ballistischen meisten dislozierten ICBMs der Anrechnungsfähigkeit
Raketen (SLBMs) sind im START-Vertrag nicht entweder durch Zerstörung ihrer Abschußvorrichtunenthalten. START II, Phase I, legt eine Ober- gen (Silos für stationäre ICBMs, mobile Abschußvorgrenze von 2.160 fest, die in START II, Phase II, richtungen für mobile ICBMs und Abschußbereiche
auf 1.700-1.750 gesenkt wird.
auf Unterseebooten für SLBMs) oder durch Umrüstung dieser Abschußvorrichtungen enthoben werBei Gefechtsköpfen auf schweren ICBMs sieht
den, so daß sie nur einen anderen Typ einer erlaubten
START eine Obergrenze von 1.540 vor. Diese
Rakete tragen können. Die einzige Ausnahme ist die
wird in START II, Phase I, auf 650 reduziert. In
SS-18. Im START-Vertrag muß die Forderung nach
Phase II von START II sollen diese vollständig
der Beseitigung der 154 stationierten SS-18 durch die
abgeschafft werden.
Zerstörung, nicht die Umrüstung der Silos, erfüllt werden.
Bei Gefechtsköpfen auf mobilen ICBMs setzt
der START-Vertrag eine Obergrenze von 1.100 In dem neuen Vertrag behalten diese Regeln im allgefest, die in beiden Phasen von START II ihre meinen ihre Gültigkeit. Die wesentliche Ausnahme ist
wiederum die SS-18. 90 SS-18-Silos können umgerüGültigkeit behält.
stet werden, um eine Rakete mit einem Gefechtskopf
zu
tragen, der Rußland zufolge ein SS-25-Typ sein
Die Gesamtzahl der strategischen nuklearen
wird.
Der Vertrag schreibt spezifische Verfahren einTrägersysteme ist in START mit 1.600 festgeschließlich
Vor-Ort-Inspektionen vor, um sicherzustelsetzt. Diese Zahl gilt ebenfalls für beide Phasen
len,
daß
diese
umgerüsteten Silos nie wieder zum
von START II.
Abschuß einer schweren ICBM in der Lage sein werReduzierung der Anzahl von Gefechtsköpfen pro den. Die verbleibenden 64 SS-18-Silos, die GegenRakete
stand dieses Vertrages sind, müssen zerstört werden.
Der Vertrag erlaubt eine Reduzierung der Anzahl von
Gefechtsköpfen auf bestimmten ballistischen Raketen. Eine solche Reduzierung ("downloading") ist in
einer sorgfältig strukturierten Weise mit einer Modifizierung der im START-Vertrag vereinbarten Regeln
gestattet:

Im Gegenzug für das Recht zur Beibehaltung von bis
zu 90 umgerüsteten SS-18-Silos wird der Vertrag
erfordern, daß alle stationierten und nichtstationierten
SS-18-Raketen und Behälter bis spätestens zum 1.
Januar 2003 beseitigt werden. Dies ist eine wesentliche Abweichung vom START-Vertrag. Generell strebte der START-Vertrag nicht die Zerstörung von RakeJede Seite darf zusätzlich zu der amerikani- ten an. Im START-Il-Vertrag hat die russische Seite
schen Minuteman IM und der russischen SS-N- jedoch der Beseitigung aller stationierten und nichtsta18 zwei bestehende Typen ballistischer Rake- tionierten SS-18-Raketen zugestimmt. Damit wird ein

Seite 2

AMERIKA DIENST 1

�seit langem bestehendes Ziel der amerikanischen Vertrag nie als luftgestützte atomare MarschflugkörSeite verwirklicht - die vollständige Beseit igu ng schwe- per großer Reichweite anzurechnen waren, jetzt für
konventionelle Aufgaben umgerüstet werden können.
rer ICBMs.
Solche Bomber werden bei den durch den Vertrag
Schwere Bomber
festgelegten Obergrenzen für Gefechtsköpfe nicht mit
angerechnet. Sie werden von den für Nuklearwaffen
Im START-Vertrag unterliegen nukleare schwere
ausgerüsteten schweren Bombern getrennt stationiert,
Bomber einer flexibleren Zählweise als ballistische
lediglich für Aufgaben nichtatomarer Natur genutzt
Raketen. Jeder schwere Bomber, der nur Kurzstrekund sich sichtlich von den anderen schweren Bombern
kenraketen oder Freifallbomben tragen kann, zählt als
desselben Typs unterscheiden, die nicht für konventioein Gefechtskopf. Die zum Tragen von luftgestützten
nelle Zwecke umgerüstet werden. Solche schweren
atomaren Marschflugkörpern großer Reichweite
Bomber können nach dreimonatiger Benachrichtigung
(ALCMs) ausgerüsteten amerikanischen schweren
wieder für atomare Zwecke genutzt werden, dürfen
Bomber zählen jeder wie zehn u nd die zum Tragen von
danach jedoch nicht wieder für konventionelle Aufgaatomaren Marschflugkörpern großer Reichweite ausben umgerüstet werden.
gerüsteten sowjetischen schweren Bomber jeder wie
acht Gefechtsköpfe.
Verifizierung
Im START-Il-Vertrag werden die schweren Bomber
gemäß der Zahl der Atomwaffen - seien es luftgestützte Marschflugkörper großer Reichweite, Kurzstrekkenraketen oder Freifallbomben -fürdie sie tatsächlich
ausgerüstet sind, gezählt. Diese Zahl wird in der
Regierungsvereinbarung über die Anrechnungsfähigkeit im Vertrag spezifiziert und bei einer einmaligen
Vorführung und routinemäßigen Vor-Ort-Inspektion
bestätigt.
Neu am START-Il-Vertrag ist ferner die Bestimmung,
daß bis zu 100 schwere Bomber, die unter dem START-

Das umfassende Verifizierungssystem des STARTVertrages wird unter dem neuen Vertrag weiterhin
gültig sein. Zusätzlich wird der START-Il-Vertrag
einige neue Verifizierungsmaßnahmen umfassen, wie
die Beobachtung der Konversion der SS-18-Silos sowie
die Beseitigungsverfahren, Vorführung und Inspektion
aller schweren Bomber zur Bestätigung der Waffenladungen und die Vorführung der schweren Bomber, die
für konventionelle Zwecke umgerüstet werden, um
ihre sichtbaren Unterschiede zu bestätigen.

* * * * *

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Seite 3

�PORTRAT
6. Januar 1993

WARREN CHRISTOPHER:
DER "VOLLBLUTDIPLOMAT"
Porträt des designierten Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Der als "Vollblutdiplomat"
bezeichnete Warren Christopher wird allgemein respektiert und ist bekannt für einen Führungsstil, der
von Ruhe und Rationalität anstatt Zwang und Einschüchterung geprägt ist.

Die amerikanische Außenpolitik sei dann am besten,
wenn sie von Überparteilichkeit gekennzeichnet sei
und Maßnahmen fördere, über die sich beide politischen Parteien einig seien, wie etwa bei den NahostFriedensgesprächen und der Hilfsaktion in Somalia.

Der neu gewählte Präsident Bill Clinton erklärte zur
Wahl des 67jährigen Rechtsanwalts, altgedienten Diplomaten und geschickten Verhandlungsführers als
Außenminister, er habe immer stärker "auf sein Urteilsvermögen zu vertrauen gelernt... Er ist ein Freund,
den ich in meiner Nähe haben möchte."

Darüber hinaus machte er deutlich, daß Außen- und
Innenpolitik "gleichzeitig und nicht nacheinander behandelt werden" müßten.

Clinton bezeichnete Christopher als "eine Person mit
unvergleichlichem Urteilsvermögen" und verwies darauf, er habe niemand anderen kennengelernt, der
"bessere Urteilskraft oder ein breiteres Spektrum einschlägiger Erfahrungen vorzuweisen hatte". Er habe
nur deshalb auch mit anderen Kandidaten für den
Posten des Außenministers gesprochen, weil er nicht
geglaubt habe, er werde Christopher überzeugen
können, ihn anzunehmen.
Christopher war bisher Leiter von Clintons Übergangsteam und hatte sich selbst deshalb als Kandidat für
einen Kabinettsposten ausgenommen.
Mit dem Hinweis auf Christophers "hervorragende
Dienste unter früheren Administrationen" erklärte Clinton, er habe "exzellente Arbeit" geleistet, als er die
Freilassung der amerikanischen Geiseln im Iran im
Jahr 1981 aushandelte. Er würdigte darüber hinaus
Christophers Bemühungen während der Carter-Administration, China in die Völkergemeinschaft einzugliedern.
In einer kurzen Erklärung nach der Bekanntgabe seiner Nominierung verwies Christopher darauf, mit dem
Ende des Kalten Krieges sei die Welt in "ein neues und
bei weitem komplizierteres Zeitalter" mit einem "neuen
Spektrum von Gefahren" eingetreten, zu denen ethnische und religiöse Rivalitäten sowie die Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen gehörten.

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Christoper weigerte sich jedoch, vor seiner Bestätigungsanhörung im US-Kongreß Fragen zu bestimmten außenpolitischen Themen zu beantworten.
Christopher ist zur Zeit von seiner Tätigkeit bei O'Melveny und Myers, einer Anwaltskanzlei in Los Angeles
mit über 500 Rechtsanwälten, beurlaubt.
Er war Stellvertretender Außenminister in der CarterAdministration, Stellvertretender Justizminister in der
Johnson-Administration und Verhandlungsführer der
Kennedy-Administration bei Handelsgesprächen.
Carter charakterisierte Christopher als Regierungsvertreter, der ihn mehr als jeder andere beeindruckt
habe, und der ehemalige Präsident verlieh ihm am 16.
Januar 1981 die Medal of Freedom - die höchste zivile
Auszeichnung der Vereinigten Staaten.
Nach seiner Vereidigung als Stellvertretender Außenminister am 26. Februar 1977 erwarb sich Christopher
den Ruf einer raschen Auffassungsgabe in der Au ßenpolitik und spielte eine entscheidende Rolle als Chefunterhändler der Administration bei den Verträgen
über den Panamakanal.
Im Außenministerium wurde er zum Koordinator von
Carters Menschenrechtspolitik im Ausland sowie zum
Vorsitzenden einer interministeriellen Kommission
ernannt, die die Menschenrechtsbilanz für jedes Land
getrennt beurteilte.
Ende 1980 bediente sich Christopher einer intensiven
Reisediplomatie und flog nach Algerien, um die Freilassung der amerikanischen Botschaftsgeiseln im Iran
Seite 1

�auszuhandeln. Die Geiseln wurden erst kurz nach der York Times folgendermaßen zitiert: "Christopher ist
Amtseinführung Ronald Reagans im Januar 1981 frei- keiner, der Geschäfte macht oder manipuliert. Er ist
mehr als eine politische Figur. Er ist ein Mann der Tat,
gelassen.
nicht der Worte... Ich würde ihm jedes Geheimnis
Christopher wurde von Clinton gebeten, ein Team zu anvertrauen. Clinton weiß, was er mit Warren alles
leiten, dessen Aufgabe die Überprüfung der Liste erreichen kann."
möglicher Vizepräsidentschaftskandidaten war und
das ihm helfen sollte, einen Kandidaten auszuwählen. Der am 27. Oktober 1925 in Scranton (North Dakota)
Dieser Prozeß führte schließlich zur Wahl des Sena- geborene Christopher schloß 1945 an der University of
tors aus Tennessee, AI Gore, der sich als starke Southern California seine Collegeausbildung ab. Von
Ergänzung der demokratischen Liste erwies.
Juli 1943 bis September 1946 war er in der Marinereserve und kam als Leutnant zur See auf dem pazifiChristopher übernahm unlängst den Vorsitz der Bür- schen Kriegsschauplatz zum Einsatz. Von 1946 bis
gerkommission, die das Verhalten der Polizei von Los 1949 besuchte er die juristische Fakultät der Stanford
Angeles während und nach der auf einem Videofilm University und leitete dort die Zeitschrift Law Review.
aufgezeichneten Mißhandlung von Rodney King durch
Polizeibeamte im Jahr 1991 untersuchte. Die Kom- Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung im Jahr
mission wurde gegründet, als der Freispruch der 1981 kehrte Christopher zu O'Melveny and Myers
Beamten von den meisten der ihnen zur Last gelegten zurück - einer Anwaltskanzlei, mit der er nahezu sein
Anklagepunkten im Frühjahr 1992 in Los Angeles zu ganzes Berufsleben verbunden war, außer während
seiner Regierungstätigkeit. In den vergangenen 11
schweren Ausschreitungen führte.
Jahren war Christopher Vorsitzender der UnternehBürgermeister Tom Bradley ernannte Christopher in mensleitung und damit in der Praxis für die Tagesgedas Gremium, dasspäteralsChristopher-Kommission schäfte zuständig.
bekannt wurde. Diese empfahl tiefgreifende Reformen innerhalb der Polizei, und die Wähler von Los Als ehemaliger Präsident des Anwaltsvereins im LandAngeles sprachen sich in einem Volksentscheid für die kreis Los Angeles war Christopher 1959 SonderberaReformen aus.
ter des kalifornischen Gouverneurs Edmund Brown.
Er war Direktor des Los Angeles World Affairs Council
Bryce Nelson, Professor für Publizistik an der Univer- und Mitglied der Trilateral Commission. Von 1961 -65
sity of Southern California, der während der Polizeibe- war er Sonderberater von Staatssekretär George Ball
fragung Christophers Sprecher war, wird in der New für auswärtige Wirtschaftsprobleme.
*

Seite 2

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�PORTRAT
6. Januar 1993

INNENMINISTERIUM VOR WICHTIGEN
HERAUSFORDERUNGEN
Porträt von Bruce Babbitt
oder der scheidende Senator Tim Wirth für den Posten
an der Spitze des Innenministeriums berufen wird.
"Unsere Botschaft war eindeutig: Im Innenministerium
sind Führungsqualitäten erforderlich, und es werden
Menschen wie Babbitt oder Wirth gebraucht", erklärte
Umweltschützer sind einer Meinung mit ihm, was einer eine Sprecherin des Sierra Club am 24. Dezember
der Gründe dafür ist, daß sie seine am 24. Dezember 1992.
1992 vom künftigen Präsidenten Clinton verkündete
Nominierung umgehend billigten. Das Innenministe- Um das Treffen hatten Umwettschützer gebeten, da
rium ist für die Nationalparks und das an Farmer und sie über einige andere, in den Medien genannte KanBergarbeiter verpachtete, dem Staat gehörende Land, didaten für das Amt nicht glücklich waren.
für die Beziehungen zu den Stämmen der UreinwohDer 54jährige Babbitt stammt aus dem Westen der
ner und die Überwachung privater Bergwerksbetriebe
Vereinigten Staaten, was eine bedeutende Qualifikazuständig.
tion für den Posten des Innenministers ist. Bergbau-,
Ein weiterer Grund ist, daß sie einander gut kennen - Wasserversorgungs- und Erschließungsprojekte sowie
Babbitt ist zur Zeit Präsident der League of Conserva- Nationalparks sind überwiegend im Westen konzention Voters, dem politischen Arm einer Koalition füh- triert und für die regionale Beschäftigung, die Bilanzen
render Umweltschutzgruppen in den Vereinigten Staa- verschiedener großer Unternehmen sowie den Nachschub von Nahrungsmitteln und Mineralien auf Bunten.
desebene lebenswichtig.
Jay Hair, Präsident der National Wildlife Federation,
nannte Babbitts Nominierung eine "ausgezeichnete" Er wurde 1977 Gouverneur von Arizona, als der damalige
Entscheidung. Er erklärte, "Babbitt teilt die Sorgen der Amtsinhaber starb. 1978, dem Jahr, in dem Clinton
Mehrheit der Amerikaner, daß wir uns stärker um das zum Gouverneur von Arkansas gewählt wurde, geuns anvertraute, im Staatsbesitz befindliche Land und wann Babbitt seine Wiederwahl. Während seiner
Amtszeit brachte er ein Gesetz über die Grundwasserdie Natur kümmern müssen."
versorgung ein, indem er Konflikte zwischen Farmern,
Babbitt, ehemaliger Gouverneur des Bundesstaates Bergleuten und Stadtbewohnern löste.
Arizona, ist der letzte in einer Reihe "grüner" Nominierungen für die zukünftige Administration von Clinton Babbitt, Clinton und andere gewählte Beamte wie
und Vizepräsident Gore. Carol Browner, die zur Leite- Senator Gore, die 1982 wiedergewählt worden waren,
rin des Umweltschutzamtes (Environmental Protec- gründeten den Demokratischen Führungsrat (Demotion Agency - EPA) berufene ehemalige Assistentin cratic Leadership Council), um die Demokratische
Gores, wurde von Umweltschutzgruppen für ihre Ar- Partei stärker ins Zentrum zu rücken.
beit als Beamtin für Umweltfragen in Florida gelobt.
Hazel O'Leary, die designierte Energieministerin, er- 1988 beteiligte sich Babbitt am Rennen um das Amt
klärt, die Prioritäten des Energieministeriums sollten des Präsidenten, verlor aber in mehreren Vorwahlen
bei der Förderung von Energieeinsparung und der der Demokraten und mußte ausscheiden.
Nutzung alternativer Energieträger liegen.
1960 legte er sein erstes Examen an der University of

WASHINGTON - (AD) - Der ehemalige Gouverneur
Bruce Babbitt ist dafür bekannt, daß er das Innenministerium, an dessen Spitze er berufen wurde, ein
"Durcheinander" nannte.

Am 23. Dezember 1992 trafen sich mehrere Führer
von Umweltschutzgruppen mit Beamten von Clintons
Übergangsteam, um darauf zu drängen, daß Babbitt
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Notre Dame mit Geologie im Hauptfach ab. Als
Marshall-Stipendiat konnte er an der University of
Newcastle in Großbritannien Geophysik studieren und
machte dort 1962 seinen Magister.
Seite 1

�Nach einer Reise nach Lateinamerika schrieb er sich
an der juristischen Fakultät der Harvard University ein,
nahm an Demonstrationen der Bürgerrechtsbewegung teil und machte 1965 seinen Abschluß.
1974 gewann er die Wahl zum Justizminister des
Bundesstaates Arizona mit einem Wahlprogramm,
das auf die Beseitigung der Korruption in der Regierung und die strafrechtliche Verfolgung von Grundstücksbetrügereien abzielte.

In Zeitungsinterviews sprach Babbitt kürzlich über die
Bedeutung internationaler Zusammenarbeit im Kampf
gegen weltweite Umweltprobleme. Ihm zufolge müssen die Entwicklungsländer ihre Volkswirtschaften
modernisieren, aber sie lehnen Ratschläge der Industrieländer ab, die selbst nicht genug zur Bekämpfung
ihrer eigenen Umweltprobleme unternehmen.

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AMERIKA DIENST 1

�PORTRÄT
6.Januar 1993

VERTEIDIGUNGSEXPERTE ZUM NEUEN
CHEF DES PENTAGON BERUFEN
Porträt von Les Aspin
WASHINGTON - (AD) - Der vom neugewählten Präsidenten Clinton für den Posten des Verteidigungsministers nominierte Les Aspin hat erklärt, er werde sich
bemühen, trotz der Reduzierung der amerikanischen
Streitkräfte in "der neuen postsowjetischen Welt nach
dem Kalten Krieg" deren hohe Qualität und technologische Überlegenheit zu bewahren.

Kuwait nicht ändern würden und unterstützte 1991
energisch die Bemühungen der Bush-Administration,
den Irak aus Kuwait zu vertreiben.
Während seiner Tätigkeit im Streitkräfteausschuß des
Repräsentantenhauses hat er eine Reihe großer und
teurer Waffensysteme abgelehnt, darunter den B-2
Tarnbomber. Andererseits unterstützte er einen Finanzierungskompromiß für die Interkontinentalrakete
MX. Er interessiert sich brennend für Rüstungskontrolle und ist als Gegner einer weltraumgestützten
Strategischen Verteidigungsinitiative bekannt. Er war
bestrebt, Versuche der Administration zur Neuinterpretation des amerikanisch-sowjetischen ABM-Vertrags von 1972 zu vereiteln.

In dem neuen Zeitalter hat sich, wie Aspin in einer
kurzen Erklärung nach der Bekanntgabe seiner Nominierung am 22. Dezember 1992 feststellte, die Definition der amerikanischen nationalen Sicherheit verändert und erweitert. Dazu gehören ihm zufolge mögliche Bedrohungen seitens regionaler Mächte sowie
Gefahren, die sich aus der weiteren Verbreitung von
Kernwaffen ergeben und "die Möglichkeit einer Umkehr der Reformen in der ehemaligen Sowjetunion, die In der Ausgabe 1992 von Politics in America heißt es,
Aspin habe sich besonders verteidigungspolitischen
unermeßliche Folgen hätte".
Themen wie konventionellen Waffen und MilitärpersoAspin verwies femer darauf, daß die neue Definition nal sowie "der sinkenden Abhängigkeit von Kernwafder nationalen Sicherheit auch die wirtschaftliche fen als Mittel gegen eine schwindende sowjetische
Komponente umfasse. Das Verteidigungsministerium Bedrohung" gewidmet.
könne zur Wiederbelebung der amerikanischen BinAspin lehnte das militärische Engagement der Vereinenwirtschaft beitragen.
nigten Staaten in Vietnam ab und befürwortete die
Clinton erklärte, er habe Aspin als seinen wichtigsten Unterstützung der Contras in Nicaragua im Jahr 1986.
zivilen Militärberater berufen, weil dieser "die Einzel- In jüngster Zeit kritisierte er die langsame Reaktion der
heiten der Verteidigungspolitik meisterhaft beherrscht". republikanischen Administration auf die VeränderunTatsächlich hat Aspin im Repräsentantenhaus an gen im Osten und den Niedergang des Kommunismus
führender Stelle daran mitgewirkt, den Umfang des in Osteuropa sowie das abnehmende Einvernehmen
Verteidigungshaushalts festzulegen. Während des zwischen den Vereinigten Staaten und der SowjetuniPräsidentschaftswahlkampfs trug er wesentlich zur on.
Gestaltung der militärpolitischen Haltung Clintons bei.
Der gewählte Präsident erklärte, Aspin sei "Experte in Der im Jahr 1985 zum Vorsitzenden des StreitkräfteVerteidigungsfragen", und diese Einschätzung wird ausschusses des Repräsentantenhauses ernannte
von Vertretern der Rüstungsindustrie, Militärs, Vertei- Aspin hat sich unermüdlich dafür eingesetzt, seinem
Ausschuß eine Rolle bei der Gestaltung der Verteididigungsfachleuten und Politikern allgemein geteilt.
gungspolrtik zu sichern. Aspin hat seither die Position
In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat der des Ausschußvorsitzenden behalten - mit Ausnahme
gemäßigte Demokrat den Kurs der amerikanischen von zwei Wochen im Jahr 1987, als er vorübergehend
Verteidigungspolitik maßgeblich beeinflußt. Aspin kam durch ein Mißtrauensvotum von dieser Funktion entbereits frühzeitig zu dem Schluß, daß internationale bunden wurde, das durch seinen Hang zu AlleingänWirtschaftssanktionen die irakischen Bestrebungen in gen motiviert war.

AMERIKA DIENST 1

Seite 1

�Aspin errang 1970 zum ersten Mal in Wisconsin ein
Mandat für den US-Kongreß und wurde sofort Mitglied
im Streitkräfteausschuß. Er hatte zuvor bereits zwei
Jahre im Pentagon als einer der "Wunderknaben" des
damaligen Verteidigungsministers McNamara gearbeitet und 1966-68 in der Armee gedient. In seinen
ersten Jahren im Kongreß gab er bis zu 60 Pressemitteilungen monatlich zu verteidigungspolitischen Fragen heraus.

gungsministeriums gegenüber Homosexuellen zu
ändern, und Aspin hat erklärt, die Frage müsse "äußerst sorgfältig und offen" erörtert und gelöst werden.
Es sei "eine gute Sache", da ß das Thema "unmittelbar"
behandelt werden wird.
Der 1938 in Milwaukee (Wisconsin) geborene Aspin
erhielt im Jahr 1960 einen B.A. in Geschichte an der
Universität Yale, im Jahr 1962 seinen M.A. in Volkswirtschaft, Politologie und Philosophie an der Universität Oxford und promovierte 1965 am Massachusetts
Institute of Technology in Volkswirtschaft.

Die New York Times beschreibt Aspin als jemanden,
der "in großen, analytischen Konstrukten und Szenarien denkt, als ob die Welt ein gigantisches Puzzle sei
und seine Arbeit darin bestehe, zu versuchen, die Er begann seine politische Laufbahn als Mitarbeiter
Einzelteile in verschiedenen Kombinationen zusam- des ehemaligen Senators William Proxmire. Später
wurde er Mitarbeiter des Vorsitzenden des Rats der
menzufügen".
Wirtschaftsberater in der Kennedy-Administration.
Ein Thema, dem er sich frühzeitig wird stellen müssen, Darüber hinaus lehrte er zwei Jahre lang an der
ist die Politik der Streitkräfte, Homosexuelle vom Dienst Marquette University in Wisconsin Volkswirtschaft bevor
auszuschließen. Der gewählte Präsident Clinton hat er in den Kongreß gewählt wurde.
im Wahlkampf versprochen, die Politik des Verteidi*

Seite 2

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AMERIKA DIENST 1

�PORTRAT
6.Januar 1993

ANTHONY LAKE BRINGT DREISSIGJAHRIGE
ERFAHRUNG IN DER AUSSENPOLITIK MIT
Porträt des designierten Nationalen Sicherheitsberaters
WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Clinton für den Posten des Nationalen Sicherheitsberaters - eine der wichtigsten außenpolitischen Positionen in der amerikanischen Regierung - nominierte
Anthony Lake bringt umfassende Erfahrung für diese
Tätigkeit mit. Der 53jährige trat bereits 1962 in den
auswärtigen Dienst ein und ist seither in außenpolitischen Kreisen aktiv.

auf Kambodscha durch die Nixon-Administration und
schrieb später ein kritisches Buch über Kissingers
Haltung gegenüber Afrika.
1977 wurde Lake unter der Carter-Administration Leiter des politischen Planungsstabs des Außenministeriums. In dieser Stellung war er unmittelbar Außenminister Cyrus Vance unterstellt und wurde Zeuge der
bürokratischen Manöver zwischen Vance und Carters
Nationalem Sicherheitsberater, Zbigniew Brzezinski.

Wie Clinton gehört auch Lake zu der von Kennedys
Präsidentschaft Anfang der sechziger Jahre sowie
durch den Vietnamkrieg geprägten idealistischen Als Ronald Reagan 1981 Präsident wurde, zog sich
Generation. Lakes Idealismus trat offen zutage, als er Lake in das akademische Leben zurück und wurde
1970 von seinem Posten als Referent Henry Kissin- Professor am Amherst College in Massachusetts.
gers zurücktrat, um gegen die Ausweitung des Viet- 1984 wechselte erzürn Mount Holyoke College, wo er
namkrieges auf Kambodscha durch die Nixon-Admini- Seminare über den Vietnamkrieg, Revolutionen in der
Dritten Welt und amerikanische Außenpolitik abhielt.
stration zu protestieren.
Im Präsidentschaftswahlkampf 1992 war er einer der
Lakes umfassende Erfahrung im Außenministerium wichtigsten außenpolitischen Berater des Kandidaten
sowie seine wesentliche wissenschaftliche Beschäfti- Clinton. (Clinton und Lake hatten 1972 im Wahlkampf
gung mit internationalen Angelegenheiten sollten ihm des Präsidentschaftskandidaten George McGovern
dabei helfen, eine profunde Kenntnis von den Realitä- zusammengearbeitet.) Lake ist darüber hinaus ein
alter Freund von Warren Christopher, der von Clinton
ten der Macht in diese Stellung einzubringen.
zum Außenminister berufen wurde.
Der 1939 in New York geborene Lake schloß sein
Studium an der Harvard University mit einem B.A. ab Zu den Veröffentlichungen Lakes gehören The 'Tar
und studierte danach zwei Jahre lang Volkswirtschaft Baby' Operation: American Policy Toward Souan der Cambridge University in England. Er promo- thern Rhodesia, (1976); Third World Radical Regivierte an der Woodrow Wilson School of Public and mes : U.S. Policy Under Carter and Reagan, (1985);
International Affairs in Princeton.
Somoza Falling: A Case Study of Washington at
Work, (1990). Darüberhinaus war er an derGründung
1962 trat Lake in den auswärtigen Dienst ein und der einflußreichen Fachzeitschrift Foreign Policy
wurde nach Vietnam entsandt, wo er persönlicher beteiligt.
Referent des damaligen Botschafters Henry Cabot
Lodge wurde. Der bereits frühzeitig als besonders Lake wurde in der Presse als "kreativer und einfallsreitalentiert geltende Lake stieg rasch auf und wurde cher Denker" bezeichnet. Er gilt als fähige Integra1969 Referent Henry Kissingers. In dieser Funktion tionsfigur in der Bürokratie, und es wird angenommen,
begleitete er den Außenminister bei seinem ersten daß er eine Stärkung der Vereinten Nationen als
Geheimtreffen mit nordvietnamesischen Unterhänd- multilaterales Instrument zur Beilegung internationaler
lern in Paris. 1970 hatte er eine scharfe Auseinander- Konflikte befürwortet.
setzung mit Kissinger über die Ausweitung des Krieges
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AMERIKA DIENST 1

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�PORTRAT
6. Januar 1993

ERSTE FRAU AN DER SPITZE
DES JUSTIZMINISTERIUMS
Porträt von Zoe Baird
WASHINGTON - (AD) - Zoe Baird, die designierte
Justizministerin des künftigen Präsidenten Clinton, ist
die erste Frau, die je an der Spitze des Justizministeriums stand.
Baird, ranghöchste Abteilungsleiterin und Justiziarin
der Versicherungsgesellschaft Aetna Life and Casualty Company ist die fünfte Frau, die eine Spitzenposition in der Clinton-Administration erhält.
Als Clinton ihre Ernennung verkündete, stellte er fest,
daß das Justizministerium in den letzten Jahren 'bewegte
Zeiten" durchlebte, daß die "entschlossene, verläßliche und talentierte" Baird das Ministerium jedoch "neu
beleben" und zur Sicherung der fundamentalen "Rechte aller" Amerikaner einsetzen werde.

Ministeriums und anschließend des Weißen Hauses
tätig, wo sie mit dem damaligen Stellvertretenden
Außenminister Warren Christopher zusammenarbeitete, der am 22. Dezember 1992 von Clinton für den
Posten des Außenministers nominiert wurde. Baird
konzentrierte sich auf in Zusammenhang mit der Freilassung der im Iran gefangengehaltenen Amerikaner
stehende Rechtsangelegenheiten.
Im Jahr 1990 trat sie Aetna als Abteilungsleiterin und
Justiziarin bei. Im April letzten Jahres wurde sie zur
ranghöchsten Abteilungsleiterin berufen und steht zur
Zeit an der Spitze von 400 Rechtsanwälten.
Im Juni wählte die Wirtschaftszeitschrift Business
Week sie zu einer der 50 führenden Geschäftsfrauen
und bezeichnete säe als "strategische Aktivistin", die
"an allen wichtigen politischen Entscheidungen bei
Aetna mitwirkt und die Haltung des Versicherungsunternehmens gegenüber öffentlichen Angelegenheiten,
wie beispielsweise Gesundheitsfürsorge beeinflußt".

Baird ist zwar die erste Vertreterin ihres Geschlechts,
die für dieses Amt nominiert wird, Clinton prognostizierte jedoch, sie werde "einer der besten" Justizminister in der Geschichte der Nation werden. Er fügte
hinzu, sie sei eine fähige, ideenreiche Kämpfernatur,
die "kein Blatt vor den Mund nehme", wenn sie ein Ziel Baird war von 1986-90 als Beraterin und leitende
Angestellte bei der General Electric Company tätig
erreichen wolle.
und von 1981 -86 Sozius bei der Anwaltskanzlei O'MelEinem Mitglied von Clintons Übergangsteam zufolge veny and Myers in der Bundeshauptstadt Washington.
äußerten sich diejenigen, die Baird kennen, mit "überschwenglicher Begeisterung" über sie. "Sie vermute- Die in Brooklyn, (New York), geborene Baird erhielt
ten, sie würde Rechtsberaterin im Weißen Haus, und 1974 an der University of California in Berkeley den
als die Nachricht kam, wurde gesagt, das sei 'eine akademischen Grad eines Bachelor und legte 1977 an
Wucht'". Hillary Clinton sei von ihr sehr beeindruckt dieser Universität ihr juristisches Staatsexamen ab.
gewesen, als sie sich kürzlich trafen.
Baird lebt mit ihrem Ehemann Paul Gewirtz, einem
Die 40jährige Baird war unter der Carter-Administra- Verfassungsrechtler der Yale University, und ihrem
tion als Beraterin in der Rechtsberatungsabteilung des Sohn Julian in New Haven, (Connecticut).
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�PORTRAT
6.Januar 1993

DESIGNIERTER HANDELSBEAUFTRAGTER IST
ÄUSSERST KONKURRENZORIENTIERT
Porträt von Mickey Kantor
WASHINGTON - (AD) - Mickey Kantor, vom künftigen
Präsidenten Clinton als Handelsbeauftragter nominiert, kann auf keine große Erfahrung im Au ßenhandel
verweisen, ist jedoch mit Konkurrenzkampf vertraut.
"Ich kann es nicht ausstehen zu verlieren," wurde
Kantor in einem Artikel der Washington Post vom
Juni zitiert. "Ich bin der schlechteste Verlierer, den Sie
je in Ihrem Leben getroffen haben. Ich werde wütend."
Der 53jährige Syndikus aus Los Angeles, der Clintons
Präsidentschaftswahlkampf leitete, war in seiner Jugend als fanatischer Baseballspieler in Nashville
(Tennessee) bekannt. Zeitungsberichten zufolge genießt
er jedoch auch den Ruf eines Mannes, der Menschen
in einer Krise zusammenführen und die Dinge wieder
ins Lot bringen kann.
Anfang 1992 war Kantor Mitglied der Kommission, die
im Anschluß an die durch den Freispruch von Polizisten ausgelösten Unruhen mit der Empfehlung von
Reformen für die Polizei von Los Angeles beauftragt
wurde. Eine Videoaufzeichnung belegte, wie die Polizisten einen Schwarzen zusammenschlugen.
Als gegen den Bürgermeister von Los Angeles, Tom
Bradley, ein Ermittlungsverfahren wegen angeblichen
Mißbrauchs seiner persönlichen Finanzen anberaumt
wurde, wandte er sich für seine Verteidigung an Kantor.
Kantor ist das Verdienst zuzuschreiben, daß Clintons
Wahlkampftruppe wieder an einem Strang zog, als die
Meinungsumfragen nach Berichten über Clintons nicht
geleisteten Wehrdienst und angebliche Affären um 20
Prozentpunkte sanken.
"Mickey weiß, wo's lang geht", stellt Sargent Shriver
fest, der Kantor mit der Leitung seines Wahlkampfes
als Vizepräsidentschaftskandidat des Demokraten
George McGovern im Jahr 1972 beauftragte." Shriver
lernte Kantor bereits in den sechziger Jahren kennen,
als Kantor seine Karriere als Armenanwalt begann, der
die Rechte von Wanderarbeitern schützte.

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"M ickey stand an vorderster Stelle im Kampf gegen die
Armut", so Shriver, der das Programm für Präsident
Johnson organisierte. "Und statt nur den Mund aufzureißen und zu theoretisieren, krempelte er die Ärmel
hoch und leistete die Arbeit, die getan werden mußte."
In der Carter-Administration war Kantor zusammen
mit Hillary Clinton im Vorstand der Legal Services
Corporation, der amerikanischen Regierungsbehörde,
die den Armen Rechtsbeistand leistet.
Seit jener Zeit sind Kantor und die Clintons befreundet.
Ein weiterer langjähriger Freund ist Warren Christopher, der vom künftigen Präsidenten Clinton als Außenminister nominiert wurde.
Kantor hat auch seine Kritiker, vor allem den ehemaligen Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, einen
vehementen Gegner während der Vorwahlen zur
Präsidentschaftswahl 1992. Brown hatte Kantor zum
Leiter seiner gescheiterten Wahlkampagne zur Präsidentschaftswahl 1976 eingesetzt, in diesem Jahr sah
er in ihm jedoch einen der "zynischen Politiker", die ihm
zufolge die amerikanische Demokratie zerstören.
"Er ist auch nur einer der Politiker, die von Idealismus
geleitet beginnen und als Lobbyisten enden, die den
Mächtigen schöntun", erklärte Brown im Juni in einem
Interview mit der New York Times.
Kantors Kanzlei vertritt einige sehr mächtige Unternehmen wie etwa Litton Industries, Lockheed, Martin
Marietta, General Electric, United Air Lines, Atlantic
Richfield und Chemical Banking.
Auch einige Umweltschützer könnten über Kantors
Nominierung nicht allzu beglückt sein. 1988 leitete
Kantor eine mehrere Millionen Dollar teuere Kampagne im Namen von Armand Hammer und seiner Firma
Occidental Petroleum für ein Referendum des Bundesstaates zu Ölbohrungen vor der kalifornischen
Küste.

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�In einem Artikel in der Los Angeles Times vom Mai
wies Kantor Kritik bezüglich eines angeblichen Interessenkonflikts zwischen seiner Tätigkeit als Syndikus
und der Lokalpolitik von Los Angeles zurück.

Ansichten zur Handelspolitik - zum Handelsbeauftragten zu ernennen. Mit der Entscheidung für ihn umging
der gewählte Präsident zwischenzeitlich die eingehend in der Presse kommentierte Kontroverse zwischen den Befürwortern von freiem und den Verfech"Es besteht immer ein potentieller Konflikt, wenn Sie so tern von gelenktem Handel. Jede Seite verbreitete
aktiv sind wie viele Rechtsanwälte in dieser Stadt... Gerüchte über den potentiellen Kandidaten der andeMan muß lernen, den Kopf dafürhinzuhalten", stellte er ren Seite für dieses Amt.
fest.
Kantor machte seinen Abschluß an der Vanderbilt
Darüberhinaus hat er seiner Meinung nach Prinzipien, University und der juristischen Fakultät der Georgedenn er gab die Vertretung für eine Fluggesellschaft town University und diente dann vier Jahre als Offiauf und wies ein führendes Agraruntemehmen als ziers-anwärter in der US-Marine. Seine erste Frau
möglichen Mandanten ab, weil die Fälle seinen Nach- starb 1978 bei einem Flugzeugabsturz, sein 17jähriger
forschungen zufolge den Gewerkschaften schadeten. Sohn 10 Jahre später bei einem Autounfall. Kantorund
Clinton könnte einen weiteren Grund dafür gehabt seine zweite Frau, mit der er seit 10 Jahren verheiratet
haben, Kantor - einen Mann ohne weithin bekannte ist, haben eine Tochter.
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�PORTRAT
6.Januar 1993

O'LEARY SOLL ENERGIEMINISTERIUM
NEUEN KURS GEBEN
Clinton wünscht Betonung alternativer Energieträger
WASHINGTON (AD) - Als leitende Angestellte und
Befürworterin alternativer Treibstoffe ist Hazel O'Leary genau die Persönlichkeit, die der neu gewählte Präsident Clinton an der Spitze eines aktiveren Energieministeriums zu sehen wünscht.

Ministerium sei in der Vergangenheit von Nuklearfragen beherrscht gewesen. Es werde jedoch "eine
wichtige Aufgabe derkünftigen Energieministerin sein,
die Prioritäten des Energieressorts neu festzulegen",
erklärte er.

Etwa zwei Drittel des Haushalts von 18,8 Milliarden
Dollar für dieses Ressort sind für die Entwicklung von
Kernwaffen und die Beseitigung von Umweltschäden
bestimmt, die deren Produktion hinterläßt. O'Leary hat
jedoch bereits Erfahrung mit der wirtschaftlichen Nutzung der Kernenergie gesammelt, da das Energieversorgungsunternehmen Northern States Power Company, in dem sie als Vorstandsmitlied für den Bereich
Unternehmenspolitik zuständig war, drei Kernkraftwerke betreibt. In dieser Funktion hat sie die Bundesregierung aufgefordert, ihre Bemühungen zur Einrichtung eines Endlagers für nukleare Abfälle aus privaten
Kernkraftwerken zu beschleunigen.

"In unserem Wahlkampf haben Senator Gore und ich
deutlich gemacht, wo unsere Prioritäten liegen: stärkere Berücksichtigung amerikanischen Erdgases,
Verbesserung der Energieausnutzung, verstärkte
Entwicklung alternativer Energiequellen, eine stärkere
Verpflichtung, eine gute Energiepolitik und eine gute
Umweltpolitik zu einer guten Wirtschaftspolitik für die
Vereinigten Staaten zu machen", stellte Clinton fest.

Obwohl Umweltschutzgruppen über dieses Amt nicht
sehr glücklich sind, betonen sie - ebenso wie Clinton
bei einer Pressekonferenz am 21. Dezember 1992 -,
daß O'Leary sich nachdrücklich für Energiesparmaßnahmen sowie den Einsatz von Erdgas und anderen
Brennstoffen als Ersatz für Erdöl einsetzt.

Bei der Pressekonferenz verwies O'Leary darauf, sie
selbst fahre ein mit Erdgas betriebenes Auto. Anfang
Dezember war sie von dem Energieversorgungsunternehmen, für das sie tätig ist, zur Vorstandsvorsitzenden des Erdgasbereichs ernannt worden und sollte
diese Position im Januar übernehmen.
Vordem Eintritt in dieses Unternehmen im Jahr 1989
hatte sie als Beraterin in Energiefragen und Mitarbeiterin im Energiebereich Erfahrungen in zwei Administrationen gesammelt.

O'Leary schloß 1959 ihr Studium an der Fisk University
"Wir können sie nicht danach (der Position zu atomaab und legte im Jahr 1966 ihr Juraexamen an der
ren Abfällen) beurteilen, da wir nicht wissen, wie sie
Rutgers University ab. Anschließend war sie als
dabei Einfluß genommen hat. Wir hören nur, daß sie
Staatsanwältin im Justizministerium des Staates New
in dem Unternehmen als Vermittler tätig war", erklärte
Jersey und danach im Büro des Staatsanwalts eines
eine Sprecherin des Sierra Club, einer der größten
Verwaltungsbezirks von New Jersey tätig.
Umweltschutzorganisationen der Vereinigten Staaten,
in einem Interview am 22. Dezember.
Nach einer Tätigkeit für ein Buchhaltungsunternehmen in der Bundeshauptstadt Washington wurde sie
"Wir kennen sie nicht sehr gut, aber wir sehen der
von Präsident Ford in die Federal Energy AdministraZusammenarbeit mit ihr gern entgegen, weil wir erwartion sowie von Präsident Carter in das 1977 gegründeten, daß sie die Energiepolitik von Clinton und Gore
te Energieministerium berufen.
durchführen wird", stellte die Sprecherin fest.
Das Ministerium hat heute rund 20.000 Mitarbeiter
Bei der Pressekonferenz am 21. Dezember, in deren
sowie weitere 140.000 Beschäftigte, die in von UniverRahmen er die Berufung der 55jährigen O'Leary als
sitäten und Privatunternehmen betriebenen Fabriken
Energieministerin ankündigte, bekannte Clinton, das
und Laboratorien arbeiten.

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�1980 heiratete die designierte Energieministerin John
O'Leary, der im folgenden Jahr O'Leary Associates,
eine internationale Beratungsfirma für Energiefragen,

gründete. Sie war Abteilungsleiterin und Justiziarin
des Unternehmens. Ihr Ehemann ist 1987 verstorben,

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�PORTRAT
6.Januar 1993

EHEMALIGER BÜRGERMEISTER VON DENVER ZUM
VERKEHRSMINISTER BERUFEN
Porträt von Federico Pena
WASHINGTON - (AD) - Die Nominierung von Federico
Pena als Verkehrsminister bringt einen zweiten Hispano-Amerikaner in das Kabinett des künftigen Präsidenten Clinton und unterstreicht dessen Versprechen,
seine Administration werde "aussehen wie Amerika".
Wie sein bereits früher als Leiter des Ressorts für
Wohnungs- und Städtebau nominierter Freund Henry
Cisneros war Pena Bürgermeister einer Großstadt - in
seinem Fall von Denver in Colorado. Wie Cisneros ist
er gebürtiger Texaner.
Der 45jährige Pena leitet Clintons Übergangsteam im
Bereich Verkehrswesen.
Der designierte Minister war zwei Amtszeiten lang
Bürgermeister von Denver. Er wurde im Jahr 1983
zum ersten hispanischen Oberhaupt der Stadt gewählt
und setzte sich 1987 in einer hart umkämpften Wiederwahlkampagne durch. Nach dem Ausscheiden aus
dem Amt eröffnete er die Investmentberatungsfirma
Pena Investment Advisors, Inc.
Sein Interesse an Verkehrsfragen wird von dem neuen, 3 Milliarden Dollar teuren Flughafen von Denver
symbolisiert, der im kommenden Herbst eröffnet werden soll. Die Pläne für diese Einrichtung wurden in
seiner Amtszeit konzipiert.
Pena hat angedeutet, er befürworte für Fragen wie die
Verkehrsplanung regionale Ansätze. Er erklärte Teilnehmern an einem öffentlichen Forum in Denver im
vergangenen Jahr, daß die Stadt "einiges an Macht
abgeben und einige Juwelen teilen muß ... und die
Vororte bereit sein müssen, einen gewissen Ausgleich
zu leisten".

"Mindestens müssen wir einen städtischen Verkehrsdistrikt schaffen, der sich mit Schnellverkehrstechnologien beschäftigt... sowie eine städtische Wasserbehörde", stellte er fest.
Im vergangenen Juli nahm er eine nebenberufliche
Tätigkeit als Rechtsberater der Kanzlei Brownstein
Hyatt Farber &amp; Strickland in Denver mit der Aufgabe
auf, Klienten in Fragen der Wirtschaftsbeziehungen zu
Mexiko und Kanada zu beraten.
Noch zwei Wochen vor seiner Nominierung beharrte
Pena darauf, geschäftliche und familiäre Erwägungen
würden ihn daran hindern, eine langfristige Tätigkeit in
Washington auszuüben.
Die Funktion als Leiter der Verkehrsgruppe sei seine
Art, einen Beitrag zu leisten, erklärte er gegenüber der
Zeitung Rocky Mountain News am 9. Dezember
1992. "Es ist eine kurzfristige Investition meiner Zeit,
und es beeinträchtigt nicht meine Geschäfte in Denver. Ich kann meine Firma jedoch nicht verlassen und
eine Dauerstellung annehmen", stellte er damals fest.
Der in Laredo (Texas) am 15. März 1947 geborene
Pena erhielt 1969 an der University of Texas den Grad
eines Bachelor und legte dort drei Jahre später sein
juristisches Examen ab.
Bis zu seiner Bewerbung um das Amt des Bürgermeisters war er Sozius in der Kanzlei Pena &amp; Pena. Von
1979 bis 1983 war er Abgeordneter im Parlament von
Colorado. Im Jahr 1981 wurde er zum herausragenden jungen Abgeordneten der Demokraten gewählt.
Pena heiratete im Jahr 1988 Ellen Hart. Das Ehepaar
hat zwei Töchter, die zweijährige Nelia und die im
vergangenen Februar geborene Cristina Lucila.

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�PORTRAT
6.Januar 1993

LÄNDLICHE ENTWICKLUNG SCHLÜSSEL
FÜR ESPYS ERFOLG
Porträt des designierten Landwirtschaftsministers
WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Clinton als Landwirtschaftsminister auserkorene
Kongreßabgeordnete Mike Espy aus Mississippi gilt
als führende Persönlichkeit der neuen Generation
schwarzer Politiker, deren Engagement für Programme zur wirtschaftlichen Entwicklung ihnen den Respekt schwarzer und weißer Wähler gleichermaßen
eingetragen hat.

Um einige der von der Kommission vorgeschlagenen
Wirtschaftsprogramme zu verwirklichen, war Espy mit
an der Gründung des House Delta Caucus beteiligt,
einer überparteilichen Gruppe von Abgeordneten aus
sieben Bundesstaaten, deren Vorsitzender er heute
ist.

Der in Yazoo City (Mississippi) geborene 39jährige
"linke" Demokrat war Mitglied des Landwirtschaftsausschusses, des Haushaltsausschusses sowie des
Sonderausschusses "Hunger" des Repräsentantenhauses. Er unterstützte das Recht der Frau auf
Schwangerschaftsabbruch, befürwortete die Todesstrafe und setzte sich für zusätzliche Mittel für Bildungs- und Wohnungswesen sowie für einen Abbau
des Haushaltsdefizits ein.

die Vergabe von zwei nichtgebundenen Bundeszuschüssen für zwei neue Verarbeitungsbetriebe.

Als Mitglied des Landwirtschaftsausschusses hatte
Espy darüber hinaus Erfolg mit einem Zusatz zum
Espy wurde im Jahr 1986 in das US-Repräsentanten- Landwirtschaftsgesetz von 1990, der weitere technihaus gewählt und war damit der erste schwarze Abge- sche Hilfe und Bildungsmöglichkeiten für Bauernfamiordnete des Bundesstaates Mississippi seit der Re- lien aus Minderheiten vorsah.
construction-Zeit im Anschluß an den Amerikanischen
Espy hat sich führend für die Welsindustrie eingesetzt.
Bürgerkrieg. Er wurde dreimal wiedergewählt. Als
Der Großteil der Welszucht des Landes findet sich in
einziges schwarzes Kongreßmitglied vertritt er einen
seinem Wahlkreis. Dazu zählen 34.000 Hektar an
ländlichen Wahlbezirk, und er gehört zu der Handvoll künstlich angelegten Teichen für die Welszucht. Espy
Abgeordneter, die nahezu ebenso viele weiße wie trug dazu bei, die US-Armee davon zu überzeugen, die
schwarze Wähler repräsentieren.
Welsankäufe zu erhöhen. Darüber hinaus erreichte er

Espy wurde jedoch hauptsächlich deshalb wiedergewählt, weil er sich auf Fragen der wirtschaftlichen
Entwicklung konzentrierte, die über Parteigrenzen
hinausgehen und den einkommensschwachen Wählern seines ländlichen Wahlkreises auf den Nägeln
brennen, einer Region, die sich über das Delta des
Mississippi sowie einen kleinen Teil des Mississippi
Valley mit der Stadt Vicksburg erstreckt.
In seiner ersten Amtszeit war Espy führend an der
Erarbeitung eines Gesetzes beteiligt, mit dem die
Lower Mississippi Delta Commission eingerichtet wurde,
die innerhalb von zwei Jahren Ideen zur Bekämpfung
der Armut in Mississippi und anderen Bundesstaaten
der Region erarbeiten sollte.
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Vor der Wahl 1990 wurde Espy jedoch kritisiert, weil er
erklärt hatte, er wolle neutral bleiben, um die Beilegung
eines Streiks von Angehörigen einer Fischverarbeitungsfirma zu erleichtern, die sich gegen Löhne wandten, die unter der Armutsgrenze lagen. Später unterstützte er dann die Arbeiter, und der Streik wurde
schließlich beigelegt.
Espy wurde darüber hinaus wegen seiner Unterstützung der Vereinigung der amerikanischen Waffenbesitzer (National Rifle Association - NRA) kritisiert, die
1989 eine Kampagne startete, um das negative Image
dieser Lobby gegen die Kontrolle des Verkaufs von
Schußwaffen zu verbessern. Als Teil der Kampagne
trat Espy in Werbeanzeigen der NRA in landesweit
verbreiteten Magazinen auf. Die Anzeige schockierte
viele Demokraten, aber Espy, der seit 1974 Mitglied
der NRA ist, betrachtete die Anzeige "als Erklärung
meiner Unabhängigkeit".
Espy wurde in den Kongreß gewählt, nachdem er 1984
bis 1985 als Abteilungsleiter im Justizministerium von

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�Mississippi tätig war. Davor war er Anwalt bei den
Central Mississippi Legal Services und Abteilungsleiter in der Verwaltung des staatlichen Landbesitzes
gewesen.

Espy erhielt 1975 einen B.A. von der Howard Universrty in der Bundeshauptstadt Washington und legte
1978 an der juristischen Fakultät der University of
Santa Clara in Kalifornien sein Juraexamen ab. Er ist
geschieden und hat zwei Kinder.

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�PORTRAT
6. Januar 1993

ERNENNUNG EINES LANDESWEIT GESCHÄTZTEN
BILDUNGSPOLITIKERS ZUM ERZIEHUNGSMINISTER
Porträt von Richard Riley
WASHINGTON - (AD) - Der ehemalige Gouverneur
von South Carolina und designierte amerikanische
Erziehungsminister, Richard Riley, ist ein landesweit
anerkannter führender Politiker im Bereich der Bildungsreform, der ein Modellprogramm entwickelte,
das von seinem Bundesstaat eingeführt wurde.

Andere im Erziehungsbereich Tätige bezeichneten
Riley als gewissenhaften, hart arbeitenden, ruhigen
und bescheidenen Bildungsgouvemeur. Auch sagen
sie voraus, daß Riley einen nationalen Bildungsplan für
landeseinheitliche Prüfungen und Maßstäbe unterstützen wird.

Clinton versicherte, "keine Angelegenheit ist für mich
wichtiger als Erziehung und Bildung", und erklärte vor
Reportern, Riley sei sein Partner und oft sein Mentor
bei Bildungsfragen gewesen, nachdem sie beide im
Jahr 1978 zu Gouverneuren gewählt worden waren.
Er fügte hinzu, Riley sei "in vielerlei Hinsicht von der
ganzen Nation um sein Paket von Bildungsreformen in
South Carolina beneidet worden".

Bei der Annahme seiner Ernennung betonte Riley, "es
gibt keine Möglichkeit, die Erziehungsprobleme einfach mit dem Schwenken eines Zauberstabes zu lösen. Wir müssen weiterhin Anstrengungen unternehmen..., auf positive Art und Weise einen grundlegenden Wandel herbeizuführen."

