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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

5. Oktober 1994

39

USA-RUSSLAND

ZUSAMMENARBEIT ZUM NUTZEN DER
GANZEN WELT
Das amerikanisch-russische Gipfeltreffen
CLINTON UND JELZIN PLANEN WEITEREN
ABBAU VON ATOMWAFFEN
Gemeinsame Erklärung über nukleare Sicherheit
GEMEINSAME AMERIKANISCH-RUSSISCHE
ERKLÄRUNG ÜBER HANDEL UND
WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
Übersicht des Weißen Hauses

USA-HAITI

AMERIKANISCHE KONGRESSABGEORDNETE
BEURTEILEN SICHERHEITSLAGE IN HAITI
Haitianer begrüßen Hilfe bei
Wiederherstellung der Demokratie

BOSNIEN

UNPROFOR UNENTBEHRLICH FÜR
FRIEDENSPROZESS AUF DEM BALKAN
Ansprache von Botschafterin Albright

WIRTSCHAFT

WELTWIRTSCHAFTSLAGE BESSER ALS
SEIT LANGEM
Erklärung von Finanzminister Bentsen

AIDS

OFFENE GESPRÄCHE - DAS REZEPT
GEGEN AIDS
von Terry Y. Allen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�USA-RUSSLAND
5. Oktober 1994

ZUSAMMENARBEIT ZUM NUTZEN DER GANZEN WELT
Das amerikanisch-russische Gipfeltreffen
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton erklärte
am 27. September 1994, bei seinem Gipfeltreffen mit
dem russischen Präsidenten Boris Jelzin gehe es
darum, die Stärken der Vereinigten Staaten und
Rußlands miteinander zu kombinieren, um anderen
Nationen helfen zu können.
Bei früheren amerikanisch-russischen Gesprächen
hätten fortbestehende Probleme aus dem Kalten
Krieg im Mittelpunkt gestanden, so der Präsident.
Bei diesem Gipfel gehe es um die Zukunft - "eine
Zukunft, in der wir versuchen werden, Rußland und
den Westen zu integrieren, ein neues Jahrhundert
des Friedens in Europa zu schaffen und ... unseren
kombinierten Einfluß und unser Ansehen zum
Nutzen der Welt jenseits unserer Grenzen einzusetzen".
Als wollten sie die wachsende Annäherung zwischen
ihnen betonen, warfen Clinton und Jelzin die für sie
vorbereitete Tagesordnung um - einschließlich der
Teilnahme an einem ausführlichen Gespräch mit
ihren Beratern - und führten ein dreistündiges
Gespräch unter vier Augen über außenpolitische
Fragen, einschließlich Bosnien und Berg-Karabach.
Nur die Protokollanten blieben bei ihnen, und die
beiden Präsidenten wiesen ihre Berater an, separate
Treffen über außenpolitische, sicherheitspolitische
und atomare Fragen abzuhalten.
Ein hochrangiger Regierungsvertreter erklärte
Journalisten gegenüber, er sei vom Präsidenten über
das unter vier Augen geführte Gespräch informiert
worden und äußerte, Präsident Clinton vertrete die
Ansicht, das Treffen habe "eine sehr positive und
nützliche Atmosphäre geschaffen", in der die beiden
Staatsoberhäupter - teilweise sehr offen - über
mögliche Fortschritte bei schwierigen Fragen wie
beispielsweise Berg-Karabach sprechen könnten.
"Meines Erachtens waren beide sehr zufrieden mit
dem Verlauf der Gespräche am Morgen", fuhr der
Regierungsvertreter fort.

AMERIKA DIENST 39

Ihm zufolge hatte sich Clinton vor Jelzins Ankunft
beklagt, der Zeitplan sei zu starr. Nach seinem
Gespräch mit Jelzin im Oval Office überprüfte er mit
dem russischen Staatsoberhaupt erneut den Plan,
und die beiden Politiker waren sich über die Notwendigkeit einig, ihn weniger offiziell zu gestalten.
Clinton stellte später fest, er habe mit Jelzin mehr
Zeit verbracht als mit jedem anderen ausländischen
Staatsoberhaupt - bei drei Gipfeltreffen und zwei im
Zusammenhang mit dem Gipfel der Industrienationen
stehenden Zusammenkünften.
"Sie haben eine äußerst enge, positive Beziehung
entwickelt", so der Regierungsvertreter, "und können
offen, direkt und kooperativ miteinander reden. Die
Gespräche waren sehr optimistisch, freundschaftlich,
informell und direkt."
Im Hinblick auf die Situation in Berg-Karabach, die
vorwiegend armenische Enklave in Azerbaidschan,
erklärte der Regierungsvertreter: "Dies ist wirklich ein
kritischer Punkt. Die gemeinsame Auffassung ist,
daß dieser Konflikt gelöst werden oder zumindest auf
den Weg einer Lösung gebracht werden kann." Er
stellte fest, während des Gesprächs im Kabinettzimmer des Weißen Hauses, an dem auch Vizepräsident Gore und der russische Außenminister
Kosirew teilnahmen, "diskutierten die Russen ihre
eigenen Vermittlungsbemühungen sowie ihre Arbeit
im Rahmen der KSZE, um die Kämpfe zu beenden".
Die amerikanische Seite "beschrieb einige Schritte
zur Konsolidierung des Waffenstillstands, die wir
hoffentlich gemeinsam prüfen können".
Dem Regierungsvertreter zufolge haben die Vereinigten Staaten kein Geheimnis daraus gemacht,
"daß wir mit den Russen im Hinblick auf unsere
Vorgehensweise nicht übereinstimmen. Wir hoffen,
daß aus diesen Gesprächen zwischen den beiden
Präsidenten irgendeine Beilegung unserer Differenzen im Hinblick auf eine Beteiligung der KSZE an
einer Lösung hervorgeht."

Seite 1

�"Wir stimmen darin überein, daß Rußland dieses
Problem nicht alleine lösen kann und die Vereinigten
Staaten ebenfalls nicht", so der Regierungsvertreter.
"In der Frage Berg-Karabach müssen Rußland und
die Vereinigten Staaten zusammenarbeiten."
Auf die Frage nach der Behauptung Jelzins, Moskau
sei der beste "Garant" des Friedens im "nahen
Ausland", teilte er mit: "Unseres Erachtens spielt
Rußland in Berg-Karabach ganz offensichtlich eine
Rolle, ebenso wie die Armenier und die Aserbaidschaner."
Als Clinton seine Berater über seine vertraulichen
Gespräche mit Jelzin informierte, habe er keine
Erörterung des "nahen Auslands" erwähnt. Er
betonte jedoch erneut, so der Regierungsvertreter,
die Amerikaner strebten "gute Beziehungen zu allen
anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion an. Unseres Erachtens ist es von Bedeutung,
daß jeder ihre Unabhängigkeit, territoriale Integrität
und Souveränität anerkennt. In den letzten anderthalb Jahren haben wir bei einigen Krisensituationen,
im Baltikum, der Ukraine und Moldawien sehr
wirksam mit Rußland zusammengearbeitet. Natürlich gab es bei einigen Fragen Meinungsverschiedenheiten - bisweilen auch taktischer Art - darüber,
wie andere behandelt werden sollten."
Dem Regierungsvertreter zufolge war der wichtigste
Punkt der Gipfelgespräche über Bosnien "die Bedeutung weiterer Zusammenarbeit für Rußland und die
Vereinigten Staaten sowie die Solidarität innerhalb
der Kontaktgruppe als Schlüsselelement der diplomatischen Bemühungen zur Lösung des Konflikts".
Jelzin habe kein Geheimnis aus seiner Ablehnung
einer Aufhebung des gegen die bosnischen Muslime
verhängten Waffenembargos gemacht, da dies zu
einer Ausweitung des Krieges führe.
Clinton begrüßte Jelzin auf dem Südrasen vor dem
Weißen Haus mit militärischen Ehren. Anschließend
begannen die beiden Staatsoberhäupter umgehend
die erste Runde der für den zweitägigen Besuch
geplanten Gesprächsreihe.
Clinton und Jelzin nahmen ferner an einer Zeremonie im Weißen Haus zu Ehren amerikanischer und
russischer Veteranen teil, die während des Zweiten
Weltkriegs gegen die Nazis gekämpft hatten.
Besonders hervorgehoben wurden bei diesem
Ereignis 20 amerikanische und russische Veteranen,
deren Aufzeichnungen aus Kriegszeiten die vielfältige Naturder amerikanisch-sowjetischen Kooperation
beim Kampf gegen den gemeinsamen Feind, Adolf
Hitler, illustrieren.

Seite 2

Bei kurzen Ansprachen im Rahmen der Begrüßungszeremonie erinnerte Clinton daran, daß Jelzin und er
sich vor anderthalb Jahren beim Vancouver-Gipfel
darauf geeinigt hätten, eine "historische Chance" für
die "Schaffung einer neuen Partnerschaft" zu nutzen,
die die Bitterkeit des Kalten Krieges ersetzen sollte.
"Wir haben dieses Versprechen gehalten", versicherte
der Präsident.
Die daraus resultierenden Vorteile für die Welt und
die beiden Nationen seien beträchtlich. "Unsere
Nationen nähern sich aneinander an und ersetzen
Mißtrauen und Furcht durch Vertrauen und Zusammenarbeit", so Clinton. Er wies darauf hin, daß die
beiden Staaten nicht länger mit nuklearen Sprengköpfen bestückte Raketen gegeneinander richten.
"Unsere Soldaten stehen sich nicht mehr als Todfeinde gegenüber", sondern arbeiten und trainieren
zusammen als "Partner für den Frieden". Vor kurzem
veranstalteten Soldaten beider Nationen in Rußland
gemeinsame Manöver.
Der Handel zwischen Rußland und den Vereinigten
Staaten wird nicht mehr durch sicherheitsbedingte
Einschränkungen und Verbote behindert, sondern
"wächst mit jedem Tag". "Wir haben uns auf die
Sicherstellung von Nuklearmaterial geeinigt und
arbeiten daran, Bosnien, dem Nahen Osten und
Berg-Karabach Frieden zu bringen".
Bei einem Fototermin vor der ersten Gesprächsrunde
wurde Jelzin gefragt, wie er auf eine Aufhebung des
Waffenembargos gegen die bosnischen Muslime
reagieren würde. "Meine Antwort wäre natürlich
negativ", entgegnete er.
Clinton, der dem Kongreß versichert hatte, er werde
ein Ende des Embargos des UN-Sicherheitsrats
anstreben, falls die bosnischen Serben nicht bis zum
15. Oktober den international geförderten Friedensplan akzeptieren, teilte einem Fragesteller mit: "Die
bosnische Regierung ließ uns gegenüber verlauten,
sie wäre eventuell an einer Aufschiebung entsprechender Aktionen für vier bis sechs Monate interessiert."
Der amerikanische Präsident wies darauf hin, Washington und Moskau hätten bisher in der BosnienFrage eng zusammengearbeitet. "Wir haben jeden
Schritt gemeinsam unternommen. Wir werden unser
Bestes tun, damit das auch in Zukunft so bleibt."
"Gemeinsam", so Clinton gegenüber Jelzin, "müssen
wir sicherstellen, daß alle Neuen Unabhängigen
Staaten ihren rechtmäßigen Platz als starke und
unabhängige Nationen in Europa erhalten und in der
Lage sind, ihre Zukunft selbst zu gestalten." Aus
diesem Grund hätten alle Amerikaner die Entschei-

AMERIKA DIENST 39

�düng Jelzins begrüßt und respektiert, die russischen
Truppen aus den baltischen Staaten abzuziehen.
Die letzten russischen Truppen verließen Estland
und Lettland am 31. August.

Nach Abschluß der dritten Gesprächsrunde unterzeichneten Clinton und Jelzin Abkommen über
nukleare Sicherheit, Handel und Investitionen und
gaben eine Beschleunigung des geplanten Abbaus
atomarer Gefechtsköpfe bekannt.

* * * * *

AMERIKA DIENST 39

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�USA-RUSSLAND
5. Oktober 1994

CLINTON UND JELZIN PLANEN WEITEREN
ABBAU VON ATOMWAFFEN
Gemeinsame Erklärung über nukleare Sicherheit
WASHINGTON - (AD) - Die Präsidenten Bill Clinton und Boris Jelzin begrüßten am 28. September 1994 die
fortschreitende Entschärfung und den Abbau strategischer Nuklearsysteme unter dem START-I-Vertrag und
bekräftigten ihre Absicht, nach Inkrafttreten von START I eine frühzeitige Ratifizierung des START-Il-Vertrags
anzustreben.
In einer zum Abschluß ihrer Gespräche in Washington abgegebenen gemeinsamen Erklärung vereinbarten die
zwei Staatschefs auch, ihre beiden Länder würden nach der Ratifizierung des START-Il-Vertrags mit der
Entschärfung aller strategischen nuklearen Trägersysteme fortfahren, "indem ihre nuklearen Gefechtsköpfe
beseitigt oder andere Schritte unternommen werden, um sie kampfunfähig zu machen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der gemeinsamen Erklärung der Präsidenten der Vereinigten Staaten
und Rußlands über strategische Stabilität und nukleare Sicherheit im Wortlaut.

Die Präsidenten Clinton und Jelzin unterstrichen,
daß nach dem Ende des Kalten Krieges im Hinblick
auf die Stärkung globaler strategischer Stabilität und
nuklearer Sicherheit beträchtliche Fortschritte erzielt
wurden. Die Vereinigten Staaten und Rußland
reduzieren ihre Atomstreitkräfte in beträchtlichem
Maße. Es wurden bedeutende Schritte zur Änderung der Zielkoordinaten strategischer Raketen
unternommen. Es wurden multilaterale Verhandlungen über ein umfassendes Atomtestverbot aufgenommen. Die Präsidenten wiesen auf die Schlüsselrolle des Nichtverbreitungsvertrags bei der Gewährleistung weltweiter Stabilität hin.
Präsident Jelzin skizzierte die von Rußland in der
UN-Generalversammlung vorgelegte Initiative zum
Abschluß eines Vertrags unter den fünf ständigen
Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats über die Einstellung der Produktion spaltbaren waffenfähigen
Materials, ein Verbot der Wiederaufbereitung spaltbaren Materials zur Herstellung von Waffen, eine
weitere Beseitigung nuklearer Gefechtsköpfe sowie
einen Abbau strategischer Trägersysteme.
Präsident Clinton legte die von ihm vor der UNGeneralversammlung beschriebenen Ideen für die
Zusammenarbeit bei der Förderung der Nichtverbreitung von Nuklearwaffen dar, insbesondere zur

AMERIKA DIENST 39

Erhöhung der Sicherheit von Nuklearmaterial und der
Verhinderung seines Schmuggels.
Die Präsidenten erörterten diese Initiativen, über die
sie sich zuvor gegenseitig informiert hatten und die
daher die gemeinsamen Ziele und bestimmte gemeinsame Vorschläge enthielten, die einen Beitrag
zur nuklearen Nichtverbreitung leisten sollen. In
dieser Hinsicht stimmten die beiden Präsidenten darin
überein, daß die ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats angesichts ihrer Verantwortung als
Atommächte eine besondere Rolle zu spielen haben.
Die Vereinigten Staaten und Rußland werden mit den
anderen ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats
und weiteren Staaten an einem erfolgreichen Ergebnis der für 1995 anberaumten Konferenz über den
Nichtverbreitungsvertrag arbeiten, die zu einer
dauerhaften und bedingungslosen Verlängerung des
Nichtverbreitungsvertrags führen soll. Ferner streben
sie so bald wie möglich den Abschluß eines umfassenden Vertrags über das Verbot von Atomtests
sowie ein weltweites Verbot der Produktion spaltbaren Materials für Atomwaffen an. Die Präsidenten
waren sich ferner einig, daß es wünschenswert ist,
ihre jeweiligen Moratorien über ein Verbot von
Atomtests zu verlängern.

Seite 1

�Die Präsidenten begrüßten die derzeitige Entschärfung und den Abbau strategischer Nuklearsysteme
durch die Parteien des START-I-Vertrags sowie die
Umsetzung dertrilateralen Erklärung vom 14. Januar
1994. Sie äußerten sich zufrieden über die reale
Möglichkeit, den START-I-Vertrag und das Lissaboner Protokoll in naher Zukunft in Kraft zu setzen und
sagten zu diesem Zweck volle Kooperationsbereitschaft zu. Die Präsidenten beschlossen, daß ihre
Verteidigungsminister jedes Vierteljahr einen Informationsaustausch über entschärfte oder abgebaute
strategische Systeme durchführen sollten.
Die Präsidenten bekräftigten ihre Absicht, eine
frühzeitige Ratifizierung des START-Il-Vertrags
anzustreben, nachdem START I in Kraft getreten ist
und verliehen ihrem Wunsch Ausdruck, auf dem
nächsten amerikanisch-russischen Gipfel die Ratifizierungsurkunden für START II auszutauschen.
Im Rahmen einer bedeutenden neuen Entwicklung
einigten sich die Präsidenten, daß die Vereinigten
Staaten und Rußland nach der Ratifizierung des
START-Il-Vertrags im Einklang mit diesem Vertrag
die Entschärfung aller strategischen nuklearen
Trägersysteme fortsetzen werden, indem ihre
nuklearen Gefechtsköpfe beseitigt oder andere
Schritte unternommen werden, um sie kampfunfähig
zu machen.
Die Präsidenten wiesen ihre Experten an, den Dialog
über den Vergleich konzeptioneller Ansätze zu
intensivieren und konkrete Schritte zur Anpassung
atomarer Streitkräfte und Praktiken beider Seiten an
die veränderte internationale Sicherheitslage und
den derzeitigen Geist der amerikanisch-russischen
Partnerschaft zu unternehmen, einschließlich der
Möglichkeit, nach der Ratifizierung von START II
einen weiteren Abbau sowie Beschränkungen der
verbleibenden atomaren Streitkräfte vorzunehmen.
Die Staatschefs erörterten femer die Aussichten auf
vertrauensbildende und die Transparenz erhöhende
Maßnahmen in diesem Bereich. Ihrer Ansicht nach
werden sich im Rahmen der Entwicklung der politischen Partnerschaft neue Chancen zur Stärkung der
Stabilität durch Offenheit und Transparenz bieten.
Präsident Clinton beschrieb Präsident Jelzin gegenüber die von den Vereinigten Staaten als Ergebnis
der kürzlich abgeschlossenen Überprüfung ihrer
nuklearen Situation geplanten einseitigen Anpassungen ihrer strategischen und nichtstrategischen
Atomstreitkräfte, Sicherheitsvorkehrungen sowie
Kontrollpraktiken.
Präsident Jelzin bezeichnete
diese Veränderungen in den Vereinigten Staaten als
Ausdruck der neuen Beziehungen zwischen den
beiden Ländern und legte eine in Rußland vorzunehmende vergleichbare Überprüfung zum Abbau der

Seite 2

Nuklearstreitkräfte Rußlands und zur Erhöhung ihrer
Sicherheit dar. Die Präsidenten stimmten darin
überein, daß jede Seite auf angemessene Weise
unabhängig weitere einseitige Schritte im Hinblick auf
ihre eigenen nuklearen Streitkräfte erwägen sollte.
Die Präsidenten stimmten über die fundamentale
Bedeutung überein, die Gültigkeit und Vollständigkeit
des ABM-Vertrags zu bewahren. Unter Hinweis auf
die bei der Frage der ABM/TMD-Abgrenzung und
dem multilateralen Beitritt zum ABM-Vertrag gemachten Fortschritte wiesen die Präsidenten ihre
jeweiligen Delegationen an, in Zusammenarbeit mit
anderen Teilnehmerstaaten an einer möglichst
schnellen Erzielung vollständiger Einigkeit über die
verbleibenden Fragen zu arbeiten.
Beide Seiten haben ein Interesse an der Entwicklung
und Aufstellung wirksamer taktischer Verteidigungssysteme auf der Grundlage der Zusammenarbeit.
Die Präsidenten waren sich einig, daß beide Seiten
ein gemeinsames Manöver mit taktischen Verteidigungssystemen und Frühwarnsystemen abhalten
werden. Diese Übung soll die Grundlage für gemeinsame Operationen der amerikanischen und russischen Streitkräfte, beispielsweise im Bereich der
Friedenssicherung, schaffen.
Ausgehend von den Grundsätzen der Partnerschaft
und Gegenseitigkeit einigten sich die Präsidenten auf
die Entwicklung umfassender bilateraler und multilateraler Kooperation zur Gewährleistung nuklearer
Sicherheit. Sie erzielten Einigung bei folgenden
Punkten:
Zusammenarbeit auf bilateraler und multilateraler
Basis, einschließlich eines Austauschs entsprechender Informationen, zur Verhinderung illegalen
Handels mit Nuklearmaterial sowie Maßnahmen
zur Verstärkung der Kontrollregime und für den
physischen Schutz solcher Materialien.
Austausch detaillierter Informationen auf dem
nächsten Treffen der Gore-TschernomyrdinKommission über die gesamten Arsenale nuklearer Gefechtsköpfe, Vorräte spaltbaren Materials
sowie deren Sicherheit. Die Seiten werden ein
Verfahren für den regelmäßigen Austausch derartiger Informationen entwickeln.
Anweisung der gemeinsamen Arbeitsgruppe für
nukleare Sicherheit, Transparenz und Unumkehrbarkeit, bis zum März 1995 weitere Maßnahmen
zur Vertrauensbildung und Erhöhung der Transparenz und Irreversibilität beim Abbau von Atomwaffen zu ergreifen.

AMERIKA DIENST 39

�Erleichterung umfassender Zusammenarbeit
unter entsprechenden Behörden beider Länder
zur Gewährleistung effektiver Kontrolle, des
Nachweises und physischen Schutzes von
Nuklearmaterial.
Förderung von Programmen zur Zusammenarbeit
amerikanischer und russischer Labors auf den
Gebieten Sicherheit, physischer Schutz, Kontrolle
und Nachweis von Nuklearmaterial.
Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen dem
amerikanischen und dem russischen Verteidigungsministerium auf dem Gebiet nuklearer
Sicherheit.
Umsetzung eines gemeinsamen Plans für den
beschleunigten Bau eines Endlagers für aus
abgebauten Nuklearwaffen stammendes spaltbares Material in Mayak.
Nach einer umfassenden Erörterung der stategi-

sehen Stabilität und angesichts der Notwendigkeit
einer Kontrolle aller Massenvernichtungswaffen
einigten sich die Präsidenten auf folgendes:
Die Bedeutung der fortgesetzten, umfassenden,
allseitigen Umsetzung der im September 1992
abgegebenen Erklärung der Vereinigten Staaten,
Rußlands und Großbritanniens über biologische
Waffen als Mittel zum Aufbau von Vertrauen, daß
offensive biologische Waffenprogramme eingestellt
wurden.
Die Notwendigkeit eines Beitritts aller Staaten zur
Chemiewaffenkonvention und der universellen
Anwendung aller ihrer Bestimmungen sowie die
Notwendigkeit einer unverzüglichen Einleitung von
Maßnahmen zur Inkraftsetzung der Chemiewaffenkonvention; ferner die Notwendigkeit einer unverzüglichen Lösung ausstehender Fragen im Zusammenhang mit dem bilateralen Abkommen über
deren Beseitigung und der Regierungsvereinbarung von Wyoming.

* *

AMERIKA DIENST 39

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�USA-RUSSLAND
5. Oktober 1994

GEMEINSAME AMERIKANISCH-RUSSISCHE
ERKLÄRUNG ÜBER HANDEL UND
WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 28. September 1994 vom Weißen Haus
herausgegebene Übersicht über die von den Vereinigten Staaten von Amerika und der Russischen Föderation
abgegebene gemeinsame Erklärung zu den Grundsätzen und Zielen von Handel, wirtschaftlicher
Zusammenarbeit und Investitionen zwischen beiden Ländern.

Am heutigen Tag unterzeichneten Präsident Clinton
und der russische Präsident Jelzin eine gemeinsame
Erklärung, die den Rahmen für eine Ausweitung des
bilateralen Handels, der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und der Investitionen zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland schafft. Die gemeinsame
Erklärung unterstreicht die herausragende Rolle von
Handel und Investitionen angesichts der Verbesserung und des Ausbaus der bilateralen Beziehungen.
Die gemeinsame Erklärung basiert auf der Prämisse,
daß eine bilaterale Partnerschaft auf der Grundlage
des Privatsektors sowie staatlicher Zusammenarbeit
die Volkswirtschaften beider Länder stärken und zu
einer beträchtlichen Erhöhung von bilateralem
Handel und Investitionen führen wird. Amerikanische Investitionen in Rußland werden einen bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und
Reform dieses Landes leisten.
Amerikanische
Unternehmen können als Quelle von Kapital und
Expertenwissen einen beträchtlichen Aktivposten für
die russische Industrie darstellen und ein Bindeglied
zum Weltmarkt sein. Ferner wird die amerikanische
Wirtschaft Nutzen aus einer substantiellen Steigerung ihrer Exporte von Kapitalgütern ziehen. Die
Beteiligung ausländischer Unternehmen am amerikanischen Markt hat für die Wirtschaftsentwicklung und
Konkurrenzfähigkeit der Vereinigten Staaten eine
wichtige Rolle gespielt - und die gemeinsame
Erklärung umreißt das Ziel der Förderung einer
wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die Rußland
ebenfalls in den Genuß dieser Vorteile bringt.
Größere Investitionen amerikanischer Unternehmen

AMERIKA DIENST 39

auf Gebieten wie Energieproduktion und -einsparung,
pharmazeutische Produkte und Medikamente, Weiterverarbeitung von Lebensmitteln, Umwandlung militärischer Produktion für zivile Zwecke wird den Lebensstandard in Rußland erhöhen und Fortschritte Rußlands zu einer lebensfähigen Demokratie und Marktwirtschaft sowie eine vollwertige globale Partnerschaft
bei friedlichem Handel fördern.
Die gemeinsame Erklärung schafft die Vision einer
wesentlich bedeutsameren amerikanisch-russischen
Partnerschaft bei Handel und Investitionen und legt
Schritte zur Erreichung dieses Ziels dar. Im Rahmen
der gemeinsamen Erklärung verpflichtet sich Rußland
zu einer Fortsetzung marktorientierter Reformen, um
für ausländische Unternehmen ein günstiges Klima zu
schaffen. Die Vereinigten Staaten wiederum verpflichten sich zur Unterstützung der russischen
Reformen sowie zur Förderung der russischen
Industrie und der Exportmärkte.
In der gemeinsamen Erklärung werden folgende
Punkte hervorgehoben:
Maßnahmen zur Förderung des Handels, einschließlich von umfassenden Maßnahmen zum
Marktzugang, die der Notwendigkeit russischer
Exporte in die Vereinigten Staaten sowie dem
amerikanischen Zugang zum russischen Markt
Rechnung tragen,
Schaffung günstiger Bedingungen für wirtschaftliche Unternehmungen, darunter Zusammenarbeit
bei der Festsetzung von Normen, Produktzulas-

Seite 1

�sungen, Tests und Qualitätskontrollen, Exportkontrollen sowie der weiteren Verbesserung des
Schutzes geistigen Eigentums,
Möglichkeiten für engere wirtschaftliche Zusammenarbeit in Verbindung mit marktwirtschaftlichen
Reformen in Rußland,

Maßnahmen zur Förderung von Investitionsanreizen, um die Bedeutung der Zustimmung Rußlands
zum bilateralen Investitionsvertrag und der Umsetzung des Erlasses von Präsident Jelzin zur
Schaffung eines günstigen Klimas für ausländische Investoren hervorzuheben,
amerikanische Unterstützung für Marktreformen
und die Bereitschaft, "Partnerschaftsabkommen"
als Bezugspunkte des Reformprozesses zu
betrachten.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 39

�USA-HAITI
5. Oktober 1994

AMERIKANISCHE KONGRESSABGEORDNETE
BEURTEILEN SICHERHEITSLAGE
IN HAITI
Haitianer begrüßen Hilfe bei Wiederherstellung der Demokratie
PORT-AU-PRINCE - (AD) - Eine aus Kongreßabgeordneten beider Parteien zusammengesetzte Delegation, die kürzlich die Sicherheitslage in Haiti
beurteilte und mit führenden haitianischen Politikern
zusammentraf, ist der Ansicht, die Bestrebungen der
Vereinigten Staaten zur Wiederherstellung der
Demokratie würden begrüßt, es bestehe jedoch auch
die Notwendigkeit eines glaubwürdigen Entwaffnungsprogramms.

Die Kongreßabgeordneten trafen am 1. Oktober mit
dem haitianischen Militärmachthaber Generalleutnant
Raoul Cedras zusammen. Er teilte ihnen mit, er
werde spätestens am 15. Oktober abtreten, selbst
wenn das Parlament Haitis das Amnestiegesetz nicht
billige. Auf die Frage nach der Glaubwürdigkeit von
Cedras vordem Hintergrund seines Verhaltens in der
Vergangenheit antwortete Dodd, zukünftige Taten
sagten mehr aus als Worte.

Senator Christopher Dodd, der die Delegation auf
ihrer Mission am 1. Oktober 1994 leitete, stellte fest,
paramilitärische Gruppen im ganzen Land seien
"noch bewaffnet und gefährlich". Ihre Entwaffnung
stelle eine wichtige Priorität dar. Obwohl die amerikanischen Truppen es vorzögen, wenn die haitianischen Streitkräfte diese Aufgabe übernähmen,
würden sie "falls erforderlich" selber tätig.

Der Senator äußerte im Zusammenhang mit der
Absicht von Cedras und seinen Anhängern, Haiti
nach Aufgabe der Macht zu verlassen, die Putschisten müßten im Rahmen des kürzlich unter Leitung
des ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter ausgehandelten Abkommens nicht notwendigerweise haitianisches Gebiet verlassen. Er stellte jedoch fest, im
Interesse "größerer Stabilität" auf Haiti sei das klug.

Senator Claiborne Pell zeigte sich von der Tatsache
beeindruckt, daß das haitianische Volk die Präsenz
amerikanischer Truppen "wirklich wünscht und
begrüßt". Pell, der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, bezeichnete diese Situation als "ganz verschieden" von der
vor acht Jahrzehnten, als die Vereinigten Staaten in
Haiti einmarschierten und dort 19 Jahre lang blieben.

Senator Paul Coverdell räumte ein, Cedras habe
zwar in der Vergangenheit seine Versprechen, von
seinem Amt abzutreten, nicht eingehalten, jetzt habe
sich die Situation ansichts der Anwesenheit von
18.000 amerikanischen Soldaten in Haiti jedoch
"dramatisch" verändert.

Dodd prognostizierte, der im Exil lebende haitianische Präsident Jean-Bertrand Aristide werde "in
Kürze" nach Haiti zurückkehren. Der Senator zeigte
sich optimistisch und äußerte, haitianische Politiker
hätten der Delegation von Kongreßabgeordneten
gegenüber deutlich gemacht, Aristide müsse "so
schnell wie möglich" nach Hause zurückkehren.
Selbst die Haitianer, die damals nicht für Aristide
gestimmt hätten, hätten vor den amerikanischen
Senatoren ihrem Wunsch nach einer Rückkehr des
Präsidenten Ausdruck verliehen.

AMERIKA DIENST 39

Dodd zufolge würde die Übergangszeit in Haiti
"reibungsloser" verlaufen, wenn der tatsächliche
Präsident Emile Jonassaint abtreten und Ministerpräsident Robert Malval die Übernahme seiner
"rechtmäßigen Position als amtierender Ministerpräsident" gestatten würde.
Senator John Warner, Senator Judd Gregg und
andere Delegationsmitglieder vertraten die Ansicht,
der amerikanische Kongreß solle kein spezifisches
Datum für den Abzug der amerikanischen Truppen
aus Haiti festsetzen. Einige Kongreßabgeordnete in
Washington schlugen den 1. März 1995 als mögli-

Seite 1

�chen Termin für einen amerikanischen Abzug aus
Haiti vor.
Am 1. Oktober stattete eine zweite Delegation von
Kongreßabgeordneten Haiti einen Besuch ab, um
die amerikanischen Truppen zu ermutigen und ihren
Anliegen Gehör zu schenken. Die aus den Abgeordneten des Repräsentantenhauses Norman Dicks,
Julian Dixon, John Lewis, Joe Sheen, Bill Young,
L.F. Payne und John McHugh bestehende Gruppe
wurde vom Abgeordneten John Murtha geleitet. Die
Delegationsmitglieder äußerten die Überzeugung,
die amerikanische Militärintervention werde den
Haitianern im Kampf für die Freiheit und eine demokratisch gewählte Regierung zum Sieg verhelfen.
Levin forderte die Anhänger Aristides auf, den
Haitianern anzuraten, mit ihren Demonstrationen bis
nach dessen Rückkehr abzuwarten. Er warnte,
diejenigen, "die die Demokratie zerstören wollen",
könnten zukünftige Demonstrationen zur Unterminierung der amerikanischen Bestrebungen nutzen.
Die Besuche der Kongreßabgeordneten fanden kurz
nach dem dritten Jahrestag des Militärputsches in
Haiti statt, durch den Aristide gestürzt wurde. Nach
einem Gottesdienst in der Kathedrale Sankt Johannes organisierten Aristide-Anhänger einen
großen Marsch von der Kirche zum Friedhof. Der
amerikanische Botschafter William Swing bezeichnete den Marsch zur Unterstützung von Aristide als
"eindeutige Demonstration der Sehnsucht der
Haitianer nach Demokratie".
Bedauerlicherweise wurden die Demonstranten bei
ihrem Marsch von Gegnern Aristides angegriffen,
und mehrere Haitianer kamen ums Leben. Swing
führte die Unruhen auf "antidemokratische Elemente"
zurück, die sich dem Wandel widersetzen. Er
nannte die FRAPH (Front für Förderung und Fortschritt auf Haiti) als Anstifter und "unzureichenden
Schutz durch die haitianische Polizei" als einen
Grund für die Unruhen.
Der Sprecher der amerikanischen Botschaft, Stanley
Schräger, bezeichnete die Angriffe als "nicht akzeptables" Verhalten und stellte fest, der Mangel an
Schutz durch die haitianische Polizei und die Fähigkeit der FRAPH zu ungestraftem Handeln "unterstreicht die Bedeutung, die Menschen zu entwaffnen
und Haitis verfassungswidrigen paramilitärischen
Apparat abzubauen".
Als Reaktion auf Kritik, das amerikanische Militär
hätte den für Aristide Demonstrierenden keinen
Schutz geboten, wies Oberst Barry Willey darauf hin,
es sei nicht die Aufgabe des amerikanischen Militärs
in Haiti, als Polizei zu fungieren. Ihm zufolge lag es

Seite 2

im Verantwortungsbereich der haitianischen Polizei,
die Menge unter Kontrolle zu halten, und das amerikanische Militärpersonal sei nicht befugt gewesen,
"gegen die Demonstranten" vorzugehen. Vielmehr
sei es angewiesen worden, eine Absperrung zu dem
Hauptmarsch zu bilden und die Menge notfalls nur
dann unter Kontrolle zu bringen, "falls sie sich auf
andere Ziele als den Friedhof zubewegen würde".
Da es kürzlich mehrere Angriffe auf Journalisten und
haitianische Zivilisten gegeben habe, wurde Willey
zufolge die Präsenz der Amerikaner am Boden und
in der Luft erhöht. Während einer Europareise
erklärte US-Verteidigungsminister Perry, die gefährlichsten Stellen, einschließlich der beiden größten
Städte Haitis, würden von amerikanischen Truppen
abgeschirmt. Der Verteidigungsminister, der kürzlich
in Haiti war, prognostizierte ferner, es werde vor der
Aufgabe der Macht durch das haitianische Militär
weitere Gewaltanwendung geben.
Dodd zufolge hatten alle Parlamentarier und Wirtschaftsvertreter, mit denen er zusammentraf, dieselbe
Botschaft an das illegale Militärregime: "Entwaffnet
diese Verbrecher". Es seien Bestrebungen im Gang,
die sog. Attachees (paramilitärische Kräfte) und die
FRAPH "so schnell wie möglich" zu entwaffnen. Den
Senatoren wurde mitgeteilt, die Bewaffneten seien
landesweit in den Städten organisiert und stellten
eine "wirkliche Bedrohung" dar.
Schräger beschuldigte die FRAPH der "versuchten
Untergrabung des demokratischen Prozesses" und
erklärte, Haiti sei seit Jahren 'Von Gewalt und Einschüchterungstaktiken geplagt worden", und aus
diesem Grund seien 18.000 amerikanische Soldaten
dort stationiert. Er betonte, daß die amerikanischen
Truppen das Blutvergießen einzuschränken versuchten.
Obwohl der 30. September in Haiti spannungsgeladen war, wies Willey auf positive Entwicklungen hin,
einschließlich einer Wiedereinberufung des Parlaments und der Wiedereinsetzung des Bürgermeisters
von Port-au-Prince.
Am 30. September übernahm das amerikanische
Militär entsprechend einer Bitte der Regierung
Aristide die Kontrolle über die staatlichen Fernsehund Rundfunkanstalten, nachdem diese vor 13
Monaten unter die Kontolle der de facto-Regierung
gebracht worden waren.
Die Kontrolle über die Sender wurde Schräger
zufolge ohne Verluste übernommen. Ein Mitglied des
legitimen Informationsministeriums stellte ein neues
Sendeteam zusammen, bevor der Betrieb wiederaufgenommen wurde.

AMERIKA DIENST 39

�Das amerikanische Militär wird Willey zufolge nicht
über die Anstalten senden, kein Material für Sendun-

AMERIKA DIENST 39

gen bereitstellen und weder den Inhalt noch die Natur
der Sendungen beeinflussen.

Seite 3

�BOSNIEN
5. Oktober 1994

UNPROFOR UNENTBEHRLICH FÜR
FRIEDENSPROZESS AUF DEM BALKAN
Ansprache von Botschafterin Albright
VEREINTE NATIONEN - (AD) - "Effektive und energische" Friedenssicherungsoperationen im ehemaligen
Jugoslawien sind "von essentieller Bedeutung" für erfolgreiche politische Bestrebungen zur Beendigung der
Konflikte auf dem Balkan, erklärte die Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen,
Madeleine Albright, am 30. September 1994 vor dem UN-Sicherheitsrat, nachdem dieser das Mandat der
Friedenstruppen erneuert hatte.
Der Sicherheitsrat nahm einstimmig eine Resolution über die Verlängerung des Mandats der mehr als 35.000
UN-Friedenstruppen in Bosnien, Kroatien und der ehemals jugoslawischen Republik Makedonien für ein
weiteres halbes Jahr an. Ferner richtete er an die Kriegsparteien die Botschaft, daß das kommende halbe Jahr
für die Friedensverhandlungen und die weitere Verlängerung des Mandats der UNPROFOR von
entscheidender Bedeutung sei.
Die Erneuerung des Mandats findet zu einer Zeit wachsender Spannungen in Bosnien statt, in der die NATO
mit verstärkten Luftangriffen gegen die bosnischen Serben wegen deren Verletzung der Schutzzonen um
Sarajevo und Gorazde sowie deren Angriffen auf UN-Friedenstruppen und Angehörige von Hilfsorganisationen
droht.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Botschafterin Albright vor dem UN-Sicherheitsrat gehaltene Ansprache
im Wortlaut.

Herr Präsident, in den letzten sechs Monaten seit
der Verlängerung des UNPROFOR-Mandats durch
den Sicherheitsrat hat sich die Situation in den
Staaten des ehemaligen Jugoslawien beträchtlich
verändert. Die wichtigste Entwicklung in Bosnien
war der von der Kontaktgruppe unterbreitete Teilungsplan. Die Kontaktgruppe genoß die beständige
Unterstützung durch den Sicherheitsrat, was insbesondere in dieser Resolution bekräftigt wird.
Während die bosnische Föderation den Vorschlag
annahm, war das bei den bosnischen Serben leider
nicht der Fall. Wir werden weiterhin fordern, daß die
bosnischen Serben den Vorschlag akzeptieren, der
unseres Erachtens die beste Möglichkeit für eine
gerechte Lösung des Konflikts darstellt. Erst vor
einer Woche hielt der Sicherheitsrat durch die
Annahme einer Resolution über die Verschärfung
von Sanktionen gegen die bosnischen Serben
diesen vor Augen, daß ihr fortgesetzter Starrsinn
ihnen teuer zu stehen kommen kann.

AMERIKA DIENST 39

In Kroatien hält der Waffenstillstand, die Gespräche
zwischen den Parteien haben jedoch nicht zu den
erhofften Fortschritten geführt. Meine Regierung
unterstützt entschieden die grundlegende Richtschnur, eine Lösung des Konflikts in der Republik
Kroatien müsse (ebenso wie in Bosnien) im Einklang
mit der Souveränität und territorialen Integrität ihrer
international anerkannten Grenzen stehen. Dieses
von meiner Regierung als dringend erforderlich
erachtete Prinzip wird in dieser Resolution explizit
dargelegt.
In der ehemals jugoslawischen Republik Makedonien
haben sich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten
verschärft, der Konflikt ist jedoch glücklicherweise
nicht grenzüberschreitend.
Die UNPROFOR stand an vorderster Front dieser
Entwicklungen.
Die größte Friedenssicherungsoperation der Vereinten Nationen, die UNPROFOR,
spielt bei den Bestrebungen der internationalen
Staatengemeinschaft zur Friedensschaffung eine

Seite 1

�wesentliche Rolle. In Bosnien hat die UN-Schutztruppe eine Fortsetzung der humanitären Hilfe
ermöglicht. Sie hat zur Aufrechterhaltung des Waffenstillstands zwischen den bosnischen Kroaten und
bosnischen Muslimen beigetragen, auf dessen
Grundlage eine bedeutende bosnisch-kroatische
Föderation geschaffen werden kann. Sie hat aktiv
Maßnahmen zum Abbau der Spannungen ausgehandelt. Bei Verletzung dieser Maßnahmen war die
UNPROFOR zu härterem Vorgehen bereit.
Meine Regierung ist besorgt über die zunehmende
Verletzung der Schutzzonen und hat sich deren
strikter Durchsetzung verpflichtet. Ich bin zuversichtlich, daß die UNPROFOR im Falle der Notwendigkeit
strikter Durchsetzung eng mit der NATO zusammenarbeiten wird um sicherzustellen, daß die Absicht
des Sicherheitsrats zum Schutz der Sperrzonen
umgesetzt wird.
In Kroatien wurde der UNPROFOR eine gewaltige
Aufgabe übertragen. Einen Großteil konnte sie - wie
der Generalsekretär kürzlich unterstrich - angesichts
des vorherrschenden Eigensinns nicht bewältigen.
Diese Resolution fordert Fortschritte bei der Umsetzung des Friedensplans der Vereinten Nationen für

die Republik Kroatien, überträgt jedoch gleichzeitig
den Kriegsparteien - und nach Ansicht meiner Regierung gilt das insbesondere für die Serben - die
Verantwortung zur Schaffung von Bedingungen, die
der UNPROFOR eine Erfüllung ihres Mandats
gestatten.
In der ehemals jugoslawischen Republik Makedonien
hat die UNPROFOR bei der Abschreckung von
Konflikten eine wertvolle Rolle gespielt, wobei sie die
volle Unterstützung von Regierung und Volk dieses
Landes genoß.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß eine
effektive und energische UNPROFOR für den von
uns angestrebten Erfolg des politischen Prozesses
von essentieller Bedeutung ist.
Abschließend möchte ich allen Ländern meine
Hochachtung bezeugen, die Soldaten zur UNRPOFOR beigesteuert haben, sowie denjenigen, die bei
dieser Mission verwundet wurden oder umkamen und
allen Truppen, die im Namen des UN-Sicherheitsrats
und der internationalen Staatengemeinschaft Dienst
tun.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 39

�WIRTSCHAFT
5. Oktober 1994

WELTWIRTSCHAFTSLAGE BESSER ALS SEIT LANGEM
Erklärung von Finanzminister Bentsen
MADRID - (AD) - US-Finanzminister Lloyd Bentsen zufolge ist die Weltwirtschaftslage derzeit besser als zu
irgendeinem Zeitpunkt in den vergangenen 10 Jahren.
Er äußerte am 1. Oktober 1994 in Madrid, Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) hätten beim
Treffen der Finanzminister und Zentralbankpräsidenten der G-7 prognostiziert, die Welt könnte mit
Wirtschaftswachstum und niedrigen Inflationsraten rechnen.
Schätzungen des IWF zufolge beträgt das weltweite Wirtschaftswachstum 1994 3,1 und 1995 3,6 Prozent.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Finanzminister Bentsen abgegebene Eingangserklärung bei einer
Pressekonferenz im Anschluß an das Treffen der Finanzminister der G-7, das in Verbindung mit den Treffen
des IWF und der Weltbank in Madrid stattfand.

Als Vorsitzender kann ich berichten, daß wir am
heutigen Nachmittag ausgezeichnete Gespräche
geführt haben. Ich möchte kurz darlegen, was wir
erörtert haben und anschließend einige Fragen
beantworten.
Wir haben über das gesprochen, was man als
ausgezeichnete wirtschaftliche Aussichten für die
Industriestaaten bezeichnen kann. Die Situation ist
besser als seit langer Zeit. Die Aussichten auf
Wachstum verbessern sich beträchtlich. Die Inflationsraten sind niedrig. Der Handel ist in den
vergangenen 15 Jahren um ein Dreifaches gestiegen
und wird Schätzungen zufolge schnellerwachsen als
zu jedem anderen Zeitpunkt in den vergangenen fünf
Jahren.
Herr Camdessus, der geschäftsführende Direktor
des IWF, begann seine Präsentation, indem er uns
mitteilte, seit Mitte der achtziger Jahre sei die
Weltwirtschaftslage nicht so gut gewesen und die
voraussichtlichen Inflationsraten nicht so positiv. Der
IWF legte diese Woche einen Bericht über das
Wachstum vor, dem zufolge die Weltwirtschaft in
diesem Jahr um 3,1 und im kommenden Jahr um
3,6 Prozent wachsen wird. In den Industriestaaten
liegen die Zahlen für beide Jahre bei nahezu 3
Prozent.
Offensichtlich hat unsere Wachstumsstrategie eines
Abbaus des Haushaltsdefizits in den Vereinigten

AMERIKA DIENST 39

Staaten, niedriger Zinssätze in Europa und einer
Ermutigung der Nachfrage in Japan einen sichtbaren
Unterschied gemacht.
Jetzt besteht die uns konfrontierende Herausforderung darin, diese wirtschaftliche Erholung in ein
dauerhaftes Wachstum umzuwandeln, das weiterhin
Arbeitsplätze schafft.
Es besteht Besorgnis über den Anstieg der langfristigen Zinssätze. In gewissem Ausmaß werden sie
durch eine zunehmende Kluft zwischen der weltweiten Spartätigkeit und der aus der steigenden Nachfrage nach Investitionskapital in vielen Bereichen
resultierenden Investitionstätigkeit verursacht. Wir
würden es begrüßen, wenn die G-10 sich näher mit
diesem Thema befaßte.
Zusätzliche Aufmerksamkeit werden wir der Verringerung der staatlichen Ausgaben widmen. Dies
wird zusammen mit einer antiinflationären Geldpolitik
das Vertrauen von Verbrauchern und Investoren
gleichermaßen stärken. Langfristig sollte dies zu
einer Senkung der kurzfristigen Zinssätze führen und
sicherstellen, daß die wirtschaftliche Erholung nicht
durch eine Inflation gefährdet wird.
Wir erörterten die jüngsten Entwicklungen auf den
Devisenmärkten und bekräftigten erneut unser
Engagement für eine fortgesetzt enge Zusammenarbeit.

