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                    <text>Information
und
Dokumentation

i

a

I

United States Information Service

22. Februar 1978

INHALT

WIRTSCHAFT
Sollen die Vereinigten Staaten den Dollar stützen?
- Von Harvard-Professor Dr. Hendrick S. Houthakker
HINTERGRUNDMATERIAL
US-Gesetz gegen Weiterverbreitung von Kernwaffen
- Präsident Carter erhält Vollmachten vom Kongreß William H. Webster - der neue Direktor des FBI
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Müllhalde im Weltraum
- Sicherungsaktion für SKYLAB Feuerwehr per Hubschrauber
- Neuartiges Vielzweck-Rettungsgerät -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Wift/choft
United States Information Service

22. Februar 1978

SOLLEN DIE VEREINIGTEN STAATEN DEN DOLLAR STÜTZEN?
Von Harvard-Professor Dr. Hendrick S. Houthakker

Vor jetzt fast fünf Jahren mußten die Industriestaaten erkennen, daß das
Währungssystem von Bretton Woods praktisch zusammengebrochen war. Und so kamen
sie zu dem Entschluß, die Wechselkurse gleiten, oder wie der technische Ausdruck lautet, "floaten" zu lassen. Mit zum Floating gehörte, daß es jedem
Land praktisch freigestellt wurde, selbst zu entscheiden, wann es auf den Devisenmärkten intervenieren wollte. Seither haben alle wichtigen Währungen
ihre Schwankungen nach oben und nach unten erlebt.
Einige Länder, vor allem in Europa und Japan, haben immer wieder interveniert, jedoch meist um eine Aufwertung und nicht eine Abwertung zu verhindern. Andere Länder, an ihrer Spitze die Vereinigten Staaten, haben nur sporadisch interveniert, um auf "Unordnungen" auf dem Markt zu reagieren. Feste
Regeln hinsichtlich der Intervention sind nie aufgestellt worden.
Man ist sich seit langem darüber im klaren, daß ein internationales
Währungsregime ohne anerkannte Regeln leicht zu politischen Konflikten unter
den beteiligten Ländern führen könnte.

Diese Gefahr ist erst kürzlich

durch

den scharfen Anstieg des Wertes der europäischen und der japanischen Währungen
im Verhältnis zum Dollar in den letzten Monaten des Jahres 1977 akut gewor-

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�geworden.

Die derzeitigen Zahlungsbilanzüberschü'sse einiger europäischer Län-

der und Japans stärken deren Währungen, während das große und ständig wachsende Defizit der Vereinigten Staaten private Besitzer von Dollar veranlaßt hat,
in stärkere Währungen zu flüchten.

Abgesehen von einigen gelegentlichen Trans-

aktionen und einer kürzlichen Erhöhung des Diskontsatzes haben die Vereinigten Staaten generell an ihrer Politik festgehalten, die Kräfte des freien Marktes die Wechselkurse bestimmen zu lassen.

Das sich daraus ergebende Wertver-

hältnis der Währungen stellt eine ernste Bedrohung der Exporte einer Reihe von
Ländern dar, die mit höheren Exporten gerechnet hatten, um ihre Wirtschaftsrezession im eigenen Lande zu überwinden.
Diesen Ländern ist es nicht gelungen, die weitere Aufwertung ihrer Währungen durch eigene Intervention zu verhindern.

Praktisch war das einzige Resul-

tat, daß sie auf großen Mengen immer weniger wert werdenden Dollar
blieben.

sitzen

Es war daher nicht verwunderlich, daß diese Länder die Vereinigten

Staaten aufforderten, durch Rückgriff auf die Swap-Vereinbarungen oder Einsatz ihrer eigenen Reserven den Dollar zu stützen.

Obwohl die Carter-Admi-

nistration verständnisvolle Erklärungen abgegeben hat, steht keineswegs fest,
ob die Vereinigten Staaten bereit wären, ihre Politik zu ändern.

Die Haupt-

frage, die hier behandelt werden soll, ist die, ob eine solche Umkehr tatsächlich im allgemeinen Interesse läge.
Wenn die Vollbeschäftigung gesichert wäre, dann läge es im Interesse eines
jeden Landes, daß seine Währung im Verhältnis zu den Währungen anderer Länder
so hoch wie möglich bewertet wäre. Das würde jedes Land in die Lage versetzen,
für seine Exporte das größtmögliche Volumen an Importen zu erhalten, was wiederum das Realeinkommen der Bevölkerung maximieren würde. Wie hoch der Wechselkurs gehen kann, hängt von der Notwendigkeit des Gleichgewichts in der Zahlungsbilanz ab, oder genauer gesagt, von dem Wunsch des Landes, seine internationalen Reserven zu erhöhen oder zu vermindern.
In der realen Welt ist die Vollbeschäftigung jedoch nicht gesichert, und
in der Vergangenheit haben Länder immer wieder versucht, dieses Problem durch

- 2 -

�».

durch einen Exportüberschuß zu lösen.

Eine solche Politik erfordert einen

Wechselkurs, der niedriger liegt als es dem Gleichgewicht in der Zahlungsbilanz entsprechen würde, obwohl natürlich der gleiche Effekt auch durch Einfuhrbeschränkungen erreicht werden kann.

Ein Exportüberschuß zur Beseitigung

Arbeitslosigkeit im eigenen Lande ist gleichbedeutend mit dem Export dieser
Arbeitslosigkeit.

Diese Praxis, die während der Zeit der floatenden Wechsel-

kurse in den dreißiger Jahren weitverbreitet war, trug nicht zuletzt dazu bei,
daß die Weltwirtschaftskrise damals so schwere Formen annahm.

Diese Praxis

wurde durch das Währungsabkommen von Bretton Woods ausgeschlossen, scheint
aber in den letzten Jahren wieder an Popularität zu gewinnen.

Sowohl Japan

als auch die Bundesrepublik Deutschland zögern beispielsweise, die Binnennachfrage anzuregen, aus Angst, die Inflation wiederzubeleben, und haben stattdessen ihre Hoffnung für den Aufschwung auf die Steigerung der Exporte gesetzt.

Im Falle Japans wird diese Politik noch durch die Aufrechterhaltung

von Einfuhrquoten verstärkt.

Die Vereinigten Staaten dagegen haben die Rezession von 1974/75 weitgehend dadurch überwunden, daß sie eine gemäßigt anregende Binnenwirtschaftspolitik betrieben.

Die Importe der USA sind zum Wohle der anderen Industrie-

länder und der Entwicklungsländer stark angestiegen.

Die Exporte der USA hin-

gegen nahmen wegen der schwachen Nachfrage in den anderen Ländern nur geringfügig zu.

Das große amerikanische Handelsdefizit ist weitgehend eine Mani-

festation der mangelnden Übereinstimmung in den Politiken der Hauptindustrieländer.

Man sollte sich auch darüber im klaren sein, daß ohne das amerika-

nische Defizit die anderen Länder eine noch höhere Arbeitslosigkeit hätten als
jetzt.

Es liegt auf der Hand, daß die Industriestaaten insgesamt ihre Probleme
im eigenen Lande nicht dadurch lösen können, daß sie die Arbeitslosigkeit gegenseitig exportieren.

Als Gruppe sind sie Nettoimporteure von Erdöl, aber

die öl exportierenden Länder haben ihre Gesamtimporte nicht bis zu einem Punkt
gesteigert, an dem sie einen großen Zahlungsbilanzüberschuß auf den laufenden
Kosten vermeiden könnten.

Die Industrieländer müssen daher als Gruppe ein

- 3 -

�ein entsprechendes Defizit haben.

Unter den gegenwärtigen Umständen tendiert

dieses Defizit zu einer Konzentration in den Vereinigten Staaten, was zu
einer Schwächung des Dollar führt. Aber selbst wenn es das ölproblem nicht
gäbe, würde der Versuch einiger führender Industrieländer, ihre Wirtschaft
durch Nettoexporte anzuregen, zu einer ernsten Belastung des internationalen
Währungssystems führen.
Unter dem herrschenden Regime der floatenden Wechselkurse werden diese
Belastungen durch Bewegungen der Wechselkurse geregelt.

Die Überschußländer

finden ihre Exporte potentiell durch eine Aufwertung ihrer Währungen gefährdet, und für die Defizitländer gilt das umgekehrte.

Die Auswirkung dieser

Wechselkurskorrekturen tritt nicht unmittelbar ein und kann kurzfristig sogar umgekehrt sein.

Die Erfahrungen der Vergangenheit lassen jedoch erkennen,

daß die laufenden Konten auf Wechselkursbewegungen mit einer Verzögerung von
ein oder zwei Jahren reagieren.

In der Zwischenzeit geraten die Wechselkurse

wahrscheinlich in ein solches Durcheinander, daß es durch Interventionen vorstellbaren Ausmaßes nicht mehr bereinigt werden kann.

Ja, es ist sogar so,

daß die Intervention, wäre sie effektiv, in den notwendigen Anpassungsprozeß
eingreifen würde.
Obwohl die Wechselkursbewegungen wahrscheinlich in der Lage sein werden,
nach einem entsprechenden zeitlichen Verzug mit den nicht übereinstimmenden
Wirtschaftspolitiken fertig zu werden, ist dies kein wünschenswerter Weg zur
Wiederbelebung der Wirtschaften der Überschußländer. Ja, es ist so, daß die
Wechselkursbewegungen selbst den Weg zu einer besseren Lösung aufzeigen. Länder mit wertmäßig steigenden Währungen haben bereits ein beträchtliches Nachlassen des inflationären Druckes erfahren, weil die Importpreise zurückgehen.
Diese Länder können daher eine stärker stimulierende Fiskal- und Währungspolitik einführen, ohne fürchten zu müssen, die Inflation wieder anzuheizen.
Durch die Einführung einer solchen Politik tragen sie zur allgemeinen Expansion der Nachfrage und einem Abbau der Arbeitslosigkeit im eigenen Lande und
im Ausland bei. Dementsprechend wird ein Abbau des Handelsdefizits die Vereinigten Staaten in die Lage versetzen, eine weniger expansive Fiskal- und

�Währungspolitik zu betreiben, womit die Gefahr einer weiteren Inflation verringert wird.
Statt sich über die Bedrohung ihrer Exporte durch die Aufwertung zu beklagen, sollten die Überschußländer innerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen nach
Mitteln und Wegen für den Wiederaufschwung ihrer Wirtschaft suchen.

Wenn sie

das nicht tun, dann wird der weltweite Anpassungsprozeß nur verlängert und
damit die Gefahr einer noch ernsteren wirtschaftlichen Schwäche hervorgerufen.
Jedes Land, ob groß oder klein, ist in erster Linie verpflichtet, im eigenen
Lande dafür zu sorgen, daß die Dinge richtig laufen, und es kann sich nicht
hauptsächlich auf die Auslandsnachfrage zur Lösung seiner Probleme verlassen.

Wenn man sich dieser Pflicht erst einmal bewußt ist, und die Widersprüche
in den derzeitigen Politiken beseitigt sind, dann dürfte es viel weniger Anlaß zur gegenseitigen Beschuldigungen geben.

Man könnte sicherlich beispiels-

weise einräumen, daß die amerikanischen ölimporte übertrieben hoch sind; aber
es ist ebenso eine Tatsache, daß die amerikanischen Exporte an Gütern und
Dienstleistungen im Jahre 1977 real um weniger als drei Prozent gestiegen sind.
Nur ein geringer Teil des jüngsten Anstiegs des amerikanischen Handelsdefizits
kann wachsenden ölimporten zugeschrieben werden.

Es steht außer Frage, daß

die Einführung von Maßnahmen zur Verringerung der Abhängigkeit Amerikas von
importierter Energie eine Sache größter Dringlichkeit ist, aber das kann nicht
anderen Ländern als Entschuldigungsgrund dafür dienen, daß diese keine verantwortungsbewußte Binnenwirtschaftspolitik betreiben.

Die Bedingungen für

die Einführung solcher Politiken sind jetzt günstig, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland und in Japan.

Nur auf diesem Wege kann eine größere

Stabilität auf den Devisenmärkten erreicht werden.

So lange diese Länder zö-

gern, die Binnennachfrage anzuregen - und niemand möchte, daß dies über die
Grenzen der Klugheit hinaus geschieht - läge eine systematische Stützung des
Dollar durch die Vereinigten Staaten nicht im allgemeinen Interesse.

Sie würde

vielleicht eine temporäre Erleichterung der finanziellen Schwierigkeiten bei
der Verwendung des Dollar als Reservewährung verschaffen, aber sie würde auch
den notwendigen Wiederaufschwung der Weltwirtschaft in Frage stellen, und

- 5 -

�und das ist die weit wichtigere Überlegung.
In diesem Zusammenhang sind Beteuerungen, der Dollar sei zu hoch oder
der Yen und die DM seien zu niedrig, von geringer Bedeutung.

Es könnte durch-

aus sein, daß die gegenwärtigen Wechselkurse eine Überkorrektur des früheren
Ungleichgewichts darstellen, und daß in Zukunft wieder eine Gegenbewegung eintritt.

Zum Wohle oder Übel, die Industrieländer haben sich zu den floatenden

Wechselkursen entschlossen, und sie müssen lernen, weiterhin mit ihnen zu leben.

Das befriedigendste Ergebnis dieses Lernprozesses wäre die Einführung

von Politiken im eigenen Lande, die denen der anderen Länder nicht widersprechen, sondern sie stärken.

+ + + + +

�6

22. Februar 1978

US-GESETZ GEGEN WEITERVERBREITUNG VON KERNWAFFEN
Präsident Carter erhält Vollmachten vom Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Der Amerikanische Kongreß erteilte Präsident
Carter die gesetzlichen Vollmachten, um seine Pläne durchzusetzen, die
die Vereinigten Staaten künftig aus allem heraushalten sollen, was zu
einer Ausweitung des Kernwaffenpotentials in der Welt führen könnte. Besonderes
Gewicht hat im Rahmen dieses Gesetzes die Hauptbarriere gegen die nukleare
Proliferation - nämlich die internationale Inspektion aller Aktivitäten
auf nukleartechnischem Gebiet in den Staaten, die keine Atomwaffen besitzen.
Es macht die Akzeptierung von Sicherungsmaßnahmen, die in der Praxis nukleare
Aktivitäten zur Unterstützung von Waffenprogrammen ausschließen, zur Vorbedingung für eine Fortsetzung kommerzielle1- Beziehungen zu den USA auf
nuklearem Gebiet. Das Gesetz, das schon im Herbst 1977 vom Repräsentantenhaus
gebilligt worden war, wurde am 7. Februar vom Senat mit 88 gegen 3 Stimmen
gebilligt.
Das Gesetz ist jedoch darauf ausgerichtet, die Rolle der Vereinigten
Staaten als eines zuverlässigen Lieferanten von Kernbrennstoff gegenüber
jenen Ländern, die ebenfalls für die Nonproliferation eintreten, zu bekräftigen

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D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�zu bekräftigen und durch Klarstellungen und eine Vereinfachung der
amerikanischen nuklearen Exportpolitik solche Lieferungen zu beschleunigen.
Außerdem sieht es ausdrücklich die Kooperation und Unterstützung seitens
der USA bei Entwicklungsländern vor, um diesen zu helfen, ihre eigenen
nicht-nuklearen Energiequellen sowie geeignete Technologien zu entwickeln,
damit sie ihren Energiebedarf decken können.
Die "Klauen" im Gesetz sind in dem Abschnitt zu finden, der Aktivitäten behandelt, die zur Einstellung amerikanischer Nuklearexporte in
Staaten ohne Atomwaffenbesitz führen. Solche Exporte würden dann grundsätzlich eingestellt, wenn der betreffende Staat

einen nuklearen Spreng-

satz zündet, eine Sicherungsvereinbarung aufhebt oder deren Gültigkeit
beendet. Auch jedes Land, das einem Staat ohne Atomwaffenbesitz hilft, die
direkte Kapazität zur Herstellung vom Atomwaffen zu erlaben oder anderweitig
in deren Besitz zu kommen, würde unter die Exportsperre fallen. Das gleiche
gälte für jeden Staat, der eine Wiederaufbereitungsanlage exportiert, welche
der staatsrechtlichen Kontrolle eines Landes unterläge, das nicht selbst
Atomwaffen besitzt.
Das Gesetz wurde sehr sorgfältig formuliert, um sicherzustellen, daß
mit seinem Inkrafttreten nicht irgendein Moratorium für amerikanische
Nuklearexporte eintritt. Es wird dort zur Einstellung von Exporten führen,
wo eine offenkundige Gesetzesverletzung vorliegt - z.B. mit der Detonation
eines nuklearen Sprengsatzes -, aber es erlaubt ausdrücklich, eine 18-MonatsFrist für Verhandlungen mit Empfängerländern einzuräumen, bis die Sicherungsklauseln in vollem Umfang angewandt werden müssen. Mit Ausnahme sehr weniger
Staaten akzeptieren bereits alle übrigen gegenwärtigen Empfänger bei allen
ihren nuklearen Aktivitäten Sicherungsmaßnahmen, wie sie die Internationale
Atomenergie-Organisation (IAEO) durchführt.
Ein ganz wichtiger Abschnitt des Gesetzes soll die Rolle der Vereinigten
Staaten als zuverlässiger Kernbrennstoff-Lieferant festschreiben. Das Gesetz
fordert von Präsident Carter, Gespräche mit anderen Nationen zur Errichtung
- 2 -

�Errichtung einer Internationalen Kernnbrennstoff-Behörde (INFA - International
Nuclear Fuel Authority) aufzunehmen, welche Nationen, die sich strikt an
die Regeln der Nicht-Weiterverbreitung halten, mit Kernbrennstoff versorgt,
falls sie plötzlich von ihren normalen Lieferungen abgeschnitten würden.
Das Gesetz sieht vor, daß die USA bis zur Errichtung dieser Behörde aufgrund
einer internationalen Verkaufsvereinbarung einer internationalen Vorratsstelle Kernbrennstoff in einer Menge überweisen, die bis zu 100 ReaktorBetriebsjahre ausmachen kann. Die genauen Bedingungen hierfür wird Präsident
Carter dem US-Kongreß innerhalb der nächsten sechs Monate unterbreiten.
Bei den Kernbrennstoffen handelt es sich übrigens um Uran, das zu
weniger als 20 Prozent mit dem Isotop Uran-235 angereichert ist, während
waffenfähiges Material Uran mit mehr als 20 Prozent Uran-235 erfordert.
Die herkömmlichen Leichtwasserreaktoren, die heute das Rückgrat der kommerziellen Atomkraftwerke bilden, arbeiten mit einem Brennstoff, der ca. 3
Prozent Uran-235 enthält.
Beim Spaltprozeß im Leichtwasserreaktor fällt auch Plutonium an, das
in reiner Form für Atomwaffen benutzt werden kann. Ehe aber daraus ein
Kernsprengsatz zu machen wäre, müßte es von anderen hochradioaktiven Stoffen,
die zusammen mit Plutonium entstehen, chemisch getrennt werden. Somit bedeutete der bisher übliche Einmal-Gebrauch von Kernbrennstoff in einem
Leichtwasserreaktor ohne Wiederaufbereitungsanlage an sich schon eine gewisse
Sicherheit. Das neue Gesetz gegen die Weiterverbreitung von Kernwaffen verbietet die Wiederaufarbeitung auch nicht. Es setzt die bestehende Politik
fort, die verlangt, daß vor einer Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoff
amerikanischer Herkunft die Zustimmung der Vereinigten Staaten eingeholt
werden muß. Außerdem enthält es Richtlinien, die gewährleisten, daß der
Wiederaufbereitung gewöhnlich nur unter Bedingungen zugestimmt wird, die
die Proliferationsgefahr nicht merklich erhöhen. Ein Beispiel für solche
Bedingungen wären wirksame multinationale Vereinbarungen.
In der Senatsdebatte

�In der Senatsdebatte über 'as Gesetz wurde betont, daß die amerikanische Maßnahme den "Londoner Lieferanten-Richtlinien" für Nuklearexporte
mit ihrer speziellen Liste sens.tiver Materialien und Technologien in
Verbindung mit Exportrestriktionen nicht zuwiderlaufe. Man sieht vielmehr
in der Politik der USA eine Ergänzung und Bestärkung der Vereinbarung der
Lieferländer, wobei allerdings von amerikanischer Seite die Dinge strenger
gehandhabt werden.
Die Befürworter des Gesetzes verwiesen auch darauf, daß die Exportkriterien nichts anderes seien als eine Fortsetzung der gegenwärtigen
Politik und somit von den Handelspartnern der USA nicht als lästig betrachtet werden könnten» Obgleich die EURATOM-Länder nicht alle Kriterien
erfüllen, sei für sie bis zum Abschluß von Verhandlungen eine Frist von
zwei Jahren eingeräumt worden, um den Gesetzesbedingungen Genüge zu tun.
Auch die amerikanische Nuklearexportindustrie wird unter dem neuen Gesetz
keine Beeinträchtigung erfahren, weil es sich hinsichtlich der Klärung
und beschleunigten Erteilung von Exportgenehmigungen nur als hilfreich
erweisen kann und die allgemeine Atmosphäre der Unsicherheit beseitigt.

+ + + + +

�United States Information Service

22. Februar 1978

WILLIAM H. WEBSTER - DER NEUE DIREKTOR DES FBI

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Bundesrichter William H. Webster
ist am 9. Februar 1978 vom US-Senat als neuer Direktor des FBI (Federal Bureau
of Investigation) - des amerikanischen Bundeskriminalamtes - bestätigt worden.
Webster wird der dritte Direktor dieser wichtigen Behörde sein, die im
Jahre 1924 in ihrer derzeitigen Form von J. Edgar Hoover aufgebaut und bis zu
seinem Tode, im Jahre 1972, geleitet wurde. Der zweite und derzeitige Direktor
des FBI, Clarence Kelly, wird am 15. Februar von seinem Amt zurücktreten.
Webster, dessen Amtszeit zehn Jahre beträgt, unterstehen im FBI über 8400
Vollzugsbeamte (Special Agents), deren Aufgabe die Ermittlungen bei Verstößen
gegen die Bundesgesetzgebung (nicht einzelstaatliche oder kommunale) ist.
Der erfahrene Jurist war 1971 von Präsident Nixon in das Bundesdistriktsgericht berufen worden und kam 1973 in das Appelationsgericht.

Er gilt in Fach-

kreisen als hervorragender Rechtsgelehrter von sehr ausgeglichenem Charakter und
"makellosem Ruf".
William H. Webster wurde am 6. März 1924 in St. Louis, Missouri, geboren.
Er hat das Amherst College besucht und seine juristischen Studien an der

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�Washington University abgeschlossen.
seinem Heimatstaat Missouri.

Von 1959 bis 1961 war er Anwalt in

Bis zu seiner Ernennung zum Bundesrichter des

Staates Missouri führte er eine private Anwaltspraxis.
Webster ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

+ + + + +

�1
»

15"

Wi/zcn/choft
und Technik
United States Information Service

22. Februar 1978

MÜLLHALDE IM WELTRAUM
Sicherungsaktion für SKYLAB - Nukleare Stromquellen in bruchfester Hülle

- (AD) - Seit Mai 1973 kreist die amerikanische Raumstation SKYLAB
um die Erde. Sie wurde in den Jahren 1973/74 von drei Astronautenteams
28 bzw. 59 und 84 Tage lang als Wohn- und Arbeitsstätte benutzt, blieb
jedoch seitdem ihrem Schicksal überlassen. Ihre "aktive" Lebensdauer war
sowieso nur auf 6 bis 9 Monate angesetzt. Neuen Plänen der amerikanischen
Raumfahrtbehörde NASA zufolge sollen jedoch im Oktober 1979 Astronauten
des Raumtransporters noch einmal ein Rendezvous mit dem ehemaligen "Himmelslabor" versuchen, um über Fernsteuerung einen Raketenmotor am Andockstutzen
zu befestigen. Wenn dies gelingt, will man mit Hilfe dieses Triebwerks den
85 Tonnen schweren Koloss (Länge 35 m, Durchmesser 6,6 m) auf eine höhere
Umlaufbahn katapultieren, in der sein Verbleiben im Weltraum bis Mitte der achtzi
ger Jahre gesichert wäre und die Station eventuell noch für RaumtransporterExperimente zur Verfügung stünde.
Entgegen dem ursprünglichen Plan wurde der Zeitpunkt um fast ein Jahr
vorverlegt. Der Grund: SKYLAB nähert sich der Erde schneller, als aufgrund
der Bahnberechnungen nach dem Start zu erwarten war. Die Anomalie ist eine

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�eine Folge der ungewöhnlich starken Sonnenaktivität in den letzten Jahren.
Dadurch hat sich die Hochatmosphäre der Erde aufgebläht, so daß für das
"Himmelslabor" der Luftwiderstand eine größere Rolle spielte, als in den
ersten Berechnungen berücksichtigt werden mußte. Die Raumstation wurde
bereits leicht abgebremst und verlor dadurch ca. 40 km an Flughöhe, die nach
dem Start 435 km betrug.
Möglicherweise können aber die Raumtransporter-Astronauten gar nicht
mehr zu ihrem SKYLAB-Rendezvous, wenn nicht zuvor durch ein besonderes
Manöver das Flugverhalten des Himmelslabors geändert werden kann. Durch
Zünden der Steuerungsdüsen des SKYLAB wollen Ingenieure des Johnson-Raumflugzentrums in Houston (Texas) dem Flugkörper in den nächsten Monaten
einen zusätzlichen Bewegungsimpuls geben, der bewirkt, daß sich SKYLAB
im Orbit ständig langsam in Längsrichtung überschlägt. Auf diese Weise
würde das Absinken in die tieferen Luftschichten verzögert. Anderenfalls
wäre damit zu rechnen, daß SKYLAB in 14 - 18 Monaten in diese eintritt und
dabei in Hunderte von Teilen aufbricht. Die meisten würden in der Luft
verglühen. Aber einige große Bruchstücke könnten bis zur Erdoberfläche
gelangen und in einem 160 km breiten und ca. 4 000 km langen Korridor aufstürzen. Vier Fünftel der SKYLAB-Flugbahn führen allerdings über Meeresgebiete, so daß ein Trümmerabsturz auf Land wenig wahrscheinlich ist. Im
Gegensatz zu dem am 24. Januar 1978 in Kanada abgestürzten sowjetischen
Satelliten

Kosmos 954 befinden sich keinerlei nuklearen bzw. radioaktiven

Ausrüstungen an Bord.
Die Steuerungsdüsen können aber nur dann gezündet werden, wenn zuvor
einige recht heikle Manöver glücken: Zunächst muß der Funkkontakt wieder
hergestellt, die Batterien müssen auf "Laden" geschaltet werden. Ob letzteres
ausreichend geschieht, hängt davon ab, ob die Kollektorplatten nrt den Sonnenzellen, die Sonnenlicht in Strom umwandeln, noch genügend Leistung geben.
Viele Einzelfaktoren könnten dazu beitragen, daß der Versuch, die Steuerungsdüsen zu aktivieren, scheitert.
SKYLAB ist das
- 2 -

�SKYLAB ist das größte von 4 692 künstlichen Objekten, die zur Zeit
die Erde

umkreisen. Davon sind 928 Satelliten. Alles andere ist "Schrott"

- d.h. es handelt sich um Teile von zerbrochenen Satelliten oder Reste
von Trägerraketen. Seit 1957, dem Beginn des Raumfahrtzeitalters, sind
5 700 Objekte wieder in die Lufthülle eingetreten und verglüht. Einige
Hundert stürzten auf die Erde. In keinem Fall kamen Menschen zu Schaden
oder wurden Ansprüche auf Schadensersatz geltend gemacht. Das größte
Objekt amerikanischer Herkunft war eine Stufe der SKYLAB-Trä'gerrakete, die
im Januar 1975 in die Erdatmosphäre eintrat und in den Atlantik fiel.
Aufgrund des Vorfalls mit Kosmos 954 ist die Öffentlichkeit verständlicherweise besorgt wegen der Existenz von Erdsatelliten, die Energie
aus radioaktivem Material beziehen und eines Tages zur Erde fallen könnten.
In den Raumfahrtprogrammen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
wurden bisher sowohl aktive (wie bei Kosmos 954) als auch passive nukleare
Bordsysteme verwendet. Die erstgenannten sind Kleinreaktoren, die Energie
nach dem Prinzip der Kernspaltung produzieren, wobei auch Gammastrahlung
anfällt. Bei der zweiten Gruppe wird die Wärme des natürlichen Zerfalls
eines geeigneten Radioisotops direkt in elektrischen Strom umgewandelt
und so als Energiequelle genutzt. Man nennt diese passiven Systeme Radionuiklid-Generatoren (im Amerikanischen: radio-isotope thermal electric
generator, kurz RTG).
Das aktive System verwendeten die USA zum ersten und einzigen Mal im
Jahr 1965, als der in eine AGENA-Rakete eingebaute Kleinreaktor SNAP 10
gestartet wurde. Mit 11 kg Uran-235 beschickt, produzierte er 43 Tage lang
Betriebsstrom und schaltete sich automatisch ab, als ein Spannungsregler
ausfiel. Er wurde inzwischen auf eine sehr hohe Umlaufbahn gebracht, in der
er mindestens 4 000 Jahre verbleiben wird. Amerikanischen Beobachtungen
zufolge haben auch die Sowjets ihre Satelliten, die mit Reaktoren ausgerüstet
sind, in höhere Bahnen katapultiert - ein Manöver, das offenbar bei Kosmos
954 mißlang.
Die "passiven"
- 3 -

�Die "passiven" RTG-Systeme werden von den USA inzwischen routinemäßig
eingesetzt: Fünf solcher Stromquellen, die gegen das Ausdringen von Strahlung

sicher abgeschirmt sind, wurden von APOLLO-Astronauten auf dem

Mond installiert. Acht damit ausgerüstete Satelliten befinden sich auf
Erdumlaufbahnen (1 NIMBUS-Wettersatellit, 5 Navigationssatelliten der
US-Marine, 2 Nachrichtensatelliten). Seit einer Konstruktionsänderung,
die nach einem Fehlstart im Jahr 1964 vorgenommen wurde, sind alle diese
passiven Generatoren mit Graphit so ummantelt, daß die Hülle auch beim
Wiedereintritt und Absturz auf die Erde nicht zu Bruch geht. 1964 hatte
ein Navigationssatellit die Umlaufbahn nicht erreicht und verglühte. Als
jedoch 1968 ein mit zwei solchen Generatoren ausgerüsteter NIMBUS-Satell^'t
die Umlaufbahn nicht erreichte und vor der amerikanischen Westküste ins
Meer fiel, konnte man die RTG-Systeme bergen, und zwar unversehrt. Ein dritter
amerikanischer RT-Generator ging mit der Landefähre von Apollo 13 im Südpazifik unter, nachdem diese von dem verunglückten Raumschiff abgesprengt
worden war.
Alle amerikanischen RTG-Erdsatelliten befinden sich auf so hohen
Umlaufbahnen, daß sie erst zur Erde zurückkommen, wenn die radiofktive
Wärmequelle (Plutonium 238, Halbwertszeit 88 Jahre) längst erschöpft sein
wird. Auch Forschungssonden wie VIKING, PIONIER und VOYAGER, die zu den
Sonnenfernen Planeten wie Mars und Jupiter entsandt wurden und von denen
einige in die äußeren Bereiche des Sonnensystems vordringen werden, beziehen
ihren Betriebsstrom aus RTGs. Ebenso sollen der Orbiter für den Jupiter
(Starttermin 1982) und die Sonde zur Erforschung der Polgebiete der Sonne
(Start Anfang 1983) mit passiven nuklearen Stromquellen ausgerüstet werden.
Alle übrigen US-Satelliten arbeiten mit Sonnenenergie.

+ + + + +

- 4 -

�6

22. Februar 1978

FEUERWEHR PER HUBSCHRAUBER
Neuartiges Vielzweck-Rettungsgerät

- (AD) - Eine "fliegende Feuerwehrspritze" in Verbindung mit einem
Rettungsgerät, das, am Halteseil an einem Helikopter hängend, mit eigener
Kraft manövrieren kann, wird einem Bericht der Zeitschrift "Aviation
Week and Space Technology" zufolge von der Firma McDonnell Douglas entwickelt. Es soll Hilfeleistungen z.B. für Personen in Hochhausetagen
erleichtern und auch den Zugang zu anderen, von einer Katastrophe betroffenen
Objekten und Gebieten erleichtern, die von der Außenwelt abgeschnitten
sind.
Das im Werk St. Louis als Prototyp konstruierte Gerät ist eine mit
einem Gitter teilweise geschlossene Plattform mit ausklappbarem Steg. Sie ist
2,1 x 2,4 m groß, wiegt 900 kg und kann 4 - 6 Feuerwehrleute oder Sanitäter
aufnehmen. Bis zu 16 Verunglückte lassen sich auf ihr transportieren Sie
besitzt ein eigenes Antriebs- und Steuerungssystem - ein Flugzeugmotor erzeugt
die Kraft zur Aktivierung von vier verstellbaren Steuerungsdüsen, aivj an den
vier oberen Ecken angebracht sind. Ihre Orientierung wird vom Kommandostand
in der Plattform geregelt. Das Gerät kann bis zu 76 m weit in der Horizontalen

�1

Horizontalen manövrieren, während sich der Helicopter in einer Position
hält, die frei ist von Rauch, Hitze oder Turbulenzen. Der Führer des
Rettungskorbs steht in Funksprechverbindung mit dem Piloten im Helikopter,
der außerdem über einen Fernsehmonitor mitbeobachten kann, was am tinsatzort geschieht.

+ + + + +

•

2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sollen die Vereinigten Staaten den Dollar stützen?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Harvard-Professor Dr. Hendricks S. Houthakker -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Gesetz gegen Weiterverbreitung von Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Carter erhält Vollmachten vom Kongreß -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William H. Webster - der neue Direktor des FBI&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Müllhalde im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sicherungsaktion für SKYLAB -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Feuerwehr per Hubschrauber&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuartiges Vielzweck-Rettungsgerät -&lt;/em&gt;</text>
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3
I 3

Information
und

1

pT3!(if nt-TilM
United States Information Service

8. März 1978

INHALT

DOKUMENTATION
Der Pazifik und Ostasien im amerikanischen Verteidigungskonzept
- Rede von Harold Brown in Los Angeles WIRTSCHAFT
USA fordern internationale Begrenzung der Exportsubventionen
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten John J. Harter HINTERGRUNDMATERIAL
Carters Reise soll Beziehungen zu Lateinamerika und Afrika festigen
- Von unserem Korrespondenten Alexander M. Sullivan Wirtschaftsinteressen in der Antarktis
- USA fordern internationales Statut zum Schutz des Ökosystems WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Pflanzen aus Wüsten- und Regenwaldzonen
- Neue Rohstoffquellen für Eiweiß und industrielle Rohstoffe öl-Kohle-Schlamm für den Kraftwerksbetrieb

Um Übersendung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�1

31

f^

fe]

Dokumentation
United States Information Service

8. März 1978

DER PAZIFIK UND OSTASIEN IM AMERIKANISCHEN VERTEIDIGUNGSKONZEPT
- Rede von Harold Brown in Los Angeles -

Der amerikanische Verteidigungsminister
Harold Brown hat am 20. Fenruar 1978 in
einer Rede vor dem privaten Weltpolitischen
Rat in Los Angeles die Verteidigungspolitik
der Vereinigten Staaten mit besonderem
Hinblick auf den Pazifik, Ostasien und den
Nahen Osten erläutert. Was in Asien vorgehe,
so erklärte Brown, habe großen Einfluß auf
die Beziehungen der USA zur Sowjetunion.
Die Rede Browns hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, wieder in Südkaiifornien zu sein und heute abend vor Ihnen
sprechen zu dürfen. Wegen des besonderen Interesses Kaliforniens an Asien und
am Pazifik möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um unsere Sicherheitspolitik
unter dem besonderen Aspekt Ostasiens zu behandeln. Ich möchte das auch tun,
weil nach meiner Ansicht dieser Aspekt unserer Verteidigungsposition nicht
die öffentliche Aufmerksamkeit findet, die er verdient.
Ich bin gerade von einem mehrtägigen Besuch der Pazifikflotte und einer
Oberprüfung unserer Verteidigungsposition im Pazifik und in Ostasien mit

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�»

mit unseren höchsten militärischen Befehlshabern dort zurückgekehrt. So wie
sie bin auch ich besorgt über eine, wie man es nur nennen kann, falsche
Vorstellung von unserer Politik - d.h. über die gelegentlich hier im eigenen
Lande und im Ausland vorgebrachte Auffassung, daß sich die Vereinigten Staaten
aus Asien zurückzögen.
Diese Vorstellung ist ganz einfach falsch. Wir sind eine bedeutende
Macht im Pazifik und werden es bleiben. Anders kann es gar nicht sein. Wir
waren schon vor zweihundert Jahren, als diese Westküste Nordamerikas noch
spanisch, britisch und russisch war, in Asien engagiert. Wir haben auch
weiterhin tiefreichende und umfassende Beziehungen zu Asien in politischer,
wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht und auf dem Gebiet der Sicherheit.
Geographisch ist unser Territorium auf den Aleuten, auf Hawaii und Guam
im Herzen des Pazifik gelegen. Ein großer Teil unserer Bevölkerung kommt aus
Asien.
- Was die Wirtschaft betrifft, so ist unser Handel mit Asien sprunghaft
gestiegen. Im vorigen Jahr erreichte er die Höhe von 60 Milliarden Dollar.
Japan, die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, ist ein Hauptelement in
diesem Handel. Japan als stabilen politischen und wirtschaftlichen Partner
der Koalition zu erhalten, die für das, was die Welt heute an Ordnung und
Fortschritt ausweist, so viel bedeutet, ist ein Gebot höchster Priorität für
die amerikanische Außenpolitik.
- Was das Politische anbetrifft, so finden wir eine Reihe unserer zuverlässigsten Verbündeten im pazifischen Becken, und wir sind feierliche Verpflichtungen eingegangen, ihnen bei der Aufrechterhaltung ihrer Sicherheit
zu helfen. Außerdem hat das, was in Asien geschieht, einen großen Einfluß
auf unsere Beziehungen zu der Sowjetunion.
Ganz eindeutig muß unsere Verteidigungsposition in Asien darauf abgestellt
sein, diese Interessen und die unserer Freunde und Verbündeten zu schützen und

- 2 -

i

�und bei der Erhaltung von Frieden und Stabilität mitzuwirken. Unsere Streitkräfte in Asien leisten hierzu einen entscheidend wichtigen Beitrag.
Genau so bedeutsam ist die Tatsache, daß unsere asiatische Verteidigungspolitik Teil unserer globalen Politik ist. Wir können nicht in Europa
stark und in Asien schwach sein. Vielmehr unterstützt unsere Stärke in Asien
unsere Stärke in Europa und umgekehrt. Es sind zwei Seiten der gleichen Münze.
Wir sind eine globale Macht mit globalen Aufgaben. Wir müssen bereit sein,
die

uns gestellt Aufgabe in Asien zu lösen, genau so wie wir bereit sind, sie

anderswo zu lösen.
Warum aber werden dann von anderer Seite unsere Absichten in Asien in Frage
gestellt? Es scheint dafür zwei Gründe zu geben:
- Erstens, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit hat sich während des
vorigen Jahres auf die sensationelleren und interessanteren Aspekte der
Verteidigungs- und Außenpolitik Präsident Carters konzentriert - auf das
strategische Gleichgewicht, den B-1-Bomber, die Marschflugkörper (Cruise
Missiles), die NATO und den Nahen Osten.
- Zweitens, der Teil unserer asiatischen Verteidigungsposition, dem man
die meiste Aufmerksamkeit zuwandte, war unser Plan, unsere Landstreitkräfte
aus Korea abzuziehen. Was wir dagegen tun, um unsere bereits sehr starken
Streitkräfte in dieser Region beizubehalten und zu verstärken, das hat in den
Zeitungen weniger Beachtung gefunden.
Lassen Sie mich auf diese beiden Punkte etwas detaillierter eingehen:
Erstens, wie kommt es, daß sich die Aufmerksamkeit so stark auf die
nicht-asiatischen Aspekte unserer Verteidigungsposition konzentriert hat?
Das liegt zum Teil daran, daß diese Position viele Aspekte hat.
So ist die

�So ist die

Sowjetunion natürlich unser schwierigstes nationales

Sicherheitsproblem. Sie hat ihre Kapazität zu einer weltweiten Machtprojektion
ständig erweitert und sich entweder selbst militärisch oder durch die Soldaten
anderer Länder in immer stärkerem Maße in den Entwicklungsländern engagiert.
Ihre Kernwaffen stellen die einzige direkte Gefahr für unser nationales
überleben dar. Die Sowjets haben ihre Nuklearstreitkräfte ständig verbessert
und dislozieren derzeit ihre vierte Generation von Interkontinentalraketen
der Typen SS-17, SS-18 und SS-19 - in einer Zahl von etwa 135 Stück pro Jahr.
Zur Zeit besteht ein ungefähres strategisches Gleichgewicht - was wir
als "Ausgewogenheit im Wesentlichen" bezeichnen - das heißt, keiner genießt
durch seine strategischen Streitkräfte einen militärischen oder politischen
Vorteil gegenüber den anderen. Da wir uns der sowjetischen Absichten nicht
sicher sein können, so besteht unser unmittelbares militärisches Anliegen
darin, sicherzugehen, daß dieses Kräfteverhältnis stabil bleibt, daß unsere
Kapazitäten den sowjetischen weder faktisch nachstehen noch als unterlegen
angesehen werden. Daher planen wir die Entwicklung der Marschflugkörper als Teil
unserer strategischen Streitkräfte zur Luft weiterzuführen; wir werden ferner
in Kürze mit der Dislozierung der Trident-Raketen beginnen und die Entwicklungsarbeiten an der mobilen Rakete beschleunigen und intensivieren.
Wir versuchen außerdem, das derzeitige Gleichgewicht zu erhalten und
zu stärken und das Wettrüsten durch Verhandlungen über Rüstungskontrollen
einzugrenzen. Ich glaube, daß wir bei den SALT-Verhandlungen Fortschritte
in Richtung auf dieses Ziel machen. Berücksichtigt man die fundamentale
Bedeutung, die dem strategischen Gleichgewicht zukommt, so kann der Nachdruck,
den wir darauf und auf mit ihm in Zusammenhang stehende Fragen gelegt haben,
kaum als "fehl am Platze" bezeichnet werden.
In ähnlicher Weise hat sich unser Augenmerk im vorigen
konzentriert. Auch das ist durchaus angebracht, denn Europa
sowjetische Bedrohung mit konventionellen Waffen am größten
Anwachsen der sowjetischen konventionellen Kapazität in den
- 4 -

Jahr auf Europa
liegt dort, wo die
ist. Hier hat das
letzen Jahren

�Jahren die am meisten beunruhigende Bedrohung des Gleichgewichts zwischen
der NATO und dem Warschauer Pakt geschaffen. Außerdem aber ist es das Gebiet,
in dem die Vereinigten Staaten ihrerseits ihren Beitrag während unseres
zehnjährigen Engagements in Südostasien reduzieren mußten. Als Antwort auf
die sowjetische Bedrohung mußten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um unsere Streitkräfte in der
NATO zu verstärken. Aber ein derartiges Schwergewicht auf der einen Seite
geht nicht zu Lasten unserer anderen Verpflichtungen und Programme. Wir
erweitern zwar unsere militärischen Kapazitäten in Europa, aber wir reduzieren deshalb unsere Stärke an anderen Orten nicht.
Und schließlich stellt der Nahe Osten und der Persische Golf die
amerikanische Politik vor gewaltige Aufgaben. Es steht hier außerordentlich
viel auf dem Spiel. Jahrelang ist dies ein Gebiet voller Unruhe und Unbeständigkeit gewesen - und die ständigen Zusammenkünfte der Staatschefs und
Außenminister haben natürlich auch viel dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit
der Öffentlichkeit auf dieses Gebiet zu lenken.
Weil in diesem Gebiet die größten Ölquellen der Welt liegen, ist die
Sicherheit des Nahen Ostens und des Persischen Golfs von unserer eigenen
Sicherheit sowie der der NATO und unserer Verbündeten in Asien nicht zu
trennen. Japan, beispielsweise, importiert 80 Prozent seines Öls aus diesem
Gebiet. Wir werden die ölproduktion und seinen Transport an die Verbraucherstaaten schützen, ohne daß feindliche Mächte sich einmischen können. Wir
sind ferner verpflichtet, bei der Suche nach einem gerechten Frieden im Nahen
Osten mit angemessener Sicherheit für Israel mitzuhelfen.
Diese Dinge sind wichtig. Aber die Aufmerksamkeit, die wir dem
strategischen Gleichgewicht, der NATO und dem Nahen Osten haben zuteil werden
lassen, ist - zumindest

soweit es diese Administration betrifft - nicht auf

Kosten unserer Position in Asien gegangen.
Das bringt mich auf

�»

Das bringt mich auf meinen zweiten Punkt zurück - warum hat sich die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, wenn unsere Verteidigungsposition in
Asien Schlagzeilen machte.,

so sehr unseren Plänen für einen Abzug der

Landstreitkräfte aus Korea zugewandt und nicht auf das, was sonst noch in
dieser Region geschieht und was wir sonst dort noch tun?
Auch hier dürfte die Antwort auf der Hand liegen: Der geplante Abzug
der Landstreitkräfte ist etwas "Neues", während es die Konstanz unserer
Verpflichtung nicht ist.
Und wir entfernen ja sozusagen aus dem Zentrum des Schauplatzes ein
Element, das ein Viertel Jahrhundert lang einen prominenten Platz eingenommen
hat. Eine solche Veränderung kann verständlicherweise Unruhe in einem Gebiet
hervorrufen.
Lassen Sie mich Ihnen versichern, daß unser Abzugsprogramm sehr gründlich
sowohl in Washington als auch mit den Koreanern ausgearbeitet wurde. Es stellt
die Fortsetzung eines Prozesses dar, der im Jahre 1970 mit dem Abzug der einen
unserer beiden Divisionen in Korea begann. Das Programm hat die Unterstützung
des Chefs des Gemeinsamen Stabes und unserer Truppenkommandeure.
Wir können den Abzug unserer Landstreitkräfte planen, weil wir überzeugt sind, daß sich die Verhältnisse auf der koreanischen Halbinsel soweit
geändert haben, daß für die Vereinigten Staaten keine Notwendigkeit mehr
besteht, ihre Landstreitkräfte auf unbegrenzte Zeit in Korea zu belassen.
Südkorea hat sich zu einem modernen Staat von eindrucksvollen militärischen
und wirtschaftlichen Dimensionen gewandelt. Auch Nordkorea hat beeindruckende
militärische Kapazitäten entwickelt, aber der Süden ist weitaus dynamischer,
und seine wirtschaftliche Überlegenheit nimmt weiterhin zu. Im letzten Jahrzehnt hat Südkorea in wirtschaftlicher Hinsicht Nordkorea klar überholt was die Steigerung der Arbeitsproduktivität, die Übernahme moderner Technologie und den Aufbau einer internationalen finanziellen Macht anbetrifft. Südkoreas
Bruttosozialprodukt hat sich im letzten Jahrzehnt verdreifacht und hat eine

- 6 -

«

�eine Wachstumsrate, die 50 Prozent höher ist als die des Nordens, auch sein
Pro-Kopf-Einkommen hat das des Nordens weit hinter sich gelassen. Der Süden hat
die Grundindustrien - wie Stahl, Schiffbau, Elektronik, Petrochemie - aufgebaut, die für die Inganghaltung eines modernen Militärapparates von entscheidender Wichtigkeit sind. Seine Kreditwürdigkeit steht außer Zweifel,
und es hat einen weitaus besseren Zugang zu modernen Formen der Technologie
als der Norden. Das alles zeugt für die Stärke, den Unternehmungsgeist und die
Entschlossenheit des koreanischen Volkes.
Die Südkoreaner haben nicht nur diese wirtschaftlichen Großtaten vollbracht, sie haben auch einen unbedingten Einsatz für die Erhaltung ihrer
Unabhängigkeit und militärischen Sicherheit gezeigt. Dies ist für jeden
klar ersichtlich, der heute Südkorea besucht. Der Anteil ihrer Ressourcen,
die für die nationale Verteidigung zur Verfügung gestellt werden, hat sich
von rund vier Prozent zu Anfang der siebziger Jahre auf fast sieben Prozent
im Jahre 1977 erhöht, ein erheblich größerer prozentualer Anteil als wir
oder unsere europäischen Verbündeten ihn aufbringen. In absoluten Zahlen
wandte die Republik Korea im Jahre 1977 rund 2 Milliarden Dollar für die
Verteidigung auf - sechs mal so viel wie im Jahre 1970. In diesem Jahrzehnt
haben sie die Verantwortung für die entmilitarisierte Zone übernommen und
praktisch auch für die gesamte Vorneverteidigung ihrer Nation, sodaß die
noch dort befindliche amerikanische Division in Reserveposition gehalten wird.
Kurzum, die Koreaner sind fähig und willens, ihr Land zu verteidigen. Was
aber genau so wichtig ist, die Situation hat sich im Verlauf des letzten
Jahrzehnts im übrigen Asien ebenfalls in dramatischer Weise verändert. Das
nicht-kommunistische Asien hat sich in eindrucksvoller Weise weiterentwickelt;
die kommunistisehen Nationen sind gespalten und verfeindet:
Die wachsende militärische Kapazität der Sowjets und der Chinesen ist
weitgehend in kräftebindender und feindseliger Weise gegeneinander gerichtet.
Keines der beiden Länder hat eine besondere Fähigkeit gezeigt, die militärische
Macht zu einem bemerkenswerten politischen Vorteil und Gewinn in Asien ZJJ

- 7 -

�zu nutzen. Ihre ideologische Anziehungskraft für andere Nationen in Asien
ist geschwunden. Ihr Streit hat die Wahrscheinlichkeit drastisch reduziert,
daß wir einen Krieg in Asien entweder gegen China oder gar gegen beide die Sowjetunion und China - zu führen haben werden. Wir gehen bei unseren
Planungen für die Streitkräfte nicht mehr länger von der Annahme eines
möglichen Landkrieges gegen China in Asien aus.
- Zweitens, die Verbesserung der amerikanischen Beziehungen zur Volksrepublik China kennzeichnete das Ende unserer Konfrontation mit dem Lande
mit der größten Bevölkerungszahl der Welt. Wir sind der Oberzeugung, daß
die Fortsetzung effektiver Beziehungen zu China das Interesse dieses Landes
an der regionalen Stabilität stärken wird. Wir erwarten mit der Zeit eine
Normalisierung unserer diplomatischen Beziehungen zu China, um das bereits
erreichte noch weiter festigen zu können. Wir sind überzeugt, daß es andere
Probleme in der Welt gibt, bei denen wir zusammenarbeiten können.
- Drittens, Japans Wirtschaftswunder hat diesem Lande einen großen
regionalen und weltweiten Einfluß verschafft. Die amerikanisch-japanischen
Sicherheitsbeziehungen un&lt;i die enge Freundschaft unserer beiden Nationen,
sind von fundamentaler Bedeutung für unsere Position in Asien. Dies hat
beide Länder in die Lage versetzt, im Interesse von Frieden und Stabilität
zusammenzuarbeiten. Unser Schutzschirm hat es Japan ermöglicht, in zunehmendem
Maße eine konstruktive Rolle in diesem Gebiet zu spielen, während es im Rahmen
des Bündnisses bedeutsame, aber rein defensive Kapazitäten aufgebaut hat.
- Viertens, nach dem Zusammenbruch Südvietnams und Kambodschas gab es in
Südostasien große Befürchtungen einer unaufhaltsamen kommunistischen Woge.
Man dachte, daß der Elan der nordvietnamesischen Eroberer sich in irgend einer
Form in Siege der Insurgenten In Thailand und sonstwo umsetzen würde. Aber
was geschah? Vietnam, Laos und Kambodscha befinden sich in tiefer wirtschaftlicher
Not. Ja, es ist so, daß historische Feindseligkeiten und Nationalgefühle
rasch wieder aufgetaucht sind, was zu wiederholten ernsten Zusammenstößen zwischen
Vietnam und Kambodscha geführt hat. Die nicht-kommunistischen Nationen Südost-

- 8 -

�Südostasiens hingegen erfreuen sich einer Periode der wirtschaftlichen
Entwicklung und wir sind durch die wachsende Vitalität des Zusammenschlusses
südostasiatischer Nationen - ASEAN - ermutigt. Die nicht-kommunistischen
Länder Asiens haben auch einen gesunden und kontrollierten Nationalismus
und eine Entschlossenheit an den Tag gelegt, jedem Druck von außen zu
widerstehen.
Kurz gesagt, die Situation, die wir in Asien vorfinden, unterscheidet
sich wesentlich von der in Europa. In Europa liegen die Bindungen fest, mit
den sowjetischen Streitkräften und ihren Verbündeten auf der einen und den
Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten auf der anderen Seite. Das
militärische Kräfteverhältnis läßt sich leichter messen. Während in Europa
die militärische Kapazität der Sowjets gewaltig und auf einen Punkt gerichtet
ist, ist in Asien die Bedrohung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
zwar ebenfalls real, aber diffuser. Freund und Feind sind nicht immer klar
auseinanderzuhalten. Das Wechselspiel der Mächte ist fließender. Dementsprechend sind unsere Verteidigungserfordernisse zwar weniger anspruchsvoll
als in Europa, aber in vielen Fällen aufgrund der politischen Faktoren
viel komplexer.
Die Situation in Asien ist für unsere Interessen heute günstiger als in
der Vergangenheit. Wir wollen dafür sorgen, daß diese Verhältnisse bestehen
bleiben. Wir unterhalten daher große Streitkräfte im Westpazifik. Dazu gehören
Bomber vom Typ B-52, Raketenunterseeboote, neun taktische Kampfstaffeln der
US-Luftwaffe, zwei Flugzeugträger, 20 Kreuzer und Zerstörer, zwei Drittel einer
Division des Marinekorps und ein Flugzeuggeschwader des Marinekorps.
Der Präsident hat beschlossen, daß die Vereinigten Staaten, mit Ausnahme
des geplanten Abzuges aus Korea, diesen gegenwärtigen Stand der Kampfverbände
in Asien aufrechterhalten werden. Wir vernachlässigen auch nicht die Möglichkeit, daß viele im Westen (der USA) stationierte Streitkräfte in einem Ernstfall ebenso in Asien disloziert werden könnten wie in Europa. Das ist der Grund,
warum wir gemischte, nichtstrategische Streitkräfte mit all der Flexibilität,
- 9 -

�Flexibilität, die solche Streitkräfte bieten, unterhalten.
In den nächsten fünf Jahren werden wir unsere Streitkräfte in dieser
Region auch durch die Einführung verschiedener moderner Waffensysteme stärken,
wie durch TRIDENT-Nuklearraketen für unsere Unterseeboote, Marschflugkörper
für unsere Bomber vom Typ B-52, Kampfflugzeuge vom Typ F-14 für unsere
Flugzeugträger, Flugzeuge vom Typ F-15 für unsere Luftwaffe, das Frühwarnund Leitsystem AWACS und andere Verbesserungen. Wir werden den Umfang unserer
Pazifikflotte aufrechterhalten und sie in dem Maße, wie es unser Schiffbauprogramm erlaubt, modernisieren und vergrößern.
Wir führen noch andere verteidigungsbezogene Maßnahmen durch, um zur
Erhaltung des Friedens und der Stabilität beizutragen. In Korea planen wir
den Abzug unserer Landstreitkräfte dadurch auszugleichen, daß wir Südkorea
durch die Lieferung des notwendigen Geräts für die koreanischen Streitkräfte
und die Ausweitung von Krediten zum Kauf zusätzlichen militärischen Geräts
dabei helfen, seine eigenen Streitkräfte zu verbessern. Wir haben Gesetzesvorlagen in diesem Sinne im Kongreß eingebracht, und ich werde übermorgen
zur Begründung dieser Gesetzesvorlagen aussagen. Wir werden ferner unsere
Luftstreitkräfte in Korea auf unbegrenzte Zeit aufrechterhalten und werden
sie zahlenmäßig noch vor Ende dieses Jahres verstärken.
Anderswo in dieser Region befinden wir uns in aktiven Verhandlungen mit
den Philippinen, in dem Versuch, ein befriedigendes Abkommen über unsere
Stützpunkte zur Stabilisierung und Stärkung unserer Präsenz dort auszuhandeln.
Wir haben ferner stetig daran gearbeitet, im Rahmen unseres gegenseitigen
Sicherheitsvertrages zu einer noch engeren Verteidigungszusammenarbeit zu
gelangen.
Warum, so mögen Sie fragen, sind diese Verbesserungen notwendig, vor allem,
wenn die Situation in Ostasien und im Pazifik so günstig ist, wie ich dies
gerade angedeutet habe?
Lassen Sie mich die
- 10 -

�Lassen Sie mich die Beantwortung dieser Frage mit der Feststellung
beginnen, daß die Situation

in Asien zwar heute günstig ist, daß es jedoch

keine Gewähr gibt, daß sie so bleiben wird - vor allem, wenn wir Asien
ignorieren, unsere dortige Kapazität verringern und unsere Aufmerksamkeit anderswo konzentrieren sollten.
Es gibt in Asien große Ungewißheiten, die den künftigen Frieden in
Asien und in Europa bedrohen könnten. Das Gleichgewicht, das sich in
Ostasien in diesem Jahrzehnt herausgebildet hat - in dem die Vereinigten
Staaten, die UdSSR, die Volksrepublik China und Japan die wichtigsten Rollen
spielen - ist nicht nur für Asien von Vorteil, sondern trägt auch zur
Aufrechterhaltung des Gleichgewichts in Europa bei.
Dieses Gleichgewicht braucht jedoch nicht notwendigerweise auf Dauer
zu bestehen. Die militärische Stärke der Sowjetunion in Asien und im Pazifik
wächst ständig. Es ist möglich, daß in den sino-sowjetischen Beziehungen
Änderungen von fundamentaler strategischer Bedeutung eintreten. Nordkorea
ist immer ein Element der Unsicherheit, das den Frieden auf der Halbinsel
stören und die Großmächte hineinziehen könnte. Die wirtschaftliche Entwicklung der weniger entwickelten nicht kommunistischen Länder in dieser
Region könnte zusammenbrechen. Vietnam könnte eine Politik gegen seine nichtkommunistischen Nachbarn einschlagen. Wenn wir nicht Asien geben, was Asiens
iat, wenn wir nicht die notwendigen Streitkräfte ebenso wie eine ausreichende
wirtschaftliche und politische Stärke in dieser Region aufrechterhalten, um
uns vor diesen Ungewißheiten zu schützen, dann könnte sich das günstige
politische Kräfteverhältnis, das wir heute in Asien vorfinden, rasch verschlechtern.
Unsere weitere militärische Präsenz in diesem Gebiet - zusammen mit unseren
gegenseitigen Verteidigungsverträgen mit unseren Hauptverbündeten in dieser
Region - bietet nicht nur einen Schutz vor künftigen Ungewißheiten, sondern
erhöht auch die Wahrscheinlichkeit eines anhaltenden Friedens in Asien ganz
wesentlich. Unsere militärische Präsenz erhöht die politischen Hemmungen
- 11 -

�Hemmungen potentieller Gegner und dient als Abschreckung. Sie bietet ferner
ein wichtiges psychologisches Element der Sicherheit für befreundete
Länder. So bringt unser enges Bündnis mit Japan Stetigkeit in die japanische
Diplomatie , trägt zu einer aufblühenden Demokratie in Japan bei und fördert
eine konstruktive japanische Rolle in Asien. In ähnlicher Weise sind die
Länder des ASEAN-Paktes der Überzeugung, daß unsere weitere militärische
Präsenz in dem Gebiet einen wichtigen stabilisierenden Faktor bildet.
Unsere militärische Präsenz zwingt auch unseren potentiellen Gegnern
bestimmte defensive Überlegungen auf. Die sowjetische Pazifikflotte muß immer
mit dem Gedanken an die Siebte Amerikanische Flotte operieren. Wenn wir einen
wesentlichen Teil der amerikanischen Pazifikflotte abziehen, - oder darauf
verzichten, unsere Streitkräfte in dem Maße zu verbessern, wie die sowjetischen Streitkräfte verbessert werden - dann würde das militärische und
politische Potential der sowjetischen Pazifikflotte beträchtlich erhöht.
Und schließlich sind wir, wie ich bereits vorhin gesagt habe, und was
das wichtigste ist, eine pazifische Macht - mit lebenswichtigen Interessen
und feierlichen Verpflichtungen in dieser Region. Unsere militärische
Präsenz und die geplante Verbesserung unserer Streitkräfte sollen dazu
dienen, unbedingt sicherzustellen, daß wir über die Kapazität verfügen, um
diese Interessen weiterhin zu schützen und unsere Verpflichtungen weiter
einhalten zu können. Wir können uns darum nicht herumdrücken, und wir können
unsere Verantwortung für die Aufrechterhaltung des Friedens in diesem Gebiet
nicht abschütteln. Aus diesen Gründen werden wir unsere Streitkräfte in Asien
noch einige Zeit dort brauchen. Das muß jeder begreifen. Der Präsident und
seine Administration begreifen es, und wir werden entsprechend handeln.

+ + + + +

�7

8. März 1978

USA FORDERN INTERNATIONALE BEGRENZUNG DER EXPORTSUBVENTIONEN
Von unserem Wirtschaftskorrespondenten John J. Harter

WASHINGTON - (AD) - Die Regierung Carter tritt für die Einführung eines
internationalen Kodex zur Begrenzung staatlicher Exportförderungsmaßnahmen
ein. Ein solcher Kodex käme der gesamten Weltwirtschaft zugute, weil damit
die Gewähr geschaffen wäre, daß staatliche Zuwendungen zur Stärkung der Ausgangsposition gewisser Exporteure eingestellt würden, erklärten zwei amerikanische Regierungsvertreter am 23. Februar 1978 vor einem Kongreßausschuß.
Die Ausfuhrbeihilfen, mit denen die Europäische Gemeinschaft den Export
gewisser Agrarprodukte fördert, stellen ein nicht-tarifäres Handelshindernis
und eine Behinderung der amerikanischen Agrarausfuhren dar, wie Dale Hathaway,
Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten und Rohstoffprogramme
im amerikanischen Landwirtschaftsministerium dem Ausschuß darlegte. Unterstaatssekretär für Industrie- und Handelsfragen im US-Handelsministerium,
Frank A. Weil, berichtete dem Ausschuß, daß die amerikanischen Einfuhren in
den letzten Jahren einen in der gesamten Wirtschaftsgeschichte bisher einmaligen Umfang erreicht hätten, der es dringend erforderlich macht, der Ausfuhrförderung höchstmögliche Priorität zuzuerkennen.
Senator

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Telex:08-85432

�Senator Adlai Stevenson, Vorsitzender des Ausschusses, betonte in diesem
Zusammenhang, die Vereinigten Staaten müßten die Programme zur Stärkung der
amerikanischen Ausfuhren - darunter auch die Exportförderungsmaßnahmen der
Export-Import-Bank und der Gesellschaft zur Rohstoffkreditfinanzierung (Commod
ity Credit Cooporation) - stärker als!bisher bezuschussen.
"Dies sind sehr heikle Fragen," versicherte Unterstaatssekretär Weil,
"die sich auch auf die Außenpolitik auswirken.

Deshalb bedarf es, meiner Auf-

fassung nach .klarer Definitionen der einschlägigen Begriffe - die sich mit
großer Wahrscheinlichkeit aus der Tokio-Runde ergeben werden. "Wir sollten",
fuhr er fort, "nach meinem Dafürhalten bei der Anwendung der Bestimmungen des
US-Handelsgesetzes von 1974 eine aggressivere Haltung einnehmen.

Das Gesetz

ermächtigt den Präsidenten, Schutzzölle oder Antidumpingabgaben zu verhängen,
um heimische Produzenten vor dem unfairen Wettbewerb von staatlich subventionierten Exporteuren aus anderen Ländern zu schützen.

Wir sollten uns aber

davor hüten, zu ebenso unfairen Handelspraktiken überzugehen."
Ein Vertreter der amerikanischen Privatwirtschaft erklärte vor dem Ausschuß, die Regierung solle es als ihre Aufgabe ansehen, die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Exporteure zu stärken, "wobei jedoch Ausfuhrbeihilfen
nicht die richtige Antwort sind."
"Die amerikanischen Steuerzahler sind nicht gewillt, Unternehmen zu bezuschussen, damit sie ihre Produkte in Übersee zu Niedrigpreisen absetzen
oder höhere Gewinne einheimsen können," so erklärte Professor C. Michael Aho,
Wirtschaftswissenschaftler an der George Washington-Universität in Washington
D.C. "Staatliche Beihilfen sollten vielmehr zu dem Zweck gewährt werden, die
Arbeitsproduktivität zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen
Industrie zu stärken."
Unterstaatssekretär Weil stellte in einem Rückblick auf die Entwicklung
des amerikanischen Exports im Jahr 1977 folgende Fakten besonders heraus:
- Die

�- Die 4,6prozentige Zunahme der amerikanischen Ausfuhren im Jahre 1977
war die geringste seit 1971,und der Anteil der Vereinigten Staaten an den
Weltausfuhren insgesamt wie auch an den Ausfuhren an Fertigwaren ist weiter
stark rückläufig.
- Besonders starke Einbußen erlitten die amerikanischen Ausfuhren auf
ihren traditionellen Märkten wie Kanada, Japan und Lateinamerika, weil diese
zu den Einfuhrmärkten mit den niedrigsten Wachstumsraten zählten.
- Kapital guter bestreiten den Hauptanteil an den Ausfuhren der amerikanischen Fertigungsindustrie und damit auch an der amerikanischen Außenhandelsbilanz, so daß sich das Ausbleiben einer stärkeren Nachfragebelebung bei
Kapitalgütern im Ausland negativ auf die Steigerung der amerikanischen Ausfuhren auswirkte.
- Die Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer
Erzeugnisse wäre geeignet, den Anteil der USA am Weltexport von Gütern der
Fertigungsindustrie zu steigern oder zumindest zu stabilisieren.

+ + + + +

- 3 -

�8. März 1978

7

CARTERS REISE SOLL BEZIEHUNGEN ZU LATEINAMERIKA UND AFRIKA FESTIGEN
Von unserem Korrespondenten Alexander M. Sullivan

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter wird auf seiner Reise nach Südamerika und Afrika in der Zeit vom 28. März bis 3. April 1978 Venezuela,
Brasilien, Nigeria und Liberia besuchen.
Wie der Berater des Präsidenten für Fragen der nationalen Sicherheit,
Dr. Zbigniew Brzezinski, am 24. Februar in Washington erklärte, dient die
Reise Carters dem Bemühen der amerikanischen Politik "sich auf die neuen
Realitäten in der Außenpolitik einzustellen - nämlich das Auftreten neuer,
aus regionalen oder globalen Gründen wichtiger Mächte, deren Stimmen in den
internationalen Gremien neuen Einfluß gewonnen haben."
Präsident Carter wird auf seiner Reise zwei größere Reden halten.
Die eine bei seinem Aufenthalt in Caracas vor dem Kongreß Venezuelas wird
sich vor allem mit dem Verhältnis zur südlichen Hemisphäre befassen und
wahrscheinlich auch auf die besonderen Beziehungen zwischen Verbraucherund Erzeugerstaaten im Nord-Süd-Verhältnis eingehen.
Seine

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�Seine zweite Rede wird Carter in Lagos in Nigeria halten.

Sie wird

die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Afrika und das Verhältnis
zwischen den afrikanischen Nationen und den Vereinigten Staaten zum Thema
haben.
Mit seinen Besuchen holt der Präsident jenen Abschnitt seiner schon im
vorigen Jahr geplanten und durchgeführten Reise nach, der gestrichen worden
war, weil Carter damals während der Beratungen des Kongresses über die Energiegesetzvorlage nicht von Washington abwesend sein konnte.
Wie Brzezinski weiter ausführte, wird der amerikanische Präsident mit
den Staatsmännern der genannten Länder internationale und regionale Probleme sowie bilaterale Angelegenheiten erörtern.
In Venezuela, das Brzezinski als ein "bedeutendes und demokratisches
Land" bezeichnete, das sowohl in regionalen und internationalen Fragen eine
"immer wichtigere Rolle" spiele, werde Carter auch über die Frage sprechen,
welche Möglichkeiten es für

eine Verbesserung der Förderung der Menschen-

rechte auf der gesamten westlichen Hemisphäre gebe.
Carter wird bei seinem Aufenthalt in Venezuela am 28. und 29. März mit
dem venezolanischen Präsidenten Carlos Andres Perez auch die Frage anschneiden, wie die Weiterverbreitung von nuklearem Waffenmaterial eingedämmt werden kann und die Probleme zwischen Erzeuger- und Verbraucherländern sowie
die internationale Energiesituation und die Frage des ölpreises erörtern.
Außerdem werden regionale und internationale Probleme und die Zusammenarbeit in der Karibik zur Sprache kommen. Es wird übrigens das dritte mal
sein, daß Carter mit Perez zusammentrifft.
Brzezinski wies in diesem Zusammenhang auf die aktive Rolle hin, die
Venezuela - eines der Gründungsmitglieder der Organisation Erdölexportierender Länder (OPECJ - bei den Bemühungen um eine Lösung des Belize-Problems
und dem Bestreben Boliviens, einen Zugang zum Meer zu erhalten, gespielt hat.
Anschließend
- 2 -

�Anschließend wird der amerikanische Präsident nach Brasilien reisen,
der einzigen südamerikanischen Nation, deren Soldaten Seite an Seite mit
amerikanischen Truppen während des Zweiten Weltkrieges gekämpft haben.

Carter

wird am 29. März Brasilia und am 30. und 31. März Rio de Janeiro besuchen.
Themen seiner Gespräche mit dem brasilianischen Präsidenten Ernesto Geisel,
mit dem er zum erstenmal zusammentreffen wird, werden die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffenmaterial, Energiefragen, handelspolitische Probleme und
die politischen Entwicklungen auf der westlichen Hemisphäre sowie die Frage
der Menschenrechte sein.
Auf seiner Afrikareise wird Präsident Carter zuerst nach Nigeria kommen und sowohl die Hauptstadt des Landes, Lagos }als auch die im Norden gelegene Stadt Kano, mit ihrer in ethnischer, religiöser und sozialer Hinsicht
sehr unterschiedlichen Bevölkerung besuchen.

Von nigerianischer Seite war

der dringende Wunsch geäußert worden, daß Carter beide Gebiete des Landes besuchen möchte.
Nigeria spielt nach den Worten Brzezinskis eine wichtige Rolle als Vermittler in regionalen afrikanischen Streitfällen, unter anderem auch im Konflikt zwischen Äthiopien und Somalia und den Spannungen im südlichen Afrika.
Brzezinski hob in diesem Zusammenhang die konstruktive Rolle hervor, die
Nigeria bei den anglo-amerikanischen Vorschlägen für dieses Gebiet gespielt
hat und verwies auf das große Ansehen, das das Land in der Organisation für
Afrikanische Einheit (OAU) genießt. Nigeria ist derzeit Mitglied des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen und gehört der OPEC an.
Mit dem nigerianischen Präsidenten, General Olusegun Obasanjo, wird
Carter über allgemeine Probleme der Weltwirtschaft, den öl preis und Fragen
im Zusammenhang mit der Seerechtskonferenz sprechen.
Ein weiteres wichtiges Thema wird der Konflikt zwischen Äthiopien und
Somalia sein und die Frage, wie er am besten gelöst werden und eine Einmischung
sowjetischer und kubanischer Truppen in afrikanische Angelegenheiten verhindert

- 3 -

�verhindert werden kann.

Washington, so erklärte Brzezinski, trete für eine

friedenstiftende Rolle der Organisation für Afrikanische Einheit ein.
Der amerikanische Präsident wird am 31. März in Lagos eintreffen, wo
ihm am 1. April ein offizieller Empfang bereitet werden wird.

Am 2. April

wird er nach Kano reisen und am 3. April nach Lagos zurückkehren, um von dort
nach Liberia weiterzufliegen.
In Liberia, das Brzezinski als einen der ältesten Freunde der USA in
Afrika bezeichnete - die Beziehungen gehen bis auf das Jahr 1882 zurück wird Carter die Gelegenheit eines kurzen Aufenthalts benutzen, um mit seinem
Präsidenten, William Tolbert, die bilateralen Beziehungen, Investitionsprobleme und Fragen der regionalen Sicherheit sowie der westafrikanischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu erörtern.

+ + + + +

�6. März 1978

7

WIRTSCHAFTSINTERESSEN IN DER ANTARKTIS
USA fordern internationales Statut zum Schutz des Ökosystems

- (AD) - Lange Zeit war die Antarktis die Domäne der Wissenschaftler,
deren Rechte auf Freizügigkeit in der gesamten Region der Antarktis-Vertrag
von 1959 garantiert. In zunehmendem Maße findet jetzt jedoch das Gebiet
wegen seines vermuteten Reichtums an Ressourcen auch wirtschaftliches Interesse. Dieses konzentriert sich derzeit primär auf Fischbestände und andere
Formen von Nahrungsreserven in den Randmeeren, insbesondere Kri11, während
Bodenschätze weniger im Vordergrund stehen.
Im Jahr 1979, zum 20. Jahrestag der Unterzeichnung des Antarktisvertrags in Washington, werden die Vereinigten Staaten Gastgeber für die
10. Konferenz der Konsultativmächte sein. Bis dahin befassen sich multinationale Gremien der Vertragspartner auf sechs bis sieben Konferenzen mit
speziellen Fragen, beispielsweise der Verbesserung der Nachrichtenverbindungen zum Weißen Kontinent, aber auch mit dem Arbeitspaket für die noch in
diesem Jahr abzuhaltende "Entscheidungs-Konferenz", auf der ein Statut zum
Schutz der antarktischen Lebenswelt und der Nahrungsreserven formuliert
werden soll. Es wird eine Konferenz auf diplomatischer Ebene sein, an der
nicht nur die Konsultativmächte, d.h. die Partnerstaaten des Antarktisvertrages, sondern auch andere Länder mit direkten Interessen an den Nah-

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Nahrungsreserven in der Antarktis sowie internationale Organisationen als
Beobachter teilnehmen.

Eine Vorstufe ist die gegenwärtig (vom 27. Februar

bis 16. März 1978) in Canberra (Australien) tagende Sonderkonferenz der
Konsultativmächte.
Der Standpunkt der Vereinigten Staaten im Fragenkomplex "Antarktis"
wurde kürzlich vor einem Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des
Senats von Patsy Mink, Unterstaatssekretärin im US-Außenministerium für Angelegenheiten der Meere und für internationale Umwelt- und Wissenschaftsfragen, dargelegt.

Den Ausführungen der Unterstaatssekretärin zufolge wird

die Antarktis-Politik der USA von zwei Erwägungen bestimmt:

1. Schutz der

Umwelt und Bewahrung des Ökosystems vor ungebührlicher Schädigung sind von
größter Bedeutung.

2. Falls die Ressourcen jemals ausgebeutet würden,

müßten diese klug genutzt und unter geeigneten Umweltschutzmaßnahmen entnommen werden.
Daß dieser Standpunkt von den anderen elf Vertragspartnern geteilt
wird, zeigen die Empfehlungen zur Frage der mineralischen Rohstoffe, die
auf der 8. und 9. Konsultativkonferenz angenommen wurden. Sie befürworten die rechtzeitige Schaffung eines internationalen Statut, das eine mögliche Nutzung der Ressourcen regelt, und ersuchen interessierte Länder
dringend, in der Zwischenzeit Zurückhaltung bei der kommerziellen Nutzung
zu üben.
Einer der Grundsätze, die in das Statut aufgenommen werden sollen,
betrifft das Ökosystem der antarktischen Meere angesichts der Möglichkeit,
daß dort Fischerei im großen Stil betrieben wird. Sie könnte nämlich das
gesamte Ökosystem gefährden. Die Meere um die Antarktis sind biologisch
sehr produktiv. Unkontrollierte Fangtätigkeit hat jedoch bereits die Walund Robbenbestände stark dezimiert. In den sechziger Jahren richtete sich
die Aufmerksamkeit sowohl der Wissenschaftler als auch der Fischereiexperten
auf den in großen Mengen vorkommenden Krill - kleine, garneeienartige Krebse
(Euphausia), von denen sich auch die Großwale ernähren. Eine Krillart,

- 2 -

�Krillart,Euphausia Superba, bildet an oder nahe der Wasseroberfläche
dichte Schwärme.

Dieser Umstand und der hohe Eiweißgehalt des Krills ma-

chen diese Krebsart zu einem begehrenswerten Objekt für kommerzielle Fangexpeditionen, um sie dem Konsum direkt zuzuführen oder Fischmehl daraus
herzustellen.

Auch bestimmte Fischarten sowie Tintenfisch scheinen ergie-

bige Fänge zu gewährleisten.
Als erste sondierten sowjetische und japanische Fangschiffe die antarktischen Meere. In letzter Zeit haben sich Expeditionsschiffe anderer
Länder zu ihnen gesellt, insbesondere der Bundesrepublik Deutschland, die
nicht Mitglied des Antarktisvertrages ist, und Polens. Auch Südkorea plant
für Ende 1978 eine Krill-Expedition. Die Schätzungen über die Krillmengen
- sie bewegen sich zwischen einigen 10 Millionen und weit über 100 Millionen Tonnen pro Jahr - machen im Verein mit freiem Fischfang in fernen Gewässern den kommerziellen Fang angesichts der Beschränkungen innerhalb der
200-Meilen-Zonen wahrscheinlich, und dies wohl eher früher als später.
Aber es gibt bisher wenig Erfahrungen mit dem Massenfang von Krill,
der in der Nahrungskette weit vornean steht und eine so zentrale Rolle im
Ökosystem der Meere spielt. Dieses ist in der Antarktis wegen der extremen
Umweltbedingungen besonders fein ausbalanciert und den Verhältnissen angepaßt, so daß unkontrollierter Krillfang oder die Ausbeutung anderer SystemKomponenten unvorhersehbare und vielleicht nicht wieder gutzumachende Auswirkungen haben könnten.
Angesichts dieses Sachverhalts sehen die Vertragspartner den angemessenen Schutz der antarktischen Lebenswelt als vordringlich an, was im Empfehlungen zum Ausdruck kommt, die auf der 9. Konsultativkonferenz (19. September bis 17. Oktober 1977 in London) verabschiedet wurden. Sie besagen u.a.,
daß
1. ein wirksames System für den Schutz der antarktischen Reserven, einschließlich Krill, in Kraft sein sollte, ehe Fänge im großen Stil aufgenommen

�2. ein Schutzstatut die ganze Skala der Lebenswelt in der Antarktis
und damit des gesamten antarktischen Ökosystems erfassen solle;
3. das Schutzstatut in eine internationale Konvention einzubinden
sei und Vorkehrungen getroffen werden müssen, daß an den Verhandlungen die
Konsultativmächte, andere Länder mit direkten Interessen an den betreffenden Ressourcen und zuständige internationale Organisationen teilnehmen.
Das Statut, das Teil des Vertrages würde, hätte feste Zielsetzungen und
würde die Verpflichtungen, Funktionen und den erforderlichen Apparat zu
deren Erfüllung umreißen.
Mit dem Schutzstatut sollen alle Spezies erfaßt werden, die noch nicht
in bestehende internationale Schutzabkommen (beispielsweise die Konventionen
über Walfang und über den Schutz der antarktischen Robben) aufgenommen sind.
Dadurch will man sicherstellen, daß jegliche Fangaktivität in der Antarktis
in Übereinstimmung mit vernünftigen Schutzprinzipien und Praktiken erfolgt.
Insbesondere soll jegliches überfischen von Antarktis-Gewässern verhindert
und gewährleistet werden, daß der Fang einer bestimmten Spezies die Population von ihr abhängiger oder verwandter Spezies nicht beeinträchtigt.
Das Ökosystem darf nicht durch Fangaktivitäten, welcher Art auch immer,
Schaden leiden.
Um dies zu erreichen, müßte das Schutzstatut Sorge tragen, daß grundlegende wissenschaftliche Daten über die Natur, die Wechselbeziehungen und
die Dynamik des marinen Ökosystems in der Antarktis gesammelt sowie die Bestände der Komponenten des antarktischen Nahrungsreservoirs quantitativ
bestimmt und der Umfang jeglicher Fänge aus diesen Beständen detailliert angegeben werden. Außerdem sind die schutzwürdigen Bestände zu identifizieren; für die Durchführung spezieller Schutzbestimmungen, einschließlich
einer Beschränkung von Fängen, müssen Vollzugsmaßnahmen entwickelt werden.
Das Schutzstatut soll reguläre und bleibende Funktionen haben, für deren
Durchführung ein wirksames organisatorisches System erforderlich ist.

Als

�Als wichtige Frage im Zusammenhang mit einer zufriedenstellenden Lösung des Problems sowohl der lebenden als auch der mineralischen Ressourcen
gilt die Behandlung der Rechtspositionen der Länder, die Hoheitsansprüche
stellen, und der Länder, die keine solchen Ansprüche stellen.

Wie die Fra-

ge der Souveränitätsrechte im allgemeinen behandelt wird, kommt im Antarktisvertrag bereits zum Ausdruck.

Aufgrund des Vertrages vertreten die USA den

Standpunkt, keinerlei Ansprüche auf Gebietshoheit in der Antarktis zu erheben
oder anzuerkennen.

Da der Vertrag die Frage der Ressourcen nicht erwähnt,

stellt sich angesichts möglicher Aktivitäten zur Inanspruchnahme von Ressourcen diese Frage jetzt in direkter Form.
Wie Patsy Mink vor dem Senatsausschuß betonte, sind die Vereinigten
Staaten zuversichtlich, daß Lösungen gefunden werden. In der amerikanischen
Antarktispolitik habe auch in Zukunft die gesicherte Beibehaltung des Systems
des Antarktisvertrags sowie die Bewahrung von Umwelt und Ökosystem in der
Antarktis Vorrang. Die USA konzentrieren sich ebenso wie ihre Partner im
Antarktisvertrag auf die Untersuchung von Fragen, die beispielsweise die
Festlegung von Standorten bzw. Gebieten betreffen, welche von besonderem
wissenschaftlichen Interesse, sind. Ihre Sorge gilt ferner Umweltproblemen
als Folge des zunehmenden Tourismus $wie Problemen, die sich aus der Exploration und dem Abbau von Mineral vorkommen ergeben könnten. Gleichzeitig
setzen die Wissenschaftler ihre Arbeit in der Antarktis im Geist der Zusammenarbeit fort, der bisher das Gütezeichen für den Antarktisvertrag gewesen
ist.

+ + + + +

- 5-

�fiifflan 11
I

3

Wi//en/choft
und Technik
United States Information Service

8. März 1978

PFLANZEN AUS WÜSTEN- UND REGENWALDZONEN
Neue Rohstoffquellen für Eiweiß und industrielle Rohstoffe

(AD) - Etwa 300 000 Pflanzenarten wurden bisher auf der Erde identifiziert. Knapp 2 000 davon gelten als Nutzpflanzen, von denen aber
nur etwa 50 in großem Umfang angebaut werden. So ist es nicht verwunderlich,
wenn Forscher bisher unbeachtete Pflanzen "entdecken", die die Nahrungsproduktion bereichern und der Industrie wertvolle Rohstoffe liefern
könnten.
Dazu gehört beispielsweise die Spargelbohne (auch Goa-Bohne genannt,
lateinische Bezeichnung Psophocarpus Tetragonolobus), die in Afrika, Südamerika und Sü'dostasien heimisch ist. Wie Dr. Christine Newell (Universität
Illinois) kürzlich auf der 144. Jahrestagung der AAAS (Amerikanische
Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften) vom 12. - 17. Februar 1978
in Washington berichtete, enthält sie reichlich Eiweiß und öl. Bei entsprechender Nutzung könnte sie sogar der Sojabohne Konkurrenz machen. Sie
würde dann auch besondere Bedeutung für die regenreichen Tropengebiete
erlangen, wo die Bevölkerung weitgehend auf Yamsbohne und Manickwurzel als
Eiweißquellen angewiesen ist. Gegenwärtig werden Verfahren entwickelt, die

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�die einen großflächigen Anbau der Spargelbohne und vereinfachtes Abernten
der rebenähnlichen Pflanzen sowie ihre kommerzielle Verwertung ermöglichen
sollen.
Keimplasma für die intensive Untersuchung von Wachstum und Nährwert
steht erst seit 1973 zur Verfügung. In der Zwischenzeit wurden außer in den
Vereinigten Staaten in Australien, Neuguinea, Bangladesch, Indien, Indonesien, Malaysia, Sri Lanka, Thailand, auf

den Philippinen, in Kolumbien,

Nigeria und Ghana Forschungsprogramme in Angriff genommen. In enger Zusammenarbeit mit zwei amerikanischen Stiftungen richtet z.Zt. die Universität
Florida ein Großprojekt für Anbau, Absatz und Verteilung von zwei Zuchtlinien der Spargelbohne ein, wofür in Kürze Saatgut in ausreichender Menge
zur Verfügung stehen wird.
Die Bohne wächst rasch und trägt reichlich. Ihre grünen Schoten, die
Blätter, die Kerne und die Wurzeln sind reich an Eiweiß und Vitaminen. Selbst
ihre Blüten, Stengel und Schößlinge sind genießbar. In der Volksmedizin
dient die Pflanze als wirksames Mittel zur Behandlung von Augen- und Ohrinfektionen. Aber trotz all dieser Qualitäten wurde sie bisher nur in PapuaNeuguinea und in Südostasien genutzt. Pflanzenbiologen bemühen sich jetzt
darum, Varianten mit speziellen, verbesserten Merkmalen zu züchten.
Für die industrielle Verwertung sind die Bohnenfrüchte des JajobaStrauches ("Simmondsia Californica", gelegentlich auch als Jojoba-Strauch
bezeichnet) interessant, der im Südwesten der USA und in Mexiko heimisch
ist. Die Sträucher und niedrigen Bäume wachsen auf leicht alkalischen Böden
an zerklüfteten Abhängen in der Sonora-Wüste in Arizona und in Südkalifornien.
Am besten gedeiht die Pflanze in Regionen, wo jährlich etwa 38 - 45 cm Regen
fallen. Sie verträgt starke Temperaturschwankungen (zwischen minus fünf und
plus 42 Grad Celcius) im Tag- und Nacht-Rhythmus oder im Wechsel der Jahreszeiten.
Die Forschung

�Die Forschung befaßt sich erst seit sechs Jahren mit ihr. Wie
Lemoyene

Hogan von der Universität Arizona auf der AAAS-Tagung erklärte,

könnte die Jajoba-Bohne wegen ihres Gehalts an Palmitinsäurecetylester
(C, 5H31C00-C,gH32» eine Verbindung mit Cetylalkohol) Ersatz für Walrat,
bzw. Walöl bieten. Dieses ungesättigte Wachs, aus den Kopfhöhlen des
Pottwals gewonnen, ist ein wertvoller Rohstoff für die Herstellung von
Hochdruck-Schmiermitteln, Poliermitteln, pharmazeutischen und kosmetischen Präparaten sowie für Produkte, die von der Textil- und Lederindustrie benötigt werden. Weil aber der Pottwal zu den gefährdeten und
somit schutzbedürftigen Tierarten zählt, wird Walöl bald nicht mehr zu
beschaffen sein. In Mexico und in den Vereinigten Staaten wurden im
vergangenen Jahr (1977) bereits 45,4 Tonnen Jajoba-Öl produziert. Inzwischen haben Wissenschaftler der Universität Kalifornien in Riverside,
ferner in der mexikanischen Provinz Sonora und an der Ben-Gurion-Universität (Israel) Forschungsprojekte mit Jajoba-Pflanzen aufgenommen.

Als "Industriepflanzen" ist möglicherweise auch der Guayule-Strauch
(Parthenium Argentatum) im Kommen, der, ähnlich wie der brasilianische
"Gummibaum" (Hevea Brasiliensis) Kautschukmilch liefert. Dr. Noel Vietmeyer von der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (NAS)
berichtete über die Ergebnisse einer 18-monatigen Studie, die zeigte, daß
die Species angesichts ihrer Eigenschaften und Rohstoffkapazitat gut verwertbar wäre. In großen Kulturen angelegt, könnten die Pflanzen maschinell
bearbeitet werden.

Guayule-Sträucher sind Wildgewächse im US-Bundesstaat Texas und im
angrenzenden Mexiko. In der mexikanischen Chihuahua-Wüste und in anderen
Nordprovinzen Mexikos fanden Regierungsbeamte dicht_bestandene Flächen, die
insgesamt etwa 1 Million Hektar ausmachen. Obgleich

es sich laut Dr. Vietmeyer

um eine echte Wüstenpflanze handelt, sei der Bewuchs so gut, daß die Flächen
als kommerziell attraktive "Latex-Felder" betrachtet werden könnten. Auch
wenn monatelang oder gelegentlich sogar jahrelang kein Regen fällt, leiden
die Pflanzen nicht unter Trockenheit. Gibt es Wasser, werden Blätter, Stämme

- 3 -

�Stämme, Blüten und Wurzeln weiter ausgebildet. Ist es aber trocken und
kühl, schaltet die "innere Chemiefabrik" auf Latex um. Dann können Stämme
und Wurzeln der Sträucher bis zu einem Viertel ihres Gewichts aus
Kautschukmilch bestehen. Schon während des Krieges waren vereinzeilt
Experimente mit Guayule-Pflanzen als Quelle für Naturkautschuk unternommen,
später aber nicht weitergeführt worden, weil zu jener Zeit Naturkautschuk
vom brasilianischen Gummibaum (Hevea) billiger war.
In den letzten 25 - 30 Jahren hatte man sich daran gewöhnt, daß vor
allem in der chemischen Industrie pflanzliche Rohstoffe immer mehr durch
Erdöl und Erdölprodukte verdrängt wurden. Die einschneidenden ölpreiserhöhungen seit 1973 scheinen jedoch mancherorts Unternehmer zu veranlassen,
sich erneut auf pflanzliche Rohstoffe zu besinnen, deren kommerzielles
Potential sicherlich noch lange nicht ausgeschöpft ist.
Ein Schulbeispiel für die Vielseitigkeit einer Pflanze, die über Jahrtausende nur im fernen Osten bekannt war, ist die Sojabohne. Amerikanische
Seeleute brachten im vorigen Jahrhundert erstmals Soja-Samen mit. Was die
bescheidenen Kulturen ergaben, wurde an Schweine verfüttert. Um die Jahrhundertwende begannen sich landwirtschaftliche Versuchsstationen mit der
Sojabohne und ihrem möglichen Wert als "industrieller Rohstoff" zu befassen mit dem Erfolg, daß bis Mitte der sechziger Jahre die Soja-Jahresernte
in den Vereinigten Staaten auf 16,3 Millionen Tonnen, bis Mitte der
siebziger Jahre soqar auf 34 Millionen Tonnen anstieg. Die Farmer schätzen
die Sojabohne,weil sie Geld bringt und als Zwischenfr'rht den Boden düngt.
Die Chemiker entdeckten in ihr die vielseitigste Fe'dfrucht, die es gibt.
Die Zahl der Produkte, die sich daraus herstellen lassen, scheint nahezu
unbegrenzt zu sein. Fette, Lezithin, Eiweiß und Kohlehydrate sind die
Hauptbestandteile der Sojabohnen. Sojaöl, das 20 Prozent der Masse ausmacht, wird vor allem zu Kochfetten, Margarine und Salatöl verarbeitet. Es
dient ferner als Zusatz zu Farben, Lacken, Bodenbelägen, ölkleidung, Jalousien, Druckfarben, Kitt, Insektiziden, Desinfektionsmitteln und Seife.
Das nach Auspressen des Öls verbleibende Mehl ist nicht nur ein wertvoller
- 4 -

�wertvoller und allgemein üblicher Zusatz zu Vieh- und Geflügelfutter, sondern
wird auch zur Herstellung von Klebemitteln, Textilfasern, Imprägniermitteln,
wasserfestem Leim, Polierwachs, Zusatzstoffen für die Papier- und Kunststoff-Fabrikation verwendet. Die vielfältigsten Anwendungsmöglichkeiten
hat auch die Nahrungsmittelindustrie für Sojaprodukte entdeckt - als Zusatzmittel für Fertigsuppen, Saucen, Schoko-Getränke, Brot- und Backwaren,
Fleisch-, Milch- und Kaffee-Ersatz, Frühstücksflocken, Süßwaren und Aromastoffen bis zu Kindernahrung und Nudel Produkten. Es ist ihr gelungen, den
eigentümlichen Soja-Geschmack auszuschalten, der vielen Verbrauchern nicht
angenehm ist.

+ + + + +

- 5-

�Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service

8. März 1978

ÖL-KOHLE-SCHLAMM FÜR DEN KRAFTWERKSBETRIEB

(AD) - Die Verwendung einer Mischung aus pulverisierter Kohle und
ül soll dazu beitragen, den Erdöl- und Erdgasverbrauch durch Heizkraftwerke zu reduzieren. Auf der Basis von Kontrakten, die die amerikanische
Bundesenergiebehörde 1977 an Elektrizitätsgesellschaften in San Antonio
(Texas) und Westborough (Massachusetts) vergab, werden von der Bundesregierung für die Zeit von knapp dreieinhalb Jahren fast 40 Millionen
Dollar an Fördermitteln bereitgestellt, um geeignete Demonstrationsprojekte zu entwickeln. Die Unternehmen werden bestehende Kesselanlagen umbauen und in Verbindung mit neuen Anlagen zum Mischen von Kohlepulver und
öl und für den Transport des Schlammes im Betrieb erproben.
Die Kraftwerke, die bisher ausschließlich Erdgas (San Antonio) und
Erdöl (Westborough) verwendeten, haben sich außerdem verpflichtet, ÖlKohle-Schlamm sowohl mit verschiedenen Kohlesorten, z.B. Magerkohle aus
dem Bundesstaat Wyoming und Kohle aus den amerikanischen Oststaaten, als
auch mit Erdöl amerikanischer wie ausländischer Herkunft herzustellen und
auf seine Eignung im Heizkraftwerkbetrieb zu untersuchen. Inzwischen ließen
auch einige Industrieunternehmen Interesse an diesem Verfahren erkennen.
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�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Pazifik und Ostasien in amerikanischen Verteidigungskonzept&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Harold Brown in Los Angeles -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern internationale Begrenzung der Exportsubventionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten John J. Harter -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Carters Reise soll Beziehungen zu Lateinamerika und Afrika festigen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Alexander M. Sullivan -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftsinteressen in der Antarktis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA fordern internationales Statut zum Schutz des Ökosystems -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pflanzen aus Wüsten- und Regenwaldzonen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue Rohstoffquellen für Eiweiß und industrielle Rohstoffe -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Öl-Kohle-Schlamm für den Kraftwerksbetrieb</text>
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                    <text>Information
und

I

PTIÜ'JIIWIUIT
»

United States Information Service

22. März 1978
I N H A L T

DOKUMENTATION
Carter: Die USA stehen zu ihren Verteidigungsverpflichtungen
- Rede Präsident Carters vor der Wake Forest-Universität Carter unterzeichnet Nonproliferationsgesetz
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten Rede Goldbergs auf der Abschlußsitzung der KSZE-Nachfolgekonferenz
- US-Botschafter bezeichnet Konferenz als erfolgreich INFORMATION
USA lehnen sowjetischen Antrag auf Verbot der Neutronenwaffe ab
Botschaft Carters ar die UN-Menschenrechtskommission
WIRTSCHAFT
Amerikanische Dlimporte 1978 zeigen sinkende Tendenz
- von unserem Korrespondenten John Holway HINTERGRUNDMATERIAL
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•

Die NATO zwischen den Gipfeltreffen
- Interview mit dem amerikanischen NATO-Botschafter W. Tapley Bennett
Nahrungsmangel und Fehlernährung
- Dritte Welt braucht bessere Verteilung WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Behandlung von Entzugssymp';omen mit synthetischem Endorphin
Schutzantrich für Aluminiumboote
SchalIwellen-Spektrometer beschleunigt Analyse

Um Über/endung von
ßcIcgcKcmpkiren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�1

Dokumentation
»

United States Information Service

22. März 1978

CARTER: DIE USA STEHEN ZU IHREN VERTEIDIGUNGSVERPFLICHTUNGEN
- Rede Präsident Carters vor der Wake Forest-Universität -

WINSTON-SALEM, NORTH CAROLINA - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am
17. März 1978 in einer Rede vor der Wake Forest-Universität in Winston-Salem
im Bundesstaat North Carolina einen Oberblick über die Verteidigungsanstrengungen der Vereinigten Staaten gegeben und dabei unterstrichen, daß die USA
immer zu ihren Verteidigungsverpflichtungen stehen werden.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vor 198 Jahren haben 400 nordkarolinische Milizsoldaten im südlichen
Teil Ihres Staates die Waffen in unserem Unabhängigkeitskrieg erhoben. Gegenüber einer Streitmacht von 1300 britischen Soldaten errang die nordkarolinische Miliz einen Sieg:

und ihre Schlacht von Ramsour's Mill wurde ein

Schritt auf dem Weg zum Sieg von Yorktown ein Jahr später.
Ihre Vorfahren in Nordkarolina, meine in Georgia und Ihre Nachbarn im
ganzen Gebiet der 13 Kolonien errangen ihre Freiheit im Kampf.

Das ist ein

Opfer, da$ Amerikaner in der Geschichte unserer Nation wiederholt zu bringen
hatten.

Wir haben gelernt, daß Stärke der beste Schutz der Freiheit ist.
Das

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Das ist eine Verpflichtung und ein Opfer, die ich so gut verstehe, ist
doch die Tradition des Militärdienstes in meiner eigenen Familie tief verwurzelt.

Mein erster Vorfahr, der sich in Georgia niederließ, James Carter, nahm

am Befreiungskrieg teil.

Mein Vater war Oberleutnant der Armee im ersten Welt-

krieg, und mein ältester Sohn meldete sich als Freiwilliger nach Vietnam.

Ich

selbst brachte elf Jahre meines Lebens als Angehöriger der amerikanischen Marine
zu.

Das ist für viele amerikanische Familien typisch.
Durch die Generationen hindurch blieb der Zweck unserer Streitkräfte der

gleiche:

Unsere Sicherheit zu verteidigen, wenn sie bedroht wird, und durch

erwiesene Stärke die Aussichten zu vermindern, daß wir wieder werden kämpfen
müssen.
Folgende Worte John F. Kennedys leiten uns noch immer in unserem Handeln:
"Der Zweck unserer Waffen ist der Friede, nicht der Krieg - sicherzustellen,
daß sie niemals angewendet werden."
Dieser Zweck ist unverändert der gleiche.

Die Welt aber hat sich verän-

dert, und unser Eingehen auf sie muß sich mit ihr verändern.
Heute morgen möchte ich zu Ihnen über Fragen der nationalen Sicherheit
sprechen:

Wo wir heute stehen, mit welchen Umständen wir konfrontiert sind,

und was wir in der Zukunft tun werden.
Lassen Sie mich eingangs auf einige irrige Vorstellungen hinweisen.
Eine dieser Vorstellungen besagt, daß sich dieses Land irgendwie davon
zurückziehe, seine Interessen und Freunde rund um die Erde zu schützen.

Das

ist nicht der Fall, wie in dieser Rede dargelegt und in unseren Handlungen
als Nation demonstriert werden wird.
Eine andere wiederum besagt, unser Verteidigungshaushalt sei eine zu
große Belastung und beanspruche einen ungebührlichen Anteil an den Einkünften

�Einkünften des Bundes.

Die nationale Verteidigung ist natürlich ein umfang-

reicher und wichtiger Ausgabenposten; er macht jedoch lediglich fünf Prozent
unseres Bruttosozialproduktes aus und nimmt schätzungsweise ein Viertel unseres derzeitigen Bundeshaushalts in Anspruch.
Es wäre auch ein Fehler, zu glauben, daß die Verteidigungsausgaben unseres
Landes in erster Linie auf Interkontinentalraketen oder Kernwaffen entfallen.
Etwa zehn Prozent unseres. Verteidigungshaushaltes entfallen auf die strategischen Streitkräfte für Zwecke der nuklearen Abschreckung,

über 50 Prozent

hiervon ist einfach dafür aufgewandt, die Männer und Frauen in unseren Streitkräften zu bezahlen.
Schließlich meinen einige Leute, wir brauchten angesichts der Tatsache,
daß wir Nuklearwaffen von großer Zerstörungskraft besitzen, weiter nichts mehr
zu tun, um unsere Sicherheit zu gewährleisten. Unsere potentiellen Gegner
haben inzwischen mit konventionellen Waffen - Panzer, Flugzeuge, Infanterie
und motorisierte Einheiten - ausgerüstete Streitkräfte aufgebaut. Diese
Truppen könnten zur politischen Erpressung benutzt werden und unsere lebenswichtigen Interessen bedrohen, sofern wir und unsere verbündeten Freunde nicht
unsere eigene konventionelle Stärke als Gegengewicht verfügbar haben.
Natürlich beruht unsere nationale Sicherheit auf mehr als lediglich
der militärischen Macht. Sie beruht zum Teil auf der Produktionskapazität
unserer Farmen und Fabriken, auf angemessenen Vorräten von Rohstoffen, auf
einem Wirtschaftssystem, das die Freiheit des Menschen über die zentralisierte
Kontrolle stellt, auf den kreativen Ideen unserer besten Hirne, auf harter Arbeit, auf dem Zusammenhalt, der moralischen Stärke und der Entschlossenheit
unseres Volkes und auf der Freundschaft unserer Nachbarn. Unsere Sicherheit
hängt von starken Bindungen zu unseren Verbündeten und davon ab, ob andere
Nationen in Frieden zu leben bestrebt sind und sich des Versuchs enthalten,
die Anliegerstaaten zu beherrschen.
Ausreichende und tüchtige Streitkräfte sind aber noch immer ein wesentliches Element unserer nationalen Sicherheit. Wir haben wie unsere Vorfahren
- 3 -

�i

Vorfahren die Verpflichtung, eine militärische Stärke aufrechtzuerhalten,
die den Herausforderungen der Welt, in der wir leben, angemessen ist.
Lassen Sie uns überprüfen, inwieweit sich die Probleme der nationalen .
Sicherheit in den letzten ein bis zwei Jahren verändert haben.
Die Welt wurde vielschichtiger und geriet in wachsende wechselseitige
Abhängigkeit.