Riley, 59, wurde in Greenville (South Carolina) geboren und wohnt zur Zeit in Columbia (South Carolina).
"Dieses Reformprogramm umfaßt Maßnahmen für Erstudierte an der Furman University und legte im Jahr
Kinder im Vorschulalter, höhere Anforderungen an 1960 an der University of South Carolina sein juristiSchüler und Studenten, die Möglichkeit, die Arbeitsbe- sches Staatsexamen ab. Nachdem er bei der Marine
dingungen von Lehrern zu verbessern sowie mehr gedient und als Rechtsberater im Rechtsausschuß
finanzielle Mittel für Colleges und Universitäten", stell- des Senats gearbeitet hatte, wurde er 1962 in das
Repräsentantenhaus von South Carolina und 1966 in
te der gewählte Präsident fest.
den Senat dieses Bundesstaates gewählt. 1978 geJedoch wurde -so Clinton - das Programm für South wann er die Gouverneurswahlen in South Carolina und
Carolina am bekanntesten aufgrund der Unterstüt- 1982 die Wiederwahl für dieses Amt.
zung an der Basis, die es erhielt - Menschen mit ganz
unterschiedlichem Hintergrund unterstützten den Plan Nachdem er die Residenz des Gouverneu rs verlassen
- und "da es einfache, klare und unmißverständliche hatte, war Riley vier Jahre lang Mitglied der Nationalen
Beurteilungsbehörde, die die Richtlinien für im VerantZeichen für den Fortschritt setzte".
wortungsbereich des Kongresses liegende landesweiClinton erklärte, das System von South Carolina sei te Eignungsprüfungen im Bildungsbereich festlegte.
"das erste und wohl das beste System um festzustellen, ob esden Menschen heute besser als früher geht". Seit 1987 ist Riley als Rechtsanwalt in South Carolina
Das sollte ihm zufolge "das elementare Kriterium all tätig. In Clintons Übergangszeit leitete er die Suche
unserer Anstrengungen im Bildungs- und Erziehungs- nach Kandidaten für den Kabinettsmitgliedern unterbereich und auf vielen anderen Gebieten sein".
stellte Posten sowie für andere hochrangige Regierungsämter.
Gene Wilhoit, geschäftsführender Direktor der Nationalen Vereinigung der Schulbehörden der Bundes- Riley und seine Frau Ann haben vier Kinder.
staaten wies darauf hin, daß Riley die "einzigartige
Fähigkeit" besitze, "verschiedene Bereiche zusam- Riley leidet unter einer schmerzhaften Knochenkrankmenzubringen und aus jeder Gruppe das Beste her- heit, Spondylitis, die zu einer Deformierung seiner
Wirbelsäule führte. Aus diesem Grund kann Riley
auszuholen".
nicht seinen Kopf drehen, ohne dabei auch seinen

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�Körper zu bewegen. Seine Freunde behaupten, sein
Kampf gegen diese Krankheit sage viel über seine
Bildung und Disziplin aus.
Als Erziehungsminister wird Riley an der Spitze eines
Ministeriums stehen, das für jegliche staatliche Unterstützung im Erziehungswesen zuständig ist, einschließlich der für die weiterführende Bildung gewährten
Darlehen, der Vorschulprogramme und der Erwachsenenbildung und Fortbildung. Auch unterstützt das
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Ministerium Schulbezirke, in denen Militärpersonal
ansässig ist, und gewährt Gelderfürdie Erziehung von
Wanderarbeitern und Indianern sowie Programme für
behinderte Kinder.
Clinton zufolge kann der Erziehungsminister "einen
Ansporn zu Kreativität und Wandel geben und zwar auf
eine Art und Weise, die Erziehung überall in Amerika
zu dem aufregenden Unternehmen macht, das es sein
sollte".
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�PORTRAT
6. Januar 1993

IM AUSLAND GEBORENE AMERIKANERIN
ZUR UNO-BOTSCHAFTERIN BERUFEN
Porträt von Madeleine Albright
WASHINGTON - (AD) - Vorbehaltlich der Bestätigung
von Madeleine Korbel Albright als amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen durch den Senat
wird sie nicht nur die erste Inhaberin dieses Amtes
sein, die nicht in Amerika geboren wurde, sondern
auch eine Familienodyssee beenden, die vor ungefähr
40 Jahren begann.
"Ich möchte unterstreichen, daß es für mich eine
besondere persönliche Ehre ist, dieses Amt ausüben
zu dürfen", erklärte Albright, nachdem der designierte
Präsident Clinton ihre Nominierung verkündet hatte.
Ihr Vater, Joseph Korbel, ein tschechoslowakischer
Diplomat, vertrat sein Land als Vorsitzender eines
Sonderausschusses der Vereinten Nationen, als die
Kommunisten im Jahr 1948 in Prag die Macht übernahmen. Nach Beendigung seiner Arbeit bat er die
amerikanische Regierung um Asyl.
"Durch die Großzügigkeit des amerikanischen Volkes
genossen die Mitglieder unserer Familie das Privileg,
als freie Amerikaner aufzuwachsen", so Albright. "Daher
können Sie sich wohl vorstellen, mit welch großem
Stolz es mich erfüllt, bei den Vereinten Nationen hinter
dem Namensschild mit der Aufschrift 'Vereinigte Staaten von Amerika' sitzen zu dürfen."
Die 55jährige Albright ist als Intellektuelle und Aktivistin der Demokratischen Partei bekannt, die in ihrem
Backsteinhaus in Georgetown Gesprächsrunden über
außenpolitische Fragen veranstaltet.
Die Expertin für russische und osteuropäische Angelegenheiten ist Professorin für internationale Politik an
der Georgetown University und Direktorin von deren
Programm "Frauen im auswärtigen Dienst". Auch ist
sie Vorsitzende des Center for National Policy, einer
demokratisch orientierten "Denkfabrik" zur Förderung
der Beschäftigung mit innenpolitischen und internationalen Fragen.

und arbeitete für Zbigniew Brzezinski, einen ihrer
ehemaligen Professoren. Zuvor war sie Rechtsberaterin des demokratischen Senators Edmund Muskie.
Albright erhielt 1968 ihren M.A. in Öffentlichem Recht
und Staatswissenschaft an der Columbia University,
wo sie 1976 auch promovierte. 1959 hatte sie im
Wellesley College ihr Examen in Politologie mit Auszeichnung bestanden.
Sie ist Vorsitzende von Clintons Übergangsteam im
Nationalen Sicherheitsrat und war bei den letzten drei
Wahlen hochrangige außenpolitische Beraterin der
Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Sie ist
eine wichtige Beraterin des ehemaligen tschechoslowakischen Präsidenten Vaclav Havel und seiner
Regierung.
Neben der englischen Sprache beherrscht sie Tschechisch, Französisch, Polnisch und Russisch in Wort
und Schrift.
Albright hat drei Töchter und ist von dem Journalisten
und Zeitungserben Joseph Albright geschieden.
Clinton nannte Albright "eine Expertin für Osteuropa
und die ehemalige Sowjetunion betreffende Fragen"
und erklärte, sie werde "den Nationen des ehemals
kommunistischen Ostblocks in einer schwierigen Zeit
besonderes Verständnis entgegenbringen. Ich freue
mich auf die Zusammenarbeit mit ihr, um die Demokratie und den wirtschaftlichen Fortschritt in diesen Ländern zu fördern."
Albright zufolge hält Clinton die Vereinten Nationen für
ein Forum der Zusammenarbeit "auf der Suche nach
Frieden und Sicherheit", wobei die Vereinigten Staaten
nicht als Weltpolizist, sondern als der erste unter
gleichberechtigten Partnern den Kurs festlegen und
die Lasten aufteilen."

"Als wir über diesen Posten sprachen, erklärte er,
Unter der Carter-Administration war sie im Weißen seiner Meinung nach solle die UNO den Frieden nicht
Haus als Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates tätig nur sichern, sondern auch schaffen, und nicht nur bei

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�der Lösung von Konflikten, sondern auch bei ihrer
Verhinderung tätig sein. Es wäre für jeden Amerikaner
eine Ehre, die Vereinigten Staaten bei den Vereinten

Nationen zu vertreten, wenn der Präsident eine Politik
unterstützen will, mit der etwas erreicht werden kann",
äußerte sie.

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6.Januar 1993

MILITÄR- UND SICHERHEITSEXPERTE
NEUER LEITER DER CIA
Porträt von R. James Woolsey
WASHINGTON - (AD) - Der vom künftigen Präsidenten Clinton als Leiter des amerikanischen Nachrichtendienstes CIA nominierte R. James Woolsey ist Fachmann für Militär-und Rüstungskontrollfragen sowie für
nukleare Strategie.
Als Vertrauter des gegenwärtigen Nationalen Sicherheitsberaters Brent Scowcroft besitzt Woolsey umfassende Kenntnis der militärischen Nachrichtendienste
und von Angelegenheiten der nationalen Sicherheit.
Im Falle seiner Bestätigung durch den Senat wird er als
Leiter der Central Intelligence Agency sowohl Erfahrung als auch Kontinuität gewährleisten.
Bei seiner Nominierung am 22. Dezember 1992 stellte
Clinton fest, daß Woolsey, der als politisch gemäßigt
gilt, von Republikanern und Demokraten gleichermaßen geschätzt werde. Er erinnerte daran, daß die
Bush-Administration Woolsey berufen habe, um den
historischen Vertrag über die konventionellen Streitkräfte in Europa auszuhandeln, während Präsident
Carter ihn als Staatssekretär ins Marineministerium
geholt habe.

Der 51jährige Woolsey wird von Mitarbeitern als zu
Sarkasmus neigender, selbstkritischer Mensch beschrieben, der einen lebendigen Sinn für Humor und
die Gabe besitzt, stark divergierende Meinungen in
sinnvollen Analysen zusammenzufassen. Er ist seit
langem mit nachrichtendienstlichen Aufgaben befaßt
und hat präzise Vorstellungen von den erforderlichen
Veränderungen. Es wird erwartet, daß er sich weniger
auf die Sammlung nachrichtendienstlicher Informationen als auf die rasche Verarbeitung und Analyse der
angehäuften Daten konzentrieren wird.
"Jim wird Wert darauf legen, daß die Analytiker sich
den Blickwinkel der Menschen zu eigen machen, deren Verhalten sie beurteilen und prognostizieren
möchten", erklärte der ehemalige hochrangige CIAVertreter George A. Carver, Jr.
Ein anderer mit Woolseys Ansichten vertrauter Kollege stellt hingegen in Frage, daß er kühne und durchgreifende Veränderungen bei der Behörde durchsetzen wird. "Er ist ein ungeheuer kompetenter Mann,
aber er wird kein Porzellan zerbrechen", meint dieser.

Mit dem Ende des Kalten Krieges, so Clinton, müsse
sich die CIA "neuen Herausforderungen" anpassen.
Er prognostizierte, daß Woolseys analytischer Scharfsinn, seine Fähigkeit und Ehrlichkeit "der CIA gute
Dienste dabei erweisen" werden, der neuen Administration "präzise, vollständige, politisch unvoreingenommene" Informationen zu liefern und "ehrlich zu
bekennen, welche Informationen fehlen".

Woolsey leitete im vergangenen Sommer eine von
CIA-Direktor Robert Gates eingesetzte Arbeitsgruppe, die Vorschläge zur Zukunft der Satellitenaufklärung unterbreiten sollte. Ein CIA-Sprecher erklärte,
der Bericht sei "von den Nachrichtendiensten und dem
Kongreß wohlwollend aufgenommen" worden. Woolsey traf Clinton vor etwa einem Jahr und beriet den
künftigen Präsidenten gemeinsam mit anderen gemäßigten Verteidigungsexperten im Wahlkampf.

In einer vor mehreren Wochen vor dem World Affairs
Council gehaltenen Rede hatte Woolsey erklärt, "diese
sich jetzt abzeichnende Welt ... (erscheine) zunehmend als noch todbringendere Version der alten Welt,
die vor 1914 existierte, als ein Spektrum nationalistischer Gefühle den Holocaust des Ersten Weltkrieges
hervorbrachte". Darüber hinaus forderte er einen
neuen Ansatz zur kollektiven Sicherheit unter der
Schirmherrschaft der Vereinten Nationen.

In seiner 22jährigen Laufbahn in Washington diente
Woolsey in vier Administrationen, beginnend mit der
von Präsident Nixon. Von 1968-70 war er Mitarbeiter
des Nationalen Sicherheitsrats, von 1970-73 Berater
des Streitkräfteausschusses des Senats sowie von
1977-79 Staatssekretär im Marineministerium unter
Präsident Carter. Auf dem letztgenannten Posten
führte er die Aufsicht über die nachrichtendienstlichen

AMERIKA DIENST 1

Seite 1

�Operationen der Marine und "war eingehend mit den
Einzelheiten der Beschaffung nachrichtendienstlicher
Informationen betraut", wie ein Kollege feststellte.
Präsident Reagan berief Woolsey als Delegierten zur
besonderen Verwendung bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über die Reduzierung strategischer Waffen (START) sowie den Gesprächen über
Kern- und Weltraumwaffen (NST) von 1983-86. Darüber hinaus war er Chefberater von Scowcroft in einer
Kommission, die den Weg für den Bau der MX-Rakete
sowie die Entwicklung einer kleineren MidgetmanRakete ebnete. Von 1989-91 war er Präsident Bushs
Botschafter und US-Vertreter bei den Verhandlungen
über den KSE-Vertrag.

"Er hat hervorragende Arbeit dabei geleistet, KSE über
äußerst schwierige Hürden hinwegzuhelfen", so Jack
Mendelsohn, Leiter der privaten Rüstungskontrollvereinigung (Arms Control Association). "Es war eine
unglaublich positive Leistung."
Der in Tulsa (Oklahoma) geborene Woolsey schloß
1963 sein Studium an der Stanford University mit
einem B. A. ab. Er und ein weiterer Mann aus Oklahoma, der demokratische Senator David Boren, der
heute Vorsitzender des Geheimdienstausschusses
des Senats ist, erhielten 1965 Rhodes-Stipendien.
Woolsey legte 1968 sein Juraexamen an der Yale
University ab.
Der Hauptmann i.R. und seine Frau Suzanne Haie
haben drei Söhne.

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 1

�</text>
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                    <text>Information
und

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Februar 1980

INHALT

DOKUMENTATION

Jahresbericht des US-Verteidigungsministeriums
- Auszüge -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Februar 1980

JAHRESBERICHT DES US-VERTEIDIGUNGSMINISTERIUMS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Verteidigungsministerium hat am
29. Januar 1980 seinen Jahresbericht für das Haushaltsjahr 1981 veröffentlicht,
der einen überblick über die verteidigungspolitische Konzeption der Regierung
Carter bietet.

Die für Europa besonders relevanten Kapitel haben folgenden

Wortlaut:

Rüstungskontrolle und Abrüstung
Wenn der Zeitpunkt kommt, die Ratifizierung des SALT II-Vertrages zu
überlegen, dann sollte der Vertrag um seiner selbst willen beurteilt werden.
Wir haben die Möglichkeit und den Apparat, in anderen Verhandlungen über die
anderen Aspekte der Handhabung des militärischen Wettstreits mit den Sowjets
zu sprechen. Wir haben beides genutzt.
Wir haben zusammen mit den Briten einen wesentlichen Fortschritt bei den
Verhandlungen mit den Sowjets über ein umfassendes Verbot der Kernversuche erzielt.

Wir haben unser Hauptaugenmerk auf die Entwicklung von Verifizierungs-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�;

Verifizierungsmaßnahmen gerichtet, die die vorhandenen nationalen technischen
Mittel für die Verifikation wirksam ergänzen könnten.

Es ist ein prinzipielles

Übereinkommen über Vereinbarungen für die Einleitung und Durchführung freiwilliger Inspektionen vor Ort und für die Errichtung eines Systems seismischer Stationen auf dem Territorium der Vertragsparteien erzielt worden.

Es bleibt je-

doch noch viel Arbeit zu tun, bis diese prinzipiellen übereinkommen in detaillierte Verifizierungsabkommen umgesetzt werden, die für die Vertragsparteien
befriedigend sind.
Bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen (MBFR) haben sich die seitens der NATO und des Warschauer Paktes beteiligten Länder im Prinzip auf das Ziel einer gemeinsamen kollektiven Obergrenze
für die Landstreitkräfte jeder Seite geeinigt.

Es ist jedoch uns und unseren

NATO-Verbündeten noch nicht gelungen, diese prinzipielle Einigung in die Praxis
umzusetzen, weil wir die Meinungsverschiedenheiten mit den Sowjets und ihren
Verbündeten im Warschauer Pakt über die Zahl der Truppen, die sie gegenwärtig
in den relevanten Gebieten Osteuropas stationiert haben, nicht beilegen konnten.

Wir sind uns noch nicht einmal über die Stärke der sowjetischen Streit-

kräfte einig, die nach dem von Breschnew angekündigten Abzug von 20 000 Soldaten und 1000 Panzern in dem Gebiet sein werden.

Diese einseitigen Verringerun-

gen sind auf jeden Fall weit geringer als die bei den MBFR-Verhandlungen angestrebte Komponente der beiderseitigen Verringerungen.

Und selbst wenn der an-

gekündigte Abzug in vollem Umfang stattfinden sollte, dann gibt es keinen
rechtlichen Riegel gegen eine Wiedereinführung der Truppen, keine Verifizierungsmaßnahmen und keine vertrauensbildenden Maßnahmen wie Manöverbeobachter.
Wir und unsere NATO-Verbündeten haben daher in Wien weiterhin ein handfestes
ausgehandeltes Abkommen angestrebt, das zu gemeinsamen kollektiven Höchstgrenzen
für die Zahl der Soldaten auf beiden Seiten führt - auf der Basis des Abbaus
vom gegenwärtigen Stand aus und auf der Basis beiderseits anerkannter Daten.
In der Zwischenzeit hat die NATO in Übereinstimmung mit den westlichen
Verhandlungszielen - vor allem der Schaffung einer Parität in Form einer gemeinsamen kollektiven Höchstgrenze für die Truppenstärken im Reduktionsgebiet - ein

- 2 -

�ein vorläufiges Abkommen vorgeschlagen, das sich zunächst auf den Abzug amerikanischer und sowjetischer Soldaten auf der Basis vereinbarter amerikanischsowjetischer Daten und damit zusammenhängende Maßnahmen auf multilateraler Basis konzentrieren würde.

Dieses Interimsabkommen würde den Weg für ein Folge-

abkommen auf der Basis vereinbarter Gesamtdaten bereiten, das einen weiteren
Truppenabbau aller direkt Beteiligten auf einen kombinierten gemeinsamen kollektiven Höchststand für jede Seite von rund 700 000 Mann für die Landstreitkräfte und rund 900 000 Mann für die Land- und Luftstreitkräfte zusammen bringen würde.

Ein wesentliches Paket damit verbundener Maßnahmen würde einen integralen
Bestandteil jedes MBFR-Abkommens darstellen.

Die NATO hat kürzlich ihre Ar-

beit an einem solchen Paket von Maßnahmen abgeschlossen und es dem Osten in
Wien unterbreitet.

Diese Maßnahmen sollen dazu dienen, die militärische Sta-

bilität und das Vertrauen durch eine Regelung militärischer Aktivitäten zu fördern, die ausreichende Verifizierung eines MBFR-Abkommens zu sichern und die
unverminderte Sicherheit für Länder an den Flanken des mitteleuropäischen Gebietes, in der ein Truppenabbau im Rahmen von MBFR stattfinden würde, zu gewährleisten.

Die letzte formelle Gesprächsrunde mit den Sowjets über die Weitergabe
konventioneller Waffen fand vor über einem Jahr statt.

Damals erzielten wir

einigen Fortschritt in der Ausarbeitung allgemeiner Richtlinien für die Begrenzung dieser Weitergabe.

Sollten diese Gespräche jedoch wieder aufgenommen

werden, dann wird in der Ausarbeitung dieser Richtlinien mehr getan werden
müssen, wie auch hinsichtlich ihrer befriedigenden Anwendung in bestimmten Regionen.

Die letzte Runde der Gespräche über eine Rüstungskontrolle auf dem Gebiet
der Satellitenbekämpfung (ASAT) wurde im Juni 1979 abgeschlossen, und eine
neue Gesprächsrunde ist noch nicht vereinbart.

Ein gewisser Fortschritt ist

hinsichtlich eines Abkommens über das Verbot bestimmter Maßnahmen gegen
Satelliten und der Begrenzung in der Entwicklung von ASAT-Systemen erreicht

- 3 -

�erreicht worden.

Die Gespräche über eine Stabilisierung der militärischen

Präsenz beider Seiten im Indischen Ozean wurden im Februar 1978 ausgesetzt,
und es bestehen keine Pläne für eine weitere Gesprächsrunde über dieses Thema.
Auf der anderen Seite ist ein Fortschritt zur Kontrolle von chemischen Waffen
und Strahlungswaffen erzielt worden.

Obwohl wir uns mit den Sowjets darüber

einig sind, daß wir chemische Waffen kontrollieren sollten, haben wir das Problem noch nicht gelöst, wie Waffenlager und Einrichtungen spezifiziert werden
sollen, wie eingeführte Kontrollen verifiziert werden könnten oder wann ein Abkommen in Kraft treten sollte.

Wir haben jedoch dem Abrüstungsausschuß in

Genf einen gemeinsam vereinbarten Vorschlag über Strahlungswaffen vorgelegt,
von dem wir hoffen, daß er rasch zu einer Konvention formuliert werden kann,
die dem internationalen Beitritt offen steht. Was als nächstes geschehen wird,
hängt von dem Ausschuß ab.
In der NATO haben wir und unsere Verbündeten die Prinzipien ausgearbeitet,
die für die Behandlung amerikanischer und sowjetischer nuklearer Mittelstrekkensysteme (Long-Range Theater Nuclear Systems - LRTNF), vor allem der SS-20»
angewendet werden sollen. Die NATO hat den Vereinigten Staaten ihre Zustimmung gegeben, RüstungskontrollVerhandlungen mit der Sowjetunion über LRTNF
zu führen, und trotz der derzeitigen sowjetischen Ablehnung, über diese Fragen zu verhandeln, rechnen wir mit Gesprächen über die genannten Systeme im
Rahmen von SALT III.
Das sind weder aufregende Ergebnisse noch eine Basis für große Hoffnungen
auf die Zukunft. Obwohl beide Seiten noch immer das gemeinsame Ziel der Verringerung des Risikos eines Atomkrieges haben, bleibt das Verhältnis zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion seiner Natur nach weitgehend gegnerisch. Gerade aus diesem Grund werden wir wie in SALT unsere Bemühungen
zu gegebener Zeit fortsetzen, um die sowjetische Bedrohung und die Gefahren
eines Konflikts durch spezifische, gerechte und verifizierbare Rüstungskontrollmaßnahmen einzudämmen. Gleichzeitig müssen wir erkennen, daß die Außenpolitik
und die militärischen Kapazitäten der Sowjetunion das Potential und möglicherweise auch die Absicht besitzen, unsere Sicherheit zu untergraben.
Regionale

�Regionale Entwicklung

Wenn wir an die Bedrohung unserer nationalen Sicherheit denken, dann
neigen wir dazu, nur spektakuläre und mit Kernwaffen zusammenhängende Ereignisse zu sehen, wie Diebstahl von Kernwaffen, schreckliche Vernichtungsdrohungen, Überraschungsangriffe aus heiterem Himmel, rasche nukleare Rache.

Die

Gefahren haben sich jedoch als traditioneller und weniger apokalyptisch erwiesen.

Die meisten sind lokalen oder regionalen Ursprungs.

Westeuropa

Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß Westeuropa von lebenswichtigem
Interesse für die Vereinigten Staaten ist. Mit einer Bevölkerung von zusammen
rund 260 Millionen und einem Bruttosozialprodukt von 2 Billionen Dollar ist es
außerhalb Nordamerikas die größte Konzentration wirtschaftlicher Macht in der
Welt.

Seine Länder sind wie die Vereinigten Staaten Demokratien.

Die meisten

unserer Menschen und der größte Teil unserer Kultur haben dort ihren Ursprung.
Wir sind seit Gründung unserer Republik in europäische Angelegenheiten verwikkelt gewesen.

Bei unseren beiden größten Kriegen ging es um Europa.

Wir sind

bereit, wenn notwendig, erneut für die Verteidigung unserer europäischen Verbündeten zu kämpfen.

Einige der Gefahren für das nicht-sowjetische Europa stammen aus den eigenen Reihen.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist der anhaltende Streit

zwischen Griechenland und der Türkei, der die südliche Flanke der NATO geschwächt
hat.

Die wirtschaftliche Notlage in Portugal und in der Türkei berührt nicht

nur den Beitrag dieser Länder zur gemeinsamen Verteidigung, sondern sie macht
sie auch anfällig für politische Instabilität und Subversion durch anti-demokratische Elemente.

Innere Schwierigkeiten in Jugoslawien könnten den ordnungs-

gemäßen Übergang zu Marschall Titos Nachfolgern gefährden und die Gelegenheit
für eine Einmischung von außen schaffen.

Aber die beiden größten Gefahren

kommen von außerhalb Europas.
Die
- 5-

�Die erste Gefahr ergibt sich aus der starken Abhängigkeit Europas vom
OPEC-Öl und der Möglichkeit, daß die Versorgung unterbrochen werden könnte.
Die zweite Gefahr ergibt sich aus der massiven militärischen Präsenz der
Sowjetunion in Osteuropa und aus den zahlreichen und immer moderneren nuklearen
Mittel Streckensystemen (Long-Range Theater Nuclear Delivery Vehicles), die in
der UdSSR stationiert sind.

Wir und unsere Verbündeten haben eine Vielfalt

von Maßnahmen entwickelt, um mit dem Energieproblem fertig zu werden einschließlich der Anlegung von Vorratslagern und eines Abkommens, den Mangel gerecht
zu verteilen, sollte die Versorgung mit öl über einen längeren Zeitraum wesentlich eingeschränkt werden. Aber was immer wir auf diesem Gebiet tun oder nicht
tun, es gibt keinen sichtbaren Weg, daß militärische Macht an die Stelle der
Einsparung von Energie oder die Entwicklung neuer Brennstoffe und neuer Quellen
bestehender Brennstoffe treten könnte.

Unsere Fähigkeit, mit der sowjetischen

Bedrohung fertig zu werden, hängt in der Tat zum Teil von unserer Fähigkeit ab,
Energie zu sparen und unsere Versorgungsquellen zu diversifizieren.

Gleich-

zeitig müssen wir uns darüber im klaren sein, daß die militärische Präsenz der
Sowjets ein Phänomen ist, mit dem unsere Außenpolitik nur fertig werden kann,
wenn eine beträchtliche militärische Macht hinter ihr steht.

Wir neigen zu der Betrachtungsweise, die sowjetische Gefahr für Westeuropa gehe in erster Linie von der konventionellen militärischen Kapazität
der Sowjets aus, und wir haben uns angesichts der Modernisierung dieser Kapazität in zunehmendem Maße Sorgen gemacht, daß sie zu plötzlichen und massiven
Angriffen in Mitteleuropa benutzt werden könnte. Ohne Zweifel sind diese Sorgen berechtigt, aber sie schließen keineswegs alle Möglichkeiten ein. Die
Sowjets haben die nukleare Kapazität - strategisch und taktisch (im MittelStreckenbereich) - die auf Westeuropa gerichtet ist, entwickelt und verbessern
sie jetzt weiter. Sie sind an ihrer Nordflanke in zunehmendem Maße selbstsicher geworden. Und sie müssen ohne Frage bezüglich des Gangs der Ereignisse
in Osteuropa nervös bleiben. Die größten Gefahren für Europa würden daher weniger durch plötzliche nicht provozierte Angriffe entstehen als durch große
Krisen zwischen Ost und West, ausgelöst durch Schwierigkeiten im sowjetischen
Machtbereich oder in dessen Nähe.
Wir

�Wir haben versucht, die Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern
des Warschauer Paktes durch verstärkte Kontakte, verstärkten Handel,
institutionelle Zusammenarbeit und Informationsaustausch zu verbessern.
Wir haben heute mit allen osteuropäischen Ländern, mit Ausnahme der
Tschechoslowakei, Konsularabkommen.

Seit Anfang 1976 haben die Ost-

europäer amerikanische landwirtscahftliche Erzeugnisse im Werte von
über 2 Milliarden Dollar und amerikanische Fertigwaren im Werte von fast
1 Milliarde Dollar gekauft.

Im Jahre 1978 haben wir Waren im Werte von

rund 1,4 Milliarden Dollar an diese Region geliefert, und wir haben
Polen, Rumänien und Ungarn in unseren Handelsbeziehungen die Meistbegünstigungsklausel eingeräumt.

Es wäre jedoch sinnlos, wollten wir vor-

geben, daß die Maßnahmen für sich allein die Unzufriedenheit in Osteuropa
beheben oder den Hang der Sowjets mildern könnten, eine maximale Kontrolle
über Osteuropa auszuüben.

Entschlossenheit und sichtbare militärische

Fähigkeit sind ebenso wie erweiterte wirtschaftliche und3&gt;nstige Beziehungen zu Osteuropa entscheidend wichtig, wenn wir wirksam, aber mit
friedlichen Mitteln mit diesen Gefahren fertig werden wollen.
Um das Problem der sowjetischen Dislozierung der SS-20-Rakete und
des Backfire-Bombers anzupacken, hat das Bündnis eine Gruppe auf Hoher
Ebene (High Level Group - HLG) eingesetzt, um das ganze Spektrum der
Abschreckung zu prüfen und über geeignete Maßnahmen zur Modernisierung
der nuklearen Abschreckung des Bündnisses zu entscheiden.

Gleichzeitig

prüfte eine NATO-Sondergruppe für Rüstungskontrolle (Special Group on
Arms Control) ergänzende Vorschläge für Rüstungsbegrenzungen auf diesem
kritischen Gebiet.
Um die Fähigkeit der NATO aufrechtzuerhalten, ihre Strategie der
flexiblen Antwort (flexible response) durchzuführen und auf die durch
die sowjetische Dislozierung neuer und stärkerer TNF (SS-20-Raketen
und Backfire-Bomber) geschaffene Bedrohung reagieren zu können, haben
die Verteidigungs- und Außenminister der NATO im Dezember 1979 zwei

- 7 -

�zwei wichtige Schritte beschlossen.

Das Bündnis wird mit der Modernisierung

seiner nuklearen Mittel Streckensysteme (LRTNF) beginnen und 108 Pershing
II-Raketen auf Abschußeinrichtungen sowie 464 landgestützte Marschflugkörper (GLCMS) von 1983 an in ausgewählten westeuropäischen Ländern
dislozieren.

Im Zusammenhang mit dieser Modernisierung werden die

Vereinigten Staaten 1 000 nukleare Gefechtsköpfe aus ihren europäischen
Arsenalen abziehen.
In einer parallelen Rüstungskontroll initiative sprachen sich die
Minister für amerikanisch-sowjetische Verhandlungen über LRTNF im Rahmen
von SALT III aus.

Sie kamen überein, daß diese Verhandlungen eine Verringerung

der Zahl sowjetischer LRTNF - vor allem der SS-20-Raketen - anstreben, so
bald wie möglich beginnen, in enger Konsultation mit unseren NATO-Verbündeten geführt und von folgenden Grundsätzen geleitet sein sollten:
-

Alle künftigen Begrenzungen amerikanischer TNF-Systeme (für
den Einsatz in Europa) sollten von entsprechenden Begrenzungen
sowjetischer TNF-Systeme begleitet werden.

-

Begrenzungen amerikanischer und sowjetischer LRTNF-Systeme
sollten bilateral im Rahmen von SALT III Schritt für Schritt
ausgehandelt werden.

-

Das unmittelbare Ziel dieser Verhandlungen sollte die Festlegung vereinbarter Begrenzungen amerikanischer und sowjetischer
landgestützter LRTNF-Raketensysteme sein.

-

Alle vereinbarten Begrenzungen dieser Systeme müssen im Einklang
mit dem Grundsatz der Gleichheit für beide Seiten stehen.

Daher

sollten die Begrenzungen in Form der de jure Gleichheit der
Höchstgrenzen und der Rechte durchgeführt werden.
Alle

�-

Alle vereinbarten Begrenzungen müssen in ausreichendem Maße
verifizierbar sein.

So wichtig diese Programme sein mögen, die größte Bewährungsprobe
für die NATO in den achtziger Jahren wird mit der Frage kommen, wie gut
die Verbündeten in der Verwirklichung der übrigen Teile des langfristigen
Verteidigungsprogramms zusammenarbeiten werden.

Der Plan enthält neun

weitere Vorrangkategorien:
-

Verstärkte Bereitschaft, um mit den Risiken eines Blitzkriegs
des Warschauer Paktes mit kurzer Vorwarnzeit fertig zu werden;

-

Sehr viel raschere Verstärkung der dislozierten Streitkräfte
der NATO, vor allem aus den Vereinigten Staaten;

-

verstärkte und erhöhte europäische Reservestreitkräfte;

-

qualitative Verbesserungen der maritimen Kapazität des
Bündnisses;

-

ein integriertes Luftverteidigungssystem des Bündnisses, da
eine wirksame Luftverteidigung in Europa auf nationaler Basis
unmöglich ist;

-

Erhöhung der Interoperabilität und Standardisierung der
Befehls-, Leit- und Fernmeldesysteme, die für eine gemeinsame
Kriegsführung lebenswichtig sind;

-

ein bündnisweites Programm für elektronische Kriegführung,
um den großen sowjetischen Fortschritten auf diesem Gebiet
begegnen zu können;
rationalere

�-

rationalere Verfahren für Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Rüstung innerhalb der NATO;

-

und

verstärkte Bemühungen um die Verbesserung der logistischen
Koordinierung sowie Erhöhung der Kriegsreserven.
•

Zwei von diesen Programmen müssen besonderen Nachdruck erhalten.
Die Sowjets produzieren weiterhin Panzer, Kanonen und Flugzeuge in einer
Zahl, die um das zwei- bis dreifache über der der Vereinigten Staaten
liegt.

Sie investieren etwa zweimal soviel in die Forschungs- und

Entwicklungsprojekte der Verteidigung.

Wir müssen auf unsere NATO-

Verbündeten zählen können, um viele dieser Differenzen wettzumachen.
Um zu den gewünschten Ergebnissen zu gelangen, müssen wir und unsere
Verbündeten nicht nur wirksamere Beschaffungsverfahren entwickeln, sondern
auch die Duplikation bei den Forschungs- und Entwicklungsprogrammen
verringern.

Wenn wir über die nationalen Grenzen hinweg zu optimalen

Ergebnissen gelangen wollen, müssen wir mehr dazu bereit sein, das Gerät
vom anderen zu kaufen.

Gleichzeitig müssen wir mehr zusammenarbeiten,

um dem Wert von 20 Milliarden Dollar an Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, die das Bündnis zur Zeit darin investiert, so nahe wie möglich
zu kommen, anstatt uns mit einem Ergebnis von 15 bis 16 Milliarden Dollar
zu begnügen, zu dem die NATO insgesamt in ihrer Produktion jetzt gelangt.
Die rasche Verstärkung Europas durch die USA ist ein anderer
entscheidender Faktor für die Abschreckungseffizienz der NATO.

Eines

der ernsthaftesten Probleme des Bündnisses, vor allem in der zentralen
Region, ist der Mangel an operativen Reserven.

Wenn unter den derzeitigen

Umständen ein Angriff mit nur kurzer Vorbereitungszeit erfolgte und wenn
unsere vorderen Verteidigungslinien im ersten Stadium dieses Angriffs
durchbrochen würden, dann hätte SACEUR möglicherweise zu wenig Landstreitkräfte und taktische Flugzeuge in Reserve, um dem Einbruch erfolgreich
entgegenzuwirken.
Seit
- 10 -

�Seit vielen Jahren ist es der Plan der Vereinigten Staaten, der
NATO mit massiven Verstärkungen zur Hilfe zu kommen, aber mangelnde Lufttransportkapazität und das Fehlen einer angemessenen Nachschubstruktur
für diese Verstärkungen bedeuteten, daß viele der zur Verstärkung entsandten
Einheiten zu spät eintreffen könnten, um mit dieser besonderen Notlage
fertig zu werden. Um diese Schwäche zu beheben, haben wir ein Programm
zur raschen Verstärkung aufgebaut, das die amerikanischen Landstreitkräfte mehr als verdoppeln und die taktischen Luftverbände verdreifachen
wird, die von Tag zu Tag in Europa disloziert werden - und beides in
weniger als zwei Wochen.

Dies, so sollte ich noch hinzufügen, heißt

nicht zwei Wochen nach Beginn eines Angriffs, sondern zwei Wochen, nachdem
der Beschluß zur Verstärkung getroffen ist. Was das bedeutet, läßt
sich ermessen, wenn man die sich daraus ergebende amerikanische Präsenz
mit der größten Streitmacht in Westeuropa vergleicht.

Das Programm

zur raschen Verstärkung wird mit M-14 eine Gesamtfeuerkraft der
amerikanischen Landstreitkräfte ergeben, die größer ist als die in der
gesamten Armee der Bundesrepublik vorhandene und die die Zahl der Luftgeschwader, über die die Luftwaffe verfügt, um das Doppelte übertrifft.
Die rechtzeitige Bereitstellung dieser massiven Verstärkung hängt
in erster Linie von unserer Fähigkeit ab, Vorausstellungen von Ausrüstung
und Gerät in Europa anzulegen, Truppen dahin mit Passagierflugzeugen einzufliegen und unsere Kampfgeschwader auf geschützte und wohl versehene
alliierte Luftstützpunkte zu dislozieren. Solche Maßnahmen wiederum
erfordern die Mitarbeit unserer europäischen Verbündeten. Sie müssen
die Lagerplätze und Arsenale für das im voraus deponierte Gerät, planmäßig angelegte Operationsbasen für unsere Luftgeschwader und Depots
für unsere Munition und andere Kampfmittel verfügbar machen. Das meiste
davon kann durch das NATO-Infrastrukturprogramm finanziert werden, zu dem
die Vereinigten Staaten den größten Einzelbeitrag leisten. Aber dazu
wird eine weitaus höhere Bereitstellung von Mitteln für die Infrastruktur
notwendig sein, als unsere Verbündeten bisher zu gewähren bereit waren.

Es
- 11 -

�Es trifft ebenfalls zu, daß wir - wenn wir uns für diese massive,
mit größter Geschwindigkeit erfolgende Dislozierung amerikanischer Kampftruppen entscheiden - auf die gleichzeitige Dislozierung einiger Nachschubeinheiten verzichten müssen, die notwendig sind,und uns in stärkerem
Maße für den Nachschub und die Instandhaltung auf das Konzept der Unterstützung durch den Gaststaat verlassen müssen, wobei unsere euroäischen
Verbündeten helfen werden, uns zu einem großen Teil die Nachschubkapazität
zu gewähren, die für unsere Kampfleistung so entscheidend wichtig ist
und zwar aus den gleichen mobilisierten zivilen Hilfsquellen, die sie zur
Unterstützung ihrer eigenen Streitkräfte nutzen würden.

Das heißt, sich

auf sie hinsichtlich des Seetransport und des Lufttransports, hinsichtlich
der Häfen und Fluglandeplätze und Entladungseinrichtungen, hinsichtlich
des Transports ins Kampfgebiet und einer Unzahl anderer Notwendigkeiten
verlassen, wie beispielsweise Treibstofflager, Tankwagen, Depots und
Lazaretteinrichtungen.
•

Die erforderliche Unterstützung würde nur einen Bruchteil von den
gewaltigen zivilen Hilfsquellen und der Infrastruktur in Anspruch nehmen,
die in den hochentwickelten Volkswirtschaften Europas vorhanden sind.

In

Friedenszeiten wären nur sehr geringe Kosten damit verbunden, und in
Kriegszeiten würden wir für alle Güter und Dienstleistungen, die von
den Verbündeten gestellt werden, bezahlen.

Aber wenn auch über die Einzel-

heiten der Unterstützung durch das Gastland zur Zeit aktiv verhandelt wird,
so geht der gesamte Prozeß doch nur langsam voran.
Kurzum, wir haben ein transatlantisches Geschäft vorgeschlagen.
Wir werden für eine rasche und massive Dislozierung von Kampftruppenverstärkungen für die NATO sorgen, wenn unsere Verbündeten uns bei der
Bereitstellung der europäischen Anlagen und Einrichtungen helfen und die
Gastlandunterstützung gewähren werden, die zur Durchführung einer solchen
Dislozierung notwendig sind.

Aber diese komplexe Anstrengung wird nicht

ohne eine größere Zusammenarbeit seitens der anderen Mitglieder des
•

•

- 12 -

�des Bündnisses erfolgreich sein.

Sie ist und muß ein gemeinsames Unter-

fangen sein, zu dem der Beitrag der Verbündeten genau so entscheidend
ist wie der unsrige.

Doch muß die in ihr liegende Möglichkeit zur kollektiven

Verteidigung im Anfangsstadium eines Konflikts größeren Nachdruck erhalten,
wenn die Glaubwürdigkeit einer nichtnuklearen Abschreckung in dem vor uns
liegenden Jahrzehnt erhalten bleiben soll.
sie müssen erfüllt werden.

- 13 -

Die Anforderungen sind hart -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jahresbericht des US-Verteidigungsministeriums&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>H^^^B

nroimouon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. Februar 1985

INHALT

DOKUMENTATION

Präsident Reagan legt Haushalt 1983/86 vor
- Kürzungen von Regierungsausgaben - Steuervereinfachung

Reagan:

MBFR-Verhandlungen i n t e g r a l e r T e i l der US-Abrüstungs-

bemü'hungen
- Erklärung zum Beginn der 35. Verhandlungsrunde i n Wien -

Die künftige amerikanische Außenpolitik:

Neue Realitäten und

neue Denkweisen
- Grundsatzerklärung von Shultz vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Senats -

Um Übei/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

�6. Februar 1985

6

PRÄSIDENT REAGAN LEGT HAUSHALT 1985/86 VOR
- Kürzungen von Regierungsausgaben - Steuervereinfachung -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 4. Februar 1985

dem amerikanischen Kongreß seinen Voranschlag f ü r den Bundeshaushalt 1986
vorgelegt - das Haushaltsjahr dauert vom 1 . Oktober 1985 bis zum 30. September 1986.

M i t einem Ausgabenansatz von 973,7 M i l l i a r d e n D o l l a r -

nur

14,6 M i l l i a r d e n D o l l a r oder rund 1,5 Prozent mehr a l s im laufenden Haush a l t s j a h r - und einem Einnahmenansatz von 793,7 M i l l i a r d e n D o l l a r
das Budget 1986 e i n D e f i z i t

weist

von 180 M i l l i a r d e n D o l l a r a u f , das i n den

folgenden Haushalten 1987 auf 164,9 M i l l i a r d e n D o l l a r und 1988 auf 144,4
Milliarden Dollar

weiter

1984 wurde e i n D e f i z i t

reduziert

werden s o l l .

Für das

von 185,3 M i l l i a r d e n D o l l a r

Haushaltsjahr

errechnet;

für

das

laufende Haushaltsjahr 1984/85 wird mit einem D e f i z i t von 222,2 M i l l i a r den D o l l a r gerechnet.

Um das D e f i z i t

f ü r 1986 um 19 Prozent zu senken, schlägt

Präsident

Reagan eine Kombination von E i n f r i e r u n g e n , Kürzungen, Verwaltungsvereinfachungen und die E i n s t e l l u n g einzelner Programme vor.
Der

Haushaltsvoranschlag

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Haushaltsvoranschlag

19ÖÖ sieht

im Vergleich

zu 1985 auf

der

Ausgabenseite folgende Posten vor:

( I n Milliarden Dollar)

1985

1986

253,8
19,6

285,7
18,3

Wissenschaft, Raumfahrt und Technologie

8,7

9,3

Energie

8,2

4,7

13,0
20,0

11,9

6,0

2,2

27,0

25,9

8,6

7,3

30,4

29,3

Soziales und Medicare

33,9
257,4

34,9
269,4

Einkommenssicherung

127,2

115,8

26,9

26,8

Justizverwaltung

6,7

6,6

Allgemeine Regierungskosten

5,8

4,8

Allgemeine Haushaltshilfe

6,6

2,8

130,4

142,5

1,1

0,4

-32,3

-37,5

959,1

973,7

Nationale Verteidigung
I n t e r n a t i o n a l e Angelegenheiten

Naturschutz und Umwelt
Landwirtschaft
Handel und B e i h i l f e n f . d . Wohnungsbau
Verkehrswesen
Gemeinde- und Regionalentwicklung

12,6

Erziehung, Ausbildung, Beschäftigung und
Sozialwissenschaften
Gesundheit

Altersversorgung und Dienstleistungen f ü r
ehemalige Angehörige der S t r e i t k r ä f t e

Nettozinsleistungen
Vergütungen
Nicht i n Ansatz gebrachte Einnahmen
GESAMTHAUSHALTSAUSGABEN

Die Begleitbotschaft

des Präsidenten zu seinem Haushaltsvoranschlag

1986, i n der er die p o s i t i v e w i r t s c h a f t l i c h e Entwicklung der

Vereinigten

Staaten i n den l e t z t e n Jahren d a r l e g t , hat folgenden Wortlaut:
I n den

�I n den l e t z t e n zwei Jahren haben wir einen der stärksten w i r t s c h a f t l i c h e n Aufschwünge der Nachkriegszeit e r l e b t .

Vor uns l i e g t die Aussicht

auf eine wesentlich glänzendere Zukunft f ü r Amerika.

Bei Beginn des Jah-

res 1985 zeigt die Wirtschaft e i n starkes Wachstum und einen beachtlichen
Aufwärtstrend.

Günstige f i n a n z i e l l e Bedingungen lassen e i n Anhalten der

Expansion erwarten.

Die Zunahme von Produktion, P r o d u k t i v i t ä t

schäftigungszahl sind e i n d u c k s v o l l , und die I n f l a t i o n b l e i b t
Kontrolle.

Ich b i n s t o l z auf die Lage der Wirtschaft.

und Begut unter

Darf i c h einige

Punkte herausheben:
- Die Wirtschaft expandierte im Jahr 1984 mit einer Rate von 6,8 Prozent und s e i t dem Ende der Rezession Ende 1982 mit einer

Jahresrate

von 6 Prozent - also schneller denn j e s e i t dem Aufschwung 1951.
- Das Vertrauen i n die Wirtschaft hat Unternehmen veranlagt, i h r e Kapitalspanne auszuweiten.

Die realen I n v e s t i t i o n e n i n neue Fabriken und

Ausrüstungen sind s e i t Ende 198z um j ä h r l i c h 15,4 Prozent gewachsen rascher a l s i n jeder anderen Aufschwungsphase nach aem Kriege.
- Der Prozentsatz der

Realinvestitionen

gemessen am realen

Bruttoso-

zialprodukt hat den höchsten Stand der Nachkriegszeit e r r e i c h t .
- Die Industrieproduktion l i e g t 23 Prozent über dem Stand während der
Rezession b i s November 1982 - e i n stärkerer Aufschwung denn j e

seit

1958.
- Die Körperschaftsgewinne sind s e i t Ende der Rezession 1982 um f a s t 90
Prozent gestiegen - die größte Steigerung i n acht V i e r t e l j a h r e n

seit

37 Jahren.
- Die Zahl der z i v i l e n Beschäftigten i s t i n den l e t z t e n 25 Monaten um
7,2 Prozent gestiegen, und die Zahl der Arbeitslosen i s t um 3,7 M i l l i o n e n zurückgegangen.

A l l e i n i n den l e t z t e n v i e r Monaten haben über

1,1 M i l l i o n e n Amerikaner einen A r b e i t s p l a t z gefunden.

Die

Inflation

�- Die I n f l a t i o n b l e i b t gut unter K o n t r o l l e .

Der Verbraucherpreisindex

lag im Dezember 1984 um v i e r Prozent über dem des Vergleichsmonats im
Vorjahr - was etwa e i n D r i t t e l der I n f l a t i o n bedeutet, die diese Adm i n i s t r a t i o n geerbt hat.

Der B r u t t o s o z i a l p r o d u k t - D e f l a t o r ,

der wei-

testgehende Maßstab der I n f l a t i o n , erhöhte sich im vorigen Jahr nur
um 3,5 Prozent und im l e t z t e n Quartal nur noch mit einer Jahresrate
von 2,4 Prozent.
- Die Primarate (Zinssatz f ü r erste Adressen)

beträgt

heute nur noch

die Hälfte dessen, was sie zum Zeitpunkt meiner Amtsübernahme betrug.
Vergleichen wir unsere heutigen Verhältnisse mit der Lage vor
Jahren.

Die I n f l a t i o n wütete i n z w e i s t e l l i g e n Raten.

vier

Die Olpreise waren

explodiert.
Die Primarate

betrug über 20 Prozent.

Die A r b e i t s l o s i g k e i t
weiteren Anstieg.

Die

Wirtschaft

stagnierte.

war scark angestiegen, und man rechnete mit

einem

Das Ansehen Amerikas i n der Weltmeinung war auf einem

Tiefpunkt.
A l l das l i e g t , Gott s e i Dank, h i n t e r uns.
i n unserem Geschick kam nicht von a l l e i n .

Dieser gewaltige Umschwung

Im Februar 1981 habe i c h be-

r e i t s die v i e r Grundprinzipien meines Wirtschaftsprogramms verkündet.
Sie l a u t e t e n :
- Verringerung des Zuwachses der Gesamtausgaben des Bundes durch Abschaffung a l l e r T ä t i g k e i t e n , die außerhalb des Aufgabenbereiches der
Bundesregierung l i e g e n , und Eindämmung des Zuwachses der Ausgaben f ü r
andere T ä t i g k e i t e n .
- Begrenzung der Steuerlasten auf den k l e i n s t e n Stand, der

notwendig

i s t , um wichtige Dienstleistungen der Regierung zu f i n a n z i e r e n , und
damit Stärkung des Anreizes zum Sparen, I n v e s t i e r e n , A r b e i t e n ,

zur

P r o d u k t i v i t ä t und zum w i r t s c h a f t l i c h e n Wachstum.
Abbau der

�- Abbau der Verordnungslasten des Bundes, wo die Bundesregierung unnötigerweise

in

unser

schäftstätigkeit

Privatleben,

oder die T ä t i g k e i t

die

leistungsfähige

private

Ge-

von e i n z e l s t a a t l i c h e n oder kom-

munalen Behörden e i n d r i n g t .
- Unterstützung

einer

gesunden und s t e t i g e n

Währungspolitik,

um das

w i r t s c h a f t l i c h e Wachstum zu fördern und die I n f l a t i o n unter K o n t r o l l e
zu bringen.

Vier e r f o l g r e i c h e Jahre
Diese p o l i t i s c h e n R i c h t l i n i e n
liche

Wachstum und die S t a b i l i t ä t

s o l l t e n dazu dienen, das
wiederherzustellen.

Sie

wirtschafthaben

ihre

Aufgabe e r f ü l l t .
I n den l e t z t e n v i e r Jahren haben wir auch den Beginn einer
aber t i e f g r e i f e n d e n Revolution i n der T ä t i g k e i t
erlebt.

unserer

stillen

Bundesregierung

Wir haben den, wie es damals schien, u n e r b i t t l i c h e n

Tendenzen

E i n h a l t geboten, daß die Einmischung der Regierung immer stärker

würde,

daß immer mehr Verordnungen erlassen, die Steuern immer höher und wir immer mehr ausgeben würden, da3 die I n f l a t i o n immer höher steigen und die
Verteidigung immer schwächer würde.

Wir haben diesen Tendenzen i n unse-

ren ersten v i e r Jahren E i n h a l t geboten.
Die Zuwachsrate der Regierungsausgaben war 1980 mit 17,4 Prozent außer K o n t r o l l e geraten.

Nach meinem Haushaltsvoranschlag wird die Zunahme

der Programm-Ausgaben - d . h . a l l e Bundesausgaben außer dem Schuldendienst
- im nächsten Jahr n u l l betragen und auf dem Stand dieses Jahres eingef r o r e n werden.
- Weiter werden die Ausgaben i n dem Zeitraum von v i e r Jahren von 198Z
b i s 1986 nur um 30 Prozent steigen - im Vergleich zu dem Rekordans t i e g von 66 Prozent i n dem Zeitraum von 1977 b i s 1981, und das t r o t z
g e s e t z l i c h beschlossener Zusätze zu meinem Programm und des notwendi-

�des notwendigen Neuaufbaus unserer Verteidigungskapazität.

- Das System

der Bundessteuern

wurde

zum Besseren geändert

- die

Höchstgrenze wurde eingeführt. Diese Reformen waren gedacht, die Anreize für Arbeit, Ausbildung und Bildung, Spartätigkeit, Geschäftsausdehnung und Erweiterung des Kapitalrahmens zu erhöhen.

Schlupf-

löcher im Steuersystem wurden verstopft, und das System wurde damit
gerechter gestaltet.

- Die Inlandsausgaben, die früher sehr viel rascher gestiegen waren als
jeder andere wichtige große Posten (zwischen 1960 und 1980 um real
fast auf das Vierfache) wurden für den Zeitraum von 1981 bis 1985
praktisch eingefroren.

- Unsere Verteidigungskapazität kehrt wieder auf einen Stand zurück,
mit dem wir unsere Bürger schützen, unsere Verpflichtungen gegenüber
unseren Verbündeten erfüllen und an den langerwarteten Rüstungskontrollverhandlungen aus einer Position respektierter Stärke teilnehmen
können.
- Das Bundesanleihenprogramm, das ebenfalls außer Kontrolle

geraten

war, wurde beschnitten und seine Verwaltung gewaltig verbessert.

- Auch dem raschen Zuwachs von Verordnungen und bürokratischen Hemmnissen ist Einhalt geboten worden.

