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                    <text>^° s ^&lt;

AMERIKA DIENST

5.

Februar

1986

J»

I N H A L T

Dokumentation
Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation
- 4. Februar 1986 -

WIRTSCHAFT
Schuldenstrategie der Vereinigten Staaten auf Strukturreform ausgerichtet
- Aussagen des Stellvertretenden Finanzministers
David C. Mulford -

Wissenschaft und Technik
Forschen nach Ursache der CHALLENGER-Katastrophe

KokainmiSbrauch
- Gesundheitsschäden - auch Babies als Opfer -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

5. Februar 1986

PRÄSIDENT REAGANS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 4. Februar 1986 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 4. Februar 1986 vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses
seine in der Verfassung vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation - State of the Union Message - verlesen.
Er verwies darauf, "daß der Zustand unserer Union besser
ist als vor einem Jahr und mit jedem Tag besser wird." Dem
amerikanischen Volk sprach er seinen Dank für 37 Monate ununterbrochenen wirtschaftlichen Wachstums aus. "Die Stärke Amerikas zu erhalten, ist für die nationale Sicherheit ebenso
wichtig, wie die Kontrolle der Bundesausgaben für unsere wirtschaftliche Sicherheit."
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich danke Ihnen, daß Sie es mir ermöglichten, meine Botschaft auf heute abend zu verschieben. Unser gemeinsames Innehalten galt der Trauer um unsere sieben CHALLENGER-Helden
und der Ehrung ihres Heldenmutes. Und ich hoffe, daß wir nun
bereit sind, das zu tun, was sie sicherlich von uns erwartet
hätten - schreite weiter vorwärts, Amerika, greif nach den
Sternen! Wir werden diese tapferen Sieben nie vergessen, aber
wir werden auch weiter vorwärtsschreiten.
Mr. Speaker,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Mr. Speaker, darf ich - bevor ich mit meinem vorbereiteten
Text beginne - darauf hinweisen, daß dies heute nacht die
zehnte und letzte Botschaft über die Lage der Nation ist, bei
der Sie den Vorsitz haben. Und im Namen des amerikanischen
Volkes möchte ich Ihnen für Ihren Dienst an Kongreß und Vaterland danken.
Ich bin gekommen, um mit Ihnen den Fortschritt unserer Nation einer Prüfung zu unterziehen, von noch unvollendeter Arbeit zu sprechen und unseren Blick auf die Zukunft zu richten.
Ich freue mich, berichten zu können, daß der Zustand unserer
Union besser ist als vor einem Jahr und mit jedem Tag besser
wird. Heute abend blicken wir auf ein Amerika im Aufbruch,
einig im Geist, mächtig im Stolz und im Patriotismus - Amerika
hat sich in Bewegung gesetzt.
Aber es ist noch gar nicht so lange her, da blickten wir
auf ein ganz anderes Land - verschlossene Fabriktore und
Schlangen an den Tankstellen, unerträgliche Preise und Zinsen,
die das großartigste Land auf Erden in ein Land der gescheiterten Träume verwandelten. Der Regierungsapparat, ohne unser
Einverständnis immer weiter aufgebläht, war zu einem schwerfälligen Giganten geworden, der die Tore zum Glück versperrte
und damit drohte, sogar die Wurzeln unserer Freiheit zu zermalmen .
Was brachte Amerika auf seinen Weg zurück? Das amerikanische Volk selbst brachte uns darauf zurück - mit stillem Mut
und nüchternem Verstand; mit ungebrochenem Glauben, daß in
dieser Nation unter Gott die Zukunft uns gehören wird, weil
die Zukunft den Freien gehört.
Heute abend gebührt dem amerikanischen Volk unser Dank für 37 aufeinanderfolgende Monate des wirtschaftlichen Wachstums; für neugegründete Firmen und modernisierte Industrien,
durch die innerhalb von drei Jahren neun Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden; für halbierte Zinsen und für eine
Inflation, die von über 12 Prozent im Jahr 1980 auf heute unter vier gefallen ist; und für einen machtvollen Strom guter
Taten, für die Rekordhöhe von 74 Milliarden Dollar, die allein
im vergangenen Jahr an freiwilligen Spenden erbracht wurden.
Trotz des Drucks, den unsere moderne Welt ausübt, bleiben
die Familie und die Gemeinschaft moralischer Mittelpunkt unserer Gesellschaft, Wächter unserer Werte und Hoffnung für die
Zukunft. Familie und Gemeinschaft sind die beiden Sterne dieser Großen Wiederkehr Amerikas. Und ihretwegen sagen wir heute abend: Die Werte des einzelnen müssen im Mittelpunkt der
öffentlichen Politik stehen.
Was für die

�Was für die Familien in Amerika gilt, gilt auch für Amerika in der Familie freier Nationen. Die Geschichte ist nicht
Gefangene irgendwelcher Zwangsläufigkeit. Die Geschichte wird
von Männern und Frauen mit Vision und Mut gestaltet. Heute
abend ist die Freiheit auf dem Vormarsch. Die Vereinigten
Staaten sind das wirtschaftliche Wunder, das Modell, zu dem
sich die Welt erneut hinwendet. Wir stehen für eine Idee, deren Zeit jetzt gekommen ist: Nur wenn die Last von den Schultern aller genommen wird, kann ein Volk wirklich gedeihen und
kann der Frieden zwischen allen Nationen sicher sein.
Teddy Roosevelt sagte: Eine Nation, die Großes vollbringt, lebt für immer. Wir haben schon einiges geleistet,
aber wir können nicht am Fuß des Berges haltmachen, wenn ein
Everest lockt. Es ist an der Zeit, daß Amerika all das ist,
was es sein kann.
Wir sprechen heute abend von einem Fahrplan für die Zukunft, einem Fahrplan für eine Welt in mehr Sicherheit. Wir
sprechen über die notwendigen Maßnahmen, uns für die Herausforderungen zu stählen, die Wachstum, Handel und Sicherheit im
kommenden Jahrzehnt und im Jahr 2000 an uns stellen werden.
Und genau das werden wir tun - und dabei nicht mit unseren
ehernen Grundsätzen brechen, sondern uns losmachen von verfehlter Politik.
Fangen wir dort an, wo die Sturmwolken am düstersten dräuen - nämlich hier in Washington, D.C. In dieser Woche werde
ich Ihnen unsere detaillierten Vorschläge zusenden; heute
abend wollen wir von unserer Verantwortung dafür sprechen, die
Rolle der Regierung neu zu definieren: sie soll uns nicht
kontrollieren, nicht kommandieren, nicht einschränken, sondern
uns in Zeiten der Not helfen; vor allem soll sie eine Leiter
der Möglichkeiten hin zur Vollbeschäftigung erstellen, damit
alle Amerikaner auf ihr selbständig zu Wirtschaftskraft und
Gerechtigkeit gelangen können.
Aber wir können das Rennen um die Zukunft nicht gewinnen,
wenn wir an ein System gekettet sind, das nicht einmal einen
Bundeshaushalt verabschieden kann. Wir können dieses Rennen
nicht gewinnen, wenn wir von Pferdewagen-Programmen zurückgehalten werden, mit denen Steuergelder verschwendet und menschliches Potential verzettelt werden. Wir können dieses Rennen
nicht gewinnen, wenn wir in einem Meer von Vorschriften ertrinken.
Mr. Speaker, Sie, ich, das amerikanische Volk - wir alle
wissen es: das System des Bundeshaushalts ist gebrochen. Es
funktioniert nicht. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten,
es wieder funktionstüchtig zu machen. Dann können wir endlich
dem amerikanischen Volk einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen
Mitglieder des

�Mitglieder des Kongresses, die Verabschiedung des GrammRudman-Hollings-Gesetzes gibt uns eine historische Möglichkeit, das zu schaffen, was unserer nationalen Führung seit
Jahrzehnten nicht gelungen ist - die Bundesregierung zu zwingen, mit ihren Mitteln auszukommen.
Ihre Planung macht es
tion bis zum 15. April zu
an dem die amerikanischen
gets bezahlen müssen, die

erforderlich, die Haushaltsresoluverabschieden - gerade an dem Tag,
Familien die Rechnung für die Budvon Ihnen erstellt werden.

Wie oft lesen wir von einem Mann und seiner Ehefrau - beide arbeiten und mühen sich von einem Gehalt zum nächsten ab,
ihre Familie durchzubringen, eine Hypothek abzuzahlen, ihre
Steuern und ihre Rechnungen zu zahlen. Und doch sagen einige
im Kongreß, die Steuern müßten erhöht werden. Nein, es tut
mir leid, aber sie verlangen von den Falschen, den Gürtel enger zu schnallen. Es wird Zeit, daß wir den Bundeshaushalt
verringern und das Familienbudget unangetastet lassen. Wir
stehen nicht vor großen Defiziten, weil die amerikanischen Familien zu wenig Steuern zahlen; wir stehen vor diesen Defiziten, weil die Bundesregierung zu viel ausgibt.
Der detaillierte Haushalt, den wir vorlegen, wird den Zielen von Gramm-Rudman-Hollings nach Abbau des Defizits gerecht
werden; er wird unserer Verpflichtung entsprechen, eine starke
nationale Verteidigung sicherzustellen; unserer Verpflichtung
zum Schutz der sozialen Sicherheit und der wirklich Bedürftigen; und unserer Verpflichtung, die Steuern nicht zu erhöhen.
Wie können wir das erreichen? Nicht dadurch, daß wir denen etwas wegnehmen, die selbst in Not sind. Während die einen es aus eigener Kraft schaffen, muß die Regierung jenen
Schutz und Nahrung bieten, die dies nicht selbst vermögen.
Aber wir müssen jene Programme überprüfen oder ersetzen - und
die um des Mitleids willen erstellt wurden -, die den moralischen Wert der Arbeit herabmindern, die zur Spaltung von Familien ermutigen und die ganze Bevölkerungsgruppen in eine düstere und herzlose Abhängigkeit bringen.
Gramm-R udman- Holli ngs ka nn ei ne r adikal e Verb esse rung bedeute n. Ab er die Erfa hrung zeigt , daß die einfac he F estsetzung eines angest rebte n Defi zits nich t notw endige rwei se dessen
Erfül lung s ichert . Wir müssen we iter hin mi t den Refo rmen der
Grace -Kommi ssion gegen die V erwen düng vorge hen. U nd h eute
abend bitte ich S ie, m ir das zu g eben , was 43 Gou vern eure bereits haben - gew ähren Sie m ir di eses Jahr ein se lekt ives Veto. Geben Sie mi r die Vollm acht, der Verse hwendu ng E inhalt zu
gebie ten, u nd ich werd e die Veran twor tung d afür ü bern ehmen,
die K ürzung en vol lzieh en und die Situ ation entsch ärfe n.
Di ese Vollmacht

�Diese Vollmacht würde mir keine alleinige Machtstellung
einräumen, sondern ganz einfach verhindern, daß Ausgaben möglich werden, die sonst nicht aufgrund ihrer eigenen Vorzüge
angenommen worden wären; dabei lönnen Sie meinen Einspruch unterstützen oder überstimmen - so sollte das System funktionieren. Haben wir erst einmal die schwierige Entscheidung getroffen, sollten wir diese Errungenschaft in Form eines Gesetzeszusatzes zur Verfassung hinsichtlich eines ausgewogenen
Haushalts festschreiben.
Ich habe bereits erwähnt, daß wir unserer Verpflichtung
zur nationalen Verteidigung nachkommen werden. Wir müssen sie
einhalten. Die Verteidigung ist nicht einfach eine weitere
Haushaltsausgabe. Es liegt einzig und allein im Verantwortungsbereich der Bundesregierung, Amerika stark, frei und sicher zu erhalten; hier liegt die größte Verantwortung der Regierung. Wir haben fünf Jahre aufgewandt, in dem Versuch, eine
durch Illusionen und Vernachlässigung entstandene, gefährliche Lücke zu schließen. Und wir haben wichtige Errungenschaften gemacht. Dennoch besteht weiterhin eine erhebliche
Bedrohung durch die sowjetischen konventionellen und strategischen Streitkräfte, durch das sowjetische Streben nach Vorherrschaft, der Zunahme von Spionage und Staatsterror. Das
ist die Realität. Diese Realität ändert sich nicht dadurch,
daß wir unsere Augen davor verschließen.
Wir haben uns verpflichtet, das reale Wachstum der Verteidigungsausgaben so niedrig wie möglich zu halten. Mein Haushalt wird dieser Verpflichtung gerecht. Ich bitte nun den
Kongreß darum, das Seinige dazu zu tun. Die Sowjets müssen
wissen, daß Amerika seine Verteidigung nur aufgrund einer geringeren Bedrohung drosselt, nicht aber wegen mangelnder Entschlossenheit .
Die Stärke Amerikas zu erhalten, ist für die nationale Sicherheit ebenso wichtig wie die Kontrolle der Bundesausgaben
für unsere wirtschaftliche Sicherheit. Aber wie ich bereits
gesagt habe, ist die mächtigste Waffe, die wir gegen das Bundesdefizit einsetzen können, eine weiterhin frei und ungehindert expandierende amerikanische Wirtschaft.
Der Reiz der uns offenstehenden Möglichkeiten - uneingeschränkt, unerschöpflich, allen offen -: ist das nicht der
Ruf, der uns vereint? Ich glaube, daß unsere Steuersenkungen
mehr für die Menschen getan hat, um der Risikobereitschaft
Auftrieb zu geben und Amerikas Wirtschaft zu befreien als irgendein Programm seit John Kennedys Steuerkürzungen vor fast
einem Viertel Jahrhundert.
Jetzt fordert
- 5 -

�Jetzt fordert uns die Geschichte dazu auf, fortzufahren
mit den Bemühungen um eine historische Steuerreform, die neue
Chancen einräumen und dazu beitragen wird, daß alle ihren gerechten Anteil daran tragen - aber nicht mehr. Wir sind weit
gekommen. Werden Sie jetzt mit mir zusammen auch diese letzte
Etappe gehen?
Sie kennen meinen diesbezüglichen Standpunkt. Wir können
und werden keine Steuerreform akzeptieren, die eine bemäntelte
Steuererhöhung ist. Eine wirkliche Reform muß ein Motor für
Produktivität und Wachstum sein, und das heißt, daß der höchste persönliche Steuersatz nicht über 35 Prozent liegen darf.
Eine wirkliche Reform muß wahrhaft gerecht sein, und das bedeutet eine Anhebung des Steuerfreibetrags auf 2000 Dollar.
Eine wirkliche Reform bedeutet ein Steuersystem, das auf lange
Sicht hin die Familien begünstigt, neue Arbeitsplätze schafft,
Amerika und die Zukunft sichert.
Wenn wir die Wachstumshindernisse einreißen, müssen wir
unsere Bemühungen um einen freieren und gerechteren Handeln
verdoppeln. Wir haben bereits Maßnahmen getroffen, um unlauteren Handelspraktiken entgegenzutreten und nach bisher unzugänglichen Außenhandelsmärkten Ausschau zu halten. Das werden
wir auch weiterhin tun. Wir werden uns auch einer Gesetzgebung widersetzen, die vorgibt, Schutz zu gewähren, während sie
in Wirklichkeit einen amerikanischen Arbeiter auf den anderen
hetzt, einen Industriezweig auf den anderen, eine Kommune gegen die andere - und nur zu höheren Preisen für uns alle
führt. Wenn die Vereinigten Staaten mit anderen Staaten unter
gleichen Bedingungen Handel treiben können, dann können wir es
hinsichtlich Produktion, Wettbewerb und Handel mit jedem in
der Welt aufnehmen.
Die anhaltende Expansion unserer Wirtschaft und unserer
Exporte verlangt im Inland einen stabilen Dollar und verläßliche Wechselkurse auf der ganzen Welt. Wir dürfen nie wieder
wilde Wechselkursschwankungen zulassen, die unsere Bauern und
andere Exporteure lähmen. Besonders die Bauern haben in der
Vergangenheit unter unklugen Regierungsentscheidungen gelitten, und sie dürfen nicht mit Problemen allein gelassen werden, die sie nicht verursacht und auf die sie keinen Einfluß
haben. Wir haben zusammen mit unseren Haupthandelspartnern
mit der Koordination unserer Wirtschafts- und Währungspolitik
begonnen. Aber es gibt noch mehr zu tun, und heute abend weise ich Wirtschaftsminister Jim Baker an, herauszufinden, ob
die Länder der Welt sich nicht zusammensetzen sollten, um die
Rolle und das Verhältnis unserer Wechselkurse zu besprechen.
Im Vertrauen auf die Zukunft und in der Gewißheit unseres
Wertesystems streben wir Amerikaner vorwärts, dieser Zukunft

�dieser Zukunft entgegen. Das zeigt sich nicht nur in unserem
Aufschwung, sondern auch in den drei vollen Jahren einer sinkenden Verbrechensrate, im gemeinsamen Kampf von Familien und
Gemeinden gegen Pornographie, Drogen und Gesetzlosigkeit, um
ihren Kindern die sichere - und unschuldige - Kindheit zurückzugeben, die sie verdienen.
Das zeigt sich auch im neuerstandenen Erziehungswesen mit
seit drei Jahren ansteigenden positiven Ergebnissen bei Universitäts-Eingangsexamen - der Zuwachs im letzten Jahr war der
größte seit 1963. Es waren nicht die Regierung und die Lobby
in Washington, die das Erziehungswesen angekurbelt haben - es
war das amerikanische Volk, das sich bei seinem Streben nach
Qualität wieder auf die Grundwerte besann. Wir müssen den
Fortschritt weiterführen, indem wir die Disziplin in unseren
Schulen unterstützen; den Eltern das Recht auf freie Wahl bei
der Erziehung ihrer Kinder einräumen, und wir müssen unseren
Kindern das verlorene Recht wiedergeben, sich in ihren Klassenzimmern zu Gott zu bekennen.
Wir sind eine Nation von Idealisten; trotzdem gibt es heute einen Stachel in unserem nationalen Bewußtsein: Amerika
wird niemals eine Einheit sein, solange dem Ungeborenen das
von unserem Schöpfer gewährte Recht auf Leben abgesprochen
wird. Ich werde für den Rest meiner Amtszeit alles tun, damit
dieser Stachel eines Tages entfernt wird.
Bei unserem Bestreben, den amerikanischen Traum allen zugänglich zu machen, müssen wir auch den Zustand der amerikanischen Familie im Auge haben. Heutzutage ringen besorgte Eltern darum, wie sie ihren Kindern die Vorteile zugänglich machen können, die ihre Eltern ihnen selbst gewährt haben. Im
Sozialstaat hat der Zusammenbruch der Familie, seiner Keimzelle, krisenhafte Ausmaße angenommen - das zeigt sich in der Armut von Müttern mit Kind, Vernachlässigung von Kindern,
schrecklichen Verbrechen und schlechter werdenden Schulen.
Trotz der Hunderte von Milliarden Dollar für Programme gegen
die Armut nimmt das Elend der Armen immer schlimmere Ausmaße
an. Aber die Verschwendung von Dollars und Cents verblasst
vor dem tragischsten Verlust - der sündhaften Verschwendung
menschlicher Geistesund menschlicher Schaffenskraft.
Wir können diese schreckliche Wahrheit nicht länger ignorieren. Bereits Franklin Roosevelt warnte, als er vor 51 Jahren vor diesem Plenum stand: Wohlfahrt ist "... ein Betäubungsmittel, ein subtiles Zerstörungsinstrument des menschlichen Geistes". Wir müssen nun dem Spinnengewebe der Abhängigkeit entkommen. Heute abend erteile ich dem Innenausschuß
des Weißen Hauses den Auftrag, mir zum 1. Dezember 1986 eine
Bewertung von Programmen und eine Strategie für Sofortmaßnah- 7 -

�für Sofortmaßnahmen vorzulegen, um den finanziellen und sozialen Bedürfnissen sowie den Erziehungs- und Bildungsangelegenheiten armer Familien zu begegnen - ich spreche von einer
wirklichen und anhaltenden Befreiung, weil der Erfolg der Sozialleistungen daran gemesssen werden sollte, wieviele ihrer
Empfänger von ihr unabhängig werden.
Nachdem ich auch gesehen habe, wie sehr eine verheerende
Krankheit die finanzielle Sicherheit einer Familie zerstören
kann, weise ich den Gesundheitsminister Dr. Otis Bowen an, mir
zum Jahresende Empfehlungen darüber vorzulegen, wie Privatsektor und Regierung zusammenarbeiten können, um sich mit den
Problemen einer Versicherung auseinanderzusetzen, die jedermann bezahlen kann, ohne seine lebenslangen Ersparnisse anzugreifen, wenn eine lebensbedrohende Krankheit über ihn hereinbricht.
Heute abend möchte ich direkt zur jungen Generation Amerikas sprechen: ihr haltet das Schicksal unserer Nation in Euren Händen. Bei all den Versuchungen, denen junge Menschen
heute ausgesetzt sind, und die manchmal die Anziehungskraft
der freizügigen Gesellschaft ausmachen, werden ihnen oft übermenschliche Kraftakte der Selbstkontrolle abverlangt.
Aber
der Ruf der Zukunft ist zu stark, die Herausforderung zu groß,
um sich in den dunklen Abgründen von Verfall, Drogen und Verzweiflung zu verlieren.
Es gab niemals ein aufregenderes Zeitalter - eine Zeit der
mitreißenden Wunder und der heldenhaften Errungenschaften. Wie
hieß es in dem Film "Zurück in die Zukunft": "Wo wir hingehen, brauchen wir keine Straßen".
Heute schauen Physiker in die unendlich kleinen
subatomarer Teilchen und finden dabei Bestätigungen
bens an Gott; Astronomen bauen ein Weltraumteleskop
man bis an den Rand des Universums schauen kann und
sogar bis zurück zum Moment der Schöpfung.

Bereiche
des Glaumit dem
vielleicht

Diese Nation fühlt sich also weiterhin dem amerikanischen
Raumfahrtprogramm voll verpflichtet. Wir werden mit den Flügen unserer Raumfähre fortfahren. Wir werden unsere Raumstation bauen. Und wir werden die Forschungsarbeiten an einem
neuen Orient-Express weiterführen, der Ende des nächsten Jahrzehnts nach dem Abheben vom Flughafen Dulles, auf 25fache
Schallgeschwindigkeit beschleunigt, in eine niedrige Umlaufbahn gebracht werden oder in zwei Stunden nach Tokio fliegen
könnte.
Und mit der gleichen Technologie, die unser Leben verändert, kann das größte Problem des 20. Jahrhunderts gelöst wer-

�gelöst werden. Eines Tages kann ein Sicherheitsschild Atomwaffen überflüssig machen und damit die Menschheit aus dem Gefängnis des nuklearen Schreckens befreien. Amerika hat sich
einer historischen Herausforderung gestellt und ist auf dem
Mond gelandet. Jetzt muß Amerika eine neue Herausforderung
bestehen: die Realisierung unserer strategischen Verteidigung
für die Bewohner des Planeten Erde.
Laßt uns von unserer tiefsten Sehnsucht für die Zukunft
sprechen: unseren Kindern ein Land der Freiheit und Gerechtigkeit in einer friedlichen Welt zu hinterlassen. Ich hoffe,
daß unser Gipfeltreffen am Kaminfeuer von Genf und der kommende Besuch von Herrn Gorbatschow in Amerika zu einem stabileren
Verhältnis führen wird. Sicherlich gibt es kein anderes Volk
auf der Welt, das den Krieg mehr verabscheut und den Frieden
mehr liebt als wir Amerikaner.
Aber wir können den Weg in die Zukunft nicht mit kindlichem Vertrauen beschreiten. Unsere Differenzen mit einem
System, das offen ein angebliches Recht auf Herrschaft über
das Leben der Menschen und auf die gewaltsame Verbreitung seiner Ideologie verkündet und praktiziert, sind tiefgreifend und
fortdauernd.
Die Logik und die Geschichte zwingen uns, zu akzeptieren,
daß unser Verhältnis von Realismus bestimm^ sein muß: Stahlhart, klarsichtig, beständig und sicher. (Unsere Genfer Verhandlungsführer haben eine radikale Beschneidung der Offensivwaffen auf jeder Seite vorgeschlagen, ohne Betrug. Sie haben
klargemacht, daß die Erfüllung von Geist und Buchstaben jeden
Abkommens durch die Sowjets eine Grundbedingung darstellt.
Wenn die sowjetische Regierung ein Abkommen wünscht, das die
Zahl der Atomwaffen wirklich reduziert, dann wird es solch ein
Abkommen geben.^)
Rüstungskontrolle bildet jedoch keinen Ersatz für den
Frieden. Wir wissen, daß der Frieden den Spuren der Freiheit
folgt und daß Konflikte aufbrechen, wenn der Wille des Volkes
mißachtet wird. Deshalb müssen wir uns auf den Frieden nicht
nur durch die Verringerung von Waffen, sondern auch durch die
Förderung von Wohlstand, Freiheit und Demokratie wie und wo
auch immer wir können vorbereiten.
Jedes Mal, wenn wir uns für niedrigere Steuern, freiere
Märkte und gesunde Währungen einsetzen, fördern wir die Verwirklichung der versprochenen Möglichkeiten. Jedes Mal, wenn
wir mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten oder belagerten
Freunden helfen, stärken wir die Familie der Freiheit. Und
wir können diese Familie von freien Völkern erweitern, wenn
wir die unveräußerlichen Rechte aller Kinder Gottes auf Verfolgung ihrer Träume verteidigen.
Denen, die von
- 9 -

SM

�Denen, die von unterdrückerischen Regimen eingekerkert
sind, denen, die geschlagen werden, weil sie es wagen, für
Freiheit und Demokratie einzutreten - für ihr Recht auf Religions- und Redefreiheit, die Freiheit, in der Familie freier
Staaten zu leben und zu gedeihen -, denen sagen wir heute
abend: Freiheitskämpfer, ihr seid nicht allein. Mit moralischem und materiellem Beistand wird Amerika nicht nur euer
Recht, für die Freiheit zu kämpfen und zu sterben, unterstützen, sondern auch euer Recht, für die Freiheit zu kämpfen und
zu gewinnen: in Afghanistan, Angola, Kambodscha und Nicaragua.
Dies bedeutet eine große moralische Herausforderung für
die ganze freie Welt. Sicher gibt es kein anderes Problem, das
für den Frieden in unserer Hemisphäre, die Sicherheit unserer
Grenzen und den Schutz unserer vitalen Interessen, wichtiger
ist als die Erlangung der Demokratie in Nicaragua und der
Schutz von Nicaraguas demokratischen Nachbarstaaten.
In diesem Jahr werde ich den Kongreß um die Mittel bitten,
um das zu tun, was für diese große und gute Sache getan werden
muß. Scoop Jackson, der Inspirator unserer Überparteilichen
Kommission für Zentralamerika, hat einmal gesagt: "In Fragen
der nationalen Sicherheit ist die beste Politik keine Politik."
Was wir dieses Jahr im Hinblick auf all die Herausforderungen erreichen, mit denen wir konfrontiert sind, wird unseren Kurs für den Rest dieses Jahrzehnts, ja für den Rest dieses Jahrhunderts, bestimmen. Nach all dem, was wir bis jetzt
getan haben, soll niemand sagen, daß diese Nation nicht das
Ziel unserer Träume erreichen kann. Amerika glaubt daran, Amerika ist bereit dazu und Amerika kann das Rennen in die Zukunft gewinnen - und dies werden wir auch.
Der amerikanische Traum ist ein Lied der Freiheit, das
durch die Winternacht erklingt. Lebhafte, sanfte Musik, die
unsere Herzen erwärmt, wenn die geringsten unter uns nach den
höchsten Dingen streben: ein waghalsiges Unternehmen zu wagen;
neue Schönheit in der Musik, Literatur und Kunst ans Tageslicht zu bringen; ein neues Universum in einem winzigen Silikonchip oder in einer einzigen menschlichen Zelle zu entdecken.
Wir sehen, wie dieser Traum im Entdeckergeist eines
Richard Cavoli verwirklicht wird. Während seines ganzen Lebens hielten ihn die Geheimnisse der Medizin gefangen. Und,
Richard, wir wissen, daß das Experiment, mit dem Sie schon in
Ihrer Schulzeit begonnen haben, letzte Woche gestartet wurde
und fehlgeschlagen ist. Aber Ihr Traum lebt weiter. Uns so
lange er Wirklichkeit ist, wird weiterhin Arbeit von ehrenvollem Ansehen geleistet werden: Arbeit, die eines Tages die
schädlichen Wirkungen von Röntgenstrahlen auf Patienten redu- 10 -

�Patienten reduzieren könnte und die es Astronomen ermöglichen
die goldenen Pforten der fernsten Sterne zu erschauen.
Wir sehen, wie der Traum in der enormen Begabung des
zwölfjährigen Tyrone Ford glüht. Als Wunderkind der GospelMusik hat er persönliches Unglück überwunden und ist ein vollendeter Pianist und Sänger geworden. Außerdem dirigiert er
die Chöre von drei Kirchen und ist im Kennedy Center aufgetreten. Mit Gott als Komponisten, Tyrone, wird Deine Musik die
Musik von Engeln sein.
Wir sehen, wie der Traum durch den Mut des 13jährigen
Shelby Butler gerettet wird. Als ausgezeichnete Schülerin und
Mitglied der Schülerlotsen ihrer Schule riskierte sie ihr Leben als sie sah, wie ein anderes Mädchen vor einem außer Kontrolle geratenen Schulbus vor Angst erstarrte. Sie zog dieses
Mädchen in Sicherheit. Mit einem Mut wie Deinem, Shelby,
braucht Amerika niemals um seine Zukunft zu fürchten.
Und wir sehen die Wiedergeburt dieses Traumes im freudigen
Mitleid eines 13jährigen namens Trevor Ferrell. Vor zwei Jahren, als Trevor elf Jahre alt war, sah er im Fernsehen, wie
Männer und Frauen die Nacht in verlassenen Hauseingängen verbrachten. Er verließ das Haus in einem Vorort von
Philadelphia, um den Hilf- und Heimatlosen Decken und Essen zu
bringen. Und heute helfen ihm 250 Menschen dabei, seine
nächtliche Mission zu erfüllen. Trevor, Du verkörperst den
lebendigen Geist brüderlicher Liebe.
Ich möchte Sie vier bitten, sich für einen Moment zu erheben .
Vielen Dank. Sie sind Helden unserer Herzen. Wir schauen
Sie an und wissen, daß es wahr ist. In diesem Land der erfüllten Träume, wo noch großartigere Träume vorstellbar sind,
ist nichts unmöglich, ist kein Sieg außer Reichweite und wird
kein Ruhm jemals zu groß sein.
Es liegt nun an uns, an uns allen, Amerika auf den Tag
vorzubereiten, an dem unsere Arbeit verblassen wird angesichts
der Größe von Amerikas Helden des 21. Jahrhunderts.
Die Hoffnungen der Welt ruhen auf Amerikas Zukunft. Die
Hoffnungen Amerikas ruhen auf uns. So laßt uns denn voranschreiten, um unsere Welt von morgen zu schaffen - im Glauben,
in Einheit und in Liebe. Gott segne Sie und Gott segne
Amerika.

# * * *

- 11 -

�^° s v

AMERIKA DIENST

'Vo^

Wirtschaft
5. Februar 1 9 8 6

S C H U L D E N S T R A T E G I E DER V E R E I N I G T E N S T A A T E N
AUF S T R U K T U R R E F O R M A U S G E R I C H T E T
- Aussagen des
S t e l l v e r t r e t e n d e n F i n a n z m i n i s t e r s David C. M u l f o r d -

W A S H I NGTON - ( AD) - Na ch de r vom amer ikan isch en Fin a n z m i nist er Ba ke r i n Se oul vorg eschl agenen Seh ulde nstr a t e g i e w e r d e n
betr ä c h 11 iche Summ en n euer Geld er not ig s e i n , um den ve r s c h u l dete n Sta aten beim Übe rgan g zu dauerh afte m Wi rtsc h a f t s w a c h s t u m
zu u nters tütze n. Jedo ch w ird k eine n och so g roße M e n g e G e l d e s
ausr e i c h e n wenn d ie b etro f fenen Land er k eine wir t s c h a f t l i c h e n
Refo rmen besch ließ en, die für d ie Seh affu ng e iner Grund 1 age
für stabi les W achs tum unab dingb ar sin d, w ie e s de r für i n t e r nati onale Anae lege nhei ten zustä n d i g e Stel Iver tret e n d e F i n a n z mini ster der~v erei nigt en S taate n, Dav id C . Mulfor d, aus d r ü c k t e
Nach M u l f o r d s A u s s a g e n vor einem U n t e r a u s s c h u ß des a m e r i k a n i s c h e n K o n g r e s s e s vom 2 3 . Januar 1 9 8 6 m ü s s e n z u s ä t z l i c h zur
B e r e i t s t e l l u n g von c a . 40 M i l l i a r d e n D o l l a r für die S c h u l d n e r länder in den n ä c h s t e n drei Jahren " S c h r i t t e u n t e r n o m m e n w e r d e n , um die S p a r - und I n v e s t i t i o n s t ä t i g k e i t in den e i n z e l n e n
Ländern a n z u r e g e n , um die Last der ö f f e n t l i c h e n A u s g a b e n zu
v e r r i n g e r n , W e t t b e w e r b s f ä h i g k e i t und L e i s t u n g s f ä h i g k e i t zu
s t e i g e r n und die p o t e n t i e l l e n V o r t e i l e a u s l ä n d i s c h e r I n v e s t i tionen und des H a n d e l s mit dem Ausland zu n u t z e n . "
Die D u r c h f ü h r u n g der a m e r i k a n i s c h e n S c h u l d e n s t r a t e g i e w e r de einen von Land zu Land v e r s c h i e d e n e n "lagen und k o m p l e x e n
Prozeß" erfordern.
Die A u s s a g e n

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�Die Aussagen des Stellvertretenden Finanzministers vor dem
Unterausschuß des Wirtschaftsausschusses des amerikanischen
Kongresses haben folgenden Wortlaut:
Ich begrüße diese Gelegenheit zur Besprechung der amerikanischen Vorschläge zur Verbesserung der internationalen Schuldenlage. Wie Sie wissen, haben die Vereinigten Staaten im
letzten Herbst zwei bedeeutende Initiativen gestartet. Die
erste führte am 22. September zur Ankündigung einer Reihe von
wichtigen makroökonomischen Maßnahmen durch die Fünfergruppe
führender Industriestaaten, um die Aussichten für ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten zu verbessern und damit gleichzeitig auch eine stärkere Grundlage für
eine Erneuerung des Wachstums in den Entwicklungsländern zu
schaffen.
Die zweite Initiative bestand in dem amerikanischen Vorschlag für ein "Programm für dauerhaftes Wachstum" für die
Schuldnerländer, welches von Minister Baker während der Jahrestagung von IWF und Weltbank im Oktober erläutert wurde.
Obwohl die Schuldnerländer seit 1982 erhebliche Fortschritte
bei der Reduzierung ihrer Verbindlichkeiten gemacht haben,
waren wir davon überzeugt, daß noch mehr getan werden müsse
zur Bekämpfung der inneren Unausgewogenheit, zur Umkehrung der
Kapitalflucht und zur Schaffung des nötigen binnenländischen
Unterbaus für stärkeres Wachstum. Außerdem mußte der scharfe
Rückgang bei der Vergabe von neuen Krediten durch die Geschäfts- und Handelsbanken seit 1982 angesprochen werden, und
es mußte eine positive Antwort auf die überzogene Rhetorik und
Politisierung einiger Schuldnerländer in Bezug auf das Schuldenproblem gefunden werden.
Um diesen Problemen gerecht zu werden, schlug Finanzminister Baker ein Drei-Punkte-Programm vor, das auf der gegenwärtigen fallbezogenen Schuldenstrategie aufbaut und verstärkende Aktionen auf Gegenseitigkeit durch die Schuldnerländer,
die internationalen Finanzinstitutionen und die Geschäfts- und
Handelsbanken zur Verbesserung der Aussichten auf wirtschaftliches Wachstum der Schuldnerstaaten vorsieht.
Zunächst ist es besonders wichtig, daß die Schuldnerländer
umfassende makroökonomische und strukturelle Schritte unternehmen, um das Wachstum und den Ausgleich der Zahlungsbilanz
zu fördern und die Inflation zu reduzieren. Solche Programme
sollten beinhalten:
- vermehrtes Vertrauen in den privaten Sektor;
- vermehrte Aktionen auf der Angebotsseite zur Mobilisierung der Spar- und Investitionstätigkeit im Inland; sowie
- größere Betonung von Maßnahmen zur Marktöffnung zur Ermutigung ausländischer Direkt- und Wertpapierinvestitionen, Kapitalzufluß und Handel.
Zweitens anerkennt
- 2-

�Zweitens anerkennt unser Vorschlag die Tatsache, daß der
Internationale Währungsfonds eine zentrale Rolle bei der
Durchführung der internationalen Schuldenstrategie gespielt
hat und betont, daß dies auch in Zukunft so sein solle.
Gleichzeitig ist wichtig, daß die Weltbank und die anderen
multilateralen Entwicklungsbanken eine größere Rolle spielen,
um die Maßnahmen des IWF zu ergänzen.
Insbesondere haben wir vermehrte und effektivere Gewährung von Krediten durch die multilateralen Entwicklungsbanken
zur strukturellen und sektoralen Anpassung gefordert. Wir
stellen uns einen 50prozentigen Anstieg gegenüber den gegenwärtig von der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) an die Hauptschuldnerländer ausgezahlten Geldern auf jährlich 9 Milliarden Dollar von 1986 bis 1988 vor,
was eine Gesamtsumme von 27 Milliarden Dollar für diesen Zeitraum bedeuten würde. Dies würde einen jährlichen Anstieg von
20 Prozent insgesamt ausmachen, nach den festgelegten Rückzahlungen, oder 20 Milliarden Dollar in neuen Nettokrediten während dieser drei Jahre.
Drittens schätzen wir einen Bedarf von 20 Milliarden Dollar in neuen Nettokrediten von den Handels- und Geschäftsbanken zur Unterstützung von wachstumsorientierten Schritten
durch die Schuldnerländer während der nächsten drei Jahre.
Dies ist gleichbedeutend mit einem Anstieg der jetzigen Bankbeteiligung um 2,5 bis 3 Prozent jährlich.
Wir deuteten an, daß wir gleichfalls bereit sein würden,
den Zeitpunkt und das Ausmaß einer generellen Kapitalerhöhung
für die Weltbank ernsthaft zu untersuche, wenn jeder der Beteiligten seinen Teil beiträgt und die Nachfrage nach Qualitativer Darlehensgewährung durch die Weltbank zunimmt.
Durchführung
Die Durc hfüh rung der Schu lden stra tegie wir d ein lan ger und
komp lexe r Pr ozeß sein . Der B egin n de r Ope rati onen wird nicht
durc h ei n ei nzel nes E reig nis qeke nnze ichne t se in. Dies er Prozeß hat soga r schon b egon nen. Un d die ame rika nisch e Sc huldeninit iati ve s teil t auc h ke inen Akt ions plan dar, der voll ständig
auf jede s Schuld nerla nd a ngew ende t we rden kann . Die Du rchführung wir d au f einer f allb ezog enen Gru ndlag e st attfi nden , wobei
die Init iati ve e inen Rahm en f ür k oope rativ e Ak tione n bi lden
wird , um die eig enen Anst reng unge n de r Seh uldn erlän der zur
Verb esse rung ihr er Wa chst umsa ussi chte n zu unte rstüt zen. Dies
wird von der ind ividu eile n Si tuat ion in de n Schuldn erlä ndern
sowi e von de n En tsche idun gen jede s Landes zur Durch führ ung der
z u s ä tzli chen wac hstum sori enti erte n Ma ßnahm en a bhäng en, die zur
Erqä nzun a de r schon b egon nene n An pass ungsm aßna hmen erfo rderlieh sin d.
Deshalb ist

�Deshalb ist es u n a n g e b r a c h t , nach " T e s t f ä l l e n " für die B e folgung des " B a k e r - P l a n e s " als Beispiel für die S c h r i t t e A u s schau zu h a l t e n , die wir von allen S c h u l d n e r l ä n d e r n e r w a r t e n
könnten.
Kein Modell wird als Ganzes auf die u n t e r s c h i e d lichen S i t u a t i o n e n dieser Länder z u t r e f f e n .
Einige sind schon
auf dem richtigen W e g ; andere haben e i n i g e A n p a s s u n g s m a ß n a h m e n
d u r c h g e f ü h r t , haben jedoch insgesamt nur b e g r e n z t e F o r t s c h r i t te erzielt oder haben in letzter Zeit b e d e u t e n d e R ü c k s c h l ä g e
e r l i t t e n ; und a n d e r e Länder beginnen g e g e n w ä r t i g g e r a d e erst
mit den n o t w e n d i g e n R e f o r m e n .
Es is t kl a r , da ß in nerh alb dies er dr ei b reiten Grup pen einige Land er a lle El emen te d i e s e r n euen I niti ative in An spruch
nehm en mü ssen . Ich würd e Ar g e n t i n i e n und Mex i k o dleser Gruppe
Me xiko b efin det sich zur Zeit mit Unter stütz ung des
zuor d n e n .
IWF in Ve rhan d l u n g e n üb er e in neues Prog ramm , während A rgentinien mit sein em exi stie rend en Progr amm w eite rhin e ng ml t dem
IWF zusam mena rbeite t. Wir g l a u b e n , daß es i n beid en Fä llen
wich tig i s t , e I n g rößer es A ugenmerk auf stru kturel le Ma ßnahmen
im Z usamm enha ng mit den IWF -Program men z u ri chten. Im Kontext
sekt orale r Da riehen der Wel tbank we rden dies e Land er au ch
stru kturp olit ische Maßn ahme n entwic k e i n .
Be ide we rden 1986
auße rdem erhe bliche Fin anzi erungspa kete der Handel s- un d Geschä f tsba nken benöt igen . Der Absch luß d iese r komp lexen Verhand lunge n wi rd ein e We ile dauern u nd so U t e nicht über Nacht
erwa rtet werd e n .

Dies trifft besonders auf diejenigen Länder zu, die alle
Elemente dieser Initiative in Anspruch nehmen müssen. Diese
Verhandlungen werden auf fallbezogener Basis auch die Beziehungen zwischen den Programmen des IWF und der Weltbank und
der Finanzierung durch die Handels- und Geschäftsbanken regeln
müssen, um sicherzustellen, daß alle drei Elemente zur Unterstützung wachstumsorientierter Reformen in den Schuldnerländern zusammenwirken. Dies wird eine engere Zusammenarbeit der
internationalen Finanzinstitutionen bei der Bewertung der
Wirtschaftspolitik und des Finanzbedarfs der verschiedenen
Schuldnerländer und unterstützende Finanzierung durch die Handels- und Geschäftsbanken erfordern.
Eine zweite Gruppe von Ländern braucht unter Umständen zu
diesem Zeitpunkt nur einen Teil der Initiative auszuschöpfen.
Ekuador etwa ist ein hervorragendes Beispiel für ein Land,
das bereits eine solide Wirtschaftspolitik betreibt, die von
grundlegender Bedeutung für den von uns vorgeschlagenen Weg
ist. Tatsächlich gibt es dort ein IWF-Programm, das genau innerhalb der Zielvorstellungen liegt. Es wurden erst kürzlich
Vereinbarungen über Finanzierungen durch Geschäftsbanken und
über Umschuldungen getroffen. Beträchtliche Erfolge wurden in
diesem Land auch schon dabei erzielt, eine Politik zu verwirklichen, die verstärkt Anreize für Spar- und Investitionstätig- 4-

�und Investitionstätigkeit bietet, die Märkte öffnet und staatliche Unternehmen privatisiert, um deren wirtschaftliche Effizienz zu vergrößern und das Wachstum zu stimulieren. Das sektorale Anpassungsdarlehen, das Ekuador in der vergangenen
Woche mit der Weltbank unterzeichnete, trägt zu einer weiteren
Intensivierung dieser Bemühungen bei; weitere solcher Darlehen
sollen auch in Zukunft noch ausgehandelt werden. Ekuador bemüht sich ganz offenkundig in einer nächsten Phase darum, zu
einem Status freiwilliger Darlehensnahme zurückzukommen, was
ein deutliches Zeichen des Erfolgs darstellen würde.
Andere Schuldnerländer befinden sich derzeit auf unterschiedlichen Stufen dieses politisch-finanziellen Stützungsplanes. Manche - wie etwa Kolumbien - sind dabei in seiner Umsetzung in die politische Wirklichkeit schon ein gutes Stück
vorangekommen. In anderen Staaten - wie etwa der Elfenbeinküste und Uruguay - gibt es vergleichbare IWF-Programme sowie
Finanzierungs- und Umschuldungspakete und sie sind dabei, mit
der Weltbank zusätzliche strukturelle Anpassungsmaßnahmen auszuhandeln .
Br a s i 1 i en be find et si ch i n ein er ande ren Lage . Das Land
erfre ut sich ein es q roßen Wac hstum s und einer sta rken Außenhande lsposit ion . Ma n wir d do rt je doch en ergi sehe Maß nahmen
ergre ifen mü ssen , um das soli de Wa chstum beiz ubeh alte n und die
Infla tion ab zuba uen. Der zeit hat Brasili en w i ssen la ssen, daß
es ni cht die Not wend igkei t si eht, ein for mell es I WF-P rogramm
auszu handeln . Dies stell t ei n Pro blem fü r eine jegli che Umschul düng de r of fizl eilen Kre dite im Rahm en d es C lubs von Paris d ar, wob ei j a di v Bet eili gung an eine m IW F-Hi lfsp rogramm
gefor dert wi rd. Sol ange dies es Pr oblem n och sein er L ösung
harrt , wird iede wei tere Fina nzier ung dur ch G esch äfts banken
von d eren Ur teil dar über abhä ngen, wie es um die Kred itwürdigkeit Brasili ens best eilt ist, wöbe i dies sich wie deru m zum
Teil auf die Sol idit ät de s br asili anische n Wi rtsc haft sprogramm s stützt.
Peru schließlich hat sich derzeit zu einem ganz anderen
Weg entschlossen und hat einseitig eine Obergrenze seiner Zahlungen für den Schuldendienst - im Sinne eines prozentualen
Anteils seiner Gesamtexporterlöse - festgelegt. Solange Peru
nicht eine konstruktivere Haltung einnimmt, werden seine einseitigen Maßnahmen sich als kontraproduktiv erweisen. Erst
jüngst hat auch Nigeria einen ähnlichen Kurs eingeschlagen.
Das Endergebnis wird in beiden Fällen wahrscheinlich ein in
Zukunft noch beschränkterer Zugang zu den so dringend notwendigen ausländischen Geldern sein, wenn nicht eine konstruktivere Haltung eingenommen wird.
Ich erwähne diese Beispiele, um zu zeigen, wie unterschiedlich Wirtschaftslage und -politik bei den Schuldnerländern sind. Die meisten von ihnen beteiligen sich bereits an

�bereits an den kooperativen Maßnahmen, die wir dargelegt haben
und es geht jetzt um die Frage, wie erfolgreich sie jetzt dabei sein werden, diese neuen Gelegenheiten zu ergreifen und
ihre Volkswirtschaften entsprechend anzupassen. Für diese
Staaten geht es nicht darum, sich den Baker-Plan auch formell
zueigen zu machen, damit dieser verwirklicht werden kann, sondern darum, die notwendigen innenpolitischen Reformen durchzuführen, um alle potentiell vorhandenen Möglichkeiten ihre
Volkswirtschaften in die Tat umzusetzen.
Die Rolle der Finanzinstitutionen
Die Reaktion auf unseren Vorschlag bei den internationalen
Finanzinstitutionen und den Handels- und Geschäftsbanken war
sehr positiv und ermutigend. Wir haben umfangreiche Erklärungen des geschäftsführenden Direktors des Internationalen Währungsfonds, des Präsidenten der Weltbank und des Präsidenten
der Interamerikanischen Entwicklungsbank erhalten, in denen
Unterstützung zum Ausdruck gebracht wird.
Die amerikanischen Banken, die 95 Prozent des von amerikanischen Handels- und Geschäftsbanken in den Hauptschuldnerländern angelegten Geldes repräsentieren, haben ihre Unterstützung zugesagt - ebenso wie die nationalen Bankengruppen und
die wichtigsten Banken aller Hauptgläubigerstaaten.
Was geschieht als Nächstes?
Um ihren Beitrag zu dieser kooperativen Strategie zu leisten, ist es für die internationalen Finanzinstitutionen wichtig, bei ihren eigenen Prozeduren Reformen durchzuführen, um
verstärkt strukturelle Anpassungsmaßnahmen zu betonen und die
Auszahlung bei vereinbarten Programmen so abzuwickeln, daß sie
das Verhalten der Schuldnerländer überwachen können, damit
sichergestellt wird, daß die Änderungen auch durchgeführt werden.
Wir hoffen, daß es zu einem wachsenden Fluß struktureller
und sektoraler - und von der jeweiligen Politik abhängigen Anpassungsdarlehen seitens der Weltbank sowie einer verstärkten Betonung der Privatisierung, der offenen Märkte und zunehmender Spar- und Investitionstätigkeit kommt. Die Entwicklung
von Kapitalmärkten in den Entwicklungländern - worüber die
Weltbank, die Internationale Finanzkorporation (IFC) sowie die
Interamerikanische Entwicklungsbank bereits mit der Bankenwelt
gesprochen haben - ist ebenso wichtig wie das Potential für
Schulden/Kapital-Tausch als Teil des Privatisierungsprozesses.
Öffentliche Unternehmen stellten eine erhebliche Belastung
für die staatlichen Mittel dar und trugen in den vergangenen
Jahren erheblich zu den Haushaltsdefiziten bei. Es ist wich-

�ist wichtig, dieser Vergeudung der Mittel eines Landes entgegenzutreten und einem starken und wachsenden Privatsektor als
einem Element der notwendigen Strukturreformen Erleichterungen
zu verschaffen.
Stärkere und offenere inländische Geldmärkte, Steuerreform
sowie eine Verbesserung des investiven Umfeldes können gleichfalls die Spar- und Investitionstätigkeit als Wachstumsstimulanz verbessern. Auch die Liberalisierung des Handels und die
Rationalisierung des Imports würden dem Export und der Wirtschafts als Ganzes zugute kommen.
Es ist doch praktisch so, daß es unrealistisch wäre, Unterstützung in Form freiwilliger Darlehen aus dem Ausland zu
fordern - gleich, ob von staatlicher oder privater Seite -,
wenn die inländischen Mittel selbst in die andere Richtung gehen. Der Kapitalflucht muß begegnet werden, wenn es wirklich
Aussicht auf weitere Mittel geben soll.
Dies sind also die Reformen, die die Weltbank und öer IWF
brauchen, um im Rahmen ihrer Darlehensprogramme Mut zu machen.
Wir werden auch eng mit der Interamerikanischen Entwicklungsbank zusammenarbeiten, um zu den notwendigen verfahrensmäßigen
und politischen Reformen zur Unterstützung der amerikanischen
Initiative zu ermutigen.
Schließlich wird auch die Bankenwelt ihre eigenen Mechanismen erarbeiten müssen, um ihren Verpflichtungen bei einer
Erhöhung der Nettokreditvergabe zur Unterstützung der wachstumsorientierten Wirtschaftsprogramme der Schuldnerländer gerecht zu werden.
Eine ganze Reihe von Ideen wird derzeit diskutiert. Was
uns angeht, so beabsichtigen wir nicht, zu diesem Zweck staatliche Garantien zu geben. Wir sind der festen Überzeugung,
daß diese Haltung dazu beiträgt, die Qualität der Außenstände
der Banken zu verbessern und deshalb im eigenen Interesse der
Banken jener Länder liegt, die eine solide, wachstumsorientierte Anpassung betreiben.
Schlußfolgerung
Sind angesichts der sich in in letzter Zeit verschlechternden Lage Mexikos die Beträge, die wir für die Arbeit der
Multilateralen Entwicklungsbanken und der Geschäftsbanken vorgeschlagen haben, für jene ausreichend, die bereit sind, die
notwendigen innenpolitischen Reformen durchzuführen? Wir
glauben, ja. Die jüngsten weltwirtschaftlichen Entwicklungen
haben die Voraussetzungen nicht wesentlich verändert, auf
denen unsere Schätzung bezüglich der 15 Hauptschuldnerländer
- 7-

�15 Hauptschuldnerländer sich gründete. Dazu gehörten eine
durchschnittliche Wachstumsrate der OECD von annähernd 3 Prozent und eine 5prozentige Wachstumsrate bei den beteiligten
Schuldnerstaaten im gleichen Zeitraum.
In der Tat sind die Zinsen zurückgegangen, wodurch die
jährliche Zinsbelastung dieser Staaten seit Anfang 1985 um
rund 7 Milliarden Dollar zurückgegangen ist. Die fallenden
Ölpreise andererseits haben die Finanzlage mancher Staaten
verbessert, die anderer wiederum verschlechtert. Insgesamt
gesehen hat sich die Lage seit vergangenem Sommer verbessert.
Ein Blick nach vorn zeigt, daß ein deutlicher Rückgang der
ölpreise eindeutig für die Entwicklungländer insgesamt von
Nutzen wäre. Allerdings würde ein radikaler Abfall ganz offensichtlich für jene Länder mit Anpassungsschwierigkeiten
verbunden sein, die von Ö'lexporten abhängig sind. Wir müssen
dies genau im Auge behalten. Das "Programm für dauerhaftes
Wachstum" ist flexibel und anpassungsfähig und ist so entworfen, daß es auch mit Verteilungsproblemen dieser Probleme
fertigwerden sollte. Es ist allerdings offensichtlich, daß
Staaten wie Mexiko und Nicaragua in naher Zukunft vor zunehmenden Geldnöten stehen werden.
Obglei ch u nse r Vo rsch lag e rheb lieh e Su mmen an n euen Geld e m beinh alte t, um d en S chuld ners taat en b ei ih rem Uberg ang zu
anha ltende m Wa chs tum behi lflic h zu sei n, s o wir d do ch ke ine
Fina nzieru ng a nge mess en s ein, sola nge dies e Sta aten nich t die
wirt schaft lieh en Maßn ahme n dur chfü hren , die not wend ig si nd, um
die Grundl age für ein Wac hstum zu scha ffen . Die In flati on,
die die Vo lksw irt scha ften der real en W achs tumsg ewin ne be raubt,
muß unter Kont rol le g ebra cht w erde n. Es m üssen Seh ritte untern ommen werd en, um die Spar- und Inv esti t i o n stäti gkeit in
den einzel nen Län d e m anz urege n, u m di e La st de r öf fentl ichen
Ausg aben z u ve rri nger n, W ettbe werb sfäh igke it un d Le istun gsfähi gkeit zu s tei gern und die pote ntie llen Vort eile ausl ändisch er Inv esti tio nen und des H ande ls m it d em Au slan d zu nutzen. Nur dies ka nn d ie s olide wir tsch aftl iche Grün dlage in
den einzel nen Län d e m seh äffen , die fü r ein bes sere s Wachstum
Vora ussetz ung ist

* # * * *

- 8 -

�;eo s&gt;

V,oN^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

5. Februar 1986

FORSCHEN NACH URSACHE DER CHALLENGER-KATASTROPHE

- (AD) - Die Trümmersuche dauert an. Fernsehkameras unbemannter Unterwasserfahrzeuge ermöglichten ein erstes Auffinden
von Teilen der Raumfähre CHALLENGER am Meeresboden, die in einem ca. 80 mal 160 km großen Gebiet niedergegangen sind und
mittels Ultraschall geortet wurden. Die Untersuchung der
Bruchstücke, von denen am küstennahen Bereich bereits einige
Tonnen geborgen wurden, sowie Analyse der Filmaufnahmen und
Computeraufzeichnungen bringen vielleicht doch Hinweise auf
die Ursache der Explosion.
Bis zur Einsetzung der offiziellen Untersuchungskommission, der Experten aus dem akademischen, wissenschaftlichen
und industriellen Sektor angehören sollen, leisten Stäbe der
NASA (amerikanisches Amt für Luft- und Raumfahrt) die Vorarbeiten. Dr. William Graham, der amtierende Leiter der NASA,
sagte: "Die Arbeitsgruppe der NASA konzentriert sich darauf,
sehr gründlich zu untersuchen, was geschah und was notwendig
ist, um uns allen die bestmögliche Gewißheit zu geben, daß es
nie wieder geschehen wird."
Der Verlust der CHALLENGER und der Tod der sieben Astronauten kurz nach dem Start am 28. Januar 1986 werde, so
Graham, "uns als Amerikaner nicht davon abhalten, auch künftig

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�auch künftig in der Forschung und im Weltraum an vorderster
Front aktiv zu sein... Wir werden unser Raumfahrtprogramm
fortsetzen, das gegründet ist auf das Zusammenwirken von Menschen und Maschinen, damit sie im Weltraum das bestmögliche
geben. Der Raumtransporter hat sich als ein sehr effektives
und zuverlässiges System erwiesen. Wir hatten in der Aufeinanderfolge von 56 erfolgreichen Starts seit Beginn des bemannten Raumfahrtprogramms keinen Verlust an Menschenleben zu beklagen. Der Raumtransporter... wird auf absehbare Zukunft unser wichtigstes Weltraumtransportsystem bleiben."
Angesichts der CHALLENGER-Tragödie hat die NASA bis zur
Aufklärung der Explosion, die sich 74 Sekunden nach dem Start
in Kap Canaveral in 16 000 km Höhe ereignete, das Flugprogramm
für Raumtransporter gestoppt. Nach Aussage von NASA-Mitarbeitern ist es zu früh, um über mögliche Ursachen zu spekulieren.
Jedoch seien Experten für Luft- und Raumfahrttechnik der Meinung, daß das Unglück irgendwie mit den Haupttriebwerken des
Orbiter, dem riesigen externen Flüssigtreibstoff-Tank oder den
beiden seitlichen Feststoffraketen zusammenhänge.
Die 37 m lange Raumfähre bezieht den flüssigen Treibstoff
für ihre drei Haupttriebwerke am Heck aus dem 47 m langen externen Tank an der Unterseite, der mit Metallstreben an Nase
und Basis des Orbiter befestigt ist. Er stellt das bei weitem
größte Einzelstück der Kombination beim Start dar. Mit der
Schubkraft der drei Haupttriebwerke (636 000 kp) hebt die
Raumfähre von der Erde ab. Der Treibstoff, flüssiger Wasserstoff und flüssiger Sauerstoff, wird durch dicke Leitungen aus
dem Außentank herübergepumpt. Sobald die Orbiter-Hauptriebwerke nach vier Sekunden 90 Prozent ihrer vollen Leistung erreicht haben, zünden die beiden seitlich montierten Zusatzraketen. Sie sind vom Antriebssystem mit Flüssigtreibstoff unabhängig und verstärken den Schub um je 1 170 000 kp. Ihr
Festtreibstoff, bestehend aus Aluminiumpulver und Ammoniumperchlorat, ist nach zwei Minuten Flug ausgebrannt. Sie werden vom Außentank durch kleine Raketentriebwerke abgesprengt.
Jede der beiden großen Zusatzraketen stößt drei Fallschirme
aus, an denen sie für eine Bergung durch Schiffe zur Wasseroberfläche schwebt. Diese Technik hatte 24 Mal gut funktioniert - bis zum 28. Januar 1986, als sich die Zusatzraketen
infolge der Explosion 74 Sekunden nach dem Abheben vorzeitig
lösten und, nach Angaben von Richard Smith, des Direktors des
Kennedy-Raumfahrtzentrums, von Sicherheitsoffizieren der amerikanischen Streitkräfte durch Funkkommandos zerstört wurden,
um nicht bewohnte Gebiete zu gefährden.
Normalerweise arbeiten die drei Orbiter-Haupttriebwerke
acht Minuten lang und haben erst Brennschluß, wenn der Orbiter
die Umlaufbahn erreicht hat. Dann wird auch der externe Tank
— 2 —

�externe Tank abgeworfen. Er besteht aus zwei Behaltern: Der
untere enthält 1,5 Millionen Liter von explosivem Flüssigwasserstoff, der obere ca. 500 000 Liter Flüssigsauerstoff zur
raschen Verbrennung des Wasserstoffs. Beide Treibstoffkomponenten strömen über separate, isolierte Leitungen aus, die aus
Aluminium und rostbeständigem Stahl bestehen. Die Zufuhrleitungen zu den drei Hauptriebwerken haben einen größeren Durchmesser als beispielsweise ein menschlicher Körper. Über den
Hauptmotoren des Orbiter verzweigen sie sich. Pumpen fördern
dort unabhängig voneinander Wasserstoff und Sauerstoff zur
Verbrennungskammer jedes der drei Triebwerke.
Wie die NASA berichtete, ereignete sich die Explosion, die
die CHALLENGER zerstörte, zu einem Zeitpunkt, an dem die
Haupttriebwerke auf volle Kraft geschaltet werden sollten,
nachdem die Flugastronauten die Motoren für 35 Sekunden auf 60
Prozent Leistung zurückgefahren hatten. Dadurch wurde die
Schwerebelastung in der Startphase verringert. Außerdem kam
die Explosion zu einer Zeit, in der für die CHALLENGER die Periode des stärksten aerodynamischen Drucks begann, d.h. wenn
durch Wind und andere atmosphärische Faktoren erhöhte Vibrationsbelastungen auf die Außenwand wirken.
Ingenieure vermuten, daß die Treibstoffleitung vom Außentank zu den Haupttriebwerken an einer Schwachstelle in dem Augenblick gerissen sein könnte, als wieder auf volle Leistung
geschaltet wurde. In diesem Fall könnte Wasserstoff nach außen gelangt und durch die Hitze von den Hauptriebwerken entzündet worden sein. Eine weitere Vermutung geht dahin, daß es
einen Defekt in der Isolierung des Außentanks gab. Dieser muß
während des Starts 2,8 Millionen kp Schubenergie von den Feststoffraketen und den Flüssigtreibstoff-Motoren absorbieren.
Die Tankwandung besteht aus einer Aluminiumlegierung, deren
Dicke zwischen zwei Millimetern und fünf Zentimetern variiert.
Auch gab es Vermutungen, daß von der Raumfähre abgebrochene Eisbrocken, die sich in dem ungewöhnlich kalten Wetter vor
dem Start und während des Starts gebildet hatten, den externen
Tank beschädigt haben könnten. Aber dies alles sind nach Ansicht der technischen Experten Spekulationen, die nicht weiterführen. Erst müßten mehr Fakten bekannt sein, ehe überhaupt etwas gesagt werden könne. Bei der Untersuchung von
Flugzeugunfällen habe man z.B. in manchen Fällen die Erfahrung
gemacht, daß eine zu Beginn vermutete Ursache sich später als
nicht zutreffend erwies und die tatsächliche Ursache ganz anderer Natur war.
Viele der führenden Firmen der amerikanischen Luft- und
Raumfahrtindustrie sind am Raumtransportprogramm beteiligt.
"Martin Marietta" liefert den externen Tank. Er wird im Werk

�im Werk New Orleans (Louisiana) gebaut und per Schiff zum
Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida transportiert, um dort ein
paar Tage vor dem Start mit den Flüssigtreibstoffen gefüllt zu
werden. Die Firma "Morton Thiokol" baut die Feststoffraketen,
die in Wasatch (Utah) mit Treibstoff gefüllt und dann nach
Florida befördert werden. Dort werden sie am Flüssigtreibstoff-Tank anmontiert. "Morton Thiokol" ist auch für die
Überholung und Neufüllung der ausgebrannten, aus dem Meer geborgenen Gehäuse der Feststoffraketen zuständig. Vertragspartner für die Herstellung der Haupttriebwerke für den Orbiter ist die "Rocketdyne Division" der "Rockwell International
Corporation". Bei der Firma Rockwell wurden auch alle vier
Raumtransporter gebaut. Die "Lockheed Corporation" ist für
die Überholung einer Raumfähre von der Landung bis zum nächsten Start verantwortlich. Das Unternehmen hat seinerseits
zwei große Partnerfirmen unter Kontrakt, nämlich "Grumman
Aerospace" und "Morton Thiokol".

* * * * * *

�&gt;

V,oN^

&lt;^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

5. Februar 1986

KOKAINMISSBRAUCH
- Gesundheitsschäden - auch Babies als Opfer -

WASHINGTON - (AD) - Die seit 1984 in den Vereinigten Staaten gesetzlich verankerten Bestimmungen, Guthaben und Vermögenswerte aus Rauschgiftgeschäften zu beschlagnahmen sowie deren Erwerb und Gebrauch als kriminelle Handlungen zu verfolgen, machen Schule. Inzwischen gingen einige Länder zu ähnlichen Maßnahmen über, und Überlegungen zur Schaffung entsprechender juristischer Voraussetzungen werden jetzt u.a. in
der Bundesrepublik Deutschland angestellt.
ie der amerikanische Justizminister
In d en USA hab en si
Edwi n Me ese II I im Deze mber 1985 in Wien vor Mitarbeitern der
UN-K ommi ssion für Sucht stof fe und Rauschgiftkriminalität ausführ te, die be iden Haup tpro gramme der Drogenbekämpfung zum
Hint ergr und: Das eine will die Versorgung der Szene mit
Such tsto ffen u nter binde n, d as zweite gilt einer umfassenden
Eind ämmu ng der Nac hf rag e. "Wenn wir beides gleichzeitig anpack en, müßte es m öglic h se in, die gegenwärtige Situation beträc htli ch zu verb esser n", meinte der Minister. Dennoch komme
es i n er ster L inie auf die jungen Menschen selbst an, für ihr
Verh alte n "die ric htige Wah 1 zu treffen und sich so zu entsehe iden , daß sie droge nfre i bleiben."
Die amerikanische

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�Die amerikanische Regierung nehme ihre Pflicht sehr ernst,
sagte Meese, die Bevölkerung über die Gefahren des Konsums von
illegalen Suchtstoffen sowohl für den einzelnen als auch für
die Gesellschaft aufzuklären. Dies bedeute für viele Menschen
Umerziehung - kein einfacher Prozeß. Er erforderte, 'or allem
im Interesse der Jugend, eine beharrliche und engagierte Mitarbeit von Regierung und vielen Institutionen, von Eltern,
Lehrern und allen jenen Personen, die Leitbilder für die Jugend sein können. Auf das Risiko der Neugier, die Auswirkung
einer Droge wenigstens einmal kennenzulernen, kann gar nicht
eindringlich genug hingewiesen werden. Und das gilt heute in
ganz besonderem Maße für Kokain.
Trotz der straff koordinierten Aktionen der 13 regionalen
Arbeitsstäbe, die die Vereinigten Staaten zur Durchsetzung der
Maßnahmen gegen die Rauschgiftkriminalität im weitesten Sinne
aufgebaut haben, werden pro Jahr zum Beispiel Tausende von
Tonnen Kokain eingeschmuggelt. Die international organiserten
Syndikate bedienen sich dabei rasch wechselnder und äußerst
raffinierter Methoden. Auch Westeuropa wir 'nzwischen ^ner
stärker mit Kokain überschwemmt, wofür allein schon die beschlagnahmten Mengen sprechen.
Vergiftet - geringe Aussicht auf Heilung
Die physischen und psychischen Schäden, die der Dauerkonsument dieses als Freizeitspaß verharmlosten, oft auch als
leistungsfordernd angepriesenen Rauschgiftes davonträgt, sind
verheerend. Schon nach wenigen "Trips" wird der Hunger nach
dem Stoff immer größer. Kokain, das zunächst in einen euphorischen Zustand versetzt, dann zu Hallizunationen, Psychosen
und Depressionen führt, wirkt auf das zentrale Nervensystem
(ZNS) mit zunehmender zentraler Erregung. Es verändert die
ZNS-Funktionen in einer Weise, die unvorhersehbare Komplikationen im Gefolge haben können. Dazu zählen unregelmäßige,
meist überhöhte Herzschlag- und Atmungsfrequenz, Anstieg von
Körpertemperatur und Blutdruck (wobei dieser häufig stark
schwankt), Krampfanfälle, Lähnungen, Herzstillstand. Komplikationen solcher Art treten im Zusammenhang mit den neuesten
Varianten von Kokain, die jetzt in der New Yorker Drogenszene
aufgetaucht sind, sogar noch deutlich verstärkt auf.
Die typischen Vergiftungserscheinungen machen sich gewöhnlich erst nach zwei bis drei Jahren bemerkbar. Dann ist der
Gebrauch der Droge längst zur Sucht geworden. Dem körperlichen und geistigen Verfall der Abhängigen steht die Medizin
ziemlich hilflos gegenüber - und die Zahl derer, die Kokain
regelmäßig nehmen, wird einem Bericht der New York Times zufolge auf etwa fünf Millionen Menschen geschätzt! Bis zu 5000
- 2 -

�Bis zu 5000 Menschen täglich lassen sich neu darauf ein, Kokain zum mindesten zu probieren.
Unterentwickelte und kranke Babies
Besorgniserregende Folgen für die Babies von Müttern, die
während der Schwangerschaft zu Kokain gegriffen haben, beobachten Kinderärzte in zunehmendem MaGe. In Berichten aus einigen amerikanischen Kliniken und Rehabilitationsheimen für
drogengeschädigte Säuglinge und Kleinkinder wird darauf hingewiesen, daß die Auswirkungen des Drogenmißbrauchs der Schwangeren auf die fetale Entwicklung und die Entwicklung nach der
Geburt bei "Kokainbabies" sogar noch schwerwiegender als bei
"Heroinbabies" sein dürften.
Zu einer auffallenden Häufigkeit von Fehlgeburten oder
vorzeitigen Wehentätigkeit kommt es auch bei Frauen, die Kokain nicht regelmäßig, sondern nur gelegentlich genommen haben. Das Geburtsgewicht von Kokainbabies ist niedriger als
normal. In ihrer körperlichen Entwicklung bleiben sie zurück,
die Entwicklung der Grob- und Feinmotorik, der Fähigkeiten für
Wahrnehmung und Koordination ist gestört. Bei manchen Neugeborenen wurden Lähmungen entsprechend den Folgen von Sauerstoffmangel oder einer Blutung im Gehirn beobachtet - vermutlich zustandegekommen im Zusammenhang mit den starken Blutdruckschwankungen im mütterlichen Organismus unter Kokaineinfluß. Die akuten Entzugserscheinungen unmittelbar nach der
Geburt halten länger an, als man dies von "Heroinbabies" her
kennt. Mit Atmung und Nierenfunktion der Neugeborenen gibt es
häufig Schwierigkeiten.
Prognosen über den Fortgang der Entwicklung von "Kokainkindern" sind noch kaum möglich. Aber die Ärzte, die sich vor
allem in einigen amerikanischen Großstädten mit dem Problem
konfrontiert sehen, befürchten, daß geistige Behinderung, Verhaltensstörungen und erhebliche Lernbehinderung, dazu bleibende Behinderungen der körperlichen Bewegungsfähigkeit, das Leben dieser Kinder prägen werden.

* * * * * *

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 4. Februar 1986 -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schuldenstrategie der Vereinigten Staaten auf Strukturreform ausgerichtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aussagen des Stellvertretenden Finanzministers David C. Mulford -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Forschen nach Ursache der CHALLENGER-Katastrophe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kokainmissbrauch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gesundheitsschäden - auch Babies als Opfer -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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,

5. Februar 1992

^

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,

HAUSHALT

PRÄSIDENT BUSHS HAUSHALT
IM KONTEXT BETRACHTET
Eine Übersicht zur
Haushaltsvorlage 1993

VERTEIDIGUNG

WAFFENMODERNISIERUNG NEUER
SCHWERPUNKT DES PENTAGON
Erklärung des
US-Verteidigungsministeriums

VEREINTE NATIONEN

BUSH: NEUES ZEITALTER FÜR VEREINTE
NATIONEN NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede des Präsidenten beim
UN-Sicherheitsrat

MENSCHENRECHTE

NEUE DEMOKRATIEN BERECHTIGEN ZU
HOFFNUNG BEI MENSCHENRECHTEN
Bericht des US-Außenministeriums

HANDEL

DOBBINS DRANGT AUF BALDIGE EINIGUNG
ÜBER HANDELSABKOMMEN
Rede des US-Botschafters bei der EG

SOZIALES

WOHLTÄTIGKEIT IN DEN USA: EINE
TRADITION DES GEBENS UND NEHMENS
Überblick über ehrenamtliche
Tätigkeit

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�HAUSHALT

5. Februar 1992

PRÄSIDENT BUSHS HAUSHALT
IM KONTEXT BETRACHTET
Eine Übersicht zur Haushaltsvorlage 1993
WASHINGTON - (AD) - Die kurzfristigen Prognosen bei Staatsverschuldung und Haushaltsdefizit "sind weiterhin
unattraktiv". Dies schreibt der Direktor der Haushaltsbehörde, Richard Darman, in seinem Vorwort zur soeben
veröffentlichten Haushaltsvorlage der Bush-Administration für das am 1. Oktober 1992 beginnende Haushaltsjahr 1993.
Geringere Steuereinnahmen als erwartet, die hauptsächlich auf die Rezession und die anhaltende Konjunkturflaute zurückzuführen sind, die von der Sparkassenkrise verursachten hohen Kosten, ein steigender Schuldendienst in Zusammenhang mit in der Vergangenheit eingegangenen Verpflichtungen sowie der ungebremste
Zuwachs zwingend vorgeschriebener Ausgabenprogramme werden in dem am 30. September 1992 endenden
Haushaltsjahr 1992 nach Schätzungen der Bush-Administration ein Rekorddefizit von 399,4 Milliarden Dollar zur
Folge haben. Im Vergleich zum letztjährigen Rekordbetrag von 268,7 Milliarden Dollar bedeutet dies eine
Zunahme von annähernd 49 Prozent.
Präsident Bushs Vorlage für das am 30. September 1993 endende nächste Haushaltsjahr sieht eine bescheidene Verringerung des Defizits auf 351,9 Milliarden Dollar vor, geht jedoch bis 1997 von weiterhin beträchtlichen
Fehlbeträgen aus - bis zu einem Minimum von annähernd 200 Milliarden Dollar.
Die Vorlagen und Ansätze sind in einem Dokument von über 1.700 Seiten enthalten, das am 29. Januar dem
US-Kongreß zugeleitet und am selben Tag veröffentlicht wurde.
Nachfolgend die wichtigsten Punkte der Haushaltsvorlage 1993:

Gesamthaushalt

Haushaltsjahr

Defizit

Ausgaben: 1.516,7 Milliarden

1986

221,167

Einnahmen: 1.164,8 Milliarden

1987

149,687

1988

155,097

1989

153,378

Defizitabbau

1990

220,396

Der letzte Rekord beim US-Haushaltsdefizit wurde im
Haushaltsjahr 1991 erreicht, in dem das bisherige
Rekorddefizit aus dem Haushaltsjahr 1986 bei weitem
übertroffen wurde. Die jüngsten geschätzten oder
prognostizierten Defizitzahlen betragen in Milliarden
Dollar:

1991

268,728

1992 (geschätzt)

399,400

1993 (Vorschlag)

351,900

Defizit:

351,9 Milliarden

AMERIKA DIENST 5

Seite 1

�Gesamtausgaben

Frei verfügbare Ausgaben für Inlandsprogramme

Um 41,6 Milliarden Dollar oder 2,8 Prozent höher als
1992.

Der Haushalt 1993 sieht ein Einfrieren der Ausgabeermächtigungen für Inlandsprogramme auf dem
Niveau von 1992 in Höhe von 203,1 Milliarden
Dollar vor. Die Ausgaben werden infolge dieses
Moratoriums auf 224,7 Milliarden Dollar geschätzt.
Insgesamt sieht der Haushaltsansatz für 177 Programme eine Aufstockung um 9,740 Milliarden Dollar
vor, bei 359 Programmen Einsparungen von 552 Millionen, die Streichung von 246 Programmen im Gesamtumfang von 964 Millionen Dollar sowie die Verlagerung von Bundesprogrammen im Gesamtumfang
von 14,6 Milliarden Dollar auf Staats- und Gemeindeebene.

Steuereinnahmen
Um 89,1 Milliarden Dollar oder 8,2 Prozent höher als
1992.
Verteilung der vorgesehenen Ausgaben
im Haushaltsjahr 1993 (Prozent):
Verteidigung

19

Zahlungen an Einzel46
personen (mit Sozialleistungen)
Nettozinsen

14

Zuschüsse an Bundesstaaten
und Gemeinden

12

Einlagensicherung

5

Sonstige

4

Einnahmequellen
Einkommensteuer

44

bei Personen
Sozialversicherung

38

Untemehmenssteuem
Verbrauchssteuern

9
4

Sonstige

5

Verteidigungsausgaben
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der
verringerten militärischen Bedrohung sieht die Administration bis 1997 Einsparungen im Verteidigungshaushalt von 50,4 Milliarden Dollar bei den bewilligten
Mitteln und 27,4 Milliarden bei den Ausgaben vor. Die
Ausgaben des Verteidigungsministeriums würden im
Haushaltsjahr 1993 um 1,6 Prozent auf 273,5 Milliarden Dollar fallen. Die Ausgabeermächtigungen würden um 1,1 Prozent zurückgehen, was inflationsbereinigt im Vergleich zu 1992 einen 7prozentigen Kaufkraftschwund bedeuten würde. Die Verteidigungsaufwendungen als Prozentsatz des amerikanischen Bruttosozialprodukts werden bis zum Haushaltsjahr 1997
voraussichtlich auf 3,4 Prozent sinken, den niedrigsten
Anteil der vergangenen 50 Jahre. Die Verteidigungsausgaben als Prozentsatz der Gesamtausgaben des
Bundes werden im Jahr 1997 auf 16 Prozent sinken,
ebenfalls der niedrigste Stand seit 50 Jahren.

Seite 2

Zwingend vorgeschriebene Ausgaben
Ohne die Zinszahlungen für die Staatsschulden werden die Ausgaben für zwingend vorgeschriebene
Bundesprogramme wie Gesundheitswesen und landwirtschaftliche Subventionen auf 765,9 Milliarden Dollar
im Haushaltsjahr 1993 veranschlagt. Das jährliche
Wachstum soll in den kommenden fünf Jahren 7,2
Prozent betragen. Der Haushaltsansatz sieht eine
Verringerung zwingend erforderlicher Ausgaben um
68,4 Milliarden Dollar durch eine Obergrenze für den
Zuwachs sowie eine Reduzierung staatlicher Subventionen bei zahlreichen Programmen vor.
Neue Vorschläge
Der neue Haushalt ist besonders auf die Förderung
von Investitionen und die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums ausgelegt. Spezielle Vorschläge, von
denen einige bereits früher gemacht und vom Kongre ß
abgelehnt worden waren, sind:
Verringerte Steuersätze für Kapitalgewinne aus
langfristigen Investitionen.
Eine neue Steuergutschrift von 5.000 Dollar für
Ersterwerber einer Immobilie.
Erhöhte Abschreibungen für Unternehmensausstattung.
Steuerliche Anreize zur Förderung verstärkter
Investitionstätigkeit bei Forschung und Entwicklung im Privatsektor.
Ein um 500 Dollar pro Kind erhöhter Steuerfreibetrag.
Andere Vorschläge umfassen:
Höhere Ausgaben für ausgewählte Bildungsprogramme und Gesundheitsfürsorge, insbesondere in den ersten Lebensjahren.
Zusätzliche Ausgaben für die Eindämmung des
Drogenmißbrauchs, die hauptsächlich Strafverfolgung und Behandlung von Abhängigen betreffen.
AMERIKA DIENST 5

�Höhere Ausgaben für den Umweltschutz, darunter Wiederaufforstung, Beseitigung von Sondermüll, die Klärung von Abwässern an der
amerikanisch-mexikanischen Grenze sowie die
Erforschung der weltweiten Klimaveränderungen.
Eine umfassende Krankenversicherung
Der Präsident wird in den nächsten zwei Wochen
Vorschläge veröffentlichen, mit denen der Krankenversicherungsschutz für Einkommensschwache erweitert werden soll. Dem Programm zufolge sollen
einkommensschwache Familien, die heute keinen
Versicherungsschutz haben, als Beitrag zur Krankenversicherung Steuergutschriften oder Gutscheine in
Höhe von bis zu 3.750 Dollar pro Familie erhalten.
Ausgaben für Raumfahrt und wissenschaftliche
Forschung
Im Haushaltsansatz 1993 sind 15,158 Milliarden Dollar
für die Raumfahrt vorgesehen - ein Zuwachs von 738
Millionen Dollar oder 5 Prozent im Vergleich zum
Haushalt 1992. Die vorgesehenen Erhöhungen umfassen auch Mittel für ein neues Raumfährenabschußsystem, einen 11 prozentigen Zuwachs für die Raumstation Freedom sowie zusätzliche Mittel für die Erforschung von Mond und Mars.
Der Haushalt sieht ferner 76,557 Milliarden Dollar für
Forschung und Entwicklung vor - fünf Prozent mehr als
im Jahr 1992. Zu den vorrangigen Projekten gehören:
ein Anstieg um 148 Millionen Dollar für die Entwicklung
der nächsten Generation von Hochleistungscomputern, ein Zuwachs von 162 Millionen Dollar auf 1,821
Milliarden zur Verbesserung von Synthese, Verarbeitung und Leistungsfähigkeit von Materialien (kleinere
Computerchips, Wolkenkratzer aus elastischem Beton, Leichtflugzeuge), eine Steigerung um 271 Millionen Dollar auf 4,030 Milliarden für Biotechnologie,
insbesondere in Bereichen wie Wiederherstellung und
Schutz der Umwelt, alternative Energien, Gesundheitswesen und landwirtschaftliche Produktion.

Rekordstand von 6,3 Prozent im Jahr 1983 erzielt,
aber ein neuer Rekord wird im gegenwärtigen Haushaltsjahr 1992 erwartet. Von den Haushaltsansätzen
1983 bis 1993 gestaltet sich die Entwicklung folgendermaßen:
Haushaltsjahr

Defizit als Anteil
am BSP

1983

6,3

1984

5,0

1985

5,4

1986

5,3

1987

3,4

1988

3,2

1989

3,0

1990

4,1

1991

4,7

1992 (geschätzt)

6,7

1993 (Vorschlag)

5,5

Amerikanische Staatsausgaben und -einnahmen
in Prozent des BSP
Haushaltsjahr

Ausgaben in
Einnahmen in
Prozent des BSP Prozent des BSP

1989

22,3

19,3

1990

23,2

19,1

1991

23,2

18,5

1992 (geschätzt)

24,8

18.1

1993 (Vorschlag) 24,0

18,4

Das Defizit als Anteil am BSP
Im Zweiten Weltkrieg erreichte das amerikanische
Haushaltsdefizit als Prozentsatz des Bruttosozialprodukts (BSP) bis zu 31,6 Prozent. Nach 1946 wurde der

AMERIKA DIENST 5

Seite 3

�VERTEIDIGUNG
5. Februar 1992

WAFFENMODERNISIERUNG NEUER
SCHWERPUNKT DES PENTAGON
Erklärung des US-Verteidigungsministeriums
WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Cheney zufolge hat die Auflösung der ehemaligen Sowjetunion
"die militärische Bedrohung amerikanischer Interessen verringert und damit die Notwendigkeit der Herstellung
moderner Waffensysteme weniger dringlich gemacht".
In einer am 29. Januar 1992 veröffentlichten Erklärung zum Verteidigungshaushalt 1993, der 267,6 Milliarden
Dollar umfassen soll, zitiert das Pentagon den Minister mit der Äu ßerung, es würden in Zukunft weniger moderne
Waffensysteme hergestellt. Statt dessen werde man sich auf die Modernisierung bestehender Systeme
konzentrieren.
Als ein Beispiel für die Strategie führte Cheney Pläne an, nur 20 B-2-Tarnkappenbomber sowie 640 moderne
Marschflugkörper zu produzieren, anstatt der ursprünglich vorgesehenen 75 Flugzeuge und 1.000 Flugkörper.
Femer würde das Programm für die kleine Midgetman Interkontinentalrakete eingestellt, und das Pentagon
werde auch keine zusätzlichen Gefechtsköpfe des Typs W-88 für die mit ballistischen Trident-Raketen
ausgerüsteten U-Boote benötigen.
Die Erklärung des Pentagon hat folgenden Wortlaut:

Der Haushalt des Präsidenten für das Jahr 1993
fordert einen neuen Ansatz bei der Beschaffung wichtiger Waffensysteme und Streitkräftemodernisierung
durch das Verteidigungsministerium bei gleichzeitiger
Aufrechterhaltung von Streitkräften, die zur Reaktion
auf regionale Einsatzerfordernisse befähigt sind. Das
Programm des Präsidenten für die Haushaltsjahre
1992 bis 1997 sieht darüber hinaus Veränderungen im
strategischen Nuklearprogramm der Vereinigten Staaten vor, die eine Abkehr von einer Beziehung der
nuklearen Konfrontation mit den Republiken der ehemaligen Sowjetunion bedeuten, erklärte Verteidigungsminister Richard Cheney heute.
Die Administration beantragt Ausgabeermächtigungen für das Verteidigungsministerium in Höhe von
267,6 Milliarden Dollarfürdas Haushaltsjahr 1993 - 9,9
Milliarden Dollar weniger als im vom Kongreß verabschiedeten Haushalt 1992 sowie inflationsbereinigtein
Rückgang um real 7 Prozent. Die Kürzungen im
Verteidigungshaushalt gehen über die bereits vorgenommenen erheblichen Streichungen hinaus - sie
erreichen im Vergleich zu 1985 bei den Ausgabeermächtigungen einen realen Rückgang von über einem
Drittel.

