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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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5. Mai 1993

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BOSNIEN

CLINTON: USA WERDEN BOSNIEN
GENAU BEOBACHTEN
Hoffnung auf Ratifizierung des Friedensabkommens durch bosnische Serben
USA TREFFEN ENTSCHEIDUNG ZU
BOSNIEN
Erklärung des Außenministers

UMWELT

CLINTONS UMWELTPOLITISCHE
PRIORITÄTEN
Übersicht des Weißen Hauses

HANDEL

USA IDENTIFIZIEREN HANDELSDISKRIMINIERUNG JAPANS UND DER EG
Übersicht des US-Handelsbeauftragten

IWF

BENTSEN: DAUERHAFTES WIRTSCHAFTSWACHSTUM MUSS WIEDERHERGESTELLT
WERDEN
Rede des Finanzministers bei IWF-Sitzung

TERRORISMUS

RUCKGANG VON TERRORANSCHLAGEN
IM JAHR 1992
Jahresbericht des Außenministeriums

HOCHGESCHWINDIGKEITSZUGE PLÄNE FÜR HOCHGESCHWINDIGKEITSBAHNSYSTEM BEKANNTGEGEBEN
Initiative für Intercity-Bahnverbindungen
PORTRAT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

CLINTON NOMINIERT EHEMALIGEN NEW
YORKER SPITZENPOLIZISTEN ZUM
DROGENBEKÄMPFER
Porträt von Lee Brown

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�BOSNIEN
5. Mai 1993

CLINTON: USA WERDEN BOSNIEN
GENAU BEOBACHTEN
Hoffnung auf Ratifizierung des Friedensabkommens durch bosnische Serben
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden die Entwicklung in Bosnien genau beobachten und
die Aufrichtigkeit der Serben an ihren Taten messen,
erklärte Präsident Clinton am 3. Mai 1993.
Der Präsident äußerte die Hoffnung, daß die Versammlung der bosnischen Serben den Vance/OwenFriedensplan ratifizieren werde. Er fügte hinzu: "Wir
werden sehen. Wir müssen anhand der fortschreitenden Entwicklung urteilen. Ich möchte sie an ihren
Taten messen."
Sprecher des Weißen Hauses haben inzwischen wiederholt betont, die von dem bosnischen Serbenführer
Karadzic am 2. Mai 1993 unter Druck erfolgte Unterzeichnung des Vance/Owen-Abkommens reiche nicht
aus. Sowohl Kommunikationsdirektor George Stephanopoulos als auch Pressesprecherin Dee Dee
Myers erklärten, die bosnischen Serben müßten den
Artilleriebeschuß belagerter Städte wie Sarajevo einstellen, den Transport humanitärer Hilfsgüter in Muslimgebiete zulassen und einen effektiven Waffenstillstand einhalten.
Nach Gesprächen mit dem Sonderbeauftragten der
Vereinten Nationen, Cyrus Vance, und dem Vermittler
der Europäischen Gemeinschaft, Lord David Owen,
hatte Karadzic das Abkommen unterzeichnet, das die
Bildung einer lockeren Föderation in Bosnien mit zehn
halbautonomen, auf der Volkszugehörigkeit beruhenden Kantonen vorsieht. Karadzic machte seine Zustimmung jedoch von der Ratifizierung des Abkommens durch das selbsternannte Parlament der bosnischen Serben bei dessen Sitzung am 5. Mai abhängig.
Im vergangenen Monat hatte dieses das Abkommen
abgelehnt.
Bei einem Phototermin sprach Clinton kurz mit Reportern und verwies darauf, er sei telephonisch von
Außenminister Christopher über dessen Konsultationen mit den europäischen Verbündeten informiert
worden. Clinton erklärte, er habe selbst mit dem
russischen Präsidenten Jelzin, dem französischen
AMERIKA DIENST 18

Präsidenten Mitterrand, Bundeskanzler Kohl, dem
britischen Premierminister Major und dem kanadischen Premierminister Mulroney gesprochen.
"Wir haben verabredet", so Clinton über seine Telephongespräche, "daß wir den Druck aufrechterhalten,
eine einheitliche Front zeigen und Fortschritte erzielen
werden, und wir entwickeln zur Zeit eine Politik."
Der Präsident bekräftigte seine Bereitschaft, nach
Einstellung der Kampfhandlungen an einer Friedenssicherungsregelung in Bosnien teilzunehmen. Bevor er
jedoch "einen amerikanischen Soldaten" dafür bereitstelle, werde er "die Ereignisse beobachten", den
Kongreß konsultieren und "direkt mit dem amerikanischen Volk" sprechen.
Clinton verwies darauf, daß die Kämpfe in Teilen des
ehemaligen Jugoslawien "enorme Verluste an Menschenleben unter besonders brutalen Bedingungen"
gefordert hätten. Er bezeichnete den Balkan als
"politisch instabil". Es gebe dort "ein erhebliches
Potential für einen größeren Krieg". Ihm zufolge ist mit
dem von Washington und seinen Verbündeten auf
Serbien und die bosnischen Serben ausgeübten Druck
beabsichtigt, "das Töten zu beenden, aber ebenso die
Möglichkeit eines wesentlich größeren Krieges auszuräumen".
Stephanopoulos erklärte, die Vereinigten Staaten seien "erfreut" über die Einigung vom Wochenende, die er
als "einen positiven Schritt" bezeichnete. Er verwies
jedoch darauf, daß Karadzics Unterschrift noch nicht
ratifiziert worden und ein Waffenstillstand nicht in Kraft
sei. "Bis zu seiner Ratifizierung und bis die bosnischen
Serben ihre Unterschriften mit echten Taten untermauern, wird es keine Auswirkungen" auf Clintons
Pläne haben, den Druck zur Herbeiführung einer Lösung
zu verstärken, äußerte er.
Er lehnte es ab, zu Grenzen und Territorien Stellung zu
nehmen, als er über serbische Argumente befragt
wurde, daßdasVance/Owen-Abkommen die InbesitzSeite 1

�nähme größerer Teile Bosniens gestatte als auf der
ursprünglichen Landkarte vorgesehen.

raub" benutzen könnten, erwiderte Myers: "Das entspricht bereits seit einiger Zeit ihrer allgemeinen Strategie." Sie weigerte sich, einen Zeitplan für Clintons
Auf die Frage, ob Washington behaupte, die Taten der nächste Schritte bekanntzugeben und räumte lediglich
Serben würden ihre Worte oft Lügen strafen, antwor- ein, daß Christophers Konsultationen mit den europäitete Myers: "Das ist eine Tatsache. Es ist nicht genug schen Verbündeten wahrscheinlich den Großteil der
zu sagen, daß sie sich daran halten werden. Sie Woche erfordern würden und Christopher am 6. oder
müssen dies unter Beweis stellen, indem sie den 7. Mai zurückerwartet werde. Sie erklärte, Clinton
Artilleriebeschuß einstellen, das Passieren humanitä- werde die Ergebnisse von Christophers Konsultatiorer Hilfslieferungen erlauben und einem Waffenstill- nen sorgfältig abwägen und die serbischen Reaktiostand zustimmen."
nen beurteilen, bevor er eine endgültige Entscheidung
trifft. "Wir bewegen uns im Zeitplan", stellte sie fest.
Auf die Frage, ob die Serben die Unterzeichnung vom
Wochenende als Deckmantel für einen neuen "Land-

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AMERIKA DIENST 18

�BOSNIEN
5. Mai 1993

USA TREFFEN ENTSCHEIDUNG ZU BOSNIEN
Erklärung des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben sich zu ihres Erachtens notwendigen Aktionen im
ehemaligen Jugoslawien entschieden und werden jetzt mit ihren europäischen Verbündeten und Freunden über
einen "Aktionskurs" beraten, erklärte Au ßenminister Christopher vor Journalisten im Anschlu ß an ein Treffen mit
Präsident Clinton und dessen nationalen Sicherheitsberatern am 1. Mai 1993. Der Außenminister fügte hinzu,
er werde nach Europa entsandt, um einen Reihe spezifischer amerikanischer Empfehlungen - einschließlich
militärischer Schritte - zu erörtern.
"Das Problem berührt den Lebensnerv der Zukunft Europas", stellte Christopher fest. "Unsere Bestrebungen
werden gemeinsam mit unseren Partnern unternommen. Wir sind bereit, unseren Teil zu übernehmen, aber die
anderen müssen das Ihre tun."
Christopher machte klar, "wir alle wollen die Gefahr zu nehmender I nstabilität eindämmen, die zu einem grö ßeren
Balkankrieg führen könnte". Er würdigte die Bedeutung der Friedensgespräche in Athen, mahnte jedoch, die
Serben wü ßten, daß sie "die Geduld der internationalen Staatengemeinschaft erschöpft haben" und es der Taten
bedarf, um zu beweisen, daß sie es mit der Beendigung des Konflikts ernst meinen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vor der Pressekonferenz abgegebene Erklärung des Außenministers im
Wortlaut.

Mit seinem Amtsantritt hat Präsident Clinton eine
komplexe und tragische Lage im ehemaligen Jugoslawien übernommen. Die Situation hat die internationale
Staatengemeinschaft nun seit nahezu zwei Jahren
belastet. Es ist ein Problem mit tiefen historischen
Wurzeln. In der Zeit nach dem Kalten Krieg war das
ehemalige Jugoslawien der Schauplatz von Gewalt,
Tragödie und abscheulichem Verhalten.

Viertens eine UNO-Resolution zur Durchsetzung einer
Flugverbotszone, um den Einsatz von Luftstreitkräften
durch die Konfliktparteien zu verhindern und fünftens
eine äußerst strenge Sanktionsresolution der Vereinten Nationen, die am vergangenen Montag um Mitternacht in Kraft trat.

Bei Verhängung dieser Sanktionen wird Serbien wie
ein Paria behandelt und praktisch vom Rest der Welt
Der Präsident hat gehandelt, um diesen Konfilt in den isoliert. Die Greueltaten auf dem Gebiet des ehemaGriff zu bekommen. Wir haben in Zusammenarbeit mit ligen Jugoslawien gehen jedoch weiter. Angesichts
unseren Verbündeten und Freunden intensive diplo- der serbischen Aggression hat der Präsident im Laufe
matische Bestrebungen in die Wege geleitet in dem der letzten Woche weitere Handlungsmöglichkeiten
Versuch, die Krise zu lösen und ein gewisses Maß an genau geprüft. Er hat sich mit unseren Verbündeten
Frieden in die Region zu bringen.
und Freunden in der internationalen Staatengemeinschaft, Kongreßabgeordneten, seinem nationalen
Unsere Aktivitäten waren bis heute an einer Reihe von Sicherheitsteam und den Vereinigten Stabschefs beFronten intensiv. Dazu zählen aktive diplomatische raten. Der Präsident sondierte zusätzliche MaßnahBestrebungen, die zur Zustimmung von zwei der drei men der internationalen Staatengemeinschaft als
bosnischen Parteien zu einem Friedensplan geführt Reaktion auf die Gewalttaten, um der Aggression
haben. Zweitens das Bemühen, durch humanitäre Einhalt zu gebieten und den Konflikt einzudämmen.
Hilfsprogramme das Leben Tausender zu retten. Dazu
gehört eine Luftbrücke, mit der inzwischen über zwei Der Präsident hat gerade ein Treffen mit seinen wichMillionen Mahlzeiten per Fallschirm abgeworfen wur- tigsten nationalen Sicherheitsberatern beendet. Bei
den. Drittens die Verabschiedung einer UNO-Resolu- diesem Treffen entschied er sich für den Kurs, den die
tion zur Einrichtung eines Kriegsverbrechertribunals. Vereinigten Staaten und die internationale StaatengeAMERIKA DIENST 18

Seite 1

�meinschaft seiner Ansicht nach in dieser Situation
einschlagen sollten. Dieser Kurs umfaßt eine Anzahl
spezifischer Empfehlungen, einschließlich militärischer
Schritte.

Zum Schluß meiner Ausführungen möchte ich noch
zwei wichtige Punkte ansprechen. Erstens streben
der Präsident und die Vereinigten Staaten zusammen
mit unseren Verbündeten zusätzliche Aktionen an, da
wir der Ansicht sind, daß die Interessen der VereinigDer Präsident entsendet mich nach Europa zu Konsul- ten Staaten und der internationalen Staatengemeintationen mit unseren Verbündeten und Freunden über schaft auf dem Spiel stehen. Selbstverständlich geht
unsere Handlungsweise. Das Problem berührt den es in der gegenwärtigen Situation um GewissensfraLebensnerv der Zukunft Europas. Unsere Bestrebun- gen und humanitäre Erwägungen. Aber unsere Aktiogen werden gemeinsam mit unseren Partnern unter- nen gründen hauptsächlich auf den strategischen Innommen. Wir sind bereit, unseren Teil zu überneh- teressen der Vereinigten Staaten. Wir alle wollen die
men, aber die anderen müssen das Ihre tun.
Gefahr zunehmender Instabilität eindämmen, die zu
einem größeren Balkankrieg führen könnte.
In diesem Sinne werde ich heute um 21.00 Uhr zum
Zwecke dieser Konsultationen abreisen. In der kom- Zweitens treffen sich - wie Sie alle wissen - die Konfliktmenden Woche werde ich Großbritannien, Frank- parteien an diesem Wochenende mit Cyrus Vance und
reich, Rußland und Deutschland einen Besuch abstat- Lord Owen in Athen. Die Serben sind sich bewußt, daß
ten. Ich werde auch nach Brüssel reisen und dort mit sie die Geduld der internationalen Staatengemeindem NATO-Generalsekretärund dem Präsidenten der schaft erschöpft haben. Es liegt in ihrem Interesse,
Europäischen Gemeinschaft beraten.
jetzt unverzüglich konkrete Maßnahmen zu ergreifen,
um Frieden zu schaffen.
Während dieser Gespräche werde ich die Entschlossenheit des Präsidenten darlegen, daß die internatio- Ich muß jedoch darauf hinweisen, daß sie mehr tun
nale Staatengemeinschaft weitere Aktionen durchfüh- müssen, als nur Erklärungen abzugeben, daß sie mehr
ren sollte. Ich werde mit unseren Partnern über den tun müssen, als lediglich einen Friedensplan zu unterKurs beraten, den die internationale Staatengemein- zeichnen. Bedauerlicherweise haben wir schon früher
schaft nach Ansicht des Präsidenten geschlossen ihre Erklärungen gehört und ihre Unterschriften geseeinschlagen sollte. Wir müssen eine gemeinsame hen. Es wird Taten, unverzügliche, konkrete MaßnahPosition einnehmen und zusammenhalten.
men von seiten der Serben erfordern, Maßnahmen zu
Lande, um die internationale Staatengemeinschaft
Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, daß ich über
von den ernsten Absichten der Serben und ihrem
den von uns einzuschlagenden Kurs, über den wir in
guten Willen zu überzeugen.
Europa beraten werden, nicht schon vor den Konsultationen mit unseren Verbündeten hier in der Öffentlichkeit sprechen kann.
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Seite 2

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AMERIKA DIENST 18

�UMWELT
5. Mai 1993

CLINTONS UMWELTPOLITISCHE PRIORITÄTEN
Übersicht des Weißen Hauses
Nachfolgend geben wir den Text einer Reihe zusammenfassender Erklärungen wieder, die am 21. April 1993 vom
Weißen Haus veröffentlicht wurden und die umweltpolitischen Prioritäten Präsident Clintons vorstellen.

Die Konvention zum Schutz der Artenvielfalt

nis über den Artenschwund. Sie wurde für die Konferenz über Umwelt und Entwicklung (Erdgipfel) der
Beim Erdgipfel von Rio im Juni 1992 weigerten sich die Vereinten Nationen vorbereitet und im Juni 1992
Vereinigten Staaten, eine internationale Konvention angenommen. Mehr als 150 Staaten haben sie bereits
zum Schutz der Artenvielfalt zu unterzeichnen, mit der unterzeichnet, und bis zum 2. April 1993 ist sie von 14
Begründung, die Probleme bei Technologietransfer, Nationen ratifiziert worden (für die Inkraftsetzung der
Finanzierung und Rechten geistigen Eigentums seien Konvention ist die Ratifizierung von 30 Ländern erforunüberwindbar.
derlich).
Präsident Clinton wies seine Administration an, sich für
die Behebung dieser Schwächen der Konvention einzusetzen, damit die Vereinigten Staaten sie unterzeichnen und an wirksamen internationalen Bemühungen zur Verlangsamung des Verlustes der Artenvielfalt
teilnehmen können. Die Weisung des Präsidenten
zielt auf eine enge Zusammenarbeit der Administration mit der Industrie, Umweltschützern und anderen
Nationen ab, um existierende Probleme der Konvention festzustellen und eine Lösung zu erarbeiten.
Die Ankündigung Präsident Clintons am Tag der Erde,
die Vereinigten Staaten wollten jetzt den Vertrag über
die Artenvielfalt unterzeichnen, ist ein klarer und eindeutiger Hinweis darauf, wie Engagement für die Umwelt
in Umweltpolitik umgewandelt wird. Aufgrund der
Führungsqualitäten Präsident Clintons wurden die
Schwächen des Abkommens über die Artenvielfalt
behandelt, um den Schutz der Rechte geistigen Eigentums für unsere Biotechnologie, Landwirtschaft und
Pharmaindustrie zu sichern und die führende Rolle der
Vereinigten Staaten bei globalen Umweltfragen wiederherzustellen. Eine interpretierende Erklärung, die
die Vereinigten Staaten vor der Ratifizierung der
Konvention abgeben werden, genießt starke und breite Unterstützung in den Vereinigten Staaten und auf
der ganzen Welt.
Die Konvention zum Schutz der Artenvielfalt ist eine
Reaktion auf die zunehmende internationale BesorgAMERIKA DIENST 18

Nationale biologische Bestandsaufnahme
Präsident Clinton hat Innenminister Bruce Babbitt
angewiesen, eine nationale biologische Bestandsaufnahme zur Sammlung, Analyse und Verbreitung biologischer Informationen vorzunehmen und das Verständnis für Amerikas biologische Ressourcen zu fördern.
Die Verbesserung und Erweiterung unseres Wissens
über die biologischen Ressourcen unserer Nation und
deren Verteilung wird uns bei einem effektiveren Umgang
mit diesen Ressourcen helfen. Diese zusätzliche
Information und wirksamere Organisation sollte zusätzlich auch eine wirksame Hilfe für die Landwirtschaft u nd die Biotechnologieindustrie bei der Entwicklung neuer Nahrungsmittelquellen, Faserstoffe und
pharmazeutischer Produkte sein. Diese Arbeit an
einem angemessenen Umgang mit unseren Lebensräumen wird auch den auf einen Schutz der bedrohten
oder gefährdeten Artenvielfalt abzielenden Bemühungen zuträglich sein.
Minister Babbitt wird die zur Zeit auf acht Büros des
Innenministeriums verteilten existierenden Programme für biologische Forschung und Kontrolle in einer
Behörde zusammenfassen. Die Mehrheit der 850
Biologen und der Finanzmittel (insgesamt 178 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1994) werden aus Fish
and Wildlife Service stammen. Die neue nationale
Seite 1

�biologische Bestandsaufnahme wird keine erhöhten
Finanzmittel erfordern.
Die nationale biologische Bestandsaufnahme wird ein
koordiniertes Inventarisierungs- und Überwachungsprogramm zur Beurteilung der allgemeinen Situation
und der Entwicklung im Hinblick auf Anzahl, Gesundheitszustand und Verteilung von Tieren und Pflanzen
in naturbelassenen Gebieten darstellen. Sie soll auch
Bemühungen zur Feststellung einer kritischen Abnahme von Arten oder Lebensräumen umfassen. Die
nationale biologische Bestandsaufnahme schließt auch
die Einrichtung eines Nationalen Biologisch-Technischen Zentrums (National Biological Technical Center) ein, um die erzielten Forschungsergebnisse verfügbar zu machen, unter anderem der Bundesregierung, den Regierungen der Bundesstaaten und Kommunalbehörden sowie an biologischen Ressourcen
interessierten privaten Gruppen.

Partnerschaft mit den Schlüsselindustrien und staatlichen Laboratorien zur Prüfung der Umweltverträglichkeit der vorgeschlagenen neuen Technologien und zur
Vermarktung von Technologien zur Umweltkontrolle in
anderen Nationen.
Man erwartet, daß der Weltmarkt für Umwelttechnologie im Jahr 2.000 einen Umfang von 300 Milliarden
Dollar erreicht. 1990 belief er sich noch auf 200
Milliarden Dollar. Die Vereinigten Staaten sind führend
bei innovativen Technologien zur Reduzierung der
Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung. Diese Initiative wird dazu beitragen sicherzustellen, daß die
amerikanischen Produzenten beim Verkauf von
Umwelttechnologie führend sind.
"Grünes Bruttosozialprodukt"

Unsere Wirtschaftsstatistiken erfassen praktisch alles
außer dem Wert unserer natürlichen Ressourcen und
Andere Behörden wie das Bundesamt für Ozeane und den umweltpolitischen Kosten unserer Aktionen. PräAtmosphäre (National Oceanic and Atmospheric sident Clinton hat das dem Handelsministerium unterAdministration), die Smithsonian Institution und stehende Büro für Wirtschaftsanalysen (Bureau of
das Umweltschutzamt werden sich die nationale biolo- Economic Analysis - BEA) angewiesen, ein "grünes
gische Bestandsaufnahme zunutze machen, um eine Bruttosozialprodukfzu entwickeln - Maßnahmen zur
angemessene Koordinierung der Daten und Informa- Verbesserung der bestehenden Wirtschaftsstatistiken,
die bis heute die Kosten der Verschmutzung oder den
tionen über biologische Ressourcen sicherzustellen.
Wert reiner Luft au ßer acht lassen. Diese Maßnahmen
"grünes Bruttosozialprodukt" würden Änderungen in
Umweltpolitische Hilfe für Rußland
der natürlichen Umwelt in die Berechnungen über
Die weltweite Umweltkrise erfordert, daß wir die Ver- nationales Einkommen und Wohlstand einbeziehen.
bindung zwischen der globalen Umwelt und der nationalen Sicherheit erkennen und uns ihr stellen. Das Das bei uns und in anderen Ländern verwendete
vom Präsidenten vorgeschlagene Hilfspaket für Ruß- Berechnungssystem für das nationale Einkommen
land trägt dieser dringlichen Dimension unserer Au- läßt die Auswirkungen wirtschaftlicher Entwicklung auf
ßenpolitik Rechnung. Es umfaßt 38 Millionen Dollar die Umweltressourcen außer acht, die die Grundlage
zur Unterstützung von Projekten zur verbesserten langfristigen Wohlstandes sind. Die jetzigen BerechEnergienutzung und zur Reduzierung der aus der nungen senden gemischte Signale aus: Ein ÖKankerErdgasförderung und den Pipelinesystemen herrüh- unglück kann beispielsweise das BSP erhöhen, wenn
renden Verschmutzung. Diese Hilfe wird zur Senkung die Kosten der Umweltbereinigung als Einkommen der
der Emissionen von Methan, eines schädlichen Treib- Arbeiter miteingerechnet werden, während die von
hausgases", beitragen und amerikanische Ausrüstung den verschmutzten Stränden verursachten Kosten
und Technologie zur Verbesserung der Wirksamkeit nicht erfaßt werden.
und zum Schutz der Umwelt in Rußland beisteuern.
Binnen eines Jahres wird das Büro für WirtschaftsanaExport von Umwelttechnologie
lysen erste Schätzungen über den Abbau natürlicher
Ressourcen veröffentlichen. Nach einer Periode der
Präsident Clinton hat den Handelsminister gebeten, Erörterung und Überarbeitung wird das BEA in seine
einen behördenübergreifenden strategischen Plan zur Serie regelmäßiger Wirtschaftsindikatoren eine einErhöhung der Exporte von in den Vereinigten Staaten heitlichen Reihe von Anpassungen bei natürlichen
hergestellten Umwelttechnologien zu entwickeln und Ressourcen aufnehmen.
die Konkurrenzfähigkeit dieser Technologien zu erhöhen. Das Handelsministerium wird eng mit dem Ener- Prinzipien der Waldkonferenz
gieministerium und dem Umweltschutzamt zusamPräsident Clinton unternimmt Schritte zur Aufhebung
menarbeiten.
der Pattsituation, die eine Lösung der Kontroverse um
Die Anfangsziele dieser Umwelttechnologieinitiative die nationalen Wälder im pazifischen Nordwesten und
bestehendarin sicherzustellen, daß für Forschung und nördlichen Kalifornien verhindert hat. Bei einer eintäTechnologie vorgesehene Gelder zur Entwicklung gigen Konferenz am 2. April in Portland brachten
konkurrenzfähiger Umweltprodukte und Erweiterung Präsident Clinton und Vizepräsident Gore die Gegner
des Marktes für amerikanische Umweltprodukte ein- am Konferenztisch zusammen, um Gespräche zu
gesetzt werden. Dies umfaßt die Entwicklung einer führen, statt auf Konfrontation zu gehen. Am Ende der
Seite 2

AMERIKA DIENST 18

�Konferenz setzte Präsident Clinton einen realistischen
und vordringlichen Termin für Aktionen mit der Anweisung an sein Kabinett, ihm binnen 60 Tagen mit einen
Plan zur Beendigung des Patts Bericht zu erstatten.

kung angesichts der haushaltspolitischen Engpässe
darstellt und das Engagement des Präsidenten für
umweltpolitisch verantwortungsbewußte Energieträger unter Beweis stellt.

Das Ziel des Präsidenten ist klar: Eine langfristige,
umfassende und ausgewogene Politik, die der Bedeutung von Wäldern und Holz für Arbeitsplätze, Wirtschaft und Gemeinden in der Region Rechnung trägt
und gleichermaßen die Bedeutung alter Wälder als
Teil unseres nationalen Erbes berücksichtigt, die einmal vernichtet - nicht ersetzt werden können.

Investitionen in Energiesparmaßnahmen haben für
alle Wirtschaftssektoren seit dem Etat für 1993 um 35
Prozent zugenommen - eine Aufstockung von 203
Millionen Dollar, die zu Energiesparmaßnahmen in
Haushalten, Gebäuden, der Industrie, dem Verkehrswesen und den Versorgungsbetrieben beitragen werden.

Mit der Handlungsanweisung an sein Kabinett unterbreitete der Präsident folgende fünf Grundsätze:

Für die Beseitigung von Altlasten und Entsorgung
allgemein wurde eine Erhöhung von 18 Prozent gegenüber 1993 bewilligt, das heißt zusätzliche 967
Millionen Dollar für das Haushaltsjahr 1994, die den
neuen Kurs des Energieministeriums von verteidigungspolitischen Aktivitäten hin zu Umweltschutz und
Wiederherstellung der Umwelt widerspiegelt.

"Wir dürfen die menschlichen und wirtschaftlichen Dimensionen dieses Problems niemals
aus den Augen verlieren. Wo fundierte Bewirtschaftungsmaßnahmen die Gesundheit unserer Waldgebiete erhalten können, sollte der Verkauf fortgesetzt werden. Wo diese Anforderung
nicht erfüllt werden kann, müssen wir alles in
unserer Macht Stehende tun, um neue Wirtschaftschancen für ganzjährige, hochbezahlte,
hochqualifizierte Arbeitsplätze anzubieten.

Der Investitionsplan des Präsidenten sieht maßgebliche Unterstützung für die Bundesstaaten und Gemeinden vor, die zur Sauberhaltung ihres Wassers beitragen. Mittel werden für den neuen rotierenden Fonds
für Trinkwasser der Bundesstaaten (599 Millionen
Dollar) und den neuen rotierenden Fonds für sauberes
Wir müssen die langfristige Gesundheit unserer Wasser der Bundesstaaten (1,2 Milliarden Dollar)
Wälder, Fauna und Wasserwege schützen. Sie bereitgestellt. Diese Investition in Höhe von 1,8 Milliarsind ein Geschenk Gottes, und wir bewahren sie den Dollar für das Haushaltsjahr 1994 signalisiert ein
für künftige Generationen.
neues Zeitalter des finanziellen Engagements für
Unsere Bestrebungen müssen - sofern wir klug sauberes Wasser.
genug sind, dies zu erkennen - wissenschaftlich Präsidialerlaß: Verhinderung von Luftverschmutfundiert, umweltpolitisch glaubwürdig und recht- zung
lich verantwortungsbewußt sein.
Präsident Clinton hat seine Behörden zur Vorbereitung
Unser Plan sollte einen berechenbaren, um- eines Präsidialerlasses angewiesen, der der Bundesweltverträglichen Umfang an Holzverkäufen und regierung die Übernahme einer Führungsrolle bei der
sonstigen Ressourcen hervorbringen, derunse- Anwendung von Maßnahmen zur Verhinderung der
re Waldbestände nicht abbaut oder vernichtet. Luftverschmutzung bei ihrem täglichen Betrieb, ihren
Kaufentscheidungen, ihrer Politik, den Verfahren zur
Zur Erlangung dieser Ziele werden wir alles
Reduzierung von Schadstoffemissionen gestattet, die
Erdenkliche tun, damit die Bundesregierung unzur Vermeidung von Kosten für die Beseitigung von
tereinander, mit dem amerikanischen Volk und
AHlasten und Förderung neuer sauberer Technologien
den Menschen in der Region zusammenarbeibeitragen.
tet. Wir werden vielleicht Fehler machen, aber
wir werden die Pattsituation innerhalb der Bun- Der Präsidialerlaß fordert von staatlichen Einrichtundesregierung zu beenden versuchen. Und wir gen, die toxische Chemikalien herstellen, verarbeiten
werden auf Zusammenarbeit statt Konfronta- oder verwenden, im Rahmen der Bundesgesetze über
tion bestehen."
das Recht auf Information die Offenlegung ihrer EntZu den an diesem Projekt beteiligten Bundesbehörden sorgung und Emissionen. (Zur Zeit sind sie von diesen
zählen das Landwirtschafts-, Innen-, Arbeits- und Gesetzen ausgenommen). Und alle staatlichen EinWirtschaftsministerium sowie das Umweltschutzamt, richtungen werden ein freiwilliges Ziel festsetzen, ihre
das Büro für Umweltpolitik des Weißen Hauses und Emissionen von Schadstoffen bis 1999 um die Hälfte
zu reduzieren.
das Büro für Wissenschaft und Technologiepolitik.
Langfristige Investitionen
Das Budget des Energieministeriums für Solar- und
erneuerbare Energien liegt 30 Prozent über dem des
Haushaltsjahres 1993, was eine beträchtliche AufstokAMERIKA DIENST 18

Präsidialerlaß: Vorgezogene stufenweise Reduzierung von die Ozonschicht abbauenden Chemikalien
Präsident Clinton hat einen Präsidialerlaß unterzeichnet, der Bundesbehörden zu einer Änderung ihrer
Seite 3

�Beschaffungspraktiken zur Verwendung von die Ozonschicht weniger schädigenden Substanzen im Vorgriff
auf das im Montrealer Protokoll geforderte schrittweise
Verbot dieser Substanzen anweist. Das Protokoll, ein
internationaler Vertrag zum Schutz der oberen Ozonschicht der Erde, setzt 1995 als endgültiges Datum für
das vollständige Verbot dieser Ozonschichtschädiger
fest.

regieru ng zum zusätzlichen Kauf von 11.250 Fahrzeugen während dieser drei Jahre.

Um die Ziele dieses Präsidialerlasses zu verwirklichen, hat Präsident Clinton eine Sonderkommission
ins Leben gerufen, die vom Leiter des Amtes für
Landwesen des Bundesstaates Texas, Garry Mauro,
geführt wird, der bereits erfolgreich in diesem Bereich
tätig war. Diese Implementierungskomission wird
Dieser Präsidialerlaß ergänzt die Zusätze zum Gesetz binnen 90 Tagen, von heute an gerechnet, einen Plan
über die Reinhaltung der Luft von 1990, die vom veröffentlichen und in einem Jahr einen SachstandsUmweltschutzamt fordern, bis Oktober 1993 ein end- bericht vorlegen.
gültiges Regelwerk für Bundesbehörden zu erarbeiten, um bis Ende 1994 Bestimmungen durchzuführen, Präsidialerlaß: Wiederverwertete Produkte
die den Kauf der die Ozonschicht am stärksten abbauenden Substanzen auf ein Minimum beschränken. Präsident Clinton hat seine Behörden zur Vorbereitung
Dieser Präsidialerlaß weist die Behörden an, jetzt - eines Präsidialerlases angewiesen, der die Nutzung
sechs Monate vor Vervollständigung der EPA-Vor- wiederverwerteter und wiedergewonnener Produkte
schriften - zu handeln, um den Kauf von Ozonschicht- durch verstärkte staatliche Beschaffung solcher Güter
schädigern durch diese Behörden zu verringern. Dieser fördert. Damit werden der Markt für RecyclingprodukPräsidialerlaß wird unter anderem die Beschaffung te gestärkt und Arbeitsplätze in allen Phasen der
von Kühlmitteln betreffen, die für Klimaanlagen in Wiederverwertung und Herstellung solcher Produkte
geschaffen.
Gebäuden und Fahrzeugen verwendet werden.
Dieser Präsidialerlaß stützt die bisherige Verordnung
Präsidialerlaß: Mit alternativen Treibstoffen be- über das Recycling bei Bundesbehörden (Föderal
triebene Fahrzeuge
Agency Recycling Order) vom Oktober 1991. Er wird
Präsident Clinton wird einen Präsidialerlaß unterzeich- eine Revision der Beschaffungsrichtlinien für wiedernen, der die Bundesbehörden zum beschleunigten verwertete Produkte (durch Festsetzung einer MinKauf von mit alternativen Treibstoffen betriebenen destnorm für den Anteil bei Druck- und Schreibpapier)
Fahrzeugen verpflichtet, wenn Fahrzeugbeschaffung erfordern und Mindestziele für staatliche Beschaffunerforderlich ist. Der Erlaß fordert von der Bundesregie- gen festlegen. Der Erlaß wird den für Beschaffungen
rung die Überschreitung der zunächst fürdie Beschaf- zuständigen Beamten ein Signal geben, mehr wiederfung von mit alternativen Treibstoffen betriebene verwertete Waren und Produkte zu kaufen.
Fahrzeuge festgesetzten Ziele während der Haushaltsjahre 1993 - 1995 um 50 Prozent, wodurch die
Fahrzeughersteller und Treibstofflieferanten zum vorzeitigen Angebot dieser Optionen für amerikanische
Verbraucher ermutigt werden.

Die Steigerung der Nachfrage nach Recyclingwaren
und -produkten setzt eine positive Kettenreaktion in
Gang - indem sie die Nachfrage nach Recyclingprodukten und nach Recyclingprogrammen zu deren
Herstellung ankurbelt sowie in der Folge Arbeitsplätze
schafft und die von uns produzierte Abfallmenge reduziert. Dieser Erlaß wird ferner einen Markt für neue
Recyclingtechnologien hervorbringen, Recyclingmaterial besser nutzen und die Herstellung neuer Produkte ausweiten, die dem Staat angeboten werden können.

Mit alternativen Treibstoffen betriebene Fahrzeuge
verringern die Luftverschmutzung, reduzieren die
Nachfrage der Vereinigten Staaten nach ausländischem öl und ermutigen eine technologische Führungsrolle in einer unserer wichtigsten Industrien. Diese
Fahrzeuge verbrauchen im Inland hergestellte Treibstoffe, können erneuerbare Ressourcen verwenden Präsidialerlaß: Energiesparende Computer
und weniger Emissionen freisetzen als konventionelle,
mit Benzin oder Diesel betriebene Fahrzeuge.
Präsident Clinton wird einen Präsidialerlaß unterzeichnen, der jährlich 40 Millionen Dollar an Steuergeldern
Das Gesetz zur Energiepolitik von 1992 forderte von einsparen, die Luftverschmutzung verringern und
Bundesbehörden den Kauf von mit alternativen Treib- amerikanischen Computerherstellern helfen wird. Der
stoffen betriebenen Fahrzeugen, um den Herstellern
Präsidialerlaß verlangt von der Bundesregierung, dem
und Treibstoffvermarktern ein klares Signal zur Entweltweit größten Käufer von Computerausrüstung, die
wicklung ihrer Produkte fürweitverbreiteten Verbrauch
Beschaffung energiesparender Computer. Amerikazu geben. Die ursprünglichen Beschaffungsziele wurden
nische Unternehmen sind weltweit die führenden
auf 5.000 Fahrzeuge für das Haushaltsjahr 1993,
Hersteller solcher Computer. Mit diesem Präsidialer7.500 Fahrzeuge im Haushaltsjahr 1994 und 10.000
Fahrzeuge im Haushaltsjahr 1995 festgesetzt. Präsi- laß stärkt Präsident Clinton den Markt für "grüne"
dent Clinton vertritt die Auffassung, daß schneller Technologien und gibt durch seine Führungsrolle ein
mehr getan werden sollte und verpflichtet die Bundes- Beispiel.

Seite4

AMERIKA DIENST 18

�In sechs Monaten wird die Bundesregierung mit dem
Ankauf von Computern, Monitoren und Druckern
beginnen, die die Kriterien des Star Computers-Programms des Umweltschutzamts (EPA) erfüllen und
durch ein besonderes Logo gekennzeichnet werden
können - einen Indikator für die Effizienz von DesktopComputern, Monitoren und Druckern. Die Hersteller
haben geschätzt, daß Energy Star-Produkte für den
Verbraucher nicht teurer werden als vergleichbare,
weniger effiziente Waren dieser Art. Die Einbeziehung
des Energieverbrauchs in die Computerentwicklung
wird überdies nicht zu Lasten der Leistungsfähigkeit
gehen.

bäude und -behörden, für Regierungen der Bundesstaaten und Gemeindeverwaltungen sowie für Unternehmen und Hausbesitzer haben.
Nationaler Dienst für die Umwelt
Ein nationaler sozialer Dienst stellt für junge Leute, die
das College besuchen und ihren Gemeinden dienen
wollen, eine Chance und eine Verantwortung dar.
Wenn sie sich für den Schutz der Erde einsetzen, dann
bietet er überdies eine Chance, dieses Engagement
für die Umwelt praktisch umzusetzen. Der Dienst für
die Umwelt ist ein wesentlicher Bestandteil von Präsident Clintons Plan für einen sozialen Dienst.

Das Energy Star-Computerprogramm des EPA ist
eine freiwillige Partnerschaft mit führenden Vertretern
der Computerindustrie zur Einführung von DesktopComputern, Monitoren und Druckern, in denen bei
Nichtbenutzung eine Standby-Schaltung mit verringertem Strombedarf aktiviert werden kann, und zu
deren Kennzeichnung mit einem Energy Star-Logo. 5
Prozent des kommerziellen Energieverbrauchs entfallen auf Computerausrüstung, und dieser Wert könnte
bis zum Jahr 2000 auf 10 Prozent steigen.

Junge Menschen, die sich für den Umweltdienst entscheiden, werden sich als Teil des Programms eines
nationalen sozialen Dienstes an einem breiten Spektrum von Umweltschutzvorhaben auf nationaler, bundesstaatlicher und privater Ebene beteiligen können.
Heute sind Umweltschutzkorps auf nationaler, bundesstaatlicher und Gemeindeebene, in denen 17.500
junge Leute Jahr für Jahr in kurz- und längerfristigen
Projekten mitarbeiten, in 30 Bundesstaaten und 45
Städten tätig. Ein Umweltdienst wird private und
Dem Präsidialerlaß zufolge werden die Vereinigten öffentliche Umweltschutzorganisationen ermutigen und
Staaten Computer, Monitore und Drucker beschaffen, uns gestatten, deren Energie, Enthusiasmus und Innodie im höchstmöglichen Maß die Kriterien des Energy vationskraft zu nutzen. Im Programmdes Präsidenten
Star-Programms erfüllen - wenn Energy Star-Compu- für den nationalen sozialen Dienst wird der Umweltter sonstige Leistungskriterien nicht unterschreiten dienst ein breites Spektrum von Möglichkeiten bieten,
und den Anforderungeng von Ausschreibungen ge- die von Forschungsarbeiten über die Nationalparks bis
recht werden. Alle Behörden müssen spezifizieren, zur Beseitigung von Umweltschäden an Flußufern
daß sämtliche gelieferten Computerprodukte mit einer oder Pflege städtischer Grünanlagen reichen.
aktiven Energiesparschaltung ausgerüstet sein werDer Umweltdienst bietet jungen Menschen eine Geleden. Diese muß automatisch einen Standby-Zustand
genheit, ihren Gemeinden zu dienen und die Erde zu
auslösen oder aufheben, der die in der Energy Star- schützen, die sie ihren Kindern als Vermächtnis hinterVereinbarung definierten niedrigen Stromverbrauchs- lassen.
werte erfüllt, wenn die Computer in jedem beliebigen,
von der Behörde geforderten Rechnerumfeld einge- Umweltgerechtigkeit
setzt werden.
Millionen von Kindern in den Innenstädten sind BleiverEin umweltbewußtes Weißes Haus
giftungen ausgesetzt, die für geistige Unterentwicklung, Lernbehinderungen und vermindertes WachsPräsident Clinton hat eine Umweltverträglichkeitsprü- tum, besonders bei Kindern aus Minderheiten verantfung und die Modernisierung des Weißen Hauses wortlich gemacht werden. Es wird angenommen, daß
angekündigt, um nationale Bestrebungen zur Förde- uranverseuchtes Land und Wasser der Navajo-Indiarung von Energieeinsparungen und Abfallverringerung ner zu der erhöhten Häuf igkert von organischen Krebseinzuleiten.
erkrankungen bei Navajo-Teenagern beitragen - sie
überschreiten
den nationalen Durchschnitt um ein
Eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung des
Vielfaches.
Weißen Hauses und seiner Nebengebäude wird
Möglichkeiten zur Verringerung von Abfall, Wasser
Der Präsident hat das Umweltschutzamt und das
sowie Energieverbrauch bei Beleuchtungs-, HeizungsJustizministerium aufgefordert, eine behördenüberund Kühlsystemen identifizieren. Der Austausch von
greifende Prüfung von Bundes-, Bundesstaats- und
energiefressenden Geräten gegen effizientere AlterGemeindevorschriften sowie deren Durchführung
nativen wird nicht nur den Energieverbrauch im Weivorzunehmen, die ethnisch geprägte und einkomßen Haus erheblich senken, sondern auch Betriebskomensschwache Gemeinden betreffen, mit dem Ziel,
sten und Umweltverschmutzung reduzieren. Dieses
eine aggressive Untersuchung der ungleichen BelaProjekt wird Modellcharakter für andere Bundesgestung mit Umweltrisiken zu formulieren. Als Teil dieser

AMERIKA DIENST 18

Seite 5

�Prüfung werden das Justizministerium und das Umweltschutzamt - in Koordinierung mit dem Ministerium
für Wohnungs- und Städtebau sowie dem Arbeitsministerium - Gemeinden als Beispiel benennen, in denen
die ungleiche Verteilung in der umweltpolitischen Ent-

scheidungsfindung negative Folgen für Minderheiten
und einkommensschwache Bevölkerungsteile haben.
Dieser Prozeß wird gegebenenfalls die Grundlage für
Reformen in Gesetzgebung und Durchführung bilden.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST V

�HANDEL
5. Mai 1993

USA IDENTIFIZIEREN HANDELSDISKRIMINIERUNG JAPANS UND DER EG
Übersicht des US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON -(AD)- Nachfolgend veröffentlichen wir den Text einer am 30. April 1993 vom Büro des US-Handelsbeauftragten Mickey Kantor herausgegebenen Übersicht der Handelspartner, die bei ihren Beschaffungen
amerikanische Produzenten diskriminieren.
Getroffene Maßnahmen
Der amerikanische Handelsbeauftragte (USTR) Mikkey Kantor gab heute die diesjährigen Entscheidungen
gemäß Titel VII des Allgemeinen Handelsgesetzes
von 1988 bekannt. Titel VII zufolge muß die Administration die Länder benennen und ihre Namen an den
Kongreß weiterleiten, die im staatlichen Beschaffungswesen amerikanische Waren und Dienstleistungen
diskriminieren.
Botschafter Kantor führte unter dem Gesetz die folgenden Länder auf:
Japan, aufgrund von Diskriminierung bei der
Beschaffung von Bau-, Ingenieur- und Architektenleistungen.
Wettbewerbsschädigende
Maßnahmen waren auf dem japanischen Baumarkt schon lange ein Problem. Japan macht
ausführlich von dem "präferentiellen AnbieterSystem" Gebrauch, das amerikanische Anbieter gewohnheitsmäßig benachteiligt. Auch behält Japan sein undurchsichtiges Verwaltungssystem bei, das japanischen Anbietern auf Kosten
amerikanischer Unternehmen Vorteile einräumt.
Weiterhin könnte Japan die Übereinkunft zur
Beteiligung an Großprojekten (Major Projects
Arrangement - MPA) von 1991 verletzt haben
und hat sich bis jetzt nicht willens gezeigt, das
MPA und seine Anwendung wesentlich zu verbessern.
Die Europäische Gemeinschaft, die aufgrund
von Handelsdiskriminierung bei der nicht von
dem GATT-Beschaffungkodex abgedeckten
Beschaffung weiter aufgeführt wird. Die EG
wurde zuerst in der laut Statut vorgeschriebenen Vorabprüfung vom Februar 1992 wegen

AMERIKA DIENST 18

Diskriminierung bei der Beschaffung von Telekommunikation und schwerer elektrischer Ausrüstung aufgeführt. Im Einklang mit dem Statut
verfolgten die Vereinigten Staaten die Angelegenheit und führten Verhandlungen mit der EG.
Im Bereich der schweren elektrischen Ausrüstung wurde ein Abkommen erzielt, das jetzt
noch vom EG-Ministerrat angenommen werden
muß. Im Bereich der Telekommunikation kam
man zu keiner Einigung. Die Vereinigten Staaten werden als Antwort auf die Diskriminierung
im Telekommunikationsbereich weiterhin Sanktionen unter Titel VII verhängen.
In seinem Bericht an den Kongreß stellte Botschafter
Kantor die weitere Besorgnis der Administration über
die ausländischen Beschaffungspraktiken fest, denen
die im Statut festgelegten Erfordernisse für die Identifizierung fehlen.
Unsere Besorgnis gilt drei Sektoren in Japan:
1. Supercomputer, die, wie heute bekanntgegeben, im
Rahmen einer Maßnahme nach Paragraph 306 des
Handelsgesetzes von 1974 untersucht werden;
2. Die Unfähigkeit der Vereinigten Staaten und Japans, im Computerbereich ein statistisches Überwachungssystem zu verwirklichen, um Fortschritte in
unserem bilateralen Computerabkommen zu beurteilen, ist ein Problem. Wir behandeln diese Frage in
bilateralen Gesprächen mit Japan.
3. Im Telekommunikationsbereich äußern sich amerikanische Unternehmen enttäuscht über den Mangel
an Chancen in den Bereichen, die nicht von der Vereinbarung mit Nippon Telephone &amp; Telegraph (NTT)
erfaßt sind. Auch dieses Thema wird bilateral zur
Sprache gebracht.

Seite 1

�Die australische Regierung hat im Rahmen einer
als "Restricted Systems Integration Panel" (etwa:
Auswahlausschuß für Systemintegration) bezeichneten Vorauswahl die Vergabe von Regierungsaufträgen für die Beschaffung von Informationssystemen beschränkt. Die Teilnahme
an Ausschreibungen ist auf Mitglieder dieses
Gremiums begrenzt. Die Mitgliedschaftskriterien beinhalten erwiesene Befähigung, wirtschaftliche Solidität und das Potential, die politischen
Ziele der australischen Regierung zu fördern,
einschließlich der Exporte von Australien auf die
asiatisch-pazifischen Märkte sowie - in den
meisten Fällen - die wirtschaftliche Entwicklung
auf lokaler Ebene.

vorlegen muß, in dem andere Länder amerikanische
Produkte oder Dienstleistungen bei der Vergabe von
Regierungsaufträgen diskriminieren. Diese Funktionen wurden dem USTR durch Präsidialerlaß übertragen. Der Bericht soll jährlich bis zum 30. April vorgelegt werden und die Länder erfassen, die gemäß der
Definition des Statuts diskriminieren. Insbesondere
soll der USTR folgende Länder identifizieren:

Der Beschaffungsmarkt in China ist nach wie
vor nicht transparent und im allgemeinen ausländischen Anbietern unzugänglich. China hat
sich zu Änderungen verpflichtet, mit denen diese Situation verbessert werden soll. Diese
Änderungen sollen jedoch nicht vor Ende 1993
verwirklicht werden. Als Teil der im Oktober
1992 von China und den Vereinigten Staaten
unterzeichneten Regierungsvereinbarung über
Marktzugang hat sich China bereiterklärt, die
Transparenz seines Handelssystems durch Publizierung von mit Handel in Zusammenhang
stehenden Regeln und Vorschriften zu erhöhen.
Kantor hat darüber hinaus die Absicht der Administration bekundet zu beobachten, ob Länder, die Handelsoder Wirtschaftsabkommen mit der EG abgeschlossen haben, sich selbst den diskriminierenden Verfügungen der Sektorenrichtlinie anschließen müssen.
Wir werden diese Länder im nächsten Jahr beobachten und sie im Rahmen unseres nächsten Jahresberichts gemäß Titel VII überprüfen.

Länder, die Unterzeichner des GATT-Beschaffungskodex (Kodex) sind und den Kodex nicht
einhalten,
Länder, die Unterzeichner des Kodex sind und
den Kodex einhalten, jedoch weiterhin amerikanische Produkte und Dienstleistungen bei nicht
von dem Kodex erfaßten staatlichen Beschaffungen maßgeblich und kontinuierlich mit offenkundigen Schäden für amerikanische Unternehmen diskriminieren, und deren Produkte oder
Dienstleistungen in beträchtlichem Umfang von
der US-Regierung beschafft werden,
Länder, die NichtUnterzeichner des Kodex sind,
jedoch weiterhin amerikanische Produkte und
Dienstleistungen bei staatlichen Beschaffungen
maßgeblich und kontinuierlich mit offenkundigen Schäden für amerikanische Unternehmen
diskriminieren, und deren Produkte oder Dienstleistungen in beträchtlichem Umfang von der
US-Regierung beschafft werden.

Die Identifizierung im Rahmen des Statuts leitet einen
60tägigen Konsultationsprozeß in die Wege. Falls die
Konsultationen nicht zur Aufhebung der diskriminierenden Praktiken führen, wird eine von zwei Vorgehensweisen erforderlich: 1. Wenn ein Land als
Verletzer des Abkommens ausgemacht wird, weist
das Gesetz den USTR an, im Rahmen des Abkommens Verfahren zur Schlichtung von Streitfällen aufzuGesetzliche Befugnis
nehmen. 2. Wenn die Identifizierung andere als die
Titel VII des Allgemeinen Handelsgesetzes von 1988 vom Kodex abgedeckten Beschaffungen betrifft, kann
modifiziert das Gesetz über Handelsabkommen von der Präsident Sanktionen gegen das Land verhängen,
1979 dahingehend, daß die Administration unter ande- die in ihrer Wirkung der Diskriminierung gegen amerirem dem Kongreß einen Bericht über das Ausmaß kanische Produkte oder Dienstleistungen entsprechen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 18

�IWF
5. Mai 1993

BENTSEN: DAUERHAFTES WIRTSCHAFTSWACHSTUM
MUSS WIEDERHERGESTELLT WERDEN
Rede des Finanzministers bei IWF-Sitzung
WASHINGTON - (AD) - Die Regierungen der Welt können und müssen mehr zur Ankurbelung der immer noch
stagnierenden Wirtschaftsleistung tun, erklärte der amerikanische Finanzminister Lloyd Bentsen seinen
Kollegen aus aller Welt.
In seinem für die Morgensitzung des Interimsausschusses des Internationalen Währungsfonds (IWF) am 30.
April 1993 vorbereiteten Redetext äu ßerte Bentsen, die Ma ßnahmen der Clinton-Administration zeitigten bereits
positive Auswirkungen in den Vereinigten Staaten.
"Eine Erholung findet zwar offensichtlich statt, jedoch in bescheidenem Ausmaß", stellte er fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Redetext des Finanzministers im Wortlaut.
Die uns heute konfrontierende größte Herausforderung besteht in der Wiederherstellung des dauerhaften
Wachstums der Weltwirtschaft. Dies ist kein abstraktes Konzept für die über 30 Millionen Arbeitslosen in
den Industrieländern und die zahllosen Millionen mehr
in anderen Ländern der Welt. Wachstum bedeutet
Arbeitsplätze, die unsere Bürger an die Fertigungsstraße statt in die Schlangen der Arbeitslosen bringen.
Wachstum bedeutet expandierende Märkte und erweiterten internationalen Handel. Es bedeutet Hoffnung
für die Länder, die schwierige Wirtschaftsreformen
und den Übergang zu Marktwirtschaften vollziehen.
Wir befinden uns jetzt im dritten Jahr unterdurchschnittlicher Wirtschaftsleistung, und selbst die vom
IWF prognostizierte Gesundung wird nicht ausreichen, um das derzeit hohe Niveau der Arbeitslosigkeit
zu reduzieren. Wir können es besser machen. Wir
müssen es besser machen. Die vorausgesagte Erholung muß gestärkt und verwirklicht werden. Die Enttäuschungen der Vergangenheit dürfen nicht wiederholt werden.
In den Vereinigten Staaten wird Präsident Clintons
Programm des Wandels und der wirtschaftlichen
Wiederbelebung durchgeführt und trägt erste Früchte.
Die vom Kongreß angenommene Haushaltsentschließung sieht über 500 Milliarden Dollar zum Abbau des
Haushaltsdefizits über fünf Jahre hinweg vor. Andere
Länder haben uns seit Jahren gedrängt, unser Defizit
in Angriff zu nehmen, und das haben wir jetzt getan.
Dies ist der größte Defizitabbau in der Geschichte der
AMERIKA DIENST 18

Vereinigten Staaten, der das Defizit als Prozentsatz
des Bruttosozialprodukts auf die Hälfte des derzeitigen
Niveaus reduzieren wird. Die Finanzmärkte - die
schärfsten Aufpasser - spiegeln ihre Beurteilung wider, daß dies ernsthafte Bestrebungen seitens der
Vereinigten Staaten mit seit dem 20. Januar beträchtlich gesunkenen Zinssätzen sind.
Der Abbau des Haushaltsdefizits wird die geringe
amerikanische Spartätigkeit erhöhen und die Mittel für
größere Investitionen bereitstellen, die der Schlüssel
zu langfristigem Wachstum sind. Gleichzeitig werden
sich die staatlichen Ausgaben wieder auf Investitionen
in materielle Ressourcen und Humankapital konzentrieren. Auch befassen wir uns mit den steigenden
Kosten im Gesundheitswesen, die einen übermäßigen
Teil unseres nationalen Einkommens verschlingen.
Sie belaufen sich auf ungefähr 14 Prozent unseres
Haushalts und werden weiter steigen, wenn wir nicht
etwas zur Lösung des Problems unternehmen, wozu
wir fest entschlossen sind.
Das Tempo der Reformen muß der gegenwärtigen
Wirtschaftslage Rechnung tragen. Eine Erholung findet zwar offensichtlich statt, jedoch in bescheidenem
Ausmaß. Ein bedeutender Teil der Verlangsamung
des Wachstums im ersten Quartal dieses Jahres war
auf eine Abnahme der Exporte zurückzuführen, die
das Spiegelbild der schwachen Weltwirtschaft ist.
Erfolgreiche Bemühungen der Vereinigten Staaten zur
Reduzierung ihres doppelten Defizits - in den Bereichen Haushalt und Handel - bedeuten, daß die WeltSeite 1

�Wirtschaft nur stärker werden kann, wenn die anderen
Industriestaaten Maßnahmen zur Ankurbelung ihrer
Nachfrage im Inland ergreifen. Das ist für die Länder
von besonderer Bedeutung, die große Zahlungsbilanzüberschüsse haben.
Ein wiederbelebter Koordinationsprozeß der Wirtschaftspolitik der G-7 führt uns auf den Weg zu erhöhtem
Wachstum und anhaltender Erholung. Wir haben
erste Schritte unternommen und die Grundlage für
zusätzliche Maßnahmen gelegt. Die Zinssätze in
Europa sinken, und meines Erachtens sind alle Voraussetzungen für weitere Senkungen geschaffen. Japan
hat ein Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft
angekündigt, das nachfrageorientiertes Binnenwachstum unterstützen und - so hoffe ich - eine Senkung des
großen japanischen Handelsüberschusses herbeiführen wird. Von den Vereinigten Staaten Anfang dieser
Woche ergriffene Maßnahmen haben die Devisenmärkte beruhigt und die Luft gereinigt, so daß das
Hauptaugenmerk jetzt auf grundlegenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen liegt. Auf ihrem gestrigen
Treffen stimmten die Mitgliedstaaten der G-7 darin
überein, daß die Wechselkurse die wirtschaftlichen
Grundprinzipien widerspiegeln sollten und daß übermäßige Fluktuation nicht wünschenswert ist. Die G-7
bekräftigte ihr andauerndes Engagement für enge
Zusammenarbeit auf den Devisenmärkten.

chen für ein Nachlassen des wirtschaftlichen Schrumpfungsprozesses. Da die schwierigen Anpassungsbemühungen Früchte zu tragen beginnen, erwarten wir
im nächsten Jahr in dieser Region das höchste Wirtschaftswachstum seit vielen Jahren. Die Fortsetzung
dieser Bemühungen ist wichtig, um die Fortschritte zu
festigen.
Die jüngste Abstimmung in Rußland - wir sind übrigens
hocherfreut, Herrn Sochin heute bei uns zu wissen bringt ein Mandat für den Wandel. Ich beglückwünsche Sie dazu. Es ist von entscheidender Bedeutung,
die Gunst der Stunde zu nutzen, um eine Marktwirtschaft auf der Grundlage stabiler Preise und beschleunigter Systemreformen zu fördern. Nur dies wird
Rußland in die Lage versetzen, den vollen Nutzen aus
der multilateralen Unterstützung zu ziehen, die von der
G-7 Mitte des Monats in Tokio beschlossen wurde,
einschließlich der IWF-Fazilität für die Umgestaltung
des Systems (Systemic Transformation Facility), die
Rußland und anderen Ländern, die gerade mit der
Stabilisierung und dem Übergang zur Marktwirtschaft
beginnen, besonders unterstützen soll.

Bei der Beurteilung der weltwirtschaftlichen Lage und
Aussichten sind die Überwachungsmaßnahmen des
IWF für uns alle von entscheidender Bedeutung.
Rechtzeitige und genaue Überwachung kann Signalfunktion für die politischen Entscheidungsträger haEin offenes internationales Handelssystem ist für ben, deren Ziel die Implementierung geeigneter Maßerhöhtes Wirtschaftswachstum notwendig. Ein früh- nahmen ist. Deshalb begrüßen wir Bemühungen, die
zeitiger Abschluß der Uruguay-Runde auf der Grund- Qualität der Fonds-Überwachung sowohl im Kontext
lage eines ausgewogenen und fairen Abkommens ist institutioneller Aktivitäten als auch in den Überwavon unabdingbarer Bedeutung. Die Vereinigten Staa- chungsdiskussionen der G-7 zu verbessern. Ich möchte
ten sind der Ansicht, daß auf dem Tokioter Gipfel im hier besonders die Bedeutung eines gestärkten analyJuli Einigung über die wichtigsten Marktzugangsfra- tischen Rahmens betonen, der eine klare und vergen erzielt und die Uruguay-Runde Mitte Dezember gleichbare Beschreibung - damit wir wissen, womit wir
es zu tun haben - der politischen Maßnahmen verabgeschlossen werden sollte.
schiedener Staaten sowie ihrer wahrscheinlichen wirtIch freue mich feststellen zu können, daß das Wachs- schaftlichen Folgen liefert. Gleichzeitig muß der Fonds
tum in den Entwicklungsländern trotz Schwächen in die in den Mitgliedstaaten vorhandenen unterschiedliden Industriestaaten im Durchschnitt stark ist. Die chen Umstände und Bedingungen berücksichtigen,
Aussicht auf ein laut Schätzungen des IWF insgesamt um den Mitgliedstaaten vernünftige politische Ratmehr als 5prozentiges Wachstum in diesem Jahr ist schläge geben zu können. Eine Politik, die unter
der Lohn der mutigen Anstrengungen zur Einführung normalen Umständen solide ist, kann unter besondesolider wirtschaftspolitischer Maßnahmen. Markto- ren Bedingungen Märkte destabilisieren. Wir müssen
rientierte Reformen müssen weiter auf mehr Länder uns dessen bewußt sein. Der Fonds muß die Mittel
übergreifen, um diesen Prozeß in Gang zu halten.
haben, um solche Risiken zu erkennen und auf sie
aufmerksam zu machen. Dies ist ein wichtiger BeIn Osteuropa ist der Reformprozeß in vollem Gange.
reich, und es ist notwendig und berechtigt, daß der
Die nördlichen Staaten werden dieses Jahr voraus- Vorstand ein verstärktes Augenmerk darauf richtet.
sichtlich alle ein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen
haben, und in den südlichen Ländern gibt es Anzei* * * * *

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AMERIKA DIENST 18

�TERRORISMUS
5. Mai 1993

RÜCKGANG VON TERRORANSCHLAGEN IM JAHR 1992
Jahresbericht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Dem US-Außenministerium zufolge hat die Anzahl internationaler Terrorakte im Jahr
1992 verglichen mit dem Vorjahr um 35 Prozent abgenommen.
Die Abnahme der Anschläge von 567 auf 361 ist die beträchtlichste, seit die Vereinigten Staaten 1968 mit der
Erstellung solcher Statistiken begannen, so die Schlußfolgerung des Außenministeriums in seinem Bericht
Muster des internationalen Terrorismus: 1992.
Der Bericht definiert internationalen Terrorismus als Terrorakte, die Bürger oder das Territorium von mehr als
einem Land betreffen.
Die Vereinigten Staaten benennen folgende Staaten, die internationalen Terrorismus unterstützen: Kuba, Iran,
Irak, Libyen, Nordkorea und Syrien. Dem Bericht zufolge ist der Iran weiterhin der aktivste den Terrorismus
fördernde Staat. Im Jahr 1992 führten iranische Agenten oder dem Land nahestehende Gruppen über 20
Anschläge aus.
"Trotz der Erfolge bei der Bekämpfung des Terrorismus stellt dessen staatliche Förderung nach wie vor eine
Gefahr dar", so die Schlußfolgerung des Berichts.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Bericht.

Muster des internationalen Terrorismus: 1992
Das Jahr im Rückblick

Am 8. Januar 1992 wurde der in den Vereinigten
Staaten eingebürgerte Jose Lopez von Mitgliedern der Nationalen Befreiungsarmee in Kolumbien entführt und umgebracht.

1992 konnte praktisch die größte Abnahme internationaler Terroranschläge verzeichnet werden, seit die
Am 10. Juni vergangenen Jahres wurde FeldVereinigten Staaten 1968 mit der Erstellung solcher
webel Owell Hernandez in Panama getötet, als
Statistiken begannen. Internationale Terrorakte gindas von ihm gesteuerte Fahrzeug der US-Argen 1992 auf 361 zurück, das niedrigste Niveau seit 17
mee au s einem vorbeifahrenden Auto mit einem
Jahren. Dies sind 35 Prozent weniger als die 1991
Automatikgewehr beschossen wurde. Ein weierfaßten 567 Anschläge, eine Zahl, die durch eine
terer in dem Fahrzeug befindlicher Soldat wurde
Serie weniger bedeutender Zwischenfälle zu Zeiten
verwundet. Keine Gruppe übernahm die Verdes Golfkriegs aufgebläht wurde. Im Jahr 1992 waren
antwortung. Dieser Anschlag fand unmittelbar
amerikanische Bürger und deren Eigentum nach wie
vor dem Besuch Präsident Bushs in Panama
vor die Hauptziele weltweit. Nahezu 40 Prozent der
statt.
361 im Verlauf des Jahres verübten internationalen
Terroranschläge waren auf amerikanische Ziele ge- Der schrecklichste internationale Terroranschlag des
richtet.
Jahres geschah am 17. März 1992, als eine gewaltige,
in einem Lastwagen versteckte Bombe die Israelische
Die Anzahl der amerikanischen Opfer von Terroran- Botschaft in Buenos Aires zerstörte. Die Explosion
schlägen war so niedrig wie nie zuvor. 1992 wurden machte die Botschaft dem Erdboden gleich und bezwei Amerikaner getötet und einer verletzt, verglichen schädigte eine nahegelegene Kirche, eine Schule und
mit sieben getöteten und 14 verletzten Amerikanern im ein Seniorenheim.
Vorjahr:

AMERIKA DIENST 18

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�29 Personen wurden getötet und 242 verwundet. Der
Islamische Heilige Krieg, ein Deckname für die vom
Iran geförderte Hisbollah-Gruppe, übernahm öffentlich die Verantwortung für den Anschlag und belegte
diese Behauptung mit der Veröffentlichung eines Videobandes der Botschaft, das während der Überwachung vor der Explosion aufgenommen worden war.
Es gibt zunehmende Beweise, daß die iranische
Regierung für diesen Terroranschlag verantwortlich
ist.

am Jahresende zunichte gemacht, als die Regierung
und ihr Hauptrivale, die Nationale Union für die vollständige Unabhängigkeit Angolas (UNITA) bei den
Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen nicht genügend Stimmen erzielte. Der Bürgerkrieg in Liberia und
die gewalttätige Anarchie in Somalia weiteten sich auf
die Nachbarländer aus. Die Regierung des Sudan bot
weiterhin Vertretern von Terrorgruppen aus dem Nahen
Osten Unterschlupf.
Asien im Überblick

Wie während der vorangegangenen drei Jahre wurden
1992 in Lateinamerika mehr Terroranschläge verzeichnet als in jeder anderen Region. Ausländerfeindliche Übergriffe in dieser Region waren vornehmlich
gegen amerikanische Ziele gerichtet. Linksgerichteter
Terrorismus nimmt besonders in Europa ab, ethnische
und separatistische Gruppen in Europa, Lateinamerika, Südasien und im Nahen Osten waren jedoch im
vergangenen Jahr weiterhin aktiv.

In Asien nahmen internationale Terroranschläge weiterhin von 48 im Jahr 1991 auf 13 1992 ab. Dieser
Rückgang war vornehmlich ein Ergebnis des verbesserten politischen Klimas auf den Philippinen. Internationale Terrorakte waren in Thailand, Malaysia, Japan
und Südkorea relativ selten, verglichen mit der Zahl
von Anschlägen in zahlreichen lateinamerikanischen
und europäischen Ländern. Nordkorea steht nach wie
vor auf der Liste der den Terrorismus unterstützenden
Ein entscheidender Schlag gegen die äußerst gefähr- Nationen, scheint jedoch nicht geneigt, ein Terrorproliche peruanische Terrorgruppe Leuchtender Pfad gelang gramm zu verfolgen. Wie während des Golfkriegs
im September, als Sicherheitskräfte in Lima den Grü n- beobachtet, könnten die den Terrorismus unterstütder der Gruppe, Abimael Guzman, und zahlreiche zenden Staaten im Nahen Osten - insbesondere Iran,
Mitglieder seines Oberkommandos festnahmen. Irak und Libyen - Asien als zunehmend attraktive
Guzman wurde für seine Terrorakte zu lebenslanger Region ansehen, während andere Gebiete, insbesondere Europa, ihre Sicherheitsbestrebungen intensivieHaft verurteilt.
ren.
Keiner der herkömmlichen, den Terrorismus fördernden Staaten hat die terroristische Option, vor allem Gewaltakte und Terroranschläge von Sikhs und kaschgegen Dissidenten, vollständig aufgegeben oder den mirischen Separatisten in Indien sowie tamilischen
Kontakt zu Terroristen nahestehenden Gruppen abge- Rebellen in Sri Lanka dauerten 1992 an, hatten Taubrochen. Die internationale terroristische Infrastruktur sende toter und verletzter Zivilisten zur Folge und
des Irak wurde durch die Aktionen zur Terrorismusbe- setzten potentiell das Leben von Amerikanern als sich
kämpfung der Koalition während des Krieges im gro- anbietendes, bequemes oder zufälliges Ziel aufs Spiel.
ßen und ganzen zerstört. Seit der Operation Wüstensturm hat Saddam Hussein jedoch terroristische Mittel Europa im Überblick
zur Bestrafung von Regimegegnern sowie zur EinIm Verlauf des Jahres 1992 sahen sich die europäischüchterung von Mitarbeitern der UNO und privater
schen Länder relativ wenigen internationalen TerrorHilfsorganisationen eingesetzt. Das iranische Regime
anschlägen ausgesetzt. Die wichtigsten Ereignissein
hat seit seiner Machtübernahme im Jahr 1979 staatliEuropa in diesem Jahr - die Olympischen Spiele in
chen Terrorismus praktiziert. Zur Zeit ist es der
Albertville und Barcelona, die Weltausstellung in Sevilgefährlichste Unterstützer des staatlichen Terrorisla und die Feierlichkeiten anläßlich des 500. Jahrestamus und hat einen weltweiten Aktionsradius.
ges von Kolumbus' Reise nach Amerika - verliefen
1992 wurden durch internationalen Terrorismus weni- buchstäblich ohne Zwischenfälle. Linksgerichtete
ger Menschenleben gefordert - 93 verglichen mit 102 Terrorgruppen verhielten sich mit Ausnahme der türkiim Jahr 1991 -, aber sehr viel mehr Personen verwun- schen Dev Sol relativ ruhig, und Deutschlands Rote
det - 636 im Vergleich zu 242. Allein der Bombenan- Armeefraktion verzichtete vollständig auf Terroranschlag auf die Israelische Botschaft in Argentinien ist schläge, obwohl es verfrüht wäre, den Nachruf auf die
für rund 40 Prozent aller 1992 bei Terroranschlägen Gruppe zu schreiben. Separatistengruppen, insbesondere die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der
Verletzten verantwortlich.
Türkei und die Provisorische Irisch-Republikanische
Armee (IRA) intensivierten jedoch ihre Anschläge auf
Afrika im Überblick
Regierungseinrichtungen und legten zunehmende
1992 wurden in Afrika 10 internationale Terroranschlä- Gleichgültigkeit gegenüber Opfern unter der Zivilbege verübt, verglichen mit drei Zwischenfällen im Jahr völkerung an den Tag.
1991. Die politische Gewalt im Afrika südlich der
Sahara stellte jedoch weiterhin ein großes Problem Es besteht die Gefahr, daß ethnische Gewaltakte mit
dar. Vielversprechende Prognosen wurden in Angola dem Auftreten ethnischer Konflikte und Rivalitäten in

Seite 2

AMERIKA DIENST 18

�West- und Osteuropa sowie in den ehemaligen Sowjetrepubliken in Terrorismus ausarten könnten. Die
europäische Polizei und Sicherheitskräfte haben
Maßnahmen ergriffen, um die Chancen von Terrororganisationen oder sie fördernder Staaten zu verringern, infolge der Initiativen der EG zur Schaffung eines
grenzenlosen Europa im Jahr 1992 Agenten, Waffen
und Finanzmittel von einem Land in ein anderes zu
verlagern. Gewalttaten gegen Ausländer, deren Zahl
1992 in einigen Ländern, insbesondere in Deutschland, dramatisch anstieg, deuten darauf hin, daß
Westeuropa im Zuge der wachsenden europäischen
Integration und internationalen Wanderungsbewegung
verstärkt mit rechtsextremistischem Terror rechnen
muß.

wenigen, zumeist symbolischen Vorfällen. Niederlassungen spanischer Banken sowie Unternehmen und
diplomatische Einrichtungen dieses Landes waren die
häufigsten Ziele während der Feierlichkeiten.

Während 1991 vier Amerikaner infolge terroristischer
Anschläge in Europa starben, waren 1992 keine
amerikanischen Opfer zu beklagen.

Die fortgesetzte staatliche Förderung des Terrorismus
durch den Iran stellt einschließlich der Bemühungen
dieses Landes, engere Verbindungen zu nichtschiitischen terroristischen Gruppen aufzubauen, im Nahen
Osten, in Europa, Afrika und Lateinamerika eine erhebliche Bedrohung dar. Vom Iran unterstützte militante libanesische Gruppen übernahmen die Verantwortung für einen der spektakulärsten terroristischen
Anschläge des Jahres - den Autobombenanschlag auf
die Israelische Botschaft in Buenos Aires im März
1992, bei dem 29 Menschen starben und 242 verletzt
wurden. Die Hisbollah war verantwortlich für mehrere
Raketenangriffe auf Gebiete nahe der israelischen
Nordgrenze. Der Prozeß gegen zwei jordanische
Parlamentsabgeordnete brachte Anschuldigungen
zutage, der Iran unterstütze umstürzlerische Aktivitäten gegen die jordanische Regierung. Darüber hinaus
unterstützt der Iran nach wie vor terroristische Anschläge, mit denen der arabisch-israelische Friedensprozeß gestört werden soll.

Lateinamerika im Überblick
Obwohl Lateinamerika mit 142 Anschlägen gegen
ausländische Interessen im Berichtszeitraum erneut
die Region mit den meisten internationalen terroristischen Vorfällen war, lag diese Zahl weit unter dem
Rekordstand von 230 Anschlägen im Jahr 1991. Der
Bombenanschlag auf die Israelische Botschaft in Buenos Aires bedeutete eine besorgniserregende Ausbreitung nahöstlicher Gewalt und war der folgenschwerste terroristische Anschlag des Jahres. Wie in früheren Jahren machten die Vorfälle mit internationalem
Zusammenhang jedoch nur einen kleinen Prozentsatz
der Gesamtzahl terroristischer Operationen aus. In
Peru und Kolumbien, wo die Probleme am größten
sind, konzentrierten terroristische Untergrundkämpfer
und Drogenhändler ihre Operationen auf innere Ziele
- Regierungsinstitutionen und -personal, wirtschaftliche Infrastruktur und Sicherheitskräfte. Die überwiegende Mehrzahl der internationalen Vorfälle ereignete
sich in Südamerika - in Mittelamerika und der Karibik
kam es nur zu vereinzelten Anschlägen. Die beiden
einzigen amerikanischen Todesopfer in Zusammenhang mit internationalen terroristischen Akten waren
1992 in Lateinamerika zu beklagen.