Seite 1

�Das Problem der hohen Arbeitslosigkeit in mehreren
Ländern wurde ebenfalls diskutiert. Es wurden
einige Fortschritte gemacht, die sich mit zunehmender wirtschaftlicher Erholung noch fortsetzen werden.
Die im März dieses Jahres in Detroit veranstaltete
Konferenz über die Schaffung von Arbeitsplätzen
und die sich wandelnde Arbeitswelt befaßte sich mit
diesem Thema, und bei unseren jüngsten Gesprächen in Neapel sowie bei der von der OECD zu
diesem Thema geleisteten Arbeit wurden verschiedene Schritte identifiziert, die wir unternehmen
können. Vor nur zwei Tagen beseitigten wir in
Washington ein Strukturproblem unserer Wirtschaft.
Präsident Clinton unterzeichnete ein Gesetz, das
den Banken Operationen über die Grenzen der
Bundesstaaten hinweg gestattet und diese somit
rationalisiert.
Ein weiterer möglicher Schritt wäre eine Liberalisierung des Handels durch die schnelle Umsetzung der
Beschlüsse der Uruguay-Runde. Ich wünsche mir
eine Durchsetzung in den Vereinigten Staaten
Anfang des kommenden Jahres und bin in dieser
Hinsicht zuversichtlich.
Wir ergriffen einige bescheidene Maßnahmen als
Reaktion auf die in Neapel erhaltenen Anweisungen
der Staats- und Regierungschefs zur Verbesserung
des laufenden Verfahrens der Überwachung der
Wirtschaftspolitik und politischer Zusammenarbeit.
Erstens einigten wir uns, der Überwachung der
Wirtschaftspolitik weiterhin eine hohe Priorität
einzuräumen und den entstehenden und möglichen
Bedrohungen umweltverträglichen
Wachstums
besondere Aufmerksamkeit zu widmen.
Zweitens beschlossen wir, den IWF um die Übernahme einer aggressiveren Rolle bei der Identifizierung von Gefahren und Untersuchung ihres möglichen Übergreifens über Grenzen und Wirtschaftssektoren hinweg zu bitten.
Drittens beschlossen wir eine stärkere Einbeziehung
der Präsidenten der Zentralbanken in die Arbeit der
G-7.
Viertens sprachen wir uns für eine bei den kooperativen Bestrebungen zur Überwachung der weltweiten
Kapitalmärkte von der G-10 zu spielende wichtige
Rolle aus.
Fazit ist: Wir wollen sichergehen können, daß die
von jedem unserer Länder verfolgte Politik im Einklang mit dem Ziel ausgewogenen, umweltverträglichen und inflationsfreien Wachstums steht. Wir
wollen bei allen diesen Unternehmungen nicht den

Seite 2

informellen Ansatz opfern, den ich stark befürwortete,
als ich meine Arbeit im Rahmen der G-7 aufnahm.
Ich weiß, daß viele von Ihnen an der Frage der
Sonderziehungsrechte interessiert sind. Wir waren
innerhalb der G-7 einmütig der Ansicht, daß der von
den Vereinigten Staaten und Großbritannien unterbreitete Vorschlag über eine Zuteilung von 16 Milliarden Sonderziehungsrechten die Grundlage für ein
Abkommen über diese Frage darstellt. Eine besondere Zuweisung in dieser Hinsicht ist eine Möglichkeit, die entstandenen Ungerechtigkeiten zu verringern. Seit der letzten Zuteilung sind etwa 40
Nationen dem IWF beigetreten, und somit wäre das
nur fair. Wir akzeptieren keine generelle Zuweisung
von Sonderziehungsrechten. Die Mitgliedstaaten der
G-7 wünschen eine Form der Zuteilung, die den
ärmsten Staaten und den Transformationsländern die
größten Vorteile bietet.
Wir einigten uns femer auf die Unterstützung einer
beträchtlichen Erhöhung der Ressourcen des IWF für
Länder mit starken Stabilisierungs- und Reformprogrammen.
Die Minister und Gouverneure trafen auch mit einer
ukrainischen Delegation zusammen. Sie erklärte uns,
nach zwei Jahren ohne bedeutungsvolle Reformen
sei ihr Land jetzt bereit zur Schaffung einer stabilen
Marktwirtschaft. Wir begrüßen diese Entwicklung
ebenso wie das vorgeschlagene Abkommen zwischen der ukrainischen Führung und dem IWF über
ein Transformationsprogramm zur Unterstützung der
Reformen. Wir bekräftigten erneut die in Neapel
abgegebene Erklärung, die Ukraine könne in den
nach Beginn der Reformen folgenden zwei Jahren
Zugang zu 4 Milliarden Dollar erhalten. Wir sehen
der für Ende des Monats in Winnipeg anberaumten
Konferenz über die ukrainische Wirtschaft erwartungsvoll entgegen.
Wir trafen auch mit den Mitgliedern einer russischen
Delegation zusammen und sprachen über die russische Wirtschaft und ihr Programm für 1995. Rußland
hat im Bereich der Wirtschaftsreformen beträchtliche
Fortschritte gemacht. Die Inflationsrate ist wieder
einstellig. Die Privatisierung verändert die wirtschaftliche Landschaft. Die Schlangen vor den Läden
existieren nicht mehr. Zur Unterstützung dieser
Entwicklungen sind weitere haushaltspolitische
Anstrengungen erforderlich. Im kommenden Jahr
sind ehrgeizige Stabilisierungsbestrebungen erforderlich, einschließlich eines schnelleren Wandels bei
Arbeitsplätzen und Wachstum. Wir bleiben der
Unterstützung eines ehrgeizigeren Programms
verpflichtet, das umfassende Unterstützung durch den
IWF und die Weltbank enthält.

AMERIKA DIENST 39

�Es war ein gutes Treffen. Wir haben einige wichtige
Fortschritte erzielt. Die Weltwirtschaft entwickelt sich
ganz ordentlich, und wir widmen unsere Aufmerk-

samkeit jetzt den Aktionen, die ihren guten Verlauf in
den kommenden Jahren sichern sollen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 39

Seite 3

�AIDS
5. Oktober 1994

OFFENE GESPRÄCHE - DAS REZEPT GEGEN AIDS
von Terry Y. Allen
WASHINGTON - (AD) - Michael H. Merson, ein führender Experte auf dem Gebiet der Epidemiologie, ruft die
Regierungen und die Bürger - insbesondere junge Leute - auf der ganzen Welt dazu auf, in die Offensive zu
gehen, um eine weitere Ausbreitung der AIDS-Epidemie zu verhindern. Der nachfolgende Artikel gibt
Einzelheiten über seine Arbeit und seine unermüdlichen weltweiten Bestrebungen.
Der Verfasser des nachfolgend veröffentlichten Artikels, Terry Y. Allen, ist Redakteur von Amherst.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Amherst. Copyright (c) 1994 Amherst
College.

Bereits seit einiger Zeit hören wir von dem Werk
eines Mannes, der es mit dem weltweit verheerendsten Problem für die öffentliche Gesundheit aufgenommen hat: Michael H. Merson steht an vorderster
Front im internationalen Kampf gegen die Pandemie
AIDS.
Merson bringt herausragende Referenzen auf dem
Gebiet von Infektionskrankheiten mit. Er war leitender Epidemiologe im Cholera-Forschungslabor in
Dhaka (Bangladesh) sowie Direktor des Kontrollprogramms der Weltgesundheitsorganisation WHO
für Diarrhöerkrankungen und akute Infektionen der
Atemwege und arbeitete unter anderem in Guam,
Nepal und dem Nordosten Brasiliens.
Merson begann seinen Kampf gegen AIDS vor
nahezu vier Jahren, als der damalige Direktor des
noch jungen weltweiten AIDS-Programms der WHO
(Global Program on AIDS - GPA) überstürzt seinen
Posten verließ. Man bat Merson, das Programm
während einer Übergangszeit zu verwalten und
gleichzeitig die Suche nach einem neuen Direktor zu
leiten. Angesichts seiner erwiesenen Begabung
überrascht es nicht, daß er schon bald gebeten
wurde, die Position, die jetzt als die eines geschäftsführenden Direktors bezeichnet wird, dauerhaft zu
bekleiden.
Mersons Genfer Mitarbeiterstab umfaßt über 200
Personen, darunter Virologen, Gesundheitsbeamte,
Ökonomen, Epidemiologen und Ärzte. Ungefähr 250
weitere Angehörige des GPA sind weltweit in 70
Zentren vor Ort tätig.

AMERIKA DIENST 39

Der umfassende Auftrag des GPA besteht darin, die
weltweite Reaktion auf die Pandemie zu leiten und zu
koordinieren.
Genauer gesagt befaßt sich das
Programm mit der Erforschung und Entwicklung von
Impfstoffen und Medikamenten, der Entwicklung von
Vorsorge- und Behandlungsprogrammen für Geschlechtskrankheiten, HIV und AIDS, sowie mit
technischer Unterstützung der Länder bei der Bekämpfung des AIDS-Virus.
Angesichts dieser komplexen Aufgabe und der von
20 Staaten aufgebrachten Haushaltsmittel in Höhe
von bisher ungefähr 450 Millionen Dollar ist das GPA
bei weitem das größte und ehrgeizigste Gesundheitsprogramm, das je ins Leben gerufen wurde. Merson
teilt jedem bereitwillig mit, daß das durchaus angemessen sei, da die Epidemie, die sich während der
siebziger und achtziger Jahre stillschweigend verbreitete und zur Infektion von Millionen Menschen
führte, "gerade erst beginnt. Und es ist kein Ende in
Sicht."
Merson nahm im Dezember 1993 in New York an
den Veranstaltungen zum sechsten Welt-AIDS-Tag
der Vereinten Nationen als führender Vertreter für
öffentliche Gesundheit im Bereich AIDS teil. Zwischen seinen Zusammenkünften mit Kollegen von
den Vereinten Nationen und öffentlichen Auftritten
betonte er in Interviews, der Kampf zur Eindämmung
der Epidemie werde weiterhin von "Ablehnung,
Selbstgefälligkeit" und der fälschlichen Annahme
behindert, nur gesellschaftliche Randgruppen seien
anfällig für eine Infektion mit dem tödlichen HI-Virus
und die daraus resultierende Krankheit AIDS.

Seite 1

�Merson führte alarmierende neue Beweise dafür an,
daß das HI-Virus keineswegs auf relativ begrenzte
Bevölkerungsgruppen wie homosexuelle Männer und
Drogenabhängige beschränkt sei, sondern auch die
große Gruppe der heterosexuellen Bevölkerung
betroffen ist. Millionen sexuell aktiver Menschen
seien derzeit gefährdet, warnte Merson, insbesondere junge Menschen, welche die Verbreitung dieser
Epidemie unaufhaltsam vorantrieben.
Zur Untermauerung dieser Behauptungen stellte
Merson kürzlich von der WHO erstellte Statistiken
und Prognosen vor:
Zwei Drittel der bisher weltweit über 14 Millionen
HIV-Infektionen sind das Ergebnis heterosexueller Ansteckung. Dieser Prozentsatz wird bis zum
Jahr 2000 auf 75 oder 80 ansteigen.
Die Gesamtzahl von AIDS-Fällen weltweit liegt
schätzungsweise über der 2,5 Millionen-Marke.
Mehr als 95 Prozent aller gemeldeten Fälle
betreffen junge Menschen oder Personen mittleren Alters.
Konservativen Schätzungen der WHO zufolge
werden sich seit Ausbruch der Pandemie bis zum
Jahr 2000 weltweit insgesamt mindestens 30 bis
40 Millionen Männer, Frauen und Kinder mit dem
HI-Virus infiziert haben. Bis Ende der neunziger
Jahre rechnet man mit nahezu 10 Millionen im
Zusammenhang mit AIDS stehenden Todesfällen,
die Mehrheit davon in den Entwicklungsländern.
Der Prozentsatz infizierter Männer und Frauen
wird bis dahin ungefähr gleich sein. Zudem wird
trotz fortgesetzter Forschung nicht bald mit der
Entwicklung eines Impfstoffs oder einer Behandlungsmöglichkeit gerechnet.
Dennoch ist Merson hoffnungsvoll, denn, so erklärte
er am Welt-AIDS-Tag, "die Ausbreitung von HIV
käme zum Stillstand, wenn jeder Mensch eine der
vier Methoden von 'safe sex' anwenden würde:
Abstinenz, Treue, Geschlechtsverkehr ohne Penetration oder die Benutzung von Kondomen." Merson
hält diese Idee nicht für utopisch.
Er wies auf eine kürzlich erstellte umfassende
Übersicht von 35 Studien über Sexualerziehung in
der Schule hin. "Diese Studien demonstrieren, daß
Sexualerziehung nicht zu frühzeitiger sexueller
Aktivität führt", erklärte er. "Wir können unseren
Kindern das Notwendige beibringen, um sexuelle
Aktivität aufzuschieben, oder - falls sie sexuell aktiv
sind - Kondome zu benutzen. Kondome bieten den
doppelten Schutz vor Schwangerschaft und AIDS."

Seite 2

Merson hält Präservative für ein lebensrettendes
Mittel für diejenigen, die sie brauchen. "Wir sollten in
der Lage sein, ebenso leicht über Kondome zu
sprechen wie über Antibiotika.
Im allgemeinen
sprechen wir so indirekt über AIDS wie in den fünfziger Jahren über Krebs." Merson kann sehr gut über
Kondome sprechen. Er äußert sich sachlich, offen
und überzeugend zu AIDS.
Seit er das GPA leitet, hat er vorsichtig und bewußt
den Umgang mit der Öffentlichkeit erlernt. Als
Fürsprecher für die Verhütung von AIDS, der durch
die ganze Welt reist, hat er ausreichend Gelegenheit,
das vom ihm Gelernte anzuwenden. Wegen seiner
etwas väterlichen Art könnte man ihn für den vertrauten Hausarzt einer Familie halten. Und genau
das ist wichtig, wenn er die Öffentlichkeit aufklären
und widerstrebende Regierungen zur Ergreifung von
Maßnahmen bewegen will:
Er muß Vertrauen
erwecken.
Es ist eine von Mersons beständigen Herausforderungen, die Aufmerksamkeit der Regierungen auf ein
nicht sichtbares Problem zu lenken. Die zunehmende Epidemie ist nahezu unsichtbar. "Im Gegensatz
zu allen anderen mir bekannten Epidemien spielen
Diskriminierung und Stigmatisierung hier eine große
Rolle. Das treibt die AIDS-Opfer dazu, sich zu
verstecken, wodurch wir sie nicht behandeln können."
Eine zusätzliche Schwierigkeit dabei, die Regierungen mit den Fakten zu konfrontieren, ist der lange
zeitliche Abstand - oft ein Jahrzehnt - zwischen der
Infektion mit dem HI-Virus und dem Auftreten der
AIDS-Symptome. Führende Regierungsmitglieder,
insbesondere in armen Ländern, verspüren wenig
Anreiz, knappe öffentliche Mittel für die Vorbereitung
auf eine Epidemie zu verwenden, die vielleicht erst
nach Ablauf ihrer Amtszeit zutage tritt.
Merson macht jedes Jahr mindestens 10 Reisen in
Entwicklungsländer. Solche Länder, erklärt er, sind
enormen Gefahren ausgesetzt, weil die AIDS-Epidemie ihre schwachen Volkswirtschaften und Gesundheitssysteme schnell zerstören kann. Sein Ziel
besteht darin, Regierungsvertreter - insbesondere
Gesundheits-, Bildungs-, Arbeits- und Kommunikationsminister - davon zu überzeugen, daß Verhütung
das billigste Mittel gegen die Epidemie ist. Er bemüht
sich, ihre Unterstützung für Aufklärung über "safe
sex" und - falls erforderlich - die breite Verfügbarkeit
von Präservativen zu gewinnen. In einigen Ländern
kann das in den Schulen geschehen. In vielen
Ländern, in denen die Zeit der Schulpflicht sehr kurz
ist, könnte dies auf den Arbeitsplatz verlagert werden
- in Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe oder
andere Orte - und würde das Landwirtschafts-, das
Arbeitsministerium oder beide einbeziehen.

AMERIKA DIENST 39

�Das GPA ermutigte die Länder mit finanzieller und
technischer Unterstützung zur Entwicklung eigener
maßgeschneiderter Verhütungsprogramme.
Der
erste Schritt besteht in der Identifizierung und Erreichung von Risikogruppen, um eine Ausbreitung des
HI-Virus in der Gesamtbevölkerung zu verhindern.
Zudem kann das GPA dazu beitragen, daß sexuell
übertragbare Krankheiten wirksam behandelt werden
- ein wichtiger Punkt, da sie die Ausbreitung von
HIV/AIDS erleichtern. Das GPA bemüht sich auch
um die Stärkung der Unterstützungssysteme für
AIDS-Opfer in den Gemeinden.
Beim Umgang mit Regierungsvertretern verfolgt
Merson eine Strategie der Konzentration auf überzeugende Fallbeispiele, von denen eins aus dem
thailändischen Bangkok stammt. Seit einigen Jahren
ist Bangkok das Mekka westlicher Touristen, von
denen viele sich an dem dortigen blühenden Sexgeschäft erfreuen. Die Zahl der weiblichen Prostituierten in Thailand wird derzeit auf 100.000 geschätzt.
"1987 war das HI-Virus in Bangkok noch praktisch
unbekannt", so Merson. "1990 waren 75 Prozent
der Prostituierten, 20 Prozent der 17- und 18jährigen
Militärangehörigen und vier Prozent aller Schwangeren HIV-positiv."
Selbst wenn sich lediglich ungefähr zwei Prozent
Angehörige von Risikogruppen wie Prostituierte und
ihre Kunden (Touristen, Fernfahrer, Soldaten,
Geschäftsreisende) anstecken, so Merson, kann
man erwarten, daß sich das HI-Virus wie ein Lauffeuer auf Frauen und Freundinnen in entlegenen
Dörfern, Städten, Nationen und Kontinenten verbreitet. Das von Marshall McLuhan prognostizierte
Weltdorf ist Wirklichkeit geworden.
"Im Afrika südlich der Sahara gibt es Gebiete, in
denen bereits 70 bis 80 Prozent der Angehörigen
von Risikogruppen mit dem HI-Virus infiziert sind",
stellt Merson fest. Im weiteren unweigerlichen und
tödlichen Verlauf folgt der HIV-Epidemie die AIDSEpidemie und dieser wiederum die Tuberkulose, der
die schwachen Immunsysteme der AIDS-Opfer kaum
Widerstand entgegensetzen können. Bedauerlicherweise sind viele Medikamente, die früher zur Bekämpfung von Tuberkulose eingesetzt wurden, jetzt
nicht mehr wirksam, weil sich gegen diese Mittel
resistente Varianten der Krankheit entwickelten.
Derzeit machen sich die Mitarbeiter der WHO
Sorgen über die Ausbreitung des HI-Virus in Brasilien und Honduras ("insbesondere in den Städten, in
die die Menschen auf der Suche nach Arbeit ziehen", betont Merson), in Mittel- und Osteuropa, wo
Wanderungsbewegungen zu beobachten sind und

AMERIKA DIENST 39

die öffentliche Gesundheitsfürsorge im argen liegt,
sowie in Teilen Asiens.
Für die Entwicklungsländer kann die Epidemie "den
Verlust von Produktivität einer ganzen Generation"
bedeuten, so Merson. AIDS kann Thailand bis zum
Jahr 2000 ungefähr 9 Milliarden Dollar an indirekten
Kosten in Form von Produktivitäts- und Konsumverlust verursachen.
Der Verlust nur weniger Mitglieder der jüngeren,
gebildeten Generation kann katastrophale Auswirkungen haben. Merson gibt hierfür ein Beispiel: "Stellen
Sie sich vor, in Ihrem Land wüßten nur drei Personen, wie man ein Elektrizitätswerk leitet. Wenn diese
Menschen krank werden, wird - im Unterschied zu
Westeuropa oder den Vereinigten Staaten - die
gesamte Volkswirtschaft in Mitleidenschaft gezogen."
Dennoch ist Merson wahrhaft zuversichtlich, daß das
aus einer Vielzahl unterschiedlicher Kulturen bestehende Weltdorf Mittel finden wird, um sich vor HIV/
AIDS zu schützen. "Ich sage nicht, daß in jedem
Land der Welt jeden Abend im Fernsehen Werbung
für Kondome gemacht werden sollte", äußert er und
fügt hinzu, er erwarte bald mehr darüber zu erfahren,
wie die muslimischen Länder des Nahen Ostens ihre
Bevölkerung über die Epidemie aufklären.
Es scheint fast unglaublich, daß es bereits eine
Anzahl von Erfolgsgeschichten gibt, die als Modell für
zukünftige Bestrebungen zur Verhütung der Epidemie
dienen können. Hilfe im Kampf gegen die Epidemie
kommt aus verschiedenen Quellen - die Weltbank,
die Darlehen in Höhe von 500 Millionen Dollar für
staatliche Bestrebungen zur Eindämmung bereitstellte; die UNESCO, UNICEF sowie viele nichtstaatliche Organisationen wie Save the Children,
Ärzte ohne Grenzen und kommunale Gruppen in den
einzelnen Ländern. Oft können gerade die nichtstaatlichen Organisationen am wirksamsten mit den
"abtrünnigen" Bevölkerungsgruppen umgehen, die die
Regierungen am liebsten ignorieren. Die römischkatholische Kirche, ein notorischer Gegner künstlicher
Geburtenkontrolle, ist Merson zufolge sehr hilfreich
bei der Versorgung von Opfern der Epidemie.
Merson führt einige besonders effektive Projekte an,
die von der GPA unterstützt wurden: Die Förderung
der Benutzung von Kondomen in Zaire und Thailand,
ein für Fernfahrer konzipiertes Aufklärungsprogramm
in Tansania, persönliche Botschaften zur Verhütung
von AIDS in Simbabwe, Medienkampagnen auf den
Philippinen und in der Schweiz. In vielen Fällen ist
die Erziehung der Peer-group - also die Heranziehung und Ausbildung von Mitgliedern der Zielgruppen
zur Aufklärung ihrer Mitbürger - eine vielversprechen-

Seite 3

�de Strategie, um Prostitutierte und Drogenabhängige
zu erreichen.
Ein bemerkenswertes Verhütungsprojekt wurde im
Norden Thailands entwickelt, als Gesundheitsbeamte
tatkräftig die Forderungen der im Sexgeschäft
Tätigen unterstützten, ihre Kunden sollten Kondome
verwenden. Die Bordellbesitzer stimmten zu. Einem
Bericht der WHO zufolge "wurde diese Politik in
allen Etablissements des Projektgebiets gleichzeitig
eingeführt, so daß die Bordellbesucher wenig
Alternativen zur Verwendung von Präservativen
hatten. Die Strategie funktioniert. Im thailändischen
Samut Sakhon verwenden jetzt nahezu 100 Prozent
der Kunden ein Kondom... Das Projekt ist jetzt
landesweit auf 66 der 73 thailändischen Provinzen
erweitert worden."
Mit Finanzmitteln und Hilfe von der GPA werden jetzt
ähnlich innovative Programme nachgeahmt, Medienkampagnen ins Leben gerufen und Analphabeten mit
Hilfe visueller Materialien erreicht.
Merson, der im Dienste des GPA viele Reisen
unternimmt, räumt ein, daß er dieses anspruchsvolle

Amt nicht ewig ausfüllen kann. Irgendwann wünscht
er sich einen akademischen Posten in den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet der öffentlichen
Gesundheit.
Er stellte die Beobachtung an, Amerikaner, die eine
berufliche Laufbahn in diesem Bereich anstrebten,
könnten besser ausgebildet sein, als es tatsächlich
der Fall ist. Er selbst trat dem internationalen Gesundheitswesen bei, nachdem er seine Ausbildung an
der medizinischen Fakultät der State University im
New York Downstate Medical Center abgeschlossen
hatte. Als er später noch im Zentrum für Seuchenbekämpfung in epidemiologischen Studien ausgebildet
wurde, ermutigten ihn mehrere Fakultätsmitglieder zur
Arbeit auf diesem Gebiet. Er hatte bereits in Guam
einen Vorgeschmack vom Umgang mit einer Epidemie bekommen, als die Cholera am Ende des Vietnamkrieges unter den Flüchtlingen wütete.
Er mußte damals schon bereit gewesen sein. Auf
jeden Fall, gestand er, "hätte ich es langweilig
gefunden, mein Leben lang Kopfschmerzen und
Erkältungen zu behandeln".

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 39

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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusammenarbeit zum Nutzen der ganzen Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das amerikanisch-russische Gipfeltreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton und Jelzin planen weiteren Abbau von Atomwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung über nukleare Sicherheit&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame amerikanisch-russische Erklärung über Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Haiti&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;amerikanische Kongressabgeordnete beurteilen Sicherheitslage in Haiti &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Haitianer begrüßen Hilfe bei Wiederherstellung der Demokratie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UNPROFOR unentbehrlich für Friedensprozess auf dem Balkan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafterin Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltwirtschaftslage besser als seit Langem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Finanzminister Bentsen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Offene Gespräche - das Rezept gegen AIDS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Terry Y. Allen&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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22

5. November 1975

Inhalt

DOKUMENTATION:
Ford gibt Veränderungen seines Kabinetts bekannt
- Erklärung des Präsidenten auf der Pressekonferenz am 3. November 1975
Präsident Ford unterstreicht Bedeutung der Vereinten Nationen
- Auszüge aus der Rede am 30. Oktober 1975 in San Franzisko -

I*

INFORMATION:
Risiken durch Kernreaktoren für die Öffentlichkeit minimal
US-Studie über die Unfallgefahren beim Betrieb von Kernkraftwerken

WIRTSCHAFT:
Pariser Ministerkonferenz über wirtschaftliche Zusammenarbeit soll
Nord-Süd-Dialog vertiefen
Von John J. Harter
Nukleare Exporte der USA wieder auf Vorjahreshöhe
- Auszüge aus der Rede des NRC-Mitgliedes Victor Gilinsky in Stockholm

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Wasserstoff greift Hautkrebs an
Neuartige Therapie im Tierversuch erprobt
Mit der Radarsonde auf Erdgassuche

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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22/1975

FORD GIBT VERÄNDERUNGEN SEINES KABINETTS BEKANNT
- Erklärung des Präsidenten auf der Pressekonferenz am 3. November 1975 -

WASHINGTON - (AD) - President Ford hat auf einer Pressekonferenz am 3. November 1975 wesentliche Veränderungen seines Kabinetts bekannt gegeben. Die
einleitende Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Ich habe heute abend mehrere Ankündigungen zu machen.

Erstens, hinsichtlich der Außenpolitik und der nationalen Sicherheit:
Sie werden sich erinnern, daß ich, als ich im August vor einem Jahr Präsident
wurde, zu erkennen gab, das nach meiner Überzeugung es entscheidend wichtig
war, in der amerikanischen Außenpolitik Stabilität und Kontinuität zu gewährleisten.

Ich habe damals nach meinem Gewissen die Entscheidung getroffen,

auf dem wichtigen Gebiet der nationalen Sicherheit keine personellen Änderungen
vorzunehmen.

Ich habe jedoch auf dem Gebiet der Innenpolitik eine Reihe be-

deutsamer Änderungen im Kabinett vorgenommen.

Wir haben jetzt mit Erfolg unsere Verbündeten davon überzeugt, daß die
Vereinigten Staaten angesichts jeder Bedrohung unseres nationalen Interesses
fest stehen werden, und unsere potentiellen Gegner davon überzeugt, daß Amerika
aktiv nach Wegen suchen wird, um die Kriegsdrohung zu verringern.
Ich
- 1 -

�. Ich gebe daher heute abend eine Reihe personeller Veränderungen bekannt,
die nach meiner Überzeugung die Administration auf dem wichtigen Gebiet der
nationalen Sicherheit stärken werden.
Ich habe die Absicht, Donald Rumsfeld als meinen neuen Verteidigungsminister zu nominieren.

Er hat mit Auszeichnung als Kongreßabgeordneter des

Staates Illinois, als Direktor des Amtes zur Sicherung des wirtschaftlichen
Fortkommens, als Direktor des Lebenshaltungskostenrates und als Botschafter
bei der NATO gedient.

Seit einem Jahr steht er an der Spitze meiner Berater

im Weißen Haus und ist Mitglied meines Kabinetts.

Er verfügt über die Erfah-

rung und die Fähigkeiten, die notwendig sind, damit unser Land eine Verteidigungskapazität aufrechterhalten kann, die hinter der keines anderen Landes
zurücksteht.
Ich möchte noch ein besonderes Wort zu James Schlesinger sagen.

Die

Nation steht bei Verteidigungsminister Schlesinger in einer tiefen Schuld
der Dankbarkeit für seine fähigen Dienste an unserem Lande als Vorsitzender
der Atomenergiekommission, als Direktor des CIA und als Verteidigungsminister.
Henry Kissinger hat mit Auszeichnung als Außenminister und als mein Berater für Fragen der nationalen Sicherheit gedient.
Außenminister Kissinger wird seinen Posten als Berater des Präsidenten
aufgeben, um seine ganze Zeit seinen Aufgaben als Außenminister widmen zu
können.
Brent Scowcroft, der drei Jahre lang in fähiger Weise als stellvertretender Berater des Weißen Hauses tätig gewesen ist, wird auf den Posten des
Beraters des Präsidenten für Fragen der natioanlen Sicherheit aufrücken.
Seit einem Jahr hat George Bush die Vereinigten Staaten in der Volksrepublik China vertreten.

Er hat große Fähigkeiten als Kongreßabgeordneter und

als Botschafter bei den Vereinten Nationen bewiesen.

Ich habe die Absicht, Bot-

�Botschafter Bush als Direktor des Zentralamtes für Aufklärung (CIA) zu nominieren.
Der CIA ist eine der wichtigsten Einrichtungen unseres Landes.

In den

letzten Monaten ist er in den Mittelpunkt einiger Kontroversen gerückt.

In

dieser schwierigen Zeit hat Bill Colby als Direktor des CIA in der Zusammenarbeit mit dem Kongreß hervorragendes geleistet, um etwaige Mißbräuche herauszufinden und abzustellen, die in der Vergangenheit aufgetreten sein könnten,
und gleichzeitig eine wirksame Aufklärungskapazität im Ausland aufrechterhalten.
Richard Cheney, der erfolgreich als stellvertretender Berater tätig gewesen ist, wird an die Stelle von Don Rumsfeld als Berater des Präsidenten
treten und wird die Aufgabe der Koordinierung des Stabes des Weißen Hauses
übernehmen.
Auf einem ganz anderen Gebiet habe ich noch eine weitere Personal Veränderung bekanntzugeben.
Vor einigen Wochen teilte mir Handelsminister Rogers Morton mit, daß er
Anfang des nächsten Jahres den Umfang seiner Tätigkeiten einschränken und
seinen gegenwärtigen Posten zur Verfügung stellen möchte, um in das Privatleben zurückzukehren.
Rogers Morton hat sich im Kongreß und auf zwei Kabinettsposten fast
fünf Jahre lang große Auszeichnung erworben. Er hat die Achtung aller Amerikaner gewonnen. Er ist mir lange Jahre ein enger persönlicher Freund gewesen.
Ich bin für seine wertvollen Dienste zutiefst dankbar und werde ihn auch in
Zukunft um Unterstützung bitten.
Elliot Richardson wird von mir als Handelsminister nominiert werden.

Als

fähiger früherer Verteidigungsminister, Minister für Sozialwesen und Justizminister ist Richardson gegenwärtig als Botschafter unseres Landes in Groß-

�Großbritannien tätig.

Ich weiß, daß er auf seinem neuen Posten hervorra-

gendes leisten wird.
Ich hoffe, daß der Senat meine Nominierungen für die Posten, die einer
Bestätigung bedürfen, rasch bestätigen wird." .

'

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22/1975

PRÄSIDENT FORD UNTERSTREICHT BEDEUTUNG DER VEREINTEN NATIONEN
- Auszüge aus der Rede am 30. Oktober 1975 in San Franzisko -

SAN FRANZISCO - (AD) - Präsident Ford hat am 30. Oktober 1975 in einer
Rede in San Franzisko erneut die große Bedeutung der Vereinten Nationen für
die Erhaltung des Weltfriedens unterstrichen, deren Charta in San Franzisko
ausgearbeitet wurde und vor 30 Jahren in Kraft getreten ist. Nachfolgend
die wichtigsten Teile der Rede des amerikanischen Präsidenten im Wortlaut:
In diesem Monat ist es 30 Jahre her, daß die in San Franzisko ausgearbeitete Charta der Vereinten Nationen in Kraft trat. Diese Charta legte in
feierlicher Form fest, daß die Völker der Vereinten Nationen entschlossen
waren, "den Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der
Menschlichen Persönlichkeit,an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen ..."
Das amerikanische Volk baut fest auf diese Prinzipien, und wir haben
in der seither verstrichenen Generation große Hoffnungen in die Vereinten
Nationen gesetzt.

Die Vereinigten Staaten sind stets in den Vereinten Na-

tionen für die Verteidigung dieser Prinzipien eingetreten.
Anfang September fand die siebte Sondersitzung der Vollversammlung über
das Thema wirtschaftliche Entwicklung und weltweite Zusammenarbeit statt. Die

�4,
Die Vereinigten Staaten haben auf dieser Sitzung entschlossen eine führende
Rolle übernommen.

Wir haben klar gemacht, daß die Ausübung wirtschaftlichen

Druckes und Versuche der wirtschaftlichen Erpressung niemals Erfolg haben
würden.

Vielmehr sind, wenn irgend ein Land, ob reich oder arm, seine auf

Fortschritt und Wohlstand gerichteten Ziele erreichen will, Realismus und
eine kooperative Einstellung der einzig mögliche Weg hierzu.
In diesem Geiste haben die Vereinigten Staaten eine Reihe konstruktiver
und realistischer Vorschläge unterbreitet, an deren Verwirklichung andere
Nationen verantwortlich mitwirken würden.

Und unsere Vorschläge bildeten

die Basis für die Empfehlungen, die schließlich am Ende dieser Sondersitzung
von der Völkergemeinschaft der Welt angenommen wurden.

Dies war ein außer-

gewöhnliches Beispiel für vernünftige Verhandlungen, erzielte Übereinstimmung
und praktisches Handeln.
Es hat andere, ermutigende Entwicklungen gegeben. Der Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen hat kürzlich das Mandat der UN-Sicherheitstruppe auf
Sinai bei einem Minimum an Debatten und Schärfen erneuert.
Dieser Truppe kommt für die Erhaltung des Friedens und für unsere Bemühungen um weiteren Fortschritt auf diplomatischem Wege eine entscheidende
Bedeutung zu.
Die ursprüngliche Rolle der Vereinten Nationen bei der Wahrung des Friedens hat heute eine noch größere Bedeutung als jemals zuvor. Daher sind wir
beunruhigt über konkrete Bestrebungen und Aktionen in diesem Weltgremium.
Wir haben Stimmabgaben nach Blöcken, einseitige Resolutionen und Verletzungen
der fairen Verfahren und Prinzipien der UN-Charta erlebt. Wir haben Versuche
erlebt, sich in die Angelegenheiten von Puerto Rico einzumischen, den klar
zum Ausdruck gebrachten Willen der Bevölkerung von Puerto Rico zu mißachten.
Und wir haben es erlebt, daß ein Ausschuß der Vereinten Nationen in einer Abstimmung den Zionismus als eine Form des Rassismus bezeichnet.
Die

�Die Vereinigten Staaten haben durch Außenminister Kissinger und Botschafter Moynihan klar gestellt, daß diese Resolution die notwendige Kampagne
der Vereinten Nationen gegen die Rassendiskriminierung untergräbt und die
entscheidend wichtige Rolle der Weltorganisation als Schlichter im Nahen Osten
gefährdet.

Ich erhebe ernste Einwendungen gegen jede Maßnahme, die die Ver-

einten Nationen als wirksames Forum zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten schwächt.
Die Vereinigten Staaten verurteilen diese Resolution schärfstens und
werden sich dafür einsetzen, daß sie abgelehnt wird, sobald sie vor die Vollversammlung kommt.
Die Charta der Vereinten Nationen bietet eine Norm für die fundamentale
Überzeugung, daß die Vielfalt der Prinzipien und Anschauungen respektiert
werden muß. Wir glauben hieran und werden unsere Werte und Prinzipien in
den Vereinten Nationen ohne jede Apologie verteidigen. Wir werden uns konstruktiv an den Beratungen und Maßnahmen der Vereinten Nationen beteiligen
- und wir wünschen, daß man uns in diesem gleichen Geiste begegnet. Dies
ist mein Standpunkt und ich glaube, daß das amerikanische Volk dem zustimmt.
Anfang dieser Woche hatte ich mehrere wichtige Zusammenkünfte mit dem
ägyptischen Präsidenten Sadat.

Sein Besuch - das erste Mal, daß ein

ägyptischer Präsident in die Vereinigten Staaten gekommen ist - stellt eine
äußerst bedeutsame neue Entwicklung auf außenpolitischem Gebiet dar.
Wenn die Vereinigten Staaten sich Sorge um den Nahen Osten machen, so
geschieht dies weil es sich hier um eine Sache von lebenswichtiger Notwendigkeit handelt und uns keine andere Wahl bleibt.

Der Nahe Osten ist ein

strategisch wichtiger Teil der Welt und die Quelle eines bedeutenden - und
ständig wachsenden - Teiles unserer Energieversorgung sowie der Energieversorgung Westeuropas und Japans. Wir wollen unsere freundschaftlichen Beziehungen zu den rund 150 Millionen Menschen der arabischen Welt aufrecht erhalten und verbessern und wir haben, was den Fortbestand und die Sicherheit
- 3 -

�Sicherheit Israels anbetrifft, eine fundamentale moralische Verpflichtung.
Der Krieg vom Oktober 1973 und das ölembargo haben uns gezeigt, daß ein
Konflikt im Nahen Osten sich rasch ausbreiten und internationale Auswirkungen
zeitigen kann.

Wenn wir daher Erfolg bei unseren Bemühungen um einen Beginn

des Prozesses von Friedensverhandlungen haben, so wird damit den lebenswichtigen Interessen unseres Landes gedient und gleichzeitig ein Beitrag zum
Wohlstand der Völker des Nahen Ostens sowie zum Weltfrieden geleistet.
Das jüngste Sinai-Abkommen zwischen Ägypten und Israel wird die Dynamik
dieses auf den Frieden gerichteten Prozesses erhalten.

Es liegt ein langer,

harter Weg vor uns, der zahlreiche Gefahren birgt, aber ich werde mit dem
fortfahren, was sich vielleicht einmal als eine der bedeutsamsten Leistungen
der amerikanischen Außenpolitik im Verlauf einer Generation erweisen wird.
Wir Amerikaner schreiben gegenwärtig ein Kapitel der Weltgeschichte,
auf das wir stolz sein können.
Wenn ich mich so in der Welt umsehe, dann stelle ich fest, daß unsere
Bündnisse mit der atlantischen Gemeinschaft und mit Japan sich in einem besseren Zustand befinden als zu irgend einer Zeit in den letzten 10 Jahren.
Unsere Zusammenarbeit in Verteidigungsfragen ist vernünftig, wirksam und wird
ständig verbessert. Aber die Zusammenarbeit der Verbündeten geht heute weit
über die Verteidigung hinaus - sie geht so weit, die neuen Gebiete der Zusammenarbeit auf dem Energiesektor einzuschließen - und jetzt finden intensive
Konsultationen statt, um unsere wirtschaftliche Wiedergesundung zu beschleunigen.
In zwei Wochen werde ich in Paris die führenden Staatsmänner der großen
Industriestaaten der freien Welt auf einem wirtschaftlichen Gipfeltreffen
sehen.

Wenn wir alle unsere Politik für eine wirtschaftliche Wiedergesundung

aufeinander abstimmen, so werden unsere Anstrengungen eine sich verstärkende
Wirkung haben und uns allen nützen.
Die

�Die Stärke und die Solidarität der freien Welt ist meines Er^chtens
die einzige Basis, um einen Abbau der Spannungen mit unseren kommunistischen
Widersachern zu erreichen.

Nicht wir wollen die Konfrontation.

Aber ich

habe klar gestellt, daß wir unter meiner Administration eine nationale Verteidigung aufrecht erhalten werden, die hinter keiner anderen zurücksteht
- und ich werde den Verteidigungshaushalt gegen alle gefährlichen und schlecht
beratenen Kürzungen verteidigen.

Ich habe ferner klar gestellt, daß wir auf

eine Herausforderung entschlossen antworten werden.

Wenn wir unsere wirtschaftliche und militärische Stärke beibehalten,
dann werden wir auch über eine zuverlässige Grundlage für praktisch durchführbare Maßnahmen verfügen, um bei den Verhandlungen mit den kommunistischen
Ländern unsere Interessen wahrzunehmen.
Wir unterhalten bei gegenseitiger Achtung stabile Beziehungen zur Volksrepublik China.

Mein Besuch in diesem Jahr wird eine unmißverständliche De-

monstration der Kontinuität unserer Bezeihungen auf der Grundlage der Prinzipien des Kommuniques von Shanghai sein.

Mit der Sowjetunion werden wir weiter auf praktisch durchführbare Abkommen hinarbeiten, wo sie unseren beiderseitiger, Interessen dienen - als
eine Straße in beiden Richtungen,

über SALT werden wir ein ausgewogenes und

zuverlässiges Abkommen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen auf
beiden Seiten aushandeln.

Es wird sich an das Prinzip der Gleichheit halten.

Ich will ein gutes Abkommen; wenn es etwas länger dauert, um ein gutes Abkommen auszuhandeln, dann werde ich diese Zeit darauf verwenden.

Ich möchte

mich nicht in künstlich geschaffene Terminschwierigkeiten hineindrängen lassen ...

- 5 -

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RISIKEN DURCH KERNREAKTOREN FÜR DIE ÖFFENTLICHKEIT MINIMAL
US-Studie über die Unfall gefahren beim Betrieb von Kernkraftwerken

WASHINGTON - (AD) - Die Gefahr, infolge eines Reaktorunfalls ums Leben
zu kommen, ist für eine Person, die selbst in unmittelbarer Umgebung eines
Kernkraftwerks lebt, weitaus geringer als die Wahrscheinlichkeit, bei einem
Flugzeugabsturz oder durch einen Blitzschlag getötet zu werden.
Dies ist eines der Ergebnisse einer neuen Untersuchung, die von der
amerikanischen Regierung über die mit dem Betrieb von Atomkraftwerken verbundenen Risiken durchgeführt wurde. Die Studie kommt ganz allgemein zu
dem Schluß, daß diese Risiken weitaus geringer sind als die, denen sich der
Mensch sonst durch Naturereignisse oder die konventionelle Technik ausgesetzt sieht.
Die Studie wurde von der Nuklearen Aufsichts- und Kontrollbehörde der
USA (Nuclear Regulatory Commission - NRC) nach dreijährigen Vorarbeiter und
Analysen am 30. Oktober veröffentlicht. An ihr hat ein Team von 60 amerikanischen Wissenschaftlern und Ingenieuren aus staatlichen und privater Instituten unter der Leitung von Professor Norman C. Rasmussen von der Abteilung
für Kernreaktortechnik des Massachusetts Institute of Technology (MIT) mitgewirkt.
Aufgrund
- 1 -

�Aufgrund ihrer Untersuchungen kommen die Wissenschaftler zu folgenden
Ergebnissen:
- Daß Unfälle im Zusammenhang mit einem Kernkraftwerk zum Tode führen,
ist zehntausendmal weniger wahrscheinlich als bei sonstigen Unfällen in unserer modernen Welt.
- Unfälle im nichtnuklearen Bereich der technischen Welt, bei denen ein
vergleichbarer bedeutender materieller Schaden entsteht, sind rund 1000 mal
wahrscheinlicher als Atomkraftwerksunfälle.
Die Ergebnisse der Studie stützten sich auf Vergleiche zwischen den in
Betrieb befindlichen Atomkraftwerken und der Häufigkeit von Unfällen im nichtnuklearen Bereich, wie beispielsweise:

Autozusammenstöße, Schäden durch

Feuer und Hitzeeinwirkung, Unfälle durch Ertrinken, durch Schußwaffen, Flugzeugabstürze, Stromstöße, Blitzschlag und Wirbel stürme.
In der Untersuchung wird darauf hingewiesen, daß die nuklearen Risiken
nur geschätzt werden können, da es bisher noch keinen Reaktorunfall gegeben
habe, bei dem bedeutendere Mengen radioaktiver Substanzen freigesetzt wurden.
Nach den Schätzungen des Berichts ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein
Amerikaner durch einen Kernreaktorunfall getötet wird, 1 zu 5 Milliarden.
Im Vergleich dazu beträgt die Wahrscheinlichkeit durch einen Wirbelsturm ums
Leben zu kommen 1 zu 2,5 Millionen; durch Blitzschlag getötet zu werden
1 zu 2 Millionen; bei einem Flugzeugunglück zu sterben 1 zu 100 000; bei
einem Sturz sein Leben zu verlieren 1 zu 10 000 und in einem Autounfall umzukommen 1 zu 4000.
.

Bei seinen Berechnungen geht die Studie von einem Personenkreis aus, der
innerhalb von rund 40 km Entfernung von einem Kernreaktor lebt, sowie von der
Annahme, daß 100 Reaktoren in Betrieb sind. Zur Zeit gibt es in den Vereinigten Staaten 56 Reaktoren zur Kraftstromerzeugung.
Die

�Die Möglichkeit, daß jemand durch einen nuklearen Unfall gesundheitliche Schäden davonträgt, ist nach Angaben der Studie nicht größer als
1 zu 75 Millionen pro Jahr.

Bei einer gesundheitlichen Schädigung dieser

Art würde es sich im schlimmsten Falle um einen Langzeiteffekt einer Schildrüsenerkrankung handeln, die aber rechtzeitig diagnostiziert und erfolgreich
behandelt werden kann.
Entgegen der weitverbreiteten Meinung können Atomkraftwerke nicht "explodieren".

Die einzige Möglichkeit, wie größere Mengen radioaktiver Sub-

stanz aus dem Reaktor entweichen könnten, wäre bei überhitzung des Reaktorkerns und Schmelzen der Brennstäbe.
Um diese Gefahr auszuschließen, sind die Reaktoren durch eine Reihe von
Sicherungs- und Kontrol1 Systemen geschützt, die die Anlage vor überhitzung bewahren.
Nach Angaben der Studie, wäre es äußerst unwahrscheinlich, daß alle
diese Präventivsysteme zusammen und zu gleicher Zeit ausfallen sollten.
Ein großer Teil der in dieser Studie angewandten Methoden zur
einschätzung"

"Risiko-

sind in jahrzehntelanger Arbeit durch entsprechende Abteilungen

des amerikanischen Verteidigungsministeriums und des amerikanischen Bundesamtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) entwickelt worden.
In einer Stellungnahme zu der Studie sagte der Vorsitzende der NRC,
William A. Anders: "Sie bestärkt die NRC in ihrer Überzeugung, daß ein Kernkraftwerk, wenn es entsprechend den umfassenden Ausführungsverordnungen der
NRC entworfen, konstruiert und betrieben wird, einen angemessenen Schutz für
die öffentliche Gesundheit und Sicherheit sowie die Umwelt gewährt." Der
Bericht stelle nach Anders Worten ein "wohlfundiertes und beeindruckendes
Werk dar."
+ + + + +

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22/1975

PARISER MINISTERKONFERENZ ÜBER WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
SOLL NORD-SÜD-DIALOG VERTIEFEN
Von John J. Harter

WASHINGTON - (AD) - Die für den 16. Dezember 1975 in Paris geplante
zwei- bis dreitägige Ministerkonferenz über internationale wirtschaftliche
Zusammenarbeit wird Gelegenheit bieten, den auf der 7. Sondersitzung der
Vollversammlung der Vereinten Nationen im September dieses Jahres eingeleiteten Dialog weiterzuentwickeln und zu vertiefen.
Außenminister Kissinger, der selbst die Leitung der amerikanischen Delegation auf dieser Konferenz übernehmen will, wird die inzwischen in der
amerikanischen Wirtschaftspolitik gegenüber den Entwicklungsländern eingetretenen Entwicklungen erläutern. Und seine Ministerkollegen aus den 26
anderen Ländern werden ihre Ansichten zu den Maßnahmen darlegen, die in den
kommenden Monaten und Jahren zur Verbesserung der kooperativen Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Industriestaaten, den erdölexportierenden Ländern
und den Entwicklungsländern ergriffen werden könnten.
Die Konferenz wird voraussichtlich vier neue internationale Ausschüsse
einsetzen, denen jeweils hohe Ministerialbeamte aus 15 Ländern angehören
sollen:

Energieausschuß, Rohstoffausschuß, Entwicklungsausschuß und Aus- 1 -

�Ausschuß für Finanzfragen.

Die allgemeinen Richtlinien für diese vier Aus-

schüsse sind bereits von Vertretern der Industriestaaten, der Entwicklungsländer und der erdölexportierenden Länder auf einer Vorkonferenz vereinbart
worden, die vom 13. bis 16. Oktober in Paris stattgefunden hat. Auf dieser
Vorkonferenz wurde jedoch ebenfalls vereinbart, daß jeder Ausschuß jede von
einem seiner Mitglieder vorgeschlagene spezifische Frage erörtern kann. Jeder Ausschuß wird selbst seine Tagesordnung, sein Arbeitsprogramm sowie den
Zeitplan hierfür festlegen:

aber alle vier Ausschüsse werden parallel zu-

einander vorgehen und bei ihren Beratungen der von den anderen drei Ausschüssen geleisteten Arbeit Rechnung tragen.
Die vier Ausschüsse werden, nachdem die Minister die auf der Oktobersitzung des Vorbereitungsausschusses erarbeiteten Vorschläge gebilligt haben,
einer zweiten Ministerkonferenz, die in etwa einem Jahr zusammentreten soll,
über ihre Arbeit berichten.

Von amerikanischer Regierungsseite werden die

Ziele, die in dem jetzt beginnenden neuen Dialog angestrebt werden, wie folgt
umrissen:
- Suche nach allseits akzeptable Mittel zur Lösung weltweiter wirtschaftlicher Probleme, wie zum Beispiel die hohen, das Wirtschaftsgefüge
zerrüttenden öl preise;
- Erreichung einer stärkeren Integration aller nationalen Volkswirtschaften, auch der Volkswirtschaften der erdölerzeugenden Länder, in internationale Finanz- und Handelssysteme;
- Ermutigung der Länder mit wachsendem Wohlstand und wachsendem wirtschaftlichem Einfluß, auch einen entsprechenden Teil der Verantwortung für
ein internationales Wirtschaftswachstum und wirtschaftliche Stabilität zu
übernehmen;
- Einleitung gemeinsamer Anstrengungen der erdölerzeugenden Länder und
der Industriestaaten zur Unterstützung der Entwicklungsländer, damit diese
- 2 -

�diese ihre ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwinden können;

- Beschleunigung der bereits laufenden Bemühungen um eine Lösung der
Rohstoffprcbleme.

Gegen Ende der Sitzung des Vorbereitungsausschusses hatten die Vereinigten Staaten eine Liste von Fragen zirkulieren lassen, von denen sie
glauben, daß sie von den vier Ausschüssen erörtert werden sollten.

Für eine

Erörterung im Energieausschuß waren unter anderem folgende Punkte vorgeschlagen worden:

- Energiebedarf und Angebot unter Berücksichtigung des Fortschrittes
der Weltwirtschaft;
- Sicherste!lunc der Versorgung und des Absatzes bei Erdöl und Erdölprodukten;

- Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern
zwecks Steigerung der Energieversorgung.