AMERIKA DIENST 5

Die Haushaltsvorlage für 1993 reduziert darüber hinaus im Vergleich zu dem im Vorjahr unterbreiteten
Sechsjahresplan den Sechsjahresverteidigungsplan
des Ministeriums für 1992-1997 um 63,8 Milliarden
Dollar. Diese Gesamtsumme umfaßt 50,4 Milliarden
Dollar an Streichungen in Verteidigungsprogrammen
sowie 13,4 Milliarden Dollar für Anpassungen im Rahmen
des Haushaltsabkommens, jeweils auf der Grundlage
der Inflationsrate von 1991. Der Haushalt 1993 sieht
Ausgaben von 272,8 Milliarden Dollar vor - 9,8 Milliarden weniger als im Jahr 1992. Die Ausgaben für die
Haushaltsjahre 1992 bis 1997 würden im Vergleich
zum letztjährigen Verteidigungsplan um 27,4 Milliarden Dollar gekürzt.
"Das Bild der nationalen Sicherheit hat sich für die
Vereinigten Staaten seit dem Vorjahr erheblich verändert. Die Auflösung der ehemaligen Sowjetunion hat
die Bedrohung amerikanischer Interessen verringert
und damit die Notwendigkeit der Herstellung moderner
Waffensysteme weniger dringlich gemacht", erklärte
Cheney. Viele dieser Entwicklungen seien in der von
Präsident Bush im August 1990 angekündigten regionalen Verteidigungsstrategie bereits berücksichtigt,
stellte der Minister fest.

Seite 1

�"Wir können es uns heute leisten, das Tempo der
Modernisierung unserer Streitkräfte bewußter zu
gestalten. Das Auftreten demokratisch geleiteter
Reformer in den Republiken der ehemaligen Sowjetunion bietet darüber hinaus eine historische Chance,
weitere Reduzierungen im strategischen Kernwaffenarsenal der Welt vorzunehmen, wie der Präsident
gestern abend in seiner Botschaft zur Lage der Nation
vorschlug", erklärte er.
Verteidigungsminister Cheney teilte mit, er werde deshalb
das Programm für den Tarnkappenbomber B-2 nach
Herstellung der 20. Maschine stoppen, das Programm
für die kleine Interkontinentalrakete Midgetman streichen und die Produktion moderner Marschflugkörper
bei 640 anstatt der ursprünglich vorgesehenen 1.000
einstellen. Allein diese Maßnahmen bei strategischen
Programmen werden bis zum Haushaltsjahr 1997
annähernd 20 Milliarden Dollar einsparen.
Cheney erklärte darüber hinaus, sein Ministerium werde
keine zusätzliche Produktion des schwereren Gefechtskopfes der Marine für dessen U-Boot-gestützte
ballistische Raketen anstreben. Damit werde die
weitere Produktion des Gefechtskopfs vom Typ W-88
für das Unterseeboot Trident hinfällig.
Obgleich es sich hierbei um einseitige Schritte handelt,
hat der Präsident auch Präsident Jelzin aufgefordert,
seine eigenen strategischen Modemisierungsprogramme zu kürzen.
Weitere Kürzungen bei den strategischen Streitkräften
Das Programm des Verteidigungsministeriums für die
Haushaltsjahre 1992 bis 1997 treibt die vom STARTVertrag und der Nuklearinitiative Präsident Bushs vom
September 1991 vorgesehenen tiefen Einschnitte bei
Kernwaffen weiter voran. Das Programm reagiert
ferner auf die zusätzlichen Veränderungen bei den
strategischen Nuklearstreitkräften, die der Präsident
in seiner Ansprache zur Lage der Nation 1992 vorgeschlagen hat.
Im vergangenen September hat der Präsident das
Pentagon angewiesen, auf die schienengestützte
Stationierungsmethode der MX-Rakete, die Kurzstrekkenangriffsrakete SRAM-II sowie die mobile Version
der kleinen Interkontinentalrakete zu verzichten. In
seiner Rede zur Lage der Nation schlug er eine weitere
Reduzierung der amerikanischen strategischen Nuklearstreitkräfte vor, falls Rußland ähnliche Schritte
unternimmt.
Dem jüngsten Vorschlag des Präsidenten zufolge würden
die Vereinigten Staaten ihre MX-Raketen beseitigen,
die Zahl der Gefechtsköpfe auf ihren Minuteman-IllRaketen von drei auf einen verringern, die Zahl der
Gefechtsköpfe der U-Boot-gestützten ballistischen

Seite 2

Raketen um ein Drittel reduzieren und viele ihrer
strategischen Bomber für vorrangig konventionelle
Zwecke umrüsten. Diese Maßnahmen würden durchgeführt, wenn Rußland all seine landgestützten, mit
Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten ballistischen
Raketen beseitigt und seine strategischen Nuklearstreitkräfte auf ein Niveau verringert, das der fehlenden Bedrohung aus dem Westen Rechnung trägt.
Die wachsende Verbreitung von ballistischen Raketen
und Massenvernichtungswaffen verleiht der Finanzierung des Programms des Präsidenten zum weltweiten
Schutz vor begrenzten Schlägen hohe Priorität für
unsere strategischen Programme. Die Finanzierung
der Strategischen Verteidigungsinitiative genießt weiterhin höchste Priorität, und es werden im Haushaltsjahr 1993 Ausgabeermächtigungen von 5,4 Milliarden
Dollar für diesen Zweck beantragt, gegenüber 4,1
Milliarden im Haushaltsjahr 1992.
Tendenzen im Verteidigungshaushalt
Vom Haushaltsjahr 1993 bis zum Haushaltsjahr 1997
werden die Ausgabeermächtigungen des Verteidigungsministeriums real um durchschnittlich 4 Prozent jährlich sinken. Im Haushaltsjahr 1997 wird der kumulative
reale Rückgang bei Ausgabeermächtigungen seit dem
Haushaltsjahr 1985 - dem Jahr mit den höchsten
Verteidigungsausgaben - insgesamt 37 Prozent betragen. Die inflationsbereinigten Ausgabeermächtigungen für das Haushaltsjahr 1997 werden etwa dieselbe
Kaufkraft haben wie der Verteidigungshaushalt von
1960 und nur geringfügig mehr als die Verteidigungshaushalte von 1974 bis 1976, die im Zeichen des
militärischen Abbaus nach Vietnam standen.
Die Verteidigungsausgaben in Prozent des US-Bruttosozialprodukts werden im Haushaltsjahr 1997 voraussichtlich auf 3,4 Prozent fallen, den niedrigsten Stand
seit dem Zweiten Weltkrieg. Im Haushaltsjahr 1997
werden die Verteidigungsausgaben wahrscheinlich auf
16 Prozent aller Bundesausgaben gesunken sein.
Obwohl die Verteidigungsausgaben seit 1985 kontinuierlich abnahmen, sind die Inlandsausgaben ständig
gestiegen - sie wuchsen etwa im selben Maß, wie die
Verteidigungsausgaben zurückgingen. Bis zum Haushaltsjahr 1997 wird der reale Schwund in den Verteidigungsausgaben seit dem Haushaltsjahr 1985 zusammengenommen 26 Prozent erreichen. Zwingend erforderliche Bundesausgaben werden im gleichen Zeitraum real um 33 Prozent zunehmen, undfrei verfügbare Ausgaben werden um etwa 8 Prozent steigen.
Ein neuer Ansatz bei Beschaffungen
Die Auflösung der Sowjetunion hat die militärische
Bedrohung amerikanischer Interessen verringert und
damit die Notwendigkeit der Herstellung moderner
Waffensysteme weniger dringlich gemacht. Das Ver-

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�teidigungsministerium kann sich bei der Entwicklung
und Auswertung neuer Technologien mehr Zeit lassen, bevor Entscheidungen über die Produktion von
Waffen getroffen werden. Bei verstärkter Stützung auf
seine Forschungs- und Entwicklungsbemühungen kann
das Ministerium die technologische Fähigkeit bewahren, umfangreichere Streitkräfte rasch auszurüsten,
falls in der Zukunft größere Bedrohungen amerikanischer Interessen entstehen sollten.
Während das Verteidigungsministerium künftig weniger moderne neue Waffensysteme produzieren läßt,
wird das aggressive Streben nach neuen Technologien unerläßlich sein, um die von den amerikanischen
Streitkräften zur Abschreckung und erfolgreichen
Bewältigung künftiger Konflikte erforderlichen Vorteile
aufrechtzuerhalten. Ein Waffenprogramm wird nur
dann in vollem Umfang zur Produktion gelangen,
nachdem die Notwendigkeit seiner Herstellung eingehend geprüft und die technischen sowie die Herstellungs- und Betriebskosten minimiert wurden. Das
Pentagon wird ferner die Modernisierung bestehender
Waffensysteme unter Berücksichtigung erprobter
Technologien betonen, wenn diese den operativen
Erfordernissen gerecht werden, anstatt neue Waffensysteme zu produzieren.
"Wir möchten auch weiterhin, daß unsere Streitkräfte
die am besten ausgerüsteten der Welt sind. Aber wir
können uns jetzt mehr Zeit lassen, um die Fähigkeiten
neuer Systeme zu verfeinern und die Produktion nur
dann aufzunehmen, wenn wir voll und ganz davon
ausgehen können, daß wir das Erforderliche zu einem
Preis bekommen, den sich der Steuerzahler leisten
kann", erklärte Cheney.
Die neue nationale Sicherheitsstrategie
Mit dem Haushalt 1993 wird die Verwirklichung der
neuen nationalen Sicherheitsstrategie fortgesetzt, mit
der die verteidigungspolitischen Prioritäten der Vereinigten Staaten von der Politik des Containments des
kalten Krieges zu einem neuen Schwerpunkt, der
Reaktion auf regionale Konflikte, verlagert werden.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin die erforderliche Führungskraft bereitstellen, um weltweit Frieden
und Sicherheit zu fördern. Ihre Streitkräfte werden von
der Notwendigkeit gekennzeichnet sein, strategische
Abschreckung und Verteidigung, eine vorgeschobene
Präsenz, Reaktionsfähigkeit und raschen Aufbau in
Krisen bereitzustellen.
Streitkräftestruktur und Personal
Die heutigen militärischen Herausforderungen können
mit wesentlich kleineren aktiven und Reservestreitkräften bewältigt werden. Die Sockelstreitmacht trägt
der sich verändernden Weltordnung, innenpolitischen
Haushaltsbeschränkungen und den Erfordernissen der
neuen nationalen Sicherheitsstrategie Rechnung. Die

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geplanten Reduzierungen bei der Anzahl aktiven,
Reserve- und Zivilpersonals zur Erlangung einer geringeren Sollstärke schreiten rasch voran. Der durch
den Golfkrieg erforderlich gemachte Personalumfang
hat den Beginn des Abbaus verzögert, der aber seither
in beschleunigtem Tempo wiederaufgenommen wurde. Der Personalumfang wird bei den aktiven Streitkräften im Haushaltsjahr 1992 um 138.000 und im
Haushaltsjahr 1993 um 99.000 Mann verringert. Damit
wurde das Tempo im Vergleich zum letztjährigen Plan
gesteigert, der 88.000 im Haushaltsjahr 1992 und
91.000 im Haushaltsjahr 1993 vorsah.
Von ihrem Höchststand nach Vietnam von 2.174.000
im Haushaltsjahr 1987 wird sich die Stärke der aktiven
Einheiten bis zum Haushaltsjahr 1995 auf 1.644.000
verringern - ein Abbau um 530.000 Mann. Bis zum
Haushaltsjahr 1997 wird die Personalstärke auf
1.626.000 sinken - etwa 25 Prozent unter dem Höchststand von 1987, und der Personalumfang der Reserve
wird 20 Prozent unter dem Stand von 1987 liegen.
Die Personalstärke der beim US-Verteidigungsministerium beschäftigten Zivilpersonen wird bis zum
Haushaltsjahr 1997 auf 904.000 abgebaut und liegt
damit rund 20 Prozent unter dem Höchstand nach dem
Vietnamkrieg im Jahr 1987. Dieser vorgesehene
Abbau spiegelt sowohl die Ausdünnung des US-Militärs als auch Verbesserungen in der Verwaltung des
US-Verteidigungsministeriums wider.
Die wichtigsten Programmänderungen
Der Tarnkappenbomber B-2. Selbst in geringerer
Zahl ist der B-2 wesentlicher Bestandteil unserer
Schlüsselfähigkeiten - die in einer Ära erforderlich
bleiben, in der Zeitpunkt und Ort künftiger Bedrohungen nicht verhergesagt werden können. Er wird sein
Potential als strategischer Bomber beibehalten, und
wir werden uns jetzt auf die zur Erweiterung seiner
konventionellen Rolle bei regionalen Krisen erforderlichen Waffengattungen und Entwicklungen konzentrieren. Der Golfkrieg bestätigte den Vorteil einer
Kombination von Präzisionswaffen und Tarntechnologien. Zwanzig B-2-Bomber werden der US-Luftwaffe
die Beibehaltung von zwei Geschwadern einschließlich der Wartung der Maschinen gestatten. Angesichts
der veränderten sowjetischen Bedrohung wird sich die
amerikanische Luftverteidigung wahrscheinlich nicht
mit der hochmodernen Luftverteidigung konfrontiert
sehen, für die der B-2 ausgelegt ist. Die derzeitige
strategische Flotte der Typen B-1B und B-52 kann
umgerüstet werden, um angemessene Fähigkeiten für
strategische nukleare und konventionelle Missionen
sicherzustellen. Die Tarntechnologie ist nach wie vor
ein Hauptvorteil der US-Streitkräfte, und das Verteidigungsministerium wird die eingehende Erforschung
verbesserter Tarntechnologien in die Wege leiten. Bis
zum Jahr 1997 werden durch die B-2-Anpassungen
insgesamt 14,5 Milliarden Dollar eingespart.
Seite 3

�Minuteman-Ill-ICBM. Um die Einstellung der kleinen
Interkontinentalrakete (ICBM) Midgetman zu kompensieren, wird das Verteidigungsministerium ein verbessertes Lenksystem für die Minuteman-Ill-ICBM und
andere Maßnahmen zur Verlängerung ihrer Lebensdauer tinanzieren, wodurch bis zum Jahr 1997 Nettoeinsparungen in Höhe von 1 Milliarde Dollar erzielt
werden.
Unterseeboot Seawolf. Aufgrund der Auflösung der
Sowjetunion brauchen die Vereinigten Staaten die
Arbeit an einer neuen Klasse von Angriffs-U-Booten
nicht fortzusetzen. Entsprechend wird das SeawolfProgramm beendet. Das bestehende SSN-688 Unterseeboot zählt zu den fähigsten der Welt und wird der
Nation auf Jahre hinaus noch gute Dienste leisten.
Das Verteidigungsministerium plant eine kostengünstigere U-Boot-Konstruktion, mit der es auf lange Sicht
Modernisierungen vornehmen und gleichzeitig in den
kommenden Jahren eine angemessene U-Boot-Streitmacht aufrechterhalten kann. Das Verteidigungsministerium wird ferner andere Unterseeboot-Abwehrsysteme weiterentwickeln. Diese Veränderungen im UBoot-Beschaffungsprogramm werden bis 1997 17,5
Milliarden Dollar einsparen.
Hubschrauber Comanche. Da sich die US-Streitkräfte jetzt nicht mehr so sehr auf die sowjetische
Bedrohung sondern regionale Einsatzmöglichkeiten
konzentrieren, können sie durch die bestehende ApacheHubschrauberflotte angemessen unterstützt werden,
die mit dem modernen Feuerleitradarsystem Longbow, OH-58D-Aufklärungs- und leichten Angriffshubschraubern sowie vermehrtem Einsatz unbemannter
Luftfahrzeuge modernisiert werden. Das Verteidigungsministerium wird das Entwicklungsprogramm für
den leichten Hubschrauber Comanche durch Zurückstellung der Produktion umstrukturieren und sich statt
dessen auf den Bau von Prototypen, die Entwicklung
von Avionik, Modernisierung des Motors und Einbeziehung von Longbow konzentrieren. Die Umgestaltung
des Programms wird bis 1998 Einsparungen in Höhe
von 3,4 Milliarden Dollar bewirken.
Luftverteidigungspanzerabwehrsystem. Weil nichtsowjetische Bedrohungen amerikanischer Landstreitkräfte aus der Luft von Anzahl und Fähigkeit her
begrenzt sind, können die US-Streitkräfte mit ihren
bestehenden Abfangjägern und Verteidigungssystemen wie Patriot, Hawk und Stinger eine angemessene
Luftverteidigung aufrechterhalten. Das Verteidigungsministerium stellt daher die Herstellung des Luftverteidigungspanzerabwehrsystems ADATS der US-Armee
ein. Als Ausgleich wird das Verteidigungsministerium
die Entwicklung eines verbesserten Flugzeug-Verfolgungsystems und mehrerer modemer Lenktechnologien in die Wege leiten. Diese Programmänderungen
werden bis 1997 1,7 Milliarden Dollar einsparen.

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Weitere wichtige Programmanpassungen. Die
Haushaltsvorlage sieht außerdem vor, die Finanzierung des Block-Ill-Panzers - der Teil des Modernisierungsprogramms für gepanzerte Systeme der USArmee ist - bis 1997 zurückzustellen, wodurch 400
Millionen Dollar eingespart werden; den Entwurf und
die Herstellung der modernen Luft-Luft-Rakete aufzuschieben, was Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Dollar zur Folge hat; die Beschaffung zurückzustellen und nur mit Forschung, Entwicklung, Erprobung und Auswertung für das stationäre Verteilersystem Unterwasser-Überwachungsnetz der US-Marine
fortzufahren und damit 700 Millionen Dollar einzusparen sowie die Beschaffung zu verschieben und Forschung, Entwicklung, Erprobung und Auswertung des
sichtlinienabhängigen
Panzerabwehrprogramms
(LOSAT) der US-Armee zu verlängern.
Diese wichtigsten Programmanpassungen infolge einer
reduzierten Bedrohung und eines neuen Ansatzes zur
Beschaffung wichtiger moderner Waffensysteme werden
bis 1997 insgesamt Nettoeinsparungen in Höhe von
42,1 Milliarden Dollar bewirken. Die Beendigung anderer
in der Haushaltsvorlage für 1993 enthaltener Programme wird bis 1997 weitere 7,3 Milliarden Dollar einsparen.
In den vergangenen zwei Jahren hat Verteidigungsminister Cheney die weitere Produktion von über 100
Waffenprogrammen eingestellt. Dazu zählen der
Apache-Hubschrauber, der Panzer M-1, das Trident
U-Boot, der Bau der F-14D, F-15, F-16, des modernen
taktischen Jägers der Marine, das Tarnkappenflugzeug A-12 und die MX-Rakete.
Annullierungen gestatten zunehmende Finanzierung der Beseitigung von Umweitschäden
Die durch die Einstellung von Programmen gemachten
Einsparungen finden ihren Niederschlag in einem Antrag
auf Annullierungen in Höhe von 7,7 Milliarden Dollar im
Verteidigunghaushalt für 1992. Der Annullierungsvorschlag würde darüber hinaus auch die Finanzierung
von Programmen beenden, die zur Unterstützung der
überarbeiteten Verteidigungsprogramme nicht erforderlich sind. Dazu zählen auch solche, die vom
Verteidigungsministerium und anderen veranschlagt
wurden und ohne Antrag des Verteidigungsministeriums in den dem Kongreß vorgelegten Haushaltsentwurf aufgenommen wurden. Die Zustimmung des
Kongresses zu diesen Annullierungen ist unabdingbar, damit das Verteidigungsministerium gekürzte
Verteidigungsausgaben so effektiv wie möglich nutzen
kann.
Der Antrag auf Annullierung wird nicht nur Ausgaben
für unnötige Programme verhindern, sondern auch die
Ausgabeermächtigung und Ausgaben im Zusammenhang mit dem geplanten Nachtragshaushalt 1992 in

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�Höhe von 1,1 Milliarden Dollar zur Beseitigung von
Umweltschäden und der Einhaltung von Vorschriften
durch das Verteidigungsministerium mehr als ausgleichen. Die zusätzlichen Mittel für 1992 sind erforderlich, damit das Verteidigungsministerium die Behebung der verursachten Umweltschäden auch auf den
zur Schließung bestimmten Stützpunkten beschleunigen und Gesetze und Bestimmungen auf Bundes-,
Staats- und Gemeindeebene uneingeschränkt einhalten kann.
Operation Wüstenschild und Operation Wüstensturm
Der heute vorgelegte Haushaltsentwurf enthält keinerlei Mittel zur Begleichung der zusätzlichen Kosten der
Vereinigten Staaten für die Operationen Wüstenschild
und Wüstensturm in Höhe von 61,1 Milliarden Dollar.
Im Rahmen des Haushaltsdurchführungsgesetzes von
1990 werden die Ausgaben der Vereinigten Staaten
am Persischen Golf als Nothilfefinanzierung behandelt, die dem vom Kongreß und der Administration
festgesetzten Haushaltslimit nicht unterliegen.
Zur Deckung dieser zusätzlichen Kosten haben die
Verbündeten der Vereinigten Staaten einen Beitrag
von 54 Milliarden Dollar zugesagt. Die Vereinigten
Staaten werden einige Typen beschädigter oder zerstörter Geräte nicht ersetzen, die mit 1,2 Milliarden
veranschlagt werden, weil das Verteidigungsministerium über ausreichende Reserven verfügt. Damit
belaufen sich die Nettokosten der Vereinigten Staaten
für den Golfkrieg auf 5,9 Milliarden Dollar.
Von diesem Betrag entfallen 1 Milliarde Dollar auf
Transaktionen im Rahmen des für 1990 bewilligten
Verteidigungshaushalts und weitere 2 Milliarden auf
einen Nachtrag im Jahr 1990. Die langfristigen Personalkosten für diejenigen, die im Golfkrieg gedient haben,
belaufen sich somit auf 2,9 Milliarden Dollar. Diese
Kosten werden in den kommenden Jahren von der
Veteranen-Verwaltung übernommen.
"Der Krieg am Golf hat im Hinblick auf die Zusammenarbeit einen bemerkenswerten Standard gesetzt und
zwar nicht nur auf dem Schlachtfeld. Es ist absolut
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einmalig, daß über vier Fünftel der Kosten der amerikanischen Beteiligung an der Operation von unseren
Verbündeten am Persischen Golf und andernorts
übernommen wurden", stellte Cheney fest.
Im Januar 1992 belief sich der Beitrag der Verbündeten an die Vereinigten Staaten für die Kosten des
Golfkriegs auf 52,5 Milliarden Dollar - 47 Milliarden in
Form von Geld und 5,6 Milliarden als Hilfsleistungen.
Die Zahlungen der Verbündeten werden fortgesetzt
und der Rest wird bis Juli 1992 erwartet.
Wesentliche Punkte des Verteidigungshaushalts
1993
Bereitschaft. Obwohl das amerikanische Militär
abgebaut wird, verpflichtet sich das Verteidigungsministerium, die Aufrechterhaltung einer voll bemannten,
ausgebildeten und ausgerüsteten Streitmacht zu
gewährleisten. Entprechend sieht die Haushaltsvorlage für 1993 die zur Beibehaltung des von den USStreitkräften in den letzten zehn Jahren erzielten hohen
Bereitschaftsgrads erforderliche Ausbildung, Wartung
und anderen Bedarf vor. Aktive Land- und Luftausbildungsoperationen liegen weiterhin bei 800 Meilen pro
Jahr für Kampffahrzeuge und bei 14,5 Flugstunden pro
Monat für Besatzungen taktischer Flugzeuge. Die
Seetage der Marine belaufen sich weiterhin auf 50,5
Tage im Quartal für stationierte Flotten und 29 Tage
pro Quartal für nichtstationierte Flotten. Die Flugstunden für aktive Mannschaften taktischer Flugzeuge
bleiben bei 21 Stunden pro Monat.
Forschung, Entwicklung, Erprobung und Auswertung. Unter Berücksichtigung der Konzentration des
Verteidigungsministeriums auf technologische Forschung zur Anwendung bei Waffensystemen der Zukunft
werden die Mittel für Wissenschaft und Technologie wobei die Forschung nicht an ein bestimmtes Waffenprogramm gebunden ist - von 10,6 Milliarden Dollar im
Haushaltsjahr 1992 auf 12 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1993 aufgestockt, was einem realen Zuwachs von 9,1 Prozent entspricht. Bei Forschung,
Entwicklung, Erprobung und Auswertung ist im Haushaltsjahr 1993 ein realer Zuwachs von 1,5 Prozent zu
verzeichnen.
*

*

Seite 5

�VEREINTE

NATIONEN
5. Februar 1992

BUSH: NEUES ZEITALTER FÜR
VEREINTE NATIONEN NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede des Präsidenten beim UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der Zerfall des imperialen Kommunismus und das Ende des kalten Krieges
"läuten bei den Vereinten Nationen ein neues Zeitalter ein", erklärte Präsident Bush am 31. Januar 1992 bei einer
Sondersitzung der Regierungschefs im Weltsicherheitsrat.
Bush erinnerte an die standhafte Haltung des Sicherheitsrats gegenüber der irakischen Aggression in Kuwait und
erklärte, die Zeit sei gekommen, um "neue Schritte nach vorn zu unternehmen, interne Reformen durchzuführen, die Neubelebung zu beschleunigen und die für tatkräftige und effektive Vereinte Nationen erforderlichen
Pflichten zu übernehmen".
Der Präsident verwies ferner darauf, daß die Vereinten Nationen bei dieser Aufgabe auf die volle Unterstützung
der Vereinigten Staaten bauen können.
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.

Herr Präsident, ich danke Ihnen für Ihre Schlüsselrolle
bei der Einberufung dieses ersten Gipfels des UNSicherheitsrats.
Ihnen, Herr Generalsekretär, gratulieren wir zu Ihrer
Amtseinführung in dieser Zeit ungeheurer Herausforderungen und Möglichkeiten. Was die Vereinigten
Staaten betrifft, so ist es uns eine große Ehre, bei
diesem epochemachenden Ereignis zu sprechen.
Wir kommen in einem Augenblick des Neuanfangs für
diese Institution und tatsächlich alle Mitgliedstaaten
zusammen. Die längste Zeit ihrer Geschichte waren
die Vereinigten Staaten im Kreuzfeuer des kalten
Kriegs gefangen. Ich denke in diesem Zusammenhang zurück an meine Zeit hier als ständiger Vertreter
in den siebziger Jahren und an die Art und Weise, wie
damals die Polemik das Friedenstiften verdrängte.
Lange bevor ich hier tätig war und lange nach meiner
Zeit waren die Vereinten Nationen nur allzu oft durch
schreckliche ideologische Trennlinien und den Kampf
zur Eindämmung sowjetischer Expansionsbestrebungen gelähmt. Heute hat sich all dies geändert. Der
Zerfall des imperialen Kommunismus und das Ende
des kalten Krieges läuten bei den Vereinten Nationen
ein neues Zeitalter ein.
Erst vor einem Jahr konnte die Welt diese neu gestärkten Vereinten Nationen in Aktion beobachten, als
dieser Rat der Aggression standhaft entgegentrat und
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sich zu den in der Charta der Vereinten Nationen
verankerten hehren Prinzipien bekannte. Jetzt ist es
an der Zeit, neue Schritte nach vorn zu unternehmen,
interne Reformen durchzuführen, die Neubelebung zu
beschleunigen und die für tatkräftige und effektive
Vereinte Nationen erforderlichen Pflichten zu übernehmen
Ich möchte den Mitgliedern dieses Rats und dem
Generalsekretär versichern, daß die Vereinten Nationen bei dieser Aufgabe auf unsere volle Unterstützung
rechnen können.
Anläßlich dieser kurzen Ausführungen werde ich heute
nicht über das von Präsident Borja so vehement vorgetragene wirtschaftliche und soziale Programm sprechen, sondern auf die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, regionale Konflikte und einzelne
destabilisierende Regime eingehen, die sich abzeichnen. Terrorismus, Menschenrechte-all diese Themen
fordern unsere unmittelbare Aufmerksamkeit.
Die Welt bietet uns auch die Herausforderung, positive
Veränderungen zu stabilisieren und zu erhalten. Wir
müssen die dynamische Hinwendung zu Demokratie
und Freiheit - die Demokratisierung, wie sie unser
Generalsekretär Boutros Ghali genannt hat - fördern
und den Kreis von Ländern erweitem, die sich für
Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit engagieren.

Seite 1

�Das ist eine aufregende Chance für unsere Vereinten
Nationen, die wir nicht verstreichen lassen dürfen.
Gerade jetzt arbeiten die Vereinten Nationen auf der
ganzen Welt Tag und Nacht für die Sache des Friedens. Niemals zuvor in den vier Jahrzehnten ihres
Bestehens haben sich die Blauhelme und die blauen
Barette der Vereinten Nationen so für die Friedensmissionen engagiert, bis hin zur Wegbereitung für freie
Wahlen. Nie zuvor waren die Vereinten Nationen so
bereit und entschlossen, sich der Aufgabe von Friedensmissionen zu stellen, einmal, um heiße Kriege zu
lösen und zum anderen zugunsten zukunftsweisender
Missionen wie Präventivdiplomatie.
Wir müssen ebenso praktisch wie prinzipientreu sei,
wenn wir die Menschen aus schrecklichen Konflikten
befreien wollen. Unserer Meinung nach ist jedes Land
verpflichtet, in den Frieden zu investieren. Wenn
Konflikte gelöst sind und Gewalt nachläßt, können die
Institutionen freier Gesellschaften festen Halt finden.
Und wenn sie das tun, werden sie unsere stärkste
Versicherung gegen Aggression und Tyrannei.
Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit dies sind die Bausteine von Frieden und Freiheit. Und
ihre Einbindung in die Leben von Millionen Menschen
auf der ganzen Welt ist einfach: sie kann den Unterschied zwischen Krieg und Frieden, Heilung und Haß
ausmachen, und wo Furcht und Verzweiflung herrschen, kann sie Hoffnung bedeuten.
Wir blicken auf den Generalsekretär, daß er diesem
Rat seine Empfehlungen für effektive und effiziente
Friedensmissionen und vorbeugende Diplomatie unterbreitet. Wirfreuen uns auf die gemeinsame Erarbeitung dieser Ideen.
Wir sind Zeuge von Veränderungen geworden, die ein
ungeheures Tempo und eine große Bandbreite haben
- all dies in nur wenigen Jahren. Eine bewerkenswerte
Revolution hat die alten Regime von Managua bis
Moskau hinweggefegt. Aber überall werden freie
Regierungen und die sie gestaltenden Institutionen
Zeit brauchen, um zu wachsen und reifen.
Freie Wahlen geben der Demokratie Wurzeln, aber
echte Demokratie bedeutet mehr als nur die Macht der
Mehrheit. Sie bedeutetet eine unwiderrufliche Verpflichtung auf demokratische Prinzipien. Sie bedeutet
gleiche Rechte für Minderheiten. Und vor allem bedeutet sie die Unantastbarkeit auch des einzelnen Menschen gegenüber Übergriffen der Staatsmacht.
Der Wille der Mehrheit darf niemals den Launen der
Mehrheit zum Opfer fallen. Dieses grundlegende
Prinzip ist grenzüberschreitend. Menschenwürde, die
unveräußerlichen Menschenrechte - sie gehören nicht
dem Staat. Sie sind allgemeingültig. In Asien, Afrika,
Europa, den Ländern Amerikas, müssen die Vereinten
Nationen zu denen stehen, die mehr Freiheit und

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Demokratie anstreben. Dies ist meine feste Überzeugung und auch die des amerikanischen Volkes. Und
es ist diese Überzeugung, die dem umfassenden
Prinzip der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte Leben einhaucht.
Unsere veränderte Welt ist eine hoffnungsvollere Welt,
auch wenn nicht diejenigen fehlen, die die Uhr gern in
die dunklen Tage der Bedrohungen und Schikanen
zurückdrehen möchten. Unsere Welt ist immer noch
eine gefährliche Welt mit zu vielen schrecklichen Waffen.
In meiner ersten Rede bei den Vereinten Nationen als
Präsident habe ich die Sowjetunion aufgefordert,
chemische Waffen zu beseitigen und jede Nation
gebeten, uns bei diesem Kreuzzug zu unterstützen Seine Majestät, König Hassan II. von Marokko hat
diesen Punkt heute hier angesprochen. Welch große
Aufgabe für dieses großartige Gremium - zu gewährleisten, daß die Welt diese schrecklichen Waffen nicht
mehr erdulden muß. Lassen Sie uns geloben, dieses
Jahr zu dem Jahr zu machen, in dem sich alle Länder
bereit erklären, diese Geißel zu bannen.
Im Hinblick auf Massenvernichtungswaffen bleibt noch
mehr zu tun. Erst vor drei Tagen habe ich in meinem
Bericht zur Lage der Nation die - weitreichenden
einseitigen - Schritte angekündigt, die wir unternehmen wollen, um unser Atomwaffenarsenal zu verringern. Und diese Schritte betreffen jeden Bereich
unserer strategischen Triade - Land-, See- und Luftstreitkräfte.
Zusätzlich zu diesen einseitigen Schritten sind wir
bereit, bei der gemeinsamen Rüstungskontrolle Fortschritte zu machen. Ich habe Präsident Jelzins konstruktive Kommentare heute hier verzeichnet. Morgen
werden wir bei unserem gemeinsamen Treffen die
Suche nach Gemeinsamkeiten in diesem entscheidenden Punkt fortsetzen. Er hat erst kürzlich mit sehr
ernstzunehmenden Vorschlägen reagiert.
Wir begrü ßen ebenso wie die ganze Welt die Erklärungen mehrerer neuer Staaten, die nach dem Zerfall der
Sowjetunion ihre Unabhängigkeit gewonnen haben,
sie würden dem Nichtverbreitungsvertrag beitreten.
Dennoch müssen wir realistischerweise in dieser Zeit
der Veränderungen wachsam sein.
Die Gefahr der Verbreitung bleibt bestehen. Und
wiederum möchte ich dazu auf die Äußerungen des
französischen Staatspräsidenten Mitterand verweisen,
den Appell, etwas zu unternehmen. Wir müssen
gemeinsam vorgehen, damit von nun an die an diesen
modernen Waffenprogrammen beteiligten Menschen
ihre Energien in friedliche Aufgaben umleiten.
Wir werden gemeinsam mit unseren Verbündeten
mehr tun, um zu gewährleisten, daß gefährliche Materialien und Technologien nicht in die Hände von Terro-

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�listen fallen. Und wir werden gemeinsam mit diesen
neuen Staaten daran arbeiten, in Wort und Tat ein
starkes Engagement für die Standards der Nichtweiterverbreitung sicherzustellen.
Heute ist die Drohung eines weltweiten Atomkrieges
weiter entfernt als zu irgendeinem Zeitpunkt im Atomzeitalter. Der Abbau der Arsenale des kalten Kriegs
wird diese Bedrohung weiter senken. Aber die Gefahr
der Massenvernichtung bleibt allgegenwärtig, insbesondere weil einige Länder weiterhin Massenvernichtungswaffen und ihre Trägersysteme zu erwerben
suchen.
Unser Triumph im Golf dient den UN-Missionen als
Vorbild. Ihre Sicherheit ist unsere gemeinsame Pflicht.
Heute stellt diese Institution das gesetzlose Regime
Saddam Husseins unter Quarantäne. Mein Land ist
der festen Überzeugung, daß wir Sanktionen beibehalten und folgende Schritte zur Wahrung unserer gemeinsamen Sicherheit unternehmen müssen:
Wir müssen uns weiterhin auf die Fähigkeit des Iraks
konzentrieren, Massenvernichtungswaffen zu bauen
oder beizubehalten. Und wir müssen der Welt - und
was noch wichtiger ist, den Menschen im Irak - erklären, daß keine Normalisierung möglich ist, solange
Saddam Hussein an der Macht bleibt.

Vor zwei Wochen hat dieser Rat einstimmig eine
eindeutige Botschaft an Libyen übermittelt. Heute
möchte ich wiederholen, daß die von diesem Rat
einstimmig verabschiedete Resolution 731 Libyen
auffordert, die Forderungen der drei Staaten dieses
Rats zu erfüllen. Ich möchte diese Sitzung heute
benutzen, um Libyen aufzufordern, auf die Forderung
der Sicherheitsrats der Vereinten Nationen einzugehen.
Vergangenes Jahr haben wir am Golf gemeinsam auf
einen Angriff auf die Souveränität einer Nation reagiert
und ihn als Angriff auf uns alle betrachtet. Wir sollten
es uns zur Aufgabe machen, dieses Prinzip im Verhalten der Länder untereinander zu verwirklichen.
Heute stehen wir an einem anderen Scheideweg.
Vielleicht zum ersten Mal seit jenem hoffnungsvollen
Augenblick in San Francisco können wir unsere Charta
als lebendiges Dokument betrachten. Nach so vielen
Jahren mag sie immer noch in den Kinderschuhen
stecken und eine sorgfältige und aufmerksame Pflege
ihrer Eltern erfordern, aber ich glaube von ganzem
Herzen, daß sie lebendig und gesund ist.
Unsere Aufgabe besteht darin, sie durch verstärktes
Engagement und mehr Zusammenarbeit stark und
widerstandsfähig zu machen, und ich weiß, daß wir
dieser Herausforderung gerecht werden. Die hier
vertretenen Länder haben es ebenso wie die Gemeinschaft der Vereinten Nationen, die hier heute durch
soviele ständige Vertreter repräsentiert wird, in der
Hand, etwas für Frieden und Freiheit zu tun.

Wie bei allen dringenden Themen, die ich heute genannt habe, entstehen Fortschritte durch gemeinsames Handeln, und wir müssen mit diesen gesetzlosen
Regimen resolut verfahren, falls erforderlich mit Sanktionen oder härteren Maßnahmen, um sie zur Einhaltung internationaler Verhaltensmaßregeln zu zwingen. Möge Gott die Vereinten Nationen bei der VerwirkliWir stehen den immer noch anstehenden Gefahren chung ihrer Ziele schützen.
nicht blind gegenüber. Terroristen und die sie unterstützenden Länder müssen wissen, daß sie bei Verletzungen des Völkerrechts ernsthafte Konsequenzen
tragen müssen.
* * * * *

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�MENSCHENRECHTE
5. Februar 1992

NEUE DEMOKRATIEN BERECHTIGEN ZU
HOFFNUNG BEI MENSCHENRECHTEN
Bericht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Einem hochrangigen US-Regierungsvertreter für Menschenrechtsfragen zufolge ist "der
weltweite Auftrieb der Demokratie zweifelsohne eine gute Nachricht für die Sache der Menschenrechte".
"Selbst demokratisch gewählte Regierungen können sich ernsthafter Menschenrechtsverletzungen schuldig
machen" warnte er jedoch.
Richard Schifter, Abteilungsleiter im US-Au ßenministerium für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten, stellte in einem am 31. Januar 1992 veröffentlichten Bericht ferner fest, "insbesondere die neuen
Demokratien haben vielleicht noch keinen institutionellen Schutz gegen den willkürlichen Einsatz der Exekutive
- vor allem der Sicherheitskräfte".
1991 war ein Jahr "großer Fortschritte für die Sache der Demokratie und Menschenrechte weltweit", so Schifter. "Die Probleme, mit denen sich die Welt bei der Konsolidierung solcher Fortschritte und der Bewältigung alter
und neuer Bedrohungen grundlegender Freiheiten konfrontiert sieht, dürfen jedoch nicht unterbewertet werden",
fügte er hinzu.
Schifter trifft diese Feststellungen in der Einleitung zum Jahresbericht des Außenministeriums über die Situation
der Menschenrechte auf der Welt. Der vom Kongreß vorgeschriebene Bericht schildert die Menschenrechtspraktiken in allen Nationen, die Hilfe von den Vereinigten Staaten erhalten sowie in allen Mitgliedstaaten der
Vereinten Nationen. International anerkannte Menschenrechtsnormen werden bei der Erstellung des Berichts
angewandt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Schifters Einleitung zum Menschenrechtsbericht 1991.

Dieser Bericht wird dem Kongreß und dem Außenministerium gemäß Abschnitt 116(d) und 502(b) des
Gesetzes über Auslandshilfe von 1961 und seiner
Zusatzartikel vorgelegt. Das Gesetz fordert einen
Menschenrechtsbericht über alle Länder, die Hilfe von
den Vereinigten Staaten erhalten sowie über alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen. In der Überzeugung, daß diese Informationen dem Kongreß und
anderen Lesern dienlich sein könnten, haben wir auch
Berichte über die wenigen Länder hinzugefügt, die in
keine dieser Kategorien und damit nicht unter die
Vorschriften des Kongresses fallen.
Der Kongreß hat das Gesetz über Auslandshilfe und
die entsprechenden Gesetzesabschnitte geändert, damit
er diese Berichte konsultieren kann, wenn er Hilfsprogramme für bestimmte Länder in Erwägung zieht. Eine
der wesentlichen - vielleicht unbeabsichtigten - Konsequenzen dieser Rechtsvorschriften ist, daß sie Menschenrechtsbelange zum integralen Bestandteil der
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täglichen Berichte und täglichen Entscheidungsfindung des Außenministeriums gemacht haben. Ein für
Menschenrechtsfragen zuständiger Regierungsvertreter in einer Botschaft im Ausland, der einen guten
Jahresbericht über die Menschenrechtslage in dem
Land schreiben möchte, in dem er tätig ist, muß die
Entwicklungen im Bereich der Menschenrechte das
ganze Jahr über sorgfältig und täglich im Auge behalten und beobachten. Infolgedessen wird er über
solche Entwicklungen stets berichten, wenn etwas für
die Menschenrechte Bedeutsames in dem Land geschieht, in das er entsandt wurde. In den vergangenen
13 Jahren wurde das Außenministerium über die auf
der Welt stattfindenden Menschenrechtsverletzungen
entschieden besser informiert und dafür sensibilisiert.
Praktisch im gesamten Verlauf des 20. Jahrhunderts
kam die wichtigste ideologische Herausforderung für
die Sache der Demokratie und Achtung der Menschenrechte aus den zu Beginn dieses Jahrhunderts
Seite 1

�von Wladimir Lenin niedergelegten Doktrinen und
geschaffenen Bewegungen. Die Schrecken des Zweiten
Weltkriegs, so vernichtend sie für die direkt Betroffenen auch sein mochten, waren im Hinblick auf ihre
Auswirkung in Zeit und Ort begrenzt. Es waren Lenin
und der Kommunismus, die den bei weitem längsten
Schatten geworfen und Jahrzehnt um Jahrzehnt die
Entwicklungen auf der gesamten Welt beeinflußt haben.
Hand in Hand mit der messianischen Prophezeiung
kam der gefürchtete Apparat der Geheimpolizei, dessen Aufgabe es war, alle abweichenden Meinungen zu
unterdrücken und damit alle unter seiner Herrschaft
grundlegender Menschenrechte zu berauben. In diesen Bänden haben wir in den vergangenen vier Jahren
die wesentlichen Veränderungen, die sich in dem von
Lenin geschaffenen Staat und seiner Partei vollzogen
haben sowie die Lockerung der totalitären Herrschaft
unter der Führung von Michail Gorbatschow, chronologisch verzeichnet. Wir müssen jetzt die dramatischen Ereignisse des Jahres 1991 festhalten, die
Lenins sozialem Experiment in eben dem Land den
Todesstoß versetzten, in dem es ins Leben gerufen
wurde.
In diesem Bericht über die Menschenrechtsentwicklungen möchten wir besonders auf die Ereignisse vom
22. August 1991 verweisen, als die Statue von Felix
Dscherschinski von ihrem Podest vor dem KGB-Hauptquartier in Moskau gestürzt wurde. "Der eiserne Felix",
Lenins Chef der Geheimpolizei und Gründer eines den
gesamten Globus umspannenden Netzes von Agenten der brutalen Unterdrückung, der noch am 20.
August versucht hatte, der Sowjetunion seinen Willen
aufzuzwingen, war endlich von seinem Ehrenplatz
entfernt worden. Es war ein symbolischer Akt, aber er
markierte in passender Weise das Ende einer Ära.
Weit von seinem Geburtsort entfernt ist der Leninismus - wenn auch im Absteigen begriffen - immer noch
die Überzeugung, in deren Namen die Menschen
unterdrückt werden. Und es gibt andere weniger
traditionelle Herausforderungen für die Menschenrechte ebenso wie neue Herausforderungen.
Nun, da das albanische Volk sein Land auf den Weg
der Demokratie gebracht hat, verschwinden die Überzeugungen, die von dem europäischen Kontinent
ausgingen und die Stalin Marxismus-Leninismus taufte, im großen und ganzen aus Europa. Als ausländischer Import überleben sie jedoch in China, wo sie das
Leben eines Fünftels der Menschheit kontrollieren
sowie in vier anderen Ländern: Nordkorea, Kuba,
Vietnam und Laos. Die Überzeugung, die diese
Bewegung einst inspirierte, ist längst dahin. Kommunismus ist heute eher ein System für die Ausübung von
Macht durch alternde herrschende Eliten, die - obwohl
zunehmend der Denkweise ihrer Untertanen entrückt
- immer noch die ihnen zur Verfügung stehende Macht
benutzen, um jeden unabhängigen Gedanken zu unterdrücken.

Seite 2

Repressive Regierungen sind jedoch nicht auf die
Länder beschränkt, die immer noch für leninistische
Prinzipien eintreten. Diktaturen, die ihre höchst eigenen oder überhaupt keine Ideologien anbieten, bestehen weiterhin. Burma, dessen gefangengehaltene
populäre Politikerin Aung San Suu Kyi den Friedensnobelpreis erhielt, lenkte im Jahr 1991 besondere
Aufmerksamkeit auf sich. Dasselbe tat natürlich auch
die Einmanndiktatur im Irak. Dies sind nur zwei
Beispiele einer Kategorie von Ländern, in denen entweder im Namen einer religiösen und weltlichen Ideologie oder ohne irgendeine ideologische Verpflichtung
jegliche Oppositon gegenüber dem Staat und alle
unabhängigen Institutionen durch eine allgegenwärtige Geheimpolizei oder einen innenpolitischen Apparat
von Spitzeln unterdrückt werden, die dem Bürger
Angst einflößen.
Zwischen den völlig repressiven Diktaturen einerseits
und den Demokratien andererseits besteht eine ganze
Bandbreite autoritärer Regime, die nicht versuchen,
alle Formen sozialer Interaktion in ihren Ländern zu
kontrollieren, sondern die ihre Position und Vorrechte
sorgfältig gegen jede Gruppe verteidigen, die versucht, sie abzulösen. Die Zahl von Regimen dieser Art
ist insbesondere in Afrika im Verschwinden begriffen,
wo Demokratien mit mehreren Parteien und freie Wahlen
in einer wachsenden Zahl von Ländern an die Stelle
der Einmannherrschaft und manipulierter Wahlen
getreten sind. AfrikasüdlichderSaharawar1991 nach
wie vor die Region, in der Demokratie und Achtung der
Menschenrechte neue Fortschritte machen. Sambia,
in dem das lange herrschende Einparteienregime in
einer freien und fairen Wahl vernichtend geschlagen
wurde, ist ein besonders bemerkenswerter Fall.
Obwohl demokratische Prinzipien die Grundlage bilden, auf der ein die Menschenrechte wahrendes Regierungssystem aufgebaut werden kann, garantiert
die bloße Tatsache, daß die Vertreter von Exekutive
und Legislative eines Landes in freien und fairen
Wahlen gewählt werden, nicht notwendigerweise, daß
die Grundfreiheiten und Menschenrechte aller Bürger
voll und ganz geschützt werden. Dies gilt insbesondere in Abwesenheit einer unabhängigen Judikative, die
in der Lage ist, die Rechte der Bürger gegen Aktionen
der Exekutive oder Legislative zu schützen, die zu international anerkannten Menschenrechtsnormen im
Widerspruch stehen.
Der weltweite Auftrieb der Demokratie ist zweifelsohne
eine gute Nachricht für die Sache der Menschenrechte. Wir müssen jedoch berücksichtigen, selbst demokratisch gewählte Regierungen können sich ernsthafter Menschenrechtsverletzungen schuldig machen.
Insbesondere die neuen Demokratien haben vielleicht
noch keinen institutionellen Schutz gegen den willkürlichen Einsatz der Exekutive - vor allem der Siclierheitskräfle. Die alltäglichsten dieser Menschenrechtsverletzungen sind der Einsatz unangemessenen Drucks

AMERIKA DIENST 5 .

�oder sogar der Folterung, um Geständnisse von Personen zu erzwingen, die schwerer Verbrechen verdächtigt werden, insbesondere die des Terrorismus
Angeklagten. Je ernsthafter die terrroristische Bedrohung, desto größer die Anzahl der Zwischenfälle des
Mißbrauchs polizeilicher Macht. (Mißbrauch polizeilicher Macht und Folterung sind natürlich auch unter
autoritärer oder totalitärer Herrschaft an der Tagesordnung).

stischen Diktaturen in vielen Ländern bewirkt, sondern
auch gewalttätige Konflikte und Menschenrechtsverletzungen verursacht, die sich auf den weltweiten Niedergang politischer Ideologie gründen. Gleichzeitig
haben wir bedauerlicherweise vermehrt ernsthafte
bewaffnete Konflikte und Menschenrechtsverletzungen beobachtet, die sich aus ethnischen und religiösen
Differenzen ergeben. Die Schaffung von Mechanismen zur Lösung dieser auf Volkszugehörigkeit oder
Religion gegründeten Differenzen und Bestrebungen
zur Bekämpfung von Intoleranz stehen zweifelsohne
an oberster Stelle der Herausforderungen, mit denen
sich die internationale Staatengemeinschaft jetzt konfrontiert sieht.

In Abwesenheit einer unabhängigen Judikative und
eines fest verankerten demokratischen Bewußtseins
in den neuen Demokratien sind die jüngsten Fortschritte keinesfalls gesichert. Die Gefahr eines Rückfalls in
autoritäre Herrschaft ist am größten, wo die Erwartungen für baldige wirtschaftliche Verbesserungen enttäuscht worden sind. Die Herausforderung für die
etablierten Demokratien der Welt besteht darin, diesen
neuen die Hürde überwinden zu helfen, sich selbst zu
erhalten.

Zusammenfassend läßt sich sagen, 1991 war ein Jahr
großer Forschritte für die Sache der Demokratie und
Menschenrechte weltweit. Die Probleme, mit denen
sich die Welt bei der Konsolidierung solcher Fortschritte und der Bewältigung alter und neuer Bedrohungen
grundlegender Freiheiten konfrontiert sieht, dürfen
jedoch nicht unterbewertet werden.

Der krasse Verlust an Einfluß der kommunistischen
Bewegung weltweit hat nicht nur das Ende der lenini* *

AMERIKA DIENST 5

*

Seite 3

�HANDEL
5. Februar 1992

DOBBINS DRÄNGT AUF BALDIGE EINIGUNG
ÜBER HANDELSABKOMMEN
Rede des US-Botschafters bei der EG
BRÜSSEL- (AD) - Es liegt in den Händen der Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft, die
Genfer Verhandlungen über ein neues Welthandelsabkommen zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen,
erklärte der amerikanische Botschafter James F. Dobbins am 27. Januar 1992.
In einer Rede bei dem Seminar über Unternehmenspolitik des Center for European Policy Studies (CEPS)
unterstrich der US-Vertreter bei der Europäischen Gemeinschaft die Notwendigkeit für eine "baldige Einigung"
über ein Welthandelsabkommen.
"Wenn es uns nicht gelingt, ein solches Abkommen zu erlangen", so Dobbins, "könnte der daraus resultierende Druck den Schlüsselbereich der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa auszuhöhlen beginnen, auf den sich jede umfassendere Vision der Zusammenarbeit gründet."
Gleichzeitig würde ein erfolgreicher Abschluß der Verhandlungen "den aufstrebenden Demokratien des Ostens
demonstrieren, daß ein globales System freien Handels mit Privilegien und Regeln beim Handel mit Waren,
Dienstleistungen und geistigem Eigentum existiert, dem sie beitreten und von dem alle Sektoren ihrer Wirtschaft
profitieren können", stellte Dobbins fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Dobbins im Wortlaut.

Die Auflösung der Sowjetunion bewirkte eine Flut von
Leitartikeln, die das vermeintliche Entstehen einer
unipolaren Welt mit den Vereinigten Staaten als alleiniger Supermacht andeuteten. Viele von denen, die
sich 40 Jahre lang über das Gespenst von Supermachtblöcken Sorgen gemacht haben, scheinen jetzt
den Verlust der mäßigenden Wirkung der Sowjetunion
auf den amerikanischen Einfluß zu bedauern.
Alle Sorgen, daß Amerika in der Welt nach dem kalten
Krieg danach trachten wird, seine globale Verantwortung auszuweiten, scheinen schlecht begründet, wie
selbst die oberflächlichste Betrachtung der innenpolitschen Debatten in den Vereinigten Staaten belegen
sollte. Andererseits wären die Vereinigten Staaten die
ersten, die dem Gedanken zustimmen würden, daß
die Auflösung der Sowjetunion Fortschritte zur europäischen Integration noch zwingender erforderlich macht.
Das herausragende Kriterium der amerikanischen
Diplomatie während des kalten Kriegs war die Suche
nach mächtigen, verläßlichen Partnern. Die amerikanische Reaktion auf jede größere internationale Herausforderung, vom Fall des Eisernen Vorhangs bis zur
irakischen Invasion in Kuwait bestand darin, eine kolAMERIKA DIENST 5

lektive Reaktion der umfassendsten internationalen
Koalition anzustreben, die versammelt werden konnte.
Das Ende des kalten Kriegs und der Zerfall der Sowjetunion haben die amerikanische Entschlossenheit gefestigt, die Kosten, Risiken und Verantwortung für die
Bewahrung einer friedlichen und demokratischen internationalen Ordnung so weit wie möglich zu teilen.
Mit ihrer Zustimmung, der europäischen Gemeinschaft
1989 die Verantwortung zur Organisation der gesamten westlichen Hilfe für Osteuropa zu übertragen, mit
ihrer Unterstützung der EG-Führungsrolle in Jugoslawien, dem Vorschlag einer Beteiligung der EG am
Friedensprozeß im Nahen Osten, mit dem Antrag an
die EG und ihre Mitglieder, den Vorsitz bei vier der fünf
Arbeitsgruppen bei der jüngsten Washingtoner Konferenz über Hilfe für die ehemalige Sowjetunion zu
übernehmen und dem Vorschlag, daß die EG Veranstalter und Gastgeber einer zweiten solchen Konferenz in Europa sein sollte, haben sich die Vereinigten
Staaten wiederholt um Unterstützung und Führung
beim Aufbau einer neuen Weltordnung nach dem
kalten Krieg an die Europäische Gemeinschaft gewandt.

Seite 1

�Der Gipfel von Maastricht war nicht nur der Höhepunkt
eines intensiven Prozesses europäischer Diplomatie,
sondern auch ein wichtiger Schritt nach vorn im umfassenderen Prozeß des europäischen und atlantischen
Umbruchs, für den sich auch die Vereinigten Staaten
stark engagiert haben. Ich möchte daher meine Ausführungen über die Aussichten für eine gemeinsame
europäische Außen- und Sicherheitspolitik nach
Maastricht in diesen breiteren Kontext stellen.
Erstens möchte ich die sich abzeichnende
amerikanische Haltung gegenüber der Europäischen Gemeinschaft ansprechen.
Zweitens möchte ich die Prioritäten der Gemeinschaft bei der Außen- und Sicherheitspolitik kommentieren.
Und schließlich möchte ich einige Betrachtungen über die längerfristigen Aussichten einer
Europäischen Union anstellen.
Das neue Europa und der neue Atlantizismus
Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Einen
Monat später legte Außenminister Baker in seiner
Rede in Berlin die amerikanische Reaktion auf die in
Europa und der Welt stattfindenden demokratischen
Veränderungen dar.
Bei dieser Gelegenheit sprach Baker von einem neuen
Europa und einem neuen Atlantizismus. Er befürwortete:
Ein in alle westlichen Institutionen voll integriertes vereinigtes Deutschland,
eine erneuerte NATO mit neuer politischer
Verantwortung,
eine institutionalisierte KSZE mit neuen Strukturen und Mandaten sowie
eine geschlossenere europäische Gemeinschaft
mit stärkeren, offizielleren Verbindungen zu den
Vereinigten Staaten.
In weniger als einem Jahr war jeder dieser Vorschläge
verwirklicht worden.
Im Juli 1990 lud die NATO alle Länder des
Warschauer Pakts ein, Vertreter nach Evere zu
entsenden und eine direkte Liaison-Beziehung
zum Atlantischen Bündnis aufzunehmen.
Am 3. Oktober gelangten die "Zwei-plus-Vier"Verhandlungen über die Wiedervereinigung
Deutschlands zu ihrem historischen Abschluß.
Am 21. November schufen die europäischen
und atlantischen Staats- und Regierungschefs
in Paris eine neue institutionelle Grundlage für

Seite 2

den KSZE-Prozeß einschließlich eines Sekretariats, eines Konfliktverhütungszentrums, eines Büros für freie Wahlen und einer Parlamentarischen Versammlung.
Zwei Tage später, am 23. November, gaben die
Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft eine gemeinsame Erklärung ab. Sie
erweiterten den Umfang ihrer Zusammenarbeit
und leiteten sechs hochrangige Treffen pro Jahr
in die Wege - zwei Gipfel, zwei Treffen der 12
EG- und des amerikanischen Außenministers
sowie zwei Sitzungen wichtiger Mitglieder der
Kommission und des amerikanischen Kabinetts.
Sie vereinbarten ferner, daß dieser einzigartig
dichtgedrängte Zeitplan hochrangiger Kontakte
durch ein erweitertes Netz der Zusammenarbeit
auf der Ebene hochrangiger Regierungsvertreter und Experten unterstützt werden sollte.
Kaum waren die Innovationen in der europäischen und
atlantischen Architektur eingeführt, als das Tempo des
Wandels im Osten weitere Kreativität im Westen stimulierte. 1990 reagierten wir auf die Befreiung Osteuropas und die Wiedervereinigung Deutschlands. 1991
lenkte der Westen sein Augenmerk auf die sich in der
Sowjetunion vollziehende Auflösung.
Am 18. Juni 1991 - durch Zufall wiederum in Berlin entwickelte Außenminister Baker die amerikanische
Vision der europäischen und atlantischen Strukturen
weiter. Indem er die Evolution in Westeuropa zu
supranationalen Autoritätsformen dem Zerfall im Osten gegenüberstellte, argumentierte Baker, die grundlegende Herausforderung bestehe darin, eine "euroatlantische Gemeinschaft" zu schaffen, die mit der Zeit
die Atlantische Partnerschaft auf freie Menschen und
demokratische Regierungen von "Vancouver bis Wladiwostok" ausdehnen würde. Bei der Schaffung dieser
umfassenderen Gemeinschaft sollte die EG eine zentrale
Rolle spielen.
In den seit dem Sommer vergangenen Monaten wurden bereits eine Reihe von Schritten zur Stärkung
westlicher Institutionen und der Integration der aufstrebenden Demokratien des Ostens in umfassendere
kooperative Strukturen unternommen.
Am 22. Oktober vereinbarten EG und EFTA die
Schaffung eines Europäischen Wirtschaftsraums,
mit dem der Europäische Binnenmarkt auf 19
Länder und 380 Millionen Menschen erweitert
würde.
Am 8. November luden die Staats- und Regierungschefs der NATO alle Mitglieder des ehemaligen Warschauer Pakts zur Teilnahme an
einem zur Zeit unter der Schirmherrschaft der
NATO stehenden Sicherheitsforum ein, das sich
"von Vancouver bis Wladiwostok" erstreckt.

AMERIKA DIENST 5

�Vom 9. bis 10. Dezember einigten sich die
Staats- und Regierungschefs der Europäischen
Gemeinschaft in Maastricht auf einen Vertrag
über eine Europäische Politische, Wirtschaftsund Währungsunion.
Am 16. Dezember unterzeichnete die Europäische Gemeinschaft Assoziierungsabkommen
mit Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei
mit der langfristigen Aussicht auf Mitgliedschaft
in der Gemeinschaft.
Am 17. Dezember unterzeichneten die Vereinigten Staaten, die Europäische Gemeinschaft,
die Nationen Osteuropas und die Republiken
der ehemaligen Sowjetunion eine Europäische
Energiecharta.
Am 20. Dezember nahmen Vertreter der Sowjetunion und ihrer fünf ehemaligen Verbündeten im NATO-Hauptquartier in Evere am ersten
Ministertreffen des Nordatlantischen Kooperationsrats teil.
Im vergangenen Herbst riefen die atlantischen Bündnisparter in nur acht Wochen somit durch getrennte
und gemeinsame Bestrebungen folgende Institutionen
ins Leben:
einen Europäischen Wirtschaftsraum,
ein neues Euro-Atlantisches Sicherheitsforum,
eine Europäische Währungsunion und
eine Europäische Politische Union.
Mißerfolg beim GATT
In einer wichtigen Hinsicht ist es den Bündnispartnern
in den letzten Monaten des Jahres 1991 nicht gelungen, ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Infolgedessen fehlt uns immer noch einer der entscheidenden
Bausteine der euro-atlantischen Gemeinschaft. Ich
beziehe mich auf die nichtzustandegekommene Einigung zwischen den Vereinigten Staaten und der EG
über ein neues Welthandelsabkommen im Rahmen
der Uruguay-Runde des GATT.
Dieses Problem dominierte die von Präsident Bush mit
Kommissions-Präsident Delors und Premierminister
Lubbers am 8. November in Den Haag geführten
Gespräche. Auch beim Treffen von Außenminister
Baker mit diesen beiden Politikern und anderen Mitgliedern der EG-Kommission am 20. Dezember in
Brüssel wurde diese Frage wiederholt angeschnitten.
Im November und Dezember vergangenen Jahres
erzielten die Vereinigten Staaten und die EG gemeinsam beachtliche Fortschritte, am Jahresende waren
wir jedoch nach wie vor beim entscheidenden Thema
der Agrarsubventionen uneinig.

AMERIKA DIENST 5

Die Genfer Verhandlungen über ein neues Welthandelsabkommen stehen jetzt an der Schwelle des Erfolgs - oder Mißerfolgs. Es liegt in den Händen der
Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft, diese Gespräche zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Dadurch könnten sie den aufstrebenden Demokratien des Ostens demonstrieren, daß
ein globales System freien Handels mit Privilegien und
Regeln beim Handel mit Waren, Dienstleistungen und
geistigem Eigentum existiert, dem sie beitreten und
von dem alle Sektoren ihrer Wirtschaft profitieren
können.
Im Hinblick auf die derzeitige Situation kommentierte
Wirtschaftsminister Möllemann vor kurzem: "Am
Vorabend des Abschlusses der Uruguay-Runde bieten die Gemeinschaft und ihre Mitgliedstaaten ein
frustrierendes Bild der Widersprüche und ängstlicher
Unentschlossenheit."
Außenpolitische Prioritäten nach Maastricht
Dies ist keine Zeit der Unentschlossenheit. In den
kommenden Jahren wird das Tempo des Wandels im
Osten weiterhin das Tempo institutioneller Innovationen aus dem Westen bestimmen. Der Europäischen
Gemeinschaft wird keine Atempause nach den Strapazen von Maastricht gegönnt, keine Muße, um über
die übernommenen neuen Aufgaben nachzudenken.
Selbst während Europa mit der Verstärkung der zur
Erlangung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik erforderlichen Instrumente beginnen muß,
müssen die Bedürfnisse der ehemaligen Sowjetunion
angesprochen, ein Ende des Bürgerkriegs in Jugoslawien vermittelt, Frieden im Nahen Osten herbeigeführt
und auf die länger werdende Schlange der Länder
reagiert werden, die den Beitritt zur EG anstreben.
Vergangene Woche wurde die erste Koordinierungskonferenz über Hilfe für die Nachfolgestaaten der
ehemaligen Sowjetunion in Washington abgehalten.
Die Europäische Gemeinschaft und ihre Mitgliedstaaten waren unsere wichtigsten Partner bei der Veranstaltung dieses Treffens und werden bei der Nachfolgekonfernz eine noch zentralere Rolle spielen. Wir
beide sehen das Washingtoner Treffen als Ausgangspunkt für langfristige Bestrebungen an. Wir beabsichtigen, daß die in Washington gegründeten Arbeitsgruppen, von denen vier von der EG und ihren Mitgliedstaaten geleitet werden, dauerhafte Verantwortung für
die Koordinierung der Hilfe in ihren Bereichen übernehmen sollen. Wir haben die Gemeinschaft gebeten,
die zweite von drei Konferenzen zu organisieren und
den Vorsitz zu übernehmen, und die Gemeinschaft hat
ihre Zustimmung gegeben.
Auch die NATO wird bei diesen Bestrebungen eine
positive Rolle zu spielen haben. Seite an Seite haben
die NATO und die Europäische Gemeinschaft vergan-

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�gene Woche an der Washingtoner Konferenz über
Hilfe für die ehemalige Sowjetunion teilgenommen.
Beide Organisationen haben herausragende Fähigkeiten beizutragen - die Gemeinschaft bei der Mobilisierung von Unterstützung und die NATO bei der
Organisation der Lieferungen. Die Krise in der ehemaligen Sowjetunion bietet diesen beiden Institutionen,
die bis heute wenig Erfahrung in direkter Kooperation
haben, eine Chance, mit dem Aufbau einer neuen, auf
Zusammenarbeit ausgerichteten Beziehung zu beginnen, einer Beziehung, die auf die Bedürfnisse der Welt
nach dem kalten Krieg und die Entwicklung einer
europäischen Union mit einer gemeinsamen Ausgangsbasis zur Außen-, Sicherheits- und gegebenenfalls
Verteidigungspolitik eingeht.
Die Diplomatie der Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft im Nahen Osten und in Jugoslawien ist durch eine stillschweigende Arbeitsteilung
charakterisiert - die Vereinigten Staaten übernehmen
die Führungsrolle bei der Beilegung des arabischisraelischen Konflikts und die EG bei der Herbeiführung von Frieden in Jugoslawien. Dies ist eine rationelle Arbeitsteilung, die den jeweiligen Mustern von Hilfe
und Handel, historischen Bindungen und lokalen Empfindlichkeiten Rechnung trägt. Während die Bestrebungen Fortschritte machen, muß jeder von uns jedoch im anderen Bereich aktiver werden. Die Vereinigten Staaten werden aufgefordert, ein Friedenstruppe
in Jugoslawien zu unterstützen. Die Europäische Gemeinschaft wird, so hoffen wir, eine herausragendere
Rolle beim Friedensprozeß im Nahen Osten übernehmen, wenn sich dieser über bilaterale Verhandlungen
zwischen den Parteien der Region zu einer umfassenderen Berücksichtigung regionaler wirtschaftlicher,
umweltpolitischer und anderer Fragen ausdehnt.

Osten, Jugoslawien, EG-Beitritt, Hilfe für die Sowjetunion befassen müssen - selbst während sie mit ihrer
eigenen umfangreichen Tagesordnung kämpft, einschließlich der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik,
dem Delors-Il-Haushaltspaket, Verwirklichung des
Binnenmarkts, Erarbeitung und Ratifizierung des
Abkommens von Maastricht.
Nie zuvor hat sich die Gemeinschaft mit einer solch
komplexen und anspruchsvollen Bandbreite von internen und externen Herausforderungen konfrontiert
gesehen. Nie zuvor wurde soviel von ihr erwartet. Für
einen Amerikaner, für den unser Streben nach "einer
perfekteren Union" geschichtsträchtig ist, sieht Europas Weg zu einer"noch engeren Union" in der Tat steil
aus. Einige der Hindernisse haben bekannte Vorläufer
in unserer Vergangenheit - beispielsweise das Gerangel um Macht und Souveränität zwischen der Union
und ihren Mitgliedstaaten. Aber in vieler Hinsicht sind
die Herausforderungen für eine Europäische Union
einzigartig.
Die Sprachenvielfalt ist eine von ihnen. Die Wirksamkeit jeder Außenpolitik hängt nicht nur von dem hinter
ihr stehenden wirtschaftlichen und militärischen Gewicht ab, sondern auch von der Genauigkeit, den
Nuancen und der Entschlossenheit, mit der sie durchgeführt wird. Einfluß in einer zunehmend dynamischen Welt hängt auch von dem Tempo ab, mit dem
die geeigneten Maßnahmen entwickelt, verwirklicht
und geändert werden können. Es liegt im Wesen der
Gemeinschaft begründet, daß sie sich in diesen Bereichen im Nachteil befindet. In dem Maße, in dem die
Erweiterung und nationaler Druck die Zahl der Arbeitssprachen erhöhen, in denen die Gemeinschaft ihre
Außenpolitik entwickeln und durchführen muß, scheint

sich dieser Nachteil zwangsläufig zu potenzieren.
In Maastricht haben die europäischen Staats- und
Regierungschefs die Kommission angewiesen, Vorschläge im Hinblick auf die Frage des EG-Beitritts zu
unterbreiten, die dem Europäischen Rat im kommenden Juni zur Erörterung vorgelegt werden sollen. Die
Liste der Anwärter ist lang und noch nicht abgeschlossen. Die Debatte der Gemeinschaft über die Erweiterung, die in diesem Jahr noch an Hitzigkeit zunehmen
wird, ist eine Diskussion über die zukünftige Gestaltung Europas. Es ist eine Debatte über die Definition
Europas und wer ein Europäer ist. Es ist auch eine
Debatte über die zukünftige Beziehung Europas zu
den Vereinigten Staaten. Wir erhoffen von der Gemeinschaft Antworten, die sowohl die europäische
Einheit als auch die transatlantische Partnerschaft
fördern.
Aussichten einer Europäischen Union in
Außen- und Sicherheitspolitik
In den kommenden Wochen wird die Gemeinschaft
sich mit all diesen vordringlichen Problemen wie Naher

Seite 4

Ein ähnliches Hindernis für eine europäische Union ist
die national geprägte öffentliche Meinung in Europa.
Es ist in der Tat irreführend, von einer europäischen
öffentlichen Meinung zu sprechen. In den meisten
Bereichen - zumindest in der außenpolitischen Arena
- ist die europäische Meinung deutlicher entlang nationaler Grenzen geteilt als nach After, Geschlecht, Schicht,
Einkommen oder politischer Partei. Die enormen nach Nationalität gegliederten - Unterschiede der öffentlichen Reaktionen auf die irakische Invasion in
Kuwait und jüngst auf die Auflösung Jugoslawiens
illustrieren das vielleicht größte einzelne Hindernis bei
der Erarbeitung eines gemeinsamen europäischen
Ansatzes zu solchen Herausforderungen.
Angesichts des Fehlens echter Euro-Medien ist dies
ein Phänomen, das schwer zu ändern sein wird. Der
Erfolg von CNN - oder, was das anbetrifft, MTV - legt
den Schluß nahe, daß es einen Markt für grenzüberschreitende Nachrichten- und Unterhaltungsprogramme gibt. Auch hier kann der nationale Druck es jedoch

AMERIKA DIENST 5

�der Gemeinschaft erschweren, Euro-Programme in
einer oder zwei der wichtigsten Sprachen zu fördern,
was sich kommerziell als die einzig mögliche Option
erweisen könnte.
Die Kontrolle über die Außen- und Sicherheitspolitik
ist eine der grundlegendsten Voraussetzungen für
Souveränität. Es überrascht daher kaum, daß die
Mitgliedstaaten nach wie vor zögern, in diesen Breichen Boden abzutreten. Weit davon entfernt, ihren
Sitz in internationalen Foren aufzugeben, ist die derzeit favorisierte Lösung schlicht und einfach, einen 13.
Sitz hinzuzufügen. In Wirklichkeit bittet die Gemeinschaft vielmehr die Nichtmitglieder statt der Mitglieder,
für die sich abzeichnende Europäische Union Platz am
Tisch zu machen. Eine meiner Aufgaben in den
vergangenen Monaten bestand darin, mit der Komplexität europäischer Institutionen weniger vertrauten
Vertretern meiner Regierung wiederholt zu erläutern,
warum ein Europa auf dem Wege der Vereinigung
größere Vertretung benötigt als wenn es noch immer
geteilt wäre.
Das Streben der Gemeinschaft nach einem 13. Sitz an
jedem Verhandlungstisch nimmt immer noch an Dynamik zu. Wir verstehen die institutionellen Bedürfnisse
Europas. Wir wissen den Beitrag zu schätzen, den die
Kommission selbst in einerwachsenden Zahl internationaler Foren macht. Letztlich wird jedoch die wahre
Meßlatte der europäischen Fortschritte zu einer noch
geschlosseneren Union die Konsolidierung seiner
Vertretung, nicht deren Multiplizierung sein.
Einer von Shakespeares Protagonisten verweist auf
seine Fähigkeit, "Geister aus der wüsten Tiefe" zu
rufen. "Ei ja, das kann ich auch, das kann ein jeder",
ist die skeptische Antwort. "Doch kommen sie, wenn
Ihr nach Ihnen ruft?"
Der wahre Test für eine gemeinsame europäische
Außenpolitik wird nicht in der Fähigkeit bestehen, sich
auf eine gemeinsame Formulierung zu einigen, sondern der Fähigkeit, gemeinsame Ziele zu erlangen. In
ihren frühen Jahren manifestierte sich die Europäische
Politische Zusammenarbeit vornehmlich in öffentlichen Erklärungen, die - welche Befriedigung sie auch
immer im eigenen Land ausgelöst haben mögen hauptsächlich dazu führten, die Regierungen vor den
Kopf zu stoßen, gegen die sie gerichtet waren. Israels
Einstellung gegenüber der Europäischen Gemeinschaft
ist immer noch von den Narben belastet, die dem Land
während dieser Periode manifestartiger Diplomatie
zugefügt wurden.
In den vergangenen Jahren hat die Gemeinschaft
begonnen, ihre Diplomatie mit der Kommission zur
Verfügung gestellten substantielleren Ressourcen zu
untermauern, um die von der Gemeinschaft vereinbarten Ziele zu erreichen. Dies hat Einfluß und Wirkung
der EG-Diplomatie auf Osteuropa, den Nahen Osten
und die ehemalige Sowjetunion maßgeblich verstärkt.
AMERIKA DIENST 5

Die so verwendeten Ressourcen können in Einfluß
umgesetzt werden. Der Einfluß der Gemeinschaft ist
jedoch nicht einfach die Summe der von den Mitgliedstaaten eingebrachten Ressourcen. In dem Maße, in
dem die Mitgliedstaaten tatsächlich Handel und Investitionen in unterschiedlicher, wenn nicht gar konkurrierender Weise tätigen, können sich ihre Bestrebungen negativ statt konstruktiv bei der Kalkulation des
Einflusses der Gemeinschaft insgesamt auswirken.
Der deutsche finanzielle Beitrag zur Sicherstellung des
sowjetischen Truppenabzugs aus Ostdeutschland ist
beispielsweise von entscheidender Bedeutung für die
westliche Sicherheit. Niemand - am wenigsten die
Empfänger - wird jedoch Ressourcen, die so eindeutig
von einem ihrer Mitgliedstaaten für solch einen andersartigen und unterschiedlichen Zweck zur Verfügung
gestellt wurden, den humanitären Hilfsleistungen der
Europäischen Gemeinschaft zuschreiben.
Die Bereitschaft der Gemeinschaft zur Zusammenlegung ihrer Ressourcen und die noch immer wachsende Anziehungskraft ihres Binnenmarkts sichern der
Gemeinschaft zunehmendes diplomatisches Gewicht.
Es liegt in der Natur der Gemeinschaft, daß ihr politischer Prozeß jedoch noch immer im großen und
ganzen ein offener ist. Ihre kollektive Diplomatie ist
daher noch immer nahezu ausschließlich öffentlich.
Man kann sich schwerlich die EG-Außenminister vorstellen, die eine Entscheidung erzielen, zu deren
unverzüglicher Bekanntgabe sie sich nicht gezwungen
fühlen. Vertrauliche Diplomatie bleibt daher im Wesentlichen den Mitgliedstaaten überlassen, die dazu
tendieren, die Ziele der Gemeinschaft abhängig von
nationalen Perspektiven und Prioritäten mit mehr oder
weniger Enthusiasmus zu verfolgen.
Ich erwähne all diese bekannten Hindernisse für eine
Union - Sprachenvielfalt, national orientierte Medien
und öffentliche Meinung sowie die Spannungen zwischen der Autorität der Zentralregierung und den Mitgliedstaaten - nicht, um die Gemeinschaft zu kritisieren
und noch weniger, um die Bedeutung der in Maastricht
errungenen Leistungen herabzuwürdigen. In der Tat
kann man nur anerkennen, wie weit die Gemeinschaft
in Maastricht gekommen ist und wie beeindruckend
ihre Errungenschaften bei der Erarbeitung einer gemeinsamen Politik gegenüber Osteuropa, Jugoslawien und der ehemaligen Sowjetunion waren, wenn
man sich vor Augen führt, wie gro ß die Hindernisse für
eine Europäische Union sind.
Auf längere Sicht könnte die europäische Außen- und
Verteidigungspolitik durch die sehr tiefgreifenden
Bestimmungen des Maastrichter Abkommens zu einer
Währungsunion eher Auftrieb erfahren als durch die
vorsichtigeren Verfügungen, die spezifisch auf die
Entwicklung einer "gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik" abzielen. Kann eine zentrale Währungsbehörde lange existieren, ohne das Entstehen einer
zentralen Wirtschafts- und Finanzbehörde zu bedinSeite 5

�gen? Wenn eine zentrale Gewalt für Wirtschafts- und
Finanzpolitik entsteht, wie lange wird dann die Verantwortung für Außen- und Sicherheitspolitik außerhalb
ihrer Kompetenz bleiben? Die Geschichte enthält
wenige Beispiele, in denen die Behörde für Wirtschaftspolitik lange von der Verantwortung für auswärtige Angelegenheiten getrennt blieb.

Die Verwirklichung dieses Ziels hängt stark von der
Fähigkeit der Gemeinschaft ab, die für sie in Maastricht definierten Ziele zu erlangen. Der Erfolg hängt
auch von der weiteren Ausdehnung der in der gemeinsamen Erklärung der Vereinigten Staaten und der EG
am 1. November 1990 formulierten transatlantischen
Partnerschaft ab.

Die jüngsten Erfahrungen mit der Angleichung der
deutschen Währung legen eine solche Verbindung
nahe. Bundeskanzler Kohl schlug die deutsche
Währungsunion als Abkürzung zur deutschen politischen Union vor. Sicherlich waren sich einige der
Verfechter der Europäischen Währungsunion - unter
denen Bundeskanzler Kohl eine prominente Stellung
einnimmt - der deutschen Erfahrung bewußt. Wir
können daher auf eine ähnliche Synergie zwischen
Währungs- und Politischer Union auf europäischer
Ebene hoffen.

Wir haben begonnen, maßgebliche Fortschritte zu
diesen Zielen zu machen. Im Abkommen zwischen
EG und EFTA über einen Europäischen Wirtschaftsraum, in den Assoziierungsabkommen der EG mit
Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei, mit der
Schaffung des Nordatlantischen Kooperationsrats der
NATO und im Maastrichter Abkommen über eine
Politische, Wirtschafts- und Währungsunion haben
Europa und die Vereinigten Staaten Schritte zu solch
einer neuen europäischen und atlantischen Architektur unternommen. Bei der Washingtoner Konferenz
haben die Atlantische Gemeinschaft und die Europäische Gemeinschaft in der vergangenen Woche begonnen, ihre kollektiven Fähigkeiten in die vordringliche Aufgabe der Unterstützung der ehemaligen Sowjetunion einzubringen.

Zu einer euro-atlantischen Gemeinschaft
Wenn wir die zukünftige Gestalt Europas betrachten,
liegt es auf der Hand, ziemlich grundlegende Fragen
zu stellen. Wie werden sich Institutionen wie die NATO
und die EG entwickeln? Wer sind ihre Mitglieder und
wie lautet ihr Mandat in zehn, zwanzig Jahren? Wird
es eine gemeinsame europäische Währung geben
und wie werden Institutionen wie der IWF und die G-7
infolgedessen angepaßt werden müssen? Wird es
eine gemeinsame europäische Verteidigung geben,
und in welcher Verbindung steht sie zum Engagement
der Vereinigten Staaten und der NATO?
Angesichts des Maßes an Unsicherheit über zukünftige Entwicklungen, insbesondere im Osten, kann niemand diese Fragen mit großer Sicherheit beantworten. Die Vereinigten Staaten haben jedoch versucht,
ihre eigene Vision der europäischen und atlantischen
Beziehungen für das nächste Jahrhundert darzulegen.
Die amerikanische Vision steht meines Erachtens voll
und ganz im Einklang mit dem Ziel einer immer geschlosseneren europäischen Union, das von den europäischen Staats- und Regierungschefs im vergangengen Monat in Maastricht umrissen wurde.
Das langfristige Ziel der Vereinigten Staaten ist der
Aufbau der von Außenminister Baker so bezeichnetenen euro-atlantischen Gemeinschaft. Das Konzept
selbst beinhaltet eine beträchtliche Erweiterung der
größten Errungenschaft Europas und der Vereinigten
Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg - der "Atlantischen Gemeinschaft". Dieser Begriff vermittelt unsere
Hoffnung, daß die Muster der Zusammenarbeit und
das Gefühl gemeinsamer Werte, die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurden, im Anschluß an den
kalten Krieg allmählich ganz von "Vancouver bis Wladiwostock" ausgedehnt werden können.

*
Seite 6

Wie ich festgestellt habe, fehlt ein wichtiger Stein
dieses Mosaiks noch. Wir benötigen baldige Einigung
über ein neues Welthandelsabkommen. Wenn es uns
nicht gelingt, ein solches Abkommen zu erlangen,
könnte der daraus resultierende Druck den Schlüsselbereich der Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Westeuropa auszuhöhlen beginnen, auf
den sich jede umfassendere Vision der Zusammenarbeit gründet. Eine GATT-Vereinbarung ist vornehmlich ein Thema für die Vereinigten Staaten und die EG.
Handel, und insbesondere der Agrarhandel, ist der
Bereich, in dem die Kompetenzen der Europäischen
Gemeinschaft am weitesten entwickelt und die Bestrebungen zu einer europäischen Union bereits am weitesten verwirklicht sind. Wenn die Vereinigten Staaten
und Europa hier keine Einigung erzielen können, wo
sich das Engagement unserer gemeinsamen Interessen am deutlichsten manifestiert, wie können wir dann
unsere Bestrebungen zu einer umfassenderen Partnerschaft verwirklichen, von der ebenfalls so viel abhängt.
Europas und Amerikas Bilanz gemeinsamer Leistungen in den letzten beiden Jahren - die Kraft, Flexibilität
und Fähigkeit zu Innovation, die sowohl die Atlantische
als auch die Europäische Gemeinschaft in diesem
Zeitraum unter Beweis gestellt haben - berechtigt zu
Hoffnungen, daß wir gemeinsam dieses Hindernis
überwinden können. Dies ist unabdingbar, wenn Europa
und Amerika Fortschritte zu unseren ehrgeizigen längerfristigen Zielen erlangen wollen: die Schaffung
einer europäischen Union, die Vertiefung der Partnerschaft zwischen der Union und den Vereinigten Staaten sowie die Erweiterung der Atlantischen Gemeinschaft bis zum Pazifik.

*
AMERIKA DIENST 5

�5. Februar 1992

WOHLTÄTIGKEIT IN DEN USA:
EINE TRADITION DES GEBENS UND NEHMENS
Überblick über ehrenamtliche Tätigkeit
WASHINGTON -(AD) - Nirgendwo auf der Welt ist
ehrenamtliche Tätigkeit - das Konzept, eine Sache
oder Organisation durch freiwillige Arbeit zu unterstützen - weiter verbreitet als in den Vereinigten Staaten.
Und nirgendwo ist der Geist der Nächstenliebe offenkundiger als im amerikanischen Volk.
1990, dem letzten statistisch erfaßten Jahr, gaben die
Amerikaner der American Association of Fund Raising
Counsel in New York zufolge über 122 Milliarden Dollar
für Wohltätigkeits- und gemeinnützige Organisationen aus.
Der größte Batzen - über 65 Milliarden Dollar - ging an
Kirchen und religiöse Einrichtungen. 12 Milliarden
wurden für Bildungseinrichtungen gegeben - der Großteil für Colleges und Universitäten. Weitere 11 Milliarden wurden für humanitäre Zwecke und 10 Milliarden
Krankenhäusern und Gesundheitsverbänden gespendet.
83 Prozent dieser Summe kamen von Einzelpersonen.
6,4 Prozent entfielen auf testamentarische Zuwendungen, 5,7 Prozent auf Stiftungen und 4,8 Prozent auf
Unternehmen.
Anderen auf freiwilliger Basis Hilfe zu leisten, ist eine
im dem Pioniergeist verwurzelte amerikanische Tradition, die Nachbarn dazu veranlaßte, sich gegenseitig
beim Überleben in der Neuen Welt zu helfen. Dies ist
das Wesen der Demokratie. Das Konzept ist in vielen
Ländern unbekannt, in denen die Menschen die Auffassung vertreten, jeder sei sich selbst der Nächste.
In Europa verläßt man sich praktisch ausschließlich
auf aus Steuern finanzierte Mittel, die durch den politischen Prozeß verteilt werden.
Die meisten wohltätigen Spenden der Amerikaner
werden direkt für eine spezifische Sache oder Organisation getätigt. Beispielsweise machen Kollekten und
der Zehnte einen Großteil des für religiöse Zwecke
gespendeten Geldes aus. Auch in Einkaufszentren
und auf der Straße spenden manche Leute für Organsiationen wie das Rote Kreuz und die Heilsarmee.
AMERIKA DIENST 5

Sammelaktionen am Arbeitsplatz - im Büro oder Betrieb um eine Spende bitten - ist eine andere weit
verbreitete Methode, in den Vereinigten Staaten Geld
aufzubringen.
Zwei Spendenaktionen - United Way und Combined
Federal Campaign (CFC) - sind in den Vereinigten
Staaten sehr bekannt. Nach Kirchen, Universitäten
und Krankenhäusern bringen sie das meiste Geld für
wohltätige Zwecke auf.
Bei einer einmal pro Jahr durchgeführten Spendenaktion fordern CFC und United Way die Arbeitnehmer
auf, Abzüge von ihrem Lohnstreifen zur Weiterleitung
an einen Wohltätigkeitsverband nach Wahl des Beschäftigten zu gestatten.
Der Hauptunterschied zwischen den beiden Organisationen besteht darin, daß United Way Gelder in der
Privatwirtschaft sammelt, wohingegen CFC sich bei
ihren Spendenaktionen an die Bundesbediensteten
wendet.
Die ältere der beiden Organisationen, United Way,
sammelte 1990 landesweit 3,11 Milliarden Dollar. Aus
ihrer Kampagne des Jahres 1991 fließen immer noch
Mittel, die endgültigen Zahlen werden erst im März zur
Verfügung stehen. CFC, die vom Bundesamt für
Personalverwaltung (Office of Personnel Management
- OPM) kontrolliert wird, sammelte 1990 landesweit
190 Millionen Dollar von Bundesbediensteten.
United Way, die 1988 ihr hundertjähriges Jubiläum
feierte, hat über die Vereinigten Staaten verstreut
2.200 Ortsgruppen, die jeweils eigenständig und unabhängig arbeiten. Im Jahr 1990 halfen Millionen von
United Way angeschlossenen Freiwilligen, Mittel für
über 50 Millionen Menschen aufzubringen.
United Way leitet das gesammelte Geld an Schwesterbehörden, die damit Nahrungsmittel für hungrige Kinder, Beratung für Familien, Kuren bei Krankheiten,
Trost für Sterbende, Unterkunft für Obdachlose und
zahllose andere humanitäte Zwecke finanzieren.