Die Zahl der von Bundesbehörden

veröffentlichten Verordnungen ist während der letzten vier Jahre um
35 Prozent zurückgegangen, und viele alten unnötigen Verordnungen
sind abgeschafft worden.

Zum erstenmal ist der Bundesanzeiger für

neue Verordnungen in vier aufeinanderfolgenden Jahren kleiner geworden - er ist heute 41 Prozent kleiner als 1980.

- Es ist eine wichtige Initiative für die Straffung der Verwaltung auf
den Weg gebracht worden, die die Funktionsweise der Bundesregierung
tiefgreifend verändern wird.

Die Private Arbeitsgruppe des Präsiden-

ten zur Überprüfung der Kosten hat ihren Bericht abgeschlossen, und

�abgeschlossen und viele ihrer Empfehlungen haben in diesem Haushalt ihren
Niederschlag gefunden.

Der Beirat des Präsidenten für Integrität und

Leistung im öffentlichen Dienst hat berichtet, dai eine verbesserte Verwendung der Mittel um 46 Milliarden Dollar erreicht werden konnte, indem
Verschwendung und Betrug abgestellt wurden.

- Die Zahl der Beschäftigten der Bundesregierung außerhalb des Verteidigungssektors ist um über 78 000 gekürzt worden.

Die in diesem Haushalt enthaltenen Voranschläge werden auf den Erfolgen der letzten vier Jahre weiter aufbauen und eine Vorstellung von Regierung verwirklichen, die funktioniert und die die überwältigende Zustimmung des amerikanischen Volkes gefunden hat.

Das Haushaltsprogramm 1986
Wenn wir keine Maßnahmen treffen würden, um den Zuwachs der Ausgaben
einzudämmen, dann würden die Bundesausgaben im Haushaltsjahr 1986 auf
über eine Billion Dollar ansteigen.

Das würde in jedem der nächsten fünf

Jahre zu einem Defizit von über 200 Milliarden Dollar führen.
unannehmbar.

Das ist

Der Haushalt, den ich vorschlage, wird deshalb die Ausgaben

1986 um 51 Milliarden Dollar senken, 1987 um 83 Milliarden Dollar und
1988 um 105 Milliarden Dollar. Die Verabschiedung dieser Ma3nahmen würde
das für 1988 vorgesehene Defizit auf 144 Milliarden Dollar reduzieren immer noch ein schwacher Abglanz unseres Zieles eines ausgeglichenen
Haushalts, aber doch ein bedeutsamer Schritt in die richtige Richtung und
eine 42prozentige Verringerung des für dieses Jahr vorgesehenen Standes.

Im vorigen Jahr arbeitete meine Administration mit dem Kongreß einen
ersten Abschlag für die Verringerung des Defizits aus.
verpflichtet die Regierung zu einer zweiten Rate.

Dieser Haushalt

Mit vergleichbaren

Verpflichtungen zu weiteren Kürzungen in den nächsten beiden Haushalten
und mit, wie ich hoffe, vom Kongreß angetragenen weiteren Kürzungsideen
können wir unser Ziel auf geordnete Weise erreichen.
Der Haushaltsvoranschlag
- 7 -

�Der Haushaltsvoranschlag s i e h t e i n e i n j ä h r i g e s E i n f r i e r e n a l l e r Ausgaben außer dem Schuldendienst vor.

Dies kann durch eine Kombination von

E i n f r i e r u n g e n , Reformen, E i n s t e l l u n g e n , Kürzungen und Verwaltungsverbesserungen bei einzelnen Programmen e r r e i c h t werden.

Aus einer Reihe von

Gründen i s t e i n E i n f r i e r e n des Haushalts Posten um Posten n i c h t möglich
oder wünschenswert.

Weiter würde eine solche Maßnahme davon ausgehen,

daß a l l e Programme von gleicher Bedeutung seien.

Zusammengenommen halten

die

die

spezifischen Vorschläge

i n diesem Haushalt

Gesamtausgaben des

Bundes - außer Schuldendienst - 1986 auf dem gleichen Stand wie 1983.
Die

Haushaltsvoranschläge

sehen wesentliche

Kosteneinsparungen

bei

der Krankenversicherung der Rentner, bei den Lohnen und Gehältern

von

Bundesbediensteten, bei den Subventionen f ü r die Landwirtschaft und anderen Subventionen f ü r Unternehmen und obere Einkommensgruppen, bei z a h l reichen Programmen f ü r Zuwendungen an e i n z e l s t a a t l i c h e und kommunale Behörden und bei Kreditprogrammen vor.

Es wird ferner e i n E i n f r i e r e n des

Standes e i n i g e r Leistungen aus Ansprüchen gegen den Bund - außer der Sozialversicherung - von Vermögensansprüchen und von Programmen f ü r Behind e r t e , die bisher jedes Jahr eine automatische
passung" (COLA) erhalten haben, vorgeschlagen.

"LebenshaltungskostenanDer Haushalt sieht

wei-

t e r e Kürzungen der Verteidigungsausgaben unter den b e r e i t s M i t t e des Jahres reduzierten Stand vor.
Trotz der Reformen der l e t z t e n v i e r Jahre b l e i b t unser Bundessteuersystem komplex und ungerecht.

Die Steuersätze sind noch immer so hoch,

daß s i e w i r t s c h a f t l i c h e Entscheidungen verzerren, und das l ä d t das w i r t schaftliche
könnte.

Wachstum h i n t e r

dem zurückbleiben, was es e i g e n t l i c h

I c h werde nach zusätzlichen Beratungen mit

dem

Kongreß

sein
eine

weitere Steuervereinfachung und -reform vorschlagen.
Diese Vorschläge werden kein Manöver s e i n , um die Steuern zu erhöhen
- es geht nur darum, die Belastung f a i r e r zu v e r t e i l e n und das ganze System zu vereinfachen.
Indem wir die Basis v e r b r e i t e r n , können w i r die Sätze senken.
Gesamtsumme

der

�Gesamtsumme der Haushaltsvoranschläge
( I n Milliarden Dollar)
1984
Ist

1985

1*86

Voranschi.

1987

1988

Voranschi.

Voranschi.

Voranschi.

Einnahmen

666,5

736,9

793,7

861,7

950,4

Ausgaben

351,8

959,1

973,7

1 U26 ,6

1 U94,8

- 185,3

- 222,2

- 180,0

- 164,9

- 144,4

D e f i z i t (-)

Es wird gegen jede Maßnahmen zur Verringerung des D e f i z i t s , wie sie
i n diesem Haushalt vorgeschlagen werden, erheblichen p o l i t i s c h e n
stand geben.

Wider-

Jeder D o l l a r der heutigen Bundesausgaben kommt jemand zu-

g u t e , und diese Person hat e i n wohlerworbenes Interesse daran, daü diese
Einkünfte andauern und steigen.
Interessen

Vor meiner A d m i n i s t r a t i o n waren solche

vorherrschend, und i h r e

Erwartungen und Forderungen

wurden

auch immer wieder e r f ü l l t .
An einem bestimmten Punkt muß man jedoch die Frage s t e l l e n :
ren diese p o l i t i s c h e n Ansprüche a u f ? " .

"Wo hö-

An einem bestimmten Punkt über-

steigen die k o l l e k t i v e n Ansprüche a l l dieser besonderen Interessen an die
öffentliche

Hand die Fähigkeit und die Bereitschaft

dies zu bezahlen.

Öffentlichkeit,

Das Wort, das auszusprechen einem P o l i t i k e r am schwer-

sten f ä l l t , i s t das einfache Wörtchen " N e i n " .
schen Volkes i s t

der

Die Geduld des amerikani-

f a s t über Gebühr beansprucht worden.

Es w i l l Handlung

sehen; es hat Handlung g e f o r d e r t .

Wir haben im Haushalt 1981 immer wieder "Nein" gesagt, und die Ausgaben f ü r Ermessensprogramme gingen stark zurück.
genug geschafft.

Wir haben keine andere

mit verdoppelter K r a f t zu wiederholen.

Aber wir haben nicht

Wahl a l s unsere Anstrengungen

Die Verschwendung i n Ausgaben f ü r

Eigenzwecke des Bundes mui3 auf einen akzeptablen, angemessenen und f i n a n zierbaren Stand zurückgeführt werden.

Es
- 9 -

wird

größten

�Es wird größten p o l i t i s c h e n Mut e r f o r d e r n ,

diese Programme i n

den

Hallen des Kongresses zu v e r t r e t e n , aber i c h b i n überzeugt, da3 wir es
mit gutem Glauben und gutem Willen auf beiden Seiten schaffen werden.
Wenn es uns nicht g e l i n g t , die übertriebenen Zuwendungen des Bundes an
Sonderinteressengruppen zu v e r r i n g e r n , dann werden uns entweder

höhere

Haushaltsdefizite oder höhere Steuern aufgebürdet werden - das eine wie
das andere wäre von größerem Schaden f ü r die amerikanische Wirtschaft.

Straffung von Verwaltung und Verordnungen 1986
Um das D e f i z i t

zu v e r r i n g e r n , müssen nicht

Bundesausgaben d r a s t i s c h v e r r i n g e r t

nur Höhe und Umfang der

werden, sondern w i r müssen auch um-

fassende Programme zur Straffung der Verwaltung und eine Verwaltungsreform e i n f ü h r e n , die

s i c h e r s t e l l e n , da3 die

verfügbaren M i t t e l

auch so

wirksam wie möglich eingesetzt werden.
Im ganzen Bereich der Bundesregierung werden harte aber
S c h r i t t e getan, um die Kosten der Verwaltung zu senken.

notwendige

Im Rahmen der

Bestimmungen des Gesetzes f ü r den Abbau des D e f i z i t s 1984 sind wesentl i c h e Einsparungen der laufenden Unkosten e r z i e l t worden.

Es wurde eine

fünfprozentige Kürzung der Bezüge der z i v i l e n Bundesbediensteten vorgeschlagen.

Eine

wurde angeordnet.

zehnprozencige

Kürzung der

laufenden

Verwaltungskosten

Es wird vorgeschlagen, daß Programme e i n g e s t e l l t

den, deren Nutzen überholt

ist.

Überholte, nicht

mehr

wer-

leistungsfähige

Strukturen des Außendienstes von Behörden, die s i c h im Laufe des l e t z t e n
halben Jahrhunderts entwickelt haben, werden k o n s o l i d i e r t und g e s t r a f f t ,
um sich die E f f i z i e n z zunutze zu machen, die das moderne Verkehrswesen,
die moderne Kommunikation und die moderne Informationstechnologie b i e t e n .

Die Verwaltung von Bundesbehörden wird durch die Einführung von Personalqualifikationen,

durch die Automatisierung manueller Prozesse, die

Zusammenlegung ähnlicher Funktionen und die
Verwaltungskosten l e i s t u n g s f ä h i g e r g e s t a l t e t .

Verringerung

der

laufenden

E i n Programm zur Erhöhung

der P r o d u k t i v i t ä t um 20 Prozent b i s 1992 i n a l l e n geeigneten Regierungs-

�geeigneten Regierungsfunktionen wird ebenso eingeführt wie eine verbesserte Kassenund Kreditverwaltung

sowie Programme zur Verringerung

der

Fehlerquoten.

Dieses Programm zur Verbesserung der Verwaltung wird zu einer strafferen und leistungsfähigeren Struktur des ganzen öffentlichen Dienstes
des Bundes führen und wird in einem Verwaltungsbericht im einzelnen erläutert, den ich zum erstenmal kurz nach meiner Haushaltsvorlage dem Kongreß übermitteln werde.

Wir haben auch beachtliche Fortschritte

bei der Verringerung

der

Kosten erzielt, die durch Verordnungen des Bundes den Unternehmen und den
einzelstaatlichen und kommunalen Behörden auferlegt werden.

Diese Ein-

sparungen werden auf insgesamt 150 Milliarden Dollar über einen Zeitraum
von zehn Jahren eingeschätzt.

Wir haben die Zahl der neuen Verordnungen

während meiner ersten Amtszeit jedes Jahr verringert und die Erfordernisse für das Ausfüllen von Formularen und Papieren Jahr für Jahr um über
300 Millionen Stunden vermindert.

Darüber hinaus werden jetzt Verordnun-

gen sorgfältiger formuliert, um mit möglichst niedrigen Kosten den größten Schutz zu erzielen und, wo immer dies möglich ist, die Kräfte des
Marktes wirken zu lassen, statt ihnen entgegenzuarbeiten.

Ein Präsidialerlaß aus der jüngsten Zeit wird die Koordination der
Exekutive stärken, die diese Leistungen ermöglicht.

Zum erstenmal werden

wir ein Jahresprogramm der wichtigsten Verordnungstätigkeiten veröffentlichen, einschließlich jener, die der Veröffentlichung einer ins Auge gefaßten Verordnung vorausgehen.

Das wird dem Kongre3 und der Öffentlich-

keit eine frühe Gelegenheit bieten, sich mit der Politik der Administration auf dem Gebiet der Verordnungen und den entsprechenden Prioritäten
vertraut zu machen.

Zusammenfassung

Die wesentlichen Elemente des Programms, mit dem ich vor vier Jahren
angetreten bin, sind am Platz und funktionieren gut. Unsere nationale Si- 11 -

�cherheit wird wiederhergestellt und, wie i c h erfreulicherweise
kann, auch unsere Wirtschaft.

Das Wachstum und die

berichten

Investitionstätigkeit

sind gut.

Die I n f l a t i o n , die Zinssätze, die Steuersätze und die A r b e i t s -

losigkeit

sind auf einem niedrigen Stand und können weiter gesenkt wer-

den.

Der Ausbreitung

unnötiger

Verordnungen, die

das

wirtschaftliche

Wachstum und die F r e i h e i t des einzelnen e r s t i c k t haben, i s t E i n h a l t geboten worden, und es i s t

eir. F o r t s c h r i t t

i n der Verringerung eines unge-

r e c h t f e r t i g t e n und übertriebenen Anwachsens der

Bundesausgaben

erzielt

worden.
Aber wir können uns mit dem Erreichten nicht
wir e i n neues Z e i t a l t e r

zufriedengeben.

erreichen w o l l e n , i n dem F r i e d e n ,

Wenn

Prosperität,

Wachstum und F r e i h e i t anhalten, dann müssen die Bundesausyaben f e s t unter
K o n t r o l l e gebracht werden.

Dieser Haushalt zeigt die Wege a u f , die nach

meiner Meinung eingeschlagen werden müssen.

I c h s c h l i e f e weitere Einspa-

rungen nicht aus, die der Kongra3 v i e l l e i c h t vorschlagen möchte, solange
sie

nicht meine grundsätzliche

nationale Verteidigung und die

verfassungsmäßige Zuständigkeit
allgemeine

Wohlfahrt

des

für

die

amerikanischen

Volkes einschränker.
Lai3t uns an die A r b e i t gehen.

Die Z e i t des Handelns i s t gekommen

Nationale Verteidigung
Unter der Ü b e r s c h r i f t "Nationale Verteidigung" heißt es i n dem neuen
Haushaltsvoranschlag unter anderem:
Das Z i e l unseres nationalen Verteidigungsprogramms i s t der Schutz u n seres Landes und seiner Verbündeten vor ausländischer Aggression.

Sein

Z i e l besteht d a r i n , den Frieden durch Aufrechterhaltung einer zur K r i e g s abschreckung hinreichenden m i l i t ä r i s c h e n Stärke zu bewahren.

Sollte

es

jedoch dennoch zum Krieg kommen, müssen w i r i n der Lage s e i n , uns e r f o l g r e i c h zu verteidigen und dabei das Ausmaß und die I n t e n s i t ä t
f l i k t s so gering wie möglich zu h a l t e n .

- 12 -

des Kon-

�Die Abschreckung vor ausländischen Bedrohungen unserer

lebenswichti-

gen Interessen und derjenigen unserer Verbündeten und Freunde hängt davon
ab, da3 w i r die ganze Bandbreite unserer Verteidigunyskapazitäten wahren.
Dazu gehören die strategische Nuklearkapazität, die Stärke unserer M a r i ne , starke v o r n e d i s l o z i e r t e S t r e i t k r ä f t e i n Europa und anderen Gebieten,
die f ü r unsere eigene Verteidigung entscheidend s i n d , sowie die Fähigkeit
zur raschen Dislozierung und zur Mufrechternaltung unserer

Streitkräfte

weltweit.
Der Haushaltsentwurf sieht f ü r das Jahr 1986 f ü r Zwecke der national e n Verteidigung Ausgabeermächtigungen i n Höhe von 322,2 M i l l i a r d e n D o l l a r und f e s t geplante Ausgaben i n Höhe von 285,7 M i l l i a r d e n D o l l a r vor
Die f ü r die m i l i t ä r i s c h e n Aufgaben des Verteidigungsressorts

...

f ü r das

Jahr 1986 beantragte Erhöhung der Ausgabeermächtigungen um 29 ,ü M i l l i a r den D o l l a r e r g i b t

sich aus der Entschlossenheit

der A d m i n i s t r a t i o n ,

für

das Maß an m i l i t ä r i s c h e r Stärke zu sorgen, das e r f o r d e r l i c h i s t , um die
Sicherheit unseres Landes zu gewährleisten. Angesichts großer Verbesserungen

der

sowjetischen

Militärkapazität

müssen

die

amerikanischen

S t r e i t k r ä f t e gestärkt werden, um der sowjetischen Herausforderung begegnen und unsere nationalen Interessen schützen zu können. Dies e r f o r d e r t ,
daß wir w e i t e r h i n Anstrengungen unternehmen, um

- a l l e Komponenten unserer strategischen S t r e i t k r ä f t e zu modernisieren,
damit i h r e Fähigkeit

garantiert

b l e i b t , vor einem nuklearen A n g r i f f

abzuschrecken, zu überleben und einen Vergeltungsschlag auszuführen,
s o l l t e es zu einem A n g r i f f kommen;
- die Einsatzbereitschaft

und S t a n d f e s t i g k e i t

unserer

konventionellen

S t r e i t k r ä f t e zu verbessern sowie deren Ausrüstung zu modernisieren;
- eine ausreichende Stärke zur See aufrechtzuerhalten, damit die Fähigk e i t g a r a n t i e r t w i r d , amerikanische Truppen zum Schutz unserer

Inter-

essen, zur Unterstützung unserer Verbündeten und zur Sicherung eines
k o n t i n u i e r l i c h e n Zugangs zu wichtigen Rohstoffen i n k r i t i s c h e n Gebie- 13 -

�t e n i n "Übersee zu d i s l o z i e r e n ; und

- Bündnisse und K o a l i t i o n e n aufrechtzuerhalten, damit amerikanische I n teressen weltweit geschützt und insbesondere die NATO-Ziele verwirkl i c h t werden können.
Die Erreichung dieser Z i e l e e r f o r d e r t

eine anhaltende Erhöhung der

M i t t e l f ü r die Verteidigung über die kommenden Jahre hinweg.
Nachtragshaushalt

f ü r Haushaltsjahr

1985 -

Die A d m i n i s t r a t i o n

wird

f ü r 1985 zusätzliche M i t t e l b e w i l l i g u n g e n i n Höhe von 2,2 M i l l i a r d e n D o l l a r beantragen. Diese M i t t e l sind e r f o r d e r l i c h , um d i e Besoldungsanhebungen zu f i n a n z i e r e n , die zum 1 . Januar 1985 wirksam wurden.
Die beantragten Ausgabeermächtigungen f ü r die m i l i t ä r i s c h e n Aufgaben
des Verteidigungsressorts werden i n der untenstehenden Tabelle nach Aufgabekategorien aufgeschlüsselt

dargestellt.

Diese Kategorien

werden im

folgenden näher e r ö r t e r t .
Strategische S t r e i t k r ä f t e - S e i t 1981 hat die Regierung energisch e i n
Programm der strategischen Modernisierung v e r f o l g t , das i n Übereinstimmung mit einer P o l i t i k
setzt

der Abschreckung s t e h t . Der

d i e Anstrengungen zur Modernisierung

unserer

Haushaltsvoranschlag
Nuklearstreitkräfte

f o r t . Nur wenn wir über moderne, tüchtige S t r e i t k r ä f t e verfügen, schaffen
wir f ü r die Sowjetunion die e r f o r d e r l i c h e n A n r e i z e , über echte Rüstungsverminderungen zu verhandeln.
Die Dislozierung der PEAüEKEEPER-Rakete (MX) i s t entscheidend w i c h t i g
f ü r d i e Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung. Der Haushalt e n t hält M i t t e l

für

eine k o n t i n u i e r l i c h e MX-Forschung und Entwicklung,

für

d i e Produktion der Rakete sowie f ü r die Modifizierungen f ü r die MINUTEMAN-Silos, die die

neuen Raketen aufnehmen werden. Ferner wird i n dem

Programm f ü r 1986 um die Haushaltsermächtigung

f ü r das dreizehnte TRI-

DENT-Unterseeboot sowie um die Finanzierung der Entwicklung und Produkt i o n der TRIDENT-II-Rakete

(D-5)

ersucht,
- 14 -

die

nach den Planungen Ende

�1989 i n den Truppendienst kummen s o l l .

MILITÄRISCHE AUFGABENKATEGORIEN DES VERTEIDIGUNGSRESSORTS
(Ausgabeermächtigung i n M i l l i a r d e n D o l l a r )
Allgemeine Aufgabenbereiche

Realausgaben
1984

Strategische S t r e i t k r ä f t e

Schätzung Schätzung
1985

1986

26,1

27,8

29,9

1UU,7

120,6

132,1

20,0

25,1

27,9

5,5

7,0

8,0

Nationalgarde und Reserven

12,2

15,7

16,9

Forschung und Entwicklung

21,5

Z4,6

30,4

L o g i s t i k und Materialerhaltung

23,4

24,4

26,5

43,3

33,1

35,6

Verwaltung u. d e r g l .

4,8

5,9

5,9

Auslandshilfe

0,7

0,5

0,5

258,2

284,7

313,7

U,6

0,7

285,3

314,4

Allgemeine S t r e i t k r ä f t e
Aufklärung und Fernneidewesen
See- und L u f t t r a n s p o r t

Ausbildung, Sanitätswesen und
allgemeines Personalwesen

AUSGABEERMÄCHTIGUNGEN INSGESAMT
Vorjahresmittel und andere
f i n a n z i e l l e n Anpassungen
VERPFLICHTUNGSERMÄCHTIGUNGEN INSGESAMT

258,2

Die Modernisierung unserer Bomberstreitmacht wird f o r t g e s e t z t mit der
Beschaffung von 48 weiteren B-IB-Mehrzweck-Bombern, der Entwicklung eines
neuen Bombers und eines neuen Marschflugkörpers, die dank der " S t e a l t h " Technologie

nicht

luftgestützten

durch Radar zu erfassen s i n d , und der Übernahme der

Marschflugkörper

(ALCMs)

der

ersten

Generation

in

die

Truppe. 90 ALCM sind b e r e i t s auf B-52G-Bombern d i s l o z i e r t , und die Um- 15 -

�rüstung von B-52H-Bombern zu Marschflugkörperträgern wird i n diesem Jahr
anlaufen. Die Ausstattung von KC-135A-Tankflugzeugen mit neuen Triebwerken wird f o r t g e f ü h r t und wird zusammen mit der Beschaffung

zusätzlicher

Hilfsausrüstung unsere Luftbetankungskapazität weiter erhöhen.
Der Haushalt schlägt weiter die Verstärkung unserer
t e n Überwachungskapazitäten, die

Produktion eines

weltraumgestütz-

Antisatellitensystems

und die fortwährende Verbesserung der strategischen B e f e h l s - , L e i t - , Kommunikations- und Aufklärungssysteme vor.
Allgemeine S t r e i t k r ä f t e - Die allgemeinen S t r e i t k r ä f t e , die vor einer
nicht-nuklearen Aggression abschrecken oder i h r begegnen s o l l e n , müssen
i n der Lage s e i n , auf den schwersten p o t e n t i e l l e n K o n f l i k t - einen Krieg
zwischen NATO und Warschauer Pakt - e f f e k t i v reagieren zu können, während
gleichzeitig

die F l e x i b i l i t ä t

rikanischer

Interessen

erhalten b l e i b t , anderen Bedrohungen ame-

entgegenzutreten.

Aufgrund

der

Vorschläge

Haushalts f ü r 1986 s o l l e n die folgenden aktiven S t r e i t k r ä f t e
werden: 18 Heeresdivisionen, d r e i Marinekorpsdivisionen, d r e i
Luftgeschwader des Marinekorps, 13 der Marine, und 2t&gt; der
te

sowie 555 K r i e g s s c h i f f e

(darunter

strategische

des

unterhalten
taktische

Luftstreitkräf-

Raketen-U-Boote

und

Versorgungsschiffe).
Für die allgemeinen S t r e i t k r ä f t e werden Ausgabeermächtigungen i n Höhe
von 132,1 M i l l i a r d e n D o l l a r vorgeschlagen, was gegenüber 1985 eine S t e i gerung von 9,5 Prozent bedeutet. Hierdurch würden unsere S t r e i t k r ä f t e

-

e i n s c h l i e ß l i c h d e r e r , die zur schnellen Reaktion und Dislozierung vorgesehen sind - i n s o f e r n g e s t ä r k t , a l s i h r e Kampfbereitschaft erhöht und i h nen neue und verbesserte Ausrüstung zugeführt würde.
Allgemeine H e e r e s s t r e i t k r ä f t e - Der Haushalt u n t e r s t ü t z t
nuierliche
Mobilität

Erstellung

von Systemen, die

und die Uberlebensfahigkeit

die F e u e r k r a f t ,
unserer

die

Streitkräfte

die

konti-

taktische
verbessern

s o l l e n . Die Beschaffung von 840 Panzern des Typs M-l ABRAMS, von 716
BRADLEY-Kampffahrzeugen sowie anderer

moderner Kampffahrzeuge

wird

die

Kapazität unserer gepanzerten Kampffahrzeuge f ö r d e r n . M i t t e l f ü r die Be-

- 16 -

�Schaffung von 144 Angriffshubschraubern vom Typ AH-64 APAOfc und f ü r die
Fortführung

der

Beschaffung

von

Angriffsunterstützungs-Hubschraubern,

beispielsweise vom Typ UH-60 BLACKHAVK, werden angefordert. Der haushält
unterstützt

ferner die Entwicklung einer neuen Familie l e i c h t e r

lerflugzeuge

Propel-

(LHX), die A u f k l ä r u n g s - , Versorgungs- und Angriffseinsä'tze

durchführen s o l l e n - und zwar a l s Ersatz f ü r die gegenwärtigen Hubschrauber.
Die

konventionellen

Heeresstreitkräfte

benötigen

eine

ausgewogene

Kombination von Luftabwehrsystemen, so unter anderem Kurzstreckensysteme
zum Objektschutz - wie z.B. Raketen vom Typ STINGER und LHAPARKAL - , F l a Panzer vom Typ SERGEANT YORK, deren Aufgabe der Schutz der an der Front
stehenden T e i l e der Heeresdivisionen i s t , sowie Raumschutzsysteme großer
Reichweite, wie die Raketen der Typen HAWK und PATRIOT, die zur V e r t e i d i gung grö'ßerer und weniger
gedacht

sind.

geschlossenerer Abschnitte

des Kampfgebietes

1985 erhalten die i n Europa s t a t i o n i e r t e n

amerikanischen

Heereseinheiten die ersten PATRIOT-Raketen, die i n Zukunft das Rückgrat
der NATO-Luftverteidigung b i l d e n werden. Der Haushalt f ö r d e r t ferner

die

Dislozierung zusätzlicher PERSHING-II-Raketen i n Europa a l s T e i l der Modernisierung der taktischen und nuklearen S t r e i t k r ä f t e .

Wir streben zwar

a k t i v e i n v e r i f i z i e r b a r e s Verbot der Herstellung und Lagerung chemischer
Waffen a n , beantragen aber dennoch M i t t e l f ü r die Entwicklung und Produkt i o n binärer chemischer Kampfstoffe. Dies dient dem Zweck der Modernisierung unserer Lagerbestände und der Gewährleistung einer glaubwürdigen Abschreckung gegen den Einsatz chemischer Kampfstoffe durch die Sowjets.
i

Die Panzer- und Panzergrenadierdivisionen werden neu o r g a n i s i e r t und
i n i h r e r S t r u k t u r g e s t r a f f t , und Anstrengungen l a u f e n , um die KampfKapaz i t ä t sowie den Dislozierungsspielraum und das Dislozierungstempo unserer
l e i c h t e n S t r e i t k r ä f t e zu verbessern. 1985 wird das Heer eine bestehende
I n f a n t e r i e d i v i s i o n i n eine l e i c h t e D i v i s i o n neuen Typs umformen und eine
weitere l e i c h t e D i v i s i o n neu a u f s t e l l e n . Eine zusätzliche l e i c h t e

Divi-

sion wird im Jahre 1986 a u f g e s t e l l t werden, womit sich die Gesamtzahl der
aktiven Divisionen auf 18 erhöhen wird - und zwar innerhalb der geplanten
Mannschafts- und Ausrüstungsstärken. Die neuen l e i c h t e n Divisionen werden

- 17 -

�k l e i n e r sein und weniger strategische L u f t - oder Seebrückenkapazität

er-

fordern a l s die gegenwärtigen I n f a n t e r i e d i v i s i o n e n .
Allgemeine S e e s t r e i t k r ä f t e - Im Frieden b i l d e t die Präsenz von Sees t r e i t k r ä f t e n eine g r e i f b a r e Demonstration der Bereitschaft der Vereinigten Staaten zur Einlösung i h r e r Verpflichtungen i n bestimmten Kegionen.
Im K r i e g s f a l l müssen diese S t r e i t k r ä f t e i n der Lage s e i n , die Seewege zu
v e r t e i d i g e n , über die entscheidend wichtige amerikanische

Verstärkungen

und die Versorgung zu Kriegsschauplätzen im Vornebereich gelangen können.
Sie müssen ferner i n der Lage s e i n , offensive Operationen gegen sowjetische S e e s t r e i t k r ä f t e und Einrichtungen durchzuführen, s o l l t e

dies

not-

wendig s e i n .

Die verfügbare Streitmacht unserer Marine (darunter strategische Raketen-Unterseeboote und Versorgungsschiffe) wird sich von 542 S c h i f f e n im
Jahr 1985 auf 555 im Jahr 1986 erhöhen und wird zum Ende dieses Jahrzehnts das Regierungsziel von 600 Schiffen erreichen. Neue Schiffsbaupläne f ü r den Zeitraum von 1986 b i s 1990 umfassen 11 AEGIS-Kreuzer, 17 Lenkwaffen-Zerstörer,

19 Angriff-Unterseeboote,

12 Landungsschiffe, 24 Ver-

sorgungsschiffe und 21 Minensuchboote. Der Fünfjahresplan sieht auch eine
Modernisierung zweier Flugzeugträger v o r , durch die deren Lebensdauer um
15 Jahre erhöht werden s o l l ,
Streitkräfte

ferner die Modernisierung der amphibischen

sowie die Reaktivierung des v i e r t e n verbliebenen Schlacht-

s c h i f f s der IOW-Klasse.

Die aktiven M a r i n e f l i e g e r s t r e i t ^ k r ä f t e

umfassen 16 taktische

Luftge-

schwader (13 der Marine und d r e i des Marinekorps), 24 landgestütze Seepatrouillenstaffeln

und eine V i e l z a h l

von Unterstützungsflugzeugen.

Zur

Aufrechterhaltung und Modernisierung dieser S t r e i t k r ä f t e sind im Haushalt
M i t t e l f ü r die fortlaufende Beschaffung von 16 Flugzeugen vom Typ F-14,
84 vom Typ F/A-18 und 46 vom Typ AV-8B f ü r die taktischen Luftgeschwader
vorgesehen, ferner f ü r die Beschaffung von neun Langstreckenseepatrouillenflugzeugen vom Typ P-3C und von 18 U-Jagd-Hubschraubern vom Typ SH-60B
LAMPS I I I

...

- 18 -

�Allgemeine

Luftstreitkräfte

-

...

Die L u f t s t r e i t k r ä f t e

planen

für

1986 die Beschaffung von 180 Maschinen des Typs F-16 und von 48 Maschinen
des Typs F-15 . . . Diese Maschinen werden die Reichweiten- und N u t z l a s t kapazität

unserer

taktischen L u f t s t r e i t k r ä f t e

wie

auch i h r e

Fähigkeit

entscheidend verbessern, während der Nacht sowie bei ungünstigem

Wetter

zu operieren.
Der Haushalt sieht auch die Beschaffung eines Flugzeugs vom Typ MC130H f ü r Sonderunternehmen vor. Die Maschine wird i n der Lage s e i n , bei
Nacht
Ferner

und i n geringer
sieht

Höhe i n

den f e i n d l i c h e n

der Haushalt M i t t e l

für

Luftraum

einzudringen.

taktische Bomben und Raketen von

hoher Exaktheit und Präzisionssteuerung vor. Die landgestützten Marschflugkörper werden a l s T e i l der l a n g f r i s t i g e n nuklearen Streitkräftemodernisierung der NATO beschafft. Die Stationierung von Marschflugkörpern

in

Europa wird 1986 f o r t g e s e t z t werden . . .
See- und Luftbrückenkapazität

-

Um eine

Vorneverteidigung

bei

be-

grenzter Präsenz i n Friedenszeiten s i c h e r z u s t e l l e n , müssen wir die Fähigk e i t haben, Soldaten und Kampfausrüstung rasch i n jedes Krisengebiet

der

Welt schaffen zu können und diese nach i h r e r Dislozierung zu versorgen.
Der Haushalt

sieht

eine Erweiterung

unserer Luftbrückenkapazität

durch

die Beschaffung von zusätzlichen 16 Frachtmaschinen des Typs C-5B und 12
des Typs KC-10 sowie durch Entwicklung der Frachtmaschine vom Typ C-17
vor. Der Haushalt sieht auch M i t t e l f ü r das Programm der z i v i l e n Reserveluftflotte

(CRAF) v o r ,

i n dessen Rahmen z i v i l e

Verkehrsflugzeuge

Frachtmaschinen verfügbar gemacht werden, um die m i l i t ä r i s c h e

sowie

Luftbrük-

kenkapazität während eines Notstands zu erhöhen. Ferner s o l l e n durch Mod i f i z i e r u n g e n die Anstrengungen zur Verbesserung der
und der Vergrößerung der Kapazität
kapazität

s o l l durch weitere S c h i f f e

fortgesetzt
für

die

bestehenden Typen

werden. Die SeebrückenReserveeinsatzstreitkräfte

und durch die fortlaufende Beschaffung von Ausrüstung, die eine bessere
m i l i t ä r i s c h e Nutzung von Containerschiffen e r l a u b t , erhöht werden.

Die Vorauseinlagerung von Ausrüstung und M a t e r i a l i n der biähe potent i e l l e r Krisengebiete i s t entscheidend wichtig f ü r unsere F ä h i g k e i t , d i s - 19 -

�l o z i e r t e S t r e i t k r ä f t e an weitentfernten Plätzen aufrechterhalten zu können. Die Armee hat schwere Ausrüstung f ü r v i e r Divisionen und deren Unterstützungseinheiten i n Europa eingelagert und beschafft Ausrüstung f ü r
zwei weitere D i v i s i o n e n . Ausrüstung und M a t e r i a l f ü r die schnelle V e r l e gung von S t a f f e l n t a k t i s c h e r Kampfflugzeuge sind ebenfalls i n Europa e i n gelagert

...

Forschung und Entwicklung -

. . . Es werden neue Waffensysteme entwik-

k e l t , erprobt und b e s c h a f f t , um besonderen m i l i t ä r i s c h e n

Erfordernissen

gerecht zu werden. G l e i c h z e i t i g mui3 eine starke Forschungs- und Technologiegrundlage

für

eine

längerfristige

Waffenentwicklung

aufrechterhalten

bleiben. Für 1986 wird e i n Zuwachs von 2Ü Prozent an Ausgabeermächtigungen f ü r Forschung und Entwicklung vorgeschlagen, wobei der Nachdruck anhaltend auf strategische Programme gelegt w i r d . Wichtige strategische Anstrengungen gelten unter anderem der PEACEKEEPER-Rakete und der TRIDENT
I I - R a k e t e . Der Haushalt sieht auch M i t t e l f ü r e i n mit Vorrang zu b e t r e i bendes Programm v o r , i n dessen Rahmen eine k l e i n e
entwickelt

werden s o l l ,

landgestützte

die nur einen einzigen Gefechtskopf

weniger a l s 1360 Kilogramm wiegt. Der Haushalt
Anstrengungen im H i n b l i c k

auf

die

Strategische

sieht

ferner

Rakete

trägt

und

erweiterte

Verteidigungsinitiative

der A d m i n i s t r a t i o n v o r , bei der es sich um e i n Forschungsprogramm hand e l t , das der Untersuchung der Möglichkeit einer Beseitigung der Bedrohung durch b a l l i s t i s c h e Raketen, der sich die Vereinigten Staaten und i h re Verbündeten ausgesetzt sehen, gewidmet i s t . Die Forschungsarbeiten e r strecken sich auf die Gebiete der Weltraumüberwachung und Z i e l e r f a s s u n g ,
der Richtenergiewaffen, der auf k i n e t i s c h e r Energie basierenden Waffen,
t.

der Gefechtsleitungssysteme und der Uberlebensfähigkeit von Systemen.

I n t e r n a t i o n a l e Angelegenheiten
Die wesentlichen Auszüge aus dem Abschnitt " I n t e r n a t i o n a l e Angelegenheiten" , der sich i n die Unterabschnitte " I n t e r n a t i o n a l e
f e " und " W i r t s c h a f t l i c h e und f i n a n z i e l l e Auslandshilfe"

Sicherheitshilgliedert,

haben

folgenden Wortlaut:
Eine der
- 20 -

�Eine

der

obersten

Verantwortlichkeiten

der

Bundesregierung

sind

Schutz und Förderung der Interessen der Vereinigten Staaten und ihrer Bevölkerung im Rahmen der internationalen Angelegenheiten.

Um dieser Ver-

antwortung gerecht zu werden, richtet sich die Außenpolitik der Vereinigten Staaten auf die Errichtung einer Weltordung, die Frieden, Sicherheit
und Wohlergehen ermöglicht und in der sich der einzelne politischer und
wirtschaftlicher Freiheit erfreut.

Für das Haushaltsjahr 1986 werden 20,6 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigungen vorgeschlagen.

Die geschätzten Ausgaben für 1986 liegen

bei 18,3 Milliarden Dollar;

im Vergleich hierzu die für 1985 bei 19,6

Milliarden.

Internationale Sicherheitshilfe

Die Programme der Sicherheitshilfe

sind lebenswichtige Instrumente

der nationalen Sicherheits- und Außenpolitik der Vereinigten Staaten und
dienen der Stärkung verbündeter wie befreundeter Regierungen, mit denen
die Vereinigten Staaten besondere Sicherheitsanliegen verbinden.

Diese

Programme ermöglichen es anderen Regierungen, ihre Volkswirtschaften zu
stärken und moderne militärische Ausrüstung zu erwerben, die für ihre
Verteidigung notwendig ist.

Die Sicherheitshilfe trägt auch dazu bei,

daß den Vereinigten Staaten der Zugang zu militärischen Anlagen und Militärstützpunkten sichergestellt wird. Für 1986 werden 10,7 Milliarden an
Ausgabeermächtigungen vorgeschlagen, an geschätzten Ausgaben 9,2 Milliarden Dollar. Aufgrund ihres bedeutsamen Beitrags zu den Zielsetzungen der
nationalen Sicherheit übersteigen einige dieser Programme das Niveau von
1985.

Wirtschaftliche und finanzielle Auslandshilfe

Eine wichtige Ergänzung der Sicherheitshilfe besteht darin, die Ziele
der Außenpolitik durch Programme der wirtschaftlichen und finanziellen

- 21 -

�und finanziellen Auslandshilfe zu erreichen. Diese Programme sollen die
Ausweitung eines marktwirtschaftlich orientierten Weltwirtschaftssystems
unterstützen und dazu beitragen, den Bedürfnissen der Entwicklungsländer
in entwicklungspolitischer und humanitärer Hinsicht gerecht zu werden.
Die Ausgabeermächtigung, die für 1986 beantragt wird, beläuft sich auf
5,3 Milliarden Dollar, eine Beschneidung gegenüber dem Umfang von 1985 um
o,5 Milliarden Dollar.

Die multilateralen Entwicklungsbanken

Die Vereinigten Staaten leisten Beiträge zu den Institutionen der
Weltbank wie auch der drei Regionalbanken für Lateinamerika, Asien und
Afrika. Diese Institutionen stellten 1984 mehr als 20 Milliarden Dollar
an langfristigen Darlehen und an technischer Hilfe bereit und förderten
damit in den Empfängerstaaten eine solide Wirtschaftspolitik.

Für 1986 beträgt die vorgeschlagene Ausgabeermächtigung für die Banken 1,3 Milliarden Dollar, dazu 3,6 Milliarden Dollar für im Rahmen eines
Programmlimits abrufbares Kapital... Außerdem werden 1985 weitere 237
Millionen Dollar an Ausgabeermächtigung sowie 1,219 Millionen Dollar an
abrufbarem Kapital angefordert, um die Vereinigten Staaten in die Lage zu
versetzen, ihre Verpflichtungen zu erfüllen.

Internationale Organisationen

t

Freiwillige Beiträge von 196 Millionen Dollar werden für verschiedene
Programme für Entwicklung, humanitäre Hilfe und wissenschaftliche Zusammenarbeit vorgeschlagen, die von den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen durchgeführt werden. Die Administration ist
jedoch auch weiterhin der Überzeugung, daß - wie nutzbringend manche dieser Programme auch immer sein mögen - anderen Maßnahmen der Auslandshilfe, die die gleichen Zielsetzungen erreichen, höhere Priorität zukommen
sollte.
Amt für internationale
- 22 -

�Amt für internationale Entwicklung (AID)

Das AID führt in mehr als 60 Ländern in Lateinamerika, Afrika und
Asien bilaterale Programme der Entwicklungshilfe durch. Das Amt unterstützt zudem Auslandsprogramme freiwilliger und privater Organisationen
in den Vereinigten Staaten und fördert die Forschungstätigkeit amerikanischer Universitäten auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe. Im Rahmen fiskalischer Zurückhaltung beläuft sich die vorgeschlagene Haushaltsermächtigung für das Jahr 1986 auf 2,1 Milliarden Dollar, etwas weniger als
1985.

Hauptziele der bilateralen Entwicklungsprogramme sind die Unter-

stützung einer soliden Wirtschaftspolitik in den Empfängerstaaten, Einsatz des Privatsektors der Vereinigten Staaten wie des Empfängerlandes
als Motor des wirtschaftlichen Wachstums und Verbesserung der Kapazitäten
der Institutionen des Empfängerstaates beim erhöhten Einsatz von Wissenschaft und Technik zur Entwicklung.

Friedenskorps

Die für 1986 vorgeschlagene Ausgabeermächtigung für das Friedenskorps
beläuft sich auf 124 Millionen Dollar, damit es sein weltweites Programm
fortführen und sein Freiwilligenprogramm in Mittelamerika ausweiten kann.

Flüchtlingshilfe

Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin den Flüchtlingen in
Afrika, im Nahen Osten, in Pakistan, in Lateinamerika und Südostasien
helfen und die Aufnahme von Flüchtlingen in die Vereinigten Staaten fortführen. Der Haushalt 1986 umfaßt 338 Millionen Dollar für Flüchtlingshilfe im Ausland sowie die Einwanderungserlaubnis für 68.000 Flüchtlinge in
die Vereinigten Staaten.

Hauptprogramme
- 23 -

�Hauptprogramme (in Millionen Dollar)
1984
(Ist)

1985

1986

(Voranschi.) (Voranschi.)

Internationale Sicherheitshilfe
Militärische Lieferungen ins Ausland auf Kredit u. Kredithilfe 4 818
712

8 087
805

6 966
949

Mittel für wirtsch. Unterstützung 3 389

3 841

Militärhilfe

110

214

2 824
108

-86

-93

-99

8 943

12 854

Verschiedenes
Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst, Tilgung

Zwischensumme, Nationale
Sicherheitshilfe

10 748

Wirtschaftliche und finanzielle
Auslandshilfe

1 324
324
315
2 013
1 377

2 286
1 54o

1 348
196
2 113
1 307

Friedenskorps

117

128

125

Flüchtlingshilfe

336

350

338
299

80

95

96

-493

-459

-479

5 069

5 847

5 343

14 012

18 701

16 091

Multilaterale Entwicklungsbanken
Internationale Organisationen
Amt für internat. Entwicklung
Lebensmittelhilfe (Gesetz 48o)

1 548
359

Mikronesien-ZusammenschluQ
Verschiedenes

1

Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst, Tilgung
Zwischensumme

GESAMTSUMME DER AUSLANDSHILFE

* * * * *

24

�6. Februar 1985

DIE KÜNFTIGE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK: NEUE REALITÄTEN UND
NEUE DENKWEISEN
Grundsatzerklärung von Shultz vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Senats -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George P. Shultz
hat am 31. Januar 1985 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Senats in einer längeren Erklärung die Grundzüge der künftigen Außenpolitik der Vereinigten Staaten aufgezeigt.

Der einflußreiche Aus-

schuß hat unter seinem neuen Vorsitzenden, Senator Richard Lugar, eine
sechswöchige Anhörung

zu außenpolitischen Fragen eingeleitet, die von

Shultz eröffnet wurde. Der amerikanische Außenminister warnte davor, die
Außenpolitik

nach den Schlagzeilen des Tages zu beurteilen; man müsse

vielmehr die grundlegenden Tendenzen und die wichtigsten Ziele erkennen.
Senator Lugar betonte, daß es zwar Meinungsverschiedenheiten

zwischen

Kongreß und Administration gäbe, daß diese sich jedoch mehr auf "Mittel
und Wege der Politik" als auf "Ziele und Strategie" bezögen.
Die

Ausführungen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Ausführungen des amerikanischen Außenministers haben folgenden
Wortlaut:

Es ist mir eine Ehre, in dieser wichtigen Reihe von Anhörungen über
die künftige amerikanische Außenpolitik den Anfang zu machen.

Dies ist

ein vielversprechender Augenblick: Der Beginn einer neuen Amtszeit des
Präsidenten; der Beginn eines neuen Kongresses und der Beginn der Amtszeit

eines

so

ausgezeichneten

neuen Vorsitzenden dieses Ausschusses.

Dies ist, aus vielerlei Gründen, eine Zeit großer Aussichten und Chancen
der Vereinigten Staaten in der Weltpolitik.

Ich spreche deshalb dem Vorsitzenden meine Anerkennung aus, daß er
das Augenmerk des Kongresses und des amerikanischen

VolKes auf die fun-

damentalen Fragen gerichtet hat, vor denen wir stehen - nicht nur auf die
Tagesfragen, die Schlagzeilen machen, sondern auf die grundlegenden Tendenzen, die am Werke sind, und die wichtigsten Ziele, die wir verfolgen.

Meine Darlegungen heute sind daher besonderer Natur.

Ich möchte ein

wenig Abstand nehmen und die heutige Lage im Zusammenhang sehen - im Zusammenhang mit der jüngsten Geschichte, im Zusammenhang mit den geistigen
Strömungen unserer Zeit und im Zusammenhang mit den Idealen Amerikas und
ihrer Relevanz für die Zukunft der Welt.

Das sich wandelnde internationale System
Schon bald nach dem Anbruch des Atomzeitalters bemerkte Albert Einstein, daß sich alles gewandelt habe außer unserer Denkweise.

Es dauerte

lange, bis selbst eine so dramatische Entwicklung wie die nukleare Revolution ganz begriffen wurde.

Wie viel länger hat es doch gewöhnlich ge-

dauert , bis die Auswirkungen subtilerer und nicht greifbarer geschichtlicher Veränderungen, die um uns herum stattfinden, begriffen wurden.

Das Jahr 1945 stellt, wie jeder weiß, einen wichtigen Wandepunkt dar.
Ein internationales System, das über ein Jahrhundert gedauert hatte, war

- 2-

�hatte, war unter dem Gewicht zweier Weltkriege und einer Weltwirtschaftskrise zusammengebrochen.
punkt Europa

An die Stelle einer Ordnung, in deren Mittel-

stand und die von Europa beherrscht wurde, trat in den

ersten Nachkriegsjahren eine neue Konstellation - eine von zwei Supermächten beherrschte Welt, zerrissen vom ideologischen Konflikt und verdunkelt durch Kernwaffen, die einen neuen
Selbstmord machten.

Weltkrieg

Gleichzeitig trat ein auf die Initiative Amerikas

zustandegekommenes integriertes internationales
dem

zum potentiellen

Wirtschaftssystem - auf

Dollar und der starken Verpflichtung zum freiestmoglichen Fluß von

Handel und Investitionen basierend - an die Stelle des ungezügelten wirtschaftlichen Nationalismus, der dazu beigetragen hatte, den Weltfrieden
zwischen den Kriegen zu untergraben

Aber die Geschichte hält niemals inne.

Auch die Nachkriegsordnung

entwickelte sich weiter und veränderte ihre Gestalt.

Das Auseinander-

brechen der Kolonialreiche brachte Dutzende neuer Staaten als Akteure auf
die Weltbühne.

Die sogenannte Dritte Welt wurde der Schauplatz einer

wachsenden Zahl lokaler und regionaler Konflikte.

Amerika zog sich nach

Vietnam für eine Weile aus seiner aktiven Führungsrolle zurück.

Europa,

China und Japan traten erneut als wirtschaftliche und politische Akteure
in Erscheinung.
ligkeit

Die Energiekrise führte auf dramatische Weise die Anfäl-

wirtschaftlicher Macht und die Verwundbarkeit des wirtschaft-

lichen Nachkriegssystems vor Augen.

Die Vereinigten Staaten und die So-

wjetunion versuchten einen politichen Dialog, um die Beziehungen zu stabilisieren und die Kernwaffen unter Kontrolle zu bringen.

Dann brach der

Dialog unter der Last der sowjetischen Aufrüstung und der geopolitischen
Offensive zusammen.

Heute dreht sich das Rad wieder.

Nur der Wechsel ist beständig.

Amerika hat seine Stärke und sein Selbstvertrauen wiedergewonnen.

Die

Macht ist weiterhin verteilt und die Struktur der politischen Beziehungen
komplexer, obwohl die Interdependenz der Staaten zunimmt.

Und wenn wir

jetzt bald in das 21. Jahrhundert eintreten, zeichnet sich dann ein neues
Muster internationaler Beziehungen ab?
neue Bedeutung:

Die Bemerkung Einsteins gewinnt

Unsere Denkweise muß sich neuen Realitäten anpassen; wir

- 3-

�anpassen; wir müssen die neuen Tendenzen erfassen und ihre Auswirkungen
begreifen.

Aber wir sind nicht lediglich Zuschauer.
hineinverwickelt.

Wir sind Mitwirkende und

Amerika ist wieder in der Lage, einen wesentlichen

Einfluß auf den Gang der Dinge auszuüben - und die traditionellen Werte
und Ziele Amerikas haben sich nicht geändert.

Unsere Pflicht muß darin

bestehen, zur Gestaltung der sich entwickelnden Tendenzen in Übereinstimmung mit unseren Idealen und unseren Interessen beizutragen; zum Aufbau
einer

neuen Struktur

der

internationalen Stabilität

beizutragen, die

Frieden, Wohlstand und Freiheit für kommende Generationen gewährleisten
wird.

Das ist die eigentliche Aufgabe unserer Außenpolitik in den kom-

menden Jahren.

Welches sind die Kräfte des Wandels?

Und welches sind die möglichen

Elemente eines neuen und sichereren internationalen Systems?

Die Beziehungen zwischen den Supermächten
Die Beziehungen zwichen den Supermächten sind und bleiben von entscheidender Bedeutung, obwohl ihre politische Vorherrschaft geringer geworden ist als noch vor einigen Jahrzehnten.

Über 50 Jahre Erfahrungen

in amerikanisch-sowjetischen Beziehungen haben uns heute ein reiferes
Verständnis dafür vermittelt, was in diesen Beziehungen möglich und was
nicht möglich ist. Aber die Verhältnisse entwickeln sich weiter, und das
Problem bleibt auch weiterhin eine konzeptionelle Herausforderung.

Wirkliche Freundschaft und Zusammenarbeit werden so lange unerreichbar bleiben, wie das sowjetische System von der Ideologie und dem nationalen Streben nach Ausweitung seiner Macht und der Untergrabung der Interessen der Demokratien getrieben wird.

Wir müssen diesem sowjetischen Machtstreben mit Nachdruck begegnen,
wenn es eine Hoffnung auf dauerhafte Stabilität geben soll.

- 4-

Auf der an-

�der anderen Seite gibt im Zeitalter der Wasserstoffbombe das gemeinsame
Interesse am Überleben beiden Seiten einen Anreiz, die Rivalität zu mäßigen und vor allem Mittel und Wege zu finden, um die Kernwaffen unter
Kontrolle zu bringen und das Risiko eines Krieges zu vermindern.

Wir

können nicht wissen, ob eine solche stetige westliche Politik mit der
Zeit zu einer Milderung des sowjetischen Systems führen wird.
nicht.

Vielleicht

Aber der Westen hat in jedem Fall die gleiche Verpflichtung: so-

wjetischen Übergriffen fest zu widerstehen und gleichzeitig die Tür für
konstruktivere Möglichkeiten offen zu halten.

Nach dem Fehlschlag der politischen Kampagne der Sowjets, die NATO zu
spalten; dem Fehlschlag ihrer Propaganda, die Dislozierung nuklearer Mittelstreckensysteme in Europa zu verhindern, und ihrem Boykott der Verhandlungen sind
begrüßen dies.

sie jetzt zum Rüstungskontrolldialog zurückgekehrt.

Wir

Mein Treffen mit dem sowjetischen Außenminister Gromyko

in Genf war ein konstruktiver Anfang von, wie die Vereinigten Staaten
hoffen, fruchtbaren Verhandlungen.