Es bestehen heute Spaltungen unter den kommunistischen Mächten;

die alten Kolonialbereiche sind zusammengebrochen, und viele neue Staaten
sind an ihre Stelle getreten.

Alte ideologische Etikettierungen haben teil-

weise ihre Bedeutung verloren.
Veränderungen sind auch im militärischen Gleichgewicht unter den Staaten eingetreten.

Im Verlaufe der letzten 20 Jahre haben die Streitkräfte

der Sowjetunion beträchtlich zugenommen:

Sowohl in absoluten Zahlen als

auch im Verhältnis zu unseren eigenen.
Es hat sich auch eine unheilvolle Neigung seitens der Sowjetunion gezeigt, ihre militärische Macht einzusetzen - um in örtliche Konflikte mit Beratern, Ausrüstungen und mit voller logistischer Unterstützung und Ermutigung für Söldner aus anderen kommunistischen Ländern einzugreifen, wie wir
dies heute in Afrika beobachten können.
Diese Verstärkung der sowjetischen Militärmacht hält seit langer Zeit
an.

Wenn man die Inflation ausklammert, haben sich die sowjetischen Militär-

ausgaben seit 1960 verdoppelt und steigen weiterhin jährlich um drei bis vier
Prozent, während unser Militärhaushalt heute effektiv niedriger ist als 1960.
Die Sowjetunion, die ihrer Tradition nach keine erhebliche Seemacht darstellte, rangiert heute hinsichtlich ihrer Stärke zur See an zweiter Stelle
in der Welt.
Hinsichtlich ihrer ausgewogenen strategischen Nuklearkapazitäten haben
die Vereinigten Staaten einen wichtigen Vorsprung aufrechtzuerhalten ver- 4 -

�vermocht, dennoch hat aber der stetige sowjetische militärische Aufbau bei
den strategischen Streitkräften zu funktioneller Gleichwertigkeit
mit den Vereinigten Staaten geführt.
Diese Veränderungen machten es erforderlich, daß wir angemessene diplomatische, wirtschaftliche und militärische Gegengewichte aufrechterhalten.
Als Oberbefehlshaber der Streitkräfte bin ich für die Modernisierung,
Ausweitung und Verbesserung unserer Streitkräfte verantwortlich, wenn immer
unsere Sicherheit solche Maßnahmen erforderlich macht. Wir haben kürzlich
eine wichtige Neubewertung unserer nationalen Verteidigungsstrategie aufgestellt. In diesem Prozeß haben wir einige umfassende Prinzipien erarbeitet,
die dem Zweck dienen, unsere nationale Sicherheit während der vor uns liegenden Jahre zu gewährleisten.
- Wir werden gemeinsam mit unseren Verbündeten und Freunden gegen jede
uns bedrohende Macht durch eine Kombination von Truppen, politischen Bemühungen und wirtschaftlichen Programmen ein Gegengewicht schaffen. Wir werden
es nicht dulden, daß irgendeine Nation die militärische Überlegenheit uns
gegenüber erlangt.
- Wir werden die Mitarbeit der Sowjetunion und anderer Nationen bei
der Verminderung der Spannungsbereiche anstreben. Wir wünschen nicht, militärisch in die inneren Affären anderer Länder einzugreifen oder regionale
Konflikte zu verstärken, und wir werden uns auch der Intervention anderer
widersetzen.
- Während wir unsere militärischen Kapazitäten aufrechterhalten, werden
wir durch verläßliche und verifizierbare Rüstungskontroll Vereinbarungen, wo
immer solche möglich sind, Sicherheit anstreben.
- Wir werden unsere großen wirtschaftlichen, technologischen und diplomatischen Vorteile dazu benutzen, unsere Interessen zu verteidigen und für
unsere Wertvorstellungen einzutreten.

Wir sind bereit, mit der Sowjetunion

- 5 -

�Sowjetunion beispielsweise zur Erreichung gemeinschaftlicher, sozialer,
wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Zielsetzungen zusammenzuarbeiten
- sollte

sie aber hinsichtlich der Raketenprogramme und anderer Truppen-

stärken keine Mäßigung zeigen und auch hinsichtlich der Entsendung sowjetischer oder als Ersatz dienender anderer Streitkräfte in Länder und Kontinente keine Zurückhaltung üben, dann wird eine derartige Zusammenarbeit bei
der Öffentlichkeit der Vereinigten Staaten keine Unterstützung finden.
Diese Grundsätze bedeuten, daß wir - obwohl wir eine Einigung hinsichtlich der Rüstungskontrollen anstreben - unsere strategischen Systeme modernisieren und unsere konventionellen Streitkräfte mit neuer Stärke erfüllen.
Wir werden unsere Politik auf dreierlei Art und Weise verwirklichen:
- durch die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts bei den strategischen
Nuklearstrei tkräften;
- durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten zur Stärkung
und Modernisierung unserer Verteidigungsanstrengungen in Europa; und
- durch die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung von Streitkräften,
die ein Gegengewicht für jede Bedrohung unserer Verbündeten und unserer lebenswichtigen Interessen in Asien, im Nahen Osten und in anderen Gebieten der
Erde bilden.
Lassen Sie mich jeden dieser drei Punkte einzeln aufgreifen:
Unsere erste und fundamentalste Sorge geht dahin, einen Krieg mit Kernwaffen zu vermeiden. Die Schrecken eines nuklearen Konflikts und unser
Wunsch, die Arsenale der Welt von furchterregenden Nuklearwaffen zu befreien,
entheben uns nicht der Notwendigkeit, die Situation objektiv zu analysieren
und vernünftige Entscheidungen hinsichtlich unserer Zielsetzungen und der
Mittel zu ihrer Erreichung zu treffen.
Unsere

�Unsere strategischen Streitkräfte müssen - und das muß bekannt sein ein Gegengewicht zu den Möglichkeiten der Sowjets sein.

Diese dürfen nie

in der Lage sein, ihre nuklearen Streitkräfte dazu zu benutzen, unsere Freunde zu bedrohen, Zwang auf uns auszuüben oder uns zu erpressen.
Unsere anhaltenden energischen Bestrebungen in den SAIT-Gesprächen, die
gegenwärtig in Genf stattfinden, sind ein Mittel zur Erreichung des Zieles
der strategischen nuklearen Stabilität. Wir und die Sowjetunion haben in
einigen grundlegenden Punkten bereits Übereinstimmung erzielt, während für andere erst noch eine Regelung gefunden werden muß.
Wir erstreben keine einseitigen Vorteile. Ehe ich jedoch ein SALT-Abkommen im Namen der Vereinigten Staaten unterzeichne, werde ich sicherstellen,
daß es das strategische Gleichgewicht aufrechterhält, daß wir seine Einhaltung durch die Sowjets auf unabhängige Weise verifizieren können und daß wir
in Relation zur Sowjetunion mindestens ebenso stark sind, wie wir ohne ein
solches Abkommen wären. Aber zusätzlich zu den Begrenzungen und Verringerungen eines SALT II-Abkommens müssen wir andere Schritte unternehmen, um das
strategische Gleichgewicht zu bewahren. Im nächsten Jahrzehnt können Verbesserungen an den sowjetischen Raketen unsere landgestützten Raketenstreitkräfte gegenüber einem sowjetischen Erstschlag in zunehmendem Maße verletzlich machen. Ein solcher Angriff käme für die Sowjetunion zwar dem nationalen
Selbstmord gleich; wenn dies auch eine sehr entfernt liegende Möglichkeit
ist, stellt es doch eine Bedrohung dar, vor der wir uns ständig hüten müssen.
Wir haben eine überlegene U-Boot-Flotte, die gegenüber Angriffen relativ
unverwundbar ist, und gegenwärtig befinden sich neue Trident-U-Boote und
Trident-Rakteten im Bau, die unserer U-Boot-gestützten Raketenstreitmacht eine
noch größere Reichweite und Sicherheit gewährleisten würden. Ich habe die
unverzügliche Entwicklung und Dislozierung unserer Marschflugkörper angeordnet, um den strategischen Wert unserer Bomber zu erhöhen.

Wir arbeiten an

der interkontinentalen ballistischen Rakete des Typs M-X und an einer Trident
II-Rakete für U-Boote, um uns mehr Optionen zur Entgegnung auf strategische

- 7 -

�strategische Dislozierungen der Sowjets an die Hand zu geben.

Sollte es not-

wendig werden, die eindeutige Unverwundbarkeit unserer strategischen Abwehrkräfte zu gewährleisten, werde ich nicht zögern, Maßnahmen zu einer Entwicklung und Dislozierung dieses Systems in uneingeschränktem Ausmaß zu treffen.
Unsere strategischen Verteidigungskräfte sind dreifacher Natur:

boden-

gestützte Raketen, seegestützte Raketen und Systeme im Luftraum wie Bomber
und Marschflugkörper.

Durch die von mir umschriebenen Pläne werden alle drei

Elemente dieses Dreiersystems modernisiert und verbessert werden.

Jedes wird

die Fähigkeit beibehalten, einem Gegner vernichtende Vergeltungsschläge beizubringen.
Seit über 30 Jahre sind wir auf die Verteidigung Europas verpflichtet
- gebunden durch das Wissen, daß die Sicherheit Westeuropas entscheidend für
unsere eigene Sicherheit ist. Wir werden auch weiterhin mit unseren NAT0Verbündeten in einer Strategie der flexiblen Antwort zusammenarbeiten und:
dabei konventionelle und nukleare Streitkräfte miteinander verbinden, damit
kein Aggressor das Territorium der Freiheit bedrohen kann, das wir in der
Vergangenheit in gemeinsamem Ringen verteidigt haben.
Seit mehreren Jahren versuchen wir und unsere Verbündeten, mit den Sowjets und den anderen Staaten des Warschauer Paktes über beiderseitige und ausgewogene Reduzierungen der Streitkräfte in Europa zu verhandeln, aber in der
Zwischenzeit haben die Sowjets ihre Streitkräfte weiterhin verstärkt und modernisiert und zwar über den Stand hinaus, der für die Verteidigung notwendig ist. Angesichts dieses exzessiven sowjetischen Aufbaus mußten wir und
unsere NATO-Verbündeten wichtige Maßnahmen ergreifen, um kurzfristige Schwächen zu beseitigen und um auf langfristige Bedrohungen zu reagieren. -Wir
verstärken die in Westeuropa stationierten amerikanischen Streitkräfte beträchtlich und verbessern unsere Fähigkeit, zusätzliche Land- und Luftverstärkungen in Krisenzeiten beschleunigt zur Verteidigung Europas heranzuführen.
''
Unsere

- 8

�Unsere europäischen Verbündeten, die den Hauptteil der konventionellen
Kampfkraft der NATO stellen, verbessern ebenfalls ihre Einsatzbereitschaft,
ihre Verstärkungskapazität sowie ihre Panzerabwehr-Verteidigung.

Die Regie-

rungschefs der NATO-Länder werden im Mai an einem Gipfeltreffen in den Vereinigten Staaten teilnehmen, auf dem wir uns mit einem langfristigen Verteidigungsprogramm befassen werden, das die Verteidigungspläne der Verbündeten
erweitern und integrieren wird.
Seit vielen Jahren sind die Vereinigten Staaten eine wirklich globale
Macht. Unsere Interessen und Anliegen umfassen seit langem unsere eigenen
Sicherheitsinteressen wie auch die unserer Verbündeten und Freunde über diese
Hemisphäre und Europa hinaus.
Wir haben eine wichtige historische Verantwortung, den Frieden in Ostasien, im Mittleren Osten, im Persischen Golf und in unserer eigenen Hemisphäre zu fördern. Wir ziehen es in all diesen Gebieten dabei vor, zunächst
zu internationalen Abkommen zu gelangen, die den Gesamtstand der Rüstungen
reduzieren und die Gefahr eines Konfliktes vermindern. Aber wir haben den
Willen - und wir müssen auch die Kapazität aufrechterhalten -, unsere Verpflichtungen zu erfüllen und unsere Interessen in diesen kritischen Gebieten
zu schützen.
Im Pazifik wird unsere kollektive Sicherheit gefördert durch gemeinsame
Verteidigungsverträge mit unseren Verbündeten sowie durch unsere Freundschaft
und Zusammenarbeit mit anderen pazifischen Nationen.
Japan und Südkorea, mit den Vereinigten Staaten eng verbunden, liegen
an geographischen Stellen, wo die lebenswichtigen Interessen von Großmächten
konvergieren. Es ist unbedingt notwendig, daß Nordostasien stabil bleibt.
Wir werden unsere militärische Stärke in diesem Raum aufrechterhalten und
sie sogar noch erhöhen, unsere Stärke zur Luft verbessern, und wir werden
unsere Landstreitkräfte vermindern, so wie die südkoreanische Armee weiterhin
ihre eigene Kapazität modernisiert und verstärkt.
Im
- 9 -

�v

Im Nahen Osten und in dem Gebiet des Indischen Ozeans streben wir nach
ständigem Frieden und nach Stabilität.

Die wirtschaftliche Gesundheit und

das wirtschaftliche Wohlergehen der Vereinigten Staaten, Westeuropas und Japans hängen von dem kontinuierlichen Zugang zum öl am Persischen Golf ab.
In all diesen Situationen fällt die Haupverantwortung für die Wahrung
des Friedens und der militärischen Stabilität den Ländern dieses Gebietes zu.
Wir werden auch weiterhin mit unseren Freunden und Verbündeten zusammenarbeiten, uni ihre Fähigkeit zu stärken, Bedrohungen ihrer und unserer Interessen
zu verhindern. '•' Darüber hinaus werden wir jedoch Streitkräfte aufrechterhalten, auf die nötigenfalls zurückgegriffen werden könnte, um gemeinsame Verteidigungsanstrengungen zu unterstützen.

Auf meine Weisung hin wird der'

Verteidigungsminister schnell-dislozierbare Streitkräfte - in der Luft, zu
Lande und zur See - weiter verstärken und aufbauen, um unsere Interessen
überall auf der Welt zu verteidigen.
Abkommen über die Rüstungskontrolle sind ein wesentliches Ziel als Mittel
unserer nationalen Sicherheit; aber dies wird nur möglich sein, wenn wir eine
angemessene Truppenstärke aufrechterhalten. Wenn wir ausgewogene, verifizierbare Abkommen mit unseren Gegnern erreichen, dann kann dies die Kosten für
die Sicherheit begrenzen und die Kriegsgefahr reduzieren. Aber selbst dann
müssen und werden wir mit jeweils den Rüstungsprogrammen, die unsere Sicherheit erfordert, in wirksamer Weise vorgehen.
Wenn ich dieses Auditorium jetzt verlasse, werde ich der Besatzung
eines unserer modernsten Flugzeugträger im Atlantischen Ozean einen Besuch
abstatten. Die Männer und Frauen unserer Streitkräfte bleiben - gut ausgebildet und als patriotische Amerikaner - dem Ziel unserer gemeinsamen Verteidigung verpflichtet. Sie müssen ständig einsatzbereit sein für den Kampf in der Hoffnung, daß durch Stärke ein Kampf verhindert werden kann. Wir müssen sie in dieser Wachsamkeit immer unterstützen.
Ich habe heute ernst und nüchtern zu Ihnen gesprochen, aber das ist kein
Anlaß, pessimistisch zu sein.

Wir stehen vor einer Herausforderung, und wir
- 10 -

�wir werden alles tun, was notwendig ist, um ihr zu begegnen.

Wir werden

unser Land bewahren und schützen und werden weiterhin bemüht sein, den Frieden in aller Welt zu fördern und aufrechtzuerhalten.
Dies bedeutet, daß wir auch in Zukunft starke und wirksame Streitkräfte
unterstützen müssen.
Für den größten Teil unserer Geschichte haben sich die Menschen vergeblich gewünscht, daß die Freiheit - und die Entfaltung des menschlichen Geistes,
aus der die Freiheit erwächst - letztlich nicht von der Macht der Waffen abhängig sein möge.

Wir wie unsere Vorfahren leben in einer Zeit, wo diejenigen,

die die Freiheit zerstören würden, weniger durch ihre Respektierung der Freiheit selbst davon abgehalten werden als durch ihr Wissen, daß diejenigen, die
sich der Freiheit erfreuen, stark sind.
Wir sind eine große Nation talentierter Menschen. Wir können uns durchaus die notwendigen Kosten für unsere Streitkräfte leisten und auch eine Vergrößerung des Rahmens, wenn dies notwendig ist, um jeden Gegner von einer Unterhöhlung des Friedens auf der Welt abzuhalten. Das Geld, das wir für die
Verteidigung ausgeben, ist nicht verschwendet - genauso wenig wie dies der Fall
ist mit dem Geld, das wir für die Aufrechterhaltung einer örtlichen Polizei
ausgeben, um den Frieden zu erhalten. Durch diese Investierung erlangen wir
die Freiheit, die erstrebenswerten Ziele unserer Nation zu realisieren.
Die SUdstaatler, deren Vorfahren vor einhundert Jahren die Schrecken
eines durch Krieg verwüsteten Heimatlandes kennengelernt haben, sind besonders entschlossen, daß uns ein Krieg niemals wieder heimsuchen sollte. Alle
Amerikaner begreifen die Grundlehre der Geschichte, daß wir entschlossen und
fähig sein müssen, um Drohungen und die Beherrschung durch andere zu verhindern.
Ganz gleich, wie friedlich, sicher und leicht die äußeren Umstände unseres

- 11 -

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unseres Lebens gegenwärtig erscheinen mögen, wir haben keine Garantie dafür, daß diese Segnungen anhalten werden. Deshalb müssen wir immer die Stärke bewahren, die wir - so Gott will - niemals werden anwenden müssen.
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�Dokumentation

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United States Information Service

22. März 1978

CARTER UNTERZEICHNET NONPROLIFERATIONSGESETZ
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 10. März 1978
das vom amerikanischen Kongress verabschiedete Gesetz zur Verhütung der
Weiterverbreitung von Nuklearwaffen - Nonproliferationsgesetz - unterzeichnet, das die Politik der Vereinigten Staaten hinsichtlich der
Lieferung von Nuklearbrennstoff an andere Länder regelt.

Dabei sind

strikte Sicherheitsvorkehrungen und Einschränkungen vorgesehen.

Bei der

Unterzeichnung des Gesetzes sagte Carter, "einige unserer Freunde in
Obersee"werden ihre Politik neu ausrichten müssen.

Er habe, so betonte

der Präsident, dieses Gesetz mit anderen Staats- und Regierungschefs erörtert und er glaube, daß sie die Klugheit der Bestimmungen des "Nuclear
Non-Proliferation Act of 1978" erkennen würden.
Die Vorlage für dieses Gesetz war seit Jahren im Kongress anhängig,
kam jedoch erst zum Zuge, als Carter dieses Problem im Jahre 1976 in
seinem Wahlkampf anschnitt. Präsident Carter hat dann am 27. April 1977
in einer Botschaft an den Kongress die Verabschiedung des Gesetzes

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Gesetzes gefordert, die jetzt mit Unterstützung der beiden großen
Parteien erfolgte.
Die offizielle Erklärung des Präsidenten anläßlich der Unterzeichnung des Gesetzes hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, heute das Gesetz Nr. H.R. 8638 - Nuclear NonProliferation Act of 1978 (Nonproliferationsgesetz 1978) - zu unterzeichnen.

Das Inkrafttreten dieses Gesetzes bringt uns der Erreichung

eines Zieles näher, das die Vereinigten Staaten mit anderen Staaten gemeinsam haben - der Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung von
Nuklearwaffen Einhalt zu gebieten, während gleichzeitig die friedliche
Nutzung der Kernenergie weiterhin ermöglicht wird.
Der Kongress hat auf diese Aufgabe mit Sorgfalt und Mut reagiert
und einen Rahmen geschaffen, der gewährleistet, daß wir diese Ziele erreichen.

Meine Achtung und mein Dank gehören den Senatoren Ribicoff,

Glenn und Percy, den Abgeordneten Zabiocki, Bingham und Findley und ihren
Kollegen in den Ausschüssen, die dieses Gesetz ausgearbeitet haben, sowie ihren Mitarbeitern für die Führung, die sie in dieser Frage gezeigt
haben.

Es war für mich, wie für Außenminister Vance und andere

Mit-

glieder meines Kabinetts, eine Ehre, bei der Ausarbeitung des Nonproliferationsgesetzes 1978 mit ihnen zusammenzuarbeiten.
Unsere Bemühungen, die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen zu verhindern, begannen vor über 30 Jahren, als wir den Vereinten Nationen das
Angebot machten, bestimmte Aspekte der Kernenergie unter internationalen
Besitz und internationale Kontrolle zu stellen. Die Verabschiedung des
Atomenergiegesetzes von 1954, die Billigung des Nonproliferationsvertrages (Atomwaffensperrvertrages) durch die Vereinten Nationen im Jahre
1968 und dieses Gesetzes hier haben uns auf dem Wege zur Erreichung
unserer Nonproliferationsziele ein gutes Stück weiter gebracht.
Am 7. April
- 2 -

�An 7. April und am 27. April vorigen Jahres habe ich die Politik
und die Programme umrissen, die wir einschlagen wollen, um die Risiken
der Proliferation zu verringern. Heute möchte ich die nachhaltige Verpflichtung dieser Administration zu dieser Politik bekräftigen. Wir
sind uns auch darüber im klaren, daß heute in Betrieb befindliche Kernkrafttechnologien, zu denen keine Wiederaufbereitung des Kernbrennstoffs gehört, eine wichtige Energiequelle für unser Land und für andere
Länder sein können und müssen. Unser gegenwärtiger Brennstoffzyklus
mit einem Durchgang (einmaliger Nutzung) ist ein wichtiger Beitrag zu
unserer Energieversorgung und wird es auch weiterhin sein. Richtig betrieben, kann er ohne eine Erhöhung des Risikos der Proliferation
funktionieren. Unsere Politik schlägt einen verantwortungsbewußten
Kurs ein zwischen einem Verzicht au f d^n Energienutzen der Kernkraft
und einer Verpflichtung zur kommerziellen Nutzung von Plutonium, bevor
wir wissen, ob wir mit den damit verbundenen Risiken überhaupt fertig
werden können.

Ich bin weiterhin dagegen, voreilige und unnötige Zusagen für die
kommerzielle Nutzung des Schnellen Brüters (Brutreaktors) und der
Wiederaufbereitung zu machen, wie sie in den Vereinigten Staaten am
Beispiel der Projekte Clinch River und Barnwell zu finden sind.
Wir und die anderen Nationen der Welt müssen die Zeit nutzen, die
wir heute haben, um sicherere Technologien, bessere institutionelle
Vereinbarungen und verbesserte Sicherheitsbestimmungen zu entwickeln,
die allen Ländern erlauben, ihre Energieziele zu erreichen,und gleichzeitig die Ausbreitung von Kernwaffen verhindern.
über 40 Länder haben sich uns bereits in einer Internationalen
Überprüfung des Kernbrennstoffzyklus angeschlossen, um herauszufinden,
mit welchen Mitteln wir dieses doppelte Ziel erreichen können. In
dieser Periode der Überprüfung können die weitverbreitet in Betrieb

- 3 -

�Betrieb befindlichen Reaktoren mit Uranbrennstoff benutzt werden, ohne
daß dadurch neue Proliferationsrisiken entstehen.

Wenn unsere gemeinsame

Suche nach verbesserten Institutionen und Technologien jedoch erfolgreich
sein soll, dann müssen sich alle Länder solcher Schritte enthalten, die
das Ergebnis der Internationalen Überprüfung des Kernbrennstoffzyklus
präjudizieren würden.
Das Nonproliferationsgesetz legt die Bedingungen und Kriterien fest,
die die amerikanische Zusammenarbeit mit anderen Ländern in unseren Bemühungen leiten werden, die friedliche Nutzung der Kernenergie weiterzuentwickeln.

Die Ermutigung zur weltweiten Ratifizierung des Atomwaffen

Sperrvertrages (Nonproliferationsvertrages) ist ebenso ein zentrales Anliegen des Gesetzes wie die Schaffung eines umfassenden Pakets von
Kontrollen, einschließlich der Anwendung der Sicherheitsbestimmungen
der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und einer Vereinbarung über
einen stabilen Rahmen für die internationale Zusammenarbeit und den
Handel auf nuklearem Gebiet.

Das Gesetz wird auch den Prozess für unsere

Exportlizenzierung überschaubarer machen.
Wir werden ferner Schritte unternehmen, um die Sicherheit und die
Sicherung des heute von uns praktizierten Brennstoffzyklus zu stärken
und sicherzustellen, daß er auch weiterhin eine leistungsfähige und zuverlässige Energiequelle für uns im eigenen Lande und für das Ausland
sein wird.
Im Laufe dieses Jahres werden wir umfassende politische Richtlinien für dasManagement und die Entsorgung radioaktiver Abfälle ausarbeiten, einschließlich der Verwirklichung des im vergangenen Oktober
angekündigten Programms für die Einlagerung abgebrannten Brennstoffs.
Um sicherzustellen, daß wir auch weiterhin in der Lage sind, ein
zuverlässiger Lieferant von Uranbrennstoff für jene zu bleiben, die mit
uns die Ziele der Nonproliferation teilen, schreiten wir mit der

- 4 -

�der Errichtung einer neuen Anreicherungsanlage in Portsmouth, Ohio,
voran.
Die Verhütung der nuklearen Proliferation wird nicht leicht sein manche Leute haben es sogar als unlösbare Aufgabe bezeichnet.

Ich bin

jedoch der Überzeugung, daß es einfach zwingend notwendig ist, der Ausbreitung der Kernwaffen Einhalt zu gebieten.
strengungen nicht nachlassen.

Wir dürfen in unseren An-

Die Angst vor dem Fehlschlag darf nicht

zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden.
In dem ersten Jahr unserer Administration haben wir wesentliche
Fortschritte erzielt. Die Nuklear-Lieferländer haben sich auf Richtlinien f!ir den Export von nuklearem Brennstoff und Nukleartechnologie
geeinigt und diese veröffentlicht. Die Internationale Überprüfung des
Kernbrennstoffzyklus ist im Gange. Wenn diese Vorlage jetzt Gesetz
wird, legen wir deutliche Kriterien und Anreize für die nukleare Zusammenarbeit wie auch für Sanktionen gegen Verletzungen der Sicherheitsbestimmungen fest.
Obwohl ich Vorbehalte gegenüber den zahlreichen Bestimmungen dieses
Gesetzes habe, die feststellen, daß der Kongress durch gleichlautende
Entschließung (Resolution beider Häuser) Handlungen der Exekutive außer
Kraft setzen oder billigen kann, unterzeichne ich es wegen seiner überwältigenden Bedeutung für unsere Nonproliferationspolitik.

Ich möchte

jedoch klarstellen, daß ich durch die Unterzeichnung des Gesetzes nicht
damit übereinstimme, daß der Kongress bewilligte Maßnahmen der Exekutive
durch Verfahre,, wiederrufen kann, die in der Verfassung nicht vorgesehen
sind.
Zusammenfassend möchte ich sagen, daß ich überzeugt bin, daß die
neuen Kriterien, Anreize und Verfahren dieses Gesetzes zur Lösung des
Problems der Proliferation beitragen werden. Sie werden gewährleisten
helfen, daß der Zugang zu Nuklearenergie nicht von einer Ausbreitung

- 5 -

�Ausbreitung der Fähigkeit begleitet sein wird, nukleare Sprengkörper
herzustellen. Ich räume zwar ein, daß einige dieser Bestimmungen Anpassungen seitens unserer Freunde in Übersee erforderlich machen mögen,
aber diese umfassendere Politik wird die internationale Sicherheit
wesentlich erhöhen. Ich bin überzeugt, daß c^'e erhöhte Sicherheit der
Welt die Schritte rechtfertigt, die wir alle tun i üssen, um das zu erreichen. Die Kontrolle über die Ausbreitung der Nuklearwaffen auf
unserem Planeten ist die überragende Frage unserer Zeit.
Wenn die Welt aus dem großen Potential der Kernkraft Nutzen ziehen
soll, dann müssen wir jetzt handeln, um uns und künftige Generationen
vor ihren schwersten Gefahren zu schützen. Wir in den Vereinigten
Staaten werden unser Fachwissen und unsere technischen Mittel für diese
Aufgabe einsetzen, und wir appellieren an andere Länder, das gleiche zu
tun. Wollen wir weiterhin zusammenarbeiten, um diese Ziele zu erreichen!

+ + + + +

�IUIiRrTO

ff ! 3 • i

Dokumentation
United States Information Service

8

22. März 1978

REDE GOLDBERGS AUF DER ABSCHLUSSITZUNG DER KSZE-NACHFOLGEKONFERENZ
- US-Botschafter bezeichnet Konferenz als erfolgreich -

BELGRAD - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei der Belgrader
Nachfolgekonferenz der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE), Botschafter Arthur J. Goldberg, erklärte auf der Abschlußsitzung am 8. März, diese Konferenz habe ihre Aufgabe erfüllt und
obwohl es manchmal schwierig gewesen sei, könne man sie doch als "erfolgreich" bezeichnen.
Die Ansprache Goldbergs hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, ich möchte unseren jugoslawischen Gastgebern für
die Art und Weise danken, auf die sie während dieser Konferenz für uns gesorgt haben. Das Sekretariat unter der fähigen Leitung von Botschafter
Bozinovic, die jugoslawische Delegation und die Regierung und die Bevölkerung von Jugoslawien haben alle nur möglichen Anstrengungen unternommen, um diese Konferenz zu einem Erfolg werden zu lassen. Ich
möchte meine besondere Hochachtung vor seiner Exzellenz, Botschafter

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Botschafter Pesic, zum Ausdruck bringen.

Seine unerschütterliche Haltung

und Entschlossenheit, selbst wenn unsere Arbeit in ihren schwierigsten
Stunden steckte, war eine Inspiration für uns alle.
Es ist für die amerikanische Delegation eine besondere Genugtuung,
daß sich Präsident Tito gerade in dieser Woche in den Vereinigten Staaten
aufhält, wo Präsident Carter seine persönliche Wertschätzung der einzigartigen konstruktiven Rolle ausgesprochen hat, die Jogoslawien nicht nur
auf der Belgrader Konferenz, sondern während des gesamten Prozesses des
Aufbaus von Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa gespielt hat.
Ich halte es für angebracht, daß ich in dieser Schlußerklärung frei
und offen die Auffassungen der amerikanischen Regierung hinsichtlich der
Belgrader Konferenz und des KSZE-Prozesses zum Ausdruck bringen, der in
Helsinki begonnen hat und in Madrid und danach fortgesetzt werden wird.
In den vergangenen Monaten hat unsere Konferenz - mit der Unterstützung durch unsere freundlichen und geduldigen jugoslawischen Gastgeber und durch die gewissenhaften Anstrengungen der Delegierten - die
Lebensfähigkeit der Konzeption von Helsinki bestätigt.
Belgrad war der Prüfstein für die Gültigkeit und Anpassungsfähigkeit des KS2E-Prozesses. Es war kein leichtes Unterfangen, aber
wir haben das Ausmaß des Prozesses abgesteckt und ihn weiter vertieft.
Aber vor allem haben wir uns verpflichtet, den Prozess zu erhalten und
sein Gedeihen zu einem gemeinsamen Anliegen zu machen.
Wir haben den Meinungsaustausch über die Verwirklichung der Bestimmungen und über die Aussichten für verbesserte gegenseitige Beziehungen geführt, wie ihn die Schlußakte vorsieht. Wir haben unsere
eigenen überzeugunaen vertreten und die Meinungen jener angehört, die
nicht mit uns übereinstimmen.
Auf diese Weise
- 2 -

�Auf diese Weise waren wir in der Lage, die Erfolge der Vergangenheit,
die fortbestehenden Mängel und die künftigen Aufgaben nüchtern zu beurteilen.

Wir sind übereingekommen, dieses Gespräch bilateral und im Jahre

1980 in Madrid fortzusetzen.
Die Vereinigten Staaten haben die Erfüllung der Verpflichtungen der
Schlußakte immer als Teil eines schrittweisen aber ständig fortschreiterden Prozesses angesehen, die Kluft zwischen Ost und West zu überbrücken
und die Segnungen von Sicherheit und Zusammenarbeit auf ganz Europa, einschließlich selbstverständlich Berlins, auszudehnen.
Der Beitrag der KSZE bestand darin, 35 Staaten - unterschiedlich
in Größe und System, Geschichte und Zukunft - für diese lebenswichtige
Aufgabe zu engagieren. Die Rolle der Belgrader Konferenz bestand darin,
dieses Engagement zu vertiefen und das damit erwartete Verhalten zu spezifizieren.
Aus unseren Gesprächen hier hat sich ein klareres Verständnis der
vor uns liegenden Aufgabe entwickelt. Wir dürfen es keinem Lande erlauben, sich bestimmte Abschnitte der Schlußakte zur Beachtung herauszusuchen und andere zu ignorieren, ber Fortechritt auf dem Gebiet der
Menschenrechte und der menschlichen Beziehungen wie auf dem Gebiete der
Abrüstung und der wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen
Zusammenarbeit sind in der Schlußakte unlösbar miteinander verbunden.
Die Bedeutung der Verwirklichung der Schlußakte - und der Überprüfung
ihres Fortschrittes in Belgrad - liegt genau in der Kombination der verschiedenen Elemente der Entspannung in einem zusammenhängenden und zusammengehörenden Ganzen.
Im Oktober vorigen Jahres sprach ich davon, der Entspannung "ein
menschliches Antlitz und ein menschliches Maß" zu verleihen.

Das war

in der Tat eines der Hauptthemen auf dieser Konferenz. Und wenn wir
auch hier sind, um Regierungen zu vertreten, so haben wir doch versucht,

- 3 -

�versucht, die Probleme der l&lt; ansehen ebenso anzusprechen wie die Probleme
der Macht.

Wir haben die Ansprüche von einzelnen abgewogen, nicht nur

die Interessen von Staaten.
So haben wir die in Helsinki gemachten Versprechungen überprüft,
die Rolle des einzelnen und von Gruppen bei der Prüfung der Verwirklichung
der Schlußakte zu achten, die Wunden getrennter Familien zu heilen, das
Recht auf freie Auswanderung zu erleichtern und die Bedingungen zu verbessern, unter denen Wissenschaftler, Journalisten, Gelehrte und Geschäftsleute arbeiten.

Auf einigen dieser Gebiete hat sich ein gewisser,

aber bei weitem nicht ausreichender Fortschritt abgezeichnet, und bedauerlicherweise hat es sogar Rückschläge gegeben.
Unsere Konferenz behandelte natürlich als zentrales Thema ausführlich die Frage der Menschenrechte und Grundfreiheiten: Gedankenfreiheit, Gewissens- und Religionsfreiheit. Die Freiheit der wirksamen
Ausübung der Bürgerrechte - einzeln oder in Gruppen - führte in Belgrad
zur Behandlung heikler Fragen. Daß diese Fragen so heikel waren, läßt
gerade ihre Bedeutung erkennen. Unsere Konferenz war die erste, auf
der diese Fragen von prominenter Seite und legitim in den Rahmen der
multilateralen Ost-West-Diplomatie gestellt wurden.
Das ist eine mächtige Idee, und sie hat in Belgrad mächtige Unterstützung gewonnen. Sie hat auch starke Opposition hervorgerufen. Wir
haben die Behauptung vernommen, die Menschenrechte seien rein innere Angelegenheiten, daß die Erörterung ihrer Einhaltung in einem anderen Lande
die Souveränität dieses Landes verletze und eine Einmischung in Angelegenheiten bedeute, die Außenseiter nichts angingen.
Die Schlußakte weist ein solches Denken zurück.

Die Belgrader

Konferenz hat es unhaltbar gemacht.
Dank des Prinzips

�Dank des Prinzips Sieben sind die Menschenrechte ein direktes Anliegen aller Unterzeichnerstaaten der Schlußakte.

Gemäß den Bestimmungen

der Charta der Vereinten Nationen, der Allgemeinen Menschenrechtserklärung und der Internationalen Konventionen - wie auch der Schlußakte sind sie Thema internationaler Unterfangen.

Sie sind damit ohne Frage

ein geeignetes Thema für die diplomatische Überprüfung und Aussprache,
wie wir sie

in Belgrad vorgenommen haben.

Belgrad weiterhin

Und sie werden auch nach

im Mittelpunkt anhaltender Bemühungen und Stellung-

nahmen bleiben.
Das Streben nach Freiheit ist ein nie endendes Unterfangen des
Menschen und die beste Garantie für seine Sicherheit und den Frieden.
Die Schlußakte verpflichtet uns alle,nach etwas zu streben, was Alexander
Puschkin vor langer Zeit als "eine bessere Art der Freiheit" bezeichnet
hat. Das ist, wie er schrieb, die Freiheit, sein Gewissen, sein Denken
oder seinen Nacken nicht vor Rang oder Macht zu beugen. Die Vorstellung
von der Würde des Einzelmenschen ist heute noch die Vision, die uns die
Schlußakte bietet - die Vision an deren Verwirklichung mitzuarbeiten
wir uns alle verpflichtet haben.
Wir wissen jedoch, daß nicht alle von uns die Verpflichtung ganz
und gar oder in gutem Glauben erfüllt haben. Die amerikanische Delegation hat in Belgrad ganz offen über die gebrochenen und unerfüllten
Versprechen hinsieht Prinzip Sieben und Korb 3 gesprochen. Wir haben
unsere Sorge und unser Bedauern, ja gelegentlich unseren Zorn über Vorfälle geäußert, die sich in direktem Widerspruch zur Schlußakte und
unter tiefer Mißachtung ihrer Bestimmungen auf dem Gebiet der Menschenrechte und Grundfreiheiten ereignet haben.
Unsere Konferenz konnte nicht über solche Episoden hinwegsehen, vor
allem wenn sich die ungerechtfertigte Unterdrückung gegen Männer und
Frauen richtet, deren einziges Vergehen darin zu bestehen scheint, daß sie

- 5 -

�sie lediglich die Bestimmungen und Versprechen der Schlußakte von Helsinki
beobachten, durchsetzen oder verwirklichen wollen.
in der Schlußakte Ermutigung.

Ihre Tätigkeit findet

Sie muß geschützt und darf nicht bestraft

werden.
In ähnlicher Weise konnten wir bei unserer Überprüfung der Verwirklichung nicht einfach über die Not von Männern und Frauen hinwegsehen und können es auch heute nicht -,die wegen ihres religiösen Glaubens verfolgt werden und weil sie diesen Glauben an ihre Kinder weitergeben wollen.
Und wir können heute • wie in Zukunft - ebenso wenig schweigen, wenn Angehörigenvölkischer Minderheiten die Gleichberechtigung, vor allem bei
ihren Bemühungen um die Erhaltung ihrer Sprache und ihrer Kultur, die für
ihre Identität wesentlich sind, vorenthalten wird.
Wir können nicht einfach so tun, als ob solche Fragen für die Verwirklichung der Schlußakte irrelevant, für diese Konferenz störend oder wenn besprochen - der Entwicklung der Entspannung abträglich wären. Wir
leben in der wirklichen Welt und nicht in einer eingebildeten Welt. Wir
können unsere Welt nicht verbessern, wenn wir von ihren Fehlern die Augen
verschließen.
Diese Mängel - genauso wie unsere Erfolge und unsere Möglichkeiten waren das legitime Thema des Belgrader Überprüfungstreffens. Diese
Überprüfung befaßte sich in produktiver Weise mit den wahren Mängeln hinsichtlich der Verwirklichung der Schlußakte (von Helsinki), so daß aus
dieser Überprüfung heraus jeder von uns und wir alle abhelfende Maßnahmen
ergreifen könnten.
Diese Maßnahmen bleiben für uns immer noch notwendig.

Leider werden

sie im Abschlußdokument dieses Treffens nicht detailliert aufgeführt.
Grund hierfür liegt auf der Hand: es kam zu keiner Übereinstimmung, und
dies bedauere ich zutiefst.
Die Bemühungen,
- 6 -

Der

�Die Bemühungen, hier in Belgrad oder im eigenen Land die Wahrheit
zu unterdrücken, werden die Wahrheit nicht ändern.

Und sie werden die

Vereinigten Staaten nicht davon Tbbrin«]en, darauf zu bestehen, daß
Offenheit für die heilsame Entwicklung des internationalen Vertrauens
genauso wichtig ist wie die Respektierung der souveränen Gleichheit und
der Individualität.
Offenheit und Respektierung müssen zusammenwirkende Elemente beim
Streben nach Sicherheit und Zusammenarbeit sein. Die mit der Schlußakte von Helsinki geschaffene Grundlage - verstärkt durch die Bilanz von
Belgrad - sollte uns in die Lage versetzen, eine noch festere Struktur der
Entspannung zu schaffen. Unsere erste Priorität - und dies bleibt immer
die alles überragende Aufgabe - ist auch weiterhin einfach die Verwirklichung der Schlußakte in allen ihren Teilen; und dies muß in gutem
Glauben und mit der gebotenen Ell" erfolgen. Das Anfangstempo ist dabei nicht so wichtig wie die Tatsache einer anhaltenden Vorwärtsbewegung.
Die Vereinigten Staaten haben die Absicht, hier von Belgrad aus
vorenzuschreiten.
Die Leistungen meines Landes sind hier in Frage gestelit worden, und ein Teil dieses Infragestellens war konstruktiv. Dies
wird meinem Lande helfen, seine Bilanz zu verbessern. Ich wünschte,
andere hätten gleiches im Sinne.
Mrine Delegation hat ebenfalls sehr sorgsam Kenntnis genommen von
den ernsthaften Vorstellungen zahlreicher Delegationen über Maßnahmen,
die in Übereinstimmung mit den Impulsen und dem Geist der Schlußakte
stehen. Einige dieser Vorschläge können durch einseitige oder durch
bilaterale Maßnahmen in Gang gesetzt werden. Viele andere können aufgeschoben und fertiggestellt werden f ür eine Entscheidung in Madrid. Die
Vereinigten Staaten sind bereit, konstruktiv an solchen Maßnahmen teilzunehmen.
Wir bewerten insbesondere die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa als Rahmen für einen zunehmenden politischen
- 7 -

�politischen Austausch zwischen Teilnehmerstaaten.

Die zahlreichen und

vielfältigen spezifischen Bestimmungen der Schlußakte bieten eine reichhaltige Palette für dieses Vorhaben.

Die Vereinigten Staaten werden bei

ihrem Bemühen, die politischen Beziehungen zu allen KSZE-Staaten zu vertiefen, auch weiterhin bestrebt sein, diese Möglichkeit in Realität umzusetzen.
So haben wir beispielsweise auf dem Gebiet der vertrauensfördernden
Maßnahmen in der Praxis erlebt, wie Staaten - ausgehend vom Buchstaber,
der Schlußakte - den Geist dieses Dokumentes verwirklichen können.

Durch

die Ankündigung kleinerer Manoever und dadurch, daß diese Ankündigungen
ausreichend informativ gehalten sind und den Beobachtern einen guten
Manoeverüberblick bieten, haben einige Staaten ein Beispiel gegeben, dem
andere in positiver Weise folgen können. Solche Erfahrungen sind konstruktiv.

Sie müssen auf größere Truppenbewegungen angewendet werden.

Darüber

hinaus können wir - ganz allgemein - von neuem über Mittel und Wege zur
"Entwicklung und Verstärkung von Maßnahmen (nachdenken), die auf die
Förderung des Vertrauens abzielen" - eine Möglichkeit, die die Schlußakte
uns ausdrücklich vor Augen führt.

Obwohl die KSZE nicht als Forum für

Abrüstungsverhandlungen konzipiert wurde, sind wir uns doch alle über die
Impulse im klaren, die sie diesem lebenswichtigen Prozess geben kann.
Ferner haben unsere offenen Diskussionen auf dem Gebiet der wirtschaftlichen und kommerziellen Zusammenarbeit ca-&gt; Bewußtsein gestärkt,
daß die bestehenden Handelshemmnisse reduziert - ja, durch gemeinsame
Maßnahmen - beseitigt werden müssen. Das Potential für die Zusammenarbeit
auf diesem Felde ist groß, und die Vereinigten Staaten sind voll und ganz
bereit, die zahlreichen Möglichkeiten für unilaterale und reziproke Maßnahmen zu sondieren.
"°nn das Belgrader Treffen auch bis zu einem gewissen Ausmaß die Bewegungsfreiheit der Menschen in Fluß gebracht hat, so muß doch noch eine

- 8 -

�eine ähnliche Auswirkung hinsichtlich des Flusses von Informationen erfolgen.

Zu viele Staaten behindern immer noch den Zugang zu dem, was

zahlreiche Bürger dieser Länder lesen, sehen und hören möchten.

Schließ-

lich können wir noch viel tun, um die bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit zu fördern, um das Ausmaß und die Qualität der Kontakte
zwischen Wissenschaftlern und Gelehrten, zwischen Männern und Frauen der
Literatur und der Künste zu erweitern und zu verbessern.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin der Frage der
Menschenrechte besondere Aufmerksamkeit widmen. W"&gt;'r sind zutiefst besorgt über jene Personen und Organisationen, die meine Delegation im
Verlaufe unserer Diskussionen nach Namen und'and erwähnt hat und denen man
ihre elementaren Menschenrechte verwehrt. Und sie sind auf keinen Fall
die einzigen. Die Liste derjenigen, die unter der Repression leiden,
ist viel zu lang, und ihr Schicksal gibt zu den größten Besorgnissen Anlaß.
Dr. Martin Luther King hat einmal gesagt, daß "die Ungerechtigkeit
irgendwo auf der Welt der Feind der Gerechtigkeit überall auf der Welt
ist."
Die Schlußakte umfaßt das Konzept der Gerechtigkeit - nicht das
Privileg oder die Macht -,das die Angelegenheiten zwischen Menschen und
die Beziehungen zwischen Staaten beherrscht und regelt. Das Treffen von
Belgrad hat diesen zentralen Punkt im Kontext der Entspannung in Europa
bekräftigt. Wie wir gesehen haben, hängt der Friede von dem gerechten
Verhalten der Nationen gegenüber ihren eigenen Bürgern und unter einander
ab.
Helsinki hat große Hoffnungen wachgerufen. Mancherorts scheint
Helsinki auch große Befürchtungen hervorgerufen zu haben. In Belgrad
haben wir unsererseits offen und aufrichtig versucht, sowohl über die

- 9 -

�die Hoffnungen als auch über die Befürchtungen von Regierungen und
Völkern zu sprechen. Wir erkennen an, daß manche Hoffnungen nicht mehr
so groß sein mögen, wie sie es vielleicht waren, als wir r.a:h Belgrad
kamen. Aber wir waren uns immer der Tatsache bewußt, daß der Weg zum
Frieden, zur Sicherheit und zur Zusammenarbeit lang und mühsam ist.
Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, weiterzumachen.
Zwischen heute und Madrid sowie in Madrid und in der Zeit danach werden wir
bemüht sein, die Verwirklichung aller Bestimmungen der Schlußakte zu
fordern. Und wir geloben feierlich, alles in unserer Kraft stehende zu
tun, um die Hoffnungen von Helsinki am Leben zu erhalten.

+ + + + +

- 10 -

�Information
United States Information Service

22. März 1978

USA LEHNEN SOWJETISCHEN ANTRAG AUF VERBOT DER NEUTRONENWAFFE AB

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben auf der Genfer Abrüstungskonferenz einen sowjetischen Antrag auf Verbot der sogenannten
Neutronenwaffe als "einseitiges Propagandamanoever" abgelehnt.
Der sowjetische Konferenzdelegierte Viktor I. Lichatschew hatte
am 9. März 1978 den Entwurf für eine Konvention zum Zwecke des Verbots
vorgelegt.

Der Delegierte der Vereinigten Staaten, Botschafter Adrian

Fisher,bezeichnete diesen Schritt als einen Versuch, die Konferenz von
ihrer eigentlichen Aufgabe, ausgewogene Rüstungskontrollmaßnahmen auszuarbeiten, abzulenken.
Die angesprochene - noch nicht dislozierte - Waffe mit verringerter Sprengwirkung und verstärkter Strahlenwirkung (kurz Neutronenwaffe genannt) würde sicherlich zum schrecklichen Tod führen, aber das
gelte genauso

für die bereits dislozierten sowjetischen Waffen, von

denen einige eine mehr als 20 000 fache Wirkung haben, so sagte Botschafter Fisher.

Er wies ferner kategorisch die sowjetische Behauptung

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�Behauptung zurück, die Dislozierung der vorgeschlagenen Waffe würde die
atomare Schwelle senken.
Die Neutronenwaffe sei eine taktische Nuklearwaffe, die eine
Möglichkeit bietet, einem massierten Panzerangriff zu begegnen, so
führte Fisher aus, und es sei angesichts der gewaltigen Panzerüberlegenheit der Sowjets in Europa nur natürlich, daß sich die NATO Gedanken über solche Waffen mache.

Bei der Waffe, die eine unterschied-

liche Wirkung habe, handle es sich auf jeden Fall um eine Kernwaffe,
und die Vereinigten Staaten hofften zutieftst, daß sie - wie alle anderen
Nuklearwaffen - niemals eingesetzt zu werden brauche.
Botschafter Lichatschew beschuldigte die potentiellen Hersteller
der Waffe, deren wahre Natur verheimlichen zu wollen, um damit eine
günstige Stimmung für ihre Legalisierung zu schaffen.

Botschafter

Fisher erklärte darauf, niemand habe je behauptet, die Neutronenwaffe
sei zuträglich oder harmlos.
die Dinge zu reden.

Es sei an der Zeit, einmal offen über

Alle Nuklearwaffen, so betonte Fisher, seien dazu

entwickelt, andere zu töten; "das Antlitz des Krieges ist das Antlitz
des Todes".
Auf eine Reihe von Reden in jüngster Zeit eingehend, in denen die
Sowjetunion und ihre Verbündeten auf der Genfer Abrüstungskonferenz
die Neutronenwaffe angegriffen haben, erklärte der amerikanische Delegierte:
"Ich habe gehört..., daß diese Waffe 'unmenschlich' und barbarisch'
sei.

Ich würde diese Bezeichnungen ohne weiteres akzeptieren, aber sie

auf alle Dinge anwenden wollen, die dazu dienen sollen, menschliches
Leben auszulöschen, ganz besonders auf Nuklearwaffen.'
Aber, so fuhr Fisher fort, "wir warten vergebens darauf," daß die
Sowjetunion und ihre Verbündeten von den Nuklearwaffen in den
- 2 -

�den sowjetischen Arsenalen spräche, wie "die SS-20, eine neue mobile Gefechtsfeldrakete mit Mehrfachgefechtskopf, die in der Lage ist, jedes
Ziel in Europa mit großer Genauigkeit und gewaltiger Zerstörungskraft
zu treffen, und die derzeit in großer Zahl in der Sowjetunion disloziert
wird."
Botschafter Fisher bekräftigte die amerikanische Verpflichtung,
sich für eine ausgewogene Verringsrung des Wettrüstens einzusetzen.
"Die Vereinigten Staaten drängar, weiterhin nachdrücklich auf die Erreichung des Zieies eines umfassenden Nuklearversuchsverbotes", so
sagte er weiter. "Die Vereinigten Staaten unternehmen alle Anstrengungen,
die gegenwärtigen Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen
Rüstungen (SALT) zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen."
Er fügte hinzu: "Auf lange Sicht streben die Vereinigten Staaten danach
beiderseits entsprechende Verringerungen der Zahl der Nuklearwaffen
mit dem Ziel einer schließlichen Beseitigung aller Nuklearwaffen aus
den Arsenalen der Staaten zu erreichen."
In der Zwischenzeit lehne seine Regierung jeden Versuch ab, "die
Genfer Abrüstungskonferenz in ein öropagandaforum zu verwandeln und
sie von ihren wichtigen Aufgaben ab -.ulenken."

+ + + + +

- 3 -

�Information
United States Information Service

22. März 1978

8

BOTSCHAFT CARTERS AN DIE UN-MENSCHENRECHTSKOMMISSION

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat in einer Botschaft an
die Menschenrechtskommission der Vereinigten Nationen die Leistung
dieses Gremiums der Weltorganisation im "Ringen um die allgemeine
Respektierung der grundlegenden Rechte des Menschen" gewürdigt.
Die Kommission, in der 32 Nationen vertreten sind, hat ihre 34.
Sitzung nach fünfwöchiger Dauer am 10. März in Genf beendet. Die
Botschaft Carters, die vom Leiter der amerikanischen Delegation, Edward
M. Mzvinsky, verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:
"Die 34. Sitzung der Menschenrechtskommission der Vereinigten
Nationen findet in diesem Jahr zu einem Zeitpunkt statt, da wir des
30. Jahrestas der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gedenken.
Wohl kein anderes Dokument der Vereinten Nationen ist so bekannt
wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Drei Jahrzehnte hindurch ist sie als eine von der internationalen Gemeinschaft abgegebene
Grundsatzerklärung und als ein Symbol der Hoffnung für alle diejenigen

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�diejenigen angesehen worden, die für die Verwirklichung der grundlegenden
Menschenrechte für alle Menschen eintreten.

Zu einem guten Teil ist es

diesem Dokument zu verdanken, daß heute keine Regierung mehr vorgeben
kann, eine Mißhandlung der eigenen Bürger sei lediglich ihre eigene
innere Angelegenheit.

Keine Regierung kann heute noch behaupten, das

Wesen ihrer Verpflichtungen sei ihr unbekannt.
Es bleibt noch viel zu tun, um für alle Menschen die in der
Allgemeinen Erklärung zugesagten Rechte zu gewährleisten.

Die Regierung

der Vereinigten Staaten rechnet damit, daß die Menschenrechtskommission
einen starken Impuls im Ringen um die allgemeine Respektierung dar grundlegenden Rechte des Menschen geben wird.

Es ist meine Hoffnung und die

Hoffnung der amerikanischen Delegation, daß die Kommission ihren Aufgaben und Verpflichtungen in einer fairen und umfassenden Weise nachkommen wird.
Wir sind überzeugt, daß dieses Gremium, in dem sich die Weisheit
aller großen Traditionen der Welt vereint, einen Weg finden wird, um
die höchsten Erwartungen der Menschheit auf Frieden, auf eine Welt
ohne Not, auf Gemeinsamkeit und auf die Würde des Einzelmenschen erfüllen zu helfen.

+ + + + +

�I
I

Ulirl/chofl
United States Information Service

22. März 1978

AMERIKANISCHE ÖLIMPORTE 1978 ZEIGEN SINKENDE TENDENZ
- Von unserem Korrespondenten John Holway -

WASHINGTON - (AD) - Nach Auffassung offizieller amerikanischer Kreise
dlirften die amerikanischen ülimporte in diesem Jahr um drei bis vier Prozent
zurückgehen und damit der seit langem bestehende Aufwärtstrend dank der gesteigerten amerikanischen Produktion und den Einsparungsbemühungen sein Ende
finden.
Den Hauptanteil an dieser Produktionssteigerung tragen die ölförderungen im Staate Alaska; aber auch in den anderen Bundesstaaten, in denen Erdöl
gefördert wird, schwächt sich der seit langem bestehende Abfall der Produktionskurve infolge intensiverer Erdölbohrungen ab.
Zwar werden die ülimporte im Jahre 1979 und auch danach wahrscheinlich
wieder ansteigen, doch rechnet man damit, daß sich dieser Anstieg etwa in der
Größenordnung von zwei Prozent im Jahr bewegen wird und damit deutlich unter
dem erwarteten Wirtschaftswachstum der USA liegen dürfte - in jedem Falle aber
weit unter den Importanstiegen von 18 und 20 Prozent, wie sie für die vergangenen Jahre zu verzeichnen waren.
Auf privater Seite ist man mit den Voraussagen sogar noch optimistischer
als in Regierungskreisen.

Hier gehen die Schätzungen bis zu einer fünfpro-

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Telex:08-85432

�fiinfprozentigen Abnahme der ölimporte für dieses Jahr.
Nach Ansicht von Lawrence Goldstein von der Forschungsstiftung der Erdölindustrie "sind die Tage des massiven Wachstums im amerikanischen ölimport
vorüber."
Der Rückgang tritt deutlich zu Tage. So lagen die Importe im Monat Fetbruarunter acht Millionen Barrel pro Tag, verglichen mit fast 10 Millionen
Barrel im gleichen Monat des Vorjahres. Man räumt dabei jedoch ein, daß der
extrem kalte Winter des Vorjahres als Faktor für die damaligen höheren Importe
zu berücksichtigen ist.
Welche Auswirkungen der amerikanischen Bergarbeiterstreit im einzelnen
auf die ölimporte haben wird, ist noch nicht klar ersichtlich.

Einige Kreise

sagen aufgrund der daraus resultierenden Verlangsamung des Wirtschaftswachstums
voraus, daß die ölimporte sogar noch niedriger liegen würden als ursprünglich
angenommen.

Andere meinen, daß größere Mengen an Heizöl erforderlich sein

und die ölimporte dadurch etwas über den ursprünglich angesetzten Mengen liegen werden.
Insgesamt aber rechnet man allgemein auch weiterhin mit einem Absinken
der Importe für dieses Jahr. Einer der Hauptgründe dafür ist das durch die
neue "pipeline" aus Alaska zufließende öl. Derzeit werden auf den ölfeldern
in Alaska rund 700 000 Barrel öl pro Tag gefördert.
Kürze auf 1,2 Millionen Barrel gesteigert werden.
Natürlich gibt es da gewisse Imponderabilien.

Diese Leistung soll in

So wurde durch die Sabotage

an der Erdölleitung im vergangenen Monat der ölfluß unterbrochen und die erwartete Leistung nicht erreicht.

Hier zeigt sich, wie sehr eine ähnliche Stö-

rung sich auch in Zukunft negativ auf die "ölbilanz" auswirken könnte.
Ein weiterer wichtiger Grund ist die Tatsache, daß das Absinken der Produktion auf den alten Erdölfeldern der amerikanischen Staaten gestoppt wurde.

�wurde.

Mit steigenden Preisen haben die Erdöl Produzenten ihre Bohrtätigkeit

wieder stärker in Gang gesetzt, was dazu führte, daß die Produktion sich heute
etwa stetig auf der Höhe des vergangenen Jahres hält.

Ein dritter Grund sind die Einsparungsmaßnahmen.

Der Benzinverbrauch

wird geringer, und man sieht immer mehr kleinere Autos auf den Fernstraßen
Amerikas. Nach offizieller Schätzung wird der Benzinverbrauch gegen Ende dieses Jahrzehnts nicht weiter steigen, obwohl die Amerikaner in ihren Wagen mehr
Kilometer zurücklegen, als sie es heute tun.

Der Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im amerikanischen Finanzministerium, C. Fred Bergsten, weist die Behauptungen, daß die
Vereinigten Staaten ein riesiges Energiedefizit wegen ihes "verschwenderischen
Ölverbrauchs" haben, zurück.

Der Anstieg der ölimporte in den vergangenen

fünf Jahren ist nach seiner Meinung fast zur Hälfte auf das Absinken der amerikanischen Produktion zurückzuführen.

Für die Zukunft wird nach Ansicht offizieller amerikanischer Kreise viel
davon abhängen, wie sich der Kongreß gegenüber dem von Präsident Carter eingebrachten Energiegesetz verhält.

Eine endgültige Abstimmung über die Gesetzes-

vorlage dürfte innerhalb der nächsten Wochen erfolgen.
Für die Entwicklungen bis 1985 gibt es für die Administration drei Kursmöglichkeiten:

entweder ohne den Plan des Präsidenten oder mit seinem Energie-

plan oder mit dem Plan und zusätzlichen Einsparungsvorkehrungen.

Selbst wenn der Plan Carters vom Kongreß nicht gebilligt werden sollte,
so dürften sich nach Ansicht amtlicher Kreise in Washington die ölimporte
bis 1985 etwa insgesamt auf 11,5 Millionen Barrel pro Tag belaufen.

Das aber

wäre ein Anstieg von nur vier Prozent im Jahr, verglichen mit den jährlichen
Importanstiegen bis zu 20 Prozent in den vergangenen Jahren.

Für die ein-

heimische Produktion wird ein Ausstoß von 10,4 Millionen Barrel pro Tag, das
sind etwa 47 Prozent des gesamten Verbrauchs, vorausgesagt.
Wenn

\

- 3-

�Wenn der Energieplan des Präsidenten jedoch in allen seinen Elementen
gebilligt wird, dann ergäbe sich nach Ansicht der gleichen Kreise ein noch
viel günstigeres Bild.

Die Importe würden auf nur sieben Millionen Barrel

pro Tag zurückgehen, während die Produktion, durch finanzielle Anreize gefördert, auf 10,6 Millionen Barrel - oder 60 Prozent des gesamten Ölverbrauchs ansteigen würde.
Mit zusätzlichen Einsparungsmaßnahmen könnten nach Ansicht der Administration die Importe weiter bis auf 5,8 Millionen Barrel pro Tag gesenkt werden.

Bei gleicher Höhe der Produktion im eigenen Land würden diese 65 Prozent

des gesamten amerikanischen Ölverbrauchs decken.
Das letzte große Problem, über das im Kongreß noch verhandelt wird, ist
die Frage der Rohöl-Ausgleichssteuer.

Auch wenn diese Steuer nicht gebilligt

werden sollte, dürften durch die übrigen in dem Plan vorgesehenen Maßnahmen bis
zu drei Millionen Barrel öl pro Tag bis zum Jahre 1985 eingespart werden - was
für die Zahlungsbilanz eine Einsparung von 15 Milliarden Dollar im Jahre bedeuten würde.
•

+ + + + +

�22. März 1978

DIE NATO ZWISCHEN DEN GIPFELTREFFEN
Interview mit dem amerikanischen NATO-Botschafter W. Tapley Bennett
Von Peggy Post

Schon kurz nach seinem Amtsantritt nahm Präsident Carter im Mai 1977 an einem NATOGipfeltreffen in London teil und bekräftigte
dort die amerikanische Verpflichtung auf das
Bündnis. In seiner Rede vor dem Nordatlantikrat schlug er mehrere Initiativen vor,
darunter auch die Einberufung einer weiteren
NATO-Gipfelkonferenz nach Washington für
Mai 1978. Im Verlauf seines Blitzbesuches
in Brüssel Anfang Januar dieses Jahres nahm
der Präsident auf seinen ausdrücklichen Wunsch
hin an einer regulären Sitzung des Nordatlantikrates teil. Er versicherte den Ständigen
Vertretern der Mitgliedstaaten, daß sie bei
der Vorbereitung dieser Frühjahrskonferenz
in Washington seiner Unterstützung gewiß
sein könnten. Botschafter W. Tapley Bennett
der Ständige Vertreter der USA im Nordatlantikrat und persönlicher Freund Präsident
Carters, nimmt in dem nachstehenden Interview, das er einer Mitarbeiterin der Zeitschrift "Commerce in Belgium" im Februar
1978 gewährt hat, zu wichtigen Fragen in
bezug auf die NATO und zum Verhältnis der USA
zur NATO Stellung.
Nachdruck mit Genehmigung der Zeitschrift "Commerce in Belgium".

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�FRAGE:

Warum wollte Präsident Carter am NATO-Gipfeltreffen im Frühjahr

1977 teilnehmen?
ANTWORT:

Das war meines Erachtens seinem Wunsch zuzuschreiben, seine

europäischen Kollegen kennenzulernen.

Er hat, wie Sie wissen, damals erklärt

und erst jüngst noch einmal wiederholt, daß die NATO das Kernstück der amerikanischen Außenpolitik bleibt.

In London tagten unsere engsten Verbündeten -

die Leute, die er kennenlernen wollte.

Darüber hinaus hatte er einige posi-

tive Initiativen entwickelt, die er darzulegen suchte.
FRAGE:

Um welche Initiativen handelte es sich?

Wurden sie durch den

Ausbau der militärischen Kapazitäten der Länder des Warschauer Paktes veranlaßt?
ANTWORT: Es ist meines Erachtens inzwischen vollkommen klar - und wird
auch in allen Bündnisstaaten allgemein so gesehen -, daß die Sowjets ihre
militärischen Kapazitäten sowohl in qualitativer als auch in quantitativer
Hinsicht ständig ausgeweitet haben. Der Westen hatte wohl einen Vorsprung,
ist aber gewissermaßen auf seinem Niveau stehengeblieben, so daß sich die
Erkenntnis durchzusetzen begann, wir müßten uns mehr um unsere Verteidigung
kümmern. Es erhob sich ferner die Frage, wie wir uns in Rücksicht auf die voraussehbaren Entwicklungen im nächsten Jahrzehnt auf die achtziger Jahre vorbereiten könnten. Deshalb lief eine der Initiativen darauf hinaus, eine umfassende Ost-West-Studie zu erstellen. Sie dient dem Zweck, nicht nur die politischen
und wirtschaftlichen Trends im Osten zu bewerten, sondern auch die demographischen und soziologischen Entwicklungen und all jene Dinge zu berücksichtigen,
die geeignet scheinen, die Entscheidungen der Sowjets in der Zukunft zu beeinflussen. Diese Untersuchung wird eine faktische und konzeptionelle Basis für
die Beurteilung der Lage in den achtziger Jahren abgeben.
Eine zweite Initiative bestand darin, ein langfristiges Verteidigungsprogramm zur Stärkung unserer Verteidigungsvorkehrungen auf allen Gebieten
zu initiieren, damit wir in den achtziger Jahren weiter voranschreiten und

�und den Frieden erhalten können.

Die NATO hat große Erfolge erzielt.

Während

es in anderen Teilen der Welt viele Schwierigkeiten gegeben hat, kam es in den
letzten dreißig Jahren in Europa zu keinerlei kriegerischen Auseinandersetzungen.
FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, diese Initiativen seien aus der Erkennt-

nis der NATO-Mitgliedstaaten bzw. Präsident Carters erwachsen, daß sich die
Waage zugunsten der Sowjets und der Länder des Warschauer Paktes geneigt habe?
ANTWORT:

Nein.

Die Waagschale hat sich nicht geneigt.

Es handelt sich

nur darum, daß sie sich neigen könnte, wenn wir den Dingen wie bisher freien
Lauf lassen.
FRAGE:
Sorge sehen?

Gibt es irgendein Gebiet bezüglich dessen Sie Anlaß zu besonderer

ANTWORT: Nein. Um dem vorzubauen, betrachten wir ja die Ost-WestSituation aus einem so weiten Blickwinkel. Deshalb haben wir das langfristige
Verteidigungsprogramm auf eine Reihe von Arbeitsgruppen aufgeteilt, die sich
mit Teilbereichen des Gesamtkomplexes der militärischen Bereitschaft wie Logistik, Befehls- und Leitstrukturen, Fernmeldewesen, Kampfbereitschaft und Reserven befassen. Alle diese unterschiedlichen Aspekte der militärischen Planung sind Bestandteile auch des langfristigen Programms. Es ist dies das
erste Mal, daß sich die NATO eines Arbeitsgruppensystems bedient. An der
Spitze jeder dieser Gruppen steht ein Delegierter aus einem anderen NATO-Mitgliedstaat. Der Großteil der Arbeitsgruppen arbeitet hier in Belgien, einige
aber auch am Sitz des Obersten Alliierten Befehlshabers Atlantik (SACLANT) in
Norfolk, Virginia, und eine wurde am Sitz des Oberbefehlshabers Ärmelkanal in
England etabliert.
FRAGE:

Was wird aus dem kurzfristigen Verteidigungsprogramm?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Das schreitet sehr rasch voran. Auf dem Gipfeltreffen in

Washington Ende Mai dieses Jahres wird von positiven und unmittelbaren Ergebnissen zu berichten sein.

Sie betreffen die Verstärkung der Panzerwaffe, die

Vergrößerung der Kampfbereitschaft und der Reserven und anderes mehr.

Das

sind in erster Linie Aufgaben von General Haig (für den Befehlsbereich Europa)
und Admiral Kidd (für den Befehlsbereich Atlantik).
FRAGE:

Wenn die NATO gegenwärtig den Schwerpunkt auf den Ausbau der

Verteidigungsvorkehrungen legt, sehen Sie hierzu eine Parallele im Osten?
ANTWORT:

Wir sind der Auffassung, daß der Osten seit langem schon eine

ständige Verstärkung betreibt. Wie in Demokratien üblich, liegen unsere Prioritäten auf sozialem Gebiet, wo es zahlreiche Dinge gibt, die wir lieber täten.

Jetzt aber ist es an der Zeit, uns um unsere Verteidigung zu kümmern.
FRAGE:

Das erinnert mich an die Gespräche über die beiderseitige Ver-

ringerung der Streitkräfte, die die NATO und der Warschauer Pakt im Jahre 1973
in Wien aufgenommen haben.

Wenn andere gesellschaftlichen Prioritäten die

NATO-Länder zu größerer Zurückhaltung bei den Verteidigungsausgaben und verstärkten Bemühungen um eine Verminderung der Truppenstärken bestimmen könnten,
sind ähnlich große Drücke auch in den Ländern des Ostblocks vorstellbar?
ANTWORT:

Auch sie sind an einer Verringerung der Militärausgaben in-

teressiert - schon deshalb, weil sie bisher sehr wenig für ihre Völker getan
haben und dort vom Volk ein wachsender Druck ausgeht, das Verbraucherangebot
auszuweiten. Polen bietet ein glänzendes Beispiel. Dort kam es zu Straßenunruhen, die die Regierung in Gefahr brachten. Sicherlich wäre der Osten
ebenso froh wie der Westen, wenn ein Teil der militärischen Belastungen aufhörte. Alle könnten aufatmen. Es ist an der Zeit, daß der Osten den Ansprüchen seiner Völker mehr Rechnung trägt,statt lediglich den Bedarf des
Staatsapparates zu berücksichtigen.
FRAGE:

- 4 -

�FRAGE:

Welche politischen Realitäten stehen Versuchen entgegen, die

Mitgliedstaaten der NATO zur Bereitstellung von mehr Geld oder mehr Arbeitskräften zu bestimmen?
ANTWORT:

Die Brüsseler Verteidigungsminister-Konferenz vom Mai vorigen

Jahres im Anschluß an die Londoner Gipfelkonferenz einigte sich auf eine Erhöhung des Finanzbeitrags der Länder um real drei Prozent.

Es freut mich,

sagen zu können, daß allem Anschein nach alle Länder dieser Forderung nachkommen werden, bis auf ein oder zwei, denen dies aus verständlichen innenpolitischen Gründen voraussichtlich nicht möglich sein wird.
FRAGE:

Glauben Sie, daß sich die Vereinigten Staaten stärker auf die

NATO ausgerichtet haben, vor allem seit sie keine Verpflichtungen gegenüber
Vietnam mehr haben?
ANTWORT: In hohem Maße sogar. Die Vereinigten Staaten und ihr Präsident sind sehr stark NATO-orientiert. Präsident Carter hat ausdrücklich eine
halbe Milliarde Dollar zusätzlich für den NATO-Haushalt eingeplant. Der amerikanische Staatshaushalt für das Haushaltsjahr 1979 wird in manchen Positionen Kürzungen aufweisen, der Voranschlag für die NATO aber wird erweitert
werden.
FRAGE:

Besteht auch Übereinstimmung hinsichtlich der Notwendigkeit,

die Verteidigungsanstrengungen zu verstärken, dürften doch noch viele Details
umstritten bleiben. Es gab beispielsweise Klagen, eine Ausweitung der Verteidigungskapazitäten bedeute mehr Käufe der Europäer in Amerika. Es scheint
jedoch eine neue Initiative zu geben, die man hier als "zweibahnige Straße"
umschreibt.
ANTWORT:
herausstelle.

Ja, das ist eine weitere Initiative, die ich tatsächlich gerne
Die "zweibahnige Straße" bezieht sich auf das europäische Inter-

esse an amerikanischen Beschaffungskäufen in Europa.

Präsident Carter selbst

sprach auf dem Londoner Gipfeltreffen davon, daß er sich der Notwendigkeit

- 5 -

�Notwendigkeit größerer Käufe bewußt sei; er sagte, er halte sehr viel vom
Prinzip der "zweibahnigen Straße".

Das ganze ist eine Frage der Organisation.

Weil die amerikanische Produktionsbasis um soviel größer ist, müssen die Europäer ihre Anstrengungen zusammenfassen, um wettbewerbsfähig zu sein.

Anfang

Dezember vergangenen Jahres hielten die Europäer eine Tagung zu diesem Thema
ab.

Nunmehr, da sich die Europäer in diesem Sinne zusammentun, kann der trans-

atlantische Dialog beginnen.
FRAGE:

Wir hören sehr viel von Standardisierung, der Verwendung der

gleichen Waffen, Geräte oder Systeme durch alle NATO-Mitgliedstaaten.

Es

ist auch die Rede von der Interoperabilität, der Verwendung baugleicher Ersatzteile und Nachschubgüter für im übrigen nicht vollkommen normierte Waffen,
Geräte oder Systeme aus verschiedenen Herstellungsländern.

Was geschieht in

dieser Hinsicht?
ANTWORT: Dieses Jahr geht es um die Panzerkanone. Es ist eine sehr
wichtige Frage, ob man die amerikanische, die deutsche oder die britische
Version einer solchen Kanone verwenden soll. Eine weitere Frage von echter
Bedeutung betrifft die Fernmeldeeinrichtungen. Als ich beispielsweise im
Herbst letzten Jahres an den Manövern in Deutschland teilnahm, besuchte ich
auch das amerikanische Hauptquartier, dem auch ein belgischer Verbindungsstab
zugeteilt war. Mit diesem konnten wir nicht Kontakt halten, obwohl wir in
benachbarten Abschnitten lagen. Wir konnten sie über Funk nicht direkt ansprechen, weil unsere Geräte nicht aufeinander abgestimmt sind, konnten sie
aber - schließlich leben wir in einem modernen Zeitalter - über Satelliten
erreichen: Die Meldungen wurden an einen Satelliten abgesetzt und von dort
auf die nur drei Meilen von uns entfernten Belgier zurückgestrahlt. Das ist
somit ein weiteres Gebiet, dem wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen.
FRAGE: Handelt es sich bei der Konzeption der Standardisierung der
Waffen nicht um eine langfristige Angelegenheit?
ANTWORT:

- 6 -

�ANTWORT:

Es ist eine Konzeption, an der wir arbeiten.

Ein anderer

Schlüsselbegriff ist der der "Interoperabilität", weil meiner Meinung nach
ohnehin niemand glaubt, daß wir zu einer vollkommenen Standardisierung gelangen werden.

Jedes Land hat seine Industrie, die es mit Rücksicht auf die ei-

genen nationalen Interessen

in Gang halten will.

Es geht somit im Grunde um

die Frage, ob man, wenn man schon nicht alle Waffen normieren kann, nicht
besser interoperable Waffen bauen sollte: diese Granate sollte auch für jene
Kanone passen

usw.

FRAGE: Es sind zwölf Jahre her, daß Frankreich seine militärische Verpflichtung gegenüber der NATO aufgekündigt hat. Glauben Sie, daß dieser Faktor eine Rolle gespielt hat, Präsident Carter zu seinem Frankreichbesuch zu
bestimmen?
ANTWORT:

Nein, ich glaube nicht, daß die NATO im Hinblick auf den Be-

such in Frankreich eine besondere Rolle gespielt hat.
wurde neu belebt.

Das alte Bündnis aber

Schließlich machten die beiden Staatschefs ihre gemeinsame

Reise in die Normandie.

Das ist das Gebiet, wo die Amerikaner den Fuß

auf französischen Boden setzten, als sie zum letzten Mal gebraucht wurden, um
bei der Befreiung Frankreichs und Europas mitzuhelfen.

Deshalb glaube ich,

daß die Frage der europäischen Sicherheit in ebenso großem Maße von beiderseitigem Interesse wie von NATO-Interesse ist.
FRAGE:

Zur Zeit der Ford-Administration schienen die Vereinigten Staaten

der Auffassung zu sein, die NATO würde in Gefahr geraten, wenn die kommunistische
Partei in irgendeinem NATO-Land an der Regierung beteiligt werde.
liche Problem lag damals in Italien.

Das eigent-

Sehen Sie ähnliche Probleme wie mit

Italien auch für Portugal oder Frankreich voraus?

Welche Haltung nimmt die

derzeitige Administration zu dieser Frage ein?
ANTWORT:

Die amerikanische Regierung hat klargestellt, daß die Ent-

scheidung eines Landes, kommunistisch zu werden oder Kommunisten zur Regierung
zuzulassen, eine Frage sei, die ihm selbst überlassen bleibe, daß ein solcher

- 7 -

�solcher Schritt aber ernste Rückwirkungen auf das bilaterale Verhältnis und
auch auf Beziehungen innerhalb der NATO haben könnte.
FRAGE:

Man hört immer wieder Schätzungen bezüglich der Kapazität des

Warschauer Paktes, Europa zu überrennen.
drei Wochen.

Es ist die Rede von 48 Stunden bis

Können Sie hierzu einen Kommentar abgeben?

Worin besteht die

eigentliche Bedrohung?
ANTWORT:

Das ist eine Frage, über die manche Leute seltsame Spekula-

tionen des Inhalts anstellen: Wieviel Vorwarnzeit wäre gegeben?

Einer der

Gründe für das langfristige Verteidigungsprogramm, das wir inzwischen in Angriff genommen haben, ist das Bestreben, unsere Verletzlichkeit auf diesem
Gebiet zu verringern und sicherzustellen, daß ausreichende nachrichtendienstliche Erkenntnisse vorliegen und daß entsprechende organisatorische Vorkehrungen getroffen werden, damit wir rechtzeitig davon erführen, wenn die Gegenseite beginnen würde, Leute nach Osteuropa einzuschleusen - noch ehe sie
bis zur Grenze gelangten.

Es steht außer Frage, daß der Ostblock hinsichtlich

der Panzerwaffe stark im Vorteil ist.
derer sich die Leute sorgen.
und andere Programme.

Das ist einer der Gründe, bezüglich

Aber hierfür haben wir die nukleare Abschreckung

Wir brauchen ebenso starke Truppen und auch ebenso viele

Waffen, wie sie haben - auch wenn wir nicht daran denken, in irgendein
einzufallen.
hätten.

Land

Natürlich werden sie uns erklären, daß sie das auch nicht vor-

Sei dem, wie es wolle, wir wissen nur, daß der Westen nichts der-

gleichen beabsichtigt.
•

FRAGE:

Gab es irgendwelche neue, Probleme, die der Präsident bei seinem

Zusammentreffen mit der NATO angeschnitten hatsoder ging es ihm in erster Linie darum, die amerikanische Verpflichtung gegenüber der NATO und auch die fortgesetzte Unterstützung der NATO erneut zu bekräftigen?
ANTWORT: Präsident Carters Erscheinen vor dem Nordatlantikrat am 6.
Januar 1978 bot dem Präsidenten einmal mehr Gelegenheit, seine persönliche
Bindung an die NATO zu unterstreichen und herauszustellen, daß die amerika-

- 8 -

�amerikanische Regierung auf eine Stärkung des NATO-Bündnisses als dem Kernstück der amerikanischen Außenpolitik bedacht ist.

Auf dieser Tagung sprach

der Präsident von der Erhöhung der Haushaltausgaben und der Stärkung der NATOStreitkräfte in Europa.

Er sagte mir persönlich hinterher noch, daß diese

Tagung für ihn sehr wertvoll gewesen sei und daß ihm die dort gebotene Gelegenheit der freien Aussprache und des freien Meinungsaustauschs mit Amerikas
engsten Verbündeten sehr zustatten gekommen sei.

+ + + + +

- 9 -

�22. März 1978

8

NAHRUNGSMANGEL UND FEHLERNÄHRUNG
Dritte Welt braucht bessere Verteilung

- (AD) - "In Indien sterben jährlich 500 000 Menschen an Unterernährung",
besagt eine Verlautbarung des Nationalen Ernährungsinstituts in New Delhi von
Anfang März 1978. Trotz einer stark angestiegenen Nahrungsmittel Produktion
sei der Hunger für große Teile der Bevölkerung nicht geringer geworden. Die
Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren ist mit 36,1 Prozent sogar
fast ein Prozent höher als 1951. Betroffen sei vor allem die Landbevölkerung,
wo jedes dritte Kind an Vitaminmangel und anderen Mangelkrankheiten leide.
Dies ist nur ein Beispiel von vielen. In ihrer neuesten Untersuchung
zur Welternährungslage stellt die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) Mangelernährung bei einem Drittel der Bevölkerung in 92 Ländern
fest. Die Anzahl der Menschen in der Welt, die durch unzureichende Versorgung
und einseitige Kost unterernährt sind, sei von 400 Millionen im Jahr 1971 auf
455 Millionen gestiegen. Und dies angesichts einer Weltgetreideproduktion von
etwa 1,3 Milliarden Tonnen, die laut Prof. Peter Timm (Cornell-Universität,
New York) ausreichen würde, um jeden Bewohner unseres Planeten täglich mit
65 Gramm Eiweiß und dem Normal bedarf an Kalorien zu versorgen.
Demnach bedürfen die Mechanismen der Verteilung dringend der Verbesserung
und Korrektur. Dies gilt nicht nur für die Verteilung zwischen und innerhalb

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�innerhalb von Regionen, sondern auch innerhalb einzelner Entwicklungsländer,
ja selbst zwischen den verschiedenen Schichten ihrer Bevölkerung und oft genug auch in der Familie.

Die wichtigsten Erzeugerländer für Nahrungsmittel

versuchen nach wie vor, akute Not durch Hilfslieferungen zu lindern - wohl
wissend, daß davon keine Dauerlösungen zu erwarten sind.

So haben sich die

USA kürzlich auf der internationalen Weizenkonferenz, die parallel zur UNKonferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf abgehalten wurde, bereit
erklärt, 1978 mindestens 4,47 Millionen Tonnen Getreide zu der auf 10 Millionen Tonnen angehobenen Gesamtmenge beizusteuern, die die Mitgliedstaaten
der Lebensmittelhilfe-Konvention in diesem Jahr für Entwicklungsländer bereitstellen wollen.

Von den Vereinigten Staaten erhalten 23 der ärmsten

Länder im laufenden Haushaltjahr überdies direkte Nahrungsmittelhilfe im Wert
von 155 Millionen Dollar.
"Grüne Revolution" in der Anpassung
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Aufgrund der Ergebnisse ihrer Untersuchungen fordert die FAO für zahlreiche Entwicklungsländer eine wesentliche Erhöhung der Nahrungsangebote innerhalb der nächsten 12 Jahre. Damit müßten allerdings Maßnahmen einhergehen,
die sicherstellen, daß die zusätzlichen Lebensmittel den am meisten bedürftigen
Bevölkerungsteilen zukommen.
•

Der "Grünen Revolution" mit der Einführung kurzstämmiger, besonders ertragreicher Weizen- und Reissorten war es in hohem Maße zu verdanken, daß seit
Mitte der sechziger Jahre manche Entwicklungsländer ihre Eigenerzeugung an
Nahrungsmitteln drastisch zu steigern vermochten. So konnte Mexiko die Weizenproduktion seit 1950 vervierfachen. Indien und Pakistan verdoppelten sie im
Zeitraum von nur vier Jahren (von 1968 auf 1972). Mexiko, früher auf Importe
angewiesen, wurde in weniger als 15 Jahren zum Getreide-Selbstversorger und
exportiert jetzt sogar in bescheidenem Umfang. In Indien und Pakistan, wo
früher pro Hektar Land jährlich nur etwa 1 Tonne Weizen und 1,5 Tonnen Reis
zu erwarten waren, stieg in einzelnen Gebieten der Ertrag auf 5 Tonnen Weizen
und 7 Tonnen Reis an. Beachtliche Verbesserungen der Weizenernten wurden außer-

�außerdem in China, im Iran, in der Türkei, in Jordanien, Syrien, Ägypten,
Libyen, Tunesien und in Dutzenden anderer Länder erzielt.

Neue Reissorten

brachten den Philippinen, Thailand, Bangladesch und einigen weiteren asiatischen Ländern wesentlich höhere Ernteerträge ein.
Die Zuwachsraten gingen jedoch in letzter Zeit zurück, der Hunger scheint
wieder im Vormarsch zu sein. Dafür gibt es vielerlei Gründe: Die neuen Weizen- und Reissorten, die bei intensiver Düngung auch häufigere Ernten möglich
machen, sind den früheren Kulturen im Ertrag, nicht aber im Nährwert überlegen. Die Gefahr einseitiger Ernährung besteht also weiter. Während die Anbauflächen in Asien und im Nahen Osten nach Feststellungen von Fachleuten des
US-Landwirtschaftsministeriums 1973 und 1974 noch um jeweils 18 Prozent ausgeweitet wurden, lag diese Quote 1975 nur bei 8 Prozent - vermutlich eine Folge der nach der Erdölkrise stark angestiegenen Düngemittel preise. Die neuen
Sorten verdrängten andere Kulturen, insbesondere eiweißreiche Bohnen und andere Hülsenfrüchte, die in zahlreichen Entwicklungsländern für eine ausgewogene
Ernährung notwendig sind. Sie verlangten aber auch vielerorts künstliche Bewässerung, den Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen und große Mengen kostspieliger Düngemittel, so daß in erster Linie Großbetriebe und wohlhabende
Grundbesitzer von den neuen Methoden profitieren, die Masse der bäuerlichen
Kleinbetriebe jedoch kaum.
überdies ging in einer Reihe von Ländern die massive Ausweitung der Feldkulturen auf Kosten früherer Wald- und Dschungelgebiete. Die Kehrseite der
Medaille: Weite Gebiete von Indien, Bangladesch und Pakistan werden neuerdings von verheerenden Überschwemmungen heimgesucht, weil es am Fuß des
Himalaya nicht mehr die Wälder gibt, die früher den Wasserüberschuß zum Teil
speicherten. Schwere Regenfälle in den ehemaligen Dschungelgebieten von
Mexiko, Guatemala und Brasilien laugten in kürzester Zeit die dünne Humusschicht aus, der früher durch Busch- und Baumwerk ständig Nährstoffe zugeführt
wurden. Die Sonne tut ein übriges und brennt den Boden aus. Auf den Philippinen hat der massive Gebrauch von Düngemitteln beim Anbau besonders ertragreicher Reissorten zu einem großen Fischsterben in Flüssen und Seen geführt

- 3 -

�geführt - und dies in einer Region, deren Bevölkerung dringend auf Fisch als
Quelle von tierischem Eiweiß angewiesen ist. Alle diese Beispiele zeigen, daß
die Anwendung moderner agrarwissenschaftlicher Erkenntnisse und Techniken nicht
ausreicht, um den Entwicklungsländern den Weg zur Selbsthilfe zu erleichtern.
Sie müßte vielmehr von Maßnahmen begleitet sein, die ökologische Gleichgewichte
schützen helfen.
Die meisten Menschen in Entwicklungsgebieten sind gezwungen, ihren Eiweißbedarf direkt aus Mais, Weizen, Reis und anderem Getreide zu decken. Pflanzliches Eiweiß trägt dort etwa 62 Prozent, tierisches Eiweiß - Fleisch, Milch,
Eier - dagegen nur 7 Prozent zur Ernährung bei. Pflanzengenetiker und Agrarwissenschaftl er richten deshalb bei der Sortenzüchtung ihr Augenmerk immer
mehr darauf, daß bei höherem Ertrag auch ein höherer Proteingehalt des Korns,
dazu geringere Anfälligkeit der Pflanzen gegen Schädlinge und Krankheiten, eine
bessere Klimafestigkeit und gute Trocknungs- und Lagereigenschaften erzielt
werden.

In der Praxis ist es allerdings schwieriger als zunächst angenommen,

diese günstigen Eigenschaften zu kombinieren.
Gleichzeitig wird jetzt in zunehmendem Maße versucht, mit den Neuschöpfungen den jeweiligen Umweltbedingungen aus der Geschmacksrichtung in einzelnen Entwicklungsgebieten bzw. Ländern auch dadurch mehr Rechnung zu tragen,
daß man mit einheimischen Sorten experimentiert, um sie in die neuen Sorten
einzukreuzen. Denn die Neuzüchtungen sollen ja von den Bauern und Verbrauchern
in der Förderregion akzeptiert werden. Dabei spielen Aussehen, Farbe, Konsistenz und Geschmack des Ernteproduktes und der daraus gewonnenen Nahrungsmittel eine nicht unerhebliche Rolle. Der Agrarforschung hat mit Hybridsorten,
an die sich die Einheimischen nicht oder nur schwer gewöhnen, wenig Chancen.
Hinzu kommt, daß ausgedehnte Monokulturen die Wirtschafts- und Sozialstruktur
in Gebieten einschneidend verändern würden, wo von altersher Kleinbauern natürliche Risiken wie Dürre, Hochwasser, Schädlingsbefall oder Pflanzenkrankheiten durch Mehrfruchtanbau zu verringern oder zu umgehen trachteten. Trotz
der überwiegend positiven Ergebnisse der ersten Phase der "Grünen Revolution"
muß auf solche Traditionen künftig wohl mehr Rücksicht genommen werden. Sie
spielen möglicherweise eine Rolle für die Erreichung des langfristigen Ziels,
- 4 -

�Ziels, in Entwicklungsgebieten jene Bedingungen zu schaffen, unter denen die
benötigten Nahrungsmittel im Lande selbst produziert werden können.
Geburtenzuwachsrate geht zurück
Die Tatsache, daß in Asien und Lateinamerika ein beachtlicher, noch vor
kurzem nicht erwarteter Rückgang der Geburtenzuwachsrate (von 1,9 Prozent im
Jahr 1970 auf 1,7 Prozent im Jahr 1977) zu verzeichnen ist, verschafft den mit
Entwicklungsaufgaben befaßten Wissenschaftlern, Landwirtschaftsexperten und
Wirtschaftlern eine Atempause. Sie brauchen sie dringend, um Planung und Organisation für die Zukunft wirksamer zu gestalten. Und sie wäre ihnen wohl
kaum vergönnt gewesen, wenn die vor zehn Jahren aufgestellten Forderungen der
FAO noch gelten müßten: Damals schätzte man, daß bis 1985 die Nahrungsproduktion um 34 Prozent, bis zum Jahr 2000 um 97 Prozent gesteigert werden müsse,
wenn die Wachstumsrate für die Erdbevölkerung weiterhin jährlich 2 Prozent betrage.
Nach den früheren Vorausberechnungen wären im Jahr 2000 etwa 7 Milliarden
Menschen zu ernähren gewesen.

Hält aber der jetzt beobachtete Trend in Entwick-

lungsländern an (Afrika ausgenommen, wo die Geburtenzuwachsrate weiter steigt),
und verzeichnen die Industrieländer auch künftig nahezu Nullwachstum für die
Bevölkerung ihrer Regionen, dürfte zur Jahrtausendwende nur noch mit 5,5 bis
5,8 Milliarden Menschen auf der Erde zu rechnen sein.

Und dies bedeutete eine

gewaltige Entlastung in Sachen Ernährung.
Für weitere Produktionssteigerungen sind selbst den klassischen Exportländern für Agrarprodukte wie USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Argentinien praktische Grenzen gesetzt - auch wenn, wie z.Zt. in den USA, der Zuwachs für bebautes Land vorläufig noch größer ist als der Landverlust durch
Siedlungs-, Straßen- und Industriebau.

Die Barrieren für eine weitere Expansion

sind eher wirtschaftlicher, finanzieller, ökologischer und transporttechnischer
Natur.
Neuzüchtungen

- 5 -

�Neuzü'chtungen aus der Zelle
•
•

Erst

.

Erfolge mit völlig neuartigen Züchtungsmethoden, an denen jetzt

in vielen Laboratorien in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern gearbeitet wird, und die Anwendung der Ergebnisse auf breitester Basis könnten
die Situation grundlegend verbessern.

Aber vorläufig dürften die Forscher

noch mindestens zehn, wahrscheinlich sogar 20 und mehr Jahre mit Projekten
zu tun haben, bei denen es um die Züchtung von "Superpflanzen" geht.

An die

Stelle der Züchtung mit geschlechtlicher Fortpflanzung tritt die Regeneration
einer kompletten Pflanze aus der Zelle, deren Erbgut man gezielt verändert
hat oder zu verändern sucht.
Diese Art der Übertragung von Merkmalen erfordert die Verschmelzung speziell präparierter Einzelzellen von Pflanzen bestimmter Sorten und sogar Arten. Das Verfahren baut auf Experimenten auf, in denen es amerikanischen Forschern schon in den fünfziger und sechziger Jahren gelungen ist, aus Zellkulturen Pflanzen von Tabak, Zuckerrohr und Karotten heranzuzüchten. Jetzt steuern Pflanzenphysiologen das Fernziel an, aus Zellen von Hafer, Weizen, Kartoffeln, Gerste, Roggen, Reis und anderen Kulturpflanzen mit Methoden der
Biochemie und Genchirurgie Veränderungen hervorzubringen und komplette Pflanzen zu regenerieren, die auf ganz bestimmte Umweltbedingungen zugeschnitten
sind. Ist dieses Verfahren erst einmal ausgereift, wären nach Ansicht von
Dr. Donald Senich (Nationale Wissenschaftsstiftung der USA) Pflanzengenetiker
eines Tages sogar in der Lage, wünschenswerte Merkmale einzelner Pflanzenarten,
z.B. die Fähigkeit zur Assimilation von Luftstickstoff in Verbindung mit Wurzelbakterien, höherer Nährwert, höherer Ertrag, mehr Widerstandsfähigkeit
gegen Krankheiten, Schädlinge oder Kälte, in andere Arten einzuzüchten, die
solche Merkmale von Natur aus nicht besitzen.

Auf jeden Fall würde der normalerweise sehr langwierige Prozeß herkömmlicher Kreuzungsversuche, der bis zur Erzielung einer relativ reinen Linie
mindestens fünf bis acht Generationen (= Jahre) braucht, um Jahre verkürzt.
An die Stelle von Zufallsergebnissen träten schon in der zweiten Generation

- 6.

�Generation

Resultate "nach Plan", s,ofern die neue Technik sich bei der be-

treffenden Pflanze als anwendbar erweist.

Dies im Verein mit Methoden, die

darauf abzielen, den Wirkungsgrad der Photosynthese zu erhöhen (sei es durch
Zuführung von zusätzlichen Kohlendioxid in riesigen Gewächshäusern, sei es
durch Züchtung von Hybridpflanzen mit Blattstrukturen, die Sonnenlicht und
atmosphärisches Kohlendioxid weitaus besser nutzen), könnte zu einer Steigerung des Nahrungsangebots in der Welt um viele Millionen Tonnen führen.
Fehlernährung durch zu reiche Kost
Die Ernährungsprobleme sind allerdings nicht nur solche des Mangels in
Entwicklungsländern. Dr. Moises Behar, Leiter der Abteilung Ernährung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), spricht im gleichen Zuge auch das Problem
der Überernährung in den entwickelten Ländern an. In dem Bericht "Die beiden
Gesichter der Fehlernährung", der vom "Worldwatch Institute", einer unabhängigen Forschungsorganisation mit Sitz in Washington, veröffentlicht wurde,
wird die "Überschußdiät" ziemlich eingehend erörtert. Sie ist dort gang und
gäbe, wo die Einkommen weit über dem Existenzminimum liegen und den Menschen
der Zugang zu den Erzeugnissen eines überaus produktiven Agrarsystems offensteht. Die "überschußdiät" besteht aus großen Mengen tierischer Proteine und
Fette in der Form von Fleisch und Molkereiprodukten, dazu aus stark ausgemahlenem Mehl und zuckerhaltigen Nahrungsmitteln, die an die Stelle grober
Kohlehydrate wie Vollkornbrot, aber auch von Obst und Gemüse getreten sind.
Der Bericht bestätigt die Feststellung Dr. Behars, daß ungeachtet ihres hohen Nährwerts die überschußdiät keineswegs gesund ist. Sie wird vielmehr
als Hauptverursacher z.B. von Diabetes, vor allem aber von Herz- und Gefäßkrankheiten betrachtet, die in den Industrieländern die Hälfte der Todesursachen ausmachen.
Die Lösung dieses Problems wäre einfach, wenn sich die Masse der Bevölkerung dazu bequemen könnte, den beschwörenden Appellen vieler Ernährungswissenschaftler zu folgen und ihre Eßgewohnheiten zu ändern.

In den Vereinig-

ten Staaten hatten solche erzieherischen Bemühungen bereits recht auffällige

- 7 -

�auffällige Erfolge. Dr. Jean Mayer, Ernährungswissenschaftler und Präsident
der Tufts-Universität in Massachusetts, berichtete von einem frappierenden
Rückgang der Sterblichkeitsziffer als Folge von Herz- und Gefäßkrankheiten in
den letzten drei Jahren. Er schreibt dies verbesserten Kontrollmethoden für
erhöhten Blutdruck und vor allem einer bewußten Änderung der Zusammensetzung
der Mahlzeiten zu. Weite Teile der amerikanischen Bevölkerung haben offenbar gelernt, Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an tierischen Fetten zu
meiden.

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United States Information Service

22. März 1978

8

BEHANDLUNG VON ENTZUGSSYMPTOMEN MIT SYNTHETISCHEM ENDORPHIN

- (AD) - Synthetisches Beta-Endorphin, die Nachbildung eines Produkts
der menschlichen Hypophyse, eignet sich möglicherweise zur Bekämpfung schwerer Schmerzzustände und zur Behandlung von Entzugssymptomen bei suchtkranken
Patienten. Zu dieser Hoffnung berechtigen die Ergebnisse erster amerikanischer
Versuche am Menschen, die von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien
durchgeführt wurden. Wie Dr. Don H. Catlin, Assistenzprofessor für Medizin und
Pharmakologie an der Universitätsklinik in San Francisco, auf dem Kongreß
für Endorphin-Forschung in San Juan (Puerto Rico, Dezember 1977) berichtete,
wurde Beta-Endorphin benutzt, das Dr. C.H. Li (Direktor des Hormonforschungsinstituts der Universität) chemisch synthetisiert hatte und das dem menschlichen Bety-Endorphin entsprach.
Catlin wandte das Präparat intravenös bei drei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs zur Bekämpfung der starken Schmerzen und bei zwei Suchtkranken an, die zur Entwöhnung von Heroin auf Methadon umgestellt worden waren
und bei denen sich nach dem Absetzen von Methadon schwere Entzugssymptome bemerkbar machten. Im letztgenannten Fall wurden unter der Endorphin-Behandlung
bemerkenswert gute Ergebnisse erreicht. Zwei der Krebspatienten berichteten
über eine wesentliche Befreiung von ihren Schmerzen, der dritte jedoch nur über
einem leichten schmerzdämpfenden Effekt.
Klinische

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�Klinische Versuche weisen außerdem darauf hin, daß Beta-Endorphin
vielleicht auch zur Behandlung von Schizophrenie und Depressionen nützlich
sein könnte. Darüber wurde im September 1977 von Dr. Nathan S. Kl ine, Psychiater am Rockland Research Institute in Orangeburg (New York), und von
Dr. Heinz Lehmann, Psychiater an der McGi11-Universität in Montreal (Kanada),
berichtet, die mit Endorphin-Präparaten von Dr. Li gearbeitet hatten.

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4

�Wi//en/choft
und Technik
United States Information Service

22. März 1978

SCHUTZANSTRICH FÜR ALUMINIUMBOOTE

- (AD) - Einen neuartigen Schutzanstrich für Kleinboote, insbesondere
für die außerordentlich schwer zu schützenden Boote aus Aluminium, entwickelte
eine amerikanische Firma in New Jersey. Die Anstrichmasse ALUMAGUARD ist
frei von Kupfer, das mit Aluminium reagieren und schließlich das Material angreifen würde. Der Anstrich schützt sowohl gegen mechanische Beschädigungen
wie z.B. Kratzer als auch gegen Muschel-, Algen- und Moosbesatz. Im Gegensatz
zu anderen Präparaten behält er seine Schutzwirkung, wenn das Boot aus dem
Wasser genommen wird, weil er an der Luft nicht oxidiert. Deshalb ist es auch
nicht notwendig, das Boot vor dem Wiedereinsetzen im Frühjahr neu anzustreichen
oder seine Oberfläche gründlich zu reinigen.
(Hersteller: Pettit Paint Company, Dept. CN, 36 Pine Street, Rockaway,
New Jersey, 07866. Preis 1977: 19,50 Dollar/Liter).

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�Wi//en/chcift
und'
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22. März 1978

8

SCHALLWELLEN-SPEKTROMETER BESCHLEUNIGT ANALYSE

- (AD) - Die Analyse unbekannter Medikamente und Drogen wird mit Hilfe
eines neuartigen Spektrometers wesentlich vereinfacht und beschleunigt. Während andere Verfahren eine langwierige Vorbereitung der Proben, die vielleicht
gelöst oder verdampft werden müssen, notwendig machen, wird im "photoakustischen Spektrometer" die Probe einfach pulverisiert und Licht ausgesetzt. Dabei erhöht sich ihre Temperatur, die Probenmasse dehnt sich aus. Nach dem
Abschalten des Lichts zieht sie sich beim Abkühlen wieder zusammen. Ausdehnung und Kontraktion werden als Schallwellen wahrgenommen, die von Mikrophonen
erfaßt und registriert werden. Aus dem Schallwellen-Bild ist die Zusammensetzung der Probe nach Menge und Art ihrer Bestandteile abzulesen.
(Hersteller:

Princeton Applied Research Corporation, Dpt. CN,

P.O. Box 2565, Princeton, New Jersey, 08540.