Seite 1

�Auch CFC, Anfang der sechziger Jahre gegründet,
verteilt Mittel für solche Zwecke. Im Gegensatz zu
United Way kann CFC auch Mittel für Bürgerinitiativen
bereitstellen, wie diejenigen, die sich der Beseitigung
von Umweltschäden verschreiben.
1990 sprach CFC 4,7 Millionen Bundesbedienstete im
ganzen Land an, darunter Mitarbeiter in militärischen
Dienststellen und der amerikanischen Bundespost.
Der Leiter der landesweiten Aktivitäten von CFC,
Dennis Matteotti vom OPM, erklärte gegenüber dem
US-Informationsamt, an der Kampagne von 1990 hätten
sich 2,5 Millionen Mitarbeiter beteiligt.
In Washington, wo die meisten Bundesbediensteten
arbeiten, sprach CFC 410.000 Arbeitnehmer an. Über
60 Prozent - etwa 250.000 - stifteten mehr als 30
Millionen der landesweit insgesamt gesammelten 190
Millionen Dollar.
Beide Sammelaktionen für einen guten Zweck, United
Way und CFC, sind eine Symbiose eingegangen. In
den meisten Gemeinden verwaltet United Way die
Kampagne von CFC, weil United Way bereits dort im
Privatsektor etabliert ist.
Die Leiterin von CFC Washington, Kristin J. Oliver, hat
als Mitarbeiterin von United Way in den vergangenen
sieben Jahren für CFC-Kampagnen gearbeitet.
Gemeinsam mit vier anderen Angestellten von United
Way ist sie einem CFC-Vorstand gegenüber verantwortlich.
"Wir führen die Kampagne in Washington als eine Art
Subunternehmer für die Bundesregierung durch", erklärt
sie in einem Interview mit USIA.
United Way wurde 1888 in Denver (Colorado) gegründet, als vier Priester unterschiedlicher Glaubensrichtungen dem Aufruf folgten, sich um die Gesundheit von
Silberminenarbeitern zu kümmern, die sich in der
Gegend angesiedelt hatten. Die Gruppe in Denver
sammelte in jenem Jahr mit der ersten gemeinsamen
Kampagne des Landes 21.000 Dollar.
CFC begann als Reaktion auf eine explosionsartig
zunehmende Zahl von einzelnen Sammelaktionen, bei
denen Bundesbedienstete zu Spenden aufgerufen
wurden. Mit einem 1964 unterzeichneten Präsidialerlaß erhielten Mitarbeiter im öffentlichen Dienst die
Möglichkeit, direkt durch Gehaltsabzug für wohltätige
Zwecke zu spenden.
"Die Bundesbediensteten waren es leid, daß jeden
Monat gesammelt wurde, einen Monat für die Herzstif*

Seite 2

tung, im nächsten für das Rote Kreuz, dann wieder für
andere Zwecke," erklärte Oliver.
"Sie nahmen sich also die gemeinsamen Aktionen von
United Way zum Vorbild, wandten sich an das OPM
und riefen CFC ins Leben. Es geschah nichts anderes,
als daß die Beschäftigten im öffentlichen Dienst sich
sagten: Wir müssen das hier besser organisieren."
"Meiner Ansicht nach ist dies etwas, was Bundesbedienstete stärker überdenken sollten. Es lohnt sich."
Ebenso bemerkenswert ist die Tatsache, daß die
Betriebskosten sowohl bei CFC als auch bei United
Way verglichen mit anderen Sammelaktionen für
wohltätige Zwecke außerordentlich gering sind.
Die Kosten für die Aktion von United Way in Washington lagen bei unter 7 Prozent des gesammelten Betrags. Die Kosten bei CFC betrugen etwa 4 Prozent
der Gesamtsumme.
Sowohl CFC als auch United Way führen jährliche
Revisionen durch, um eine ordentliche Verwaltung der
Finanzen sicherzustellen.
Über 150 Bundesbehörden beteiligten sich 1991 an
den Mitte Dezember beendeten CFC-Aktionen.
Obwohl täglich neue Spenden eingehen, hat die
Sammelaktion von CFC in Washington bereits ihr Ziel
von 32.750.000 Dollar um 2 Millionen Dollar übertroffen. Dabei hat das Marineministerium am meisten
gespendet - 3 Millionen Dollar. Dann folgten die
Bundespost mit 2,3 Millionen Dollar und das Gesundheitsministerium mit 1,8 Millionen Dollar.
Die Spenden werden an die 1.500 beteiligten Wohltätigkeitsorganisationen im Stadtgebiet von Washington
verteilt.
Bemerkenswert ist, daß die Rekordsummen an CFC
zu einer Zeit wirtschaftlicher Rezession sowohl in
Washington als auch im ganzen Land gespendet werden.
"Die meisten Bundesbediensteten haben einen Ehepartner oder einen Nachbarn, der eine schwere Zeit
durchmacht und schätzen sich glücklich, eine Stelle zu
haben. Vielleicht haben sie gedacht: dieses Jahr sind
wir an der Reihe, mal einzuspringen um zu helfen,"
erklärte Oliver.
"In schweren Zeiten sind sich die Menschen der Bedürftigkeitstärker bewußt und scheinen mehr zu spenden."
"Das ist typisch amerikanisch."

* * *

*

AMERIKA DIENST 5

�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of Amei i

5. März 1980

14
INHALT

DOKUMENTATION
Rede des amerikanischen Außenministers Vance vor dem "Chicago Council"
- Wortlaut Interview des Stell vertretenden US-Außenministers mit dem holländischen
Fernsehen

INFORMATION
Von der Konfrontation zur Annäherung der Meinungen
- US-Sonderbotschafter Gerard Smith zu den Ergebnissen der Konferenz über
Kernbrennstoffzyklen und die Risiken nuklearer Proliferation HINTERGRUNDMATERIAL
—

—

-

—

-

•*

i

i

•

Die sowjetische Intervention in Afghanistan - Moskau auf der Suche nach
einem Vorwand
- Von Marshall Shulman Mit freundlicher Genehmigung von World Paper
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Regierung fördert Bau von Hydrierwerken
- Gas und Benzin aus Kohle mit teilweise neuen Verfahren -

Um Ubcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. März 1980

14

REDE DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS VANCE VOR DEM "CHICAGO COUNCIL'
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem "Chicago Council on Foreign
Relations" umriß der amerikanische Außenminister Cyrus Vance am 3. März 1980
die Ziele der amerikanischen Außenpolitik im Hinblick auf die Lage in
Afghanistan und im Iran.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, hier bei Ihnen zu sein.

Der "Chicago Council on Foreign

Relations" blickt auf eine stolze Tradition zurück als ein Forum, auf dem bedeutsame Fragen der Weltpolitik untersucht und diskutiert werden können.

Seit nahe-

zu 60 Jahren ist diese Organisation ein Zentrum des Nachdenkens, der Erziehung
und der durchdachten Debatte über Amerikas Weg in der Welt.
Ich möchte mich heute mit Ihnen über diesen Weg unterhalten. Denn nie
war es in den zurückliegenden Jahren für unser Volk wichtiger, sich über die
Ziele unserer Nation klar zu sein und über die Schritte, die wir zu deren Verwirklichung zu unternehmen bereit sind.
c ,
So lange

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Solange Amerikaner im Iran gefangengehalten werden, ist ihre unversehrte
Befreiung unser oberstes Ziel.

Die Angelegenheit hat derzeit ein heikles und

schwieriges Stadium erreicht.

Es wäre nicht angemessen, wenn ich heute im De-

tail zu dieser Situation Stellung nehmen würde.
Lassen Sie mich ganz einfach feststellen, daß es unser Ziel ist, die gegenwärtige Krise zu einem frühen Ende zu bringen. Wir hoffen, daß die Arbeit
der Kommission zu diesem Ziel beiträgt.

Unsere Geiseln müssen freigelassen

und unversehrt in die Vereinigten Staaten zurückgebracht werden.

Gleichzeitig

hoffen wir auf einen unabhängigen und sicheren Iran und haben keinerlei Wunsch,
uns in seine inneren Angelegenheiten einzumischen.
Heute möchte ich mich mit Ihnen über eine andere ernste Herausforderung
unterhalten, vor der wir stehen:

die sowjetische Aggression gegen Afghanistan

und die Schritte, die wir in deren Beantwortung unternommen haben.
Ich möchte insbesondere die Absichten diskutieren, die unseren Schritten
zugrundeliegen - und in welcher Beziehung sie zu den langfristigen Zielen der
amerikanischen Außenpolitik stehen.
Lassen Sie mich damit beginnen, zu unterstreichen, worum es geht.
Aufgrund unserer Verpflichtung gegenüber den Prinzipien der nationalen
Unabhängigkeit, der territorialen Integrität und der Menschenrechte können wir
uns nicht abwenden, wenn Staatsgrenzen verletzt werden, - wenn die Unabhängigkeit eines anderen Landes zerstört wird, - wenn der Volkswille durch rohe militärische Gewalt unterdrückt wird.
Worum es in Afghanistan vor allem geht, ist die Freiheit einer Nation und
eines Volkes.
Wir haben es zugleich mit der umfassenderen Bedrohung zu tun, die die
sowjetischen Schritte für Südwestasien und das Gebiet um den Persischen Golf
darstellen.

Wi&gt;

- 2 -

�Wir hängen von diesem Teil der Welt durch ungefähr 25 Prozent unserer
jährlichen Erdöleinfuhren ab.

Unsere Verbündeten und andere Staaten - Entwicklungsländer ebenso wie
Industrieländer - sind in noch größerem Maß von dem öl aus diesem Gebiet abhängig.

Annähernd zwei Drittel der ölimporte Westeuropas und drei Viertel der

japanischen öleinfuhren kommen aus dem Persischen Golf.

Und wir dürfen nicht

vergessen, daß unsere eigene wirtschaftliche Gesundheit eng mit der ihrigen
verbunden ist.

Unser Interesse an dieser Region geht jedoch über das öl, über das Wirtschaftliche hinaus.

Friede und Stabilität in dieser Region sind für die Zukunft unserer
Freunde dort von entscheidender Bedeutung.

Die Stärke und die Fertigkeit,

die wir bei der Unterstützung ihrer Unabhängigkeit zeigen, wird ihnen und anderen die Beständigkeit unserer Absicht demonstrieren.

Dies ist für den

Charakter unserer Bündnisse wichtig, ist wichtig für unsere Beziehungen zu
befreundeten Nationen in allen Regionen der Welt und für unsere zukünftigen
Beziehungen zur Sowjetunion

Es ist daher absolut zutreffend zu sagen, daß die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten, ja, fast der ganzen Welt, in dieser Region auf
dem Spiel stehen.

Ein Versuch jeder äußeren Kraft, die Kontrolle über die

Golfregion zu erlangen, würde einen Angriff auf diese lebenswichtigen Interessen bedeuten.

Und wie der Präsident gesagt hat, würde er "mit allen notwen-

digen Mitteln zurückgewiesen werden, einschließlich militärischer Gewalt."

Nicht einmal die gründlichste Analyse kann mit Sicherheit die sowjetischen
Absichten in diesem Gebiet festlegen - ob ihre Motive in Afghanistan begrenzter Natur sind oder Teil einer umfassenderen Strategie.

Tatsache ist, daß

Zehntausende sowjetischer Soldaten in Afghanistan stehen.

Tatsache ist, daß

die sowjetischen Schritte eine potentielle Bedrohung für die Sicherheit der

- 3 -

�der Staaten in dieser Region und für den freien Zugang der Welt zu den lebenswichtigen Rohstoffquellen und Schiffahrtslinien geschaffen haben.
Eine entschlossene Antwort auf diese potentielle Bedrohung zu geben, bedeutet nicht, apokalyptisch zu sein; es bedeutet lediglich, klug zu sein.
In einer solchen Lage müssen unser eigenes Volk, unsere Verbündeten und
die Führung der Sowjetunion nicht nur verstehen, was die Vereinigten Staaten
in dieser Krise tun, sondern auch, warum sie es tun.
Vor einigen Tagen flog ich auf den Wunsch des Präsidenten hin nach Europa,
um eine Reihe unserer Verbündeten wegen der sowjetischen Invasion Afghanistans
zu konsultieren.

Wir sprachen über unsere gemeinsamen Interessen und über un-

sere gemeinsamen Verantwortlichkeiten.
Ich erklärte, wie die Schritte Amerikas fünf wesentlichen Zielen dienten.
Heute möchte ich sie Ihnen - und der größeren Zuhörerschaft über diesen Raum
hinaus - kurz umreißen.
Unsere erste Absicht ist es, einen hohen Preis für diese Aggression aufzuerlegen - aufgrund unserer Abscheu vor dem, was dem afghanischen Volk angetan wurde, und um dabei zu helfen, vor ähnlichen Unternehmungen anderswo abzuschrecken. Die sowjetische Führung muß begreifen, daß die internationale
Reaktion auf Aggression rasch und entschlossen ist.
Die Schritte, die wir unternommen haben - hinsichtlich Getreide, Technologie, der Olympischen Spiele, der Fischerei rechte und auf anderen Gebieten zeigen unsere Entschlossenheit auf das deutlichste.
Diese Maßnahmen stehen indessen nicht allein.

Denn die Sowjets begegnen

einem hartnäckigen, weitgestützten afghanischen Widerstand.

Und sie wurden

von der überwältigenden Mehrheit der Staaten dieser Welt verurteilt.
.

•

Die

�Die von uns ergriffenen Maßnahmen enthalten Opfer - für unsere Bauern
und unsere Geschäftswelt, für unsere Sportler und unsere Wissenschaftler, ja,
für uns alle.
Aber das amerikanische Volk ist bereit, für den Frieden, den wir lieben,
Opfer zu bringen.
Die Schritte, die wir unternommen haben, dienen aber auch dazu, uns einem
zweiten Ziel näherzubringen: dem Abzug aller sowjetischer Streitkräfte aus
Afghanistan.
Lassen Sie mich heute unterstreichen, daß die Sanktionen, die wir als
Antwort auf die sowjetische Invasion ergriffen haben, so lange in Kraft bleiben werden, bis alle sowjetischen Truppen aus Afghanistan abgezogen sind.
Lassen Sie mich ebenso deutlich unterstreichen, daß es unsere Absicht
ist, diese von uns auferlegten Sanktionen seit der Invasion dieses Landes zurückzunehmen, wenn diese Invasion aufhört, wenn die sowjetischen Truppen vollständig aus Afghanistan abgezogen sind.
Um zu diesem Abzug zu ermutigen, sind wir ebenso bereit - der Präsident
hat es gesagt -, Anstrengungen der internationalen Staatengemeinschaft für
eine neutrale, bündnisfreie afghanische Regierung zu unterstützen, die sich
den Wünschen des afghanischen Volkes empfänglich zeigt. Bei einem sofortigen
Rückzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan wären die Vereinigten Staaten bereit, sich den Nachbarn Afghanistans anzuschließen, um Afghanistans
echte Neutralität und die Nichteinmischung in seine inneren Angelegenheiten
zu garantieren.
Eine solche politische Regelung würde der Brutalität und dem Blutvergießen in Afghanistan ein Ende setzen. Sie würde keinerlei Interessen irgendeines anderen Landes bedrohen, und sie würde unser aller Interesse dienen.
Aber

- 5 -

�Aber lassen Sie mich offen sein: derzeit gibt es keinerlei Anzeichen
für einen sowjetischen Abzug.

Wenn Liberhaupt, so weisen die gegenwärtigen

Zeichen auf das Gegenteil hin.

Der sowjetische Aufmarsch geht weiter, und

ständige Einrichtungen werden geschaffen.
Dies macht unser drittes Ziel umso wichtiger.

Während für die Aggression

so lange wie nötig Strafmaßnahmen auferlegt werden, liegt es zutiefst im Interesse der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten, die Ost-West-Beziehungen in einer Weise zu unterhalten, die deren wesentliches Rahmenwerk bewahrt.
Unsere Beziehungen zur Sowjetunion waren und werden im wesentlichen kompetitiver Natur sein.

Unsere fundamentalen Werte unterscheiden sich.

Interessen divergieren häufig.

Unsere

Wir werden unsere Interessen und unsere Werte

fördern, und wir werden der Aggression entgegentreten.
Aber unser Wettstreit muß durch Zurückhaltung und durch das Gefühl für
die lebenswichtigen Interessen des anderen in Schranken gehalten werden.
Denn eine solche Beziehung zwischen den beiden Supermächten ist für den Frieden von zentraler Bedeutung.
Wir trachten nicht nach der Rückkehr zum Kalten Krieg, zur blinden Konfrontation früherer Zeiten.
Wir werden auch weiterhin unsere, nationalen Interessen im Rahmen ausgewogener und verifizierbarer Rüstungskontroll Vereinbarungen verfolgen - beim
SALT-Prozeß, bei den konventionellen Streitkräften und den nuklearen Mittelstreckensystemen in Europa (TNF), bei den Teststopps für Kernwaffen und in anderen Bereichen.

Vor allem bleibt das Angebot zur Aushandlung eines Abkommens

über die Begrenzung der nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa auf dem Tisch.
Die Sowjetunion sollte es mit uns verfolgen.
•

Unser Land hat aus den Rüstungskontroi labkommen Nutzen gezogen, die wir
erzielt haben.

Im Jahr 1963 stellten wir die verderblichen Kernwaffentests

in der Atmosphäre ein.

Das SALT I-Zwischenabkommen fror die Anzahl der stra-

�strategischen Offensivwaffen ein, als die Sowjets in diesem Bereich aufrüsteten, wir aber nicht. Der Vertrag über die ballistischen Abwehrraketen hielt
ein potentiell kostspieliges und destabilisierendes Wettrüsten bei diesen Defensivwaffen auf.
Der SALT II-Vertrag, den wir ausgehandelt haben, dient ebenfalls den
Sicherheitsinteressen Amerikas. Er würde die strategischen Programme der
Sowjets bis 1985 einschränken. Er würde die künftigen Bedrohungen begrenzen,
vor denen wir stehen werden und daher unsere eigene Verteidigungsplanung gesicherter machen. Er würde uns unsere Fähigkeit bewahren, die strategischen
Entwicklungen der Sowjets zu überwachen. Und er würde uns den Fortgang unserer eigenen Modernisierungsanstrengungen erlauben.
SALT II ist kein Zuckerbrot. Und auch keine Peitsche. Er spricht für
sich als integraler Teil unserer nationalen Sicherheitspolitik.
Er ist von besonderer Bedeutung in einer Zeit der erhöhten Spannung zwischen den beiden Supermächten.
Wir bleiben der Ratifizierung des Vertrags zutiefst verpflichtet.

Es

liegt nicht in unserem Interesse, auf seine Sicherheitsvorteile zu verzichten
Es ist auch nicht in unserem Interesse, im Lauf einer Periode erhöhter
Spannung das Rahmenwerk der Ost-West-Beziehungen niederzureißen, das in mehr
als zwei Jahrzehnten aufgebaut wurde.
Um dabei zu helfen, dieses Rahmenwerk zu bewahren und auch, weil wir uns
dem Völkerrecht unterwerfen, brechen wir keine formellen Abkommen mit der
Sowjetunion.
Wir fahren mit den Vorbereitungen für die Folgekonferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa fort, die in diesem Jahr in Madrid abgehalten
wi rd.
Wir

�Wir werden unsere Politik fortsetzen, engere Beziehungen zu den Staaten
Osteuropas zu unterhalten.
Und wir sind weiterhin bereit, eine stabilere Beziehung zur Sowjetunion
aufzubauen, sobald es die Umstände erlauben.
Unser viertes Ziel ist es, mit den Staaten von Südwestasien sowie mit
anderen zusammenzuarbeiten, um die Sicherheit, die Stabilität und die Unabhängigkeit dieser Region zu stärken.

Es ist unser tiefer Glaube, daß die

Staaten dieser Region ihr eigenes Schicksal bestimmen sollten.

Und ganz ent-

schieden sind wir der Ansicht, daß die Rohstoffe dieser Region ihren Staaten
und ihren Völkern gehören.
uns dar.

Ihre Unabhängigkeit stellt keine Bedrohung für

Die Bedrohung würde in dem Verlust ihrer Unabhängigkeit liegen.

Wir verstärken unsere Fähigkeit, rasch und wirkungsvoll zu reagieren,
wenn unsere lebenswichtigen Interessen gefährdet sind. Wir haben unsere
Flottenpräsenz im Indischen Ozean verstärkt. Wir hatten positive Gespräche
mit Staaten in diesem Gebiet über amerikanischen Zugang zu Luft- und SeestützPunkten..
Unsere eigene militärische Bereitschaft ist jedoch nur ein Element unserer Strategie in dem Gebiet. Die Schaffung eines Rahmenwerks für Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich in dem Gebiet muß, ihrem Wesen gemäß, ein kooperatives Unternehmen sein.
Dies bedeutet, daß wir mit den Staaten der Region zusammenarbeiten, um
dabei zu helfen, ihre Fähigkeit zur Verteidigung ihrer Unabhängigkeit und
zur Vergrößerung ihrer politischen und wirtschaftlichen Stabilität zu verstärken.
Es bedeutet, daß wir auch weiterhin mit anderen auf friedliche Lösungen
der Spannungen zwischen Staaten in der Region hin zusammenarbeiten werden
- am wichtigsten zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn.
Und

�Und es bedeutet, daß wir daran arbeiten werden, unsere Beziehungen zu
all den Staaten in der Region zu verbessern, bei denen es eine Basis der
gemeinsamen Interessen gibt.

Die Vereinigten Staaten begrüßen die wachsende

Lebenskraft der islamischen Welt und sehen darin einen schöpferischen Beitrag
zu einer Welt, die sich auf Vielfalt und Selbständigkeit gründet.

Unser fünftes Ziel muß es sein, aus diesen Ereignissen eine erneuerte
Verpflichtung zum Ausbau der grundlegenden militärischen und wirtschaftlichen
Stärke Amerikas zu ziehen.

Unser Land hat mit der umfassendsten Modernisierung unserer Verteidigungskräfte über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrzehnt begonnen.

Wir

werden schnell mit den begonnenen Programmen weitermachen, um jeden Pfeiler
unserer strategischen Streitkräfte zu modernisieren, um die NATO-Entscheidung vom vorigen Dezember über unsere nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa auszuführen und unsere konventionellen Streitkräfte zu verstärken.

Afghanistan bringt die Bedeutung dieser langfristigen Verteidigungsinvestitionen in aller Schärfe zum Vorschein und rückt erneut die Notwendigkeit erhöhter militärischer Mobilität in den Mittelpunkt.

Diese Programme erfordern höhere Verteidigungshaushalte - in diesem
Jahr und für die absehbare Zukunft.

Unsere Entschlossenheit muß deutlich

werden, den Erfordernissen der Sicherheit und des Schutzes für unser Land
und unsere Verbündeten nachzukommen.

Die Ereignisse in Südwestasien müssen außerdem unsere Entschlossenheit
stärken, eine zukünftige Energiekatastrophe zu verhindern.

Denn, ganz schlicht

gesagt, genau das ist es, was auf uns zukommen könnte.

Es sollte keines Winkes hinsichtlich der Kosten und der Risiken unserer
Abhängigkeit im Energiebereich bedürfen.

Sie
- 9-

�Sie heizt unsere

Inflation an.

schwächt unsere Zahlungsbilanz.

Sie setzt den Dollar unter Druck.

Sie

Sie erhöht unsere Verwundbarkeit.

Die Botschaft ist klar; Energiepolitik ist für unsere Außenpolitik entscheidend.

Langfristig gesehen, können wir nicht unabhängig, stark und frei

sein - und gleichzeitig in hohem Maße von ausländischer Energie abhängig
bleiben.
Wir haben in den vergangenen Jahren einigen Fortschritt gemacht.

Unser

Gesamtölverbrauch fiel 1979. Dies galt auch für den Benzinverbrauch.

Unter

der Führung des Präsidenten haben wir wesentliche Schritte auf größere Energiesicherheit hin getan.

Aber, wie der Präsident gesagt hat, es muß noch viel

mehr getan werden.
Die Kontrolle über unsere Energiezukunft zu gewinnen, ist wesentlicher
Teil einer klugen Antwort auf die kürzlichen Ereignisse in Südwestasien.
Jedes dieser Ziele - das Erreichen eines Rückzugs aller sowjetischen
Streitkräfte aus Afghanistan, die Abschreckung weiterer sowjetischer Aggression, die verständige Handhabung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
in einer Zeit gesteigerter Spannungen, die Hilfe bei der Stärkung der Staaten
in der Golfregion und der Ausbau der Stärke Amerikas -, jedes dient nicht nur
den Interessen Amerikas, sondern auch all jener Staaten, die ein Interesse
am Frieden und an der Stabilität der Welt haben. Und sie beinhalten die Anstrengungen anderer wie auch unsere eigenen.
Während wir gemeinsam weitergehen, müssen unsere Verbündeten wissen, daß
die Vereinigten Staaten stark bleiben.

Und wir werden es.

Sie müssen wissen, daß wir der gemeinsamen Verteidigung verpflichtet
sind.

Wir sind es, und wir bleiben es.
Sie
- 10 -

�Sie müssen gleichzeitig wissen, daß die Vereinigten Staaten, was die
USA anbelangt, eine stabilere Beziehung zur Sowjetunion begrüßen würden.
Und wir würden das.
Wir fordern unsere Verbündeten nicht auf, das Rahmenwerk der Ost-WestBeziehungen niederzureißen. Wir fordern sie auf, Maßnahmen zu ergreifen in
der Absicht, den Rückzug der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan herbeizuführen und die Sowjets vor neuen Abenteuern abzuschrecken, die neue
Krisen bewirken werden.
Entspannung kann nicht von Abschreckung getrennt werden. Wenn wir der
Aggression jetzt Widerstand leisten, dann fördern wir damit den Frieden in
der Zukunft - die Verhältnisse für einen Fortschritt in den Ost-West-Beziehungen. Es wäre kurzsichtig und gefährlich, anzunehmen, daß wir den Nutzen
der Entspannung erlangen könnten, wenn wir die Notwendigkeit für eine Abschreckung außer acht ließen. Ich bin davon überzeugt, daß wir dies nicht
tun werden.
Wenn wir mit anderen Nationen zusammenarbeiten, dann bemühen wir uns
gleichzeitig auch um das Verständnis und die Unterstützung des amerikanischen
Volkes für die von mir beschriebenen Ziele.
Die Stärke Amerikas liegt nicht nur in unseren Waffen und Laboratorien,
unseren Fabriken und unseren Farmen - sie wurzelt in der Entschlossenheit
und dem Urteilsvermögen unseres Volkes, wenn es sich zu gemeinsamen Vorhaben zusammenschließt.
Denn die Gestaltung unserer Zukunft hängt von unserem Willen und unserer
Klugheit ab - dem Willen, auf Aggression mit einer erneuerten nationalen
Stärke zu reagieren, und der Klugheit, bei unserer Antwort auf unmittelbare
Krisen eine neue nationale Einheit für unsere Außenpolitik in der Zukunft
zu finden.
Das
- 11 -

�Das führt mich zu meinem letzten Punkt.
Die sowjetische Invasion Afghanistans hat eine entscheidende Auswirkung auf unsere Außenpolitik gehabt, auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und auf die gemeinsame Agenda mit unseren Verbündeten.

Aber sie

sollte uns nicht - und wird es auch nicht - ablenken von den fundamentalen
Zielen, die unsere Länder in der Welt verfolgt haben.

Sie bleiben weiterhin

zutiefst in unserem nationalen Interesse.
•

- Es liegt in unserem nationalen Interesse, der Aushandlung friedlicher
Lösungen bei regionalen Spannungen Amerikas vollste Unterstützung zu
leihen.
•.

•

Schwärende regionale Streitfragen heizen ein örtliches Wettrüsten an,
das wiederum für humane Erfordernisse dringend benötigte Mittel abzweigt.

Sie bieten günstige Gelegenheit für eine Intervention und Aus-

beutung von außen.

Und sie können sich zu offenen Konflikten entwic-

keln, die die Gefahr größerer Kriege mit sich bringen.
Gerade weil die Welt in den vergangenen Monaten ein gefährlicherer Ort
geworden ist, werden wir auch weiterhin daran arbeiten, die Gefahren
zu vermindern.
- Es liegt in unserem nationalen Interesse, unsere traditionellen Bündnisse auch in Zukunft zu stärken, neue Beziehungen anzuknüpfen, wie dies
mit China der Fall war, und mit unseren Bemühungen zum Aufbau kooperativer Beziehungen mit den Entwicklungsländern fortzufahren.
•

-,

•

•

Der beste Weg, um eine sowjetische Einmischung in der Dritten Welt zu
vereiteln, liegt darin, dort eine eigene positive Politik zu verfolgen
- eine Politik, die sich den wahren Interessen zuwendet, die wir hinsichtlich der Freiheit der Entwicklungsländer gemeinsam haben - der Freiheit von der Beherrschung von ausländischen Mächten, von der Bitterkeit

�Bitterkeit rassischer Ungerechtigkeiten, von der Verschwendung, die
regionale Konflikte mit sich bringen, von den Lasten der Armut.

Diese Strategie bedeutet nicht, daß wir unsere Meinungsunterschiede
mit den Entwicklungsländern verbergen.

Aber wir können überaus wirk-

sam bei Fragen von entscheidender Bedeutung zusammenarbeiten, wenn sie
wissen, daß wir ihre Ziele der politischen Unabhängigkeit und der wirtschaftlichen Gerechtigkeit teilen.
Diese Politik baut auf unsere Stärke auf - denn es ist meistens der
Westen, an den diese Länder sich zuerst wenden, um Unterstützung bei
der Erfüllung ihrer wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Belange
zu finden.

Und diese Politik greift auch.

Es gibt zwar ernsthafte Krisenpunkte.

Aber es ist eine Tatsache, daß unsere Beziehungen mit den meisten Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas heute stärker sind, als dies
seit Jahren der Fall war.

- Und schließlich liegt es nicht nur in unserem Nationalcharakter, sondern auch zutiefst in unserem nationalen Interesse, unser Eintreten
für die Freiheit in eine praktische Unterstützung für die menschliche
Freiheit in anderen Ländern umzusetzen.

Länder, die die Rechte ihrer Bürger respektieren, die offen sind gegenüber dem Ausdruck und der Anpassung miteinander in Konflikt stehender
Ansichten und Interessen, befinden sich in einer stärkeren Position, um
ihr nationales Gleichgewicht und ihre nationale Unabhängigkeit zu bewahren.

Wir sind uns darüber im klaren, daß schwelende Frustrationen schnell
Radikalismus und Gewalt führen können, die die Interessen Amerikas gefähr.

Aber es ist auch wahr, daß heute immer häufiger der Wandel und die Ver-

- 13 -

�Veränderung auf friedlicher Weise stattfinden - und dies führt zur Freiheit
des Menschen.
Es liegt in unserem Interesse, Teil dieser Entwicklung zu werden.

Und

es liegt in unserem Interesse, die Menschenrechte zu verteidigen, wenn sie
in Gefahr sind.
Ja, eine zentrale Frage, vor die sich die gesamte Welt aufgrund der
sowjetischen Maßnahmen in Afghanistan gestellt sieht, ist die der Menschenrechte:
- Das Recht, über seine eigene Regierung zu entscheiden;
- das Recht auf religiöse Freiheit; und
- das Recht, in Frieden zu leben.
Wir werden auch weiterhin nach diesen Dingen streben - wir wollen nicht
anderen unsere eigenen Einrichtungen auferlegen, sondern wir wollen anderen
dabei helfen, sich auf ihre eigene Weise auszudrücken - bei ihrem ununterdrückbaren Menschenrecht, frei zu sein.
Letztendlich liegt das Ziel - und das Maß - unserer Außenpolitik in
ihrer Auswirkung auf das Leben unseres Volkes und anderer.
Seit über 200 Jahren stehen die Vereinigten Staaten auf der Seite der
Freiheit und des Fortschrittes. Wenn wir die Welt auch als einen gefährlichen
Ort kennengelernt haben, der unsere Stärke und unsere Wachsamkeit erfordert,
so haben wir auch erkannt, daß sie uns nicht feindlich gesonnen zu sein braucht.
Wenn sich die menschlichen Bedingungen verbessern, wenn die Menschen überall
in der Welt ein besseres und sichereres Leben führen können, dann wird diese
Welt auch ein sichererer Ort für Amerika.

�Es ist diese Überzeugung, die den amerikanischen Charakter seit Bestehen
unserer Republik geprägt hat.
Wir glauben auch heute daran.

+ + + + +

- 15 -

�1

1
I

3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

5. März 1980

INTERVIEW DES STELLVERTRETENDEN US-AUSSENMINISTERS
MIT DEM HOLLÄNDISCHEN FERNSEHEN

WASHINGTON

- (AD) - Nachstehendes Interview, das der Stellver-

tretende amerikanische Außenminister Warren Christopher dem niederländischen
Fernsehnetz VARA-TV am 29. Februar über Satellit gewährte, betrifft wichtige
politische Tagesfragen:

Afghanistan und die amerikanisch-europäischen

und die Ost-West-Beziehungen.

Als Gesprächspartner Christophers waren an

der Sendung W.L. Brugsma von VARA-TV, Andre Fontaine von Le Monde, Ingeborg
Wurster vom ZDF und Peter Jenkins von The Guardian beteiligt.
Die Fernsehdebatte hatte folgenden Wortlaut:
JENKINS:

Herr Christopher, lassen Sie mich eine Frage stellen, die

meiner Auffassung nach die grundlegendste aller hier zu erörternden Fragen
ist:

Womit haben wir es nach Auffassung der Administration der Vereinigten

Staaten auf beiden Seiten des Atlantik

in Wirklichkeit zu tun?

Geht es

um eine Art von globalem Vorstoß der Sowjetunion, der in die Richtung
der lebenswichtigen Ölvorkommen im Nahen Osten zielt, oder geht es um

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�um weniger als das, eher um eine lokale Angelegenheit?
CHRISTOPHER:

Herr Jenkins, es geht um die objektive Tatsache, daß

ein Land, Afghanistan, das bisher ein Puffer war,nunmehr zu einem Keil
geworden ist. Die Sowjetunion ist in Abweichung von ihrer bisherigen
Politik in ein unabhängiges Land eingedrungen.

Ihre Zukunftsabsichten

sind selbstverständlich schwer zu deuten, und unsere Analytiker bemühen
sich sämtlich

um eine solche Deutung.

Beabsichtigen sie einen Vorstoß in warme Gewässer?

Beabsichtigen

sie einen Vorstoß nach dem Iran oder in den Persischen Golf?

Was wirklich

zählt, ist die objektive Tatsache, daß sie in ein zuvor unabhängiges Land
eingefallen sind, dort die Staatsgewalt übernommen haben und nunmehr
versuchen, die Bevölkerung zu unterjochen.
FONTAINE:

Sie erwähnten eben, daß Afghanistan vor der Invasion ein

Pufferstaat war. Tatsächlich aber hat sich Afghanistan, wie ich die Dinge
sehe, im April 1978 dem Sowjetblock angeschlossen, und es waren dort seither viele sowjetische Berater einschließlich Militärberater tätig.

Warum

also hat die Regierung der Vereinigten Staaten mit ihrer Reaktion auf die
Entwicklungen in Afghanistan gewartet, bis es zu der Invasion großen Stils
kam, die dann im Dezember letzten Jahres erfolgt ist?
CHRISTOPHER: Herr Fontaine, nach meinem Dafürhalten ist am Weihnachtstag des vergangenen Jahres tatsächlich eine grundlegende Änderung eingetreten, als die Invasion Afghanistans durch sowjetische Truppen erfolgte.
Zuvor war jenes Land Teil der Bewegung der Blockfreien. Das dortige
Regime war in der Tat der Sowjetunion freundlich gesonnen; die Präsenz
von rund 100 000 bewaffneten sowjetischen Soldaten in Afghanistan aber
stellt eine grundlegende Veränderung in der Politik der Sowjetunion dar.
Und eben diese Veränderung hat die sehr scharfe Reaktion seitens der
Vereinigten Staaten wie auch ihrer westlichen Verbündeten hervorgerufen.
FONTAINE:
- 2 -

�FONTAINE:

Herr Außenminister, natürlich wünscht ein jeder, daß diese

Invasion aufhört und die sowjetischen Truppen Afghanistan räumen. Glauben
Sie aber wirklich, Sie können die Sowjets durch Sanktionen und Boykotte
aus Afghanistan vertreiben?
CHRISTOPHER: Unserer Überzeugung nach ist der Sowjetunion mit dem
Einmarsch in Afghanistan eine grundlegende Fehleinschätzung der Lage unterlaufen. Die Ereignisse überall auf der Erde aber haben den Sowjets vor
Augen geführt, ein wie hoher Preis für Invasionen dieser Art zu entrichten
ist. Wir hoffen, dies wird sie dazu bewegen, das Richtige zu tun: nämlich
ihre Truppen zurückzuziehen und jenem Land zu gestatten, eine neutrale
blockfreie Position einzunehmen.
FONTAINE: Herr Christopher, das ist eine interessante Antwort, weil
es mir noch vor einigen Wochen so schien, als ob das Schwergewicht der
amerikanischen Politik darauf gerichtet schien, den Sowjets einen sehr
hochen Preis dafür abzufordern, was sie getan haben - und zwar in der Absicht,
sie davor abzuschrecken, etwas ähnliches noch einmal zu versuchen.
Wie Sie es soeben formuliert haben, steht zu vermuten, daß Ihre
Diplomatie darauf gerichtet ist, sie dazu zu überreden, aus Afghanistan
herauszugehen.

Stellt dies einen Wandel dar?

CHRISTOPHER: Nein, wir haben stets ein doppeltes Ziel verfolgt.
Wir haben versucht, den Sowjets das Fehlerhafte dessen aufzuzeigen, was
sie getan haben, damit sie ihre Truppen aus Afghanistan abziehen. Wir
haben aber auch das andere Ziel zu erreichen versucht, ihnen klarzumachen,
daß für diese Art aggressiver Aktionen ein sehr hoher Preis besteht.
FONTAINE:

Und Sie glauben, daß sie ihre Truppen aus Afghanistan

zurückziehen werden?
CHRISTOPHER:

- 3 -

�CHRISTOPHER:

Nach meinem Dafürhalten werden sie im Laufe der Zeit

einsehen, daß sie ein unabhängiges Land nicht unterjochen können.

Es

ist nach meinem weiteren Dafürhalten eine faire Chance gegeben, daß die
Sowjetunion im Laufe der Zeit aus der scharfen Reaktion der Völkergemeinschaft
herauslesen wird, daß die Kosten des Verbleibs in Afghanistan höher sind
als die des Abzugs.
Ich möchte realistisch bleiben und sagen, daß dies wahrscheinlich nicht
in sehr naher Zukunft der Fall sein wird, obwohl die Ereignisse in
Afghanistan innerhalb der letzten 48 Stunden erkennen lassen, welche
Schwierigkeiten die Sowjets mit der Unterjochung der dortigen Bevölkerung
haben.
FONTAINE: Ein Rückzug der Sowjets aus Afghanistan liefe meiner
Meinung nach aber auf das Eingeständnis eines völligen Fehlschlags hinaus.
Ich glaube nicht, daß es viele Präzedenzfälle eines solchen Eingeständnisses
durch die Sowjetunion gibt. Nach meinem Dafürhalten müssen Sie den Sowjets
eine irgendwie geartete Möglichkeit bieten, einigermaßen Gesicht zu bewahren.
Ferner möchte ich hieran die Frage nach der Art der Sanktionen anschließen, die die Regierung der Vereinigten Staaten gegen die Sowjetunion
anwendet. Die meisten Sanktionen stehen im Zusammenhang mit dem Boykott
der Olympischen Spiele oder berühren wirtschaftliche Belange. Die Sowjetunion sieht sich im gegenwärtigen Augenblick vor große wirtschaftliche
Schwierigkeiten gestellt, und ich glaube, auch ihre Satellitenstaaten
stehen vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Glauben Sie nicht, daß diese Schwierigkeiten und damit auch die
Spannungen innerhalb des sowjetischen Blocks mit der Verlagerung der
Drohung auf das wirtschaftliche Gebiet noch vergrößert werden - und
das zu einem Zeitpunkt, zu dem Sie sicher sein können, daß die sowjetische

�sowjetische Regierung das Gewicht ihres Mi 11tSrhaushalts keineswegs
vermindern wird?

Birgt das nicht das Risiko, daß es auf Grund der wirt-

schaftlichen Sanktionen zu einer Vermehrung der Spannungen kommen wird,
was darauf hinauslaufen würde, daß die Sanktionen das Gegenteil des erwünschten Effekts bewirken?
CHRISTOPHER: Es ist uns, wie ich klarstellen möchte,sehr daran
gelegen, daß das Rahmenwerk der amer^kanischen-sowjetisehen Beziehungen
in Takt bleibt. Wir geben auf vielfältige Weise zu erkennen, daß wir im
Bereich der Rüstungsbeschränkungen, um ein Beispiel zu nennen, eifrig
bemüht sind, die verschiedenen Rüstungsbegrenzungsbemühungen weiterzuverfolgen, über die bereits Verhandlungen im Gange waren.
Wir halten auch an den Regierungsabkommen fest, die wir mit der
Sowjetunion getroffen haben.
aufrecht - hier wie in Moskau

Wir halten den Dialog mit der Sowjetunion
Wir beabsichtigen mit der Konferenz

in Madrid, der KSZE-Konferenz, voranzugehen

Wir erwarten sehr wohl,

wie ich hier unterstreichen möchte, daß die Sowjets einen hohen Preis
für ihre Invasion Afghanistans entrichten müssen, sehen aber dennoch
dem Tag erwartungsvoll entgegen, an dem uns T hr Verhalten die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit ihnen gestatten wird
Nach meinem Dafürhalten sind die wirtschaftlichen Schritte, die
wir eingeleitet haben, anderen Formen der Gegenwirkung weitaus vorzuziehen, derer sich die Vereinigten Staaten und die restliche Welt ebenfalls
hätten bedienen können.
JENKINS:

Ich möchte mich nunmehr den militärischen Aspekten der

Antworten der Vereinigten Staaten zuwenden.
Ihre erste Antwort, Herr Christopher.

Ich komme damit zurück auf

Sie erklärten darin, die objektive

Tatsache der Anwesenheit der Sowjets in Afghanistan zähle unabhängig
davon, was "ihre Motivation war oder bleiben wird.

- 5 -

Der Präsident verkündete

�verkündete das, was man in Kurzfassung die Carter-Doktrin nennen kann.
Sie besagt im Grunde, daß es zu militärischen Gegenmaßnahmen kommen wird,
falls die Sowjetunion die öl lieferungen aus dem Gebiet des Golfs in den
Westen bedroht.
Welche Art der militärischen Entgegnungen außer einem dritten Weltkrieg steht den Vereinigten Staaten zur Verfügung?
CHRISTOPHER:

Was der Präsident erklärte - und hier sollten wir uns

sehr präzise ausdrücken -, besagt, daß jeder Versuch einer dritten Macht,
Kontrolle über das Gebiet des Persischen Golfs zu erlangen, seitens der
Vereinigten Staaten als ein Angriff auf ihre lebenswichtigen Interessen
angesehen werden würde. Die Vereinigten Staaten würden angemessene
Maßnahmen ergreifen, einschließlich militärischer Aktionen, um diese Kräfte
zurückzudrängen.
Ich halte es nicht für nützlich, Spekulationen über eine ganze Reihe
von möglichen Entwicklungen anzustellen. Ich denke, wir haben der Sowjetunion inzwischen klar zu verstehen gegeben, daß die Vereinigten Staaten
im Falle eines Versuchs der Sowjets, die Kontrolle über das Gebiet des
Persischen Golfs zu erlangen, sehr starke Maßnahmen ergreifen würden.
JENKINS:

Sehr viele amerikanische Kommentatoren bezweifeln die

Fähigkeit der Vereinigten Staaten, die militärischen Drohungen des Präsidenten
wahrzumachen. .
CHRISTOPHER:

Wir haben, davon bin ich überzeugt, sehr viele Möglich-

keiten, und wir sind dabei, unsere Kapazitäten weiter auszuweiten.

Wir

stärken unsere Seemacht im Gebiet des Persischen Golfs; wir erhalten
Zutritt zu zusätzlichen Einrichtungen in jenem Gebiet; und wir unternehmen Schritte, die unabhängigen Länder jener Region zu stärken, die ergänzt werden durch die Hilfe, die unsere Verbündeten in Europa hierzu leisten.
Nach

�Nach meinem Dafürhalten sollte niemand die Macht der Vereinigten
Staaten unterschätzen.

Ich möchte mich hier nicht auf Säbelrasseln

verlegen - das wäre das letzte, was ich wollte. Auf der anderen Seite wäre
es ein ernster Fehler für jedes Land der Erde, unsere Macht zu unterschätzen.
BRUGSMA:

Da ist noch eine Frage an Sie zum gleichen Thema aus einem

mit uns verbündeten Land, aus Deutschland.
WURSTER:

Frau Wurster.

Herr Christopher, können Sie mir sagen, auf welches der

Länder jener Region Sie sich wirklich verlassen können?
CHRISTOPHER: Nach meiner Auffassung unterhalten wir unterschiedliche
Beziehungen zu den verschiedenen Ländern in jenem Gebiet. Ich rechne nicht
damit, daß wir jene Art der engen Allianz dort haben werden, die wir in
Westeuropa haben. Andererseits meine ich, daß jedes der Länder in diesem
Gebiet die eigene Unabhängigkeit schätzt und daß wir ihrer Mitarbeit sicher
sein können, wenn sie sich von Kräften von außen her bedroht fühlen.
FONTAINE:

Sie haben lange auf den Iran vertraut, dem Sie in Jahren

sehr wichtige Hilfe geleistet haben.

Fürchten Sie nicht, daß andere

Länder, auf die Sie sich heute stützen, dem Beispiel des Iran folgen könnten?
CHRISTOPHER: Meiner Meinung nach muß jedes Land auf seine eigene
innere Stabilität bedacht sein und versuchen, dort Abhilfe zu schaffen,
wo diesbezügliche Probleme gegeben sind. Die Rolle der Vereinigten Staaten
besteht meiner Auffassung nach darin, jenen Ländern im Verein mit ihren
Verbündeten zu helfen, ihre Unabhängigkeit zu wahren.
Natürlich müssen diese selbst es wünschen, ihre Unabhängigkeit
aufrechtzuerhalten. Ich glaube aber, daß dies das gemeinsame Bestreben
aller Länder dieser Region ist.
WURSTER:

�WURSTER:

Herr Außenminister, besteht hierbei nicht die Gefahr,

daß Amerika dieselben Fehler macht, die es im Iran und in Pakistan gemacht
hat?
CHRISTOPHER:

Ich glaube, daß Pakistan erkannt hat, daß es einer neuen

Bedrohung gegenübersteht, die in der Vergangenheit nie bestanden hat.
Wir beabsichtigen Pakistan auf eine Art und Weise zu helfen, die es zufriedenstellen wird.

Meiner Auffassung nach befleißigt sich der Führer -

der derzeitige Führer - Pakistans, Präident Zia, einer ruhigen Analyse
der Situation.

Wir führen unsere Politik der Non-Proliferation und der

Verwirklichung der Bürgerrechte weiter; die Sicherheit Pakistans aber
ist für uns im gegenwärtigen Zeitpunkt von größerer Wichtigkeit,und wir
haben die Absicht, jenem Land zu helfen.
Meines Wissens sind sich die führenden Politiker Pakistans der
Situation ihres Landes sehr bewußt.
FONTAINE:

Herr Christopher, Amerikas Beziehungen zu Rotchina

entwickeln sich gegenwärtig zu einer Art Bündnis. Haben Sie nicht das
Gefühl, dieses Bündnis könnte die Sowjetunion dazu verleiten, eine äußerst
defensive Haltung sowohl gegenüber China als auch gegenüber den Vereinigten
Staaten zu beziehen?
CHRISTOPHER: Die Vereinigten Staaten haben, wie Sie, Herr Fontaine,
wissen,ihre Beziehungen zur Volksrepublik China etwa vor vierzehn Monaten
normalisiert. Wir sind auf dem ordentlichen Weg zur Normalisierung ein
großes Stück vorangekommen. Wir sind aber tatsächlich gegenüber einer
Reihe von westeuropäischen Ländern auf dem Weg zur Normalisierung weit im
Hintertreffen. Ich würde unsere Beziehungen keineswegs als Bündnis darstellen wollen.

Wir

�Wir pflegen freundlicheren Umgang untereinander als in der Vergangenheit.
Wir haben aber kein militärisches Bündnis mit China.
China militärische Waffen zu verkaufen.

Wir beabsichtigen nicht,

Meiner festen Überzeugung nach

bietet unser Verhalten gegenüber China keine Grundlage für irgendwelche
Besorgnisse anderer Länder.

FONTAINE:

Schließen Sie die Möglichkeit des Verkaufs von Waffen an

China vollständig aus?
CHRISTOPHER:

Ja, wir haben nicht die Absicht, China militärische

Waffen zu verkaufen.

JENKINS:

Unsere derzeitige Politik verbietet uns das.

Herr Christopher, es bildet sich auf dieser Seite des

Atlantik - wie Sie sicherlich wissen - die Auffassung heraus, daß man für
den Fall, daß das Problem im Nahen Osten darin besteht, die Stabilität
der Nachbarstaaten Afghanistans und des Iran zu erhalten, der Beendigung
oder dem Näherkommen einer angemessenen Lösung des arabisch-israelischen
Konflikts hohe Dringlichkeit beimessen muß.

Einige europäische Regierungen würden meines Wissens gerne über
die Vorschläge von Camp David hinausgehen, die sie vor dem Hintergrund
der Autonomiegespräche wahrscheinlich als nicht sehr produktiv ansehen, und
die Resolution 242 des Sicherheitsrats am liebsten neu formulieren, um das
Recht des palästinensischen Volkes auf irgendeine Form der Selbstbestimmung
zum Ausdruck zu bringen.

Was sagen Sie hierzu?

CHRISTOPHER:

Ich sage, die höchste Priorität kommt im gegenwärtigen

Zeitpunkt den Autonomiegesprächen zu.

Wie Sie wissen, ist Botschafter

Linowitz bestrebt, den Teilnehmern an diesen Verhandlungen Hilfestellung
zu leisten.

Es gibt einen wichtigen Termin im Mai, den 24. Mai, den Jahrestag

- 9 -

�Jahrestag der Unterzeichnung der Vereinbarungen von Camp David.
•

Wir sollten uns meiner Meinung nach auf den Zeitraum zwischen heute
und dem 24. Mai konzentrieren, wenn uns daran gelegen ist, maximale Fortschritte in den Autonomiegesprächen zu machen.

Das sind entsetzlich

schwierige Probleme mit einer langen ernsten Vorgeschichte.

Lösungen

können wir meiner Meinung nach nicht von heute auf morgen finden.

Meiner

Erfahrung mit Gesprächen mit Vertretern des Nahen Ostens und Menschen überall
auf der Welt nach zu urteilen, ist das, worauf es ankommt, daß Fortschritte
erzielt werden.

Und ich glaube, daß Botschafter Linowitz und seine

Verhandlungspartner aus Israel und Ägypten im gegenwärtigen Zeitpunkt echte
Fortschritte machen, und das ist genau das, worauf wir uns meines Erachtens
konzentrieren sollten.
JENKINS:

Wenn ich da kurz nachhaken darf:

stimmen Sie darin mit

mir 'überein, daß viele islamische und arabische Regierungen den arabischisraelischen Konflikt als eher noch ominöser und als von noch größerer
Dringlichkeit für sich selbst ansehen als, sagen wir einmal, die Invasion
Afghanistans?
CHRISTOPHER:
ist.

Ich bin sicher, daß dies für diese von hoher Priorität

Auf meiner jüngsten Reise nach dem Nahen Osten war ich verblüfft,

feststellen zu müssen, wieviel Angst die Invasion Afghanistans durch die
Sowjets in diesem Raum hervorgerufen hat. Die Ergebnisse der islamischen
Konferenz sind nach meinem Dafürhalten ein Hinweis auf den Ernst jener
Besorgnisse.
Wenn Sie sich die Entschließung der islamischen Konferenz zur Hand
nehmen, gewinnen Sie einen anderen Maßstab für den Ernst der Besorgnisse,
als ihn Ihre Frage impliziert. Das heißt, die islamischen Länder scheinen
jener besonderen Bedrohung eine höhere Priorität beizumessen. Nun möchte
ich sicherlich die Bedeutung des Versuchs nicht unterschätzen, jenes

- 10 -

�jenes langbestehende historische Problem zu lösen.

Was ich sagen möchte,

ist vielmehr-und ich hoffe, das klingt nicht allzusehr nach Eigenlob daß die Vereinigten Staaten eines der Länder der Welt

die sich aktiv

an den Versuchen zur Lösung jenes Problems beteiligen.
BRUGSMA: Darf ich das Gespräch an diesem Punkt kurz unterbrechen?
Ich möchte die Diskussionsteilnehmer, ehe wir uns einem anderen Gebiet
zuwenden, fragen, ob Sie noch irgendwelche weitere Fragen zum Nahen Osten
oder dem israelisch-arabischen Konflikt haben?
Keine; gut also, ich gehe davon aus, daß wir gewissermaßen mit
Siebenmeilenstiefeln durch verschiedene Regionen der Erde gestreift sind.
Jetzt kehren wir zurück auf unseren alten eigenen Kontinent, nach Europa,
und zu unseren alten Verbündeten. Sicherlich bestehen bezüglich dieses
Themenkreises verschiedene Fragen, und ich möchte Frau Ingeborg Wurster
bitten, die erste an Sie zu stellen.
WURSTER: Wir wissen, daß die Amerikaner über ihre europäischen
Verbündeten recht entäuscht sind. Wir wissen auch, daß selbst Walter
Cronkite neulich von sogenannten Verbündeten sprach. Sie wissen aber
genauso gut, daß wir auch einigermaßen über Washington enttäuscht sind,
und deshalb meine Frage: Können Sie uns einen Grund nennen, warum Sie
uns nicht schon frühzeitig informieren, warum Sie keine Konsultationen
führen?
CHRISTOPHER:

Lassen Sie mich allem voraus sagen, daß ich von unseren

westeuropäischen Verbündeten nicht enttäuscht bin. Außenminister Vance
ist eben erst von einer Europareise zurückgekehrt, und ich habe mit ihm
sehr ausführlich darüber gesprochen.

Wir haben ein gemeinsames Bewußtsein

der Bedrohung, die von der sowjetischen Aktion in Afghanistan ausgeht.
Wir sind uns in der gemeinsamen Beurteilung einig, daß es notwendig ist,
feste Schritte zu unternehmen.

Kleine Unterschiede bestehen in bezug auf

- 11 -

�auf die Taktik.
So gehe ich nicht konform mit der Auffassung, wir seien von unseren
Verbündeten enttäuscht.

Ich bin vielmehr stolz auf unsere Verbündeten.

Auf der anderen Seite ihrer Frage darf ich sagen, daß das Problem der
Konsultation dem Streben nach Perfektionen verhaftet ist.

Wir geben uns

Mühe, bei jeder Gelegenheit die richtige Art der Konsultation zu finden.
Manchmal gelingt uns das sehr gut - beispielsweise in der Frage der
nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) gab es gute Konsultationen bezüglich
des gesamten Fragenkomplexes.
Es gibt auch Zeiten, in denen wir das Ideal perfekter Konsultationen
nicht erreichen.

Die Vereinigten Staaten bedauern es, wenn es dazu kommt,

und ein solches Versäumnis bestärkt uns in dem Entschluß, es das nächste
Mal besser zu machen.

Ich war im Januar zweimal in Europa, in den ersten

Tagen des Monats und am 15.}und sprach über die Problemkreise, die wir
hier behandelt haben.
Das war eine Form der Konsultation. Wenn wir aber in manchen Fällen
nicht zu perfekten Konsultationen finden, dann kann ich dazu nur sagen,
daß wir entschlossen sind, uns so weitgehend gegenseitig zu konsultieren,
wie wir nur können - auf allen Ebenen. Und wenn es in der jüngsten
Vergangenheit nicht so ganz geklappt hat, dann wird dies nur unseren
Entschluß verdoppeln, es in Zukunft besser zu machen.
WURSTER: Darf ich weiterfragen zu dem.was Sie eben gesagt haben?
Sie haben Ihren Besuch im Januar erwähnt. Ich darf Sie daran erinnern,
daß Sie im Januar auch in Bonn waren. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel
geben für das, was ich meinte, als ich von dem Versäumnis sprach, uns
rechtzeitig zu informieren und zu konsultieren.
Meines

- 12 -

�Meines Wissens wurden Sie während Ihres Hierseins 1m Januar gefragt,
was es mit den GerUchten Über einen geplanten Boykott der Olympischen
Sommerspiele auf sich habe.

Meines Wissens haben Sie geantwortet, dem

sei nicht viel Gewicht beizumessen, es gäbe keine diesbezügliche Entscheidung,und es würde Wochen dauern, bis sich Amerika darüber klar
werde.

Sie waren kaum abgereist, als Ihr Präsident im Fernsehen bekanntgab,

daß ein Boykott erfolgen werde.

Ist es möglich, daß Sie selbst nicht informiert waren?

CHRISTOPHER:
hinweg rundweg

Nun, es ist nicht sehr eizvoll, Ihnen über den Atlantik

widersprechen zu müssen;

ich glaube aber, wenn Sie sich

die Mühe machen wollten, die Protokolle dessen nachzulesen, was ich in
Europa öffentlich erklärt habe - nicht nur an einem Ort, sondern an
verschiedenen Orten - werden Sie sehen, daß ich von einer steigenden Flut
der Opposition gegen eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in den
Vereinigten Staaten sprach und auch davon, daß ich eine ähnliche Welle
auch in Europa angetroffen habe.

Im übrigen wurde hierüber in den Vereinigten Staaten berichtet.
Man machte sich mancherorts sogar über mich lustig und meinte, das wäre
vielleicht lediglich ein Trick meinerseits gewesen.

Das aber, was ich in

Europa Mitte jener Woche, mämlich am 15. und 16.,gesagt habe, hätte als
Hinweis darauf dienen können, daß wir uns, wenn ich schon von einer
steigenden Flut sprach, in die Richtung auf eine Entscheidung über Olympia
bewegten.

Erst am Sonntag jener Woche hat der Präsident die Entscheidung der
Vereinigten Staaten im Fernsehen bekanntgegeben.

Diese Entscheidung wurde

mithin fünf oder sechs Tage nach meiner Europareise getroffen - sie wurde
über das Wochenende getroffen und am Sonntag bekanntgegeben.

Wenn es in

dieser Frage zu einem Fehlverhalten gekommen sein sollte, dann bestand es,

- 13 -

�es, glaube ich, wohl darin, daß wir in den Tagen unmittelbar vor der
Entscheidung des Präsidenten nicht jenes Maß an Perfektion erreichten,
von dem ich vorhin in bezug auf die Konsultationen gesprochen habe.
FONTAINE:

Herr Christopher, ich glaube,wir haben alle mit großem

Interesse Ihre positive Beurteilung des Verhaltens der europäischen
Regierungen in der Afghanistan-Krise zur Kenntnis genommen.

Sie unterscheidet

sich allerdings sehr stark von dem, was wir beispielsweise in der amerikanischen Presse zu lesen bekommen haben. Wir bekommen zu lesen, daß der
amerikanische Botschafter in Paris von neutralistischem Unsinn spricht.
Stimmen Sie hierin mit Herrn Hartman überein?
•

CHRISTOPHER:
gesagt haben soll?
FONTAINE:
BRUGSMA:

Verzeihung, würden Sie wiederholen, was Herr Hartman
Die Tonübertragung ist nicht sehr gut.

Neutralistischer Unsinn.
Mit diesen Worten umschrieb der Botschafter die Haltung einiger

Europäer oder einiger europäischer Länder.
CHRISTOPHER: Meine Antwort hierauf lautet: Außenminister Vance
kam aus Europa in der Überzeugung zurück, daß die Beurteilung der Bedrohung,
die von der Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion ausgeht, in allen
Ländern, die er besuchte, die gleiche war.
Ich glaube,wir hoffen alle, daß sich

die Sowjetunion aus Afghanistan

zurückziehen und jenes Land in einem neutralen oder blockfreiem Status zurücklassen werde. Wenn dies die Kommentare zu harmonisieren vermag, ist es gut,
denn mehr kann ich nicht tun.

Für mich selber aber darf ich sagen:

Wir

haben Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Taktik, und es mag Gebiete
geben, auf denen wir hoffen, daß unsere Verbündete Schritte im wirtschaftlichen
Bereich unternehmen, die stärker und den unsrigen gleichgerichteter sein

- 14 -

�sein sollten.

Dennoch halte ich das Bündnis für intakt und stark.

Und

ich erwarte von uns allen, daß wir gemeinsame Schritte unternehmen, der
gemeinsamen Bedrohung entgegenzutreten.
JENKINS: Herr Christopher, ich glaube, daß hier eine echte Meinungsverschiedenheit besteht, eine Meinungsverschiedenheit, derer sich keiner
unter uns zu schämen braucht oder hinter den Berg zu halten braucht.
Sie wird im Zusammenhang mit der fast theologischen Frage erörtert, ob
die Detente teilbar oder unteilbar ist.
Nach meinem Verständnis bedeutet das, daß die europäischen Länder ein
sehr echtes Interesse an der Entspannung haben, daß beim Abwägen diese
Krise schwerer wiegt als die Sorge der Vereinigten Staaten nicht nur in
bezug auf das weltweite Verhalten der Sowjetunion, sondern auch in bezug
auf die iranische Krise und auf die Geiseln in den Händen der Iraner und
auch in bezug auf die bevorstehende Präsidentschaftswahl.
CHRISTOPHER:
kann.

Lassen Sie mich das so klar heraustellen.wie ich nur

Wir sind an der Entspannung so sehr interessiert wie nur irgendwer

auf der Erde.

Unsere wichtigste Verantwortung ist die Verhinderung eines

Atomkrieges.
Wir haben keine Wiederaufnahme des Kalten Krieges im Sinn. Wir
sorgen uns ebenso um die unteilbare Detente wie nur irgendjemand in Europa,
und wir wollen mit Ihnen zusammenarbeiten,um sie zu erhalten.
Wenn sie durch die jUngsten Ereignisse verletzt worden sein sollte wir wünschen uns nichts mehr,als daß uns das Verhalten der Sowjetunion in
die Lage versetzt, in die Zeit der Kooperation zurückzufinden.
BRUGSMA:

Das bringt uns zu dem Schlußthema dieses transatlantischen

Teils der Aussprache.

Die Situation ist einigermaßen verwirrend,und die

- 15 -

�die berühmte Quizfrage lautet:

Wie finden wir heraus aus diesem Wirrwarr?

Im Denken der europäischen Teilnehmer an dieser Diskussion steht ganz
vorn sicherlich die Frage, was vermag Europa zu tun, aus dieser mißlichen
Situation herauszukommen, und sowohl unseren amerikanischen Verbündeten
als auch unseren sowjetischen Gegnern dabei zu helfen, ihr Gesicht zu wahren.
CHRISTOPHER:

Nach meinem Dafürhalten liegt die Hauptverantwortung

hier bei der Sowjetunion.

Ihr Verhalten hat uns in dieses Problem hinein-

gebracht,und ihr Verhalten muß uns den Weg aus diesem Problem weisen.

Ich

möchte aber noch einmal auf die Bemerkung zurückkommen, die ich schon
eingangs gemacht habe, daß wir nämlich ein neutrales, blockfreies Afghanistan
begrüßen würden und bereit wären, uns den Ländern jenes Raumes um Afghanistan
bei der Garantie anzuschließen, daß keine Intervention von dritter Seite
erfolgen wird.
Mag sein, daß die Verantwortlichkeit für die Rückkehr auf den Pfad
der Zusammenarbeit auf jenem Gebiet liegt - einer Zusammenarbeit, die
sicherlich ein wichtiges Ziel für die Vereinigten Staaten und, dessen bin
ich sicher, für ganz Europa darstellt.
FONTAINE: Glauben Sie, daß die Idee der Neutralisierung Afghanistans,
die von den Ministerpräsidenten der neun Länder Westeuropas vorgebracht
wurde, mit dazu beitragen kann, eine Lösung zu finden?
CHRISTOPHER: Ja, ich halte das für eine wertvolle Idee. Sie ist
sehr vielschichtig und es wird viel Zeit in Anspruch nehmen, sie voll auszuarbeiten.
Es gibt aber gewisse Anzeichen in der Rede Breschnews und gewisse
Anzeichen in Äußerungen Gromykos, daß die Sowjets willens sein könnten,
diese Idee zumindest weiter zu sondieren.

Was sie gesagt haben, erfordert

ein hohes Maß an Klarstellung, und die Rede Breschnews mag in mancher

�mancher Hinsicht nicht entgegenkommend sein, wie frühere Erklärungen.
Dennoch ist es unsere Pflicht, diese so sorgfältig wie nur möglich zu
prüfen und uns Gedanken darüber zu machen, wie ein Weg gefunden werden
kann, Afghanistan wieder in die Hände: der Menschen dieses Landes zurückzugeben,statt

es unter die Kontrolle der sowjetischen Armeen zu bringen.

WURSTER: Sie haben vorhin erwähnt, daß Sie bemüht seien, den Dialog
an verschiedenen Orten offenzuhalten. Es scheint mir aber augenfällig,
daß Ihr heißer Draht, oder wie immer Sie Ihr Telefon oder Ihren roten
Fernschreiber bezeichnen mögen, nicht benutzt wird.
Können Sie sich vorstellen, daß ein Dritter zu erfolgreichen Schlichtungsbemühungen beitragen oder als Vermittler fungieren könnte?
CHRISTOPHER: Ja, ich kann mir eine Reihe von Dritten vorstellen,
die in dieser Hinsicht behilflich sein können. Einige der Länder in jenem
Raum könnten sehr hilfreich sein. Wir würden ihre Vermittlerdienste sehr
begrüßen, solange sie einsehen, daß das, was wir hierbei zu erreichen
suchen, der Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan und die Schaffung
eines blockfreien Staates ist, der seinem Volk ermöglicht, seine eigenen
Rechte wahrzunehmen.
JENKINS:

Herr Christopher, es gab sehr viele Diskussionen um die Frage,

was die angemessene Arbeitsteilung zwischen der europäischen und der amerikanischen Seite des Bündnisses wäre. Aber würden es die Vereinigten Staaten
gerne sehen, wenn der europäische Teil der NATO eine militärische Rolle
außerhalb ihres derzeitigen Gebietes spielen wollte?
CHRISTOPHER:

Nach meinem Dafürhalten werden die Länder der NATO

sicherlich wichtige Hilfe außerhalb der NATO leisten.

Das Bündnis als

Ganzes - das ist wirklich eine Frage des Bündnisses selbst. Wir glauben
aber, daß es - wie Sie sagen - eine Rolle für Arbeitsteilung gibt, während

- 17 -

�während wir dabei sind, unsere Streitkräfte im südwestasiatischen Raum
und im Gebiet des Persischen Golfs zu verstärken.
BRUGSMA:
Außenminister.

Und jetzt eine letzte Frage von mir, Herr stellvertretender
Welche Rolle soll Europa bei dieser Arbeitsteilung spielen?

CHRISTOPHER:

Die Rolle der Europäer konnte darin bestehen, uns in die

Lage zu versetzen, das Recht zu erlangen, verschiedene Territorien zu überqueren, uns bei der Erlangung von Einrichtungen und Anlagen in einigen
Ländern im Nahen Osten zu helfen, zu denen Sie besonders starke Beziehungen
unterhalten.

Ich kann mir Länder in Europa vorsellen, die ihre eigene

Stärke im Nahen Osten verfestigen.
Ich möchte aber sagen, daß der Hauptinhalt dessen, was wir zusammen
tun können, die Stärkung unserer Verteidigung ist - durch Stärkung der
NATO und durch Verringerung unseres Energieverbrauchs.

Das sind die beiden

Dinge, die den Westen stark machen und in die Lage versetzen werden, seine
Position in der Welt zu wahren.

+ + + + +

- 18 -

�Information

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. März 1980

14

VON DER KONFRONTATION ZUR ANNÄHERUNG DER MEINUNGEN
US-Sonderbotschafter Gerard Smith zu den Ergebnissen der
Konferenz über Kernbrennstoffzyklen und die Risiken
nuklearer Proliferation

- (AD) - Die von der "Internationalen Konferenz über die Bewertung
von Kernbrennstoff-Zyklen (INFCE)" veranlaßten Studien haben in amerikanischer Sicht das Bewußtsein für die politischen Risiken der Nukleartechnologie in der ganzen Welt geschärft. Die Ergebnisse, die unter Führung
eines technischen Koordinierungsausschusses von acht Fachgruppen im Verlauf
von zwei Jahren erarbeitet wurden, liegen jetzt in einer neunbändigen Studie
vor. Sie wurden in den Hauptpunkten auf der abschließenden Plenartagung
in Wien (25.-27. Februar 1980) erörtert.
Die INFCE-Organisation, die auf Anregung Präsident Carters vor
etwas mehr als zwei Jahren als Studien- und Beratungsgremium geschaffen
wurde und der 66 Länder sowie fünf internationale Organisationen angehörten,
bemühte sich in zahlreichen Untersuchungen und Analysen um die Klärung
nuklearwirtschaftlicher und nukleartechnischer Fragen im Zusammenhang mit

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex: 08-85432

�mit den Risiken einer Weiterverbreitung von Kernwaffen (nukleare Proliferation)
als Folge der Entwicklung und des fortgesetzten Gebrauchs von Kernkraft.

Sie

hatte nicht die Aufgabe, als Verhandlungsrunde zu fungieren, die einen für
Regierungen bindenden Vertragstext ausarbeitet.

Es galt vielmehr, ungeachtet

der unterschiedlichen Einzelinteressen Experten und Wissenschaftler der
beteiligten Länder zu Wort kommen zu lassen und unter Vermeidung von Polemik
nach Wegen zu suchen, die die Nutzung von Kernkraft in größerem Umfang
ermöglichen und dennoch die Risiken nuklearer Proliferation auf ein Minimum
beschränken.

INFCE hat sowohl Regierungen als auch den mit Atomenergie

befaßten internationalen Organisationen wichtige Anregungen geben können.
Sonderbotschafter Gerard Smith, der Leiter der amerikanischen Delegation
für die Abschlußtagung in Wien, unterstrich in seinem Resümee den nützlichen
und konstruktiven Charakter der Konferenz trotz der zutage getretenen
Meinungsunterschiede.

Smith erklärte am 25. Februar 1980 in Wien u.a.:

"Wir alle teilen die Überzeugung, daß Kernkraft notwendig ist, um
wertvolle, nicht regenerierbare Ressourcen zu schonen und in vielen Ländern
unerträgliche Abhängigkeiten von importierten fossilen Brennstoffen zu
vermindern.

Gewiß wollen wir alle auch sicherstellen, daß Kernkraft nur

unter Bedingungen erzeugt wird, die der Verringerung der Gefahren nuklearer
Proliferation auf ein Minimum dienlich sind.
Mehr als zwei Jahre lang haben sich Delegierte der hier versammelten
Länder und Organisationen gemeinsam und gründlich in einer bisher einzigartigen Aktion internationaler Zusammenarbeit bemüht. Wir haben unsere
besten Analytiker vereint, damit sie die verschiedenen Brennstoffzyklen,
deren Risiken und die Möglichkeiten prüfen, wie diese Risiken durch
institutionelle und technische Maßnahmen auf ein Mindestmaß veringert werden
könnten. Wir haben nach Mitteln und Wegen gesucht, die nuklearen Versorungsgarantien zu verbessern, und wir haben die Aufmerksamkeit auf die besonderne
Erfordernisse der Entwicklungsländer gelenkt.
Wir
- 2 -

�Wir hatten nicht die Aufgabe, über Lösungen zu verhandeln, sondern
Analysen der Auswirkungen verschiedener Technologie-Linien zu erarbeiten,
um sie den Regierungen an die Hand zu geben.
Staaten war INFCE ein Erfolg.

Nach Überzeugung der Vereinigten

Unser besonderer Dank sollte der Internationalen

Atomenergie-Organisation (IAEO) für ihre wertvolle Hilfe und Professor
Abram Chayes gelten, der in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des
Technischen Koordinierungsausschusses eine Schlüsselrolle dabei spielte,
den erfolgreichen und rechtzeitigen Abschluß dieser Bewertung sicherzustellen.

Wenn ich INFCE als Erfolg bezeichne, so soll das nicht heißen, daß
die Vereinigten Staaten oder irgendeine andere Nation mit allem übereinstimmen,
was in den Berichten gesagt wird.

Die Teilnehmer an INFCE haben als

Experten gearbeitet, die sich um Konsens bemühten.

Die Berichte sind das

Spiegelbild eines weiten Spektrums von Anschauungen, Urteilen und Standpunkten.

Sie enthalten beispielsweise die Standpunkte von Entwicklungs-

ländern,die sich den Zugang zu den Vorteilen der Kernkraft sichern wollen.
Sie enthalten ebenso die Anschauungen sowohl von Exporteuren als auch
Importeuren von Uran, Anreicherungsleistungen und Reaktoren.

Sie zeigen

die Standpunkte von Nationen wie z.B. meinem Land, die überzeugt sind, auf
vernünftige Weise Maßnahmen,die zwangsläufig zu einer Plutomium-Wirtschaft
führen, aufschieben zu können.

In der Mehrzahl der wesentlichen Punkte gelang es den Mitgliedern der
Arbeitsgruppen und des Technischen Koordinierungsausschusses, sich auf
eine bestimmte Meinung zu einigen.

In einigen Fragen jedoch wurde eine

solche Annäherung der Standpunkte nicht erreicht, und die verbleibenden
Meinungsunterschiede kommen in den Berichten zum Ausdruck.

Das gesamte

Verfahren hat, ohne die Atomkraftpolitik irgend einer Nation oder einer
Gruppe von Nationen zu rechtfertigen oder zu'kritisieren, eine gemeinsame
Basis von Fakten und Resultaten geschaffen, die unser Denken leiten,neue
internationale Verständigung auf politischer Ebene erleichtern und zur
Schaffung einer besser geordneten internationalen Gemeinschaft beitragen

- 3 -

�beitragen sollte, wenn wir uns darum bemühen, die Vorteile der Kernkraft
unter Bedingungen zu realisieren, die mit Non-Proliferations-Politik vereinbar sind.
In der festen Überzeugung, daß INFCE konstruktiv war, möchte ich auf
einige Dinge zu sprechen kommen, die uns besonders nützlich erscheinen,
und auch kurz auf ein paar Gebiete eingehen, wo unseres Erachtens Vorsicht
geboten ist... INFCE hat zu einer besseren Kommunikation zwischen den Ländern
mit Atomprogrammen und zu einem Abbau von Spannungen und Mißverständnissen
zwischen Liefer- und Verbraucherländern viel beigetragen.

Wir haben jetzt

mehr Verständnis für die Ziele, Erfordernisse und Interessen des anderen.
Wir alle sind jetzt besser über den weltweiten Atomenergiebedarf und die
nuklearen Ressourcen, die weltweite Besorgnis über die nukleare Proliferation
und über die technischen und institutionellen Probleme und Möglichkeiten
informiert, die vor uns liegen.

Wir hoffen, daß die IAEO unsere Resultate

gemeinsam mit allen interessierten Staaten prüfen wird, damit jene INFCEAufgaben benannt werden, die eine Weiterführung durch IAEO-Maßnahmen verdienen.
Innerhalb der INFCE wurde klar erkannt, daß Kernkraft jetzt und künftig
für viele unserer Volkswirtschaften von Bedeutung ist. Gleichzeitig
bestand weitgehend Übereinstimmung hinsichtlich der Existenz von ProliferationsRisiken im Zusammenhang mit Kernkraft und der Notwendigkeit von Maßnahmen,
die solche Risiken erträglicher machen und durch die man sie besser in den
Griff bekommt. Wir alle wissen, daß Proliferation im Grunde eine politische
Angelegenheit ist, und daß eine Nation, die sich zur Entwicklung nuklearer
Sprengsätze entschließt, dies ohne Mißbrauch ziviler Atomkraftanlagen tun
kann. INFCE hebt jedoch die Möglichkeit zum Mißbrauch solcher Anlagen hervor
und verweist darauf, daß es deshalb wichtig sei, künftige Brennstoffzyklen
unter sorgfältiger Beachtung der Proliferationsrisiken zu planen. Die
Vereinigten Staaten haben erkannt, daß solche Risiken in jedem BrennstoffZyklus liegen. INFCE hat keine einzige technische Lösung aufgezeigt, die

- 4 -

�die solche Risiken ausschaltet. Aber die Konferenz identifizierte eine
Anzahl wichtiger positiver Faktoren,die für die künftige Planung nützlich
sind.
Wir akzeptieren den INFCE-Standpunkt, daß Verallgemeinerungen hinsichtlich
vergleichender Proliferationsrisiken der verschiedenen Brennstoffzyklen
unangebracht sind. Wir haben beispielsweise Verständnis dafür, daß bei
einem Vergleich zwischen der Proliferations-Resistenz des Leichtwasserreaktors
mit seinem Kernbrennstoff-Zyklus des einmaligen Durchsatzes und alternativen
Brennstoffzyklen auch der Standort und die Art der Urananreicherungsanlagen sowie die Art und Weise in Betracht gezogen werden müssen, wie diese
gegen Mißbrauch gesichert sind.
Ich glaube, wir alle wissen, daß es im Zusammenhang mit für Waffen
geeigneten Materialien und den Technologien zu deren Produktion erhebliche
Risiken gibt. Dies sollte helfen, die Zukunft der Kernkraft in sicherere
Richtungen zu steuern.. Neue Schutzmaßnahmen unter Einschluß verbesserter
Sicherungen, jedoch nicht nur diese, sind erforderlich, um Brennstoffzyklen
gewachsen zu sein, die leichten Zugang zu erheblichen Mengen von waffenfähigem Material bieten.
Wir sind uns jetzt der langfristigen Auswirkungen mittelfristiger
Aktionen besser bewußt und schicken uns bereits an, die Verwendung waffenfähiger Materialien in Reaktoren zu begrenzen, wenn diese Verwendung nicht
unbedingt notwendig ist.

Ein Beispiel dafür ist der kürzlich eingebrachte

Antrag, Forschungsreaktoren auf Kernbrennstoff mit geringerem Anreicherungsgrad umzustellen.
Ein einziger Brennstoffzyklus wird den Erfordernissen aller Nationen
nicht gerecht werden können. Unterschiedliche Gegebenheiten bei den
einzelnen Nationen verlangen eindeutig unterschiedliches Vorgehen. So
wird beispielsweise die Notwendigkeit und der Zeitpunkt für eine Brüter-

- 5 -

�Brüter-Entwicklung bei den einzelnen Ländern entsprechend ihrer technischen
Infrastruktur, dem Umfang ihres Stromverteilernetzes, dem Vertrauen in die
Verfügbarkeit von Uranressourcen und anderen Faktoren variieren

Besonders

wichtig ist die Relation zwischen Strombedarf und der Verfügbarkeit sowie
dem Preis von Uran.
Hinsichtlich der Rohstoff-Frage leistete meines Erachtens INFCE
gute Dienste in der Bewertung der Faktoren, die für die Aussichten auf
die Verfügbarkeit von Natururan von Bedeutung sind. Auf der Bedarfsseite
wird es notwendig sein, die in der INFCE-Konferenz erarbeiteten Schätzdaten
von Zeit zu Zeit zu überprüfen. So kam es beispielsweise seit Aufstellung
dieser Schätzdaten vor zwei Jahren zu einem erheblichen Rückgang bei Reaktoraufträgen und von langwierigen Verzögerungen in der Bauausführung. Für
die Vereinigten Staaten, die einen hohen Anteil am Gesamtbedarf haben, führte
dies zu einer Minderung der für 1995 vorausgesagten Nuklearkapazität um
30 Prozent. Da die Dringlichkeit des Baues zusätzlicher BrennstoffzyklusAnlagen und der Einführung neuer Technologien von der Relation zwischen
Bedarf und Angebot abhängt, ist es wichtig, Schätzungen auf dem jeweils
neuesten Stand zu halten.
Bedarfs- und Angebotsrelationen sind auch wichtigem beurteilen
zu können, ob es genügend und angemessene Anreicherungsdienste gibt« Wir
dürften uns darüber einig sein, daß zumindest bis Mitte der neunziger Jahre
eine ausreichende Anreicherungskapazität vorhanden ist. Neue Kapazitäten
können rechtzeitig in Betrieb genommen werden, um den nach diesem Zeitpunkt
sich ergebenden Bedarf zu decken.
Wiederaufarbeitung, Rückführung von Plutonium in Hochtemperaturreaktoren
und die Notwendigkeit sowie der Zeitplan für Brutreaktoren waren Schlüsselfragen im INFCE-Forum. Aus unserer Perspektive ergeben sich mehrere wichtige
Einsichten: Während Wiederaufarbeitung in einigen Ländern als der Weg zur
Behandlung verbrauchten Kernbrennstoffs bevorzugt wird, macht die INFCE-

�INFCE-Bewertung deutlich, daß es andere Möglichkeiten gibt. Verbrauchter
Kernbrennstoff kann mittel- oder langfristig sicher gelagert werden, und
eine Endlagerung ohne Wiederaufarbeitung scheint sowohl aus wirtschaftlichen
Gründen als auch aus Gründen der Non-Proliferation eine realistische Möglichkeit
zu sein. Ich hebe diesen Punkt hervor, weil ich glaube, daß Nuklearenergie
nur davon profitieren kann, wenn hinsichtlich der im Zusammenhang damit
eingeschlagenen Wege Flexibilität vorhanden ist. Die große Mehrheit der
INFCE-Teilnehmer teilte die Auffassung, daß aus wirtschaftlichen Gründen
Wiederaufarbeitungsanlagen, wenn sie gebaut werden, ebenso wie Anreicherungsanlagen als große Betriebe konzipiert sein sollten. Und abgesehen von der
Wirtschaftlichkeit ist die Größenordnung aus Gründen der Non-Proliferation
ein wichtiger Faktor. Außerdem lohnt es sich, hier die übereinstimmende
Meinung aller Beteiligten zu vermerken, daß der wirtschaftliche Nutzen einer
Plutoniumrückführung in Leichtwasser-Reaktoren günstigstenfalls gering sein
wi rd.
Die INFCE-Arbeitsgruppen kamen zu dem Schluß, daß wirksame internationale
Sicherungsmaßnahmen ein wesentliches Merkmal für Anlagen für den nuklearen
Brennstoffzyklus darstellen. Die besondere Notwendigkeit der Anwendung
wirksamer Sicherungen - insbesondere für die sensitiven Phasen des Brennstoffkreislaufs wie Anreicherung, Wiederaufarbeitung und Herstellung von
Kernbrennstoff unter Verwendung von Plutonium oder stark angereichertem Uran wurde unterstrichen. Man fordert die Einbeziehung einer Planung für Sicherungsmaßnahmen schon in die allerersten Stadien der Bauplanung. Es wurde betont,
wie wichtig es sei, der Erprobung und Optimierung neuer, verbesserter
Sicherungsverfahren für die sensitiven Phasen des Brennstoffkreislaufs
höchste Priorität zu geben.
In diesem Zusammenhang möchte ich hervorheben, welch große Bedeutung
die Vereinigten Staaten der Anwendung wirksamer Sicherungsmaßnahmen der
Internationalen Atomenergie-Organisation in allen zivilen Nuklearanlagen
beimessen.

