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Dokumentation

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?3

1. Dezember 1976

Inhalt

INFORMATION
Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studienjahr 1977/78

HINTERGRUNDMATERIAL
Jody Powell - Der künftige Pressesekretär des Weißen Hauses
Die Präsidentschaftswahlen 1976: Eine Analyse
Von Dr. George Gal1up
Direktor des Amerikanischen Instituts für Meinungsforschung
(The Gallup Pol 1)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Blaualgen machen der I n d u s t r i e Konkurrenz
Stickstoffdünger und F u t t e r m i t t e l aus der Kläranlage

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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23/1976

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IM STUDIENJAHR 1977/76

Für das Studienjahr 1977/78 schreibt die Fulbright-Kommission eine beschränkte Zahl von Reisestipendien aus; Anträge werden in der Zeit vom 1.
Dezember 1976 bis 15. Januar 1977 angenommen.

Voraussetzungen sind u.a.,

daß die Bewerber einen Studienaufenthalt von einem akademischen Jahr als
ordentliche Studierende planen, daß die Aufenthaltsfinanzierung anderweitig
geplant ist und daß die Bewerber zum Zeitpunkt der Abreise (September 1977)
mindestens 4 Hochschulsemester, davon mindestens 2 an einer deutschen Hochschule studiert haben.

Bewerbungsformulare für Fulbright-Reisestipendien

werden direkt bei der Fulbright-Kommission, Theaterplatz la, 5300 Bonn-Bad
Godesberg angefordert.

Vorläufige Anträge sollten innerhalb der Bewerbungs-

frist auch dann eingereicht werden, wenn Einzelheiten über das Amerika-Studium noch nicht bekannt sind.

Vollstipendien zum Studium in den USA können

für 1977/78 nicht mehr beantragt werden.
Weitere Auskünfte erteilen die Akademischen Auslandsämter der deutschen
Hochschulen sowie die Fulbright-Kommission selbst.

+ +++ +

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23/1976

JODY POWELL - DER KÜNFTIGE PRESSESEKRETÄR DES WEISSEN HAUSES

WASHINGTON - (AD) - Zum künftigen Pressesekretär des Weißen Hauses hat
der neugewählte amerikanische Präsident Jimmy Carter den 33jährigen Jody
Powell, einen seiner langjährigen und bewährtesten politischen Mitarbeiter,
ernannt. Von Powell, den viele als das "zweite Ich" des künftigen Präsidenten ansehen, hat Carter einmal gesagt, daß ihn wohl niemand - mit Ausnahme
seiner Frau - besser kenne als er.
Die Parallelen zwischen beiden Männern sind weitreichend und ausgeprägt.
Beide wurden in dem gleichen südwestlichen Gebiet des Staates Georgia geboren
- Powell in Cordele, das rund 50 Kilometer östlich von Plains, dem Geburtsort
Carters,liegt. Beide wuchsen als Söhne von Farmern in engem Kontakt mit Land
und Leuten auf. Beide haben sich - wenn auch im altersmäßigen Abstand einer
Generation (Powell wurde im gleichen Jahr geboren, in dem Carter in die Marineakademie eintrat) - mit vollem Einsatz der politischen Praxis zugewandt,und
außer Hamilton Jordan - dem Wahlkampfmanager Carters - hat wohl niemand dem
künftigen amerikanischen Präsidenten länger und treuer gedient als Jody Powell.
Seit 1970, als er sich freiwillig für Carters Wahlkampagne um den Gouverneursposten in Georgia zur Verfügung stellte, war Powell der ständige und für
viele Monate der einzige politische Berater und enge Mitarbeiter Carters in
den Anfangsphasen sowohl des Wahlkampfes um den Posten des Gouverneurs &amp;]s_
- 1 -

I

�als auch bei der Präsidentschaftswahl.

In dieser Eigenschaft wurde er zugleich

zum Berater und Sprecher Carters, und diese Stellung gedenkt er auch nicht aufzugeben, wenn er ins Weiße Haus zieht.
Man darf wohl erwarten, daß er wegen dieses direkten Zugangs zum Präsidenten und seiner Beraterrolle dem Amt des Pressesekretärs des Präsidenten ein anderes Siegel aufprägen wird als seine Vorgänger.
Carter und Powell begegneten sich zum erstenmal im Jahre 1966, als Carter,
der sich damals zum erstenmal (erfolglos) um den Posten des Gouverneurs bewarb,
sich händeschüttelnd durch eine Menschenmenge in einem Geschäftsviertel einer
Stadtiim Süden von Georgia hindurcharbeitete und mit den Worten: "Hallo, ich
bin Jimmy Carter und bewerbe mich um das Amt des Gouverneurs!" auch die Hand
eines jungen Mannes ergriff.

Dieser Mann war Jody Powell.

Der damals 23jährige, der soeben sein Bakkalaureat für politische Wissenschaften an der Staatsuniversität Georgia erworben hatte und jungverheiratet
bei einer Versicherungsgesellschaft in Atlanta Geld verdiente, um zugleich an
seiner Doktorarbeit weiterarbeiten zu können, hatte nur wenig Zeit für die politische Praxis.
Vier Jahre später jedoch, als Carter 1970 erneut für den Gouverneursposten
kandidierte, schloß sich Powell der Wahlkampagne an und zwar als Chauffeur
Carters. Zusammen fuiren sie kreuz und quer über die großen und kleinen Straßen
des Landes.
Oft war Powell der einzige Pressesprecher, den Carter hatte, und als er
im November die Gouverneurswahl gewann, machte er ihn zu seinem Pressesekretär.
Diese Funktion hat Powell seither ständig ausgeübt,auch als es mit Beginn der
Präsidentschaftskampagne 1975 nach Beendigung der Amtszeit Carters als Gouverneur wieder hieß, die langen einsamen Zwei-Mann-Wahlreisen anzutreten.
Aber

�Aber nach den ersten Vorwahlsiegen kam der Wahl kämpf Carters mächtig
in Schwung,und Powell stand plötzlich im Rampenlicht der Nation.

Die ihn

kennen, sagten, daß ihn dies ganz und gar nicht verändert habe.

Er blieb

sich gleich in seinem meist etwas zerknautschten Anzug und seinem freimütigen
und offenen Ausdruck - immer bestrebt, ein gutes Verhältnis zur Presse zu
unterhalten.

Im Gegensatz zu Carter, der nicht trinkt, nicht raucht und früh

zu Bett geht, liebt es sein Pressesprecher,kettenrauchend den Arbeitstag bei
einem Glas Bier oder Whisky im Gespräch mit Journalisten oder Freunden bis in
die späte Nacht oder frühen Morgenstunden auszudehnen.
Obwohl stets Realist - als im Juli die Woge des Erfolgs in der Präsidentschaftskampagne Carters ihren Höhepunkt erreicht hatte, sagte er: "Was auch
immer zwischen heute und September geschieht, unser Vorsprung wird wahrscheinlich zurückgehen,und wir werden im Oktober sicherlich einen wirklichen Kampf
zu kämpfen haben" - eine Vorhersage, die sich bewahrheitete - so hat Powell dennoch mit der Möglichkeit seiner jetzigen Stellung durchaus seit langem gerechnet. "Wenn ich jemals zum Pressesekretär des Weißen Hauses ernannt werden
sollte", so sagte er nach der Nominierung Carters auf dem Parteikonvent der Demokraten im Juli, "dann würde ich mich für eine offenere Regierung und mehr Zugang zum Präsidenten einsetzen, und ich würde niemals lügen."
Joseph Lester Powell Jr. (der wie sein Chef den formellen Namen nicht
liebt und für alle als "Jody" bekannt ist) wurde am 30. September 1943 geboren
und wuchs in dem kleinen Städtchen Vienna auf.

Seine Mutter, die als Lehrerin

für politische Wissenschaften an einer Oberschule unterrichtet, weckte in ihm
frühzeitig das Interesse an der Politik und die Liebe zur Literatur.
Im Jahre 1961 wurde Powell als Kadett in die amerikanische LuftwaffenAkademie aufgenommen. Drei Jahre später, als Fähnrich, wurde er entlassen,
weil er bei einem Examen in Geschichte gegen den Ehrenkodex verstoßen hatte.
"Während einer Pause las ich in einem Notizbuch nach," so berichtete er später
darüber. "Sie fragten mich, ob ich es getan hätte. Ich sagte, 'Ja'. Sie
schickten mich nach Hause".
Als

�Als er sich Carter anschloß, der selbst die Marineakademie absolviert
hatte, berichtete er ihm als erstes über diesen Vorfall.

"Er sagte zu mir,

das sei vorbei,und ich sollte es vergessen", so erinnerte sich Powell später.
Nach dem Vorfall auf der Akademie zog Powell nach Atlanta und widmete
sich ganz seinen Studien in politischer Wissenschaft, seiner Familie und der
Karriere Carters.
"Ich arbeite mit der Presse," so sagte Powell nach seiner Ernennung zum
künftigen Pressesprecher des Weißen Hauses, "aber ich werde für den Präsidenten
arbeiten und meine Loyalität gehört ihm - solange er sich so verhält, wie er
sich von der Zeit an verhalten hat, da ich seiner zum erstenmal gewahr wurde."

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23/1976

DIE PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN 1976: EINE ANALYSE
Von Dr. George Gallup
Direktor des Amerikanischen Instituts für Meinungsforschung
(The Gallup Pol 1)

Der bekannte amerikanische Meinungsforscher
und Gründer des Gallup-Instituts, Dr. George
Gallup, hat in einem Exklusivartikel für
das amerikanische Informationsamt (USIA) die
Präsidentschaftswahlen 1976 analysiert. Der
nachfolgende Artikel gibt seine persönliche
Meinung wieder.

Die Präsidentschaftswahlen 1976 endeten mit einem der knappsten Siege in
diesem Jahrhundert. Aber es hätte auch ein Erdrutschsieg für Jimmy Carter werden können.
Bei jeder Präsidentschaftswahl kommt bei der Entscheidung der Wähler eine
Vielfalt von Einflüssen zum Tragen. Sucht man aber nach den Hauptgründen, die
den Sieg Carters erklären, so sind es vor allem zwei: die Wirtschaft sowie der
Stolz und das Selbstbewußtsein der Südstaaten.
Die Frage des Geldbeutels ist in der amerikanischen Politik immer ein sehr
empfindlicher Punkt gewesen.

Der Partei, die im Weißen Haus sitzt, werden alle
- 1 -

�T

alle wirtschaftlichen Mißstände angelastet - Inflation, Arbeitslosigkeit,
schlechte Geschäftslage - ohne Berücksichtigung der besonderen Umstände oder
ihrer Bemühungen um die Förderung der

Prosperität.

In gleicher Weise aber

erkennt man der Partei, die an der Macht ist, auch das Verdienst für "gute
Zeiten" zu - ob dies nun gerechtfertigt ist oder nicht.
Seit der großen Depression in den dreißiger Jahren verbindet sich in den
Vorstellungen vieler Wähler die Partei der Demokraten mit Prosperität, dagegen
die der Republikaner mit Rezession und Depression.
Obgleich Präsident Ford auf eine bemerkenswerte Aufwärtsentwicklung in der
Wirtschaft seit seinem Amtsantritt hinweisen konnte, war die in den letzten
Wochen des Wahlkampfs wieder deutlich hervortretende Abschwächungstendenz in
der Wirtschaft für viele Wähler Anlaß zur Besorgnis.

In der Zeit zwischen

Jahresbeginn und Oktober stieg die Prozentzahl der Erwachsenen, die hohe Lebenshaltungskosten oder Arbeitslosigkeit als die Probleme von höchster Priorität für die Nation bezeichneten, von 62 Prozent auf 78 Prozent, wie eine Wählerumfrage im Oktober zeigte.
Bei einem Drittel der Beschäftigten in den USA bestand die Furcht, sie
könnten ihren Arbeitsplatz verlieren, bei der nicht-weißen Bevölkerung lag
diese Zahl mit 50 Prozent sogar noch höher - woraus sich zweifellos die überwältigende Zahl der schwarzen Wählerstimmen für Carter erklären läßt.
In der bisherigen Geschichte waren die beiden Hauptthemen jeder Präsidentschaftswahl der Friede und die Prosperität. Es mag daher überraschen, daß
bei dieser Wahl zum erstenmal seit 1936 die Außenpolitik kein Hauptthema während der Wahlkampagne war. Bei jeder anderen Präsidentschaftswahl während dieser vierzigjährigen Periode waren die Vereinigten Staaten entweder in einen
Krieg verwickelt oder versuchten, einen Krieg zu beenden, oder waren in Sorge,
in einen Krieg hineingezogen zu werden.

S£
- 2 -

�So wie die Demokraten seit den dreißiger Jahren in der Frage der Prosperität einen - wenn auch fragwürdigen - Vorteil genossen, so zogen die Republikaner in der gleichen Weise Nutzen aus der Frage von Krieg und Frieden, hauptsächlich aufgrund des geschichtlichen Zufalls und der Tatsache, daß in diesem
Jahrhundert immer dann Kriege ausbrachen, wenn ein Demokrat im Weißen Haus regierte.

Selbstbewußtsein und Stolz des Südens
Die 13 Südstaaten, die von den Tagen des Bürgerkriegs an in der Mehrzahl
für demokratische Präsidentschaftskandidaten gestimmt hatten, begannen in den
Wahlen des Jahres 1952 diese historische Position zu verlassen und waren bei
den Präsidentschaftswahlen des Jahres 1972 bis an das andere Ende des politischen Spektrums gelangt. In jenem Jahr konnte der republikanische Präsidentschaftskandidat, Richard Nixon, 71 Prozent der Wählerstimmen dieser Region auf
sich vereinigen, während der Kandidat der Demokraten, George McGovern, nur 29
Prozent erhielt. Nachdem der Süden die demokratischste Region der USA gewesen
war, war er nun zur republikanischsten geworden. Oder vielleicht sollte man
richtiger sagen: zur konservativsten.
Das Selbstbewußtsein des Südens war ein wichtiger Faktor bei der Veränderung dieser Situation bei den letzten Wahlen. Die Bevölkerung der Südstaaten
überwand ihre traditionell konservative Einstellung und stimmte für Jimmy Carter,
den ersten Politiker aus dem Süden, der seit Zachary Taylor im Jahre 1848 ins
Weiße Haus einziehen wird. Nur zwei der 13 Südstaaten, nämlich Virginia und
Oklahoma, stimmten für Präsident Ford. Carters Heimatstaat - Georgia - entschied sich mit überwältigender Mehrheit für ihn - zwei Drittel aller Stimmen
entfielen auf den Mann aus Plains. Zur gleichen Zeit konnte Ford in seinem
Heimatstaat nur mit knappem Vorsprung gewinnen.
Eine
- 3 -

�Eine Analyse der Wahlergebnisse dieses Jahres zeigt, daß in keinem anderen
Teil des Landes die Verschiebungen zwischen 1972 und 1976 so groß waren.

Vor

vier Jahren konnte Nixon den Süden mit insgesamt 71 Prozent auf seine Seite
bringen, Präsident Ford erhielt in diesem Jahr lediglich 45 Prozent - eine Verschiebung um 26 Punkte.

In den übrigen Teilen des Landes ergab sich nur eine

Verschiebung um 10 Prozent - von 60 Prozent für den Kandidaten der Republikaner
im Jahre 1972 auf 50 Prozent bei den diesjährigen Wahlen.

Zwei Wahlfeldzüge um die Präsidentschaft
Die meisten Wähler schätzen die Tatsache nicht allzu sehr, daß die Präsidentschaftskandidaten zwei völlig unterschiedliche Wahlfeldzüge durchführen
müssen, um ins Weiße Haus einzuziehen. Zunächst geht es einmal um die Nominierung durch die Partei, die üblicherweise nur erreicht werden kann, wenn der
Kandidat nach harten Monaten voller Reden und Reisen durch das ganze Land bekannt genug geworden ist, um die Vorwahlen zu gewinnen. Im Januar 1976 gaben
übrigens nur ganze vier Prozent der "üblichen"Demokraten Jimmy Carter den Vorzug.
Der zweite eigentliche Wahlfeldzug beginnt nach den jeweiligen Parteikonventen. Die Wählerschaft bei diesen beiden Wahlfeldzügen ist außerordentlich
unterschiedlich. Bei den Vorwahlen geben nur relativ wenige Personen ihre
Stimme ab, in einigen Staaten weniger als zehn Prozent aller Stimmberechtigten.
Diejenigen, die sich dieser Mühe unterziehen, sind meistens ältere, konservativere und mehr parteiorientierte Bürger.
Während der Zeit der Vorwahlen erschien Jimmy Carter als ein Kandidat, der
gegen Washington auftrat: bereit, gegen die ständig wachsende Bürokratie und
die dortigen Affairen etwas zu unternehmen.

Inmitten einer Menge von müden

Politikern, die auf altbekannte Mittel und Wege sowie auf Lösungen eingeschworen
waren, die unsere Probleme nicht beseitigen konnten, tauchte plötzlich ein neues
- 4 -

�neues Gesicht auf.

Carter war offen, aggressiv und religiös.

erster Linie die Konservativen an.

Er sprach in

Dabei hatte er solchen Erfolg, daß seine

Gegner, die unter einem liberalen Banner fochten, dieses Wort nicht mehr gebrauchen wollten und euphemistisch davon sprachen» "progressiv" zu sein.
Der zweite Wahlkampf beginnt nach dem Sieg auf dem Parteikonvent.
Demokrat muß dann eine neue Strategie einschlagen.

Ein

Um gegen einen Konserva-

tiver, gewinnen zu können, muß der demokratische Kandidat die Koalition zusammenhalten, die Franklin D. Roosevelt Anfang der dreißiger Jahre geschaffen hat.
Diese Koalition setzt sich aus Intellektuellen, Gewerkschaften, Schwarzen und
verschiedenen ethnischen Gruppen - und im allgemeinen aus den "Mittellosen" zusammen.

Wenn es gelingt, die Stimmen des Südens mit den Stimmen des in-

dustriellen Nordens zusammenzubringen, wo diese Gruppen am stärksten vertreten
sind, dann ist damit eine unschlagbare Kombination zustande gekommen.
Nachdem Carter die Nominierung erreicht hatte, war es sein Hauptproblem,
starken Anklang bei der politischen Linken zu finden, und mehr noch, die Leute
auf der Linken anzuspornen, am Wahltag auch an die Wahlurnen zu gehen.
Es war diese ideologische Wendung Carters zwischen den Frühjahr und dem
Herbst, - diktiert durch die Notwendigkeiten des Wahlkampfes - die viele Wähler
verwirrte. Immer wieder beklagten sich Leute, die wir interviewten, daß sie
nicht wüßten, "wo Carter wirklich steht" oder was für ein Präsident er eigentlich werden würde.
Vom Gesichtspunkt der politischen Strategie her sollte der ideologische
Standort eines Kandidaten mit dem der wahlberechtigten Bevölkerung einigermaßen identisch sein.

Vor den Parteikonventen stimmte der angenommene poli-

tische Standort Carters einigermaßen mit den eigenen politischen Standortvorstellungen der Öffentlichkeit überein.