Der Nahe Osten im Überblick
Im Nahen Osten ereigneten sich 1992 79 Terroranschläge mit internationalem Hintergrund, dieselbe Zahl
wie im Vorjahr. 1991 handelte es sich bei den meisten
Vorfällen um weniger schwere Anschläge im Libanon
und andernorts, von denen viele mit dem Golfkrieg und
der von den Israelis im Südlibanon geschaffenen Sicherheitszone in Zusammenhang standen. Die meisten Anschläge 1992 waren vom Irak geförderte Attakken gegen UNO-Personal im Irak.

Anhaltende Sanktionen und die internationale Isolierung des Irak behinderten 1992 die Fähigkeit von
Saddam Husseins Regime, internationale terroristische Akte auszuführen. Trotzdem war es den Irakern
möglich, gegen Ende des Jahres einen abtrünnigen
irakischen Nuklearwissenschaftler in Amman auf offener Straße zu ermorden. In gewohnter Manier bot der
Irak palästinensischen Terrorelementen wie dem Führer
1992 wurden in Lateinamerika einige bedeutende Erfolge der Palästinensischen Befreiungsfront Abu Abbas einen
bei der Terrorismusbekämpfung erzielt, besonders in sicheren Zufluchtsort. Neben seiner Unterstützung
Peru und Bolivien, wo Untergrundgruppen mit der des internationalen Terrorismus war das irakische
Gefangennahme führender Köpfe schwere Rückschlä- Regime für zahlreiche Angriffe auf UNO-Mitarbeiter
ge hinnehmen mußten. Die politische Isolierung von und Personal von Hilfsorganisationen verantwortlich,
Untergrundgruppen hat sich in Kolumbien weiter ver- die sich im Rahmen von Resolutionen des UN-Sicherstärkt, da eine der Gewalt überdrüssige Öffentlichkeit heitsrates im Irak aufhielten.
schärfere Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung
unterstützte. Praktisch alle lateinamerikanischen ter- Seit 1986 gibt es keinen Beweis für eine direkte
roristischen Gruppen hatten aus Anlaß des 500. Jah- syrische Verwicklung in terroristische Anschläge.
restages der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus Trotzdem gewährt Syrien arabischen und nichtarabigewalttätige Proteste geplant. Infolge von verstärkten schen Terrororganisationen in Syrien und von syriSicherheitsvorkehrungen und zurückhaltenden Feiern schen Truppen kontrollierten Teilen des Libanon Unkam es in zahlreichen Ländern jedoch lediglich zu terstützung und sichere Zufluchtsorte.

AMERIKA DIENST 18

Sehe 3

�Unter Mißachtung von UNO-Resolutionen, die eine
Einstellung der Unterstützung fordern, setzte Libyen
seine Förderung des internationalen Terrorismus 1992
fort. Tripolis hat sich internationalen Forderungen
widersetzt, die der Bombenanschläge auf Pan Am
Flug 103 (Lockerbie) und UTA Flug 772 Beschuldigten
für ein Gerichtsverfahren auszuliefern. Gaddhafis
Regime hat sich teilweise bemüht, terroristische Ausbildungslager zu schließen, stellt weltbekannten Terroristen wie Abu Nidal jedoch nach wie vor Unterstützung und einen sicheren Zufluchtsort zur Verfügung.
In Ägypten war im Berichtsjahr ein steiler Anstieg
innenpolitisch motivierter Terroranschläge zu verzeichnen, da radikale islamische Elemente ihre Kampagne
gegen die Regierung ausweiteten, indem sie neben
koptischen Christen und ägyptischen Sicherheitskräften ausländische Touristen zum Ziel machten. Zu den
schwerwiegendsten Vorfällen gehörte ein Anschlag
auf einen Touristenbus im Oktober, bei dem eine Britin
ums Leben kam und zwei andere Personen verletzt
wurden. Bei einem ähnlichen Anschlag auf einen Bus
mit deutschen Touristen wurden fünf Personen verletzt. Die ägyptische Regierung nannte die von Radikalen im Iran und Sudan gewährte Unterstützung als
eine Ursache der Gewalt.
Das Bild des Terrorismus in Nordafrika ist uneinheitlich: die Gesamtlage in Tunesien besserte sich, während
Algerien einer Welle terroristischer Anschläge ausgesetzt war, darunter der blutige Bombenanschlag auf
den Flughafen von Algier am 26. August, dem 12
Menschen zum Opfer fielen. Weniger folgenschwere
Anschläge richteten sich gegen die Büros ausländischer Fluggesellschaften. In beiden Ländern behaupten die Regierungen, der Sudan und der Iran gewährten den für die Anschläge Verantwortlichen Unterstützung.
Der internationale Terrorismus palästinensischer
Gruppen ging von 17 Anschlägen im Jahr 1991 auf drei
Anschläge 1992 zurück. Ein Großteil des Rückgangs
läßt sich auf Beschränkungen zurückführen, denen
Aktivitäten dieser Gruppen in Syrien und Libyen unterworfen waren. Auseinandersetzungen zwischen palästinensischen Gruppen - insbesondere im Libanon
zwischen PLO-Elementen und der Abu Nidal Organisation (ANO) - führten zu erheblicher Gewalt.

Im Jemen kam es 1992 zu einem steilen Anstieg des
Terrorismus, als eine Serie von Bombenanschlägen,
die Vermutungen der jemenitischen Regierung zufolge
von einer islamischen Extremistengruppe begangen
wurden, jemenitischen und ausländischen Zielen gart.
Bei Bombenanschlägen auf ein Hotel und einen Hotelparkplatz in Aden wurden im Dezember eine Person
getötet und mehrere verletzt.
Staatlich geförderter Terrorismus im Überblick
Die Vereinigten Staaten, ihre Verbündeten und zunehmend auch der UN-Sicherheitsrat sind sich der Notwendigkeit bewußt, Regierungen, die Terrorismus
unterstützen, tolerieren oder sich selbst daran beteiligen, einen hohen Preis abzuverlangen. Der UNSicherheitsrat handelte 1992 energisch, als ihm eindeutige Beweise der libyschen Verantwortung für die
Bombenanschläge von Lockerbie und auf UTA Flug
772 präsentiert wurden, die 441 Todesopfer forderten.
In Resolution 731 verlangte der UN-Sicherheitsrat,
daß Libyen seine Förderung des internationalen Terrorismus einstellt und mit amerikanischen, britischen
und französischen Justizbehörden bei den Gerichtsverfahren gegen die libyschen Vertreter zusammenarbeitet, denen diese Anschläge zur Last gelegt werden.
Der Sicherheitsrat stimmte später für obligatorische
Sanktionen gegen Libyen, nachdem er zu dem Schluß
gekommen war, daß Libyen nicht kooperiert hatte. Zu
den Sanktionen gehörten ein Waffen- und Flugembargo, die Forderung nach Schließung der Büros der
Libyan Arab Airlines sowie die Verfügung, daß alle
Staaten die diplomatische Präsenz Libyens im Ausland reduzieren. Der UN-Sicherheitsrat überprüft den
Fall Libyen alle 120 Tage. Die Verfügung, derzufolge
der Irak sich der Förderung des Terrorismus zu enthalten hat, bleibt als Teil von Resolution 687 weiterhin in
Kraft.
Trotz der Erfolge bei der Bekämpfung des Terrorismus
stellt dessen staatliche Förderung nach wie vor eine
Gefahr dar. Der Iran war weiterhin der aktivste staatliche Förderer. Iranische Agenten oder dem Iran
nahestehende Gruppen begingen 1992 über 20 Anschläge. Im Berichtszeitraum waren die Hauptziele
nach wie vor iranische Regimegegner sowie israelische Interessen. Der Iran war der Hauptförderer
extremistischer islamischer und palästinensischer
Gruppen. Neben der Bereitstellung von Geld, Ausbildung und Waffen für Gruppen, die terroristische Aktionen ausführen, veranstaltete der Iran auch eine Reihe
bedeutender Treffen mit Hisbollah und HAMAS, deren
erklärtes Ziel die Koordinierung von Maßnahmen gegen
Israel sowie die Torpedierung des arabisch-israelischen Friedensprozesses waren. Der Islamische Heilige
Krieg, ein Deckname für die Hisbollah, war für den
folgenschweren Autobombenanschlag auf die Israelische Botschaft in Argentinien verantwortlich - der 29
Todesopfer und 242 Verletzte forderte.

Im Berichtsjahr war darüber hinaus eine erhebliche
Steigerung der von der Islamischen Widerstandsbewegung (HAMAS) verübten Gewalttaten zu verzeichnen. Neben einer Reihe tödlicher Anschläge auf
israelische Militärziele waren Elemente dieser Gruppe
auch für die terroristische Entführung und Ermordung
eines nicht im Dienst befindlichen israelischen Grenzpolizisten bei Tel Aviv verantwortlich und bekannten
sich zum Mord an einem israelischen Kaufmann im
Gaza-Streifen. Im Lauf des Jahres erreichten die antimilitärischen und terroristischen Operationen im Hinblick auf Wagemut und Planung eine neue Dimension. Trotz der Beschränkungen durch UN-Sanktionen und
der Ausweisung irakischer Agenten aus zahlreichen
Seite 4

AMERIKA DIENST 18

�Ländern während des Golfkrieges förderte der Irak
zumindest in der letzten Hälfte des Jahres 1992 zahlreiche Anschläge auf kurdische Oppositionelle sowie
UNO- und westliches Hilfspersonal und tötete einen
irakischen Wissenschaftler in Jordanien. Libyen und
Syrien gewähren einer Anzahl palästinensischer und
nichtpalästinensischer Gruppen, die sich für internationalen Terrorismus engagieren, weiterhin Unterstützung und Unterschlupf.
Die Vereinigten Staaten führen zur Zeit Kuba, Iran,
Irak, Libyen, Nordkorea und Syrien auf ihrer Liste der
Staaten, die den Terrorismus fördern. Diese Liste wird
gemäß Abschnitt 6 Q) des Exportverwaltungsgesetzes
von 1979 geführt. Diese und verwandte amerikanische Gesetzesbestimmungen verhängen Handels- und
andere Restriktionen gegen vom Außenminister bestimmte Länder, die wiederholt Akte des internationalen Terrorismus unterstützt haben. Die Liste wird dem
Kongreß jedes Jahr zugesandt, es können jedoch den
Umständen gemäß im Verlauf des ganzen Jahres
Länder gestrichen oder hinzugefügt werden.
Aktionen der internationalen Staatengemeinschaft
zur Terrorismusbekämpfung
Im Jahr 1992 verhängte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum ersten Mal Sanktionen gemäß Kapitel
VII gegen einen Staat, der internationaler Terrorakte
angeklagt war.
Die Einbeziehung des Sicherheitsrates begann am 27.
November 1991, als die Regierungen Frankreichs,
Großbritanniens und der Vereinigten Staaten angesichts der Verantwortung Libyens für die Bombenanschläge auf Flug 103 der Pan Am über Lockerbie und
UTA Flug 772 sowie den daraus resultierenden Tod
von über 440 Passagieren und Besatzungsmitgliedern
aufeinander abgestimmte, gegen Libyen gerichtete
öffentliche Erklärungen abgaben. Die von den drei
Regierungen abgegebenen, aufeinander abgestimmten Erklärungen forderten von Libyen:
Die Auslieferung der dieser Verbrechen Angeklagten, damit ihnen der Prozeß gemacht werden kann.
Die Übernahme der Verantwortung für die Aktionen libyscher Beamter.
Die Offenlegung aller verfügbaren Informationen über diese Verbrechen, einschließlich der
Namen aller hierfür Verantwortlichen, sowie freien
Zugang zu allen Zeugen, Dokumenten und
anderem Beweismaterial, inklusive der restlichen Zünder.

mu ß sofort seinen Verzicht auf Terrorakte durch
konkrete Aktionen beweisen.
Am 21. Januar 1992 nahm der UNO-Sicherheitsrat
einstimmig die Resolution 731 an, die diese Forderungen billigt. Der Rat
verurteilte die Bombenanschläge auf Pan Am
Flug 103 und UTA Flug 772 sowie den daraus
resultierenden Verlust von Hunderten von
Menschenleben,
beklagte aufs Äußerste die Tatsache, daß die
libysche Regierung nicht wirksam auf das Ersuchen reagiert hatte, bei der Ermittlung der für
diese terroristischen Gewalttaten Verantwortlichen zusammenzuarbeiten,
forderte die libysche Regierung dringend auf,
umfassend und wirksam auf diese Gesuche zu
reagieren,
ersuchte den Generalsekretär, sich um Zusammenarbeit mit der libyschen Regierung zu
bemühen, um eine umfassende und wirksame
Reaktion auf diese Gesuche zu erhalten,
beschloß, sich weiterhin mit der Angelegenheit
zu befassen.
Zwischen der Annahme von Resolution 731 des UNOSicherheitsrates und Mitte März unternahmen der
Generalsekretär und zahlreiche andere Vertreter der
Vereinten Nationen und interessierter Regierungen
den erfolglosen Versuch, Libyen von der Notwendigkeit zu überzeugen, den Bestimmungen der Resolution unverzüglich und in vollem Umfang Folge zu
leisten.
Diese Bemühungen scheiterten, und am 31. März
verabschiedete der Sicherheitsrat die Resolution 748
mit 10 Stimmen, keiner Gegenstimme und fünf Enthaltungen. Die Resolution sah vor, Libyen eine 14tägige
Frist zur Einhaltung der Resolution 731 des UNOSicherheitsrates zu gewähren. Sollte Libyen dieser
Resolution nicht Folge leisten, würden eine Anzahl von
Sanktionen in Kraft treten. Diese gemäß Kapitel VII
der Charta der Vereinten Nationen angenommenen
Sanktionen, die folglich für alle Mitgliedstaaten der
Vereinten Nationen obligatorisch sind, umfassen:
Verbot jeglichen Luftverkehrs mit Libyen.
Verbot des Betriebs von Büros der Libyen Arab
Airlines weltweit.

Die Zahlung angemessener Entschädigungen.

Verbot der Bereitstellung von Flugzeugen, damit
in Zusammenhang stehenden Dienstleistungen
und Ersatzteilen für Libyen.

Die konkrete und definitive Verpflichtung, Terrorakte jeglicher Art sowie jedwede Unterstützung
terroristischer Gruppen einzustellen. Libyen

Verbot jeglicher Waffenlieferungen und verwandtem Material aller Art sowie von Lizenzabkommen für Waffenlieferungen an Libyen.

AMERIKA DIENST 18

Seite 5

�Die Forderung nach Abzug der militärischen
Berater, Experten und Techniker aus Libyen.

Die Forderung, daß die Staaten Schritte unternehmen, um libyschen Staatsangehörigen, die
an Terrorakten beteiligt waren, den Zugang zu
ihrem Land zu verwehren oder sie ausweisen.

Die Anordnung, daß die Staaten die Anzahl der
in libyschen diplomatischen Missionen Beschäftigten maßgeblich senken.

* * *

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*

AMERIKA DIENST 18

�HOCHGESCHWINDIGKEITSZUGE
5. Mai 1993

PLÄNE FÜR HOCHGESCHWINDIGKEITSBAHNSYSTEM
BEKANNTGEGEBEN
Initiative für Intercity-Bahnverbindungen

WASHINGTON - (AD) - Amerikanische Regierungsvertreter haben einen Fünfjahresplan bekanntgegeben, der die Bundesregierung auffordert, gemeinsam
mit den Bundesstaaten und der Privatwirtschaft ein
Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetz zwischen wichtigen Großstädten zu bauen und die Bahntechnologie
der nächsten Generation zu entwickeln.

digkeitsverkehrsmittel in den Vereinigten Staaten zu
unterstützen.
"Diese Administration hat einen kühnen, positiven
Schritt unternommen", der der Nation erkläre, daß "wir
diese neue Technologie für unser Land haben müssen", so Pena.

Verkehrsminister Federico Pena erklärte in Anwesen- "In nahezu jeder der 23 Städte, die ich satt meinem
heit mehrerer Kongreßmitgliederam 28. April 1993 vor Amtsantritt überall im Land besucht habe, wurde mir
Reportern, die Initiative werde mit 1,3 Milliarden Dollar von kommunalen Vertretern erklärt, daß sie eine
Umbau und Modernisierung bestehender Intercity- Hochgeschwindigkeitsbahn als entscheidenden BeEisenbahnlinien finanzieren, die für Personenzüge mit standteil ihrer Verkehrssysteme betrachten", fügte Pena
Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 240 Kilometern hinzu.
ausgelegt sein werden.
Der Abgeordnete John Dingeil aus Michigan, der
Vorsitzender
des Ausschusses für Energie und HanPena zufolge werden darüber hinaus Beiträge von
del
ist,
verwies
darauf, daß HochgeschwindigkeitsBundesstaaten, Gemeinden und privater Seite erwarbahnen
bereits
in
den meisten modernen Industrietet, die eine weitere Milliarde Dollar fürdie Entwicklung
staaten
eingesetzt
werden.
von Hochgeschwindigkeitsbahnsystemen aufbringen
könnten. Die Anhörungen im Kongreß über eine
Im zufolge erreichen die einzigen zur Zeit in den
Gesetzesvorlage zur Durchführung der HochgeschwinVereinigten Staaten verfügbaren Hochgeschwindigdigkeitsinitiative mit dem Namen "High-Speed Ground
keitszüge, die zwischen der Bundeshauptstadt WaTransportation Development Act" haben am 29. April
shington und New York verkehrenden Züge des Amtrak
1993 begonnen.
Metroliner Service, Geschwindigkeiten von bis zu
200
Stundenkilometern.
Die Bundesinitiative würde darüber hinaus Fördermittel zur Entwicklung eines Prototyps einer MagnetDiese Hochgeschwindigkeitsverbindung 'befördert mehr
schwebebahn (Maglev) zur Verfügung stellen. MagPassagiere als jede andere Linie in den Vereinigten
lev- Verkehrsmittel, die durch von bordeigenen MagneStaaten und mehr als jeder andere Verkehrsträger", so
ten produzierte Magnetfelder im Schwebezustand
Dingeil. "Und sie arbeitet kostendeckend."
gehalten werden, können eine Reisegeschwindigkeit
von 480 Stundenkilometern erreichen. Die amerikani- Amtrak beteiligt sich zur Zeit an einem auf fünf Jahre
sche Industrie hofft, eine neue Generation dieser angelegten Hochgeschwindigkeitszugprojekt zum
Technologie zu entwickeln, die mit Systemen in Deutsch- Ausbau der Elektrifizierung von New Haven nach
land und Japan konkurrieren kann, wo bereits einsatz- Boston. Dieses Projekt soll die Zuggeschwindigkert
fähige Prototypen von Maglev-Systemen existieren.
auf bis zu 240 Stundenkilometer steigern und die
Reisezeit von New York nach Boston um mehr als eine
Pena erklärte, die Initiative erfülle das Wahlkampfver- Stunde verkürzen. Es wird ein Modell für die Entwicksprechen Präsident Clintons, die Entwicklung eines lung einer Hochgeschwindigkeitsverbindung auf andeSystems integrierter landgebundener Hochgeschwin- ren schon bestehenden Streckennetzen darstellen.
AMERIKA DIENST 18

Seite 1

�In den nächsten fünf Jahren wird die von Pena angekündigte Initiative den Regierungen der Bundesstaaten und Kommunen ungefähr 1 Milliarde Dollar zur
Finanzierung von Hochgeschwindigkeitsprojekten zur
Verfügung stellen. Finanziert werden sollen Projekte
zur Verbesserung der Verkehrsverbindung zwischen
zwei oder mehr Großstädten, die nicht mehr als 960
Kilometer voneinander entfernt liegen.
Dem Gesetzesvorschlag für die Durchführung des
Programms zufolge würden die Bundesstaaten zunächst einen Antrag auf Anerkennung als Hochgeschwindigkeitskorridor stellen - ein Status, der von
verschiedenen Faktoren abhängt, einschließlich der
Kostenfrage, des örtlichen Verkehrsaufkommens und
der Luftreinhaltung.
Ist einmal ein Korridor als solcher bezeichnet worden,
würden der Bundesstaat oder die Bundessstaaten
einen detaillierten Gesamtplan vorlegen müssen, um
Anspruch auf die staatlichen Baufinanzierungsfonds
zu haben. Einzelne Verbesserungen können eine
Unterstützung der Bundesregierung von bis zu 80
Prozent der Kosten erhalten, die Beteiligung der Bundesregierung an den gesamten Kosten der Verbesserung einer Verbindung darf jedoch nicht 50 Prozent des
öffentlichen Beitrags überschreiten.

Die verbleibenden Kosten werden gemeinsam von der
Bundesregierung, den Regierungen der Bundesstaaten und den Gemeinden getragen.
Zusätzlich zu dem Kreditprogramm für den Korridor
wird die Initiative nahezu 300 Millionen Dollar für die
technologische Entwicklung, einschließlich der Arbeit
an dem Maglev-Prototyp, bereitstellen. Der Prototyp
soll dem von anderen Ländern entwickelten überlegen
sein.
"Hochgeschwindigkeitsinnovationen wie Maglev oder
Pendolinozüge (Triebwagenzüge, die sich wie ein
Motorrad in die Kurven legen, Anm. d. Red.) sind
amerikanische Technologien, die in Obersee vermarktet und angewendet werden", erklärte Pena. "Wir in
den Vereinigten Staaten besitzen das Know-how für
die Herstellung, die ausgebildeten Ingenieure und
Handwerker sowie die Technologie zum Bau dieser
Hochgeschwindigkeits- und Maglev-Systeme."

Pena fügte jedoch hinzu, daß die Finanzierung der
ersten Phasen beim Bau von Maglev sehr genau
überwacht werden soll. "Wir wollen ganz offen sein",
erklärte er. "Die Maglev-Technologie wird immer noch
von einigen in Frage gestellt. In Deutschland ist sie
beispielsweise noch nicht vermarktet worden. Sie
haben dort einen Prototyp - aber das ist auch schon
Regierungsvertretern zufolge wird bei der Entwicklung alles. Wir wollen diese Technologie ganz methodisch
eines Finanzhilfeabkommens zunächst ein Maximum und Schritt für Schritt... weiterentwickeln."
an Finanzierung durch den Privatsektor angestrebt.

* * * * *

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AMERIKA DIENS- 18

�PORTRAT
5. Mai 1993

CLINTON NOMINIERT EHEMALIGEN NEW YORKER
SPITZENPOLIZISTEN ZUM DROGENBEKÄMPFER
Porträt von Lee Brown

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton ernannte
Lee P. Brown, den ehemaligen Inspekteur der Polizei
in New York, Houston und Atlanta, am 28. April 1993
zum Direktor seines Büros für Drogenpolitik.
Vorbehaltlich seiner Bestätigung durch den Senat wird
der 55jährige Brown der erste Direktor mit Kabinettsrang sein, seit dieses Amt im Jahr 1989 gesetzlich
vorgeschrieben wurde. Er bringt über 30jährige Erfahrung im Bereich Strafverfolgung sowie höchste akademische Auszeichnungen mit in diese Position.

Brown begann seine Polizeikarriere im Strafvollzug im
Jahr 1960 als Streifenpolizist in San Jose (Kalifornien).
Während dieser Tätigkeit erwarb er 1961 seinen ersten akademischen Grad an der Fresno State University.
Er legte zwei weitere Magisterexamen ab, eines 1964
an der San Jose University in Soziologie und das
andere in Kriminologie an der University of California in
Berkeley im Jahr 1968. 1970 promovierte er in Berkeley in Kriminologie.

ZurZeit Professor an der Texas Southern University in
Houston und Leiter des Programms für Initiativen
männlicher Schwarzer dieser Institution, war Brown
von 1990 -1992 als Inspekteur der Polizei in New York
tätig, von 1982 -1990 Polizeipräsident von Houston
und von 1978 -1982 Leiter des Amtes für öffentliche
Sicherheit in Atlanta.

1968 zog Brown nach Portland (Oregon) und organisierte das Seminar für Justizverwaltung an der Portland State University. 1972 zog Brown an die Ostküste, um Stellvertretender Direktor des Instituts für
städtische Angelegenheiten und Forschung sowie
Professor an der Howard University in Washington zu
werden.

Als Direktor des Büros für nationale Drogenpolitik des
Weißen Hauses wird Brown für die Überwachung der
Programme der Bundesregierung zur Bekämpfung
des Drogenhandels, für Therapie und Strafverfolgung
der Bundesregierung in Höhe von 13 Milliarden Dollar
zuständig sein. Zwei seiner ehemaligen Kollegen bescheinigen ihm, für das Amt äußerst qualifiziert zu
sein.

Drei Jahre später kehrte er nach Portland zurück, um
als Sheriff des Bezirks Multnomah tätig zu werden, und
wurde anschließend im Jahr 1976 Direktor der juristischen Dienste des Bezirks.

"Es ist eine ausgezeichnete Wahl", erklärte Robert A.
Bryden, der Leiter der Drogenbekämpfungsbehörde in
New York, gegenüber der New York Times.

Brown ist ehemaliger Präsident des Internationalen
Verbands der Polizeipräsidenten und engagiert sich in
einer Reihe von Organisationen auf beruflicher und
Gemeindebene, einschließlich der Nationalen Akademie öffentlicher Verwaltungsbeamter, des Nationalen
Instituts gegen Vorurteile und Gewalt sowie des nationalen Rats für Verbrechen und Straftaten.

"Es ist zweifelsohne ein großer Schritt nach vorn,
jemanden von diesem Format zu benennen, äußerte
Dr. Mitchell S. Rosenthal, Präsident der Phoenix HouseOrganisation für Drogentherapie zur Washington Post.
"Weil er eine so starke Persönlichkeit mitbringt, wirkt er
dem Kongreß und der Öffentlichkeit gegenüber glaubwürdig."

Als Empfänger mehrerer Auszeichnungen im Bereich
der Strafverfolgung wurde Brown, der vier Kinder hat,
1991 auch von Komitee für den nationalen Vatertag
zum Vater des Jahres ernannt. Im August trat er von
seinem Posten in New York zurück, um sich der Pflege
seiner Frau Yvonne zu widmen, die an Krebs erkrankt
war und im Dezember verstarb.

* * * * *

AMERIKA DIENST 18

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                <text>&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Radioaktitvität und Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wissenschaftler erörtern Für und Wider von Kernwaffenversuchen vor US-Kongressausschuss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Kerigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Verunreinigung der Luft ist kein unlösbares Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Untersuchungen im Windkanal an der New Yorker Universität&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Volksmusik vor 100 Jahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Was der Cowboy sang - als Fernsehsendung&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kurz Berichtet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Nautilus" 3000 Seemeilen unter Wasser&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;jeder siebente Amerikaner besitzt ein Fahrrad&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Berlin und die Methoden der Sowjets in Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Rede von Mrs. Eleanor Dulles, gehalten am 22. Mai 1957 in New York&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

Telex:08-85432

5. J u n i 1974

•*• *•

Inhalt

WIRTSCHAFT
USA begrüßen Senkung der EG-Importzölle
- Wortlaut der Erklärungen Nixons und Eberles US-Wirtschaftsbeirat rechnet nicht mit weltweiter Rezession
- Auszüge aus dem Bericht an den Kongreß Nixon drängt auf rasche Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes
Von John J. Harter
USA rechnen mit Übereinkunft über ein "Interims"-Währungssystem
Von Eugene Brake

DOKUMENTATION
Amerikanische Stellungnahme zu chemischen Waffen und Mininukes
- Erklärung des US-Delegierten in Genf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Relaistation im Weltraum für den Flugverkehr
- I n t e r n a t i o n a l e Einigung über AEROSAT-System Expedition i n d i e Wetterküche d e r Erde
- GATE - I n t e r n a t i o n a l e s Großprojekt d e r Forschung

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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11/1974

USA BEGRÜSSEN SENKUNG DER IMPORTZÖLLE
-Wortlaut der Erklärungen Nixons und Eberles-

WASHINGTON —(AD)--

Präsident Nixon und Botschafter William D. Eberle haben

die Senkung der Importzölle für eine bedeutende Anzahl amerikanischer Waren
ü

jh die Europäische Gemeinschaft begrüßt. Die vom Weißen Haus am 31. Mai

veröffentlichte Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Ich freue mich, heute vormittag bekannt geben zu können, daß die Handelsbeauftragten der Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemsinschaft
auf ihrer Konferenz in Brüssel eine Formel vereinbart haben, um die Importzölle der Gemeinschaft für eine bedeutende Anzahl und ein bedeutendes Volumen
amerikanischer Exporte zu senken. Diese Zollsenkungen erfolgen als Kompensation für Änderungen, die im Zusammenhang mit der Erweiterung der Europäischen
Gemeinschaft durch den Beitritt Großbritanniens, Irlands und Dänemarks eingetreten sind.

Die Lösung dieser wichtigen Frage nach mehrmonatigen, langwierigen und
harten Verhandlungen ist ein wichtiger Schritt in Richtung auf bessere

-1-

�bessere atlantische Beziehungen. Sie trägt ferner dazu bei, den Weg für eine
rasche Verabschiedung des Gesetzes über eine Reform des Handels durch den
Senat zu ebnen.

Für ihren Einsatz bei den Verhandlungen über dieses Abkommen verdienen
der Vizepräsident der Kommission der Europäischen Gemeinschaft, Sir ,,..:..
Christopher Soames, und der amerikanische Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, Botschafter William D. Eberle, den Dank der gesamten atlantischen
Völkergemeinschaft.

Die Vereinigten Staaten hoffen, daß der bei diesen Verhandlungen herrschende Geist in den kommenden Monaten und Jahren weiter fortbestehen wird,
wenn wir andere wichtige und delikate Fragen zu lösen suchen."

Das Amt des amerikanischen Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen,
Botschafter Eberle, veröffentlichte gleichzeitig folgende Erklärung:

"Die seitens der Europäischen Gemeinschaft erfolgte Billigung einer
Formel, durch die die seit langem andauernden Verhandlungen zwischen den USA
und der EG über eine kompensierende Senkung der Importzölle durch den Gemeinsamen Markt bei einer bedeutsamen Anzahl und einem bedeutsamen Volumen amerikanischer Agrar-und Industrieexporte beendet wurden, ist von dem Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen, Botschafter William D.
Eberle,*wärmstens begrüßt und akzeptiert'worden.

Die Senkung der Importzölle der EG wurde nach den Bestimmungen des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) ausgehandelt und vereinbart. GATT-

�GATT-Artikel XXIV:6 verlangt von Zollunionen, daß mit Lieferländern Zollzugeständnisse ausgehandelt werden, sobald einzelne nationale Importzölle von
Mitgliedsstaaten zur Anpassung an einen gemeinsamen Außenzolltarif angehoben
werden. Dies war nach dem Beitritt Großbritanniens, Irlands und Dänemarks
zur Europäischen Gemeinschaft der Fall.

Botschafter Eberle hat die in Brüssel bekanntgegebene Lösungsformel begrüßt, *die an einem besonders kritischen Punkt der gegenwärtigen internationalen Wirtschaftsbeziehungen ein wichtiger Beweis dafür ist, daß potentiell
abträgliche Handelsstreitigkeiten zwischen Ländern nach multilateralen Regeln
mit der erforderlichen beiderseitigen Geduld,in gutem Glauben und mit dem entsprechenden politischen Wollen beigelegt werden können*.
•Ich pflichte der EG-Kommission bei», so hat Eberle erklärt, fdaß diese
Lösung einer schwierigen und delikaten Frage uns dem Beginn einer neuen Runde
multilateraler, auf Gegenseitigkeit beruhender Handelsverhandlungen wesentlich
näher bringt, die angesichts der schweren Belastungen des internationalen
Handelssystems heute dringender denn je zuvor sind.

Die Beendigung der Gespräche nach Artikel XXIV:6 ,*so hat Eberle weiter
betont, •ebnet ferner ganz wesentlich den Weg für Fortschritte bei unserem Gesetz über eine Reform des Handels, das gegenwärtig dem Senat vorliegt und
das ein sine qua non für die neue multinationale Verhandlungsrunde darstellt.'
Die von der EG nach Artikel XXIV gebilligte Formel bringt Zollsenkungen für
den amerikanischen Export von Tabak, Orangen und Grapefruit, Kraftpapier,
Filmmaterial, nicht-landwirtschaftliche Zugmaschinen, Erdbewegungsmaschinen,

-3

�I
' i

i!

Erdbewegungsmaschinen, Diesel-und Schiffsmaschinen sowie Außenbordmotore,
Zubehörmaschinen, Meßinstrumenten, Pumpen, Sperrholz sowie anderen Waren.

Der Wert der Warenexporte in die EG, für die seitens der Europäischen Gemeinschaft neue Zugeständnisse in diesen Verhandlungen gemacht worden sind,
wird schätzungsweise in der Größenordnung von einer Dreiviertelmilliarde Dollar liegen. Diese Konzessionen werden zusätzlich zu den anderen Zollverbesserungen eingeräumt, die sich automatisch aus der Anpassung der britischen,
irischen und dänischen Zollsätze an den gemeinsamen Zolltarif der Gemeinschaft
ergeben.

Die von der EG heute gebilligte Formel enthält keine Zugeständnisse,
wie sie von den USA für den Export von Getreide gefordert werden. Die Vereinigten Staaten haben sich das Recht vorbehalten, die Verhandlungen über diese
Frage im Rahmen des GATT fortzusetzen, und die USA und die EG haben gemeinsam
vereinbart, 'die Gespräche mit dem Ziel fortzuführen,in internationalen Verhandlungen vereinbarte Lösungen des Problems anzustreben, das sich auf dem Gebiet
des internationalen Handels mit Getreide ergibt1.
Eberle hat ferner darauf hingewiesen, daß die Beilegung des Problems
unter XXIV: 6 einen allen Seiten zum Vorteil gereichenden Durchbruch für die
amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen bedeutet und die Atmosphäre der allgemeinen Beziehungen wesentlich verbessern dürfte."

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11/1974

US-WIRTSCHAFTSBEIRAT RECHNET NICHT MIT WELTWEITER REZESSION
-Auszüge aus dem Bericht an den Kongreß-

WASHINGTON --(AD)»- Die Gefahr einer weltweiten Rezession ist zurückgegangen. Allerdings unterstreichen die kürzlich von Italien, Dänemark und Isi

land ergriffenen Maßnahmen die Notwendigkeit von Vereinbarungen über den
Verzicht auf einseitige, den internationalen Zahlungsverkehr betreffende
Restriktionen. Dies haben Präsident Nixon und sein Wirtschaftsbeirat in
einem dem amerikanischen Kongreß am 28. Mai übermittelten Bericht festgestellt, der sich eingehend mit den anstehenden wirtschaftspolitischen Fragen
befaßt. Wir geben im folgenden Ausschnitte aus den Kapiteln wieder, die sich
mit dem Energieproblem,der Frage von Verknappungen sowie der Lage der Weltwirtschaft Anfang 1974 befassen.
Energie

... Bei den derzeitigen Weltmarktpreisen ist die Förderung erheblich
größerer Mengen von Erdöl und anderen Brennstoffen im eigenen Lande sicherer

�1

sicherer und wahrscheinlich auch billiger als ihre Einfuhr. Solange d-r Preis
des importierten Erdöls auf dem derzeitigen Stand bleibt, wird es wirtschaftlicher sein, durch Ausweitung der inländischen Energieerzeugung einen immer
größeren Teil des eigenen Bedarfs zu decken. Dies bedingt größere Investitionen auf dem Energiesektor. Es wird notwendig sein, eine Politik zur Erleichterung solcher Investitionen zu entwickeln, und dies schließt auch die Beseitigung staatlicher Hindernisse ein. Ferner ist es in einer Zeit hoher Energiepreise noch wichtiger als sonst, sicherzustellen, daß die verfügbaren Energiemengen rationell genutzt werden.

Sollten jedoch die Preise für ausländisches Erdöl wesentlich zurückgehen, wären wir vor eine schwierige Entscheidung gestellt. Es wäre dann billi—
ger,weiterhin einen wesentlichen Teil unseres Erdölbedarfs zu importieren.
*

Würden wir dies nicht tun, so würde die amerikanische Industrie einen Wettbewerbsnachteil hinnehmen müssen. Die kürzliche Unterbrechung unserer Erdölversorgung hat jedoch das Risiko unterstrichen, das sich aus einer weiteren
starken Abhängigkeit von Erdölimporten im Rahmen der derzeitig gültigen Verträge ergeben würde. Angesichts solcher Gegebenheiten wäre es notwendig,
verschiedene Maßnahmen festzulegen, um eine möglichst billige Bereitstellung
einheimischer Energie sicherzustellen, sowie zu entscheiden, inwieweit eine
Abhängigkeit von billigeren ausländischen Lieferungen sicher ist.
Zwecks Erarbeitung eines langfristigen energiepolitischen Paketes wurden
zwei Initiativen eingeleitet. Einmal befaßt sich eine interministerielle Arbeitsgruppe, koordiniert durch das Bundesamt für Energiewirtschaft (FEA), mit

-2-

�mit den politischen Optionen, um eine billige und zuverlässige

7

i räiover-

sorgung sicherzustellen. Diese Arbeitsgruppe prüft Maßnahmea, jm ausländische Lieferungen sicherer zu machen und die Anfälligkeit der Wirtschaft gegenüber Marktstörungen zu verringern, sowie eine Politik, um die Gewinnung
wie auch den Verbrauch von Energie rationeller zu gestalten und Alternativen
zur Ausweitung der einheimischen Energieerzeugung zu Wettbewerbspreisen zu
finden. Man darf erwarten, daß die Arbeitsgruppe Ende des Sommers einen
ersten Bericht zu den Optionen und im Oktober einen endgültigen Bericht vorlegen wird.

Zweitens war im Februar 1974 eine Energiekonferenz nach Washington einberufen worden, auf der das amerikanische Außenministerium eine führende Rolle spielte. Diese Konferenz hat zur Bildung einer Energiekoordinierungsgruppe (ECG) geführt, der die meisten Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft,
Japan, Kanada, Norwegen und die Vereinigten Staaten angehören. Die ECG hat
die Arbeit aufgenommen, um einen Rahmen für eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energiepolitik zu entwickeln...

Das Problem der Verknappungen
... Wir machen uns Sorge über die möglichen Folgen eines erneuten Rückgangs der Weltgetreideernte, der - falls es dazu kommen sollte - sich unter
weitaus gefährlicheren Begleitumständen vollziehen könnte als der letzte,
der bereits so schwerwiegende Auswirkungen hatte. Die Welt würde im Falle
eines solchen Rückgangs der Getreideernte erheblich niedrigere Vorräte als

�1
I

4

als 1972 sowie weitaus geringere Reserven an ungenutztem Ackerland nah :.. Die
Haltung ausreichender Lebensmittelreserven ist ein die ganze Welt betreffendes Problem . Die Vereinigten Staaten können es weder allein lösen noch sich
von dem abschirmen, was in anderen Teilen geschieht. Die Vereinigten Staaten
haben eine internationale Lebensmittelkonferenz unter der Leitung der Vereinten Nationen vorgeschlagen, die diese Frage sowie hiermit zusammenhängende
Fragen prüfen soll. Bei der Vorbereitung einer solchen Konferenz wäre unter
anderem auch die Frage der Bevorratung von Grundnahrungo litteln zu untersuchen.
Das Unterhalten großer Vorräte an sich ist bereits kostspielig; wenn man jedoch in einem Krisenfall nur über geringe Vorräte verfügt, so ist dies ebenfalls kostspielig. Welches ist nun angesichts dieser Tatsache das Optimum an
Bevorratung, das auf der Welt anzustreben wäre? Liegt es über der Bevorratung,
die von privater Seite ohne Beteiligung der Regierungen vorgenommen wird?

*

Wenn ja, wie könnten die Regierungen dann eine darüber hinausgehende Bevorratung erleichtern?

Wie ließen sich die Kosten einer Bevorratung unter den Re-

gierungen aufteilen? Eine gemeinsame Lösung für diese Fragen könnte eine große
Sorge beseitigen,die heute auf den Schultern der verantwortlichen Politiker
überall auf der Welt lastet.

Die Erfahrungen der letzten Monate haben viele daran erinnert, daß die
Aufgabe des Außenhandels nicht nur darin besteht, im Ausland zu verkaufen, sondern - und das ist noch wichtiger - auch darin, im Ausland einzukaufen. Wir
sind auf einmal mehr besorgt, daß wir eines Tages nicht mehr das kaufen könnten, was wir brauchen, und nicht so sehr, daß wir nicht mehr das, was wir

�wir haben, verkaufen können. Dies hat zu Änderungen des Handelsgesetzes geführt, damit klargestellt ist, daß wir mit anderen Ländern Verhandlungen
nicht nur über Garantien führen sollten, daß wir verkaufen können, sondern
auch über Garantien für einen Zugang - unter nicht-diskriminierenden Bedingungen - zu ihren Rohstoffen.
Im Augenblick befassen sich zwei interministerielle Arbeitsgruppen der
Regierung mit dem Problem der Verknappungen - Erdöl und Lebensmittel ausgenommen. Die eine Arbeitsgruppe erörtert die Möglichkeit einer Unterbrechung
der Versorgung oder von Kartelbeschlüssen bei Rohstoffen - Erdöl ausgenommen
und entwickelt politische Alternativen, die für die Vereinigten Staaten in
Frage kämen. Die andere Arbeitsgruppe prüft mögliche bindende internationale
Abmachungen, um einen störungsfreien Warenfluß auf den Weltmärkten zu gewährleisten.

Aufgrund eines Briefwechsels zwischen dem Präsidenten und den Fraktionsführern im Senat haben die für die Wirtschaftspolitik verantwortlichen Männer
der Regierung und die führenden Mitglieder des Senats mehrere Wochen lang
die Frage der Verknappungen erörtert. Das Ergebnis ihrer Gespräche war eine
Empfehlung, vorübergehend einen nationalen Ausschuß für Versorgung und Verknappungen einzusetzen, in dem Regierung, Kongreß und Privatwirtschaft
vertreten sind und der prüfen soll, wie sich Verknappungen vorhersehen, vermeiden oder überwinden lassen und der eine geeignete kontinuierliche Politik
oder organisatorische Maßnahmen empfehlen soll...
Die

-5-

�i
Die internationale Wirtschaft Anfang 1974

Mit Beginn des neuen Jahres sahen sich die Volkswirtschaften der Welt
zahlreichen aus der Ölkrise resultierenden Ungewißheiten gegenüber. Auf der
einen Seite hatte der starke Anstieg der Erdölpreise auf das allgemeine
Preisgefüge zu einer Zeit einen Druck nach oben ausgeübt, als die Inflation bereits praktisch allen Industriestaaten der Welt große Sorge bereitete. Auf der anderen Seite drohtendie produktionsdämpfenden Folgen der
Energieverknappung und ihr negativer Einfluß auf die Nachfrage nach "energieabhängigen" Gütern und Dienstleistungen sich recht nachteilig auf Gütererzeugung und Beschäftigung auszuwirken. Hinter diesen potentiellen Gefahren
zeichnete sich drohend die Möglichkeit ab, daß das in den letzten Jahren so,
mühsam zwischen den einzelnen Ländern geschaffene System der Zusammenarbeit
unter dem Druck der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, denen sich die einzelnen Volkswirtschaften gegenübersahen, einer Politik des Alleingangs ohne
Rücksicht auf den Nachbarn weichen würde. Damit erhöhte sich die Möglichkeit
neuer Handelsrestriktionen und sogar einer weltweiten Rezession.

Die Energiekrise hat in die Probleme der Entwicklungsländer wie auch in
ihre Beziehungen zu der industrialisierten Welt eine neue Dimension gebracht.
Die stark gestiegenen Energiekosten haben den Entwicklungsplänen zahlreicher dieser Länder einen schweren Schlag versetzt und zu dem Bemühen geführt,
Hilfe zur Überbrückung dieser Lücken zu erhalten. Zwar hat der Anstieg der
Ölpreise bei einigen Entwicklungsländern ein Interesse wach werden lassen,

�lassen, bei den verschiedenen Rohstoffen ein ähnliches Kartell wie des von
den Erdölproduzenten errichtete aufzubauen, doch erscheint es unwahrscheinlich, daß diese Taktik über einen sehr begrenzten Rahmen hinaus erfolgreich
ist, sofern die Moeglichkeit allgemein erhältlicher Ersatzstoffe besteht.

Im Verlauf des Jahres verloren einige der Unsicherheitsfaktoren an Gewicht. Obwohl sich in zahlreichen Ländern, darunter auch die Vereinigten
Staaten, die Inflation in den ersten Monaten des Jahres 1974 weiter beschleunigte, ließ sich eine verstärkte Entschlossenheit feststellen, ihr wirksamer als in der Vergangenheit entgegenzutreten. Gleichzeitig nah^ auch die
Gefahr einer weltweiten Rezession ab, als klar wurde, daß die einzelnen Länder nicht beabsichtigten, eine zu stark restriktive Währungs-und Haushaltspolitik einzuschlagen.

Die Verhandlungen innerhalb der Zwanziger Gruppe über eine Reform des
internationalen Währungssystems wurden fortgesetzt, wobei einige der Ziele
modifiziert wurden, um den auf den internationalen Rohstoffmärkten bestehenden neuen Bedingungen Rechnung zu tragen. Die hieran beteiligten Länder haben
erkannt, daß die Schaffung eines Systems relativ fester Wechselkurse in einer
Situation, für die nicht vorhersehbare Änderungen charakteristisch sind, die
erforderlichen Anpassungsprozesse ernstlich beeinträchtigen würde. Es wird
in weiten Kreisen anerkannt, daß das System der floatenden Wechselkurse, wie
es gegenwärtig in einer durch staatliche ad hoc-Interventionen modifizierten
Form gehandhabt wird, unter den gegenwärtigen Umständen am besten den Erfordernissen entspricht. In letzter Zeit konzentrierten sich die Bemühungen weit-

-7-

�I
weitgehend auf die Entwicklung eines allgemein akzeptierbaren Verhaltenskodex für staatliche Interventionen, die ungeordnete Verhältnisse an den Devisenbörsen verhindern sollen, ohne daß die grundlegenden Bestrebungen für eine
Wechselkursanpassung unterdrückt werden. In den ersten Monaten des Jahres
1974 ging der Wert des US-Dollar gegenüber den anderen Hauptwährungen zurück.
Dies war zum Teil auf die Beurteilung des Marktes zurückzuführen, daß die Ölkrise sich auf die langfristigen wirtschaftlichen Aussichten Europas und Japans weniger nachteilig auswirken werde, als zuvor angenommen worden war.
Trotz des niedrigeren Dollarkurses, der zumindest langfristig die Exporte stärker als die Importe fördern mußte, verschlechterte sich die amerikanische Handelsbilanz im ersten Quartal 1974. Dies ist auf die staric gestiegenen
Kosten des Erdöls und anderer Rohstoffimporte zurückzuführen. Genauso sahen
sich andere Länder der Welt ähnlichen Problemen eines Ungleichgewichtes ihrer
laufenden Konten gegenüber. Ja, zahlreiche andere Industriestaaten werden
wahrscheinlich das Jahr mit einem noch weit größeren Defizit ihrer laufenden
Konten abschließen als wir.

Um miteinander konkurrierende Anstrengungen aller Erdöl importierenden
Länder auszuschließen, ihre Handelsbilanzdefizite auf andere zu verlagern, was
lediglich zu einem Rückgang des Handels ohne Abbau des Defizits innerhalb der
Ländergruppe als ganzes führen würde, arbeiten die Mitgliedsstaaten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gegenwärtig Vereinbarungen aus, von
einseitigen, ihren internationalen Zahlungsverkehr betreffenden Restriktionen

-8-

�Restriktionen Abstand zu nehmen. Die kürzlich von Italien und ebenso von
Dänemark und Island ergriffenen restriktiven Maßnahmen zeigen die Notwendigkeit derartiger Vereinbarungen.
Die anhaltenden Bemühungen seitens der Administration, den Kongreß anzuhalten, das Handelsgesetz zu verabschieden und dadurch die USA in die Lage
zu versetzen, die Führung bei der Gewährleistung eines freieren Handels zu
übernehmen, sind angesichts der gegenwärtigen Situation besonders angebracht.
Die jüngste amerikanische Initiative, Maßnahmen der OECD zur Verbesserung der
Investitionsbestimmungen zu beschleunigen und so eine Diskriminierung ausländischer Investoren zu verhindern, die damit auch zu einem freieren Kapitalverkehr zwischen den einzelnen Ländern führen würde, ist ebenfalls als wichtiger Bestandteil der Gesamtbemühungen zu sehen, engere Bindungen zwischen
den Ländern der Welt zu erreichen und die Ausbreitung der selbstzerstörerischen protektionistischen Praktiken zu verhindern.

Die Probleme der Entwicklungsländer sind von der amerikanischen Regierung 1974 eingehend geprüft worden. Die Bereitstellung von Mitteln sowohl für
unsere bilateralen Hilfsprogramme wie auch für unsere Beiträge zu den multilateralen Institutionen, wie zum Beispiel die Internationale Entwicklungsgesellschaft, um auf diese Weise Härten für die Entwicklungsländer zu mildern,
wird nach einigen Verzögerungen nunmehr vom Kongreß abgeschlossen. Gleichzeitig beteiligt sich die amerikanische Regierung an internationalen Verhandlungen, die zu einem Kodex für die Sicherung der Rohstoffversorgung führen könnten, die alle Länder für die Verwirklichung ihres gleichen Strebens nach

-9-

�t
nach einem höheren Lebensstandard ihrer Bevölkerung benötigen.

Insgesamt gesehen können wir mit Recht zuversichtlich sein, daß die internationale Völkergemeinschaft die gegenwärtigen Schwierigkeiten überwinden
wird, wenn auch einige Länder vor ernsteren Problemen stehen als andere, unter ihnen die Vereinigten Staaten. Zur Verwirklichung dieses Zieles ist es
jedoch notwendig, daß wir uns aktiv an den gemeinsamen internationalen Bemühungen beteiligen - Bemühungen, die zum Beispiel durch das Handelsgesetz nach
seiner Verabschiedung gefördert werden. Bei zahlreichen dieser Unterfangen
sind unsere Initiative und unsere Führung in der Tat dringend notwendig.

+-H-

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11/1974

NIXON DRÄNGT AUF RASCHE VERABSCHIEDUNG DES NEUEN HANDELSGESETZES
Von John J. Harter

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat in den letzten Tagen erneut unmißverständlich zu verstehen gegeben, daß er alles in seiner Macht stehendo
tun werde, um die Behandlung und Verabschiedung des neuen Gesetzes über
eine Reform des Handels zu beschleunigen. "Diesem Gesetz", so erklärte der
Präsident in seiner Rundfunkansprache vom 25. Mai, "kommt nicht nur eine
entscheidende Bedeutung bei der Stärkung der amerikanischen Wirtschaft auf
lange Sicht zu, sondern es wird auch der amerikanischen Regierung die Werkzeuge in die Hand geben, um die ihr zukommende Rolle bei der Weiterentwicklung der Weltwirtschaft übernehmen zu können."

Bereits zwei Tage zuvor hatte der Präsident in einem Gespräch mit dem
Vorsitzenden des Finanzausschusses des amerikanischen Senats, Senator Rüssel
Long, und dem führenden republikanischen Mitglied dieses Ausschusses, Senator Wallace Bennett, die Zusicherung erhalten, daß dieser wichtige Ausschuß
die abschließende Behandlung der Vorlage umgehend aufnehmen wird. Allerdings

-1-

�1

i
Allerdings machte Senator Long später vor der Presse die Einschränkung,
"soweit dies unser angespannter Terminkalender gestattet". .So ist es durchaus
möglich, daß die Debatte über das Handelsgesetz verschiedentlich unterbrochen
wird, um andere Vorlagen, zum Beispiel zur Krankenversicherung, über steuerliche Maßnahmen oder die von der Regierung beantragte Erhöhung des Schuldenplafonds einzuschieben. Doch haben Ausschußmitglieder bereits angedeutet,
daß die Beratungen so vorangetrieben werden sollen, daß das Plenum des Senats
noch im Sommer über das Gesetz abstimmen kann.

Die vom Repräsentantenhaus bereits im Dezember vorigen Jahres verabschiedete Fassung des neuen Handelsgesetzes würde den Präsidenten unter anderem dazu ermächtigen:

—

im Rahmen der im September 1973 in Tokio eingeleiteten neuen Runde

von Handelsgesprächen mit anderen Ländern weitreichende Abkommen über den Abbau der tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken abzuschließen;

— unter bestimmten Bedingungen den Importen aus Entwicklungsländern
eine bevorzugte zollfreie Behandlung einzuräumen; und
—

zahlreiche administrative Maßnahmen zu ergreifen mit dem Ziel, die

Beteiligung der USA an einem expandierenden Welthandel zu erleichtern, wobei
einzelne dieser Maßnahmen eventuell einer nachträglichen Überprüfung durch
den Kongreß unterliegen sollen.

Der

-2-

�Der am meisten umstrittene Punkt der vom Repräsentantenhaus verabschü deten Vorlage ist Abschnitt 4, in dem die Vollmachten des Ptr -irenten eingeschränkt werden, der Sowjetunion und anderen sozialistischen Ländern staatliche Exportkredite und eine nicht-diskriminierende Zollbehandlung zu gewähren. Außenminister Kissinger hat bereits zu verstehen gegeben, daß der Präsident sein Veto gegen das Gesetz einlegen wird, falls diese Bestimmung

nicht

gestrichen wird.

Präsident Nixon kann nach den derzeitigen Bestimmungen der Sowjetunion
und den übrigen sozialistischen Ländern Exportkredite gewähren, doch ist r
nicht ermächtigt, Importen aus diesen Ländern die Meistbegünstigung einzuräumen. Der vom Repräsentantenhaus verabschiedete Gesetzestext würde dem Präsidenten künftig vorschreiben, allen Ländern, die die Auswanderung behindern,
Kredite sowie auch die Meistbegünstigung vorzuenthalten.

Wenn es gelingt, eine Lösung für dieses Problem zu finden, dann dürfte
das neue Gesetz nach Ansicht maßgebender Regierungskreise im Senat eine große
Mehrheit finden. Was die Angleichung der vom Repräsentantenhaus und vom Senat
verabschiedeten unterschiedlichen Gesetzesfassungen anbetrifft, so ist im Vermittlungsausschuß kaum mit irgendwelchen größeren Schwierigkeiten zu rechnen.

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11/1974

USA RECHNEN MIT ÜBEREINKUNFT ÜBER EIN "INTERIMS"-WÄHRUNGSSYSTEM

Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)— Die Vereinigten Staaten drängen auf eine Stärkung der
Stellung des Internationalen Währungsfonds (IWF), damit dieser künftig darauf hinwirken kann, daß Beschränkungen des Handels-und Zahlungsverkehrs
nicht mehr in dem bisherigen Maße zur Lösung von Zahlungsbilanzproblemen
angewandt werden.

Nach Ansicht der USA sollte eine solche Vereinbarung in dem Paket von
Interimsmaßnahmen enthalten sein, das der Zwanzigerausschuß für eine Reform
des Internationalen Währungssystems auf seiner Abschlußsitzung in Washington
am 12. und 13. Juni beschließen soll. Der Staatssekretär im amerikanischen
Finanzministerium, Paul Volcker, hat bereits auf seiner letzten Pressekonferenz angedeutet, daß auf der Juni-Sitzung mit der Verabschiedung einer langen Liste von Interimsmaßnahmen zu rechnen sei, die den Weg für eine weitere
Entwicklung des internationalen Währungssystems weisen werden.
Zu

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&lt;%
Zu den vom Zwanzigerausschuß in den letzten Monaten erörterten Maßnahmen gehören Richtlinien für das Floaten der Wechselkurse, die Errichtung
eines ständigen Ausschusses - ähnlich dem derzeitigen Zwanzigerausschuß im Rahmen des Internationalen Währungsfonds, ein Interimsabkommen über Bewertung und Verwendung der IWF-Sonderziehungsrechte sowie Schaffung eines
Sonderfonds zur Unterstützung finanzieller Anpassungen, die aufgrund der
stark angestiegenen Erdölpreise erforderlich geworden sind.

Die Frage, wie Einschränkungen des Handels und des Zahlungsverkehrs vermieden werden können, hat gerade jetzt besondere Dringlichkeit gewonnen angesichts der starken Belastungen, die der jähe Preisanstieg des Importöls
für zahlreiche Länder mit sich gebracht hat. Der Zwanzigerausschuß hatte bereits im Januar auf seiner Sitzung in Rom davon Kenntnis genommen, daß einige Länder wahrscheinlich mit hohen Defiziten in ihren laufenden Konten rech- '
nen müßten und alle Regierungen aufgerufen, auf keinen Fall zu einer Politik
zu greifen, die diese Defizite lediglich auf andere Länder abwälzen würde.
Es müßten in jedem Fall miteinander konkurrierende Abwertungen sowie eine
Eskalation von Beschränkungen für den Handels-und Zahlungsverkehr vermieden
werden. Mit der Verabschiedung des "Stillhalteabkommens" auf der Tagung der
Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) in
Paris in dieser Woche ist nunmehr ein wichtiger Schritt in dieser Richtung
getan worden.

Die Vereinigten Staaten möchten jedoch, wie Volcker betonte, daß eine
derartige Zusicherung auch in die Statuten des Internationalen Währungsfonds
aufgenommen wird und dadurch die Form eines internationalen Vertrags erhält,

-2-

�erhält, und sie streben daher eine wichtige institutionelle Neuerung an. Zur
Zeit obliegt dem Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommen (GATT) die Aufsicht über
bestimmte Formen von Restriktionen, während der IWF wieder für andere zuständig ist. Manche der Restriktionen, zu denen einzelne Länder greifen könnten,
liegen nach Ansicht der USA jedoch genau in der Mitte zwischen den Kompetenzbereichen dieser beiden Organisationen, so daß eine wirksame internationale
Überwachung nicht gegeben ist. Daher sollten künftig alle aus Zahlungsbilanzgründen erlassenen Restriktionen in den Zuständigkeitsbereich des IWF fallen.

Volcker faßte die Ansichten der USA zu den übrigen Maßnahmen des Interims-Reformpaketes wie folgt zusammen:
-- Beibehaltung des Zwanzigerausschusses als ständiges Gremium: Nachdem
der neue IWF-Gouverneursrat sich aus den Finanzministern der Mitgliedsstaaten
zusammensetzt, würde dieser Schritt die Authorität des IWF stärken und ein
neues Kommunikationsmittel für den Ideenfluß von der internationalen Völkergemeinschaft hin zu den Entscheidungsgremien der nationalen Regierungen
schaffen.

-- Richtlinien für ein System floatender Währungen: Es besteht gute
Aussicht dafür, daß eine Übereinstimmung über solche Richtlinien erzielt
wird. Die einzelnen Regierungen könnten dann Maßnahmen im Hinblick auf ihre
Wechselkurse ergreifen, damit diese für einen bestimmten Zeitraum weitgehend
durch die Marktkräfte bestimmt werden. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Regierungen im Rahmen des Systems floatender Wechselkurse war bisher

-3-

�1
I
bisher recht gut; die neuen Richtlinien sind jedoch ein wichtiges Hilfsmittel, um dieses "Wohlverhalten" zu institutionalisieren.

-- Bewertung der Sonderziehungsrechte: Nach Ansicht Volckers kann das
Juni-Treffen ein Interimsabkommen hierzu bringen. Es besteht Übereinstimmung
darüber, daß der Wert der Sonderziehungsrechte auf der Basis des Wertes einer
Gruppe harter Währungen festgelegt werden und nicht an eine einzige Währung
oder an das Gold gekoppelt sein sollte. Einzelheiten hierzu sind bereits von
den Exekutivdirektoren des IWF ausgearbeitet worden. Dagegen ist die Frage,
mit welchem Zinssatz die Sonderziehungsrechte ausgestattet werden sollen,
weitaus schwieriger zu lösen. Beide Punkte sind jedoch wichtig, denn sie entscheiden darüber, ob die Sonderziehungsrechte die ihnen in dem neuen internationalen WährungsSystem zugedachte Rolle wirklich ausfüllen können. Der
*
Wert der Sonderziehungsrechte muß so geschützt werden, daß die einzelnen Regierungen sie auch als Währungsreserve voll akzeptieren. Allerdings, so räumte
Volcker ein, bestehe dann auch die Gefahr, daß die einzelnen Regierungen sich
weigern könnten, Sonderziehungsrechte für den Ausgleich ihrer internationalen
Konten einzusetzen.
-- Sonderfonds zur Finanzierung der gestiegenen Erdölkosten: Der von dem
IWF-Direktor H. Johannes Witteveen vorgeschlagene Sonderfonds soll dazu beitragen, die von den Erdölländern eingenommenen Gelder wieder in solche Länder
zurückzuschleusen, die Kredite zur Finanzierung ihrer Erdölkäufe benötigen.
Die bisherigen Erfahrungen haben nach den Worten Volckers gezeigt, daß die
stark angestiegenen Geldströme nach den Erdölländern auch wieder zurück in

-4-

�in die Weltwirtschaft fließen. Das Problem besteht jedoch darin, daß dieser
Rückfluß, der in erster Linie die Form von Investitionen in den Industriestaaten annehmen müßte, nicht immer in die Länder erfolgen würde, die am dringendsten zusätzliche Mittel zur Finanzierung ihres Energiebedarfs benötigen. Der
neue Sonderfonds soll künftig solchen Ländern Kredite einräumen und gleichzeitig als Instrument für Investitionen der Erdölländer dienen. Solche Kredite
würden zu dem handelsüblichen

Zins gewährt werden. Das bisher noch nicht ge-

löste Problem ist jedoch, daß die ärmeren

Entwicklungsländer derartige Zinsbe

lastungen nicht tragen können.

—

Entwicklungsfragen: Die Vereinigten Staaten hoffen nach den Worten

Volckers ferner, daß Übereinkunft über die Ausarbeitung einer Studie über
Entwicklungsfragen erzielt wird, die unter Aufsicht des IWF und der Weltbank
von einer Gruppe internationaler Finanzexperten durchgeführt werden soll.

Volcker, der seinen Posten im Finanzministerium zu einem noch nicht genau
festgesetzten Zeitpunkt an den derzeitigen stellvertretenden Staatssekretär
für Währungsfragen, Jack F. Bennett, übergeben wird und dann aus dem Regierungsdienst ausscheidet, äußerte sich auch zu der Stellung des Goldes in einem
künftigen Währungssystem. Nach seinen Worten sollte nichts geschehen, um diese
Stellung zu stärken. Die Vereinigten Staaten, so fuhr der Staatssekretär fort,
seien jedoch etwas besorgt über einige Aspekte der von einzelnen europäischen
Ländern unterbreiteten Vorschläge, Gold zu einem marktüblichen Preis für den
Ausgleich von Zahlungsbilanzungleichgewichten zu benutzen. Trotzdem seien die
USA bereit,diese Frage zu erörtern.
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11/1974

AMERIKANISCHE STELLUNGNAHME ZU CHEMISCHEN WAFFEN UND MININUKES
- Erklärung des US-Delegierten in Genf -

GENF --(AD)-- Der amerikanische Chefdelegierte auf der Genfer Abrüstungskonferenz, Botschafter Joseph Martin, hat am 23. Mai zu dem japanischen Entwurf
für ein Verbot chemischer Waffen und zu der Frage der Kleinstatomwaffen, der
sogenannten Mininukes, Stellung genommen. Die Konferenz des Abrüstungsausschusses der Vereinten Nationen (CCD), die seit Jahren in Genf zusammenkommt,
hat am 23. Mai ihre Frühjahrssitzung vertagt und wird voraussichtlich am 2.
Juli zur Sommersitzung einberufen werden.

Die Erklärung des amerikanischen Chefdelegierten auf der Abschlußsitzung
der Frühjahrstagung hat folgenden Wortlaut:

"Die Frühjahrstagung der Genfer Abrüstungskonferenz ist zwar kurz gewesen, jedoch keineswegs unproduktiv. Ich glaube, wir sind uns alle einig,
daß die wohl bedeutsamste Entwicklung in unseren Verhandlungen die Vorlage
eines Entwurfes für eine Konvention über das Verbot chemischer Waffen
(CCD/420) durch die japanische Delegation gewesen ist. Meine Regierung wird

-1-

�4
wird den Vertragsentwurf sehr ernsthaft prüfen. Darf ich jedoch schon einige
vorläufige Bemerkungen zu dem Entwurf machen.

Meine Delegation begrüßt die japanische Initiative als einen konstruktiven Schritt vorwärts auf unser gemeinsames Ziel hin, wirksame Einschränkungen
für chemische Waffen zu erreichen. Wie das im August vorigen Jahres angelegte Arbeitspapier (CCD/413) stellt der Konventionsentwurf eine lobenswerte Anstrengung dar, viele der von Mitgliedern des Ausschusses vorgetragenen unterschiedlichen Auffassungen auf einen Nenner zu bringen. Wir hoffen, daß die
wohlüberlegte Behandlung einiger der Kernfragen, die bei jeder Einschränkung
chemischer Kriegführung gelöst werden müssen, in dem Entwurf, uns in den kommenden Monaten in die Lage versetzen wird, unsere Erörterungen auf konkreterer Basis fortzusetzen.
4

Mit besonderem Interesse haben wir die Bestimmungen im Vertragsentwurf
zur Kenntnis genommen, die sich mit Verifizierung befassen. Obwohl die spezifischen Merkmale des vorgeschlagenen Verifizierungssystems natürlich Anlaß
zu Fragen geben, die näher geklärt werden müssen, sind wir doch der Überzeugung, daß diese Bestimmungen des Vertragsentwurfs die Überlegungen des Ausschusses hinsichtlich des Verifizierungsproblems in eine vielversprechende
Richtung lenken könnten.

Wir sehen den Auffassungen anderer Delegationen hinsichtlich solcher
Fragen wie Funktion und Zusammensetzung einer internationalen Verifizierungsbehörde und der Verfahren einer internationalen Konsultation und Inspektion
mit Interesse entgegen.
Die

-2-

�Die Grundeinstellung des japanischen Vorschlages, so scheint es uns, ist
die Festlegung des Endziels all unserer Anstrengungen - als grundsätzliche
Verpflichtung - nämlich ein wirksames Verbot der Entwicklung, Herstellung und
Lagerung jeglicher chemischer Waffen - während gleichzeitig praktische
Schritte für die Übergangszeit unternommen werden. In seiner Erklärung zur
Vorlage des Konventionsentwurfs hat der verehrte Vertreter Japans, Botschafter Nisibori, festgestellt, daß 'es unrealistisch wäre, zu erwarten, daß
gleich von Anfang an ein umfassendes Verbot erreicht werden könnte». Bei der
Erörterung von Artikel IV des Vertragsentwurfes erklärte er ferner, daß Vertragsparteien bestimmte vorläufige Maßnahmen ergreifen könnten - d.h. nur
eine teilweise Einschränkung akzeptieren würden - bis Abkommen - einschließlich von Abkommen über wirksame Verifizierungsmaßnahmen - getroffen worden
sind. Die Methode des schrittweisen Vorgehens, wie sie im Vertragsentwurf
benutzt wird, stimmt mit einem von meiner Delegation nachdrücklich vertretenen Grundsatz überein, daß nämlich das Ausmaß der Begrenzung der chemischen
Kriegführung in einem Verhältnis zu den Möglichkeiten der Verifizierung stehen sollte.

Aus einer ersten Prüfung des Vertragsentwurfes haben wir den Eindruck
gewonnen, daß zu dem Zeitpunkt, an dem das Abkommen in Kraft treten würde, es
zwei Wege gäbe, nach denen Umfang und Ausmaß des Abkommens begrenzt wären..
Erstens würde, wie ich bereits erwähnt habe, Artikel IV es den Vertragsparteien erlauben, bestimmte chemische Stoffe aus Umfang und Ausmaß des Erstabkommens herauszunehmen bis Folgeabkommen, einschließlich solcher über weitere

-3-

�weitere Verifizierungsbestimmungen, es ermöglichen, die Liste derart ausgenommener Stoffe zu verkleinern oder abzuschaffen. Darüber hinaus würden sich
die Vertragschließenden unter Artikel II selbst verpflichten, schließlich
alle Lager chemischer Waffen zu vernichten, wobei die Vernichtung so bald wie
möglich stattzufinden hätte. Damit könnten also Umfang und Ausmaß des Abkommens auf zwei Wegen schrittweise ausgedehnt werden - durch Verkleinerung der
Liste der ausgenommenen Stoffe und durch die Vernichtung der Lager. Es wird
uns sehr interessieren, von dem japanischen Vertreter zu erfahren, wenn er
künftig auf dieses Thema zurückkommen wird, ob der Vertragsentwurf Verhandlungen über künftige weitere Abkommen über die Vernichtung von Lagern, einschließlich weiterer Abkommen über wirksame Verifizierungsmaßnahmen, und
auch über die Verkleinerung der Liste der ausgenommenen Stoffe

vorsieht.

Oder beziehen sich die in Artikel IV und XIII vorgesehenen »weiteren Abkommen* nur auf die in Anhang I aufgeführten vorläufig ausgenommenen Stoffe?

Die amerikanische Delegation rechnet damit, daß sie mit Experten an den
informellen Sitzungen teilnehmen wird, die für die Sommertagung vorgesehen
sind. Nach unserer Überzeugung wird es nützlich sein, wenn sich die Experten
der Frage zuwenden, wie sich eine praktische und eindeutige Definition der
verbotenen Substanzen finden läßt. Darüber hinaus unterstützen wir den japanischen Vorschlag, daß die Experten die Arten von Informationen prüfen sollten, die ein nationales Kontrollgremium einer internationalen Körperschaft zu
unterbreiten hätte. Ferner müßte geprüft werden, welches Maß an Garantie
solche Informationen bieten könnten. Wir würden die Gelegenheit begrüßen, die
Wirksamkeit der verschiedenen Verifizierungsmethoden prüfen zu können, die

-4-

�die im Ausschuß behandelt worden sind.

Mininukes

Ich möchte mich jetzt einem Thema zuwenden, das die frühere Leiterin
der schwedischen Delegation, Mrs. Myrdal, im vorigen Jahr angeschnitten und
von der verehrten Nachfolgerin von Mrs. Myrdal, Mrs. Thorsson, auf unserer
633. Plenarsitzung aufgegriffen wurde. In ihrer Erklärung vom 9. August vorigen Jahres bezog sich die schwedische Delegierte auf Zeitungsberichte über
die Entwicklung einer neuen Generation von taktischen Nuklearwaffen, den sogenannten 'Mininukes*, die nach ihren Worten 'die gegenwärtige UnterscK ;idung
zwischen konventionellen Waffen und Nuklearwaffen verwischen würden». Eine
solche Entwicklung, so erklärte sie, würde die nukleare Bedrohung von Nichtnuklearstaaten drastisch verschärfen und 'die Prämissen in Frage stellen, von
denen die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrages ausgeht». Ich möchte hier
darlegen, warum solche Befürchtungen völlig unbegründet sind.

Der Begriff »Mininuke» ist in zwei wichtigen Aspekten irreführend. Zunächst einmal vermittelt dieses neue Schlagwort von seiner Prägung her den
falschen Eindruck, es handele sich hier um eine radikal neue und futuristische Waffengeneration. Und zweitens führt die Verkleinerungssilbe 'Mini* in
dem Begriff zu der falschen Vorstellung, es handele sich um eine MiniaturNuklearwaffe, die so behandelt und eingesetzt werden könnte wie eine konventionelle Waffe. Ich möchte beide dieser falschen Vorstellungen richtig stellen.
Wir

-5-

�J
Wir stehen heute nicht an der Schwelle eines qualitativen Durchbruchs
in der Entwicklung taktischer Nuklearwaffen - und wir haben in den letzten
Jahren nicht davor gestanden. Wir stehen vielmehr, wie dies Verteidigungsminister Schlesinger dargelegt hat, seit vielen Jahren in einem schrittweisen
Prozeß, unser taktisches Nukleararsenal in bescheidenem umfang zu verbessern.
Die Existenz taktischer Nuklearwaffen mit sehr niedriger Sprengkraft ist
nichts neues. Es ist sogar öffentlich bekannt, daß in das amerikanische Arsenal schon vor vielen Jahren Nuklearwaffen mit einer Sprengwirkung im Subkilotonnenbereich aufgenommen worden sind. Es ist keine Entscheidung getroffen worden, irgendein neues System zu produzieren oder zu dislozieren.

Das Hauptproblem, das die schwedische Delegierte angeschnitten hat, ist •
jedoch nicht, ob und wann irgendwelche spezifischen Verbesserungen des taktischen Nuklear-Arsenals vorgenommen werden, sondern vielmehr, wie sich solche Verbesserungen auf unser Ziel auswirken würden, den Ausbruch eines Krieges, vor allem eines Nuklearkrieges,zu verhüten.

Wenn es um die Entscheidung von Fragen der möglichen Veränderung des amerikanischen Arsenals an taktischen Nuklearwaffen geht, dann lassen wir uns
von dem Ziel der Verringerung des Risikos eines Nuklearkrieges leiten. Das
heißt mit anderen Worten, daß jede Verbesserung unseres Arsenals an taktischen Nuklearwaffen die Abschreckung wirksamer machen und damit die Wahrscheinlichkeit eines Nuklearkrieges überhaupt verringern muß.