Für ebenso wichtig halten sie es, daß die IAEO zusätzliche Mittel,

- 7 -

�Mittel, mehr ausgebildetes Personal und die politische Unterstützung erhält,
die sie zur Wahrnehmung ihrer sich ausweitenden Sicherungsaufgaben benötigt.
Wenn auch Sicherungsmaßnahmen allein nicht ausreichen, um Proliferationsrisiken aus sensitiven Brennstoffzyklus-Phasen so gering wie möglich zu
halten, sind wir doch von der Notwendigkeit umfassender Sicherungsaktivitäten
überzeugt, wenn die Kernenergie die ihr angemessene Rolle bei der Deckung
des Weltenergiebedarfs spielen soll.
Die Teilnehmer schienen die Ansicht zu teilen, daß die gegenwärtig
bestehenden Beschränkungen hinsichtlich einer Wiederaufarbeitung und des
abgetrennten Plutoniums durch andere Schutzmechanismen verstärkt werden
müssen.

So wurde beispielsweise bei der Erörterung der besonders ernsten

Besorgnisse im Zusammenhang mit abgetrenntem Plutomium empfohlen, künftig
besonders aufmerksam darauf zu achten, daß überschüssiges Plutonium
internationaler Kontrolle unterstellt wird.

Die Vereinigten Staaten sind

bereit zur Zusammenarbeit, um ein wirksames internationales Verfahren der
Plutonium-Lagerung zu schaffen.

Wir beteiligen uns außerdem an der Studie

der IAEO über internationale Vorkehrungen zur Lagerung verbrauchter Brennelemente.
Die Notwendigkeit von Brutreaktoren und die Aussichten dieser Technologie
erfahren verständlicherweise große Aufmerksamkeit angesichts dessen, was
sie verheißen,und des Interesses, das einige Nationen an dieser Technologie
haben. Zweifellos könnten, langfristig gesehen, die Uranreserven durch
Brutreaktoren auf dramatische Weise gestreckt werden. Dies ist der Grund
für die hohen Investitionen, die die Vereinigten Staaten und andere Länder
für die Brüterentwicklung und für die Analyse der Möglichkeiten zu einer
technischen Realisierung, der wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Technologie
sowie ihrer Auswirkungen auf die nukleare Proliferation aufwenden. Jedenfalls gibt es keinen Brüter ohne seine hohen Kosten, seine Risiken und
Ungewißheiten. Von diesen sind einige im Bericht der Arbeitsgruppe Fünf
aufgeführt, wenn auch dieser Bericht erheblich mehr auf die positiven

�positiven Aspekte der Technologie ausgerichtet ist. Wir nehmen zur Kenntnis,
daß der Bericht zu dem Schluß kommt, die Entwicklung und Stationierung von
Brutreaktoren sei für .Nationen mit bescheidenen Atomkraftprogrammen
wirtschaftlich wohl kaum attraktiv.

INFCE vermittelte wertvolle Einsichten in

die speziellen Bedürfnisse von Entwicklungsländern.

Wir hoffen, daß die

IAEO als Teil ihrer Anschluf3maßnahmen mit besonderem Nachdruck Empfehlungen
verfolgt, die für die Dritte Welt von größtem Interesse sind.
Bei der Prüfung möglicher Proliferationsrisiken, die sich aus den
verschiedenen Wegen zur Nutzung von Kernkraft ergeben, befaßten sich die
INFCE-Berichte ausgiebig mit denkbaren Maßnahmen zur Verringerung solcher
Risiken. Man kam allgemein zu dem Resultat, daß eine Kombination von
neuen Sicherungsaktivitä'ten, technischen und institutionellen Maßnahmen wie
z.B. der Schaffung multinationaler Unternehmen, einen verheißungsvollen
Weg darstellen. Es wird große Anstrengungen seitens vieler Nationen erfordern,
um solche Maßnahmen bis zu dem Zeitpunkt durchzusetzen, an dem sie notwendig
sind, damit in angemessener Weise den Proliferationsrisiken im Zusammenhang
mit sensitiven Anlagen begegnet werden kann. Wir müssen jetzt handeln,
nachdem schon viel zu lange darüber geredet worden ist.
Schließlich hat INFCE auch eine Anzahl wichtiger Empfehlungen auf dem
Gebiet der nuklearen Versorgung gegeben, die in künftigen Regierungsentscheidungen vorrangig berücksichtigt werden sollten.

Demnach muß ein Land

mit einem Atomkraftprogramm vertrauensvoll z.B. hinsichtlicn der ReaktorBrennstoffversorgung und der Entsorgung für verbrauchten Kernbrennstoff
vorausplanen können.

Wir sind alle der Meinung, daß es von entscheidender

Bedeutung sein wird, ein hohes Maß an Vertrauen und Stabilität in den
Beziehungen bei der nuklearen Versorgung

zu erhalten, wenn die Kernkraft

eine lebensfähige Energiequelle bleiben und die verfrühte Ausbreitung
sensitiver Anlagen verhindert werden soll.

Den Berichten der Arbeitsgruppen

ist zu entnehmen, daß man der Notwendigkeit einer besseren Vorhersehbarkeit
der Bedingungen für eine Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen und den nach-

- 9 -

�nachteiligen Folgen abrupter oder einseitiger Veränderungen in der Versorgungslage besondere Aufmerksamkeit widmet.

Andererseits erkennen die Berichte an,

daß von den Lieferstaaten nicht zu erwarten ist, an einer starren Politik
festzuhalten oder Situationen zu ignorieren, die Anstrengungen zur Verhinderung
einer Proliferation nuklearer Sprengsätze ernstlich erschweren.
Die in den Berichten erhobene Forderung nach einem höheren Grad von
Sachgerechtigkeit und Voraussehbarkeit in den Handelsbedingungen auf
nukleartechnischem Gebiet stellt uns eine bedeutsame Aufgabe. Die Vereinigten
Staaten sind überzeugt, daß dieses Ziel erreichbar ist, und wir beabsichtigen,
unsere Energien und Ideen dafür einzusetzen, dieser Aufgabe baldmöglichst
gerecht zu werden."

+ + + + +

'.,

10 -

�I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

5. März 1980

DIE SOWJETISCHE INTERVENTION IN AFGHANISTAN - MOSKAU AUF DER SUCHE
NACH EINEM VORWAND
Von Marshall Shulman
Mit freundlicher Genehmigung von World Paper
Copyright: World Paper 1980
Die sowjetische Invasion und Besetzung Afghanistans hat die internationale Landschaft für die nächste Zeit beträchtlich verändert.

Für die Vereinig-

ten Staaten ist es bedauernswert, daß die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen als Folge von Moskaus schlechtberatenem Kurs gelitten haben. Aber während
die weiterreichenden Folgen des sowjetischen Rückgriffs zur Gewalt gegen einen
bündnisfreien Nachbarn deutlich werden, ist es - weltweit gesehen - die Stabilität des internationalen Systems selbst, die gelitten hat. Alle Länder sind
weniger sicher, wenn ein einziges Land seine Souveränität und Unabhängigkeit
durch die sowjetische Aggression verliert.
Es wird wahrscheinlich niemals möglich sein, all die Berechnungen zufriedenstellend zu rekonstruieren, die in Moskaus Entscheidung einflössen.

Deut-

lich ist, daß es irgendwann einmal grobe Fehleinschätzungen gab - oder vielleicht sogar während all der Monate, in denen Moskau seine Intervention vorbereitete.

Für denjenigen, der sich mit der sowjetischen Außenpolitik auseinan-

dersetzt, ist indessen überraschend, daß man dabei versagte, eine plausible Er-

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�Erklärung parat zu haben, die den extremen Schritt einer bewaffneten Invasion
rechtfertigen könnte.

Die sowjetische Version der Ereignisse fiel immer dann

in sich zusammen, sobald sie dem prüfenden Urteil unterzogen wurde, und machte
es dem Analytiker und dem Politiker unmöglich, mehr als nur Vermutungen darüber
anzustellen, was wirklich zu dem Coup vom 27. Dezember gegen Präsident Hafizullah
Amin führte

und was es für die zukünftigen sowjetischen Absichten bedeutet.

Vielleicht ist es erhellend, einige der Widersprüchlichkeiten der Moskauer
Erklärungen zu untersuchen und an dem zu messen, was über die Ereignisse in Kabul
bekannt ist.

Der Kern der offiziellen sowjetischen Erklärungen an die Vereinig-

ten Staaten und viele andere. Regierungen bestand angeblich darin, daß ihre militärischen Streitkräfte von der afghanischen Regierung eingeladen wurden, um ihr
in einem Kampf gegen äußere Kräfte beizustehen.

Dies spricht den überwältigen-

den Beweisen dafür Hohn, daß die sowjetische Invasion in erster Linie die Absicht hatte, einen Volksaufstand gegen eine repressive Regierung zu unterdrücken.
Man könnte der sowjetischen Version leichter Glauben schenken, wären die
Ereignisse in jener Nacht des 27. Dezember während der sowjetischen Übernahme
glatter abgelaufen. Afghanische Truppen jedoch, die loyal zu Präsident Amin
standen, eröffneten einen harten Kampf gegen die Sowjets, die ihn im DurulamanPalast am Rande von Kabul angriffen und ihn töteten. Hunderte von Toten auf
beiden Seiten gaben Zeugnis für den afghanischen Widerstand gegen ein von den
Sowjets eingesetztes Regime ab. Vielleicht wäre der Widerstand ohne sowjetische
Täuschung noch größer gewesen: Die afghanischen Streitkräfte wurden zum Teil
durch sowjetische Militärberater auf dem Kampfplatz neutralisiert, die vorgaben, Afghanistan zu helfen - ein anschauliches Beispiel für andere Länder - wo
sowjetische Militärberater anwesend sind.
Andere Aspekte des Coups waren ebenfalls nicht gerade perfekt in Einklang gebracht. Eine auf Tonband aufgenommene Meldung des Exilkommunisten
Babrak Karmal, der von Moskau als Instrument ausgewählt worden war, wurde von
einem Sender auf sowjetischem Territorium ausgestrahlt. Die Meldung über den

- 2 -

�den Coup kam angeblich von Radio Kabul, das in Wirklichkeit von sowjetischen
Truppen belagert wurde.

Erst mehrere Stunden später sendete der echte Sender

Kabul die Meldung - und erst mehrere Tage später zeigte sich Babrak Kamal
öffentlich im Land.

Es war dies ein hervorragendes Beispiel für eine schief-

gelaufene sowjetische Bühneninszenierung.

Eine weitere Widersprüchlichkeit in der Serie der Ereignisse, die den
Coup begleiteten, war der unerklärliche Tod von Viktor Paputin, dem Ersten
Stellvertretenden Innenminister: der Sowjetunion.

Paputins Anwesenheit in

Kabul wurde Anfang Dezember festgestellt, obgleich über seine Mission keine
offizielle Erklärung abgegeben wurde.

Die nächste öffentliche Erwähnung

Paputins geschah Anfang Januar in der "Prawda" - in einer Todesanzeige.

Die

Todesanzeige stand an weit weniger ins Auge fallender Stelle,als dies bei
Paputins Stellung zu erwarten gewesen wäre, und es wurden auch keine Einzelheiten über seinen Tod bekanntgegeben - lediglich das Datum: 28. Dezember
1979, der Tag nach dem Coup in Afghanistan.

Wenn der sowjetische Anspruch, zur Invasion eingeladen worden zu sein,
dürftig ist, so ist es auch das Argument, daß Afghanistan durch äußere Kräfte
bedroht gewesen sei.

Erst Wochen nach der Invasion und erst infolge der Ab-

stimmungen in den Vereinten Nationen zur Verurteilung Moskaus (12 : 2 im
Sicherheitsrat, 104 : 18 in der Vollversammlung) entwickelte die sowjetische
Propaganda diese hohle Anschuldigung.

Am 19. Januar sprach Alexeij Petrow in

einem Leitartikel der "Prawda" von "zehntausenden" von Söldnern, die angeblich vor der sowjetischen Invasion an den Kämpfen in Afghanistan beteiligt gewesen seien.

Dennoch brachte die frühere afghanische Regierung zu keiner Zeit

eine Klage bei den Vereinten Nationen vor, und die Tatsachen zeigen an, daß
der Widerstand gegen die von Amin geführten Kommunisten im wesentlichen eine
einheimische, selbständige Bewegung islamischer Nationalisten war.

Petrow

behauptete auch, die Namen zweier Schiffe zu kennen, die angeblich afghanische
Rebellen, die von Pakistan aus operierten, mit Waffen versorgten.
hauptungen verdrehen den wahren Sachverhalt:

Seine Be-

Die meisten der von den Gegnern

des "revolutionären" Regimes benutzten Waffen, das 1978 zur Macht kam, waren

- 3 -

�waren sowjetischer Herkunft und von der afghanischen Armee gestohlen; später
konnten sie erlangt werden, weil afghanische Militäreinheiten in großem Umfang
desertierten.
Keine sowjetische Intrigengeschichte ist vollständig ohne das amerikanische Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA) - und so klebte Petrow dem
bekannten amerikanischen Anthropologen Louis Dupree, der in Pakistan lebt
und dessen Hunderte von Freunden in dieser Gegend wissen, daß diese Behauptung falsch ist, einfach ein CIA-Etikett an.

Eine sogar noch erstaunlichere

Anschuldigung hinsichtlich CIA-Verbindungen war eine Sendung von Leonid
Samjatin, einem führenden Propagandisten des Stabs des Zentralkomitees der
WdSU Ende Januar im Moskauer Fernsehen.

Samjatin behauptete, Präsident

Hafizullah Amin sei ein CIA-Agent gewesen, der die Revolution betrügen wollte.

Es gelang Samjatin jedoch nicht, zu erklären, warum ein CIA-Agent ver-

sucht haben sollte, seinem Land ein marxistisches Regime aufzuzwingen - wie
Amin es getan hatte.

Es gelang Samjatin auch nicht, zu erklären, warum ein

CIA-Agent um eine massive sowjetische Militärintervention hätte ersuchen sollen - was Amin der sowjetischen Propaganda nach ausgerechnet vor seinem Tod
getan haben soll.

Man kann nur feststellen, daß es Präsident Breschnew

- nicht Präsident Carter - war, der Amin zu seiner "Wahl" zum Präsidenten
von Afghanistan im September 1979 gratulierte.
Die Versuche zur Diskreditierung Amins und die erfundenen sowjetischen
Behauptungen über äußere Kräfte, die Afghanistan bedrohten, weisen auf eine
Mutmaßung über die echten Gründe für die sowjetische Invasion hin. Die Sowjetunion bemerkte eine allmähliche Verschlechterung der innenpolitischen Lage
des marxistischen Regimes, das Präsident Daoud im April 1978 abgesetzt hatte,
und verlor die Geduld mit Amins Gruppe, die sich weigerte, sowjetischen Rat
anzunehmen, wie das Land zu regieren sei. Nicht gewillt, den Ereignissen
ihren eigenen Lauf zu lassen, setzten die Sowjets durch bewaffnete Intervention eine Marionettenregierung ein. Die große Gefahr besteht darin, daß sie
damit Erfolg haben und dies den sowjetischen Appetit auf ähnliche Aggressionen
anderswo anregt.
Die
- 4 -

�Die Antwort des afghanischen Volkes und der gesamten internationalen
Gemeinschaft gibt Grund für die Hoffnung, daß der sowjetische Schritt in
Afghanistan keinen Erfolg haben wird.

Ist dieser weitverbreitete Widerstand

erst einmal von Moskau erkannt und sind die sowjetischen Streitkräfte zurückgezogen, kann die Aufgabe des Wiederaufbaus der erschütterten internationalen
Stabilität von neuem beginnen.

+ + + + +

- 5 -

�Wi//en/chaft
und Technik

I

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Embassy of the United States of America

5. März 1980

14

US-REGIERUNG FÖRDERT BAU VON HYDRIERWERKEN
Gas und Benzin aus Kohle mit teilweise neuen Verfahren

- (AD) - Pläne zum Bau einer Demonstrationsanlage für Kohlevergasung
im US-Bundesstaat Tennessee gab jetzt das amerikanische Energieministerium
bekannt.

Sobald der genaue Standort feststehe, könne, wie Energieminister

Charles W. Duncan erklärte, das 700-Millionen-Dollar-Projekt in Angriff genommen werden.

Die Anlage soll stark schwefelhaltige Kohle aus den

amerikanischen Oststaaten in Gas umwandeln, das für die industrielle Verwendung geeignet ist. Man hoffe, das Synthesegas ab 1984 in Versorgungsleitungen einspeisen zu können.

Das amerikanische Energieministerium werde

außerdem Studien für eine weitere Kohleveredelungsanlage im benachbarten
Kentucky finanzieren.

Während beim erstgenannten Betrieb die Stadt Memphis

Partner Washingtons ist, wird es in Kentucky die W.R. Grace

Company sein.

In dieser zweiten Anlage, in der neben bereits bewährten Verfahren wie z.B.
dem Lurgi-Prozeß auch völlig neue Technologien angewandt bzw. erprobt
werden sollen, will man Kohle zunächst in Gas umwandeln und dieses dann
zur Benzinproduktion nutzen.

Unter Umständen wird das Versuchswerk zu einer

kommerziellen Großanlage bei Gesamtinvestitionen in der Größenordnung von

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�von drei Milliarden Dollar ausgebaut.
Das amerikanische Energieministerium fördert nach Aussage des Fachministers Test- und Demonstrationsanlagen verschiedener Art, um die bestmöglichen Verfahren zur Verwertung der nach Art und Qualität recht unterschiedlichen amerikanischen Kohlearten zu finden.

Im Werk Memphis will man

das sogenannte U-Gas-Verfahren anwenden, das vom Institut für Gastechnologie
in Chicago entwickelt wurde und sich vor allem für die Verwertung von Kohle
aus den amerikanischen Oststaaten eignet, die leicht verbackt und darauf
nicht eingerichtete Vergasungsanlagen bald blockiert.

Um das Verbacken zu

verhindern, werden der Retorte von unten her Wasserdampf und Sauerstoff zugeführt und mit fein gemahlener Kohle "verwirbelt".

Die Anlage würde pro Tag

3 100 Tonnen stark schwefelhaltige Kohle in 4,3 Millionen Kubikmeter Gas
von mittlerem Heizwert umwandeln.

Dieses erreicht zwar nicht den Wirkungs-

grad von Erdgas, eignet sich jedoch zum Beheizen von Kesseln in zwei riesigen
Industriekomplexen, in deren Nähe die Vergasungsanlage erbaut werden soll.
In der Anlage von Kentucky, für die das Energieministerium vorläufig
12 - 16 Millionen Dollar bereitstellt, will man für die Benzingewinnung aus
Kohle zwei neue Verfahren kombinieren. Das Synthesegas, eine Mischung aus
Kohlenmonoxid und Wasserstoff, wird zu anderen Produkten weiterverarbeitet.
Die Fa. W.R. Grace beabsichtigt, das erste Produkt, Kohlegas, nach dem
Einschleusungsverfahren der Texaco Oil Company herzustellen. Im Gegensatz
zum U-Verfahren wird Kohle zunächst mit Wasser aufgeschlämmt und die Masse
dann mit hoher Geschwindigkeit durch den Reaktor geführt. Das Produktgas
wird für weitere Reaktionen zur Herstellung von Methanol genutzt. Anschließend soll mit einem neuen, von der Mobil Oil Company entwickelten
Verfahren unter Einsatz eines Katalysators Methanol in Benzin hoher Oktanzahl umgewandelt werden. Dieser Prozeß wurde bereits in einem Betrieb der
Mobil Oil in New Jersey demonstriert. Zur Zeit werden Pläne ausgearbeitet,
um eine nach diesem Verfahren arbeitende Anlage mit einer Tagesproduktion
von knapp 16 000 Litern Benzin in der Bundesrepublik Deutschland zu bauen.
Vertreter

�Vertreter der Fa. W.R. Grace schätzen, daß ca. 29 000 Tonnen hochschwefelhaltiger Kohle pro Tag erforderlich wären, um daraus täglich 16 000 Tonnen
Methanol herzustellen, das wiederum in 11,95 Millionen Liter Benzin umgewandelt würde. Der Preis für "M-Benzin" dürfte, vor Steuern und Verteilungskosten, bei knapp 48 Cents pro Liter liegen.

Den Preis von Kohlegas aus

dem U-Vergasungsverfahren wird 1985 ungefähr dem von Erdgas entsprechen oder
geringfügig niedriger sein. Vertreter der Industrie in Memphis nehmen an,
daß sie für das Synthesegas ebensoviel zu zahlen hätten wie für das öl, das
sie jetzt verfeuern.

Robert Porter vom amerikanischen Energieministerium

erklärte, die Bundesregierung unterstütze die beiden Projekte vor allem
deshalb, weil "wir überzeugt sind, daß sich damit Brennstoff produzieren
läßt, der ab 1985 mit Importöl konkurrieren kann".

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede des amerikanischen Außenministers Vance vor dem "Chicago Council"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interview des Stellvertretenden US-Außenministers mit dem holländischen Fernsehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Von der Konfrontation zur Annäherung der Meinungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Sonderbotschafter Gerard Smith zu den Ergebnissen der Konferenz über Kernbrennstoffzyklen und die Risiken nuklearer Proliferation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die sowjetische Intervention in Afghanistan - Moskau auf der Suche nach einem Vorwand&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Marshall Shulman -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mit freundlicher Genehmigung von World Paper&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung fördert Bau von Hydrierwerken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gas und Benzin aus Kohle mit teilweise neuen Verfahren -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
\oN

^
März

1986

I N H A L T

i
DOKUMENTATION
Reagan: Nationale Stärke muß aufrechterhalten werden
- Rede des Präsidenten zur nationalen Sicherheit KVAE, KSZE und die US-Slcherheltspolitik in Europa
- Rede von US-Botschafter Robert L. Barry in Bern -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Reagan-Strategie für die Zukunft
- Arbeitspapier des Weißen Hauses zur Rede des
Präsidenten UDSSR wegen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit gegen SDI
- Robert Dornan im Foreign Press Center -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

#

Dokumentation
5. März 1986

REAGAN: NATIONALE STARKE MUSS AUFRECHTERHALTEN WERDEN
- Rede des Präsidenten zur nationalen Sicherheit -

WASHINGTON - (AD) - In einer Ansprache an das amerikanische Volk forderte Präsident Reagan am 26. Februar 1986 Unterstützung für den von der Administration beim Kongreß beantragten Verteidigungshaushalt.
Reagan sagte unter anderem, daß "die letzten fünf Jahre
gezeigt haben, daß Amerikas Stärke in einer gefahrvollen Welt
wieder ihre schützende Hand über die Freiheit ausbreitet.
Stärke ist das überzeugendste Argument, das wir besitzen, um
unsere Gegner von der Notwendigkeit von Verhandlungen und der
Beendigung von Einschüchterung anderer Staaten zu überzeugen".
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger, heute abend wende ich mich
an Sie, um über meine höchste Pflicht als Präsident zu sprechen - die Erhaltung des Friedens und die Verteidigung der
Vereinigten Staaten.
Bevor ich dies

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Tel.: 0228-339 2035
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�Bevor ich dies tue, möchte ich jedoch für einen Augenblick
auf die Situation in den Philippinen zu sprechen kommen. Wir
sind gerade Zeugen einer bewegenden Demonstration dessen geworden, was Männer und Frauen, die demokratischen Ideen verpflichtet sind, erreichen können. Das bemerkenswerte Volk
dieser 7000 Inseln hat sich im Vertrauen auf dieselben Ideale
vereint, auf denen Amerika gegründet wurde - daß Männer und
Frauen das Recht zur freien Bestimmung ihres Schicksals haben. Trotz einer entstellten Wahl ist das philippinische Volk
verstanden worden. Es hat seine Botschaft friedlich verbreitet und wurde im ganzen Land und in der ganzen Welt gehört.
Wir ziehen den Hut vor der von beiden Seiten gezeigten bemerkenswerten Zurückhaltung, um Blutvergießen während dieser
letzten, angespannten Tage zu vermeiden. Unsere Sympathien
sind mit Präsidentin Aquino und ihrer neuen Regierung, die nun
darangehen, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.
Heute feiert die Bevölkerung der Philippinen den Triumph der
Demokratie und die ganze Welt feiert mit ihr.
Man kann nicht in diesem Raum hier sitzen, Berichte der
Nachrichtendienste über die uns betreffende militärische Bedrohung lesen und Entscheidungen von Rüstungskontrolle über
Libyen bis zu den Philippinen treffen, ohne daß einen ständig
die Sorge um Amerikas Sicherheit beschäftigt.
Wir wissen, daß der Frieden die Bedingung ist, unter der
die Menschheit zu gedeihen bestimmt war. Jedoch: Frieden besteht nicht aus sich allein. Er hängt von uns ab - von unserem Mut, ihn aufzubauen, ihn zu schützen und ihn an zukünftige
Generationen weiterzugeben.
Die Worte George Washingtons mögen heute hart und kalt erscheinen, aber die Geschichte hat ihre Richtigkeit wieder und
wieder bestätigt: Auf den Krieg vorbereitet zu sein, hat er
gesagt, ist eines der wirksamsten Mittel, um den Frieden zu
erhalten .
Denjenigen, die meinen, daß Stärke Konflikte provoziert,
hat Will Rogers auf seine Weise geantwortet. Er hat von der
Welt eines Schwergewichtsmeisters seiner Zeit gesagt: Ich habe nie erlebt, daß jemand Jack Dempsey beleidigt hätte.
Die letzten fünf Jahre haben gezeigt, daß Amerikas Stärke
in einer gefahrvollen Welt wieder ihre schützende Hand über
die Freiheit ausbreitet. Stärke ist das überzeugendste Argument, das wir besitzen, um unsere Gegner von der Notwendigkeit
von Verhandlungen und der Beendigung von Einschüchterung anderer Staaten zu überzeugen.
Heute abend
- 2 -

�Heute abend jedoch ist das Sicherheitsprogramm, das Sie
und ich zur Wiederherstellung von Amerikas Stärke in Angriff
genommen haben, gefährdet - bedroht von jenen, die aufhören
wollen, bevor die Arbeit beendet ist. Jedes Nachlassen würde
zum jetzigen Zeitpunkt nur die Gefahren hervorrufen, die Amerika vermeiden muß; und es könnte unsere Verhandlungsposition
auf fatale Weise schwächen. Wie wir aus schmerzlicher Erfahrung wissen, respektieren unsere Gegner, die Sowjets, nur solche Staaten, die aus einer Position der Stärke verhandeln.
Amerikas Macht ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Weltfriedens - sie ist Amerikas letzte und größte Hoffnung für das
Aushandeln echter Reduzierungen von Atomwaffen. Während wir
gerade mit der Sowjetunion am Verhandlungstisch sitzen, sollten wir Amerikas besten Trumpf nicht aus der Hand geben.
Wir sollten uns daran erinnern, wo Amerika vor fünf Jahren
stand. Wir sollten uns die Atmosphäre dieser Zeit ins Gedächtnis zurückrufen - die Besorgnis, daß die Ereignisse unserer Kontrolle entglitten waren, über den Verfall des Westens
und darüber, daß unsere Feinde auf dem Vormarsch waren.
Es war nicht nur die Krise der Geiselnahme im Iran oder
die sowjetische Invasion in Afghanistan, sondern die von vielen unserer Freunde empfundene Furcht, daß Amerika seine Verpflichtungen nicht einhalten könne oder würde. Pakistan, das
von der afghanischen Invasion am meisten bedrohte Land, verspottete das erste Angebot amerikanischer Hilfe als "Erdnüsse". Andere Nationen meinten, es sei gefährlich, sogar tödlich, ein Freund der Vereinigten Staaten zu sein.
Es waren nicht nur Jahre zurückgehender Rüstungsausgaben,
sondern auch der Krise bei Rekrutierung und Erhaltung der
Mannschaftsstärke. Dazu kam die direkte Streichung von lebenswichtigen Programmen für unsere Sicherheit.
Zu dieser Zeit gab es Horrorgeschichten aus dem Pentagon
über Schiffe, die nicht einsatzfähig waren, über Flugzeuge,
die wegen Mangels an Ersatzteilen nicht flogen und über Heeresdivisionen, die nicht auf den Ernstfall vorbereitet waren.
Und da war nicht nur ein einseitiges Rüstungsabkommen, mit
dem einer Seite der Betrug leicht gemacht wurde, sondern ein
Vetrag, der sogar Steigerungen der nuklearen Arsenale ermöglichte. Sogar Befürworter des SALT II-Abkommens waren demoralisiert und sagten: nun, die Sowjets werden einfach keinem
besseren Abkommen zustimmen. Und als Präsident Carter den
Vertrag aufgeben mußte, weil führende Senatsmitglieder aus
seiner eigenen Partei ihm die Unterstützung verweigerten, besaßen die Vereinigten Staaten keine nationale Strategie zur
Kontrolle von Atomwaffen.
Wir wußten
- 3 -

�Wir wußten, daß unverzüglich Veränderungen nötig waren.
Und deshalb unternahmen wir folgendes:
Wir versprachen, zu zeigen, daß die lange Reihe von Regierungen, die kommunistischer Beherrschung zum Opfer gefallen
waren, jetzt ein Ende nehmen würde. Und wir tun dies.
Der Fall von Laos, Kambodscha und Süd-Vietnam brachte der
Sowjetunion eine strategische Position am Südchinesischen
Meer. Die Invasion in Afghanistan hat die Flugzeit zum Persischen Golf für die Sowjets fast halbiert. Kommunistische
Machtergreifungen in Süd-Jemen und Äthiopien öffneten den Sowjets den Zugang zum Roten Meer - dem Eingang zum Suez-Kanal.
Prosowjetische Regime in Mozambique und Angola stärkten die
sowjetische Position im südlichen Afrika; und schließlich bedeuteten Grenada und Nicaragua für Moskau zwei neue Brückenköpfe an der Türschwelle der Vereinigten Staaten.
In diesen letzten fünf Jahren ist kein Quadratzentimeter
an Territorium mehr verlorengegangen - und Grenada ist befreit
worden.
Als wir 1981 die Regierung übernahmen, hatten Guerillas in
El Salvador mit dem begonnen, was sie ihre "letzte Offensive"
nannten, um diese Nation in den zweiten kommunistischen Staat
auf dem nordamerikanischen Festland zu verwandeln. Viele behaupteten, die Situation sei hoffnungslos; sie verweigerten
ihre Hilfe. Wir teilten diese Meinung nicht; wir halfen.
Heute sind diese Guerillas auf dem Rückzug. El Salvador ist
eine Demokratie und Freiheitskämpfer bedrohen kommunistische
Regime in Nicaragua, Afghanistan, Angola, Kambodscha und
Äthiopien.
Wir versprachen, zu zeigen, daß das westliche Bündnis seine Sicherheitsbedürfnisse trotz sowjetischer Einschüchterung
erfüllen kann. Und wir tun dies. Viele behaupteten, daß der
Versuch, ein Gegengewicht gegen die sowjetischen SS-20-Raketen
zu schaffen, die NATO spalten würde, da Europa nicht mehr an
seine eigene Verteidigung glaube. Nun, dies war Unsinn. Heute verläuft die Stationierung von Pershing-Raketen und Marschflugkörpern nach Plan und wird der Beschluß von unseren Verbündeten unterstützt.
Wir versprachen, den Rückgang der Moral in den Streitkräften umzukehren. Und wir tun dies. Der Stolz auf unsere
Streitkräfte ist wiederhergestellt worden. Mehr qualifizierte
Männer und Frauen bewerben sich bei den Streikräften und dienen länger. 1980 hatte ungefähr die Hälfte der Rekruten unserer Armee einen High-School-Abschluß; letztes Jahr war dieser
Prozentsatz auf 91 gestiegen.
Unsere Streikräfte

�Unsere Streikrafte mögen zahlenmäßig geringer sein als in
den fünfziger Jahren, aber sie bestehen aus einigen der besten
jungen Leute, die dieses Land je hatte. Und solange ich Präsident bin, werden sie die qualitativ hochwertige Ausrüstung
bekommen, die sie benötigen, um ihre Aufgabe zu erfüllen.
Wir versprachen, die wachsenden Lücken in unserer strategischen Abschreckung zu verringern. Und wir beginnen damit,
dies zu tun. Unser Modernisierungsprogramm - die MX-Rakete,
das Trident Unterseeboot, der B-l und der Tarn-Bomber - repräsentiert die erste bedeutende Verbesserung von Amerikas strategischer Abschreckung in 20 Jahren.
Diejenigen, die so oft vom sogenannten Rüstungswettlauf
sprechen, ignorieren eine zentrale Tatsache: In dem Jahrzehnt
vor 1981 fand dieser Wettlauf allein bei den Sowjets statt.
Während meines Wahlkampfs 1980 nannte ich staatliche Verschwendung und Betrug einen nationalen Skandal. Wir wußten,
daß wir Amerikas Stärke niemals wiederherstellen könnten, ohne
zunächst die explodierenden Kosten der Verteidigungsprogramme
einzudämmen. Und wir tun dies.
Zu Beginn meiner Präsidentschaft 1981 eskalierten die Kosten mit einer jährlichen Zuwachsrate von 14 Prozent. Dann
begannen wir mit unseren Reformen. In den letzten zwei Jahren
sind die Zuwachsraten schließlich auf weniger als ein Prozent
gefallen.
Wir haben bedeutende Einsparungen vorgenommen. Heute
kostet jedes F-18-Kampfflugzeug fast vier Millionen Dollar weniger als 1981. Jede unserer Luft-Luft-Raketen kostet kaum
noch die Hälfte des damaligen Preises.
Die Verteidigungsbürokratie unter Kontrolle zu bringen,
ist kein geringes Unterfangen.
Jed es Ja hr unt ersc hreib t da s Verteidi gungs mini steri um Hunderttau sende von V ertr ägen. Un d da k ann es du rcha us vo rkommen, da ß tro tz all uns erer Bemü hungen bis weile n au ch Üb les zutage tr itt. Desha lb h aben wir zum er sten Mal in d er Ge schichte des Verte idigun gsmi niste rium s den Post en ei nes Gener alinspekteu rs ei ngefüh rt - und so w ird pr akti seh j eder Fall von
Betrug oder Mißbra uch in un sere m Vert eidi gungs mini steri um vom
General inspe kteur aufg edeck t. Minist er W einbe rger soll te dafür gel obt u nd nie ht o escho lten werde n, d aß er den Sehr ank von
Skelett en ge sauber t ha t. W as d ie wen igen betr ifft , die den
Steuerz ahler betro gen oder unse re Str eitk räfte mit fehl erhaftem Mat erial gepre 11t haben , so sind sie Diebe , die das Arsenal der Demo kratie bes tehle n - und si e we rden mit der v ollen

�der vollen Schärfe des Gesetzes verfolgt werden.
Und endlich haben wir damit begonnen, die Gefahr eines
Atomkrieges zu verringern. Und auch auf diesem Gebiet sind
wir im Begriff, etwas zu erreichen, was von vielen für unmöglich gehalten wurde. Wir haben einen Plan für tiefe Einschnitte bei den Nuklearsystemen entwickelt; wir treiben unsere sehr vielversprechende Strategische Verteidigungsinitiative
voran - einen Sicherheitsschild, der eines Tages vielleicht
uns und unsere Verbündeten vor einem nuklearen Angriff, sei er
absichtlich oder aus Versehen ausgelöst oder das Werk eines
Verrückten, beschützen wird. Ist es nicht besser, unser Talent und unsere Technik für den Bau von Systemen zu benutzen,
die Raketen zerstören, anstatt Menschen?
Unsere Botschaft ist verstanden worden. Früher behaupteten
die Sowjets regelmäßig, daß echte Reduzierungen bei den Atomraketen ausgeschlossen seien. Heute sagen sie, daß sie die
Idee akzeptieren. Nun, wir werden sehen. In dieser Woche haben unsere Verhandlungsführer in Genf einen neuen Plan für die
Beseitigung der Mittelstreckenraketen vorgelegt. Außerdem
drängen wir die Sowjets, auch Verringerungen bei anderen Offensivkräften zuzustimmen. Eines ist sicher: Wenn die Sowjets wirklich an fairen und verifizierbaren Abkommen interessiert sind, durch die die Nuklearkräfte vermindert werden,
dann werden solche Abkommen auch zustande kommen.
und
ger
bei
wir

Vor fünf Jahren waren unsere Verteidigungsprobleme immens
drastische Maßnahmen waren gefordert. Sogar mein Vorgänin diesem Amt erkannte dies und plante größere Zuwächse
den Verteidigungsausgaben - und ich bin stolz auf das, was
getan haben.
Heut e liegen die größten Steigerungen bei den Vert eidi-

gun gsaus gaben hinter uns. Deshalb ersucht e ich 1etzt en Sommer den Kongreß, den Verteidigungshaushalt für ein Jah r einzuf rieren, um danach mit einem bescheidenen Zuwach s von drei
Prozent fortzufahren . Offengestanden: Ich zögerte mit der ZuStimmung zu einem Einifrieren, da es immer noch vie 1 zu viel zu
Aber ich clachte, daß die Unters tützung des Kongrestun gibt
ses für stetige Steiglerungen über mehrere Jahre einen Schritt
nac h vorn darstellte.
Aber dies geschah nicht. Statt eines Einfrierens gab es
scharfe Einschnitte - insgesamt um über fünf Prozent. Und nun
sagen manche wieder, daß wir nochmals 20, 30 oder sogar 50
Milliarden Dollar für unsere nationale Verteidigung streichen
sollen.
Dies ist fahrlässig, gefährlich und falsch. Es bedeutet
einen Rückfall der verantwortungslosesten Art, und Sie müssen

�Sie müssen darüber informiert werden. Sie sind es doch, die
die Rechnung für alles, was wir in den letzten fünf Jahren erreicht haben, bezahlt haben. Aber es bleibt noch manches zu
tun. Millionen Amerikaner glauben tatsächlich, daß wir der
Sowjetunion jetzt militärisch überlegen seien. Nun, es tut
mir leid, aber wenn in unserem Land eine sinnvolle Debatte
über die nationale Sicherheit stattfinden soll, dann müssen
wir die Gefilde der Propaganda verlassen und die Fakten auf
den Tisch legen.
Sie werden während der nächsten Monate von dieser Debatte
hören. Ich möchte, daß sie sich die zwei einfachen Gründe vor
Augen führen, warum unsere Verteidigung jetzt nicht beschnitten werden darf. Erstens, es ist nicht billig. Zweitens, es
ist nicht sicher. Wenn wir auf diejenigen hören, die am liebsten unser Verteidigungsprogramm aufgeben würden, werden wir
nicht nur die Verhandlungen mit der Sowjetunion, nein - wir
könnten sogar den Frieden selbst gefährden.
Ich sagte, daß solche Einschnitte nicht billig sind. Wie
ist dies möglich? Nun, es ist ganz einfach. Wir haben dies
in den siebziger Jahren versucht und das Resultat war Verschwendung, enorme Verschwendung - Hunderte von Millionen Dollar an Verlusten, weil die Kosten für jedes Flugzeug, jeden
Panzer und jedes Schiff stiegen, oft beträchtlich. Die alte
Käuferweisheit erwies sich als zutreffend - im Dutzend billiger.
Willkürliche Einschnitte führen lediglich zu unechten Einsparungen; aber für die Beibehaltung unseres Verteidigungsprogramms gibt es einen wichtigeren Grund. Sie brächten keine
Sicherheit.
Vor fast 25 Jahren, als John Kennedy während der Kuba-Krise dieses Amt innehatte, befehligte er die größte Militärmacht
der Welt. Heute müssen wir Amerikaner mit einer gefährlichen
Realität leben. Jahr für Jahr hat die sowjetische Führung auf
Kosten ihrer Bevölkerung schonungslos Anstrengungen unternommen, um eine Überlegenheit über die Vereinigten Staaten zu erringen .
Allein zwischen 1970 und 1985 investierten die Sowjets
500 Milliarden Dollar mehr in die Verteidigung als die Vereinigten Staaten - und produzierten fast drei mal so viele strategische Raketen.
Als Resultat ihrer enormen Investitionen in Waffen existiert nach wie vor ein beträchtliches militärisches Ungleichgewicht zwischen unseren Ländern.
Heute hat die

�Heute hat die Sowjetunion über eineinhalb mal so viele
Kampfflugzeuge disloziert wie die Vereinigten Staaten, über
zweieinhalb mal so viele Unterseeboote, mehr als fünf mal so
viele Panzer und mehr als elf mal so viele Artilleriegeschütze
Wir haben da mit begon nen, e m i g e diese r Lücken zu schließen. We nn wir jedoch ein e gewi sse Si cherh eitsmarge erreichen
wollen, muß noch mehr get an wer den. Wo si ch die So w jets
einstmal s nur au f schiere Zahle n verl ießen , versuchen sie heute Quant ität und Qualität zu ve reinen . Wir erwarten, daß sie
in den n ächsten fünf Jahr en ung efähr 40 At om-U-Boot e, 500 neue
ballisti sehe Rak eten und 18 000 moder ne Ka mpfpanzer dislozieren werd en. Mei n Fünfjah reshau shalt für d ie Vertei digung hält
unsere V erpflich tung zum Wieder aufbau progr amm Ameri kas aufrecht. Und ich bin dankb ar, in Minis ter W einberger jemanden
zu haben , der sich für di eses P rogram m mit all der Entschlossenheit und den Fähigkeit en ein setzen wird , die er in der Vergangenhe it gezei gt hat.
Mein Haushalt will jedoch nicht mit diesen sowjetischen
Erhöhungen gleichziehen. Deshalb müssen wir uns die Frage
stellen: Können wir es uns wirklich leisten, weniger zu tun,
als ich vorgeschlagen habe?
He ute wende n wi r von unser em B rutt osozia lprodu kt e in Drittel we niger für die Vert eidigu ng a uf, als un ter Jo hn K ennedy und do ch reden im K ongre ß eini ge v on n och ti efgrei fend eren
Einsch nitten. Kaum sech s Prozent unse res Br uttoso zial Produkts
- das ist alles , was wir inves tier en, damit Amerik as F reiheit,
Sicher heit und Frie den g ewahrt ble iben
Nun ziehe n Si e davon
einmal die Ausg aben für Gehält er, Unte rkunft , Familien angehörige u nd ähnlic hes ab un d verg leic hen Sie. Für Wa ffen und
Forsch ung geben die Vere inigte n St aate n nur 2,6 Pr ozen t ihres
Brutto sozialpro dukt s aus , während die Sowjet union elf Prozent
in Waf fen inves tier t - m ehr al s vier m al so viel.
Dies ist die harte, kalte Realität unseres Verteidigungsdefizits.
Aber unsere Wachsamkeit wird nicht nur durch das immense
sowjetische Arsenal hervorgerufen. Das sowjetische Verhalten
in der Vergangenheit - die lange Geschichte sowjetischer Brutalität allen Schwächeren gegenüber - erinnert uns daran, daß
die einzige Garantie für Frieden und Freiheit in unserer
militärischen Stärke und unserem nationalen Willen liegt. Die
Völker von Afghanistan und Polen, der Tschechoslowakei und
Kubas und so vieler anderer gefangener Länder - sie werden das
verstehen.
Einige argumentieren,
- 8 -

�Einige argumentieren, daß unser Dialog mit den Sowjets bedeutet, daß wir unsere Verteidigung etwas nachlässiger behandeln können. Nichts könnte der Wahrheit weniger entsprechen.
Das Klima, in dem ernsthafte Gespräche endlich begonnen werden
konnten, wurde erst durch unsere Ernsthaftigkeit in der Verteidigung ermöglicht.
Nun, da die Sowjets an den Verhandlungstisch zurückgekehrt
sind, dürfen wir die Position unserer Verhandlungsführer nicht
untergraben. Leider haben einige Mitglieder des Kongresses
genau dies getan. Mit dem Verbot amerikanischer Tests von Anti-Satellitensystemen hat der Kongreß nicht nur ein sowjetisches Monopol geschützt; er hat den Sowjets eine einseitige
Konzession gemacht, die sie am Verhandlungstisch nicht hätten
erreichen können.
Unser Verteidigungsprogramm muß deshalb auf die folgenden
Prinzipien gegeründet bleiben:
Erstens müssen wir uns gut überlegen, was wir bauen. Wir
müssen nicht alles kopieren, was die Sowjets machen. Wir müssen uns in diesem Wettstreit nicht an die Regeln der Sowjets
halten.
Es ist unsere Aufgabe, unsere Sicherheit durch die Stärken
unserer freien Gesellschaft sicherzustellen, Wenn wir klug
genug sind, benötigen wir gar nicht so viel. Wir brauchen unsere Aufgabe gar nicht mit großen Zahlen und brutaler Gewalt
zu lösen.
Wir brauchen die Stärke unserer Streitkräfte nicht von
zwei Millionen auf ihre fünf Millionen zu erhöhen - solange
unsere Männer und Frauen in den Streitkräften die qualitativ
hochwertige Ausrüstung haben, die sie benötigen, um den Frieden zu erhalten. Wir brauchen nicht so viele Panzer wie die
Sowjets zu besitzen, solange wir hochentwickelte Panzeraowehrwaffen haben.
Unser Vorteil liegt in der Innovation. Ein Beispiel:
Fortschritte dabei, Flugzeuge und Marschflugkörper für sowjetisches Radar fast unsichtbar zu machen, könnten das breitangelegte Luftverteidigungssystem neutralisieren, auf das sich die
Sowjets und einige ihrer gefährlichsten Satellitenstaaten verlassen .
Aber Innovation ist nicht genug. Wir müssen unsere Vorhaben verwirklichen. Pläne alleine können keine Aggression abschrecken. Wir müssen unsere führende theoretische Rolle in
die Praxis umsetzen. Wenn jedoch unser Haushalt beschnitten
wird, können wir nichts von alledem durchführen.
Zweitens bedeutet

�Zweitens bedeutet unsere Verteidigungshilfe ein gleiches
Maß an Sicherheit für den Dollar wie unser eigener Verteidigungshaushalt. Unsere Freunde können viele Aufgaben billiger
durchführen als wir selbst. Deshalb kann ich im Kongreß unterbreitete Vorschläge zum starken Abbau dieses Instruments
nicht verstehen. Militärhilfe für Freunde in strategisch
wichtigen Regionen stärkt diejenigen, die unsere Werte und Interessen teilen. Und wenn sie stark sind, werden wir ebenfalls gestärkt. Es liegt in unserem Interesse, ihnen zu helfen, mit Bedrohungen fertigzuwerden, die uns letztendlich auch
selbst Schaden zufügen könnten.
Drittens: Wo Reformen der Verteidigung nötig sind, werden
wir diese durchführen. Die von uns ins Leben gerufene
Packard-Kommission wird ihren Bericht in zwei Tagen vorlegen.
Wir hoffen, daß sie neue Ideen für neue Ansätze entwickelt
hat, durch die wir mit besseren Möglichkeiten der Waffenbeschaffung ausgestattet werden. Wir sind gespannt auf gute
Ideen, auf neue Ideen - die den besonderen Genius Amerikas
ausmachen. Wo immer die Empfehlungen der Kommission den Weg
zu mehr Effektivität weisen, werde ich sie in die Tat umsetzen, auch wenn sie dem Willen verkrusteter Bürokratien und
Sonderinteressen zuwiderlaufen. Ich werde den Kongreß außerdem drängen, den Bericht der Kommission zu beherzigen und die
Hindernisse für gutes Management zu beseitigen, die der Kongreß selbst in den vergangenen Jahren aufgebaut hat.
Das v iert e Elemen t un serer Strate gie fü r die Zukun ft besteht in der Verringe rung der amerika nische n Abhä ngigk eit von
Atomwaffe n. Sie habe n mi ch fr üher vo n der Strate gisch en Verteidigung sini tiative spre chen hören, dem Pr ogramm , das eines
Tages uns all e aus dem Ge fängn is des nuklea ren Sc hreck ens beEs wä re e ine r eine Du mmheit seite ns de r Vereifreien kö nnte
nigten St aate n, SDI n icht weit erzuver folgen , wenn die Sowjets
ihrerseit s schon seit meh r als 20 Jah ren in ihr e igene s Programm inv esti ert habe n. Wir s ollten nicht verges sen, daß heute die ei nzig e einsät zber eite Raketen vertei digung der Welt die
Hauptstad t de r Sowjetunio n seh ützt - nicht die de r Vereinigten
Staaten.
Aber während SDI Hoffnung für die Zukunft bietet, müssen
wir die Welt von heute in Betracht ziehen. Allzu lange haben
wir und unsere Verbündeten erlaubt, daß Atomwaffen eine Art
Krücke bilden, einen Weg, um zu vermeiden, den wirklichen Notwendigkeiten der Verteidigung ins Auge zu sehen. Wir müssen
uns von dieser Krücke befreien. Unser Ziel sollte darin bestehen, eine Aggression abzuschrecken und, wenn nötig, zurückzuschlagen, ohne zu Atomwaffen Zuflucht zu suchen.
Auf diesem
- 10 -

�Auf diesem Gebiet kann die Technologie uns wiederum die
Mittel liefern, um nicht nur auf eine breitangelegte Aggression zu reagieren, sondern auch, um gegen Terroristen zurückzuschlagen, ohne unschuldige Zivilisten zu schädigen.
Die heutige Technologie ermöglicht es uns, eine Panzerkolonne auf eine Distanz von 120 Meilen zu vernichten, ohne
Atomwaffen einzusetzen. Diese Technologie stellt vielleicht
die erste kostenwirksame konventionelle Verteidigung gegen die
gigantische Rote Armee in der Nachkriegsgeschichte dar. Wenn
wir es versäumen, unsere Truppen mit diesen modernisierten Systemen auszurüsten, vergrößern wir nur das Risiko, daß wir eines Tages auf Atomwaffen zurückgreifen müssen.
Dies sind die von uns getroffenen praktischen Entscheidungen, wenn wir dem Kongreß einen Verteidigungshaushalt zuleiten. Jede Generation muß mit den von der Geschichte an sie
gestellten Herausforderungen leben. Und wir können diese Herausforderungen nicht bestehen, indem wir ihnen ausweichen.
Wenn wir unsere Anstrengungen jetzt fortführen, haben wir
die beste Chance seit Jahrzehnten, um einen sicheren Frieden
aufzubauen. Deshalb habe ich mich letztes Jahr mit Generalsekretär Gorbatschow getroffen. Deshalb reden wir heute mit
den Sowjets und verhandeln dabei - wenn der Kongreß uns unterstützt - von einer Position der Stärke aus.
Wir möchten diese Welt friedvoller gestalten. Wir möchten
die Atomwaffen abbauen. Wir möchten Abkommen, die die nukleare Gefahr echt vermindern. Wir wollen nicht lediglich Unterzeichnungszeremonien und Farbfotos der politisch Verantwortlichen, die sich mit Champagner zuprosten. Wir wollen mehr.
Wir wollen wirkliche Abkommen - Abkommen, die wirklich funktionieren -, ohne Betrug. Wir wollen ein Ende einer Staatspolitik der Einschüchterung, Drohungen und des andauernden
Strebens nach Vorherrschaft. Wir möchten einen echten Frieden
Ich werde niemals um etwas bitten, was nicht benötigt
wird; ich werde niemals für etwas kämpfen, was nicht notwendig
ist. Aber ich brauche Ihre Hilfe. Wir sind in den letzten
fünf Jahren zusammen so weit vorangekommen - lassen Sie uns
jetzt nicht zögern. Lassen Sie uns dieses entscheidende Niveau von nationaler Stärke, Einheit und Zielen aufrechterhalten, das die Sowjetunion an den Verhandlungstisch gebracht und
uns diese historische Gelegenheit gegeben hat, echte Verringerungen bei den Atomwaffen zu erzielen und die Chance, einen
dauerhaften Frieden zu erreichen. Dies würde das höchste Vermächtnis sein, das wir der Nachwelt hinterlassen können - für
unsere Kinder und Kindeskinder.
* * *

* *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
^7

C&amp;

Dokumentation

5. März 1986

KVAE, KSZE UND DIE US-SICHERHEITSPOLITIK IN EUROPA
• Rede von US-Botschafter Robert L. Barry in Bern, -

BERN -(AD )- Bo tschafte r Rob ert L . Barry, der Leite r der
ameri kanische n Delegation bei d er St ockho lmer Ko nferen z für
vertr auensbil dende Maßnahm en un d Abr üstun g in Eu ropa ( KVAE),
sprac h am 27. Febr uar 1986 in s einer in B ern geh altene n Rede
über die zahl reich en Aspek te de r Seh lußak te von Helsin ki, die
einen "Prozeß " ein leiteten , der sowo hl Me nschenr echtsf ragen
als a uch Sich erhei tspoliti k ein schli eßt. Die Ve reinig ten
Staat en glaub en, d aß "Offe nheit " und "Gle ichgewi chtigk eit" bei
den w estliche n Bern ühungen, Fort schri tte b ei Mens chenre chtsund
Siehe rheitsfr agen zu erzie len, unerl äßlic h sind, Der
Forts chritt a H e r vertraue nsbil dende n Maßnahmen werde "davon
abhän gen, daß alle Teilneh merst aaten die Idee ak zeptie ren daß
große re Offen heit und bess eres gegen seiti ges Ver ständn I S zur
erhöh ten Stab ilitä t und Si cherh eit i n Eur opa bei tragen ii
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Als Leiter der Delegation der Vereinigten Staaten bei der
Stockholmer Konferenz für Abrüstug in Europa, KVAE, bin ich
mir sehr wohl der zentralen Rolle bewußt, die die Schweiz sowohl bei unserer Konferenz als auch bei deren Vorläufer, dem
KSZE-Prozeß, spielt. Das wird sich auch beim KSZE-Treffen der
Fachleute zum Thema menschliche Kontakte zeigen, das im April

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�das im April hier in Bern beginnt.
Ich kann mir keinen angemesseneren Ort als die Hauptstadt
der Schweiz vorstellen, um über europäische Sicherheitsfragen
und ihr Verhältnis zum breiter gesteckten Rahmen der OstWest-Angelegenheiten zu sprechen. Natürlich spreche ich nicht
als Europäer, sondern als Amerikaner, und deshalb werde ich
als Ausgangspunkt meiner Rede die Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten gegenüber Europa wählen.
Ich mö chte gern mit e inem Bild vo n Anat olij Schts charanski
begin nen, der n ach seiner Ausr eise au s Mosk au be i der Ankunft
in Is rael von e inem "Baum der Grundsä tze" s prach , den er sich
ausge dacht hatt e, u m währ end d er Gefa ngensc haft sein psychisches Glei chgew icht aufre chtzu erhalte n. Se in Bi ld is t treffend, weil es s owoh 1 Verb indun gen als auch Prior itäte n beinhalte t; we nn wi r die Poli tik d er Vere inigte n Sta aten betrachten, sehen wir fund amenta le Ve rbindun gen un d Prioritä ten, die
die v ersch ieden en A spekte von Rüstung skontr ollge spräc hen, die
Anstr engun gen z ur V ertrau ensun d Siehe rheits bildu ng un d politisehen Proz esse verk nüpfen , die im wei teren Sinne mit der KSZE
zusam menhä ngen und dazu d ienen , den 0st-Wes t-Bez iehun gen konstruk tive Gesta lt z u verl eihen
Jeder dieser Bereiche hat seinen eigenen besonderen Brennpunkt, aber für die Vereinigten Staaten repräsentiert jeder
einen Aspekt von dem, was Präsident Reagan "das grundlegende
Ziel der Vereinigten Staaten" im europäischen Kontext genannt
hat; zu Europas Sicherheit im weiteren Sinne beizutragen und
dabei sowohl politische, wirtschaftliche, kulturelle und humanitäre als auch eigentlich militärische Angelegenheiten einzubeziehen.
Da heute die Aufmerksamkeit auf die Rüstungskontrolle gerichtet ist, gibt es keinen besseren Zeitpunkt, um die Zielvorstellungen amerikanischer Sicherheitspolitik zu diskutieren. So wie sich Sicherheit definiert, hängt sie davon ab,
die notwendige Stärke aufrechtzuerhalten um sich selbst zu
verteidigen und Angriffe auf die Verbündeten abzuschrecken:
dies muß das grundlegende Ziel einer jeden Sicherheitspolitik
sein. Im Einklang mit diesen grundsätzlichen Anforderungen
verfolgen die Vereinigten Staaten ein zusätzliches Ziel: die
Verhandlungen über Rüstungskontrollabkommen zur Verbesserung
der nationalen Sicherheit.
Im Mittelpunkt des öffentlichen Bewußtseins zu Sicherheitsfragen stehen die Rüstungskontrollverhandlungen; nukleare
strategische und Mittelstreckenwaffen sowie Weltraum- und
Verteidigungswaffen bei den bilateralen Gesprächen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in Genf und
- 2 -

�in Genf und chemische Waffen bei der ebenfalls in Genf stattfindenden Abrüstungskonferenz. Obwohl sich die Einzelheiten
unterscheiden, verfolgen wir doch bei all diesen Verhandlungen
dasselbe Ziel: radikale Kürzungen der Waffenstärken, die
schließlich zur Abschaffung ganzer Waffenarten vom Erdboden
führen.
Wir sind bei diesem Ziel realistisch: die totale Abschaffung nuklearer oder chemischer Waffen wird ein langfristiges
Unterfangen sein. Aber während wir das langfristige Ziel im
Auge behalten, bemühen wir uns um einen ausgeglichenen,
schrittweisen Abbau, der die Stabilität verbessert und das Risiko eines Krieges verringert.
Bei den START-Verhandlungen über strategische Nuklearwaffen haben wir 50 Kürzungen bei landgestützten Interkontinentalraketen vorgeschlagen. Bei den Verhandlungen über nukleare
Mittelstreckenwaffen haben wir sowohl vorgeschlagen, alle amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenwaffen aus Europa
zu entfernen wie auch, diese binnen drei Jahren aus Asien abzuziehen. Bei der Abrüstungskonferenz haben wir ein weltweites Verbot der Entwicklung, Produktion, Lagerung und Benutzung
chemischer Waffen angeregt.
Über das Z iel bedeu tende r Verr inger ungen hin aus 1 st all
diesen An stren gung en di e grundlege nde A nf orderun g gern ein, daß
sie gleic hgewi chti 9» ve rifiz ierbar und dauer haft sein sollten.
Diese Eig ensch afte n spr echen für s ich. Kein e Re gieru ng würde
eine Über einku nft absch ließe n, die eine Seit e st ärker begünstigt als die ande re. Keine Regie rung, der es m it be deutendem
Rüstungsa bbau erns t ist , würde ein Abko mmen schl ießen , dem
wirksame Mitte 1 zur Ver ifizi erung und d em di e Mi ttel zur Sicherung s einer Ein haltu ng fe hlen. Gere chtig keit und Verifizierbarke it si nd d aher unerl äßlich . Aber di e dr itte Eigenschaft, d ie 8e stän digke it, s ollte als w ichti ger Kern angesehen
werden, d er da s Ga nze z usamm enhält
Dahe r konzentr leren sich die Anst reng unge n de r Ve reinigten
Staa ten bei START zum B eispie 1 zunächst a uf e ine Verr ingerung
groß er 1 andg e s t ü t zter M ehrfac hgefecht skop f-Ra kete n. Da sie
ein Erst schl agspot entia 1 darsteilen, sind sie der Sta bilität
hoch st a bträ glich. Wir erfor sehen di e Möglic hkei t einer wirkung svol len strate gisch en Ver teidigun g - die wir mit der Sowjet unio n un d unse ren V erbünd eten dis kuti eren - w eil wir glauben, daß sie sowoh 1 als Beweg grund fü r Kürzun gen bei offensiven Nukl earr aketen als auch a ls ein s tabi lisi eren der Faktor
beim übe rgan g zur Absch affung nuklear er W äffe n di enen könnte.
Ein weit eres Beisp iel: bei d en Verha ndlu ngen übe r ch emische
Waff en s treb en wir nach einem weltwei ten Verb ot; weni ger als
das, z.B . ein regi onale s Verb ot, wäre in sich uns iche r

�wäre in sich unsicher und könnte leicht in eine Krise umschlagen.
So wichtig sie auch sein mögen, so bilden Anstrengungen
zur nuklearen Abrüstung nur einen Teil - ein Geäst - des ganzen Baumes amerikanischer Rüstungskontrollund Sicherheitspolitik. Nukleare Verringerungen müssen von Schritten zur Beseitigung des Ungleichgewichts bei konventionellen Waffen in
Europa begleitet werden; genau diese Schritte verfolgen wir
bei den Wiener Verhandlungen über den gegenseitigen und
gleichgewichtigen Abbau von Truppen (MBFR).
Nukleare Waffen waren ein notwendiger Faktor, um seit mehr
als 40 Jahren den Krieg von Europa fernzuhalten. Es wäre unverantwortlich, Nuklearwaffen nur abzuschaffen, um den konventionellen Krieg zu begünstigen. Ein größerer konventioneller Krieg in Europa würde, wenn man die zerstörerische
Kraft der heutigen Arsenale bedenkt, verheerend sein und jenseits unseres Erfahrungsbereichs liegen.
In Wien hat der Westen einen wichtigen neuen Schritt unternommen, um der Frage, wieviele Truppen sich augenblicklich
im Abbau befinden, auszuweichen und eine Verringerung unter
der Voraussetzung durchzuführen, daß die Verifizierung des Abbaus und der nach dem Abbau verbleibenden Streitkräfte möglich
ist.
Ein stetiger Rüstungskontrollprozeß erfordert auch, daß
bestehende militärische Streitkräfte bestimmten Verhaltensregeln unterworfen sind, um ihre Bewegungen vorhersehbar zu
machen und dadurch das Risiko einer Konfrontation oder eines
Konflikts zu verringern. Die Aufstellung solcher Regeln ist
das Ziel der KVAE. In Stockholm versuchen wir die Gefahr
eines Überraschungsangriffs oder eines durch Fehlkalkulation
oder -Interpretation hervorgerufenen Krieges zu verringern,
indem wir Vereinbarungen zur Zusammenarbeit auf militärischem
Gebiet erarbeiten.
Wir wollen den Gebrauch militärischer Stärke zur politischen Einschüchterung verhindern. Unser direktes Ziel ist die
verbesserte Vorhersehbarkeit und somit Stabilität der militärischen Lage Europas. Wir wollen den Gebrauch militärischer
Stärke zur politischen Einschüchterung verhindern. Unser
Fernziel ist es, zu verbesserten Ost-West-Beziehungen beizutragen, die Offenheit zu erhöhen und dabei zu helfen, die
künstliche Barriere zu senken, die jetzt in Europa den Osten
vom Westen trennt.
Als Rüstungskontrollverhandlung ergänzt die Stockholmer
Konferenz diejenigen Verhandlungen, die die Abrüstung zum Ziel
- 4 -

�die Abrüstung zum Ziel haben. Wir versuchen, ein vertrauensbildendes System aufzubauen, durch das alle auf Sicherheit in
Europa angewiesenen Länder gehalten sind, Informationen über
ihre Truppen in Europa und über diejenigen bedeutsamen Aktivitäten, an denen sie sich beteiligen wollen, auszutauschen.
Das vertrauensbildende System würde zu einem Regelkatalog
werden, der das militärische Verhalten der NATO-, Warschauer
Pakt und auch der neutralen, blockfreien Staaten regelt. Das
System sollte zu einem besseren gegenseitigen Verständnis über
die Intentionen hinter den auf dem Kontinent stattfindenden
militärischen Operationen beitragen.
Indem es Pläne für Aktivitäten aufstellt, kann uns das System dabei helfen, zwischen Routine und Bedrohung zu unterscheiden. Zum einen kann es Uberreaktionen auf normale Ausbildungsaktivitäten verhindern; andererseits kann es uns dabei
helfen, auf anormale Vorkommnisse sofort zu reagieren, auf
politische Einschüchterung oder sogar auf Vorbereitungen für
eine bewaffnete Aggression. Die Aufgabe von Stockholm ist sowohl vertrauensbildend als auch sicherheitsbildend. Ein System, das beiden Zielen gerecht wird, muß sich fest auf politisch bindende Mechanismen gründen und kann sich nicht mit Gesten oder gutem Willen rechtfertigen.
Aber wenn die Stockholmer Konferenz eine Rüstungskontrollverhandlung ist, die auf ein System zur militärischen Vertrauensbildung und ein stabileres militärisches Umfeld abzielt, geht ein unserer Annahme und den von uns vorgeschlagenen Maßnahmen zugrundeliegendes Prinzip über lediglich militärische Fragen hinaus. Es ist das Prinzip der Offenheit.
Einige von Ihnen werden davon schon unter dem Begriff der
Transparenz gehört haben. Der Erfolg jeglichen vertrauensbildenden Systems, das die Stockholmer Konferenz anwendet, wi^d
von der Annahme der Idee durch alle Teilnehmerstaaten abhängen, daß eine größere Offenheit und ein verbessertes gegenseitiges Verständnis über militärische Absichten und Gepflogenheiten zu verbesserter Stabilität und Sicherheit in Europa
beitragen werden.
Diese Idee wird wirklich zunehmend akzeptiert. Als die
Stockholmer Konferenz im Jahre 1984 eröffnet wurde, lehnte der
Ostblock "Transparenz" als "legalisierte Spionage" ab. Heute
behandelt das langsam Gestalt annehmende Abkommen fast ausschließlich "Transparenz": Information, Vorhersagen, Notifizierung sowie Beobachtung und Inspektion der militärischen Aktivitäten. Es ist im umfassenderen Sinne relevant, daß ein
zentrales Thema beim zur Zeit in Moskau stattfindenden Kongreß
der sowjetischen kommunistischen Partei jetzt "Offenheit" ist
- auf Russisch "Glasnost" - Offenheit gegenüber Kritik,
5 -

�Offenheit gegenüber Kritik, Reformen und Publizität, sogar,
wenn sie so wollen, gegenüber Transparenz.
Mir ist durch Hinweise bestätigt worden, daß der Ostblock
bereit ist, diese Idee auszuweiten, um auch die Verifizierung
der Einhaltung von Abkommen sicherzustellen. Dies ist genauso
wichtig für unsere Verhandlungsposition in Stockholm, wie auch
in Wien und Genf und überall dort, wo wir über Abrüstung
sprechen. Die Einhaltung internationaler Abkommen ist für die
Vertrauens- und Sicherheitsbildung unerläßlich; deshalb müssen
Maßnahmen zur Verifizierung in die entsprechenden Abkommen
eingearbeitet werden.
Die einzige Form der Verifizierung militärischer Aktivitäten, die allen 35 Stockholmer Teilnehmerstaaten zur Verfügung
steht, ist die Inspektion; bei den sehr seltenen Gelegenheiten, bei denen Teilnehmerstaaten meinen, daß sie die Bestätigung benötigen, ob eine Aktivität durchgeführt wird, die die
Integrität des vertrauensbildenden Systems bedroht, sollten
sie berechtigt sein, Inspektoren auszusenden, um sich an Ort
und Stelle einen genauen, aber nicht aufdringlichen Einblick
zu verschaffen. Die Zulassung von Inspektoren muß schnell ablaufen; die uns betreffenden Aktivitäten dauern nicht lange,
und den Inspektionen vorangehende Konsultationen, wie sie
vielfach vorgeschlagen worden sind, könnten zu leicht als ein
Mittel zur Verzögerung mißbraucht werden.
Bis heute scheint es die sowjetische Position zu sein, daß
Inspektionen Bestandteil von Abrüstungsabkommen und nicht etwa
von vertrauensbildenden Maßnahmen, über die wir in Stockholm
verhandeln, sind. Aber wenn sie nicht bereit sind, die Inspektion von Truppenübungen zuzulassen, warum sollten sie die
noch eingehenderen Inspektionen von militärischen Garnisonen,
Atomtestgebieten und Raketenabschußanlagen erlauben, die notwendig wären, um die Einhaltung des konventionellen und nuklearen Waffenabbaus oder eines umfassenden Atomteststopps
sicherzustellen?
Meiner Ansicht nach wird die sowjetische Annahme von Inspektionen im Zusammenhang mit Stockholm eine Leitfunktion
einnehmen in bezug auf ihre Ernsthaftigkeit, eine Inspektion
bei gemeinsamen Verifizierungsmaßnahmen im Rahmen von START,
INF, MBFR, den Verhandlungen über chemische Waffen und anderen
Rüstungskontrollforen zuzulassen.
Lassen Sie mich von dieser Exkursion in einige Einzelheiten der Stockholmer Konferenz zum Stamm meines Prinzipienbaumes zurückkehren. Wir glauben nicht, daß militärische und
sicherheitspolitische Angelegenheiten isoliert betrachtet werden können. Aus diesem Grunde betonen wir, daß die KVAE dem
- 6 -

�daß die KVAE dem KSZE-Prozeß als Ganzes untergeordnet ist.
Ich weiß, daß die Schweizer Regierung diese Ansicht teilt. Da
die Wiener KSZE-Folgekonferenz vor der Tür steht, müssen wir
vorwärts schauen und in Betracht ziehen, wie in diesem Prozeß
das Gleichgewicht am besten gesichert werden kann.
Unser Ansatzpunkt für dieses Gleichgewicht ist natürlich
die Schlußakte von Helsinki. Im Jahre 1975 legten die 35
Teilnehmerstaaten, darunter die Schweiz in einer führenden
Rolle, ein Wertesystem für Europa fest, das im Kern westlich
und demokratisch ist. Der Osten wollte die Teilung Europas
legalisieren; die Schlußakte hingegen ist auf seine Einigung
ausgerichtet. Der Osten wollte den Staat als zentrale
handelnde Figur einsetzen; die Schlußakte basiert auf den
Rechten und Freiheiten des Einzelnen. Der Osten wollte
Einfluß auf die westliche Sicherheitspolitik; die Schußakte
legt ein berechtigtes westliches Interesse daran fest, wie
östliche Regierungen ihre Bürger behandeln.
Das Verhalten des Ostens bei den KSZE-Verhandlungen seit
Helsinki erschien manchmal wie eine Reihe von Nachhutgefechten, um verlorenes Terrain wiederzugewinnen. Wir sind besorgt
über die Versuche des Ostens, ein gleichwertiges, separates
Forum für militärische Sicherheit zcF schaffen, das Bemühungen
zur Verbesserung von Menschenrechten, kulturellen Kontakten,
politischer Offenheit und Zusammenarbeit zwischen den Völkern
über alle Grenzen hinweg überschatten könnte.
Wir sind dem Erfolg von Stockholm verpflichtet, zum Teil
weil er dazu beitragen könnte, die Mauern in Europa einzureißen. Aber, wie erfolgreich Stockholm auch sein mag, so
sollte ihm doch nicht zugestanden werden, andere Bereiche der
KSZE zu beherrschen. Im November werden die Konferenzteilnehmer von Wien die Ergebnisse des Treffens über die Menschenrechte in Ottawa, das kulturelle Forum in Budapest und das bevorstehende Treffen über menschliche Kontakte in Bern und die
KVAE zu betrachten haben.
Aber diese Treffen sind nur allgemeine Indikatoren. Viel
wichtiger ist es, wie gut die Teilnehmerstaaten ihren Zusicherungen zur Schußakte gerecht geworden sind. Die Inhaftierung
von Menschenrechtsaktivisten in der Sowjetunion, die Verfolgung von entsprechenden Gruppen in Rumänien und der türkischen
Minderheit in Bulgarien, die drohende Gewalt, die über dem
polnischen Volk schwebt, das östliche Bestehen auf der Vorherrschaft des Staates bei kulturellen und menschlichen Kontakten - all dies sind negative Faktoren, die mit dem aufgewogen werden, was wir in Stockholm erreichen oder nicht erreichen können.
- 7 -

�Wir fordern kein mechanisches Gleichgewicht in allen Bereichen des KSZE-Prozesses, aber wir bestehen darauf, in allen
Bereichen voranzukommen, weil wir glauben, daß allen zehn
Prinzipien der Schlußakte das gleiche Gewicht und der gleiche
Wert zukommt. Die Frage darüber, wie und ob der KVAE-Prozeß
weitergeht, wird von unserer Prüfung des gesamten "Baums der
Prinzipien" abhängen, nicht nur von dem Ast des militärischen
Sicherheitsbereichs, den wir in Stockholm zu betonen versucht
haben.
Unserer Sicht des KSZE-Prozesses liegt eine bestimmte
Sichtweise von Europa zugrunde: stabil, kooperativ, offen, wo
Vertrauen sich auf der Respektierung von Rechten und Freiheiten des Einzelnen gründet und wo starke politische und wirtschaftliche Bindungen eine größere Sicherheit und größeren
Wohlstand für alle bedeuten. Dies ist eine schwierige Aufgabe
voller potentieller Widersprüche.
Ich habe d lese Red e mit Hinwe isen auf Ana tolij
Schtsch aranski beg onne n. W ie so viel e po liti sehe Gefang ene in
der Sow jetunio n wa r er zugl eich 0 pfer und Nut znieß er des KSZEProzess es - ei n Op fer, weil er ve rsuc hte, die Vers preche n von
Helsink i einzu löse n, w ähren d die sowj etis chen Behö rden i hrer
Bevölke rung kl arma chen woll ten, d aß d iese Ver sprec hungen nicht
ernst z u nehme n se ien. Ein Nutzn ieße r, w eil zehn Jahre später
der sow jetisch en F ühru ng vi elleic ht k lar wurd e, da ß der Westen
die Ver sprechu ngen von Hels inki e rnst nim mt u nd da ß die Kosten
bei den intern atio nale n Bez iehung en d urch die Inha ftieru ng
Schtsch aranski s al len Nutze n in a nder en B erei chen überst legen.
Wenn da s so ist, w erde n vie lleich t an dere wi e And rej
Sacharo w, frei komm en.
Lassen Sie uns für diese menschlichen Ziele arbeiten, weil
es keinen wahren Fortschritt bei der Sicherheit in diesem
engeren Sinne geben kann, wenn er nicht auf der Grundlage der
Sicherheit für Freiheit des Einzelnen und Menschenwürde basiert .

i

*****

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V I O N **

5. März 1986

DIE REAGAN-STRATEGIE FÜR DIE ZUKUNFT
Arbeltspapier des Weißen Hauses zur Rede des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus erstellte auf der
Grundlage der Rede Präsident Reagans vom 26. Februar 1986 zum
Thema Frieden und nationale Sicherheit das folgende Arbeitspepier:
Die Reagan-Strategie für die Zukunft
Vom Oval Office, seinem Amtszimmer aus, sprach Präsident
Ronald Reagan heute von seiner "höchsten Pflicht als Präsident - der Wahrung des Friedens und der Verteidigung
dieser Vereinigten Staaten."
In seiner Rede über "Frieden und nationale Sicherheit"
sprach Präsident Reagan davon, was diese Administration
geleistet hat und welche Arbeit noch vor ihr liegt.
Der Präsident betonte die Notwendigkeit, ein angemessenes
Maß an Verteidigungsausgaben sicherzustellen. Nach einem

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�Nach einem sechsprozentigen Einschnitt für 1986 charakterisierte der Präsident Versuche zur neuerlichen Kürzung des Verteidigungshaushaltes als "fahrlässig, gefährlich und falsch"
und zudem langfristig wirkungslos und kostspielig.
- Der Präsident nannte die Notwendigkeit einer starken Verteidigung einen entscheidenden Teil seiner "Strategie für
die Zukunft" - eine Strategie, die Wert legt auf Stärke,
Innovation, Zusammenarbeit mit Freunden und Verbündeten,
wirksames Management, Verringerung unserer Abhängigkeit
von Atomwaffen und sinnvolle Verhandlungen.
- "Die amerikanische Stärke ist ein unabdingbares Element
einer friedlichen Welt," so die Schlußfolgerung des Präsidenten. "Wir haben die größte Gelegenheit seit Jahrzehnten, einen sichereren Frieden zu schaffen."
Die Gefahr der Selbstgefälligkeit
"Frieden besteht nicht aus sich allein. Er hängt von uns
ab - von unserem Mut, ihn aufzubauen, ihn zu schützen und ihn
an zukünftige Generationen weiterzugeben."
"Heute abend jedoch ist das Sicherheitsprogramm, das Sie
und ich zur Wiederherstellung von Amerikas Stärke in Angriff
genommen haben, gefährdet - bedroht von jenen, die aufhören
wollen, bevor die Arbeit beendet ist."
"Wir sollten uns daran erinnern, wo Amerika vor fünf Jahren stand. Wir sollten uns die Atmosphäre dieser Zeit ins Gedächtnis zurückrufen - die Besorgnis, daß die Ereignisse unserer Kontrolle entglitten waren, über den Verfall des Westens
und darüber, daß unsere Feinde auf dem Vormarsch waren."
"Horrorgeschichten aus dem Pentagon (von vor fünf Jahren)
über Schiffe, die nicht einsatzfähig waren, über Flugzeuge,
die wegen Mangels an Ersatzteilen nicht flogen und über Heeresdivisionen, die nicht auf den Ernstfall vorbereitet waren."
Hintergrund
- Von 1970 bis 1981 gingen die amerikanischen Verteidigungsaugaben real um fast 20 Prozent zurück.
In den vergangenen fünf Jahren wurde dieser Rückgang umgekehrt
- In der Haushaltsresolution für das Haushaltsjahr 1986
stimmte der Präsident einem Kompromiß zu, der ein reales

�ein reales Nullwachstum für die Verteidigungsausgaben vorsah, um dann in ein dreipozentiges jährliches Wachstum in
den Haushaltsjahren 1987 und 88 überzugehen.
Nach den automatischen Kürzungen, die das Gesetz für das
Haushaltsjahr 1986 vorsieht, wird der Umfang der Verteidigungsausgaben jedoch letztlich gegenüber dem vorhergehenden Jahr real einen Rückgang von fast 6 Prozent aufweisen
Die sowjetischen Anstrengungen dauern an
Allein zwischen 1970 und 1985 investierten die Sowjets 500
Milliarden Dollar mehr in die Verteidigung als die Vereinigten
Staaten - und produzierten fast drei mal so viele strategische
Raketen."
Heute hat die Sowjetunion über eineinhalb mal so viele
Kampfflugzeuge disloziert wie die Vereinigten Staaten, über
zweieinhalb mal so viele Unterseeboote, mehr als fünf mal so
viele Panzer und mehr als elf mal so viele Artilleriegeschütze... Wir erwarten, daß sie in den nächsten fünf Jahren ungefähi 40 Atom-U-Boote, 500 neue ballistische Raketen und
18 000 moderne Kampfpanzer dislozieren werden..."
"Wo sich die Sowjets einstmals nur auf schiere Zahlen verließen, versuchen sie heute Quantität und Qualität zu vereinen."
Hintergrund:
- Die Gesamtausgaben der Sowjetunion für ihre Verteidigung
machen noch immer rund 15 Prozent ihres Bruttosozialprodukts aus - mehr als doppelt so viel wie die Vereinigten
Staaten.
- D:.e Sowjetunion hat zwischen 1970 und 1985 für Verteidigungs-"Investitionen" schätzungsweise 500 Milliarden Dollar mehr ausgegeben als die Vereinigten Staaten. "Investitionen" werden dabei definiert als Aktivitäten bei Forschung und Entwicklung, Beschaffung, militärischen Bauten
und verwandten Aktivitäten.
- Die Sowjets haben rund 350 U-Boote; die Vereinigten Staaten haben rund 140.
- D:.e Sowjets haben rund 51 000, ihren Kampfeinheiten zugewiesene Panzer - im Vergleich zu rund 9900 amerikanischen
Panzern.
Die Vereinigten
- 3 -

�- Die Vereinigten Staaten haben rund 4600 Artilleriewaffen,
die Sowjets jedoch rund 53 000.
Die Sowjets haben rund 8500 taktische Kampfflugzeuge - im
Vergleich zu 5300 der Vereinigten Staaten.
Die Sowjets stellten zwischen 1970 und 1985 5500 ballistische Interkontinentalraketen und U-bootgestützte ballistische Raketen her.
Seit dem ABM-Vertrag von 1972 hat die Sowjetunion für ihre
strategische Verteidigung mindestens ebenso viel ausgegeben wie für ihre außergewöhnliche strategisch-nukleare Offensivaufrüstung.
Das Verteidigungsbudget Ist bescheiden - und nicht die Ursache
des Defizits
"Heute liegen die größten Steigerungen bei den Verteidigungsausgaben hinter uns. Deshalb ersuchte ich letzten Sommer
den Kongreß, den Verteidigungshaushalt für ein Jahr einzufrieren, um danach mit einem bescheidenen Zuwachs von drei Prozent
fortzufahren."
"Aber dies geschah nicht. Statt eines Einfrierens gab es
scharfe Einschnitte - insgesamt um über fünf Prozent. Und nun
sagen manche wieder, daß wir nochmals 20, 30 oder sogar 50
Milliarden Dollar für unsere nationale Verteidigung streichen
sollen. Dies ist fahrlässig, gefährlich und falsch."
Hintergrund:
- Die Haushaltsermächtigung des Haushaltsjahres 1986 für die
Verteidigung liegt nach dem entsprechenden Votum des Kongresses um 72 Milliarden Dollar unter dem vom Präsidenten
vor zwei Jahren im Budget des Haushaltsjahres 1985 geplanten Ansatz. Der Verteidigungshaushalt für das Haushaltsjahr 1986 liegt real um fast sechs Prozent unter dem Verteidigungshaushalt des Haushaltsjahres 1985.
- Die Forderungen des Präsidenten für das Verteidigungsbudget des Haushaltsjahres 1987 liegen um 51 Milliarden Dollar unter dem für das Haushaltsjahr 1987 im Mai 1984 mit
dem Kongreß erzielten Abkommen und um 42 Milliarden Dollar
niedriger, als dies vor gerade einem Jahr für das Haushaltsjahr 1987 vorgesehen war.
In den fünfziger

�In den fünfziger Jahren beliefen sich die Verteidigungsausgaben auf 40 Prozent der öffentlichen Nettoausgaben,
heute auf etwa 23 Prozent.
In den frühen sechziger Jahren lag der Anteil der Verteidigungsausgaben bei etwa 50 Prozent des Bundeshaushalts,
heute sind es nur 28 Prozent.
1962 machten die Verteidigungskosten 9,4 Prozent unseres
Bruttosozialprodukts aus; 1986 sind es schätzungsweise 6,3
Prozent.
Zwischen den Haushaltsjahren 1980 und 1985 stiegen die
Bundeseinnahmen um 217 Milliarden Dollar. Die Bundesausgaben stiegen um 355 Milliarden Dollar und nur ein Drittel
davon (119 Milliarden Dollar) ging an die Verteidigung.
Prinzipien der Strategie für die Zukunft
Ausnützen von Innovation und Technologie
"Unser Vorteil liegt in der Innovation..."
"Es ist unsere Aufgabe, unsere Sicherheit durch die Stärken unserer freien Gesellschaft sicherzustellen. Wenn wir
klug genug sind, benötigen wir gar nicht so viel. Wir brauchen unsere Aufgabae gar nicht mit großen Zahlen und brutaler
Gt3walJ: zu lösen."
Hintergrund:
- Fortschritte bei der "Tarnbomber"-Technologie können dazu
beitragen, die Luftverteidigung der Sowjetunion und anderer feindlicher Staaten zu neutralisieren.
- Neue nichtnukleare Marschflugkörper können die kleinsten
Ziele aus einer Entfernung von Hunderten von Kilometern
unter allen Wetterbedingungen Tag und Nacht erreichen.
- Durch Ausnützung unserer industriellen Dynamik und Aufrechterhaltung des technologischen Vorsprungs sind die
Vereinigten Staaten nicht zu einer Strategie gezwungen,
den Sowjets zahlenmäßig immer Gleiches entgegenzustellen.
Sollten sie mehr haben, müssen wir Besseres haben.
Zusammenarbeit mit

�Zusammenarbeit mit Freunden und Verbündeten
"... unsere Verteidigungshilfe (bedeutet) ein gleiches Maß
an Sicherheit für den Dollar wie unser eigener Verteidigungshaushalt ."
"Militärhilfe für Freunde in strategisch wichtigen Regionen stärkt diejenigen, die unsere Werte und Interessen teilen."
"Und wenn sie stark sind, werden wir ebenfalls gestärkt.
Es liegt in unserem Interesse, ihnen zu helfen, mit Bedrohungen fertigzuwerden, die uns letztendlich auch selbst Schaden
zufügen könnten."
Hintertrund:
- Sicherheitshilfe hat dazu beigetragen, vor Konflikten in
Gebieten wie Korea, Pakistan, Marokko und Somalia abzuschrecken und hat es uns ermöglicht, auch weiterhin unsere
Luftund Seestützpunkte in Südwestasien zu unterhalten.
- Seit 1981 hat die Administration ihre Sicherheitshilfe beträchtlich erhöht, wobei hier vor allem ein neues Programm
für Pakistan und vermehrte Mittel für Israel, 'Ägypten und
die Türkei zu erwähnen sind.
- Wir haben erhebliche und wirksame Unterstützung in Mittelamerika sowie im Tschad, im Libanon, in Grenada und in
Thailand angeboten. Außerdem haben wir rasch auf dringende Anfragen seitens Saudi-Arabiens und Marokkos reagiert.
- Die amerikanische Sicherheitshilfe dient der Stabilität,
der Eigeninitiative und der kosteneffizienten Zusammenarbeit; die Militärprogramme der Sowjetunion im Ausland dienen der Entwicklung wirtschaftlicher und politischer Abhängigkeit und dienen dazu, regionale Spannungen zu vertiefen, nicht sie zu abzubauen.
Effiziente Nutzung der Mittel
"Während meines Wahlkampfs 1980 nannte ich staatliche Verschwendung und Betrug einen nationalen Skandal. Wir wußten,
daß wir Amerikas Stärke niemals wiederherstellen könnten, ohne
zunächst die explodierenden Kosten der Verteidigungsprogramme
einzudämmen. Und wir tun dies."
"1981 eskalierten die Kosten mit einer jährlichen Zuwachsrate von 14 Prozent... In den letzten zwei Jahren sind die
Zuwachsraten schließlich auf weniger als ein Prozent gefallen."
Hintergrund:

�Hintergrund:
- Der jährliche Kostenanstieg bei den wichtigsten neuen Systemen betrug 1983 ein Prozent, 1984 0,8 Prozent.
- Hier einige Beispiele für Kostenverringerung:
- Die F-18 kostet heute 4 Millionen Dollar weniger als 1982
(18,7 Millionen Dollar gegenüber 22,5 Millionen Dollar)
und über 5 Millionen Dollar weniger als sie 1981 kostete
(24,1 Millionen Dollar).
- Die Sidewinder-Luft-Luft-Rakete kostete 1981 116 000 Dollar, 1985 dagegen 60 200 Dollar, also rund die Hälfte.
- Das Verteidigungsministerium hat jährlich bei rund 15 Millionen Vertagen mit über 300 000 Vertragspartnern zu tun.
Oabei kommen Irrtümer vor und es kann zu Mißbräuchen kommen; aber diese werden nicht toleriert.
- Verteidigungsminister Weinberger hat beim Beschaffungprozeß umfangreiche Verbesserungen erreicht.
- Wie das Budgetbüro des Kongresses bestätigt, sind die Kosten für einen Kreuzer der Marine (CG-47) zwischen 1983
und 1985 um 9 Prozent gesunken; der B-1B Bomber kostet 9
Prozent weniger; der M-1 Panzer 8 Prozent weniger; und die
Kosten für das F-16 Flugzeug sanken um 3 Prozent.
- das Beschaffungsprüfungsamt hat jährlich über 60 000 Prüfungen vorgenommen; dabei kam es im Lauf der letzten beiden Jahren zu schätzungsweise 10 Milliarden Dollar an Einsparungen .
- Es wurde ein unabhängiger Generalinspekteur eingesetzt.
- Der Präsident wird am 28. Februar den Bericht der
Packard-Kommission erhalten, die er einsetzte, um Empfehlungen auszuarbeiten, die noch über die bereits erzielten
Verbesserungen hinausgehen.
- Die Administration ist bereit, mit dem Kongreß zwecks noch
stärker verbesserter Effizienz bei Exekutiv- und Legislativprozeß zusammenzuarbeiten; dabei wird verbesserte Planung und Organisation sowie beschleunigte Aktion, langfristigere Stabilität und weniger Mikromanagement ihr Ziel
sein.