Gegen Ende des Wahlkampfes machte sich

eine wesentliche Veränderung der Vorstellungen von den Auffassungen Carters bemerkbar, wie die folgenden Zahlen zeigen.
Der
- 5 -

�«

Der politische Standort in den Augen der Wähler:

Frühjahr

Oktober

"Links"

46 Prozent

60 Prozent

"Mitte"

8 Prozent

8 Prozent

"Rechts"

46 Prozent

32 Prozent

Die befragten Wähler ordneten sich selbst wie folgt ein:
Links 37 Prozent,

Mitte 12 Prozent,

Rechts 51 Prozent

Die Republikaner hatten ebenfalls ihr ideologisches Problem:

Ronald

Reagan übte eine Anziehungskraft auf die weit rechts stehenden Wähler aus,
Präsident Ford mehr auf die gemäßigten Rechten.

Während jedoch in der Einord-

nung Fords durch die Öffentlichkeit im ganzen Wahl kämpf kaum Veränderungen zu
verzeichnen waren, ergaben sich bei der Position Carters, wie oben gezeigt, wesentliche Veränderungen.

Der Wahl kämpf
Vor dem Parteikonvent der Republikaner führte Carter mit 33 Prozent gegen
Ford - ein Vorsprung, wie er in der Geschichte der Meinungsumfragen in den USA
noch nie registriert worden war.

Eine ähnliche Führung hatte nur Präsident

Lyndon B. Johnson gegenüber seinem Konkurrenten Barry Goldwater im Jahre 1974
- und Johnson konnte einen Erdrutschsieg für sich verbuchen.
Der Parteikonvent der Republikaner und die Rede, mit der Ford die Nominierung seiner Partei annahm, bewogen offensichtlich viele Anhänger von Reagan,
in den Schoß der Republikaner zurückzukehren.
alle wieder im heimatlichen Lager.

Am Wahltag waren sie praktisch

Am 2. November hatten nur 11 Prozent der
- 6 -

�V

der Republikaner der Partei den Rücken gekehrt, während 19 Prozent der Demokraten sich von Carter abgewandt hatten.
Als Carter mit dem Flugzeug von Stadt zu Stadt eilte und sich Interessengruppen zuwandte, geriet er zunehmend in die Fallstricke eines typischen Politikers - er war nicht mehr der Anti-Washington- und "New York"-Kandidat der
Frühlingsmonate.

Die von ihm zum Ausdruck gebrachten Ansichten wurden weiter

links angesiedelt als sein Standpunkt zu Beginn, und dementsprechend begann er
an Boden zu verlieren.

Der Abstand zwischen ihm und Ford wurde immer kleiner.

Dann kamen die großen Fernsehdebatten.
Die erste dieser Debatten hat nach unseren Umfragen Ford "gewonnen".
Carter schien nervös zu sein, und seine Antworten waren zu verschwommen. In
den folgenden Tagen - bis zur zweiten Debatte - gewann der Wahl kämpf Fords
immer stärkere Konturen. Unsere Umfrage zur Mitte des Wahlkampfes zeigte
Carter nur noch mit zwei Prozent Vorsprung.
Die zweite Debatte brachte das Ende des Aufwärtstrends für Präsident Ford.
Diese zweite Debatte wurde in den Augen der Öffentlichkeit von Carter gewonnen,
vor allem wegen des unerklärlichen Lapsus, den Ford hinsichtlich Polens machte,
das, wie er sagte, frei von sowjetischer Kontrolle sei. Unsere Umfrage in der
folgenden Woche zeigte zum erstenmal wieder eine Aufwärtsentwicklung bei Carter
- er führte mit sechs Prozent. Diese Führung ging zwar in den letzten Tagen
des Wahlkampfes wieder zurück auf rund zwei Prozent, aber es gelang Carter,
diesen Vorsprung am Wahltag zu halten.
Dies entspricht in etwa der Erfahrungen aus dem Jahre 1960, als John F.
Kennedy auch von hinten aufkam und nach der ersten Debatte einen Vorsprung erzielte, den er bis zum Wahltag halten konnte.
Carter selbst hat erklärt, daß es die Debatten gewesen seien, die seinem
Wahlkampf den letzten Aufschwung gegeben und es ihm ermöglicht hätten, die
- 7 -

�1

die Wahl zu gewinnen.

Ironischerweise war es gerade die Debatte über die

Außenpolitik, von der man dachte, daß sie Fords stärkstes Gebiet sei, die
den Abwärtstrend bei Carter stoppte und dem Wahl kämpf Fords Wind aus den
Segeln nahm.

Die Wahlergebnisse
Wie knapp das Ergebnis ist, geht aus den - noch immer nicht offiziellen folgenden Zahlen hervor:
Wählerstimmen

Wahlmännerstimmen

Carter

50,4 Prozent

297

Ford

48,3 Prozent

241

McCarthy

0,8 Prozent

Sonstige (Schätzung)

0,5 Prozent

Das Rennen um die Präsidentschaft steht so sehr im Mittelpunkt des Interesses der Massenmedien, daß andere, ebenso wichtige Wahlergebnisse zu wenig
Beachtung finden.
Die Ergebnisse zeigen eine ungebrochene Stärke der Demokratischen Partei.
Das neue Repräsentantenhaus setzt sich aus 291 Demokraten und 142 Republikanern
zusammen - eine Mehrheit wie 1974 nach dem Watergate-Skandal. Im Senat sitzen
62 Demokraten und 38 Republikaner. Die demokratischen Gouverneure lassen mit
37 gegen 12 ihre republikanischen Kollegen weit hinter sich.
Die Vorherrschaft der Demokratischen Partei im politischen Leben Amerikas
wird am besten aus folgenden Zahlen deutlich:

Die Republikaner hatten während

der letzten 44 Jahre - jetzt 46 Jahre - nur vier Jahre lang eine Mehrheit im
Repräsentantenhaus, d.h. bei einer parlamentarischen Regierungsform hätten die
Republikaner nur in vier Jahren die Führung gehabt.
Die
- 8 -

�Die McCarthy-Stimmen
Eine Katastrophe für Carter hätten die für den früheren Senator Eugene
McCarthy abgegebenen Stimmen werden können, wenn die Stärke McCarthys mit
dem Herannahen des Wahltages nicht mehr und mehr zusammengeschrumpft wäre.
Mehr Staaten als in irgend einer Präsidentschaftswahl in diesem Jahrhundert
wurden in einem Abstand von 53 gegen 47 Prozent gewonnen, bzw. verloren.

Allein

in 27 Staaten führte der Sieger mit diesem Abstand.
Wenn McCarthy vier bis fünf Prozent der Gesamtstimmen für sich hätte
verbuchen können, dann hätte sicherlich Präsident Ford den Wahlsieg geschafft,
da ein großer Teil der McCarthy-Stimmen zu Lasten Carters gingen. Ein Staat
allein hätte eine Wende bringen können - New York. In diesem Staat wurde der
Name McCarthys in letzter Minute durch Gerichtsbeschluß von den Stimmzetteln
verbannt.

Gruppenverhalten
Eine Analyse des Wahlverhaltens der verschiedenen Bevölkerungsgruppen
zeigt einige interessante Verschiebungen.
mäßiger verteilt als üblich.

Katholiken haben ihre Stimmen gleich-

Im Jahre 1972 gaben sie dem demokratischen Kan-

didaten, McGovern, 18 Prozent mehr Stimmen als die Protestanten.

In diesem

Jahr gaben sie Carter 54 Prozent und Ford 46 Prozent ihrer Stimmen.

Ford er-

hielt 53 Prozent der protestantischen Stimmen, Carter 47 Prozent.
Zwischen Männern und Frauen war kein Unterschied im Wählerverhalten festzustellen.

Anfang des Jahres neigten noch wesentlich mehr Frauen zu Ford als

zu Carter.
Das Bildungsniveau wirkte sich wie folgt aus: Wähler mit Hochschulbildung gaben Ford eine klare Mehrheit - 58 Prozent gegen 42 Prozent; Wähler mit
- 9 -

�1

mit höherer Schulbildung stimmten für Carter - 55 Prozent gegen 45 Prozent;
und Wähler mit Grundschulbildung neigten mit 62 Prozent gegen 38 Prozent zu
Carter.
Die Jungwähler favorisierten relativ stärker als 1972 den republikanischen
Kandidaten.

Trotzdem gaben die 18- bis 29-Jährigen Carter 56 Prozent ihrer

Stimmen, verglichen mit 52 Prozent der 30- bis 49-Jährigen und 48 Prozent der
über 50-Jährigen.
Die weißen Wähler zogen Ford mit 53 gegen 47 Prozent vor; Schwarze und
andere Farbige gaben Carter 87 Prozent ihrer Stimmen gegenüber 13 Prozent für
Ford.

Arbeiter stimmten - traditionsgemäß - für den demokratischen Kandidaten -

bei dieser Wahl mit 63 Prozent gegen 37 Prozent.

Wahlbeteiligung
Normalerweise wirkt sich eine geringe Wahlbeteiligung bei einer Präsidentschaftswahl zugunsten der Republikaner aus. Das geringste Interesse an der
Ausübung des Wahlrechts findet man bei den unteren Einkommens- und Bildungsschichten und bei den Jungwählern. Diese Gruppen favorisieren normalerweise
demokratische Kandidaten im Verhältnis zwei zu eins.
Die Wahlbeteiligung am 2. November dieses Jahres war nicht ganz so groß
wie vor vier Jahren - 54 Prozent gegenüber 56 Prozent - die Zahl der tatsächlich abgegebenen Stimmen lag jedoch höher. Durch den Bevölkerungszuwachs waren
in diesem Jahr 150 Millionen Amerikaner wahlberechtigt, gegenüber 140 Millionen
im Jahre 1972.
Die Wahlbeteiligung war zwar nicht so niedrig wie vorausgesagt, aber es
besteht trotzdem kein Anlaß für Amerika, stolz darauf zu sein.

- 10 -

Nur etwas mehr

�mehr als die Hälfte aller Amerikaner über 18 Jahre ging zur Wahlurne.
Einen großen Einfluß auf das Ergebnis hatte die Wahlbeteiligung nicht,
denn Carter gewann selbst mit der relativ geringen Beteiligung.

- 11 -

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23/1976

BLAUALGEN MACHEN DER INDUSTRIE KONKURRENZ
Stickstoffdünger und Futtermittel aus der Kläranlage

- (AD) - Mit dem Drei-Stufen-Verfahren im Klärwerk will Dr. W. J. Oswahl,
Professor für öffentliches Gesundheitswesen und Hygienetechnik an der Universität Berkeley (Kalifornien), aus Abwässern billigen Stickstoffdünger, eiweißreiche Futtermittel und "Rohstoff" für die Methan-Produktion gewinnen.

Ober

Einzelheiten des Systems, an dessen Entwicklung er schon seit einigen Jahren
arbeitet, berichtete Dr. Oswald kürzlich auf einem RANN-Symposium in Washington.
RANN ist die Abkürzung für "Research Applied to National Needs", ein Programm
der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der USA, mit dem die Forschung auf
bestimmten Gebieten im Interesse wirtschaftswichtiger Neuentwicklungen gefördert wird.
Kulturen von Grünalgen und Blaualgen sowie Pflanzenkolonien der Wasserhyazinthe sollen nach den Plänen Dr. Oswalds als Medien für die Zersetzung von
Belastungsstoffen in den Abwässern, zur Reinigung des Wassers und gleichzeitig
für den Aufbau nutzbarer Produkte eingesetzt werden. Der besondere Vorteil dieses biologischen Klärsystems läge darin, daß der Prozeß selbst kaum Energie benötigt, gleichzeitig aber bei umfassender Anwendung helfen könnte, Primärenergie in der Form von Erdöl oder Erdgas als Wasserstoffquelle für die Ammoniaksynthese zu sparen und billig Stickstoffdünger zu produzieren.
Der
- 1 -

�Der Weltbedarf an Düngerstickstoff, der im Jahr 1974 etwa 40 Millionen
Tonnen betrug, wird sich bis zum Jahr 2000 vervierfachen.
kosten sind mit den Erdölpreisen enorm angestiegen.

Die Produktions-

In den Vereinigten Staaten

werden derzeit zwei Prozent des heimischen Erdgases für die Düngemittelerzeugung verbraucht.

Und 87 Prozent der Primärenergie, die für die Kunstdüngerfa-

brikation benötigt wird, entfallen allein auf die Synthese von Ammoniak (NH 3 )
als der wichtigsten Verbindung für Stickstoffdünger.

Diesen brauchen z.B. die

Pflanzen, um mehr Eiweiß zu bilden, das wiederum für den tierischen Organismus
lebenswichtig ist und nach der Nahrungsaufnahme in das Gewebe eingebaut wird.
Industriell hergestellter Mineraldünger ist teuer:
100 Dollar und mehr.

Eine Tonne kostet

Auf 10 Dollar pro Tonne hofft Dr. Oswald den Preis sen-

ken zu können, wenn Stickstoffdünger auf biologischem Wege nach dem von ihm
entwickelten Verfahren erzeugt wird.

Während mancherorts Algen bereits zur

Abwasserreinigung oder zur Düngung (beispielsweise auf Reisfeldern) genutzt
werden - allerdings mit recht unterschiedlichem Erfolg -, handelt es sich hier
um den ersten Versuch, beides zu kombinieren, den Nutzeffekt um ein Vielfaches
zu erhöhen und Kosten zu senken.
"Gegenwärtig sieht es so aus", meinte Dr. Oswald, "daß pro Hektar Klärfläche 10 000 Dollar investiert werden müssen und jährliche Betriebskosten
von ca. 1000 Dollar anfallen." In etwa zwei Jahren dürften die noch bestehenden Probleme geklärt sein: Für einzelne Algenarten müssen noch die günstigsten
Kulturbedingungen ausfindig gemacht werden. Auch dürfen die für Futtermittel
gezüchteten Algen keinerlei toxische Stoffe enthalten. Das Team experimentiert
z. Zt. mit verschiedenen Algenarten, mit offenen und geschlossenen Becken und
unterschiedlicher Wasserverteilung. Angestrebt wird, pro Tag auf 1 qm Fläche
ein Gramm assimilierten Stickstoff zu produzieren.
Der Drei-Stufen-Prozeß funktioniert nach folgendem Prinzip:
Becken werden 30 cm hoch mit Abwasser gefüllt.

Drei

Schaufelräder halten das

Wasser ständig in Bewegung, um einer Schlick- und Schichtbildung entgegenzuwirken.

Im ersten Becken werden Grünalgen (z.B. Spirogyra) gezüchtet, die
- 2 -

�»

die beim Wachsen und Vermehren die Belastungsstoffe des Abwassers zersetzen.

Diese Algen ergeben Tierfutter oder organischen Dünger.

Auch Fer-

mentationsprodukte für die Gewinnung von Methangas fallen aus diesem Becken
an.
Das so vorgereinigte Wasser wird einem zweiten Becken zugeführt, wo
restlicher Ammoniak und Nitrate durch Pflanzen wie Wasserhyazinthen entzogen werden. (Diese sind als Gewächse in Gräben und Kanälen gefürchtet,
weil sie in kurzer Zeit den Wasserlauf blockieren.) Jetzt erst ist das Wasser für das mit Blaualgen besetzte Becken Nr. 3 geeignet. Denn Blaualgen
gedeihen nur in einem Medium, das selbst arm an Stickstoffverbindungen ist.
Sie haben jedoch, ebenso wie Wurzelbakterien bestimmter Pflanzenarten, z.B.
Leguminosen, die Fähigkeit, Luftstickstoff zu binden und mit der Assimilation in eine Form zu bringen, in der Stickstoff von lebendem Gewebe verwertet werden kann.
•

Die Blaualgen werden mit rotierenden Trichterfiltern geerntet, getrocknet
und als Dünger aufs Feld gebreitet.

Wichtig ist der Zeitpunkt der Ernte, wie

das Beispiel der mit Blaualgen gedüngten Reisfelder in Südostasien zeigt:
Weil sich dort Schlickschichten ungehindert bilden können, wird der assimilierte Stickstoff gerade dann an die Atmosphäre zurückgegeben, wenn ihn die
Reispflanzen am dringendsten benötigten.
Das Aufbrechen der engen Bindung zwischen den zwei Atomen des atmosphärischen Stickstoffmoleküls besorgen Blaualgen oder Knöllchenbakterien an den
Wurzeln von Hülsenfrüchten. Mit Wasserstoff aus den Wirtspflanzen bilden
dann die Stickstoffbakterien Ammoniak. Dagegen hat die Industrie bei der
Ammoniak-Synthese, die ohnehin nur bei hoher Temperatur, unter hohem Druck
und mit Katalysatoren möglich ist, einen enorm großen Aufwand an Energie.
Außerdem wird der Preis für Stickstoff-Kunstdünger noch durch die Kosten beeinflußt, die die Reinigung der Abwässer von unerwünschten StickstoffVerbindungen verursacht. Die modernen Abwasser-Behandlungsmethoden erfordern, so
Dr. Oswald, einen Kapital- und Arbeitsaufwand, der pro Jahr und Kopf der Be- 3 -

�Bevölkerung 25 Dollar erreicht.

Im Gegensatz dazu würde beim Oswald-Verfahren Stickstoff ohne energiekonsumierende Zwischenstufen in Dünger verwandelt - der Kreislauf wäre "kurzgeschlossen".

Versuche, der Natur nachzuhelfen
Da viele Nutzpflanzen das tatsächliche Stickstoffangebot nur unzureichend nutzen (Getreide wie Mais und Weizen nur zu 50 Prozent, Reis zu 30 40 Prozent), bemühen sich vor allem Mikrobiologen gegenwärtig intensiv um
eine Verbesserung der Stickstoffbilanz.

Die US-Wissenschaftsstiftung (NSF)

finanziert Forschungsarbeiten, die z.B. das Ziel verfolgen, die Fähigkeit
der Knöllchenbakterien zur Stickstoff-Assimilation bestimmten anderen Bakterienarten durch Gen-Transplantation "aufzupfropfen",

über diese und andere

Versuche wurde auf dem Symposium "Biologische Umwandlung der Sonnenenergie"
im November 1976 in Washington berichtet:
Vor fünf Jahren identifizierten Dr. Raymond C. Valentine (Universität
Kalifornien in Davis) und seine Mitarbeiter ein Gen im DNS-Molekül von Bakterien, das die Umwandlung von Stickstoff in Ammoniak steuert. Daraufhin
wurde es auch möglich, dieses Gen auf andere Organismen zu übertragen. Normalerweise beenden Bakterien die Ammoniakproduktion, sobald ihre Umgebung
mit assimiliertem Stickstoff oder Ammoniak gesättigt ist. Inzwischen gelang
es der Arbeitsgruppe Dr. Valentines, in einer Bakterienart bestimmte Gene so
zu verändern, daß sie auch in einem ammoniakreichen Medium weiterhin NHU produzieren.
Jetzt wird dies auch bei jenen Blaualgen versucht, die in Azolla-Pflanzen (Schwimmfarn) leben.
käme die nächste Hürde:

In 2 - 3 Jahren hofft man,am Ziel zu sein.