Von amerikanischen Regierungsstellen wird darauf hingewiesen, daß es
kein anderes internationales Forum gibt, in dem Industriestaaten, Entwicklungsländer und erdölerzeugende Länder zusammenkommen können, um die technischen Aspekte solcher Fragen gemeinsam objektiv zu erörtern.

Und Außen-

minister Kissinger hat in seiner Rede auf der 7. Sondersitzung der UN-Vollversammlung betont, daß

"die Frage der Zusammenarbeit auf dem Energiesektor

nach Ansicht der Vereinigten Staaten bei den bevorstehenden Gesprächen zwischen Verbrauchern und Erzeugern ganz an der Spitze der Tagesordnung stehen
muß".

Die Vereinigten Staaten, so führte er weiter aus, würden zum Beispiel

die Gründung eines Internationalen Energieinstituts vorschlagen,

"das In-

dustriestaaten und Entwicklungsländer, Verbraucher und Erzeuger gerade bei
dem Problem der Energiegewinnung zusammenbringt".

Die
- 3 -

�Die anderen drei Ausschüsse werden sich mit Fragen befassen, die auch
in anderen internationalen Gremien erörtert werden.
- Der Rohstoffausschuß wird beispielsweise Fragen der Rohstoffversorgung, einschließlich der Lebensmittelversorgung, sowie des internationalen
Handels mit solchen Rohstoffen, die für die Entwicklungsländer von besonderem
Interesse sind, und etwaige internationale Abkommen hierüber erörtern.
- Der Entwicklungsausschuß wird unter anderem eine Stärkung der internationalen Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten, Entwicklungsländern und
erdölerzeugenden Ländern anstreben mit dem Ziel, das Wirtschaftswachstum in
den Niedrigeinkommenländern zu beschleunigen.
- Der Ausschuß für Finanzfragen wird alle Finanzprobleme prüfen, die
sich aus der Arbeit der drei anderen Ausschüsse ergeben; dabei wird er auch
die anderen internationalen Finanzgremien, wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, gestellten Aufgaben einkalkulieren.
Der Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, Charles W. Robinson, der die US-Delegation auf der Sitzung des
Vorbereitungsausschusses leitete, sieht in diesen vier Ausschüssen "in
erster Linie Ausstrahlungszentren", die für die Arbeit anderer, bereits bestehender Institutionen richtungsweisend sein und ihnen neuen Auftrieb geben können, bestimmte Aufgaben weit wirksamer zu lösen.
Der Erfolg der Gespräche, die erst auf der Ministerkonferenz und dann
in den vier neuen Ausschüssen fortgeführt werden, hängt nach Auffassung
amerikanischer Regierungskreise davon ab, daß alle Teilnehmer eine konstruktive und kooperative Haltung einnehmen. "Wir stehen unter dem Zwang, diesen
Prozeß erfolgreich zum Abschluß zu bringen", so erklärte ein hoher amerikanischer Beamter, "und wir glauben, daß die anderen Teilnehmer von der gleichen Auffassung ausgehen werden".
+ + + + +

-4-

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22/1975

NUKLEARE EXPORTE DER USA WIEDER AUF VORJAHRESHÖHE
- Auszüge aus der Rede des NRC-Mitgliedes Victor Gilinsky in Stockholm -

WASHINGTON - (AD) - Nach verschieden^ ichen Verzögerungen Anfang dieses
Jahres verläuft das Lizenzierungsverfahren für nukleare Exporte der USA jetzt
wieder normal, so daß die Gesamtausfuhr nuklearer Brennstoffe aus den Vereinigten Staaten 1975 den Stand des Vorjahres erreichen dürfte. Dies stellte
das Mitglied der Nuklearen Aufsichts- und Kontrollbehörde der USA (NRC)
Victor Gilinsky am 29. Oktober auf einer internationalen Konferenz über Reaktorbrennstoffe in Stockholm fest, deren wichtigste Teile wir im folgenden
wiedergeben:
Als die Nukleare Aufsichts- und Kontrollbehörde der USA (NRC) erstmalig
die ihr vom Gesetzgeber übertragene Verantwortung für Entscheidungen über
nukleare Exporte übernahm, führte die Notwendigkeit, ein amtliches Verfahren
für die Analyse und Fixierung der komplizierten, die Exportpolitik beeinflussenden Faktoren zu entwickeln, zu vorübergehenden Verzögerungen bei der
Ausstellung von Lizenzen.

Dies löste, da solche Verzögerungen bei einem

so wichtigen Lieferanten von nuklearem Material und nuklearen Ausrüstungen
auftraten, eine Welle von Besorgnis im Ausland aus.

Ich möchter hier unter-

streichen, daß diese Verzögerungen die Folge einer Anpassung der Verfahren
und nicht einer Unsicherheit in der Politik der amerikanischen Regierung
waren.

Die normalen Verfahren, die ich kurz umreißen möchte, sind jetzt

festgelegt worden, und die Gewährung von Exportlizenzen verläuft normal.
Trotz

�I
Trotz der langsameren Lizenzierung zu Anfang dieses Jahres kommen wir
mit der Bearbeitung der eingereichten Anträge rasch nach. Seit die NRC
vor neun Monaten ins Leben gerufen wurde, sind 23 große Lizenzen für die
Lieferung von Brennstoff für Kraftstromreaktoren genehmigt worden - in
erster Linie für Leichtwasser-Reaktoren in Westeuropa und in Japan.

Ich

rechne damit, daß die Brennstoffexporte zahlen- und tonnagemä'ßig etwa den
Gesamtausfuhren des letzten Jahres entsprechen werden.
Dennoch war diese Besorgnis im Ausland symptomatisch und unterstreicht,
wie wichtig es ist, sicherzustellen, daß unsere Handelspartner die Absichten
der USA verstehen, warum sie den US-Handel mit diesem immer lebenswichtigeren
Brennstoff kontrollieren.
Bei der Ausstellung von Exportlizenzen für solches Material und solche
Ausrüstungen läßt sich die NRC von einer seit langem bestehenden Politik der
USA leiten. Dieser Politik lag von Anbeginn an eine Entschlossenheit zu
Grunde, die Weiterverbreitung nuklearer Waffen zu verhindern, und gleichlaufend hiermit eine Verpflichtung, die Segnungen der friedlichen Atomtechnik mit anderen zu teilen ...
Die Besorgnis der USA bezüglich einer Weiterverbreitung nuklearer Waffen
führte bereits 1964 zur Vorlage amerikanischer Vorschläge für eine Kontrolle
der Atomenergie in den Vereinten Nationen.

Dagegen ist die Angst vor Dieb-

stahl oder Sabotage durch Terroristengruppen erst jüngeren Datums. Hier handelt es sich um ein Problem, dem gegenwärtig in den Vereinigten Staaten von
der Öffentlichkeit wie auch der Regierung große Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Man ist sich im klaren darüber, daß diese Gefahr nicht auf unsere eigenen
Grenzen beschränkt bleibt. Die große Bedeutung, die diesem Problem zukommt,
wird noch durch die wachsende Häufigkeit internationaler Terroristenakte
unterstrichen.
.

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'

Die Vereinigten Staaten arbeiten gegenwärtig zusammen mit anderen Ländern und dar Internationalen Atomenergiebehörde daran, eine strengere Politik
- 2 -

�Politik für den Schutz kritischer nuklearer Materialien und Einrichtungen
auszuarbeiten.

Die Möglichkeit nuklearer Verbrechen hat in der Tat zu

strengeren Bedingungen für die Ausfuhr aus den USA von Plutonium und hochgradig angereichertem Uran geführt ...
Die Gewährleistung eines ausreichenden physischen Schutzsystems ist
meines Erachtens ein Gebiet für eine allseitige Zusammenarbeit und Unterrichtung zwischen den verschiedenen Ländern. Ich kann keinen Grund dafür
sehen, warum die internationalen Bemühungen um eine wirksamere Politik
und wirksamere Programme zum Schutz der entscheidend wichtigen nuklearen
Materialien nicht auch von allen Ländern unterstützt werden sollten ...
Bei der Erzeugung von Kraftstrom aus Kernenergie handelt es sich nicht
länger mehr um eine neue und interessante Technologie, auf die wir die Aufmerksamkeit auf weltweiter Ebene hinzulenken suchen. Sie ist zu einem wirtschaftlichen und strategischen Machtfaktor geworden ...
Wir sollten uns klar darüber sein, daß wir bei der Erörterung von
Kontroll maßnahmen lediglich über einen Teil der Gleichung sprechen.

Letzt-

lich werden die souveränen Länder natürlich das tun, was sie als in ihrem
besten Interesse erachten.

Daher muß diese Gleichung auch die nationale Si-

cherheit und die lebenswichtigen wirtschaftlichen Interessen einschließen.
Es würde hier über den Rahmen hinausgehen, militärische Fragen als solche
zu erörtern.
Es sollte jedoch darauf hingewiesen werden, daß ein wichtiger Faktor,
der mit dazu beiträgt, ein Land in die Versuchung zu führen, sich nukleare
Waffen zu beschaffen, der ist, daß seine Nachbarn dies zu tun scheinen.
Wenn ein Land versucht, bei der Kernenergie autark und bei Brennstoff unabhängig zu werden, so kann dies leider bei seinen Nachbarn ernste Befürchtungen auslösen, daß seine Motive auch in die Richtung nuklearer Waffen
hinzielen.
Eine
- 3 -

�Eine solche Situation kann nur vermieden werden, wenn die am Handel
mit nuklearen Materialien beteiligten Länder, die Lieferanten wie die Empfänger, vereinbaren, bei ihren souveränen Rechten, vor allem auf dem recht
sensitiven Gebiet des nuklearen Brennstoffzyklus, Zurückhaltung zu üben.
Ich glaube, es könnte viel erreicht werden, wenn man sich nur auf den
dringenden Wunsch aller Länder konzentriert, die Versorgung mit Kernbrennstoff sicherzustellen.

Könnte nicht zum Beispiel eine gesicherte Versorgung

mit Kernbrennstoff, vielleicht durch eine gemeinsame Beteiligung am Brennstoffzyklus oder durch andere Garantien attraktiv genug sein, um vom Handel
mit eigenen und unabhängigen - aber gleichfalls auch gefährlichen - Einrichtungen für den Brennstoffzyklus Abstand zu nehmen?
.

Wie die Antwort auch ausfallen mag, die Aufgabe jetzt ist, unsere gemeinsamen Energieprobleme zu lösen und gleichzeitig dem Prozeß der Weiterverbreitung Einhalt zu gebieten. Vor allem müssen wir jene unverantwortliche Selbstgefälligkeit bei der Verbreitung von Kernwaffen vermeiden, die
sich so oft im Gewand einer fatalistischen Einstellung gegenüber dem Gang
des Weltgeschehens präsentiert.

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22/1975

WASSERSTOFF GREIFT HAUTKREBS AN
Neuartige Therapie im Tierversuch erprobt

- (AD) - Im Tierversuch ist es Wissenschaftlern der Baylor-Universität
in Waco, (Texas) gelungen, Hautkrebs durch Behandlung mit Wasserstoffgas
unter hohem Druck zum Verschwinden zu bringen. Die Gasmischung bestand aus
97,5 Prozent Wasserstoff und 2,5 Prozent Sauerstoff. 10 Tage nach der Behandlung in der Oberdruckkammer hatten sich die rötlich-braunen Geschwülste
auf der Haut nackter, haarloser Mäuse schwarz verfärbt und begannen abzufallen. Es kam weder zu Neubildungen noch zu unerwünschten Nebenwirkungen
der Therapie. Dr. Malcolm Dole, der die Experimente leitete, vermutet, daß
die Hochdruckbehandlung mit Wasserstoff den Stoffwechsel und die Atmung der
Krebszellen beeinträchtigt. In Krebszellen laufen diese Prozesse anders ab
als in normalen Zellen. Die Wissenschaftler sind sich aber noch nicht darüber
im klaren, auf welche Weise der Wasserstoff die Hautkrebsgeschwülste zerstört.
Dies soll jetzt im Detail durch weitere Experimente und Untersuchungen geklärt werden. Nach Meinung Dr. Doles dürfte eine Wasserstofftherapie nicht
nur zur Behandlung von Hautkrebs, sondern auch von Lungenkrebs beim Menschen
Bedeutung gewinnen.

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22/1975

MIT DER RADARSONDE AUF ERDGASSUCHE

- (AD) - Seit Anfang September 1975 kreuzt ein Radarflugzeug in ca.
11 000 m Höhe über den Appalachen. In den amerikanischen Bundesstaaten
Westvirginia, Kentucky, Ohio und Virginia sucht es Anzeichen dafür aufzuspüren, daß sich unter der Oberfläche vielleicht bisher unbekannte Erdgasblasen befinden.
Die Sondierung erfolgt mit Seitensichtradar, wobei die hochfrequenten
Radiowellen des Abtaststrahls im schrägen Winkel auf das Terrain auftreffen.
Die Echosignale erzeugen Bilder, die bestimmte Merkmale der Erdrinde an und
unmittelbar unter der Oberfläche besser erkennen lassen als reguläre Fotografien.

Sie können z.B. den Geologen Hinweise auf verborgene Risse und

Versetzungen oder andere, für Prospektionszwecke aufschlußreiche Informationen geben.

Sobald solche

''Indikatoren"

entdeckt werden, folgen einge-

hende Untersuchungen an Ort und Stelle.
Radarsondierungen vom Flugzeug aus wurden in Südamerika bei der kartographischen Aufnahme großer Regionen bereits mit Erfolg angewandt.

Dabei

wurden z.B. in Venezuela ausgedehnte Eisenerzlager und in Brasilien ein bis
dahin unbekannter, 370 km langer Flußlauf entdeckt, in dessen Uferwald Hölzer
im Wert von Millionen Dollar zu finden sind.

-l -

Amerikanische Wissenschaftler

�Wissenschaftler sind jetzt dabei, die ursprünglich von brasilianischen
Kollegen gemachte Zufallsentdeckung, daß Radaraufnahmen Rückschlüsse auf
Rohstoffvorkommen zulassen, zu einer Methode weiterzuentwickeln, die sich
speziell für die Erdgasexploration eignet.

+ + + + +

�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

31

3.

py

^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. November 1980

49

INHALT

INFORMATION
Carter räumt Wahlniederlage ein
- Erklärung des Präsidenten in Washington Erklärung von Vizepräsident Mondale zur Wahlniederlage
- Unterstützung Reagans wird zugesagt Erklärung Reagans zu seinem Wahlsieg
George Bush erkennt im Wahlsieg der Republikaner ein "Mandat der Hoffnung"
- Erklärung des designierten Vizepräsidenten WIRTSCHAFT
Amerikanischer EG-Botschafter plädiert für freien Welthandel
- Schwierigkeiten in einigen Industrien nicht überschätzen USA und EG wissen Instrumentarium der Freihandelspolitik zu nutzen
HINTERGRUNDMATERIAL
Sowjetimperialismus in Afghanistan
- Von Alvin Z. Rubinstein c 1980, Current History, Inc.

Um Übef/endung von
BcIcocKcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
5. November 1980

49

CARTER RÄUMT WAHLNIEDERLAGE EIN
- Erklärung des Präsidenten in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter, der Präsidentschaftskandidat
der Demokratischen Partei, räumte am Abend des 4. November 1980 (Ortszeit)
seine Wahlniederlage ein, nachdem feststand, daß sein Gegenkandidat, der Republikaner Ronald Reagan, die erforderliche Mehrheit von 270 der insgesamt
535 Wahlmännerstimmen erreicht hatte.

Es gehört zu dem politischen Stil in

den Vereinigten Staaten, daß bei Präsidentschaftswahlen der unterlegene Kandidat dem Sieger sofort seine Glückwünsche ausspricht und das amerikanische
Volk zur Unterstützung des neugewählten Präsidenten aufruft.

Die Ansprache (concession speech) von Präsident Carter hat folgenden
Wortlaut:

Ich versprach Ihnen vor vier Jahren, Sie niemals zu belügen; daher kann
ich heute Abend nicht vor Ihnen stehen und behaupten, es wäre nicht schmerzlich.

Das Volk der Vereinigten Staaten hat seine Wahl getroffen, und ich beuge
mich selbstverständlich dieser Entscheidung, wenn ich auch eingestehen muß,
daß dies nicht mit derselben Begeisterung geschieht, mit der ich die Entscheidung vor vier Jahren annahm.

,
Ich

T

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Telex: 08-85432

�Ich kann sagen, daß ich dennoch eine tiefe Bewunderung für unser System
hege, das es dem Volk ermöglicht, in freier Wahl darüber zu entscheiden, wer
es die nächsten vier Jahre führen soll.
Vor etwa einer Stunde rief ich

Gouverneur Reagan in Kalifornien an,

sprach mit ihm und beglückwünschte ihn zu seinem großartigen Sieg.
Ich freue mich darauf, im Verlauf der nächsten Wochen eng mit ihm zusammenzuarbeiten.

Es wird eine sehr gute Übergangsperiode werden.

Ich sag-

te ihm, daß ich wünschte, daß es die beste in unserer Geschichte wird.

Dann

schickte ich ihm dieses Telegramm, das ich Ihnen vorlesen möchte:
"Es ist nunmehr offenkundig, daß das amerikanische Volk Sie zum nächsten
Präsidenten gewählt hat.

Ich gratuliere Ihnen und versichere Ihnen

unsere umfassende Unterstützung und Zusammenarbeit, um in den kommenden
Wochen einen ordnungsgemäßen Übergang in der Regierung zu ermöglichen.
Meine besten Wünsche gelten Ihnen und Ihrer Familie, wenn Sie die Verantwortung auf sich nehmen, die vor Ihnen liegt."
Ich unterzeichnete mit Jimmy Carter.
Mir wurde, wie nur wenigen Menschen überhaupt, das Glück zuteil, die
Geschicke dieser Nation gestalten zu helfen.
Bei diesem Unterfangen fand ich Ihre vertrauensvolle Unterstützung.
In gewisser Hinsicht war ich einer der glücklichsten Präsidenten, denn mir
stand täglich die Hilfe eines klugen, fähigen Mannes zur Seite, der meinem
Urteil nach der beste Vizepräsident war, den es je gab:

Fritz Mondale.

Ich habe nicht alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte.
gelingt dies überhaupt keinem Menschen.

Vielleicht

Aber wir haben uns den schwierigen

Problemen gestellt.

Für

�Für einige Ziele, die für unser Land von höchster Bedeutung sind, sind
wir eingetreten, für sie haben wir gekämpft und haben sie erreicht.

Diese

Anstrengungen werden nicht mit dieser Administration aufhören.

Diese Anstrengungen müssen weitergehen.

Und auch der Fortschritt, den

wir gemacht haben, wird nicht verloren sein, wenn wir aus dem Amt scheiden.

Die erhabenen Prinzipien, die diese Nation seit ihrer Gründung geleitet
haben, werden auch weiterhin Amerika durch die Herausforderungen der Zukunft
lenken.

Wie Sie alle nur zu gut wissen, war dies ein langer und harter Wahlkampf.

Aber wir müssen zueinander finden als geeintes und einiges Volk, um

die Probleme zu lösen, die noch vor uns liegen,und um uns den Herausforderungen eines neuen Jahrzehnts zu stellen.

Und ich fordere Sie alle auf, sich

mir in einer ernsten und fruchtbaren Anstrengung anzuschließen, um meinen
Nachfolger zu unterstützen, wenn er diese gewaltige Verantwortung als Präsident der größten Nation auf Erden übernimmt.

Dies hier ist ein besonderes Land, denn seine gewaltige wirtschaftliche und militärische Stärke verleiht uns eine besondere Verantwortung für
die Suche nach Lösungen der Probleme, denen sich die Welt gegenübersieht.

Aber unser Einfluß wird stets größer sein, wenn wir uns jenen Prinzipien der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Menschenrechte für alle Menschen
würdig erweisen.

Gott war gütig zu mir,und Gott war gütig zu diesem Land - und dafür
bin ich wirklich dankbar.

Ich bin dankbar dafür, in der Lage gewesen zu

sein, Ihnen in dieser Eigenschaft zu dienen, dankbar für die Erfolge, die
wir hatten, dankbar dafür, daß Sie bis zum Schluß zu mir standen in all dem
Guten, das ich zu tun versuchte.
Es

- 3 -

�Es gibt ein altes jiddisches Sprichwort, an das ich in den Tagen und
Monaten meiner Amtszeit oft gedacht habe. Es sagt lediglich:

"Gott gibt

Bürden, aber auch Schultern."
In all den Tagen und Monaten, da ich Ihnen und diesem Land gedient
habe, boten Sie mir bereitwillig Ihre Schultern, Ihren Glauben und Ihr Gebet.
Niemand könnte mehr von seinen Freunden verlangen.
Ich wollte als Präsident dienen, weil ich dieses Land liebe und weil
ich die Menschen dieser Nation liebe.
Nur noch ein Wort dazu:
Lassen Sie mich zum Abschluß sagen, daß ich heute enttäuscht bin, daß
ich aber die Liebe zu beiden nicht verloren habe.

+ + + + +

- 4-

�Information

mJlW I H B

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. November 1980

49

ERKLÄRUNG VON VIZEPRÄSIDENT MONDALE ZUR WAHLNIEDERLAGE
- Unterstützung Reagans wird zugesagt -

ST. PAUL, MINNESOTA - (AD) - Vizepräsident Walter Mondale gratulierte
am 4. November 1980 den republikanischen Wahlsiegern Ronald Reagan und George
Bush und forderte alle Amerikaner auf, sich hinter die neue
tion zu stellen.

Führung der Na-

Die Ansprache des noch amtierenden Vizepräsidenten hat fol-

genden Wortlaut:
Ich schließe mich den Glückwünschen des Präsidenten an Mr. Reagan,
Mr. Bush und ihre Familien an.

Wir müssen uns jetzt alle miteinander hinter

unseren neugewählten Präsidenten stellen.
Wir haben nur einen Präsidenten; er verdient unsere Unterstützung - und
er wird sie erhalten.
Natürlich hätte ich lieber gewonnen.

Aber ich erkenne zugleich einen

Grund zur Freude - wie Sie sicherlich auch.

Denn vor allem haben wir - Gott

sei Dank - das Privileg, in einer Demokratie zu leben.
Im

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�Im ganzen Land hat heute das amerikanische Volk ruhig und überlegt
seine Macht ausgeübt und ohne Einschüchterung seine Wahl getroffen - in den
Speiseräumen der Hochschulen, in den Rathäusern, in den Kirchen, den Synagogen.
Und wie immer auch das Ergebnis sein mag, feiern wir heute nacht vor
allem den Prozeß, den wir "amerikanische Freiheit" nennen.
Wir haben die Führung vier Jahre innegehabt,und mit Ihrer Hilfe hat
das amerikanische Volk mir die höchste Machtbefugnis übertragen, die mir je
zuteil wurde - ein höheres Amt, als ich es je innezuhaben hoffte; und ich bin
zutiefst geehrt, als Vizepräsident der Vereinigten Staaten gedient zu haben.
Ich möchte vor allem Präsident Carter und Rosalynn für ihr Wohlwollen
gegenüber mir, Joan und unserer Familie danken.

Der Präsident, dieser liebens-

würdige, gute Mensch, hat es mir ermöglicht, enger mit ihm zusammenzuarbeiten
als je ein Vizepräsident in der amerikanischen Geschichte.
rung sage ich ihm meinen tiefsten Dank.

Für diese Erfah-

�31
ai

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CO

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49

5. November 1980

ERKLÄRUNG REAGANS ZU SEINEM WAHLSIEG

LOS ANGELES - (AD) - Der Kandidat der Republikanischen Partei bei den
Präsidentschaftswahlen 1980, Gouverneur Ronald Reagan, erklärte am Abend des
4. November (Ortszeit), er sei tief gerührt über das Ausmaß des Vertrauens,
das die amerikanischen Wähler in ihn gesetzt hätten, und er werde sein
Äußerstes tun, um dieses Vertrauen zu rechtfertigen.

Reagan konnte überraschend deutlich und früh die Wahl mit weit über
42 Millionen Stimmen, für

ihn und weit über 34 Millionen Stimmen für Präsi-

dent Carter, den Bewerber der Demokratischen Partei, gewinnen.

In Wahl-

männerstimmen - für die jeweils die Stimmenmehrheit in den Einzel Staaten
notwendig ist - kann der Sieg Reagans mit 489 gegen 49 als Erdrutsch bezeichnet werden.

Nachdem Präsident Carter in Washington seine Wahlniederlage öffentlich
eingeräumt hatte, gab Gouverneur Reagan in Los Angeles eine kurze Erklärung
zu seinem Wahlsieg ab, die folgenden Wortlaut hat:

Ich danke Ihnen allen ganz herzlich.

Lassen

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Lassen Sie mich vorab sagen, daß dies alles - daß es niemals in meinem
Leben einen Augenblick gegeben hat, der mich tiefer gerührt hätte.
Ich wäre nicht nur tief gerührt gewesen über das Ausmaß dessen, was
heute abend geschehen ist - auch wenn es der "Erdrutsch" war, den wir, wie
ich glaube, alle erwartet haben -, sondern einfach darüber, die Unterstützung
der Bevölkerung dieses Landes erhalten zu haben.
Ich betrachte das Vertrauen, das Sie in mich gesetzt haben, als heilig,
und ich gebe Ihnen meinen heiligen Eid, daß ich mein Äußerstes tun werde,
um Ihr Vertrauen zu rechtfertigen.
Ich sprach am Telefon mit Präsident Carter.

Er hat angerufen.

Anderson (der unabhängige Präsidentschaftskandidat,
angerufen.

John

Anm. der Redaktion) hat

Der Präsident hat die größtmögliche Zusammenarbeit für den Über-

gang zugesichert, der in den nächsten Monaten stattfinden wird.
Ich habe ihm meine Zusammenarbeit angeboten - der Präsident war dafür
höchst dankbar.
Und jetzt möchte ich sagen, daß es überall in Amerika Menschen gibt,
denen ich großen Dank schulde. Sie sind hier versammelt, sie kommen heute
abend in unserer Partei zentrale in Arlington, Virginia, zusammen; die Leute
vom Nationalkomitee, die einsatzfreudigen Fachleute, die den Wahl kämpf in
Gang hielten.
In jedem Staat, in den Kreisen, in den Städten und Wahlbezirken waren
im wahrsten Sinne des Wortes Hunderttausende von freiwilligen Helfern tätig,
die alle unermüdlich gearbeitet haben - und ich habe sie im ganzen Lande bei
dieser Wahl kämpfarbeit erlebt - und ich habe ihnen gegenüber eine unermeßliche Dankesschuld.
Was

- 2 -

�Was George und Barbara Bush anbetrifft, meine Mitstreiter aus Texas,
so hat niemand härter gearbeitet als sie.

Unsere Wege in diesem Wahl kämpf

haben sich selten gekreuzt - und wir hatten alle Mühe, das zu erreichen,
denn ihr Einsatzplan war so randvoll.

Und ich kann Ihnen versichern, daß

wir eine echte Partnerschaft und eine echte Freundschaft im Weißen Haus
haben werden.

Und jetzt möchte ich noch einmal meiner Familie danken - ich bin ihr
so dankbar für die Liebe, für die Unterstützung und für die harte Arbeit denn einige

Familienmitglieder waren im Wahl kämpf mindestens ebenso viel

unterwegs wie Nancy und ich.

Und wenn ich von Nancy (Mrs. Reagan, Anm. der Redaktion) spreche, dann
kann ich sagen, daß sie in einigen Monaten einen neuen Titel tragen wird dabei ist es in Wahrheit gar kein neuer Titel, denn in meinem Leben ist sie
schon seit langem die "First Lady".

Jetzt werden wir das in Zukunft ein we-

nig gemeinsam genießen.

Wie Sie wissen, versammelte Abraham Lincoln am Tage nach seiner Wahl
zum Präsidenten in seinem Büro die Journalisten, die über seinen Wahl kämpf
berichtet hatten.

Und er sagte zu ihnen:

"Nun, Jungs, eure Sorgen sind

jetzt vorbei, meine haben gerade erst angefangen."

Ich glaube, er wußte, von was er sprach.

Lincoln hat sich vielleicht

Sorgen gemacht über die unruhigen Zeiten, in denen er Präsident wurde, aber
ich glaube nicht, daß er sich fürchtete.

Er war bereit, sich den Problemen

und den Wirren eines noch immer jungen Landes zu stellen - entschlossen, die
historische Chance zu nutzen, um die Dinge zu ändern.

Auch ich fürchte mich nicht vor dem, was vor uns liegt, und ich glaube
nicht, daß das amerikanische Volk sich vor dem fürchtet, was vor uns liegt.

Zusammen werden wir das tun, was getan werden muß.

Wir werden Amerika

wieder in Gang bringen.
Sie
- 3 -

�Sie wissen, daß ich darauf abziele, diesen großen amerikanischen Geist
einzuspannen und zu nutzen, der diesen völlig unentwickelten Kontinent von
Küste zu Küste erschlossen und zu einem großen Land gemacht hat, der mehrere
Kriege überlebte, der die Weltwirtschaftskatastrophe überlebte und der die
Probleme überleben wird, vor denen wir heute stehen.
Als ich Ihre Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten annahm, zögerte
ich und bat Sie in jenem Augenblick um Ihr Gebet.

Ich möchte Sie in diesem

besonderen Augenblick nicht darum bitten, aber ich möchte nur sagen, daß
ich in den kommenden Tagen sehr glücklich über Ihr Gebet wäre.
Alles, was ich Ihnen allen sagen kann ist: vielen Dank - vielen Dank
für mehr als nur George Bush und mich - vielen Dank, denn wenn der Trend
anhält, dann werden wir zum erstenmal seit einem Viertel Jahrhundert wieder
eine Kammer des Kongresses kontrollieren.
Wir haben bereits einige Gouverneursposten erobert, und Bill Brock
(Wahlkämpfleiter der Republikanischen Partei, Anm. der Redaktion) hat mir vor
wenigen Minuten am Telefon mitgeteilt, daß nach dem jetzigen Trend wir in
einigen der Einzelstaaten in den einzelstaatlichen Parlamenten eine Wende
herbeiführen und zum erstenmal eine Mehrheit für uns erringen konnten.
Das haben Sie fertiggebracht.
Ihnen mitgeben möchte.

Ich habe noch eine Botschaft, die ich

Ich habe versucht, telefonisch zwei Feiern zu er-

reichen - zwei Wahlparties, die jetzt stattfinden - eine in Tampico, Illinois,
wo ich geboren wurde, und eine in Dickson, Illinois, wo ich aufwuchs.
habe zwei Heimatorte.

Ich

Schließlich ist es uns gelungen, die Rundfunkstation

jenes Gebietes zu erreichen, und sie haben versprochen, meine Botschaft auszustrahlen und an diese beiden Wahlparties zu übermitteln.
So auch Ihnen allen in meinen Heimatorten:
Ich danke Ihnen allen.
+ + + + +
- 4 -

vielen Dank.

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49

5. November 1980

GEORGE BUSH ERKENNT IM WAHLSIEG DER REPUBLIKANER EIN
"MANDAT DER HOFFNUNG"
- Erklärung des designierten Vizepräsidenten -

HOUSTON, TEXAS (AD) - "Nicht nur ein Mandat für den Wandel" nannte
George Bush, der designierte Vizepräsident der siegreichen Republikaner,
in einer Ansprache am 4. November 1980 in seiner Heimatstadt Houston den
überwältigenden Wahlsieg des Gespanns Reagan/Bush.

Es sei mehr als das,

nämlich "ein Mandat der Hoffnung".
Die Ansprache des künftigen Vizepräsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vielen, vielen Dank.

Sie haben gerade gehört, wie Gouverneur Reagan

dem Nationalkomitee der Republikanischen Partei und der Parteizentrale in
Arlington, Virginia, dankte.

Ich möchte d m nur noch eine persönliche

Anmerkung, eine regionale Anmerkung, hinzufügen aus Dank an die Einwohner
von Texas für einen phantastischen Sieg in diesem Bundesstaat.
Es ist eine große Freude, mit der Familie hier zu sein.
härter gekämpft als Barbara Bush.

Ich sage Ihnen:

Keiner hat

Sie hat einfach eine

phantastische Arbeit geleistet, und ich möchte dieses ziemlich teure
Kommunikationsmittel benutzen, um Nancy Reagan und ihrer ganzen Familie

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Familie für das zu danken, was sie getan haben.

Ich sage Ihnen:

Ich habe

noch nie eine Familie so hart arbeiten sehen, wie die ganze Familie Reagan
draußen im Lande.
Lassen Sie mich nur ganz kurz und ernst ein paar Worte an unsere Landsleute richten - an die Republikaner, Demokraten, die Unabhängigen nicht nur
hier, sondern überall.
Und lassen Sie mich zuallererst sagen, daß wir alle, während wir hier
heute nacht feiern, inbrünstig hoffen und beten, daß wir Amerikaner bald
gemeinsam die Freiheit jener 52 im Iran festgehaltenen Geiseln und das Glück
ihrer Familien bei ihrer Rückkehr werden feiern können.
An alle, die für das Gespann Reagan/Bush stimmten, an alle die einen
anderen Kandidaten unterstützten:

Die Wahlen sind vorbei, aber die wirkliche

Herausforderung als Nation, die sich dem Frieden und dem besseren Leben der
Menschheit verpflichtet hat, liegt vor uns.
Dies ist eine Nacht der Siegesfeier für die einen von uns und eine
Nacht der Enttäuschung für die anderen; aber morgen müssen diejenigen von
uns, die heute nacht feiern,und diejenigen, die eine Enttäuschung erlitten
haben, wieder in jener großen amerikanischen Tradition als ein Volk zusammenfinden, um sich der größeren Herausforderung zu stellen.
Und lassen Sie mich Ihnen allen - ob Sie uns unterstützt haben oder ob
Sie gegen uns waren - sagen, was der designierte Präsident Reagan gesagt hat:
Daß dieser Sieg heute nacht nicht nur ein Mandat für den Wandel darstellt,
sondern ein Mandat für Frieden und Freiheit, ein Mandat für Wohlergehen, ein
Mandat der Chancen für alle Amerikaner ohne Ansehen ihrer Rasse, ihres Geschlechts oder ihres Glaubens, ein Mandat für eine Führung, die stark und
mitfühlend zugleich ist; ein Mandat- Gouverneur Reagan hat es auf eine kurze
und klare Formel gebracht -, um die Regierung auf eine Weise zum Diener des
Volkes zu machen, wie es unsere Gründerväter beabsichtigten; und ein Mandat

- 2 -

�Mandat der Hoffnung, der Erfüllung eines großen Traums, für den der designierte Präsident R agan sein Leben lang gearbeitet hat und für den er und
ich in den kommenden Jahren unsere ganze Willenskraft einsetzen werden.
Wenn ich jetzt hier in meiner Heimatstadt vor Ihnen stehe, dann bin ich
voll tiefer Dankbarkeit.
Aber zugleich bin ich stolz, stolz auf die Gelegenheit, daß ich dabei
helfen konnte, während der vergangenen Monate die Botschaft des kommenden
Präsidenten Reagan an das amerikanische Volk zu überbringen, stolz darauf,
in den kommenden Jahren mit einem Mann, einem gütigen und redlichen Mann,
uienen zu können, von dem ich weiß, daß er die Führung bieten wird, von der
ich weiß, daß sie das amerikanische Volk wünscht.
Amerika ist - wie es der Text des Liedes sagt - wieder auf dem Weg und unter der Führung von Ronald Reagan wird dieser Weg unser Land wieder
zur Größe zurückführen.
Ihnen allen vielen, vielen Dank.
hier zu sein.

Die Familie Bush freut sich so sehr,

+ + + + +

- 3 -

�s.M
49

Ulift/choft
'

\

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5. November 1980

AMERIKANISCHER EG-BOTSCHAFTER PLÄDIERT FÜR FREIEN WELTHANDEL
Schwierigkeiten in einigen Industrien nicht Liberschätzen USA und EG wissen Instrumentarium der Freihandelspolitik zu nutzen

Der amerikanische Botschafter bei den Europäischen Gemeinschaften in Brüssel, Thomas 0. Enders,
bezeichnete in einer Ansprache, die er am
23. Oktober 1980 vor der Amerikanischen Handelskammer der Niederlande in Amsterdam hielt, den
Welthandel als die treibende Kraft der Wirtschaftsexpansion der ersten Nachkriegsjahrzehnte. Er
zog daraus die Folgerung, daß der internationale
Handel auch weiterhin der führende Sektor der
Weltwirtschaft bleiben müsse, damit alle Länder
gleichmäßig an deren Wachstum teilhaben können.
Botschafter Enders verwies auf die wachsenden
Pressionen, den gesunden langfristigen Trend zur
Liberalisierung des Welthandels aufzugeben und
setzte dem die These entgegen, daß die Vereinigten
Staaten und die Europäische Gemeinschaft ein
ausreichendes Instrumentarium entwickelt haben,
um mit den Schwierigkeiten in manchen Schlüsselbranchen wie der Stahl-, Automobil- und Kunstfaserindustrie fertigzuwerden, und daß sie dieses
Instrumentarium in der Praxis bisher mit großem
Geschick zu handhaben verstanden.

Die
S h 20
00
K°c
^
»
°
5
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:
AMSTERDAM - (AD) -

Ich möchte heute abend zu Ihnen über Fragen

des Außenhandels sprechen - darüber, wie gut das Welthandelssystem dem
doppelten Druck von Rezession und Inflation zu

widerstehen vermag, und

auch darüber, was wir unternehmen, um die großen Handelsprobleme (im
Außenhandel mit Stahl, Kraftfahrzeugen und chemischen Produkten) zu lösen,
die sich im Laufe dieses Jahres ergeben haben.
Niemand braucht Niederländern erst zu erklären, wie stark die große
Prosperität der industrialisierten Welt in der Zeit nach dem Zweiten
Weltkrieg von der Expansion des internationalen Handels abhing. Der
Außenhandel war die eigentliche Wachstumsbranche, dessen Expansionsrate
die der heimischen Volkswirtschaft fortgesetzt übertraf. Dem realen
Wert nach wuchs der Binnensektor unserer heimischen Volkswirtschaften
von 1963 auf 1979 um 100 Prozent, der Welthandel aber um 200 Prozent,
wobei der Steigerungssatz an sich noch höher läge, könnten wir die
Dienstleistungen exakt bemessen. Ohne die Dynamik des Außenhandels
wären die letzten drei Jahrzehnte nicht das gewesen, was sie wirklich
waren - die Periode der größten Prosperität in der gesamten Weltgeschichte.
Viele Dinge sind in diese Bilanz eingegangen: die drastische
Senkung der Transportkosten ebenso wie die andauernde Revolution unserer
Kommunikationsmittel. Von Institutionen und der Regierungspolitik gingen
ebenfalls wichtige Einflüsse aus: die Organisierung eines funktionstüchtigen Welthandelssystems durch das GATT im Jahre 1948, die Beseitigung
der Handelsschranken in Europa über die Schaffung der Europäischen
Gemeinschaft und die langwierige und geduldige Mitarbeit am Abbau von
Handelsschranken im gesamten Bereich des Welthandels in fortgesetzten
multilateralen Handelsverhandlungen. Wenn die jüngst vereinbarten ZollSenkungen in Kraft treten, werden die amerikanischen Zölle im Laufe der
bisherigen Nachkriegszeit eine Senkung von insgesamt 75 Prozent erfahren haben.
Die
- 2 -

�Die Dinge sind mithin in Fluß geraten.
Die Arbeitslosigkeit nimmt in der gesamten industrialisierten
Welt zu und beziffert sich nunmehr auf 7,8 Millionen in den Vereinigten
Staaten, 7,1 Millionen in der Europäischen Gemeinschaft und 260 000
in den Niederlanden. Wir alle unterliegen mehr oder weniger dem Druck,
Hilfsmaßnahmen zugunsten der arbeitslosen Männer und Frauen in Form der
Einschränkung de, einfuhren in den am stärksten unter der Depression
leidenden Sektoren zu treffen, rur die Arbeitssuchenden vieler Länder
dürfte dies der schlimmste Winter seit Ende der Weltwirtschaftskrise
werden. Wohl haben wir es verstanden, einen Grad der Prosperität zu
erreichen, von dem vor einer Generation noch niemand zu träumen wagte;
das Problem aber, eine sinnvolle und lohnende Arbeit für alle Angehörigen
unserer Völker zu finden, wird zunehmend schwieriger.
Es gibt aber auch noch andere Probleme.

Die Beschleunigung der

Inflation; der Anstieg der Rohölpreise über das Maß hinaus, das wir
angesichts unserer Kapitalausstattung verkraften können; plötzlich anschwellende Einfuhrströme, wie wir sie erst in den Bereichen der Automobil- und in der chemischen Industrie erlebt haben; die Gefährdung
der Stahlindustrie; und die raschen Wechselkurssprünge (insbesondere
des Jen) - all dies verunsichert die Märkte und weckt eine neue Sehnsucht
nach Sicherheit, die höhere Handelsschranken zu gewährleisten scheinen.
Weite Kreise in Industrie und Gewerkschaften rufen nach mehr
Protektionismus.

Das gleiche tut auch die britische Labour Party.

Viele Leute meinten, diese Probleme würden uns überwältigen und
irgendetwas werde zu Bruch gehen.

Das aber war nicht der Fall.

Die

Vereinigten Staaten haben die Talsohle der Rezession überschritten, und
die amerikanische Wirtschaft beginnt sich langsam zu erholen.
hinkt nicht weit hinterher.

Das System hat also bisher

- 3 -

Europa

standgehalten.

�gehalten.

Dennoch stehen uns die größten Herausforderungen erst noch

bevor.
Wie haben wir das fertiggebracht?
Erstens, indem wir uns bei der Bereinigung von Handelsproblemen
streng an die Regeln hielten. Unter der Führung der Europäischen Gemeinschaft
und der Vereinigten Staaten wurden Anfang 1980 neue Regeln für den Welthandel in Kraft gesetzt. Sie betreffen Angelegenheiten wie die Anwendung
von Dumpingmethoden, das heißt den Verkauf von Produkten im Ausland zu
Preisen, die unterhalb des Preises auf dem Binnenmarkt oder des Gestehungspreises liegen; die Gewährung staatlicher Beihilfen und andere Maßnahmen,
die Drittländer ergreifen können, um sich vor der Einfuhr solchermaßen
bezuschußter Güter zu schützen; die Gleichstellung ausländischer und
inländischer Bieter bei staatlichen Beschaffungskäufen; und die Festsetzung
fairer Leistungs- und Sicherheitskriterien für Produkte, die in den
internationalen Handel gebracht werden sollen.
Diese Regelungen sind kompliziert.

Es nahm lange Zeit in Anspruch,

sie auszuarbeiten; aber sie finden Anklang.
Jahres mehr Dumpingfälle verhandelt

Wir haben im Verlauf dieses

als je zuvor - insbesondere im

Bereich der Petrochemie und der Stahlerzeugung.

Es wurde auch über einige

Fälle gemäß anderer Handelsregelungen verhandelt, insbesondere gemäß der
Bestimmungen zum Schutz der eigenen Wirtschaft vor Einfuhrwaren (safeguard provisions), die es den Regierungen gestatten, Notstandsmaßnahmen
zu ergreifen, um Einfuhren eng zu begrenzen, die die heimische Wirtschaft
schädigen, sofern sie den Exportländern Kompensation in Form
von Konzessionen in anderen Bereichen des Außenhandels leisten. Die
Europäische Gemeinschaft hat diese Bestimmung dazu benutzt, ihre
Schwierigkeiten auf dem Gebiet der Einfuhr von Kunstfasern aus Amerika
zu bereinigen.
Solange

- 4 -

�Solange dies nicht als Störung oder Ärgernis empfunden wird und
solange die Grundregeln des Handels - man bezahlt für das was man bekommt respektiert werden, ist das strenge Festhalten an den geschlossenen
Übereinkünften die richtige Methode, die meisten Störungen im Außenhandel
zu beseitigen.
Die meisten - aber nicht alle - Schwierigkeiten. Das führt mich
zu einem zweiten Punkt: Wir sollten in manchen Fällen nicht alles schlucken,
was uns unter diesen Regeln aufgetischt wird.
Das gilt für eine der Antidumping-Klagen, die eine amerikanische
Gesellschaft gegen einen Stahlexporteur aus dem Gebiet der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft angestrengt hat. Niemand bestreitet das Recht
der besagten Gesellschaft, einen solchen Antrag zu stellen. Und es kam
auch zu keinem Meinungsdisput bezüglich der Regeln,die hier anzuwenden
waren, ja es gab noch nicht einmal ernsthafte Zweifel daran, daß die
amerikanische Firma die Klage zu Recht angestrengt hatte.
Aber die Ausfuhr von rund 4,1 Millionen Tonnen Stahl aus den
Ländern der Gemeinschaft in die Vereinigten Staaten stand in dieser
ungewöhnlichen Situation auf dem Spiel - über Dreiviertel

des gesamten

Stahlexports der Gemeinschaft in die Vereinigten Staaten.
Europäer und Amerikaner sorgten sich gleichermaßen wegen der möglichen
Implikationen dieses Schritts.

Ein Verlust des amerikanischen Marktes

hätte die ohnehin schwierige Aufgabe der Umstrukturierung der gesamten
Stahlindustrie der Gemeinschaft nur noch mehr erschwert.

Er hätte den

Konkurrenzdruck in den Vereinigten Staaten zu einem Zeitpunkt verringert,
in dem dieser von großer Bedeutung für den Fortgang der Modernisierung
der amerikanischen Stahlindustrie und die Bekämpfung der Inflation war.
Wir sorgten uns, daß das neue Instrumentarium zur Regulierung des Außenhandels in unseren Händen zerbrechen könnte, wenn wir von den Europäern

- 5 -

�Europäern zuviel verlangten.
Die Lösung - mit ausgesprochenem Ausnahmecharakter, wie ich unterstreichen möchte -, war die Entwicklung einer auf 3 bis 5 Jahre befristeten
Übergangsregelung, nach deren Ablauf die amerikanische Industrie und die
europäischen Exporteure den normalen Handelsregeln unterstellt werden
sollen.

Um dorthin zu gelangen, verkündete Präsident Carter ein Hilfs-

programm für die amerikanische Stahlindustrie, das unter anderem Steueranreize für die Modernisierung, die Befreiung von gewissen Umweltschutzauflagen, die Bereitstellung von Mitteln für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben im Bereich der Stahl Verwendung und zusätzliche Hilfen für arbeitslose Stahlarbeiter und die Standortgemeinden der Stahlindustrie vorsieht.
Der sogenannte Auslösepreis-Mechanismus wurde für diesen Übergangszeitraum reaktiviert. Nach dieser Regelung werden private AntiJumpingKlagen erst dann zugelassen, wenn eine erhebliche Einfuhrzunahme und ein
Absinken des Kapazitätsnutzungsgrades in der amerikanischen Stahlindustrie
zu verzeichnen sind. Andererseits können Stahleinfuhren, die zu einem
Preis auf den amerikanischen Markt kommen, der unter dem Gestehungspreis
des leistungsfähigsten Lieferanten - Japan - liegt, die Regierung veranlassen, Anti-dumping-Klage zu erheben. Diese Entscheidung,
die die
Billigung der Europäischen Gemeinschaft fand, dürfte den europäischen Stahlhandel wieder in Gang bringen, da sich die heimischen Preise sowohl in
Europa als auch in Amerika festigen. Hinzu kommt, daß diese Maßnahmen
Europa keinen Anlaß geben, neue quantitative Restriktionen auf solche
Importe einzuführen, die nur zusätzliche Handelsströme nach den Vereinigten
Staaten ablenken könnten. Wir haben unseren eigenen Industrien nicht den
Stärkstmöglichen Schutz in Gestalt der Einfuhrquoten
gewährt, und
wir sehen nicht ein, warum Europa so verfahren sollte.

Das führt mich zu meinem dritten Punkt. Wir haben bisher dank
der Konzertierung Erfolg gehabt - ein gutes Wort für das komplizierte

�komplizierte Verfahren, notwendige binnenwirtschaftliche Entscheidungen
in voller Konsultation mit dem anderen Partner und unter vollständiger
Berücksichtigung seiner Interessen zu treffen. Das bedeutet nicht, daß
wir immer das tun, was unser Handelspartner von uns erwartet. Es bedeutet
aber, daß wir nichts in Unwissenheit dessen tun, was er wirklich
bedarf.
Es hat lange Zeit gedauert - und der Erfahrung zweier wichtiger
Runden von Handelsverhandlungen und der Reifung einer Generation von
Unterhändlern für Handelsverhandlungen bedurft -, um auf dieses Niveau
des gegenseitigen Verständnisses und der Zusammenarbeit zu gelangen.
Ohne diese wäre das Welthandelssystem - zu dessen Hauptgewinnern die
Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten zählen - weit
schwerer aufrechtzuerhalten.
Ernsthafte Probleme stehen uns ins Haus. Das eine betrifft die
Automobilindustrie. Jedermann weiß von dem Erfolg der Japaner auf
dem amerikanischen Markt, in den Vereinigten Staaten haben japanische
Autos einen Marktanteil von über 20 Prozent errungen, nach knapp 10 Prozent
im Vorjahr. In Europa bewegt sich der ständig zunehmende Anteil der
Japaner zwischen knapp 3 Prozent in Frankreich und Italien und über
29 Prozent in den Niederlanden.
Autoproduzenten und Gewerkschaften auf beiden Seiten des Atlantik
rufen nach Schutzmaßnahmen.
In den Vereinigten Staaten hat die Regierung Carter wiederholt
darauf hingewiesen, daß sich die Beschränkung der Einfuhr von relativ
billigen und benzinsparenden japanischen Automobilen im Hinblick auf
unsere Bemühungen, Energie zu sparen und den inflatorischen Druck zu
vermindern,als kostspielig erweisen könnte.