�Geringere Abhängigkeit von Kernwaffen
"Unser Ziel sollte darin bestehen, eine Aggression abzuschrecken und, wenn nötig, zurückzuschlagen, ohne zu Atomwaffen Zuflucht zu suchen... (ein Programm), das eines Tages uns
alle aus dem Gefängnis des nuklearen Schreckens befreien könnte."
Hintergrund:
Die Strategische Verteidigungsinitiative stützt sich auf
eine Vielzahl technischer Neuerungen. Damit sollen Möglichkeiter geprüft werden, die Bedrohung durch Kernwaffen zu verringern, indem stärker auf Defensivdenn auf Offensivsysteme
abgeheben wird.
- Die NATO analysiert unter amerikanischer Führung die neuen
Technologien zum Zweck der verbesserten konventionellen
Verteidigung und hat die Anzahl der Kernwaffen in Europa
ve rringert.
- Die Technologie, die beim taktischen Raketensystem der Armee (ATACM) eingesetzt wurde, zeigte Anfang der achtziger
Jehre die Möglichkeit, eine Panzerformation in einer Entfernung von bis zu 120 Meilen und darüber hinaus anzugreifen.
- Neue nichtnukleare Marschflugkörper können unter allen
Wetterbedingungen sowie bei Tag und Nacht Punktziele aus
einer Entfernung von Hunderten von Kilometern treffen.
Dauerhafter Frieden erfordert Verhandlungen aus einer
Position der Stärke
"Jedes Nachlassen würde zum
fahren hervorrufen, die Amerika
unsere Verhandlungsposition auf
wir aus schmerzlicher Erfahrung
Gegener, die Sowjets nur solche
tion der Stärke verhandeln."

jetzigen Zeitpunkt nur die Gevermeiden muß; und es könnte
fatale Weise schwächen. Wie
wissen, respektieren unsere
Staaten, die aus einer Posi-

"Wir möchten Abkommen, die die nukleare Gefahr echt vermindern. Wir wollen nicht lediglich Unterzeichnungszeremonien
und Ferbfotos der politisch Verantwortlichen, die sich mit
Champagner zuprosten. Wir wollen mehr. Wir wollen wirkliche
Abkommen - Abkommen, die wirklich funktionieren -, ohne Betrug. •
Hintergrund:

�Hintergrund:
Auf dem Genfer Gipfel kamen die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten überein, den Fortschritt bei den Kernwaffengesprächen in Genf zu beschleunigen, auf ein INF-Interimsabkommen sowie auf eine angemessen durchzuführende 50prozentige
Verringerung der offensiven Kernwaffen hinzuarbeiten. Wir einigten uns auch über zwei weitere Gipfel, einen in den Vereinigten Staaten, den anderen in der Sowjetunion.
- Erst in dieser Woche wieder haben die Vereinigten Staaten
einen neuen Vorschlag unterbreitet, der einen konkreten
Zeitplan i:ur Beseitigung der nuklearen bodengestützten
LRINF-Raketen in Europa, Asien und weltweit vorsieht.
- Die Vereinigten Staaten haben in Genf einen Vorschlag unterbreitet, der eine 50prozentige Verringerung der Kernwaffen vorsieht - und zwar auf eine Weise, die die Stabilität vergrößern würde.
- Die Vereinigten Staaten haben einen Vertragsentwurf vorgelegt, der die Herstellung chemischer Waffen verbietet und
eine wirksame Verifizierung vorsieht.
- Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten haben vor
kurzem bei den MBFR-Gesprächen in Wien einen neuen Vorschlag zur Verringerung der konventionellen Streitkräfte
in Europa unterbreitet.
- Die Vereinigten Staaten und die UdSSR verwirklichen derzeit eine neue Vereinbarung zur Verbesserung der direkten
Fernsprechverbindung - des "Heißen Drahtes" - und die Vereinigten Staaten haben Gespräche zwecks Errichtung von
"Zentren zur Verringerung des nuklearen Risikos" vorgeschlagen.
Bei den Nuklear- und Weltraumgesprächen sprechen die Vereinigten Staaten mit der Sowjetunion darüber, wie man zu
einer besseren, sichereren Welt gelangen könnte, wobei
größere Betonung auf defensive als auf massive Arsenale
offensiver Nuklearwaffen gelegt würde. Wir haben auch eine Initiative "offener Laboratorien" vorgeschlagen, um so
Vertrauen darüber zu schaffen, daß die Programme beider
Seiten bei der strategischen Verteidigung keine Bedrohung
darstellen.
- Die Vereinigten Staaten haben mehrmals eine Reihe von Initiativen unterbreitet, um eine wirksame Verifizierung der
bestehenden Begrenzungen bei Atomversuchen zu ermöglichen,
wie sie im Schwellenvertrag und dem Vertrag über Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken enthalten sind.
Schlußfolgerung
- 9 -

�Schlußfolgerung
"Lassen Sie uns dieses entscheidende Niveau von nationale
Stärke, Einheit und Zielen aufrechterhalten, das die Sowjetunion an den Verhandlungstisch gebracht und uns diese historische Gelegenheit gegeben hat, echte Verringerungen bei den
Atomwaffen zu erzielen und die Chance, einen dauerhaften Frie
den zu erreichen. Dies würde das höchste Vermächtnis sein,
das wir der Nachwelt hinterlassen können - für unsere Kinder
und Kindeskinder."
- Der Präsident hat eine ausgewogene Strategie für den Frie
den. Seine Komponenten ergänzen einander und sind interdependent. Ein starkes und kluges Verteidigungsprogramm
ist für die Verwirklichung unserer Koalitionsstrategie mi
Freunden und Verbündeten sowie für das Erreichen unserer
Rüstungskontrollziele von entscheidender Bedeutung.
- Wenn es uns nicht gelingt, das Verteidigungsprogramm des
Präsidenten zu unterstützen, werden wir den Fortschritt
aufs Spiel setzen, den wir in den vergangenen fünf Jahren
erzielt haben.

* * * * *

- 10 -

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

C*

März 1986

UDSSR WEGEN MANGELNDER WETTBEWERBSFÄHIGKEIT GEGEN SDI
- Robert Dornan im Foreian Press Center -

WASHINGTON - (AD) - Robert Dornan, Mitglied des Unterausschusses des amerikanischen Repräsentantenhauses für Rüstungskontrolle, internationale Sicherheit und Wissenschaft, erklärte
am 26. Februar 1986 gegenüber Korrespondenten im Foreign Press
Center in Washington, der Widerstand des Kreml gegenüber der
Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) rühre im wesentlichen daher, daß die Sowjetunion im technologischen Wettstreit
nicht mit der freien Welt mithalten könne: Die Sowjets "wissen,
daß bei einem technologischen Wettstreit ein System, das kein
freies System ist, nicht mit der freien Welt konkurrieren kann.".
Das Wettrennen zwischen Europa, den Vereinigten Staaten und
Japan "in dieser fünften Computer-Generation ist etwas, das die
Wissenschaftler in der Sowjetunion mit der Schreckensvision erfüllt, sie könnten dabei das Nachsehen haben."
Die Sowjetunion "fällt hoffnungslos zurück" - Grund für dieses Zurückfallen in der Hochtechnologie, so Dornan, ist die Tatsache der geschlossenen Gesellschaft.
Gorbatschow "kann

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�Gorbatschow "kann sagen, was er will, wenn es darum geht,
schon den Schulkindern die Computertechnologie verfügbar zu
machen. Aber eine geschlossene Gesellschaft ist ganz einfach in
einer Welt der fortgeschrittenen Computertechnologie nicht funktionsfähig. "
Die Sowjets "sehen eine ganze Menge von Nachteilen bei diesem technologischen Abseits, wenn die Vereinigten Staaten im
hochtechnologischen Bereich weiter nach vorn drängen," betonte
Dornan unter Hinweis auf den 23. März, dem dritten Jahrestag der
historischen Rede Präsident Reagans zu SDI: "Ich glaube, die
meisten Menschen haben mittlerweile erkannt, daß wir den Rubikon
überschritten haben und daß es bei der strategischen Verteidigung kein Zurück mehr gibt."
Im Kapitol, so Dornan, "geht es nicht länger mehr um das Argument, wie viel Forschung wir betreiben werden, sondern nur
noch ganz konkret um die Frage nach dem Geld." Und mit dem Hinweis darauf, daß das Repräsentantenhaus im Haushaltsjahr 1985
für SDI schon 2,5 Milliarden Dollar genehmigt habe, betonte
Dornan, daß künftige Mittel für die SDI-Forschung "in realen
Dollars nie unter diese Zahl fallen" würden.
Auf die Frage, was er jenen entgegnen würde, die behaupten,
die Doktrin der gegenseitigen Zerstörung habe einen großen Krieg
bislang verhindert, erwiderte Dornan: "Was den Frieden bewahrt
hat, ist das Wort 'Abschreckung'."
"Indem wir dieser Gleichung der Abschreckung einen defensiven Faktor hinzufügen, schaffen wir einen stabilisierenden
Faktor."
Dornan verwies auch auf "das weit ernstere Problem" einer
möglichen Weiterverbreitung von Kernwaffen unter kleineren Staaten als "die Proliferation von Offensivwaffen in den Arsenalen
der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten." Die Verhinderung
einer solchen Weitergabe von Atomwaffen an kleinere, instabile
Staaten sollte "die Hauptaufgabe der Vereinten Nationen sein."
In Beantwortung einer Frage über die Beteiligung der Bündnispartner der Vereinigten Staaten an SDI erklärte er, die Sicherheit der Welt "ist zu wichtig, um wieder in Isolationismus
zu verfallen, wie wir dies in den dreißiger Jahren getan haben,
und auf eine Festung Amerika zu hoffen, wobei wir unsere Hochtechnologie allein und ohne unsere Verbündeten benützen, um ein
Verteidigungssystem zu entwickeln, das nur die Vereinigten Staaten abdeckt. Wir leben in einer immer kleiner werdenden Welt,
dem Welt-Dorf, und wenn wir den Besitz von Schreckenswaffen bei
kleinen, instabilen Staaten unter Kontrolle bringen wollen, dann
müssen wir uns auch um ein System der strategischen Verteidigung
bemühen."
* * * * *

- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Nationale Stärke muss aufrechterhalten werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten zur nationalen Sicherheit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;KVAE, KSZE und die US-Sicherheitspolitik in Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von US-Botschafter Robert L. Barry in Bern -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Reagan-Strategie für die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Arbeitspapier des Weißen Hauses zur Rede des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;UDSSR wegen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit gegen SDI&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Robert Dornan im Foreign Press Center -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und

I

pf-i {l/i I W I T M
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978
INHALT
DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters vor Beginn seiner zweiten Weltreise
Carter fordert Zusammenarbeit zwischen Entwicklungsländer und
Industrieländern
- Rede des US-Präsidenten vor dem venezolanischen Parlament Pressekonferenz Präsident Carters in Brasilia
- Auszüge USA und Afrika:

Gemeinsam in die Zukunft

- Rede von Präsident Carter in Lagos INFORMATION
USA für stärkere Bemühungen um konventionelle Abrüstung
HINTERGRUND
Präsident Carter kündigt neues Programm zur Städtesanierung an
- über 8 Milliarden Dollar aus Bundesmitteln vorgesehen - von unserer Korrespondentin Bonnie Potter WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Spacelab - begehrte Experimentierstation
- Warteliste für Flüge mit dem Raumtransporter Wetterwacht durch Satelliten wird verstärkt
- USA starten sechs neue Geräte in sieben Monaten -

Um Übef/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS VOR BEGINN SEINER ZWEITEN WELTREISE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat zu Beginn seiner zweiten Weltreise mit den Stationen Venezuela, Brasilien, Nigeria und Liberia
am 28. März 1978 vor dem Abflug vor dem Weißen Haus betont, seine Reise solle
die Fähigkeit der Vereinigten Staaten unter Beweis stellen, mit der heutigen
vielfältigen Welt konstruktiv und kreativ umzugehen.
Der Präsident erklärte wörtlich:
Ich trete heute eine Reise an, die die Fähigkeit unserer Nation aufzeigen wird, mit der Vielfalt der Welt, in der wir leben, in konstruktiver
und kreativer Weise umzugehen. Auf jeder Station dieser Reise werden unsere
leitenden Grundsätze sein: wirtschaftliche Gerechtigkeit, Menschenrechte,
faire Beziehungen unter Staaten und die Suche nach einer friedlichen Lösung
der Konflikte und der potentiellen Konflikte der Welt.
Mit Lateinamerika und Afrika verbinden uns besondere und seit langem
bestehende Beziehungen.

Viele Menschen in unserem Lande können ihre Wurzeln

in diese beiden Kontinente zurückverfolgen, und wir teilen mit diesen Nationen eine Geschichte der Freiheit, die durch. Kampf gegen koloniale Beherrschung
und Herrschaft errungen wurde.
Die

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Telex:08-85432

�Die Länder, die ich besuchen werde, sind beispielhaft für die tiefgreifenden Veränderungen, die sich vollziehen, und die wachsende Bedeutung
unserer Beziehungen zu den neuen Führern der Entwicklungswelt.

In Venezuela,

in Brasilien, in Nigeria und in Liberia werden wir versuchen, Freundschaften
zu stärken, gemeinsame beiderseitige Interessen und beiderseitige Möglichkeiten zu suchen wnd von den Führern dieser einflußreichen Länder zu lernen.
Zu Ende dieses Jahrhunderts werden 80 Prozent der Weltbevölkerung in
Lateinamerika, Asien und Afrika leben.

Sich rasch entwickelnde Länder, wie

die vier, die ich besuche, werden eine immer größere Rolle in unserem Leben
hier in den Vereinigten Staaten spielen.

Und wenn wir unser gemeinsames

menschliches Schicksal in dieser Welt des Wandels bestimmen, dann werden wir
unsere Größe nur dann erhalten können, wenn wir in der Lage sind, uns zu ändern und gleichzeitig den Grundsätzen treu zu bleiben, die unser Land stark
gemacht haben.
Ich trete diese Reise an, um unseren Freunden stolz und klar unsere
eigenen amerikanischen Werte zu erläutern und ihre Auffassungen und ihre
Anliegen zu verstehen. Mein größter Ehrgeiz wird sein, das Volk meines
Landes wahrhaft und gut zu vertreten. Und wenn es mir gelingt, diesen Ehrgeiz zu erfüllen, dann wird das den Erfolg meiner Mission gewährleisten.

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978

CARTER FORDERT ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN ENTWICKLUNGSLÄNDERN
UND INDUSTRIELÄNDERN
• Rede des US-Präsidenten vor dem venezolanischen Parlament -

CARACAS, VENEZUELA -(AD) - Präsident Jimmy Carter hat im Rahmen
seiner zweiten Weltreise in einer Rede vor dem Parlament von Venezuela
am 29. März 1978 eine verstärl-te Zusammenarbeit zwischen Entwicklungsländern und Industrienationen gefordert. Wenn sich Industrie- und
Entwicklungswelt nicht in die Verantwortung für den weltweiten Fortschritt teilten, dann wären alle Bemühungen umsonst, so betonte Carter.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, meine Herren Senatoren, Senor Barrios,
meine Damen und Herren:
Es ist mir eine Ehre, heute vor dieser freien Versammlung einer
der größten Nationen dieser Erde zu stehen, um die herzlichen Grüße des
amerikanischen Volkes zu überbringen, dessen Freiheitsliebe so tief ist
wie die Ihrige.
Unsere

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Telex:08-85432

�Unsere Nationen sind nicht nur durch gemeinsame Interessen verbunden, sondern auch durch die stärksten und dauerhaftesten Bande - die
der gemeinsamen IdealeVenezuela steht an vorderster Front derer, die die Sache der Demokratie verteidigen.
Vor anderthalb Jahrhunderten haben Sie der Welt Simon Bolivar geschenkt, ein Symbol der Freiheit, dessen Beispiel weit über die westliche Hemisphäre hinausreicht.

Heute bietet Venezuela den unverkennbaren

Beweis, daß politische Freiheit und wirtschaftlicher Fortschritt keine
gegensätzlichen Ideale zu sein brauchen, sondern sich im Gegenteil gegenseitig stärken.
Vor fast 200 Jahren reiste General Francisco de Miranda durch mein
Land, als er den Kampf um die Befreiung Venezuelas vorbereitete.
Voriges Jahr hat Ihr Präsident und mein Freund

Carlos Perez diese

Reise nachvollzogen, und mit jedem Schritt, den er in meinem Lande tat,
unterstrich er immer deutlicher unsere traditionelle gemeinsame Verpflichtung zu den demokratischen Werten,
Ihr Land hat unermüdlich - und mit Erfolg - für die weitere Annahme
der Amerikanischen Menschenrechtskonvention und die Stärkung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission gearbeitet.
Wir sind, wie Sie, der Überzeugung, daß sich keiner von uns einer
echten Freiheit erfreuen kann, wenn andere unterdrückt sind.
Ihr Land und andere in Lateinamerika und in der Karibik haben die
fwnrung auf einem weiteren Gebiet übernommen, das von gleich tiefgreifender Wirkung auf die Welt der Zukunft sein wird:

- 2 -

das Verhältnis zwischen

�zwischen den modernen Industriestaaten, die über den größten Anteil an
Einfluß und materiellen Gütern verfügen, auf der einen Seite, und den armen
und aufstrebenden Nationen der Welt, die begreiflicherweise nach einem
größeren und gerechteren Anteil streben.
Vor der Organisation Amerikanischer Staaten habe ich im vorigen
Jahr erklärt, daß die wirtschaftlichen Probleme, die ein zentrales Anliegen der Vereinigten Staaten und Lateinamerikas sind, globale Probleme
sind, und daß sie in einem ständigen Dialog zwischen den reichen und
den armen Nationen in Angriff genommen werden müssen.
Engere Konsultation unter unseren Ländern würde zu größerer Harmonie,
besserem kollektiven Urteil, zur Vermeidung von Fehlern und zur Verhütung
von unabsichtlichem Unrecht gegenüber jenen führen, die schwach und am
meisten verwundbar sind.
Ich möchte heute mit Ihnen über die Verantwortung sprechen, die
wir - die entwickelten und die sich e n t w i c k e l n Länder - gemeinsam bei
der Schaffung einer gerechteren internationalen Ordnung tragen.
Ich möchte heute über eine Vision sprechen - eine Vision dessen,
was aus unserer Welt werden kann; ob sie eine Welt der Ungerechtigkeit
und der Armut wird oder eine der Partnerschaft und der Erfüllung; ob
wir die Veränderungen im voraus prke: 1er. die unausweichlich kommen, und
uns ihnen anpassen, oder ob wir vor der Zukunft die Augen verschließen
in der vergeblichen Hoffnung, daß man den Veränderungen vorbeugen könne.
Gestern abend erklärte Präsident Perez in seiner so beredten und
bedeutsamen Ansprache - und ich zitiere - daß "von allen unseren Utopien
die gefährlichste diejenige von Leuten ist, die da denken, daß die Welt
so weiterbestehen kann, wie sie heute ist oder wie sie vor 30 Jahren
gesehen wurde."
Diese

�&gt;

Diese Überlegungen führen uns zu der grundlegenden Erklärung, daß
die Krise, die sich jetzt auf die Welt auswirkt, sehr tiefgehende Wurzeln
hat.

Wir machen heute eine moralische Krise durch, eine Krise der

ethischen Prinzipien.
Politische, wirtschaftliche und soziale Veränderungen haben bereits
unsere moderne Welt umgeformt.

Die alten kolonialen Weltreiche sind

zerbrochen, und mehr als einhundert neue unabhängige Nationen sind an
ihre Stelle getreten.
Unsere Länder sind wirtschaftlich stärker voneinander abhängig;
bereiter, einander als Gleichberechtigte zu behandeln; fähiger, einander
zu beeinflussen - zum Guten oder zum Schlechten hin - als jemals zuvor
in der Geschichte.
•

Wir müssen uns über diese Tatsache im klaren sein: daß wir zusammen
die Verantwortung für die Lösung unserer geneinsamen Probleme tragen.
Unsere Verpflichtungen werden im einzelnen unterschiedlicher Natur
sein, unsere Interessen und die von uns gesetzten Akzenten werden natürlich variieren, aber jeder von uns - Nord und Süd, Ost und West - muß
seinen Teil der Bürde tragen.
Wenn die Verantwortung für den globalen Fortschritt nicht gemeinsam
getragen wird, dann werden unsere Bemühungen ganz gewiß erfolglos sein.
Nur wenn die Verantwortung gemeinsam übernommen wird, können wir vielleicht
die Ziele verwirklichen, die unsere Völker zu erreichen suchen und die
unsere Zeit von uns verlangt.
Wir haben drei Ziele: Erstens, das wirtschaftliche Wachstum der
Welt durch eine stärkere Einbeziehung der Entwicklungsländer zu beschleunigen, denn deren Fortschritt ist für eine weltweite Prosperität,
für uns alle von entscheidender Bedeutung; zseitens, den größten Nutzen

- 4 -

�Nutzen aus dem größten Gut der Welt zu ziehen, nämlich aus ihrem menschlichen Potential;

und drittens, sicherzustellen, daß alle Länder in

vollem Umfange an den grundsäizlichen Entscheidungen über weltwirtschaftliche und weltpolitische Fragen beteiligt sind.
Nur durch gemeinsame Maßnehmen können wir Handel und Investitionen
ausbauen, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen, die Inflation einzudämmen und
den Lebensstandard unserer Völker zu steigern.
Die Industrienationen haben die gleichen Probleme und können nicht
von sich aus allein die wirtschaftliche Wiederbelebung der Welt zustande
bringen.
Ein starkes Wachstum und eine starke Expansion in den Entwicklungsländern sind von entscheidener Bedeutung - und in dem Maße, in dem sie
Erfolg haben, müssen sie - und das ist schwer - auf die Verantwortung
des Erfolges in einer auf höchsten Wettbewerb

abgestellten Weltwirt-

schaft vorbereitet sein.
Es gibt fünf Maßnahmen, die wir gemeinsam ergreifen müsser :
Wir müssen den Kapitalfluß nach den Entwicklungsländern verstärken.
Wir müssen ein faireres und offeneres Welthandelssystem schaffen.
Wir müssen darauf hinarbeiten, die destabilisierenden Preisbewegungen
in der Weltwirtschaft zu mildern
Wir müssen bei der Einsparung von Energie und der Entwicklung der
Energiequellen zusammenarbeiten.
Wir müssen die technologische Kapazität der Entwicklungsländer ausweiten.
Keine

�Keine dieser Aufgaben ist einfach, und jede verlangt Anstrengungen
von allen Seiten.
Private Institutionen und Investoren werden auch weiterhin die
Hauptrolle bei der Verstärkung der Kapitalflüsse spielen, aber das Kapital,
das von öffentlichen Institutionen und von Regierungen bereitgestellt wird,
ist natürlich ebenfalls von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung.
Wir in den Vereinigten Staaten werden unseren Anteil übernehmen.
Bei der Gestaltung des weltwirtschaftlichen Geschehens legen wir
besonderes Gewicht auf die Erweiterung des Weltwährungsfonds, der sowohl
den Entwicklungsländern als auch den Industrienationen dabei hilft, ihre
Zahlungsbilanzprobleme zu lösen.
Wir in den Vereinigten Staaten werden auf eine baldige Bewilligung
unseres sehr wesentlichen Beitrages zur Zusatzfazilität von 10 000
Millionen Dollar drängen, wie sie Mr. Witteven empfohlen hat.
Die internationalen Entwicklungsbanken sind von grundsätzlicher
Bedeutung für die Gesundheit der Weltwirtschaft.

Sie tragen zum Wachstum

und zur Entwicklung zahlreicher Länder und somit zur Expansion des Welthandels bei.
In den kommenden Jahren wollen die Vereinigten Staaten ihre Beiträge
vergrößern,und wir werden mit anderen Nationen in dem Bemühen zusammenarbeiten, dafür zu sorgen, daß diese Institutionen die benötigte Unterstützung auch erhalten.
Die bilaterale wirtschaftliche Unterstützung muß ebenfalls eine
wichtige Rolle spielen.

So habe ich zum Beispiel den Kongress ersucht,

eine 28 prozentige Erhöhung unseres diesbezüglichen Programmes allein
für das kommende Jahr zu bewilligenIch begrüße

�Ich begrüße die Bemühungen Venezuelas und anderer Entwicklungsländer, ihre eigenen Programme der wirtschaftlichen Unterstützung zu erweitern.
Alle OPEC-Länder haben die Verpflichtung, ihre überschüssigen Mittel
dafür einzusetzen, daß die menschlichen Ansprüche der Weltbevölkerung
erfüllt werden.
In einigen Fällen ist die Rückzahlung amtlicher Entwicklungshilfe
zu einem Hindernis für die Entwicklung geworden.
Meine Regierung unterstützt Gesetze, die jetzt dem Kongress vorliegen
und die es uns gestatten werden, die Rückzahlungsbedmgungn für amerikanische Hilfsanleihen für einige der am wenigsten entwickelten Länder zu
erleichtern.
Wir müssen auf ein erweitertes und gerechteres Handelssystem hinarbeiten. In keinem Bereich der wirtschaftlichen Beziehungen sind die
Möglichkeiten Lateinamerikas größer - aber auch seine Verantwortlichkeiten schwerer - als bei der Ausweitung des Handels. Die multilateralen
Handelsverhandlungen, di'p gegenwärtig in Genf stattfinden, sind ein
Brennpunkt für die kontinuierlichen Anstrengungen, den Handel zu liberalisieren und den Regeln für diesen internationalen Handel mehr Gewicht zu
verleihen. Sowohl die Industrie- als auch die Entwicklungsländer haben
ein enormes Interesse an einem Erfolg dieser Verhandlungen. Wir müssen
allen Versuchungen widerstehen, neue Einfuhrbeschränkungen zu errichten,
und wir müssen alle bestrebt sein, die bestehenden Handelsschranken sowohl Zölle als auch andere Maßnahmen - abzubauen, während wir gleichzeitig den Entwicklungsländern besondere Aufmerksamkeit schenken und
ihnen Vorteile gewähren.

Wir müssen ferner darauf hinwirken, die destabilisierenden Preisbewegungen in der Weltwirtschaft zu mildern und die Rohstoffpreise zu

- 7 -

�zu stabilisieren.

Vernünftige und stabile Exportpreise können die In-

flation niedriger halten und ein besseres Einkommen sowie einen reguläreren
Fluß neuen Investitionskapitals für jene fördern, die Rohstoffe produzieren.
Alle Länder können daher aus den Verhandlungen über Rohstoffabkommen
und deren Verwirklichung Nutzen ziehen, sowie aus dem - mit Hilfe der
Vereinigten Staaten und anderer wichtiger Länder - zu schaffenden gemeinsamen Fonds zur Preisstabilisierung.
Wir haben bereits damit begonnen, hinsichtlich der klugen Nutzung
der begrenzten Ressourcen der Erde - wie beispielsweise der Nahrungsmittel - zusammenzuarbeiten und entsprechende Pläne aufzustellen, und
das Gleiche müssen wir jetzt im Hinblick auf die Energie tun.
Sowohl die Industrienationen als auch die Entwicklungsländer müssen
Energie einsparen und noch mehr unserer gewaltigen technologischen Anstrengungen und Ressourcen darauf verwenden, weltweit neue Energiequellen wie aus der Sonne - zu erschließen oder sogar - wie uns einige lateinamerikanische Staaten gezeigt haben, aus Zucker und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Dies muß geschehen, ohne daß unsere Umwelt zerstört oder eine Welt
geschaffen wird, in der sich nukleare Explosionen immer weiter ausbreiten.
Für den Rest dieses Jahrhunderts bringen die Entwicklungsländer
das größte Wachstumspotential. Um immer mehr auf eigenen Füßen zu stehen,
müssen die Entwicklungsländer ihre technologische Kapazität erweitern.
Zu ihrer Unterstützung schlage ich die Schaffung einer neuen amerikanischen
Stiftung für technologische Zusammenarbeit vor.
Durch private und öffentliche Stiftungen sowie durch eine verstärkte
Beteiligung an den Konferenzen der Vereinten Nationen können wir die
technische und wissenschaftliche Zusammenarbeit zu einem entscheidenden

- 8 -

�entscheidenden Element in unseren Beziehungen machen.
Unsere Hauptaufgabe als Mitglieder einer Weltgemeinschaft besteht
darin, auf den Tag hinzuarbeiten, an dem jeder Mensch eine faire Chance
hat, seine Möglichkeiten voll auszuschöpfen.
Die Bevölkerung der Welt wächst rasch, und in zwei Jahrzehnten
kann damit gerechnet werden, daß Zwei drittel der Weltbevölkerung - oder
noch mehr - in Asien, Afrika und Lateinamerika leben werden.
Wir möchten, daß jedes Kind ein gewünschtes Kind ist, und wir sind
uns darüber im klaren, daß drei von fünf Kindern in der Entwicklungswelt
nicht in den Genuß der für eine gesunde Ernährung benötigten Dinge
kommen- und daß nahezu Zweidrittel der Bevölkerung in der dritten Welt
keinen Zugang zu trinkbarem Wasser hat.
Diese Varhältnisse sowie andere Bedingungen sind eine Beleidigung
für das Gewissen der Menschheit.
Denn die Menschenrechte, an die wir zutiefst glauben, umfassen nicht
nur das Recht, frei zu sein und keine Mißhandlungen seitens der Regierung
erdulden zu müssen, sondern auch das Recht auf eine faire Chance für ein
anständiges Leben.
In unserer Welt sind die Früchte des Wachstums sehr ungleich verteilt.
Unter den Völkern und auch innerhalb der einzelnen Länder gibt es Reichtum
neben größter Armut und bitterem Leid.
Reiche und arme Länder sollten gleichermaßen einer Anhebung des
Mindestlebensstandards der ärmsten unserer Mitmenschen größere Aufmerksamkeit schenken.
Die Vereinigten Staaten werden ihre Anstrengungen intensivieren -

- 9 -

�intensivieren - insbesondere gegenüber solchen Ländern, deren Regierung
sich vor allem der Aufgabe verschrieben hat, den Grunderfordernissen ihrer
Bevölkerung in Bezug auf Gesundheit, Ausbildung und Unterkunft sowie auf
eine Erhöhung der eigenen Nahrungsmittel Produktion nachzukommen.
So werden wir beispielsweise einen Beitrag von mindestens 4,5
Millionen Tonnen Getreide für eine neue Nahrungsmittelhilfe - Konvention
leisten.

Wir unterstützen das international gesetzte Lebenmittel hilfeziel

von zehn Millionen Tonnen, und wir sind bereit, uns anderen Nationen
bei der Steigerung dier"&gt;r Menge anzuschließen - insbesondere in Zeiten
ernster Nahrungsmittelknappheit.
Was n M r die politischen Freiheiten anbetrifft, die ebenfalls Teil
der grundsätzlichen Menschenrechte sind, so sind wir der Überzeugung,
daß die Demokratie das beste System zur Verwirklichung dieses Zieles
bietet und daß die internationale Gemeinschaft eine besondere Verantwortung
dafür trägt, jene Länder zu unterstützen, die dabei sind, demokratische
Verfahren und Institutionen einzurichten.
Es kann keine Frage sein, daß sich die Institutionen, die wir geschaffen haben, einer sich ändernden und vielfältigen Welt anpassen
müssen.
Und das ist unser drittel Ziel.
Die Individualität und die Souveränität der einzelnen Nationen
müssen respektiert werden. Einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer muß entgegengetreten werden.
Ferner muß den massiven und exzessiven Waffenverkäufen Einhalt geboten werden, die mein eigenes Land sowie andere Industrieländer mit
den ärmeren Nationen tätigen, welche unter tiefgreifenden und ungelösten
sozialen und wirtschaftlichen Problemen leiden.
Genauso
- 10 -

�Genauso, wie alle Menschen an den Regierungsentscheidungen teilhaben
sollten, die ihr eigenes Leben berühren, so sollten auch alle Nationen Anteil haben an den internationalen Entscheidungen, die ihr eigenes Wohlergehen betreffen.
Die Vereinigten Staaten sind sehr interessiert, mit Ihnen wie in
der Vergangenheit zusammenzuarbeiten, um eine gerechtere internationale
wirtschaftliche und politische Ordnung zu gestalten.
Sowohl die Industrieländer, -"^ großen Einfluß in Institutionen
wie dem Internationalen Wehrungsfonds und der Weltbank haben, als auch
die Entwicklungsländer, die großen Einfluß in Einrichtungen »'ie der
Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung (UNCTAD)
haben, müssen gemeinsam die Verantwortung für die Öffnung des internationalen Systems für unterschiedliche Meinungen tragen.
Die Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit,
auf der, wie Sie wissen, Venezuela eine so wichtige und wesentliche
Rolle gespielt hat, war ein nützlicher Anfang für den weltweiten Dialog,
den wir suchen. Ein neugeschaffener Ausschuß der Vollversammlung der
Vereinten Nationen wird diese Arbeit fortführen.
Wenn wir uns einer verbeserten internationalen Wirtschaftsordnung
nähern, müssen wir über das Institutionelle hinausdenken und die Auswirkung des Wandels auf das tägliche Leben der Menschen zum Maßstab
nehmen. Wir wissen um unsere unterschiedlichen Auffassungen, aber wir
dürfen nicht zulassen, daß diese uns gegenüber den Problemer und den gewaltigen Chancen, die wir gemeinsam haben, blind machen.
Als ich im tiefen Süden der Vereinigten Staaten aufwuchs, haben wir
die Landwirtschaft in genau der gleichen Weise betrieben wie unsere
Großväter.

Wir sind vor Tagesanbruch aufgestanden und haben mit unseren

- 11 -

�unseren Händen bis Sonnenuntergang gearbeitet.

Wir besaßen keine Trak-

toren und kaum irgendwelche Maschinen, und wenn wir noch so hart arbeiteten,
dann wußten wir oft, daß wir unsere zukünftigen Ernten noch verfeinerten daß der p~ichtum unseres Bodens vom Wind davongetragen oder vom Regen
weggewaschen wurde.
Wenn wir unser Land bebauten, hatten wir keine andere Wahl, als es
weiter zu bebauen und auf den gleichen Feldern zu arbeiten, denn vielen
von uns fehlten einfach die Kenntnisse odpr die Mittel, sie wieder fruchtbar zu machen.

Ich erinnere mich noch an die beinahe unglauMirhe Ver-

änderung, die die Elektrifizierung dem Landleben meiner Kindheit brachte.
Die Elektrizität befreite uns von der ständigen Mühe des Wasserpumpens, des Holzsägens und des Feuermachens in **"' Küche - aber sie
brachte noch mehr, sie brachte uns die Macht, nicht immer wieder die
alten kräftezehrenden Aufgaben zu erfüllen, sondern unsere eigene Wahl
zu treffen, denn die elektrische Kraft kam durch Kooperative zu uns,
an deren Entscheidungen wir alle beteiligt waren.

Das veränderte unser

Leben.
Farmer begannen sich zu treffen, um örtliche Anliegen und nationale
Angelegenheiten zu besprechen und sich zu entscheiden, wie man Einfluß
auf die Regierung nehmen und mit weit entfernt liegenden Firmen verhandeln könne, die ihren Bedarf lieferten. Ich habe erlebt, wie sich
das Leben auf der Farm in den Zeiten meiner Kindheit durch Energie,
Technologie und Beteiligung an den Entscheidungen, die uns und unsere
Familien betrafen,verändert hat.
Ich kann die unerfüllten Hoffnungen und Wünsche ande^r Völker in
den Entwicklungsländern nach einem Anteil an diesen Segnungen des Lebens
sehr gut verstehen.

Alle Nationen müssen zusammenarbeiter.. "W «Hü

Gültigkeit dieser Ansprüche anzuerkennen - um die Not und die Vielfalt

- 12 -

�Vielfalt der Entwicklungsländer voll in Rechnung zu stellen und die
gemeinsame Beteiligung an den internationalen Entscheidungen zu fördern,
die uns alle berühren.
Ich habe zu Ihnen von den gemeinsamen Verrichtungen gesprochen.
Die Industrieländer müssen langfristiges Kapital zur Verfügung stellen
und Handelsschranken abbauen.

Die Entwicklungsländer müssen die Ver-

pflichtungen übernehmen, die mit einer verantwortlichen Beteiligung an
einer sich entwickelnden Weltwirtschaft verbunden sind.
Echter Fortschritt wird durch spezifische kooperative Maßnahmen
erreic1"'• werden, die auf spezifische Erfordernisse abgestimmt sind nicht durch symbolische Erklärungen der reichen Industriestaaten, die nur
deren gewissen beruhigen sollen, und ebenso wenig dadurch, daß die Entwicklungsländer
erinnern.

mmer wieder an die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit

Wir müssen gemeinsam die Verantwortung für die Lösnng der

Probleme übernehmen - und uns nicht gegenseitig die Schuld an der Mißachtung der Probleme zuschieben.
Ich bin überzeugt, daß Ihr großes Land und das meinige gemeinsam
eine Vision eines internationalen Systems haben, an dem jeder Mensch und
jedes Volk Teil hat - in dem jeder einzelne und jedes Volk die Hoffnung
auf eine bessere Zukunft hat.
Nur in einer solchen Welt kann das Leben für alle Menschen lebenswert sein.
Ich danke Ihnen.

- 13 -

�a

Dokumentation

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT CARTERS IN BRASILIA
- Auszüge -

BRASILIA -(AD) - Präsident Jimmy Carter hat im Verlaufe seines Aufenthaltes in Brasilien am 30. März eine Pressekonferenz abgehalten, auf
der er zu einer Vielzahl von Themen - wie dem neuen Nonproliferationsgesetz der USA, den Menschenrechten, der Lage im Nahen Osten und im
südlichen Afrika und der Inflation - Stellung nahm.
Besonderes Interesse fanden Carters Ausführungen zur NonDroliferation. Die Fragen und Antworten hierzu haben folgenden Wortlaut:
Frage: Herr Präsident, rechnen Sie, nachdem Sie nun ein umfassendes
Nonproliferationsgesetz in Händen haben, damit, daß Sie Brasilien davon
überzeugen können, auf die von Deutschland erworbene Wiederaufbereitungs
und Anreicherungstechnologie zu verzichten? Und was wäre in diesem
Falle das Zuckerbrot, das Sie vor allem anbieten möchten, um die Kraft
Ihrer Argumente in Ihrem Treffen mit Präsident Geisel zu stärken?
Antwort:

Wir unterstützen mit allem Nachdruck das Recht eines

jeden Landes, einen Teil seines Energiebedarfs aus der Kernkraft zu

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�zu beziehen.

Wie Sie wissen, hat unser Land eine führende Rolle bei

der Entwicklung der Atomkraft für friedliche Zwecke übernommen, und wir
würden nichts unternehmen, um zu verhindern, daß dieser Trend sich fortsetzt - sowohl hier in Brasilien als auch in anderen Ländern der Welt.
Unsere eigene Nonproliferationspolitik macht jedoch einen Unterschied zwischen dem Recht eines Landes und den Bedürfnissen eines Landes,
Energie aus Atomkraft zu erzeugen, auf der einen Seite, und einem Recht
des Landes, nukleares Material für Waffenzwecke durch Anreicherungs- oder
Wiederaufbereitungsprozesse zu entwickeln.

Wir haben keine Befugnis,

uns in westdeutsche oder brasilianische Angelegenheiten einzumischen,
und wir wollen das auch nicht.

Aber als Freund beider Länder behalten

wir uns das Recht vor, ihnen gegenüber unsere Meinung zum Ausdruck zu
bringen, daß es gut wäre - und möglich wäre -, einen kompletten Brennstoffzyklus in einem Lande zu haben, ohne daß damit die Fähigkeit verbunden wäre, verbrauchte Brennstoffe aus Kernreaktoren wiederaufzubereiten.
So sind in den letzten 25 Jahren in den Vereinigten Staaten beispielsweise mehrfach größere Investitionen -.Investitionen, die in die
Milliareden Dollar gehen - in Wiederaufbereitungsanlagen gesteckt
worden. Soweit mir bekannt ist - zumindest hinsichtlich der zivilen
Nukleartechnologie - sind alle diese Anlagen als unwirtschaftlich
wieder aufgegeben worden.
•

'

•

Dies ist also ein Unterschied, der zwischen Brasilien und den
Vereinigten Staaten besteht. Das Recht Brasiliens und der Bundesrepublik Deutschland, ihr Abkommen fortzuführen, stellen wir nicht in
Frage, aber wir haben uns das Recht vorbehalten - und auch davon Gebrauch gemacht -, unsere Besorgnisse sowohl gegenüber der brasilianischen
als auch der westdeutschen Regierung zum Ausdruck zu bringen.
Ich glaube

- 2 -

�Ich glaube, ich muß hier sagen, daß die europäischen Länder jetzt
angekündigt haben, in Zukunft Wiederaufbereitungsanlagen von der Liste
ihrer Exportgüter zu steichen.

Das ist uns ein sehr ernstes Anliegen.

Selbstverständlich hat Brasilien angekündigt, daß es keine Absicht
habe, nukleare Sprengstoffe zu erzeugen.
des Vertrages von Tlatololco.

Brasilien ist Signatarstaat

Brasilien hat jedoch den Vorbehalt ge-

macht, daß es sich an diesen Vertrag nur halten werde, wenn auch alle
anderen Länder ihn unterzeichnen.

Und Argentinien, Kuba, Frankreich,

die Sowjetunion, haben den Vertrag von Tlatalolco bisher nicht unterzeichnet.
;

.

•

• .

Wir hoffen sehr, daß sowohl Brasilien als auch andere Länder alle
Anstrengungen machen - wie dies auch von Seiten meines eigenen Landes
geschieht -, um die Weiterverbreitung der Kapazität zur Herstellung
nuklearer Sprengkörper an irgendein Land zu verhindern, das gegenwärtig
noch nicht darüber verfügt.
Frage:

Herr Präsident, und was ist nur

das Zuckerbrot?

Antwort: Wir haben kein besonderes Zuckerbrot anzubieten, außer,
daß wir Ländern - und mit dem neuen Gesetz des Kongresses jetzt weitaus besser voraussagbar - angereichertes Uran zur Verfügung stellen,
das zur Erzeugung von Energie geeignet ist, aber nicht für die Herstellung von Kernsprengstoffen oder für den Erwerb der technologischen
Kenntnisse dafür - und das gilt sowohl für die Verwendung von Uran,
mit dem Brasilien als natürlicherr Rohstoff nicht gesegnet ist, als auch
für Thorium, das wir -*n unserem eigenen Land haben und über das
Brasilien ebenfalls verfügt.
Die neue Thoriun-Technologie ist weitaus sicherer, um Energie zu
erzeugen, ohne auf Plutonium zurückzugreifen.

Kürzlich hat Brasilien -

und, wie ich mei le, in sehr umsichtiger Weise - mit der Bundesrepublik
Deutschland

eit. zusätzliches Abkommen unterzeichnet, das den Weg öffnet

für eine gegenseitige Beratung und die technologische Möglichkeit, Thorium

�Thorium zu verwenden. Aber das Recht Brasiliens und sein Wunsch, über
eine hochtechnische nukleare Energiekapazität zu verfügen, ist etwas,
das wir nicht bestreiten, sondern im Gegenteil sogar gutheißen.
Ich möchte noch einen weiteren Punkt hinzufügen, daß wir nämlich
für alle Länder die klare Notwendigkeit sehen, den Nonproliferations"
vertrag zu unterzeichnen. Wir sind bereits Signatarmacht. Das ist
auch die Sowjetunion, das sind auch die Deutschen, ja die meisten Länder
dieser Welt - und dies,zusammen mit den Sicherheitsmaßnahmen der Internationalen Atomeneryiebehörde, ist innerhalb eines Landes und auch in
der ganzen entwickelten und sich entwickelnden Welt eine Garantif» dafür,
tMI es in dor Zukunft nicht die Tendenz gehen wird, daß anderie Länder
eine Kapazität zur Herstellung nuklearer Sprengkörper entwickeln werden.
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Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978

USA UND AFRIKA: GEMEINSAM IN DIE ZUKUNFT
- Rede von Präsident Carter in Lagos -

LAGOS, NIGERIA - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer programmatischen
Rede im Nationaltheater in der nigerianischen Hauptstadt Lagos am 1. April 1978
die Afrikapolitik seiner Administration deutlich umrissen.

Die vielbeachtete

Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich komme aus einem großen Land, um ein großes Land zu besuchen. Wenn
meine Stimme Worte spricht, dann sind das nicht die Worte einer einzelnen Person, sondern die Worte eines Landes. Es ist kein Zufall, daß ich hier zu dieser Institution komme, wo freie und offene Debatten und Diskussionen zum Erfassen und Begreifen und zu Übereinkommen und damit zur Lösung von Problemen beitragen, die die Menschen von einander getrennt haben.
Es ist kein Zufall, daß ich nach Nigeria komme, um über unser bilaterales
Verhältnis und die Probleme Afrikas zu sprechen. Und es ist kein Zufall, daß
sich unsere Nation jetzt in beispielloser Weise Afrika zugewandt hat - nicht um
Ihnen unsere Dienst anzubieten, sondern um mit Ihnen gemeinsam in die Zukunft
zu gehen, indem wir unsere Stärke und die Ihrige zusammenfassen; indem wir unsere Schwächen korrigieren und Sie die Ihrigen. Und diese Abkehr von dem frühe-

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�früheren Beiseitestehen der Vereinigten Staaten ist keineswegs nur meine
persönliche Zusage, sondern ich repräsentiere das tiefe Gefühl und die tiefen Interessen des ganzen amerikanischen Volkes.
Ich bin stolz und zutiefst bewegt, der erste amerikanische Präsident
zu sein, der Ihrem Lande einen offiziellen Besuch abstattet, und ich bin besonders dankbar für die Herzlichkeit und Großzügigkeit meines Empfangs durch
die Regierung und die Bevölkerung Nigerias.

Ich weiß nicht, wer ihre Arbeit

tut, aber viele Nigerianer säumen die Straßen, um mich und meine Familie willkommen zu heißen, und ich danke Ihnen dafür.
Während meines ersten Jahres als Präsident der Vereinigten Staaten
hatte ich die Freude, eng mit General Obasanjo zusammenzuarbeiten und von ihm
und anderen afrikanischen Führern zu lernen.

Unsere Zusammenarbeit hatte für

mich eine besondere Bedeutung, da Afrika während der letzten 15 Monate einen
so großen Raum in meinen Gedanken eingenommen hat.
•

Unsere Länder haben viel gemeinsam.

Nigeria und die Vereinigten Staaten

sind große und vielfältige Nationen, die danach streben, ihre großen Ressourcen zum Wohle aller ihrer Menschen einzusetzen.

So stehen die Dinge heute,

und so soll es auch in Zukunft bleiben.
•

Die Amerikaner bewundern die Energie, die Klugheit, die harte Arbeit
und den Optimismus des nigerianischen Volkes, denn das sind genau die gleichen
Eigenschaften, die wir in meinem Lande bewundern.
Die nigerianische Regierung hat diese Fähigkeiten in ihren eigenen nationalen Erfolgen und in ihren Bemühungen um weltweiten Frieden und wirtschaftlichen Fortschritt bewiesen - in der Organisation für Afrikanische Einheit,
in den Vereinten Nationen und in anderen Gremien, in denen Nationen nach Gemeinsamkeiten suchen, um ihre Meinungsverschiedenheiten beizulegen und zusammenzuarbeiten.
Wir

- 2 -

�Wir bewundern ferner die humane und schöpferische Weise, in der Nigeria
eine Zeit der inneren Spaltung in Ihrer eigenen Geschichte liberwunden hat.
Mit Hilfe öffentlicher Aussprache und weitreichender Planung schaffen Sie eine
demokratische Zukunft für ein neues "Ein-Nigeria", und wir sind dankbar und
freudig erregt über diese Aussicht.

Unsere freundschaftlichen Bande gehen viele Jahre zurück.

Die ersten

nigerianischen Studenten kamen im 19. Jahrhundert nach den Vereinigten Staaten.
Ihr erster Präsident, Nnamdi Azikiwe, studierte in unserem Lande.

Als er sich

an der Lincoln-Universität bewarb, schrieb er, er glaube an "Erziehung zum
Dienen und an Dienen an der Menschheit".

Zehntausende junger Nigerianer sind ihm nach Amerika gefolgt, um sich
selbst zum Dienste hier in Ihrem Lande vorzubereiten.

Viele sind oder werden

Lehrer, die Ihnen helfen werden, Ihr Ziel der allgemeinen Grundschulbildung
zu erreichen.

Wir in den Vereinigten Staaten können auch von Ihnen lernen.

Denn auch wir werden durch unsere Bindungen und unser Erbe in Afrika bereichert,
so wie wir hoffen, zur Verwirklichung der afrikanischen Hoffnungen und Wünsche
beitragen zu können.

Unsere Nationen und unsere Kontinente sind durch starke Bande miteinander verbunden, die wir aus unserer Geschichte geerbt haben.

Uns sind auch drei Verpflichtungen hinsichtlich der Zukunft Afrikas gemeinsam:
- Wir teilen mit Ihnen eine Verpflichtung zur Mehrheitsherrschaft und
den Menschenrechten des einzelnen.
- Wir teilen mit Ihnen eine Verpflichtung zum wirtschaftlichen Wachstum
und der menschlichen Entwicklung, um die Grundforderungen der Menschen zu erfüllen.
- Wir teilen mit Ihnen eine Verpflichtung zu einem Afrika, das in Frieden
lebt, frei vom Kolonialismus, frei vom Rassismus, frei von militärischer Einmischung durch fremde Staaten und frei von den unvermeidlichen Konflikten, die

- 3 -

�die entstehen können, wenn die Integrität nationaler Grenzen nicht geachtet
wird.
Das sind die Dinge, die wir gemeinsam haben.
Diese drei Verpflichtungen bestimmen unsere Haltung gegenüber Ihrem
Kontinent.
Sie gehören zu den führenden Staaten in den internationalen Bemühungen,
die Grundsätze der Mehrheitsherrschaft und der Rechte des einzelnen im südlichen
Afrika zu verwirklichen.
Im vorigen Jahr haben wir mit Ihrer Regierung und den anderen sogenannten
Frontstaaten eng zusammengearbeitet in dem Streben, diese Ziele in Namibia und
Rhodesien zu erreichen.
Unsere Bemühungen sind jetzt in eine kritische Phase getreten.
Was Namibia betrifft, so hat es einen gewissen Fortschritt gegeben, da
die Beteiligung eine gewisse Flexibilität zeigen. Es ist wichtig, daß jetzt
eine Schlichtung erreicht wird. Gerade in der vorigen Woche haben wir und die
anderen westlichen Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen den
streitenden Parteien unsere Vorschläge für ein international akzeptables übereinkommen auf der Grundlage freier Wahlen übermittelt.
Diese Vorschläge bieten die beste Hoffnung auf eine faire und friedliche
Lösung, die Namibia auf eine mit der Sicherheitsratsresolution 385 übereinstimmende Weise die Unabhängigkeit bringen wird. Keine Gruppe wird auf Kosten
einer anderen bevorzugt. Sie schützen die Rechte aller. Sie sollten ohne
weiteren Verzug angenommen werden.
Die tragische Ermordung von Häuptling Kapuuo sollte nicht zu einer Ära
der Gewalt und der gegenseitigen Beschuldigung führen, sondern zu einer inter-

- 4 -

�international überwachten Wahl der Bevölkerung von Namibia, um eine Führung
zu wählen, die das Land in Frieden einigen und es nicht im Krieg spalten wird.

Was Rhodesien anbetrifft, so haben Großbritannien und die Vereinigten
Staaten einen Plan für eine Lösung vorgelegt, der auf drei Grundprinzipien
beruht:
- erstens, faire und freie Wahlen;
- zweitens, unwiderruflicher Übergang zur echten Mehrheitsherrschaft
und zur Unabhängigkeit; und
- drittens, Achtung der individuellen Rechte aller Bürger eines unabhängigen Simbabwe.

Dieser Plan bietet die beste Grundlage für ein Übereinkommen.

Er hat

die weitgehende Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und der Präsidenten der Frontstaaten, die Simbabwe umgeben.
achtet werden.

Seine Prinzipien müssen ge-

Es kann keinen Zweifel an der Verpflichtung der Vereinigten

Staaten zu diesen Prinzipien oder an unserer Entschlossenheit geben, eine gerechte Lösung zu verfolgen, die eine Waffenruhe und eine international anerkannte legale Regierung bringt.

Die große Aufgabe unserer und Ihrer Diplomatie besteht derzeit darin,
allen Beteiligten zu helfen, sich auf der Grundlage des anglo-amerikanischen
Plans zu finden und auf Gebieten der Übereinstimmung aufzubauen.

Nur eine

faire Lösung, die breite Unterstützung unter den Beteiligten findet, kann von
Dauer sein.

Der Übergang zur Unabhängigkeit eines neuen Simbabwe muß für alle Beteiligten die Möglichkeit sicherstellen, in dem demokratischen Prozeß auf
gleicher Basis konkurrieren zu können.

Der Weg muß unwiderruflich zur Mehr-

heitsherrschaft und in eine Zukunft führen, in der die Rechte eines jeden
Bürgers von Simbabwe ohne Rücksicht auf Stammeszugehörigkeit oder ethnische
Herkunft oder Rasse geschützt sind.

Das ist der Standpunkt unseres Landes.

Und von diesem Standpunkt werden wir nicht abgehen.
Hinsichtlich
- 5 -

�Hinsichtlich Rhodesiens und Namibias ist es höchste Zeit.
ligten müssen sich entscheiden.

Die Betei-

Sie können den Weg der Übereinkunft wählen,

und man wird sich ihrer als Männer des Weitblicks und des Mutes erinnern,
die neue Nationen - in Frieden geboren - geschaffen haben.

Oder sie können

auf ihren starren Standpunkten beharren, die zu neuen politischen Komplikationen führen, neue Konflikte schaffen, neuerliches Blutvergießen hervorrufen
und die Erfüllung ihrer Hoffnungen verzögern werden.
Und ebenso sind wir im Namen der Gerechtigkeit der Überzeugung, daß
die Gesellschaft in Südafrika schrittweise und friedlich und mit garantierter Achtung der Rechte aller verwandelt werden sollte und kann.

Wir haben

Südafrika klargemacht, daß die Natur unserer Beziehungen davon abhängen wird,
ob es zu einem Fortschritt in der vollen Beteiligung aller seiner Einwohner
an jedem Aspekt des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens der Nation
und zu einer Beendigung der Diskriminierung, zu einem Ende der Apartheid auf
der Basis der Rasse oder der ethnischen Herkunft kommt.

Auch von dieser

Überzeugung lassen wir nicht ab.
Ich bin in einer Gesellschaft aufgewachsen, die darum kämpft, zur Eintracht zwischen den Rassen durch Gerechtigkeit gegenüber den Rassen zu gelangen. Wenn schon unsere Probleme unterschiedlicher Art sind, so weiß ich doch,
daß ein Fortschritt am besten erreicht werden kann, wenn die Entschlossenheit,
Unrecht durch Recht zu ersetzen, Hand in Hand geht mit der Einsicht, daß das
Gefangengehaltenwerden durch die Ungerechtigkeit genauso die Priviligierten
wie die Machtlosen betrifft.
Daher glaube ich, daß wir unsere Entschlossenheit, für die Rechte der
Unterdrückten in Südafrika einzutreten, mit der Bereitschaft verbinden sollten, der weißen Minderheit unsere Hand entgegenzustrecken, wenn sie sich dazu
entschließt, ihre Gesellschaftsform umzugestalten und mit der Apartheid und
den verheerenden Bürden vergangener Ungerechtigkeiten Schluß zu machen.
Ich bin auch überzeugt, daß ein Fortschritt erzielt werden kann.

- 6 -

Wie

�Wie Andrew Young hier in Lagos im August vergangenen Jahres erklärte, ist
es keinesfalls naiv, den Glauben an Zukunftsträume zu haben, wenn wir bereit
sind, für die Verwirklichung solcher Träume zu arbeiten.
Unsere Sorge um die Menschenrechte erstreckt sich über diesen Kontinent
und über die ganze Welt.

Welches immer auch die Ideologie, die Macht oder

Rasse einer Regierung sein mag, die die Rechte ihres Volkes mißachtet, wir
treten einer solchen Mißachtung entgegen.
Wir Amerikaner begrüßen den realen Fortschritt in bezug auf die Menschenrechte, wie er in vielen Ländern - in Afrika wie in anderen Regionen - erzielt
wird.
So waren wir Amerikaner besonders ermutigt, als eine afrikanische
Gruppe in der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in diesem Jahr
die Forderung erhob, sich mit den Oppressionspraktiken von zweien ihrer eigenen Mitgliedsstaaten zu befassen.
Wir sind auch ermutigt durch die Entwicklung zu einer Demokratie, wie
sie sich in vielen Staaten vollzieht. Nigeria ist dafür ein hervorragendes
Beispiel. Die freien und fairen Wahlen, die Sie im vergangenen Jahr durchgeführt haben, lassen keinen Zweifel daran, daß Ihre Regierung an ihrem Entschluß festhält, bis zum Jahre 1979 eine zivile Regierungsform zu schaffen.
Das wird eine Inspiration für alle die in der Welt sein, die die Demokratie
und die Freiheit lieben. Wir beglückwünschen Sie zu diesem Entschluß. Natürlich muß jedes Land die Instrumente der Demokratie so gestalten, daß sie
seinen besonderen Bedürfnissen entsprechen - ein Prozeß, der jetzt durch
Ihre verfassunggebende Versammlung zum Abschluß gebracht wird.
Die Grundelemente sind:

Beteiligung der einzelnen an den Entscheidungen,

die ihr Leben betreffen; Achtung vor den bürgerlichen Freiheitsrechten durch
die Herrschaft des Gesetzes und dadurch Schutz der Würde aller Männer und
Frauen.
Wo
- 7 -

�•

Wo immer diese fundamentalen Prinzipien in Geltung stehen, kann eine
Regierung sich den notwendigen Veränderungen anpassen, ohne daran zu zerbrechen, und ein Volk kann solche Änderungen fordern, ohne zerbrochen zu
werden.
Diese Prinzipien sind eine Notwendigkeit für jede Demokratie - und sie
halten auch die Entwicklung in Gang.

Denn in einer Demokratie kann das Volk

selbst am besten sicherstellen, daß seine Regierung seine wirtschaftlichen
Rechte und auch seine politischen und bürgerlichen Freiheiten fördern wird.
Es ist meine Überzeugung - und wie ich weiß auch die Ihre -, daß ein jeder
das Recht auf Erziehung, auf Gesundheitsfürsorge, auf ausreichende Ernährung,
Wohnung und Arbeit hat.

Dieses sind die Grundlagen, auf denen Männer und

Frauen ein besseres Leben aufbauen können.
Das ist das zweite große Ziel, das die Vereinigten Staaten und Nigeria
gemeinsam haben:

die durch einen fairen und gerechten wirtschaftlichen Fort-

schritt ermöglichte menschliche Entwicklung.
Mein Land ist bereit, seinen fairen Anteil an der Förderung der afrikanischen Entwicklung zu übernehmen, einmal, weil es in unserem eigenen Interesse liegt, und zum anderen, weil es recht ist,
Mehr und mehr hängt das wirtschaftliche Wohlergehen der Amerikaner von
dem Wachstum der Entwicklungsländer hier in Afrika und in anderen Teilen der
Welt ab. Ein gutes Beispiel ist unsere Beziehung zu Nigeria, die gekennzeichnet ist durch die Achtung vor der Unabhängigkeit des anderen und die wachsende
Einsicht in unsere Interdependenz. Nigeria ist der zweitgrößte Rohöl 1ieferant
der Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten bilden den größten Absatzmarkt für das nigerianische öl und bilden damit die größte Einnahmequelle, die
für die dynamischen Projekte der Wirtschaftsentwicklung Nigerias von so entscheidender Bedeutung i$t. Aber der Umfang unseres Handels geht weit über
das Erdöl hinaus. Dieser wachsende Handel dient den Interessen unserer beiden
Länder. Wenn wir nigerianische Produkte kaufen, so tragen wir zur Entwicklung
Nigerias bei, aber wenn wir nicht auch mit unserer Technologie und unserer Pro-

�Produktionskapazität Ihr Partner werden können, muß unsere eigene Wirtschaftstätigkeit sich verlangsamen, amerikanische Arbeiter verlieren ihre Stellung
und der sich daraus ergebende wirtschaftliche Rückschlag bedeutet, daß wir
weniger von Ihnen kaufen können.
Eine finanzielle Unterstützung der Entwicklungsländer liegt daher in unserem eigenen Interesse, weil eine Welt von prosperierenden und sich weiterentwickelnden Wirtschaften eine Welt ist, in der auch Amerikas Wirtschaft gedeihen und blühen kann.
Wir erhöhen unsere bilaterale Entwicklungshilfe für Afrika, und bei meiner Rückkehr nach Washington werde ich dem Kongreß empfehlen, daß die Vereinigten Staaten 125 Millionen Dollar zur zweiten Aufstockung des Afrikanischen
Entwicklungsfonds beitragen.
Ich freue mich ferner, bekanntgeben zu können, daß ich kurz vor meiner
Abreise aus Washington unser Pionierkorps ermächtigt habe, seine Beteiligung
an der umfassenden Entwicklung des Niger-Fluß-Systems anzubieten, wie Sie ersucht hatten.
Wir räumen der Zusammenarbeit in den internationalen Bemühungen zur Verbesserung der Gesundheit auf der ganzen Welt neue Priorität ein. Wir möchten
gerne mit Ihnen zusammen prüfen, wie wir am besten mit Nigeria und den anderen
Nationen in Afrika zusammenarbeiten können, um mit den tödlichen und verstümmelnden Krankheiten fertig zu werden, die diesen Kontinent noch immer
heimsuchen.
Vor drei Tagen habe ich in Caracas in Venezuela über unsere Verpflichtung zum internationalen wirtschaftlichen Wachstum und zur internationalen
wirtschaftlichen Gerechtigkeit gesprochen.
uns gegeneinander fair verhalten.

Wir alle können gewinnen, wenn wir

Nigeria hat nach diesem Grundsatz gehandelt,

indem es bei der Aushandlung der Konvention von Lome und der Geburt der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten mithalf.
Alle
- 9 -

�Alle Nationen können nach diesem Grundsatz handeln, indem sie den Welthandel zunehmend freier und fairer gestalten.

Privatinvestitionen können un-

ter Vereinbarungen, die sowohl den Investoren als auch den Gastländern wie
dem Ihrigen nützlich sind, hilfreich sein, und die gemeinsame Nutzung von Technologie kann einen wesentlichen Unterschied bedeuten.

Wir sind besonders er-

freut, daß Nigeria so viele seiner jungen Menschen zur Ausbildung auf der mittleren technischen Ebene nach den Vereinigten Staaten schickt.
Wir brauchen faire internationale Abkommen über solche Fragen, wie die
Stabilisierung der Rohstoffpreise, die Schaffung eines gemeinsamen Fonds und
die Erleichterung der Schuldenlast für die ärmsten Nationen.
Jede Regierung hat die Verpflichtung, die wirtschaftliche Gerechtigkeit
innerhalb ihres eigenen Landes und auch unter den Ländern zu fördern.

Die

amerikanische Entwicklungshilfe wird in zunehmendem Maße in jene Gebiete gehen,
wo sie den größten Beitrag zu den wirtschaftlichen Rechten der Armen leisten
kann.
-

Der Fortschritt in der wirtschaftlichen Entwicklung erfordert, daß wir
auch unser drittes Ziel verfolgen, das wir wiederum mit Ihnen gemeinsam haben
- ein friedliches Afrika, frei von militärischer Intervention.

Denn wirtschaft-

licher Fortschritt läßt sich am besten in Zeiten des Friedens erreichen.

Die

Afrikaner selbst können am besten friedliche Antworten auf afrikanische Streitfragen finden - durch die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) und, wenn
notwendig, mit Hilfe der Vereinten Nationen.
Wir unterstützen Ihre Anstrengungen zur Stärkung der friedensstiftenden Rolle der Organisation für Afrikanische Einheit, und wir sind wie Nigeria
von den praktischen Beiträgen überzeugt, die die Vereinten Nationen leisten
können.
Friedenskorps der Vereinten Nationen spielen bereits eine entscheidende
Rolle im Nahen Osten.

Sie können dazu beitragen, in Namibia und Simbabwe Un-

- 10 -

�Unabhängigkeit und Mehrheitsherrschaft zu bringen.
vention

Die militärische Inter-

fremder Mächte oder ihrer stellvertretenden Helfershelfer in solchen

Streitfällen lassen lokale Konflikte nur zu oft noch komplizierter und gefährlicher werden und öffnen die Tür für eine neue Form der Beherrschung oder des
Kolonialismus.
te.

Wir sind gegen eine solche Intervention durch fremde Streitkräf-

Wir dürfen nicht zulassen, daß Rivalitäten der Großmächte unserer Hoffnun-

gen auf ein Afrika in Frieden zerstören.
Das ist einer der Gründe, warum wir die führende Rolle Nigerias begrüßen, wenn es darum geht, friedliche Lösungen für solche Tragödien wie den
kürzlichen Kampf zwischen Äthiopien und Somalia am Hörn von Afrika zu finden.
Wir sind besorgt, daß ausländische Truppen bereits innerhalb Äthiopiens
militärische Aktionen gegen die Eritreer planen, die nur zu weit größerem
Blutvergießen unter diesen unglücklichen Menschen führen werden. Obwohl ich
weiterhin sorgfältig darauf achten werde, daß unsere Freunde nicht in eine
nachteilige Position versetzt werden, so arbeite ich doch daran, unsere Rolle
als Waffenlieferant einzuschränken, und wir appellieren an andere, eine ähnliche Zurückhaltung zu zeigen. Wir ziehen es vor, gute Beziehungen zu Afrika
und andere Nationen durch Werke des Friedens und nicht des Krieges anzustreben. Der Beitrag Amerikas wird dem Leben und der Entwicklung und nicht dem
Tod oder der Zerstörung gelten.
Ganz offen gesagt, die militärische Zurückhaltung Außenstehender kann
am besten zustandegebracht werden, wenn alle Nationen, einschließlich jener,
die Waffen kaufen, aktiv eine solche Zurückhaltung anstreben.

Wir würden frei-

willige regionale Abkommen unter afrikanischen Führern zur Verringerung der
Waffenkäufe als einen großen Schritt zum Frieden und weg von der wirtschaftlichen Benachteiligung der Armen begrüßen und unterstützen, wenn sie das so
dringend benötigte Geld nehmen, um den Menschen ein besseres Leben zu geben,
statt Waffen zu kaufen, um Leben zu nehmen.
Ich habe heute nachmittag über viele Dinge gesprochen, aber auf die

- 11 -

�die eine oder andere Weise habe ich immer wieder über den Wandel in der
Welt gesprochen, an dem wir alle teilhaben.
Manchmal werden wir ungeduldig oder zynisch hinsichtlich dieses Wandels
und glauben, er gehe zu langsam vor sich oder vielleicht überhaupt nicht.
Ich bin mit sozialem Wandel vertraut.
Zu meinen eigenen Lebzeiten habe ich in meiner Geburtsregion, dem Süden
der Vereinigten Staaten, den Wandel erlebt - den Wandel von Armut und Verzweiflung und rassischer Spaltung zu einem Land großer Versprechungen und
Möglichkeiten und wachsender rassischer Harmonie.
Ich habe die sich auftürmenden Mauern zwischen den Rassen Stein um Stein
abgebaut gesehen, bis sich die Weißen und Schwarzen meines Landes darüber hinweg einander die Hand reichen konnten.
Ich weiß, daß unsere Gesellschaft anders ist als jede andere, und ich
weiß auch, daß wir in den Vereinigten Staaten noch viel zu tun haben.
Aber nichts kann meinen Glauben daran erschüttern, daß in allen Teilen
der Welt der friedliche Wandel eintreten und das Leben der Menschen segnen kann.
Nichts kann mich daran zweifeln lassen, daß dieser Kontinent seinen Kampf
um die Freiheit gewinnen wird:
- Freiheit von Rassismus und der Verweigerung der Menschenrechte;
- Freiheit von Not und Leiden; und
- Freiheit von den Zerstörungen des Krieges und ausländischer Intervention.
Nigeria ist eine große und einflußreiche Nation, eine regionale und
internationale Führungsmacht.
Wir
•

- 12 -

�Wir stehen Ihnen in Ihrer Arbeit zur Seite.

Wir wissen, daß Afrikaner

immer die Führung übernehmen werden, wenn es um die Gestaltung des Schicksals
ihrer eigenen Menschen geht.

Und wir wissen, daß dieser Kontinent sich der Befreiung erfreuen wird,
die für jene kommen wird, die rassische Spaltung und Ungerechtigkeit hinter
sich lassen.

Ich glaube, daß dieser Tag für Afrika kommen wird.

Und an diesem Tage

werden Schwarze und Weiße in gleicher Weise in der Lage sein, mit den Worten
eines großen Mannes meines eigenen Landes, Dr. Martin Luther King, zu sagen:
"Endlich frei, endlich frei, großer allmächtiger Gott, wir sind endlich frei."

- 13 -

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1

i

I

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978

USA FÜR STÄRKERE BEMÜHUNGEN UM KONVENTIONELLE ABRÜSTUNG

WASHINGTON - (AD) - Nach Ansicht der Vereinigten Staaten sollte die
Genfer Abrüstungskonferenz dem Problem der konventionellen Waffen breiteren
Raum geben, ohne sich deshalb von den Bemühungen um eine Verminderung der
Gefahr eines Nuklearkrieges ablenken zu lassen.
Diese Überzeugung vertrat der Leiter der amerikanischen Verhandlungsdelegation, Paul C. Warnke, in einer Rede vor der Genfer Konferenz am 21.
März 1978, wobei er unterstrich, daß die Vereinigten Staaten die Bemühungen
auf dem Gebiet der nuklearen Abrüstung mit aller Entschlossenheit fortführen
würden, sie jedoch in Zusammenhang mit einer umfassenderen Abrüstung gestellt zu sehen wünschen.
Die Rede Warnkes fiel zeitlich mit der Vertagung der zwischen der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten geführten Verhandlungen
über ein umfassendes Atomwaffentest-Verbot zusammen. Diese Verhandlungen
werden am 19. April wieder aufgenommen und sollen zu einem entsprechenden
Vertragsentwurf führen, der dann der Konferenz des Abrüstungskomitees, an
der 30 Staaten beteiligt sind, vorgelegt wird.
Warnke,

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�Warnke, der auch Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle
und Abrüstung (ACDA) ist, erklärte in seiner Rede unter anderem:
"Seit Jahren hat sich die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft - und besonders auch dieses Abrüstungskomitees - in erster Linie auf die Gefahren
konzentriert, die sich durch die Kernwaffen sowie andere Waffen der Massenvernichtung ergeben.

Angesichts der Konsequenzen, die die Anwendung solcher

Waffen für die Zukunft unserer menschlichen Zivilisation haben würden, ist
dies nur allzu verständlich.

Wir dürfen jedoch nicht die Tatsache aus den

Augen verlieren, daß der Einsatz solcher Waffen höchstwahrscheinlich das Resultat einer Eskalation eines militärischen Konfliktes wäre, der mit konventionellen Waffen begonnen hat.
Der Aufbau von mit konventionellen Waffen ausgerüsteten Streitkräften
bringt sehr ernsthafte Gefahren mit sich.

Blicken wir uns in der Welt um, so

sehen wir viele Länder, die Waffen von immer höherem technischen Entwicklungsstand in solchen Mengen erwerben, daß sie in vielen Fällen weit über ihre legitimen Bedürfnisse hinaus liegen.
Gefahr eines lokalen Konfliktes.

Dadurch erhöht sich natürlich gewaltig die
Die Entwicklungen, deren Zeuge wir in den

verschiedensten Teilen der Welt waren und von denen einige sich erst in jüngster Zeit abspielten, zeigen, daß es sich hier um eine sehr reale Gefahr handelt.
Die Vereinigten Staaten als einer der Hauptliferanten für konventionelle
Waffen haben ein sehr starkes Interesse an dem Problem einer Einschränkung
der Lieferung von konventionellen Waffen in der ganzen Welt bekundet. Die
Verantwortung für die Eindämmung dieser sich in die Breite erstreckenden Waffenlieferungen kann jedoch nicht allein bei den Lieferländern liegen. Sie erfordert vielmehr ebenso eine klare und entschlossene Haltung seitens der
Empfänger.
Man hört viel von den ungeheuren Mitteln, die von den NuklearwaffenStaaten im nuklearen Wettrüsten vertan werden.

- 2 -

Unserer Ansicht nach aber

�aber sollte noch viel mehr über die massive Abzweigung von Ressourcen gesagt und getan werden, die für den Erwerb immer größerer Mengen von konventionellen Waffen erfolgt - Ressourcen, die genutzt werden sollten, um für die
Menschen auf der Welt ein besseres Leben zu ermöglichen.
Nach Ansicht der Vereinigten Staaten ist es von größter Wichtigkeit,
daß die jetzt auf dem Gebiet der nuklearen Abrüstung gemachten Anstrengungen - die die Vereinigten Staaten mit beharrlicher Entschlossenheit zu verfolgen gewillt sind - in Zusammenarbeit mit umfassenderen Abrüstungsbemühungen gestellt werden.

Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die-

ses Komitee - ohne sich von seinen auf eine Verringerung der Gefahren eines
Nuklearkrieges gerichteten Bemühungen ablenken zu lassen - seine Kräfte auch
für die Lösung des Problems der Rüstung mit konventionellen Waffen einsetzen
kann und einsetzen sollte."

+ + + + +

- 3 -

�5. April 1978

PRÄSIDENT CARTER KÜNDIGT NEUES PROGRAMM ZUR STÄDTESANIERUNG AN
über 8 Millarden Dollar aus Bundesmitteln vorgesehen
- von unserer Korrespondentin Bonnie Potter -

WASHINGTON - (AD) - Die Regierung Carter hat Ende März vorgeschlagen,
die Erneuerung der amerikanischen Städte zum ersten Mal in der Geschichte
des Landes zu einem der Brennpunkte der Regierungspolitik zu machen.
"Die direkte Mitwirkung der Bundesregierung in der Pestaltung der
städtebaulichen Entwicklung basierte bisher auf einer Schaukelpolitik,"
erklärte der Präsident vor einer Versammlung von Gouverneuren, hohen
Beamten der Einzel Staaten und Bürgermeistern zahlreicher Städte am 27.
März. Die Zeit ist gekommen, betonte er, "diesen abrupten Sprüngen in
dieser Politik ein Ende zu bereiten," und statt dessen "eine langfristige
und umfassende Städtebaupolitik" einzuleiten.
Die von Präsident Carter umrissenen Vorschläge sehen die Bereitstellung von 8,2 Milliarden Dollar vor, die den Städten, der Geschäftswelt und freiwilligen Bürgerorganisationen zur Verfügung gestellt werden
sollen, um auf diese Weise neue Arbeitsplätze zu schaffen und gleichzeitig die Voraussetzung für die Renovierung von Altbauten, die Verbesserung

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�Verbesserung und Modernisierung '.er Nahverkehrsmittel, der sozialen
Dienste, der Museen und ärmerer Frei Zeiteinrichtungen zu ermöglichen.
Ein Teil der Mittel soll auch für die Verschönerung und Verbesserung
der städtischen Umwelt verwendet werden.
Die Regierung hofft, daß diese 8,2 Milliarden Dollar als eine Art
Katalysator wirken und zu einem Vielfachen an Neuinvestitionen von privater Seite anregen werden, die die großen Belastungen der Städte
mindern helfen: durch Schaffung neuer Arbeitsplätze in großer Zahl und
gleichzeitige Stärkung der Steuerbasis der Kommunen.
Rund 70 Prozent aller Amerikaner wohnen heute in Städten.

Die

Vereinigten Staaten sind mithi: mit Fug und Recht als ein Land mit
vorwiegender städtischer Bevölkerung anzusehen.

Seit Anfang der 50er

Jahre allerdings ist ein Trend zum Wegzug aus der City der großen Städte
zu beobachten: die Bevölkerungsziffern der Inneren Städte zeigen eine
•fallende Tendenz.

Viele Geschäftsleute verlegen ihre Tätigkeit in die

Vc^städte, wo sie weniger Steuern zahlen, und viele Arbeitssuchende
feigen ihnen mit ihren Familien auf ihrem Zug, um die von ihnen angebotenen Arbeitsplätze einzunehmen

"nd in den Genuß der offeneren Be-

siedlung, der modernen Wohnmöglichkeiten und besseren Schulen zu gelangen.
Zurück bleiben vornehmlich Familien der unteren Einkommensklassen.
Für diese müssen die Städte mehr für Dienstleistungen aufbringen, als
sie zum Steueraufkommen beitragen.

Die Folge ist, daß sich die Finanz-

lage, die Wohnmöglichkeiten und die Dienstleistungen der Städte laufend
verschlechtern und die Kriminalität steigt.
Diese Faktoren werden nach Angaben des Ministeriums für Wohnungsbau und Städteplanung gelegentlich durch Maßnahmen des Bundes und der
Einzelstaaten noch verstärkt. Die Bundesgesetzgebung fördert die Verlagerung von Arbeitsplätzen und damit auch die Flucht von Städtebewohnern

- 2 -

�Städtebewohnern aus der City in die Vorstädte - beispielsweise durch die
Gewährung von Anreizen zum Bau von Wohngebäuden in Suburbia, den Vorstädten.
Die Schaffung eines Netzes von Bundesautobahnen mit einer Gesamtlänge
von über 67000 Kilometern war ebenfalls ganz dazu angetan, c^e Entwicklung von Satellitenstädten vor den Toren der Innenstädte zu brünstigen.
Die Einzelstaaten wiederum haben die Finanzlage der Städte vielfach durch
ihre Steuergesetzgebung noch erheblich verschlimmert.
Nach Angaben von Patricia Harris, der Ministerin für Städteplanung
und Wohnungsbau, sollen die Politik der Bundes, der Einzel Staaten und
der Gemeinden enger miteinander verknüpft werden. So soll eine interministerielle Arbeitsgruppe unter Führung von Mitarbeitern des Weißen
Hauses alle wichtigeren neuen Gesetze und Vorschriften der Bundesregierung im Lichte ihrer möglichen Auswirkungen auf die städtischen Wohngebiete untersuchen. Alle einschlägigen neuen Gesetzesvorschläge sollen
von einer "Analyse der Auswirkungen auf die Kommunen" begleitet sein.
Dieses Programm der "neuen Partnerschaft" schließt die nachstehend
aufgeführten Schritte und Maßnahmen ein:
- Steuererleichterungen für Firmen, die langfristig Arbeitslose
einstellen - was in etwa auf eine Subventionierung der Löhne hinausläuft - und zusätzliche Steuergutschriften für Firmen, die Betriebe in
notleidende Wohngebiete verlagern oder dort gelegene alte Werksanlagen
modernisieren.
- Schaffung einer "Nationalen Entwicklungsbank" zur Absicherung
von niedrigverzinslichen Krediten an Unternehmen, die sich in städtischen
oder ländlichen Gebieten mit hohen Arbeitslosenraten niederlassen.
- Aufstellung eine? mit einer Milliarde Dollar dotierteil Programms
zur Renovierung öffentlicher Gebäude, Parkanlagen und Wohngebiete durch

- 3 -

�durch Kontraktfirmen, die sich bereitfinden, 50 Prozent der benötigten
Arbeitskräfte aus den Reihen der langfristig Arbeitslosen zu rekrutieren.
- Die Bereitstellung von weiteren 200 Millionen Dollar im Jahr
für den Bau von Nahverkehrsstrecken, Fußgängertunnels- und Oberwegen.
- Die Bereitstellung von 5 Millionen Dollar für die Ausweitung der
Gesundheitsbetreuung der Armen in den S'.ädten und von weiteren 50
Millionen Dollar zur Finanzieurng von sozialen Diensten wie Kindertagesstätten und Altenpflege.
- Die Aufstellung eines Programms "Lebenswerte Stadt", in dessen
Rahmen Kunstveranstaltungen, die Pflege städtischer Parkanlagen und
Freizeitmaßnahmen vom Bund bezuschußt werden können.
- Die Bereitstellung von 150 Millionen Dollar für direkte Kredite
an Hausbesitzer, die ihren Besitz instandzusetzen wünschen.
.

Um in den Genuß solcher Bundeszuschüsse zu gelangen, müssen die
Städte detaillierte Pläne vorlegen und den Nachweis erbringen, auf
welche Weise cie vorgesehenen Programme den Armen helfen beziehungsweise
der Abwanderung des Mittelstandes aus den Innenstädten entgegenwirken.
Die Bundesregierung ist bereit, jedem Einzelstaat bis zu 200 Millionen
Dollar zur Durchführung von Plänen zur Verfügung zu stellen, die geeignet
scheinen, der weiterer Expansion der Städte und der Verschlechterung
ihrer Finanzlage Einhalt zu gebieten.
Um die Privatwirtschaft für die Sanierung der Städte zu int°rer,sieren,
wäre die Regierung bereit, ein Versuchsprogramm zur Errichtung von "Nachbarschaftszentren für kommerzielle Reinvestitionen" zu starten. 7 ur
Mitarbeit in diesen Zentren würden Geschäftsleute und Bewohner des ent- '
sprechenden Stadtbezirks, Angehörige der Stadtverwaltung und Lokalbanken

�Lokalbanken aufgefordert, die bereit sind, Kredite für ortsansässige
Unternehmen bereitzustellen.
Die Regierung wäre auch bereit, 15 Millionen Dollar an Stadtbezirke und freiwillige Organisationen zu vergeben, die sich an der Durchführung von Wohnungsbau- und Städtesanierungsmaßnahmen beteiligen.
Diese Organisationen müßten ihre Dienste Angehörigen der unteren bis
mittleren Einkommensgruppen anbieten und durch ortsansässige Bürger
kontrolliert werden. Die Regierung würde in diesem Falle ein
Städtisches Freiwilligenkorps errichten - dem Friedenskcrps vergleichbar, das den freiwilligen Bürgerorganisationen bei der Durchführung
von Bezirkssanierungsprogrammen und sonstigen Maßnahmen zur Verbesserung
der Lebensverhältnisse helfend zur Seite stehen soll.
Ein großer Teil der vorgeschlagenen Maßnahmen ließe sich durch
einfache Verwaltungsanordnungen oder durch Ausweitung der Vollmachten
für bestehende Programme verwirklichen; die neuen Elemente des Gesamtprogramms - beispielsweise die Errichtung einer städtebaulichen Entwicklungsbank und die Gewährung von Lohnbeihilfen - dagegen bedürfen
der Billigung des Kongresses.

Es ist damit zu rechnen, oaß dieser

Präsident Carters Vorschläge eingehend prüfen und eventuell auch eigene
Prioritäten festsetzen wird.