Mein Gesprächspartner Andrei Gromyko ist in gewissem Sinne die lebendige Verkörperung einiger der großen Vorzüge der Sowjetunion:
tät , Geduld

Kontinui-

sowie die Fähigkeit zur Ausarbeitung einer langfristigen

Strategie und das Festhalten an dieser Strategie.

Wenn die Sowjets ihre

Taktik ändern, dann ist das weit mehr eine Anpassung an gegebene Umstände, als eine grundsätzliche Abweichung von ihren langfristigen Zielen.
Im Gegensatz dazu haben die Demokratien lange Schwierigkeiten gehabt,
die gleiche Kontinuität, den gleichen Zusammenhalt, die gleiche Disziplin
und den gleichen Sinn für Strategie aufrechtzuerhalten.
schaften sind oft ungeduldig.

Freie Gesell-

Die Haltung des Westens hat zwischen Ex-

tremen des Trübsinns und des Pessimismus auf der einen und der Empfänglichkeit für ein sowjetisches Lächeln auf der anderen geschwankt.

Unsere

Denkweise hat zu oft dazu geneigt, entweder unsere Stärke zu vergrößern
oder Verhandlungen zu führen.

Es ist uns schwer gefallen, beides gleich-

zeitig zu tun - was eindeutig der vernünftigste Kurs und wahrscheinlich
der einzige Weg ist, wie wir sowohl unsere Verteidigungsprogramme als

- 5-

�Verteidigungsprogramme als auch unsere Fähigkeit zu Verhandlungen aufrechterhalten können.

Es ist beispielsweise lebenswichtig, die Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte - vor allem mit MX-Raketen - durchzuführen, um zu
verhindern, daß wir selbst unsere Verhandlungsführer unterlaufen, wenn
sie gerade die Suche nach echten Verringerungen der Kernwaffen beginnen.
Die Sowjets werden kaum einen Anreiz haben, ernsthaft über Verringerungen
auf einen niedrigeren, gleichen Stand zu verhandeln, wenn wir ihnen auf
dem Silbertablett ihr langgesuchtes Ziel einseitiger amerikanischer Verringerungen anbieten.

Und wenn wir solche Abkommen anstreben, dann dür-

fen wir auch niemals vergessen, was die Sowjets an Verletzungen früherer
Abkommen aufzuweisen haben, und wir müssen in jedem neuen Abkommen auf
wirksamen Verifizierungsbestimmungen bestehen.

In den letzten vier Jahren haben sich die grundlegenden Verhältnisse,
die die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen berühren, augenfällig gewandelt.

Noch vor etwa einem Jahrzehnt, als die Vereinigten Staaten von

wirtschaftlichen Schwierigkeiten heimgesucht

wurden, ihre Verteidigung

vernachlässigten und vor ihrer Führungsrolle zurückschreckten, haben die
Sowjets diese Verhältnisse ausgenutzt.
rüstung fort.

Sie setzten ihre pausenlose Auf-

Sie und ihre Stellvertreter traten immer kühner in der

geopolitischen Arena auf und mischten sich an Orten wie Angola, Kamputschea, Äthiopien und Afghanistan ein - in dem Glauben, der Westen sei
nicht in der Lage, dem zu widerstehen.

Sie hatten Grund zu der Überzeu-

gung, daß sich die "Korrelation der Kräfte", wie sie es nennen, zu ihren
Gunsten verschiebe.

Heute ist der Westen einiger denn je.

Die Vereinigten Staaten sind

dabei, ihre militärische Stärke und ihre wirtschaftliche Kraft wiederherzustellen, und haben neues Selbstbewußtsein gewonnen.

Wir haben einen

Präsidenten, der vom Volk ein neues Mandat für eine aktive Führungsrolle
erhalten hat.

Die Sowjets hingegen haben mit tiefgreifenden strukturel-

len Schwierigkeiten in der Wirtschaft zu kämpfen, mit einem anhaltenden
Nachfolgeproblem

und unruhigen Verbündeten.

Ihre Diplomatie und ihre

Stellvertreter sind in vielen Teilen der Welt in der Defensive.

- 6-

Wir ha-

�wir haben berechtigten Grund zu der Annahme, daß sich die "Korrelation
der Kräfte" wieder zu unseren Gunsten verschiebt.

Aber trotzdem können wir nicht erwarten, daß die Geschichte uns die
Arbeit abnehmen wird.

Man kann davon ausgehen, daß die Sowjets von Zeit

zu Zeit irgend etwas irgendwo tun werden, was unseren Interessen zuwiderläuft oder ihnen schädlich ist.

Die Frage ist nun, wie der Westen darauf in einer Weise antworten
kann, die dazu beitrüge, das internationale Verhalten der Sowjets in die
Schranken zu weisen, die aber unsere eigene Strategie nicht gegen periodische Störungen durch solche äußeren Schocks verwundbar machen würde.
Wir dürfen niemals zulassen, daß wir so sehr mit der Verbesserung der Beziehungen zu den Sowjets verhaftet sind, daß wir gegen Handlungen blind
werden, die die Grundlage stabiler Beziehungen selbst untergraben.

Sym-

bolische Reaktionen auf unerhörtes sowjetisches Verhalten haben ebenso
ihren Platz wie Strafen und Sanktionen.

Auf der anderen Seite zeigt die

Erfahrung, daß wir nicht vor geopolitischen Übergriffen der Sowjets abschrecken können, wenn wir nicht auf diese oder jene kteise jenen helfen,
die direkt am Ort Widerstand leisten.
hungen, die

wir

mit

den

Sowjets

Und viele Verhandlungen und Bemü-

unternehmen, dienen

beiderseitigen

Interessen - und sie sollten dies alle.

Dies stellt uns vor eine harte Wahl.

Ob wichtige Verhandlungen nach

einer unerhörten Handlung der Sowjets unterbrochen werden sollen, wird
immer eine schwierige Entscheidung sein.

Als die Sowjets 1983 das korea-

nische Passagierflugzeug abschössen, sorgte Präsident Reagan dafür, daß
die Welt die volle ungeschminkte Vtehrheit über dieses Verbrechen erfuhr.
Trotzdem hat er unsere Rüstungskontrollunterhändler zurück nach Genf geschickt , weil er der Überzeugung war, daß eine Verringerung der Kernwaffen von entscheidender Priorität war.

Kurzum, unsere "Denkweise" muß nach einer durchhaltbaren Strategie
streben, die auf amerikanische Ziele und Interessen ausgerichtet ist, und
zwar im Lichte des sowjetischen Verhaltens und nicht als bloße Reaktion
- 7-

�bloße Reaktion darauf.

Eine solche Strategie erfordert eine ständige Bereitschaft, Probleme
auf dem Verhandlungsweg zu lösen, wo dies unseren Interessen - und wahrscheinlich den beiderseitigen Interessen - dient.

Unsere Einflußmöglich-

keit wird daraus erwachsen, daß wir objektive Tatsachen schaffen, die es
mehr und mehr im Interessen der Sowjets liegen lassen, auf allen Gebieten
zu besseren Beziehungen zu uns zu gelangen:

Indem wir unsere Verteidi-

gung modernisieren, indem wir unseren Freunden helfen und indem wir sowjetischen Herausforderungen entgegentreten.

Wir müssen

lernen, eine

Strategie zu verfolgen, die auf langfristiges Denken ausgerichtet ist und
auf Verhandlungen und Stärke gleichzeitig basiert, wenn wir für das nächste Jahrhundert ein stabiles amerikanisch-sowjetisches Verhältnis herstellen wollen.

Diese geistige Herausforderung eines neues Zeitalters ist uns in einer damit zusammenhängenden Dimension gestellt - nämlich in der Rüstungskontrolle.

Die anhaltende technologische Revolution bedeutet, daß das

strategische Gleichgewicht - und damit die ERfordernisse der Abschreckung
- niemals statisch sind.

Leider bleiben die üblichen Denkweisen hin-

sichtlich vieler dieser Fragen weit hinter der Realität zurück.

Jahrzehntelang

stützte

sich

die

strategische

Standarddoktrin

des

Westens letztlich auf das Gleichgewicht des Schreckens - die Konfrontation offensiver Arsenale, mittels derer die beiden Seiten einander Massenvernichtung androhen. Sicherlich hat die Abschreckung unter diesen
Umständen funktioniert; dennoch sollten wir aus politischen, strategischen, ja, sogar moralischen Gründen Besseres anstreben als die Konstruktion, wonach

unsere Verteidigungsstrategie

sich auf

Offensivdrohungen

stützen und unser Volk einem Angriff schutzlos ausliefern muß.

Die So-

wjets hingegen haben der strategischen Verteidigung stets eine gewaltige
Bedeutung beigemessen.

Diese Verteidigung umfaßt nicht nur die Luftver-

teidigung und den Zivilschutz, sondern auch ein

modernisiertes Raketen-

abwehrsystem, das rund um Moskau in Stellung gebracht ist, und intensive
Forschungsanstrengungen auf dem Gebiet neuer Verteidigungstechnologien.
Die Geschwindigkeit
- 8-

�Die Geschwindigkeit

der technologischen Entwicklung heute eröffnet

neue Möglichkeiten des strategischen Denkens - eines Prozesses, der niemals leichtfällt.

Daß die Strategische Verteidigungsinitiative des Prä-

sidenten teilweise so vehement kritisiert wird, dürfte daher weniger auf
Zweifel an ihrer technischen Realisierbarkeit zurückzuführen sein - hier
wird die künftige Forschung objektiv ihre Antworten geben -, als vielmehr
auf ein verbissenes Festhalten an der orthodoxen Doktrin ungeachtet sich
wandelnder strategischer Realitäten.

Wir setzen die SDI-Forschung fort,

weil wir hier ein positives, ja, revolutionäres Potential erkennen:

Hier

stehen uns möglicherweise Defensivmaßnahmen zur Verfügung, die die Drohung eines offensiven Erstschlags vielleicht gegenstandslos machen würden.

Ein neues strategisches Gleichgewicht, gegründet auf Defensivtech-

nologien und erheblich verringerte Bestände an Offensivwaffen, dürfte
wahrscheinlich die stabilste und sicherste aller nur möglichen Konstellationen sein.

Unser Konzept kann wie folgt beschrieben werden: Für die nächsten
zehn Jahre besteht das Ziel der Vereinigten Staaten in einer radikalen
Verringerung

der Schlagkraft der vorhandenen und geplanten offensiven

Kernwaffen sowie in einer Stabilisierung des Verhältnisses zwischen offensiven und defensiven Kernwaffen, gleich, ob auf der Erde oder im
Weltraum.

Was sich schon heute abzeichnet, ist eine Periode des Über-

gangs hin zu einer stabileren Vtelt mit erheblich verringerten Kernwaffenpotentialen und der verstärkten Möglichkeit, vor einem Krieg dadurch abzuschrecken, daß immer mehr nichtnukleare Verteidigungsmittel gegen offensive Kernwaffen eingesetzt werden.

Diese Übergangszeit könnte letzt-

lich zur Beseitigung aller Kernwaffen, der offensiven wie der defensiven,
führen.

Eine Welt, in der es überhaupt keine Kernwaffen mehr gibt, ist

ein Endziel, hinsichtlich dessen zwischen uns, der Sowjetunion und allen
anderen Staaten Einmütigkeit herrschen dürfte.

Die wachsende Einigkeit und Stärke von Freunden und Verbündeten

Da
- 9-

die

politischen

�Da die politischen Vorherrschaft der Supermächte in den letzten Jahrzehnten abzubröckeln begann, sah man bisweilen eine von fünf Mächten beherrschte Welt heraufziehen, in der die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, Westeuropa, China und Japan die Hauptakteure sein würden.

Nach

der Energiekrise der frühen siebziger Jahre betonten andere die zunehmende Bedeutung des Nord-Süd-Verhältnisses. Tatsache ist, daß keines dieser Konzepte die sich tatsächlich ausformenden Strukturen der Weltpolitik
beschreibt.

Meiner Meinung nach ist ein anderer Trend am eindrucksvollsten: Die
wachsende

Dynamik, der

Zusammenhalt

und

die

Zusammenarbeit

zwischen

gleichgesinnten Nationen, die eine Reihe wichtiger positiver Ziele teilen.

Gleichgewicht ist nicht genug. Die amerikanische Außenpolitik wird
von positiven Zielsetzungen angetrieben - Frieden, Demokratie, Freiheit
und Menschenrechte; Gleichberechtigung der Rassen; wirtschaftlicher und
sozialer Fortschritt; die Stärkung der Zusammenarbeit und der Rechtsstaatlichkeit.

Das sind keine sowjetischen Ziele.

Aber sie sind der

Mittelpunkt eines jeden dauerhaften internationalen Systems, denn dies
sind die Ziele, von denen Völker und Nationen in der ganzen Walt inspiriert werden.

Der neue Geist und die neue Einigkeit zwischen den Völkern, die diese
Ziele gemeinsam haben, ist der neue Trend, den wir in vielen Regionen der
Welt und in vielen Dimensionen der Außenpolitik erkennen können.

Wir erkennen einen neuen Geist der Zusammenarbeit und der Freundschaft in den Beziehungen zu unseren unmittelbaren Nachbarn Kanada und
Mexiko - Beziehungen, deren Bedeutung völlig außer Zweifel steht und die
für den Präsidenten oberste Priorität haben.

Was die Atlantische Gemeinschaft anbelangt, so steht die Gegenwart im
Zeichen eines neuen Maßes der politischen Harmonie und der intensiven Zusammenarbeit zwischen den westlichen Verbündeten.

Gleichermaßen bemer-

kenswert ist die Tatsache, daß auch Japan sich bei den entscheidenden

- 10-

�den entscheidenden allgemein- und sicherheitspolitischen Fragen als Partner zeigt.

So herrscht zum Beispiel ein neues Bewußtsein hinsichtlich

der Bedeutung einer Stärkung der konventionellen Verteidigung als Mittel
zur Verbesserung der Sicherheit Europas, während die NATO sich auf immer
weniger Kernwaffen stützt.

Eine starke westliche Abschreckungsposition

ist die solideste Grundlage für die Aufnahme konstruktive Verhandlungen
mit dem Osten.

Unter der klugen Führung von Lord Carrington unternimmt

die NATO Schritte, um kurzfristig ihre Infrastruktur und die Einsatzbereitschaft

ihrer

Streitkräfte

zu

verbessern.

Längerfristig

geht das

Bündnis auch andere besonders gravierende Mängel an - so u.a. die grundlegende Aufgabe einer Verbesserung der Effizienz seiner Rüstungsbeschaffungen.
In all diesem Itendel der Welt liegt die Sicherheit und das Wohlergehen Westeuropas auch weiterhin im vitalen Interesse der Vereinigten Staaten.

Wir haben stets die westeuropäische Einigung in dem Bewußtsein un-

terstützt , daß ein starkes Europa, auch wenn es in mancher Hinsicht ein
Konkurrent wäre, insgesamt im Interesse der freien Itelt liegt.

Wir wün-

schen der Europäischen Gemeinschaft das Beste; wir ermutigen unsere europäischen Freunde zu weiterem Fortschritt bei der Entwicklung eines echten
gesamteuropäischen Marktes und beim Aufbrechen struktureller Verkrustungen, die sowohl die wirtschaftliche Expansion als auch eine wirksame
wirtschaftliche Zusammenarbeit mit uns behindern.

Wir erkennen in Europa neues und schöpferisches Denken in Richtung
auf weitere politische Einigung und auf verstärkte westeuropäische Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich.

Wir unterstützen diese Ziele. Dem Westen kann eine bedeutsame Rolle
Europas in der Wsltpolitik nur zuträglich sein.

Die Menschen in Westeu-

ropa sollten in der Verteidigung eine Maßnahme sehen, die sie für ihre
eigene Zukunft ergreifen, nicht aber einen Gefallen, den sie den Vereinigten Staaten tun.

Bei staatsmännischem Handeln und bei einem Geist der

Zusammenarbeit auf beiden Seiten des Atlantik wird diese Entwicklung die
gemeinsame Verteidigung stärken und den Sinn für das gemeinsame politische Ziel der Demokratien vertiefen.
Beim
- 11-

Gedanken

an

�Beim Gedanken an die Entwicklung Europas kann man auch Osteuropa
nicht vergessen. Seit den Tagen des Marshall-Plans, als der Westen den
Osten dazu einlud, sich ihm anzuschließen, war es stets unser W-insqh, daß
der Erfolg Westeuropas ein Signal für ganz Europa sein sollte.

Die der-

zeitige politische Teilung des Kontinents ist völlig künstlich.

Es gibt

sie nur, weil sie durch brutale sowjetische Macht aufgezwungen wurde, und
die Vereinigten Staaten haben sie nie als rechtmäßig oder als dauerhaft
angesehen.

Hinter dieser grausamen Grenze liegen politische Unterdrük-

kung und wirtschaftliche Stagnation.
gen um Liberalisierung.
serem instande,

In einigen Ländern gibt es Bemühun-

Aber alle Menschen in Osteuropa

sind zu Bes-

verdienen Besseres und sehnen sich nach etwas Besserem.

Wir sind in den vergangenen Jahren Zeuge des machtvollen Drängens nach
freien Gewerkschaften geworden, nach wirtschaftlicher Reform, nach politischer und religiöser Freiheit, nach echtem Frieden und echter Sicherheit - und nach Menschenrechten, wie sie durch die Schlußakte von Helsinki versprochen worden waren.
Sowjetunion beginnt,

Wir hoffen, den Tag noch zu erleben, da die

ihre eigene Sicherheit anders zu definieren, und

zwar in einer Art und Weise, die mit der Freiheit, der Sicherheit und der
Unabhängigkeit ihrer Nachbarn in Einklang zu bringen ist.

In Ostasien und im pazifischen Raum verändert eine neue Realität unsere Vorstellung von der Welt.

Die wirtschafliehe Dynamik dieser Region

gewinnt immer mehr an Bedeutung, nicht nur als Faktor des amerikanischen
Außenhandels, sondern auch als eine einzigartige und attraktive Vision
der Zukunft.

Während der letzten zehn Jahre hatten die Länder des freien

Asien eine jährliche Vfachstumsrate von sieben Prozent zu verzeichnen.

In

den vergangenen fünf Jahren war unser Handel mit Ostasien und den Ländern
des pazifischen Raums umfangreicher als unser Handel mit irgendeiner anderen Region und weitet sich immer rascher aus.

Die ASEAN-Staaten sind

zu einem der eindrucksvollsten Beispiel dieser Welt für wirtschaftliche
Entwicklung und regionale politische Zusammenarbeit geworden.
blik Korea steht beispielhaft

Die Repu-

für grandiosen wirtschaftlichen Erfolg.

Japan spielt verantwortungsvoll, positiv und kooperativ eine seiner wachsenden Stärke entsprechende und zunehmend bedeutsamere Rolle.

- 12-

Die Erfah-

�Die Erfahrung

zeigt, daß wirtschaftliche Freizügigkeit die Formel für

Wohlstand ist.
Inzwischen ist Pragmatismus auch das Schlagwort in der Volksrepublik
China, wo die Hoffnungen auf wirtschaftliche Modernisierung mit großer
Umsicht in ein kühnes Reformprogramm umgesetzt worden sind.

Chinas lan-

ger Weg zur Marktwirtschaft ist ein wirklich historisches Ereignis - eine
große Nation entledigt sich veralteter wirtschaftlicher Konzepte und befreit die Energien einer Milliarde talentierter Menschen.

Wir wünschen

China bei diesem erregenden Unterfangen alles Gute.

Natürlich gibt es Probleme, die für diese glänzende wirtschaftlichen
Zukunftsaussichten auch Gefahren mit sich bringen:

Die sowjetische Auf-r

rüstung in der Region; die Aggression der Sowjetunion und der unter ihrem
Schutz Stehenden in Afghanistan und Kamputschea; bestehende Spannungen
auf der koreanischen Halbinsel; interne Probleme in mehreren Ländern.
Ostasien hat ein reiches zivilisatorisches Erbe, aber auch eine wechselvolle Geschichte bitterer Konflikte.

Die tragische Tatsache, daß zwei

der größten historischen Baudenkmäler Asiens - Angkor Vat und Borobundur
- in unseren Tagen durch Kampf und Gewalt in Mitleidenschaft gezogen wurden, ist gleichzeitig eine Paradoxie und eine Warnung.

Die Vereinigten Staaten sind sich der Tatsache bewußt, daß sie zur
Sicherheit und Stabilität in Ostasien und im pazifischen Raum einen Beitrag zu leisten haben.

Unsere Diplomatie bemüht sich um friedliche Lö-

sungen der Probleme Asiens, damit sich seine schlummernden Kräfte in vollem Umfang entfalten können.

Wir begrüßen insbesondere die Rolle der

ASEAN-Staaten, einschließlich des Frontstaates Thailand, der sich so wirkungsvoll darum bemüht, dem Expansionismus und der Aggression Vietnams
Einhalt zu gebieten und eine gerechte Lösung des kamputscheischen Konfliktes herbeizuführen.

Insgesamt sind wir höchst ermutigt durch den erkennbaren neuen Trend
in Richtung auf größere Zusammenarbeit zwischen vielen asiatischen Staaten mit einer erstaunlichen Vielfalt der Kulturen, der Rassen und der po-

- 13-

�der politischen Systeme.
Entstehen begriffen.

Ein Gefühl der pazifischen Gemeinschaft ist im

Die regionale Konsultation verstärkt und das Gefühl

für ein gemeinsames Interesse an regionaler Sicherheit entwickelt sich.
In diesem Sinn haben die Vereinigten Staaten ein Jahrzehnt nach Vietnam
ihre Position in Asien mehr als wiederhergestellt.

Wir können stolz sein

auf die Vitalität unserer Bündnisse, Freundschaften und produktiven Bindungen

in dieser

vielversprechenden

Region.

Wenn Nationen klug und

staatsmännisch handeln, könnte es sehr wohl sein, daß wir an der Schwelle
einer neuen 'Ära der internationalen Beziehungen im pazifischen Becken
stehen.

In Lateinamerika zeigt sich ganz offenkundig ein bestimmter Trend der stetige Vormarsch der Demokratie. Die Demokratie ist zwar sicherlich
kein neuer Gedanke, aber diese neue Entwicklung revidiert einige der Vorstellungen, die man sich in manchen Kreisen über die politische Zukunft
der Vtelt bislang machte.

Es liegt nur ein paar Jahre zurück, daß die

Pessimisten der Ansicht waren, die industriellen Demokratien seien zu
einem

permanenten Minderheitsstatus

in der Staatengemeinschaft

verur-

teilt. Heute gibt es zunehmend Beweise dafür, daß das Ideal der Freiheit
noch immer lebendig ist.

In der westlichen Hemisphäre leben heute fast

95 Prozent der Menschen in Lateinamerika und der Karibik unter Regierungen, die entweder demokratisch sind oder sich deutlich auf dem Weg zur
Demokratie befinden - im Gegensatz zu lediglich einem Drittel im Jahr
1979.

Im Lauf der vergangenen fünf Jahre gelangten vom Volk gewählte

Personen an die Stelle der Militärregime und Diktatoren - so in Argentinien, Bolivien, Ecuador, El Salvador, Honduras, Panama, Peru und Grenada.
In Brasilien und Uruguay werden im März neue, aus dem Zivilleben kommende
Präsidenten ins Amt gelangen. Guatemala befindet sich auf dem Weg zur Demokratie.

Nach einem langen Halbdunkel der Diktatur ist Freude über den

Trend in Richtung auf freie Wahlen und Volkssouveränität in dieser Hemisphäre durchaus angebracht.

Die Vereinigten Staaten haben stets für die Demokratie gekämpft.
Demokratische Institutionen sind der beste Garant für Menschenrechte und
langfristig auch für Stabilität.

Auch die Nationale Stiftung für Demo-

- 14-

�für Demokratie spiegelt mit ihrer überparteilichen Unterstützung diese
Verpflichtung Amerikas wider.

Auf allen Kontinenten werden wir Zeuge

eines Trends in Richtung Demokratie oder doch eines Verlangens nach Demokratie; beides sind lebendige Zeugnisse dafür, daß der Gedanke der Freiheit alles andere als ein kulturgebundenes Verlangen oder Monopol des industrialisierten Westens ist.

Tatsache ist: Nach Jahren der von Kommunisten angeführten Guerillaaufstände gegen prowestliche Regierungen bieten sich uns nunmehr dramatische und ermutigende Beispiele des Aufruhrs des Volkes gegen kommunistische Regime.

Heute müssen die Marxisten-Leninisten - unter oft ganz

verschiedenen Umständen wie etwa in Nicaragua, in Afghanistan, in Kamputschea, in Äthiopien und an anderen Orten - erkennen, daß das Verlangen
nach demokratischer Regierung nicht so leicht zu unterdrücken ist.

Die

Amerikaner haben eine lange und ehrbare Tradition der Unterstützung für
den Kampf anderer Völker um Freiheit, Demokratie, Unabhängigkeit und Befreiung von Tyrannei.

Im 19. Jahrhundert haben wir Simon Bolivar, pol-

nische Patrioten und auch andere bei ihrem Streben nach Freiheit unterstützt, wobei wir in gewisser Weise die Hilfe zurückgaben, die uns bei
unserer eigenen Revolution durch andere Staaten wie etwa Frankreich zuteil wurde.

Der Präsident drückte es vor einer Woche so aus: "Wir, die wir der
freien Regierung und den demokratischen Institutionen verpflichtet sind,
müssen uns einen Sinn der Brüderlichkeit zwischen uns und anderen freiheitsliebenden Völkern bewahren."

Dies ist ein stolzes Erbe und eine

moralische Verantwortung. Und daraus ergeben sich einige praktische Fragen, denen wir uns sogleich stellen müssen, wenn der 99. Kongreß zusammentritt.
Nichts anderes als die Zukunft der Demokratie steht in Mittelamerika
auf dem Spiel. Die Politik der Vereinigten Staaten ist darauf gerichtet,
die Demokratie, Reformen und Menschenrechte zu fördern, die wirtschaftliche

Entwicklung

zu

unterstützen

und

bei

der

Bereitstellung

eines

Schutzschildes gegen jene zu helfen, die die Tyrannei mit Gewalt verbrei-

- 15-

�Gewalt verbreiten wollen.

Es gehört zur amerikanischen Politik, Dialog

und Verhandlungen mit den und zwischen den Ländern der Region zu fördern.
Direkt oder über Kuba unterstützt die Sowjetunion die Errichtung einer
neuen kommunistischen Diktatur in Nicaragua.

Wir helfen demokratische

Regierungen und demokratische politische Kräfte in ganz Mittelamerika
gegen Extremisten von links wie von rechts.

Wenn wir jene im Stich las-

sen, die sich um Demokratie bemühen, werden die Extremisten die Oberhand
behalten und Opfer werden die Kräfte der Mäßigung und des Anstandes sein.
Aus diesem Grund hat sich diese Administration so sehr um wirksame Verhandlungen, um Wirtschafts- und Sicherheitshilfe und um den überparteilichen Plan bemüht, der Resultat der Kissinger-Kommission war.
wird dies auch künftig tun.

Und sie

Wenn die Kräfte der Diktatur auch weiterhin

glauben, sich die Freiheit nehmen zu können, Aufstände im Namen des "proletarischen Internationalismus" zu unterstützen, wäre es absurd, wenn die
Demokratien sich daran gehindert fühlten, die Sache der Demokratie zu
fördern - und sei es durch kollektive Selbstverteidigung gegen solche Aktionen.

Die lebenswichtigen Interessen und die moralische Verantworgung

unserer Nation zwingen uns dazu, unseren Freunden in ihrem Kampf um Freiheit beizustehen.

Die Dynamik des Wandels

Der Prozeß des Wandels vollzieht sich unerbittlich.

Im Rahmen der

Rolle, die wir im südlichen Afrika auszufüllen haben, müssen wir auf einen demokratischen Wandel in der Republik Südafrika hinarbeiten.

Auch

bei den Bemühungen zur Schaffung einer Atmosphäre der Sicherheit in der
Region, die die Länder dort in die Lage versetzt und anregt, Schritte in
Richtung auf das vorrangige Ziel des Aufbaus gerechter und materiell gesicherter Gesellschaftsordnungen zu unternehmen, kommt uns eine Schlüsselfunktion zu.

Kurzum, die Politik der Vereinigten Staaten muß auf das

doppelte Ziel der Gerechtigkeit für alle Rassen und der Sicherheit für
die Region gerichtet sein.

Diese beiden Ziele stehen nicht im Wider-

spruch zueinander, sondern bedingen sich wechselseitig.

Ihre Verwirk-

lichung erfordert jedoch eine verantwortungsbewußte, kluge und zielstre-

�und zielstrebige Diplomatie.

Diese doppelte Herausforderung erfordert ferner eine ernsthafte Lagebeurteilung und nüchternes Denken, nicht jedoch emotionale Reaktionen.
Wir haben schon viel erreicht, aber unser Einfluß ist nicht unbegrenzt.
Grenzüberschreitende Gewaltakte sind heute im südlichen Afrika seltener
als zu jedem anderen Zeitpunkt innerhalb des letzten Jahrzehnts,

im Hin-

blick auf eine Regelung für Namibia sind Fortschritte zu verzeichnen. Wir
haDen unsere Beziehungen zu Mosambik und anderen Staaten der Region vertieft.

Auch die Republik Südafrika selbst hat mit vielen ihrer Nachbar-

staaten Ansätze zur Zusammenarbeit entwickelt.

Präsident Reagan hat klargestellt, daß wir das System der Apartheid
in der Republik Südafrika als abstoßend betrachten.

Am 10. Dezember 1^84

hat er laut und deutlich gesagt: "Wir fordern die Regierung Südafrikas
auf, der schwarzen Mehrheit des Landes die Hand zur Versöhnung zu reichen
und damit aufzuhören, Schwarze aus ihren Gemeinden zwangsweise zu deportieren und ihre Führer ohne Gerichtsverfahren zu inhaftieren und für lange Zeit hinter Gitter zu schicken... Wir möchten, daß die konstruktiven
Veränderungen der letzten Jahre soweit erweitert werden, daß die Wünsche
aller Südafrikaner eine Aussicht auf Erfüllung haben... Wir rufen sowohl
die Regierung als auch das Volk Südafrikas auf, auf eine gerechtere Gesellschaftsordnung hinzuarbeiten."

Innerhalb Südafrikas ist ein Prozeß des dynamischen Wandels bereits
im Gange.

Positive Veränderungen ergeben sich gegenwärtig

in weitaus

größerem Umfang, als dies in den siebziger, sechziger oder fünfziger
Jahren der Fall war.

Der positive Einfluß unserer Beziehungen zu Süd-

afrika - d.h., unsere Diplomatie, unsere Firmen und unsere Hilfsprogramme
für die schwarzen Südafrikaner - trägt dazu bei, die Grundlagen für einen
noch weitergehenden Wandel zu schaffen. Mit der Apartheid muß Schluß gemacht werden.

Die einzige Handlungsweise, die im Einklang mit den Werten

Amerikas steht, besteht jedoch darin, daß wir als eine Kraft des konstruktiven und friedlichen Wandels auftreten, solange dazu noch die Möglichkeit besteht.

Auf keinen Fall können wir am Rande stehen und die
- 17 -

�und die Kräfte der Polarisation anfeuern, die sich in einem Krieg der
Rassen entladen könnten, und es darf nicht unsere Sache sein, bestehende
Schwierigkeiten zu verschärfen, was zum gleichen Ergebnis führen könnte.

Eine andere Region im Wandel ist der Nahe und Mittlere Osten.

Die

Ereignisse der jüngeren Vergangenheit haben uns daran erinnert, dak) der
arabisch-israelische Konflikt bei weitem nicht die einzige Ursache von
Spannungen in diesem Teil der Welt ist. Es gibt noch andere tiefgründige
nationale, ethnische und religiöse Konflikte, wie z.B. den Krieg zwischen
dem Iran und dem Irak; es gibt unterschiedliche Quellen, aus der sich Radikalismus und Extremismus speisen, so z.B. die Ideologie des MarxismusLeninismus, den islamischen Fundamentalismus oder den bizarren Fanatismus
Gadhafi.

Die Sowjets versuchen, friedensfeindliche Elemente zu stärken

und die Spannungen in der Region zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen.

Die Vereinigten Staaten werden sich auch weiterhin bemühen, in diesem
so bedeutsamen Raum auf friedliche Lösungen hinzuwirken.

Die Rolle des

Vermittlers hat natürlich für Amerika Tradition, aber neue Umstände erfordern auch immer, daß man darüber nachdenkt, wie man diese Rolle auf
neue Art und Weise ausfüllen kann. Wir fühlen uns verpflichtet, diplomatische Bemühungen zur Beendigung der Konflikte am Golf, im Libanon und in
der Sahara zu unterstützen.

Wir sind davon überzeugt, daß die Initiative

des Präsidenten vom 1. September den aussichtsreicnsten Weg zur Lösung
des Palästinenserproblems darstellt.

Wir werden in diesem Jahr mit unse-

ren arabischen und israelischen Freunden intensive Konsultationen führen,
um auszuloten, welche Möglichkeiten für Fortschritte es gibt.

In der Weltwirtschaft vollzieht sich gegenwärtig ein wichtiger Wandel
von anderer Art, und zwar ein geistiger Wandel, in dem einiges von dem
verarbeitet wird, was uns die Erfahrung gelehrt hat. Die Aussage von Lord
Keynes, daß Praktiker immer im Banne irgendwelcher längst verstorbener
Wirtschaftstheoretiker verharren, dürfte heute weniger zutreffen als in
der Vergangenheit.

Oder vielleicht gewinnen die Auffassungen über die

Schaffung des "Wohlstands der Völker", die vor mehr als zwei Jahrhunderten von Adam Smith formuliert wurden, wieder praktische Bedeutung.

Auf

�Bedeutung.

Auf jeden Fall ist die Wirklichkeit dabei, einige altüberkom-

mene Vorstellungen über Wirtschaftspolitik aufzubrechen.

Sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern werden
die Menschen durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der letzten Jahre
an einige alte, aber immer noch gültige Erkenntnisse über die tatsächlichen Grundlagen wirtschaftlichen Fortschritts erinnert.
hatten diese Erkenntnisse nie vergessen.

Einige von uns

Aber die Erfahrungen der jünge-

ren Vergangenheit haben einer breiten und längst überfälligen Strömung
der Skepsis gegenüber dirigistischen Lösungen, Planwirtschaft und Regierungslenkung Auftrieb gegeben.

Dieser geistige Wandel ist teilweise ein Ergebnis des außerordentlicn
kraftvollen Konjunkturaufschwungs in den Vereinigten Staaten.

Die Verei-

nigten Staaten haben ihr Steuersystem revidiert, um echte Anreize zur Arbeit, zum Sparen, zum Investieren, zur Übernahme von Risiken und zur Leistung zu schaffen.

Wir haben Vorschriften, Eingriffe und Lenkung durch

die Regierung beschnitten.

Wir haben in den Bereichen des Verkehrs, der

Finanzen, der Kommunikation, der Fertigung und der Verteilung Möglichkeiten zu freierem Wettbewerb eröffnet. Die Zuwachsrate des Bruttosozialprodukts war im letzten Jahr die höchste seit 1951, während die Inflationsrate auf dem niedrigsten Stand seit 1967 anlangte.

Insgesamt ermöglichte

dies die Schaffung von mehr als sieben Millionen zusätzlicher Arbeitsplätze innerhalb von zwei Jahren.

Erfolg regt zum Nacheifern an.

Nicht nur in dem von mir bereits er-

wähnten Ostasien, sondern auf allen Kontinenten - in den übrigen Ländern
Asiens, in Europa, Lateinamerika und Afrika - gibt es einen Trend zur
Dezentralisation, zur Befreiung der Wirtschaft von staatlichen Vorschriften, zur Entnationalisierung, zum AbDau einengender Bestimmungen und zur
Erweiterung des Spielraums der einzelnen Hersteller und Abnehmer zur
freien Zusammenarbeit über Marktgrenzen hinweg.

Nehmen wir beispielswei-

se Afrika: Um das Problem des Hungers langfristig zu lösen, ist mehr erforderlich als einfach nur Nothilfe, nämlich Ausbildung, produktive Investitionen und liberalisierende Reformen im Bereich der Landwirtschaft.
- 19 -

�der Landwirtschaft.

Unsere Hilfen ermutigen die Staaten Afrikas, weitere

Anstrengungen in dieser Richtung zu unternehmen.

Eine weltweite Revolution im volkswirtschaftlichen Denken und in der
Wirtschaftspolitik hat begonnen. Sie kommt genau zum richtigen Zeitpunkt,
denn sie fällt mit einer anderen Revolution zusammen, einer Revolution,
die die technologischen Grundlagen der Weltwirtschaft betrifft.

Walter

Wriston hat dies das "mit Macht hereinbrechende Zeitalter der informationstechnik" genannt - ein gemeinsames Auftreten von Mikrochipcomputern,
hochentwickelter Nachrichtentechnik und einem fortwährenden Innovationsprozeß, der fast jeden Aspekt der menschlichen Arbeit verwandelt.

Die Auswirkungen dieser Revolution sind nicht nur wirtschaftlicher
Natur. Zunächst einmal bildet das bloße Aufkommen dieser neuen Technologien einen weiteren Beweis für die ausschlaggebende Bedeutung des freien
Unternehmertums und einer Regierungspolitik, die ihm Entfaltungsmöglichkeiten schafft, als Ursprung technologischer Kreativität und wirtschaftlichen Wachstums.

Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die geschlossenen

Gesellschaften des Ostens in diesen Bereichen weit

zurückfallen, und

westliche Gesellschaften, die das Wirtschaftsleben zu vielen Beschränkungen unterwerfen, gehen das gleiche Risiko ein.

Zun zweiten wird jede

Regierung, die auf plumpe Weise versucht, den Fluß der elektronischen
Informationen zu lenken, zu reglementieren oder zu besteuern, erkennen
müssen, daß sie damit sowohl das Wachstum der Weltwirtschaft als auch den
Fortschritt im eigenen Lande behindert.

Dies ist einer der Gründe, aus

denen die Vereinigten Staaten auf neue Wirtschaftsverhandlungen in den
Dienstleistungsbereichen der Datenverarbeitung und der Informationsübermittlung drängen.

Zum Dritten müssen technologische Fortschritte von solchen Dimensionen zwangsläufig viele liebgewordene Vorstellungen von Souveränität in
Frage stellen.

Aber auch hier ist der Westen im Vorteil, weil der freie

Fluß von Informationen wesensmäßig mit unserem politischen System und mit
unseren Werten irr Einklang steht.

Die kommunistischen Staaten hingegen

fürchten diese Informationsrevolution vielleicht noch mehr als die mili- 20 -

�die militärische Stärke des Westens.

Wenn Wissen Macht ist, dann droht

die Revolution in der Kommunikationstechnik

das vielleicht

wichtigste

Monopol dieser Regime zu untergraben, d.h., ihre Anstrengungen, den Informations- stand, das Denken und die Urteilsfähigkeit ihrer Völker im
Griff zu behalten.

Wir alle können uns daran erinnern, welche Macht die

Botschaft des Ayatollah entfaltete, die, aufgezeichnet auf Tonbandkassetten, überall im Iran verbreitet wurde.

Was also könnte auf die Verhält-

nisse im Ostblock einen tiefgreifenderen Einfluß haben, als eben solche
Kassetten, Rundfunksendungen von außen, Rundfunksatelliten, Kleincomputer
oder Fotokopierautomaten? Die totalitären Gesellschaften stehen vor einem
Dilemma: Entweder versuchen sie, diese Technologien abzuwürgen, was zur
Folge hätte, daß sie im Rahmen der neuen industriellen Revolution noch
weiter zurückfallen, oder sie dulden diese Technologien, was unvermeidlich den Niedergang ihrer totalitären Herrschaft zur Folge hätte. Eigentlich haben sie überhaupt keine Wahl, weil sie niemals imstande sein werden, den technologischen Fortschritt wirklich zum Stehen zu bringen, ganz
gleich, wie heftig sie dies auch versuchen mögen.

Der Vormarsch der Technologie zwingt uns, unsere Bemühungen um eine
Verhinderung der Verbreitung von Kernwaffen fortzusetzen. Die Vereinigten
Staaten spielen seit langem die Führungsrolle bei den internationalen Bestrebungen, ein System aus institutionellen Regelungen, rechtlichen Verpflichtungen und technischen Sicherungen zu errichten, das gewährleisten
soll, daß die Weiterverbreitung von Kernwaffen unter Kontrolle bleibt.
Diesen Bemühungen war insofern bemerkenswerter Erfolg beschieden als die
Zahl der Staaten, die sich in den Besitz der Mittel zur Herstellung nuklearer Sprengsätze setzen konnten, weitaus kleiner ist, als Schwarzseher
vor 20 Jahren vorhersagten.

Gleichzeitig sind die Gefahren einer mög-

lichen Weiterverbreitung von Kernwaffen aber immer noch so ernst und bedrohlich für die internationale Stabilität, wie seit langem prophezeit
wird.
Die Reagan-Administration wird an diese bedeutsamen Aufgaben mit einem realistischen Bewußtsein ihrer Komplexität herangehen.

Unsere Auf-

fassungen über diese Frage stellen in Rechnung, daß die friedliche Nut- 21 -

�friedliche Nutzung der Kernenergie weltweit eine immer größere Rolle
spielt, daß es Sorgen um die nationale Sicherheit sind, die manche Staaten veranlassen, nach Kernwaffen zu streben, und daß eine umfassende Zusammenarbeit der Lieferstaaten von kerntechnischem Material erforderlich
ist, wenn eine Nichtweiterverbreitungsregeluny

wirksam sein soll.

Was

unsere Beziehungen zu unseren Handelspartnern auf dem Gebiet der Kerntechnik angeht, so haben wir bei aer Wiederherstellung vertrauensvoller
Beziehungen und unseres Rufs als verläßliche Lieferanten Fortschritte erzielt.

Wir haben mit der Sowjetunion ergiebige Gespräche über diese Fra-

gen geführt, und wir haben uns um die Einführung umfassender Sicherheitsvorkehrungen und strikter Exportkontrollen bemüht.

Neue Herausforderungen an unsere Denkweisen

Die meisten der allgemeinen Trends, die ich oben beschrieben habe,
sind ihrer Natur nach positiv, aber dies gilt nicht für alle.

Der wirt-

schaftliche Wandel bringt auch soziale Erschütterungen mit sich.

In den

städtischen Ballungsräumen tritt das Phänomen der Entfremdung auf; ferner
beobachten wir politische Turbulenzen und viele der möglichen Quellen und
Formen des Verfalls der Ordnung, die ich bereits erwähnt habe.

Der Wan-

del des internationalen Systems wird nur dann den positiven Trends folgen, wenn wir, d.h., die Vereinigten Staaten und die freie Welt, unserer
Verantwortung für den Schutz unserer Interessen gerecht werden und uns
bemühen, den Gang der Ereignisse in Bahnen zu lenken, die unseren Idealen
und Zielen entsprechen.

In zumindest einer Hinsicht wird die moderne Welt mit all ihrer um
sich greifenden Technologie, ihrem wachsenden Wohlstand und ihrem Streben
nach Demokratie ironischerweise auch zunehmend verwundbar werden.
denke natürlich an den Terrorismus.

Ich

Obwohl die Welt vor der Gefahr eines

großen Krieges immer sicherer wird, sehen sich die demokratischen Staaten
paradoxerweise einer zunehmenden Bedrohung durch diese neue Form der
Kriegführung gegenüber.

Heutzutage ist
- 22 -

�Heutzutage ist der Terrorismus immer weniger ein vereinzeltes Phänomen oder ein Instrument, dessen sich Fanatiker in räumlich begrenztem
Rahmen bedienen, sondern zunehmend Teil einer neuen internationalen Strategie der Feinde der Freiheit. Er ist eine besonders bösartige Waffe, die
bewußt gegen demokratische Länder und ihre Interessen, ihre Politik und
ihre Freunde, aber auch gegen völlig
wird.

unschuldige Menschen eingesetzt

Es gibt auch beunruhigende Querverbindungen zum internationalen

Drogenhandel.

Beim Terrorismus handelt es sich um ein Problem, das uns

mehr als andere dazu zwingt, über neue Methoden nachzusinnen, mittels
derer wir unsere Zukunft sichern können.

Wir müssen während des kommen-

den Jahres auf das Auftreten ernsthafter terroristischer Bedrohungen in
Westeuropa, dem Nahen Osten und Lateinamerika gefaßt sein, auf Bedrohungen, deren Urheber von einer Handvoll skrupelloser Regierungen unterstützt oder ermutigt werden.

Wie Sie wissen, habe ich mich zu diesem Thema häufig geäußert, um aie
öffentliche Diskussion und Erörterung der komplexen Fragen, um die es dabei geht, anzuregen.

Meines Erachtens muß eine uegenstrategie zum Kampf

gegen den Terrorismus vielerlei umfassen:

- Wir und unsere Verbündeten müssen uns noch mehr bemühen, die Sicherheit

zu

verbessern,

Informationen

auszutauschen,

Polizeimaßnahmen

aufeinander abzustimmen und in jeder erdenklichen Weise zusammenzuarbeiten, um den internationalen Terrorismus zu besiegen.

Im vergan-

genen Jahr ist bereits viel geschehen, aber viel mehr bleibt noch zu
tun.

- Wir hier in diesem Lande müssen uns nachdrücklich klarmachen, was
moralisch auf dem Spiel steht.

Wenn wir wirklich an unsere demokra-

tischen Werte und an unsere Lebensweise glauben, dann müssen wir auch
bereit sein, sie zu verteidigen. Passive Maßnahmen werden wahrscheinlich nicht ausreichen.

Aktivere Methoden der Verteidigung und Ab-

schreckung müssen in Erwägung gezogen werden und müssen die nötige
politische Unterstützung erfahren.

Während
- 23 -

wir uns

�- Während wir uns schließlich unermüdlich bemühen, dafür zu sorgen, daß
Terroristen weder Gelegenheit zu Anschlägen noch entsprechende Mittel
in die Hand bekommen, können und müssen wir auch mit äußerster Entschlossenheit dafür sorgen, daß sie ihre Ziele nicht erreichen.

Sie

versuchen, uns durch Erpressung zu Änderungen in unserer Außenpolitik
zu zwingen oder uns aus den Staaten und Regionen zu vertreiben, in
denen wir wichtige Interessen haben.

Das können wir nicht zulassen.

Wir können unter solchem Druck keine Positionen aufgeben, Freunde im
Stich lassen oder uns Verpflichtungen entziehen.

Wenn wir Terror-

isten auch nur einen Sieg dieser Art zugestehen, dann ermutigen wir
sie, in Zukunft noch kühner vorzugehen, demoralisieren wir alle, die
sich auf uns verlassen, und erhöhen wir die Unsicherheit in der Welt.

Es geht hier natürlich um noch viel allgemeinere Fragen, die ich
ebenfalls wiederholt in der Öffentlichkeit erörtert habe, nämlich um die
Grundfrage nach dem Einsatz der Macht Amerikas zum Schutz unserer Interessen und nach der Bedeutung unserer Macht als Rückhalt für unsere Diplomatie.

Diese Fragen spielen beispielsweise bei den oftmals so genannten

"Herausforderungen in der Grauzone" eine Rolle, d.h., bei den auf eine
Region oder ein Land begrenzten Konflikten und Krisen, die es in einer
unruhigen Welt wie der unseren wahrscheinlich auch weiter geben wird und
die zwar unterhalb der Schwelle zu einem großen Krieg bleiben, aber
nichtsdestoweniger
ziehen.

wichtige Interessen des Westens

in Mitleidenschaft

Tatsächlich hatten die meisten der größeren kriegerischen Aus-

einandersetzungen seit 1945 ihre Ursprünge in solchen Konflikten in den
Entwicklungsländern.

Das Ende des Kolonialismus hat keineswegs allgemei-

nen Frieden und Gerechtigkeit mit sich gebracht.

Viele Entwicklungslän-

der werden von dem anhaltenden Kampf zwischen gemäßigten und radikalen
Kräften gespalten, einem Kampf, den sich die Sowjetunion zunutze macht
und den sie aktiv anheizt.

Es ist absurd anzunehmen, Amerika könne sich solchen Herausforderungen entziehen.

Wir leben in einer Welt großer potentieller Instabilität

und zahlreicher potentieller Gefahren.

Wir leben - wie man gemeinhin

sagt - auf einem immer kleiner werdenden Planeten und in einer Welt der
- 24 -

�Welt der zunehmenden Interdependenz.

Wir haben ein starkes Interesse an

einer gesunden Weltwirtschaft und den Gesamtgegebenheiten der Sicherheit
der Welt.

Die Freiheit und die Sicherheit unserer Mitmenschen werden un-

ser moralisches Bewußtsein immer aufrütteln.

Nicht alle diese Herausfor-

derungen gefährden lebenswichtige Interessen, aber gleichzeitig kann eine
Häufung erfolgreicher Herausforderungen zu einer größeren und nachteiligen Veränderung im geopolitischen Gleichgewicht führen.

Wir müssen klug und umsichtig sein, wenn es darum geht, wie und wo
wir unsere Macht anwenden wollen.

Wirtschafts- und Sicherheitshilfe für

Verbündete und Freunde ist ohne Frage der von uns bevorzugte Kurs - und
sie ist ein Faktcr von entscheidender Bedeutung für unsere Außenpolitik;
die direkte Anwendung von Gewalt muß immer ein letztes Mittel bleiben.
Die Vereinigten Staaten werden um politische Lösungen von Problemen bemüht sein - aber solche Lösungen können keinen Erfolg haben, wenn man
nicht der Aggression entgegentritt und wenn die Diplomatie nicht durch
Stärke gestützt wird.

Wir sind einigermaßen gut darauf vorbereitet, vor

einer umfassenden sowjetischen nuklearen Aggression abzuschrecken, vorausgesetzt, daß wir mit unserer strategischen Modernisierung fortfahren;
aber wir müssen sicherstellen, daß wir genauso gut vorbereitet sind - und
zwar physisch wie auch psychologisch - auf diesen Zwischenbereich von
Herausforderungen.

Friede, Fortschritt und Freiheit
Ich habe eine Vielfalt von Themen angeschnitten, aber daraus können
vor allem zwei überaus wichtige und sehr grundlegende Folgerungen gezogen
werden.

Erstens, die Tagesordnung für die unmittelbare Zukunft scheint

mir eine Tagesordnung zu sein, über die sich das amerikanische Volk im
wesentlichen einig ist.

Es sind Ziele, die weitgehend geteilt werden,

und Aufgaben, die sicherlich einen anderen wichtigen Trend stärken werden: nämlich das Wiederentstehen eines nationalen Konsens hinsichtlich
der Hauptelemente unserer Außenpolitik.

Dies kann
- 25 -

�Dies kann tatsächlich der wichtigste positive Trend überhaupt sein,
weil so viele unserer Schwierigkeiten in den letzten Jahrzehnten aus unserer eigenen innenpolitischen Spaltung herrührten.

Ich hoffe, daß un-

sere beiden Parteien und unsere zwei Regierungszweige Mittel und Wege
finden werden, um in diesem Geist zusammenzuarbeiten, - was unser Land
angesichts der von mir aufgezeigten neuen Möglichkeiten und Herausforderungen gewaltig stärken würde.

Zweitens, all die von mir angesprochenen verschiedenartigen Themen
sind letztlich miteinander verbunden.

Präsident Reagan hat dies im Sep-

tember vorigen Jahres in seiner Rede vor den Vereinten Nationen unterstrichen.

Die Vereinigten Staaten wollen Frieden und Sicherheit; wir

wollen wirtschaftlichen Fortschritt; wir wollen die Freiheit, die Demokratie und die Menschenrechte fördern.

Die übliche Denkweise ist die,

jede dieser Kategorien getrennt für sich zu behandeln.

In Wirklichkeit

sieht man doch - wie wir festgestellt haben - immer mehr ein, daß es eine
überaus enge Verbindung zwischen ihnen gibt.

Und dies hat wichtige Aus-

wirkungen für die Zukunft.

So ist es beispielsweise nicht zufällig, daß die engsten und dauerhaftesten internationalen Beziehungen Amerikas in den Bündnissen mit anderen Demokratien zum Ausdruck kommen.

Diese Bindungen mit der Altanti-

schen Gemeinschaft, mit Japan und anderen demokratischen Freunden sind
von dauerhafter Qualität, weil sie nämlich auf einer moralischen Grundlage stehen, nicht nur auf einer Grundlage strategischer Interessen.

Als

George Washington seinen Landsleuten riet, sich aus festen Bündnissen
herauszuhalten, war seine Haltung bestimmt von der Tatsache, daß es zu
jener Zeit kaum andere Demokratien gab.

Wir gehörten zu den ersten Demo-

kratien, und wir hatten guten Grund, uns vor Verbindungen mit Ländern zu
hüten, die unsere demokratischen Prinzipien nicht teilten.

Auf jeden

Fall definieren wir unsere strategischen Interessen jetzt nach Gesichtspunkten, die die Sicherheit und das Wohlergehen der demokratischen Welt
berücksichtigen.

Genauso sieht man - wie ich das bereits dargelegt habe - immer mehr
- 26 -

�immer mehr ein, daß wirtschaftlicher Fortschritt etwas zu tun hat mit einem politischen Umfeld der Offenheit und der Freiheit.

In manchen Krei-

sen pflegte man zu glauben, daß für die Entwicklungsländer der Sozialismus das angemessene Modell sei, weil man mit zentraler Planung unter Mangelbedingungen die Ressourcen besser mobilisieren und verteilen könne.
Die historischen Erfahrungen Westeuropas und Nordamerikas, die sich in
einer Zeit der Einschränkung der Regierung industrialisierten, wurden als
nicht relevant angesehen.