Dann

Die Azolla-Pflanze muß für die Reisfeld-Kultur mit

Verteidigungswaffen ausgestattet werden, um neben nichtveränderten Spezies
bestehen zu können. Würde dies (vielleicht nach weiteren 3 - 5 Jahren) er-

�erreicht, so könnte Azolla mit ihren Stickstofflieferanten als "natürliche
Düngemittelfabrik" benutzt und zusammen mit Nutzpflanzen oder in landwirtschaftlichen Bewässerungssystemen kultiviert werden.
Ein weiteres Forschungsprojekt ist die Verbesserung der natürlichen Fähigkeit von Leguminosen, Stickstoff mit Hilfe ihrer Wurzelbakterien zu assimilieren.
niak.

Die Bakterien leben von Zuckern der Pflanze und liefern ihr Ammo-

Die Forscher wollen erreichen, daß mehr Zucker zu den Wurzelknollen

transportiert wird

und daß die Bakterien diesen Zucker für die Ammoniakpro-

duktion besser nutzen.

Das Ergebnis wären höhere Ernteerträge.

Schließlich

existieren bereits Pläne, die Fähigkeit der Leguminosen, Stickstoff zu assimilieren, auf Getreidepflanzen wie z.B. Weizen, Mais und Roggen zu übertragen.
Wie Dr. Valentine erklärt, habe man gerade in letzter Zeit hinsichtlich
der Arbeitsweise der Wurzelknöllchen vieles hinzugelernt:

So ließe sich

z.B. der Energieverbrauch der Bakterien und der daraus resultierende Wirkungsgrad berechnen.

Die bisherigen Erfahrungen aus Modellversuchen mit künst-

lichen Wurzelknöllchen und Bakterien zeigen allerdings, daß diese Art der
Ammoniakproduktion, in industrielle Größenordnungen übertragen, unwirtschaftlich wäre.

Die Natur arbeitet mit Sonnenlicht und Pflanzen viel rationeller.

Letztes großes Forschungsgebiet sind gegenwärtig Bakterien, die Ammoniak
und daneben Wasserstoff produzieren.

Je mehr Wasserstoff sie erzeugen, desto

weniger Ammoniak liefern sie. Wenn man das Enzym fände, das die Wasserstoffproduktion steuert, könnte es möglicherweise so verändert werden, daß mehr
Ammoniak anfällt.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studienjahr 1977/78&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jody Powell - Der künftige Pressesekretär des Weißen Hauses&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Präsidentschaftswahlen 1976: Eine Analyse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Dr. George Gallup&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Direktor des Amerikanischen Instituts für Meinungsforschung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(The Gallup Poll)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Blaualgen machen der Industrie Konkurrenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stickstoffdünger und Futtermittel aus der Kläranlage&lt;/em&gt;</text>
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24

15. Dezember 1976

DOKUMENTATION

lnha,t

Carter: Die NATO ist das Kernstück der atlantischen Partnerschaft
- Botschaft an die Ministertagung Cyrus R. Vance: Der neue Außenminister der USA
W. Michael Blumenthal: Der neue amerikanische Finanzminister
Brock Adams: Der neue Verkehrsminister der USA
Thomas B. Lance: Der neue Direktor des US-Budgetamtes
Thomas P. O'Neill: Der neue Sprecher des US-Repräsentantenhauses
HINTERGRUNDMATERIAL
Carter wirbt um liberparteiliche Unterstützung seiner Außenpolitik
- Eingehende Aussprache mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats Achtung vor den Menschenrechten
Wesentliches Kriterium für US-Auslandshilfe
Allianz gegen Rauschgiftsyndikate
- Amerikanische Parlamentarier fordern internationale Konferenz und
koordinierte Maßnahmen HIRTSCHAFT
US-Experte fordert weltweite konzertierte Maßnahmen gegen Abhängigkeit
vom öl
- öl Preiserhöhung würde den Wiederaufschwung bremsen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neue Aktionen zum Umweltschutz in den USA
Die nächste Eiszeit kommt bestimmt
- US-Wissenschaftler untersuchen Tiefsee-Sedimente -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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24/1976

CARTER: DIE NATO IST DAS KERNSTÜCK DER ATLANTISCHEN PARTNERSCHAFT
- Botschaft an die Ministertagung -

BRÜSSEL - (AD) - Der neugewä'hlte amerikanische Präsident Jimmy Carter
hat in einer Botschaft an die Ministertagung des Nordatlantikrates in Brüssel
das NATO-Bündnis als das Kernstück der Partnerschaft zwischen Nordamerika und
Westeuropa bezeichnet und versichert, daß das Bündnis unter seiner Regierung
fortgesetzt und gestärkt werden soll.
Die Botschaft Carters, die der scheidende amerikanische Außenminister
Dr. Henry A. Kissinger dem Nordatlantikrat übermittelte, hat folgenden Wortlaut:
Unser NATO-Bündnis ist das Kernstück der Partnerschaft zwischen Nordamerika und Westeuropa.

Die NATO ist das entscheidend wichtige Instrument

zur Stärkung unserer kollektiven Sicherheit.

Die amerikanische Verpflichtung,

das NATO-Bündnis aufrechtzuerhalten, wird unter meiner Regierung fortbestehen
und verstärkt werden.
In den vergangenen Monaten habe ich von einer Reihe von großen Aufgaben
gesprochen, denen sich die NATO gegenübersieht:
- daß

- 1 -

�- daß wir eine gemeinsame Strategie gegen gemeinsame Bedrohungen beibehalten;
- daß wir über einsatzfä'hige und starke Streitkräfte verfügen; und
- daß wir enge Konsultationen pflegen, wenn wir mit anderen sowohl über
europäische als auch über weltweite Probleme verhandeln.
Ich zweifle nicht daran, daß diese großen Aufgaben gelöst werden können,
Ich nehme die Gelegenheit dieser Botschaft wahr, um diese Oberzeugung
zu bekräftigen.

Ich bin davon überzeugt, daß die Aufgabe der NATO und das

nordatlantische Bündnis heute nicht weniger wichtig sind, als zu dem Zeitpunkt der Gründung der NATO.

Ich freue mich auf eine enge Zusammenarbeit

mit allen auf dieser Konferenz vertretenen Regierungen.

+ + + + +

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24/1976

CYRUS R. VANCE: DER NEUE AUSSENMINISTER DER USA
- Außenpolitischer Experte und Krisenmanager -

WASHINGTON - (AD) - Der von dem designierten amerikanischen Präsidenten
Jimmy Carter zum künftigen amerikanischen Außenminister ernannte 59jährige
Cyrus R. Vance hat nach zwanzigjähriger Tätigkeit im Staatsdienst den Gipfel
seiner Karriere erreicht. In deren Verlauf fand er als Verfasser der Rechtstatuten für die amerikanische Raumfahrt, als Armeeminister und Stellvertretender Verteidigungsminister und vor allem als Krisenmanager, der unter Präsident
Johnson mit der Verhandlungsführung in schwierigsten Konfliktsituationen beauftragt war, wegen seines großen Könnens und Geschicks höchste Anerkennung.
Seine letzte große Aufgabe im öffentlichen Dienst löste Vance als Vertreter des amerikanischen Verhandlungsführers Averell Harriman bei den Pariser
Vietnam-Verhandlungen, um dann im Februar 1969 wieder als Privatmann in seine
angesehene New Yorker Anwaltsfirma zurückzukehren.
Eine der bekanntesten amerikanischen Zeitungen nahm seinen Rücktritt damals zum Anlaß, um in einem Leitartikel unter der Überschrift "Trouble-shooter
erster Klasse" auf die lange Reihe seiner mit höchstem Geschick durchgerührten
schwierigsten diplomatischen Missionen hinzuweisen.
Zum erstenmal hatte Vance diese Fähigkeiten unter Präsident Johnson unter
Beweis gestellt, der ihn 1964 nach den antiamerikanischen Unruhen nach Panama

�Panama entsandte, wo es ihm gelang, eine grundsätzliche Einigung zu erzielen,
auf deren Basis die Verhandlungen mit dem Ziel eines neuen Vertrags über den
Panar.akanal ihren Ausgang nehmen konnten.
Als im Jahre darauf in der Dominikanischen Republik der Bürgerkrieg ausbrach, war GS wiederum dem sicheren Verhandlungsgeschick von Vance zu verdanken, daß der Konflikt bereinigt werden konnte.
Als die Rassenunruhen während des "langen, heißen Sommers" in Detroit
bürgerkriegsähnlichen Charakter annahmen, wurde Vance von Präsident Johnson
als Beauftragter der Bundesregierung mit der schwierigen Aufgabe betraut, die
Gewalttätigkeiten einzudämmen, in deren Verlauf es bereits 39 Tote gegeben
hatte.

Ihm wurde das Verdienst zuerkannt, durch "humanitäres" Vorgehen mit

großem Takt und großer Energie unter Einsatz der staatlichen Ordnungskräfte
die Kontrolle über den Unruheherd mit einem Minimum an Gewalteinsatz wiedererlangt zu haben.

In gleicher Weise gelang es Vance dann, die im folgenden

Frühling nach der Ermordung Martin Luther Kings jr., in den Negervierteln
Washingtons ausbrechenden Unruhen zu dämpfen und ihr übergreifen auf die gesamte Nation weitgehend zu verhindern.
Ende 1967 drohten die Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland
sich zu einem offenen Konflikt auszuweiten. Präsident Johnson beauftragte
Vance, als sein persönlicher Emissär zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln, und es gelang ihm, die drohende Kriegsgefahr abzuwenden. Nach dieser
Mission erklärte Vance, daß er ins Privatleben als Anwalt zurückkehren werde,
einerseits weil ihn ein sehr schmerzhaftes altes Rückenleiden behinderte, und
zum anderen weil die Ausbildung seiner fünf Kinder ihn nötigte, sich einem
besser bezahlten Beruf als dem Staatsdienst zuzuwenden.
Bei seiner Abschiedspressekonferenz im Weißen Haus, wurde er gefragt,
was an den Gerüchten dran sei, daß er als Nachfolger Robert McNamaras für
den Posten des Verteidigungsministers vorgesehen sei.
"Ich

�\

"Ich arbeite jetzt als Anwalt," antwortete Vance, "und ich liebe die
Anwaltsarbeit sehr, und daher werde ich sie auch aufnehmen."

"Für immer?", so wurde er gefragt.
"Immer", so entgegnete Vance nach einer charakteristischen Pause, ::das
ist eine l^ige Zeit".
Schon nach wenigen Wochen wurde er von Präsident Johnson erneut mit Sonderaufgaben betraut.

Zuerst mit den Verhandlungsführungen im Zusammenhang

mit der "Pueblo"-Krise im Januar 1968 - bei der es darum ging, die Freilassung
der Mannschaft des von Nordkorea aufgebrachten amerikanischen Schiffes zu erreichen und zugleich Südkorea der weiteren amerikanischen Unterstützung angesichts nordkoreanischer Drohungen zu versichern.

Und schließlich reiste er

im Mai 1968 zur Aufnahme der Friedensverhandlungen mit Nordvietnam zusammen
mit dem amerikanischen Delegationsleiter Averell Harriman nach Paris. Die
monatelangen zähen Verhandlungen mit den Vertretern Nordvietnams wurden mit
dem Sieg der Republikaner unter Nixon unterbrochen.

Vance blieb in Paris und

unterstützte den neuen Chefdelegierten der Nixon-Administration, Henry Cabot
Lodge, bei der Einarbeitung in sein neues Amt, um dann nach New York zurückzukehren.

Hier arbeitete er als Teilhaber einer angesehenen Anwaltsfirma, wurde
zum Präsidenten der New Yorker Anwaltskammer und in den Aufsichtsrat so angesehener Unternehmen wie PANAM-Airways, IBM und der New York Times gewählt.
Aber schon 1976 gehörte er zu de
litischen Einsatzgruppe"

von Jimmy Carter zusammengestellten "außenpo-

und war immer stärker daran beteiligt, die außenpo-

litischen Horizonte des Präsidentschaftskandidaten abzustecken.

Immer häufiger wurde sein Name als einer der wahrscheinlichen Kandidaten
für ein hohes Amt in der Carter-Administration genannt.

Des Rätsels Losung

ergab sich - in der Rückschau - als Mr. Vance an einer Konferenz in Plains
in Georgia am 1. Dezember teilnahm, zu der Carter 16 führende Vertreter aus

- 3 -

�,
«

aus Wirtschaft und Industrie geladen hatte.

Da Vance fachlich zu keiner

dieser Gruppen gehörte, nahmen politische Beobachter an, daß er in seiner
Rolle als künftiger Außenminister an der Konferenz teilnahm.

Sie hatten

recht.
Cyrus Roberts Vance wurde am 27. März 1917 in Clarksburg im Staate
West Virginia geboren.

Er verlor mit fünf Jahren seinen Vater, und seine

Erziehung lag in den Händen einer überaus dynamischen Mutter, die erst kürzlich im Alter von 85 Jahren verstorben ist.

Vance besuchte in jungen Jahren

eine Privatschule in der Schweiz, wo er die französische Sprache erlernte,
und siedelte dann nach Connecticut über, wo er sich neben seinen schulischen
Leistungen als Fußball- und Eishockeyspieler hervortat.

Diese Sportarten

übte er auch an der Yale-Universität aus, an der er 1936 studierte.

Hier

zog er sich auch eine Sportverletzung zu, die ihn in den späteren Jahren
immer wieder plagte und die dazu führte, daß er sich 25 Jahre später zweimal
wegen eines Bandscheibenrisses operieren lassen mußte.

Seither muß er ein

Stahlkorsett tragen.
Vance beendete sein Jurastudium in Yale und trat im Jahre 1942 in die
amerikanische Marine ein. Er fuhr auf Zerstörern im Atlantik und im Pazifik
und schied bei Kriegsende als Leutnant z. See aus. Im Jahre 1947 heiratete
er Grace Sloan, mit der er fünf Kinder - vier Mädchen und einen Jungen - hat,
die heute zwischen 20 und 30 Jahre als sind. Im gleichen Jahr trat er auch
in die bekannte New Yorker Rechtsanwaltsfirma Simpson, Thacher und Bartlett
ein.
Die Regierungskarriere von Vance begann - wenn man so sagen darf - mit
dem sowjetischen Sputnik.

Die Sowjetunion schoß im Oktober 1957 den ersten

künstlichen Erdsatelliten ins Weltall, und dies führte in den USA zur Bildung
eines Unterausschusses des amerikanischen Senats, der das Satelliten- und Raketenprogramm der Vereinigten Staaten überprüfen sollte,

Vorsitzender dieses

Unterausschusses war Senator Lyndon Johnson, und Cyrus Vance ging nach
Washington als Sonderberater dieses Gremiums.
Im

- 4 -

�!

Im Jahre 1958 wurde Vance Berater des Senatsausschusses für Weltraumfahrt, und in dieser Eigenschaft arbeitete er die Gesetzgebung aus, die die
Grundlage für die Schaffung der Weltraumbehörde NASA und letztlich für das
amerikanische Weltraumprogramm bildete.
Lyndon Johnson war von der Tätigkeit seines Mitarbeiters Vance überaus
beeindruckt.

Als er 1961 unter John Kennedy dessen Vizepräsident wurde,

wurde Vance zum Rechtsberater des Verteidigungsministeriums ernannt.

In

dieser Funktion hat er Verteidigungsminister Robert McNamara maßgebend bei
der Reorganisation des Ministeriums unterstützt.

Präsident Kennedy ernannte

Vance dann im Jahre 1962 zum Armeeminister, und Präsident Johnson berief ihn
im Jahre 1964 zum zweiten Mann des Pentagon - zum Stellvertretenden Verteidigungsminister der USA.

Im Jahre 1967 trat Vance von diesem Posten zurück und

nahm die Arbeit in seinem Anwaltsbüro wieder auf, die dann allerdings immer
wieder durch seine Rolle als Krisenmanager unterbrochen wurde.
Ein ehemaliger Mitarbeiter beschrieb die Arbeitsweise von Vance folgendermaßen: "Er arbeitet still und ruhig. Er haßt leeres Gerede und große Worte.
Sein Arbeitspensum ist kaum zu übertreffen. Er macht während der Konferenzen
seine Notizen auf einem gelben Schreibblock, wie dies Anwälte häufig tun, und
er ist sehr darum bemüht, alle Fakten zu sammeln, bevor er eine Entscheidung
trifft. Er geht in fast alle Konferenzen mit mehr Tatsachenmaterial ausgestattet als jeder andere."
Und ein früherer Kollege aus dem Verteidigungsministerium sagte folgendes: "Er läßt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Er ist der menschlichste Kollege, dem ich je begegnet bin. Er ist ein hervorragender Diplomat,
weil er sich mit so großem Mitgefühl einsetzt."
Was sein Denken vielleicht am besten charakterisiert, ist der Rat, den
er einst der Abschlußklasse einer seiner Töchter mit auf den Weg gab:
"Stelle alles in Frage, prüfe alles und triff dann deine eigene Entscheidung".
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24/1976

W. MICHAEL BLUMENTHAL: DER NEUE AMERIKANISCHE FINANZMINISTER
- Ein Mann mit weltwirtschaftlicher Erfahrung -

WASHINGTON - (AD) - Als der designierte amerikanische Präsident Jimmy
Carter auf seiner Pressekonferenz am 14. Dezember den früheren Professor,
Diplomaten und Wirtschaftler W. Michael Blumenthal zu seinem Finanzminister
nominierte, betonte er, daß dieser Mann "hervorragend" geeignet sei, mit
internationalen wirtschaftlichen Problemen fertig zu werden.
Blumenthal war seit Wochen für einen hohen Posten in der Carter-Administration im Gespräch gewesen. Seine Berufung zum Finanzminister gibt ihm eine
Stellung, in der er einen starken Einfluß auf binnen- und weltwirtschaftliche
Probleme ausüben wird. Blumenthal genießt sowohl bei Arbeitgebern als auch
bei den Gewerkschaften Vertrauen. Er hat als Leiter des amerikanischen Verhandlungsteams während der Kennedy-Runde in Genf im Rahmen des All9 eme i n en
Zoll- und Handelsabkommens (GATT) von 1963 bis 1967 große Erfahrung gesammelt
und sich internationales Ansehen erworben. Carter wies im Zusammenhang mit
der Nominierung Blumenthals vor allem auf dessen Verdienste am Zustandekommen
des internationalen Baumwollabkommens hin, das wesentlich zur Ausweitung des
Welthandels auf dem Gebiet der Fasern beigetragen hat.
Die Tatsache, daß Carter einen Mann zum Finanzminister berufen hat, der
mit den verschlungenen Wegen internationaler Handelsverhandlungen vertraut

�vertraut ist, wird in Washington als ein Hinweis darauf gewertet, daß die
jetzt in Genf stattfindende Tokio-Runde der HandelsVerhandlungen bei der
neuen Administration hohe Priorität haben wird.
W. Michael Blumenthal wurde am 3. Januar 1926 in Berlin geboren

und

mußte im Jahre 1939 mit seinen Eltern und seiner Schwester vor der Verfolgung
durch die Nationalsozialisten fliehen.