Die

�Die Amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft hat trotzdem bei
der Außenhandelskommission (ITC) Antrag auf Schutzmaßnahmen gestellt und
ihn damit begründet, daß die Einfuhr die heimische Industrie schwer
schädige.

Unsere Handelsgesetzgebung schreibt der ITC für diesen Fall

zwingend vor, eine Untersuchung anzustrengen, um die behauptete Schädigung
der heimischen Industrie nachzuweisen oder zu entkräften.

Die ITC will

die Ergebnisse ihrer Untersuchung nebst Empfehlungen dem Präsidenten am
24. November unterbreiten.

Es ist im Augenblick unmöglich, vorauszusagen,

zu welchen Ergebnissen diese Untersuchung gelangen wird.

Sollten sich

diese Anschuldigungen als richtig erweisen, wird jede Maßnahme, die die
Regierung daraufhin trifft, voll und ganz im Einklang mit unseren internationalen Verpflichtungen stehen.
In Europa haben die Automobil herstell er die EG-Kommission ersucht,
für den Gesamtbereich der Europäischen Gemeinschaft gültige Restriktionen
zu beschließen. Die Kommission hat daraufhin, wie ich meine, zu Recht,
mit Nachdruck auf die Stärkung des Wettbewerbs auf den Binnenmärkten
und die Verbesserung des Zugangs zum japanischen Markt hingewiesen.
Amerikaner und Europäer sind gleichermaßen bemüht, über die Konjunkturschwäche und die japanische Herausforderung hinaus in die Zukunft zu
blicken, um Klarheit darüber zu gewinnen, welche Mischung aus Maßnahmen Investitionsanreize, Förderung der Rationalisierung, Befreiung von Umweltschutzauflagen, Fortsetzung des Einfuhrwettbewerbs oder Regulierung der
Einfuhren - uns am raschesten über den Berg hilft. Die Vereinigten Staaten
haben insofern ein besonderes Problem, als die amerikanischen Verbraucher
in ihrer Masse bemüht sind, sich kleinere Fahrzeuge zuzulegen. Unsere
Kraftfahrzeugindustrie stellt sich darauf ein, und wir können preisgünstigere, gutverarbeitete und benzinsparende Autos bauen, die mit den
Einfuhrwagen konkurrieren können. Weitere solche Fahrzeuge werden demnächst auf den Markt gebracht werden. Wenn den amerikanischen Verbrauchern
erst eine größere Auswahl an kleineren Fahrzeugen zur Verfügung steht, wird

�wird sich das Einfuhrproblem verändern. Die Frage ist: wird es sich
bald genug verändern?
Ein konzertiertes Vorgehen wird nicht nur in der Kraftfahrzeugindustrie sondern auch in anderen Bereichen notwendig sein. Auch wenn
dies nicht beabsichtigt war: die Beschränkung der japanischen Einfuhren,
die in Europa bereits angewandt werden, haben den Druck auf den amerikanischen
Markt verstärkt, der bisher vollständig offen war.

Weitere Restriktionen

von ihrer oder unserer Seite könnten auch andere schädigen.
Ob es uns gefällt oder nicht: Das Automobil steht im Mittelpunkt
der industrialisierten Zivilisation Europas und Amerikas. Die Art und
Weise, in der wir beide auf die japanische Herausforderung reagieren,
kann zu einem entscheidenden Element unseres künftigen Erfolgs auf dem
industriellen Sektor werden. Wir müssen die richtige Mischung aus Sicherheit
und Selbstvertrauen finden.
Petrochemische Produkte und synthetische Faserstoffe bilden einen
dritten Problembereich. Im Januar kündigte die Europäische Gemeinschaft
an, daß sie Einfuhrquoten auf zwei Arten synthetischer Fasern - Polyesterfilament- und Nylonteppichgarne - für den Fall der Einfuhr in das Vereinigte
Königreich festsetze., werde. Die Ausfuhren kommen in der Hauptsache aus
den Vereinigten Staaten und Kanada. Ihr Erfolg ist einer Kombination
aus mehreren Faktoren zuzuschreiben: der Modernisierung der Anlagen,einem
günstigen Dollar-Kurs, und, in einem geringeren Grade, der reglementierten
Rohöl preise in den Vereinigten Staaten.
Die Vereinigten Staaten zogen

das grundlegende Recht der Europäischen

Gemeinschaft, angemessene Schutzmaßnahmen zu treffen, nicht in Zweifel, wir
wandten uns lediglich gegen die selektive Art dieses Vorgehens. So wie
Sie gemäß dem GATT-Vertrag das Recht hatten, Schutzmaßnahmen zu treffen, so
haben wir Anspruch auf kompensierende Handelskonzessionen seitens der

- 9 -

�1

der Europäischen Gemeinschaft - ein Recht, das wir wahrnahmen.
Das Problem ist aber etwas umfassender und von grundlegenderer
Bedeutung als der relativ einfache Kunstfaser-Fall erkennen läßt.

Die

Vereinigten Staaten, die sich eines großen Binnenmarktes und Arbeitsbedingungen erfreuen, die eine höhere Nutzung der Anlagen gestatten,
dürften auch im Bereich der Petrochemie einen Wettbewerbsvorteil haben.
Europäische Produzenten beklagen sich über den zusätzlichen Vorteil der
amerikanischen Industrie,die über der Preiskontrolle unterliegende Ausgangsstoffe verfügt.

Insoweit ein derartiger Vorteil gegenwärtig

tatsächlich besteht - die amerikanischen ölpreise liegen derzeit etwa
15 Prozent unter dem Weltpreisniveau -,wird er mit der restlosen Beseitigung
der öl Preiskontrollen am 1.Oktober nächsten Jahres weitgehend zu bestehen
aufhören.

Hinzu kommt, daß sich die Vereinigten Staaten gegenwärtig in

der Talsohle einer Rezession befinden:

die Nachfrage entwickelt einen

Aufwärtstrend und unsere Rohölpreise steigen von Monat zu Monat.

Diese

Faktoren lassen vermuten, daß das Preisgefälle nicht mehr lange fortbestehen wird.

Aber selbst heute schon zehren die Transportkosten der

meisten Produkte der Petrochemie im Atlantikverkehr den Vorteil der
niedrigeren ölpreise in den Vereinigten Staaten auf, sodaß dies tatsächlich
nicht der Kern des Problems sein kann.
Wie immer, spielen auch hier andere Dinge eine Rolle. Vertreter
der Industrie erklären mir, der amerikanische Anteil am europäischen Markt
für Produkte der Petrochemie werde in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr
nur geringfügig steigen. Angesichts der Rezession aber hat sich der
Wettbewerb innerhalb der Vereinigten Staaten verschärft, so daß die Preise
zwangsläufig sinken werden. Dies wiederum zwingt auch die europäische
Konkurrenz in manchen Bereichen zu Preissenkungen, wollen sie eine
erhebliche Steigerung des Absatzes amerikanischer Produkte in Europa
vermeiden. Gleichzeitig hat die Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit
in Europa, völlig unabhängig hiervon, dort zusätzliche Preissenkungen zur
Folge.
Was
- 10 -

�Was auch immer der Grund sein mag, wir anerkennen die Tatsache,
daß diese Probleme Anlaß zur Besorgnis geben. Wir sind bereit, uns mit
den Europäern zusammenzusetzen, um sie durchzusprechen.
Gestatten Sie mir zum Abschluß.von zwei allgemeinen Beobachtungen
zu berichten:
Die erste betrifft den Dollar. Der Dollar scheint in Europa niemals
den richtigen Kurs zu finden. Befestigt er sich, beklagt man sich, daß
das öl mehr kostet und daß unsere hohen Zinssätze Geld nach New York
locken; schwächt er sich ab, beklagen sich die Leute über den zunehmenden
Wettbewerbsdruck amerikanischer Waren.
Die Vereinigten Staaten haben bezüglich des Dollar kein zahlenmäßig
definiertes Kursziel, wie es die Mitglieder des Europäischen Währungssystems im Verhältnis zueinander haben. Wir verwenden unsere Interventionsbefugnis jedoch zu dem Versuch, ernsthafte Unruhe auf den Devisenmärkten
zu vermeiden, um sicherzustellen, daß die Wechselkurse jeweils die grundlegenden Faktoren der verschiedenen Volkswirtschaften reflektieren. Diese
Politik, die wir vor zwei Jahren eingeschlagen haben - etwa zu der gleichen
Zeit und aus etwa den gleichen Gründen wie das Europäische Währungssystem
dies tat, trug zu der relativen Währungsstabilität der jüngsten Vergangenheit
bei.
Tatsächlich hat sich der Marktwert des Dollar in den letzten zehn
Jahren sehr eng an seiner Kaufkraft-Äquivalenz im Verhältnis zu ausländischen
Erzeugnissen orientiert - mit einer Ausnahme, der Deutschen Mark.

Der

Wechselkurs der Deutschen Mark läßt sich nicht ausschließlich auf der Basis
ihrer Kaufkraft-Äquivalenz erklären.

Der Prozeß der Diversifizierung

der Reservemittel - der Übergang der Besitzer solcher Reserven von Dollar
auf DM - übt hierauf zweifellos einen gewissen Einfluß aus.
Ein
- 11 -

�Ein letzter Punkt betrifft die Entwicklungsländer.

Betrachten wir

die nicht-regionalen Ausfuhren der Industriestaaten - den Außenhandel
mit Ausnahme

des Warenverkehrs zwischen den Vereinigten Staaten und

Kanada und innerhalb Westeuropas - stellen wir fest, daß insgesamt 34
Prozent, wertmäßig 180 Milliarden Dollar, in die Entwicklungsländer
gehen„

Wir haben somit nicht nur ein politisches und humanitäres, sondern

auch ein direktes kommerzielles Interesse an ihrem fortgesetzten Wachstum.
Aber die wirtschaftliche Expansion in den Entwicklungsländern wird durch
die hohen öl preise, das langsame Wachstum der Märkte in den Industriestaaten
und deren hohe

Verschuldung bedroht.

Es ist zweifelhaft, ob die privaten

Banken einen höheren Anteil an der Rückschleusung der Gewinne der OPECStaaten aus den öllieferungen übernehmen können, wie dies zur Finanzierung
eines anhaltenden Wirtschaftswachstums in den Entwicklungsländern notwendig
wäre.

Internationale Institutionen können dies sehr wohl.

Es war deshalb

ein erheblicher Schritt nach vorne, als der Weltwährungsfonds im vergangenen
Monat die Entscheidung traf, den Zugang zu seinen Finanzierungsmitteln
zu erweitern, seine Ausleihepolitik entsprechend anzupassen und Wege zu
einer weiteren Erhöhung seiner Kapitalausstattung zu erforschen.

Der Fonds

bedarf unserer Unterstützung, um diese Aufgabe bewältigen zu können.

Der Außenhandel muß auch weiterhin der führende Sektor der Weltwirtschaft bleiben,

Die Energiequellen sind sehr ungleichmäßig über die

Erde verteilt; wären sie der einzig führende Wirtschaftszweig der Weltwirtschaft, wäre das Wachstum sehr ungleichmäßig.

Der Handel ist der

große ausgleichende Faktor, der jedes Land in die Lage versetzt, am weltweiten Wachstum teilzunehmen.

Auch dieses Jahr wird der Welthandel wiederum

stärker expandieren als unsere heimischen Volkswirtschaften.

Es sieht ganz

so aus, als ob er 1980 um real 3 Prozent, unsere Volkswirtschaften aber nur
um 1 Prozent wachsen werden.
Unser Ziel - ein Ziel,in das sich die Vereinigten Staaten und die
Europäische Gemeinschaft teilen - ist es, sein weiteres Wachstum sicherzustellen.
+ + + + +
- 12 -

�5. November 1980

49

SOWJETIMPERIALISMUS IN AFGHANISTAN
- Von Alvin Z. Rubinstein c 1980, Current History, Inc.

Der nachfolgende Artikel von Alvin Z,
Rubinstein, Professor für Politische
Wissenschaft an der University of
Pennsylvania, ist die gekürzte Fassung einer Analyse, die ursprünglich
in "Current History" erschien.

Die imperialistische Politik der Sowjetunion im Mittleren Osten zeigte
ihr brutal expansionistisches Gesicht in Afghanistan im Dezember 1979, als
sowjetische Truppen in dieses ihr Nachbarland einfielen, um das prosowjetische,
kommunistische Regime in Kabul an der Macht zu halten. Diese Invasion bedeutete eine neue Entwicklungsstufe der Sowjetpolitik im Mittleren Osten. Ihre
Nachwirkungen werden noch in Jahren zu spüren sein - nicht nur in jener Region, sondern auch in den Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten.
Global gesehen, war die sowjetische Politik im Mittleren Osten stets
auf die vier bedeutendsten regionalen Subsysteme gerichtet.

Erstens wurde

die Sowjetunion von dem arabisch-israelischen Sektor der arabischen Welt an-

Postfach20 0 3 0 0 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�angezogen.

Das Waffenlieferungsabkommen mit Ägypten aus dem Jahr 1955 er-

möglichte es dem Kreml, Beziehungen zu einem antiwestlichen arabischen Regime zu knüpfen - sein erster Erfolg dieser Art in der arabischen Welt.
Während der sechziger und siebziger Jahre blieb Moskau in starkem Maße ein
väterlicher Beschützer Ägyptens. Mehrmals rettete es die ägyptische Führung vor einer Niederlage durch Israel. Unter Ägyptens Präsident Anwar
Sadat wandte sich Ägypten jedoch nach dem Oktoberkrieg 1973 sehr zum Ägernis Moskaus, das dadurch seine einstmals starke Basis dort verlor, dem
Westen zu.

Im März 1976 demütigte Sadat Moskau noch mehr, als er den sowje-

tisch-ägyptischen Vertrag vom Mai 1971 aufkündigte.
dieses Rückschlags

Teils als Kompensation

schleust die Sowjetunion jetzt Waffen in die arabischen

Staaten, die jener Ablehnungsfront angehören, die sich Sadats Politik des
friedlichen Ausgleichs mit Israel und der Normalisierung der Beziehungen
zu den Vereinigten Staaten widersetzt.

Durch diese Waffenlieferungen ver-

sucht die sowjetische Führung, eine antiamerikanische Politik zu fördern
und gleichzeitig ihre eigene Attraktivität bei den arabischen Staaten zu
erhöhen.
Zweitens entwickelte sich das Interesse der Sowjetunion für die nordafrikanischen Mittelmeerstaaten. Sie liebäugelt mit Libyen, dessen antiwestliche und antiägyptische Politik den sowjetischen Zielsetzungen gelegen
kommt; und sie versucht, Bindungen zu Algerien zu entwickeln. Die sowjetischen
Absichten bestehen in diesem Sektor darin, antiwestliche Gefühle zu schüren,
Waffen zu liefern und dadurch so stark benötigte Devisen zu bekommen und
schließlich, Flugplatz- und Hafeneinrichtungen für die Vornedislozierung der
sowjetischen Mittel meerflotte benützen zu können.
Drittens - und von gewaltiger Bedeutung seit dem Zeitpunkt, als die
Energiekrise in der Mitte der siebziger Jahre die internationale Politik
zu dominieren begann - sind die Region des Persischen Golfs und der Arabischen Halbinsel Hauptziele sowjetischer Aufmerksamkeit geworden. Moskau
betrat diese Bühne zum erstenmal im Jahr 1958 im Gefolge des Militärputsches,
der die prowestliche Haschemitenmonarchie in Bagdad stürzte und in einer

- 2 -

�einer Reihe antiwestlicher und radikaler Militärdiktaturen endete, die alle
durch Moskau unterstützt wurden.

Das sowjetisch-irakische Verhältnis ist

gemischter Natur, aber jede Seite hat seit Anfang der siebziger Jahre - ein
Freundschaftsvertrag wurde im April 1972 unterzeichnet - genug Vorteile daraus gezogen, um Meinungsverschiedenheiten zu tolerieren.

Der Sturz des

Schah von Persien im Februar 1979, das darauffolgende Durcheinander, das
den Iran an den Rand der Anarchie und innerer Auflösung brachte, sowie das
drohende sowjetische Bedürfnis nach Erdöl aus dem Mittleren Osten haben das
Interesse des Kreml an diesem Gebiet geschärft.

Zudem dürfte die sowjetische

Außenpolitik in dieser öl reichen Gegend noch wesentlich einflußreicher werden, sobald die Sowjetunion Saudi-Arabien dazu bringen könnte, von seinem
Vertrauen gegenüber den Vereinigten Staaten abzugehen und sich der Blockfreiheit zuzuwenden.

Moskau weiß, daß der Weg zur Sicherung sowjetischer

Vorherrschaft in Europa über den Einfluß geht, der über den ölfluß aus dem
Golf und der Arabischen Halbinsel gewonnen wird.
Viertens - und wahrscheinlich am bedeutsamsten - hat die Sowjetunion
versucht, die Länder an ihrer Südgrenze - die Türkei, den Iran und Afghanistan zu neutralisieren. In den Jahren seit Stalins Tod 1953 war es das Hauptziel
der Sowjets im Mittleren Osten, diese nichtarabischen Moslemländer aus dem
Bündnis mit oder den engen Bindungen zu den Vereinigten Staaten herauszubrechen.
Das sowjetische Werben um Afghanistan begann 1954 als Teil der Gesamtpolitik Nikita Chruschtschows, die Beziehungen zur Türkei, zum Iran und zu
Afghanistan zu verbessern und die Politik der Vereinigten Staaten zu untergraben, die darin bestand, die UdSSR mit Ländern zu umgeben, die mit dem
Westen verbündet waren.

Dabei ging die sowjetische Regierung aus Gefühl

für die Fremdenfeindlichkeit ihres schwachen, halbfeudalen, traditionalistischen Nachbarn nur langsam voran.

Es wurden Abkommen unterzeichnet,

die den sowjetischen Bau zweier großer Getreidespeicher, einer Getreidemühle, einer Brotfabrik und Lieferung von Straßenbaumaschinen vorsahen. Weitere Wirtschafts- und Sozialprojekte schlössen sich in rascher Folge an:
eine Rohrleitung undTankanlagen für Erdöl, ein Krankenhaus.
- 3 -

Gewaltiges

�Gewaltiges Prestige erlangte Moskau, als es die Straßen Kabuls pflasterte.
Der Handel dehnte sich aus, und bis zu den sechziger Jahren verfestigte die
sowjetische Beherrschung des afghanischen Außenhandels auch die engeren politischen Bindungen.
Die militärischen Beziehungen waren jedoch weit wichtiger.

Die Span-

nungen zwischen Afghanistan und Pakistan veranlaßten Afghanistan dazu, Waffen bei der Sowjetunion zu suchen. Moskau war nicht nur ein großzügiger
Geber, sondern stellte sich auch bei der Puschtunistan-Grenzfrage gegen
Pakistan auf die Seite Kabuls.

Die sowjetische Politik der Freundschaft

zu Afghanistan hatte mehrere Zielsetzungen:

die Möglichkeit

zu verhindern,

daß Afghanistan irgendeinem Bündnis beitreten könne, das von den Vereinigten Staaten unterstützt wurde; in Afghanistan ein Schaufenster sowjetischer
Hilfsprojekte als ein Mittel dafür einzurichten, wie anderen Ländern der
Dritten Welt die Wohltaten engerer Beziehungen zur UdSSR gezeigt werden
konnten; chinesische Einwirkungen auszugleichen; und. Afghanistan noch enger
in die sowjetische Einflußzone einzubeziehen in das, was Leonid Breschnew
im Jahr 1969 als ein "kollektives Sicherheitssystem für Asien" bezeichnen
sollte.
Das Hintreiben Afghanistans in Richtung Sowjetunion war das Ergebnis
zweier Faktoren: des Wunsches der Führung, Afghanistan wirtschaftlich und
sozial ins 20. Jahrhundert zu bringen - dem Land fehlten Straßen, Schulen,
Industrie, Krankenhäuser und Fachleute; und des Strebens nach einer modernen
Armee, um den Ausbau Pakistans durch die Vereinigten Staaten wettzumachen.
Völlig mit den Grenzstreitigkeiten mit Pakistan beschäftigt, vergaßen die
afghanischen Führer die Gefahr, die von dem kommunistischen Koloß im Norden
ausging.
•

Die sowjetische Invasion wurde in weiten Kreisen verurteilt.

Am 7. Ja-

nuar 1980 legte die UdSSR ihr Veto gegen eine Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen ein, die die "bewaffnete Intervention" in
Afghanistan verurteilte und den "sofortigen und bedingungslosen Abzug auslän
discher Truppen" forderte.

Das Abstimmungsergebnis lautete 13 zu 2 zu_
- 4 -

�zu Ungunsten der Sowjetunion.

Eine Woche später forderte die Vollversammlung

in einer Sondersitzung den sofortigen und bedingungslosen Abzug ausländischer
Truppen aus Afghanistan, um es dem afghanischen Volk zu ermöglichen, "ihre
eigene Regierungsform zu bestimmen und ihr wirtschaftliches, politisches und
soziales System frei von Intervention, Subversion, Zwang oder Druck welcher
Art auch immer von außen zu bestimmen."

Das Abstimmungsergebnis lautete:

104 zu 18 gegen die Sowjetunion bei 18 Enthaltungen.
Die Konferenz islamischer Staaten hat den sowjetischen Schritt verurteilt, obgleich einige der radikalen arabischen Staaten es in ihrem Verlangen
nach sowjetischer Unterstützung und sowjetischen Waffen vermeiden, sich Moskau
zum Feind zu machen.

Im Frühjahr schlugen die Briten vor, Afghanistan als

neutralen Staat anzuerkennen.

Die Sowjets ließen durchblicken, daß sie be-

reit seien, unter mehreren Bedingungen abzuziehen, einschließlich eines Versprechens seitens des Iran, Pakistans und der Vereinigten Staaten, daß es
keinerlei Versuche geben werde, sich in die afghanischen Angelegenheiten einzumischen; aber Moskau brachte im einzelnen nie seine angeblichen Bedingungen
für einen Abzug zum Ausdruck.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß die

sowjetischen Truppen noch lange in Afghanistan stehen werden.
Aus diesem jüngsten Vorstoß sowjetischer Macht läßt sich eine ganze
Reihe Lektionen lernen.

Erstens:

der Kreml hat seine Bereitschaft zur Inter-

vention in der Dritten Welt zum Zweck der Machterhaltung eines kommunistischen
Regimes demonstriert.

Die Sowjetunion hat die militärische Kapazität und

politische Entschlossenheit, in Verfolg greifbarer politischer Ziele ihre
Macht einzusetzen.

Dabei änderte sich die Situation auch dadurch in keiner

Weise, daß Moskau mit der Pazifizierung Afghanistans Schwierigkeiten hat und
diese kostspieliger ist als vorhergesehen.

Die sowjetische Führung ist an-

scheinend bereit, jeden noch so hohen Preis zu bezahlen, der nötig ist, um
Afghanistan in einen sklavisch gehorsamen, prosowjetischen Trabantenstaat zu
transformieren.
Zweitens: Instabilität zieht sowjetisches Eingreifen an. Moskaus "Vorwärtspolitik" im Mittleren Osten hat sich auf Gelegenheitsziele zubewegt. Die
- 5 -

�Die sowjetische Übernahme in Afghanistan steht in Einklang mit dem Opportunismus, der die sowjetische Politik im Verlauf der letzten Generation gekennzeichnet hat. Mit wachsender militärischer Kapazität ausgerüstet, ist Moskau
weniger zurückhaltend geworden, weniger gewillt, der Versuchung zu widerstehen.
Drittens:

Afghanistan stellt eine neue Etappe in Moskaus Weltmacht-

politik dar - nicht aufgrund der Bereitschaft zum Einsatz der sowjetischen
Militärmacht außerhalb Osteuropas (denn bei mehreren Gelegenheiten schon hat
die Sowjetunion Kampfeinheiten in Ägypten und Äthiopien, auf Kuba, im Irak,
in Syrien und im Sudan disloziert), sondern weil dies das erstemal ist, daß
sowjetische Truppen im Rahmen der Dritten Welt eingesetzt wurden, um eine
inländische Partei durch eine andere zu ersetzen und dadurch letztlich die
sowjetische Kontrolle zu zementieren.

Diese Bereitschaft zur Intervention

bei innenpolitischen Machtkämpfen in Ländern der Dritten Welt hinter dem
Feigenblatt des "brüderlichen Beistands" stellt für den Iran eine unmittelbare Bedrohung dar.

Sollte die iranische Revolution noch länger die internen

politischen Spaltungsprozesse verschärfen, würde eine sowjetische Intervention zur Unterstützung einer linksgerichteten Gruppierung immer wahrscheinlicher.
Viertens: die sowjetischen Begierden im Mittleren Osten werden durch
Moskaus Wunsch nach Verbesserung seiner Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
nicht ernsthaft gezähmt. Immer wieder hat Moskau Schritte unternommen, um
seine Zielsetzungen in diesem Gebiet zu fördern - ohne auf die Auswirkungen
seiner Handlungsweise auf die Entspannung mit Washington zu achten. Moskau
hat das Wettrüsten im Mittleren Osten angeheizt, hat sich den Anstrengungen
der Vereinigten Staaten zur Verminderung der Wahrscheinlichkeit eines neuen
arabisch-israelischen Krieges widersetzt und hat antiwestliche Politiken ermuntert. Zwar ist Moskau noch immer an Entspannung mit den Vereinigten Staaten interessiert, vor allem, was SALT, den Handel undden Technologietransfer
anbelangt. Aber es ist dennoch nicht gewillt, sein Streben nach Vorteilen
im Mittleren Osten zu mäßigen.
Es

�Es ist eindeutig, daß die sowjetischen Überlegungen von geostrategisehen
Erwägungen beherrscht werden. Durch die Kontrolle Afghanistans erhält Moskau
einen Hebel zum Ausnützen örtlicher Unruhen und beginnender Zerfallserscheinungen im benachbarten Iran und Pakistan. Ein solchermaßen von den Sowjets
kontrolliertes Afghanistan bringt die Rote Armee in eine Entfernung zum Arabischen Meer und zum Persischen Golf, die ein leichtes Zuschlagen ermöglicht.
Es bedürfte keiner besonderen Anstrengungen, um einen Teil des BelutschiStammesgebietes aus dem Iran oder Pakistan herauszubrechen (je nachdem, welches Land zuerst zusammenbricht oder als erstes unterwandert ist) und eine
"Volksrepublik Belutschistan" zu errichten, die durch Vertrag und sowjetische
Militärpräsenz an die Sowjetunion gebunden würde. Was immer die unmittelbaren
und drängenden Überlegungen waren, die die sowjetische Invasion Afghanistansherbeiführten: sie werden mit der Zeit durch langfristige Überlegungen verdrängt werden, die eine andauernde sowjetische Besetzung rechtfertigen sollen.
Der Glaube, daß die schlechtausgerüsteten afghanischen Guerillas die sowjetischen
Streitkräfte auf gleiche Weise besiegen könnten, wie die Nordvietnamesen die
Südvietnamesen und die Amerikaner besiegten, ist eine romantische Täuschung
- eine Übertreibung der Stärke der afghanischen Nationalisten und eine schwerwiegende Unterschätzung sowjetischen Strebens und sowjetischer Entschlossenheit.

+ + + + +

- 7 -

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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Information
und
Dokumentation

Service

Postfach

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

46

5. Dezember 1973

Inhalt

WIRTSCHAFT:

Wirtschaftsbeirat des US-Präsidenten veröffentlicht Oktober-Bericht
- Stein trotz Ölkrise vorsichtig optimistisch "

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INFORMATION:

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MikroSchaltungen
- Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Drogenkampagne mit neuen Schwerpunkten
- US-Fachleute ziehen Bilanz Dem Erreger der Serumhepatitis auf der Spur

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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8 9 - 3 2 4 0

Wirtschaft

Service

Postfach

300

T e l e x: 0 8 - 8 5 4 3 2

46/1973

WIRTSCHAFTSBEIRAT DES US-PRASIDENTEN VERÖFFENTLICHT OKTOBER-BERICHT
- Stein trotz Ölkrise vorsichtig optimistisch WASHINGTON — ( A D ) — Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten,
Herbert Stein, hat am 29. November den Bericht über den Stand der amerikanischen Wirtschaft im Oktober 1973 mit entsprechenden Projektionen auf der
Basis des arabischen Ölembargos veröffentlicht.
Vor der Presse gaben Stein und seine Mitarbeiter anläßlich der Veröffentlichung des Berichtes auf entsprechende Fragen folgende Darstellung:
Sie sind "vorsichtig optimistisch" hinsichtlich der Auswirkungen des
arabischen Ölembargos, wenn das amerikanische Volk einige Opfer auf Gebieten
bringt, die nicht von entscheidender Bedeutung für die Wirtschaft sind, wie
etwa Einschränkungen in der privaten Nutzung von Automobilen und bei der
Heizung. Stein bezeichnete dies als keine angenehme Lösung, aber als die
"beste Alternative".
Eine derartige Lösung würde eine Einschränkung der Verbraucherausgaben
für Benzin, Autos, Reifen, Motels und andere autobezogene Industrien von
etwa 10 Milliarden Dollar pro Jahr oder 1,5 Prozent der amerikanischen Verbraucherausgaben bedeuten.
Es

-1-

�Es wird "einige negative Auswirkungen auf geschäftliche Investitionen
geben... Diese werden jedoch wahrscheinlich gering sein."
Die Auswirkungen auf die amerikanischen Exporte werden als unbedeutend
eingeschätzt. Die Vereinigten Staaten werden voraussichtlich mehr energieintensive Waren wie beispielsweise Aluminium nach energieknappen Ländern
in Europa und nach Japan ausführen, während der Export von Verbraochsgütern
zurückgehen dürfte.
Die Auswirkung auf die Arbeitslosenrate wird auf 0,6 Prozent geschätzt.
Der Rückgang des Bruttosozialproduktes wird von Regierungsseite auf zwei
Prozent eingeschätzt, wobei die Voraussagen von anderer Seite bei nur einem
Prozent liegen.
Eine Abschätzung der Auswirkungen auf das Preisgefüge der USA ist gegenwärtig nicht möglich, da keine Angaben über die Entwicklungen ausländischer
Preise vorliegen. Ein Preisanstieg von einem Dollar pro Barrel Rohöl könnte
jedoch einen Anstieg der amerikanischen Lebenshaltungskosten von etwa einem
halben Prozent bedeuten.
Regierungsmaßnahmen zur Anregung der Nachfrage müssen mit höchster Vorsicht gehandhabt werden.
Die eigentliche Auswirkung des Ölembargos dürfte in den ersten drei
Monaten des Jahres 1974 eintreten. Danach dürfte mit zunehmend wärmerer
Witterung, der Erschließung neuer Energiequellen und der wachsenden Konvertierung von Kraftwerken von Öl auf andere Energiequellen ein Nachlassen der
Nachfrage zu verzeichnen sein.
Wenn das nicht für die private Nutzung von Autos ausgegebene Geld gespart wird, so könnte dies zu einem starken Aufschwung der Hypothekenaufnahme und damit der Bautätigkeit führen.
Der

�%

Der Wirtschaftsbeirat spricht sich gegenwärtig gegen eine Benzinrationierung aus. Benzingutscheine und entsprechende Verordnungen werden jedoch für
den Notfall vorbereitet. Der frühestmögliche Zeitpunkt für eine Rationierung
könnte in drei Monaten eintreten. In dieser Zeitspanne wird es dem Beirat möglich sein, die wirtschaftliche Entwicklung ohne Benzinrationierung zu beobachten.
Das Ölembargo wird nach Auffassung des Wirtschaftsbeirates keine Auswirkungen auf die Pläne haben, die landwirtschaftliche Erzeugung im kommenden Jahr
um drei

Prozent zu steigern, da die Landwirtschaft ebenso wie die Industrie

höchsten Vorrang bei der Energieversorgung hat.

Der Bericht des Wirtschaftsbeirates hat folgenden Wortlaut:

Die wirtschaftliche Entwicklung im Oktober
Die wesentlichen wirtschaftlichen Entwicklungen im Oktober sind noch nicht
statistisch erfaßt. In diesen Zeitraum fiel der Beginn des Embargos für den
Ölexport aus den arabischen Ölländern nach den Vereinigten Staaten. Dieser Schatten fiel auf eine Wirtschaft,die auf hohen Touren lief, deren Anstieg sich im
nächsten Jahr jedoch wahrscheinlich mit einer Rate vollzogen hätte, die etwas
unter dem Wachstum der Produktionskapazität gelegen hätte, so daß an die Stelle
der verbreiteten Verknappungen in der Wirtschaft eine gewisse Flaute in der
Wirtschaftstätigkeit eingetreten wäre .
Es handelte sich ferner um eine Wirtschaft, in der die Inflationsrate
ungleichmäßig zurückging und allen Erwartungen nach weiterhin - wenn auch immer
noch ungleichmäßig - zurückgegangen wäre. Das Ölembargo hat große neue Unsicher-

-3-

�Unsicherheiten in das wirtschaftliche Bild gebracht. Es besteht kaum ein Zweifel, daß die Wirkung dahin gehen wird, Produktion und Beschäftigung mehr zu
senken und die Preise mehr zu steigern, als dies sonst geschehen wäre. Die
offene Frage ist, in welchem Umfange diese Auswirkungen eintreten werden. Nach
unserer Beurteilung wird die Auswirkung auf das reale Bruttosozialprodukt
zwei Prozent nicht übersteigen., Es wird möglich sein, das Wirtschaftswachstum
im Jahre 1974, wenn auch verlangsamt, aufrechtzuerhalten, und die Arbeitslosenrate dürfte zu keiner Zeit des nächsten Jahres 6 Prozent übersteigen - wenn
die Regierung mit Unterstützung des Kongresses und der Öffentlichkeit eine Politik durchführen kann, die sich auf eine hauptsächliche Verlagerung der Verknappung auf den nicht wesentlichen Gebrauch von Automobilen und die Beheizung
von Wohnungen und Geschäftsgebäuden konzentriert. Dies ist eine entscheidende
Voraussetzung. Daraus läßt sich erkennen, warum wir eine Politik verfolgen
müssen, die von der Allgemeinheit gebrachte Opfer in der Benutzung von Automobilen, in der Beheizung von Wohnungen verlangt - um nämlich einer großen Zahl
von Menschen den viel größeren Nachteil der Arbeitslosigkeit zu ersparen.
Diese Einschätzung der Auswirkung der Ölknappheit wird im folgenden näher,erläutert. Zunächst wollen wir uns jedoch kurz den wirtschaftlichen Entwicklungen zuwenden, wie sie sich aus den vorliegenden Oktoberstatistiken ergeben.

Monatsüberblick
Die industrielle Produktion stieg im Oktober um 0,6 Prozent, also etwa
mit der gleichen Rate wie im Vorjahr. Trotzdem ging die Wachstumsrate eindeutig allmählich zurück. Vom dritten Quartal 1972 bis zum ersten Quartal 1973
stieg die Industrieproduktion mit einer Jahresrate von 12 Prozent; vom ersten
Quartal bis zum dritten Quartal 1973 betrug die Zuwachsrate 6,2 Prozent. Eine
ähnliche Verlangsamung zeigte sich in den neuen Zahlen des Brutto sozialproduk-

�Bruttosozialproduktes, die im November veröffentlicht wurden. Das reale
Bruttosozialprodukt stieg vom dritten Quartal (1972) bis zum ersten Quartal
(1973) mit einer Rate von 8,4 Prozent, jedoch vom ersten Quartal bis zum dritten Quartal 1973 nur noch mit einer Rate von 2,9 Prozent.
Dieses Nachlassen der Wachstumsrate war hauptsächlich, wenn auch nicht
gänzlich, der Tatsache zuzuschreiben, daß sich die Produktion praktisch dem
Plafond näherte. Die Zahl der Beschäftigten hat rasch zugenommen - allein im
Oktober um 0,6 Millionen und um 3,2 Millionen in den vorangegangenen zwölf
Monaten. In diesen zwölf Monaten ist die Arbeitslosenrate um ein Prozent auf
4,5 Prozent zurückgegangen. In diesem Zeitraum stand ein größerer Anteil der
Bevölkerung im zivilen Arbeitsalter in Arbeit als zu irgendeinem Zeitpunkt
seit dem zweiten Weltkrieg. Bis Oktober lag die Arbeitslosenrate bei Männern
im Alter von 20 Jahren und darüber niedriger als jemals in Friedenszeiten und
die Arbeitslosenrate bei Frauen im Alter von 25 Jahren und darüber war beinahe
auf dem niedrigsten Stand, den sie jemals in Friedenszeiten erreichte.
Die Leistungsnachfrage stieg weiter stark an, wenn auch nicht ganz so
stark wie im Winter 1972/73. Der Absatz des Einzelhandels stieg im Oktober um
zwei Prozent. Die Gesamtausgaben für Güter und Dienstleistungen wuchsen im
dritten Quartal (1973) mit einer Jahresrate von 10,6 Prozent. Dieses anhaltend
rasche Wachstum der Nachfrage ging trotz einer Abflachung in zwei wichtigen Kategorien weiter - Verbrauchsdauergüter und Wohnungsbau. Wichtige Elemente des
Nachfragewachsltums waren fixe Geschäftsinvestitionen, einzelstaatliche und kommunale Regierungsausgaben und Nettoexporte.
Die Verbraucherpreise stiegen im Oktober um 0,8 Prozent, was für sich genommen eine enttäuschend hohe Zahl ist. Diese Zahl für den Oktober wird jedoch durch einige Ausnahmen verzerrt, die den zugrundeliegenden Trend überhöhen. Wenn man die Zahl zusammen mit dem kleinen Zuwachs im September und dem
Rückgang von Großhandelspreisen sowohl im September wie im Oktober betrachtet,

-5-

�&lt;
*

betrachtet, dann ergibt sich das Bild eines gewissen Fortschritts an der Inflationsfront.
Ein hervorstechendes Charakteristikum der letzten Monate ist die dramatische Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz gewesen. Im Oktober ergab
sich ein Exportüberschuß von 527 Millionen Dollar, der auf einen Überschuß von
873 Millionen Dollar im September folgte. Die ersten zehn Monate des Jahres
1973 wiesen einen Überschuß von 678 Millionen Dollar aus, verglichen mit einem
Defizit von 5 232 Millionen Dollar in den ersten zehn Monaten des Jahres 1972.
Diese Verbesserung der Handelsbilanz ist ein wichtiger Faktor im Zusammenhang
mit dem scharfen Anstieg des Wechselkurses des Dollar in den letzten Wochen
gewesen.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Ölembargos
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ölembargos hängen - auf kurze Sicht
gesehen - von drei Hauptfaktoren ab:
1.

der Dauer des Embargos;

2.

der Art, in der die Verknappung auf die Verbraucher umgelegt wird;

3.

der Reaktion der privaten Unternehmen und Verbraucher auf die durch
die Verknappung geschaffenen Umstände.

Die folgenden Schätzungen für das Jahr 1974 gehen von der Hypothese aus,
daß das Embargo während des ganzen Jahres anhalten wird. Dies mag der Fall
sein oder nicht, es scheint jedoch nützlich und zweckmäßig zu sein, die Schätzungen auf dieser Hypothese vorzunehmen.

Unsere

-6-

�t

Unsere Schätzungen gehen davon aus, daß die Ziele erreicht werden, die
in der allgemeinen Strategie für eine Verteilung der Lasten der Ölverknappung
aufgestellt und zum Zeitpunkt der Rede des Präsidenten vom 25. November dargelegt worden sind. Diese Annahme wird jedoch etwas fragwürdig, wenn man bedenkt, auf welche Weise Erdöl in den Produktionsprozeß eintritt„ Der Gesamtwert der Erdölprodukte, die wir wegen des Embargos nicht bekommen werden, wird
0,5 Prozent des Bruttosozialproduktes nicht überschreiten. Eine Verknappung
in dieser Größenordnung wäre an sich bei vielen Erzeugnissen noch kein großer
Verlust für die amerikanische Wirtschaft und würde an sich noch nicht notwendigerweise eine Verringerung der amerikanischen Produktion und Beschäftigung
bedeuten. Wenn uns beispielsweise Importbananen im Werte von einer Milliarde
Dollar entzogen würden, so hätte dies kaum irgendeine Auswirkung auf die amerikanische Wirtschaft, da mit diesen Bananen auf dem Wege zu ihrem Endverbraucher eine nur raltiv geringe amerikanische Wirtschaftstätigkeit und Beschäftigung verbunden sind. Öl tritt jedoch bereits in einem frühen Stadium
.

in den amerikanischen Produktionsprozeß ein, und von ihm hängen hohe Produktionsmengen und viel Beschäftigung ab. Wenn beispielsweise eine Eisenbahnge-

&gt;A

Seilschaft kein Dieselöl erhält, dann kann sie möglicherweise keine Kohle an
Stahlwerke liefern, die Stahlversorgung geht zurück und damit die AutomobilProduktion, was zu einem Produktionsverlust führt, der den Wert des fehlenden
Dieselöls um ein Vielfaches übertrifft.
Es ist unmöglich, die Lasten der Ölverknappung zu verteilen, ohne daß es
in der Anfangsphase zu gewissen negativen Auswirkungen auf die Produktion und
Beschäftigung in den USA kommt. Der Umfang dieser negativen Auswirkungen hängt
aber in hohem Maße von der Art der Verbrauchsbeschränkungen ab.
Wenn wir beispielsweise den Verbrauch von Öl für die Wohnraumbeheizung
einschränken, erlegen wir zahlreichen Verbrauchern gewisse Unbequemlichkeiten
und Härten auf, während der Gesamtausfall an Produktion und Beschäftigung weit

-7-

�1

i
weit geringer wäre als im vorstehend angeführten Beispielfall einer Beschränkung der Dieselölversorgung der Eisenbahnen.
Das Bestreben der Regierung wird hauptsächlich dahingehen, die Beschränkungen im Energieverbrauch so zu verteilen, daß die damit verbundenen Auswirkungen auf die Beschäftigung möglichst gering ausfallen. Das bedeutet im allgemeinen, die Beschränkungenauf die Beheizung von Haushaltungen und Wirtschaftsgebäuden und den Verbrauch von Strom und von Benzin im Individualverkehr
zu konzentrieren.
Ein wesentlicher Punkt des am 25. November bekanntgegebenen Planes besagt,
daß sich die Beschränkungen des direkten Verbrauchs von Mineralölprodukten
durch die Industrie auf lediglich 10 Prozent beziffern, das sind rund drei
Prozent des gesamten industriellen Energieverbrauchs. Die Folgen möglicher Einschränkungen der Stromerzeugung für die Industrie könnten die Gesamteinbüßen
des industriellen Energieverbrauchs auf etwa vier Prozent erhöhen. Eine Verringerung des industriellen Energieverbrauchs dieser Größenordnung läßt sich nach

»

allgemeinem Dafürhalten durch eine Verringerung der Raumbeheizung und andere
Sparmaßnahmen ohne eine Beeinträchtigung des Gesamtausstoßes bewerkstelligen,
sofern die Aufteilung der Energieeinsparungen auf die verschiedenen Industriezweige auf vernünftige Weise erfolgt.
Bei dieser Art der Verteilung der Lasten der Energieverknappung wird ihr
hauptsächlicher wirtschaftlicher Effekt in der Anfangsphase in einer Verminderung der Verbraucherausgaben für die ohnehin nicht erhältliche Energie und
einer Reduzierung des Aufwands für die Benutzung von Automobilen bestehen. Hierzu gehören nicht nur die Ausgaben für flüssige Treibstoffe und Strom, sondern
auch Aufwendungen für Reifen, Ersatzteile, Reparaturen, Hotels, Motels, Fahrzeuge für Zwecke der Freizeitgestaltung und Kraftfahrzeuge mit größerem Hubraum.
Nach unseren Schätzungen dürfte die Verminderung der Verbraucherausgaben für
diese Zwecke ein bis eineinhalb Prozent der gesamten Verbraucherausgaben ausmachen.
Die

-8-

c

�Die Verminderung der Verbraucherausgaben dürfte sich zu zwei Dritteln
in einer direkten Verminderung der privaten Einkommen (ohne Außenbeitrag)
und das restliche Drittel in einer Verringerung der Einfuhren von Erdöl und
Erdölprodukten und einem Rückgang der Verbrauchssteuern niederschlagen.
Über die Auswirkungen auf die Verbraucherausgaben hinaus würden solche
Beschränkungen auch gewisse Rückwirkungen auf die Investitionstätigkeit der
Wirtschaft zeitigen. Es käme zu einer Verringerung der Investitionen aufgrund
der Unsicherheit bezüglich der Energieversorgung und der Erfordernisse des Unweitschutzes. Andererseits würde auch ein verstärkter Anreiz bestehen, die
Investitionen in die Erdöl-Lagerstättenforschung und -Raffination, in die Umstellung auf Kohle, in Maßnahmen zur Rohstoffkonservierung und in die vermehrte Produktion von kleineren Kraftfahrzeugen zu erhöhen. Nach unserem Dafürhalten dürfte sich hieraus in der Anfangsphase nur ein geringer, aber negativer
Gesamteffekt ergeben.
Abgesehen von der direkten Verminderung der Erdöleinfuhren ergäben sich
sowohl positive wie auch negative Auswirkungen auf unsere Gesamteinfuhren.
Obwohl sich dies nicht mit Sicherheit sagen läßt, dürften Europa und Japan
ernste Produktionsbeschränkungen aufgrund der Energieverknappung zu gewärtigen
haben. Trifft diese Auffassung zu, würden ihre Ausfuhren nach den Vereinigten
Staaten zurückgehen, ihre Einfuhren aus den USA aber aufgrund der eintretenden
Warenverknappung zunehmen. Diese Entwicklung könnte zu einer Steigerung unserer Ausfuhren nach Drittländern führen. Andererseits könnten unsere Ausfuhren
gewisser Produkte nach bestimmten Ländern angesichts der dort zu erwartenden
Produktions-und Einkommenseinbußen zurückgehen. Diese unterschiedlichen Auswirkungen exakt abzuschätzen ist angesichts des Fehlens entsprechender Berechnungsgrundlagen unmöglich; wir nehmen allerdings an, daß sie sich im Endeffekt
gegenseitig aufheben werden.