Doch zeigen die jüngsten Erfahrungen der Drit-

ten Welt, daß eine beherrschende Rolle der Regierung bei der Entwicklung
von Volkswirtschaften eher die natürlichen Kräfte der Produktion und der
Produktivität ersticken laut und eine effiziente Verteilung der Ressourcen behindert.

Als wirkliche Lokomotive des Wachstums - und zwar in den

Entwicklungsländern wie in den Industriestaaten - erweist sicsh die natürliche dynamische Kraft von Gesellschaften, die ihre zentrale Planung
auf ein Mindestmaß reduzieren, sich dem Handel mit der Welt öffnen und
dem Können, den Bemühungen, der Risikofreudigkeit sowie den Investitionsentscheidungen der einzelnen freien Lauf lassen.

Und schließlich besteht sicherlich auch ein Zusammenhang
wirtschaftlichem Fortschritt, Freiheit und Weltfrieden.
hat einmal folgendes geschrieben:

zwischen

Andrej Sacharow

"Ich bin davon überzeugt, daß inter-

nationales Vertrauen, gegenseitige Verständigung, Abrüstung und internationale Sicherheit undenkbar sind ohne eine offene Gesellschaft mit Informations- und Gewissensfreiheit, dem Recht zu veröffentlichen, zu reisen und das Land auszuwählen, in dem man leben möchte.

Ich bin ferner

davon überzeugt, daß Gewissensfreiheit, zusammen mit anderen Bürgerrechten, sowohl die Grundlage für wissenschaftlichen Fortschritt als auch die
Garantie bietet, daß er nicht zum Schaden der Menschheit mißbraucht wird."

Die Folgerung, die wir hieraus ziehen können, ist tiefgreifend.

Sie

besagt, daß die westlichen Werte der Freiheit und der Demokratie, die von
manchen schon so schnell als kulturgebunden, irrelevant oder passe abgeschrieben wurden, nicht so leicht abgetan werden können.
auf sie ist verfrüht.

Der Abgesang

Diese Werte sind die Quelle unserer Stärke - unse-

rer wirtschaftlichen wie moralischen Stärke -, und sie erweisen sich für
- 27 -

�sich für die Zukunft der Welt als von zentralerer Bedeutung, als manche
dies wahrhaben wollten.

Nach mehr als einem Jahrhundert, in dem das mar-

xistische Märchen von wirtschaftlichem Determinismus und der "Krise des
Kapitalismus" im Schwange war, erweisen sich genau die westlichen Konzeptionen der politischen und wirtschaftlichen Freiheit, die von den Marxisten als überholt erklärt wurden, als Schlüssel zum menschlichen Fortschritt. Die Marxisten hatten Unrecht.

Heute - und das ist ein Witz der

Weltgeschichte - ist es das kommunistische System, das bankrott erscheint
- und zwar moralisch wie auch wirtschaftlich.

Der Westen ist flexibel

und blüht wieder auf.

Und so betrifft schließlich die wichtigste neue Denkweise, die in
diesem Jahrhundert erforderlich ist, das, was wir von uns selbst halten.
Kulturen und Zivilisationen blühen und gedeihen, wenn sie an sich selbst
glauben; sie zerfallen, wenn sie diesen Glauben verlieren.

Sie alle se-

hen sich gewaltigen Problemen gegenüber - aber eine Gesellschaft kann
diese Herausforderungen bewältigen, statt von ihnen überwältigt zu werden, wenn sie sich diesen Fels des Selbstvertrauens erhält, den zu verteidigen es sich lohnt. Das ist das Kernstück der Reaganschen Revolution
und der Führungsrolle, zu der aufzurufen der Präsident sich bemüht hat.

Der Westen hat im letzten Jahrzehnt oder noch länger eine schwierige
Periode durchgemacht.

Aber jetzt sehen wir eine neue Wende.

Die nächste

Phase der industriellen Revolution geht - wie alle vorherigen Phasen von der demokratischen Welt aus, wo sich Innovation und Kreativität aus
dem unbehinderten Geist des Menschen heraus entwickeln können.

Durch Zu-

sammenarbeit können wir den Nutzen der technologischen Revolution allen
zugute kommen lassen.

Und auf jedem Kontinent - von Nicaragua bis Kam-

putschea, von Polen über Südafrika bis hin nach Afghanistan - erleben
wir, daß die Sehnsucht nach Freiheit die mächtigste politische Kraft auf
unserem Planeten ist.

Wenn wir jetzt dem 21. Jahrhundert entgegengehen, so haben die Demokratien allen Grund, ihr System, ihre Überzeugungen und ihren Erfolg zu
feiern.

Wir sehen uns Herausforderungen gegenüber, aber wir sind gut ge- 28 -

�sind gut gerüstet, um sie zu bewältigen.

Die Auffassungen darüber, wel-

chem System die Zukunft gehört, werden heute revidiert.

Wenn die freien

Nationen einig bleiben und den Glauben an sich selbst nicht verlieren,
dann liegen sie wirtschaftlich, technologisch und moralisch vorn. Die Geschichte steht auf der Seite der Freiheit.

»

- 29 -

�6. Februar 1985

REAGAN: MBFR-VERHANDLUNGEN INTEGRALER TEIL DER
US-ABRÜSTUNGSBEMÜHUNGEN
- Erklärung zum Beginn der 35. Verhandlungsrunde in Wien -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat auf die große Bedeutung der
Verhandlungen über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa tMBFR) hingewiesen und sie als einen integralen und
wichtigen Teil der amerikanischen Abrüstungsverpflichtung bezeichnet. In
einer Erklärung anläßlich des Beginns der 35. Verhandlungsrunde am 31.Januar 1985 in Wien unterstrich der Präsident, daß ein militärisch bedeutsames und verifizierbares MBFR-Abkommen möglich sei.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Heute werden Mitglieder der NATO und des Warschauer Paktes in Wien
ihre Bemühungen um die Aushandlung von Reduzierungen der konventionellen
Streitkräfte in Mitteleuropa wiederaufnehmen.

Diese Verhandlungen über

beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen sind ein integraler

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�ein integraler und wichtiger Teil unserer Verpflichtung, echte Fortschritte auf dem Gebiete des Rüstungsabbaus - konventionell, chemisch und
nuklear - zu erzielen.
Es ist klar, daß ein militärisch bedeutsames und
MBFR-Abkommen möglich ist.

verifizierbares

Im April vorigen Jahres haben die NATO-Teil-

nehmer eine wichtige Initiative ergriffen, um den toten Punkt zwischen
Ost und West zu überwinden.

Wir hoffen weiterhin auf eine konstruktive

Antwort der Teilnehmer aus dem Warschauer Pakt.
Im Dezember 1984 haben die Minister des NATO-Bündnisses in ihrem Kommunique die anhaltende Verpflichtung des Westens zum Ausdruck gebracht,
alles in ihren Kräften Stehende zu tun, um ein verifizierbares Abkommen
über den Abbau der konventionellen Streitkräfte auf einen gleichen Stand
auf niedrigerem Niveau zu erreichen.

Ein solches Abkommen würde das Ver-

trauen fördern, die militärische Stabilität verbessern und das Risiko eines Krieges in Europa vermindern.
Die amerikanische Delegation wird - wenn sie jetzt nach Wien zurückkehrt - auch weiterhin ihren Beitrag leisten, um ein solches Abkommen zu
erreichen.

* * * *

•

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Haushalt 1985/86 vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kürzungen von Regierungsausgaben - Steuervereinfachung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: MBFR-Verhandlungen integraler Teil der US-Abrüstungsbemühungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum Beginn der 35. Verhandlungsrunde in Wien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die künftige amerikanische Außenpolitik: Neue Realitäten und neue Denkweisen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Grundsatzerklärung von Shultz vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Senats -&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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^

630°
6. Februar 1991

GOLFKRIEG

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN DES
IRAKS BELEGEN GEFAHR REPRESSIVER
REGIME
Einleitung des Berichts
über Menschenrechtsverletzungen

WIE DER IRAK SEINE KRIEGSMASCHINERIE AUFBAUTE
Hintergrundinformation über die
Umgehung von Exportkontrollen

HAUSHALT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

US-VERTEIDIGUNGSHAUSHALT SIEHT
ABBAU DER STREITKRÄFTE VOR
Auszüge aus dem Haushaltsentwurf für 1992-1993

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRIEG
6. Februar 1991

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN DES IRAK
BELEGEN GEFAHR REPRESSIVER REGIME
Einleitung des Berichts über Menschenrechtsverletzungen
WASHINGTON - (AD) - Die durch die "brutale Invasion" des Irak in Kuwait verursachten Menschenrechtsverletzungen führen dem US-Außenministerium zufolge der Welt "die Gefahren, die repressive Regime für die regionale Sicherheit und Weltordnung bedeuten können", vor Augen.
In der Einleitung des am 1. Februar 1991 veröffentlichten Berichts über Menschenrechtsverletzungen stellte das
Außenministerium fest, für den größten Teil des Jahres 1990 "haben sich die 1989 erzielten Fortschritte im
großen und ganzen trotz der enormen Probleme konsolidiert, mit denen sich die auf dem schwierigen Übergang
von einer Kommando- zur freien Marktwirtschaft und von totalitärem Kommunismus zur Demokratie befindlichen Länder konfrontiert sahen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Einleitung des Berichts.

Bericht über Menschenrechtsverletzungen 1990
Dieser Bericht wird dem Kongreß vom Außenministerium gemäß Abschnitt 116(d)(1) und 502B(b) des
Gesetzes über Auslandshilfe von 1961 vorgelegt.
Das Gesetz fordert Berichte über Menschenrechtsverletzungen in allen Ländern, die von den Vereinigten
Staaten Hilfe empfangen und allen Ländern, die Mitglied der Vereinten Nationen sind. In der Annahme,
daß diese Informationen für den Kongreß und andere
Leser von Interesse sein könnten, haben wir auch
Berichte über die wenigen Länder einbezogen, die in
keine dieser Kategorien und damit nicht unter die
Kongreßbestimmungen fallen.
Der Kongreß hat das Gesetz über Auslandshilfe und
die vorstehend erwähnten Abschnitte des Gesetztes
geändert, um bei der Erwägung von Hilfsprogrammen
für ein bestimmtes Land auf diese Berichte zurückgreifen zu können. Eine äußerst wichtige - vielleicht
unbeabsichtigte - Konsequenz dieser Gesetzesbestimmungen ist, daß sie Menschrechtsbelange zum
integralen Bestandteil der täglichen Berichterstattung
und des täglichen EntScheidungsprozesses im Außenministerium gemacht hat. Ein Beamter in einer
Botschaft im Ausland, der einen guten Jahresbericht
überdie Menschenrechtssituation in dem Land, in dem

AMERIKA DIENST 5

er tätig ist, verfassen will, muß die Entwicklungen im
Bereich der Menschenrechte im Verlauf des Jahres
täglich sorgfältig überprüfen und beobachten. Infolgedessen wird er über alle wesentlichen Entwicklungen
im Bereich der Menschrechte in dem Land berichten,
in das er entsandt wurde. In den vergangenen 12
Jahren wurde das Außenministerium entschieden besser
informiert und gegenüber den auf der Welt stattfindenden Menschenrechtsverletzungen sensibilisiert.
Vor einem Jahr haben wir an diesem Ort die Frage
gestellt, ob die im Jahr 1989 in Osteuropa und anderen
Teilen der Welt erzielten Fortschritte bei der Menschenrechtssituation dauerhafte Errungenschaften sein
würden oder ob die Gefahr eines Rückschritts bestünde. Für den größten Teil des Jahres 1990 haben sich
die 1989 erzielten Fortschritte im großen und ganzen
trotz der enormen Probleme konsolidiert, mit denen
sich die auf dem schwierigen Übergang von einer
Kommando- zur freien Marktwirtschaft und von totalitärem Kommunismus zur Demokratie befindlichen
Länder konfrontiert sahen. Die brutale Invasion des
Irak in Kuwait vom 2. August 1990 löste eine Herrschaft des Terrors und Menschenrechtsverletzungen
aus, die der Welt die Gefahren vor Augen führen, die
repressive Regime für die regionale Sicherheit und
Weltordnung bedeuten können.

Seite 1

�In Europa haben in den Ländern, die zur Sowjetunion
und dem Warschauer Pakt gehörten, Wahlen mit
Beteiligung mehrerer Parteien stattgefunden. Nach
solchen Wahlen vereinigte sich die ehemalige Deutsche Demokratische Republik aufgrund der Entscheidung einer demokratisch gewählten Regierung mit der
Bundesrepublik Deutschland. Freie Wahlen fanden
ferner auch in allen Teilrepubliken Jugoslawiens statt.
Selbst im regimetreuen Albanien gab es Anzeichen für
zunehmenden Druck des Volkes auf größere Freiheit.
In Osteuropa und der Sowjetunion wurde der Demokratisierungsprozeß in einigen Regionen durch das
totalitäre Erbe und Nationalitätenkonflikte behindert,
die seit Jahrzehnten unterdrückt worden waren. Die
Vereinigten Staaten brachten ihre Besorgnis über Gewalt
gegen soziale und ethnische Gruppen in Rumänien
zum Ausdruck. Die von der serbischen Republik
gegen die Albaner ergriffenen repressiven Maßnahmen waren mit die schlimmsten des Jahres 1990 in
Europa. Dennoch konnten auch einige positive Entwicklungen in den Beziehungen zwischen den jeweiligen Nationalitäten in der Region beobachtet werden.
Dank ^Jer Auswirkungen der Demokratisierung und
zunehmenden Achtung der Menschrechte konnte
Bulgarien die Behandlung seiner ethnischen und religiösen Minderheiten erheblich verbessern.
In der Sowjetunion erfreute sich ein Großteil der Bürger im Jahr 1990 weiterhin der neu erworbenen politischen Rechte, einschließlich der Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit. Hunderttausenden wurde die Ausreise gestattet. Die Reformen wurden
jedoch uneinheitlich im Land durchgeführt, und viele
der Reformen sind noch nicht gesetzlich verankert und
werden nicht durch ein unabhängiges Gericht abgesichert. Gegen Ende des Jahres 1990 und Anfang 1991
gab das Vorgehen der Zentralregierung, ihre Rechte in
den Teilrepubliken durchzusetzen und insbesondere
der Einsatz von Streitkräften in Litauen und Lettland
Anlaß zu Besorgnis über die Zukunft der jüngsten
Reformen mit gefährlichen Implikationen für das gesamte Land.
Während Europa um die Konsolidierung seiner demokratischen Errungenschaften kämpfte, waren die neuen
demokratischen Bestrebungen in Afrika am augenfälligsten. In Südafrika konnte die Abkehi von der Apartheidpolitik beobachtet werden, und in zahlreichen
anderen Ländern südlich der Sahara wurden wichtige
Schritte zur Demokratisierung unternommen. Nach
Mehrparteienwahlen trat Namibia im März der Gemeinschaft der unabhängigen Staaten bei. Eine der
Demokratie und den Menschenrechten verpflichtete
Regierung folgte dem Regime in Benin. Gesetze, die
neue politische Parteien zuließen und somit freie Wahlen
gestatteten, wurden in Gabun, Cote d'lvoire, Kongo
und Sambia verabschiedet. Tatsächlich wurden in
Gabun und Cote d'lvoire freie Wahlen abgehalten. Auf
den Kapverdischen Inseln Sao Tome und Principe
verloren die Einparteienregierungen die freien Wahlen

Seite 2

und erklärten, das Wahlergebnis anzuerkennen. Die
internen Rivalitäten in vielen Teilen des Kontinents
hatten jedoch Tod und Vernichtung großen Ausmaßes
zur Folge. Die zum Sturz von Präsident Doe von
Liberia führenden Feindseligkeiten, die kriegerischen
Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Stämmen
in Somalia, Kämpfe in Äthiopien mit eritreischen und
tigrischen Rebellen, Bürgerkrieg im Sudan, die von
Mauretanien gegen seine schwarze Bevölkerung im
Süden ergriffenen Maßnahmen und die Gewalt unter
den Schwarzen in Südafrika hatten Hunderte von
Toten in einigen und Tausende in anderen Ländern zur
Folge. Das Versagen der sudanesischen Regierung
bei der Nahrungsmittelbeschaffung könnte im Jahr
1991 zu einer größeren Hungersnot im südliche Sudan
führen.
In Mittelamerika machte die Wahl und Amtsübernahme einer demokratischen Regierung in Nicaragua die
repressive Diktatur Fidel Castros zum letzten marxistisch-leninistischen Regime in der Region. Nach fast
17jähriger Militärherrschaft traten ein demokratisch
gewählter Präsident und Kongreß in Chile ihr Amt an.
In freien und fairen Wahlen wurde auf Haiti ein neuer
Präsident gewählt. Demokratisch gewählte Regierungen und Achtung der Menschenrechte verfestigten
sich in anderen Ländern des Kontinents, obwohl der
Kampf um Demokratie in Surinam andauert. In vier
demokratischen Ländern - Kolumbien, El Salvador,
Guatemala und Peru - verursachten linke Rebellen (in
Kolumbien und Peru zeitweise mit Drogenhändlern
verbündet) und die Überreaktion der staatlichen Sicherheitskräfte zahlreiche Todesfälle unter der Zivilbevölkerung in El Salvador, Hunderte in Kolumbien und
Guatemala und 3 000 bis 4 000 in Peru.
Auf dem riesigen asiatischen Kontinent gibt es höchst
unterschiedliche kulturelle Bräuche und politische
Systeme. Einige der positiven wie auch der negativen
Entwicklungen, die in anderen Teilen der Welt beobachtet werden konnten, betrafen auch eine Reihe
asiatischer Länder. Zwei extrem unterschiedliche
Länder - die marxistisch-leninistische Mongolei und
die traditionelle Monarchie Nepal - schlugen im Verlauf
des Jahres den Kurs zur Demokratie ein. Es besteht

jetzt Hoffnung, daß die Demokratie in Bangladesch
Fuß faßt. In China, Nordkorea, Vietnam und in etwas
geringerem Umfang in Laos, Kambodscha und Afghanistan ist Marxismus-Leninismus weiterhin die offizielle Ideologie. Nordkorea ist nach wie vor eines der
repressivsten Regime der Welt.
In China waren auch im Jahr 1990 ernsthafte Menschenrechtsverletzungen zu verzeichnen. Ende des
Jahres befanden sich immer noch Hunderte von Chinesen wegen ihrer Beteiligung an der demokratischen
Bewegung in Haft während Studenten und Intellektuelle, die bei den Protesten des Jahres 1989 eine Führungsrolle übernommen hatten, unter Anklage gestellt
und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

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�Die Situation in Burma ist von grausamer und brutaler
Repression gegen alle politischen Dissidenten gekennzeichnet. Die Militärregierung hatte freie Wahlen
zugelassen und sich dann geweigert, das Ergebnis
anzuerkennen und mißachtete damit den überwältigenden Wunsch des Volkes nach Rückkehr zur parlamentarischen Demokratie.
Die beiden südasiatischen Demokratien Indien und Sri
Lanka wurden von durch ethnische, religiöse und
politische Differenzen ausgelösten Konflikten erschüttert, die Tausende von Toten in diesen beiden Ländern
zur Folge hatten.
In den besetzten Gebieten hält die palästinensische
Intifada an. In Israel und den besetzten Gebieten
wurden insgesamt 148 Palästinenser und 17 Israelis
bei Gewaltakten zwischen Palästinensern und Israelis
getötet, und 145 Menschen starben bei Terroranschlägen der Palästinenser untereinander.
Nun, da die Bilanz der Menschenrechtssituation für
1990 gezogen ist und wir auf weitere Fortschritte im
Jahr 1991 hoffen, wird eine Kernfrage von der Sowjetunion gestellt. Wird die Kombination von verkrusteten
konservativen Kräften, wirtschaftlicher Unsicherheit
und sozialem Aufruhr die Reformära beenden? Oder
werden - alternativ - die unterschiedlichen demokratischen Kräfte und die Verfechter der freien Marktwirtschaft den Gegenangriff der Betonköpfe abwehren
und die bisher erzielten Fortschritte im Bereich der
Menschenrechte verfestigen und institutionell verankern? Wenn ja, wird ihr Erfolg nicht nur in der Sowjetunion sondern auch in der übrigen Welt spürbar sein.
Eine weitere wichtige Region, die im Auge behalten
werden muß, ist Afrika südlich derSahara. Werden die
ersten Anzeichen von Demokratisierung zu weiteren
wichtigen politischen Bewegungen reifen? Werden
die autoritären Regime der Region freie und faire
Wahlen zulassen und dann die Macht friedlich an die
vom Volk Gewählten abgeben?
Und schließlich stellt sich die Frage nach den Folgen
des Vorgehens der internationalen Staatengemeinschaft, dem von Saddam Hussein ausgelösten Verbrechen ein Ende zu bereiten. Welche Nebenwirkungen werden sie auf die internationale Unterstützung
der Menschrechtsgrundsätze haben?
Definition der Menschenrechte
Die Menschenrechte, wie in Abschnitt 116(a) des
Gesetzes über Auslandshilfe definiert, umfassen Schutz
vor Folter oder anderen grausamen, unmenschlichen
oder entwürdigenden Formen der Behandlung oder
Bestrafung, vor längerer Inhaftierung ohne Anklage,
Entführung oder Festsetzung sowie jeder anderen
eklatanten Verweigerung des Rechts auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. International anerkannte Arbeitnehmerrechte, wie in Abschnitt 502(a)
des Handelsgesetzes definiert, umfassen (A) Koalitionsfreiheit, (B) das Recht, sich gewerkschaftlich zu

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organisieren und Tarifverhandlungen zu führen, (C)
Verbot irgendeiner Form von erzwungener oder Zwangsarbeit, (D) ein Mindestalter für die Beschäftigung von
Kindern, und (E) akzeptable Bedingungen im Hinblick
auf Mindestlöhne, Arbeitszeit, Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.
Zusätzlich zur Erörterung der im Gesetz niedergelegten Punkte erstrecken sich unsere Berichte wie in den
vergangenen Jahren auch auf andere international
anerkannte politische und bürgerliche Rechte und
beschreiben das politische System jedes Landes.
Bei der Anwendung dieser international anerkannten
Normen versuchen wir, objektiv zu sein. In den Berichten findet jedoch offenkundig die amerikanische Sichtweise ihren Niederschlag, daß das Recht auf Selbstbestimmung ein grundlegendes politisches Recht ist,
daß Regierungen nur rechtmäßig sind, wenn sie auf
die Zustimmung des Volkes gegründet sind, und daß
solcherart gegründete Regierungen niemals Leben,
Freiheit und das Streben nach Glück verweigern sollten. Der einzelne in der Gesellschaft hat das unveräußerliche Recht auf Schutz vor Verletzung der Würde
des Menschen durch den Staat. Er hat das unveräußerliche Recht auf bürgerliche Freiheiten wie Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit sowie
Freizügigkeit ohne Diskriminierung aufgrund von Rasse,
Herkunft oder Geschlecht und das Recht, seine Regierung auf friedlichem Wege zu ändern. Der Bericht trägt
darüber hinaus der Tatsache Rechnung, daß Terroristen und Guerrillagruppen häufig töten, foltern, Menschen zu Krüppeln machen oder sie ihrer Freiheiten
berauben. Solche Verstöße sind ebenso verwerflich,
wenn sie von gewalttätigen Gegnern der Regierung
begangen werden wie von der Regierung selbst.
Wir haben festgestellt, daß das Konzept wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Rechte von repressiven
Regierungen häufig - gelegentlich absichtlich - verwischt wird, die vorgeben, um diese "Rechte" zu
fördern, könnten sie ihren Bürgern das Recht auf
Unantastbarkeit der Würde des Menschen ebenso wie
politische und bürgerliche Rechte verweigern. Es
besteht ein fundamentaler Zusammenhang zwischen
Menschenrechten und der Wirtschaftsentwicklung. Die
Erfahrung lehrt, daß die Freiheit des einzelnen den
Weg für wirtschaftliche und soziale Entwicklung ebnet
und Repression sie erstickt. Diejenigen, die versuchen, die Unterordnung politischer und bürgerlicher
Rechte mit dem Argument zu rechtfertigen, sie konzentrierten sich auf wirtschaftliche Bestrebungen, erreichen zweifelsohne keines von beiden. Aus diesem
Grund erachten wir es für zwingend notwendig, die
Aufmerksamkeit vornehmlich auf Verletzungen grundlegender politischer und bürgerlicher Rechte zu lenken. Wenn diese Grundrechte nicht gewährleistet
sind, werden - wie die Erfahrung lehrt - auch die Ziele
der Wirtschaftsentwicklung nicht erreicht. Diesen Punkt
scheinen die Reformkräfte in der Sowjetunion erkannt
zu haben.

Seite 3

�Die Menschenrechtspolitik der Vereinigten StaaAusgehend von der Prämisse, daß grundlegende
Menschenrechte weder eingeschränkt noch verwehrt
werden dürfen, folgt, daß unsere Menschenrechtspolitik sich mit der Begrenzung der staatlichen Macht
befaßt, die erforderlich ist, um die Unantastbarkeit der
Würde des einzelnen zu gewährleisten. Darüber hinaus liegt es in unserem nationalen Interesse, demokratische Prozesse zu fördern, um ein für die Wahrung der
Menschenrechte günstigeres Umfeld zu schaffen, das
somit Stabilität und Frieden dienlich ist. Aus diesem
Grund haben wir eine zweigleisige Politik entwickelt,
die in dem Sinne reaktiv ist, daß wir weiterhin bestimmte Menschenrechtsverletzungen ablehnen, wo immer
sie stattfinden, die jedoch gleichzeitig aktiv auf die
langfristige Stärkung der Demokratie hinarbeitet.
In einem Großteil der Welt haben die Vereinigten
Staaten eine Vielfalt von Mitteln zur Verfügung, um auf
Menschenrechtsverletzungen zu reagieren. Wir nutzen die herkömmliche Diplomatie, insbesondere mit
freundlich gesinnten Regierungen, mit denen ein offener diplomatischer Austausch möglich und konstruktiv
ist. Wo die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten
begrenzt sind, mittels bilateraler Beziehungen maßgeblichen Einfluß auszuüben, greifen wir auf öffentlich
abgegebene Erklärungen unserer Besorgnis zurück
und lenken die Aufmerksamkeit auf die Länder, in
denen die Achtung der Menschenrechte nicht gegeben ist. In einer Reihe von Fällen machen wir uns eine
Mischung herkömmlicher Diplomatie und öffentlicher
Bekräftigung der amerikanischen Interessen an dem
Problem zunutze.
Darüber hinaus verwenden die Vereinigten Staaten
eine Reihe von Mitteln, um die Wahrung der Menschenrechte auf lange Sicht zu ermutigen. Seit 1983

hat die Nationale Stiftung für Demokratie Programme
mit dem Ziel durchgeführt, demokratische Praktiken
im Ausland zu fördern, an denen sich die beiden
größten politischen Parteien der Vereinigten Staaten,
Gewerkschaften, Geschäftsleute und zahlreiche Privatinstitutionen beteiligen. Gemäß Abschnitt 116(e)
des Gesetzes über Auslandshilfe werden vom Amt für
internationale Entwicklung Mittel für Programme bereitgestellt, die auf die Förderung bürgerlicher und
politischer Rechte im Ausland ausgerichtet sind. Darüber
hinaus streben wir durch die Tätigkeit der Vereinten
Nationen und anderer internationaler Organisationen
sowie mit den von der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa ausgearbeiteten Verfahren größeres internationales Engagement beim Schutz
der Menschenrechte und bei der Achtung von Demokratie an.
Die Erstellung der Jahresberichte bildet ein wichtiges
Element unserer Menschenrechtspolitik. Da dieser
Prozeß die kontinuierliche und öffentlich bekanntgegebene Konzentration auf Menschenrechte beinhaltet, hat er zur Verbesserung der internationalen Tagesordnung zu Menschenrechtsfragen beigetragen.
Zahlreiche Länder, die starke Verfechter der Menschenrechte sind, unternehmen eigene Schritte zur
Berichterstattung über die Menschenrechtssituation
und haben Büros gegründet, die speziell für die internationale Menschenrechtspolitik zuständig sind. Selbst
in Ländern ohne eine besonders gute Bilanz in Menschenrechtsfragen nimmt die Empfänglichkeit für diese Berichte zunehmend die Form konstruktiver Reaktion an, oder zumindest die Bereitschaft, sich an einer
Diskussion der Menschenrechtspolitik zu beteiligen.
Indem er das Außenministerium zur Erstellung dieser
Berichte auffordert, hat der Kongreß ein nützliches
Instrument geschaffen, um die Sache der Menschenrechte voranzubringen.

* * * * *

Seite 4

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�GOLFKRIEG
6. Februar 1991

WIE DER IRAK SEINE KRIEGSMASCHINERIE
AUFBAUTE
Hintergrundinformation über die Umgehung von Exportkontrollen

WASHINGTON - (AD) - Der legendäre Waffenkonstrukteur und -händler Gerald Bull, der beeindruckendes militärisches Gerät für den Irak entwickelte, war
nur einer von vielen, die zum Aufbau von Saddam
Husseins Kriegsmaschinerie beitrugen, zu der bereits
1974 auch chemische Waffen gehörten.
Bis im Januar die Bombenangriffe der alliierten Streitkräfte begannen, glaubte man, der Irak verfüge über
mindestens fünf Einrichtungen zur chemischen Kriegführung. Die bekannteste ist der riesige Komplex in
Samarra mit zur Herstellung von zwei Nervenkampfstoffen - Tabun und Sarin - sowie Senfgas ausgelegten
Lagerbunkern und Produktionsstätten.
Unter häufiger Umgehung des Exportkontrollsystems
und indem er sich Iraks politische Verbündete im
iranisch-irakischen Krieg zunutze machte, erwarb
Saddam Hussein in den vergangenen zehn Jahren
Material für C-Waffen- und Nuklearprogramme.
Obwohl der Irak ein Signatarstaat des Nichtverbreitungsvertrags (NPT) ist und seine Nuklearanlagen den
Schutzvorschriften der Internationalen AtomenergieOrganisation (IAEO) unterliegen, "belegen eindeutige
Beweise, daß der Irak Ende der siebziger und in den
achtziger Jahren beabsichtigte, die Fähigkeit zur Produktion von Nuklearwaffen zu erwerben", so der Experte für politisch-militärische Angelegenheiten am
Washingtoner Institut für Nahostpolitik, Michael Eisenstadt.
Eines der Hauptprobleme, mit denen sich die Staaten
bei der Durchführung internationaler Exportkontrollen
konfrontiert sehen, sind absichtliche Versuche, die
Lieferanten über den wahren Zweck der Beschaffung
zu täuschen. Illegale Technologie kann durch Aufteilung der Aufträge in scheinbar unzusammenhängende
Gruppen von Einzelteilen und Vergabe an unterschied-

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liche internationale Lieferanten erworben werden, um
die Lizensierung, Exportkontrollen und Zollbestimmungen der Länder zu umgehen, in denen die Lieferanten
ihre Produktionsstätten haben.
Im April 1990 beschlagnahmten britische Zollbeamte
riesige Stahlzylinder, die der Irak zur angeblichen
Verwendung in der petrochemischen Industrie in
Großbritannien bestellt hatte. Westliche Militärexperten gelangten jedoch zu dem Schluß, daß diese Teile
- zusammen mit von anderen Ländern erworbenen verwendet werden konnten, um eine von Gerald Bull
entworfene Kanone zu bauen, die chemische oder
nukleare Granaten mehrere hundert Kilometer weit
schießen kann.
Britischen Beamten zufolge waren die Rohre für ein 40
Meter langes Artilleriegeschütz bestimmt, mit dem der
Irak in der Lage wäre, nukleare oder Nervengasgranaten auf Israel oder den Iran abzufeuern. Darüber
hinaus hatte Eagle Trust PLC, eine Tochtergesellschaft der britischen Herstellerfirma, einen dringenden
Auftrag zur Herstellung eines "Positionierungsmechanismus" (Zielmechanismus) erhalten, mit dem das
riesige rohrähnliche Gerät in einem Winkel von 60°
herumgeschwungen werden könnte. "Niemand von
uns hat je von einem Ölrohr gehört, das 60° zur Seite
geschwungen werden muß", wurde der Vorsitzende
von Eagle Trust, David James, in einem Artikel des
Wall Street Journal vom April 1990 zitiert.
Der Irak bestand jedoch weiterhin darauf, daß die
langen Röhren mit einem Innendurchmesser von 1
Meter zur Verwendung in einer petrochemischen Anlage bestimmt seien.
Der Irak importierte ferner "Mehrzweckteile", für die
bei der Lizenzvergabe ein harmloser Zweck angegeben wird, die jedoch tatsächlich in Nukleartechnologie

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�umgewandelt werden. In 40 solcher den Irak betreffenden Fälle laufen dem amerikanischen Zollamt zufolge jetzt Gerichtsverfahren oder Ermittlungen.
Als der Irak 1987 versuchte, sein Nuklearwaffenprogramm nach der Bombardierung des Osiraq-Reaktors
im Jahr 1981 wiederaufzubauen und an mehrere Orte
zu verlegen, begannen die Iraker Technologie zur
Urananreicherung durch die Gaszentrifugenmethode
zu erwerben.
In Europa schufen irakische Beamte ein Netz von
Briefkastenfirmen und militärischen Beziehungen in
vier Kontinenten, um ihre Beschaffungsbestrebungen
zu verschleiern. Einige dieser Firmen haben Anteile an
anderen europäischen Hochtechnologiekonzemen mit
nuklearen und konventionellen Waffenfähigkeiten
erworben, berichtete die New York Times im Dezember 1990.
Dem Times-Bericht zufolge wurde gegen 25 Firmen
wegen ihrer Beteiligung an dem irakischen Beschaffungsnetz ermittelt.
Im Juli 1990 vereitelte die amerikanische Regierung
die irakischen Bemühungen, von der Consarc Corporation in New Jersey einen "Skull" Hochofen zu erwerben. Britische und amerikanische Experten erklärten,
der Hochofen arbeite mit Temperaturen, die Plutonium
und Uran zur Verwendung im Atombombenkern und
Titan für Raketenspitzen und andere entscheidende
Raketenteile schmelzen.
"Der Skull-Hochofen sollte durch drei weitere Hochöfen ergänzt werden: einen Elektronenstrahlofen von
Consarc sowie Hochöfen für Vakuuminduktion und
Wärmebehandlung von Consarcs britischer Tochtergesellschaft", so der Direktor des Wisconsin-Projekts
zur nuklearen Rüstungskontrolle, Professor Gary
Milhollin. "Gemeinsam eingesetzt, hätten die vier
Hochöfen ein umfangreiches Fabrikationsprogramm
ergeben, das den Bedarf des Irak an der von ihm
vorgegebenen Anfertigung von Prothesen für die Opfer
des iranisch-irakischen Kriegs bei weitem überstieg",
erklärte Milhollin im September 1990 vor einem Ausschuß des amerikanischen Kongresses.
Anläßlich eines ähnlichen irakischen Beschaffungsmanövers in Europa berichte das Wochenmagazin
Der Spiegel im Dezember 1989, der Irak habe zwischen 1987 und 1989 vermutlich spezielle Drehbänke
zur Herstellung von Gaszentrifugen von der deutschen
Firma H. und H. Metallform, GmbH, in Drensteinfurt
erhalten. Gegen das Unternehmen läuft ein Ermittlungsverfahren westdeutscher Behörden.
In einem weiteren berüchtigten Fall war der Irak nicht
erfolgreich bei dem Versuch, von der kalifornischen
Firma Maxwell Laboratories Inc. 185 Hochleistungskondensatoren zu beschaffen, die zur Detonation
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nuklearer Gefechtsköpfe in großen Höhen verwendet
werden können. Von Maxwell im Mai 1989 informierte
Zollbeamte verhinderten die Lieferung der Kondensatoren an das irakische Ministerium für Hochschulausbildung und wissenschaftliche Forschung, da sie für
militärische Zwecke umgerüstet werden könnten.
Die irakischen Einkäufer wandten sich als nächstes an
die mit dem amerikanischen Zoll zusammenarbeitende kalifornische Firma CSI Technologies. Die Kondensatoren wurden durch Attrappen ersetzt und von CSI
an den Auftragnehmer Euromac Ltd., eine irakische
Briefkastenfirma mit Sitz in London verschifft. Der
Geschäftsführer von Euromac, Ali Ashour Daghir,
wurde von den britischen Behörden verhaftet. Irakische Ingenieure in den Vereinigten Staaten, die bei
früheren Einkäufen mit Maxwell zusammengearbeitet
hatten, wurden ebenfalls verhaftet. Alle wurden am 31.
März 1990 in Kalifornien unter Anklage gestellt.
Am 8. Mai 1990 gab Saddam Hussein bekannt, der
Irak habe ein geheimes elektronisches Gerät erworben, das zur Detonation einer Atombombe geeignet
sei und der Irak die Zünder selbst herstellen könne.
Amerikanischen Beamten zufolge hätte der Irak vermutlich nicht versucht, hochwertige Kondensatoren
aus den Vereinigten Staaten zu schmuggeln, wenn er
der Erforschung ihrer Herstellungstechnik so nahe
war. In einer Sendung des irakischen Fernsehens
erklärte Saddam Hussein später, "Wir brauchen keine
Atombombe. Wir haben die Mehrzweckchemikalien."
Der Irak "verfügt jetzt über das größte C-Waffenprogramm der Dritten Welt", erklärte CIA-Direktor William
Webster im September 1990 vorder Au ßenpolitischen
Gesellschaft in New York und fügte hinzu, "noch
beunruhigender ist das ehrgeizige Raketenentwicklungsprogramm des Irak - das aggressivste und modernste
der arabischen Welt. Er (Saddam Hussein) verfügt
heute über ein breites Spektrum an Trägeroptionen."
In einem Presseinterview erklärte Webster Mitte Dezember, die irakischen Streitkräfte hätten einen Bestand von rund 1 000 Tonnen todbringender chemischer Kampfstoffe zur Verfügung, mit "denen praktisch jeder Waffentyp bestückt ist". Bei der ersten
öffentlichen Bestätigung der irakischen Fähigkeit durch
einen amerikanischen Regierungsvertreter stellte
Webster fest, zum Bestand gehöre auch ein "seßhafter" Nervenkampfstoff.
Bei der Anhörung vor dem Kongreß warnte Milhollin:
"Der Irak steht heute zu Recht im Mittelpunkt unserer
Besorgnis, aber auch in anderen Ländern der dritten
Welt machen die Militärprogramme Fortschritte, und
wenn wir keine wirksamen Mittel zur Bewältigung
dieses Problems finden, werden wir weitere Operationen wie Wüstenschild durchführen müssen", um
andernorts den von Waffenlieferanten angerichteten
Schaden zu beheben.
*

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�HAUSHALT
6. Februar 1991

US-VERTEIDIGUNGSHAUSHALT SIEHT
ABBAU DER STREITKRÄFTE VOR
Auszüge aus dem Haushaltsentwurf für 1992-1993
WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Cheney legte dem Kongreß am 4. Februar 1991 einen Haushaltsentwurf für die nächsten beiden Jahre vor, der einen Abbau der Streitkräfte fordert, um den sich wandelnden
Gegebenheiten in der Sowjetunion und Osteuropa sowie der vorgesehenen Reduzierung konventioneller und
strategischer Rüstungen Rechung zu tragen.
Im neuen Haushalt sind die Ausgaben für die Operation Wüstensturm nicht berücksichtigt, die in einem Zusatz
zur Haushaltsvorlage behandelt werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Verteidigungshaushalt in wesentlichen Auszügen.

Der Haushaltsentwurf des amerikanischen Verteidigungsministeriums für 1992 fordert eine Ausgabeermächtigung in Höhe von 278,3 Milliarden Dollar sowie
283,0 Milliarden an Ausgaben. Inflationsbereinigt
bedeutet dies eine reale Abnahme der Ausgabeermächtigung von 1 Prozent verglichen mit 1991, von 12
Prozent verglichen mit 1990 und 24 Prozent verglichen
mit 1985. Der Etat für das Haushaltsjahr 1993 beläuft
sich auf 277,9 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigungen und 279,1 Milliarden an Ausgaben. Im Haushaltsjahr 1996 wird die reale Abnahme seit 1985
insgesamt 34 Prozent betragen.
Der Umfang der Ausgabeermächtigung des Pentagon
für die Haushaltsjahre 1991 bis 1995 deckt sich mit der
beim Haushaltsgipfel im vergangenen Herbst festgelegten Obergrenze für nationale Verteidigungsausgaben. Das bedeutet, die Ausgabeermächtigung des
Pentagon von rund 278 Milliarden Dollar wird mit
Beginn des Haushaltjahres 1992 eingefroren. Die
gesamte Ausgabeermächtigung des Verteidigungsministeriums für die Haushaltsjahre 1991 bis 1995 wird
131 Milliarden Dollar weniger betragen als den Schätzungen im Haushaltsentwurf des Präsidenten vom
Januar 1990 zufolge. Nach der realen Abnahme von
11,3 Prozent im Haushaltsjahr 1991 wird sich die
Ausgabeermächtigung des Pentagon in realen Zahlen
bis zum Haushaltsjahr 1996 durchschnittlich um 3
Prozent verringern.
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Die Ausgaben des Verteidigungsministeriums als
Prozentsatz des Bruttosozialprodukts (BSP) der Vereinigten Staaten werden im Haushaltsjahr 1996 voraussichtlich auf 3,6 Prozent fallen - den niedrigsten
Stand seit den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg. Sie
liegen damit weit unter den rückläufigen Verteidigungsausgaben der siebziger Jahre von 4,7 Prozent.
Operation Wüstenschild / Operation Wüstensturm
Beim Haushaltsgipfel 1990 wurde vereinbart, daß die
mit Operation Wüstenschild verbundenen zusätzlichen Kosten als Notstandsfonds behandelt werden
und nicht unter die in der Vereinbarung enthaltenen
Verteidigungsbegrenzungen fallen. Im Verteidigungsetat des Präsidenten für die Haushaltsjahre 1992 und
1993 und den prognostizierten langfristigen Ausgaben
sind diese Kosten einschließlich des möglichen Pentagon-Bedarfs infolge der Operationen Wüstenschild
und Wüstensturm nicht berücksichtigt. Es ist möglich,
daß ein Teil der Programmentscheidungen im Haushaltsentwurf für 1992 und 1993 im Anschluß an die
Golfkrise angepaßt werden müssen.
Im Haushaltsjahr 1990 wurden die mit Operation
Wüstenschild und gestiegenen Ölpreisen verbundenen zusätzlichen Kosten durch eine Umschichtung
bereits bewilligter Pentagon-Mittel (800 Millionen) und
eine Nachtragsbewilligung in Höhe von 2,1 Milliarden

Seite 1

�Dollar abgedeckt. Die zusäztlichen Kosten für Operation Wüstenschild/Wüstensturm für das Haushaltsjahr
1991, die nicht durch Beiträge der Verbündeten oder
Verrechnung mit anderen Verteidigungsposten erfaßt
sind, werden in einem Nachtrag behandelt.

leisten. Effizienterer Beschaffung wird besondere
Aufmerksamkeit gewidmet. Dieses Ziel beinhaltet die
Finanzierung kontinuierlicher Produktionsquoten für
entscheidende Programme sowie die Einstellung weniger
wichtiger Programme.

Wichtigste Punkte des Pentagon-Haushaltsentwurfs für 1992-1993

Streitkräftestruktur

Die Haushaltsvorlage der Administration für 1992 und
1993 ist die erste Aufstellung des umfassenden, von
1992 bis 1997 ausgelegten Verteidungsprogramms
des Pentagon. Das Programm ist das Ergebnis einer
gründlichen Analyse des Verteidigungsministeriums
der zur Unterstützung der neuen amerikanischen
Verteidigungsstrategie erforderlichen Fähigkeiten, die
formuliert wurde, um die Bedrohungen abzuwehren,
mit denen sich die Nation in den neunziger Jahren
wahrscheinlich befassen muß. Das Hauptziel ist die
Rationalisierung und Umstrukturierung der amerikanischen Streitkräfte, um diese notwendigen Fähigkeiten
auch angesichts der prognostizierten Haushaltsengpässe bereitstellen zu können.
Der Haushaltsentwurf des Pentagon für 1992 und
1993 setzt Prioritäten, die sich direkt aus der neuen
Strategie ergeben. Rasche Reaktion auf internationale Krisen erfordert die Aufrechterhaltung der aktuellen
hohen Qualität und herausragenden Fähigkeiten der
amerikanischen Streitkräfte, insbesondere in Anbetracht der Reduzierung ihrer Gesamtstärke. Dies
wiederum erfordert kontinuierliche Unterstützung der
hohen Qualität des amerikanischen Militärs, energische Verteidigungsforschung und -entwicklung, die
Inbetriebnahme modernster militärischer Systeme zum
frühestmöglichen Zeitpunkt sowie die Erhaltung entscheidender Elemente der industriellen und technologischen Basis der Vereinigten Staaten. Dank dieser
Prioritäten kann das US-Verteidigungsministerium femer
gegebenenfalls ein umfassenderes Einsatzkonzept
wiederherstellen.
Eine weitere Priorität ist die Fähigkeit, Streitkräfte
unverzüglich in Gebiete von strategischem Interesse
für die Vereinigten Staaten zu verlagern. Die neue
Strategie erfordert darüber hinaus, daß die amerikanischen Streitkräfte ihre traditionell hohe Einsatzbereitschaft aufrechterhalten. Um eine glaubwürdige nukleare Abschreckung sicherzustellen, unterhält das
Pentagon starke nukleare Offensivstreitkräfte sowie
eine strategische und gefechtsfeldgebundene Verteidigung, um sich gegen aktuelle und zukünftige nukleare Bedrohungen zu schützen.
Der Haushaltsentwurf des Pentagon spiegelt ferner
Verteidigungsminister Cheneys Verpflichtung zur
weiteren Verbesserung der Verwaltung und Rationalisierung der amerikanischen Verteidigungsinfrastruktur wider, um bei zunehmender Verknappung der
Ressourcen den höchsten Sicherheitswert zu gewähr-

Seite 2

In Anbetracht der geringeren Wahrscheinlichkeit eines
weltweiten Konflikts enthält der Etat für 1992-93 Reduzierungen der amerikanischen Streitkräftestruktur, die
eine Fortsetzung des sorgfältig abgestuften Plans
darstellen, die für die neue Strategie und Bedrohungsanalyse festgesetzten Streitkräfteziele zu verwirklichen. Bis Ende des Haushaltsjahres 1995 werden die
amerikanischen Streitkräfte sich diesen Zielen angenähert haben und weit unter dem Niveau des Jahres
1990 liegen. Bis zum Haushaltsjahr 1995 wird auch
eine umfassende Umstrukturierung der Streitkräfte
erfolgt sein, um die neue Strategie so wirksam wie
möglich zu unterstützen.
Die strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten
sollen im Einklang mit den Erwartungen bezüglich
Rüstungskontrollabkommen reduziert werden und das
Pentagon in die Lage versetzen, mit möglichst niedrigen Kosten eine glaubwürdige strategische Abschrekkung aufrechtzuerhalten. Die Ausmusterung der
Minuteman Il-Streitmacht beginnt Anfang des Haushaltsjahres 1992, die von Unterseebooten mit der
veralteten Poseidon-Rakete soll beschleunigt werden.
In den neunziger Jahren wird die gegenwärtig 34 mit
Poseidon- und Trident-Raketen bestückte Einheiten
umfassende Flotte auf 18 mit Trident I (C-4) und
Trident II (D-5) ausgerüstete Einheiten reduziert. Die
strategischen Bomber werden mit der Ausmusterung
älterer B-52 und der Umrüstung des FB-111 zum
taktischen Einsatz von 268 im Haushaltsjahr 1990 auf
171 im Jahr 1993 abgebaut.
Die konventionellen Streitkräfte der Vereinigten Staaten werden so umstrukturiert, daß sie die neue Strategie optimal unterstützen können. Zu der umstrukturierten Streitmacht gehören umfangreiche Luft- und
Seetransportfähigkeiten, umfassende und außerordentlich effektive See- und Landungsstreitkräfte, ein
breites und hochmodernes Spektrum von Kampfflugzeugen, leichte und schwere Heeresdivisionen sowie
entsprechende Spezialeinheiten.
Bis Ende des Haushaltsjahres 1993 gelten - verglichen
mit 1990 - folgende Zahlen: bei der US-Armee werden
6 (4 aktive) Divisionen aufgelöst, bei der US-Marine 81
Kampfschiffe und bei der US-Luftwaffe 9 (8 aktive)
taktische Jagdgeschwader ausgemustert. Weitere im
Etatentwurf enthaltene Änderungen betreffen die
Ausmusterung älterer Angriffs-U-Boote und amphibischer Kriegsschiffe sowie der beiden verbliebenen
Schlachtschiffe.

AMERIKA DIENST 5

�Personalprogramme
Im Zusammenhang mit der Rationalisierung der amerikanischen Streitkräfte wird die Truppenstärke in den
kommenden Jahren beträchtlich abnehmen. Bis Ende
des Haushaltsjahres 1995 wird die Truppenstärke der
aktiven Streitkräfte auf 1 653 000 Mann abgebaut und
liegt damit 24 Prozent unter dem höchsten Stand nach
dem Vietnamkrieg im Haushaltsjahr 1987. Im Haushaltsjahr 1995 beträgt die Sollstärke an Reservisten
906 000 Mann und liegt 21 Prozent unter der des
Haushaltsjahres 1987.
Obwohl die Gesamttruppenstärke abnehmen wird,
bleiben die Gehaltszahlungen und andere zur Aufrechterhaltung der hohen Qualität und Moral der
amerikanischen Streitkräfte gedachten Anreize des
Verteidigungsministeriums unverändert. Im Haushaltsentwurf werden Lohnerhöhungen von 4,2 Prozent
und 4,7 Prozent für die Haushaltsjahre 1992 und 1993
gefordert. Diese Vorschläge gründen sich auf die im
Personalkostenindex prognostizierten Zuwächse.
Im Haushaltsjahr 1993 wird die Zahl der zivilen Angestellten auf 976 000 reduziert und liegt damit um 9
Prozent unter den Zahlen des Haushaltsjahres 1990.
Den Prognosen zufolge soll die Zahl der zivilen Angestellten bis zum Haushaltsjahr 1995 auf 940 000 abgebaut werden - rund 17 Prozent unter dem mit 1 133 000
Beschäftigten höchsten Stand nach dem Vietnamkrieg im Haushaltsjahr 1987. Dieser Rückgang ist auf
die ausgedünnte Streitkräftestruktur und Verbesserungen in der Pentagon-Verwaltung zurückzuführen.
Einsatzbereitschaft
Die vorgesehenen Reduzierungen der amerikanischen
Streitkräfte machen die Aufrechterhaltung ihrer Einsatzbereitschaft und des qualitativen Vorteils über
mögliche Gegner unabdingbar. Die Haushalts vorläge
für 1992-1993 umfaßt Ausgaben für Ausbildung, Wartung
und andere wichtige Posten in ausreichendem Umfang, um den traditionell hohen Bereitschaftsgrad der
amerikanischen Streitkräfte aufrechtzuerhalten.
Dem Haushaltsentwurf zufolge soll die Ausbildung in
etwa mit demselben Tempo wie im Haushaltsjahr 1991
erfolgen. Aktive Ausbildungsoperationen der US-Armee
zu Lande und in der Luft belaufen sich weiterhin auf

*

AMERIKA DIENST 5

800 Meilen pro Jahr für Kampffahrzeuge und 14,5
Flugstunden monatlich für Besatzungen taktischer
Flugzeuge. Die Seetage der US-Marine bleiben mit
50,2/29,0 Tagen pro Quartal für stationierte/nichtstationierte Flottenverbände unverändert. Die Flugstunden für aktive Besatzungen taktischer Flugzeuge
werden mit 19 Stunden pro Monat auf dem gleichen
Stand gehalten.
Investitionen
In den Haushaltsjahren 1992-1993 wird die Erprobung
moderner Waffensysteme fortgesetzt, obwohl zahlreiche Programme unter Berücksichtigung des sich
abzeichnenden Bedarfs und der Notwendigkeit angepaßt wurden, die Beschaffungspläne mit den gekürzten Verteidigungsausgaben in Einklang zu bringen.
Beim B-2-Bomber, dem C-17-Transportflugzeug, dem
SSN-21-Angriffs-U-Boot und den Milstar-Fernmeldesatellitenprogrammen wurden beispielsweise größere
Anpassungen vorgenommen.
Die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) wird
modifiziert und soll umfassenden Schutz gegen begrenzte Schläge ballistischer Raketen gleich welcher
Herkunft bieten. Die Modifizierung ermöglicht umfangreiche Einsparungen - verglichen mit dem früheren
Plan rund 20 Prozent im Verlauf der nächsten 6 Jahre.
Für die Haushaltsjahre 1992 und 1993 werden 4,6
beziehungsweise 4,9 Milliarden Dollar für SDI gefordert.
Die von der US-Armee im Jahr 1980 begonnenen umfassenden Modernisierungsbestrebungen bei den konventionellen Streitkräften sind nahezu abgeschlossen. Beim Leichten Hubschrauber und gepanzerten
Fahrzeugen werden jedoch weiterhin entscheidende
Entwicklungen vorgenommen.
Der Abbau militärischer Stützpunkte wird mit Auflösung oder Schließung von 86 Stützpunkten im Inland
und 139 in Übersee fortgesetzt. Darüber hinaus
werden 5 inländische Stützpunkte vorübergehend
geschlossen und weitere 25 im Ausland abgebaut. Im
Jahr 1991 wird eine neu gebildete Kommission die
Vorschläge von Verteidigungsminister Cheney zur
weiteren Schließung und Umrüstung von Stützpunkten prüfen sowie Empfehlungen als Entscheidungshilfe für den Präsidenten und den Kongreß erarbeiten.