Die Familie verbrachte den Zweiten

Weltkrieg in dem später von den Japanern besetzten Shanghai, zum Teil in einem
Konzentrationslager.

Nach Kriegsende freigelassen, konnte Blumenthal 1947

in die Vereinigten Staaten einwandern.
Um sein Studium zu verdienen, arbeitete er in allen möglichen Berufen
- als Portier, als Fernfahrer, als Gepäckträger und bei der Müllabfuhr.

Er

legte seine erste volkswirtschaftliche Prüfung an der Universität von Kalifornien
in Berkeley ab und promovierte 1953 an der Princeton-Universität.

Er lehrte

zunächst für einige Jahre Volkswirtschaft und ging 1957 in die Wirtschaft, wo
er eine brilliante Karriere machte.
Präsident Kennedy lud 1961 den jungen Manager ein, als Stellvertretender
Unterstaatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten in das Außenministerium
nach Washington zu kommen.

In dieser Position erwarb er sich bald einen Ruf

als Fachmann für Rohstoffpolitik.

Zwei Jahre später, 1963, wurde er zum Leiter

der amerikanischen Delegation bei den Zoll Verhandlungen in Genf ernannt.
Nach Abschluß der Kennedy-Runde 1967 verließ Blumenthal den öffentlichen
Dienst und ging wieder in die Privatwirtschaft.

Er wurde Präsident der Bendix

International und rückte sehr bald in Spitzenpositionen in der Zentrale dieser
international bekannten Firma auf.
Bei all diesen Tätigkeiten bewies Blumenthal ein aktives Interesse an internationalen Beziehungen.

Er wurde Vorsitzender der privaten Gesellschaft für

die Vereinten Nationen und bereiste in nicht-amtlicher Eigenschaft mehrfach
die Sowjetunion, um dort über Fragen der europäischen Sicherheit, Nahost-

�Nahostprobleme, Kernwaffen und vor allem des Handels zu sprechen.

Einer

seiner Begleiter bei diesen Missionen in der UdSSR war Cyrus Vance, der
jetzt zum neuen amerikanischen Außenminister ernannt worden ist.
Anläßlich seiner Nominierung erklärte Blumenthal:
"Wir leben in einem großen Land, wir verfügen über gewaltige menschliche
und materielle Ressourcen,und ich verspreche Ihnen, Gouverneur Carter, daß ich
mein Bestes tun werde, um Ihre Programme und Ihre Politik für den Einsatz dieser Ressourcen durchzuführen, damit unsere Wirtschaft vorwärts schreiten kann,
geschützt vor Inflation, mit der Schaffung von Arbeitsplätzen für alle und im
Zusammenhang mit einer weltwirtschaftlichen Umgebung, die für Frieden und Stabilität sorgt, nicht nur für uns, sondern auch für alle unsere Freunde unc
Verbündeten".
Blumenthal ist verheiratet und hat drei Kinder.

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24/1976

BROCK ADAMS: DER NEUE VERKEHRSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der neugewählte amerikanische Präsident Jimmy Carter
hat am 14. Dezember den langjährigen Kongreßabgeordneten Brock Adams zum neuen
Verkehrsminister der USA ernannt.

Der 49jährige Anwalt aus dem Staate

Washington vertritt diesen Bundesstaat seit 1964 im amerikanischen Repräsentantenhaus und hat sich in diesem Gremium vornehmlich mit Verkehrsfragen, insbesondere mit dem Eisenbahnwesen der USA, befaßt und einen Namen gemacht.

Brock Adams wurde am 13. Januar 1927 in Atlanta, Georgia, geboren. Er
studierte Rechtswissenschaften zunächst an der Universität von Washington und
wechselte dann an die Harvard-Universität, wo er 1952 sein Abschlußexamen
machte.

Danach eröffnete er in Seattle ein Anwaltsbliro, praktizierte jedoch

nur wenige Jahre, weil er sich dann der Politik zuwandte.

Es war der damalige

Senator John F. Kennedy, der Brock Adams während eines Besuches des Staates
Washington kennenlernte und diesen in die Arbeit für die Demokratische Partei
hineinzog.

Adams war dann in seinem Heimatstaat aktiv für Kennedy während

dessen Wahlfeldzug im Jahre 1960 tätig und bewarb sich vier Jahre später erfolgreich um einen Abgeordnetensitz im US-Repräsentantenhaus.

Adams gilt als liberal.

Er ist im Kongreß als unermüdlicher Arbeiter

bekannt und hat sich immer wieder dafür eingesetzt, daß von der Regierung
unterstützte Programme, die sich als nicht nützlich erwiesen haben, abge-

- 1 -

�abgeschafft oder doch stark reduziert werden sollten.

Damit befindet er

sich in voller Übereinstimmung mit den von Carter verkündeten Absichten.
Er war der erste Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses, der vor zwei Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, dem Kongreß
systematischere Möglichkeiten einer Kontrolle der Regierungsausgaben zu geben.
Adams ist seit 1952 mit Mary Elizabeth Scott verheiratet.
Kinder - zwei Söhne und zwei Töchter.

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24/1976

THOKAS B. LANCE: DER NEUE DIREKTOR DES US-BUDGETAMTES
- Bankier aus Atlanta -

WASHINGTON - (AD) - Mit Thomas Bertram Lance hat der neugewä'hlte amerikanische Präsident Jimmy Carter einen engen Freund und langjährigen politischen Mitarbeiter und Berater auf den wichtigen Posten des Direktors des
Amtes für Planung und Haushalt berufen.

Lance, 45 Jahre alt und mehrfacher

Millionär, gilt in seinen fiskalischen Ansichten als konservativ; sie sind
deckungsgleich mit denen Carters.
Lance, dessen Ernennung noch vom amerikanischen Senat nach der Amtsübernahme Carters am 20. Januar bestätigt werden muß, ist Präsident der Nationalbank von Georgia, des fünftgrößten Finanzinstituts dieses Bundesstaates.
Er gehört seit vielen Jahren der Demokratischen Partei an und ist in Expertenkreisen als nachdrücklicher Verfechter eines ausgeglichenen Haushaltes bekannt,
Seine Ernennung wird in den Vereinigten Staaten als ein Zeichen dafür angesehen, daß die Regierung Carters sich mit besonderer Sorgfalt den wirtschaftlichen Problemen des Landes annehmen wird.
Auf der Pressekonferenz am 3. Dezember sprach Lance, nachdem Carter die
Berufung öffentlich bekanntgegeben hatte, von den großen Aufgaben, die im
wirtschaftlichen Bereich bewältigt werden müßten.

Er werde größten Nachdruck

auf das Verhältnis der Wirtschaft zum gesamten Wohlergehen des Landes legen.
- 1 -

�legen.

Bereits am 28. November hatte Lance in einem Interview des "Christian

Science Monitor" unterstrichen, daß der neuen Regierung die Auswirkungen der
fiskalischen und monetären Politik der USA auf den einzelnen Bürger ein besonderes Anliegen sein werden. Er gab ferner zu verstehen, daß er alles in
seinen Kräften stehende tun werde, um bis zum Jahre 1980 einen ausgeglichenen
Haushalt zu erreichen.

Lance betonte, er werde nicht unverzüglich auf eine

allgemeine Senkung der Einkommensteuer drängen.

Er schloß jedoch eine solche

Senkung nach einer "logischen, ordnungsgemäßen und legitimen" Prüfung nicht
aus.
Lance, der von seinen Freunden "Bert" genannt wird, wurde am 3. Juni 1931
in Gainsville, Georgia, als Sohn eines ehemaligen College-Präsidenten geboren.
Er begann seine berufliche Laufbahn 1951 als Kassierer einer Bank in Calhoun
im Staate Georgia, deren Präsident er 1963 wurde.

Drei Jahre später unter-

stützte er mit großem Nachdruck einen jungen Politiker, Jimmy Carter, der
sich - zunächst ohne Erfolg - um den Posten des Gouverneurs von Georgia bewarb.
Im Jahre 1970, als Carter in einem neuerlichen Anlauf zum Gouverneur gewählt worden war, wurde Lance Leiter des Transportwesens von Georgia und später der Mann, der für die Reorganisation der Regierungsstruktur des Bundesstaates verantwortlich wurde. Im Jahre 1974, als die Amtszeit Carters als
Gouverneur auslief, unterstützte dieser seinen alten Kampfgefährten bei dessen - allerdings nicht erfolgreichem - Wahlfeldzug um den Gouverneursposten
von Georgia. Im Jahre 1975 wurde Lance Präsident der Nationalbank von Georgia
in Atlanta und fungierte während des Wahl feidzuges Carters um das Amt des Präsidenten der USA als dessen Verbindungsmann zu Industrie und Wirtschaft.
Bevor Lance ins Bankgewerbe eintrat, studierte er an der Emory-Universität in Atlanta, an der Universität von Georgia, an der Staatsuniversität von
Louisiana sowie an der Rutgers-Universität.

Lance ist Direktor der Handels-

kammer von Atlanta sowie Mitglied verschiedener Aufsichts- und Treuhänderräte.
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24/1976

THOMAS P. O'NEILL, JR.: DER NEUE SPRECHER DES US-REPRÄSENTANTENHAUSES
- Dritter Mann im Staate -

Zum neuen Sprecher des amerikanischen Repräsentantenhauses wurde der
bisherige Fraktionsführer der demokratischen Mehrheit in der Zweiten Kammer,
Thomas P. O'Neill, von seiner Fraktion nominiert.

Der 64jährige Politiker

aus Massachusetts, der dem Haus seit 24 Jahren angehört, übernimmt damit
ein Amt, das in der Nachfolge für den Präsidenten nach dem Vizepräsidenten
den dritten Rang hat.

Thomas O'Neill wurde von seiner Demokratischen Fraktion am 6. Dezember
einstimmig nominiert.

Da die Demokraten die überwältigende Mehrheit im Re-

präsentantenhaus besitzen, ist seine Wahl damit gesichert, sodaß er im kommenden Monat, wenn der neue 95. Kongreß zusammentritt, offiziell sein Amt antreten wird.

Der neue Sprecher, ein Mann von bärenhafter Gestalt, kommt aus einem
konservativen Kongreßdistrikt bei Boston.

Er selbst bezeichnet sich als

ein "Liberaler des Establishments", der etwa in der politischen Mitte seiner
Partei steht.

O'Neill kam 1953 nach Washington, er übernahm den Sitz John F. Kennedys
im Repräsentantenhaus,als dieser in den Senat gewählt worden war. Der von

- 1 -

�von ihm vertretene Wahldistrikt - Massachusetts VIII - umfaßt die größte
Zahl von Hochschulen (36) und Studenten in den USA - darunter die HarvardUniversität, das Radcliffe-College, das Massachusetts Institute of Technology,
die Universität von Boston und das Boston College, an dem O'Neill studierte.
Bei allem bemerkenswerten Kontakt, den er zu der in seinem Wahlbezirk konzentrierten akademischen Welt aufrechterhielt, blieb er doch mehr der Vertreter
der irischen und italienischen ethnischen Gruppen von North Cambridge.
Nach seinem Einzug ins Repräsentantenhaus nahm ihn der damalige Sprecher,
John McCormack aus Boston, ebenfalls irischer Abstammung, unter seine Fittiche.
Er berief ihn in den Geschäftsordnungsausschuß, der durch seine Kontrollfunktionen für alle vom Kongreß zu verabschiedenden Gesetze eine äußerst wichtige
Rolle einnimmt.

O'Neill wurde hier bald zu einem Experten für die parlamen-

tarischen Verfahren im Repräsentantenhaus.
Im Jahre 1971 berief ihn der damalige Fraktionschef der demokratischen
Mehrheit, Haie Boggs, zum "Whip" (dem deutschen Fraktionsgeschäftsführer entsprechend), dem dritthöchsten Posten in der Fraktion. Als Boggs 1972 bei
einem Flugzeugunglück in Alaska ums Leben kam, wurde O'Neill zu seinem Nachfolger gewählt.
Ein politischer Beobachter schrieb damals: "Seine Wahl bedeutet einen
historischen Wandel ... nicht nur, daß die alte Garde ihn mag, nein, er findet
auch Unterstützung bei den jüngeren, auf Veränderung ausgerichteten Liberalen.
Er ist ein Mann des Repräsentantenhauses, aber er hat mehr als andere eine
Brücke geschlagen".

Als der Sprecher des Hauses, Carl Albert, im November

bekanntgab, daß er sich nicht zur Neuwahl stellen würde, war O'Neill einhellig als sein Nachfolger ausersehen.
Thomas Philip O'Neill wurde am
sehr aktiven amerikanischen Bürgers
Massachusetts, geboren. Sein Vater
wählt worden und leitete später das

9. Dezember 1912 als Sohn eines politisch
irischer Abstammung in Cambridge,
war in den Stadtrat von Cambridge geWasserwerk der Stadt. Sein Großvater, der

- 2 -

�der wegen der Hungersnöte aus Irland ausgewandert war, arbeitete in Boston
als Maurer.

Unmittelbar nachdem der junge O'Neill seine Studien am Boston

College beendet hatte, ließ er sich zur Wahl für den Stadtrat aufstellen und
verlor mit 150 Stimmen, weil er - wie er reumütig erklärte - sich nicht direkt
und persönlich an die Wähler gewandt hatte.

Diesen Fehler machte er nicht wieder.

Nach einem Jahr als Angestellter

einer Versicherungsgesellschaft, kandidierte er 1936 für einen Sitz im Repräsentantenhaus von Massachusetts, und von nun an begann für ihn eine ununterbrochene Kette von Wahlsiegen.

Im Jahre 1947 wurde er zum Fraktionsführer der

Demokraten gewählt, und als seine Partei im Jahre 1948 zum erstenmal seit einem
Jahrhundert die Mehrheit im Repräsentantenhaus seines Heimatstaates gewann,
wurde er - mit 36 Jahren - der jüngste Sprecher des Hauses in der Geschichte
des Staates Massachusetts.

Während seiner späteren politischen Tätigkeiten in Washington erwarb er
sich den Ruf eines gemäßigten Liberalen.

O'Neill war maßgeblich an der Ver-

abschiedung zahlreicher wichtiger Gesetze im Repräsentantenhaus - vor allem
auf innenpolitischem Gebiet - beteiligt und brachte - nach seinem Bruch mit
der Administration wegen des Vietnamkrieges - im Jahre 1971 eine Gesetzesvorlage ein, die zum ersten Male einen Zeitplan für den Abzug der amerikanischen
Truppen aus Südvietnam vorsah.

O'Neill ist seit 1941 mit Mildred Ann Miller verheiratet.
hat fünf Kinder.

Das Ehepaar

Der älteste Sohn, Thomas P. III, ist mit 32 Jahren Stell-

vertretender Gouverneur des Staates Massachusetts.

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24/1976

CARTER WIRBT UM ÜBERPARTEILICHE UNTERSTÜTZUNG SEINER AUSSENPOLITIK
Eingehende Aussprache mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats
Von unserem Korrespondenten James S. Aldrich

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der Vereinigten Staaten,
Jimmy Carter, unternimmt in der Geschichte der USA beispiellose Anstrengungen, sich der überparteilichen Unterstützung seiner Außenpolitik durch den
amerikanischen Kongreß zu versichern. Am 23. November traf er zu einem einstündigen Gespräch mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats zusammen
- die Niederschrift der Aussprache wurde am 2. Dezember veröffentlicht. Am
1. Dezember hat er in einem Interview mit Barbara Walters von der amerikanischen Fernsehgesellschaft ABC versichert, daß er führende Mitglieder des
Kongresses auf seinen Auslandsreisen mitnehmen werde. Zwischen dem 3. und
20. Januar wird Carter eine zweitägige Konferenz mit führenden Vertretern
des Außenpolitischen Ausschusses des Senats und des Repräsentantenhauses über
die "Chancen" und "Probleme" der Vereinigten Staaten in ihren Beziehungen zu
anderen Ländern abhalten.
Im Rahmen der Verwirklichung seiner "offenen" Politik will der künftige
Präsident der Vereinigten Staaten nicht nur das Gespräch mit seinen Mitbürgern suchen, sondern in den Dialog mit anderen Ländern auch führende Vertreter des Kongresses einschalten.

In seinem ABC-Interview wie auch gegenüber

den Senatoren hat Carter immer wieder darauf abgehoben, die Außenpolitik aus
parteipolitischen Erwägungen herauszuhalten.
- 1-

In seinem Interview mit Barbara

�Barbara Walters erklärte er, "vor allem in diplomatischen und außenpolitischen
Angelegenheiten möchte ich gerne die Kongreßvertreter hinzuziehen."

Er werde

bei Auslandsreisen "eine relativ kleine Zahl" führender Vertreter beider Häuser des Kongresses mitnehmen, und, so fügte er hinzu, "ich möchte die Beteiligung überparteilich halten".
Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die Gepflogenheiten von Präsident
Truman, zu dessen Zeiten es für die Außenpolitik der USA auch keine Rolle gespielt habe, ob im Kongreß die Republikaner oder die Demokraten die Mehrheit
hatten.
"Ich meine", so betonte er, "daß andere Nationen in der Welt uns achten,
- unser gesundes Urteil und unsere Stärke - wenn sie wissen, daß eine Erklärung des Präsidenten oder des Außenministers die Zustimmung oder Beteiligung
oder Unterstützung des Kongresses hat."
An der für Januar - außerhalb Washingtons - vorgesehenen Zusammenkunft .
sollen neben führenden Kongreßvertretern und dem designierten Präsidenten
der neu ernannte Außenminister Cyrus Vance sowie die außenpolitischen Berater
Carters teilnehmen.
Der Teilnehmerkreis an dem einstündigen Gespräch mit dem Außenpolitischen
Senatsausschuß am 23. November war folgender: Senator John Sparkman als Vorsitzender sowie die Senatoren Mansfield, Church, Symington, Pell, McGhee,
Humphrey, Biden, Case, Pearson, Percy und Griffin. Darüber hinaus waren die
Senatoren Mondale (designierter Vizepräsident), Baker, Steniss, McClellan,
Bentsen, Gravel, Haskell, Glenn, Sone, Inouye, Stevenson, Randolph, Culver,
Bumpers, Gary, Hart, Leahy, Abourezk und Durkin anwesend. Der einflußreiche
Senator Javits ließ sich wegen seiner wichtigen Besprechungen über Währungsfragen in Europa entschuldigen.
Der Vorsitzende des Ausschusses begrüßte im Namen seiner Kollegen die
Initiative Carters, die ohne Beispiel sei. Er hoffe und erwarte, so sagte

�sagte Senator Sparkman, daß dies ein "gutes Omen für eine Periode einer
beispiellosen Zusammenarbeit zwischen dem Präsidenten und dem Senat in Fragen der Außenpolitik sei - einer Zusammenarbeit, die, wenn sie fruchtbar
sein soll, auf der gegenseitigen Achtung vor der jeweiligen verfassungsmässigen Rolle des anderen basieren muß."