Das Verfahren wäre im wesentlichen das

gleiche, das der Kongress im Falle des Energie- und des Sozialreformprogramms des Präsidenten angewandt hat.
Einige der jüngsten gesellschaftlichen Trends kommen den Initiativen
des Präsidenten entgegen: Jugendliche Angehörige der Akademischen Berufe wenden sich wieder verstärkt den städtischen Lebensbereichen zu,
was den Anstoß zur Erneuerung heruntergewirtschafteter Wohngebiete bietet;
der Rückgang der Geburten- und Eheschließungsraten treibt den Anteil der
kinderlosen Ehepaare und der Unverheirateten in die Höhe, die kaum
willens sind, in die "orstädte fbiuwandern; und die steigenden Energiepreise bieten einen weiteren Anreiz zum Verbleib in der City, wo der Aufwand für Heizung und Verkehr weit niedriger liegt als in Suburbia.
- 5 -

�5. April 1978

9

SPACELAB - BEGEHRTE EXPERIMENTIERSTATION
Warteliste für Flüge mit dem Raumtransporter

- (AD) - John W. Young, 47, Chef der Astronauten am Johnson-Raumfahrtzentrum in Houston, Texas, wird zusammen mit Fregattenkapitän Robert L.
Crippen, 40, seit 1969 Mitglied des amerikanischen Astronautenteams, den
ersten Testflug mit dem wiederverwendbaren Raumtransporter (Space Shuttle)
in einer Erdumlaufbahn unternehmen.

Als Termin ist Juni 1979 vorgesehen.

Kommandant Young führte im April 1972 APOLLO 16 zum Mond und war im Mai
1969 beim Flug APOLLO 10 dabei, als Raumschiff und Mondfähre zum ersten
Mal in Mondnähe getrennt erprobt wurden;

zuvor hatte er an den Flügen

GEMINI 3 (1965) und 10 (1966) teilgenommen.

Crippen besitzt noch keine Welt-

raumerfahrung.
Um das Flugverhalten des Raumtransporters zu prüfen und die technischen
Ausrüstungen sowie die wissenschaftlichen Instrumente, die in erster Linie
im Weltraumlabor (Spacelab) zusammengefaßt sind, gründlich zu erproben, sind
sechs Testflüge in Erdumlaufbahnen geplant. Anschließend wird der Routinebetrieb aufgenommen.
Im Oktober 1979 werden Space-Shuttle-Piloten ein Rendezvous mit SKYLAB
versuchen, um mittels Fernsteuerung ein Antriebsaggregat am "Himmelslabor" an-

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�anzubringen.

Dieser Motor soll es ermöglichen, die seit 1974 verlassene

Raumstation in eine höhere Umlaufbahn zu katapultieren.

SKYLAB verliert

schneller an Höhe, als ursprünglich vorausberechnet wurde, sodaß zwischen
März und November 1979 mit dem Absturz gerechnet werden müßte.

Ein Korrek-

turmanöver im April 1978 - die Vorbereitungen zur Aktivierung der Lagesteuerungsdüsen begannen im März und sind erfolgreich beendet - soll die
Fluglage so verändern, daß der 85-Tonnen-Koloß weniger stark als bisher von
den Gravitationskräften beeinflußt wird.

Man hofft, auf diese Weise Zeit

zu gewinnen, bis ein Rendezvous möglich wird, oder um das Himmelslabor wenigstens so steuern zu können, daß bei einem Absturz die Trümmer nicht auf
bewohnte Gebiete, sondern ins Meer fallen.
Erst mit dem Rendezvous wird sich zeigen, ob SKYLAB in eine höhere Umluafbahn zu befördern ist, ja vielleicht sogar in Verbindung mit späteren
Space-Shuttle-Einsätzen wieder genutzt werden kann. Das Problem der unterschiedlichen Gas- und Druckverhältnisse in den Fluggeräten (beide haben
zwar Mischgasatmosphäre, jedoch setzt sich die SKYLAB-Atmosphäre bei 0,3 at
Druck aus 72 Prozent Sauerstoff und 24-28 Prozent Stickstoff zusammen, während dieses Verhältnis in den Kabinen von Space Shuttle und Spacelab umgekehrt ist und der Druck dem auf der Erdoberfläche in Meereshöhe entspricht)
ließe sich durch das Zwischenschalten einer Schleuse lösen. Beim Treffen
der Raumschiffe APOLLO und SOJUS im Jahr 1975 mußten ähnliche Hindernisse
überwunden werden. Dabei hat sich die in den USA konstruierte Druck- und
Gasschleuse bestens bewährt.
Für die nächsten Jahre ausgebucht
Für den Raumtransporter nimmt die NASA gegenwärtig Vorbestellungen auf
Experimente an, die bei Flügen in den Jahren 1982 und 83 durchgeführt werden
sollen. Wie ehester M. Lee, der Leiter der NASA-Abteilung für Nutzlast-Programme und Einsatztermine, kürzlich bekanntgab, haben für diese Zeit die
ESA (Europäische Weltraumbehörde), Kanada und Indien gebucht, die Bundesregierung Deutschland und der Iran haben bereits Anzahlungen geleistet. Auch

- 2 -

�Auch Japan hat für 1983 ein größeres Projekt.
Lee berichtete vor 400 Wissenschaftlern und Ingenieuren aus den USA,
der Bundesrepublik, England, Frankreich, Indien, Italien, Japan und Kanada,
die zum "Goddard Memorial Symposium" über die internationale Anwendung von
Raumtransporter und Weltraumlabor vom 7. - 10. März 1978 nach Washington gekommen waren.

Hauptthema war das Weltraumlabor (Spacelab) der Europäischen

Weltraumbehörde ESA, ein 400 Milliönen-Dollar-Projekt, das die Bundesrepublik
als ESA-Mitglied mit mehr als der Hälfte des Betrages finanziert.

Spacelab

wird im Frachtraum des Raumtransporters untergebracht und ist so ausgerüstet,
daß mit Instrumenten und technischen Apparaturen Untersuchungen und Experimente z.B. zur Fernerkundung der Erde, auf den Gebieten Astronomie und Astrophysik, Chemie der Sonne und der Erdatmosphäre, aus Biologie und Medizin und
schließlich zur Fabrikation im Weltraum möglich werden.
Die mehrmonatigen Tests mit dem ersten Raumlabor, das an Bord des
Space Shuttle Nr. 102 im Dezember 1980 in den Orbit gebracht werden soll,
sind zur vollen Zufriedenheit von NASA und ESA ausgefallen, so daß jetzt für
die Fertigung in Bremen "grünes Licht" gegeben wurde. Mehr als 220 Wissenschaftler aus den USA, Dänemark, Belgien, der Bundesrepublik Deutschland,
Frankreich, England, Italien, Indien, Japan, Kanada, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und Spanien werden mit Experimenten vertreten sein.
"Mission Specialists" an Bord sorgen dafür, daß die nach ihrer Thematik höchst
unterschiedlichen wissenschaftlichen Aufgaben sachgerecht erledigt und, wenn
notwendig und möglich, den praktischen Gegebenheiten angepaßt werden. Es
wird u.a. ein Fernsteuerungsgerät der Kanadier erprobt, mit dem z.B. im Orbit
Satelliten abgesetzt oder eingeholt und Außenarbeiten durchgeführt werden.
Mit bemerkenswerte^ Engagement wird sich Indien an den RaumtransporterFlügen beteiligen.

Innerhalb der nächsten fünf Jahre will das Land 550 Mil-

lionen Dollar auf dem Raumfahrtsektor investieren - mehr als in den vergangenen 15 Jahren zusammen.

Indische Wissenschaftler sind beim ersten Spacelab-

Einsatz mit zwei Experimenten vertreten.

Außerdem soll "INSAT", ein indischer

�indischer Nachrichtensatellit, abgesetzt werden.
Spacelab 2, dessen Start für April 1981 vorgesehen ist, wird Experimente
von 47 amerikanischen und 12 englischen Wissenschaftlern an Bord haben.

Die

Raumfahrtinstitutionen der USA, der europäischen und einiger anderer interessierter Länder sind bemüht, die wirtschaftliche und bequeme Beförderung von wartungsfrei arbeitenden schweren Forschungsgeräten oder Satelliten in den Weltraum optimal zu nutzen.

So versprechen sich Astrophysiker in Europa und den

USA eine Fülle neuer Erkenntnisse durch den Einsatz eines Teleskops mit einem
Spiegel von 2,4 m Durchmesser, das als Kernstück eines 10 Tonnen schweren Observatoriums im Dezember 1983 mit dem Space Shuttle in eine Umlaufbahn in
500 km Höhe gebracht werden soll.
Obgleich das Teleskop ferngesteuert von der Erde aus betrieben wird, ist
eine Wartung im Weltraum durch Astronauten oder ein Zurückholen für Reparaturarbeiten auf der Erde samt Rückbeförderung in den Weltraum möglich. Die aktive Lebensdauer für dieses Instrument, mit dem 45 amerikanische und europäische,
in scharfem Wettbewerb von der NASA ausgesuchte Forscher arbeiten werden,
dürfte 12 - 15 Jahre betragen. Die Wissenschaftler sind überzeugt, damit
Räume bzw. Objekte im Universum zu erreichen, die 15 bis 20 Millionen Lichtjahre entfernt sind. Sie hoffen u.a., Sterne auch außerhalb unseres Milchstraßensystems zu erfassen, die Energie auf den Wellenlängen von Röntgenlicht
abstrahlen - beispielsweise Neutronensterne und Weiße Zwerge, wie man sie
innerhalb unserer Galaxie beobachtet, und schließlich auch die umstrittenen
"Schwarzen Löcher" und ihre kaum wahrnehmbaren Begleitsterne. Auch die erfahrensten Astrophysiker vermochten mit erdgebundenen, stationären Observatorien bisher in anderen Galaxien nur die hellsten Sterne zu erfassen. Mit Hilfe
des Weltraumteleskops hoffen,sie die Leuchtkraft und Chemie auch schwach leuchtender extragalaktischer Sterne untersuchen und sich ein Bild davon machen zu
können, woraus denn der "Durchschnittsstern" besteht. Ein gemeinsames Ziel
aller beteiligten Wissenschaftler formuliert Prof. Bruce Margon (Universität
Kalifornien, Los Angeles) folgendermaßen: "Wir können die Geburt junger Sterne

- 4 -

�Sterne sehen, aber niemals die Geburt junger Galaxien.

Mit dem Teleskop

jenseits der Erdatmosphäre hoffen wir, die Bildung neuer Galaxien beobachten
und sogar Aussagen über das Alter der heute bekannten galaktischen Systeme
machen zu können."

- 5 -

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1
I

Wi//cn/ch&lt;ift
VM) Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. April 1978

WETTERWACHT DURCH SATELLITEN WIRD VERSTÄRKT
USA starten sechs neue Geräte in sieben Monaten

- (AD) - Den Wettersatelliten ist es zu verdanken, daß in den letzten
Jahren Warnungen vor Wirbelstürmen meinst rechtzeitig genug kamen, um die Bewohner gefährdeter Gebiete vor Schaden an Leib und Leben zu bewahren.

Seit

dem Start von TIROS I im Jahr 1960 schickten die Vereinigten Staaten 38
"Wetterwarten" in den Weltraum, die, technisch immer mehr verbessert, weltweit meteorologische Meßdaten sammeln.

Sie helfen, die wetterbildenden Fak-

toren besser zu erfassen und zu verstehen und genauere Vorhersagen zu machen.
In Fotos von der Tag- und Nachtseite der Erde werden tagtäglich die Bewegungen und die Bildung von Wolkenfeldern überwacht, über Infrarotsensoren Temperaturen bis zum Boden und an der Meeresoberfläche gemessen.

Wissenschaftler

und Praktiker der verschiedensten Fachgebiete - Meteorologen, Landwirte,
Piloten, Schiffskapitäne, Fischer - und nicht zuletzt der "Mann auf der Straße"
profitieren von der Fülle von Daten, die die Wettersatelliten übermitteln.
Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA will jetzt das meteorologische
Beobachtungsnetz noch wesentlich verdichten. Von April bis Oktober 1978 werden weitere sechs meteorologische Satelliten gestartet, von denen drei speziell
der Forschung dienen, die anderen drei hunderte von Empfangsstationen auf der

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�i

der Erde routinemäßig mit den täglichen neuen Informationen über meteorologische'
Daten versorgen.

Zu den letztgenannten gehören TIROS N und NOAA 6 als die ersten

von acht Geräten der "dritten Generation"

von Wetterbeobachtungssatelliten,

die auf polarer Umlaufbahn in 850 km Höhe um die Erde kreisen, sowie GOES 3
auf stationärer Bahn in 36 350 km Höhe, wo der Satellit von der Erde aus gesehen fest am Himmel verankert scheint.
Die neuen Hochleistungssatelliten messen und registrieren beispielsweise
auf 1° Celsius genau Temperaturen von der Erdoberfläche bis in 32 km Höhe,
also bis in die Stratosphäre hinein - und dies am Tage und in der Nacht, bei
bedecktem und klarem Himmel.
chung noch 3° Celsius).
in der Atmosphäre.

(Bei den älteren Systemen beträgt die Abwei-

Sie messen den Wassergehalt im Boden, in Wolken und

Ein von englischen Wissenschaftlern beigesteuertes In-

strument, die sog. Stratosphärensonde, registriert Temperaturen, die nicht
nur für das Wettergeschehen, sondern auch für chemische Reaktionen in der Luft
von Bedeutung sind, durch die Ozon abgebaut wird.
Alle diese Daten werden durch Messungen ergänzt, die mit Hilfe von
Ballonen, Flugzeugen, Bojen, Schiffen oder kleinen stationären Plattformen
in abgelegenen Gebieten der Erde gesammelt und via Satellit zu meteorologischen Zentren gefunkt werden. Die kleinen Meßwarten registrieren beispielsweise örtliche Erdbeben, Windgeschwindigkeit, Niederschlag, Wasserspiegel
und Hochwasser, Strömungen und Temperaturen für Vergleiche mit Beobachtungsdaten, die Satelliten zur Erde melden. Jeder der beiden neuen Wettersatelliten
kann Informationen von 2000 Plattformen gleichzeitig bzw. von 10 000 Plattformen während eines Erdumlaufs sammeln. Dieses DatensammelSystem wurde in
Frankreich entwickelt, das auch für die Datenverarbeitung und die Verteilung
der Informationen verantwortlich ist.
Bodenstationen rund um die Erde können nach wie vor ihre APT-Geräte
benutzen, um die von den neuen Satelliten übermittelten Wetterbilder aufzunehmen.

Um jedoch die neuen Fotos mit sehr viel höherer Bildauflösung zu

empfangen, ist eine neuentwickelte Apparatur erforderlich, "Local User

- 2 -

�User Terminal" genannt.

Die Satelliten senden 1,33 Millionen Informations-

einheiten (Bits) pro Sekunde, haben also im Vergleich zu den bisher benutzten
Geräten die doppelte Leistung.
Der Wetterbeobachtungssatellit GOES hat bereits vier Vorläufer in dem
1974 begonnenen Programm.

Bei den Wissenschaftlern der US-Behörde für Meeres-

und Atmosphärenforschung (NOAA) gelten sie als das "wichtigste Instrument für
die Weiterentwicklung der Tropenmeteorologie seit der Erfindung des Radar".
Die Sturmvorhersagen wurden dank der von ihnen gelieferten Informationen in
vielen Ländern geradezu revolutioniert.

Wo jedoch das Nachrichtennetz im

Lande unzulänglich ist und Katastropheneinsatzpläne fehlen, fordern schwere
Stürme noch immer viele Opfer.
Drei amerikanische GOES-Geräte und geostationäre Satelliten der ESA
(Europäische Weltraumbehörde) sowie Japans werden ab Dezember 1978 in einem
internationalen Großexperiment eingesetzt, bei dem ein Jahr lang die meteorologischen Messungen zu Lande, auf See und in der Luft für Simultanbeobachtungen rund um den Erdball weltweit koordiniert werden. Wissenschaftler aus
64 Ländern werden sich daran beteiligen.
NIMBUS 7, in erster Linie Forschungsgerät, ist das letzte seiner Serie.
Es ist mit Instrumenten ausgerüstet, die Untersuchungen zur Luftverschmutzung,
für Aufgaben der Ozeanographie, zum Wettergeschehen und Klima erlauben. Die
Vorläufer NIMBUS 5 und 6 lieferten mit ihren Wärmemessungen auf der Tag- und
Nachtseite und durch Wolken hindurch den Beweis, daß die tropischen Meere
80 Prozent der Wärme, die sie täglich von der Sonne aufnehmen, wieder abgeben. Diese Wärme ist die treibende Kraft allen Wettergeschehens. Messungen amerikanischer Forscher haben ferner gezeigt, daß z.B. die Atmosphäre
über der Wüste Sahara eine negative Wärmebilanz hat: Die Reflexion des Bodens führt in Verbindung mit den atmosphärischen Gegebenheiten dazu, daß die
Atmosphäre mehr Wärme abstrahlt als zurückhält.

Bei

�Bei den zwei übrigen wissenschaftlichen Wettersatelliten handelt es sich
um das HCMM-Gerät zur kontinuierlichen Erfassung der Wärmekapazität an der
Erdoberfläche. Dem Verfahren liegt das Prinzip zugrunde, daß jedes Objekt
bzw. jeder Stoff an der Oberfläche seinen physikalischen Eigenschaften entsprechend Sonnenwärme auf eine für ihn typische Weise zurückhält oder abgibt.
Der Satellit ergänzt mit seinen Beobachtungen die Wärmemeßdaten des Fernerkundungssatelliten LANDSAT 3, der am 5. März 1978 gestartet wurde; u.a. ist
beabsichtigt, Verschmutzung von Wasser, Schneebedeckung, heiße Quellen und
Quellen für geothermale Energie ausfindig zu machen.
Der Satellit SEASAT schließlich, der ebenfalls die LANDSAT- und Wettersatellitendaten ergänzt, mißt mittels Radar physikalische Merkmale, die anderweitig nicht zu erfassen sind - z.B. das sich ständig ändernde Aussehen der
Meeresoberfläche, Wellenhöhen, Strömungsbewegungen, Wirbel und Gezeiten. Er
könnte der globalen Wetterforschung neue Dimensionen geben.

+ + + + +

.

.

�</text>
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AMERIKA DIENST

VION &amp;

5. A p r i l 1989

14

1
i

I N H A L T

DOKUMENTATION
Bush; NATO Bewahrer von Frieden und Freiheit
- Erklärung zum 40jährigen Jubiläum der NATO Brady fordert rasches Handeln zur Verschuldung der Dritten Welt

- Rede vor dem Interim-Aupschuß des IWF Die Gefahren der Weiterverbreitung von Kernwaffen
- Rede von CIA-Direktor Webster in Los Angeles -

INFORMATION
Lehman bringt großen Erfahrungsschatz mit zu ACDA
- Porträt des designierten ACDA-Direktors -

HINTERGRUNDMATERIAL
Ist das Bildungswesen so schlecht wie eh und je ?
- Von Ben J. Wattenberg Erschütternde Klischees über die Obdachlosen
- Neue Forschungsergebnisse räumen mit überholten Mythen auf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Fotos aus dem All zeigen Veränderungen der Erdoberfläche
- NASA-Dokumente von Raumtransporterflügen Privatfirma startet erste kommerzielle Rakete

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

5. April 1989

14

BUSH: NATO BEWAHRER VON FRIEDEN UND FREIHEIT
- Erklärung zum 40jährigen Jubiläum der NATO -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge bewahrt die NATO "nicht nur
Frieden und Freiheit der Atlantischen Welt, sondern sie hat auch gemeinsame
Anstrengungen zum Aufbau eines konstruktiveren Verhältnisses mit dem Osten ermöglicht". Während einer Feier anläßlich des 40. Jahrestages der NATO-Gründung erklärte der Präsident am 4. April 1989, er werde den "enormen Erfolg"
der NATO mit seiner für den kommenden Monat angesetzten Reise nach Europa würdigen, in deren Rahmen er am NATO-Gipfel in Brüssel teilnehmen und Rom, Bonn
und London besuchen werde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:
Am heutigen Tag vor 40 Jahren
versammelten sich einige der fähigsten und weitblickendsten Staatsmänner ihrer und aller anderen Generationen - Männer wie Robert Schumann
und Lester Pearson, Paul Henry Spaak,
Dean Acheson, Ernest Bevin - hier in
Washington unter den wachsamen Augen
Harry Trumans, um einen historischen
Schritt zu tun. Sie unterzeichneten
eine feierliche Erklärung zur kollektiven Sicherheit, einen Vertrag zur
Sicherung des Friedens und des Wohlstands der Gemeinschaft freier Nationen.
Jener Vertrag erwies sich als
Grundlage des erfolgreichsten Bündnisses der neueren Geschichte. Heute
haben sich an diesem Ort viele hervorragende
Amerikaner
eingefunden,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

die - als Regierungsvertreter, Kongreßabgeordnete oder Privatleute
der Atlantischen Gemeinschaft und den
von ihr verkörperten Idealen gedient
haben. Wir wolle sie heute ehren.
Der Nordatlantikvertrag symbolisierte zum Zeitpunkt seiner Unterzeichnung eine kühne Verpflichtung
zum Schutz gegen neue Gefahren, zur
Bewahrung der Freiheiten, für die wir
noch wenige Jahre zuvor so hart gekämpft hatten. Ebenso sehr verkörperte er die gemeinsamen Werte unserer Zivilisation - Werte, die so vielen anderen historischen Meilensteinen der Nachkriegszeit ihren Stempel
aufgedrückt haben, von der UNO-Charta
bis zum KSZE-Prozeß.
Und zugleich mit der festen Ver-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ankerung der Freiheit entwickelte
sich der Nordatlantikvertrag aufgrund
der von ihm aufgebotenen Stärke zur
Grundlage der längsten Friedensperiode in der Geschichte Europas, die zudem von nie dagewesenem Wohlstand begleitet wurde. In jeder Hinsicht war
die NATO ein enormer Erfolg. Wie jede von Menschen geschaffene Institution unterliegt sie ständigen Prüfungen und Herausforderungen, aber wir
haben stets zusammengehalten.
Im
kommenden Monat werde ich nach Europa
reisen, um am NATO-Gipfel in Brüssel
teilzunehmen und die verantwortlichen
Politiker in Rom, Bonn und Brüssel zu
besuchen.
Dies wird ein historischer Augenblick sein, nicht nur aufgrund des
begangenen Jubiläums, sondern auch
aufgrund der hoffnungsvollen Veränderungen, die er verkörpern kann - Veränderungen, die durch die Stärke und
Solidarität des Atlantischen Bündnisses ermöglicht wurden.
Heute, in einer sich wandelnden
Welt, bewahrt unser Bündnis nicht nur
Frieden und Freiheit der Atlantischen
Welt, sondern hat auch gemeinsame Anstrengungen zum Aufbau eines konstruktiveren Verhältnisses mit dem
Osten ermöglicht.
Europa tritt in
ein Zeitalter nie dagewesener Veränderungen und enormer Hoffnung ein.
Ohne unsere über vier Jahrzehnte aufrechterhaltene Moral und politische
Einheit würde dies niemals geschehen.

Unsere Werte von Freiheit und Demokratie erweisen sich heute als
mächtigste politische Kraft in der
Welt - insbesondere in Europa. An
diesem Jahrestag schließe ich mich
meinen amerikanischen Mitbürgern und
den Bürgern der 15 anderen BUndnisstaaten an, indem ich für das in der
Vergangenheit Geleistete meinen Respekt bekunde. Des weiteren begrüßen
wir eine aussichtsreiche Zukunft und
verpflichten uns erneut auf die gemeinsame Vision eines ungeteilten Europas, in dem Sicherheit und Frieden
für alle Nationen des Kontinents auf
der Grundlage von Freiheit, echter
Demokratie,
Menschenrechten
und
Rechtsstaatlichkeit garantiert sind
und der Traum - die Vision - von vor
40 Jahren verwirklicht ist.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
r

^7

^

Dokumentation

C&amp;

5. April 1989

14

BRADY FORDERT RASCHES HANDELN ZUR VERSCHULDUNG DER DRITTEN WELT
- Rede vor dem Interim-Ausschuß des IWF -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister Nicholas Brady zufolge müssen sich Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) rasch darauf verständigen, welche Rolle sie bei der neu vorgeschlagenen Strategie zum
Schuldenabbau der Dritten Welt spielen sollen.
Brady erklärte am Nachmittag des 3. April 1989 vor dem Interim-Ausschuß
des IWF, der für die Politik des Fonds verantwortlich zeichnet, ein Schuldnerland, das durchgreifende Wirtschaftsreformen durchführt, müsse "von Anfang an
- nicht erst Monate später - sichtbare und sinnvolle Unterstützung seitens der
internationalen Gemeinschaft erhalten".
Nachfolgend bringen wir Bradys Rede im Wortlaut:
Seit einer Reihe von Jahren gilt
das besondere Augenmerk dieses Ausschusses der internationalen Schuldenstrategie.
Der Interim-Ausschuß
hat in der Tat zu dieser Frage nicht
nur dem Direktorium des IWF, sondern
auch der internationalen Staatengemeinschaft insgesamt Leitlinien an
die Hand gegeben. Es ist nun wiederum an der Zeit, daß dieser Ausschuß
eine führende Position beim Schuldenproblem einnimmt und den internationalen Bemühungen zur Stärkung der
Schuldenstrategie die Richtung vorgibt.
Wir haben unlängst eine Reihe definitiver Vorschläge
zur Stärkung
dieser Strategie vorgelegt, die auf
Ideen und Vorschlägen aufbauen, die
viele von Ihnen unterbreitet haben.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ich fühle mich äußerst ermutigt durch
die breite internationale Unterstützung, für die vorgelegten Konzepte
und Ansätze.
Gleichzeitig bin ich
mir jedoch bewußt, daß noch viele
Fragen offen bleiben. Es ist meines
Erachtens an der Zeit, daß wir zusammenarbeiten, um diese Konzepte in
präzise Regeln zu verwandeln, die
eine Grundlage für dauerhafte Fortschritte bei der Bewältigung des
Schuldenproblems liefern.
Wir sind der Meinung, daß die
Prinzipien der gegenwärtigen Strategie - die lebenswichtige Bedeutung
stärkeren Wachstums, der Reformen
seitens der Schuldnerstaaten, finanzieller Unterstützung von außen sowie
eines einzelfallorientierten Ansatzes
für die Probleme der einzelnen Länder

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�- weiterhin gültig sind. Es ist ferner von entscheidender Bedeutung, daß
Fonds und Weltbank auch in Zukunft
eine zentrale Rolle bei der Strategie
und bei der Unterstützung der Entwicklungsländer in der Formulierung
solider makroökonomischer und struktureller Maßnahmen spielen sowie eine
Katalysatorfunktion für die finanzielle Unterstützung
durch andere
Gläubiger einnehmen.
Reformen zur Schaffung lebenswichtiger
makroökonomischer
und
struktureller Veränderungen sind zur
Lösung des Schuldenproblems unerläßlich. Ferner sind besondere Anstrengungen als Teil der Programme von IWF
und Weltbank vonnöten, um das Vertrauen in die Wirtschaftsprogramme zu
fördern und als Alternative zur Neuverschuldung einen neuen Fluß direkter Investitionen sowie den Rückfluß
von Fluchtkapital zu ermutigen. Der
Fonds sollte weiterhin verbesserte
Techniken entwickeln, um Fluchtkapital zu beobachten und frühzeitige Abhilfemaßnahmen einzuleiten.
Schätzungen staatlicher und privater Quellen zufolge sind die im Ausland angelegten Mittel von Angehörigen einer
Reihe von Staaten ebenso hoch oder
noch höher als deren Auslandsverschuldung.
Deshalb stellen diese
Mittel für die Schuldnerländer potentiell eine wichtige Quelle privaten
Kapitals dar, die Teil eines Gesamtansatzes zum Schuldenproblem sein muß.
Wir fordern die Banken auf, anhaltende Reformbemühungen von Schuldnerländern durch freiwilligen Abbau
von Schulden und Schuldendienst sowie
die weitere Gewährung neuer Kredite
zu unterstützen. Um diesen Prozeß zu
erleichtern, müssen rechtliche Beschränkungen bei bestehenden Vereinbarungen über Bankkredite gelockert
werden. Insbesondere wären in diesem
Zusammenhang Verhandlungen über einen
allgemeinen Verzicht auf die Verpflichtung zur gleichmäßigen Bedienung aller Gläubiger sowie auf die
Bereitstellung aller Reserven zur Bedienung der Kredite für jeden Schuldnerstaat, der bestimmte Leistungen

erbringt, wichtig.
Damit könnten
Verhandlungen über ein breites Spektrum von Transaktionen zur freiwilligen Reduzierung der Schulden oder des
Schuldendienstes zwischen Schuldnern
und Banken erleichtert werden, die
sich zur Weiterverfolgung dieser Alternativen entschließen könnten. Ein
solcher Verzicht könnte vielleicht
auf drei Jahre begrenzt sein, um einen Schulden- oder Schuldendienstabbau innerhalb eines relativ kurzen
Zeitraums zu fördern. Wir erwarten,
daß solche Verzichtserklärungen den
Abschluß freiwilliger Markttransaktionen zur Reduzierung von Schulden
oder
Schuldendienst
beschleunigen
werden, womit den Schuldnerländern
gedient wäre und der Bedarf an Neufinanzierung auf ein kontrollierbareres
Niveau gesenkt würde.
Damit sich dieser Prozeß jedoch
weiterentwickeln kann, müssen auch
IWF und Weltbank eine aktive Rolle
darin übernehmen. Deshalb haben wir
vorgeschlagen, daß der Fonds und die
Weltbank ihre politisch motivierten
Kreditprogramme so anpassen, daß sie
damit insbesondere einen freiwilligen
Schuldenabbau fördern.
Für Schuldnerländer, die ein Programm zum
Schuldenabbau
fordern, sollte ein
Teil der Kredite beiseite gelegt werden, um Transaktionen zu unterstützen, die einen erbeblichen Schuldenabbau mit sich bringen könnten. Diese Mittel sollten verfügbar sein, um
den Tausch von Schulden gegen Anleihen zu decken oder um Devisenreserven
nach Rückkäufen wieder aufzufüllen,
wenn solche Transaktionen mit Handelsbanken ausgehandelt worden sind.
Darüber hinaus sind wir der Ansicht, daß beide Institutionen für
Transaktionen, die eine erhebliche
Reduzierung von Schulden Schuldenbedienung vorsehen, bei den Zinsen beschränkte Unterstützung leisten sollten. Diese Unterstützung, die ihrer
Struktur nach die finanziellen Positionen des IWFs und der Weltbank
schützen sollte, könnte für einen beschränkten Zeitraum im Rollverfahren
vergeben werden.
Diese Bemühungen

�könnten für Aktivitäten auf dem Markt
als Katalysator fungieren, die dann
die Last der Schuldenbedienung erleichtern, die Kreditwürdigkeit der
Schuldner verbessern und Impulse für
Wachstum liefern würden. Diese Maßnahmen gereichten damit sowohl den
Schuldnern als auch den Gläubigern
zum Vorteil.

den. Wo dies möglich ist, sollten
Gläubigerländer zur Unterstützung der
gestärkten Schuldenstrategie bilaterale Finanzierung bereitstellen. In
diesem Zusammenhang begrüßen wir die
zusätzliche
finanzielle
Unterstützung, die zur Förderung dieser Bestrebungen von Japan gewährt worden
ist.

In Zukunft wird es wichtig sein,
eine enge Verbindung zwischen den
Leistungen des Schuldnerlandes, der
Finanzierung durch IWF und Weltbank
und der Aktivitäten von Handelsbanken
aufrechtzuerhalten.
Gleichzeitig
sollten wir erkennen, daß es den
Schuldnerländern durch Verkrustungen
im gegenwärtigen System und in manchen Fällen durch fehlende rechtzeitige Hilfe schwerer gemacht wurde,
unter Reformprogrammen gute Leistungen zu erbringen. Wenn ein Land eine
Reform seiner Wirtschaft in größerem
Umfang durchführt, benötigt es von
Anfang an - nicht erst Monate später
- die sichtbare und sinnvolle Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Aus diesem Grunde vertreten
wir die Auffassung, daß die Politik
des Fonds zu finanziellen Zusicherungen im Hinblick auf mehr Flexibilität
in diesem Bereich überprüft werden
sollte. Wir haben vorgeschlagen, daß
erste Auszahlungen von IWF und Weltbank dann vorgenommen werden sollen,
wenn eine Verzichtsvereinbarung erzielt wurde, aber noch vor der Fertigstellung vollständiger Finanzierungspakete durch die Privatbanken.

Um Fortschritte bei der Stärkung
der Schuldenstrategie zu erzielen,
ist es von entscheidender Bedeutung,
daß die Interim- und Entwicklungsausschüsse den Direktorien von IWF und
Weltbank in diesen Bereichen klare
Leitlinien an die Hand geben. Ich
möchte sodann beide Direktorien auffordern, bald
erforderliche politische Maßnahmen von IWF und Weltbank
unmittelbar zu erwägen, damit neue
Mechanismen geschaffen werden können.

Gläubigerländer
sollten
ihrerseits
weiterhin
die
offiziellen
Schulden im Pariser Club umwandeln
und eine Deckung der Exportkredite
für Schuldnerländer, die IWF- und
Weltbankprogramme durchführen, vornehmen. Darüber hinaus sollten einzelne Länder ihre jeweiligen Vorschriften, ihr Rechnungswesen und ihr
Steuersystem dahingehend überprüfen,
ob sie Hindernisse für die Schulden
und deren Bedienung abbauen können.
Diese Bereiche müssen eher die nationalen Behörden als die internationalen Institutionen für sich entschei-

Gleichzeitig möchte ich die Banken auffordern, jetzt diese Konzepte
in ihre Verhandlungen mit einzelnen
Ländern aufzunehmen, um die Zeit der
Unsicherheit abzukürzen.
Maßnahmen
zu Verzichtserklärungen kommen dabei
insbesondere Bedeutung zu, um das Umfeld für einen freiwilligem Schuldenabbau oder eine Reduzierung
der
Schuldenbedienung zu schaffen.
Das
Gleichgewicht zwischen Schuldenabbau,
Schuldentilgung und erneutem Kreditwunsch wird natürlich von Land zu
Land und von Bank zu Bank variieren.
Ich bin zuversichtlich, daß dieser Ansatz zur Stärkung der Schuldenstrategie die Basis für neuerliche
Fortschritte
beim
Schuldenproblem
liefern kann.

- 3 -

******

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

5. April 1989

14

DIE GEFAHREN DER WEITERVERBREITUNG VON KERNWAFFEN
- Rede von CIA-Direktor Webster in Los Angeles -

LOS ANGELES - (AD) - CIA-Direktor William Webster zufolge ist die Weiterverbreitung von Kernwaffen mit einer Reihe von ernsten Gefahren verbunden. In
einer Rede in Los Angeles nannte er am 30. März 1989 insbesondere "die offensichtliche Gefahr, daß Kernwaffen in regionalen Konflikten eingesetzt werden",
die Tatsache, daß "neue Nuklearmächte in einen Rüstungswettlauf eintreten
könnten, der politisch destabilisierend sein und die Wahrscheinlichkeit eines
Kriegsausbruchs erhöhen könnte" sowie die Möglichkeit, daß "die bloße Anzahl
und Verteilung von Kernwaffen und kernwaffenfähigem Material in der Welt die
Risiken des Diebstahls, der Sabotage und des Terrorismus vergrößern könnten".
Nachfolgend veröffentlichen wir Websters Rede im Wortlaut:

Es mutet wie Ironie an, daß zu
einer Zeit, in der sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion auf
die Beseitigung einer ganzen Kategorie von Waffen verständigt haben,
Staaten in der Dritten Welt ihre eigenen Arsenale aufbauen. Heute nachmittag möchte ich über die Weiterverbreitung atomarer, chemischer und
biologischer Waffen sprechen - Waffen, die neue Gefahren für die regionale Stabilität und die Interessen
der Vereinigten
Staaten heraufbeschwören. Ich möchte die Weiterverbreitung ballistischer Raketen erörtern, mit deren Hilfe diese Massenvernichtungswaffen schnell und über
große Entfernungen befördert werden
können, und ich möchte über die Rolle
nachrichtendienstli eher Informationen
bei den Bemühungen unserer Regierung
sprechen, der Weiterverbreitung die-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ser Waffen und ihrer
Einhalt zu gebieten.

Trägersysteme

Seit der Explosion der ersten
Atombombe im Jahr 1945 und dem im
selben Jahr erfolgten ersten Einsatz
von Atomwaffen im Krieg lebt die Welt
ständig mit der Bedrohung der Weiterverbreitung von Kernwaffen. In den
frühen sechziger Jahren prognostizierte Präsident Kennedy, bis 1975
könne es 15 bis 20 Atomwaffenstaaten
geben. Aber im Jahr 1989 gibt es wie
in den sechziger Jahren immer noch
nur fünf Staaten, die eigenen Erklärungen zufolge nukleare Arsenale besitzen - die Vereinigten Staaten, die
Sowjetunion,
China,
Großbritannien
und Frankreich.
Man

sollte

sich

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D 5300 Bonn 2

dadurch

jedoch

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nicht gänzlich beruhigt fühlen. Während es immer noch lediglich fünf erklärte Nuklearmächte gibt, haben eine
Anzahl weiterer Staaten die Fähigkeit
zur Herstellung von Kernwaffen einfach nicht zugegeben. Mehrere Länder
besitzen entweder Atomwaffen oder
sind in der Lage, solche kurzfristig
herzustellen. Andere entwickeln nukleare
Schlüsseltechnologien,
die
sich später zur Herstellung eines
atomaren Sprengsatzes benutzen H e s sen, falls eine entsprechende Entscheidung
gefällt
werden
sollte.
Wieder andere Staaten befinden sich
im
Frühstadium
atomtechnologischer
Forschung und Entwicklung.
Sicherlich läßt sich die Erforschung nuklearer Technologien mehrfach anwenden. Um Bedenken unserer
Regierung über eine mögliche Weiterverbreitung von Kernwaffen auszulösen, muß ein Land technisches Knowhow und die politische Intention besitzen. Technisches Know-how erfordert Jahre der Forschung und Entwicklung. Nachdem die technischen Voraussetzungen geschaffen sind, ist ein
Land in der Lage, nukleare Sprengsätze zu entwickeln - wenn eine derartige Entscheidung getroffen wird.
Aber die Intention - das heißt,
der politische Wille und der Wunsch,
häufig begrenzte nationale Ressourcen
zu opfern, um mit der Entwicklung von
Kernwaffen zu beginnen - ist eine
Entscheidung
die von der Regierung
eines jeden Staates getroffen werden
muß. Selten gibt es greifbare Beweise für eine solche Intention. Durch
die Entwicklung eines zivilen Atomprogramms kann ein Land die Entscheidung über den Beginn der Arbeiten an
Kernwaffen hinausschieben, bis ein
Großteil der Grundlagenforschung und
Entwicklung durchgeführt wurde.
Die Weiterverbreitung von Kernwaffen birgt eine Reihe ernster Gefahren. Erstens besteht die offensichtliche Gefahr, daß Kernwaffen in
regionalen Konflikten eingesetzt werden - insbesondere in Gebieten großer
Spannungen und Instabilität wie dem
_

Nahen Osten und SUdasien. Zweitens
könnten neue Nuklearmächte in einen
Rüstungswettlauf eintreten, der politisch destabilisierend sein und die
Wahrscheinlichkeit eines Kriegsausbruchs
erhöhen
könnte.
Drittens
könnten die bloße Anzahl und Verteilung von Kernwaffen und kernwaffenfähigem Material in der Welt die Risiken des Diebstahls, der Sabotage und
des Terrorismus vergrößern.
Für potentielle Weiterverbreiter
liegt der Schlüssel zu einem Waffenprogramm in der Beschaffung von Plutonium 239 oder hochangereichertem
Uran. Sensible und hochspezialisierte Technologien sind erforderlich, um
schon für die simpelste Atomwaffe
eine ausreichende Menge dieser Materialien zu erhalten. Die Fähigkeit
zur Beschaffung und Beherrschung dieser Technologien entscheidet darüber,
wie schnell ein Land Kernwaffen entwickeln und herstellen kann.
Diese sensiblen nuklearen Technologien unterliegen amerikanischen und
internationalen
Exportkontrollen.
Atomare Technologien lassen sich jedoch immer noch gesetzwidrig und verdeckt durch die Einschaltung von
Strohfirmen, Fälschung von Ausfuhrbescheinigungen und die Verwendung mehrerer Umschlagplätze beschaffen. Es
ist ferner möglich, Ausrüstung und
Material legal zu bestellen, die als
Einzelteile nicht unter die Exportkontrollbestimmungen fallen, zusammengenommen jedoch diesen Kontrollen
unterliegen würden.
Versuche zur Kontrolle von Gerät
und Material werden durch die Tatsache kompliziert, daß viele Nukleartechnologien mehrfach verwendbar sind
- mit anderen Worten, sie können sowohl nuklear als auch nichtnuklear
eingesetzt werden.
Dies erschwert
eine Kontrolle von Nuklearexporten
und macht es noch schwieriger, festzustellen, ob ein solches Waffenprogramm beabsichtigt ist.
Unserer Ansicht nach stellen Bemühungen zur Nichtweiterverbreitung

�nuklearer Technologie - einschließlich Verträgen, Organisationen und
Exportkontrollen
- einen unerläßlichen Bestandteil der gemeinsamen
Sicherheit der Menschheit dar.
Als Teil dieser Bestrebungen haben die Vereinigten Staaten seit langem die friedliche Nutzung von Kernenergie aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit wie auch
ihrer wichtigen Rolle in Medizin, Industrie und Landwirtschaft gefördert.
Wir unterstützen technische Hilfsprogramme an Länder, die den Atomsperrvertrag unterzeichnet haben.
Trotz
des wachsenden Erfolges des Vertrages
in den vergangenen 20 Jahren - inzwischen sind 140 Nationen Vertragspartner - haben eine Handvoll Länder, die
als potentielle Kandidaten für nukleare
Weiterverbreitung
angesehen
werden, dem Vertrag noch nicht zugestimmt.
Beim Problem der nuklearen Weiterverbreitung
dürfen
zahlreiche
nachrichtendienstliche Faktoren und
Strategien nicht außer acht gelassen
werden. Wir gehen von der Annahme
aus, daß es im besten Falle - und unter der Voraussetzung eines einigermaßen modernen Kernenergie- und Forschungsprogrammes - einige Jahre dauern wird, bis ein Land seine Nuklearwaffenfähigkeit entwickeln kann.
Es gibt sowohl technische als
auch politische Anzeichen, die für
nachrichtendienstliche Experten, die
das Problem der nuklearen Weiterverbreitung gründlich studieren, alarmierend sind. Unsere Experten konzentrieren sich nicht nur auf die
technischen Fähigkeiten, die sich im
Entwicklungsstadium befinden, sondern
erwägen auch, ob diese Aktivitäten
für rein zivile Zwecke wirklich erforderlich sind.
Wir wären beispielsweise besorgt, wenn ein Land
mit der Entwicklung einer schwierigen
und
kostenintensiven
Urananreicherungsanlage beginnen würde, wenn bereits bestehende Kernkraftwerke dies
nicht erfordern.

Dennoch bedingt die Entwicklung
von Nuklearwaffenfähigkeit viel Zeit
und Ressourcen.
Dies gilt nicht für die Fähigkeit
eines Landes, chemische und biologische Waffen zu entwickeln - Waffen,
die als die Atombombe des armen Mannes bezeichnet worden sind. Vor 20
Jahren waren nur fünf Länder im Besitz von chemischen Waffen.
Heute
können über 20 Länder chemische Waffen entwickeln, und mindestens zehn
Länder arbeiten an der Herstellung
biologischer Waffen.
Im Gegensatz zu Kernwaffen bieten
chemische und biologische Waffen ein
billiges und leicht erhältliches Mittel zur Behebung des militärischen
Ungleichgewichts gegenüber mächtigeren Feinden. Die für chemische und
biologische
Waffen
erforderliche
Technologie ist einfacher als die von
Nuklearwaffen, und ihre Produktion
ist schwieriger aufzudecken, zu überwachen und zu kontrollieren.
Aber ebenso wie bei der nuklearen
Weiterverbreitung erfordert die Fähigkeit zur Begrenzung der Verbreitung chemischer und biologischer Waffen internationale Verträge und Zusammenarbeit bei deren Durchsetzung.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde
der Einsatz chemischer Waffen von den
Unterzeichnerstaaten des Genfer Protokolls aus dem Jahr 1925 geächtet.
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges selbst während der verzweifeltsten
Kämpfe - verzichteten beide Seiten
auf den Einsatz chemischer Waffen Waffen, die Winston Churchill als
"dieses teuflische Gift" bezeichnet
hat.
Im Krieg zwischen Iran und Irak
wurde diese Zurückhaltung aufgegeben
und ein gefährlicher Präzedenzfall
für
zukünftige Kriege geschaffen.
Den Nachrichtendiensten liegt umfangreiches Beweismaterial dafür vor, daß
der Irak chemische Waffen gegen den
Iran und auch gegen die irakischen
Kurden eingesetzt hat. Auch der Iran

- 3 -

�brachte chemische Waffen gegen irakische Truppen zum Einsatz.
Ebenso wie im Falle von Nukleartechnologien ist ein Großteil des zur
Herstellung von chemischen und biologischen Waffen erforderlichen Geräts
von seiner Beschaffenheit her mehrfach verwendbar. Alles zur Produktion von Kampfstoffen zur chemischen
Kriegführung
benötigte Gerät kann
auch zur Produktion von Industriechemikalien benutzt werden, und zahlreiche Anlagen, die Pharmazeutika oder
Pestizide herstellen, könnten zur
Produktion von Chemiewaffen umfunktioniert werden. Das zur Produktion
von Kampfstoffen
zur biologischen
Kriegführung erforderliche Gerät, Material und Fachwissen findet legitimen Einsatz in der pharmazeutischen
Industrie. Mit der derzeit verfügbaren Technologie können Kampfstoffe
zur biologischen Kriegführung in solchem Umfang hergestellt werden, daß
Lagerbestände nicht länger erforderlich sind.
In der Tat kann jedes
Land mit einer bescheiden entwickelten pharmazeutischen Industrie Kampfstoffe zur biologischen Kriegführung
herstellen, wenn es dies wünscht.
Ich bin sicher, daß Sie im Verlauf der vergangenen Monate sehr viel
über chemische und biologische Waffen
gelesen haben.
Wie Sie sicherlich
auch wissen, ist der Kongreß in höchstem Maße über die Weiterverbreitung
dieser Waffen besorgt.
Sowohl im
vergangenen Monat als auch zu Beginn
dieses Monats habe ich vor dem Senatsausschuß über chemische und biologische Waffen gesprochen.
Die Pariser Chemiewaffen-Konferenz vom Januar hat sehr viel dazu
beigetragen, den nationalen und internationalen
Bedenken
über diese
Waffen Taten folgen zu lassen. Die
Vereinigten Staaten nehmen bei der
Genfer Abrüstungskonferenz auch an
Verhandlungen über die weltweite Ächtung chemischer Waffen teil.
Wir
sind einer von 40 Teilnehmern bei
dieser Konferenz.
Zu Beginn diees
Monats hat Außenminister Baker den

Vorschlag unterbreitet, daß wir die
Regierungen und Vertreter der internationalen chemischen Industrie zusammenbringen, um den zunehmenden internationalen Handel mit den zur Herstellung von chemischen Waffen erforderlichen Chemikalien und der Technologie zu erörtern.
Im Hinblick auf biologische Waffen haben die Vereinigten Staaten und
110 andere Länder das Abkommen über
biologische und toxische Waffen aus
dem Jahr 1972 unterzeichnet.
Mit
diesem Abkommen wird die Herstellung,
Entwicklung und Lagerung dieser Waffen verboten, es enthält jedoch keine
Bestimmungen zur formellen Verifizierung.
Die Nachrichtendienste erforschen
technische und politische Anzeichen,
die auf Entwicklung, Herstellung und
Anreize für den Einsatz chemischer
und biologischer Waffen hindeuten und
werden dies auch weiterhin tun. Darüber hinaus werden wir dem illegalen
Handel mit Material für diese Waffen
nachgehen und darüber Meldung erstatten. Ein Beispiel für unsere Arbeit
in diesem Bereich war unsere Unterstützung für politische Entscheidungsträger im Hinblick auf die Chemiewaffenfabrik in Libyen. Wir werden weiterhin Politikern Informationen über chemische, und biologische
Waffen zuleiten und die Bestrebungen
der Vereinigten Staaten zu ihrem Verbot weiterhin unterstützen.
Die Fähigkeit, eine Waffe mit
einem nuklearen, chemischen oder biologischen Gefechtskopf zu einem entfernten Ziel zu befördern, stellt
eine erhebliche Bedrohung der weltweiten Sicherheit dar. Bis vor kurzem galt unsere Besorgnis vor allem
den Trägersystemen für Nuklearwaffen.
Jetzt erkennen wir eine Bedrohung dadurch, daß diese Raketen zum Abschuß
chemischer und biologischer Waffen
ebenso eingesetzt werden könnten wie
für nukleare und konventionelle Waffen.
Im vergangenen Jahr, als der Iran

�und der Irak im "Städtekrieg" Dutzende von Raketen auf ihre jeweiligen
Hauptstädte abfeuerten,
wurden mit
konventionellen
Gefechtsköpfen
bestückte ballistische Raketen gegen
Zivilisten eingesetzt. Diese Raketen
haben im Krieg zwischen Iran und Irak
einen Präzendenzfall geschaffen: Raketen sind nunmehr in der Dritten
Welt zu einem akzeptierten Instrument
der Kriegführung geworden.
Bis zum Jahr 2000 werden mindestens 15 Entwicklungsländer ihre eigenen ballistischen Raketen herstellen. Obwohl die in diesen Ländern
entwickelten Raketen wenig ausgereift
und zielgenau sind, besitzen viele
von ihnen doch Fähigkeiten über den
Radius des Gefechtsfeldes hinaus und
können ein Ziel in wenigen Minuten
treffen. Wenn sie einmal abgefeuert
worden sind, können sie nicht zurückgeholt werden.
Ballistische Raketen räumen denjenigen, die sie erwerben, einen neuen politischen und militärischen Status ein. Viele Länder, in denen diese Raketen entwickelt werden, liegen
im Nahen Osten - einem Bereich, in
dem wir wichtige Sicherheitsinteressen haben und wo die regionalen Spannungen am größten sind. Auch eine
Kurzstreckenrakete liefert den Ländern des Nahen Ostens ein funktionsfähiges strategisches Waffensystem.
Ebenso wie die Programme für nukleare, chemische und biologische
Waffen stützt sich auch das Raketenprogramm der Dritten Welt in einem
gewissen
Ausmaß
auf
ausländische
Technologie.
Aber ein großer Teil
dieser wichtigen Technologie ist bereits auf der ganzen Welt verbreitet,
wird anderweitig verwendet oder kann
leicht zweckentfremdet werden.
Die
Länder der Dritten Welt nutzen vielfach Technologie, ihre Ressourcen und
ihr technisches Know-how gemeinsam.
Eine weitere von uns beobachtete
beunruhigende Entwicklung
ist der
Transfer vollständigeer Waffensysteme
zwischen einzelnen Ländern.
Damit
- 5

könnten Entwicklungsländer die Möglichkeit erhalten, der Konkurrenz
vorauszueilen, obwohl die meisten
Länder weiterhin ihre eigenen Raketenfähigkeiten zu entwickeln suchen
werden. Darüber hinaus ist zu erwarten, daß die Länder der Dritten Welt
selbst wichtige Exporteure von Raketen und Raketentechnik werden.
Im April 1987 haben sieben Industrieländer - die Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und die Bundesrepublik Deutschland die Einrichtung
eines Kontrollsystems für Raketentechnik (Missile Technology Control
Regime - MTCR) beschlossen. Dieses
System zielt auf die Einschränkung
des Transfers von Technologie und Geräten ab, die zur Entwicklung von Nuklearraketen beitragen könnten, es
bezieht jedoch nicht die Hauptbeteiligten am gegenwärtigen Handel mit
Raketen und moderner Technologie ein.
Darüber hinaus wird mit der Vereinbarung nicht der Anreiz oder die Fähigkeit der Dritte-Welt-Länder zur Entwicklung ihrer eigenen Raketentechnik
eingeschränkt.
Die Nachrichtendienste beobachten
eingehend die Bestrebungen von Ländern der Dritten Welt im Hinblick auf
den Erwerb oder die Entwicklung ballistischer Raketen. Durch die frühzeitige Lieferung von Informationen
zur Weiterverbreitung ballistischer
Raketen unterstützen wir Politiker in
ihrem Bemühungen um eine effektivere
Durchführung
des
Kontrollssystems.
Darüber hinaus helfen wir Ihnen dabei, die nicht an diesem Kontrollsystem Beteiligten von der Vermarktung
ihrer Raketen abzuhalten.
Die Einschätzung der Weiterverbreitung nuklearer, chemischer und
biologischer Waffen und auch ballistischer Raketen zählt zu den schwierigsten Herausforderungen der Nachrichtendienste. Meiner Ansicht nach
ist sie eine unserer Hauptaufgaben,
weil wir in der heutigen Zeit einen
Punkt erreicht haben, an dem Vereinbarungen zur Eindämmung von Massen-

�Vernichtungswaffen entscheidende Bedeutung zukommt. Und die Sicherheit
aller Länder auf der ganzen Welt wird
von der Bereitschaft eines jeden Landes zur Kontrolle und Beschränkung
dieser Waffen abhängen. Die Politikern unsererseits zur Verfügung gestellten nachrichtendienstlichen Erkennntissse ermöglichen nicht nur mit den erforderlichen Verifizierungen - internationale Abkommen, sondern führen auch zu gut durchdachten
Vereinbarungen.
Ich möchte noch etwas über unsere
Arbeit zu bedenken geben: die von
uns den Politikern über die Sowjetunion, die Verbreitung moderner Waffen und viele andere Themen zur Verfügung gestellten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse sind nicht leicht
erhältlich. Tatsächlich fordert sie
manchmal von den Mitarbeitern des
amerikanischen
Nachrichtendienstes
einen hohen Preis. Ich denke insbesondere jedesmal daran, wenn ich
durch das Foyer unseres Hauptgebäudes
gehe, wo Sterne für diejenigen eingemeißelt wurden, die ihr Leben im
Dienst verloren haben.

Seit meinem Amtsantritt als Direktor vor zwei Jahren bin ich im Inund Ausland mit vielen Mitarbeitern
des Nachrichtendienstes zusammengetroffen. Ich habe den Erfolg unserer
Operationen bei der Bewältigung einer
Unzahl komplexer Themen - die oftmals
so komplex sind, daß wir modernste
technische Anlagen einsetzen müssen beobachten können.
Aber die wichtigste Quelle unseres Nachrichtendienstes war immer unser Volk, und
das wird es immer sein. Seine Kreativität, Entschlossenheit und sein
Mut kann den Unterschied zwischen Erfolg und Mißerfolg ausmachen.
Mit solchen Menschen können wir
weiterhin die nachrichtendienstlichen
Ermittlungen zur Verfügung stellen,
die
politische
Entscheidungsträger
benötigen, um im Interesse unserer
nationalen Sicherheit kluge Entscheidungen treffen zu können. Das erwarten Sie zusammen mit dem gesamten
amerikanischen Volk von uns, und ich
kann Ihnen versichern, daß wir unser
Bestes geben, um dies zu leisten.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

5. April 1989

14

LEHMAN BRINGT GROSSEN ERFAHRUNGSSCHATZ MIT ZU ACDA
- Porträt des designierten ACDA-Direktors -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bushs Kandidat für das Amt des Leiters der
amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Botschafter
Ronald Lehman, ist als Teilnehmer an wichtigen Gipfeltreffen und multilateralen Gesprächen wie auch an den RUstungskontrollverhandlungen in Genf, Wien,
Brüssel, Washington und Moskau bereits ein bekanntes Gesicht in der internationalen Rüstungskontrolle.
Insbesondere gilt Lehman bei Regierungsvertretern aus der Sowjetunion, der Volksrepublik China, Europa, Japan und Südkorea als Fachmann
für eine Reihe von Problembereichen
wie etwa konventionelle Streitkräfte,
strategische Rüstungskontrolle, Technologietransfer und Militärhilfe.
Während
seiner
Laufbahn
war
Lehman als Nachfolger des früheren
Senators John Tower unter anderem
amerikanischer Chefunterhändler für
strategische Waffen bei den Genfer
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen (NST).
Lehman konnte bei seiner Arbeit
mit anderen Regierungen viele Erfahrungen sammeln und hatte ebenfalls
Schlüsselpositionen im Weißen Haus,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

im Vertei.digungsministerium und im
Kongreß inne. Darüber hinaus hat er
in Vietnam gekämpft.
Er verläßt den Posten als Leiter
der Abteilung für internationale Sicherheitspolitik im Verteidigungsministerium, auf dem er die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung
zur Friedenssicherung befürwortete,
um seine neue Tätigkeit aufzunehmen.
Lehman hat davor gewarnt, die zum
erfolgreichen Abschluß eines STARTAbkommens noch auszuräumenden Schwierigkeiten zu unterschätzen und vertritt die Auffassung, daß in Zukunft
ein Vertrag geschlossen werden könnte, wenn die Sowjetunion "den notwendigen politischen Willen" zeigt. Er
hat der Hoffnung Ausdruck verliehen,

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�daß die sowjetische Führungsspitze zu
der
Erkenntnis gelangt, daß ein
START-Abkommen, "das die Sicherheit
des Westens verbessert, nicht notwendigerweise eine Verminderung ihrer
Sicherheit bedeuten muß".

sprächen über Nichtweiterverbreitung
von Nuklearwaffen, die schließlich in
ein Abkommen zwischen beiden Ländern
mündeten, mit dem der "heiße Draht"
verbessert und ausgebaut werden sollte.

Obwohl die beiden Supermächte den
INF-Vertrag erfolgreich abgeschlossen
haben, werden weitere Schritte in der
Rüstungskontrolle
Lehman
zufolge
"immer schwieriger". Im vergangenen
Jahr erklärte er vor einer Rüstungskontrollkonferenz in Washington, "es
ist von großer Bedeutung, daß der
Westen sehr sorgfältig und klar" über
seine nächsten Schritte nachdenkt.

Lehman kam im Jahr 1974 erstmals
als Stipendiat für Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit der Hoover
Institution der Stanford University
nach Washington.
Er arbeitete zunächst als Berater in der Legislative, und später gehörte er zum Mitarbeiterstab des Streitkräfteausschusses im Senat, wo er sich auf Fragen
der strategischen und kriegsschauplatzgebundenen
NuklearStreitkräfte
und die Beschaffung von Waffen spezialisierte. Im Jahr 1980 arbeitete
er
für den damaligen Präsidentschaftskandidaten Ronald Reagan.

Lehman billigte Mitte März dieses
Jahres den Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE)
einen "guten Anfang" zu; als positives Anzeichen sah er, daß der Warschauer Pakt sich das westliche Prinzip zu eigen machte, "wichtige Waffen
der Landstreitkräfte auf gleiche und
niedrigere Niveaus abzubauen".
Er
erklärte, dies erfordere einschneidende Reduzierungen des Warschauer
Pakts "wofür die von der Sowjtunion
angekündigten einseitigen Reduzierungen einen ersten Schritt darstellen".
Der Botschafter hatte im Rahmen
seiner Tätigkeit für die Regierung
verschiedene Positionen im Nationalen
Sicherheitsrat inne, unter anderem
als Stellvertretender
Berater des
Präsidenten für sicherheitspolitische
Fragen zur Erarbeitung der Verteidigungspolitik. In der Reagan-Administration beschrieb ihn der frühere
Außenminister George Shultz als "einen Menschen mit unerschöpflichen Fähigkeiten" und als einen "fähigen und
sachkundigen" Mitarbeiter im Bereich
der Rüstungskontrolle.

Botschafter
Lehman
promovierte
1975 in Staatswissenschaften an der
Claremont Graduate School in Kalifornien. Er wurde 1946 in Napa (Kalifornien) geboren.
Lehman unterrichtete an der Georgetown University
Examenskandidaten in nationaler Sicherheit.
Der designierte ACDA-Direktor ist
Beobachter des Weißen Hauses im Ausschuß für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und Aufsichtsratsmitglied des U.S. Institute of Peace.
Der frühere Major der Reserve
Lehman wird nach seiner Bestätigung
durch den Senat Nachfolger des früheren ACDA-Direktors William Bums.

* * * * * *

In
seinen
Anfangsjahren
im
Pentagon war Lehman Stellvertretender
Abteilungsleiter für Verteidigungsfragen. Er war ferner Berater bei
der Sondersitzung der Vereinten Nationen zur Abrüstung. Später diente
er als Vertreter bei den amerikanisch-sowjetischen
bilateralen
Ge-

�AMERIKA DIENST
'^7

"""

Hintergrundmaterial

A&lt;

5. April 1989

14

IST DAS BILDUNGSWESEN SO SCHLECHT WIE EH UND JE ?
- Von Ben J. Wattenberg -

Der folgende Artikel wurde erstmals in der in Washington D.C. erscheinenden Zeitschrift U.S. News &amp; World Report vom 20. März 1989 veröffentlicht.
(c) U.S. News &amp; World Report, Inc. (Alle Rechte vorbehalten).

Die Probleme haben sich gewandelt,
das Vokabular ist dasselbe geblieben
Um das "Problem mit der Erziehung" in den Vereinigten Staaten begreifen zu können, ist es nützlich,
sich vor Augen zur führen, wo die Defizite liegen. Angenommen, im Jahr
1970 habe eine Untersuchung im Bildungswesen
stattgefunden.
Welche
Veränderungen hätten damals vorgenommen werden müssen? Eine Aufstellung
würde wahrscheinlich folgende Punkte
enthalten: Man müßte die Abbrecherquote insbesondere von Minderheiten
in High Schools senken, den Besuch
von Colleges und Vorschulen fördern,
mehr Geld in die Ausbildung investieren, die Klassenstärken verringern
und die Schulleistungen insbesondere
von Minderheiten verbessern.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bis zu einem gewissen Grad ist
all dies eingetroffen. Dennoch ist
das Vokabular über den schrecklichen
Zustand des Erziehungswesens im Hinblick auf diese Punkte nahezu dasselbe geblieben. Tatsache ist, daß
die Vereinigten Staaten in einigen
Bereichen Fortschritte erzielen: Die
Einschreibungen an den Colleges nehmen zu, weniger Schüler brechen die
High-School vorzeitig ab, die Schulleistungen haben sich insgesamt verbessert, das Schuleintrittsalter ist
gesunken und unser Land gibt heute
mehr für Erziehung aus. Aber eklatante Probleme bleiben bestehen.
Rein zahlenmäßig gesehen ist die
Bilanz unseres Landes positiv. In
keinem anderen Land besucht ein so
großer Teil der Bevölkerung Colleges.

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Telex: 8-85432

�"Großartig", findet das ehester Firm
von der Arbeitsgruppe für die Verbesserung des Erziehungswesens an der
Vanderbilt University, "und im College erhalten die meisten dann die
Ausbildung, die ihnen in der HighSchool nicht zuteil wurde. Das Ergebnis läßt in jedem Fall zu wünschen
übrig." Finn verweist auf Untersuchungsergebnisse, denen zufolge nur
sechs Prozent aller Schüler in der
11. Klasse bei Prüfungen im Fach Mathematik gut abschneiden. Lediglich
ein Drittel kann den Zeitraum des
Amerikanischen Bürgerkrieges bis auf
50 Jahre eingrenzen.
Positiv zu werten ist dennoch der
stark angestiegene Prozentsatz der
25-29jährigen, von denen noch im Jahr
1950 mehr als 40 Prozent der Weißen
(über 60 Prozent Schwarze) weniger
als vier Jahre eine High School besuchten, während diese Zahl 1987 für
Weiße und Schwarze auf unter 20 Prozent gesunken ist. Der Anteil derer,
die vier Jahre oder länger ein College besuchen, ist bei Weißen von unter zehn
Prozent
im Jahr
1950
(Schwarze: etwa fünf Prozent) auf
über 20 Prozent im Jahr 1987 (Schwarze: etwa 12 Prozent) gestiegen, wobei
dieser Wert seit 1975 relativ konstant geblieben ist.

Ein zweifaches Hoch auf djLe
Flexibilität des Schulsystems
Dagegen gibt es Einspruch.
So
gering die Schulleistungen auch sein
mögen, so ist bei den Leistungen in
den letzten Jahren doch eindeutig ein
Aufwärtstrend zu beobachten, der zugegebenermaßen langsam und von einem
niedrigen Niveau aus ansteigt. Darüber hinaus sind einige der auf internationaler
Ebene
durchgeführten
Vergleiche als schief bezeichnet worden. In den Vereinigten Staaten besuchen mehr Jugendliche eine High
School als in irgendeinem anderen
Land, und manche Untersuchungen vergleichen die Mehrheit unserer Schüler
mit der Elite ihrer Schüler.
Das trifft jedoch nicht auf die
Untersuchung des ETS zu, die Schüler
der Altersgruppe untersucht, in der
die Schule noch nicht vorzeitig abgebrochen werden kann.
Wohlwollend
sollte man dagegenhalten, daß die
Tatsache, amerikanische Kinder lernten im Alter von 13 Jahren keine Naturwissenschaften,
nicht
bedeutet,
daß sie diese niemals lernen. Vielleicht werden sie lernen, was sie
wissen müssen, wenn sie es wissen
müssen.

Bei der Teilnahme an der Vorschulerziehung ist seit 1965 die Zahl
der 5-6jährigen Kinder von etwas über
80 auf über 90 Prozent im Jahr 1985
gestiegen, die Anzahl der 3-4jährigen
Vorschulkinder hat sich von unter
zehn Prozent im Jahr 1965 auf nahezu
40 Prozent im Jahr 1985 vervielfacht.

Tatsächlich herrscht im amerikanischen Erziehungswesen große Flexibilität. Das ist nicht nur negativ
zu bewerten.
Zum Beispiel ist die
reale Zahl der Schulabbrecher in unserem Land sehr niedrig, weil viele
Jugendliche, die vorzeitig die Schule
verlassen, später wieder zur Schule
gehen.

Ein qualitativer Vergleich zwischen
amerikanischen
und
ausländischen Schülern und Studenten ist
ein wenig erfreuliches Unterfangen.
Eine jüngste Untersuchung des Educational Testing Service (ETS) unter
13jährigen Schülern kam zu dem Ergebnis, daß Amerikaner in Mathematik das
Schlußlicht bildeten und bei den Naturwissenschaften
fast an letzter
Stelle rangierten.

Unternehmen beklagen den niedrigen Wissensstand vieler Jugendlicher
und richten Ausbildungsprogramme ein.
Amerikanische Firmen geben jährlich
etwa 40 Milliarden Dollar für die
Ausbildung ihrer Mitarbeiter aus. Es
ist schlimm - und verschwenderisch -,
daß der größte Teil dieser Ausbildung
nicht in der Schule geboten wird,
aber er wird irgendwie, irgendwo und
irgendwann geleistet.

�Der Sektor der "Berufsbildung"
erfährt gegenwärtig in Amerika einen
Boom.
Es gibt etwa 7 000 private
Handels- und Berufsschulen, die Jugendliche in Fernsehtechnik, Elektronik, Informatik, Installationsarbeiten, kosmetischer Behandlung und
Röntgenassistenz
ausbilden.
Die
Schüler lernen das, was sie lernen
müssen, wenn sie es lernen müssen.
Für die Colleges bedeutet dies,
daß der vielfach (aufgrund der älter
werdenden Angehörigen geburtenstarker
Jahrgänge) prognostizierte Rückgang
der Einschreibungen nicht erfolgt
ist.
Warum nicht?
Zahlreiche Erwachsene besuchen - oftmals nebenbei
- ein College. Sie lernen, was sie
lernen müssen, wenn sie es lernen
müssen.
Es bestehen kaum Zweifel über die
Verfügbarkeit einer ausgezeichneten
College-Ausbildung.
Warum
kämen
sonst so viele ausländische Studenten
zum Studium in die Vereinigten Staaten? Nahezu eine Million Ausländer
machen hier jährlich Examen.
Auch die Kritiker des Bildungssektors erkennen zumeist die Qualität
des besten Teils vom amerikanischen
Universitätswesen an. Und die offene
Kultur bringt kreative und innovative
Studenten hervor. Die Japaner versuchen gegenwärtig, junge amerikanische Wissenschaftler nach Japan abzuwerben.
Bringt Amerika wirklich eine Generation
nicht
konkurrenzfähiger
Trottel hervor? Wo das System versagt, übernimmt oftmals Amerikas Kultur, in der es gilt, aus eigener
Kraft erfolgreich zu werden, seine
Funktion. Dennoch ist etwas Wahres
an Finn's mahnender Bewertung.
Es
kann noch viel mehr getan werden.
Dies wird insbesondere in einer
Untersuchung zu den Leistungen 17jähriger Schüler im Lesen, in Mathematik
und den Naturwissenschaften deutlich.
Dabei wurde ein Test verwendet, in
dem maximal 500 Punkte erzielt werden

konnten.
Das Durchschnittsergebnis
der weißen Schüler lag In allen Fächern von 1970 bis 1986 relativ konstant um etwa 300 Punkte, die schwarzen Schüler schnitten mit durchschnittlich 250 Punkten etwas schlechter ab, Hispano-Amerikaner lagen etwas darüber bei 260 Punkten.
Amerika kann offen sein und dennoch seine Kinder in Mathematik und
Naturwissenschaften
unterrichten.
Ein High-School-Abgänger sollte zumindest verständlich schreiben können.

Was ist zu tun?
Unser Land braucht bessere Lehrer. Ihre Gehälter sind zwar in den
letzten
Jahren
gestiegen,
jedoch
nicht in dem Umfang, daß es gelingen
könnte, Spitzenkräfte anzuwerben.
Der Präsident des Amerikanischen
Lehrerverbandes vertritt die Auffassung, daß die altmodische Schulform
ausgedient hat. Ihm zufolge braucht
das Land individuellere Schulen, in
denen Kinder in dem Umfang unterrichtet werden, wie sie Wissen aufnehmen
können, in denen nicht nur Lehrer,
sondern auch Manager, Angehörige verschiedener Berufsgruppen, Eltern und
Studenten höherer Semester unterrichten und in denen es ein System der
Auszeichnung für gute Lehrer gibt.
Finn behauptet, die altmodische Schule könne immer noch funktionieren,
wenn wir Ansprüche und Disziplin auf
einem hohen Niveau halten.
Beide
sind im Recht: anspruchsvollere Schulen für die Begabteren, andere Schulen für die weniger Begabten.
Die
disziplinarische
Situation
läßt zu wünschen übrig. Nahezu die
Hälfte (44 Prozent) aller Lehrer erklären, Störungen durch die Schüler
hätten in den vergangenen fünf Jahren
drastisch zugenommen. In den höheren
Klassen haben sechs von zehn Schülern
bereits mit Drogen experimentiert.
Dafür werden von den Lehrern
vielfach die Eltern verantwortlich

- 3 -

�gemacht.
Als Hauptursache für die
Schwierigkeiten der Schüler in der
Schule geben sie "nach der Schule alleingelassene Kinder - in Familien
mit einem alleinerziehenden Elternteil" an. Die Lehrer haben recht:
Eltern müssen Hilfe leisten, zumal
sie einer Untersuchung zufolge zu höheren Ausgaben bereit sind, damit ihre Kinder in kleineren Klassen unterrichtet werden. Im Jahr 1985 betrug
der durchschnittliche Betrag, den Eltern im Jahr für die Ausbildung ihrer
Kinder in Privatschulen ausgaben,
4 000 Dollar. Das bedeutet eine Verdoppelung gegenüber 1965 (bei inflationsbereinigten Zahlen), während in
dieser Schulform die Klassenstärke im
gleichen Zeitraum von 25 auf unter 20
Kinder abgenommen hat.

Gouverneure mit Engagement im
Erziehungswesen sind vonnöten
Wie kann das System geändert werden? George Bush hat erklärt, daß er
der "Erziehungspräsident" sein will.
Aber die Bundesregierung ist nur für
sechs Prozent aller Aufwendungen im
Bildungswesen
verantwortlich.
Der
größte Teil der hier ausgegebenen
Dollars kommt aus den Einzelstaaten.
Amerika braucht "Erziehungsgouverneure". Viele stellen sich dieser Herausforderung.
Die
Schulausbildung
wird besser. Zumindest ist das die
Auffassung der Öffentlichkeit.
Im
Jahr 1973 bekundeten 58 Prozent aller
Befragten "sehr großes" oder "großes"
Vertrauen in unsere Schulen.
Bis
1981 war dieser Prozentsatz auf 42
Prozent gesunken. Heute beträgt er
immerhin wieder 50 Prozent. Wir sind
zwar auf halbem Weg zum Ziel, haben
aber noch einen langen Weg vor uns.

******

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Hintergrundmaterial

5. April 1989

14

ERSCHÜTTERNDE KLISCHEES ÜBER DIE OBDACHLOSEN
Neue Forschungsergebnisse räumen mit überholten Mythen auf -

Der folgende Artikel wurde erstmals in der in Washington D.C. erscheinenden Zeitschrift U.S. News &amp; World Report vom 20. März 1989 veröffentlicht.
(c) U.S. News &amp; World Report, Inc. (Alle Rechte vorbehalten).

Als vor sieben Jahren obdachlose
Männer und Frauen die Seitenstraßen
der amerikanischen Städte zu bevölkern begannen, entzündete sich eine
oberflächliche
Diskussion
darüber,
wieviele Menschen eigentlich obdachlos seien und woher sie kämen. Republikaner wie Ronald Reagan bagatellisierten das Problem und behaupteten, ein "hoher" Prozentsatz der Obdachlosen seien früher in psychiatrischer Behandlung gewesen. Demokraten und liberale Aktivisten wie
Mitch Snyder aus Washington hielten
dagegen, "Millionen" von Amerikanern
seien obdachlos und mahnten, nur die
"Gnade Gottes" hielte mehr Mittelstandsfamilien aus der Gosse fern.
Da keine verläßlichen statistischen
Daten zur Verfügung standen, lähmten
diese widersprüchlichen Einschätzun-

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Embassy of the United States of America

gen des Problems alle Versuche, den
ärmsten Bürgern des Landes zu helfen.
Heute
legen
drei
landesweite
Übersichten über die Situation der
städtischen Obdachlosen den Schluß
nahe, daß praktisch jeder der an der
Diskussion Beteiligten Unrecht hatte.
Die neuen Statistiken belegen, daß
die Mehrzahl der Obdachlosen weder
psychisch krank noch zu der Familie
nebenan gehören und daß es weniger
Obdachlose gibt, als die meisten angenommen hatten. Die Übersicht widerlegt ferner zusammen mit Daten des
amerikanischen Ministeriums für Bauwesen und Städteplanung (HUD), die
voraussichtlich noch in dieser Woche
veröffentlicht werden, eine Reihe anderer weitverbreiteter Klischees, die
zu wohlgemeinten, jedoch unwirksamen

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�Hilfsprogrammen für Obdachlose geführt haben. Nachfolgend einige Beispiele:

Klischee 1.
Obdachlose

Es gibt abermillionen

Von
Demokraten
wie
Michael
Dukakis und dem Präsidenten des Repräsentantenhauses, Jim Wright, wurden ebenso wie in unzähligen neuen
Berichten die Behauptung aufgestellt,
drei
Millionen
Amerikaner
fänden
Nacht für Nacht Unterschlupf auf
Straßen, in Hauseingängen oder Obdachlosenheimen. Falsch! Eine 1988
vom überparteilichen Urban Institute
veröffentlichte Studie, die sich zum
Teil auf Interviews mit 1 700 Obdachlosen in 20 Großstädten stützt, kommt
zu dem Schluß, daß im Jahr 1987 maximal 600 000 Amerikaner die Nacht im
Obdachlosenasyl oder auf der Straße
verbrachten.
Das heißt, unter den
Stadtbewohnern und selbst den Armen
gibt es relativ wenige Obdachlose.
Weniger als zwei Prozent der Armen
sind beispielsweise obdachlos.
Fürsprecher der Obdachlosen halten dagegen, daß schon ein Obdachloser - ganz zu schweigen von 600 000 zu viel ist. Mitch Snyder ist sogar
so weit gegangen, die "nagende Neugier" nach genaueren Zahlen als das
Werk
"westlicher
Kleinkariertheit"
abzutun.
Selbst ein Bewohner des
Elfenbeinturms kann jedoch nicht die
Augen davor verschließen, daß das Obdachlosenproblem sehr viel leichter
zu bewältigen ist, wenn es, sagen wir
einmal, fünfmal kleiner ist als vorher angekündigt. Um Martha Burt, die
Autorin der Studie des Urban Institute, zu zitieren:
"Was wir nicht
brauchen sind drei Millionen Wohneinheiten zur Unterbringung der Obdachlosen von heute - um dann noch drei
Millionen für die Obdachlosen von
morgen zu bauen."

Klischee 2. Es gibt Scharen von
weiblichen Obdachlosen
Im
vergangenen
Jahr
erklärte
George Bush, psychische Krankheit sei
die "Hauptursache" der Obdachlosigkeit. Doch sowohl die HUD-Studie als
auch ein 19 Städte umfassendes Projekt über Gesundheitsfürsorge, das
größtenteils von der Robert Wood
Johnson-Stiftung
finanziert
wurde,
belegen, daß nur ein Drittel der obdachlosen Erwachsenen psychisch krank
sind. Darüber hinaus hat die massenhafte Entlassung psychisch Kranker
aus den Kliniken wenig zum Obdachlosenproblem der achtziger Jahre beigetragen. In dem in Kürze erscheinenden Buch Address Unknown berichtet
Professor James Wright von der Tulane
University, daß sich weniger als fünf
Prozent der 83 000 an den Robert Wood
Johnson-Kliniken behandelten obdachlosen Männer und Frauen unmittelbar
vor ihrer Obdachlosigkeit in psychiatrischen Anstalten aufhielten.

Klischee 3.
wir

Sie sind Menschen wie

Ebenso
falsch
sind
emotional
griffige Argumente der Fürsprecher
von Obdachlosen und liberalen Demokraten, daß die Obdachlosen ganz gewöhnliche - nur vom Pech verfolgte Angehörige der Mittelschicht seien.
Vor nicht allzulanger Zeit formulierte es der demokratische Abgeordnete
aus New York und Vorsitzende einer
Arbeitsgruppe
des Kongresses, die
sich mit Wohnungsproblemen befaßt,
Charles
Schumer,
folgendermaßen:
"Die große Mehrheit der Obdachlosen
sind wie Du und ich; sie können sich
nur keine Wohnung leisten."
Zahlreiche Medienberichte, insbesondere
im Fernsehen, haben diese Beschönigung des Obdachlosenproblems gefördert. Um nur ein Beispiel zu nennen:
In einem NBC-Sonderbericht des vergangenen Jahres reiste Tom Brokaw ins
ländliche Iowa, um weiße Familien
aufzuspüren, bei denen beide Elternteile obdachlos sind. Brokaw informierte seine Zuschauer, die Obdachlosen seien "Menschen, die Sie kennen".

�Nicht ganz. Während die meisten
Obdachlosen nicht psychisch krank
sind und ihre Reihen von Stadt zu
Stadt erheblich variiert, haben zwei
Drittel der obdachlosen Erwachsenen
mindestens ein ernsthaftes persönliches Problem, das dazu beiträgt,
daß sie auf der Straße oder im Obdachlosenasyl landen.
Jüngste Studien belegen, daß 33 bis 38 Prozent
der Obdachlosen Alkoholiker, 13 bis
25 Prozent drogenabhängig und 21 bis
24 Prozent entweder straffällig geworden oder eine Gefängnisstrafe verbüßt haben. Abgesehen von extremer
Armut sind obdachlose Männer und
Frauen auch von ihren Familien und
den herkömmlichen amerikanischen Einrichtungen
völlig
isoliert.
Im
Durchschnit sind sie seit nahezu vier
Jahren arbeitslos.

Klischee 4. Die Gelegenheitsarbeiter sind wiederjla
Der
vielleicht
irreführendste
Eindruck von den Obdachlosen betrifft
die obdachlosen Familien - die auffälligsten Neuankömmlinge
auf den
Straßen und in den Obdachlosenheimen
des Landes. Zahlreiche Medienberichte haben diese Familien als neue Gelegenheitsarbeiter dargestellt, entlassene Amerikaner der Arbeiterklasse, die keine billigen Mietwohnungen
mehr finden können. Ein schlagendes
Beispiel dieser Art war der von der
Kritik gelobte Fernsehfilm "God Bless
the Child", in dem Mare Winningham
eine weiße, getrennt lebende Mutter
spielt, die ihren Arbeitsplatz verloren hat und dann ihre kleine Tochter
aussetzt, damit das Kind nicht in dem
schrecklichen
Obdachlosenasyl
aufwächst.
In Wahrheit sind jedoch die meisten Obdachlosen mit Kindern schwarze
oder hispanoamerikanische alleinstehende Frauen, die von der Sozialfürsorge leben und über wenig Berufserfahrung verfügen.
Insgesamt machen
Mütter mit Kindern ein Viertel der
Obdachlosen auf der Straße und im
Heim aus. Und während die neuen Stu-

dien belegen, daß sie entschieden weniger anfällig als alleinstehende obdachlose Erwachsene sind, Alkoholiker, psychisch krank oder straffällig
zu werden, sind sie traurigerweise
sehr viel eher im Obdachlosenasyl gelandet, weil sie ihr Zuhause wegen
Gewalttätigkeiten verlassen haben.

Klischee 5. Mehr Wohltätigkeit ist
die Antwort
Die neuen Studien widerlegen auch
zwei gängige Lösungen des Obdachlosenproblems.
Auf der politischen
Rechten haben Präsident Bush und andere gewarnt, daß "ein großes Erwachen" seitens der Wohltätigkeitsorganisationen und religiösen Gruppen,
den "Tausend Lichtern" erfolgen muß.
Die HUD-Obdachlosenstudie läßt jedoch
erkennen, daß der Privatsektor bereits ein phänomenales Programm auf
die Beine gestellt hat, um den Obdachlosen zu helfen. Im vergangenen
Jahr wurden rund neun von zehn Obdachlosenunterkünften von Gemeindeverbänden und Kirchen betrieben. Es
ist fraglich, wie die "Tausend Lichter" noch mehr Licht anzünden können.
Letztes Jahr stieg die Zahl der freiwilligen Helfer in Obdachlosenheimen
auf überwältigende
80 000, nahezu
viermal soviele wie noch vor fünf
Jahren.
Erwartungsgemäß hat der Privatsektor seit 1984 auch seine finanzielle Unterstützung der Obdachlosenunterkünfte erheblich aufgestockt und
im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Dollar, beziehungsweise zwei
Drittel der Betriebskosten übernommen. Die Bundesmittel zur Bekämpfung
dieses landesweiten Problems sind jedoch bescheiden, insbesondere wenn
man sie gegen die Beiträge zahlreicher Bundesstaaten und Gemeinden aufrechnet.
In diesem Haushaltsjahr
wird New York City allein ca. 475
Millionen Dollar an direkter Hilfe
für die Obdachlosen aufwenden - also
nicht sehr viel weniger als die Regierung in allen 50 Bundesstaaten
ausgibt.

- 3 -

�Klischee^ 6.
Wohnungen

Sle brauchen nur

Viele Liberale und Fürsprecher
der Obdachlosen bekräftigen die von
Robert Hayes von der National Coalition for the Homeless vorgelegte Lösung des Obdachlosenproblems: "Wohnungen, Wohnungen und nochmals Wohnungen." Die jüngsten Studien legen
jedoch den Schluß nahe, daß rund die
Hälfte der städtischen Obdachlosen
mehr als einmal obdachlos gewesen
sind, was darauf hindeutet, daß ein
Dach über dem Kopf eines Alkoholikers, eines psychisch Kranken oder
eines Drogenabhängigen ihn nicht für
immer von der Straße fernhält. Unglücklicherweise sind die meisten Obdachlosenunterkünfte zu sehr mit der
kurzfristigen Befriedigung elementarer Bedürfnisse wie der Bereitstellung warmer Mahlzeiten und Schlafstellen in Anspruch genommen, als daß
sie angemessene Rehabilitationsmaßnahmen anbieten könnten.
Die HUDStudie liefert den Beweis, daß weniger als ein Drittel der Obdachlosenheime des Landes eine Behandlung für
Suchtkranke oder psychisch Kranke zur
Verfügung stellen und ebensowenige
Kinderbetreuung oder Gesundheitsfürsorge anbieten.

Eine Schlußfolgerung der neuen
Studien lautet, daß die Obdachlosen
sehr viel eher auf ihre Bedürfnisse
zugeschnittene Dienstleistungen und
Wohnungen als Ubergangslösung benötigen als neue Sozialwohnungen.
Die
meisten Obdachlosen bedürfen einer
Behandlung in einer psychiatrischen
Klinik der Gemeinde, der Einweisung
in ein Rehabilitationszentrum für Alkoholkranke, Anleitung bei der Kindererziehung, Unterstützung zur Erlangung einer Behindertenrente oder
nur ein Bett in einer sicheren und
sauberen kleinen Pension. Sobald die
Öffentlichkeit die Tatsache akzeptiert hat, daß die Mehrzahl der obdachlosen Erwachsenen anhaltende persönliche Probleme hat, besteht natürlich die Gefahr, daß sie als Arme abgetan werden, die kein Mitgefühl verdienen. Hayes zufolge sind die Obdachlosen jedoch "keine andere Spezies Mensch". Und selbst wenn einige
Amerikaner sie als unwürdig erachten,
gibt es keine Anzeichen dafür, daß
sich die Reihen der Obdachlosen lichten. Das Problem ist nicht, ob die
Obdachlosen weiterhin Hilfszahlungen
in Milliardenhöhe für Notunterkünfte
und Mahlzeiten verdienen, sondern ob
diese Milliarden in den kommenden
Jahren besser angelegt werden.