Preis Ende 1977: 34 900 Dollar).

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Carter: Die USA stehen zu ihren Verteidigungsverpflichtungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Präsident Carters vor der Wake Forest-Universität -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Carter unterzeichnet Nonproliferationsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede Goldbergs auf der Abschlußsitzung der KSZE-Nachfolgekonferenz&lt;br /&gt;- US-Botschafter bezeichnet Konferenz als erfolgreich -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA lehnen sowjetischen Antrag auf Verbot der Neutronenwaffe ab&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Botschaft Carters an die UN-Menschenrechtskommission&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Amerikanische Dlimporte 1978 zeigen sinkende Tendenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von unserem Korrespondenten &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;John Holway -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NATO zwischen den Gipfeltreffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit dem amerikanischen NATO-Botschafter W. Tapley Bennett -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nahrungsmangel und Fehlernährung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dritte Welt braucht bessere Verteilung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Behandlung von Entzugssymptomen mit synthetischem Endorphin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schutzantrich für Aluminiumboote&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schallwellen-Spektrometer beschleunigt Analyse</text>
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                    <text>Information
und

I

pf-i {l/i I W I T M
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978
INHALT
DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters vor Beginn seiner zweiten Weltreise
Carter fordert Zusammenarbeit zwischen Entwicklungsländer und
Industrieländern
- Rede des US-Präsidenten vor dem venezolanischen Parlament Pressekonferenz Präsident Carters in Brasilia
- Auszüge USA und Afrika:

Gemeinsam in die Zukunft

- Rede von Präsident Carter in Lagos INFORMATION
USA für stärkere Bemühungen um konventionelle Abrüstung
HINTERGRUND
Präsident Carter kündigt neues Programm zur Städtesanierung an
- über 8 Milliarden Dollar aus Bundesmitteln vorgesehen - von unserer Korrespondentin Bonnie Potter WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Spacelab - begehrte Experimentierstation
- Warteliste für Flüge mit dem Raumtransporter Wetterwacht durch Satelliten wird verstärkt
- USA starten sechs neue Geräte in sieben Monaten -

Um Übef/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 3240
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�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS VOR BEGINN SEINER ZWEITEN WELTREISE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat zu Beginn seiner zweiten Weltreise mit den Stationen Venezuela, Brasilien, Nigeria und Liberia
am 28. März 1978 vor dem Abflug vor dem Weißen Haus betont, seine Reise solle
die Fähigkeit der Vereinigten Staaten unter Beweis stellen, mit der heutigen
vielfältigen Welt konstruktiv und kreativ umzugehen.
Der Präsident erklärte wörtlich:
Ich trete heute eine Reise an, die die Fähigkeit unserer Nation aufzeigen wird, mit der Vielfalt der Welt, in der wir leben, in konstruktiver
und kreativer Weise umzugehen. Auf jeder Station dieser Reise werden unsere
leitenden Grundsätze sein: wirtschaftliche Gerechtigkeit, Menschenrechte,
faire Beziehungen unter Staaten und die Suche nach einer friedlichen Lösung
der Konflikte und der potentiellen Konflikte der Welt.
Mit Lateinamerika und Afrika verbinden uns besondere und seit langem
bestehende Beziehungen.

Viele Menschen in unserem Lande können ihre Wurzeln

in diese beiden Kontinente zurückverfolgen, und wir teilen mit diesen Nationen eine Geschichte der Freiheit, die durch. Kampf gegen koloniale Beherrschung
und Herrschaft errungen wurde.
Die

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�Die Länder, die ich besuchen werde, sind beispielhaft für die tiefgreifenden Veränderungen, die sich vollziehen, und die wachsende Bedeutung
unserer Beziehungen zu den neuen Führern der Entwicklungswelt.

In Venezuela,

in Brasilien, in Nigeria und in Liberia werden wir versuchen, Freundschaften
zu stärken, gemeinsame beiderseitige Interessen und beiderseitige Möglichkeiten zu suchen wnd von den Führern dieser einflußreichen Länder zu lernen.
Zu Ende dieses Jahrhunderts werden 80 Prozent der Weltbevölkerung in
Lateinamerika, Asien und Afrika leben.

Sich rasch entwickelnde Länder, wie

die vier, die ich besuche, werden eine immer größere Rolle in unserem Leben
hier in den Vereinigten Staaten spielen.

Und wenn wir unser gemeinsames

menschliches Schicksal in dieser Welt des Wandels bestimmen, dann werden wir
unsere Größe nur dann erhalten können, wenn wir in der Lage sind, uns zu ändern und gleichzeitig den Grundsätzen treu zu bleiben, die unser Land stark
gemacht haben.
Ich trete diese Reise an, um unseren Freunden stolz und klar unsere
eigenen amerikanischen Werte zu erläutern und ihre Auffassungen und ihre
Anliegen zu verstehen. Mein größter Ehrgeiz wird sein, das Volk meines
Landes wahrhaft und gut zu vertreten. Und wenn es mir gelingt, diesen Ehrgeiz zu erfüllen, dann wird das den Erfolg meiner Mission gewährleisten.

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978

CARTER FORDERT ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN ENTWICKLUNGSLÄNDERN
UND INDUSTRIELÄNDERN
• Rede des US-Präsidenten vor dem venezolanischen Parlament -

CARACAS, VENEZUELA -(AD) - Präsident Jimmy Carter hat im Rahmen
seiner zweiten Weltreise in einer Rede vor dem Parlament von Venezuela
am 29. März 1978 eine verstärl-te Zusammenarbeit zwischen Entwicklungsländern und Industrienationen gefordert. Wenn sich Industrie- und
Entwicklungswelt nicht in die Verantwortung für den weltweiten Fortschritt teilten, dann wären alle Bemühungen umsonst, so betonte Carter.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, meine Herren Senatoren, Senor Barrios,
meine Damen und Herren:
Es ist mir eine Ehre, heute vor dieser freien Versammlung einer
der größten Nationen dieser Erde zu stehen, um die herzlichen Grüße des
amerikanischen Volkes zu überbringen, dessen Freiheitsliebe so tief ist
wie die Ihrige.
Unsere

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�Unsere Nationen sind nicht nur durch gemeinsame Interessen verbunden, sondern auch durch die stärksten und dauerhaftesten Bande - die
der gemeinsamen IdealeVenezuela steht an vorderster Front derer, die die Sache der Demokratie verteidigen.
Vor anderthalb Jahrhunderten haben Sie der Welt Simon Bolivar geschenkt, ein Symbol der Freiheit, dessen Beispiel weit über die westliche Hemisphäre hinausreicht.

Heute bietet Venezuela den unverkennbaren

Beweis, daß politische Freiheit und wirtschaftlicher Fortschritt keine
gegensätzlichen Ideale zu sein brauchen, sondern sich im Gegenteil gegenseitig stärken.
Vor fast 200 Jahren reiste General Francisco de Miranda durch mein
Land, als er den Kampf um die Befreiung Venezuelas vorbereitete.
Voriges Jahr hat Ihr Präsident und mein Freund

Carlos Perez diese

Reise nachvollzogen, und mit jedem Schritt, den er in meinem Lande tat,
unterstrich er immer deutlicher unsere traditionelle gemeinsame Verpflichtung zu den demokratischen Werten,
Ihr Land hat unermüdlich - und mit Erfolg - für die weitere Annahme
der Amerikanischen Menschenrechtskonvention und die Stärkung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission gearbeitet.
Wir sind, wie Sie, der Überzeugung, daß sich keiner von uns einer
echten Freiheit erfreuen kann, wenn andere unterdrückt sind.
Ihr Land und andere in Lateinamerika und in der Karibik haben die
fwnrung auf einem weiteren Gebiet übernommen, das von gleich tiefgreifender Wirkung auf die Welt der Zukunft sein wird:

- 2 -

das Verhältnis zwischen

�zwischen den modernen Industriestaaten, die über den größten Anteil an
Einfluß und materiellen Gütern verfügen, auf der einen Seite, und den armen
und aufstrebenden Nationen der Welt, die begreiflicherweise nach einem
größeren und gerechteren Anteil streben.
Vor der Organisation Amerikanischer Staaten habe ich im vorigen
Jahr erklärt, daß die wirtschaftlichen Probleme, die ein zentrales Anliegen der Vereinigten Staaten und Lateinamerikas sind, globale Probleme
sind, und daß sie in einem ständigen Dialog zwischen den reichen und
den armen Nationen in Angriff genommen werden müssen.
Engere Konsultation unter unseren Ländern würde zu größerer Harmonie,
besserem kollektiven Urteil, zur Vermeidung von Fehlern und zur Verhütung
von unabsichtlichem Unrecht gegenüber jenen führen, die schwach und am
meisten verwundbar sind.
Ich möchte heute mit Ihnen über die Verantwortung sprechen, die
wir - die entwickelten und die sich e n t w i c k e l n Länder - gemeinsam bei
der Schaffung einer gerechteren internationalen Ordnung tragen.
Ich möchte heute über eine Vision sprechen - eine Vision dessen,
was aus unserer Welt werden kann; ob sie eine Welt der Ungerechtigkeit
und der Armut wird oder eine der Partnerschaft und der Erfüllung; ob
wir die Veränderungen im voraus prke: 1er. die unausweichlich kommen, und
uns ihnen anpassen, oder ob wir vor der Zukunft die Augen verschließen
in der vergeblichen Hoffnung, daß man den Veränderungen vorbeugen könne.
Gestern abend erklärte Präsident Perez in seiner so beredten und
bedeutsamen Ansprache - und ich zitiere - daß "von allen unseren Utopien
die gefährlichste diejenige von Leuten ist, die da denken, daß die Welt
so weiterbestehen kann, wie sie heute ist oder wie sie vor 30 Jahren
gesehen wurde."
Diese

�&gt;

Diese Überlegungen führen uns zu der grundlegenden Erklärung, daß
die Krise, die sich jetzt auf die Welt auswirkt, sehr tiefgehende Wurzeln
hat.

Wir machen heute eine moralische Krise durch, eine Krise der

ethischen Prinzipien.
Politische, wirtschaftliche und soziale Veränderungen haben bereits
unsere moderne Welt umgeformt.

Die alten kolonialen Weltreiche sind

zerbrochen, und mehr als einhundert neue unabhängige Nationen sind an
ihre Stelle getreten.
Unsere Länder sind wirtschaftlich stärker voneinander abhängig;
bereiter, einander als Gleichberechtigte zu behandeln; fähiger, einander
zu beeinflussen - zum Guten oder zum Schlechten hin - als jemals zuvor
in der Geschichte.
•

Wir müssen uns über diese Tatsache im klaren sein: daß wir zusammen
die Verantwortung für die Lösung unserer geneinsamen Probleme tragen.
Unsere Verpflichtungen werden im einzelnen unterschiedlicher Natur
sein, unsere Interessen und die von uns gesetzten Akzenten werden natürlich variieren, aber jeder von uns - Nord und Süd, Ost und West - muß
seinen Teil der Bürde tragen.
Wenn die Verantwortung für den globalen Fortschritt nicht gemeinsam
getragen wird, dann werden unsere Bemühungen ganz gewiß erfolglos sein.
Nur wenn die Verantwortung gemeinsam übernommen wird, können wir vielleicht
die Ziele verwirklichen, die unsere Völker zu erreichen suchen und die
unsere Zeit von uns verlangt.
Wir haben drei Ziele: Erstens, das wirtschaftliche Wachstum der
Welt durch eine stärkere Einbeziehung der Entwicklungsländer zu beschleunigen, denn deren Fortschritt ist für eine weltweite Prosperität,
für uns alle von entscheidender Bedeutung; zseitens, den größten Nutzen

- 4 -

�Nutzen aus dem größten Gut der Welt zu ziehen, nämlich aus ihrem menschlichen Potential;

und drittens, sicherzustellen, daß alle Länder in

vollem Umfange an den grundsäizlichen Entscheidungen über weltwirtschaftliche und weltpolitische Fragen beteiligt sind.
Nur durch gemeinsame Maßnehmen können wir Handel und Investitionen
ausbauen, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen, die Inflation einzudämmen und
den Lebensstandard unserer Völker zu steigern.
Die Industrienationen haben die gleichen Probleme und können nicht
von sich aus allein die wirtschaftliche Wiederbelebung der Welt zustande
bringen.
Ein starkes Wachstum und eine starke Expansion in den Entwicklungsländern sind von entscheidener Bedeutung - und in dem Maße, in dem sie
Erfolg haben, müssen sie - und das ist schwer - auf die Verantwortung
des Erfolges in einer auf höchsten Wettbewerb

abgestellten Weltwirt-

schaft vorbereitet sein.
Es gibt fünf Maßnahmen, die wir gemeinsam ergreifen müsser :
Wir müssen den Kapitalfluß nach den Entwicklungsländern verstärken.
Wir müssen ein faireres und offeneres Welthandelssystem schaffen.
Wir müssen darauf hinarbeiten, die destabilisierenden Preisbewegungen
in der Weltwirtschaft zu mildern
Wir müssen bei der Einsparung von Energie und der Entwicklung der
Energiequellen zusammenarbeiten.
Wir müssen die technologische Kapazität der Entwicklungsländer ausweiten.
Keine

�Keine dieser Aufgaben ist einfach, und jede verlangt Anstrengungen
von allen Seiten.
Private Institutionen und Investoren werden auch weiterhin die
Hauptrolle bei der Verstärkung der Kapitalflüsse spielen, aber das Kapital,
das von öffentlichen Institutionen und von Regierungen bereitgestellt wird,
ist natürlich ebenfalls von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung.
Wir in den Vereinigten Staaten werden unseren Anteil übernehmen.
Bei der Gestaltung des weltwirtschaftlichen Geschehens legen wir
besonderes Gewicht auf die Erweiterung des Weltwährungsfonds, der sowohl
den Entwicklungsländern als auch den Industrienationen dabei hilft, ihre
Zahlungsbilanzprobleme zu lösen.
Wir in den Vereinigten Staaten werden auf eine baldige Bewilligung
unseres sehr wesentlichen Beitrages zur Zusatzfazilität von 10 000
Millionen Dollar drängen, wie sie Mr. Witteven empfohlen hat.
Die internationalen Entwicklungsbanken sind von grundsätzlicher
Bedeutung für die Gesundheit der Weltwirtschaft.

Sie tragen zum Wachstum

und zur Entwicklung zahlreicher Länder und somit zur Expansion des Welthandels bei.
In den kommenden Jahren wollen die Vereinigten Staaten ihre Beiträge
vergrößern,und wir werden mit anderen Nationen in dem Bemühen zusammenarbeiten, dafür zu sorgen, daß diese Institutionen die benötigte Unterstützung auch erhalten.
Die bilaterale wirtschaftliche Unterstützung muß ebenfalls eine
wichtige Rolle spielen.

So habe ich zum Beispiel den Kongress ersucht,

eine 28 prozentige Erhöhung unseres diesbezüglichen Programmes allein
für das kommende Jahr zu bewilligenIch begrüße

�Ich begrüße die Bemühungen Venezuelas und anderer Entwicklungsländer, ihre eigenen Programme der wirtschaftlichen Unterstützung zu erweitern.
Alle OPEC-Länder haben die Verpflichtung, ihre überschüssigen Mittel
dafür einzusetzen, daß die menschlichen Ansprüche der Weltbevölkerung
erfüllt werden.
In einigen Fällen ist die Rückzahlung amtlicher Entwicklungshilfe
zu einem Hindernis für die Entwicklung geworden.
Meine Regierung unterstützt Gesetze, die jetzt dem Kongress vorliegen
und die es uns gestatten werden, die Rückzahlungsbedmgungn für amerikanische Hilfsanleihen für einige der am wenigsten entwickelten Länder zu
erleichtern.
Wir müssen auf ein erweitertes und gerechteres Handelssystem hinarbeiten. In keinem Bereich der wirtschaftlichen Beziehungen sind die
Möglichkeiten Lateinamerikas größer - aber auch seine Verantwortlichkeiten schwerer - als bei der Ausweitung des Handels. Die multilateralen
Handelsverhandlungen, di'p gegenwärtig in Genf stattfinden, sind ein
Brennpunkt für die kontinuierlichen Anstrengungen, den Handel zu liberalisieren und den Regeln für diesen internationalen Handel mehr Gewicht zu
verleihen. Sowohl die Industrie- als auch die Entwicklungsländer haben
ein enormes Interesse an einem Erfolg dieser Verhandlungen. Wir müssen
allen Versuchungen widerstehen, neue Einfuhrbeschränkungen zu errichten,
und wir müssen alle bestrebt sein, die bestehenden Handelsschranken sowohl Zölle als auch andere Maßnahmen - abzubauen, während wir gleichzeitig den Entwicklungsländern besondere Aufmerksamkeit schenken und
ihnen Vorteile gewähren.

Wir müssen ferner darauf hinwirken, die destabilisierenden Preisbewegungen in der Weltwirtschaft zu mildern und die Rohstoffpreise zu

- 7 -

�zu stabilisieren.

Vernünftige und stabile Exportpreise können die In-

flation niedriger halten und ein besseres Einkommen sowie einen reguläreren
Fluß neuen Investitionskapitals für jene fördern, die Rohstoffe produzieren.
Alle Länder können daher aus den Verhandlungen über Rohstoffabkommen
und deren Verwirklichung Nutzen ziehen, sowie aus dem - mit Hilfe der
Vereinigten Staaten und anderer wichtiger Länder - zu schaffenden gemeinsamen Fonds zur Preisstabilisierung.
Wir haben bereits damit begonnen, hinsichtlich der klugen Nutzung
der begrenzten Ressourcen der Erde - wie beispielsweise der Nahrungsmittel - zusammenzuarbeiten und entsprechende Pläne aufzustellen, und
das Gleiche müssen wir jetzt im Hinblick auf die Energie tun.
Sowohl die Industrienationen als auch die Entwicklungsländer müssen
Energie einsparen und noch mehr unserer gewaltigen technologischen Anstrengungen und Ressourcen darauf verwenden, weltweit neue Energiequellen wie aus der Sonne - zu erschließen oder sogar - wie uns einige lateinamerikanische Staaten gezeigt haben, aus Zucker und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Dies muß geschehen, ohne daß unsere Umwelt zerstört oder eine Welt
geschaffen wird, in der sich nukleare Explosionen immer weiter ausbreiten.
Für den Rest dieses Jahrhunderts bringen die Entwicklungsländer
das größte Wachstumspotential. Um immer mehr auf eigenen Füßen zu stehen,
müssen die Entwicklungsländer ihre technologische Kapazität erweitern.
Zu ihrer Unterstützung schlage ich die Schaffung einer neuen amerikanischen
Stiftung für technologische Zusammenarbeit vor.
Durch private und öffentliche Stiftungen sowie durch eine verstärkte
Beteiligung an den Konferenzen der Vereinten Nationen können wir die
technische und wissenschaftliche Zusammenarbeit zu einem entscheidenden

- 8 -

�entscheidenden Element in unseren Beziehungen machen.
Unsere Hauptaufgabe als Mitglieder einer Weltgemeinschaft besteht
darin, auf den Tag hinzuarbeiten, an dem jeder Mensch eine faire Chance
hat, seine Möglichkeiten voll auszuschöpfen.
Die Bevölkerung der Welt wächst rasch, und in zwei Jahrzehnten
kann damit gerechnet werden, daß Zwei drittel der Weltbevölkerung - oder
noch mehr - in Asien, Afrika und Lateinamerika leben werden.
Wir möchten, daß jedes Kind ein gewünschtes Kind ist, und wir sind
uns darüber im klaren, daß drei von fünf Kindern in der Entwicklungswelt
nicht in den Genuß der für eine gesunde Ernährung benötigten Dinge
kommen- und daß nahezu Zweidrittel der Bevölkerung in der dritten Welt
keinen Zugang zu trinkbarem Wasser hat.
Diese Varhältnisse sowie andere Bedingungen sind eine Beleidigung
für das Gewissen der Menschheit.
Denn die Menschenrechte, an die wir zutiefst glauben, umfassen nicht
nur das Recht, frei zu sein und keine Mißhandlungen seitens der Regierung
erdulden zu müssen, sondern auch das Recht auf eine faire Chance für ein
anständiges Leben.
In unserer Welt sind die Früchte des Wachstums sehr ungleich verteilt.
Unter den Völkern und auch innerhalb der einzelnen Länder gibt es Reichtum
neben größter Armut und bitterem Leid.
Reiche und arme Länder sollten gleichermaßen einer Anhebung des
Mindestlebensstandards der ärmsten unserer Mitmenschen größere Aufmerksamkeit schenken.
Die Vereinigten Staaten werden ihre Anstrengungen intensivieren -

- 9 -

�intensivieren - insbesondere gegenüber solchen Ländern, deren Regierung
sich vor allem der Aufgabe verschrieben hat, den Grunderfordernissen ihrer
Bevölkerung in Bezug auf Gesundheit, Ausbildung und Unterkunft sowie auf
eine Erhöhung der eigenen Nahrungsmittel Produktion nachzukommen.
So werden wir beispielsweise einen Beitrag von mindestens 4,5
Millionen Tonnen Getreide für eine neue Nahrungsmittelhilfe - Konvention
leisten.

Wir unterstützen das international gesetzte Lebenmittel hilfeziel

von zehn Millionen Tonnen, und wir sind bereit, uns anderen Nationen
bei der Steigerung dier"&gt;r Menge anzuschließen - insbesondere in Zeiten
ernster Nahrungsmittelknappheit.
Was n M r die politischen Freiheiten anbetrifft, die ebenfalls Teil
der grundsätzlichen Menschenrechte sind, so sind wir der Überzeugung,
daß die Demokratie das beste System zur Verwirklichung dieses Zieles
bietet und daß die internationale Gemeinschaft eine besondere Verantwortung
dafür trägt, jene Länder zu unterstützen, die dabei sind, demokratische
Verfahren und Institutionen einzurichten.
Es kann keine Frage sein, daß sich die Institutionen, die wir geschaffen haben, einer sich ändernden und vielfältigen Welt anpassen
müssen.
Und das ist unser drittel Ziel.
Die Individualität und die Souveränität der einzelnen Nationen
müssen respektiert werden. Einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer muß entgegengetreten werden.
Ferner muß den massiven und exzessiven Waffenverkäufen Einhalt geboten werden, die mein eigenes Land sowie andere Industrieländer mit
den ärmeren Nationen tätigen, welche unter tiefgreifenden und ungelösten
sozialen und wirtschaftlichen Problemen leiden.
Genauso
- 10 -

�Genauso, wie alle Menschen an den Regierungsentscheidungen teilhaben
sollten, die ihr eigenes Leben berühren, so sollten auch alle Nationen Anteil haben an den internationalen Entscheidungen, die ihr eigenes Wohlergehen betreffen.
Die Vereinigten Staaten sind sehr interessiert, mit Ihnen wie in
der Vergangenheit zusammenzuarbeiten, um eine gerechtere internationale
wirtschaftliche und politische Ordnung zu gestalten.
Sowohl die Industrieländer, -"^ großen Einfluß in Institutionen
wie dem Internationalen Wehrungsfonds und der Weltbank haben, als auch
die Entwicklungsländer, die großen Einfluß in Einrichtungen »'ie der
Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung (UNCTAD)
haben, müssen gemeinsam die Verantwortung für die Öffnung des internationalen Systems für unterschiedliche Meinungen tragen.
Die Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit,
auf der, wie Sie wissen, Venezuela eine so wichtige und wesentliche
Rolle gespielt hat, war ein nützlicher Anfang für den weltweiten Dialog,
den wir suchen. Ein neugeschaffener Ausschuß der Vollversammlung der
Vereinten Nationen wird diese Arbeit fortführen.
Wenn wir uns einer verbeserten internationalen Wirtschaftsordnung
nähern, müssen wir über das Institutionelle hinausdenken und die Auswirkung des Wandels auf das tägliche Leben der Menschen zum Maßstab
nehmen. Wir wissen um unsere unterschiedlichen Auffassungen, aber wir
dürfen nicht zulassen, daß diese uns gegenüber den Problemer und den gewaltigen Chancen, die wir gemeinsam haben, blind machen.
Als ich im tiefen Süden der Vereinigten Staaten aufwuchs, haben wir
die Landwirtschaft in genau der gleichen Weise betrieben wie unsere
Großväter.

Wir sind vor Tagesanbruch aufgestanden und haben mit unseren

- 11 -

�unseren Händen bis Sonnenuntergang gearbeitet.

Wir besaßen keine Trak-

toren und kaum irgendwelche Maschinen, und wenn wir noch so hart arbeiteten,
dann wußten wir oft, daß wir unsere zukünftigen Ernten noch verfeinerten daß der p~ichtum unseres Bodens vom Wind davongetragen oder vom Regen
weggewaschen wurde.
Wenn wir unser Land bebauten, hatten wir keine andere Wahl, als es
weiter zu bebauen und auf den gleichen Feldern zu arbeiten, denn vielen
von uns fehlten einfach die Kenntnisse odpr die Mittel, sie wieder fruchtbar zu machen.

Ich erinnere mich noch an die beinahe unglauMirhe Ver-

änderung, die die Elektrifizierung dem Landleben meiner Kindheit brachte.
Die Elektrizität befreite uns von der ständigen Mühe des Wasserpumpens, des Holzsägens und des Feuermachens in **"' Küche - aber sie
brachte noch mehr, sie brachte uns die Macht, nicht immer wieder die
alten kräftezehrenden Aufgaben zu erfüllen, sondern unsere eigene Wahl
zu treffen, denn die elektrische Kraft kam durch Kooperative zu uns,
an deren Entscheidungen wir alle beteiligt waren.

Das veränderte unser

Leben.
Farmer begannen sich zu treffen, um örtliche Anliegen und nationale
Angelegenheiten zu besprechen und sich zu entscheiden, wie man Einfluß
auf die Regierung nehmen und mit weit entfernt liegenden Firmen verhandeln könne, die ihren Bedarf lieferten. Ich habe erlebt, wie sich
das Leben auf der Farm in den Zeiten meiner Kindheit durch Energie,
Technologie und Beteiligung an den Entscheidungen, die uns und unsere
Familien betrafen,verändert hat.
Ich kann die unerfüllten Hoffnungen und Wünsche ande^r Völker in
den Entwicklungsländern nach einem Anteil an diesen Segnungen des Lebens
sehr gut verstehen.

Alle Nationen müssen zusammenarbeiter.. "W «Hü

Gültigkeit dieser Ansprüche anzuerkennen - um die Not und die Vielfalt

- 12 -

�Vielfalt der Entwicklungsländer voll in Rechnung zu stellen und die
gemeinsame Beteiligung an den internationalen Entscheidungen zu fördern,
die uns alle berühren.
Ich habe zu Ihnen von den gemeinsamen Verrichtungen gesprochen.
Die Industrieländer müssen langfristiges Kapital zur Verfügung stellen
und Handelsschranken abbauen.

Die Entwicklungsländer müssen die Ver-

pflichtungen übernehmen, die mit einer verantwortlichen Beteiligung an
einer sich entwickelnden Weltwirtschaft verbunden sind.
Echter Fortschritt wird durch spezifische kooperative Maßnahmen
erreic1"'• werden, die auf spezifische Erfordernisse abgestimmt sind nicht durch symbolische Erklärungen der reichen Industriestaaten, die nur
deren gewissen beruhigen sollen, und ebenso wenig dadurch, daß die Entwicklungsländer
erinnern.

mmer wieder an die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit

Wir müssen gemeinsam die Verantwortung für die Lösnng der

Probleme übernehmen - und uns nicht gegenseitig die Schuld an der Mißachtung der Probleme zuschieben.
Ich bin überzeugt, daß Ihr großes Land und das meinige gemeinsam
eine Vision eines internationalen Systems haben, an dem jeder Mensch und
jedes Volk Teil hat - in dem jeder einzelne und jedes Volk die Hoffnung
auf eine bessere Zukunft hat.
Nur in einer solchen Welt kann das Leben für alle Menschen lebenswert sein.
Ich danke Ihnen.

- 13 -

�a

Dokumentation

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT CARTERS IN BRASILIA
- Auszüge -

BRASILIA -(AD) - Präsident Jimmy Carter hat im Verlaufe seines Aufenthaltes in Brasilien am 30. März eine Pressekonferenz abgehalten, auf
der er zu einer Vielzahl von Themen - wie dem neuen Nonproliferationsgesetz der USA, den Menschenrechten, der Lage im Nahen Osten und im
südlichen Afrika und der Inflation - Stellung nahm.
Besonderes Interesse fanden Carters Ausführungen zur NonDroliferation. Die Fragen und Antworten hierzu haben folgenden Wortlaut:
Frage: Herr Präsident, rechnen Sie, nachdem Sie nun ein umfassendes
Nonproliferationsgesetz in Händen haben, damit, daß Sie Brasilien davon
überzeugen können, auf die von Deutschland erworbene Wiederaufbereitungs
und Anreicherungstechnologie zu verzichten? Und was wäre in diesem
Falle das Zuckerbrot, das Sie vor allem anbieten möchten, um die Kraft
Ihrer Argumente in Ihrem Treffen mit Präsident Geisel zu stärken?
Antwort:

Wir unterstützen mit allem Nachdruck das Recht eines

jeden Landes, einen Teil seines Energiebedarfs aus der Kernkraft zu

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�zu beziehen.

Wie Sie wissen, hat unser Land eine führende Rolle bei

der Entwicklung der Atomkraft für friedliche Zwecke übernommen, und wir
würden nichts unternehmen, um zu verhindern, daß dieser Trend sich fortsetzt - sowohl hier in Brasilien als auch in anderen Ländern der Welt.
Unsere eigene Nonproliferationspolitik macht jedoch einen Unterschied zwischen dem Recht eines Landes und den Bedürfnissen eines Landes,
Energie aus Atomkraft zu erzeugen, auf der einen Seite, und einem Recht
des Landes, nukleares Material für Waffenzwecke durch Anreicherungs- oder
Wiederaufbereitungsprozesse zu entwickeln.

Wir haben keine Befugnis,

uns in westdeutsche oder brasilianische Angelegenheiten einzumischen,
und wir wollen das auch nicht.

Aber als Freund beider Länder behalten

wir uns das Recht vor, ihnen gegenüber unsere Meinung zum Ausdruck zu
bringen, daß es gut wäre - und möglich wäre -, einen kompletten Brennstoffzyklus in einem Lande zu haben, ohne daß damit die Fähigkeit verbunden wäre, verbrauchte Brennstoffe aus Kernreaktoren wiederaufzubereiten.
So sind in den letzten 25 Jahren in den Vereinigten Staaten beispielsweise mehrfach größere Investitionen -.Investitionen, die in die
Milliareden Dollar gehen - in Wiederaufbereitungsanlagen gesteckt
worden. Soweit mir bekannt ist - zumindest hinsichtlich der zivilen
Nukleartechnologie - sind alle diese Anlagen als unwirtschaftlich
wieder aufgegeben worden.
•

'

•

Dies ist also ein Unterschied, der zwischen Brasilien und den
Vereinigten Staaten besteht. Das Recht Brasiliens und der Bundesrepublik Deutschland, ihr Abkommen fortzuführen, stellen wir nicht in
Frage, aber wir haben uns das Recht vorbehalten - und auch davon Gebrauch gemacht -, unsere Besorgnisse sowohl gegenüber der brasilianischen
als auch der westdeutschen Regierung zum Ausdruck zu bringen.
Ich glaube

- 2 -

�Ich glaube, ich muß hier sagen, daß die europäischen Länder jetzt
angekündigt haben, in Zukunft Wiederaufbereitungsanlagen von der Liste
ihrer Exportgüter zu steichen.

Das ist uns ein sehr ernstes Anliegen.

Selbstverständlich hat Brasilien angekündigt, daß es keine Absicht
habe, nukleare Sprengstoffe zu erzeugen.
des Vertrages von Tlatololco.

Brasilien ist Signatarstaat

Brasilien hat jedoch den Vorbehalt ge-

macht, daß es sich an diesen Vertrag nur halten werde, wenn auch alle
anderen Länder ihn unterzeichnen.

Und Argentinien, Kuba, Frankreich,

die Sowjetunion, haben den Vertrag von Tlatalolco bisher nicht unterzeichnet.
;

.

•

• .

Wir hoffen sehr, daß sowohl Brasilien als auch andere Länder alle
Anstrengungen machen - wie dies auch von Seiten meines eigenen Landes
geschieht -, um die Weiterverbreitung der Kapazität zur Herstellung
nuklearer Sprengkörper an irgendein Land zu verhindern, das gegenwärtig
noch nicht darüber verfügt.
Frage:

Herr Präsident, und was ist nur

das Zuckerbrot?

Antwort: Wir haben kein besonderes Zuckerbrot anzubieten, außer,
daß wir Ländern - und mit dem neuen Gesetz des Kongresses jetzt weitaus besser voraussagbar - angereichertes Uran zur Verfügung stellen,
das zur Erzeugung von Energie geeignet ist, aber nicht für die Herstellung von Kernsprengstoffen oder für den Erwerb der technologischen
Kenntnisse dafür - und das gilt sowohl für die Verwendung von Uran,
mit dem Brasilien als natürlicherr Rohstoff nicht gesegnet ist, als auch
für Thorium, das wir -*n unserem eigenen Land haben und über das
Brasilien ebenfalls verfügt.
Die neue Thoriun-Technologie ist weitaus sicherer, um Energie zu
erzeugen, ohne auf Plutonium zurückzugreifen.

Kürzlich hat Brasilien -

und, wie ich mei le, in sehr umsichtiger Weise - mit der Bundesrepublik
Deutschland

eit. zusätzliches Abkommen unterzeichnet, das den Weg öffnet

für eine gegenseitige Beratung und die technologische Möglichkeit, Thorium

�Thorium zu verwenden. Aber das Recht Brasiliens und sein Wunsch, über
eine hochtechnische nukleare Energiekapazität zu verfügen, ist etwas,
das wir nicht bestreiten, sondern im Gegenteil sogar gutheißen.
Ich möchte noch einen weiteren Punkt hinzufügen, daß wir nämlich
für alle Länder die klare Notwendigkeit sehen, den Nonproliferations"
vertrag zu unterzeichnen. Wir sind bereits Signatarmacht. Das ist
auch die Sowjetunion, das sind auch die Deutschen, ja die meisten Länder
dieser Welt - und dies,zusammen mit den Sicherheitsmaßnahmen der Internationalen Atomeneryiebehörde, ist innerhalb eines Landes und auch in
der ganzen entwickelten und sich entwickelnden Welt eine Garantif» dafür,
tMI es in dor Zukunft nicht die Tendenz gehen wird, daß anderie Länder
eine Kapazität zur Herstellung nuklearer Sprengkörper entwickeln werden.
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�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978

USA UND AFRIKA: GEMEINSAM IN DIE ZUKUNFT
- Rede von Präsident Carter in Lagos -

LAGOS, NIGERIA - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer programmatischen
Rede im Nationaltheater in der nigerianischen Hauptstadt Lagos am 1. April 1978
die Afrikapolitik seiner Administration deutlich umrissen.

Die vielbeachtete

Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich komme aus einem großen Land, um ein großes Land zu besuchen. Wenn
meine Stimme Worte spricht, dann sind das nicht die Worte einer einzelnen Person, sondern die Worte eines Landes. Es ist kein Zufall, daß ich hier zu dieser Institution komme, wo freie und offene Debatten und Diskussionen zum Erfassen und Begreifen und zu Übereinkommen und damit zur Lösung von Problemen beitragen, die die Menschen von einander getrennt haben.
Es ist kein Zufall, daß ich nach Nigeria komme, um über unser bilaterales
Verhältnis und die Probleme Afrikas zu sprechen. Und es ist kein Zufall, daß
sich unsere Nation jetzt in beispielloser Weise Afrika zugewandt hat - nicht um
Ihnen unsere Dienst anzubieten, sondern um mit Ihnen gemeinsam in die Zukunft
zu gehen, indem wir unsere Stärke und die Ihrige zusammenfassen; indem wir unsere Schwächen korrigieren und Sie die Ihrigen. Und diese Abkehr von dem frühe-

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�früheren Beiseitestehen der Vereinigten Staaten ist keineswegs nur meine
persönliche Zusage, sondern ich repräsentiere das tiefe Gefühl und die tiefen Interessen des ganzen amerikanischen Volkes.
Ich bin stolz und zutiefst bewegt, der erste amerikanische Präsident
zu sein, der Ihrem Lande einen offiziellen Besuch abstattet, und ich bin besonders dankbar für die Herzlichkeit und Großzügigkeit meines Empfangs durch
die Regierung und die Bevölkerung Nigerias.

Ich weiß nicht, wer ihre Arbeit

tut, aber viele Nigerianer säumen die Straßen, um mich und meine Familie willkommen zu heißen, und ich danke Ihnen dafür.
Während meines ersten Jahres als Präsident der Vereinigten Staaten
hatte ich die Freude, eng mit General Obasanjo zusammenzuarbeiten und von ihm
und anderen afrikanischen Führern zu lernen.

Unsere Zusammenarbeit hatte für

mich eine besondere Bedeutung, da Afrika während der letzten 15 Monate einen
so großen Raum in meinen Gedanken eingenommen hat.
•

Unsere Länder haben viel gemeinsam.

Nigeria und die Vereinigten Staaten

sind große und vielfältige Nationen, die danach streben, ihre großen Ressourcen zum Wohle aller ihrer Menschen einzusetzen.

So stehen die Dinge heute,

und so soll es auch in Zukunft bleiben.
•

Die Amerikaner bewundern die Energie, die Klugheit, die harte Arbeit
und den Optimismus des nigerianischen Volkes, denn das sind genau die gleichen
Eigenschaften, die wir in meinem Lande bewundern.
Die nigerianische Regierung hat diese Fähigkeiten in ihren eigenen nationalen Erfolgen und in ihren Bemühungen um weltweiten Frieden und wirtschaftlichen Fortschritt bewiesen - in der Organisation für Afrikanische Einheit,
in den Vereinten Nationen und in anderen Gremien, in denen Nationen nach Gemeinsamkeiten suchen, um ihre Meinungsverschiedenheiten beizulegen und zusammenzuarbeiten.
Wir

- 2 -

�Wir bewundern ferner die humane und schöpferische Weise, in der Nigeria
eine Zeit der inneren Spaltung in Ihrer eigenen Geschichte liberwunden hat.
Mit Hilfe öffentlicher Aussprache und weitreichender Planung schaffen Sie eine
demokratische Zukunft für ein neues "Ein-Nigeria", und wir sind dankbar und
freudig erregt über diese Aussicht.

Unsere freundschaftlichen Bande gehen viele Jahre zurück.

Die ersten

nigerianischen Studenten kamen im 19. Jahrhundert nach den Vereinigten Staaten.
Ihr erster Präsident, Nnamdi Azikiwe, studierte in unserem Lande.

Als er sich

an der Lincoln-Universität bewarb, schrieb er, er glaube an "Erziehung zum
Dienen und an Dienen an der Menschheit".

Zehntausende junger Nigerianer sind ihm nach Amerika gefolgt, um sich
selbst zum Dienste hier in Ihrem Lande vorzubereiten.

Viele sind oder werden

Lehrer, die Ihnen helfen werden, Ihr Ziel der allgemeinen Grundschulbildung
zu erreichen.

Wir in den Vereinigten Staaten können auch von Ihnen lernen.

Denn auch wir werden durch unsere Bindungen und unser Erbe in Afrika bereichert,
so wie wir hoffen, zur Verwirklichung der afrikanischen Hoffnungen und Wünsche
beitragen zu können.

Unsere Nationen und unsere Kontinente sind durch starke Bande miteinander verbunden, die wir aus unserer Geschichte geerbt haben.

Uns sind auch drei Verpflichtungen hinsichtlich der Zukunft Afrikas gemeinsam:
- Wir teilen mit Ihnen eine Verpflichtung zur Mehrheitsherrschaft und
den Menschenrechten des einzelnen.
- Wir teilen mit Ihnen eine Verpflichtung zum wirtschaftlichen Wachstum
und der menschlichen Entwicklung, um die Grundforderungen der Menschen zu erfüllen.
- Wir teilen mit Ihnen eine Verpflichtung zu einem Afrika, das in Frieden
lebt, frei vom Kolonialismus, frei vom Rassismus, frei von militärischer Einmischung durch fremde Staaten und frei von den unvermeidlichen Konflikten, die

- 3 -

�die entstehen können, wenn die Integrität nationaler Grenzen nicht geachtet
wird.
Das sind die Dinge, die wir gemeinsam haben.
Diese drei Verpflichtungen bestimmen unsere Haltung gegenüber Ihrem
Kontinent.
Sie gehören zu den führenden Staaten in den internationalen Bemühungen,
die Grundsätze der Mehrheitsherrschaft und der Rechte des einzelnen im südlichen
Afrika zu verwirklichen.
Im vorigen Jahr haben wir mit Ihrer Regierung und den anderen sogenannten
Frontstaaten eng zusammengearbeitet in dem Streben, diese Ziele in Namibia und
Rhodesien zu erreichen.
Unsere Bemühungen sind jetzt in eine kritische Phase getreten.
Was Namibia betrifft, so hat es einen gewissen Fortschritt gegeben, da
die Beteiligung eine gewisse Flexibilität zeigen. Es ist wichtig, daß jetzt
eine Schlichtung erreicht wird. Gerade in der vorigen Woche haben wir und die
anderen westlichen Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen den
streitenden Parteien unsere Vorschläge für ein international akzeptables übereinkommen auf der Grundlage freier Wahlen übermittelt.
Diese Vorschläge bieten die beste Hoffnung auf eine faire und friedliche
Lösung, die Namibia auf eine mit der Sicherheitsratsresolution 385 übereinstimmende Weise die Unabhängigkeit bringen wird. Keine Gruppe wird auf Kosten
einer anderen bevorzugt. Sie schützen die Rechte aller. Sie sollten ohne
weiteren Verzug angenommen werden.
Die tragische Ermordung von Häuptling Kapuuo sollte nicht zu einer Ära
der Gewalt und der gegenseitigen Beschuldigung führen, sondern zu einer inter-

- 4 -

�international überwachten Wahl der Bevölkerung von Namibia, um eine Führung
zu wählen, die das Land in Frieden einigen und es nicht im Krieg spalten wird.

Was Rhodesien anbetrifft, so haben Großbritannien und die Vereinigten
Staaten einen Plan für eine Lösung vorgelegt, der auf drei Grundprinzipien
beruht:
- erstens, faire und freie Wahlen;
- zweitens, unwiderruflicher Übergang zur echten Mehrheitsherrschaft
und zur Unabhängigkeit; und
- drittens, Achtung der individuellen Rechte aller Bürger eines unabhängigen Simbabwe.

Dieser Plan bietet die beste Grundlage für ein Übereinkommen.

Er hat

die weitgehende Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und der Präsidenten der Frontstaaten, die Simbabwe umgeben.
achtet werden.

Seine Prinzipien müssen ge-

Es kann keinen Zweifel an der Verpflichtung der Vereinigten

Staaten zu diesen Prinzipien oder an unserer Entschlossenheit geben, eine gerechte Lösung zu verfolgen, die eine Waffenruhe und eine international anerkannte legale Regierung bringt.

Die große Aufgabe unserer und Ihrer Diplomatie besteht derzeit darin,
allen Beteiligten zu helfen, sich auf der Grundlage des anglo-amerikanischen
Plans zu finden und auf Gebieten der Übereinstimmung aufzubauen.

Nur eine

faire Lösung, die breite Unterstützung unter den Beteiligten findet, kann von
Dauer sein.

Der Übergang zur Unabhängigkeit eines neuen Simbabwe muß für alle Beteiligten die Möglichkeit sicherstellen, in dem demokratischen Prozeß auf
gleicher Basis konkurrieren zu können.

Der Weg muß unwiderruflich zur Mehr-

heitsherrschaft und in eine Zukunft führen, in der die Rechte eines jeden
Bürgers von Simbabwe ohne Rücksicht auf Stammeszugehörigkeit oder ethnische
Herkunft oder Rasse geschützt sind.

Das ist der Standpunkt unseres Landes.

Und von diesem Standpunkt werden wir nicht abgehen.
Hinsichtlich
- 5 -

�Hinsichtlich Rhodesiens und Namibias ist es höchste Zeit.
ligten müssen sich entscheiden.

Die Betei-

Sie können den Weg der Übereinkunft wählen,

und man wird sich ihrer als Männer des Weitblicks und des Mutes erinnern,
die neue Nationen - in Frieden geboren - geschaffen haben.

Oder sie können

auf ihren starren Standpunkten beharren, die zu neuen politischen Komplikationen führen, neue Konflikte schaffen, neuerliches Blutvergießen hervorrufen
und die Erfüllung ihrer Hoffnungen verzögern werden.
Und ebenso sind wir im Namen der Gerechtigkeit der Überzeugung, daß
die Gesellschaft in Südafrika schrittweise und friedlich und mit garantierter Achtung der Rechte aller verwandelt werden sollte und kann.

Wir haben

Südafrika klargemacht, daß die Natur unserer Beziehungen davon abhängen wird,
ob es zu einem Fortschritt in der vollen Beteiligung aller seiner Einwohner
an jedem Aspekt des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens der Nation
und zu einer Beendigung der Diskriminierung, zu einem Ende der Apartheid auf
der Basis der Rasse oder der ethnischen Herkunft kommt.

Auch von dieser

Überzeugung lassen wir nicht ab.
Ich bin in einer Gesellschaft aufgewachsen, die darum kämpft, zur Eintracht zwischen den Rassen durch Gerechtigkeit gegenüber den Rassen zu gelangen. Wenn schon unsere Probleme unterschiedlicher Art sind, so weiß ich doch,
daß ein Fortschritt am besten erreicht werden kann, wenn die Entschlossenheit,
Unrecht durch Recht zu ersetzen, Hand in Hand geht mit der Einsicht, daß das
Gefangengehaltenwerden durch die Ungerechtigkeit genauso die Priviligierten
wie die Machtlosen betrifft.
Daher glaube ich, daß wir unsere Entschlossenheit, für die Rechte der
Unterdrückten in Südafrika einzutreten, mit der Bereitschaft verbinden sollten, der weißen Minderheit unsere Hand entgegenzustrecken, wenn sie sich dazu
entschließt, ihre Gesellschaftsform umzugestalten und mit der Apartheid und
den verheerenden Bürden vergangener Ungerechtigkeiten Schluß zu machen.
Ich bin auch überzeugt, daß ein Fortschritt erzielt werden kann.

- 6 -

Wie

�Wie Andrew Young hier in Lagos im August vergangenen Jahres erklärte, ist
es keinesfalls naiv, den Glauben an Zukunftsträume zu haben, wenn wir bereit
sind, für die Verwirklichung solcher Träume zu arbeiten.
Unsere Sorge um die Menschenrechte erstreckt sich über diesen Kontinent
und über die ganze Welt.

Welches immer auch die Ideologie, die Macht oder

Rasse einer Regierung sein mag, die die Rechte ihres Volkes mißachtet, wir
treten einer solchen Mißachtung entgegen.
Wir Amerikaner begrüßen den realen Fortschritt in bezug auf die Menschenrechte, wie er in vielen Ländern - in Afrika wie in anderen Regionen - erzielt
wird.
So waren wir Amerikaner besonders ermutigt, als eine afrikanische
Gruppe in der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in diesem Jahr
die Forderung erhob, sich mit den Oppressionspraktiken von zweien ihrer eigenen Mitgliedsstaaten zu befassen.
Wir sind auch ermutigt durch die Entwicklung zu einer Demokratie, wie
sie sich in vielen Staaten vollzieht. Nigeria ist dafür ein hervorragendes
Beispiel. Die freien und fairen Wahlen, die Sie im vergangenen Jahr durchgeführt haben, lassen keinen Zweifel daran, daß Ihre Regierung an ihrem Entschluß festhält, bis zum Jahre 1979 eine zivile Regierungsform zu schaffen.
Das wird eine Inspiration für alle die in der Welt sein, die die Demokratie
und die Freiheit lieben. Wir beglückwünschen Sie zu diesem Entschluß. Natürlich muß jedes Land die Instrumente der Demokratie so gestalten, daß sie
seinen besonderen Bedürfnissen entsprechen - ein Prozeß, der jetzt durch
Ihre verfassunggebende Versammlung zum Abschluß gebracht wird.
Die Grundelemente sind:

Beteiligung der einzelnen an den Entscheidungen,

die ihr Leben betreffen; Achtung vor den bürgerlichen Freiheitsrechten durch
die Herrschaft des Gesetzes und dadurch Schutz der Würde aller Männer und
Frauen.
Wo
- 7 -

�•

Wo immer diese fundamentalen Prinzipien in Geltung stehen, kann eine
Regierung sich den notwendigen Veränderungen anpassen, ohne daran zu zerbrechen, und ein Volk kann solche Änderungen fordern, ohne zerbrochen zu
werden.
Diese Prinzipien sind eine Notwendigkeit für jede Demokratie - und sie
halten auch die Entwicklung in Gang.

Denn in einer Demokratie kann das Volk

selbst am besten sicherstellen, daß seine Regierung seine wirtschaftlichen
Rechte und auch seine politischen und bürgerlichen Freiheiten fördern wird.
Es ist meine Überzeugung - und wie ich weiß auch die Ihre -, daß ein jeder
das Recht auf Erziehung, auf Gesundheitsfürsorge, auf ausreichende Ernährung,
Wohnung und Arbeit hat.

Dieses sind die Grundlagen, auf denen Männer und

Frauen ein besseres Leben aufbauen können.
Das ist das zweite große Ziel, das die Vereinigten Staaten und Nigeria
gemeinsam haben:

die durch einen fairen und gerechten wirtschaftlichen Fort-

schritt ermöglichte menschliche Entwicklung.
Mein Land ist bereit, seinen fairen Anteil an der Förderung der afrikanischen Entwicklung zu übernehmen, einmal, weil es in unserem eigenen Interesse liegt, und zum anderen, weil es recht ist,
Mehr und mehr hängt das wirtschaftliche Wohlergehen der Amerikaner von
dem Wachstum der Entwicklungsländer hier in Afrika und in anderen Teilen der
Welt ab. Ein gutes Beispiel ist unsere Beziehung zu Nigeria, die gekennzeichnet ist durch die Achtung vor der Unabhängigkeit des anderen und die wachsende
Einsicht in unsere Interdependenz. Nigeria ist der zweitgrößte Rohöl 1ieferant
der Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten bilden den größten Absatzmarkt für das nigerianische öl und bilden damit die größte Einnahmequelle, die
für die dynamischen Projekte der Wirtschaftsentwicklung Nigerias von so entscheidender Bedeutung i$t. Aber der Umfang unseres Handels geht weit über
das Erdöl hinaus. Dieser wachsende Handel dient den Interessen unserer beiden
Länder. Wenn wir nigerianische Produkte kaufen, so tragen wir zur Entwicklung
Nigerias bei, aber wenn wir nicht auch mit unserer Technologie und unserer Pro-

�Produktionskapazität Ihr Partner werden können, muß unsere eigene Wirtschaftstätigkeit sich verlangsamen, amerikanische Arbeiter verlieren ihre Stellung
und der sich daraus ergebende wirtschaftliche Rückschlag bedeutet, daß wir
weniger von Ihnen kaufen können.
Eine finanzielle Unterstützung der Entwicklungsländer liegt daher in unserem eigenen Interesse, weil eine Welt von prosperierenden und sich weiterentwickelnden Wirtschaften eine Welt ist, in der auch Amerikas Wirtschaft gedeihen und blühen kann.
Wir erhöhen unsere bilaterale Entwicklungshilfe für Afrika, und bei meiner Rückkehr nach Washington werde ich dem Kongreß empfehlen, daß die Vereinigten Staaten 125 Millionen Dollar zur zweiten Aufstockung des Afrikanischen
Entwicklungsfonds beitragen.
Ich freue mich ferner, bekanntgeben zu können, daß ich kurz vor meiner
Abreise aus Washington unser Pionierkorps ermächtigt habe, seine Beteiligung
an der umfassenden Entwicklung des Niger-Fluß-Systems anzubieten, wie Sie ersucht hatten.
Wir räumen der Zusammenarbeit in den internationalen Bemühungen zur Verbesserung der Gesundheit auf der ganzen Welt neue Priorität ein. Wir möchten
gerne mit Ihnen zusammen prüfen, wie wir am besten mit Nigeria und den anderen
Nationen in Afrika zusammenarbeiten können, um mit den tödlichen und verstümmelnden Krankheiten fertig zu werden, die diesen Kontinent noch immer
heimsuchen.
Vor drei Tagen habe ich in Caracas in Venezuela über unsere Verpflichtung zum internationalen wirtschaftlichen Wachstum und zur internationalen
wirtschaftlichen Gerechtigkeit gesprochen.
uns gegeneinander fair verhalten.

Wir alle können gewinnen, wenn wir

Nigeria hat nach diesem Grundsatz gehandelt,

indem es bei der Aushandlung der Konvention von Lome und der Geburt der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten mithalf.
Alle
- 9 -

�Alle Nationen können nach diesem Grundsatz handeln, indem sie den Welthandel zunehmend freier und fairer gestalten.

Privatinvestitionen können un-

ter Vereinbarungen, die sowohl den Investoren als auch den Gastländern wie
dem Ihrigen nützlich sind, hilfreich sein, und die gemeinsame Nutzung von Technologie kann einen wesentlichen Unterschied bedeuten.

Wir sind besonders er-

freut, daß Nigeria so viele seiner jungen Menschen zur Ausbildung auf der mittleren technischen Ebene nach den Vereinigten Staaten schickt.
Wir brauchen faire internationale Abkommen über solche Fragen, wie die
Stabilisierung der Rohstoffpreise, die Schaffung eines gemeinsamen Fonds und
die Erleichterung der Schuldenlast für die ärmsten Nationen.
Jede Regierung hat die Verpflichtung, die wirtschaftliche Gerechtigkeit
innerhalb ihres eigenen Landes und auch unter den Ländern zu fördern.

Die

amerikanische Entwicklungshilfe wird in zunehmendem Maße in jene Gebiete gehen,
wo sie den größten Beitrag zu den wirtschaftlichen Rechten der Armen leisten
kann.
-

Der Fortschritt in der wirtschaftlichen Entwicklung erfordert, daß wir
auch unser drittes Ziel verfolgen, das wir wiederum mit Ihnen gemeinsam haben
- ein friedliches Afrika, frei von militärischer Intervention.

Denn wirtschaft-

licher Fortschritt läßt sich am besten in Zeiten des Friedens erreichen.

Die

Afrikaner selbst können am besten friedliche Antworten auf afrikanische Streitfragen finden - durch die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) und, wenn
notwendig, mit Hilfe der Vereinten Nationen.
Wir unterstützen Ihre Anstrengungen zur Stärkung der friedensstiftenden Rolle der Organisation für Afrikanische Einheit, und wir sind wie Nigeria
von den praktischen Beiträgen überzeugt, die die Vereinten Nationen leisten
können.
Friedenskorps der Vereinten Nationen spielen bereits eine entscheidende
Rolle im Nahen Osten.

Sie können dazu beitragen, in Namibia und Simbabwe Un-

- 10 -

�Unabhängigkeit und Mehrheitsherrschaft zu bringen.
vention

Die militärische Inter-

fremder Mächte oder ihrer stellvertretenden Helfershelfer in solchen

Streitfällen lassen lokale Konflikte nur zu oft noch komplizierter und gefährlicher werden und öffnen die Tür für eine neue Form der Beherrschung oder des
Kolonialismus.
te.

Wir sind gegen eine solche Intervention durch fremde Streitkräf-

Wir dürfen nicht zulassen, daß Rivalitäten der Großmächte unserer Hoffnun-

gen auf ein Afrika in Frieden zerstören.
Das ist einer der Gründe, warum wir die führende Rolle Nigerias begrüßen, wenn es darum geht, friedliche Lösungen für solche Tragödien wie den
kürzlichen Kampf zwischen Äthiopien und Somalia am Hörn von Afrika zu finden.
Wir sind besorgt, daß ausländische Truppen bereits innerhalb Äthiopiens
militärische Aktionen gegen die Eritreer planen, die nur zu weit größerem
Blutvergießen unter diesen unglücklichen Menschen führen werden. Obwohl ich
weiterhin sorgfältig darauf achten werde, daß unsere Freunde nicht in eine
nachteilige Position versetzt werden, so arbeite ich doch daran, unsere Rolle
als Waffenlieferant einzuschränken, und wir appellieren an andere, eine ähnliche Zurückhaltung zu zeigen. Wir ziehen es vor, gute Beziehungen zu Afrika
und andere Nationen durch Werke des Friedens und nicht des Krieges anzustreben. Der Beitrag Amerikas wird dem Leben und der Entwicklung und nicht dem
Tod oder der Zerstörung gelten.
Ganz offen gesagt, die militärische Zurückhaltung Außenstehender kann
am besten zustandegebracht werden, wenn alle Nationen, einschließlich jener,
die Waffen kaufen, aktiv eine solche Zurückhaltung anstreben.

Wir würden frei-

willige regionale Abkommen unter afrikanischen Führern zur Verringerung der
Waffenkäufe als einen großen Schritt zum Frieden und weg von der wirtschaftlichen Benachteiligung der Armen begrüßen und unterstützen, wenn sie das so
dringend benötigte Geld nehmen, um den Menschen ein besseres Leben zu geben,
statt Waffen zu kaufen, um Leben zu nehmen.
Ich habe heute nachmittag über viele Dinge gesprochen, aber auf die

- 11 -

�die eine oder andere Weise habe ich immer wieder über den Wandel in der
Welt gesprochen, an dem wir alle teilhaben.
Manchmal werden wir ungeduldig oder zynisch hinsichtlich dieses Wandels
und glauben, er gehe zu langsam vor sich oder vielleicht überhaupt nicht.
Ich bin mit sozialem Wandel vertraut.
Zu meinen eigenen Lebzeiten habe ich in meiner Geburtsregion, dem Süden
der Vereinigten Staaten, den Wandel erlebt - den Wandel von Armut und Verzweiflung und rassischer Spaltung zu einem Land großer Versprechungen und
Möglichkeiten und wachsender rassischer Harmonie.
Ich habe die sich auftürmenden Mauern zwischen den Rassen Stein um Stein
abgebaut gesehen, bis sich die Weißen und Schwarzen meines Landes darüber hinweg einander die Hand reichen konnten.
Ich weiß, daß unsere Gesellschaft anders ist als jede andere, und ich
weiß auch, daß wir in den Vereinigten Staaten noch viel zu tun haben.
Aber nichts kann meinen Glauben daran erschüttern, daß in allen Teilen
der Welt der friedliche Wandel eintreten und das Leben der Menschen segnen kann.
Nichts kann mich daran zweifeln lassen, daß dieser Kontinent seinen Kampf
um die Freiheit gewinnen wird:
- Freiheit von Rassismus und der Verweigerung der Menschenrechte;
- Freiheit von Not und Leiden; und
- Freiheit von den Zerstörungen des Krieges und ausländischer Intervention.
Nigeria ist eine große und einflußreiche Nation, eine regionale und
internationale Führungsmacht.
Wir
•

- 12 -

�Wir stehen Ihnen in Ihrer Arbeit zur Seite.

Wir wissen, daß Afrikaner

immer die Führung übernehmen werden, wenn es um die Gestaltung des Schicksals
ihrer eigenen Menschen geht.

Und wir wissen, daß dieser Kontinent sich der Befreiung erfreuen wird,
die für jene kommen wird, die rassische Spaltung und Ungerechtigkeit hinter
sich lassen.

Ich glaube, daß dieser Tag für Afrika kommen wird.

Und an diesem Tage

werden Schwarze und Weiße in gleicher Weise in der Lage sein, mit den Worten
eines großen Mannes meines eigenen Landes, Dr. Martin Luther King, zu sagen:
"Endlich frei, endlich frei, großer allmächtiger Gott, wir sind endlich frei."

- 13 -

�3

1

i

I

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978

USA FÜR STÄRKERE BEMÜHUNGEN UM KONVENTIONELLE ABRÜSTUNG

WASHINGTON - (AD) - Nach Ansicht der Vereinigten Staaten sollte die
Genfer Abrüstungskonferenz dem Problem der konventionellen Waffen breiteren
Raum geben, ohne sich deshalb von den Bemühungen um eine Verminderung der
Gefahr eines Nuklearkrieges ablenken zu lassen.
Diese Überzeugung vertrat der Leiter der amerikanischen Verhandlungsdelegation, Paul C. Warnke, in einer Rede vor der Genfer Konferenz am 21.
März 1978, wobei er unterstrich, daß die Vereinigten Staaten die Bemühungen
auf dem Gebiet der nuklearen Abrüstung mit aller Entschlossenheit fortführen
würden, sie jedoch in Zusammenhang mit einer umfassenderen Abrüstung gestellt zu sehen wünschen.
Die Rede Warnkes fiel zeitlich mit der Vertagung der zwischen der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten geführten Verhandlungen
über ein umfassendes Atomwaffentest-Verbot zusammen. Diese Verhandlungen
werden am 19. April wieder aufgenommen und sollen zu einem entsprechenden
Vertragsentwurf führen, der dann der Konferenz des Abrüstungskomitees, an
der 30 Staaten beteiligt sind, vorgelegt wird.
Warnke,

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Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�Warnke, der auch Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle
und Abrüstung (ACDA) ist, erklärte in seiner Rede unter anderem:
"Seit Jahren hat sich die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft - und besonders auch dieses Abrüstungskomitees - in erster Linie auf die Gefahren
konzentriert, die sich durch die Kernwaffen sowie andere Waffen der Massenvernichtung ergeben.

Angesichts der Konsequenzen, die die Anwendung solcher

Waffen für die Zukunft unserer menschlichen Zivilisation haben würden, ist
dies nur allzu verständlich.

Wir dürfen jedoch nicht die Tatsache aus den

Augen verlieren, daß der Einsatz solcher Waffen höchstwahrscheinlich das Resultat einer Eskalation eines militärischen Konfliktes wäre, der mit konventionellen Waffen begonnen hat.
Der Aufbau von mit konventionellen Waffen ausgerüsteten Streitkräften
bringt sehr ernsthafte Gefahren mit sich.

Blicken wir uns in der Welt um, so

sehen wir viele Länder, die Waffen von immer höherem technischen Entwicklungsstand in solchen Mengen erwerben, daß sie in vielen Fällen weit über ihre legitimen Bedürfnisse hinaus liegen.
Gefahr eines lokalen Konfliktes.

Dadurch erhöht sich natürlich gewaltig die
Die Entwicklungen, deren Zeuge wir in den

verschiedensten Teilen der Welt waren und von denen einige sich erst in jüngster Zeit abspielten, zeigen, daß es sich hier um eine sehr reale Gefahr handelt.
Die Vereinigten Staaten als einer der Hauptliferanten für konventionelle
Waffen haben ein sehr starkes Interesse an dem Problem einer Einschränkung
der Lieferung von konventionellen Waffen in der ganzen Welt bekundet. Die
Verantwortung für die Eindämmung dieser sich in die Breite erstreckenden Waffenlieferungen kann jedoch nicht allein bei den Lieferländern liegen. Sie erfordert vielmehr ebenso eine klare und entschlossene Haltung seitens der
Empfänger.
Man hört viel von den ungeheuren Mitteln, die von den NuklearwaffenStaaten im nuklearen Wettrüsten vertan werden.

- 2 -

Unserer Ansicht nach aber

�aber sollte noch viel mehr über die massive Abzweigung von Ressourcen gesagt und getan werden, die für den Erwerb immer größerer Mengen von konventionellen Waffen erfolgt - Ressourcen, die genutzt werden sollten, um für die
Menschen auf der Welt ein besseres Leben zu ermöglichen.
Nach Ansicht der Vereinigten Staaten ist es von größter Wichtigkeit,
daß die jetzt auf dem Gebiet der nuklearen Abrüstung gemachten Anstrengungen - die die Vereinigten Staaten mit beharrlicher Entschlossenheit zu verfolgen gewillt sind - in Zusammenarbeit mit umfassenderen Abrüstungsbemühungen gestellt werden.

Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die-

ses Komitee - ohne sich von seinen auf eine Verringerung der Gefahren eines
Nuklearkrieges gerichteten Bemühungen ablenken zu lassen - seine Kräfte auch
für die Lösung des Problems der Rüstung mit konventionellen Waffen einsetzen
kann und einsetzen sollte."

+ + + + +

- 3 -

�5. April 1978

PRÄSIDENT CARTER KÜNDIGT NEUES PROGRAMM ZUR STÄDTESANIERUNG AN
über 8 Millarden Dollar aus Bundesmitteln vorgesehen
- von unserer Korrespondentin Bonnie Potter -

WASHINGTON - (AD) - Die Regierung Carter hat Ende März vorgeschlagen,
die Erneuerung der amerikanischen Städte zum ersten Mal in der Geschichte
des Landes zu einem der Brennpunkte der Regierungspolitik zu machen.
"Die direkte Mitwirkung der Bundesregierung in der Pestaltung der
städtebaulichen Entwicklung basierte bisher auf einer Schaukelpolitik,"
erklärte der Präsident vor einer Versammlung von Gouverneuren, hohen
Beamten der Einzel Staaten und Bürgermeistern zahlreicher Städte am 27.
März. Die Zeit ist gekommen, betonte er, "diesen abrupten Sprüngen in
dieser Politik ein Ende zu bereiten," und statt dessen "eine langfristige
und umfassende Städtebaupolitik" einzuleiten.
Die von Präsident Carter umrissenen Vorschläge sehen die Bereitstellung von 8,2 Milliarden Dollar vor, die den Städten, der Geschäftswelt und freiwilligen Bürgerorganisationen zur Verfügung gestellt werden
sollen, um auf diese Weise neue Arbeitsplätze zu schaffen und gleichzeitig die Voraussetzung für die Renovierung von Altbauten, die Verbesserung

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Verbesserung und Modernisierung '.er Nahverkehrsmittel, der sozialen
Dienste, der Museen und ärmerer Frei Zeiteinrichtungen zu ermöglichen.
Ein Teil der Mittel soll auch für die Verschönerung und Verbesserung
der städtischen Umwelt verwendet werden.
Die Regierung hofft, daß diese 8,2 Milliarden Dollar als eine Art
Katalysator wirken und zu einem Vielfachen an Neuinvestitionen von privater Seite anregen werden, die die großen Belastungen der Städte
mindern helfen: durch Schaffung neuer Arbeitsplätze in großer Zahl und
gleichzeitige Stärkung der Steuerbasis der Kommunen.
Rund 70 Prozent aller Amerikaner wohnen heute in Städten.

Die

Vereinigten Staaten sind mithi: mit Fug und Recht als ein Land mit
vorwiegender städtischer Bevölkerung anzusehen.

Seit Anfang der 50er

Jahre allerdings ist ein Trend zum Wegzug aus der City der großen Städte
zu beobachten: die Bevölkerungsziffern der Inneren Städte zeigen eine
•fallende Tendenz.

Viele Geschäftsleute verlegen ihre Tätigkeit in die

Vc^städte, wo sie weniger Steuern zahlen, und viele Arbeitssuchende
feigen ihnen mit ihren Familien auf ihrem Zug, um die von ihnen angebotenen Arbeitsplätze einzunehmen

"nd in den Genuß der offeneren Be-

siedlung, der modernen Wohnmöglichkeiten und besseren Schulen zu gelangen.
Zurück bleiben vornehmlich Familien der unteren Einkommensklassen.
Für diese müssen die Städte mehr für Dienstleistungen aufbringen, als
sie zum Steueraufkommen beitragen.

Die Folge ist, daß sich die Finanz-

lage, die Wohnmöglichkeiten und die Dienstleistungen der Städte laufend
verschlechtern und die Kriminalität steigt.
Diese Faktoren werden nach Angaben des Ministeriums für Wohnungsbau und Städteplanung gelegentlich durch Maßnahmen des Bundes und der
Einzelstaaten noch verstärkt. Die Bundesgesetzgebung fördert die Verlagerung von Arbeitsplätzen und damit auch die Flucht von Städtebewohnern

- 2 -

�Städtebewohnern aus der City in die Vorstädte - beispielsweise durch die
Gewährung von Anreizen zum Bau von Wohngebäuden in Suburbia, den Vorstädten.
Die Schaffung eines Netzes von Bundesautobahnen mit einer Gesamtlänge
von über 67000 Kilometern war ebenfalls ganz dazu angetan, c^e Entwicklung von Satellitenstädten vor den Toren der Innenstädte zu brünstigen.
Die Einzelstaaten wiederum haben die Finanzlage der Städte vielfach durch
ihre Steuergesetzgebung noch erheblich verschlimmert.
Nach Angaben von Patricia Harris, der Ministerin für Städteplanung
und Wohnungsbau, sollen die Politik der Bundes, der Einzel Staaten und
der Gemeinden enger miteinander verknüpft werden. So soll eine interministerielle Arbeitsgruppe unter Führung von Mitarbeitern des Weißen
Hauses alle wichtigeren neuen Gesetze und Vorschriften der Bundesregierung im Lichte ihrer möglichen Auswirkungen auf die städtischen Wohngebiete untersuchen. Alle einschlägigen neuen Gesetzesvorschläge sollen
von einer "Analyse der Auswirkungen auf die Kommunen" begleitet sein.
Dieses Programm der "neuen Partnerschaft" schließt die nachstehend
aufgeführten Schritte und Maßnahmen ein:
- Steuererleichterungen für Firmen, die langfristig Arbeitslose
einstellen - was in etwa auf eine Subventionierung der Löhne hinausläuft - und zusätzliche Steuergutschriften für Firmen, die Betriebe in
notleidende Wohngebiete verlagern oder dort gelegene alte Werksanlagen
modernisieren.
- Schaffung einer "Nationalen Entwicklungsbank" zur Absicherung
von niedrigverzinslichen Krediten an Unternehmen, die sich in städtischen
oder ländlichen Gebieten mit hohen Arbeitslosenraten niederlassen.
- Aufstellung eine? mit einer Milliarde Dollar dotierteil Programms
zur Renovierung öffentlicher Gebäude, Parkanlagen und Wohngebiete durch

- 3 -

�durch Kontraktfirmen, die sich bereitfinden, 50 Prozent der benötigten
Arbeitskräfte aus den Reihen der langfristig Arbeitslosen zu rekrutieren.
- Die Bereitstellung von weiteren 200 Millionen Dollar im Jahr
für den Bau von Nahverkehrsstrecken, Fußgängertunnels- und Oberwegen.
- Die Bereitstellung von 5 Millionen Dollar für die Ausweitung der
Gesundheitsbetreuung der Armen in den S'.ädten und von weiteren 50
Millionen Dollar zur Finanzieurng von sozialen Diensten wie Kindertagesstätten und Altenpflege.
- Die Aufstellung eines Programms "Lebenswerte Stadt", in dessen
Rahmen Kunstveranstaltungen, die Pflege städtischer Parkanlagen und
Freizeitmaßnahmen vom Bund bezuschußt werden können.
- Die Bereitstellung von 150 Millionen Dollar für direkte Kredite
an Hausbesitzer, die ihren Besitz instandzusetzen wünschen.
.

Um in den Genuß solcher Bundeszuschüsse zu gelangen, müssen die
Städte detaillierte Pläne vorlegen und den Nachweis erbringen, auf
welche Weise cie vorgesehenen Programme den Armen helfen beziehungsweise
der Abwanderung des Mittelstandes aus den Innenstädten entgegenwirken.
Die Bundesregierung ist bereit, jedem Einzelstaat bis zu 200 Millionen
Dollar zur Durchführung von Plänen zur Verfügung zu stellen, die geeignet
scheinen, der weiterer Expansion der Städte und der Verschlechterung
ihrer Finanzlage Einhalt zu gebieten.
Um die Privatwirtschaft für die Sanierung der Städte zu int°rer,sieren,
wäre die Regierung bereit, ein Versuchsprogramm zur Errichtung von "Nachbarschaftszentren für kommerzielle Reinvestitionen" zu starten. 7 ur
Mitarbeit in diesen Zentren würden Geschäftsleute und Bewohner des ent- '
sprechenden Stadtbezirks, Angehörige der Stadtverwaltung und Lokalbanken

�Lokalbanken aufgefordert, die bereit sind, Kredite für ortsansässige
Unternehmen bereitzustellen.
Die Regierung wäre auch bereit, 15 Millionen Dollar an Stadtbezirke und freiwillige Organisationen zu vergeben, die sich an der Durchführung von Wohnungsbau- und Städtesanierungsmaßnahmen beteiligen.
Diese Organisationen müßten ihre Dienste Angehörigen der unteren bis
mittleren Einkommensgruppen anbieten und durch ortsansässige Bürger
kontrolliert werden. Die Regierung würde in diesem Falle ein
Städtisches Freiwilligenkorps errichten - dem Friedenskcrps vergleichbar, das den freiwilligen Bürgerorganisationen bei der Durchführung
von Bezirkssanierungsprogrammen und sonstigen Maßnahmen zur Verbesserung
der Lebensverhältnisse helfend zur Seite stehen soll.
Ein großer Teil der vorgeschlagenen Maßnahmen ließe sich durch
einfache Verwaltungsanordnungen oder durch Ausweitung der Vollmachten
für bestehende Programme verwirklichen; die neuen Elemente des Gesamtprogramms - beispielsweise die Errichtung einer städtebaulichen Entwicklungsbank und die Gewährung von Lohnbeihilfen - dagegen bedürfen
der Billigung des Kongresses.

Es ist damit zu rechnen, oaß dieser

Präsident Carters Vorschläge eingehend prüfen und eventuell auch eigene
Prioritäten festsetzen wird.

Das Verfahren wäre im wesentlichen das

gleiche, das der Kongress im Falle des Energie- und des Sozialreformprogramms des Präsidenten angewandt hat.
Einige der jüngsten gesellschaftlichen Trends kommen den Initiativen
des Präsidenten entgegen: Jugendliche Angehörige der Akademischen Berufe wenden sich wieder verstärkt den städtischen Lebensbereichen zu,
was den Anstoß zur Erneuerung heruntergewirtschafteter Wohngebiete bietet;
der Rückgang der Geburten- und Eheschließungsraten treibt den Anteil der
kinderlosen Ehepaare und der Unverheirateten in die Höhe, die kaum
willens sind, in die "orstädte fbiuwandern; und die steigenden Energiepreise bieten einen weiteren Anreiz zum Verbleib in der City, wo der Aufwand für Heizung und Verkehr weit niedriger liegt als in Suburbia.
- 5 -

�5. April 1978

9

SPACELAB - BEGEHRTE EXPERIMENTIERSTATION
Warteliste für Flüge mit dem Raumtransporter

- (AD) - John W. Young, 47, Chef der Astronauten am Johnson-Raumfahrtzentrum in Houston, Texas, wird zusammen mit Fregattenkapitän Robert L.
Crippen, 40, seit 1969 Mitglied des amerikanischen Astronautenteams, den
ersten Testflug mit dem wiederverwendbaren Raumtransporter (Space Shuttle)
in einer Erdumlaufbahn unternehmen.

Als Termin ist Juni 1979 vorgesehen.

Kommandant Young führte im April 1972 APOLLO 16 zum Mond und war im Mai
1969 beim Flug APOLLO 10 dabei, als Raumschiff und Mondfähre zum ersten
Mal in Mondnähe getrennt erprobt wurden;

zuvor hatte er an den Flügen

GEMINI 3 (1965) und 10 (1966) teilgenommen.

Crippen besitzt noch keine Welt-

raumerfahrung.
Um das Flugverhalten des Raumtransporters zu prüfen und die technischen
Ausrüstungen sowie die wissenschaftlichen Instrumente, die in erster Linie
im Weltraumlabor (Spacelab) zusammengefaßt sind, gründlich zu erproben, sind
sechs Testflüge in Erdumlaufbahnen geplant. Anschließend wird der Routinebetrieb aufgenommen.
Im Oktober 1979 werden Space-Shuttle-Piloten ein Rendezvous mit SKYLAB
versuchen, um mittels Fernsteuerung ein Antriebsaggregat am "Himmelslabor" an-

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�anzubringen.

Dieser Motor soll es ermöglichen, die seit 1974 verlassene

Raumstation in eine höhere Umlaufbahn zu katapultieren.

SKYLAB verliert

schneller an Höhe, als ursprünglich vorausberechnet wurde, sodaß zwischen
März und November 1979 mit dem Absturz gerechnet werden müßte.

Ein Korrek-

turmanöver im April 1978 - die Vorbereitungen zur Aktivierung der Lagesteuerungsdüsen begannen im März und sind erfolgreich beendet - soll die
Fluglage so verändern, daß der 85-Tonnen-Koloß weniger stark als bisher von
den Gravitationskräften beeinflußt wird.

Man hofft, auf diese Weise Zeit

zu gewinnen, bis ein Rendezvous möglich wird, oder um das Himmelslabor wenigstens so steuern zu können, daß bei einem Absturz die Trümmer nicht auf
bewohnte Gebiete, sondern ins Meer fallen.
Erst mit dem Rendezvous wird sich zeigen, ob SKYLAB in eine höhere Umluafbahn zu befördern ist, ja vielleicht sogar in Verbindung mit späteren
Space-Shuttle-Einsätzen wieder genutzt werden kann. Das Problem der unterschiedlichen Gas- und Druckverhältnisse in den Fluggeräten (beide haben
zwar Mischgasatmosphäre, jedoch setzt sich die SKYLAB-Atmosphäre bei 0,3 at
Druck aus 72 Prozent Sauerstoff und 24-28 Prozent Stickstoff zusammen, während dieses Verhältnis in den Kabinen von Space Shuttle und Spacelab umgekehrt ist und der Druck dem auf der Erdoberfläche in Meereshöhe entspricht)
ließe sich durch das Zwischenschalten einer Schleuse lösen. Beim Treffen
der Raumschiffe APOLLO und SOJUS im Jahr 1975 mußten ähnliche Hindernisse
überwunden werden. Dabei hat sich die in den USA konstruierte Druck- und
Gasschleuse bestens bewährt.
Für die nächsten Jahre ausgebucht
Für den Raumtransporter nimmt die NASA gegenwärtig Vorbestellungen auf
Experimente an, die bei Flügen in den Jahren 1982 und 83 durchgeführt werden
sollen. Wie ehester M. Lee, der Leiter der NASA-Abteilung für Nutzlast-Programme und Einsatztermine, kürzlich bekanntgab, haben für diese Zeit die
ESA (Europäische Weltraumbehörde), Kanada und Indien gebucht, die Bundesregierung Deutschland und der Iran haben bereits Anzahlungen geleistet. Auch

- 2 -

�Auch Japan hat für 1983 ein größeres Projekt.
Lee berichtete vor 400 Wissenschaftlern und Ingenieuren aus den USA,
der Bundesrepublik, England, Frankreich, Indien, Italien, Japan und Kanada,
die zum "Goddard Memorial Symposium" über die internationale Anwendung von
Raumtransporter und Weltraumlabor vom 7. - 10. März 1978 nach Washington gekommen waren.

Hauptthema war das Weltraumlabor (Spacelab) der Europäischen

Weltraumbehörde ESA, ein 400 Milliönen-Dollar-Projekt, das die Bundesrepublik
als ESA-Mitglied mit mehr als der Hälfte des Betrages finanziert.

Spacelab

wird im Frachtraum des Raumtransporters untergebracht und ist so ausgerüstet,
daß mit Instrumenten und technischen Apparaturen Untersuchungen und Experimente z.B. zur Fernerkundung der Erde, auf den Gebieten Astronomie und Astrophysik, Chemie der Sonne und der Erdatmosphäre, aus Biologie und Medizin und
schließlich zur Fabrikation im Weltraum möglich werden.
Die mehrmonatigen Tests mit dem ersten Raumlabor, das an Bord des
Space Shuttle Nr. 102 im Dezember 1980 in den Orbit gebracht werden soll,
sind zur vollen Zufriedenheit von NASA und ESA ausgefallen, so daß jetzt für
die Fertigung in Bremen "grünes Licht" gegeben wurde. Mehr als 220 Wissenschaftler aus den USA, Dänemark, Belgien, der Bundesrepublik Deutschland,
Frankreich, England, Italien, Indien, Japan, Kanada, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Spanien werden mit Experimenten vertreten sein.
"Mission Specialists" an Bord sorgen dafür, daß die nach ihrer Thematik höchst
unterschiedlichen wissenschaftlichen Aufgaben sachgerecht erledigt und, wenn
notwendig und möglich, den praktischen Gegebenheiten angepaßt werden. Es
wird u.a. ein Fernsteuerungsgerät der Kanadier erprobt, mit dem z.B. im Orbit
Satelliten abgesetzt oder eingeholt und Außenarbeiten durchgeführt werden.
Mit bemerkenswerte^ Engagement wird sich Indien an den RaumtransporterFlügen beteiligen.

Innerhalb der nächsten fünf Jahre will das Land 550 Mil-

lionen Dollar auf dem Raumfahrtsektor investieren - mehr als in den vergangenen 15 Jahren zusammen.

Indische Wissenschaftler sind beim ersten Spacelab-

Einsatz mit zwei Experimenten vertreten.

Außerdem soll "INSAT", ein indischer

�indischer Nachrichtensatellit, abgesetzt werden.
Spacelab 2, dessen Start für April 1981 vorgesehen ist, wird Experimente
von 47 amerikanischen und 12 englischen Wissenschaftlern an Bord haben.

Die

Raumfahrtinstitutionen der USA, der europäischen und einiger anderer interessierter Länder sind bemüht, die wirtschaftliche und bequeme Beförderung von wartungsfrei arbeitenden schweren Forschungsgeräten oder Satelliten in den Weltraum optimal zu nutzen.

So versprechen sich Astrophysiker in Europa und den

USA eine Fülle neuer Erkenntnisse durch den Einsatz eines Teleskops mit einem
Spiegel von 2,4 m Durchmesser, das als Kernstück eines 10 Tonnen schweren Observatoriums im Dezember 1983 mit dem Space Shuttle in eine Umlaufbahn in
500 km Höhe gebracht werden soll.
Obgleich das Teleskop ferngesteuert von der Erde aus betrieben wird, ist
eine Wartung im Weltraum durch Astronauten oder ein Zurückholen für Reparaturarbeiten auf der Erde samt Rückbeförderung in den Weltraum möglich. Die aktive Lebensdauer für dieses Instrument, mit dem 45 amerikanische und europäische,
in scharfem Wettbewerb von der NASA ausgesuchte Forscher arbeiten werden,
dürfte 12 - 15 Jahre betragen. Die Wissenschaftler sind überzeugt, damit
Räume bzw. Objekte im Universum zu erreichen, die 15 bis 20 Millionen Lichtjahre entfernt sind. Sie hoffen u.a., Sterne auch außerhalb unseres Milchstraßensystems zu erfassen, die Energie auf den Wellenlängen von Röntgenlicht
abstrahlen - beispielsweise Neutronensterne und Weiße Zwerge, wie man sie
innerhalb unserer Galaxie beobachtet, und schließlich auch die umstrittenen
"Schwarzen Löcher" und ihre kaum wahrnehmbaren Begleitsterne. Auch die erfahrensten Astrophysiker vermochten mit erdgebundenen, stationären Observatorien bisher in anderen Galaxien nur die hellsten Sterne zu erfassen. Mit Hilfe
des Weltraumteleskops hoffen,sie die Leuchtkraft und Chemie auch schwach leuchtender extragalaktischer Sterne untersuchen und sich ein Bild davon machen zu
können, woraus denn der "Durchschnittsstern" besteht. Ein gemeinsames Ziel
aller beteiligten Wissenschaftler formuliert Prof. Bruce Margon (Universität
Kalifornien, Los Angeles) folgendermaßen: "Wir können die Geburt junger Sterne

- 4 -

�Sterne sehen, aber niemals die Geburt junger Galaxien.

Mit dem Teleskop

jenseits der Erdatmosphäre hoffen wir, die Bildung neuer Galaxien beobachten
und sogar Aussagen über das Alter der heute bekannten galaktischen Systeme
machen zu können."

- 5 -

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1
I

Wi//cn/ch&lt;ift
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5. April 1978

WETTERWACHT DURCH SATELLITEN WIRD VERSTÄRKT
USA starten sechs neue Geräte in sieben Monaten

- (AD) - Den Wettersatelliten ist es zu verdanken, daß in den letzten
Jahren Warnungen vor Wirbelstürmen meinst rechtzeitig genug kamen, um die Bewohner gefährdeter Gebiete vor Schaden an Leib und Leben zu bewahren.

Seit

dem Start von TIROS I im Jahr 1960 schickten die Vereinigten Staaten 38
"Wetterwarten" in den Weltraum, die, technisch immer mehr verbessert, weltweit meteorologische Meßdaten sammeln.

Sie helfen, die wetterbildenden Fak-

toren besser zu erfassen und zu verstehen und genauere Vorhersagen zu machen.
In Fotos von der Tag- und Nachtseite der Erde werden tagtäglich die Bewegungen und die Bildung von Wolkenfeldern überwacht, über Infrarotsensoren Temperaturen bis zum Boden und an der Meeresoberfläche gemessen.

Wissenschaftler

und Praktiker der verschiedensten Fachgebiete - Meteorologen, Landwirte,
Piloten, Schiffskapitäne, Fischer - und nicht zuletzt der "Mann auf der Straße"
profitieren von der Fülle von Daten, die die Wettersatelliten übermitteln.
Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA will jetzt das meteorologische
Beobachtungsnetz noch wesentlich verdichten. Von April bis Oktober 1978 werden weitere sechs meteorologische Satelliten gestartet, von denen drei speziell
der Forschung dienen, die anderen drei hunderte von Empfangsstationen auf der

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�i

der Erde routinemäßig mit den täglichen neuen Informationen über meteorologische'
Daten versorgen.

Zu den letztgenannten gehören TIROS N und NOAA 6 als die ersten

von acht Geräten der "dritten Generation"

von Wetterbeobachtungssatelliten,

die auf polarer Umlaufbahn in 850 km Höhe um die Erde kreisen, sowie GOES 3
auf stationärer Bahn in 36 350 km Höhe, wo der Satellit von der Erde aus gesehen fest am Himmel verankert scheint.
Die neuen Hochleistungssatelliten messen und registrieren beispielsweise
auf 1° Celsius genau Temperaturen von der Erdoberfläche bis in 32 km Höhe,
also bis in die Stratosphäre hinein - und dies am Tage und in der Nacht, bei
bedecktem und klarem Himmel.
chung noch 3° Celsius).
in der Atmosphäre.

(Bei den älteren Systemen beträgt die Abwei-

Sie messen den Wassergehalt im Boden, in Wolken und

Ein von englischen Wissenschaftlern beigesteuertes In-

strument, die sog. Stratosphärensonde, registriert Temperaturen, die nicht
nur für das Wettergeschehen, sondern auch für chemische Reaktionen in der Luft
von Bedeutung sind, durch die Ozon abgebaut wird.
Alle diese Daten werden durch Messungen ergänzt, die mit Hilfe von
Ballonen, Flugzeugen, Bojen, Schiffen oder kleinen stationären Plattformen
in abgelegenen Gebieten der Erde gesammelt und via Satellit zu meteorologischen Zentren gefunkt werden. Die kleinen Meßwarten registrieren beispielsweise örtliche Erdbeben, Windgeschwindigkeit, Niederschlag, Wasserspiegel
und Hochwasser, Strömungen und Temperaturen für Vergleiche mit Beobachtungsdaten, die Satelliten zur Erde melden. Jeder der beiden neuen Wettersatelliten
kann Informationen von 2000 Plattformen gleichzeitig bzw. von 10 000 Plattformen während eines Erdumlaufs sammeln. Dieses DatensammelSystem wurde in
Frankreich entwickelt, das auch für die Datenverarbeitung und die Verteilung
der Informationen verantwortlich ist.
Bodenstationen rund um die Erde können nach wie vor ihre APT-Geräte
benutzen, um die von den neuen Satelliten übermittelten Wetterbilder aufzunehmen.

Um jedoch die neuen Fotos mit sehr viel höherer Bildauflösung zu

empfangen, ist eine neuentwickelte Apparatur erforderlich, "Local User

- 2 -

�User Terminal" genannt.

Die Satelliten senden 1,33 Millionen Informations-

einheiten (Bits) pro Sekunde, haben also im Vergleich zu den bisher benutzten
Geräten die doppelte Leistung.
Der Wetterbeobachtungssatellit GOES hat bereits vier Vorläufer in dem
1974 begonnenen Programm.

Bei den Wissenschaftlern der US-Behörde für Meeres-

und Atmosphärenforschung (NOAA) gelten sie als das "wichtigste Instrument für
die Weiterentwicklung der Tropenmeteorologie seit der Erfindung des Radar".
Die Sturmvorhersagen wurden dank der von ihnen gelieferten Informationen in
vielen Ländern geradezu revolutioniert.

Wo jedoch das Nachrichtennetz im

Lande unzulänglich ist und Katastropheneinsatzpläne fehlen, fordern schwere
Stürme noch immer viele Opfer.
Drei amerikanische GOES-Geräte und geostationäre Satelliten der ESA
(Europäische Weltraumbehörde) sowie Japans werden ab Dezember 1978 in einem
internationalen Großexperiment eingesetzt, bei dem ein Jahr lang die meteorologischen Messungen zu Lande, auf See und in der Luft für Simultanbeobachtungen rund um den Erdball weltweit koordiniert werden. Wissenschaftler aus
64 Ländern werden sich daran beteiligen.
NIMBUS 7, in erster Linie Forschungsgerät, ist das letzte seiner Serie.
Es ist mit Instrumenten ausgerüstet, die Untersuchungen zur Luftverschmutzung,
für Aufgaben der Ozeanographie, zum Wettergeschehen und Klima erlauben. Die
Vorläufer NIMBUS 5 und 6 lieferten mit ihren Wärmemessungen auf der Tag- und
Nachtseite und durch Wolken hindurch den Beweis, daß die tropischen Meere
80 Prozent der Wärme, die sie täglich von der Sonne aufnehmen, wieder abgeben. Diese Wärme ist die treibende Kraft allen Wettergeschehens. Messungen amerikanischer Forscher haben ferner gezeigt, daß z.B. die Atmosphäre
über der Wüste Sahara eine negative Wärmebilanz hat: Die Reflexion des Bodens führt in Verbindung mit den atmosphärischen Gegebenheiten dazu, daß die
Atmosphäre mehr Wärme abstrahlt als zurückhält.

Bei

�Bei den zwei übrigen wissenschaftlichen Wettersatelliten handelt es sich
um das HCMM-Gerät zur kontinuierlichen Erfassung der Wärmekapazität an der
Erdoberfläche. Dem Verfahren liegt das Prinzip zugrunde, daß jedes Objekt
bzw. jeder Stoff an der Oberfläche seinen physikalischen Eigenschaften entsprechend Sonnenwärme auf eine für ihn typische Weise zurückhält oder abgibt.
Der Satellit ergänzt mit seinen Beobachtungen die Wärmemeßdaten des Fernerkundungssatelliten LANDSAT 3, der am 5. März 1978 gestartet wurde; u.a. ist
beabsichtigt, Verschmutzung von Wasser, Schneebedeckung, heiße Quellen und
Quellen für geothermale Energie ausfindig zu machen.
Der Satellit SEASAT schließlich, der ebenfalls die LANDSAT- und Wettersatellitendaten ergänzt, mißt mittels Radar physikalische Merkmale, die anderweitig nicht zu erfassen sind - z.B. das sich ständig ändernde Aussehen der
Meeresoberfläche, Wellenhöhen, Strömungsbewegungen, Wirbel und Gezeiten. Er
könnte der globalen Wetterforschung neue Dimensionen geben.

+ + + + +

.

.

�</text>
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                <text>Amerikadienst 05.04.1978</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters vor Beginn seiner zweiten Weltreise&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter fordert Zusammenarbeit zwischen Entwicklungsländer und Industrieländern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Präsidenten vor dem venezolanischen Parlament -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Carters in Brasilia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA und Afrika: Gemeinsam in die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Präsident Carter in Lagos -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA für stärkere Bemühungen um konventionelle Abrüstung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter kündigt neues Programm zur Städtesanierung an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- über 8 Milliarden Dollar aus Bundesmitteln vorgesehen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von unserer Korrespondentin Bonnie Potter -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Spacelab - begehrte Experimentierstation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Warteliste für Flüge mit dem Raumtransporter -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wetterwacht durch Satelliten wird verstärkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA starten sechs neue Geräte in sieben &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Monaten&lt;/em&gt; -</text>
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I
I

3

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. April 1978

10

INHALT

DOKUMENTATION
Carter schiebt Produktion der Neutronenwaffe auf
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten Präsident Carter ruft zum Kampf gegen die Inflation auf
- Rede vom 11. April 1978 Vance legt Standpunkt zu Rüstungskontrollfragen dar
- Rede des US-Außenministers vom 10. April 1978 HINTERGRUNDMATERIAL
20 Jahre Wissenschaftsausschuss der NATO
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Verbesserte Fernerkundung aus dem Weltraum
- LANDSAT 3 mit neuem Infrarot-Scanner für Landwirtschaft, Gewässerbeobachtung, Boden- und Gesteinsforschung Neue Warnung vor Laetril

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation
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Embassy of the United States of America

10

19. April 1978

CARTER SCHIEBT PRODUKTION DER NEUTRONENWAFFE AUF
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON -(AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 7. April 1978
seinen Entschluß bekanntgegeben, die Entscheidung über die Produktion
der Waffe mit verstärkter Strahlenwirkung - Neutronenwaffe - auf unbestimmte Zeit aufzuschieben. Er hat dabei die Option einer späteren
Dislozierung dieser Waffe offengelassen, falls die Sowjetunion in ihren
konventionellen und nuklearen Rüstungsprogrammen keine Zurückhaltung
zeigen werde.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich habe beschlossen, die Produktion von Waffen mit verstärkter
Strahlenwirkung aufzuschieben.

Die endgültige Entscheidung hinsichtlich

der Einführung von Mitteln der verstärkten Strahlung bei unseren modernisierten Gefechtsfeldwaffen wird später getroffen und davon beeinflußt
werden, in welchem Ausmaß die Sowjetunion ir ihren konventionellen und
nuklearen Rüstungsprogrammen und Streitkräftedislozierungen, die die

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�die Sicherheit der Vereinigten Staaten und Westeuropas berühren, Zurückhaltung zeigt.
Dementsprechend habe ich das Verteidigungsministerium angewiesen,
mit der Modernisierung des Lance-Raketen-Gefechtskopfes und des 8 InchWaffensystems fortzufahren, um die Option für die Einführung des Elements
der verstärkten Strahlung offenzuhalten.
Die Vereinigten Staaten konsultieren ihre Partner im Nordatlantischen
Bündnis in dieser Entscheidung und werden weiterhin mit ihnen über angemessene Rüstungskontrollmaßnahmen sprechen, die mit der Sowjetunion verfolgt werden sollen.
Wir werden weiterhin mit unseren Verbündeten in der Modernisierung
und Stärkung unserer militärischen Kapazität auf konventionellem und
nuklearem Gebiet voranschreiten.
Wir sind entschlossen, alles Notwendige zu tun, um die kollektive Sicherheit und die Vorneverteidigung
Europas zu gewährleisten.

.

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�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. April 1978

10

PRÄSIDENT CARTER RUFT ZUM KAMPF GEGEN DIE INFLATION AUF
- Rede vom 11. April 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy

Carter hat am 11. April 1978 in

einer Rede vor dem amerikanischen Zeitungsverlegerverband zu einer energischen
Bekämpfung der Inflation in den USA aufgerufen und Zurückhaltung bei der Lohnund Preisgestaltung gefordert.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In den letzten 15 Monaten haben wir in den Vereinigten Staaten gute
Fortschritte bei der Aufrechterhaltung des Wachstums und der Schaffung von
Arbeitsplätzen gemacht. Heute sind 4,5 Millionen Menschen mehr in Arbeit als
noch vor 15 Monaten, eine beispiellose Erhöhung der verfügbaren Arbeitsplätze.
Die Arbeitslosenrate ist von beinahe 8 Prozent auf etwas über 6 Prozent zurückgegangen. Das durchschnittliche Einkommen pro Haushalt liegt - nach Abzug von Steuern und inflationsbereinigt - heute um 5 Prozent höher als vor
einem Jahr. Unternehmergewinne waren im zweiten Halbjahr 1977 um 15 Prozent
höher als ein Jahr zuvor, und in dieser Zeit im Jahre 1977 konnte die Inflation auf einem tragbaren und voraussagbaren Stand gehalten werden.
Aber

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Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�4

*

Aber zu viele Amerikaner - vor allem junge Menschen und Angehörige von
Minderheitengruppen - sind noch ohne Arbeit.

Ich bin entschlossen, den Fort-

schritt unserer Wirtschaft zu einem hohen Beschäftigungsstand und steigendem
Realeinkommen mit Hilfe bestehender Programme und neuen, sehr sorgfältig gezielten Anreizen für die Privatwirtschaft fortzusetzen, um diese zur Einstellung langfristig Arbeitsloser zu ermutigen.
Wir haben noch andere wirtschaftliche Probleme, die uns ständig tiefe
Sorge bereiten.
Die wirtschaftliche Gesundheit unserer Nation kann nur geschützt werden,
wenn wir mit den beiden Entwicklungen ins reine kommen können, die sie jetzt
am stärksten bedrohen - der hohe Stand der ölimporte und die steigende Inflationsrate.
4

Diese beiden Probleme gefährden unseren wirtschaftlichen Wiederaufschwung

und bedrohen die Stärke des Dollar.

Beide Entwicklungen müssen wir in den

Griff bekommen.
Die Schritte, die wir unternehmen werden, sind Teil einer größeren internationalen Bemühung der wichtigen Industriestaaten, den Weltaufschwung im
Jahre 1978 zu fördern. Bei dieser Anstrengung hat jedes Land eine bestimmte
Rolle zu spielen - wobei die Vereinigten Staaten ihr Wachstum aufrechterhalten und gleichzeitig die Inflation bekämpfen und die ölimporte einschränken
und andere Länder die Wachstumsziele anstreben, die wir erreicht haben, und
alle Länder sich vor dem Protektionismus hüten und den Entwicklungsländern
größere Hilfe leisten. In der Hoffnung, daß dieses konzertierte Vorgehen
einen großen Beitrag zum Wiederaufschwung der Welt leisten wird, habe ich mich
gestern den Führern sechs anderer Nationen angeschlossen und bekanntgegeben,
daß wir am 16. und 17. Juli in Bonn zusammenkommen werden, um unsere gemeinsamen Anstrengungen voranzutreiben.
Aber

- 2 -

�Aber das erste Erfordernis ist jedoch ein wirksames Handeln im eigenen
Lande.

Der Hauptgrund für unsere Probleme mit der Handelsbilanz und dem sinkenden
Wert des Dollar ist kein Geheimnis.

Vor zehn Jahren bezahlten wir rund 2 Mil-

liarden Dollar pro Jahr für Importöl.

Dieses Jahr werden uns unsere öleinfuhren

über 45 Milliarden Dollar kosten.

Unsere Energieprobleme sind keine theoretischen oder potentiellen Probleme mehr.

Sie sind eine aktive Bedrohung des wirtschaftlichen Wohlergehens

unseres Volkes.

Von allen wichtigen Ländern der Welt sind die Vereinigten Staaten das
einzige, das keine nationale Energiepolitik hat.

Und weil der Kongreß nichts

tut, beginnen andere Länder an unserem Willen zu zweifeln.

Dollarbesitzer in

der ganzen Welt haben unser Versagen, zu handeln, als ein Zeichen wirtschaftlicher Schwäche betrachtet, und diese Auffassungen haben sich direkt in eine
Abwertung unserer Währung umgesetzt.

Der fallende Dollar auf den internationalen Devisenmärkten macht die Inflation hier im eigenen Lande noch schlimmer.

Der Preis für Güter, die wir

importieren, geht in die Höhe, und das erleichtert es den einheimischen Produzenten, ebenfalls ihre Preise zu erhöhen, da keine Konkurrenz vorhanden ist.

Darum brauchen wir ohne jede weitere Verzögerung eine bedeutungsvolle
Energiegesetzgebung.
braucht sie.

Davon hängt unsere Sicherheit ab, und unsere Wirtschaft

Wenn der Kongreß nicht handelt, dann werden die öleinfuhren durch

administrative Maßnahmen im Rahmen der bestehenden Gesetze eingeschränkt werden müssen, und das ist sicherlich nicht die wünschenswerteste Lösung.

So

oder so, die ölimporte müssen gesenkt werden.

In jüngster Zeit hat unser gesundes und anhaltendes Wirtschaftswachstum
das der meisten anderen Länder übertroffen, die unsere Haupthandelspartner

- 3 -

�*.

Haupthandelspartner sind, so daß wir eher in der Lage waren, ihre Güter zu
kaufen, als sie unsere kaufen konnten.
Unser Lebensstandard und unsere Wachstumsfähigkeit hängen von den Rohstoffen und den Gütern ab, die wir aus anderen Ländern importieren.

Deshalb

müssen wir, wenn wir weitere ernste Handelsdefizite vermeiden wollen, mehr
landwirtschaftliche Erzeugnisse und andere Güter und Dienstleistungen exportieren, um für unsere Einkäufe im Ausland bezahlen zu können.
Eine Arbeitsgruppe auf Kabinettsebene wird unter Leitung des Handelsministers zusätzliche Maßnahmen zur Förderung des Exports entwickeln und innerhalb von 60 Tagen darüber berichten.
Ich möchte jetzt die Maßnahmen erörtern, die getroffen werden müssen, um
das Wirtschaftswachstum unserer Nation sowie die Arbeitsplätze und den Wohlstand
für unser Volk vor der schwerwiegenden Gefahr einer wachsenden Inflation zu
schützen.
Energieeinsparung, Steigerung der Leistungsfähigkeit und Produktivität,
Vermeidung von Verschwendung, Reduzierung der ölimporte und Ausweitung unserer
Exporte werden helfen, die Inflation zu bekämpfen; aber damit der Kampf zu
einem Erfolg wird, wird eine entschlossene Regierungspolitik und volle Kooperation der privaten Seite notwendig sein.
Die Inflation, unter der wir heute leiden, begann schon vor vielen Jahren
und wurde im Jahre 1973 und 1974 verstärkt durch die Vervierfachung der OPECÖl preise, durch weitverbreitete Ernteausfälle, ungewöhnlich umfangreiche sowjetische Getreideankäufe, beträchtliche Entwertung des Dollar und einen weltweiten industriellen Boom, was zu einer zweistelligen Inflationsrate hier in
den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt führte. Sie hat sich jetzt im
Organismus unserer Wirtschaft eingenistet. Sie hat selbst der schwersten Rezession innerhalb einer Generation widerstanden. Sie erhält sich weiter, weil
wir alle - der Geschäftsmann, der Arbeiter, der Farmer, der Verbraucher - in

- 4 -

�in einem Getriebe gefangen sind, das keiner allein stoppen kann.