Ein

-9-

�i

Ein besonders großer Unsicherheitsfaktor in der Beurteilung der Auswirkungen der Energieknappheit liegt in der unbekannten Reaktion der Verbraucher
auf die Verringerung ihrer Ausgaben für Benzin, Heizöl, Strom und andere damit in Zusammenhang stehenden Dinge. Je mehr Verbraucher auf den Rückgang dieser Ausgaben mit erhöhten Ausgaben für andere Güter und Dienstleistungen reagieren, umso geringer werden dessen negative Auswirkung auf die Wirtschaft
sein. Wenn die Verbraucher ihre Ausgaben für andere Zwecke in dem gleichen
Maße steigern, in dem sich ihre Ausgaben für Mineralölprodukte im weitesten
Sinne verringern, steigt die Nachfrage nach Arbeitskräften und anderen Hilfsquellen zur Deckung dieses anderweitigen Bedarfs; dies wiederum wird dazu beitragen, den Rückgang der Beschäftigung und der Wirtschaftstätigkeit in den
mineralölabhängigen Wirtschaftssektoren wettzumachen. Im umgekehrten Extremfall - wenn die Konsumenten ihre anderweitigen Ausgaben nicht erhöhen - werden
die Einkommenseinbußen der Beschäftigten in den mineralölabhängigen Industrien
in Verbindung mit dem weiteren Rückgang der Ausgaben dieses Personenkreises
die Auswirkungen des ursprünglichen Ausgabenrückgangs vervielfachen. Diese Vervielfachung wiederum wäre geeignet, die Ausgabenverminderung auf etwa zwei
Prozent des Jahressatzes der an sich zu erwartenden Gesamtproduktion anzuheben (
und das ist die höchste Einbuße des Bruttosozialproduktes im Jahre 1974, mit
der gegenwärtig gerechnet wird.
Selbstverständlich wird die vorstehende Annahme, daß sich die Industrieproduktion völlig gegen die Auswirkungen der Brennstoffverknappung abschirmen
läßt, nicht buchstäblich zutreffen und sich sicherlich nicht in jedem Fall bewahrheiten. Es wird aufgrund der Brennstoffknappheit in gewissen Industrien
zu Produktionsrückgängen kommen, während andere Industriezweige sogar Produktionssteigerungen verzeichnen werden. Große Bedeutung kommt zudem der Wechselwirkung zwischen den Auswirkungen aufgrund der Nachfrage, auf die sich unsere
Schätzungen vornehmlich beschränken, und den Auswirkungen der Angebotsverknappung zu. Sollten sich die Nachfrageauswirkungen im äußeren Btreich unserer

-10-

�unserer Vorhersagen bewegen und würde das Bruttosozialprodukt zwei Prozent
niedriger ausfallen als es andernfalls ausgefallen wäre, dann wird sich der
industrielle -Brennstoffbedarf verringern und damit auch die Wahrscheinlichkeit, daß die Produktion durch die Brennstoffknappheit beeinträchtigt wird.
Die Unsicherheit derartiger Voraussagen sei hier abermals unterstrichen.
Die Möglichkeit größerer negativer Auswirkungen ist nicht auszuschließen, weil
es unter Umständen bei der Durchführung dieses Programms nicht gelingt, die
Industrieproduktion so wirksam gegen die Energieverknappung abzuschirmen.wie
geplant und weil die negativen Auswirkungen größer sein können als hier angenommen. Die hier angeführten Schätzwerte stimmen im großen und ganzen mit den
Prognosen von privaten Stellen überein, die den Versuch einer systematischen
quantitativen Analyse des Problems unternommen haben. Die privaten Vorhersagen gehen z.T. von der Annahme einer geringfügigeren Brennstoffverknappung
aus als wir sie erwarten, rechnen aber gleichzeitig auch mit einer weniger
ausgeprägten Abwälzung der Lasten aus der Verknappung auf den Verbrauch von
Benzin und Heizöl.
Die Auswirkungen der Verknappung auf die Beschäftigungslage dürften beträchtlich geringer sein als die auf den Ausstoß. Ein Teil der Einbußen des
Ausstoßes wird auf Verringerungen der wöchentlichen Arbeitszeit und ein anderer auf die Verringerung des Ausstosses pro Arbeiter und Arbeitsstunde entfallen. Trotz der Verringerung der Produktion wird es in den betroffenen Industrien - wie anzunehmen ist - mindestens auf absehbare Zeit hinaus relativ
wenige Entlassungen geben. Unsere Schätzungen gehen dahin, daß die Arbeitslosenrate wahrscheinlich zu keinem Zeitpunkt um mehr als 0,6 Prozent über das
Maß hinaus steigen wird, um das sie ohnehin steigen würde, und daß sie zu
keinem Zeitpunkt des Jahres 1974 auch nur sechs Prozent erreichen wird.
Die hier angeführten statistischen Schätzwerte lassen etwaige Veränderungen in der gesamten Wirtschaftspolitik außer Ansatz, die dem Zweck dienen,

-11-

�t

1
dienen, die Gesamtnachfrage in der Wirtschaft zu stärken. Sollte die Nachfrageverringerung sich so steigern, daß sie in den oberen Grenzbereicb unserer
Vorausschätzungen fällt, könnte es notwendig werden, staatliche Maßnahmen zur
Anregung der Nachfrage in Erwägung zu ziehen. Das müßte jedoch im Hinblick auf
die gegebenen inflationistischen Tendenzen, die in mehreren Sektoren der Wirtschaft fortbestehende Angebotsknappheit und die Reibungen, die sich in Zusammenhang mit der Transferierung von Arbeitskräften aus der Mineralölwirtschaft
in andere Beschäftigungsarten ergeben können, mit größter Vorsicht geschehen.
Die Auswirkungen der neuen Verhältnisse auf dem Gebiet der Ölversorgung
auf die Preise sind nur schwer vorherzusagen. Sie hängen zum Teil von der
Preispolitik der Ölerzeugerländer bezüglich des Öls ab, das wir von ihnen beziehen; sie hängen ferner ab von der Politik der amerikanischen Regierung hinsichtlich der Bewilligung von Preiserhöhungen für die im eigenen Lande produzierten Erdölmengen, um auf diesem Wege gegebenenfalls die Produktion zu fördern oder den Verbrauch zu beschränken. Man kann im Großen und Ganzen damit
rechnen, daß ein Preisaufschlag in Höhe von einem Dollar je Barrel Erdöl
heimischer und ausländischer Förderung die Kosten aller Güter-und Dienstleistungen im Durchschnitt um 0,5 Prozent erhöhen würde. Die direkten Kosten von
Brennstoffen, Benzin und Öl bestimmen den Verbrauoherpreisindex zu etwa sechs
Prozent. Wenn somit die Preise dieser Produkte um 20 Prozent steigen, bedingt
dies einen Anstieg des Verbraucherpreisindexes um 1,2 Prozent. Diese Angaben
sind nicht als eine Vorhersage dessen gedacht, was sich ereignen wird, sondern dienen lediglich zur Klarstellung der hier zu erwartenden Größenordnungen. Mehr läßt sich über die Zukunft der Energiepreise erst zu einem späteren
Zeitpunkt sagen.
Wenn die Brennstoffpreise steigen,um einen Anreiz für eine reichlichere
Versorgung oder für eine Einschränkung des Verbrauchs zu bieten, dürfen., alle
übrigen Preise und Einkommen nicht proportional zu den Brennstoffpreisen steigen. Die günstigen Auswirkungen einer Anhebung der Brennstoffpreise lassen

-12-

�lassen sich nur dann realisieren, wenn die Brennstoffpreise in Relation zu
den übrigen Preisen und zu den Einkommen steigen.

Veränderungen ausgewählter Wirtschaftsindizes
(auf der Grundlage saisonal~angepaßter Werte)

III

72 - III 73

September 73
- Oktober 73

Produktion (in Prozent)
Bruttosozialprodukt (reale Zunahme)

5,6

Industrieproduktion

9,0

0,6

- 14,8

- 8,4

Zivilbeschäftigung (in Prozent)

3,2

0,7

Beschäftigtenzahl (in Millionen)

2,6

0,6

sämtliche Arbeitskräfte
(Prozentanteil an der Gesamtrate)

- 0,8

- 0,3

Haushaltsvorstände
.(Prozentanteil an der Gesamtrate)

- 0,6

Neubaubeginne

Beschäftigung

Arbeitslosenrate

Einkommen und Preise (in Prozent)
Personaleinkommen insgesamt

11,0

Verfügbares Einkommen

11,3

Verfügbares Einkommen pro Kopf

10,4

0,9

Brutto-

-13-

�Brutto-Wocheneinkommen (außer Landwirtschaft)
Angeglichener Index der Stundenlöhne
Unternehmensgewinne vor Abzug der Steuern
(Milliarden Dollar)
Verbraucherpreise insgesamt

6,8
6,6
31,0

6,9

Nahrungsmittel

17,4

Sämtliche außer Nahrungsmittel

3,8

Großhandelspreise insgesamt

16,1

Agrarprodukte und verarbeitete Nahrungs-und
Futtermittel

38,4

Industrieerzeugnisse

7,6

angenommene Preisdeflationsrate des BruttoSozialproduktes

5,9

angenommene Preisdeflationsrate der privaten
Verbraucherausgaben

5,8

Realeinkommen (in Prozent)
Reales Personaleinkommen pro Kopf

3,1

Reales verfügbares Personaleinkommen pro Kopf

4,4

Reales Brutto-Wocheneinkommen (außer Landwirtschaft)
reales Nettoeinkommen pro Farm

23,8

Internationaler Vergleich (in Milliarden Dollar)
Güteraußenhandelsbilanz

2,4

Zahlungsbilanz offizieller Devisentransaktionen
(in Milliarden Dollar)

6,7

-14-

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46/1973
Ausstellungen
MIKROSCHALTUNGEN
Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum

- (AD) - Ihre neuesten Entwicklungen für Entwurf, Herstellung und Prüfung
von Mikroschaltungen zeigen mehr als 30 amerikanische Firmen vom 10. - 14.
Dezember 1973 im US-Handelszentrum in Frankfurt/Main. Einige der Firmen werden
zum ersten Mal hier vertreten sein; sie sind vor allem an Kontakten zur Vergabe von Lizenzen und zur Inangriffnahme gemeinsamer Projekte interessiert.

Die Ausstellung umfaßt Einrichtungen für die Herstellung und Prüfung von
Dickfilm-, Hybrid- und Dünnfilmschaltungen (integrierte Schaltungen). Dazu gehören Geräte zur automatischen Zeichnungs- und Maskenherstellung, Siebdruckmaschinen, Dickfilmöfen, Widerstands-Abgleicheinrichtungen, Durchlauflötöfen,
Chiplöteinrichtungen, automatische Bonder, Epoxy-Bonder, Wafer-Laser-Scriber,
Manipulatoren, Maskenjustiergeräte, Fotoresist-Einrichtungen wie Beschichtungsgeräte, BelichtungsSysteme und Entwickler, sowie Ausrüstungen für das Verfahren
der Ionen-Implantation. Daneben werden zahlreiche Prüf- und Meßeinrichtungen,
Eilipsometer, Wafer-Prober, Inspektions- und Klassifizierautomaten, eine Vielzahl von PrüfSystemen für digitale und lineare integrierte Schaltungen, sowie
Kupfer-Sonderlegierungen für Halbleiter-Bauelemente gezeigt. Des weiteren werden
"Packaging Devices" (z.B. Dual-in-line-carriers, IC-Sockel und Kontaktiervorrichtungen), komplette ICs wie FET's, Hybridschaltungen, Analog-Gatter, Multiplexer, bipolare Speicher- und MOS-Schaltungen von den amerikanischen Firmen

- 1 -

�«

Firmen vorgestellt.

Der Ausstellung angeschlossen ist eine Fachtagung, auf der deutsche
und amerikanische Experten über neueste Erkenntnisse auf dem Gebiet der
Mikroschaltungen berichten.

Weitere Informationen erteilt das US-HandelsZentrum in Frankfurt am
Main, Bockenheimer Landstraße 2 - 4; Tel.: (0611) 72 08 Ol; Telex: 416535.

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46/1973

DROGENKAMPAGNE MIT NEUEN SCHWERPUNKTEN
US-Fachleute ziehen Bilanz

- (AD) - In einer Konferenz mit zwei auf Kabinettsebene gebildeten
Sonderausschüssen bekräftigte

Präsident Nixon Ende November 1973 die Ent-

schlossenheit der Vereinigten Staaten, den Kampf gegen Drogenmißbrauch an
i

allen Fronten weiterzuführen. Die Entwicklung im Verlauf des Jahres 1973
zeige, daß die USA auf dem besten Wege sind, diesen Kampf zu gewinnen. Die

^

internationalen Versorgungsquellen für Heroin konnten, so betonte der Präsident, weiter gedrosselt werden, die Preise für illegale Suchtstoffe seien
- bei schlechter Qualität der angebotenen harten Drogen - nach wie vor hoch,
die Vollzugsmaßnahmen auf allen Ebenen der Drogenbekämpfung seien effektiver
geworden. Als Folge davon gehe jetzt allmählich die Zahl der Heroinsüchtigen
zurück, neue Fälle von Heroinsucht werden in auffallend geringerem Umfang
registriert.

An der Konferenz im Weißen Haus nahmen die Mitglieder des Kabinettsausschusses für internationale Narkotika-Kontrolle sowie des erst im August 1973
geschaffenen Sonderausschusses "Drogenmißbrauch" des Nationalen Rates für
Innenpolitik teil. Dieses Gremium erfüllt in bezug auf die Kontrolle und Lenkung der inneramerikanischen Vollzugsmaßnahmen im Rahmen der Rauschgiftbekämpfung ähnliche Funktionen wie der am 7. September 1971 gebildete Kabinettsausschuß, der unter dem Vorsitz des US-Außenministers für die Koordinierung
internationaler Maßnahmen gegen die illegale Herstellung und den Schmuggel mit

�r
&gt;

mit Rauschgift zu sorgen hat. Dem Sonderausschuß "Drogenmißbrauch" des Rates
für Innenpolitik gehören der Justizminister, der Minister für das Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialwesen, der Finanzminister, die Minister für Verteidigung,
Arbeit und Verkehr, der Direktor des Präsidialamtes für Planung und Haushalt,
der Leiter des Amtes für Angelegenheiten ehemaliger Kriegsteilnehmer und der
Direktor des Amtes für Sonderaktionen zur Vorbeugung gegen Drogenmißbrauch an.
Präsident Nixon verwies u.a. darauf, daß man sich jetzt vor allem auf
die Probleme konzentrieren müsse, die sich im Verlauf der bisherigen AntiRauschgift-Kampagnen herauskristallisiert haben. So sollen künftig alle Heroinsüchtigen in Behandlungsprogramme einbezogen werden - auch jene, die sich noch
nicht bei einer Drogenklinik oder einem Rehabilitationszentrum gemeldet haben.

Gegenwärtig werden etwa 50 Prozent der Drogensüchtigen, d.h. diejenigen,
die selbst den Wunsch haben, vom Rauschgift frei werden, von Behandlungs- und
Rehabilitationsprogrammen erreicht. Künftig sollen nun auch im Rahmen des
Strafvollzugs alle Mittel eingesetzt werden, um z.B. durch detaillierte Aufklärung, Informationen und Anreize verschiedener Art auch die restliche Hälfte
zu bewegen, eine Behandlung zu akzeptieren. Dieser Personenkreis ist in erster
Linie verantwortlich dafür, daß "Neulinge" zum Genuß harter Drogen verführt
werden. Von der bei den staatlichen Programmen geübten Praxis, nur Heroinsüchtige zu behandeln und zu rehabilitieren, will man jetzt abgehen. Auch
Personen, die nicht auf Heroin fixiert sind, sollen jetzt Gelegenheit erhalten,
die Behandlungs- und Rehabilitationszentren aufzusuchen.

Für die Tätigkeit der Überwachungsbehörden wurde größere Flexibilität
gefordert, damit sie jederzeit rasch und wirksam jeder neuen Strategie der internationalen Banden begegnen können. Im einzelnen sieht die Bilanz, die Präsident
Nixon vom gegenwärtigen Stand der Maßnahmen gegen Drogenmißbrauch zog, folgendermaßen aus:

Behandlung

- 2-

�Behandlung und Rehabilitation
Seit 1969 erhöhte sich die Zahl der Behandlungszentren in den Vereinigten
Staaten von 16 auf 404; die Zahl der Personen, die wegen Drogensucht und
Drogenabhängigkeit in Behandlung stehen, stieg in den letzten zwei Jahren von
16 000 auf 72 000. Gegenwärtig können im Rahmen von Programmen, die Bundesregierung, Einzelstaaten und kommunale Stellen finanzieren, etwa 150 000 Personen betreut werden.

Mit der "Operation Outreach", einer Sonderaktion zur Verhütung von Drogenmißbrauch, sollen nicht genutzte Kapazitäten von Drogenkliniken Süchtigen zur
Verfügung gestellt werden, die bisher nicht behandelt wurden. Darüber hinaus
wird man mit dem Programm TASC ("Treatment Alternatives to Street Crime" Behandlungsalternativen bei Straßenkriminalität) alle Mittel und Wege sondieren, um auch innerhalb des Strafvollzugs Heroinsüchtige einer Behandlung
zuzuführen. Über geeignete Maßnahmen für das TASC-Programm, das jetzt in 20
amerikanischen Städten eingeführt ist, wurde bereits auf einer Anfang September
1973 im Weißen Haus abgehaltenen Konferenz von Richtern, Staats- und Rechtsanwälten, Vollzugsbeamten und Bewährungshelfern aus allen Teilen der USA beraten .

Internationale Kontrolle

Die Vereinigten Staaten arbeiten mit 59 Ländern zusammen, um die Produktion von Drogen, vor allem Opiaten, einzudämmen und den illegalen Handel
zu unterbinden. Als Gegenleistung stellen die USA diesen Ländern Gerät wie
Waffen, Helikopter und andere Hilfsmittel zur Verfügung und ermöglichen die Ausbildung von Drogenfahndern. Außerdem hat die US-Vollzugsbehörde zur Suchtstoffbekämpfung (Drug Enforcement Administration - DEA) 140 amerikanische Beamte
in Ländern rund um die Erde stationiert, die ihre ausländischen Kollegen dabei
unterstützen, den Anbau und die Gewinnung von Drogenrohstoffen und den Rauschgiftschmuggel unter die Lupe zu nehmen.
Diese

�Diese Unterstützung zahlt sich aus. Bis Ende November 1973 wurden in
diesen Ländern im abgelaufenen Jahr fast 1,9 Tonnen Heroin oder dem Heroin
entsprechende Produkte in der Form von Morphinbase (aus der in gleicher Menge
Heroin gewonnen werden kann) beschlagnahmt. An Opium wurde - hauptsächlich im
sogenannten Goldenen Dreieck im südostasiatischen Raum - sogar mehr als die
zehnfache Menge beschlagnahmt, nämlich 23 Tonnen. Burmesische Heereseinheiten
trieben den berüchtigten Rauschgifthändler Lo Shing Han über die Grenze auf
thailändisches Gebiet, wo er festgenommen wurde. Französische Fahnder konnten
in den letzten eineinhalb Jahren sieben Heroinlaboratorien ausheben. Im Vergleich dazu wurde in den fünf vorangegangenen Jahren nur ein einziges entdeckt.

Vollzugsbehörde

Die Vollzugsbehörde zur Suchtstoffbekämpfung (DEA), die am 1. Juli 1973
im Zuge des zweiten Reorganisationsplanes geschaffen wurd°, verfügt über 2000
Fahnder. Fast alle sind in den USA stationiert. Sie arbeiten eng mit Personen
zusammen, die auf einzelstaatlicher und kommunaler Ebene in die Kampagnen
gegen das Rauschgift eingeschaltet sind. Die Menge der beschlagnahmten harten
Drogen war im Haushaltjähr 1973 siebenmal größer als 1972. Die Anzahl der
Festnahmen stieg von 15 500 im Jahr 1972 auf 24 000 im Jahr 1973.

Allgemeine Ergebnisse des Programms

Mit wenigen Ausnahmen gibt es heute - etwa wegen Überfüllung der Behandlungszentren - für Heroinsüchtige keine Wartezeiten mehr für die Aufnahme
in eine Drogenklinik. Umgekehrt können sich Süchtige auch nicht mehr darauf
berufen, für die Beschaffung von Heroin zu einer Straftat gezwungen gewesen
zu sein, weil sie keine Gelegenheit zur Behandlung gehabt hätten. Alles in
allem ist die Zahl der Rauschgiftdelikte zurückgegangen.

Überall in den Vereinigten Staaten ist der Trend erkennbar, daß das Heer
der Heroinsüchtigen weniger Neuzugänge erhält. So waren beispielsweise in
- 4-

�in New York im ersten Halbjahr 1972 bei der Stadtpolizei, in Krankenhäusern
und in BehandlungsZentren 53 939 Personen registriert. In den ersten sechs
Monaten des Jahres 1973 lag die entsprechende Zahl bei 33 539 - das bedeutet
einen Rückgang um 30 Prozent. In der Bundeshauptstadt Washington erhöhte sich
im Jahr 1969 die Zahl der Heroinsüchtigen um 2700 und erreichte damit einen
absoluten Höhepunkt. Im Jahr 1972 lag die entsprechende Zahl bei 100.

Polizei und Justiz auf internationaler und inneramerikanischer Ebene
sorgten außerdem dafür, daß in den Staaten an der amerikanischen Ostküste
seit 1972 Heroin mehr oder weniger rar geworden ist. Die Preise sind hoch und
die Qualität ist vielfach so miserabel, daß die Konsumenten unfreiwillig eine
Art Entziehungskur durchmachen.

+ + + + +

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46/1973

DEM ERREGER DER SERUMHEPATITIS AUF DER SPUR

- (AD) - Hepatitis (Leberentzündung), die viele Ursachen haben kann,
kostet jedes Jahr Tausenden von Menschen das Leben. Bei einer um ein Vielfaches größeren Zahl führt sie häufig genug zu schwerer Beeinträchtigung
der Gesundheit mit oft langem Siechtum.

Ein besonderes Problem stellen die auf Infekti onen beruhenden diffusen
Erkrankungsformen dar. Bei diesen ist, von einigen seltenen und tropischen
Hepatiden abgesehen, zwischen der Virushepatitis und der Serumhepatitis zu
unterscheiden. Erreger ist im ersten Fall das 1943 entdeckte HepatitisVirus A, das auf oralem Wege in den Körper gelangt, mit Stuhl und Urin oft
noch nach Jahren ausgeschieden wird und so unkontrolliert weite Verbreitung
erfahren kann.

Interessanterweise entwickeln Personen, die die Erkrankung durchgemacht
haben, keine Immunität gegen eine zweite infektiöse Form, die sog. Serumhepatitis. Diese wird z.B. mit der Transfusion des Blutes von Personen, deren
Erkrankung nicht erkannt oder bekannt wurde, oder auf Grund von Spritzeninfektionen übertragen. In jüngster Zeit ergaben sich jedoch Hinweise darauf,
daß sie auch oral, vielleicht sogar noch auf anderem Wege übertragbar ist.

Schon seit Jahren wird vermutet, daß zwischen bestimmten filtrierbaren
Elementarkörperchen im Blut von Patienten mit chronischer Hepatitis und dem

- I -

�»

dem Erreger der Serumhepatitis (Hepatitis-Virus B) irgendwelche Verbindungen
bestehen. Vielleicht haben sie mit den die Krankheit verursachenden Antigenen unmittelbar etwas zu tun. Eine Gruppe amerikanischer Forscher, die sich
im Auftrag der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) der USA eingehend
mit haematologischen Untersuchungen befaßten, entdeckten nun vor kurzem im
Serum von Hepatitiskranken einen spezifischen "Indikator" für das Erregervirus.
Es handelt sich um ein Enzym, eine DNS-Polymerase. Sie steuert den Aufbau
einer Nukleinsäure, die im genetischen Material zahlreicher Viren und anderer
Organismen enthalten ist. Die Wissenschaftler - unter ihnen Dr. Paul M. Kaplan
und Dr. John L. Gerin vom "Molecular Anatomy Program Laboratory" in Rockville
(Maryland) - konnten nachweisen, daß dieses Material mit den Partikeln, die
als Hepatitis-Erreger vom Typ B angesehen werden, in direktem Zusammenhang
steht.

Von den bisher erzielten Ergebnissen bis zu Aktionen großen Stils zur Bekämpfung der infektiösen Hepatitis, beispielsweise Massenimpfungen, ist es
noch ein sehr weiter Weg, der Jahre in Anspruch nehmen wird. Ist jedoch erst
einmal der Erreger bekannt, so müßten auch in kürzester Zeit Verfahren verfügbar sein, mit denen in Konservenblut und für Transfusionen bestimmten Biutfraktionen mit Sicherheit der Faktor ermittelt werden könnte, der Serumhepatitis
verursacht. Ein oft schwer bestimmbares Risiko bei Blutübertragungen würde damit ausgeschaltet. Ähnlich müßten auch Wasser und Lebensmittel auf HepatitisViren zu prüfen sein. Somit wären die neuesten Entdeckungen im Zusammenhang
mit infektiöser Hepatitis auch von unmittelbar praktischer Bedeutung.

- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftsbeirat des US-Präsidenten veröffentlicht Oktober-Bericht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stein trotz Ölkrise vorsichtig optimistisch -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mikroschaltungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogenkampagne mit neuen Schwerpunkten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Fachleute ziehen Bilanz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dem Erreger der Serumhepatitis auf der Spur</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. Dezember 1979

46

INHALT

INFORMATION
UN-Sicherheitsrat fordert einstimmig Freilassung der Geiseln
- Wortlaut der Resolution vom 4. Dezember 1979 -

DOKUMENTATION
USA bringen Geiselfan vor den Internationalen Gerichtshof
- Wortlaut des Antrags auf einstweilige Maßnahmen Schreiben des US-Außenministers an den Internationalen Gerichtshof
- 29. November 1979 -

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Finanzminister Miller berichtet Über Nahostreise und iranische Guthaben
- Pressekonferenz in London am 29. November 1979 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Immunreaktion mit Feinabstimmung
- Verbesserungen für Diagnose und Therapie möglich

Um Übcr/cncJung von
BcIcgcKcmplofcn wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Information

i 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. Dezember 1979

46

UN-SICHERHEITSRAT FORDERT EINSTIMMIG FREILASSUNG DER GEISELN
- Wortlaut der Resolution vom 4. Dezember 1979 -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am 4. Dezember 1979 in einer mit 15 gegen null Stimmen einstimmig
gefaßten Resolution die Regierung des Iran aufgefordert, die widerrechtlich in
der amerikanischen Botschaft in Teheran festgehaltenen Geiseln freizulassen
und ihnen Schutz für die Ausreise zu gewähren.
Der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter
Donald McHenry, hat die Entscheidung des Sicherheitsrates begrüßt. "Wir
hoffen, daß der Aufruf des Sicherheitsrates Folge geleistet und er innerhalb
von Stunden von der Regierung des Iran durchgeführt werden wird," so erklärte
McHenry.

Die USA seien zutiefst dankbar für die Resolution, die zeige, daß

die Familie der Nationen in ihrer Forderung nach sofortiger Freilassung der
Geiseln mit einer Stimme spreche.
In Regierungskreisen in Washington verlautete am 4. Dezember, daß amerikanische Geiseln mit der Erschießung bedroht worden seien, wenn sie nicht mit den
militanten Moslem-Studenten in Teheran zusammenarbeiten wollten. Einzelheiten
wurden nicht genannt.
Die

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete Resolution
hat folgenden Wortlaut:
Nach Erörterung des Schreibens des Generalsekretärs vom 25. November 1979
(S/13646),
in tiefer Besorgnis über den gefährlichen Stand der Spannung zwischen dem
Iran und den Vereinigten Staaten von Amerika, der ernste Konsequenzen für den
internationalen Frieden und die internationale Sicherheit haben könnte,
unter Erinnerung an den Appell des Präsidenten des Sicherheitsrates am
9. November 1979 (S/13616), der am 27. November 1979 wiederholt wurde (S/13652),
in Kenntnisnahme des Schreibens vom 13. November 1979 vom Außenminister
des Iran (S/13626), das sich auf die Beschwerden des Iran bezog,
im Bewußtsein der Verpflichtung der Staaten, ihre internationalen Streitfälle durch friedliche Mittel in einer Weise beizulegen, daß der internationale Friede
und die internationale Sicherheit und Gerechtigkeit nicht gefährdet sind,
getragen von der Verantwortung der Staaten, sich in ihren internationalen
Beziehungen der Androhung oder der Anwendung von Gewalt gegen die territoriale
Integrität oder die politische Unabhängigkeit eines Staates oder in einer anderen mit den Zielsetzungen der Vereinten Nationen nicht zu vereinbarenden
Weise zu enthalten,
unter Bekräftigung der feierlichen Verpflichtung aller Staaten, die Vertragspartei der Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen von 1961
und der Wiener Konvention über konsularische Beziehungen von 1962 sind, die
Unverletzlichkeit von diplomatischem Personal und des Geländes ihrer Missionen
zu achten:
1. Fordert

�1.Fordert der Sicherheitsrat die Regierung des Iran dringend auf, das
Personal der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, das in Teheran
festgehalten wird, sofort freizulassen, ihm Schutz zu gewähren und ihm zu
gestatten, das Land zu verlassen;
2. fordert die Regierungen des Iran und der Vereinigten Staaten von Amerika
auf, Schritte zu unternehmen, um die verbleibenden Fragen zwischen ihnen mit
friedlichen Mitteln zur beiderseitigen Zufriedenheit in Übereinstimmung mit
den Zielsetzungen und Grundsätzen der Vereinten Nationen zu lösen;
3. fordert die Regierungen des Iran und der Vereinigten Staaten von Amerika
auf, in der gegenwärtigen Situation größte Zurückhaltung zu üben;
4. ersucht den Generalsekretär, seine guten Dienste für sofortige Verwirklichung dieser Resolution anzubieten und zu diesem Zweck alle geeigneten Maßnahmen zu ergreifen;
5. beschließt, daß der Rat sich weiterhin aktiv mit der Angelegenheit befassen wird, und ersucht den Generalsekretär ,ihm vordringlich über die Entwicklungen bezüglich seiner Bemühungen zu berichten.

+ + + + +

- 3 -

�Ha

( ! )

I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. Dezember 1979

46

USA BRINGEN GEISELFALL VOR DEN INTERNATIONALEN GERICHTSHOF
- Wortlaut des Antrags auf einstweilige Maßnahmen -

WASHINGTON - (AD) - Zum Schutz ihrer Interessen im Zusammenhang mit der
völkerrechtswidrigen Geiselnahme im Iran haben die Vereinigten Staaten den Fall
vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gebracht. Der am 29. November
1979 gestellte Antrag auf einstweilige Maßnahmen hat folgenden Wortlaut:
Dem Urkundsbeamten,
Internationaler Gerichtshof
Sir,
1. Ich habe die Ehre, mich auf den heute dem Internationalen Gerichtshof
vorgelegten Antrag zur Einleitung eines Verfahrens im Namen der Vereinigten
Staaten von Amerika gegen die Regierung des Iran zu beziehen und in Übereinstimmung mit Artikel 41 der Statuten des Gerichtshofes und den Artikeln 73, 74
und 75 der Geschäftsordnung des Gerichtshofs einen Dringlichkeitsantrag zu
stellen, der Gerichtshof möge einstweilige Maßnahmen anzeigen, die sogleich ergriffen werden könnten, um die Rechte der Regierung der Vereinigten Staaten zu
sichern.
2. Die

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�2. Die zwingenden Gründe für diesen Antrag sind niedergelegt in der Darstellung des Tatbestandes im Antrag der Vereinigten Staaten an das Gericht.
Die darin vorgestellten Tatsachen wurden in der begleitenden Erklärung von
David D. Newsom, Unterstaatssekretär für politische Angelegenheiten im Außenministerium der Vereinigten Staaten, nachgewiesen.

Das Gelände der Botschaft

und des Konsulats der Vereinigten Staaten in Teheran wurden von einer großen
Anzahl von Personen gestürmt, die mit der Unterstützung und unter der augenscheinlichen Erlaubnis der Regierung des Iran handelten und bleiben weiterhin
ohne die Billigung der Vereinigten Staaten besetzt.

Mindestens 50 Bürger der

Vereinigten Staaten, von denen praktisch alle Diplomaten sind oder zum Verwaltungs- und technischen Stab der Botschaft gehören, werden als Geiseln festgehalten.

Die Bedingungen ihrer Gefangenhaltung sind hart, erniedrigend, ge-

fährlich und bedeuten eine offenkundige Verletzung des Völkerrechts.

Die

iranischen Behörden haben kundgetan, daß die Geiseln festgehalten werden, bis
die Vereinigten Staaten verschiedene Forderungen erfüllen.

Die Regierung des

Iran hat weiterhin gedroht, die Geiseln einem Strafprozeß und einer Bestrafung
zu unterwerfen, obgleich sie Anrecht auf diplomatische und andere Immunität
haben.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen hat aufgrund dieser "ernsten

Lage" den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einberufen.

In Ausübung seiner

Sonderbefugnisse gemäß Artikel 99 der Charta der Vereinten Nationen hat er den
Sicherheitsrat darüber informiert, daß "die gegenwärtige Krise eine ernsthafte
Gefahr für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit darstellt."
3. Die Regierung der Vereinigten Staaten geht davon aus, daß die einstweiligen, geforderten Schutzmaßnahmen dringend zum Schutz der Rechte der Vereinigten Staaten notwendig sind. In ihrem Antrag ersuchen sie das Gericht in
erster Linie, zu entscheiden und zu erklären, daß der Iran all diejenigen
Geiseln und änderet Mitglieder: der Botschaft der Vereinigten Staaten freiläßt
und ihnen das Verlassen des Iran erlaubt, die nicht iranischer Nationalität
sind; daß er den Vereinigten Staaten wieder die Botschaft zurückgibt; daß er
verantwortlich gemacht wird für die Verletzung verschiedener internationaler
rechtlicher Verbindlichkeiten; und daß er den Vereinigten Staaten Entschädigungen
für zahlreiche schwerwiegende Verletzungen der internationalen Rechtsansprüche

�Rechtsansprüche der Vereinigten Staaten zahlt.

Einstweilige Schutzmaßnahmen

sind erforderlich, um die folgenden Rechte der Vereinigten Staaten zu schützen:
die Rechte ihrer Staatsangehörigen auf Leben, Freiheit, Schutz und Sicherheit;
die Rechte auf Unverletzbarkeit, Immunität und Schutz ihrer diplomatischen und
konsularischen Beamten; sowie die Rechte der Unverletzbarkeit und Schutz ihres
diplomatischen und konsularischen Geländes.

Das Gericht kann nur dann eine

Entscheidung treffen, die eine wirkungsvolle und sinnvolle Wiedergutmachung vorsieht, und der Iran nur dann eine solche Entscheidung ausführen, wenn das Leben
sowie das körperliche und seelische Wohlergehen der Geiseln gewährleistet sind.
Bei der unbeständigen Lage, die im Iran herrscht, befinden sich die Geiseln
in erschreckendem Maß in ständiger Gefahr; ihre Lage könnte sich in jedem Augenblick verschlimmern.

Sollten keine wirkungsvollen Schutzmaßnahmen getroffen

werden, so könnte daraus eine Tragödie resultieren, die nicht wiedergutzumachen
wäre.

Es sind diese möglichen Folgen, wenn das Gericht einstweilige Maßnahmen

unterlassen sollte, die die Vereinigten Staaten so dringend auf ihre Forderung
bestehen lassen.

4, Darüber hinaus gehen die Vereinigten Staaten davon aus, daß die dringende Notwendigkeit einstweiliger Schutzmaßnahmen durch die Gefahren vergrößert
wird, die der Struktur der diplomatischen Beziehungen und dem Völkerrecht durch
den fortdauernden Freiheitsentzug des diplomatischen Personals der Vereinigten
Staaten drohen.

Mit jedem Tag, den diese Bedingungen andauern, wird den Prin-

zipien des Völkerrechts und den Grundlagen diplomatischer Beziehung nicht wiedergutzumachender Schaden zugefügt.

In der Tat zeigen jüngste Ereignisse in an-

deren Ländern, daß die Fortdauer dieser Lage in Teheran eine deutliche und akute
Gefahr für die Sicherheit der diplomatischen Gemeinschaft insgesamt darstellt.
Zudem würden die Prinzipien des Völkerrechts und die Grundlagen diplomatischer
Beziehungen auf nicht wiedergutzumachende Weise geschädigt, wenn die Regierung
des Iran eine mögliche Handlungsweise, die sie angedroht hat, verwirklichen und
Diplomaten wegen angeblicher strafbarer Spionagehandlungen vor Gericht stellen
würde.

Kein Urteil des Gerichtshofes könnte einen solchen ungesetzlichen und

außergewöhnlichen Schritt rückgängig machen.
5. Angesichts
- 3 -

�5. Angesichts der in den vorhergegangenen Abschnitten und im Antrag der
Vereinigten Staaten angesprochenen Überlegungen ersuche ich im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten höflich, daß, solange der Fall nicht abgeschlossen ist, das Gericht hiermit folgendes bestimmt:
a) Daß die Regierung des Iran sofort alle Geiseln amerikanischer Nationalität freiläßt und die sofortige und sichere Abreise dieser Personen und aller
anderen amerikanischen Amtsträger aus dem Iran unter angemessenen und menschenwürdigen Umständen bewerkstelligt.
b) Daß die Regierung des Iran sofort das Gelände der amerikanischen Botschaft, Kanzlei und des amerikanischen Konsulats von allen Personen räumen läßt,
deren Anwesenheit nicht vom amerikanischen Geschäftsträger im Iran autorisiert
ist und das Gelände wieder den Vereinigten Staaten unterstellt.
c) Daß die Regierung des Iran gewährleistet, daß allen zur amerikanischen
Botschaft und zum amerikanischen Konsulat gehörenden Personen unter Schutz die
volle Freiheit innerhalb der Botschaft und der Kanzlei und die Bewegungsfreiheit
innerhalb des Iran eingeräumt wird, die sie für die Ausübung ihrer diplomatischen
und konsularischen Funktionen brauchen.
d) Daß die Regierung des Iran keine zur Botschaft und zum Konsulat der
Vereinigten Staaten gehörenden Personen unter Anklage stellt und sich aller Tätigkeit enthält, einen solchen Prozeß durchzuführen.
e) Daß die
werden, die die
eines Spruches,
würden, und vor
Sicherheit oder

Regierung des Iran gewährleistet, daß keine Maßnahmen getroffen
Rechte der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Durchführung
den der Gerichtshof in der Sache fällen könnte, präjudizieren
allem keine Maßnahmen ergreift oder duldet, die das Leben, die
das Wohlergehen der Geiseln gefährden würden.
r

6. Angesichts

�6. Angesichts des Ernstes der gegenwärtigen Situation, die durch ergriffene oder angedrohte Handlungen der Regierung des Iran oder von Personen, die unter
ihrer Vollmacht oder mit ihrer Unterstützung handeln, verursacht worden ist, ersucht die Regierung der Vereinigten Staaten dringend, daß dieser Antrag als eine
Angelegenheit von höchster Dringlichkeit behandelt wird.

In&gt; diesem Zusammen-

hang wird die Aufmerksamkeit des Gerichtshofes auf das Schreiben des Außenministers
der Vereinigten Staaten an den Präsidenten des Gerichtshofes gelenkt, dessen
Durchschrift hier beiliegt und der gemäß Artikel 74, Absatz 4 der Geschäftsordnung des Gerichtshofes unterbreitet wird.

Angesichts der außerordentlichen Dring-

lichkeit des Falles ersuchen die Vereinigten Staaten ferner höflich, daß der Gerichtshof zum baldigst möglichen Zeitpunkt eine Anhörung über diesen Antrag
ansetzt.

7. Der Unterzeichnete ist von der Regierung der Vereinigten Staaten von
Amerika bevollmächtigt, bei allen Verfahren oder Anhörungen bezüglich dieses Antrages, die der Gerichtshof gemäß den Bestimmungen von Artikel 74, Absatz 3
der Geschäftsordnung des Gerichtshofes einberufen mag, vor dem Gerichtshof zu
erscheinen.

Gez. Roberts B. Owen
Beauftragter der Regierung der
Vereinigten Staaten von Amerika

+ + + + +

- 5-

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. Dezember 1979

46

SCHREIBEN DES US-AUSSENMINISTERS AN DEN INTERNATIONALEN GERICHTSHOF
(29. November 1979)

WASHINGTON

- (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance

hat zusammen mit dem Antrag der Vereinigten Staaten an den Internationalen
Gerichtshof in Den Haag, einstweilige Maßnahmen zum Schutz der Geiseln in
der Botschaft der USA in Teheran zu treffen, an den Präsidenten dieses
Gerichtes, Sir Humphrey Waldock, am 29. November 1979 folgendes Schreiben
gerichtet.
Sehr geehrter Sir Humphrey,
die Regierung der Vereinigten Staaten stellt mit dem heutigen
Datum einen Antrag bei dem Gericht auf einstweilige Maßnahmen zum Schutze
in einem Fall gegen die Regierung des Iran wegen der Ergreifung und des
Festhaltens von Mitgliedern der amerikanischen Botschaft in Teheran als
Geiseln. Wie Ihnen bekannt ist, werden mindestens 50 amerikanische
Staatsbürger einer ausgedehnten und unmenschlichen Haft unterworfen.
Sie werden jetzt bereits über drei Wochen als Geiseln festgehalten, und

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�und es ist angedroht worden, sie unter Anklage zu stellen.
Im Hinblick auf die außerordentliche Dringlichkeit dieses Falles,
der keinem bisher dem Gerichtshof unterbreiteten Fall gleicht, möchte
ich höflichst bitten, daß Sie als Präsident des Gerichtshofes die Regierung
des Iran dringend ersuchen, sofort die Ernennung ihres Vertreters in dem
Fall vorzunehmen.

Ich ersuche ferner dringend darum, daß der Gerichtshof

auf jeden Fall eine Anhörung über den Antrag auf einstweilige Maßnahmen
vornimmt, sobald er beschlußfähig ist.

Meine Regierung hofft allen Ernstes,

daß der Gerichtshof innerhalb von Tagen eine Anordnung erlassen wird, die
angemessene einstweilige Maßnahmen vorsieht.

Wie der Generalsekretär der

Vereinten Nationen dem Sicherheitsrat mitgeteilt hat, stellt die gegenwärtige Krise eine ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit dar.
Darf ich ferner höflichst darum bitten, daß Sie als Präsident des
Gerichtshofes die Regierung des Iran sofort ersuchen, daß keine Schritte
unternommen werden, um die öffentliche Meinung gegen die Geiseln aufzustacheln; um die Gefahr, der sie ausgesetzt sind, zu erhöhen oder um sie
unter Anklage zu stellen.
Ich habe den Rechtsberater des amerikanischen Außenministeriums, den
ehrenwerten Roberts B. Owen, zum Vertreter der Vereinigten Staaten in
diesem Fall ernannt.

Mit freundlichen Grüßen
gez.:

Cyrus Vance

+ + + + +

- 2 -

�5. Dezember 1979

46

US-FINANZMINISTER MILLER BERICHTET ÜBER NAHOSTREISE
UND IRANISCHE GUTHABEN
- Pressekonferenz in London am 29. November 1979 -

LONDON - (AD) - Am 29. November 1979 nahm der amerikanische Finanzminister G. William Miller nach Beendigung seiner Reise durch drei ölexportierende Länder im Nahen Osten zu Fragen der Ölversorgung und zum Einfrieren der
iranischen Guthaben durch die Vereinigten Staaten Stellung.
Nachfolgend wesentliche Auszüge aus der Pressekonferenz:
MILLER:

Wir haben gerade.eine Reise in den Nahen Osten beendet. Wir

waren in Riad, wo wir Beamte der saudi-arabischen Regierung besuchten; wir
waren in Abu Dhabi, wo wir Beamte der Vereinigten Arabischen Emirate trafen;
und in der Hauptstadt Kuwait, wo wir mit Beamten der kuwaitischen Regierung
sprachen.

Der Zweck war, Informationen auszutauschen und uns über eine ganze

Bandbreite von Themen zu beraten.

Die Reise war zu Beginn meiner Tätigkeit als

Finanzminister im August geplant.

Wir hatten mit der Ausarbeitung eines Termin-

plans begonnen, der eine Reise in den Nahen Osten für November vorsah. Die

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�Die Entwicklung der Ereignisse brachte es mit sich, daß die Tagesordnung länger war, als ich ursprünglich erwartet hatte.

Dennoch enthielt sie eine Dar-

legung der Wirtschafts- und Energiepolitik der Vereinigten Staaten und versuchte auch, sich über die Politiken der besuchten Länder zu informieren sowie
Informationen mit ihnen auszutauschen über die Finanzmärkte, die Ereignisse
im Iran und selbstverständlich auch den Vorfall in Mekka, als wir gerade in
Saudi-Arabien waren.

Daher hatten wir etwas mehr zu diskutieren als ursprüng-

lich vorgesehen war.

Ich habe keine vorbereitete Erklärung bei mir, und ich

möchte meine Darlegung lediglich mit der Feststellung beenden, daß der Zwischenaufenthalt in London als kleine Pause auf dem Weg zurück in die Vereinigten Staaten sehr spät beschlossen wurde in der Absicht, Sir Geoffrey Howe,
den britischen Schatzkanzler, über unsere Reise und die gemachten Erfahrungen
zu informieren und die Gelegenheit zu nützen, mit ihm die Lage im Iran zu erörtern sowie Wirtschafts- und Finanzfragen zu besprechen, die sich als eine
Folge der Geiselnahme ergaben, die in Widerspruch steht zu allen internationalen Konventionen und zum Völkerrecht.

Nach dieser Anmerkung steht ich Ihnen

gern zu Fragen zur Verfügung.

FRAGE:

Herr Minister, könnten Sie uns sagen, wie die Irankrise die Zu-

kunft der arabischen ölförderung und -preise beeinflussen wird?
ANTWORT: Die von uns besuchten Regierungen repräsentieren zusammengenommen die Hälfte der Menge des geförderten Öls der OPEC-Länder - und alle
drei sind Überschußländer. Sie sind daher offensichtlich diejenigen, die,
wie ich sagen würde, von großer Bedeutung für Ihre Frage sind. Ihre Haltung
ist - und sie zeigen dies -, daß die Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft in Teheran einen Gesetzesbruch darstellt und beendet werden sollte,
daß die Geiseln unversehrt freigelassen werden sollten. Sie hegen die Hoffnung, daß dies bald geschehen kann und daß der Hintergrund dieses Vorfalls
geklärt und die Angelegenheit wieder in normalere Bahnen gelenkt werden kann.
Sie betrachten die Vorfälle nicht so, als stünden sie in Beziehung zu ihren
eigenen Plänen hinsichtlich ölförderung und -Preisfestsetzung, ausgenommen

- 2 -

�ausgenommen insoweit, als die Ereignisse im Iran irgendwann einmal die Förderung im Iran beeinflussen könnten.

Dies würde auf die Erdölversorgung der

Welt Auswirkungen haben und die Ereignisse in einer Weise beeinflussen, wie
es keiner von uns vorhersagen kann.

Aber bei der Annahme, daß wir auch weiter-

hin eine iranische Ölversorgung auf mehr oder weniger gleichem Niveau haben
werden wie bisher - vielleicht etwas weniger, aber in dieser Größenordnung -,
meine ich, daß die Pläne dieser ölländer darin bestehen, ihre Förder- und
Preisplä'ne ohne bezug auf den Vorfall mit den Geiseln zu verfolgen...

FRAGE:

Glauben Sie, daß Ihrer Meinung nach irgendwann im nächsten Jahr

Saudi-Arabien seine ölförderung um eine Million Barrel pro Tag (1 Barrel
= 159 Liter) senken wird und Kuwait möglicherweise um eine dreiviertel Million Barrel pro Tag?
ANTWORT:

Alle drei Regierungen, die wir besucht haben, haben ihre öl-

förderung im Jahr 1979 über das Niveau hinaus erhöht, das sie eigentlich
möchten und das sie brauchen, um ihre finanziellen Zielsetzungen zu erreichen.
Sie taten dies als Beitrag zur globalen Stabilität während der Folgen der
iranischen Revolution zu Beginn dieses Jahres und gegen Ende vorigen Jahres,
als die iranische ölförderung zunächst unterbrochen und später auf einem niedrigeren Niveau wieder aufgenommen wurde.

Sie versuchten daher, einen Teil

dieses Fehlbetrags auszugleichen, indem sie mehr öl förderten als sie gerne
möchten - die Saudis durch zusätzliche eine Million Barrel pro Tag und die
anderen durch Produktionsausweitung.

Im Fall von Saudi-Arabien hat Minister

Yamani öffentlich angekündigt - ich sage Ihnen nichts, was nicht schon gesagt
wurde -, daß seine Regierung gewillt sei, bis ins nächste Jahr hinein eine
Förderung auf diesem Niveau beizubehalten, falls dies zu einer gemeinsam getragenen Ordnung auf den Märkten und zu einem angemessenen Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage beitragen könnte.

In den Vereinigten Arabischen

Emiraten wurde erneut die Förderung über das hinaus ausgeweitet, was sie
selbst brauchen, und als wir dort waren, haben sie öffentlich gesagt, daß sie
die Absicht haben, auch weiterhin alles öl zu fördern, das sie unter den ge-

- 3 -

�gegebenen Umständen bekommen könnten, in dieser Hinsicht ohne zeitliche Begrenzung.

Sie beabsichtigen allerdings, im nächsten Jahr eines ihrer öl fei -

der aufzufrischen, was zusammen mit erhöhter Förderung auf den anderen Feldern und einer zeitweisen Verminderung auf dem aufzufrischenden Feld ihre Förderung um 60 000 bis 70 000 Barrel pro Tag mindern würde; ihren Worten nach
würde der alte Zustand jedoch nach Beendigung des Auffrischungsprozesses wiederhergestellt werden.

Sie warten auf die Zeit, da Angebot und Nachfrage aus-

gewogen sind und würden dann vielleicht die Förderung etwas zurückschrauben;
aber sie haben derzeit keine solchen Pläne.

In Kuwait wurde öffentlich ange-

zeigt, man wünsche keinen weiteren Anstieg der Förderung, und natürlich erwartet auch niemand von uns einen solchen Anstieg ihrer ölförderung.

Ihren An-

kündigungen entnehme ich, daß sie in einem der kommenden Vierteljahre - ich
weiß nicht, wann - ihre Förderung auf das Niveau vor den Ereignissen im Iran,
vielleicht etwas höher, herunterschrauben wollen - zumindest aber zurück auf
ein Maß, von dem sie glauben, es stehe im Einklang mit der sachgemäßen Entwicklung ihrer ölfelder und ihren eigenen finanziellen Bedürfnissen.

Sie ha-

ben keinen diesbezüglichen Zeitplan, sagen jedoch, sie hätten beschlossen,
dies zum angemessenen Zeitpunkt zu tun.

Ich meine daher, daß alle diese drei

Staaten eine sehr verantwortungsbewußte Position bei der Bewahrung eines angemessenen Gleichgewichts einnehmen, damit wir keine weitere Störung der Weltwirtschaft mehr erleben...
Ich meine, sie sind sehr positiv und konstruktiv; und meiner Meinung nach
haben sie einen legitimen Standpunkt: Sie wollen nicht dazu aufgefordert
werden, mehr öl zu fördern als in ihrem Eigeninteresse liegt, nicht nur an
gedrosseltem Angebot, sondern in ihrem Eigeninteresse an einer ordnungsgemäßen
Förderung auf ihren ölfeldern. Sie wollen sie nicht in einem Tempo erschöpfen,
das die maximale Nutzung der Reserven verhindern' würde... Dies alles steht
im Zusammenhang mit der Würdigung, die sie den Schritten entgegenbringen, die
bereits von den Vereinigten Staaten unternommen wurden, und den weiteren
Schritten, die wir beabsichtigen, um unsren Ölverbrauch zu drosseln...

Ich

�Ich möchte hinzufügen, daß wir nicht nur dafür sorgen sollten, daß sich
die Einsparung in den Vereinigten Staaten beschleunigt, sondern daß die
Vereinigten Staaten auch, wie Sie wissen, die Initiative ergriffen haben, um
die Konferenz der Internationalen Energieagentur (IEA) voranzubringen und
um dadurch eine entschlossene Verpflichtung der öl Verbraucherländer zu strengeren Importquoten der einzelnen Länder und eine ernstere Verpflichtung zur
Erzielung solcher Quoten zu erreichen - uns selbstverständlich inbegriffen -,
um den öl Produzenten zu zeigen, daß dies eine internationale Anstrengung ist,
die Nachfrage unter Kontrolle zu bringen, ihr Angebot gerechtfertigt ist und
sie nicht das Gefühl zu haben brauchen, nur einen nie endenwollenden Appetit
nach verschwenderischem Verbrauch von Erdöl befriedigen zu müssen.