Um

-6-

�Um allen Spekulationen zu begegnen, daß die Weiterentwicklung von taktischen Nuklearwaffen mit niedriger Sprengkraft den gegenwärtigen Unterschied
zwischen konventionellen Waffen und Nuklearwaffen verwischen würde, möchte
ich kategorisch erklären, daß die amerikanische Regierung keinerlei Absicht
hat, solche taktischen Systeme als austauschbar mit konventionellen Waffen
anzusehen und zu behandeln. Wir sind uns völlig darüber im klaren, daß der
Unterschied - oder »Firebreak* - zwischen Nuklearwaffen und nicht-nuklearen
Waffen ein wichtiger Faktor in der Verhütung eines Nuklearkrieges ist, und
wir werden nichts tun, um diese Unterscheidung zu verwischen. Die ganz besonderen Anordnungen für Befehl und Kontrolle und Sicherheit, die für Nuklearwaffen allgemein gelten, haben selbstverständlich auch immer für Nuklearwaffen mit niedriger Sprengkraft gegolten.

Ich glaube, mit meinen Ausführungen zwei der Fragen beantwortet zu haben, die im August vorigen Jahres von der damaligen Leiterin der schwedischen Delegation gestellt worden sind, vor allem ihre Fragen hinsichtlich der
Entwicklung und Dislozierung von Nuklearwaffen im Subkilotonnenbereich. Was
ihre Frage anbetrifft, ob die Entwicklung solcher taktischer Waffen ein Hindernis für einen Vertrag über ein völliges Versuchsverbot sein könnte, so
werden sich die Mitglieder des Ausschusses daran erinnern, daß ich in Beantwortung einer ähnlichen Frage Schwedens im Jahre 1972 erklärt habe, daß die
Vereinigten Staaten bereit seien, ihre Vorteile aus der Erprobung von Nuklearwaffen aufzugeben, wenn wir sicher sein können, daß sich andere an die
gleichen Beschränkungen halten (CCD/PV. 580). Diese Antwort gilt für die Erprobung aller Nuklearwaffen, einschließlich der taktischen.
Schließlich
-7-

�t

Schließlich hat Mrs. Myrdal im August vorigen Jahres gefragt,ob das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR über die Verhütung eines
Nuklearkrieges für Kriege gelte, in denen nur »Mininukes* eingesetzt würden,
und ferner, ob die Vereinigten Staaten die Resolution 255 des Sicherheitsrates hinsichtlich von Sicherheitsgarantien (1968) dahingehend interpretierten,
daß sie für eine nukleare Aggression gelte, bei der nur 'Mininukes* eingesetzt
würden. Ich habe betont, daß meine Regierung auch weiterhin alle taktischen
Nuklearwaffen in gleicher Weise ansehen und behandeln wird. Ich kann daher
diese beiden Fragen mit einem uneingeschränkten »Ja* beantworten."

-H-f

.8-

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11/1974

RELAISTATION IM WELTRAUM FÜR DEN FLUGVERKEHR
-Internationale Einigung über AEROSAT-System-

--(AD)-- Mit der Zustimmung des Bewilligungsausschusses des US-Senats zur
Beteiligung der amerikanischen Bundesluftfahrtbehörde (FAA) am AEROSATProjekt ist nunmehr der finanzielle Beitrag der USA zur Vorbereitung eines
neuartigen Flugsicherungssystems gewährleistet. Die ca. 100 Millionen Dollar Kosten, die der FAA daraus entstehen, werden aus dem "Treuhandfonds
Flughäfen und Luftfahrtgesellschaften" (Airport and Airways Trust Fund)
aufgebracht. Im Mai 1974 unterzeichnete Alexander P. Butterfield, der
Leiter der FAA, für die Vereinigten Staaten das vorläufige Abkommen zwischen den USA, Kanada und der Europäischen Organisation für Weltraumforschung (ESRO) über das AEROSAT-Programm. Vertreter von neun der zehn ESROStaaten, auch der Bundesrepublik, haben das "Memorandum of Understanding"
ebenfalls paraphiert; Frankreich wird dies in Kürze nachholen.

Mit

-1-

�&lt;

Mit dem Bau des ersten AEROSAT-Satelliten, der für die Sicherung des
Flugverkehrs auf transozeanischen Routen als Relaisstation benutzt werden
soll, wird wahrscheinlich im Frühjahr 1975 begonnen; der Start ist Ende 1977
oder Anfang 1978 zu erwarten. Das Gerät soll über dem Atlantik in 36 000 km
Höhe stationiert werden und dient der Erprobung neuer, verbesserter Methoden
der Flugsicherung. Es ermöglicht ständigen Funkkontakt mit Flugzeugen im
nordatlantischen Raum und genaue Positionsbestimmungen selbst dann, wenn sie
sich mitten über dem Ozean befinden. In den achtziger Jahren soll das AEROSATSystem ein Netz von Flugsicherungssatelliten umfassen, die über dem Atlantik
und Pazifik auf erdsynchroner Bahn stationiert werden. Die Fluglinien von mindestens 70 Ländern können dann die "Dienste" dieser Relaistationen im Weltraum für den Funkverkehr mit Passagier-und Frachtflugzeugen auf transozeanischen Routen in Anspruch nehmen.

Schon seit 1959 befassen sich die in der ICAO (International Civil Air
Organization) zusammengeschlossenen Länder mit der Frage, wie angesichts der
rapiden Ausweitung des Flugverkehrs und des Einsatzes immer schnellerer und
größerer Linienmaschinen die Flugsicherung zu verbessern sei. Schließlich
einigte man sich darauf, daß "Aeronautik-Satelliten in einem erdsynchronen
Orbit, über den Weltmeeren stationiert und als Nachrichtensatelliten eingesetzt, die einzige Lösung für die technischen und operativen Erfordernisse
darstellen".

Das

�Das in London unterzeichnete Dokument zielt darauf ab, in bezug auf
die technischen, operativen und wirtschaftlichen Fragen eines solchen Flugsicherungssystems zunächst einmal Erfahrungen zu sammeln. Es dient u.a. der
Erprobung und Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Ausrüstungen beim
Sprechverkehr und bei der Datenübertragung zu Bodenstellen und zu den Flugzeugen innerhalb des kontrollierten Raumes sowie der versuchsweisen Benutzung von Breitbandfrequenzen.

Nach Schätzungen von Mr. Butterfield dürfte sich der Flugverkehr in
den kommenden 10 Jahren allein für die amerikanischen Fluglinien auf den
internationalen Routen, der gegenwärtig pro Jahr 55 Milliarden Passagierkilometer verzeichnet, mehr als verdreifachen. Internationale Fluggesellschaften anderer Länder kommen zu ähnlichen Vorausberechnungen. Den damit
verbundenen Anforderungen an die Flugverkehrskontrolle könnte ein Boden-LuftSystem allein nicht mehr gerecht werden. Als Sekundäreffekt des Einsatzes
von Aeronautik-Satelliten wäre eine Senkung der Betriebskosten und damit auch
der Flugpreise zu erwarten. Bereits in den achtziger Jahren dürfte das neue
System soweit erprobt und vervollkommnet sein, daß es auch den Vorschriften
der ICAO genügt.

Probleme ergeben sich daraus, daß in zunehmendem Maße Flugzeuge, die
auf den Namen von Fluggesellschaften, Herstellerfirmen, Finanzgruppen oder
Chartergesellschaften zugelassen sind, von Unternehmern gechartert werden,
die nicht der Kontrolle des Staates unterliegen, in der das Flugzeug registriert ist. Bis zu einer praktikablen Dauerlösung dieser Frage innerhalb

-3-

�i
innerhalb der ICAO beabsichtigen

die Vereinigten Staaten,bilaterale Verein-

barungen mit bestimmten Ländern zu treffen, auf Grund deren die Partnerstaaten gewisse Verantwortungen für die Überwachung von in den USA registrierten,
jedoch im Ausland gecharterten Flugzeugen übernehmen.

Auch die Unterbindung von Flugzeugentführungen fiele letztlich unter das
neue Sicherungssystem. Nach Ansicht Butterfields ist es vor allem den strengen Kontrollmaßnahmen auf amerikanischen Flughäfen und der sorgfältigen Überwachung der Flugzeuge zu verdanken, daß es in den USA in den letzten 1 1/2
Jahren nicht mehr zur Entführung oder zu einem Gewaltakt gegen ein Passagierflugzeug gekommen ist. Um anderen Nationen dabei zu helfen, Sabotageakte und
Entführungen im Flugverkehr zu bekämpfen, machte die FAA ihr Verkehrssicherheitsinstitut in Oklahoma City den Vertretern anderer Länder zugänglich.
Bisher haben 24 Staaten von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, dort die in
den USA entwickelten Methoden der Passagierkontrolle und der Sicherungsmaßnahmen an Bord der Flugzeuge und innerhalb der Flughäfen zu studieren. Einschlägige Literatur wurde den zuständigen Stellen in 52 Ländern zugesandt.

+++

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11/1974

EXPEDITION IN DIE WETTERKÜCHE DER ERDE
- GATE - Internationales Großprojekt der Forschung -

--(AD)-- In einer Mammutexpedition ohne Beispiel werden 4 000 Wissenschaftler von 72 Ländern und Territorien 101 Tage lang - vom 15. Juni bis 23.
September 1974 - etwa ein Drittel der "Wetterküche der Erde" sondieren.
Gemeint ist damit ein 52 Millionen qkm großes Land-und Seegebiet in den
Tropen, das sich vom östlichen Pazifik über Lateinamerika, den Atlantik und
Afrika bis zum Westteil des Indischen Ozeans erstreckt. Von ca. 1 000 Landstationen, 38 Forschungsschiffen und 13 Flugzeugen aus, mit Hilfe von 65
verankerten Meßbojen, dazu Ballon-und Raketensonden sowie sechs verschiedenen Typen von Erdsatelliten will man in dem Gürtel zwischen 10 Grad Süd und
20 Grad Nord umfassende geophysikalische Beobachtungen machen. Aufgrund der
Auswertung dieser Daten, die 1977 abgeschlossen werden soll, hofft hofft man
zu einem besseren Verständnis vor allem der Prozesse der Wolken-und Wetterfrontenbildung in den Tropen und damit von Faktoren zu kommen, die das Wetter in den gemäßigten Zonen erheblich beeinflussen. Solche Kenntnisse sind

�I

sind die Voraussetzung für genauere und längerfristige Wettervorhersa^ n
in unseren Breiten.

Gemeinsam mit dem Internationalen Rat Wissenschaftlicher Vereinigungen
(ICSU) führt die Meteorologische Organisation der Vereinten Nationen (WMO)
ein weltweites atmosphärisches Forschungsprogramm (GARP - Global Atmospheric
Research Program) durch, in dessen Rahmen das bevorstehende Unternehmen GATE
(GARP Atlantic Tropical Experiment) das erste Großprojekt darstellt.

Das zweite Projekt, das für Ende der siebziger Jahre vorgesehen ist,
wird Beobachtungen rund um den Globus umfassen.

Zwölf der GATE-Forschungsschiffe kommen aus der Sowjetunion, neun aus
den Vereinigten Staaten, je vier aus Großbritannien und Frankreich, weitere
aus der Bundesrepublik, Brasilien, der DDR, Kanada, Mexiko und den Niederlan-'
den. Allein die Hälfte der Schiffe wird innerhalb einer 500 000 qkm großen
sechseckigen Fläche im Ostatlantik, ca. 1 000 km südwestlich von Dakar vor
der afrikanischen Küste postiert. Sie sollen mit Hochatmosphärensonden ,
Radar, Ballonsonden und Bordinstrumenten Wind, Luftdruck, Temperatur, Feuchtigkeit, Niederschläge, Sonnen-und Infrarotstrahlung in verschiedenen Höhen
sowie Wassertemperaturen an der Oberfläche messen. Außerdem werden Wassertemperaturen in größerer Tiefe, Salzgehalt des Wassers und Strömungen registriert.
Die übrigen Schiffe sind mit erheblich mehr Abstand voneinander (480 bis 960
km) über den ganzen tropischen Atlantik verteilt.

Die

-2-

�Die 13 Forschungsflugzeuge aus fünf Ländern, die in Flughöhen zwischen
100 m und 10 000 m regelmäßig Luftproben und aus genau definierten Wolkenzonen Nebelproben nehmen und zahlreiche Messungen durchführen, werden hauptsächlich über dem Ostatlantik operieren. In diesem Raum soll der Energieaustausch zwischen Atmosphäre und Wasser besonders intensiv untersucht werden. Schiffe und Flugzeuge sowie Satelliten, die die Erde auf polaren, verschieden stark zum Äquator geneigten oder sogenannten erdsynchronen Bahnen
umkreisen, registrieren bei Tag und Nacht, physikalische Phänomene von der
äußeren Atmosphäre bis in ca. 1 500 m Meerestiefe. Die USA setzen dazu neben ihrem jüngsten, Mitte Mai 1974 gestarteten Meteorologie-Satelliten
SMS-1 den bewährton Anwendungssatelliten ATS-3 (gestartet im November 1967),
ferner zwei Satelliten der NOAA (Bundesamt Meeres-und Atmosphärenforschung),
den Wettersatelliten NIMBUS 5 und militärische Meteorologie-Satelliten ein,
die Sowjetunion Satelliten ihrer METEOR-Serie.

Hauptzweck des Unternehmens ist es, so viele Beobachtungsdaten aus den
verschiedensten Beobachtungsebenen zu sammeln, daß die Wissenschaftler ein
umfassendes Bild von den tropischen Wetterphänomenen bekommen, sie in mathematischen Größen beschreiben und damit verbesserte Modelle für die Computer
ausarbeiten können, die bei der

Wettervorhersage eingesetzt werden. Die

bisher existierenden Modelle und mathematischen Gleichungen gründen sich
fast ausschließlich auf die gründlichen

Untersuchungen der Atmosphäre

in den mittleren Breiten. Sie enthalten aber noch zu viele unbekannte Grössen - schon angesichts der Tatsache, daß ja die Tropen es sind, die die
Hälfte der gesamten auf die Erde auftreffenden Sonnenergie erhalten. Sie

-3-

�I
Sie sind die einzige Region, die pro Tag mehr Energie aufnimmt als sie in
den Weltraum abstrahlt.

Ein großer Teil der Sonnenenergie,die letztlich die Zirkulation in der
Erdatmosphäre in Gang hält, wird zunächst einmal in den tropischen Meeren gespeichert. Das Wasser gibt sie dann an die Luft weiter, wo sie mit den sich
bildenden Wolken in immer größere Höhen transportiert und auf immer weitere
Regionen der Nord-und Südhalbkugel verteilt wird. Diese Prozesse beeinflussen
letzten Endes die Wettervorgänge auf der ganzen Erde - aber von den Größenordnungen und Einzelfaktoren an der"Quelle", in den Tropen, weiß man einfach
noch zu wenig.
i

Alle Meldungen, auch die der Landstationen in Lateinamerika und Afrika, »i
|
welche als normale Wetterwarten fungieren und unter anderem die Niederschlagsmengen messen, werden in der GATE-Zentrale in Dakar (Afrika) gesammelt und
an die Datenverarbeitungszentren in Washington und Moskau weitergegeben.
Wissenschaftlicher Leiter des ganzen Unternehmens ist Dr. Joachim Paul
Kuettner (64). Der aus Breslau gebürtige Deutschamerikaner war zuvor für die
NOAA tätig und hatte maßgeblichen Anteil am Aufbau des amerikanischen Wettersatelliten-Systems.

+++

-4-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen Senkung der EG-Importzölle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärungen Nixons und Eberles -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftsbeirat rechnet nicht mit weltweiter Rezession&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Bericht an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nixon drängt auf rasche Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA rechnen mit Übereinkunft über ein "Interims"-Währungssystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Stellungnahme zu chemischen Waffen und Mininukes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Delegierten in Genf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Relaistation im Weltraum für den Flugverkehr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Einigung über den AEROSAT-System -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Expedition in die Wetterküche der Erde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- GATE - Internationales Großprojekt der Forschung -&lt;/em&gt;</text>
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Embassy of the United States ot America

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5. Juni 1991

22

NAHER OSTEN

DIE RUSTUNGSKONTROLLINITIATIVE
FÜR DEN NAHEN OSTEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

KSE

BUSH WÜRDIGT
AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
ÜBEREINKUNFT BEI KSE
Rede des Präsidenten in West Point

BILDUNGSWESEN

IM VERGLEICH: WEITERFUHRENDE
SCHULEN IN EUROPA UND AMERIKA
von Edward M. White und Rüdiger Ahrens

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NAHER

OSTEN
5. Juni 1991

DIE RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVE
FÜR DEN NAHEN OSTEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
Die folgende Übersicht zu den Initiativen Präsident Bushs für die Rüstungskontrolle im Nahen Osten wurde am
29. Mai 1991 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Um das in seiner Rede vor beiden Häusern des Kongresses am 6. März 1991 gegebene Versprechen
einzulösen, hat der Präsident heute eine Reihe von
Vorschlägen verkündet, mit denen der Verbreitung
nuklearer, chemischer und biologischer Waffen sowie
der dazugehörigen Trägersysteme im Nahen Osten
Einhalt geboten werden soll. Diese Vorschläge zielen

darüber hinaus auf die Eindämmung des destabilisierenden konventionellen Rüstungswettlaufs in der Region
ab.
Die Vorschläge würden den gesamten Nahen Osten,
insbesondere Irak, Iran, Libyen, Syrien, Ägypten, Libanon, Israel, Jordanien, Saudi-Arabien sowiedie Maghreb-Staaten und die Mitglieder des Golf-Kooperationsrates umfassen. In ihnen finden unsere Konsultationen mit Verbündeten, Regierungen in der Region und
wichtigen Lieferanten von Waffen und Technologie
ihren Niederschlag.
Die Unterstützung von Waffenexporteuren und -Importeuren wird für den Erfolg der Initiative unerläßlich
sein. Da die Weiterverbreitung ein weltweites Problem
ist, muß dafür eine weltweit gültige Lösung gefunden
werden. Gleichzeitig bietet die gegenwärtige Lage im
Nahen Osten einmalige Gefahren und Chancen. Aus
diesem Grund konzentriert sich der Vorschlag des
Präsidenten auf den Nahen Osten als Ausgangspunkt.
Er ergänzt darüber hinaus andere Initiativen, insbesondere die von den Premierministem John Major und
Brian Mulroney eingeleiteten. Der Vorschlag umfaßt
folgende Elemente:
Zurückhaltung der Lieferstaaten
Die Initiative fordert die wichtigsten fünf Lieferstaaten
für konventionelle Waffen auf, sich in naher Zukunft
AMERIKA DIENST 22

auf hoher Ebene zu treffen, um über die Erstellung von
Richtlinien zur Eindämmung destabilisierender Lieferungen von konventionellen Waffen sowie Massenvernichtungswaffen und ihrer Technologie zu sprechen.
Frankreich hat sich bereiterklärt, das erste Treffen
dieser Art zu veranstalten. (Großbritannien, Frankreich, die Sowjetunion, China und die Vereinigten
Staaten waren im vergangenen Jahrzehnt die Hauptlieferanten konventioneller Waffen für den Nahen Osten.)
Gleichzeitig werden diese Richtlinien es den Staaten in
der Region gestatten, die von ihnen berechtigterweise
zur Abschreckung und Verteidigung gegen militärische Aggression benötigten konventionellen Fähigkeiten zu erwerben.
Diese Gespräche werden erweitert, um auch andere
Lieferanten einzuschließen und damit eine Zusammenarbeit auf möglichst breiter Basis herzustellen.
Das im Juli 1991 stattfindende Londoner Gipfeltreffen
der G-7 wird eine frühzeitige Gelegenheit bieten, andere
Regierungen in diesen Prozeß einzubinden.
Um diese Regelungen zu verwirklichen, würden sich
die Lieferanten zu folgenden Maßnahmen verpflichten:
1. Achtung eines allgemeinen Verhaltenskodex
für verantwortungsbewu ßte Waffenlieferungen.
2. Vermeidung destabilisierender Lieferungen.
3. Aufstellung effektiver eigener Exportkontrollen zu Endverbleib von Waffen oder anderen gelieferten Ausrüstungskomponenten.
Die Richtlinien werden einen Mechanismus für Konsultationen zwischen den Lieferanten umfassen. Letztere würden
Seite 1

�weiterhin die mögliche Schaffung einer atomwaffenfreien Zone in der Region zu unterstützen.

1. Einander im voraus über gewisse Waffenverkäufe informieren.
2. Regelmäßig zusammentreffen, um über
Waffenlieferungen zu beraten.

Chemische Waffen

3. Einander ad hoc konsultieren, wenn ein Lieferant der Meinung ist, die Richtlinien würden
nicht beachtet.

Der Vorschlag wird auf der jüngsten Initiative des
Präsidenten aufbauen, baldmöglichst eine weltweite
C-Waffenkonvention abzuschließen.

4. Untereinander Jahresberichte über Waffenlieferungen austauschen.

Die Initiative fordert alle Länder in der Region
auf, sich dafür einzusetzen, daß sie sofort der
Konvention beitreten.

Raketen

Angesichts der Vorgeschichte des Besitzes und
der Nutzung chemischer Waffen in der Region
fordert die Initiative die Länder dort auf, vertrauensbildende Maßnahmen zu verhängen, indem
sie sich für die Durchführung angemessener
Bestimmungen der C-Waffenkonvention noch
vor Unterzeichnung einsetzt.

Die Initiative schlägt ein Einfrieren der Beschaffung,
Produktion und Erprobung von Boden-Boden-Raketen durch die Staaten der Region vor. Endziel sollte
dabei die Beseitigung solcher Raketen aus ihren Arsenalen sein.
Lieferanten würden darüber hinaus Bestrebungen zur
Koordinierung von Exportlizenzen für Maschinen,
Technologie und Dienstleistungen verstärken, mit denen
Boden-Boden-Raketen hergestellt werden könnten.
Exportlizenzen würden nur für die Nutzung zu friedlichen Zwecken erteilt.

Biologische Waffen
Ebenso wie der Ansatz zur Kontrolle von C-Waffen
bauen auch diese Vorschläge auf einem bestehenden
weltweiten Ansatz auf. Die Initiative würde
eine Stärkung der Konvention über biologische
Waffen (BWC) von 1972 fordern, und zwar
durch vollständige Durchführung bestehender
BWC-Bestimmungen und einen verbesserten
Mechanismus zum Informationsaustausch. Diese
Maßnahmen werden bei der Fünf-Jahres-Folgekonferenz der Konvention im September
dieses Jahres angesprochen werden.

Nuklearwaffen
Die Initiative baut auf bestehenden Institutionen auf
und konzentriert sich auf Aktivitäten, die direkt mit der
Fähigkeit zur Herstellung von Nuklearwaffen zu tun
haben. Die Initiative würde:
Staaten in der Region auffordern, ein verifizierbares Verbot für Herstellung und Erwerb von
spaltbarem Material (angereichertem Uran oder
geschiedenem Plutonium) zur Herstellung von
Waffen zu erlassen,
unseren Aufruf an alle Länder in der Region
wiederholen, die das noch nicht getan haben,
dem Nichtverbreitungsvertrag beizutreten,
unseren Aufruf wiederholen, alle Atomkraftwerke in der Region den Sicherheitsbestimmungen
der Internationalen Atomenergie-Organisation
(IAEO) zu unterwerfen, und

Länder in der Region auffordern, vertrauensbildende Maßnahmen über biologische Waffen zu
verabschieden.
Diese Initiative vervollständigt unsere kontinuierliche
Unterstützung für die Fortsetzung des Embargos vom
UN-Sicherheitsrat über Waffenlieferungen an den Irak
ebenso wie die Bestrebungen der UN-Sonderkommission zur Beseitigung der noch bestehenden Fähigkeiten des Irak zum Einsatz oder zur Herstellung nuklearer, chemischer und biologischer Waffen und ihrer
Trägerraketen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 22

�KSE
5. Juni 1991

BUSH WÜRDIGT AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
ÜBEREINKUNFT BEI KSE
Rede des Präsidenten in West Point
WEST POINT (NEW YORK) - (AD) - Präsident Bush zufolge hat die amerikanisch-sowjetische Übereinkunft zu
Fragen der konventionellen Abrüstung in Europa (KSE) den Weg "für einen wichtigen Schritt zu einem Gipfel der
Supermächte freigemacht". Dies sei wichtig für den Weltfrieden, erklärte der Präsident am 1. Juni 1991 in einer
Ansprache bei der US-Militärakademie in West Point.
Dabei beglückwünschte der Präsident die Außenminister Baker und Bessmertnych für ihren Beitrag zur Lösung
bilateraler Meinungsverschiedenheiten bei ihren Gesprächen über den KSE-Vertrag in Lissabon.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in West Point in wesentlichen Auszügen.

Bevor ich mich nun an den Abschlußjahrgang wende,
möchte ich eine Ankündigung machen, die für Sie alle
hier und für alle Menschen auf der Welt von Interesse
ist. Vor wenigen Stunden haben die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion ihre Meinungsverschiedenheiten im Hinblick auf den KSE-Vertrag beigelegt
und damit den Weg für einen wichtigen Schritt zu
einem Gipfel der Supermächte freigemacht. Ich beglückwünsche unseren Außenminister, den Außenminister der Sowjetunion und alle Beteiligten. Dies ist
wichtig für den Weltfrieden, und ich freue mich, diese
Ankündigung gerade hier in West Point machen zu
können.
Wie Sie wissen, treffen wir an diesem Morgen nicht als
Mitglieder gegnerischer Mannschaften zusammen,
sondern als ein Volk, das Amerikaner genannt wird.
Amerikaner, die wissen, daß - wie das Ehrenmal in
Pearl Harbor oder die Kapelle an der Luftwaffenakademie, deren Silhouette zum Himmel strebt - dieser
Boden hier in West Point unsere tiefsten Werte und
Prinzipien verkörpert.
Schauen Sie sich um - die majestätische Kapelle der
Kadetten, die vier Statuen in der Messe, auf einem
Boden, der von Generationen militärischer Helden
geehrt wurde. Militärisch und kulturell, moralisch und
geistig ist West Point stets eine Metapher für den
amerikanischen Charakter gewesen.
Der amerikanische Charakter hat Generationen von
Einwanderern inspiriert, die Wildnis zurückzudrängen,
AMERIKA DIENST 22

Siedlungen zu gründen und die Unabhängigkeit zu
sichern. Eine Generation hat die Union bewahrt. Eine
andere kämpfte "den Krieg, der alle Kriege beenden
sollte". Die Generation Ihrer Eltern und Großeltern
zeigte, daß der Eiserne Vorhang die Werte und Hoffnungen sowie das Beispiel Amerikas nicht aufhalten
konnte.
Heute möchte ich über den amerikanischen Charakter
sprechen sowie darüber, wie wir unser Land zur größten Nation der Welt machen. Dieser Charakter umfaßt
viele Elemente, von denen das wichtigste unsere
Treue zur Freiheit ist. Die Liebe zur Freiheit treibt
unseren nationalen Herzschlag. Und hier möchte ich
einfügen, daß dieser Herzschlag regelmäßig geht und
nicht flimmert. Ein zentraler Grundsatz dieser Treue die Religionsfreiheit - schafft einen besonderen Platz
für Werte, Moral, Überzeugungen und Anliegen, die
größer sind als wir.
Unser Charakter sprüht vor Selbstsicherheit und Kreativität - zwei Qualitäten, die uns von den Zeichenbrettern von heute zu den Startrampen von morgen bringen. In der Tat stammen bis heute die einzigen
Fußspuren auf dem Mond von Amerikanern, und die
einzige Flagge dort ist das Sternenbanner.
Schließlich definieren wir unseren Charakter durch
den Dienst, den wir an anderen tun, indem wir Verantwortung für das Wohlergehen unserer Heimat, unserer
Familien und Gemeinden übernehmen. Wir müssen

Seite 1

�denen dienen, für die der amerikanische Traum immer
noch als unmöglicher Traum erscheint.
Sie in West Point haben dem Rest der Nation ein
Beispiel gegeben. Hier messen die Menschen einander im Hinblick auf Verdienste, Herz und Willen - nicht
an Glauben, Geschlecht, Hautfarbe oder Herkunft.
Schauen Sie nach links oder nach rechts, was sehen
Sie dort? Menschen, die durch Rasse oder Religion
getrenntsind? Nein. Sie sehen Ihre Freunde-und Ihre
Zukunft. Unsere Streitkräfte haben gezeigt, was
Amerikaner leisten können, wenn sie selbst nicht als
wei ß, schwarz, rot oder braun betrachten, sondern als
ein für ein gemeinsames Ziel vereintes Volk- indem sie
einander unterstützen, einander beistehen und sich
auf einander verlassen - und damit ihre Aufgabe erledigen.
Vor über drei Jahrzehnten hat die Bürgerrechtsbewegung eine Nation umgestaltet, indem sie an diesen
amerikanischen Charakter appellierte. Sie forderte die
Menschen auf, für ein gemeinsames Anliegen gegen
das Böse einander die Hand zu reichen, um eine
Gesellschaft aufzubauen, die auf allgemeinem Anstand und gegenseitigem Respekt gegründet ist. Martin
Luther King träumte von einem Amerika, in dem eines
Tages unsere Kinder - ich zitiere - "nicht nach ihrer
Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilt
werden". In der Armee, ebenso wie hier in West Point,
ist jener Tag eingetreten.
Wie der Vorsitzende Oberste Bundesrichter Earl Warren
in der Begründung des Urteils im Fall Brown gegen die
Schulbehörde schrieb: "Der Weg zum Fortschritt für
die Opfer vergangener Diskriminierung besteht in gleicher
und hervorragender Ausbildung." In den Jahren, seit
die Armee zu einer Streitmacht von Freiwilligen wurde,
hat sie gleiche und hervorragende Ausbildung geboten. Als Ergebnis besitzen wir das bestausgebildete
Militär unserer Geschichte. Der Prozentsatz der
Angehörigen von Minderheiten in unseren Streitkräften hat sich nahezu verdoppelt - ebenso wie die Zahl
der Unteroffiziere, die Minderheiten angehören. Die
Zahl der Offiziere aus Minderheiten hat sich fast verdreifacht.
Sie mögen sich daran erinnern, daß zu Beginn des
Golfkriegs - denken Sie zurück - einige sich darüber
beschwerten, wir hätten zuviele Angehörige von Minderheiten in den Streitkräften. Meine Ablehnung dieser Meinung könnte nicht größer sein. Das Militär ist
der größte Arbeitgeber überhaupt, bei dem absolute
Chancengleichheit herrscht. Und wie Ihr hervorragender Vorsitzender Colin Powell damals erklärte, gibt es
nichts, dessen wir uns schämen müßten. In West
Point, und gerade in West Point gibt es vieles, auf das
wir stolz sein können.
Zu Ihrem Jahrgang gehört der tausendste schwarze
Absolvent dieser Institution, ein großer Führer, wie

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jeder, der diesen Ort kennengelernt hat, weiß und ein
großartiger Athlet. Die tausendste Absolventin, ebenso eine umfassende Führungspersönlichkeit und eine
gute Soldatin. Zu Ihrem Jahrgang zählt darüber hinaus
der erste Absolvent aus dem Volk der Hmong in Laos.
Und doch rekrutieren die Armee und West Point keine
Angehörigen von Minderheiten. Sie rekrutieren Soldaten - die besten Söhne und Töchter, die unser Land
überhaupt haben kann.
Die Aufgabe unsere Landes, die Aufgabe Amerikas,
besteht also darin, auf nationaler Ebene zu erreichen,
was wir heute in West Point feierlich würdigen. Wir
müssen uns nicht als Farben oder Zahlen, sondern als
Amerikaner, als Träger geheiligter Werte betrachten.
Um dieses Ziel zu verwirklichen, müssen wir das
rassisch begründete Mißtrauen beseitigen, das unser
nationales Wohlergehen ebenso bedroht wie Gewalt,
Drogen oder Armut. Wir alle haben Bilder von Gewalttätigkeit zwischen den Rassen gesehen - lebhafte
Bilder von Feuer und Zerstörung, von Blaulicht und
Gummiknüppeln. Aber wir haben auch geringfügige
Episoden des Mißtrauens erlebt - kleine, häßliche
Beispiele, etwa von Menschen, die die Straßenseite
wechselten, um jemandem mit anderer Hautfarbe aus
dem Weg zu gehen, oder Menschen, die sich im
Fahrstuhl ängstlich in eine Ecke drängen. Das Verhalten, Fremden aufgrund ihrer Rasse oder Nationalität
zu mißtrauen. Die Gewohnheit, herablassende oder
entwürdigende Klischees zu verwenden.
Wir sollten uns nichts vormachen. Leider gibt es in
unserem großartigen Land immer noch Rassismus
und Bigotterie. Aber niemand sollte daran zweifeln,
daß dieser Präsident und diese Regierung Diskriminierung überall bekämpfen, wo wir sie antreffen. Denn
Vorurteile und Haß haben in diesem Land keinen Platz
Punkt. Die wahre Frage, die sich uns stellt, lautet nicht,
ob wir diese Übel bekämpfen, sondern wie.
Ob schwarz oder weiß, die großen führenden Persönlichkeiten der Bürgerrechtsbewegung der fünfziger
und sechziger Jahre wandten sich gegen Intoleranz
und verlangten Chancengleichheit und Gleichheit vor
dem Gesetz. Die Pflicht des Staates besteht darin,
Chancen zu fördern und nicht umzuverteilen, damit
alle eine faire Chance erhalten, ihre Träume zu verwirklichen.
Heute sprechen manche nicht von Chancen, sondern
von der Umverteilung von Rechten. Sie möchten eine
Gruppe gegen die andere ausspielen, die Menschen
ermutigen, einander als Konkurrenten zu betrachten,
nicht als Kollegen. Das ist nicht der Weg, um hier in
den Vereinigten Staaten Gerechtigkeit und Gleichheit
herzustellen. Wir müssen einen einheitlicheren, moralischen und großzügigeren Ansatz wählen.
Ich habe vor langer Zeit gelernt, daß, wenn man etwas
getan haben möchte, man jemandem einen Grund
geben muß, um es zu tun. Treiben Sie sie nicht in die

AMERIKA DIENST 22

�Defensive, schüchtern Sie sie nicht ein - appellieren
Sie an die guten Seiten ihrer Charakters.
Meines Erachtens ist dies das Konzept, das Gleichstellungsprogrammen zugrundeliegt. Für mich bedeutet echte Gleichstellungspolitik eine Bürgerpflicht - gut
gemeinte Bemühungen, um dem einzelnen aufgrund
seiner Verdienste eine Chance zu geben - die Hand
auszustrecken und wirklich gleiche Chancen für diejenigen zu bieten, die zurückgelassen wurden, die ausgeschlossen wurden.
Einige sind der Meinung, die Gleichstellung sollte
einen magischen Würfel von Arbeitsplatzgarantien
enthalten. Und ich bin der Ansicht, daß sie die Menschen aller Rassen dazu inspirieren sollte, positive
Werte und eine positive Einstellung zu sich selbst zu
nähren - ein positives Leben.
Und deshalb engagiert sich unsere Administration für
die Probleme benachteiligter Amerikaner. Mit unserer
Strategie America 2000 haben wir eine Revolution im
Bildungswesen gefordert. Wir haben den öffentlichen
Wohnungsbau mit einem Programm zu reformieren
versucht, das wir H.O.P.E. nennen. Damit soll Eigentum geschaffen werden. Und wir haben Gewerbegebiete gefordert, um Samen des Wachstums zwischen
die Ruinen der verfallenden Städte und schäbigen
ländlichen Gebiete zu säen. Darüber hinaus haben wir
strenge Gesetze zur Verbrechensbekämpfung eingebracht, weil kein Amerikaner frei sein kann, wenn ihn
die Furcht vor Verbrechen gefangenhält. Femer haben
wir Chancenverbesserung innerhalb von Gemeinden
verfochten, um die Macht von der schwerfälligen Hand
des Staates in die Hände derer zu legen, die den
Haushalt führen und die Familie ernähren. Gott segne
die Stärke der amerikanischen Familie. Wir müssen
mehr tun, um sie zu fördern.
Diese Politik gibt dem Volk die Macht zurück und bringt
uns unserem Ziel der Chancengleichheit ein Stück
näher. Sie gewährleistet nicht allen den Erfolg - das
kann sie nicht leisten.
In diesem Sinne sollten Sie unser Paket der Bürgerrechte betrachten. Das Bürgerrechtsgesetz S-1991
unserer Regierung würde die Berücksichtigung von
Faktoren wie Rasse oder Geschlecht bei Bewerbungen für Arbeitsplätze verbieten. Es wird sicherstellen,
daß der Kongreß sich an dieselben Regeln hält, die er
für andere verfügt. Und es wird Arbeitgeber nicht
zwingen, zwischen Quoten oder dem Risiko kostenträchtiger Prozesse zu entscheiden.
Ich weiß, daß es noch ein anderes sogenanntes Bürgerrechtsgesetz gibt, aber hierbei handelt es sich um
ein Quotengesetz, egal wie seine Verfasser es verbrämen mögen. Es fördert Streitigkeiten, keine Zusammenarbeit. Und dies ist nicht der Weg, um in unserem
Land Harmonie zu fördern.

AMERIKA DIENST 22

Wir sollten also die PolitikderTeilung abschütteln. Wir
sollten eine Gesellschaft aufbauen, in der die Menschen sich gegenseitig respektieren, zusammen nicht gegeneinander - arbeiten und bestrebt sind, dem
amerikanischen Charakter Glanz zu verleihen.
Morgen wird unser Gesundheitsminister, mein Kollege
in unserem Kabinett, Dr. Lou Sullivan, an der High
School seiner Heimatstadt Blakely in Georgia sprechen. Ungewöhnlich daran ist, daß dieser heute
bekannte Doktor in seiner Jugend diese Schule nicht
besuchen konnte, weil sie keine schwarzen Kinder
zuließ. Er hat die Last der Vorurteile abgeschüttelt, um
ein eloquenter Verfechter guter Bildung und gesunder
Werte zu werden. Lou hat vergeben, aber er und wir
dürfen nicht die schrecklichen Dinge vergessen, die
Rassismus und Vorurteile einem Land antun können.
Hier in West Point haben Sie das Wesentliche des
amerikanischen Charakters bewiesen - Chancen auf
der Grundlage von Leistungen. Lassen Sie uns eine
Generation aufbauen, in der das "Wir" und nicht das
"Ich" regiert, indem wir die Ideale dieser Schule in
unser Land und die ganze Welt tragen.
Wie Sie wissen, sind viele Soldaten, die bei den
Operationen Wüstenschild und Wüstensturm Großes
geleistet haben, zu "Punkten des Lichts" in ihrem Land
geworden. Sie sind in ihre Gemeinden zurückgekehrt
und haben junge Menschen aufgefordert, es ihnen
gleichzutun und hart zu arbeiten, die Schule zu beenden und keine Drogen zu nehmen.
Und so wollen wir all jenen danken, die die Botschaft in
den Schulen und Gemeinden unseres Landes verbreitet haben. Wir wollen geloben, noch mehr zu tun. Ich
möchte Sie alle - die Sie jetzt in Ihren Gemeinden
respektiert werden - ermutigen, auch "Punkte des
Lichts" zu werden. Besuchen Sie eine Schule, ein
Freizeitzentrum oder ein Gotteshaus und erzählen Sie
von Ihrem Leben und Ihren Erfahrungen. Ich fordere
Gemeinden auf, diese hervorragenden Männer und
Frauen in die Schulen und andere Foren einzuladen.
Sie als Mitglied des Jahrgangs 1991 können zeigen,
daß die Geschichte vom barmherzigen Samariter mehr
ist als lediglich ein Lehrinhalt - sie ist Bestandteil des
amerikanischen Charakters.
Der Absolvent von West Point, Douglas MacArthur,
hat einmal gesagt: "Der Soldat betet mehr als alle
anderen Menschen um den Frieden, denn er muß
leiden und die tiefsten Wunden und Narben des Krieges
ertragen." Amerikas hervorragendes Militär hat den
Frieden auf der Welt sichern geholfen. Jetzt stehen wir
vor der Herausforderung, die Wunden und Narben in
unserem Land zu heilen. Unsere ausgestreckte Hand
soll Harmonie und Brüderlichkeit bringen, nicht Zwietracht und Mißtrauen.

Seite 3

�Lassen Sie uns also die wahre Größe Amerikas ehren Möge Gott die Abschlußklasse von 1991 segnen, da
- die Würde des einzelnen. Sie hier in West Point Sie ihren Dienstfür dasgrößteLandderWeltantreten.
übernehmen die Führungsrolle.
Und Gott segne die Vereinigten Staaten von Amerika.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 22

�HOCHSCHULWESEN
5. Juni 1991

IM VERGLEICH: WEITERFÜHRENDE SCHULEN IN
EUROPA UND AMERIKA
von Edward M. White und Rüdiger Ahrens
BONN - (AD) - Der nachfolgend veröffentlichte Artikel ist der Zeitschrift Change entnommen und erschien
erstmalig in der Ausgabe September/Oktober 1989. Die Zeitschrift wird von Heldref Publications, 4000
Albemarle St. N.W., Washington D.C. herausgegeben. Der Nachdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung
der Helen Dwight Reid Educational Foundation.
Edward M. White ist Professor für Anglistik an der California State University (San Bernardino), Professor
Rüdiger Ahrens lehrt Anglistik an der Universität Würzburg.

Oftmals können wir uns besser im Vergleich als isoliert
beurteilen. Jüngste Untersuchungen mit alarmierenden Ergebnissen über die weiterführende Bildung in
Amerika sollten Versuche in anderen Ländern eingehender betrachten, mit den Problemen umzugehen,
die sie so sehr beklagen. Im internationalen Vergleich
zeigen amerikanische Universitäten trotz ihrer offensichtlichen Probleme eindeutig Stärken, die dort leicht
übersehen werden.

.

•

Wenn wir die Versuche amerikanischer und europäischer Universitäten zur Lösung zentraler Probleme
des Bildungswesens miteinander vergleichen, scheint
die kreative Gelassenheit der amerikanischen Lösungen eindeutig den Sieg davonzutragen. Nehmen wir
zum Beispiel die beiden Bereiche Massenbildung und
Allgemeinbildung. Obwohl dies keinesfalls die einzigen wichtigen Probleme im Bildungswesen sind, denen wir uns widmen müssen, sind sie doch von zentraler Bedeutung und lassen aufschluPreiche Vergleiche
zu.
Massenbildung
In der Regel besuchen sechs von zehn Schulabgängern in Amerika weiterführende Schulen. Ein vielfältiges System von Institutionen - öffentliche und private,
selektive und allen offenstehende, berufsbildende,
akademische oder allgemeine - ist entstanden, um
große Studentenzahlen aufzunehmen. Natürlich stehen sie nicht allen offen, da finanzielle Barrieren und
schulische Voraussetzungen vielen - insbesondere

AMERIKA DIENST 22

Minderheiten - echte Steine in den Weg legen. Aber so
unvollkommen es auch sein mag, so werden die vielfältigen Möglichkeiten für Schüler der meisten Altersgruppen und fast aller Ausbildungsgänge doch in der
ganzen Welt beneidet.
In Europa hat die Nachfrage nach Bildung für alle in
den letzten Jahren drastisch zugenommen. Infolgedessen haben die meisten Länder große Studentenzahlen an die bestehenden Universitäten zugelassen,
ohne die Struktur dieser Institutionen zu verändern.
Im Hinblick auf die Perspektive gibt es in den meisten
westlichen Ländern einen Ausleseprozeß, bei dem
Schüler bereits im Alter von 10 oder 12 Jahren selektiert werden. Nur ein kleiner Prozentsatz darf eine
weiterführende Schule besuchen (das Gymnasium in
Deutschland, das lycee in Frankreich und die grammarschool in England), die Schüler auf die Zulassung
zur Universität vorbereitet. Dieser Auswahlproze ß hat
seinen Ursprung im 19. Jahrhundert, als eine dominante Bürgerschicht ihre Vormachtstellung in der Klassengesellschaft sichern wollte. Noch 1960 besuchten
in der Bundesrepublik nur 5 Prozent eines Jahrgangs
die Universität. Hierbei handelte es sich um die
wenigen Glücklichen, die harte Jahre bis zum hochgeachteten Abitur überstanden hatten. Heute hat sich
dieser Prozentsatz mit 28 Prozent verfünffacht, was in
Zahlen für die Bundesrepublik eine Steigerung von
300.000 auf 1,3 Millionen Studenten - bei einer Bevölkerung von 60 Millionen - bedeutet. In den letzten
zwanzig Jahren hat in Italien und Frankreich ein ähn-

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�licher Aufschwung stattgefunden, während Großbritannien aufgrund des traditionellen Auswahlverfahrens seine Schülerzahl auf "nur" 600.000 gehalten hat.
Welche Art Institution besucht diese neue Flut von
Studenten nun? In der Regel ist sie alt und historisch
nicht auf die Bedürfnisse der Studenten zugeschnitten, sondern auf die Vorrechte der Professoren. Der
europäische Professor ist im wesentlichen Staatsbediensteter, nicht Angestellter seiner Institution wie sein
amerikanischer Kollege. Dies gestattet es ihm, seine
Studenten als lästige Pflicht zu betrachten, die ihn
potentiell von seinem Hauptwerk, der Forschung, abhält.
Eine ähnlich gelagerte Situation ist natürlich an amerikanischen Forschungseinrichtungen nicht unbekannt,
aber der amerikanische Professor ist in mancher Hinsicht von der "Kundschaft" abhängig und fühlt sich
verpflichtet, den Studenten seinen Stoff in leicht verdaulichen Portionen zu vermitteln. Der Student in
Amerika kann sich auf eine gut gegliederte Studienordnung verlassen, die in Seminaren vermittelt wird, deren Material und Lernziele vorab zugänglich sind. Der
Student in Europa kann sich auf wenig verlassen, weil
Professoren die Freiheit genießen, zu lehren, was und
wie sie wollen.
Der europäische Professor profitiert von dem traditionellen und (seit Humboldts Reform von 1810) verbindlichen System der Einheit von Forschung und Lehre.
In der Praxis unterstützt dieses Prinzip die vorrangige
Verantwortung der Professoren - nicht gegenüber den
Studenten sondern gegenüber dem Staat als Erben
der Privilegien der Herrscher des 18. Jahrhunderts, die
"ihre" Universitäten in "ihren" Hoheitsgebieten gründeten.
Die Grundstruktur ist in Europa trotz der Tatsache
erhalten geblieben, daß sie für eine kleine Elite konzipiert war, die allein lernen konnte und ihre Professoren
nicht weiter stören mußte. Unter den neuen - sehr
neuen - demokratischen Bedingungen haben die europäischen Länder eine Politik ohne Zulassungsbeschränkungen mit Studentenfluten, die jetzt die kaum noch
aufnahmefähigen Universitäten zu überschwemmen
drohen. Universitäten wie Padua (gegründet 1222),
Paris (1257) oder Würzburg (1402), die genau so viele
immatrikulierte Studenten haben wie zwei Universitäten im Staat Ohio, sind nichts Ungewöhnliches. Wenn
jeder an dieser Universität immatrikulierte Student selbst wenn ein Viertel dieser Studenten gleichzeitig zu Vorlesungen erscheinen würde, gäbe es Chaos. Es
wäre einfach kein Platz da.
Aber niemand glaubt ernsthaft an eine solche Situation, da Vorlesungen in der Regel für das Examen
eines europäischen Studenten kaum keine Rolle spielen. Was zählt, sind bestandene Prüfungen, und viele
Studenten unterbrechen nicht ihre Examensvorbereitungen (ihre Reisen oder andere Aktivitäten), um
Vorlesungen an der Universität zu besuchen.

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Europäische Studenten werden in jeder Hinsicht "allein" gelassen. Sie sollen unabhängig arbeiten. Sie
leben nur selten in Wohnheimen, sondern meist in
"Buden" in der Stadt, getrennt von Familie und Elternhaus. Im günstigsten Fall beteiligen sie sich in irgendeiner Form am Gemeinschaftsleben durch Mitgliedschaft in Verbindungen oder anderen sozialen Gruppen. An europäischen Universitäten gibt es keinerlei
ständige Leistungskontrolle. Das gesellschaftliche
Leben an europäischen Universitäten ist gegenüber
den mannigfaltigen, amerikanischen Studenten offenstehenden Möglichkeiten eher bescheiden zu nennen.
Wenn er Glück hat, wird der europäische Student
seine Examensarbeit unter der Aufsicht eines engagierten Professors schreiben. Aber nur wenige haben
dieses Glück. Aus diesem Grund ist die Quote der
Studienabbrecher an europäischen Universitäten sehr
hoch.
Die Einbettung einer Massenbildung in eine Struktur,
die für eine Elite ausgelegt war, hat zur Vorspiegelung
einer Offenheit geführt, die in der Praxis jedoch relativ
wenigen zu einer Ausbildung verhilft. Sicherlich, die
Chance existiert, aber es bestehen noch nicht einmal
rudimentäre Unterstützungssysteme. Diejenigen, die
dabei durch ihre Universitätsabschlüsse gewinnen,
sind zweifellos gut ausgebildet und auf das Leben
vorbereitet, da sie sich großenteils aus eigener Kraft
weitergebildet haben. Für den Rest jedoch versagt
dieses System zumeist. Ihre Länder waren einfach
nicht bereit, sich mit dem auseinanderzusetzen, was
erforderlich ist, um das Versprechen der Massenbildung zu verwirklichen.
Allgemeinbildung
Obwohl es unmöglich ist, den amerikanischen Ansatz
zur Vermittlung von Allgemeinbildung zusammenzufassen, können wir mit Sicherheit feststellen, daß das
amerikanische weiterführende Bildungssystem praktisch uneingeschränkt von der Prämisse ausgeht, daß
Allgemeinbildung in den Verantwortungsbereich der
Universitäten fällt. In den Vereinigten Staaten wird
über die Inhalte der Allgemeinbildung und darüber
diskutiert, wie man mehr hochkarätige Gelehrte dazu
bringen könnte, an diesem wichtigen Unterfangen
mitzuwirken. Wir erwarten von der High School keinen
wesentlichen Beitrag zur Allgemeinbildung. Tatsächlich schätzen sich die meisten von uns glücklich, wenn
unsere Erstsemester Lesen, Schreiben und Trigonometrie beherrschen. Wir erwarten also im allgemeinen, daß unsere Studenten im Laufe ihrer weiterführenden Ausbildung etwa die Hälfte ihrer Studienzeit
auf Nebenfächer verwenden, häufig auf Kurse, die
dazu dienen, ihre schulische Bildung zu erweitern.
Europäische Universitäten gehen von einer anderen
Prämisse aus, nämlich, daß die Vermittlung von Allgemeinbildung nicht ihre Aufgabe sei. Natürlich nehmen
die Studenten dort ihr Studium zwei Jahre später auf,

AMERIKA DIENST 22

�nachdem sie ihre Allgemeinbildung an einem lycee
oder Gymnasium erworben haben sollen. Das Reifezeugnis, das ihnen die Aufnahme eines Universitätsstudiums gestattet, bestätigt, daß der Student seine
allgemeine Ausbildung abgeschlossen und mit Erfolg
eine Reihe von Prüfungen vor strengen Lehrern abgelegt hat. Die Universität kann deshalb mit der weiterführenden Ausbildung fortfahren und sich dabei in der
Erwartung wiegen, daß ihre Studenten dem "Kinderkram" entwachsen sind.
,

&gt;

Europäische Studenten nehmen ihr Studium mit 19
oder 20 Jahren auf, nachdem sie sich durch die
Fallstricke des baccalaureat, des Abiturs oder der ALevels gekämpft und - bei vielen Männern - ihren
Wehrdienst abgeleistet haben. Sie sollen sich nicht mit
neuen Fächern beschäftigen oder der Allgemeinbildung widmen, sondern sich über ihren künftigen Beruf
im klaren sein und die einschlägige Ausbildung anstreben. Ihre geistige Reife wird einer ersten Prüfung
unterworfen, wenn sie die Entscheidung zwischen
verschiedenen Studiengängen treffen. Diese Wahl ist
sehr spezialisiert und meist unwiderruflich. Die Immatrikulation entscheidet über ihr künftiges Leben, denn
ein Sinneswandel oder Entschlußlosigkeit bedeuten
wichtigen Zeitverlust. Es gibt an europäischen Universitäten keine Möglichkeit, ohne Festlegung des Hauptfachs zu studieren oder Wahlfächer außerhalb des
gewählten Studienganges zu belegen.
Natürlich haben die wirklich reifen Studenten den
Vorteil, daß sie ihr spezialisiertes Studium - Jura,
Medizin, Naturwissenschaften oder Philologie - unverzüglich aufnehmen können ohne bis zum Hauptstudium warten zu müssen. Unglücklicherweise kann die
Bürde der "Reife" jedoch ebenso häufig auf schwachen Schultern lasten.

t

Das einzige Überbleibsel des mittelalterlichen Konzepts einer jedermann offenstehenden Allgemeinbildung sind universitäre Vorlesungen für die allgemeine
Öffentlichkeit, das Studium Universale. Das Hauptaugenmerk gilt jedoch der Ausbildung von Spezialisten, und diese Konzentration hat es der europäischen
Universität gestattet, für ihre besten Studenten, interessierte und begabte Adepten, die sich um herausragende Dozenten scharen, "klein" zu bleiben.

&gt;
Studenten, die sich über ihre Berufsziele im unklaren
sind, die daran interessiert sind, Wahlfächer neben
ihren Spezialgebieten zu wählen oder eine fachüber-

*

AMERIKA DIENST 22

greifende intellektuelle Neugier besitzen, sind an europäischen Universitäten in einer schwierigen Position.
Man findet solche Studenten überall in Europa. Sie
bilden sich in den Straßencafes und hervorragenden
Buchläden, die selbst in kleinen Städten anzutreffen
sind. Bisweilen besuchen sie sogar die Universität, an
der sie pro forma eingeschrieben sind und legen ein
paar Prüfungen ab. Aber die Universitäten sind für
Spezialisten konzipiert.
Natürlich würden die meisten amerikanischen Universitäten gerade ohne solche Studenten eingehen. Für
uns ist die Universität ein allgemeines geistiges Zentrum - in vielen Teilen des Landes weit und breit das
einzige. Das Engagement der Universität für die
Allgemeinbildung bedeutet ein Engagement für den
ganzen Menschen (daher auch die außerplanmäßigen
und sportlichen Programme, die zahlreichen europäischen Professoren nur ein müdes Lächeln entlocken)
und für eine Zukunft, in der die Spezialisten wahrscheinlich zu der Erkenntnis gelangen, daß ihre Fachkenntnisse weniger zählen als ihre allgemeine Fähigkeit, zu lernen und sich anzupassen. Bei uns setzt die
Spezialisierung im europäischen Sinne erst im Hauptstudium nach dem College oder in Doktorandenprogrammen ein. Doch trotz - oder gerade wegen - dieser
verzögerten Spezialisierung erscheint uns die amerikanische Sichtweise als der demokratischen politischen Theorie weit angemessener als die europäische.
Niemand sollte die bildungsmäßige Qualität des europäischen Systems unterschätzen. Diejenigen, die zur
Hochschulreife gelangen, besitzen eine hochentwikkelte Fähigkeit, akademische Fragen zu verstehen
und darüber zu schreiben. Diejenigen, die sich an der
Universität durchsetzen und das anspruchsvolle Hauptstudium erreichen, sind in der Tat eine Elite - hochgebildet und daran gewöhnt, strengen Kriterien zu genügen. Dieses System besitzt eine Klarheit und Begrenztheit, die vielen in der Verwaltung des amerikanischen Bildungswesens Tätigen als wünschenswert
erscheinen muß, die von dem hin und her einer sich in
alle Richtungen auf einmal entwickelnden plumpen
Institution erschöpft sind.
Aber selbst wenn wir uns unserem nationalen Zeitvertreib widmen, uns wegen unserer Fehler selbst zu
schelten, besteht nach einem Blick über den Atlantik
Grund zur Befriedigung.

* * *

*

Seite 3

�</text>
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United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

97

5. Juli 1972

Inhalt
DOKUMENTATION:

Pressekonferenz Präsident Nixons am 29. Juni 1972
-Auszüge Erklärung von Außenminister Rogers auf der SEATO-Tagung
-Wo.- Uut-

INFORMATION:
Laird: Weiterer Truppenabzug ist Beweis für den Erfolg der
Vietnamisierung

WIRTSCHAFT:
Dr. Whitman: Wirtschaftliche Lage in den USA hat sich eindeutig gebessert
-AuszügeNeuer Präsident der US-Export-Importbank in Europa

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler erörtern gemeinsame
Forschungsprogramme in Medizin und Technologie
Langzeitstudie über Alterungsprozeß

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

Dokumentation

300

0 8 - 8 54 32

27/1972

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT NIXONS AM 29. Juni 1972
- Auszüge -

Washington - (AD) - Präsident Nixon hat am 29. Juni auf einer
Pressekonferenz - der ersten seit einem Jahr, die vom amerikanischen
Fernsehen direkt übertragen wurde - zur innen- und außenpolitischen
Lage der USA Stellung genommen. Die wichtigsten, die Außenpolitik
betreffenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Nachdem im Jahre 1968 die Beendigung des Krieges eines
Ihrer Hauptwahlkampfthemen war, nachdem unsere Bombenangriffe in Indochina nach Angaben des Pentagon jetzt ihren Höchststand seit fünf
Jahren erreicht haben, nachdem die Truppen weiter abgezogen werden,
aber um so mehr Soldaten dafür nach Thailand und zur 7. Flotte abkommandiert werden, frage ich mich, wie Sie überhaupt noch mit Überzeugung erklären können, daß sie den Krieg bis zum 20. Januar
kommenden Jahres beenden werden?
ANTWORT: Wir haben bei der Beendigung des Krieges und besonders
bei der Beendigung des amerikanischen Engagements in dem Krieg große
Fortschritte erzielt.
Nachdem Sie die Tatsachen soweit noch einmal aufgezählt haben,
möchte ich sie ebenfalls, aber positiv gesehen, nochmals anführen.
Als ich mein Amt antrat, standen 540 000 Amerikaner in Vietnam.
Unsere Verluste betrugen 300 Mann in der Woche und die Kosten beliefen

- 1 -

�beliefen sich auf 22 Milliarden Dollar im Jahr. Wir haben seitdem
500 000 Soldaten abgezogen. Unsere Verluste sind um 95 Prozent bis auf
2 Mann (pro Woche) zurückgegangen ~ das ist noch zu viel, aber immerhin ein Rückgang von 300 auf zwei. Was die Kosten anbetrifft, so sind
sie jetzt auf 7 Milliarden Dollar im Jahr gesenkt worden gegenüber
damals 22 Milliarden Dollar im Jahr.
Was nun die Lage an der Verhandlungsfront anbetrifft, so befinden
wir uns keineswegs in einer Position, in der wir kein positives Angebot
zu machen hätten; wir haben vielmehr ein, wie Mr. Brinkley im NBC
(National Broadcasting Corporation) es gestern Abend nannte, sehr
konstruktives Angebot gemacht - ein Angebot, daß wir bei einer ganz
Indochina umfassenden Waffenruhe bei Rückkehr aller Kriegsgefangenen
und bei Unterrichtung über alle im Krieg Vermißten alle militärischen
Tätigkeiten in Indochina einstellen und alle noch dort stationierten
Amerikaner innerhalb von vier Monaten abziehen würden.
Wir sind auf diesem Standpunkt angekommen und halten das für
eine ausgezeichnete Position. Das Einzige, was wir nicht getan haben,
ist das, was die Kommunisten gefordert haben, nämlich dem südvietnamesischen Volke gegen seinen Willen eine kommunistische Regierung
aufzuzwingen. Das werden wir nicht tun, weil wir damit die Aggression
belohnen, zu einer solchen Aggression ermutigen und die Aussichten für
den Frieden überall auf der Welt verringern würden, und weil dies eine
Schmach für die Vereinigten Staaten von Amerika bedeuten würde.
An der Verhandlungsfront haben wir die Nordvietnamesen - nach
Konsultationen mit der südvietnamesischen Regierung - davon unterrichtet, daß wir am Donnerstag, den 13. Juli, an den Verhandlungstisch
in Paris zurückkehren werden; wir sind von den Nordvietnamesen und vom
Vietcong dahingehend unterrichtet worden, daß sie ebenfalls an diesem
Tage an den Verhandlungstisch zurückkehren werden. Wir sind an den
Verhandlungstisch zurückgekehrt oder werden an ihn zurückkehren, weil
wir annehmen, daß die Nordvietnamesen bereit sind, konstruktiv und
ernsthaft zu verhandeln. Wir werden bereit sein, so zu verhandeln. Wenn
- 2-

�Wenn diese Verhandlungen konstruktiv und ernsthaft geführt werden, dann
kann der Krieg beendet werden und er kann dann noch erheblich vor dem
20. Januar beendet werden. Wenn die Anderen nicht auf dieser Basis vorgehen, dann werden die Vereinigten Staaten weiterhin ihre Verpflichtungen
erfüllen. Was unsere Bombardierungen und unsere Verminungen anbetrifft,
so erfolgen diese ausschließlich aus dem Grunde, um zu verhindern, daß
die kommunistische Aggression Erfolg hat, um die noch verbleibenden rund
40 000 Amerikaner, die immer noch in Vietnam stationiert sind, zu schützen,
und um eine Verhandlungsposition für die Freigabe unserer Kriegsgefangenen
zu haben.
Noch einen letzten Punkt zur Kriegsgefangenenfrage: Ich weiß, daß
jeder Amerikaner sich um diese Soldaten sorgt. Ich habe mir Sorgen um sie
gemacht. Ich möchte dazu nur sagen, daß ich im letzten Jahr wirklich eine
Menge Erfahrungen im Verkehr mit den kommunistischen Führern gesammelt
habe. Ich weiß, es ist nicht einfach, mit ihnen ins Geschäft zu kommen,
und man erhält von ihnen nur dann etwas, wenn man selbst etwas besitzt,
was sie von einem haben wollen. Der einzige Weg, unsere Kriegsgefangenen
zurückzubekommen, ist, daß wir etwas dafür tun, und das bedeutet, daß
wir militäarische Ziele in Nordvietnam angreifen, daß wir eine ständige
Einsatztruppe in Südvietnam belassen und daß wir weiterhin die Häfen
Nordvietnams verminen.
Nur wenn wir mit solchen Tätigkeiten fortfahren, werden sie sich
veranlaßt sehen, unsere Kriegsgefangenen zurückzugeben, statt - wie dies
beim Abzug der Franzosen aus Vietnam im Jahre 1954 der Fall war, als nach
diesem Zeitpunkt über 15 000 Franzosen nie wieder etwas zu erfahren war nichts mehr über deren Schicksal mitzuteilen.
Ich werde niemals zulassen, daß das Gleiche mit unseren tapferen
Soldaten geschieht, die sich jetzt in Kriegsgefangenschaft befinden.
FRAGE:
- 3-

�FRAGE: Herr Präsident, bevor Sie die Wiederaufnahme der Bombardierungen Nordvietnams anordneten, genehmigte General Lavelle oder
leitete er einige nichtautorisierte Angriffe ein. Wirkte sich diese
Maßnahme Ihrer Meinung nach irgendwie auf die diplomatischen Verhandlungen aus, die in jener Zeit stattfanden, und sind Sie besorgt
darüber, daß Sie doch offenbar hiervon nichts wußten?
ANTWORT: Die diplomatischen Verhandlungen wurden dadurch nicht
berührt. In der Tat fand am 2. Mai in Paris ein Treffen, ein geheimes
Treffen, zwischen Dr. Kissinger und den (nordvietnamesischen) Unterhändlern statt - also während des Zeitraums, als die Maßnahmen General
Lavells ausgeführt wurden. Sie können sicher sein, daß die Nordvietnamesen sich über diese besondere Angelegenheit beschwert hätten, hätten
sie irgendeinen Vorwand für eine Beschwerde haben wollen.
Was nun die Sache selbst angeht, so war sie, wie auch Admiral
Moorer heute ausgesagt hat, nicht autorisiert. Sie war allerdings
nur gegen jene militärischen Ziele gerichtet, von denen aus auf
amerikanische Flugzeuge geschossen wurde. Aber da

die Vollmacht

überschritten wurde, war es nur richtig, daß der General abgelöst und
in den Ruhestand versetzt wurde. Meiner Meinung nach war dies die
richtige Maßnahme, und ich glaube, das wird sicherstellen, daß so
etwas in Zukunft nicht mehr passiert.
FRAGE: Herr Präsident, am 8. Mai - also zu der Zeit der Verminung der
nordvietnamesischen Häfen - sagte Ihr Berater, Dr. Kissinger, voraus, daß
diese Verminung zum Austrocknen des Nachschubs führen und daß die Hauptoffensive um den 1. Juni herum vorbei wäre. Ist diese Voraussage noch gültig, und wenn ja, können Sie dann einen Zeitplan für den Abzug unserer
Unterstützungsverbände nennen, die nach den See-und Luftstützpunkten um
Vietnam herum entsandt wurden, um die Südvietnamesen während der Offensive
zu unterstützen?
Antwort:

-4-

�ANTWORT: Was den Zeitpunkt der wirksamen Verminung und auch die Bombardierung der militärischen

Ziele in Nordvietnam, vor allem der Eisenbahnen

und Ölleitungen, angeht, so ist die Situation in Vietnam dadurch völlig gewandelt worden. Ich habe einige Nachrichtenmagazine durchgesehen, die in der
Woche, bevor die Verminung angeordnet wurde, erschienen, und ich habe festgestellt, daß in jedem von ihnen die Überschrift zu lesen war: "Das Gespenst
der Niederlage in Vietnam". Das war die Situation, als unsere Maßnahmen anliefen. Sie hat sich nun völlig gewandelt. Die Südvietnamesen sind in der Offensive. Die Sache ist noch nicht zu Ende. Wir rechnen unter umständen noch mit
weiteren nordvietnamesischen Offensiven, aber ich bin doch der Ansicht, daß
nunmehr die Fähigkeit der Südvietnamesen, sich mit unserer Luftunterstützung
zu Lande selbst zu verteidigen, demonstriert worden ist. Die Fähigkeit, sich
in An Loc und Kontum

und jetzt auch im Gebiet von Hue selbst zu verteidigen,

ist ein Zeichen dafür, daß die Vietnamisierung, was die Aktivität zu Lande
anbetrifft, sich als eine erfolgreiche Maßnahme erwiesen hat,. Was nun die
Zukunft angeht, so habe ich bereits zu verstehen gegeben, daß wir im Juli zu
den Verhandlungen zurückkehren werden. Das ist der Bereich, dem wir - genau
wie dem Schlachtfeld - unsere Aufmerksamkeit widmen müssen. Und soweit es um
irgendwelche zukünftigen Ankündigungen geht - diese werden von dem Fortschritt
am Verhandlungstisch und an der Front abhängen.
FRAGE: Meiner Frage liegen Ihre eigenen Erklärungen zugrunde, die Sie in
Texas und anderswo abgegeben haben und worin Sie sagten, daß Sie die Bombardierung der Deiche und Dämme in Nordvietnam nicht sanktioniert hätten und auch
nicht sanktionieren würden, weil dies Ihrer Meinung nach ein inhumaner Akt
sei wegen der Folgen für die Zivilbevölkerung. Während der letzten Wochen hat
es nun Augenzeugenberichte gegeben. Einer dieser Berichte kam von der französischen Presseagentur, ein weiterer vom schwedischen Botschafter in Hanoi,
und in diesen Augenzeugenberichten wird behauptet, daß amerikanische Flugzeuge
Deiche und Dämme getroffen hätten. Meine Frage ist nun, hat eine solche
Bombardierung stattgefunden und wenn ja, welche Schritte unternehmen Sie, damit dies sich nicht noch einmal ereignet?
Antwort:

�ANTWORT: Wir haben diese Berichte überprüft und sie haben sich als unrichtig herausgestellt. Die Bombardierung von Deichen ... wurde von manchen
Leuten befürwortet. Die Vereinigten Staaten haben sich in Ihrer Bombardierungspolitik eine große Zurückhaltung auferlegt, und meiner Meinung nach ist das
richtig. Wir waren bestrebt, nur militärische Ziele zu treffen, und wir haben
militärische Ziele getroffen. Unser Befehl lautete, keine Deiche zu treffen,
weil die Folgen im Hinblick auf die Zivilbevölkerung überaus groß sein würden.
Was nun irgendeine weitere Aktivität in dieser Hinsicht anbelangt, so
ist dieser Befehl immer noch in Kraft. Ich habe nicht die Absicht, zuzulassen,
daß irgendwelche Befehle ergehen, die zu Verlusten unter der Zivilbevölkerung
führen, wenn dies verhindert werden kann. Nur militärische Ziele sind genehmigt.
FRAGE: Herr Präsident, im letzten Jahr oder Anfang dieses Jahres hat General Abrams Ihnen gegenüber die Überzeugung geäußert, daß die Südvietnamesen es
auf dem Schlachtfeld alleine nicht schaffen könnten. Dann erfolgte die Invasion
aus dem Norden, und wir reagierten mit Bombardierungen. Wann können Ihrer Meinung nach die Südvietnamesen realistischerweise ohne massive Feuerunterstützung
durch uns mit der Situation fertig werden?
ANTWORT: Das wird gegenwärtig festgestellt, und das zeigt sich jetzt.
Erstens ,was die Aktivität zu Lande angeht, so wird sie voll und ganz
von den Südvietnamesen ausgeführt. Einsätze amerikanischer Kampftruppen
sind in Vietnam völlig eingestellt worden. Was die Amerikaner in Vietnam
anbetrifft, so ist dieser Krieg für viele künftige Wehrdienstpflichtige
vorüber. Es werden keine Wehrpflichtigen mehr nach Vietnam entsandt werden.
Was nun den Lufteinsatz anbelangt, so wird General Abrams oder jeder
Militärexperte Ihnen wie auch mir sagen, daß derartige Aktionen allein ohne entsprechenden Kampfhandlungen zu Lande - einen entschlossenen
Gegner nicht aufhalten können.
In diesem Falle nun hat Nordvietnam eine massive Offensive mit
gewaltigen Panzern vorgetragen, die größer waren als die ihnen gegenüberstehenden, sowie mit neuen und modernen Waffen. Um nun hier eine Art Aus- 6 -

�Ausgleich herzustellen, der nötig war, haben wir Luftunterstützung
zur Verfügung gestellt. Aber ich möchte hier auf etwas hinweisen, was
nur geringe Beachtung gefunden hat: 40 Prozent aller taktischen Lufteinsätze über den Kampfgebieten in Südvietnam werden jetzt von den
Südvietnamesen, nicht von Amerikanern,geflogen. Wir können also feststellen, daß die Südvietnamesen nicht nur die gesamten Kampfhandlungen
zu Lande tragen, sondern auch ständig ihre Fähigkeit verstärken, den
Kampf in der Luft zu übernehmen. Durch den Erfolg unserer Luftangriffe
auf den Norden und auf das Kampfgebiet, durch die erfolgreiche Wendung
dieses ganzen Kampfes wird schließlich der Tag herbeigeführt werden,
da die Südvietnamesen in der Lage sind, die gesamte Kampftätigkeit
selbst zu übernehmen. Ich möchte dafür kein Datum nennen. Ich kann nur
sagen, daß das Ergebnis des gegenwärtigen Kampfes, die Schwere der
nordvietnamesischen Verluste,diesen Tag bestimmen werden, Aber ich
bin in dieser Hinsicht sehr optimistisch ...
FRAGE: Herr Präsident, können Sie uns sagen, was Sie veranlaßte,
an den Verhandlungstisch in Paris zurückzukehren, und würden Sie eine
Koalitionsregierung unterstützen - die Bildung einer Koalitionsregierung oder würden Sie dies in Paris erörtern.
ANTWORT: Es wäre nicht nützlich, etwas über die Gespräche zu sagen,
die an verschiedenen Stellen im Hinblick auf eine Rückkehr an den Pariser
Konferenztisch stattgefunden haben.
Lassen Sie es damit bewenden, daß ich sage, beide Seiten erachteten
es als in ihrem Interesse liegend, an den Konferenztisch in Paris zurückzukehren. Wir wären nicht zurückgekehrt, würden wir nicht glauben, daß
es eine Chance für ernsthaftere Erörterungen und konstruktivere Gespräche
gäbe, als dies in der Vergangenheit der Fall war, obwohl ich ganz offen
sagen muß, daß wir in der Vergangenheit im Hinblick auf diese Gespräche
enttäuscht worden sind.
Es hat bisher 149 Vollsitzungen gegeben, aber keine bedeutsamen
Ergebnisse. Ich glaube, es wäre nicht besonders nützlich, würde ich mich
- 7-