Jede Gruppe

versucht, ihr Einkommen zu erhöhen, um mit den derzeitigen und den erwarteten
steigenden Kosten Schritt zu halten, und am Ende verlieren wir so alle zusammen den Kampf gegen die Inflation.

Leichte Antworten gibt es hier nicht.

Wir werden mit der Inflation nicht

durch eine Steigerung der Arbeitslosigkeit fertig werden.
keine Lohn- und Preiskontrollen einführen.

Wir werden auch

Wir werden Maßnahmen treffen, die

beide Extreme vermeiden.

Unsere erste und direkteste Anstrengung erfolgt innerhalb der Regierung
selbst.

Wo die Regierung selbst zur Inflation beiträgt, da muß diese Wirkung

verringert werden; wo die Ausgaben der Regierung zu hoch sind, da müssen diese
Ausgaben reduziert werden; wo die Regierung den Unternehmern, den Arbeitenden
und den Verbrauchern eine inflationäre Last aufbürdet, da müssen diese Lasten
erleichtert werden; wo immer die Regierung ein Beispiel für Zurückhaltung und
Effizienz geben kann, da muß sie dies tun.

Das Budget, das ich für das nächste Finanzjahr in Vorschlag gebracht
habe, ist zugleich straff begrenzt und doch imstande, den dringendsten Anforderungen unserer Nation gerecht zu werden.

Das vorauszusehende Defizit

im Budget ist so groß, wie wir es uns leisten können, ohne unsere Hoffnungen
auf ein ausgewogenes Wirtschaftswachstum und eine absinkende Inflationsrate zu
kompromittieren.

Aber wie stets, so entwickelt sich Druck von allen Seiten, um

die Ausgaben zu steigern und das Defizit zu vergrößern.

Potentielle Ausgabensteigerungen im Budget des Finanzjahres 1979, wie
sie jetzt ernsthaft von Kongreßausschüssen erwogen werden, würden die Posten
auf der Ausgabenseite im nächsten Jahr um neun bis dreizehn Milliarden Dollar
erhöhen.

Die Kosten für einige dieser politisch attraktiven Programme würden

sich in künftigen Jahren rapide ausweiten.

Besonders besorgt bin ich hinsicht-

lich der Steuerabschreibung für Ausbildungskosten, der Programme für die Fernund Durchgangsstraßen, der Finanzierung der Postdienste, der Farmgesetzgebung
und der Verteidigungsausgaben.

T

- 5-

.

�Ich werde mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln diesem Druck
widerstehen und die Integrität des Budgets schützen.
Wir müssen unbedingt jede Gelegenheit nutzen, um das Haushaltsdefizit
abzubauen, sicherzustellen, daß das Defizit nach 1979 stetig sinkt und wir uns
einem ausgeglichenen Haushalt nähern.

Ich werde mit dem Kongreß eng zusammen-

arbeiten und, wenn notwendig, von meinem Veto-Recht Gebrauch machen, um das Defizit für den Haushalt 1979 in oder unter den von mir vorgeschlagenen Grenzen
zu halten.
Die Bundesregierung muß ferner direkt handeln, um die Inflation zu
dämpfen.
Vor zwei Monaten schlug ich vor, daß in jedem Industriezweig und in
jedem Sektor unserer Wirtschaft die Lohn- und Preissteigerungen in diesem
Jahr freiwillig wesentlich unter den durchschnittlichen Steigerungen der beiden letzten Jahre gehalten werden - ein wichtiges Prinzip der Verlangsamung.
Ich bin entschlossen, voranzugehen und die Lohn- und Preisspirale zu
durchbrechen, indem die Lohn- und Gehaltserhöhungen beim Bund niedrig gehalten werden. Im vorigen Jahr stiegen die Gehälter der Bundesangestellten um
über 7 Prozent. Ich habe die Absicht, für dieses Jahr eine Höchstgrenze von
etwa 5,5 Prozent vorzuschlagen und damit für Gewerkschaften und Unternehmer
ein Beispiel für eine Mäßigung der Preis- und Lohnerhöhungen zu setzen. Ich
werde in diesem Jahr ferner die Gehälter aller leitenden - von der Regierung
ernannten - Bediensteten der Bundesregierung und der leitenden Mitglieder
meines Stabes einfrieren. Ich meine, daß all jene, die in unserem Lande am
meisten begünstigt sind - einschließlich anderer leitender Bediensteter in
Regierung und Privatwirtschaft - ein ähnliches Beispiel der Zurückhaltung
zeigen sollten.
Einzelstaatliche und kommunale Behörden beschäftigen jeden siebten
Arbeiter in unserem Lande, und ich habe Schreiben an jeden Gouverneur und

- 6 -

�und an die Bürgermeister unserer großen Städte gerichtet und sie aufgefordert,
dem Beispiel der Bundesregierung zu folgen und ihre Lohn- und Gehaltserhöhungen niedrig zu halten.

Ferner habe ich diese Behörden gebeten, daß sie, falls

sie Steuersenkungen planen, zuerst eine Senkung der Verkaufssteuern erwägen,
die den Verbraucher direkt belasten.
Die Bundesregierung wird noch einige weitere Schritte unternehmen, um die
Inflation zu dämpfen:
- Alle Behörden der Exekutive werden den Ankauf von Gütern oder Dienstleistungen vermeiden oder verringern, deren Preise rasch steigen, es sei denn,
dies würde unsere nationale Sicherheit ernsthaft gefährden oder zu schwerer
Arbeitslosigkeit führen. Ich habe ferner darum gebeten, daß alle neuen oder
neu verhandelten Kontrakte des Bundes, die Preiserhöhungsklauseln enthalten,
nach dem Prinzip der Verlangsamung abgeschlossen werden.
- Wir müssen die inflationären Kosten senken, die die Privatindustrie
aufgrund von Regierungsverordnungen tragen muß.
Im vorigen Monat habe ich die unter meiner Aufsicht stehenden verordnungsbevollmächtigten Behörden der Exekutive angewiesen, die negativen wirtschaftlichen Konsequenzen ihrer eigenen Maßnahmen so gering wie möglich zu
halten. Ich bin entschlossen, unnötige Verordnungen abzuschaffen und sicherzustellen, daß künftige Verordnungen der amerikanischen Wirtschaft keine unnötige Kosten aufbürden. Unsere Bemühungen um die Reorganisation der Bundesbürokratie und die Straffung des öffentlichen Dienstes, die entscheidend wichtig sind, werden der Regierung helfen, ihr eigenes Haus in Ordnung zu bringen.
Ich trete für eine befristete Gesetzgebung ein, um zu gewährleisten, daß wir
diese Verordnungsprogramme immer wieder in wenigen Jahren überprüfen und jene
Verordnungen, die überholt geworden sind, abschaffen oder ändern.
Ich appelliere auch an die Haushaitsausschüsse des Kongresses, dem
Kongreß regelmäßig über die inflatorische Wirkung anstehender Gesetze zu be-

- 7 -

�berichten, so wie mir der Wirtschaftsbeirat und der Rat für Lohn- und Preisstabilität heute schon berichten.
- Die vereinten Maßnahmen meiner Administration und der zivilen Luftfahrtbehörde haben bereits zu wesentlichen Senkungen einiger Flugpreise geführt.
Trotz der Opposition privater Interessen muß das Gesetz über die Reform der
Luftfahrtbestimmungen in diesem Jahr verabschiedet werden.

Wir überprüfen

ferner erneut übertriebene Bundesverordnungen für den Fernlastverkehr, - eine
Bemühung, die zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit bei einer Verringerung der
Frachtkosten und Einzelhandelspreise führen könnte.
Darüber hinaus ersuche ich die unabhängigen verordnungsbevollmächtigten
Behörden,an der Dämpfung der Inflation mitzuwirken, wenn sie über Veränderungen
der Raten beraten, und Änderungen der Verordnungen zu prüfen, die die betroffenen Industriezweige leistungsfähiger machen können.
- Im vorigen Herbst wurde ein großes Gesetzeswerk verabschiedet, das die
wirtschaftlichen Bedingungen für Familien in der Landwirtschaft verbessern wird,
und wir haben zusätzliche administrative Maßnahmen bekanntgegeben, um das landwirtschaftliche Einkommen in diesem Jahr zu steigern.
Leider hat der Senat gerade ein Gesetz verabschiedet, das die Nahrungsmittelpreise um 3 Prozent und die gesamten Lebenshaltungskosten um 0,4 Prozent
erhöhen würde, das das Vertrauen in den entscheidend wichtigen Exportmärkten
für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse Amerikas erschüttern, in der Verwaltungsmaschinerie des Landwirtschaftsministeriums ein riesiges Durcheinander
schaffen und amerikanische Farmerfamilien mit erhöhten Kosten belasten würde.
Das Gesetz ist schlecht für die Farmer, es ist schlecht für die Verbraucher
und es ist schlecht für unser Land.
Ich werde mein Veto gegen jede Agrargesetzgebung einlegen, die über das
hinausgeht, was ich bereits empfohlen habe und was zu höheren Nahrungsmittel preisen oder Haushaltsausgaben führen würde.
- Die
- 8 -

�- Die Wohnungsbauraten beliefen sich auf etwa 2 Millionen pro Jahr, und
das hat zu einer

raschen Erhöhung der Kosten geführt - zum Teil aufgrund des

scharfen Anstieges der Preise für Rohstoffe wie Holz.

Da Holz etwa ein Vier-

tel der Kosten eines neuen Hauses ausmacht, können wir hier durch eine erhöhte
Produktion und eine bessere Nutzung unserer verfügbaren Holzmengen etwas Erleichterung schaffen.

Ich habe daher das Landwirtschaftsministerium und das

Innenministerium, den Rat für Umweltschutz und meine Wirtschaftsberater angewiesen, mir innerhalb von 30 Tagen über die besten Mittel und Wege zu berichten, um einen erhöhten Holzeinschlag in Bundes- und Privatwäldern zu ermöglichen,
und über andere Mittel und Wege, um die Holzversorgung in einer Weise zu erhöhen, die für den Umweltschutz akzeptabel, wirtschaftlich effizient und mit
einer gesunden Haushaltspolitik vereinbar wäre.

- Die täglichen Krankenhauskosten haben sich von 15 Dollar im Jahre 1950
auf über 200 Dollar erhöht, und die Honorare der Ärzte sind um 75 Prozent
schneller gestiegen als andere Verbraucherpreise.

Es ist sehr wichtig, daß

der Kongreß jetzt über das vorgeschlagene Krankenhauskostendämpfungsgesetz
als einem der wirksamsten Schritte berät, den wir unternehmen können, um vernünftige Krankenhauskosten zu erreichen.

Wenn der Kongreß das Krankenhaus-

kostendämpfungsgesetz nicht behandelt, dann wird das die Steuerzahler unseres
Landes über 18 Milliarden Dollar an unnützen Regierungsausgaben in den nächsten
fünf Jahren kosten.

Zusammen mit dem Gesetz über die Freigabe von Flugpreisen,

ist dies einer der beiden wichtigsten Gesetze, die der Kongreß verabschieden
kann, um die Inflation zu dämpfen.

Diese Gesetze sind bisher durch die Opposition mächtiger Interessengruppen
verzögert worden.

Ich werde weiterhin voll und ganz hinter diesen Gesetzen

stehen, und ich appelliere an die führenden Mitglieder des Kongresses, das
gleiche zu tun.

Regierungsmaßnahmen, wie ich sie kurz dargelegt habe, können wichtige
Schritte zur Kontrolle der Inflation sein.

Aber es ist ein Märchen, daß die

Regierung selbst allein der Inflation Einhalt gebieten könne.

- 9 -

Erfolg oder

�oder Fehlschlag dieser Gesamtanstrengung wird in großem Ausmaß im Handeln
des Privatsektors der Wirtschaft bestehen.
Ich erwarte von Unternehmern und Gewerkschaften, daß sie Preis- und
Lohnerhöhungen wesentlich unter der durchschnittlichen Zuwachsrate der letzten
beiden Jahre halten.

Dem müssen sich jene anschließen, die Arzthonorare, An-

waltshonorare oder andere Honorare für freie Berufe, Vorlesungsgebühren, Versicherungsprämien und Gebühren für andere Dienstleistungen festlegen.

Das

wird alles nicht leicht sein. Aber das Beispiel der Bundesregierung muß Nachahmer finden.

Das Inflationsproblem kann nicht gelöst werden, indem man die

Last der Inflationsbekämpfung nur einigen wenigen auferlegt.
Der Rat für Lohn- und Preisstabilität hat kürzlich eine Reihe von Zusammenkünften mit Unternehmern und Gewerkschaftsvertretern wichtiger Industriezweige wie Stahl, Automobile, Aluminium, Papier, Eisenbahn, Lebensmittelverarbeitung, Holz und Post- und Fernmeldewesen eingeleitet.

In Konsultation mit

dem Privatsektor und anderen wird der Rat feststellen, mit welcher Rate Preise,
Löhne und andere Kosten in den letzten Jahren gestiegen sind, wie die Aussichten für das kommende Jahr stehen und welche Schritte unternommen werden können,
um die Inflation zu dämpfen.
Ich möchte in diesem Punkt ganz offen sein. Ich bitte den amerikanischen
Arbeiter, dem Beispiel der Arbeiter beim Bund zu folgen und eine niedrigere
Lohnzuwachsrate zu akzeptieren. Dafür haben sie ein Recht, eine vergleichbare
Zurückhaltung bei den Preiserhöhungen für die Güter- und Dienstleistungen zu
erwarten, die sie kaufen. Unser nationales Interesse kann einfach keine unvernünftigen Lohn- und Preiserhöhungen ertragen. Ich bin verpflichtet, klar
und deutlich zu reden, wenn es um das Wohlergehen unseres Volkes geht.
Mitglieder meiner Regierung haben dieses Verlangsamungsprogramm bereits
mit einer Reihe führender Vertreter der Gewerkschaften, der Unternehmer und
der Industrie erörtert. Viele von diesen haben bereits ihre Mitarbeit zugesagt. Ich rechne damit, später mit führenden Vertretern der Unternehmen und

- 10 -

�und Gewerkschaften zusammentreffen, um über die Beiträge zu sprechen, die
dieseleisten können, um zur Senkung der Inflationsrate beizutragen.

Einer

der wichtigsten Beiträge, die sie leisten können, ist der, daß sie zeigen,
daß Zurückhaltung für alle gilt - nicht nur für die Männer und Frauen am Fließband, sondern auch für die Manager in der Firmenleitung.

So, wie ich die Ge-

hälter der obersten leitenden Bediensteten der Bundesregierung einfrieren werde,
so wird das amerikanische Volk eine ähnliche Zurückhaltung bei den führenden
Vertretern der amerikanischen Unternehmen und Gewerkschaften erwarten.

Ich bin entschlossen, die ganze Macht meines Amtes für das Ziel einer
Senkung der Inflation einzusetzen.

Wir müssen flexibel genug an die Dinge

herangehen, um uns auf die Schwankungen in unserer komplexen Wirtschaft einstellen zu können, - aber wir müssen die Dinge umfassend genug anpacken, um
die meisten Tätigkeiten unserer Wirtschaft zu erfassen.

Auf lange Sicht sollten wir spezielle Programme ausarbeiten, um auf einzelne Sektoren der Wirtschaft einzuwirken, wo Regierungsmaßnahmen die größtmögliche Wirkung im Sinne der Inflationsdämpfung haben.

Dazu gehören Wohnungs-

bau, Gesundheitsfürsorge, Ernährung, Verkehr, Energie und die Metallindustrie.
Die Mitglieder meines Kabinetts werden einzeln und auch zusammen mit dem Rat
für Lohn- und Preisstabilität arbeiten, um baldige Maßnahmen zur Verringerung
der Inflation innerhalb ihrer eigenen Zuständigkeitsgebiete zu entwickeln und
bekanntzugeben.

Um unsere Verlangsamungsziele auf dem privaten Sektor zu erreichen, ersuche ich meinen Sonderbeauftragten für HandelsVerhandlungen, Robert Strauss,
zusätzliche Aufgaben als Sonderberater für Inflationsfragen zu übernehmen.

Er

wird direkt mit mir, mit Finanzminister Blumenthal, meinem obersten Finanzsprecher, mit Charlie Schultze, dem Vorsitzenden des Rates für Lohn- und Preisstabilität, und dessen Direktor Barry Bosworth

zusammenarbeiten.

Er wird

Sondervollmachten haben, im öffentlichen Interesse für mich zu sprechen, und
er wird als Mitglied dem Steuerungsausschuß der wirtschaftspolitischen Gruppe
unter dem Vorsitz von Finanzminister Blumenthal angehören.
Die
- 11 -

�Die Senkung der Inflationsrate wird nicht leicht sein und nicht von
heute auf morgen erreicht werden.

Wir müssen uns selbst eingestehen, daß

wir mit dieser Herausforderung niemals fertig werden können, wenn wir uns
nicht einigen unangenehmen Tatsachen über uns selbst, über die Lösungen und
über unsere Probleme stellen.
• •

l

Die Probleme dieser Generation sind in gewisser Weise schwieriger als
jene der vorigen Generation.

Wir stehen vor keiner scharf zugespitzten Krise

oder Bedrohung, die uns unsere Meinungsverschiedenheiten vergessen lassen
und uns zur Verteidigung des gemeinsamen Guten zusammenführen könnte.
Wir wollen alle, daß etwas zur Lösung unserer Probleme getan wird außer natürlich, wenn uns die Lösungen selbst berühren.

Wir wollen Energie

einsparen - aber unsere verschwenderischen Gewohnheiten nicht ändern.
treten für Opfer ein - solange jemand anders sie zuerst bringt.

Wir

Wir wollen

Lücken in der Steuergesetzgebung schließen - es sei denn, es ist unsere
Lücke.

Wir verurteilen Sonderinteressen - außer unseren eigenen.
Kein Akt des Kongresses, kein Programm unserer Regierung, keine Ver-

ordnung von mir als Präsident kann die Eigenschaft hervorbringen, die wir
brauchen:

Von der Beschäftigung mit uns selbst, die unseren nationalen Wil-

len lähmen kann, zu einer Bereitschaft zu kommen, das gemeinsame Gute zu erkennen und Opfer dafür zu bringen.
Als sich die Nation vor fast 40 Jahren auf die Herausforderung des
Krieges vorbereitete, hat Walter Lippmann folgende Worte an das amerikanische
Volk gerichtet, und ich zitiere:
"Ihr habt die guten Dinge für selbstverständlich gehalten. Jetzt müßt
ihr sie euch erneut verdienen. Es steht geschrieben: Für jedes Recht, das
ihr in Anspruch nehmt, habt ihr eine Pflicht, die ihr erfüllen müßt. Für
alles Gute, das ihr euch wünscht, ... werdet ihr eure Bequemlichkeit opfern

�opfern müssen.

Es gibt nichts mehr für nichts."

Diese Worte der Ermahnung gelten sicherlich auch heute noch für uns.
Ich danke Ihnen.

- 13 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. April 1978

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VANCE LEGT STANDPUNKT ZU RÜSTUNGSKONTROLLFRAGEN DAR
- Rede des US-Außenministers vom 10. April 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Cyrus Vance hat in einer Rede
vor dem amerikanischen Zeitungsverlegerverband am 10. April 1978 den
Stand der amerikanischen Bemühungen um eine Rüstungskontrolle und Abrüstung aufgezeigt.

Die Rede des amerikanischen Außenministers hat

folgenden Wortlaut:
Ich freue mich über diese Gelegenheit, heute mit Ihnen zusammenzutreffen. Ich möchte mit Ihnen über ein Thema sprechen, das für die
Sicherheit unserer Nation von lebenswichtiger Bedeutung ist - die Bemühung, das gefährliche und kostspielige Wettrüsten durch wirksame
Rüstungskontrolle zu verlangsamen.
Das ist eine Bemühung, von deren Notwendigkeit wir zutiefst überzeugt sind. Meine Jahre im Verteidigungsministerium, meine Tätigkeit
als privater Bürger in der Untersuchung militärischer Fragen und meine
Erfahrung als Außenminister haben mir eine Tatsache immer klarer werden
lassen:

Eine starke Verteidigung und wirksame Rüstungskontrolle sind

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�sind keine getrennten Wege zur nationalen Sicherheit, sondern beides
sind entscheidend wichtige Schritte auf dem gleichen Wege.
Die Sicherheit unserer Nation hängt weiterhin von einer starken
modernen militärischen Verteidigung ab, die in der Lage ist, das ganze
Spektrum unserer militärischen Erfordernisse zu erfüllen.
in der Vergangenheit über diese Stärke verfügt.

Wir haben

Wir besitzen sie heute,

und wir werden sie aufrechterhalten.
Wir können jedoch unsere Sicherheit nicht durch militärische Stärke
allein gewährleisten.

Wenn eine Seite neue Waffensysteme beschafft,

dann wird die andere Seite nur dazu angeregt, noch ausgeklügeltere Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

Das bedeutet praktisch die Ausweitung von

Waffensystemen auf beiden Seiten, ohne daß die Sicherheit der einen oder
anderen Seite wirklich zunähme.
Wenn ich im Laufe des letzten Jahres mit führenden Persönlichkeiten
in der ganzen Welt zusammengetroffen bin, dann habe ich festgestellt,
daß viele von ihnen diese Vorstellung teilen. Sie können und werden es
nicht zulassen, daß ihre Länder gegenüber einer militärischen Bedrohung
verwundbar werden. Aber sie sind sich auch darüber im klaren, daß die
schwere Last des militärischen Wettstreits begrenzte Mittel und Energien
von der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung abzieht, auf
der der Frieden ebenfalls beruht.
Die Bemühungen, das Wettrüsten durch beiderseitige und ausgewogene
Zurückhaltung zu verlangsamen, ist unter den letzten sieben amerikanischen
Präsidenten - Demokraten und Republikanern - oin zentrales Element der
Sicherheitspolitik unseres Landes gewesen.
- Präsident Kennedy schloß, auf den Bemühungen der Präsidenten
Truman und Eisenhower aufbauend, im Jahre 1963 das erste Rüstungskontroi 1abkommen mit der Sowjetunion, das den Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre

- 2 -

�Atmosphäre und der damit verbundenen Verseuchung Einhalt gebot.

An-

schließend schlössen wir Abkommen über das Verbot von Kernwaffen mit den
anderen Massenvernichtungswaffen auf dem Meeresboden und im Weltraum.
- Der im Jahre 1968 abgeschlossene Atomwaffensperrvertrag (NonProliferationsvertrag) ist heute für über 100 Länder bindend. Er hat
zwar sicherlich das Schreckgespenst der nuklearen Proliferation nicht
gebannt, aber er hat das Ziel der Non-Proliferation wesentlich näher
gerückt.
- Seit dem ersten Vorschlag Präsident Johnsons haben wir weitergefaßte Gespräche über die Begrenzung strategischer Rüstungen (SALT) geführt. Diese Verhandlungen kamen während der Nixon-Administration zu
einem erfolgreichen Abschluß und brachten eine wesentliche Einschränkung
der Dislozierung von Raketen-Abwehrsystemen (ABM-Systemen) sowohl durch
die Vereinigten Staaten als auch durch die Sowjetunion. Solche Systeme
wären sehr kostspielig gewesen und hätten nur neue Unbekannte in die
strategische Gleichung eingebracht. SALT-I brachte auch die erste Begrenzung in der Zahl der Offensivwaffen.
Wir führen heute RüstungskontrollVerhandlungen in einem weiteren
Bereich als je zuvor in unserer Geschichte, denn die Chancen die wir
nutzen können, und die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind
größer als zuvor.
Wenn wir diese Verhandlungen führen, müssen wir realistisch sein
hinsichtlich dessen, was wirksame Rüstungskontrollen für unsere Sicherheit bringen und was sie nicht bringen. Wenn wir nämlich Rüstungskontroi 1maßnahmen mit unrealistischen Maßstäben messen, könnten wir die Möglichkeit verlieren, praktische Fortschritte zu erzielen.
- Kein einzelnes Rüstungskontroi labkommen wird alle, ja nicht einmal

�einmal die meisten der potentiellen Bedrohungen der amerikanischen und '-*'
alliierten Streitkräfte beseitigen.

Aber indem wir Umfang, Art und

Richtung von Rüstungsprogrammen auf beiden Setien kontrollieren, können
wir die Ungewißheiten verringern, die das Wettrüsten anheizen.
- In absehbarer Zukunft wird die Rüstungskontrolle unseren Verteil
digungshaushalt nicht augenfällig verringern.
reichende Verteidigung werden hoch bleiben.

Die Kosten für eine ausAber die Belastung unserer1

Mittel durch ein uneingeschränktes Wettrüsten wäre sehr viel größer.
- Rüstungskontrolle allein kann die Stabilität des amerikanischsowjetischen Verhältnisses nicht garantieren.

Wir werden weiterhin

in Konkurrenz stehen, denn wir haben auf vielen Gebieten unterschiedliche Interessen und Werte.

Wir brauchen uns jedoch hinsichtlich der

sowjetischen Macht oder Absichten nichts vorzumachen, um zu erkennen,
daß wir als Bewohner des gleichen Planeten, die sich in eine furchtbare Macht teilen, ein gemeinsames Interesse daran haben, die ernstesten
Risiken für unser überleben zu verringern.
- Rüstungskontrolle allein wird die regionalen Spannungen, die
den Frieden bedrohen, nicht beilegen.

Aber indem wir den Stand der

militärischen Konfrontation abbauen und die Ausbreitung neuer Waffentechnologien regulieren, können wir die regionale Stabilität fördern
und Mittel für die Aufgabe der Verbesserung der menschlichen Verhältnisse freisetzen.
Es gibt klare Grenzen dessen, was wir von Rüstungskontrolle erwarten
dürfen. Aber es ist ebenso klar, daß Rüstungskontrolle, wenn sie bewußt und maßvoll betrieben wird, wesentlich zur Verringerung der Kriegsaussichten beitragen wird.
Darum bin ich sfc nachdrücklich überzeugt, daß unsere Sicherheit
am besten durch eine Politik der Stärke in unserer nationalen Verteidigung

- 4 -

�Verteidigung und durch praktische Rüstungskontroi labkommen gestützt
wird, die die Gefahren eingrenzen, auf die wir reagieren müssen und immer
reagieren werden.
Wie Präsident Carter in seiner Rede in Wake Forest erklärt hat:
"Rüstungskontrollabkommen sind ein Hauptziel als Instrumente unserer
nationalen Sicherheit, aber dies wird nur möglich sein, wenn wir einen
angemessenen Stand der Streitkräfte aufrechterhalten."

SALT
Lassen Sie mich zunächst auf die Verhandlungen; über eine Begrenzung der
strategischen Rüstungen mit der Sowjetunion eingehen.
Jedes SALT-Abkommen muß mit dem Maßstab unserer nationalen Sicherheit gemessen werden. Es muß unsere Gesamtsicherheit im Vergleich zu '
der wahrscheinlichen Situation ohne ein Abkommen eindeutig aufrechterhalten oder verbessern. Es muß die Interessen unserer Verbündeten ebenso
in Rechnung stellen wie die unseren. Und wir müssen Vertrauen in unsere
unabhängige Fähigkeit haben, die sowjetische Einhaltung eines Abkommens
ausreichend zu verifizieren und jeden Verstoß des Abkommens festzustellen,
der uns einen strategischen Nachteil bringen könnte.
Wir sollten und werden kein Abkommen akzeptieren, das diese wesentlichen Voraussetzungen nicht erfüllt.
Wir haben im vergangenen Jahr wesentliche Fortschritte zu einem
solchen Abkommen gemacht.
schiedenheiten.

Es bleiben aber noch wichtige Meinungsver-

Ich werde Ende dieses Monats mit den sowjetischen

Führern in dem Bemühen zusammentreffen, diese verbleibenden Differenzen
einzuengen.

Ich hoffe, daß wir in naher Zukunft ein Abkommen erreichen

- 5 -

�erreichen können.

Aber wir werden solange weiter verhandeln, wie es

nötig ist, um ein SALT-Abkommen zu erlangen, das unsere Sicherheit und
die Sicherheit unserer Verbündeten fördert.
Lassen Sie mich erklären, was das Abkommen, das wir auszuhandeln*
suchen, bringen und wie es unsere Sicherheit stärken würde.
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Erstens, es würde beiden Seiten gleiche Grenzen in der Gesamtzahl
der strategischen Raketenabschußeinrichtungen und der strategischen Bomber
setzen.

Wie Sie wissen, behielten im Rahmen des ersten SALT-Abkommens

die Sowjets größere Zahlen als die Vereinigten Staaten.

Im Anschluß

an jenes Abkommen verlangte der Kongreß, daß jedes neue Abkommen auf gleichen
Zahlen aufgebaut sein muß.. Dieses Abkommen würde diesen Grundsatz fest
einbauen.
Zweitens, das Abkommen würde die Zahl der strategischen Waffen
unter den jetzigen Stand der Sowjets senken - und sehr viel weit unter
das, was sie ohne Abkommen besitzen können.

Es würde von den Sowjets

verlangen, einige hundert Waffen zu vernichten.

Für uns wäre es nicht

erforderlich, irgendwelche derzeit operativen Waffen zu zerstören.

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Drittens, das Abkommen würde unterteilt Grenzen für jene Systeme
setzen, die wir als bedrohlichste und destabilisierendste betrachten,,
wie etwa Interkontinentalraketen (ICBM) mit Mehrfachgefechtsköpfen
(MIRV) und ballistische Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen überhaupt.
Viertens, wir versuchen, Beschränkungen für die Verbesserung bestehender Waffen und die Entwicklung neuer und noch ausgeklügelterer
Systeme zu setzen.
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Fünftens, das,Abkommen, über das wir verhandeln, würde es den
Vereinigten Staaten erlauben, wesentliche Optionen für die Modernisierung
unserer Streitkräfte zu erhalten. Es würde uns speziell erlauben, unsere

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unsere großen Entwicklungsprogramme wie den Marschflugkörper (Cruise
Missiles) und die MX-Rakete und das Trident-Programm fortzusetzen.
Sechstens, es würde die Interessen unserer Verbündeten schützen.
Im Bewußtsein des Zusammenhangs zwischen strategischen Rüstungskontroi 1verhandlungen und unseren Sicherheitsverpflichtungen gegenüber der NATO
haben wir uns bei jedem Schritt der Verhandlungen eng mit unseren Verbündeten konsultiert,und wir werden dies auch weiterhin tun.
Und letztlich beharren wir auf einem Abkommen, daß unabhängig und
in befriedigender Weise verifizierbar ist. Unsere Fähigkeit zur
Verifizierung muß genügend zuverlässig sein, um vor jeder möglichen
Verletzung abzuschrecken und mit ihr fertigzuwerden, bevor sie eine
wesentliche Auswirkung auf das strategische Kräfteverhältnis hat. Wir
müssen in der Lage sein, uns selbst Gewißheit zu verschaffen, daß sich
die Sowjets an ihre Verpflichtungen halten.
•

Wir und die Sowjets wissen beide, welche fürchterlichen Zerstörungen durch einen Nuklearkrieg hervorgerufen würden.
Wir wissen beide, daß jeder letztlich mit dem anderen Schritt halten
wird, wenn das Wettrüsten weitergeht.
Deshalb hoffen wir, daß wir trotz der Tatsache, daß wir beide bewußt unser eigenes Selbstinteresse verfolgen - trotz der fundamentalen
Unterschiede, die zwischen uns bestehen - in der Lage sein werden, gemeinsamen Boden für eine Begrenzung unserer zerstörerischen Waffen zu
finden.

Das Wesen dieser Verhandlungen besteht in der Beiderseitigkeit

der Vorteile.

Eine Vereinbarung, die der einen Seite Vorteile auf Kosten

der anderen verschafft, ist nicht akzeptabel.
Wenn es nicht gelingt, ein gerecht ausgewogenes Abkommen zu erreichen, dann könnte dies auf beiden Seiten zu neuen Waffenprogrammen

- 7 -

�Waffenprogrammen führen mit einer entsprechenden Erhöhung der Kosten :v
von mehreren Milliarden DolTar pro Jahr -aber nicht mehr, sondern vielleicht weniger Sicherheit.

Unsere Administration ist bereit, den zu-

sätzlichen Preis für die.Aufrechterhaltung unserer Sicherheit zu ber
zahlen.

Ich bin überzeugt, daß der Kongreß und das amerikanische Volk

bereit sind, diesen Preis zu bezahlen.

Aber ein wirksames SALT-Ab-

kommen kann uns dabei helfen, das strategische Gleichgewicht auf einem
verringerten Stand der Kosten und des Risikos aufrechtzuerhalten.

Rüstungskontrolle auf dem Gebiete der Satellitenabwehr

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v. .

Neben den SALT-Gesprächen gibt es zahlreiche andere Aspekte des
Wettrüstens, denen wir uns zuwenden müssen.

Eine Ausdehnung des Wett-

rüstens auf den Weltraum würde sowohl unsere Sicherheit als auch die
anderer Nationen untergraben.

Die Beweise dafür, daß die Sowjetunion

eine Anti-Satelliten-Kapazität entwickelt, sind bestürzend.

Wir sind

darauf vorbereitet, uns gegen eine solche Bedrohung zu schützen, und
es, sollte dies notwendig sein, mit den Sowjets aufzunehmen.

Aber wir

würden es weitaus vorziehen, ein Anti-Satelliten-Wettrüsten zu verhindern.
Wenn es auch zahlreiche Probleme hinsichtlich der Festlegung wirksamer und verifizierbarer Grenzen gibt, so ist dies dennoch ein Gebiet
für die Rüstungskontrolle.
Wir haben den Sowjets Gespräche vorgeschlagen, die darauf abzielen, , i
die Anti-Satelliten-Tests auszusetzen und den Weltraum für eine freie
und friedliche Nutzung offenzuhalten.

Ich kann heute bestätigen, daß die

Sowjetunion vor kurzem unseren Vorschlag akzeptiert hat und daß die
Gespräche im kommenden Monat beginnen werden.

Ein

�Ein umfassendes Testverbot
Wir stehen ferner mit der britischen und der sowjetischen Regierung
in Verhandlungen über ein umfassendes Verbot nuklearer Versuche. Bei
diesen Gesprächen wurde ein gewisser Fortschritt erzielt, obwohl immer
noch Probleme verbleiben.

Die Erreichung eines solchen Verbotes würde

die Wahrscheinlichkeit einer weiteren nuklearen Proliferation verringern,
indem die Nuklearwaffenmächte ihre Ernsthaftigkeit demonstrieren, eine
Zurückhaltung bei ihren eigenen Aktivitäten zu akzeptieren.
Wir haben uns verpflichtet, einen solchen Vertrag anzustreben.
Er muß in angemessener Weise verifizierbar sein. Und wir werden sicherstellen, daß wir weiterhin auf die Verläßlichkeit unserer nuklearen
Sprengköpfe vertrauen können.

Rüstungskontrolle in Europa
.

So wie wir dabei sind, Abkommen auszuhandeln, die die Sicherheit
der Verbündeten auf dem Gebiete der strategischen Waffen fördern können,
so zielen auch die MBFR-Gespräche in Wien darauf ab, unsere gemeinsame
Sicherheit in Europa zu verstärken.

In den vergangenen Jahren haben

die Sowjetunion und andere Länder des Warschauer Paktes ihre Truppen
und ihr Waffenmaterial bis zu einem Punkt ausgebaut, wo das regionale
Gleichgewicht für uns und unsere Verbündeten zu einer wachsenden Besorgnis
geworden ist.
Unser zentrales Ziel bei den Wiener Gesprächen ist es, die Grundsätze der Parität und der Kollektivität der Streitkräfte in Mitteleuropa zu kodifizieren. Wir und unsere NATC-Verbündeten haben es der
Sowjetunion klargemacht, daß wir nur ein Abkommen akzeptieren werden,
das die Sicherheit des gesamten Gebietes fördert.

Diese
- 9 -

�Diese Gespräche sind nur äußerst langsam vorangekommen.

Es ist

jedoch wichtig, daß wir auf ein Abkommen in diesem Bereich hinarbeiten,
selbst wenn wir über SALT verhandeln.
Wir und unsere Verbündeten werden demnächst eine neue Anstrengung
unternehmen, um die Gespräche produktiver zu gestalten.

Es ist für

die Staaten des Warschauer Paktes an der Zeit, durch sinnvolle Maßnahmen
dazu beizutragen, daß diese Gespräche vorankommen.
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Während wir uns um Fortschritte bei diesen Gesprächen bemühen,
haben wir uns gleichzeitig zur Modernisierung und Stärkung der NATOStreitkräfte verpflichtet» und wir sind dabei, konkrete Maßnahmen zur
Erreichung dieses Ziels zu ergreifen. Die USA haben in ihrem gegenwärtigen Budget den Nachdruck auf die NATO-Verteidigung wesentlich verstärkt. Gemeinsam mit unseren Verbündeten führen wir neue taktische
Flugzeuge,neue Generationen von Panzer mit erhöhter Treffsicherheit
ein. Die Staats- und Regierungschefs der NATO werden im Mai in
Washington zusammenkommen, und eines der Hauptthemen wird ein langfristiges Programm zur Verbesserung der Verteidigung des Bündnisses
sein.
Wie Sie wissen, hat der Präsident nach Beratungen mit unseren Verbündeten und mit ihrer vollen Unterstützung die Produktion von Waffen
mit verstärkter Strahlenwirkung (Neutronenwaffe) aufgeschoben. Gleichzeitig hat er die Modernisierung des Lance-Raketen-Gefechtskopfes und
des 8 Inch-Waffensystems angeordnet, um die Option für die Einführung
des Elements der verstärkten Strahlung offenzuhalten. Seine endaültige
Entscheidung wird, wie er ausgeführt hat, dadurch beeinflußt, "in welchem
Ausmaß die Sowjetunion in ihren konventionellen und nuklearen Rüstungsprogrammen und Streitkräftedislozierungen, die die Sicherheit der
Vereinigten Staaten und Westeuropas berühren; Zurückhaltung zeigt".
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Die globale

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�Die globale Dimension
Eine weitere Bedrohung des Friedens liegt in der Zunahme und der
Verbreitung von Waffen in aller Welt.
Auf lange Sicht gesehen ist die friedliche Beilegung regionaler
Streitfälle der sicherste Weg, um die Nachfrage nach Waffen zu reduzieren.
Wir werden auch weiterhin unsere Anstrengungen fortsetzen, um dazu beizutragen, daß dauerhafte Lösungen solcher Streitfragen gefunden werden.
Und wir werden auch weiterhin darauf drängen, daß von Seiten der Großmächte Zurückhaltung geübt wird, damit lokale Konflikte nicht noch verschlimmert werden. Aber wir müssen auch Zurückhaltung hinsichtlich der
Zunahme der Waffen üben.
- Erstens

wir haben zusätzlich zu unseren Bemühungen um eine Be-

grenzung der weiteren nuklearen Proliferation mit Hilfe eines umfassenden
Versuchsverbotes damit begonnen, neue Technologien und neue institutionelle
Vorkehrungen zu prüfen, die die Länder der Welt in den Stand setzen werden,
die Kernenergie zu bändigen, ohne diese tödlichsten Instrumente des
Krieges weiter zu verbreiten.
- Zweitens, wir legen einen neuen Nachdruck auf die Kontrolle des
internationalen Handels mit konventionellen Waffen. Wir werden auch
weiterhin Waffenlieferungen vornehmen, um unsere eigenen Sicherheit und
die unserer Freunde zu fördern. Gleichzeitig aber beginnen wir damit,
den Fluß unserer eigenen Waffenexporte zu überprüfen.
Weil wir uns darüber im klaren sind, daß eine Verlangsamung des
konventionellen Wettrüstens nicht durch die USA allein erreicht werden
kann, erörtern wir mögliche miltilaterale Maßnahmen mit anderen Waffenlieferanten, und wir ermutigen die Käuferländer, regionale Abkommen
einzugehen, durch die der Rüstungswettlauf begrenzt wird.
Ich freue
- 11 -

�Ich freue mich, Ihnen heute erklären zu können, daß die Sowjetunion
zugestimmt hat, die Gespräche mit uns über eine Zurückhaltung hinsichtlich
der konventionellen Waffenverkäufe fortzusetzen.

Dies ist ein wichtiger

Schritt in unseren Bemühungen, eine ernsthafte internationale Diskussion
über eine Mlltllaterale Zurückhaltung in dieser Beziehung zustandezubringen.
- Drittens, wir sind bemüht, die Verbreitung und den Einsatz neuer &gt;i
Waffensysteme zu begrenzen, deren Auswirkung auf die Zivilbevölkerung
besonders tödlich ist.

über biologische, chemische uru umweltgefährdende

Waffenverträge ist verhandelt worden oder v.ird verhandelt.

Der un-&gt;

differenzierte und willkürliche Charakter zahlreicher Waffen dieser
Kategorien ist so schwerwiegend, daß praktisch alle Länder darin übereinstimmen, daß man für immer auf diese Waffen als Instrument des Krieges
verzichten sollte.
- Viertens, wir bemühen uns, ein Wettrüsten und eine Ausbreitung
(dieses Wettrüstens) durch eine Rivalität der Großmächte auf Gebiete
zu verhindern, die in der Vergangenheit weitgehend frei von einer
solchen Rivalität waren. Wir haben Verhandlungen mit der Sowjetunion
aufgenommen, um ein Wettrüsten im Indischen Ozean zu verhindern. Unser
Ziel ist erstens, die militärische Präsenz beider Seiten auf der Ebene
zu stabilisieren, die bis vor kurzem üblich war, um dann mögliche Re^
duzierungen in Erwägung zu ziehen. Der Aufbau der sowjetischen Seestreitkräfte in diesem Gebiet besorgt uns jedoch zutiefst, und wir werden
eine verstärkte sowjetische Präsenz zur See als Teil eines solchen Ab- •
kommens nicht akzeptieren.

Zusammenfassung
Jede der Rüstungskontrollanstrengungen, die ich hier erörtert habe,

�habe, ist dazu bestimmt, die Sicherheit und das Wohlergehen von Amerikanern
und von anderen überall in der Welt zu erhöhen.
Das Wettrüsten ist heute äußerst schwierig zu erfassen, und militärische Beurteilungen müssen häufig auf der Grundlage komplexer
Kalkulationen getroffen werden.

Aber wir dürfen nicht zulassen, daß

technische Debatten die einfachen Wahrheiten und den gesunden Menschenverstand verdunkeln, die immer hinter diesen Kalkulationen stehen müssen.
- Wir müssen eine militärische Verteidigung aufrechterhalten, die
keiner anderen unterlegen ist.

Wir verfügen über die menschlichen und

physischen Ressourcen, über das Wissen und den Willen, um dies zu tun.
- Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß keine Nation Gewinne
erzielt und daß keiner sicherer ist, wenn alle ihre Ressourcen für noch
zerstörerische Waffen einsetzen. Wir alle gewinnen und wir alle sind
sicherer, wenn pragmatische, gerechte Abkommen zur Eindämmung des Wettrüstens erreicht werden können.
Das ist ein langfristiger Prozess. Wir werden mit anderen zusammenarbeiten, um diese Anstrengung zu fördern - in den Gesprächen zwischen
Ost und West, auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen über Abrüstung,
die im nächsten Monat beginnt, und in anderen Gremien.
Ich habe heute zu Ihnen über die Rüstungskontrolle gesprochen, weil
Sie in den kommenden Monaten und Jahren dabei eine entscheidende Rolle
spielen werden. Ihre Ansichten und Darlegungen werden mitentscheiden
helfen, ob wir unsere vernünftige und historische Politik der Suche nach
Sicherheit durch Rüstungskontrolle und ein stabiles Gleichgewicht aufrechterhalten.
Es gibt Leute in unserem Lande, die diesen Kurs anzweifeln - einige,

- 13 -

�einige, weil sie zu viel von Rüstungskontrollmaßnahmen erwarten, andere,
weil sie glauben, daß dadurch zu wenig erreicht werden könnte.

Die-

jenigen, die zu viel erwarten, werden enttäuscht sein, wenn solche Abkommen nicht zu einer Beendigung des Wettrüstens führen.

Diejenigen,

die der Ansicht sind, daß solche Abkommen der Anstrengung nicht wert
sind, unterbewerten deren Ergebnisse.
Ich hoffe, daß Sie sich meine Aussage hier vor Augen halten werden daß nämlich die Vorteile der Rüstungskontrolle nicht unbegrenzt sind,
daß es jedoch ungeheuer wichtige und praktische Vorteile gibt, die nur
durch Rüstungskontrollmaßnahmen erreicht werden können.
Ich ersuche Sie alle, sich den Unterschied zwischen einer Welt mit
einem SALT-Abkommen vor Augen zu führen, wie ich es hier beschrieben
habe, und einer Welt ohne eine Begrenzung der strategischen Waffensysteme
einer Welt, in der wir damit begonnen haben, das militärische Verhältnis
in Mitteleuropa in einem annehmbaren Gleichgewicht zu stabilisieren,
und einer Welt, in der dies nicht der Fall ist; einer Welt, in der wir
dabei sind, einem militärischen Wettlauf im Weltall Einhalt zu gebieten,
oder den internationalen Lieferungen konventioneller Waffen gewisse
Grenzen zu setzen oder die Gefahr einer nuklearen Proliferation zu begrenzen, und einer Welt, in der wir solche Maßnahmen nicht erreichen
können.
Auf lange Sicht gesehen hängt die Sicherheit eines jeden Amerikaners
davon ab, daß wir die gleiche Entschlossenheit, die gleiche sorgfältige
Planung und die gleiche kontinuierliche Energie auf die große Aufgabe
verwenden, das Wettrüsten unter eine vernünftige Kontrolle zu bringen,
wie wir dies auch für die Entwicklung neuer Waffen zu unserem Schutze
tun. Unsere große Aufgabe, die Aufgabe für alle Nationen, ist es ( sicherzustellen, daß der technische Erfindungsreichtum des Menschen durch Klugheit und Weisheit geleitet wird.
+ + + + +

- 14 -

�19. April 1978

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20 JAHRE WISSENSCHAFTSAUSSCHUSS DER NATO

- (AD) - Der Wissenschaftsausschuß der NATO, der mit seiner Arbeit
viel dazu beigetragen hat, die Zusammenarbeit im Bündnis auf nicht-militärischem Gebiet stetig auszuweiten, bestand am 19. Dezember 1977 genau
20 Jahre. Auf einer dreitägigen Konferenz des Ausschusses in Brüssel vom
11. - 14. April 1978 anläßlich dieses Jubiläums, würdigten Wissenschaftler
und andere Teilnehmer aus NATO-Ländern die wichtigsten Leistungen auf wissenschaftlichem und technologischem Gebiet im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte. Aber auch der sich wandelnde Charakter und die veränderte Rolle von
Wissenschaft und Technik wurden kritisch erörtert, ebenso mögliche künftige
Wechselwirkungen zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und Gesellschaft.
Seit 20 Jahren fördert der Ausschuß wissenschaftliche Programme in
weiten Bereichen mit Forschungsbeihilfen, Stipendien und Seminaren, um den
Stand der Wissenschaft in Mitgliedstaaten zu festigen und das Niveau weiter
zu heben. In einer Grußbotschaft Präsident Carters, die Dr. Frank Press,
Präsidialbeirat für Wissenschaft und Technologie, überbrachte, hat der Präsident der Vereinigten Staaten auf die Mittlerrolle dieses NATO-Ausschusses
für den freien Ideenaustausch zwischen Wissenschaftlern aller Nationen und
für den verstärkten Zusammenhalt der gesamten wissenschaftlichen Welt hingewiesen. Das Stipendienprogramm sei das umfangreichste und erfolgreichste

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�erfolgreichste seiner Art überhaupt.

Es habe den Anstoß zur Einführung ähn-

licher Programme in den Partnerländern gegeben.

In der Meeresforschung und

Meteorologie, auf den Gebieten der Ökologie, der Computerwissenschaften und
einer Reihe anderer wichtiger Sektoren habe es bedeutsame neue Forschungsaktivitäten in Gang gebracht.
"Solche Bemühungen der NATO-Gemeinschaft zur Ausweitung der Grenzen
wissenschaftlicher

Erkenntnis", so heißt es in der Botschaft Carters»"sind

eine bindende Kraft für den Zusammenhalt des Bündnisses.

Sie haben die von

den Verbündeten in Artikel 2 des Nordatlantikvertrages eingegangene Verpflichtung, die 'Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher internationale Beziehungen1 zu fördern, mit Leben erfüllt."

+ + + + +

- 2 -

�i

1
I

Wi//en/chaft
und Technik
international Communication Agency
Embassy of the United States of America

10

19. April 1978

VERBESSERTE FERNERKUNDUNG AUS DEM WELTRAUM
LANDSAT 3 mit neuem Infrarot-Scanner für Landwirtschaft, Gewässerbeobachtung, Boden- und Gesteinsforschung

- (AD) - Am dritten amerikanischen Fernerkundungssatelliten LANDSAT,
der seit dem 5. März 1978 die Erde auf einer polaren Bahn umkreist, wurde
kürzlich der neuartige Infrarot-Scanner aktiviert. Er erfaßt die langwelligen Infrarot-Strahlungen und mißt somit Teperaturen an der Erd- und
Wasseroberfläche. Das bedeutet, daß speziell warme und kalte Strömungen,
warme Abwässer, geothermische Quellen (z.B. für Thermalbäder oder für die
Energiegewinnung), Kaltluftströme (für die Raumplanung wichtig!), Anzeichen für bevorstehende Vulkanausbrüche und Quellaustritte beobachtet
werden können. Planungen zur Grundwasserschließung
Satellitendaten erleichtert.

werden mit Hilfe der

Von ganz besonderer Bedeutung dürften diese jedoch für die Zustandsanalyse von Feld- und Waldkulturen mit Informationen über Reifegrad oder
Krankheiten und schließlich für die Typenbestimmung von Böden und Gesteinen sein, was sowohl die bestmögliche Bodennutzung als auch die

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�die Rohstoffsuche vereinfacht.

Eine Reihe von Entwicklungsländern nutzt

schon die bisherigen LANDSAT-Daten ausgiebig für Zwecke der Exploration,
der geographischen und geologischen Bestandsaufnahme, für topographische
und kartographische Zwecke.

Schon die ersten beiden LANDSAT-Geräte, die

ebenso wie LANDSAT-3 noch zu den experimentellen Erderkundungssatelliten
zählen, gaben ihnen die Möglichkeit, mühsame Einzelerkundungen einfach zu
überspringen und statt dessen ganz gezielt nach bestimmten Rohstoffen zu
suchen oder umfangreiche Landerschließungsaufgaben in Angriff zu nehmen.
Die USA haben viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit in das Projekt
"Fernerkundung" gesteckt.

Die Aufbereitung und Interpretation der Daten-

flut wurde laufend verbessert und teilweise vereinfacht, die Kontrolle
der Messergebnisse durch örtliche und regionale Beobachtungen am Boden
ständig verfeindert.

Für den Bereich der Vereinigten Staaten kann heute

auf Grund der LANDSAT-Meßdaten die Art der Feldkulturen bei großen
Flächen mit 95%, bei kleineren oder stark untergliederten Flächen mit
75-80% Genauigkeit angegeben werden.

Im Verein mit meteorologischen und

anderen Daten lassen sich bemerkenswert exakte Voraussagen des Ernteertrages machen.

Im Mittelwesten der USA wurde mittels Bildaufbereitung

durch Computer die Bodenkartierung im Maßstab 1:24 000 möglich.
Mehr als 120 Länder sind Kunde beim amerikanischen LANDSAT-Datenzentrum. Zwei Drittel von ihnen sind Entwicklungsländer, der größte
Einzelkunde ist die Sowjetunion. Aber auch die großen ölgesellSchäften
interessieren sich immer mehr für die Fotos und die Multispektralaufnahmen, die LANDSAT-2 und 3 zur Erde funken. LANDSAT-1, am 23. Juli 1972
gestartet, hat bis zum Ende seiner "Lebensdauer" nach mehr als fünf
Jahren ca. 300 000 Aufnahmen von jeweils 185 x 185 km großen Flächen
übermittelt. Die Erdoberfläche wird dabei in einer Anzahl von Spektralbereichen abgetastet; aus den ursprünglichen Schwarzweiß-Bildern mit
unterschiedlichen Helligkeitswerten werden mittels Projektion durch bestimmte Farbfilter und anschließendes Aufeinanderkopieren die aussageträchtigen Farbbilder hergestellt.
So ist

�So ist es inzwischen möglich geworden, anhand solcher Bilder, die
sich aus dem von der Erde reflektierten Licht zusammensetzen, mehr als
30 verschiedene Gesteinsarten zu identifizieren.

Wissenschaftler in

Bolivien kartieren danach z. Zt. ihr Land und seine natürlichen Hilfsquellen wie Wälder, Böden und mögliche Mineral- und Ölvorkommen.

Mexiko

hat mehrere Millionen Hektar gutes oder relativ gutes Ackerland, dazu
6,5 Millionen Hektar Land ausfindig gemacht, das sich im Zustand fortgeschrittener Erosion befindet.

Kanada entdeckte 42 Waldbrandgebiete.

Und Brasilien benutzte LANDSAT-Daten, um die Erschließung weiterer Gebiete des Amazonas-Urwaldes für die Gewinnung von Weideland zu überwachen.
Außerdem wurde in Westbrasilien eine riesige Region entdeckt, die unterirdisch große Wassermengen enthalten könnte.
und vulkanische Gebiete.

Island kartierte geothermisc

Pakistanische Wissenschaftler haben Lager-

stätten von Kupfererzen gefunden.

Im Ägyptern stellte man fest, daß mit

Hilfe der LANDSAT-Daten die kartographische Erfassung des Landes mit
dreimal höherer Genauigkeit im Detail möglich ist.

Die Vereinten Nationen

suchen mittels LANDSAT-Aufnahmen nach Land, das sich für die landwirtschaftliche Erschließung eignet.
Dies sind nur einige Beispiele von vielen. LANDSAT-3 hat zum
ersten Mal zwei Reflexlicht-Vidicon-Kameras an Bord, deren Aufnahmen
noch 40 m große Flächen auf der Erde voneinander unterscheiden lassen.
Gegenüber den Kameras der beiden Vorgänger ist das Auflösungsvermögen
doppelt so groß. Diese Aufnahmen machen 20 - 25 Prozent aller zur Erde
gefunkten Multispektral-Aufnahmen aus. Dazu kommen die Abtastbilder
der Sensoren, die von Wellenlängenbereichen im Ultraviolett bis zum
kurzwelligen Infrarot reichen und mindestens 80 m große Flächen oder
Objekte auf Grund ihrer spezifischen Rückstrahlung erkennen lassen, sowie
der neue langwellige Infrarotscanner mit einem Auflösungsvermögen von
237 m. Er ermöglicht im Gegensatz zu den übrigen Sensoren auch Aufnahmen
auf der Nachtseite der Erde und liefert Informationen über die Wärmeabgabe
von Gesteinen, Böden und Wassermassen.
Auch die

�Auch die Datenverarbeitung wird in Verbindung mit LANDSAT-3 wesentlich
verbessert:

Neben der sehr viel höheren Bildqualität wird in etwa einem

Jahr die Zeit zwischen der Aufnahme und der Weitergabe des aufbereiteten
Bildes nur noch zwei Wochen - anstatt, wie bisher, 5 bis 7 Wochen - betragen.

Mit LANDSAT-2 wurde LANDSAT-3 inzwischen durch Kurskorrekturen so

synchronisiert, daß ein bestimmtes Beobachtungsfeld auf der Erde jeweils
von einem der beiden Satelliten alle neun Tage zur gleichen Stunde und
unter gleichem Beobachtungswinkel relativ zur Sonne überflogen wird.

Der

Zeitraum zwischen zwei Aufnahmen unter diesen Bedingungen, der für jeden
dieser Satelliten auf polarer Bahn 18 Tage beträgt, wurde somit halbiert,
so daß Veränderungen besser überwacht werden können.
Neben der Erfassung von Rohstoffquellen, geologischen Strukturen
und der Beschaffenheit von Böden ist die Überwachung des menschlichen
Lebensraumes eine wichtige Aufgabe der Fernerkundungssatelliten. Deshalb
werden jetzt auch immer mehr Anstrengungen darauf verwandt, industrielle
Schmutz- und Schadstoffe in der Luft und ihre Quellen ausfindig zu machen.
Das LANDSAT-Programm und seine Nachfolgeprogramme sind geeignet, zur
Lösung der größten Probleme beizutragen, denen wir uns heute gegenübersehen - globaler Umweltüberwachung, ausreichender Energieversorgunn und
rationeller Nutzung von Energie sowie ausreichender Nahrungsproduktion.
Angesichts der bisher erzielten Ergebnisse bezeichnen amerikanische
Wissenschaftler das Programm als die "lohnendste Investition unter den
Anwendungssatelliten". Die neuen Instrumente an Bord von LANDSAT-3 erfassen bei Tag und Nacht Temperaturunterschiede bei Vegetation, in Wassermassen, am nackten Gestein der Gebirge, in Wüsten und Steppen, in
Feuchtgebieten, von bebauten und unbebautem Land oder in Ballungszentren.
Ein DatensammelSystem nimmt Funkmeldungen von bis zu 1 000 Meßstellen,
die auf der Erde installiert sind, auf, registriert sie und gibt sie an
größere Bodenstationen weiter. Dabei handelt es sich um Meßdaten z.B.
über seismische und vulkanische Aktivität in bestimmten Gebieten, über

- 4 -

�über Strömungsstärken in Gewässern, Wasser- und Schneetiefen, Wassertemperaturen und selbst über die Dichte von Sedimenten am Grund von
Flüssen.
Drei Bodenstationen in den USA nehmen bei jedem Durchgang eines
LANDSAT-Satelliten die an Bord gesammelten Daten samt der gespeicherten
Bilder auf. Die US-Station in Alaska ist außerdem ausgerüstet, Informationen zu kopieren, die zur Erde übermittelt werden. Außeramerikanische Empfangsstationen befinden sich in Brasilien, Kanada und Italien;
sie erlauben bei der Auswertung der Daten die Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse der jeweiligen Region. Eine weitere Station ist im
Iran in Bau; Australien, Argentinien, Chiele, Indien, Japan, Schweden
und Zaire sind an der Errichtung eigener Empfangsstationen interessiert.
Für die Benutzung der LANDSAT-Daten zahlen ausländische Stationen z.Zt.
eine Jahresgebühr von 200 000 Dollar.

+ + + + +

- 5 -

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Wis/cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. April 1978

10

NEUE WARNUNG VOR LAETRIL

- (AD) - Die Gefährlichkeit des Präparats Laetril, das in den Vereinigten Staaten durch. Propaganda von Mund zu Mund in den Ruf eines "Krebsheilmittels" gekommen ist, wurde jetzt durch Tierversuche an der Universität Kalifornien demonstriert. Das aus Aprikosenkernen gewonnene Laetril bildet nämlich im Organismus Cyanwasserstoff (Blausäure) und deren nicht minder giftige
Salze, sobald bestimmte andere Nahrungsmittel wie z.B. Sellerie, Bohnen, Pfirsiche oder auch süße Mandeln gegessen werden. Wie die Forschergruppe in der
Zeitschrift der "American Medical Association" Ende März berichtete, starben
sechs ihrer zehn Versuchshunde an Cyanidvergiftung, nachdem die Tiere zu den
auf ihre Körpergröße abgestimmten Laetril-Dosen frische süße Mandeln bekommen
hatten. Drei weitere Tiere erkrankten schwer. Sie waren desorientiert, erblindeten, bekamen Krämpfe und Lähmungen oder wurden überaus aggressiv. Alle
drei mußten schließlich getötet werden. Nur ein Tier erholte sich wieder.
Die sorgfältig kontrollierten Experimente zeigen, welcher zusätzlichen
Gefahr sich Krebskranke - abgesehen von dem Versäumnis einer regulären und medizinisch erprobten Krebstherapie - aussetzen, die sich das "Heilmittel"
Laetril auf eigene Faust vom schwarzen Markt oder aus Mexiko besorgen oder
sich von bestimmten Ärzten, meist medizinischen Außenseitern, damit behandeln
lassen. Ungeachtet der Warnungen der US-Kontrollbehörde für Nahrungs- und
Arzneimittel (FDA), der Amerikanischen Gesellschaft für Krebsbekämpfung und

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�und des Nationalen Krebsforschungsinstituts (NCI) glauben noch immer Krebskranke daran, daß ihnen mit Laetril geholfen werden könne.

Bis vor kurzem

war das Präparat, das größtenteils - häufig verunreinigt - auf illegalen Wegen aus Mexiko kommt, in den Vereinigten Staaten generell verboten.

Die Be-

gründung des Bundesgesundheitsdienstes und der FDA: 1) zeigte Laetril in Tierversuchen keinerlei Wirkungen auf Krebsgeschwüre; 2) war in mehreren gut dokumentierten Fällen die Schädlichkeit beim Menschen erwiesen; 3) waren Kinder,
die versehentlich Laetril genommen hatten, daran gestorben; 4) konnte niemand
einen wissenschaftlich gesicherten Nachweis erbringen, daß Laetril auch nur
ein einziges Krebsopfer hätte retten können; dagegen lagen Beweise dafür vor,
daß mit Laetril behandelte Patienten an Krebs starben, die bei Anwendung der
etablierten Krebstherapie mit großer Wahrscheinlichkeit hätten gerettet werden können.
Bundesgesundheitsdienst und FDA sind nach wie vor gegen die Zulassung
eines sog. Krebsmittels, das noch nicht einmal in klinischen Versuchen am
Menschen erprobt worden ist. Und das Nationale Krebsforschungsinstitut (NCI)
hält angesichts der bisher vorliegenden Daten eine solche Erprobung, auch
wenn sie unter streng kontrollierten Bedingungen geschähe, für unverantwortlich. Dennoch haben die Gesundheitsbehörden in 11 amerikanischen Bundesstaaten dem Druck einflußreicher Gruppen aus der Öffentlichkeit nachgegeben
und das Verbot für Laetril aufgehoben. Daraufhin beschloß das Nationale
Krebsforschungsinstitut, den Behauptungen über günstige Laetril-Wirkungen
nachzugehen. Es forderte die Ärzte auf, die Namen und Krankenpapiere von
Patienten, die glauben, nach Laetril eine Besserung ihrer Krebserkrankung
zu verspüren, mit deren Einverständnis dem Krebsforschungsinstitut vorzulegen.
In allen diesen Fällen muß die Krebsdiagnose durch pathologische Untersuchungen gesichert sein. Außerdem müssen zuverlässige Angaben über die geschätzte
Tumorgröße vor und nach der Laetril-Behandlung gemacht werden, und es muß gewährleistet sein, daß bei dem Patienten mindestens einen Monat vor der LaetrilBehandlung keine andere Krebstherapie angewandt wurde.

�Die Aktion des NCI wurde im Januar 1978 gestartet, Mitteilungen zu Reaktionen aus der Ärzteschaft gibt es noch nicht.

Aber immer mehr Fälle wer-

den bekannt, in denen Laetril sich als alles andere denn harmlos erwies. Sie
widerlegen die Behauptung, Laetril sei zum mindesten unschädlich, wenn es
schon nichts nütze.

Laboratorien waren bisher nicht imstande, seine thera-

peutische Wirksamkeit oder auch nur eine schmerzlindernde Wirkung sicher nachzuweisen.

Ein Wissenschaftler der Georgetown-Universität in Washington weiß

von Patienten zu berichten, die illegal aus Mexiko eingeführtes Laetril genommen haben und daraufhin sehr schwer erkrankten.

Hilfesuchende sollten

unter allen Umständen vor Laetril gewarnt und auf die erprobten Möglichkeiten
der Krebstherapie verwiesen werden.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter schiebt Produktion der Neutronenwaffe auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter ruft zum Kampf gegen die Inflation auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vom 11. April 1978 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vance legt Standpunkt zu Rüstungskontrollfragen dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Außenministers vom 10. April 1978 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;20 Jahre Wissenschaftsausschuss der NATO&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verbesserte Fernerkundung aus dem Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Landsat 3 mit neuem Infrarot-Scanner für Landwirtschaft, Gewässerbeobachtung, Boden und Gesteinsforschung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Warnung vor Laetril</text>
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                    <text>Information
und
P M {•jiiTTiuii

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

3. Mai 1978

11
INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Vance verhandelte über SALT in Moskau
- Wortlaut der Abflugerklärung und des amerikanisch-sowjetischen
Kommuniques Rede von Außenminister Vance vor der CENTO-Konferenz in London
- Wortlaut WIRTSCHAFT
Pressekonferenz von US-Finanzminister Blumenthal in Mexiko-Stadt
- Auszüge HINTERGRUNDMATERIAL
Tokio-Runde in der entscheidenden Phase
- Carter Administration will zu liberalen Handelsvereinbarungen gelangen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Planstellen an US-Universitäten ständig erweitert
Glasleiter mit hoher Festigkeit
Urkontinent - vor 500 Millionen Jahren entstanden

Um Übcr/endung von
ßelcgeKemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
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Telex:08-85432

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1

i

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

3. Mai 1978

AUSSENMINISTER VANCE VERHANDELTE ÜBER SALT IN MOSKAU
Wortlaut der Abflugerklärung und des amerikanisch-sowjetischen Kommuniques

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat
vom 20. bis 22. April.1978 in Moskau mit seinem sowjetischen Kollegen
A.A. Gromyko und Parteisekretär Breschnew über ein zweites Abkommen über
die Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) verhandelt.

Nach seiner

Rückkehr und einem ausführlichen Gespräch mit Präsident Jimmy Carter erklärte Vance am 24. April vor der Presse in Washington, es sei bedeutsam,
daß Breschnew in einer Erklärung nach den Gesprächen in Moskau betont habe,
"daß beide Seiten zusammenarbeiten müssen, um zu einem Abkommen zu gelangen."

Er, Vance, habe dem Präsidenten gesagt, daß die Gespräche "nütz-

lich" gewesen seien und daß "einiger Fortschritt" erzielt worden sei.
Vor seinem Abflug in Moskau am 23. April 1978 hatte Außenminister Vance
folgende Erklärung abgegeben:
"Als erstes möchte ich Präsident Breschnew und Außenminister Gromyko
für ihre herzliche Gastfreundschaft und für den freundlichen und konstruktiven Geist danken, mit dem sie zu unseren Zusammenkünften kamen.

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�kamen.
Ich möchte in meiner Eigenschaft als Außenminister ein persönliches
Wort der Anerkennung für Minister Gromyko hinzufügen.

Mit seinen gründ-

lichen Kenntnissen der beruflichen Praxis des diplomatischen Geschäfts
ist ihm in unserer heutigen Welt kaum jemand ebenbürtig.

Er vertritt

die Interessen seines Landes mit großem Können, großer Intelligenz und
einem in jahrzehntelanger Erfahrung abgeklärten Geist.
Unsere Treffen waren nützlich und konstruktiv.

Das Gefüge des

Friedens, den wir alle wollen, muß, wenn es dauerhaft sein soll, Stein
um Stein in sauberer Arbeit und mit realistischen Schritten aufgebaut
werden.
Wir haben auf unseren Zusammenkünften einigen Fortschritt zu einem
SALT-Abkommen erzielt, und wir hoffen, diese Bemühungen in nachfolgenden
Treffen weiter voranzutreiben. Es gibt keiheiwichtigere Aufgabe für die
Nationen der Welt als diese entscheidend wichtige Anstrengung, ein Gefühl der Vernunft in die Regelung des militärischen Wettstreits, vor
allem hinsichtlich der strategischen Waffen, zu bringen.
Wir haben, wie ich meine, auch einigen Fortschritt auf dem Wege zu
einer besseren Erkenntnis der Probleme erzielt, um die es in den bilateralen
Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten geht.
Wir sind hinsichtlich dieser Probleme realistisch, und wir wissen, daß
sie nicht durch Erklärungen aus der Welt geschafft werden können, sondern
daß sie weiterhin praktische Maßnahmen und kontinuierliche Anstrengungen
erfordern werden. Wir haben die Absicht, an diesen Problemen mit Entschlossenheit zu arbeiten - aus der Erkenntnis heraus, daß die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten ein zentraler
Faktor für Frieden und Stabilität in der Welt sind."
Das am

�Das am 22. April 1978 um 2200 Uhr (Ortszeit) in Moskau veröffentlichte
gemeinsame amerikanisch-sowjetische Kommunique hat folgenden Wortlaut:
"Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance stattete Moskau vom
20. bis 22. April einen Besuch ab.

Er wurde von dem Generalsekretär der

KPdSU und Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets, L.I. Breschnew,
empfangen und hatte mehrere Zusammenkünfte mit A.A. Gromyko, Mitglied
des Politbüros der KPdSU und Außenminister der UdSSR.
Es fand ein Meinungsaustausch über wichtige Fragen der amerikanischsowjetischen Beziehungen und auch über bestimmte internationale Probleme
von beiderseitigem Interesse für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion statt.
Im Verlauf der Verhandlung wurde der Entwicklung und Verwirklichung
weiterer Maßnahmen, die auf die Verhütung eines Nuklearkrieges und die
Begrenzung der Rüstungen abzielen, besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
In diesem Zusammenhang fanden nützliche und gründliche Erörterungen
hinsichtlich der Vorbereitung eines neuen Abkommens über die Begrenzung
offensiver strategischer Waffen statt. Als Ergebnis war eine Annäherung
der Standpunkte der Beteiligten in einigen der verbleibenden ungelösten
Fragen zu verzeichnen.
Beide Seiten brachten die Absicht zum Ausdruck, intensiv am Abschluß
eines Abkommens über die Begrenzung offensiver strategischer Waffen zum
frühestmöglichen Zeitpunkt zu arbeiten.

Es wurden auch andere Rüstungs-

begrenzungsverhandlungen erörtert, und beide Seiten kamen ausdrücklich
überein, gemeinsam mit Großbritannien weiterhin am möglichst raschen Abschluß eines Abkommens über ein volles und umfassendes Verbot von Kernwaffenversuchen zu arbeiten.
Beide Seiten

�Beide Seiten unterstrichen die große Bedeutung, die sie einem Fortschritt in den Verhandlungen über die beiderseitige Reduzierung von
Streitkräften und Rüstungen in Mitteleuropa beimessen.
Während der Gespräche über Rüstungsbegrenzungsfragen führten die
Beteiligten auch einen Meinungsaustausch über die kommende Sondersitzung
der Vollversammlung (der Vereinten Nationen) über Abrüstung.
Es wurde vereinbart, die Gespräche über die in Moskau behandelten
Fragen fortzusetzen.
An den Gesprächen waren unter anderem beteiligt:
Auf amerikanischer Seite: der amerikanische Botschafter in der
Sowjetunion, Malcolm Toon; der Direktor der amerikanischen Behörde für
Rüstungskontrolle und Abrüstung, Paul C. Warnke; Botschafter Ralph Earle II,
wechselweise Vorsitzender der amerikansichen SALT-Delegation; Leslie H. Gelb,
Direktor der Abteilung für politisch-militärische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium; Botschafter Marshall D. Shulman, Sonderberater des amerikanischen Außenministers, und Renald Bartholomew vom
Stab des Nationalen Sicherheitsrates;
auf sowjetischer Seite: Marschall der Sowjetunion N.V. Ogarkow,
Chef des Generalstabes der sowjetischen Streitkräfte und Erster Stellvertretender Verteidigungsminister der UdSSR; die Stellvertretenden Außenminister G.M. Kornijenko und V.S. Semenow und der sowjetische Botschafter
in den Vereinigten Staaten, A.F. Dobrynin."

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
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11

3. Mai 1978

REDE VON AUSSENMINISTER VANCE VOR DER CENTO-KONFERENZ IN LONDON
- Wortlaut -

LONDON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat am
19. April 1978 in einer Rede vor der Ministerkonferenz der ZentralpaktOrganisation (CENTO) in London die Friedensbemühungen der Vereinigten
Staaten in Afrika, im Nahen Osten, im östlichen Mittelmeer und im
Persischen Golf erläutert. Der CENTO gehören Großbritannien, der Iran,
Pakistan, die Türkei und die USA - als Mitglied verschiedener Ausschüsse an.
Die Rede des Außenministers, die im Hinblick auf die anschließende
Reise nach Moskau besondere Beachtung fand, hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, hier vor Ihnen sprechen zu dürfen.
Als erstes möchte ich Ihnen und Ihren Regierungen danken, daß sie
einer Verlegung des Konferenzortes (nach London) zugestimmt haben. Ich
hoffe, daß diese Änderung in letzter Minute Ihnen keine all zugroßen Ungelegenheiten gebracht hat. Ober die Dankbarkeit für die Gastfreundschaft

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Gastfreundschaft hinaus möchte ich Ihrer Majestät Regierung für ihre
wirkungsvolle Rolle bei so vielen gemeinsamen politischen Tätigkeiten
und Initiativen, einschließlich unserer gemeinsamen Verpflichtung zur
CENTO, danken.
Ich möchte mich ferner der sehr herzlichen Begrüßung unseres neuen
Generalsekretärs anschließen und ihm bei seinen wichtigen Aufgaben großen
Erfolg wünschen.

Ebenso möchte ich unseren hochverehrten Kollegen, den

türkischen Außenminister, herzlich begrüßen.
Diese Ministertagung bekräftigt erneut die Verpflichtung der CENTOMitglieder zu anhaltenden und wichtigen gemeinsamen Interessen. Die
Vereinigten Staaten bleiben wie in der Vergangenheit dem zentralen Ziel
der CENTO verpflichtet: dem Schutz der Unabhängigkeit und der territorialen
Integrität der Mitgliedstaaten. Mein Land bleibt ebenso verpflichtet,
mit jedem Ihrer Länder in einer Reihe kritischer Fragen zusammenzuarbeiten,
die von besonderem Interesse für die CENTO-Mitglieder sind, da sie einen
direkten oder indirekten Einfluß auf die Stabilität und die Sicherheit
der CENTO-Region haben.
Darf ich kurz einige dieser Themen hier mit Ihnen erörtern:
- unsere Verteidigungspolitik,
- den Nahne Osten,
- Afrika,
- das östliche Mittelmeer,
- den Persischen Golf und
- weltweiter wirtschaftlicher Fortschritt.
Die Vereinigten Staaten haben kürzlich eine große Überprüfung ihrer
nationalen Verteidigungsstrategie abgeschlossen. Die aus dieser Studie
resultierenden Richtlinien wurden zum erstenmal vor einem Monat dargelegt,

- 2 -

�dargelegt, als Präsident Carter vor der Wake Forest-Universitä't sprach.
Sie sind wert, heute hier wiederholt zu werden:
"Wir werden gemeinsam mit unseren Verbündeten und Freunden", so
erklärte der Präsident, "gegen jede uns bedrohende Macht durch eine
Kombination von Truppen, politischen Bemühungen und wirtschaftlichen
Programmen ein Gegengewicht schaffen.

Wir werden es nicht dulden, daß

irgendeine Nation die militärische Überlegenheit uns gegenüber erlangt.
Wir werden die Mitarbeit der Sowjetunion und anderer Nationen bei
der Verminderung der Spannungsbereiche anstreben. Wir wünschen nicht,
militärisch in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzugreifen
oder regionale Konflikte zu verstärken, und wir werden uns auch der
Intervention anderer widersetzen.
Während wir unsere militärische Kapazitäten aufrechterhalten,
werden wir durch verläßliche und verifizierbare Rüstungskontrollvereinbarungen, wo immer solche möglich sind, Sicherheit anstreben."
Diese die Grundsätze der amerikanischen Politik darlegende Erklärung
geht über die Sorge um unsere eigene militärische Stärke hinaus - sie
verweist auf unsere Bereitschaft, im Verein mit anderen auf das Zustandekommen einer friedlicheren und stabileren Welt hinzuarbeiten. Das ist
auch der Grund, warum die Assoziation meines Landes mit der ZentralpaktOrganisation (CENTO) für uns von so fundamentaler Bedeutung ist.
Während wir unsere militärische Stärke beibehalten, arbeiten wir
zugleich auf zahlreichen Gebieten für den Frieden. Diese Probleme
bleiben für uns als Aufgaben, die direkt und in Gemeinsamkeit angepackt
werden müssen. Die Tatsache, daß sie in diesem Jahr auf unserer Tagesordnung stehen, zeigt schließlich die ganze Komplexität - und läßt die
Schwierigkeiten ahnen, denen wir uns bei der Bemühung um ihre Lösung

- 3 -

�Lösung gegenüberstehen werden. Aber in jedem Falle steht derart viel
auf dem Spiel, daß wir einfach alles tun müssen, um den Parteien bei
ihrem Disput zu helfen, gerechte Lösungen zu finden.
Ein gerechter und dauerhafter Friede im Nahen Osten ist auch heute
noch von entscheidender Bedeutung für die Vereinigten Staaten und die
übrige Welt.

Das vergangene Jahr hat einigen Fortschritt gebracht.

In

Zusammenarbeit mit den Parteien waren wir imstande, von allgemeinen
Konzepten zu einer präziseren Bestimmung der eigentlichen Interessenund Konfliktsgebiete zu gelangen, über die es zu einer Obereinkunft kommen
muß.

Wir haben gesehen, wie sich die Kluft verengte, und mit dem historischen

Besuch von Präsident Sadat in Jerusalem erlebten wir die erste Aufnahme
direkter Kontakte zwischen Ägypten und Israel. Wir unterstützen die
Kontakte mit allem Nachdruck - und wir werden auch weiterhin die Parteien
ermutigen und unterstützen, ihre noch offensthende Probleme zusammen
zu lösen.
Wir sind auch weiterhin überzeugt, daß drei grundsätzliche Dinge
angepackt werden müssen, wenn eine dauerhafte Lösung erzielt werden
soll. Erstens: ein wahrer Friede, der sich auf normalen Beziehungen
zwischen den Parteien gründet; zweitens: Rückzug Israels auf allen
Fronten aus den im Jahre 1967 besetzten Gebieten und ein von allen Parteien
getragenes Abkommen über sichere und anerkannte Grenzen gemäß den Resolutionen 242 und 338 der Vereinten Nationen; und drittens: eine gerechte Lösung des Palästinenserproblems in all seinen Aspekten. Diese
Lösung muß die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes anerkennen
und es den Palästinensern ermöglichen, an der Entscheidung über ihre
eigene Zukunft beteiligt zu sein.
Dies sind komplexe und schwierige Fragen.

Der auf dem ersten

Gebiet erzielte Fortschritt blieb unglücklicherweise auf den beiden
anderen Gebieten noch aus.

Dennoch bleiben die Vereinigen Staaten auch

- 4 -

�auch weiterhin der Kontinuität des Friedensprozesses verpflichtet.
Staatsmännische Kunst und Beharrlichkeit werden einen Kompromiß erbringen und der Kompromiß wird den Weg zu einer Lösung des Konflikts öffnen.
Eines ist klar: wenn der Friedensprozess auf seinem toten Punkt beharrt,
wird die Regression zum Konflikt schwer aufzuhalten sein - was für uns
alle die schwerwiegendsten Konsequenzen mit sich bringt.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin den Parteien helfen
und sie bei der Überwindung ihrer Differenzen unterstützen. Wir sind
nicht gewillt, eine historische Gelegenheit zur Erreichung eines gerechten und dauerhaften Friedens entgleiten zu lassen, wenn sie sozusagen schon in unserem Griff liegt.
Ein anderes Gebiet, das uns alle mit großer Besorgnis erfüllt, ist
Afrika. Wir sind tief betroffen darüber, daß die Sowjetunion und Kuba
nicht gewillt sind, das von den afrikanischen Nationen immer wieder
erklärte Grundprinzip anzuerkennen, daß sie ihre eigenen Probleme ohne
den Einsatz fremder Gewalt lösen können. Die Anwesenheit einer großen
Zahl von kubanischen Streitkräften und von sowjetischem Personal im Hörn
von Afrika fördert die Stabilität nicht.
Die Vereinigten Staaten treten mit Nachdruck für die territoriale
Integrität aller Staaten dieser Region ein, einschließlich insbesondere
von Äthiopien, Tschibuti, Somalia und Kenia. Wir sind für den Abzug
aller ausländischen Truppen aus Äthiopien und für eine friedliche Regelung
des Eritrea-Konflikts. Es besteht für uns kein Zweifel, daß - wenn die
Eritrea-Frage mit Gewaltanwendung durch ausländische Truppen entschieden
wird - das Blutvergießen und die Leiden immer größer werden und eine dauerhafte Lösung nicht gefunden werden wird, daß aber die Spannungen in der
Region nur noch weiter anwachsen werden.
Nachdem sich jetzt die Streitkräfte Somalias aus dem Ogaden zurückgezogen haben und die territoriale Integrität Äthiopiens nicht gefährdet

- 5 -

�gefährdet ist, besteht kein legitimer Grund für die Beibehaltung ausländischer Kampftruppen in diesem Land.

Wir werden uns weiterhin aktiv

mit Ihnen darüber beraten, auf welche Weise wir zusammenarbeiten können,
um die Spannungen im Hörn von Afrika zu vermindern und die Anstrengungen
der Organisation für Afrikanische Einheit zu unterstützen.
Im südlichen Afrika hat mein Land eng mit Großbritannien, den
Nationen dieses Gebietes und anderen zusammengearbeitet, um dabei zu
helfen, einen raschen und fairen Übergang zur Unabhängigkeit und zur
Herrschaft der Mehrheit ohne weiteres Blutvergießen in Rhodesien und
Namibia zustandezubringen.
Außenminister Owen und ich haben soeben Gespräche über das RhodesienProblem mit der Patriotischen Front und den Parteien in Salisbury zum
Abschluß gebracht.

Wir sind überzeugt, daß wir die Tür zu Verhandlungen

offenhalten müssen. Andernfalls bleibt den Parteien keine andere Lösung
als die Eskalation des Konflikts mit der Gefahr einer wachsenden Einmischung von außen.

Die Frontstaaten und Nigeria haben eng mit uns zu-

sammengearbeitet.
Nach meiner Überzeugung hat sich unsere jüngste Reise nach Afrika
gelohnt. Die Patriotische Front hat zwar nicht alle anglo-amerikanischen
Vorschläge akzeptiert, sie hat sich jedoch zur Teilnahme an Gesprächen
bereiterklärt, bei denen alle Parteien vertreten sein würden.
Einen echten Fortschritt gab es auch in bezug auf Fragen, die für
die Gewährleistung freier und fairer Wahlen von zentraler Bedeutung sind;
so fand die Beteiligung der Vereinten Nationen bei der Aufrechterhaltung
des Friedens und der Beobachtung der Wahlen allgemeine Zustimmung, und
es wurde auch - vorbehaltlich einer Übereinkunft über andere Fragen akzeptiert, daß ein neutraler Bevollmächtigter die Exekutivgewalt auf
den Gebieten der Verteidigung und der inneren Sicherheit ausüben sollte.

�ausüben sollte.
Unsere Gespräche in Salisbury und Pretoria waren zumindest so positiv,
wie wir es gehofft hatten.

Südafrika scheint zu verstehen, wie wichtig

es ist, rasch zu einer international annehmbaren Lösung zu gelangen, die
den Frieden bringen wird.

Und während die Parteien in Salisbury vor

unserem Besuch erklärt hatten, sie würden eine Allparteien-Konferenz
ablehnen, sind sie nunmehr gewillt, sie ernsthaft in Erwägung zu ziehen.
Zumindest einige sehen ein, daß sie ihrer Position in der internationalen
Gemeinschaft weiteren Schaden zufügen würden, wenn sie die Tür zu Verhandlungen zuschlagen, und daß es für sie schwierig sein würde, zu einem
Waffenstillstand zu kommen, der für die Abhaltung von freien und fairen
Wahlen so außerordentlich wichtig ist.
Unser Hauptanliegen ist es, zu einer Lösung für alle Parteien zu
kommen, durch die der Konflikt beendet wird. Wir halten auch weiterhin
an den anglo-amerikanischen Vorschlägen als einer brauchbaren Grundlage
für eine Lösung fest. Wir sind auch weiterhin bemüht, die Parteien zu
Gesprächsrunden zusammenzubringen.
In unseren Gesprächen über das Namibia-Problem mit den Südafrikanern
fand die Wichtigkeit einer international akzeptablen Lösung Anerkennung.
Die Südafrikaner ersuchten um Klärung verschiedener Vorschläge der Kontaktgruppe. Außenminister Owen und ich erklärten uns bereit, diese Angelegenheiten mit unseren Kollegen in der Kontaktgruppe zu erörtern und eine
rasche Antwort zu geben, damit sich sowohl Südafrika wie die Swapo bald
zu den Vorschlägen der Kontaktgruppe äußern könnten. Eine faire Lösung
in Namibia würde mehr bewirken, als nur die Bevölkerung dieses Gebietes
zu schützen. Sie würde darüber hinaus dazu beitragen, im südlichen Afrika
ein Gefühl des Fortschritts zu etablieren, das für unsere Anstrengungen
in Rhodesien hilfreich sein könnte.
Was ein

�Was ein anderes wichtiges regionales Problem - die Zypernfrage betrifft, so steht mein Land auch weiterhin fest dazu, den Parteien und
dem Generalsekretär der Vereinten Nationen in ihrem Bemühen um eine
Zypernlösung zu helfen, die es den beiden zypriotischen Gemeinschaften
ermöglicht, friedlich miteinander innerhalb einer unabhängigen und
souveränen Nation zu leben.

Wir halten an diesem Ziel fest, weil ein

geteiltes Zypern auch weiterhin ein Hemmnis für gute Beziehungen zwischen
zwei wichtigen Freunden und Verbündeten - der Türkei und Griechenland
sein würde.

-

Wir sind auch besorgt wegen der ungelösten menschlichen Probleme,

die die gegenwärtige Teilung mit sich bringt.
Die Vereinigten Staaten sehen beide - die Türkei und Griechenland als wesentlich für die kollektive Selbstverteidigung der freien Welt an.
Die Vereinigten Staaten versichern, daß sie die entschlossensten Anstrengungen unternehmen werden, um ihre Bindungen in diesem lebenswichtigen
Gebiet, das für die langfristigen Interessen sowohl der CENTO als auch
der NATO so entscheidend ist, zu verstärken.
Wir bleiben auch weiterhin auf stärkste an der Sicherheit im Gebiet um den persischen Golf interessiert. Die besondere Bedeutung dieses
Gebietes wird unterstrichen durch das immer stärkere Angewiesensein der
Welt auf die dortigen Energiequellen und die wachsende Rolle, die die
Staaten um den persischen Golf bei der Förderung der Stabilität und
Prosperität anderer Gebiete zu übernehmen haben. Die Vereinigten Staaten
messen ihrer Beziehung zum Iran - einem CENTO-Partner - und zu SaudiArabien sowie den anderen GolfStaaten große Bedeutung zu.
Der durch seine ständig wachsende Wirtschafts- und Verteidigungsstärke gefestigte Iran bleibt als ein strategischer Partner innerhalb
des Rahmens der CENTO von fundamentaler Bedeutung. Der Iran spielt
ferner eine außerordentlich wertvolle Rolle bei der Förderung des regionalen Fortschritts und der regionalen Sicherheit.

Auch

�Auch Pakistan kann viel zur Stabilität der Region beitragen.

Wir

haben auf seine bemerkenswerte Rolle bei der Normalisierung der Beziehungen
zwischen den Ländern des südasiatischen Subkontinents hingewiesen.
Wenn eine rasche Lösung der Streitfragen selbstverständlich das
vordringlichste Ziel unserer diplomatischen Anstrengungen zu sein hat,
so sind wir uns doch bewußt, daß Friede und Stabilität, die wir anstreben,
uns letztlich entgleiten werden, sofern wir nicht gewillt sind, im Verein
mit anderen den globalen wirtschaftlichen Fortschritt zu fördern.
Wir haben unsere Bereitschaft bekundet, in Zusammenarbeit mit anderen
für einen verstärkten Kapitalfluß in die Entwicklungsländer, für den Aufbau eines faireren und offeneren Welthandel Systems einzutreten und darauf
hinzuwirken, die gefährlichen Fluktuationen bei den Rohstoffpreisen zu
dämpfen und die technologischen Fähigkeiten der Entwicklungsländer zu
festigen. Den einzelnen Zielen dieser Politik gehen wir auf bilateralen
und multilateralen Wegen nach.
Wir sind überzeugt, daß eine auf die Förderung der wirtschaftlichen
Fairness und Gerechtigkeit ausgerichtete Politik in enger Verbindung mit
den Aussichten für einen volleren Schutz der politischen Menschenrechte
steht. Mein Land wird weiterhin mit anderen zusammenarbeiten, die davon
überzeugt sind, daß gemeinsame Sicherheit - so sehr sie auch von einer
starken Verteidigung abhängt - doch genau so gegründet sein muß auf einem
mit Weitblick verfolgten Streben nach wirtschaftlicher und politischer
Gerechtigkeit.
Die Welt befindet sich in einem Wandel.
und schwieriger.

Diplomatie wird komplexer

Die Zahl der zu behandelnden Fragen wächst.

In immer

stärkerem Maße kann keine Nation auf sich allein gestellt ihre Probleme
lösen.

In einer solchen Welt werden die engen Beziehungen und die Zu-

sammenarbeit unter den Nationen, wie sie in diesem Raum vertreten sind,

- 9 -

�sind, um so bedeutsamer. Unsere Sicherheit hängt nicht nur von unserem
gegenseitigen Vertrauen und der militärischen Stärke, sondern auch von
unserer Fähigkeit ab, bei der Bewältigung der Probleme, die uns alle angehen, zusammenzuarbeiten.

+ + + + +

- 10 -

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

3. Mai 1978

PRESSEKONFERENZ VON US-FINANZMINISTER BLUMENTHAL IN MEXIKO-STADT
- Auszüge -

MEXIKO-STADT - (AD) - Der amerikanische Finanzminister W. Michael
Blumenthal hat am 30. April 1978 zum Abschluß der Tagung des Interimsausschusses des Internationalen Währungsfonds (IWF) erneut eine Beschleunigung des wirtschaftlichen Wachstums als Voraussetzung für eine
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und eine Steigerung der Wirtschaftsfähigkeit in den Entwicklungsländern bezeichnet. Der Interimsausschuß,
dem 20 wichtige Länder angehören, hat in einem ebenfalls am 30. April
veröffentlichten Kommunique erklärt, die Entwicklung der Weltwirtschaft
sei in den wichtigen Bereichen - vor allem, was den Wiederaufschwung
nach der Rezession von 1974-75 anbetrifft - unzureichend. Ferner wird
auch vor einem Erstarken des Protektionismus gewarnt.
Die Ausführungen von Finanzminister Blumenthal in Mexiko-Stadt haben
im wesentlichen folgenden Wortlaut:
"Hinsichtlich der Weltwirtschaft wurde bei dem Meinungsaustausch

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�Meinungsaustausch und bei dem Verständnis der Probleme der verschiedenen
Länder ein guter Fortschritt erzielt.

Es herrschte allgemein das Gefühl,

daß ein Problem unbefriedigender Wachstumsraten und hoher Arbeitslosigkeit
in der Welt besteht sowie ein schwer zu lösendes Problem der Inflation - ein
allgemeines Gefühl, daß die Forderungen nach Protektionismus immer stärker
werden, wenn es nicht gelingt, diese Faktoren unter Kontrolle zu bringen.
Diese Auffassung haben auch wir vertreten und unterstrichen, daß

die

Multilateralen Handelsverhandlungen in Genf daher eine besondere Bedeutung
erlangen.
Wir fanden ein ermutigendes Maß an Unterstützung für unseren Standpunkt, daß, was die Vereinigten Staaten angeht, wir uns mit den grundlegenden Fragen befassen mußten.

Was die Inangriffnahme dieser Fragen durch

Präsident Carter in seiner Erklärung vom 11. April sowohl bezüglich des
Anti-Inflationsprogramms als auch der Wichtigkeit der Verabschiedung des
Energieprogramms angeht, so erhielten wir viel Unterstützung und Ermutigung.
Der Energie wurde ohne Frage viel Aufmerksamkeit geschenkt, und ich möchte
sagen, daß es sich hier um eine wichtige Sache handelt, die sehr viel zur
Stabilität und zum Wachstum in der Welt sowie zur Stabilität der Wechselkurse in der Zukunft beitragen wird.
Ich war durch die Tatsache ermutigt, daß man sich allgemein darüber
einig ist, daß die Intervention auf den Devisenmärkten nicht der Weg
zur Stabilität ist; daß man an die grundlegenden Dinge herangehen muß;
daß unter bestimmten Umständen - um Marktunordnungen zu begegnen - die
Intervention angebracht ist; daß jedoch unser Gesamtfortschritt grundsätzlich von so grundlegenden Dingen wie der Bekämpfung der Inflation,
einer geeigneten nicht-inflationären Wachstumspolitik im eigenen Lande
bestimmt werden wird.
Generell gesehen waren wir ermutigt, daß an diesem Punkt die meisten
Länder die Gesamtsumme der von uns unternommenen Anstrengungen, um unseren

- 2 -

�unseren Beitrag zu einer größeren Stabilität der Wechselkurse zu leisten,
anerkannten und billigten.

Einige Länder brachten zwar ihre Besorgnis über

den Mangel an Stabilität zum Ausdruck, aber ich war von der Tatsache beeindruckt, daß eine allgemeine Übereinstimmung darüber herrscht, daß die
grundlegenden Dinge als erste kommen müssen.
Was die IWF-Fragen anbetrifft - und hier wiederum die grundlegenden
Dinge - verbanden wir sehr viel mit den geänderten Artikeln und der
Wichtigkeit, den Überwachungsmechanismus so wirksam wie möglich zu gestalten.
Ich glaube, Sie sind mit den Vorschlägen vertraut, die wir in diesem
Zusammenhang unterbreitet haben - um einen Beitrag zur Verbesserung des
Überwachungsmechanismus zu leisten, um mehr Information zu gewährleisten,
um bestimmte organisatorische Veränderungen vorzunehmen und die Ausarbeitung
bestimmter Berichte zu ermöglichen.. All diese Fragen werden eingehend
geprüft werden, und ich bin befriedigt, daß sie so gut aufgenommen wurden.
Was die Quotenerhöhungen und Zuweisungen von Sonderziehungsrechten
(SDR) angeht, so haben wir nach meiner Meinung Fortschritte gemacht, wenn
wir hier auch natürlich noch keine Entscheidungen treffen konnten.

Ich

meine, wir haben den Boden für die weitere Arbeit bereitet, so daß wir
hoffentlich im Herbst, nachdem der IWF noch einige weitere Arbeit geleistet
haben wird, versuchen können, zu einigen Entscheidungen zu gelangen
Ich glaube, das beschreibt im wesentlichen unser generelles Gefühl,
daß es sich um eine produktive Zusammenkunft gehandelt hat
Ich möchte noch ein Wort zu der sogenannten Witteveen-Fazilität sagen.
Es besteht offensichtlich ein großes Interesse, diese Fazilität ins
Leben zu rufen. In dieser Hinsicht bestand offensichtlich einiges Interesse an unserem Fortschritt, da die Witteveen-FaziHtSt ohne -eine Maßnahme
der Vereinigten Staaten nicht in Funktion treten kann. Wir erläuterten,

- 3 -

�erläuterten, daß es zunächst einige Verzögerungen gegeben habe, und wir
legten unseren Kollegen dar, daß wir jetzt über die Beschleunigung des
Fortschritts befriedigt sind und daß wir optimistisch damit rechnen, daß
die Maßnahme des Kongresses in absehbarer Zukunft, d.h. etwa in den
nächsten zwei bis drei Monaten, erfolgen wird...
FRAGE:

Herr Minister, Sie sagen, daß sich die Wachstumsrate ver-

langsamt hat und daß die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten
schwere Probleme für Ihre Wirtschaft hervorruft.

Das bedeutet doch nicht,

daß die Beiträge der Vereinigten Staaten zu internationalen Organisationen,
wie den Entwicklungsbanken, verringert werden könnten, d.h. nicht nur zu
den Entwicklungsbanken, sondern auch zum IWF?
ANTWORT: Wir sagen gegenwärtig vor dem Kongress dazu aus, und wir
arbeiten mit dem Kongress an der Bewilligung sehr beträchtlicher Mittel
für die Entwicklungsbanken - in diesem Jahr sogar mehr als im vorangegangenen
Jahr und in vielen Jahren. Es besteht also keine Absicht, diese Beiträge
zu verringern. Ebenso fordern wir für die Zusatzfinanzierungs-Fazilität die Witteveen-Fazilität - die Bewilligung eines sehr beträchtlichen Betrages...
FRAGE:

Wird die Instabilität des Dollar sich auf den Geist der

Zusammenarbeit (auf dem Gipfel in Bonn im Juli) auswirken?
ANTWORT:

Ich glaube auf der Basis der Maßnahmen, die die Vereinigten

Staaten getroffen haben, und der Zusammenarbeit, die zwischen der Bundesrepublik Deutschland und uns in dieser Hinsicht auf verschiedene Weise
existiert, wird die grundlegende Gesundheit des Dollar unterstrichen...
FRAGE:

Mr. Blumenthal, wie werden wir das Problem der unbefriedigenden

Wachstumsraten in den Griff bekommen?
ANTWORT:

�ANTWORT: Das Ziel muß offensichtlich für alle Industriestaaten
wie auch die Entwicklungsländer darin bestehen, raschere Wachstumsraten
zu erzielen, als sie im letzten Jahr üblich waren. Das ist eine Entscheidung. Die spezifischen Schritte, die die Länder ergreifen müssen,
hängen natürlich von der jeweiligen Situation ab; und das ist eine Entscheidung, die jedes Land für sich treffen muß. In einigen Fällen geht
es um erhöhte Regierungsausgaben, in anderen Fällen um Steuersenkungen,
und wieder in anderen Fällen geht es um spezifische Maßnahmen, um
strukturelle Verbesserungen vorzunehmen, die Investitionen anzuregen
und die Arbeitslosigkeit abzubauen. Ich glaube, es besteht generelle
Übereinstimmung darüber, daß der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und
die Unterstützung der Entwicklungsländer bei der Erreichung höherer
Wachstumsraten erfordern, daß das Gesamtwachstumstempo in den Ländern
der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) ebenfalls beschleunigt wird.

+ + + + +

- 5 -

�11

3. Mai 1978

TOKIO-RUNDE IN DER ENTSCHEIDENDEN PHASE
Carter-Administration will zu liberalen Handelsvereinbarungen gelangen

WASHINGTON/GENF - (AD) - Die multinationalen Handelsverhandlungen im
Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) - kurz TokioRunde genannt - sind in eine entscheidene Phase getreten. Das Sekretariat
des GATT hat in einem Ende April dieses Jahres veröffentlichten Oberblick
über die Tätigkeit 1977 die Aussichten des internationalen Handels als
ungewiss bezeichnet und in diesem Zusammenhang die besondere Bedeutung
der Tokio-Runde hervorgehoben.
Die Multilateralen Handelsverhandlungen (MTN), die dem Abbau von
Zoll- und Handelsschranken dienen, sind im Januar 1978 in ihre siebte
Runde seit Ende des Zweiten Weltkrieges getreten.

Nachdem die als

Kennedy-Runde bezeichneten Verhandlungen von 1963 bis 1967 zu einem wesentlichen Abbau der Zölle in aller Welt und damit zu einer Liberalisierung
des Handels geführt hatten, ging man anschließend vor allem dem Problem
der nicht-zollursächlichen Handelsschranken, wie z.B. Einfuhrquoten,
restriktive Normvorschriften, Subventionen usw. zu Leibe.
Im September

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�Im September 1973 kamen die Vertreter der wichtigen Handelsnationen
der Welt in Tokio zusammen, um die neue Verhandlungsrunde offiziell zu
eröffnen, und daraus hat sich der Begriff Tokio-Runde ergeben.
Die Beteiligung und der Kurs der Vereinigten Staaten wurde durch
das amerikanische Handelsgesetz von 1974 (Trade Act of 1974) geregelt,
das Präsident Ford am 3. Januar 1975 unterzeichnete.

Das Gesetz übertrug

dem Präsidenten auf fünf Jahre die Vollmacht, bestimmte Handelsvereinbarungen
zu schließen.

So kann der Präsident beispielsweise sofort Vereinbarungen

über eine Änderung von Einfuhrzöllen in Kraft setzen und dem Kongress
Abkommen über die Beseitigung nicht-tarifärer Handelsschranken zur sofortigen
Verabschiedung vorlegen.
Wenn heute 16 Prozent der Weltproduktion in den internationalen
Handel fließen, dann ist das doppelt so viel wie zur Zeit der Gründung
des GATT vor einem Vierteljahrhundert.

Mit der wachsenden Verflechtung

und gegenseitigen Abhängigkeit der einzelnen Volkswirtschaften - was
man heute mit dem Begriff Interdependenz zum Ausdruck bringt- wächst
die Notwendigkeit, ein liberaleres und faireres Welthandelssystem zu
schaffen.
Um was geht es bei der jetzigen, entscheidend wichtigen Runde der
Multilateralen Handelsverhandlungen? Es geht um folgende Punkte:
1.