* * *

*

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                <text>&lt;strong&gt;1. Reorganisation der Kreisverwaltungen in den USA&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tendenz zur Entbürokratisierung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Atomforschung - Atomtechnik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Biogenese mit Hilfe atomarer Strahlung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorbildlicher Gefahrenschutz in amerikanischen Kernenergiebetrieben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Amerika: Land der Musik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;29 Millionen Laien spielen ein Instrument&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerika hat Osteuropa nicht vergessen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Erklärung des US-Chefdelegierten bei den UN, Henry Cabot Lodge jr., vom 28. Februar 1957&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. März 1S85

10
1
INHALT

&gt;

DOKUMENTATION
Nltze: Amerikanisch-sowjetische Rüstungskontrollverhandlungen
werden schwierig
- Erklärung des Abrüstungsberaters vor dem US-Senat MX-Rakete wesentlich für Aufrechterhaltung der Abschreckung
- Anhörung vor dem Militärausschuß des Senats -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
USA richten Supercomputer-Zentren ein
Metalle in Medikamenten
- Schlüsselmoleküle:

Komplexverbindungen -

* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel-: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�6. März 1983

10

NITZE: AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
WERDEN SCHWIERIG

- Erklärung des Abrüstungsberaters vor dem US-Senat -

WASHINGTON - (AD) - Botschafter Paul Nitze warnte am 26. Februar 1985
vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Senats vor übertriebenen Hoffnungen auf rasche Ergebnisse bei den anstehenoen amerikanischsowjetischen RüstungskontrollVerhandlungen.

Diese Verhandlungen, so sag-

te Nitze, der jetzt als Sonderberater für Abrüstungsfragen für Präsident
Reagan und Außenminister Shultz tätig ist, müßten von der Solidarität des
Atlantischen Bündnisses, der Unterstützung durch aen amerikanischen Kongreß und den Modernisierungsanstrengungen der Verteidigung der Vereinigten Staaten getragen werden, wenn wirksame und verifizierbare Rüstungskontrollabkommen zustande kommen sollen, wie sie die Reagan-Administration erhofft.

Die Ausführungen von Botschafter Nitze vor dem Ausschuß haben folgenden Wortlaut:
Ich freue mich,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich freue mich, heute vormittag mit Ihnen über das strategische Konzept der Vereinigten Staaten für die kommenden Genfer Verhandlungen sprechen und Ihnen meine Gedanken bezüglich aes Inhalts aieser Verhandlungen
mitteilen zu können.

Bei der Vorbereitung des Januar-Treffens mit Außenminister Gromyko
haben wir ein strategisches Konzept entwickelt, das unsere Vorstellungen
umfaßt, wie wir uns die Entwicklung des* amerikanisch-sowjetischen strategischen Verhältnisses denken.

Dieses Konzept, das unsere Haltung in

den im nächsten Monat beginnenden Verhandlungen im wesentlichen bestimmen
wird, kann in vier Sätzen zusammengefaßt werden:

Während der nächsten zehn Jahre besteht das Ziel aer Vereinigten
Staaten in einer radikalen Verringerung der Kraft der vorhandenen und geplanten nuklearen Offensivwaffen sowie in der Stabilisierung des Verhältnisses zwischen offensiven und defensiven Nuklearwaffen, ob sie am Boden
oder im Weltraum stationiert wären.

Wir rechnen schon jetzt mit einer

Übergangsperiode zu einer stabileren Welt mit einem stark verminderten
Stand an Kernwaffen und einer verstärkten Fähigkeit, vor einem Krieg abzuschrecken auf der Basis eines wachsenden Beitrags von nichtnuklearen
Verteidigungssystemen gegen offensive Nuklearwaffen.

Diese Übergangspe-

riode könnte zu der schließlichen Beseitigung aller Nuklearwaffen - ob
offensiv oder defensiv - führen.

Eine Welt frei von Kernwaffen ist ein

Endziel&gt; auf das wir, die Sowjetunion und alle anderen Länder uns einigen
können.
Dieses Konzept umfaßt drei Zeitphasen:

das kurzfristige Ziel, die

Übergangszeit und das endgültige Ziel.

Das kurzfristige Ziel

Auf kurze Sicht - d.h. mindestens für die nächsten zehn Jahre - werden wir weiterhin die Abschreckung auf der letztlichen Drohung mit der
nuklearen Vergeltung aufbauen.

Die heutige Technologie bietet keine AI-

�keine Alternative.

Das voraussetzend werden wir auf radikale Verringerungen der Zahl und
der Kraft strategischer Kernwaffen und Mittelstreckenkernwaffen drängen.
Die nuklearen Arsenale sind insgesamt zu groß und potentiell vernichtend,
vor allem was die mehr destabilisierenden Kategorien, wie die starke Interkontinentalraketen - uno SS-20-Streitmacht der Sowjets mit Mehrfachgefechtsköpfen, angeht.

Gleichzeitig werden wir versuchen, eine Umkehr in der Aushöhlung des
ABM-Vertrages herbeizuführen, wie sie durch sowjetische Maßnahmen entstanden ist.

Dazu gehört beispielsweise der Bau einer Radaranlage mit

phasengesteuerter Abtastung bei Krasnojarsk in Sibirien.

Was die nahe Zukunft anbetrifft, so haben wir die Absicht, aas Forschungsprogramm der Strategischen Verteidigungsinitiative

(SDI) fortzu-

setzen - und zwar im vollen Einklang mit dem ABM-Vertrag, der eine solche
Forschung gestattet.

Wir gehen in gleicher Weise davon aus, daß die So-

wjets ihre Untersuchungen der Möglichkeiten neuer defensiver Technologien
fortsetzen werden, wie sie das schon seit Jahren intensiv getan haben.

Die Übergangszeit
Sollten sich in Zukunft neue Verteidigungstechnologien als machbar
erweisen, dann würden wir gerne einen Übergang zu einem stabileren und
verläßlicheren Gleichgewicht auf der Basis einer Mischung von offensiven
und defensiven Systemen anstreben.

Wir haben angeboten, schon jetzt - in

den kommenden Verhanalungen - mit den Sowjets darüber zu sprechen, wie
wir einen solchen Übergang zusammen bewältigen könnten.

Ich möchte feststellen, daß wir bei der Beurteilung oer Anwendbarkeit
neuer defensiver Technologien einen strengen Maßstab anlegen werden.

Die

Technologie muß Defensivsysteme hervorbringen, die bis zu einem vernünftigen Grad überlebensfähig sind; wenn nicht, wären diese Verteidigungs- 3 -

�diese Verteidigungssysteme selbst ein verlockendes Ziel für einen Erstschlag.

Das würde die Stabilität eher schwächen als stärken.

Darüber hinaus müssen jene Verteidigungssysteme im letzten kosteneffektiv sein, d.h. effektiv genug und billig genug, um zusätzliche Verteidigungskapazität zu schaffen, damit die andere Seite keinen Anreiz erhält, sich zusätzliche Offensivkapazitäten zuzulegen, um die Verteidigung
zu überwinden.

Sonst könnten die Defensivsysteme, wenn sie nicht aurch

gegenseitige Übereinkunft eingegrenzt werden, eine Weiterverbreitung von
Gegenmaßnahmen und Offensivwaffen auslösen, um die dislozierten Verteidigungssysteme zu überwinden, statt die Anstrengungen von der Offensive auf
die Defensive zu verlegen.
Wenn die neuen Technologien diesen Anforderungen nicht entsprechen
können, dann sollten wir sie nicht dislozieren.

Unsere Abschreckung wür-

de dann weiterhin auf der letztlichen Androhung der nuklearen Vergeltung
basieren.

Wir hoffen jedoch und hegen große Erwartungen, daß die Wissen-

schaft mit der Herausforderung fertig werden wird.
Sollte ein Übergang möglich sein, dann würde die Rüstungskontrolle
eine wichtige Rolle spielen. Wir würden beispielsweise einen weiteren
Abbau der offensiven Kernwaffen anstreben.
Wir würden davon ausgehen, daß beide Seiten gleichzeitig damit beginnen würden, überlebensfähige und kosteneffektive Verteidigungssysteme zu
erproben, zu entwickeln und zu dislozieren - mit besonderem Nachdruck auf
nichtnukleare Verteidigungssysteme. Die Abschreckung würde sich dann mit
der Zeit mehr auf eine Mischung von offensiven Kernwaffen und Defensivsystemen stützen, statt auf die Drohung offensiver Nuklearwaffen allein.
Der Übergang würde einige Zeit dauern, vielleicht Jahrzehnte, wenn
die amerikanischen und sowjetischen Arsenale an strategischen Kernwaffen
und nuklearen Mittelstreckensystemen wesentlich zurückgingen, würden wir
danach streben, über Verringerungen anderer Typen von Kernwaffen zu verhandeln und irgendwie auch die anderen Kernwaffenmächte in die Verhand-

�die Verhandlungen einbeziehen.

Das endgültige Ziel

Wenn die richtigen technischen und politischen Umstänae gegeben wären, dann würden wir darauf hoffen, den Abbau aller Nuklearwaffen bis zum
Punkt Null fortsetzen zu können.

Das hätte natürlich weitreichende Aus-

wirkungen auf das militärische Gleichgewicht auf allen Ebenen.

Wenn bei-

spielsweise die nukleare Aoschreckung fehlt, dann wäre ein stabiles konventionelles Gleichgewicht noch sehr viel wichtiger als heute.

Wir müß-

ten dann besondere Aufmerksamkeit dem Problem zuwenden, wie wir zusammen
mit unseren Verbündeten der Drohung begegnen oder sie verminoern könnten,
die durch Ungleichgewicht der konventionellen Rüstungen entstehen würae.

Die völlige Abschaffung von Nuklearwaffen würde von weitverbreiteten
Dislozierungen nichtnuklearer Verteidigungssysteme begleitet.
den die Gewähr bieten, daß für den

Diese wür-

Fall, daß ein Land betrügen wollte,

indem es beispielsweise heimlich Raketen baut, dieses Lano keinen ausnutzbaren militärischen Vorteil erringen würde.

Um die Verteidigungssy-

steme zu überwinden, müßte der Betrug schon erhebliche Dimensionen annehmen, dann aber würde er nicht unbemerkt bleiben, und angemessene Gegenmaßnahmen könnten getroffen werden.

Sollten wir aie endgültige Phase erreichen, dann würde die Aoschrekkung auf die Fähigkeit der Verteidigung gestützt, dem nuklearen oder konventionellen Angriff eines potentiellen Aggressors den Erfolg zu verwehren.

Das strategische Verhältnis könnte dann als ein Verhältnis der ge-

genseitig garantierten Sicherheit bezeichnet weroen.

Anmerkungen

Nachdem ich unser strategisches Konzept umrissen habe, möchte icn
einige Anmerkungen dazu machen.
Erstens, das

�Erstens, das Konzept steht in vollem Einklang mit der Abschreckung.
Nicht nur auf kürzere Sicht, sondern auch in der Übergangsphase und in
der Endphase würde die Abschreckung weiterhin die Basis für das strategische Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
bilden.

Abschreckung erfordert, daß ein potentieller Gegner überzeugt sein
muß, daß die Risiken und Kosten einer Aggression bei weitem die Gewinne
überwiegen, die er sich erhoffen könnte.

Die populäre Vorstellung von

Abschreckung besteht darin, daß es darum geht, einen Aggressor durch die
letztliche Drohung mit nuklearer Vergeltung mit hohen potentiellen Kosten
zu konfrontieren.

Aber Abschreckung kann auch wirksam funktionieren, wenn man die Fähigkeit besitzt, dem Angreifer die Gewinne zu verwehren, die er zu erzielen hofft.

Unsere Aosicht ist, das Gleichgewicht der Abschreckung von

einem hauptsächlich auf der letztlichen Androhung einer verheerenden nuklearen Vergeltung basierenden Verhältnis auf ein Verhältnis zu verlagern, bei dem die Kernwaffen auf beiden Seiten stark verringert sind und
nichtnukleare Verteidigungssysteme eine immer größere Rolle spielen,

wir

sind der Überzeugung, daß das letztere Verhältnis eine viel gesündere Basis für ein stabiles und verläßliches strategisches Verhältnis bieten
würde.

Lassen Sie mich jedoch dazu sagen, daß für die absehbare ZuKunft,
selbst in den frühen Stadien eines möglichen Übergangs, offensive Nuklearstreitkräfte das entscheidende Element der Abschreckung bilden werden.
Ich appelliere daher an

Sie, das Strategische Modernisierungsprogramm zu

unterstützen.

Zweitens, wir sind uns darüber im klaren, daß die Übergangszeit wenn sich Verteidigungstechnologien als anwendbar erweisen und wir uns
entscheiden sollten, in diese Richtung zu gehen - recht kompliziert sein
könnte.

Wir müßten eine Mischung von überlebensfähigen Offensiv- und De-

fensivsystemen zustande bringen, die mit der Zeit den Anreiz für einen
- 6 -

�für einen Erstschlag in einer Krise immer mehr verringern würde. Aus diesem Grunde wollen wir ja den Übergang zu einer kooperativen Anstrengung
mit den Sowjets zusammen machen, und darum haben wir angeboten, jetzt mit
ihnen über die Fragen zu sprechen, mit denen wir fertig werden müßten.

Als drittes möchte ich sagen, daß wir uns, obwohl wir alles versuchen, unser Ziel einer Welt zu erreichen, aus der die Nuklearwaffen verschwunden sind, darüber im klaren sind, daß es dann noch immer große Risiken gäbe.

Die Technik der Herstellung von Kernwaffen ist weithin be-

kannt und kann nicht mehr ausgelöscht werden.
ausbricht oder betrügt, wäre weiterhin vorhanden.

Die Gefahr, daß jemand
Darüber hinaus bestün-

de auch das potentielle Problem der Atomoombe im Koffer und ähnliches.
Aber wenn auch nicht alle Risiken ausgeschaltet werden können, so
können sie doch stark verringert werden.
ko; man muß die Alternativen abwägen.

Nichts ist gänzlicn ohne Risi-

Es scheint mir, daß die Risiken

des Betruges oder der Atombombe im Koffer in einer Welt, in aer es keine
Nuklearwaffen in den Militärarsenalen mehr gibt, weiteaus geringer wären
als die Risiken und potentiellen Kosten eines möglichen Zusammenbruchs
des gegenwärtigen Abschreckungsregimes, das allein auf der letztlichen
Androhung einer massiven nuklearen Vergeltung basiert.

Die Genfer Gespräche

Dieses Konzept macht unsere Haltung bei den Genfer Verhandlungen im
nächsten Monat deutlich.

Bei diesen Verhandlungen werden wir Positionen

darlegen, die in Einklang mit dem von mir gerade umrissenen Konzept stehen und die dieses weiter fördern sollen.

Die Administration bemüht sich derzeit intensiv darum, die amerikanischen Positionen für jeden dieser drei Verhandlungsbereiche abzustecken der strategischen Kernwaffen, der nuklearen Mittelstreckensysteme

UNF)

sowie der Verteidigungs- und Weltraumwaffen.
Aus dem Meinungs- 7 -

�Aus dem Meinungsaustausch zwischen Außenminister Shultz und Herrn
Gromyko im Januar sowie aus den sich hieran anschließenden sowjetischen
Medienkommentaren wird deutlich, daß zwischen den Haltungen beider Seiten
erhebliche Unterschiede bestehen.

Bei den strategischen Waffen sprechen die Sowjets von ihrer Bereitschaft, "radikale Verringerung" sowie den Verzicht auf neue Typen bei
strategischen Waffen - wie etwa den Marschflugkörpern großer Reichweite,
den ICBM, den SLBM und den Bombern - in Erwägung zu ziehen.

Es ist nicht klar, ob die Sowjets die "radikalen Verringerungen" in
dem von uns vorgeschlagenen Sinn akzeptiert haben.

Ihr Angebot, auf neue

Typen strategischer Waffen zu verzichten, scheint wenig mehr als ein Neuaufguß des sowjetischen Vorschlags über ein Einfrieren der Kernwaffen zu
sein.

Bei INF wiederholten die Sowjets die bekannten Elemente ihrer Position, zum Beispiel, die amerikanischen LRINF seien "strategische Systeme"
und die britischen wie auch die französischen Systeme müßten mit in die
Rechnung einbezogen werden.

Wahrscheinlich fordern sie eine Beendigung

der amerikanischen Dislozierungen und der sowjetischen "Gegenmaßnahmen",
gefolgt von Verringerungen bei den Mittelstreckenraketen in Europa.

Die

Sowjets haben keinen Abzug der schon dislozierten amerikanischen Raketensysteme als Vorbedingung für Verhandlungen gefordert.

Es ist noch un-

klar, ob sie auch weiterhin die Möglichkeit eines Abkommens ausschließen,
das einige amerikanische Dislozierungen erlaubt.

Was den dritten Bereich anbelangt, so bestehen die Sowjets auf der
"Nichtmilitarisierung" des Weltraums; damit meinen sie ihrer eigenen Aussage nach ein Verbot aller Waffen im Weltraum, die "dazu entwickelt
sind", Objekte im Raum oder auf der Erde anzugreifen, sowie alle Systeme
auf der Erde, die "dazu entwickelt sind", Objekte im Weltraum anzugreifen.

Sie haben ihren Widerstand gegen Forschungsbemühungen für derlei

Systeme zum Ausdruck gebracht, und dies trotz ihrer eigenen konkreten Anstrengungen in diesem Bereich, zu denen die einzigen derzeit einsatzbe-

�derzeit einsatzbereiten ABM- und Antisatellitensysteme gehören.

Es hat Überlegungen hinsichtlich einer baldigen Möglichkeit für neue
Begrenzungen in diesem Bereich gegeben.

Wir werden natürlich jeden so-

wjetischen Vorschlag auf diesem Gebiet sorgfältig prüfen. Aber meiner eigenen Ansicht nach sind derlei Möglichkeiten zur Zeit begrenzt.

Lassen

Sie mich dies etwas näher ausführen.

Man kann die Verteidigungs- und Weltraumverhandlungen nicht mit einem
Tauschgeschäft vergleichen, bei dem ein paar Teppiche gegen ein Kamel gehandelt werden.

Es ist dies ein ganz anderer und weit ernsthafterer Ver-

handlungstypus.

über die meisten der Verteidigungs- und Weltraumprobleme wurde vor
vielen Jahren verhandelt und ein Abkommen erzielt; derzeit gibt es nicht
mehr so viel, worüber zu verhandeln wäre.

Das sowjetische Gerede über die "Nichtmilitarisierung" des Weltraums
ist Unsinn.

Es gibt eine Vielzahl von Militärsatelliten im Raum, die

meisten davon gehören den Sowjets.

Und ich möchte hinzufügen, daß einige

dieser Militärsatelliten auf beiden Seiten - wie etwa Warn-, Kommunikations- und NTM-Satelliten (National Technichal Means) - einen sehr großen
Nutzen haben.

Die Stationierung

von Massenvernichtungswaffen,

einschließlich

von

Kernwaffen, im Weltraum ist durch den Weltraumvertrag untersagt.
Kernexplosionen

zu Versuchszwecken im Weltraum sind durch das Be-

grenzte Teststoppabkommen untersagt.
Alle Systeme, die gegen Gefechtsköpfe strategischer Raketen - ob im
Weltraum oder sonstwo - eingesetzt werden können, unterliegen dem ABMVertrag.

Dieser Vertrag untersagt die Dislozierung von ABM-Systemen im

Weltraum oder auf der Erde - mit Ausnahme klar begrenzter, bodengestützter Elemente.
ABM-Systeme,
- 9-

die

�ABM-Systeme, die ansonsten laut ABM-Vertrtag erlaubt sind, sich jedoch auf "andere physikalische Prinzipien" stützen, unterliegen der Gemeinsamen Erklärung D des Vertrags.

Derlei Systeme können nicht ohne

vorherige Konsultation und Vertragszusatz disloziert werden.

Darunter

fallen Hochenergie-Laser, Neutralteilchen-Strahlensystem, Systeme auf kinetischer Energie etc.

Deshalb bietet der ABM-Vertrag - sollten neue De-

fensivtechnologien sich als realisierbar erweisen - eine Grundlage für
Diskussionen darüber, wie diese Systeme in die Streitkräftestruktur beider Seiten integriert werden könnten.

Die Forschung kann durch ein Abkommen weder überwacht noch kontrolliert werden.

Ich bin der Überzeugung, daß die Sowjets gleichfalls die-

ser Ansicht sind.

Die einzige Aktivität im Raum, über die noch zu verhandeln wäre, sind
die, durch Obiges nicht abgedeckten ASAT-Systeme. Hierbei handelt es sich
um eine besondere Klasse.

Außeratmosphärische

ABM-Systeme

-

einschließlich

des

bestehenden

Galosh-ABM-Systems, das in der Nähe von Moskau disloziert ist - sind ihrer Natur nach ASAT-Systeme.

Satelliten sind zumeist empfindlicher als

Wiedereintrittsflugkörper (RV) und bewegen sich auf vorhersagbarem Kurs;
sie sind daher verwundbarer als die RV auf ihrem ballistischen Flugweg.
ASAT-Systeme mit ABM-Kapazität sind bereits durch den ABM-Vertrag begrenzt.

Im Grunde genommen hat jede ballistische Rakete, die einen nuklearen
Gefechtskopf in den Raum und auf eine Erdumlaufbahn bringen kann, potentiell ASAT-Kapazitäten.

Die wesentlichsten ASAT-Kapazitäten, die nicht durch bestehende Begrenzungen abgedeckt werden, sind die nichtnuklearen Systeme, die zwar in
der Lage sind, Satelliten anzugreifen, jedoch keine ICBM-RV attackieren
können.

Zu dieser besonderen Systemklasse gehören das einsatzbereite so-

wjetische koorbitale ASAT-System sowie das von Flugzeugen aus dislozierte
- 10-

•

�aus oisiozierte Miniaturträgersystem, das derzeit von den Vereinigten
Staaten entwickelt wird.

Zwar ist die Beobachtung von Versuchsreihen für die Beurteilung der
Fähigkeiten eines Systems von großer Bedeutung; doch ist ein System erst
einmal ausreichend auf seine Einsatzfähigkeit hin getestet - wie dies bei
dem sowjetischen koorbitalen ASAT-System der Fall ist -, dann läßt sich
seine Dislozierung

nur noch unter viel größeren Schwierigkeiten über-

wachen.

Kurz: Der Vorschlag, alle ASAT-Systeme zu verbieten, ist nur sehr
schwer, wenn nicht gar unmöglich zu verwirklichen.

Ich persönlich bin

skeptisch, was ein militärisch bedeutsames und verifizierbares Verbot der
Erprobung und der Dislozierung von nichtnuklearen Systemen angeht, die
zwar in der Lage sind, Satelliten anzugreifen, aber keine RVs abwehren
können.
Ich glaube daher, daß die viel wichtigere Frage im Verteidigungs- und
Weltraumbereich erst einmal die ist, ob man die Sowjets zu der Einsicht
bringen kann, wie wichtig es ist, daß auch sie sich an den ABM-Vertrag
halten und aufhören, seine Grundlagen auszuhöhlen und zu untergraben.
Längerfristig gesehen ist dies das Forum, auf dem wir die Gelegenheit
haben werden, mit ihnen die beiderseitigen Vorteile zu besprechen, die
sich daraus ergeben würden, wenn wir zu einer Übereinkunft dahingehend
gelangen könnten, wie hochmoderne Defensivsyteme - erwiesen sie sich denn
als einsatzbereit - zu längerfristigem und beidseitigem Vorteil in die
Streitkräfte beider Seiten integriert werden könnten.

Neben unseren erheblichen Meinungsverschiedenheiten geht unsere Vorstellung und die der Sowjets auch hinsichtlich der Beziehung auseinander,
in der die drei Themenbereiche zueinander stehen sollten.

Die Sowjets

sind der Meinung, daß die drei Bereiche - strategische Kernwaffen, nukleare Mittelstrecken - sowie Verteidigungs- und Weltraumwaffen - nicht
nur in ihrer Wechselbeziehung diskutiert werden sollten, sondern daß es
nicht möglich sei, in einem Bereich zu einem Abkommen zu gelangen, ohne
- 11-

�gelangen, ohne daß auch in den anderen ein solches zustande kommt.

Wir

sind anderer Meinung: Sollte in einem Bereich ein Abkommen erzielt werden, so würde die gegenläufige Bestimmung wenig Sinn machen, derzufolge
nämlich ein Abkommen verhindert würde, das den Interessen beider Seiten
dienen könnte.

Wie Sie sehen können, liegt vor den Unterhändlern eine klarumrissene
Aufgabe; der Prozeß wird komplex und wahrscheinlich langwierig sein.

Ich

erwarte nicht, daß die Sowjets sofort unseren Standpunkt oder unser Konzept darüber akzeptieren werden, wie die strategische Beziehung in Zukunft aussehen könnte.

Aber mit Hartnäckigkeit, Geduld und konstruktiven

Ideen hoffen wir, daß die Sowjets die Vorteile unserer Position erfassen
werden, daß sie nämlich ihren nationalen Interessen genau so wie den unsrigen dienen würde.

Schlußfolgerung

Wichtig ist, unsere Erwartungen nicht zu hoch zu stecken und uns
selbst wie auch die Öffentlichkeit auf einen langen Prozeß vorzubereiten.
Das Übereinkommen vom Januar, in Genf mit neuen Verhandlungen zu beginnen, hat unser kompliziertes und kompetitives Verhältnis zur Sowjetunion
nicht verändert.

Die Gespräche im Januar haben nur erneut bestätigt, daß

diese Verhandlungen schwierig sein werden.

Wie ich dargelegt habe, haben die Sowjets sich sehr darum bemüht, eine Wechselbeziehung zwischen jenen Verhandlungsbereichen herzustellen, in
denen sie versuchen werden, das westliche Interesse an raschem Fortschritt bei den Verhandlungen als Hebel zu verwenden.

Die Tatsache, daß sich die Sowjets zu diesen Gesprächen bereiterklärt
haben, bedeutet nicht, daß sie auch bereit sind, ihre unannehmbare Position am Verhandlungstisch aufzugeben oder mit ihrer Propagandakampagne
außerhalb des Konferenzsaales aufzuhören.

Es ist daher wahrscheinlich, daß die Sowjets bei den neuen Verhand- 12-

�neuen Verhandlungen plötzlich den Versuch unternehmen werden, den Fortschritt bei den Mittelstreckenwaffen und den strategischen Kernwaffen als
Geisel für Bewegung unsererseits im Verteidigungs- und Weltraumwaffenbereich zu verwenden, wo sie eindeutig die Absicht haben, das amerikanische
Forschungsprogramm bei der strategischen Verteidigung zu behindern.

Dabei werden sie jede Gelegenheit ergreifen, unterschiedliche Meinungen innerhalb des NATO-Bündnisses und innerhalb der Vereinigten Staaten
auszunützen.

Wie 1983 wird Moskau versuchen, sich über den Kopf der westlichen Regierungen hinweg an die Öffentlichkeit im Westen zu wenden.
cher, daß dies, wie 1983, ein Fehlschlag sein wird.

Ich bin si-

Dies wird natürlich

einer koordinierten Anstrengung auf unserer Seite bedürfen - sowohl hier
im Lande wie auch mit unseren ausländischen Freunden -, um sicherzustellen, daß die Sowjets zu der Schlußfolgerung gelangen müssen, daß es keine
Alternative zu ernsthaften Verhandlungen gibt.

Insbesondere wird die Unterstützung durch den Kongreß von ausschlaggebender Bedeutung sein, um die Sowjets davon zu überzeugen, daß ihre
Kampagne in der Öffentlichkeit keine Früchte bringt und sie sich uns zu
ernsthaftem Verhandeln anschließen müssen.

Seitdem die Sowjets Ende 1983 die Genfer Gespräche verlassen haben,
haben wir unsere Bereitschaft deutlich gemacht, ohne Vorbedingungen an
den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Man kann nur Spekulationen darüber

anstellen, was die Sowjets dazu veranlaßte, mit uns in neue Verhandlungen
einzutreten, ohne auf eine Reihe von Dingen zu bestehen, die sie inzwischen so überaus intensiv verfochten haben.

Ein plausibles Motiv ist sicher dies, daß sie ein Instrument schaffen
wollten, um Druck auf die Vereinigten Staaten auszuüben - ein Instrument,
das einzig durch Verhandlungen an die Hand gegeben wird.

Entgegen ihren

Erwartungen wurde es ihnen durch ihr Verlassen der Verhandlungen Ende
1983 nur noch schwerer gemacht, die öffentliche Meinung in Europa und
- 13-

�Europa und Amerika gegen die amerikanische Haltung hinsichtlich einer
ganzen Reihe von Sicherheits- und Rüstungskontrollfragen zu mobilisieren.

Wir können davon ausgehen, daß sie die Tatsache wiederaufgenommener
Verhandlungen dafür einsetzen werden, um erneut zu behaupten, die amerikanischen Programme und die amerikanische Haltung würden die Aussicht auf
Erfolg der Verhandlungen gefährden.

Wir sind der Meinung, daß dieses Argument grundlos ist. Im Gegenteil:
Genau wie die Solidarität des Bündnisses und die Stärke der Unterstützung
im Kongreß für die amerikanischen Bemühungen um eine Modernisierung der
Verteidigung im Inland wie im Ausland entscheidende Faktoren für die Erklärung unseres bisherigen Erfolges sind, sind wir auch der Überzeugung,
daß sie für die Aussicht auf Erfolg bei wirksamen und verifizierbaren Rüstungskontrollvereinbarungen von entscheidender Bedeutung sind, die, so
unsere Hoffnung, am Ende des Prozesses stehen werden, der jetzt beginnen
soll.

Aus diesen Gründen, so meine ich, wäre es unklug, den Kurs zu ändern
und unsere Verpflichtung zu unseren strategischen Modernisierungsprogrammen, insbesondere der MX-Rakete, zu verringern.

Dies zu tun, würde der

Sowjetunion ein Signal der Schwäche und des Mangels an Entschlossenheit
setzen - zu einem Zeitpunkt, da wir bei unserer Zielsetzung Einhelligkeit
und Einigkeit beweisen müssen -, und würde den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten eine wichtige militärische Kapazität verwehren.
Es wäre auch höchst unklug, die Forschung bei der strategischen Verteidigung zu beschneiden.

Diese Forschung ist, in vollem Einklang mit

dem ABM-Vertrag, eine Anzahlung für eine Zukunft, von der wir alle hoffen, daß sie verwirklicht werden kann - eine Zukunft der radikalen Verringerung und Beseitigung der Kernwaffen. Als solches ist sie entscheidender Teil unseres umfassenden Modernisierungs- und Rüstungskontrollprogramms zur nationalen Sicherheit.
* * * * *

- 14-

�6. März L965

10

MX-RAKETE WESENTLICH FÜR AUFRECHTE RHALTUNC DER ABSCHRECKUNG
- Anhörung vor dem Militärausschuß des Senats -

Washington -(AD)- Zwei führende Vertreter der Reagan-Administration,
Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger, haben den Kongreß aufgefordert, das Programm des Präsidenten zur Modernisierung der
strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten zu unterstützen, da es
wesentlich für die Aufrechterhaltung des Friedens und der StaDilität wie
auch für die Durchsetzung der amerikanischen Position bei den Rüstungskontrollverhandlungen sei. Die Minister erschienen am 26. Februar iyöi&gt;
gemeinsam vor dem Militärausschuß des amerikanischen Senats. Wir geoen
ihre Erklärungen im folgenden leicht gekürzt wieder.

Die Erklärung von Außenminister Shultz hat folgenden Wortlaut:

Ich begrüße diese Gelegenheit, hier vor Ihnen erscheinen und meiner
Unterstützung für das Programm des Präsidenten zur Modernisierung der
strategischen Streitkräfte Ausdruck verleihen zu können. Dieses Thema ist
von enormer Bedeutung für unsere Diplomatie, da die Modernisierung der
strategischen Streitkräfte unmittelbare Auswirkungen auf unsere nationale

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�unsere

nationale

Sicherheit, unsere

Rustunyskontrollziele

und

unsere

grundlegendsten außenpolitischen Ziele hat.
Modernisierung der strategischen Streitkräfte und Außenpolitik

... Macht und Diplomatie stellen keine getrennten Dimensionen der Politik dar; sie sind vielmehr untrennbar miteinander verbunden. Deshalb
trete ich heute vor Sie hin, um Sie dringlich zu ersuchen, der Modernisierung der strategischen Streitkräfte, insbesondere aber der MX-PEACEKEEPER-Rakete, die einen zentralen Pfeiler

dieses Modernisierungspro-

gramms bildet, Ihre Unterstützung zu leihen. ...

Die Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte ist wesentlich.
Die strategische Aufrüstung der Sowjetunion hält unvermindert an. Seit
wir die MUNIUTEMAN

ilX, unsere modernste Interkontinentalrakete (luBM),

eingeführt haben, hat die Sowjetunion drei neue ICBM-Typen eingeführt,
nämlich die SS-17, die SS-lö und die SS-19. Von der SS-19, die in inren
Abmessungen in etwa der MX entspricht und sechs Gefechtsköpfe trägt, wurden 36ü Stück aufgestellt, von der sehr viel größeren und mit zehn uefechtsköpfen ausgerüsteten SS-18 hingegen 308. Darüberhinaus werden die
Sowjets innerhalb der nächsten beiden Jahre mit der Aufstellung zweier
weiterer neuer Typen - der SS-X-24 und der SS-X-25 - beginnen. Dies bedeutet fünf neue sowjetische ICBM-Typen gegenüber nur einem amerikanischen, eben der MX.

Ein glaubwürdiges, flexibles

strategisches Strextkräftekonzept

der

Vereinigten Staaten ist von entscheidender Bedeutung für ein stabiles
Gleichgewicht der Kräfte, auf dem Frieden und Sicherneit beruhen. Die MX
wiederum ist ein entscheidendes Element dieses stabilen Gleichgewichts.
Sie stellt eine Erwiderung dar, die vier aufeinander folgende Administrationen - und zwar sowohl demokratische als auch republikanische - für
notwendig gehalten haben, um zumindest teilweise ein Gegengewicht zu dem
äußerst schlagkräftigen sowjetischen ICBM-Potential zu schaffen.

Die MX ist nach dem SALT-II-Vertrag zulässig. Ihr Beitrag zum strategischen Gleichgewicht bildete sogar eine der Voraussetzungen, auf denen

�au ^dnen dieser Vertrag beruhte. Auch die überparteiliche Scowcroft-Kommission kam, wie im übrigen auch ich, zu dem Schlub, daß die MX einen wesentlichen Bestandteil einer modernisierten strategischen Triade bilden
müsse.

Wenn die Sowjets in der Lage wären, wirksame Schläge gegen unsere
landgestützten ICBM zu führen, während unser eigenes landgestütztes Abschreckung spotential dies nicht in vergleichbarer Weise vermöchte, könnten sie meinen, daß sie in einem entscheidenden Bereich des strategischen
Kräfteverhältnisses deutlich im Vorteil seien, und sie könnten versuchen,
mittels nuklearer Erpressung politischen Druck auszuüben. Ein derart einschneidendes Ungleichgewicht im Bereich der strategischen Waffen könnte
sie sehr wohl veranlassen, in einem regionalen Konflikt oder auch in einer größeren Krise kühner aufzutreten.

Wir müssen die Einführung der MX jetzt vorantreiben, weil sie ein
glaubwürdiges Mittel der Abschreckung darstellt. Nach Jahren der Planung
und nach Aufwendung von Milliarden von Dollar bietet nur die MX die Möglichkeit, dieses ernstzunehmende strategische Ungleichgewicht enalich zu
korrigieren. Viele Kritiker der MX haben sich besonders auf den Zusammenhang zwischen der Art inrer Aufstellung und ihrer Überlebensfähigkeit
konzentriert, ich möchte diesbezüglich drei Argumente geltend machen:

Erstens müßten sowjetische Planer in der ungewissen Lage, die währena
eines Krieges bestehen würde, damit rechnen, daß einige unserer MX-Kaketen einen Angriff überstehen und im Rahmen von Vergeltungsschlägen gegen
die Ziele eingesetzt werden könnten, die für die Sowjets den höchsten
Wert haben, so u.a. gegen die Raketen, die die Sowjets für weitere angriffe auf unser Land in Reserve halten würden.

Zweitens muß die Überlebensfähigkeit der MX in Zusammenhang mit den
anderen Elementen unserer strategischen Triade gesehen werden. Die drei
Säulen dieser Triade - Bomber, Unterseeboote und landgestützte Raketen erhalten die Abschreckung aufrecht, indem sie die sowjetischen Planungen
erheblich komplizieren. Falls die Sowjets einen Großangriff erwägten, sähen sie sich gezwungen, zu wählen, welche der Säulen unserer Triade sie
- 3 -

�Triade sie treffen wollen, wobei ihre Entscheidung die Möglichkeiten,
auch die jeweils anderen Säulen wirksam anzugreifen, erheblich einschränken würde. Beispielsweise ist es nicht möglich, unsere Bomoerstützpunkte
und ICBM-Silos gleichzeitig anzugreifen, ohne daß uns die Möglichkeit
bleibt, in gewissem Umfang Vergeltung zu üben. Die Abschreckung beruht
darauf, daß die sowjetischen Planer wissen, daß sie einen erfolgreichen
Erst- oder Entwaffnungsschlag gar nicht erst in Erwägung zu ziehen brauchen.

Drittens können die Möglichkeiten der Härtung von Silos in der Zukunft erheblich verbessert werden, wodurch auch die Überlebensfähigkeit
der MX-Streitmacht steigen würde. Die Scowcroft-Kommission hat dies in
ihrem Bericht erwähnt, und der Kongreß hat die entsprechenden Forschungsmittel bewilligt. Die Aussichten sind gut und vielversprechend, so daß
sichergestellt werden kann, daß die MX selbst in fernerer Zukunft ein
Schlüsselelement der Triade bleiben wird.

Außerdem ist es wichtig, sich klar zu machen, daß das Ganze unsere
strategischen Triade größer ist als die Summe ihrer einzelnen Bestandteile. Im Gesamtzusammenhang gesehen, wird die MX unsere Triade, auf der unsere Sicherheit seit so vielen Jahren beruht, als Ganze stärken und damit
auch die Abschreckung und den Frieden.

Modernisierung der strategischen Streitkräfte und Rüstungskontrolle

Auch im Hinblick auf unsere rüstungskontrollpolitischen Ziele spielt
die MX zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine zentrale Holle, wenn wir im Laufe
der Jahre etwas gelernt haben, dann ist es die Tatsache, dab die Sowjets
Stärke und Standfestigkeit respektieren. Ich bin davon überzeugt, daß die
Standfestigkeit, die wir und unsere Verbündeten in den letzten Jahren bezeugt haben, indem wir die Aufstellung neuer Mittelstreckenwaffen vorangetrieben und den Versuchen der Sowjets, uns und unsere Verbunaeten zu
entzweien, widerstanden haben, die Sowjets zu der Erkenntnis gebracht
hat, daß sie ihre Ziele nicht durch politischen Druck erreichen können
und daß sie sich nicht bequem zurücklehnen und auf einseitige Zugeständnisse warten dürfen, sondern stattdessen am Konferenztisch
- 4 -

verhandeln

�Konferenztisch verhandeln müssen.

Dank des Zusammenhalts und der Entschlossenheit des Westens während
dieser Zeit und auch dank der Unterstützung beider Kongreßparteien für
das Programm zur Modernisierung der strategischen Streitkräfte während
der letzten drei Jahre ist unsere Verhandlungsposition heute stark. Die
Sowjets müssen erkennen, daß wir entschlossen sind, unsere Sicherheit zu
schützen, so lange keine entsprechenden Rüstungskontrollabkommen bestehen, und daß es genauso sehr in ihrem wie in unserem Interesse liegt,
Mittel und Wege zu finden, die Kernwaffenarsenale und die Kriegsgefahr zu
verringern. Diese Grundlage der Stärke verbessert die Aussichten auf erfolgreiche Verhandlungen.

Die neuen Waffen sind keine "Faustpfänder für die Verhandlungen"; sie
bilden einen Teil der Stärke, auf der wirkliche Verhandlungen beruhen,
und ein dringend notwendiges Modernisierungsprogramm, das sich im Linklang mit den bestehenden Hustungskontrollabkommen befindet. Sie stellen
ein wesentliches Element unseres Abschreckungskonzepts aar, und sie bilden die Grundlage, auf der eine wirkungsvolle und ausgewogene Rüstungskontrollregelung getroffen werden kann.

Verhandlungen auf der Grundlage von Stärke und Einigkeit
Wie Sie wissen, stehen wir kurz vor der Eröffnung einer neuen Kunde
von Rüstungskontrollverhandlungen in Genf. Sowohl das amerikanische Volk
als auch seine Regierung - d.h., der Kongreß und der Präsident - hoffen,
daß diese Verhandlungen Früchte tragen werden. Wir müssen bereit sein,
unsere Ideale und Interessen zu verteidigen, ganz gleich, ob die Verhandlungen erfolgreich sind oder nicht. Die Vereinigten Staaten bemühen sich
jedoch seit langem um konstruktivere und produktivere Beziehungen zur Sowjetunion. Wir haben während des ganzen Jahres 15o4 betont, wie wichtig
es sei, den amerikanisch-sowjetischen Dialog mit dem Ziel der Verminderung der Kernwaffenarsenale wiederaufzunehmen.

Das Jahr 1983 hat unter positiven Vorzeichen begonnen. Die Ergebnisse
meiner Zusammenkünfte mit Muljenminister Gromyko im Januar kennzeichnen
- 5 -

�Januar kennzeichnen einen möglicherweise wichtigen Neubeginn. Die Übereinkunft, am 12. März in Genf neue Verhandlungen zu eröffnen, bedeutet
die Wiederaufnahme des Dialogs über die wichtigsten strategischen Fragen,
denen sich unsere beiden Nationen heute gegenübersehen. Wir werden die
Gelegenheit dieser Verhandlungen dazu nutzen, unsere Ansichten über die
Entwicklung der strategischen Abschreckung in vollem Umfang zu erörtern,
d.h., unter anderem auch unsere Forschungsarbeiten im Rahmen der Strategischen Verteidigungsinitiative, von der wir hoffen, dab sie uns in die
Lage versetzen wird, eine neue strategische Gesamtlaye zu schaffen, die
auf Verteidigung und nicht einfach auf der Aussicht auf Beiderseitige Garantierte Zerstörung (Mutual Assured Destruction) beruht. Wir haben einen
Prozeb in Gang gebracht, der sowohl für die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten als auch für den Frieden und die Sicherheit in der Welt Nützliches erbringen kann.

Der Erfolg erfordert jedoch Festigkeit und Entschlossenheit, ein gewisses Maß an Flexibilität und ein gewisses Mab an Vorsicht. Er verlangt
aucn etwas noch grundlegenderes, nämlich Einigkeit im eigenen Lande über
die Wichtigkeit dieser Erfordernisse wie auch über die Bedeutung einer
Grundlage der Stärke.

Wir müssen in diese Verhandlungen als ein einiges Volk hineingehen.
Wenn wir am Verhandlungstisch Platz nehmen, um all diese Fragen mit der
Sowjetunion zu erörtern, ist es wesentlich, dab wir mit einer Stimme
sprechen und nicht den Anblick einer Nation bieten, die im Konflikt mit
sich selbst liegt und sich Blöben gibt, die die Sowjets ausnützen können,
oder die bei ihnen die falsche Hoffnung erweckt, dab sie einseitige Zugeständnisse machen werde, für die die Sowjets keine uegenleistung erbringen müßten. Die Verhandlungen, in die wir bald eintreten werden, finden
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion statt. Wir können
und dürfen nicht zulassen, dab sie zu Verhandlungen herabsinken, die wir
selbst untereinander führen. ...

Dies ist nicht die Zeit, um Zweifel an unserer nationalen Entschlossenheit aufkommen zu lassen. Wenn wir unsere Unterhändler nach Genf an
den Konferenztisch schicken, dann sind wir es ihnen und uhserem Land
- 6 -

�unserem Land schuldig, daß wir sie in die Lage versetzen, aus einer möglichst starken Verhandlungsposition heraus anzutreten und die Nation voll
hinter sich zu wissen. Das heißt, daß keine einseitigen Zugeständnisse
ins Spiel gebracht werden dürfen, die die Anreize zum Verhandeln für die
Sowjets verringern könnten. Das heißt ferner, daß Programme, die für unser strategisches Konzept von entscheidender Bedeutung sind, nicht zusammengestrichen werden dürfen. Das heißt weiter, dau wir gemeinsam hinter
einer soliden Verhandlungsposition stehen müssen, die die besten Aussichten dafür bietet, daß wir das Ziel, um das es uns, wie ich weiß, allen
geht, aucn erreichen.
(Ende der Erklärung von Außenminister Shultz)
Die Erklärung von Verteidigungsminister Weinberger hat folgenden Wortlaut:

Die Sowjets haben von Mitte der siebziger Jahre bis heute 8Uö Interkontinentalraketen der Typen SS-17, SS-18 und SS-19 mit fast 6 UUU neuen
Gefechtsköpfen aufgestellt. Zwei neue sowjetische ICBM der fünften Generation, die SS-X-24 und die SS-X-25, befinden sich in der Flugerprobung.
Unsere Erwiderung, die MX-PEMCEKEEPER, ist nach einer zwölfjanrigen, aber
immer noch nicht abgeschlossenen Debatte noch nicht über das Stadium der
Flugerprobung hinausgekommen.

Die Flugerprobung der MX war ein voller Erfolg. Die Treffsicherheit,
die wir erzielen, übertrifft sogar noch die strengen Vorgaben der Typenspezifikation. Dennoch und trotz der fast 13 Milliarden Dollar, die wir
insgesamt in das MX-Programm gesteckte haben, und trotz der strategischen
Rüstungsprogramme der Sowjets gibt es immer noch Stimmen, die dazu raten,
die Vorbereitungen für die Einführung dieser Rakete anzuhalten und weiter
darüber zu debattieren, was zu tun ist.

Eigentlich sollte inzwischen jedermanns Debattierbedürfnis gestillt
sein. Der früheste Zeitpunkt, zu dem diese Waffe, die zur Modernisierung
unserer Triade dringend notwendig ist, ihre Einsatzreife erlangen kann,
ist der Dezember 19Ö6. Wir können es uns nicnt erlauben, noch länger zu
warten. Die Verzögerungen haben zu dem strategischen Ungleichgewicht beigetragen, dem wir uns heute gegenübersehen und das wir korrigieren müssen.
Wenn die
- 7 -

�Wenn die Abschreckung wirksam bleiben soll, dann müssen wir sicherstellen, daß der sowjetischen Führung klar ist, daü ein Vergeltungsschlay
unsererseits den Preis eines Angriffs in eine für sie nicht mehr hinnehmbare Höhe treiben würde. Diese Aufgabe ist nicht einfach, denn während
wir uns in den siebziger Jahren dazu beglückwünschten, daü wir die Sowjetunion davon überzeugt hatten, daü ein Atomkrieg nicht zu gewinnen
ist, leitete die sowjetische Führung während dieses nämlichen Zeitraums
ein massives Rüstungsprogramm in die Wege, um unserem Abschreckungspotential die Grundlagen zu entziehen. Die Gesamtschau dieser Anstrengungen
vermittelt heute ein klares Bild:

- Indem die Sowjets ihr Luftverteidigungssystem, das ohnenin schon das
umfangreichste und weitestentwickelte der Welt war, weiter modernisierten und ausbauten, versuchten sie, die Bombersäule unserer Triade
matt zu setzen.

- Indem sich die sowjetische Führung mit den Raketen der Typen SS-18
und SS-19 eine begrenzte Erstschlagsfähigkeit zulegte, versuchte sie,
sich in die Lage zu versetzen, einen amerikanischen Vergeltungsangriff durch einen Präventivschlag zu verhindern.
- Indem die Sowjets ihre Raketensilos und Abschuüleitanlagen härteten
und Hunderte von verstreut gelegenen, gehärteten Befehls- und Kommandoeinrichtungen schufen, versuchten sie, sich in die Lage zu versetzen, einen Vergeltungsschlag einzustecken und dennoch die militärischen Machtmittel, die politisch-militärischen Führungsmittel und die
übrigen zur Kriegführung notwendigen Mittel zu behalten, die für den
sowjetischen Staat so wichtig sind.

Wenn die sowjetische Führung infolge unseres Unvermögens, auf diese
Bemühungen zu reagieren, zu der Überzeugung käme, dak) die Risiken der Androhung oder des tatsächlichen Gebrauchs von militärischer Gewalt gegen
uns oder unsere Verbündeten auf ein hinnehmbares Mab aogesunken seien,
dann wäre die Abschreckung in der Tat gefährdet.

Glücklicherweise sind wir jetzt dabei, zu reayieren. Wir überholen
- 8 -

�Wir überholen unsere Triade. Wir haben luftgestützte Marschflugkörper,
die von B-52-Bombern abgeschossen werden, eingeführt, und im vergangenen
Jahr wurde der erste B-1-Bomber ausgeliefert. Wir haben die ProDieme des
TRIDENT-Unterseebootprogramms bereinigt; an diesem Programm wird jetzt
stetig gearbeitet. Aber eine starke Triade Pracht drei starke Säulen. Wir
besitzen nach immer kein modernisiertes ICBM-Potential. Wir sind immer
noch nicht in der Lage, prompte und glaubwürdige Vergeltungsschläge gegen
die entsprechenden gehärteten Waffen der Sowjets, die für sie eine so
große Rolle spielen, androhen zu können.

Die Kommission des Präsidenten für die strategischen Streitkräfte,
die Scowcroft-Kommission, überprüfte Anfang 1983 unser strategisches Abschreckungspotential im Lichte dieser unerfreulichen Tatsachen, im Lichte
dieser Tatsachen schlug die Kommission einen später dem Kongreß vom Präsidenten vorgelegten Stufenplan für die Modernisierung unseres ICBM-Potentials vor. Um diese wichtigen, unmittelbaren Mängel zu beseitigen, war
in dem Plan die Aufstellung von 100 MX-Raketen in bestehenden M1NUTEMANSilos gefordert. Ls steht kein anderes System zur Verfügung, das kurzfristig in ähnlich überzeugender Weise demonstrieren konnte, daß die sowjetische Führung trotz allem, was sie zur Härtung und zahlenmäßigen Vermehrung ihrer Waffen unternommen hat, nicht damit rechnen kann, einen Atomkrieg zu gewinnen. Daher brauchen wir die MX zur Mufrechterhaltung der
Abschreckung.

Wir braucnen das MX-Programm auch, um eine kleine ICBM mit nur einem
Gefechtskopf bauen zu können. Viele der wichtigsten Komponenten dieser
neuen kleinen Rakete werden von der MX abgeleitet sein, so u.a. die i_enkund Steuerungssysteme, Computerbauteile und -Software, die Hilfssysteme
des Gefechtskopfs und der Gefechtskopf selbst. Daher hängen unsere Pläne
zur Entwicklung stabilerer strategischer Verhältnisse - nicht nur für die
zweite Hälfte der achtziger, sondern auch für die erste Hälfte der neunziger Jahre - in entscheidendem Maße davon ab, was der Kongreß in diesem
Jahr unternimmt.

Ferner wird die MX es den Sowjets als geboten erscheinen lassen, sich
nicht mehr in so starkem Maße auf große ICBM mit vielen Gefechtsköpfen zu
- 9 -

�Gefechtsköpfen zu stützen. Die MX wird somit sowohl zur crhöhung der
Uberlebensfähigkeit unserer neuen kleinen ICBM beitragen (indem sie die
Fähigkeit der Sowjets, nukleares Sperrfeuer zu schieben, vermindert) als
auch die Stabilität im strategischen Bereich weiter verbessern.

Wie dem Ausschuß bekannt ist, stehen wir im Begriff, die Verhandlungen mit den Sowjets in Genf wiederaufzunehmen. Wir streben umfassende
beiderseitige und verifizierbare Verminderungen der strategischen Arsenale beider Seiten an. Die Fortführung des MX-Programms ist von entscheidender Bedeutung dafür, ob es uns gelingt, die von uns angestrebten tiefgreifenden Verminderungen tatsächlich herbeizuführen.

Es gibt dafür zwei wesentliche und offenkundige üründe. Wenn wir erstens zu erkennen geben, daß wir keine Anstalten machen, die gegenwärtig
bei uns bestehenden Mängel zu beseitigen, besteht für die Sowjets nur wenig Anreiz zu ernsthaften Verhandlungen. Warum sollten sie ihr Arsenal
verkleinern, wenn wir signalisieren, daß wir ihnen gestatten, ihre gegenwärtigen Vorteile zu behalten und vielleicht sogar noch auszubauen ?

Wenn wir zweitens ein Programm anhalten oder verlangsamen, dessen
entscheidende Bedeutung wir an sich erkannt haben, geben wir der sowjetischen Führung unmißverständlich zu verstehen, daß uns der Wille und die
Entschlossenheit fehlen, unsere Ziele in der Welt zu erreichen.

Um in Genf Erfolg zu haben, müssen wir die gleiche Standfestigkeit
und Entschlossenheit an den Tag legen, die die Sowjets bereits veranlaßt
hat, den Kurs zu ändern und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ihre
Augen sind heute auf uns gerichtet.
Ich möchte abschließend noch etwas weiter in die Zukunft schauen. Wie
dem Ausschuß bekannt ist, sind der Präsident, ich und Außenminister
Shultz entschlossen, die neuen technologischen Möglichkeiten zu prüfen,
die uns vielleicht in die Lage versetzen können, die Bedrohung zu beseitigen, die von den ballistischen Kaketen aller Reichweiten ausgeht. Die
ersten Ergebnisse unserer Studien und die bis zum heutigen Tag bereits
durchgeführten Forschungsarbeiten sind ermutigend. Wir sehen die Möglich- lü -

�die Möglichkeiten zur Entwicklung dieser Technologien und zur Schaffung
voll wirksamer, kosteneffektiver und überlebensfähiger Üefensivsysteme
optimistisch.

i

Während wir aber diese Forschungsarbeiten durchführen, müssen wir die
Abschreckung gegen einen Angriff weiter wirksam halten. Auch wenn die
Entscheidung, von der Forschung zur Entwicklung überzugehen, einmal getroffen würde, würden wir immer noch eine wirksame Abschreckung aufrechterhalten müssen. Und da die Einführung von Defensivsystemen sich über einen Zeitraum von Jahren hinziehen würde, würden wir sicherstellen müssen,
daß auch während dieser Übergangsperiode die Stabilität gewahrt bleibt.
Eine starke und moderne Triade wird für die Abschreckung sorgen, die
wir brauchen, um diesen Weg gehen zu können. Eine starke und moderne
Triade braucht eine starke ICBM-Säule. Und zu einer starken ICBM-Säule
gehören 10U MX-Raketen.
Ich ersuche den Ausschuß, sich an die Spitze der Bemühungen zu stellen, den Kongreß dazu zu bewegen, die Beschränkungen aufzuheben, denen
die Beschaffungsfinanzierung der MX im Haushaltsjahr 1985 unterworfen
wurde, und unseren Anträgen für das Haushaltsjahr 1986 für die Produktion
der MX zu entsprechen.