Carter unterstrich immer wieder, daß ihm an einer persönlichen Zusammenarbeit auf überparteilicher Basis mit dem Kongreß gelegen sei.

"Ich bin

der Überzeugung", so sagte er, "daß wir viele der Tragödien, die die Welt
und unser Land in den letzten Jahren erlebt haben, hätten vermeiden können,
wenn eine solche Politik (der Zusammenarbeit) in den letzten acht Jahren
oder noch länger aufrechterhalten worden wäre".

Es ist sicherlich neu in der amerikanischen Politik, daß ein designierter Präsident mit seinen Beratern den unmittelbaren Kontakt mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats und des Repräsentantenhauses pflegt.

Selbst

Präsidenten im Amt haben meist ihre Kabinettsmitglieder - den Außenminister
oder andere Vertreter - vorgeschickt, um ihre Außenpolitik vor dem Kongreß
darzulegen.

Das liegt in der Gewaltenteilung der drei Zweige der amerika-

nischen Regierung - Exekutive, Legislative und Judikatur - begründet.

Ein

Präsident spricht zwar auf "gemeinsamen Sitzungen" des Kongresses - er trägt
dort beispielsweise seine Botschaft über die Lage der Nation (State of the
Union Message) vor - tritt aber sonst auf dem Kapitol kaum in Erscheinung.

Carter ließ jedoch auch keine Zweifel daran, daß er von seiner verfassungsmäßigen Verantwortung für die Außenpolitik der Vereinigten Staaten Gebrauch machen werde.

Ebenso räumte Senator Sparkman ein, daß der Präsident

- zwar mit Unterstützung durch den Kongreß - nach der Verfassung allein für
die Außenpolitik der USA verantwortlich sei.

Der designierte Präsident sagte

zu, daß er den Kongreß über die Entwicklungen und Probleme auf dem laufenden
halten wolle, aber, so fügte er hinzu, "ich werde der Präsident sein, und ich
werde das Land in auswärtigen Angelegenheiten vertreten."

Carter
- 3 -

�Carter ließ erkennen, daß er zu einzelnen außenpolitischen Fragen eine
dezidierte Meinung habe, daß er jedoch vor seinem Amtsantritt nicht öffentlich Stellung nehmen wolle.

Die amerikanische Regierung, so betonte er, werde

durch den Präsidenten im Amt, Gerald Ford, und durch Außenminister Kissinger
gut vertreten.

Carter sagte zu, daß er sich nach seinem Amtsantritt zu außen-

politischen Problemen äußern werde, deren Dringlichkeit er durchaus erkenne.
Er nannte in diesem Zusammenhang die Fortsetzung der amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT), das Nahostproblem, das Verhältnis zwischen Griechenland und der Türkei, den PanamaKanal, die Frage der öl Preiserhöhung und anderes.
Carter stimmte auch einer Anregung von Senator Humphrey zu, daß die
Außenpolitik heute in zunehmendem Maße von wirtschaftlichen Überlegungen beeinflußt werde.

Er sicherte zu, daß in seiner Administration das Finanzmi-

nisterium in stärkerem Maße bei außenpolitischen Entscheidungen konsultiert
werde.
Als der Vorsitzende am Ende der
fragte, ob er einer Veröffentlichung
Carter, daß er keine Einwände habe.
des Kongresses zu, daß sie jederzeit
könnten, und traf die entsprechenden

Aussprache den designierten Präsidenten
der Niederschrift zustimme, betonte
Im übrigen sicherte Carter den Vertretern
telefonisch mit ihm in Verbindung treten
Vereinbarungen mit ihnen.

Es steht zu hoffen, daß Jimmy Carter ein neues Kapitel der überparteilichen Zusammenarbeit in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten aufgeschlagen hat.

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24/1976

ACHTUNG VOR DEN MENSCHENRECHTEN
WESENTLICHES KRITERIUM FÜR US-AUSLANDSHILFE
Von unserem Korrespondenten Nick Harrison

WASHINGTON - (AD) - Bei der Entscheidung über die Gewährung von Auslandshilfe an andere Staaten stellt die Frage der Menschenrechte einen entscheidend wichtigen Faktor für die Vereinigten Staaten dar.
Gemäß den Bestimmungen einer Reihe in den letzten Jahren erlassener Gesetze prüfen Ausschüsse des amerikanischen Kongresses regelmäßig die politische Situation in den Empfängerländern, wobei die Entscheidung beim Kongreß
liegt, ob eine Hilfeleistung eingeschränkt oder auch gänzlich ausgesetzt werden soll, wenn festgestellt wird, daß eine Regierung ständig "grobe Verletzungen der international anerkannten Menschenrechte begeht".
In jüngster Zeit sah sich der amerikanische Kongreß in zwei Fällen aus
solchen Erwägungen zu negativen Aktionen veranlaßt.
So wurde die Hilfe für Südkorea für 1974 auf 145 Millionen Dollar wegen
angeblicher Verstöße gegen die Menschenrechte in diesem Lande begrenzt. Im
gleichen Jahr wurde jede weitere Militärhilfe für Chile gestrichen und auch
die Wirtschaftshilfe beträchtlich eingeschränkt.
Diese
- 1 -

�Diese und andere Vorfälle gaben die Grundlage ab für eine umfassendere
Vollmacht, wie sie mit den zwei bedeutenden neueren Gesetzen gegeben ist dem Gesetz für internationale Entwicklung und Lebensmittelhilfe von 1975 und
dem Gesetz über internationale Sicherheitshilfe und die Kontrolle von Waffenexporten von 1976. Beides sind Zusätze zu dem grundlegenden Auslandshilfegesetz von 1961, und aus ihnen leiten sich die Verfahren und Richtlinien für
nahezu sämtliche amerikanischenHilfeleistungen ab, die auf den Gebieten der
Militärhilfe, der Entwicklungshilfe und der Landwirtschaftshilfe gewährt werden.
Alle diese Gesetze stützen sich in hohem Maße auf das schon traditionelle amerikanische Eintreten für die Sache der Menschenrechte sowie auf die
international festgelegten Normen für ihren Schutz.
In den Abschnitten, die sich auf die Menschenrechte beziehen, wird in
diesen Gesetzen oft die gleiche Ausdrucksform angewandt wie in der allgemeinen
Deklaration der Menschenrechte, die von den Vereinten Nationen im Jahre 1948
abgefaßt wurde.
Beide Gesetze definieren den Begriff "grobe Verletzung" der Menschenrechte in fast der gleichen Weise wie das Dokument der Vereinten Nationen. So
wird beispielsweise im Falle des Militärhilfegesetzes dargelegt, daß dieser
Begriff "Folter oder grausame, unmenschliche oder entwürdigende Behandlung
oder Bestrafung, lange Haft ohne Anklage und Gerichtsverfahren und andere
flagrante Beschränkungen des Rechts auf Leben, Freiheit oder Sicherheit der
Person" umfaßt.
Für die Anwendung der Gesetze bedient man sich dabei in weitgehendem
Maße der Informationen der bekannten internationalen Organisationen, die für
die Einhaltung der Menschenrechte auf der Welt eintreten. Ehe eine Maßnahme
gegen ein Land wegen angeblicher Verletzungen der Menschenrechte ergriffen
werden kann, muß der amerikanische Kongreß die entsprechenden Berichte solcher
Organisationen wie die Vereinten Nationen, das Internationale Rote Kreuz oder

�oder die Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) eingehend zu Rate
ziehen.
Die Bestimmungen der beiden Gesetze verlangen ferner, daß berücksichtigt
werden muß, inwieweit eine Regierung sich bereitfand, bei Untersuchungen einer
internationalen Organisation mitzuarbeiten bzw. diese zuzulassen.

Nach dem

Gesetz muß der Kongreß zuerst die in diesem Zusammenhang relevanten Faktoren
prüfen, ehe er eine Verringerung der Auslandshilfe vornimmt.
Bei der Ausarbeitung dieser Gesetze hat der Kongreß auch noch andere
besondere Umstände in Rechnung gestellt. So kann beispielsweise bei direkter
Entwicklungs- und Lebensmittelhilfe, die wegen Verletzungen der Menschenrechte
verringert werden müßte, diese Hilfe fortgesetzt werden, wenn nachgewiesen
wird, daß sie bedürftigen Menschen direkt zugute kommt. Bei Militärhilfe kann
der Präsident feststellen, daß "außergewöhnliche Umstände" vorliegen, die eine
Fortsetzung dieser Hilfe im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten notwendig machen.
Der Kongreß hat sich in diesem Zusammenhang selbst die Aufgabe gestellt,
entsprechende Informationen über Einhaltung oder Verletzung der Menschenrechte
aus einer Vielzahl von Quellen zu sammeln.

Neben den von internationalen Or-

ganisationen veröffentlichten Daten stehen dem Kongreß auch die Unterlagen des
amerikanischen Außenministeriums und Informationen aus öffentlichen Anhörungen
zur Verfügung.
Das Außenministerium hat vom Kongreß den ausdrücklichen Auftrag, durch
seinen Koordinator für humanitäre und Menschenrechtsfragen formelle Berichte
über die Menschenrechtslage in allen Ländern einzureichen, die amerikanische
Militärhilfe erhalten.

Dies geschieht im Rahmen der jährlichen Vorlage des

weltweiten Auslandshilfeprogramms durch den Präsidenten, über das der Kongreß
dann befindet.

Ferner können die befaßten Kongreßausschüsse Sonderberichte

anfordern.
Das
- 3 -

�Das Gesetz über die direkte Entwicklungs- und Lebensmittelhilfe verlangt
keine solchen getrennten Berichte des Außenministeriums, jedoch muß hier der
Präsident "einen vollen und umfassenden Bericht", darüber vorlegen, inwieweit er Menschenrechtsüberlegungen zum Maßstab für die Verteilung der Auslandshilfe gemacht hat.
Der Kongreß läßt sich bei den Ausschußsitzungen eingehend informieren.
Im Zuge der Anhörungen in den Ausschüssen werden die Umstände in jedem einzelnen Lande, vor allem wenn Berichte über Menschenrechtsverletzungen vorliegen,
eingehend geprüft.

Die Ergebnisse dieser Anhörungen werden veröffentlicht.

Eines der aktivsten Mitglieder des Kongresses auf dem Gebiet des Schutzes der Menschenrechte ist der demokratische Abgeordnete Donald M. Fräser
aus Minnesota.

Fräser ist Vorsitzender des Unterausschusses für internatio-

nale Organisationen, der zum Ausschuß für internationale Beziehungen gehört.
In einem Bericht an das Repräsentantenhaus hat der Abgeordnete Fräser festgestellt, daß sein Unterausschuß in der abgelaufenen Legislaturperiode allein
40 Anhörungen über Menschenrechtsfragen abgehalten hat.
Bei diesen Anhörungen werden amerikanische Regierungsvertreter ebenso
als Zeugen aufgerufen wie frühere oder derzeitige Staatsangehörige der betroffenen Länder oder Vertreter internationaler Menschenrechtsorganisationen und
Wissenschaftler.
"Die Aussagen dieser Leute", so heißt es in dem Bericht Fräsers, "waren
gegenüber der amerikanischen Politik und den betroffenen Regierungen negativ
wie positiv."
Die Aufnahme von Menschenrechtsfaktoren in die Gesetzgebung für die Auslandshilfe dient nach Fräser zwei Zielen:

Einmal soll die Fähigkeit interna-

tionaler Organisationen gestärkt werden, international anerkannte Normen der
Menschenrechte wirksam zu schützen, und zum zweiten soll der Menschenrechtsfaktor in der amerikanischen Außenpolitik noch stärker herausgestellt werden.
Fräser

�Fräser betont, daß die Vereinigten Staaten nach seiner Auffassung ein
Recht haben, sich um den Schutz der Menschenrechte auch außerhalb ihrer Grenzen zu kümmern.

"Die moralische Rechtfertigung für das amerikanische Engage-

ment liegt in der demokratischen Tradition unseres Volkes und wird von unseren
führenden Männern immer wieder herausgestellt.

Unser Land kann der Welt wahr-

haft keinen größeren Beitrag leisten, als ein Beispiel einer funktionierenden
Demokratie zu geben, die die fundamentalen Freiheiten des Einzelnen garantiert",
erklärt Fräser.
Der Abgeordnete räumt ein, daß Maßnahmen des amerikanischen Kongresses
allein die Einhaltung der Menschenrechte anderswo in der Welt nicht sichern
können, aber, so betont er, "es lohnt sich, die Aufmerksamkeit auf die Probleme der Menschenrechte zu lenken - in der Hoffnung, daß wir einen Beitrag
zum positiven Wandel leisten."

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24/1976

ALLIANZ GEGEN RAUSCHGIFTSYNDIKATE
- Amerikanische Parlamentarier fordern internationale Konferenz
und koordinierte Maßnahmen -

- (AD) - Die Einberufung einer internationalen Konferenz nach Genf zur
Untersuchung des weltweiten und erneut stark angestiegenen Drogenmißbrauchs
forderte der amerikanische Parlamentarier Lester Wolff auf einer Pressekonferenz Anfang Dezember 1976 in Washington.

Er hatte als Vorsitzender des Aus-

schusses für Mißbrauch und Kontrolle von Suchtstoffen, den das US-Repräsentantenhaus kürzlich gebildet hat, gemeinsam mit einer Gruppe von Abgeordneten
vom 4. - 21. November 1976 Europa und Asien bereist.

In einzelnen Schwerpunkt-

gebieten der Produktion, des Transits und des Konsums von Rauschgift wollten
sich die Parlamentarier "vor Ort" informieren und mit Politikern, Vertretern
von Polizei, Zoll und der Justiz über effektivere Abwehrmethoden beraten.
Besucht wurden die Länder Frankreich, Schweiz, Bundesrepublik Deutschland,
Italien, Ägypten, Afghanistan und Pakistan.
Gespräche mit Verwaltungsbeamten des in Genf stationierten UN-Fonds für
die Bekämpfung des Drogenmißbrauchs (UNFDAC) ließen die ungeheuren Schwierigkeiten erkennen, die allein schon aus der Gleichgültigkeit vieler Regierungen
gegenüber dem Drogenproblem sowie der Weigerung bestimmter Länder, diese UNOrganisation zu unterstützen, für eine wirksame Arbeit erwachsen. Der
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�n

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Der UNFDAC-Fonds verfügt z.Zt. über 22,8 Millionen Dollar.
die USA 18 Millionen, Kanada 1 Million Dollar bereit.

Davon stellten

Die UdSSR z.B. und

andere Ostblockländer sowie die Volksrepublik China haben bisher überhaupt
nichts beigetragen.
Nach Ansicht des demokratischen Abgeordneten Wolff würden Leistungen
der einzelnen Länder etwa in der Größenordnung der Leistung Kanadas ausreichen,
um UNFDAC in die Lage zu versetzen, mit 50 - 100 Millionen Dollar als Jahresbudget schon innerhalb eines halben Jahrzehnts eine "wirksame Handhabe gegen
das wachsende Problem des illegalen Rauschgifthandels zu schaffen".

Statt

dessen werde heute der illegale Handel, der keineswegs nur die Vereinigten
Staaten bedrängt, durch die Untätigkeit mancher Regierungen geradezu eingeladen, seine Aktivitäten immer stärker auszuweiten.

Er ist mit dem interna-

tionalen Verbrechertum eng verknüpft und bedeutet für die Syndikate ein Milliardengeschäft.
Um der gegenwärtigen Entwicklung entgegenzuwirken, sollten sich nach
Meinung der amerikanischen Parlamentarier wie auch des Leiters des US-Bundesamtes für Drogenüberwachung (DEA) Fachleute aus den am stärksten betroffenen,
etwa zwei Dutzend Ländern so rasch wie möglich zusammensetzen. Diese internationale Konferenz müßte die Voraussetzungen schaffen für die "dringend
notwendigen Abschreckungsmaßnahmen in der Form umfassender internationaler
Fahndung und einheitlicherer Bestrafung jener Personen, die von der Zerstörung
des Lebens anderer Menschen profitieren". Lester Wolff will dem künftigen
US-Präsidenten Jimmy Carter diesen Vorschlag unterbreiten. Er soll helfen,
Aktionen, wie sie zur Zeit im Rahmen der Zusammenarbeit der USA mit einer
Anzahl anderer Länder durchgeführt werden, zu straffen und entsprechend der
Sachlage auszudehnen.

Rauschgift

- 2 -

�Rauschgift im Überangebot

Auch in der Bundesrepublik wird mit Besorgnis die Ausweitung des Drogenkonsums beobachtet.

Stadt und Land sind gleichermaßen stark betroffen.

Und

die Rauschgiftsucht findet immer jüngere Opfer in allen Schichten der Bevölkerung.

Immer mehr Abhängige greifen zu harten Drogen, die in sehr viel grös-

seren Mengen als noch vor zwei oder drei Jahren angeboten werden.

Schon im

ersten Halbjahr 1976 war die Zahl der Todesfälle fast so hoch wie in den 12
Monaten des Vorjahres.

Nach den Feststellungen der amerikanischen Parlamentarier besteht z.Zt.
weltweit ein Überangebot an Drngenrohmaterial.

Umso wichtiger sei es jetzt,

den illegalen Handel zu blockieren, was automatisch zu einer Verringerung der
illegalen Nachfrage nach Rauschgift führe.
bindung des Opiumnachschubs aus der Türkei:

Wolff nennt als Beispiel die UnterInnerhalb kurzer Zeit sei die

Zahl der Drogenabhängigen in den USA von einer halben Million Opfer auf eine
Viertelmillion zurückgegangen.

Erfreulicherweise seien jetzt die Bemühungen

der türkischen Regierung um eine Kontrolle des Mohnanbaus recht effektiv.

Durch die "neue Welle" des Drogenhandels in Europa, dessen Hauptquellen
nunmehr in Afghanistan und Pakistan lägen, würden dort jedoch, wie Lester
Wolff weiter erklärt, die jungen Menschen ähnlich betroffen wie die Jugend
in den USA in den sechziger Jahren.

Wolff hält es für seine Pflicht, auf

die Gefahr hinzuweisen, daß "die alten türkisch-französischen Heroin-Schleichwege eines Tages wieder gangbar gemacht werden.

Denn Geld ist in kritischen

Zeiten noch immer die stärkste Macht".

Wolff und DEA-Chef Peter Bensinger sind der Ansicht, daß 90 Prozent des
Rauschgifts, das illegal produziert wird, die Märkte deshalb erreicht, weil
es an der Quelle nur wenig wirksame Kontrolle gibt.

Hat aber das Rohprodukt

den Anbauort erst einmal verlassen, ist es auf dem Weg der Weiterverarbeitung
bis zum Bestimmungsort nur noch schwer zu verfolgen.