Zölle:

Es muß eine Formel für eine generelle Senkung der

Zölle mit möglichst wenigen Ausnahmen gefunden werden.
2.

Nicht-tarifäre Handelsschranken:
t
- Quantitative Begrenzungen, wie Einfuhrquoten oder restriktive

Lizenzpraktiken müssen abgeschafft oder weitgehend abgebaut werden.
- Zollbewertung, d.h. Nomenklatur und Bewertung müssen nach

- 2 -

�nach einheitlichen Regeln vorgenommen werden.
- Subventionen und Ausgleichsabgaben müssen strengen internationalen Regeln unterliegen und dürfen keinen verzerrenden Einfluß auf den
Welthandel haben.
- Normen, die hinsichtlich der Gesundheits-, Sicherheits-, Verpackungs- und Umweltschutzvorschriften usw. aufgestellt werden, sollen
einer weltweiten Vereinbarung entsprechen.
- Regierungsaufträge sollen nach vereinbarten Regeln und,
soweit möglich, ohne Diskriminierung ausländischer Produzenten vergeben
werden.
3. Schutzbestimmungen, die die Anpassung einheimischer Industriezweige mit Hilfe temporärer Importbeschränkungen ermöglichen, sollen revidiert werden.
4. Agrarhandel - mit den drei Untergruppen Fleisch, Getreide und
Molkerei Produkte - bedarf einer eingehenden Analyse und der Liberalisierung und Stabilisierung.
5.

Tropische Erzeugnisse sollen nach spezieller Vereinbarung einer

Sonderbehandlung zugunsten der Entwicklungsländer unterliegen.
6.

Sektorale Behandlung soll Liberalisierungsabkommen auf bestimmten

Erzeugerbereichen ermöglichen.
7.

Verbesserung des Handeslrahmens soll durch eine klarere For-

mulierung der Regeln für den internationalen Handel dafür sorgen, daß
Entwicklungsländer einen besseren Zugang zu den Märkten finden, daß
Fragen des Zahlungsbilanzausgleichs leichter gelöst und daß Streitfragen

- 3 -

�Streitfragen beigelegt werden können.
In der Erklärung von Tokio heißt es ausdrücklich, daß die Verhandlungen als Ganzes gesehen werden sollen und daß auf allen Teilbereichen
gleichzeitig Fortschritte erzielt werden sollten.
Auf dem Wirtschaftsgipfel in London im Mai 1977 haben sich die
Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten ausdrücklich zu dem Ziel eines offenen internationalen Handelssystems und
zu einer maximalen Liberalisierung des Handels - als Aufgabe für die
Multilateralen Handelsverhandlungen - bekannt.

Im Juli vorigen Jahres

haben der Sonderbeauftragte Präsident Carters für Handelsverhandlungen,
Botschafter Strauss, und die EG-Kommissare Jenkins, Haferkamp, Gundelach
und Davignon in Brüssel nach ausführlichen amerikanisch-europäischen Beratungen einem Verfahren und einem Zeitplan zugestimmt, die der TokioRunde neuen Auftrieb gegeben haben.
Sicherlich wird es schwierig sein, in all den genannten Fragen und
Problemen eine völlige Übereinstimmung aller Beteiligten zu finden.
Die weltweiten wirtschaftlichen Schwierigkeiten - und auch die Tatsache,
daß es fast zwei Jahre dauerte, bis der amerikanische Kongress dem
Präsidenten die notwendigen Verhandlungsvollmachten für die Tokio-Runde
übertrug - haben den Fortschritt sicherlich nicht erleichtert.

Aber es

besteht doch alle Hoffnung, daß sich bis Juli dieses Jahres die Konturen
für ein neues, umfassendes übereinkommen deutlich abzeichnen werden.
Präsident Carter und seine Administration haben sich auf jeden Fall
nachdrücklich verpflichtet, wesentliche Handelsabkommen im Rahmen der
Tokio-Runde zu erreichen.

In Washington ist man der Überzeugung, daß

diese Vereinbarungen wesentlich sind - nicht "trotz" der bestehenden
Probleme, sondern "wegen" dieser Probleme.

Nach amerikanischer Auf-

fassung braucht man die Vorteile eines freieren und faireren Handels, um
den Motor des wirtschaftlichen Wachstums anzutreiben, Vertrauen bei den

- 4 -

�den Unternehmern zu schaffen,

die Investitionen zu fördern, die Arbeits-

losigkeit abzubauen und dem Verbraucher ein reichhaltigeres und preisgünstigeres Angebot zu bieten.
Die amerikanische Regierung ist ferner der Überzeugung, daß die
führenden Vertreter fast aller der an den Mulitlateralen Handelsverhandlungen beteiligten Länder - Industriestaaten wie Entwicklungsländer ihren politischen Willen zum Ausdruck gebracht haben, zu einem vernünftigen
Übereinkommen zu gelangen.
Andererseits hat der Sonderbeauftragte Präsident Carters für Handelsverhandlungen, Botschafter Robert S. Strauss, immer wieder erklärt,
daß die Vereinigten Staaten, wenn kein wesentliches Übereinkommen zustande kommen sollte, lieber auf ein Abkommen verzichten, als einem Abkommen zustimmen, das den besten Interessen der amerikanischen Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Verbraucher und Landwirtschaft sowie des Kongresses
widersprechen würde. Es wird jetzt darauf ankommen, den bekundeten
politischen Willen aller Verantwortlichen in den beteiligten Ländern
in ein allseits akzeptables wirtschaftliches Übereinkommen umzusetzen.

+ + + + +

- 5 -

�11

3. Mai 1978

PLANSTELLEN AN US-UNIVERSITÄTEN STÄNDIG ERWEITERT

- (AD) - Ungeachtet der laufend verschärften Kontrolle der Zuweisung
von Geldern, der steigenden Kosten als Folge der Inflation und des Rückgangs von Spenden erweitern die amerikanischen Universitäten und Colleges
kontinuierlich die Planstellen zur Beschäftigung von Wissenschaftlern
und Ingenieuren.

Einer Erhebung der Nationalen Wissenschaftsstiftung

(National Science Foundation - NSF) zufolge hat die Zahl der hauptberuflich tätigen Akademiker an diesen Institutionen wie schon seit 1969
beobachtet auch im letzten statistisch erfaßten Zeitraum (Januar 1976 Januar 1977) um drei Prozent zugenommen.

Anfang 1977 waren 236 225

Wissenschaftler und Ingenieure hauptberuflich

und weitere 61 830 mit

Teil zeitarbeit an den 2 190 von der Erhebung erfaßten Stätten akademischer
Forschung und Lehre beschäftigt.
Das Schwergewicht ihrer Tätigkeit verlagert sich offensichtlich immer
stärker von der reinen Forschung auf angewandte Forschung und Entwicklung.
Bei der Auswertung der Untersuchungsergebnisse fiel auf, daß im Erhebungszeitraum doppelt so viele weibliche wie männliche Bewerber eingestellt

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�eingestellt wurden.

Im Januar 1977 waren 36 800 Akademikerinnen an

den Hochschulen tätig.

Dennoch beträgt ihr Anteil an der Gesamtzahl der

Wissenschaftler und Ingenieure im Durchschnitt nur 16 Prozent. Auf
den Gebieten Psychologie und Sozialwissenschaften allerdings gibt es
Ausnahmen - dort lagen die Anteile bei 25 bzw. 18 Prozent.

+ + + ++

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i a

UUi//cn/choft
uMi Technik
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3. Mai 1978

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GLASLEITER MIT HOHER FESTIGKEIT

- (AD) - Glasleiter für die Nachrichtenübermittlung per LaserLicht sind dank einer neuartigen Beschichtung mit Aluminium wesentlich
dauerhafter und zuverlässiger als kunststoffbeschichtetes Material.
Das Verfahren wurde in den Forschungsanstalten der Hughes Aircraft
Company (Culver City, Kalifornien) entwickelt.

Die Glasleiter werden

in einem Metallmantel hermetisch eingeschlossen und so gegen Feuchtigkeit und vor anderen schädlichen Einflüssen geschützt.
Faseroptische Wellenleiter reagieren, obgleich sie aus reinem,
hochfestem Glas bestehen, überaus empfindlich selbst auf ganz geringfügigen Abrieb oder eine Fehlstelle im Glas. Bei dem neuen Verfahren
wird eine 15/1 U00 mm dicke Aluminiumschicht auf eine Glasfaser von
0,125 mm Durchmesser und 1 000 m Länge aufgebracht. Prüfungen unter
Feuchtigkeit bei Zug- und Druckspannung mit Belastungen bis zu 42 Tonnen
pro Quadratzentimenter ergaben, daß die aluminiumbeschichtete Faser
eine hunderttausendfache größere Lebensdauer hat als die herkömmliche
kunststoffbeschichtete Faser.

+ + + ++

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�Willi all
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und Technik

11

23

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3. Mai 1978

11

URKONTINENT - VOR 500 MILLIONEN JAHREN ENTSTANDEN

- (AD) - Paläomagnetische Meßdaten deuten in Verbindung mit der
Theorie der Plattentektonik darauf hin, daß Afrika, Südamerika, Australien, die Antarktis und Indien vor ca. 500 Millionen Jahren zu einem
riesigen Kontinentalblock "verschweißt" wurden.

Erst 200 bis 300 Millionen

Jahre später brach der Urkontinent wieder auseinander, einzelne Landmassen begannen in Richtung ihrer heutigen Position zu wandern. Zu
dieser Schlußfolgerung kam Dr. Michael McWilliams, Geophysiker an der
Stanford-Universität (Palo Alto, Kalifornien), auf Grund seiner Untersuchung von Gesteinen aus dem Präkambrium.

In den Proben ist die Richtung

des erdmagnetischen Feldes aus jener Zeit "konserviert", in der die
Gesteinsmineralien zum letzten Mal nach einem Aufschmelzprozess erstarrt
sind.

Und da die erdmagnetischen Pole - mit Ausnahme einer dann und

wann aufgetretenen Umkehr der Polarität - mehr oder weniger stationär
geblieben sind, gibt die Richtung, in der Gestein zum Zeitpunkt seiner
Erstarrung

magnetisiert wurde, einen wichtigen Hinweis aus seinem ur-

sprünglichen Lageplatz in der Erdrinde.
Wie Dr. McWilliams

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�Wie Dr. McWilliams auf einer Tagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union (19. April 1978 in Miami Beach, Florida) berichtete,
lassen die Ergebnisse der magnetischen Untersuchungen bestimmter Gesteinsschichten von den genannten Kontinenten den Schluß zu, daß diese
sich vor ca. 500 Millionen Jahren zu einem heute "Gondwanaland" genannten
Urkontinent vereinigt haben.

Mehr als 100 Millionen Jahre zuvor könnten

auf Grund der Daten aus Indien, Australien und der Antarktis diese drei
Festlandblöcke bereits einen kleineren Superkontinent gebildet haben,
den man als "Ostgondwanaland" bezeichnet.

McWilliams vermutet, daß Ost-

gondwanaland zumindest mit Afrika, wahrscheinlich aber auch mit Südamerika kollidiert ist.
Die Schollen der Erdrinde sind noch immer in Bewegung.

Die meisten

Erdbeben werden durch Reibungsvorgänge an ihren Rändern und Kollisionen
der Platten verursacht.

Aus Rissen zwischen den Platten brechen häufig

Vulkane hervor, denn an diesen Stellen kann heißes Magma aus dem Erdinnern nach außen dringen.

Die Plattenränder sind durch Gebirgsketten

gekennzeichnet, die bei solchen gigantischen Kollisionen aufgefaltet
wurden.

Weitere Aufschlüsse geben die im Zusammenhang mit solchen

Prozessen aufgetretenen Veränderungen an erhitztem, gestauchtem und umkristallisiertem Gestein.

Solche Randzonen sind beispielsweise die

Gebirgsketten auf beiden Seiten des Pazifik, die Gebirge von den Alpen
bis zum Himalaya oder die Appalachen im Osten Nordamerikas.
Dr. McWilliams wurde im vergangenen Jahr nach Stanford

berufen.

Zuvor war er an der Australian National University in Canberra tätig,
wo schon seit langem paläomagnetisehe Untersuchungen zur Oberprüfung
der Kontinentaldrift-Theorie im Gange sind.

In Canberra hatte

McWilliams mit Michael McElhinny (Canberra) und Alfred Kroner von der
Universität Mainz zusammengearbeitet.

Die Forschergruppe

ermittelte

bei einer Vielzahl von Gesteinsproben aus Australien und Afrika die
magnetische Ausrichtung.
bieten.

Das gesamte Material stammte von Festlandge-

Denn die Erdrinde am Grund der Meere wurde durch das

- 2 -

�durch das Auseinanderreißen der ozeanischen Schollen und Anlagern aufgequollener, erstarrender Magmamassen an den Rißzonen so stark umgebaut,
daß die ältesten Gesteine aus den Meeresregionen höchstens 250 Millionen
Jahre alt sind.

Paläomagnetisehe Messungen an diesen Gesteinen sind

nur für die Überprüfung der modernen Plattentektonik von Bedeutung;
sie geben den Wissenschaftlern Aufschluß darüber, wie sich die Schollen
in den letzten 200 Millionen Jahren bewegten und heute bewegen.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Vance verhandelte über SALT in Moskau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Abflugerklärung und des amerikanisch-sowjetischen Kommuniqués -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede von Außenminister Vance vor der CENTO-Konferenz in London&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz von US-Finanzminister Blumenthal in Mexiko-Stadt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Tokio-Runde in der entscheidenden Phase&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Carter Administration will zu liberalen Handelsvereinbarungen gelangen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Planstellen an US-Universitäten ständig erweitert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Glasleiter mit hoher Festigkeit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Urkontinent - vor 500 Millionen Jahren entstanden</text>
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                    <text>Information
und

I

1
I 3

TT) { I J M W I T M
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31. Mai 1978

13
I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters auf dem NATO-Gipfeltreffen in Washington
- Wortlaut Präsident des Nordatlantikrates eröffnete NATO-Gipfel in Washington
- Ansprache des türkischen Ministerpräsidenten Ecevit Ansprache von Generalsekretär Luns auf der NATO-Gipfelkonferenz
- Wortlaut Erklärung Carters zur Langfristigen Verteidigungspolitik der NATO
- Wortlaut AbSchlußerklärung Carters auf der NATO-Gipfelkonferenz
- Wortlaut Gemeinsame Resolution des US-Kongresses zur NATO
- Presseverlautbarung des Weißen Hauses Erklärung zum Treffen Carter-Schmidt in Washington
Mondale umreißt amerikanisches Abrüstungsprogramm
- Wortlaut der Ansprache auf der UN-Sondersitzung über Abrüstung Carter setzt sich für weltweiten Kampf gegen die Krankheit ein
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten Hintergrundmaterial

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�HINTERGRUNDMATERIAL
Gesundheit - ein menschliches Grundrecht
Neue amerikanische Initiativen auf internationalem Gebiet
WIRTSCHAFT
McDonald:

Tokio-Runde verläuft planmäßig

- Interview mit dem Leiter der US-Delegation Weltwirtschaft und Devisenmärkte in der zweiten Jahreshälfte 1978
Solomon: Währungsanpassungen funktionieren
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Sonnenenergie - das große Potential der Zukunft
- Lösung der Energieprobleme braucht mehr Flexibilität Pioniere zur Venus
- Neue amerikanische Forschungsserie -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
31. Mai 1978

13

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS AUF DEM NATO-GIPFELTREFFEN IN WASHINGTON
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf der Eröffnungssitzung der Tagung des Nordatlantikrates auf der Ebene der Staats- und
Regierungschefs am 30. und 31. Mai 1978 in Washington eine vielbeachtete
Erklärung abgegeben, in der er die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten
unterstrich, gemeinsam im Bündnis für die Verteidigung des Westens zu
sorgen und auf der Basis der Stärke die Entspannungsbemühungen fortzusetzen.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten auf dem NATO-Gipfeltreffen
am 30. Mai hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, Exzellenzen, Mitglieder des
Rates und verehrte Gäste,
im Namen des amerikanischen Volkes begrüße ich heute hier unsere
engsten Freunde und Verbündeten - die Führer des Nordatlantischen Bündnisses.
Vor 29 Jahren,

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Vor 29 Jahren, in einer ungewissen Zeit für den Weltfrieden, sprach
Präsident Truman anläßlich der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages
die folgenden Worte:
"Mit diesem Pakt hoffen wir, einen Schild gegen die Aggression zu
schaffen - ein Bollwerk, das uns erlauben wird, uns an die eigentlichen
Aufgaben der Regierung und Gesellschaft zu machen, die Aufgaben der
Schaffung eines erfüllteren und glücklicheren Lebens für alle unsere
Bürger."
Das an jenem Tag im April 1949 ins Leben gerufene Bündnis hat geholfen, unsere gemeinsame Sicherheit fast 30 Jahre lang zu bewahren fast ein Jahrzehnt länger als die Zeitspanne zwischen den beiden großen
Kriegen dieses Jahrhunderts.

Die Geschichte verzeichnet kein anderes

Bündnis, das so viele unterschiedliche Nationen eine so lange Zeit erfolgreich zusammengebracht hat, ohne daß ein einziger Schuß im Bösen
abgefeuert worden wäre.
Wir sind ein Verteidigungsbündnis.

Keine Nation braucht eine

Aggression unsererseits zu befürchten. Aber ebenso wenig sollte irgendeine Nation je Zweifel an unserem Willen hegen, vor einer Aggression
gegen uns abzuschrecken und sie zu besiegen.
Das Nordatlantische Bündnis ist ein Zusammenschluß von Völkern
aufgrund des Wunsches, für unsere Kinder eine sichere Zukunft - in
aller Freiheit - zu gewährleisten.
Unser Bündnis ist einzigartig, weil jede unserer 15 demokratischen
Nationen ein gemeinsames Erbe menschlicher Werte, der Herrschaft des
Rechts und des Glaubens an den Mut und den Geist freier Männer und
Frauen besitzt.
Die militärische

�Die militärische Stärke und die gemeinsame politische Zielsetzung
des Nordatlantischen Bündnisses hat uns dazu geführt, in Tausenden von
Einzelanstrengungen zusammenzuarbeiten und uns zurecht den Namen einer
Gemeinschaft zuzulegen.

Und das hat uns das Selbstvertrauen und die

Willensstärke gegeben, verbesserte Beziehungen zu unseren potentiellen
Gegnern anzustreben.
Als Amerikaner bin ich stolz, daß die Verpflichtung der Vereinigten
Staaten zur Sicherheit, Unabhängigkeit und Prosperität Europas heute so
fest steht wie eh und je. Wir sind Teil von Ihnen, und Sie sind Teil
von uns.

Die gegenseitigen

Versprechen des Vertrauens, die wir 1949

hier ausgetauscht haben, gelten fest und getreu.
Während der nächsten zwei Tage werden wir unsere Verpflichtungen zum
Bündnis bekräftigen, zu seiner Strategie und Co'&lt;trin, und unsere Verpflichtunger, zueinander. Wir werden eine einjährige Anstrengung überprüfen, die Ost-West-Beziehungen abzuschätzen, so wie sie existieren
und wie sie sich in Zukunft entwickeln könnten. Wir werden unsere
Zusammenarbeit in der Verteidigungsbeschaffung überprüfen. Und wir
werden durch ein breitangelegtes Programm der Verteidigungszusammenarbeit unsere individuellen Anstrengungen zu verstärken suchen, unsere
Sicherheit vor einer Aggression auf viele Jahre hinaus zu gewährleisten.
Wir müssen uns über die neuen Herausforderungen im klaren sein, vor
denen wir einzeln und kollektiv stehen und die von uns allen neue Anstrengungen fordern werden.
Die Sowjetunion und andere Länder des Warschauer Paktes stellen
eine militärische Bedrohung unseres Bündnisses dar, die ihre legitimen
Sicherheitsansprüche weit überschreitet.

Seit über einem Jahrzehnt

ist die militärische Macht der Sowjetunion stetig gewachsen, und sie ist
durchweg technologisch verfeinert worden.

Auf wichtigen Gebieten ist

die militärische Führung, derer wir uns einst erfreuten, zurückgegangen.

- 3 -

�zurückgegangen.
Heute können wir mit dieser militärischen Herausforderung fertig
werden.

Aber wir können nicht sicher sein, ob wir der künftigen mili-

tärischen Bedrohung entgegentreten können, wenn unser Bündnis nicht
seine Streitkräfte modernisiert und zusatzliche militärische Macht gewinnt.
Zu dieser Anstrengung werden die Vereinigten Staaten auf dem ganzen
Spektrum der konventionellen, taktisch nuklearen und strategisch nuklearen
Streitkräfte ihren Teil dazu beitragen.

Ich bin befriedigt, daß Amerikas

Verbündete sich uns beim Aufbau ihrer militärischen Macht anschließen.
Im vergangenen Jahr haben die Vereinigten Staaten ihre konventionelle
Kampfstärke in Europa erhöht, und sie verbessern ihre Kapazität für
eine rasche Dislozierung auf dem (europäischen) Kontinent, Amerikanische
Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräfte werden modernisiert, und die Vereinigten
Staaten werden die strategisch nukleare Gleichwertigkeit mit der Sowjetunion aufrechterhalten.
Unser Bündnis hat seinen Schwerpunkt in Europa, aber wir dürfen
unsere Wachsamkeit nicht auf den (europäischen) Kontinent begrenzen.
In den letzten Jahren ist die expandierende sowjetische Macht in zunehmendem Maße über das nordatlantische Gebiet hinaus vorgedrungen.
Während ich heute hier spreche, verhindern die Tätigkeiten der Sowjetunion
und Kubas in Afrika einzelne Nationen, ihren eigenen Kurs abzustecken. Als
Mitglieder des größten Bündnisses der Welt können wir diesen Ereignissen
nicht teilnahmslos gegenüberstehen - wegen ihrer Bedeutung für Afrika
und wegen ihrer Auswirkung auf die langfristigen Interessen des Bündnisses.
Ich begrüße die Anstrengungen einzelner NATO-Verbündeter, für den Frieden
in Afrika zu wirken und Nationen und Völker in Not zu unterstützen erst jüngst in Zaire.
Unser

�Unser Bündnis ist niemals Selbstzweck gewesen.

Es ist ein Mittel

und Weg, um Stabilität und Frieden in Europa zu fördern - ja den Frieden
in der ganzen Welt.

Unsere Stärke hat es uns ermöglicht,den Weg der

Entspannung und zu Abkommen über Rüstungsbegrenzungen einzuschlagen und
gleichzeitig die Sicherheit des Bündnisses zu erhöhen.

Verteidigung

in Europa, Ost-West-Entspannung und globale Diplomatie gehen Hand in
Hand.
Niemals zuvor hat ein Verteidigungsbündnis so viel Anstrengung
darauf verwandt, mit seinen Gegnern über Begrenzungen und Verringerungen
der Rüstungen zu verhandeln.

In unserer Suche nach wirksamen Rüstungs-

kontroi labkommen hat niemand etwas Gleiches vorzuweisen.
Die Vereinigten Staaten schreiten in ihren Verhandlungen mit der
Sowjetunion über ein neues Abkommen zur Begrenzung und Verringerung
strategischer Waffen weiter voran. Unser Ziel ist die Erhaltung und
Förderung der Sicherheit aller Mitglieder unseres Bündnisses. Wir werden
weiterhin unsere Verbündeten konsultieren und eng mit ihnen zusammenarbeiten, um zu gewährleisten, daß Rüstungskontrollanstrengungen unseren
gemeinsamen Erfordernissen dienen,,
NATO-Verbündete arbeiten auch an der beiderseitigen und ausgewogenen
Verringerung der Streitkräfte in Europa, um für alle Völker Europas
ein größeres Maß an Sicherheit auf einem niedrigeren Stand der Rüstungen,
der Spannungen und der Kosten zu erreichen. Die Verbündeten haben kürzlich
dem Warschauer Pakt einen neuen Vorschlag unterbreitet; und wir appellieren
an jene Länder, in dem positiven Geist zu antworten, in dem unser Angebot
vorgelegt wurde.
Unsere Bemühungen, in beiden diesen Verhandlungen Waffen und Streitkräfte zu verringern, werden von der Notwendigkeit der Gleichwertigkeit
und der Ausgewogenheit der militärischen Kapazitäten in Ost und West geleitet. Das ist die einzige dauerhafte Basis für die Förderung von

- 5 -

�von Sicherheit und Frieden»
Die Herausforderungen, vor denen wir als Verbündete stehen, sind
hier nicht zu Ende.

Wirtschaftliche Veränderungen in unseren Ländern

und in der ganzen Welt haben unsere Abhängigkeit von einander erhöht
und unsere Anstrengungen zur Förderung von wirtschaftlichen und sozialem
Wohlergehen erschwert.
wirtschaftlichen

Gesellschaftliche Veränderungen, zum Teil durch

und politischen Fortschritt hervorgerufen, werden von

jeder unserer Nationen kreatives Denken und kreative Anstrengungen
erfordern.

Unser Bündnis gewinnt durch unsere gemeinsamen Ziele und

unsere gemeinsame

Erfahrung zusätzliche Stärke.

Und schließlich stehen wir vor der Aufgabe, die menschlichen Werte
und die Menschenrechte zu fördern, die die letztliche Zielsetzung und
der letztliche Sinn unseres Bündnisses sind.

Die Aufgabe ist nicht

leicht; und der Weg zur Freiheit ist niemals leicht gewesen.
Aber unsere Staaten umfassen vornehmlich die Region der Welt, wo
die Freiheit am besten gedeihen kann.

Wenn wir daher die Entspannung

anstreben, müssen wir weiterhin die volle Verwirklichung der vor drei
Jahren unterzeichneten Übereinkommen von Helsinki über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa durch die Länder des Warschauer Paktes und
unsere eigenen Länder anstreben.
Wenn wir auf der fundamentalen Stärke des Nordatlantischen Bündnisses
aufbauen, dann bin ich zuversichtlich, daß wir mit allen Herausforderungen
der kommenden Jahre fertig werden können.
In der Zukunft - wie in der Vergangenheit - werden die Regierung
und das Volk der Vereinigten Staaten an unserer Verpflichtung zu Frieden
und Freiheit - die uns allen als Verbündeten gemeinsam ist - standhaft
festhalten.
+ + + + +

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1
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i

3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31. Mai 1978

13

PRÄSIDENT DES NORDATLANTIKRATES ERÖFFNETE NATO-GIPFEL IN WASHINGTON
- Ansprache des türkischen Ministerpräsidenten Ecevit -

WASHINGTON - (AD) - Der türkische Ministerpräsident Bulent Ecevit
eröffnete als derzeitiger Ratspräsident am 30.Mai 1978 die zweitägige
Gipfelkonferenz des Nordatlantikrates - des höchsten politischen Gremiums
des Bündnisses - in Washington.

Seine Rede, die auf die Begrüßungsan-

sprache des amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter als Gastgeber folgte,
hat folgenden Wortlaut:
Wenn ich hier die Sitzung des Nordatlantikrates unter Beteiligung
der Staats- und Regierungschefs eröffne, ist es mir eine angenehme Pflicht,
im Namen aller meiner Kollegen Präsident Carter und der Regierung der
Vereinigten Staaten unseren aufrichtigen Dank für die herzliche Gastfreundschaft auszusprechen, die sie uns in der besten Tradition des
amerikanischen Volkes angedeihen lassen.
Das entscheidende Charakteristikum des Nordatlantikvertrages ist es,
daß sich seine Funktion nicht darauf beschränkt, durch kollektive Anstrengungen und durch Zusammenarbeit die Sicherheit seiner Mitgliedstaaten zu gewährleisten.

Das Bündnis widmet sich auch der Aufgabe,

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Aufgabe, gewisse moralische Werte wie Freiheit und die Menschenrechte
zu bewahren und aufrechtzuerhalten und gleichzeitig das überleben und
die friedliche Verbreitung der Demokratie sicherzustellen.
Es sei hier mit Genugtuung festgestellt, daß diese moralischen
Werte heute in allen Mitgliedstaaten gültiger und weiterverbreitet sind
als je zuvor, und daß die Demokratie in ihnen allen existent ist und erfolgreich arbeitet.
Wenn man bedenkt, daß die Freiheit, die Menschenrechte und die
Demokratie in der Welt außerhalb des nordatlantischen Bündnisses während
der letzten Jahre keine größeren Fortschritte erzielt haben, wird deutlich, ein wie wichtiger Faktor - wenngleich sicherlich nicht der einzige
Faktor - die Mitgliedschaft in der NATO für die Förderung dieser moralischen Werte und der Demokratie ist.

Es ist ferner klar, daß unser

Bündnis in der Verbreitung dieser Werte und des Ideals der Demokratie
über die Grenzen seiner Mitgliedstaaten hinaus nicht sehr wirksam war.
Das mag zum Teil ein Ergebnis andersgearteter Verhältnisse in
vielen anderen Ländern sein.

Es ist wahrscheinlich aber auch der Tat-

sache zuzuschreiben, daß es uns nicht gelungen ist, die richtige Einstellung in Relation zu den Ländern außerhalb des Bündnisses zu finden,
und daß unsere Beziehungen mit der übrigen Welt unzureichend sind.
Diese Unzulänglichkeit läßt sich vermindern oder kompensieren - nicht
durch den Versuch, unsere Werte oder unser Regime anderen aufzuzwingen,
dondern durch größere Anstrengungen, ein gegenseitiges Verständnis zustandezubringen.
Eines der wichtigsten Menschenrechte ist das Recht, in Frieden
und Sicherheit zu leben. Bemühungen um die Verbreitung der Achtung vor
den Menschenrechten und den menschlichen Freiheiten sollten deshalb so
gestaltet werden, daß sie den Frieden und die Sicherheit stärken. Die
beste Methode, das zu bewirken, scheint es zu sein, die Möglichkeiten

- 2 -

�Möglichkeiten freier Kontakte zwischen den Menschen, den Kulturaustausch
und die Zusammenarbeit überall auf der Welt zu verbessern und mitzuhelfen,
die Lebenskraft und Leistungsfähigkeit der Demokratie selbst in jenen
Gesellschaften unter Beweis zu stellen, die sich noch im Stadium der
Entwicklung befinden.
Das N^rdatlantische Bündnis hat erheblich zur
Krieges und später zur Entwicklung der Entspannung
spannung kann sich aber in einer im raschen Wandel
nicht auf ein statisches Gleichgewicht stützen und

Beendigung des Kalten
beigetragen. Entbegriffenen Welt
darf nicht von einer

Einfrierung der bestehenden Verhältnisse abhängig gemacht werden. Die
NATO sollte versuchen, ein wirksameres Agens des positiven Wandels in
dieser sich rasch weiterentwickelnden Welt zu werden, und sie sollte
ferner ein dynamisches statt eines statischen Gleichgewichts zu erreichen
suchen - dynamisch in einer Art und Weise, die schließlich das Wesen der
Entspannung selbst verändern würde. Die Entspannung, die heute in der
Hauptsache auf ein Gleichgewicht der bewaffneten Abschreckung basiert,
sollte sich mehr auf ein gegenseitiges Verständnis und Vertrauen stützen,
sodaß sie schließlich zu einem gesünderen und gedeihlicherem Frieden
führen würde.
Mit diesem Ziel vor Augen sollten die NATO und ihre Mitgliedstaaten
bestrebt sein, die Entfremdung zwischen den beiden kollektiven Sicherheitssystemen sowie auch mit der übrigen Welt durch einen zunehmenden
Dialog zu ersetzen.
Wenn die Entspannung in unserer schrumpfenden und in immer größere
wechselseitige Abhängigkeit geratenden Welt unteilbar ist, dann sollte
unser Bündnis nicht erhaben über die Probleme und berechtigten Besorgnisse jener sein, die außerhalb des Bündnisses stehen. Es sollte sich
davor hüten, sich diese zu entfremden.
Nur dadurch, daß die NATO zu einem gesünderen Frieden, zur Entstehung

- 3 -

�Entstehung einer Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens und zu einer
ausgewogeneren und gesünderen Entwicklung überall auf der Welt beiträgt,
kann sie die Sicherheit und ein friedliches Gedeihen auch für ihre eigenen
Mitgliedstaaten am ehesten gewährleisten.

Wir müssen deshalb Sorge tragen,

daß sich die NATO in den Augen anderer nicht als ein Klub von Priviliegierten
oder als eine nur auf die eigenen Interessen bedachte Versammlung von
Ländern darbietet.
Auch wenn wir jene Art von Entspannung und Frieden anstreben, die ich
eben zu beschreiben versucht habe, ist es ganz natürlich, daß das Nordatlantische Bündnis angesichts der derzeitigen Weltlage den Wert und die
Notwendigkeit der Abschreckung nicht unterschätzen darf.

Die Abschreckung

läßt sich jedoch nicht ausschließlich durch bewaffnete Stärke erzielen.
Die Abschreckungskraft eines Bündnisses sollte erreicht und verstärkt
werden
-

durch eine gleichmäßige Verteilung der Verteidigungskapazitäten,
die keinerlei Machtvakuum innerhalb des kollektiven Verteidigungssystems läßt;

-

durch eine gleichmäßige Aufteilung der Verantwortung, sodaß an
die Stelle einer übermäßigen Abhängigkeit von einem Verbündeten
eine wechselseitige Abhängigkeit unter allen Verbündeten treten
kann;

-

und

durch die Glaubwürdigkeit eines jeden Verbündeten in den Augen
der anderen Mitgliedstaaten und des Bündnisses als Ganzem in
den Augen der übrigen Welt.

Dieses Vorgehen würde und sollte im Verein mit dem fortwährenden
Festhalten an den demokratischen und menschlichen Wertvorstellungen,
die unserem Bündnis zugrunde liegen, dessen moralische Stärke mehren.
Es sollte kein Zweifel bestehen, daß die moralische Stärke mindestens

�mindestens so wichtig ist wie die materielle Stärke.
Es läßt sich in aller Fairness sagen, daß einige dieser Kriterien
der moralischen Stärke in unserem Bündnis gegenwärtig nicht in ausreichendem Maße gegeben sind.

Das ist bis zu einem gewissen Grad vielleicht

einem Nachlassen des Verantwortungsbewußtseins zuzuschreiben, das die
Entspannung bewirkt hat.
Anläßlich der Unterzeichnung der Erklärung über die

atlantischen

Beziehungen im Juni 1974 in Brüssel habe ich erklärt, die verläßlichste
Bewährungsprobe für ein Bündnis seien Perioden der Entspannung und des
Friedens... Wenn ein Bündnis eine Periode der Entspannung und des Friedens
zu überstehen und die Probleme und Konflikte zu lösen vermag, die innerhalb eines Bündnisses in Zeiten des Friedens und der Entspannung auftreten,
und wenn es diese überlebt, dann und nur dann darf man der Lebenskraft
und Verläßlichkeit des Bündnisses sicher sein.
Ich glaube es bestehen im gegenwärtigen Augenblick hinreichend
Gründe zur Besorgnis innerhalb des Nordatlantischen Bündnisses,die es
mir gestatten, diese meine Ausführungen, die ich vor vier Jahren gemacht
habe, mit noch größerem Nachdruck zu wiederholen.
Die Spannungen, Schwierigkeiten und Meinungsunterschiede, die wir
innerhalb des Bündnisses haben, können und sollten in einem Klima gegenseitigen Verständnisses gelöst werden. Das zu erreichen, müssen wir offen
miteinander diskutieren, die unseren Schwierigkeiten zugrunde liegenden
Ursachen analysieren und die Entschlußkraft und das Verantwortungsbewußtsein aufbringen, sie umgehend zu lösen.
Was unsere Einstellung zu den Ost-West-Beziehungen angeht, so
sollte dies meines Erachtens durch eine umfassende Konzeption von der
Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses bestimmt werden, die sicherstellt, daß die Zusammenarbeit unter den Ländern des Westens und des

- 5 -

�des Ostens durch Schaffung eines Geflechts gemeinsamer Interessen eines
Tages an die Stelle des Wettstreits unter ihnen treten kann.
Die zunehmende wechselseitige Abhängigkeit - Interdependenz - in
der Welt von heute gibt uns die Hoffnung auf ein solches Verhältnis.
Wir dürfen dabei nicht übersehen, daß die Welt nicht nur aus Mitgliedstaaten dieses Bündnisses und des Warschauer Paktes besteht.
wärtig dreht sich die Welt um zwei Achsen:
Nord-Süd-Achse.

Gegen-

eine Ost-West- und eine

Fortschritte und eine dynamische Stabilität sollten

auf diesen beiden Fronten möglich sein.

Wir müssen das Gelöbnis er-

neuern, das wir in der Erklärung über die Atlantischen Beziehungen zum
Ausdruck gebracht haben, nämlich anderen zu helfen - den Entwicklungsländern zu helfen, die Ziele der Demokratie, der Menschenrechte, der
Gerechtigkeit und des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts zu
erreichen.

Wir müssen unsere Verpflichtung auf ein offenes und gerechtes

Weltsystem überzeugender als bisher honorieren.
In der Zwischenzeit sollten wir auf eine faire und wirksame Ordnung
der wirtschaftlichen Hilfe, der Zusammenarbeit und der Solidarität innerhalb des Bündnisses hinarbeiten und dabei die Unteilbarkeit von Verteidigungskapazität und wirtschaftlicher Stärke im Auge behalten. Wir
sollten uns daran erinnern, daß es eines der Hauptziele der Erlangung
von Frieden und Sicherheit ist, Prosperität und Wohlfahrt sicherzustellen.
Verteidigungsmaßnahmen sind lediglich Mittel zu diesem Zweck. Wir dürfen
nicht zulassen, daß die Mittel dem Zweck übergeordnet werden.
Während diese Tagung stattfindet, befaßt sich gleichzeitig die
Vollversammlung der Vereinten Nationen auf einer Sondersitzung mit Fragen
der Abrüstung und Rüstungskontrolle. Hier geht es nicht nur um das
überleben des Menschen, sondern auch um Fragen einer gesunden Entwicklung der Länder dieser Erde.
Verteidigungsmaßnahmen

- 6 -

�Verteidigiingsmaßnahmen und Abrüstung mögen auf den ersten Blick
als einander

widersprechend erscheinen.

lichkeiten unserer Zeit.

Das ist eine der Widersprüch-

Wir müssen über solche Widersprüchlichkeiten

hinweg nach Harmonie streben.

Wir können dies im Falle von Fortschritten

in Richtung auf die Abrüstung dadurch versuchen, daß wir, wie ich schon
ausgeführt habe, das Wesen der Detente langfristig verändern, indem wir
sie in zunehmendem Maße auf gegenseitiges Verständnis und Vertrauen statt
auf die bewaffnete Abschreckung gründen.
Unser Zusammenschluß von Nationen zielt darauf ab, den Frieden zu
erhalten und zu stärken - nicht nur durch unsere Bewaffnung und die
kollektive Verteidigung, sondern auch, und in noch größerem Ausmaß, durch
die verstärkte Konzentration auf Freiheit und Gerechtigkeit, durch die
Achtung vor der Würde des Menschen und durch Anstrengungen für den
Fortschritt, die Prosperität und das Wohlergehen der gesamten Menschheit.
Ich wünsche allen Mitgliedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses
auf diesem ehrenhaften Weg Frieden und Erfolg.

+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

31. Mai 1978

Ansprache von Generalsekretär Luns auf der NATO-Gipfelkonferenz
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Generalsekretär Joseph Luns hat am 30. Mai 1978
auf der Eröffnungssitzung der Gipfelkonferenz des Nordatlantikrates in
Washington eine Ansprache gehalten, die folgenden Wortlaut hat:
In diesem Jahr nimmt eine große Anzahl von Staats- und Regierungschefs an der Sitzung des Nordatlantikrates teil.
geber, Präsident Carter,

Ich möchte unserem Gast-

meinen besonderen Dank dafür aussprechen, daß

er darauf drängte, dieses Treffen auf höchster Ebene abzuhalten, sowie
dafür, daß er uns hier in Washington empfängt, der Hauptstadt der Vereinigten Staaten

- dieses großen Landes, das über zwei Jahrhunderte lang

Ausdruck von Freiheit und Demokratie für die Welt insgesamt und nahezu
dreißig Jahre lang der Felsen war, auf dem die Kollektive Sicherheit
unseres Bündnisses letztlich ruht.
Bevor ich mich der Gegenwart zuwende, möchte ich jenem Staatsmann
meine Reverenz

erweisen, der so früh und auf so tragische Weise starb

und nach dem das Gebäude

benannt wurde, in dem wir heute zusammenkommen:

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�zusammenkommen:

Präsident Kennedy.

Während seiner kurzen Amtszeit im

Weißen Haus haben der inspirierende Geist und die Stärke seiner Zielsetzung in schwierigen Zeiten ihm weltweite

Wertschätzung gebracht und

große Erwartungen wach werden lassen, die dann durch seine brutale Ermordung zerstört wurden.
Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die Politik der Entspannung,
die vor einigen Jahren von den Mitgliedern des Bündnisses eingeleitet
wurde, das internationale Klima verbessert hat - insbesondere im Spektrum
der Ost-West-Beziehungen.

Es bleibt jedoch noch viel zu tun, und trotz

aller Bemühungen und des guten Willens der Verbündeten kommen manche derzeit stattfindenden Verhandlungen nicht so gut voran, wie man es wünschen
möchte.

Ferner hat es in der Welt,und insbesondere in Afrika, ein

ständiges Anwachsen der Zahl der Konflikte und Zwischenfälle gegeben,
die häufig durch die Einmischung der Sowjetunion oder ihrer Satelliten
noch verschärft wurden.
Es ist vielleicht nicht immer möglich, die Auswirkungen dieser
Ereignisse zu begrenzen, die die Interessen und die Sicherheit bestimmter
Mitglieder des Bündnisses gefährden könnten. Ich bin überzeugt, daß
angesichts solcher Situationen unser Bündnis vermehrte Glaubwürdigkeit
erlangen würde, wenn es deutlicher seine Entschlossenheit sowie die
Identität seiner Ansichten demonstrierte, wenn immer die kollektive Sicher
heit seiner Mitglieder auf dem Spiele steht.
Auch die militärische Situation gibt Anlaß zur Besorgnis. Zu der
numerischen Überlegenheit, die der Warschauer Pakt lange Zeit hinsichtlich der konventionellen Truppen besaß, kommt nun auch ein Ausmaß an
technologischer Verfeinerung, das die qualitative Lücke beseitigt, die
bisher die Unterlegenheit des Bündnisses hinsichtlich der Mannschaftsstärken ausglich. Außerdem hat die Sowjetunion - und dies erachte ich als
besonders ernst - in den letzten Jahren eine See- und Luftkapazität
aufgebaut, die ihre konventionellen Streitkräfte in die Lage versetzt

- 2 -

�versetzt, entweder direkt zu intervenieren oder die Aktivitäten ihrer
Verbündeten in Gebieten zu unterstützen, die in zunehmendem Maße weit
entfernt von ihren eigenen Grenzen liegen.
Es scheint mir jedoch - und das ist beruhigend -,daß sowohl die
Regierungen als auch die Völker aller Länder unseres Bündnisses sich in
immer stärkerem Maße der gefährlichen Natur der Welt, in der wir leben,
bewußt werden und begreifen, daß das sine qua non für das Streben nach
Entspannung die Aufrechterhaltung einer angemessenen Verteidigungskapazität ist, um nicht nur der offenen Aggression, die vielleicht unwahrscheinlich ist, Widerstand entgegenzusetzen, sondern auch jeder anderen
Form des Drucks. Dieses Bewußtsein hat bereits zu einer Anzahl konkreter
Entscheidungen geführt: In den Vereinigten Staaten hat der Verteidigungsminister ein Fünfjahres-Programm vorgelegt, das sein Land in den Stand
setzen soll, die Verteidigungskapazität des Bündnisses im Falle eines
Angriffs zu verstärken. Eine wachsende Anzahl von europäischen Ländern
hat ebenfalls die Mittel erhöht, die für die Verteidigung bereitgestellt
werden. Und im Bündnis selbst schließlich - und es ist diese kollektive
Anstrengung, die meines Erachtens die wirksamste ist - haben die an der
integrierten militärischen Verteidigung beteiligten Länder alle ein langfristiges Verteidigungsprogramm gebilligt. Im Rahmen dieses Programms
wird jeder Teilnehmerstaat auf beiden Seiten des Atlantik im Verhältnis
zu seinen Möglichkeiten zur gemeinsamen Verteidigung beitragen. Auf
der europäischen Seite wird jedes Land sich bemühen, seine eigene Fähigkeit zur Abwehr der Aggression zu verbessern, und es wird für die notwendige Infrastruktur sorgen, damit die Verstärkungen von der anderen
Seite des Atlantik auf wirksamste Weise eingesetzt werden können. Was
die Rüstung anbetrifft, so ist geplant, in ausgewogener Weise die bestehende
Zusammenarbeit zwischen den amerikanischen und den europäischen Partnern
zu erweitern.

So wichtig es auch ist, so ist dieses langfristige Verteidigungprogramm

- 3 -

�^

Verteidigungsprogramm nur ein Aspekt der jüngsten Entwicklung innerhalb
unseres Bündnisses:

des wachsenden Bewußtseins unserer Solidarität

und der Bekräftigung der Verpflichtung eines jeden, die Sicherheit aller
zu gewährleisten.

Die Anwesenheit der

höchsten Regierungsvertreter

im Nordatlantikrat - zum zweiten Mal innerhalb von etwa mehr als einem
Jahr - ist der überzeugende Beweis für den Geist der Solidarität.

Die

wiederholten Erklärungen Präsident Carters, daß das Atlantische Bündnis
der Eckpfeiler der Außenpolitik der Vereinigten Staaten bleibt, ist ein
weiterer Beweis.

Die Versicherungen des Präsidenten der Vereinigten

Staaten, daß sein Land - weit davon entfernt, seine Verpflichtungen gegenüber Europa zu vermindern - vielmehr entschlossen ist, diese zu vergrößern, hat das Vertrauen der europäischen Länder in ihr Bündnis sowie
ihre

Bereitschaft für die Beteiligung an der Verteidigung unserer ge-

meinsamen Kultur verstärkt.

Dennoch könnte unsere Solidarität noch weiter

entwickelt und mehr auf den wirtschaftlichen Bereich ausgedehnt werden:
Die Länder des Bündnisses haben sicherlich noch nicht alle den gleichen
Entwicklungsstand erreicht.

Ich, meinerseits, würde es begrüßen, wenn

die reicheren Länder sich gegenüber den weniger begünstigten Staaten
großzügiger verhielten, wenn es darum geht, diesen bei der Ausweitung
ihrer Wirtschaft und der Stärkung ihrer militärischen Kapazität zu helfen.

Ich habe eingangs gesagt, daß wir in einer Welt leben, die von
Drohungen und Ungewißheiten heimgesucht ist. Umso angenehmer ist es
festzustellen, daß alle unsere Mitgliedstaaten, die sich jetzt seit
vielen Jahren einer Regierung erfreuen, die auf den Grundsätzen der
Demokratie, der Freiheit des einzelnen und der Herrschaft des Rechts
basiert, fest gegen alle Bemühungen extremistischer und lautstarker
Minoritäten eingestander sind,die politische und soziale Struktur zu
unterminieren, und daß sie dies ohne Einschränkung der Freiheit des
Einzelmenschen getan haben. Zusammen mit den neutralen Ländern Europas
haben sich die Verbündeten in Belgrad unmißverständlich als Vorkämpfer
der Freiheit des einzelnen erwiesen. In einer unpolemischen Geist
fordern sie die volle Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki, einen

- 4 -

�einen feien Gedankenaustausch und eine Respektierung der Menschenrechte.
Die. Verwirrung, die die andere Seite an den Tag legte, machte es aller
Welt klar, wo die Freiheit herrscht.
Wenige Schritte von hier steht das Abraham Lincoln-Memorial - zu
Ehren eines
Präsidenten, der einer der inbrünstigsten Exponenten
dieser Freiheit und einer der größten Verfechter der Menschenrechte war.
Möge sein Beispiel richtungsweisend für unsere Erörterungen sein, möge
es dazu beitragen, daß die Völker unseres Bündnisses unsere Freiheit und
unsere Demokratie fördern, die von allen Seiten bedroht sind - nicht nur
durch Diktatur und Angst, sondern auch in einer heimtückischeres, aber
gleichermaßen beunruhigenden Art durch eine übermäßige Hinwendung zu
materiellem Komfort und Wohlstand.

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31. Mai 1978

13

ERKLÄRUNG CARTERS ZUR LANGFRISTIGEN VERTEIDIGUNGSPOLITIK DER NATO
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 31. Mai 1978, dem
zweiten Tag der NATO-Gipfelkonferenz in Washington, vor der Vollsitzung des
Nordatlantikrates eine Erklärung zur langfristigen Verteidigungspolitik des
Nordatlantischen Bündnisses abgegeben. Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
Ich danke Ihnen, Herr Generalsekretär.
Diese Art von Unterrichtungen lassen den gewaltigen Umfang der Aufgaben
erkennen, vor denen wir stehen. Sie sind kein Anlaß zur Panik, aber sie
sollten unsere Entschlossenheit stärken.
Als ich vor 16 Monaten mein Amt antrat, verschaffte ich mir einen Überblick über den Stand der amerikanischen Verteidigung. Ich fand sie stark,
obwohl sie einiger Verbesserungen bedurfte. Vor allem kam ich zu dem Entschluß, daß die Vereinigten Staaten die höchste Priorität Europa, und speziell
der konventionellen Verteidigung, die in den ersten Stadien eines Konflikts
gebraucht wird, einräumen müsse.
T ,
3
Ich
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�Ich kam aus zwei Gründen zu diesem Schluß.

Erstens, die Länder des

Warschauer Paktes, vor allem die Sowjetunion, haben ihre konventionellen
Streitkräfte über alle legitimen Verteidigungserfordernisse hinaus ständig
ausgebaut und modernisiert.

Sie sind heute in der Lage, mit großen Panzer-

kräften rascher anzugreifen, als wir früher glaubten.

Zweitens, obwohl die

amerikanischen Nuklearstreitkräfte stark bleiben und von fundamentaler Bedeutung für die Abschreckung sind, wird die seit langem erkannte Rolle der
konventionellen Streitkräfte in der Abschreckung vor einem Krieg immer wichtiger.
Dementsprechend habe ich den Verteidigungsminister angewiesen, die
konventionelle Erstverteidigungskapazität in Europa zu stärken.

Natürlich

hätten solche Anstrengungen wenig Sinn, wenn sie nicht von Verbesserungen
der konventionellen Kapazität unserer NATO-Verbündeten begleitet würden.
Die europäischen NATO-Länder, nicht die Vereinigten Staaten, stellen den
Großteil unserer Streitkräfte in Europa.

Im übrigen begrenzen die konkurrie-

renden Forderungen unserer freien Gesellschaften den Anteil unserer Mittel,
den wir für die Verteidigung aufwenden können.

Wir müssen deshalb unsere

Verteidigungsplanung koordinieren, um diese begrenzten Mittel bestens zu
nutzen.
Ich weiß aus unseren Erörterungen in London im vorigen Jahr, daß Sie
meine Ansichten hinsichtlich der Herausforderungen der Zukunft teilen. Die
Antworten, die wir gemeinsam ausgearbeitet haben, sind eindrucksvoll. Wir
alle nehmen bedeutsame reale Erhöhungen unserer Verteidigungshaushalte vor.
Wir stärken unsere nationalen Streitkräfte - und wir werden noch mehr tun.
Und schließlich haben wir ein kühnes Langfristiges Verteidigungsprogramm
ausgearbeitet, um in den kommenden Jahren zusammen eine noch wirksamere
kollektive Verteidigung auf die Beine zu stellen.
Wenn wir unsere konventionelle Verteidigung verbessern, dann dürfen
wir nicht vergessen, daß die Stärke unserer strategischen und taktischen
Nuklearstreitkräfte für die Abschreckung und Verteidigung ebenfalls notwendig ist.
Diese

�Diese Streitkräfte sind voll ausreichend - und werden es auch in Zukunft
sein.

Rüstungskontrolle kann die Abschreckung stabiler und vielleicht we-

niger kostspielig machen - aber sie wird in absehbarer Zukunft die Notwendigkeit nuklearer Streitkräfte nicht beseitigen.
Jahrelang hat sich das Bündnis in erster Linie auf amerikanische strategische Streitkräfte verlassen, wenn es um die Abschreckung vor einem nuklearen Angriff in Europa ging.

Diese Koppelung amerikanischer strategischer

Streitkräfte mit Europa ist von entscheidender Wichtigkeit, denn sie bedeutet,
daß ein Angriff auf Europa die vollen Konsequenzen wie ein Angriff auf die
Vereinigten Staaten haben würden.
gen machen!

Hier soll sich niemand falsche Vorstellun-

Die Vereinigten Staaten sind bereit, alle für die Verteidigung

des NATO-Gebietes notwendigen Streitkräfte einzusetzen.
Als Bündnis müssen wir weiterhin unsere Erfordernisse der nuklearen
Abschreckung im Lichte der Entwicklungen der sowjetischen Nuklearstreitkräfte
und konventionellen Streitkräfte überprüfen. Als ein Ergebnis des Langfristigen Verteidigungsprogramms prüft die Nukleare Planungsgruppe im Detail die
Modernisierung unserer taktischen Nuklearstreitkräfte, einschließlich der
Frage von Langstrecken-Nuklearsystemen. Wir müssen auch gemeinsam über das
Verhältnis von taktischen Langstrecken-Nuklearsystemen und Rüstungskontrolle
sprechen.
Dies wird erforderlich machen, daß wir über den ganzen Bereich politischer und militärischer Fragen sprechen und sichergehen, daß wir die Koppelung amerikanischer strategischer Streitkräfte mit der Verteidigung Europas
aufrechterhalten. Wenn wir dies zusammen prüfen, dann versichere ich Ihnen,
daß die Vereinigten Staaten die uns zur Verfügung stehenden Optionen schützen werden, wenn sich die Verhandlungen über SALT II einem Abschluß nähern.
Ich möchte mich jetzt den konventionellen Streitkräften zuwenden - dem
Hauptbestandteil des langfristigen Verteidigungsprogramms. Schließlich geben wir die meisten Mittel für unsere konventionellen und nicht für unsere
nuklearen Streitkräfte aus.
Wir
- 3 -

�Wir müssen uns darauf vorbereiten, als Bündnis wirksamer zusammen zu
kämpfen.

Wir müssen unsere Fähigkeit, auf dem Gefechtsfeld zusammenzuar-

beiten, wesentlich verbessern.

Wir müssen unnötige Überschneidungen in un-

seren nationalen Programmen überwinden, damit wir für das gleiche Geld mehr
Sicherheit kaufen.
Um all das geht es bei dem Langfristigen Verteidigungsprogramm.

Es

stellt einen einzigartigen Versuch der NATO dar, über eine größere Zahl
von Jahren hinweg vorauszublicken als je zuvor.

Es strebt einen koopera-

tiven Kurs als den einzig vernünftigen Weg zur Verbesserung unserer Verteidigung ohne unnötige Erhöhungen der Verteidigungsausgaben an.
spezifische Maßnahmen der Zusammenarbeit im Bündnis vor.

Es sieht

Es ist der Gesamt-

plan, den wir brauchen, und wir müssen ihn mit allem Nachdruck ausführen.
Selbstverständlich ist jeder von uns von der parlamentarischen Billigung einzelner Programme und Projekte im Rahmen des Langfristigen Verteidigungsprogramms abhängig.

Da wir an der Spitze von Demokratien stehen,

können wir unsere Völker nicht durch unseren Willen binden.

Wir können

uns jedoch verpflichten, alles Notwendige zu tun, um diese Billigung sicherzustellen und dieses Programm in die Praxis umzusetzen.
Die Vereinigten Staaten reagieren bereits auf viele Empfehlungen des
Langfristigen Verteidigungsprogramms, vor allem auf dem Gebiet der Verstärkung. Und die Empfehlungen werden in unserem eigenen nationalen Verteidigungsprogramm höchste Priorität erhalten. Kurz gesagt, wir werden unseren
Teil dazu beitragen, amerikanische Programme anzupassen oder zu verändern,
um das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO zu unterstützen. Ich
bin sicher, daß Sie ähnlich handeln werden.
Und schließlich möchte ich noch den verbleibenden ungelösten Aspekt
des Langfristigen Verteidigungsprogramms erwähnen. Obwohl das Programm
eine neue und beispiellose Zusammenarbeit im Bündnis fordert, sind bis jetzt
noch keine Verfahren ausgearbeitet worden, um sicherzustellen, daß es auch
- 4 -

�auch verwirklicht wird.

Wir müssen uns vor kühnen, aus vollem Herzen ge-

billigten Programmen hüten - die dann weitgehend vergessen werden.

Der uns

vorliegende Bericht weist den Generalsekretär an, zur nationalen Prüfung
die Veränderungen vorzulegen, die für eine nachhaltige Durchführung notwendig sind.

Sowohl die Arbeitsgruppen der NATO als auch wir Amerikaner haben zu diesem Zwecke mehrere spezifische Vorschläge unterbreitet.

So treten wir bei-

spielsweise für eine ausdrückliche Anerkennung der neuen Konzentration der
NATO auf die Logistik ein.

Eine Möglichkeit ist die Schaffung des neuen

Amtes eines Beigeordneten Generalsekretärs für Logistik.

Wir treten ferner

für eine klare Zuweisung der Zuständigkeit für jedes Programm an ein NATOGremium ein.
vorziehen.

Wo angebracht, würden wir ein eigenes großes NATO-Kommando

Aber ich möchte Sie nicht ersuchen, heute über unsere Vorschläge

zu sprechen.

Ich möchte Sie statt dessen ersuchen, daß alle Führer des

Bündnisses sich mir heute in der Forderung nach einer nachhaltigen Verwirklichung des Programms anschließen.

Lassen Sie mich abschließend feststellen, daß wir vor einer einzigartigen Chance stehen, unsere nationalen Verteidigungsprogramme enger zusammenzubringen.

Das Ergebnis wird eine wirksamere Verteidigung sein.

wird eine größere Sicherheit für unsere Völker sein.

Wir sind dafür ver-

antwortlich, daß diese Chance nicht ungenutzt verstreicht.

+ + + + +

- 5 -

Die Folge

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
31. Mai 1978

13

ABSCHLUSSERKLÄRUNG CARTERS AUF DER NATO-GIPFELKONFERENZ
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 31. Mai 1978 zum Abschluß
der zweitägigen NATO-Gipfelkonferenz eine Erklärung abgegeben, in der er
einen Überblick über den Gang der Gespräche gab und die Konferenz als produktiv und konstruktiv bezeichnete.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Als der führende Politiker der Gastregierung möchte ich erklären, daß
es für uns eine dankenswerte Erfahrung war, die Konferenz der NATO-Länder
hier in Washington abzuhalten.

Wir haben hier zwei Tage lang konferiert,

und erfahrenere Politiker haben erklärt, daß dies die bisher umfassendste,
freimütigste und produktivste NATO-Konferenz war.
Der nachhaltigste Eindruck, den ich gewonnen habe, ist der einer allgemein anerkannten gemeinsamen Zielsetzung.

Das Bündnis ist ganz offensicht-

lich ein Bündnis der Einigkeit. Es ist ein Bündnis des vollkommenen Einsatzes
und auch ein Bündnis, das sich darüber im klaren ist, daß 30 Jahre des Friedens durch 15 Länder herbeigeführt wurden, weil wir gemeinsam stark und ge-

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�gemeinsam einer Partnerschaft verpflichtet sind, die sich auf gemeinsame
Überzeugungen und Ideale, auf ein gemeinsames Erbe sowie auf eine gemeinsame
Verpflichtung zur Demokratie, zur Freiheit und zur Herrschaft des Rechtes
gründet.
Neben der Aufrechterhaltung der Stärke für die gemeinsame Verteidigung
haben wir ferner die Tatsache bekräftigt, daß wir mit den Ländern des Warschauer
Paktes in einem allgemeinen Frieden leben möchten und daß es keine Unvereinbarkeit zwischen der Sondersitzung über Abrüstung in New York und deren Zielsetzungen und den Zielsetzungen des Nordatlantischen Bündnisses gibt.
Wir glauben, daß der nützlichste Schritt zu einer allgemeinen Abrüstung
die sichtbare Stärke der NATO-Verbündeten ist. Wir haben drei grundlegende
Themen erörtert.

Das eine war die Zusammenarbeit bei der Entwicklung und

Produktion von Waffen, die zu einer ausgewogeneren Verantwortung bei diesem
sehr wichtigen Vorhaben führen und auch in der Standardisierung von Waffenkomponenten und -Systemen und damit einem weitaus höheren Grad der Verteidigungskapazität bei gegebenen Verteidigungsausgaben resultieren kann.
Zweitens haben wir die Analyse einer einjährigen Studie der Ost-WestBeziehungen - politisch, wirtschaftlich und militärisch - abgeschlossen,
was hinsichtlich ihrer Vorbereitung eine sehr erhellende Erfahrung war; und
ich glaube, sie hat das gemeinsame Verständnis für die gegenwärtigen und
möglichen zukünftigen Beziehungen zwischen den Ländern des Warschauer Paktes,
ihren Freunden und Verbündeten und der NATO-Gemeinschaft, ihren Freunden und
Verbündeten gefestigt.
Das wichtigste Thema war möglicherweise9ein Langfristiges Verteidigungsprogramm zu definieren und uns darauf zu verpflichten.

Dies wiederum war

nach einer einjährigen Studie seitens unserer Verteidigungsminister und ihrer
Mitarbeiter vorgeschlagen worden.

Es gab eine einstimmige Billigung dieser

sich über die nächsten 15 Jahre erstreckenden Verpflichtung, und es wurde
einmütig anerkannt, daß diese zusätzlichen Verbesserungen unserer Verteidi-

- 2 -

�Verteidigungskapazität nicht nötig seien als Ergebnis von Furcht und Unruhe
oder Krisen oder tiefer Besorgnis, sondern daß dies eine Neubestätigung der
Notwendigkeit eines starken Bündnisses sei, die sich widerspiegelt in einer
gemeinsamen Neubelebung des Bündnisses aufgrund unserer gemeinsamen Verpflichtung zur Wahrung seiner militärischen Stärke.
Wir beschlossen ferner, diese Empfehlungen durchzuführen. Darüber
hinaus erörterten wir Fragen, die für uns alle von gemeinsamem Interesse
sind: Die SALT-Verhandlungen - ihre gegenwärtigen und zukünftigen Aussichten -; die Gespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung, die unserer Ansicht nach neuen Auftrieb gewinnen; allgemeine Fragen,
die den Nahen Osten und Afrika betreffen; die Wirtschaft unserer Länder.
Ich glaube, wir hatten ein sehr gutes Gespräch - manchmal etwas heftig - über
die südliche Flanke der NATO, was die Vereinigten Staaten, Griechenland und
die Türkei angeht. Ich bestätigte der gesamten Gruppe die Zielsetzung meiner Administration, die gesetzlichen Hindernisse für die Lieferung
von militärischer Ausrüstung und Waffen an die Türkei zu beseitigen - eine
Maßnahme, die noch vom Kongreß erörtert werden muß.
Das gesamte Bündnis hat sich nachhaltig dafür ausgesprochen.

Griechen-

land brachte einige voraussehbare Einwände vor, aber man war sich doch einig
über die Notwendigkeit, Harmonie zwischen Griechenland und der Türkei herzustellen und die südöstliche Flanke der NATO zu stärken.
Und schließlich war überall ein Gefühl der Freundschaft und der gemeinsamen Geschichte zu spüren.
Bündnis, das stark ist.

Wir bekräftigten unsere Verpflichtung zu einem

Und ich glaube, wir alle sehen die Zukunft jetzt

weitaus klarer als zu dem Zeitpunkt, da mit dieser langen, mühsamen aber produktiven Studie begonnen wurde.
Was die NATO ist, was sie sein kann, beurteile ich heute viel positiver,
und ich glaube, daß die potentiellen Reibungen, die zwischen autonomen, individualistischen und stolzen Völkern entstehen, auf ein Mindestmaß verrin-

�verringert wurden. Und ich denke, daß jeder an dieser Konferenz teilnehmende führende Vertreter der Diplomatie und Verteidigung sowie jeder Regierungschef die hier von mir eben vorgetragene Beurteilung teilt.
Es war eine produktive und konstruktive Konferenz, die zu einer verbesserten Möglichkeit für den Frieden in Europa, für unser eigenes Land
und Kanada, ja auf der ganzen Welt führen wird.
Ich danke Ihnen.

•

•

+ + + + +
•

•

.

•

�RTiiilfäfi

Hfl
•1

I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31. Mai 1978

13

GEMEINSAME RESOLUTION DES US-KONGRESSES ZUR NATO
- Presseverlautbarung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 30. Mai 1978 eine gemeinsame
Entschließung des amerikanischen Kongresses zur Bekräftigung der NATO-Verpflichtung der Vereinigten Staaten unterzeichnet.

Das Weiße Haus gab dazu

folgende Presseverlautbarung heraus:
Präsident Carter hat heute morgen eine gemeinsame Resolution des Kongresses
der Vereinigten Staaten unterzeichnet, in der die Einheitlichkeit unserer Verpflichtung gegenüber dem Nordatlantischen Bündnis bekräftigt wird.

Die Unter-

zeichnungszeremonie fand im Thomas Jefferson-Saal des Außenministeriums vor
der Aufnahme des offiziellen Fotos mit den Leitern der NATO-Delegationen statt.
In der Erklärung anläßlich der Unterzeichnung betonte der Präsident,
daß das Gipfeltreffen der NATO, wie die Resolution feststellte, "der Schlußstein der Bemühungen ist, zu gewährleisten, daß die Erfordernisse der kollektiven Sicherheit im nächsten Jahrzehnt erfüllt werden." Seit fast 30 Jahren
habe die NATO "den Frieden erhalten und ihren Mitgliedern ermöglicht, einen
nie dagewesenen Stand der Prosperität und des Wohlergehens für ihre Völker
zu erreichen."
In

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�In seiner Erklärung sagte der Präsident:

"Wir sind bereit, den Heraus-

forderungen der Zukunft zu begegnen - im Vertrauen auf unser Bündnis und in
Sicherheit seiner Unterstützung durch unsere Bevölkerung.

Diese Entschließung

bekräftigt, daß sich die NATO auch weiterhin der breiten, überparteilichen
Unterstützung im Kongreß erfreuen wird, die sie immer gehabt hat.

Meine Ad-

ministration wird sich dem Kongreß - mit den Worten der Resolution - anschließen, 'um die Einheit des Nordatlantischen Bündnisses zu bekräftigen,
seine Verteidigungsfähigkeit, den Bedrohungen des Friedens begegnen zu können,
zu stärken und auf dieser Grundlage in den Versuchen fortzufahren, die Spannungen mit den Staaten des Warschauer Paktes abzubauen.'
Die Resolution des amerikanischen Kongresses hat folgenden Wortlaut:
Da vor 30 Jahren der Kongreß die Vandenberg-Resolution verabschiedet
hat, die zu einem Ausdruck der höchsten Eigenschaften überparteilicher Staatskunst geworden ist, und
da das Nordatlantische Bündnis den Frieden in Europa für eine ganze Generation erhalten und es seinen Mitgliedern ermöglicht hat, einen nie dagewesenen Stand der Prosperität und des Wohlergehens für ihre Völker zu erreichen, und
da sich die Führer des Bündnisses am 30. und 31. Mai in Washington, D.C.,
versammeln werden, um ihr Festhalten an seinen Prinzipien zu erneuern und sich
erneut seinen Zielsetzungen zu verschreiben, und
da dieses Treffen der Schlußstein der Bemühungen ist, zu gewährleisten,
daß die Erfordernisse der kollektiven Sicherheit im nächsten Jahrzehnt erfüllt
werden; beschließen hier und heute
der Senat und das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten von Amerika,
im Kongreß versammelt, daß das Nordatlantische Bündnis als lebenswichtige Verpflichtung und Eckstein der amerikanischen Außenpolitik bekräftigt wird und

- 2 -

�und daß der überparteiliche Geist, der seine Geburt beflügelt hat, zu dem
Zwecke erneuert wird, es in der Sache von Frieden und Sicherheit weiter zu
stärken.
Der Kongreß erkennt den außerordentlichen Erfolg des Nordatlantischen
Bündnisses bei der Erfüllung seiner Zielsetzungen an, die Freiheit, das gemeinsame Erbe und die Kultur ihrer Völker, die auf den Grundsätzen der Demokratie, der Freiheit der Person und der Herrschaft des Rechts beruhen, zu
gewährleisten.
Anläßlich des NATO-Gipfeltreffens in Washington erklärt der Kongreß
seine Unterstützung der Bemühungen, die Einheit des Nordatlantischen Bündnisses zu bekräftigen, seine Verteidigungsfähigkeit, den Bedrohungen des
Friedens begegnen zu können, zu stärken und auf dieser Grundlage in den Versuchen fortzufahren, die Spannungen mit den Staaten des Warschauer Paktes
abzubauen.

- 3 -

�3
I

m 1)

Dokumentation
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31. Mai 1978

13

ERKLÄRUNG ZUM TREFFEN CARTER-SCHMIDT IN WASHINGTON

WASHINGTON - (AD) - Das Büro des Pressesekretärs des Weißen Hauses
gab am 30. Mai 1978 im Anschluß an ein gemeinsames Frühstück von Präsident
Jimmy Carter und Bundeskanzler Helmut Schmidt - das der Sitzung des Nordatlantikrates auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs voranging - folgende Erklärung heraus:
Präsident Carter und Bundeskanzler Schmidt von der Bundesrepublik
Deutschland hielten heute morgen im Weißen Haus ein einstündiges Arbeitsfrühstück ab, um wichtige internationale Fragen zu besprechen.

Bundeskanzler

Schmidt befindet sich als Leiter der Delegation seines Landes zu dem Gipfeltreffen des Nordatlantischen Bündnisses in Washington.
Der Präsident und der Kanzler bekräftigten ihre feste Verpflichtung
zur Stärkung der Abschreckungsfähigkeit des Nordatlantischen Bündnisses, auf
dessen Grundlage sie ihre Bemühungen um eine Verbesserung der Zusammenarbeit
zwischen Ost und West fortsetzen wollen. Der Kanzler gab dem Präsidenten
einen Überblick über seine Gespräche mit dem sowjetischen Präsidenten
Breschnew. Sie führten eine allgemeine Aussprache über die Ost-West-Beziehungen und kamen überein, die enge Konsultation auf diesem Gebiet fortzusetzen,
Präsident

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�Präsident Carter gab einen überblick über den bisherigen Fortschritt
bei den Verhandlungen über ein SALT II-Abkommen, wobei er unterstrich, daß
die Sicherheitsinteressen unserer NATO-Verbündeten bei jedem erreichten Abkommen berücksichtigt sein werden.

Der Präsident und der Kanzler gaben ihrer

Hoffnung Ausdruck, daß die neue westliche Initiative bei den MBFR-Verhandlungen, die im April dieses Jahres auf den Tisch kam, dazu beitragen wird,
diese Gespräche voranzubringen.
Präsident Carter und Bundeskanzler Schmidt besprachen auch die Planung
für den Wirtschaftsgipfel, der am 16. und 17. Juli in Bonn stattfinden wird.
Sie kamen überein, daß die wichtigen Führer der Weltwirtschaft eine koordinierte, übereinstimmende Methode suchen müssen, um die Probleme höherer Energiekosten, großer Arbeitslosigkeit, Inflation, Investitionsschwäche und Zahlungsbilanzungleichgewichte in den Griff zu bekommen.

Sie kamen überein,

nach einer engeren kurz- und mittelfristigen Koordinierung der Wirtschaftspolitik zu streben und sich eindringlich auf die langfristigen Strukturprobleme zu konzentrieren, vor denen die Weltwirtschaft steht.
Der Präsident und der Kanzler begrüßten diese Gelegenheit zu einem
persönlichen Gedankenaustausch über wichtige Fragen und werden zusammen mit
anderen Ländern ihre Anstrengungen fortsetzen, die Inangriffnahme gemeinsamer
Probleme zu synchronisieren. Beide sahen mit besonderem Interesse dem kommenden Staatsbesuch des Präsidenten in der Bundesrepublik Deutschland und
in Berlin Mitte Juli vor dem Wirtschaftsgipfel entgegen,

+ + + + +
'

�1

Dokumentation

I

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13

31. Mai 1978

MONDALE UMREISST AMERIKANISCHES ABRÜSTUNGSPROGRAMM
Wortlaut der Ansprache auf der UN-Sondersitzung über Abrüstung

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter Mondale hat am
24. Mai 1978 auf der Sondersitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen
ein acht Punkte umfassendes Aktionsprogramm der Vereinigten Staaten vorgelegt
und dabei eine Reihe von "kühnen Initiativen und realistischen Schritten" im
Namen der USA angeboten.
Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich habe die Ehre, als Repräsentant des amerikanischen Präsidenten an
dieser Sondersitzung der UN-Vollversammlung Über Abrüstung teilzunehmen.
Die Nationen der Welt sind heute hier versammelt, um der lebenswichtigsten und feierlichsten Verpflichtung der Charta der Vereinten Nationen
nachzukommen - "die nachfolgenden Generationen vor der Geißel des Krieges
zu retten."
Die Initiative zu unserem heutigen Treffen geht von den blockfreien
Staaten aus.

Diese Nationen, die die große Mehrheit der Weltbevölkerung um-

fassen, sind sich der Hilflosigkeit und der Hoffnungslosigkeit besonders be-

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�bewußt, die sich durch das Wettrüsten ausbreiten.

Ich erweise ihnen meine

Reverenz dafür, daß sie uns zusammengerufen haben, um uns dieser Herausforderung zu stellen.
Und wir zollen auch der Hingabe und dem Beitrag der vielen nicht-staatlichen Organisationen, die hier vertreten sind, unseren Beifall.

Das Wett-

rüsten berührt das Leben aller Männer, Frauen und Kinder auf der Welt.

Die

Rüstungskontrolle ist eine viel zu wichtige Angelegenheit, als daß man sie
allein einigen wenigen oder auch allen Regierungen überlassen könnte.

Sie

sind für uns Gewissen und Inspiration.
Mein teurer Freund, Hubert Humphrey, war einer der ersten, der seine
Stimme für eine Kontrolle der Rüstung und die Abrüstung erhob.
von der Herausforderung, der wir uns heute gegenübersehen.
er:

Er sprach

Wörtlich sagte

"Wir leben heute in einer neuen Ära, einer Ära, die einen Mut neuer Art

fordert.

Zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit hat eine Generation

buchstäblich die Macht, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu
zerstören - die Macht, der Zeit ein Ende zu bereiten."
.

Und wenn wir das Wettrüsten nicht eindämmen, dann gefährden wir nicht nur
die Zukunft, sondern wir berauben auch die Gegenwart ihrer Mittel.
Während die Menschen auf der Welt nach Nahrung und Unterkunft, nach
Gesundheitsfürsorge und Schulausbildung schreien, werden die Ressourcen unseres Planeten mehr und mehr für die Mittel zur Zerstörung anstatt zur Bereicherung des menschlichen Lebens verwandt.

Die Rüstungskosten auf der gan-

zen Welt haben eine Gesamtsumme von 400 Milliarden Dollar im Jahr erreicht.
In jeder Minute gibt die Welt fast eine Million Dollar für Waffen aus.

über

26 Millionen Männer und Frauen auf der Welt stehen in militärischem Dienst.
Kein verantwortlicher Führer auf der Welt, kein Elternpaar und kein einzelner auf dieser Erde kann im Schatten dieses wachsenden Welt-Waffenarsenals
sicher leben.

Aber im Angesicht dieser wachsenden Gefahr ist diese Konferenz

ein Symbol der Hoffnung.
Diese

�Diese Sondersitzung über Abrüstung der Vollversammlung der Vereinten Nationen bietet die Hoffnung auf einen größeren Fortschritt in Richtung Abrüstung
und auf eine Welt, in der die Gefahr des Krieges weitgehend verringert und
die Sicherheit jeder Nation voller gewährleistet ist.

Die Vereinigten Staaten messen der Arbeit dieser Konferenz große Bedeutung bei.

Im Oktober vorigen Jahres stattete Präsident Carter den Vereinten

Nationen eigens einen Besuch ab, um hervorzuheben, wie stark Amerika für die
Rüstungskontrolle und Abrüstung eintritt.

Er unterstrich unsere Bereitschaft,

auf eine Welt hinzuarbeiten, die wahrhaft von Kernwaffen frei ist.

Er ver-

sprach unseren vollen und unbedingten Einsatz für eine Umkehr des Rüstungstrends und eine Reduzierung der Waffenverkäufe.

Seitdem haben sich die Vereinigten Staaten in Rüstungskontrollverhandlungen engagiert, wie sie in einem so weiten Umfang in unserer Geschichte bisher
nicht geführt wurden.

Zusammen mit unseren Verhandlungspartnern haben die

Vereinigten Staaten eine Geschäfts- und Tagesordnung ausgearbeitet, wie sie
in diesem Umfang bisher von keiner Nation versucht wurde.

Wir unternehmen konkrete Maßnahmen auf zehn verschiedenen Gebieten - von
Abkommen über Kernwaffen bis zu regionalen Beschränkungen, zu Begrenzungen
der konventionellen und unkonventionellen Waffen, wie den Anti-Satelliten
und radiologischen Waffen.

Die Vereinigten Staaten rechnen damit, daß sie in nicht zu ferner Zukunft an zwei Erfolgen von historischer Bedeutung beteiligt sein werden:

- Zum erstenmal seit Anbruch des Atomzeitalters werden wir zu einem Abkommen über die Reduzierung der kombinierten Gesamtzahl der Trägersysteme für
strategische Nuklearwaffen der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten gelangen;
und

- nach zwei Jahrzehnten der Verhandlungen werden wir ein umfassendes
Versuchsverbot zur Kontrolle der nuklearen Explosionen durch die Vereinigten
- 3 -

�Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion schaffen.
Die Vereinigten Staaten begrüßen diese Gelegenheit, um zu überprüfen,
was bisher geleistet wurde, um unseren Kurs für die vor uns liegenden Jahre
abzustecken und uns erneut zu einem weiteren Erfolg zu verpflichten.
Wir sind hier, um die anderen Staaten anzuhören und uns auch selbst
in bezug auf die Rüstungskontrolle und Abrüstung zu Gehör zu bringen.

Denn

diese Sitzung ist Teil eines Prozesses, bei dem wir alle im Geist der Offenheit und der gegenseitigen Achtung zusammenwirken müssen.
Wie Präsident Kennedy einst sagte:
"Wahrhafter Friede muß das Produkt von vielen Nationen, die Summe von
vielen Taten sein."
Um zu vermeiden, daß wir in einem Jahrzehnt in einer Welt leben, in der
eine dreiviertel Billion Dollar für Waffen ausgegeben wird und in der es weitere Staaten mit Kernwaffen gibt, müssen wir über ein Programm verfügen, das
in seinem Entwurf visionär und in seiner Aktion realistisch ist.
Realismus erfordert, daß wir das zentrale Problem des Wettrüstens klar
ins Auge fassen - die Sorge jeder Nation und jeder Regierung um die Sicherheit
ihres Volkes. Wäre das Wettrüsten von Wahnsinnigen angetrieben, dann gäbe es
keine Hoffnung. Kontrollen lägen dann außerhalb des Bereichs jeder rationalen
Erörterung. Zweifellos spielen auch irrationale Kräfte mit, aber das Wettrüsten wird auch von anderen Erwägungen getrieben - von der Technologie, von
internationalen Spannungen und von legitimen Sicherheitserfordernissen.
Eine besonnene und kluge Politik eines jeden Staates muß sowohl eine ausreichende militärische Bereitschaft als auch Bemühungen um Rüstungskontrolle
umfassen, wenn seine Sicherheit gewährleistet sein soll. Auf kurze Frist kann
von keinem Staat gefordert werden, daß er seine Verteidigung auf ein Niveau

�Niveau senkt, das unter der Schwelle der Gefahren liegt, denen er sich gegenübersieht.

Aber ohne Rüstungskontrolle unter den Staaten werden auf

lange Sicht Waffen auf Waffen gehäuft werden - mit einem Verlust an Sicherheit für alle.
Diese Konferenz bei den Vereinten Nationen sowie die NATO-Gipfelkonferenz
in der nächsten Woche in Washington lassen die Entschlossenheit der Vereinigten
Staaten augenfällig werden, jeden nur möglichen Schritt in Richtung auf eine
stärkere Rüstungskontrolle zu ergreifen, während gleichzeitig die wesentlichen
Sicherheitserfordernisse garantiert werden.
Heute ist unser Verteidigungshaushalt real nicht größer als zu Ende
der fünfziger Jahre und geringer als noch vor einem Jahrzehnt. Andere
Länder haben jedoch ihre Militärhaushalte während der letzten zehn Jahre real
um mehr als ein Drittel erhöht.
Wir und unsere NATO-Verbündeten sind stark, und wir werden diese Stärke
erhalten, um die Verteidigung unserer Völker zu sichern. Aber wir sehen uns
in Europa einem anhaltenden militärischen Aufbau noch nicht dagewesenen Ausmaßes gegenüber. Der Warschauer Pakt hat in bezug auf Panzer ein Übergewicht
von nahezu drei zu eins entwickelt. Die SS-20-Nuklearrakete, die gegenwärtig
gegen Westeuropa disloziert wird, ist ein neuer Ausgangspunkt an Zerstörungskraft und stellt eine wesentliche Erhöhung der nuklearen Drohung der Sowjetunion dar.
Das NATO-Gipfeltreffen in der nächsten Woche in Washington wird die westlichen Demokratien erneut auf einen militärischen Stand festlegen, mit dessen
Hilfe man in der Lage ist, vor Angriffen abzuschrecken und sich gegen sie zu
verteidigen. Wir werden weiterhin darauf vorbereitet sein, gegenüber dem
Spektrum konventioneller, taktisch-nuklearer und strategischer Kräfte Widerstand zu leisten. Angesichts des anhaltenden Aufbaus der Streitkräfte des
Warschauer Paktes werden wir in mäßiger Weise die Verteidigungshaushalte unserer Länder vergrößern. Wir tun das nicht, weil wir es wollen, sondern weil
es notwendig ist.
3

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Gleichzeitig

�Gleichzeitig wird die NATO-Gipfelkonferenz die Verpflichtung des Westens
zu der anderen Dimension unserer gemeinsamen Sicherheitspolitik bekräftigen
und unterstreichen - dem Streben nach Rüstungskontrolle.

Wir werden uns den

Rüstungskontroll-Initiativen zuwenden, die der Westen in der letzten Zeit ergriffen hat und weiterhin ergreifen wird.

Wir werden unsere kontinuierliche

starke Unterstützung für den Erfolg dieser Sondersitzung anbieten.
In seiner Friedensbotschaft im Januar dieses Jahres hat sich Seine
Heiligkeit, Papst Paul VI, der Arbeit dieser Sondersitzung zugewandt, als er
erklärte:
"... Das Gewissen der Welt ist erschreckt durch die Hypothese, daß unser
Friede nichts als ein Waffenstillstand ist und daß plötzlich eine unkontrollierbare Feuersbrunst ausgelöst werden kann.
Wir würden gerne diesen bedrohlichen und schrecklichen Alptraum dadurch
aus der Welt schaffen, das wir mit allem Nachdruck die Absurdität des modernen
Krieges sowie die absolute Notwendigkeit des Friedens proklamieren - nicht
eines Friedens, der sich auf die Macht der Waffen gründet, die heutzutage
mit einer infernalischen Zerstörungskraft ausgestattet sind ..., und der
sich auch nicht auf die strukturelle Gewalttätigkeit bestimmter politischer
Regime gründet, sondern der basiert auf der geduldigen, vernünftigen und
loyalen Methode der Gerechtigkeit und der Freiheit, so wie sie die großen
internationalen Institutionen der Gegenwart fördern und verteidigen".
Heute möchte ich mich dieser Botschaft zuwenden.
Ich möchte kühne Ziele und realistische Schritte darlegen - eine Vision,
die unsere Rüstungskontrollanstrengungen leiten und uns helfen sollte, den
Mittelpunkt unserer Arbeit während der nächsten Wochen, unser Aktionsprogramm,
zu entwickeln.
Erstens

�Erstens sollten wir die Zahl der strategischen Kernwaffen wesentlich
reduzieren und ihrer weiteren Entwicklung in zunehmendem Maße strenge qualitative Begrenzungen auferlegen.
Die Vereinigten Staaten sind sich zusammen mit der Sowjetunion und anderen Kernwaffen-Staaten darüber im klaren, das sie eine besondere Verantwortung tragen.

Das SALT II-Abkommen, das in zunehmendem Maße Gestalt an-

nimmt, wird
- die Zahl der jetzt vorhandenen strategischen Trägerwaffen reduzieren
und den verbleibenden Trä'gersystemen eine Grenze setzen;
- Teilgrenzen für jene Systeme festlegen, die besonders bedrohlich und
destabilisierend sind;
- der Verbesserung bereits vorhandener Waffen sowie der Entwicklung neuer
und modernerer Systeme Beschränkungen auferlegen.
Was genauso wichtig ist: Das SALT II-Abkommen
messener Weise verifizierbar sein. Es wird keiner
sie plötzlich durch einen unentdeckten Betrug eine
damit das strategische Gleichgewicht durcheinander
schreckung vor einem nuklearen Krieg abhängt.

muß und wird in angeSeite zugestanden, daß
Überlegenheit erhält und
bringt, von dem die Ab-

Erfolgreiche SALT-Verhandlungen werden einen wesentlichen Beitrag zum
Frieden leisten.

SALT II dient den Interessen aller Länder.

Diese Verhand-

lungen verdienen eine weltweite Unterstützung.
Aber SALT II ist nur ein Schritt im Rahmen eines sehr schwierigen langfristigen Prozesses. Wir hoffen, bald mit SALT III beginnen zu können.

Die

Vereinigten Staaten - und diesen Punkt möchte ich unterstreichen - haben sich
einer weiteren wesentlichen Reduzierung der Kernwaffen sowie noch strikteren
Begrenzungen hinsichtlich der Modernisierung und hinsichtlich neuer Typen
von Trägersystemen verpflichtet.
Auch
- 7 -

�Auch andere Länder werden eine solche Verpflichtung eingehen müssen,
wenn SALT sowie andere Verhandlungen Erfolg haben sollen.
Jedoch hat die Zahl der sowjetischen nuklearen Gefechtsfeldwaffen zugenommen.

Die bemerkenswerteste Entwicklung hier war die Dislozierung der

SS-20 - einer neuen mobilen Mittelstreckenrakete.

Jedes dieser Raketenge-

schosse, deren Zahl in die Hunderte geht, sobald die Dislozierung abgeschlossen sein wird, trägt drei nukleare Gefechtsköpfe, von denen jeder eine
Sprengkraft von schätzungsweise 500 Kilotonnen hat.

Diese hohe Sprengkraft

im Verein mit der Treffsicherheit der SS-20 hat die militärische Kapazität
der Sowjetunion gegen militärische wie auch zivile Ziele bedeutend verstärkt.
Zugleich bedeutet die hohe Sprengwirkung, daß eine extensive Schädigung der
Zivilbevölkerung auftreten würde - bei einer Sprengwirkung, die sich bis 12
Kilometer von der Explosionsstelle weg ausbreitet.

Die SS-20, die zwar

nicht auf die Vereinigten Staaten gerichtet ist, vermag Ziele nicht nur in
Europa, sondern auch in Asien, Afrika und im Nahen Osten zu treffen.

Die

Dislozierung dieser Waffe steht in völligem Gegensatz zu all dem, was diese
Sondersitzung zu erreichen versucht.

Was aber kann eine solche Kernwaffen-

Eskalation rechtfertigen?
An zweiter Stelle auf unserer Tagesordnung sollte die Beendigung sämtlicher Versuche mit nuklearen Sprengsätzen stehen.
Bald nach seinem Amtsantritt kündigte Präsident Carter seine Absicht
an, "rasch und energisch mit einem umfassenden Teststopp-Vertrag voranzukommen. ..,durch den die Erprobung aller nuklearen Sprengsätze, seien sie
für friedliche oder militärische Zwecke, ausgeschaltet wird." Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion traten daraufhin in bilaterale Verhandlungen ein, die darauf gerichtet sind, dieses historisch bedeutsame Ziel zu erreichen. Bei einem Erfolg dieser Verhandlungen wird ein Prozeß seinen Höhepunkt erreichen, der Ende der fünfziger Jahre begann. Seine
Grundlagen werden die Zwischenergebnisse des Vertrages über ein begrenztes
Versuchsverbot vom Jahre 1963 und die 1974 und 1976 zwischen den USA und

- 8 -

�und der Sowjetunion unterzeichneten Verträge über das Verbot von Versuchen
mit bestimmten Schwellenwerten und über friedliche Nuklearsprengsätze bilden.
Ein umfassendes Versuchsverbot würde einen wesentlichen Beitrag zur Eindämmung des nuklearen Wettstreits zwischen den Supermächten bilden.

Es würde

den Anreiz zur Entwicklung von Kernwaffen von Seiten solcher Staaten vermindern, die diese Waffen bisher noch nicht besitzen und damit den Nichtweiterverbreitungsvertrag stärken.
Trilaterale Verhandlungen darüber finden zur Zeit in Genf statt. Ein
wichtiger Fortschritt auf ein in angemessener Weise verifizierbares Abkommen
wurde gemacht. Sobald ein Abkommen zustande gekommen ist, werden wir uns
energisch um die Verwirklichung eines von allen Staaten akzeptierten Teststopp-Vertrages bemühen. Alle Staaten müssen dazu gebracht werden, auf solche Versuche zu verzichten.
Die anhaltende Erprobung nuklearer Sprengsätze war gleichsam eines der
Hauptsymbole für die Nichtbereitschaft des Menschen, auf eine weitere Entwicklung der verheerendsten Waffen in der Welt zu verzichten. Dies kann,
muß und wird beendet werden.
Zum dritten müssen wir bei der Begrenzung und Reduzierung der den
existierenden Nuklearstaaten bereits zur Verfügung stehenden Waffen vereint darauf hinwirken, daß im Verlauf des nächsten Jahrzehnts und auch danach keine weiteren Kernwaffenstaaten entstehen können.
Daß sich Kernwaffen auf eine immer größere Zahl von Ländern und Regionen
ausbreiten könnten, ist eine bedrückende Perspektive.
scheinlichkeit ihrer Anwendung immer größer.

Damit wird die Wahr-

Eine solche Proliferation würde

die regionalen und globalen Spannungen wesentlich erhöhen. Sie würde einem
friedlichen Handel auf dem Gebiet der Kernenergie im Wege stehen und die Erreichung des Zieles einer nuklearen Abrüstung ungeheuer erschweren.
Die
- 9 -

�Die Vereinigten Staaten verstehen die Besorgnis einiger Staaten ohne
Kernwaffen, daß man sie damit diskriminiert.

Um dieser Besorgnis zu begeg-

nen und die Proliferation von Kernwaffen zu verhindern:
- wiederhole ich heute nochmals die feierliche Erklärung, die Präsident
Carter von diesem Podium im Jahre 1977 abgegeben hat. Die Vereinigten Staaten
werden keine Nuklearwaffen einsetzen, es sei denn zur Selbstverteidigung...
das heißt, im Falle eines tatsächlichen nuklearen oder konventionellen Angriffs
auf die Vereinigten Staaten, auf ihre Territorien oder Streitkräfte oder im
Falle eines solchen Angriffs auf unsere Verbündeten.

Ich fordere die anderen

Nationen auf, die gleiche feierliche Zusage abzugeben.
- Der Präsident wird vorschlagen, daß die Vereinigten Staaten neue und
erweiterte Beiträge zu den friedlichen Nuklearprogrammen der Staaten leisten,
die die Nonproliferation unterstützen.
- Wie Präsident Eisenhower bereits 1956 sagte, müssen wir schließlich
dazu gelangen, zusammen mit anderen Staaten brauchbare, verifizierbare und
gesicherte Abkommen auszuarbeiten, damit die künftige Produktion von spaltbarem Material auf der Welt nicht länger dazu genutzt werden kann, die Waffenarsenale aufzustocken.
- Wir werden von den Ergebnissen der Untersuchungen des internationalen
Gremiums für Kernbrennstoffzyklen ausgehend weiter erkunden, wie die Kernenergie zum Nutzen aller ohne die Risiken der Proliferation verwendet werden
kann.
Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, um den Abstand zwischen der
militärischen und der friedlichen Nutzung der Kernenergie noch zu vergrößern.
Kernkraftwerke sollten Energie für die Bevölkerung - nicht aber Plutonium
für Bomben produzieren.
Lassen Sie uns von dem Beispiel lernen, das Lateinamerika gegeben hat.
Lassen Sie uns die Regionen auf der Erde erweitern, in denen Kernwaffen ver-

- 10 -

�verboten sind.

Auf Initiative mehrerer lateinamerikanischer Staaten wurde

im Jahre 1967 in Mexico City der Vertrag von Tlatelolco unterzeichnet, der
alle Kernwaffen aus dem Gebiet verbannt.

Seither haben alle in Frage kom-

menden Vertragspartner, einschließlich der Vereinigten Staaten, das Dokument
unterzeichnet.
Die Vereinigten Staaten beglückwünschen die Sowjetunion, daß sie vor
kurzem das Protokoll II dieses Vertrags unterzeichnet hat.
Es gibt nur noch ein Land in dieser Region, das sein Interesse an einer
Unterzeichnung noch bekunden muß.

Das sollte nunmehr geschehen.

Wir hoffen, daß der Vertrag sobald wie möglich voll in Kraft tritt und
damit die erste große kernwaffenfreie Zone in der Welt schafft.

Wir hoffen,

daß die kühne Initiative Lateinamerikas anderen Nationen als Vorbild zur
Nachfolge dienen wird.
•

i.

Viertens, so wie wir darangehen, die nukleare Bedrohung unter Kontrolle
zu bekommen, so müssen wir uns auch um ein gemeinsames Abkommen bemühen,
das die anderen Massenvernichtungswaffen verbietet.
Das Grauen des Gaskriegs im Ersten Weltkrieg hat sich im Gedächtnis der
Menschheit tief eingeprägt. Wir haben in den letzten Jahren einigen Fortschritt mit dem Verbot biologischer Waffen erzielt. Die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion nähern sich einem Abkommen, das Strahlenwaffen verbietet
und das wir sodann der Konferenz des Abrüstungsausschusses der Vereinten
Nationen (in Genf) vorlegen würden. Unsere Gespräche über chemische Waffen
erweisen sich als schwieriger. Jedes Abkommen über chemische und andere
ungewöhnliche Waffen muß in angemessener Weise verifizierbar sein. Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, eine Lösung zu finden, vorausgesetzt,
die andere Seite zeigt eine faire Einstellung zu diesem Problem.
Fünftens

- 11 -

�Fünftens müssen wir unverzüglich das starke Anwachsen der konventionellen Rüstungen verlangsamen und es dann ins Gegenteil verkehren.
Der größte Teil der im Jahre 1976 für militärische Zwecke aufgewandten
400 Milliarden Dollar wurde für konventionelle Waffen ausgegeben.
Wir erkennen die legitimen Besorgnisse der einzelnen Länder an, die
darauf hinauslaufen,

daß ihnen nicht willkürlich der Zugang zu den für ihre

legitime Verteidigung notwendigen Waffen verwehrt wird.
gen muß und wird entsprochen werden.

Solchen Anforderun-

Gleichzeitig aber verlangen unsere ge-

meinsamen Interessen eine weitgehende Reduzierung des Flusses der herkömmlichen Waffen.
Neue Ideen sind nötig, damit wir diese bisher vernachlässigte und in
immer stärkerem Maße wichtig werdende Dimension der Rüstungskontrolle in
den Griff bekommen.
Angriff nehmen.

Wir können und müssen jedoch diese Maßnahmen jetzt in

Der rasch anwachsende internationale Handel mit diesen

Waffen intensiviert das konventionelle Wettrüsten.

Der Wert der Waffenim-

porte der Entwicklungsländer ist in dem Zeitraum von 1967 bis 1976 um 75 Prozent gestiegen.

Von diesem Handel in Höhe von 20 Milliarden Dollar entfällt

der größte Teil auf eine begrenzte, jedoch ständig steigende Zahl von Lieferund Empfängerländern.
Die Vereinigten Staaten haben aus eigener Initiative heraus damit begonnen, das Ausmaß ihrer Waffenverkäufe einzuschränken. Im Rahmen der konventionellen Rüstungspolitik haben wir:;
- eine Höchstgrenze - eine Reduzierung von acht Prozent im Finanzjahr
1978 - für Waffen und waffenbezogene Güter für Länder außer den NATO-Staaten,
Australien, Neuseeland und Japan festgelegt.
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r-!

- Die Vereinigten Staaten werden nicht als erstes Land in eine Region
ein neuentwickeltes, modernes Waffensystem einführen, das zu einer neuen oder

- 12 -

�oder signifikant höheren Kampfkraft führen würde.

- Wir werden keinerlei solcher Waffensysteme liefern, bevor es operativ
im Rahmen der amerikanischen Streitkräfte disloziert ist.

- Wir werden die Entwicklung oder Modifizierung moderner Systeme ausschließlich aus Exportgründen nicht zulassen.

- Wir haben strikte Kontrollen für die Koproduktion und den Wiedertransfer erlassen.
Unter Anerkennung der Tatsache, daß dieses Problem Maßnahmen seitens
aller Lieferländer erfordert, haben wir Gespräche mit anderen wichtigen
Lieferanten und Verbrauchern eingeleitet.
mäßig.

Es muß noch viel mehr getan werden.

Die Ergebnisse waren bisher nur
Es wird in wachsendem Maße schwie-

rig für uns sein, eine solche Politik einseitig aufrechtzuerhalten, wenn es
keine rascheren Fortschritte auf dem Wege zu einer multilateralen Zurückhaltung gibt.

Sechstens sollten regionale RüstungskontrollVereinbarungen und -kapazitäten erweitert und gestärkt werden.

Die regionale Rüstungskontrolle befindet sich noch in einem sehr primitiven Stadium.

Es gibt nur wenige Verhandlungen.

Nur eine geringe Zahl

von Ländern verfügt über die technische Kompetenz, die zur Verifizierung von
Abkommen erforderlich ist.

Zahlreiche Techniken, wie vertrauensschaffende

Maßnahmen, die die Voraussagbarkeit hinsichtlich eines plötzlichen Angriffes
fördern

sowie die Gefahr davor verringern, sind weitgehend ungenutzt ge-

blieben.

Was uns angeht, so haben die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten
in Europa kürzlich die Initiative ergriffen, um die seit fünf Jahren anhaltenden Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen ^jn

- 13 -

�in Mitteleuropa (MBFR) voranzubringen.

Und wir erwägen zusätzliche Maßnahmen,

um die Stabilität und Sicherheit in Mitteleuropa zu vergrößern.

In einem

weiteren Gebiet - dem Indischen Ozean - hat die Verstärkung der sowjetischen
Präsenz dort - während wir Gespräche mit der Sowjetunion vorgeschlagen und
geführt haben - diese Gespräche behindert.
über unsere eigenen Verhandlungen hinaus möchten die Vereinigten Staaten
regionalen Rüstungskontroilbemühungen dadurch einen Ansporn geben, daß sie
anderen Ländern Unterstützung hinsichtlich der Verifizierungs- und Stabilisierungsmaßnahmen gewähren.
- Unsere Erfahrungen im Nahen Osten haben erwiesen, daß technische Unterstützung von Monitor-Systemen, wie Luftaufnahmen und Ortungs- und Beobachtungsgeräten zu Lande, zur Schaffung des Vertrauens beitragen können, das
notwendig ist, um Abkommen für ein Auseinanderrücken der Parteien und für eine
Stabilisierung erfolgreich zu gestalten.
- Aufbauend auf diese Erfahrung sind wir bereit, gemeinsame Ersuchen
für diese "Augen und Ohren des Friedens" seitens solcher Länder zu prüfen,
die solche Monitor-Systeme wünschen.

Solche Ersuchen sollten vorzugsweise

über regionale Organisationen oder über die Vereinten Nationen gestellt werden.
- Die Vereinigten Staaten sind bereit, Spezialisten zu entsenden, die
anderen Nationen dabei helfen, Mittel und Wege für vertrauensbildende und
stabilisierende Maßnahmen anzuwenden, einschließlich der Ankündigung von
Manövern, der Einladung von Manöverbeobachtern und des von den Vereinten Nationen zur Verfügung gestellten Mechanismus zur Förderung solcher Maßnahmen.
Siebtens sollten wir die für eine Rüstungskontrolle erforderlichen Institutionen und Erfahrungen in vollem Umfange entwickeln.
Wir müssen weiterhin die Rüstungskontrollinstitutionen der Vereinten

- 14 -

�Vereinten Nationen fördern, ohne die von uns entwickelten Institutionen
zu unterminieren.

Wenn wir auch bereit sind, Änderungen hinsichtlich der

Genfer Abrüstungskonferenz in Erwägung zu ziehen, so ist es doch unser Hauptanliegen, die kontinuierliche, produktive Aktivität eines ernsthaften Verhandlungsforums sicherzustellen, das auf der Basis des Konsens arbeitet.
Die friedenserhaltende und friedensfördernde Kapazität der Vereinten
Nationen und regionaler Organisationen wie der Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) und der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) sollte
ein integraler Teil der Bemühungen um eine Rüstungsreduzierung sein. Die
Rolle solcher regionaler Organisationen ist von entscheidender Bedeutung,
um eine Einmischung von außen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Wir treten
für eine starke und prominente Rolle dieser Organisationen .ein.
Die Vereinten Nationen spielen eine wesentliche Rolle. Gegenwärtig
ermöglichen UN-Truppen im Libanon, auf Zypern, auf den Golar-Höhen und im
Sinai, daß Verhandlungen zur Erreichung dauerhafter Friedensvorkehrungen
geführt werden können.
Um diese Bemühungen der Vereinten Nationen noch effektiver zu gestalten, schlagen wie die Schaffung einer friedenserhaltenden UN-Reservetruppe
vor.