* * * * *

- 11 -

�März 1985

USA RICHTEN SUPERCOMPUTER-ZENTREN EIN

- (AD) - Vier Supercomputer-Zentren will die Nationale rtissenschaftsstiftung der USA (NSF - National Science Foundation) im Verlauf der nächsten fünf Jahre einrichten und in Betrieb nehmen.
Erich Bloch am 25. Februar 1985 bekannt.

Dies gab NSF-Direktor

Sie werden mit 2GU Millionen

Dollar finanziert und sind für die Universität Kalifornien in San Diego,
die Universität Illinois, die Cornell-Universität in Ithaca (New York)
und das John von Neumann-Institut in der Nähe von Princeton (New Jersey)
vorgesehen.

Bereits Ende 1985 oder Anfang 1986 sollen sie amerikanischen

Wissenschaftlern und Ingenieuren aus dem ganzen Land zur Verfügung stehen.

Bloch verwies darauf, da(3 die Führungsrolle der Vereinigten Staaten
"von unseren ausländischen Handelspartnern in die Schranken gefordert
wird.

Es ist klar geworden, daß die Festigung unserer Forschungsbasis,

mit der dieser Herausforderung begegnet werden muü, weitgehend vom Zugang
unserer Wissenschaftler und Ingenieure zu Supercomputern abhängt...

Die-

se werden neue Wege für Problemlösungen und neue Forschungsgebiete eröffnen."
Die modernsten,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die modernsten, in den Vereinigten Staaten hergestellten Supercomputer sind Cray XMP und Cyber 205 - sie können 1ÜU Millionen Operationen
pro Sekunde durchführen.

Supercomputer geben den Forschern die Möglich-

keit zur Untersuchung sehr komplexer Probleme, die häufig durch Experimente gar nicht untersucht werden können.

Dazu zählen beispielsweise die

Simulation von Kernreaktorunfällen für Sicherheitsstudien, die Erstellung
von Modellstudien über die Verschmutzung der Atmosphäre oder die Konstruktion neuer Flugzeuge und Autos.

Wie Bloch erklärte, werde jedes Computerzentrum mit einer groben Anzahl von Universitäten und Forschungsinsitituten direkt verbunden sein.
So sei vorgesehen, das Zentrum in San Diego einem Konsortium von 18 Universtitäten anzuschließen; das Management für das John von Neumann-Zentrum werde dem Konsortium für wissenschaftliches Computerwesen übertragen,
einer von 12 wichtigen Forschungsinstitutionen gebildeten gemeinnützigen
Organisation.

Neben der Wahrnehmung ihrer Aufgabe, Forschern modernste

Computersysteme an die Hand zu geben, werden die Zentren auch Studenten
und Forscher in der Nutzung von Supercomputern ausbilden und der Computerindustrie Anregungen geben, "künftig noch bessere Supercomputer zu
entwickeln."

Der Astrophysiker Larry Smarr, der das Zentrum an der Universität Illinois leiten wird, gab bekannt, daß man für dieses Zentrum in den nächsten fünf Jahren ca. 75 Millionen Dollar von Bundesregierung, bundesstaatlichen Stellen und der Industrie erwarte.

Wichtigstes System des

Zentrums werde zunächst der Cray XMP-Supercomputer sein, zu aem Forscher
von der Universität und aus dem ganzen Land freien Zugang haben. Man werde sich darauf konzentrieren, technologische Fortschritte, üie die Wirtschaft produziere, zu Durchbrüchen in Natur- und Ingenieurwissenschaften
sowie für neue Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie zu nutzen.

Wei-

tere Programmziele neben der Entwicklung schnellerer, leistungsstärkerer
Supercomputer seien sicherere und effizientere Fabriken, eine genauere
und zeitgerechtere Wettervorhersage und Durchbrüche im Studium von Krankheiten wie z. B. von Krebs, sagte Smarr.

Katastrophen wie die von Bhopal

(Indien) sollten durch die mit Hilfe von Supercomputern möglichen Simula- 2 -

�möglichen

Simulationsberechnungen

verhindert werden können.

ausgeschlossen,

d.h.

von

vornherein

"Das gesamte Universum laut sich in diese

Maschinen packen - von der 'Ursuppe', aus der sich Sterne und lilaxien
entwickelten, bis zum kleinsten Elementarteilchen", meinte Smarr.

* * * * *

- 3-

�Wi/scn/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. März 198b

10

METALLE IN M£DIKAMENTEN
- Schlüsselmoleküle: KomplexVerbindungen -

Aus: The Economist. Bei Nachdruck
Angabe der Quelle und Vermerk "Copyright 'The Economicst Newspaper Ldt.,
London, 1984'" erforderlich.

- (AD) - Metalle spielen eine immer größere Rolle in der Pharmazie.
Schon seit langem hilft Gold, Beschwerden bei Polyarthritis zu lindern.
Platin wird bei bestimmten Formen von Krebs benutzt. Manche Wissenschaftler halten auch weniger edle Metalle, z.B. Kupfer, für eine wichtige Komponente.

Sie vermuten dies aufgrund der Entdeckung,daß manche Arznei-

stoffe nur in Verbindung mit Metallen wirksam sind.

Der Körper braucht Metalle für viele Zwecke.

Elemente wie Natrium

und Calciun z. B. sind in jeder Nahrung und praktisch in allen Geweben im
Körper vorhanden.

Andere, Eisen und Kupfer etwa, sind ebenfalls von gro-

Postfach 20 03 00 Tel : 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�von großer Bedeutung für die chemischen Vorgänge, werden aber nur in ganz
winzigen Mengen benötigt.
eingebettet.

Meist sind sie in das Zentrum großer Molaküle

So ist beispielsweise das als Sauerstoffträger

wichtige

Blutprotein Hämoglobin um ein Eisenatom herumgebaut.

Zwei weitere Punkte wurden als bedeutsam erkannt. Erstens bilden viele

pharmazeutische

Substanzen

"Komplexverbindungen"

mit Metall-Ionen.

Zweitens ist es typischerweise die Kombination Arzneistoff-Metallkomplex,
der die erwünschte Wirkung erzielt, nicht der Arzneistoff allein.

So

wird vermutet, daß das Antikrebsmittel Bleomycin mit Eisen im Blut reagiert, bevor es zu wirken beginnt.
die Komplexe wichtig sind:

Es gibt zwei Theorien dazu, weshalb

Entweder verändere das Metall-ion die chemi-

schen Eigenschaften des Arzneistoffs, der als Molekül daran haftet, oder
der Arzneistoff helfe, das Metall zum gewünschten Wirkungsort zu transportieren, und ihm neue chemische Eigenschaften zu verleihen.

Prof. John Sorenson von der Universität Arkansas befaßt sich mit den
sog. Chelaten (d.h. Komplexen von Metallen mit organischen Verbindungen)
besonders intensiv, seit er herausfand, daß die Kupferkonzentration im
Blutplasma von Patienten mit Arthritis und anderen Erkrankungen, die mit
Entzündungen einhergehen, erhöht ist.

Bekannt war bereits, daß entzün-

dungshemmende Arzneistoffe mit Metallen, mit Kupfer im besonderen, Komplexe bilden können.

Bekannt war ferner, daß einige von ihnen, wenn Kup-

fer fehlt, Geschwüre verursachen, die gleichen Arzneistoff aber in Verbindung mit Kupfer Geschwüre heilen.

Die Idee, Medikamente zu entwik-

keln, die von vornherein auf Kupferkomplexen basieren, war für Sorenson
eine logische Folgerung aus diesem Sachverhalt.
•

Inzwischen stellte er eine ganze Liste von Erkrankungen zusammen, die
durch Kupferkomplexe beeinflußt werden.

Ihr Umfang ist beeindruckend -

allerdings sagen auch manche, er sei verdächtig.

Seit den zwanziger Jah-

ren weiß man, daß Kupferkomplexe bei einer bestimmten Form von Anämie
hilfreich sind, und seit den dreißiger Jahren ist bekannt, daß sie Rheumakranken helfen können.

Auf der Liste Sorensons stehen ferner Geschwü-

re, Epilepsie (die oft mit Kupfermangel in Zusammenhang gebracht wird),
- 2 -

�gebracht wird), Diabetes und, aufgrund der Ergebnisse von Tierversuchen,
bestimmte Formen von Krebs. So wurde bei einer Mäusepopulation die Anzahl
von Tumoren, die normalerweise durch ein spezielles Carcinogen hervorgerufen werden, auf die Hälfte reduziert.

Interessanterweise verbesserte

die Komplexverbindung auch die Widerstandsfähigkeit der Tiere gegen hohe
Bestrahlungsdosen.

Die meisten dieser Wirkungen, vielleicht sogar alle,

dürften nach Meinung von Sorenson über ein Enzym, und zwar über eine kupferabhängige Superoxid-Dismutase, erfolgen.

Noch sei unklar, ob die Kup-

ferkomplexe das so wichtige Kupfer zum Enzym transportieren oder aber ihm
direkt helfen, das giftige (und krebsverursachende) Superoxid abzubauen.

Die z. T. sehr unangenehmen, außerdem für die Nieren vielfach schädlichen Nebenwirkungen von Gold- und Platinpräparaten versucht man durch
Umstrukturierung der Komplexmoleküle zu mildern.

Das scheint bisher am

besten mit Carboplatin (zur Bekämfpung von Eierstock- und Hodentumoren)
gelungen zu sein.

Die Verbindung verursacht nicht nur weniger häufig und

weniger stark Brechreiz und Beeinträchtigung der Nierenfunktion, sondern
führt auch zu einer besseren Reduzierung des Tumors.

Sie beeinflußt den

Mechanismus der bei Tumoren sich schneller als bei normalen Zellen vollziehenden Zellteilung - auf welche Weise, ist noch nicht bekannt.

Manche große pharmazeutische Unternehmen (z.B. SmithKline Beckman und
Bristol Myers in den Vereinigten Staaten und Rhone Poulence in Frankreich), aber auch Edelmetallproduzenten (wie z.B. Johnson Matthey in England) beginnen bereits mit noch selteneren Metallen zu experimentieren.
Möglicherweise könnte Palladium für die Therapie von Magenkrebs Bedeutung
erlangen.

Alles in allem dürften etwa 5Ü Elemente als Komplexbildner in

Frage kommen, um neue, bessere Medikamente zu entwickeln.

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nltze: Amerikanisch-sowjetische Rüstungskontrollverhandlungen&amp;nbsp;werden schwierig &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Abrüstungsberaters vor dem US-Senat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;MX-Rakete wesentlich für Aufrechterhaltung der Abschreckung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anhörung vor dem Militärausschuß des Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA richten Supercomputer-Zentren ein&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Metalle in Medikamenten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schlüsselmoleküle: Komplexverbindungen -&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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U^^JS»""*"
53OO Bo n n ^
6. März 1991

GOLFKRIEG

DIE POSITION DER VEREINIGTEN STAATEN
IM GOLFKONFLIKT
Erläuterungen des Gesandten George F. Ward

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
BEZIEHUNGEN

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN
IN "SCHWIERIGER PHASE"
Zoellick vor Senatsausschuß

AUSLANDSHILFE

PLAN DER US-AUSLANDSHILFE FÜR 1992
Übersicht über den Antrag der'Regierung

WIRTSCHAFT

DIE US-HANDELSPOLITIK 1991
Präsident Bush stellt das neue Programm vor

MENSCHENRECHTE

SCHIFTER: ZUNEHMENDE WAHRUNG DER
MENSCHENRECHTE
Rede des Abteilungsleiters vor Unterausschuß
des Kongresses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�GOLFKRIEG
6. März 1991

DIE POSITION DER VEREINIGTEN STAATEN
IM GOLFKONFLIKT
Erläuterungen des Gesandten George F. Ward
SANKT AUGUSTIN - (AD) - In seiner Einführung zur Position der Vereinigten Staaten im Golfkonflikt unterstrich
der Gesandte bei der US-Botschaft in Bonn, George F. Ward, am 6. März 1991 vor Mitarbeitern der KonradAdenauer-Stiftung in Sankt Augustin, bei dem Krieg am Golf habe es sich nicht um eine rein amerikanische
Angelegenheit, sondern eine internationale Operation und einen Krieg Saddam Husseins gegen den Rest der
Welt gehandelt, dessen Ziel die Auslöschung der nationalen Identität Kuwaits gewesen sei.
Der Gesandte verwies darauf, daß mit dem irakischen Überfall auf Kuwait "die erste Weltkrise nach dem Ende
des kalten Krieges" begonnen habe und fügte hinzu: "Wäre der Überfall auf Kuwait ohne Antwort geblieben, so
spricht alles dafür, daß wir uns zu einem späteren Zeitpunkt neuen und größeren Katastrophen gegenübergesehen hätten."
Zur Position der Vereinigten Staaten erläuterte der Gesandte, mittelfristig werde die Stellung des Irak in der
Region im Hinblick auf die Sicherheitsbelange seiner Nachbarn neu zu bestimmen sein, und auf lange Sicht
strebten die Vereinigten Staaten eine umfassende Friedensordnung für den gesamten Nahen Osten an.
Abschließend bemerkte Ward, die amerikanischen Ziele seien zwar ehrgeizig, "aber wir haben Partner, mit
denen wir einen Krieg gewinnen konnten. Wir glauben daran, daß wir mit ihnen auch den Frieden sichern
können."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erläuterungen des Gesandten im Wortlaut.

Sehr geehrter Herr Dr. Vogel, meine sehr verehrten
Damen und Herren,
ich danke Ihnen für die Gelegenheit, Ihnen die Position
meiner Regierung in dem Konflikt am Persischen Golf
darzulegen. Seit dem 28. Februar schweigen zwar die
Waffen, aber wirklicher Friede ist noch nicht eingekehrt. Ich möchte rekapitulieren, warum und wofür wir
gekämpft haben, und ich werde versuchen, einen
Ausblick auf die Zukunft zu geben.
Der Krieg am Golf war keine rein amerikanische Angelegenheit. Es handelte sich um eine internationale
Operation, die von 38 Staaten und einer multinationalen Gruppe, dem Golf-Kooperationsrat, aktiv getragen
oder materiell unterstützt wurde. Die Ziele der Operation Wüstensturm wurden nicht von den Vereinigten
Staaten, sondern vom UN-Sicherheitsrat in zwölf
Resolutionen definiert. Dies war ein Krieg Saddam
Husseins gegen den Rest der Welt.

AMERIKA DIENST 9

Der Golfkrieg begann nicht erst am 16. Januar 1991,
sondern bereits am 2. August 1990. An diesem Tag
überfiel der Irak Saddam Husseins ein kleines und
nahezu wehrloses Nachbarland. Der Irak tat dies ohne
Grund und ohne auch nur im mindesten provoziert
worden zu sein. Der irakische Einmarsch in Kuwait war
ein Akt nackter Aggression, begangen von einem
Diktator, dem es um nichts weiter ging als um die
Vergrößerung seiner Machtfülle. Die irakischen Besatzungstruppen übten in Kuwait eine Schreckensherrschaft aus. Mord, Folter und Plünderung waren an
der Tagesordnung. Das Ziel der Irakis war die Auslöschung der nationalen Identität Kuwaits.
All dies veranlaßte Präsident Bush zu dem Wort, daß
der Konflikt mit dem Irak eine Frage von Schwarz und
Weiß sei. In der Tat gab es in diesem Konflikt keine
Ambivalenz. Welche Seite für das Völkerrecht kämpfte und welche es fortgesetzt brach, war unzweideutig.

Seite 1

�Nur darum konnte so schnell eine internationale Koalition höchst unterschiedlicher Staaten gegen den
Aggressor gebildet werden.

Haftung des Irak für alle angerichteten Schäden sowie
Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit in der
Region.

Der irakische Überfall war aus verschiedenen Gründen nicht hinnehmbar. Erstens mußte die Völkergemeinschaft unverzüglich und mit Entschiedenheit
demonstrieren, daß Aggression sich nicht lohnt und
nicht geduldet wird. Das Ende des Ost-West-Konflikts
erfüllte uns alle mit der Hoffnung, daß es nun möglich
sei, eine neue und friedlichere Welt aufzubauen. Wenn
nackte Aggression aber ungeahndet bleibt, dann kann
es nur allzu leicht sein, daß diese neue Welt noch
anarchischer und gewalttätiger wird als es die alte war.
Mit dem irakischen Überfall auf Kuwait begann die
erste Weltkrise nach dem Ende des kalten Krieges. Es
stand von vornherein fest, daß sie einen Präzedenzfall
schaffen und eine Weichenstellung bilden würde,
entweder in Richtung einer stabileren Weltordnung
oder aber in Richtung Chaos. Ein Erfolg Saddams
hätte eher früher als später Nachahmer gezeugt. Sein
Scheitern wird andere Despoten nachdenklich stimmen.

Dies waren die Ziele der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten am Golf. Präsident Bush und Mitglieder
seines Kabinetts taten ein übriges, indem sie wiederholt erklärten, welche Ziele wir nicht verfolgten. Wir
haben nicht gegen das irakische Volk gekämpft. Wir
erkennen die Stellung des Irak in der Region an. Wir
haben nicht die Absicht, ihn so weitgehend zu destabilisieren, daß er selbst zur Zielscheibe für Aggression
werden könnte. Wir wollten den Irak weder erobern
noch besetzen. Wir wollen keine Veränderung der
Grenzen des Irak. Wir sind nicht daran interessiert,
langfristig größere Kontingente an amerikanischen
Bodentruppen in der Golfregion zu stationieren.

Zweitens ist der Nahe Osten eine der explosivsten und
konfliktträchtigsten Regionen der Welt. In einem solchen Umfeld ist eine aggressive, gefährlich hochgerüstete Militärmacht unter dem Kommando eines völlig
bedenkenlosen Diktators wie ein vorbestrafter Brandstifter, der mit einer Fackel in der Hand in ein Pulvermagazin eindringt. Ein erfolgreicher Saddam hätte in
Kuwait niemals haltgemacht. Wäre sein Überfall auf
Kuwait ohne Antwort geblieben, so spricht alles dafür,
daß wir uns zu einem späteren Zeitpunkt neuen und
größeren Katastrophen gegenübergesehen hätten.
Drittens lagert im Nahen Osten der Großteil der Erdölreserven dieses Planeten. Die gesamte Weltwirtschaft hängt von dieser Region auf Gedeih und Verderb ab. Die Vorstellung, die Energieversorgung großer Teile der Welt von den Launen eines Diktators auf
Aggressionskurs abhängig zu machen, wäre abenteuerlich gewesen.
All diese Gefahren wurden weltweit erkannt und veranlaßten die Völkergemeinschaft zum Handeln. Ihre
erste Reaktion erfolgte noch am 2. August 1990 in
Form der Resolution 660 des UN-Sicherheitsrats. Sie
enthielt erstmalig die Forderung, die das zentrale
Kriegsziel der Koalition blieb - sofortiger und bedingungsloser Rückzug aller irakischer Streitkräfte aus
Kuwait.
In den darauffolgenden Tagen und Wochen konkretisierte der UN-Sicherheitsrat in elf weiteren Resolutionen, was zur Beilegung der Krise notwendig sei:
Wiederherstellung der Souveränität, Unabhängigkeit
und territorialen Unversehrtheit Kuwaits, Wiedereinsetzung seiner legitimen Regierung, die Nichtigkeitserklärung des irakischen Annexionsbeschlusses,

Seite 2

Nach der Befreiung Kuwaits, der weitgehenden Vernichtung der irakischen Feldarmee und der Anerkennung aller zwölf UN-Resolutionen durch den Irak am
27. Februar dürfen wir die Kriegsziele der Koalition als
weitgehend erreicht betrachten. Was bleibt zu tun?
Wie gelangen wir von der Waffenruhe zum Frieden?
Konkrete Antworten auf diese Fragen sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht möglich. Wir sprechen
hier von einer Gleichung mit vielen Unbekannten.
Die unmittelbaren Aufgaben sind noch klar umreißbar
und eher technischer Natur: Bestimmung der militärischen Bedingungen eines Waffenstillstands, Repatriierung der Kriegsgefangenen sowie der in den Irak
verschleppten Zivilisten, Beseitigung der irakischen
Minenfelder, Löschung der Ölbrände und Wiederherstellung der Grundversorgung der Bevölkerung von
Kuwait mit Dingen wie Wasser und Elektrizität.
Mittelfristig wird die Stellung des Irak in der Region im
Hinblick auf die Sicherheitsbelange seiner Nachbarn
neu zu bestimmen sein. Auch die Frage der Wiedergutmachung der immensen vom Irak angerichteten
Schäden wird zu klären sein. Wie die Lösung dieser
Probleme aussehen wird, hängt in starkem Maße von
der inneren Entwicklung des Irak ab. Ein Irak mit
Saddam Hussein wird sich zweifellos mehr Vorbehalten und weitreichenderen Forderungen nach Sicherheitsauflagen gegenübersehen als ein Irak ohne Saddam Hussein.
Machen wir uns keine Illusionen: Der Irak beugte sich
den Forderungen des UN-Sicherheitsrats nicht aus
Einsicht, sondern mangels weiterer Möglichkeiten zur
Fortführung des Krieges. Gebrochen wurde nur Saddams Kriegsmaschinerie, nicht sein Wille zur Aggression. Noch am 26. Februar, einen Tag vor Kriegsende,
hielt er eine Rede, die alles andere als eine Friedensbotschaftwar und in der er Kuwait weiterhin als Teil des
Irak bezeichnete. Bleibt Saddam an der Macht, so
werden die Koalition und der UN-Sicherheitsrat Vorkehrungen gegen eine irakische Wiederaufrüstung

AMERIKA DIENST 9

�treffen müssen. Zu denken wäre vor allem an ein
Waffenembargo.
Langfristig streben die Vereinigten Staaten eine umfassende Friedensordnung für den gesamten Nahen
Osten an. Ihre Gestalt und der Weg zu ihrer Verwirklichung sind offen. Dies erfordert die Mitwirkung aller
Staaten der Region. Die Vereinigten Staaten haben
bislang keine praktischen Konzepte, wohl aber Ziel vorstellungen. Diese lassen sich in fünf Komplexe gliedern.
Erstens sollte für die Region ein sicherheitspolitischer
Rahmen geschaffen werden. Beruhen sollte er auf der
allgemeinen Anerkennung bestimmter Grundsätze.
Hierzu zählen die Ächtung jeglicher Aggression, die
Garantie der Souveränität und territorialen Unversehrtheit aller Staaten der Region sowie die Verpflichtung zurfriedlichen Regelung von Streitfragen. Dieses
Rahmenwerk müssen die unmittelbar Betroffenen im
wesentlichen selbst schaffen, und keiner der Staaten
der Region darf hiervon ausgeschlossen werden. Wie
ich schon sagte, streben die Vereinigten Staaten keine
dauerhafte Präsenz größerer Kontingente an Bodentruppen an.
Zweitens brauchen wir regionale Rüstungskontrolle
und Vorkehrungen gegen unbegrenzte Rüstungslieferungen in einen Teil der Welt, der ohnehin bereits
übermilitarisiert ist. Solche Kontrollmechanismen
mü ßten sowohl auf konventionelle Waffen als auch auf
Massenvernichtungsmittel Anwendung finden. Außerdem müssen wir das Problem des Exports gefährlicher Technologien energisch angehen. Seine Lösung erfordert ein hohes Maß an internationaler Zusammenarbeit. Die Vereinigten Staaten würden deutsche oder europäische Initiativen begrüßen.
Drittens muß der wirtschaftliche Wiederaufbau der
nicht nur von diesem Krieg betroffenen Länder in
Angriff genommen werden. Darüber hinaus sollten
Abkommen über die wirtschaftliche Entwicklung und
Zusammenarbeit der gesamten Region ins Auge gefaßt werden, vielleicht sogar eine Art Nahost-EG.
Wichtige Einzelprojekte könnten den Anfang bilden,
z.B. ein Wasserwirtschaftsplan für die Region.

AMERIKA DIENST 9

Viertens muß eine arabisch-israelische Aussöhnung
erreicht werden. Hierzu gehört auch die Lösung des
Palästinenserproblems. Ein solches Ziel mag unrealistisch erscheinen, denn dieser und die vorausgegangenen Konflikte haben Feindschaft geschaffen und
Gräben aufgerissen. Aber auch Deutschland und
Frankreich galten über Generationen hinweg als Erbfeinde. Auch die Fronten im südlichen Afrika galten
einmal als erstarrt und sind heute doch in Bewegung.
Ein solcher Aussöhnungsprozeß kann seiner Natur
nach nur langfristig angelegt sein. An seinem Anfang
sollten nach Möglichkeit bilaterale Kontakte zwischen
den betroffenen Ländern stehen. Eine große internationale Konferenz wäre verfrüht und könnte mehr
Schaden als Nutzen stiften. Ich warne auch vor der
Vorstellung, daß es nun die Aufgabe der Vereinigten
Staaten sei, die Israelis an den Verhandlungstisch zu
bringen, während die Europäer in diesem Sinne auf die
Araber einwirken. Vielmehr ist enge Zusammenarbeit
mit allen Beteiligten erforderlich. Die Herstellung besserer
und vertrauensvollerer Beziehungen zwischen den
Israelis und den Europäern würde den Friedensprozeß
sicherlich einen großen Schritt voran bringen.
Fünftens sollten die Industriestaaten ihre Abhängigkeit
von Ölimporten aus dem Nahen Osten verringern.
Beim derzeitigen Stand der Dinge sind sie erpreßbar,
was für jeden Aggressor einen Anreiz zum Griff nach
den Ölfeldern schafft.
Diese Ziele sind umfassend und weit gesteckt, und sie
müssen es sein, denn die Probleme des Nahen Ostens
stehen in Wechselwirkung zueinander. Religiöse und
nationale Gegensätze schaffen Bedrohungsängste,
Bedrohung führt zu Rüstung, Rüstung schafft Wirtschaftsprobleme und Armut, Armut gebiert Radikalismus, Radikalismus verschärft religiöse und nationale
Gegensätze.
Unsere Ziele sind ehrgeizig, aber wir haben Partner,
mit denen wir einen Krieg gewinnen konnten. Wir
glauben daran, daß wir mit ihnen auch den Frieden
sichern können.

Seite 3

�USA-SOWJETUNION
6. März 1991

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN IN
"SCHWIERIGER PHASE"
Zoellick vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen steht eine "schwierige Phase" bevor.
Dies ist die Einschätzung von Robert Zoellick, einem führenden Beamten im US-Außenministerium. In seiner
Erklärung voreinem Unterausschuß für europäische Angelegenheiten des Senats stellte Zoellick am 28. Februar
1991 andererseits fest, beide Länder arbeiteten auf Gebieten beiderseitigen Interesses weiterhin zusammen,
und er würdigte die sowjetische Unterstützung für die Koalition gegen den Irak. "Was am Golf geschehen ist,
wäre ohne sie nicht möglich gewesen", erklärte er.
Schewardnadses Rücktritt sei ein "Weckruf - ein Weckruf für Gorbatschow und ein Weckruf für die Reformer".
Beide Parteien sollten darauf hören. Er kritisierte Gorbatschows "Schwenk nach rechts" und prognostizierte,
sein gegenwärtiges Reformprogramm werde "unproduktiv" sein.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Erklärung von Zoellick im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, ich begrüße diese Gelegenheit,
über die jüngsten Ereignisse in der Sowjetunion und
die amerikanische Reaktion berichten zu können. Ich
habe meine Erklärung in vier Themenbereiche gegliedert:
Wichtige Grundsätze der US-Politik gegenüber
der Sowjetunion 1989 -1990.
Analyse der jüngsten Ereignisse.
Ausblick.
Folgerungen für die US-Politik.
Wichtige Grundsätze der US-Politik gegenüber
der Sowjetunion 1989 -1990
Bei der Analyse unseres künftigen Kurses ist es nützlich, die wichtigsten Elemente unserer heutigen Politik
Revue passieren zu lassen. Damit werden die Grundrichtung umrissen und die Gründe für unseren gegenwärtigen Weg erklärt.
Im Mai 1989 erklärte der Präsident, es sei an der Zeit,
"über die Politik des Containment hinaus" zu gehen.
Angesichts des Bruchs in den traditionellen sowjetischen Verhaltensmustern war es unseres Erachtens
wichtig, die Möglichkeit zur Vollendung seit langem
bestehender westlicher Ziele beim Schopf zu packen

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und gleichzeitig der UdSSR den Weg zu ebnen, um
eine konstruktive Rolle in der internationalen Staatengemeinschaft zu spielen.
Außenminister Baker erläuterte unsere Haltung gegenüber der Sowjetunion in Reden im April und Oktober 1989. In einer dritten Rede im Oktober 1990
untersuchte er unsere Fortschritte und erläuterte unsere
weitere Strategie.
Kurzgesagt bestand unsere Strategie darin, mögliche
Punkte beiderseitigen Vorteils für die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion zu erkunden und weiterzuentwikkeln. Folgerichtig stellten wir Sondierungen im Hinblick auf das "neue Denken" in der sowjetischen
Außenpolitik an und waren bestrebt, sowjetische politische Einschätzungen zu beeinflussen und - soweit
dies möglich war - zu verändern, damit sich die Sowjets
der Widersprüche zwischen neuem Denken und alten
Gewohnheiten bewußt würden. Wir versuchten, Vorschläge so zu formulieren, daß die Vorteile für beide
Parteien betont wurden. Damit waren wir bestrebt, die
alte Nullsummenlogik zwischen Ost und West zu
überwinden, derzufolge ein Gewinn für eine Seite
einen Verlust der anderen bedeutete.
Unsere Strategie erforderte die Erweiterung unserer
Tagesordnung mit den Sowjets. Wir fügten neue
Punkte hinzu. Wir schlugen neue Ansätze vor.

Seite 1

�Unser erstes Ziel bestand darin, mit den Sowjets bei
der Überwindung der Teilung Europas, des wahren
Ursprungs des kalten Krieges, zusammenzuarbeiten.
Nach vielen Jahrzehnten hatten die Entschlossenheit
des Westens und der Schutz der NATO freie und
wohlhabende Staaten hervorgebracht, die mit Diktaturen Tür an Tür lebten. Als die mit dieser Kluft konfrontierten Menschen hinter dem Eisernen Vorhang die
Freiheit wählten, suchten wir die Sowjets davon zu
überzeugen, daß die friedliche Entstehung demokratischer Regierungen und Marktwirtschaften in ganz
Mittel- und Osteuropa uns allen - Ost und West zugutekommen würde. Die alten unrechtmäßigen
Regime seien im Verfall begriffen, weil sich in ihnen
nicht die Zustimmung der Regierten widerspiegelte
und weil sie sich nicht den freien Willen freier Menschen zunutze machen konnten. Ihre Erhaltung wäre
sowohl wirtschaftlich als auch deshalb kostspielig, weil
sie die Sowjetunion daran hindern würde, die von ihr
angestrebte Öffnung zum Westen zu erreichen. Unser
Ansatz war kooperativ und bestärkend, nicht bedrohend. Dieser Ansatz - die Bemühung, keine Partei in
Europa zu singularisieren oder isolieren, wenn sie die
freiheitlichen Bestrebungen respektierte - war ein
wichtiger Beitrag zur friedlichen und demokratischen
Vereinigung Deutschlands.
Zweitens haben wir unser gemeinsames Interesse an
der friedlichen Beilegung regionaler Konflikte betont
und waren häufig bestrebt, Wahlen als Mittel zur
Schaffung von Legitimität und Feststellung des Willens der dort ansässigen Bevölkerung einzusetzen.
Um ein angemessenes Umfeld für Wahlen zu schaffen, versuchten beide Seiten, ihren jeweiligen Einfluß
geltend zu machen, um streitende Parteien davon zu
überzeugen, daß der weitere Einsatz von Gewalt keine
dauerhafte Lösung herbeiführen würde. Dies war in
etwa die Formel für unsere kooperativen Bemühungen
in Nicaragua, Kambodscha, Angola und Afghanistan.
Diese Erfahrung lieferte die Grundlage für die unverzügliche gemeinsame amerikanisch-sowjetische Verurteilung des irakischen Angriffs auf Kuwait - die
gemeinsame Erklärung der Außenminister Baker und
Schewardnadse vom 3. August 1990 -, die wiederum
Grundlage für die einmaligen multinationalen und UNMaßnahmen war.
Drittens versuchten wir unsere Unterstützung für die
Perestrojka auf praktische Art und Weise zu demonstrieren. Wir erweiterten unsere Tagesordnung bei
den Menschenrechten, indem wir durch Aufbau von
Rechtsstaatlichkeit diese Rechte zu institutionalisieren versuchten. Wir leiteten ein Programm technischer Wirtschaftszusammenarbeit in die Wege, um
die Entwicklung marktwirtschaftlicher Reformen zu
fördern. Wirsondierten unser gemeinsames Interesse
an der Behandlung grenzüberschreitender Herausforderungen, darunter Rauschgifthandel, Terrorismus und
Umwelt.

Seite 2

Viertens erweiterten wir die Tagesordnung in der
Rüstungskontrolle durch zwei Maßnahmen: wir forderten eine Behandlung des Ungleichgewichts bei
konventionellen Waffen in Europa, und wir loteten
unser gemeinsames Interesse aus, die Aufrüstung mit
neuen Massenvernichtungswaffen anzuhalten und
umzukehren. Diese Bemühungen führten zu Abkommen über KSE (Konventionelle Streitkräfte in Europa)
und die Vernichtung chemischer Waffen.
Meines Erachtens kann diese Strategie eine erfolgreiche Bilanz vorweisen, obwohl sicherlich kein Zweifel
daran besteht, daß unsere Arbeit noch lange nicht
vollendet ist. Die Rote Armee verläßt Mittel- und
Osteuropa. Die Nationen hinter dem ehemaligen
Eisernen Vorhang haben heute die Chance, einen
neuen Kurs der Demokratie und Marktwirtschaft zu
steuern. Wir haben bedeutende Schritte zur Begrenzung und Kanalisierung der sowjetischen militärischen
Bedrohung durch Rüstungskontrolle getroffen. Wir
haben eine Abschwächung des sowjetischen Hangs
zum Abenteurertum erlebt, und wir haben darüber
hinaus dazu beigetragen, sowjetische Kooperation bei
regionalen Konflikten überall auf der Welt zu fördern.
Ferner haben wir unser vertrauensvolles Engagement
unterstrichen, die politischen und wirtschaftlichen
Reformen in der Sowjetunion zu unterstützen, wenn
die sowjetische Führung weiterhin an diesem Kurs
festhalten wird.
Die zunehmende Unsicherheit über den künftigen Kurs
der Sowjetunion birgt drei wichtige Folgerungen für
diese Strategie. Erstens sollten wir danach trachten,
die in den letzten Jahren errungenen Vorteile zu sichern. Zweitens sollten wir weiterhin Möglichkeiten
sondieren, um neue Punkte beiderseitigen Vorteils für
die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten zu finden,
dabei aber das veränderte Umfeld berücksichtigen.
Drittens sollten wir versuchen, mit dieser Ungewißheit
so umzugehen, daß wir unsere Informationskanäle
und unsere Zugangsmöglichkeiten zu einer sich rasch
verändernden sowjetischen Gesellschaft ausbauen.
Analyse der jüngsten Ereignisse
Die Sowjetunion ist ein riesiges Land. Die Motivationen, Ängste und Interessen ihrer verschiedenen Völker sind enorm komplex. Der Kreml ist sicherlich nicht
das einzige Einflußzentrum, aber die politische Szene
wurde dominiert von dem Zusammenspiel vieler Kräfte
innerhalb der sowjetischen Gesellschaft mit den Handlungen eines bestimmten politischen Führers. Ich
möchte Ihnen deshalb eine mögliche Analyse dazu
anbieten, wie die jüngsten Veränderungen die Perspektive Präsident Gorbatschows und den Kurs der
sowjetischen Politik beeinflußt haben könnten.
Im Oktober 1989 machte Außenminister Baker zu den
sowjetischen Reformbemühungen eine Beobachtung,

AMERIKA DIENST 9

�die für die Untersuchung des Laufs der jüngsten Ereignisse dort ein nützlicher Ausgangspunkt ist. Er erklärte:
"Präsident Gorbatschow möchte die Sowjetunion neu
aufbauen. Dies ist die Quintessenz von Perestrojka
und Glasnost. Dies mag vielleicht im Jahr 1985 noch
nicht sein Ziel gewesen sein, aber die Fehlschläge der
frühen Reformbemühungen haben ihn und seine Mitarbeiter davon überzeugt, daß der Wandel die sowjetische Gesellschaft tiefer durchdringen mu ß. Dies sind
dem Nützlichkeitsprinzip verhaftete, zielgerichtete und
entschlossene Männer - wir sollten erkennen, daß sie
die Freiheit nicht um der Freiheit willen anstreben. Ihr
Ziel ist die Modernisierung der Sowjetunion, aber ihr
Bezugsrahmen ist nicht das Zeitalter der Vernunft oder
der Geist der Aufklärung. Als Nachfahren anderer
gro ßer russischer Erneuerer wie Peter der Gro ße oder
Alexander II. sind sie tief in der einzigartigen russischen Erfahrung verwurzelt."
Als Erneuerer und ausgleichendes Element zwischen
den politischen Kräften war Präsident Gorbatschow im
Spätsommer 1990 mit Erfolg, Verfall und Dilemmas
konfrontiert.
Indem er der Wahrheit freie Bahn schaffte, hatte er
begonnen, die schreckliche Bilanz des Kommunismus
bloßzustellen. Das alte System war diskreditiert. Im
Juli schürte Gorbatschow sogar die öffentlichen Ressentiments, um der alten Garde beim Parteitag der
KPdSU eine vernichtende Niederlage beizubringen.
Er besaß jedoch nichts, mit dem er die Kontrolle der
Partei über Staat und Gesellschaft hätte ersetzen
können, und die Probleme bedrängten ihn von allen
Seiten. Die neue Offenheit schien institutionelle Fähigkeiten und gesellschaftliche Normen rapide zu demontieren. Staatliche Institutionen, Exekutive und Legislative, schienen unfähig, in diese Bresche zu springen.
Es fand eine Erosion der Exekutivgewalt auf allen
Ebenen statt. Die gesetzgebenden Körperschaften
konnten debattieren, schienen jedoch unfähig zu
kohärentem Handeln; die von ihnen verabschiedeten
Gesetze wurden nicht in konkrete Maßnahmen umgesetzt.
Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich zusehends. Bewegungen, die mehr Autonomie oder sogar
die Sezession forderten, machten die schwierigen
Aufgaben der Schaffung einer neuen bürgerlichen
Gesellschaft und neuer wirtschaftlicher Verhältnisse
noch komplizierter. All dieses Durcheinander, das
sicherlich erklärbar und vielleicht sogar unvermeidlich
war, rief tief sitzende russische Ängste hervor. Gesellschaft und Wirtschaft schienen zu zerfallen, und offensichtlich war niemand in der Lage, etwas dagegen zu
unternehmen.
Trotz der Hoffnungen und des Enthusiasmus, die von
den Reformern hervorgerufen wurden, schienen sie
außerstande zu sein, als effektives Gegengewicht zu
AMERIKA DIENST 9

wirken; sie waren noch nicht in der Lage, diejenigen
Kräfte in der Gesellschaft auszugleichen, die sich von
den Veränderungen verängstigt und bedroht fühlten.
Deshalb versuchte Schewardnadse ihnen einen
"Weckruf" zu geben, indem er die Reformer mahnte,
sie müßten sich zusammenreißen.
Dagegen könnte es Gorbatschow so erschienen sein,
als ob die Institutionen der Rechten ehrliche, verständliche Lösungen dieser Probleme anboten - selbst
wenn dies keine wirklichen Antworten sind. Darüber
hinaus bleiben die Armee, der KGB, der militärisch-industrielle Komplex und die Kommunistische Partei
weiterhin mächtige Einflußgruppen. Alle fühlten sich
von den jüngsten Ereignissen bedroht. Ebenso schwer
wiegt die Tatsache, daß sie alle nationale Institutionen
und somit Instrumente sind, die von der sowjetischen
Führung eingesetzt werden könnten, um den Kräften
entgegenzuwirken, von denen sie wahrscheinlich
annimmt, daß sie die Modernisierung der Sowjetunion
untergraben.
Insgesamt könnte Gorbatschow folgende Faktoren
empfunden haben: innere wirtschaftliche und politische Probleme, die ihm weniger Bewegungsfreiheit
ließen. Fehlende Unterstützung (oder sogar eine
Bedrohung) seitens der radikalen Reformer, die schneller zu echter Demokratie, Kapitalismus und Unabhängikeit von Republiken gelangen wollten. Und Kräfte
auf der Rechten, die vermeintliche Lösungen und
gewohnte Instrumente anboten, um ihre eigenen Ängste
und die der Gesellschaft als Ganzes zu bewältigen.
Also wandte sich Gorbatschow der Rechten zu, aus
seiner Sicht zur Aufrechterhaltung seiner Glaubwürdigkeit als führender Politiker und zur Bewahrung der
Union. Im September lehnte Gorbatschow Schatalins
500-Tage-Plan ab und stieß die Reformer vor den
Kopf. Er hielt Ryschkow als seinen Ministerpräsidenten und bekräftigte damit seine Absicht, die bestehende Regierungsstruktur nicht anzutasten. Im Oktober
stellte Gorbatschow die Verabschiedung eines unverbindlicher formulierten Kompromißprogramms für
Wirtschaftsreformen sicher. Im Dezember erhielt er
als Präsident eine enorme neue Machtfülle, um dieses
Programm zu verwirklichen. Ebenfalls im Dezember
nahm Gorbatschow eine Neubesetzung der Schlüsselstellungen im Innen- und Justizministerium vor und
sicherte dem KGB und dem Militär stärkere Befugnisse im Inneren. Außenminister Schewardnadse trat
zurück und warnte vor einer Diktatur. Am Ende des
Jahres war nahezu das gesamte Perestrojka-Team
Gorbatschows abgetreten. Schließlich entschied sich
die sowjetische Führung im Januar für die Einschüchterungspolitik im Baltikum, die sich zu einer Demonstration von Macht und anschließend von Gewalt
entwickelte.
Gorbatschow mag davon ausgehen, daß er angesichts des auf ihn ausgeübten Drucks energisch handeln muß, um die Ordnung wiederherzustellen und die
Seite 3

�Reformen zu "retten". Es muß jedoch unbedingt
betont werden, daß dies sein Konzept von Reformen,
von der Modernisierung der sowjetischen Gesellschaft
ist und nicht das Konzept der radikalen Reformer, die
er so frei gemacht hat, daß sie sich eigene Gedanken
machen können. Präsident Gorbatschow mag von der
negativen Reaktion auf diese Maßnahmen in der
Sowjetunion und im Westen sogar ehrlich überrascht
gewesen sein. Vielleicht erwartete er, das Volk werde
ihm vertrauen, würde ihm einen Spielraum zugestehen.
Angesichts der stark negativen Reaktion des Westens
scheint Präsident Gorbatschow Schritte unternommen zu haben, um seine Verantwortung für einige
besonders kritikwürdige Merkmale seines Schwenks
nach rechts zu begrenzen, insbesondere im Baltikum.
Wahrscheinlich erkennt er, daß seine langfristigen
Hoffnungen auf Modernisierung der Sowjetunion die
Aufrechterhaltung einer Öffnung zum Westen erfordern. Aber die Modernisierung - und der Westen - sind
nicht wichtiger als das Überleben.
Trotzdem sollte man einige grundlegende Veränderungen nicht außer acht lassen, die in den vergangenen sechs Jahren in der Sowjetunion stattgefunden
haben. Einige Reformen haben Wurzeln geschlagen,
obwohl nur schwer zu sagen ist, wie tief diese gehen.
Die Menschen haben keine Angst mehr, die Regierung
und die alten Methoden in Frage zu stellen. Demonstrationen von über 200,000 Menschen in den Straßen
Moskaus können nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die Kooperativen-Bewegung wächst
trotz ungeheurer Hindemisse weiter an (gegenwärtig
sind über sechs Prozent der sowjetischen Arbeitnehmer in Kooperativen tätig oder selbständig). Berichten
zufolge ist dem sowjetischen Militär unwohl bei der
Aussicht, im Falle von Unruhen gegen die eigene
Bevölkerung eingesetzt zu werden. Und obwohl sie
nicht auf der Grundlage eines gemeinsamen Programms handeln, scheinen die neuen Führungen der
Republiken ein gemeinsames Interesse daran zu haben,
ein pluralistischeres System und eine gleichmäßigere
Verteilung der Macht zwischen der Zentrale und den
Republiken zu etablieren. Dies sind Veränderungen,
die wir ermutigen müssen; sie bieten die Chance einer
anderen Zukunft für die Sowjetunion.

Ausblick
Die Perestrojka war ein Programm zur politischen und
wirtschaftlichen Liberalisierung, mit dem die Sowjetunion modernisiert werden sollte. Präsident Gorbatschow wollte die Stagnation beenden. Er wollte den
Weg für neue Leute und unverbrauchtes Denken freimachen. Er wollte Beschränkungen auf Informationen
aufheben, um die Weiterentwicklung von Wissenschaft
und Technik zu ermutigen. Er dachte, wenn er dem
sowjetischen Volk eine stärkere Rolle bei der Festlegung der Politik, mehr Freiheit der Rede und des
Handelns einräumen würde, könnte er mehr Energie

Seite 4

und Engagement für die Stärkung des sowjetischen
Staates freisetzen.
Es scheint als ob die sowjetische Führung nie erkannt
hat, daß mehr Freiheit die Menschen in die Lage
versetzen würde zu wählen, wie sie ihre Energien
einsetzen möchten. Und diese freigesetzten Kräfte
bewegten die sowjetische Gesellschaft in unvorhergesehene Richtungen. Die Führung ließ die seit langem
schwelende Glut des Nationalismus außer acht, die
auflodern würde, wenn das Reich seinen Würgegriff
aus Furcht lockerte. Sie wußte nicht, daß die Menschen, wenn man ihnen einmal gestattete, ihre Verachtung für die Kommunistische Partei auszudrücken,
ihre Energie nicht der Stärkung der von den Kommunisten geschaffenen staatlichen Institutionen widmen
würden. Die sowjetische Führung konnte nicht wissen,
daß sie eine Legitimitätskrise herbeiführte, die das
ganze System bedrohte, durch das sie aufgestiegen
war und das sie in den Griff bekommen hatte.
Die sowjetische Führung versucht mit dieser Legitimitätskrise fertig zu werden, indem sie die "Ordnung"
wiederherstellt. Für sie hängt die Ordnung von Autorität ab.
Ich vermute, daß sich die Sowjetunion heute in einer
Phase befindet, die ich als "autoritäre Reformen"
bezeichnen möchte: der Staat wird bereit sein, repressive Maßnahmen zu treffen, um wiederherzustellen,
was er als notwendige Voraussetzungen für ein andauerndes Programm der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernisierung betrachtet. Dieses Programm wird wahrscheinlich durch eine Reihe aufeinander aufbauender Veränderungen sowie ein Muster
der Uneinheitlichkeit gekennzeichnet sein. Die größte
Gefahr besteht darin, daß die "autoritären" Elemente
dem Reformimpuls den Garaus machen könnten.
Die größten Probleme, mit denen Präsident Gorbatschow heute konfrontiert ist, sind erstens die Ausarbeitung effektiver Beziehungen zwischen Zentrale und
Republiken sowie zweitens die Verbesserung der wirtschaftlichen Leistungskraft.
Während die sowjetische Führung ihre Aufmerksamkeit auf diese beiden Schlüsselprobleme konzentriert,
wird sie sicherlich bereit sein, die neue politische und
soziale Freiheit anzutasten und einzuschränken. Zum
gegenwärtigen Zeitpunkt sind politische Gruppen
weiterhin innerhalb und außerhalb des parlamentarischen Prozesses aktiv. Es gibt weiterhin einen Ideenaustausch, der vor sechs Jahren undenkbar gewesen
wäre. Präsident Gorbatschow mag versuchen, eine
durchgreifende Beschränkung dieses Gedankenaustausche zu vermeiden, weil er immer noch davon
ausgeht, daß er für die Modernisierung der Wirtschaft
und der Technologie unerläßlich ist. Aber in der
Sowjetunion ist Offenheit ein Mittel zum Zweck; sie
könnte erheblich eingeschränkt werden, wenn sie die
Fähigkeit der Zentrale behindert, diese beiden überge-

AMERIKA DIENST 9

�ordneten Probleme in den Griff zu bekommen.
Das Problem der Beziehungen zwischen Zentrale und
Republiken besteht grundsätzlich darin, Arrangements
auszuhandeln, mit denen eine befriedigende politische
Legitimität zwischen den verschiedenen Regierungsebenen und dem Volk erreicht wird. Es steht fest, daß
die alte Autorität des Reichs nicht länger funktioniert.
Deshalb leitet die Zentrale einen langsamen Prozeß
ein, um das Ausmaß der für die Erlangung dieser
Legitimität notwendigen Autonomie zu bestimmen.
Als außenstehende Betrachter dieses Prozesses
müssen wir darauf bedacht sein, diesen nicht nur
durch die Brille unserer westlichen Vorstellungen vom
Nationalstaat zu untersuchen. Der Nationalismus, der
in großen Teilen der übrigen Welt im 19. und 20.
Jahrhundert eine der folgenschwersten Bewegungen
war, folgte in der Sowjetunion einem etwas anders
gelagerten Kurs. Der russische Nationalismus besteht
zwar schon seit einiger Zeit, aber er wurde für die Ziele
des sowjetischen Kommunismus eingespannt. Der
russische Chauvinismus hat sich zahlreiche andere
Völker in der UdSSR zu Feinden gemacht. Aber die
nationalen Bewegungen in den Grenzrepubliken wurden erst kürzlich soweit befreit, daß sie ihren eigenen
nationalen Charakter sowie ihre Ursprünge im Hinblick
auf Kultur, Literatur, Sprache, Territorium und Geschichte definieren konnten; sie entwickeln sich weiter
und untersuchen immer noch, wie sie miteinander
umgehen sollen. Die Beziehung zwischen Nationalismus und Staat ist häufig noch nicht so gut definiert.
Überdies stimmen die nationalen Bewegungen nicht
genau mit den Republikgrenzen überein. Einer von
fünf Sowjetbürgern lebt außerhalb seines ethnischen
Bereichs. Es besteht also ein erhebliches Potential für
Reibungen und Konflikte zwischen der Zentralregierung, den Republikregierungen und nationalen Bewegungen.
Die Suche nach politischer Legitimität, das Gleichgewicht zwischen Zentralmacht und Autonomie sowie
die gütliche Einigung mit dem Nationalismus sind
Fragen, die vom sowjetischen Volk entschieden werden müssen. Es sind sicherlich keine Fragen, über die
von uns entschieden werden kann.
Es könnte sein, daß das neue in der Sowjetunion
ausgearbeitete Beziehungsgeflecht mit dem Begriff
der traditionellen Souveränität eines Nationalstaats
nicht so leicht beschrieben werden kann. Präsident
Gorbatschow hat erklärt, die Zentrale müßte vielleicht
mit jeder Republik ein unterschiedliches Vertragsverhältnis entwickeln, und die Übergänge zu diesen neuen Beziehungen könnten unterschiedlich vonstatten
gehen. Es ist jedoch eindeutig, daß die Sowjetunion
bei der Definition geeigneter Konzepte für Machtteilung, Föderalismus oder Rechte des einzelnen keine
großen Fortschritte gemacht hat.