Und so-

bald sie sehen, daß wir anfangen, einzuschränken, zu kontrollieren und einzusparen, werden sie dazu ermutigt, die Versorgung bis zu dem Zeitpunkt fortzusetzen, da wirgroße Stabilität erreicht haben.

FRAGE:

Mr. Miller, es gab hier in Europa Stimmen, die behaupteten, Ihre

Schritte zur Blockierung iranischer Guthaben bei amerikanischen Auslandsbanken
seien nicht rechtsverbindlich und könnten vor den Gerichten angefochten werden.
Gleichzeitig scheinen einige Zentralbanken in Europa zu behaupten, sie seien
nicht angemessen über die Begleiterscheinungen dieses Schrittes konsultiert
worden, der außerdem zu weiterer Anlagenstreuung durch unsere Investoren in
aller Welt vom Dollar weg führen könnte.

Könnte dies nicht eine neue Kluft

zwischen Ihnen und Ihren europäischen Verbündeten aufreißen?

ANTWORT:
ten.

Das sind viele Fragen und ich will versuchen, sie zu beantwor-

Zunächst einmal bin ich der Ansicht, Sie bringen Dinge durcheinander,

wenn Sie sagen, es sei nicht legal und werde deshalb vor Gericht gehen.

Ich

dachte immer, es sei Aufgabe der Gerichte, darüber zu befinden, ob etwas Recht
oder Unrecht ist und daß Sie daher meiner Meinung nach den Fall sicherlich nicht
präjudizieren wollen.

Bei einem Einfrieren von Guthaben, das die Zweigstellen

von amerikanischen Banken im Ausland betrifft, liegt der Fall der konkurrierenden Rechtssprechung vor.

Es gibt niemanden, der leugnen würde, daß die

- 5-

�die Bankaufsichtsbehörden und die amerikanische Regierung Kontrolle über ihr
Bankennetz haben; niemand würde leugnen, daß die britische Regierung und die
"Bank of England" die Kontrolle über die britischen Banken haben.

Aber wenn

die britischen Banken Zweigstellen in den Vereinigten Staaten eröffnen oder
wir in England Zweigstellen, dann besteht konkurrierende Rechtssprechung.

Und

sicherlich sind die englischen und die internationalen Gesetze, die Regeln internationalen Verhaltens - wohl begründete internationale ebenso wie nationale
Gesetze - in der Lage, diesen konkurrierenden Rechtssprechungen Raum zu bieten
und Entscheidungen nach diesem Tatbestand zu treffen.

Ich darf sagen, daß

die britische Regierung, die "Bank of England", sich überaus korrekt verhalten
hat und wir dies würdigen.

Sie haben gesagt, daß dies eine Angelegenheit sei,

die sachlich entschieden wird, daß die Rechte der einzelnen Parteien in Rechnung gestellt und alles dem Rechtsweg gemäß behandelt werden wird.
Grund mag es zu Prozessen kommen.

Aus diesem

Aber es geht hier nicht allein um die Frage

der blockierten Guthaben, sondern darum, wie die Depotbedingungen sind und die
Bedingungen anderer Finanzverpflichtungen, die ins Spiel kommen, wenn die Vertreter der Regierung des Iran nicht nur ein feindseliges und anormales Verhalten gegenüber amerikanischen Banken und Bankeinlagen an den Tag legen, sondern
seltsame Rußerungen tun hinsichtlich der Nichtanerkennung aller Schulden, was
natürlich die Frage aufwirft, ob sie sich nicht auch anderen ihrer Verpflichtungen entziehen...

Ich glaube nicht, ja, ich wäre überrascht, wenn dieser Tat-

bestand irgendwelche Reibungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten verursachen würde, da jeder wissen muß, daß diese Situation sich im
Zusammenhang mit einem völlig unannehmbaren Bruch des Völkerrechts und internationaler Konventionen einstellte, der in den modernen Zeiten nicht seinesgleichen hat, der Geiselnahme von diplomatischem und Regierungspersonal und
sogar der Drohung, sie zu töten als Mittel der Erpressung zu einem politischen
Zweck...
Tatsächlich haben sie, die Verbündeten, uns große Unterstützung gegeben
in dem Versuch, die Freilassung der Geiseln zu erreichen, und allein ihre aktive Unterstützung bedeutet für mich, daß ich in dieser Hinsicht keine aufkommenden Spannungen erkennen kann.

Was schließlich die Neigung angeht, im Dollar

- 6 -

�Dollar zu investieren, so ist meine Folgerung - die meiner Mitarbeiter und
mir - nach unserem Besuch der drei Länder im Nahen Osten -, daß der Wunsch
nach dem Dollar als Investitionsmittel für ihre Überschüsse aus vielen Gründen größer werden könnte. Dafür gibt es viele Gründe und dies war unser Eindruck. Aber ich glaube, man muß offen sagen, daß sie - trotz ihrer Tendenz
zu glauben, daß der Dollar von ihrem Standpunkt aus in einer sehr vorteilhaften Lage ist und daß die Vereinigten Staaten den vielversprechendsten Weg für
die Anlage ihrer Überschüsse darstellen -, über das Einfrieren beunruhigt waren. Ich meine, wir sollten uns vor dieser Frage nicht drücken. Diese Gelegenheit für uns, sie mit ihnen unmittelbar zu besprechen, ihnen die Umstände
zu erklären, schaffte ein besseres Verständnis, ließ sie ihr Verständnis öffentlich ausdrücken und sie erklären, daß sie keine Pläne für eine Änderung machen.
Sie hoffen, daß die Angelegenheit rasch aus der Welt geschafft werden kann,
damit deutlich wird, daß alles mit dieser ungewöhnlichen, ungesetzlichen Maßnahme ohnegleichen der Regierung des Iran zusammenhängt und nicht mit einer
möglichen Haltung oder möglichen künftigen Überlegung hinsichtlich der Freizügigkeit des Kapitals auf den internationalen Märkten.

FRAGE: Welche Zusicherungen können sie denjenigen geben, die glauben,
daß das Einfrieren der iranischen Guthaben und die Rückwirkungen daraus schon
in sich die internationalen Finanzmärkte destabilisiert haben?
ANTWORT: Ich bin nicht sicher, ob ich Ihre Frage verstanden habe, denn
eines der Übereinkommen der letzten Jahre im internationalen Bankgeschäft
lautet, daß diejenigen, die daran teilnehmen, ihre Verpflichtungen erfüllen.
Und wenn eine Partei diese Abmachung nicht einhält... ich meine, bei Ihren
eigenen Bankkonten: Wenn Sie Ihre Bank anrufen und ihr sagen, Sie hätten sich
eben dazu entschlossen, Ihr Darlehen nicht zurückzuzahlen, dann habe ich den
Verdacht, daß diese es als angemessen empfinden würde, sich das Geld zu beschaffen. Und dies gilt für den internationalen Bereich genauso wie für den
persönlichen. Ich bin auch nicht sicher, ob ich die Begleiterscheinungen verstehe in dem Ausmaß, daß ein Teilnehmer an den internationalen Märkten darauf

- 7 -

�darauf hinweist, daß ihr Zweck nicht darin besteht, ihren Depotbedingungen
oder ihrem Verhalten gerecht zu werden, sondern einen Wirtschaftskrieg anzuzetteln, Zahlungsbilanzen zum Kurssturz durch Verkäufe zu benutzen, um die
Vereinigten Staaten in Verlegenheit zu bringen, künstlich eine Abwertung des
Dollar herbeizuführen, die jeden Dollarbesitzer treffen würde - all diejenigen
verletzten würde, über die wir gerade sprachen -, und dies willkürlich zu tun
- nicht nur aus dem Verlangen nach Risikostreuung, sondern ausdrücklich zum
Zweck der Schaffung eines Chaos.

Dies ist ein Verhalten, auf das zu antworten

die internationale Gemeinschaft zum Schutz ihrer Interessen von uns erwartet.
Und ich sollte die Zusicherung geben, daß die Vereinigten Staaten nicht gewillt sind, sich dieser Art von Erpressung und Drohung zu beugen, und daß wir
alle Interessen dadurch schützen, daß wir überhaupt keine Einlagen annehmen.
Wir haben nicht ein einziges Guthaben enteignet.

Wir haben nur gesagt:

"Warten Sie, bis die Abrechnung vorliegt."

FRAGE:

Herr Minister, es scheint zwei kleine Widersprüche zu geben.

Vielleicht können Sie bei der Klärung behilflich sein.
daß Sie über Verweigerung von Einlagen sprechen.

Einer besteht darin,

Meines Wissens, ich kann

mich hier täuschen, kam diese Forderung nach Verweigerung nach dem Einfrieren
der Guthaben.

Der zweite Grund war, daß Sie in Ihrer ursprünglichen Erklärung

zur Ankündigung des Einfrierens der Guthaben lediglich auf die Drohung des Abziehens anspielten, was - wie es scheint - jedermanns Recht ist, wie bösartig die Absicht auch sein mag; jetzt scheinen Sie das Thema der Geiseln
mit einzubeziehen, was Sie zu jenem Zeitpunkt nicht taten.

ANTWORT:

Lassen Sie mich das der Reihe nach erklären.

Zu jenem Zeitpunkt

sagten wir deutlich, daß die Umstände, die uns zu dem Einfrieren veranlaßten,
aus ihren (der Iraner) eigenen Handlungen hinsichtlich ihrer Einlagen und
ihrer internationalen Finanzangelegenheiten herrührten.
im Zusammenhang mit den Geiseln.

Dies alles geschah

Ihre Entscheidung zum Transfer dieser Gelder

wurde lediglich getroffen, um hinsichtlich der Geiseln mehr Druck auf uns auszuüben.

Beides ist unvermeidlich miteinander verbunden.

- 8 -

Wir hätten ihre Gut-

�Guthaben nicht nur aufgrund der Tatsache eingefroren, daß sie Geiseln genommen
hatten.

Aber als sie zum Druck hinsichtlich der Geiseln noch andere Maßnahmen

ergriffen, antworteten wir in angemessener Weise.

Lassen Sie mich wiederholen:

Ihre ursprüngliche Ankündigung enthielt die Absicht, ihre Guthaben abzuziehen.
Und ich kann Ihnen versichern, daß der Transfer von Einlagen von einer amerikanischen Bank zu einer britischen oder französischen oder deutschen Bank keinen
nennenswerten Einfluß auf die internationalen Märkte hat.

Aber sie verbanden

dies mit der Feststellung, daß sie die Absicht hätten, diese Bestände zu benützen, um im Dollarhandel Störungen hervorzurufen und die Vereinigten Staaten
in die Knie zu zwingen, indem sie den Wert des Dollar zerstören.
Erklärung.

Das war ihre

Es war dieser Punkt, der uns das Gefühl gab, viele Menschen wür-

den geschädigt - nicht, daß sie es über mehr als nur ein paar Tage hinweg hätten so treiben können, aber es hätte unschuldigen Menschen Schaden zugefügt,
für die es völlig überraschend gekommen wäre und das hätte möglicherweise einen
Schneebaileffekt gehabt, zu dem wir es nicht kommen lassen konnten.

Die gegen-

wärtige Bewegung der Mittel weg vom Dollar in andere Währungen wäre sehr kurzlebig gewesen, aber hätte sich auf Unschuldige sehr schädlich ausgewirkt.
Was drittens geschah:

Danach hatten wir den Verdacht - und ich bin sehr froh,

daß Sie mir Gelegenheit geben, dies aufzuklären -, daß ihr Verhalten ziemlich
unnormal war und daß wir gut daran täten, die Dinge in der Hand zu halten, bis
wir wußten, daß unsere Ansprüche ihnen gegenüber gedeckt waren.

Denn unser

Verdacht war, daß sie die Absicht hegten, Dollar abzuziehen und unsere Ansprüche
nicht abzugleichen.

Nunmehr bestätigen sie diesen Verdacht, indem siesagen

- allerdings muß ich hinzufügen, daß keiner von uns sagen kann, was sie wirklich meinen, denn sie sagen jeden Tag etwas anderes -, indem sie also zu sagen
scheinen:

"Wir werden eine Menge Verpflichtungen zurückweisen, die wir inter-

national haben."

Wir wissen nicht, ob sie es meinen, oder ob sie nur bluffen

oder ob sie alle Ansprüche meinen.

Einmal sagten sie:

alle Ansprüche.

Aber

meiner Meinung nach schienen die anschließenden Schritte in dieser Hinsicht,
die folgenden Erklärungen in dieser Hisnicht, unseren Verdacht zu erhärten,
daß es sich hier nicht nur um eine Entscheidung gehandelt hatte, andere Banken
neben den amerikanischen zu verwenden - wozu sie völliges Recht haben:

Wir haben

kein Recht, darauf zu bestehen, daß jemand mit amerikanischen Banken arbeitet.

- 9-

�arbeitet.

Aber wir haben ein Recht, darauf zu bestehen, daß sie ihre Ver-

pflichtungen erfüllen und sich in einer Weise benehmen, die die Rechte der
anderen angemessen respektiert.

Und ich bin der Meinung, daß die Rechte an-

derer beeinträchtigt wurden...

+ + + + +

- 10

�31

I 3

IS

CO

Wi//cn/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

46

5. Dezember 1979

IMMUNREAKTION MIT FEINABSTIMMUNG
Verbesserungen für Diagnose und Therapie möglich

- (AD) - Ein neues Verfahren, mit dem sich der Komplex der Immunreaktion leichter in einzelnen Komponenten zergliedern läßt, macht es
möglich, bei zahlreichen Krankheiten Diagnose und Therapie entscheidend
zu verbessern.

Es erlaubt die Produktion ganz spezifischer Antikörper,

d.h. der in bestimmten Zellen gebildeten Abwehrstoffe, die sich mit
Molekülen des Schadstoffs (Antigen) verbinden und diesen so zu neutralisieren
vermögen.

Antikörper sind gewissermaßen "die vorderste Verteidigungslinie"

des Körpers gegen eingedrungene Bakterien, Viren und Giftstoffe, unter
Umständen auch gegen krankhaft veränderte, schädliche Zellen aus dem
eigenen Organismus.
Wie Dr. Leonard Herzenberg, Professor der Genetik an der StanfordUniversität (Kalifornien, USA), auf einer Tagung in Palo Alto am 8.
November 1979 berichtete, erweitere die Verwendung sogenannter monoklonaler Antikörper das Spektrum der Krankheiten, für deren Diagnose und
Therapie Antikörper eine wichtige Rolle spielen, ganz erheblich. Es
reiche heute von der Legionärskrankheit bis zur Leukämie.

Als "monoklonal

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�"monoklonal" bezeichnet Herzenberg solche Antikörper, die von Zellen
produziert werden, welche von einer Einzelzelle abstammen und untereinander gleichartig sind.

Sie geben dem Wissenschaftler ein reines

chemisches Reagens an die Hand, das sowohl zur Grundlagenforschung in
der Zellbiologie als auch in der klinischen Medizin verwendet werden
kann.
Herzenberg erörterte in seinem Vortrag u.a. das Problem, daß Leukämieerkrankungen bei Kindern derzeit in etwa 50 Prozent der Fälle geheilt
werden können, die Therapie aber bei den anderen 50 Prozent versagt.
Die Ursache dafür sei in der Tatsache zu suchen, daß es nicht nur verschiedene Typen von Leukämie gebe, sondern ebenso verschiedene Typen
weißer Blutzellen, von denen sich die Tumoren herleiten - "und wir können
gegenwärtig noch nicht alle auseinanderhalten".

Dank der Einführung

monoklonaler Antikörper sei aber zu hoffen, Zelltypen genau identifizieren
und die Therapie entsprechend wirksam gestalten zu können.

"Wenn Ärzte

erst einmal in der Lage sind", so Herzenberg, "die Therapie ganz und gar
auf den Patienten und 'seinen' Krebs zuzuschneiden, haben wir eine echte
Chance, z.B. bei Kindern alle Formen von Leukämie anzugehen".
Ähnlich können monoklonale Antikörper dazu verwendet werden, nachträglich Krankheitserreger zu suchen und zunächst rätselhafte Erkrankungen
oder Epidemien aufzuklären. Ein Paradefall dafür war dem Bericht Herzenbergs
zufolge die sogenannte Legionärskrankheit. Im Sommer 1976 hatte der
Soldatenverband "American Legion" in Philadelphia ein Treffen mit einigen
Tausend Teilnehmern veranstaltet. Unmittelbar darauf erkrankten 149
von ihnen unter hohem Fieber und mit Symptomen, die einer Lungenentzündung
ähnelten. In fast 30 Fällen gab es keine Rettung.
Intensive Experimente mit Gewebsproben brachten einige Monate
später bei einigen Versuchstieren, die damit geimpft worden waren, dank
neuer Anfärbemethoden endlich den Erreger zutage. Es war ein bis dahin

- 2 -

�dahin unbekanntes Bakterium, das die Bezeichnung "Legionella Pneumophilia"
erhielt.

Nun setzte eine mühevolle Detektivarbeit ein mit dem Ziel,

herauszufinden, ob früher beobachtete Epidemien mit ähnlichen Krankheitssymptomen etwas mit diesem Erreger zu tun gehabt haben könnten.

Das galt

vor allem für eine Erkrankungswelle im Jahr 1965 in der Bundeshauptstadt
Washington und für eine weitere im Jahr 1968 im Staate Michigan.

An Hand

konservierter Gewebsproben, Seren und der erneuten Untersuchung von
Personen, die die Erkrankung durchgemacht hatten, konnte in zahlreichen
Fällen die Beteiligung des Erregers der Legionärskrankheit bestätigt
und die Existenz entsprechender spezifischer Antikörper nachgewiesen
werden.

Diese Antikörper waren das wichtigste Indiz bei den nun einsetzenden
neuen Suchaktionen, die nicht nur auf alle amerikanischen Bundesstaaten,
sondern auch auf Kanada und Europa ausgedehnt wurden.

Und dabei stellte

sich heraus, daß die Legionärskrankheit, die eine leichtere und eine
schwere Verlaufsform haben kann, viel weiter verbreitet ist als ursprünglich
angenommen.

Dennoch weiß man noch immer nicht, wo sich die Bakterien

eigentlich verbergen, wo sie "zuhause" sind.

Sie sind schwer zu züchten,

gedeihen aber offenbar recht gut in Klimaanlagen.

Seinerzeit schien

auch von der Klimaanlage des Tagungshotels die Masseninfektion ausgegangen
zu sein.

Vielleicht nisten sie im Boden und werden mit Staub und Wasser

verbreitet.

Jetzt sollen monoklonale Antikörper helfen, ihr Versteck

aufspüren zu helfen.

Als weitere Anwendungsmöglichkeiten für solche hochspezifischen
Antikörper nannte Prof. Herzenberg 1) die eingehende Erforschung von
Krankheiten wie Arthritis, Multiple Sklerose und Jugenddiabetes, 2)
die Beschleunigung der pränatalen Diagnose von genetischen Störungen,
und 3) die verbesserte Gewebsklassifizierung und Verträglichkeitsbestimmung
vor Organtransplantationen.

Die

- 3-

�Die Produktion monoklonaler Antikörper gelang als ersten Dr. Cesar
Milstein vom "Medical Research Council" (Cambridge, England) und Dr. George
Kohler (jetzt in Basel) im Jahr 1975.

Damals versuchten die Wissenschaftler,

neue Antikörper-Moleküle aus Zellkulturen zu gewinnen, die aus einer
Verschmelzung von Milzzellen und Myelomzellen (vom Knochenmark ausgehende
Geschwülste) der Maus hervorgegangen waren.

Das Ergebnis war eine

Hybridzelle mit bestimmten Eigenschaften der Milzzelle (Fähigkeit zur
Produktion von Antikörpern) und der Tumorzelle (schnelles und fortgesetztes
Wachstum).

Hat eine Milzzelle einmal einen spezifischen Abwehrstoff

produziert, ist sie auf Dauer "geprägt":

Von nun an produziert sie dieses

und nur dieses eine Antikörpermolekül, über Jahre hinweg.
Herzenberg hatte 1976 eine Zeitlang bei Milstein gearbeitet und im
gleichen Jahr das Verfahren nach Stanford gebracht.

Gemeinsam mit einigen

Kollegen gelang es ihm hier, die Gewinnung von antikörperproduzierenden
Zellen und deren Kultivierung ganz erheblich zu

beschleunigen, und zwar

mit Hilfe einer Apparatur, die er 1971 für Raumfahrtzwecke entwickelt
hatte.

Sie sortiert auf elektrischem Wege Hybridzellen aus, die unter

Laserlicht fluoreszieren und sich so als Produzent des Antikörpers gegen
ein einziges, im voraus ausgewähltes Zellantigen zu erkennen geben.

Mit

Hilfe dieses Verfahrens lassen sich, wie Herzenberg berichtet, in zwei
Minuten etwa 100 Hybridzellen aus der die Apparatur durchströmenden
Suspension abtrennen und in Kulturschalen sammeln.

Demgegenüber mußten

früher bis zu 10 000 Kulturen angesetzt werden, um die Zelle zu finden,
die eine spezifische Antikörpersubstanz produziert.
Die Zellen haben eine subtile Entwicklungsgeschichte:
injiziert man Ratten Mäusezellen.

Als erstes

Daraufhin produzieren die Milzzellen

der Ratten eine ganze Batterie von Antikörpern gegen verschiedene
Strukturen (Antigene) an den Membranen der Mäusezellen, weil sie diese
als "fremd" erkennen.

Die so geprägten Ratten-Milzzellen werden mit

Myelomzellen verschmolzen.

Die daraus resultierenden Hybridzellen vermischt

- 4 -

�vermischt man mit winzigen, fluoreszierenden KunststoffPartikeln, die
an der Oberfläche ein bestimmtes Mäusezellen-Antigen als Markierungssubstanz ("Marker") tragen. Jene Zellen, die nun Antikörper gegen diesen
"Marker" produzieren, binden die Partikel und werden beim Durchlaufen
der Trennapparatur aussortiert.
Mit Hilfe dieses Verfahrens versucht Herzenberg zur Zeit, die pränatale
Diagnose zu verbessern. Unter Verwendung monoklonaler Antikörper aus
Laboratorien der Harvard-Universität (Cambridge, Massachusetts) und der
Universität Oxford (England) gelang es ihm und seinen Mitarbeitern,
bereits 15 Wochen nach der Empfängnis fetale Zellen im Blut der Mutter
zu erfassen. Gegenwärtig bemühen sich die Forscher, monoklonale Antikörper gegen spezifische Marker von Fetalzellen zu produzieren, um damit
die Zellen aus dem mütterlichen Serum leichter isolieren zu können. Wenn
dies und anschließend die Kultur der Zellen gelingt, wäre mit der Chromosomenuntersuchung an diesen Zellen ein einfacher, sicherer und frühzeitiger
Test auf genbedingte Entwicklungsschäden beim Fötus verfügbar. Die heute
zur Erkennung solcher Schäden vorgenommene Amniozentese kann dagegen erst
in einem späteren Stadium der Schwangerschaft vorgenommen werden.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UN-Sicherheitsrat fordert einstimmig Freilassung der Geiseln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Resolution vom 4. Dezember 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA bringen Geiselfall vor den Internationalen Gerichtshof&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Antrags auf einstweilige Maßnahmen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schreiben des US-Außenministers an den Internationalen Gerichtshof&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 29. November 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Finanzminister Miller berichtet über Nahostreise und iranische Guthaben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz in London am 29. November 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Immunreaktion mit Feinabstimmung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verbesserungen für Diagnose und Therapie möglich -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

b. Dezember 1984

49
INHALT
DOKUMENTATION

Reagan-Kohl-Gespräche bestätigen gemeinsame Ansichten
- Text der Erklärung Reagans bei der Verabscniedung von Bundeskanzler
Kohl Der Einsatz m i l i t ä r i s c h e r Macht
- Rede von Verteidigungsminister Keinberger Antarktisvertrag besteht 25 Jahre

INFORMATION

Lee M. Thomas neuer Direktor der US-Umweltschutzbehörde

Robert Dole wurde Fraktionsvorsitzender der Republikaner im Senat

Bernard Kalb neuer Sprecher des US-Muldenministeriums
WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Schwerpunkte f ü r Raumfahrtprogramm gefordert
- OTA-Studie f o r d e r t stärkere Berücksichtigung von Interessen der
Allgemeinheit -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�i 11 i T ä *

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

5. Dezember 1984

49

REAGAN-KOHL-GESPRÄCHE BESTÄTIGEN GEMEINSAME ANSICHTEN
- Text der Erklärung Reagans bei der Verabschiedung von
Bundeskanzler Kohl -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan erklärte im Verlauf der Verabschiedung von Bundeskanzler Helmut Kohl am 30. November 1984 nach dessen
Besuch in Washington: "Die Festigkeit der deutsch-amerikanischen Partnerschaft bleibt auch weiterhin bei der Suche nach dem Weltfrieden ein Baustein von entscheidender Bedeutung."

Die Bemerkungen von Präsident Reagan haben folgenden Wortlaut:

Bundeskanzler Kohl und ich trafen uns heute, um eine ganze Bandbreite
von Themen zu besprechen.

Charakteristisch für unser Verhältnis war die

Tatsache, dafi die Gespräche freundlich, nützlich und produktiv waren.
Zwischen uns gibt es ein hohes Maf3 an Zusammenarbeit und persönlicher Be-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432*

�persönlicher Beziehung. Wie immer war ich erfreut, mit dem Bundeskanzler
und seiner Regierung solch eingehende Konsultationen zu haben.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf die gemeinsame Erklärung lenken,
die als Ergebnis der heutigen Gespräche veröffentlicht wurde. Sie unterstreicht

unsere

gemeinsame Verpflichtung,

die Ost-West-Beziehungen

zu

verbessern, die konventionelle Verteidigung der NATO zu verbessern und
unser Bemühen um RüstungsVerringerungen zu verstärken.

Wir legen besondere Betonung auf ein Überwinden der Hindernisse, die
Europa teilen - eine Teilung, die diejenigen so schmerzlich fühlen, die
in Mitteleuropa leben. Es war mir eine Freude, Bundeskanzler Kohl gegenüber auch heute wieder unsere Unterstützung seiner Bemühungen zu bekräftigen, die Hindernisse zwischen den beiden deutschen Staaten abzubauen.

Die enge Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik

Deutschland

vergrößert

die

Möglichkeiten

für

verbesserte Ost-

West-Beziehungen. Dies zeigt sich in unserem erfolgreichen Bemühen, den
NATO-Doppelbeschluß auszuführen sowie echte Abkommen zur Rüstungsverringerung anzustreben und unsere Verteidigung zu modernisieren.

Auch heute herrschte zwischen mir und Bundeskanzler Kohl die feste
Übereinstimmung,

auch

weiterhin

der Suche

nach

verantwortungsbewußten

Mitteln zur Verringerung der Kernwaffenarsenale, die derzeit die Menschheit bedrohen, höchste Priorität beizumessen. Und wir rufen alle Männer
und Frauen guten Willens auf, sich uns anzuschließen.

Die Festigkeit der deutsch-amerikanischen Partnerschaft bleibt auch
weiterhin bei der Suche nach dem Weltfrieden ein Baustein von entscheidender Bedeutung. Die Bürger unserer beiden Staaten, mit Freiheit und
Überfluß gesegnet, hegen den tiefen Wunsch nach Frieden. Bundeskanzler
Kohl und ich teilen diesen Wunsch, und unser Bemühen gilt auch weiterhin
dem Ziel, eine friedlichere Welt herbeizuführen.
Die deutsch-amerikanischen Beziehungen, inzwischen in ihrem vierten
- 2-

�ihrem

vierten Jahrhundert, dürfen nie für selbstverständlich

gehalten

werden. 1982 riefen wir eine umfassende Initiative ins Leben, um die
Wertschätzung dieser Bindungen zwischen uns zu fördern und die deutschamerikanischen Kontakte auf allen Ebenen zu verstärken. Bundeskanzler
Kohl und ich konnten heute die begeisterte öffentliche Reaktion in unseren Ländern - insbesondere unter unseren jüngeren Bürgern - gegenüber einem verstärkten Austausch zwischen unseren Völkern feststellen.

Alles in allem kann man sagen, daß unsere Gespräche die Gemeinsamkeit
unserer Ansichten sowie die Verpflichtung zur Zusammenarbeit bestätigten.
Es war ein Vergnügen, Bundeskanzler Kohl, Außenminister Genscher und ihre
Begleitung hier bei uns gehabt zu haben. Ich wünsche ihnen einen guten
Rückflug und freue mich auf die nächste Zusammenkunft.

- 3-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1&gt;. Dezember 19ö^

4&gt;

DER EINSATZ MILITARISCHLR MALHI
- Reae von Verteidigungsminister Weinoerger -

Washington -(AD)- Am Zu. November l^ön

definierte Verteidigungsmini-

ster Lasp^r W. Weinberger in einer Hede vor dem nationalen Presseklub die
Kriterien für den Einsatz militärischer Macht. Uie Ausführungen des Ministers hat an folgenden Wortlaut:

Unter welchen Umständen und duf welche Art und Weise trifft ein großes demokratisches Land wie die Vereinigten Staaten die schmerzhafte Entscheidung, daß der Einsatz militärischer Gewalt zum Schutz seiner Interessen oder zur Durchsetzung seiner Politik notwendig ist V

Die Macht eines Staates ergiot sich aus einer Vielzahl von FaKtoren.
Einige davon, wie z.B. wirtschaftlicher Wohlstand oder technische Überlegenheit, sind greifbar. Andere, wie z.B. moralische Kraft oder ein starker nationaler Wille, sind dies nicht. Streitkräfte bilden eine glaubwürdige und greifbare StärKung der Macht eines Staates, vorausgesetzt sie
sind scnlagkräftig, einsatzbereit und modern. Wenn der nicht greifbare
nationale Wille und die Streitkräfte zu einem j-nstrument aus einem Uuio

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�einem UUIJ verschmelzen, wird die Macht eines Staates wirksam.

In der Welt unserer Gegenwart ist die ürenze zwischen Krieg und Frieden weniger deutlich ausgeoildet, als dies zu jedem anueren Zeitpunkt in
der Geschichte unseres Landes der Fall war. Als George Washington uns,
eine junye Demokratie, in seiner Aoschiedsansprache davor warnte, uns in
Konflikte jenseits unserer Landesgrenzen verwickein zu lassen, lag i-uropa
nocn weit jenseits des Horizonts« ts uedurfte einer Seereise von zwei uis
drei Monaten, um dorthin zu gelangen. Die Vereinigten Staaten waren geschützt durch die Weite der uzeane. Heute, im Atornzeitaltei, messen wir
die Zeit nicht mehr in Monaten, sondern in Minuten.

Um die Folgen jedes falschen Schrittes wissend, aoer überzeugt vom
unschätzbaren Wert unserer Freiheit, versuchen wir, Konflikte zu vermeiden, erhalten daoei aber auch ein starkes Verteidigungspotential aufrecht. Unsere Politik war immer darauf ausgerichtet, mit aller Kraft auf
den Frieden hinzuarbeiten, dabei aber für den Kriegsfall vorbereitet zu
sein. Da die Grenzen zwischen einem offenen Konflikt und halb verdeckten
feindseligen Akten aber so verschwommen geworden sind, können wir nicht
mehr zuverlässig vorhersehen, wo, wann, wie oder aus welcher Richtung wir
einen Angriff zu gewärtigen haben Könnten, Wir müssen zu jeder Zeit darauf vorbereitet sein, Bedrohungen zu begegnen, die der Intensität nach
von einzelnen terroristischen Anschlägen über ouerillaaKtionen bis hin
zur vollen militärischen Konfrontation reichen können.

Wie schon Alexander Hamilton in den Federalist Papers schrieb, ist es
"unmöglich, das Ausmaiö oder die Erscheinungsform der Notsituationen vorherzusehen, mit denen sich ein Scaat konfrontiert sehen Kann, uieicnes
gilt für den Umfang und die Art der Mittel, die zu ihrer Bewältigung erforderlich sein können." (anmerkung der Redaktion: Alexander

hamilton

zählt zu den führenden politischen Köpfen der Frühzeit der amerikanischen
Demokratie. Bei den Federalist Papers handelt es sich um eine Serie von
85 Briefen, die er und andere zumeist in den Jahren 1787/dd an Zeitungen
richteten, um die öffentliche Meinung für die Ratifizierung der Verfassung zu mobilisieren.) Was damals galt, gilt erst recht für eine Gegenwart, in der wir ständig uereit sein müssen, uns zu überlegen, wie wir
- / -

�wie wir solch ernsten, aDer indirekten Beurohunyen für den Frieaen begegnen können, wie sie z.B. Steilvertreterkriege oder einzelne terroristische Anschläge darstellen, und um wie vieles wichtiger binu solche Überlegungen heute in Anbetracht der Folgen, die eintreten können, wenn es
nicht gelingt, einem Konflikt durch Auscnreckung auf der niedrigstmögiichen Ebene vorzubeugen. Die Berechtigung eines demokratischen Staates,
zum Schutz seines Hoheitsgebiets militäriscne Macht einzusetzen, wenn er
angegriffen und in seiner Existenz bedroht wird, hat zwar niemals in Frage gestanden, aber die meisten demokratischen .-ander lehnen es dö, einen
Angriffskrieg zu führen, um in fremdes Territorium einzudringen und es zu
erobern oder um andere Nationen zu unterwerfen. Für uie Fülle der anderen
möglichen Situationen, die zwischen diesen Extremen des Angriffs- und des
Verteidigungskrieges angesiedelt sind, bleibt jedoch unbestimmt, in welchem Umfang der Gebrauch von Gewalt akzeptabel erscheint.

Wir sehen uns somit einer Paradoxie unserer Taye gegenüber: ^eraue
die wahrscheinlichsten Bedrohungen für den Frieden - die Konflikte in der
besagten Grauzone - sind gleichzeitig aucn uiejerugen, aeren Dewältiyuny
einem demokratischen Staat am schwersten fällt. Nun mag der Ursprung una
die Natur oer Bedronungen, denen wir uns neute yeyenübersenen, zwar unuestimmt sein, aber unsere Reaktionen müssen klar und verständlich ausfallen. Kenn wir nicht sicher sind, uau der KÜck y nff auf uewalt zwingend
geboten ist, laufen wir Gefanr, daß es unserer Nation an Entschlossenheit
zum Einsacz der nötigen Mittel mangeln wird.

Gerade die Tatsache, daB wir uns einem ganzen Spektrum von Bedrohungen gegenübersehen - von der verdeckten Aggression über ierrorismus und
Subversion bis hin zu offener Einschüchterung und dem Gebrauch brutaler
Gewalt - macht die Entscheidung darüber, auf weicher Euene wir reagieren
sollen, so schwierig. Der

Grundsatz

der

flexiblen Reaktion bedeutet

schlieulicn nicht, daB jede Reaktion angemessen ist. Wenn uie Entscheidung, ein gewisses \Aa\ä an Gewalt anzuwenden, aber einmal gefallen ist,
und wenn über den sinn und Zweck Klarheit uestent, muu unsere Regieruny
auch die einaeutige Vollmacht besitzen, diese Entscheidung

mit allen

Konsequenzen auszuführen, üis das Ziel erreicht ist. Mucn uas nat sich
als schwierig erwiesen.
über aie

�Über die Frage, welchem Kegierungszweig es obliegt, diese Vollmacht
zu erteilen und Entscheidungen über den Einsatz von Gewalt zu treffen,
wird zur Zeit heftig gestritten. Seit den sieuziger jähren fordert und
übernimmt der Kongreß bei der Gestaltung der Außenpolitik und bei Entscheidungen über den Einsatz von Streitkräften jenseits unserer &lt;_anuesgrenzen eine sehr viel aktivere Holle, als man zuvor für angebracht und
sinnvoll yehalten hatte, üies natte zur Folge, Ueno oie Zentralität der
Entscheidungsgewalt in der Exekutive von der Legislative in einem Maße in
Frage gestellt wurde, oas den Entscheiduriysprozeß unmittelüdr ueeinträcntigt. Gleichzeitig ist der Kongreß aber nicnt bereit, dementsprecnend
dann aucn Verantwortung für die Folgen von Entscheidungen üüer uen Einsatz von Streitkräften zu übernehmen.

Die Folgen von Entscheidungen darübei, od, wann und in welchem Umfang
Kamoftruppen auf Schauplätzen im Ausland eingesetzt werden sollen, waren
aber nie wichtiger als neute. Wir versuchen zwar nicht, alle Konflikte
dieser Welt zu verhüten oder zu bereinigen, aber wir müssen uns der Tatsache bewußt sein, dao wir eine uroumacht sind und daß unsere Verpflichtungen und Interessen eine solche Spannbreite erreicnt haben, daß wir es
uns nur noch in wenigen Fällen leisten Können, ein Ünrunegeuiet unüeacntet zu lassen. Wir müssen daher darauf vorbereitet sein, uns mit einer
ganzen Palette von Möglichkeiten und einem ganzen Spektrum von Krisen vom
örtlich begrenzten üntergrundkampf bis hin zum weltweiten Konflikt auseinanderzusetzen. Wir ziehen es natürlich vor, jede Art

von Konflikt

schon im Frühstadium zu begrenzen, einzudämmen und in den Griff zu bekommen. Dazu müssen unsere StreitKräfte auer rechtzeitig zur Stelle sein,
und sie müssen schon vor ihrem möglichen Einsatz voll ausgestattet und
voruereitet werden, da oie schwierigen Entscheidungen nierüuer oft äußerst schnell getroffen werden müssen.

in der Bundespolitik unseres Lanues gibt es Leute, die meinen, sie
könnten harten Entscheidungen immer ausweichen. Anaere lehnen es rundweg
ab, sicn mit der Frage auseinanderzusetzen, ou wir jemalb oewalt jenseits
unserer Landesgrenzen anwenden könnten. Sie weigern sich, sich diesem
komplexen Problem zu stellen, da sie - obwohl sie dies durch kluge Khetorik verschleiern - in Wirklichkeit einer Rückkehr zum Isolationismus der
- 4 -

�Isolationismus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg das Wort reden. Sie räumen
zwar im Prinzip ein, daß militärische Machtmittel in der Außenpolitik eine Rolle spielen, sind aber niemals bereit, üie Umstände oder üen Schauplatz zu benennen, auf die bzw. auf den dies zutreffen würde.
Andererseits gibt es Theoretiker, die meinen, dab man in jeder Art
von Krise militärische Machtmittel einsetzen könne. Einige dieser Apostel
der Gewalt befürworten eilfertig ihren Einsatz - u m

sei es aucn nur in

begrenztem Umfang - einfach weil sie glauben, daß, wenn nur irgendwelche
amerikanischen Truppen vor Ort anwesend sind, sie das jeweilige Problem
schon irgendwie lösen werden.

Keines dieser neiden Extreme oietet uns dauernafte oder zufriedenstellende Lösungen. Die erste der besagten Positionen - unangebrachte Zurückhaltung - würde uns letzten Enües veranlassen, uns aus internationalen Geschehnissen selbst dann herauszuhalten, wenn die freien Nationen
eigentlich ihre Interessen gegen agyressive Gewalt verteidigen müuten. in
einem solchen Falle würden wir unsere Verpflichtungen als Führungsmacht
der Freien Welt verleugnen, Verpflichtungen, die uns mehr uder weniger
nach dem 2. Weltkrieg auferlegt wurden - einem Krieg übrigens, den der
Isolationismus in Keiner Weise verhindern konnte. Diesen Verpflichtungen
müssen wir nachkommen, wenn wir nicht wollen, dati die Sowjetunion ihren
Einfluß überall in der Welt weiter ausdehnt, ohne auf Widerstand zu stoßen. In einem internationalen System, das auf der wechselseitigen Abhängigkeit oer Nationen und auf Bündnissen zwischen befreundeten Staaten beruht , würde ein ausgeprägter Isolationismus die Vereinigten Staaten sehr
rasch in eine weitaus gefährlichere Lage bringen: Wir würden uns einer
Vielzahl von feindseligen oder gleichgültigen Nationen gegenübersehen,
selbst aber keine Verbündeten haben.

Die zweite Alternative - nahezu wahlloser Einsatz unserer Streitkräfte als normales und geläufiges Element unserer Diplomatie - würde uns mit
Sicherheit kopfüber in innenpolitische Unruhen von der Art stürzen, wie
wir sie während des Vietnamkrieges erlebt haben, ohne daß wir deswegen
das Ziel unseres Streitkräfteeinsatzes erreichen würden. Eine solche Politik könnte sehr wohl das Gefüge unserer Gesellschaft zerrütten und das
- i&gt; -

�und das in Gefahr bringen, was für eine funktionsfähige Demokratie am
wichtigsten ist: ein stabiler Konsens über unsere grundlegenden Ziele.

Eine Politik schließlich, die eingeleitet wird, ohne dab wir yenau
wissen, was wir eigentlich damit erreichen wollen, würde uns in den Augen
unserer Truppen verächtlich machen, aie verständlicherweise nicht gedankenlos und ohne die Absicht, ihren Einsatz in vollem Umfang zu unterstützen, benutzt werden wollen - benutzt im wahrsten Sinne des Wortes. Eine
solche Handlungsweise würde letzten Endes ihre Moral und Scnlagkraft untergraben, was sich schließlich auch dann auswirken würoe, wenn es um einen Einsatz ginge, bei dem wir undeaingt siegen müßten. Wenn das Militär
erst einmal der zivilen Führuny mildtraute, würoe sicn aucn weniger Nachwuchs finden, und ich fürchte, daio dann das Ende der Freiwilligenarmee
gekommen wäre, so dab wir zur Wehrpflicht zurückkehren müioten, was wiederum erneut die Saat der Aufsässigkeit und Unzufriedenheit veroreiten
würde, die unserem Land in den sechziger Jahren so groben Schaden zugefügt hat.

Wir haben inzwischen in allen Teilstreitkräften eine hone Moral unü
den Stolz auf die Uniform wiederherstellen können. Das Prinzip der Freiwilligenarmee funktioniert ausgesprochen gut. Wollen wir wirklich wieder
aufgeben, was wir nach so harten Kämpfen zurückgewonnen haben ?

Bei unserem Versuch, den Fortseiiritt uei der Stärkung ues amerikanischen Abschreckungspotentials in Gang zu halten, sehen wir uns schwierigen Herausforderungen gegenüber. Ua wir in eine Mra eingetreten sind, wo
die Trennungslinien zwischen Krieg und Frieden immer weniger klar gezogen
sind, ist aucn immer schwerer zu bestimmen, wer der Feinu ist. im 1. und
2. Weltkrieg wubten wir nicht nur, wo der Feind stana, sondern es war uns
auch allen ganz klar bewubt, warum die drundsätze, für die unsere Feinde
eintraten, nichtswürdig waren.

Da diese Kriege unsere Existenz als freie Nation wie aucn die Existenz unserer Verbündeten bedrohten, waren sie totale Kriege, die jeden
Aspekt unserer desellscnaft betrafen. All unsere Produktionsmittel und
Ressourcen wurden für den Sieg eingesetzt. Die Regierungspolitik wurde
- 6 -

�Regierungspolitik wurde von der großen Mehrheit der Bevölkerung uneingeschränkt unterstützt. Tatsächlich endeten der 1. wie der 2. Weltkrieg
dann auch mit der bedingungslosen Kapitulation unserer Feinae - der einzig akzeptable Ausgang, da die Alternative im Verlust unserer Freiheit
bestand. Nach dem z. Weltkrieg begegneten wir jedoch einer subtileren Art
der Kriegführung, bei der das Gesicht des Feindes in den meisten Fällen
hinter einer Maske verborgen war. Expansionistische Bestrebungen wurden
auf indirektem Wege durch Stellvertretermächte in die Tat umgesetzt, deren Streitkräfte Hilfe und Anleitung aus weit entfernten Quellen bezogen.
Einige Konflikte wurden im Namen der "nationalen Befreiung" ausgefochten,
aber weitaus häufiger erwiesen sich Ideologie oder Keligion als der FunKe
am Pulverfaß.

Unsere Gegner können sich auch die Tatsache zunutze machen, dab wir
eine offene Gesellschaft haben, und die bei uns bestehende Rede- und
Meinungsfreiheit

dazu mißbrauchen, mittels erscnreckender

Polemik

und

Desinformation unseren Konsens über unsere Ziele aufzubrechen und zu
erschüttern. Sie würden es zwar niemals wagen, ihrer eigenen Bevölkerung
solche Freiheiten zu gewähren, sind aber stets bereit, die Freiheit in
unserem Lande zu gleichzeitigen Militäraktionen und Propagandafeldzügen
zu nutzen, um ihre Ziele zu erreichen.
Sie wissen, daid sie unsere Streitkräfte auf ochauplätzen im Ausland
gar nicht mehr besiegen müssen, wenn es ihnen gelingt, unseren nationalen
Willen in Amerika selbst zu spalten, indem sie sich in Sachfragen militant gebärden, wollen sie die politischen Führungsspitzen und Bürger der
westlichen Staaten einschüchtern und es uns geooten erscheinen lassen,
Entgegenkommen zu zeigen, was ihnen natürlich zum Vorteil gereichen würde. Gleicnzeitig bleiben sie der Kraft der öffentlichen Meinung in ihren
eigenen Ländern entzogen, einfach deshalb, weil eine öffentliche Meinung
dort verboten ist und uaher nicht existiert.

Unsere Freiheit stellt ein Problem, gleichzeitig aber auch eine Chance dar. Es ist richtig, daß demokratische Staaten in einem Konflikt unausweichlich solange im Nachteil sind, wie ihre Regierungen die Bürger
nicht hinter sich wissen. Wenn das aber der Fall ist, sind sie nicht mehr
- 7-

�nicht mehr zu besiegen. Durch das Votum der Bürger sind Demokratien in
der Lage, gegenüber Freund und Feind überzeugend aufzutreten, und das
amerikanische Volk hat ein Zeichen gesetzt, indem es uie Reyierunysyeschäfte erneut einer starken Persönlichkeit anvertraut hat. Die Bürger
wissen, daß Präsident Reayan bereit ist, die Verantwortung
Handlungen

zu übernehmen, und daß er befähigt

für seine

ist, uns durch diese

schwierigen Zeiten zu führen, indem er unerschütterlich daran festnält,
daß wir sowohl unsere militärische als auch unsere wirtschaftliche Stärke
zurückgewinnen müssen.

In der Welt von heute, in oer es auf Minuten ankommt, ist eine solcn
entschlossene Führung wichtiger denn je. Selbst wenn auftretende Konflikte nur begrenzt oder Bedrohungen nicnt klar aurchschaubar sind, müssen
wir in der Lage sein, schnell zu entscheiden, ob solche Bedrohungen und
Konflikte die vitalen Interessen der Vereinigten Staaten uro ihrer Verbündeten berühren oder nicht, und dann entsprechend zu reagieren.

£s kann sein, dab mit solchen uedronunyen kein unmittelbarer, uirekter Angriff auf unser Hoheitsgebiet einheryeht und dab im Rahmen unserer
Reaktion daher auch nicht notwendigerweise unmittelbare und direkte Mabnahmen zur Verteidigung unseres Landes erforderlich sind. Aber wenn unsere eigenen vitalen Interessen oder aie unserer Verbündeten auf dem
Spiel stehen, können wir weder unsere eigenen Sicherheitsbelange ignorieren noch unsere Verbündeten im Stich lassen.

In der jüngeren Vergangenheit hat sich aber auch gezeigt, oab wir
nicht im Alleingang die Rulle eines Schutzherrn der ganzen Weit übernehmen können. Wir haben gelernt, daß den Einbußen an moralischer Kraft,
Blut und materiellen Mitteln, die wir in Ausübung unserer Pflicht zur Bewahrung von Frieden und Freiheit hinnehmen können, Grenzen gesteckt sind.
Wir können und sollten daher zwar unseren Verbündeten nacn Kräften Wirtschafts- und Militärhilfe leisten, wenn sie in Bedrängnis sind, und ihnen
auch beim Unterhalt von Streitkräften helfen, mittels derer sie sich
durch Abschreckung gegen Angriffe schützen können, aber im Normalfali
können unsere Truppen oder unsere Entschlossenheit

keinen trsatz für

diesbezügliche Defizite auf Seiten unserer Verbündeten bilden.
Wir sollten

�Wir sollten unsere Truppen nur dann einsetzen, wenn dies im Sinne unserer eigenen vitalen Interessen erforderlich ist. Wir können anderen
souveränen Staaten die Verantwortung für die Verteidigung ihres Honeitsgebiets - zumal ohne von ihnen nachdrücklich dazu aufgefordert worden zu
sein - nicht abnehmen, wenn unsere eigene Freineit nicht oedroht ist.