Eine solche Truppe würde nationale Kontingente umfassen, die in bezug

auf friedenserhaltende Maßnahmen ausgebildet sind und von ihren Regierungen
für den Dienst bei den Vereinten Nationen abgestellt werden.

Der General-

sekretär würde auf diese Reservetruppe zurückgreifen, wenn immer der Sicherheitsrat die Aufstellung einer UN-Truppe beschließt, um den internationalen
Frieden und die internationale Sicherheit zu wahren.
Es gibt dabei auch eine entscheidend wichtige nationale Dimension.

Jede

Regierung muß die für eine Rüstungskontrolle benötigten Institutionen und
Erfahrungen fördern.

Lassen Sie uns alle auf dieser Sitzung beschließen,

daß wir die Priorität, die wir heute der Abrüstung hinsichtlich der Organisation, der Haushalte und

personalmäßig geben, einer Prüfung unterziehen.
Achtens
- 15 -

�Achtens sollte ein Fortschritt bei Rüstungskontrollabkommen weitere
Ressourcen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung freimachen.
Gemeinsam sind wir in der Lage, die schlimmsten Erscheinungen der Armut
auf der Welt bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu beseitigen.

Die gewaltigen

Ausgaben für den Aufbau einer militärischen Stärke stehen heute der Entwicklung im Wege.

Der Anteil der Entwicklungsländer an der militärischen Macht

der Welt ist in den letzten zehn Jahren von 15 Prozent auf 23 Prozent gestiegen.

Die Entwicklungsländer geben heute einen größeren Anteil ihres

Bruttosozialproduktes für militärische Zwecke aus als die Industrienationen.
Nur ein Prozent des jährlichen Militärbudgets der Welt würde ausreichen,
um 200 Millionen schlecht ernährten Kindern heute Nahrungsmittel und ein Aufwachsen in Gesundheit zu gewähren.

Lassen Sie uns mit Hilfe dieser Konferenz

damit beginnen, die Ressourcen der Welt von den ständig wachsenden Vorräten
der Zerstörung in Kanäle für unerschöpfliche Chancen und Möglichkeiten des
Lebens umzuleiten.
Rüstungskontroi labkommen können zur Entlastung der Volkswirtschaften
der Industrie- wie der Entwicklungsländer beitragen und ihnen damit die Lösung
dringender sozialer Probleme ermöglichen.
der amerikanischen Wirtschaft.

Wir kennen das gewaltige Potential

Es ist der aufrichtige Wunsch des amerika-

nischen Volkes, einen größeren Teil dieses Potentials von der Waffenherstellung
abzuziehen und für die Erfüllung menschlicher Ansprüche einzusetzen.
Sowie die Staaten Rüstungskontroi labkommen abschließen und in ihren Ausgaben für die Rüstung Zurückhaltung zeigen, treten die Vereinigten Staaten
dafür ein, Mittel, die ursprünglich für Militärhilfe vorgesehen waren, für
Entwicklungsprojekte bereitzustel1en.
In welchem Umfang wir in der Lage sind, solche Mittel für Entwicklungsprojekte umzudisponieren, hSngt von der Bereitschaft anderer Staaten ab,
ihre derzeitigen Waffenlieferungen an die Entwicklungsländer zu begrenzen.
16 -

�begrenzen.

Wenn die Vereinigten Staaten die Probleme der Entwicklungsländer

wirksam in Angriff nehmen sollen, dann darf es keine Länder geben, die Unmengen von Waffen in die Entwicklungsländer pumpen und gleichzeitig nur minimale Beträge für die Entwicklungshilfe aufbringen.

Es darf keine Länder

geben, die ihre militärische Macht nutzen, um Differenzen zwischen einzelnen
Staaten auszunutzen und ernsthafte Konflikte zu entfachen.

Mein Land war seit Jahren bestrebt, Lieferungen von militärischem Material nach Afrika zu begrenzen.
von uns geleisteten Militärhilfe.

Unsere Wirtschaftshilfe liegt weit über der
So gewährten die Vereinigten Staaten im

Jahre 1977 den afrikanischen Staaten Wirtschaftshilfe in Höhe von insgesamt
327 Millionen Dollar, während die Militärhilfe nur 59 Millionen Dollar ausmachte.

Diese Zahlen, bei denen das Schwergewicht vor allem auf der Finan-

zierung von Nahrungsmittelhilfe lag, stehen in klarem Gegensatz zu der vornehmlich militärischen Hilfe, die von anderen geleistet wurde.

Unsere Hal-

tung stellt, wie ich glaube, einen weitaus besseren Beitrag für die weitere
Zukunft der afrikanischen Bevölkerung dar.

Zur Entscheidung steht hier, ob

man die konstruktiven und kreativen Kapazitäten der Entwicklungsländer oder
aber die Tendenzen, die Konflikte erzeugen, unterstützen will.

Lassen Sie

uns unsere Hoffnungen auf die Entwicklungskräfte setzen.

Unsere Erkenntnis der Beziehung zwischen Abrüstung und Entwicklung
sollte allen unseren Rüstungskontroll zielen Inhalt und Dringlichkeit geben.
Außerdem:
- unterstützen wir mit Nachdruck die Studie der Vereinten Nationen über
Abrüstung und Entwicklung.

Diese Studie sollte auch die Erörterung der Wirt-

schaftsprobleme einschließen, die sich aus der Abrüstung ergeben könnten;

- treten wir für Bemühungen um eine Reduzierung der militärischen Ausgaben ein und haben uns freiwillig bereiterklärt, unsere eigenen genauen Angaben über nationale militärische Ausgaben einem UN-Versuchsprojekt zur Verfügung zu stellen, das eine Methode zur Bemessung solcher Ausgaben erproben soll.
- ermutigen
- 17 -

�- ermutigen wir andere, in gleicher Weise offen zu sein.

Eine größere

Offenheit in bezug auf militärische Ausgaben muß eine Zurückhaltung in der
Rüstung notwendig begleiten.

Mit der Zeit kann Offenheit dazu führen, daß

allmählich Vertrauen an die Stelle der Furcht tritt, daß Zuversicht gestärkt,
Zurückhaltung ermutigt und unnötige Konfliktquellen eliminiert werden.
Vor 33 Jahren sprach Präsident Harry Truman vor den ersten Delegierten
der Vereinten Nationen auf der Konferenz in San Franzisko und sagte:
"Durch Ihre Arbeit und Mühe hier auf dieser Konferenz werden wir sehen,
ob die leidende Menschheit zu einem gerechten und dauerhaften Frieden kommen
kann."
Das ist auch die Herausforderung, die auf dieser Sondersitzung an uns
gerichtet ist.

Die Welt schaut auf das, was wir hier tun, und die tiefsten

Hoffnungen der Menschheit begleiten uns heute.

Erfolg oder Fehlschlag un-

serer Anstrengungen waren mehr als alle anderen Bemühungen über die Gestaltung der Welt entscheiden, die wir unseren Kindern hinterlassen, ja sie werden darüber entscheiden, ob wir ihnen überhaupt eine bewohnbare Welt hinterlassen.

Und es ist das Interesse unserer Kinder, das uns heute hier eint.

Welcher Nation wir auch angehören und welches auch unsere politische
Oberzeugung sein mag, unsere Kinder sind 100 Prozent unserer Zukunft, und
wir schulden ihnen 100 Prozent unserer Anstrengungen, dem Wettrüsten heute
ein Ende zu setzen.
Rüstungskontrolle darf nicht nur die Tagesordnung dieser Sitzung oder
allein dieses Jahres sein. Sie muß die moralische Tagesordnung unserer Zeit
sein. Wir brauchen den Druck der Weltmeinung, um unserer Aufgabe Dringlichkeit zu geben. Und das ist der Grund, warum die Vereinigten Staaten diese
Konferenz auffordern, unseren Anstrengungen eine weitere Sondersitzung der
Vollversammlung im Jahre 1981 folgen zu lassen. Möge unsere nächste Konferenz
den Fortschritt aufzeigen, den wir gemacht haben. Und möge sie uns die Tages-

�Tagesordnung der Probleme aufzwingen, die wir noch lösen müssen.
Die mit der Kontrolle des Wettrüstens gestellte Aufgabe ist gewaltig.
Aber Emerson sagte, wir messen die Weisheit eines Menschen an seiner Hoffnung.

Lassen Sie uns heute mit Hoffnung voranschreiten.

Ich bin zuversicht-

lich, daß wir, wenn jeder unserer Staaten über seine eigenen Ambitionen hinwegsehen kann; wenn wir - bei der Arbeit dieser Konferenz - die durch Geographie, Geschichte und Furcht gebildeten Abstände überbrücken können und
wenn wir alle die tiefsten Hoffnungen und Sehnsüchte der von uns vertretenen
Völker in unsere Anstrengungen einbeziehen, wir allen Kindern auf der Welt
mit unseren Mühen einen Dienst erweisen werden - nach den Worten des Propheten
Jesaja: "Das Werk der Rechtschaffenheit soll Friede sein."
Ich danke Ihnen!

- 19 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

31. Mai 1978

Carter setzt sich für weltweiten Kampf gegen die Krankheit ein
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 2. Mai in einer
Grundsatzerklärung zu einem weltweiten Kampf gegen die Krankheit aufgerufen und seinen Entschluß bekanntgegeben, ein Programm zur Intensivierung
der Beteiligung der USA an den weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung
von Krankheiten und zur Hebung der Volksgesundheit einzuleiten.
Die Erklärung Carters hat folgenden Wortlaut:
Wir erfreuen uns in den Vereinigten Staaten eines so hohen Grades
an Volksgesundheit wie kaum ein anderes Land der Erde. Infektionskrankheiten stehen heute nicht mehr mit an der Spitze der Todesursachen, und
die meisten Amerikaner halten es für selbstverständlich, daß ihre Kinder
das Erwachsenenalter in voller Gesundheit erreichen. Das trifft in vielen
anderen Teilen der Welt nicht zu: jedes Jahr sterben etwa 15,5 Millionen
Kinder noch vor Vollendung des fünften Lebensjahres - die Gesamtzahl
entfällt auf die Entwicklungsländer. Hunderte von Millionen Menschen

Postfach 20 03 00
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Menschen leiden unter Krankheiten wie Malaria, Lepra und Bilharziose,
d.h. unter Krankheiten, die den meisten Amerikanern unbekannt sind, aber
einen schrecklichen Tribut an menschlichem Leid und vergeudetem Produktionspotential fordern.

Bis zu 40 Millionen Menschen leiden unter

der einen oder anderen Art von Erblindung - ein wahrlich weltweites
Problem - die größtenteils vermieden werden könnte und oftmals reversibel
wäre.
Kein Land darf diesen tragischen Zustand weiterhin als Problem
des anderen ansehen.

In einer Welt, die Tag für Tag in eine immer

größere wechselseitige Abhängigkeit hineinwächst, haben wir in zunehmendem Maße an den möglichen Gefahren der anderen genau so teil
wie an den Leistungen der Menschheit.
Letzten Monat meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO), daß
wir offenkundig die Endphase der Ausrottung der Pocken erreicht haben,
wurde doch in den vorangegangenen sechs Monaten nirgendwo auf der Erde
eine Pockenerkrankung gemeldet. Diese historische Leistung zeigt, was
sich bewerkstelligen läßt, wenn Völker mit wahrer Hingabe zusammenarbeiten.
Meine Regierung ist entschlossen, Programme zu unterstützen, die
Menschen in die Lage versetzen, ihre grundlegenden menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Vereinigten Staaten müssen in Partnerschaft
mit internationalen Organisationen und anderen Ländern ein wahrhaft
internationales Programm zur Verbesserung der Volksgesundheit, des Ernährungszustandes und der Familienplanung in aller Welt entwickeln.
Wir können auf eine lange Geschichte gemeinsamer Anstrengungen mit
anderen Nationen auf dem Gebiet der Hebung der Volksgesundheit zurückblicken, und wir beabsichtigen, auf der solchermaßen geschaffenen
festen Grundlage weiterzubauen.
Im Einklang

- 2 -

�In Einklang mit der angekündigten Ausweitung der Auslandshilfe
und mit unseren Bestrebungen, unsere Hilfe auf die ärmsten Völker der
Erde zu konzentrieren,hat meine Administration eine Studie über die
internationalen Erfordernisse auf
lassen.

dem Gesundheitssektor ausarbeiten

Ziel dieser Untersuchung war es, herauszufinden, mit welchen

Methoden die Regierung der Vereinigten Staaten und private amerikanische
Organisationen am wirksamsten mithelfen können, die

persönlichen und

wirtschaftlichen Auswirkungen der weit verbreiteten Unterernährung, von
ansteckenden Krankheiten und von anderen Bedrohungen der Gesundheit
einschließlich der Belastung durch häufige Schwangerschaften zu verringern.
Basierend auf dieser Studie gebe ich hiermit meinen Entschluß bekannt, ein Programm zur Intensivierung der Beteiligung der Vereinigten
Staaten an den weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung von Krankheiten
und zur Hebung der Volksgesundheit einzuleiten.
Unsere Anstrengungen werden sich auf folgende Grundsätze stützen:
-

Den Armen dieser Welt, ob sie in ländlichen Gebieten oder in
großstädtischen Slums leben, einen Mindeststandard hinsichtlich
Gesundheits- Ernährungs- und Familienplanungsdiensten zu gewährleisten.

-

Die Entwicklungsländer in die Lage zu versetzen, ihre Erfordernisse auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge selbst zu bestreiten,
indem wir ihnen helfen, ihre Institutionen zu stärken und eigene
Gesundheitssysteme aufzubauen.

-

Di» wirksamsten Methoden, jenen Gesundheitsstandard zu erreichen,
den wir allen Völkern wünschen, sind der Aufbau der lokalen primären Gesundheitsfürsorge unter Verwendung der den Kommunen zur
Verfügung stehenden Ressourcen und die Ausbildung geeigneten

- 3 -

�geeigneten Personals möglichst nahe bei dem Ort, an dem sie ihre Dienstleistungen verrichten sollen.
Wir beabsichtigen, uns auf die Verhütung von Krankheiten und Gesundheitsschäden zu konzentrieren.

Besonderes Gewicht werden wir legen

auf die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung, die Bereitstellung der
wichtigsten sanitären Dienstleistungen, notwendige Impfaktionen und Maßnahmen zur Verhinderung und Behandlung von Krankheiten, die zu Blindheit
führen können.

Diese Schwerpunkte werden ihren Niederschlag auch in

unseren eigenen Programmen und in der Berücksichtigung der von internationalen Organisationen festgesetzten Prioritäten finden.
Wir werden auf eine anhaltende Eindämmung

oder gänzliche Aus-

rottung der wichtigeren Infektionskrankheiten hinarbeiten, insbesondere
jener Tropenkrankheiten, die auch weiterhin mit an der Spitze der Todesund Invaliditätsursachen stehen.
Wir werden unser besonderes Augenmerk auf die Hauptursachen tödlicher Kinderkrankheiten richten: Diarrhöe und Erkrankung der Atemwege,
insbesondere dort, wo diese Krankheiten durch Unterernährung erschwert
werden.
Die private Wirtschaft stellt die meisten Waren und Dienstleistungen,
die für die Erhaltung der Weltgesundheit notwendig sind. Sie kann eine
wichtige Rolle dergestalt spielen, daß sie eigene Initiativen ergreift
und durch ihr Urteilsvermögen bei der Entwicklung der notwendigen Hilfsmittel sicherstellt, daß diese in angemessener Weise dazu verwendet
werden, den Gesundheitsstand in den Entwicklungsländern zu heben.
r-

Wir erkennen den unschätzbaren Beitrag an, den freiwillige Organi-

sationen bisher bei der Verbesserung der Gesundheit von Menschen in
aller Welt und insbesondere in Entwicklungsländern geleistet haben.

4 -

Wir

�Wir werden bemüht sein, sie in ihren Anstrengungen zu unterstützen und
unsere eigenen Aktivitäten mit den ihren zu koordinieren.
Wir planen,
•

- jene Institutionen in unserem Staat zu stärken, die sich mit
internationalen Gesundheitsfragen befassen und unsere Bereitschaft erneut bekräftigen,anderen Ländern zu helfen, ihren Gesundheitserfordernissen nachzukommen und durch bessere Koordination
die Nutzung der vorhandenen Hilfsquellen zu verbessern;
- das amerikanische Volk in dem Bewußtsein der Rechtmäßigkeit und
Wichtigkeit des Ziels unserer Außenpolitik zu bestärken, die
Fähigkeit anderer Länder zu erweitern, die grundlegenden menschlichen Erfordernisse ihrer Bevölkerung zu befriedigen.
•-

•

- mit anderen Ländern in aller Welt direkt und über internationale
Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation, das Weltkinderhilfswerk (UNICEF), die Weltbank und die regionalen Entwicklungsbanken zusammenzuarbeiten, um den Gesundheitszustand
der Menschen überall auf der Welt zu verbessern;
und
- die amerikanischen Universitäten, technologische Stiftungen und
andere private Organisationen in stärkerem Maße oafür zu gewinnen,
die amerikanischen wissenschaftlichen und fachlichen Ressourcen
den Entwicklungsländern in größerem Maße zugänglich zu machen.
Ich habe Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialminister Califano
gebeten, als Leiter der amerikanischen Delegation zur Weltgesundheitstagung nach Genf zu reisen, um die Schritte, die meine Administration
zu unternehmen gedenkt, in Einzelheiten darzulegen.
Kein

�Kein Land kann die Verantwortung für die Erreichung dieser Ziele
allein tragen. Ich fordere die führenden Politiker anderer Länder auf,
sich mir in diesen weltweiten Anstrengungen anzuschließen. Wirksame
Programme erfordern eine in Einzelheiten gehende und sorgfältige Planung.
Die Strategie, die ich heute ankündige und die Minister Califano auf
der Weltgesundheitstagung in der kommenden Woche erläutern wird, wird
im Rahmen der Haushalt- und Gesetzgebungsvorschläge für das nächste
Jahr entwickelt werden. Wo immer angängig, werden wir jedoch unverzüglich
aktiv werden, um dieses Programm zu verwirklichen.
Die Welt kann eines Tages den grundlegenden Erfordernissen aller
Menschen überall gerecht werden, wenn wir uns hinreichend bemühen und
jetzt einen Anfang machen. Ich bin der Überzeugung, daß sich alle
Amerikaner mit mir in die Verpflichtung auf das Ziel teilen, eine Welt
zu schaffen, die frei von unnötigen Krankheiten ist - eine Welt, in der
das Leben heilig gehalten wird und in der Kinder überall die gleiche
Chance haben, in ein gesundes und erfülltes Erwachsenenleben hineinzuwachsen.

••

-

+ + + + +

-

•

•

"

.

�31. Mai 1978

13

GESUNDHEIT - EIN MENSCHLICHES GRUNDRECHT
Neue amerikanische Initiativen auf internationalem Gebiet

- (AD) - Die Bedeutung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Mittler
zwischen den Völkern würdigte Joseph A. Califano, Jr., US-Bundesminister
für das Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen, auf der 31. Jahrestagung
dieser Sonderorganisation der Vereinten Nationen im Mai 1978 in Genf. Sie
habe sich als eines der Zentren bewährt, wo weltweite Probleme analysiert
werden können und gemeinsame Aktionen der Länder Vorrang vor politischen
und nationalen Interessen haben.
Als Leiter der amerikanischen Delegation gab Califano im Auftrag Präsident
Carters neue amerikanische Initiativen auf dem Gebiet des internationalen Gesundheitswesens bekannt, die dazu beitragen sollen, einen angemessenen Gesundheitsstandard als eines der Grundrechte aller Menschen zu realisieren.
Die WHO habe die Gemeinschaft der Nationen davon überzeugt, so erklärte er,
wie wichtig Gesundheitsfürsorge gerade für die in Armut lebenden Menschen
sei, und daß sie auf internationaler Ebene mit Vorrang betrieben werden
müsse.
In enger Zusammenarbeit mit vielen Regierungen sei es der WHO z.B. gelungen,
die Pocken praktisch auszurotten.

Für die USA allein habe dies inzwischen

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�inzwischen eine Kosteneinsparung von fast 1 Milliarde Dollar bedeutet.

(Am

22. Mai 1978 gab die WHO bekannt, daß der letzte Pocken-Verdachtsfall ein
halbes Jahr zurückliege.)

Dennoch stünden, so Califano, selbst solche Leistun-

gen im Schatten der noch unbewä'ltigten Aufgaben, denen sich die Welt gegenübersehe.

Denn "die Lebenserwartung in den noch am wenigsten entwickelten

Ländern ist 30 Jahre geringer als bei den bereits fortgeschrittenen Entwicklungsländern ...
... Zwei Drittel der Menschen in den ärmsten Ländern haben keinen Zugang
zu sauberem Trinkwasser; es fehlt an einer ordnungsgemäßen Müllbeseitigung.
... 700 Millionen Menschen sind unterernährt und fallen deshalb leicht
Mangelkrankheiten und Seuchen zum Opfer.
... In der ganzen Welt sterben jährlich 15,6 Millionen Kinder unter fünf
Jahren; 15,1 Millionen dieser Todesfälle ereignen sich in den unterentwickelten Ländern.
... Rasches Bevölkerungswachstum verzögert in vielen Nationen den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt und belastet Familien und Gemeinwesen.
... Noch immer hat in vielen Ländern die Mehrzahl der Bevölkerung nicht
einmal Zugang zu der einfachsten Hygiene und Gesundheitspflege; außerdem
fehlt es an ausreichender und richtiger Ernährung und geeigneter Wohnung.
Solche Verhältnisse bedeuten in einer Welt, die über das Wissen und die
technischen Möglichkeiten verfügt, sie zu korrigieren, eine Verurteilung
für uns. Wie uns der Generaldirektor der WHO in Erinnerung rief, verlangt
soziale Gerechtigkeit, daß alle Bürger dieser Erde - und nicht nur ein Teil
von ihnen - sich einer ausreichend gesicherten Gesundheit erfreuen, um in
Würde zu leben und nützliche Arbeit zu tun."
Califano hob hervor, daß die Vereinigten Staaten diesen Grundsatz moralisch
und materiell unterstützen werden.

Nach einem 5-Punkte-Programm Präsident
- 2 -

�Präsident Carters sollen die amerikanischen Anstrengungen auf internationalem Gebiet vor allem den Einwohnern von Slumgebieten in den Städten wie
auf dem Lande zugutekommen.

Entwicklungsländer erhalten Hilfe, um eigene

Einrichtungen für die Lösung von Gesundheitsproblemen zu schaffen.

Vorbeu-

gung gegen Unter- und Mangelernährung sowie gegen Infektionskrankheiten
wird ein besonderer Schwerpunkt sein.

Die Aktionen der USA werden in enger

Zusammenarbeit mit internationalen Behörden und in Partnerschaft mit anderen Nationen durchgeführt.

In den USA selbst sollen Universitäten, Industrie

und private Organisationen stärker als bisher für die Erfüllung solcher Aufgaben mobilisiert, die Auslandstätigkeiten regierungsamtlicher Stellen besser
koordiniert werden.

Bekämpfung von Infektionskrankheiten
An der Bekämpfung von Infektionskrankheiten in aller Welt sind die Vereinigten Staaten in hohem Maße beteiligt. Sie unterstützen das Sonderprogramm der WHO zur Ausbildung und Forschung auf dem Gebiet der Tropenkrankheiten, führen eigene Forschungen durch und arbeiten an Sonderprojekten in
einzelnen Ländern mit. Für die Forschung auf dem Gebiet der Tropenkrankheiten wurden kürzlich mehr als 20 Millionen Dollar für die nächsten fünf
Jahre bereitgestellt, die auch eigene Forschung und Ausbildung in Entwicklungsländern finanzieren helfen. Die Forschung in amerikanischen Instituten
umfaßt nicht nur die sechs wichtigsten Tropenkrankheiten, sondern u.a. auch
Cholera und Diarrhoe bestimmter Ursachen. Das neuerdings gehäufte Auftreten
von Malaria, insbesondere in Gebieten, die man bisher für sicher hielt,
unterstreicht die Notwendigkeit von reiner und angewandter Forschung in der
ganzen Welt, um die Malaria besser unter Kontrolle zu bekommen. In den
Vereinigten Staaten wird gegenwärtig an einem Malaria-Impfstoff und an wirksamen Medikamenten gearbeitet, was auch anderen Ländern zugute kommen wird.
Für eine bessere Beherrschung der Tropenkrankheiten werden in den USA
Forschung und Ausbildung künftig noch stärker intensiviert.

Wissenschaftler

�Wissenschaftler aus anderen Ländern bekommen über die WHO Gelegenheit, in
amerikanischen Tropeninstituten zu arbeiten.

Die Medizinischen Forschungs-

anstalten der USA (NIH) werden außerdem in Ländern, die von Tropenkrankheiten betroffen sind, die Einrichtung und Verbesserung eigener Forschungszentren unterstützen.
Mit der WHO beteiligen sich die USA am Aufbau eines weltweiten Seuchenüberwachungsdienstes und werden die erforderliche epidemiologische Forschung
sowie geeignete Maßnahmen zur bestmöglichen Bekämpfung von Seuchen und von
anderen Gefahren für die Volksgesundheit fördern.

Dazu gehören auch Sonder-

kurse für Ärzte und medizinisches Hilfspersonal aus Entwicklungsländern
mit den Themenkreisen "Epidemiologie" und "Oberwachungsaufgaben"

sowie

der Aufbau von speziellen Diensten in einzelnen Ländern.
Frambösie (Himbeerseuche), eine weitere tropische Infektionskrankheit
mit Geschwürbildung auf der Haut, tritt in verschiedenen afrikanischen
und asiatischen Ländern neuerdings wieder stärker auf. In einem dieser
Länder stieg die Zahl der bekannten Fälle von 3000 im Jahr 1969 auf mehr
als 70 000 im Jahr 1976; in 12 afrikanischen Ländern breitet sie sich ständig weiter aus. Zwar handelt es sich - weltweit gesehen - nicht um ein
vordringliches Problem. Jedoch müssen, wo immer die Krankheit in Erscheinung tritt, entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Die USA sind bereit, mit der WHO und anderen Ländern bei der Überwachung und Bekämpfung
von Frambösie zusammenzuarbeiten.

ImpfProgramme erweitert
Gegen sieben Infektionskrankheiten bei Kindern wurde im vergangenen
Jahr in den Vereinigten Staaten die Schutzimpfung von 65 % auf 90 % erweitert. Gerade im Hinblick auf das "Jahr des Kindes", das von den Vereinteil Nationen für.1979 vorgeschlagen wurde, sollten nach amerikanischer
Ansicht die Impfprogramme in den Entwicklungsländern ausgeweitet und ver-

- 4 -

�verbessert werden.

Denn obgleich es wirksame Impfstoffe gibt, erhalten dort

weniger als 10 Prozent der Kinder Schutzimpfungen gegen Krankheiten, die vermeidbar wären.

Fünf Millionen sterben jedes Jahr nur aus diesem Grunde.

Und Millionen andere tragen als Folge von Infektionskrankheiten bleibende
Gehirnschä'den oder Lähmungen davon, bleiben in der Entwicklung zurück,
werden taub oder blind.

Um in jenen Ländern wirksamer gegen solche vermeid-

baren Krankheiten vorgehen zu können, haben die USA bilaterale Impfprogramme
gemeinsam mit der WHO entwickelt.

Sie sind bereit, noch mehr Seuchenspe-

zialisten und medizinisches Personal für Entwicklungsländer zur Verfügung zu
stellen und der WHO zusätzliche Geldmittel für Impfprogramme zu überweisen.
Ihr Ziel ist, bis 1990 allen Kindern in der Welt einen Impfschutz zu ermög1ichen.

Trinkwasser und Hygiene
Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, mehr Menschen in den Genuß von
sicherem Trinkwasser und den wichtigsten hygienischen Einrichtungen zu bringen.

Stünde überall sauberes Trinkwasser zur Verfügung, brauchten jährlich

schätzungsweise 50 Millionen Menschen nicht zu sterben.

Deshalb werden die

USA die Ziele der von der UN proklamierten "Dekade für Trinkwasser und Hygiene (1980 - 1990)" in jeder Weise unterstützen.

Gleichzeitig sollen ge-

meinsam mit der WHO in zahlreichen Ländern die akuten, chronischen und späten Auswirkungen von Chemikalien und anderen Umweltgiften in Luft, Wasser,
Nahrungsmitteln und am Arbeitsplatz untersucht werden.

Ein Meinungs- und

Erfahrungsaustausch auf breiterer internationaler Basis kann den Bemühungen
um die Eindämmung dieser Art Risiken nur dienlich sein.

Ernährungsprobleme

Von Ernährungsproblemen sind nicht nur unzählige Menschen in Entwicklungsländern, sondern - wenn auch in anderer Form - ebenso in den Industrieländern
betroffen.

Die Vereinigten Staaten haben im eigenen Lande wiederentdeckt,
- 5 -

�wiederentdeckt, welche Bedeutung die Ernährung für die Gesundheit besitzt.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Reinheit der Nahrungsmittel, den speziellen Bedürfnissen von Risikogruppen, den Problemen von übergewicht, erhöhtem
Cholesterinspiegel und Zahnkaries.
In anderen Ländern wiederum bereiten Unterernährung, Mangel an Eiweiß,
Kalorien, Vitaminen und Spurenelementen große Sorgen.

Vor allem bei Kindern

ist dies ein Problem, weil ihre körperliche und geistige Entwicklung beeinträchtigt wird und sie viel anfälliger gegen gefährliche Infektionen sind.
Deshalb sind die USA gemeinsam mit der WHO, FAO (UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft) und anderen Behörden der Vereinten Nationen sowie
mit einer Reihe anderer Länder bemüht, Ernährungspolitik in die allgemeine
soziale und wirtschaftliche Planung einzubeziehen.

Der amerikanische Bei-

trag für die Lösung internationaler Ernährungsprobleme wurde von knapp 5
Millionen Dollar (1972) auf fast 50 Millionen Dollar erhöht.

In vielen

Ländern wurden in den letzten Jahren Programme in Angriff genommen, die den
besonderen Bedürfnissen der am meisten bedrohten Bevölkerungsteile gerecht
werden, wie es auf der Wel ternä'hrungskonferenz von Rom im Jahr 1974 gefordert worden war.
Im eigenen Lande fördern die USA eine Vielzahl von Forschungsprogrammen
auf dem Gebiet der menschlichen Ernährung, insbesondere der Ernährung des
Neugeborenen und des Kleinkindes, der Probleme bei verschiedenen rassischen
und ethnischen Gruppen und der Ernährungsfaktoren bei Krankheiten Erwachsener sowie alter Menschen. Diese Arbeiten können international von Bedeutung
werden.

Blindheit
Die Verhütung und Behandlung von schweren Sehstörungen bis zur völligen
Erblindung bildet für die USA ein besonderes Schwerpunktprogramm.

Tatsäch-

lich könnte Blindheit in 80 Prozent der Fälle verhindert oder geheilt wer-

- 6 -

�werden, wenn nur entsprechende Vorbeugungs- und Therapieprogramme durchgeführt würden.

Häufig wäre auch gar kein Arzt erforderlich, sondern nur

dafür ausgebildetes medizinisches Hilfspersonal.

Die USA beabsichtigen,

Vorbeugung und Behandlung von schweren Sehstörungen jeder Form in den Gesundheitsdienst einzubauen und geeignete Programme in Übereinstimmung mit
den Empfehlungen der Internationalen Organisation für die Verhütung von
Blindheit zu unterstützen.

Die WHO wurde ersucht, die Bekämpfung von Blind-

heit zu einer vorrangigen Aufgabe zu erklären.

Allgemeine Gesundheitsvorsorge
Den neuen Bestrebungen der WHO, in erster Linie die mittellose Bevölkerung in den Genuß einer allgemeinen Gesundheitsfürsorge zu bringen, lassen
die USA jede erdenkliche Unterstützung zukommen. Die US-Behörde für Internationale Entwicklung (AID) wird ihre gegenwärtigen Aufwendungen von 70,4
Millionen Dollar für derartige Projekte auch in den nächsten fünf Jahren
fortsetzen. Dazu gehören vor allem Programme zur Betreuung von Mutter und
Kind, für Ernährung sowie Familienplanung unter besonderer Berücksichtigung
von Traditionen und der landesüblichen Gebräuche. Die Probleme, die sich
aus dem raschen Bevölkerungswachstum ergeben, sind von weltweiter Bedeutung.
Allein in diesem Jahr wendet die AID auf weltweiter Basis 160 Millionen Dollar
für Forschung, Ausbildung und Dienstleistungen für die Familienplanung auf.
Die amerikanischen Erfahrungen mit freiwilligen Entwicklungshelfern wie
den Angehörigen des US-Friedenskorps, von denen nahezu 1000 Freiwillige allein
auf Gebieten des Gesundheitswesens tätig sind, zeigen die Möglichkeiten auf,
wie elementare Gesundheitsprobleme auch ohne massive Geldmittel wirksam angepackt werden können.

Es wird erwogen, ob durch ein Internationales Gesund-

heitsdienst-Korps die Tätigkeit des US-Friedenskorps im Gesundheitsbereich
so ausgeweitet werden könnte, daß Entwicklungsländer in die Lage versetzt
werden, ihre eigenen Fürsorgezentren auf Gemeindeebene auszubauen und zu verstärken.

In diese Zusammenarbeit ließen sich auch Sonderprogramme für die

- 7 -

�I

h

HINTERGRUNDMATERIAL
Gesundheit - ein menschliches Grundrecht
Neue amerikanische Initiativen auf internationalem Gebiet
WIRTSCHAFT
McDonald:

Tokio-Runde verläuft planmäßig

- Interview mit dem Leiter der US-Delegation Weltwirtschaft und Devisenmärkte in der zweiten Jahreshälfte 1978
Solomon: Währungsanpassungen funktionieren
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Sonnenenergie - das große Potential der Zukunft
- Lösung der Energieprobleme braucht mehr Flexibilität Pioniere zur Venus
- Neue amerikanische Forschungsserie -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31. Mai 1978

13

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS AUF DEM NATO-GIPFELTREFFEN IN WASHINGTON
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf der Eröffnungssitzung der Tagung des Nordatlantikrates auf der Ebene der Staats- und
Regierungschefs am 30. und 31. Mai 1978 in Washington eine vielbeachtete
Erklärung abgegeben, in der er die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten
unterstrich, gemeinsam im Bündnis für die Verteidigung des Westens zu
sorgen und auf der Basis der Stärke die Entspannungsbemühungen fortzusetzen.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten auf dem NATO-Gipfeltreffen
am 30. Mai hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, Exzellenzen, Mitglieder des
Rates und verehrte Gäste,
im Namen des amerikanischen Volkes begrüße ich heute hier unsere
engsten Freunde und Verbündeten - die Führer des Nordatlantischen Bündnisses.
Vor 29 Jahren,

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Telex:08-85432

�Vor 29 Jahren, in einer ungewissen Zeit für den Weltfrieden, sprach
Präsident Truman anläßlich der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages
die folgenden Worte:
"Mit diesem Pakt hoffen wir, einen Schild gegen die Aggression zu
schaffen - ein Bollwerk, das uns erlauben wird, uns an die eigentlichen
Aufgaben der Regierung und Gesellschaft zu machen, die Aufgaben der
Schaffung eines erfüllteren und glücklicheren Lebens für alle unsere
Bürger."
Das an jenem Tag im April 1949 ins Leben gerufene Bündnis hat geholfen, unsere gemeinsame Sicherheit fast 30 Jahre lang zu bewahren fast ein Jahrzehnt länger als die Zeitspanne zwischen den beiden großen
Kriegen dieses Jahrhunderts.

Die Geschichte verzeichnet kein anderes

Bündnis, das so viele unterschiedliche Nationen eine so lange Zeit erfolgreich zusammengebracht hat, ohne daß ein einziger Schuß im Bösen
abgefeuert worden wäre.
Wir sind ein Verteidigungsbündnis. Keine Nation braucht eine
Aggression unsererseits zu befürchten. Aber ebenso wenig sollte irgendeine Nation je Zweifel an unserem Willen hegen, vor einer Aggression
gegen uns abzuschrecken und sie zu besiegen.
Das Nordatlantische Bündnis ist ein Zusammenschluß von Völkern
aufgrund des Wunsches, für unsere Kinder eine sichere Zukunft - in
aller Freiheit - zu gewährleisten.
Unser Bündnis ist einzigartig, weil jede unserer 15 demokratischen
Nationen ein gemeinsames Erbe menschlicher Werte, der Herrschaft des
Rechts und des Glaubens an den Mut und den Geist freier Männer und
Frauen besitzt.
Die militärische

�Die militärische Stärke und die gemeinsame politische Zielsetzung
des Nordatlantischen Bündnisses hat uns dazu geführt, in Tausenden von
Einzelanstrengungen zusammenzuarbeiten und uns zurecht den Namen einer
Gemeinschaft zuzulegen.

Und das hat uns das Selbstvertrauen und die

Willensstärke gegeben, verbesserte Beziehungen zu unseren potentiellen
Gegnern anzustreben.
Als Amerikaner bin ich stolz, daß die Verpflichtung der Vereinigten
Staaten zur Sicherheit, Unabhängigkeit und Prosperität Europas heute so
fest steht wie eh und je. Wir sind Teil von Ihnen, und Sie sind Teil
von uns. Die gegenseitigen

Versprechen des Vertrauens, die wir 1949

hier ausgetauscht haben, gelten fest und getreu.
Während der nächsten zwei Tage werden wir unsere Verpflichtungen zum
Bündnis bekräftigen, zu seiner Strategie und Co'&lt;trin, und unsere Verpflichtungen zueinander. Wir werden eine einjährige Anstrengung überprüfen, die Ost-West-Beziehungen abzuschätzen, so wie sie existieren
und wie sie sich in Zukunft entwickeln könnten. Wir werden unsere
Zusammenarbeit in der Verteidigungsbeschaffung überprüfen. Und wir
werden durch ein breitangelegtes Programm der Verteidigungszusammenarbeit unsere individuellen Anstrengungen zu verstärken suchen, unsere
Sicherheit vor einer Aggression auf viele Jahre hinaus zu gewährleisten.
Wir müssen uns über die neuen Herausforderungen im klaren sein, vor
denen wir einzeln und kollektiv stehen und die von uns allen neue Anstrengungen fordern werden.
Die Sowjetunion und andere Länder des Warschauer Paktes stellen
eine militärische Bedrohung unseres Bündnisses dar, die ihre legitimen
Sicherheitsansprüche weit überschreitet.

Seit über einem Jahrzehnt

ist die militärische Macht der Sowjetunion stetig gewachsen, und sie ist
durchweg technologisch verfeinert worden.

Auf wichtigen Gebieten ist

die militärische Führung, derer wir uns einst erfreuten, zurückgegangen.

- 3 -

�zurückgegangen.
Heute können wir mit dieser militärischen Herausforderung fertig
werden.

Aber wir können nicht sicher sein, ob wir der künftigen mili-

tärischen Bedrohung entgegentreten können, wenn unser Bündnis nicht
seine Streitkräfte modernisiert und zusatzliche militärische Macht gewinnt.
Zu dieser Anstrengung werden die Vereinigten Staaten auf dem ganzen
Spektrum der konventionellen, taktisch nuklearen und strategisch nuklearen
Streitkräfte ihren Teil dazu beitragen.

Ich bin befriedigt, daß Amerikas

Verbündete sich uns beim Aufbau ihrer militärischen Macht anschließen.
Im vergangenen Jahr haben die Vereinigten Staaten ihre konventionelle
Kampfstärke in Europa erhöht, und sie verbessern ihre Kapazität für
eine rasche Dislozierung auf dem (europäischen) Kontinent, Amerikanische
Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräfte werden modernisiert, und die Vereinigten
Staaten werden die strategisch nukleare Gleichwertigkeit mit der Sowjetunion aufrechterhalten.
Unser Bündnis hat seinen Schwerpunkt in Europa, aber wir dürfen
unsere Wachsamkeit nicht auf den (europäischen) Kontinent begrenzen.
In den letzten Jahren ist die expandierende sowjetische Macht in zunehmendem Maße über das nordatlantische Gebiet hinaus vorgedrungen.
Während ich heute hier spreche, verhindern die Tätigkeiten der Sowjetunion
und Kubas in Afrika einzelne Nationen, ihren eigenen Kurs abzustecken. Als
Mitglieder des größten Bündnisses der Welt können wir diesen Ereignissen
nicht teilnahmslos gegenüberstehen - wegen ihrer Bedeutung für Afrika
und wegen ihrer Auswirkung auf die langfristigen Interessen des Bündnisses.
Ich begrüße die Anstrengungen einzelner NATO-Verbündeter, für den Frieden
in Afrika zu wirken und Nationen und Völker in Not zu unterstützen erst jüngst in Zaire.
Unser

�Unser Bündnis ist niemals Selbstzweck gewesen.

Es ist ein Mittel

und Weg, um Stabilität und Frieden in Europa zu fördern - ja den Frieden
in der ganzen Welt. Unsere Stärke hat es uns ermöglicht,den Weg der
Entspannung und zu Abkommen über Rüstungsbegrenzungen einzuschlagen und
gleichzeitig die Sicherheit des Bündnisses zu erhöhen.

Verteidigung

in Europa, Ost-West-Entspannung und globale Diplomatie gehen Hand in
Hand.
Niemals zuvor hat ein Verteidigungsbündnis so viel Anstrengung
darauf verwandt, mit seinen Gegnern über Begrenzungen und Verringerungen
der Rüstungen zu verhandeln. In unserer Suche nach wirksamen Rüstungskontroi labkommen hat niemand etwas Gleiches vorzuweisen.
Die Vereinigten Staaten schreiten in ihren Verhandlungen mit der
Sowjetunion über ein neues Abkommen zur Begrenzung und Verringerung
strategischer Waffen weiter voran. Unser Ziel ist die Erhaltung und
Förderung der Sicherheit aller Mitglieder unseres Bündnisses. Wir werden
weiterhin unsere Verbündeten konsultieren und eng mit ihnen zusammenarbeiten, um zu gewährleisten, daß Rüstungskontroilanstrengungen unseren
gemeinsamen Erfordernissen dienen„
NATO-Verbündete arbeiten auch an der beiderseitigen und ausgewogenen
Verringerung der Streitkräfte in Europa, um für alle Völker Europas
ein größeres Maß an Sicherheit auf einem niedrigeren Stand der Rüstungen,
der Spannungen und der Kosten zu erreichen. Die Verbündeten haben kürzlich
dem Warschauer Pakt einen neuen Vorschlag unterbreitet; und wir appellieren
an jene Länder, in dem positiven Geist zu antworten, in dem unser Angebot
vorgelegt wurde.
Unsere Bemühungen, in beiden diesen Verhandlungen Waffen und Streitkräfte zu verringern, werden von der Notwendigkeit der Gleichwertigkeit
und der Ausgewogenheit der militärischen Kapazitäten in Ost und West geleitet. Das ist die einzige dauerhafte Basis für die Förderung von

- 5 -

�von Sicherheit und Frieden.
Die Herausforderungen, vor denen wir als Verbündete stehen, sind
hier nicht zu Ende.

Wirtschaftliche Veränderungen in unseren Ländern

und in der ganzen Welt haben unsere Abhängigkeit von einander erhöht
und unsere Anstrengungen zur Förderung von wirtschaftlichen und sozialem
Wohlergehen erschwert. Gesellschaftliche Veränderungen, zum Teil durch
wirtschaftlichen

und politischen Fortschritt hervorgerufen, werden von

jeder unserer Nationen kreatives Denken und kreative Anstrengungen
erfordern.

Unser Bündnis gewinnt durch unsere gemeinsamen Ziele und

unsere gemeinsame

Erfahrung zusätzliche Stärke.

Und schließlich stehen wir vor der Aufgabe, die menschlichen Werte
und die Menschenrechte zu fördern, die die letztliche Zielsetzung und
der letztliche Sinn unseres Bündnisses sind.

Die Aufgabe ist nicht

leicht; und der Weg zur Freiheit ist niemals leicht gewesen.
Aber unsere Staaten umfassen vornehmlich die Region der Welt, wo
die Freiheit am besten gedeihen kann.

Wenn wir daher die Entspannung

anstreben, müssen wir weiterhin die volle Verwirklichung der vor drei
Jahren unterzeichneten Übereinkommen von Helsinki über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa durch die Länder des Warschauer Paktes und
unsere eigenen Länder anstreben.
Wenn wir auf der fundamentalen Stärke des Nordatlantischen Bündnisses
aufbauen, dann bin ich zuversichtlich, daß wir mit allen Herausforderungen
der kommenden Jahre fertig werden können.
In der Zukunft - wie in der Vergangenheit - werden die Regierung
und das Volk der Vereinigten Staaten an unserer Verpflichtung zu Frieden
und Freiheit - die uns allen als Verbündeten gemeinsam ist - standhaft
festhalten.

+ + + + +

�•

CO

ipj m

1

HL

Dokumentation

^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31. Mai 1978

13

PRÄSIDENT DES NORDATLANTIKRATES ERÖFFNETE NATO-GIPFEL IN WASHINGTON
- Ansprache des türkischen Ministerpräsidenten Ecevit -

WASHINGTON - (AD) - Der türkische Ministerpräsident Bulent Ecevit
eröffnete als derzeitiger Ratspräsident am 30.Mai 1978 die zweitägige
Gipfelkonferenz des Nordatlantikrates - des höchsten politischen Gremiums
des Bündnisses - in Washington.

Seine Rede, die auf die Begrüßungsan-

sprache des amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter als Gastgeber folgte,
hat folgenden Wortlaut:
Wenn ich hier die Sitzung des Nordatlantikrates unter Beteiligung
der Staats- und Regierungschefs eröffne, ist es mir eine angenehme Pflicht,
im Namen aller meiner Kollegen Präsident Carter und der Regierung der
Vereinigten Staaten unseren aufrichtigen Dank für die herzliche Gastfreundschaft auszusprechen, die sie uns in der besten Tradition des
amerikanischen Volkes angedeihen lassen.
Das entscheidende Charakteristikum des Nordatlantikvertrages ist es,
daß sich seine Funktion nicht darauf beschränkt, durch kollektive Anstrengungen und durch Zusammenarbeit die Sicherheit seiner Mitgliedstaaten zu gewährleisten.

Das Bündnis widmet sich auch der Aufgabe,

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D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3 2 4 0
Telex:08-85432

�Aufgabe, gewisse moralische Werte wie Freiheit und die Menschenrechte
zu bewahren und aufrechtzuerhalten und gleichzeitig das überleben und
die friedliche Verbreitung der Demokratie sicherzustellen.
Es sei hier mit Genugtuung festgestellt, daß diese moralischen
Werte heute in allen Mitgliedstaaten gültiger und weiterverbreitet sind
als je zuvor, und daß die Demokratie in ihnen allen existent ist und erfolgreich arbeitet.
Wenn man bedenkt, daß die Freiheit, die Menschenrechte und die
Demokratie in der Welt außerhalb des nordatlantischen Bündnisses während
der letzten Jahre keine größeren Fortschritte erzielt haben, wird deutlich, ein wie wichtiger Faktor - wenngleich sicherlich nicht der einzige
Faktor - die Mitgliedschaft in der NATO für die Förderung dieser moralischen Werte und der Demokratie ist.

Es ist ferner klar, daß unser

Bündnis in der Verbreitung dieser Werte und des Ideals der Demokratie
über die Grenzen seiner Mitgliedstaaten hinaus nicht sehr wirksam war.
Das mag zum Teil ein Ergebnis andersgearteter Verhältnisse in
vielen anderen Ländern sein. Es ist wahrscheinlich aber auch der Tatsache zuzuschreiben, daß es uns nicht gelungen ist, die richtige Einstellung in Relation zu den Ländern außerhalb des Bündnisses zu finden,
und daß unsere Beziehungen mit der übrigen Welt unzureichend sind.
Diese Unzulänglichkeit läßt sich vermindern oder kompensieren - nicht
durch den Versuch, unsere Werte oder unser Regime anderen aufzuzwingen,
dondern durch größere Anstrengungen, ein gegenseitiges Verständnis zustandezubringen.
Eines der wichtigsten Menschenrechte ist das Recht, in Frieden
und Sicherheit zu leben. Bemühungen um die Verbreitung der Achtung vor
den Menschenrechten und den menschlichen Freiheiten sollten deshalb so
gestaltet werden, daß sie den Frieden und die Sicherheit stärken. Die
beste Methode, das zu bewirken, scheint es zu sein, die Möglichkeiten

- 2 -

�Möglichkeiten freier Kontakte zwischen den Menschen, den Kulturaustausch
und die Zusammenarbeit überall auf der Welt zu verbessern und mitzuhelfen,
die Lebenskraft und Leistungsfähigkeit der Demokratie selbst in jenen
Gesellschaften unter Beweis zu stellen, die sich noch im Stadium der
Entwicklung befinden.
Das N^rdatlantische Bündnis hat erheblich zur Beendigung des Kalten
Krieges und später zur Entwicklung der Entspannung beigetragen. Entspannung kann sich aber in einer im raschen Wandel begriffenen Welt
nicht auf ein statisches Gleichgewicht stützen und darf nicht von einer
Einfrierung der bestehenden Verhältnisse abhängig gemacht werden. Die
NATO sollte versuchen, ein wirksameres Agens des positiven Wandels in
dieser sich rasch weiterentwickelnden Welt zu werden, und sie sollte
ferner ein dynamisches statt eines statischen Gleichgewichts zu erreichen
suchen - dynamisch in einer Art und Weise, die schließlich das Wesen der
Entspannung selbst verändern würde. Die Entspannung, die heute in der
Hauptsache auf ein Gleichgewicht der bewaffneten Abschreckung basiert,
sollte sich mehr auf ein gegenseitiges Verständnis und Vertrauen stützen,
sodaß sie schließlich zu einem gesünderen und gedeihlicherem Frieden
führen würde.
Mit diesem Ziel vor Augen sollten die NATO und ihre Mitgliedstaaten
bestrebt sein, die Entfremdung zwischen den beiden kollektiven Sicherheitssystemen sowie auch mit der übrigen Welt durch einen zunehmenden
Dialog zu ersetzen.
Wenn die Entspannung in unserer schrumpfenden und in immer größere
wechselseitige Abhängigkeit geratenden Welt unteilbar ist, dann sollte
unser Bündnis nicht erhaben über die Probleme und berechtigten Besorgnisse jener sein, die außerhalb des Bündnisses stehen. Es sollte sich
davor hüten, sich diese zu entfremden.
Nur dadurch, daß die NATO zu einem gesünderen Frieden, zur Entstehung

- 3 -

�Entstehung einer Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens und zu einer
ausgewogeneren und gesünderen Entwicklung überall auf der Welt beiträgt,
kann sie die Sicherheit und ein friedliches Gedeihen auch für ihre eigenen
Mitgliedstaaten am ehesten gewährleisten.

Wir müssen deshalb Sorge tragen,

daß sich die NATO in den Augen anderer nicht als ein Klub von Priviliegierten
oder als eine nur auf die eigenen Interessen bedachte Versammlung von
Ländern darbietet.
Auch wenn wir jene Art von Entspannung und Frieden anstreben, die ich
eben zu beschreiben versucht habe, ist es ganz natürlich, daß das Nordatlantische Bündnis angesichts der derzeitigen Weltlage den Wert und die
Notwendigkeit der Abschreckung nicht unterschätzen darf.

Die Abschreckung

läßt sich jedoch nicht ausschließlich durch bewaffnete Stärke erzielen.
Die Abschreckungskraft eines Bündnisses sollte erreicht und verstärkt
werden
-

durch eine gleichmäßige Verteilung der Verteidigungskapazitäten,
die keinerlei Machtvakuum innerhalb des kollektiven Verteidigungssystems läßt;

-

durch eine gleichmäßige Aufteilung der Verantwortung, sodaß an
die Stelle einer übermäßigen Abhängigkeit von einem Verbündeten
eine wechselseitige Abhängigkeit unter allen Verbündeten treten
kann;

-

und

durch die Glaubwürdigkeit eines jeden Verbündeten in den Augen
der anderen Mitgliedstaaten und des Bündnisses als Ganzem in
den Augen der übrigen Welt.

Dieses Vorgehen würde und sollte im Verein mit dem fortwährenden
Festhalten an den demokratischen und menschlichen Wertvorstellungen,
die unserem Bündnis zugrunde liegen, dessen moralische Stärke mehren.
Es sollte kein Zweifel bestehen, daß die moralische Stärke mindestens

�mindestens so wichtig ist wie die materielle Stärke.
Es läßt sich in aller Fairness sagen, daß einige dieser Kriterien
der moralischen Stärke in unserem Bündnis gegenwärtig nicht in ausreichendem Maße gegeben sind.

Das ist bis zu einem gewissen Grad vielleicht

einem Nachlassen des Verantwortungsbewußtseins zuzuschreiben, das die
Entspannung bewirkt hat.
Anläßlich der Unterzeichnung der Erklärung über die atlantischen
Beziehungen im Juni 1974 in Brüssel habe ich erklärt, die verläßlichste
Bewährungsprobe für ein Bündnis seien Perioden der Entspannung und des
Friedens... Wenn ein Bündnis eine Periode der Entspannung und des Friedens
zu überstehen und die Probleme und Konflikte zu lösen vermag, die innerhalb eines Bündnisses in Zeiten des Friedens und der Entspannung auftreten,
und wenn es diese überlebt, dann und nur dann darf man der Lebenskraft
und Verläßlichkeit des Bündnisses sicher sein.
Ich glaube es bestehen im gegenwärtigen Augenblick hinreichend
Gründe zur Besorgnis innerhalb des Nordatlantischen Bündnisses, die es
mir gestatten, diese meine Ausführungen, die ich vor vier Jahren gemacht
habe, mit noch größerem Nachdruck zu wiederholen.
Die Spannungen, Schwierigkeiten und Meinungsunterschiede, die wir
innerhalb des Bündnisses haben, können und sollten in einem Klima gegenseitigen Verständnisses gelöst werden. Das zu erreichen, müssen wir offen
miteinander diskutieren, die unseren Schwierigkeiten zugrunde liegenden
Ursachen analysieren und die Entschlußkraft und das Verantwortungsbewußtsein aufbringen, sie umgehend zu lösen.
Was unsere Einstellung zu den Ost-West-Beziehungen angeht, so
sollte dies meines Erachtens durch eine umfassende Konzeption von der
Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses bestimmt werden, die sicherstellt, daß die Zusammenarbeit unter den Ländern des Westens und des

- 5 -

�des Ostens durch Schaffung eines Geflechts gemeinsamer Interessen eines
Tages an die Stelle des Wettstreits unter ihnen treten kann.
Die zunehmende wechselseitige Abhängigkeit - Interdependenz - in
der Welt von heute gibt uns die Hoffnung auf ein solches Verhältnis.
Wir dürfen dabei nicht übersehen, daß die Welt nicht nur aus Mitgliedstaaten dieses Bündnisses und des Warschauer Paktes besteht.
wärtig dreht sich die Welt um zwei Achsen:
Nord-Süd-Achse.

Gegen-

eine Ost-West- und eine

Fortschritte und eine dynamische Stabilität sollten

auf diesen beiden Fronten möglich sein.

Wir müssen das Gelöbnis er-

neuern, das wir in der Erklärung über die Atlantischen Beziehungen zum
Ausdruck gebracht haben, nämlich anderen zu helfen - den Entwicklungsländern zu helfen, die Ziele der Demokratie, der Menschenrechte, der
Gerechtigkeit und des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts zu
erreichen.

Wir müssen unsere Verpflichtung auf ein offenes und gerechtes

Weltsystem überzeugender als bisher honorieren.
In der Zwischenzeit sollten wir auf eine faire und wirksame Ordnung
der wirtschaftlichen Hilfe, der Zusammenarbeit und der Solidarität innerhalb des Bündnisses hinarbeiten und dabei die Unteilbarkeit von Verteidigungskapazität und wirtschaftlicher Stärke im Auge behalten.

Wir

sollten uns daran erinnern, daß es eines der Hauptziele der Erlangung
von Frieden und Sicherheit ist, Prosperität und Wohlfahrt sicherzustellen.
Verteidigungsmaßnahmen sind lediglich Mittel zu diesem Zweck.

Wir dürfen

nicht zulassen, daß die Mittel dem Zweck übergeordnet werden.
Während diese Tagung stattfindet, befaßt sich gleichzeitig die
Vollversammlung der Vereinten Nationen auf einer Sondersitzung mit Fragen
der Abrüstung und Rüstungskontrolle. Hier geht es nicht nur um das
Oberleben des Menschen, sondern auch um Fragen einer gesunden Entwicklung der Länder dieser Erde.
Verteidigungsmaßnahmen

- 6 -

�Verteidigungsmaßnahmen und Abrüstung mögen auf den ersten Blick
als einander

widersprechend erscheinen.

Das ist eine der Widersprüch-

lichkeiten unserer Zeit. Wir müssen über solche Widersprüchlichkeiten
hinweg nach Harmonie streben.

Wir können dies im Falle von Fortschritten

in Richtung auf die Abrüstung dadurch versuchen, daß wir, wie ich schon
ausgeführt habe, das Wesen der Detente langfristig verändern, indem wir
sie in zunehmendem Maße auf gegenseitiges Verständnis und Vertrauen statt
auf die bewaffnete Abschreckung gründen.
Unser Zusammenschluß von Nationen zielt darauf ab, den Frieden zu
erhalten und zu stärken - nicht nur durch unsere Bewaffnung und die
kollektive Verteidigung, sondern auch, und in noch größerem Ausmaß, durch
die verstärkte Konzentration auf Freiheit und Gerechtigkeit, durch die
Achtung vor der Würde des Menschen und durch Anstrengungen für den
Fortschritt, die Prosperität und das Wohlergehen der gesamten Menschheit.
Ich wünsche allen Mitgliedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses
auf diesem ehrenhaften Weg Frieden und Erfolg.

+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

31. Mai 1978

Ansprache von Generalsekretär Luns auf der NATO-Gipfelkonferenz
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Generalsekretär Joseph Luns hat am 30. Mai 1978
auf der Eröffnungssitzung der Gipfelkonferenz des Nordatlantikrates in
Washington eine Ansprache gehalten, die folgenden Wortlaut hat:
In diesem Jahr nimmt eine große Anzahl von Staats- und Regierungschefs an der Sitzung des Nordatlantikrates teil. Ich möchte unserem Gastgeber, Präsident Carter, meinen besonderen Dank dafür aussprechen, daß
er darauf drängte, dieses Treffen auf höchster Ebene abzuhalten, sowie
dafür, daß er uns hier in Washington empfängt, der Hauptstadt der Vereinigten Staaten - dieses großen Landes, das über zwei Jahrhunderte lang
Ausdruck von Freiheit und Demokratie für die Welt insgesamt und nahezu
dreißig Jahre lang der Felsen war, auf dem die Kollektive Sicherheit
unseres Bündnisses letztlich ruht.
Bevor ich mich der Gegenwart zuwende, möchte ich jenem Staatsmann
meine Reverenz erweisen, der so früh und auf so tragische Weise starb
und nach dem das Gebäude benannt wurde, in dem wir heute zusammenkommen:

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�zusammenkommen:

Präsident Kennedy.

Während seiner kurzen Amtszeit im

Weißen Haus haben der inspirierende Geist und die Stärke seiner Zielsetzung in schwierigen Zeiten ihm weltweite

Wertschätzung gebracht und

große Erwartungen wach werden lassen, die dann durch seine brutale Ermordung zerstört wurden.
Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die Politik der Entspannung,
die vor einigen Jahren von den Mitgliedern des Bündnisses eingeleitet
wurde, das internationale Klima verbessert hat - insbesondere im Spektrum
der Ost-West-Beziehungen.

Es bleibt jedoch noch viel zu tun, und trotz

aller Bemühungen und des guten Willens der Verbündeten kommen manche derzeit stattfindenden Verhandlungen nicht so gut voran, wie man es wünschen
möchte.

Ferner hat es in der Welt,und insbesondere in Afrika, ein

ständiges Anwachsen der Zahl der Konflikte und Zwischenfälle gegeben,
die häufig durch die Einmischung der Sowjetunion oder ihrer Satelliten
noch verschärft wurden.
Es ist vielleicht nicht immer möglich, die Auswirkungen dieser
Ereignisse zu begrenzen, die die Interessen und die Sicherheit bestimmter
Mitglieder des Bündnisses gefährden könnten. Ich bin überzeugt, daß
angesichts solcher Situationen unser Bündnis vermehrte Glaubwürdigkeit
erlangen würde, wenn es deutlicher seine Entschlossenheit sowie die
Identität seiner Ansichten demonstrierte, wenn immer die kollektive Sicherheit seiner Mitglieder auf dem Spiele steht.
Auch die militärische Situation gibt Anlaß zur Besorgnis. Zu der
numerischen Überlegenheit, die der Warschauer Pakt lange Zeit hinsichtlich der konventionellen Truppen besaß, kommt nun auch ein Ausmaß an
technologischer Verfeinerung, das die qualitative Lücke beseitigt, die
bisher die Unterlegenheit des Bündnisses hinsichtlich der Mannschaftsstärken ausglich. Außerdem hat die Sowjetunion - und dies erachte ich als
besonders ernst - in den letzten Jahren eine See- und Luftkapazität
aufgebaut, die ihre konventionellen Streitkräfte in die Lage versetzt

- 2 -

�versetzt, entweder direkt zu intervenieren oder die Aktivitäten ihrer
Verbündeten in Gebieten zu unterstützen, die in zunehmendem Maße weit
entfernt von ihren eigenen Grenzen liegen.
Es scheint mir jedoch - und das ist beruhigend -,daß sowohl die
Regierungen als auch die Völker aller Länder unseres Bündnisses sich in
immer stärkerem Maße der gefährlichen Natur der Welt, in der wir leben,
bewußt werden und begreifen, daß das sine qua non für das Streben nach
Entspannung die Aufrechterhaltung einer angemessenen Verteidigungskapazität ist, um nicht nur der offenen Aggression, die vielleicht unwahrscheinlich ist, Widerstand entgegenzusetzen, sondern auch jeder anderen
Form des Drucks. Dieses Bewußtsein hat bereits zu einer Anzahl konkreter
Entscheidungen geführt: In den Vereinigten Staaten hat der Verteidigungsminister ein Fünfjahres-Programm vorgelegt, das sein Land in den Stand
setzen soll, die Verteidigungskapazität des Bündnisses im Falle eines
Angriffs zu verstärken. Eine wachsende Anzahl von europäischen Ländern
hat ebenfalls die Mittel erhöht, die für die Verteidigung bereitgestellt
werden. Und im Bündnis selbst schließlich - und es ist diese kollektive
Anstrengung, die meines Erachtens die wirksamste ist - haben die an der
integrierten militärischen Verteidigung beteiligten Länder alle ein langfristiges Verteidigungsprogramm gebilligt. Im Rahmen dieses Programms
wird jeder Teilnehmerstaat auf beiden Seiten des Atlantik im Verhältnis
zu seinen Möglichkeiten zur gemeinsamen Verteidigung beitragen. Auf
der europäischen Seite wird jedes Land sich bemühen, seine eigene Fähigkeit zur Abwehr der Aggression zu verbessern, und es wird für die notwendige Infrastruktur sorgen, damit die Verstärkungen von der anderen
Seite des Atlantik auf wirksamste Weise eingesetzt werden können. Was
die Rüstung anbetrifft, so ist geplant, in ausgewogener Weise die bestehende
Zusammenarbeit zwischen den amerikanischen und den europäischen Partnern
zu erweitern.

So wichtig es auch ist, so ist dieses langfristige Verteidigungprogramm

- 3 -

�^

Verteidigungsprogramm nur ein Aspekt der jüngsten Entwicklung innerhalb
unseres Bündnisses:

des wachsenden Bewußtseins unserer Solidarität

und der Bekräftigung der Verpflichtung eines jeden, die Sicherheit aller
zu gewährleisten.

Die Anwesenheit der

höchsten Regierungsvertreter

im Nordatlantikrat - zum zweiten Mal innerhalb von etwa mehr als einem
Jahr - ist der überzeugende Beweis für den Geist der Solidarität.

Die

wiederholten Erklärungen Präsident Carters, daß das Atlantische Bündnis
der Eckpfeiler der Außenpolitik der Vereinigten Staaten bleibt, ist ein
weiterer Beweis.

Die Versicherungen des Präsidenten der Vereinigten

Staaten, daß sein Land - weit davon entfernt, seine Verpflichtungen gegenüber Europa zu vermindern - vielmehr entschlossen ist, diese zu vergrößern, hat das Vertrauen der europäischen Länder in ihr Bündnis sowie
ihre

Bereitschaft für die Beteiligung an der Verteidigung unserer ge-

meinsamen Kultur verstärkt.

Dennoch könnte unsere Solidarität noch weiter

entwickelt und mehr auf den wirtschaftlichen Bereich ausgedehnt werden:
Die Länder des Bündnisses haben sicherlich noch nicht alle den gleichen
Entwicklungsstand erreicht.

Ich, meinerseits, würde es begrüßen, wenn

die reicheren Länder sich gegenüber den weniger begünstigten Staaten
großzügiger verhielten, wenn es darum geht, diesen bei der Ausweitung
ihrer Wirtschaft und der Stärkung ihrer militärischen Kapazität zu helfen.

Ich habe eingangs gesagt, daß wir in einer Welt leben, die von
Drohungen und Ungewißheiten heimgesucht ist. Umso angenehmer ist es
festzustellen, daß alle unsere Mitgliedstaaten, die sich jetzt seit
vielen Jahren einer Regierung erfreuen, die auf den Grundsätzen der
Demokratie, der Freiheit des einzelnen und der Herrschaft des Rechts
basiert, fest gegen alle Bemühungen extremistischer und lautstarker
Minoritäten eingestander sind,die politische und soziale Struktur zu
unterminieren, und daß sie dies ohne Einschränkung der Freiheit des
Einzelmenschen getan haben. Zusammen mit den neutralen Ländern Europas
haben sich die Verbündeten in Belgrad unmißverständlich als Vorkämpfer
der Freiheit des einzelnen erwiesen. In einer unpolemischen Geist
fordern sie die volle Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki, einen

- 4 -

�einen feien Gedankenaustausch und eine Respektierung der Menschenrechte.
Die. Verwirrung, die die andere Seite an den Tag legte, machte es aller
Welt klar, wo die Freiheit herrscht.
Wenige Schritte von hier steht das Abraham Lincoln-Memorial - zu
Ehren eines
Präsidenten, der einer der inbrünstigsten Exponenten
dieser Freiheit und einer der größten Verfechter der Menschenrechte war.
Möge sein Beispiel richtungsweisend für unsere Erörterungen sein, möge
es dazu beitragen, daß die Völker unseres Bündnisses unsere Freiheit und
unsere Demokratie fördern, die von allen Seiten bedroht sind - nicht nur
durch Diktatur und Angst, sondern auch in einer heimtückischeres, aber
gleichermaßen beunruhigenden Art durch eine übermäßige Hinwendung zu
materiellem Komfort und Wohlstand.

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31. Mai 1978

13

ERKLÄRUNG CARTERS ZUR LANGFRISTIGEN VERTEIDIGUNGSPOLITIK DER NATO
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 31. Mai 1978, dem
zweiten Tag der NATO-Gipfelkonferenz in Washington, vor der Vollsitzung des
Nordatlantikrates eine Erklärung zur langfristigen Verteidigungspolitik des
Nordatlantischen Bündnisses abgegeben. Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
Ich danke Ihnen, Herr Generalsekretär.
Diese Art von Unterrichtungen lassen den gewaltigen Umfang der Aufgaben
erkennen, vor denen wir stehen. Sie sind kein Anlaß zur Panik, aber sie
sollten unsere Entschlossenheit stärken.
Als ich vor 16 Monaten mein Amt antrat, verschaffte ich mir einen Oberblick über den Stand der amerikanischen Verteidigung. Ich fand sie stark,
obwohl sie einiger Verbesserungen bedurfte. Vor allem kam ich zu dem Entschluß, daß die Vereinigten Staaten die höchste Priorität Europa, und speziell
der konventionellen Verteidigung, die in den ersten Stadien eines Konflikts
gebraucht wird, einräumen müsse.
T ,
3
Ich
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Telex:08-85432

�Ich kam aus zwei Gründen zu diesem Schluß.

Erstens, die Länder des

Warschauer Paktes, vor allem die Sowjetunion, haben ihre konventionellen
Streitkräfte über alle legitimen Verteidigungserfordernisse hinaus ständig
ausgebaut und modernisiert.

Sie sind heute in der Lage, mit großen Panzer-

kräften rascher anzugreifen, als wir früher glaubten.

Zweitens, obwohl die

amerikanischen Nuklearstreitkräfte stark bleiben und von fundamentaler Bedeutung für die Abschreckung sind, wird die seit langem erkannte Rolle der
konventionellen Streitkräfte in der Abschreckung vor einem Krieg immer wichtiger.
Dementsprechend habe ich den Verteidigungsminister angewiesen, die
konventionelle Erstverteidigungskapazität in Europa zu stärken.

Natürlich

hätten solche Anstrengungen wenig Sinn, wenn sie nicht von Verbesserungen
der konventionellen Kapazität unserer NATO-Verbündeten begleitet würden.
Die europäischen NATO-Länder, nicht die Vereinigten Staaten, stellen den
Großteil unserer Streitkräfte in Europa.

Im übrigen begrenzen die konkurrie-

renden Forderungen unserer freien Gesellschaften den Anteil unserer Mittel,
den wir für die Verteidigung aufwenden können.

Wir müssen deshalb unsere

Verteidigungsplanung koordinieren, um diese begrenzten Mittel bestens zu
nutzen.
Ich weiß aus unseren Erörterungen in London im vorigen Jahr, daß Sie
meine Ansichten hinsichtlich der Herausforderungen der Zukunft teilen. Die
Antworten, die wir gemeinsam ausgearbeitet haben, sind eindrucksvoll. Wir
alle nehmen bedeutsame reale Erhöhungen unserer Verteidigungshaushalte vor.
Wir stärken unsere nationalen Streitkräfte - und wir werden noch mehr tun.
Und schließlich haben wir ein kühnes Langfristiges Verteidigungsprogramm
ausgearbeitet, um in den kommenden Jahren zusammen eine noch wirksamere
kollektive Verteidigung auf die Beine zu stellen.
&gt;

Wenn wir unsere konventionelle Verteidigung verbessern, dann dürfen
wir nicht vergessen, daß die Stärke unserer strategischen und taktischen
Nuklearstreitkräfte für die Abschreckung und Verteidigung ebenfalls notwendig ist.
Diese

�Diese Streitkräfte sind voll ausreichend - und werden es auch in Zukunft
sein.

Rüstungskontrolle kann die Abschreckung stabiler und vielleicht we-

niger kostspielig machen - aber sie wird in absehbarer Zukunft die Notwendigkeit nuklearer Streitkräfte nicht beseitigen.
Jahrelang hat sich das Bündnis in erster Linie auf amerikanische strategische Streitkräfte verlassen, wenn es um die Abschreckung vor einem nuklearen Angriff in Europa ging.

Diese Koppelung amerikanischer strategischer

Streitkräfte mit Europa ist von entscheidender Wichtigkeit, denn sie bedeutet,
daß ein Angriff auf Europa die vollen Konsequenzen wie ein Angriff auf die
Vereinigten Staaten haben würden.
gen machen!

Hier soll sich niemand falsche Vorstellun-

Die Vereinigten Staaten sind bereit, alle für die Verteidigung

des NATO-Gebietes notwendigen Streitkräfte einzusetzen.
Als Bündnis müssen wir weiterhin unsere Erfordernisse der nuklearen
Abschreckung im Lichte der Entwicklungen der sowjetischen Nuklearstreitkräfte
und konventionellen Streitkräfte überprüfen. Als ein Ergebnis des Langfristigen Verteidigungsprogramms prüft die Nukleare Planungsgruppe im Detail die
Modernisierung unserer taktischen Nuklearstreitkräfte, einschließlich der
Frage von Langstrecken-Nuklearsystemen. Wir müssen auch gemeinsam über das
Verhältnis von taktischen Langstrecken-Nuklearsystemen und Rüstungskontrolle
sprechen.
Dies wird erforderlich machen, daß wir über den ganzen Bereich politischer und militärischer Fragen sprechen und sichergehen, daß wir die Koppelung amerikanischer strategischer Streitkräfte mit der Verteidigung Europas
aufrechterhalten. Wenn wir dies zusammen prüfen, dann versichere ich Ihnen,
daß die Vereinigten Staaten die uns zur Verfügung stehenden Optionen schützen werden, wenn sich die Verhandlungen über SALT II einem Abschluß nähern.
Ich möchte mich jetzt den konventionellen Streitkräften zuwenden - dem
Hauptbestandteil des langfristigen Verteidigungsprogramms.

Schließlich ge-

ben wir die meisten Mittel für unsere konventionellen und nicht für unsere
nuklearen Streitkräfte aus.
Wir
- 3 -

�Wir müssen uns darauf vorbereiten, als Bündnis wirksamer zusammen zu
kämpfen.

Wir müssen unsere Fähigkeit, auf dem Gefechtsfeld zusammenzuar-

beiten, wesentlich verbessern.

Wir müssen unnötige Überschneidungen in un-

seren nationalen Programmen überwinden, damit wir für das gleiche Geld mehr
Sicherheit kaufen.
Um all das geht es bei dem Langfristigen Verteidigungsprogramm.

Es

stellt einen einzigartigen Versuch der NATO dar, über eine größere Zahl
von Jahren hinweg vorauszublicken als je zuvor.

Es strebt einen koopera-

tiven Kurs als den einzig vernünftigen Weg zur Verbesserung unserer Verteidigung ohne unnötige Erhöhungen der Verteidigungsausgaben an.
spezifische Maßnahmen der Zusammenarbeit im Bündnis vor.

Es sieht

Es ist der Gesamt-

plan, den wir brauchen, und wir müssen ihn mit allem Nachdruck ausführen.
Selbstverständlich ist jeder von uns von der parlamentarischen Billigung einzelner Programme und Projekte im Rahmen des Langfristigen Verteidigungsprogramms abhängig. Da wir an der Spitze von Demokratien stehen,
können wir unsere Völker nicht durch unseren Willen binden. Wir können
uns jedoch verpflichten, alles Notwendige zu tun, um diese Billigung sicherzustellen und dieses Programm in die Praxis umzusetzen.
Die Vereinigten Staaten reagieren bereits auf viele Empfehlungen des
Langfristigen Verteidigungsprogramms, vor allem auf dem Gebiet der Verstärkung. Und die Empfehlungen werden in unserem eigenen nationalen Verteidigungsprogramm höchste Priorität erhalten. Kurz gesagt, wir werden unseren
Teil dazu beitragen, amerikanische Programme anzupassen oder zu verändern,
um das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO zu unterstützen. Ich
bin sicher, daß Sie ähnlich handeln werden.
Und schließlich möchte ich noch den verbleibenden ungelösten Aspekt
des Langfristigen Verteidigungsprogramms erwähnen.

Obwohl das Programm

eine neue und beispiellose Zusammenarbeit im Bündnis fordert, sind bis jetzt
noch keine Verfahren ausgearbeitet worden, um sicherzustellen, daß es auch
- 4 -

�auch verwirklicht wird.

Wir müssen uns vor kühnen, aus vollem Herzen ge-

billigten Programmen hüten - die dann weitgehend vergessen werden.

Der uns

vorliegende Bericht weist den Generalsekretär an, zur nationalen Prüfung
die Veränderungen vorzulegen, die für eine nachhaltige Durchführung notwendig sind.
Sowohl die Arbeitsgruppen der NATO als auch wir Amerikaner haben zu diesem Zwecke mehrere spezifische Vorschläge unterbreitet. So treten wir beispielsweise für eine ausdrückliche Anerkennung der neuen Konzentration der
NATO auf die Logistik ein. Eine Möglichkeit ist die Schaffung des neuen
Amtes eines Beigeordneten Generalsekretärs für Logistik. Wir treten ferner
für eine klare Zuweisung der Zuständigkeit für jedes Programm an ein NATOGremium ein. Wo angebracht, würden wir ein eigenes großes NATO-Kommando
vorziehen. Aber ich möchte Sie nicht ersuchen, heute über unsere Vorschläge
zu sprechen. Ich möchte Sie statt dessen ersuchen, daß alle Führer des
Bündnisses sich mir heute in der Forderung nach einer nachhaltigen Verwirklichung des Programms anschließen.
Lassen Sie mich abschließend feststellen, daß wir vor einer einzigartigen Chance stehen, unsere nationalen Verteidigungsprogramme enger zusammenzubringen.

Das Ergebnis wird eine wirksamere Verteidigung sein.

wird eine größere Sicherheit für unsere Völker sein.

Wir sind dafür ver-

antwortlich, daß diese Chance nicht ungenutzt verstreicht.

+ + + + +

- 5 -

Die Folge

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
31. Mai 1978

13

ABSCHLUSSERKLÄRUNG CARTERS AUF DER NATO-GIPFELKONFERENZ
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 31. Mai 1978 zum Abschluß
der zweitägigen NATO-Gipfelkonferenz eine Erklärung abgegeben, in der er
einen Oberblick über den Gang der Gespräche gab und die Konferenz als produktiv und konstruktiv bezeichnete.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Als der führende Politiker der Gastregierung möchte ich erklären, daß
es für uns eine dankenswerte Erfahrung war, die Konferenz der NATO-Länder
hier in Washington abzuhalten.

Wir haben hier zwei Tage lang konferiert,

und erfahrenere Politiker haben erklärt, daß dies die bisher umfassendste,
freimütigste und produktivste NATO-Konferenz war.
Der nachhaltigste Eindruck, den ich gewonnen habe, ist der einer allgemein anerkannten gemeinsamen Zielsetzung. Das Bündnis ist ganz offensichtlich ein Bündnis der Einigkeit. Es ist ein Bündnis des vollkommenen Einsatzes
und auch ein Bündnis, das sich darüber im klaren ist, daß 30 Jahre des Friedens durch 15 Länder herbeigeführt wurden, weil wir gemeinsam stark und ge-

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Telex:08-85432

�gemeinsam einer Partnerschaft verpflichtet sind, die sich auf gemeinsame
Überzeugungen und Ideale, auf ein gemeinsames Erbe sowie auf eine gemeinsame
Verpflichtung zur Demokratie, zur Freiheit und zur Herrschaft des Rechtes
gründet.

Neben der Aufrechterhaltung der Stärke für die gemeinsame Verteidigung
haben wir ferner die Tatsache bekräftigt, daß wir mit den Ländern des Warschauer
Paktes in einem allgemeinen Frieden leben möchten und daß es keine Unvereinbarkeit zwischen der Sondersitzung über Abrüstung in New York und deren Zielsetzungen und den Zielsetzungen des Nordatlantischen Bündnisses gibt.

Wir glauben, daß der nützlichste Schritt zu einer allgemeinen Abrüstung
die sichtbare Stärke der NATO-Verbündeten ist.
Themen erörtert.

Wir haben drei grundlegende

Das eine war die Zusammenarbeit bei der Entwicklung und

Produktion von Waffen, die zu einer ausgewogeneren Verantwortung bei diesem
sehr wichtigen Vorhaben führen und auch in der Standardisierung von Waffenkomponenten und -Systemen und damit einem weitaus höheren Grad der Verteidigungskapazität bei gegebenen Verteidigungsausgaben resultieren kann.

Zweitens haben wir die Analyse einer einjährigen Studie der Ost-WestBeziehungen - politisch, wirtschaftlich und militärisch - abgeschlossen,
was hinsichtlich ihrer Vorbereitung eine sehr erhellende Erfahrung war; und
ich glaube, sie hat das gemeinsame Verständnis für die gegenwärtigen und
möglichen zukünftigen Beziehungen zwischen den Ländern des Warschauer Paktes,
ihren Freunden und Verbündeten und der NATO-Gemeinschaft, ihren Freunden und
Verbündeten gefestigt.

Das wichtigste Thema war möglicherweise,ein Langfristiges Verteidigungsprogramm zu definieren und uns darauf zu verpflichten.

Dies wiederum war

nach einer einjährigen Studie seitens unserer Verteidigungsminister und ihrer
Mitarbeiter vorgeschlagen worden.

Es gab eine einstimmige Billigung dieser

sich über die nächsten 15 Jahre erstreckenden Verpflichtung, und es wurde
einmütig anerkannt, daß diese zusätzlichen Verbesserungen unserer Verteidi-

- 2 -

�Verteidigungskapazität nicht nötig seien als Ergebnis von Furcht und Unruhe
oder Krisen oder tiefer Besorgnis, sondern daß dies eine Neubestätigung der
Notwendigkeit eines starken Bündnisses sei, die sich widerspiegelt in einer
gemeinsamen Neubelebung des Bündnisses aufgrund unserer gemeinsamen Verpflichtung zur Wahrung seiner militärischen Stärke.
Wir beschlossen ferner, diese Empfehlungen durchzuführen. Darüber
hinaus erörterten wir Fragen, die für uns alle von gemeinsamem Interesse
sind: Die SALT-Verhandlungen - ihre gegenwärtigen und zukünftigen Aussichten -; die Gespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung, die unserer Ansicht nach neuen Auftrieb gewinnen; allgemeine Fragen,
die den Nahen Osten und Afrika betreffen; die Wirtschaft unserer Länder.
Ich glaube, wir hatten ein sehr gutes Gespräch - manchmal etwas heftig - über
die südliche Flanke der NATO, was die Vereinigten Staaten, Griechenland und
die Türkei angeht. Ich bestätigte der gesamten Gruppe die Zielsetzung meiner Administration, die gesetzlichen Hindernisse für die Lieferung
von militärischer Ausrüstung und Waffen an die Türkei zu beseitigen - eine
Maßnahme, die noch vom Kongreß erörtert werden muß.
Das gesamte Bündnis hat sich nachhaltig dafür ausgesprochen.

Griechen-

land brachte einige voraussehbare Einwände vor, aber man war sich doch einig
über die Notwendigkeit, Harmonie zwischen Griechenland und der Türkei herzustellen und die südöstliche Flanke der NATO zu stärken.
Und schließlich war überall ein Gefühl der Freundschaft und der gemeinsamen Geschichte zu spüren.

Wir bekräftigten unsere Verpflichtung zu einem

Bündnis, das stark ist. Und ich glaube, wir alle sehen die Zukunft jetzt
weitaus klarer als zu dem Zeitpunkt, da mit dieser langen, mühsamen aber produktiven Studie begonnen wurde.
Was die NATO ist, was sie sein kann, beurteile ich heute viel positiver,
und ich glaube, daß die potentiellen Reibungen, die zwischen autonomen, individualistischen und stolzen Völkern entstehen, auf ein Mindestmaß verrin-

- 3 -

�verringert wurden.

Und ich denke, daß jeder an dieser Konferenz teilneh-

mende führende Vertreter der Diplomatie und Verteidigung sowie jeder Regierungschef die hier von mir eben vorgetragene Beurteilung teilt.
Es war eine produktive und konstruktive Konferenz, die zu einer verbesserten Möglichkeit für den Frieden in Europa, für unser eigenes Land
und Kanada, ja auf der ganzen Welt führen wird.
Ich danke Ihnen.

+ + + + +

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31. Mai 1978

13

GEMEINSAME RESOLUTION DES US-KONGRESSES ZUR NATO
- Presseverlautbarung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 30. Mai 1978 eine gemeinsame
Entschließung des amerikanischen Kongresses zur Bekräftigung der NATO-Verpflichtung der Vereinigten Staaten unterzeichnet.

Das Weiße Haus gab dazu

folgende Presseverlautbarung heraus:
Präsident Carter hat heute morgen eine gemeinsame Resolution des Kongresses
der Vereinigten Staaten unterzeichnet, in der die Einheitlichkeit unserer Verpflichtung gegenüber dem Nordatlantischen Bündnis bekräftigt wird.

Die Unter-

zeichnungszeremonie fand im Thomas Jefferson-Saal des Außenministeriums vor
der Aufnahme des offiziellen Fotos mit den Leitern der NATO-Delegationen statt.
In der Erklärung anläßlich der Unterzeichnung betonte der Präsident,
daß das Gipfeltreffen der NATO, wie die Resolution feststellte, "der Schlußstein der Bemühungen ist, zu gewährleisten, daß die Erfordernisse der kollektiven Sicherheit im nächsten Jahrzehnt erfüllt werden." Seit fast 30 Jahren
habe die NATO "den Frieden erhalten und ihren Mitgliedern ermöglicht, einen
nie dagewesenen Stand der Prosperität und des Wohlergehens für ihre Völker
zu erreichen."
In

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Telex:08-85432

�In seiner Erklärung sagte der Präsident:

"Wir sind bereit, den Heraus-

forderungen der Zukunft zu begegnen - im Vertrauen auf unser Bündnis und in
Sicherheit seiner Unterstützung durch unsere Bevölkerung.

Diese Entschließung

bekräftigt, daß sich die NATO auch weiterhin der breiten, überparteilichen
Unterstützung im Kongreß erfreuen wird, die sie immer gehabt hat.

Meine Ad-

ministration wird sich dem Kongreß - mit den Worten der Resolution - anschließen, 'um die Einheit des Nordatlantischen Bündnisses zu bekräftigen,
seine Verteidigungsfähigkeit, den Bedrohungen des Friedens begegnen zu können,
zu stärken und auf dieser Grundlage in den Versuchen fortzufahren, die Spannungen mit den Staaten des Warschauer Paktes abzubauen.'
Die Resolution des amerikanischen Kongresses hat folgenden Wortlaut:
Da vor 30 Jahren der Kongreß die Vandenberg-Resolution verabschiedet
hat, die zu einem Ausdruck der höchsten Eigenschaften überparteilicher Staatskunst geworden ist, und
da das Nordatlantische Bündnis den Frieden in Europa für eine ganze Generation erhalten und es seinen Mitgliedern ermöglicht hat, einen nie dagewesenen Stand der Prosperität und des Wohlergehens für ihre Völker zu erreichen, und
da sich die Führer des Bündnisses am 30. und 31. Mai in Washington, D.C.,
versammeln werden, um ihr Festhalten an seinen Prinzipien zu erneuern und sich
erneut seinen Zielsetzungen zu verschreiben, und
da dieses Treffen der Schlußstein der Bemühungen ist, zu gewährleisten,
daß die Erfordernisse der kollektiven Sicherheit im nächsten Jahrzehnt erfüllt
werden; beschließen hier und heute
der Senat und das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten von Amerika,
im Kongreß versammelt, daß das Nordatlantische Bündnis als lebenswichtige Verpflichtung und Eckstein der amerikanischen Außenpolitik bekräftigt wird und

- 2 -

�und daß der überparteiliche Geist, der seine Geburt beflügelt hat, zu dem
Zwecke erneuert wird, es in der Sache von Frieden und Sicherheit weiter zu
stärken.
Der Kongreß erkennt den außerordentlichen Erfolg des Nordatlantischen
Bündnisses bei der Erfüllung seiner Zielsetzungen an, die Freiheit, das gemeinsame Erbe und die Kultur ihrer Völker, die auf den Grundsätzen der Demokratie, der Freiheit der Person und der Herrschaft des Rechts beruhen, zu
gewährleisten.
Anläßlich des NATO-Gipfeltreffens in Washington erklärt der Kongreß
seine Unterstützung der Bemühungen, die Einheit des Nordatlantischen Bündnisses zu bekräftigen, seine Verteidigungsfähigkeit, den Bedrohungen des
Friedens begegnen zu können, zu stärken und auf dieser Grundlage in den Versuchen fortzufahren, die Spannungen mit den Staaten des Warschauer Paktes
abzubauen.

+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31. Mai 1978

13

ERKLÄRUNG ZUM TREFFEN CARTER-SCHMIDT IN WASHINGTON

WASHINGTON - (AD) - Das Büro des Pressesekretärs des Weißen Hauses
gab am 30. Mai 1978 im Anschluß an ein gemeinsames Frühstück von Präsident
Jimmy Carter und Bundeskanzler Helmut Schmidt - das der Sitzung des Nordatlantikrates auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs voranging - folgende Erklärung heraus:
Präsident Carter und Bundeskanzler Schmidt von der Bundesrepublik
Deutschland hielten heute morgen im Weißen Haus ein einstündiges Arbeitsfrühstück ab, um wichtige internationale Fragen zu besprechen.

Bundeskanzler

Schmidt befindet sich als Leiter der Delegation seines Landes zu dem Gipfeltreffen des Nordatlantischen Bündnisses in Washington.
Der Präsident und der Kanzler bekräftigten ihre feste Verpflichtung
zur Stärkung der Abschreckungsfähigkeit des Nordatlantischen Bündnisses, auf
dessen Grundlage sie ihre Bemühungen um eine Verbesserung der Zusammenarbeit
zwischen Ost und West fortsetzen wollen. Der Kanzler gab dem Präsidenten
einen überblick über seine Gespräche mit dem sowjetischen Präsidenten
Breschnew. Sie führten eine allgemeine Aussprache über die Ost-West-Beziehungen und kamen überein, die enge Konsultation auf diesem Gebiet fortzusetzen.
Präsident

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 3 2 4 0
Telex:08-85432

�Präsident Carter gab einen überblick über den bisherigen Fortschritt
bei den Verhandlungen über ein SALT II-Abkommen, wobei er unterstrich, daß
die Sicherheitsinteressen unserer NATO-Verbündeten bei jedem erreichten Abkommen berücksichtigt sein werden.

Der Präsident und der Kanzler gaben ihrer

Hoffnung Ausdruck, daß die neue westliche Initiative bei den MBFR-Verhandlungen, die im April dieses Jahres auf den Tisch kam, dazu beitragen wird,
diese Gespräche voranzubringen.
Präsident Carter und Bundeskanzler Schmidt besprachen auch die Planung
für den Wirtschaftsgipfel, der am 16. und 17. Juli in Bonn stattfinden wird.
Sie kamen überein, daß die wichtigen Führer der Weltwirtschaft eine koordinierte, übereinstimmende Methode suchen müssen, um die Probleme höherer Energiekosten, großer Arbeitslosigkeit, Inflation, Investitionsschwäche und Zahlungsbilanzungleichgewichte in den Griff zu bekommen.

Sie kamen überein,

nach einer engeren kurz- und mittelfristigen Koordinierung der Wirtschaftspolitik zu streben und sich eindringlich auf die langfristigen Strukturprobleme zu konzentrieren, vor denen die Weltwirtschaft steht.
Der Präsident und der Kanzler begrüßten diese Gelegenheit zu einem
persönlichen Gedankenaustausch über wichtige Fragen und werden zusammen mit
anderen Ländern ihre Anstrengungen fortsetzen, die Inangriffnahme gemeinsamer
Probleme zu synchronisieren.

Beide sahen mit besonderem Interesse dem kom-

menden Staatsbesuch des Präsidenten in der Bundesrepublik Deutschland und
in Berlin Mitte Juli vor dem Wirtschaftsgipfel entgegen.

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�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31. Mai 1978

13

MONDALE UMREISST AMERIKANISCHES ABRÜSTUNGSPROGRAMM
Wortlaut der Ansprache auf der UN-Sondersitzung über Abrüstung

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter Mondale hat am
24. Mai 1978 auf der Sondersitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen
ein acht Punkte umfassendes Aktionsprogramm der Vereinigten Staaten vorgelegt
und dabei eine Reihe von "kühnen Initiativen und realistischen Schritten" im
Namen der USA angeboten.
Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich habe die Ehre, als Repräsentant des amerikanischen Präsidenten an
dieser Sondersitzung der UN-Vollversammlung über Abrüstung teilzunehmen.
Die Nationen der Welt sind heute hier versammelt, um der lebenswichtigsten und feierlichsten Verpflichtung der Charta der Vereinten Nationen
nachzukommen - "die nachfolgenden Generationen vor der Geißel des Krieges
zu retten."
Die Initiative zu unserem heutigen Treffen geht von den blockfreien
Staaten aus.

Diese Nationen, die die große Mehrheit der Weltbevölkerung um-

fassen, sind sich der Hilflosigkeit und der Hoffnungslosigkeit besonders be-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�bewußt, die sich durch das Wettrüsten ausbreiten.

Ich erweise ihnen meine

Reverenz dafür, daß sie uns zusammengerufen haben, um uns dieser Herausforderung zu stellen.
Und wir zollen auch der Hingabe und dem Beitrag der vielen nicht-staatlichen Organisationen, die hier vertreten sind, unseren Beifall.

Das Wett-

rüsten berührt das Leben aller Männer, Frauen und Kinder auf der Welt.

Die

Rüstungskontrolle ist eine viel zu wichtige Angelegenheit, als daß man sie
allein einigen wenigen oder auch allen Regierungen überlassen könnte.

Sie

sind für uns Gewissen und Inspiration.
Mein teurer Freund, Hubert Humphrey, war einer der ersten, der seine
Stimme für eine Kontrolle der Rüstung und die Abrüstung erhob.
von der Herausforderung, der wir uns heute gegenübersehen.
er:

Er sprach

Wörtlich sagte

"Wir leben heute in einer neuen Ära, einer Ära, die einen Mut neuer Art

fordert.

Zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit hat eine Generation

buchstäblich die Macht, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu
zerstören - die Macht, der Zeit ein Ende zu bereiten."
Und wenn wir das Wettrüsten nicht eindämmen, dann gefährden wir nicht nur
die Zukunft, sondern wir berauben auch die Gegenwart ihrer Mittel.
Während die Menschen auf der Welt nach Nahrung und Unterkunft, nach
Gesundheitsfürsorge und Schulausbildung schreien, werden die Ressourcen unseres Planeten mehr und mehr für die Mittel zur Zerstörung anstatt zur Bereicherung des menschlichen Lebens verwandt. Die Rüstungskosten auf der ganzen Welt haben eine Gesamtsumme von 400 Milliarden Dollar im Jahr erreicht.
In jeder Minute gibt die Welt fast eine Million Dollar für Waffen aus. über
26 Millionen Männer und Frauen auf der Welt stehen in militärischem Dienst.
Kein verantwortlicher Führer auf der Welt, kein Elternpaar und kein einzelner auf dieser Erde kann im Schatten dieses wachsenden Welt-Waffenarsenals
sicher leben. Aber im Angesicht dieser wachsenden Gefahr ist diese Konferenz
ein Symbol der Hoffnung.
Diese

�Diese Sondersitzung über Abrüstung der Vollversammlung der Vereinten Nationen bietet die Hoffnung auf einen größeren Fortschritt in Richtung Abrüstung
und auf eine Welt, in der die Gefahr des Krieges weitgehend verringert und
die Sicherheit jeder Nation voller gewährleistet ist.
Die Vereinigten Staaten messen der Arbeit dieser Konferenz große Bedeutung bei.

Im Oktober vorigen Jahres stattete Präsident Carter den Vereinten

Nationen eigens einen Besuch ab, um hervorzuheben, wie stark Amerika für die
Rüstungskontrolle und Abrüstung eintritt.

Er unterstrich unsere Bereitschaft,

auf eine Welt hinzuarbeiten, die wahrhaft von Kernwaffen frei ist.

Er ver-

sprach unseren vollen und unbedingten Einsatz für eine Umkehr des Rüstungstrends und eine Reduzierung der Waffenverkäufe.
Seitdem haben sich die Vereinigten Staaten in Rüstungskontrollverhandlungen engagiert, wie sie in einem so weiten Umfang in unserer Geschichte bisher
nicht geführt wurden. Zusammen mit unseren Verhandlungspartnern haben die
Vereinigten Staaten eine Geschäfts- und Tagesordnung ausgearbeitet, wie sie
in diesem Umfang bisher von keiner Nation versucht wurde.
Wir unternehmen konkrete Maßnahmen auf zehn verschiedenen Gebieten - von
Abkommen über Kernwaffen bis zu regionalen Beschränkungen, zu Begrenzungen
der konventionellen und unkonventionellen Waffen, wie den Anti-Satelliten
und radiologischen Waffen.
Die Vereinigten Staaten rechnen damit, daß sie in nicht zu ferner Zukunft an zwei Erfolgen von historischer Bedeutung beteiligt sein werden:
- Zum erstenmal seit Anbruch des Atomzeitalters werden wir zu einem Abkommen über die Reduzierung der kombinierten Gesamtzahl der Trägersysteme für
strategische Nuklearwaffen der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten gelangen;
und
- nach zwei Jahrzehnten der Verhandlungen werden wir ein umfassendes
Versuchsverbot zur Kontrolle der nuklearen Explosionen durch die Vereinigten
- 3 -

�Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion schaffen.
Die Vereinigten Staaten begrüßen diese Gelegenheit, um zu überprüfen,
was bisher geleistet wurde, um unseren Kurs für die vor uns liegenden Jahre
abzustecken und uns erneut zu einem weiteren Erfolg zu verpflichten.
Wir sind hier, um die anderen Staaten anzuhören und uns auch selbst
in bezug auf die Rüstungskontrolle und Abrüstung zu Gehör zu bringen.

Denn

diese Sitzung ist Teil eines Prozesses, bei dem wir alle im Geist der Offenheit und der gegenseitigen Achtung zusammenwirken müssen.
Wie Präsident Kennedy einst sagte:
"Wahrhafter Friede muß das Produkt von vielen Nationen, die Summe von
vielen Taten sein."
Um zu vermeiden, daß wir in einem Jahrzehnt in einer Welt leben, in der
eine dreiviertel Billion Dollar für Waffen ausgegeben wird und in der es weitere Staaten mit Kernwaffen gibt, müssen wir über ein Programm verfügen, das
in seinem Entwurf visionär und in seiner Aktion realistisch ist.
Realismus erfordert, daß wir das zentrale Problem des Wettrüstens klar
ins Auge fassen - die Sorge jeder Nation und jeder Regierung um die Sicherheit
ihres Volkes. Wäre das Wettrüsten von Wahnsinnigen angetrieben, dann gäbe es
keine Hoffnung. Kontrollen lägen dann außerhalb des Bereichs jeder rationalen
Erörterung. Zweifellos spielen auch irrationale Kräfte mit, aber das Wettrüsten wird auch von anderen Erwägungen getrieben - von der Technologie, von
internationalen Spannungen und von legitimen Sicherheitserfordernissen.
Eine besonnene und kluge Politik eines jeden Staates muß sowohl eine ausreichende militärische Bereitschaft als auch Bemühungen um Rüstungskontrolle
umfassen, wenn seine Sicherheit gewährleistet sein soll. Auf kurze Frist kann
von keinem Staat gefordert werden, daß er seine Verteidigung auf ein Niveau

�Niveau senkt, das unter der Schwelle der Gefahren liegt, denen er sich gegenübersieht.

Aber ohne Rüstungskontrolle unter den Staaten werden auf

lange Sicht Waffen auf Waffen gehäuft werden - mit einem Verlust an Sicherheit für alle.
Diese Konferenz bei den Vereinten Nationen sowie die NATO-Gipfelkonferenz
in der nächsten Woche in Washington lassen die Entschlossenheit der Vereinigten
Staaten augenfällig werden, jeden nur möglichen Schritt in Richtung auf eine
stärkere Rüstungskontrolle zu ergreifen, während gleichzeitig die wesentlichen
Sicherheitserfordernisse garantiert werden.
Heute ist unser Verteidigungshaushalt real nicht größer als zu Ende
der fünfziger Jahre und geringer als noch vor einem Jahrzehnt. Andere
Länder haben jedoch ihre Militärhaushalte während der letzten zehn Jahre real
um mehr als ein Drittel erhöht.
Wir und unsere NATO-Verbündeten sind stark, und wir werden diese Stärke
erhalten, um die Verteidigung unserer Völker zu sichern.

Aber wir sehen uns

in Europa einem anhaltenden militärischen Aufbau noch nicht dagewesenen Ausmaßes gegenüber.

Der Warschauer Pakt hat in bezug auf Panzer ein Übergewicht

von nahezu drei zu eins entwickelt.
gegen Westeuropa disloziert

Die SS-20-Nuklearrakete, die gegenwärtig

wird, ist ein neuer Ausgangspunkt an Zerstörungs-

kraft und stellt eine wesentliche Erhöhung der nuklearen Drohung der Sowjetunion dar.
Das NATO-Gipfeltreffen in der nächsten Woche in Washington wird die westlichen Demokratien erneut auf einen militärischen Stand festlegen, mit dessen
Hilfe man in der Lage ist, vor Angriffen abzuschrecken und sich gegen sie zu
verteidigen. Wir werden weiterhin darauf vorbereitet sein, gegenüber dem
Spektrum konventioneller, taktisch-nuklearer und strategischer Kräfte Widerstand zu leisten. Angesichts des anhaltenden Aufbaus der Streitkräfte des
Warschauer Paktes werden wir in mäßiger Weise die Verteidigungshaushalte unserer Länder vergrößern. Wir tun das nicht, weil wir es wollen, sondern weil
es notwendig ist.

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Gleichzeitig

3

- 5 -

�Gleichzeitig wird die NATO-Gipfelkonferenz die Verpflichtung des Westens
zu der anderen Dimension unserer gemeinsamen Sicherheitspolitik bekräftigen
und unterstreichen - dem Streben nach Rüstungskontrolle.

Wir werden uns den

Rüstungskontroll-Initiativen zuwenden, die der Westen in der letzten Zeit ergriffen hat und weiterhin ergreifen wird.