�mich auf einer Pressekonferenz darüber auslassen, worüber wir in Paris
sprechen werden. Das ist eine Angelegenheit, die wir mit deir Gegner aushandeln werden.
Was nun eine Koalitionsregierung anbetrifft, so ist die Antwort: Nein.
Wir werden nicht mit dem Gegner etwas aushandeln, was er selbst nicht erreichen kann, nämlich gegen den Willen der Bevölkerung Südvietnams ihr
eine Koalitionsregierung mit den Kommunisten aufzuzwingen.
Wir werden jedoch konstruktiv und entgegenkommend sein. Eine international überwachte Waffenruhe, der völlige Abzug aller Amerikaner innerhalb von vier Monaten, die völlige Einstellung aller Bombenangriffe das sind unserer Ansicht nach sehr vernünftige Angebote, und wir meinen,
der Gegner sollte sie ernsthaft prüfen.
FRAGE: Kaum hatten Sie die Rüstungskontrollabkommen in Moskau unterzeichnet,
forderte Ihre Administration neue Gelder für neue strategische Waffen an.
Manche Ihrer Kritiker sagen, daß es fast an Betrug grenze, wenn man dem
Pentagon gebe was es will, nämlich eine Konzentration auf die Entwicklung
neuer hochmoderner Waffen. Würden Sie versuchen, diese schlimmen Voraussagen zu entkräften?
ANTWORT: Das Problem bei der Kontrolle der Rüstungen ist, daß wir
das nicht in einem Vakuum behandeln. Wir müßen uns mit dem Problem so
befassen, wie es die Sicherheit der Vereinigten Staaten berührt. Zunächst
möchte ich einmal betonen: Hätten wir kein Abkommen über eine Kontrolle der
Rüstungen, eine Begrenzung der Luftabwehrraketen und eine vorläufige,
auf fünf Jahre befristete Begrenzung bestimmter Kategorien von Offensivwaffen, dann würde ich - und das ist ganz vorsichtig geschätzt - den
amerikanischen Kongreß ersuchen müssen, in einem Sofortprogramm eine
Erhöhung des Verteidigungshaushalts für strategische Nuklearwaffen um
wenigstens 15 Milliarden Dollar pro Jahr zu bewilligen. Grund: Ohne ein
Abkommen über Rüstungskontrolle hätten die sowjetischen Pläne eine Erhöhung
der Zahl ihrer Luftabwehrraketen in den nächsten fünf Jahren auf 1000 vor- 8-

�vorgesehen

Das Abkommen über eine Rüstungskontrolle begrenzt diese Zahl

für sie wie für uns auf 2uü. Hätte es kein Rüstungskontrollabkommen gegeben,
dann würde die Sowjetunion jetzt ein Unterseebootprogramm durchführen, durch
das die Zahl ihrer Unterseeboote auf über 90 erhöht würde

Das Abkommen

begrenzt ihre Zahl auf 62. Und hätte es kein Rüstungskontrollabkommen
für strategische Offensivwaffen gegeben - und das ist der wohl wichtigste
Punkt -, dann hätte uns die Sowjetunion bei den strategischen Offensivwaffen jetzt überrundet, Sie haben rund 1 600, wir etwa 1000 solche Waffen.
Sie würden in den nächsten fünf Jahren weitere 1000 solche Waffen gebaut
haben. Unter solchen Umständen würde jeder amerikanische Präsident feststellen, daß die Vereinigten Staaten in fünf Jahren hoffnungslos zurückgefallen sein würden; unsere Sicherheit wäre bedroht gewesen, unsere Verbündeten wären, vor allem in diesen Bereichen, in Angst versetzt worden, und
unsere Freunde ebenso, zum Beispiel im Nahen Osten, wo die Möglichkeit
sowjetischer Abenteuer für recht groß gehalten wird,
Daher wirkt ein Rüstungskontrollabkommen, zumindest bei neuen Waffen,
als Bremse. Was jetzt die von Ihnen erwähnten neuen Waffen anbetrifft, so
möchte ich betonen,daß dies nicht den Zeitraum der nächsten fünf Jahre
betrifft. Wir sprechen vielmehr von der Zeit danach, Und sie sind für
die Sicherheit der Vereinigten Staaten auch aus einem anderen Grund absolut
notwendig - denn wir dürfen das ganze nicht in einem Vakuum sehen, sondern
müssen es nach dem beurteilen, was die andere Seit tut, und Herr Breschnew
hat es sehr deutlich gemacht

daß er bei diesen Kategorien von Waffen,

bei denen keine Begrenzungen bestehen, weitermachen werde
Um ihm gegenüber fair zu sein, er sagte weiter und machte das sehr
klar - er machte es ganz eindeutig klar, so möchte ich sagen-,daß er damit
rechne, daß auch wir weitermachen

Wenn also unter diesen Umständen die

Vereinigten Staaten auf diesen Gebieten,wo keine Kontrolle besteht, nicht
weitermachen würden, dann würde dies bedeuten, daß wir Ende der siebziger
Jahre d ie Unterlegenen wären, und kein Präsident der Vereinigten Staaten

�Staaten kann die Verantwortung dafür übernehmen, daß die Vereinigten
Staaten an die Stelle des zweitmächtigsten Staaten der Welt rücken nicht aus chauvinistischen Überlegungen heraus, sondern weil dann unsere
Außenpolitik, unsere Verpflichtungen überall auf der Welt sehr, sehr
ernsthaft gefährdet wären,
Den wichtigsten Punkt aber habe ich bis zum Schluß aufgespart
und zwar: Diese Abkommen liegen meiner Ansicht nach im Interesse der
Vereinigten Staaten. Sie liegen nach meiner Auffassung unbedingt im
Interesse der Rüstungskontrolle und damit des Weltfriedens. Aber sie sind
erst ein Anfang; sie sind nur die Grundlage

Was wir jetzt tun müssen,

ist, realistisch den zweiten Schritt weiterzugehen. Und das ist der Grund,
warum die Phase zwei der Rüstungskontrolle, von der wir hoffen, daß sie,
sofern der Kongreß die ihm gegenwärtig vorliegenden Abkommen billigt,
im Oktober beginnen wird - daß die Phase zwei ein ständiges Rüstungskontroi labkommen für alle nuklearen Offensivwaffen bringen wird - das
wird unserer Ansicht nach noch weit größere Bedeutung haben, als die
Phase eins.
Phase eins ist der Durchbruch und Phase zwei ist die Krönung
Phase zwei wird, wenn wir ein Abkommen mit den Sowjets erreichen können
- und es wird langer und harter Verhandlungen bedürfen - aber wenn wir
es erreichen können, bedeuten, daß wir unsere Rüstungsbudgets dann
auf dem gegenwärtigen Stand halten können, und daß wir diese neuen
Programme, statt mit ihnen auf der gegenwärtig

vorgesehenen Basis

weiterzumachen, dann kürzen können.
Das ist unser Ziel, und ich meine, wir können es erreichen, vorausgesetzt, daß wir Phase eins billigen und vorausgesetzt, daß wir weiterhin
ein glaubwürdiges Rüstungsprogramm fortführen, denn glauben Sie mir,
die Sowjets werden einer Begrenzung ihrer künftigen Programme nicht
zustimmen, wenn sie von uns nichts dafür bekommen können.
FRAGE:
- 10 -

�FRAGE: Herr Präsident, zu ihren Ausführungen über die Notwendigkeit
von Offensivwaffen: Warum bestehen Sie denn dann auf der Entwicklung des
kostspieligen B-1-Bombers, wenn die Sowjetunion in den letzten Jahren
tatsächlich so wenig Interesse an der Bomberentwicklung gezeigt hat und
wenn sie, soweit wir wissen, im Augenblick keinen neuen Bomber in der
Entwicklung hat?
ANTWORT: Jede Macht, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten,
muß die Streitkräfte haben, die für ihre eigene Sicherheit notwendig sind
Wir sind im Grunde genommen nicht ausschließlich eine Landmacht sondern
vielmehr eine Land- und Seemacht

Die Sowjetunion ist in erster Linie

eine Landmacht und hat daher ganz bestimmte Erfordernisse. Wir glauben,
daß der B-1-Bomber für unsere Sicherheit notwendig ist.
Was nun die Sowjetunion anbetrifft, so bedeutet die Tatsache, daß
sie keine Bomber entwickelt, nicht, daß sie nicht die unsrigen respektiert
Und ich möchte ferner sagen, hätten wir nicht zur Zeit diesen Vorteil
bei Bombern, dann könnten wir nicht ruhig zusehen und es zulassen, daß
die Sowjets uns gegenüber bei landgestützten Raketen mit 1 600 zu 1000
im Vorteil sind. Unsere Bomber sind somit ein Ausgleich dafür ...
FRAGE: Herr Präsident, ich hätte gerne noch eine klärende Frage
zu den Bombardierungen gestellt. In Ihrer Rede vom 8. Mai haben Sie
erklärt, das einzige Ziel Ihrer Bombardierungen und Ihrer Verminung
sei der Schutz der 60 000 dort noch verbliebenen amerikanischen Soldaten.
Habe ich Sie recht verstanden, daß Sie in Beantwortung einer früheren
Frage sagten, es bestehe jetzt ein Zusammenhang zwischen den Bombardierungen und der Freilassung der Gefangenen

Und ich möchte noch eine

zusätzliche Frage stellen, die in einiger Beziehung dazu steht: waren
mit der Rückkehr zu den Pariser Friedensgesprächen irgendwelche Bedingungen der beiden Seiten verknüpft?
ANTWORT: Nein. Keine der beiden Seiten hat damit irgendwelche
Bedingungen verknüpft. Wir kehren zu den Gesprächen zurück und sind
bereit, ohne Vorbedingungen zu verhandeln. Wir halten das für den
- 11 -

�den konstruktivsten Weg, um Ergebnisse zu erreichen. Es gab beispielsweise keine Bedingung - und darauf dürfte Ihre Frage ja wohl abzielen daß wir die Bombardierungen einstellen, wenn wir zu den Gesprächen
zurückkehren. Wir haben nicht die Absicht, sie einzustellen. Wir werden
die Bombardierungen einstellen, wenn die Bedingungen erfüllt sind, die
ich in meiner Rede vom 8. Mai dargelegt habe.
Wie Sie sich erinnern, habe ich in dieser Rede vom 8. Mai drei
Bedingungen dargelegt. Ich erklärte, daß wir militärische Ziele im
Norden bombardieren und die Häfen verminen würden und zwar aus drei
Gründen: um zu verhindern, daß Südvietnam eine kommunistische Regierung
aufgezwungen werde; um unsere in Südvietnam verbleibenden Truppen zu
schützen, die sich damals auf 60 000 Mann beliefen; und um die Freilassung unserer Kriegsgefangenen zu erreichen. Das sind die drei Bedingungen, die es im Hinblick auf die Bombardierungen gibt. Wir sind
jedoch bereit, über diese Punkte mit dem Gegner zu verhandeln. Wir
haben nicht den Wunsch, die Bombardierungen auch nur einen Augenblick
langer fortzusetzen, als notwendig ist, um diese nach unserer Ansicht
sehr minimalen Ziele zu erreichen
FRAGE: Herr Präsident, die Geschichte der amerikanischen Bombenangriffe auf Nordvietnam zeigt, daß diese eher dazu gedient haben,
Verhandlungen zu behindern, statt sie zu fördern. Warum glauben Sie
- angesichts dieses Hindergrundes - daß es jetzt Erfolg verspricht?
ANTWORT: Ich bin nicht sicher, ob sich meine Beurteilung dieser
Angelegenheit mit der Ihren deckt. Ich bin der Meinung, daß wir im
Verlaufe der letzten drei Jahre alles nur mögliche getan haben, um
Verhandlungen in Gang zu bringen. Wir haben Truppen abgezogen, wir
haben sehr entgegenkommende Angebote gemacht,wir haben auf unserer
Seite die Kampftätigkeit herabgeschraubt, und das Ergebnis war einfach
eine ständig wachsende Unnachgiebigkeit auf Seiten des Gegners,

- 12 -

�Glauben Sie mir, es war nur eine letzte Zuflucht, als ich die überaus schwierige Entscheidung vom 8. Mai traf, wohl wissend, wieviel diese
Entscheidung mit sich brachte. Aber nachdem ich diese Entscheidung getroffen habe, glaube ich, daß es die richtige Entscheidung war; und ich
glaube, die Tatsache, daß unsere Gipfeltreffen trotz dieser Entscheidung
stattfanden, die Tatsache, daß wir trotz dieser Entscheidung an den
Verhandlungstisch zurückkehren, zeigt, daß vielleicht diejenigen Unrecht
haben, die der Meinung sind, daß eine starke Position am Verhandlungstisch zu keinen Verhandlungen führt.
Ich bin immer der Ansicht gewesen, daß bei der Auseinandersetzung
mit diesen sehr pragmatischen Männern, die die kommunistischen Nationen
führen - und wir müssen sie ihrer Stärke und ihres Pragmatismus wegen
respektieren -, daß diese Männer also Stärke respektieren - keine
kriegerische Haltung, aber doch Stärke. Das ist zumindest die Art und
Weise, mit der ich immer an diese Dinge herangehe und ich glaube, sie
wird erfolgreich sein.

+ + + + +

- 13 -

�B E R I C H T I G U N G

Bitte le§en Sie auf Seite 8, letzte Zeile, richtig:
der Zahl ihrer Raketenabwehrraketen - vergl. Raketenabwehrraketen

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27/1972

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER ROGERS AUF DER SEATO-TAGUNG
-Wortlaut-

CANBERRA --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 27. Juni auf der Eröffnungssitzung der 17. SEATO-Ministerratstagung
folgende Erklärung abgegeben:
In den letzten vier Monaten waren die Vereinigten Staaten zusammen
mit anderen Ländern an entscheidenden Entwicklungen beteiligt, die der
Geschichte dieses Jahrhunderts ihren Stempel aufdrücken werden. Die erfolgreichen Besuche des amerikanischen Präsidenten in Peking und Moskau, die
Unterzeichnung der amerikanisch-sowjetischen Abkommen zur Begrenzung der
strategischen Rüstungen, das Inkrafttreten eines Abkommens über Berlin,
durch das diese Quelle internationaler Spannungen ausgeschaltet wird
- alle diese Ereignisse sollten, einzeln für sich und in ihrer Gesamtheit,
wesentlich zu der friedlichen Welt beitragen, die alle von uns in der
SEATO herbeiwünschen.
Bei den von uns in bezug auf unsere Hauptgegner ergriffenen Schritten
traten die amerikanischen Ziele ganz offen und eindeutig zu Tage - eine
Welt frei von den Risiken eines nuklearen Krieges und den Gefahren einer

-l-

�einer Konfrontation der Großmächte; ein Europa, in dem schrittweise Aussöhnung an die Stelle von Spaltung tritt; ein Asien, in dem die Völker, große
wie kleine, über ihr eigenes Schicksal in Frieden ohne ausländische Einmischung selbst bestimmen können.
Diese Ziele werden schneller erreicht werden, wenn die Prinzipien der
internationalen Beziehungen, die sich aus den Besuchen in Peking und Moskau
ergeben haben, peinlich genau beachtet werden. Nur die Zeit kann zeigen, in
welchem Maße diese Prinzipien in der Praxis verwirklicht werden. Für jedes
dieser Länder werden wir, in unterschiedlichem Maße und auf geraume Zeit,
Konkurrenten und starke ideologische Rivalen bleiben - mit einer diametral
entgegengesetzten Auffassung von den Beziehungen zwischen den Menschen und
den Staaten. Wir glauben jedoch, daß ein Prozeß begonnen hat, der diesen
Wettstreit in friedlichen Bahnen und diese Rivalitäten in Schranken und
realistisch halten kann.
Die Wege, die zu den Gipfeltreffen führten, waren nicht einfach. Für
beide, China und die Sowjetunion, waren die ideologischen und die tatsächlichen Schranken gewaltig. Wir nehmen daher an, daß sie die Verbesserung der
Beziehungen zu den Vereinigten Staaten mit einer ernsten Absicht aufgenommen
haben. Die Änderung ihrer Haltung war zweifellos "verstandesmäßig und nicht
gesinnungsmäßig", wie Präsident Nixon dies kürzlich nannte. Aber diese Änderung bietet die Möglichkeit einer friedlicheren Welt für uns alle, und die
Vereinigten Staaten werden das Ihre in diesem Geiste dazu beitragen, damit
diese Möglichkeit verwirklicht wird.
Es ist unsere Hoffnung und unsere Absicht, daß der auf den Gipfeltreffen
erzielte bilaterale Fortschritt auch den Übergang zu normaleren Beziehungen
zwischen anderen Ländern fördern kann, die durch den kalten Krieg gespalten
oder entfremdet worden sind. Solch ein Fortschritt ist sowohl in Europa wie
in Asien bereits im Gange.
--In

-2-

�--In Europa haben Sir Alec Douglas Home und ich vor drei Wochen ein Abkommen mitunterzeichnet, das die Reisebeschränkungen und andere Lebensbedingungen für die Bevölkerung Westberlins lockern und erleichtern wird, die ein
unschuldiges Opfer der Teilung ihrer Stadt und ihres Landes ist. Dieses Abkommen hat weitere Aussichten auf Verbesserungen in Europa durch verstärkte
bilaterale Kontakte und die bevorstehende Europäische Konferenz eröffnet.
--In Asien sind seit fast einem Jahr Gespräche zwischen Vertretern des
Roten Kreuzes der Republik Korea und der demokratischen Volksrepublik Korea
im Gange, die ursprünglich auf die Wiederzusammenführung

von seit Jahrzehn-

ten getrennten Familien abzielten. Wir teilen die Hoffnung, die Präsident
Park auf einer kürzlichen Sitzung des Asiatischen und Pazifischen Rates
äußerte, daß solche Gespräche und Kommunikationen andauern und weiter entwickelt werden.
Das Berlin-Abkommen und die neuen Anfänge in Korea zeigen den Fortschritt, den Verhandlungen für komplizierte Probleme bringen können. Leider
wird in Vietnam und in Gebieten, die für die SEATO von direkter Bedeutung
sind, ein solcher Fortschritt durch die Weigerung Nordvietnams, ernsthaft
zu verhandeln, immer noch blockiert. Die kommunistische Seite hat sich sogar
geweigert, in Gespräche mit der Regierung der Republik Vietnam über eine politische Regelung einzutreten. Die Vorschläge des amerikanischen Präsidenten
vom 8. Mai konnten Hanoi bisher nicht von dem Beharren auf Bedingungen abbringen, die es dem südvietnamesischen Volk verwehren würden, selbst über
seine eigene Zukunft zu bestimmen. Dem können und werden wir nicht zustimmen.
Aber eine fruchtbare Basis für eine gerechte Regelung sind Verhandlungen,
sobald Hanoi bereit ist, sie aufzunehmen. Wir haben gewissen Grund zu der
Hoffnung, daß der verstärkte diplomatische Druck, der aus allen Teilen der
Welt auf Hanoi ausgeübt wird, Nordvietnam veranlassen wird, ernsthafte Verhandlungen aufzunehmen.
Die

-3-

�Die amerikanische Außenpolitik in Asien und in der Welt beruht auf Treue
zu unseren Verpflichtungen und Festigkeit in unseren Prinzipien. Sie beruht
ferner auf der Überzeugung, daß eine Bereitschaft zur Änderung traditioneller
Formen, zur Suche nach Lösungen durch Verhandlungen und durch Gespräche sowie
zur Erzielung von für beide Seiten vorteilhaften Kompromissen im Interesse
des Friedens ist. Genauso wie wir unsere Beziehungen zu traditionellen Gegnern
verbessern, so verstehen und begrüßen wir auch ähnliche Initiativen unserer
Verbündeten und Freunde. Eine Bereitschaft auf allen Seiten, von der Erstarrung
der beiden letzten Jahrzehnte abzugehen, kann nur positive Ergebnisse zeitigen
Solche Veränderungen können sich nur auf dem Nährboden der Stabilität
vollziehen. Was uns anbetrifft, so werden die Vereinigten Staaten in Ostasien und
im Pazifik weiterhin von folgenden Überzeugungen ausgehen:
Erstens, unsere neuen Beziehungen werden nicht durch Preisgabe der
Interessen unserer Freunde erkauft. Diese Tatsache ist in den Prinzipien, zu de^
nen wir uns gegenüber China und der Sowjetunion bekannten, ausdrücklich anerkannt
worden,
• Zweitens, wir sind uns voll darüber im klaren, daß diese neuen Beziehungen unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten nur dann stärken werden, wenn
wir weiterhin eine überzeugende Stärke aufweisen. Dies ist der Grund, warum Präsident Nixon, selbst in einem Wahljahr, auf einem ausreichenden nationalen Verteidigungshaushalt besteht. Diese Erkenntnis bildet den Kern unserer Politik
im Pazifik wie in Europa. Und wir sind uns genauso darüber im klaren, daß
weitere militärische und wirtschaftliche Hilfe erforderlich sein wird, wenn andere jetzt die Verantwortung für ihre eigene Sicherheit übernehmen. Wir sind
entschlossen, diese Hilfe zu gewähren.
--Drittens,

�--Drittens, ein friedliches Asien wird nicht durch ein Aufgeben unserer
Verpflichtungen oder unserer Interessen in diesem Raum angestrebt und könnte
so auch nicht erreicht werden. Unsere Interessen in Asien und im Pazifik sind
von grundlegender Bedeutung. In unserem eigenen Selbstinteresse sowie im Interesse unserer Freunde und Verbündeten wird unser Engagement nicht mit dem Auslaufen unseres militärischen Engagements in Vietnam enden.
Gerade die Notwendigkeit stabiler Verhältnisse in einer Zeit des Wandels
verleiht einer Organisation wie der SEATO weiterhin große Bedeutung. Aus diesem
Grunde werden die Vereinigten Staaten diese Organisation und deren Zielsetzungen auch künftig unterstützen. In der Tat sind unsere Initiativen in Ostasien
auf das Hauptziel ausgerichtet, das von den Unterzeichnern des SEATO-Paktes
vor 18 Jahren gesetzt worden war -- "das Gebäude des Friedens und der Freiheit
zu stärken". Im Namen Präsident Nixons kann ich Ihnen die feierliche Zusicherung geben, daß die Vereinigten Staaten weiterhin in Asien in diesem Bemühen
engagiert sein werden.
Ich werde jetzt Admiral McCain Platz machen, damit er Ihnen seine Beurteilung der militärischen Bedrohung des Vertragsgebietes geben kann. Wie Sie wissen, ist dies die letzte Ministerratstagung für Jack McCain. Ich möchte ihm
vor diesem Forum meinen persönlichen Dank für seine Arbeit aussprechen, die er
so hervorragend geleistet hat. Während der Jahre, die er als Oberbefehlshaber
im Pazifik wirkte, war er für mich als Außenminister eine unfehlbare Quelle
des Rates und der Stärke. Die SEATO hat bestimmt keinen loyaleren Freund als
Jack McCain.
-t fc-»-fc I i I l - H -

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27/1972

LAIRD: WEITERER TRUPPENABZUG IST BEWEIS FÜR DEN ERFOLG DER
VIETNAMISIERUNG

WASHINGTON .«.(AD)— Der amerikanische Verteidigungsminister Melvin R.
Laird hat den Abzug von weiteren 10 000 amerikanischen Soldaten aus Südvietnam als einen konkreten Beweis für den Erfolg des Vietnamisierungsprogramms bezeichnet. In einer in Colorado Springs veröffentlichten Erklärung betonte der amerikanische Verteidigungsminister ferner, die USA hofften weiterhin, daß der Gegner das großzügige Friedensangebot Präsident
Nixons annehmen werde, damit die Kämpfe in Südvietnam beendet werden
könnten.
Die Erklärung Lairds hat folgenden Wortlaut:
"Die heutige Mitteilung Präsident Nixons, daß weitere Amerikaner aus
Südvietnam abgezogen werden sollen, ist ein erneuter konkreter Beweis für
den Erfolg des Vietnamisierungsprogrammes. Seit Anlaufen dieses Programms
vor mehr als drei Jahren sind über eine halbe Million Amerikaner aus Vietnam
zurückgebracht worden, und bis am 1. September werden 93 Prozent der amerikanischen Soldaten zurückgeführt worden sein, die sich bei Amtsantritt Präsident Nixons in Vietnam befanden.
Ich

-1-

�Ich bin insbesondere erfreut darüber, daß wir unter der Führung Präsident Nixons während der letzten drei Jahre die Höhe der Einberufungen in so
augenfälliger Weise reduzieren konnten. Der Präsident konnte nunmehr bekanntgeben, daß aufgrund unseres Vietnamisierungsprograrames die Notwendigkeit für
die Stationierung amerikanischer Soldaten in Vietnam so weitgehend vermindert
worden ist, daß keine Einberufenen mehr nach Vietnam entsandt werden, es sei
denn, sie melden sich freiwillig dorthin.
Wir hoffen weiterhin, daß der Gegner das großzügige Friedensangebot Präsident Nixons annehmen wird, so daß die Kampfhandlungen in Vietnam eingestellt
werden und alle Gefangenen nach Hause zurückkehren können; in der Zwischenzeit werden jedoch weiterhin amerikanische Soldaten nach den USA zurückkehren. "
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, hatte am 28. Juni
den Abzug von weiteren 10 000 amerikanischen Soldaten bekanntgegeben. Damit
wird sich die Zahl der noch in Südvietnam verbleibenden US-Truppen bis zum
1. September auf 39 000 Mann verringern. Ziegler erinnerte in diesem Zusammenhang daran, daß Präsident Nixon zugesagt habe, alle amerikanischen Streitkräfte aus Vietnam innerhalb von vier Monaten abzuziehen, nachdem die amerikanischen
Kriegsgefangenen freigelassen worden seien, über die Vermißten Angaben vorlägen und eine international überwachte Waffenruhe in ganz Indochina begonnen
habe. Bis zum 1. September werden insgesamt 510 500 amerikanische Soldaten
aus Vietnam abgezogen worden sein, seit Präsident Nixon sein Amt übernommen
hat. Die jüngste Entscheidung des Präsidenten, so unterstrich Ziegler, basiere
auf der Beurteilung, daß diese Reduzierung ohne Gefährdung des Vietnamisierungsprogramms oder der Sicherheit der verbleibenden amerikanischen Truppen
vorgenommen werden könne. Unter den gegenwärtig in Vietnam stationierten
49 000 amerikanischen Soldaten befinden sich nach Angaben Zieglers rund 4 000
Einberufene.
+-H-it lllllll

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27/1972

DR. WHITMAN: WIRTSCHAFTLICHE LAGE IN DEN USA HAT SICH EINDEUTIG
GEBESSERT
-Auszüge-

WASHINGTON — ( A D ) — Die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten hat
sich nach Ansicht des Mitgliedes des Wirtschaftsbeirates Präsident Nixons,
Dr. Marina Whitman, auf zahlreichen Gebieten eindeutig gebessert.
Die wichtigsten Teile der Ausführungen von Dr. Whitman vor amerikanischen Wirtschaftlern in Minneapolis am 28. Juni haben folgenden Wortlaut:
Heute, zehn Monate nach der Aufnahme der neuen Wirtschaftspolitik können wir solide Zeichen eines wirtschaftlichen Aufschwungs in zahlreichen Bereichen der Wirtschaft feststellen. Nachdem die reale Wirtschaftstätigkeit
immer schneller expandiert, kann die Wiedererholung nicht länger mehr in
Zweifel gestellt werden. Wohnungsbau, Einzelhandelsumsätze und Investitionsausgaben der Wirtschaft - sie alle partizipieren an der sich auf einer breiten Basis vollziehenden Expansion.
Gleichzeitig

-1-

�Gleichzeitig lassen die Statistiken echten Fortschritt bei der Reduzierung
der Inflation sowohl auf der Lohn-wie auch auf der Preisseite erkennen. Seit
Aufnahme des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms hat der Index der Verbraucherpreise im Durchschnitt eine Zunahme - auf Jahresbasis - von 2,9 Prozent aufzuweisen gehabt gegenüber 3,8 Prozent in den acht Monaten, die dem
Preis-und Lohnstopp vorangingen, und gegenüber einer Spitzenrate von 6,1 Prozent im Jahre 1969.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne haben seit Einsetzen der Kontrollen
- auf Jahresbasis - um 5,8 Prozent zugenommen gegenüber 7,2 Prozent in den
vorangegangenen acht Monaten.
Diese Entwicklungen sind nicht auf einseitige Opfer irgendeines Teiles
unserer Wirtschaft zurückzuführen. Im Gegenteil können beide,Arbeitnehmer
wie Unternehmer, eine Verbesserung ihrer Situation feststellen.
Der freie Wochenlohn der Arbeiter (nach Berücksichtigung preislicher
und steuerlicher Veränderungen) ist real in der Zeit der Kontrollen im Durchschnitt doppelt so schnell gestiegen wie in, der ersten Hälfte des Jahres
1971 und viermal so schnell wie im Durchschnitt der Jahre 1960-70.
Die Gewinne pro Produktionseinheit haben seit Beginn des Lohn-und Preisstopps - auf Jahresbasis - um 5,8 Prozent zugenommen, während die Gütererzeugung selbst beträchtlich angestiegen ist.
Die Tatsache, daß wir Fortschritte erzielen, bedeutet natürlich nicht,
daß wir machen können, was wir wollen. Trotz der Tatsache, daß heute in der
Wirtschaft fast zwei Millionen Menschen mehr in Arbeit stehen als im vergangenen. August, hat sich die Arbeitslosenrate als überraschend hartnäckig erwiesen.
Die

-2-

�Die Zahl der Arbeitsplätze hat schnell zugenommen, aber das gleiche gilt
auch für das Arbeitskräftepotential, und die Arbeitslosenrate ist immer noch
zu hoch. Es gibt allen Anlaß anzunehmen, daß sie im Verlaufe dieses Jahres
aufgrund einer noch schnelleren wirtschaftlichen Wachstumsrate und einer Verlangsamung des ungewöhnlich raschen Anstiegs des Arbeitskräftepotentials
zurückgehen wird.
Gleichzeitig wird aber auch die von der Regierung verfolgte Steuerpolitik
darauf ausgerichtet sein, durch entsprechende Anreize den Druck auf die Arbeitslosenrate, der sich aus der expandierenden Wirtschaftstätigkeit im privaten Bereich ergibt, zu unterstützen und zu ergänzen.
An der Inflationsfront ist es unsere Aufgabe, die bisher gemachten Fortschritte zu konsolidieren und zu festigen. Der Anstieg des Index der Großhandelspreise, der immer noch schneller ist, als wir dies möchten, zeigt, daß die
Schwierigkeiten vor allem bei den Lebensmittelpreisen, und hier besonders bei
den Fleischpreisen, sowie bei den Preisen für bestimmte industrielle Rohstoffe
liegen, die gegenwärtig weltweit einen starken Preisauftrieb verzeichnen.
Die diese Woche bekanntgegebenen Maßnahmen unterstreichen die Entschlossenheit der Regierung, wirksame Maßnahmen mit dem Ziele zu unternehmen, die
steigenden Lebensmittelpreise zu bremsen und so die Inflationsrate insgesamt
unter Kontrolle zu halten. Gleichzeitig sind wir entschlossen, die eigenen
Ausgaben der Regierung unter Kontrolle zu halten, um jedes Wiederauftreten
eines zu starken Nachfragedrucks zu verhindern.
Auf dem internationalen Sektor hat die dringend notwendige Neufestsetzung
der Wechselkurse, die das Abkommen im Smithsonian Institut im Dezember brachte, den Grundstein für eine Verbesserung unserer internationalen Wettbewerbsposition gelegt.
Wenn

-3-

�1

Wenn unsere Außenhandelsposition bei weitem noch nicht befriedigt, so
ist das zum Teil darauf zurückzuführen, daß die Auswirkungen dieser Neufestsetzung der Währungen sich bisher noch nicht stärker bemerkbar gemacht haben,
auch wenn die jüngsten Handelsstatistiken sich jetzt vielleicht als die
ersten Zeichen einer Wende erweisen werden.
Inzwischen gehen wir internationalen Verhandlungen entgegen mit dem
Ziel, ein internationales Währungssystem zu schaffen, das den heutigen und
den künftigen internationalen Beziehungen eher entspricht als in der Vergangenheit.
Blickt man in die Zukunft, so deuten die Zeichen darauf hin, daß das
reale Wachstum der Wirtschaft im weiteren Verlauf des Jahres schneller sein
wird als in den ersten Monaten, für die bereits Zahlen vorliegen.
Wenn auch die Aufgaben, die der neuen Wirtschaftspolitik des Präsidenten
gestellt sind, noch keineswegs gelöst wurden, so können wir doch mit einem
Klima einer kontrollierten Expansion rechnen, in dem dies nun geschehen
kann.

-4-

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NEUER REPRÄSENTANT DER US-EXPORT-IMPORTBANK IN EUROPA

WASHINGTON --(AD)— Zum neuen Repräsentanten der amerikanischen ExportImportbank in Europa ist der bisherige Abteilungsleiter der Bank für Exportausweitung, George J. Dietz, ernannt worden. Wie der Präsident der Bank,
Henry Kearns, jetzt bekanntgegeben hat, wird Dietz als Nachfolger von Joseph
Rand die Leitung des Eximbank-Büros in der US-Botschaft in Wien übernehmen
und auf ausgedehnten Reisen das Export-Finanzierungsinstitut der amerikanischen Regierung in ganz Europa vertreten.
Sein Vorgänger Rand hatte während der letzten Jahre von dem Büro in
der Boltzmanngasse 16 in Wien aus der europäischen Geschäftswelt die Leistungen der Eximbank im Dienste der Förderung amerikanischer Exporte nahegebracht.
In diese Zeit fiel die Einführung verschiedener neuer, wichtiger Programme
der Eximbank wie zum Beispiel das kooperative Finanzierungsprogramm (CFF).
Mit diesem Programm hilft die Eximbank mittleren Unternehmen, sich die für
den Import aus den USA notwendigen Kredite über Banken des eigenen Landes
zu beschaffen. Im Rahmen dieses Programms war von der Eximbank am 23. Juni
rund 160 Banken in fast allen westlichen Ländern ein Kreditbetrag von insgesamt 1,1 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt worden, die zur Vergabe
günstiger Kredite an Importeure von Gütern und Dienstleistungen aus den USA
verwandt werden können.
Dietz

-1-

�Dietz war seit seinem Eintritt in die Eximbank im Oktober 1969 Vizepräsident für Projektplanung und seit Juli 1970 Vizepräsident für Exportausweitung.
Er besitzt reiche Erfahrungen auf dem Gebiet des internationalen Absatzes landwirtschaftlicher Erzeugnisse und gehörte lange Zeit als stellvertretender
Landwirtschaftsattache den amerikanischen Botschaften in Oslo und Den Haag an.
Später war er Direktor für internationale Angelegenheiten bei der American
Farm Bureau Federation in Washington D.C. sowie Direktor des Farm Bureau Trade
Development Office in Rotterdam. Vor seinem Eintritt war er als Direktor für
Marktentwicklung für die Continental Grain Company of New York tätig. Von 1966
bis 1969 war Dietz ferner Präsident der Spanisch-Amerikanischen Handelskammer
in New York.

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27/1972

AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE WISSENSCHAFTLER ERÖRTERN GEMEINSAME
FORSCHUNGSPROGRAMME IN MEDIZIN UND TECHNOLOGIE

--(AD)-- Zu Besprechungen mit sowjetischen Regierungsbeauftragten und Wissenschaftlern halten sich derzeit zwei amerikanische Delegationen in Moskau
auf. Die unter der Leitung von Dr. Edward E. David, Wissenschaftsberater
des Präsidenten und Direktor des Amtes für Wissenschaft und Technik, stehende erste Gruppe verhandelt auf Grund der beim Besuch Präsident Nixons im
Mai 1972 unterzeichneten Verträge über die Modalitäten der Aufstellung und
der Tätigkeit der Amerikanisch-Sowjetischen Kommission für Zusammenarbeit
in Wissenschaft und Technik. Diese Kommission, die im Herbst 1972 zum ersten
Mal zusammentreten soll, hat die verschiedenen Programme zu koordinieren.
Dr. David, der vor seinem Eintreffen in Moskau am 2, Juli u.a. in Bonn Station
gemacht hatte, erwartet jedoch, daß Wissenschaftler einzelner Fachgebiete
bereits vor diesem Zeitpunkt Kontakte mit entsprechenden Forschungsstellen
in der UdSSR aufnehmen werden.
Auf technischem Gebiet rangiert die Erzeugung von Strom aus unkonventionellen Energiequellen mit an erster Stelle. Gemeinsam will man nach praktischen Wegen suchen, um mit relativ geringen Kosten und unter Anwendung
"sauberer" Verfahren im Sinne des Umweltschutzes bei weitgehendem Verzicht auf

-l-

�auf herkömmliche Quellen wie Kohle, Öl und Gas große Energiemengen zu produzieren. In beiden Ländern laufen bereits seit längerer Zeit umfangreiche Forschungsprojekte, bei denen jedoch verschiedene Wege begangen werden. Sc

wurde

in der Sowjetunion eine Demonstrationsanlage errichtet, die auf der Grundlage
der Magnetohydrodynamik (MHD) Strom aus erhitzten und teilweise ionisierten
Gasen gewinnt. In den Vereinigten Staaten existieren verschiedene MHD-Experimentieranlagen, mit deren Hilfe man die rentabelsten Verfahren für die Methode
der Stromerzeugung zu entwickeln sucht. Auch die Fortsetzung gemeinsamer
Forschung auf dem Gebiet der gesteuerten atomaren Fusionsreaktion zur Energieerzeugung stehp s»uf dem Programm. Die Sowjetunion erprobt seit einiger Zeit mit
dem Gerät "Tokomak" neue Verfahren, während in den USA an einer Reihe von
Forschungsinstituten theoretische und experimentelle Forschung unter Anwendung
verschiedener Prinzipien zur Aufhellung und Stabilisierung des für die Kernverschmelzung erforderlichen "Plasmas" betrieben wird.
Als weitere Gebiete der Zusammenarbeit kommen nach Dr. C)avid zunächst
Betriebs-und Wirtschaftswissenschaften, Meeres-und Atmosphärenforschung sowie
Metallurgie in Frage. Die Vereinigten Staaten seien vor allem an sowjetischen
seismologischen

Untersuchungen, insbesondere an Forschungen zur genaueren

Vorhersage von Ort, Zeitpunkt und Stärke von Erdbeben interessiert.

- Krebs und Herzkrankheiten ~
Vom 24. Juni bis Anfang Juli führte eine fünfköpfige Delegation amerikanischer Krebsspezialisten unter der Leitung von Dr. Charles Zubrod, wissenschaftlicher Direktor für Chemotherapie am Krebsforschungsinstitut der
"National Institutes of Health" (NIH) der Vereinigten Staaten, Besprechungen mit sowjetischen Kollegen. Dabei einigte man sich über erste gemeinsame

-2-

�gemeinsame Programme wie den Austausch von Medizinern, die an Instituten des
Gastlandes arbeiten sollen, den Austausch von Informationen über medizinische
Entdeckungen sowie die Erprobung bestimmter Medikamente.
Das Gemeinschaftsprogramm auf dem Gebiet der Herzforschung und der Herzerkrankungen umfaßt folgende vier Hauptpunkte:
1) Pathogenese der Arteriosklerose, Diese Erkrankung ist für die meisten Todesfälle infolge Herz-und Gefäßkrankheiten verantwortlich. Es hat sich die
Erkenntnis durchgesetzt,daß für ihre Entstehung mehrere Faktoren zusammenwirken, wobei die Erhöhung des Blutfettspiegels als wichtigster Risikofaktor betrachtet wird. Koordinatoren für dieses Projekt sind auf amerikanischer Seite
Dr. Donald S

Fredrickson (Nationales Institut für Herz-und Lungenkrankheiten,

NIH), auf sowjetischer Seite Prof. L.A. Myasnikow, Akademie für medizinische
Wissenschaften der UdSSR.
2) Beherrschung ischämischer Herzkrankheiten, die durch mangelnde Blutversorgung des Herzmuskels - vor allem Blockierung der Koronararterien - entstehen.
Im Rahmen dieses Projektes sollen die verschiedenen Aspekte der medikamentösen
und chirurgischen Therapie erörtert und mögliche Verbesserungen der Behandlung
erarbeitet werden. (Koordinatoren: Dr. Peter Frommer, US-Herz-und Lungenforschungsinstitut, Prof. I.K.Schkwatsabaya, Akademie für medizinische Wissenschaften der UdSSR.)
3) Stoffwechsel des Myokard. Man weiß inzwischen, daß die Reaktion des Herzens
auf Erkrankungen zum Teil durch die Stoffwechsellage des Herzmuskels bestimmt
wird. Bei gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Forschungsprojekten sollen die
Einflüsse des Eiweiß-, Kohlehydrat-und Fettstoffwechsels auf die Herzfunktion,
einschließlich der Rhythmusstörungen bei gesunden und kranken Personen geklärt
werden. (Koordinatoren: Dr

Eugene Braunwald, Harvard-Universität, Boston,

E I. Chazow, Mitglied der sowjetischen Akademie fijr medizinische Wissenschaften. )

hl
-3-

�4) Angeborene Herzfehler. Durch frühzeitige Diagnose undBehandlung angeborener
Herzfehler konnte bereits Tausenden von Kindern ein normales Leben ermöglicht
werden. Durch die amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit auf diesem Gebiet
will man jedoch die äußerst, schwierig zu beherrschenden Anomalien bei Neugeborenen und Kleinkindern besser in den Griff bekommen. (Koordinatoren: Dr. Frank
Gerbode, Pacific Medical Center, San Francisco, und Prof. V.I.Burakowski,
Bakulew-lnstitut für kardiovaskuläre Chirurgie, Akademie für medizinische
Wissenschaften der UdSSR.).

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27/1972

LANGZEITSTUDIE ÜBER ALTERUNGSPR0ZES.S

--(AD)-- Eine im Jahre 1940 begonnene Studie an amerikanischen Piloten, mit
deren Hilfe ursprünglich Eignungstests für Marineflieger-Bewerber ausgearbeitet werden sollten, erweist sich heute als einzigartiges Beobachtungsprogranun im Rahmen der Gerontologie. Der Personenkreis von anfänglich
1056 Flugzeugführern ("The Thousand Aviator Study" ist die Bezeichnung des
Projekts) schmolz in 32 Jahren auf 776 zusammen. Abgesehen von jenen, die
im zweiten Weltkrieg fielen, kamen mehr als 100 Piloten in dieser Zeit bei
Unfällen - meist Flugzeugabstürzen - ums Leben, einer starb bei einem Autounfall; 11 von 29 erlagen Herz-und Gefäßerkrankungen, zwei von drei einem
Schlaganfall, zwei starben an Krebs, zwei an Leukämie. Insgesamt zeigt sich
heute, daß hoher Blutdruck keineswegs eine zwangsläufige Konsequenz der
Alterungsprozesse ist und außerdem in einer Reihe von Fällen ein auffälliger Kurvenverlauf im Elektrokardiogramm, der früher als Anzeichen ernster
Störungen betrachtet wurde, wahrscheinlich nur geringe Bedeutung hat.

Dr. Ashton Graybiel, der als einer der leitenden Ärzte dieser Langzeitstudie der US-Marine die regelmäßig durchgeführten Untersuchungen überwacht
und auswertet, berichtete kürzlich, daß jetzt zum ersten Mal eine kleine,
aber signifikante Gruppe den Aufforderungen zur Kontrolluntersuchung nur
ungern Folge leiste.

Er führt dies darauf zurück, daß sich bei diesen

Personen vermutlich Altersbeschwerden wie Herz-und Kreislaufstörungen oder

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o d e r S t ö r u n g e n der L u n g e n f u n k t i o n bemerkbar m a c h e n und sie nun f ü r c h t e n , der
A r z t könne eine ernste Erkrankung feststellen. Auch jene mit starker G e w i c h t s zunahme bleiben den U n t e r s u c h u n g e n lieber fern.
Das D u r c h s c h n i t t s a l t e r der unter Beobachtung stehenden P e r s o n e n beträgt
5 4 J a h r e , das Durchschnittsgewicht liegt etwa 2 kg über dem Normalgewicht

für

M ä n n e r dieses A l t e r s . Die m e i s t e n P r o b a n d e n sind auch heute noch körperlich gut
durchtrainiert und haben ihre schlanke F i g u r b e h a l t e n . Die Mehrzahl steht in
Z i v i l b e r u f e n ; 11 Ä r z t e , zwei A d m i r a l e , ein ehemaliger G o u v e r n e u r eines a m e r i k a n i s c h e n B u n d e s s t a a t e s , 15 C h e f p i l o t e n v o n F l u g l i n i e n und - als einziger N i c h t A m e r i k a n e r - der v e n e z o l a n i s c h e Botschafter in R o m zählen zu der P r o b a n d e n g r u p p e . D a s ursprünglich angestrebte Z i e l , die U n t e r s u c h u n g e n als G r u n d l a g e
für die A u f s t e l l u n g v o n E i g n u n g s k r i t e r i e n für M a r i n e f l i e g e r zu b e n u t z e n ,
w u r d e übrigens nicht e r r e i c h t ; dafür erwies sich die S t u d i e als nicht g e e i g n e t .

W a r n u n g vor krassem K l i m a w e c h s e l

Im Leitartikel einer der jüngsten A u s g a b e n des "American Heart Journal",
der die E r g e b n i s s e m e h r e r e r S t u d i e n über H e r z k r a n k h e i t e n in k a l t e n K l i m a z o n e n
b e h a n d e l t , w e r d e n außerdem ä l t e r e M e n s c h e n und solche mit H e r z k r a n k h e i t e n v o r
k r a s s e m K l i m a w e c h s e l g e w a r n t . D e r p l ö t z l i c h e Übergang v o n einer k a l t e n in eine
w a r m e Gegend und umgekehrt sei für diesen P e r s o n e n k r e i s w e g e n der p h y s i o l o g i schen S c h w i e r i g k e i t e n der A k k l i m a t i s i e r u n g äußerst

gefährlich. Die Untersuchun-

gen h ä t t e n außerdem g e z e i g t , daß in k a l t e n G e g e n d e n im W i n t e r , in w a r m e n G e g e n den im Sommer die Häufigkeit v o n H e r z i n f a r k t e n am g r ö ß t e n s e i . Die G r ü n d e für
d i e s e s P h ä n o m e n seien jedoch w i s s e n s c h a f t l i c h noch nicht eindeutig zu erklären.
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                <text>1. &lt;strong&gt;Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Nixons am 29. Juni 1972 &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Auszüge-&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Außenminister Rogers auf der SEATO-Tagung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Wortlaut-&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Laird: Weiterer Truppenabzug ist Beweis für den Erfolg der Vietnamisierung &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Dr. Whitman: Wirtschaftliche Lage in den USA hat sich eindeutig verbessert &lt;br /&gt;&lt;em&gt;-Auszüge-&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Präsident der US-Export-Importbank in Europa &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische und sowjetische Wissenschaftler erörtern gemeinsame Forschungsprogramme in Medizin und Technologie &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Langzeitstudie über Alterungsprozeß</text>
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Nummer
13

5. J u l i

1974

Inhalt

INFORMATION:
Nixon; Eine Reise im Dienste des Friedens
- Ansprache des Präsidenten an das amerikanische Volk DOKUMENTATION:
Gemeinsames amerikanisch-sowjetisches Kommunique zum Abschluß des
Gipfeltreffens in Moskau
- Wortlaut Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Nixons an die sowjetische
Bevölkerung
- Wortlaut Nixon: Es gibt keine Alterantive zum Frieden
- Ausführungen des Präsidenten in Brüssel Erklärung Präsident Nixons bei seiner Ankunft in Brüssel
- Wortlaut Erklärung Präsident Nixons vor seinem Abflug in Washington
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL:
Treffen in Brüssel demonstrierte Solidarität der NATO
- Nixon sprach vor dem Nordatlantikrat WIRTSCHAFT:
Nixon hält an monetären und fiskalischen Maßnahmen zur Eindämmung der
Inflation fest
- Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 24. Juni -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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13/1974

NIXON: EINE REISE IM DIENSTE DES FRIEDENS
- Ansprache des Präsidenten an das amerikanische Volk -

CARIBOU, MAINE - (AD) - Präsident Nixon hat am Vorabend des amerikanischen
Nationalfeiertages, dem 4. Juli,in einer Rundfunk- und Fernsehansprache der
Bevölkerung der Vereinigten Staaten über seine soeben beendete Reise nach Brüssel
und Moskau berichtet.

Diese Reise, so sagte der Präsident, habe der Sache des

Friedens in der Welt gedient.
stützpunkt

Der Präsident, der auf dem amerikanischen Luft-

Loring in der Nähe von Caribou im Staate Maine vom Vizepräsidenten

und dem Gouverneur des Staates sowie zahlreichen Bürgern begrüßt wurde, hielt
folgende Ansprache:

"Herr Vizepräsident,ich möchte nicht nur in meinem Namen, sondern auch im
Namen von Mrs. Nixon recht herzlich für Ihre freundlichen Begrüßungsworte danken.
Gouverneur Curtis und Mrs. Curtis und alle meine Freunde hier in Maine, ich
möchte Ihnen danken, daß Sie mir einen so wunderbaren Empfang nach meiner Rückkehr bereitet haben.

Wenn ich die vielen geparkten Wagen sehe, dann ist mir

bewußt, wie mühselig es ist, zu einem Luftstütztpunkt hinauszufahren.

Es hat

sicherlich viel Zeit in Anspruch genommen und wir wissen dies zu schätzen und
danken Ihnen.

An jeden von Ihnen hier gewandt und an die vielleicht Millionen, die am
Fernsehschirm oder im Radio dabei sind, kann ich Ihnen eines versichern: es ist
immer etwas wunderbares, nach Amerika heimzukehren.
-

I

-

Das gilt insbesondere, wenn

�•

?
wenn man von einer Reise zurückkehrt, die der Sache des Friedens in der Welt
gedient hat.

Wir sind heute in Moskau abgeflogen und wir konnten sehen, wie hunderte
von amerikanischen und sowjetischen Flaggen nebeneinander wehten.
daran gedacht, daß morgen Millionen von Amerikanern anläßlich

Und ich habe

des 4. Juli ihre

Häuser beflaggen werden und sie werden diese Flaggen mit Stolz zeigen, weil sie
ihnen in ihrem eigenen Leben und in unserem Leben etwas bedeuten und auch
weil unsere Flagge etwas für die Welt bedeutet. Wir dürfen heute überall auf
der Welt sehr stolz auf die amerikanische Flagge sein.
i

Ich habe auch daran gedacht, wie viel mehr diese Flagge für die Welt ob
der Rolle bedeutet, die die Vereinigten Staaten beim Aufbau eines Gebäudes des
Friedens gespielt haben, das allen Nationen zugutekommen kann - eine Rolle, die
so augenfällig durch jene Flaggen symbolisiert wurde, die in der Sowjetunion
nebeneinander wehten.

Unsere Generation,

die so viel Krieg und Zerstörung erlebt hat - vier

Kriege in diesem Jahrhundert - hat jetzt eine Chance, für die nächste Generation
ein Gebäude des Friedens zu errichten, in dem - wie wir hoffen, der Krieg niemals
Platz haben wird.

Das ist die große Aufgabe, die vor uns liegt, und das ist die größte Aufgabe, zu der jemals ein Volk aufgerufen werden kann.

In den letzten Monaten

sind Mrs. Nixon und ich über 25 000 Meilen gereist, um neun Länder in Westeuropa und im Nahen Osten und natürlich auch die Sowjetunion zu besuchen.

Der

Besuch in jedem dieser Gebiete hatte einen Zweck für sich, aber in einem größeren
Zusammenhang waren all diese Besuche auf den gleichen Zweck ausgerichtet, und
hatten eine Beziehung und eine Verbindung zueinander.

Unter den Ländern des Nahen Ostens, unter den Ländern des westlichen Bündnisses und zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion entwickeln sich
neue Verhaltensweisen - Verhaltensweisen, die der Welt die kühnsten Hoffnungen
in dieser Generation auf einen gerechten und dauerhaften Frieden versprechen,

- 2-

�versprechen dessen w i r uns a l l e e r f r e u e n können.
Im Nahen Osten weicht j e t z t e i n e Generation b i t t e r e r

Feindseligkeit,die

durch v i e r Kriege u n t e r s t r i c h e n wurde, einem neuen G e i s t , i n dem b e i d e S e i t e n
e r n s t h a f t nach den S c h l ü s s e l n für e i n e f r i e d l i c h e Beilegung i h r e r

Differenzen

suchen.
Im w e s t l i c h e n Bündnis i s t 25 J a h r e nach der Gründung der NATO d i e s e Organ i s a t i o n neu geboren, zu neuem Leben erweckt worden, wie d i e s i n der Erklärung
über d i e A t l a n t i s c h e n Beziehungen n i e d e r g e l e g t i s t , d i e w i r vor s i e b e n Tagen
auf der Tagung d e r NATO-Regierungschefs vor unserem Besuch i n Moskau i n B r ü s s e l
u n t e r z e i c h n e t haben.

In d e r Reihe a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e r G i p f e l t r e f f e n ,

die

im J a h r e 1972 begann, haben w i r e i n neues V e r h ä l t n i s zwischen den beiden mächt i g s t e n Nationen d e r Welt e n t w i c k e l t - e i n neues V e r h ä l t n i s , das darauf

angelegt

i s t , s i c h e r z u s t e l l e n , daß d i e s e b e i d e n Nationen i n Frieden zusammenarbeiten
werden, s t a t t s i c h i n e i n e r Atmosphäre des Mißtrauens und der Spannung gegenüberzus t e h e n , d i e , wenn s i e n i c h t b e r e i n i g t w i r d , zu einem Krieg führen k ö n n t e .

Auf dem d i e s j ä h r i g e n G i p f e l t r e f f e n haben wir die Beziehung w e i t e r g e f ö r d e r t ,
d i e wir vor zwei J a h r e n i n Moskau angeknüpft und d i e wir auf dem G i p f e l t r e f f e n
i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n im v o r i g e n J a h r f o r t g e s e t z t haben.

In dem Kommunique,

das w i r h e u t e i n Moskau herausgegeben haben, v e r p f l i c h t e n s i c h b e i d e S e i t e n auf
das Z i e l , auf d i e zwingende Notwendigkeit, den Prozeß d e r Verbesserung der
a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n Beziehungen unumkehrbar zu machen.
Das i s t e i n e Zusammenfassung d e s s e n , was d e r ganze w e i t e Bereich u n s e r e r
immer z a h l r e i c h e r werdenden Abkommen e r r e i c h e n s o l l , nämlich d i e Verbesserung
n i c h t nur zu e i n e r S c h l a g z e i l e für einen Tag, n i c h t nur zu e i n e r Tagessensat i o n , sondern zu einem andauernden und unumkehrbaren Prozeß zu machen, der
s e i n e eigene i n n e r e Gesetzmäßigkeit gewinnt und s i c h zu einem b l e i b e n d e n F r i e d e n
entwickelt.

Auf dem d i e s j ä h r i g e n Treffen haben w i r e i n e Reihe w i c h t i g e r Abkommen sowohl
auf dem Gebiet der Rüstungsbegrenzung a l s auch auf dem Gebiet der

friedlichen

�»
friedlichen Zusammenarbeit erreicht. Auf dem Gebiet der Rüstungsbegrenzung
sind drei der von uns erreichten Abkommen besonders erwähnungswert: bei dem
einen geht es um die außerordentlich schwierige Frage der offensiven strategischen Nüklearwaffen und gerade dieser Stützpunkt hat - wie Sie ja wissen speziell mit dieser Art von Einsatz zu tun.

Vor zwei Jahren haben wir ein Interimsabkommen über strategische Offensivwaffen unterzeichnet, das sich auf den FünfJahresZeitraum bis 1977 erstreckt.
In diesem Jahr haben wir beschlossen, daß dieses Interimsabkommen durch ein
neues Abkommen abgelöst werden soll, das sich auf die Zeitspanne bis 1985 erstreckt.
Wir kamen überein, daß dieses Abkommen sowohl die quantitativen als auch qualitativen Aspekte strategischer Nuklearwaffen einschließen sollte.

Und wir kamen

überein, daß es noch sehr rechtzeitig vor dem Ablauf des gegenwärtigen Abkommens
geschlossen werden sollte.

Wir kamen ferner überein, daß die weitgehende Arbeit, die wir für das Zustandekommen eines solchen langfristigen Abkommens bereits geleistet haben,, in
unmittelbarer Zukunft auf der Basis von Instruktionen in Genf fortgesetzt werden *
sollte, die sich während der letzten Woche aus unseren Gesprächen auf höchster
Ebene ergeben haben.

Nun haben beide Seiten noch kein endgültiges Übereinkommen über die Bedingungen eines Abkommens erreicht.

Es handelt sich um ein schwieriges und sehr

komplexes Thema, aber wir sind einer solchen Übereinstimmung bedeutend näher
gekommen, und wir haben beide Seiten fest auf die Lösung unserer verbleibenden
Differenzen verpflichtet.

Das zweite wichtige Rüstungskontrollabkommen, das wir erreicht haben, befaßt sich mit den Raktenabwehrsystemen (ABM).

Sie werden sich erinnern, daß wir

vor zwei Jahren übereingekommen sind, daß jedes Land auf zwei ABM-Anlagen begrenzt werden sollte.

Das Abkommen, das wir heute in Moskau unterzeichnet ha-

ben, verstärkt und erweitert das Ausmaß dieser vorher getroffenen Abmachungen,
in dem jedes Land auf eine ABM-Anlage begrenzt wird.

Und
- 4 -

�Und das dritte Rüstungsbegrenzungsabkommen befaßt sich mit unterirdischen
Atomwaffenversuchen.

Es weitet die früher beschlossenen Schritte zur Begrenzung

von Versuchen, die 1963 mit dem Teststoppabkommen begannen, wesentlich aus.
Jener ursprüngliche Vertrag verwehrte den Signatarstaaten, Versuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser durchzuführen.

Heute haben wir einen

neuen Vertrag abgeschlossen, der zum ersten Mal auch unterirdische Versuche einschließen wird.

Er wird der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten verwehren,

nach dem 31. März 1976 jede Art unterirdischer Waffenversuche überhalb einer
bestimmten Sprengkraftschwelle durchzuführen, und er wird auch von beiden Ländern
verlangen, die Versuche mit Waffen unterhalb dieser Sprengkraftschwelle auf
einer sehr kleinen Zahl zu halten.

Das ist nicht nur ein weiterer Schritt, um das Wettrüsten unter Kontrolle
zu bringen, sondern es ist auch ein bedeutsamer weiterer Schritt zur Verringerung
der Zahl nuklearer und thermonuklearer Explosionen auf der Welt.

Rüstungsbegrenzungen sind selbstverständlich von gewaltiger und entscheidender Bedeutung, aber die Arbeit dieser Gipfeltreffen ist sehr viel breiter
angelegt, so wie auch die Art des neuen amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses
viel breiter angelegt ist.

In diesem Jahr gehörten zu den wichtigen neuen Ab-

kommen, die wir auf dem Gebiet des friedlichen Fortschritts erreicht haben, neue
Programme der Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern auf dem Gebiet der
Energie, des Wohnungsbaus, des Gesundheitswesens, und auch ein Abkommen über langfristige wirtschaftliche Zusammenarbeit, das den wachsenden, beiderseits Nutzen
bringenden Handel zwischen unseren beiden Ländern erleichtern soll.

Die Bedeutung dieser Abkommen geht weit über die Vorteile hinaus, die sie
auf ihrem jeweiligen Spezialgebiet bringen werden, ebenso wie die Bedeutung
unserer Gipfeltreffen über die Bedeutung der einzelnen Abkommen selbst hinausgeht.

Mit diesem wachsenden Netz von Abkommen schaffen wir neue Formen der Zu-

sammenarbeit und neue Formen der Konsultation, und wir geben der Bevölkerung
der Sowjetunion ebenso wie unserem eigenen Volk in den Vereinigten Staaten nicht
lediglich einen negativen, sondern einen positiven Anspruch auf Frieden.

Wir
- 5 -

�1

f
I

Wir schaffen eine stabile neue Grundlage, um den Frieden darauf aufzubauen, nicht einfach durch Furcht vor einem Kriege, sondern durch Gemeinsamkeit
der Segnungen des Friedens, indem wir für ein besseres Leben für die Bevölkerung
unserer beiden Länder zusammenarbeiten.

Die amerikanisch-sowjetischen Abkommen auf dem Gipfel tragen wesentlich
zu dem Gebäude des Friedens bei, das wir in unseren beiden Ländern und in der
Welt zu errichten suchen.

Die anhaltende Stärke des westlichen Bündnisses ist

ebenfalls ein wesentliches und wichtiges Element dieses Gebäudes und das gleiche
gilt für die Entwicklung einer neuen Verhaltensweise in den Beziehungen und
eine neue Haltung zum Frieden in Spannungsgebieten wie etwa dem Nahen Osten.

Die Tatsache, daß das NATO-Treffen in Brüssel auf halbem Wege zwischen der
Reise nach dem Nahen Osten und der Reise nach der Sowjetunion stattfand, ist
smybolisch für die zentrale Rolle, die das westliche Bündnis beim Aufbau des
neuen Gebäudes des Friedens spielen muß.

Die Führer der Sowjetunion sind sich völlig darüber im klaren, daß wir

'

bei Schaffung der neuen Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion nicht auf Kosten unserer traditionellen Verbündeten vorgehen werden.
Im Gegenteil, die anhaltende Stärke des westlichen Bündnisses ist wesentlich
für den Erfolg und für den Prozeß der Aufrechterhaltung und des Ausbaus des
neuen Verhältnisses zur Sowjetunion, in dem wir stehen.

Die Entwicklung dieses neuen Verhältnisses bietet eine Chance, die Einigkeit des westlichen Bündnisses zu vertiefen.

Wir dürfen unsere Bündnisse nicht

vernachlässigen und wir dürfen nicht davon ausgehen, daß unser neues Verhältnis
zur Sowjetunion es uns erlauben würde, unsere eigene militärische Stärke zu vernachlässigen.

Gerade weil wir stark sind, ist ein solches Verhältnis, wie wir

es gegenwärtig entwickeln, möglich.

In seiner ernsten Jahresbotschaft an den Kongreß hat George Washington erklärt, 'auf den Krieg vorbereitet zu sein, ist eines der wirksamsten Mittel,
um den Frieden zu erhalten'.

Diese Erklärung gilt heute noch ebenso wie damals

und darum dienen all jene von ihnen, die in unseren Streitkräften Dienst leisten,
- 6 -

�l e i s t e n , t a t s ä c h l i c h i n den F r i e d e n s s t r e i t k r ä f t e n Amerikas und d e r Welt.

Wir

danken Ihnen d a f ü r .
Wir i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n s i n d b e r e i t , unsere m i l i t ä r i s c h e

Stärke

abzubauen, aber nur im Rahmen e i n e s P r o z e s s e s , i n dem auf beiden S e i t e n e i n e
Reduzierung s t a t t f i n d e t ,
Amerika n i c h t v e r r i n g e r t .

und der d i e S i c h e r h e i t der V e r e i n i g t e n S t a a t e n von
Dafür haben wir g e a r b e i t e t .

Als vor 25 J a h r e n der NATO-Vertrag u n t e r z e i c h n e t wurde, war e r a l s

'ein

Akt des Glaubens an das S c h i c k s a l der w e s t l i c h e n K u l t u r

1

Diese Bezeichnung war ebenso p r o p h e t i s c h wie t r e f f e n d ,

und h e u t e , nach 25

b e z e i c h n e t worden.

J a h r e n , dürfen w i r r u h i g sagen, daß das neue Gebäude des F r i e d e n s , das wir i n
der Welt e r r i c h t e n , e i n Akt des Glaubens an das S c h i c k s a l der Menschheit

ist.

Wie a l l e s , was von Bestand s e i n s o l l , muß d i e s e s Gebäude S t e i n um S t e i n s o r g f ä l t i g gebaut werden.

Es muß s o l i d e gebaut werden.

Es muß e i n Gebäude s e i n ,

das d i e j e n i g e n , d i e es bewohnen, auch e r h a l t e n , w e i l s i e es h o c h s c h ä t z e n , w e i l
es i h r e n E r f o r d e r n i s s e n e n t s p r i c h t und w e i l es i h r e Hoffnungen

wiederspiegelt.

Vor zwei J a h r e n habe i c h i n meinem B e r i c h t an den Kongreß nach der Rückkehr von dem e r s t e n d e r a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n G i p f e l t r e f f e n

d i e Hoffnung

zum Ausdruck g e b r a c h t , daß H i s t o r i k e r e i n e s k ü n f t i g e n Z e i t a l t e r s von dem J a h r e
1972 b e r i c h t e n werden, daß d i e s n i c h t das J a h r war, i n dem Amerika auf den
G i p f e l s t i e g und dann wieder h i n u n t e r i n d i e Tiefen des T a l e s , sondern daß d i e s
das J a h r war, a l s Amerika dazu b e i t r u g , d i e Welt aus den Tiefebenen, des Krieges
h e r a u s auf d i e Hochebenen e i n e s d a u e r h a f t e n F r i e d e n s zu führen.
Und h e u t e , zwei J a h r e s p ä t e r , zwei G i p f e l t r e f f e n
lichung d i e s e r Hoffnung näher g e r ü c k t .
sich s t e t i g weiter vorwärts.

s p ä t e r , i s t d i e Verwirk-

Der Prozeß des F r i e d e n s e n t w i c k e l t

Er wird v e r s t ä r k t durch d i e neuen und s i c h e r -

w e i t e r n d e n Formen der Zusammenarbeit zwischen den V e r e i n i g t e n S t a a t e n und d e r
Sowjetunion. Er wird g e s t ä r k t durch d i e neue Lebenskraft u n s e r e s w e s t l i c h e n
Bündnisses und durch d i e Herbeiführung so ermutigender Ergebnisse wie d i e neue
Wendung zum Frieden im Nahen Osten.

Auf
-

7 -

�Auf a l l unseren Reisen, von denen der Vizepräsident gesprochen h a t , i s t
eines k l a r e r geworden als a l l e s zuvor.

Wir haben in den l e t z t e n Wochen Mil-

lionen und Millionen von Menschen gesehen, und von ihren Gesichtern wie auch aus
den

Worten jener, mit denen wir zusammengetroffen sind, und jener Tausende,

die wir in allen Teilen der Welt getroffen haben, war eines abzulesen: nämlich
daß der Wunsch, dem Krieg ein Ende zu bereiten und Frieden zu schaffen, ein
Wunsch i s t , der keine nationalen Grenzen kennt und die Menschen überall verbindet.
Und noch etwas wird ganz k l a r und deutlich:

die Menschen in den Ländern,

die wir besucht haben - und ich habe s i e , wie ich b e r e i t s andeutete, nicht
nur zu Tausenden, sondern zu Millionen gesehen - wollen Freunde des amerikanischen Volkes sein und wir umgekehrt auch.

Auch wir wollen ihre Freunde sein.

In den ersten Jahren der Geschichte unserer Nation, nachdem Amerika seine
Unabhängigkeit errungen h a t t e , e r k l ä r t e Thomas Jefferson,

'wir handeln nicht

1

nur für uns a l l e i n , sondern für die ganze Menschheit .
Wenn wir uns darauf vorbereiten, morgen den Jahrestag dieser Unabhängigk e i t , den 198. Jahrestag zu feiern, dann dürfen wir als Amerikaner s t o l z darauf
s e i n , da'wir der Version Jeffersons t r e u geblieben sind und daß als Ergebnis
der I n i t i a t i v e Amerikas dieses universale Ziel des Friedens heute näher gerückt
i s t , näher nicht nur für uns, sondern für die ganze Menschheit.

Ich danke

Ihnen."

+ + + + +
j

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

13/1974

GEMEINSAMES AMERIKANISCH-SOWJETISCHES KOMMUNIQUE ZUM ABSCHLUSS DES

GIPFELTREFFENS IN MOSKAU
- Wortlaut -

MOSKAU —(AD)-- Zum Abschluß des Gipfeltreffens in Moskau ist von Präsident
Nixon und dem sowjetischen Parteisekretär Breschnew am 3. Juli ein gemeinsames Kommunique unterzeichnet worden, das folgenden Wortlaut hat:

Gemäß der Vereinbarung, regelmäßige amerikanisch-sowjetische Konferenzen auf höchster Ebene abzuhalten, und aufgrund der vom Generalsekretär des
Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, L.I. Breschnew,
während seines Besuches in den USA im Juni 1973 ausgesprochenen Einladung
haben der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Mrs. Richard
Nixon der Sowjetunion vom 27. Juni bis zum 3. Juli 1974 einen offiziellen Besuch abgestattet.

Während seines Aufenthaltes hat der Präsident neben Moskau noch Minsk
und die Südküste der Krim besucht.

Der Präsident der Vereinigten Staaten und die sowjetischen Führer haben
einen eingehenden und nützlichen Gedankenaustausch über die wichtigen Aspekte
der Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR sowie über die gegenwärtige
-1-

�gegenwärtige internationale Lage geführt.

Auf sowjetischer Seite wurden die Gespräche von L.I.Breschnew, Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, N.
V. Podgorny, Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR,
A.N. Kossygin, Vorsitzender des Ministerrates der UdSSR, und von A.A.Gromyko,
Außenminister der UdSSR, geführt.

Den Präsidenten der USA begleitet
hat

und an den Gesprächen teilgenommen

Dr. Henry A. Kissinger, Außenminister der USA und Berater des Präsi-

denten für Nationale Sicherheitsfragen.

Bei den Gesprächen waren ferner zugegen:
Auf amerikanischer Seite Walter J. Stoessel jr., amerikanischer Botschafter in der UdSSR, General Alexander M. Haig jr., Berater des Präsidenten, Ronald L. Ziegler, Berater des Präsidenten und Pressesekretär, Generalmajor Brent Scrowcroft, Stellvertretender Berater des Präsidenten für Nationale Sicherheitsfragen, Helmut Sonnenfeldt, Berater des Außenministeriums,
und Arthur A. Hartman, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
im US-Außenministerium.

Auf sowjetischer Seite: A.F. Dobrynin, sowjetischer Botschafter in den
USA, A.M. Aleksandrow, Berater des Generalsekretärs des Zentralkomitees der
KPSU, L.M. Samjatin, Generaldirektor der TASS, und G.M.Kornijenko, Mitglied
des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR.

Die

�•»

Die Gespräche wurden in einer sehr sachlichen und konstruktiven Atmosphäre geführt und waren von dem gemeinsamen Wunsch beider Seiten gekennzeichnet,
das Verständnis, das Vertrauen und die friedliche Zusammenarbeit zwischen ihnen weiter zu stärken sowie zur Festigung der internationalen Sicherheit und
des Weltfriedens beizutragen.

I. Fortschritt bei der Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen

Nachdem beide Seiten im Detail die Entwicklung der Beziehungen zwischen
den USA und der UdSSR seit dem amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen im Mai
1972 erörtert hatten, stellten sie mit Genugtuung fest, daß sie durch ihre
nachdrücklichen gemeinsamen Anstrengungen innerhalb einer kurzen Zeitspanne
eine grundlegende Wende hin zu friedlichen Beziehungen und einer weiten, beiden Seiten zum Vorteil gereichenden Zusammenarbeit erreicht haben, die im Interesse der Völker beider Länder wie auch der ganzen Menschheit liegt.

Sie unterstrichen die besondere Bedeutung der positiven Entwicklung, die
die Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR bei den Zusammenkünften ihrer
Führer auf höchster Ebene genommen haben, die nunmehr zu einer festen Einrichtung werden. Diese Zusammenkünfte bieten Möglichkeiten für eine wirksame und
verantwortungsvolle Erörterung, für die Lösung

grundlegender und wichtiger

bilateraler Fragen sowie für beiderseitige Beiträge zur Lösung internationaler
Probleme, die die Interessen der beiden Länder berühren.

Beide Seiten begrüßen die Herstellung offizieller Kontakte zwischen dem
Kongreß der Vereinigten Staaten und dem Obersten Sowjet der UdSSR. Sie werden

-3-

�werden eine Weiterentwicklung solcher Kontakte fördern, weil sie der Ansicht
sind, daß diese eine wichtige Rolle spielen können.

Beide Seiten haben ihre gemeinsame Entschlossenheit bekräftigt, die Neugestaltung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen auf der Basis der friedlichen Koexistenz und gleicher Sicherheit in strikter Übereinstimmung mit dem
Geist und dem Buchstaben der zwischen den beiden Ländern erreichten Abkommen
und ihren Verpflichtungen aufgrund dieser Abkommen aktiv fortzusetzen.

In diesem Zusammenhang haben Sie erneut die grundlegende Bedeutung der
gemeinsamen Dokumente hervorgehoben,die als Ergebnis der Gipfeltreffen in den
Jahren 1972 und 1973 verabschiedet wurden, vor allem die Grundsatzerklärung
für die Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR, das Abkommen über die
Verhinderung eines Nuklearkrieges, das Abkommen über die Begrenzung der ABMSysteme und das Interimsabkommen über bestimmte Maßnahmen hinsichtlich der Begrenzung von strategischen Offensivwaffen.

Beide Seiten sind zutiefst von der zwingenden Notwendigkeit überzeugt,
daß der Fortschritt bei der Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen unumkehrbar sein muß. Sie glauben, daß aufgrund ihrer Anstrengungen
eine echte Möglichkeit zur Verwirklichung dieses Zieles geschaffen worden
ist. Dies wird neue Aussichten für eine weitgehende, beiden Seiten zum Vorteil gereichende Zusammenarbeit und für eine Stärkung der Freundschaft zwischen dem amerikanischen und dem sowjetischen Volk eröffnen und so zur Lösung zahlreicher dringender Probleme beitragen, denen sich die Welt gegenüber
sieht.
Geleitet

�Geleitet von diesen hohen Zielen haben beide Seiten beschlossen, ihre gemeinsamen Anstrengungen - in Zusammenarbeit mit den jeweiligen anderen betroffenen Ländern - in erster Linie auf folgende wichtige Gebiete zu richten:

-- Beseitigung der Gefahr von Kriegen einschließlich vor allem solcher
Kriege, in denen auch Nuklear-und andere Massenvernichtungswaffen angewandt
werden.
-- Begrenzung und letztlich Beendigung des Wettrüstens vor allem bei
strategischen Waffen, wobei das letztliche Ziel die Verwirklichung einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter einer entsprechenen internationalen
Kontrolle ist.
-- Beitrag zur Beseitigung der Ursachen internationaler Spannungen und
militärischer Konflikte.