Die
- 3 -

�Tie bisherige Erfahrung zeigt, daß in den USA wie im Ausland meist
nur 10, günstigstenfalls 20 Prcz^nt der illegalen Drogen in den Maschen
von Zoll und Polizei hängen bleiben. Deshalb scheint die Kontrolle oder
Vernichtung der Anpflanzungen der einzige Weg zu sein, das Angebot drastisch
zu verringern. Diese auPerordentlich schwierige "nd heikle Aufgabe ist auch
Teil des Internationalen Programms zur Narkotikc-Kontrolle des US-Aussenmi nisten" ums.
Herkunftsländer
Aus Burma kommt die , ößte Menge des illegalen Opiums in der Welt etwa 450 Tonnen pro Jahr. Die burmesische Regierung begann 1975, unterstützt durch technische Hilfe wie Helikopter aus den USA, mit der Zerschlagung von Laboratorien und Händlerorganisationen. Während der Anbaiund Erntezeit 1975/76 wurden 17 der größten "Opiumküchen" und 7200 Hektar
Mthnfelder zerstört. Die Vereinigten Staaten wandten im Haushaltjahr 1976
allein 13,3 Millionen Dollar für Massnahmen zur Drogenbekämpfung in Burma
auf; das Programm wird fortgeführt. Aber noch auf Jahre hinaus muß dort
mit hoher Opiumproduktion gerechnet werden, weil sich die jetzigen Anbaugebiete praktisch außerhalb der Regierungskontrolle befinden.
Große Mengen des illegalen Opiums werden auf den Transitwegen zu
internationalen Märkten in Thailand entdeckt. Mit einer Beratergruppe
des US-Zclis konnten im letzten Jahr vom thailändischen Zoll erhebliche
Rauschgiftmengen auf dem internationalen Flughafen in Bangko!' beschlagnahmt werden. Spürhunde werden zur Gepäckkontrolle eingesetzt; auf Schiffen
sind Beschlagnahmeaktionen angelaufen.
Et,:i 150 Tonnen illegalen Opiums werden jährlich in Pakistan produziert - entweder in Gebieten, die außerhalb der Regierungskontrolle
liegen, oder die wirtschaftlich von Opiumproduktion abhängig sind.

Mit
- 4 -

�'.

4

Mit Hilfe der Vereinten Nationen und der USA werden gegenwärtig Studien
und Modell Projekte durchgeführt mit dem Ziel, für die traditionellen
Mohnanbaugebiete andere Einkommensquellen zu erschliessen. Gleichzeitig
wird ein Fahndungsnetz aufgebaut, um den illegalen Opiumhandel an
"strategischen Punkten" zu unter rechen. Der Erfolg blieb aber bisher
weit hinter den Erwartungen zurück.
Weitere 150 Tonnen illegalen Opiums kommen aus unkontrollierten
Gebieten Afghanistans. Das UN-Programm zur Unterstütyuna
r Polizei
bei ihren Bemühungen um die Kontrolle von Rauschnift. zeigte noch
wenig Wirkung. Die Regierung bemüht sich derzeit um neue Einkommensquellen
für die Bauern. Als blockfreias Land wollte Afghanistan internationale
Hilfe im Drogenkrieg bisher nur über die Vereinten Nationen in Anspruch
nehmen. Lester Wolff vermochte nun eine diplomatische Bresche zu
schlagen: Präsident Daoud versprach der Delegation, sich um ein bilaterales
Abkommen mit den Verein igten Staaten zu bemühen, das Afghanistan, ähnlich
wie Mexiko und anderen lateinamerikanischen Nationen,materielle Hilfe aus
den USA im Drogen, rieq verschafft.
Nach der "Neutralisierung" der türkischen Produktion im Jahr 1972
wurde für die amerikanische Drogenszene Mexiko zur Heroinquelle Nummer Eins.
Deshalb wandten die USA im Finanzjahr 1976 c? 14,5 Millionen Dollar, d.h.
30 Prozent der Mittel aus ihrem Internatioralen °rogram zur Orogenbekämpfung,
fuer Hilfeleistungen an Mexiko, in der Form technischer Unterstützung und
Bereitstellung von Flugzeugen auf. Der Betrag für 1977 beläuft sich auf
11 Millionen Dollar. Die mexikanische Regierung ist ihrerseits - auch unter
dem neuen Präsidenten Lopez Portillo - darum bemüht, daß illegal
angebaute Mohnfelder zerstört werden und der Rauschgifthandel unterbunden
wird.
Neben Heroin bildet jedoch Kokain eine zunehmende Gefahr. Ein
großer Teil des in die USA eingeschmugjelten Kokains wird in Kolumbien
aus
- 5 -

�aus Coca-Paste raffiniert; das Rohmaterial liefern Coca-Pflanzen die in
Peru und Bolivien angebaut werden. Den Grundstein zu einem umfangreichen
Aktionsprogramm zur Bekämpfung der illegalen Kokainproduktion legten
Präsident. Banzer (Bolivien) und der amerikanische Außenminister im
Juni 1976: im Verlauf von fünf Jahren stellen die USA über AID-Kredite
45 Millionen Dollar für landwirtschaftliche Hilfer in unbemittelte
Bauern in Coca-Anbaugebieten bereit - vorausgesetzt, daß die zuständigen
Regierungen in der Lage sind, aussichtsreiche Projekte und Programme
zu entwickeln, die zu einer wirksamen Kontrolle der Coca-Produktion
führen. Mit weiteren 8 Millionen Dollar sollen Organe der Fahndung und
des Vollzugswesens ausgestattet werden. Inzwischen meldete auch Peru
sein Interesse an einem ähnlichen Programm an.

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24/1976

US-EXPERTE FORDERT WELTWEITE KONZERTIERTE

MASSNAHMEN

GEGEN ABHÄNGIGKEIT VOM ÖL
- öl Preiserhöhung würde den Wiederaufschwung bremsen •
Interview mit Edward R. Fried

In einem Exklusivinterview mit dem
Korrespondenten des US-Informationsdienstes (USIS) Sam Burks hat der
bekannte amerikanische Wirtschaftsfachmann
Edward R. Fried vor den Folgen einer ölpreiserhöhung gewarnt und zu weltweiten
gemeinsamen Anstrengungen aufgerufen, um
die Abhängigkeit vom H zu verringern.
Fried gehört zu den iührenden Mitgliedern
derBrookings Institution und war früher
Leiter der Arbeitsgruppe für Internationale
Entwicklung und Berater im Weißen Haus und
war auch als Stellvertretender Unterstaatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium tätig.
FRAGE: Es ist damit zu rechnen, daß die Organisation Erdölexportierender
Länder (OPEC) demnächst zusammentritt, um über eine Erhöhung der ölpreise zu
sprechen.

Was wären nach Ihrer Auffassung im gegenwärtigen Stadium des

wirtschaftlichen Wiederaufschwungs die weltweiten Folgen einer solchen
Preiserhöhung?
Antwort:

�ANTWORT: Man fängt vielleicht am besten damit an, daß man sich selbst fragt,
was die unmittelbare direkte Auswirkung wäre.

Eine zehnprozentige Erhöhung

des ölpreises zum gegenwärtigen Zeitpunkt hätte eine direkte Folge in einer
Größenordnung von 11 Milliarden Dollar an Mehrkosten für die Nettoimportländer.

Für sie alle würde es zu einer gewissen Erhöhung der Preise und

zu einer Verschlechterung ihrer Zahlungsbilanzen führen.

Obwohl die

Gesamtauswirkung keineswegs so groß wäre wie bei dem öl schock 1973/74, so
wäre das doch gegenwärtig grundsätzlich beunruhigend, da die Erhöhung zu
einem Zeitpunkt käme, da die Weltwirtschaft in ihren Anstrengungen zur
Überwindung der Rezession nachläßt.

In diesem Zusammenhang würde sie die

Probleme noch erschweren.
FRAGE: Welche Auswirkung hätte eine öl Preiserhöhung auf die Volkswirtschaften
der Vereinigten Staaten und der meisten anderen Industrieländer?
ANTWORT: Von der gesamten direkten Auswirkung würden die Industriestaaten
rund 10 Milliarden Dollar zu verspüren bekommen. Die Auswirkung in den
Vereinigten Staaten wäre geringer als in den anderen Industrieländern, da
bei uns das Importöl einen geringeren Prozentsatz des gesamten Energieverbrauchs ausmacht als in Westeuropa und Japan. Nach sehr überschlägigen
Schätzungen könnte man sagen, daß eine zehnprozentige Erhöhung des ölpreises
zu einer Gesamtpreiserhöhung von etwas weniger als einem halben Prozent in
den Vereinigten Staaten führen würde, während die Preiserhöhung in Westeuropa und Japan im Durchschnitt bei über einem Prozent liegen dürfte. Das
könnte schon allein dazu führen, die Formulierung der Großwirtschaftspolitik
im eigenen Lande ebenso zu komplizieren wie die Probleme der Aufrechterhaltung eines in vernünftigem Rahmen raschen wirtschaftlichen Wiederaufschwungs.
FRAGE: Wie sieht es mit der Auswirkung auf die nicht ölexportierenden
Entwicklungsländer aus?
Antwort:

�ANTWORT: Für sie könnte sich die direkte Auswirkung einer zehnprozentigen
öl Preiserhöhung in einer Größenordnung von 1 bis 1,5 Milliarden Dollar
bemerkbar machen.

Und das ist ein ganz beachtlicher Betrag, wenn man ihn

beispielsweise mit der Hilfe unter bevorzugten Bedingung vergleicht, die
sie erhalten.

Er ist jedoch relativ klein im Vergleich zu ihrem laufenden

Zahlungsbilanzdefizit, das sich für dieses Jahr und 1977 auf 30 bis 35
Milliarden Dollar belaufen dürfte.
FRAGE: In welchem Ausmaß sind die gegenwärtigen finanziellen Probleme dieser
Länder direkt oder indirekt auf die öl Preiserhöhungen zurückzuführen?

ANTWORT: In beträchtlichem Ausmaß!

Der Anstieg des ölpreises seit Oktober

1973 hat ohne Frage die Einfuhrkosten der öl importierenden Länder um etwa
10 bis 12 Milliarden Dollar pro Jahr erhöht.
käme natürlich noch hinzu.

Eine weitere Preiserhöhung

Das ist eine sehr hohe Belastung, die in etwa

dem entspricht, was diese Länder - als Gruppe - an bevorzugter Hilfe von
allen Ländern - Industriestaaten wie OPEC-Länder zusammen - erhalten.

Das

ist eine große und anhaltende Belastung, die sicherlich als starke Bremse
für ihr wirtschaftliches Wachstum gewirkt hat.

FRAGE: Gibt es irgend welche wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen, die die ölimportierenden Länder einzeln oder gemeinsam unternehmen könnten, um einer
Preiserhöhung der OPEC zu begegnen?

ANTWORT: Die schwerwiegendste Folge einer erneuten Preiserhöhung der OPEC
wäre ein genereller Preisanstieg in den Industrieländern.

Ferner hätte sie

die unglückliche Wirkung, die Gesamtnachfrage in den Industrieländern zu
dämpfen.

Sie würde sich wie eine Verbrauchssteuer auswirken, die die

Erzeugerländer den Verbraucherländern auferlegen - nur mit dem wesentlichen
Unterschied, daß in diesem Falle die Erträge aus der Verbrauchssteuer nicht
sofort, sondern erst im Laufe der Zeit ausgegeben werden.
Manko an Nachfrage ausgeglichen werden.

Daher muß das

Leider besteht der einzige uns

bekannte Weg zur Steigerung der Nachfrage, bzw. zum Ausgleich dieses
Nachlassens
- 3-

�Nachlassens der Nachfrage in expansionistischen fiskalischen Maßnahmen oder
einer Politik des leichten Geldes.

Beide Mittel sind inmitten des inflation-

istischen Drucks, der in all unseren Volkswirtschaften noch herrscht, nur
schwer anzuwenden.

Wir verfügen nicht über die Mittel, die wirksam angepaßt

werden könnten, um mit dem Problem einer Erhöhung der relativen Preise
fertig zu werden, wie es sich mit einer Erhöhung der ü'ipreise stellen würde.
Nach meiner Auffassung wäre es jedoch, wenn der öl preis erhöht wird, ein
weiterer Grund für einen mäßigen Konjunkturanreiz in den Industrieländern.
FRAGE: Gibt es für die Entwicklungsländer, die kein öl besitzen, eine
andere Möglichkeit, die nachteiligen Auswirkungen von öl Preiserhöhungen
aufzufangen als durch eine Verlangsamung ihres wirtschaftlichen Wachstums?
ANTWORT: Der beste und naheliegende Weg wäre natürlich, wenn sie von den
OPEC-Ländern Preisnachlässe oder verstärkte Hilfe zu Vorzugsbedingungen
erhalten würden. Das wäre der direkteste und wirksamste Weg, mit diesem
außerordentlich schwierigen Problem fertig zu werden. Ansonsten könnten
sie nur versuchen, weiterhin das zu tun, was sie bisher getan haben,
nämlich ihre Volkswirtschaften bis zu einem gewissen Grad gegen den ölpreisschock von außen dadurch abzuschirmen, daß sie ihre Kapital aufnähme
aus der übrigen Welt erhöhen. Das ist bisher durch eine ganze Reihe von
Maßnahmen erreicht worden, einschließlich erhöhter Kreditaufnahme auf dem
internationalen privaten Kapitalmarkt durch Entwicklungsländer mit einer
ausreichend starken Wirtschaft und damit Kreditposition; durch erhöhte
Kreditaufnahme bei internationalen Finanzinstituten - wie die Weltbank und
die regionalen Entwicklungsbanken - sowie durch erhöhte Hilfe von OECDLändern und - in jüngster Zeit auch - OPEC-Ländern.
FRAGE: Wie stark hat sich die Hilfe seitens der OPEC-Länder ausgewirkt?
ANTWORT: Ich glaube, fairerweise sollte man zwei Dinne sagen:
Erstens, sie ist wesentlich größer geworden; die Kapitalflüsse von den
OPEC-Ländern dürften sich gegenwärtig in einer Größenordnung von 3 bis 4
Milliarden

�Milliarden Dollar pro Jahr bewegen, was bedeutet, daß sie etwa ein Viertel
ihrer erhöhten Einnahmen, die sie von den öl importierenden Entwicklungsländern aufgrund der erhöhten Preise erhalten, wieder zurücksenden.

Der

größte Teil ihrer Zuwendungen und Kredite konzentriert sich jedoch auf ganz
wenige Länder, vor allem im Nahen Osten.

Ihr wirkliches Ziel sollte es je-

doch nach meiner Meinung sein, größere Kapital betrage zu Vorzugsbedingungen
vor allem den ärmsten der öl importierenden Entwicklungsländer zu Verfügung
zu stellen, und das in größtmöglichem Umfang über internationale
Institutionen.

So wäre es beispielsweise nach meiner Überzeugung außer-

ordentlich hilfreich, wenn die OPEC-Länder - vor allem die reichsten unter
ihnen - der Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA), der Tochtergesellschaft der Weltbank für weiche Kredite.eine besondere und außerordentliche Zuwendung machen würden.

Eine solche Geste in großem und großzügigem

Umfang könnte viel dazu beitragen, den ärmsten Ländern zu helfen, und könnte
als ein Hinweis dienen, daß sich diese Länder dem Wohlergehen der ärmsten
Völker verpflichtet fühlen.
FRAGE: In welchem Umfang wäre nach Ihrer Einschätzung eine Erhöhung der
öl preise durch die OPEC wegen des inflationsbedingten Preisanstiegs der
Güter gerechtfertigt, die diese Länder aus den Industriestaaten beziehen?
ANTWORT: In einer Hinsicht überhaupt nicht.

Der derzeitige ölpreis ist

aufgrund seiner Verfünffachung seit Oktober 1973 sehr viel höher als es die
seitherige Inflation rechtfertigen würde. Und eine Erhöhung könnte auch
hinsichtlich, des, wie ich es nennen möchte, langfristigen gerechten Preises
in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren nicht gerechtfertigt werden.

Der

Preis ist durch die Stärke der Erzeuger auf dem Markt hochgehalten worden.
Die Erzeuger erhalten einen hohen Preis, weil sie in der Lage sind, die
Versorgung auf einem Markt zu kontrollieren, der nerade wieder zu expandieren
beginnt.

Wenn Sie meine Antwort im Sinne einer engaren Interpretierung Ihrer

Frage hören wollen - in welchem Umfang die Preise der Güter, die die OPECLänder importieren, gestiegen sind seit der letzten ülPreiserhöhung durch
die OPEC-Länder - dann muß ich sagen, daß das etwas schwierig zu beantworten

ist
- 5 -

�ist, aber je nach Währungsschwankungen und Änderungen der Ölabnahme-Vereinbarungen, liegt die Antwort zwischen null und acht Prozent.
FRAGE: Welche Maßnahmen würden Sie den Industriestaaten empfehlen, un die
weltweite Nachfrage nach öl zu verringern und ihre Verhandlungsposition mit
den OPEC-Ländern über den künftigen öl preis zu stärken?
ANTWORT: Allgemein gesehen bin ich der Auffassung, daß der einzige Weg,
wie wir mit dem Problem der wirtschaftlichen Verwundbarkeit gegenüber
künftigen wirtschaftlichen OPEC-Schocks fertig werden können - einmal
ganz abgesehen von den offenkundigen politischen Problemen eines etwaigen
neuerlichen politischen ölambargos der OPEC - darin liegt, unsere Abhängigkeit von Importöl zu verringern.

Das muß von allen Industrieländern in

gemeinsamem Handeln erreicht werden.
agentur (IEA) geschaffen worden.

Dafür ist die Internationale Energie-

Der Erfolg wird natürlich in erster

Linie von den Vereinigten Staaten abhängen, denn wir sind aus zwei Gründen
entscheidend: £rstens, unsere ölimporte haben wesentlich zugenommen.

Unser

Prokopfverbrauch an Energie liegt mindestens doppelt so hoch wie in anderen
Industriestaaten.

Zweitens, wir verfügen - unter den Industrieländern -

über die größten Möglichkeiten, unsere Versorgung mit allen Artr 1 von Energie
zu erhöhen.

Es liegt also an uns, zusammen mit anderen Ländern die ent-

scheidenden Maßnahmen zu treffen, um mit der Zeit und schrittweise unsere
ölimporte zu verringern.

Wenn uns das gelingt, dann werden wir meiner

Meinung nach die Verhandlungsposition der öl importierenden Länder stärken
und die Fähigkeit der OPEC schwächen, den Marktpreis für Erdöl zu bestimmen
und zu manipulieren.
FRAGE: Das Direktorium der Internationalen Energieagentur hat kürzlich
bekanntgegeben, daß Mitgliedsstaaten ein übereinkommen getroffen hätten,
spezifische Maßnahmen zur Verringerung ihrer Abhängigkeit von Importöl zu
treffen. Eines ihrer Ziele würde es sein, bis zum Frühjahr nächsten Jahres
quantitative Importziele festzusetzen. Welche Auswirkung würde dies weltweit auf Angebot und Nachfrage bei öl haben?
Antwort'
- 6 -

�*.