Andererseits hat es in der jüngeren Vergangenheit Fälle gegeben, in
denen es den Vereinigten Staaten yeooten erschien, inre Kräfte mit denen
anderer Nationen in dem Versuch zu vereinen, den Frieden zu bewahren. Zu
diesem Zweck naben sie Verhandlungen unterstützt und kämpfende Parteien
getrennt, wodurch diese in die Lage versetzt wurden, sich unter Wahrung
ihrer Sicherheit aus den Feindseligkeiten zurückzuziehen. Im Nahen Osten,
der seit Jahrtausenden von Konflikten erschüttert wird, haben wir in den
vergangenen Jahren unsere Truppen mit einem ebensolchen friedenssicnernden Auftrag sowohl auf den Sinai als auch in den Libanon entsandt. Wir
hatten diese Streitkräfte jedoch weder auf einen Karnpfeinsatz vorbereitet
noch

sie

entsprechend

ausgerüstet;

ihre

Bewaffnung

reichte

nur

zur

Selbstverteidigung aus. Ihr Auftrag erforderte, daB sie als Friedenstruppe auftraten und in dieser Rolle auch anerkannt wurden. Lines war von
vornherein klar: Wenn sich die Bedingungen so weit verschlechterten, daB
sie in Gefahr gerieten, oder wenn ihr Friedensauftrag infolge der Aktionen der kriegführenden Nationen undurchführbar wurde, muBten wir unsere
Truppen entweder nach Zahl und Bewaffnung hinreichend verstärken - sie,
kurz gesagt, für einen Kampfeinsatz ausrüsten - oder sie abziehen. Als
wir uns im Libanon vor diese Alternative gestellt sahen, weil sich die
kriegführenden Nationen auf Truppenrückzugs- oder Friedensabkommen nicht
einließen, zog der Präsident daher folgerichtig unsere nur für einen
Friedensauftrag ausgerüsteten Streitkräfte ab.

In Fällen, in denen unsere nationalen Interessen den Einsatz von
Kampftruppen gebieten, dürfen wir hingegen niemals Zweifel an unserer
Entschlossenheit aufkommen lassen. Wenn ein Kampfeinsatz unserer Truppen
notwendig ist, dann müssen wir sie einsetzen, und zwar in ausreichender
Stärke. Dann müssen wir sie auch nach besten Kräften und mit der größtmöglichen Effektivität und Entschlossenheit unterstützen. Wenn wir unsere
Truppen in einen Kampfeinsatz schicken, dann muß der Sieg dabei unser
- y -

�dabei unser einziges Ziel sein.

Wenn erst einmal Klar ist, dab der Einsatz unserer Truppen notwendig
ist, weil unsere vitalen Interessen auf dem Spiel stehen, müssen wir auch
den festen nationalen Willen haben, soviel Kraft aufzuwenden, wie notwendig ist, um den Kampf zu gewinnen und unsere Ziele zu erreichen. Auf Grenada haoen wir genau das getan.

Euenso klar ist, dab es andere Situationen gibt, in denen Kampftruppen der Vereinigten Staaten nicht zum Linsatz kommen sollten. Ich meine,
in der Nachkriegszeit sind uns einige i_enren erteilt worden, ich nabe aus
ihnen sechs Hauptkriterien abgeleitet, die in Betracht gezogen werden
sollten, wenn wir den Einsatz von amerikanischen Kampftruppen auf Schauplätzen im Ausland erwägen. Ich möchte sie Ihnen nun darlegen:

1. Die Vereinigten Staaten sollten keine Streitkräfte in Kampfemsätze nach Übersee schicken, wenn der Anlab oder unser Engagement nicht im
Sinne unserer nationalen mueressen oder der unserer Verbündeten als unbedingt dringlich erscheint. Das bedeutet eindeutig nicht, oau wir, wie
wir dies l^i&gt;u im Falle Koreas getan nauen, von vornnerein erklären sollten, dab ein bestimmtes uebiet auberhalb unseres strategischen Wirkungsbereichs liegt.

Z. Wenn wir zu dem Schlub Kommen, dab es notwendig ist, Kampftruppen
einzusetzen, dann sollten wir dies nicht halbherzig, sondern mit Entschiedenneit und mit dem eindeutigen Willen zum Siey tun. Wenn wir nicht
bereit sind, die Streitkräfte und Mittel einzusetzen, die zur Durchsetzung unserer Ziele erforderlich sind, dann sollten wir von einem solchen
Einsatz lieber ganz Abstand nehmen. Wenn in der jeweiligen Laye allerdings zur Durchsetzung unserer Ziele nur eine begrenzte Streitmacht erforderlich ist, dann sollten wir natürlich auch nur ein entsprechendes
Kontingent einsetzen. Als Hitler das Rheinland Desetzte und anfing, Verträge zu brechen, hätte vielleicht noch ein kleines Kontingent an Kampftruppen genügt, um das MassensteiDen des ^. Weltkriegs zu verhindern.

3. Wenn wir uns zum Einsatz von Kampftruppen in Übersee entschlieben,
- lü -

�Übersee entschließen, dann sollten wir klar definierte politische und militärische Ziele haben, und wir sollten genau wissen, wie unsere Streitkräfte diese klar definierten Ziele erreichen können. Und natürlich sollten wir die Streitkräfte, die dazu erforderlich sind, auch wirklicn haben
und entsenden. Llausewitz hat yesagt: "Niemand fängt einen Kriey an oder vielmehr: niemand, der bei Verstand ist, sollte dies tun - ohne sich
zuvor darüber im klaren zu sein, was er durch diesen Krieg erreichen will
und wie er ihn zu führen beabsichtigt."

Der Krieg mag neute anders aussehen als zur Zeit von Llausewitz, aber
daß man klar definierte Ziele und eine schlüssige Strategie hat, ist immer nocn wesentlich. Wenn wir zu dem Schluß kommen, dau ein Kampfauftrag
im Sinne unserer vitalen nationalen Interessen notwendig geworden ist,
dann müssen wir Streitkräfte einsetzen, die stark genug sind, um ihn zu
erfüllen. Was wir nicht tun dürfen, ist, einer Streitmacht, die auf Friedensaufgaben zugeschnitten ist, einen Kampfauftrag zu geben.

4. Es muß fortwährend überprüft werden, ob die eingesetzten Streitkräfte nach Umfang, Zusammensetzung und Verfassung noch unseren fielen
entsprechen; gegebenenfalls müssen Anpassungen vorgenommen werden. Bedingungen und Ziele ändern sich zwangsläufig im Verlaufe eines Konflikts.
Wenn sie sich ändern, müssen sich auch die Maßstäbe für den Kampf unserer
Truppen wandeln. Folgende Grundfragen müssen wir ständiy als HichtmarKe
vor Augen haben: "Liegt dieser Konflikt in unserem nationalen

Interes-

se ?" "Ist es im Sinne unserer nationalen Interessen erforderlich, üad
wir kämpfen oder Waffengewalt anwenden ?" Wenn dies zu bejahen ist, dann
müssen wir siegen. Wenn es zu verneinen ist, dann sollten wir uns nicnt
auf einen Kampfeinsatz einlassen.

5. Bevor es zu einem Kampfeinsatz amerikanischer Truppen auf einem
Schauplatz im Ausland kommt, muß mit hinreichender Gewißheit sichergestellt sein, daß uns das amerikanische Volk und seine gewählten Vertreter
im Kongreß unterstützen werden. Diese Unterstützung kann nicht sichergestellt werden, wenn wir nicht die Gefahren, denen wir uns gegenübersehen,
freimütig darlegen, und diese Unterstützung kann nicht aufrechterhalten
werden, wenn wir nicht für fortwährende und enge Konsultationen sorgen.
- 11 -

�Konsultationen soryen. Wir können nicnt daheim einen Kampf mit dem Kongreß ausfechten, wänrend wir von unseren Truppen verlanyen, dato sie einen
Krieg i n Übersee gewinnen, oder während wir y a r , wie im F a l l e Vietnams,
p r a k t i s c n von ihnen verlangen, dato sie nicnt sieyen, sondern einfach rur
vor Ort sind.

6. Ein Kampfeinsatz amerikanischer Truppen s o l l t e das l e t z t e

Mittel

sein.
I c h meine, diese K r i t e r i e n können i n den vor uns lieyenden Monaten
und Jahren n ü t z l i c h s e i n , wenn es darum geht, zu entscheiden, ob wir unsere Truppen i n einen Kampfeinsatz schicken s o l l t e n oder n i c h t .

Was wir

vor allem im Auge behalten müssen, i s t , dato wir unsere S t r e i t k r ä f t e , wenn
wir uns einmal entscnlieuen s o l l t e n , sie i n den Kampf zu schicken, unter
vollstem Einsatz unseres nationalen Willens so lange zu unterstützen haben, wie zum Sieg notwendig i s t . Deshalb müssen wir Z i e l e hauen, die k l a r
d e f i n i e r t sind und von der größtmöglichen Zahl unserer Bürger verstanden
und u n t e r s t ü t z t

werden. Diese Z i e l e müssen im Sinne unseres Überlebens

als f r e i e s Land und im Sinne der E r f ü l l u n g unserer Verpflichtungen

als

Weltmacht zwinyenu sein. Wir müssen auch weitulickenu yenuy s e i n , zu e r kennen, wann s o f o r t i g e und k r a f t v o l l e Reaktionen auf scheinbar g e r i n g f ü gige Ereignisse uns v i e l l e i c h t

später

erforderliche

ciewaltanstrenyungen

ersparen. Wir s o l l t e n niemals jene europäischen I s o l a t i o n i s t e n vergessen,
die achselzuckend meinten, oato "üanzig keinen Krieg l o h n t " , und die f r a g t e n , warum sie " i n den Kampf ziehen" s o l l t e n , "nur um das Rheinlana entm i l i t a r i s i e r t zu h a l t e n " .

I c h habe die K r i t e r i e n , die i c h soeben erwähnte, f ü r unsere Zwecke
negativ f o r m u l i e r t , da sie zur Vorsicht mahnen s o l l e n , zu einer V o r s i c h t ,
die

wir

walten lassen müssen, Devor wir

unsere S t r e i t k r ä f t e

in

einen

Kampfeinsatz nach Übersee schicken. Wenn wir von unseren Soldaten v e r l a n gen, dato sie i n solchen Situationen i h r Leben aufs S p i e l setzen, dann i s t
solcne Vorsicht nicht nur e i n Gebot der K l u g h e i t , sondern aucn eines der
Moral.
Es mag v i e l e Situationen geben, die wir
- 12 -

im L i c h t

oieser

Kriterien

�dieser Kriterien betrachten und dann zu dem Schluß kommen werden, daß ein
Kampfeinsatz nicht angemessen ist. Niemand sollte jedoch das, was icn
heute an dieser Stelle sage, dahingehend interpretieren, daß Amerika seine Pflichten gegenüber seinen eigenen Bürgern oder gegenüber seinen Verbündeten verleugnen könnte. Meine Äußerungen sollten auch nicht dahingehend mißdeutet werden, daß unser Land oder seine Administration nicht bereit sind, Truppen zum Kampfeinsatz in Übersee abzustellen.

Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, daß wir bereit sind, Gewalt
anzuwenden - und zwar mit voller Entschlossenheit - wenn es darum geht,
die bedrohten vitalen Interessen der Vereinigten Staaten oder ihrer Verbündeten zu wahren. Niemand sollte sich darücer Illusionen hingeben. Wenn
es um unsere vitalen Interessen geht, sind wir zum Kampf bereit. Und wenn
wir kämpfen müssen, dann sind wir auch entschlossen, zu siegen.

Die besagten Kriterien sind zwar aus den Lehren der Vergangenheit abgeleitet, aber sie können und sollten auch auf die Zukunft angewandt werden. Beispielsweise sehen wir uns heute in Mittelamerika schwierigen Problemen gegenüber. Der Möglichkeit eines noch weitergehenden Vordringens
der Sowjetunion und ihrer Stellvertreter in dieser Hemisphäre in den kommenden Monaten sollten wir uns bewußt sein. Wenn es dazu kommen sollte,
werden wir sicherlich denen, die die Demokratie wollen, ein höheres Maß
an Wirtschafts-, Militär- und Ausbildungshilfe zukommen lassen müssen.

Der Präsident wird mit Sicherheit nicht zulassen, daß unsere Streitkräfte in Mittelamerika oder irgendwo sonst auf der Welt in Kampfeinsätze
hineinschlittern oder allmählich hineingezogen werden. Unsere Politik ist
darauf ausgerichtet, die Notwendigkeit eines direkten amerikanischen Eingreifens gar nicht erst entstehen zu lassen. Dies bedeutet, daß wir unseren Freunde in der Hegion den Hucken stärken und ihnen Vertrauen schenken
müssen und daß wir dabei die kontinuierliche Unterstützung des Kongresses
brauchen.

Ich glaube, daß die Kriterien, die ich heute an dieser Stelle dargelegt habe, bei sorgfältiger Anwendung der Gefahr einer solch allmählich
zunehmenden Verwicklung, die fast immer auf den Einsatz unzureichender
- 13 -

�Einsatz unzureichender Machtmittel hinausläuft, vorbeugen können. Mittels
dieser Kriterien können wir vermeiden, dab wir selbst dann unerbittlich
in einen endlosen Morast hineingezogen werden, wenn der Kampf eigentlich
nicht von ausschlaggebender Beaeutung

für unsere nationalen Interessen

ist.

Eine Politik und Grundsätze der beschriebenen Art erfordern jedoch
eine entschlossene Führung, sowohl was die Legislative als auch was die
Exekutive des Staates angeht. Sie erfordern weiterhin eine nachdrückliche
und anhaltende Unterstützung durch die Öffentlichkeit. Vor allem aber
erfordert eine solche Politik einen nationalen Konsens über unsere Ziele.
Ich glaube, daß die Vereinigten Staaten heute über die Politik und die
Führung verfügen, die notwendig sind, um eine solche Unterstützung durch
die Öffentlichkeit und einen solchen Konsens zu gewährleisten. Und ich
glaube, die Zukunft wird zeigen, dab wir die nötige Charakterstärke besitzen, um einen Frieden in Freiheit zu bewahren.

Kurzum: Wir alle sollten im Gedächtnis behalten, dab durch eine solche Politik - und nur durch eine solche Politik - für uns, unsere Freunde
und unsere Nachwelt ein Friede in Freiheit erhalten werden kann. Ich meine, dab wir auch weiterhin die Sowjetunion und andere mögliche Gegner von
der weltweiten Verfolgung ihrer Pläne abnalten Können. Wir Können unsere
Freunde in Mittelamerika in die Lage versetzen, der Aggression eine Niederlage zu bereiten und sich genügend uuft zu verschaffen, um demokratische Reformen durchführen zu können. Wir sind imstande, der Herausforderung zu oegegnen, die in der sich entfaltenden Vielschichtigkeit uer
achtziger Jahre beruht.
Wenn wir dann in das letzte Jahrzehnt dieses Jahrhunderts eintreten,
so wird dies unter den Bedingungen eines Friedens geschehen, der im Zeichen von Realismus steht und durch Festigkeit und Stärke gesichert wird.
Ein solcher Friede wird uns alle - uns hier in den Vereinigten Staaten
wie auch unsere Freunde im Ausland - in die Lage versetzen, eine Lebensqualität zu erlangen, die in geistiger wie in materieller Hinsicht die
kühnsten Träume der Menschheit übertreffen wird.
* * * * *

- 14 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

5. Dezember 1984

ANTARKTISVERTRAG BESTEHT lb JAHRE
- Erklärung Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 28. November 1^84 den
Antarktisvertrag als ein "hervorragendes Beispiel" dafür gewürdigt, wie
Länder mit unterschiedlichen politischen Vorstellungen
Wohle zusammenarbeiten können.

zu gemeinsamem

In einer Botschaft an alle in der Antark-

tis arbeitenden Wissenschaftler und das Personal der dort eingerichteten
wissenschaftlichen Stationen betonte der amerikanische Präsident, alle
Länder könnten auf die Erfolge und auf die Lebenskraft dieses wichtigen
Vertragswerkes stolz sein.

Die vom V.eißen Haus veröffentlichte Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Ich freue mich, den Wissenschaftlern und dem Personal der in der Antarktis errichteten Stationen aller Länder meine GrüBe übermitteln zu können, da wir den 25, Jahrestag des Antarktisvertrages begehen, der zuweilen auch Vertrag von Washington genannt wird.

Am

Dezember

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Am 1. Dezember 1939 verpflichteten sich die damals in der Antarktis
aktiven Länder in Washington zu einem weitblickenden Experiment der internationalen Zusammenarbeit

und Verständigung.

Der Antarktisvertrag,

der an jenem Tag unterzeichnet wurde, behalt ein wichtiges Gebiet des
Planeten einzig und allein der wissenschaftlichen Forschung sowie anderen
friedlichen Vorhaben vor.

Der Vertrag untersagt alle militärischen Akti-

vitäten, einschließlich der Erprobung von Waffen, in der Antarktis und
verbietet nukleare Explosionen sowie die Lagerung von radioaktivem Müll
in diesem Gebiet.

Er garantiert die Freiheit der wissenschaftlichen For-

schung und sieht einen Konsultationsmechanismus vor, durch den sich das
Vertragssystem neuen Herausforderungen stellen und sich neuen Umständen
anpassen kann.

Um diese Ziele zu erreichen, enthält das Vertragswerk

einmalige konfliktvermeidende Bestimmungen, die es Ländern mit unterschiedlichen Standpunkten hinsichtlich des rechtlichen Status der Antarktis erlauot, in Harmonie miteinander zu arbeiten.

25 Jahre spätei können wir jetzt alle stolz sein auf die Erfolge und
die Lebenskraft dieses Vertragssystems.

Es hat sein Ziel der Erhaltung

der Antarktis als ein Gebiet, das frei ist von Konflikten und der friedlichen internationalen Zusammenarbeit dient, voll und ganz erfüllt.

Die

Zahl der Mitglieder dieses Vertrags ist immer größer geworden, und im
Rahmen dieses Vertragswerkes werden wirkungsvolle Schritte ergriffen, um
sicherzustellen, daß neue Aktivitäten in der Antarktis in verantwortungsbewußter Weise in Angriff genommen werden und die antarktische Umwelt
nicht gefährden.

Der Antarktisvertrag stellt ein hervorragendes Beispiel

dafür dar, wie Länder mit unterschiedlichen politiscnen Vorstellunyen und
Interessen - Ost und West, Nord und Süd - zu gemeinsamem Wohle zusammenarbeiten können.

Der Antarktisvertrag ist ein Zeugnis für den oeist praktischer Zusammenarbeit, den die in der Antarktis arbeitenden Wissenschaftler von den
ersten Erforschungen an bewiesen haben, und dieser Geist greift auf den
Bereich der internationalen Beziehungen über.

Es ist daher nur ange-

bracht, den 23. Jahrestag des Vertrages zu würdigen, indem wir den Wissenschaftlern und dem Personal der errichteten Stationen unseren Dank er-

�unseren Dank erweisen, deren erregende und wichtige Arbeit in der Antarktis auch weiterhin die weltweiten Ideale widerspiegelt, die der Vertrag
zum Ausdruck bringt.

Ich würdige Ihren Linsatz bei der Suche nach neuen

Erkenntnissen und übermittle Ihnen allen meine besten Wnsche für eine
erfolgreiche Arbeit.

- 3 -

�5. üezember 1^04

4y

LEE M. THOMAS NEUEK DIREKTOR DER US-UM WlLTSLHUTZBEHÜRUE

W\SHINüTQ&gt;l - (AJ) - Präsident Ronald Reagan hat am 29. November 1*04
Lee M. Thomas zum neuen Chef der amerikanischen Umweltschutzbehörde (EPA)
ernannt.

Er löst den bisherigen Direktor der Behörde, William Ruckels-

haus, ab, der im Januar nächsten Jahres ins Privatleben zurückkehrt.
Thomas, der 40 Jahre alt ist, gehört zu jenem Kreis von Fachleuten, die
Ruckeishaus selbst für seine Nachfolge vorgeschlagen hatte.

Seine Ernen-

nung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.

Thomas trat im Februar 1983 in die Umweltschutzbehörde der Vereinigten Staaten ein.

Er war vor allem für die Ausarbeitung von Programmen

zur Beseitigung des Oiftmülls zuständig und zeichnete in diesem Zusammenhang für die Durchführung wichtiger Omweltscnutzgesetze direKt verantwortlich.

Während der letzten Monate war er Stellvertretender Direktor

der EPA. Anläßlich seiner Nominierung sagte Thomas, er werde die Umweltpolitik seines Vorgängers fortsetzen.

Dabei werde er bestrebt sein, ei-

nen Ausgleich zwischen der Wahrung der Interessen seiner Benörde und der
Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit anderen Behörden der Administration

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Administration zu erreichen.

Beide Faktoren hätten auch die Amtszeit

seines Vorgängers gekennzeichnet.

Bevor Thomas seine Tätigkeit in der amerikanischen Umweltschutzbehörde aufnahm, arbeitete er von Oktober 1981 bis Februar 1983 zunächst als
einer der Beigeordneten Direktoren und dann als Steilvertretender Direktor im Bundesamt für Notstandshilfe (FEMA).

Der neue EPA-Uhef stammt aus dem Staate South Carolina.

Nacn seinem

Studium an der University of the South in Tennessee und der University of
South Carolina war er im Amt des uouverneurs seines Heimatstaates vor allem für Fragen der öffentlichen Sicherheit sowie für Strafrechtsprogramme
zuständig.

Thomas ist verheiratet und hat zwei Kinder.

- 2 -

�49

3. Dezember 1984

ROBERT DOLE WÜRDE FRAKTIONSVORSITZENDER DER REPUBLIKANER IM SENAT

WASHINGTON - (AD) - Die Senatsfraktion der Republikanischen Partei
hat am 28. November 1984 Senator Robert Dole aus dem Staate Kansas zu
ihrem neuen Vorsitzenden gewählt.

Er tritt die Nachfolge von Howard

Baker aus Tennessee an, der bei den letzten Wahlen nicht mehr kandidierte
und als einer der Kandidaten seiner Partei für die nächsten Präsidentschaftswahlen im J,3hr 1988 gilt.

Der 61jährige Dole mußte sich gegen

mehrere seiner Fraktionskollegen durchsetzen und siegte erst im vierten
Wahlgang mit 28 zu 25 Stimmen über Senator Stevens aus Alaska.

Dole hat seit 1968 einen Sitz im Senat inne, nachdem er im Jahr i960
für seinen Staat ins amerikanische Repräsentantenhaus gewählt worden war.
Zuvor war Dole, der im Krieg in Italien schwer verwundet wurde, drei Jahre im Lazarett lag, eine Niere verlor und seinen rechten Arm nur teilweise bewegen kann, Anwalt und Abgeordneter im Parlament seines Heimatstaates.

Seit er mit 26 Jahren in dieses Parlament gegwahlt wurde, ist Dole

ununterbrochen im politischen Leben seines Landes tätig.

1976

bewarb

er

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�1976 bewarb er sich an der Seite Gerald Fords um die Vizepräsidentschaft und bemühte sich aucn 1980 - erfolglos - um die Präsidentschaftsnominierung.

Nach seiner Wahl zum Fraktionsvorsitzenden seiner Partei im Senat
erklärte Dole, er werde sich mit grobem Nachdruck für die Programme Präsident Reagans einsetzen.

Zugleich gab er sich zuversichtlich, dab die

Republikaner bei den nächsten Wahlen zum Senat ihre Mehrheit behalten
werden.

Dole war während der vergangenen vier Jahre Vorsitzender des einflußreichen Finanzausschusses. Er setzte sich in diesem Zeitraum bei der Verabschiedung von

Steuervorlagen für Kompromißlösungen mit dem von den De-

mokraten kontrollierten Repräsentantenhauses ein und war bestrebt, Konfrontationen zu vermeiden.

Der neue Fraktionsvorsitzender der Republikaner ist mit der amerikanischen Verkehrsministerin Mary Dole verheiratet.
eine Tochter.

- 2 -

Er hat aus erster Ehe

�X

49

Dezember 1984

BERNARD KALB NEUER SPRECHER DES US-AUSSENMINISTERiUMS

WASHINGTON - (AD; - Auöenminister George Shultz hat den bekannten
amerikanischen Fernsehjournalisten Bernard Kalb zum neuen Sprecher seines
Ministeriums ernannt.

Er löst den bisherigen Sprecher des State Depart-

ment, John Hughes, ab, der wieder als Journalist tätig sein wird. Gleichzeitig wurde am zG. November 1984 bekanntgegeben, dab Präsident Reagan
den neuen Sprecher zum Unterstaatssekretär für öffentliche Angelegenheiten im US-Aubenministerium ernennen will.

Kalb wird beide Ämter gleich-

zeitig ausüben.

Hughes würdigte bei der Bekanntgabe der Neuernennung die Leistungen
Kalbs als Journalist und nannte ihn einen Mann "von grobem professionellem Können und grober Integrität".

Seine Ernennung werde sowohl für das

amerikanische Außenministerium als auch für das Washingtoner Pressekorps
von großem Nutzen sein.

Kalb wird sein neues Amt am 16. Dezember antre-

ten.

Der 62jährige Bernard Kalb ist seit 1946 als Journalist tätig; zu-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�tätig; zuletzt berichtete er für die amerikanische Fernsehgesellschaft
NBC aus Washington.

Er arbeitete lange Zeit für die "New York Times" und

war von 1956 bis 1961 der Südostasien-Korrespondent dieser Zeitung,

im

Jahr 1962 wechselte er zur amerikanischen Fernsehgesellschaft NBC, war
deren Korrespondent in Südostasien und kehrte über den Posten des NBCBürochefs in Paris 1970 nach den USA zurück, wo er in Washington als Moderator der Nachricntensendung "CBS Morning News" tätig war.

Die NBC-Be-

richterstattung über das State Department übernahm Kalb 1975 und begleitete in dieser Eigenschaft die Außenminister Kissinger, Vance, Muskie,
Haig und Shultz auf deren Auslandsreisen.

Kalb ist zusammen mit seinem Bruder Marvin Verfasser mehrerer Bücher,
darunter einer Biographie von Henry Kissinger.

Er ist verheiratet und

hat vier Töchter.

Der aus seinem Amt scheidende John Hughes war früher beim "Christian
Science Monitor" tätig, ist Pulitzerpreisträger und war längere Zeit Präsident der "American Society of Newspaper Editors". Er war ferner Direktor der "Stimme Amerikas" und wirkte in leitender Stellung für das US-Informationsamt (USIA).

* * * * *

- 2-

�Wis/cn/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

3. Dezember 1984

49

SCHWERPUNKTE FÜR RAUMFAHRTPROGRAMM GEFORDERT
- OTA-Studie fordert stärkere Berücksichtigung von Interessen der
Allgemeinheit -

CAD) - In einer Studie zum amerikanischen Raumfahrtprogramm, die das
Amt für Technologiebewertung (OTA) des amerikanischen Kongresses durchführte, wird bis zu einem gewissen Grade eine Umorientierung empfohlen.
Die künftigen Ziele sollten "von großem humanitären und wissenschaftlichem Interesse sein, die Entwicklung neuer Technologien fördern, zu weltweiten Problemen in Beziehung stehen, zu internationaler Zusammenarbeit
anregen und den privaten Sektor unserer Wirtschaft so weit wie nur irgend
einbeziehen, um bessere Zukunftsperspektiven für die gesamte Wirtschaft
zu schaffen".

Die Studie fordert außerdem engere Zusammenarbeit mit an-

deren Ländern auf dem Raumfahrtsektor, als dies bisher üblich war.

Für die Umorientierung plädieren Wissenschaftler, Ingenieure und Programm-Manager aus Instituten und der freien Wirtschaft, die an der Studie
mitarbeiteten.

Die darin vertretenen Meinungen seien "im Vergleich zu

dem gegenwärtigen breiten Spektrum

unserer

nationalen

Interessen und

Chancen auf dem zivilen R&amp;jmfahrtsektor relativ eng begrenzt", erklärte

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�begrenzt", erklärte Thomas Royers, der Leiter der Studie, vor Journalisten in Washington.

Aber für das amerikanische Raumfahrtprogramm be-

ginne jetzt eine neue Phase, in der die Ziele und Projekte nicht nur von
technischen und wissenschaftlichen Erwägungen, sondern auch von breitangelegten politischen Debatten bestimmt werden sollten.

Die Grundfragen, wie man in den Weltraum und zurück kommt und wie man
dort leben und arbeiten kann, sind gelöst, die Suche nach "Methoden und
Mitteln" ist vorbei. Folglich könnten und sollten "die heutigen und künftigen Raumfahrtaktivitäten auf eine breitere Basis gestellt werden, um
den hohen Stand unserer Erkenntnisse und Fähigkeiten besser zu vermitteln
und die Interessen und Besorgnisse der Öffentlichkeit mehr zu berücksichtigen" , heißt es in der Untersuchung.

So könnten als Aktivitäten bei-

spielsweise in Erwägung gezogen werden:

- Vermeidung und Begrenzung weltweiter Katastrophen;

- Errichtung einer bescheidenen Wohn- und Arbeitsstation auf dem Mond,

- Erforschung des Planeten Mars und einiger Asteroiden,

- medizinische Forschungen beispielsweise über Altern und andere Fragen, die von großem Allgemeininteresse sind;

- Modernisierung und Ausweitung des internationalen Kurzwellenfunks mit
leistungsstarken Satelliten für Direktübermittlungen;

- Erfassung von Daten aus dem Weltraum direkt durch den Auftraggeber
oder interessierte Zivilpersonen über Funkempfänger, die an Computer
angeschlossen sind;

- Vorbereitung von Weltraumreisen für Interessenten aus der Bevölkerung.

Die von Präsident Reagan geforderte Raumstation könne in der von der
NASA (US-Amt für Luft- und Raumfahrt) jetzt konzipierten Form "zum gegen- z -

�"zum gegenwärtigen Zeitpunkt

nach wissenschaftlichen, wirtschaftlichen

oder militärischen Begründungen, auch in der Kombination, nicht uneingeschränkt gerechtfertigt werden", sagen die Verfasser des Berichts.

Zwar

wird eingeräumt, daö es gewichtige Gründe für bestimmte Weiterentwicklungen und damit neue Aktivitäten im Weltraum gebe.

Jedoch bestehe die Ge-

fahr, daü die von der NASA geplante Raumstation zum Selbstzweck anstatt
zu einem Instrument werde, um wirklich wichtige Programmziele zu erreichen. Mehr als IUI) verschiedenartige Aktivitäten, die mittels einer Raumstation durchgeführt werden könnten, wurden bereits vorgeschlagen.

Aber

nur ganz wenige wurden exakt definiert oder auf breiter Basis als wichtige Ziele der Raumfahrt akzeptiert.

Die am meisten befürworteten Anwen-

dungen dürften Experimente aus den Gebieten Biologie und Medizin sowie
WerkstoffWissenschaften und schließlich der Einsatz von Satelliten für
Dienstleistungen sein.

Jedenfalls könne das Programm für die Raumstation

das zivile Raumfahrtprogramm der USA auf Jahrzehnte hinaus beeinflussen.

In der Studie wird außerdem gefordert, daß die NASA möglichst wenig
von den Aufgaben wahrnehmen sollte, die von der Privatwirtschaft oder befreundeten Nationen bearbeitet und durchgeführt werden könnten.

Dazu

zählten u.a. zahlreiche Technologien und Anlagen, wie sie für den Bau von
Raumstationen gebraucht würden.

Statt dessen sollte sich die NASA auf

Spitzentechnologie konzentrieren und sich um Forschung ebenso wie Entdekkungen auf Gebieten kümmern, wo nur sie aktiv sein könne.

Die Studie hebt hervor, daß die Europäische RaumfahrtDehörde, mehrere
ihrer Mitgliedstaaten, Japan und Kanada für Raumfahrttechnik einen hohen
Grad an Kompetenz entwickelt und Interesse an einer Mitarbeit am Programm
der amerikanischen Raumstation bekundet hätten.

Jedoch scheine die NASA

internationaler Zusammenarbeit zu wenig uewicht beizumessen.

Diese könne

aber wesentlich dazu beitragen, für die Vereinigten Staaten die Kosten
einer Raumstation zu verringern.

Generell müßten Raumfahrt und Raum-

fahrttechnik für alle Länder in irgendeiner Form von Interesse sein. Dies
gebe auch den Vereinigten Staaten eine außergewöhnliche Chance für die
Ausweitung internationaler Zusammenarbeit.

Sie könnten Interessen und

Aktivitäten der anderen Länder auf dem Raumfahrtsektor in das eigene Pro- 3 -

�eigene Programm einbeziehen, sofern diese Länder den Wjnsch haben, sicn
an Raumfahrtunternehmungen zu beteiligen.

Über das Projekt, auf dem Mond eine ständig besetzte Basis zu errichten, könnte auch nach Ansicht von NASA-Chef James M. Beggs erst nach eingehender Prüfung einer Vielzahl von Fragenkomplexen entschieden werden,
die sowohl technischer und wissenschaftlicher als auch politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Natur sind.

Hauptaufgabe einer sol-

chen Basis wäre es, die Nutzung von Mineralvorkommen von Ressourcen auf
dem Mond vorzubereiten.

Dafür gibt es jedoch noch keine technischen Ver-

fahren, weil Mineralien im Mondboden in viel niedrigeren Konzentrationen
vorhanden sind als auf der Erae.

Die Technologie müßte also erst entwik-

kelt werden. Man sollte bald, wenn auch in kleinem Rahmen und unter dem
Gesichtspunkt vorläufiger Aktivitäten, damit beginnen.

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- 4-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan-Kohl-Gespräche bestätigen gemeinsame Ansichten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Text der Erklärung Reagans bei der Verabschiedung von Bundeskanzler Kohl -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Einsatz militärischer Macht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Verteidigungsminister Weinberger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lee M. Thomas neuer Direktor der US-Umweltschutzbehörde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Robert Dole wurde Fraktionsvorsitzender der Republikaner im Senat&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bernard Kalb neuer Sprecher des US-Außenministeriums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schwerpunkte für Raumfahrtprogramm gefordert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- OTA-Studie fordert stärkere Berücksichtigung von Interessen der Allgemeinheit -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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5. Dezember 1990

48

GOLFKRISE

BUSH BEZWEIFELT DEN ALLEINIGEN
ERFOLG DER SANKTIONEN GEGEN IRAK
Ansprache und Pressekonferenz
des Präsidenten
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
16. bis 30. November 1990

GATT

HILLS WARNT VOR FEHLSCHLAG
DER URUGUAY-RUNDE
Erklärung der US-Handelsbeauftragten

EINWANDERUNG

EINWANDERUNGSGESETZ VON 1990
Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
5. Dezember 1990

BUSH BEZWEIFELT DEN ALLEINIGEN ERFOLG
DER SANKTIONEN GEGEN IRAK
Ansprache und Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Obwohl Präsident Bush die Auffassung vertritt, die nach dem Einmarsch in Kuwait gegen
den Irak verhängten UN-Sanktionen "zeitigen zwar eindeutig Erfolge", äußerte der Präsident am 30. November
1990 Zweifel, daß solche Maßnahmen allein den Irak zum Abzug aus Kuwait zwingen und die Wiedereinsetzung
der rechtmäßigen Regierung in Kuwait bewirken können.
"Ich kann Ihnen nicht sagen, ob die Sanktionen allein funktionieren werden", erklärte Bush im Rahmen einer
Pressekonferenz im Weißen Haus, "und deshalb begrüße ich die gestern beschlossene Vorgehensweise der
Vereinten Nationen", die den Einsatz aller notwendigen Mittel zuläßt, um Kuwait von der irakischen Besetzung
zu befreien, wenn sich die Truppen nicht bis zum 15. Januar 1990 zurückziehen.
Bush verwies insbesondere darauf, daß die neuen Demokratien in Osteuropa und die Entwicklungsländer in
Afrika und der westlichen Hemisphäre "erhebliche Schäden durch die wirtschaftlichen Auswirkungen" der
Aggression des irakischen Präsidenten Saddam Hussein erleiden.
Der Präsident erklärte, die Anhänger der Meinung, man könne "monatelang" zusehen, bis die Sanktionen den
Irak zur Einhaltung der UN-Resolutionen zwingen, "müssen sich die verheerenden Schäden vor Augen führen,
die täglich den schwachen Volkswirtschaften der Länder zugefügt werden, die es am wenigsten vertragen
können".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungnahme des Präsidenten und die anschließende Pressekonferenz im
Wortlaut.

Bush: Ich möchte eine Erklärung abgeben, die etwas
länger als gewöhnlich ausfallen wird, weshalb ich um
Nachsicht bitte, und ich werde dann später gern Ihre
Fragen beantworten.
Wir sind am Golf, weil die Welt Aggression nicht
belohnen darf und kann. Und wir sind dort, weil unsere
lebenswichtigen Interessen auf dem Spiel stehen.
Und wir sind aufgrund der Brutalität Saddam Husseins
am Golf. Wir haben es mit einem gefährlichen Diktator
zu tun, der zur Gewaltanwendung nur allzu bereit ist,
der über Massenvernichtungswaffen verfügt und neue
entwickelt und der eine der wichtigsten Ressourcen
der Welt kontrollieren möchte - all dies zu einer Zeit in
der Geschichte, da die Gesetze der Zeit nach dem
kalten Krieg neu geschrieben werden.

AMERIKA DIENST 48

Unsere Zielsetzungen sind von Anfang an dieselben
geblieben. Wir wollen den unverzüglichen und bedingungslosen Abzug aus Kuwait. Wir wollen die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen Regierung.
Wir wollen die Freilassung aller Geiseln und die ungehinderte Arbeit aller Botschaften. Und wir streben
nach Stabilität und Sicherheit dieser wichtigen Weltregion.
Mit diesen Zielsetzungen stehen wir nicht allein. Die
Vereinten Nationen stimmen uns, von ihrem neuen
Auftrag ermutigt, voll und ganz zu. Der Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen hat zwölf Resolutionen verabschiedet, mit denen die unprovozierte Invasion und
Besetzung Kuwaits verurteilt und strenge Wirtschaftssanktionen verhängt werden, um den Handel mit dem

Seite 1

�Irak zu unterbinden, und er hat dem Einsatz von
Gewalt zugestimmt, um Saddam Hussein zur Einhaltung zu zwingen.
Saddam Hussein hat alles in seiner Macht Stehende
unternommen, um dies in einen Kampf zwischen dem
Irak und den Vereinigten Staaten ausarten zu lassen,
und er ist damit eindeutig gescheitert. Die Streitkräfte
aus 26 Ländern stehen unseren Truppen am Golf zur
Seite. Tatsache ist, daß hier nicht die Vereinigten
Staaten dem Irak gegenüberstehen, sondern der Irak
der ganzen Welt, und es hat niemals eine eindeutigere
Demonstration der weltweiten Geschlossenheit gegenüber Beschwichtigungspolitik und Aggression
gegeben.
Die gestern verabschiedete Resolution des UN-Sicherheitsrats hatte historischen Charakter. Wiederum
hat der Sicherheitsrat die berechtigte Funktion der
Vereinten Nation zur Friedenssicherung bewiesen.
Bis gestern konnte Saddam Hussein vielleicht noch
nicht wissen, wie die Weltmeinung aussieht, der er sich
stellen muß, und ich hoffe, jetzt wird ihm klar, daß er
Kuwait unverzüglich verlassen muß.
Ich werde ständig gefragt, wie effektiv die am 6. August
in Kraft getretenen UN-Sanktionen sind, und auf diese
Frage weiß ich keine Antwort. Die Sanktionen zeitigen
eindeutig Erfolge, aber ich kann Ihnen nicht sagen, ob
sie allein etwas bewirken. Und deshalb begrü ße ich die
gestern beschlossene Vorgehensweise der Vereinten
Nationen.
Die aufstrebenden Demokratien in Osteuropa erleiden
erhebliche Schäden durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Aggression des irakischen Präsidenten
Saddam Hussein. Die Entwicklungsländer in Afrika
und in unserer Hemisphäre werden Opfer des Übergriffs dieses Diktators auf seinen Nachbarn Kuwait.
Die Anhänger der Meinung, man müsse monatelang
warten, müssen sich die verheerenden Schäden vor
Augen führen, die täglich den schwachen Volkswirtschaften der Länder zugefügt werden, die es am
wenigsten vertragen können.
Der Präsident der Zentralbank, Alan Greenspan, hat
erst kürzlich darauf verwiesen, daß der Anstieg der
Ölpreise infolge Saddams Invasion auch unserem
Land schadet. Und ich habe bereits erläutert, daß
unsere Wirtschaft bestenfalls eine Verlangsamung
hinnehmen muß. Wenn die Unsicherheit auf den
Energiemärkten fortbesteht, wird die Verlangsamung
schlimmer werden.
Ich habe Ihnen bereits unsere Gründe für die Entsendung von Truppen an den Golf dargelegt. Lassen Sie
mich Ihnen dalegen, was mich am meisten beunruhigt.
Als erstens möchte ich die Amoralität der Invasion in
Kuwait selbst ansprechen. Kein Land sollte seinen
Nachbarn vergewaltigen, plündern und brutal bekämpfen. Kein Land sollte imstande sein, ein Mitglied der
Seite 2

Vereinten Nationen und der Arabischen Liga von der
Weltkarte zu streichen. Ich bin ferner tief beunruhigt
über all die Geiseln - unschuldige Menschen, die
gegen ihren Willen und in eindeutiger Verletzung des
Völkerrechts festgehalten werden. Und dann gibt es
diese zynische und brutale Politik, bei der Menschen
gezwungen werden, um ihre Freilassung zu betteln,
bei der einzelne Menschen wie Frachtgut an ihre
Familien und die Emissäre überstellt werden.
Ich bin in großer Sorge um unsere Botschaft in Kuwait.
Die Fahne weht noch, eine Handvoll belagerter Amerikaner befindet sich immer noch in der Botschaft und
darf sie nicht verlassen. Diese Behandlung unserer
Botschaft verletzt jedes zivilisierte Prinzip der Diplomatie. Und sie bedeutet eine Erniedrigung für unsere
Bürger und unser Land. Ich bin entschlossen, daß
diese Botschaft, wie es Resolution 674 des UN-Sicherheitsrats fordert, vollständig wiederherstellt wird
und unsere Bürger nach Hause zurückkehren dürfen.
Welchen Präzedenzfall werden diese Maßnahmen für
die Zukunft schaffen, wenn Saddam Hussein das
Völkerrecht ungestraft verletzen darf?
Ich bin ebenfalls in tiefer Sorge über die Zukunft
Kuwaits. Die Geschichten von Vergewaltigung und
Mord, das kaltblütige Töten und zügellose Plünderungen übersteigen fast die Vorstellungskraft. Die gesamte zivilisierte Welt muß sich zusammenschließen
und erklären, daß diese Behandlung von Menschen
aufhören muß und diejenigen, die dem kuwaitischen
Volk Gewalt angetan haben, zur Rechenschaft gezogen werden müssen.
Ich bin darüber hinaus in großer Sorge über Saddam
Husseins Bestrebungen zum Erwerb von Atomwaffen.
Stellen Sie sich seine Fähigkeit vor, seine Nachbarn zu
erpressen, wenn er über Atomwaffen verfügt. Wir sind
Zeuge geworden, wie er Chemiewaffen gegen sein eigenes Volk eingesetzt hat. Wir sind Zeuge geworden,
wie er aus seinem eigenen Land, das wohlhabend und
erfolgreich sein sollte, ein armes Land gemacht hat - all
dies aufgrund seines unstillbaren Verlangens nach
Waffen und Eroberungen.
Ich bin gefragt worden, warum ich mehr Truppen an
den Golf entsende. Ich hege weiterhin die Hoffnung
auf eine friedliche Lösung für diesen Konflikt. Aber
wenn Gewalt notwendig wird, werden wir und die
anderen 26 Länder, die in der Region Streitkräfte
haben, genug Macht besitzen, um das Notwendige zu
veranlassen.
Ich weiß, daß in unserem Land Befürchtungen über ein
neues Vietnam herrschen. Ich möchte Ihnen jedoch
versichern, daß sich, auch wenn ein militärischer Einsatz erforderlich wird, Vietnam nicht wiederholen wird.
Es wird keinen lang andauernden Krieg geben. Die
aufgestellten Streitkräfte sind anders, der Gegner ist
ein anderer und auch der Nachschub für Saddam
Husseins Truppen unterscheidet sich, die gegen ihn
AMERIKA DIENST 48

�verbündeten Länder der Vereinten Nationen sind anders,
ebenso die Topographie Kuwaits. Darüber hinaus ist
die Motivation unserer Freiwilligentruppe hervorragend.
Ich will den Frieden. Frieden, nicht Krieg, aber wenn
es einen Krieg geben muß, werden wir nicht zulassen,
daß unseren Truppen die Hände gebunden werden,
und ich versichere Ihnen, es wird kein unklares Ende
geben. Wenn ein amerikanischer Soldat kämpfen
muß, dann wird er genug Streitkräfte hinter sich haben,
um zu siegen und das Schlachtfeld so schnell wie
möglich zu verlassen, sobald die Zielsetzungen der
Vereinten Nationen erreicht sind. Ich werde einem
halbherzigen Einsatz niemals zustimmen.
Ich möchte es noch einmal wiederholen. Wir haben
keinen Streit mit dem irakischen Volk. Wir empfinden
für die Menschen dort nur Freundschaft. Und ich
möchte auch nochmals wiederholen, daß wir nicht den
Wunsch haben, einen einzigen amerikanischen Soldaten auch nur einen Tag länger am Golf zu lassen als es
für die Erlangung der oben beschriebenen Ziele notwendig ist.
Niemand wünscht sich mehr als ich eine friedliche
Lösung für diesen Konflikt, und gleichzeitig ist niemand
entschlossener als ich, die Aggression Saddam Husseins rückgängig zu machen.
Schließlich mahnen die Menschen nun zu Geduld. Die
Vereinigten Staaten und die ganze Welt waren geduldig. Ich werde mich auch weiterhin in Geduld fassen,
aber die gestern beschlossene UN-Resolution - die 13.
des UN-Sicherheitsrats - erklärt Saddam Hussein
eindeutig: "Die Zeit läuft ab. Sie müssen aus Kuwait
abziehen, und wir haben Ihnen Zeit gegeben, um
genau das zu tun."
Viele Menschen haben mit Saddam Hussein und seinem AußenministerTarikAsis persönlich gesprochen.
Alle waren frustriert über Iraks eisernen Widerstand,
nicht aus Kuwait abziehen zu wollen.
Um aber dem Frieden noch eine letzte Chance zu
geben, werde ich Außenminister Asis einladen, Ende
der Woche um den 10. Dezember an einem beiderseitig genehmen Zeitpunkt zu einem Gespräch mit mir
nach Washington zu kommen. Dazu werde ich auch
die Botschafter verschiedener Koalitionspartner am
Golf einladen.
Darüber hinaus bitte ich Außenminister Baker, nach
Bagdad zu reisen, um sich mit Saddam Hussein zu
treffen, und ich werde dem irakischen Präsidenten
vorschlagen, den Außenminister zu einem beiderseits
genehmen Zeitpunkt zwischen dem 15. Dezember
und dem 15. Januar nächsten Jahres zu empfangen.
Im Rahmen des Mandats der UN-Resolution werde ich
ebenso wie Außenminister Baker bereit sein, alle
Aspekte der Golfkrise zu erörtern. Um dennoch diese

AMERIKA DIENST 48

Bestrebungen zur Ausschöpfung aller Mittel zur Erlangung der politischen und diplomatischen Lösung klar
zu umreißen - ich möchte keine Gespräche, die weniger hervorbringen als den vollständigen Abzug aus
Kuwait, die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen kuwaitischen Regierung und Freiheit für alle Geiseln.
Frage: Da Sie jetzt über eine eindeutige UN-Resolution zum Einsatz von Gewalt verfügen, werden Sie
damit nicht in die Lage kommen - wenn die Gespräche
zwischen den Außenministern ergebnislos verlaufen am 15. Januar Gewalt anwenden zu müssen, wenn
Saddam Hussein nicht abgezogen ist? Und wenn
nicht, würden wir nicht als diejenigen angesehen, die
als erste klein beigeben?
Antwort: Dieses Datum bedeutet nicht, daß dann
Gewalt angewandt werden muß.
Frage: Dazu noch eine Frage. Werden Sie den
Kongreß um Zustimmung zu dieser Resolution bitten?
Soll der Kongreß Ihrer Meinung nach dieselbe Resolution verabschieden wie die Vereinten Nationen?
Antwort: Es wäre mir sehr recht, wenn der Kongreß
mit einer Resolution enthusiastisch dem zustimmt,
was die Vereinten Nationen beschlossen haben. Aber
darüber konsultieren wir noch, und ich plane noch nicht
die Einberufung einer Sondersitzung. Ich bin nicht
dagegen. Aber gegenwärtig stehen wir in Konsultationen. Ich habe mit mehreren Angeordneten gesprochen. Ebenso mit führenden Politikern im Repräsentantenhaus. Auch mit Republikanern und Demokraten
im Senat. Ich möchte sicher sein, daß die Konsultationen abgeschlossen sind.
Vielfach wird die Auffassung vertreten, daß eine Sitzung des alten Kongresses keinen Wert hat und die
neuen Mitglieder das Recht haben sollten, etwas zu
sagen. Andere wiederum vertreten die Meinung, wir
sollten jetzt etwas tun. Wie Sie wissen, war im Kongreßbeschluß über eine Vertagung die Bestimmung
über eine mögliche Wiederaufnahme enthalten. Sie
sind ein gleichberechtigter Teil der Regierung. Sie
können das tun, wenn sie wollen.
Aber wir werden unsere Konsultationen fortführen.
Zufällig finden sie heute mit der Führung statt. Ich
werde also im Laufe dessen etwas herausfinden können.
Frage: Sie haben sich zuversichtlich gezeigt, daß USTruppen gegen Saddam Hussein bestehen können.
Antwort: Absolut.
Frage: Aber zu welchem Preis? Wie viele Amerikaner?
Antwort: Ich kann Ihnen natürlich keine Zahlen nennen. Ich kann jedoch sagen, daß die Verlegung dieser
zusätzlichen Streitkräfte das Leben aller Amerikaner
und aller Verbündeten am Golf schützt.
Seite 3

�Frage: In den letzten Tagen haben führende Vertreter
der Administration den Gedanken einer Entsendung
besonderer Emissäre oder von Sonderbotschaftern in
den Irak weit von sich gewiesen, um darüber in Ihrem
Auftrag zu sprechen. Wie ist es zu Ihrem Sinneswandel gekommen?