— Verstärkung und Ausweitung des Prozesses der Verminderung der Spannungen überall auf der Welt.
-- Entwicklung einer breiten, beiden Seiten zum Vorteil gereichenden Zusammenarbeit auf kommerziellem und wirtschaftlichem, wissenschaftlich-technischem und kulturellem Gebiet auf der Basis der Prinzipien der Souveränität,
Gleichberechtigung und Nichteinmischung in innere Angelegenheiten - mit dem
Ziel, vermehrtes Verständnis und Vertrauen zwischen den Völkern beider Länder
zu fördern.

Dementsprechend haben beide Seiten im Verlaufe dieses Gipfeltreffens es
für möglich befunden, neue konstruktive Schritte zu unternehmen,die ihrer

�ihrer Ansicht nach nicht nur die Weiterentwicklung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen fördern, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Festigung des Weltfriedens und zur Ausweitung der internationalen Zusammenarbeit
leisten werden.

II. Weitere Begrenzung der strategischen Rüstungen und andere Abrüstungsfragen

Beide Seiten haben erneut sorgfältig den gesamten Bereich ihrer gegenseitigen Beziehungen analysiert, soweit sie im Zusammenhang mit der Verhinderung
eines Nuklearkrieges und der Begrenzung der strategischen Rüstungen stehen.
Sie gelangten zu der gemeinsamen Auffassung, daß die zwischen ihnen auf diesem
Gebiet abgeschlossenen grundlegenden Abkommen weiterhin wertvolle Instrumente
für die allgemeine Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und
der internationalen Lage insgesamt bilden. Die USA und die UdSSR werden weiterhin strikt

die in diesem Abkommen übernommenen Pflichten erfüllen.

Im Verlauf der Gespräche unterzogen beide Seiten alle Aspekte des Problems der Begrenzung der strategischen Rüstungen einer gründlichen Überprüfung. Sie gelangten zu dem Schluß, daß dem Interimsabkommen über strategische Offensivwaffen ein neues Abkommen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten über die Begrenzung der strategischen Rüstungen folgen sollte. Sie stimmten darin überein, daß ein solches Abkommen den Zeitraum bis
1985 umfassen und sowohl quantitative als auch qualitative Begrenzungen enthalten sollte. Sie vereinbarten, daß ein solches Abkommen zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgeschlossen werden sollte, noch bevor das Interimsabkommen
abläuft.
Sie

�Sie waren der gemeinsamen Auffassung, daß ein solches neues Abkommen
nicht nur im Interesse der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten, sondern
auch im Interesse einer weiteren Verminderung der internationalen Spannungen
sowie im Interesse des Weltfriedens liegen würde.
Ihre Delegationen werden in naher Zukunft wieder in Genf auf der Basis
der sich aus dem Gipfeltreffen ergebenden Anweisungen zusammentreten.
Unter Berücksichtigung der Wechselbeziehungen zwischen der Entwicklung
offensiver und defensiver Arten von strategischen Waffen und im Hinblick auf
die erfolgreiche Verwirklichung des zwischen ihnen im Mai 1972 abgeschlossenen Vertrages über die Begrenzung der ABM-Systeme hielten es beide Seiten für
wünschenswert, Begrenzungen für die Dislozierung solcher Systeme anzunehmen.
Zu diesem Zweck haben sie ein Protokoll abgeschlossen!, durch das jede Seite
auf nur ein Dislozierungsgebiet für ABM-Systeme beschränkt wird statt auf
zwei solche Gebiete, wie sie jeder Seite in dem Vertrag zugestanden worden
waren. Gleichzeitig wurden zwei Protokolle unterzeichnet, die die Überschrift
tragen "Verfahren für den Ersatz, die Demontage oder Zerstörung strategischer
Offensivwaffen und die Benachrichtigung hierüber" und "Verfahren für den Ersatz, die Demontage oder Zerstörung von ABM-Systemen und ihrer Komponenten
und die Benachrichtigung hierüber". Diese Protokolle waren von der Ständigen
Beratenden Kommission ausgearbeitet worden, die zur Förderung der Ziele und
zur Verwirklichung der Bestimmungen des am 26. Mai 1972 unterzeichneten Vertrages und Interimsabkommens eingesetzt worden war.

Beide Seiten betonten die große Bedeutung,die die USA und die UdSSR
ferner der Verwirklichung anderer möglicher Maßnahmen - sowohl auf bilateraler

�I
»

bilateraler als auch auf multilateraler Basis - auf dem Gebiet der Rüstungsbegrenzung und der Abrüstung beimessen.

Unter Hinweis auf die historische Bedeutung des Vertrages über Atomwaffenversuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser, der 1963 in
Moskau abgeschlossen wurde und zu dessen Vertragspartnern die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gehören, haben sich beide Seiten dafür ausgesprochen,
die Einstellung der Atomwaffenversuche umfassend zu machen. Von dem Wunsche beseelt, zur Verwirklichung dieses Zieles beizutragen, haben die USA und die
UdSSR als einen wichtigen Schritt in dieser Richtung den Vertrag über die Begrenzung der unterirdischen Atomwaffenversuche abgeschlossen, der vom 31. März
1976 an die vollständige Einstellung der Versuche mit solchen Waffen über einer
bestimmten Sprengkraftschwelle vorsieht und der die übrigen unterirdischen
»

Versuche auf ein Minimum beschränkt.

Die Parteien haben die grundlegende Bedeutung des Atomsperrvertrages unterstrichen. Sie haben ihre beiderseitige Absicht bekräftigt, die von ihnen
in diesem Vertrag übernommenen Verpflichtungen einzuhalten, einschließlich
Artikel VI des Vertrages, und sich für eine Erhöhung seiner Wirksamkeit ausgesprochen.
Es wurde ferner eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, in der die USA
und die UdSSR die wirksamsten möglichen Maßnahmen befürworten, um die Gefahr
zu beseitigen, daß Verfahren zur Veränderung der Umwelt für militärische
Zwecke verwandt werden.
Beide

-8-

�Beide Seiten bekräftigten ihr Interesse an einem wirksamen internationalen Abkommen, das aus den Arsenalen

der Staaten so gefährliche Instrumente

der Massenvernichtung wie chemische Waffen ausschließen würde. Aus dem Wunsche heraus, zu einem baldigen Fortschritt in dieser Richtung beizutragen,
sind die Vereinigten Staaten von Amerika und die UdSSR übereingekommen, in
der Konferenz des Abrüstungsausschusses eine gemeinsame Initiative mit dem
Ziel zu erwägen, als einen ersten Schritt eine internationale Konvention abzuschließen,die sich auf die gefährlichsten tödlichen Mittel der chemischen
Kriegführung erstreckt.

Beide Seiten sind überzeugt, daß die neuen wichtigen Schritte, die sie
auf dem Gebiet der Rüstungsbegrenzung ergriffen haben und zu ergreifen beabsichtigen, wie auch weitere Anstrengungen zur Abrüstung den Abbau internationaler Spannungen erleichtern und einen greifbaren Beitrag zur Erfüllung
der historischen Aufgabe darstellen werden, den Krieg

aus dem Leben der

menschlichen Gesellschaft auszuschließen und dadurch den Weltfrieden zu garantieren. Die Vereinigten Staaten und die UdSSR bekräftigten, daß eine Weltabrüstungskonferenz zu einem geeigneten Zeitpunkt eine positive Rolle in diesem
Prozeß spielen kann.

III. Fortschritt bei der Lösung internationaler Probleme

Im Verlaufe des Treffens wurden detaillierte Gespräche über wichtige
internationale Probleme geführt.
Beide Seiten brachten ihre Befriedigung darüber zum Ausdruck, daß ein
Nachlassen der Spannungen, eine Festigung des Friedens und die Entwicklung

-9-

�T

Entwicklung einer beiderseits nutzbringenden Zusammenarbeit in steigendem Maße
die Entwicklung der internationalen Lage charakterisieren. Sie gehen von der
Annahme aus, daß ein Fortschritt in der Verbesserung der internationalen Lage
nicht spontan auftritt, sondern aktive und zielbewußte Anstrengungen erfordert, um Hindernisse zu überwinden und Schwierigkeiten beizulegen, die aus
der Vergangenheit verbleiben.

Die überragenden Ziele aller Staaten und Völker sollten darin bestehen,
einzeln und kollektiv eine dauerhafte Sicherheit in allen Teilen der Welt, die
baldige und völlige Beseitigung bestehender internationaler Konflikte und
Spannungsquellen und die Verhütung der Entstehung neuer Spannungsquellen und
Konflikte zu gewährleisten. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion treten für die weitgehende und fruchtbare wirtschaftliche Zusammenarbeit unter
allen Staaten - ob groß oder klein - auf der Basis der vollen Gleichheit und
des gegenseitigen Nutzens ein.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion bekräftigen ihre Entschlossenheit, getrennt und gemeinsam zur Erfüllung all dieser Aufgaben beizutragen.

Europa
Nach einer Diskussion über die Entwicklung der Lage in Europa seit dem
letzten amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen stellten beide Seiten mit tiefer Befriedigung die weiteren merklichen Fortschritte in der Herstellung verläßlicher Beziehungen des Friedens, der guten Nachbarschaft und der Zusammenarbeit auf dem europäischen Kontinent fest.
Beide

-10-

�Beide Seiten begrüßen den wesentlichen Beitrag, den die Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zu diesem nutzbringenden Prozeß
leistet. Sie sind der Auffassung, daß auf der Konferenz in vielen wichtigen
Fragen bereits ein wesentlicher Fortschritt erreicht worden ist. Sie sind der
Überzeugung, daß dieser Fortschritt erkennen läßt, daß die Konferenz in ihrem
gegenwärtigen Stadium vereinbarte Dokumente von großer internationaler Bedeutung hervorbringen wird, die die Entschlossenheit der beteiligten Staaten zum
Ausdruck bringen,ihre gegenseitigen Beziehungen auf eine solide, gemeinsam
erarbeitete Basis zu stellen. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
werden in Zusammenarbeit mit anderen Beteiligten alle Anstrengungen unternehmen, um für alle verbleibenden Probleme akzeptable Lösungen zu finden.

Beide Seiten brachten ihre Überzeugung zum Ausdruck, daß der erfolgreiche Abschluß der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ein
herausragendes Ereignis im Interesse der Herstellung eines dauerhaften Friedens wäre. Von dieser Auffassung ausgehend haben sich die USA und die UdSSR
dafür ausgesprochen, daß die Abschlußphase der Konferenz zu einem baldigen
Zeitpunkt stattfindet. Beide Seiten gehen ferner von der Voraussetzung aus,
daß die Ergebnisse der Verhandlungen einen Abschluß der Konferenz auf höchster
Ebene gestatten werden, was der historischen Bedeutung der Konferenz für die
Zukunft Europas entsprechen und der Bedeutung der Entscheidungen der Konferenz größeres Gewicht beimessen würde.

Beide Seiten bekräftigen die dauerhafte Bedeutung der Verträge und Abkommen, die in den letzten Jahren zwischen europäischen Staaten mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen abgeschlossen worden sind, für

-11-

�r

für eine günstige Entwicklung der Lage in Europa.

Sie brachten ihre Befriedigung über die Aufnahme der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik in die Vereinten Nationen zum Ausdruck.

. .

Beide Seiten unterstrichen ferner, daß das Viermächte-Abkommen vom 3.
September 1971 weiterhin eine Schlüsselrolle bei der Gewährleistung von Stabilität und Entspannung in Europa spielen muß. Die Vereinigten Staaten und die
UdSSR sind der Auffassung, daß die strikte und konsequente Einhaltung dieses
Abkommens durch alle Beteiligten eine entscheidende Bedingung für die Aufrechterhaltung und Stärkung des gegenseitigen Vertrauens und der Stabilität im Herzen Europas ist.

Die USA und die UdSSR sind der Überzeugung, daß der Abbau der politischen
Spannung auf diesem Kontinent durch Maßnahmen zur Verringerung militärischer
Spannungen begleitet sein sollte, um Stabilität und Sicherheit in Europa zu
festigen. Sie messen daher den gegenwärtigen Verhandlungen über die beiderseitige Verringerung von Streitkräften und Rüstungen und zugehörigen Maßnahmen
in Mitteleuropa, an denen sie teilnehmen, Bedeutung bei. Beide Seiten brachten die Hoffnung zum Ausdruck, daß diese Verhandlungen zu konkreten Entscheidungen führen werden, die die unverminderte Sicherheit aller Beteiligten gewährleisten und einseitige militärische Vorteile verhindern werden.

Naher

-12-

�Naher Osten

Beide Seiten sind der Auffassung, daß die Beseitigung der Gefahr des
Krieges und der Spannung im Nahen Osten eine Aufgabe von überragender Bedeutung und Dringlichkeit ist, und daß daher die einzige Alternative die Erreichung einer gerechten und dauerhaften Friedenslösung auf der Basis der Resolution 338 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen ist - eine Friedensregelung, bei der die legitimen Interessen aller Völker des Nahen Ostens einschließlich des palästinensischen Volkes und das Existenzrecht aller Staaten
in diesem Gebiet in Rechnung gestellt werden sollten.

Als Ko-Vorsitzende der Genfer Friedenskonferenz für den Nahen Osten erachten es die USA und die UdSSR für wichtig, daß die Konferenz ihre Arbeit
sobald wie möglich wieder aufnimmt, wobei die Frage der Beteiligung anderer
aus dem Gebiet des Nahen Ostens auf der Konferenz erörtert werden soll. Beide Seiten betrachten die Herstellung eines gerechten und stabilen Friedens im
Nahen Osten als die Hauptaufgabe der Genfer Friedenskonferenz, zu deren Lösung sie auf jede Weise beitragen werden.

Sie vereinbarten, daß die USA und die UdSSR hinsichtlich der Koordinierung der Anstrengungen beider Länder für eine friedliche Lösung im Nahen Osten
weiterhin in engem Kontakt bleiben werden.

Beide Seiten stellten bestimmte weitere Verbesserungen in der Lage in
Indochina fest. Im Verlaufe des Meinungsaustausches über die Lage in Vietnam
unterstrichen beide Seiten, daß Frieden und Stabilität in der Region nur auf
der Basis der strikten Einhaltung der Bestimmungen des Pariser Abkommens
-13-

�Abkommens vom 27. Januar 1973 und des Aktes der internationalen Vietnamkonferenz vom 2. März 1973 durch alle Beteiligten erhalten und gestärkt werden kann.

Was Laos anbetrifft so stellten sie einen Fortschritt in der Normalisierung der Lage als Ergebnis der dortigen Bildung von Koalitionsregierungs-Gremien fest. Beide Seiten sprachen sich ferner für die strikte Erfüllung der
einschlägigen Abkommen aus.

Beide Seiten unterstrichen auch die Notwendigkeit einer baldigen und gerechten Loesung des Kambodscha-Problems auf der Basis der Achtung der souveränen Rechte des kambodschanischen Volkes auf eine freie und unabhängige Entwicklung ohne jede Einmischung von außen.

Stärkung der Rolle der Vereinten Nationen
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion messen den Vereinten Nationen als einem Instrument zur Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit und der Ausweitung der internationalen Zusammenarbeit große Bedeutung
bei.
Sie bekräftigten erneut ihre Absicht, ihre Anstrengungen zur Erhöhung der
Wirksamkeit der Vereinten Nationen auf jede mögliche Weise fortzusetzen, einschließlich der Erhaltung des Friedens auf der Basis der strikten Einhaltung
der Charta der Vereinten Nationen.

IV.

-14-

�•

IV. Handels-und Wirtschaftsbeziehungen

Im Verlauf des Treffens wurde einer Überprüfung des Status und der Aussichten der Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR auf kommerziellem und
wirtschaftlichem Gebiet große Aufmerksamkeit geschenkt. Beide Seiten bekräftigten, daß sie die Ausbreitung und Vertiefung beiderseits vorteilhafter Bindungen auf diesem Gebiet

auf der Basis der Gleichheit und der Nicht-Diskri-

minierung als einen wichtigen Bestandteil der Grundlage betrachten, auf der
das gesamte Gebäude der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen aufgebaut ist.
Eine Erhöhung des Umfangs der Handels-und Wirtschaftsbindungen entsprechend den
Potentialen beider Länder wird diese Grundlage festigen und dem amerikanischen
und sowjetischen Volk zum Wohle dienen.

Dies kam insbesondere in einem wesentlichen Anwachsen des Güteraustauches zwischen beiden Ländern zum Ausdruck, der sich im Jahre 1973 auf schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar belief. Es wurde festgestellt, daß die Aussichten günstig seien, das in dem gemeinsamer» amerikanisch-sowjetischen Kommunique1 vom 24.Juni 1973 verkündete Ziel zu übertreffen, in der Dreijahresspanne 1973 bis 1975 einen totalen bilateralen Handelsumsatz von 2,3 Milliarden Dollar zu erreichen. Die Gemeinsame Amerikanisch-Sowjetische Handelskommission stellt weiterhin einen wirksamen Mechanismus dar, um das Wachstum der
Wirtschaftsbeziehung in breitem Umfang zu fördern.

Beide Seiten stellten einen gewissen Fortschritt in der Entwicklung einer
langfristigen Kooperation zwischen amerikanischen Firmen und sowjetischen Organisationen bei der Durchführung großangelegter Projekte, einschließlich sol-

-15-

�solcher auf Kompensationsbasis, fest. Sie sind überzeugt, daß eine solche Kooperation

ein wichtiges Element für die Entwicklung kommerzieller und wirt-

schaftlicher Bindungen zwischen beiden Ländern ist. Beide Seiten kamen überein, den Abschluß und die Durchführung geeigneter Abkommen zwischen amerikanischen und sowjetischen Organisationen und Firmen zu ermutigen. Unter Berücksichtigung des Fortschritts, der bei einer Reihe spezifischer Projekte
wie die Herstellung von Lastwagen, das Handelszentrum und bei chemischen Düngemitteln erzielt worden ist, stellten beide Seiten die Möglichkeit fest, geeignete Kontrakte auf anderen Gebieten abzuschließen, wie etwa bei Zellulose
und Papier, Holz, Eisen und Nicht-Eisen Metallen, Erdgas, in der Bauindustrie
und beim Abbau und der Verarbeitung von hochenergieverbrauchenden Mineralien.

Beide Seiten stellten ferner die Entstehung produktiver Kontakte und Verbindungen zwischen Geschäftskreisen

beider Länder fest, bei denen die wäh-

rend des vorangegangenen Gipfeltreffens getroffenen Entscheidungen über die
Eröffnung eines amerikanischen Handelsbüros in Moskau und einer sowjetischen
Handelsvertretung in Washington wie auch die Einrichtung eines amerikanischsowjetischen Handels-und Wirtschaftsrates eine wichtige Rolle spielten. Sie
brachten ihren Wunsch zum Ausdruck, weiterhin günstige Bedingungen für die
erfolgreiche Entwicklung kommerzieller und wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR zu schaffen.

Beide Seiten bekräftigten ihr Interesse an der frühestmöglichen Inkraftsetzung des amerikanisch-sowjetischen Handelsabkommens vom Oktober 1972.
Aus

-16-

�•

Aus dem Wunsche heraus, die weitere Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern zu fördern, unterzeichneten beide Seiten ein langfristiges Abkommen über die Erleichterung wirtschaftlicher, industrieller und
technischer Zusammenarbeit zwischen den USA und der UdSSR. Sie sind der Überzeugung, daß eine konsequente Durchführung der in den Abkommen über einen Zeitraum von 10 Jahren festgelegten Zusammenarbeit ein wichtiger Faktor zur Stärkung der bilateralen Beziehungen im allgemeinen sei und den Völkern beider Länder zum Nutzen sein wird.

Nach einem Überblick über den Fortschritt bei der Durchführung des Abkommens über bestimmte maritime Fragen, das im Oktober 1972 für einen Zeitraum von
drei Jahren abgeschlossen wurde und auf der Basis der bisher gesammelten Erfahrungen haben sich beide Seiten dafür ausgesprochen, vor Erlöschen dieses Abkommens ein neues Abkommen auf diesem Gebiet zu schließen. Die Verhandlungen
über ein solches Abkommen werden dieses Jahr beginnen.

V. Fortschritt auf anderen Gebieten der bilateralen Beziehungen

Nach einem Überblick über den Fortschritt in der Verwirklichung der kooperativen Abkommen, die in den Jahren 1972 bis 1973 geschlossen worden sind,
stellten beide Seiten fest, daß die gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Ausschüsse und Arbeitsgruppen, die im Rahmen dieser Abkommen eingesetzt wurden,
nützliche Arbeit bei der Entwicklung regulärer Kontakte und der Zusammenarbeit
zwischen wissenschaftlichen und technischen

Organisationen, Wissenschaftlern,

Spezialisten und Kulturträgern beider Länder geleistet haben.
Beide

-17-

�Beide Seiten stellten mit Befriedigung fest, daß die gemeinsamen Anstrengungen der USA und der UdSSR auf solchen Gebieten der Zusammenarbeit wie Medizin und öffentliche Gesundheit, Schutz und Verbesserung der Umwelt des Menschen, Wissenschaft und Technologie, Erforschung des Weltraums und der Ozeane,
friedliche Nutzung der Atomenergie, Landwirtschaft und Verkehr Bedingungen für
eine beschleunigte Lösung einiger dringender und komplizierter Probleme geschaffen haben, vor denen die Menschheit steht. Eine solche Zusammenarbeit
stellt einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Gebäudes amerikanischsowjetischer Beziehungen dar

und füllt es mit einem konkreten, positiven In-

halt aus.

Beide Seiten werden bestrebt sein, ihre Zusammenarbeit in Wissenschaft und
Technologie wie auch beim kulturellen Austausch auf der Basis der zwischen ihnen abgeschlossenen Abkommen auszuweiten und zu vertiefen.

Auf der Basis der in ihrer wissenschaftlichen und technologischen Zusammenarbeit gewonnenen positiven Erfahrung und geleitet von dem Wunsche,einen weiteren Fortschritt in dieser wichtigen Sphäre ihrer gegenseitigen Beziehungen zu
gewährleisten, beschlossen beide Seiten, diese Zusammenarbeit auf folgende neue
Gebiete auszudehnen:

Energie
Unter Berücksichtigung des wachsenden Energiebedarfs in Industrie, Verkehr
und anderen Wirtschaftszweigen beider Länder und der daraus resultierenden Notwendigkeit, die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit in der Entwicklung optimaler Methoden zur Nutzung traditioneller und neuer Energiequellen

-18-

�I

Energiequellen zu verstärken sowie der Notwendigkeit, das Verständnis für Energieprogramme und Energieprobleme beider Länder zu verbessern, schlössen beide
Seiten ein Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energie. Die
Verantwortung für die Durchführung des Abkommens ist einem Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Ausschuß für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energie übertragen worden, der zu diesem Zweck ins Leben gerufen wird.

Wohnungsbau und andere Bauvorhaben

Beide Seiten unterzeichneten ein Abkommen auf dem Gebiet des Wohnungsbaus
und anderer Bauvorhaben.

Das Ziel dieses Abkommens besteht darin, durch gemein-

same Anstrengungen die Lösung von Problemen fördern, sie mit modernen Techniken
des Wohnungsbaus und anderer Bauvorhaben voranzutreiben, und zwar im Sinne der
Verbesserung der Zuverlässigkeit und Qualität von Bauten und Baumaterialien,
der Planung und des Baues neuer Städte, des Bauens in Erdbebengebieten und Gebieten mit extremen klimatischen Bedingungen.

Für die Durchführung dieses Ab-

kommens wird ein Gemeinsamer Sowjetisch-Amerikanischer Ausschuß für die Zusammenarbeit im Wohnungsbau und anderen Bauvorhaben eingesetzt werden, der
spezifische Arbeitsprogramme festlegen wird.

Um die Sicherheit ihrer Bevölkerung zu erhöhen, die in erdbebengefährdeten
Gebieten leben, sind beide Seiten übereingekommen, auf Vorrangbasis ein gemeinsames Forschungsprojekt durchzuführen, um die Sicherheit von Gebäuden und anderen Baulichkeiten in diesen Gebieten zu erhöhen, und vor allem das Verhalten
von vorgefertigten Wohngebäuden während Erdbeben zu studieren.
Forschung
- 19 -

�i

Forschung mit künstlichen Herzen

Im Zuge der Durchführung gemeinsamer Programme auf dem Gebiet der Medizin
und der öffentlichen Gesundheit, sind Wissenschaftler und Spezialisten beider
Länder zu dem Schluß gekommen, daß eine Notwendigkeit besteht, ihre Anstrengungen
auf die Lösung eines der wichtigsten und menschlichsten Probleme der modernen
Medizin zu konzentrieren, nämlich die Entwicklung eines künstlichen Herzens.
Angesichts der großen theoretischen und technischen Kompliziertheit der damit
verbundenen Arbeit haben beide Seiten ein Spezialabkommen auf diesem Gebiet
getroffen.

Die Verantwortung für dieses Projekt wird der Gemeinsame Amerika-

nisch-Sowjetische Ausschuß für die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen übernehmen.

Zusammenarbeit im Weltraum
Beide Seiten haben ihrer Genugtuung Ausdruck gegeben über die erfolgreichen
Vorbereitungen für den ersten bemannten Flug amerikanischer und sowjetischer
Weltraumfahrzeuge - Apollo und Sojus -, der für 1975 vorgesehen ist und der ein
Andocken sowie gegenseitige Besuche der Astronauten in dem jeweiligen anderen
Raumfahrzeug vorsieht. Aufgrund der bestehenden Abkommen wird eine fruchtbare
Zusammenarbeit auf zahlreichen anderen Gebieten durchgeführt, die mit der Erforschung des Weltraumes in Zusammenhang stehen.

Angesichts der großen Bedeutung, die beide Seiten der Förderung der amerikanisch-sowjetischen Zusammenarbeit bei der Erforschung und Nutzung des Weltraumes für friedliche Zwecke beimessen und im Hinblick auf die Tatsache, daß
sie die Konsolidierung der Erfahrungen auf diesem Gebiet für wünschenswert erachten, haben die beiden Seiten vereinbart, Möglichkeiten für weitere gernein-20-

�gemeinsame Weltraumprojekte im Anschluß an den jetzt für Juli 1975 angesetzten
amerikanisch-sowjetischen Raumflug zu prüfen.

Verkehrsmittel der Zukunft

Beide Seiten sind sich der Bedeutung bewußt, die der Entwicklung moderner Verkehrsformen zukommt, und stimmen darin überein,daß hohe Geschwindigkeiten erreichende Bodensysteme der Zukunft, wie ein magnetischer Luftkissenzug, die ein wirtschaftliches, wirksames und zuverlässiges Verkehrsmittel
sein können, ein erwünschtes und neues Gebiet für gemeinsame Aktivitäten
bilden würden. Eine Arbeitsgruppe, die aufgrund des Abkommens über eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Verkehrswesens von 1973 ein gemeinsames ForschungsKooperationsprogramm auf diesem Gebiet ausarbeiten soll, wird auf der Herbstsitzung des Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Verkehrsausschusses eingesetzt werden.

Beide Seiten wünschen eine Erweiterung der Zusammenarbeit auf dem Gebiet
des Umweltschutzes, der aufgrund des am 23. Mai 1972 unterzeichneten amerikanisch-sowjetischen Abkommens erfolgreich durchgeführt wird, und wollen zur
Verwirklichung des vom Erziehungs-, Wissenschafts- und Kulturrates der Vereinten Nationen (UNESCO) durchgeführten internationalen Programms •Der Mensch
und die Biosphäre' beitragen. Sie haben vereinbart, im Bereich ihrer jeweiligen Territorien bestimmte Naturschutzgebiete als Reservate für die Biosphäre
auszuweisen, um bei Pflanzen und Tieren wertvolle genetische Arten und ökologische Systeme zu schützen und um wissenschaftliche Forschung zu betreiben,
die für wirksamere Maßnahmen eines globalen Schutzes der Umwelt notwendig

ist

Geeignete
-21-

-

�Geeignete Schritte zur Verwirklichung dieses Vorhabens werden im Einklang
mit den Zielen des UNESCO-Programms und unter Leitung des zuvor eingesetzten
Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Ausschusses für eine Zusammenarbeit auf
dem Gebiet des Umweltschutzes erfolgen.

Kulturaustausch

Beide Seiten sind sich der Bedeutung eines Kulturaustausches als Mittel
zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses bewußt und geben ihrer Genugtuung über das zwischen dem Metropolitan Museum of Art in New York und dem
Kultusministerium der UdSSR geschlossenen Abkommens Ausdruck, das zu einem
größeren Austausch von Kunstwerken führen wird.

Ein solcher Austausch würde

dem Allgemeinen Abkommen über Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit entsprechen, das am 19. Juli 1973 unterzeichnet wurde und in dem die Parteien vereinbaren, den Austausch von Ausstellungen zwischen den Museen der beiden Länder zu unterstützen.

Errichtung neuer Konsulate
Angesichts der raschen Entwicklung von Bindungen zwischen den USA und
der UdSSR und der Bedeutung einer noch stärkeren Ausweitung der konsularischen
Beziehungen auf der Basis der amerikanisch-sowjetischen Konsularkonvention
sowie aus dem Wunsche heraus, den Handel, den Fremdenverkehr und die Zusammenarbeit zwischen ihnen auf den verschiedenen Gebieten zu fördern, haben beide
Seiten vereinbart, weitere Generalkonsulate in zwei oder drei Städten jeden
Landes zu eröffnen.
Als
-22-

�Als einem ersten Schritt stimmten sie im Prinzip der gleichzeitigen Errichtung eines amerikanischen Generalkonsulates in Kiew und eines sowjetischen Generalkonsulates in New York zu. Verhandlungen über die Verwirklichung dieser Vereinbarung werden zu einem baldigen Zeitpunkt aufgenommen werden.

Beide Seiten begrüßen zutiefst die offene und konstruktive Atmosphäre
und die fruchtbaren Ergebnisse der Gespräche, die zwischen ihnen im Verlaufe
des gegenwärtigen Treffens geführt wurden. Sie sind überzeugt, daß die Ergebnisse einen neuen und wichtigen Meilenstein auf dem Wege zur Verbesserung
der Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR zum Wohle der Völker beider
Länder darstellen und einen bedeutenden Beitrag zu ihren Bemühungen um eine
Stärkung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit leisten.

Beide Seiten haben in diesem Zusammenhang erneut die sehr große Bedeutung sowie den großen praktischen Wert der amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen festgestellt und erneut ihre Übereinstimmung bekräftigt, solche Treffen regelmäßig und wenn zur Erörterung und Lösung dringender Fragen für notwendig erachtet abzuhalten. Beide Seiten bekundeten ferner ihre Bereitschaft,
ihre aktiven und engen Kontakte und Konsultationen fortzusetzen.

Der Präsident lud den Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU,
L.I.Breschnew, ein, den Vereinigten Staaten 1975 einen offiziellen Besuch abzustatten. Diese Einladung wurde gerne angenommen.
Der Präsident
der Vereinigten Staaten von
Amerika
gez.: Richard Nixon

Der Generalsekretär
des Zentralkomitees der KPdSU
gez.: L.I. Breschnew

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- 23 -

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amerika dienst
United
53

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— T

—

13/1974
RUNDFUNK-UND FERNSEHANSPRACHE PRÄSIDENT NIXONS AN DIE SOWJETISCHE BEVÖLKERUNG

- Wortlaut -

MOSKAU --(AD)— Präsident Nixon hat am 2. Juli in einer Rundfunk-und Fernsehansprache an die sowjetische Bevölkerung auf die bedeutenden Fortschritte in
den Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR verwiesen und die Notwendigkeit
-

•

einer Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern unterstrichen. Die Ansprache des
amerikanischen Präsidenten, die aus dem Grünen Saal des Kreml übertragen wurde, hat folgenden Wortlaut:
!
Auf dem ersten dieser Gipfeltreffen vor zwei Jahren hat mir Ihre Regierung die Möglichkeit geboten, direkt zu Ihnen, der Bevölkerung der Sowjetunion,
zu sprechen. Im vorigen Jahr, während unseres zweiten Zusammentreffens sprach
Generalsekretär Breschnew über Rundfunk und Fernsehen zum amerikanischen Volk.
Heute begrüße ich die Möglichkeit, das, was bereits als Bestandteil unserer
jährlichen Zusammenkünfte zur Tradition geworden ist, fortsetzen zu dürfen.
In diesen letzten beiden Jahren hat eine dramatische Veränderung in der
Art der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern stattgefunden. Nach einer
langen Zeit der Konfrontation sind wir in eine Ära der Verhandlungen eingetre-

-1-

�•'.

•

eingetreten; jetzt lernen wir zusammenzuarbeiten. Wir lernen zusammenzuarbeiten, nicht nur, um die Gefahr eines Krieges zu verringern, sondern auch, um
die Arbeit für den Frieden zu fördern.

Damit tragen wir dazu bei, nicht nur ein sichereres, sondern auch ein
besseres Leben für die Bevölkerung unserer beiden Länder zu schaffen. Wenn wir
uns jetzt vor Augen halten, wie weit wir voran gekommen sind, können wir noch
besser erkennen, wie fest die Grundlage ist, die wir für einen noch größeren
Fortschritt in der Zukunft geschaffen haben.

Auf unserem ersten Gipfeltreffen vor zwei Jahren haben wir das erste jemals ausgehandelte Abkommen über die Begrenzung der strategischen Nuklearwaffen unterzeichnet. Dies war ein historischer Meilenstein auf dem Wege zu einem
dauerhaften Frieden - um der Menschheit die Kontrolle über die Kräfte zu ihrer
eigenen Vernichtung in die Hand zu geben.

Wir müssen noch viele Schwierigkeiten überwinden, bis wir eine volle Kontrolle über die strategischen Nuklearwaffen erreicht haben. Aber jeder einzelne Schritt bringt uns dem näher und stärkt das Vertrauen in den Prozeß der
Verhandlungen selbst.

Unser Fortschritt bei der Begrenzung der Rüstungen war von entscheidender
Bedeutung. Aber er war nicht das einzige Ergebnis unserer Arbeit auf dem
Gipfel. Wir haben ebenso ständig an der Schaffung eines neuen Verhältnisses
gearbeitet, das im Laufe der Zeit die Ursachen des Konfliktes vermindern wird.
Mit der Grundsatzerklärung über unsere gegenseitigen Beziehungen, die 1972
vereinbart worden war, und in dem Abkommen zur Verhinderung eines Nuklearkrie-

-2-

�Nuklearkrieges, das im vorigen Jahr unterzeichnet worden ist, haben wir Normen
geschaffen, die richtungweisend für unsere Handlungen in internationalen Fragen gegenüber dem anderen sind, so daß die Gefahr eines Krieges verringert
wird und die Möglichkeit gefährlicher Konfrontationen abgenommen hat.
Von besonderer Bedeutung ist, daß unsere Verhandlungen noch weit über den
Abbau der Rüstungen und die Verhinderung von Kriegen und Krisen hinausgingen.
Die Art der von uns erreichten Abkommen hat neue Wege der Zusammenarbeit auf
dem weiten Bereich friedlicher Beziehungen eröffnet.

Zum Beispiel arbeiten wir gemeinsam an Programmen, die uns eine bessere
ärztliche Betreuung, bessere Wohnungen und eine bessere Umwelt bringen werden,
und wir arbeiten noch auf zahlreichen anderen Gebieten zusammen. Der Handel
zwischen unseren beiden Ländern erreichte 1973 einen Rekordstand von wertmäßig
1,4 Milliarden Dollar - das ist mehr als das doppelte des Vorjahresergebnisses
und bedeutet mehr Ware und ein größeres Angebot für die Bevölkerung unserer
beiden Länder.

Im nächsten Monat sind es genau 15 Jahre her, daß ich als Vizepräsident
hier in Moskau war und das erste Mal über Rundfunk und Fernsehen zu der Bevölkerung der Sowjetunion sprach. In jener Rede erklärte ich damals: "Unser Ziel
soll nicht der Sieg über andere Völker sein, sondern der Sieg der gesamten
Menschheit über Hunger, Armut, Elend und Seuchen, wo immer sie auf der Welt
vorkommen."

Die von uns auf diesen Gipfeltreffen erreichten Abkommen - zum Beispiel
auf dem Gebiet des Gesundheitswesens - einschließlich des dieses Jahr erzielten

-3-

�1
•

erzielten Abkommens über Forschungsarbeiten mit künstlichen

Herzen - werden

dazu beitragen, uns diesem großen Sieg näher zu bringen. Gleichzeitig werden
sie bei der Bevölkerung unserer beiden Länder ein positives Interesse am
Frieden wecken.

Das ist entscheidend wichtig.

Wenn man in der Vergangenheit vom Frieden sprach, dann gewöhnlich in
erster Linie aus Furcht vor einem Krieg heraus. Die Unterhändler waren in ihren
Anstrengungen entweder durch den Wunsch beflügelt worden, einen Krieg zu beenden, oder durch die Furcht, ihr Fehlschlag würde einen Krieg entfachen.

Der Friede, den wir jetzt zu schaffen trachten, ist ein dauerhafter Friede. Und auf Furcht allein kann nichts Dauerhaftes begründet werden. Indem wir
in unseren beiden Völkern ein positives Interesse am Frieden wecken - indem wir
unseren beiden Völkern Hoffnung geben

- indem wir ihnen etwas geben, auf das

sie als Ergebnis des Friedens blicken können - schaffen wir eine solide Grundlage, auf der ein dauerhaftes Gebäude des Friedens errichtet werden kann und
die auf viele Jahre hält.
Der Friede, den wir zu errichten trachten, ist weit mehr als nur ein Zustand ohne Krieg. Wir streben einen Frieden an, in dem jeder Mann, jede Frau
und jedes Kind auf ein reicheres und erfüllteres Leben blicken können. Das ist
es, was sich die Bevölkerung der Sowjetunion wünscht. Das ist es, was sich das
amerikanische Volk wünscht. Das ist es, was sich die Völker aller Länder wünschen.
Unsere

-4-

&gt;

�Unsere beiden Völker sind große Nationen. Sie sind starke Nationen - die
beiden stärksten Nationen der Welt. Zu oft in der Vergangenheit ist die Größe
einer Nation in erster Linie nach ihren Erfolgen im Kriege bemessen worden.
Es ist jetzt an der Zeit, eine neue Norm zu setzen, nach der die Größe einer
Nation gemessen wird. Wir dürfen unsere Größe nicht danach messen, wie wir
unsere Stärke für Krieg und Zerstörung einsetzen, sondern danach, wie wir gemeinsam für Frieden und Fortschritt für uns und für die ganze Menschheit arbeiten.

Wir sollten uns dessen bewußt werden, daß eine große, eine starke Nation
ihren Willen nicht schwächeren Nationen aufzwingen darf. Eine große Nation
wird sich ihren Platz in der Geschichte durch das Beispiel schaffen, das sie
gibt, für welchen Zweck ihre Macht eingesetzt wird, durch die Achtung, die sie
vor den Rechten anderer zeigt, durch den Beitrag, den sie zum Aufbau einer
neuen Welt leistet, in der die Schwachen genauso sicher sind wie die Starken.

Auf diesen Treffen haben wir uns darum bemüht, sicherzustellen, daß die
Stärke unserer beiden Länder nicht für Krieg und Zerstörung,sondern vielmehr
für Frieden und Fortschritt eingesetzt wird. Unsere beiden Länder werden weiterhin Meinungsverschiedenheiten haben. Wir haben unterschiedliche Systeme.
Und in vieler Hinsicht haben wir unterschiedliche Werte. Es ist ganz unvermeidlich, daß unsere Interessen nicht immer übereinstimmen werden.

Das Wichtigste jedoch ist, daß wir lernen, zu verhandeln, wo wir Meinungsverschiedenheiten haben, um diese,wo immer möglich, einzuengen, und gemeinsam auf einem sich ausweitenden Gebiet gemeinsamer Interessen voranzuschreiten.
Einer
-5-

�Einer der wohl wichtigsten Aspekte unserer sich anbahnenden neuen Beziehungenjläßt sich vielleicht wie folgt umreißen: So wie das Tuch stärker ist
als der Faden, aus dem es gewebt ist, so ist auch das Netz der Abkommen, das
wir gewoben haben, stärker als jedes seiner Teile. Mit diesen Abkommen haben
wir ein System von gegenseitigen Beziehungen, Formen der Zusammenarbeit und
Abmachungen für eine Konsultation geschaffen - die alle ineinandergreifen,um
das Gebäude der neuen Beziehungen zu stärken. So ist jedes neue Abkommen
nicht nur in sich selbst wichtig, sondern auch wichtig im Sinne der zusätzlichen Stärke und Stabilität, die es für unsere Beziehungen insgesamt bringt.

Wir haben dieses Netz der Zusammenarbeit gewoben, nicht nur weil wir
Idealisten in bezug auf den Frieden sind - das sind wir - , sondern weil wir
auch Realisten in bezug auf den Frieden sind. Die Buchstaben der Abkommen
sind wichtig, aber noch wichtiger ist, wie wir sie in der Praxis verwirklichen - wie wir das Ideal der friedlichen Zusammenarbeit in die Praxis der
friedlichen Zusammenarbeit umsetzen. Mit diesem sich ausweitenden Netz von Abkommen, von Austauschprojekten, von Formen der Zusammenarbeit demonstrieren
wir nicht nur das Ideal eines Friedens, sondern den Frieden in der Praxis.

Im Laufe der vielen Jahre habe ich in zahlreichen Ländern die Gedenkstätten für die Gefallenen vieler Kriege besucht. Gestern habe ich einen Kranz
an einer der erschütterndsten Gedenkstätten niedergelegt, die ich jemals gesehen habe, die Kathyn-Gedenkstätte bei Minsk. Eine große bronzene Statue von
Joseph Kaminsky, dem Schmied des Dorfes, der seinen fünfzehnjährigen toten
Sohn in seinen Armen hält, steht heute hoch über den Gräbern dort, wo einst
das Dorf Kathy war.
Wo

�Wo früher Häuser waren, stehen heute die Schornsteine, und in jedem
Schornstein hängt eine Gedenkglocke, die für die Toten nicht nur in Kathyn,
sondern auch in den hunderten von anderen Dörfern läuten, die zerstört worden
waren, und für die Millionen anderen, die starben - eine nachdrückliche Erinnerung für alle Völker und für alle Zeiten, wie furchtbar die Verluste eines
Krieges sind.
Als ich den Kranz niederlegte, dachte ich an die Menschen von Kathyn und
ich dachte besonders an die Kinder von Kathyn. Ich dachte über die Tatsache
nach, daß unsere Anstrengungen heute sich nicht gegen irgend ein Volk oder
irgend eine Gruppe von Völkern richten dürfen, sondern daß sie sich gegen den
Krieg selbst richten müssen.

Ich dachte auch an das lebendige Denkmal, das wir heute errichten müssen
- das immer lebende Denkmal eines dauerhaften Friedens, damit die Kinder derer, die ihr Leben im Kriege gaben, und ihre Enkelkinder vor einer Tragödie
wie in Kathyn bewahrt bleiben und stattdessen die Sicherheit der menschlichen
Brüderschaft kennen lernen, die über die Grenzen aller Völker hinwegreicht.

Als wir zum ersten Male vor zwei Jahren auf dem Gipfel zusammentrafen,
hatten sich beide Seiten in noch unerforschte neue Gewässer gewagt. Und wir
waren vielleicht etwas unsicher und besorgt darüber, wohin dies führen könne.
Aber jetzt haben wir und die Führer der Sowjetunion einander kennengelernt.
Jeder von uns hat ein wesentlich besseres Verständnis für die Politik des anderen Landes, selbst dort, wo es Unterschiede in der Politik gibt.

So

-7-

�i

So wie wir dieses Jahr zusammengekommen sind, so werden wir auch erneut
im kommenden Jahr in den Vereinigten Staaten zusammentreffen, nicht in einer
Atmosphäre der Krisen, sondern in einer Atmosphäre des Vertrauens - Vertrauen
darauf, daß die Arbeit, die wir begonnen haben, voranschreitet, Das Bemerkenswerteste an diesem Gipfeltreffen, das darf man sagen, ist, daß es so routinemäßig, so familiär stattfindet - als Teil eines ständigen Prozesses, der
noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Frieden ist nicht nur eine Gegebenheit. Wenn er von Bestand sein soll,
so muß er auch ein fortdauernder Prozeß sein. Und diese Treffen sind

ein Bei-

spiel dafür, daß dieser Prozeß voranschreitet.

Als Verbündete haben wir im zweiten Weltkrieg Seite an Seite in dem
furchtbarsten Krieg in der gesamten Geschichte der Menschheit gekämpft und
gemeinsam mit unseren Verbündeten haben wir den Sieg errungen. Mit diesem Sieg
haben die Bevölkerung der Sowjetunion und die Bevölkerung der Vereinigten Staaten auch eine gemeinsame Hoffnung verbunden, daß wir damit auch einen dauerhaften Frieden gewonnen hätten. Diese Hoffnung wurde enttäuscht; aber jetzt
haben wir eine neue Chance.

Den Sieg in einem Krieg zu erringen ist schwer. Das erfordert von jedem
einzelnen Bürger im Lande außergewöhnlichen Mut, Ausdauer und Hingabe. Aber in
gewisser Hinsicht ist die Schaffung eines dauerhaften Friedens noch schwerer
als das Führen eines Krieges, weil es eine komplexe Aufgabe ist. Wir müssen
für die Aufgabe, einen Frieden zu schaffen, den gleichen Mut, die gleiche Ausdauer und die gleiche Hingabe aufbringen, die uns im Krieg bei unserem Kampf

�*
I
•

Kampf für den Sieg angespornt haben.

Die Tatsache, daß unsere Aufgabe, einen Frieden aufzubauen, weitaus komplexer ist, besagt nicht, daß wir sie nicht erfolgreich lösen können. Lassen
Sie mich ein typisches Beispiel anführen, das diesen Punkt unterstreicht. Auf
dem gesamten Gebiet der modernen Technologie ist keine Aufgabe komplexer als
die Aufgabe, einen Menschen in den Weltraum zu entsenden. Die für das nächste
Jahr geplante gemeinsame sowjetisch-amerikanische Weltraummission - die gemeinsame Sojus-Apollo-Mission - ist in vieler Hinsicht symbolisch für die
neuen Beziehungen,die wir jetzt zwischen unseren beiden Völkern schaffen. Sie
ist symbolisch aus mehreren Gründen - Gründen, die eine wichtige Lehre über
diese neue Beziehung in sich bergen.

Zum einen wird die für den Krieg entwickelte Raketentechnik jetzt für den
Frieden eingesetzt.

Zum anderen starten sowjetische und amerikanische Weltraumfahrer von ihren
jeweiligen Ländern aus. Sie werden ihren Weg zueinander finden und miteinander
zusammentreffen - genau das, was wir tun und weiter tun müssen auf dem gesamten
Gebiet unserer Beziehungen.

Durch Normierung ihrer Docking-Techniken werden sie internationale Rettungsmissionen möglich machen, falls künftige Raumfahrzeuge im Weltraum in
Schwierigkeiten geraten sollten. Dadurch werden sie den Weltraum für die
Astronauten und Kosmonauten aus unseren beiden Ländern sicherer machen - genauso wie unsere neuen Beziehungen das Leben auf der Erde für die Bevölkerung
unserer beiden Länder sicherer machen werden.
Schließlich
-9-

�1

i
Schließlich, und das ist vielleicht noch wichtiger, ist diese gemeinsame
Mission - für die unsere Astronauten jetzt hier in der Sowjetunion zusammen
mit Ihren Kosmonauten üben - möglich gemacht worden durch sorgfältiges Planen,
präzises Steuern und einen Prozeß der gemeinsamen Arbeit und des gemeinsamen
Aufbaus, Schritt für Schritt, um ein Ziel zu erreichen, das wir bei der Verfolgung eines gemeinsamen Zweckes miteinander teilen.
Das ist der Weg, auf dem wir zusammen einen Frieden schaffen können,der
von Bestand sein wird.

Einer der größten Ihrer Schriftsteller, Leo Tolstoi, hat einmal folgende
Geschichte erzählt: Ein sehr alter Mann pflanzte einst Apfelbäume. Er wurde
gefragt: "Warum pflanzt Du Apfelbäume? Es wird lange dauern, bis sie Früchte
tragen, und Du wirst nicht so lange leben, daß Du nur einen einzigen Apfel
davon essen kannst." Der alte Mann antwortete: "Ich werde sie niemals essen,
aber andere werden es, und sie werden mir danken."

Unsere beiden Völker tragen vor der gesamten Welt eine gemeinsame Verantwortung. Und wir müssen ebenfalls jetzt pflanzen, damit künftigenGenerationen
eine Ernte des Friedens heranreift - ein Friede, in dem unsere Kinder zusammenleben können als Brüder und Schwestern,die ihre Hände über den Ozean hinweg
in Freundschaft vereinen und die in eine neue Ära eintreten, in der der Krieg
hinter uns liegt,und die in Frieden für ein besseres Leben für unser Volk
und für alle Völker arbeiten können.

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13/1974

NIXON: ES GIBT KEINE ALTERNATIVE ZUM FRIEDEN
-Ausführungen des Präsidenten

in Brüssel-

BRÜSSEL -»(AD)-- Präsident Nixon hat erneut unterstrichen, daß es keine Alternative zum Frieden und keine Alternative zu Verhandlungen gibt. Gleichzeitig
versicherte der amerikanische Präsident, daß die NATO-Verbündeten voll über
den Fortschritt bei den Gesprächen mit der Sowjetunion unterrichtet werden.
In einem Trinkspruch auf König Baudouin erklärte Nixon am 26. Juni unter anderem:

"In den kurzen Gesprächen, die ich heute mit einigen meiner Kollegen in
der Atlantischen Gemeinschaft geführt habe, und ebenso auf der Konferenz heute
morgen, der Vollsitzung, habe ich gehört, wie von den Industriestaaten, den
wirtschaftlich fortgeschrittenen Ländern der heutigen Welt, sehr zu Recht das
Inflationsproblem, das Energieproblem, das Problem der internationalen Währungsfragen, der Zahlungsbilanzen, wie ganz allgemein Wirtschaftsprobleme angeschnitten wurden. Und natürlich haben alle von uns festgestellt und erkannt,

�erkannt, daß es in den einzelnen Ländern neben den wirtschaftlichen Problemen
auch weiterhin politische Probleme gibt, wie es sie in freien Gesellschaftssystemen immer geben wird.

Wenn wir auf die Probleme blicken, denen wir uns zur Zeit gegenübersehen,
die an sich und für den Augenblick überwältigend zu sein scheinen, so können
wir, die wir an diesem Tisch sitzen, dankbar sein, daß es sich bei den heutigen Problemen, im Gegensatz zu denen vor fünf Jahren, in erster Linie um
Probleme des Friedens und nicht um Probleme des Krieges handelt. Und das ist
ein Fortschritt.

Das ist ein Fortschritt, obwohl es nicht bedeutet, daß die Aufgabe, der
wir als Staatsmänner gegenüberstehen, leichter ist. Denn in Wirklichkeit ist
sie weit schwerer - schwerer, weil Friede nicht etwas ist, was zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht und dann in einem Vertrag unterzeichnet und besiegelt wird und somit zustandekommt.

Frieden ist ein Prozeß, bei dem laufend Abkommen, Verträge und Vereinbarungen getroffen werden und die ständig bekräftigt werden müssen. Im Falle
eines Krieges dagegen beginnt, sobald dieser endet, mit der Unterzeichnung eines Dokumentes oder irgendeiner anderen Form von Abkommen der Friede,insoweit
nämlich, als kein Krieg mehr herrscht. Und so sind, dessen bin ich mir genauso wie Sie alle bewußt, für uns alle, die wir uns hier aus diesem historischen
Anlaß versammelt haben, die Aufgaben, denen wir uns heute bei der Errichtung
eines Gebäudes des Friedens gegenübersehen, in ihrer Art genauso groß und in
mancher Hinsicht sogar noch größer, denn sie sind umfassender als die Aufgabe,

-2-

�Aufgabe, Völker in einen Krieg zu führen.

Dies ist ein Jubiläum, ein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum,und gewöhnlich betrachten wir einen Jahrestag als Ende einer Ära. Dieses große Bündnis
wurde vor 25 Jahren geschlossen und erwies sich in dieser Zeit als unerläßlich, um in Europa die Freiheit zu erhalten und den Frieden zu wahren. Dieses
Bündnis wird in den kommenden 25 Jahren ein noch größeres und umfassenderes
Ziel haben, nämlich die Freiheit, wo immer sie existiert, zu erhalten. Sie
hat aber auch die Aufgabe, ein Gebäude des Friedens nicht nur für Europa und
für die Atlantische Gemeinschaft, sondern für die gesamte Welt zu errichten.

Das ist ein großes Ziel für ein Bündnis und ein Ziel, dem sich verschrieben zu haben wir als Staatsmänner alle stolz sein können.... Wir leben in e i ner Welt, in der es immer noch tiefe und grundlegende Unterschiede in den Weltanschauungen gibt. Wir leben jedoch in einer Welt, in der die Staatsmänner,
gleichgültig welcher Art diese Unterschiede sind, Wege zu ihrer Überwindung
finden müssen, ohne zur Anwendung von Gewalt Zuflucht zu nehmen, die die Zivilisation, wie wir sie kennen, vernichten würde...

Das will nicht besagen, daß diejenigen, mit denen wir verhandeln, nicht
mit der gleichen Entschlossenheit zu ihren Weltanschauungen und Prinzipien
stehen, wie wir zu den unsrigen.

Das soll lediglich besagen, daß es in der Welt, in der wir leben, mit
den sie drohend überschattenden Nuklearwaffen keine Alternative zum Frieden
und keine Alternative zu Verhandlungen gibt.
Und

3-

�Und Sie können sicher sein, daß wir, was uns anbetrifft, unsere Verbündeten in diesem großen Bündnis nicht nur vorher, sondern auch hinterher konsultieren werden, um sicherzustellen, daß unsere Verhandlungen nicht nur der
Sache des Friedens, sondern auch der Sache der Freiheit und all den Dingen
dienen, die denen etwas bedeuten, die das Vorrecht genießen, Mitglieder dieses großen Bündnisses sein zu dürfen...".

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13/1974

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS BEI SEINER ANKUNFT IN BRÜSSEL
- Wortlaut -

BRÜSSEL --(AD)— Präsident Nixon wurde bei seiner Ankunft in Brüssel am
25. Juni von König Baudouin auf dem Flughafen begrüßt. Die Erklärungen des
Königs und des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
"Herr Präsident, da Belgien schon seit einigen Jahren das Hauptquartier
der Organisation des Nordatlantikvertrages beherbergt - und seit dieser Zeit
auch Sitz der Europäischen Gemeinschaft ist - ist es mir eine Pflicht und ein
Vergnügen, Sie heute abend wieder auf dem Boden meines Landes zu begrüßen.

Sie haben gerade eine Reise durch den Nahen Osten beendet, in deren Verlauf die glücklichen Ergebnisse unermüdlicher Diplomatie bestätigt worden
sind. Wir alle hoffen, daß die unternommenen Bemühungen der Vorläufer eines
endgültigen Friedens in jener Region sein werden.

In zwei Tagen werden Sie in Moskau sein, wo Sie Gespräche führen werden,
deren Ergebnis für uns alle wichtig sein wird. Vor Beginn dieser Getpräche

-1-

�}

&gt;
Gespräche haben Sie den Wunsch geäußert, hierher zu kommen, um nicht nur die
Deklaration von Ottawa über die atlantischen Beziehungen zu unterzeichnen, die
erneut unsere gleichlaufenden Ziele genau feststellt, sondern auch vertrauensvolle Kontakte mit den Regierungschefs befreundeter und verbündeter Nationen
herzustellen, um Ihre Auffassungen darzulegen und deren Meinungen zu hören.
Wir sind über Ihr Handeln sehr beglückt. Es zeigt erneut, daß, so sehr sich
die Zeiten auch ändern mögen, zwischen unseren Völkern noch immer das gleiche
fundamentale Verständnis herrscht, das auf so vielen gemeinsamen Erinnerungen
und so vielen friedlichen Wettkämpfen oder beklagenswerten Schlachten beruht,
die Seite an Seite und im Glauben an die gleichen wesentliche Werte gefochten
worden sind.
Herr Präsident, in der ganzen Welt fühlen sich alle Menschen in zunehmendem
Maße durch das gleiche Schicksal verbunden. Wir wissen, daß sie alle von Herzen wünschen, daß"die Feindseligkeiten aufhören, die Spannungen abgebaut werden und ein gerechter und dauerhafter Frieden hergestellt wird.

Wir heißen Sie und Mrs. Nixon von Herzen willkommen und bringen unsere
Hoffnung auf den E folg der Arbeit zum Ausdruck, .die wir zusammen leisten werden."

Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Eure Majestät, Herr Generalsekretär, verehrte Gäste:

. Eure Majestät, ich möchte Ihnen meine außerordentliche Dankbarkeit für
den freundlichen Empfang zum Ausdruck bringen und auch für Ihre so beredten

-2-

�beredten Worte hinsichtlich der Hoffnungen, die wir alle für den Aufbau
eines Gebäudes des Friedens in der Welt hegen.
Und es ist in der Tat eine Ehre für mich, morgen mit meinen Kollegen im
Atlantischen Bündnis zusammen unsere Hingabe an die großen Prinzipien des
Bündnisses zu bekräftigen. Was wir alle erkennen müssen, ist, daß das Atlantische Bündnis für die Erhaltung des Friedens in Europa während der letzten
25 Jahre unerläßlich war.

Wie Sie festgestellt haben, kommt dieser Besuch in Brüssel auf halbem
Wege zwischen zwei anderen Besuchen - der erste im Nahen Osten, der zweite in
der Sowjetunion. Daß dem so ist, hat seine Bedeutung, denn es symbolisiert
die zentrale Rolle, die das Atlantische Bündnis in der Verfolgung unseres
Zieles eines dauerhaften Friedens in der Welt spielt. Ohne das Bündnis wäre
es fraglich gewesen, ob die Entspannung begonnen hätte, und es ist fraglich, ob ohne den Fortbestand des Bündnisses die Entspannung weitergehen würde.

Und es ist auch von großer Bedeutung, daß dieses Treffen in Brüssel,
heute die Hauptstadt Europas, und in Belgien stattfindet - ein Land,das in
zwei Weltkriegen so viel gelitten hat. Und ich bin sicher, daß alle, die an
dem morgigen Treffen teilnehmen, in ihren Herzen die gleichen Gefühle hegen
werden, nämlich den Wunsch, daß das, was wir dort tun, und welche Entscheidungen wir auch treffen, und was immer wir sagen, zu dem Ziel beitragen möge,
nach dem wir streben - nicht nur für jedes unserer Länder, sondern für alle
Nationen der Welt - ein Frieden, der von Dauer sein wird."
+-H-3-

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13/1974

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS VOR SEINEM ABFLUG IN WASHINGTON

- Wortlaut -

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat am 25. Juni vor seinem Abflug zu
dem NATO-Gipfel in Brüssel und seinem anschließenden Besuch in der Sowjetunion auf dem Washingtoner Flughafen folgende Erklärung abgegeben:
"Mitglieder des Kabinetts, Mitglieder des Diplomatischen Korps, meine
Damen und Herren:
Ich möchte Ihnen allen zunächst meinen Dank aussprechen, daß Sie sich
die Zeit genommen haben, uns zu verabschieden, wenn wir jetzt eine neue
•Reise des Friedens* antreten. Dieses Mal gehen wir, wie Sie wissen, zuerst
nach Brüssel und dann nach Moskau.
Wir beabsichtigen in Brüssel mit alten Freunden zusammenzutreffen und
unsere Unterstützung des großen NATO-Bündnisses erneut zu bekräftigen, dem

-1-

�dem es zuzuschreiben ist, daß 25 Jahre lang der Friede in Europa gewahrt wurde, und das unentbehrlich ist. Wir wollen diesem Bündnis bei unserem Treffen
mit den Regierungschefs der meisten NATO-Länder ein neues Ziel und eine neue
Richtung geben.

Von Brüssel aus gehen wir nach Moskau. Dort werden wir Gelegenheit haben,
erneut mit Generalsekretär Breschnew und seinen Mitarbeitern zusammenzutreffen. Dieses Gipfeltreffen hat, wie die beiden anderen - das erste vor zwei
Jahren in Moskau und das im letzten Jahr in Washington sowie in anderen Teilen der Vereinigten Staaten • einen dreifachen Zweck:

Erstens rechnen wir mit einer Stärkung der bilateralen Beziehungen zwi«
sehen den beiden stärksten Ländern der Welt; zweitens hoffen wir, Gebiete der
Zusammenarbeit zu entwickeln, die an die Stelle von Konfrontation in anderen
kritischen Gebieten der Welt treten, an denen es eventuell zu einem Konflikt
zwischen den beiden großen Mächten kommen könnte; und drittens hoffen wir auf
weiteren Fortschritt bei einem Ziel, das wir 1972 zu verwirklichen begonnen
haben und auf das wir uns hinbewegen, nämlich die Bürde und die Gefahr einer
nuklearen Rüstung für unsere beiden Länder und für die Welt ganz allgemein zu
begrenzen.

Das sind sehr hoch gesteckte Ziele und gleich allen großen Zielen sind
sie sehr schwer zu verwirklichen, so wie dies auch bei den Zielen der Fall
war, die wir auf unserer ersten Reise in den Nahen Osten zu verwirklichen gesucht haben. Aber wir sind Zuversicht lieh,daß wir, wenn wir auf diese Ziele
blicken, sie nicht nur zu verwirklichen trachten müssen, sondern daß wir sie

-2-

�sie unserer Ansicht nach auch verwirklichen können. Denn wenn wir von den
beiden stärksten Ländern, der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten, sprechen, dann ist eine Zusammenarbeit zwischen diesen beiden großen Völkern
unerläßlich, wenn wir ein Gebäude des Friedens in der Welt errichten wollen,
das von Bestand ist.
Wir wissen, daß wir mit der Stärke Amerikas, der Entschlossenheit Amerikas und der Festigkeit und Hingabe Amerikas Fortschritte auf dieser langen,
aber entscheidend wichtigen »Reise des Friedens* nicht nur für Amerika, sondern für die gesamte Menschheit, erzielen können. Und wir haben besonders die
Botschaften begrüßt, die wir vor jeder dieser Reisen von Menschen überall in
Amerika erhalten haben, denn ihre Gebete, ihre Wünsche für einen Erfolg bedeuten, daß das amerikanische Volk in seiner großen Mehrheit geschlossen hinter den Bemühungen steht, die wir jetzt unternehmen, wenn wir Meinungsverschiedenheiten beizulegen suchen, die sonst zu einem ungezügelten Wettrüsten
führen würden, die sonst zu einer Konfrontation nicht nur zwischen den beiden
Großmächten, sondern überall auf der Welt führen würden, die sonst alle Hoffnungen und Ideale vernichten würden, die die Amerikaner von Anbeginn dieses
Jahrhunderts an hegten ~ das Ideal einer Welt des Friedens, so daß wir die
ganze Kraft aller großen Völker für Werke des Friedens statt zur Vorbereitung
eines Krieges einsetzen können. Ich danke Ihnen."

+++

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13/1974

TREFFEN IN BRÜSSEL DEMONSTRIERTE SOLIDARITÄT DER NATO
- Nixon sprach vor dem Nordatlantikrat BRÜSSEL —(AD)-- Das Treffen der führenden Staatsmänner des Atlantischen
Bündnisses am 26. Juni ist nach Auffassung Präsident Nixons ein bedeutsamer
Beweis für die Solidarität des Westens und eine wichtige Vorstufe für seine
Zusammenkünfte mit den sowjetischen Führern in Moskau gewesen.

Der Präsident hielt eine 25minütige Ansprache vor einer Plenarsitzung
des Nordatlantikrates, die zwar für die Öffentlichkeit nicht zugänglich war,
über die jedoch der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, anschließend vor der Presse berichtete.

Nixon hat nach den Ausführungen Zieglers die Einigkeit der Zielsetzung
des Bündnisses unterstrichen und auf die anhaltende Stärke wie auch auf die
Notwendigkeit der Konsultation im Bündnis hingewiesen. Er versicherte, daß
die Unterzeichnung der Atlantischen Erklärung die Basis für ein weiteres Vierteljahrhundert der Solidarität und Sicherheit und für eine bessere Zukunft

-1-

�Zukunft schaffen werde. So w rde hervorgehoben, daß das Bündnis bei seinem
Eintritt in das zweite Viertel Jahrhundert stärker und geeinter sei als je zuvor.

Der Erfolg der NATO, so führte der Präsident aus, böte seinen Mitgliedern die Sicherheit, ihre nationalen, regionalen und globalen Interessen verfolgen zu können. So wie aber die Notwendigkeit für Sicherheit heute nicht geringer geworden sei, so sei auch die Einheit der gemeinsamen Zielsetzung
weiter notwendig.- Wenn Mitglieder des Bündnisses ihre individuellen Interessen erfolgreich verfolgen wollen, so müsse dies in einem Geiste der Harmonie mit den Zielsetzungen des Bündnisses geschehen.

Nixon bekräftigte die Zusicherung der Vereinigten Staaten, ihre Streitkräfte in Europa aufrechtzuerhalten und sie bei einer entsprechenden Anstrengung der anderen Bündnismitglieder weiter zu verbessern. Er erklärte erneut,
daß die Vereinigten Staaten ihre Streitkräfte nicht ohne entsprechende Maßnahme des Sowjetblocks verringern würden. Ein einseitiger Truppenabbau würde
nach seiner Auffassung Auswirkungen in der ganzen Welt haben, die in keinem
Verhältnis zu der Zahl der entlassenen Soldaten oder der eingesparten Mittel
stehen würden.

Der Präsident betonte, daß Verteidigung und Entspannung mit der Sowjetunion in einem unauflöslichen Zusammenhang stünden. Nur durch eine Stärkung
der Bewegung zu einer Entspannung hin könnten die Nationen des Bündnisses ihre
Verteidigungskosten verringern.
Nixon

-2-

�&lt;&gt;!;*.; -I Nixon zeigte sich ermutigt über die Zielstrebigkeit und das Tempo der
. !

jüngsten Anstrengungen, der Partnerschaft in der NATO neue Impulse zu verlei-

i,, \ • hen, vor allem durch echte Konsultation. Die Vereinigten Staaten, so ließ er
eEkei\nen, seienabsolut bereit, sich mit ihren Verbündeten über alle Fragen
von Interesse für das Bündnis zu konsultieren.

Der Präsident wiederholte die Erklärung von Außenminister Kissinger ,
daß die Deklaration und die darin vorgesehenen Konsultationen nicht als juristisch bindende Verpflichtung betrachtet würden, sondern den Geist der Zusammenarbeit im Bündnis symbolisierten,, von dem die Vereinigten Staaten hoff»
\ • ten, daß er zu der Erkenntnis unter, den Mitgliedern führen werde, daß sie
s, i 'j
,,

keine Maßnahmen ins Auge fassen, ohne sich vorher der Unterstützung und des
Einverständnisses anderer Mitglieder zu versichern.

• •' i

\

'-,

'•

Nixon wies darauf hin, daß zwar die rechtlichen Verpflichtungen des Bünd-

'

:

-

'•

•

••

nisses geographisch begrenzt seien, daß jedoch Ereignisse außerhalb des Bündnisgebietes Auswirkungen auf alle Mitglieder haben können. Die Vereinigten
Staaten, so erklärte der Präsident, seien sich dieser Realität bewußt und
beabsichtigten, die Mitglieder in allen Fragen zu konsultieren, die das Bünd,•

nis berühren. Ebenso wies der Präsident darauf hin, daß die gemeinsame Erklärung durch kooperative und konstruktive wirtschaftliche Beziehungen unter-

J(J

mau,ert werden müsse, und er betonte in diesem Zusammenhang, daß die Vereinigten. Staaten wirtschaftliche Fragen in einem Geiste der Freundschaft und aus
der.Überzeugung heraus behandeln würden, daß es im gemeinsamen Interesse

. u.r

liegt, .wenn alle. Völker, einschließlich der Entwicklungsländer, davon profitieren.
Bezüglich
-3-

�Bezüglich seines Moskau-Besuches hob Nixon hervor, daß der westliche Zusammenhalt die Grundlage für die Entspannungsbemühungen im gemeinsamen Interesse darstelle. Die Entspannung, so erklärte Nixon, biete der Welt eine Chance, das Wettrüsten unter Kontrolle zu bringen und eine Atmosphäre zu schaffen,
in der Probleme ohne eine bipolare Konfrontation angepackt werden können. Die
Entspannung biete weiter die Möglichkeit, ein Netz kooperativer Abkommen zu
schaffen, die der Zurückhaltung in'den internationalen Beziehungen dienlich
seien.

Nixon wies darauf hin, daß neben einem Meinungsaustausch über wichtige
internationale Fragen, einer gründlichen Aussprache über bilaterale Beziehungen und den Abkommen über eine Zusammenarbeit auf verschiedenen Gebieten die
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) und die beider*,
seitigen ausgewogenen Truppenreduzierungen in Mitteleuropa (MBFR) zu seinen
wichtigen Moskauer Themen gehören. Er bekräftigte erneut, daß die Vereinigten
Staaten niemals die Interessen ihrer Verbündeten aufs Spiel setzen werden, um
mit Moskau zu einem Abkommen zu gelangen.

Im Zusammenhang mit dem Nahen Osten erklärte der Präsident vor dem Rat,
daß die dortige Krise und die ersten Schritte zu ihrer Beilegung eine eindeutige Demonstration darstellen können,und daß alle ein Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens außerhalb der Grenzen des Bündnisses haben. Die
Vereinigten Staaten würden auch weiterhin eine zentrale Rolle im Nahen Osten
spielen, um eine diplomatische Alternative zum Krieg zu finden. Die USA hätten
nicht die Absicht, irgendeine Nation von diesem Gebiet auszuschließen, und

-4-,

�und die europäischen Nationen hätten ein lebenswichtiges Interesse am Nahen
Osten und wünschten,eine wesentliche eigene Rolle dort zu spielen. Er gab
seiner Hoffnung Ausdruck, daß das Bündnis diese Aktivitäten koordinieren und
gemeinsam für den Frieden arbeiten werde.

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13/1974

NIXON HÄLT AN MONETÄREN UND FISKALISCHEN MASSNAHMEN ZUR EINDÄMMUNG
DER INFLATION FEST

- Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 24.Juni -

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat eine Politik der fiskalischen und
monetären Zurückhaltung als sicherstes Mittel zur Eindämmung der Inflation
empfohlen.

In einer am 24. Juni vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung betonte der Präsident, daß das Haushaltsdefizit in dem am 30. Juni auslaufenden
Finanzjahr 1973/74 nur 3 Milliarden Dollar betragen wird gegenüber 5 Milliarden Dollar, die in dem ursprünglichen Haushaltsvoranschlag ausgewiesen worden waren. Mit einem baldigen Ende des Preisauftriebs,so stellte Nixon fest,
sei zwar nicht zu rechnen, doch werde die Inflationsrate zum Jahresende erheblich niedriger liegen. Die wesentlichen Teile der Erklärung des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
"Die

-1-

�1
"Die wirksamste Waffe im Kampf gegen die Inflation ist, wie ich dies wiederholt betont habe, eine Politik der fiskalischen und monetären Zurückhaltung seitens der Bundesregierung. Der Anstieg der Verbraucherpreise in der
letzten Zeit,so enttäuschend er auch war, hat nur erneut unterstrichen, wie
wichtig es ist, mit Nachdruck und Geduld an diesem Kurs festzuhalten.

Zur Verwirklichung dieses Zieles habe ich mit meinen wichtigsten Wirtschaftsberatern eine Überprüfung unserer Haushaltspolitik durchgeführt. Es
hat nunmehr den Anschein, daß das Defizit in dem am Sonntag zu Ende gehenden
Finanzjahr weit niedriger sein wird, als es Anfang dieses Jahres vorausgesagt worden war. Das Gesamtdefizit in diesem Jahr dürfte bei 3 Milliarden Dollar liegen und damit um 2 Milliarden Dollar hinter den Ansätzen zurückbleiben. #

Mein Wirtschaftsberater Kenneth Rush, der Direktor des Budgetamtes und
meine übrigen maßgebenden Berater legen auf meine Anweisung hin Maßnahmen fest,
wie die Bundesausgaben in den beiden kommenden Haushaltsjahren niedrig gehalten werden können. Wir tun alles in unseren Kräften stehende, damit die Ausgaben auf der Basis bestehender Gesetze im Finanzjahr 1974/75 nicht über 300
Milliarden Dollar ansteigen. Diese Zahl würde um 5 Milliarden Dollar hinter
unseren letzten Ansätzen zurückbleiben, und falls uns dies gelingt, würde
sich das voraussichtliche Defizit in dem genannten Finanzjahr von etwa 11 auf
6 Milliarden Dollar verringern.

Für das Finanzjahr 1975/76 haben wir uns einen Ausgleich des Haushalts als
Ziel gesetzt. Anfang Juli wird der Direktor des Budgetamtes den einzelnen
Ministerien und selbständigen Regierungsbehörden die neuen Richtlinien zur

-2-

,

�zur Verwirklichung dieses Zieles übersenden...

Wir hoffen, daß der Kongreß diese Anstrengungen voll unterstützt, kostspielige und inflationistische Vorschläge zurückweist und allen Anträgen
auf eine Steuersenkung widersteht...

Meine kürzliche Reise nach dem Nahen Osten hat gezeigt, daß die Nemesis
der Inflation vielfältige Gestalt annimmt und ihr die Hauptsorge aller
Staatsmänner der Welt gilt. Die Zunahme der Gütererzeugung hält einfach
nicht Schritt mit dem raschen Wachstum der Nachfrage auf der Welt. Im Rahmen
unserer Bemühungen zur Ausweitung des Warenangebots haben auf meine Anweisung hin Wirtschaftsberater Rush und der Wirtschaftsbeirat auf hoher Ebene
eine Arbeitsgruppe eingesetzt,die die gegenwärtigen Verknappungen untersuchen
soll.