ANTWORT: Wenn die Importländer mit ihrem Maßnahmen zur Verringerung ihrer
Abhängigkeit von dem öl sämtlicher Exportländer tatsächlich erfolgreich
wären, dann würde das eine sehr, sehr weitgehende Auswirkung haben. Man
muß verstehen, daß es sich beim ölmarkt um einen Weltmarkt handelt; es
ist eher ein Markt für Energie als lediglich ein Markt für öl. So würden
alle Aktionen, die unternommen werden, um das Ansteigen und den Verbrauch
von Energie zu verringern, und auch alle Maßnahmen, die getroffen werden,
um die Nutzung von primären Energiequellen irgendwo auf der Welt zu
steigern, sich dämpfend auf die Fähigkeit der ölexporteure auswirken, die
Preise zu kontrollieren.

Eine Steigerung des Energieangebots - wie zum

Beispiel durch eine Steigerung der Kohleproduktion in Indien, oder der
Nuklearenergie in Japan oder des Nordseeöls in Europa - hat auf den Weltmarkt und den Weltölpreis etwa genau so eine Auswirkung, wie eine Steigerung
der ölproduktion in den Vereinigten Staaten.

Das gleiche gilt auf Seiten

der Nachfrage: Jede einzelne Einschränkung im Verbrauch hilft allen.

Das

ist auch der Grund, warum es sich hier vornehmlich um ein Problem handelt,
das eine konzertierte Aktion erfordert.
FRAGE: Welchen Fortschritt - wenn überhaupt - sehen Sie in dem Energiedialog,
der zur Zeit zwischen den OPEC-Mitgliedern, den Industriestaaten und den
nicht ölexportierenden Entwicklungsländern auf der Konferenz über wirtschaftliche Zusammenarbeit stattfindet?
ANTWORT: Vielleicht wird es schließlich doch einmal möglich sein, die ölfrage ganz im Sinne eines Verbrauchsgüterabkommens zu behandeln. Es könnte
möglich sein, daß es zwischen den ölproduzenten und den öl importierenden
Ländern zu periodischen Abmachungen kommt, die den Fluß des Öls zu einem
bestimmten Preis für eine bestimmte Periode regeln.

Das hätte den Vorteil,

daß es für die importierenden Länder weniger notwendig wäre, mit doch recht
hohen Kosten verbundene Maßnahmen zu ergreifen, um das Energieangebot zu
vermehren oder das Ansteigen des Verbrauchs zu drosseln.

Für die exportieren-

den Länder könnte es eine gewisse Ausweitung der Märkte für ihr öl zu Preisen
bedeuten, die sie für lohnend ansehen würden.

Ich glaube jedoch nicht, daß
eine

- 7 -

�eine Hoffnung besteht, solche Übereinkommen, oder wie Sie es nannten, ein
solcher Dialog könne zu etwas führen, soiange die Industriestaaten nicht
ihre Verhandlungsposition verbessern.

Und das bedeutet einfach, daß die

Industrieländer mit Maßnahmen beginnen müssen, die ihre Abhängigkeit von
Importöl verringern.

Das hat gar nichts mit Autarkie zu tun.

Der Welt-

markt für öl hat gegenwärtig einen Umfang von etwa 29 bis 30 Millionen
Barrel pro Tag.

Das ist in etwa der gesamte Weltexport der öl exportierenden

Länder an die öl importierenden Länder.

Wenn die Gesamtexporte auf nicht

mehr als 25 Millionen Barrel pro Tag reduziert werden könnten, dann hätten
es meiner Meinung nach die OPEC-Länder nicht mehr so leicht, die Preise auf
dem gegenwärtigen Stand zu halten, und sie wären daran interessiert, sich den
Markt auf andere Weise zu sichern.
FRAGE: Was können die Vereinigten Staaten tun, um in den kommenden Jahrzehnten
eine umfassende Energiepolitik zu entwickeln?
ANTWORT: Die Dinge haben sich bei uns langsamer entwickelt, als ich gehofft
hatte. Aber es war auch ein großes Pensum zu bewältigen und viel Durcheinander zu beseitigen. Wir begreifen heute besser, daß wir es mit einem
Kartell zu tun haben, das die Macht hat, die Preise zu manipulieren, und
daß wir die harten Maßnahmen ergreifen müssen, die notwendig sind, um unseren
Energie- und Ölverbrauch zu senken. Das bedeutet, daß wir bereit sein müssen,
in Zukunft einen schrittweisen Anstieg der Preise für andere Energiequellen - für alle Quellen - zuzulassen. Diese Maßnahmen könnten und
sollten meiner Ansicht nach durch einschlägige Vorschriften ergänzt werden wie etwa strengere Bauvorschriften für die Isolierung von Gebäuden;
stärkere Nutzung von Steinkohle für die Stromerzeugung anstelle von Erdgas
und öl oder den Bau von sparsameren Automotoren, angeregt durch eine
Besteuerung nach PS oder eine Verbrauchssteuer für Benzin. All das kann
schrittweise geschehen, aber wir dürfen keinen Zweifel daran lassen, in
welche Richtung wir gehen und gehen müssen, um unseren Ölverbrauch gegenüber früher einzuschränken.
Frage:

- 8 -

�1

FRAGE: Wenn Sie sagen, diese Maßnahmen müßten schrittweise eingeführt
werden, meinen Sie dann, daß jeder wirtschaftliche Schock vermieden werden
müsse, der unserer Wirtschaft schaden könnte?
ANTWORT: Genau das! Wenn wir es beispielsweise für ratsam halten würden,
eine Verbrauchssteuer auf Benzin einzuführen, etwa in der Größenordnung
von 50 Cent pro Gallone, dann könnten wir das auf einen Zeitraum von zehn
Jahren mit jährlich 5 Cent verteilen. Das würde dem amerikanischen Volk
klarmachen, daß der Realpreis, den jeder zu zahlen hat, in die Höhe geht.
Das hätte eine Auswirkung auf die Entscheidung eines jeden einzelnen, was
für ein Auto er sich kauft. Und wenn wir die Steuer schrittweise einführen, dann hätten wir auch die Möglichkeit, sie wieder abzuschaffen, wenn
sich herausstellen sollte, daß sich die Anpassungen in Angebot und Nachfrage
rascher vollziehen, als wir aus guten Gründen annehmen dürfen. Es ist
unbedingt erforderlich, daß die von uns ergriffenen Maßnahmen auf dem
Gebiet der Energie schrittweise eingeführt werden, um ihre binnenwirtschaftlichen Auswirkungen oder Schocks zu dämpfen, aber die Richtung
muß klar erkennbar sein, damit sich die Bevölkerung vernünftig darauf
einstellen kann.

+ + + + +

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24/1976

NEUE AKTIONEN ZUM UMWELTSCHUTZ IN DEN USA

- (AD) - Das amerikanische Regierungsprogramm, das eine Einschränkung
der Anwendung von Chlor-Fluor-Kohlenwasserstoffen vorsieht, wurde jetzt vom
Präsidialbeirat für Umweltqualität (CEQ) bekanntgegeben. Es soll helfen,
einen gefährlich starken Abbau der atmosphärischen Ozonschicht, die für die
Abschwächung intensiver Ultraviolettstrahlung von der Sonne lebensnotwendig
ist, zu verhindern.
In einem Memorandum an die US-Umweltschutzbehörde (EPA), die Bundesbehörde für Nahrungsmittel und pharmazeutische Produkte (FDA) und an die Kommission für Verbraucherschutz (CPSC) sind die Maßnahmen skizziert, die in
den Vereinigten Staaten fürs erste ergriffen werden sollen. Sie gründen sich
auf die Ergebnisse einer Anzahl von Studien, die von Wissenschaftlern an Universitäten sowie staatlichen und privaten Forschungsinstituten bisher durchgeführt wurden.
Unter anderem ist vorgesehen, daß FDA, EPA und CPSC bis April 1977 Vorschriften darüber ausarbeiten, wie nicht unbedingt notwendige Chlor-FluorKohlenwasserstoffe als Sprühdosentreibmittel und in der Anwendung auf den
Sektoren Lebensmittel, Arzneimittel und Kosmetika allmählich aus dem Verkehr
zu ziehen sind.

Die FDA fordert, daß durch Aufkleber schon jetzt auf solche

Verbindungen in nicht unbedingt lebenswichtigen Aerosol-Produkten aufmerksam
gemacht wird.

Unter Leitung der EPA werden sich die drei Behörden gemeinsam

-1 -

�«-

gemeinsam um die Ausarbeitung künftiger Vorschriften und die Durchführung
notwendiger Analysen kümmern, die die Umweltqualitä't kontrollieren und die
wirtschaftlichen Auswirkungen der neuen Maßnahmen ermitteln sollen.

Schä'dl ingsbekämpfung
Bei der US-Umweltschutzbehörde EPA wurde auf Grund eines neuen Gesetzes
zur Kontrolle toxischer Präparate eine besondere Abteilung für toxische Substanzen geschaffen. Sie soll alle Aufgaben im Zusammenhang mit einschlägigen
Programmen übernehmen, die bisher z.B. von den Abteilungen "Wasser und gefährliche Materialien", "Schädlingsbekämpfung" u.s.w. mitverwaltet werden.
Inzwischen bereiten sich Farmer und kommerzielle Unternehmen, die sog.
gefährliche Präparate zur Schädlingsbekämpfung anwenden, auf ihre amtliche
Zulassung vor. Ab Oktober 1977 ist es Pflicht für jedermann aus diesem Personenkreis, sich für den Umgang mit stark toxischen Pestiziden einem besonderen
Trainingskurs mit Abschlußprüfung zu unterziehen. Dadurch soll verhindert
werden, daß eine unsachgemäße Anwendung Schäden bei Menschen und Umwelt verursacht. Der US-Kongreß beabsichtigt mit dem Gesetz außerdem, daß diese Personen auch damit vertraut werden, welche langfristigen und möglicherweise lange
Zeit verborgenen Wirkungen bestimmter Pestiziden zu erwarten seien, welche
neuen Produkte verfügbar sind und wie ihre Anwendung nach den neuesten Erkenntnissen erfolgt.
Welche Substanzen zu den "stark toxischen Pestiziden" zählen, bestimmt
die EPA mit der Klassifizierung "Anwendung eingeschränkt". Die übrigen Präparate sind für "Allgemeine Anwendung" freigegeben, sofern die Gebrauchsanweisung beachtet wird. Auf solche Präparate müssen künftig Personen ausweichen,
die die Zulassungsprüfung für die Anwendung stark toxischer Präparate nicht
ablegen wollen oder können. Die EPA schätzt, daß sich etwa die Hälfte der
drei Millionen amerikanischer Farmer, bei denen ohnehin weniger hohe Anfor- 2 -

�Anforderungen als an Personen von kommerziellen Unternehmen zur Schädlingsbekämpfung gestellt werden, um die Zulassungsprüfung bemühen werden.

Mehr

als 135 000 in 37 Bundesstaaten haben sie bereits abgelegt.
Je nach den bereits bestehenden einzelstaatlichen Bestimmungen, den
örtlichen und regionalen Problemen des Schädlingsbefalls und entsprechend der
bisher üblichen Anwendung von Pestiziden sind die Trainingsprogramme von Staat
zu Staat etwas unterschiedlich. Jedoch müssen alle bestimmten Mindestanforderungen genügen und von der EPA genehmigt worden sein.

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24/1976

DIE NÄCHSTE EISZEIT KOMMT BESTIMMT
- US-Wissenschaftler untersuchen Tiefsee-Sedimente -

(AD) - Die Ergebnisse der Analyse von Tiefsee-Sedimenten gaben der
Forschung jetzt zum ersten Mal Gelegenheit, Zyklen für einschneidende
Klimaveränderungen auf der Erde auch statistisch nachzuweisen.

Es zeigte

sich, daß Eiszeiten und Zwischeneiszeiten die Folge von Veränderungen der
Sonneneinstrahlung sind, welche durch eine relativ geringfügig veränderte
Neigung der Erdachse, durch Pol Schwankungen und Faktoren verursacht
werden, die zu einer leichten Bahnänderung auf dem Weg der Erde um die
Sonne führen.

Mögliche Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf das Klima blieben
bei der Studie unberücksichtigt.

Ausschließlich auf Grund der Sediment-

analysen ziehen die Wissenschaftler den Schluß, daß der nördlichen Erdhemisphäre in den nächsten par Tausend Jahren eine "ausgedehnte"
Vergletscherung bevorstehe.
Schon im Jahr 1920 hatte der serbische Geophysiker M . Milankowitsch
auf mögliche Zusammenhänge zwischen Bahnfaktoren und Erdklima hingewiesen.
Diese Theorie konnten nun Dr. James D. Hays (Lamont-OLservatorium der
Columbia-Universität, New York), Dr. John Imbrie (Brown-Universität,
Providence, Rhode Island) und Dr. Nicholas J. Shackelton (Universität
Cambridge, England) zum ersten Mal belegen.

Ihre Untersuchungen waren

Teil des von der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) finanzierten
amerikanischen Beitrags zur Internationalen Dekade für Meeresforschung
und
- 1 -

�und Klimadynamik, die unter Mitwirkung von Forschern aus aller Welt
u. a. das Ziel verfolgt, das Erdklima während der letzten Eiszeit vor
18 000 Jahren sowie während der letzten Zwischeneiszeit vor 12f 000
Jahren zu rekonstruieren u,nd Voraussagen zur künftigen Klimaentwicklung
zu machen.

Man will den Ursachen für Veränderungen auf die Spur kommen,

die von warmen Zwischeneiszeiten zu Eiszeiten führen.

In den letzten

paar Millionen Jahren ist es jedenfalls häufig zu solchen Klimaänderungen
gekommen.
Mit der statistischen Analyse der experimentellen Meßdaten - in
erster Linie der unterschiedlichen geochemischen und biologischen
Befunde an den Bohrkernen aus Tiefsee-Sedimenten - konnten Zyklen von
21 000 Jahren, 42 000 Jahren und 100 000 Jahren für einschneidende
Klimaänderungen ermittelt werden.

Sie entsprechen genau den Zyklen,

in denen sich die Neigung der Erdachse, die Lage der Pole und bestimmte
Bahnfaktoren auf dem Weg der Erde um die Sonne ändern.

(Ein Bericht

Über die wissenschaftlichen Ergebnisse der Studie erschien in der Zeitschrift SCIENCE vom 12. Dezember 19/6.)

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: Die NATO ist das Kernstück der atlantischen Partnerschaft&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft an die Ministertagung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Cyrus R. Vance: Der neue Außenminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;W. Michael Blumenthal: Der neue amerikanische Finanzminister&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brock Adams: Der neue Verkehrsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas B. Lance: Der neue Direktor des US-Budgetamtes&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas P. O'Neill: Der neue Sprecher des US-Repräsentantenhauses&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter wirbt um überparteiliche Unterstützung seiner Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eingehende Aussprache mit dem Außenpolitischen Ausschuss des Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Achtung vor den Menschenrechten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wesentliches Kriterium für US-Auslandshilfe&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allianz gegen Rauschgiftsyndikate&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanische Parlamentarier fordern internationale Konferenz und koordinierte Maßnahmen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Experte fordert weltweite konzertierte Maßnahmen gegen Abhängigkeit vom Öl&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ölpreiserhöhung würde den Wiederaufschwung bremsen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Aktionen zum Umweltschutz in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die nächste Eiszeit kommt bestimmt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Wissenschaftler untersuchen Tiefsee-Sedimente -&lt;/em&gt;</text>
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29. Dezember 1976

Inhalt
DOKUMENTATION:
Harold Brown: Der neue Verteidigungsminister der USA
Griffin Bell: Der neue Justizminister der USA
Cecil Andrus: Der neue Innenminister der USA
Robert Bergland: Derjieue Landwirtschaftsminister der USA
Juanita M. Kreps^ Die neue Handelsministerin der USA
F. Ray Marshall: Der neue Arbeitsminister der USA
Joseph A. Califano: Der neue Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialmini_s_ter der USA
Patricia Harris: Die neue Wohnungsbauministerin der USA
Charles Schultze: Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten
Theodore C. Sorensen: Der neue Leiter des Zentralamtes für Nachrichten
und Abwehr (CIA)
Andrew Young: Der neue UN-Botschafter der USA
Zbigniew Brzezinski: Der neue Sicherheitsberater Carters
James Schlesinger: Der neue Berater Carters für Energiefragen

HINTERGRUNDMATERIAL:
Aktionsprogramm Energie
Appell an den US-Kongreß und die neue Regierung der Vereinigten Staaten

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Mehr Geld für Grundlagenforschung
Schwerpunkte: Landwirtschaft, Erdbebenvorhersage, Weltraumforschung

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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HAROLD BROWN: DER NEUE VERTEIDIGUNGSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter,
hat den Nuklearphysiker und früheren Luftwaffenminister Dr. Harold Brown
zum neuen Verteidigungsminister der USA ernannt.

Damit kehrt der bisherige

Präsident des California Institute of Technology ins Pentagon zurück, wo er
während der sechziger Jahre bereits in führenden Positionen tätig war.

Die Rückkehr ins Verteidigungsministerium stellt das jüngste Kapitel
in der brillanten Karriere Dr. Browns dar, der schon in seiner Jugend als
Wunderkind galt.

Er wurde am 19. September 1927 in New York geboren, besuch-

te eine höhere Schule für Begabte,die er schon mit 15 Jahren abschloß, und
studierte dann an der Columbia-Universität, an der er mit 21 Jahren promovierte.

Der junge Physiker war einer der neuen Männer, die Präsident John F.
Kennedy zu Beginn seiner Regierungszeit nach Washington holte.

Er war dem

Kennedy-Team als Direktor eines großen Waffenentwicklungs- und Forschungsprojekts in Kalifornien aufgefallen, das gemeinsam von der Amerikanischen
Atomenergiekommission (AEC) und dem Lawrence-Strahlungslaboratorium
ben wurde.

betrie-

Hier hatte es Brown innerhalb von zehn Jahren vom Leiter einer

Arbeitsgruppe bis zum Direktor gebracht.

Im Pentagon war Dr. Brown zunächst

von 1961 - 1965 Direktor der Forschungs- und Entwicklungsabteilung und wurde

- 1 -

�wurde dann von Präsident Lyndon B. Johnson zum Luftwaffenminister berufen
- einen Posten, den er von 1965 - 1969 innehatte.
Aber selbst nachdem Brown das Verteidigungsministerium verlassen hatte,
war er immer wieder für die amerikanische Regierung tätig.

So gehörte er der

US-Delegation bei den Verhandlungen über eine Begrenzung der Strategischen
Rüstungen - SALT - an und stand später bei der zweiten Runde dieser Gespräche
der amerikanischen Abrüstungsbehörde als Berater zur Verfügung.