Wir werden unsere kontinuierliche

starke Unterstützung für den Erfolg dieser Sondersitzung anbieten.
In seiner Friedensbotschaft im Januar dieses Jahres hat sich Seine
Heiligkeit, Papst Paul VI, der Arbeit dieser Sondersitzung zugewandt, als er
erklärte:
"... Das Gewissen der Welt ist erschreckt durch die Hypothese, daß unser
Friede nichts als ein Waffenstillstand ist und daß plötzlich eine unkontrollierbare Feuersbrunst ausgelöst werden kann.
Wir würden gerne diesen bedrohlichen und schrecklichen Alptraum dadurch
aus der Welt schaffen, das wir mit allem Nachdruck die Absurdität des modernen
Krieges sowie die absolute Notwendigkeit des Friedens proklamieren - nicht
eines Friedens, der sich auf die Macht der Waffen gründet, die heutzutage
mit einer infernalischen Zerstörungskraft ausgestattet sind ..., und der
sich auch nicht auf die strukturelle Gewalttätigkeit bestimmter politischer
Regime gründet, sondern der basiert auf der geduldigen, vernünftigen und
loyalen Methode der Gerechtigkeit und der Freiheit, so wie sie die großen
internationalen Institutionen der Gegenwart fördern und verteidigen".
Heute möchte ich mich dieser Botschaft zuwenden.
Ich möchte kühne Ziele und realistische Schritte darlegen - eine Vision,
die unsere Rüstungskontrollanstrengungen leiten und uns helfen sollte, den
Mittelpunkt unserer Arbeit während der nächsten Wochen, unser Aktionsprogramm,
zu entwickeln.
Erstens

�Erstens sollten wir die Zahl der strategischen Kernwaffen wesentlich
reduzieren und ihrer weiteren Entwicklung in zunehmendem Maße strenge qualitative Begrenzungen auferlegen.
Die Vereinigten Staaten sind sich zusammen mit der Sowjetunion und anderen Kernwaffen-Staaten darüber im klaren, das sie eine besondere Verantwortung tragen.

Das SALT II-Abkommen, das in zunehmendem Maße Gestalt an-

nimmt, wird
- die Zahl der jetzt vorhandenen strategischen Trä'gerwaffen reduzieren
und den verbleibenden Trägersystemen eine Grenze setzen;
- Teil grenzen für jene Systeme festlegen, die besonders bedrohlich und
destabilisierend sind;
- der Verbesserung bereits vorhandener Waffen sowie der Entwicklung neuer
und modernerer Systeme Beschränkungen auferlegen.
Was genauso wichtig ist: Das SALT II-Abkommen muß und wird in angemessener Weise verifizierbar sein.

Es wird keiner Seite zugestanden, daß

sie plötzlich durch einen unentdeckten Betrug eine Überlegenheit erhält und
damit das strategische Gleichgewicht durcheinander bringt, von dem die Abschreckung vor einem nuklearen Krieg abhängt.
Erfolgreiche SALT-Verhandlungen werden einen wesentlichen Beitrag zum
Frieden leisten.

SALT II dient den Interessen aller Länder.

Diese Verhand-

lungen verdienen eine weltweite Unterstützung.
Aber SALT II ist nur ein Schritt im Rahmen eines sehr schwierigen langfristigen Prozesses. Wir hoffen, bald mit SALT III beginnen zu können.

Die

Vereinigten Staaten - und diesen Punkt möchte ich unterstreichen - haben sich
einer weiteren wesentlichen Reduzierung der Kernwaffen sowie noch strikteren
Begrenzungen hinsichtlich der Modernisierung und hinsichtlich neuer Typen
von Trägersystemen verpflichtet.
Auch
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�Auch andere Länder werden eine solche Verpflichtung eingehen müssen,
wenn SALT sowie andere Verhandlungen Erfolg haben sollen.
Jedoch hat die Zahl der sowjetischen nuklearen Gefechtsfeldwaffen zugenommen.

Die bemerkenswerteste Entwicklung hier war die Dislozierung der

SS-20 - einer neuen mobilen Mittelstreckenrakete.

Jedes dieser Raketenge-

schosse, deren Zahl in die Hunderte geht, sobald die Dislozierung abgeschlossen sein wird, trägt drei nukleare Gefechtsköpfe, von denen jeder eine
Sprengkraft von schätzungsweise 500 Kilotonnen hat.

Diese hohe Sprengkraft

im Verein mit der Treffsicherheit der SS-20 hat die militärische Kapazität
der Sowjetunion gegen militärische wie auch zivile Ziele bedeutend verstärkt.
Zugleich bedeutet die hohe Sprengwirkung, daß eine extensive Schädigung der
Zivilbevölkerung auftreten würde - bei einer Sprengwirkung, die sich bis 12
Kilometer von der Explosionsstelle weg ausbreitet.

Die SS-20, die zwar

nicht auf die Vereinigten Staaten gerichtet ist, vermag Ziele nicht nur in
Europa, sondern auch in Asien, Afrika und im Nahen Osten zu treffen.

Die

Dislozierung dieser Waffe steht in völligem Gegensatz zu all dem, was diese
Sondersitzung zu erreichen versucht.

Was aber kann eine solche Kernwaffen-

Eskalation rechtfertigen?
An zweiter Stelle auf unserer Tagesordnung sollte die Beendigung sämtlicher Versuche mit nuklearen Sprengsätzen stehen.
Bald nach seinem Amtsantritt kündigte Präsident Carter seine Absicht
an, "rasch und energisch mit einem umfassenden Teststopp-Vertrag voranzukommen. ..,durch den die Erprobung aller nuklearen Sprengsätze, seien sie
für friedliche oder militärische Zwecke, ausgeschaltet wird." Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion traten daraufhin in bilaterale Verhandlungen ein, die darauf gerichtet sind, dieses historisch bedeutsame Ziel zu erreichen. Bei einem Erfolg dieser Verhandlungen wird ein Prozeß seinen Höhepunkt erreichen, der Ende der fünfziger Jahre begann. Seine
Grundlagen werden die Zwischenergebnisse des Vertrages über ein begrenztes
Versuchsverbot vom Jahre 1963 und die 1974 und 1976 zwischen den USA und

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�und der Sowjetunion unterzeichneten Verträge über das Verbot von Versuchen
mit bestimmten Schwellenwerten und über friedliche Nuklearsprengsätze bilden.
Ein umfassendes Versuchsverbot würde einen wesentlichen Beitrag zur Eindämmung des nuklearen Wettstreits zwischen den Supermächten bilden.

Es würde

den Anreiz zur Entwicklung von Kernwaffen von Seiten solcher Staaten vermindern, die diese Waffen bisher noch nicht besitzen und damit den Nichtweiterverbreitungsvertrag stärken.
Trilaterale Verhandlungen darüber finden zur Zeit in Genf statt. Ein
wichtiger Fortschritt auf ein in angemessener Weise verifizierbares Abkommen
wurde gemacht. Sobald ein Abkommen zustande gekommen ist, werden wir uns
energisch um die Verwirklichung eines von allen Staaten akzeptierten Teststopp-Vertrages bemühen. Alle Staaten müssen dazu gebracht werden, auf solche Versuche zu verzichten.
Die anhaltende Erprobung nuklearer Sprengsätze war gleichsam eines der
Hauptsymbole für die Nichtbereitschaft des Menschen, auf eine weitere Entwicklung der verheerendsten Waffen in der Welt zu verzichten. Dies kann,
muß und wird beendet werden.
Zum dritten müssen wir bei der Begrenzung und Reduzierung der den
existierenden Nuklearstaaten bereits zur Verfügung stehenden Waffen vereint darauf hinwirken, daß im Verlauf des nächsten Jahrzehnts und auch danach keine weiteren Kernwaffenstaaten entstehen können.
Daß sich Kernwaffen auf eine immer größere Zahl von Ländern und Regionen
ausbreiten könnten, ist eine bedrückende Perspektive.
scheinlichkeit ihrer Anwendung immer größer.

Damit wird die Wahr-

Eine solche Proliferation würde

die regionalen und globalen Spannungen wesentlich erhöhen. Sie würde einem
friedlichen Handel auf dem Gebiet der Kernenergie im Wege stehen und die Erreichung des Zieles einer nuklearen Abrüstung ungeheuer erschweren.
Die
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�Die Vereinigten Staaten verstehen die Besorgnis einiger Staaten ohne
Kernwaffen, daß man sie damit diskriminiert.

Um dieser Besorgnis zu begeg-

nen und die Proliferation von Kernwaffen zu verhindern:
- wiederhole ich heute nochmals die feierliche Erklärung, die Präsident
Carter von diesem Podium im Jahre 1977 abgegeben hat. Die Vereinigten Staaten
werden keine Nuklearwaffen einsetzen, es sei denn zur Selbstverteidigung...
das heißt, im Falle eines tatsächlichen nuklearen oder konventionellen Angriffs
auf die Vereinigten Staaten, auf ihre Territorien oder Streitkräfte oder im
Falle eines solchen Angriffs auf unsere Verbündeten.

Ich fordere die anderen

Nationen auf, die gleiche feierliche Zusage abzugeben.
- Der Präsident wird vorschlagen, daß die Vereinigten Staaten neue und
erweiterte Beiträge zu den friedlichen Nuklearprogrammen der Staaten leisten,
die die Nonproliferation unterstützen.
- Wie Präsident Eisenhower bereits 1956 sagte, müssen wir schließlich
dazu gelangen, zusammen mit anderen Staaten brauchbare, verifizierbare und
gesicherte Abkommen auszuarbeiten, damit die künftige Produktion von spaltbarem Material auf der Welt nicht länger dazu genutzt werden kann, die Waffenarsenale aufzustocken.
- Wir werden von den Ergebnissen der Untersuchungen des internationalen
Gremiums für Kernbrennstoffzyklen ausgehend weiter erkunden, wie die Kernenergie zum Nutzen aller ohne die Risiken der Proliferation verwendet werden
kann.
Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, um den Abstand zwischen der
militärischen und der friedlichen Nutzung der Kernenergie noch zu vergrößern.
Kernkraftwerke sollten Energie für die Bevölkerung - nicht aber Plutonium
für Bomben produzieren.
Lassen Sie uns von dem Beispiel lernen, das Lateinamerika gegeben hat.
Lassen Sie uns die Regionen auf der Erde erweitern, in denen Kernwaffen ver-

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�verboten sind.

Auf Initiative mehrerer lateinamerikanischer Staaten wurde

im Jahre 1967 in Mexico City der Vertrag von Tlatelolco unterzeichnet, der
alle Kernwaffen aus dem Gebiet verbannt.

Seither haben alle in Frage kom-

menden Vertragspartner, einschließlich der Vereinigten Staaten, das Dokument
unterzeichnet.
Die Vereinigten Staaten beglückwünschen die Sowjetunion, daß sie vor
kurzem das Protokoll II dieses Vertrags unterzeichnet hat.
Es gibt nur noch ein Land in dieser Region, das sein Interesse an einer
Unterzeichnung noch bekunden muß.

Das sollte nunmehr geschehen.

Wir hoffen, daß der Vertrag sobald wie möglich voll in Kraft tritt und
damit die erste große kernwaffenfreie Zone in der Welt schafft. Wir hoffen,
daß die kühne Initiative Lateinamerikas anderen Nationen als Vorbild zur
Nachfolge dienen wird.
Viertens, so wie wir darangehen, die nukleare Bedrohung unter Kontrolle
zu bekommen, so müssen wir uns auch um ein gemeinsames Abkommen bemühen,
das die anderen Massenvernichtungswaffen verbietet.
Das Grauen des Gaskriegs im Ersten Weltkrieg hat sich im Gedächtnis der
Menschheit tief eingeprägt. Wir haben in den letzten Jahren einigen Fortschritt mit dem Verbot biologischer Waffen erzielt. Die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion nähern sich einem Abkommen, das Strahlenwaffen verbietet
und das wir sodann der Konferenz des Abrüstungsausschusses der Vereinten
Nationen (in Genf) vorlegen würden. Unsere Gespräche über chemische Waffen
erweisen sich als schwieriger. Jedes Abkommen über chemische und andere
ungewöhnliche Waffen muß in angemessener Weise verifizierbar sein. Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, eine Lösung zu finden, vorausgesetzt,
die andere Seite zeigt eine faire Einstellung zu diesem Problem.
Fünftens

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�Fünftens müssen wir unverzüglich das starke Anwachsen der konventionellen Rüstungen verlangsamen und es dann ins Gegenteil verkehren.
Der größte Teil der-im Jahre 1976 für militärische Zwecke aufgewandten
400 Milliarden Dollar wurde für konventionelle Waffen ausgegeben.
Wir erkennen die legitimen Besorgnisse der einzelnen Länder an, die
darauf hinauslaufen, daß ihnen nicht willkürlich der Zugang zu den für ihre
legitime Verteidigung notwendigen Waffen verwehrt wird.
gen muß und wird entsprochen werden.

Solchen Anforderun-

Gleichzeitig aber verlangen unsere ge-

meinsamen Interessen eine weitgehende Reduzierung des Flusses der herkömmlichen Waffen.
Neue Ideen sind nötig, damit wir diese bisher vernachlässigte und in
immer stärkerem Maße wichtig werdende Dimension der Rüstungskontrolle in
den Griff bekommen.
Angriff nehmen.

Wir können und müssen jedoch diese Maßnahmen jetzt in

Der rasch anwachsende internationale Handel mit diesen

Waffen intensiviert das konventionelle Wettrüsten.

Der Wert der Waffenim-

porte der Entwicklungsländer ist in dem Zeitraum von 1967 bis 1976 um 75 Prozent gestiegen.

Von diesem Handel in Höhe von 20 Milliarden Dollar entfällt

der größte Teil auf eine begrenzte, jedoch ständig steigende Zahl von Lieferund Empfängerländern.
Die Vereinigten Staaten haben aus eigener Initiative heraus damit begonnen, das Ausmaß ihrer Waffenverkäufe einzuschränken. Im Rahmen der konventionellen Rüstungspolitik haben wir:
- eine Höchstgrenze - eine Reduzierung von acht Prozent im Finanzjahr
1978 - für Waffen und waffenbezogene Güter für Länder außer den NATO-Staaten,
Australien, Neuseeland und Japan festgelegt.
- Die Vereinigten Staaten werden nicht als erstes Land in eine Region
ein neuentwickeltes, modernes Waffensystem einführen, das zu einer neuen oder

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�oder signifikant höheren Kampfkraft führen würde.
- Wir werden keinerlei solcher Waffensysteme liefern, bevor es operativ
im Rahmen der amerikanischen Streitkräfte disloziert ist.
- Wir werden die Entwicklung oder Modifizierung moderner Systeme ausschließlich aus Exportgründen nicht zulassen.
- Wir haben strikte Kontrollen für die Koproduktion und den Wiedertransfer erlassen.
Unter Anerkennung der Tatsache, daß dieses Problem Maßnahmen seitens
aller Lieferländer erfordert, haben wir Gespräche mit anderen wichtigen
Lieferanten und Verbrauchern eingeleitet. Die Ergebnisse waren bisher nur
mäßig. Es muß noch viel mehr getan werden. Es wird in wachsendem Maße schwierig für uns sein, eine solche Politik einseitig aufrechtzuerhalten, wenn es
keine rascheren Fortschritte auf dem Wege zu einer multilateralen Zurückhaltung gibt.
Sechstens sollten regionale Rüstungskontroll Vereinbarungen und -kapazitäten erweitert und gestärkt werden.
Die regionale Rüstungskontrolle befindet sich noch in einem sehr primitiven Stadium. Es gibt nur wenige Verhandlungen. Nur eine geringe Zahl
von Ländern verfügt über die technische Kompetenz, die zur Verifizierung von
Abkommen erforderlich ist. Zahlreiche Techniken, wie vertrauensschaffende
Maßnahmen, die die Voraussagbarkeit hinsichtlich eines plötzlichen Angriffes
fördern sowie die Gefahr davor verringern, sind weitgehend ungenutzt geblieben.
Was uns angeht, so haben die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten
in Europa kürzlich die Initiative ergriffen, um die seit fünf Jahren anhaltenden Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen Jjn
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�in Mitteleuropa (MBFR) voranzubringen.

Und wir erwägen zusätzliche Maßnahmen,

um die Stabilität und Sicherheit in Mitteleuropa zu vergrößern.

In einem

weiteren Gebiet - dem Indischen Ozean - hat die Verstärkung der sowjetischen
Präsenz dort - während wir Gespräche mit der Sowjetunion vorgeschlagen und
geführt haben - diese Gespräche behindert.
Ober unsere eigenen Verhandlungen hinaus möchten die Vereinigten Staaten
regionalen Rüstungskontroilbem'ühungen dadurch einen Ansporn geben, daß sie
anderen Ländern Unterstützung hinsichtlich der Verifizierungs- und Stabilisierungsmaßnahmen gewähren.
- Unsere Erfahrungen im Nahen Osten haben erwiesen, daß technische Unterstützung von Monitor-Systemen, wie Luftaufnahmen und Ortungs- und Beobachtungsgeräten zu Lande, zur Schaffung des Vertrauens beitragen können, das
notwendig ist, um Abkommen für ein Auseinanderrücken der Parteien und für eine
Stabilisierung erfolgreich zu gestalten.
- Aufbauend auf diese Erfahrung sind wir bereit, gemeinsame Ersuchen
für diese "Augen und Ohren des Friedens" seitens solcher Länder zu prüfen,
die solche Monitor-Systeme wünschen. Solche Ersuchen sollten vorzugsweise
über regionale Organisationen oder über die Vereinten Nationen gestellt werden.
- Die Vereinigten Staaten sind bereit, Spezialisten zu entsenden, die
anderen Nationen dabei helfen, Mittel und Wege für vertrauensbildende und
stabilisierende Maßnahmen anzuwenden, einschließlich der Ankündigung von
Manövern, der Einladung von Manöverbeobachtern und des von den Vereinten Nationen zur Verfügung gestellten Mechanismus zur Förderung solcher Maßnahmen.
Siebtens sollten wir die für eine Rüstungskontrolle erforderlichen Institutionen und Erfahrungen in vollem Umfange entwickeln.
Wir müssen weiterhin die Rüstungskontroi Institutionen der Vereinten

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�Vereinten Nationen fördern, ohne die von uns entwickelten Institutionen
zu unterminieren.

Wenn wir auch bereit sind, Änderungen hinsichtlich der

Genfer Abrüstungskonferenz in Erwägung zu ziehen, so ist es doch unser Hauptanliegen, die kontinuierliche, produktive Aktivität eines ernsthaften Verhandlungsforums sicherzustellen, das auf der Basis des Konsens arbeitet.
Die friedenserhaltende und friedensfördernde Kapazität der Vereinten
Nationen und regionaler Organisationen wie der Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) und der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) sollte
ein integraler Teil der Bemühungen um eine Rüstungsreduzierung sein. Die
Rolle solcher regionaler Organisationen ist von entscheidender Bedeutung,
um eine Einmischung von außen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Wir treten
für eine starke und prominente Rolle dieser Organisationen .ein.
Die Vereinten Nationen spielen eine wesentliche Rolle. Gegenwärtig
ermöglichen UN-Truppen im Libanon, auf Zypern, auf den Golar-Höhen und im
Sinai, daß Verhandlungen zur Erreichung dauerhafter Friedensvorkehrungen
geführt werden können.
Um diese Bemühungen der Vereinten Nationen noch effektiver zu gestalten, schlagen wie die Schaffung einer friedenserhaltenden UN-Reservetruppe
vor.

Eine solche Truppe würde nationale Kontingente umfassen, die in bezug

auf friedenserhaltende Maßnahmen ausgebildet sind und von ihren Regierungen
für den Dienst bei den Vereinten Nationen abgestellt werden.

Der General-

sekretär würde auf diese Reservetruppe zurückgreifen, wenn immer der Sicherheitsrat die Aufstellung einer UN-Truppe beschließt, um den internationalen
Frieden und die internationale Sicherheit zu wahren.
Es gibt dabei auch eine entscheidend wichtige nationale Dimension.

Jede

Regierung muß die für eine Rüstungskontrolle benötigten Institutionen und
Erfahrungen fördern.

Lassen Sie uns alle auf dieser Sitzung beschließen,

daß wir die Priorität, die wir heute der Abrüstung hinsichtlich der Organisation, der Haushalte und

personalmäßig geben, einer Prüfung unterziehen.
Achtens
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�Achtens sollte ein Fortschritt bei Rüstungskontroi labkommen weitere
Ressourcen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung freimachen.
Gemeinsam sind wir in der Lage, die schlimmsten Erscheinungen der Armut
auf der Welt bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu beseitigen.

Die gewaltigen

Ausgaben für den Aufbau einer militärischen Stärke stehen heute der Entwicklung im Wege.

Der Anteil der Entwicklungsländer an der militärischen Macht

der Welt ist in den letzten zehn Jahren von 15 Prozent auf 23 Prozent gestiegen.

Die Entwicklungsländer geben heute einen größeren Anteil ihres

Bruttosozialproduktes für militärische Zwecke aus als die Industrienationen.
Nur ein Prozent des jährlichen Militärbudgets der Welt würde ausreichen,
um 200 Millionen schlecht ernährten Kindern heute Nahrungsmittel und ein Aufwachsen in Gesundheit zu gewähren.

Lassen Sie uns mit Hilfe dieser Konferenz

damit beginnen, die Ressourcen der Welt von den ständig wachsenden Vorräten
der Zerstörung in Kanäle für unerschöpfliche Chancen und Möglichkeiten des
Lebens umzuleiten.
Rüstungskontroi labkommen können zur Entlastung der Volkswirtschaften
der Industrie- wie der Entwicklungsländer beitragen und ihnen damit die Lösung
dringender sozialer Probleme ermöglichen. Wir kennen das gewaltige Potential
der amerikanischen Wirtschaft.

Es ist der aufrichtige Wunsch des amerika-

nischen Volkes, einen größeren Teil dieses Potentials von der Waffenherstellung
abzuziehen und für die Erfüllung menschlicher Ansprüche einzusetzen.
Sowie die Staaten Rüstungskontroi labkommen abschließen und in ihren Ausgaben für die Rüstung Zurückhaltung zeigen, treten die Vereinigten Staaten
dafür ein, Mittel, die ursprünglich für Militärhilfe vorgesehen waren, für
Entwicklungsprojekte bereitzustel 1 en.
In welchem Umfang wir in der Lage sind, solche Mittel für Entwicklungsprojekte umzudisponieren, hangt von der Bereitschaft anderer Staaten ab,
ihre derzeitigen Waffenlieferungen an die Entwicklungsländer zu begrenzen.
- 16 -

�begrenzen.

Wenn die Vereinigten Staaten die Probleme der Entwicklungsländer

wirksam in Angriff nehmen sollen, dann darf es keine Länder geben, die Unmengen von Waffen in die Entwicklungsländer pumpen und gleichzeitig nur minimale Beträge für die Entwicklungshilfe aufbringen.

Es darf keine Länder

geben, die ihre militärische Macht nutzen, um Differenzen zwischen einzelnen
Staaten auszunutzen und ernsthafte Konflikte zu entfachen.
Mein Land war seit Jahren bestrebt, Lieferungen von militärischem Material nach Afrika zu begrenzen. Unsere Wirtschaftshilfe liegt weit über der
von uns geleisteten Militärhilfe. So gewährten die Vereinigten Staaten im
Jahre 1977 den afrikanischen Staaten Wirtschaftshilfe in Höhe von insgesamt
327 Millionen Dollar, während die Militärhilfe nur 59 Millionen Dollar ausmachte. Diese Zahlen, bei denen das Schwergewicht vor allem auf der Finanzierung von Nahrungsmittelhilfe lag, stehen in klarem Gegensatz zu der vornehmlich militärischen Hilfe, die von anderen geleistet wurde. Unsere Haltung stellt, wie ich glaube, einen weitaus besseren Beitrag für die weitere
Zukunft der afrikanischen Bevölkerung dar. Zur Entscheidung steht hier, ob
man die konstruktiven und kreativen Kapazitäten der Entwicklungsländer oder
aber die Tendenzen, die Konflikte erzeugen, unterstützen will. Lassen Sie
uns unsere Hoffnungen auf die Entwicklungskräfte setzen.
Unsere Erkenntnis der Beziehung zwischen Abrüstung und Entwicklung
sollte allen unseren Rüstungskontroll zielen Inhalt und Dringlichkeit geben.
Außerdem:
- unterstützen wir mit Nachdruck die Studie der Vereinten Nationen über
Abrüstung und Entwicklung.

Diese Studie sollte auch die Erörterung der Wirt-

schaftsprobleme einschließen, die sich aus der Abrüstung ergeben könnten;
- treten wir für Bemühungen um eine Reduzierung der militärischen Ausgaben ein und haben uns freiwillig bereiterklärt, unsere eigenen genauen Angaben über nationale militärische Ausgaben einem UN-Versuchsprojekt zur Verfügung zu stellen, das eine Methode zur Bemessung solcher Ausgaben erproben soll.
- ermutigen
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�- ermutigen wir andere, in gleicher Weise offen zu sein.

Eine größere

Offenheit in bezug auf militärische Ausgaben muß eine Zurückhaltung in der
Rüstung notwendig begleiten.

Mit der Zeit kann Offenheit dazu führen, daß

allmählich Vertrauen an die Stelle der Furcht tritt, daß Zuversicht gestärkt,
Zurückhaltung ermutigt und unnötige Konfliktquellen eliminiert werden.
Vor 33 Jahren sprach Präsident Harry Truman vor den ersten Delegierten
der Vereinten Nationen auf der Konferenz in San Franzisko und sagte:
"Durch Ihre Arbeit und Mühe hier auf dieser Konferenz werden wir sehen,
ob die leidende Menschheit zu einem gerechten und dauerhaften Frieden kommen
kann."
Das ist auch die Herausforderung, die auf dieser Sondersitzung an uns
gerichtet ist.

Die Welt schaut auf das, was wir hier tun, und die tiefsten

Hoffnungen der Menschheit begleiten uns heute.

Erfolg oder Fehlschlag un-

serer Anstrengungen waren mehr als alle anderen Bemühungen über die Gestaltung der Welt entscheiden, die wir unseren Kindern hinterlassen, ja sie werden darüber entscheiden, ob wir ihnen überhaupt eine bewohnbare Welt hinterlassen.

Und es ist das Interesse unserer Kinder, das uns heute hier eint.

Welcher Nation wir auch angehören und welches auch unsere politische
Oberzeugung sein mag, unsere Kinder sind 100 Prozent unserer Zukunft, und
wir schulden ihnen 100 Prozent unserer Anstrengungen, dem Wettrüsten heute
ein Ende zu setzen.
Rüstungskontrolle darf nicht nur die Tagesordnung dieser Sitzung oder
allein dieses Jahres sein. Sie muß die moralische Tagesordnung unserer Zeit
sein. Wir brauchen den Druck der Weltmeinung, um unserer Aufgabe Dringlichkeit zu geben. Und das ist der Grund, warum die Vereinigten Staaten diese
Konferenz auffordern, unseren Anstrengungen eine weitere Sondersitzung der
Vollversammlung im Jahre 1981 folgen zu lassen. Möge unsere nächste Konferenz
den Fortschritt aufzeigen, den wir gemacht haben. Und möge sie uns die Tages-

- 18 -

�Tagesordnung der Probleme aufzwingen, die wir noch lösen müssen.
Die mit der Kontrolle des Wettrüstens gestellte Aufgabe ist gewaltig.
Aber Emerson sagte, wir messen die Weisheit eines Menschen an seiner Hoffnung.

Lassen Sie uns heute mit Hoffnung voranschreiten.

Ich bin zuversicht-

lich, daß wir, wenn jeder unserer Staaten über seine eigenen Ambitionen hinwegsehen kann; wenn wir - bei der Arbeit dieser Konferenz - die durch Geographie, Geschichte und Furcht gebildeten Abstände überbrücken können und
wenn wir alle die tiefsten Hoffnungen und Sehnsüchte der von uns vertretenen
Völker in unsere Anstrengungen einbeziehen, wir allen Kindern auf der Welt
mit unseren Mühen einen Dienst erweisen werden - nach den Worten des Propheten
Jesaja: "Das Werk der Rechtschaffenheit soll Friede sein."
Ich danke Ihnen!

- 19 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

31. Mai 1978

Carter setzt sich für weltweiten Kampf gegen die Krankheit ein
- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 2. Mai in einer
Grundsatzerklärung zu einem weltweiten Kampf gegen die Krankheit aufgerufen und seinen Entschluß bekanntgegeben, ein Programm zur Intensivierung
der Beteiligung der USA an den weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung
von Krankheiten und zur Hebung der Volksgesundheit einzuleiten.
Die Erklärung Carters hat folgenden Wortlaut:
Wir erfreuen uns in den Vereinigten Staaten eines so hohen Grades
an Volksgesundheit wie kaum ein anderes Land der Erde. Infektionskrankheiten stehen heute nicht mehr mit an der Spitze der Todesursachen, und
die meisten Amerikaner halten es für selbstverständlich, daß ihre Kinder
das Erwachsenenalter in voller Gesundheit erreichen. Das trifft in vielen
anderen Teilen der Welt nicht zu: jedes Jahr sterben etwa 15,5 Millionen
Kinder noch vor Vollendung des fünften Lebensjahres - die Gesamtzahl
entfällt auf die Entwicklungsländer. Hunderte von Millionen Menschen

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�Menschen leiden unter Krankheiten wie Malaria, Lepra und Bilharziose,
d.h. unter Krankheiten, die den meisten Amerikanern unbekannt sind, aber
einen schrecklichen Tribut an menschlichem Leid und vergeudetem Produktionspotential fordern.

Bis zu 40 Millionen Menschen leiden unter

der einen oder anderen Art von Erblindung - ein wahrlich weltweites
Problem - die größtenteils vermieden werden könnte und oftmals reversibel
wäre.
Kein Land darf diesen tragischen Zustand weiterhin als Problem
des anderen ansehen.

In einer Welt, die Tag für Tag in eine immer

größere wechselseitige Abhängigkeit hineinwächst, haben wir in zunehmendem Maße an den möglichen Gefahren der anderen genau so teil
wie an den Leistungen der Menschheit.
Letzten Monat meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO), daß
wir offenkundig die Endphase der Ausrottung der Pocken erreicht haben,
wurde doch in den vorangegangenen sechs Monaten nirgendwo auf der Erde
eine Pockenerkrankung gemeldet. Diese historische Leistung zeigt, was
sich bewerkstelligen läßt, wenn Völker mit wahrer Hingabe zusammenarbeiten.
Meine Regierung ist entschlossen, Programme zu unterstützen, die
Menschen in die Lage versetzen, ihre grundlegenden menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Die Vereinigten Staaten müssen in Partnerschaft
mit internationalen Organisationen und anderen Ländern ein wahrhaft
internationales Programm zur Verbesserung der Volksgesundheit, des Ernährungszustandes und der Familienplanung in aller Welt entwickeln.
Wir können auf eine lange Geschichte gemeinsamer Anstrengungen mit
anderen Nationen auf dem Gebiet der Hebung der Volksgesundheit zurückblicken, und wir beabsichtigen, auf der solchermaßen geschaffenen
festen Grundlage weiterzubauen.
Im Einklang

- 2 -

�In Einklang mit der angekündigten Ausweitung der Auslandshilfe
und mit unseren Bestrebungen, unsere Hilfe auf die ärmsten Völker der
Erde zu konzentrieren,hat meine Administration eine Studie über die
internationalen Erfordernisse auf
lassen.

dem Gesundheitssektor ausarbeiten

Ziel dieser Untersuchung war es, herauszufinden, mit welchen

Methoden die Regierung der Vereinigten Staaten und private amerikanische
Organisationen am wirksamsten mithelfen können, die

persönlichen und

wirtschaftlichen Auswirkungen der weit verbreiteten Unterernährung, von
ansteckenden Krankheiten und von anderen Bedrohungen der Gesundheit
einschließlich der Belastung durch häufige Schwangerschaften zu verringern.
Basierend auf dieser Studie gebe ich hiermit meinen Entschluß bekannt, ein Programm zur Intensivierung dsr Beteiligung der Vereinigten
Staaten an den weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung von Krankheiten
und zur Hebung der Volksgesundheit einzuleiten.
Unsere Anstrengungen werden sich auf folgende Grundsätze stützen:
-

Den Armen dieser Welt, ob sie in ländlichen Gebieten oder in
großstädtischen Slums leben, einen Mindeststandard hinsichtlich
Gesundheits- Ernährungs- und Familienplanungsdiensten zu gewährleisten.

-

Die Entwicklungsländer in die Lage zu versetzen, ihre Erfordernisse auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge selbst zu bestreiten,
indem wir ihnen helfen, ihre Institutionen zu stärken und eigene
Gesundheitssysteme aufzubauen.

-

Di&gt; wirksamsten Methoden, jenen Gesundheitsstandard zu erreichen,
den wir allen Völkern wünschen, sind der Aufbau der lokalen primären Gesundheitsfürsorge unter Verwendung der den Kommunen zur
Verfügung stehenden Ressourcen und die Ausbildung geeigneten

- 3 -

�geeigneten Personals möglichst nahe bei dem Ort, an dem sie ihre Dienstleistungen verrichten sollen.
Wir beabsichtigen, uns auf die Verhütung von Krankheiten und Gesundheitsschäden zu konzentrieren.

Besonderes Gewicht werden wir legen

auf die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung, die Bereitstellung der
wichtigsten sanitären Dienstleistungen, notwendige Impfaktionen und Maßnahmen zur Verhinderung und Behandlung von Krankheiten, die zu Blindheit
führen können.

Diese Schwerpunkte werden ihren Niederschlag auch in

unseren eigenen Programmen und in der Berücksichtigung der von internationalen Organisationen festgesetzten Prioritäten finden.
Wir werden auf eine anhaltende Eindämmung

oder gänzliche Aus-

rottung der wichtigeren Infektionskrankheiten hinarbeiten, insbesondere
jener Tropenkrankheiten, die auch weiterhin mit an der Spitze der Todesund Invaliditätsursachen stehen.
Wir werden unser besonderes Augenmerk auf die Hauptursachen tödlicher Kinderkrankheiten richten: Diarrhöe und Erkrankung der Atemwege,
insbesondere dort, wo diese Krankheiten durch Unterernährung erschwert
werden.
Die private Wirtschaft stellt die meisten Waren und Dienstleistungen,
die für die Erhaltung der Weltgesundheit notwendig sind. Sie kann eine
wichtige Rolle dergestalt spielen, daß sie eigene Initiativen ergreift
und durch ihr Urteilsvermögen bei der Entwicklung der notwendigen Hilfsmittel sicherstellt, daß diese in angemessener Weise dazu verwendet
werden, den Gesundheitsstand in den Entwicklungsländern zu heben.
r-

Wir erkennen den unschätzbaren Beitrag an, den freiwillige Organi-

sationen bisher bei der Verbesserung der Gesundheit von Menschen in
aller Welt und insbesondere in Entwicklungsländern geleistet haben.

- 4 -

Wir

�Wir werden bemüht sein, sie in ihren Anstrengungen zu unterstützen und
unsere eigenen Aktivitäten mit den ihren zu koordinieren.
Wir planen,
- jene Institutionen in unserem Staat zu stärken, die sich mit
internationalen Gesundheitsfragen befassen und unsere Bereitschaft erneut bekräftigen,anderen Ländern zu helfen, ihren Gesundheitserfordernissen nachzukommen und durch bessere Koordination
die Nutzung der vorhandenen Hilfsquellen zu verbessern;
- das amerikanische Volk in dem Bewußtsein der Rechtmäßigkeit und
Wichtigkeit des Ziels unserer Außenpolitik zu bestärken, die
Fähigkeit anderer Länder zu erweitern, die grundlegenden menschlichen Erfordernisse ihrer Bevölkerung zu befriedigen.
- mit anderen Ländern in aller Welt direkt und über internationale
Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation, das Weltkinderhilfswerk (UNICEF), die Weltbank und die regionalen Entwicklungsbanken zusammenzuarbeiten, um den Gesundheitszustand
der Menschen überall auf der Welt zu verbessern;
und
- die amerikanischen Universitäten, technologische Stiftungen und
andere private Organisationen in stärkerem Maße üaf'ür zu gewinnen,
die amerikanischen wissenschaftlichen und fachlichen Ressourcen
den Entwicklungsländern in größerem Maße zugänglich zu machen.
Ich habe Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialminister Califano
gebeten, als Leiter der amerikanischen Delegation zur Weltgesundheitstagung nach Genf zu reisen, um die Schritte, die meine Administration
zu unternehmen gedenkt, in Einzelheiten darzulegen.
Kein

�Kein Land kann die Verantwortung für die Erreichung dieser Ziele
allein tragen. Ich fordere die führenden Politiker anderer Länder auf,
sich mir in diesen weltweiten Anstrengungen anzuschließen. Wirksame
Programme erfordern eine in Einzelheiten gehende und sorgfältige Planung.
Die Strategie, die ich heute ankündige und die Minister Califano auf
der Weltgesundheitstagung in der kommenden Woche erläutern wird, wird
im Rahmen der Haushalt- und Gesetzgebungsvorschläge für das nächste
Jahr entwickelt werden. Wo immer angängig, werden wir jedoch unverzüglich
aktiv werden, um dieses Programm zu verwirklichen.
Die Welt kann eines Tages den grundlegenden Erfordernissen aller
Menschen überall gerecht werden, wenn wir uns hinreichend bemühen und
jetzt einen Anfang machen. Ich bin der Überzeugung, daß sich alle
Amerikaner mit mir in die Verpflichtung auf das Ziel teilen, eine Welt
zu schaffen, die frei von unnötigen Krankheiten ist - eine Welt, in der
das Leben heilig gehalten wird und in der Kinder überall die gleiche
Chance haben, in ein gesundes und erfülltes Erwachsenenleben hineinzuwachsen.

+ + + + +

�31. Mai 1978

13

GESUNDHEIT - EIN MENSCHLICHES GRUNDRECHT
Neue amerikanische Initiativen auf internationalem Gebiet

- (AD) - Die Bedeutung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Mittler
zwischen den Völkern würdigte Joseph A. Califano, Jr., US-Bundesminister
für das Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen, auf der 31. Jahrestagung
dieser Sonderorganisation der Vereinten Nationen im Mai 1978 in Genf. Sie
habe sich als eines der Zentren bewährt, wo weltweite Probleme analysiert
werden können und gemeinsame Aktionen der Länder Vorrang vor politischen
und nationalen Interessen haben.
Als Leiter der amerikanischen Delegation gab Califano im Auftrag Präsident
Carters neue amerikanische Initiativen auf dem Gebiet des internationalen Gesundheitswesens bekannt, die dazu beitragen sollen, einen angemessenen Gesundheitsstandard als eines der Grundrechte aller Menschen zu realisieren.
Die WHO habe die Gemeinschaft der Nationen davon überzeugt, so erklärte er,
wie wichtig Gesundheitsfürsorge gerade für die in Armut lebenden Menschen
sei, und daß sie auf internationaler Ebene mit Vorrang betrieben werden
müsse.
In enger Zusammenarbeit mit vielen Regierungen sei es der WHO z.B. gelungen,
die Pocken praktisch auszurotten.

Für die USA allein habe dies inzwischen

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�inzwischen eine Kosteneinsparung von fast 1 Milliarde Dollar bedeutet.

(Am

22. Mai 1978 gab die WHO bekannt, daß der letzte Pocken-Verdachtsfall ein
halbes Jahr zurückliege.)

Dennoch stünden, so Califano, selbst solche Leistun-

gen im Schatten der noch unbewältigten Aufgaben, denen sich die Welt gegenübersehe.

Denn "die Lebenserwartung in den noch am wenigsten entwickelten

Ländern ist 30 Jahre geringer als bei den bereits fortgeschrittenen Entwicklungsländern ...
... Zwei Drittel der Menschen in den ärmsten Ländern haben keinen Zugang
zu sauberem Trinkwasser; es fehlt an einer ordnungsgemäßen Müllbeseitigung.
... 700 Millionen Menschen sind unterernährt und fallen deshalb leicht
Mangelkrankheiten und Seuchen zum Opfer.
... In der ganzen Welt sterben jährlich 15,6 Millionen Kinder unter fünf
Jahren; 15,1 Millionen dieser Todesfälle ereignen sich in den unterentwickelten Ländern.
... Rasches Bevölkerungswachstum verzögert in vielen Nationen den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt und belastet Familien und Gemeinwesen.
... Noch immer hat in vielen Ländern die Mehrzahl der Bevölkerung nicht
einmal Zugang zu der einfachsten Hygiene und Gesundheitspflege; außerdem
fehlt es an ausreichender und richtiger Ernährung und geeigneter Wohnung.
Solche Verhältnisse bedeuten in einer Welt, die über das Wissen und die
technischen Möglichkeiten verfügt, sie zu korrigieren, eine Verurteilung
für uns. Wie uns der Generaldirektor der WHO in Erinnerung rief, verlangt
soziale Gerechtigkeit, daß alle Bürger dieser Erde - und nicht nur ein Teil
von ihnen - sich einer ausreichend gesicherten Gesundheit erfreuen, um in
Würde zu leben und nützliche Arbeit zu tun."
Califano hob hervor, daß die Vereinigten Staaten diesen Grundsatz moralisch
und materiell unterstützen werden.

Nach einem 5-Punkte-Programm Präsident
- 2 -

�Präsident Carters sollen die amerikanischen Anstrengungen auf internationalem Gebiet vor allem den Einwohnern von Slumgebieten in den Städten wie
auf dem Lande zugutekommen.

Entwicklungsländer erhalten Hilfe, um eigene

Einrichtungen für die Lösung von Gesundheitsproblemen zu schaffen.

Vorbeu-

gung gegen Unter- und Mangelernährung sowie gegen Infektionskrankheiten
wird ein besonderer Schwerpunkt sein.

Die Aktionen der USA werden in enger

Zusammenarbeit mit internationalen Behörden und in Partnerschaft mit anderen Nationen durchgeführt.

In den USA selbst sollen Universitäten, Industrie

und private Organisationen stärker als bisher für die Erfüllung solcher Aufgaben mobilisiert, die Auslandstätigkeiten regierungsamtlicher Stellen besser
koordiniert werden.

Bekämpfung von Infektionskrankheiten
An der Bekämpfung von Infektionskrankheiten in aller Welt sind die Vereinigten Staaten in hohem Maße beteiligt. Sie unterstützen das Sonderprogramm der WHO zur Ausbildung und Forschung auf dem Gebiet der Tropenkrankheiten, führen eigene Forschungen durch und arbeiten an Sonderprojekten in
einzelnen Ländern mit. Für die Forschung auf dem Gebiet der Tropenkrankheiten wurden kürzlich mehr als 20 Millionen Dollar für die nächsten fünf
Jahre bereitgestellt, die auch eigene Forschung und Ausbildung in Entwicklungsländern finanzieren helfen. Die Forschung in amerikanischen Instituten
umfaßt nicht nur die sechs wichtigsten Tropenkrankheiten, sondern u.a. auch
Cholera und Diarrhoe bestimmter Ursachen. Das neuerdings gehäufte Auftreten
von Malaria, insbesondere in Gebieten, die man bisher für sicher hielt,
unterstreicht die Notwendigkeit von reiner und angewandter Forschung in der
ganzen Welt, um die Malaria besser unter Kontrolle zu bekommen. In den
Vereinigten Staaten wird gegenwärtig an einem Malaria-Impfstoff und an wirksamen Medikamenten gearbeitet, was auch anderen Ländern zugute kommen wird.

Für eine bessere Beherrschung der Tropenkrankheiten werden in den USA
Forschung und Ausbildung künftig noch stärker intensiviert.

Wissenschaftler

�Wissenschaftler aus anderen Ländern bekommen über die WHO Gelegenheit, in
amerikanischen Tropeninstituten zu arbeiten.

Die Medizinischen Forschungs-

anstalten der USA (NIH) werden außerdem in Ländern, die von Tropenkrankheiten betroffen sind, die Einrichtung und Verbesserung eigener Forschungszentren unterstützen.
Mit der WHO beteiligen sich die USA am Aufbau eines weltweiten Seuchenüberwachungsdienstes und werden die erforderliche epidemiologische Forschung
sowie geeignete Maßnahmen zur bestmöglichen Bekämpfung von Seuchen und von
anderen Gefahren für die Volksgesundheit fördern.

Dazu gehören auch Sonder-

kurse für Ärzte und medizinisches Hilfspersonal aus Entwicklungsländern
mit den Themenkreisen "Epidemiologie" und "Überwachungsaufgaben"

sowie

der Aufbau von speziellen Diensten in einzelnen Ländern.
Frambösie (Himbeerseuche), eine weitere tropische Infektionskrankheit
mit Geschwürbildung auf der Haut, tritt in verschiedenen afrikanischen
und asiatischen Ländern neuerdings wieder stärker auf. In einem dieser
Länder stieg die Zahl der bekannten Fälle von 3000 im Jahr 1969 auf mehr
als 70 000 im Jahr 1976; in 12 afrikanischen Ländern breitet sie sich ständig weiter aus. Zwar handelt es sich - weltweit gesehen - nicht um ein
vordringliches Problem. Jedoch müssen, wo immer die Krankheit in Erscheinung tritt, entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Die USA sind bereit, mit der WHO und anderen Ländern bei der Überwachung und Bekämpfung
von Frambösie zusammenzuarbeiten.

Impfprogramme erweitert
Gegen sieben Infektionskrankheiten bei Kindern wurde im vergangenen
Jahr in den Vereinigten Staaten die Schutzimpfung von 65 % auf 90 % erweitert. Gerade im Hinblick auf das "Jahr des Kindes", das von den Vereinten Nationen für.1979 vorgeschlagen wurde, sollten nach amerikanischer
Ansicht die Impfprogramme in den Entwicklungsländern ausgeweitet und ver-

- 4 -

�verbessert werden.

Denn obgleich es wirksame Impfstoffe gibt, erhalten dort

weniger als 10 Prozent der Kinder Schutzimpfungen gegen Krankheiten, die vermeidbar wären.

Fünf Millionen sterben jedes Jahr nur aus diesem Grunde.

Und Millionen andere tragen als Folge von Infektionskrankheiten bleibende
Gehirnschäden oder Lähmungen davon, bleiben in der Entwicklung zurück,
werden taub oder blind.

Um in jenen Ländern wirksamer gegen solche vermeid-

baren Krankheiten vorgehen zu können, haben die USA bilaterale Impfprogramme
gemeinsam mit der WHO entwickelt.

Sie sind bereit, noch mehr Seuchenspe-

zialisten und medizinisches Personal für Entwicklungsländer zur Verfügung zu
stellen und der WHO zusätzliche Geldmittel für Impfprogramme zu überweisen.
Ihr Ziel ist, bis 1990 allen Kindern in der Welt einen Impfschutz zu ermöglichen.

Trinkwasser und Hygiene

Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, mehr Menschen in den Genuß von
sicherem Trinkwasser und den wichtigsten hygienischen Einrichtungen zu bringen.

Stünde überall sauberes Trinkwasser zur Verfügung, brauchten jährlich

schätzungsweise 50 Millionen Menschen nicht zu sterben.

Deshalb werden die

USA die Ziele der von der UN proklamierten "Dekade für Trinkwasser und Hygiene (1980 - 1990)" in jeder Weise unterstützen.

Gleichzeitig sollen ge-

meinsam mit der WHO in zahlreichen Ländern die akuten, chronischen und späten Auswirkungen von Chemikalien und anderen Umweltgiften in Luft, Wasser,
Nahrungsmitteln und am Arbeitsplatz untersucht werden.

Ein Meinungs- und

Erfahrungsaustausch auf breiterer internationaler Basis kann den Bemühungen
um die Eindämmung dieser Art Risiken nur dienlich sein.

Ernährungsprobleme
Von Ernährungsproblemen sind nicht nur unzählige Menschen in Entwicklungsländern, sondern - wenn auch in anderer Form - ebenso in den Industrieländern
betroffen.

Die Vereinigten Staaten haben im eigenen Lande wiederentdeckt,
- 5-

�wiederentdeckt, welche Bedeutung die Ernährung für die Gesundheit besitzt.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Reinheit der Nahrungsmittel, den speziellen Bedürfnissen von Risikogruppen, den Problemen von Übergewicht, erhöhtem
Cholesterinspiegel und Zahnkaries.
In anderen Ländern wiederum bereiten Unterernährung, Mangel an Eiweiß,
Kalorien, Vitaminen und Spurenelementen große Sorgen.

Vor allem bei Kindern

ist dies ein Problem, weil ihre körperliche und geistige Entwicklung beeinträchtigt wird und sie viel anfälliger gegen gefährliche Infektionen sind.
Deshalb sind die USA gemeinsam mit der WHO, FAO (UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft) und anderen Behörden der Vereinten Nationen sowie
mit einer Reihe anderer Länder bemüht, Ernährungspolitik in die allgemeine
soziale und wirtschaftliche Planung einzubeziehen.

Der amerikanische Bei-

trag für die Lösung internationaler Ernährungsprobleme wurde von knapp 5
Millionen Dollar (1972) auf fast 50 Millionen Dollar erhöht.

In vielen

Ländern wurden in den letzten Jahren Programme in Angriff genommen, die den
besonderen Bedürfnissen der am meisten bedrohten Bevölkerungsteile gerecht
werden, wie es auf der Welternährungskonferenz von Rom im Jahr 1974 gefordert worden war.
Im eigenen Lande fördern die USA eine Vielzahl von Forschungsprogrammen
auf dem Gebiet der menschlichen Ernährung, insbesondere der Ernährung des
Neugeborenen und des Kleinkindes, der Probleme bei verschiedenen rassischen
und ethnischen Gruppen und der Ernährungsfaktoren bei Krankheiten Erwachsener sowie alter Menschen. Diese Arbeiten können international von Bedeutung
werden.

Blindheit
Die Verhütung und Behandlung von schweren Sehstörungen bis zur völligen
Erblindung bildet für die USA ein besonderes Schwerpunktprogramm.

Tatsäch-

lich könnte Blindheit in 80 Prozent der Fälle verhindert oder geheilt wer-

- 6 -

�werden, wenn nur entsprechende Vorbeugungs- und Therapieprogramme durchgeführt würden.

Häufig wäre auch gar kein Arzt erforderlich, sondern nur

dafür ausgebildetes medizinisches Hilfspersonal.

Die USA beabsichtigen,

Vorbeugung und Behandlung von schweren Sehstörungen jeder Form in den Gesundheitsdienst einzubauen und geeignete Programme in Übereinstimmung mit
den Empfehlungen der Internationalen Organisation für die Verhütung von
Blindheit zu unterstützen.

Die WHO wurde ersucht, die Bekämpfung von Blind-

heit zu einer vorrangigen Aufgabe zu erklären.

Allgemeine Gesundheitsvorsorge
Den neuen Bestrebungen der WHO, in erster Linie die mittellose Bevölkerung in den Genuß einer allgemeinen Gesundheitsfürsorge zu bringen, lassen
die USA jede erdenkliche Unterstützung zukommen. Die US-Behörde für Internationale Entwicklung (AID) wird ihre gegenwärtigen Aufwendungen von 70,4
Millionen Dollar für derartige Projekte auch in den nächsten fünf Jahren
fortsetzen. Dazu gehören vor allem Programme zur Betreuung von Mutter und
Kind, für Ernährung sowie Familienplanung unter besonderer Berücksichtigung
von Traditionen und der landesüblichen Gebräuche. Die Probleme, die sich
aus dem raschen Bevölkerungswachstum ergeben, sind von weltweiter Bedeutung.
Allein in diesem Jahr wendet die AID auf weltweiter Basis 160 Millionen Dollar
für Forschung, Ausbildung und Dienstleistungen für die Familienplanung auf.
Die amerikanischen Erfahrungen mit freiwilligen Entwicklungshelfern wie
den Angehörigen des US-Friedenskorps, von denen nahezu 1000 Freiwillige allein
auf Gebieten des Gesundheitswesens tätig sind, zeigen die Möglichkeiten auf,
wie elementare Gesundheitsprobleme auch ohne massive Geldmittel wirksam angepackt werden können. Es wird erwogen, ob durch ein Internationales Gesundheitsdienst-Korps die Tätigkeit des US-Friedenskorps im Gesundheitsbereich
so ausgeweitet werden könnte, daß Entwicklungsländer in die Lage versetzt
werden, ihre eigenen Fürsorgezentren auf Gemeindeebene auszubauen und zu verstärken. In diese Zusammenarbeit ließen sich auch Sonderprogramme für die

- 7 -

�die Förderung geistiger Gesundheit einbeziehen.
Alles in allem muß eine Infrastruktur geschaffen werden, die unterversorgten oder bisher überhaupt nicht versorgten Bevölkerungsgruppen in der
Welt endlich Zugang zu einem adäquaten Gesundheitssystem gibt. Der Gesundheitsschutz ist nun einmal die Voraussetzung für alle übrigen Anstrengungen, die Entwicklung voranzutreiben.
Und er sollte sich nicht auf bestimmte Tropen- oder Infektionskrankheiten
beschränken, sondern sich auch auf Krebs, Herz- und Kreislauferkrankungen,
Unfallschäden und Unfallverhütung sowie Drogenmißbrauch erstrecken. Die USA
starten z.Zt. im eigenen Land umfassende Aktionen zur Bekämpfung und Verhütung dieser Gefahren. Sie wollen ihre Erfahrungen und Forschungsergebnisse
mit anderen Ländern teilen und von den Erfahrungen anderer lernen.

- 8 -

�jjüm
JE IIB

Ulirl/chofl
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13

31. Mai 1978

McDonald: Tokio-Runde verläuft planmäßig
- Interview mit dem Leiter der US-Delegation -

GENF - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei der sogenannten Tokio-Runde der multinationalen Handelsverhandlungen, Alonzo L.
McDonald, hat in einem Interview am 18. Mai zum Verlauf dieser Gespräche
Stellung genommen und unterstrichen, daß die amerikanische Regierung
dieser Runde weiterhin höchste Priorität einräumt.
Nachstehend die wichtigsten Punkte aus diesem Interview:
Frage:

Sie haben in einer Rede in Chicago vor kurzem gesagt, daß

die Tokio-Runde vielleicht die "letzte solide Hoffnung" biete, "einen
unheilvollen Verfall im Welthandel" zu verhindern.

Der amerikanische

Außenminister Vance sprach ebenfalls vor kurzem von einer "wachsenden
Spirale des Protektionismus in den Vereinigten Staaten und anderswo".
Wie groß ist die Gefahr des Protektionismus für Ihre hier unternommenen
Anstrengungen zu einer Liberalisierung des Handels?
Antwort:

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�Antwort:

Es besteht eine reale Gefahr.

Gegenwärtig haben wir so

gut wie keine allgemeine Kraft, die auf eine Liberalisierung im Welthandel hinwirkt.

Das Hauptelement, das für uns arbeitet - und es ist

ein gewichtiges - ist der politische Wille, der seinen Ausdruck durch
den Präsidenten und seinen Sonderberater für Handelsfragen, Botschafter
Robert W. Strauss, fand - der Wille, der sich in den Instruktionen, die
wir hier ausführen, widerspiegelt und der von unseren bedeutendsten
Handelspartnern geteilt wird.

Aber die Stimmung in der Wirtschaft ist

sehr negativ und,die Elemente, die uns während der Kennedy-Runde halfen,
so beispielsweise die Tatsache, daß die Welt damals von expansionistischen
Ideen geleitet wurde, fehlen uns heute.
Infolgedessen befinden wir uns heute auf einem sehr schmalen begrenzten Weg in bezug auf das, was wir politisch zu tun vermögen.

Ich

hätte noch vor ein paar Jahren einige der Haltungen, wie sie jetzt in
unserem eigenen Land zum Ausdruck kommen, nicht für möglich gehalten.
Aber sie sind real und sie sind etwas, mit dem wir uns auseinanderzusetzen
haben.
Wenn wir uns nicht mit ihnen auseinandersetzen, dann werden wir
uns zumindest für eine Generation mit Schwierigkeiten auf dem Gebiet des
Handels belasten, die wir einmal tief bedauern werden.
Frage: Präsident Carter und Botschafter Strauss räumen demnach der
Tokio-Runde in der amerikanischen Handelspolitik weiterhin höchste
Priorität ein?
Antwort: Darüber gibt es keinen Zweifel. In der Tat ist es eines
der wesentlichen Elemente in bezug auf das, was wir zur Verbesserung
unserer eigenen Handelssituation in der vor uns liegenden Periode zu
tun hoffen können, und es ist tatsächlich eine absolute Notwendigkeit,
diese zusätzliche Triebkraft für das wirtschaftliche Wachstum zur Wirkung

- 2 -

�Wirkung zu bringen.
Im Augenblick und im Verlauf der letzten zwei oder drei Jahre hat
die Dynamik in der Expansion des Handels einen nahezu statischen Zustand
erreicht.

Man erwartet für dieses Jahr nur etwa vier Prozent.

Das aber

ist einfach nicht genug, um den Impuls, die Schwungkraft und den Vorwärtstrend zu bewirken, den wir auf dem Gebiet des Handels haben müssen.
Frage: Dazu eine gewißermaßen hypothetische Frage: Könnte man
fairerweise sagen, wie man es von einigen hört, daß die Zahlen für die
Expansion des Welthandels heute wahrscheinlich noch schlechter wären,
wenn es die Tokio-Runde nicht als eine Art treibender Kraft, wie Sie sie
erwähnt haben, gegeben hätte?
Antwort: Absolut. Ganz einfach die Tatsache, daß wir Gespräche
geführt und verhandelt haben und daß wir von hohen Ambitionen in bezug
auf das, was wir zu tun versuchen, geleitet wurden, hat enorm dazu beigetragen, eine gemäßigte Position, was den Protektionismus anbetrifft,
zu bewahren.
Wir haben ja auch wiederholt - in unseren Darlegungen vor dem
Kongress und in Gesprächen mit den führenden Vertretern anderer Regierungen - zu der Tatsache Stellung genommen, daß wir uns extreme
protektionistische Aktionen zu diesem Zeitpunkt nicht leisten könnten,
weil sie die Tokio-Runde gefährden würden.

Damit haben die Verhandlungen

bereits einem außerordentlich nützlichen mäßigenden Zweck gedient.
Frage: Wäre es denn genau so fair, zu sagen, daß die Kräfte der
Liberalisierung sowohl in den Vereinigten Staaten wie anderswo in einem
gewissen Maße gegen den Strom schwimmen?
Antwort:

Sicher, das ist auch wahr.

In politischer Hinsicht

wäre es in diesem Stadium das einfachste, wenn man den Laden einfach
- 3 -

�einfach dicht machte und die ganze Anstrengung fallen ließe.
Das aber wäre katastrophal - für uns und unsere wirtschaftliche
Situation auf längere Sicht und auch für andere.
Frage:

Wie sehen Sie die Haltung des amerikanischen Kongresses

in dieser schwierigen Situation?

Welche Chance besteht, daß der Kongress

bei dem protektionistischen Druck, den die Kongressabgeordneten und Senatoren im eigenen Lande spüren müssen, dieses Paket.von Handelsliberalisierungen, das Ihnen vorschwebt, billigt?
Antwort:

Wir sind insofern in einer glücklichen Lage, als der

Kongress seine schwierigen Entscheidungen über Zölle bereits getroffen
hat, so daß wir diese Entscheidungen nicht mehr in das Paket aufzunehmen
brauchen, das wir vorlegen werden.
Der Kongress hat als ein Teil des Handelsgesetzes von 1974 die
Verhandlungen über Zölle an den Präsidenten delegiert. Glücklicherweise bedeutet die Delegation der Macht, daß wir uns in diesem Stadium
mit unseren Anstrengungen auf das konzentrieren können, was wirklich
langfristige Verbesserungen im Welthandel System sein werden - Verbesserungen, die für die Vereinigten Staaten alle höchst vorteilhaft
sind.
Die Einführung einer ganzen Reihe von Verfahren und Regeln, die
das Niveau der Verständigung zu einem hohen Grad innerhalb des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) anheben können, werden - ich
halte das für sehr wahrscheinlich - eine breite Grundlage der Unterstützung beim amerikanischen Kongress und anderen finden, sobald sie
bekanntgemacht und verstanden werden. Sie sollten insgesamt im Verlauf der Zeit ganz außerordentlich zu einer Verbesserung der Disziplin
und einem höheren Grad von Offenheit im Handel System beitragen und wie ich hoffe - auch zur Verstärkung und Erweiterung dessen,was wir auf

- 4 -

�auf dem Gebiet der Lösung von Streitfragen tun.
Frage:

Soweit also zur Frage der Unterstützung durch den Kongress.

Was aber wollen Sie den amerikanischen Arbeitern sagen, deren Arbeitsplätze
möglicherweise durch eine Steigerung der Importe aufgrund eines freieren
Handelssystems gefährdet werden?
Antwort: Aufs Ganze gesehen sollten die Vereinigten Staaten dabei
eher gewinnen als verlieren. Uns ist bisher noch keine Untersuchung bekanntgeworden, aus der hervorginge, daß diese Art der Reduzierung von
Handelsschranken, die hier zur Verhandlung steht, in irgendeiner Weise
die amerikanischen Arbeitsplatzchancen vermindern würde.
Bei einem Vorhaben wie diesem werden immer Umstrukturierungen
auftreten, weil einige Industrien anfälliger nicht nur für die Konkurrenz
im eigenen Lande, sondern auch für die durch das Ausland sind. Es wird
Leute geben, deren Arbeitsplätze direkt betroffen sein werden. Aber bei
der derzeitigen Zahl neugeschaffener Arbeitsplätze in Amerika sollten
wir durchaus in der Lage sein, 1n unserer Wirtschaft einen Arbeitsplatzverlust durch neue Arbeitschancen zu kompensieren. In dieser Hinsicht
sehen wir überhaupt keinen Grund für einen Widerstand gegen eine Handelsliberalisierung. Vielmehr ist einer der Hauptgründe, daß sich die Zahl
der Beschäftigten in unseren Fabriken auf dem stetigen Niveau seit 1970
gehalten hat, die zusätzliche Schaffung von 900 000 neuen Arbeitsplätzen
für die Exporterzeugung. Handelsrestriktionen hätten uns Arbeitsplätze
gekostet - nicht aber anders herum.
Frage: Unternehmen Sie Schritte, um diese Argumente der Arbeiterschaft in den Vereinigten Staaten klar zu machen?
Antwort:

Ja, und wir werden noch mehr tun.

Als ich vor kurzem

in den Vereinigten Staaten war, habe ich acht Reden vor interessierten
Gruppen gehalten - nicht nur, um ihnen zu erklären, was wir hier zu tun

- 5 -

�tun versuchen, sondern auch um Ratschläge von ihnen zu erhalten.
Frage:

Trifft dies auf Industrie und Landwirtschaft sowie auf ihre

Beschäftigten zu?
Antwort:

Dem ist so.

Wir haben in diesem Monat 26 verschiedene

Beratungsgruppen aus der Industrie nach Genf eingeladen, damit wir - die
wir am Verhandlungstisch sitzen - die jüngsten Einsichten in ihr Denken
und Fühlen erlangen, damit wir erfahren, was die letzten Informationen
auf diesen Gebieten widerspiegeln und welche Möglichkeiten es gibt.
Während des nächsten Monats werden wir ferner drei verschiedene
Gewerkschaftsgruppen zu Besuch haben, weil wir auch deren Ansichten
hören und ausführlich wissen wollen, was ihre Sorgen und Anliegen sind,
und gleichzeitig möchten wir, daß sie wissen, was für uns volkswirtschaftlich bei der Tokio-Runde auf dem Spiele steht.
Und natürlich standen wir während der ganzen Verhandlungen in
engem Kontakt mit den Mitgliedern des Kongresses. So haben wir beispielsweise während der Osterpause vier verschiedene Delegationen des
Kongresses empfangen, um mit ihnen die wesentlichen Fragen eingehend zu
erörtern und ihre Vorstellungen kennenzulernen. Wir werden ferner noch
in diesem Monat eine wichtige Vertretung des Senates empfangen, die von
Senator Abraham A. Ribicoff (Demokrat aus dem Staat
Connecticut), dem
Vorsitzenden des Senatsunterausschusses für internationale Angelegenheiten, geleitet wird.
Frage:

Verlaufen die Verhandlungen immer noch planmäßig, so daß

die Tokio-Runde bis Mitte Juli abgeschlossen werden kann?
Antwort:

Nach unserer Ansicht können wir die Verhandlungen immer

noch abschließen und bis zum 15. Juli unsere politischen Verpflichtungen

- 6 -

�Verpflichtungen eingegangen haben.
Ich habe im Namen der amerikanischen Regierung und auch die Delegation
Japans und der europäischen Gemeinschaft haben diese entschlossene Absicht
in einem Treffen mit GATT-Generaldirektor Long noch in der vergangenen
Woche unterstrichen.
Wir haben immer noch eine große Menge Arbeit zu leisten. Das wird in
keiner Weise unterschätzt. Aber wir sind auch sehr ermutigt über das
Erreichte, und wir sehen keine Hindernisse, die zwischen uns und einem
Abschluß - einem sehr erfolgreichen Abschluß - eines politischen Abkommens
bis zum 15. Juli stehen.
Frage: Und wird dies das "große Paket" sein, das Sie immer angestrebt haben, und nicht ein kleineres Kompromiß Paket?
Antwort:

Ja, "das große Paket"

Wir haben bisher keinerlei Kom-

promisse geschlossen, und wir rechnen mit Sicherheit nicht mit irgendeinem Konpromiß, der einfach
Frage:
werden muß?

auf Zeitschwierigkeiten basiert.

Können Sie kurz erläutern, wo noch die meiste Arbeit getan

Antwort: Die Fragen, die noch die meiste Arbeit beanspruchen, sind
schon die ganze Zeit die schwierigsten gewesen. Wir haben schon eine
Menge erreicht, aber wir müssen noch mehr Fortschritte machen auf den
Gebieten der staatlichen Subventionen und der Ausgleichszölle, und wir
müssen auch noch einen langen Weg auf dem Gebiet der Landwirtschaft gehen.
Das sind die beiden Hauptgebiete, auf denen noch die größte Arbeit
vonnöten ist.
Frage:

Und der nächste Schritt?
Antwort:

- 7 -

�Antwort: Im Rahmen unserer Verhandlungen werden wir demnächst
mit den anderen wichtigen Ländern Listen über die Fragen austauschen,
die nach unserer Absicht noch der Klärung bedürfen. Dies ist ein angebrachter Kontrollmechanismus, um die Verhandlungen rasch und zielstrebig voranzubringen.

+ + + + +

�Wift/chaft
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31. Mai 1978

WELTWIRTSCHAFT UND DEVISENMÄRKTE IN DER ZWEITEN JAHRESHÄLFTE 1978

WASHINGTON - (AD) - C. Fred Bergsten, Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im US-Finanzministerium, hielt am
17. Mai vor dem Amerikanischen Wirtschaftsclub (National Economists Club) eine Rede,
in der er seiner Zuversicht Ausdruck gab,
daß die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 1978 einem erheblichen Aufschwung
entgegensehen könne- Die Ansprache Bergstens
önthält -', in Auszügen - folgende wesentliche
Feststellungen.
Wir erwarten für 1978 ein stärkeres Wirtschaftswachstum, als wir es im
Vorjahr hatten. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) - ohne Vereinigte Staaten - wird in diesem Jahr voraussichtlich eine Expansionsrate von etwa 3,5 Prozent erreichen - rund dreiviertel
Prozent mehr als 1977. Diese Zunahme wird allen größeren Wirtschaftsnationen
zugute kommen. Noch größeren Anlaß zur Zuversicht gibt, daß wir in der zweiten Jahreshälfte mit einer Wachstumsrate von nahezu fünf Prozent rechnen können,
was einer starken Zunahme gegenüber dem Satz von drei Prozent im ersten Halbjahr entspricht.
Darüber

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Darüber hinaus steht zu erwarten, daß die nicht zu den ErdölförderLändern gehörenden Entwicklungsländer eine gegenüber 1977 um ein halbes Prozent höhere Wachstumsrate aufweisen werden, d.h. etwa 5,5 Prozent.

Diese

Länder sind gegenwärtig nach einer dreijährigen Periode der Konsolidierung
ihrer Devisenposition und des Kampfes gegen inflationistische Pressionen dabei, ihre restriktive Politik vorsichtig zu lockern, um eine Beschleunigung
des Wachstums im Verlauf des Jahres 1978 zu begünstigen.
Dem ist noch hinzuzufügen, daß sich eine Reihe asiatischer Entwicklungsländer in jüngerer Zeit hinsichtlich Expansion und Export als führend erwiesen haben.

Diese fortgeschrittenen Entwicklungsländer haben während der letzten

drei Jahre bis zu

zweistellige Exportsteigerungsraten ausgewiesen und damit

sogar die des weltweiten Wirtschaftsbooms der Jahre von 1967 bis 1972 übertroffen.

Die Steigerungsrate ging im Falle Koreas über zehn Prozent hinaus

und bezifferte sich im Falle von Malaysia und Taiwan in den letzten Jahren
auf sieben bis acht Prozent.

Was die fortgeschrittenen Entwicklungsländer

angeht, sehen wir für 1978 besonders hohe Wachstumsraten voraus.
Das Tempo der amerikanischen Wirtschaft wird sich im Laufe dieses Jahres
etwas verlangsamen - bei einem realen Wachstum in der Größenordnung von vier
bis viereinhalb Prozent nach 4,9 Prozent im Vorjahr.

Die Disparität der

Wachstumsraten unter den OECD-Ländern wird sich mithin verringern.

Das Er-

gebnis dürfte ein größeres Gleichgewicht des Wirtschaftswachstums überall auf
der Welt sein, was sich günstig auf die Zahlungsbilanzen der Länder auswirken
sollte...
In den letzten beiden Jahren lag Amerika, was die Wirtschaftsexpansion
angeht, an der Spitze aller Länder der industrialisierten Welt. In den Jahren
1976 und 1977 bezifferte sich unser reales Wachstum im Durchschnitt auf etwa
5,6 Prozent, das der übrigen OECD-Staaten auf nur etwa 3,7 Prozent. Diese Umkehrung der historischen Verhältnisse wird das ganze Jahr 1978 hindurch anhalten, wenngleich weniger stark ausgeprägt als in den beiden vorausgegangenen
Jahren.
Es
- 2 -

�Es hat den Anschein, daß wir uns der Rückkehr zu - historisch betrachtet - normaleren Wachstumsraten nähern.

Bezüglich der potentiellen Wachstums-

raten einzelner Länder einschließlich der der Vereinigten Staaten ist noch
manche Frage offen.

Die einschneidende Veränderung der relativen Energie-

kosten belastet die Ausnutzung der Produktionskapazitäten, und Umweltschutzmaßnahmen vermindern die Produktivität.

Wir haben kein eindeutiges Konzept,

was die Beurteilung des mittelfristigen realen Wirtschaftswachstums angeht.
Wir werden jedoch Zeuge eines stärkeren Konvergierens der realen Wachstumsraten der Volkswirtschaften der Länder der industrialisierten Welt in den
Jahren 1978 und 1979 als in den Jahren 1976 und 1977 - das auch eine bessere Ausgewogenheit der gesamten Weltwirtschaft bewirkt.
Unserer Auffassung nach wird das Jahr 1978 von einem ausgeglicheneren
realen Wirtschaftswachstum gekennzeichnet sein - nicht nur wegen der Konvergenz der nationalen Wachstumsraten, sondern auch hinsichtlich der strukturellen Gliederung des Wirtschaftswachstums. Seit dem Tiefstpunkt der weltweiten Rezession der Jahre 1974 und 1975 beruhte das reale Wachstum in den
Industriestaaten - mit Ausnahme der USA - in erster Linie auf Regierungsausgaben und in zweiter Linie auf dem privaten Verbrauch. Die realen Investitionsaufwendungen jedoch haben sich gegenüber staatlichen Anreizen als besonders resistent erwiesen; in den meisten Ländern waren die realen Investitionsraten seit einigen Jahren sogar negativ.
Im Jahre 1978 rechnen wir - außerhalb der Vereinigten Staaten - mit einer
Steigerung der realen Investitionsraten, die ein größeres Gleichgewicht in
der strukturellen Zusammensetzung des Wachstums in den wichtigeren Industriestaaten zur Folge haben dürfte.

Mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, in

denen der reale Investitionszuwachs sicherlich im Vergleich zu der unhaltbar
hohen Rate des Jahres 1977 rückläufig sein wird, werden die Investitionsaufwendungen in den wichtigeren Ländern im Jahre 1978 real voraussichtlich erheblich rascher steigen als im Vorjahr - vielleicht um 3 Prozent nach nur
einem halben Prozent im Jahre 1977.

Die Steigerung der realen Investitions-

raten in so gut wie allen größeren Ländern dürfte den im Gang befindlichen

- 3 -

�befindlichen Erholungsprozeß weiter stabilisieren.
Wenn die Investitionsaufwendungen real steigen, werden, so hoffen wir,
die größeren Handelsnationen auch eine raschere Zunahme der privaten Verbraucherausgaben verzeichnen.

Nach unseren Schätzungen dürfte der Verbrauch

real 1978 um etwa vier Prozent zunehmen - gegenüber nur 3,5 Prozent im Jahre
1977.

Die Steigerung des Verbrauchs und der Investitionen dürfte die Belastung

der Staatshaushalte durch Konjunkturförderungsmaßnahmen vermindern und eine
verläßliche Basis für eine mittelfristige Expansion abgeben.
Selbst bei Erreichung des projizierten Wachstums für 1978 wird die Weltwirtschaft, wie ich sogleich hinzufügen möchte, voraussichtlich ihr Potential
noch immer nicht voll ausschöpfen können.

Es wird eines noch rascheren

Wachstums bedürfen, als wir es für 1978 erwarten dürfen, um die in vielen
Ländern herrschende Arbeitslosigkeit abzubauen.

Die Vereinigten Staaten sind

in der Tat das einzige unter den größeren OECD-Ländern, das heute eine signifikant niedrigere Arbeitslosenrate aufweist als zur Zeit des Tiefpunkts der
Rezession in den Jahren 1974 und 1975.

Die Weltwirtschaft scheint sich in

Richtung auf eine Vereinheitlichung der Wachstumsraten unter den Schlüsselländern der industrialisierten Welt - Vereinigte Staaten, übrige OECD-Länder
und die fortgeschrittenen Entwicklungsländer - zu bewegen und dort zu konsolidieren.
Wenn ich die Konvergenz der Wachstumsraten so sehr betone, mag sich
mancher fragen, ob wir nicht vielleicht abermals einer Periode des synchronisierten Wirtschaftswachstums entgegengehen, wie wir sie anfangs der siebziger Jahre durchlebt haben - mit dem damit verbundenen Risiko eines synchron
verlaufendenNiedergangs, wie er 1973 erfolgte. Nach meinem Dafürhalten kann
man aber von der Annahme ausgehen, daß sich die Verhältnisse von heute so
weitgehend von jenen zu Anfang der siebziger Jahre unterscheiden, daß wir
solche Befürchtungen nicht zu hegen brauchen.

Als

�Als das Wirtschaftswachstum in den Jahren 1971 und 1972 weltweit sich
vereinheitlichte, verzeichneten die meisten Volkswirtschaften nur sehr niedrige Arbeitslosenraten und hatten kaum noch freie Kapazitäten, während sich
die inflatorischen Tendenzen zu verstärken begannen.
Heute liegen die Dinge gerade umgekehrt. Es bestehen erhebliche Überkapazitäten und ein ausgesprochener Angebotsliberhang auf dem Arbeitsmarkt,
während die inflatorischen Tendenzen in den meisten Ländern rückläufig sind.
Darüber hinaus haben die führenden Politiker überall auf der Welt die damaligen Ereignisse noch lebhaft im Gedächtnis. Die Strukturen, die wir heute
prognostizieren, dürften also kaum die unerwünschten Folgen von damals zeitigen.
Es ist ferner anzumerken, daß das prognostizierte reale Wirtschaftswachstum in scharfem Gegensatz zur Lokomotiven-Theorie der Wirtschaftserholung steht, die im vergangenen Jahr bekanntlich entgleist ist. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit beschränkte sich zu jener Zeit hauptsächlich
auf einen Aspekt jener Theorie: die Fähigkeit einiger weniger großer Volkswirtschaften, bei der Ankurbelung eines rascheren Wachstums der Weltwirtschaft insgesamt die Führungsrolle zu spielen. Ebenso wichtig aber war die
für die meisten Industriestaaten gegebene Notwendigkeit, der Stabilität Vorrang vor dem Wachstum einzuräumen. Maßnahmen, die geeignet waren, die Inflationsraten zu senken und die Außenhandelsdefizite zu vermindern, schienen
ihnen vordringlich, um eine Basis für anhaltende Fortschritte in der Zukunft
zu schaffen. Es war tatsächlich dieses Erfordernis - die Notwendigkeit der
Stabilisierung ihrer Wirtschaft, vor die sich viele Schlüsselländer gestellt
sahen - und nicht der Wunsch nach Wachstum seitens weniger Staaten, das zur
Entstehung der Lokomotiven-Theorie geführt hatte.
Die Weltwirtschaft kann sich heute den Erfolg der Stabil isierungsmaßnahmen aus jener Zeit zunutze machen.

In diesem Jahr ermöglichten diese Er-

folge allen OECD-Ländern außer den Vereinigten Staaten ein rascheres und
gleichmäßigeres Wirtschaftswachstum.

Sie bescherten uns eine Periode eines

�eines ausgewogeneren Gruppenvorgehens, in der die steigende Wirtschaftstätigkeit in einem Lande die Expansion des anderen günstig beeinflußt und dort zu
einem positiven Gesamtergebnis beiträgt.

Es ist heute nicht mehr notwendig,

auf einige wenige Lokomotiven zu hoffen, die den Weltwirtschaftszug ins Rollen
zu bringen vermögen...
Die Variationsbreite der Inflationsraten unter den OECD-Mitgliedstaaten
und deren Durchschnittsrate... wird sich im Jahre 1978 stark verringern, während die Stabilität der Wechselkurse infolgedessen

weiter zunehmen dürfte.

Beide Entwicklungen werden auf eine Verbesserung des Gleichgewichts der Weltwirtschaft hinwirken, das wir für dieses Jahr voraussehen.
Der ausgeprägteste unter den Stabilisierungsfaktoren, von denen hier die
Rede ist, berührt den weltweiten Zahlungsverkehr.

Wir werden 1978 Zeuge der

markantesten Veränderungen im internationalen Zahlungsausgleich seit den
Erdölpreiserhöhungen der Jahre 1973 und 1974.
Die bedeutsamste Veränderung ist darin zu erblicken, daß die vormals
sehr hohen Überschüsse der Mitgliedstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) in ihren Leistungsbilanzen endlich eine stark rückläufige Tendenz zeigen; ihre Überschüsse werden in diesem Jahr voraussichtlich
um zusammen 15 Milliarden auf insgesamt 20 Milliarden Dollar (unter Berücksichtigung der Bilanzen des öffentlichen Kapital Verkehrs) zurückgehen. Allerdings wird voraussichtlich nur die Hälfte aller OPEC-Länder überhaupt Überschüsse erwirtschaften können; etwa die Hälfte der Gesamtüberschüsse und
auch etwa die Hälfte des zu erwartenden Rückgangs werden wahrscheinlich auf
Saudi-Arabien entfallen. Würde der erforderliche Ausgleich der Defizite
in angemessener Weise auf die Erdöl-Einfuhrländer aufgeteilt, könnten Überschüsse der OPEC-Länder in dieser Größenordnung die nicht erdölexportierenden Entwicklungsländer (die weniger weit entwickelten Entwicklungsländer)
und die kommunistischen Staaten in die Lage versetzen, dementsprechende Defizite in ihren Leistungsbilanzen in Kauf zu nehmen, auch wenn die OECDLänder damit fortfahren, Überschüsse zu erwirtschaften. Das würde der Welt
die Rückkehr zu traditionellen Strukturen gestatten, unter denen die Industrie-

�Industriestaaten nunmehr gemeinsam mit einigen OPEC-Ländern als Netto-Kapitalexporteure

für ärmere Länder in allen Teilen der Welt fungieren könn-

ten.
Innerhalb des OECD-Bereichs ist ebenfalls mit merklichen Verbesserungen
der Zahlungsbilanzen zu rechnen.

Die Anpassungsprogramme der vorausgegan-

genen Jahre beginnen Früchte zu tragen, und die Wettbewerbsposition dieser
Länder hat sich dank der im vergangenen Jahr oder so verzeichneten Änderungen der realen Wechselkurse in Richtung auf eine Stabilisierung verändert.
Zwei Industriestaaten, die noch vor etwa einem Jahr als besonders
schwach angesehen worden waren, sind die Anpassungsmaßnahmen der vorausgegangenen Zeit besonders zustatten gekommen: Italien und Großbritannien.
Sie werden aller Voraussicht nach in ihren Leistungsbilanzen im Jahr 1978
zusammengenommen eine Verbesserung um 1,5 Milliarden Dollar und damit beträchtliche Überschüsse ausweisen, von denen nur ein Teil der beginnenden
Ausbeutung der Erdölvorkommen in der Nordsee zuzuschreiben sein wird.
In den skandinavischen Ländern, die vor einem Jahr noch von ernsthaften Zahlungsbilanzschwierigkeiten bedroht waren, rechnet man heute ebenfalls mit einer Netto-Verbesserung der kombinierten Zahlungsbilanzen in der
Größenordnung von etwa drei Milliarden Dollar. Die südeuropäischen Länder
dürften gleichfalls in der Lage sein, ihr kombiniertes Defizit zu verringern,
ist es diesen Ländern inzwischen doch gelungen, ihre Wachstums- und Inflationsraten in den Griff zu bekommen. Somit haben die eigentlichen Problemländer der Vergangenheit wie der Gegenwart ihre Finanzposition nach außen
hin erheblich zu festigen vermocht.
Diese Feststellungen lassen den ziemlich sicheren Schluß zu, daß die
Weltwirtschaft gegenwärtig dabei ist, die Grundlage für ein anhaltendes und
stetiges Wirtschaftswachstum bei verbesserten Zahlungsbilanzen und somit
auch verbesserter Stabilität der Devisenmärkte zu schaffen...
Wiewohl

�Wiewohl die Konvergenz der Wachstumsraten ein äußerst ermutigendes
Zeichen ist, erweisen sich die Wachstumsraten angesichts der derzeit gegebenen Wirtschaftslage noch immer als zu niedrig.

Um die Überschußkapazi-

täten und Arbeitslosenraten einschneidend vermindern zu können, bedürfte
die OECD Wachstumsraten in der Größenordnung von 4,5 bis 5 Prozent statt
der derzeitigen Raten in Höhe von knapp vier Prozent.

Angesichts unserer

eigenen binnenwirtschaftlichen Situation und der Tatsache, daß wir bisher
alleiniger Motor der wirtschaftlichen Erholung waren, ist damit zu rechnen,
daß die US-Rate abermals hinter denen der übrigen OECD-Länder zurückbleibt.
Ein amerikanisches Defizit in der Leistungsbilanz in der Größenordnung von
20 Milliarden Dollar, dem deutsche und japanische Oberschüsse von zusammengerechnet ebenfalls 20 Milliarden Dollar gegenüberstehen, ist in weltweiter
Sicht untragbar.

Deutschland, die Schweiz und die Niederlande dürften im

Verlaufe dieses Jahres ihre Überschußposition sogar noch weiter ausbauen.
Japans Überschüsse in den ersten Monaten dieses Jahres waren so groß, daß
sein Gesamtjahresüberschuß etwa die gleiche Höhe wie im Vorjahr erreichen
dürfte.

Die Überschüsse dieser vier Länder zusammengenommen könnten gegen-

über 1977 sehr wohl um sechs bis sieben Milliarden Dollar steigen - also
für dieses Jahr zu erwartende Überschüsse der OPEC-Länder weit übersteigen.

Weitere Bemühungen um einen besseren Ausgleich seitens der Überschußländer sind mithin erforderlich. Präsident Carter hat deutlich zu verstehen
gegeben, daß die Vereinigten Staaten tatkräftige Schritte unternehmen werden,
um die grundlegenden Ursachen unseres Defizits - übermäßige Energieeinfuhren,
überhöhte Inflationsraten und unzureichende Exportanstrengungen - zu beseitigen. Die Aufgabe, für einen Ausgleich der Zahlungsbilanzen zu sorgen,
nimmt im Jahre 1978 einen der wichtigsten Plätze auf der Tagesordnung sowohl der Überschuß- als auch der Defizitländer ein.

+ + + + +

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1
I

Wirt/choft
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31. Mai 1978

SOLOMON: WÄHRUNGSANPASSUNGEN FUNKTIONIEREN

WASHINGTON - (AD) - Der Staatssekretär für Währungsangelegenheiten im
amerikanischen Finanzministerium, Anthony M. Solomon, hat auf die Beruhigung
an den Devisenmärkten in den letzten Wochen hingewiesen, die nicht zuletzt
auf die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zurückzuführen sei, einen
gesunden Dollar zu erhalten.

In einer Rede vor amerikanischen Geschäfts-

leuten in New York am 15. Mai 1978 erklärte Solomon, daß die Intervention
aller Länder auf den Devisenmärkten zu Nettoverkäufen zwischen zwei und drei
Milliarden Dollar seit März des Jahres geführt habe und daß wieder stärker
gekauft werde.

"Diese Veränderung des Klimas", so sagte Solomon, "geht zum Teil auf
das stärkere Bewußtsein der amerikanischen Entschlossenheit zurück, die grundlegenden Maßnahmen zu treffen, die für einen gesunden Dollar erforderlich
sind.

Es mag auch auf die größere Erkenntnis einiger wichtiger Verbesserung-

gen der zugrundeliegenden wirtschaftlichen Lage zurückzuführen sein."

Der amerikanische Staatssekretär verwies darauf, daß die Zinssätze in
den Vereinigten Staaten höher liegen als in den meisten Industrieländern
und diese Zinsdifferenz erneut kurzfristiges Investitionskapital nach den
USA ziehe, nachdem das Vertrauen in den Dollar wieder wachse.

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Auch die

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�die Aufwärtsentwicklung an den amerikanischen Börsen trage dazu bei, die
Vereinigten Staaten als Anlageland wieder attraktiv zu machen.

Im Gegen-

satz zu einigen Presseberichten, so führte Solomon aus, hätten die Mitglieder der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) während der
jüngsten Turbulenzen auf den Devisenmärkten ihre Dollarinvestitionen nicht
abgezogen.

"Im Gegenteil", so fügte er hinzu, "die vorläufigen Informationen

über das erste Quartal dieses Jahres lassen erkennen, daß ein großer, ja
vielleicht ein noch höherer Teil der OPEC-Anlagen in die Vereinigten Staaten
gingen."
Der Zahlungsbilanzüberschuß der OPEC dürfte sich nach Auffassung
Solomons im Laufe des Jahres drastisch auf etwa 20 Milliarden Dollar reduzieren, und dieser Oberschuß dürfte "mittelfristig in den Griff zu bekommen
sein und sollte es den Industrieländern ermöglichen, zu einem traditionelleren
Standpunkt hinsichtlich der laufenden Überschüsse zu gelangen."
Zwei weitere Faktoren, die zur Stabilität der Devisenmärkte - einem
der Themen, das auf dem Wirtschaftsgipfel in Bonn im Juli dieses Jahres zur
Sprache kommen dürfte - beitragen werden, sind nach Ansicht Solomons eine
zu erwartende Konvergenz der wirtschaftlichen Wachstumsraten in den Industriestaaten und ein anhaltendes Nachlassen des inflationären Drucks - "zumindest,
was die gesamte Industriewelt angeht."
Solomon lehnte erneut Vorschläge ab, die Stabilität der Wechselkurse
durch massive amtliche Interventionen auf den Devisenmärkten, stark ausgeweitete Kreditvereinbarungen, Devisenanleihen der Vereinigten Staaten oder
Substitutionsvereinbarungen zu stützen, wie sie kürzlich von dem leitenden
Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Johannes Witteveen, vorgeschlagen wurden. Durch solche Vereinbarungen sollten Dollar in den derzeitigen amtlichen Währungsreserven stillgelegt werden.
"Die Erfahrung des vergangenen Jahrzehnts hat immer wieder gezeigt", so
betonte Solomon, "daß die Stabilität der Wechselkurse dem System nicht aufge-

- 2 -

�aufgezwungen werden kann, sondern das Ergebnis gesunder binnenwirtschaftlicher
Politiken sein muß ... Wenn man versucht, zu verhindern, daß die Wechselkurse
die grundlegenden Trends widerspiegeln, dann wird das zu einer Wiederholung
der Störungen führen, die den letzten Zeitraum der Ära von Bretton Woods gekennzeichnet haben, und das könnte sich außerordentlich störend auf die Weltwirtschaft auswirken."

(Die Ära von Bretton Woods ging praktisch 1971 zu

Ende.)
Der amerikanische Staatssekretär wies auch Beschuldigungen zurück, daß
die Vereinigten Staaten versucht hätten, durch eine Politik der "böswilligen
Vernachlässigung" der Währungsfragen einen Wettbewerbsvorteil für ihren Handel zu gewinnen.

"Die Tatsachen sprechen einfach gegen eine derartige Be-

hauptung", so betonte Solomon, "und ich darf Ihnen versichern, daß dies
nicht die amerikanische Politik war und auch nicht sein wird."
"Unabhängige Analysen", so fuhr er fort, "zeigen, daß Veränderungen des
Dollarkurses im allgemeinen durch die relativen Inflationsraten aufgewogen
wurden, so daß zwischen Mitte 1975 und den ersten drei Quartalen 1977 - gemessen an preisangepaßten Kursen - netto praktisch keine Änderung in der
amerikanischen Wettbewerbsposition eintrat."
Selbst nach einem sechsprozentigen Rückgang des Kurswertes des Dollar
gegenüber einem handelsbezogenen Index der Währungen der anderen Industriestaaten, so unterstrich Solomon, habe sich die Wettbewerbsposition der Vereinigten Staaten nur um ein oder zwei Prozent gegenüber dem Stand verbessert,
wie er nach dem allgemeinen Übergang zu floatenden Wechselkursen im Jahre
1973 eingetreten sei.
Zwischen März 1973 und März 1978 habe sich die Wettbewerbsposition Italiens,
Kanadas und Japans um fünf bis zehn Prozent verbessert und die Wettbewerbsposition der Bundesrepublik Deutschland und Großbritanniens um fünf bis zehn Prozent verschlechtert.

Frankreich habe in etwa noch die gleiche Position wie

vor fünf Jahren, so erklärte Solomon.
+ + + + +
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•1
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Uli//cn/chofl
wid Technik
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31. Mai 1978

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SONNENENERGIE - DAS GROSSE POTENTIAL DER ZUKUNFT
Lösung der Energieprobleme braucht mehr Flexibilität

- (AD) - Mit Vorträgen und Filmen, Ausstellungen, technischen Demonstrationen im Freien, "Tag der offenen Tür" bei Forschungsinstituten
und Industriebetrieben und einem kostenlosen Informations- und Beratungsdienst über Telefon zu den gegenwärtigen Möglichkeiten der Nutzung von
Sonnenenergie begingen die Vereinigten Staaten Anfang Mai einen "Tag der
Sonne". Eine Anzahl anderer Länder folgte dem amerikanischen Beispiel,
über private und staatliche Institutionen das Interesse der Öffentlichkeit
an Techniken zu wecken, die künftig viel zur Lösung der Energieprobleme
beitragen könnten.
Sie sollen die erneuerungsfähigen Energiequellen auf breitester Basis
erschließen helfen - die Sonnenstrahlung in der Form von Wärme und als
Lieferant von Licht zur direkten Umwandlung in Strom, Wind und Meeresströmungen, biologische Rückstände und "Energie"-Plantagen mit schnell
wachsenden Pfanzen, aus deren Biomasse Gas- und Flüssigbrennstoffe zu
gewinnen sind.

Nicht zuletzt denkt man an die Wärme, die die Erde in

ihrem Innern speichert.

Auch die Wasserkraft soll sehr viel mehr als

bisher in Anspruch genommen werden.

U.S.-Energieminister Schlesinger

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�Schlesinger plädierte kürzlich vor dem Kongreß dafür, in den USA das Netz
von Wasserkraftwerken zu vergrößern, ihre Leistungsfähigkeit nach Möglichkeit noch zu verbessern und zusätzlich kleine Anlagen aus Fertigte!len zu
montieren.
Noch haben Programme Vorrang, die die Energieproduktion in kürzester
Frist steigern helfen*

Dennoch müssen auch Projekte, die vielleicht

erst in drei bis fünf Jahrzehnten kommerziell zum Tragen kommen, unverzüglich angepackt werden,

Und dies mit hohem technischen und finanziellen

Einsatz, wenn eines der Hauptziele, bis zum Jahr 2000 mindestens ein
Viertel des Energiebedarfs mit Sonnenenergie zu decken, erreicht werden soll.
Einer der Vorkämpfer für die Nutzung regenerationsfähiger Energiequellen,
Denis Hayes vom "Worldwatch Institute" in Washington und Initiator des
"Tages der Sonne", versucht Politikern, Wirtschaftlern und der Öffentlichkeit die Notwendigkeit dieses Programms eindringlich klar zu machen,,

Denn

die fossilen Energiequellen öl und Erdgas werden zusehends teurer, mit
Ausnahme der Kohle auch immer knapper.
Mit Ergänzungsvorschlägen zum Energieprogramm, das dem US-Kongreß
seit einem Jahr vorliegt, will Präsident Carter jetzt die amerikanische
Energiepolitik noch wirksamer gestalten, und zwar auf der Basis folgender
Prinzipien:
1) Sparsamer Energieverbrauch im privaten Bereich, verbesserter
Wirkungsgrad bei elektrischen Geräten, Heizanlagen, Verkehrsmitteln und
Fahrzeugen soll durch finanzielle Anreize und behördliche Regelungen
gefördert werden, was in Verbindung mit technologischen Verbesserungen
den jährlichen Bedarfszuwachs bis zum Jahr 1985 auf weniger als 2 Prozent
senken könnte (er liegt gegenwärtig bei 3,7 Prozent).
2) Eine neue Preispolitik für Erdöl und Erdgas soll die einheimische
Produktion ohne übermäßige Belastung der Verbraucher und ohne nachteilige
Auswirkungen auf die Wirtschaft steigern .
Anreize sollen vor allem

- 2 -

�allem helfen, neue Vorkommen aufzufinden und unkonventionelle Energiequellen zu erschließen.

Neben speziellen Weisungsbefugnissen und einer

geeigneten Steuerpolitik sind Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprogramme notwendig, um zunächst einmal eine Schwerpunktverlagerung
von öl und Gas auf weniger knappe Primärenergie wie Kohle und Kernkraft
zu fördern.

Neue Technologien müssen verbessert und ausgebaut werden,

um die Umwandlung von Kohle in öl- und Gasprodukte sowie die Nutzung von
Ölschiefer zu vervollkommnen und Sonnenenergie, Meeres- und Atmosphärenenergie sowie Biomassen zum frühestmöglichen Zeitpunkt kommerziell zu
verwerten.

Die weitgehende Umstellung bei Kraftwerken und in der Industrie

von öl- auf Kohleverbrauch würde große Mengen von Mineralöl für das Verkehrswesen verfügbar machen.
3) Das Wachstum der Gesamtproduktion an Energie und die Nutzung
von Energiequellen muß so viel wie nur irgend möglich auf einheimischer
Primärenergie basieren, wobei die vorgesehenen Umstellungen und Schwerpunktverlagerungen das wirtschaftliche Wachstum nicht beeinträchtigen
sollen.
Vor dem US-Kongreß sagte James Schlesinger wörtlich: "Die Abkehr
von Erdöl und Erdgas als Hauptquellen von Primärenergie ist für unsere
Nation unausweichlich. Und mit jeder neuen Schätzung über die künftige
WeltölProduktion wird der Zeitpunkt dafür kritischer. Die Weltförderung
liegt heute bei ca. 8,1 Millionen Tonnen pro Tag ... Wir bezweifeln, daß sie
in Zukunft auf mehr als 9,5 Millionen Tonnen pro Tag ansteigen kann.."
In einem am 8. Mai 1978 veröffentlichten Bericht zeichnet das USEnergieministerium ein düsteres Bild für den Fall, daß weiterhin aus
dem Vollen gewirtschaftet wird und keine wesentlichen Veränderungen in
der Energiepolitik zu erzielen sind:

Die Abhängigkeit von Energie-Im-

porten (in erster Linie von ausländischem öl) werde dann von 1,18
Millionen Tonnen pro Tag (wie im Jahr 1977) auf 1,2 - 1,7 Millionen
Tonnen pro Tag im Jahr 1985 und auf 1,33 - 2 , 2 Millionen Tonnen pro Tag

- 3 -

�pro Tag im Jahr 1990 steigen.

Und dies trotz der neu erschlossenen Vor-

kommen in Alaska und vor den Küsten der USA, die kaum mehr als einen Aus
gleich für die sich erschöpfenden Altquellen bieten.

- "Solarer Zeitplan" lebensnotwendig Sonne und Windkraft, die am raschesten nutzbar gemacht werden könnten,
spielen heute in der Energieversorgung praktisch noch keine Rolle - erst
1990 könnten laut Hayes die regenerationsfähigen Energiequellen einen Anteil von 2-3 Prozent haben.

Für diese Situation macht Hayes politische

Unbeweglichkeit und die Abneigung des einzelnen gegen massive Veränderungen
verantwortlich.

Nur ein paar Länder - allen voran Brasilien und Schweden -

hätten bereits einen "solaren Zeitplan" aufgestellt, dem sich die übrige
Welt, insbesondere die USA, die Sowjetunion,die Nationen Afrikas, Asiens
und Lateinamerikas anschließen sollten.

Denn das Festhalten an fossilen

und nuklearen Brennstoffen führe, nicht zuletzt wegen den von ihnen verursachten Umweltschäden, in eine Sackgasse.

Demgegenüber blieben "er-

neuerungsfähige Energiesysteme bestehen, solange die Erde bewohnbar ist".
Zwar erfordere ihre Einführung massive Investitionen. Aber diese würden
bald in der Form neuer Arbeitsplätze, Schonung der Umwelt und größerer
Sicherheit der Energieversorung auch für die weitere Zukunft Dividende
bringen.
Tausende von privaten Bastlern und Erfindern leisten, so Hayes,in
den USA wichtige Pionierarbeit zur Erreichung dieser Ziele. Sie tun dies
mit viel Idealismus - und wenig Unterstützung seitens offizieller Stellen,
obgleich im Etat für 1978 des US-Energieministeriums ca. 280 Millionen
Dollar für Solarenergie vorgesehen sind. Das Handelsministerium bestätigt
jedoch, daß die meisten der rund 300 Patente, die 1977 (noch fünf Jahre
zuvor waren es nur 30) auf solartechnische Entwicklungen erteilt worden
sind, an private Erfinder gingen und nicht an Forscher, die mit Staatsgeldern

- 4 -

�Staatsgeldern arbeiten.
Das heißt natürlich nicht, daß man in den Pegierungslaboratorien
untätig ist:

Das US-Verteidigungsministerium, größter Energieverbraucher

im Lande, führt etwa 100 Projekte mit Solarsystemen an, mit denen um
1985 mehr als 81 000 Tonnen öl im Jahr eingespart werden

könnten.

Das

Bundesministerium für Wohnungs- und Städtebau erwähnt 7 000 mit seiner
Förderung gebaute Häuser, die Solarwärme für Heizung, Warmwasserbereitung
und Klimaanlage nutzen.

Die Gesamtzahl der Bauwerke in den USA, die

gegenwärtig Sonnenenergie in irgendeiner
geschätzt.

Form verwenden, wird auf 40 000

Ziel der Regierung Carter bis 1985:

2,5 Millionen.

Eine erst kürzlich durchgeführte Untersuchung zeigt, daß sich die
Anzahl der Solarheizungen alle acht Monate verdoppelt. Und mit steigender Stückzahl einer Serienfertigung werden sie automatisch billiger;
das gleiche gilt für die auf grund der praktischen Erfahrungen vorgenommenen technischen Verbesserungen. Hayes fordert gesetzliche Regelungen, die im Rahmen eines "solaren Zeitplans" den Einbau von solarer
Heizung bis Klimaanlage in allen Neubauten vorschreiben. Es sei keine
Utopie, so erklärt er, zu erwarten, daß die effiziente Nutzung der
Sonnenenergie nicht mehr kosten werde als konventionelle Anlagen in den
Häusern; die Aufwendungen für Heizung und Kühlung könnten sogar auf ein
Viertel der heutigen Kosten gesenkt werden.
Nach Hayes' Vorstellungen sollte die Entwicklung so zielstrebig
betrieben werden, daß in 50 Jahren in der Welt 5 Millionen Windturbinen,
27 Milliarden qm Sonnenkollektoren und Sonnenzellen für die Erzeugung
von 6,5 Milliarden kW Strom in Gebrauch sind
aus Wasserkraft viermal so groß ist als heute.

und daß die Stromgewinnung
Fünfzehn Prozent der

Wälder auf der Erdoberfläche sollten Energierohstoffe liefern - für Holzkohle, Alkohol und Methangas.
Von den

�Von den amerikanischen Bundesstaaten hat Kalifornien als erster
ein ehrgeiziges Programm mit Steuervergünstigungen beim Bau von Solarsystemen verwirklicht.

Damit sollen die "institutionellen" Hürden, in

erster Linie die hohen Anfangskosten, leichter überwunden werden, die
der amerikanische Prä'sidialbeirat für Umweltschutz in einer Stellungnahme als Haupthindernisse für die Einführung der Solartechnologie
nennt.
Das US-Landwirtschaftsministerium führt z.Zt. Versuche durch, Solarenergie für das Trocknen von Getreide einzusetzen..

Denn gegenwärtig

werde z.B. in Illinois mehr öl und Gas zum Trocknen der Maisernte als
zuvor für die Bestellung der Felder gebraucht.