Aber so wie die Probleme des Friedens keine sofortigen Lösungen anbieten,
so sind auch die Probleme der Weltwirtschaft schwierig zu lösen. Wir sehen
kein rasches Ende der Inflation. Die neuesten statistischen Zahlen für die
Verbraucherpreise deuten darauf hin, daß es immer noch zahlreiche Risiken
gibt

und daß auch die von uns für das Ende des Kalenderjahres vorausgesagte

niedrigere Inflationsrate höher sein wird, als wir dies gerne hätten.

Trotz allem steht fest, daß die gegenwärtige Politik einer fiskalischen
und monetären Zurückhaltung der sicherste

Weg zur Eindämmung der Inflation

ist. Es wird eine gewisse Zeit dauern, aber sie wird wirken, wenn wir Geduld
und Disziplin aufbringen, damit sie wirken kann.
H I r
-3-

�</text>
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&#13;
5. J u l i 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
INHALT&#13;
DOKUMENTATION&#13;
Baker; Nur wirtschaftliche Freiheit kann Osteuropa beleben&#13;
- Pressekonferenz des Außenministers im Weißen Haus&#13;
—&#13;
USA betonen Bedeutung von Nuklearwaffen in Europa&#13;
- Bericht des Verteidigungsministeriums -&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten&#13;
- Konjunkturindikatoren des Monats Mai -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
f&#13;
"Dunkler Fleck" in turbulenter Neptun-Atmosphäre&#13;
Fusionsforschung mit zwei Schwerpunkten&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
BAKER:&#13;
&#13;
NUR WIRTSCHAFTLICHE FREIHEIT KANN OSTEUROPA BELEBEN&#13;
&#13;
- Pressekonferenz des Außenministers im Weißen Haus WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge birgt das in Westeuropa&#13;
zur Blüte gelangte System freier Marktwirtschaften in freien Ländern auch&#13;
Hoffnungen für Osteuropa. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 29.&#13;
Juni 1989 erklärte Baker Journalisten gegenüber, Präsident Bush messe diesem&#13;
Thema beim bevorstehenden Weltwirtschaftsgipfel Mitte Juli besondere Bedeutung&#13;
zu. "Der Präsident wird das freie Unternehmertum in einer demokratischen Gesellschaft bekräftigen, das in Europa so erfolgreich war und die einzige Antwort auf die Hoffnungen der Völker Osteuropas darstellt", so Baker.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut.&#13;
Beim 40. Jahrestag der Gründung&#13;
der NATO im vergangenen Monat hat&#13;
Präsident Bush einen ehrgeizigen Vorschlag für die Zukunft unterbreitet,&#13;
der vorsieht, aus einem geteilten Europa ein neues Europa zu schaffen,&#13;
ein Europa das ungeteilt, frei und&#13;
sicher ist. Seine bevorstehende Reise nach Polen und Ungarn belegt sein&#13;
persönliches Interesse und seine Unterstützung des demokratischen Wandels und der Wirtschaftsreformen in&#13;
dieser Region.&#13;
Beim NATO-Gipfeltreffen haben wir&#13;
uns vornehmlich darauf konzentriert,&#13;
wie die Verantwortung für unsere größeren&#13;
Sicherheitsbedürfnisse&#13;
unter&#13;
Freunden und Partnern besser aufgeteilt werden könnte.&#13;
Bei dem nur&#13;
sechs Wochen später stattfindenden&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Weltwirtschaftsgipfel werden wir beraten, wie wir unsere jeweiligen&#13;
Stärken am besten koordinieren können, um die sich in Osteuropa stellenden Herausforderungen und grenzüberschreitende Probleme wie Umweltfragen zu bewältigen und natürlich&#13;
weiterhin eine expandierende und florierende Weltwirtschaft zu gewährleisten.&#13;
Die Reise des Präsidenten findet&#13;
in einer Zeit des Umbruchs statt. In&#13;
einer Zeit der Chancen und Hoffnungen&#13;
in Europa - Ost wie West. Seine Auftritte und Reden in Polen, Ungarn,&#13;
Paris und den Niederlanden werden besonders hervorheben, daß unser gemeinsamer Respekt westlicher Werte&#13;
das Bindeglied bildet, das die Völker&#13;
Europas und Amerikas und viele andere&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Völker der Welt eint.&#13;
&#13;
pekten des Gipfeltreffens bilden.&#13;
&#13;
Der Präsident wird das freie Unternehmertum -i. einer demokratischen&#13;
Gesellschaft bekräftigen, das in Europa so erfolgreich war und die einzige Antwort auf die Hoffnungen der&#13;
Völker Westeuropas darstellt.&#13;
Gemeinsam mit ihren Freunden und Verbündeten werden die Vereinigten Staaten diese Länder Osteuropas ermutigen, den Übergang zu freien, demokratischen und marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaften zu vollziehen.&#13;
&#13;
Das Gipfeltreffen bietet eine Gelegenheit für die westlichen Staatsund Regierungschefs, Maßnahmen in Erwägung zu ziehen, die sie zur Unterstützung des Wandels ergreifen könnten, der sich heute in Osteuropa&#13;
vollzieht. Natürlich werden sie wie&#13;
immer auch über verschiedene regionale Themen beraten. Zum Beispiel die&#13;
jüngsten&#13;
tragischen&#13;
Ereignisse in&#13;
China, die Aussichten auf Frieden im&#13;
Nahen Osten, Demokratie in Mittelamerika usw.&#13;
&#13;
Soweit wie möglich werden wir&#13;
diesen Ländern dabei behilflich sein,&#13;
die notwendigen politischen Reformen&#13;
durchzuführen und ihnen bei der Verwirklichung der erforderlichen Wirtschaftsreformen helfen.&#13;
&#13;
Im Hinblick auf die Weltwirtschaft werden sich die Themen aller&#13;
Voraussicht nach auf dieselben Bereiche konzentrieren wie bei den vergangenen Gipfeltreffen. Meiner Ansicht&#13;
nach wird man die Schuldenkrise der&#13;
Dritten Welt, den Welthandel und die&#13;
Koordinierung der Wirtschaftspolitik&#13;
diskutieren.&#13;
&#13;
Der Präsident wird insbesondere&#13;
hervorheben, wie wichtig die Entwicklung eines aktiven Privatsektors, eines pluralistischen politischen Systems und einer offenen Gesellschaft&#13;
ist.&#13;
Der Weltwirtschaftsgipfel am&#13;
15. und 16. Juli in Paris wird sich&#13;
vornehmlich a XJ. vier Hauptgebiete&#13;
konzentrieren.&#13;
Irstens, den Schutz&#13;
und die Erweiterung der gemeinsamen&#13;
Werte des Westens, insbesondere in&#13;
Osteuropa; zweitens die Weltwirtschaft; drittens die Umwelt und viertens die Bewältigung internationaler&#13;
Probleme wie Drogenhandel, internationalen Terrorismus und Waffenhandel.&#13;
Die offiziellen&#13;
Sitzungen des&#13;
Gipfels werden sich wie bisher mit&#13;
Wirtschaftsthemen befassen. Für die&#13;
Staats- und&#13;
Regierungschefs&#13;
werden&#13;
sich jedoch andere Möglichkeiten zur&#13;
Erörterung wichtiger politischer Themen ergeben.&#13;
Großes Interesse wird meiner Ansicht daran bestehen, wie der Präsident die Aussichten für politische&#13;
und wirtschaftliche Reformen in Polen&#13;
und Ungarn einschätzt.&#13;
Und natürlich werden die Entwicklungen in Osteuropa das Bindeglied zwischen den&#13;
politischen und wirtschafliehen As-&#13;
&#13;
Bezüglich der Umweltprobleme werden sich die Staats- und Regierungschefs wahrscheinlich intensiv mit der&#13;
Erörterung von Möglichkeiten befassen, wie solche Probleme wie die&#13;
weltweite&#13;
Klimaveränderung,&#13;
Rodung&#13;
der Wälder, Erhaltung der Meere,&#13;
Giftmüll und Ozonschwund angegangen&#13;
werden können.&#13;
Wie ich bereits erwähnte, werden&#13;
Themen von internationalem Interesse&#13;
sicherlich den Drogenhandel, Terrorismus und die Weiterverbreitung von&#13;
Waffen betreffen.&#13;
Seit dem ersten Weltwirtschaftsgipfel in Rambouillet im Jahr 1974&#13;
haben die Vertreter der führenden Industrienationen des Westens diese Tagungen zur Bewältigung der Herausforderungen einer zunehmend interdependenten Welt genutzt. Die Gipfeltreffen haben sich auch als nützliches&#13;
Forum für ein gemeinsames Engagement&#13;
für die vordringlichsten politischen&#13;
Probleme erwiesen.&#13;
Meiner Meinung&#13;
nach werden wir in diesem Jahr Gelegenheit haben, den Grundstein für unsere gemeinsame Reaktion auf eine&#13;
&#13;
�sich veränderende Welt zu legen, Insbesondere im Hinblick auf Europa.&#13;
Insgesamt&#13;
gesehen&#13;
bietet&#13;
der&#13;
Weltwirtschaftsgipfel eine Chance zur&#13;
Bekräftigung der westlichen Werte wie&#13;
politische Freiheit und marktwirtschaftlich&#13;
orientierte&#13;
Volkswirtschaften und als Beweis dafür, daß&#13;
wir gemeinsam eine Reihe neuer und&#13;
unterschiedlich gelagerter Herausforderungen angehen können, während die&#13;
Nachkriegszeit von einer neuen Ära&#13;
abgelöst wird.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Ich wollte eine Frage zum&#13;
Weltwirtschaftgipfel&#13;
stellen, aber&#13;
neue Schlagzeilen verdrängen dieses&#13;
Thema immer wieder. Die Mitglieder&#13;
des&#13;
Repräsentantenhauses&#13;
scheinen&#13;
sich auf begrenzte Sanktionen gegenüber China geeinigt zu haben. Sie&#13;
sind sicherlich darüber informiert.&#13;
Unterstützt die Regierung dieses Maßnahraenpaket?&#13;
Antwort: Nein, das tut sie nicht.&#13;
Ich möchte kurz darauf eingehen. Bei&#13;
einer öffentlichen Anhörung letzte&#13;
Woche hat der Präsident meiner Ansicht nach den richtigen Kurs bezüglich dieser gemäßigten Antwort auf&#13;
die tragischen Ereignisse in China&#13;
eingeschlagen, und er hat von Anfang&#13;
an den richtigen Kurs verfolgt. Er&#13;
hat seine Empörung und sein Mitgefühl&#13;
unmißverständlich zum Ausdruck gebracht.. Darüber hinaus hat er eine&#13;
Reihe von - unserer Ansicht nach zumindest bemerkenswerten - Maßnahmen&#13;
im Wege von Sanktionen ergriffen, die&#13;
sich primär auf militärische Angelegenheiten beziehen, aber auch auf&#13;
hochrangige Besuche und Austauschprogr,imme. Ich möchte auf diese lange&#13;
Liste von Sanktionen nicht im einzelnen eingehen.&#13;
Meiner Ansicht nach - die sicherlich von vielen Amerikanern geteilt&#13;
wird - versteht kein gewählter Regierungsvertreter&#13;
in den Vereinigten&#13;
Staaten China besser als der Präsident der Vereinigten Staaten, der&#13;
seinem Land in China mehrere Jahre&#13;
&#13;
lang gedient hat. Aus meiner Sicht&#13;
stand und steht er an erster Stelle&#13;
der Staats- und Regierungschefs der&#13;
Welt im Hinblick auf seine Worte und&#13;
Taten zu dieser Tragödie. Natürlich&#13;
sind wir uns des Wunsches gewählter&#13;
Regierungsvertreter bewußt, zu diesem&#13;
Thema Stellung nehmen und abstimmen&#13;
zu wollen, aber wir sind der festen&#13;
Überzeugung, daß die Führungsrolle in&#13;
diesem Fall bei der Regierung und damit beim Präsidenten der Vereinigten&#13;
Staaten als Oberbefehlshaber und als&#13;
jemandem liegen sollte, der in China&#13;
betreffende Angelegenheiten bestens&#13;
versiert ist.&#13;
Frage: Wird der Präsident sein Veto gegen dieses Maßnahmenpaket einlegen?&#13;
Antwort:&#13;
Das ist noch nicht endgültig entschieden, da wir bisher&#13;
versucht haben, gemeinsam mit dem&#13;
Kongreß eine Erklärung auszuarbeiten,&#13;
die dem Wunsch des Kongresses Rechnung trägt, zu diesem Thema Stellung&#13;
zu nehmen und abzustimmen, die aber&#13;
gleichzeitig die von uns notwendig&#13;
erachtete Flexibilität des Präsidenten gewährleistet, auf die jeweilige&#13;
Situation zu reagieren.&#13;
Frage:&#13;
Erwarten&#13;
Sie einen reibungslosen Verlauf des Gipfeltreffens&#13;
bezüglich&#13;
der&#13;
Wirtschaftsfragen?&#13;
"Super 301" hat meiner Ansicht nach&#13;
viel Ärger hervorgerufen - das ist&#13;
der den Handel betreffende Teil. Der&#13;
von Handelsminister Brady vorgelegte&#13;
Plan zur Behebung der Schuldenkrise&#13;
der Dritten Welt ist von den Banken den Handelsbanken - nicht uneingeschränkt&#13;
angenommen&#13;
worden.&#13;
Und&#13;
drittens hat es bei der OECD den Anschein, als ob die G-7 unterschiedliche Ansichten zur Inflation hätten.&#13;
Werden sich diese Probleme beim Gipfeltreffen alle in Wohlgefallen auflösen, oder werden wir noch mehr darüber hören?&#13;
Antwort:&#13;
Nun, ich denke, all das&#13;
wird beim Gipfel Gestalt annehmen,&#13;
obwohl wir abwarten und beobachten&#13;
müssen, wie sich die Dinge entwik-&#13;
&#13;
- 3-&#13;
&#13;
�kein. Meiner Ansicht nach wird es wie meist bei diesen Gipfeltreffen lebhafte Diskussionen geben. Es ist&#13;
nicht alles schon "vorgekaut", wie&#13;
einige behaupten. Es wird sicherlich&#13;
eine eingehende Erörterung der Schuldenkrise der Dritten Welt und makroökonomischer&#13;
politischei&#13;
Maßnahmen&#13;
geben.&#13;
Die kontinuierliche Bekämpfung der Inflation ist von vorrangiger Bedeutung, muß aber immer gegen&#13;
die Aufrechterhaltung und Erweiterung&#13;
einer produktiven Weltwirtschaft abgewogen werden.&#13;
Diese Themen werden sicherlich&#13;
erörtert werden. Ein weiteres Thema&#13;
ist zweifelsohne die erneute Ankurbelung des Koordinierungsprozesses der&#13;
Wirtschaftspolitik.&#13;
Ich kann Ihnen&#13;
hier natürlich nicht felsenfest versichern, daß sich keine weiteren Differenzen ergeben werden, weder auf&#13;
der politischen noch auf der wirtschaftlichen Seite. Aber ich denke,&#13;
die Meinungsverschiedenheiten werden&#13;
wie bisher beigelegt werden.&#13;
Frage:&#13;
Sie sagten, der Präsident&#13;
besitze umfassende Kenntnis der chinesischen Angelegenheiten, sei aber&#13;
von den Entwicklungen und der Härte&#13;
der Reaktion auf die prodemokratischen Proteste überrascht gewesen.&#13;
Wie schätzt er die heutige Lage ein?&#13;
Stimmt es, daß die chinesische Führung die totale Kontrolle Chinas um&#13;
jeden Preis übernehmen will und es&#13;
offensichtlich ist, daß wir bisher&#13;
keinen großen Eindruck hinterlassen&#13;
haben.&#13;
Können wir überhaupt etwas&#13;
bewirken? Und ist es so wichtig, daß&#13;
wir weiterhin diplomatische Beziehungen mit China auf höchster Ebene unterhalten, während China die Unterdrückung fortsetzt?&#13;
Antwort:&#13;
Der Grundsatz der Menschenrechte, zu dem ich mich noch&#13;
kürzlich bekannt habe, muß ein Grundprinzip unserer Außenpolitik sein.&#13;
Das war, ist und wird meiner Ansicht&#13;
nach auch in ferner Zukunft der Fall&#13;
sein.&#13;
Es ist ein außerordentlich&#13;
wichtiger Grundsatz.&#13;
Aber es ist&#13;
nicht der einzige Grundsatz, von dem&#13;
&#13;
unsere Außenpolitik geleitet ist. Es&#13;
kann und darf nicht der einzige&#13;
Grundsatz sein, der das Ausmaß der&#13;
Reaktion der Vereinigten Staaten auf&#13;
eine Situation wie diese bestimmt.&#13;
Wenn wir das Verhältnis für wichtig erachten und es zu bewahren suchen, dann heißt das noch nicht, um&#13;
jeden Preis, und es ist nicht nur aus&#13;
wirtschaftlichen Gründen wichtig. Es&#13;
hat Bedeutung für die Wirtschaft: soviel ist klar. Aber es ist auch unter geopolitischen und geostrategischen Gesichtspunkten wichtig.&#13;
Frage:&#13;
Sie erklärten, der Präsident habe seine Empörung unmißverständlich&#13;
zum&#13;
Ausdruck&#13;
gebracht.&#13;
Meiner Ansicht nach hat er sich jedoch nicht im einzelnen zu den Exekutionen geäußert.&#13;
Antwort: Er hat die Ereignisse auf&#13;
dem Platz des Himmlischen Friedens&#13;
verurteilt. Ich kann mit Sicherheit&#13;
sagen, daß wir vom Podium des Außenministeriums entsprechende Erklärungen abgegeben haben. Auch ich habe&#13;
mich bei zahlreichen Gelegenheiten&#13;
dazu geäußert. Ich kann Ihnen nicht&#13;
mehr genau sagen, wo und wann der&#13;
Präsident seine Empörung zum Ausdruck&#13;
gebracht hat. Ich möchte jedoch im&#13;
Namen der gesamten Administration erklären, daß wir die Ereignisse auf&#13;
dem Tiananmen-Platz verurteilen. Wir&#13;
möchten, daß man sich im Hinblick auf&#13;
die Bestrafung Beschränkungen auferlegt. Und wir verurteilen die Bestrafung derjenigen, die nichts anderes tun, als ihre grundlegenden Menschenrechte und Freiheiten auszuüben.&#13;
Frage:&#13;
Vor kurzem war Mr. Hawke&#13;
hier und hat den Begriff Barberei benutzt. Er hat an die Emotionen appelliert. Weder Sie noch der Präsident scheinen das tun zu wollen.&#13;
Antwort: Wir werden keine flammende Rhetorik benutzen. Wenn es Leute&#13;
gibt, die das von uns verlangen, so&#13;
steht ihnen das zu. Aber wir haben&#13;
nicht die Absicht, weil eine maßvolle&#13;
Antwort unserer Ansicht nach das&#13;
&#13;
�richtige ist. Das Ereignis fordert&#13;
eine Antwort, die unsere Empörung unmißverständlich zum Ausdruck bringt,&#13;
aber nicht zu einer stark emotionalisierten Reaktion führt, in der flammende Rhetorik eine Rolle spielt.&#13;
Und damit gehen Sanktionen in angemessener Form einher. Diese Punkte&#13;
haben wir auch verwirklicht.&#13;
Frage: Wird damit nicht das politische Problem geschaffen, das jetzt&#13;
mit den Kongreßabgeordneten zutage&#13;
tritt, die eine Resolution mit scharfen Formulierungen verabschieden wollen?&#13;
Und werden Sie damit nicht in eine Rolle gedrängt, in der sie die&#13;
Kontrolle verlieren könnten, indem&#13;
sich möglicherweise beide Kammern des&#13;
Kongresses für eine Resolution aussprechen, gegen die Sie ihr Veto einlegen müssen?&#13;
Antwort: Manchmal ist der richtige&#13;
Kurs nicht unbedingt der politisch&#13;
populäre Kurs.&#13;
Frage: Wie soll er denn aussehen?&#13;
Antwort: Wir sind auf dem richtigen Kurs. Unserer Ansicht nach ist&#13;
dies aus außenpolitischer Sicht ganz&#13;
klar die richtige Maßnahme. Und offen gesagt - ich glaube, in diesem&#13;
Land gibt es viele Leute, die eingehend über die Situation nachdenken&#13;
und mit uns übereinstimmen.&#13;
Frage: Wie ist der Stand der Diskussionen mit den führenden Politikern auf dem Capitol Hill zu diesem&#13;
Problem?&#13;
Antwort:&#13;
Die erste Frage lautete:&#13;
Können wir die vorgeschlagene Gesetzesänderung insgesamt unterstützen?&#13;
Und darauf habe ich geantwortet: In&#13;
ihrer gegenwärtigen Form können wir&#13;
sie nicht unterstützen.&#13;
Und eine&#13;
weitere Frage lautete:&#13;
Heißt das,&#13;
Sie würden dagegen Ihr Veto einlegen?&#13;
Worauf ich geantwortet habe: So weit&#13;
sind wir noch nicht, aber ich habe&#13;
erklärt, wir können sie nicht unter-&#13;
&#13;
stützen. Es gibt einige Punkte in&#13;
der Änderung, die unsere Zustimmung&#13;
finden.&#13;
In der Änderung wird klar&#13;
zum Ausdruck gebracht, daß die Vereinigten Staaten bei solchen - wichtigen außenpolitischen - Angelegenheiten einmütig sprechen und der Präsident die Führungsrolle und die Flexibilität haben sollte, auf eine ihm&#13;
angemessen erscheinende Art und Weise&#13;
zu reagieren. Diese Erklärung in der&#13;
gegenwärtigen Form der Änderung wird&#13;
gerade erwogen. Aber es gibt darin&#13;
noch andere Punkte, denen wir nicht&#13;
zustimmen können.&#13;
Frage: Wenn Sie flammende Rhetorik&#13;
vermeiden, ziehen Sie dann langfristig die Möglichkeit in Betracht, daß&#13;
Gorbatschow nicht überleben wird, andere Leute wie etwa die alten Konservativen an die Macht kommen und dami t&#13;
mit China das alte Dreiecksverhältnis&#13;
wie unter Nixon-Kissinger wieder Bedeutung erlangt?&#13;
Antwort: Meiner Ansicht nach haben&#13;
wir es nicht damit zu tun, daß China&#13;
dem Beispiel der Sowjetunion folgt.&#13;
Hier liegt nicht das Problem, sondern&#13;
es ist vielschichtiger.&#13;
Frage:&#13;
Die Solidarität hat einen&#13;
Appell an den Westen gerichtet, in&#13;
den nächsten Jahren Hilfe in Höhe von&#13;
10 Milliarden Dollar zu leisten.&#13;
Dies scheint die Summe dessen, was&#13;
einige Politiker des Bündnisses zu&#13;
leisten bereit sind, erheblich zu&#13;
übersteigen.&#13;
Gibt es Konfliktstoff&#13;
im Hinblick darauf, was die Polen&#13;
gern hätten und was der Westen zu tun&#13;
bereit ist, um Polen zu helfen?&#13;
Antwort:&#13;
Ich weiß nicht, ob ich&#13;
das Konfliktstoff nennen würde. Natürlich möchte Polen, daß wir alles&#13;
in unserer Macht Stehende tun, und&#13;
wir wollen auch das tun, was möglich&#13;
ist. In der Größenordnung, von der&#13;
Sie sprechen, ist das jedoch gegenwärtig kaum möglich. Dazu möchte ich&#13;
sagen, daß wir unter keinen Umständen&#13;
die Fehler der siebziger Jahre wiederholen wollen, in denen wir viele&#13;
Kredite mit zahlreichen Konzessionen&#13;
&#13;
�und Subventionen gewährt haben, ohne&#13;
daß damit angemessene Reformen in der&#13;
Wirtschaft einhergegangen wären. Und&#13;
infolgedessen werden sie jetzt von&#13;
einer großen Schuldenlast niedergedrückt, und es hat ihnen nicht zu einer marktwirtschaftlich orientierten&#13;
Wirtschaft verholfen.&#13;
&#13;
angedeutet habe,, mit Osteuropa befassen wird, weiß ich nicht, warum wir&#13;
nicht auch darüber sprechen sollten,&#13;
was dort getan werden kann. Liberalere Bedingungen im Pariser Club sind&#13;
eine Form der Erleichterung. Es ist&#13;
sicherlich eine Erleichterung für den&#13;
Kapitalfluß.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Welche Ziele verfolgt&#13;
Präsident mit seinem Besuch dort?&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Aber bestehen nicht Meinungsverschiedenheiten zwischen Ihnen&#13;
und den anderen Mitgliedern des Pariser Clubs? Besteht nicht die Schwierigkeit, daß diese liberalere Auffassungen vertreten als Sie?&#13;
&#13;
der&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Sicherlich&#13;
verfolgt&#13;
er&#13;
welche, aber die muß er selbst darlegen. Das ist insbesondere so weit im&#13;
Vorfeld der Reise nicht meine Aufgabe.&#13;
Frage:&#13;
Würden Sie bei Gesprächen&#13;
mit Ihren Amtskollegen eine Art von&#13;
Schuldennachlaß unterstützen?&#13;
Oder&#13;
erschöpft sich bei der Frage ihrer&#13;
Schulden unsere Bereitschaft bereits&#13;
in den Konzepten der Hamtramck-Rede,&#13;
das heißt, mit eienr Art Umschuldung?&#13;
Ich denke, die meisten Schulden&#13;
werden von den deutschen Banken getragen, nicht so sehr von amerikanischen.&#13;
Antwort:&#13;
Ich weiß nicht, wieviel&#13;
Prozent die amerikanischen Banken genau tragen, aber die Schulden sind&#13;
offiziell bekannt. Beim Gipfel von&#13;
Toronto sind die sieben Industrieländer zusammengekommen und haben den&#13;
armen Ländern südlich der Sahara einige recht liberale Bedingungen und&#13;
einen sehr großen Schuldennachlaß gewährt.&#13;
Ich weiß nicht, ob es bei&#13;
diesem Gipfel ähnlich geartete Vorschläge geben wird, und mit meinem&#13;
Hinweis darauf will ich nicht sagen,&#13;
daß es welche geben wird.&#13;
Wir haben vor kurzem ein Gesetz&#13;
verabschiedet, dessen Abschnitt 572&#13;
es den Vereinigten Staaten gestattet,&#13;
in besonderen Fällen einen Schuldennachlaß zu gewähren.&#13;
Das bezieht&#13;
sich jedoch nicht auf Schulden wie&#13;
bei der Export-Import-Bank.&#13;
Aber&#13;
Schuldennachlaß wird ganz sicher eines der wichtigsten Themen sein, die&#13;
wir beim Gipfel erörtern werden, und&#13;
da sich der Gipfel, wie ich bereits&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich bin nicht sicher, ob&#13;
ihre Äußerungen zum Pariser Club zutreffend sind. Es bestehen geringfügige&#13;
Meinungsverschiedenheiten,&#13;
ob&#13;
Kredite der Weltbank erst nach Beendigung eines IWF-Programms gewährt&#13;
werden sollten, aber was den neuen&#13;
Zeitplan des Pariser Clubs im Hinblick auf den technischen Ablauf betrifft, könnte es Differenzen geben.&#13;
Das ist normal.&#13;
&#13;
'&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Könnten Sie uns den Punkt&#13;
erläutern, an dem Sie und andere&#13;
Wirtschaftspartner sich zur Zeit befinden?&#13;
Antwort:&#13;
Warum befragen Sie dazu&#13;
nicht morgen Minister Brady, der darüber besser Bescheid weiß.&#13;
Es hat&#13;
täglich damit zu tun. Ich möchte dazu nur sagen, daß wir - gemäß den&#13;
Äußerungen des Präsidenten in seiner&#13;
Hamtramck-Rede - einen neuen liberalen Zeitplan im Pariser Club befürworten und nicht auf vorheriger Beendigung eines IWF-Programms bestehen&#13;
werden - was normalerweise unseren&#13;
Gepflogenheiten wie auch den aller&#13;
anderen Mitglieder des Pariser Clubs&#13;
entspricht.&#13;
Frage:&#13;
Besteht&#13;
die&#13;
Möglichkeit,&#13;
daß die Gipfelländer sich auf einen&#13;
umfassenderen Plan zur Hilfe für Osteuropa einigen, oder sind Sie der Ansicht, daß jedes Land eigene Maßnahmen ergreifen wird, um Osteuropa Hilfe zu gewähren?&#13;
&#13;
•&#13;
*&#13;
&#13;
�Antwort:&#13;
Ich&#13;
hoffe und wünsche&#13;
mir, daß es allgemeine Grundsätze&#13;
giht, an die sich alle zu halten bereit sind, wie etwa beim Gipfel in&#13;
Toronto zur Kreditvergabe an Osteuropa. Sicherlich hat sich die Situation seit dem Gipfel im Laufe des Jahres verändert. Es mag jedoch Länder&#13;
geben, die auf bilateraler Ebene weitergehen möchten, und das sollten sie&#13;
ruhig tun. Das würde einem allgemeinen Ansatz zu einigen Punkten nicht&#13;
widersprechen. Zum Beispiel ist Polen bei der Bundesrepublik Deutschland besonders hoch verschuldet. Der&#13;
Kredit wurde unter der Bedingung gewährt, daß Polen einigen Deutschen&#13;
die Ausreise gestattet. Und es wird&#13;
erwogen, die Rückzahlung dieses Kredits insgesamt oder in Teilen zu erlassen. Und hier würden andere Länder nicht mitziehen, weil sie nicht&#13;
in derselben Situation sind.&#13;
&#13;
hat meiner Ansicht nach das Gegenteil&#13;
bewirkt. Er hatte sicherlich keine&#13;
positiven Auswirkungen. Als wichtigste Tatsache sollte man sich also bei&#13;
dem Versuch, Ländern zu einer marktwirtschaftlich orientierten Politik&#13;
zu verhelfen, vor Augen führen, daß&#13;
sie selbst bereit sein müssen, die&#13;
notwendigen Reformen durchzuführen,&#13;
die sie auf diesen Weg bringen.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Die Bitte der Solidarität&#13;
um etwa 10 Milliarden Dollar Hilfe&#13;
beruht auf ihrer Einschätzung, daß&#13;
ohne Hilfe in diesem Umfang in Polen&#13;
die&#13;
Situation&#13;
umschlagen&#13;
könnte.&#13;
Sind Sie besorgt darüber, daß der Westen nicht in notwendigem Umfang Hilfe leisten könnte, um die Verschärfung einer politischen Krise in Polen&#13;
zu verhindern?&#13;
Antwort:&#13;
Der Schlüssel ist darin&#13;
zu suchen, daß politische Reformen&#13;
und Wirtschaftsreformen sich nicht&#13;
gleich&#13;
schnell&#13;
vollziehen.&#13;
Das&#13;
trifft für Polen in gleichem Maße zu&#13;
wie für die Sowjetunion und China.&#13;
Das scheint sich als Grundprinzip&#13;
durchgesetzt zu haben. In Polen müssen unbedingt die notwendigen Reformen durchgesetzt werden, um den Weg&#13;
zu einem marktwirtschaftlich orientierten System einschlagen zu können.&#13;
Und wir sollten das auf jede erdenkliche Weise unterstützen. Aber wenn&#13;
wir lediglich Nachlässe gewähren oder&#13;
Kredite mit vielen Konzessionen vergeben, ohne daß damit Reformen einhergehen, bringen wir sie damit nicht&#13;
auf den Weg, den sie einschlagen wollen. Diesen Kurs haben wir in den&#13;
siebziger Jahren verfolgt.&#13;
Und er&#13;
- 7-&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�^J^&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
USA BETONEN BEDEUTUNG VON NUKLEARWAFFEN IN EUROPA&#13;
- Bericht des Verteidungsministeriums -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Nuklearstreitkräfte in Europa, insbesondere nukleare&#13;
Kurzstreckensysteme (SNF) - landgestützte Raketen und Geschütze mit einer&#13;
Reichweite von unter 500 Kilometern - "spielen nach wie vor eine entscheidende&#13;
Rolle in der Strategie des Bündnisses", erklärte der Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium, Robert Joseph, in einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Senats. Dem hochrangigen Regierungsvertreter zufolge seien Nuklearwaffen in Europa "seit langem als unabdingbar für die Aufrechterhaltung&#13;
der vereinbarten NATO-Strategie flexibler Reaktion und Vorneverteidigung eingestuft worden".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des amerikanischen Regierungsvertreters im Wortlaut.&#13;
&#13;
Es ist mir eine Ehre, Ihnen heute&#13;
die Gründe dafür darlegen zu können,&#13;
warum Nuklearstreitkräfte in Europa insbesondere nukleare Kurzstreckenraketen (short-range nuclear forces SNF) - landgestützte Raketen und Geschütze mit einer Reichweite von unter 500 Kilometern - nach wie vor eine entscheidende Rolle in der Strategie des Bündnisses spielen. Wie Sie&#13;
wissen, haben die Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfeltreffen im&#13;
vergangenen Monat die Notwendigkeit&#13;
solcher Nuklearstreitkräfte für die&#13;
"absehbare Zukunft" bekräftigt. Aus&#13;
diesem Grund möchte ich unser laufendes Modernisierungsprogramm für nukleare&#13;
Gefechtsfeldwaffen&#13;
(theater&#13;
nuclear forces - TNF) und die besonderen Vorteile der Stationierung dieser Systeme erläutern. Und schließ-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
lich möchte&#13;
ich unsere nächsten&#13;
Schritte vor dem Hintergrund des&#13;
jüngsten Gipfeltreffens erörtern. In&#13;
diesem Zusammenhang möchte ich unsere&#13;
Position zu den SNF-Verhandlungen sowie die Herausforderungen darlegen,&#13;
mit denen sich die Vereinigten Staaten bei der Aufnahme von SNF-Verhandlungen mit der Sowjetunion konfrontiert sehen.&#13;
&#13;
Rolle von TNF in der Strategie des&#13;
Bündnisses&#13;
Die Notwendigkeit nuklearer Gefechtsfeldwaffen in Europa - einschließlich SNF-Raketen und Geschützen - ist seit langem als unabdingbar&#13;
für die Aufrechterhaltung der vereinbarten NATO-Strategie flexibler Reak-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�tion und Vorneverteidigung eingestuft&#13;
worden. Für die NATO leitet sich die&#13;
Notwendigkeit von Nuklearwaffen nicht&#13;
vornehmlich aus der Existenz der Nuklearwaffen des Warschauer Pakts ab.&#13;
Die Bestandserfordernisse der NATO&#13;
gründen sich vielmehr auf die Bedrohung des Warschauer Pakts insgesamt&#13;
und unsere Analyse dessen, was zur&#13;
Aufrechterhaltung&#13;
der&#13;
Abschreckung&#13;
erforderlich ist. Es ist das massive&#13;
Ungleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften zugunsten des Warschauer Pakts, von dem unsere Berechnungen vor allem geleitet sind. Während mit einem Abbau der Bedrohung&#13;
oder der Behebung der heute zwischen&#13;
NATO und Warschauer Pakt bestehenden&#13;
Ungleichgewichte&#13;
die&#13;
Notwendigkeit&#13;
von Nuklearstreitkräften in Europa&#13;
verringert würde, hätte dies jedoch&#13;
keine Auswirkungen auf die Rolle, die&#13;
Nuklearstreitkräfte in unserer Strategie dauerhaft spielen.&#13;
Die nuklearen Gefechtsfeldwaffen&#13;
der NATO leisten einen Beitrag zur&#13;
Abschreckung&#13;
eines&#13;
konventionellen&#13;
Angriffs, indem sie die Planung des&#13;
Warschauer Pakts erschweren und den&#13;
Pakt mit der Aussicht einer Eskalation zu von der NATO festgesetzten&#13;
Bedingungen&#13;
konfrontieren.&#13;
Damit&#13;
tragen sie dazu bei, den Warschauer&#13;
Pakt im unklaren darüber zu lassen,&#13;
wie, wann und wo die NATO auf einen&#13;
Angriff&#13;
reagieren würde.&#13;
Darüber&#13;
hinaus untergraben diese Systeme&#13;
insbesondere SNF - das Vertrauen des&#13;
Warschauer Pakts in die Fähigkeit zur&#13;
Massierung seiner zahlenmäßig überlegenen&#13;
konventionellen&#13;
Streitkräfte&#13;
zum Durchbruch durch die Vorneverteidigung der NATO oder zur Aufrechterhaltung&#13;
der&#13;
Stoßkraft eines Angriffs. Zweifelsohne schrecken also&#13;
die Nuklearstreitkräfte der NATO den&#13;
Einsatz von Nuklearwaffen des Gegners&#13;
ab, indem sie die Fähigkeit zu entsprechender Reaktion demonstrieren.&#13;
Sollte die Abschreckung versagen,&#13;
würden diese Waffen eine entscheidende Rolle dabei spielen, den Warschauer Pakt von der Einstellung von Aggression, dem Abzug der Truppen aus&#13;
dem Bündnisgebiet und der Wiederher-&#13;
&#13;
stellung der Abschreckung zu überzeugen. Um dem Gegener jegliches Vertrauen zu nehmen, er könne sein Ziel&#13;
in Form eines Angriffs jedweder Art&#13;
erreichen, ohne einen unannehmbaren&#13;
Tribut zu zahlen, müssen die Nuklearstreitkräfte der NATO ein breites&#13;
Spektrum von Optionen anbieten, um&#13;
Ziele vom unmittelbaren Gefechtsfeld&#13;
bis in die Tiefe des gegnerischen Gebiets, einschließlich der Sowjetunion, zu treffen.&#13;
Vor diesem Hintergrund vereinbarten die Minister der Nuklearen Planungsgruppe (NPG) der NATO in Montebello im Jahr 1983, den Bestand an&#13;
Atomwaffen in Europa um 1 400 zu reduzieren - im Anschluß an einen ähnlichen, 1979 angekündigten einseitigen Abbau von 1 000 Waffensystemen während sie gleichzeitig übereinkamen, daß die NATO handeln müsse, um&#13;
sicherzustellen, daß die verbleibenden Gefechtsköpfe und ihre Trägersysteme reaktions-, überlebensfähig und&#13;
effektiv sind. Die Minister der NPG&#13;
beauftragten daraufhin den Obersten&#13;
Alliierten&#13;
Befehlshaber&#13;
Europa&#13;
(SACEUR), Empfehlungen zur Durchführung des Montebello-Beschlusses zu&#13;
entwickeln.&#13;
Ich weiß, daß ich hier nicht ins&#13;
Detail der von SACEUR in seiner Studie über die Notwendigkeit von Nuklearwaffen aus dem Jahr 1985 (NWRS-85)&#13;
gegebenen Empfehlungen gehen muß, die&#13;
dem Ausschuß sicherlich bekannt sein&#13;
dürften. Wir müssen uns nur vergegenwärtigen, daß SACEUR eine Reihe&#13;
von Modernisierungserfordernissen für&#13;
die Nuklearstreitkräfte der NATO im&#13;
einzelnen darlegte - und ich möchte&#13;
betonen, daß es sich hierbei um das&#13;
Jahr 1985 handelte - einschließlich&#13;
eines Nachfolgesystems für die rasch&#13;
veraltende Lance-Rakete (follow-on to&#13;
Lance - FOTL), eine Luft-Boden-Abstandsrakete, mit der die Uberlebensfähigkeit von Mehrzweckkampfflugzeugen gesteigert werden sollte sowie&#13;
moderne nukleare Artilleriegeschosse&#13;
als Ersatz für die derzeitigen veralteten Geschosse, im Verhältnis von&#13;
unter 1 zu 1.&#13;
&#13;
�In unmittelbar vor der Unterzeichnung des INF-Vertrags begonnener&#13;
Arbeit prüfte die NPG, wie die&#13;
NATO-Streitkräfte nach dem INF-Vertrag strukturiert sein sollten. Beim&#13;
Treffen der NPG im April 1988 verabschiedeten&#13;
die&#13;
Minister&#13;
einen&#13;
schrittweisen Ansatz zur Umstrukturierung der Nuklearstreitkräfte der&#13;
NATO im Anschluß an den Abzug der&#13;
INF-Raketen.&#13;
Dabei&#13;
überarbeiteten&#13;
sie den in Montebello gesteckten Rahmen und bekräftigten die anhaltende&#13;
Unterstützung der nationalen Bestrebungen zur Verwirklichung der aus dem&#13;
Montebello-BeSchluß&#13;
resultierenden&#13;
Erfordernisse.&#13;
Um den Konsens der NATO bei der&#13;
weiteren Modernisierung der Nuklearstreitkräfte der NATO zu gewährleisten, überprüfte die NPG dann die&#13;
Rolle von SNF in der Abschreckungsstrategie der NATO.&#13;
Als Ergebnis&#13;
dieser Überprüfung kamen die NPG-Minister bei ihrem Treffen im Oktober&#13;
1988 Uberein, daß die NATO in absehbarer Zukunft unterschiedliche, überlebensfähige und flexibel einsetzbare&#13;
Nuklearstreitkräfte in Europa über&#13;
alle Reichweiten hinweg benötigt,&#13;
einschließlich SNF.&#13;
Im Januar 1989 legte SACEUR dem&#13;
Bündnis die Ergebnisse seiner Studie&#13;
über die Notwendigkeit von Nuklearwaffen (NWRS-88) vor, in der die Erkenntnisse der NPG über notwendige&#13;
kontinuierliche Modernisierung, insbesondere die Entwicklung einer Tomahawk-Schiffabwehrrakete (Tomahawk anti-ship missile - TASM) und eines&#13;
Nachfolgesystems für die Lance-Rakete&#13;
zur Einführung Mitte der neunziger&#13;
Jahre bestätigt wurden. SACEUR zufolge ist angesichts der derzeitigen&#13;
und zukünftigen Unzulänglichkeiten im&#13;
nuklearen Einsatzkonzept der NATO die&#13;
Stationierung dieser Systeme erforderlich, um das Ausmaß an Sicherheit&#13;
zu gewährleisten, das die Abschrekkung untermauert. NWRS-88 kommt zu&#13;
dem Schluß, daß die Stationierung der&#13;
modernisierten Systeme und die damit&#13;
einhergehende&#13;
Umstrukturierung&#13;
der&#13;
Kurzstreckenrakten der NATO mit einer&#13;
&#13;
Verlagerung auf längere Reichweiten&#13;
das Bündnis in die Lage versetzen&#13;
würde, seinen nuklearen Bestand in&#13;
Europa erheblich zu reduzieren. Und&#13;
schließlich verweist NWRS-88 darauf,&#13;
daß ein Abbau der konventionellen Bedrohung Möglichkeiten für eine weitere Verringerung des nuklearen Bestands der NATO eröffnet, während&#13;
gleichzeitig die Notwendigkeit für&#13;
Uberlebensfähige und operativ flexible SNF aufrechterhalten würde.&#13;
&#13;
Warum die&#13;
lich ist&#13;
&#13;
Modernisierung&#13;
&#13;
erforder-&#13;
&#13;
In absehbarer Zukunft wird unsere&#13;
Strategie der flexiblen Reaktion weiterhin sowohl konventionelle als auch&#13;
nukleare Waffen erforderlich machen.&#13;
Der Montebello-Beschluß und die jüngsten Arbeiten der NPG und Militärbehörden der NATO, insbesondere SACEURs&#13;
NWRS-88, bieten eine klare Richtlinie&#13;
für die Gewährleistung der dauerhaften Glaubwürdigkeit&#13;
der Abschrekkungsstrategie der NATO mit einem Minimum an Nuklearwaffen.&#13;
Wir sind&#13;
übereingekommen, daß spezifische Entscheidungen unserer Verbündeten heute&#13;
nicht erforderlich sind und eine Entscheidung über die Stationierung des&#13;
FOTL erst 1992 getroffen werden muß.&#13;
Dennoch bleibt die Notwendigkeit für&#13;
FOTL, TASM und ein modernes AFAPS&#13;
heute bestehen, und die NATO-Mitgliedstaaten haben wiederholt und öffentlich - zuletzt beim NATO-Gipfeltreffen im vergangenen Monat - ihre&#13;
kontinuierliche&#13;
Unterstützung&#13;
der&#13;
amerikanischen Bestrebungen bei der&#13;
Erfüllung dieser Anforderungen bekräftigt&#13;
&#13;
FOTL und TASM&#13;
An erster Stelle der Debatte über&#13;
die SNF-Modernisierung steht die seit&#13;
langem erkannte Notwendigkeit für ein&#13;
FOTL. Gelegentlich wurde das Argument vorgebracht, wir sollten versuchen, die Lebensdauer der Lance zu&#13;
verlängern, um die politischen Nachteile der Stationierung eines neuen&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�Systems zu vermeiden.&#13;
Das Hauptargument, das hier angeführt werden sollte - das aber nahezu&#13;
immer Übersehen wird - lautet, die&#13;
Lance-Rakete entspricht nicht den Anforderungen der NATO.&#13;
Im Einklang&#13;
mit der Arbeit der NPG hat SACEUR die&#13;
Notwendigkeit einer Boden-Boden-Rakete (surface-to-surface missile - SSM)&#13;
längerer&#13;
Reichweite&#13;
festgestellt.&#13;
Die begrenzte Reichweite der Lance,&#13;
ihr kompliziertes Ladeverfahren und&#13;
die geringe Anzahl von Abschußvorrichtungen, von denen aus die Rakete&#13;
abgefeuert werden kann, sind insgesamt gesehen der Uberlebensfähigkeit&#13;
des Systems in erheblichem Maße abträglich.&#13;
Nachdem ihre Lebensdauer&#13;
bereits einmal verlängert worden ist,&#13;
veraltet die - auf die Technologie&#13;
der sechziger Jahre gegründete&#13;
Lance jetzt rasch. Ein zweites Programm zur Verlängerung der Lebensdauer (service life extension program SLEP) würde diesen Zustand fortsetzen&#13;
und die Abschreckung der NATO unterminieren, indem die Abhängigkeit vom&#13;
Mehrzweckkampfflugzeug (dual capable&#13;
aircraft - DCA) vergrößert würde.&#13;
Daß die DCA auf relativ wenigen&#13;
Stützpunkten in Europa stationiert&#13;
sind, macht sie für Präventivschläge&#13;
des Warschauer Pakts anfällig. Dai—&#13;
über hinaus würde größeres Vertrauen&#13;
auf DCA als nukleares Trägersystem&#13;
bedeuten, daß für konventionelle Operationen weniger Mehrzweckkampfflugzeuge zur Verfügung stünden.&#13;
Verlängerug der Lebensdauer von&#13;
Lance würde uns ferner zwingen, eine&#13;
Streltkräftestruktur aufrechtzuerhalten, die gegebenenfalls anderweitig&#13;
eingesetzt werden könnte. Das FOTL&#13;
wird mit einem Mehrfachraketenwerfersystem (MLRS) bestückt und der entsprechenden Streitkräftestruktur versehen.&#13;
Mit der Beibehaltung der&#13;
Lance würde die Option zunichte gemacht, das für die ausschließlich nuklearfähige Lance eingesetzte Personal zur GrUndung von vier zusätzlichen&#13;
MLRS-Mehrzweckbatai Honen&#13;
zu&#13;
verwenden. Um sich eine Vorstellung&#13;
von der vergeudeten Artilleriefeuer-&#13;
&#13;
kraft machen zu können, sollte man&#13;
bedenken, daß eine Salve von 12&#13;
8-Inch-Raketen&#13;
aus einer MLRS-Abschußvorrichtung der Feuerkraft von&#13;
88 155 mm Haubitzen entspricht. Darüber hinaus ginge die Fähigkeit dieser vier Bataillone verloren, als&#13;
Trägersystem für konventionell bestückte taktische Raketensysteme des&#13;
Heeres (Army tactical missile System&#13;
- ATACMS) für Ziele in der Tiefe des&#13;
gegnerischen Gebiets zu dienen.&#13;
Im Gegensatz dazu wird ein FOTL&#13;
längerer Reichweite - das voll und&#13;
ganz im Einklang mit dem INF-Vertrag&#13;
steht - wichtige Vorteile mit sich&#13;
bringen.&#13;
Eine&#13;
längere Reichweite&#13;
wird natürlich die Zielerfassung in&#13;
der Tiefe des gegnerischen Gebiets im&#13;
Hinblick auf wichtige feste und mobile Ziele verbessern. Darüber hinaus&#13;
wird FOTL den zunehmenden Einsatz der&#13;
NATO DCA für tiefer im gegnerischen&#13;
Gebiet liegende Ziele und bei konventionellen Einsätzen verbessern.&#13;
Es&#13;
wird die Uberlebensfähigkeit der Systeme verbessern, weil es die Rückschlagfähigkeit erhöht und für bessere Flexibilität bei den Einsätzen&#13;
sorgt, wie etwa die Unterstützung angrenzender Truppen.&#13;
Bei den FOTL&#13;
werden MRLS-Abschußvorrichtungen zum&#13;
Einsatz kommen, womit die Möglichkeit&#13;
zu weitverzweigter Stationierung gegeben ist. Damit wird Solidarität im&#13;
Bündnis bekundet und der gemeinsame&#13;
Beitrag und Einsatz aller Mitglieder&#13;
für die Sicherheit des Bündnisses bekräftigt.&#13;
Eine taktische Luft-Boden-Rakete&#13;
für das Mehrzweckkampfflugzeug der&#13;
NATO ist von ebenso entscheidender&#13;
Bedeutung.&#13;
Die Mehrzweckkampfflugzeuge werden angesichts der Beseitigung von INF-Raketen bei der Gewährleistung der Abschreckung und Ankoppelung der Verteidigung Europas an&#13;
die strategischen Streitkräfte der&#13;
Vereinigten Staaten natürlich eine&#13;
größere Rolle spielen. Eine vielfach&#13;
in NATO DCA - wie in den Kampfflugzeugen F-lll, F-15E, F-16 und Tornado&#13;
- stationierte TASM wird die verbesserte Luftverteidigung des Warschauer&#13;
&#13;
�Pakts abwehren und unsere Fähigkeit&#13;
verbessern, stark verteidigte und&#13;
tief im Territorium des Warschauer&#13;
Pakts liegende Ziele zu treffen. Die&#13;
Erweiterung der Reichweite effektiver&#13;
DCA, ihre verbesserte Uberlebensfähigkeit und - mit der Stationierung&#13;
der TASM - stärkere Eindringfähigkeit&#13;
wird die Abschreckung der NATO erheblich verbessern.&#13;
Um termingerechte und angemessene&#13;
Entscheidungen über die Stationierung&#13;
modernisierter&#13;
Systeme&#13;
treffen zu&#13;
können, haben die Vereinigten Staaten&#13;
Mitte des Jahres 1988 Entwicklungsprogramme für FOTL und TASM ins Leben&#13;
gerufen. Sowohl TASM als auch FOTL&#13;
werden erwartungsgemäß der Reichweite&#13;
von SACEUR und den Erfordernissen für&#13;
die Fähigkeit eines Einsatzbeginns&#13;
entsprechen. Ende vergangenen Jahres&#13;
haben die Vereinigten Staaten die Abschußvorrichtung M270 für das MLRS&#13;
des FOTL ausgewählt, und wir untersuchen gegenwärtig für FOTL in Frage&#13;
kommende Raketen, mit dem Ziel einer&#13;
endgültigen Entscheidung bis Mitte&#13;
der neunziger Jahre. Darüber hinaus&#13;
haben die Vereinigten Staaten im November 1988 eine zweite modifizierte&#13;
Version der Kurzstreckenangriffsrakete (SRAM) ausgesucht, die den Erfordernissen der TASM gerecht wird, und&#13;
gegenwärtig&#13;
werden&#13;
Untersuchungen&#13;
über den Aufbau und die Integration&#13;
der TASM durchgeführt.&#13;
Bis heute wurden für die Finanzierung dieser beiden wichtigen Programme nur sehr begrenzte Mittel bereitgestellt.&#13;
Die Mittel für FOTL&#13;
wurden gekürzt. Wir haben 15 Millionen Dollar angefordert und 7,5 Millionen Dollar erhalten.&#13;
Die volle&#13;
Finanzierung für FOTL und TASM in den&#13;
Haushaltsjahren 1990 und 1991 ist&#13;
nicht umfangreich, aber dennoch von&#13;
entscheidender Bedeutung, um die erforderlichen&#13;
Stationierungstermine&#13;
einhalten zu können.&#13;
In&#13;
höchstem&#13;
Maße&#13;
effektive&#13;
SNF-Streitkräfte erfordern, daß die&#13;
älteren nuklearen Artilleriegeschosse&#13;
von 155 mm und 8-Inches kontinuier-&#13;
&#13;
lich durch Geschosse größerer Reichweite und einbebaute moderne Sicherheitsvorkehrungen&#13;
ersetzt&#13;
werden.&#13;
Die Kombination von Alter, schwieriger Monate, unzureichender Sprengkraft&#13;
und der sehr kurzen Reichweite gegenwärtiger Systeme schränken ihre Verwendbarkeit ein. Eine modernisierte&#13;
nukleare Artillerie wird weiterhin&#13;
einen wichtigen Beitrag zur Abschrekkung leisten, einmal indem sie eine&#13;
Gefahr&#13;
für&#13;
führende&#13;
strategische&#13;
Staffeln darstellt und indem sie ein&#13;
sichtbares Zeichen für Zusammenhalt&#13;
im Bündnis setzt.&#13;
In den Wochen vor dem NATO-Gipfel&#13;
der Staats- und Regierungschefs hat&#13;
die Sowjetunion ihre Kampagne zur&#13;
Spaltung des Bündnisses über Fragen&#13;
der Modernisierung und Rüstungskontrolle intensiviert.&#13;
Die NATO demonstrierte&#13;
jedoch&#13;
Geschlossenheit&#13;
und vereinbarte&#13;
ein Gesamtkonzept&#13;
über Rüstungskontrolle und Abrüstung,&#13;
in dem die unerläßliche Rolle nuklearer Waffen in der NATO-Strategie wie&#13;
auch die Verpflichtung der NATO bekräftigt&#13;
wurde,&#13;
ihre&#13;
nuklearen&#13;
Streitkräfte gegebenenfalls auf dein&#13;
neuesten&#13;
Stand&#13;
zu&#13;
halten.&#13;
Die&#13;
Staats- und&#13;
Regierungschefs&#13;
der&#13;
NATO-Mitgliedstaaten&#13;
vereinbarten,&#13;
daß land-, see- und luftgestützte Systeme in Europa notwendige Bestandteile des Abschreckungskonzepts der&#13;
NATO sind.&#13;
In diesem Zusammenhang&#13;
hat das Bündnis erneut seine Unterstützung&#13;
für&#13;
amerikanische&#13;
Forschungs- und&#13;
Entwicklungsprogramme&#13;
bekräftigt, mit denen die in Montebello angeregten Bedingungen erfüllt&#13;
werden sollen. Wir haben - wie bereits beim NPG-Treffen im April vereinbart, daß spezifische Entscheidungen über die Stationierung von&#13;
FOTL nicht vor 1992 getroffen werden&#13;
müssen.&#13;
Das Bündnis hat darüber hinaus&#13;
den sehr begrenzten Umfang des von&#13;
der Sowjetunion angekündigten Plans&#13;
zum Abzug von 500 Nuklearwaffen aus&#13;
Osteuropa erkannt, insbesondere, wenn&#13;
man ihn mit der enormen Zahl der noch&#13;
verbleibenden&#13;
Waffen&#13;
vergleicht.&#13;
&#13;
- 5-&#13;
&#13;
�Darüber hinaus verblaßt der sowjetische Plan verglichen mit den seit&#13;
1979 von der NATO einseitig aus Europa abgezogenen 2 400 nuklearen Waffen&#13;
- dem Fünffachen der von den Sowjets&#13;
angekündigten Zahl.&#13;
Angesichts der&#13;
massiven Überlegenheit des Warschauer&#13;
Pakts bei den SNF - das Ergebnis eines aggressiven jahrzehntelangen Modernisierungsproramms - hat das Bündnis die Sowjetunion aufgefordert, ihre Kurzstreckenraketensysteme einseitig zu reduzieren.&#13;
&#13;
barungen bieten eine solide Grundlage&#13;
für die Aufrechterhaltung militärischer Stärke und politischer Solidarität, wie sie für die Sicherheit des&#13;
Bündnisses entscheidend sind.&#13;
Auch&#13;
im Hinblick auf die SNF-Verhandlungen, von denen man glaubte, sie würden zu einem "gescheiterten" Gipfel&#13;
führen, ist das Bündnis zu einem außergewöhnlichen Konsens über die angemessene Rolle und den Stellenwert&#13;
der Rüstungskontrolle in unserer Sicherheitspolitik gelangt.&#13;
&#13;
Schließlich hat das Bündnis auch&#13;
seine Prioritäten in der Rüstungskontrolle dargelegt. Die Staats- und&#13;
Regierungschefs der NATO stehen weiterhin zu ihren 1987 in Reykjavik zur&#13;
Rüstungskontrolle vereinbarten Zielsetzungen und haben darüber hinaus&#13;
bekräftigt, daß die Behebung des konventionellen&#13;
Ungleichgewichts&#13;
zwischen NATO und Warschauer Pakt - und&#13;
damit der wichtigsten Bedrohung für&#13;
die Sicherheit in Europa - weiterhin&#13;
in Europa für das Bündnis erste Priorität hat. Angesichts der Tatsache,&#13;
daß die überwiegenden konventionellen&#13;
Streitkräfte des Warschauer Pakts der&#13;
Hauptbeweggrund für die Stationierung&#13;
von&#13;
NATO-Kurzstreckensystemen&#13;
ist,&#13;
sind&#13;
wir&#13;
übereingekommen,&#13;
daß&#13;
SNF-Verhandlungen zur Erlangung einer&#13;
teilweisen Reduzierung der Zahl amerikanischer und sowjetischer landgestützter&#13;
Nuklearstreitkräfte&#13;
auf&#13;
gleiche und verifizierbare Niveaus&#13;
unter dem gegenwärtigen Stand in der&#13;
NATO nur Sinn haben, wenn ein Abkommen zur Beseitigung des konventionellen Ungleichgewichts in Europa Anwendung findet. Das Bündnis erkennt den&#13;
Grundsatz der SNF-Verhandlungen an,&#13;
schließt eine "dritte Null-Lösung"&#13;
aus und vereinbart, daß ausgehandelte&#13;
Reduzierungen nicht verwirklicht werden, bis die Ergebnisse der KSE-Verhandlungen durchgeführt worden sind.&#13;
Damit liegt die noch zu leistende Arbeit bei den gegenwärtig in Wien&#13;
stattfindenden&#13;
Verhandlungen&#13;
über&#13;
konventionelle Streitkräfte in Europa&#13;
(KSE).&#13;
&#13;
Wenn wir über die KSE-Verhandlungen hinaus die Möglichkeit amerikanisch-sowjetischer Verhandlungen über&#13;
SNF ins Auge fassen, müssen wir die&#13;
Herausforderungen kennen, die sich&#13;
uns stellen.&#13;
&#13;
Die beim Gipfel erzielten Verein-&#13;
&#13;
Verhandlungen - ob sie nun Löhne&#13;
und Gehälter, Zölle oder Rüstungen&#13;
betreffen - sind immer am erfolgreichsten, wenn alle Verhandlungspartner&#13;
gleiche&#13;
Ziele&#13;
verfolgen.&#13;
Leider ist dies bei NATO und Sowjetunion zum Thema Kurzstreckenraketen&#13;
nicht der Fall.&#13;
Die Sowjets haben&#13;
ein Endziel vor Augen - die Entnuklearisierung Europas.&#13;
Angesichts der&#13;
Rolle, die Nuklearwaffen bei der Erhaltung der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion spielen, müssen wir eine Entnuklearisierung Europas vermeiden, mit der die Glaubwürdigkeit der&#13;
Abschreckung ausgehöhlt und die NATO&#13;
verwundbar würde (auch angesichts erheblicher Reduzierungen bei den konventionellen Streitkräften des Warschauer Pakts). Das wird nicht einfach sein, da die Vorschläge einer&#13;
"dritten Null-Lösung" aus vielfältigen politischen und technischen Gründen auf viele einen großen Reiz ausüben. Das Bündnis muß entschlossen&#13;
zusammenstehen, damit die gegenwärtigen Verhandlungen zur Finanzierung&#13;
unserer Sicherheit nicht den gegenteiligen Effekt haben.&#13;
Darüber hinaus sind insbesondere&#13;
die in wirksam verifizierbaren Begrenzungen für SNF immanenten Schwierigkeiten entmutigend.&#13;
Die Systeme&#13;
sind klein, sehr mobil und sowohl nu-&#13;
&#13;
�klear wie auch nichtnuklear einsetzbar. Mit dem Versuch, die sich mit&#13;
den Mehrzwecksystemen stellenden Herausforderungen&#13;
durch&#13;
Abbau&#13;
aller&#13;
SNF-Abschußvorrichtungen&#13;
zu&#13;
lösen,&#13;
würden unsere konventionellen Fähigkeiten&#13;
unannehmbar&#13;
eingeschränkt.&#13;
Mit der Ausstattung unserer SNF-Systeme mit "außen sichtbaren Unterscheidungen" würde die Uberlebensfähigkeit der Systeme geschwächt und&#13;
nichts getan, um unsere Verifizierungsprobleme im Hinblick auf sowjetische SNF-Systeme zu lösen. Darüber&#13;
hinaus bleibt immer noch das Problem&#13;
der Verifizierung von Begrenzungen&#13;
von Kurzstreckenraketen bestehen, die&#13;
leicht auf SNF-Abschußvorrichtungen&#13;
umgeladen werden können. Wir müssen&#13;
sicherlich die Verifizierungslektion&#13;
der KSE berücksichtigen, bevor wir&#13;
erwägen, wie wir Systeme wirksam verifizieren und mögliche Fehlerquellen&#13;
ausschalten können.&#13;
&#13;
strebungen zur Spaltung des Bündnisses fortführen, wie sie das auch vor&#13;
dem Gipfel dokumentiert hat. Die Bewahrung von Einigkeit unter 16 souveränen Staaten ist unter keinen Umständen eine leichte Aufgabe. Aber&#13;
ich bin zuversichtlich, daß das Bündnis, wie bereits zu Beginn der achtziger Jahre angesichts sowjetischer&#13;
Versuche, es über die INF-Stationierungen zu entzweien, denselben Mut&#13;
und dieselbe Entschlossenheit an den&#13;
Tag legen wird, um seine Freiheit zu&#13;
bewahren.&#13;
&#13;
Darüber hinaus besteht die Gefahr, daß es angesichts unserer prinzipiellen Zustimmung zu SNF-Verhandlungen unter bestimmten Umständen für&#13;
das Bündnis politisch schwierig sein&#13;
wird, die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen zu ergreifen, um die&#13;
anhaltende&#13;
Glaubwürdigkeit&#13;
unseres&#13;
Abschreckungskonzepts zu gewährleisten. Ich bin sicher, daß der Warschauer Pakt nicht dieselben politischen Schwierigkeiten hat wie der Westen und sein Modernisierungsprogramm&#13;
fortführen wird.&#13;
Das Bündnis&#13;
wie&#13;
auch der Kongreß bei seiner Abstimmung über den Verteidigungshaushalt&#13;
für das Finanzjahr 1990 - muß sich&#13;
vor Augen führen, daß keine Modernisierung dieselben Auswirkungen haben&#13;
wird wie das Akzeptieren einer dritten Null-Lösung.&#13;
Abschließend möchte ich nochmals&#13;
auf den Umfang hinweisen, in dem sich&#13;
die NATO-Regierungen über die absolute Notwendigkeit effektiver und moderner&#13;
Nuklearstreitkräfte&#13;
einig&#13;
sind, mit denen unsere vereinbarte&#13;
Strategie der flexiblen Reaktion gestützt wird.&#13;
Die Sowjetunion wird&#13;
natürlich erwartungsgemäß ihre Be- 7 -&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�:eOSK&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
Wirtschaft&#13;
&#13;
^rioN&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IN DEN VEREINIGTEN STAATEN&#13;
- Konjunkturindikatoren des Monats Mai -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Der Gesamtindex der führenden Konjunkturindikatoren, mit dem sich Prognosen zur&#13;
wirtschaftlichen Entwicklung aufstellen lassen, ist im Mai gefallen. Berichten des Handelsministeriums zufolge ist dies das dritte Mal in den&#13;
letzten vier Monaten.&#13;
Der Index fiel im Mai um 1,2 Prozent, wobei 9 der 11 Indikatoren zu&#13;
dem Rückgang beitrugen, erklärte das&#13;
Ministerium am 28. Juni 1989.&#13;
Seit Beginn des Jahres 1989 stieg&#13;
der Index im Januar um 0,8 Prozent,&#13;
ging im Februar um 0,4 Prozent und im&#13;
März um 0,6 Prozent zurück, stieg im&#13;
April um 0,6 Prozent und sank dann im&#13;
Mai um 1,2 Prozent.&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Der Index parallel zur Konjunkturentwicklung erstellter Indikatoren, der anhaltende wirtschaftliche&#13;
Aktivitäten widerspiegelt, fiel im&#13;
Mai um 0,2 Prozent, nachdem er im&#13;
April um 0,4 Prozent gestiegen und im&#13;
März um 0,2 Prozent gesunken war.&#13;
Der Pressesprecher des Weißen&#13;
Hauses, Marlin Fitzwater, kommentierte diese Zahlen mit den Worten: "Die&#13;
Wirtschaft ist gesund und wächst&#13;
langsamer, was einen geringeren Druck&#13;
auf die Inflation und die Zinssätze&#13;
bedeutet, und wir sind immer noch der&#13;
Ansicht, daß die Wirtschaft in guter&#13;
Verfassung ist."&#13;
Folgende Indikatoren trugen zu&#13;
den von April bis Mai rückläufigen&#13;
Leitindi zes bei:&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�-&#13;
&#13;
Die Geldmenge (in Dollar von 1982&#13;
gerechnet) ging von 2,41 Billionen Dollar auf 2,39 Billionen&#13;
Dollar zurück.&#13;
&#13;
Beim Index für Baugenehmigungen&#13;
war ein Anstieg von 106,4 auf&#13;
107,4 zu verzeichnen.&#13;
&#13;
Der Preisanstieg hei konjunkturabhängigem Gütern ging von 0,8&#13;
auf 0,52 Prozent zurück.&#13;
&#13;
Darby prognostiziert anhaltende Expansion der amerikanischen Wirtschaft&#13;
&#13;
Der Index der Verbrauchererwartungen sank von 83,2 auf 80,1&#13;
Punkte.&#13;
Der Anteil der Lieferanten mit&#13;
Lieferschwierigkeiten&#13;
(was&#13;
auf&#13;
eine gestiegene Nachfrage hindeutet) nahm von 53,2 auf 49,3 Prozent ab.&#13;
Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Arbeitnehmer in der&#13;
verarbeitenden Industrie ging von&#13;
41,2 auf 41,0 Stunden zurück.&#13;
Kaufverträge und Aufträge für Gewerbebetriebe und Maschinen gingen (in Dollar von 3 982) von 48,9&#13;
Milliarden Dollar auf 46,15 Milliarden Dollar zurück.&#13;
Die Zunahme beim Rückstand der&#13;
nicht ausgeführten Bestellungen&#13;
von langlebigen Verbrauchsgütern&#13;
(in Dollar von 1982) sank von&#13;
2,69 Milliarden Dollar auf 2,26&#13;
Milliarden Dollar.&#13;
Die durchschnittliche Zahl erstmaliger Anträge auf staatliche&#13;
Arbei tslosenunterstütznng&#13;
stieg&#13;
von 299 000 auf 312 000 pro Woche.&#13;
Die Zahl neuer Aufträge der Hersteller für Verbrauchsgüter und&#13;
Maschinenen fiel (in Dollar des&#13;
Jahres 1982) von 89,75 Milliarden&#13;
Dollar auf 88,01 Milliarden Dollar.&#13;
&#13;
Zwei Indikatoren hatten positive Auswirkungen auf den Leitindex:&#13;
Der Index für den Preis von 500&#13;
Stammaktien stieg von 302,25 auf&#13;
313,93.&#13;
&#13;
Dem Staatssekretär für Handel und&#13;
Wirtschaft, Michael Darby, zufolge&#13;
können weder Indikatoren für eine Rezession noch für eine Konjunkturüberhitzung oder Inflation der amerikanischen Wirtschaft beobachtet werden.&#13;
Die führenden Konjunkturindikatoren der Regierung, die im Mai um 1,2&#13;
Prozent fielen, decken sich mit anderen Anzeichen für eine Verlangsamung&#13;
des Wirtschaftswachstums auf ein gemäßigteres Niveau, erklärte Darby am&#13;
28. Juni 1989 vor Journalisten.&#13;
Dank der Anwendung einer restriktiveren Geldpolitik im Verlauf der&#13;
letzten beiden Jahre zur Ermutigung&#13;
eines gemäßigteren Wachstums hat die&#13;
amerikanische Bundesbank dieses Ziel&#13;
erreicht, so Darby.&#13;
Darby schrieb den jüngst gestiegenen Verbraucherprei.sindex (CPI) dem&#13;
Ansteig der Ölpreise und den Auswirkungen der Dürre des Jahres 1988 zu.&#13;
Mit Ausnahme von Lebensmitteln und&#13;
Treibstoff ist der CPI im Fallen begriffen.&#13;
"Angesichts der von der amerikanischen Bundesbank seit 1987 verfolgten Politik gibt es keine Gründe für&#13;
eine anhaltende Inflation", erklärte&#13;
Darby.&#13;
Darby zufolge zielt die Politik&#13;
der Bush-Administration auf einen Abbau der Inflation und letztlich deren&#13;
vollständige&#13;
Beseitigung&#13;
ab.&#13;
Er&#13;
sieht keine Diskrepanz zwischen der&#13;
amerikanischen Position zur Inflation&#13;
und der Position der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten,&#13;
die sich aus dem Weltwirtschaftsgipfel in Paris im Juli ergeben könnte.&#13;
Obwohl&#13;
&#13;
- 2&#13;
&#13;
der&#13;
&#13;
Dollardevisenkurs&#13;
&#13;
in&#13;
&#13;
�den vergangenen Monaten einen höheren&#13;
Wert erzielt hat, prognostiziert Darby eine weitere Ahnahme des amerikanischen Handelsdefizits.&#13;
Das Handelsdefizit spiegelt den&#13;
Zufluß ausländischen Kapitals in die&#13;
Vereinigten Staaten wider, so Darby.&#13;
Er beschrieb den jüngsten Anstieg der&#13;
Sparrate bei Privatkonten als positiv&#13;
für die internationale Bilanz der&#13;
Vereinigten Staaten.&#13;
Um die nationalen Spareinlagen&#13;
aufzustocken, ist es der Regierung&#13;
Darby zufolge gelungen, die Ausgaben&#13;
der öffentlichen Hand im Verhältnis&#13;
zum Bruttosozialprodukt zu senken.&#13;
Dieser Prozentsatz entspricht heute&#13;
dem der wichtigsten Handelspartner&#13;
der Vereinigten&#13;
Staaten, erklärte&#13;
Darby.&#13;
Der Abbau der Staatsausgaben müßte Darby zufolge fortgesetzt, dürfe&#13;
aber nicht "übereilt" werden.&#13;
"Ein gemäßigtes Tempo&#13;
richtige Gangart", so Darby.&#13;
&#13;
ist&#13;
&#13;
die&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
- 3&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
5. July 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
'DUNKLER FLECK" IN TURBULENTER NEPTUN-ATMOSPHÄRE&#13;
(AD) - Die unbemannte amerikanische Forschungssonde VOYAGER 2, der&#13;
wichtige Erkenntnisse über die Planeten Jupiter, Saturn und Uranus zu&#13;
verdanken sind, hat ihr nächstes&#13;
Ziel, den Planeten Neptun, schon seit&#13;
einem Jahr avisiert. Am 25. August&#13;
1989 wird sie ihn im Abstand von nur&#13;
5 000 km passieren.&#13;
Gespannt warten die Wissenschaftler auf Bilder und Meßdaten aus der&#13;
Nähe. Denn die Fernsehaufnahmen, die&#13;
VOYAGER 2 in den letzten Wochen z.B. im Mai dieses Jahres aus 135&#13;
Millionen km Entfernung - von Neptun&#13;
übermittelte, werfen schon jetzt neue&#13;
Fragen auf. So gibt es noch keine&#13;
Erklärung dafür, weshalb die Atmosphäre dieses zweitletzten Außenplaneten in unserem Sonnensystem so turbu-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
lent ist. Darauf lassen jedenfalls&#13;
die immer wieder auftretenden und&#13;
verschwindenden hellen und dunklen&#13;
Regionen in der Atmosphäre schließen.&#13;
Schließlich erhält Neptun (Durchmesser:&#13;
50 000 km, Rotationszeit 18&#13;
Stunden) infolge seiner großen Entfernung von unserem Zentralgestirn&#13;
nur ein Tausendstel der Sonnenenergie, die die Atmospäre der Erde in&#13;
Bewegung hält.&#13;
Seit Anfang Juni wird der Planet&#13;
in Rotation zu jeweils einem Fünftel&#13;
erfaßt.&#13;
Ähnlich wie bei Jupiter&#13;
fällt eine ringartige Struktur der&#13;
Atmosphäre auf, und ähnlich wie bei&#13;
Jupiter zeigt sich in der Atmosphäre&#13;
ein langgestreckter dunkler Fleck.&#13;
Im Vergleich zur Größe des Planeten&#13;
entspricht seine Ausdehnung der des&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�"Roten Flecks" in der Jupiteratmosphäre. Wie "Aviation Week &amp; Space&#13;
Technology" (Ausgabe v. 26. Juni&#13;
1989) berichtet, wird auf Grund der&#13;
unterschiedlichen&#13;
Sichtbarkeit&#13;
bei&#13;
Aufnahmen mit vier Farbfiltern und&#13;
ohne Farbfilter vermutet, daß es sich&#13;
um ein Phänomen in tieferen Schichten der Atmosphäre handelt.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
r/&#13;
&#13;
u&#13;
&#13;
•""*•&#13;
&#13;
Ä&#13;
&#13;
&lt;&#13;
&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
5. Juli 1989&#13;
&#13;
26&#13;
&#13;
FUSIONSFORSCHUNG MIT ZWEI SCHWERPUNKTEN&#13;
(AD) - Auf Vorschlag des US-Energieministeriums soll sich die Entwicklung von Methoden der Kernverschnelzung zur Energieerzeugung auf&#13;
zwei Systeme konzentrieren. Das eine&#13;
ist das Tokamak-Verfahren zur magnetischen Einschließung des Plasmas,&#13;
das zweite System der Kernverschmelzung durch Implosion unter Einwirkung&#13;
von Laserenergie oder Partikelstrahlen auf winzige, mit dem "Brennstoff"&#13;
Deuterium gefüllte Kügelchen vor.&#13;
&#13;
hält jedoch nach Beratung mit Experten eine Aufstockung der Mittel für&#13;
diese Projekte um ca. 100 Millionen&#13;
Dollar in den nächsten Jahren für&#13;
notwendig.&#13;
Nach Ansicht des Beratungsausschusses für das magnetische&#13;
Fusionsprojekt ist jedoch nicht abzusehen, wann oder ob überhaupt mit Tokamak-Maschinen die "Zündung" für eine sich selbst erhaltende kontrollierte Kernverschmelzungsreaktion zu&#13;
erreichen ist.&#13;
&#13;
Im Haushaltsjahr 1990 hatte die&#13;
US-Regierung für die magnetische Fusionsforschung 349 Millionen Dollar,&#13;
für entsprechende Projekte mit Laserund Strahlenenergie&#13;
169 Millionen&#13;
Dollar angefordert. der Direktor der&#13;
Abteilung Energie-Forschung im USEnergieministerium,&#13;
Robert&#13;
Hunter,&#13;
&#13;
Bei den Förderprogrammen des USEnergieministeriums lag bisher das&#13;
Schwergewicht auf der Entwicklung der&#13;
"Tokamak-Maschine&#13;
mit&#13;
Kompaktzündung"(CIT - Compact Ignition Tokamak). Dieses in den Laboratorien der&#13;
Princeton-Universtät&#13;
gebaute&#13;
Gerät&#13;
gilt als eine der leistungsfähigsten&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
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&#13;
�Maschinen dieser Art in der Welt. Es&#13;
soll 1996 den Betrieb aufnehmen.&#13;
Starke Magnetfelder pressen das durch&#13;
Vorheizung ionisierte Plasma aus Kernen von schwerem Wasserstoff unter&#13;
weiterer Aufheizung auf über 100 Millionen Grad so stark zusammen, daß&#13;
die Atomkerne verschmelzen und dabei&#13;
Energie abgeben. Für die Energiegewinnung wird das Verfahren aber erst&#13;
dann interessant, wenn sich eine Fusionsreaktion in kontrollierter Form&#13;
selbst erhält und mehr Energie erzeugt als sie verbraucht.&#13;
Bisher wurde jedoch noch nicht&#13;
einmal der "break-even point" erreicht, der Punkt, wo sich Energieverbrauch und Energieerzeugung die&#13;
Waage halten.&#13;
Haupthindernis ist&#13;
nach wie vor der Umstand, daß sich&#13;
die magnetische Einschließung noch&#13;
nicht stabilisieren läßt. Immer wieder bricht "Brennmaterial" aus der&#13;
Magnetfeldbarriere aus. Zwar befindet sich eine Vakuumzone zwischen ihr&#13;
und der Brennkammerwandung.&#13;
Wenn&#13;
auch nur wenige Atomkerne des schweren Wasserstoffs sie überwinden, können sie Metallatome aus der Wandung&#13;
herausschlagen, die dann das Plasma&#13;
verunreinigen und die Fusionsreaktion&#13;
stören.&#13;
Wie Hunter erklärte, umriß Energieminister James Watkins die wesentlichen Prinzipien einer umfassenden&#13;
neuen Politik zur Erschließung der&#13;
Fusionsenergie in der Weise, daß beide Programme zur Fusionsforschung neu&#13;
belebt werden und sich auf die ungelösten oder auch noch unbekannten&#13;
Probleme konzentrieren sollen. Mit&#13;
neuen Versuchsausrüstungen dürfte man&#13;
in etwa zehn Jahren bis zur Zündung&#13;
von&#13;
Fusionsreaktionen&#13;
vorgedrungen&#13;
sein. Anfang des nächsten Jahrhunderts wird sich dann beurteilen lassen, welche Technologie am besten geeignet ist, um kommerzielle Fusionsreaktoren zu entwickeln.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�</text>
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                    <text>DOKUMENTATION&#13;
Baker; Nur wirtschaftliche Freiheit kann Osteuropa beleben&#13;
- Pressekonferenz des Außenministers im Weißen Haus&#13;
—&#13;
USA betonen Bedeutung von Nuklearwaffen in Europa&#13;
- Bericht des Verteidigungsministeriums -&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
Die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten&#13;
- Konjunkturindikatoren des Monats Mai -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
"Dunkler Fleck" in turbulenter Neptun-Atmosphäre&#13;
Fusionsforschung mit zwei Schwerpunkten&#13;
</text>
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&#13;
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                    <text>cimcrikci
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

5. Juli 1995

22

»

VEREINTE NATIONEN

VEREINTE NATIONEN MUSSEN IM SINNE DER
GRÜNDERVÄTER REFORMIERT WERDEN
Rede von Präsident Clinton

NATO/OSZE

NATO VERSUS OSZE - WELCHE ORGANISATION KANN EINEN GRÖSSEREN BEITRAG
FÜR DIE SICHERHEIT EUROPAS LEISTEN?
Ansprache des Gesandten J.D. Bindenagel

USA-DEUTSCHLAND

GEMEINSAME ERFAHRUNGEN UND
NEUE WEGE DER ZUSAMMENARBEIT
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel

4. JULI

CLINTON FORDERT DIE AMERIKANER AUF,
AN DEN GRÜNDUNGSPRINZIPIEN
FESTZUHALTEN
Erklärung des Präsidenten zum
Unabhängigkeitstag

DIE VEREINIGTEN STAATEN FEIERN IHRE
UNABHÄNGIGKEIT
Die Feierlichkeiten und ihr Ursprung

LITERATUR

DICHTUNG UND AUSSENPOLITIK
von Robert Earle

DATENAUTOBAHN

DIE DIGITALISIERTE
NACHRICHTENZENTRALE
von Philip Moeller

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�VEREINTE

NATIONEN
5. Juli 1995

Vereinte Nationen müssen im Sinne
der Gründerväter reformiert werden
Rede von Präsident Clinton
SAN FRANCISCO - (AD) - Die Vereinten Nationen funktionieren nicht so gut, wie sie sollten und müssen
reformiert werden, um "die Versprechen ihrer Gründer zu erfüllen", erklärte US-Präsident Clinton am 26. Juni
1995 in San Francisco bei den Feierlichkeiten aus Anlaß des 50. Jahrestages der Gründung der Vereinten
Nationen.
Ebenso wie Privatunternehmen und nationale Regierungen effizienter geworden sind, müßten die Vereinten
Nationen ihre aufgeblähte Bürokratie, Duplizität und eine Vergeudung von Ressourcen abschaffen, so der
Präsident.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Präsident Clintons im Wortlaut.
Vor 50 Jahren kamen 800 Delegierte aus 50 Nationen hier zusammen, um die Welt aus der Asche des
Krieges zu heben und die Träume friedliebender
Menschen Realität werden zu lassen. Unter diesen
Delegierten waren große Diplomaten und unerfahrene Politiker kleiner Nationen gleichermaßen. Sie
waren durch Tradition, Rasse und Sprache getrennt
und nur durch die Vision von einer besseren, sichereren Zukunft geeint. An diesem Tag vor 50 Jahren
wurde die Verwirklichung des Traums von Präsident
Roosevelt, der dies schon nicht mehr erleben sollte,
von einer demokratischen Organisation der Welt in
die Wege geleitet.
Die von den Delegierten unterzeichnete Charta
spiegelte die gelernten harten Lektionen wider, die
Erfahrung der dreißiger Jahre, in denen die Welt
untätig blieb und zu langsam auf faschistische
Aggression reagierte, weshalb Millionen von Menschen auf den Schlachtfeldern geopfert und weitere
Millionen in den Gaskammern umgebracht wurden.
Wer das und den Zweiten Weltkrieg durchlebt hatte,
wußte, daß es nicht ausreichte, den Sieg zu feiern,
daß die bloße Bestrafung des Feindes selbstzerstörerisch ist, daß die Welt vielmehr ein wirksames
und dauerhaftes System benötigte, um Frieden und
Freiheit für alle Menschen zu fördern. Von den
Teilnehmern an jener historischen Konferenz sind
einige immer noch hier tätig, darunter unser Senator
Claiborne Pell, der bis zum heutigen Tag immer eine
Kopie der Charta der Vereinten Nationen in der
Tasche hat.