AMERIKA DIENST 9

An der ökonomischen Front erwarte ich ebenso wie im
Fall der Beziehungen Zentrale-Republiken, daß das
erste Ziel die Wiederherstellung der Ordnung sein
wird. Einige mögen der Ansicht sein, daß Ordnung
eine Voraussetzung für die Entwicklung des Systems
zu marktwirtschaftlichen Verhältnissen ist. Die Beschlagnahme von Bargeld und die Angriffe auf die
Schattenwirtschaft sind dazu bestimmt, Ordnung zu
fördern. Die Preiserhöhungen und Lohnvorschläge
dienen dazu, das Verhältnis zwischen Preisen und
Löhnen neu zu ordnen. Befehle zur Erfüllung staatlicher Bestellungen sollen sicherstellen, daß die grundlegenden Lieferbeziehungen aufrechterhalten bleiben.
Diese Schritte werden von anderen schrittweisen
Maßnahmen ergänzt werden, darunter ein Abbau der
zentralen Planwirtschaft, um die industrielle Organisation der Wirtschaft umzustrukturieren und damit in
einer Art marktwirtschaftlicher Umgebung effektiver
operieren zu können.
Dieses Wirtschaftsprogramm wird nahezu mit Sicherheit fehlschlagen. Der Produktionsrückgang wird sich
wahrscheinlich beschleunigen. Dasselbe gilt für die
Inflation. Große Industrieunternehmen werden wahrscheinlich verstärkt auf Tauschgeschäfte zurückgreifen, wenn dieser Trend nicht durch eine umfassende
Disziplinierungskampagne aufgehalten wird. Firmen,
die Waren oder Rohstoffe für den Export gegen harte
Devisen liefern können, werden diese Gelegenheit
ergreifen. Firmen, deren Waren gegen Nahrungsmittel und andere Lieferungen eingetauscht werden können, werden dies tun und die daraus resultierenden
Vorteile an ihre Beschäftigten weitergeben. Unternehmen, die große, nichtmarktfähige Güter herstellen,
werden in Schwierigkeiten geraten. Die Gewerkschaften, die wichtige Bereiche wie Energie und Verkehrswesen kontrollieren, könnten diese Macht einsetzen,
um besondere Vorteile zu sichern. Wenn der Agrarsektor nicht die nötigen Rohstoffe und Maschinen
erhält, könnte es dieses Jahr eine schlechtere Ernte
geben. Die Sowjetunion hat hohe Schulden, die dieses
Jahr fällig werden und die sie nicht bezahlen kann, was
die Belastung weiter erhöht. Die Menschen am Ende
der Kette, die Verbraucher, werden wahrscheinlich
noch mehr leiden.
Eine der größten Gefahren dieser Betonung der wirtschaftlichen Ordnung besteht darin, daß damit der
noch in den Kinderschuhen steckende marktwirtschaftliche Sektor geschädigt wird. Trotz unglaublicher
Hindernisse fanden Kooperativen immer größere
Verbreitung und beschäftigten immer mehr Arbeitnehmer. Sie sind jedoch verwundbar, da sie au ßerhalb der
geltenden Regeln der Kommandowirtschaft tätig sind.
Darüber hinaus haben sich "schwarze" Märkte gebildet, um den Menschen zu Marktpreisen Waren und
Dienstleistungen zu liefern. Jedoch machen Querverbindungen einiger dieser Aktivitäten zur kriminellen
Szene - entweder als deren Opfer oder als deren

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�Ergebnis - diese anfällig für eine Disziplinierungskampagne. Die Ordnungskampagne könnte ferner einige
der Tauschgeschäfte behindern, die sich zwischen
den Firmen entwickeln. Dieses Pseudomarktsystem
ist ineffizient und wird durch Mangel an Wettbewerb
und festen Regeln behindert, aber man ist bestrebt,
dort anzuknüpfen, wo die zusammengebrochene
Kommandowirtschaft aufgehört hat.
Auch in der Wirtschaft muß die Sowjetunion einen
gesetzlichen Rahmen für Eigentumsrechte, Verträge
und Wettbewerb entwickeln. Dies ist eine Frage der
Schaffung von Legitimität und Vertrauen in den Wirtschaftsbeziehungen, die im großen und ganzen mit
der anstehenden Aufgabe im politischen Bereich vergleichbar ist. Sicherlich ist die Fähigkeit zur Etablierung solcher wirtschaftlicher Regeln untrennbar mit
der Schaffung von Autorität der jeweiligen politischen
Einheiten verbunden. Gegenwärtig herrscht ein "Krieg
der Gesetze", der Produzenten, Investoren, Arbeitnehmer und Verbraucher verwirrt. Des weiteren könnte es zu einem Konflikt zwischen der Herstellung
effizienter Marktbeziehungen in großen Bereichen und
der Abwertung politischer Autorität kommen. Diese
beiden Fragen - der politischen und ökonomischen
Regeln - müssen also gemeinsam gelöst werden.
Der gegenwärtige Kurs scheint also ein Versuch zu
sein, die Macht der Zentrale wiederherzustellen. Dies
ist das Machtsystem, das die sowjetische Führung
kennt und das den nationalen Institutionen wie Armee,
KGB und Kommunistische Partei zusagt. Präsident
Gorbatschow könnte jedoch der festen Überzeugung
sein, daß er diese Bekräftigung der zentralen Autorität
benutzt, um zum Kurs der Perestrojka zurückzukehren.
Teilweise besteht der Konflikt darin, daß Präsident
Gorbatschow, der an die Spitze des alten sowjetischen
Systems aufgestiegen ist, sich nicht voll und ganz über
eine Ironie im klaren ist: daß er mit der Initiierung eines
neuen Systems nicht automatisch seine rechtmäßige
Führung innerhalb des neuen Systems sichert. Das
Legitimitätskonzept der sowjetischen Führung ist durch
deren eigene Erfahrungen begrenzt. Sie möchte für
die Sowjetunion ein Endergebnis erzielen, das sowohl
ihrer als auch unserer Einschätzung nach in beiderseitigem Interesse liegt, aber sie glaubt dieses Ergebnis
nicht ohne die vom alten System abgeleitete Macht
erreichen zu können. Die Kräfte, die sie zur Modernisierung der Sowjetunion freisetzen muß, fordern ihre
Autorität heraus. Da sie diese Herausforderungen als
Bedrohungen der Modernisierung ansieht, ergreift die
Führung Maßnahmen zur Wiederherstellung der alten
Ordnung. Damit ließen sich die zunehmenden Hinweise einiger Sowjets auf Entwicklungsmodelle wie Südkorea oder Chile erklären.
Wir sollten uns bemühen, die sowjetische Führung
davon zu überzeugen, daß eine Stützung auf die
Methoden des alten Machtsystems unbeabsichtigte

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Konsequenzen haben wird, die sie von den von ihr
angestrebten Zielen geradezu entfernen würde. Sowohl
eine effiziente Marktwirtschaft als auch eine stabile
demokratische Politik beruhen auf dem Vertrauen der
Öffentlichkeit darin, daß die Regierung und der öffentliche Wille auf der Grundlage allgemein anerkannter
Regeln funktionieren. Willkürliche Maßnahmen zur
Behauptung staatlicher Macht bedrohen ein solches
auf Regeln basierendes System. Es liegt in unserem
Interesse, alle Parteien in der Sowjetunion dazu aufzufordern, solche Regeln aufzustellen und einzuhalten.
Die Legitimität der Beziehungen zwischen Zentrale
und Republiken sowie zwischen Regierungen und
Bevölkerung muß durch ihre eigenen, innerhalb dieser
Regeln bestehenden Verfahren geschaffen werden.
Folgerungen für die US-Politik
Möglicherweise werden wir für einen längeren Zeitraum einen flexiblen Ansatz aufrechterhalten müssen,
der sich wichtigen Problemen einer großen Nation in
einer schwierigen Übergangsperiode anpassen kann.
Die Sowjetunion bleibt eine militärische Supermacht
mit der Fähigkeit, die Vereinigten Staaten und die
gesamte uns bekannte Welt zu zerstören. Sie besitzt
weiterhin etwa 30,000 nukleare Gefechtsköpfe. In den
vergangenen beiden Jahrhunderten marschierten ihre
Armeen von den Küsten des Pazifiks bis nach Paris
und Berlin. Sie besitzt 46 Kernkraftwerke von zweifelhafter Konstruktion, die für Mensch und Umwelt zur
Katastrophe führen könnten. Ihre Öl- und Erdgasreserven sind riesig. Ihre Grenzen schlagen einen
Bogen über andere Länder im Übergang: von den
aufstrebenden Demokratien Mittel- und Osteuropas
über die islamischen Staaten des Mittleren Ostens bis
zu den südasiatischen Staaten mit ihren eigenen religiösen und nationalen Konflikten und den Kommunisten Ost- und Nordasiens, die versuchen, bankrotte
Regime künstlich aufrechtzuerhalten.
Wie ich bereits erklärte, werden sich die Bedingungen
in der Sowjetunion wahrscheinlich verschlechtern, aber
der genaue künftige Kurs ist äußerst ungewiß. Deshalb müssen wir die errungenen Vorteile sichern,
weiterhin andere Punkte beiderseitigen Vorteils sondieren und gleichzeitig das veränderte Umfeld berücksichtigen und bestrebt sein, die Ungewißheit dadurch
zu bewältigen, daß wir unsere Zugangskanäle zu einer
Gesellschaft vermehren, die einen Prozeß des Umbaus durchläuft.
Wir müssen weiterhin sowohl durch unsere Diplomatie
als auch durch unsere Außenwirtschaftspolitik die
Bedeutung des Erfolgs der brüchigen demokratischen
Marktwirtschaften in Mittel- und Osteuropa für die
Stabilität des Ost-West-Verhältnisses betonen. Wirtschaftlicher Niedergang und Unruhen in der Sowjetunion bedeuten zusätzlichen Druck auf diese Länder.
Unsere Maßnahmen sollten diesen Nationen sowohl
dabei helfen, stabile Demokratien und solide Marktwirtschaften zu erlangen, als auch ihre Anbindung an

AMERIKA DIENST 9

�das stabilisierende Netz politischer und wirtschaftlicher Institutionen des Westens zu erleichtern. Wir
müssen dies auf eine Art und Weise tun, die der
Sowjetunion zu der Erkenntnis verhilft, daß es ihr zum
Vorteil gereicht, erfolgreiche Beispiele demokratischer
und marktwirtschaftlicher Umgestaltungen an ihren
Grenzen zu wissen.
Bei regionalen Konflikten liegt es weiterhin in unserem
Interesse, konstruktiv mit der Sowjetunion zusammenzuarbeiten, um eine Abkehr vom neuen Denken zu
verhindern, mit dem die sowjetische Sicherheit neu
definiert und gestaltet werden soll. Dieses Denken
macht die Entwicklung kooperativer Ansätze möglich,
um Konflikte friedlich und demokratisch zu lösen. Es
gibt jedoch weiterhin einige grundlegende innenpolitische Umstände, die auf sowjetischer Seite die Bereitschaft hervorgebracht haben, gemeinsam mit uns
regionale Fragen zu behandeln. Die Beteiligung an
diesen Konflikten kam die Sowjets teuer zu stehen sowohl im Hinblick auf die wirtschaftlichen und militärischen Ressourcen als auch im Hinblick auf Gorbatschows Wunsch zur Verbesserung der Beziehungen
zum Westen.
Wir müssen uns jedoch vor Augen führen, daß die
Inanspruchnahme der Führung durch innenpolitische
Probleme dazu führen könnte, daß sich die Regierungsspitze nicht mehr mit einigen der Probleme in
anderen Teilen der Welt beschäftigt. Angesichts der
von der Sowjetunion vollzogenen strategischen Anpassung werden einflußreiche Gruppen wahrscheinlich zunehmende Sensibilität für Grenzkonflikte an den
Tag legen. Es ist eine geopolitische Tatsache, daß
man in der Sowjetunion die Haltung vertritt, geographisch naheliegende regionale Probleme seien von
größerem politischen und sicherheitspolitischen Interesse als solche, die sich in Afrika, Mittelamerika oder
Südostasien abspielen.
Bei der Rüstungskontrolle ist es weiterhin sinnvoll, die
sowjetische militärische Bedrohung einzudämmen,
indem wirksam verifizierbare Abkommen ausgehandelt werden. Natürlich müssen die einzelnen Modalitäten jedweder Verhandlungen unseren eigenen nationalen Interessen dienen. Und wir müssen ein eindeutiges Signal aussenden, daß wir keine Neufassung
bereits eingegangener Abkommen akzeptieren werden und deren gewissenhafte Durchführung erforderlich ist.
Darüber hinaus sollten wir prüfen, ob die Sowjetunion
an der Zusammenarbeit mit uns und anderen am
Programm der Nichtweiterverbreitung interessiert ist einem Thema in der Rüstungskontrolle, dem in Zukunftwahrscheinlich noch größere Bedeutung zukommen wird als traditionellen Ost-West-Gesprächen. Die
Sowjetunion sollte ein starkes Intresse daran haben,
die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und
Raketentechnologie aufzuhalten, weil eine Reihe derer, die solche destabilisierenden Waffen weiterent-

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wickeln wollen, an ihren eigenen Grenzen leben. Wie
es auch die Krise am Golf bestätigt, haben wir ein
starkes Interesse daran, uns der Herausforderung der
Weiterverbreitung zu stellen.
Unsere Politik im Baltikum sollte zwei Wege gehen.
Erstens müssen wir weiterhin die Hoffnung auf Unabhängigkeit einhellig unterstützen. Natürlich haben wir
die illegale Integration in die Sowjetunion niemals
akzeptiert. Diese Unterstützung haben wir in Wort und
Tat demonstriert. Wir sind auf den höchsten politischen Ebenen mit Vertretern der demokratisch gewählten Regierungen der Baltenstaaten zusammengekommen. Der Präsident hat alle vier Spitzenpolitiker
aus dem Baltikum anläßlich ihrer Besuche in Washington seit Mai vergangenen Jahres empfangen. Wir
unterhalten weiterhin in allen drei Hauptstädten des
Baltikums diplomatische Vertretungen. Unser Generalkonsul in Leningrad unterstützt diese Präsenz durch
regelmäßige Besuche bei baltischen Regierungsvertretern. Wir begrüßen Besuche dieser Regierungsvertreter in den Vereinigten Staaten. Wir leisten humanitäre Hilfe in Form von Arzneimittellieferungen direkt ins
Baltikum. Und wir arbeiten mit anderen westlichen
Ländern durch die KSZE und andere multilaterale
Organisationen zusammen, um einheitliche internationale Unterstützung zu demonstrieren.
Aber diese Schritte allein werden nicht ausreichen,
wenn wir die sowjetische Führung nicht davon überzeugen können, sich an friedlichen Verhandlungen zu
beteiligen, um Probleme zu lösen, die den Zielen des
Baltikums im Weg stehen. Mit unserem zweiten Weg
soll also die sowjetische Führungsspitze davon überzeugt werden, daß ein solcher Kurs in ihrem Interesse
liegt. Zumindest wird mit diesem Kurs ein deutliches
und einhelliges Signal des Westens ausgesandt, daß
der Einsatz von Einschüchterung und Gewalt unannehmbar ist. Unser Weg muß weiterhin häufige Kontakte mit sowjetischen Spitzenpolitikern beinhalten,
damit wir sie zur Einführung von Mechanismen auffordern können, mit denen Schritt für Schritt ein Ergebnis
erzielt werden kann, das den Menschen im Baltikum
entgegenkommt. Wir haben darauf hingewiesen, daß
im Baltikum eine besondere Situation besteht, weil
diese Länder nach dem Hitler-Stalin-Pakt widerrechtlich annektiert wurden, was eine Kommission des
Obersten Sowjet selbst verurteilt hat. Zusätzlich zu
unseren Kontakten zur Spitze haben wir Vertreter der
Sowjetrepubliken gebeten, die Perspektive der Ereignisse im Baltikum zu sondieren. Eine friedliche demokratische Lösung in den Baltenstaaten könnte einen
Mechanismus schaffen, mit dem die Spitze rechtmäßige und auf Konsens basierende Beziehungen zu den
Republiken aufbauen könnte.
Schließlich liegt es nach wie vor in unserem wie auch
im Interesse der sowjetischen Führung, innerhalb der
Sowjetunion eine pluralistische Gesellschaft zu schaffen. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu Demokratie und

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�Marktwirtschaft, zu dem es hoffentlich letztlich kommen wird. Wir müssen ehrlich zugeben, daß unser
Einfluß bei diesem historischen Prozeß gering sein
wird. Aber angesichts der Bedeutung der Sowjetunion
für die Welt sollten wir nach Wegen Ausschau halten,
die den Umgestaltungsprozeß fördern könnten.
In Anbetracht der bereits in der sowjetischen Gesellschaft erfolgten Umwälzungen liegt es in unserem
Interesse, eine große Bandbreite von Kontakten zu
pflegen. Diese Kontakte sollten mit Vertretern der
Republiken und Kommunen und mit der Spitze hergestellt werden. Wir haben Möglichkeiten der Unterstützung für Demokraten, freie Gewerkschaften und Marktreformer erwogen. Hierbei handelt es sich um mutige
und bewunderungswürdige Vorreiter - Menschen, die
den universellen Geist von Freiheit und Würde repräsentieren. Ich hoffe, wir können für die Zukunft ihres
Landes eine größere Rolle spielen.
Es mag für manche nicht so sehr auf der Hand liegen,
aber wir sollten auch unsere Kontakte mit anderen
wichtigen Gruppen in der Sowjetunion, wie etwa dem
Militär und der Rüstungsindustrie ausbauen. Diese
Gruppen sind sehr einflußreich, und wir wissen, daß
sie mit dem rechten Lager der sowjetischen Politik in
Verbindung gebracht werden. Aber diese Gruppen
oder Institutionen spiegeln auch die Besorgnis weiter
Kreise der sowjetischen Gesellschaft wider. Kein
sowjetischer Politiker kann die Sorge der Militärs um
Wohnungen und Arbeitsplätze für die aus Mittel- und
Osteuropa abzgezogenen Truppen ignorieren. Kein
wirtschaftliches Reformprogramm wird politisch erfolgreich sein, wenn es nicht die Ängste der qualifizierten und einflußreichen Arbeitnehmer in der Rüstungsindustrie berücksichtigt. Vielleicht können Kontakte
mit uns und anderen im Westen dazu führen, daß
manche, die eigentlich bisher nicht der Reformbewegung zuzurechnen waren, die potentiellen Vorteile
einer Reform und die düsteren Aussichten einer auf
altem Denken basierenden Politik erkennen.
Wir müssen uns jedoch der Tatsache stellen, daß die

*

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Erhaltung und der Ausbau dieser Kontakte zwar nützlich, aber manchmal sehr schwierig sein wird. Angesichts der Unruhen in der Sowjetunion sollten wir mit beabsichtigten oder unbeabsichtigten - Reaktionen
rechnen, die uns verletzen oder verärgern. Wenn
solche Ereignisse stattfinden, wie es bereits geschehen ist und wahrscheinlich wieder geschehen wird,
müssen wir den handelnden Personen eine eindeutige
Botschaft übermitteln. Wir müssen darauf verweisen,
daß innenpolitische Gegebenheiten die Bereitschaft
und Fähigkeit westlicher Demokratien beeinflussen,
die Sowjetunion aus ihrer selbstauferlegten politischen
und wirtschaftlichen Isolation herauszuführen. Dabei
müssen wir nüchtern erwägen, ob wir damit Beziehungen aufrechterhalten, die in unserem eigenen nationalen Interesse liegen und langfristig im Interesse einer
reformierten Sowjetunion liegen könnten.
Wir müssen mit den höchsten Ebenen der sowjetischen Regierung und der Regierungen der Republiken
die Art von Dialog führen, bei der wir die unbeabsichtigten negativen Konsequenzen aufzeigen können, die
sich aus bestimmten Vorgehensweisen ergeben könnten. Diese unbeabsichtigten Konsequenzen könnten
die Fähigkeiten sowjetischer Politiker blockieren, ihre
eigenen positiven Ziele zu erreichen. Präsident Gorbatschow hat ein wichtiges Erbe errungen, aber wir
müssen erklären, daß er dieses Erbe durch seine
eigenen Schritte riskiert.
Die Sowjetunion befindet sich mitten in einer politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krise. Aber die
Sowjets können ihre Probleme nicht dadurch lösen,
daß sie einem alten verfassungsrechtlichen und politischen System anhängen, das niemals politisch legitimiert war. Das alte System zentralistischer Kontrollen
wird für die Zukunft keine rechtmäßige Basis sein.
Auch nicht der Einsatz von Einschüchterung und Gewalt.
Die Sowjetunion muß neue Beziehungen zwischen
den Regierungen und den Menschen knüpfen. Sie
muß Institutionen aufbauen und ein Maß an Autonomie schaffen, in denen sich die Zustimmung der
Regierten angemessen widerspiegelt.

* * *

*

AMERIKA DIENST 9

�AUSLANDSHILFE
6. März 1991

PLAN DER US-AUSLANDSHILFE FÜR 1992
Übersicht über den Antrag der Regierung
WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat Einzelheiten des von der Bush-Administration vorgelegten bilateralen und multilateralen Programms für Wirtschaftshilfe in Höhe von 11,133 Milliarden
Dollar für das am 30. September 1991 endende Haushaltsjahr bekanntgegeben.
Nachfolgend veröffentlichen wir Einzelheiten des Antrags der Regierung.
Der vom amerikanischen Kongreß für das Haushaltsjahr 1992 beantragten "Ausgabeermächtigung" stehen im Haushaltsjahr 1991 geschätzte Ausgaben von
10,185 Milliarden und im Jahr 1990 tatsächliche Ausgaben in Höhe von 10,103 Milliarden Dollar gegenüber.
Der Antrag für 1992 umfaßt 2,715 Milliarden Dollar für
Entwicklungshilfe, 3,240 Milliarden für den Wirtschaftshilfefonds (ESF), 1,301 Milliarden Dollar an den Fonds
Nahrungsmittel für den Frieden (Gesetz PL-480) sowie
3,876 Milliarden an sonstiger Wirtschaftshilfe für die
jeweiligen multilateralen Entwicklungsbanken. Mittel
aus dem Wirtschaftshilfefonds gehen an Länder von
besonderem sicherheitspolitischem Interesse für die
Vereinigten Staaten.
Das PL-480-Programm umfaßt Titel I, II und III. Titel
I ist ein vergünstigtes Nahrungsmittelhilfeprogramm
für Länder, die diese Mittel über einen Zeitraum von 30
Jahren hinweg zurückzahlen können. Titel II enthält
Spenden an weltweite Nahrungsmittelprogramme,
private Freiwilligenverbände und bilaterale Beiträge an
Länder, in denen aufgrund von Dürre, Hungersnot
oder Armut der Notstand herrscht. Titel III sind bilaterale Spenden zur Milderung des Hungers und der
Unterernährung in den ärmsten Ländern.
Regional wird die Wirtschaftshilfe folgendermaßen
aufgeteilt:

223 Millionen Dollar an Entwicklungshilfe,
2,225 Milliarden Dollar für den Wirtschaftshilfefonds,
428 Millionen Dollar an Unterstützung
für PL-480.
Die Hauptnutznießer sind Israel mit 1,2 Milliarden
Dollar, Ägypten mit 965 Millionen, Pakistan mit 145
Millionen und Bangladesch mit 137 Millionen Dollar.
Afrika
Insgesamt 975 Millionen Dollar verglichen mit schätzungsweise 1,009 Milliarden für 1991 und 853 Millionen Dollar an tatsächlichen Ausgaben im Haushaltsjahr 1990. Der Antrag für 1992 umfaßt:
800 Millionen Dollar an Entwicklungshilfe,
147 Millionen Dollar an Unterstützung
für PL-480,
28 Millionen Dollar für den Wirtschaftshilfefonds.
Die Hauptnutznießer sind Mozambique mit 57 Millionen Dollar, Uganda mit 47 Millionen, Malawi mit 41
Millionen und Südafrika mit 40 Millionen Dollar.
Lateinamerika

Naher Osten und Südasien
Insgesamt 2,875 Milliarden Dollar für das Haushaltsjahr 1992, verglichen mit schätzungsweise 2,848 Milliarden für 1991 und 3,219 Milliarden Dollar an tatsächlichen Ausgaben im Haushaltsjahr 1990. Der Antrag
für 1992 umfaßt:

AMERIKA DIENST 9

Insgesamt 1,42 Milliarden Dollar verglichen mit schätzungsweise 1,246 Milliarden für 1991 und 1,722 Milliarden Dollar an tatsächlichen Ausgaben im Haushaltsjahr 1990. Der Antrag für 1992 umfaßt:
406 Millionen Dollar an Entwicklungshilfe,

Seite 1

�714 Millionen Dollar für deh Wirtschaftshilfefonds,

die Interamerikanische Entwicklürtti^bänk
- 90 Millionen Dollar,

300 Millionen Dollar an Unterstützung
für PL-4B0.

die Weltbank-70 Millionen Dollar.

Die Hauptnutznießer sind El Salvador mit 208 Millionen Dollar, Nicaragua mit 204 Millionen und Honduras
mit 108 Millionen Dollar.

Andere Programme
Andere Programme umfassen:

Ostasien und der Pazifik

200 Millionen Dollar für das Pöäbe Corps,

Insgesamt 492 Millionen Dollar verglichen mit schätzungsweise 480 Millionen für 1991 und 457 Millionen
Dollar äh tatsächlichen Ausgaben im Haushaltsjahr
1Ö90. Der Antrag für 1992 Urntaßt:

I11 Milliöheri böllär tür NücritUhtjsrillfe,
25Ö Millionen Dollar für freiwillige Beiträge
äh internationale Organisationen ührj
Programme,

148 MilHöheh Dollar an Entwicklungshilfe,
143 Millionen Dollar für den Wirtschäftshilfefönds,

410 Milllöheh Dollar tür dlö initiative zur
Förderung der Privatwirtschaft In den
Lähderh ArherlkäÖ,

42 Millionen Dollar an Unterstützung
für PL-480,

172 Millionen Dollar für Drogenbekärnpfung
und -korttroile.

160 Millionen Dollar an sonstiger Wirtschaftshilfe.
Die Haüptnutznießer sind die Philippinen rfiit 353 Millionen Dollar, Indonesien mit 56 Millionen und Kambodscha mit 28 Millionen Dollar.

Europa
Insgesamt 518 Millionen Dollar verglichen mit schätzungsweise 510 Millionen für 1991 und 411 Millionen
Dollar an tatsächlichen Ausgaben im Haushaltsjahr
1990. Der Antrag für 1992 umfaßt:

Aufschlüsselung des Hilfsplans nach
Ptbgrarnmtyß
Anhand einer anderen Art der Aufschlüsselung der
Zählen gelangt man zu folgender Gesamtsumme.
(Angaben in Milliörteh Dollar):
Länderprogramme

6281

Nicht an Länder gebundene Programme

1634

Multilaterale Entwicklungsbanken

1685

118 Millionen Dollar für den Wirtschaftshilfefönds,

Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas

410

400 Millionen Dollar an sonstiger Wirtschaftshilfe.

Beiträge an internationale Organisationen

250

Peace Corps

200

Flüchtlingshitfe

511

Drogenbekämpfung

172

Die Hauptnutznießer sind die Türkei mit 75 Millionen
und Portugal mit 40 Millionen Dollar.
Multilaterale Programme
Die über multilaterale Entwicklungsbanken geleistete
Wirtschaftshilfe beläuft sich auf 1,685 Milliarden Dollar. Die Hauptnutznießer sind:
die Internationale Entwicklungsorganisation
(IDA) -1,06 Milliarden Dollar,

Anpassung
Insgesamt

88
(98)
11133

Darüber hinaus beantragte die Bush-Administration
für das Haushaltsjahr 1992 4,746 Milliarden Dollar an
Militärhilfe. Die Gesamtsumme der Wirtschafts- und
Militärhilfe beläuft sich somit auf 15,879 Milliarden
Dollar.

die Asiatische Entwicklungsbank
- 200 Millionen Dollar,

* *

Seite 2

Sonstige Programme

* *

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�WIRTSCHAFT
6. März 1991

DIE US-HANDELSPOLITIK 1991
Präsident Bush stellt das neue Programm vor
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat drei umfassende Zielsetzungen im Handel abgesteckt und
gleichzeitig erklärt, der ertolgreiche Abschluß der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche habe für ihn
höchste Priorität.
Das vom Büro der US-Handelsbeauftragten erarbeitete "Programm für die Handelspolitik 1991 und der Bericht
des Präsidenten der Vereinigten Staaten über das Programm für Handelsabkommen 1990" enthält als zweite
Zielsetzung Bushs die Beendigung der Uruguay-Runde durch Abschluß regionaler und bilateraler Handelsvereinbarungen wie etwa das Nordamerikanische Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada und die Initiative
zur Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas.
Der im Handelsgesetz 1988 geforderte Bericht bestimmt als drittes Ziel die Durchführung amerikanischer Handelsgesetze in einer Weise, die offene Märkte fördert und den Handel ausbaut.
Zur Erlangung dieser Zielsetzungen ist es dem Bericht zufolge unabdingbar, daß der Kongreß einer Verlängerung des "Fast-track"-Mandats für weitere zwei Jahre zustimmt.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Kapitel "Das Programm für 1991".

Im Jahr 1990 bot der Welthandel der US-Wirtschaft
ungeahnte Möglichkeiten und war eine wichtige Triebfeder wirtschaftlichen Wachstums.

Drittens sollen US-Handelsgesetze in einer Weise
durchgesetzt werden, die den Zielen offener Märkte
und erweiterten Handels am besten dient.

Die Wachstumsrate der US-Exporte stieg 1990 doppelt so schnell wie der Zuwachs bei den Importen und
war für nahezu die Hafte des gesamten Wachstums
unseres BSP verantwortlich.

Um diese Ziele zu verwirklichen, müssen wir jedoch
zunächst eine vierte und entscheidende Zielsetzung
erfüllen: die Verlängerung des Fast-track-Mandats
vom Kongreß für weitere zwei Jahre.

Das handelspolitische Programm der Regierung für
1991 will diese Möglichkeiten erweitern, indem es
bestrebt ist, den Zugang der Vereinigten Staaten zu
Auslandsmärkten zu verbessern. Aus diesem Grund
haben wir uns für das kommende Jahr drei umfassende Ziele gesteckt.

Das Fast-track-Mandat bietet zwei wichtige Garantien
für die erfolgreiche Aushandlung von Handelsabkommen: ein Votum zur Durchführung von Gesetzen
innerhalb eines bestimmten Zeitraums und keine
Veränderungen dieser Gesetze.

Erstens wollen wir das Welthandelssystem durch den
Abschluß eines ehrgeizigen Abkommens bei der Uruguay-Runde mit 107 Ländern im GATT stärken und
ausbauen.
Zweitens sollen die Ziele und Abkommen der UruguayRunde durch Initiativen zur regionalen und bilateralen
Marktöffnung und Markterweiterung verwirklicht werden, etwa durch das historische Nordamerikanische
Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada und
die Initiative des Präsidenten zur Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas.

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Das Fast-track-Mandat läuft am 31. Mai aus, wenn der
Präsident nicht bis zum 1. März eine zweijährige
Verlängerung beantragt. Ohne Fasttrack kann der
Präsident unseren Handelspartnern nicht zusichern,
daß das von ihnen erzielte Abkommen das Abkommen
ist, über das der Kongreß abstimmt. Ohne diese Zusicherung würden ausländische Regierungen nur ungern
mit den Vereinigten Staaten verhandeln und nicht die
starken Zugeständnisse machen, die für den Abschluß
von Vereinbarungen notwendig sind, wie die Vereinigten Staaten sie unterzeichnen würden.

Seite 1

�Die Beibehaltung von Fasttrack wird uns die Fähigkeit
erhalten, weiterhin durch multilaterale und bilaterale
Abkommen an der Liberalisierung von Handel und
offenen Märkten durch das GATT zu arbeiten.
1. Erfolgreicher Abschluß der Uruguay-Runde
Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor davon
überzeugt, daß die Uruguay-Runde das beste Mittel
zur Stärkung des multilateralen Handelssystems ist.
In der Uruguay-Runde wollen die Vereinigten Staaten
tarifäre und nichtärifäre Hemmnisse weltweit
abbauen und in Schlüsselbereichen vollständig
beseitigen,
Aufstellung internationaler Regeln des Fair play
in den neuen Bereichen Dienstleistungen und
Investitionen sowie Schutz geistigen Eigentums,
grundlegende Reform des Weltagrarhandels
durch Öffnung weltweiter Märkte und Kürzung
kostenintensiver handelsverzerrender Agrarsubventionen,
Integration der Entwicklungsländer in unser
weltweites Handelssystem und
Verbesserung der internationalen Regeln über
Schlichtung von Streitigkeiten, Subventionen,
Antidumping und Importschutz, um den Zugang
zu ausländischen Märkten zu erleichtern und
fairen Handel auf dem amerikanischen Markt
sicherzustellen.
Wenn wir diese Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluß bringen, könnte unsere Weltwirtschaft
in den nächsten zehn Jahren einen Zuwachs von über
4 Billionen Dollar verzeichnen. Der amerikanische
Anteil an diesem neuen Reichtum würde sich im Produktionsbereich auf mehr als 1 Billion Dollar im kommenden Jahrzehnt belaufen.
2. Regionale und bilaterale Initiativen
In diesem Jahr leiten die Vereinigten Staaten zwei
umwälzende regionale Handelsinitiativen auf diesem
Kontinent in die Wege:
Aushandlung eines Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free Trade
Agreement - NAFTA) mit Mexiko und Kanada,
und
Verbesserung von Präsident Bushs Initiative
zur Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas (EAI), die eine Freihandelszone
von Alaska bis Tierra del Fuego zum Ziel hat.
NAFTA. Am 5. Februar 1991 gab der Präsident seine
Absicht zur Aushandlung eines Nordamerikanischen
Freihandelsabkommens mit Mexiko und Kanada bekannt. Diese Ankündigung erfolgte im Anschlu ß an die
zuvor von den Vereinigten Staaten und Mexiko getrofSeite 2

fene Entscheidung, Verhandlungen über ein umfassendes bilaterales Freihandelsabkommen aufzunehmen.
Die Vereinigten Staaten sind Mexikos wichtigster
Handelspartner, und Mexiko ist unser drittgrößter
Abnehmer. Mit Kanada unterhalten wir bereits ein
Freihandelsabkommen. Die Verknüpfung unserer
jeweiligen Volkswirtschaften durch freien Handel würde zur Stärkung dieser wirtschaftlichen Bande beitragen, die regionale politische Stabilität verbessern und
neue Möglichkeiten für amerikanische Exporteure
eröffnen.
Letztlich würde NAFTA einen der größten und reichsten Märkte der Welt mit 360 Millionen Verbrauchern
und einer Jahresproduktion von 6 Billionen Dollar
schaffen. Der progressive Abbau von Hemmnissen
gegen den Fluß von Waren, Dienstleistungen und
Investitionen sowie verbesserter Schutz geistigen
Eigentums werden den drei Nationen die erforderlichen Möglichkeiten zu Wachstum und Erfolg in einem
zunehmend konkurrierenden Welthandelssystem an
die Hand geben.
NAFTA wird darüber hinaus unserem Endziel offener
Märkte und Erweiterung des weltweiten Handels dienlich sein, indem es anderen Ländern größeren Anreiz
bietet, gemeinsam mit uns Märkte zu erschließen.
EAI. Am 27. Juni 1990 unterbreitete der Präsident eine
historische Initiative, um alle Länder Amerikas in einer
neuen, offenen Wirtschaftsbeziehung zu vereinigen,
die er als Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft
in allen Ländern Amerikas bezeichnete. Diese ehrgeizige Initiative umfaßt drei Elemente: Handel, Investitionen und Schuldenabbau. Die Handelsaspekte der
EAI beinhalten Zusammenarbeit, um die UruguayRunde zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen,
gemeinsame Anstrengungen zum Abbau von Handelshemmnissen auf unserem Kontinent und letztlich
die Schaffung einer Freihandelszone von Alaska bis
Tierra del Fuego.
Als Teil der EAI handeln die Vereinigten Staaten mit
einer Reihe unserer lateinamerikanischen Partner
Rahmenabkommen über Handel und Investitionen
aus. In diesem Zusammenhang streben wir Verbesserungen beim Schutz geistiger Eigentumsrechte, offenerer Investitionsregime, Abbau der Exportsubventionspraktiken sowie beim Marktzugang für Waren und
Dienstleistungen an.
Initiative Karibisches Becken - CBI. Darüber hinaus
arbeiten wir an der effektiven Durchführung der CBI,
einschließlich administrativer Maßnahmen, die eine
Weiterentwicklung der Tourismusindustrie in der Region
gestatten würden.
Anden-Handelsinitiative. Im Rahmen der Bestrebungen des Präsidenten, den Andenstaaten bei der
Erschließung wirtschaftlicher Alternativen zum DroAMERIKA DIENST 9

�Kongreß um Zustimmung zum Gesetz über Handelsvergünstigungen für die Andenstaaten. Dies würde
zollfreie Importe einer grö ßeren Vielfalt von Waren aus
der Region zur Folge haben.

tion an regelmäßigen Konsultationen auf Minister- und
hoher Beamtenebene mit den ASEAN-Staaten teilnehmen, um Mechanismen für die Förderung der
Handels- und Investitionsbeziehungen zu entwickeln.

Die Administration treibt durch eine Reihe bilateraler
Initiativen weiterhin Bestrebungen zur Öffnung entscheidender ausländischer Märkte voran. Wir streben
die Durchsetzung moderner Patentgesetze in den
wichtigsten südamerikanischen Ländern sowie die
Aushandlung bilateraler Investitionsverträge an.

Europa und der Mittelmeerraum

Das Pazifische Becken
Japan. Die Erweiterung des Zugangs zur zweitgrößten Marktwirtschaft der Welt ist nach wie vor erste
Priorität der Regierung. Bei der Verwirklichung dieses
Ziels verfolgt die Administration einen umfassenden
Vier-Punkte-Aktionsplan: Nutzung der Uruguay-Runde zur Aushandlung aussagekräftiger und durchsetzbarer multilateraler Regeln, Abbau von Strukturhemmnissen durch unsere Initiative zum Abbau von Strukturhemmnissen (Structural Impediments Initiative - Sil),
Beseitigung von Schranken in bestimmten Sektoren
unter Anwendung unserer Handelgesetze und anderer
Mittel sowie Aufbau einer Lobby in Japan, die Maßnahmen zur Öffnung von Märkten unterstützt.
Im Jahr 1991 wird die Administration Japan weiterhin
zur Einhaltung der im vergangenen Juni im Rahmen
von Sil eingegangenen Verpflichtungen drängen, um
eine ganze Bandbreite von Strukturhemmnissen abzubauen, Gesetze zu modifizieren, Maßnahmen zu
verändern und Geld zur Öffnung des japanischen
Markts auszugeben.
Darüber hinaus wird die Administration die im Rahmen
der bisherigen Abkommen mit Japan zur Öffnung von
Märkten erzielten Fortschritte genau überwachen,
einschließlich Satelliten, Supercomputer, Holzprodukten, Telekommunikation und amorphe Metalle.
Schließlich werden wir die andauernden Verhandlungen in Bereichen wie Bauwesen, Halbleiter und juristische Dienstleistungen energisch weiterverfolgen, um
sicherzustellen, daß Japan seine Märkte in Schlüsselbereichen für die Vereinigten Staaten weiter öffnet.
Korea. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin
intensive bilaterale Verhandlungen mit Korea führen,
um zu gewährleisten, daß dessen wachsender Markt
mit erweitertem Zugang für Importe einhergeht. Die
Administration wird ihre Aufmerksamkeit verstärkt allen koreanischen Versuchen widmen, Importe zu bremsen.
Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Im
Dezember 1990 unterzeichneten die Vereinigten Staaten eine Regierungsvereinbarung mit den sechs ASEANMitgliedern (Malaysia, Thailand, Indonesien, Philippinen, Singapur und Brunei), um Handel und Investitionen zu erleichtern. Im Jahr 1991 wird die Administra-

AMERIKA DIENST 9

EG 1992. Die Vereinigten Staaten verfolgen aufmerksam die Fortschritte der Europäischen Gemeinschaft
bei der Verwirklichung des EG-Binnenmarkts im nächsten Jahr. Wir werden weiterhin bei der EG in Fällen
intervenieren, in denen der Prozeß der europäischen
wirtschaftlichen Integration durch restriktive, diskriminierende Praktiken amerikanische Interessen gefährdet. Zu diesen Bereichen, die wir mit besonderer
Aufmerksamkeit beobachten, gehören: Telekommunikation, staatliche Beschaffungen, Dienstleistungen
im Finanzwesen sowie Prüfung und Zulassung.
Osteuropa und die Sowjetunion. Die Administration ist um die Integration der aufstrebenden Marktwirtschaften Osteuropas in das offene Welthandelssystem bestrebt, um sowohl politische Stabilität als auch
Wirtschaftswachstum zu fördern. Mit der Entwicklung
und Öffnung dieser Volkswirtschaften für den Welthandel werden neue Märkte für amerikanische Exporteure geschaffen. Die Vereinigten Staaten werden
sich dieses Jahr bemühen, im vergangenen Jahr
ausgehandelte Handels- und Investitionsabkommen
zu verwirklichen, die noch andauernden Verhandlungen abzuschließen und neue Gespräche einzuleiten.
Sektorale Bestrebungen
Textilien und Bekleidung. Die Administration ist
bestrebt, eine internationale Übereinkunft im Rahmen
der Uruguay-Runde auszuhandeln, die das Multifaserabkommen (MFA) ersetzt, die geordnete Integration
dieses Sektors in das GATT gestattet und verbesserte
Exportchancen für die Industrie gewährleistet. Die
Kombination dieser Bemühungen wird letztlich der
Textil- und Bekleidungsindustrie dabei helfen, sich
einem offenen Handelssystem anzupassen. Das MFA
läuft am 31. Juli 1991 aus. Das MFA muß bis zur
Durchführung eines im Rahmen der Uruguay-Runde
geschlossenen Abkommens verlängert werden. Sollte die Runde scheitern, muß das MFA neu ausgehandelt werden.
Stahl. Im Jahr 1989 führte der Präsident das Programm zur Liberalisierung des Stahlhandels ein. Damit
sollte sichergestellt werden, daß die Handelsströme
sowie Preis und Menge des produzierten Stahls von
den Marktkräften und nicht von den Regierungen
bestimmt werden. Dies wurde durch den Abschluß
bilateraler Abkommen über die Beseitigung unfairer
Handelspraktiken und die stufenweise Abschaffung
freiwilliger Selbstbeschränkungsvereinbarungen erreicht.
Schiffbau. Über die Organisation für wirtschaftliche
Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) bemüht
Seite 3

�sich die Administration, ein Abkommen zum Abbau
von Subventionen und anderen Formen handelsverzerrender staatlicher Hilfen für den Schiffbau zu erlangen. Es wird erwartet, daß ein erfolgreicher Abschluß
dieses Abkommens in diesem Jahr zustandekommt.
3. Durchführung der US-Handelsgesetze
Die Administration wird die US-Handelsgesetze anwenden, um ihre multilateralen und bilateralen Ziele
freier Märkte und fairen Handels zu ergänzen. Dazu
gehört die Durchführung der Bestimmungen des
Handelsgesetzes von 1988, darunter Initiativen zum
Schutz geistigen Eigentums, zu Telekommunikation
und staatlichen Beschaffungen in einer Art und Weise,
die multilateralen Zielen der Vereinigten Staaten forde riich ist.

Die Vereinigten Staaten werden darüber hinaus die
gemäß Abschnitt 301 im vergangenen Jahr ausgehandelten Marktöffnungsabkommen sorgfältig beobachten und die Verhandlungen über Angelegenheiten
fortsetzen, die zur Zeit Ermittlungen gemäß Abschnitt
301 unterliegen.
Darüber hinaus unterstützt das Handelsprogramm der
Administration international anerkannte Arbeitnehmerrechte in der ganzen Welt.
Schließlich werden die Bestimmungen gegen Dumping und Ausgleichszölle, das Allgemeine Präferenzsystem sowie Verfügungen im Handelsgesetz, mit
denen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten
geschützt werden soll, buchstabengetreu angewendet
werden.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 9

�MENSCHENRECHTE
6. März 1991

SCHIFTER: ZUNEHMENDE WAHRUNG DER
MENSCHENRECHTE
Rede des Abteilungsleiters vor Kongreßausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dem Abteilungsleiter im US-Außenministerium für Menschenrechte und humanitäre
Angelegenheiten, Richard Schifter, zufolge nimmt die Wahrung der Menscherechte weltweit zu, obwohl sich die
Menschen noch immer mit zahlreichen ernsthaften Verletzungen der Rechte des einzelnen konfrontiert sehen.
Bei einer Anhörung vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Menschenrechte und internationale Organisationen erklärte Schifter am 26. Februar 1991 jedoch, daß "sich auf lange Sicht positive Tendenzen
abzeichnen". Eine auf demokratische Konzepte und Achtung der Menschenrechte gegründete Regierungsphilosophie "hat in den vergangenen Jahren einen Stellenwert und eine bisher ungekannte Akzeptanz in der Welt
erlangt", so Schifter.
Nachfolgend veröffentlichen wir Schifters Ausführungen im Wortlaut.

In unserem Jahresbericht über Menschenrechtspraktiken - der Arbeit von Hunderten von Beamten des USAußenministeriums auf der ganzen Welt und Dutzenden in Washington - finden erneut die zahlreichen
ernsthaften Verletzungen der Rechte des einzelnen
ihren Niederschlag, mit denen sich die Menschen auf
der Welt konfrontiert sehen.
Obwohl weiterhin ernste Probleme bestehen, stellen
wir mit Befriedigung fest, daß sich auf lange Sicht
positive Tendenzen abzeichnen. Unsere auf demokratische Konzepte und Achtung der Menschenrechte
gegründete Regierungsphilosophie, die sich im 17.
und 18. Jahrhundert entwickelte, hat in den vergangenen Jahren einen Stellenwert und eine bisher ungekannte Akzeptanz in der Welt erlangt.
Über weite Teile dieses Jahrhunderts kam die entscheidende ideologische Herausforderung für den von
Spöttern so genannten "bourgoisen Liberalismus" von
denjenigen, die Anhänger der Grundsätze Lenins waren.
All dies gehört heute der Vergangenheit an. Demokratie wird nicht nur als hehres Ideal, sondern als Regierungssystem angesehen, das funktioniert und dazu
beiträgt, eine Grundlage für Freiheit und einen höheren Lebensstandard zu schaffen. Diejenigen, die
weiterhin die Diktatur verteidigen, beanspruchen keinen immanenten Wert der Diktatur an sich, geben aber

AMERIKA DIENST 9

für gewöhnlich vor, ihr Volk sei noch nicht reif für
Demokratie.
Zweifelsohne gibt es noch einige wenige Länder, in
denen alternde Diktatoren weiterhin dem MarxismusLeninismus frönen. Aber die Zahl dieser Länder, die
im Jahr 1989 so drastisch sank, nahm 1990 noch
weiter ab. Wie die derzeitigen Entwicklungen in Albanien so anschaulich zeigen, gibt es keine Massenbasis mehr, die marxistisch-leninistische Regime unterstützt. Sie haben alles, was sie an Unterstützung des
Volkes je gehabt haben mögen und insbesondere die
Unterstützung der Jugendlichen verloren. Sie sind in
der Tat ein Relikt der Vergangenheit.
Obwohl die größte Herausforderung für die grundlegenden Konzepte von Demokratie und Menschenrechten jetzt drastisch abnimmt, bedeutet dies nicht,
daß die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte niedergelegten Prinzipien heute einheitlich
gewahrt werden. Der Iran lehnt beispielsweise internationale Menschenrechtsnormen ab, größtenteils auf
der Grundlage religöser Überzeugungen, und es gibt
auch andernorts Bewegungen, die dasselbe Argument vorbringen. Weltweit existieren noch zahlreiche
brutale Diktaturen, die sich auf nichts anderes gründen als den Wunsch einer Person oder einer kleinen
Gruppe, sich selbst in der Macht zu verewigen. Die

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�Diktatur im Irak ist - wie ich bereits vor einem Jahr
Gelegenheit hatte auszuführen - ein solches Beispiel.
Diese Art von Diktatur ist heute weltweit im Schwinden
begriffen, besonders jedoch im Afrika südlich der Sahara
wo jetzt neue demokratische Kräfte, Bestrebungen,
diktatorische Regierungen zu verdrängen und Verfassungen zu schreiben, die das Volk ihre Herrscher in
freien Wahlen unter Beteiligung mehrerer Parteien
wählen lassen, an Boden gewinnen.
Es liegt auf der Hand, daß die Wahrung der Menschenrechte in einem Staat aussichtsreicher ist, der seine
Regierung in freien und fairen Wahlen wählt als in einer
Diktatur. Freie Wahlen sind jedoch keine vollständige
Garantie für Menschenrechte. Man benötigt auch ein
unabhängiges Gerichtssystem, das in der Lage ist,
Gerechtigkeit ohne Einfluß von außen walten zu lassen sowie ein Strafverfolgungsssystem, das den einzelnen Bürger effektiv schützt. Zahlreiche Länder mit
schwachen Rechtssystemen sind an seiner Verbesserung interessiert. Wir können diesen Ländern helfen,
indem wir Programme für Rechtsstaatlichkeit unterstützen, und das ist genau das, was wir tun.
Wir haben den Begriff "Menschenrechte" stets verwendet, um die Beziehungen zwischen einer Regierung und den ihrer Kontrolle unterstehenden Personen, insbesondere ihren Bürgern, zu definieren. Als
Menschenrechte haben wir solche Rechte angesehen, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte niedergelegt sind, die im großen und ganzen die
Bill of Rights in unserer Verfassung widerspiegeln. So
definiert, setzen Menschenrechte der Regierungsbefugnis Grenzen und artikulieren die Verpflichtungen,
die Regierungen zur Achtung der Menschenrechte
haben, einschließlich der Rechte von nationalen Minderheiten und ethnischen Gruppen. Wie ich bereits
festgestellt habe, ist die Wahrung der Menschenrechte
durch die Regierungen im Steigen begriffen.
Die Menschenrechtsdiskussion hat jedoch eine neue
Dimension erhalten. Heute beziehen wir in die Bandbreite der Menschenrechtsbelange durch Gewalt in
den Gemeinden verursachte Probleme sowie die durch
Konflikte zwischen rivalisierenden ethnischen, religiösen oder sogar Stammesfehden zu beklagenden Toten und Verletzten mit ein. Solche Konflikte können
gelegentlich durch staatliche Maßnahmen geschürt
oder verschaff werden, in vielen Fällen möchte die
Regierung aber solche Ausbrüche verhindern, ist dazu
jedoch nicht in der Lage.
Ein ähnlich geartetes Problem stellt sich durch gewalttätige Rebellion und die darin resultierenden Zusammenstöße mit den staatlichen Sicherheitskräften. Die
Rebellion kann politisch motiviert oder auf den durch
Nationalitätenkonflikte ausgelösten Wunsch nach
Veränderung des politischen Status eines Gebiets
gegründet sein. Wo Gewalt angewandt wird, haben
die Strafverfolgungsbehörden das Recht zu versu-

Seite 2

chen, die Ordnung wiederherzustellen. Sie sollten
jedoch nicht übermäßig viel Gewalt einsetzen und die
gültigen Grundsätze des Völkerrechts wahren. In
jedem Fall sollten die im Völkerrecht verankerten Rechte
des einzelnen respektiert werden. Der Einsatz übermäßiger Gewalt durch das Militär oder die Polizei ist
eine andere Form von Menschenrechtsverletzungen.
Ein weiteres Problem sollte der Tagesordnung zu
Menschenrechtsbelangen hinzugefügt werden. In vielen
Ländern der Welt sind Gewalt gegen oder Diskriminierung von Frauen an der Tagesordnung. Häufig mögen
sie die Folge gesellschaftlicher Praktiken sein und
werden nicht von Regierungen überprüft. Wenn
Regierungen sich einer Änderung dieser Praktiken
verpflichtet haben und um unseren Beistand ersuchen, sollten wir versuchen zu helfen. Wenn sie nicht
dazu bereit sind, müssen wir die Aufmerksamkeit auf
das Problem lenken, insbesondere in seiner abscheulichsten Form: Gewalt gegen Frauen.
Obwohl - wie ich bereits ausgeführt habe - die herkömmlichen Menschenrechtsverletzungen in Form einer
Verweigerung bürgerlicher Freiheiten im Schwinden
begriffen sind, konnte weltweit eine deutliche Zunahme gewalttätiger Nationalitätenkonflikte mit tragischen
Konsequenzen beobachtet werden. In einem Land, zu
dem die Vereinigten Staaten seit langem historische
Beziehungen unterhalten - Liberia - waren über 10 000
Tote zu beklagen und mehr als 3 Viertel der Bevölkerung, über 1,7 Millionen Menschen, sind aufgrund des
Bürgerkriegs in diesem Land noch immer heimatlos.
Und dies alles in einem Land mit nur 2,5 Millionen
Einwohnern.
Nachdem ich sowohl die alte als auch die neue Dimension der weltweiten Menschenrechtsverletzungen
aufgezeigt habe, stellt sich die Frage, wie wir dazu
beitragen können, die Probleme zu lösen, mit denen
wir uns konfrontiert sehen. Wir sollten natürlich weiterhin die Regierungen drängen, die willentlich die Menschenrechte ihrer Bürger verletzen, davon abzulassen, aber es ist sehr viel mehr vonnöten, wenn wir es
mit Regierungen zu tun haben, die die Bedingungen
verbessern wollen, sich dabei jedoch Schwierigkeiten
gegenübersehen. Dies gilt insbesondere unter Gegebenheiten, bei denen Menschenrechtsverletzungen
von unzulänglicher beruflicher Bildung und Ausbildung
der Polizei oder dem Versagen des Rechtssystems
herrühren. In vielen Ländern sind Programme zur
Ausbildung der Polizei in Menschenrechtsbelangen
sowie Programme zur Stützung der Rechtsstaatlichkeit erforderlich.
Die größte Herausforderung resultiert jedoch vom
durch gewalttätige Nationalitätenkonflikte geschürten
Feuer. Die Herausforderung für so viele Länder und
die internationale Staatengemeisnchaft besteht in Hilfe bei der Lösung von ethnischen und mancherorts
religiösen Konflikten. Die Regierungen - gleichgültig,
ob zentral, regional oder lokal - sollten ein Teil der
AMERIKA DIENST 9

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&gt;

�Lösung und nicht der Auslöser dieser Probleme sein.
Welche Normen können im Hinblick auf die Rechte von
Minderheiten Anwendung finden, die akzeptiert und
wirksam durchgesetzt werden könnten? Welche
Programme können in Schulen ins Leben gerufen
werden, um die jeweiligen Nachbarn zu lehren, gemeinsam in Frieden zu leben? Welche Schlichtungs-

mechanismen sollten geschaffen werden? Können
insbesondere führende Geistliche eine bedeutsame
Rolle beim Schlichten übernehmen und wie können sie
am wirksamsten dafür gewonnen werden? Dies sind
einige der Fragen auf unserer heutigen Tagesordnung
zu Menschenrechtsbelangen.

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AMERIKA DIENST 9

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