Außerdem experimentiere

man mit Solarheizungen für Ställe und Farmhäuser.
Industrieforscher sind auf der Suche nach den bestgeeigneten Salzen,
um die am Tag gesammelte Sonnenwärme zu speichern und sie für die Nacht
oder Tage mit bedecktem Himmel verfügbar zu haben. Selbst Dachziegel
können dabei als Speicher dienen. Andere entwickeln Dachkollektoren
nach dem Vakuumröhren-Prinzip; sie sollen den Wirkungsgrad verdoppeln und
die Kosten halbieren.
Die Entwicklung der Sonnenzellen (oder photovoltaisehen Zellen)
scheint noch lange nicht abgeschlossen zu sein. Zuerst als Stromsammler in der Raumfahrt eingesetzt, können sie zwar noch nicht mit erdgebundenen Generatoren konkurrieren (das dürfte erst 1985 möglich sein).
Jedoch kostet heute die Stromproduktion auf der Basis der direkten Umwandlung von Licht in Elektrizität nur noch ein Zehntel dessen, was noch
vor fünf Jahren aufzuwenden war. Im gleichen Zeitraum haben sich die
Kosten für die Erzeugung von nuklearem Strom verdoppelt, für Energie
aus fossilen Quellen ebenfalls enorm verteuert.
Noch liegt das Ziel, Solarkraft im großen Maßstab zu nutzen, in
weiter Ferne. Aber ein kleiner Anfang ist gemacht.

Und die Befürworter

�Befürworter der Sonnenenergie hoffen, daß sich die jetzt eingeleitete
Entwicklung so beschleunigt, daß in 50 Jahren die Energieprobleme nicht
zuletzt mit Hilfe von Solarsystemen lösbar sind.

+ + + + +

- 7 -

�13

31. Mai 1978

PIONIERE ZUR VENUS
Neue amerikanische Forschungsserie

- (AD) - Pünktlich zum ersten vorgesehenen Termin wurde am 20. Mai 1978
PIONIER-VENUS-ORBITER in Kap Canaveral gestartet.

Anfang Dezember soll die

rund 600 kg schwere Sonde in eine polnahe Umlaufbahn um den Planeten Venus
eintreten und mit ihren 11 Instrumenten mindestens 243 Tage lang Messungen
durchführen.

Diese Zeitdauer ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil

die Venus so lange braucht, um sich einmal um die eigene Achse zu drehen.
Der PIONIER-ORBITER beobachtet dabei fortlaufend den Planeten samt seiner
dichten Atmosphäre, die im Bereich des sichtbaren Lichts jeden Blick auf die
Oberfläche verwehrt.

Mit Aufnahmen im Ultraviolett-Bereich lieferte jedoch die amerikanische
Sonde MARINER-10 während ihres Vorbeiflugs an der Venus im März 1974 den
ersten Hinweis darauf, daß die Venusatmosphäre über der Nord- und Südhalbkugel eine vielleicht sogar typische "Struktur" besitzt.

Diese Struktur und

ihre Veränderungen, dazu die Beschaffenheit der Atmosphäre eingehend zu untersuchen, ebenso die Oberfläche mit Radar zu sondieren und möglicherweise vorhandene Massenanomalien im Planetenkörper ausfindig zu machen, sind wichtige
Aufgaben des PIONIER-VENUS-ORBITER.
Die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Sonde soll die Venus auf einer stark exzentrischen Bahn umkreisen,
deren tiefster Punkt in 150 km, der höchste Punkt dagegen in mehr als
65 000 km Abstand zur Oberfläche liegt.

Nur um 15 Grad gegen die Polachse

geneigt durchläuft der Venus-Satellit dabei jene Zonen, in denen elektrische
und magnetische Kräfte vermutet werden und Wechselwirkungen mit den von der
Sonne abströmenden Gas- und Partikel wölken zu erwarten sind.
Im August soll eine zweite PIONIER-VENUS-Sonde folgen (von der NASA als
"bus" bezeichnet), die vier Abstiegskörper an Bord hat.

Drei davon tauchen,

wenn alles planmäßig verläuft, am 9. Dezember nacheinander in die Venusatmosphäre ein und stürzen nahezu ungebremst zu Boden, während die vierte die
letzten 60 km bis zur Oberfläche am Fallschirm zurücklegt.
hitze wird bei allen durch einen Schutzpanzer gemildert.

Die ReibungsJedoch dürften

weder die ersten drei noch die Hauptsonde, die auch mit den meisten Meßgeräten für den Durchgang durch die Atmosphäre ausgerüstet ist, die Hitze
(ca. 470 Grad C) und den hohen Druck (mehr als 90 at) an der Oberfläche lange überstehen.

Der "bus", d.h. das Transportgerät für die schon drei bis

vier Wochen vor Erreichen der Venus abgesprengten Abstiegssonden, taucht
nur wie ein flach geworfener Stein in die Venusatmosphäre ein und wird dann
in den Weltraum zurückgeschleudert.
Die NASA-Wissenschaftler hoffen, daß die beiden PIONIER-Flüge zur Venus
neue Erkenntnisse bringen, die einige der rätselhaftesten Fragen im Zusammenhang mit der Planetenforschung aufwerfen: Weshalb haben beispielsweise zwei
Planeten - die Erde und die Venus - von etwa gleicher Masse, entstanden aus
ähnlichen Materialien und auf benachbarten Bahnen um die Sonne laufend Atmosphären, die sich so stark voneinander unterscheiden? Leben, wie wir es
kennen, könnte auf der Venus nicht existieren.
Schon seit einigen Jahren senden die USA und die Sowjetunion Forschungssonden zum Planeten Venus. Sowjetischen Wissenschaftlern ist es 1975 erstmals gelungen, Sonden bis zur Oberfläche zu bringen, wo sie lange genug
"überlebten", um u.a. ihre felsige Umgebung zu fotografieren.
- 2 -

Amerikanische

�Amerikanische MARINEF:-Geräte haben bereits eine Fülle von Daten über die
Atmosphäre und die Bedingungen in der Umgebung der Venus gesammelt, und Radioteleskope auf der Erde machten es möglich, Radar-"Karten" von weiten
Teilen der Oberfläche des "Schwesterplaneten" der Erde auszuarbeiten.

Das Jahr 1978 bietet wegen der Positionen von Erde und Venus zueinander
eine der verhältnismäßig seltenen Gelegenheiten für große Forschungsprojekte.
Die nächste derartige Konstellation ergibt sich erst wieder 1983.

In den

USA wird dafür bereits ein weiteres Projekt vorbereitet.

Auch sowjetische Wissenschaftler sollen dem Vernehmen nach in diesem
Jahr eine Venus-Mission planen; 1983 folgt ein französisch-sowjetisches Gemeinschaftsunternehmen.

Wie Dr. Noel Hinners, der Leiter der Wissenschafts-

programme der NASA, erklärt, unterscheiden sich die amerikanischen und
sowjetischen unbemannten Venus-Expeditionen in mancher Hinsicht voneinander.
Die USA seien, so Hinners, bereit, mit den sowjetischen Forschern Informationen auszutauschen und auch anderweitig mit ihnen zusammenzuarbeiten.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Erklärung Präsident Carters auf dem NATO-Gipfeltreffen in Washington&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Präsident des Nordatlantikrates eröffnete NATO-Gipfel in Washington&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des türkischen Ministerpräsidenten Ecevit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache von Generalsekretär Luns auf der NATO-Gipfelkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters zur Langfristigen Verteidigungspolitik der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abschlußerklärung Carters auf der NATO-Gipfelkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Resolution des US-Kongresses zur NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Presseverlautbarung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung zum Treffen Carter-Schmidt in Washington&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mondale umreißt amerikanisches Abrüstungsprogramm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprache auf der UN-Sondersitzung über Abrüstung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter setzt sich für weltweiten Kampf gegen die Krankheit ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt; -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Gesundheit - ein menschliches Grundrecht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue amerikanische Initiativen auf internationalem Gebiet&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;McDonald: Tokio Runde verläuft planmäßig&lt;br /&gt;- Interview mit dem Leiter der US-Delegation -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltwirtschaft und Devisenmärkte in der zweiten Jahreshälfte 1978&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solomon: Währungsanpassungen funktionieren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Sonnenenergie - das große Potential der Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Lösung der Energieprobleme braucht mehr Flexibilität-&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Pioniere zur Venus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue amerikanische Forschungsserie -&lt;/em&gt;</text>
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3

I

und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Juni 1978

14

I N H A L T

DOKUMENTATION

Carter erläutert amerikanisch-sowjetisches Verhältnis
- Rede des US-Präsidenten in Annapolis -

Um Über/endung von
DcIcQCKcmplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�iliiHl

1

I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Juni 1978

14

CARTER ERLÄUTERT AMERIKANISCH-SOWJETISCHES VERHÄLTNIS
- Rede des US-Präsidenten in Annapolis -

ANNAPOLIS, MARYLAND - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer Grundsatzrede vor der amerikanischen Marineakademie in Annapolis im Staate Maryland am 7. Juni 1978 zu dem Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion Stellung genommen. Carter versicherte, daß die Risiken eines
Atomkrieges ein Abkommen über die Begrenzung der strategischen Rüstungen unbedingt notwendig machten. Er warnte die sowjetische Führung jedoch, daß in
einer Demokratie wie Amerika die öffentliche Meinung wesentlich die Gestaltung
der Politik mitbestimme und forderte die UdSSR auf, zu friedlichen Lösungen
der Konflikte in Afrika und anderswo in der Welt beizutragen.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat in der vorgetragenen Fassung
folgenden Wortlaut:
Admiral McKee, Gouverneur Lee, sehr verehrte Gäste, Angehörige der Abschlußklasse, Freunde:
Wir haben heute viele Ehrengäste.

Ich habe meinen früheren Chef, Ad-

miral Hyman Rickover, eingeladen, hierher zu kommen.

Er hat mir geschrieben,

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�geschrieben, daß er selbstverständlich meinem Befehl als Oberbefehlshaber
der amerikanischen Streitkräfte Folge leisten würde, daß er aber glaube,
seine Arbeit in Washington sei wichtiger als meiner Rede zuzuhören.
Ich freue mich, wieder einmal bei einer Abschlußfeier an der Marineakademie dabei zu sein, obwohl ich mit einem anderen Rang zurückkehre.

Ich

erinnere mich, daß mich vor 32 Jahren die gleichen Gefühle bewegten, wie die
meisten von Ihnen heute.

Ich war noch nicht Leutnant.

Ihnen sind noch keine Offiziere.

Die meisten von

Ich dachte mehr an Urlaub und Heirat als

an die Weltpolitik oder eine ferne Zukunft.

Ich glaube, vielen von Ihnen

wird es nicht anders gehen.
über mein erstes Kommando war ich ziemlich enttäuscht.
wer wohin abkommandiert werden wollte.
im Pazifik.

Wir zogen Lose,

Ich wollte auf einen neuen Zerstörer

Ich kam auf das älteste Schiff im Atlantik - die USS Wyoming -

die schon so heruntergekommen war, daß sie aus Sicherheitsgründen nicht im
Hafen von Norfolk an der Pier festmachen durfte, sondern draußen in Hampton
Roads für sich allein vor Anker gehen mußte.
Wir hatten damals einen guten Redner, Adminral ehester Nimitz.

Aber so

wie es Ihnen ergehen wird, ich erinnere mich an kein Wort mehr.
Meine einzige Hoffnung damals war, daß die Abschlußfeier kurz sein möge;
aber ähnlich wie es Ihnen ergehen wird, ich wurde auch darin enttäuscht.
Ich darf Ihnen im Vertrauen verraten, daß ich damals nicht damit rechnete, eines Tages als Präsident der Vereinigten Staaten hierher zurückzukehren.
Sieben Jahre später habe ich unter Zögern die Marine verlassen.

Aber ich

kann rückblickend sagen, daß die Marineakademie und mein Dienst in der
amerikanischen Marine eine gute Vorbereitung für die Laufbahn waren, die ich
später einschlug.
'

•

•

.

.

.

.

Ich
- 2 -

�Ich beglückwünsche Sie als Angehörige der Crew 78. Obwohl Ihre Ausbildung aus der Sicht eines älteren Mannes gerade erst begonnen hat, haben Sie
die Grundlage für eine Laufbahn gelegt, die so lohnend und interessant sein
kann, wie nur eine Laufbahn in der Welt.

Als Offiziere der modernen Marine

werden Sie Akteure in einem weltweiten politischen und militärischen Schauspiel sein.

Sie werden nicht nur aufgerufen sein, die technischen Probleme

der Militärwissenschaft und Führung zu meistern, sondern auch ein feinfühliges Verständnis für die internationale Gemeinschaft aufzubringen, in deren
Rahmen die Marine operiert.
Ich möchte heute zu Ihnen über einen der wichtigsten Aspekte dieses inter
nationalen Zusammenhangs sprechen - das Verhältnis zwischen den beiden größten
Mächten der Welt, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Wir müssen erkennen, daß unser Verhältnis zur Sowjetunion auf sehr lange
Zeit hinaus ein konkurrierendes sein wird. Diese Konkurrenz muß konstruktiv
sein, wenn wir Erfolg haben wollen. Sie könnte stattdessen gefährlich und
potentiell verheerend sein. Dann muß unser Verhältnis auch ein kooperatives
sein.
Wir müssen uns vor übertriebenen Ausschlägen in der Stimmung der Öffentlichkeit hüten - von der Euphorie, wenn es gut läuft, und der Verzweiflung,
wenn es schlecht läuft; vor einem übertriebenen Gefühl der Verträglichkeit
und einem offenen Ausdruck der Feindseligkeit.
Die Entspannung zwischen unseren beiden Ländern ist von zentraler Bedeutung für den Weltfrieden. Es ist wichtig für die Welt, für die amerikanische Öffentlichkeit und für Sie als künftige Marineoffiziere, daß Sie die
komplexe und delikate Natur dieser Entspannung verstehen.
Das Wort "Entspannung" (Detente) wird vereinfacht als "eine Lockerung
von Spannungen zwischen Nationen" definiert.

In der Praxis geht die Defini-

tion aufgrund der Erfahrungen weiter, wenn diese Nationen neue Mittel und
Wege entwickeln, wie sie in Frieden miteinander leben können.
Wenn
- 3 -

�Wenn die Entspannung stabil sein soll, wenn sie vom amerikanischen Volk
unterstützt werden soll und wenn sie die Grundlage für eine erweiterte Zusammenarbeit sein soll, dann muß sie weitreichend definiert werden und auf echter
Gegenseitigkeit beruhen.

Beide Nationen müssen in unruhigen Gebieten und tur-

bulenten Zeiten Zurückhaltung üben.

Beide müssen haargenau jene Abkommen

einhalten, die bereits erzielt worden sind, um die Kooperation auszuweiten,
beiderseits die Produktion von Kernwaffen zu begrenzen, die Freizügigkeit von
Personen und die Gedankenfreiheit zu erlauben und die Menschenrechte zu schützen.
Keiner von uns beiden sollte die Vorstellung

hegen, daß er eine militärische

Überlegenheit gewinnen könne, oder daß irgendein vorübergehender militärischer
Vorteil politisch ausgeschlachtet werden könne.
Unser Hauptziel besteht darin, zur Gestaltung einer Welt beizutragen,
die stärker auf den Wunsch der Menschen überall nach wirtschaftlichem Wohlergehen, sozialer Gerechtigkeit, politischer Selbstbestimmung und den grundlegenden Menschenrechten eingeht.
Wir streben nach einer Welt des Friedens. Aber in einer solchen Welt
muß die soziale, politische und ideologische Vielfalt wohnen können. Nur
dann kann es eine echte Zusammenarbeit unter Nationen und Kulturen geben.
Wir wollen niemanden beherrschen.

Wir werden weiterhin unsere Zusammen-

arbeit mit den positiven neuen Kräften in der Welt ausweiten.
Wir wollen unsere Zusammenarbeit mit der Sowjetunion ausbauen, aber auch
mit den aufstrebenden Nationen, mit den Ländern Osteuropas und mit der Volksrepublik China. Wir haben uns besonders der echten Selbstbestimmung und Mehrheitsherrschaft in jenen Teilen der Welt verschrieben, wo diese Zielenoch erreicht werden müssen. Unser langfristiges Ziel muß darin bestehen, die
Sowjetunion von den Vorteilen der Zusammenarbeit und den Nachteilen eines
störenden Verhaltens zu überzeugen.

Wir

�Wir erinnern uns, daß im Zweiten Weltkrieg die Vereinigten Staaten i
die Sowjetunion Verbündete waren.

Eine der großen historischen Leistungen

der amerikanischen Marine bestand darin, die gewaltigen Lieferungen von Waffen und Versorgungsgütern von unserem Lande nach Murmansk und anderen sowjetischen Häfen zur Unterstützung unserer gemeinsamen Anstrengung zur Überwindung der Nazibedrohung zu lenken und zu schützen.

In der Agonie dieses Massenkonflikts starben 20 Millionen Bewohner der
Sowjetunion.

Millionen in der Sowjetunion erinnern sich noch an den Schrecken

und an den Hunger jener Zeit.

Ich bin überzeugt, daß die Bevölkerung dsr

Sowjetunion den Frieden will.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, daß sie

den Krieg wollte.

Im Laufe der Jahre hat unser Land eine Annäherung an die Sowjetunion gesucht, wie aus dem österreichischen Friedensvertrag, dem Viermächte-Abkommen
über Berlin, der Einstellung von Kernversuchen in der Atmosphäre, der gemeinsamen wissenschaftlichen Erforschung des Weltraums, Handelsabkommen, dem Vertrag über die Raketenabwehr-(ABM)-Systeme und den Interimsabkommen über strategische Offensivwaffen und dem Abkommen über das begrenzte Versuchsverbot
hervorgeht.

Die Bemühungen gehen heute weiter mit Verhandlungen über ein SALT IIAbkommen, ein umfassendes Versuchsverbot, eine Verringerung der Lieferung
konventioneller Waffen an andere Länder, ein Verbot von Angriffen auf
Satelliten im Weltraum, und ein Abkommen zur Stabilisierung des Standes der
Dislozierung von Streitkräften im Indischen Ozean und Abkommen über verstärkten
Handel und verstärkten wissenschaftlichen und kulturellen Austausch.

Wir müssen bereit sein, trotz der grundlegenden Fragen die uns trennen,
solche Wege der Zusammenarbeit zu suchen.

Allein die Risiken eines Nuklear-

krieges treiben uns in diese Richtung.

Die Zahlen und das Zerstörungspotential der Nuklearwaffen haben sich in
einem alarmierenden Tempo erhöht.

Darum ist ein SALT-Abkommen, das die Sicher- 5 -

�Sicherheit beider Nationen fördert, von fundamentaler Bedeutung.

Wir und die Sowjetunion verhandeln fast jeden Tag in gutem Glauben,
weil wir beide wissen, daß ein Mißerfolg die Wiederaufnahme eines massiven
nuklearen Wettrüstens einleiten würde.

Ich freue mich, berichten zu können,

daß die Aussichten für ein SALT II-Abkommen gut sind.

über diese wichtige Bemühung hinaus gehören ein verbesserter Handel
und ein verbesserter technologischer und kultureller Austausch zu den unmittelbaren Vorteilen der Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern.

Diese Bemühungen um eine Zusammenarbeit löschen jedoch unsere signifikanten Unterschiede nicht aus.

Worin bestehen diese Unterschiede?

Für die Sowjetunion scheint Entspannung ein anhaltender aggressiver Kampf
um politische Vorteile und wachsenden Einfluß mit einer Vielfalt von Methoden
zu bedeuten.

Die Sowjetunion betrachtet militärische Macht und Militärhilfe offensichtlich als das beste Mittel, ihren Einfluß in der Welt auszudehnen.

Es

liegt auf der Hand, daß Gebiete der Instabilität in der Welt ein verlockendes
Ziel für ihre Bemühungen bieten, und nur allzu oft scheint sie bereit zu sein,
jede solche Gelegenheit zu nutzen.

Wie sich in Korea, Angola und, wie Sie wissen, in jüngerer Zeit auch in
Äthiopien gezeigt hat, zieht sie es vor, Stellvertreter-Streitkräfte einzusetzen,

um ihre Ziele zu erreichen.

Anderen Ländern erscheint die militärische Aufrüstung der Sowjets als
übertrieben - jedenfalls als weit über alle legitimen Verteidigungserfordernisse für die Sowjetunion selbst oder ihrer Verbündeten hinausgehend.

Seit

über 15 Jahren haben die Sowjets dieses Programm des militärischen Wachstums

- 6 -

�Wachstums aufrechterhalten und fast 15 Prozent ihres Bruttosozialprodukts
in die Rüstung investiert, und diese nachhaltige Anstrengung geht weiter.
Die Mißachtung grundlegender Menschenrechte in ihrem eigenen Lande unter
Verletzung des in Helsinki erreichten Übereinkommens, hat den Sowjets die
Verurteilung durch all die Menschen eingebracht, die die Freiheit lieben.
Durch ihre Handlungen haben sie gezeigt, daß das sowjetische System frei zum
Ausdruck gebrachte Ideen, Gedanken einer loyalen Opposition und die Freizügigkeit von Personen nicht tolerieren kann.
Die Sowjetunion versucht eine totalitäre und repressive Regierungsform
zu exportieren, die zu einer geschlossenen Gesellschaft führt.

Einige die-

ser Eigenschaften und Ziele schaffen Probleme für die Sowjetunion.
Außerhalb eines streng kontrollierten Blocks hat es die Sowjetunion
mit politischen Beziehungen zu anderen Nationen schwer.
Bindungen zu anderen sind gering und sporadisch.

Ihre kulturellen

Ihre Regierungsform wird

in zunehmendem Maße unattraktiv für andere Nationen, sodaß selbst
marxistisch-leninistische Gruppen die Sowjetunion nicht mehr länger als ein
nachahmenswertes Modell betrachten.
Viele Länder geraten in Besorgnis, daß die blockfreie Bewegung durch
Kuba unterwandert werden könnte, das ganz offensichtlich in seinem wirtschaftlichen Bestand und hinsichtlich der politischen und militärischen Führung
und Leitung eng mit der Sowjetunion verbunden und von dieser abhängig ist.
Obwohl die Sowjetunion über das zweitgrößte Wirtschaftssystem der Welt
verfügt, läßt ihr Wachstum stark nach und ihr Lebensstandard steht in keinem
günstigen Vergleich zu dem anderer Nationen auf einer entsprechenden Entwicklungsstufe.
Die landwirtschaftliche Erzeugung bleibt noch immer ein ernstes Problem
für die Sowjetunion, so daß in Zeiten durchschnittlicher oder schlechter
Erntebedingungen sie sich wegen Lebensmittel!ieferungen an uns oder andere
- 7 -

�r
andere Länder wenden muß.
Wir sind in unserem Lande in einer sehr viel günstigeren Position.
Unsere industrielle Basis und unsere Produktivität sind unerreicht.
Unsere wissenschaftliche und technologische Fähigkeit ist der aller anderen überlegen.

Unsere Bündnisse mit anderen freien Nationen sind stark

und werden zunehmend stärker.

Unsere.militärische Kapazität steht heute hin-

ter keiner anderen zurück und wird hinter keiner zurückstehen.
Im Gegensatz zur Sowjetunion sirvd wir von freundlichen Nachbarn und weiten Meeren umgeben.

Unsere gesellschaftliche Struktur ist stabil und zusammen-

haltend, und unsere Außenpolitik erfreut sich einer überparteilichen öffentlichen Unterstützung, die ihr Kontinuität verleiht.
Wir sind stark aufgrund der Dinge, für die wir als Nation einstehen:
die realistische Chance für jedermann, sich ein besseres Leben zu schaffen;
Schutz durch Recht und Gewohnheit vor willkürlicher Ausübung der Regierungsmacht; das Recht jedes einzelnen, seine Meinung zu sagen, sich voll am Regierungsprozeß zu beteiligen und politische Macht mitzubesitzen.
Unsere Lebensanschauung beruht auf persönlicher Freiheit, der mächtigsten
, aller Ideen, und unsere demokratische Lebensweise verdient die Bewunderung
und .die Nacheiferung durch andere Völker in der Welt.
Unser Eintreten für die Menschenrechte läßt uns Teil einer ständig
stärker werdenden internationalen Woge werden.
Bewegung sind, werden wir selbst gestärkt.

Indem wir ein Teil dieser
;,

Unsere wirtschaftliche Stärke bedeutet ebenfalls einen wichtigen politischen Faktor, einen potentiellen Einfluß zum Wohle anderer. Unser B r u t t o sozialprodukt übersteigt das aller neun Länder der Europäischen Gemeinschaft
und ist doppelt so hoch wie das der Sowjetunion. Darüber hinaus beginnen wir
jetzt zu lernen, unsere Ressourcen klüger zu nutzen und eine neue Harmonie
- 8 -

�Harmonie zwischen unserer Bevölkerung und unserer Umwelt zu schaffen.

Unsere Analyse der militärischen Stärke Amerikas bietet ebenfalls eine
Basis des Vertrauens.

Wir wissen, daß weder die Vereinigten Staaten, noch

die Sowjetunion einen nuklearen Angriff gegen den anderen vortragen können,
ohne einen vernichtenden Gegenangriff hinnehmen zu müssen, der den Aggressorstaat zerstören könnte.

Obwohl die Sowjetunion über mehr Raketenabschußrampen, höhere Nutzlasten und eine größere kontinentale Luftverteidigungskapazität verfügt, besitzen die Vereinigten Staaten mehr Gefechtsköpfe, eine allgemein größere
Treffsicherheit, mehr schwere Bomber, eine ausgewogenere Nuklearstreitmacht,
bessere Raketenunterseeboote und eine überlegene Unterseebootabwehrkapazität.

Ein erfolgreiches SALT II-Abkommen wird beide Nationen auf einen gleichen
aber niedrigeren Höchststand von Raketenabschußrampen und Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen bringen.

Wir rechnen bei SALT III sogar mit einer noch

größeren beiderseitigen Verringerung der Kernwaffen.

Bei einer im wesentlichen nuklearen Gleichwertigkeit hat die relative
Stärke der konventionellen Streitkräfte jetzt an Bedeutung gewonnen.

Tat-

sache ist, daß die militärische Kapazität der Vereinigten Staaten und. ihrer
Verbündeten ausreicht, um jeder vorhersehbaren Bedrohung begegnen zu können.

Es ist möglich, daß jede Seite dazu neigt, die militärische Kapazität
der anderen zu überschätzen.

Genaue Analysen sind wichtig als Grundlage für

die Entscheidungen der Zukunft.

Falsche oder übertriebene Einschätzungen der sowjetischen Stärke oder
amerikanischer Schwächen tragen zur Wirksamkeit der sowjetischen Propagandaanstrengungen bei.

So haben beispielsweise kürzlich alarmierende Zeitungsberichte über Vorschläge im Militärhaushalt für die amerikanische Marine die Tatsache außer
- 9 -

�außer acht gelassen, daß wir den höchsten Verteidigungshaushalt in unserer
Geschichte haben und daß der größte Teil dieser Mittel an die Marine gehen
wird.

Sie hier reihen sich in eine lange Tradition überlegener Führung,

Seemannschaft, Taktik und Schiffsbaukunst ein.

Ich bin sicher, daß die

amerikanische Marine heute auf den Meeren nicht ihresgleichen hat und daß
Sie und ich und andere immer dafür sorgen werden, daß die Marine stark bleibt.
Niemand soll an unserer heutigen und künftigen Stärke zweifeln.

Dieser

kurze Überblick, den ich gegeben habe, zeigt, daß wir wegen unserer Fähigkeit,
konkurrieren und erfolgreich konkurrieren zu können, keine übertriebenen
Besorgnisse zu hegen brauchen.

Es gibt sicherlich keinen Grund zur Panik.

Die gesunde Selbstkritik und die freie Debatte, die zum Wesen einer Demokratie
gehören, sollten niemals mit Schwäche, Verzweiflung oder mangelnder Zielsetzung verwechselt werden.
Welches sind die Hauptelemente der amerikanischen Außenpolitik gegenüber der Sowjetunion?
Ich möchte sie kurz aufzählen;

Wir werden auch weiterhin eine gleich-

wertige nukleare Stärke aufrechterhalten, weil wir der Überzeugung sind, daß
angesichts des Fehlens einer weltweiten nuklearen Abrüstung ein derartiges
Gleichgewicht die am geringsten bedrohliche und damit stabilste Situation für
die Welt bedeutet.
Wir halten ein kluges und tragbares Maß an Militärausgaben aufrecht,
das auf eine stärkere NATO, mehr mobile Streitkräfte und eine unverminderte
Präsenz im Pazifik ausgerichtet sein wird. Wir und unsere Verbündeten müssen
und werden imstande sein, jeder vorhersehbaren Herausforderung unserer Sicherheit entweder durch strategische Nuklearstreitkräfte oder durch konventionelle
Streitkräfte zu begegnen. Amerika besitzt die Fähigkeit, diese Verpflichtung
zu erfüllen, ohne übermäßige Opfer von unseren Bürgern verlangen zu müssen
- und diese Verpflichtung zur militärischen Stärke wird erfüllt werden.
über
- 10 -

�über unser Bündnis hinaus werden wir weltweite und regionale Organisationen unterstützen, die sich der Stärkung der internationalen Harmonie widmen, wie beispielsweise die Vereinten Nationen, die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und die Organisation für afrikanische Einheit (OAU).
Wir und unsere afrikanischen Freunde wünschen uns Afrika als einen
Kontinent der frei ist von der Herrschaft fremder Mächte, frei von der
Bitterkeit rassischer Ungerechtigkeiten, frei von Konflikten und frei auch
von der Bürde der Armut, des Hungers und der Krankheit. Wir sind überzeugt,
daß die beste Methode, auf diese Ziele hinzuarbeiten, in einer positiven
Politik besteht, die den afrikanischen Hoffnungen und Erwartungen Rechnung
trägt.
Das anhaltende und zunehmende militärische Engagement der Sowjetunion
und Kubas in Afrika könnte diese hoffnungsvolle Vision zunichte machen . Wir
sind zutiefst besorgt über diese Bedrohung des regionalen Friedens und der
Autonomie von Ländern, in denen diese ausländischen Truppen permanent stationiert zu sein scheinen. Aus diesem Grunde habe ich dieses Thema heute
aufgegriffen. Das ist auch der Grund, warum ich und das amerikanische Volk
die afrikanischen Bemühungen unterstützen werden, ein solches Vordringen zu
verhindern, wie wir dies kürzlich in Zaire getan haben.
Ich appelliere einmal mehr an alle anderen Mächte, sich uns in dem Bemühen anzuschließen, in ihrer Afrika-Hilfe Werken des Friedens statt Waffen
des Krieges Vorrang einzuräumen. Möge sich die Sowjetunion jetzt uns anschließen in der Suche nach einem friedlichen und raschen Übergang zur Herrschaft der Mehrheit in Rhodesien und in Namibia. Wollen wir doch unsere
Anstrengungen darauf richten, die Streitigkeiten in Eritrea und Angola auf
friedlichem Wege beizulegen. Wollen wir uns doch alle anstrengen - nicht
um Afrika zu teilen und die Herrschaft über es zu gewinnen -, sondern um jenen
Nationen zu helfen, ihr großes Potential voll auszuschöpfen.
Wir streben nach Frieden, nach der Verbesserung der Kommunikation und
des Verstehens, nach Kultur- und Wissenschaftsaustausch und einer Ausweitung
- 11 -

�Ausweitung des Handels mit der Sowjetunion und anderen Ländern.
Wir werden den Versuch unternehmen, die Weiterverbreitung (Proliferation:
von Kernwaffen auf jene Länder zu verhindern, die heute keine nuklear« Kapazität besitzen.
Wir werden auch weiterhin konstruktiv und beharrlich auf ein faires
Abkommen zur Begrenzung der strategischen Rüstungen hinarbeiten.

Wir wissen,

daß keine Seite durch die Anwendung von Kernwaffen einen ideologischen Sieg
davontragen kann.

Wir haben r..cht den Wunsch, diese Verhandlungen mit anderen

wettbewerbsorientierten Beziehungen zu verknüpfen oder diesem Prozeß andere
besondere Bedingungen aufzuerlegen.

In einer demokratischen Gesellschaft,

in der die öffentliche Meinung integrale Faktor der Gestaltung und Durchführung der Außenpolitik ist, müssen wir jedoch einsehen, daß Spannungen, scharfe
Streitigkeiten oder Bedrohungen des Friedens die Suche nach einem erfolgreichen
Abkommen komplizieren.

Das ist keine Frage, wit wir es gerne hätten, son-

dern einfaqh eine Erkenntnis der Tatsachen.
Die Sowjetunion kann wählen zwischen Konfrontation oder Kooperation.
Die Vereinigten Staaten sind hinreichend darauf vorbereitet, sich ihrer Wahl
zu stellen.
Wir würden der Kooperation durch eine Entspannung den Vorzug geben, die
in zunehmendem Maße ähnliche Beschränkungen für beide Seiten mit sich bringt,
eine ähnliche Bereitschaft, Streitigkeiten durch Verhandlungen statt durch
Gewalt zu bereinigen und den ähnlichen Willen, friedlich und nicht militärisch
miteinander zu konkurrieren. Alles was darunter bleibt, ist nur dazu angetan,
die Entspannung zu unterminieren. Das is'. der Grund, warum ich hoffe, daß niemand die Besorgnisse unterschätzen möge, die ich heute hier zum Ausdruck gebracht habe.
Ein Wettstreit ohne Mäßigung und ohne gemeinsam anerkannte Regeln wird
in noch größere Spannungen ausarten, und unsere Beziehungen zur Sowjetunion
als Ganzes werden darunter leiden.

Ich wünsche nicht, daß dies geschieht -

�geschieht - und ich glaube nicht, daß Herr Breschnew dies wünscht. Das ist
der Grund, warum es heute für uns an der Zeit ist, offen zu sprechen und die
bestehenden Probleme unmittelbar anzugehen.
Durch die Kombination aus ausreichender amerikanischer Stärke, bescheidener Mäßigung in der Anwendung derselben, der Ablehnung des Glaubens an
die Unvermeidbarkeit des Krieges und einer geduldigen und beharrlichen Entwicklung aller friedlicher Alternativen hoffen wir schließlich

die inter-

nationale Gesellschaft in eine stabilere und hoffnungsvollere Zukunft führen
zu können.
Sie und ich werden heute von hier weggehen, um unsere gemeinsame Pflicht
zu tun - die lebenswichtigen Interessen unserer Nation, womöglich, durch
friedliche Mittel, falls notwendig aber auch durch entschlossenes Handeln
zu schützen.
Wir gehen fort von hier, ernüchtert durch die Verantwortung, aber voll
von Vertrauen in unsere Stärke. Wir gehen fort von hier in dem Wissen, daß
die Zielsetzungen unserer Nation - Friede, Sicherheit und Freiheit für uns
und andere - unsere Zukunft entscheiden und daß wir zusammen obsiegen werden.
Um diese Ziele zu erreichen, wird unser Land genau jener Eigenschaften des
Mutes, der Opferbereitschaft, des Idealismus und der Disziplin bedürfen, die
Sie sich als Seekadetten hier in Annapolis so gut angeeignet haben. Das ist
der Grund, weshalb Ihr Land so viel von Ihnen erwartet, und warum Sie soviel
zu geben haben.
Ich verlasse Sie mit meinen Glückwünschen und mit dem Gebet, daß Sie
und ich sich der Aufgabe würdig erweisen werden, die vor uns und der Nation
liegt, der zu dienen wir geschworen haben.
Ich danke Ihnen!

+ + + + +

- 13 -

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•i

Information
und
Dokumentation

iil

ffIMII'

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14. Juni 1978

15

INHALT

INFORMATION
Nuklear-Garantien Präsident Carters
- Wortlaut der Erklärung des US-Außenministers HINTERGRUNDMATERIAL
Amerikanisch-europäische Zusammenarbeit in der NATO-Rüstungsbeschaffung
- Erklärung des US-Unterstaatssekretärs für Europa Die NATO und die neue sowjetische Bedrohung
- von Senator Sam Nunn WIRTSCHAFT
Wechselwirkungen zwischen Devisenkursen und Welthandel
- Von Paul W. McCracken Amerikanische Industrie spart öl und erhöht Gewinne
- Von unserem Korrespondenten John Holway -

Um Übet/endung von
ßcIcgcHcmpkwen wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15

14. Juni 1978

NUKLEAR-GARANTIEN PRÄSIDENT CARTERS
Wortlaut der Erklärung des US-Außenministers -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat sorgfältig formulierte
Garantien im Zusammenhang mit der Anwendung von Kernwaffen durch die
Vereinigten Staaten verkündet. Die politischen Grundsätze sind in einer
Erklärung enthalten, die der amerikanische Außenminister Cyrus Vance am
12. Juni 1978 vor der Presse vorlas. Das Ziel des Präsidenten, so betonte
Vance, sei es, Unterstützung in dem Bemühen zu gewinnen, die weitere Verbreitung von Kernwaffen zu verhindern.
Die von Außenminister Vance verlesene Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Nach einer Überprüfung des gegenwärtigen Standes der Erörterungen
in der Sondersitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen über Abrüstung, nach Konsultation mit unseren Hauptverbündeten und auf der Grundlage von Studien im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Sondersitzung
(der UN-Vollversammlung) hat der Präsident sich entschlossen, den amerikanischen

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�I

amerikanischen Standpunkt in der Frage der Sicherheitsgarantien näher zu
erläutern.

Sein Ziel besteht darin, zur Unterstützung für den Stopp der

Ausbreitung von Kernwaffen aufzurufen, die internationale Sicherheit und
Stabilität zu stärken und positive Verhältnisse für einen Erfolg der
Sondersitzung zu schaffen.

Zu diesem Zweck erklärt der Präsident, und

ich zitiere:
"Die Vereinigten Staaten werden keine Nuklearwaffen gegen irgend einen
keine Nuklearwaffen besitzenden Staat einsetzen, der dem Nichtweiterverbreitungsvertrag (Nonproliferationsvertrag) angehört oder eine vergleichbare
international

bindende Verpflichtung eingegangen ist, keine nuklearen

Sprengkörper zu erwerben, außer im Falle eines Angriffs auf die Vereinigten
Staaten, ihre Territorien oder Streitkräfte oder ihr Verbündeten durch einen
solchen, mit einem Kernwaffenstaat verbündeten Staat, der einen solchen
Angriff durchführt oder unterstützt."

Ende des Zitats.

•

Der Präsident ist der Auffassung, daß diese Formulierung unsere
Sicherheitsverpflichtungen aufrechterhält und unserer kollektiven Sicherheit dient und auch die Aussichten auf eine wirksamere Rüstungskontrolle
und Abrüstung fördert.

+ + + + +

�14. Juni 1978

15

AMERIKANISCH-EUROPÄISCHE ZUSAMMENARBEIT IN DER
NATO-RÜSTUNGSBESCHAFFUNG
Erklärung des US-Unterstaatssekretärs für Europa

WASHINGTON - (AD) - Am 1. Juni 1978- einen Tag nach dem NATO-Gipfel in
Washington - hat der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium, George Vest, die Haltung der Regierung der
Vereinigten Staaten zur europäisch-amerikanischen Partnerschaft in der Rüstungsbeschaffung im Rahmen der NATO dargelegt. Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs vor dem Sonderausschuß des Repräsentantenhauses für Standardisierung,
Interoperabilität und Einsatzbereitschaf der NATO haben folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, verehrte Mitglieder des Unterausschusses,
die heutige Zusammenkunft, nur einen Tag nach dem NATO-Gipfel hier in
Washington und etwas mehr als einen Monat vor dem Wirtschaftsgipfel in Bonn
lenkt die Aufmerksamkeit auf die allgemeineren Aspekte unserer Partnerschaft
mit Europa: Was sie für uns und für die Europäer bedeutet, und was notwendig
ist, um sie zum Blühen zu bringen. Ich glaube auf keinen Fall, daß dies eine
Ablenkung von dem Hauptinteressenpunkt dieser Zusammenkunft - Standardisierung
und Interoperabilität in der NATO - bedeutet, sondern vielmehr den notwendigen

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�notwendigen Zusammenhang für die Erörterung dieses Themas, das sich sofort
als höchst kompliziert erweist, aber doch von ganz grundlegender politischer
und militärischer Bedeutung für unsere Interessen in Europa ist.
Europa ist heute - trotz wirtschaftlicher Probleme - eine industrielle
Macht erster Ordnung mit einem gewaltigen Entwicklungsstand und Potential.
Die EG-Länder allein haben zusammen ein Bruttosozialprodukt von über ein und
einer Viertel Billion Dollar und sie bringen über 50 Prozent der Weltexporte
hervor,
•

Europa ist - trotz politischer Probleme vom Eurokommunismus bis zum
Terrorismus - ein immer besser organisiertes und konzertiertes geschlossenes
Ganzes.
nierten,

Die Europäischen Gemeinschaften, von denen man glaubte, sie stagschreiten in Wirklichkeit voran - und zwar gerade weil sie durch

dringende politische und wirtschaftliche Probleme herausgefordert worden sind.
D-e EG hat sich verpflichtet, Griechenland, Portugal und Spanien als Mitglieder aufzunehmen.
stattfinden.

Im Jahre 1979 werden Direktwahlen für das Europa-Parlament

Die Frage der Wirtschafts- und Währungsunion ist nach einer

Periode der Ruhe wieder akut geworden.
Europa begreift - trotz der Beschäftigung mit eigenen Problemen - in zunehmendem Maße, daß sein Wohlergehen und seine Sicherheit erfordern, daß die
Aufmerksamkeit und große Mittel auf die Bewältigung von Problemen globalen
Ausmaßes gerichtet werden müssen. Europa ist heute aktiv darum bemüht, das
Welthandels- und Währungssystem zu erhalten. Es gehört zu den wichtigsten
Teilnehmern an den Bemühungen, die Vorteile des modernen industriellen Lebens
der Entwicklungswelt zugänglich zu machen. Es steht in vorderster Linie in
den Bemühungen, die Probleme der Umwelt, der Energie und der Nonproliferation
(Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen) in den Griff zu bekommen. Es ist
an den Bemühungen beteiligt, im Nahen Osten und in Afrika den Frieden wiederherzustellen und die dortigen Probleme zu lösen.
Europa arbeitet auch weiterhin, wie seit dreißig Jahren, einzeln und
kollektiv in der NATO an dem doppelten Problem, die militärische Abschreckung
- 2 -

�Abschreckung aufrechtzuerhalten und gleichzeitig jeden Weg zu einem
Abbau der Spannungen und einer Verstärkung der Zusammenarbeit in den
Ost-West-Beziehungen zu suchen.

Die NATO-Länder - ohne die Vereinigten

Staaten und Kanada - unterhalten (nach dem Stand vom 6. Dezember 1977,
NATO-Pressedienst M-DPC-3 (77)) rund drei Millionen Mann unter Waffen
und geben jährlich rund 60 Milliarden Dollar für die Verteidigung aus.
Unsere Partner in der NATO unterstützen gleichzeitig nachdrücklich die
amerikanischen

Bemühungen um SALT II und verhandeln gemeinsam mit uns

bei den MBFR-Verhandlungen und stehen an unserer Seite in Konsultationen
über einen weiten Bereich anderer RüstungskontrolT- und Entspannungsfragen, von der UN-Sondersitzung über Abrüstung bis zur Fortsetzung
des KSZE-Prozesses.
-

;

,

•

•

-

&lt;

.

'

- . : • •

•

•

Aus dieser Sicht müssen wir zu dem Schluß kommen, daß Europa nach
allen Maßstäben ein potenter, zusammenhängender und beweglicher Partner
der Vereinigten Staaten ist. Es ist eine fundamentale Tatsache, die
von den NATO-Anstrengungen hier in dieser Stadt so augenfällig unterstrichen wurde, daß sich die Vereinigten Staaten und Westeuropa eines
Gefühls der Einigkeit, der Gemeinsamkeit und sogar der engen Vertrautheit
erfreuen, das in der Geschichte der Beziehungen unter Staaten und Völkern
ohne Beispiel ist. Die politische Solidarität, die wirtschaftliche
Stärke und die militärische Verteidigung dieser Partnerschaft erhalten
sich jedoch nicht automatisch von selbst. Sie wurde durch staatsmännische
Leistung erschaffen, sie erfordert unermüdliche Anstrengungen, um sie
in guter Ordnung zu erhalten.
. ' • • • • ' • • •

- . :

'••'•••

Das östliche Mittelmeer
Ein Aspekt dieser Anstrengungen, den Sie, wie ich weiß, mit großer
Aufmerksamkeit verfolgt haben, hängt mit der Behebung des Schadens zusammen,

- 3-

�zusammen, den die NATO im östlichen Mittelmeer erleidet.
Die Vorschläge der Administration hinsichtlich des östlichen Mittelmeers wurden am 6. April dieses Jahres vor dem Außenpolitischen Ausschuß
des Repräsentantenhauses dargelegt.

Unsere Bemühungen zielen darauf ab,

den toten Punkt zu überwinden, der zu der ernsthaften Verschlechterung
der Sicherheitsinteressen der USA und der NATO in diesem Gebiet beiträgt
und einen Fortschritt in der Lösung des Zypernproblems behindert.
Ein entscheidendes Element dieses Programms ist das Ersuchen an
den Kongress, die bestehenden Beschränkungen für die Lieferung von
militärischem Gerät an die Türkei aufzuheben.

Eine solche Maßnahme

wäre ein wichtiger Schritt zur Wiederherstellung eines gesunden Verhältnisses zu unserem NATO-Verbündeten Türkei.
Was Zypern angeht, so haben wir die Absicht von Ministerpräsident
Ecevit begrüßt, sich um eine gerechte und dauerhafte Lösung des Zypernproblems zu bemühen.

Wir hoffen, daß mit der Vorlage von Vorschlägen

durch die türkischen Zyprioten bald ernsthafte Verhandlungen beginnen
können.
Es bleibt ein überragendes Ziel, unsere bilateralen und bündnismäßigen Beziehungen zu Griechenland und zur Türkei zu stärken. Die
Vorschläge der Administration für das östliche Mittelmeer stellen keine
Option zwischen diesen beiden Ländern dar. Wir sind entschlossen, mit
Griechenland, einem engen und geschätzten Verbündeten, eng zusammenzuarbeiten. Wir sind der Auffassung, daß das Programm der Administration
den Interessen aller Nationen dienen wird, indem es eine stabile und
sichere Situation im östlichen Mittelmeer fördert.

Die militärische

�Die militärische Dimension der NATO
Natürlich gibt es bei der Aufgabe der Aufrechterhaltung des Zusammenhalts des westlichen Bündnisses noch viele andere Elemente, aber
ich möchte mich jetzt bei den heutigen Erörterungen hier speziell der
militärischen Dimension zuwenden.
Jede amerikanische Administration war von der zentralen Bedeutung
der NATO nicht nur als einem Instrument der militärischen Sicherheit,
sondern auch als Grundlage der allgemeinen amerikanischen Politik in
Europa überzeugt. Präsident Carter hat diese Auffassung nachdrücklich
bekräftigt und darauf hingewirkt, die NATO zu einem noch zentraleren
Element der amerikanischen Politik zu machen als bisher. Dafür gibt
es gute Gründe.
Auf dem NATO-Gipfeltreffen in London vor etwas über einem Jahr
nahmen die Führer des Bündnisses die zunehmende massive und hochtechnologische militärische Kapazität des Warschauer Paktes zur Kenntnis
und kamen zu dem Schluß, daß die Zeit für konkretes Handeln gekommen
sei. Das war keine leichte Entscheidung, da sie die enttäuschten
Hoffnungen widerspiegelte, daß politische Entspannung und wachsende
Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West sich schließlich in einer
Mäßigung der intensiven und umfassenden militärischen Anstrengung des
Ostens bemerkbar machen würden.
In Anbetracht der Tatsache jedoch, daß die Bestrebungen der
Sowjetunion und des Warschauer Pakts auf einem außerordentlich hohen
Stand fortdauern, war den Führern des Bündnisses in London klar, daß
der Westen entweder handeln mußte oder das Risiko einging, das Vertrauen in seine Fähigkeit zur Abschreckung einer Aggression zu verlieren.
Eine Anzahl von Initiativen wurden vereinbart, und es wurde ein Prozeß
eingeleitet, der es dem Bündnis erlaubt, seine Verteidigung sowohl
kurz- als auch langfristig zu verstärken.

Das Gipfeltreffen in Washington

stellt eine wichtige Wegmarkierung in diesem Prozeß dar.
- 5 -

Schon vor Beginn

�Beginn dieses Treffens hatten wir uns auf Maßnahmen zur Steigerung der
Fähigkeit der NATO, mit einem massiven gepanzerten Angriff in der ersten
Phase eines Konflikts fertigzuwerden, geeinigt und sie eingeleitet.

Wir

haben inzwischen einen tiefschürfenden Bericht über Ost-West-Trends,
die die Interessen des Bündnisses berühren könnten, fertiggestellt.
Wir haben uns auch über ein detailliertes und umfassendes langfristiges
Verteidigungsprogramm geeinigt - eine bedeutende Leistung auf dem Gebiet
der Planung wie dem der Politik.

Schließlich, und damit komme ich zum

heutigen spezifischen Thema, unternehmen wir große Anstrengungen, auf
dem Gebiet der Rüstungszusammenarbeit voranzukommen: eines der kompliziertesten, wichtigsten und schwierigsten Themen des Bündnisses.

Die

NATO muß unbedingt Wege finden, ihre militärische Schlagkraft zu erhöhen,
indem die Kapazität ihrer Streitkräfte verbessert wird, als ein koordiniertes, flexibles militärisches Instrument zu kämpfen.

Die NATO muß

fähig sein, Waffen einzusetzen, wo immer sie gebraucht werden könnten,
im Vertrauen darauf, daß sie sofort und wirksam verwendet werden können weil sie standardisiert und interoperabel sind.

Um eine solche Standardi-

sierung und Interoperabilität zu erreichen, muß das Bündnis die Entwicklung
und Herstellung von Verteidigungsgerät bei ihren Mitgliedern rationalisieren,
die Zusammenarbeit zwischen der Verteidigungsindustrie in Europa und in
Nordamerika verbessern, und die transatlantische Verteidigungsausrüstung
auf eine gleichberechtigtere und stabilere

Langzeitbasis stellen.

So-

weit das Bündnis dabei Erfolg hat, wird es zwei weitere wichtige Ziele
erreichen - erstens, ein wirtschaftlich starkes Bündnis, da die Mittel
rationaler verwendet werden, und zweitens ein politisch solidares Bündnis
durch Wegfall von Reibungen über die
wickeln und herstellen soll.

Frage, wer welche Ausrüstung ent-

In seiner Rede im NATO-Hauptquartier im

Mai vorigen Jahres definierte Präsident Carter die Mittel, durch die nach
Oberzeugung der Vereinigten Staaten dieses Ziel näher gebracht werden
kann.

Er sagte, vor allem brauche man:
a) die Bereitschaft der USA, einen wirklichen transatlantischen
Zweibahnhandel von Verteidigungsgütern zu fördern, was ein

- 6 -

�ein intensiveres Interesse der USA nach kostengünstigem europäischen Material einschlösse;
b) die Unterstützung der USA für mehr Zusammenarbeit unserer europäischen Verbündeten bei der Rationalisierung der Verteidigungsindustrien;
c)

eine nordamerikanisch (amerikanisch-kanadisch)-europäische
Untersuchung der Möglichkeiten, die transatlantische Zusammenarbeit in Forschung, Entwicklung, Herstellung und Beschaffung
von Verteidigungsausrüstung zu verbessern.

Seitdem hat die Administration ihre Bemühungen verstärkt, kostengünstiges europäisches Material zu finden und zu erwerben. Zunächst
hat die Armee nach erschöpfenden Vergleichstests beschlossen, den XM-1
Panzer mit der neuen 120 mm-Kanone der Bundesrepublik Deutschland auszurüsten. Außerdem hat sich das Verteidigungsministerium für deutsche
Versorgungsfahrzeuge, mehr belgische MAG-58-Maschinengewehre, und britisches Brückengerät, Anti-Landepistenmunition, und nukleare, biologische
und chemische Schutzkleidung entschieden. Auch prüfen wir zur Zeit
weiteres europäisches Material, darunter die britische Skyflash-LuftLuft-Rakete, die norwegische Penguin-Boden-Boden-Rakete, und den britischen 81 mm-Mörser. Hinter diesen Entscheidungen steht eine neue
Haltung des Verteidigungsministeriums. NATO-Standardisierung ist heute
eine fundamentale Überlegung bei amerikanischen Beschlüssen über Ausrüstung. Dies wird auch durch organisatorische und Verfahrensänderungen
im Verteidigungsministerium deutlich - Minister Brown hat einen Berater
für NATO-Angelegenheiten ernannt und die Verantwortung für NATO-Standardisierung zivilen und militärischen Schlüsselbeamten im Ministerium
übertragen. Die für Forschung, Entwicklung und Beschaffung zuständigen
Leute im Ministerium entwickeln ihre Programme jetzt aus einer NAT0Perspektive heraus, und die NATO-bezogenen Schlüssel Programme erhalten
Priorität bei der Finanzierung. Wir sind dabei, den verteidigungs-

- 7 -

�*

verteidigungstechnologischen Transfer zu überdenken und neigen immer
mehr dazu, auch unsere kritischste Technologie anderen zu geben, wenn
es die NATO-Standardisierung und die militärische Schlagkraft des Bündnisses fördert.

Zusätzlich verhandeln wir über eine Reihe liberaler

Verteidigungsbeschaffungs-Abkommen mit einer Anzahl europäischer Verbündeter, in denen es um Ausrüstung und spätere Weitergabe von Technologie
geht.

Jedes dieser Abkommen soll in den größeres Zusammenhang der

Bündniszusammenarbeit passen.
Schließlich ersuchen wir den Kongreß um neue gesetzliche Befugnisse,
um die logistische Versorgung nationaler Streitkräfte zu erleichtern,
die in anderen NATO-Ländern stationiert sind, und um auf gewisse Restriktionen zu verzichten, die den Erwerb von Eigentum oder Dienstleistungen
von anderen Nationen betreffen, um die Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigungsausrüstung zu erleichtern. Weiterhin bitten wir den Kongreß
um eine Ausdehnung der Befugnis, Beschränkungen aufzuheben, die die Verwendung ausländischen Spezialmaterials aus NATO-Quellen für Waffen betreffen.
Die USA haben so einen neuen Schwung bei der Rüstungszusammenarbeit entwickelt, aber wir können diesen Schwung nur durch gemeinsames
und wechselseitiges Handeln mit unseren Verbündeten beibehalten. Energische Zusammenarbeit im Bündnis ist nötig, um weitere Fortschritte in
der Rüstungszusammenarbeit der NATO zu sichern. Um diesen Schwung zu
erhalten, müssen wir die derzeitigen, die von den Staats- und Regierungschefs der NATO nachdrücklich bekräftigten Initiativen der NATO nutzen.
Der transatlantische Dialog zwischen der Unabhängigen Europäischen
Programmgruppe (IEPG) und Nordamerika hat nun ernsthaft begonnen. Wir
sind mit der IEPG darin einig, daß der Dialog die Möglichkeiten für
einen ausgewogeneren transatlantischen Zweibahnhandel von Verteidigungsmaterial prüfen soll. Wenn, wie wir jedoch glauben, die Rüstungszusammenarbeit der NATO ihr Potential für die Verteidigung des Bündnisses

- 8 -

�Bündnisses voll zum tragen bringen soll, dann muß der Dialog auch die
positiveren Möglichkeiten für Rüstungszusammenarbeit aufgreifen.

Wir

möchten es unseren Verteidigungsindustrien einfacher machen, miteinander zusammenzuarbeiten.

Um dies zu tun, müssen wir zusammen mit den

Europäern die spezifischen Projekte untersuchen, auf deren Basis wir
uns einigen können, wie mit bestimmten Waffensystemen forzufahren ist,
und wie wir effektivere Grundregeln für die Zusammenarbeit aufstellen
können.
Das langfristige Verteidigungsprogramm hat einige Waffensysteme
für kooperative Entwicklung festgelegt. In engem Zusammenhang damit
diskutiert die Konferenz nationaler Rüstungsdirektoren (CNAD) ein
gänzlich neues Konzept - Zusammenarbeit bei Familien zusammenhängender
Waffen - , wobei wir Paketabkommen aushandeln würden, in denen spezifiziert
wird, wer welche Waffe für einen bestimmten militärischen Bedarf entwickelt, wie etwa Luft-Boden-Munition. Schließlich entwickelt die CNAD
ein langfristiges Planungssystem für die NATO-Rüstung. Es ist wichtig,
Nationen bei der Waffenentwicklung so früh wie möglich zusammenzubringen,
also schon zum Zeitpunkt der Definition des militärischen Bedarfs.
Diese Initiativen des Bündnisses geben uns einen vielversprechenden
neuen Start bei einer der kompliziertesten Fragen, mit denen die NATO
in den letzten drei Jahrzehnten gerungen hat. Ich bin nicht entmutigt,
nur weil sich diese Probleme nicht schnell und einfach lösen lassen.
Rüstungsentwicklung und -Produktion sind in die wirtschaftliche, politische
und soziale Basis unserer Nationen verwoben. Nichtsdesdoweniger verlangt das Gebot einer glaubwürdigeren NATO-Verteidigung und eines rationalisierten Marktes für Verteidigungsausrüstung, daß wir es besser
machen. Wir müssen uns auf die konzertierte, langfristige Bemühung
einstellen, die allein eine rationalisiertere NATO-Verteidigungsindustrie,
größere Effizienz bei der Verwendung der für Verteidigung vorhandenen
Mittel und jene verstärkte Verteidigungskoalition hervorbringen kann,
die notwendig ist, um die Abschreckung der Verteidigung der NATO in den

- 9 -

�den achtziger Jahren aufrechtzuerhalten.
Solch eine Bemühung ist nicht nur für die unmittelbaren Zwecke
der Verbesserung der militärischen Fähigkeiten der NATO notwendig,
sondern auch für die lebenswichtige amerikanische politische Verpflichtung,
wenn dieser Aspekt unserer Beziehungen mit Europa, wie alle anderen, in
zunehmendem Maße eine wirkliche Zweibahnstraße werden soll.
Ich begann diese Ausführungen mit einem Hinweis nicht nur auf den
Wirtschaftsgipfel, der bald in Bonn stattfinden wird. Daher erscheint
es mir angemessen, mit einigen Bemerkungen über das Thema der Wirtschaftsbeziehungen zu schließen - einem weiteren fundamentalen Aspekt der
amerikanisch-europäischen Partnerschaft. Wir befinden uns in einer
wichtigen Entwicklungsperiode der internationalen Wirtschaftsinstitutionen, auf die wir bauen. Der Druck auf die nationalen Wirtschaften
und das Gewerbe der internationalen Wirtschaftsbeziehungen ist sehr real,
und Lösungen waren bisher nicht zu erkennen. Aber das Ausmaß unserer
Wirtschaftsprobleme und unsere gegenseitige Abhängigkeit zwingen uns,
mit Europa und anderen gemeinsame Antworten zu finden. Unter den industrialisierten Demokratien bleiben große Unterschiede in der Wirtschaftstätigkeit, so daß differenzierte Maßnahmen angewandt werden müssen, abhängig von den jeweiligen Umständen des einzelnen Landes. Trotzdem sind
alle industrialisierten Demokratien in der Lage, etwas Positives zu einer
gemeinsamen Anstrengung beizutragen. Die verzahnten wirtschaftlichen
Probleme von Wachstum, Inflation, Arbeitslosigkeit, unausgewogene Zahlungsbilanzen, Strukturanpassungen und Abhängigkeit von importierter Energie
werden, wenn auch aus etwas unterschiedlichen Perspektiven, bei den kommenden
Treffen auf höchster Ebene behandelt werden. Das OECD-Mini stertreffen
in Paris am 14. und 15. Juni bietet eine Gelegenheit zur Diskussion und
Einigung über politische Maßnahmen aller 24 OECD-Länder und über ein
Programm zur Bekämpfung dieser generellen Probleme, auf dem die zwei
folgenden Treffen aufbauen können. Der EG-Gipfel in Bremen am 7. Juli
bietet den neuen EG-Mitgliedern die Gelegenheit, sich auf ein spezifisches

- 10 -

�spezifisches EG-Programm zu einigen, um mit diesen verzahnten Wirtschaftsproblemen fertig zu werden.
Weltwirtschaftsprobleme gehen über wirtschaftliche Überlegungen
und Beziehungen hinaus. Sie reichen bis in den Kern unserer Fähigkeiten,
zusammenzuarbeiten und das Vertrauen und die Zuversicht unserer Völker
zu rechtfertigen. Ihre Lösung erfordert den politischen Willen, individuell und kollektiv zu handeln, und sie erfordert ein flexibles und
zugängliches internationales Rahmenwerk, um gemeinsamen Willen in konzertierte wirtschaftliche Aktion umsetzen zu helfen. Wir ermutigen
gleichgesinnte Länder, unsere gemeinsamen Probleme in einer entsprechenden
Weise anzugehen. Wichtig ist, daß wir mit Europa zusammenarbeiten und
man uns zusammenarbeiten sieht. Auch unsere Wirtschaftsbeziehungen
mit Europa müssen eine Zweibahnstraße sein.

+ + + + +

- 11 -

�14, Juni 1978

15

DIE NATO UND DIE NEUE SOWJETISCHE BEDROHUNG
- von Senator Sam Nunn -

Der demokratische Senator Sam Nunn aus
dem Staate Georgia gehört dem Militärausschuß des Senats an und gilt als einer
der aufmerksamsten und fachkundigsten Beobachter des Verhältnisses zwischen der
NATO und dem Warschauer Pakt. Seine Auffassungen sind im Zusammenhang mit der
Rede Präsident Carters in Annapolis am
7.Juni 1978 von besonderem Intersse.
Die Sowjetunion ist auf dem Wege, eine entscheidende militärische Überlegenheit auf konventionellem Gebiet gegenüber der NATO zu erringen. In
einem Zeitalter einer angenommenen nuklearen Parität zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sov.jetunion ist die Bedeutung der Fähigkeit, erfolgreich
einen Krieg unterhalb der nuklearen Schwelle zu führen, gewaltig gestiegen,
denn die Glaubwürdigkeit einer nuklearen Antwort auf einen konventionellen
Angriff hat abgenommen.
Der Bestand

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Der Bestand der derzeitigen Streitkräfteposition der NATO in Europa,
ja vielleicht sogar der gesamten NATO-Strategie der flexiblen Antwort und
Vorneverteidigung, ist in Frage gestellt.

Es besteht heute eine Disparität

zwischen der erklärten Strategie des Bündnisses und der Fähigkeit der NATOStreitkräfte, diese Strategie zu verwirklichen.
Die konventionellen Streitkräfte der Sowjetunion sind in den letzten
zehn Jahren beträchtlich angewachsen und werden derzeit qualitativ verbessert.

Vor dem Hintergrund der strategische-nuklearen Parität mit den

Vereinigten

Staaten und beachtlichen Fortschritten in ihrer taktisch-

nuklearen Kapazität haben die Sowjets für ihre vis-a-vis der Bundesrepublik
Deutschland stationierten konventionellen Streitkräfte die Fähigkeit geschaffen, mit einer Vorwarnzeit von nur wenigen Tagen eine potentiell
vernichtende Invasion Europas zu beginnen.

Das wird aus einem immer

stärkerem Nachdruck auf die Feuerkraft und Einsatzbereitschaft der Landstreitkräfte und in einer augenfälligen Umwandlung der sowjetischen
taktischen Luftwaffe von einer defensiven Streitmacht in eine schlagkräftige
Luftflotte mit größerem Aktionsradius deutlich.
Während die in Osteuropa stationierten Streitkräfte einen Konflikt
praktisch aus dem Stand beginnen können, brauchen die NATO-Streitkräfte
weiterhin eine ausreichende Vorwarnzeit, um es dem Bündnis zu ermöglichen,
ihre letzlich größeren aber üblicherweise weniger einsatzbereiten und
schlecht dislozierten Streitkräfte zu mobilisieren und sie zum Zentrum
des Konflikts zu bringen.
In dem Maße, in dem die Fähigkeit der Sowjets zuänem Angriff aus
dem Stand im Verhältnis zur Verteidigungskapazität der NATO wächst, nimmt
auch die Wahrscheinlichkeit zu, daß die sowjetischen Truppen bereits am
Rhein stehen würden, wenn die Entscheidung der NATO zum Einsatz taktischer
Nuklearwaffen fiele.
Vor der sowjetischen Invasion der Tschechoslowakei im Jahre 1968 bestanden

- 2 -

�bestanden die in Osteuropa stationierten Einheiten der sowjetischen Armee
aus über 400 000 Mann in rund 26 Divisionen.
dazugekommen.

Seither sind über 100 000 Mann

Diese starke Zunahme ist hauptsächlich auf die Stationierung

einer großen sowjetischen Streitmacht in der Tschechoslowakei nach der
Invasion und auf eine Erhöhung des Personalstandes der sowjetischen Panzerdivisionen und Panzerschützendivisionen im Rahmen der jüngsten Reorganisation
zurückzuführen.

Man schätzt, daß seit dem Beginn der Verhandlungen über

eine beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderung in Mitteleuropa (MBFR)
in Wien im Jahre 1973 der Personalstand der in Osteuropa stationierten Teile
der sowjetischen Armee um viele Tausend Mann erhöht worden ist.
Parallel zu dieser quantitativen Erhöhung haben die Sowjets ein
Modernisierungsprogramm für die Landstreitkräfte durchgeführt, das ihre
in Osteuropa stationierten Streitkräfte in die Lage versetzen soll, erfolgreich jene Art von Blitzkrieg zu führen, der in der sowjetischen Doktrin
vorgesehen ist.

Zu den wichtigsten Punkten dieses Programms gehören:

1. Einführung des sowjetischen Kampfpanzers T-72 bei der sowjetsichen
Armeegruppe in Ostdeutschland. Diese Verbesserung der Panzerqualität ist
mit einer Erhöhung der Zahl der Panzer für die 16 in Osteuropa stationierten
Panzerschützendivisionen um je 60 bis 80 verbunden. Zusammengenommen
haben diese Verbesserungen die Panzerkapazität der Sowjetunion - die der
der NATO um fast drei gegen eins überlegen ist - wesentlich gestärkt.
2. Ersatz gepanzerter Mannschaftsfahrzeuge durch Schützenpanzer.
Damit erhält die sowjetische Infanterie die Fähigkeit, ohne abzusitzen
kämpfen zu können - eine Fähigkeit, die der motorisierten Infanterie
fast aller NATO-Staaten - mit Ausnahme der Bundesrepublik Deutschland mangelt. Die NATO ist größtenteils auf die technologisch überholten
gepanzerten Transportfahrzeuge angewiesen.
3. Übergang von bespannter Artillerie zu Selbstfahrlafetten, der
es der Artillerie erlaubt, mit vorrückenden Panzern Schritt zu halten

- 3 -

�halten und sie zu unterstützen und damit ihre Überlebensfähigkeit zu erhöhen.

Diese Umwandlung wurde mit einer Erhöhung der Zahl der Rohre für

die in den letzten Jahren in Osteuropa dislozierte

sowjetische

Artillerie

um mindestens 50 Prozent begleitet.
4.

Ausdehnung eines beachtlichen Arsenals an taktischen Luftabwehr-

systemen auf die gesamten sowjetischen Landstreitkräfte.

Eine bessere

Luftverteidigung könnte zu schweren Verlusten der NATO-Luftstreitkräfte
1n den ersten Stadien der Feindseligkeiten führen.
5. Zunahme der sowjetischen Fähigkeit, die Panzerabwehrkapazität
der NATO zu neutralisieren, und zwar in beträchtlichem Maße.
Diese gleichzeitig quantitative und qualitative Verbesserung der in
Osteuropa stationierten sowjetischen Landstreitkräfte in den letzten zehn
Jahren wurde von einer augenfälligen Umwandlung der taktischen Luftwaffe
der Sowjets begleitet.

Noch im Jahre 1968 waren die taktischen Luftstreit-

kräfte der Sowjetunion in erster Linie auf die Verteidigung des Luftraums
über Osteuropa und der Sowjetunion ausgerichtet und setzten sich dementsprechend hauptsächlich aus Kurzstreckenflugzeugen mit geringer Tragfähigkeit
zusammen, die nur hier und da Merkmale für eine Bodenunterstützung aufwiesen.

Seither ist die taktische Luftwaffe der Sowjets völlig neu struk-

turiert worden - mit dem ganz offensichtlichen Ziel, eine mächtige Offensivkraft für die enge Luft-Boden-Unterstützung auf der ganzen Breite des
Gefechtsfeldes und ein tiefes Eindringen und Abriegeln in ganz NATO-Europa
zu schaffen.

Das könnte verwundbare feste Ziele, wie Lager von Kernwaffen,

Nachschublager, Flugplätze und Luftverteidigungsanlagen bedrohen.
Die Einführung einer Vielzahl neuer Flugzeuge mit größerem Aktionsradius und größerer Tragkraft und von Angriffshubschraubern - wie z.B.
Backfire-Bomber, MIG 21 J, K, und L, MIG 23, SU-17, SU-19 und MIG 24 verringert den traditionellen Vorteil der NATO auf dem Gebiet der taktischen

4 -

�taktischen Luftmacht wesentlich.
Welche Konsequenzen die NATO im einzelnen aus diesen zahlreichen
Verbesserungen der konventionellen Streitkräfte der Sowjetunion ziehen
muß und wird, steht noch nicht fest.

Alles in allem haben die zahlen-

mäßige Stärke und die Kapazität der sowjetischen Landstreitkräfte im
Mittelabschnitt und die neue Kampfkraft der taktischen Luftwaffe der
Sowjetunion den Charakter der Bedrohung der NATO in Mitteleuropa fundamental
verändert.
Die in Osteuropa dislozierten sowjetischen Streitkräfte besitzen
heute die Fähigkeit, ohne große Vorwarnzeit einen potentiell verheerenden
Angriff gegen Mitteleuropa vorzutragen. Ein solcher Angriff könnte zu
spät erkannt werden, wenn in den westlichen Militärdistrikten der Sowjetunion stationierte sowjetische Divisionen vorher unter einem Vorwand mobilisiert und in den Mittelabschnitt verlegt würden.
Ein solcher Angriff würde die Verbündeten in einem Stand verringerter
Einsatzbereitschaft treffen.

Die Sowjets könnten einen Angriff auch dazu

benutzen, die Verbündeten zu spalten, vor allem wenn der Angriff gegen ein
Mitglied und nicht gegen das Bündnis insgesamt vorgetragen wird.

Für die

NATO hat eine stark verringerte Vorwarnzeit tiefgreifende politische und
militärische Folgen.

Hier stellt sich die Frage, ob der gegenwärtige

Stand der konventionellen Streitkräfte der NATO ausreicht, um dieser neuen
Bedrohung zu begegnen.
Ein großer sowjetischer Angriff, dem vielleicht nur wenige Tage Vorwarnzeit vorausgingen, könnte bestimmte politische und militärische
Schwächen ausnützen, unter denen die NATO weiterhin leidet.

Aus diesem

Grunde kann man sich kaum vorstellen, daß die fundamentalen Veränderungen im
Charakter der militärischen Position der Sowjetunion in Osteuropa, die
während der letzten zehn Jahre zu verzeichnen waren, nicht mir voller Absicht
vorgenommen wurden.
Ich möchte
- 5 -

�Ich möchte den Sowjets keineswegs die Absicht unterschieben, in
Europa einfallen zu wollen oder eine Invasion voraussagen.

Die letztlichen

Absichten eines andern zu erkennen, ist eine geheimes, wenn nicht gar
okkultes Vermögen, das sich jeder wissenschaftlichen Genauigkeit entzieht.
Ich bin jedoch davon überzeugt, daß die militärische Kapazität der Sowjets,
wie sie sich in den letzten zehn Jahren entwickelt hat,die Art des Konfliktes
erkennen läßt., den die Sowjets anfangen werden, sollten sie den Krieg
wählen.
Der entscheidende Punkt ist, daß der Rückgang der realen Verteidigungsausgaben der NATO seit Jahren im Verhältnis zu der wachsenden sowjetischen
Aufrüstung dazu geführt hat, daß die Bemühungen um eine glaubwürdigere
Abschreckung vor einer Aggression der Sowjetunion entscheidend behindert
wurden.

Der rückläufige Personalstand der aktiven Streitkräfte der NATO

hat uns ebenso geschadet wie die Zurücknahme wichtiger Einheiten in die
Niederlande.

Darüber hinaus muß die anhaltende Zersplitterung der Kampf-

kräfte der NATO beseitigt werden, die durch die Vielfalt unterschiedlicher
Waffen, unterschiedlichen Geräts, unterschiedlicher Taktik und unterschiedlichen Nachschubs entsteht.
Zu den Schwächen der NATO in Mitteleuropa kommt noch die Erosion
der atlantischen Verteidigungsposition im Mittelmeerraum.

Kommen diese

Schwächen in Mitteleuropa und der Wirrwarr an der südlichen Flanke zusammen,
so könnten sie die lebenswichtigen Interessen sowohl Europas als auch der
Vereinigten Staaten durchaus gefährden.
In der Tat bietet der Anblick der südlichen Flanke der NATO ein fast
chaotisches Bild. Angesichts der wachsenden Macht der sowjetischen Flotte
im Mittelmeer erscheinen die Mittelmeerstaaten der NATO als nahezu unfähig,
ihre ihnen durch das Bündnis übertragenen Aufgaben zu übernehmen. Obwohl
die Qualität und Leistungsfähigkeit der italienischen Flotte weiterhin
eindrucksvoll bleibt, hat Italien unter dem Druck einer sich verschärfenden
Wirtschaftskrise angekündigt, daß es die Stärke seiner Armee um ein Drittel

- 6 -

�Drittel verringern wolle.
entfernt.

Griechenland hat sich militärisch aus der NATO

Die Streitkräfte der Türkei bleiben weiterhin durch ein als

Strafe verhängtes Waffenembargo geschwächt, das nicht länger aufrechterhalten werden sollte.
Die Situation an der Nordflanke der NATO ist wenig besser. Die
Verteidigung der Nordflanke hängt in noch höherem Maße von einer raschen
Verstärkung ab als die Verteidigung der anderen militärischen Abschnitte
des Bündnisses. Doch erscheint weder Norwegen noch Dänemark angesichts
der wachsenden sowjetischen Bedrohung auf der Kola-Halbinsel und in den
norwegischen Gewässern geneigt, die Initiativen zu ergreifen, die notwendig
wären, um eine volle Ausschöpfung der Verstärkungsmöglichkeiten zu erleichtern.
Außerdem weisen die jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet der sowjetischen
Gefechtsfeld-Nuklearwaffen - vor allem wenn man sie mit der von den Sowjets
erreichten Parität bei den strategischen Nuklearwaffen zusammenbringt darauf hin, daß die Sowjets bemüht sind, die taktischen nuklearen Optionen
der NATO gemäß der Doktrin der flexiblen Antwort zu neutralisieren. Während
der letzten Jahre haben die Sowjets ihre nuklearen Gefechtsfeldwaffen in
Europa derart ausgebaut, daß sie heute glaubwürdig die NATO von einem
frsteinsatz taktischer Nuklearwaffen abschrecken könnten. Die Masse der
sowjetischen taktischen Nuklearwaffen sind weitaus zerstörerischer und
weitreichender als die der NATO. Sie könnten gegen die meisten großen
europäischen Städte zum Einsatz gebracht werden. Außerdem haben die Sowjets
in weit höherem Maße als die NATO ihre konventionellen Streitkräfte so
aufgebaut und ausgerüstet, daß sie auch weiterhin auf einem nuklearen
Gefechtsfeld operieren und kämpfen können.
In scharfem Gegensatz dazu würden die verhältnismäßig geringe Reichweite und Sprengkraft der taktischen Nuklearwaffen der NATO ihre Anwendung
in erster Linie auf das Territorium der NATO beschränken, vor allem dann,
wenn die konventionellen Stnatkräfte des Bündnisses tief in das Hinterland

- 7 -

�Hinterland Deutschlands gedrängt worden wären.
Die Folgerungen, die die NATO aus der militärischen Aufrüstung
der Sowjets ziehen muß, sind schwerwiegend. Will man sie in den Griff
bekommen, so ist es unbedingt notwendig, daß die NATO ihre eigene Position
bei den konventionellen Streitkräften so ändert, daß die sich jetzt für
die Sowjets ergebenden militärischen Vorteile aufgewogen werden. Die damit
vor dem Bündnis stehenden Aufgaben sind gewaltig. Aber sie liegen zweifellos
im Rahmen der wirtschaftlichen Ressourcen, über die die NATO verfügt.
Das Atlantische Bündnis umfaßt das größte wirtschaftliche und industrielle
Potential auf diesem Planeten. Ihm fehlen also nicht die Mittel, sondern
es muß nun beweisen, daß ihm auch nicht der Wille fehlt.

+ + + + +

- 8 -

�Ulirl/chofl
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15

14. Juni 1978

WECHSELWIRKUNGEN ZWISCHEN DEVISENKURSEN UND WELTHANDEL
- Von Paul W. McCracken -

Der Verfasser des nachstehenden Artikel
ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität des Staates
Michigan in Ann Arbor und war zuvor Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des
amerikanischen Präsidenten.
Nachdruck mit Genehmigung von "Wall
Street Journal" und "Asian Wall Street
Journal"
Copyright 1978 by Dow Jones and Company,
Inc.. Alle Rechte vorbehalten.
Die Gestalt des internationalen Währungssystems beeinflußt den Gang
der Weltwirtschaft. Phasen abrupter und substantieller Veränderungen des
Weltzahlungssystems waren in der Geschichte gewöhnlich auch Phasen größerer,
schmerzlicher Veränderungen im Bereich der Weltproduktion und des Welthandels
Der in diesem Jahrzehnt vollzogene Übergang vom System fester Wechselkurse,
dem sogenannten System von Bretton Woods, zu einem System veränderlicher

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�veränderlicher floatender Wechselkurse bildet hiervon offensichtlich keine
Ausnahme.

Er setzte vielmehr subtile, deshalb aber nicht weniger machtvolle

Kräfte in Bewegung, die alles in allem dabei sind, die Weltproduktion und
den Welthandel in entschieden neue Bahnen zu lenken.

Es sind nicht nur die

Devisenhändler, Bankiers, Währungsspezialisten und Finanzexperten, die
um es kurz zu sagen, die Auswirkungen dieser Veränderungen des Währungssystems zu spüren bekommen - es ist die breite Masse.
Das alte System fester Wechselkurse wies selbstverständlich zwei
zentrale Charakteristika auf:
Der erste Wesenszug bestand darin, daß der Wechselkurs jeder Währung
nach einem gewissen Standard bemessen oder festgesetzt wurde.

Wegen der

überwältigenden Dominanz der amerikanischen Wirtschaft zur Zeit der Errichtung des Systems von Bretton Woods vor mehr als drei Jahrzehnten war
dieser Standard der amerikanische Dollar.

Für den Dollar wiederum bestand

eine feste Goldbindung (derzufolge ein Dollar 1/35 einer Unze Gold wert
war), sodaß dem System von Anbeginn an die formelle Starrheit des Goldstandards anhaftete.
Der zweite wichtige Wesenszug war, daß die Länder internationale
Währungsreserven als "Arbeitskapital" zu unterhalten gezwungen waren, um
Phasen überbrücken zu können, in denen die Ausfuhrerlöse nicht ausreichten,
die Einfuhrerfordernisse zu decken.
Diese beiden Wesensmerkmale lösten eine Tendenz zur Überbewertung
der Schlüsselwährung ab, die als Standard diente: nämlich des US-Dollars.
Die Netto-Nachfrage nach Dollars hielt in der Zeit nach dem Kriege, als
die Länder ihre Devisenreserven aufzustocken begannen, den Dollarkurs
generell höher, als er sich an der Entwicklung des Außenhandels gemessen
gestellt hätte.
Prompte Reaktionen

- 2 -

�Prompte Reaktion
Ein größeres Ungleichgewicht zwischen Aus- und Einfuhr wiederum veranlaßt das betroffene Land immer dann zu promten Wechselkurskorrekturen,
wenn das Problem in zu großen Ausfuhren bei zu geringen Einfuhren besteht,
was eine Verschlechterung der Außenhandelsposition zur Folge hat, nicht
aber dann, wenn das Ungleichgewicht im Außenhandel die Außenhandelsposition
stärkt.

Die Abwertung der Währung eines Landes behindert die Einfuhr und

verbessert gleichzeitig seine Wettbewerbsposition auf den Exportmärkten und das gilt als politisch attraktiv.

Die Aufwertung einer Währung aber

erleichtert die Einfuhr und setzt der Ausfuhr Grenzen - was politisch als
nicht sehr attraktiv gilt, selbst wenn das Ergebnis ein ausgeglichenerer
Welthandel ist.
Die inhärente Logik der früheren festen Wechselkurse hatte kurz gesagt, Praktiken zur Folge, die eine Überbewertung des Dollars begünstigten.
Unsere inflatorische Haushaltspolitik in der Zeit nach 1965 hat diesen
Prozeß weiter beschleunigt. Und die schnelle Anhäufung umfangreicher
Devisenbestände im Ausland als eine Folge des anhaltenden Dollarabflusses
bewirkte noch eine zusätzliche Beschleunigung der Weltinflation.
Die im Ausland geäußerte Kritik war insoweit zutreffend, als sie auf
diese Folge des anhaltenden Dollarabflusses hinwies. Die ausländischen
Kritiker sahen hierin jedoch meist lediglich ein Versäumnis der amerikanischen
Politik und nicht das unvermeidliche Ergebnis eines Systems, unter dessen
Regime die ganze Weltwirtschaft stand.
Wir hatten damals ein asymmetrisches System.

Länder, deren Außen-

handelsposition sich als Folge der Inflation im inneren verschlechterte,
neigten dazu, ihre Währung umgehend abzuwerten, um ihre Wettbewerbsposition wiederherzustellen.

Länder, die eine erfolgreiche Haushait-

und Geldpolitik betrieben und ihre Inflationsraten relativ niedrig zu
halten verstanden,

konnten sich bei festen Wechselkursen einer günstigen

- 3 -

�günstigen und sich laufend verbessernden Wettbewerbsposition innerhalb
der Weltwirtschaft erfreuen.

Sie zeigten natürlich wenig Neigung, diese

günstige Position durch die Aufwertung der eigenen Währung zu gefährden,
die die Preise für ihre Produkte auf den Exportmärkten in die Höhe treiben
und die Preise für Einfuhrwaren auf dem heimischen Markt attraktiver
machen würde.
Das Ergebnis war eine anhaltende und systematische Tendenz zur Unterbewertung der eigenen Währung gegenüber der Standardwährung. Und diese
Standardwährung wiederum war der amerikanische Dollar.
Wie wirkte sich die anhaltende Überbewertung des Dollars auf die
Gestalt der Weltwirtschaft und der Weltproduktion aus?
Für die amerikanische Wirtschaft ergaben sich hieraus zwei unausweichlich und eng miteinander verknüpfte Konsequenzen. Die eine war eine
Verschlechterung unserer internationalen Wettbewerbsposition - und dieser
grundlegende Trend läßt sich mindestens bis auf Mitte der sechziger Jahre
zurückverfolgen. Amerikas Anteil an der Weltausfuhr fiel von 18 Prozent
im Jahre 1960 auf 14 Prozent im Jahre 1971 (und 12 Prozent in 1977). Die
fortgesetzte starke Zunahme der Einfuhren bei langsamer wachsenden Ausfuhren brachte uns Anfang der siebziger Jahre erstmals ein Außenhandelsdefizit ein. Dieses Defizit trat sofort wieder auf, als sich die Wirtschaft
1971 von der leichten Rezession des Vorjahres zu erholen begann.
Für die amerikarischen Exporteure bedeutete die chronische Überbewertung des Dollars per definitionem, daß ihre Produkte auf den internationalen Märkten als teuer gelten mußten. Sie verlagerten deshalb ihre
Strategie ihrer Teilnahme an einer wachsenden Weltwirtschaft auf die Errichtung von Produktionsstätten und Tochtergesellschaften im Ausland, um
am Binnenmarkt des Gastlandes zu partizipieren,und von dort aus auch
dritte Märkte zu bedienen. Eine Tochtergesellschaft in Europa war beispielsweise zuweilen der einzige Ausweg auf den europäischen Märkten mit

- 4 -

�mit wettbewerbsfähigen Preisen aufzutreten und von dort aus mit der internationalen Konkurrenz in Südamerika oder Afrika Schritt halten zu können.
Für Länder am anderen Ende der Wippe, deren Währung fortgesetzt einer
Tendenz zur Unterbewertung unterlag, sah die Weltwirtschaft ganz anders aus.
Für sie bedeuteten Produktionsstätten im Inland (gleichgültig ob in in- oder
ausländischem Besitz), daß ihre Produkte auf den Weltmarkt als relativ preisgünstig galten.

Der Schwerpunkt ihrer Teilnahme an der Weltwirtschaft lag

deshalb mehr auf dem Sektor der Produktion und des Exports.
Die beiden Länder, die am offensichtlichsten in diese zweite Kategorie
gehörten, waren Deutschland und Japan. Wir wurden in jenen Jahren Zeuge
der anhaltenden Expansion der Produktionskapazität Deutschlands bis zu dem
Punkt, an dem das Arbeitskräftepotential des Landes nicht mehr ausreichte,
den Arbeitskräftebedarf zu decken. Japan baute eine exportorientierte
Industrie auf, die ihren Anteil am Welthandel alle zehn Jahre nahezu verdoppelte.
Unter dem System fester Wechselkurse entwickelte die amerikanische
Wirtschaft eine auf Auslandsinvestitionen orientierte Mentalität, Länder
wie Deutschland und Japan eine exportorientierte Mentalität. Dieser
Mentalitätsunterschied ergab sich keineswegs aus einer Trägheit oder Unfähigkeit der amerikanischen Wirtschaftsbosse, sich dem internationalen
Wettbewerb zu stellen, und auch nicht aus
besonderer Tugend etwa ihrer
deutschen und japanischen Konkurrenten. Er war vielmehr das Ergebnis der
kumulativen Auswirkungen der inhärenten Logik des damaligen Zahlungssystems.
Auch wenn dem System floatender Wechselkurse Grenzen gesetzt sein
mögen - gewisse Schönheitsfehler haften ihm erwiesenermaßen an -, weist
es doch jedenfalls eine erheblich geringere Tendenz zur über- und Unterbewertung der Währungen auf.
Für die Geschäftswelt ist dies von großer praktischer Wichtigkeit

- 5 -

�Wichtigkeit.

Es bedeutet einerseits, daß die fast automatischen Kosten-

vorteile des Standorts eines Betriebs in Deutschland oder Japan beträchtlich schrumpfen und man ihrer nicht mehr so sicher sein kann; es macht eine Um
strukturierung jener deutschen und japanischen Industrien notwendig, die nur
bei anhaltender Unterbewertung der D-Mark oder des Yen wirtschaftlich arbeiten
konnten.

Für amerikanische Manager andererseits bedeutet es, daß sich für

US-Exportwaren neue gewinnbringende Absatzchancen ergeben, sofern es gelingt
wirksame und angemessene Absatzstrategien zu entwickeln.

Weder räch noch einfach
Niemand wird behaupten wollen, daß diese Anpassung an neue Verhältnisse
rasch oder einfach zu bewerkstelligen wäre. In Deutschland und Japan werden
einige Industrien, die bislang durch künstliche Wechselkursvorteile begünstigt wurden, schwere Einbußen hinnehmen müssen. Und deutsche und japanische Manager werden gezwungen sein, ihre Exportmentalität aufzugeben
und sich stärker auf den Binnenmarkt und auf Auslandsinvestitionen zu konzentrieren. Die amerikanischen Manager aber, in einer "Ära der Auslandsinvestitionen" geschult und herangewachsen, werden gut daran tun, neue
Strategien zu entwickeln, um mit beunruhigenden Schwierigkeiten fertig zu
werden, die von mangelnden Fremdsprachenkenntnissen bis zu ungewohnten
Absatzmethoden reichen. Das empfiehlt sich allein schon aufgrund der Tatsache, daß der Export von den Vereinigten Staaten aus inzwischen die
günstigeren Absatzchancen bietet.
Da in diesem Anpassungsprozeß erhebliche Trägheitsmomente zu überwinden sind, droht der Rückgang des Wechselkurses des Dollar auf einen
niedrigeren Satz, der notwendig ist, um die Dinge in Bewegung zu bringen,
eventuell "zu weif'zu führen. Wahrscheinlich ist der Dollar gegenwärtig in
Relation zu dem Wechselkurs, der das amerikanische Kostenniveau mit dem
anderer Länder in Einklang bringen würde, unterbewertet. Das läßt vermuten,

- 6

�vermuten, daß der Dollarkurs dergestalt gestützt werden sollte, daß sich
die amerikanische Wirtschaft stärker den Exportmärkten zuwendet und andere
Länder ihre Auslandsinvestitionen verstärken.
Wenn wir jedoch damit fortfahren, Investitionen zu besteuern, uns
mit einem an internationalen Maßstäben und an unseren eigenen Leistungen
in der Geschichte gemessen zu geringen Produktivitätszuwachs zu begnügen
und unsere Augen vor den grundlegenden Ursachen der Inflation in unserem
Lande zu verschließen, würde eine fortschreitende Erosion unserer im Grunde
gegebenen internationalen Wettbewerbsfähigkeit die derzeitig anomal
niedrigen Dollarkurse rechtfertigen.
Wie dem auch sei, die amerikanische Wirtschaft, die seit langem darauf
ausgerichtet ist, der Errichtung von Tochtergesellschaften und Produktionsstätten im Ausland Vorrang einzuräumen, sollte sich in jedem Fall auf die
Möglichkeit einstellen, daß sich neue Chancen für gewinnbringende Ausfuhren
zu öffnen beginnen.

+ + + + +

- 7 -

�1

1

2pfii

Ulirl/chofl
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15

14. Juni 1978

AMERIKANISCHE INDUSTRIE SPART ÖL UND ERHÖHT GEWINNE
- Von unserem Korrespondenten John Holway -

WASHINGTON - (AD) - Industrielle und Manager in den Vereinigten Staaten
haben den Preisanstieg für Importöl aufmerksam verfolgt und den Energieverbrauch in ihren Betrieben scharf gedrosselt. Ober 3000 Firmen, die etwa die
Hälfte aller in den Vereinigten Staaten verbrauchten Energie beziehen, berichten, daß sie den Verbrauch gegenüber dem Stand von 1972 um fast zehn Prozent
gesenkt haben.
Das amerikanische Energieministerium hat vor einigen Wochen eine Studie
über dieses Thema veröffentlicht und festgestellt, daß die von den über 3000
Firmen für das erste Halbjahr 1977 berichteten Einsparungen im Vergleich zum
ersten Halbjahr 1972 rund 667 000 Barrel öl pro Tag ausmachten. Damit sparten die Vereinigten Staaten allein in diesen sechs Monaten drei Milliarden
Dollar für Importöl ein.
Da die Industrie fast die Hälfte aller Energie in den Vereinigten Staaten
verbraucht, machen sich Einsparungen auf diesem Sektor in der Begrenzung des
Gesamtverbrauchs durchaus bemerkbar.

Die beiden anderen Sektoren, Privatver-

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Privatverbrauch in Wohnung und Geschäft sowie Verkehr haben seit dem ölembargo
1973 ihren Verbrauch allerdings erhöht.

Der Privatverbrauch im Haus ging un-

mittelbar nach dem Embargo 1973 zurück, aber dann setzte wieder eine Aufwärtsbewegung ein, die allerdings langsamer verlief, als ohne Einsparungsmaßnahmen
zu erwarten gewesen wäre.
Eine Ursache für den Anstieg im Energieverbrauch auf diesem Sektor liegt
nach amtlichen Angaben in der erhöhten Eigenheimbautätigkeit.
Regierungsvertreter räumen allerdings ein, daß die Lage auf dem Verkehrssektor "entmutigend" sei.

Obwohl die Autos benzinsparender würden - seit

1975 um fast 20 Prozent - habe die Zahl der zugelassenen Autos und die Zahl
der gefahrenen Kilometer noch rascher zugenommen.
Man rechnet damit, daß der Trend zu wirtschaftlicheren Autos aufgrund
der höheren Benzinpreise - plus eines anhängigen Gesetzes, das große, unwirtschaftliche Autos einer Steuer unterwerfen soll - anhalten wird.

"Wir rech-

nen damit, daß der Aufwärtstrend in einigen Jahren (vielleicht schon 1980)
seinen Höhepunkt erreichen und dann rückläufig werden wird", so verlautet aus
dem amerikanischen Energieministerium.

Eine wichtige Rolle wird dabei die

Tatsache spielen, daß im Laufe der Jahre viele der alten "Benzinfresser" auf
dem Schrott landen und durch neuere, wirtschaftlichere Autos ersetzt werden.
Alles in allem haben der Verkehrssektor und der Privatverbrauch in Haus
und Geschäft seit 1973 jährlich eine Zunahme von rund sechs Prozent zu verzeichnen.
Auf der anderen Seite bietet der Industriesektor Anlaß zu "echter Freude",
wie es ein Vertreter des Ministeriums ausdrückte, denn hier ist der tatsächliche Energieverbrauch seit 1973 um jährlich rund vier Prozent zurückgegangen.
Obwohl die meisten der Einsparungen zwar bei Erdgas und Kohle erzielt
worden sind, so ist das Ermutigende an der Entwicklung nach Ansicht der Ex- 2 -

�Experten im Ministerium die Tatsache, daß der direkte Erdölverbrauch nicht
in dem Maße gestiegen ist, wie man es hätte erwarten können»
lich weniger Erdgas verbraucht, das knapp ist.

Es wird wesent-

Der Verbrauch an Kohle in der

Industrie war 1977 etwa der gleiche wie 1973, und er wäre ohne den Bergarbeiterstreik noch höher gewesen.
Ein Hauptgrund für den Anstieg des Erdölverbrauchs liegt darin, daß die
Elektrizitätswerke mehr Ul verbrauchen. Hier gibt es nach Auffassung des
Ministeriums heute noch keine Alternative. Elektrizitätswerke brauchen einen
Brennstoff, der je nach Bedarf in Spitzenzeiten oder in schwachen Zeiten aufoder abgedreht werden kann. Hier sind Kohle und Kernbrennstoff nicht elastisch
genug. Hier kann nur öl, Erdgas oder Wasserkraft helfen,
Man rechnet im amerikanischen Energiemim'sterium damit, daß die im
Energiepaket von Präsident Carter vorgesehen kleineren Wasserkraftwerke mit
der Zeit einen Teil der ölkraftwerke ersetzen werden.
In der Zwischenzeit hat nach Auskunft von Vertretern des Ministeriums
die Kernkraft die Energieversorgung über Engpässe hinweggebracht. So hätten
beispielsweise bei der kürzlichen Dürre an der Pazifikküste im Nordwesten der
USA die Leute recht kalt gesessen, wenn keine Kernkraft zur Verfügung gestanden hätte.
Es werden jedoch keine neuen Kernkraftwerke mehr gebaut.

Die Alterna-

tive werden Wasser- und Kohlekraftwerke sein.
Vertreter des Amerikanischen Petroleuminstituts sehen den Hauptgrund für
das ausgezeichnete Einsparungsverhalten der Industrie in der Einführung leistungswirksamerer Herstellungsprozesse.

Man kann alte Fabrikationsanlagen nicht nur

aus Einsparungsgr'ünden erneuern, aber wenn neue Anlagen gebaut werden, dann
werden neuere, leistungsfähigere Technologien herangezogen.

Betriebsleiter

wissen, daß Energieeinsparung auch Einsparung von Geld bedeutet.
In

- 3 -

�In seinem Bericht für das erste Halbjahr 1977 erklärt das amerikanische
Energieministerium, daß die Produktivität gegenüber 1976 um ein Prozent und
gegenüber 1972 sogar um 9,2 Prozent gestiegen se1' „ Die größten Verbesserungen waren in der chemischen Industrie und ^n der Erdölindustrie zu beobachten, obwohl, wie es in dem Bericht heißt, die Verbesserungen "weit verbreitet"
waren.
Was noch wichtiger ist, die Einsparungen waren trotz des harten Winterwetters im vorigen Jahr zu verzeichnen, das eigentlich mit einem erhöhten
Verbrauch hatte rechnen lassen,.
Die Vorteile dieser Entwicklung kommen nach Auffassung des Ministeriums
allen Teilen der Gesellschaft zugute.

Ene^gieeinsparungen mindern den in-

flationären Druck, und sie verringern zweitens die Abhängigkeit von ausländischem öl.

Drittens setzen sich Energieeinsparungen in mehr Arbeitsplätze und

damit größeres Einkommen um.
Für die Industrie selbst bedeuten Energieeinsparungen auch Kostensenkungen und damit entweder höhere Gewinne, Freistellung von Kapital für Neu Investitionen oder niedrigere Preise und erhöhten Absatz. Das Ministerium
weist nachdrücklich darauf hin, daß Energieeinsparungen von vielen Gesichtspunkten her profitabel sind.
Man rechnete früher, daß ein Prozent mehr Energie ein Prozent mehr Güter
produziere. Heute stellt die Industrie fest, daß eine Steigerung der Produktion um ein Prozent auch durch einen Energiemehrverbrauch von nur einem halben Prozent möglich ist.
Der Präsident der Amerikanischen Bundesbank (Federal Reserve System),
G. William Miller, teilt mit, daß seine frühere Fi^ma, Textron, in der Lage
war, den Energiebedarf für die Produktion pro Einheit sogar um 27 Prozent zu
senken. Diese Leistung werde in ähnlicher Form überall in der amerikanischen
Industrie vollbracht.
+ + + + +
- 4 -

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16

2B. Juni 1978

DEUTSCHLAND-BESUCHE AMERIKANISCHER PRÄSIDENTEN UND VIZEPRÄSIDENTEN

- (AD) - Mit dem Besuch von Präsident Jimmy Carter in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin vom 13. bis 15. Juli 1978 - der anschließende Aufenthalt bis zum 17, Juli gilt dem Wirtschaftsgipfel haben alle Präsidenten der Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg
eine Deutschlandreise unternommen. Der Besuch von Harry S. Truman fand
allerdings erst nach seiner Amtszeit als Präsident statt und ist daher
als Privatbesuch zu bezeichnen.
Im folgenden eine kurze Aufstellung der Besuche der amerikanischen
Präsidenten und Vizepräsidenten:
Harry S. Truman, 6. und 7. Juni 1956, München und Bonn (Privatbesuch).
Dwight D. Eisenhower, 26. und 27. Auqust 1959, Bonn, (anschließend
London und Paris) in Vorbereitung seines Treffens mit Chruschtschow im
gleichen Jahr, Gespräche mit Bundeskanzler Konrad Adenauer, Bekräftigung

I

UNJTSD Sl-.\7*s
•Ui.ru;. •;. -•.;••:.-

- fiua^

�Bekräftigung des Rechtes auf Wiedervereinigung und der Freiheit Berlins.

John. F. Kennedy, 23. bis 26. Juni 1963, Köln, Bonn, Frankfurt, Berlin,
Begrüßung durch Bundeskanzler Adenauer, Bekräftigung der deutsch-amerikanischen
Freundschaft, gemeinsamer Besuch des Kölner Doms, eingehende Besprechungen
in Bonn, Besuch bei Bundespräsident Lübke, Besuch einer US-Luftwaffeneinheit in Hanau, Ansprache in der Paulskirche in Frankfurt mit Bekräftigung
der atlantischen Partnerschaft, am 26. Juni Besuch in Berlin, Begrüßung
durch den Regierenden Bürgermeister Willy Brandt, Ansprache vor dem
Schöneberger Rathaus: "Ich bin ein Berliner".

Lyndon B. Johnson, 23. bis 26. April 1967, Bonn, Köln zu den Beisetzungsfeierlichkeiten des verstorbenen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, Besprechnungen in Bonn mit Bundeskanzler Georg Kiesinger und westlichen
Staatsmännern, wie Premierminister Wilson und Staatspräsident de Gaulle
und Ministerpräsident Moro; deutsch-amerikanische Gespräche über Nichtweiterverbreitungsvertrag (Nonproliferationsvertrag), Zoll- und Handelsverhandlungen, Stationierung der US-Truppen in Deutschland, Zusage der
intensiven Konsultation.

Richard M. Nixon, 26. und 27. Februar 1969, Bonn, Berlin, Gespräche mit
Bundeskanzler Kiesinger und deutschen Regierungsvertretern, Bekräftigung
der amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit und des Selbstbestimmungsrechts der Deutschen, Rede vor dem Deutschen Bundestag mit Hauptthema
NATO, Besuch in Berlin, Ansprache in den Siemens-Werken mit feierlicher
Verpflichtung zum Schutze der Freiheit Berlins.

Gerald R. Ford, 26. bis 28. Juli 1975, Bonn, Gießen, (auf dem Wege zur •
Abschlußsitzung der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
- KSZE - in Helsinki), Gespräche mit Bundeskanzler Helmut Schmidt,
Hauptaugenmerk auf Wirtschaftsfragen und Abstimmung der deutschen und
EG-Wirtschaftspolitik mit der amerikanischen Wirtschaftspolitik, Besuch

- 2 -

�UNITED STATES
r
CULTUR/V
^

Besuch bei einer amerikanischen Truppeneinheit in Kirchgöns bei Gießen.
Besuche amerikanischer Vizepräsidenten:
Lyndon B. Johnson, 19. bis 21. August 1961 Bonn, Berlin (nach Mauerbau)
Hubert H. Humphrey, 5. und 6. April 1967, Bonn, Berlin
Nelson A. Rockefeller, 13. bis 15. Mai 1976, Berlin, Frankfurt
Walter F. Mondale, 24. bis 26. Januar 1977, Bonn
Am 16. Mai 1973 stattete Jimmy Carter als Gouverneur des Staates
Georgia Bonn einen Besuch ab.

+ + + + +

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Deutschland-Besuche amerikanischer Praesidenten ...

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