AMERIKA DIENST 22

Ich bitte alle Delegierten, die an der ersten Konferenz
teilnahmen und heute hier sind, sich zu erheben.
San Francisco gab der Welt erneut Vertrauen und
Hoffnung für die Zukunft. An jenem Tag erklärte
Präsident Truman: "Dies ist der Beweis, daß Nationen ebenso wie Menschen ihre Unterschiede aussprechen, sich ihnen stellen und Gemeinsamkeiten
finden können." Fünf Jahrzehnte später sehen wir,
wie stark sich die Welt verändert hat. Der Kalte Krieg
bahnte Freiheit und Zusammenarbeit den Weg.
Gerade heute bereiten eine russische und eine
amerikanische Raumfähre ein Andockmanöver etwa
380 Kilometer über der Erde vor. Von Jericho bis
Belfast suchen ehemalige Feinde gemeinsam den
Frieden. Auf jedem Kontinent kämpfen die Nationen
darum, Demokratie, Freiheit und Wohlstand zu
erreichen. Neue Technologien bewegen Menschen
und Ideen auf der ganzen Welt und schaffen ein
riesiges neues Reservoir an Chancen.
Wir wissen, daß diese neuen Integrationskräfte auch
die Saat des Zerfalls und der Zerstörung beinhalten.
Neue Technologien und größere Offenheit machen
unsere Grenzen anfälliger für Terroristen, gefährliche
Waffen und Drogenhändler. Die neuen unabhängigen Nationen sind ein leichtes Ziel für internationale
Verbrecher und Nuklearschmuggler. Flexible Kapitalmärkte können einer Nation den Aufbau ihrer Volkswirtschaft vereinfachen, erleichtern es aber auch, die
Probleme einer Nation überzubetonen und dann auf
andere Nationen auszuweiten.

Seite 1

�Heute haben wir keinen Hitler, keinen Stalin, aber
wir haben Feinde - die ihre Verachtung für menschliches Leben, Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit teilen; Feinde, die todbringende Technologie
zum Töten einsetzen, die aus uralten Konflikten und
neuen Trennungen persönliche Vorteile ziehen
wollen.
Die Feinde unserer Generation sind die Terroristen
und ihre Sponsoren - geächtete Nationen - die
Kinder umbringen oder zu Waisen machen; Menschen, die Unschuldige opfern, um den Frieden zu
verhindern; Menschen, die am Friedensprozeß
Beteiligte attackieren, so wie unseren Freund, Präsident Mubarak, auf den vor nur wenigen Stunden ein
Anschlag verübt wurde; Menschen, die Menschen
anderen Glaubens oder anderer Herkunft im Namen
des Nationalismus abschlachten und die Überlebenden aus ihrer Heimat vertreiben.
Ihre Reichweite erhöht sich noch durch die Technologie. Ihre Kommunikation wird durch die globalen
Medien unterstützt. Ihre Aktionen enthüllen einen
uralten Mangel an Gewissen, Skrupel und Moral, der
während der gesamten Geschichte charakteristisch
für die Kräfte der Zerstörung war.
Heute befindet sich die Bedrohung unserer Sicherheit nicht in einem feindlichen Silo, sondern in der
Aktentasche oder der Autobombe eines Terroristen.
Unsere Feinde sind auch die internationalen Verbrecher und Drogenhändler, die die Stabilität neuer
Demokratien und die Zukunft unserer Kinder bedrohen. Unsere Feinde sind die Kräfte der natürlichen Zerstörung - sich ausbreitende Wüsten, die das
Gleichgewicht der Erde bedrohen, Hungersnöte, die
den menschlichen Geist auf die Probe stellen,
tödliche neue Krankheiten, die ganze Gesellschaften
gefährden.
Liebe Freunde, in dieser zunehmend interdependenten Welt haben wir mehr gemeinsame Chancen und
mehr gemeinsame Feinde als je zuvor. Daher liegt
es in unserem Interesse, uns ihnen gemeinsam als
Partner zu stellen, die Lasten und Kosten gemeinsam zu tragen und damit unsere Erfolgschancen zu
erhöhen.
Nur wenige Monate vor seinem Tod erklärte Präsident Roosevelt: "Wir haben gelernt, daß wir nicht
allein in Frieden leben können, daß unser Wohlergehen vom Wohlergehen weit von uns entfernter
Nationen abhängt." Heute sind diese Worte zutreffender als je zuvor. Dennoch haben einige in unserem eigenen Land, in dem die Vereinten Nationen
gegründet wurden, die klugen Äußerungen Roosevelts als unwesentlich abgetan. Einige von ihnen
räumen ein, daß die Vereinigten Staaten im Ausland

Seite 2

eine starke Rolle übernehmen müssen, weigern sich
jedoch, die nichtmilitärischen Ressourcen bereitzustellen, die unsere Nation zur Wahrnehmung ihrer
Verantwortung benötigt. Andere vertreten die Ansicht, daß Amerika außerhalb seiner Grenzen nur im
Alleingang handeln sollte.
Natürlich müssen die Vereinigten Staaten bereit sein,
notfalls im Alleingang zu handeln. Wir wagen jedoch
nicht, die Vorteile von Koalitionen für diese Nation zu
ignorieren. Wir wagen nicht, jahrzehntealte überparteiliche Einsicht zurückzuweisen. Wir wagen nicht,
jahrzehntealte überparteiliche Unterstützung für
internationale Zusammenarbeit zurückzuweisen. Die
Neoisolationisten, die das tun, ignorieren 50 Jahre
stichhaltiger Beweise.
In jenen Jahren haben wir beobachtet, wie die
Vereinten Nationen beachtliche Fortschritte bei der
Förderung der Interessen unserer Nation und der
Interessen aller Menschen machten. Von Präsident
Truman in Korea bis Präsident Bush am Persischen
Golf stellte Amerika UN-Militärkoalitionen zur Eindämmung von Aggressoren auf. Oftmals setzen die
Streitkräfte der Vereinten Nationen die Arbeit der
amerikanischen Truppen fort.
Wie der Außenminister feststellte, sahen wir das erst
gestern bei den Parlaments- und Kommunalwahlen in
Haiti, die mit Hilfe von Mitarbeitern der Vereinten
Nationen stattfanden. Wir waren Zeuge einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit der Vereinten
Nationen mit den Vereinigten Staaten und dem
haitianischen Volk bei der Schaffung einer Demokratie. Und ihnen wurde jetzt eine zweite Chance zur
Erneuerung dieses Versprechens gegeben.
Auf jedem Kontinent spielten die Vereinten Nationen
eine lebenswichtige Rolle dabei, den Menschen mehr
Freiheit und Sicherheit zu geben. Seit Jahrzehnten
kämpfte die UNO darum, Südafrika wegen seines
Apartheidregimes zu isolieren. Im vergangenen Jahr
gaben unter den wachsamen Augen von UNOBeobachtern Millionen von Südafrikanern, die ihr
Leben lang kein Wahlrecht hatten, erstmals ihre
Stimme für die Freiheit ab.
In Namibia, Mosambik und hoffentlich auch bald in
Angola helfen die Vereinten Nationen den Menschen,
jahrzehntealte Streitigkeiten zu begraben und ihre
Energien für den Aufbau neuer demokratischer
Nationen einzusetzen. In Kambodscha, wo ein
brutales Regime mehr als eine Million Tote auf den
Minenfeldern hinterließ, halfen die Vereinten Nationen
Hunderttausenden von Flüchtlingen bei der Rückkehr
in ihre Heimat und bewachten die demokratischen
Wahlen, die 90 Prozent der Menschen an die Wahlurnen führten. In El Salvador handelten die Vereinten

AMERIKA DIENST 22

�Nationen ein Ende des 12 Jahre währenden blutigen
Bürgerkriegs aus und blieben anschließend im Land,
um bei der Reform des Heeres und des Justizwesens zu helfen und der Demokratie Tür und Tor zu
öffnen.

Nationen, das Auftreten zahlreicher Probleme - die
am besten durch kollektive Aktionen bewältigt werden
können - es den Vereinten Nationen an ihrem 50jährigen Bestehen endlich, die Versprechen ihrer Gründer zu erfüllen.

Vom Persischen Golf bis zur Karibik erwiesen sich
von der UNO verhängte wirtschaftliche und politische
Sanktionen als wirksames, nichtmilitärisches Mittel,
Regime zu isolieren und Aggressoren und Terroristen zumindest für ihre Aktionen bezahlen zu lassen:
Im Irak, um diese Nation an der Entwicklung von
Massenvernichtungswaffen oder der erneuten
Bedrohung seiner Nachbarn zu hindern. Auf dem
Balkan zur Isolation von Aggressoren. In Nordafrika,
um auf Libyen Druck auszuüben, die des Bombenanschlags auf Pan Am Flug 103 Angeklagten
auszuliefern.

Wenn wir dies jedoch von den Vereinten Nationen
erwarten, müssen wir der Tatsache ins Auge blicken,
daß sie trotz all ihrer Erfolge und Möglichkeiten nicht
so gut funktionieren wie sie sollten. Die Vereinten
Nationen müssen reformiert werden. In diesem
Zeitalter unbarmherzigen Wandels bauen erfolgreiche
Regierungen und Unternehmen kontinuierlich ihre
Bürokratien ab, setzen eindeutigere Prioritäten und
konzentrieren sich auf gezielte Ergebnisse.

Zu den Leistungen der Vereinten Nationen zählen
ein stolzer Kampf gegen die Kindersterblichkeit
sowie gegen menschliches Leiden und Krankheiten
aller Art. Jedes Jahr rettet die Schluckimpfung von
UNICEF drei Millionen Kindern das Leben. Allein im
vergangenen Jahr wurden durch das Welternährungsprogramm mit Hilfe der Beiträge zahlreicher
Regierungen - darunter der unseren - 57 Millionen
hungrige Menschen ernährt. Die Weltgesundheitsorganisation rottete weltweit die Pocken aus und
macht große Fortschritte bei ihrer Kampagne zur
Bekämpfung der Kinderlähmung bis zum Jahr 2000.
Sie trug zur Eindämmung tödlicher Krankheiten wie
dem Ebola-Virus bei, das einen ganzen Kontinent
hätte bedrohen können.
Für Millionen Menschen weltweit sind die Vereinten
Nationen nicht das, was wir nachts im Fernsehen
sehen. Vielmehr sind Je d i j Nahrung, die verhindert, daß ein Kind abends hungrig ins Bett geht, das
Wissen, das einem Landwirt hilft, kargem Boden
große Ernten abzutrotzen, der Schutz, der eine
Familie zusammenhält, die durch Krieg oder Naturkatastrophen vertrieben wurde.
In den letzten 50 Jahren sind diese bemerkenswerten Geschichten zu oft in den Schatten gestellt
worden, und die Handlungsfähigkeit der Vereinten
Nationen wurde allzuoft durch den Kalten Krieg
beschränkt. Als die Kolonialherrschaft zusammenbrach, führten die Differenzen zwischen Entwicklungsländern und Industriestaaten sowie regionale
Rivalitäten zu neuen Spannungen innerhalb der
Vereinten Nationen, so daß in der Generalversammlung oft zu viele Schimpfworte und zu wenige Debatten zu hören waren.
Aber jetzt ermöglichen das Ende des Kalten Krieges,
der starke Trend zu demokratischen Idealen in allen

AMERIKA DIENST 22

In den Vereinigten Staaten schaffen wir Hunderte von
Programmen, Tausende von Bestimmungen ab. Wir
reduzieren unsere Regierung auf die kleinste Größe
seit Präsident Kennedys Amtszeit, während wir
unsere Bestrebungen in den für unsere Zukunft
entscheidendsten Bereichen verbessern. Die Vereinten Nationen müssen ähnliche Schritte unternehmen.
Über die Jahre hinweg sind sie ein zu aufgeblähter
Apparat geworden, ermutigen zu häufig Duplizität und
vergeuden Ressourcen für Sitzungen statt für Ergebnisse. Ebenso wir ihr Verwaltungsrat müssen wir die Mitgliedstaaten - Vereinte Nationen schaffen, die
flexibler sind, schneller operieren, weniger verschwenden und mehr produzieren und die vor allem
Vertrauen unter unseren Regierungen und Völkern
schaffen.
In den vergangenen Jahren konnten wir einige gute
Reformen beobachten - ein neues Überprüfungsbüro
zur Dämpfung der Kosten, eine neues System zur
Beurteilung der Mitarbeiter, einen Anfang zu Modernisierung und Privatisierung. Aber wir müssen mehr
tun.
Die Vereinigten Staaten unterstützen den Vorschlag
des Präsidenten der Generalversammlung, Mr. Essyi,
der heute morgen hier so eloquent gesprochen hat,
eine Blaupause für die Erneuerung der Vereinten
Nationen vorzubereiten und sie zu verabschieden,
bevor die 50. Generalversammlung ihre Arbeit im
nächsten Herbst abschließt.
Wir müssen tiefgreifende strukturelle Veränderungen
erörtern. Die Vereinten Nationen benötigen keine
eigene Behörde mit eigenem Namen, Bürokratie und
eigenem Briefkopf für jedes Problem. Die neuen
Vereinten Nationen müssen das abschütteln, was
nicht funktioniert und sich für das stark machen, was
funktionieren wird.

Seite 3

�Wir müssen uns insbesondere auch die Grenzen der
Friedenssicherung vor Augen führen und von den
Blauhelmen nicht Missionen verlangen, die sie nicht
durchführen können. Friedenssicherung kann nur
Erfolg haben, wenn die Konfliktparteien erkennen,
daß sie von einem Krieg nicht profitieren können.
Wir haben von unseren Friedenstruppen zu häufig
Wunder erwartet, während wir ihnen gleichzeitig die
militärische und politische Unterstützung sowie die
modernen Führungssysteme verweigern, die sie
benötigen, um ihre Arbeit so sicher und effektiv wie
möglich auszuüben. Die Vereinten Nationen müssen
bereit sein, die Herausforderungen von morgen zu
bewältigen. Diejenigen unter uns, die die höchste
Achtung vor den Vereinten Nationen haben, müssen
die Aufgabe der Reform anführen.
Nicht alle Kritiker der heutigen Vereinten Nationen
sind Isolationisten.
Viele unterstützen sie und
würden bereitwillig für die essentielle Arbeit der UN
zahlen, wenn sie davon überzeugt wären, daß ihr
Geld gut angelegt ist. Aber ich verspreche Ihnen
allen, darauf zu achten, daß die Vereinigten Staaten
ihren fairen Anteil unserer gemeinsamen Lasten
übernehmen werden, während wir gemeinsam auf
die Verbesserung der Vereinten Nationen hinarbeiten.
In der Zwischenzeit müssen wir uns daran erinnern,
daß die Vereinten Nationen ein Spiegelbild der von
ihnen vertretenen Nationen sind. Aus diesem Grund
sind sie weit davon entfernt, perfekt zu sein. Sie
werden nicht in der Lage sein, alle Probleme zu
lösen. Aber selbst die Probleme, die sie nicht lösen,
können die Vereinten Nationen sehr wohl im Hinblick
auf ihren Umfang und ihre Reichweite sowie den
Verlust an Menschenleben begrenzen, bis die Zeit
für eine Lösung kommt.
Sich nur aus der Welt zurückzuziehen, ist also unmöglich; den Vereinten Nationen den Rücken zu
kehren, ist keine Lösung. Das wäre kurzsichtig und
selbstzerstörerisch. Es würde die Kräfte der globalen Desintegration stärken. Es würde die Sicherheit,
die Interessen und Werte des amerikanischen
Volkes bedrohen. Daher sage ich speziell an die
Gegner der Vereinten Nationen hier in den Vereinigten Staaten gerichtet, den Vereinten Nationen
den Rücken zu kehren und im Alleingang zu handeln, würde unserem Volk in der Zukunft sehr viel
größere wirtschaftliche, politische und militärische
Bürden auferlegen und die Lektionen unserer
eigenen Geschichte ignorieren.
An diesem 50. Jahrestag der Unterzeichnung der
Charta wollen wir statt dessen unseren Schwur
erneuern, als gute Nachbarn zusammenzuleben.
Und wir wollen eine neue UN-Tagesordnung verein-

Seite 4

baren, um das Vertrauen zu erhöhen, die Unterstützung für die Vereinten Nationen sicherzustellen,
und Frieden und Wohlstand für die nächsten 50
Jahre voranzubringen.
Vor allem müssen die Vereinten Nationen ihre
Bestrebungen zur Isolierung von Staaten und Menschen verstärken, die mit Terror handeln, und diejenigen unterstützen, die weiterhin Risiken für Frieden
angesichts von Gewalt eingehen. Der Bombenanschlag von Oklahoma City, der tödliche Giftgasanschlag von Tokio, die Kämpfe, im Nahen Osten
und in Nordirland Frieden zu schaffen - dies alles
erinnert uns, daß wir uns gegen Terror auflehnen und
diejenigen unterstützen müssen, die sich davon
abwenden. Die jüngste Entdeckung von Labors, die
biologische Waffen für Terroristen herstellen, demonstrieren die gefährliche Verbindung zwischen Terrorismus und Massenvernichtungswaffen.
Im Jahr 1937 forderte Präsident Roosevelt eine
Quarantäne gegen Aggression, um die Blutbahn der
Menschheit vor der Infektion des Faschismus zu
schützen. Heute sollten wir die Terroristen, Terrorgruppen und den Terrorismus unterstützenden
Nationen unter Quarantäne stellen.
Wo Nationen und Gruppen ehrlich versuchen, Reformen und Wandel herbeizuführen, die Ermordung
Unschuldiger zu verhindern, sollten wir sie unterstützen. Wenn sie aber reuelos weitermorden, sollten
wir uns unerschütterlich gegen sie stellen. Meine
Freunde, es gibt keinen Ausweg vor der schwierigen
Tatsache: Wenn Nationen und Gruppen nicht bereit
sind, mit dem Weitermorden aufzuhören, sollten wir
auf kurzfristige Profite für die Menschen in unseren
Ländern verzichten, um sie mit allen Mitteln zu
stoppen.
Zweitens müssen die Vereinten Nationen unsere
Bestrebungen zur Eindämmung von Massenvernichtungswaffen fortsetzen.
Einiges können die
Nationen im Alleingang vollbringen. Die Vereinigten
Staaten und Rußland zerstören heute zügig ihre
Nukleararsenale.
Aber die Vereinten Nationen
müssen ebenfalls eine Rolle spielen. Wir hatten die
Ehre, unter der Schirmherrschaft der Vereinten
Nationen eine unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags sicherstellen zu können.
Wir greifen bei der Überwachung von Nationen, die
Nuklearfähigkeiten erwerben wollen, auf UN-Behörden zurück. Wir müssen an der Chemiewaffenkonvention zusammenarbeiten. Wir müssen unsere
gemeinsamen Bestrebungen zur Bekämpfung von
biologischen Waffen verstärken. Wir müssen alles in
unserer Macht Stehende tun, um die Verbreitung von
spaltbarem Material zu bekämpfen. Wir müssen bei

AMERIKA DIENST 22

�konventionellen Waffen wie Landminen zusammenarbeiten, die der Fluch von Kindern auf der ganzen
Welt sind. Und wir müssen einen Vertrag über ein
umfassendes Atomtestverbot abschließen.
Drittens müssen wir über die Vereinten Nationen den
Kampf gegen natürliche und künstliche Kräfte der
Desintegration unterstützen, von Verbrechersyndikaten und Drogenkartellen bis zu neuen Krankheiten und Rodung der Wälder. Diese Feinde sind
schwer greifbar. Sie überqueren die Grenzen nach
Belieben. Nationen können und müssen sich ihnen
alleine stellen. Aber wir wissen - und die Kairoer
Konferenz hat dies bestätigt - daß die effektivste
Opposition starke internationale Zusammenarbeit
und gegenseitige Unterstützung erfordert.
Viertens müssen wir unser Engagement zur Stärkung der UN-Friedenssicherungsmissionen als
wichtiges Instrument für die Abschreckung, Eindämmung und Beendigung gewalttätiger Konflikte
bekräftigen. Die Vereinten Nationen können nie der
absolute Garant des Friedens sein, aber sie können
menschliches Leiden verringern und Frieden fördern.
Fünftens müssen wir das fortsetzen, was allzu häufig
als eine der unwichtigsten Missionen der Vereinten
Nationen angesehen wird: Ihre beispiellosen Anstrengungen an der Frontlinie des Kampfes zur
Bekämpfung der Kindersterblichkeit, von Krankheiten
und menschlichem Leiden.
Und schließlich sollten wir geloben, den Vereinten
Nationen eine lautere Stimme beim Schutz der
menschlichen Würde und grundlegenden Menschenrechte zu verleihen. Nicht zuletzt bildeten sie das
Kernstück der Gründung dieser großartigen Organisation.
Heute ehren wir die Männer und Frauen, die den
Vereinten Nationen Gestalt verliehen haben. Wir
feiern 50 Jahre der Errungenschaften. Wir verpflich-ten uns zu wirklichen Reformen. Wir wehren
uns gegen den Sirenengesang der Neoisolationisten.

*

AMERIKA DIENST 22

Wir stellen eine klare Tagesordnung auf, die der
Visionen unserer Gründerväter würdig ist. Unsere
Generation wird daran gemessen werden, ob wir
aufgeben, weil wir keine perfekte Welt schaffen
können, oder ob wir den Aufbau einer besseren Welt
anstreben.
Heute vor 50 Jahren erinnerte Präsident Truman die
Delegierten daran, daß die Geschichte nicht mit der
Niederlage Hitlers endete. Er sagte, es sei leichter,
Tyrannen zu beseitigen und Konzentrationslager zu
zerstören, als die Ideen auszumerzen, die sie ins
Leben riefen. Der Sieg auf dem Schlachtfeld war
unerläßlich, aber er ist nicht gut genug für einen
dauerhaften, guten Frieden.
Heute wissen wir, daß die Geschichte nicht mit dem
Kalten Krieg endete. Wir wissen und haben aus
leidvoller Erfahrung gelernt, daß Unzulänglichkeit und
Bösartigkeit Teil der menschlichen Natur sein werden,
solange es Menschen auf der Erde gibt. Es wird
Ermordungen, Grausamkeit, selbstzerstörerischen
Mißbrauch unserer Umwelt, Verleugnung der uns alle
konfrontierenden Probleme geben. Aber wir wissen
auch, daß heute hier in dieser historischen Kammer
die Herausforderung der Schaffung eines guten und
dauerhaften Friedens in unserer Hand liegt und in
greifbare Nähe gerückt ist.
Wir dürfen nicht vergessen, daß jedes gerettete Kind,
jeder beherbergte Flüchtling, jede verhinderte Krankheit, jede niedergerissene Schranke gegen Gerechtigkeit, jedes in eine Pflugschar verwandelte Schwert
uns der Vision unserer Gründerväter näherbringt Frieden, Freiheit und Würde.
Wir dürfen also nicht den Mut verlieren. Wir wollen
neue Stärke, Energie und Kraft aus den erzielten
Fortschritten und den so offen vor uns liegenden
Chancen schöpfen. Wir wollen Nein zu Isolationismus, Ja zu Reformen, Ja zu einer mutigen, ehrgeizigen neuen Tagesordnung sagen. Vor allem
sollten wir Ja zu dem Traum von den Vereinten
Nationen sagen.

* * *

*

Seite 5

�NATO/OSZE
5. Juli 1995

NATO versus OSZE - Welche Organisation kann einen
größeren Beitrag für die Sicherheit Europas leisten?

Ansprache des Gesandten J.D. Bindenagel
POTSDAM - (AD) - J.D. Bindenagel, Gesandter der Botschaft der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik
Deutschland, hielt am 26. Juni 1995 eine Ansprache vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft in Potsdam,
die wir nachfolgend veröffentlichen.

Herr Meckel,
Herr Staack,
meine Damen und Herren,
herzlichen Dank für die Gelegenheit, heute abend zu
Ihnen sprechen zu können. Als ehemaliger Gesandter der Vereinigten Staaten in der Deutschen Demokratischen Republik ist es immer ein großes Vergnügen, wieder in dieser schönen Stadt zu sein, mit
der mich viele angenehme Erinnerungen verbinden.
Ich bin besonders dankbar, daß die Deutsche
Atlantische Gesellschaft, mit der ich in der alten
Bundesrepublik über Jahre hinweg so eng zusammengearbeitet habe, jetzt im östlichen Teil Deutschlands so aktiv ist. Es gibt dort einen enormen
Nachholbedarf.
Der Arbeitskreis Brandenburg
schätzt sich außerordentlich glücklich, einen ehemaligen Außenminister als Leiter zu haben - einen
Mann, der bei der deutschen demokratischen
Revolution, während der letzten, demokratischen
Phase der DDR und jetzt in der "Berliner Republik" dem demokratisch vereinten Deutschland - eine
konstruktive Schlüsselrolle spielte. Herr Meckel,
herzlichen Dank für Ihre Einladung.
Zu Beginn möchte ich anmerken, daß mir die
Formulierung der von uns erörterten Frage: "NATO
versus OSZE - Welche Organisation kann einen
größeren Beitrag für die Sicherheit Europas leisten?"
nicht gefällt. Die NATO und die OSZE stehen nicht
im Gegensatz zueinander. Es ist nicht eine Frage
des entweder/oder. Beide sind wichtig. Beide sind
notwendig. Zusammen mit der Europäischen Union

AMERIKA DIENST 22

sind sie unabdingbare Bausteine unserer Strategie für
europäische Sicherheit.
Anfang dieses Monats erklärte Außenminister Christopher in Madrid: "Diese Strategie hat fünf Schlüsselelemente: Anpassung und Erweiterung der NATO,
Stärkung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, Unterstützung der europäischen Integration und der EU-Erweiterung, Verbesserung einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität als Ergänzung zur NATO sowie die
Einbeziehung Rußlands in die europäischen Sicherheitsstrukturen."
Aber dann - und dies ist äußerst wichtig für unsere
heutige Diskussion - fügte der Außenminister hinzu:
"Die NATO ist weiterhin der zentrale Sicherheitspfeiler für Europa und die Kerninstitution für die
Verbindung der Sicherheit Nordamerikas mit der
Europas." Sie sehen also, daß er in gewisser Weise
Ihre Frage aus amerikanischer Sicht beantwortet hat.
Die OSZE ist sehr wichtig - ein Punkt, auf den ich
gleich zurückkommen werde - aber die NATO ist von
zentraler Bedeutung.
Das Atlantische Bündnis hat als politische Gruppierung von der Förderung gemeinsamer Werte und der
Verteidigung gemeinsamer Interessen verpflichteter
Nationen seinen Mitgliedern ermöglicht, die größte
Gemeinschaft von Frieden und Wohlstand der
Geschichte aufzubauen.
Es hat vorher zahlreiche Versuche zur Schaffung
eines dauerhaften Systems der europäischen Sicherheit gegeben. Der Wiener Kongreß trug nach

Seite 1

�Napoleon nahezu ein Jahrhundert lang zur Verhinderung eines europäischen Krieges bei. Der ohne
amerikanische Beteiligung umgesetzte Vertrag von
Versailles hielt nur eine Generation. Mit dem unerschütterlichen Engagement der Vereinigten Staaten für die Sicherheit Deutschlands und Europas
garantierte die NATO einen stabilen Frieden, gegenseitige Sicherheit und den Triumph westlicher Werte.
Am wichtigsten ist jedoch, daß sich die NATO im
Gegensatz zu früheren Bündnissen der Geschichte
nicht auflöste, nachdem die anfängliche Arbeit getan
war. Die NATO ist und bleibt die Hauptinstitution
des amerikanischen Engagements für die europäische Sicherheit. Durch diese Institution werden die
Vereinigten Staaten auch in Zukunft mit aus Prinzipien und Erfahrung hergeleiteter Unterstützung in
Europa engagiert bleiben.
Im vergangenen halben Jahrhundert hat das Atlantische Bündnis NATO eine Zone des Friedens, der
Stabilität und Sicherheit in Westeuropa geschaffen.
Wir möchten diese Zone des Friedens, der Stabilität
und Sicherheit jetzt erweitern, damit sie ganz Europa
einbezieht. Stabilität in Europa ist das entscheidende Ziel der NATO-Erweiterung. Sie ist nicht gegen
irgend jemanden gerichtet. Sie beabsichtigt nicht,
neue Trennlinien zu ziehen.
Die NATO hat im Bündnis einen Prozeß der Prüfung
eingeleitet, um herauszufinden, wie diese Erweiterung stattfinden kann und von welchen Prinzipien sie
geleitet sein wird. Dies beinhaltet folgendes:
Die Erweiterung wird schrittweise, sorgfältig
geplant und transparent vollzogen. Alle Parteien
werden konsultiert, es wird keine Überraschungen geben.
Es sollte keine voreilige Diskussion des Zeitrahmens für die Erweiterung oder über den Namen
spezifischer Länder geben, die Kandidaten für die
Mitgliedschaft sind. Die Betonung liegt auf dem
Wie und Warum der Erweiterung, noch nicht auf
dem Wer und Wann.
Neue Mitglieder müssen alle mit der Mitgliedschaft einhergehenden Rechte und Pflichten
übernehmen.
Sie müssen Marktwirtschaften
haben und sich einer verantwortungsbewußten
Sicherheitspolitik verpflichten. Und sie müssen in
der Lage sein, einen Beitrag zur Sicherheit des
nordatlantischen Raums zu leisten.
Kein Nichtmitgliedstaat wird ein Vetorecht bezüglich der Mitgliedschaft eines anderen Landes
im Bündnis haben.

Seite 2

Die Partnerschaft für den Frieden ist ein Schlüsselelement im Prozeß der NATO-Erweiterung. Seit ihrer
Gründung im Januar 1994 war die Partnerschaft das
beste Mittel für die neuen Demokratien Europas,
Beziehungen zur NATO zu entwickeln.
Für einige dieser neuen Partner wird die PFF der
sicherste und schnellste Weg zur NATO-Mitgliedschaft sein. Für andere bietet sie den konkreten
Beweis, daß die NATO um ihre Sicherheit besorgt ist.
Für noch andere wird sie vornehmlich das Mittel für
die Zusammenarbeit mit der NATO - und anderen
PFF-Mitgliedern - in Bereichen wie Friedenssicherung
und humanitärer Hilfe sein.
Obwohl die Partnerschaft für den Frieden erst seit
anderthalb Jahren existiert, hat sie bereits viel
bewirkt. Derzeit gehören ihr 26 Länder an. Mehrere
gemeinsame Manöver wurden abgehalten und
weitere sind geplant. Die Partnerschaft für den
Frieden entwickelt sich zu einem wichtigen Merkmal
in der europäischen Sicherheitslandschaft.
Parallel zur NATO-Erweiterung unterstützen die
Vereinigten Staaten auch die Erweiterung der Europäischen Union. Da die NATO die Grundlage für die
Sicherheit aller EU-Staaten ist, sollten sich die
Erweiterung von NATO und EU gegenseitig unterstützen.
Wie ich bereits sagte, richtet sich dieser Prozeß
gegen niemanden. Präsident Clinton erklärte: "Die
NATO-Erweiterung sollte ... die Sicherheit aller
europäischen Staaten erhöhen - von Mitgliedern und
Nichtmitgliedern gleichermaßen. Parallel zu ihrer
Erweiterung muß die NATO enge und starke Bindungen zu einem demokratischen Rußland entwickeln."
Die Zusammenarbeit mit Rußland beinhaltet natürlich
auch eine Stärkung der Organisation für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa. Der OSZE gehören
alle europäischen Staaten sowie Kanada und die
Vereinigten Staaten an. Sie bietet allen 53 Mitgliedstaaten - von Vancouver bis Wladiwostok - einen
Rahmen für den Umgang mit einer Vielzahl von
Fragen. Sie stellt ein Forum dar, von dem die
Staaten einen ernsthaften Umgang mit ihren Sicherheitsanliegen erwarten können. Anstatt ein
bestimmtes Verhalten durch gesetzliche oder militärische Aktionen zu erzwingen, strebt die OSZE die
Schaffung von Sicherheit durch den Aufbau neuer
Formen der Zusammenarbeit an.
Diese Methode hat im Verlauf der letzten beiden
Jahrzehnte bemerkenswerte Ergebnisse gezeitigt.
Sie machte Menschenrechte zu einem legitimen
Thema bei den internationalen Debatten. Sie definierte gemeinsame demokratische Standards, die

AMERIKA DIENST 22

�jetzt im Prinzip von allen Ländern in Europa akzeptiert werden. Sie schrieb zwingend vor, daß existierende Grenzen ohne die Zustimmung der betroffenen Bevölkerung nicht verändert werden dürfen.
Die OSZE ist ein Ort, an dem alle Staaten, einschließlich der nicht der NATO angehörenden Länder ihren Präferenzen und Sorgen über die Gestalt
der zukünftigen europäischen Strukturen Ausdruck
verleihen können.
Die Vereinigten Staaten befürworten jedoch eine
klarer definierte Mission der OSZE. Unseres Erachtens sollte diese Organisation mehr Ressourcen
und mehr Macht erhalten, insbesondere bei der
Verhütung einer Eskalation von Konflikten.
Die Konsultationsprozesse und politischen Mechanismen der OSZE sollten effektiver gestaltet werden.
Wir möchten ihre Befugnisse beim Krisenmanagement erhöhen. Wir schlagen vor, daß unter ihrer
Schirmherrschaft ein integrierter Rahmen für die
Watfenkontrolle geschaffen wird.
Die Vereinigten Staaten sind fest davon überzeugt,
daß die OSZE eine bessere Definition ihrer Rolle
benötigt, um in der Öffentlichkeit stärker anerkannt
zu werden. Sie sind der Ansicht, daß die OSZE
mehr unternehmen muß, um die Öffentlichkeit über
die Organisation, ihre Aufgaben und Bedeutung zu
informieren. Das würde ihre Rolle im Bereich der
europäischen Sicherheit verstärken.
Durch eine enge Zusammenarbeit mit der NATO,
der EU und den Vereinten Nationen kann die OSZE
die unerläßliche Basisarbeit bei der Konfliktverhütung übernehmen und gleichzeitig die neuen demokratischen Staaten in eine größere Staatengemeinschaft integrieren.

darstellt. Nach anfänglichem Widerstand hat Rußland der Zusammenarbeit mit der OSZE-Mission
zugestimmt und die Lieferung humanitärer Hilfsleistungen gestattet. Von noch größerer Bedeutung
ist, daß die OSZE jetzt in dem Bestreben mit den
Russen und Tschetschenen am Verhandlungstisch
sitzt, eine echte politische Lösung zu erzielen.
Bevor ich meine Ausführungen beende, möchte ich
noch einen weiteren Punkt betonen: Die nordatlantische Gemeinschaft ist nicht das Werk der letzten 50
Jahre. Sie ist keine Reaktion auf eine spezifische
Bedrohung. Sie existiert, seit die ersten Europäer vor
mehr als fünf Jahrhunderten in Nordamerika ankamen.
Gemeinsam repräsentieren wir einige der stärksten,
erfolgreichsten Demokratien der Welt. Wir halten
Frieden und Freiheit in Ehren. Wir schützen die
Menschenrechte innerhalb unserer Grenzen und
fördern sie im Ausland. Wir respektieren die Souveränität der Grenzen. Wir befürworten Wahlfreiheit
und freie Märkte.
Gemeinsam haben wir viel unternommen, um Freiheit, Frieden und Wohlstand weltweit zu schützen
und auszuweiten. Aus diesem Grund sind unsere
Organisation - deren Name die Idee der atlantischen
Gemeinschaft enthält - und diese Diskussionen so
wichtig. Wir alle sind Erben - und Treuhänder - eines
großen Vermächtnisses.
In einer Rede in der Frankfurter Paulskirche vor 32
Jahren - die die Menschen in diesem Teil Deutschlands nicht hören durften - machte John F. Kennedy
einige Äußerungen, die meines Erachtens heute
ebensolche Gültigkeit haben wie damals:
"... Unsere beiden Länder und Kontinente sind
bei den Aufgaben des Friedens und des
Krieges untrennbar miteinander verbunden.

Das Potential der OSZE zur Lösung oder zumindest
Abschwächung von Konflikten wurde durch ihre
Rolle in Nagornyj Karabach hinreichend unter
Beweis gestellt.
Die Organisation war an der
Aushandlung einer Lösung dieses langwierigen und
schwierigen Problems aktiv beteiligt. Sie konnte das
Vertrauen beider Seiten sowie Rußlands gewinnen.
In der Tat haben Rußland und die OSZE vereinbart,
gemeinsame Anstrengungen bei den Verhandlungen
zu unternehmen und die gemeinsame Unterstützung
friedenssichernder Truppen in der Region zugesagt,
sobald eine politische Lösung erzielt wurde.

Wir sind Partner für den Frieden - nicht in
einem engen bilateralen Kontext, sondern im
Rahmen der atlantischen Partnerschaft. Der
Ozean trennt uns weniger, als das Mittelmeer
die alten Welten von Griechenland und Rom
trennte ... Unsere Rollen unterscheiden und
ergänzen sich - und wir verfolgen dieselben
Ziele: Frieden und Freiheit für alle Menschen,
für alle Zeit, in einer Welt des Wohlstands, in
einer Welt der Gerechtigkeit."

Ein weiteres Zeichen für das Potential der OSZE ist
ihre derzeitige Rolle im Krieg in Tschetschenien, wo
sie die einzige offizielle internationale Präsenz

Mit diesen eloquenten und zeitlosen Worten gebe ich
das Wort wieder zurück an Sie, Herr Meckel. Ich
danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 22

Seite 3

�USA-DEUTSCHLAND
5. Juli 1995

Gemeinsame Erfahrungen und neue Wege
der Zusammenarbeit
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Ansprache, die der Gesandte der Botschaft der Vereinigten
Staaten in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 20. Juni 1995 vor der Aspin Commission hielt.

Herzlichen Dank, daß Sie heute abend so zahlreich
erschienen sind. Das heutige Abendessen findet zu
Ehren der Aspin Commission statt, die das Werk des
verstorbenen Les Aspin fortsetzt. Die Commission
erfüllt eine wichtige Aufgabe: Sie ist Berater des
Präsidenten bei der Umstrukturierung der US-Regierung.
Ein Schlüsselelement der Umstrukturierung wird
darin bestehen, von unseren engsten Verbündeten
wie Deutschland zu lernen. Während der vergangenen Tage hatten Sie die Möglichkeit zu einer Koordinierung der Politik, zum Gedankenaustausch und
zur Erörterung neuer Wege der strategischen
Zusammenarbeit, um Frieden und Wohlstand nach
der demokratischen Revolution von 1989/91 zu
sichern.
Ich hoffe, daß wir in unseren Gesprächen auch die
deutsch-amerikanischen Beziehungen ansprechen
können. Deutschland ist ein Freund und ist zu
einem strategischen Partner geworden. Was heißt
das? Betrachten Sie sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen heute und die Geschichte dieser
Beziehungen.
Nach der "Stunde Null" von 1945 teilten wir vierzig
lange Jahre die Last der Verteidigung der Grenzen
der Freiheit gegen die sowjetische Bedrohung. Vor
kurzem habe ich das "Haus der Geschichte" besucht
und war beeindruckt, sogar berührt davon, wie stark
Deutsche und Amerikaner während des Kalten
Krieges an der Gestaltung der Geschichte beteiligt
waren. Dieses zeitgenössische Museum vermittelt
einen Eindruck unserer gemeinsamen Erfahrungen
über Jahrzehnte hinweg, vom Marshallplan bis zum
Hula hoop, von der spannungsgeladenen Machtprobe am Checkpoint Charlie bis zu Elvis Presleys
Armeedienst, von Anti-Vietnamdemonstrationen bis
zur Stationierung von Mittelstreckenraketen. Alle

AMERIKA DIENST 22

diese Ereignisse führten zur Wiedervereinigung
Deutschlands vor wenigen Jahren.
Ein Besuch im Bundestag in einem bescheidenen
Gebäude, in dem die deutsche Demokratie dauerhaft
Fuß faßte, wird Ihre Meinung bestätigen, daß dies die
Institution ist, die den Geist der Demokratie in
Deutschland verkörpert. Die Bundesregierung geht
zurück in die Hauptstadt Berlin am Ufer der Spree.
Aber die durch diese kleine Stadt am Rhein symbolisierten Perspektiven und Einstellungen - das
Engagement für gemeinsame westliche Werte werden in den Herzen und Köpfen fortdauern.
Niemals war diese deutsch-amerikanische Solidarität
der Werte offenkundiger als in der "Stunde der
Wahrheit" im Herbst 1989, als die friedliche Revolution von Männern und Frauen die Diktatur hinwegfegte und der Welt den Weg eröffnete, wieder frei atmen
zu können. Ich weiß es. Ich war dort.
Erinnern Sie sich an den Hintergrund. In einem
Leitartikel vom 20. August 1989 stellte die "Washington Post" fest, wenn die offensichtlich zerfallende
Sowjetunion ihr immer noch mächtiges Militär irgendwo einsetzen würde, dann in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Wir kannten das
NATO-Szenarium für den Ausbruch des Dritten
Weltkriegs. Wir hatten sogar ein "Der Dritte Weltkrieg" genanntes Spiel. Wie begann der Krieg? Mit
einem Aufstand in der DDR.
Am 3. Oktober jenes Jahres griff die Volkspolizei in
Dresden brutal Demonstranten an, die Züge mit
Flüchtlingen aus Prag auf dem Weg in die Freiheit in
Hof in Bayern blockierten. Vier Tage später beging
das Regime in Ostberlin seinen vierzigsten - und
letzten - Geburtstag. Nachdem Gorbatschow an
jenem Abend die Rückreise nach Moskau angetreten
hatte, attackierte, verhaftete und verhörte die mit

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�Schlagstöcken und Hunden ausgerüstete Volkspolizei Tausende, die vor der Gethsemane-Kirche in
Ostberlin demonstrierten. Trotz der lebendigen,
lebhaften Erinnerungen an die gewalttätige Unterdrückung friedlicher Demonstranten - mit sowjetischen Panzern - am 17. Juni 1953 begaben sich am
9. Oktober in Leipzig Tausende von Bürgern auf die
Straße und riefen nach Wandel.
Angesichts des von den Massen in ganz Ostdeutschland gezeigten Mutes geriet das DDRRegime in Panik. Dieses Mal rollten keine Panzer,
und es wurden keine Schüsse abgegeben. Das
Regime vollzog eine unerwartete Wende und verabschiedete ein Reisegesetz, das die Freiheit für die
Ostdeutschen erhöhte.
Am 9. November 1989, einem Tag, der in die
Geschichte einging, unternahm das Regime einen
letzten verzweifelten Versuch, sich durch eine
Öffnung seiner Grenzen - anstatt mit Hilfe sowjetischer Panzer - politische Legitimität zu verschaffen.
Der Versuch scheiterte. Der ganzen Welt - und den
meisten Bürgern Ostdeutschlands - wurde das DDRRegime als inhaltslose, korrupte, gescheiterte
Diktatur offenbart.
Die Menschen gingen aufs
Ganze. Die Berliner Mauer fiel.
Außenminister Baker kam im Dezember 1989 nach
Berlin und hielt dort eine Grundsatzrede. Während
seines Besuchs sprach er sich für die Zustimmung
der DDR-Regierung zu freien und fairen Wahlen
aus, die er erhielt. Die Wahlen wurden schon drei
Monate später abgehalten und führten zur einzigen,
frei gewählten DDR-Regierung mit einem Mandat für
eine rasche Wiedervereinigung.
Noch vor diesen Wahlen eröffneten die Vereinigten
Staaten ein neues Konsulat in der Heldenstadt
Leipzig. Wir ließen weder öffentlich noch privat in
unserer stetigen Unterstützung für die deutsche
Vereinigung nach. Wie ein ehemaliger Kollege,
Richard Smyser, mich kürzlich erinnerte, lehrt uns
die Geschichte jedoch, daß Siege die Beziehungen

zwischen Staaten ebenso bedrohen wie Niederlagen. Nur das sorgfältige Engagement für ein
gemeinsames Ziel und eine koordinierte Politik
können einen Erfolg in der Zukunft sichern.
Der Einigungsprozeß führte zu einer neuen, souveränen, politisch legitimierten
Bundesrepublik
Deutschland. Sicher, die Hauptstadt ist Berlin
anstatt Bonn, und der innere Heilungsprozeß wird
noch Jahre erfordern.
Mit deutlicher Unterstützung der Vereinigten Staaten
wurde Deutschland nach monatelangen Zwei-plusVier-Verhandlungen am 3. Oktober 1990 wiederver-

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einigt. Endlich kam die lange Teilung Deutschlands
und anschließend unweigerlich die Spaltung Europas
zu einem Ende. Der Westen und seine Werte
triumphierten - überwältigend.
Es dauerte zwei Generationen, bis der Triumph über
ein geteiltes Europa erzielt wurde. Während dieser
Zeit unterstützten die Vereinigten Staaten entschlossen die Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland sowie das Prinzip der deutschen Einheit. Als
der Augenblick gekommen war, standen wir an der
Seite der Deutschen im Osten dieses Landes bei
ihrem Streben nach Freiheit.
Das neue Deutschland ist in vieler Hinsicht die
Verkörperung und Fortsetzung der alten Bundesrepublik, die sich resolut und unbeirrbar dem Westen
und der transatlantischen Gemeinschaft verschrieb.
Sie hat jetzt dieser soliden Grundlage eine zweite
starke Säule hinzugefügt: Die Kraft und Ideale der
demokratischen Revolution, die eine brutale Diktatur
mit dem Ruf hinwegfegte: "Wir sind das Volk", und
anschließend "Wir sind ein Volk".
Jetzt müssen wir eine Macht besiegen, die stärker ist
als die ehemalige Sowjetunion: Die Macht der
Geschichte. Die Geschichte wurde dazu benutzt, den
Widerstand gegen die deutsche Vereinigung zu
rechtfertigen und wird jetzt beim Krieg im ehemaligen
Jugoslawien eingesetzt. Präsident Clinton erklärte im
Juli vergangenen Jahres vor dem Brandenburger Tor:
"Amerika steht an Ihrer Seite, jetzt und für immer."
Diese Verpflichtung für ein gemeinsames Ziel ist
eindeutig. Wir stehen an der Seite des vereinigten
Deutschland, das seinen Platz und seine zunehmend
wichtige Rolle in der internationalen Staatengemeinschaft, der NATO, der Europäischen Union, den
Vereinten Nationen, der Welthandelsorganisation
akzeptiert. Wir arbeiten gut und intensiv mit Deutschland an der Erweiterung und Sicherung der neuen
Grenzen der Freiheit im Osten sowie an der Beendigung des Krieges in Bosnien. Gemeinsam reichen
wir einem Rußland die Hand der Freundschaft, das
sich um die Überwindung des lähmenden Vermächtnisses seiner Vergangenheit bemüht.
Aus diesen gemeinsamen Erfahrungen entwickelten
die Vereinigten Staaten und Deutschland ein Vertrauensverhältnis, das sich in vielen Krisen bewährte
und die Zeit überdauerte. Dieses Vertrauen gewährt
uns Zugang zueinander, zu unseren Gedanken und
Wünschen. Jeder von uns ist eigenständig, unabhängig und souverän, aber wir sind auch eine
Familie. Familien sind im Vertrauen geeint. Familienmitglieder wissen, daß sie sich aufeinander
verlassen können, wenn es hart auf hart geht. In

AMERIKA DIENST 22

�einer Familie kann man sich sogar wichtige Geheimnisse mitteilen.

Ich bitte Sie, gemeinsam mit mir das Glas zu erheben
- auf die Mitglieder und Mitarbeiter der Aspin Commission und den Erfolg Ihrer Mission.

* * * * *

AMERIKA DIENST 22

Seite 3

�4. J U L I
5. Juli 1995

Clinton fordert die Amerikaner auf,
an den Gründungsprinzipien festzuhalten
Erklärung des Präsidenten zum Unabhängigkeitstag
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton forderte das amerikanische Volk in seiner Erklärung zum
Unabhängigkeitstag am 4. Juli auf, den "hehren Prinzipien fest verhaftet" zu bleiben, auf denen Amerika
gegründet wurde und sich zu gemeinsamen Fortschritten zu verpflichten.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Text der Erklärung des Präsidenten.

Ich freue mich außerordentlich, zusammen mit
meinen amerikanischen Mitbürgern den Unabhängigkeitstag zu feiern.
Die Feiern aus Anlaß des Geburtstags der weltweit
größten Demokratie am Vierten Juli sind ein Zeugnis
dessen, was an Amerika einzigartig ist. Unsere
Nation, die aus dem Mut unserer Gründerväter
entstand und seither vom Geist und der Opferbereitschaft jeder Generation aufrechterhalten wurde, hat
ein stolzes Vermächtnis der Freiheit geschaffen. Am
heutigen Tag feiern Millionen unserer Bürger gemeinsam mit Freunden und Angehörigen bei Picknicks und Paraden die Segnungen der Freiheit.
Menschen aller Herkunft lassen gemeinsam die
Energie und den Optimismus hochleben, die uns als
Volk definieren.

Wir sind gesegnet, denn unser Land ist besser als
jedes andere in der Lage, sich Herausforderungen zu
stellen und die Chancen des nächsten Jahrhunderts
zu ergreifen. Den hehren Prinzipien fest verhaftet,
auf denen Amerika gegründet wurde, müssen wir mit
derselben Freiheitsliebe, mit Vertrauen in die Gerechtigkeit und entschlossenem Engagement, gemeinsam
Fortschritte zu erzielen, in die Zukunft blicken. Diese
Ideale, die uns durch mehr als zwei Jahrhunderte der
Herausforderungen und des Wandels begleitet
haben, werden uns einer Zukunft der Hoffnung, des
Wohlstands und Friedens noch näher bringen.
Mit den besten Wünschen für einen wunderschönen
Feiertag.

* * * *

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*

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�4. J U L I
5. Juli 1995

Die Vereinigten Staaten feiern ihre Unabhängigkeit
Die Feierlichkeiten und ihr Ursprung
WASHINGTON - (AD) - E pluribus unum - aus vielen eins. Dieses Motto brachte ein Patriot während des
Unabhängigkeitskrieges auf dem amerikanischen Nationalwappen an. Bis heute feiert Amerika mit nahezu
religiösem Eifer das am 4. Juli 1776 Errungene - Unabhängigkeit, Freiheit und Souveränität.

Die Art, in der Amerikaner den Geburtstag ihrer
Nation feiern, ist jedoch so unterschiedlich und
individualistisch wie sie selbst. Sie feiern ihn mit
Freunden, der Familie, mit Fremden zu Hause und
im Ausland, mit Mitbürgern und Ausländern. Es ist
eine Tradition, die so alt und in der amerikanischen
Psyche verankert ist wie das Land. "So möge der
Vierte Juli, dieser glorreiche und denkwürdige Tag,
in ganz Amerika von den Söhnen der Freiheit bis
ans Ende der Zeit gefeiert werden", schrieb ein
amerikanischer Revolutionär.
Aber genau welches Ereignis feiern die Amerikaner
eigentlich? Was macht diesen "amerikanischsten
aller Feiertage" zum Fundament einer ganzen
Gesellschaft? Wie verbindet er Amerikaner ungeachtet ihrer Herkunft und Überzeugungen miteinander?
Amerikaner mögen Zustimmung oder
Ablehnung zeigen - dies gehört zu ihren unveräußerlichen Rechten - aber sie stimmen alle zu, am
4. Juli die Unabhängigkeit zu feiern. Der Kongreßabgeordnete Lee Hamilton beschrieb die Vielfalt der
Feierlichkeiten als "eine wunderbare Geburtstagsfeier für unser Land... Wir feiern auf viele verschiedene Arten, aber all diese Aktivitäten drehen sich um
Familie und Freunde."
Wenn Amerikaner den 4. Juli begehen, erinnern sie
sich daran, daß "unsere Gründerväter in Perücke
und spitzenverziertem Gehrock zusammenkamen
und unter großen Anstrengungen debattierten. Vor
der Erfindung der Klimaanlage und Insektenbekämpfungsmittel knüpften sie in der schlammigen und von
Insekten erfüllten Hitze Philadelphias vorsichtig und
kunstvoll unser nationales Gewebe", schrieb John
Updike.
Im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung wurden
unsere "Gründerväter" nicht mit dem tief in ihr
Bewußtsein eingegrabenen Ideal der Unabhängigkeit
von Großbritannien geboren; es wurde ihnen durch

AMERIKA DIENST 22

die Umstände aufgezwungen. Die Weite des Ozeans, der die 13 amerikanischen Kolonien vom britischen Mutterland trennte, schuf unzählige Spannungen zwischen den unternehmungslustigen Siedlern
und ihrem englischen König. Die Siedler wollten
unter anderem im britischen Unterhaus vertreten sein,
während König George III danach trachtete, daß "die
Provinzen zumindest einen Teil der enormen Kosten
trugen, die zur Verteidigung der englischen Kolonien
in der Neuen Welt erforderlich" waren. Die Siedler
hielten König George bald nicht mehr für einen
"gütigen Herrscher", sondern für ein "königliches
Scheusal".
Am 7. Juni 1776 sprach der Abgeordnete aus Virginia, Richard Henry Lee, die drängendste Frage an,
die je dem Zweiten Kontinentalkongreß vorgelegt
worden war.
Er behauptete, "diese vereinigten
Kolonien sind freie und unabhängige Staaten, und
sollten das auch von Rechts wegen sein; sie sind von
jeglicher Bindung an die Britische Krone befreit, und
alle politischen Bindungen zwischen ihnen und dem
Staat Großbritannien sind vollkommen durchtrennt
und sollen es auch sein."
Thomas Jefferson, John Adams, Benjamin Franklin,
Roger Sherman und Robert Livingston wurden vom
Kongreß dazu ausersehen, eine offizielle Unabhängigkeitserklärung zu entwerfen.
Das Dokument
bekräftigte, was seit mehr als zwei Jahrhunderten der
Kern der politischen Ideologie der Vereinigten Staaten ist:
"Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit
gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das
Streben nach Glück gehören; daß zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den
Menschen eingesetzt werden, die ihre recht-

Seite 1

�mäßige Macht aus der Zustimmung der Regierten herleiten; daß, wann immer irgendeine
Regierungsform sich als diesen Zielen abträglich erweist, es Recht des Volkes ist, sie
zu ändern oder abzuschaffen und eine neue
Regierung einzusetzen."
Am 4. Juli 1776 ratifizierten Vertreter aus zwölf
Kolonien das Dokument, die 13. Kolonie unterzeichnete es am 9. Juli. Der Kongreß hatte theoretisch
erklärt, jeder Amerikaner habe das Recht auf eine
Beteiligung an der Regierung. Als die Erklärung auf
dem "Independence Square" in Philadelphia laut
vorgelesen wurde, feierten die Bürger dieses Ereignis mit Jubel, Paraden und Glockengeläut. Die
Gründerväter hatten ein neues Land konzipiert, das
aber noch in den Geburtswehen lag.
Eine leidenschaftliche Begeisterung für die Unabhängigkeit faßte in den Kolonien festen Fuß, und
Amerika befand sich bald im Krieg mit der größten
westlichen Macht des 18. Jahrhunderts - Großbritannien. "Der Baum der Freiheit muß von Zeit zu
Zeit mit dem Blut von Patrioten und Tyrannen
gegossen werden", schrieb Thomas Jefferson. Es
bedurfte großer Entschlossenheit, bis aus der
revolutionären Bewegung die Vereinigten Staaten
hervorgingen. Im Oktober 1781 ergaben sich die in
den Kolonien kämpfenden britischen Truppen in
Yorktown der Kontinentalarmee und beendeten
damit den Kampf Großbritanniens um die Beibehaltung seiner Besitztümer in der "Neuen Welt".
Innerhalb eines Jahrzehnts wählten die Amerikaner
ihren ersten Präsidenten, den Held aus dem Unabhängigkeitskrieg - George Washington.
Die Amerikaner benötigten nicht viel Zeit, um sich
der Bedeutung ihres neuen Nationalfeiertags bewußt
zu werden. Am 2. Juli 1777 wurde erstmals der
Vierte Juli gefeiert.
Die "Gründerväter" waren
vielleicht etwas übereifrig mit der Festlegung des
nationalen Geburtstags, aber das Datum wurde bald
auf den Vierten des Monats festgesetzt - den Tag,
an dem die Unabhängigkeitserklärung ratifiziert
worden war.

*

Seite 2

*

Der Vierte Juli ist nicht nur der Jahrestag eines
bestimmten Ereignisses, sondern eine Übung in
amerikanischer Freiheit. Die Vielfalt dieses Feiertags
erklärt vielleicht seine nahezu universelle Anziehungskraft auf die Amerikaner. "Freiheit", schreibt
der zeitgenössische Sozialwissenschaftler Robert
Bellah, "ist vielleicht der am stärksten nachhallende
und hochgehaltene Wert. Sie definiert in gewisser
Weise das Gute im Privatleben und in der Politik.
Dennoch läuft Freiheit darauf hinaus, daß man von
anderen allein gelassen wird, sich nicht ihre Werte,
Ideen oder ihren Lebensstil aufzwingen läßt, man bei
der Arbeit, in der Familie und der Politik frei von
willkürlicher Autorität ist. Es ist für Amerikaner viel
schwieriger zu definieren, was mit dieser Freiheit
gemacht werden könnte."
John Adams erklärte über den Vierten Juli, er solle
"von jetzt an auf ewig mit Pomp und Paraden, mit
Darbietungen, Spielen, Sport, Salutschüssen, Glokkengeläut, Freudenfeuern und Feuerwerk auf dem
gesamten Kontinent gefeiert werden". Jeden Sommer wird das Herannahen des Nationalfeiertags mit
dem Hissen der Flagge, Picknicks am Nachmittag
und dem Verkauf großer Mengen von Feuerwerkskörpern eingeleitet. Heute feiern die Amerikaner den
Geburtstag ihrer Nation mit einer Wiederholung der
Verlesung der Unabhängigkeitserklärung in Boston,
einem Autorennen auf die Spitze des 4.300 Meter
hohen Pikes Peak in Colorado, einem internationalen
Freiheitsfestival in Detroit, Rodeos in Arizona und
einem nationalen Zaunbemalungswettbewerb in
Missouri. In Philadelphia dehnen sich die Feierlichkeiten auf eine ganze Woche, die "Freedom Week"
aus.
In diesem Jahr werden sich am Abend des Vierten
Juli bei Anbruch der Dämmerung die Menschen in
den Kleinstädten ganz Amerikas versammeln. Einige
verfrühte Feuerwerkskörper werden abgeschossen.
Nachbarn picknicken neben ihren Nachbarn.
Schließlich wird eine Rakete am Himmel aufsteigen
und in einem farbigen Kaleidoskop explodieren. Das
älteste Ritual des Landes erreicht seinen Höhepunkt,
und die Amerikaner werden wissen, daß sie frei sind.
Und aus vielen wird eins.

*

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AMERIKA DIENST 22

�LITERATUR
5. Juli 1995

Dichtung und Außenpolitik
von Robert Earle
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel, den Robert Earle, der Gesandte-Botschaftsrat
für öffentliche Angelegenheiten bei der Botschaft der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland,
im Anschluß an die vom 25. bis 28. Mai 1995 in Bonn veranstaltete Konferenz von im Bereich der
Lehrerausbildung tätigen Fachleitern mit den Titel "Many Voices: American Values in Transition" verfaßte.

Vor einigen Wochen hielt ein amerikanischer Literaturprofessor aus Texas beim deutschen Fachleiterseminar eine Rede über die postromantischen Dichter
in den Vereinigten Staaten. Er versuchte, ein Gefühl
für die apokalyptische Stimmung zu vermitteln, die in
den vergangenen Jahrzehnten die Schule amerikanischer Dichtung durchzog. Ihm zufolge kommt diese
Stimmung nicht einer völligen Katastrophe oder
einem großen Scheitern gleich. Vielmehr ist es eine
Stimmung von Tod und Wiedergeburt auf persönlicher Ebene - eine kreative Unterbrechung von
Vision, Wachstum, Beziehungen zur übrigen Welt.
Solche Anliegen sind ziemlich typisch für Professoren und Dichter. Wie finden sie ihren Weg in die
amerikanische Außenpolitik?
Diese Frage stellt sich, weil der Professor an einer
vom US-Informationsamt (United States Information
Service - USIS) in Bonn veranstalteten Konferenz
teilnahm; und die Programme von USIS sind integraler Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik und
der deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Als ich Professor Davis aus Baylor zuhörte, kam mir
der Vortrag in den Sinn, den Professor Pontuso vom
Hampden-Sydney College am Tag zuvor vor demselben Publikum gehalten hatte. Seine Ausführungen über außenpolitische Belange waren vielleicht
etwas konventioneller. Er sprach über die konservative Tagesordnung der amerikanischen Politik
und die Haltung, die der Kongreß dazu einnimmt. Er
hielt politikwissenschaftliche Fachbücher in die Höhe,
während er über Tendenzen des politischen Denkens in den Vereinigten Staaten sprach und verwies
auf einen ganzseitigen Bericht in der Washington
Post über Haushaltsentwürfe und -plane, die von
den Kongreßausschüssen geprüft werden.

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Die Präsentation Professor Pontusos war informativ
und nützlich. Sie war leicht in das allgemeine Thema
"internationale Beziehungen" einzuordnen. Nach
diesem Vortrag konnten die Fachleiter mit neuem
Wissen über die Dynamik der Debatte in der amerikanischen Politik nach Hause zurückkehren, insbesondere über den institutionellen Kampf zwischen der
Exekutive und der Legislative.
Aber die Ausführungen von Professor Davis über die
lyrische Meditation von W.S. Merwin am Jahrestag
seines unvorhersehbaren Todes? Seine Erklärung,
warum Robert Bly so fasziniert von einigen Federn
war, die in einen ausgehöhlten Baumstumpf gefallen
waren? Seine Präsentation von Galway Kinnells
Gedicht über die Polarbärenjagd in Alaska?
Seltsamerweise war ich erstaunlich zufrieden mit
Professor Davis' Beitrag zu den bilateralen Beziehungen. Ohne es explizit zu sagen - vielleicht sogar,
ohne es zu glauben oder darüber nachzudenken betonte Davis die dichterischen Quellen der politischen Existenz. Gedichte werden geschrieben, bevor
etwas geschieht, Zeitungen danach. Und sie werden
in verschiedenen Ländern verschieden geschrieben.
Auch ihre Verteilung variiert von Ort zu Ort.
In Deutschland kann man ein Gedicht mit einem
Fachleiter diskutieren, der das Gedicht seinen Kollegen zeigt, diese wiederum ihren Studenten, die am
Ende selber Dichter werden - oder Politiker.
In beiden Fällen ist die Resonanz der amerikanischen
Vision - das Gefühl von Amerika - spürbar. Die
Gedichte von Bly, Merwin und Kinneil handeln
allesamt von dem Wunsch nach Wiedergeburt, nicht
von Todessehnsucht. In diesem Sinne unterscheidet
sich das Bemühen Amerikas um die Gestaltung
seiner Außenpolitik nicht wesentlich von seinem
Streben nach einer Gestaltung seiner Dichtung.

Seite 1

�Manche mögen argumentieren, damit werde der
Außenpolitik zuviel Anerkennung gezollt. Sie mit der
Dichtung auf eine Stufe zu stellen, ist ein großes,
vielleicht unverdientes Kompliment.
Aus genau diesem Grund haben Dichter und Professoren einen Platz in der Nähe der amerikanischen

Außenpolitik - um alternative Visionen von Amerika
anzubieten, ein Gefühl für menschlichen Kontext und
Werte zu vermitteln, den Deutschen und anderen zu
helfen, die Träume, Gefühle und Stimmungen Amerikas einzuschätzen und mit ihren eigenen zu vergleichen.

* * * *

Seite 2

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AMERIKA DIENST 22

�DATEN AUTOBAHN
5. Juli 1995

Die digitalisierte Nachrichtenzentrale
von Philip Moeller
(AD) - Philip Moeller, ehemaliger Wirtschaftsredakteur und Redakteur für elektronische Nachrichten bei der Sun
in Baltimore, ist jetzt Berater und Autor mit Sitz in West Hartford (Connecticut).
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von American Journalism Review, Copyright
(c) 1995.