* * * * * *

�:£D S &gt;

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
5. April 1989

14

FOTOS AUS DEM ALL ZEIGEN VERÄNDERUNGEN DER ERDOBERFLÄCHE
- NASA-Dokumente von Raumtransporterflügen -

WASHINGTON - (AD) - "Fast jede heute existierende Landkarte gibt ein völlig falsches Bild vom Tschad-See in Zentralafrika. Den neuen Aufnahmen aus
dem Weltraum zufolge ist nur noch ein kläglicher Rest von ihm vorhanden", sagt
Dr. Charles Wood, der Leiter der Abteilung Erdbeobachtung für bemannte Raumflüge des US-Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA). Der Tschad-See wird auf
den meisten Karten in seiner früheren GLänge von 200 km dargestellt, seine
Oberfläche ist jedoch in den 23 Jahren, seitdem GEMINI-Astronauten mit briltlianten Aufnahmen aus dem Weltraum die überflogenen Gebiete unserer Erde In
neuer Perspektive zugänglich machten, um fast 95 Prozent geschrumpft.

Tausende solcher Fotografien geben Wissenschaftlern in aller Welt
die Möglichkeit, die "Geschichte" bestimmter Landschaften über die vergangenen paar Jahrzehnte zu verfolgen. Der Tschad-See und der NasserSee (am Assuan-Staudamm in Ägypten)
eignen sich schon deshalb gut als Fotoobjekte, weil diese Regionen selten
durch Wolken verdeckt sind. In Südostasien ist das ganz anders. "Dort
ist häufig wegen der Wolken kaum etwas zu erkennen", meint Dr. Woods.
In Südamerika wiederum, insbesondere
über dem Amazonasbecken, sind es "von
Menschen erzeugte Wolken", die von
den Rodungsfeuern zu bestimmten Zeiten des Jahres herrühren.
Woods verweist ausdrücklich darauf, daß das Fotografieren im Welt-

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Embassy of the United States of America

raum und die Auswertung dieser Aufnahmen keinesfalls mit Spionage in
Zusammenhang zu bringen sei und die
Bilder jedermann zum Selbstkosten^
preis für Reproduktionen zur Verfügung stünden.
Für einen bemannten
Raumflug wählt seine Abteilung be~
stimmte Gebiete aus, von denen Wissenschaftler - Geologen, Meteorologen, Biologen, Meereskundler und Ökologen - mehr Daten für ihre Arbeit
benötigen. Zwar erhielten die Astronauten während ihrer Mission täglich
aktualisierte Meldungen zu möglichen
Fotoobjekten und jeweiligen Wetterbedingungen, jedoch komme es auf ihre
Beobachtungsgabe und das Erfassen unerwarteter Ereignisse an, damit ein
Raumfahrtunternehmen
so
profitabel
wie möglich wird.
Im Durchschnitt
bringen sie 2000 Fotos von einem Flug

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�mit. Nach wie vor werden HasselbladKameras der gleichen Bauart wie in
den sechziger Jahren verwendet, die
mit 70 mm- und 250 mm-Objekten ausgestattet sind. Gewöhnliche EktrachromFilme liefern hochwertige Bilder.
Bei Vergleichen mit früheren Fotos zeigte sich, daß der im Jahr 1966
ca. 26 500 Quadratkilometer große
Tschad-See bis zum Juli 1985 auf 2400
qkm geschrumpft und inzwischen noch
kleiner geworden ist. Der im Jahr
1984 mit 500 km Länge als der größte
Stausee der Welt bezeichnete NasserSee war 1981 auf die nahezu größte
Ausdehnung angestaut. Aber schon die
Trockenheit im darauffolgenden Jahr
ließ vom Weltraum aus ein merkliches
Absinken des Wasserspiegels erkennen.
Aufnahmen aus dem Raumtransporter
DISCOVERY von September 1988 zeigten,
daß er zu diesem Zeitpunkt den niedrigsten Wasserstand seit den sechziger Jahren hatte. Deutlich sind auf
den Fotos die Schlickablagerungen an
den immer tiefer freiwerdenden Ufergebieten zu erkennen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik
5. April 1989

14

PRIVATFIRMA STARTET ERSTE KOMMERZIELLE RAKETE

WASHINGTON - (AD) - Ein kleines amerikanisches Privatunternehmen, Space
Services Inc., startete am 29. März 1989 seine erste Rakete. Die 22 m lange
STARFIRE erreichte eine Höhe von 317 km; die Nutzlastkapsel landete am Fallschirm 80 km vom Startplatz White Sands in Neu Mexiko entfernt. Die US--Armee
hatte Startanlagen zur Verfügung gestellt. In der Kapsel befanden sich sechs
Experimente von Wissenschaftlern der Universität Alabama, die sich mit Werkstoffentwicklung befassen und die Auswirkungen der sieben Minuten dauernden
Schwerelosigkeit auf ihre Materialproben untersuchen wollen. Die Universität
zahlte Space Services Inc. eine Million Dollar für den Start aus einem von der
US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) finanzierten Fonds.

Space Services Inc. baute die Rakete mit Elementen "aus dem Magazin",
wie der Präsident des Unternehmens,
der
ehemalige
Astronaut
Donald
Slayton, sagte.
Das Triebwerk für
den suborbitalen Flug kam von der
Firma Morton Thiokol, dem gleichen
Unternehmen, das die Feststoffraketen
für den Raumtransporter liefert. Die
Genehmigung für den Start mußte vom
amerikanischen
Verkehrsministerium
erteilt werden. Dieses ist zuständig
für die entsprechenden Vorschriften
zum Abschuß kommerzieller Raketen und
Raumfahrtunternehmen der Privatindustrie. Seine Abteilung für "Kommerzielle Raumfahrt" bewertet und prüft
die Sicherheit der Mission, gibt
Startgenehmigungen und setzt den Rahmen für die Versicherungshöhe.

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Embassy of the United States of America

Diese neue Rolle des Verkehrsministeriums ist Teil eines Planes der
amerikanischen Regierung, die Privatindustrie zu Raumfahrtunternehmen zu
motivieren.
Er sieht unter anderm
vor, daß Bundesbehörden kommerzielle
Dienstleistungen auf dem Sektor Raumfahrtaktivitäten in Anspruch nehmen.
Die Privatunternehmen ihrerseits benutzen regierungseigene Startanlagen
und entschädigen den Staat für die
entstehenden
Kosten.
Nutzlasten
konnten bisher nur an Bord des Raumtransporters der NASA oder regierungseigener unbemannter Raketen In
den Weltraum transportiert werden.
Space Services Inc. machte bereits im September 1982 mit dem Start
des ersten von privater Seite finanzierten Raumfahrtgeräts Geschichtet

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�Die Versuchsrakete CONESTOGA wurde
mit Wasserballast von einer Insel vor
der Küste von Texas gestartet und kam
im Golf von Mexiko zur Erde zurück.
Inzwischen haben einige große Firmen
der amerikanischen Luft- und Raumfahrtindustrie Projekte für den Bau
privater Trägergeräte in Angriff genommen. In den nächsten paar Jahren
dürften nach und nach 20 wichtige Satelliten gestartet werden können, für
die Kontrakte im Gesamtwert von über
einer Milliarde Dollar abgeschlossen
werden. Die Firmen McDonnell Douglas
Astronautics, Martin Marietta und General Dynamics haben mit den Regierungen von Indien, Großbritannien,
Japan und der USA bereits Vereinbarungen über den Start von Nachrichtensatelliten getroffen.
•

.:

••

* * * * * *

•

.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: NATO Bewahrer von Frieden und Freiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung zum 40jährigen Jubiläum &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;der NATO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brady fordert rasches Handeln zur Verschuldung der Dritten Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem Interim-Aupschuß des IWF&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Gefahren der Weiterverbreitung von Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von CIA-Direktor Webster in Los Angeles&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehman bringt großen Erfahrungsschatz mit zu ACDA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten ACDA-Direktors&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist das Bildungswesen so schlecht wie eh und je ?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Ben J. Wattenberg &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erschütternde Klischees über die Obdachlosen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Forschungsergebnisse räumen mit überholten Mythen auf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fotos aus dem All zeigen Veränderungen der Erdoberfläche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NASA-Dokumente von &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Raumtransporterflügen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Privatfirma startet erste kommerzielle Rakete</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z 12462 C

5. April 1995

13

NATO

DIE ERWEITERUNG DER NATO
von Verteidigungsminister William Perry

KLIMAKONFERENZ

BEWÄLTIGUNG DES KLIMA WANDELS IST
GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG
von Timothy E. Wirth

DAS PROGRAMM DER CLINTONADMINISTRATION
Maßnahmen zum Klimawandel

ROOSEVELT

FRANKLIN DELANO ROOSEVELT
Zum 50. Todestag des
32. amerikanischen Präsidenten

TAG DER ERDE

DIE MENSCHLICHE UMWELT UND
GLOBALE POLITISCHE ANPASSUNG
von Thomas W. Wilson

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�NATO
5. April 1995

Die Erweiterung der NATO
von Verteidigungsminister William Perry
WASHINGTON - (AD) - Beim Ministertreffen des
Nordatlantikrats im Dezember vergangenen Jahres
bekräftigten die Außenminister der NATO-Mitgliedstaaten die beim Gipfel im Januar getroffene Entscheidung über eine Erweiterung der NATO und
verabschiedeten eine amerikanische Initiative,
"innerhalb des Bündnisses einen Prüfungsprozeß
einzuleiten, um das "Wie" einer NATO-Erweiterung,
die Leitlinien dieses Prozesses und Implikationen der
Mitgliedschaft festzusetzen".
Bei ihrem Treffen im Dezember 1994 äußerten die
NATO-Verteidigungsminister im Tenor der vom
Nordatlantikrat getroffenen Entscheidung, sie würden
einen vollen Beitrag zu dem Prüfungsprozeß leisten.
In Anerkennung der Schlüsselrolle der Partnerschaft
für den Frieden (PFP) bei der NATO-Erweiterung
wird diese Prüfung eine Beurteilung des möglichen
Beitrags der Partnerschaft zu diesem Prozeß beinhalten. Die Minister des Nordatlantikrats stimmten
zu, interessierten Partnern vor dem für Dezember
1995 in Brüssel anberaumten nächsten Treffen des
Nordatlantikrats die Ergebnisse dieser Verhandlungen vorzulegen.
Kriterien
Während der zur Entscheidung des Nordatlantikrats
führenden Diskussionen äußerte die Verbündeten
ernste Zweifel daran, ob es sinnvoll sei, explizite
Kriterien für eine Aufnahme in die NATO aufzustellen. Die Vereinigten Staaten teilen diese Bedenken.
Die Festsetzung starrer und detaillierter Kriterien
könnte im Falle einer Aufnahme neuer Mitglieder in
das Bündnis zu Mißverständnissen und Beschuldigungen zwischen den NATO-Mitgliedstaaten und
enttäuschten Kandidaten führen. Dies könnte das
Bündnis in die schwierige Lage versetzen, explizite
öffentliche Urteile über die Eignung anderer Nationen auf so heiklen Gebieten wie ihrem Engagement
für Demokratie und freie Marktwirtschaft zu fällen.
Im Grunde ist die Entscheidung über die Aufnahme
neuer Mitglieder politischer Natur.
Die NATOMitgliedstaaten vereinbaren, daß ein bewaffneter
Angriff gegen einen oder mehrere von ihnen als ein
Angriff gegen sie alle angesehen wird - eine Ver-

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pflichtung mit tiefgreifenden möglichen Implikationen
für eine Nation. Vor diesem Hintergrund einigten sich
die Minister des Nordatlantikrats, über eine Erweiterung - wenn sie stattfindet - von Fall zu Fall zu
entscheiden.
Ferner sollte man sich vor Augen führen, daß die
Aufnahme neuer Mitglieder der Zustimmung aller
derzeit 16 Mitgliedstaaten sowie in den meisten
Fällen der Parlamente bedarf. Natürlich steht es dem
Parlament jedes Mitgliedstaats frei, alle Kriterien
anzulegen, die ihm angemessen erscheinen. Unter
unserem Verfassungssystem kann die Exekutive bei
Konsultationen des Bündnisses keine Kriterien
festsetzen, die für die Entscheidung des Senats
verbindlich wären, die Aufnahme neuer Mitglieder in
das Bündnis zu empfehlen und dieser zuzustimmen.
Obwohl Bedenken darüber bestehen, ob die Aufstellung expliziter oder starrer Kriterien wünschenswert sei, wird auch deutlich, daß Entscheidungen
über eine Mitgliedschaft nicht in einem Vakuum
getroffen werden. Außenminister Christopher erläuterte die Haltung der Vereinigten Staaten zu einer
Erweiterung, als er dem Nordatlantikrat mitteilte:
"Jede Nation sollte individuell betrachtet werden.
Kein Nichtmitgliedstaat der NATO wird ein Vetorecht
gegenüber einem anderen haben. Aus unserer Sicht
gibt es jedoch im Washingtoner Vertrag niedergelegte
bestimmte grundlegende Anforderungen für die
Mitgliedschaft. Neue Mitglieder müssen marktwirtschaftliche Demokratien und einer verantwortlichen
Sicherheitspolitik verpflichtet sein sowie einen Beitrag
zum Bündnis leisten."
Im Kommunique der Ministertagung des Nordatlantikrats heißt es: "Alle neuen Mitglieder der NATO
werden Vollmitglieder der Allianz sein, die die Rechte
genießen und alle Verpflichtungen aus der Mitgliedschaft übernehmen." Darüber hinaus waren sich die
Minister "einig, daß die Erweiterung die Effizienz der
Allianz stärken, zu Stabilität und Sicherheit des
gesamten euroatlantischen Gebiets beitragen und
unser Ziel der Wahrung eines ungeteilten Europas
fördern sollte. Sie sollte in einer Weise erfolgen, daß
die Fähigkeit der Allianz zur Durchführung ihrer

Seite 1

�Kernfunktionen der kollektiven Verteidigung sowie
zur Durchführung friedenserhaltender und anderer
neuer Aufgaben erhalten bleibt...". Ferner riefen sie
die Präambel des Washingtoner Vertrags in Erinnerung:
"Die Parteien dieses Vertrags bekräftigen
erneut ihren Glauben an die Ziele und Grundsätze der Satzung der Vereinten Nationen und
ihren Wunsch, mit allen Völkern und allen
Regierungen in Frieden zu leben. Sie sind
entschlossen, die Freiheit, das gemeinsame
Erbe und die Zivilisation ihrer Völker, die auf
den Grundsätzen der Demokratie, der Freiheit
der Person und der Herrschaft des Rechts
beruhen, zu gewährleisten. Sie sind bestrebt,
die innere Festigkeit und das Wohlergehen im
nordatlantischen Gebiet zu fördern. Sie sind
entschlossen, ihre Bemühungen für die gemeinsame Verteidigung und für die Erhaltung
des Friedens und der Sicherheit zu vereinigen."
Kooperation und Interoperabilität: Der Weg der
PFP
Zusätzlich zur Beurteilung der Kriterienfrage wurde
auf der Konferenz die Forderung geäußert, dieser
Bericht solle Maßnahmen ansprechen, um die
vollständige militärische Kooperation und Interoperabilität potentieller neuer Mitglieder zu gewährleisten. Das Bündnis befaßt sich mit diesen Angelegenheiten im Rahmen der Partnerschaft für den
Frieden, einzelne Mitgliedstaaten durch bilaterale
Programme.
In der Vergangenheit wurden in
einigen Kreisen die PFP und die NATO-Erweiterung
als Alternativen angesehen, und das energische
Streben eines Mitgliedsstaats als Verunglimpfung
des anderen betrachtet. Dies ist nicht der Fall - eine
starke PFP und die NATO-Erweiterung müssen und
werden sich gegenseitig verstärken.
Zur Zeit gibt es 25 Mitgliedstaaten der Partnerschaft
für den Frieden: alle mitteleuropäischen Staaten,
das Baltikum, Schweden, Finnland und Österreich,
alle ehemaligen Sowjetrepubliken mit Ausnahme
Tadschikistans, plus Slowenien und Albanien. Kein
Partner erhält eine Garantie auf die Mitgliedschaft
oder wird a priori ausgeschlossen.
Realistisch
gesehen streben nicht alle Partner eine frühe Mitgliedschaft im Bündnis an oder können deren
Erfordernisse erfüllen. Für sie wird die PFP eine
unschätzbare und dauerhafte Rolle spielen, indem
sie eine enge Verbindung zum Bündnis herstellt und
konkrete Beweise der Sorge der NATO um ihre
Sicherheit liefert. Für die Partner, die schließlich der
NATO beitreten, wird die PFP jedoch der Weg ur
Mitgliedschaft im Bündnis sein. Die NATO stärkt zur

Seite 2

Zeit die PFP, damit sie ihrer Rolle als fester Bestandteil der europäischen Sicherheit gerecht werden
kann. Bei den jüngsten Mi niste rtreffen leitete die
NATO einen PFP-Verteidigungsplanungsprozeß in die
Wege und verabschiedete ein äußerst ehrgeiziges
Programm für Manöver im Jahr 1995. Ziel dieser
beiden Bestrebungen ist die Vertiefung der Zusammenarbeit der NATO mit ihren neuen Partnern im
militärischen Bereich und die Verbesserung der
Fähigkeit der Partner-Streitkräfte zu gemeinsamen
Operationen mit denen der NATO. Diese Bestrebungen sind für alle Partner wichtig, die sich an multinationalen Operationen mit Verbündeten beteiligen
könnten und werden sich bei der Vorbereitung von
Ländern mit einem Interesse an der NATO-Mitgliedschaft auf die Herausforderung der Vollmitgliedschaft
im Bündnis als unschätzbar erweisen.
Wir ergänzen diese Bestrebungen durch bilaterale
Hilfsprogramme.
Bestehende Ausbildungs- und
Austauschprogramme werden bereits zunehmend auf
die Unterstützung der PFP-Ziele zugeschnitten.
Darüber hinaus wenden wir im Haushaltsjahr 1995 30
Millionen Dollar zur Unterstützung von Übungen und
anderen Programmen mit Partnernationen auf. Im
Haushaltsjahr 1996 hat die Administration 100
Millionen Dollar an bilateraler Hilfe zur Förderung der
Ziele der PFP beantragt. Wir fordern unsere Verbündeten zur Bereitstellung ähnlicher Hilfsleistungen
auf. Wir sind uns bewußt, daß die Hauptfinanzierungsverpflichtung bei den Partnern liegt und unsere
NATO-Partner für den Erfolg des Programms ebenfalls ihren Beitrag leisten müssen.
Militärische Implikationen der Erweiterung
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Erweiterung sind
die Implikationen für die kollektive Verteidigung.
Beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister im
Dezember 1994 begrüßte der Verteidigungsplanungsausschuß (Defense Planning Committee - DPC)
offiziell die Entscheidung der Außenminister, einen
Prüfungsprozeß über das "Wie" der NATO-Erweiterung in die Wege zu leiten. Der DPC stellte auch
eindeutig klar: "Als Verteidigungsminister werden wir
uneingeschränkt zu diesem Prozeß beitragen, der
Implikationen für unsere kollektiven Verteidigungsarrangements haben wird, insbesondere für den
Verteidigungsplanungsprozeß und die integrierte
militärische Struktur. Aus diesem Grund haben wir
auf Anraten der NATO-Militärbehörden unsere
Ständigen Vertreter eingeladen um sicherzustellen,
daß diese Implikationen als Beitrag zur Arbeit des
Nordatlantikrats zu diesem Thema angesprochen
werden."
Die Hauptnotwendigkeit besteht in der Gewährleistung, daß die militärischen Fähigkeiten des Bündnis-

AMERIKA DIENST 13

�ses nach der Erweiterung erhalten bleiben. Die
verteidigungspolitischen Anforderungen der Erweiterung sind ziemlich anspruchsvoll und werfen eine
Reihe komplexer Fragen auf. Beispielsweise muß
eine erweiterte NATO sich mit der Notwendigkeit
auseinandersetzen, auch ihren Verteidigungsplanungsprozeß zu erweitern, um mit den Verfahren
des Bündnisses nicht vertraute Mitglieder einzubeziehen. Die NATO muß auch die Ressourcenerfordernisse eines größeren Bündnisses ausmachen und vielleicht in etwas kritischerer Weise Mittel
zur Erfüllung dieser Erfordernisse in einer Zeit
sondieren, in der die Verteidigungshaushalte aller
NATO-Mitgliedstaaten gekürzt werden.
Neue
Mitglieder müssen einen Beitrag zu den Sicherheitserfordernissen des Bündnisses leisten und nicht nur
nehmen wollen.
Die Notwendigkeit für Standardisierung und Interoperabilität stellt eine weitere Herausforderung dar,
die bewältigt werden muß, wenn das Bündnis militärisch effektive Streitkräfte beibehalten will. Die
NATO hat buchstäblich Hunderte von Standardisierungsabkommen, die sich mit Doktrin, Gerät, Verfahren und Beschaffung befassen, denen sich ein
neues Mitglied anpassen muß. Die Erweiterung wird
auch das komplexe Thema der Führungs- und Streitkräftestruktur aufwerfen. Wenn sich die NATO als
verantwortlich für die Verteidigung mehrerer neuer

*

AMERIKA DIENST 13

*

Mitglieder erachtet, muß sie die entsprechenden
Veränderungen ihres Streitkräfte-Einsatzkonzepts und
ihrer Doktrin vornehmen. Welche praktischen Vorschläge sollten wir in dieser Hinsicht unterbreiten?
Die Beantwortung dieser Frage bedarf eingehender
Studien und beträchtlicher Anstrengungen.
Schlußbemerkung
Die Entscheidung des Nordatlantikrats, eine Prüfung
der Erweiterungsfrage zu initiieren, war eine beträchtliche Leistung der amerikanischen Politik.
Zusammen mit unseren Verbündeten bemühen wir
uns um Klärung der angeschnittenen komplexen und
heiklen Fragen. Alle stimmen überein, daß die
NATO-Erweiterung stattfinden wird und diese Erweiterung in einer Art und Weise erfolgen muß, die die
Sicherheit Europas insgesamt verbessert und neue
Teilungen verhindert. Zu diesem Zweck verfolgen die
Vereinigten Staaten bei der NATO vehement den
Dialog über die Erweiterung und werden sicherstellen, daß die NATO die damit verbundenen komplexen Themen an die Öffentlichkeit bringt. Die
Vereinigten Staaten sind ferner zu der Gewährleistung entschlossen, daß die NATO ihre ehrgeizige
und anspruchsvolle Verpflichtung im Nordatlantikrat
erfüllt, interessierten Partnern die Ergebnisse dieser
Erörterungen vordem Ministertreffen des Nordatlantikrats im Dezember 1995 in Brüssel vorzulegen.

* *

Seite 3

�KLIMAKONFERENZ
5. April 1995

Bewältigung des Klimawandels ist größte
Herausforderung
von Timothy E. Wirth
Nachfolgend veröffentlichen wir einen im Zusammenhang mit der Berliner Klimakonferenz verfaßten Artikel des
Staatssekretärs für globale Angelegenheiten im US-Außenministerium, Timothy E. Wirth.

Während die entscheidende zweite Woche der
Berliner Klimakonferenz beginnt, nimmt der Druck
auf alle Nationen zu, eine Bestandsaufnahme der
Fortschritte zur Verhinderung beispielloser Klimaveränderungen vorzunehmen sowie entschieden und
verantwortungsbewußt zu handeln.
Diejenigen, die über die unterschiedlichen Meinungen, mühseligen Verhandlungen, unterschiedlichen
Einstellungen, Verzögerungen und das Spektakel
einer Zusammenkunft wie dieser lamentieren,
fordere ich auf, ebenfalls Bilanz zu ziehen. Gemeinsam müssen wir unsere Erwartungen beurteilen und
sie in Einklang mit der Realität bringen.
Es steht außer Frage, daß die Bewältigung des
globalen Klimawandels eine der größten - wenn
nicht die größte - Herausforderung ist, die je von
der internationalen Staatengemeinschaft angegangen wurde. Sie betrifft so schwierige Themen wie
Wirtschaftswachstum, Lebensqualität, Verkehrswesen, Energie und Landwirtschaft - und die zugrundeliegenden Probleme sind mindestens so komplex
wie die letzte Runde der globalen Handelsgespräche, die sich über zehn Jahre hinzog.
Es steht ebenfalls außer Frage, daß in bezug auf die
Umwelt - und den Planeten - sehr viel auf dem Spiel
steht. Das Ansteigen der Meeresspiegel, veränderte
Witterungsbedingungen, vermehrter Niederschlag,
heftigere Stürme, Belastung der Landwirtschaft - das
sind die Risiken.
Ebenso wie wir der Öffentlichkeit die äußerst wichtigen Beweise besser erklären müssen, die Wissenschaftler erbringen, müssen wir auch kollektiv
bessere Arbeit leisten, um eine Formulierung genauer zu erläutern, die Experten bei der Klimakonferenz
ständig verwenden - "nachhaltige Entwicklung".

AMERIKA DIENST 13

Nachhaltige Entwicklung bedeutet im wesentlichen,
daß die Volkswirtschaften der Welt die Bedürfnisse
der heutigen Generation ohne Gefährdung oder
Benachteiligung künftiger Generationen erfüllen
sollten. Verstanden und umgesetzt ist dies ein in der
Erkenntnis wurzelndes Konzept, daß wirtschaftliche
und ökologische Systeme sich gegenseitig verstärken. Ökologische Systeme bilden die entscheidende
Grundlage der modernen Gesellschaft - in der
Wissenschaft, Landwirtschaft, bei sozialer und
wirtschaftlicher Planung. Von unserem ökologischen
Kapital zu leben, ist langfristig eine ruinöse Wirtschaftsstrategie. Gleichzeitig streben die meisten
Völker und Nationen nach einer Verbesserung ihrer
Lebensqualität durch Wirtschaftswachstum, wissenschaftliche und technologische Fortschritte, die
wiederum die unabdingbaren Bausteine des Umweltschutzes sein können.
Das größte Hindernis beim Streben nach tragfähiger
Entwicklung ist die weitverbreitete Sorge der Welt,
der Schutz der Umwelt liefe den Wirtschaftsinteressen zuwider. Tatsache ist jedoch, daß die Wirtschaft untrennbar mit der Umwelt verbunden und
vollständig von ihr abhängig ist.
Wir lernen, daß Umweltkapital nicht einfach bemessen werden kann, indem man Bäume, Fischbestände
oder Getreideähren zählt. Es umfaßt auch komplexe
ökologische Systeme, die Abfälle filtern, Böden
regenerieren und die Trinkwasservorräte wiederauffüllen. Diese Systeme, die wir zu spät verstanden
haben, bilden die Grundlage des Lebens auf der
Erde. Die Zerstörung der Ozonschicht, das Aussterben der Arten und der zunehmende Kohlendioxidgehalt unserer Atmosphäre stehen für die Tatsache,
daß die Ökosysteme unseres Planeten großen
Belastungen ausgesetzt sind.

Seite 1

�Die globale Sicherheit ist untrennbar mit diesen
Trends verbunden. Die Sicherheit unserer Welt
hängt davon ab, ob wir ein tragfähiges, ausgewogenes Gleichgewicht zwischen der Zahl der Menschen
und der lebenserhaltenden Fähigkeit des Planeten
herstellen können.
Dies ist das Ziel von Präsident Clintons Bestrebungen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung auf der
ganzen Welt. In nur zwei Jahren hat er die Vereinigten Staaten in eine gestärkte Partnerschaft mit
der internationalen Staatengemeinschaft geführt, um
die Vorteile tragfähiger Entwicklung zu realisieren insbesondere bei der Klimafrage. Vergangen sind
die Tage, an denen die Vereinigten Staaten das
Problem leugneten oder sich weigerten, die Zusage
einer Reduzierung der Emissionen bis zum Jahr
2000 auf das Niveau von 1990 zu geben. Präsident
Clinton und Vizepräsident Gore haben dies geändert. Die Vereinigten Staaten haben jetzt einen
Plan mit über 50 Maßnahmen zur Verringerung der
Treibhausgasemissionen vorliegen. Und eine Reihe
von uns unternommener Schritte übertrafen unsere
Erwartungen. Präsident Clinton hat den Kurs der
staatlichen Investitionen der Vereinigten Staaten in
die Energiewirtschaft und andere Umwelttechnologien grundlegend - unvorstellbar - geändert. Diese
Aktionen und Investitionen in Höhe von Millionen - in
der Tat Milliarden - Dollar werden enorme Dividenden für die Reduzierung künftiger Treibhausgasemissionen bringen.
Hier in Berlin haben wir die Chance und Pflicht, uns
durch die Vielzahl von Positionen einzelner Regierungen zu arbeiten, um ein Mandat zur Genehmigung neuer Verhandlungen über die Bewältigung der
Herausforderung zu formulieren, das globale Klima
im nächsten Jahrhundert zu schützen.
Nach Ansicht meiner Regierung sollte das "Berliner
Mandat"
ein neues Ziel als Leitlinie für die nationalen
Bestrebungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts
fordern,
durch genaue Analysen die Bandbreite konkreter
Maßnahmen zur Erlangung dieses neuen Ziels
definieren,
den Einfallsreichtum nichtstaatlicher Organisationen sowie des Privatsektors besser nutzen, um
Fortschritte zum obersten Ziel der Konvention der Stabilisierung der Atmosphäre - zu fördern
sowie
noch vor 1997 Einigkeit über die nächsten Schritte erzielen.

Seite 2

Bei unseren nächsten Schritten müssen wir meines
Erachtens eine zweite Priorität setzen: Das Sondieren von Möglichkeiten für gemeinsame Aktionen zur
Erreichung aller für die Zeit nach dem Jahr 2000
gesteckten Ziele.
Aus unserer Sicht könnten zur Annäherung an das
"Ziel" verschiedene gemeinsame Aktionen durchgeführt werden. Sie könnten die Form vereinbarter
Verfahren zur Untersuchung der Möglichkeiten für
Emissionsreduzierungen entsprechend nationalen
Gegebenheiten annehmen, unter der einzigen Voraussetzung, daß diese Möglichkeit in Betracht
gezogen und darüber berichtet wird.
Ferner sollten wir sowohl breitgefächerte als auch
spezifische technologische Initiativen prüfen, darunter
Anreize oder Abschreckungsmittel, umweltfreundlichere Technologien auf den Markt zu bringen, Technologien mit höheren Emissionswerten vom Markt zu
verdrängen und existierende, diesen Zielen zuwiderlaufende Maßnahmen abzubauen. Im Hinblick auf
zukünftige Emissionsszenarien ist offenkundig, daß
alle Nationen neue Technologien zur Realisierung
wirtschaftlicher und emissionspolitischer Ziele einsetzen müssen. Technologie ist ein vielversprechender Kandidat für internationale Zusammenarbeit.
In Anerkennung unserer gemeinsamen, aber differenzierten Pflichten vertreten die Vereinigten Staaten die
Auffassung, daß alle Nationen bei den nächsten
Schritten im Rahmen der Konvention eine Rolle
spielen müssen. Wie Vizepräsident AI Gore vor
kurzem in einer Rede äußerte, möchten wir, "daß
sich die Entwicklungsländer mit uns an den Verhandlungstisch setzen, so daß wir zusammen diese
gemeinsamen aber differenzierten Pflichten für die
Zeit nach dem Jahr 2000 definieren können. Wir
können und wollen nicht die Entwicklungsländer für
dieses Problem verantwortlich machen - das wäre
ziemlich ironisch und noch zynischer. Aber sie
müssen uns als Partner zur Seite stehen, nicht damit
wir alleine weniger, sondern damit wir gemeinsam
mehr tun können - durch Handel, technologische
Zusammenarbeit und ein breites Spektrum von
Strategien, die Vorteile für alle Nationen bieten."
Diese vier Prioritäten stellen eine Herausforderung für
künftige Aktionen dar. Praktisch alle Nationen sind
sich einig, daß die derzeitigen Bestrebungen zur
Erfüllung der vor uns liegenden Aufgabe nicht ausreichen. Es wäre ein verhängnisvoller Fehler, der
Versuchung zu erliegen und alle Hoffnungen auf die
bei der Erforschung des globalen Klimawandels
verbleibenden Unsicherheiten zu setzen. Der Rest
an Unsicherheit ist keine Rechtfertigung für Gleichgültigkeit. Die wissenschaftliche Grundlage ist eindeutig:
Die weitere Zunahme von Treibhausgasen wird

AMERIKA DIENST 13

�unweigerlich einen Klimawandel mit beträchtlichen
Konsequenzen für unseren Planeten herbeiführen.
Wir können es uns nicht leisten, abzuwarten.
In Anbetracht dessen, was Deutschland zur Förderung nachhaltiger Entwicklung unternommen hat, ist
es nur allzu angebracht, daß diese Konferenz in
Deutschland stattfindet. Wir sind uns bewußt, daß
die Veranstaltung dieser Konferenz sowohl Belastungen als auch Chancen beinhaltet. Die Führungsrolle
Deutschlands ist erforderlich, um Einigung über ein
"Berliner Mandat" zu erzielen, das von seinem
Umfang her der großen Herausforderung des Klimawandels entspricht. Die Vereinigten Staaten werden
alles in ihrer Macht Stehende tun, um bei dieser

*

AMERIKA DIENST 13

historischen Aufgabe mit der Bundesregierung
zusammenzuarbeiten. Die Berliner Klimakonferenz
kann dieses Problem nicht vollständig für künftige
Generationen lösen. Wir können jedoch entschlossen und verantwortungsbewußt die Entscheidung
fällen, unser nationales Engagement zur Reduzierung
von Emissionen fortzusetzen. Einigen mag das
Tempo der Fortschritte langsam erscheinen, aber im
Vergleich zu früheren internationalen Herausforderungen und angesichts der Geschichte dieses Problems
wurden bereits beträchtliche Fortschritte erzielt. Wir
dürfen nicht zulassen, daß Zyniker, Obstruktionspolitiker oder Überängstliche dem nächsten Schritt zu
einer umweltverträglichen Zukunft im Wege stehen.

* * * *

Seite 3

�KLIMAKONFERENZ
5. April 1995

Das Programm der Clinton-Administration
Maßnahmen zum Klimawandel
WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration verpflichtet sich uneingeschränkt zur Bewältigung der
Herausforderungen des Klimawandels mittels kostengünstiger Maßnahmen, die gleichermaßen der Umwelt wie
der Wirtschaft zugute kommen. Die Administration unterstützt Maßnahmen, die eine Reduzierung des durch
die Klimaveränderungen entstandenen Risikos gewährleisten. Unser Ansatz stützt sich auf drei Pfeiler.
Erstens gründen sich unsere Maßnahmen auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Wir sind der festen
Überzeugung, daß die Maßnahmen auf gängige wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt sein sollten, nicht auf
die Ansichten von Skeptikern oder Panikmachern. Zweitens basieren unsere Maßnahmen auf Partnerschaften
mit der Privatwirtschaft und nichtstaatlichen Organisationen. Dieses Thema muß in enger Zusammenarbeit
mit allen Unparteiischen erörtert werden. Und schließlich sind wir der Auffassung, daß der Klimawandel
internationale Lösungen erfordert. Der Klimawandel ist ein globales Problem und muß von der internationalen
Staatengemeinschaft angesprochen werden.

Wissenschaftliche Erkenntnisse
Die Vereinigten stützen ihre Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels auf die Schlußfolgerungen
der Zwischensstaatlichen Kommission zur Klimaveränderung (Intergovernmental Panel on Climate
Change - IPCC), die einen maßgeblichen internationalen Konsens über die wissenschaftlichen
Erkenntnisse des Klimawandels erarbeitet hat.
Das Forschungsprogramm zum globalen Klimawandel der Vereinigten Staaten (U.S. Global Change
Research Program - USGCRP) sieht einen größeren
Beitrag zur Forschung vor, auf die sich die IPCC
stützt. Das USGCRP wurde im Jahr 1990 vom
Kongreß ins Leben gerufen, um die Ressourcen und
Forschungsaktivitäten von einem Dutzend Bundesbehörden zu koordinieren, insbesondere nationale
Forschungsaktivitäten und die amerikanische Beteiligung an Unterstützungsprogrammen für internationale Forschungsaktivitäten wie das Forschungsprogramm zum Weltklima, das internationale Geosphäre-Biosphäreprogramm und das Programm zur
menschlichen Dimension. Das im Haushaltsjahr
1995 mit 1,8 Milliarden Dollar finanzierte USGCRP
koordiniert eine umfassende Tagesordnung für
Forschung, Unterstützung der Mission für den
Planeten Erde, Studien zum Abbau der Ozonschicht
sowie Arbeit an der menschlichen Dimension des
globalen Klimawandels. Die Forschungen des

AMERIKA DIENST 13

USGCRP zu den Klimaveränderungen werden unter
anderem von folgenden Fragen geleitet:
Wie reagiert das Klima auf die zunehmende
Konzentration von Aerosolen und Treibhausgasen?
Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf
die Gesellschaft und die Umwelt?
Wie kann die Gesellschaft künftige Klimaveränderungen mildern oder sich an ihre Konsequenzen anpassen?
Vor dem Hintergrund dieser Fragen konzentriert sich
die Forschung auf die Beobachtung und Dokumentation des Verhaltens des Erdsystems; Verständnis der
Prozesse, die Veränderungen des Erdsystems
beeinflussen; Entwicklung und Anwendung von
Modellen zur Vorhersage von Klimaveränderungen;
Auswertung der Auswirkungen des Klimawandels auf
die Landwirtschaft, Wälder, Wasserressourcen,
Küstenregionen, Ökosysteme und andere natürliche
Ressourcen sowie Verbesserung der Fähigkeiten zur
Milderung negativer Konsequenzen und Nutzung
möglicher Chancen des Klimawandels.
Da die
Bedeutung des Klimawandels vor allem von den
physischen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf die
menschliche Gesellschaft abhängt, hat das USGCRP
begonnen, eine Verlagerung seiner Finanzmittel zur

Seite 1

�Auswertung der sozio-ökonomischen Implikationen
des Klimawandels vorzunehmen.
Partnerschaften mit dem Privatsektor und den
Regierungen der Bundesstaaten
Zur Bewältigung der Herausforderung des Klimawandels müssen wir Unternehmen, nichtstaatliche Organisationen und Regierungen auf allen Ebenen einbeziehen.
Diese Verpflichtung kommt nirgends
stärker zum Ausdruck als in Präsident Clintons
Aktionsplan zum Klimawandel (Climate Change
Action Plan - CCAP). Der im Oktober 1993 veröffentlichte CCAP setzt Präsident Clintons Verpflichtung zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen
der Vereinigten Staaten bis zum Jahr 2000 auf das
Niveau von 1990 um.
Der CCAP demonstriert, daß Regierungen und der
Privatsektor zur Verbesserung von Wirtschaft und
Umwelt zusammenarbeiten können.
Man geht
davon aus, bis zum Jahr 2000 Energieeinsparungen
in Höhe von 60 Milliarden Dollar vornehmen und
saubere Arbeitsplätze für die Zukunft schaffen zu
können. Im vergangenen Jahr wurden vom Energieministerium, dem Umweltschutzamt sowie dem
Landwirtschafts- und Verkehrsministerium große
Fortschritte erzielt. Im folgenden einige der Höhepunkte:
Durch die Beteiligung an Climate Challenge
haben sich 248 Elektrizitätsversorgungsunternehmen, die 53 Prozent der amerikanischen
Elektrizität erzeugen, zu freiwilligen Maßnahmen
zur Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen
um 44 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2000
verpflichtet. Climate Change ist eine gemeinsame Initiative des US-Energieministeriums und der
amerikanischen Elektrizitätsversorgungsindustrie,
um freiwillige Zusagen der Versorgungsunternehmen für Maßnahmen zur Reduzierung,
Vermeidung oder Eindämmung von Treibhausgasemissionen zu erhalten.
Seit Oktober 1993 haben sich 500 neue Teilnehmer Green Lights angeschlossen, womit sich
die Gesamtzahl inzwischen auf über 1.650
beläuft. Diese Teilnehmer haben den Elektrizitätsverbrauch für Beleuchtung durchschnittlich um
47 Prozent verringert und damit ungefähr 90
Millionen Dollar eingespart.
Das Programm
Green Lights des US-Umweltschutzamts ermutigt die Verwendung energiesparender Beleuchtung durch freiwillige, gewinnbringende Partnerschaften.
Das gemeinsam von US-Umweltschutzamt und
dem Energieministerium durchgeführte Programm

Seite 2

Climate Wise zielt darauf ab, Emissionsreduzierungen in allen Wirtschaftssektoren zu ermutigen.
Mehrere Industrieunternehmen, die 3 Prozent des
industriellen Energieverbauchs in den Vereinigten
Staaten ausmachen, sind Partner von Climate
Wise geworden und haben zugesagt, die jährlichen Emissionen bis zum Jahr 2000 um eine
Menge zu reduzieren, die 20 Millionen Tonnen
Kohle entspricht.
Motor Challenge, ein freiwilliges Partnerschaftsprogramm zwischen dem Energieministerium und
der Industrie, unterstützt Unternehmen bei der
Installierung leistungsfähiger und energiesparender Motorsysteme. Im Rahmen des Programms
wurden über 200 Partner rekrutiert, eine nationale
Hotline für technische Hilfe eingerichtet und
Ausstellungsgelände für 25 Technologiedemonstrationen beschafft. Durch diese Werbung sollen
die Sparmotoren schnell in der gesamten Industrie
verbreitet werden.
Dem Programm Waste Wise, das eine Verringerung und Wiederverwertung von Industriemüll an
der Quelle auf freiwilliger Basis ermutigt, haben
sich über 300 Unternehmen angeschlossen; mehr
als 750 Programme zur Abfallreduzierung wurden
eingeleitet.
Im Rahmen des NICE-Programms (National
Industrial Competitiveness for Energy, Environment and Economy) wurden 29 Zuschüsse gewährt, um Energieersparnis beim industriellen
Herstellungsprozeß zu fördern, die Abfallmenge
zu verringern und die Treibhausgasemissionen
verschiedener Schlüsselindustrien zu senken.
Nach seiner Erweiterung umfaßt Natural Gas
Star, das den Methanverlust von Gasleitungen
verringern soll, jetzt 35 Unternehmen, die für
Gasleitungen aus über 55 Prozent der Förderunternehmen, 25 Prozent der Vertriebsunternehmen sowie 35 Prozent aller Anschlüsse
zuständig sind.
Das State and Local Outreach Program gewährte 18 Bundesstaaten Zuschüsse. Diese dienen
einer Vervollständigung der Bestandsaufnahmen
von Treibhausgasen oder der Entwicklung umfassender Strategien, die für die tatsächliche
Emissionsverringerung unabdingbar sind. Insgesamt nehmen 24 Bundesstaaten an dem
Programm teil. Sieben Städte beteiligen sich an
der Initiative Green Fleets, und 25 Städte haben
Interesse am Programm Cities for Climate
Protection bekundet. Um die Möglichkeiten der
Städte zu demonstrieren, schätzte eine mittelgroße Stadt, sie könne Treibhausgasemissionen

AMERIKA DIENST 13

�in einer Größenordnung reduzieren, die 4,8
Millionen Tonnen Kohle entspricht.
Es wurden sieben Gemeinschaftsprojekte ins
Leben gerufen, die erneuerbare Energien, Umstellung auf andere Brennstoffe, Energieeinsparung und verbesserte Forstverwaltung in den
Entwicklungs- und Schwellenländern ermutigen.

Internationale Lösungen
Die Vereinigten Staaten übernehmen auch bei der
Rahmenkonvention über Klimawandel und in anderen internationalen Foren eine Führungsrolle.
Nachfolgend die Grundsteine der Politik der ClintonAdministration:
Förderung von Aktionen zur Stärkung der internationalen Reaktion unter der Klimarahmenkonvention sowie Zusammenarbeit mit anderen
Nationen zur Festsetzung angemessener Ziele
für das nächste Jahrhundert.
Ermutigung eines starken internationalen Prozesses zur Überprüfung nationaler Pläne. Die Vereinigten Staaten tragen im Rahmen des Programms Landesstudien (U.S. Country Studies)
zum Aufbau von Kapazitäten für entsprechende
Aktionen in nahezu 60 Entwicklungs- und
Schwellenländern bei.
Demonstration der Vorteile von Gemeinschaftsprojekten durch die Initiative zur gemeinsamen
Umsetzung (U.S. Initiative on Joint Implementation), dem weltweit ersten Programm seiner
Art.
Förderung von Entwicklung und Verbreitung
umweltfreundlicher Technologien.
Unterstützung der Reform internationaler Institutionen, einschließlich der Zusammenarbeit
mit multilateralen Entwicklungsbanken, um deren
Kunden bei der Erfüllung ihrer aus der Konvention resultierenden Verpflichtungen besser behilflich sein zu können.
Stärkung der vor kurzem umstrukturierten globalen Umweltfazilität (Global Environment Facility
- GEF), damit sie effektiv als Operationseinheit
des Finanzmechanismus der Konvention dienen
kann. Die Vereinigten Staaten setzen sich für
erfolgreiche Aktionen der globalen Umweltfazilität
als Reaktion auf die Gefahr des Klimawandels
ein.
*

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"Wir müssen eine Führungsrolle beim Umgang
mit der Herausforderung des Treibhauseffekts
übernehmen, der unseren Planeten und sein
Klima weniger gastlich und weniger menschenfreundlich gestalten würde." (Präsident Clinton, Tag der Erde 1993)
Jüngste Leistungen des amerikanischen Forschungsprogramms für globalen Klimawandel
Klimamodelle simulierten mit Erfolg die vorübergehende Abkühlung der unteren Luftschichten
infolge des beim Ausbruch des Pinatubo emittierten Sulfats.
Die verbesserte Fähigkeit zur Vorhersage des
Wirbelsturms "El Nifto" sowie daraus resultierender Veränderungen der tropischen und subtropischen Niederschläge unterstützt die Landwirte in
Nord- und Südamerika bei besserer Planung und
trägt dadurch zur Erhöhung ihrer Ernteerträge und
einer Verringerung wirtschaftlicher Verzerrungen
bei.
Simulationen von Klimaveränderungen während
der letzten 100 Jahre entsprechen den beobachteten Mustern entschieden besser, wenn Treibhausgase sowie regionale Konzentrationen von
Sulfataerosolen einbezogen werden.
Kombinierte Satelliten- und Oberflächenmessungen identifizierten jüngst eine unerwartete Absorption von 25-40 Watt Strahlung pro Quadratmeter durch die Atmosphäre.
Diese neuen
Informationen werden zu einer erneuten Analyse
des Strahlungsgleichgewichts der Erde sowie der
Rolle von Wolken für den Klimawandel führen.
Beobachtungen zufolge haben sich die Niederschläge in den Vereinigten Staaten seit 1970 im
Vergleich zu den vorausgegangenen 70 Jahren
vor allem im Herbst um rund 5 Prozent erhöht.
Ferner stieg die Häufigkeit extremer Regenfälle
(über 8 Millimeter pro Tag) in einem Großteil des
Landes.
Die erhöhten Kohlendioxidkonzentrationen ausgesetzten arktischen Ökosysteme erhöhten die
Produktivität nur wenige Jahre, wodurch der Effekt
einer C02-Düngung sich als nur kurzlebig erweisen könnte.

*

Seite 3

�ROOSEVELT
5. April 1995

Franklin Delano Roosevelt
Zum 50. Todestag des 32. amerikanischen Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Am 12. April jährt sich zum
50. Mal der Todestag von Franklin Delano Roosevelt, der länger als jeder andere - 12 Jahre - als
Präsident an der Spitze der Vereinigten Staaten
stand und das Land durch die beiden größten
Bedrohungen der Republik seit dem Bürgerkrieg
führte - die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten
Weltkrieg.
"Das einzige, was wir fürchten müssen, ist die Furcht
selbst", äußerte Roosevelt über die Weltwirtschaftskrise. Und im Hinblick auf das Ziel der Amerikaner
im Zweiten Weltkrieg erklärte er:
"Ungeachtet
dessen, wie lange wir brauchen, um uns gegen
diese vorsätzliche Invasion zu wehren, wird das
amerikanische Volk in seiner gerechten Stärke den

absoluten Sieg erringen."
Obwohl Roosevelt vor einem halben Jahrhundert
starb, ist sein Einfluß auf die amerikanische Politik
und Gesellschaft immer noch manifest. Amerikaner,
die die Weltwirtschaftskrise und den nachfolgenden
Krieg miterlebt haben, werden nie seine überzeugenden, beruhigenden Worte zu einem Zeitpunkt vergessen, an dem Überzeugungen und Hoffnungen
stärker denn je auf die Probe gestellt wurden.
Ebenso wie eine spätere Generation sich daran
erinnert, wo sie am Todestag Präsident John F.
Kennedys war und was sie tat, bleibt der Tag, an
dem Franklin Delano Roosevelt starb - am 12. April
1945 in Warm Springs (Georgia) - auf ewig im
Gedächtnis der Generation des Zweiten Weltkriegs
verankert.
Die Nachricht von seinem Tod machte nicht nur
Amerika, sondern die ganze freie Welt betroffen.
Der Sieg in Europa lag nur noch einen Monat
entfernt, der Sieg im Pazifik sollte noch vor Ende
des Sommers errungen werden. Es schien undenkbar, daß Franklin Delano Roosevelt nicht mehr da
sein würde, um das Ende des Krieges zu verkünden
oder den nachfolgenden Frieden zu sichern.

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Nur wenige Politiker hatten einen solchen Einfluß auf
ihre Mitbürger, und noch viel weniger sind in der
Lage, über ihre Landesgrenzen hinaus das Leben der
Menschen zu beeinflussen. Franklin Delano Roosevelt war ein solcher Mann.
An seinem 50. Todestag sollte darauf hingewiesen
werden, wofür er stand, was .er tat, aber auch was für
ein Mensch er war und warum sein Vermächtnis im
Gedächtnis der Amerikaner und der ganzen Welt
lebendig bleibt.
Roosevelt wurde 1882 in Hyde Park (New York)
geboren. Der Sohn wohlhabender Eltern genoß viele
Vorteile. Er wurde von Privatlehrern unterrichtet,
besuchte eine elitäre Privatschule - Groton - und
machte seinen Abschluß an der Harvard University.
1905 heiratete er Eleanor Roosevelt, seine Cousine
sechsten Grades. Obwohl sie eine schwierige Ehe
führten, teilte sie seine Liebe zu fortschrittlicher Politik
und wurde nach seiner Wahl zum Präsidenten zu
"seinen Augen und Ohren" im ganzen Land.
Roosevelt zeigte von Beginn an politischen Ehrgeiz.
Von 1911 bis 1913 war er Senator des Bundesstaates New York, von 1913 bis 1920 unter der WilsonAdministration Abteilungsleiter im Marineministerium
und von 1929 bis 1933 Gouverneur von New York.
1921 erkrankte er an Kinderlähmung - wodurch seine
Beine im Alter von 39 Jahren gelähmt wurden - was
jedoch sein Engagement für den Staatsdienst nur
noch verstärkte.
1932 wählten ihn die durch die schlimmste Wirtschaftskrise in der Geschichte des Landes alarmierten Amerikaner mit überwältigender Mehrheit zum
Präsidenten. Roosevelt gewann landesweit in sieben
von acht Wahlkreisen und in jeder Großstadt mit
Ausnahme von Philadelphia.
Nach seiner Amtsübernahme umgab sich der neue
Präsident mit erstklassigen Beratern - seinem be-

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�rühmten "Brain-Trust" - und leitete unverzüglich ein
Programm direkter staatlicher Hilfe und wirtschaftlicher Regulierung ein, das zur Errichtung eines
modernen Sozialstaats führte. Sein Reformpaket
wurde als "New Deal" bekannt.
Seine Programme umfaßten die Naturschutzbehörde
(Civilian Conservation Corps - CCC), die Arbeitsbeschaffungsbehörde (Public Works Administration PWA) und die Dienststelle zur Untersuchung von
Arbeitsbedingungen (Works Progress Administration
- WPA), durch die wieder Straßen, Brücken und die
weitere erforderliche Infrastruktur gebaut wurde. Die
Eletrifizierungsbehörde für den ländlichen Raum
(Rural Electrification Administration - REA) baute in
ländlichen Gebieten eine Stromversorgung auf.
Während sich Roosevelt um die Schaffung von
Arbeitsplätzen bemühte, bot er gleichzeitig den
Notleidenden eine helfende Hand der Regierung.
Die staatliche Katastrophenhilfe (Federal Emergency
Relief Administration - FERA) stellte den Armen Hilfe
zur Verfügung. 1935 wurde das Gesetz über soziale
Sicherheit erlassen, das erstmals Arbeitslosen- und
Invaliditätsversicherung, eine Altersversorgung für
die über 65jährigen sowie Hinterbliebenenhilfe
vorsah. 1935 wurde den Arbeitnehmern das Recht
auf Zusammenschluß und Tarifverhandlungen
gewährt. 1938 wurden Mindestlöhne sowie eine
Obergrenze für die Wochenarbeitszeit eingeführt.
Roosevelts Bestrebungen brachten den meisten
Amerikanern keine direkte finanzielle Erleichterung,
hoben jedoch ihre Stimmung. Der neue Präsident
verbreitete Hoffnung und Optimismus unter seinen
Mitbürgern. Sie glaubten an ihn und folgten ihm.
"Es gibt einen mysteriösen Kreislauf menschlicher
Ereignisse", erklärte er. "Manchen Generationen
wird viel gegeben, von anderen wird viel erwartet.
Diese Generation von Amerikanern hat ein Rendezvous mit dem Schicksal."
Aber nicht alle waren begeistert von Roosevelts
Rezept für eine nationale Erneuerung. Die radikale
Linke hielt sein Programm für zu schwach. Nach
Ansicht der radikalen Rechten führte Roosevelt
einen Klassenkampf gegen die Reichen. "Ein
Radikaler", äußerte Roosevelt dazu, "ist ein Mann,
der mit beiden Beinen fest - in der Luft - steht. Ein
Konservativer ist ein Mann mit zwei gut funktionierenden Beinen, der jedoch nie laufen gelernt hat."
1936 wurde Roosevelt mit überwältigender Mehrheit
wiedergewählt, wodurch eine große Koalition der
Demokratischen Partei konsolidiert wurde, der
erstmals eine Vielzahl von Afroamerikanern angehörte, die vorher für die Republikaner gestimmt hatten.

Seite 2

In seiner zweiten Amtsantrittsrede prahlte Roosevelt
nicht mit den Erfolgen des New Deal, sondern sprach
von dessen Grenzen und noch zu erfüllenden Aufgaben. "Ein Drittel unserer Nation leidet unter
schlechter Unterbringung, schlechter Kleidung und
schlechter Ernährung", stellte er fest und schlug noch
ehrgeizigere Programme zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise vor.
Selbst als er von dem Krieg in Europa und dem
drohenden Krieg in Asien in Anspruch genommen
wurde, blieb die Kluft zwischen Arm und Reich sein
Anliegen. "Die Hoffnungen der Republik lassen nicht
zu, daß wir unverdiente Armut oder selbstsüchtigen
Reichtum tolerieren", erklärte er 1941 in seiner
Amtsantrittsrede.
Von Beginn seiner Präsidentschaft an führte er auch
in der amerikanischen Außenpolitik kühne neue
Ansätze ein. Den südlich der Vereinigten Staaten
gelegenen Republiken versprach er eine "Politik der
guten Nachbarschaft" und bot den Nationen Lateinamerikas ein neues Zeitalter der Zusammenarbeit
und Partnerschaft an. Historiker würdigen Roosevelts
Programm als Grundlage für das starke Eintreten der
westlichen Hemisphäre gegen die Achsenmächte im
Zweiten Weltkrieg.
Nach Beginn des Krieges in Europa im September
1939 erhöhte Roosevelt seine Unterstützung für die
gegen Hitler gerichteten Streitkräfte. Dies sicherte
ihm in den Herzen der Europäer, die den Faschismus
bekämpften, einen besonderen Platz, insbesondere
bei den Briten, denen er einen Rettungsanker zuwarf
- vor allem das Programm des "Lend and lease" - als
sie nach dem Fall Frankreichs über ein Jahr lang
alleine den Nazis widerstanden. Roosevelt erklärte
Amerika zum großen "Arsenal der Demokratie".
Nach dem Angriff der Japaner auf die Vereinigten
Staaten im Dezember 1941 warnte Roosevelt seine
Landsleute vor der Gefahr eines Rückfalls in den
Isolationismus nach Kriegsende. Die Amerikaner
haben "einen sehr hohen Preis" für die Lektion
gezahlt, daß "wir nicht alleine leben können", äußerte
er. "Wir haben gelernt, Weltbürger zu sein."
Selbst als er sein Land in den Krieg führte, setzte er
sich energisch für einen neuen Kurs in der amerikanischen Außenpolitik ein, der auf den Vereinten Nationen sowie einem fortgesetzten amerikanischen
Engagement in der Welt aufbauen sollte. "Die
einzige Art, einen Freund zu haben, besteht darin,
einer zu sein."
In seiner berühmten Rede von den Vier Freiheiten
ging er ausführlich auf die Rechte ein, die alle
Regierungen der Welt ihren Bürgern gewähren

AMERIKA DIENST 13

�sollten: Redefreiheit, Religionsfreiheit, Freiheit von
Not und Freiheit von Angst. Ferner sprach er sich
eindeutig für öffentliche Bildung und Ausbildung
sowie die Künste zur Bekämpfung der Unwissenheit
aus, die er als Verbündeten der Tyrannei bezeichnete. "Redefreiheit hat keinen Sinn", so Roosevelt,
"wenn der Mensch nichts zu sagen hat".
Die Kriegsfreundschaft zwischen Winston Churchill
und Franklin Delano Roosevelt wurde auf der
ganzen Welt legendär. "Es macht Spaß, im selben
Zeitalter wie Sie zu leben", sagte Roosevelt einmal
zu Churchill. Im August 1941 verabschiedeten sie
die Atlantik-Charta, in der ihre Vision von einer
neuen Weltordnung nach dem Krieg auf der Grundlage von Demokratie und Freiheit proklamiert wurde.
Historiker kritisierten Roosevelt, er sei Stalin gegenüber naiv gewesen und hätte nicht die Gefahren
vorhergesehen, die der kommunistische Staat des
sowjetischen Diktators für die Nachkriegswelt darstellen würde. Roosevelt erachtete jedoch ebenso
wie Churchill das Kriegsbündnis mit der Sowjetunion
als wesentlich für den Sieg in Europa. Biographen
zufolge hegten die beiden Staatsmänner ehrliche
Bewunderung für den Mut und die Tapferkeit der
sowjetischen Soldaten und Zivilisten bei ihrem
Widerstand gegen den nationalsozialistischen
Angriff. Für beide Männer war es oberste Priorität,
den Krieg zu gewinnen.
Ebenso wie vor dem Krieg tröstete Roosevelt seine
Landsleute auch während der Jahre, die von noch
mehr Angst und Leid gekennzeichnet waren als die
der Wirtschaftskrise. In seinen Reden und im Radio
übertragenen Kamingesprächen ermutigte er sie, der
schweren Prüfung mit Entschlossenheit und Zielstrebigkeit zu begegnen.
Am D-Day, dem 6. Juni 1944, als Streitkräfte der
Amerikaner und der übrigen Alliierten die Invasion im
besetzten Europa begannen, hielt Roosevelt im
Rundfunk keine Rede, sondern sprach ein Gebet:
"Allmächtiger Gott. Unsere Söhne, der Stolz unserer
Nation, haben an diesem Tag ein gewaltiges Unternehmen begonnen, einen Kampf um den Erhalt
unserer Republik, unserer Religion und unserer
Zivilisation sowie um die Befreiung einer leidenden
Menschheit. Gib' ihnen Geradlinigkeit und Wahrhaftigkeit, verleih' ihren Armen Stärke, ihren Herzen
Tapferkeit, ihrem Glauben Stetigkeit."
Roosevelts Führungsstärke während des Krieges
und der vorausgehenden schwierigen Jahre wurde
von Historikern aller politischen Couleur gelobt. Es
ist jedoch seine Persönlichkeit, die Menschen dieser
Zeit am meisten erinnern - seinen ansteckenden

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Optimismus im Angesicht persönlicher und nationaler
Schwierigkeiten.
"Die einzige Einschränkung unserer Realisierung des
morgen sind unsere Zweifel von heute", äußerte er.
Selbst als sich seine Gesundheit immer weiter
verschlechterte, ließ sein Glaube an bessere Zeiten
nie nach. "Man sollte sich stets vor Augen halten,
daß sich die Zivilisation immer weiterentwickelt",
stellte er kurz vor seinem Tod in seiner letzten
Amtsantrittsrede fest. Er hatte die Gabe, große
Fragen in einfache Sätze zu kleiden und sie dem
Mann auf der Straße auf ungewöhnliche Weise zu
vermitteln. Und nicht nur dem Durchschnittsamerikaner. Mit den Worten des Schriftstellers Isaiah Berlin
wurde er ein Held "der Mittellosen und Unterdrückten
weit über die englischsprachige Welt hinaus".
Wie alle großen Staatsmänner wußte er, daß Worte jedes Wort - ausschlaggebend sind. Als er die Rede
durchging, die er nach dem Angriff auf Pearl Harbor
vordem Kongreß halten wollte, "einem Datum, das in
die Geschichte eingehen wird", entdeckte er dieses
Klischee und änderte Geschichte zu "Niedertracht",
womit er bewies, daß ein Wort, ebenso wie ein
Mensch, etwas ändern kann.
Er konnte sehr ernst werden - jedoch nur für kurze
Zeit. Der Witz und Humor Roosevelts eroberte die
Herzen seiner Kritiker und Bewunderer gleichermaßen. Als die Republikaner ihn wegen eines Vorfalls
kritisierten, an dem sein geliebter Hund Fala beteiligt
war, erklärte er: "Diese republikanischen Politiker
haben sich nicht mit Angriffen auf mich, meine Frau
oder meine Söhne zufriedengegeben. Nein, sie
mußten darüber hinaus auch noch meinen kleinen
Hund, Fala, angreifen. Natürlich nehme ich diese
Angriffe nicht übel, und meine Familie auch nicht,
aber Fala nimmt sie übel."
Politisch war er ein unerschrockener Liberaler - "ein
wenig links von der Mitte", wie er einst äußerte. "Die
Überzeugung eines Liberalen ist ein tiefsitzender
Glaube nicht nur an die Fähigkeiten jedes einzelnen,
sondern auch die Effektivität gegenseitiger Unterstützung".
Er suchte keine Entschuldigung für den vollen Einsatz
staatlicher Ressourcen für eine seines Erachtens
noble Sache. Über das Sozialgesetz sagte er: "Wir
können nie 100 Prozent der Bevölkerung gegen 100
Prozent der Gefahren und Wechselfälle des Lebens
versichern, haben aber den Versuch zum Entwurf
eines Gesetzes unternommen, das dem Durchschnittsbürger und seiner Familie einen gewissen
Schutz vordem Verlust des Arbeitsplatzes und Armut
im Alter bietet."

Seite 3

�Seines Erachtens muß die Regierung einen letzten
Ausweg bieten. "Die Regierung trägt letztlich die
Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Bürger.
Wenn es durch gemeinsame private Bestrebungen
nicht gelingt, den Arbeitswilligen Arbeit und den
Unglücklichen Hilfe anzubieten, haben die schuldlos
Leidenden ein Recht auf die Bitte um staatliche Hilfe,
und eine Regierung, die diesen Namen verdient,
muß darauf angemessen reagieren."
Auf die Frage, wie stark er die Steuern erhöhen
würde, um sein Reformprogramm des New Deal zu
finanzieren, zitierte er Richter Oliver Wendeil Holmes
- "Steuern sind der Preis einer zivilisierten Gesellschaft" - und fügte hinzu: "Eine sichere Art, das
soziale Gewissen einer Regierung zu eruieren, ist
die Überprüfung der Erhebung und Verwendung von
Steuergeldern. Und eine sichere Art, das soziale
Gewissen eines Individuums zu eruieren, besteht
darin, seine Reaktion auf die Steuererhöhungen zu
beobachten."
Obwohl er vom Recht auf einen Arbeitsplatz überzeugt war, glaubte er nicht an das Recht auf Sozialhilfe als dauerhaften Anspruch. "Hilfe zu verteilen ist
der Verabreichung eines Betäubungsmittels vergleichbar - einer schleichenden Zerstörung des
menschlichen Geistes. Sie ist den Geboten einer
soliden Politik abträglich". Nach Ansicht Roosevelts
würde von der Regierung bereitgestellte Arbeit
gegebenenfalls "nicht nur die Körper der Arbeitslosen vor der Selbstzerstörung retten, sondern auch

ihre Selbstachtung, ihr Selbstvertrauen, ihren Mut und
ihre Entschlossenheit".
Roosevelt war vor allem ein Pragmatiker, nach
dessen Ansicht "kühne, dauerhafte Experimentierfreude" zur Bewältigung moderner Herausforderungen
gehört. Beim Umgang mit diesen Herausforderungen
gebührt ihm ein Ehrenplatz in den Geschichtsbüchern
und ein dauerhafter Platz in den Herzen der amerikanischen Bürger sowie vieler anderer auf der Welt.
Bei einer Gelegenheit - 1937 - sprach er über seine
Zukunftshoffnungen:
"Sie sollten heute abend Gott danken, wenn
Sie ungeachtet Ihres Alters im Geiste jung
genug sind, um Träume und Visionen zu
haben - Träume und Visionen von einem
großartigeren und schöneren Amerika der
Zukunft; wenn Sie im Geiste jung genug sind,
um an die Möglichkeit einer Milderung der
Armut zu glauben und daran, daß die Schande
unfreiwilliger Arbeitslosigkeit abgeschafft,
Klassenhaß beendet, Friede im In- und Ausland gesichert und eines Tages eine Generation dieses Land besitzen wird, die mit mehr
gesegnet ist, als wir uns jetzt vorstellen können
- gesegnet mit materiellen und geistigen Gütern, die das Leben des Menschen bereichern.
Wenn Sie davon träumen, sage ich Ihnen:
Bewahren Sie sich Ihren Traum. Amerika
braucht das."

* * * * *

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AMERIKA DIENST 13

�TAG

DER

ERDE
5. April 1995

Die menschliche Umwelt und
globale politische Anpassung
von Thomas W. Wilson
WASHINGTON - (AD) - Vor 25 Jahren - am ersten Tag der Erde - hielt "praktisch die gesamte Nation,
einschließlich des Kongresses, in ihrer alltäglichen Tätigkeit inne, um sich über die Verschlechterung ihres
physischen Umfelds und der Lebensgewohnheiten Gedanken zu machen". Dieses Ereignis trug dazu bei, die
neue Sorge um den Zustand unseres Planeten zu einem aktuellen politischen Thema zu machen. In den
nachfolgenden Jahren nahm dieses Anliegen einen globalen Charakter - auf staatlicher und nichtstaatlicher
Ebene - an und führte dazu, daß neue politische Kräfte sich mit der dynamischen Interaktion der natürlichen
Biosphäre und der vom Menschen geschaffenen Soziosphäre befaßten, einer Interaktion, die jenseits der
nationalen Gesetzgebung stattfindet, jedoch entscheidenden Einfluß auf Sicherheit und Fortschritt von Nationen
und Menschen hat.
Der nachfolgende Artikel erschien erstmals in Global Issues In Transition, Nr. 13, März 1995.
öffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Global Issues in Transition.

Ver-

Thomas W. Wilson, Jr. ist Schriftsteller und Gutachter mit Sitz in Washington. Er war politischer Berater der
US-Mission bei der NATO, Gutachter bei der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen sowie Direktor des
Programms für Umwelt und Lebensqualität des Aspen Institute. Zu den von ihm verfaßten Büchern gehören
Cold War and Common Sense, The Great Weapons Heresy sowie International Environmental Action.

Die Feiern aus Anlaß des ersten Tags der Erde vor
25 Jahren sind weltweit noch lebhaft in Erinnerung.
Dieses zukunftsweisende Ereignis trug zur Erschließung eines neuen Gebiets der Weltpolitik bei, das
über die traditionelle Arena zwischenstaatlicher
Beziehungen hinausgeht.
Die Historiker werden vielleicht viel Zeit benötigen,
um sich über die turbulenten Ereignisse und Bewegungen des letzten halben Jahrhunderts Klarheit zu
verschaffen: den Kalten Krieg, das Atomzeitalter,
das Düsenzeitalter, das Weltraumzeitalter, das
elektronische Zeitalter; das Ende von Imperialismus,
Kolonialismus, Faschismus, Kommunismus, Totalitarismus; die Globalisierung der Industriellen Revolution; die Bevölkerungsexplosion, Verstädterung,
Massenmigration; das Aufkommen von demokratischen Regierungen und Menschenrechten - diese
und andere Erschütterungen trugen zur Unruhe in
den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg bei.
Möglicherweise war das Wichtigste eine ungeplante,
unorganisierte und unangekündigte politische Anpassungsbewegung an diese erstaunlichen Umwälzungen in der modernen Welt. In diesem Zusammenhang kommt dem Tag der Erde eine stei-

AMERIKA DIENST 13

gende Bedeutung als Quelle politischer Bewegungen
zu, die immer noch an Kraft und Dynamik zunimmt und sich inhaltlich weiterentwickelt.
Environmental Action zufolge, einer Gruppe junger
Menschen, die den ersten Tag der Erde - am 22.
April 1970 - organisierte und förderte, nahmen an
diesem Tag mindestens 20 Millionen Amerikaner an
Campus- und Gemeindeprogrammen teil - von
Abfallbeseitigungskampagnen
über Teach-ins,
Demonstrationen, Gebetsversammlungen und Aktionen wie der Vergrabung eines Autos auf einem
Campus in Kalifornien. Laut Gladwyn Hill von der
The New York Times war der Tag der Erde "ein
Ereignis, wie es die Welt nie zuvor gesehen hatte...
Erstmals in der Geschichte hielt praktisch die gesamte Nation, einschließlich des Kongresses, in ihrer
alltäglichen Tätigkeit inne, um sich über die Verschlechterung ihres physischen Umfelds und der
Lebensgewohnheiten Gedanken zu machen."
Diese außergewöhliche Reaktion der Öffentlichkeit ist
zweifelsohne zum Teil auf das spektakuläre Bild einer
wunderschönen blauen Erde zurückzuführen, das von
der Raumkapsel Apollo bei ihrer Umkreisung des

Seite 1

�Mondes aufgenommen wurde. In der unendlichen
Weite des Kosmos erscheint die Erde unweigerlich
klein, schutzlos und begrenzt. Im Gegensatz zu
herkömmlichen Überzeugungen wurde offensichtlich,
daß die Ressourcen der Erde nicht unerschöpflich
sind - daß der uralte Drang nach materiellem Fortschritt durch die fortschreitende Eroberung der Natur
auf der falschen Annahme beruhte, das zersplitterte
System souveräner Nationen sei überlagert von
einem einigenden Regime ineinander verzahnter
natürlicher Systeme, die schon lange vor der Erfindung souveräner Staaten bestanden hatten. Vor
diesem Hintergrund trug der Tag der Erde dazu bei,
die neue Beschäftigung mit dem Zustand des
Planeten zu einem aktuellen politischen Thema zu
machen. Noch vor Ende des Jahres verabschiedete
der amerikanische Kongreß das Gesetz über nationale Umweltpolitik (National Environmental Policy
Act - NEPA) und begann mit der Ausarbeitung von
Gesetzen zur Kontrolle der Luft- und Wasserqualität
sowie dem Schutz vom Aussterben bedrohter
Tierarten.
Einige andere Länder unternahmen
ähnliche Schritte.

war eine Sichtweise, die ein stategisches Gleichgewicht zwischen dem gesamten menschlichen Handeln
und den grundlegenden Systemen der Natur herstellte, die sich in den letzten Jahrzehnten aufgrund
des spektakulären Bevölkerungswachstums, technologischen Know-hows und wirtschaftlichen Outputs
stark vergrößert hatten. Die Stockholmer Konferenz
begann sich mit den politischen Implikationen einer
Welt zu beschäftigen, in der die natürliche Biosphäre
und die vom Menschen geschaffene Soziosphäre auf
globaler Ebene jenseits nationaler Gesetzgebung,
jedoch mit entscheidendem Einfluß auf Sicherheit und
Fortschritt von Nationen und Menschen interagieren.
Dieser strategische Zusammenschluß menschlicher
und planetarischer Kräfte hat nichts mit den klassischen Konzepten rivalisierender Staaten zu tun, die
an dem "großen Spiel der Nationen" um geopolitische
Vorteile teilnehmen. Vielmehr stellt er die konventionellen Überlegungen der Machtpolitik völlig auf den
Kopf. Und es stellte sich heraus, daß die mit dem
Kalten Krieg beschäftigten Nationen nicht zu einem
solch radikalen Bruch mit der politischen Orthodoxie
bereit waren.

Stockholm

Kalter Krieg oder nicht - der unsichere Prozeß
politischer Anpassung an eine sich verändernde Welt
kam allmählich voran - wenn auch ohne einen klaren
Kurs. Gesetze und Bestimmungen zum Umweltschutz auf nationaler und lokaler Ebene mehrten sich,
in wichtigen Bereichen des Umweltschutzes wurden
mehrere internationale Verträge ausgehandelt, und
bei Weltkonferenzen wurden die Probleme Bevölkerungswachstum, weltweite Nahrungsmittelproduktion,
Trinkwasserversorgung, Versteppung und andere
Belastungen der natürlichen Ressourcen und Systeme behandelt.

Zwei Jahre später trafen die Mitgliedstaaten der
Vereinten Nationen in Stockholm zur Konferenz über
die menschliche Umwelt zusammen. Die Anzeichen
für die Belastung des Planeten und eine Verschlechterung seines Zustands häuften sich ständig:
Wüsten breiteten sich aus, Wälder und Grundwasservorräte nahmen ab, Böden wurden abgetragen,
Müllberge wuchsen und die Arten verringerten sich
in immer schnellerem Tempo - während die natürlichen Systeme mehr Schadstoffe über internationale
Grenzen transportierten.
Die Stockholmer Konferenz wurde vielerorts als
Triumph der Vereinten Nationen bezeichnet: Sie
schärfte das Bewußtsein der Regierungen für
Umweltprobleme, verabschiedete einen Aktionsplan
mit über 100 Empfehlungen für nationale und
internationale Aktionen, plante ein neues Amt der
Vereinten Nationen zur Fortsetzung der Arbeit der
Konferenz, band erstmals Wissenschaftler und
nichtstaatliche Organisationen in den internationalen
politischen Prozeß ein und diente als Modell für
künftige Weltkonferenzen mit einer sich abzeichnenden neuen Tagesordnung globaler Fragen.
Noch wichtiger ist jedoch, daß die Stockholmer
Konferenz den konzeptionellen Rahmen der "Umweltkrise" vergrößerte, um die gesamte menschliche
Umwelt einzubeziehen. Dieser Sichtweise zufolge
vermischen sich Natur und Menschheit zu einem
integrierten und unteilbaren weltweiten System, das
als einzelnes Phänomen betrachtet werden muß. Es

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In dem der Stockholmer Konferenz folgenden Jahrzehnt entwickelte sich überall auf der Welt ein
Bewußtsein für die menschliche Umwelt - bei Konferenzen, Studien, Workshops, Seminaren und in
zahllosen Arbeiten von Wissenschaftlern, Technikern,
Gelehrten, Futuristen, politischen Aktivisten und einer
wachsenden Zahl von Bürgern, die auf die eine oder
andere Weise Organisationen unterstützten, welche
sich der Bewahrung und Verbesserung von Umweltsystemen widmeten. Man kann dies nicht in allen
Einzelheiten verfolgen, aber unter der Oberfläche
wurde nach und nach die Vorstellung von der
"menschlichen Umwelt" erweitert und durch eine
Vielzahl aufschlußreicher Einsichten bereichert,
darunter:
Umweltschäden sind Symptome einertieferliegenden Unordnung im globalen Schema der Dinge.
Abhilfemaßnahmen, die sich beispielsweise auf
die Schadstoffkontrolle konzentrieren, können
nicht mehr als eine Linderung sein, wenn nicht die

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�grundlegenden Probleme entdeckt und gelöst
werden. Dies führt unter anderem zu einer
Diskreditierung der Möglichkeit einer schnellen
technologischen Lösung für Umweltschäden.
Die Umwelt kann nicht als einzelnes Thema
behandelt werden, sondern nur als übergreifendes Anliegen, das akademische Disziplinen,
Fachwissen, Wirtschaftssektoren sowie öffentliche und private Institutionen einbezieht. Daher
müssen umweltpolitische Belange eine Ausdrucksmöglichkeit in Form grundlegender politischer Maßnahmen, eines Problembewußtseins,
einer Denkweise und einer bestimmten Einstellung gegenüber allen Handlungen einer Gesellschaft finden, die Auswirkungen auf die Biosphäre haben.
Die Umweltkrise ist lediglich eine Manifestation
der systemimmanenten Zwangslage der Welt, in
der einzelne Bestandteile so miteinander verbunden sind, daß sie nicht zum Zwecke separater Lösungen getrennt werden können. Dies
schließt die traditionelle wissenschaftliche Methode reduktionistischer Analyse aus und erfordert
einen integrativen Ansatz zu den Problemen der
menschlichen Umwelt - einen beispiellosen
Bedarf für "auswärtige Angelegenheiten".
Diese globale Verknüpfung von Biosphäre und
Soziosphäre schafft gemeinsames Terrain unter
den politischen Guppierungen, die sich ursprünglich nur für ihre Sache engagierten. Allmählich
und zögernd gelangten spezielle Interessengruppen zu der Erkenntnis, daß sie alle mit
derselben übergreifenden Zwangslage konfrontiert sind. Das gilt insbesondere für Organisationen, die auf den Gebieten wirtschaftliche Entwicklung, Bevölkerungsstabilisierung und Umweltschutz tätig sind. Durch die Annäherung ihrer
Interessen fanden diese Gruppen mehr Gelegenheit, ihre Kräfte bei Bildung und Ausbildung,
politischen Maßnahmen und Aktionen zu bündeln. Konzepte entzweiender nationaler Interessen wurden mit einigenden Konzepten gemeinsamer Interessen verflochten.

wie die modernen Industriestaaten. Deren Entwicklung schien einen Kollisionskurs mit der globalen
Umwelt zu steuern. In politischer Hinsicht war der
"Süden" auf Kollisionskurs mit dem "Norden".
Schlimmer als das war jedoch die Alpträume verursachende Vision eines Frontalzusammenstoßes
zwischen Reichen und Armen wegen des Zugangs zu
den schwindenden Ressourcen der Welt.
Bei der Stockholmer Konferenz wurde der Versuch
unternommen, dieses Problem dadurch zu lösen, daß
(im sogenannten Founex-Bericht) insistiert wird,
Entwicklung und Umwelt seien zwei Seiten derselben
Medaille - wobei Entwicklung zur Bereitstellung der
Ressourcen für Umweltschutz und Umweltschutz zur
Verteidigung der Basis für wirtschaftliche Entwicklung
erforderlich ist. In der Praxis läuft das Thema Umwelt/Entwicklung auf die Frage hinaus, die im Bericht
als "effizienteste Synthese entwicklungs- und umweltpolitischer Belange" für die in unterschiedlichen
Entwicklungsstadien befindlichen Nationen definiert
wird. Dies erfordere, wird in dem Bericht gewarnt,
größeres Verständnis für die "Unteilbarkeit der
natürlichen Systeme der Erde" sowie "eine umfassendere, über die bloße Erhöhung des Bruttosozialprodukts hinausgehende Definition der Entwicklungsziele". Mit anderen Worten: Die Nationen
müßten ihre traditionelle Vorstellung von Natur und
wirtschaftlicher Entwicklung ebenfalls ändern, um die
beiden Seiten der menschlichen Umwelt miteinander
vereinbaren zu können. Das ist leichter gesagt als
getan.

Entwicklung und Umwelt - zwei Seiten einer
Medaille

Die Stockholmer Konferenz konnte die Kontroversen
über umweit- und entwicklungspolitische Ziele nicht
ausräumen, war jedoch der Ausgangspunkt für eine
lange Debatte darüber, wie beide Ziele gleichzeitig
verfolgt werden können. Und Mitte der achtziger
Jahre gelangten die beiden vornehmlich betroffenen
UN-Behörden (das Umwelt- und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen) zu der Schlußfolgerung, es sei an der Zeit für umfassende Bestrebungen zur Ausarbeitung eines integrierten Konzepts
sowie zur Prüfung der Auswirkungen auf politische
Maßnahmen und Aktionen. Das Instrument ihrer
Wahl war die Weltkommission für Umwelt und
Entwicklung, wobei die Kommissare nicht als Regierungsvertreter, sondern als individuelle Experten
fungierten.