Frage: Mir fiel auf, daß Sie anfangs, als Sie Ihre Ziele
aufzählten, die Stabilität in der Region einbezogen. Sie
schienen sie zusammenzufassen, als Sie über diese
Gespräche mit Saddam Hussein sprachen, aber Sie
erwähnten dabei nur die ersten drei, nicht aber die
Stabilität in der Region.

Antwort: Die UN-Resolution bietet meines Erachtens
eine gute Gelegenheit, um Saddam Hussein klarzumachen, wen er gegen sich hat. Ich bin jedoch noch
nicht zu dem Schluß gekommen, daß er die Botschaft
verstanden hat. Ich hoffe, daß dies dazu beitragen
wird. Ich gehe davon aus, daß diese beiden von mir
angeregten persönlichen Treffen allen Menschen in
der Welt - gewiß aber dem amerikanischen Volk garantieren werden, daß Saddam Hussein keinen
Mißverständnissen oder Fehlurteilen unterliegt. Ich
höre immer wieder: "Man informiert ihn einfach nicht
richtig." Im Gegensatz zum amerikanischen Präsidenten, der gute wie schlechte Nachrichten sehr wahrheitsgetreu erhält, überbringen die Truppen Saddam
Husseins ihm angeblich keine schlechten Nachrichten. Darüber hinaus wurde mir gesagt, daß er ziemlich
isoliert ist. Und die UN-Resolution wird ihm meines
Erachtens dabei helfen, diese Isolierung in gewisser
Weise zu überwinden. Die beiden von mir gemachten
Vorschläge werden einen Beitrag dazu leisten. Es
handelt sich also nur um einen zusätzlichen Schritt,
und diese Entscheidung wurde von mir persönlich
getroffen.

Antwort: Ich sprach dabei von der UN-Resolution und Stabilität und Sicherheit waren meines Erachtens
nicht in der UN-Resolution enthalten. Aber dies ist
sicherlich Teil der Zielsetzung der internationalen
Staatengemeinschaft. Möglicherweise handelt es sich
nur um einen technischen Unterschied.

Frage: Sie haben angedeutet, daß dieses Datum kein
Ultimatum für den Einsatz von Gewalt darstellt, sondern lediglich einen Zeitpunkt, nach dem Gewaltanwendung erlaubt ist. Wie wollen Sie vermeiden, daß
bei einem Verzicht auf den Einsatz militärischer Mittel
nach diesem Datum der Eindruck entsteht, die amerikanisch geführte Koalition habe nur geblufft?
Antwort: Nun, wir müssen die Lage betrachten, wenn
dieser Zeitpunkt eingetreten ist. Es wird meines Erachtens jedoch nie der Eindruck bestehen, daß die
Vereinigten Staaten in dieser Lage bluffen werden.
Gerade darum ist es mir bei einigen Formulierungen
meiner Erklärung gegangen.
Frage: Sie sprachen gerade über Massenvernichtungs- und Kernwaffen sowie darüber, daß eines Ihrer
Ziele darin besteht, Stabilität in der Region herbeizuführen. Können Sie Stabilität in der Region erreichen,
solange Saddam Hussein an der Macht ist?
Antwort: Ich gehe davon aus, daß die meisten Länder
- die Mitglieder der Vereinten Nationen - der Meinung
sind, es sollten einige Vorkehrungen getroffen werden,
um Sicherheit und Stabilität am Golf zu gewährleisten.
Der Status quo ante wird deshalb voraussichtlich nicht
ausreichen. Zur Zeit sind Sanktionen in Kraft, und es
wäre sicher der geeignete Moment, über diese Vorkehrungen zu sprechen, wenn die Resolutionen der
Vereinten Nationen vollständig verwirklicht worden
sind.
Seite 4

Aber dies ist entscheidend und äußerst wichtig.
Frage: Ich möchte Sie fragen, ob aufgrund Ihrer
Äußerungen über die Botschaft in Kuwait der Schluß
gerechtfertigt ist, daß Sie die Botschaft weder schließen noch erlauben werden, daß die Amerikaner dort
ausgehungert werden.
Antwort: Ich werde weder sagen, was ich tun, noch,
was ich unterlassen werde.
Wir erhielten heute morgen einen sehr interessanten
Bericht, demzufolge einige Iraker unsere Botschaft in
Kuwait besuchten und Obst, Gemüse sowie eine Stange
irakischer Zigaretten dort abgaben. Wahrscheinlich
wird morgen eine weitere Lieferung erfolgen, darunter
auch Limonade. Und sie fragten, welche Arzneimittel
benötigt werden.
Frage: Militärs?
Antwort: Das ging nicht daraus hervor. Die Botschaft
wird voraussichtlich morgen eine Liste übergeben.
Der Strom ist aber weiterhin abgeschaltet.
Dies ist also eine interessante kleine Entwicklung.
Jemand fragte mich: "Was tun wir, wenn es zu
Provokationen kommt?" Diese Frage wurde beim
Treffen mit der Führung des Kongresses gestellt. Ich
antwortete: "Betrachten Sie mich als provoziert, wenn
es um die amerikanische Botschaft geht. Betrachten
Sie mich als provoziert, wenn ich sehe, daß Amerikaner ohne ausreichende Nahrung und Arzneimittel sind."
Frage: Entnehmen Sie dem Kommunique, das Sie
erhielten, daß die Iraker diesen Hinweis verstanden
haben und diesen potentiellen Gefahrenherd ausschalten wollen?
Antwort: Ich weiß es nicht. Das ist eine sehr gute
Frage, und auch wir erörtern sie. Wir sollten optimistisch sein und sagen, daß dies ein positives Zeichen
sein könnte. Aber trotzdem ist dies noch zu weit von
der Wahrung des Völkerrechts entfernt, als daß ich
darüber jubeln könnte. Es ist aber eine sehr interessante Entwicklung.
Frage: Wie Sie wissen, gab es bei den Anhörungen
des Kongresses diese Woche einige für Sie ziemlich

AMERIKA DIENST 48

�negative Äußerungen. Heute morgen erklärten Sie,
dies würde kein lang andauernder Krieg wie in Vietnam. General Odom, der frühere Leiter der Nationalen
Sicherheitsbehörde NSA, hat erst heute morgen vor
dem Streitkräfteausschuß des Senats festgestellt, daß
wir tatsächlich jahrzehntelang dort bleiben müssen.
Wahrscheinlich meint er doch, daß wir selbst nach
einem militärischen Konflikt im Rahmen einer Streitmacht zur Sicherung des Friedens Leute dort stationieren müssen. Besteht Ihrer Ansicht nach unsererseits eine solch langfristige Verpflichtung dort?
Antwort: Nein, das ist nicht der Fall.
Frage: Ich möchte Sie noch etwas anderes fragen. AI
Gore hat sich gestern kritisch mit ihren Äußerungen
und einigen Ihrer Berater, etwa Brent Scowcroft, auseinandergesetzt, die darauf hinauslaufen, daß Saddam innerhalb von Monaten eine Kernwaffe produzieren könnte. Gore, der anscheinend einige Male privat
von diesen Leuten unterrichtet wurde, meint, die Erklärungen Ihrer Administration seien irreführend...
Antwort: Ich bin anderer Meinung als der Senator. Er
kann über den Bau einer Atomwaffe durch Saddam
Hussein spekulieren, ich tue dies jedenfalls nicht. Ich
kenne die Berichte der Nachrichtendienste im Detail.
Ich kann darüber natürlich nicht sprechen, da wir über
nachrichtendienstliche Angelegenheiten nie Auskunft
geben. Ich bin jedoch besorgt, und als ich das erste
Mal über dieses Thema gesprochen habe - ich glaube
das war im August, habe ich Massenvernichtungswaffen erwähnt. Ich bin darüber besorgt. Wenn Senator
Gore eine andere Meinung vertritt und sich keine
Sorgen macht, so gibt es da zwischen uns einen
offenkundigen Meinungsunterschied.
Ich bin besorgt über Saddam Husseins Versuch, den
Bau oder die Beschaffung einer Atombombe zu beschleunigen, und das teile ich Ihnen hier so offen ich
kann mit.
Frage: Meinen Sie, er könnte nächstes Jahr einen
Gefechtskopf entwickeln?
Antwort: Ich möchte hier keinen zeitlichen Rahmen
nennen, aber Sie haben ja die Schätzungen in den
Zeitungen gelesen, von denen einige wohl zutreffend
sind. Es gibt eine Menge Wissenschaftler, die auf
verschiedenen Seiten Position bezogen haben. Senator Gore ist sicherlich ein intelligenter Mann, aber ich
glaube nicht, daß er Zugang zu absolut allen Quellen
hat - vielleicht hat er ihn -, aber ich werde bei dieser
Frage nicht den Fehler einer Unterschätzung begehen.
Frage: Ihre Ankündigung über TarikAsis und Außenminister Baker - haben Sie irgendwelche Signale oder
Andeutungen aus Bagdad erhalten, daß sie dies begrüßen würden, daß man dort diese Art Kommunikation erwartet?

AMERIKA DIENST 48

Antwort: Nein. Das einzige, was ich gehört habe, ist,
daß sie reden wollen. Es besteht eine Chance, aber
ich habe keinerlei diplomatische oder andere Signale
erhalten.
Frage: Und wieviele von diesen 26 Nationen in der
Region, die Sie aufgezählt haben, sind ebenso bereit
zu offensiven Maßnahmen, anstatt zur reinen Defensive?
Antwort: Ich kann Ihnen darauf keine Antwort geben,
weil ich dies wirklich nicht weiß. Ich erwarte jedoch,
daß bei all diesen Ländern für die gestern getroffene
UN-Maßnahme Unterstützung besteht.
Frage: Mit allem Respekt, sollten Sie nicht wissen,
wieviele Ihren Truppen in die Schlacht folgen würden?
Antwort: Ich weiß, daß das, was ich gesagt habe, für
den Fall gilt, daß wir kämpfen müssen, und ich bin
damit zufrieden. Ich habe meinen Pflichten als Oberbefehlshaber gemäß eingehend untersucht, was geschehen würde, wenn wir zum Einsatz von Gewalt
gezwungen wären. Ich wiederhole, ich hoffe, daß wir
niemals einen einzigen Schuß im Zorn abfeuern müssen.
Frage: Der Irak hat ständig zum Dialog aufgerufen.
Sind Sie nicht besorgt, daß diese beiden Missionen,
Tarik Asis und James Baker, Saddam Hussein zu der
Behauptung verleiten werden, die Vereinigten Staaten
zeigten ein Zeichen der Schwäche?
Antwort: Weil Baker nach Bagdad reist?
Frage: Machen Sie sich keine Sorgen, daß Sadam
Hussein diese Haltung einnehmen könnte?
Antwort: Nein, das tue ich nicht. Ich bin besorgt
darüber, daß einige erklären könnten, dies sei ein
Ultimatum, das ihn dazu veranlassen soll, die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zu verstehen, zu
verstehen, daß sich alles innerhalb der Grenzen der
verabschiedeten UN-Resolutionen abspielen soll, daß
es da keinen Spielraum mehr gibt. Es kann keine
Wahrung des Gesichts geben. Das ist nicht der Inhalt.
Es soll sichergestellt werden, daß er versteht, wie sehr
der Präsident die Verwirklichung der UN-Position bis
zum letzten i-Tüpfelchen befürwortet.
Einige haben mir gesagt, er werde nie verstehen, wie
entschlossen wir sind. Ich kann mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen besseren Weg vorstellen, um
dies zu tun, als dieses persönliche Treffen nach Verabschiedung der UN-Resolution. Ich bin nicht sicher, ob
er dem zustimmen wird.
Frage: Die heutige Pressekonferenz scheint wieder
einmal mehr auf die Vorbereitung eines Krieges fixiert.
Können Sie erläutern, welches Ihrer Meinung nach
Ihre Verpflichtungen gegenüber dem Kongre ß sind, da
Sie sich dagegen zu sträuben scheinen, eine der UNResolution vergleichbare Resolution zu beantragen.

Seite 5

�Worin besteht Ihrer Meinung nach Ihre Verpflichtung
gegenüber dem Kongreß und seinen Wählern?
Antwort: Umfassende Konsultationen.
Frage: Und seine Unterrichtung, bevor Sie etwas
unternehmen?
Antwort: Ich unterrichte den Kongreß darüber, wie
meiner Meinung nach zur Zeit die Sachlage ist, und Sie
haben meine Erläuterungen mit Ihrer Interpretation
versehen. Es gab zahlreiche Kommentare, in denen
die Hoffnung zum Ausdruck kam, daß eine friedliche
Lösung zustandekommt und die beste Antwort zur
Erzielung einer friedlichen Lösung darin besteht, Saddam
Hussein wissen zu lassen, wie entschlossen alle sind.
Die gestrige UN-Resolution war meines Erachtens ein
Schritt zum Frieden, nicht zum Krieg, weil ich davon
ausgehe, daß Saddam Hussein in Kuwait dasselbe tun
wird was er in Iran getan hat, wenn er endlich erkennt
und versteht, wogegen er sich stellt - wenn man die
Weltmeinung und andere Dinge betrachtet.
Frage: Die Sowjetunion hat in der Tat bei der Resolution, die gegebenenfalls, Gewaltanwendung zuläßt, zu
Ihren Gunsten abgestimmt. Werden wir der Sowjetunion dafür eine Kompromißlösung bei den Exportkrediten anbieten? Wie Sie wissen, besteht einige Besorgnis, weil sie der Meinung sind, es gäbe de facto ein
Getreideembargo, da wir ihnen in dieser Zeit der Not
keine Exportkredite anbieten.
Antwort: Diese Dinge sind völlig getrennt zu sehen
und hängen nicht miteinander zusammen. Ich habe
mit Präsident Gorbatschow über unsere Bereitschaft
gesprochen, Vorschläge im Bereich Nahrungsmittel
zu prüfen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich
Berichte über den harten Winter und die Härten als
zutreffend erweisen, die dies der sowjetischen Bevölkerung auferlegen würde.
Ich habe führende Regierungsvertreter unseres Landes gebeten, mir nächste Woche Empfehlungen bezüglich Jackson-Vanik zu unterbreiten. Ich habe stets
die Position vertreten, daß die Sowjets die erforderlichen Auswanderungsgesetze erlassen sollten. Dies
ist nicht geschehen. Es wird jedoch argumentiert, daß
ich jetzt größere Kompetenzen zur Aufhebung von
Bestimmungen habe als ich dachte. Ich möchte keinen Bereich der amerikanischen Wirtschaft irgendwelchen Problemen aussetzen. Ich bin einer der vehementesten Gegner eines Getreideembargos, und
dennoch muß ich hören, die amerikanische Mittelschicht habe das Gefühl, unsere Position führe quasi
zu einem Getreideembargo. Ich möchte mich strikt
dagegen verwahren, daß ich ein Befürworter des
Getreideembargos bin.
Die Sowjets sind über zahlreiche Aspekte dieses
Gesetzes besorgt. Ich stehe also vor der Entschei-

Seite 6

dung über das weitere Vorgehen. Sollten wir versuchen, Vanik aufzuheben und dann die Kredite im
Rahmen des CCC aufstocken? Es gibt andere Agrarprogramme, die wir meines Erachtens voranbringen
können, ohne Jackson-Vanik aufzuheben. Dies ist
jedoch ein sehr komplexes Thema, und ich weiß nicht
ganz genau, was ich machen werde, weil wir zwischen
sehr starken und verständlichen Wirtschaftsinteressen im Inland und unserer Befürwortung freier und
fairer Auswanderung andererseits manövrieren.
Man kann jedoch nicht umhin, festzustellen, daß die
Zahl - der Exodus - sowjetischer Juden aus der Sowjetunion groß ist, und dies ist nicht zuletzt das Verdienst
unserer Administration, weil wir den Exodus sowjetischer Juden immer wieder ermutigt haben. Dies wird
meine Erwägungen beeinflussen, wenn ich die endgültige Entscheidung über die Aufhebung von JacksonVanik treffen muß.
Frage: Erwägen Sie in diesem Zusammenhang eine
Aufstockung der Quote - der Personenzahl - die in die
Vereinigten Staaten einwandern kann? Würden wir
die Zahl der Einwanderungsgenehmigungen erhöhen?
Antwort: Wir überprüfen diese Angelegenheit derzeit.
Frage: Arabienkennern zufolge hat Saddam Hussein
angedeutet, er würde gerne irgendeinen Handel eingehen, jedoch nicht unbedingt an seinen Forderungen
festhalten. Sie sagen jetzt, Sie seien zu einem Treffen
mit ihm bereit. Sind Sie bereit, ihm in diesen Gesprächen irgendein Angebot - wie etwa eine Nahostkonferenz - als Gegenleistung für seinen Rückzug zu machen?
Antwort: Nein. Diese beiden Punkte sind völlig
unabhängig voneinander. Wir haben das eindeutig
klargestellt. Und ich habe gesagt, daß diese Gespräche im Rahmen des UN-Mandats stattfinden. Ich habe
keine allzugroße Hoffnung, daß sehr viel dabei herauskommen wird. Es bedeutet, noch einen Schritt zu
machen. Ich kann Ihnen jedoch sagen, daß wir in
dieser ganzen Angelegenheit großen Erfolg haben
werden, weil die Welt geschlossen hinter der Tatsache
steht, daß wir ohne die UN-Resolutionen keine vollständige Einhaltung garantieren können.
Frage: Was ist dann der Zweck dieses Treffens?
Stellen Sie nur ein Ultimatum?
Antwort: Nein, dies ist überhaupt kein Ultimatum.
Und ich hoffe, es demonstriert, daß wir bereit sind, ihm
persönlich zu sagen, wie fest wir den UN-Resolutionen
verpflichtet sind. Wie ich Ihnen bereits gesagt habe,
hatte ich nicht das Gefühl, daß er dieses Engagement
gespürt hat. Er mag es vielleicht jetzt etwas stärker
gespürt haben, wo der UN-Sicherheitsrat - entgegen
der Ansicht vieler Skeptiker - tatsächlich zusammengekommen ist und diese außerordentlich wichtige
Resolution verabschiedet hat.

AMERIKA DIENST 48

�Er muß sich darüber klarwerden, was die Alternativen
zur Befolgung der UN-Resolution sind. Das beste
Mittel, ihm das zu verdeutlichen, ist ein persönliches
Gespräch zwischen Außenminister Baker und ihm.
Mir wurde gesagt, er gehe nicht zwangsläufig davon
aus, daß ich nicht von meinen Worten abrücke - und
hier bietet sich eine gute Gelegenheit, ihm dies unter
vier Augen klarzumachen.
Wir wollen ihn persönlich dazu bewegen, die UNResolutionen zu befolgen. Wir wollen ihm durch den
Außenminister, der unermüdlich an der Verabschiedung dieser Resolution gearbeitet hat, die Kraft des
Engagements der internationalen Staatengemeinschaft
beweisen. Und dann versuchen, ihn zu überzeugen,
seine Position zu überdenken und die für eine friedliche Lösung der Krise erforderlichen Schritte zu unternehmen.
Sie müssen jedoch wissen, daß es sich hierbei nicht
um eine Reise der Zugeständnisse handelt. Wen
jemand tut, was er getan hat, dann sind meines Erachtens Zugeständnisse - die Chance, das Gesicht zu
wahren - fehl am Platze. Auf diese Weise geht man
nicht gegen Aggression vor, und wir werden ihn nicht
anders behandeln als ich hier aufgezeigt habe.
Frage: Sie haben den Schaden erwähnt, den die
hohen ölpreise der Weltwirtschaft zufügen. Sollten
Saudi-Arabien und die anderen Ölförderstaaten ihren
unverhofften Gewinn großzügiger mit den anderen
teilen?
Antwort: Meines Erachtens übernehmen sie bereits
einen Großteil der Kosten für mehrere Länder und
helfen Drittländern, die durch dieses Ereignis betroffen
sind. Jeder sollte jedoch noch einen Schritt tun, um
anderen zu helfen.
Es hat mich gefreut, beispielsweise in den Gesprächen
mit Präsident Salinas in Mexiko zu erfahren, daß er
durch den Verkauf von Öl zu wert unter dem aufgeblähten Weltmarktniveau liegenden Preisen versucht, die
Last zu mindern. Jeder sollte versuchen zu helfen. Die
Saudis sind anderen Ländern gegenüber vielfältige
Verpflichtungen zur Hilfe eingegangen, und ich bin
zuversichtlich, daß sie das auch weiterhin tun werden.
Frage: Sollte Saudi-Arabien die Wehrpflicht einführen?
Antwort: Das müssen die Saudis entscheiden. Übrigens finde ich nicht, daß die Vereinigten Staaten sie
benötigen.
Frage: Wenn Sie letztlich das Gefühl haben, Sie
müssen die Amerikaner um ihre Unterstützung für den
Einsatz von Gewalt bitten, so heißt das natürlich, Sie
müssen einige Eltern bitten, das Leben ihrer Kinder
aufs Spiel zu setzen.
Antwort: Dessen bin ich mir bewußt.

AMERIKA DIENST 48

Frage: Wir alle wissen, wie wichtig Ihre Kinder für Sie
sind. Haben Sie das Gefühl, dieses Problem ist so
gravierend, daß Sie sich vorstellen könnten, eines
ihrer Leben dafür zu opfern?
Antwort: Dies ist eine außerordentlich schwierige
Frage. Ich werde gefragt: "Wie viel Menschenleben
können Sie vergeuden?" Jedes einzelne ist wertvoll.
Ich möchte mich hier nicht in Reminiszenzen ergehen
- aber ich war auch dabei. Ich weiß, was es bedeutet,
Kameraden fallen und junge Männer im Kampf sterben
zu sehen.
Nur dem Präsidenten sollte die Entscheidung darüber
zukommen: Ist es dies alles wirklich wert? Wie viele
Menschenleben ist es wert? Lohnt es sich, ein Menschenleben zu opfern, ein Menschenleben aufs Spiel
zusetzen, um diese Ziel zu verwirklichen? Aus diesem
Grund möchte ich eine friedliche Lösung dieser Frage.
Sie sollten meine Post lesen. Es ist herzergreifend.
Voller Unterstützung - und dennoch, "bitte, bringen Sie
mein Kind zurück. Bitte bringen Sie meinen Mann
zurück." Es ist ein schwieriges Problem, aber der
Präsident muß die richtige Entscheidung treffen und
hierbei handelt es sich um weltweite Prinzipien von
moralischer Bedeutung. Ich werde alles in meiner
Macht Stehende tun, um diese Kinder zurückzubringen, ohne daß ein einziger Schuß im Zorn gefallen ist.
Und wenn ein Schuß im Zorn fällt, möchte ich all
denjenigen versichern, daß ihr Kind, dessen Leben auf
dem Spiel steht, ein Höchstmaß an Unterstützung
erfährt und die besten Chancen hat, lebend zurückzukommen.
Aus diesem Grund, wegen dieser Frage, die auf meiner Seele lastet, habe ich heute morgen hinzugefügt,
daß dies nicht ein zweites Vietnam wird. Aus diesem
Grund arbeite ich so hart wie möglich, um diese
Koalition nicht nur zusammenzuhalten, sondern sie zu
stärken. Der beste Weg, das Leben der Amerikaner zu
schützen, ist, daß Saddam Hussein tut, was er schon
vor langer Zeit hätte tun sollen. Und wenn Gewalt
angewendet werden muß, besteht der beste Weg,
Menschenleben zu schützen in der Bereitschaft zu
deren Einsatz. Das ist meine Position.
Frage: Es scheint, als würden Sie den Volksvertretern
die Möglichkeit verweigern, über diese Angelegenheit
zu sprechen und ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen.
Sie kennen den Kongreß, und dennoch vermeiden Sie
ihn. Sie wissen, die Verfassung gewährt ihm nicht nur
das Recht zur Kriegserklärung, das Geld bereitzustellen und seine Meinung darüber abzugeben, was mit
den Truppen geschehen soll. Das ist die Verfassung.
Dennoch scheinen Sie das zu vermeiden. Die Fachleute auf dem Capitol Hill sagen, Sie hätten mit Vorankündigung gehandelt, zwei oder drei Kongreßabgeordnete zu sich berufen und ihnen erklärt, "Wir sind auf
dem Weg". Sie haben die Entscheidung bereits getroffen, sie benachrichtigen den Kongreß nur - das ist

Seite 7

�Vorankündigung, das sind keine Konsultationen mit
dem Kongreß. Die Kongreßabgeordneten sagen, Sie
sollten sich mit ihnen zusammensetzen und alles im
einzelnen mit ihnen erörtern - ich werde Sie daran
erinnern, wenn Foley als Sprecher des Repräsentantenhauses das Wort hat. Er mag Sprecher des Hauses
sein, aber ohne jeden Zweifel spricht er nicht für Florida
oder Texas.
Antwort: Sie haben genau das Dilemma aufgezeigt,
in dem ich mich befinde. Ich begrüße die Anhörungen
im Kongreß. Wir haben Anhörungen, wir konsultieren.
Aber ich will ehrlich zu Ihnen sein - ich kann mich nicht
mit 535 Abgeordneten auseinandersetzen, von denen
jeder seinen eigenen Willen hat. Weder kann ich es,
noch bin ich durch die Verfassung dazu verpflichtet.
Ich glaube, jeder stimmt mit mir überein, daß ich mehr
Konsultationen als vorangegangene Administrationen
geführt habe.
Frage: In unserem Land gibt es einen Mehrheitsbeschluß, und Sie scheinen sich davor zu fürchten.
Antwort: Nein, keineswegs. Wir haben Gewaltenteilung, und ich kenne die Stärken und Grenzen der
Präsidentschaft.
Dies ist eine interessante Debatte. Und ich kenne
meine Grenzen. Ich weiß, was ich tun kann, ich weiß,

* *

Seite 8

was vorherige Präsidenten getan haben. Und ich bin
immer noch entschlossen, bei Konsultationen noch
einen Schritt zu machen.
Frage: Sie und Außenminister Baker scheinen den
anderen Ländern und den Vereinten Nationen die
Möglichkeit zum Gespräch zu geben - aber dem Volk
der Vereinigten Staaten wollen Sie keine Chance zur
Diskussion mit Ihnen einräumen.
Antwort: Das ist absolut absurd. Es finden Anhörungen statt, es wird gesprochen. Im Rahmen der Sitzungsresolution hat der Kongreß das Recht, in dieser
Minute zusammenzutreten. Einige im Repräsentantenhaus wollen jetzt eine Sitzung einberufen, andere
wollen später daüber sprechen. Einige im Senat
wollen jetzt sofort zusammenkommen und unverzüglich ihre Unterstützung für das Vorgehen des Präsidenten und die Resolution des UN-Sicherheitsrats zum
Ausdruck bringen, und ich bin dafür. Andere nicht.
Also gehen die Konsultationen weiter. Bitte unterstellen Sie mit kein unlauteren Motive. Wir - sie - besprechen sich zur Zeit. Es finden endlose Anhörungen mit
einer unendlichen Zahl von Experten statt, von denen
jeder einen etwas unterschiedlichen Standpunkt vertritt. Das ist die amerikanische Art und Weise, und das
ist richtig so. Ich kenne die Verantwortlichkeiten des
Präsidenten, und ich werde ihnen gerecht.

* *

*

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�GOLFKRISE
5. Dezember 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. November 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
16. bis 30. November fort.

16. November

22. November

Der Verwaltungsrat der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) beschließt bei seiner Sitzung in Genf vom
12. bis 16. November 1990, eine Beschwerde der drei
kuwaitischen Mitgliedsgruppen (Regierung, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisation) gegen die irakische Behandlung von Arbeitgebern und Gewerkschaften in Kuwait an den IAO-Ausschuß für Assoziationsfreiheit zu überweisen. Der Bericht soll im Februar
1991 abgeschlossen sein.

Am amerikanischen Erntedankfest besuchen Präsident Bush und seine Frau amerikanische Truppen in
Saudi-Arabien.

Der Verwaltungsrat der ILO akzeptiert eine Beschwerde des ägyptischen Gewerkschaftsdachverbands gegen
die Regierung des Irak wegen der Verletzung der
Rechte ägyptischer Gastarbeiter im Irak. Die Beschwerde wird zur Untersuchung und Beschlußfassung an einen drittelparitätisch besetzten Ausschuß
verwiesen.
20. November
Saddam Hussein ordnet die Freilassung aller deutschen Geiseln an.
21. November
Präsident Bush erklärt in getrennten Treffen mit dem
im Exil lebenden Emir von Kuwait und dem saudiarabischen König Fahd, Saddam Husseins Grausamkeit
und Barbarei würden in der folgenden Woche bei den
Vereinten Nationen in den Mittelpunkt des Weltinteresses gerückt werden. "Die Gerechtigkeit verlangt, daß
die Welt zuhört und genau versteht, welche Brutalität
er unschuldigen Familien zugefügt hat. Was er heute
den Geiseln in Kuwait antut, ist erschreckend."

AMERIKA DIENST 48

23. November 1990
In einer Plenarsitzung verabschiedet das Europaparlament in Straßburg zum dritten Mal in drei Monaten
eine Resolution, in der der Irak wegen seiner "brutalen
und ungerechtfertigten" Invasion Kuwaits aufs schärfste verurteilt und Besorgnis über die von Bagdad
gegen die Bürger Kuwaits durchgeführte "Terrorkampagne" ausgedrückt wird.
24. November
Das fünfte Gipfeltreffen des Südasiatischen Verbands
für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) in Male fordert den "unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
der irakischen Streitkräfte aus Kuwait und die Wiedereinsetzung seiner rechtmäßigen Regierung". Die
Mitgliedstaaten des SAARC werden durch den Präsidenten von Bangladesh, Hussain Muhammad Ershad,
den König von Bhutan, Jigme Singye Wangehuck, den
Premierminister von Indien, Chandra Shekar, den
Präsident der Malediven, Maumoon Abdul Gayoom,
den Premierminister von Nepal, Krishna Prasad Bhattari, den Premierminister von Pakistan, Mohammad
Nawaz Sharif und den Premierminister von Sri Lanka,
Dingiri Banda Wijetunga, vertreten.
Präsident Bush und Ägyptens Präsident Hosni Mubarak treffen in Kairo zusammen, um über die Golfkrise
und den Status der amerikanischen und ägyptischen

Seite 1

�Truppen in Saudi-Arabien zu beraten. Zu Beginn des
Treffens mit Bush erklärt Mubarak vor Reportern, er
sei "pessimistisch" in bezug auf Chancen für eine
friedliche Lösung, weil "es auf der anderen Seite
keinerlei Bewegung gegeben hat".
26. November
In einer Rede vor dem Obersten Sowjet warnt Präsident Michail Gorbatschow den irakischen Präsidenten
Saddam Hussein, seine Aggression gegen Kuwait
werde bestraft, und er gelobt, das Bündnis gegen den
Irak werde nicht unterlaufen.
27. November 1990
Der in einer Sondersitzung zusammengetretene UNSicherheitsrat hört detaillierte Berichte von sechs
kuwaitischen Flüchtlingen über menschenunwürdige
Behandlung durch die irakischen Besatzungstruppen
in Kuwait. Irakische Soldaten haben "in Kuwait auf
eine Weise gefoltert, vergewaltigt und geplündert, die
Erinnerungen an die Zeit der Piratenüberfälle und der
Kriege primitiver Urvölker wach werden läßt", erklärt
der kuwaitische Botschafter Mohammad Abulhasan
anhand von Videoaufzeichnungen, die aus Kuwait
herausgeschmuggelt wurden.
Berichten des US-Verteidigungsministeriums zufolge
sind im Golf zum Zweck der Durchführung der UNSanktionen 4 162 Schiffe abgefangen worden. In 500
Fällen wurden Überprüfungen an Bord vorgenommen,
und 19 Schiffe wurden umgeleitet. Von den Kontrollen
haben die Vereinigten Staaten 320 durchgeführt, die
verbündeten Streitkräfte 162 und die US-Truppen
zusammen mit den Verbündeten 18.
Die Abteilung zur Kontrolle von Auslandsvermögen im
US-Finanzministerium erklärt, sie werde eine offizielle
Untersuchung der in den Vereinigten Staaten eingefrorenen irakischen Vermögenswerte durchführen, die
auf 1 Milliarde Dollar geschätzt werden.
28. November
Die Generalversammlung verurteilt am 28. November
mit der überwältigenden Mehrheit von 148 zu 1 Stimme Gewaltakte gegen diplomatische und konsularische Vertretungen und ihre Mitarbeiter und verweist
dabei insbesondere auf die Vorgehensweise des Irak
im besetzten Kuwait.
Die Resolution fordert die unverzügliche Aufgabe der
Zuwiderhandlungen im Sinne der Resolutionen 664,
667 und 674 des Sicherheitsrats, die Iraks Verletzungen des Völkerrechts seit der Besetzung Kuwaits
betreffen.
Der kuwaitische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mohammad Abulhasan, bittet die Vereinten Nationen um den Schutz der kuwaitischen Aktenbestände und berichtet dem UN-Sicherheitsrat, die iraki-

Seite 2

sehen Besatzungstruppen hätten kuwaitische Meldekarteien konfisziert, die Registraturen zahlreicher
Ministerien - einschlie ßlich vieler Bevölkerungsstatistiken - verbrannt sowie Häuser und Grundstücke mit
Gewalt beschlagnahmt, um Kuwaitis zum Verlassen
ihrer Heimat zu zwingen.
Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet einstimmig die
Resolution 677, in der irakische Bestrebungen zur
Veränderung der kuwaitischen Bevölkerungsstruktur
und die Vernichtung der Unterlagen der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits verurteilt werden. Die Resolution
ermächtigt den UN-Generalsekretär Perez de Cuellar,
eine Kopie des kuwaitischen Melderegisters vom Stand
1. August 1990 in Verwahrung zu nehmen, die nach
der Invasion am 2. August aus Kuwait herausgeschmuggelt wurde. Die Resolution wird von Äthiopien,
Cöte d'lvoire, Finnland, Großbritannien, Kanada,
Rumänien und Zaire unterstützt.
29. November
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet Resolution 678 mit 12:2 Stimmen (Jemen, Kuba),
die den Einsatz aller erforderlichen Mittel genehmigt,
um den Irak zum Abzug aus Kuwait zu zwingen, wenn
er die UN-Resolutionen nicht befolgt und sich bis zum
15. Januar 1991 aus Kuwait zurückzieht. China enthält
sich der Stimme.
Resolution 678 des Sicherheitsrats fordert die uneingeschränkte Einhaltung der UN-Resolutionen durch
den Irak mit der Bedingung, daß er seine Truppen aus
Kuwait abzieht und die rechtmäßige Regierung in
Kuwait wiedereinsetzt. Sie stellt fest, die Mitgliedstaaten seien zum Einsatz "aller erforderlichen Mittel" zu
ihrer Aufrechterhaltung und "Wiederherstellung des
internationalen Friedens und der Sicherheit" berechtigt, falls der Irak die vorangegangenen Resolutionen
nicht bis zum 15. Januar 1991 voll und ganz verwirklicht.
In Genf gibt die Internationale Arbeitsorganisation
bekannt, sie werde die irakischen Behörden bitten,
einer Delegation die Reise nach Kuwait zu gestatten,
um über die seit der irakischen Invasion am 2. August
immer schlechter werdenden Bedingungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu berichten. Die irakischen
Behörden werden aufgefordert, zu Beschuldigungen
von Plünderungen und Zerstörung der Einrichtungen
der kuwaitischen Arbeitgeberorganisation und Gewerkschaftsbewegung sowie der Verhaftung und Ausweisung ihrer Vorsitzenden Stellung zu nehmen.
30. November
Die irakische Regierung veröffentlicht eine Erklärung,
in der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats als
"unrechtmäßig und ungültig" erklärt wird. In Radiosendungen Stunden nach der UN-Abstimmung lehnen
der regierende Revolutionäre Kommandorat Bagdads

AMERIKA DIENST 48

�und die Arabische Sozialistische Baath-Partei, die
beide von Saddam Hussein angeführt werden, auch
das Ultimatum der Vereinten Nationen ab, bis Mitte
Januar aus Kuwait abzuziehen oder sich dem Einsatz
von Gewalt ausgesetzt zu sehen.
Präsident Bush gibt bekannt, daß die Vereinigten
Staaten Außenminister Tarik Asis nach Washington
einladen werden und unterbreiten den Vorschlag, daß
der irakische Präsident Saddam Hussein im Gegenzug Au ßenminister James Baker zu einem beiderseits
genehmen Termin zwischen dem 15. Dezember und
15. Januar empfangen soll.
Die zu einem Treffen in La Paz zusammengekommenen Präsidenten des Andenpakts aus Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Peru und Venezuela verfassen ge-

*

AMERIKA DIENST 48

meinsam ein Schreiben an Saddam Hussein, in dem
sie ihrer Überzeugung Ausdruck verleihen, daß der
Irak die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats "einhalten muß" und den Irak zum Abzug aus Kuwait auffordern. Die Präsidenten, die die Golf krise auf irakischen
Wunsch erörtern, erklären femer, sie "wiederholen
ihre Verpflichtung zu einer friedlichen Lösung ... und
fordern deshalb einen Dialog zwischen den betroffenen Parteien im Anschluß an den Abzug (des Irak) aus
dem besetzten Gebiet - der unerläßlichen Bedingung
für den erwünschten Abbau der Spannungen". Das
Schreiben ist von den Präsidenten Jaime Paz Zamora
(Bolivien), Cesar Gaviria Trujillo (Kolumbien), Rodrigo
Boria Cevallos (Ecuador), Alberto Fujimori Fujimori
(Peru) und Carlos Abdres Peres (Venezuela) unterzeichnet.

* * *

*

Seite 3

�GATT
5. Dezember 1990

HILLS WARNT VOR FEHLSCHLAG
DER URUGUAY-RUNDE
Erklärung der US-Handelsbeauftragten
BRÜSSEL - (AD) - Der US-Handelsbauftragten Carla Hills zufolge wird die Uruguay-Runde nur dann erfolgreich
enden, wenn sich die beteiligten Staaten auf präzise Reduzierungen von Stützungsmaßnahmen im Inland,
Handelsschranken und Exportsubventionen in der Landwirtschaft verständigen.
"Die Vereinigten Staaten wünschen den Erfolg dieser Verhandlungen", erklärte Hills bei der Eröffnung des
Ministertreffens der GATT-Runde am 3. Dezember 1990 in Brüssel. "Diese Runde wird jedoch nur dann
erfolgreich sein, wenn sie als Schwert dient, mit dem Handelsschranken beseitigt werden, nicht als Schild, hinter
dem sie aufrechterhalten oder errichtet werden."
Wir veröffentlichen die Erklärung der US-Handelsbeauftragten nachfolgend im Wortlaut.

Dies ist die letzte - ich wiederhole - die letzte Woche der
Uruguay-Runde. Es wird keine Verlängerung geben.
Die Zeit der Rhetorik ist vorbei. Jetzt ist der Zeitpunkt
zu offenen Gesprächen und Grenzziehungen gekommen.
Ein Erfolg in dieser Woche bedeutet einen dramatischen Zuwachs an weltweitem Wohlstand, ein Scheitern das Abgleiten in den Protektionismus und die
durch ihn hervorgerufene politische Instabilität.
Nur eine Sache steht zwischen uns und der Einleitung
einer weltweiten wirtschaftlichen Renaissance: das
Patt in der Landwirtschaft. Eine grundlegende Reform
der Landwirtschaft wird von den Staaten das Eingehen
präziser Verpflichtungen erfordern, um Stützungsmaß
nahmen im Inland, Marktschranken und Exportsub
ventionen zu reduzieren. Ausgleichsbestimmungen
sind der Feind von Reformen, weil sie Märkte verschließen. Der Prozeß der Tariffierung ist unerläßlich
für Reformen, weil er einen Mechanismus bietet, um
Märkte zu öffnen und sie offen zu halten.
Die Vereinigten Staaten, die 13 Mitgliedstaaten der
Caims-Gruppe und andere Agrarexportländer unterstützen diese Grundprinzipien. In diesen Verhandlungen besteht ein Patt, weil einige wenige Länder sich
geweigert haben, über präzise Verpflichtungen zum
Abbau handelsverzerrender Stützungsmaßnahmen im

AMERIKA DIENST 48

Inland, zur Öffnung ihrer Märkte für Importe und
Reduzierung des Einsatzes von Exportsubventionen
zu verhandeln. Das Schicksal der Runde ist in der
Schwebe.
Die Vereinigten Staaten wünschen den Erfolg dieser
Verhandlungen. Diese Runde wird jedoch nur dann
erfolgreich sein, wenn sie als Schwert dient, mit dem
Handelsschranken beseitigt werden, nicht als Schild,
hinter dem sie aufrechterhalten oder errichtet werden.
Kurzum: die einzig akzeptablen Vereinbarungen sind
solche, die der Marktöffnung dienen. Deshalb haben
wir über den Bereich der Reform des Agrarsektors
hinaus diese Woche noch viel Arbeit zu leisten. Wir
müssen insbesondere:
die in Montreal gesetzten Ziele im Hinblick auf
Marktzugang erreichen oder übertreffen. Die
Vereinigten Staaten haben angeboten, ihre
Schranken um nahezu 40 Prozent abzubauen,
und wir sind bereit, in Schlüsselbereichen über
die weltweite vollständige Abschaffung von Zöllen
zu verhandeln, darunter bei Stahl, Aluminium,
Papier, Elektronik und Arzneimitteln;
durchgreifende Regeln zum Schutz und zur
Durchsetzung der Rechte an geistigem Eigentum vereinbaren und ein freieres Umfeld für
Investitionen fördern;

Seite 1

�die GATT-Regeln und Disziplinen im Hinblick
auf Subventionen, Zahlungsbilanzen, Schutzvorkehrungen und Schlichtung von Streitfällen
verbessern.
Schließlich müssen wir über ein marktöffnendes Abkommen bei Dienstleistungen verhandeln, darunter
auch solche im Finanzwesen. Die Vereinigten Staaten
sind der offenste Markt für Dienstleistungen der Welt.
Wir möchten, daß auch Ihre Märkte für Dienstleistungen ebenso offen sind wie der unsrige.
Die Verhandlungen über den Dienstleistungsbereich
beschäftigten sich hauptsächlich mit einer Kontroverse über die Meistbegünstigungsbestimmungen des
Abkommens. Die Verpflichtung, in dieser Hinsicht kein
Land zu diskriminieren, ist ein Grundprinzip des GATT,
das von den Vereinigten Staaten uneingeschränkt
unterstützt wird.
Ohne Verpflichtungen zur Marktöffnung bedeuten solche
Meistbegünstigungsverpflichtungen, daß Länder mit
offenen Märkten jedermann offenstehen müssen,
während Länder mit geschlossenen Märkten für jedermann verschlossen bleiben und keinen Anreiz bekommen, ihre Märkte für irgendjemanden zu öffnen.

Meistbegünstigung verpflichtet ist, solange es keine
Marktöffnungsverpflichtungen mit anderen Ländern
abgeschlossen hat. Die Vereinigten Staaten haben
Angebote zu Verhandlungen über solche Verpflichtungen in über 30 Sektoren vorgelegt. Nur die Schweiz,
Japan und heute Kanada haben sich uns dabei angeschlossen.
Bei Dienstleistungen - wie in der Landwirtschaft, bei
Marktzugang, Textilien, Regeln und den anderen neuen
Fragen - engagieren sich die Vereinigten Staaten für
die multilaterale Öffnung der Märkte. Wir haben mit
Nachdruck auf dieses Ziel hingearbeitet und dabei
Pragmatismus und Flexibilität bewiesen, und das wird
auch weiterhin der Fall sein.
Es gibt auf dem Weg zu einem Abkommen in all diesen
Bereichen hier in Brüssel keine unüberwindlichen
Hindernisse. In den wenigen uns zur Verfügung stehenden Tagen sollten wir gemeinsam den politischen
Willen aufbringen, unsere Handelsschranken abzubauen und damit die Weltwirtschaft in den neunziger
Jahren um über 4 Billionen Dollar zu vergrößern.
Wir können es schaffen. Aber es wird unseren ganzen
Einsatz erfordern.

Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten
vorgeschlagen, daß kein Land zur Gewährung der

Seite 2

AMERIKA DIENST 48

�EINWANDERUNG
5. Dezember 1990

EINWANDERUNGSGESETZ VON 1990
Übersicht des Weißen Hauses
Die folgende Übersicht über das Einwanderungsgesetz von 1990 wurde vom Weißen Haus am 29. November
1990 veröffentlicht.

Im Einwanderungsgesetz von 1990 findet die umfassendste Reform unserer Einwanderungsgesetze seit
66 Jahren ihren Niederschlag. Das Gesetz ist die
Verwirklichung dessen, was die Administration von
Beginn des Einwanderungsreformprozesses angestrebt
hat: stärkere Einwanderung qualifizierter Personen
zur Erfüllung unseres wirtschaftlichen Bedarfs bei
gleichzeitiger Aufrechterhaltung unseres Engagements
zur Familienzusammenführung. Das Gesetz trägt
dem einzigartigen Vorteil der Vereinigten Staaten
Rechnung, Magnet für ehrgeizige und talentierte
Menschen aus aller Welt zu sein.
Die wesentlichsten Punkte des Gesetzes sind:
Die Einwanderungsquote wird von 540 000 Personen
im Jahr 1989 von 1992 bis 1994 auf insgesamt 700 000
pro Jahr aufgestockt. Danach wird sich die Einwanderungsquote auf mindestens 675 000 Personen belaufen.
Mit einer Arbeitserlaubnis verbundene Einwanderungsanträge werden mehr als verdoppelt, von 54 000 pro
Jahr auf 140 000 jährlich. Den neuen Kriterien zufolge
wird sichergestellt, daß die Mehrzahl dieser Arbeitnehmer hochqualifiziert sind. Diese Aufstockung qualifizierter Einwanderer trägt dazu bei, unsere Engpässe
bei Arbeitskräften in technologischen Schlüsselbereichen zu beheben und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Erwerbsbevölkerung zu verbessern. Dank besonderer Klauseln für Investoren sollen im ländlichen
Raum neue Arbeitsplätze geschaffen und Investitionskapital angezogen werden.
Einwanderungsanträge aus familiären Gründen werden in allen wesentlichen Kategorien in größerer Zahl

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genehmigt und bis zum Jahr 1994 jährlich 520 000
betragen. Diese Zahl enthält die Sondergenehmigung
von 55 000 Visa pro Jahr von 1992 bis 1994 für
Ehegatten und minderjährige Kinder von Personen,
denen im Jahr 1986 Amnestie gewährt wurde. Ab
1995 wird sich die Einwanderungsquote aus familiären
Gründen auf mindestens 480 000 Personen jährlich
belaufen.
Pro Jahr werden 40 000 neue Visaanträge von Einwanderern unterschiedlichster Nationalitäten genehmigt, um die Nationalitätenvielfalt zu erweitern. Ab
1995 wird diese Zahl auf 55 000 Personen pro Jahr
angehoben. Bildungs- und Ausbildungsbestimmungen stellen sicher, daß diese Einwanderer rasch produktive Mitglieder unserer Gesellschaft werden.
Einige veraltetete und restriktive Einwanderungsbestimmungen werden aufgehoben. Zum ersten Mal seit
Jahrzehnten werden damit die Einwanderungsbestimmungen gelockert.
Neue Klauseln unterstützen den Kampf gegen Drogen
und Gewaltverbrechen. Die Ausweisung krimineller
Ausländer wird beschleunigt. Darüber hinaus erteilt
das Gesetz Beamten der Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde der Vereinigten Staaten die generelle Befugnis zur Festnahme Verdächtiger.
Die im Einwanderungsreform- und kontrollgesetz von
1986 (The Immigration and Control Act of 1986 - IRCA)
enthaltenen Punkte zur Gleichstellung von Arbeitnehmern wurden verbessert. Mit dem Gesetz sollen
Benachteiligungen verhindert werden, die sich aus
den Klauseln über Arbeitgebersanktionen im IRCA
ergeben könnten.

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�Eine neue Erleichterung, der sogenannte "Status zeitweiligen Schutzes", wird eingeführt. Mit dieser Klausel
sollen Ausländer geschützt werden, die aufgrund von
Krieg, Naturkatastrophen oder anderer au ßergewöhlicher Umstände nicht in ihr Heimatland zurückkehren
können. Ausländern mit diesem Status wird eine
Arbeitserlaubnis und Aufenthaltsgenehmigung bis zu
dem Zeitpunkt erteilt, an dem die Lage in ihrem Heimatland ihre Rückkehr gestattet. Einer Sonderklausel
zufolge fallen Bürger von El Salvador derzeit in den
Vereinigten Staaten bis Juli 1992 unter den Status
zeitweiligen Schutzes.

auch die Einbürgerung von philippinischen Kriegsveteranen gestattet, die im Zweiten Weltkrieg dem Kommando der Vereinigten Staaten unterstellt waren.
Das Einwanderungsgesetz von 1990 ist ein große
Errungenschaft im innenpolitischen Programm des
Präsidenten. Es wird dazu beitragen, eine ausreichende Zahl qualifizierter Arbeitskräfte zu gewährleisten,
um den Erfordernissen der neunziger Jahre gerecht zu
werden, die Bande erhalten, die für eine Familie so
lebenswichtig sind und die Nationalitätenvielfalt unserer Einwanderer erhöhen.

Das Verwaltungsverfahren für Einbürgerungsanträge
wurde beschleunigt. Dem neuen Gesetz zufolge wird

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