Es klingt so einfach. Beginnen wir mit der typischen
Nachrichtenzentrale einer größeren Zeitung - die
Mitarbeiter sind vielleicht etwas jünger als bei
ähnlichen Zeitungen, unterscheiden sich aber
ansonsten nicht wesentlich. Wenden wir uns dann
den Computern und Kommunikationsgeräten zu, die
Nachrichten, Informations- und Unterhaltungsindustrien zu revolutionieren versprechen. Was wäre,
wenn die Mitarbeiter diese Maschinen beherrschen
und sie routinemäßig in der Nachrichtenzentrale
benutzen könnten, statt sie nur zum Gegenstand
dessen zu machen, worüber sie schreiben?
Willkommen beim Raleigh News &amp; Observer, einer
derwenigen in Familienbesitz verbliebenen amerikanischen Zeitungen. Der neue N&amp;O, wie er jetzt
heißt, hat in den vergangenen Jahren seine Reporter
mit diesen neuen Instrumenten vertraut gemacht.
Obwohl sich dieses Unterfangen zweifelsohne noch
im Anfangsstadium befindet, bietet Raleigh eine
Perspektive, wie digitalisierte Informationen und
neue Ansätze zur Berichterstattung und beim Schreiben von Geschichten die Nachrichtenzentralen der
Nation verändern könnten.
Beim N&amp;O und anderen technologiefreundlichen
Zeitungen wandelt sich das Metier der Reporter
ebenso wie die Rolle der Bibliothekare und anderer
Mitarbeiter. Teamjournalismus beherrscht - wenn
auch nicht ausschließlich aufgrund der Technologie zunehmend Nachrichtenzentralen, die vorwiegend
Computer einsetzen. Und im digitalen Zeitalter
bringen solche kollektiven Bestrebungen im allgemeinen definitive Geschichten hervor, die sowohl
sozialwissenschaftlich als auch journalistisch Anklang finden. Der Computer, früher umfangreichen
Forschungsprojekten vorbehalten, wird zum alltäglichen Verbündeten von Reportern, die Routinearbeit machen.

AMERIKA DIENST 22

Auch die Leser benutzen Computer und Modems und
sind zu aktiven Teilnehmern an Raleighs InternetAngeboten sowie praktisch jeder Online-Verbindung
geworden, die mit Nachrichtenorganisationen zu tun
hat. Aufgrund der interaktiven Online-Kommunikation
verändert sich die Art, in der Geschichten berichtet
werden. Am wichtigsten ist jedoch vielleicht, daß die
Interaktivität das Verhältnis zwischen Journalisten und
den Menschen, über die sie schreiben, grundlegend
verändern kann.
Die Redakteure und Reporter beim N&amp;O haben
landesweit Tausende von Kollegen bei anderen
Zeitungen. Praktisch jede Nachrichtenzentrale ist mit
einem Kader technologisch informierter, hochmotivierter Journalisten besetzt, die versuchen, ihre Institutionen in neues Terrain zu locken. Was Raleigh jedoch
unterscheidet, ist die Tatsache, daß Fähigkeiten im
Bereich der digitalisierten Information - zur Benutzung
von Computern, Datenbanken, Online-Diensten - für
nahezu jeden in der Nachrichtenzentrale zur Norm
werden. Für die ungefähr 150 Mitarbeiter der Nachrichtenzentrale beim N&amp;O stehen rund 100 Computer-Arbeitsplätze zur Verfügung, und Chefredakteur
Frank Daniels III zufolge wird bis zum Sommer jeder
Mitarbeiter einen Personalcomputer haben.
Mehrere damit in Zusammenhang stehende Entwicklungen unterstreichen die Unterschiede zwischen der
Nachrichtenzentrale beim N&amp;O und den Industrienormen:
Die mit 21 Mitarbeitern besetzte NachrichtenForschungsabteilung hat ein Netz von Datenbanken geschaffen - die vielfach von N&amp;O-Mitarbeitern aufgebaut wurden - zu dem man vom
Computer-Arbeitsplatz aus Zugang hat.

Seite 1

�Die Mitarbeiter der Nachrichten-Forschungsabteilung und die mit 17 Mitarbeitern besetzte Abteilung Neue Medien schreiben Softwareprogramme, die häufig nötig sind, um Zugriff zu wertvollen, aber sonst nicht zugänglichen Datenbanken
zu erhalten.
Die Zeitung hat eine Datenbank, die Gesetzesvorlagen des Bundesstaates dokumentiert, in
einen erfolgreichen Online-Abonnentenservice
umfunktioniert, den N&amp;O-Geschäftsführer als
Prototyp für andere profitable Unternehmen
ansehen.
Die Zeitung verfügt über die dritte Generation von
Hypertext-Software, mit der an speziellen Projekten arbeitende Autoren ihre eigenen Aufzeichnungen so lange wie bei einer Datenbank außerhalb
durchforsten können.
Der N&amp;O befaßt sich mit Multimedien. Als erstes
wurde eine Serie von Features in der Zeitung
veröffentlicht, wurden Audiotext-Informationen
über den Telefon-Informationsdienst der Zeitung
angeboten sowie Online-Geschichten mit Text,
Audio- und Videoelementen. Die Serie wurde in
Zusammenarbeit mit lokalen Fernsehstationen
gemacht, die ihre eigenen Versionen der Geschichten sendeten.
Und schließlich hat der N&amp;O wie eine wachsende
Zahl anderer Zeitungen eine elektronische Version eingeführt. Aber statt sich America Online,
Prodigy oder einem anderen kommerziellen
Dienst anzuschließen, startete die Zeitung ihren
eigenen Online-Dienst und schloß ihn an Internet
an, womit den elektronischen Lesern ein breites
Spektrum von Informationen angeboten wird.
Die Umgestaltung von N&amp;O zur führenden digitalen
Tageszeitung geht zurück auf die Ernennung von
Frank Daniels III zum Chefredakteur Ende 1990.
Der 1865 gegründete N&amp;O ist seit über einem
Jahrhundert im Besitz der Familie Daniels. Josephus Daniels kaufte die Zeitung 1894 für 10.000
Dollar und führte sie über 50 Jahre lang. Sein
Enkel, Frank Daniels Jr., ist jetzt der Herausgeber.
Als Frank Daniels III in sein Amt berufen wurde,
führte der republikanische Senator Jesse Helms eine
brutale Kampagne für seine Wiederwahl gegen den
ehemaligen Bürgermeister von Charlotte, Harvey
Grantt, den demokratischen Herausforderer. Der
jüngere Daniels war beeindruckt vom modernen
Stand der Technik im Helms-Lager, wo Computer
und Kommunikationstechnologie eingesetzt wurden.

Seite 2

"Das war der ausschlaggebende Faktor, um beim
N&amp;O Computer einzuführen", stellt Daniels fest. "Das
Helms-Team drosch fürchterlich auf die Nachrichtenmedien ein... Bei politischen Wahlkämpfen sind
unsere Konkurrenz nicht die anderen Medien, sondern die Kampagnen. Und seit 1970 haben sie uns
aufs Korn genommen... Dadurch wurde mir klar, wie
dumm wir waren - und ich fühle mich nicht gerne
dumm."
Dasselbe galt für die langjährige N&amp;O-Reporterin Pat
Stith, die einen 18monatigen Studienurlaub nahm, um
- mit Daniels Worten - "herauszufinden, was mit
diesen Mitteln vom Standpunkt eines Reporters aus
getan werden könnte". Stith arbeite eng mit Lany
McDonald, damals Leiter der N&amp;O-Bibliothek zusammen. Die Bibliothek wurde die NachrichtenForschungsabteilung, die unter McDonalds Nachfolgerin, Teresa Leonard, erweitert wurde.
Ein Großteil dieser Neuerungen beim N&amp;O wurde
Ende 1992 eingeführt, als die Zeitung zwei Datenbankexperten einstellte. Dies war der Beginn einer
Umstrukturierung, mit der die Anzahl der Beschäftigten in der Nachrichten-Forschungsabteilung beim
N&amp;O verdoppelt und ihr Budget verdreifacht wurde.
Einer dieser Experten war Dan Woods, der nach
seinem Abschluß in Computerwissenschaften und
mehreren Berufsjahren in der Computerindustrie
seinen Magister in Journalismus erwarb. Woods
erklärt, er habe vielleicht fünf Kollegen mit seinem
Wissen bei anderen Zeitungen gehabt, als er zum
N&amp;O kam. Seinen Schätzungen zufolge gibt es jetzt
rund 20 Datenbank-Zeitungsredakteure.
Woods versorgt N&amp;O-Reporter mit aus der Datenbank entnommenen Informationen, aber die meiste
Zeit verbringt er damit, untereinander verbundene
Datenbanken aufzubauen, zu denen alle Mitarbeiter
Zugang haben. Ein Großteil dieser Arbeit beinhaltet
ihm zufolge die schwierige Aufgabe, Computercodes
zu schreiben und Daten mühselig zu "reinigen", damit
sie in der Nachrichtenzentrale verwendet werden
können.
Die Reporter verlassen sich jedoch nicht nur auf
Woods und seine Mitarbeiter. Jeder in der Nachrichtenzentrale Beschäftigte wird ermutigt, Computerfähigkeiten zu erlernen. Darüber hinaus entschied der
N&amp;O, so Stith, "daß Computeranalysten von Datenbanken nicht auf die 'Forschung' für Geschichten
oder selbst größere Projekte beschränkt sein sollten.
Wir beabsichtigen, von Kostenersparnissen durch
optimalen Betriebszuschnitt zu profitieren.
Wir
werden Datenbanken benutzen, um jeden Tag die
Titelgeschichten zu verfassen oder zu verbessern."

AMERIKA DIENST 22

�Computerfähigkeiten sind freiwillig, aber das Management hat klargestellt, daß denjenigen, die solche
Fähigkeiten erlernen, Ressourcen und Chancen
geboten werden. Um die Mitarbeiter anzuspornen,
gewährt der N&amp;O Mitarbeitern, die einen eigenen PC
kaufen wollen, zinsfreie Kredite. Über 500.000
Dollar wurden bisher an Krediten vergeben. Die
Zeitung hält sich auch bezüglich der Computerfähigkeiten auf dem laufenden: Sie werden in den
Arbeitsbeurteilungen der Mitarbeiter bewertet.
Die meisten Zeitungen haben Computer in den
Nachrichtenzentralen mittels kleiner Reporterteams
eingeführt, die sich für gewöhnlich aus an Forschungsprojekten tätigen Reportern zusammensetzen. Was den N&amp;O unterscheidet, ist das Ausmaß, in dem Computerfähigkeiten bei der täglichen
Berichterstattung zum Einsatz kommen.
"Ich habe nirgendwo dem Raleigh vergleichbare
Bestrebungen gesehen", stellt Philip Meyer fest,
Professor an der University of North Carolina in
Chapel Hill und Pionier des computergestützten
Journalismus. Meyer erklärt, er bevorzuge das
Raleigh-Modell für andere Zeitungen, "aber möglicherweise steht zu dem Preis, den Zeitungen für
gewöhnlich zu zahlen bereit sind, nicht genügend
Talent zur Verfügung."
Dennoch, dies ist ein neues Zeitalter. Viele jüngere
Journalisten besitzen Computerfähigkeiten. Zufällig
ersetzen zahlreiche Nachrichtenzentralen ihre
veralteten Textkorrektursysteme, die im allgemeinen
nicht einmal für die einfachsten Aufgaben eines
Computers verwendet werden können. Und ein
hoher Prozentsatz dieser Zeitungen wird PC-gestützte Systeme einführen, die einen Anreiz für die
Entwicklung neuer Kommunikationsmittel bieten.
Beim N&amp;O ist die routinemäßige Verwendung des
Computers vornehmlich auf die Bestrebungen der
Zeitung zurückzuführen, Datenbanken zu entwickeln
und auf den neuesten Stand zu bringen, die selbst
für Kurznachrichten schnelle Informationen und
einen Kontext liefern können. Das computergestützte Berichterstattungsnetzwerk, genannt CARnet
(Computer-Assisted Reporting Network) beim N&amp;O
enthält beispielsweise elektronische Versionen
mehrerer Telefonverzeichnisse und der Namen von
im öffentlichen Dienst Beschäftigten, wirtschaftlicher
und demographischer Informationen, umfangreicher
Daten über staatliches Eigentum im Bundesstaat und
Landkreis, Steuer- und Geschäftsunterlagen sowie
Informationen über Kraftfahrzeuge. Eine weitere
nützliche Datenbank außer der bereits erwähnten
über Gesetzesvorlagen ist die N&amp;O-Liste von
Spenden für wichtige politische Wahlkampagnen im
Bundesstaat.
Geldmaschine genannt, wird sie

AMERIKA DIENST 22

regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht und
kann nach den Namen der Geldgeber durchforstet
werden.
Außer diesen wichtigen Mitteln gibt es einen weiteren
wesentlichen Unterschied zwischen dem N&amp;O und
anderen Nachrichtenzentralen: Die von ihrer Nachrichtenbibliothek - jetzt Nachrichten-Forschungsabteilung genannt - gespielte zentrale Rolle.
Im Gegensatz zur Nachrichtenzentrale, so Daniels,
kann die Nachrichtenbibliothek ohne ethische oder
pragmatische Konflikte mehreren Herren dienen. Sie
kann beispielsweise zur Einrichtung einer Datenbank
über Gesetze des Bundesstaates beitragen, die
unschätzbar für Reporter ist, und kann diese dann
Datenbank zu einem gewinnbringenden Produkt
machen, das auf dem Markt verkauft wird. Und da
die Einnahmen aus solchen Unternehmen zunehmend zur Finanzierung der digitalen Nachtrichtenzentrale benötigt werden, unterschätzt Daniels die
Bedeutung eines solchen Unternehmens nicht.
Teresa Leonard vom N&amp;O erklärt, die Ressourcen
zur Einrichtung von Datenbanken seien ein Hauptvorteil der Erweiterung der Nachrichten-Forschungsabteilung. "Dank der Datenbank konnten wir Geschichten schreiben, die wir sonst nicht veröffentlicht
hätten."
Nora Paul, ehemalige Bibliotheksdirektorin beim
Miami Herald und jetzt Direktorin des NachrichtenForschungsprogramms beim Poynter Institute stellt
fest, daß eine Reihe von Nachrichtenzentralen
kooperative Beziehungen zu Reportern, Redakteuren
und Bibliothekaren entwickeln. "Damit die Möglichkeiten von Online-Forschung und computergestützter
Berichterstattung vollständig und erfolgreich ausgeschöpft werden können", erläuterte Paul in einer 1993
gehaltenen Rede, "müssen Bibliothekare meines
Erachtens ihre Rolle definieren und verbessern, und
Bibliothekare und Reporter müssen völlig neue
Beziehungen aufbauen."
Hierzu zählen die Zusammenarbeit mit Reportern und
Herausgebern bei der Auswertung von Datenquellen,
bevor die Geschichten zugeteilt oder definiert wurden,
konkrete Berichterstattung über sekundäre Forschungsquellen, die Ausbildung von Mitarbeitern der
Nachrichtenzentralen in den Bereichen Datenbank
und Online-Dienste, die Aufstellung und Entwicklung
von Datenbanken sowie die Koordination von Informationssystemen in Nachrichtenzentralen. All das
leistet Raleigh, und Paul zufolge sind seine Forschungsoperationen einzigartig.
Eine der durch computergestützten Journalismus
möglich gewordenen großen Veränderungen ist die

Seite 3

�Tatsache, daß Nachrichtenzentralen nicht mehr von
äußeren Informationsquellen abhängig sind. Die
Tage, an denen ein Bericht aut zwei Informationsquellen und einer Presseerklärung basierte, gehören
der Vergangenheit an.
Beispielsweise veröffentlichte der N&amp;O einen Artikel
über Wiederholungstäter, die in Gefängnissen der
Bundesstaaten und Gemeinden einsitzen.
Er
analysiert dem Redaktionsmitglied von Metro, Steve
Riley, zufolge, "wieviele Straffällige mehr als 10 Mal
das System durchliefen. Wir fanden 185. Es gab
keine andere Möglichkeit, diese Menschen aufzuspüren. Früher schrieb man so einen Bericht, indem
man mit jemandem im Gefängnis sprach. Jetzt
findet man sie selber. Man braucht sich nicht darauf
zu verlassen, daß einem ein anderer die Neuigkeiten
erzählt."
Chefredakteur Daniels ist davon überzeugt, daß
Nachrichtenzentralen in der Lage sein müssen,
Neuigkeiten zu definieren, nicht nur eigennützige
Erklärungen derjenigen widerzugeben, die Meinung
zu manipulieren versuchen. Diese Fähigkeit, fügt er
hinzu, wird den Zeitungen helfen, ihre Anziehungskraft als Informationsanbieter in einer Zeit beizubehalten, in der von einer wachsenden Zahl elektronischer Nachrichtendienste unbearbeitete harte
Fakten zur Verfügung gestellt werden.
Die Kommentare von Daniels spiegeln die Arbeit
Philip Meyers von der University of North Carolina
wider, der ausführlich über die Notwendigkeit für
Journalisten schrieb, statistische und damit zusammenhängende sozialwissenschaftliche Fähigkeiten
zu entwickeln. Die traditionelle passive Sucht des
Reporters nach Neuigkeiten muß Meyer zufolge von
Zeitungen abgelöst werden, die sich immer stärker
daran gewöhnen, die Nachrichtentagesordnung
aufzustellen.
"Die alte Ethik der Passivität der Medien ermutigt die
meisten Journalisten, sich zurückzulehnen und der
Regierung oder bestimmten Interessengruppen die
Rolle des Informationsverarbeiters zu überlassen",
erklärt er. "Es ist für die Medien gefährlich, die
Informationsentwicklung den Interessengruppen zu
überlassen, auch wenn sie im Interesse der Öffentlichkeit handeln."
Tom Koch, Autor und Berater, beobachtet, wie die
Technologie die traditionellen Beziehungen zwischen
dem Journalisten und seiner Quelle und letztlich
auch die Natur des Journalismus verändert.
"Online-Datentechnologien verleihen Schriftstellern
und Journalisten mehr Befugnisse, indem sie sie mit
gleichwertigen oder sogar mehr Informationen ver-

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sorgen, als sie der Privatperson oder dem Vertreter
der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, die sie
interviewen sollen", schrieb er 1991 in seinem Buch
Journalism forthe 21 st Century: Online Information, Electronic Databases and the News (Journalismus für das 21. Jahrhundert: Online-Informationen,
elektronische Datenbanken und die Nachrichten).
"Die Auswirkungen dieser erhöhten Befugnisse
werden schließlich zu einer Neudefinition der Art von
Nachrichtenpräsentation ... und der Information der
Öffentlichkeit allgemein führen", stellte er fest.
Wenn digitalisierte Technologien zu einer Veränderung des Journalismus in Nachrichtenzentralen
beitragen, scheinen sie auch eine Rolle bei der
Besetzung dieser Zentralen mit Mitarbeitern zu
spielen. Der Grund dafür ist, daß der Journalismus
zu einem Teamsport wird.
Historisch gesehen sollten Journalisten Meyer zufolge
unabhängige und oftmals isolierte Beobachter sein,
die nichts mit den Auswirkungen ihrer Arbeit zu tun
hatten. Sie hatten wenig Kontakt mit den Gemeinden, über die sie berichteten. Sie hatten viele
Freiheiten, aber nicht viel Geld. "Daher drängte die
Wirtschaftlichkeit des Zeitungsgeschäfts den Journalisten in die charakteristische moralische Typologie:
Den einsamen Helden, der wie der archetypische
Cowbow im Film von Markt zu Markt reitet und die
Lanze für den einfachen Mann und gegen die Reichen und Mächtigen bricht", äußerte Meyer 1990 in
einer Rede.
Dieses Profil widerspricht jedoch den neuen Informationstechnologien, so Meyer.
Computergestützte
Berichterstattung erfordert Teamgeist. "Die neuen
Medien sind Teamprodukte. Und es gibt immer
weniger Raum für den einsamen Helden oder den
Reporter als Cowboy-Figur."
Insbesondere Multimedia-Projekte erfordern Anstrengungen des Teams. N&amp;O machte seinen ersten
Ausflug in dieses unerforschte Gebiet im Sommer
vergangenen Jahres mit einer viermonatigen Serie
unter dem Namen "North Carolina Discoveries". Die
Serie, die sich auf Themen des Bundesstaates
konzentrierte, wurde in der Zeitung veröffentlicht, im
Radio und Fernsehen gesendet und über NandO,
den Online-Dienst der Zeitung ins Internet geladen.
Diese konzertierte Aktion beinhaltete eine Vielzahl
von Interviews für die verschiedenen Formate. Die
teilnehmenden Fernsehstationen führten ihre eigenen
Interviews, während N&amp;O die Aufnahmen machte und
sein eigenes Tonmaterial sammelte. Diese wurden
für die Multimedia-Bestrebungen N&amp;Os auf dem

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�NandO genutzt. Ferner bediente sich die Zeitung
des Tonmaterials bei ihrem Audiotex-Informationsdienst.
Die N&amp;O-Reporterin Julie Ann Powers weist darauf
hin, daß der herkömmliche Zeitungsreporter nicht
über die erforderlichen Fähigkeiten im Rundfunkbereich verfügt. "Von Beginn dieses Prozesses an war
die Berichterstattung anders", erklärt sie. "Ich mußte
in den Kategorien Ton und Bild denken sowie daran,
ob sie einen Zeitungsbericht in voller Länge unterstützen würden." Der Ton, der in den Printmedien
keinen Faktor darstellt, ist ihr zufolge ein neues
bedeutendes Anliegen. Dasselbe gilt für die Notwendigkeit, im Radio und in gewissem Umfang in
den Printmedien den Mangel an visuellen Elementen
auszugleichen. Sie mußte die Fragen so formulieren, daß die Antwort eine Form annimmt, die für Aufnahmen angemessen ist, während der traditionelle
Interviewstil eher einem Gespräch gleicht.
Ben Estes, dem für Nachrichten aus dem Bundesstaat zuständigen Redakteur von N&amp;O, zufolge
stellte diese Serie eine "wertvolle Erfahrung" dar und
war eine Art Probelauf. "Ich halte das in vielerlei
Hinsicht für ein Experiment, das uns auf Kommendes vorbereitet", so Estes. "Am Ende möchte ich in
der Lage sein, mit allen Nachrichten so zu verfahren."
Ferner bezeichnet er die Koordination aller Elemente
der Serie früher als schwierig und äußerst zeitaufwendig. "Dagegen schriebt Julie jetzt einen Bericht
in einer statt in fünf Wochen, und ich redigiere eine
Geschichte pro Woche."
Obwohl Multimedia-Bestrebungen neue Fähigkeiten
und Ansätze bei der Berichterstattung erfordern
könnten, sind die weitreichendsten Auswirkungen
digitalisierter Information wahrscheinlich auf die
Interaktivität zurückzuführen. Leser sprechen im
Cyberspace. Sie werden sofort zu Kritikern, zur
Schallmuschel und leicht erreichbaren Quelle.
Raleighs NandO entwickelt neue Dienste für die
Interaktion mit der Öffentlichkeit. Beispielsweise
haben die Mitarbeiter von NandO ein NandO-Land
für Kinder geschaffen und den örtlichen Schulen
kostenlos zur Verfügung gestellt. Dieser Service
wird Lehrer und Schüler gleichermaßen an die Welt
der Online-Dienst gewöhnen und N&amp;O eine bessere
Idee davon geben, wie an eine Generation appelliert
wird, die immer weniger Interesse am Zeitungslesen
hat.
Bruce Siceloff ist Online-Redakteur im Nachrichtenzentrum und bemüht sich mit den Mitarbeitern von
N&amp;O unter anderem darum, täglich eine digitalisierte

AMERIKA DIENST 22

Ausgabe der Tageszeitung herauszugeben. OnlineJournalismus und Interaktivität sind für die Zeitung
etwas Neues, so Siceloff. Und obwohl er die Mitarbeiter im Nachrichtenzentrum davor warnt, "in
anderen Medien zu träumen", räumt er ein, daß diese
Evolution eine größere Vertrautheit der Mitarbeiter mit
Online-Instrumenten erfordert, insbesondere dem
Internet und seinen immer wirkungsvoller werdenden
Software-Hilfen.
Eine andere Art, Nachrichtenzentralen in der Welt der
Online-Dienste zu "engagieren", wird durch die
Teilnahme an der beidseitigen Kommunikation mit
den Lesern erfolgen. Eine solche Interaktion ist
Hauptgegenstand des Online-Lebens, aber die
Zeitungsjournalisten sind im allgemeinen nicht an die
sondierenden, ständigen Online-Gespräche gewöhnt,
mit denen das Cyberspace erfüllt ist. Siceloff und
seine Kollegen in anderen Zeitungen sind der Ansicht, daß diese Interaktivität große Auswirkungen auf
den Berufsstand haben wird.
Wenn die Wahlen von 1990 ein wichtiger Faktor
dabei waren, das Interesse von N&amp;O am Einsatz von
Technologie zur Unterstützung seiner Berichterstattung zu erhöhen, könnte man fairerweise behaupten,
daß die Wahlen von 1994 ein ebenso starkes Mandat
für den Einsatz neuer Informationswerkzeuge schufen, um besser mit einer entfremdeten Wählerschaft
kommunizieren zu können.
Die Wahlen zeigten, wie unzufrieden und abgeschitten sich die Wähler fühlen, und die Zeitung möchte
im Geiste des "öffentlichen Journalismus" die Beteiligung der Öffentlichkeit am Wahlprozeß fördern.
Siceloff zufolge will der N&amp;O sich in künftigen Wahlkämpfen seiner Online-Werkzeuge bedienen, um die
Kommunikation zwischen den Wählern, der Regierung und der Presse zu fördern. Neben interaktiven
Diskussionen versorgt das Papier die Wähler mit
Online-Daten über Kandidaten und Themen und hilft
ihnen bei ihrer eigenen Online-Suche nach zusätzlichen Informationen.
Solche Bestrebungen beinhalten Material über das
World Wide Web von Internet, das den Einsatz von
Tonmaterial, Fotos und Graphiken, Video, Texten und
E-mail-Diensten gestattet.
Dies ist eine große
Verbesserung gegenüber den anfänglichen NandOAngeboten von Internet, die auf die rein textgebundene elektronische Version der N&amp;O-Tageszeigung
sowie eine Vielzahl von Bulletin Board-Diensten
beschränkt waren.
Auf dem sogenannten Web stellt N&amp;O jetzt eine
beeindruckende Reihe von Multimedia-Inhalten vor
(die Web-Adresse von N&amp;O lautet "http://www.nando.net"). Zu den Online-Inhalten gehören verschie-

Seite 5

�dene Zeitungsprojekte wie die 16teilige "North
Carolina Discoveries"-Serie; die NandO Times, eine
tägliche elektronische Version der Zeitung; der
NandO Entertainment Server mit Informationen über
Filme, Konzerte und andere Veranstaltungen; ein
User's Guide to the Triangle (Führer mit Informationen über die Region um Raleigh, Durham und
Chapel Hill).
Die Produkte von N&amp;O stehen nicht in direktem
Zusammenhang zu der Zeitung. Informationsdienste
über Sportveranstaltungen stehen zur Verfügung.
Es wird ein "Music Kitchen" genannter Dienst angeboten, der Texte, Bilder und Tonmaterial verschiedener Rockbands enthält. NandO arbeitet mit einem
Reisebüro zusammen, um Reservierungen für
Flugtickets und gebührenfreien Ticketverkauf über
das Internet anzubieten. Angesichts der weltweiten
Teilnehmerschaft am Internet verschaffen diese
Produkte dem N&amp;O Zugang zu den Konsumenten und eine Einkommensquelle - weit über sein Absatzgebiet hinaus.

* *

Seite 6

Obwohl Internet eine vollkommen andere Einheit als
eine Zeitung ist, sind die neuen Online-Produkte von
NandO eine Ausweitung des dramatischen Wandels,
der in der N&amp;O-Nachrichtenzentrale und seiner
wissenschaftlichen Bibliothek stattfindet.
"Wenn man einmal digitale Informationen geschaffen
hat, kann man damit alles mögliche anfangen", so
Chefredakteur Daniels. "Und wenn man einmal die
Infrastruktur dafür schafft - und dabei nicht knauserig
ist - kann man damit weit mehr aufrechterhalten als
nur eine Nachrichtenabteilung."
Daniels' systematischer Ansatz enthält eine Unterscheidung zwischen dem N&amp;O und anderen Zeitungen. "In fast allen anderen Nachrichtenzentralen des
Landes wird Gutes geleistet, aber es gibt keine
Synergie", so Daniels. "Sie helfen ihren Zeitungen
nicht bei der Weiterentwicklung, und genau darum
dreht sich doch alles: Wie hilft man dem Unternehmen bei seiner Entwicklung?"

*

*

AMERIKA DIENST 22

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haig: Außen- und Verteidigungspolitik unlösbar verbunden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers vor dem Senat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kampelman bedauert Zurückweisung des westlichen Vorschlags durch die Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des amerikanischen Vertreters bei der KSZE-Folgekonferenz in Madrid -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ministertreffen schafft gute Voraussetzungen für Cancun-Gipfel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Sonderkorrespondenten Eugene Brake -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ressourcen für neue und erneuerungsfähige Energie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bestandaufnahmen für ihre Erschließung -&lt;/em&gt;</text>
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5. August 1992

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KSZE IST VERFECHTER VON MENSCHENRECHTEN UND DEMOKRATISCHEN WERTEN
Präsident Bushs Proklamation
zu Menschenrechten

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FLUCHTLINGSHILFE

USA BEFÜRWORTEN MULTILATERALEN
HILFSPLAN FÜR FLÜCHTLINGE
Rede von Abteilungsleiter Bolton bei der
UNHCR-Konferenz

RÜSTUNGSKONTROLLE

LEHMAN: RÜSTUNGSVERTRÄGE VERSCHIEBEN MILITÄRISCHES KRÄFTEVERHÄLTNIS
Anhörung im Auswärtigen Unterausschuß
des Repräsentantenhauses

CHEMISCHE WAFFEN

CW-VERHANDLUNGEN BEI DER
ABRÜSTUNGSKONFERENZ
Eine Chronologie der ACDA

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�KSZE
5. August 1992

KSZE IST VERFECHTER VON MENSCHENRECHTEN
UND DEMOKRATISCHEN WERTEN
Präsident Bushs Proklamation zu Menschenrechten
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Bush am 28. Juli 1992 und vom
Weißen Haus am 29. Juli 1992 herausgegebene Proklamation zum Helsinki-Tag der Menschenrechte.

Vor nicht ganz zwanzig Jahren, am 1. August 1975,
verabschiedeten die Vereinigten Staaten und Kanada
zusammen mit 33 europäischen Nationen bei der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) die Schlußakte von Helsinki. Mit der
Bekräftigung der "engen Verbindung zwischen Frieden und Sicherheit in Europa und der Welt insgesamt"
vereinbarten die Signatarstaaten der Erklärung die
Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten,
"einschließlich der Meinungs-, Gewissens- und Glaubensfreiheit für alle ohne Unterscheidung nach Rasse,
Geschlecht, Sprache oder Glauben". Die Teilnehmerstaaten sahen in der Achtung von Menschenrechten
den "unabdingbaren Faktor" für die Erlangung von
Frieden, Gerechtigkeit und Zusammenarbeit unter den
Nationen und vereinbarten die friedliche Schlichtung
von Konflikten untereinander auf der Grundlage des
Völkerrechts. Das erste seit 1975 in Helsinki abgehaltene KSZE-Gipfeltreffen in diesem Jahr bot einen
historischen Rahmen zur Erneuerung der Unterstützung der Vereinigten Staaten für eine starke euroatlantische Partnerschaft auf der Grundlage gemeinsamer Ziele und Werte.
Seit ihrer Gründung war die KSZE Verfechter von
Menschenrechten und demokratischen Werten. Ursprünglich 1975 in Helsinki niedergelegt, wurden diese
Normen in den Kopenhagener, Genfer und Moskauer
KSZE-Dokumenten und durch die Pariser Charta von
1990 für ein neues Europa verstärkt und bekräftigt, mit
der die Mitgliedstaaten den bestehenden KSZE-Prinzipien neue und tiefgreifende Verpflichtungen zu politischem Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit hinzufügten. Mit der Pariser Charta wurden ferner neue KSZEInstitutionen wie das Konfliktverhütungszentrum in
Wien zur verbesserten Fähigkeit der Konferenz bei der
Förderung der friedlichen Beilegung von Konflikten
und der Entwicklung stabiler, demokratischer Regierungen gegründet.
AMERIKA DIENST 31

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Konferenz weiterentwickelt, um bei der Aufgabe einer Bewältigung der dramatischen Veränderungen behilflich
zu sein, die in der KSZE-Gemeinschaft durch den
Zusammenbruch des Kommunismus und das Ende
des Kalten Kriegs stattgefunden haben. Zusätzlich zur
Erweiterung ihrer Aktivitäten und Institutionen sowie
ihrer Mechanismen zur Förderung des internationalen
Dialogs und der Zusammenarbeit hat die KSZE neue
Mitglieder aus den aufstrebenden Staaten Mittel- und
Osteuropas sowie den 12 Staaten aufgenommen, die
an die Stelle der Sowjetunion getreten sind. Wir
begrüßen diese neuen KSZE-Teilnehmerstaaten und
die Verpflichtung zu Menschenrechten, für die ihre
Mitgliedschaft steht.
Obwohl insgesamt bei der Förderung von Menschenrechten insbesondere seit den demokratischen Revolutionen, die sich 1989 in Europa vollzogen haben,
große Fortschritte erzielt worden sind, machen heute
einige Staaten nur geringe Fortschritte, während andere erneut in ethnische Konflikte verfallen. Aus
diesem Grund hat das diesjährige Gipfeltreffen in
Helsinki unterstrichen, daß politische Stabilität und
dauerhafter Frieden nur auf echter Respektierung der
Menschenrechte basieren können, die die Grundlage
des KSZE-Konzepts internationaler Sicherheit und
Zusammenarbeit bilden. In Helsinki erschlossen die
Teilnehmerstaaten neues Terrain zur verbesserten
Fähigkeit der KSZE bei der Förderung von Menschenrechten, Bewältigung des Wandels und Konfliktverhütung. Zusätzlich zur Gründung des Büros eines Hohen
Kommissars für nationale Minderheiten, der bei der
Prüfung und Verhütung von Konflikten, die aus Spannungen zwischen ethnischen Gruppen oder Minderheiten resultieren, behilflich sein wird, sieht das Helsinki-Dokument ein erweitertes Büro für demokratische
Institutionen und Menschenrechte in Warschau vor.
Zur Förderung der gewaltfreien Beilegung von KonflikSeite 1

�ten sind im Dokument ferner offizelle Friedensmissionen zur Unterstützung politischer Lösungen niedergelegt, entweder durch die KSZE-Mitgliedstaaten direkt
oder mit Unterstützung anderer internationaler Organisationen wie NATO und Westeuropäische Union (WEU).
Noch heute sieht sich die euro-atlantische Gemeinschaft mit den Herausforderungen der Relikte des
Kalten Krieges konfrontiert. Die Völker in den neu
entstehenden Staaten Europas sehen sich vielen
Schwierigkeiten gegenüber bei ihrem Streben nach
Überwindung der tiefverwurzelten durch Jahrzehnte
sowjetischer Unterdrückung und kommunistischer
Herrschaft erzwungener politischer und wirtschaftlicher Probleme. In dieser Periode grundlegenden
Wandels bieten jedoch die in 1975 in der Schlußakte
von Helsinki niedergelegten und bei den KSZE-Folgetreffen bekräftigten Prinzipien eine kontinuierliche
Richtlinie für friedliche, kooperative Beziehungen zwischen Staaten und für das gerechte und demokratische Verhalten von Regierungen.
In Anerkennung der von der KSZE zur Erweiterung von
Menschenrechten und Entwicklung einer starken euroatlantischen Partnerschaft für Freiheit geleisteten
Beiträge hat der Kongreß mit der Gemeinsamen
Resolution 310 des Senats den 1. August 1992 zum
"Helsinki-Tag der Menschenrechte" erklärt und den

Präsidenten zur Verkündung einer Proklamation im
Gedenken an diesen Tag aufgefordert.
Aus diesem Grund erkläre ich, George Bush, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit den
1. August 1992 zum Helsinki-Tag der Menschenrechte
und bekräftige die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zur Aufrechterhaltung der menschlichen Würde
und Freiheit - Prinzipien, die in der Schlußakte von
Helsinki verankert sind. Wenn wir Amerikaner diesen
Tag mit Programmen und Veranstaltungen feiern,
sollten wir uns all derjenigen mutigen Bürger und
Gruppen erinnern, die enorme Opfer zur Sicherung
des Friedens gebracht haben, dessen wir uns alle
erfreuen. Die von Gott gegebenen und in unserer
Unabhängigkeitserklärung bekräftigten und von unserer Verfassung garantieren unveräußerlichen Rechte,
um die zahlreiche Menschen auf der Welt noch kämpfen. Auf der vor 17 Jahren in Helsinki gelegten
Grundlage, die dort im vergangenen Monat verstärkt
wurde, wollen wir uns erneut verpflichten, Frieden und
Freiheit zum gemeinsamen Vermächtnis für uns alle
zu machen.
Zum Zeugnis dessen habe ich am achtundzwanzigsten Tag des Juli im Jahre des Herrn neunzehnhundertundzweiundneunzig und im zweihundertsiebzehnten Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten
von Amerika dieses Dokument unterzeichnet.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 31

�FLUCHTLINGSHILFE
5. August 1992

USA BEFÜRWORTEN MULTILATERALEN
HILFSPLAN FÜR FLÜCHTLINGE
Rede von Abteilungsleiter Bolton bei der UNHCR-Konferenz
GENF- (AD) - Der Abteilungsleiter im US-Außenministerium für internationale Organisationsfragen, John Bolton,
erklärte am 29. Juli 1992, die Vereinigten Staaten seien bereit, anderen Nationen bei der Erarbeitung eines
multilateralen Plans behilflich zu sein, um den rund 2,2 Millionen Flüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien
mehr humanitäre Hilfe leisten zu können.
In einer Rede bei der internationalen Konferenz des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen
(UNHCR) in Genf fügte Bolton hinzu: "Unseres Erachtens müssen die Nachbarstaaten und Länder im ehemaligen Jugoslawien" in Zusammenarbeit mit dem UNHCR und den Vereinten Nationen unter der Schirmherrschaft
des Stellvertretenden Generalsekretärs der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten "die Führungsrolle bei der Erarbeitung und Durchführung dieses Plans übernehmen".
Mit dem Herannahen des Winters müssen die Geldgeber und der UNHCR "sich auf Unterkünfte konzentrieren".
In der Zwischenzeit, so Bolton, werden die Vereinigten Staaten die Dienste von Wohnungsexperten zur
Verfügung stellen, um eine Strategie zu entwicklen, die sich darauf konzentriert, die äußerst knappen Mittel für
die Verbesserung bestehender Quartiere zu verwenden und diese winterfest zu machen. Bis heute haben die
Vereinigten Staaten humanitäre Hilfe im Wert von rund 51 Millionen Dollar für Bosnien-Herzegowina bereitgestellt.
Bolton bekräftige darüber hinaus die Forderung der Vereinigten Staaten, daß alle Parteien in Bosnien
"unverzüglich einen Waffenstillstand einhalten, zu dem sie sich bei so zahlreichen Gelegenheiten verpflichtet
haben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Bolton im Wortlaut.
Wir kommen in einem kritischen Moment der europäischen Geschichte als Reaktion auf die größte Flüchtlingskrise in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zusammen. Unsere Antwort auf die dringenden
Bedürfnisse von rund 2,2 Millionen Flüchtlingen und
Umsiedlern in Jugoslawien und den benachbarten
Ländern ist ein Test der Fähigkeit der internationalen
Staatengemeinschaft, kollektiv, unverzüglich und effektiv zu handeln. Wir sind zusammengekommen, um
zu erörtern, wie wir den heimatlos gewordenen Zivilisten helfen können, die sich in außerordentlich schwierigen Umständen in ihren Ländern befinden und wie wir
am besten die Flüchtlinge schützen und versorgen
können, die bei der Flucht vor dem Kreuzfeuer des
Kampfes internationale Grenzen überschreiten.
Gleichzeitig versucht die internationale Staatengemeinschaft in anderen Foren - mit der EG und der
Unterstützung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen - die erfoderliche politische Schlichtung zur

AMERIKA DIENST 31

Beendigung der Krise herbeizuführen, die den Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimat ermöglichen wird.
In diesem Zusammenhang waren die Vereinigten
Staaten außerordentlich enttäuscht, daß der in dem
Londoner Abkommen vom 17. Juli 1992 vereinbarte
Waffenstillstand für Bosnien-Herzegowina nicht eingehalten wurde. Wir fordern erneut alle Seiten zur
unverzüglichen Erfüllung ihrer zahlreichen Verpflichtungen zu einem Waffenstillstand sowie zur uneingeschränkten Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats auf. Wir fordern die Beendigung der
"ethnischen Säuberungsaktionen", die eine verabscheuungswürdige Ursache der Flüchtlingskrise sind sowie
eine verhängnisvolle Erinnerung an ein dunkles Kapitel der Vergangenheit Europas. Wir dürfen nicht
unwissentlich zulassen, daß unsere humanitären
Reaktionen zur Duldung oder Konsolidierung der Ziele
dieser völlig inakzeptablen Politik führen.

Seite 1

�Für diejenigen, die humanitäre Hilfe in Bosnien-Herzegowina zu leisten versuchen, ist die Situation gefährlich. Wir wissen die stillen und professionellen Heldentaten der Mitarbeiter der UN-Schutztruppe (United
Nations Protection Force - UNPROFOR) zu würdigen,
die ihr Leben riskieren, um verzweifelten Menschen
Hilfe zu bringen. Wir begrüßen die unermüdlichen
Bestrebungen von Frau Ogata und ihren Mitarbeitern,
diejenigen in der schwierigsten Notlage zu erreichen.
Wir wissen die kontinuierliche und mutige Arbeit des
Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zu schätzen. Wir sind zutiefst dankbar für die von zahlreichen
nichtstaatlichen Organisationen zu diesen Bestrebungen geleisteten Beiträge. Wir sind uns der enormen
Last bewu ßt, die diese Aufgabe dem UNHCR und dem
gesamten UN-Nothilfeteam auferlegt.
Unserer Meinung nach sollte sich die internationale
Staatengemeinschaft auf Mechanismen einigen, um
den vordringlichsten Bedürfnissen der Flüchtlinge und
Vertriebenen Rechnung zu tragen. Die heutigen
Überlegungen müssen Wege einbeziehen, um die
Rechte von Minderheiten zu schützen, wenn eine
politische Einigung erzielt wird. Insbesondere sind wir
besorgt über die Zwangslage der vertriebenen Muslime. Diejenigen von uns, die Mitglieder der nordatlantischen Gemeinschaft sind und so oft die Führungsrolle bei der Verteidigung von Menschenrechten übernehmen, dürfen nicht die grundlegenden Rechte der
bosnischen Muslime ignorieren. In dieser Hinsicht
freuen wir uns, die Entscheidung des Justizministers
bekanntzugeben, daß Bosnier berechtigt sind, den
Status des temporären Schutzes in den Vereinigten
Staaten zu beantragen.
Unserer Ansicht nach liegt, unabhängig von der echten
Notwendigkeit eines Waffenstillstands, der Schlüssel
zur unmittelbaren Lösung der Krise in einem funktionsfähigen und einheitlichen multilateralen Plan, der sich
auf verschiedene wichtige Elemente konzentriert:
1.

vor allem Hilfsgüter in die Region zu schaffen,
auch wenn dabei Widerstände überwunden
werden müssen;

2.

UN-Koordinierung von Hilfe einzelner europäischer Länder und anderer Regierungen durch
den Stellvertretenden Staatssekretär des Generalsekretärs für humanitäre Angelegenheiten
und den UNHCR als federführende Behörde;

3.

Teilung der Kostenlast und gegebenenfalls der
zeitweisen Unterkunft und des Schutzes der
Menschen;

4.

Austausch von Informationen, Untersuchungen
und technischen Möglichkeiten, um die grundlegenden humanitären Bedürfnisse der Gefährdeten abzudecken;

5.

Denjenigen Ländern im ehemaligen Jugoslawien mu ß koordinierte, umfangreiche und effek-

Seite 2

tive Hilfe geleistet werden, die am meisten durch
Flüchtlinge belastet werden; und schließlich
6.

müssen Bedingungen geschaffen werden, unter denen Nachbarstaaten sich nicht gezwungen sehen, die Flüchtlinge aus dem ehemaligen
Jugoslawien daran zu hindern, in ihre Länder zu
kommen, um dort zeitweise Schutz und Obdach
zu suchen.

Wir müssen engagiert an der vordringlichen Erarbeitung eines solchen multilateralen Plans arbeiten.
Unseres Erachtens nach müssen die Nachbarstaaten
und Länder im ehemaligen Jugoslawien zusammen
mit dem UNHCR und dem Stellvertretenden Generalsekretär der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten die Führungsrolle bei der Erarbeitung und
Durchführung dieses Plans übernehmen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, dabei zu helfen.
Wir haben unsererseits bis jetzt insgesamt humanitäre
Hilfe im Umfang von etwa 51 Millionen Dollar geleistet.
Dazu zählt die Bereitstellung von Nahrungs- und Arzneimitteln, Unterstützung durch eine Luftbrücke und
direkte Beiträge an den UNHCR, UNICEF und das
IKRK. Wir werden weiterhin umfangreiche und kontinuierliche Unterstützung mit Ressourcen leisten, die
den dringendsten Bedürfnissen der Menschen Rechnung tragen, die durch diese große Tragödie unserer
Zeit entwurzelt wurden.
Wir haben das Konzept des temporären Schutzes und
der Hilfe für Flüchtlinge betont, weil unser Ziel darin
besteht, daß Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückkehren, sobald eine politische Einigung erzielt wurde
und die internationale Staatengemeinschaft sicher sein
kann, daß es ausreichende Mechanismen gibt, um die
Rechte von Minderheiten langfristig zu schützen. Auch
wenn wir daran arbeiten, Mechanismen für die zeitweisen Bedürfnisse der Bevölkerung im ehemaligen
Jugoslawien zu schaffen, darf die internationale Staatengemeinschaft nicht in ihren Bestrebungen nachlassen, eine politische Lösung herbeizuführen, die auf die
tieferen Ursachen dieser schrecklichen Tragödie eingeht.
Bei unserer Arbeit an einem Plan für humanitäre Hilfe
fordern wir alle Länder auf, ihre großzügigen Anstrengungen fortzusetzen und den Menschen im ehemaligen Jugoslawien Hilfe zu leisten, auch durch Konvois
und Luftbrücken humanitärer Hilfe und ihnen gegebenenfalls zeitweise Obdach und Schutz zu gewähren.
In dieser Hinsicht und vor allem im Hinblick auf den
herannahenden Winter müssen die Spender und der
UNHCR sich auf Unterkünfte konzentrieren. Ich freue
mich, ankündigen zu dürfen, daß wir die Dienste
mehrerer Teams von Wohnungsexperten anbieten
können, die an einer Strategie mitarbeiten werden, um
äußerst knappe Ressourcen auf den Ausbau und die
Winterfestigkeit bestehender Quartiere zu verwenden.
Mit jedem Tag wird diese Aufgabe vordringlicher.
AMERIKA DIENST 31

�Zum Schluß und um sicherzustellen, daß diese Bestrebungen und Ressourcen Früchte tragen, wiederhole ich unsere Forderung - die kollektive Forderung
derjenigen, die entsetzt sind über die Verschwendung
und das Leiden, die uns zusammengeführt haben daß alle Parteien in Bosnien-Herzegowina unverzüglich einen Waffenstillstand einhalten, zu dem sie sich
*

AMERIKA DIENST 31

bei zahlreichen Gelegenheiten verpflichtet haben. Sie
müssen sich voll und ganz an die Resolutionen des
Sicherheitsrats halten und mit dem EG-Präsidenten
kooperieren, um eine Konferenz zu organisieren, die
eine politische Einigung bei dieser schrecklichen Krise
bewirkt, die den Frieden in einem großen Teil Europas
gefährdet.

* * *

*

Seite 3

�RÜSTUNGSKONTROLLE
5. August 1992

LEHMAN: RÜSTUNGSVERTRÄGE VERSCHIEBEN
MILITÄRISCHES KRÄFTEVERHÄLTNIS
Anhörung im Auswärtigen Unterausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - Der Leiter des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) erklärte, wenn
Verträge zur Reduzierung strategischer, konventioneller und chemischer Waffen sowie Kernwaffen kurzer
Reichweite vollständig durchgeführt werden, "diese Ergebnisse zu einer Umwaldung des militärischen Kräfteverhältnisses führen, einem Merkmal der Konfrontation im Kalten Krieg".
Botschafter Ronald Lehman erläuterte vor einem Auswärtigen Unterausschuß des Repräsentantenhauses am
30. Juli 1992, es habe im Bereich der Rüstungskontrolle in den vergangenen fünf Jahren "unglaubliche
Leistungen" gegeben, und weitere Errungenschaften zeichneten sich ab.
Ein multilateraler Vertrag über ein Verbot chemischer Waffen wird Lehman zufolge möglicherweise bis Ende
dieses Jahres abgeschlossen und "Jahre der Verhandlungen über eine weltweite Chemiewaffenkonvention
beenden". Die Konvention, so Lehman, "würde eine wichtige internationale Norm gegen diese schrecklichen
Waffen liefern".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Anhörung von Botschafter Lehman in wesentlichen Auszügen.

Ergebnisse bei der Rüstungskontrolle
In den vergangenen Jahren haben die Vereinigten
Staaten eine Reihe ihrer langfristigen Rüstungskontrollziele verwirklicht, von denen viele als unerreichbar
galten. Seit mehr als einer Generation waren wir
bestrebt, die unsere Existenz als Nation bedrohenden
strategischen Nuklearwaffen der Sowjets zu reduzieren und das strategische Gleichgewicht stabiler zu
machen. Im letzten Jahr, nach zehn Jahren gewissenhafter Verhandlungen, wurde der START-Vertrag
geschlossen, das erste Abkommen, mit dem tatsächlich strategische Offensivwaffen reduziert wurden.
Diese Leistung, zusammen mit den durch die Veränderungen in der ehemaligen Sowjetunion gegebenen
Impulsen legten den Grundstein für eine Reihe neuer
Fortschritte bei der Rüstungskontrolle. Präsident Bushs
Initiative zu Nuklearwaffen von September 1991,
ermöglicht durch die tatsächlichen oder ermutigten
Veränderungen von INF, KSE und START, setzten
einen Prozeß der Reduzierung oder Eliminierung ganzer
Kategorien von nuklearen Kurzstreckenwaffen in Gang.
In jüngster Zeit baute im letzten Monat die Gipfelvereinbarung zwischen den Präsidenten Bush und Jelzin
über weitere wichtige Reduzierungen bei Nuklearwaffen auf dem START-Vertrag auf und wird die vollstän-

AMERIKA DIENST 31

dige Beseitigung landgestützter schwerer Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen erfordern.
Den Herausforderungen der Modernisierung von START
- um den veränderten geopolitischen Realitäten gerecht zu werden und angesichts der Auflösung der
Sowjetunion das Auftreten neuer Atommächte zu
verhindern - wurde erfolgreich in einem Protokoll zum
START-Vertrag Rechnung getragen, das die neuen
Staaten Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine zu Parteien dessen macht, was früher ein bilaterales Abkommen mit der Sowjetunion war. In rechtsverbindlichen Schreiben an Präsident Bush verpflichten
sich Belarus, Kasachstan und die Ukraine zur Zerstörung aller Nuklearwaffen und aller strategischen Offensivwaffen auf ihrem Territorium innerhalb der vom
START-Vertrag vorgeschriebenen Siebenjahresfrist.
Das START-Protokoll verpflichtet die drei nichtrussischen Staaten, so bald wie möglich dem Nichtverbreitungsvertrag als Nicht-Atommächte beizutreten.
Im konventionellen Bereich haben wir lange danach
gestrebt, das militärische Ungleichgewicht in Europa
aufzuheben, um die Aussicht eines konventionellen
Angriffs auf Westeuropa zu reduzieren, der einen
nuklearen Konflikt auslösen könnte. Auch dieses Ziel
wird durch den KSE-Vertrag erreicht, der Obergrenzen

Seite 1

�für Kategorien militärischen Geräts und für Waffen wie
Panzer, Artillerie und Kampfflugzeuge vorsieht, die für
eine Offensive am besten geeignet sind, und ebenso
durch das soeben unterzeichnete KSE-1A-Abkommen zur Begrenzung von Truppen.
In dem Bestreben zur Erhöhung von Transparenz und
Offenheit bei militärischen Aktivitäten in Europa wurden in den vergangene.! zwei Jahren in Wien zwei
Dokumente über Vertrauens- und sicherheitsbildende
Maßnahmen erzielt, ferner der Vertrag über Offene
Himmel, mit dem Transparenz bei militärischen Aktivitäten erzielt werden soll, indem ein Überfliegen des
gesamten Territoriums aller Parteien gestattet wird.
Unser Bestehen auf Inspektionsregimen hat zu einmaligen Bestimmungen für den Zugang zu Einrichtungen
in folgenden Verträgen geführt: INF, START, KSE,
Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken und dem
Schwellenvertrag.
Unsere Bestrebungen zur Erlangung eines verfizierbaren Verbots über chemische Waffen haben ein
bilaterales Chemiewaffenabkommen zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland hervorgebracht, das
die Zerstörung des größten Teils unserer Chemiewaffenarsenale fordert. In diesem Jahr könnten wir Jahre
der Verhandlungen über eine weltweite Chemiewaffenkonvention beenden. Damit würde eine wichtige
internationale Norm gegen diese schrecklichen Waffen geliefert. Wenn diese Ergebnisse vollständig durchgeführt sind, werden sie zu einer Umwaldung des
militärischen Kräfteverhältnisses führen, einem Merkmal der Konfrontation im Kalten Krieg.
Ebenso wie die Beendigung des Kalten Krieges weder
das Ende großer nuklearer Arsenale noch das Ende
großer Armeen bedeutet hat, steht sie auch nicht für
das Ende regionaler, politischer, ethnischer und historischer Konflikte und ihres Potentials für großangelegte Gewalt. Mit dem Ende des Kalten Kriegs verdoppeln
wir unsere Bestrebungen im Hinblick auf die Verhinderung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Herausforderungen heute
Die geopolitische Landschaft setzt ihre tektonischen
Veränderungen fort. Die früher bipolare Konfrontation
der Supermächte wurde schnell von einem internationalen System abgelöst, das von regionaler Instabilität
gekennzeichnet ist, und eine neue Tagesordnung für
Rüstungskontrolle ist entstanden. Ganz oben auf
dieser Tagesordnung steht das Problem der Verbreitung, ein Thema, das nicht immer die ersten Seiten
eingenommen hat, aber seit langem ein wichtiger
Bereich des ACDA-Mandats war. Die Vereinigten
Staaten suchen die Verbreitung einzudämmen, indem
sie sowohl die Seite des "Angebots" als auch die der
"Nachfrage" angehen. Um das Angebot einzuschränken, ermutigen die Vereinigten Staaten Verpflichtungen der Händler zur Kontrolle von Exporten, die einer
Verbreitung Vorschub leisten könnten. Die Politik der
Vereinigten Staaten geht auf die Nachfrage ein, indem

Seite 2

sie bei der Lösung grundsätzlicher politischer Fragen
hilft, die Nationen dazu bewegen, sich Massenvernichtungswaffen zu beschaffen.
In einer Reihe von Länder Osteuropas, der ehemaligen Sowjetunion und Regionen wie Südasien, der
Halbinsel Korea und dem Nahen Osten ist das potentielle Risiko eines bewaffneten Konflitks nach wie vor
hoch. Die Erarbeitung angemessener und effektiver
Ansätze für regionale Rüstungskontrolle erlangt daher
größere Aufmerksamkeit und Priorität im amerikanischen Programm der nationalen Sicherheit. Eine
wichtige, vordringliche Sicherheitsfrage im Umgang
mit diesen regionalen Pulverfässern lautet, wie die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen einzudämmen sowie Mehrzwecktechnologie zu sichern ist, während man gleichzeitig
versucht, friedliche Lösungen für die zugrundeliegenden Ursachen regionaler Konflikte zu finden.
Präsident Bush hat kürzlich eine umfassende Initiative
angekündigt, um Nichtverbreitung auf globaler und
regionaler Ebene anzusprechen. Sie enthält Bestrebungen zur Stärkung globaler Nichtverbreitungsnormen, regionaler Rüstungskontrollinitiativen im Nahen
Osten, Südasien und der Halbinsel Korea sowie Schritte, die mit den Ländern der ehemaligen Sowjetunion
unternommen werden müssen, wie die Sicherheit der
Führungs- und Kontrolleinrichtungen bei Kernwaffen,
Methoden des sicheren Transports, der Lagerung und
Zerstörung von Kernwaffen, Wissenschafts- und
Technologiezentren für ehemalige sowjetische Wissenschaftler und die Zerstörung chemischer Waffen.
Sie umfaßt darüber hinaus eine Entscheidung, daß die
Vereinigten Staaten fortan kein Plutonium und hochangereichertes Uran zum Zweck von Kernexplosionen
herstellen. Diese Veränderung in der amerikanischen
Politik soll Länder im Nahen Osten und anderen Spannungsregionen, die im Hinblick auf die Weiterverbreitung Anlaß zur Sorge geben, ermutigen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen und Entnuklearisierungsabkommen zu fördern, ähnlich dem, das mit Nord- und
Südkorea vereinbart wurde.
In einem weiteren Bestreben, ein Beispiel der Zurückhaltung im neuen internationalen Umfeld zu sein,
haben die Vereinigten Staaten kürzlich ihre Position zu
Atomtests neu bewertet. Im Einklang mit der Notwendigkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten, werden die Vereinigten Staaten ein Minimum an
Atomtests durchführen - nicht mehr als sechs pro Jahr
- von denen nicht mehr als drei über 35 Kilotonnen
umfassen. Unserer Meinung nach ist dies ein wichtiger Schritt, der voll und ganz im Einklang mit der
einzigartigen Führungsrolle der Vereinigten Staaten
steht.
Dieser neue politische Bedarf zusammen mit den
Durchführungs- und Verifizierungserfordernissen von
bereits erzielten Abkommen machen insgesamt das
amerikanische Rüstungskontrollprogramm vielseitiger.
Die Ratifizierung und das Inkrafttreten von START und
AMERIKA DIENST 31

�KSE werden zu einem Prozeß der langjährigen Durchführung und Verifizierung in einem Umfang führen, der
weit über alle bisherigen Erfahrungen der US-Regierung hinausgeht.
Die multilaterale Chemiewaffenkonvention mit ihren
begleitenden Durchführungs- und Verifikationsbestimmungen ist erwartungsgemäß bald unterschriftsreif.
Zukünftige ACDA-Aktivitäten
Noch während wir diese neuen Sicherheitsherausforderungen definieren, mit denen sich die Vereinigten
Staaten konfrontiert sehen, werfen einige die Frage
auf, ob Rüstungskontrollabkommen durch das Ende
des Kalten Krieges an Bedeutung verloren haben. In
der Tat wird Rüstungskontrolle nach wie vor ein Schlüsselelement unserer nationalen Sicherheitspoltik und
auswärtigen Beziehungen sein. Rüstungskontrolle
wird auch in Zukunft für uns von Bedeutung sein als
Instrument für Konfliktbewältigung und Abbau von
Bedrohungen - ebenso wie sie es in der Ära der OstWest-Konfrontation war, die wir hinter uns lassen.
In dem, was wir als den Ost-West-Zusammenhang
bezeichnet haben, hat sich zu Recht ein "spannendes
Drama "für zahlreiche unserer jüngsten Rüstungskontrollerfolge abgespielt. Solche Meilensteine werden
wiederkehren wenn wir die Konvention über chemische Waffen unterzeichnen. Es ist weiterhin unabdingbar, daß diese Abkommen vollständig verwirklicht
werden, und dies stellt eine große, kontinuierliche
Aufgabe dar. Darüber hinaus haben die Präsidenten
Bush und Jelzin einen neuen, kooperativeren Ansatz
zu Sicherheit und Stabilität entworfen. Beispielsweise
wird strategische Verteidigung als neue Domäne
kooperativer Entwicklung sondiert und verlagert damit
unsere traditionellen Rüstungskontrollprobleme bei der
strategischen nuklearen Stabilität auf einen sehr viel
vielversprechenderen Weg. Die Beziehungen zwischen offensiv und defensiv sind eine Quintessenz der

Rüstungskontrolle wie auch eine Angelegenheit der
nationalen Sicherheit.
Darüber hinaus könnte Rüstungskontrolle in der gesamten Bandbreite von Mitteln nationaler Sicherheit
und Außenpolitik bei der Bewältigung mit dem noch
Undefinierten Umfeld nach dem Kalten Krieg für uns an
Bedeutung gewinnen. In diesem neuen Umfeld sehen
wir uns mit den wichtigen Aufgaben konfrontiert, die
Verpflichtung zu demokratischen Institutionen zu unterstützen und beim Aufbau stabiler Sicherheitsregime
in Europa, dem Nahen Osten und Ostasien behilflich
zu sein.
Rüstungskontrolle wird aus verschiedenen Gründen
für unsere Beziehungen mit traditionellen Verbündeten und Freunden und unsere neuen Beziehungen mit
ehemaligen Gegnern lebenswichtig sein. Rüstungskontrolle wird sich als unschätzbar dabei erweisen, der
Welt bei der Eindämmung von Konflikten, Abbau des
Vernichtungspotentials, Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und Untermauerung des Strebens nach Frieden zu
helfen.
Entsprechend benötigen wir innovative Ansätze zur
Rüstungskontrolle bei unserer nationalen Sicherheit
und Außenpolitik, während wir unsere Bestrebungen
gegen die Weiterverbreitung nuklearer, chemischer
und biologischer Waffen verdoppeln und neue Wege
suchen, der Verbreitung ballistischer Raketen Einhalt
zu gebieten. Die kombinierten Gefahren der Verbreitung von Fähigkeiten und Fachwissen der ehemaligen
Sowjetunion sowie die Bestrebungen solcher Staaten
wie Irak zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen werden unsere Erfindungsgabe über ein breites
Spektrum hinweg auf die Probe stellen. Rüstungskontrollinitiativen und Aufgaben in diesen neuen Bereichen von Herausforderungen sind entscheidend für
die zukünftige weltweite Führungsrolle beim Aufbau
globaler Sicherheit.
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Seite 3

�CHEMISCHE

WAFFEN
5. August 1992

CW-VERHANDLUNGEN BEI DER
ABRÜSTUNGSKONFERENZ
Eine Chronologie des ACDA
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Chronologie wurde am 22. Juli 1992 vom Amt für
Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) herausgegeben. Sie trägt den Titel "Verhandlungen über chemische
Waffen bei der Abrüstungskonferenz".

Nachfolgend wird auf einige der Schlüsselereignisse
der Verhandlungen über chemische Waffen bei der
Abrüstungskonferenz (Conference on Disarmament CD) und ihren Vorläufern, der Konferenz des Abrüstungsausschusses und dem Abrüstungsausschuß
verwiesen, die uns an einen Punkt gebracht haben, an
dem die Unterzeichnung einer Chemiewaffenkonvention in diesem Jahr möglich erscheint.
15. März 1962
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion unterbreiten Pläne für die allgemeine und vollständige Abrüstung beim 18-Nationen Abrüstungsausschuß, die
Bestimmungen für die Beseitigung chemischer und
biologischer Waffen umfassen.
15. August 1968
Chemische Waffen erscheinen auf der Tagesordnung
der Konferenz des Abrüstungsausschusses (Conference of the Committee on Disarmament - CCD) in
Genf.
27. Juni-3. Juli 1974
Beim Moskauer Gipfel vereinbaren die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion bilaterale Gespräche mit
dem Ziel der Erarbeitung eines gemeinsamen Vorschlags zum Verbot chemischer Waffen, der bei der
CCD unterbreitet werden soll.
17. März 1980
Beim Abrüstungsausschuß (CD) wird eine Ad-hocArbeitsgruppe über chemische Waffen ins Leben gerufen. (Der CD ist Nachfolger der CCD).

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4. Februar 1983
Vizepräsident Bush erklärt beim CD folgende Bedingungen der Vereinigten Staaten für ein verifizierbares
Verbot der Herstellung, Lagerung und Verbreitung
chemischer Waffen:
Offenlegung und systematische internationale
Vor-Ort-Inspektionen der Chemie waffenarsenale und Produktionseinrichtungen sowie Offenlegung der Pläne zur Zerstörung von Arsenalen;
systematische internationale Vor-Ort-Inspektion
bei der Zerstörung sowohl von Chemiewaffenarsenalen als auch von Produktionsstätten;
Offenlegung und Vor-Ort-Inspektionen des
Betriebs anderer Einrichtungen für die legale
Herstellung von Chemikalien, die ein besonderes Risiko darstellen, bei der Herstellung von
Chemiewaffen eingesetzt zu werden; und
einen multilateralen Mechanismus für den
Umgang mit Fragen der Einhaltung.
Juni 1983
Die Vereinigten Staaten legen bei der Abrüstungskonferenz ein Papier vor, aus dem hervorgeht, wie eine
Zerstörung der Arsenale verifiziert werden kann. Der
US-Ansatz kombiniert den umfangreichen Einsatz von
Vor-Ort-Instrumenten mit kontinuierlicher Beobachtung durch internationale Inspektoren.
23. August 1983
Die Vereinigten Staaten laden CD-Teilnehmer- und
Beobachterdelegationen zu einem Workshop auf der
Testeinrichtung zur Zerstörung chemischer Waffen in

Seite 1

�Tooele (Utah) ein. Die Sowjetunion und der Warschauer Pakt (außer Rumänien) lehnen die Einladung
ab.
14.-16. November 1983
Fünfzig Diplomaten aus 30 CD-Ländern nehmen am
Workshop zur Verifizierung chemischer Waffen in
Tooele (Utah) teil.
18. April 1984
Bei der Abrüstungskonferenz (der neuen Bezeichnung
für den Abrüstungsausschu ß) legt Vizepräsident Bush
einen Vertragsentwurf der Vereinigten Staaten vor,
der ein weltweites Verbot von Entwicklung, Erwerb,
Herstellung, Lagerung, Verbreitung und Einsatz chemischer Waffen vorsieht. Der Plan fordert systematische Vor-Ort-Inspektionen von Produktionseinrichtungen für Chemiewaffen, um die Einhaltung zu gewährleisten.

21.-23. Februar 1989
Die Vereinigten Staaten führen eine Probeinspektion
in einem privaten amerikanischen Chemiewerk durch.
Dies ist Teil eines Experiments zur Entwicklung von
Verfahren für ein Regime von Routineinspektionen,
das Vertrauen schaffen und Sicherheitsbedingungen
erfüllen würde, ohne die zivile Chemieindustrie erheblich zu beeinträchtigen.
Die Sowjetunion und andere CD-Mitglieder führen
daraufhin ähnliche Probeinspektion bei ihrer eigenen
Chemieindustrie durch.
7 . - 9 . Februar 1990
Die Außenminister Baker und Schewardnadse vereinbaren einen Aktionsrahmen, um die Verhandlung über
eine Chemiewaffenkonvention bei der Abrüstungskonferenz zu beschleunigen.

&gt;

I.Juni 1990
Die Sowjetunion lehnt den amerikanischen Vertragsentwurf sofort ab. Dennoch ist es im wesentlichen der
Entwurf von 1984, der die Diskussionsgrundlage der
Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Abrüstungskonferenz bildet. Das Dokument, in das infolge der CD-Verhandlungen Veränderungen eingearbeitet wurden, wird
inoffiziell als "rolling text" bezeichnet.
10. Juli 1986
Die Vereinigten Staaten legen der Abrüstungskonferenz Informationen über ihre Chemiewaffenarsenale
und die Standorte dieser Arsenale vor - als erstes CDMitglied.
6. August 1987
Der sowjetische Außenminister hält eine Rede bei der
Abrüstungskonferenz und akzeptiert prinzipiell verbindliche Verdachtsinspektionen ohne Verweigerungsrecht. Er lädt die CD-Delegationen in die militärische
Einrichtung Schikani ein und spricht eine Einladung in
die im Bau befindliche Einrichtung zur Chemiewaffenzerstörung in der Nähe von Tschapajewk aus. Am 3.
und 4. Oktober 1987 besucht eine multilaterale CDDelegation die sowjetische CW-lnstallation in Schikani, um Munitionen und eine mobile Zerstörungsanlage
zu besichtigen.
28. Juli 1988
In einer Rede bei der Abrüstungskonferenz legt der
amerikanische Botschafter Max Friedersdorf den
Standort aller US-Produktionsstätten für Chemiewaffen offen und erläutert Pläne für deren Zerstörung bei
einem Chemiewaffenverbot. Die Vereinigten Staaten
fordern die Sowjetunion und andere Länder auf, dasselbe zu tun.

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Beim Gipfel in Washington unterzeichnen die Präsidenten Bush und Gorbatschow das amerikanischsowjetische Abkommen über die Zerstörung und das
Herstellungsverbot chemischer Waffen sowie Maßnahmen zur Förderung der multilateralen Chemiewaffenkonvention (Multilateral Chemical Weapons Convention - CWC). Schlüsselbestimungen dieser wichtigen Vereinbarung sind:
die Einstellung der Herstellung von Chemiewaffen bei Inkrafttreten und die Zerstörung des
größten Teils der bekannten Arsenale bis Ende
1992. Bis zum Jahr 2002 soll ein Niveau von
5.000 Tonnen Kampfstoff erreicht sein;
Vor-Ort-Inspektionen während und nach dem
Prozeß der Zerstörung, um diese zu bestätigen,
und
Entwicklung und Einsatz sicherer und umweltverträglicher Zerstörungsmethoden.
13. Mai 1991
Präsident Bush kündigt eine neue Reihe von Schritten
an, um die Aussichten eines baldigen erfolgreichen
Abschlusses der Chemiewaffenkonvention zu stärken. Der Präsident erklärt, die Vereinigten Staaten
würden in dieser Hinsicht folgende Maßnahmen ergreifen:
offiziell dem Einsatz von Chemiewaffen aus
jedwedem Grund entsagen, einschließlich der
Vergeltung gegen einen Staat, mit Wirkung von
dem Zeitpunkt, da die Konvention in Kraft tritt
und vorschlagen, daß alle Länder dem folgen vorausgesetzt, die Sowjetunion ist ebenfalls
Vertragspartner;

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,

i

�sich bedingungslos für die Zerstörung all ihrer
Chemiewaffenarsenale innerhalb von zehn
Jahren nach Inkrafttreten einsetzen und vorschlagen, daß alle anderen Länder dasselbe
tun;
anderen technische Hilfe anbieten, damit sie
ihre Chemiewaffenarsenale effektiv und sicher
zerstören können;
die Festlegung eines Termins zum Abschluß
der Konvention fordern und empfehlen, daß die
Konferenz gegebenenfalls ständig tagt, um dieses
Ziel zu erreichen;
neue und effektive Verifizierungsmaßnahmen
für Inspektionsorte vorschlagen, an denen die
Herstellung oder Lagerung chemischer Waffen
vermutet wird;
vorschlagen, daß die Konvention von den Parteien verlangt, den Handel mit chemiewaffenfähigem Material mit Staaten zu verweigern, die
nicht Mitglieder der Konvention sind, um greifbare Vorteile für diejenigen Staaten zu erzielen,
die der Konvention beitreten und solchen strenge Strafen aufzuerlegen, die sie nicht unterstützen; und
bestätigen, daß die Vereinigten Staaten alle
erforderlichen Sanktionen für die Verletzung der
Konvention verhängen, insbesondere den Einsatz chemischer Waffen.

19. März 1992
Der australische Außenminister Garth Evans präsentiert einen Vertragsentwurf, der Kompromißlösungen
für ausstehende Probleme anbietet, als Basis für den
baldigen Abschluß der Abrüstungsverhandlungen. Die
Vereinigten Staaten begrüßen die australischen Bestrebungen und unterstützen den damit repräsentierten Prozeß. Der australische Text weicht in einer
Reihe wichtiger Bereiche von den amerikanischen
Positionen ab. Die Vereinigten Staaten bekunden
jedoch ihre Hoffnung, daß er zur Lösung anhängiger
Probleme beiträgt und einen Abschluß der Chemiewaffenkonvention 1992 zuläßt - wie es Präsident Bush
wiederholt gefordert hat.
22. Juni 1992
Der Vorsitzende des Ad-Hoc-Ausschusses über Chemiewaffen bei der Abrüstungskonferenz, der Deutsche Adolf von Wagner, veröffentlichte mit dem Ziel
einer Beschleunigung des Prozesses, den Entwurf
eines "Schlußtextes" zur Beurteilung. Dieser Entwurf
ist ein vollständiger Text, und er umfaßt durch Konsens erzielte Kompromisse ebenso wie die vom Vorsitzenden selbst vorgeschlagene Sprachregelung mit
Kompromissen bei ungelösten wichtigen Themen.
26. Juni 1992
Die zweite Sitzung der Abrüstungskonferenz schloß
mit einer Erörterung der Erklärungen des Vorsitzenden zum neuen Text.

15. Juli 1991

20. Juli 1992

Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Australien
und Japan legen bei der Abrüstungskonferenz gemeinsam einen Vorschlag über Verdachtsinspektionen vor, woraufhin die Vereinigten Staaten einen
Vorschlag über die Verfahrensweise bei Inspektionen
bekannter Einrichtungen unterbreiten.

Die Abrüstungskonferenz wird wiederaufgenommen.
23. Juli 1992
Die Vereinigten Staaten akzeptieren den Entwurf des
Vorsitzenden zu einer Chemiewaffenkonvention.
Bei ihrem Abschluß wird die Konvention über chemische Waffen die Herstellung, den Erwerb, die Lagerung und den Einsatz chemischer Waffen verbieten.

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