Es bestand jedoch keine Möglichkeit, Schutz vor der
massiven politischen Zeitbombe zu finden, die dem
Konzept einer geeinten menschlichen Umwelt
inhärent ist. Die Umweltkrise war großenteils ein
Nebenprodukt der Industrialisierung in der Ländern
der Nordhalbkugel; und jetzt sind die Entwicklungsländer - mit etwa zwei Dritteln der Weltbevölkerung ganz versessen darauf, denselben Weg zu gehen

Die Kommission nahm ihre Arbeit dort auf, wo andere
aufgehört hatten: "Dies sind keine einzelnen Krisen",
schrieben die Kommissare, "die Umweltkrise, die
Entwicklungskrise, die Energiekrise sind eine Krise.
... Ökologie und Ökonomie werden immer stärker
miteinander verknüpft - lokal, regional, national und
global." Darüber hinaus stehen auch die Probleme
Bevölkerungswachstum, Gewährleistung der Nah-

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�rungsmittelversorgung, Verlust von Arten und genetischen Ressourcen, Energie, Industrie- und Wohngebiete in Zusammenhang und "können nicht isoliert
voneinander behandelt werden". Und um es noch
ein bißchen komplizierter zu machen, fanden die
Kommissare heraus, daß "die Verschärfung und
Ausweitung der Umweltkrise eine Bedrohung der
nationalen Sicherheit - und sogar des Überlebens darstellt, die größer sein könnte als gut bewaffnete,
böswillige Nachbarn und feindlich gesinnte Bündnisse".
Nach drei Jahren der Studien, Anhörungen und
Debatten gelangte die Kommission zu dem Schluß,
daß der einzige Weg zur Anpassung von Umweltschutzmaßnahmen und wirtschaftlicher Entwicklung
in einer integrierten Politik tragfähiger Entwicklung
besteht, die "den Erfordernissen der Gegenwart
gerecht wird, ohne die Fähigkeit künftiger Generationen aufs Spiel zu setzen, ihre eigenen Bedürfnisse
zu erfüllen" - also eine einzige Politik für eine einzige
Weltordnung. Tragfähige Entwicklung, argumentierte
die Kommission, sei möglich - aber nicht mit ungehindertem Bevölkerungswachstum einerseits und
Konsum andererseits. Die gegenwärtigen politischen
Systeme scheinen auch nicht zu den jetzt erforderlichen "schmerzhaften Entscheidungen" in der Lage
zu sein. In der Tat erklärte die Kommission, die
Kapazität von Regierungen und internationalen
Behörden zur Anpassung an Tempo und Ausmaß
des globalen Wandels "geht schlicht über die Reichweite der existierenden Entscheidungsstrukturen und
institutionellen Arrangements" auf nationaler und
internationaler Ebene hinaus. Schließlich wurde das
zentrale Thema der Zwangslage der Welt als die
Fähigkeit politischer Systeme zur Anpassung an eine
Welt im Übergang ausgemacht.
Die Erdgipfel
Dennoch wurde nur wenige Jahre später die Doktrin
tragfähiger Entwicklung - zusammen mit einer
Tagesordnung verwandter Themen - mit großem
Trara von über Hundert Staats- und Regierungschefs verabschiedet. Anlaß war der von den Vereinten Nationen am 20. Jahrestag der Stockholmer
Konferenz von 1972 veranstaltete Erdgipfel in Rio de
Janeiro.
Der Vorbereitungsprozeß für das Treffen in Rio war
eine stürmische Angelegenheit. Manchmal schien
es, als ob die Welt sich wegen der andauernden
Frage, ob das Streben nach Fortschritt vom umweltoder entwicklungspolitischen Gesichtspunkt angegangen werden sollte, entlang der Nord-Süd-Grenze
spalten würde. Die Manöver, Terrain zu gewinnen,
waren aufgrund der starken Beteiligung nichtstaatlicher Gruppen umso intensiver, deren Zahl sich

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durch die beachtliche Zunahme solcher Organisationen in den Entwicklungsländern sowie erweiterte
Definitionen von Umwelt- und Entwicklungsangelegenheiten enorm erhöht hatte. Insbesondere die
Frauengruppen insistierten auf der Einbeziehung der
Themenkomplexe Gerechtigkeit, Gleichheit und
Menschenrechte in das Konzept tragfähiger Entwicklung. Dies alles fand mit der Verabschiedung der
Agenda 21 beim Erdgipfel seinen Niederschlag einem hochtrabenden ersten Entwurf eines langfristigen Programms für tragfähige Entwicklung der
Welt im 21. Jahrhundert. Implizit behandelte dieses
Dokument nichts weniger als den Zustand des
Planeten und die Lebensbedingungen auf Generationen hinaus.
Aber Haarspalterei über den unbeholfenen Aktionsplan von Rio zu betreiben hieße, nicht zu begreifen,
daß er über die traditionelle Tagesordnung zwischenstaatlicher Angelegenheiten hinaus zu der sich
abzeichnenden Tagesordnung menschliche Umwelt
übergeht - ein Übergang, der eine in dynamischen
aber stabilen strategischen Beziehungen zwischen
Biosphäre und Soziosphäre verankerte potentielle
Weltordnung ahnen läßt. Im Detail geht die Agenda
21 im wesentlichen auf die Arbeit der zwei Jahrzehnte vor der gegenwärtigen Zwangslage der Welt ein:
Tragfähige Entwicklung wird eine drastische Verringerung der Weltbevölkerungszuwachsrate sowie
eine Neuordnung des industriellen Systems erfordern,
um den exzessiven Verbrauch von Energie und
Material sowie die unerträglichen Auswirkungen von
Abfallprodukten auf die Weltbevölkerung, die grundlegenden biologischen Systeme und die chemischen
Zyklen des Planeten radikal zu senken.
Abgesehen von dem monumentalen Arbeitsprogramm
der Agenda 21 steht der Erdgipfel für eine bemerkenswerte Innovation der Weltpolitik mit wenigen
Präzedenzfällen in den Annalen der internationalen
Diplomatie. Dies ist ein Weg, Geschäfte unter den
Nationen zu machen, der aus der Stockholmer
Konferenz hervorging: Ein System regelmäßiger,
offener Bestrebungen aller Mitglieder der Vereinten
Nationen auf politischer Ebene, um einen einzelnen
Punkt der vorbereiteten Tagesordnung bei zweiwöchigen ununterbrochenen Konsultationen zu prüfen.
Dieses System internationaler Konferenzen, wie es
sich in den Jahren nach Stockholm entwickelte, wird
von den Vereinten Nationen in die Wege geleitet,
findet jedoch außerhalb der internationalen Bürokratien statt, während jede Konferenz eine Eigendynamik
entwickelt und dann mit dem letzten Hammerschlag
des geplanten Treffens zu Ende geht. Jede Konferenz hat ihr eigenes Managementteam, und jeder
geht eine zwei- bis dreijährige Vorbereitungszeit
voraus, in der die Regierungen gezwungen werden,
sich die Zeit für ernste Hausaufgaben zu Themen zu

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�nehmen, die sie lieber unter den Teppich kehren
oder an die Peripherie ihrer politischen Anliegen
verbannen würden.
Die Atmosphäre dieser internationalen Versammlungen wird letztlich durch die Tatsache bestimmt,
daß die Nationen nicht wegen kontroverser Verhandlungen oder um Punkte in der Debatte zu erzielen
daran teilnehmen, sondern um ein möglichst großes
gemeinsames Terrain zu sondieren, auf dem sie zur
Zusammenarbeit bereit sind. Und im Verlauf der 20
Jahre zwischen Stockholm und Rio begann die Welt
sich mit einer länger werdenden Liste von Problemen zu befassen, die außerhalb der Reichweite der
jeweiligen Regierungen liegen, nicht in den Fachbereich der Diplomaten fallen und nur durch die
Bestrebungen der Nationen zur Zusammenarbeit
gelöst werden können.
Diese massiven und ungeordneten Versammlungen,
an denen über 100 nationale Delegationen und noch
mehr Gruppen inoffizieller Lobbyisten teilnehmen,
sind ein leichtes Ziel für politische Satire. Manchmal
ist das Ergebnis der schnell vergessene kleinste
gemeinsame Nenner einer erfolglosen Anfrage.
Aber die Resultate, selbst die auf den kleinsten
gemeinsamen Nenner begrenzten, stehen für das
Beste, das diese Nationen bei diesem Thema auf
dem Wege des Konsenses zum gegebenen Zeitpunkt erreichen können. Schlimmstenfalls ist es ein
unangenehmer Weg, auf dem die Nationen mit den
vertrackten Problemen fertigwerden, die sie nicht auf
andere Weise bewältigen können.
Das Potential für dieses alternative System der
Weltpolitik wurde im September 1994 bei der UNKonferenz über Bevölkerung und Entwicklung in
Kairo schlaglichtartig beleuchtet. In vager, aber
dennoch sehr realer Weise gibt die Kairoer Konferenz einen Überblick über den Prozeß der politischen Anpassung an eine sich während der letzten
25 Jahre des Jahrhunderts wandelnde Welt. Am
Ende der Konferenz vereinbarte die internationale
Staatengemeinschaft direkt oder indirekt folgende
Punkte:
Lösungen zu erarbeiten, indem man über die
Symptome hinaus zu den Wurzeln der Zwangslage der Welt vordringt. Ebenso wie andere vor
ihr gelangte die Konferenz zu der Schlußfolgerung, daß universeller Zugang zu Familienplanung unabdingbar für die Stabilisierung des
Bevölkerungswachstums ist. Hinter der Empfängnisverhütung steht jedoch das Problem der
Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter sowie die Gewährung zunehmender
Befugnisse für Frauen zur uneingeschränkten

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Beteiligung am nationalen und internationalen Leben.
Mit anderen Worten: Demographische Daten reflektieren die nahezu universellen Sitten und Gebräuche
einer patriarchalischen Gesellschaft, die weichen
muß, wenn die Geburten- und Sterberate ins Gleichgewicht gebracht werden soll.
Die Zwangslage der Welt als ein einzelnes Phänomen anzugehen. Der in Kairo verabschiedete
Aktionsplan stellt das Programm zur Stabilisierung
des Bevölkerungswachstums in einen "umfassenden und integrierten Rahmen", der Bevölkerung
und tragfähige Entwicklung, Umweltschutz, Milderung der Armut und menschliche Gesundheit
umfaßt und verbindet.
Die Formulierung langfristiger Maßnahmen, die
über schnelle Lösungen für aktuelle Probleme
hinausgehen. In Kairo vereinbarten die Nationen,
daß die Bekämpfung der Überbevölkerung verbesserte Gesundheitsfürsorge für Kleinkinder, Kinder
und Mütter erfordert sowie bessere Bildungschancen für Mädchen und Frauen. Kurzum, der
Zeitrahmen ist auf die nächste - und übernächste - Generation erweitert.
Aus alten konzeptionellen Denkschemata auszubrechen - den ererbten Annahmen, Dogmen und
Tabus - die die Gesellschaft historisch gesehen zu
der Überzeugung verleitet haben, Bevölkerungswachstum sei wünschenswert und nützlich. Noch
Mitte des 20. Jahrhunderts konnten sich die
Mitglieder der Vereinten Nationen nicht darauf
einigen, Bevölkerungswachstum als weltweites
Problem auch nur zu erörtern. Und bis zur Kairoer Konferenz vereitelten sie alle Bestrebungen zur
Senkung der Zuwachsrate der Weltbevölkerung.
In Kairo verabschiedeten sie jedoch ohne Gegenstimme ein auf 20 Jahre angelegtes Aktionsprogramm mit dem Ziel, die Weltbevölkerung im
Jahr 2015 auf weniger als die derzeitige durchschnittliche Bevölkerungsprojektion der Vereinten
Nationen von 7,5 Milliarden Menschen für dieses
Jahr zu begrenzen.
Das Kairoer Programm prognostiziert noch immer
einen enormen Zuwachs der Weltbevölkerung, der
auf dem Planeten lasten und den Lauf der Entwicklung behindern wird. Die Kairoer Konferenz erreichte
jedoch ein unausgesprochenes aber implizites Ziel
des ersten Tags der Erde: Unsere politischen
Fähigkeiten zu nutzen, um den Menschen von dem
selbstzerstörerischen Kurs wegzuleiten, den er vor 25
Jahren verfolgte. Die internationale Staatengemeinschaft schien kurz vor einer großen Wende auf dem
Planeten Erde zu stehen.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Atom und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Elektronik ohne Elektrizität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Strömungsmechanische Verstärker ersetzen Vakuumröhren und Transitoren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von S. David Pursglove&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Telephonegespräche über Lichtwellen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zyklotron mit scharfem Partikelstrahl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur Entdeckung des Elements 103&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuartige Innenanstrichmasse für Atom-U-Boote&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Fernsehen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kritik als Kriterium&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Television wirbt um den anspruchsvollen Fernsehteilnehmer&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kurz berichtet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pulitzerpreise&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Kunst und die Sache des Friedens&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus einer Veröffentlichung der amerikanischen literarischen Wochenzeitschrift&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;"Saturday Review"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Forum der Jugend&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehrer Lieperts "kleines Austauschprogramm"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Deutsche Rheingau-Gymnasiasten zu Gast in Muskego&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Wisconsin)&lt;/em&gt;</text>
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5. Mai 1982

INHALT

DOKUMENTATION
Ansprache des US-Botschafters zur Eröffnung der Deutsch-Amerikanischen
Freundschaftswoche in Mannheim
Eagleburger: Junge Generation braucht demokratische Ziele
- Rede des US-Staatssekretärs für Politische Angelegenheiten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Nach Zurückweisung des amerikanischen Falklandplans: Keine US-Hilfe
für Argentinien
- Von unserem Korrespondenten Russell E. Dybvik Sowjetisches Verhalten schädlich für Rüstungskontrolle und Abrüstung
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig Was ein Oberlebender von Hiroshima von der Abrüstung hält
- Von Shinkichi Eto -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Mai 1982

ANSPRACHE DES US-BOTSCHAFTERS ZUR ERÖFFNUNG DER
DEUTSCH-AMERIKANISCHEN FREUNDSCHAFTSWOCHE IN MANNHEIM

MANNHEIM - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik
Deutschland, Arthur F. Burns, hielt am 2. Mai 1982 anläßlich der Eröffnung
der deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche in Mannheim eine Ansprache,
die folgenden Wortlaut hat:
Ich freue mich aus zweierlei Gründen, heute hier zu sein. Als amerikanischer Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland schätze ich die
Gelegenheit, an dieser Feierlichkeit zur Eröffnung der deutsch-amerikanischen
Freundschaftswoche teilzunehmen. Und als ein Bürger, der die Tätigkeiten
der Deutsch-Amerikanischen Clubs schätzt, nehme ich auch rein persönlichen
Anteil.
Ein nützliches Verhältnis zwischen zwei Regierungen muß, wenn es dauerhaft sein soll, eine solide Grundlage der tagtäglichen Freundschaft zwischen
einzelnen Menschen haben. Ihren Anstrengungen ist es qanz wesentlich zu verdanken, daß Freundschaften zwischen Deutschen und Amerikanern heute weit verbreitet sind. Aus eben diesem Grunde zögere ich nicht zu sagen - was immer
Gegenteiliges Sie lesen oder hören mögen -, daß die Beziehungen zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten grundsätzlich ena und
harmonisch sind und bleiben.
Jeder, der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Jeder, der täglichen Kontakt zu den Bürgern dieses Landes hat, weiß,
daß die Deutschen geneigt sind, Amerika zu mögen und zu unterstützen.

Wir

wissen das aus unseren Gesprächen und persönlichen Beobachtungen sowie auch
aus den Briefen, die uns erreichen.

Darüber hinaus teilen mir militärische

und zivile Vertreter mit, daß die Beziehungen zwischen den amerikanischen
Soldaten in Deutschland und den Gemeinden, in denen sie stationiert sind,
im allgemeinen ausgezeichnet sind.

Und diese persönlichen Aussagen werden

durch öffentliche Meinungsumfragen erhärtet: Obwohl viele Deutsche vielleicht diese oder jene amerikanische Politik nicht mögen, so ist eine wesentliche Mehrheit von ihnen nachdrücklich pro-amerikanisch.
Angesichts dieses eindrucksvollen Beweises einer allgemeinen Harmonie
ist es besonders wichtig, sich zu fragen, warum es heute einen solchen Chor
von Beschwerden auf beiden Seiten des Atlantik gibt. Warum ist der öffentliche Dialog zwischen Deutschen und Amerikanern in der letzten Zeit so mißtönend geworden?
Auf amerikanischer Seite behaupten Journalisten häufig, daß es den Europäern am Interesse für ihre eigene Verteidigung mangele; politische Analytiker warnen davor, daß Deutschland den Rapallo-Vertrag von 1922 erneuern
könnte; und eine Anzahl von Mitgliedern des Kongresses fordert erneut, die
amerikanischen Truppen zurückzuholen. Auf" dieser Seite des Atlantik hören
wir, die amerikanische Außenpolitik sei oft sprunghaft und gelegentlich kriegerisch; die Vereinigten Staaten könnten Europa in eine nukleare Wüste verwandeln; die amerikanischen Hochzinsen seien für den Niedergang der europäischen Volkswirtschaften verantwortlich; die Amerikaner schätzten auf jeden Fall die europäischen Interessen gering.
Warum, um die Ihnen gerade gestellte Frage weiter zu verfolgen, besteht
eine solche scharfe Divergenz zwischen der derzeitigen öffentlichen Debatte
und den unter den Menschen vorherrschenden Einstellungen?

Die Antwort läßt

sich, wie ich meine, in bestimmten falschen Vorstellungen finden:

Erstens

in einem Mangel an ausreichendem Verständnis für die Vergangenheit; zweitens

- 2 -

�Vergangenheit; zweitens in einer falschen Sicht der herrschenden Umstände;
und drittens in einem Mangel an ausreichendem Vertrauen in die Zukunft.
Lassen Sie mich dazu im einzelnen etwas sagen.
Wenn ich von einem Mangel an Verständnis für die Vergangenheit spreche,
dann meine ich mehr als nur die oft festgestellte Tatsache, daß die Generation führender Politiker, die heute an die Macht gelangt, keine direkte Erinnerung an die Ereignisse hat, die die Nachkriegszeit gestalteten.

Viel-

leicht gerade als Ergebnis des Friedens und des Wohlstandes, die diese Zeit
charakterisiert haben, besteht heute eine Neigung zu einer neuen Kirchturmspolitik hier und in den Vereinigten Staaten - fast eine Rückkehr zu der politischen Inselmentalität, die vor dem Kriege herrschte.

Dies ist am deut-

lichsten in den Vereinigten Staaten zu beobachten, wo das Interesse an Fremdsprachen und fremden Kulturen, das nach dem Zweiten Weltkrieg
Schritt für Schritt schwindet.

aufblühte,

Auch das Studium der Geschichte und der Phi-

lologie ist zurückgegangen.
Leider existieren ähnliche Trends auch in diesem Lande.

Ich habe unter

jungen Deutschen eine beunruhigende Unkenntnis ihrer eigenen Geschichte in
diesem Jahrhundert vorgefunden.

Ein Teil dieser Geschichte ist sicherlich

schmerzlich, aber sie zu unterdrücken, oder sie durch eine romantische Suche
nach Identität zu ersetzen, ist gefährlich.

Eine Armut an Wissen existiert

auch unter vielen deutschen Studenten bezüglich Amerikas und seinen sich wandelnden sozialen Einrichtungen.
Das sind Fragen, mit denen sich Staatsministerin Hamm-Brücher und Staatssekretär Eagleburger in ihrer Eigenschaft als Koordinatoren der deutsch-amerikanischen Kulturbeziehungen jetzt befassen.

Sie unternehmen eine wichtige

Anstrengung, die unsere Unterstützung verdient und für die ausreichende Mittel bereitgestellt werden müssen.

Es besteht ohne Frage in unseren beiden

Ländern die klare Notwendigkeit eines besser ausgewogenen Programms an Auslandsstudien und eines klareren Geschichtsbegriffs.

In diesem Zusammenhang

sollten wir hier einen Anfang machen, in dem wir jeder amerikanischen Schule

�amerikanischen Schule
facht zu machen.

auferlegen, deutsche Sprache und Kultur zum Pflicht-

Wie ich höre, werden diese Fächer heute freiwillig, wenn

überhaupt, angeboten.
Eine zweite Kategorie falscher Vorstellungen ergibt sich aus der Tatsache, daß unsere Urteile oft auf überholten Prämissen beruhen.

So halten

beispielsweise viele Europäer noch immer an der Vorstellung einer wirtschaftlichen Vorherrschaft Amerikas gegenüber Europa fest, einer Vorherrschaft, die
seit langem verschwunden ist.

Solche Ideen gehen auf die ausgehenden vier-

ziger Jahre zurück, als die Vereinigten Staaten und Kanada zusammen die doppelte Produktion Westeuropas hatten.

Heute übersteigt selbstverständlich die

Gesamtproduktion Westeuropas die Nordamerikas.
Ein ähnliches Beispiel läßt sich in der noch immer herrschenden europäischen Auffassung finden, daß die amerikanische Militärmacht jener der
Sowjetunion überlegen sei. Ein Festhalten an dieser Idee wie auch an den
übertriebenen Vorstellungen von der wirtschaftlichen Stärke Amerikas ist
irreführend. Die Realität ist - wie wir heute alle wissen sollten -, daß
die Sowjets ihre militärische und politische Macht während des letzten Jahrzehnts gewaltig ausgedehnt haben und bereits in der Lage sind, sie weltweit
darzustellen.
Ich bin mir darüber im klaren, daß auch die Amerikaner in ihrem Verständnis der europäischen Szene zurückgeblieben sind, daß sie vor allem die
Veränderungen nicht erkennen können, die durch ein Jahrzehnt der Entspännung
in den Beziehungen zwischen den östlichen und westlichen Teilen Europas herbeigeführt wurden. Da der Ost-West-Handel für die europäische Wirtschaft
ein größerer Faktor ist als für die amerikanische, schreiben nicht wenige
meiner Landsleute das europäische Zögern, Sanktionen gegen Polen und die
Sowjetunion zu verhängen, einfach finanziellen Motiven zu. Dabei unterschätzen Amerikaner die hinter der Entspannung stehende politische Kraft, die in
Europa, vor allem in der Bundesrepublik Deutschland, vorherrscht. Es kann
kein Zweifel daran bestehen, daß gefühlsmäßig belastete Ziele, wie Familien-

�wie Familienzusammenführung, die Aufnahme Deutschstämmiger und die Verbesserung der innerdeutschen Beziehungen zu den Hauptgründen gehören, warum die
Bundesrepublik Deutschland die bestehenden Bindungen zwischen Ost und West
aufrechterhalten möchte.
Ein letztes Beispiel für eine ganz andere Art von Mißverständnis ist
die immer wiederkehrende Beschwerde, daß Amerika Deutschland behandle, als
ob es eine Kolonie sei. Wenn dies je gestimmt haben sollte, dann stimmt es
heute sicherlich nicht.

Die Beziehungen zwischen unseren Regierungen sind

Beziehungen zwischen Ebenbürtigen und Unabhängigen.

Die amerikanischen

Streitkräfte sind in Deutschland, um unsere gemeinsamen Sicherheitsinteressen zu schützen.

Wenn irgendjemand

dies bezweifelt, dann braucht er nur

das amerikanische Verhältnis zu Deutschland mit dem sowjetischen Verhältnis
zu Polen vergleichen.

Er wird weder ein amerikanisches Pendant zur Breschnew-

Doktrin noch einen amerikanischen Lackmus-Test für ideologische Reinheit finden.

Er wird sicherlich keine plumpen Androhungen einer militärischen Inter-

vention finden, wenn sich die Ereignisse nicht nach unserem Geschmack entwickeln.

Im Gegenteil, und das brauche ich wohl kaum zu sagen, die amerika-

nischen Streitkräfte sind in Deutschland, weil sie gebraucht werden und weil
sie hier willkommen sind.
Und schließlich komme ich noch zu dem Punkt, daß es nicht gelingt, mit
den heutigen Realitäten fertigzuwerden, was es Amerikanern und Europäern erschwert, eine gemeinsame Vorstellung von der Zukunft zu entwickeln.

Es gibt

ein Gebiet,über das gegenwärtig gesprochen wird, das besondere Sorgen bereitet.

Ich spreche von den finanziellen und wirtschaftlichen Beziehungen zu

der Sowjetunion und anderen Ländern Osteuropas.
Während des letzten Jahrzehnts haben wir eine außerordentliche Erhöhung
der Verschuldung dieser Länder gegenüber dem Westen erlebt.

Unter dem Druck

von Firmen, die ihre Güter im Osten verkaufen wollen, und durch die Mitarbeit
westlicher Banken sind diese Schulden ständig gestiegen und werden heute auf
insgesamt über 80 Milliarden Dollar geschätzt.

Regierungen des Bündnisses

�des Bündnisses haben durch ihre Praxis der Gewährung subventionierter Kredite und Kreditgarantien selbst zu dieser Erhöhung beigetragen.

Diese Kre-

dite haben es der Sowjetunion und ihren Satelliten praktisch ermöglicht, einige der schweren Entscheidungen zu vermeiden, zu denen sie sonst gezwungen
gewesen wären.

Die Sowjets konnten den Lebensstandard ihrer Bevölkerung

verbessern und gleichzeitig eine großangelegte Modernisierung ihrer Streitkräfte vornehmen.
In den letzten Monaten haben die Länder des Warschauer Paktes mehr und
mehr Schwierigkeiten erlebt, ihre Schulden im Westen zu bedienen.

Der Fall

Polen ist so bekannt, daß man darüber nichts Näheres zu sagen braucht, aber
dieses Land ist nicht allein mit seinen finanziellen Schwierigkeiten.

Selbst

die Sowjetunion, die noch bis vor kurzer Zeit weitgehend als der letztliche
Garant für die Schulden des gesamten Sowjetblocks angesehen wurde, hat jetzt
Liquiditätsprobleme, die sich aus den Unzulänglichkeiten ihrer Landwirtschaft
und Industrie ergeben.

Die Sowjets sind zu außergewöhnlichen Maßnahmen ge-

zwungen worden, einschließlich des Verkaufs großer Mengen von Gold, um die
Mittel zur Deckung ihrer Verpflichtungen im Westen aufzubringen.
Glücklicherweise werden die Finanzströme aus dem Westen nach dem Sowjetblock bereits in wesentlichem Umfang durch die normalen Kräfte des Marktes
korrigiert. Privatbanken im Westen sind sich ihres Mangels an Voraussicht
bei der Gewährung von Krediten an Länder Osteuropas bewußt geworden und sie
sind bereits dabei, die Kredite für diese Länder auf eine selektive Weise zu
beschränken. Im großen und ganzen ist das genau richtig. Handelsbanken müssen die Interessen ihrer Einleger, ihrer Aktionäre und ihres gemeinsamen Besitzes schützen. Aber auch unsere Regierungen haben ihre Verantwortung. Sie
sollten jeden Versuch vermeiden, den Kräften des Marktes durch eine Erhöhung
der Verfügbarkeit amtlicher Kredite oder Kreditgarantien entgegenzuwirken.
Die Klugheit erfordert es heute, daß alle westlichen Regierungen ihre Normen
für 'Kreditsubventionen und Kreditgarantien sorgfältig überprüfen. In diesen
und anderen damit zusammenhängenden Fragen, wie etwa der Verkauf von Industrierüstung mit potentiell militärischer Anwendungsmöglichkeit oder strategisch
empfindlichen Gütern streben die Vereinigten Staaten und die Länder Westeuro-

�Länder Westeuropas heute einen beiderseits befriedigenden Weg an. Dies wird
nicht leicht sein, denn es handelt sich um komplexe Fragen und es geht um
große Interessen. Aber mit gutem Willen und etwas Mut, dessen bin ich sicher,
wird eine gemeinsame Haltung gefunden werden.
Ein zweites Thema von großer Besorgnis für das Bündnis, das eine gründlichere öffentliche Aufmerksamkeit erfordert, hängt mit dem Thema der nuklearen Mittel Streckensysteme zusammen.

Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten

Vorstellung ist die Dislozierung modernisierter Kernwaffen in Europa, die die
Sowjetunion erreichen können, keine Sache, die Amerika zögernden europäischen
Regierungen aufzuzwingen sucht.

Im Gegenteil, das, was als der NATO-Doppelbe-

schluß bekanntgeworden ist, war eine Entscheidung, die im Dezember 1979 von
den Mitgliedern des Bündnisses einstimmig getroffen wurde.

Dieser Beschluß

stellte eine direkte Antwort auf die Bedrohung Westeuropas durch die Einführung der SS-20-Raketen durch die Sowjets dar. Als Folge dieses NATO-Doppelbeschlusses werden Pläne verfolgt, PERSHING II-Raketen und landgestützte
Marschflugkörper in Westeuropa in dem Falle zu dislozieren, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sich nicht darüber einigen können, wie diese
Kernwaffen am besten unter Kontrolle gebracht werden können.
Entsprechend der im Dezember 1979 getroffenen Maßnahme finden jetzt in
Genf Ost-West-Verhandlungen statt. Um diese Verhandlungen zu fördern, hat
Präsident Reagan - nach umfassenden Besprechungen mit anderen Führern des
Bündnisses - im November vorigen Jahres angeboten, alle Pläne für die Dislozierung nuklearer Mittelstreckensysteme aufzugeben, wenn die Sowjetunion ihre
entsprechenden Streitkräfte abbauen würde.

Dieser außergewöhnlich vernünftige

Vorschlag wurde leider von den Sowjets beiseite geschoben.

Sie haben statt

dessen eine Reihe von "Einfrierungs"-Vorschlägen unterbreitet, deren letzter
- von Breschnew Mitte März angeboten - auf den europäischen Teil der Sowjetunion beschränkt ist.

Ein solches Moratorium würde es ganz offensichtlich

seiner Regierung freistellen, die SS-20-Aufrüstung östlich des Ural fortzusetzen, von wo aus sie noch immer Westeuropa treffen können.

Es würde ferner

die bestehende Situation unverändert lassen, in der die Sowjetunion über viele

- 7 -

�über viele nukleare Mittelstreckenraketenköpfe-verfügt, die-auf Europa gerichtet sind, während die NATO keine nuklearen Waffen ähnlicher Reichweite
oder Zerstörungskraft zur Verfügung hat, die als Abschreckung dienen könnten.
Die sowjetische Antwort auf den Rüstungskontroll Vorschlag Präsident
Reagans läßt erkennen, daß die Sowjets neben ihrem bereits bestehenden Übergewicht an konventionellen Streitkräften jetzt auch ein europäisches Nuklearpotential anstreben, dem die westliche Seite nichts Entsprechendes entgegenzusetzen hat. Auch hier werden leider die grundlegenden Probleme durch
unlogische Rhetorik verdreht.

In den heutigen Debatten wird häufig die Tat-

sache übersehen, daß die Westeuropa verbleibenden Optionen noch weniger angenehm wären, wenn die amerikanische Dislozierung modernisierter Kernwaffen
durch politische Opposition zu Fall gebracht würde.

Die westeuropäischen

Länder könnten natürlich ihre konventionellen Streitkräfte augenfällig verstärken, aber sie würden damit ihren bereits überlasteten Haushalten eine
zusätzliche Belastung aufbürden.

Als Alternative könnte der Westen sich in

eine neutralistische Richtung bewegen und damit das schwere Risiko eingehen,
sich für seine Sicherheit und Freiheit auf den guten Willen der Sowjets verlassen zu müssen.
Diese Bemühungen, die Dislozierung modernisierter Kernwaffen in Europa
zu stoppen, gleichgültig, was bei den Genfer Verhandlungen herauskommt, ist
in der Bundesrepublik Deutschland und auch andernorts in Westeuropa zu einer
wichtigen politischen Frage geworden.
beladen.

Diese Frage ist schwer mit Emotionen

Viele deutsche und andere europäischen Gegner der Dislozierung schei-

nen diese Entscheidung zu einem Symbol ihrer verschiedenartigen Ängste machen
zu wollen.

In ähnlicher Weise scheinen einige amerikanische Politiker die An-

drohung von Verringerungen unserer Streitkräfte in Europa als ein Mittel anzusehen, alle möglichen Trends in Europa zu treffen, die sie nicht mögen.
Solche Regungen sind kurzsichtig.

Sie könnten gefährliche Ergebnisse produ-

zieren - die sehr schwer wieder zu korrigieren wären.
Die Worte

�Die Worte "Krise" und "Belastung" sind im NATO-Lexikon kaum neu. Seit
ihrer Gründung hat die NATO zahlreiche Krisen - einige davon ernst, andere
marginal - überwunden.

In jüngster Zeit ist es in manchen Kreisen modern ge-

worden, so zu argumentieren, daß europäische und amerikanische Interessen
heute zu weit auseinander lägen, als daß sie erfolgreich überbrückt werden
könnten.

Mein Ziel heute ist es, solchen zwecklosen Skeptizismus auf seinen

Platz zu verweisen, und statt dessen die überragende Tatsache hervorzuheben,
daß trotz in die Augen fallender Unterschiede in den Auffassungen der Mitglieder des Bündnisses die fundamentalen Interessen, die ursprünglich das Bündnis
zusammengeschmiedet haben, völlig intakt sind und bleiben. Die sowjetische
Bedrohung unserer demokratischen Lebensweise sowie unserer auf Freiheit der
Wahl und Achtung vor den Menschenrechten basierenden Institutionen ist nicht
geringer geworden.

Das westliche Bündnis ist die einzige Garantie, die wir

und unsere europäischen Freunde haben, daß unsere Freiheit, unser Wohlstand
und unsere Sicherheit überleben können.
Es genügt jedoch nicht, daß wir uns mit diesen Überlegungen trösten.
Es ist eine große Anstrengung erforderlich, um die Wolken zu zerstreuen, die
heute über dem deutsch-amerikanischen Verhältnis liegen.

Ich, möchte als An-

fang zwei Empfehlungen unterbreiten: Erstens sollten Amerikaner aufhören, sofort "Anti-Amerikanismus" zu schreien, wenn jemand nicht ihrer Meinung ist.
Und die Deutschen wiederum sollten davon ablassen, jeden Vorschlag, der an
sie herangetragen wird, als eine Bewährungsprobe für ihre Loyalität gegenüber dem Bündnis oder als ein Signal zu betrachten, daß wir uns bereit machten, sie aufzugeben.
Zweitens, und das ist von nicht weniger grundlegender Bedeutung, müssen
wir die Strukturen, durch die unsere Regierungen zusammenarbeiten, überprüfen.

Die Einrichtungen der NATO haben gut funktioniert und über 30 Jahre

lang den Frieden bewahrt. Aber die Herausforderungen, auf die sie reagieren
müssen, haben sich verändert, und sie müssen mit den neuen Herausforderungen
fertigwerden.

Als die NATO gegründet wurde, konnte Europa noch immer als eine

gesonderte internationale Bühne betrachtet werden, und die NATO-Einrichtungen

- 9 -

�NATO-Einrichtungen waren deshalb nicht befugt, sich mit Bedrohungen zu befassen, die von außerhalb Europas oder Nordamerikas kamen.

In der heutigen

Welt ist es unrealistisch geworden, die gemeinsame Gefahr so eng zu definieren. Außenminister Haig meinte die Notwendigkeit einer gewissen neuen Ausrichtung, als er kürzlich eine "Stärkung des Koordinierungsmechanismus" und
"eine Erweiterung der politischen Dimension" des Bündnisses forderte.
Der Pessimist, so sagt eine Volksweisheit, sieht bei jeder Gelegenheit
eine Gefahr, und der Optimist bei jeder Gefahr eine Gelegenheit.
Ihnen dringend die optimistische Betrachtungsweise.

Ich empfehle

Lassen Sie uns als loyale

Mitglieder des Bündnisses zusammenarbeiten, um die Zweifel zu zerstreuen, die
oft Schatten auf unsere Freundschaft werfen. Lassen Sie uns die Gefahren, vor
denen wir stehen, in eine neue kühne Vision einer Zukunft umwandeln, in der
unsere gemeinsame Sicherheit gestärkt wird, während unsere politische Freiheit
und unser wirtschaftlicher Wohlstand gedeihen.

- 10 -

�4

111lj^
• il I d i

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18

5. Mai 1982

EAGLEBURGER: JUNGE GENERATION BRAUCHT DEMOKRATISCHE ZIELE
Rede des US-Staatssekretärs für Politische Angelegenheiten -

NEW HAVEN - (AD) - In einer Rede am 24. April 1982 auf einer Konferenz
über "Fragen der amerikanischen Außenpolitik: Gespräche zur Erinnerung an
den Dean Acheson" in New Haven erklärte Lawrence S. Eagleburger, Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium: "Wir
müssen vor allem endlich damit aufhören, in Verlegenheit zu geraten, wenn wir
über Freiheit, Demokratie und Freiheit des Einzelmenschen sprechen."
Die Rede Eagleburgers hat folgenden Wortlaut:
Genau wie ich vor kurzem bei meiner Arbeit von Fragen europäischer Problematik zu globalen Themen übergegangen bin, so möchte ich unsere Haltung bezüglich der amerikanisch-europäischen Beziehungen im Lichte einer weltweiten
Strategie betrachten. Während der ganzen Nachkriegszeit war das Fundament der
amerikanischen Außenpolitik das Atlantische Bündnis.
-- Jetzt aber

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�— Jetzt aber gibt es auf dieser Seite des Atlantik bohrende Fragen,
ob wir die amerikanische Politik mit weniger Berücksichtigung der Einstellungen und Interessen unserer NATO-Verbü'ndeten betreiben sollten.
— Und in Europa werden Forderungen laut, eine Rolle irgendwo zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu spielen und in der Dritten
Welt eine andere Haltung einzunehmen.
Die Beziehungen innerhalb der nordatlantischen Gemeinschaft waren häufiger turbulent als ruhig. Aber trotz mehrerer Krisen - Suez 1956, Vietnam
in den sechziger Jahren und

Ölkrise in den frühen siebziger Jahren - haben

sich keine strukturellen Mängel gezeigt. Es ist meine feste Oberzeugung, daß
auch keine aufzutreten brauchen, wenn die Vereinigten Staaten genügend Urteilsvermögen und Weitblick demonstrieren

und wenn wir zu der Einsicht gelangen,

daß es keine sinnvolle Alternative zu einer Koalition der größten Demokratien
dieser Welt gibt, um mit den Problemen fertigzuwerden, vor denen wir im Westen stehen.
Um unsere Beziehungen stand es immer dann am besten, wenn wir eine einheitliche Vorstellung von den wesentlichen Bedrohungen hatten, die uns motivierten, sowie gemeinsame Projekte, um uns mit diesen Bedrohungen auseinanderzusetzen und unsere Energien in die gleiche Richtung zu lenken. Das war die
Einstellung, die unsere Unternehmung überhaupt erst entstehen ließ.
In einer Rede, die Präsident Truman den "Prolog zum Marshall-Plan"
nannte, verdeutlichte der damalige Außenminister Dean Acheson die Gefahr, vor
der wir alle im Mai 1947 standen. Europa und Asien befanden sich in einem Zustand äußerster Erschöpfung und wirtschaftlicher Zerrüttung. Hungersnöte
drohten. In jenem Jahr setzte eine Politik ein, die, um mit Achesons späteren Worten zu sprechen, "eine Tiefe der Konzeption und eine Kühnheit des
Handelns zeigte, die in der Geschichte dieses Landes neu waren.Die Übernahme
von Verantwortung im östlichen Mittelmeerraum, die Großartigkeit des MarshallPlans, die Reaktion auf die Blockade Berlins 1949 und die Intervention in Korea
1950 - all dies waren weitausgreifende Schritte, wirklich heroische Schritte.
- 2 -

�heroische Schritte. Sie alle waren gefährlich,und alle erforderten die seltene
Fähigkeit zur Entscheidung und zum Handeln."
Vor welchen Bedrohungen stehen wir heute? Welches sind die Pläne, die
die kommende Generation auf beiden Seiten des Atlantik inspirieren, leiten und
zusammenführen können?
I

Die Bedrohungen

Lassen Sie mich, bevor wir über alle diese Bedrohungen sprechen, vor denen
wir stehen, klarstellen, daß ich die Sowjetunion nicht als einen Riesen und den
Westen als einen Zwerg betrachte. Die Sowjets sind weder allmächtig noch allwissend. Während des vergangenen Jahrzehnts erlitten sie beträchtliche Rückschläge - vor allem mit China und Ägypten. Sie trugen auch zu einigen bemerkenswerten Leistungen bei. Der Vertrag über Raketenabwehr-Raketen

(ABM-Vertrag)

und das Nachlassen der Spannungen in und um Berlin waren große Leistungen, an
denen wir gemeinsam Anteil hatten.
In der Tat liegt gerade hier eine Quelle der Probleme innerhalb des Bündnisses. Für die Europäer ist das Jahrzehnt der Entspannung noch immer zumindest
teilweise ein Erfolg. Dadurch wurden die Spannungen in Europa vermindert.
Unter Betonung dieser bedeutsamen Veränderungen wies der damalige Außenminister Kissinger in einer Rede 1973 ("Pacem in Terris") auf dem Höhepunkt
der Entspannung darauf hin, daß für die Vereinigten Staaten die Koexistenz auch
weiterhin eine präzise Bedeutung habe. Er nannte drei Grundsätze:
"-- Wir werden uns dem Versuch eines jeden Landes widersetzen, eine Stellung der Vorherrschaft - sei es in globalem oder regionalem Bereich zu erlangen.
— Wir werden jedem Versuch widerstehen, die Entspannungspolitik zur Schwächung unserer Bündnisse auszunutzen.
-- Wir werden entsprechend reagieren, falls die Entspannungsbemühungen
- 3 -

�Entspannungsbemühungen als ein Tarnschild benutzt werden, um dahinter
an den internationalen Krisenpunkten Konflikte zu schüren."
Und er fuhr fort: "Die Sowjetunion kann sich in keinem Gebiet der Welt über
diese Prinzipien hinwegsetzen, ohne dadurch das gesamte Gefüge ihrer Beziehungen zu den Vereinigten Staaten zu gefährden."
Während einige der Erfolge der Entspannung seit der Rede Kissingers andauerten, gibt uns das sowjetische Verhalten im Sinne seiner umfassenderen
Grundsätze Grund zu großer Besorgnis.
Die Bedrohungen, vor denen wir heute stehen, sind militärischer, geopolitischer, wirtschaftlicher und moralischer Natur. Entweder hat die Sowjetunion
ihre Hand im Spiel und verursacht diese Bedrohungen, oder sie ist Hauptnutznießer, wenn die Ursachen anderswo liegen. Die Bedrohungen sind nicht weniger
ernst, weil sie komplexer sind als jene, vor denen der Westen Ende der vierziger Jahre stand. Ja, es geht sogar noch um viel mehr, denn das Spiel wird jetzt
auf einem Brett von weltweitem Ausmaß und mit der Gefahr einer nuklearen Katastrophe gespielt.
Die militärische Bedrohung: In einem Zeitalter, das große Hoffnungen auf
Rüstungskontrolle wachrief, in einer Periode, die wechselseitige Zurückhaltung
bringen sollte, zeigte sich im militärischen Bereich jedoch ein scharfer Kontrast zwischen amerikanischen und sowjetischen Militärprogrammen. Während dieses Zeitraums verringerten die Vereinigten Staaten die Anzahl ihrer Soldaten,
ihre realen Militärausgaben und die Größe ihrer Flotte. Die Sowjetunion erhöhte
den Umfang ihrer Streitkräfte auf das Doppelte jener der Vereinigten Staaten,
steigerte ihre realen Militärausgaben um 50 Prozent auf ein Niveau, das weit
über dem der Vereinigten Staaten liegt - gleich, welchen Maßstab man anlegt und vergrößerte ihre Seestreitkräfte beträchtlich.
Am bedrohlichsten für die europäische Sicherheit: Die Sowjetunion beseitigte den amerikanischen Vorsprung bei den strategischen Kernwaffen, auf den

- 4 -

�auf den sich die westliche Strategie stützte, um die konventionelle Stärke
der Sowjets auszugleichen. Zudem erzielten die Sowjets die absolute Überlegenheit bei den nuklearen Mittel Streckensystemen. Sogar wenn man alle luft- und
seegestützten Systeme der Vereinigten Staaten sowie alle französischen und britischen Systeme zusammennimmt, so haben die Sowjets bei den nuklearen Mittelstreckensystemen noch immer eine Überlegenheit von 3 zu 1.
Es ist keine Frage, daß die Trends beim militärischen Gleichgewicht im
vergangenen Jahrzehnt gegen uns gearbeitet haben, ja, daß die Sowjets mit einigem Erfolg versucht haben, die Entspannung zu benützen, um die Aufmerksamkeit
von ihrer umfassenden und anhaltenden Aufrüstung abzulenken.
Ein Blick in die Zukunft bietet wenig Grund zum Trost. Trotz einer gewissen Verlangsamung der sowjetischen Wirtschaft halten die jährlich vier- bis
fünfprozentigen Steigerungen der Militärausgaben an; ähnlich sieht es auch in
naher und mittlerer Zukunft aus.
Unser größtes Problem ist vielleicht unsere eigene Reaktion auf diese Entwicklung. Teile unserer Gesellschaften sehen in der Rüstungskontrolle jetzt
einen Ersatz für angemessene Verteidigungsprogramme und begreifen nicht, daß
Abrüstungsverhandlungen selbst keinen Erfolg haben, wenn wir sie immer geschwächter führen. Die Sowjets benützen sowohl Zuckerbrot als auch Peitsche,
wie dies Breschnew im vergangenen Monat mit seinem Versprechen von Raketenbegrenzungen einerseits und Kriegsdrohungen andererseits tat, als er davon
sprach, Raketen nach Kuba zu bringen. Dialektik liegt in ihrer Natur. Wir verstehen nicht immer ihre Taktiken, noch weniger ihre Strategie. Furcht und
Wunschdenken bewegen derzeit viele Menschen auf beiden Seiten des Atlantik.
Geopolitische Bedrohung: Gerade der Erfolg des Atlantischen Bündnisses
bei der Eindämmung des sowjetischen Expansionismus in Europa hat die Sowjetunion zu noch nie dagewesenen Anstrengungen veranlaßt, in der Dritten Welt
die Kontrolle über Punkte zu erringen, an denen der Westen verletztlich ist.
und

dadurch das geostrategische Gleichgewicht entscheidend zu ihren Gunsten

zu verschieben.

s it

M m

�Seit Mitte der siebziger Jahre haben die Sowjets neue Basen militärischer
und politischer Macht in Äthiopien und im Jemen erhalten, wodurch die Quellen
für das Erdöl des Westens im Persischen Golf und vor allem in Saudi-Arabien
bedroht werden. Im südlichen Afrika haben sie Schritte unternommen, um in
Angola, in Mozambique und anderen Plätzen den Grundstein für den Versuch zu
legen, in Südafrika selbst ein marxistisch-leninistisches Regime zu errichten
und dadurch die Kontrolle über dieses für die strategischen Rohstoffe und die
westliche Schiffahrt entscheidende Gebiet zu erhalten.
In Mittelamerika und in der Karibik verfolgen die Sowjets und die Kubaner
die gleichen Ziele. Fast die Hälfte des gesamten amerikanischen Handels und
mehr als die Hälfte unseres importierten Erdöls und der Rohstoffe kommen durch
den Panamakanal oder den Golf von Mexiko. Schon während des Zweiten Weltkrieges
gelang es ein paar wenigen deutschen Unterseebooten, die ohne Stützpunkte in
dieser Hemisphäre operierten, in der Karibik einen beträchtlichen Teil all der
amerikanischen Schiffe zu versenken, die überhaupt während des Krieges auf
diese Weise zerstört wurden. Jetzt hat Kuba seine eigenen Unterseeboote der
"Foxtrotf-Klasse und eine wachsende Stützpunktstruktur, die sowjetische
Unterseeboote aufnehmen könnte. Kubas Streitkräfte, eine Viertelmillion stark,
sind doppelt so groß wie die von Mexiko, obgleich die Bevölkerung Mexikos
siebenmal so groß ist

wie die von Kuba.

Die neue marxistisch-leninistische Regierung in Nicaragua, die mit sowjetischer und kubanischer Hilfe eine echte Revolution verzerrt hat, geht in dieselbe
Richtung. Sie hat die größte Armee in der Geschichte Mittelamerikas aufgebaut,
einschließlich rund 2ooo kubanischer und sowjetischer Militärberater. Der
nächste Schritt wird bereits getan: Von der Sowjetunion und Kuba unterstützte
Guerillaaktivität gibt es in El Salvador, Guatemala, Honduras und Costarica.
Manche von uns sind der festen Überzeugung, daß Panama und Mexiko letztlich
die Ziele sind.
Wirtschaftliche Bedrohung: Genau zu der Zeit, da der Westen den sowjetischen
Bedrohungen gegenüber verwundbarer geworden ist, sind wir wirtschaftlich stärker

- 6 -

�wirtschaftlich stärker von der Dritten Welt abhängig,und unsere Volkswirtschaften stagnieren. Unsere europäischen Verbündeten sind in dem gleichen
Teufelskreis von geringem Produktivitätsanstieg sowie wachsender Arbeitslosigkeit und höheren Zinsen gefangen. Dies wiederum verringert die Bereitschaft zu
Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Neben den zunehmenden Forderungen nach
Protektionismus gibt es verstärkte Spannungen im Gefüge der atlantischen Beziehungen.
So stehen wir zum Beispiel vor der paradoxen Situation, daß die Unzufriedenheit hierzulande mit den europäischen Verteidigungsanstrengungen neue
Forderungen dahingehend schafft, unsere Streitkräfte aus Europa abzuziehen gerade in dem Augenblick, da wir versuchen, die Verteidigung des Westens zu
stärken.
Die wirtschaftliche Malaise bedroht alle anderen Aspekte unserer Beziehungen
und potentiell sogar den Sozialvertrag innerhalb unserer Gesellschaften.
Moralische Bedrohung: Schließlich erfüllt unsere Gesellschaften und unsere
Beziehungen eine Bedrohung, die moralischer Natur ist.
Zivilisationen können nur dann gedeihen, wenn sie an ihre eigene Zukunft
glauben und eine klare Vorstellung von ihrer moralischen Zielsetzung haben. In
vielen Bereichen der westlichen Gesellschaft, vor allem bei vielen jungen
Menschen, herrscht heute Unklarheit über Werte und Zielsetzungen. Es werden
Bewegungen als "progressiv" definiert, die versuchen, Modelle wie Kuba durchzusetzen - ein Land, das für sein Volk weder Brot noch Freiheit gebracht hat.
Die sich entwickelnden demokratischen Modelle - wie in Malaysia, Portugal,
Venezuela und Spanien - werden ignoriert. Man stellt sich gegen Anstrengungen
im Westen, das militärische Gleichgewicht wiederherzustellen, während einseitige
Rüstungskontroll Vorschläge des Ostens unterstützt werden.
Zweierlei Maßstab wird hierbei offenkundig. Hunderttausend sowjetische
Soldaten zerstören in Afghanistan ganze Dörfer in dem Bestreben, eine Diktatur
zu errichten. Aber im Westen läßt dies nur wenige besorgte Stimmen laut werden
und findet in der Presse wenig Aufmerksamkeit. Fünfzig amerikanische Militär- 7 -

�amerikanische Militärberater versuchen,in El Salvador eine Regierung zu unterstützen, die angesichts gewalttätiger Versuche, noch eine weitere marxistischleninistische Diktatur zu errichten, eine Landreform und freie Wahlen durchführt - dies aber ruft sogleich den emotionellen Widerstand im Westen hervor, und di
Presse weiß von nichts anderem zu berichten.
In Washington schlössen sich am internationalen Afghanistantag hundert
junge Amerikaner mehreren Hundert jungen Afghanen bei einer Demonstration
an. Eine Woche später demonstrierten in Washington 23 000 junge Amerikaner
gegen freie Wahlen in El Salvador. Am darauffolgenden Tag gingen 83 Prozent
der wahlberechtigten Bevölkerung in El Salvador an die Wahlurnen und bewiesen
trotz Todesdrohung ihre Verpflichtung gegenüber Demokratie und Frieden.
Seit 18 Monaten läuft in Polen der Versuch eines friedlichen Reformprozesses,
der lediglich durch die Verhängung des Kriegsrechtes gegen den offenkundigen Wunsch
des gesamten polnischen Volkes erstickt werden konnte. Schon die Erwähnung
freier Wahlen in Polen wird als Provokation angesehen.
Viele im Westen akzeptieren dies als "normal", ja, als nahezu legitim. In
gewisser Weise wird es mit der Lage in der Türkei verglichen, wo nach mehreren
Jahren des Terrorismus und bei täglich mehr als 20 Toten das Kriegsrecht mit
offenkundiger Unterstützung des türkischen Volkes erklärt wurde. Die dortige
Regierung hat, wiederum mit offenkundiger Unterstützung des Volkes, ein festes
Datum für Wahlen angekündigt. Der Gegensatz zwischen der Verpflichtung der
polnischen und der türkischen Regierung gegenüber der Demokratie könnte nicht
krasser sein.
Und doch gibt es im Westen eine Tendenz zu behaupten, daß Polen und die
Türkei, Afghanistan und El Salvador, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten
sich durch nichts unterschieden.
Bei jeder dieser Fragen geht es bei der westlichen Reaktion um grundlegende
moralische Fragen. Welches ist unsere Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit?
Was ist der Zweck des wirtschaftlichen Wachstums? Was ist die Natur der politischen, religiösen und individuellen Freiheit?
-- Unterstützen wir

�— Unterstützen wir Systeme, die im Namen einer sozialen Abstraktion den
Bauern ihr Land nehmen,oder unterstützen wir Systeme, die versuchen, durch
Reform und durch Gesetz den Bauern eigenes Land zu garantieren?
-- Unterstützen wir die Gewinner oder die Verlierer, wenn wir zum Wachstum
anregen und es dazu verwenden, den Lebensstandard des einfachen Menschen zu verbessern anstatt die Bedürfnisse des Staates: Unterstützen wir West- oder Ostdeutschland, Oesterreich oder die Tschechoslowakei, Malaysia oder Vietnam?
— Unterstützen wir Bewegungen, die aus prinzipiellen Gründen die freie
Presse, die Gewerkschaften, die religiöse Freiheit, im Wettbewerb miteinander
stehende politische Parteien, kulturelle Vielfalt und Bewegungsfreiheit unterdrücken,oder solche, die den Versuch machen, diese entscheidende Infrastruktur
sozialer, wirtschaftlicher und politischer Rechte zu stärken und zu garantieren?
Die größte Herausforderung, vor der wir stehen, könnte ganz einfach ein
Bemühen um mehr Verständnis sein. Wir müssen unser Auge von einzelnen Besorgnissen und Tagesereignissen abwenden und auf den umfassenden Entwurf blicken.
Wir brauchen den Mut, uns der Realität zu stellen, auch wenn sie in Konflikt
mit unseren Vorstellungen von der Welt gerät, wie wir sie gerne sehen möchten.
Um noch einmal mit Dean Acheson zu sprechen: Es ist ein Fehler, die Erkenntnisse des Dichters zu wörtlich zu nehmen, daß die Dinge nicht sind, was
sie zu sein scheinen. Manchmal sind sie es, und oft ist es für das überleben
entscheidend, zu wissen, wann sie es sind und wann nicht.

II Die gemeinsamen Projekte
Gegen Ende der vierziger Jahre taten sich Westeuropa und Amerika in einer
noch nie dagewesenen gemeinsamen Unternehmung zusammen, weil sie dieselbe Vorstellung von ihrer Bedrohung hatten. Angesichts einer neuen Auffassung von den
Bedrohungen, vor der diese Generation steht, ist eine neuerliche Willensanstrengung und eine neue Kreativität möglich, ja sogar wahrscheinlich.
Ich sehe

�Ich sehe vier wesentliche gemeinsame Projekte, um den Westen für den Rest
dieses Jahrhunderts zusammenzubinden.
~

Erstens, die Schaffung einer neuen Ära der Sicherheit in Europa durch

eine angemessene Verteidigung und ehrgeizige Rüstungskontrolle.
— Zweitens, die Gestaltung einer neuen Ära des Friedens in kritischen
Regionen außerhalb Europas durch aktive Diplomatie und regionale Sicherheit.
—

Drittens, die Förderung einer neuen Ära des wirtschaftlichen Wachstums

durch aufgeklärte Zusammenarbeit zwischen Ost und West sowie Nord und Süd.
— Viertens, die Verwirklichung einer neuen Ära der Demokratie durch konzertierte Programme zur Ermutigung des Aufbaus freier Institutionen in den erwachenden Demokratien, den rechten Diktaturen und in den kommunistischen Ländern.
Viel bleibt noch hinsichtlich konkreter Vorschläge für alle diese Bereiche
zu tun. Dies kann auch nicht die Aufgabe einer einzelnen Partei, einer einzelnen
Administration oder der Vereinigten Staaten allein sein. Dies ist eine schöpferische Anstrengung, für die sich die besten Köpfe Amerikas und Europas einsetzen
müssen, einschließlich vor allem unserer Professoren und Intelektuellen. Für
all diejenigen, die die Extreme vermeiden möchten - die Extreme rechter oder
linker Diktatur, totaler Konfrontation oder Beschwichtigung, immer schnelleres
Wettrüsten oder einseitige Abrüstung - gibt es hier zumindest eine gemeinsame
Tagesordnung.
Ohne Rezepte für alle diese vier Bereiche geben zu wollen, lassen Sie mich
einige Gedanken skizzieren, die uns bei unseren gemeinsamen Anstrengungen leiten
können.
Verteidigung und Rüstungskontrolle: Lassen Sie uns realistisch, aber auch
ehrgeizig sein, während wir die gemeinsamen Anstrengungen für die Verteidigung
Europas und die Rüstungskontrolle umschreiben.
Warum können

- 10 -

�Warum können wir nicht den Abstand bei den konventionellen Streitkräften
während des nächsten Jahrzehnts verringern und dadurch die Nuklearschwelle wesentlich erhöhen? Gibt es irgendwelche echte Hindernisse, daß die westeuropäischen Staaten, die zusammen sowohl ein größeres Bruttosozialprodukt als auch
eine größere Bevölkerung haben, keine konventionellen Streitkräfte aufstellen
könnten, die denen der Sowjetunion ebenbürtig wären?Der europäische Anstieg
bei den Verteidigungsausgaben in den siebziger Jahren war größer als der der
Vereinigten Staaten. Es ist falsch zu behaupten, daß es grundlegende Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Notwendigkeit einer angemessenen Verteidigung
gäbe.
Desgleichen bei der Rüstungskontrolle: Warum sollen wir nur von bescheidenen
Zielsetzungen sprechen oder von solchen, die sofort für die Sowjetunion akzeptierbar wären? Die Beseitigung aller landgestützten nuklearen Mittelstreckenraketen
- was diese Administration und das Bündnis wollen - ist ein konkretes und verdienstvolles Ziel und zugleich eines, bei dessen Verfolg mit voller Entschlossenheit wir nicht zögern sollten. Desgleichen strebt die Administration bei der
Formulierung eines Vorschlags für die START-Verhandlungen nicht lediglich ein
Einfrieren einer bereits unannehmbaren Situation an. Wir akzeptieren auch nicht,
daß die derzeitige Konzentration konventioneller Streitkräfte im Herzen Europas
auf ihrem

unnötig hohen Niveau bleiben muß. Wir suchen nach Wegen, um neues

Leben in die Gespräche über die Truppenverminderung in Wien, die schon zehn
Jahre andauern, zu bringen.
Es ist eine solche ehrgeizige Politik zur Stärkung des Friedens, durch
die wir die Unterstützung der Nachfolgegeneration auf beiden Seiten des Atlantik
gewährleisten und erhalten können.
Geostrategische Zusammenarbeit: Es gibt eine wachsende Tendenz zu behaupten, daß die Europäer ganz einfach eine unterschiedliche Ansicht von dem
haben, was in der Dritten Welt geschieht und wie die Sowjetunion zu behandeln
sei. Es ist klar, daß zum Beispiel Europas geographische Nähe zu Osteuropa und
seine Entfernung von Mittelamerika dazu führen, daß es auf Ereignisse in beiden
Bereichen mit einer etwas unterschiedlichen Mischung aus Besorgnis und Nachdruck
rea

9iert-

Ich bin
- 11 -

�Ich bin jedoch überzeugt, daß unsere derzeitigen Meinungsverschiedenheiten mehr von einem Jahrzehnt der nachlassenden amerikanischen Stärke und
unberechenbarer amerikanischer Politik kommen

sowie von der wirtschaftlichen

Stagnation und moralischen Verwirrung auf beiden Seiten des Atlantik

als

von irgendwelchen unterschiedlichen Interessen und Einstellungen.
Unsere Zusammenarbeit bei den Problemen Namibia und Angola ist ein Modell dafür, was wir zusammen leisten können.

Es ist bisher der gemeinsamen

Strategie und den gemeinsamen Anstrengungen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt
worden, die wir unternommen haben, um Namibias Unabhängigkeit zu erringen
und in Angola eine politische Lösung herbeizuführen.

Von allen Krisenpunkten,

um die wir uns derzeit bemühen, bietet sich unserer Diplomatie hier vielleicht
die größte Hoffnung auf einen echten Durchbruch im Jahr 1982. Dies ist in
beträchtlichem Maße der Tatsache zu verdanken, daß der Westen gemeinsam handelt und alle unsere gewaltigen gemeinsamen Fähigkeiten und Stärken für das
Erreichen einer friedlichen, demokratischen Lösung eingesetzt werden.
Gegenüber Afghanistan nehmen wir dieselbe Haltung ein und in einem hohen
Maße auch im Nahen Osten, denkt man an die mutige Entscheidung mehrerer europäischer Staaten, sich an der multilateralen Streitmacht von Beobachtern zu
beteiligen, die auf die Sinai-Halbinsel gehen werden.
Es gibt Bereiche, wo Meinungsverschiedenheiten zwischen uns herrschen,
genau wie es in jedem unserer Länder auch unterschiedliche Auffassungen gibt.
Aber mit schöpferischen gemeinsamen Projekten können wir diese Meinungsverschiedenheiten überwinden oder zumindest auf ein angemessenes Maß bringen und
unsere Energien für gemeinsame Ziele einspannen. Die Initiative für das
Karibische Becken und die Hilfe für die demokratischen Kräfte in Mittelamerika
sind solche Projekte, die der europäischen und amerikanischen Unterstützung
wert sind.
Wirtschaft:

Diejenigen, die einen transatlantischen Niedergang voraus-

sagen, sind vor allem im wirtschaftlichen Bereich besonders aktiv.

Obwohl

die Theorien von den Grenzen des Wachstums heute etwas weniger in Mode sind
- 12 -

�Mode sind als noch vor ein paar Jahren, beschäftigen wir uns noch immer stärker
damit, das zu bewahren, was wir haben, anstatt das Wachstum anzuregen. Allerdings ist eindeutig, daß wir unsere eigenen sozialen Ansprüche nicht befriedigen können - und noch viel weniger die Ansprüche von vier Fünfteln der
Menschheit, die in der Entwicklungswelt leben -, wenn unsere Volkswirtschaften
stagnieren.
Es gibt derzeit mehrere Versuche, die westlichen Volkswirtschaften
wieder auf den Weg des Wachstums bei geringeren Inflationsraten zu führen.
Diese Administration versucht, übermäßige Eingriffe des Staates zu verringern
und private Investitionen zu ermutigen, während die Franzosen einen anderen
Weg einschlagen. Desgleichen werden auch in der Dritten Welt viele verschiedene Modelle ausprobiert. Die einst modische Einstellung, daß die Regierung
versuchen sollte, eine immer größere Rolle in der Wirtschaft eines jeden Entwicklungslandes zu spielen, wird an breiter Front entgegengetreten. Einige
der wirklichen Wirtschaftswunder in der Dritten Welt sind über die Ermutigung
des privaten Sektors gekommen.
Aber gleich, welches besonders nationale Modell, müssen der Welthandel,
die Investitionen und die Hilfe so ausgerichtet werden, daß das Wachstum gefördert wird. Auch in einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit und Inflation - ja,
gerade in einer solchen Zeit - müssen wir jene Art von protektionistischer
Handelskriege vermeiden, die das wirtschaftliche Unglück in den dreißiger Jahren nur noch verstärkten. Wir werden die nationalen Wirtschaftsprobleme

nur

noch verstärken, wenn wir versuchen, sie auf Kosten des Gesamtrahmens der
internationalen Wirtschaftszusammenarbeit zu lösen.
Demokratie:

über die militärischen, geopolitischen und wirtschaftlichen

Zielsetzungen hinaus betrifft das wichtigste gemeinsame Projekt, das wir in
die Wege leiten können, vielleicht unsere wichtigsten Werte. Europa und
Amerika müssen ihre Überzeugung zum Ausdruck bringen, daß die Demokratie und
nicht die marxistisch-leninistische oder rechtsextreme Diktatur die Sache der
Zukunft ist, und müssen anfangen, konkrete Schritte zu unternehmen, um ihr
Wachstum zu unterstützen. Wir sollten und braucheh nicht hinzunehmen, daß
- 13 -

�hinzunehmen, daß ein Land für immer verToren ist, wenn es kommunistisch geworden ist,oder daß rechte Regime nicht verändert werden können.
- Die Anziehungskraft des Marxismus-Leninismus wird um so geringer, je
länger eine Regierung versucht, ihn zum Funktionieren zu bringen.
- Es gibt zahlreiche Beispiele eines erfolgreichen Übergangs von rechtsgerichteten Diktaturen zur Demokratie, sogar inmitten von Gewalt - wie in
Venezuela und Kolumbien.

Wir müssen vor allem endlich damit aufhören, in

Verlegenheit zu geraten, wenn wir über Freiheit, Demokratie und Freiheit
des Einzelmenschen sprechen.
eine Sache, ein Ideal

Wir müssen die jüngere Generation um ein Ziel,

scharen. Was könnte ein besseres Projekt sein, als

konkrete Maßnahmen zu erarbeiten, um dabei zu helfen, daß demokratische Gewerkschaften, Parteien, Zeitungen und Jugendgruppen in kommunistischen genauso
wie in nicht-kommunistischen Ländern in Erscheinung treten.

Schlußfolgerung
Ein Lieblingszitat Achesons war die Bemerkung von General Marshall:
"Bekämpfen Sie das Problem nicht, meine Herren, lösen Sie es!" Die westliche
Zivilisation sollte nie ihre Fähigkeit zur Reflektion, zur Debatte und zur
Selbstkritik verlieren. Aber wir müssen dies im Zusammenhang mit der Notwendigkeit für eine anhaltende Offensive tun, unsere Ideale und unsere Interessen
zu fördern. Psychoanalyse ist kein Ersatz für Politik. Beschäftigung mit unseren Meinungsverschiedenheiten ist keine Alternative zur Erkenntnis der Bedrohungen, vor denen wir stehen, und der Notwendigkeit, in einer Welt des
Wettbewerbs in diesen Wettbewerb einzutreten. Strategische Naivität, moralischer Agnostizismus und politische Paralyse sind ein Rezept für die Katastrophe. Die Völker und die Regierungen Europas und der Vereinigten Staaten schulden es der Zivilisation, die wir ererbt haben, mit der Aufgabe der
Schaffung einer friedlicheren, wohlhabenderen und demokratischeren Welt fortzufahren.

+ + + + +
- 14 -

�18

5. Mai 1982

NACH ZURÜCKWEISUNG DES AMERIKANISCHEN FALKLANDPLANS:
KEINE US-HILFE FÜR ARGENTINIEN
- Von unserem Korrespondenten Russell E. Dybvik -

WASHINGTON - (AD) - Nach Ablehnung des amerikanischen Kompromißvorschlags für eine friedliche Lösung des Falkland-Konflikts mit Großbritannien
durch die argentinische Regierung haben die Vereinigten Staaten am 30. April
1982 ihre Hilfe an Argentinien in vier Bereichen eingestellt.
Diese Maßnahme wurde von Außenminister Haig nur wenige Stunden nach der
Errichtung einer totalen Blockade der Falkland^-Inseln durch Großbritannien und
weniger als zwei Tage nach Erhalt einer schriftlichen Note Argentiniens verkündet, die von einem hohen amerikanischen Regierungsvertreter als "eine
sehr, sehr eindeutige Zurückweisung"des amerikanischen Vorschlags bezeichnet
wurde.
Gleichzeitig erklärte Haig, Präsident Reagan habe angeordnet, daß die
Vereinigten Staaten "positiv auf Ersuchen nach materieller Unterstützung für
die britischen Streitkräfte reagieren" sollen.
Sowohl der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Sowohl der Präsident als auch der Außenminister stellten klar, daß es
keinerlei direktes amerikanisches Eingreifen in dieser Krise geben wird.
"Die südatlantische Krise ist im Begriff, in eine neue und gefährliche
Phase einzutreten, bei der militärische Maßnahmen in größerem Umfang möglich
sind," erklärte Haig in einer formellen, vom Fernsehen übertragenen Erklärung.
"Die amerikanische Politik wird auch weiterhin geleitet sein von unserer
Sorge um die Herrschaft des Gesetzes und von unserem Wunsch, eine baldige und
gerechte Lösung zu ermöglichen. Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin
bereit, den Parteien bei der Suche nach einer solchen Lösung behilflich zu
sein.

Eine rein militärische Lösung kann auf Dauer keinen Bestand haben."
Im Gespräch mit einer Gruppe von Redakteuren aus dem Mittleren Westen

der Vereinigten Staaten im Weißen Haus erklärte Präsident Reagan:

"Wir he-

gen noch immer die Hoffnung, daß eine diplomatische Lösung erreicht wird,
bevor es zu einem militärischen Einsatz kommt."
Er unterstrich, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht stehende getan hätten, um eine solche Lösung möglich zu machen, und fügte hinzu:

"Noch gibt es bei den Vereinten Nationen Gespräche.

Keine Seite wünscht

Gewaltanwendung."
Hinsichtlich der materiellen Unterstützung für Großbritannien, die Haig
erwähnte, stellte der Präsident fest, daß jegliches Material gemäß den bereits bestehenden bilateralen Abkommen und Verträgen gestellt werden würde.
In seiner vorbereiteten Erklärung erläuterte Haig, was die Vereinigten
Staaten bisher in der Krise getan haben, gab die Gründe dafür an und umriß
auch, was nunmehr ihre Aufgabe sei. Die Vereinigten Staaten, so sagte Haig,
hätten "eine entschlossene Anstrengung" unternommen, um den Frieden durch
Verwirklichung der Resolution 502 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen

- 2 -

�Vereinten Nationen wiederherzustellen, die eine Beendigung der Feindseligkeiten, den Rückzug der argentinischen Streitkräfte von den Falkland-Inseln
und eine diplomatische Lösung des Streites fordert.

Auf Reagans Anweisung hin hatte Haig "viele Tage der intensiven Diskussion mit den Parteien.

Als die Aussichten auf noch stärkere Feindseligkeiten

wuchsen, unterbreiteten wir einen amerikanischen Vorschlag, der unserer Einschätzung nach das enthielt, was von den beiden Parteien vernünftigerweise
akzeptiert werden konnte..."

Haig nannte ihn "einen fairen und soliden Vor-

schlag, der eine Beendigung der Feindseligkeiten, einen Rückzug sowohl der
argentinischen als auch der britischen Streitkräfte, eine Aufhebung der Sanktionen, die Errichtung einer Interimsverwaltung durch die Vereinigten Staaten,
Großbritannien und Argentinien zur Einhaltung der Vereinbarungen, eine Fortführung der bisherigen lokalen Verwaltung der Inseln mit argentinischer Beteiligung, Verfahren zur Ermutigung der Zusammenarbeit bei der Entwicklung
der Falkland-Inseln und einen Verhandlungsrahmen für eine abschließende Einigung enthielt, der die Interessen der beiden Seiten und die Wünsche der
Inselbewohner selbst mit in Rechnung stellen sollte.

Haig stellte fest, die Vereinigten Staaten hatten "Grund zur Hoffnung,
daß das Vereinigte Königreich eine Beilegung im Sinne unseres Vorschlags erwägen würde."

Jedoch "informierte uns Argentinien gestern darüber, daß es

ihn nicht akzeptieren könne."

Zentrales Problem war Haig zufolge das argentinische Bestehen darauf,
daß es "jetzt eine Zusicherung hinsichtlich der letztlichen Souveränität oder
aber eine sofortige de facto-Rolle bei der Beherrschung der Inseln erhalten
müsse, die zur Souveränität führen würde."

Angesichts des Unvermögens Argentiniens, dem Kompromiß zuzustimmen, so
führte Haig weiter aus, "müssen wir konkrete Maßnahmen ergreifen, um zu unterstreichen, daß die Vereinigten Staaten die Anwendung ungesetzlicher Gewalt
zur Lösung von Streitigkeiten nicht gutheißen können und nicht gutheißen
werden."
Als Folge

�Als Folge hiervon habe Präsident Reagan folgendes angeordnet:
- die Aussetzung aller militärischen Exporte nach Argentinien;
- die Zurückhaltung der Anerkennung des argentinischen Anspruchs auf
Militärkäufe;
- die Aussetzung neuer Export-Import-Bankkredite und -garantien; und
- die Suspendierung von Handelsb'ürgschaften.
Später erklärte das Außenministerium, daß die Aussetzung der Export-Import-Bankkredite nicht auch die derzeitigen Darlehen an Argentinien betreffen wird, die am 31. März 1982 insgesamt 1 Milliarde Dollar betrugen.
t

Die Suspendierung der Handelsbürgschaften betrifft vorgesehene Weichholzimporte im Wert von etwa zwei Millionen Dollar im laufenden Haushaltsjahr.
Die Aussetzung der militärischen Exporte würde Güter im Werte von rund 5,9
Millionen Dollar betreffen.

- 4 -

�18

5. Mai 1982

SOWJETISCHES VERHALTEN SCHÄDLICH FÜR RÜSTUNGSKONTROLLE UND ABROSTUNG
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -

WASHINGTON - (AD) - Die Reagan-Administration sieht in der Besorgnis der
amerikanischen und westeuropäischen Öffentlichkeit hinsichtlich der Kernwaffen,
der Rüstungskontrolle und der Abrüstung eine gesunde und begründete Entwicklung,
Dies wurde soeben auch von Präsident Reagan selbst bestätigt, der in
Kürze der Sowjetunion einen Terminvorschlag für den Beginn der Gespräche über
eine Verringerung der strategischen Waffen (START-Gespräche) unterbreiten wird.
Reagan erklärte: "Ich weiß, daß es sehr viele Menschen gibt, die auf den unvorstellbaren Schrecken eines Atomkriegs hinweisen. Ich teile diese Sorge."
Die START-Gespräche werden, genau wie der Beginn der amerikanischsowjetischen Verhandlungen über die Nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa
(INF-Systeme), eine überaus bedeutsame Entwicklung darstellen. Washington und
seine Verbündeten hatten seit 1979 versucht, Moskau dazu zu bringen, in die
INF-Gespräche einzutreten; doch die Sowjetunion fuhr mit der Dislozierung von
Atomraketen fort, die auf Westeuropa gerichtet sind.
Lang bevor

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Lang bevor die Vereinigten Staaten die START-Initiative ergriffen, stellten
sie die sowjetische Bereitschaft auf die Probe, in verschiedenen Bereichen der
Rüstungskontrolle und der Abrüstung zu konkreten Ergebnissen zu gelangen. Sie
taten dies auf der Madrider Folgekonferenz der Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (KSZE), beim Genfer Abrüstungsausschuß und bei den
Wiener Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
in Mitteleuropa (MBFR).
Außenminister Haig erklärte in einer grundlegenden Rede am 27. April, daß
der Fortschritt in all diesen RüstungskontroiIbereichen zutiefst von dem sowjetischen Verhalten und dem Klima der Ost-West-Beziehungen beeinflußt werde. Er
sagte dies angesichts der Tatsache, daß Polen noch immer unter dem Kriegsrecht
leidet und die Afghanen von den sowjetischen Besatzungstruppen unterdrückt werden.
Wie sieht es in den verschiedenen Bereichen der Abrüstungsgespräche aus?
Die KSZE-Konferenz war für die Vereinigten Staaten eine Enttäuschung, bei
den MBFR-Verhandlungen gab es kaum einen Fortschritt und auf den Sitzungen des
Abrüstungsausschusses nur geringen Erfolg bei Fragen der Verifizierbarkeit.
KSZE: Nach sechzehnmonatigen Verhandlungen vertagte sich die von 35 Staaten
beschickte Konferenz, die die Einhaltung der Helsinki-Schlußakte überprüfen
sollte, am 12. März mit einer nüchternen Verlautbarung aufgrund der PattSituation, zu der es durch die polnische Krise gekommen war.
Westliche Delegierte vertraten die Ansicht, daß es wenig Aussicht auf
konkrete Verhandlungen über ein Abschlußdokument geben werde, wenn die Konferenz
im November weitergeht, solange es keine deutliche Verbesserung des internationalen Klimas gibt. Gemäß dem ursprünglichen Terminplan

hätte das Madrider

Treffen schon vor einem Jahr ein Dokument erarbeitet haben sollen, das die
Grundsätze von Helsinki bekräftigt und verbreitert.
Die Delegierten

�Die Delegierten verließen Madrid in deutlicher Meinungsverschiedenheit
zwischen Ost und West hinsichtlich eines Mandats, durch das eine europäische
Abrüstungskonferenz nach Madrid einberufen werden könnte.
Ein westlicher Vorschlag, von Frankreich 1980 erstmals unterbreitet, sah
vor, daß das erste Thema, das auf dieser Abrüstungskonferenz behandelt werden
sollte, vertrauensbildende Maßnahmen sein müßten, einschließlich der Verpflichtung
eines jeden Landes, im voraus verifizierbare Informationen über alle in Europa
geplanten Truppenmanöver, so auch im

gesamten europäischen Bereich

der

Sowjetunion,zu geben.
Dies hätte die Vereinbarungen von Helsinki aus dem Jahr 1975 gestärkt, die
eine solche vorherige Benachrichtigung fordern - dies jedoch auf freiwilliger
Grundlage und nur für Westeuropa und einen schmalen Streifen sowjetischen Gebietes.
Moskau reagierte hierauf jedoch mit einem Vorschlag, von dem viele westliche
Delegierte den Eindruck hatten, es sei damit beabsichtigt, ein Mandat für eine
europäische Abrüstungskonferenz zu sabotieren und dadurch ein Dokument zu vermeiden, das die vertrauensbildenen Maßnahmen bis hin zum Ural ausgeweitet hätte.
Moskau schlug vor, daß auch ausgedehnte Gebiete des atlantischen Luft- und
Seeraums und von nichteuropäischen Ländern, wie etwa den Vereinigten Staaten,
einbezogen werden sollten. Westliche Vertreter erklärten diesen Vorschlag als
unannehmbar.
Bei der Vertagung des Madrider Treffens erklärte der amerikanische Chefdelegierte Max Kampelman: "Sollte es zu der bedauerlichen Situation kommen, daß
wir kein Abkommen zustandebringen können, wenn wir im Herbst wieder zusammentreffen, so wird es für unsere Unfähigkeit nur eine Erklärung geben. ... Schuld
wäre der anhaltende Einsatz der Militärmacht der Sowjetunion zur Unterdrückung
ihrer Nachbarn - direkt, wie in Afghanistan, und durch offenkundigen Druck,...
wie dies die Methode war, als man die Wünsche des polnischen Volkes nach
größerer Freiheit und mehr Würde unterdrückte."
MBFR: Die

�MBFR: Die Reagan-Administration wünscht eine Fortsetzung der Gespräche
über beiderseitige Truppenverminderungen in Mitteleuropa und wird versuchen,
sie trotz des Fehlens eines konkreten Fortschritts auf diesem Forum seit acht
Jahren wiederzubeleben.
Der Warschauer Pakt hat sich geweigert, detaillierte Informationen über
seine Truppen zur Verfügung zu stellen, die notwendig sind, um die Frage nach
der Truppenstärke zu beantworten.
Die westlichen Länder argumentieren, daß die NATO und der Warschauer Pakt
sich bei der Datenfrage hinsichtlich der Streitkräfte beider Seiten einigen
müssen, damit ein Ausgangspunkt für Verminderungen bestimmt werden kann. Der
Westen ist weiterhin der Ansicht, daß ohne Einigkeit bei der Datenfrage ein
Abkommen unmöglich ist, bei dem es um Truppenverminderungen und -begrenzungen
geht.
Der Westen ist der Meinung, daß es in Mitteleuropa auf östlicher Seite rund
200 000 Soldaten mehr gibt, als diese

eingesteht.

Die MBFR-Verhandlungen sind derzeit vertagt, und der Warschauer Pakt hat
erklärt, er wolle einen westlichen Vorschlag überdenken, demzufolge die bislang
in den 26 Gesprächsrunden erzielten Ergebnisse zusammengestellt werden sollen.
Der Westen hält diesen Vorschlag für wichtig, weil beide Seiten damit zum
ersten Mal gemeinsam eine schriftliche Zusammenstellung ihrer Positionen vorbereiten würden, die dabei helfen könnte, Obereinstimmung und Meinungsverschiedenheiten zu klären.
In seiner Rede über Rüstungskontrolle am 18. November 1981 erklärte
Präsident Reagan, es sei grundlegende amerikanische Politik, bei den konventionellen Streitkräften in Europa Gleichheit auf niedrigerem Niveau zu erreichen.
Der Abrüstungsausschuß - der in Genf

tätige und von 40 Staaten beschickte

Ausschuß - hat sich im April vertagt und wird im Juli für den zweiten Teil

- 4 -

�zweiten Teil seiner Sitzungsperiode des Jahres 1982 wieder zusammenkommen. Im
Verlauf der Debatten des Ausschusses erklärte die amerikanische Delegation, daß
die ständige Zunahme der sowjetischen Waffen sowie die zunehmend aggressive
Politik der Sowjetunion die Grundlage für Rüstungskontroll Verhandlungen negativ
beeinflußt.
Allerdings wurden die Vereinigten Staaten dadurch ermutigt, daß es zu
einem Einverständnis darüber kam, eine Arbeitsgruppe über Verifizierung und
Einhaltung eines möglichen umfassenden Abkommens über ein Verbot von Atomversuchen (CTB) zu bilden.
CTB-Verifizierung und -Einhaltung sind wesentliche Fragen der Rüstungskontrolle, weil sie auf alle anderen Rüstungskontroi.labkommen angewendet werden
könnten.
Man hofft nun, daß diese Arbeitsgruppe den Kern der Verifizierungs- und
Einhaltungsproblematik angehen wird, wenn der Abrüstungsausschuß seine Arbeit
im Juli wieder aufnimmt.
Eugene Rostow, der Direktor der amerikanischen Behörde für Rüstungskontrolle
und Abrüstung,erklärte hierzu vor dem Senat im vergangenen Jahr: "Angesichts
der Bedeutung der Verifizierbarkeit für den Erfolg der ganzen Rüstungskontrolle
könnte die sowjetische Bereitschaft, kooperative Maßnahmen zur Verbesserung
der Verifizierbarkeit spezifischer Begrenzungen in Erwägung zu ziehen, ein
Lackmustest ihrer Verpflichtung zu ernsthaften Begrenzungen sein."
+++++

- 5 -

�18

5. Mai 1982

WAS EIN ÜBERLEBENDER VON HIROSHIMA VON DER ABROSTUNG HÄLT
Von Shinkichi Eto

Professor Shinkichi Eto lehrt
Internationale Beziehungen an der
Universität von Tokio. Der nachfolgende Artikel erschien in der Sankei
Shimbun; Nachdruck mit freundlicher
Genehmigung des Wall Street Journal.
Copyright (c) Dow Jones and Company, Inc. 1982

Aus meinen Erfahrungen als Opfer einer Atombombe erweckt der 15. August
eines jeden Jahres schmerzliche Erinnerungen in mir. Auf der anderen Seite habe
ich eine negative Einstellung zu der Anti-Atombewegung, und dieser Zwiespalt
quält mich. Manchmal wird dieser Zwiespalt so stark, daß ich mich am liebsten
dem pazifistischen Lager anschließen möchte, um inneren Frieden zu finden.
Aber seit über 30 Jahren habe ich mir immer wieder gesagt, daß ein Mensch,
der von Berufs wegen internationale Angelegenheiten analysiert, versuchen muß,
objektiv zu sein. Diese Überzeugung hat meine schwankende Haltung wieder ge-

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Telex: 08-85432

�wieder gefestigt und mich veranlaßt, den Realitäten der Welt ins Auge zu
sehen. Gelöst habe ich das Dilemma allerdings noch nicht.
Im August 1945 war ich als Soldat in Hiroshima stationiert, nachdem ich
zum Heer eingezogen worden war. Unsere Unterkunft war die Höhere Handelsschule
Matsumoto nördlich des Bahnhofs. Als am 6. August die Bombe fiel, war ich im Gebäude und bin nicht verbrannt. Ich war zwar unter den Trümmern begraben und erstickte fast, aber ich kam mit ein paar Kratzern davon.
Als die Brände nachließen, gingen wir in das Explosionsgebiet, um den
Schutt wegzuräumen. Wir arbeiteten mehrere Tage lang in der Nähe der Explosionsstelle und ich war der Sekundärstrahlung ausgesetzt.
Ich hatte keine Kraft mehr und fühlte mich ständig erschöpft, und mein
Haar begann auszufallen. Der Haarausfall ließ nach einem Monat nach, aber ich
litt 15 Jahre lang unter Leukämie. Ich fragte mich lange, ob ich nicht eine Bescheinigung als Atombombengeschädigter beantragen sollte, um kostenlose medizinische Behandlung zu erhalten. Aber ich hielt meinen Zustand nicht für ernst
genug, um das zu rechtfertigen.
Ich war in einer Fernmeldeeinheit und wir hörten jeden Abend die amerikanischen Soldatensender ab. Wir erfuhren am 12. August, daß Japan der Kapitulation zugestimmt habe, also schon drei Tage vor der amtlichen Bekanntgabe. Der
kommandierende Offizier unserer Einheit war ein Reservist, der an der Kaiserlichen Universität von Tokio Wirtschaftswissenschaft studiert hatte. Als ich ihm
die obige Information mitteilte, war seine einzige Reaktion ein niedergeschlagenes
"So so .sagen Sie das niemandem".
Meine Erleichterung, daß es keine Luftangriffe mehr gab und ich den Krieg
überlebt hatte, wurde durch die Verzweiflung aufgewogen, wie wir als geschlagene Nation weiterleben könnten. Ich arbeitete jeden Tag in der starken Hitze,
um Leichen zu bergen. Am Abend war ich erschöpft, aber ich konnte nicht schlafen. Ich war zu aufgewühlt und warf mich die ganze Nacht auf meinem Bett herum
und oft liefen mir die Tränen das Gesicht herunter.

Als der

�Als der 15. August anbrach, war jeder Mann verzweifelt über die Niederlage Japans und einige Offiziere wollten den Krieg fortsetzen. Aber bald wollten alle Soldaten, vor allem jene mit Frau und Kindern, sobald wie möglich
nach Hause zurückkehren. Einige der Offiziere und Unteroffiziere versuchten,
sich mit den Versorgungsgütern der Einheit davonzumachen. Ich war entsetzt,
wie rasch disziplinierte Männer zu Dieben werden konnten.
Meine Erinnerungen an jene Zeiten sind noch immer schmerzlich. Ich möchte
daher hinter niemandem zurückstehen in meinem Haß des Krieges und meinem Wunsch
nach Frieden. Und doch unterscheide ich mich von einigen der anderen Pazifisten
der Welt.
Als die Bewegung zur Ächtung der Atom- und Wasserstoffbomben im Jahr 1953
begann, hoffte ich, daß sie die böse Entwicklung zu einer nuklearen Katastrophe
ändern könnte und ich tat das meinige dazu. Aber die ehrliche Opposition der
Bevölkerung gegen die Bombe wurde zu einem politischen Spielball, als die
Kommunisten und die Sozialisten miteinander rivalisierende Antiatombombengruppen ins Leben riefen. Sie verbrachten mehr Zeit damit, einander zu bekämpfen, als gegen Kernwaffenversuche und Kernwaffen zu Felde zu ziehen. Das
brachte meine Abkehr von den Massenbewegungen. Seither habe ich mich für keine
mehr engagiert und ich habe nicht einmal mehr Appelle unterzeichnet.
Die Friedensbewegung und die Friedensforscher in Japan messen mit zweierlei Maß: Sie sind gegenüber den "progressiven" - d.h. sozialistischen Ländern - tolerant und gegenüber den "reaktionären" - d.h. westlichen - Ländern
sehr kritisch. Nach meiner Überzeugung ruhen unsere Hoffnungen noch immer auf
den Vereinigten Staaten, wo die politische Macht durch die öffentliche Meinung beeinflußt werden kann. In einem totalitären Land ist, sobald einige
wenige Führer über eine Politik entschieden haben, diese unwiderruflich gleichgültig, was die öffentliche Meinung im eigenen Lande oder eine internationale Opposition davon halten. Realistische Pläne für Rüstungskontrolle
und nukleare Abrüstung müssen das in Rechnung stellen.
Je mehr mächtige Massenbewegungen die Abschaffung der Kernwaffen verlangen,
- 3 -

�Kernwaffen verlangen, desto mehr Einfluß haben sie auf die amerikanische Regierung, aber nicht auf die Sowjetunion. Das könnte die Vereinigten Staaten fesseln,
während die Russen ohne Scheu ihre nuklearen Arsenale weiter ausbauen. Selbst
wenn es nicht zu einer solch extremen Situation kommt, so gibt die Rücksichtslosigkeit des Kreml gegenüber der öffentlichen Meinung diesem einen Vorteil.
Ich habe an mehreren internationalen Konferenzen mit russischen Wissenschaftlern teilgenommen, die immer der Friedensforschung ein hohes Lob singen und sich
für Abrüstung aussprechen. Aber sind sie auch gegenüber der Rüstungspolitik ihrer
eigenen Regierung kritisch? Kein einziger war es, ihre Auffassungen stehen in
völligem Einklang mit den Richtlinien der amtlichen Politik Moskaus. Diese Reglementierung in totalitären Ländern macht diese zu beängstigenden Gegnern.
Forscher in der freien Welt können anderer Meinung sein als ihre Regierungen und sie analysieren die amtliche Politik und die amtlichen Maßnahmen kritisch. Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Die Friedensforschung ist von großem Wert und sie wird immer mehr Wissenschaftler anziehen. Wenn es ihnen gelingt, die Verteidigungspolitiken der Regierungen der freien Welt zu beeinflussen, dann sollten diese Aktivisten nicht vergessen, daß es für die Russen keine Einschränkungen gibt.

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