Brown unter-

stützte nachdrücklich das 1972 unterzeichnete SALT I-Abkommen, das er als einen
"wesentlichen ersten Schritt" zur Förderung der Sicherheit beider Seiten und
der ganzen Welt bezeichnete. Allgemein wird erwartet, daß Brown - der zwar
als vorsichtiger Verfechter der Rüstungskontrolle gilt - auch auf ein baldiges
Abkommen mit der Sowjetunion in der gegenwärtigen SALT-Runde drängen wird.
Dr. Brown war im Pentagon tätig, als der damalige Verteidigungsminister
Robert McNamara das Verteidigungsministerium nach den Maßstäben eines Managers

•

reorganisierte. Mit ähnlichem dürfte jetzt zu rechnen sein, und hier befindet
er sich in voller Übereinstimmung mit Carter, der sich während seines Wahlfeld- "
zuges verpflichtet hat, unproduktive Ausgaben aus dem Pentagon-Budget herauszustreichen.
Anläßlich der Ankündigung seiner Ernennung sagte Brown: "... Eine Regierung hat keine größere Verpflichtung als die Wahrung des Friedens und der
Sicherheit ihres Volkes. Wir müssen über eine starke Verteidigung verfügen,
die es möglich macht, diese Funktion zu erfüllen und unseren lebenswichtigen
außenpolitischen Verpflichtungen voll nachzukommen. Dies muß von unserem eigenen Volk sowie von der übrigen Welt so verstanden werden."
Er ist seit 1953 mit Colene D. McDowell verheiratet; das Ehepaar hat
zwei Töchter.

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GRIFFIN BELL: DER NEUE JUSTIZMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Griffin Boyette Bell ist seit 111 Jahren der erste
SUdstaatler, der auf den Posten des amerikanischen Justizministers - Attorney
General - berufen wurde. Der 58jährige hat sich in 15 Jahren als Bundesrichter in seinem Heimatstaat Georgia einen Namen in der Verbrechensbekämpfung
gemacht und sich gleichzeitig für eine klare Anwendung und Verwirklichung der
Bürgerrechtsgesetze eingesetzt.
Bell wurde von Präsident Kennedy als Bundesrichter in Georgia eingesetzt und leitete auch die Kommission für Verbrechensbekämpfung und Strafvollzug in Atlanta.

Seine Ernennung zum Justizminister fand zwar nicht den unge-

teilten Beifall der Vereinigung zur Förderung Farbiger (NAACP), doch hat er
sich den Ruf erworben, keine Diskriminierungen am Arbeitsplatz zu dulden. Was
die Aufhebung der Rassentrennung an Schulen anbetrifft, so gilt er als gemässigt bis konservativ.
Bei der Nominierung des neuen Justizministers

auf der Pressekonferenz

am 20. Dezember betonte der designierte Präsident Carter, daß sich Bell auf
dem Gebiet des Bürgerrechts "ausgezeichnet" bewährt habe.

Bell versprach,

alles in seiner Macht stehende zu tun, um den Grundsatz zu verwirklichen, daß
vor dem Gesetz jeder gleich ist.
Griffin

�Griffin Boyette Bell wurde am 31. Oktober 1918 in Americus im Staate
Georgia, etwa 15 Kilometer von dem Heimatort Jimmy Carters entfernt, geboren.
Er studierte Jura am Southwestern College in Americus und an der Merger-Universität in Macon in Georgia.

Von 1941 bis 1946 diente er in der amerika-

nischen Armee und erwarb 1948 an der Merger-Universitat den akademischen Grad
eines Bachelor of Law.
Bereits 1947 wurde er zur Anwaltskammer des Staates Georgia zugelassen
und praktizierte zunächst in Savannah und Rome, Georgia, um dann 1953 in eine
bekannte Anwaltsfirma in Atlanta, der Hauptstadt Georgias, einzutreten.
Im Jahre 1959 wurde Bell Personalchef des damaligen Gouverneurs des
Staates, S. Ernest Vandiver, der 1960 vor dem Parlament von Georgia erklärte,
er werde sich der Aufhebung der Rassentrennung an den Schulen seines Staates
widersetzen.

Die Auswirkungen dieser Erklärung seines Gouverneurs blieben

zum Teil an Bell hängen.

Im Jahre 1960 beteiligte sich Bell führend am Prä-

sidentschaftswahlkampf Kennedys in Georgia und wurde im folgenden Jahr, nachdem Kennedy Präsident geworden war, von diesem als Richter am Appelationsgericht des Fünften Bezirks eingesetzt.

In den sechziger Jahren hat Bell dann

für die gerichtliche Durchsetzung der Aufhebung der Rassentrennung an zahlreichen Schulen in Georgia gesorgt.
Am 1. März 1976 hat Bell in seinem Schreiben an Präsident Ford seinen
Rücktritt eingereicht, da die Arbeit an den Bundesgerichten in einem Umfang
zugenommen habe, daß keine Zeit für die notwendige gründliche Behandlung eines
jeden einzelnen Falles mehr bleibe - eine Beschwerde, die von zahlreichen Bundesrichtern

geführt wird.

Bell hat sich wiederholt für die Berufung von Schwarzen auf hohe Posten
im Justizministerium eingesetzt, da die USA ein Land mit vielen Rassen seien
und das Ministerium dies widerspiegeln müsse.
Er ist Mitglied verschiedener juristischer Verbände und Organisationen und
mit der geborenen Mary Foy Powell verheiratet; das Ehepaar hat einen Sohn.
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CECIL ANDRUS: DER NEUE INNENMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Mit der Ernennung des Gouverneurs des Staates Idaho,
Cecil Andrus, hat der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter, einen engen
Freund und dezidierten Verfechter des Umweltschutzes in sein Kabinett berufen.
Die beiden Männer sind seit Anfang der siebziger Jahre miteinander befreundet, und wenn Gouverneur Andrus zunächst auch die Bemühungen von Senator
Frank Church aus Idaho um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der
Demokraten förderte, so unterstützte er dann doch mit großem Nachdruck den
Wahl feidzug Carters, nachdem Senator Church das Rennen aufgegeben hatte. Carter
wiederum hatte zuvor Gouverneur Andrus unterstützt, als dieser sich 1974 um
eine zweite Amtszeit als Gouverneur bewarb.
In vieler Hinsicht denken beide Politiker in der gleichen Richtung, was
besonders während der Amtszeit Carters als Gouverneur von Georgia und der von
Andrus als Gouverneur von Idaho deutlich wurde. So reorganisierte Andrus die
Staatsbürokratie seines Bundesstaates und reduzierte die Anzahl der Behörden
von 268 auf 20. Ähnlich verfuhr Carter in Georgia. Beide gelten auch fiskalisch als konservative Politiker, die um einen Abbau der Regierungsdefizite
bemüht sind.
Einen
- 1 -

�Einen besonderen Namen hat sich Andrus jedoch als Verfechter des Umweltschutzes gemacht.

Er hat sich in seinem Staat gegen verschiedene Projekte ge-

wandt, die der Umwelt geschadet hätten.

So konnte auf seine Initiative hin ein

riesiges Waldgelände in Idaho erhalten werden, das jetzt der Bevölkerung für
Erholungszwecke zur Verfügung steht
Nationalparks einbezogen wurde.

und das in das System der amerikanischen

Bei all diesem Einsatz um die Erhaltung der

Umwelt muß Andrus dennoch als Pragmatiker angesehen werden, der immer bestrebt
ist, die Interessen der Umweltschützer mit denen der Industrie und Wirtschaft
in Einklang zu bringen.

So trat er beispielsweise für die Errichtung eines re-

gionalen Stromnetzes ein, das Atomstrom benutzt, um den Bedarf decken zu können.
Der fast zwei Meter große Gouverneur wurde am 25. August 1931 in Hood
River im Staate Oregon geboren.
ging jedoch - bevor er
Marine.

Er besuchte die Staatsuniversität von Oregon,

einen Abschlußgrad erworben hatte - zur amerikanischen

Unter anderem war er in Korea eingesetzt.

Nach seiner Entlassung aus der Marine zog Andrus in den Staat Idaho
und ging in die Politik.
von Idaho.

Mit 29 Jahren gewann er einen Sitz im Staatssenat

Im Jahre 1966 bewarb er sich dann zum erstenmal - erfolglos - um

das Amt des Gouverneurs.

Vier Jahre später gelang ihm dann der Sprung in

dieses höchste Amt des Staates, wobei er eine fast 25jährige Vorherrschaft
der Republikaner durchbrach.
Andrus ist mit Carol May verheiratet; das Paar hat drei Töchter.

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ROBERT BERGLAND: DER NEUE LANDWIRTSCHAFTSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der Kongreßabgeordnete Robert Bergland, den der
designierte Präsident der USA, Jimmy Carter, zu seinem Landwirtschaftsminister berufen hat, ist selbst Farmer und tritt mit Nachdruck für eine neue
Agrarpreispolitik ein, die er im Interesse sowohl der Farmer als auch der
Verbraucher liegend ansieht. Sollte seine Politik verwirklicht werden eine Entscheidung, die der Zustimmung des Kongresses bedarf - dann dürfte
dies nachhaltige Auswirkungen auf die Preise haben, die sowohl die einheimischen als auch die ausländischen Verbraucher für amerikanische Agrarerzeugnisse zu zahlen haben.
Obwohl Bergland seine Politik als grundsätzlich marktorientiert ansieht, ist er der Meinung, daß es einen völlig freien Markt für Agrarprodukte
nicht gibt. "Außerhalb unserer Grenzen gibt es keinen freien Markt", so erklärte er, "da alle anderen getreideexportierenden Länder ihre Getreidepreise regulieren".
Der aus dem Staate Minnesota stammende Abgeordnete hat schon vor seiner
Tätigkeit als Mitglied des Agrarausschusses des Repräsentantenhauses jahrelange Erfahrungen in der Landwirtschaftspolitik sammeln können.

Unter Land-

wirtschaftsminister Orvilie Freeman in den Administrationen der Präsidenten
Kennedy und Johnson war Bergland von 1963 - 1968 als Direktor des Stabili-

�Stabilisierungs- und Konservierungsamtes der Regierung für den Mittelwesten
tätig.
Bergland wurde am 22. Juli 1928 in Roseau im Staate Minnesota geboren.
Als Sohn norwegischer Einwanderer absolvierte er die Universität von Minnesota
und heiratete 1950 Helen Grahm, "ein Mädchen aus dem Heimatort". Sie erwarben
eine Farm von 113 Hektar und schufen sich praktisch aus dem Nichts eine Existenz.
Als sich die Eltern B^rglands 1960 aufs Altenteil zurückzogen, übernahm er
die 242 Hektar große Farm seines Vaters, auf der in erster Linie Weizen angebaut wird.

Sie wird jetzt von seiner Tochter - das Ehepaar hat sieben Kinder -

und deren Mann bewirtschaftet.
Nach seiner Tätigkeit für das Landwirtschaftsministerium in den sechziger
Jahren bewarb sich Bergland um einen Sitz im Repräsentantenhaus.

Sein erster

Anlauf im Jahre 1968 schlug fehl, aber in den darauffolgenden Jahren gewann er
die Wiederwahl stets mit großer Mehrheit.
Während des Wahlfeldzuges um die Präsidentschaft des Jahres 1976 war
Bergland als landwirtschaftlicher Berater von Senator Walter Mondale tätig,
der der designierte Vizepräsident der USA ist.

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JUANITA M. KREPS: DIE NEUE HANDELSMINISTERIN DER USA

WASHINGTON - (AD) - Mrs. Juanita Morris Kreps, die der designierte
Präsident der USA, Jimmy Carter zur Handelsministerin ernannt hat, ist es
gewohnt, Ehren in Bereichen einzuheimsen, die bis vor kurzem als den Männern vorbehalten galten. Sie ist nicht nur das erste weibliche Mitglied
des Kabinetts Carter, sondern war auch die erste Frau, die an der Duke-Universität in Durham im Staate North Carolina einen Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften erhielt und Vizepräsidentin dieser Hochschule wurde. Außerdem war sie die erste Direktorin der New Yorker Börse und der J.C. Penny
Company. Ganz zu schweigen davon, daß sie dem Vorstand von drei großen
amerikanischen Gesellschaften angehört: der Eastman Kodak, den R.J. Reynolds
Industries und der North Carolina National Bank.
Als Expertin für Fragen der Arbeitsmarktpolitik und für wirtschaftliche
Probleme der Alten sieht Carter in ihr eine Wissenschaftlerin, die die besten
Eigenschaften für ihr neues Amt mit sich bringt.
Auf der Pressekonferenz vom 20. Dezember, in deren Verlauf ihre Ernennung bekanntgegeben wurde, erklärte Mrs. Kreps im Hinblick auf ihren neuen
Aufgabenbereich: "Mir scheint, daß die amerikanische Wirtschaft heute weltweit auf die Probe gestellt wird. Ihre Antwort auf diese Herausforderung betrifft unser aller Leben sowie das Leben der Menschen in aller Welt. Die
- 1 -

�Die Hauptrolle des Handelsministeriums, wie ich sie sehe, besteht darin,
jene Aktivitäten nach besten Kräften zu unterstützen, die zur Verbesserung
des Loses der Menschheit beitragen.

Ich werde mit Nachdruck an diesem Be-

mühen teilhaben."
Mrs. Kreps wurde am 11. Januar 1921 in Lynch, Kentucky, geboren.

Sie

besuchte das Berea College und wechselte dann an die Duke-Universität über,
an der sie auch promovierte. Zehn Jahre lang lehrte sie dann an der
Dennison-Universität in Ohio und kehrte 1955 an die Duke-Universität zurück.
Sie ist Verfasserin mehrerer Bücher und hat eine große Anzahl von Artikeln
über wirtschaftliche Probleme der Frauen, der Jugendlichen und der Alten geschrieben.
Mrs. Kreps ist mit einem Wirtschaftsprofessor verheiratet, der an der
Universität von North Carolina lehrt.

Das Ehepaar hat drei Kinder.

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F. RAY MARSHALL: DER NEUE ARBEITSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Dr. F. Ray Marshall, am 21. Dezember von dem designierten eiierikam'sehen Präsidenten Jimmy Carter zum Arbeitsminister berufen, ist der festen Überzeugung, daß es in den Vereinigten Staaten niemals eine dauerhafte Prosperität geben wird, solange nicht alle wichtigen
Bevölkerungsgruppen an dieser Prosperität teilhaben. Carter bezeichnete den
48jährigen Wirtschaftswissenschaftler aus Texas als "jung, tatkräftig, einen
guten Manager und sehr kompetent". Obwohl manche Gewerkschaftskreise vielleicht eine andere Wahl bevorzugt hätten, gilt er als akzeptabel, da er
seine ganze Tatkraft einsetzen wird, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Dr. Marshall, zuletzt Professor für Volkswirtschaft und Direktor des
Instituts für Arbeitsmarktfragen an der Universität von Texas in Austin,
tritt vor allem für ein von der Regierung und der Privatwirtschaft finanziertes Ausbildungsprogramm für rassische Minderheiten ein, bei denen traditionell die größte Arbeitslosigkeit herrscht. Bei seiner Nominierung erklärte Dr. Marshall, er sei sich der "gewaltigen Aufgaben" bewußt, vor denen
er und die Carter-Administration stünden, wenn es gilt, die Arbeitslosigkeit
und die rassische Diskriminierung abzubauen und die Produktivität zu steigern,
ohne die Inflation anzuheizen. Diese Aufgaben seien von der Regierung allein
nicht zu lösen, sondern erforderten die Zusammenarbeit des öffentlichen und
des privaten Sektors.
Am
- 1 -

�Am 22. August 1928 in Oak Grove in Louisiana geboren, riß Marshall
mit 15 Jahren aus einem baptistischen Waisenhaus aus und trat - im Zweiten
Weltkrieg - in die amerikanische Marine ein.

Nach seiner Entlassung schloß

er seine Schulausbildung ab und studierte am Millspas-College in Jackson,
Mississippi,und dann an der Staatsuniversitä't von Louisiana in Baton Rouge
(der Hauptstadt dieses Staates), wo er den akademischen Grad eines Master
of Arts in Betriebswissenschaft erwarb.

Im Jahre 1955 promovierte er an

der Universität von Kalifornien in Berkeley zum Dr. rer.

pol.

Dr. Marshall setzte seine wissenschaftlichen Arbeiten in Finnland und
dann an der Harvard-Universität fort und nahm anschließend seine Lehrtätigkeit an der Universität von Mississippi, der Universität von Louisiana und
schließlich an der Universität von Texas auf.

Er hat zahlreiche Bücher und

Artikel über Arbeitsfragen vor allem im Zusammenhang mit Minderheiten veröffentlicht.
Dr. Marshall ist mit Patricia Williams verheiratet, das Ehepaar hat
fünf Kinder.

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JOSEPH A. CALIFANO: DER NEUE GESUNDHEITS-, ERZIEHUNGS- UND
SOZIALMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Joseph A. Califano, der 45jährige Anwalt aus
Washington, den der designierte Präsident Jimmy Carter zum neuen Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialminister ernannt hat, hat sich bereits in
den sechziger Jahren einen Namen als Verfechter der sozialen Gerechtigkeit
gemacht. Als Sonderberater des Weißen Hauses von 1965 - 1968 war er hauptverantwortlich für Präsident Johnsons "Große Gesellschaft" - jenes Programm,
das auf eine Hebung des Lebensstandards der Armen in den USA abzielte.
Zu den wichtigsten Gesetzen, die Califano in jenen Jahren ausgearbeitet
hat, gehören das Gesetz für gleiche Beschäftigungsbedingungen, das Modellstädtegesetz sowie das Gesetz zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in den
Großstädten. Maßgebend war er auch an der Konzipierung des Programms "Krieg
gegen die Armut" beteiligt. Bei all diesen Vorhaben war Califano immer bestrebt, eine größtmögliche Beteiligung der Wirtschaft und des freien Unternehmertums sicherzustellen.
Wenn die USA ihre sozialen Probleme bewältigen wollen, so hat Califano
wiederholt erklärt, müssen sie auf ihre innenpolitischen Erfordernisse ebensoviel

geistige und finanzielle Hilfsquellen in Friedenszeiten verwenden wie

auf die militärischen in Kriegszeiten.

Die nobelste Aufgabe einer modernen

�modernen Gesellschaft, so erklärte er anläßlich seiner Ernennung, sei es,
für die Gesundheit der Bevölkerung zu sorgen, der Jugend eine echte Ausbildung zu garantieren sowie die Alten und Armen mit Respekt zu behandeln.
Joseph Califano wurde am 15. Mai 1931 in Brooklyn, New York, als Sohn
eines italienisch-amerikanischen Vaters und einer Mutter irischer Abstammung

geboren.

Er besuchte das Holy Cross-College in Worchester, Massachusetts,

und studierte dann an der Harvard-Universität Rechtswissenschaften.

Nach

seiner Dienstzeit in der amerikanischen Marine - er war in der Militärgerichtsbarkeit in Washington eingesetzt - trat er in das bekannte New Yorker
Anwaltsbüro des früheren Gouverneurs Thomas E. Dewey ein.
Nachdem Califano einige Zeit in der Reformbewegung der Demokratischen
Partei New Yorks tätig gewesen war,ging er 1961 nach Washington, wo er Sonderberater des damaligen Leiters der Rechtsabteilung im US-Verteidigungsministerium, Cyrus Vance, wurde.

Als Vance 1962 den Posten des Armeeministers

übernahm, folgte ihm Califano und wurde Leiter der Rechtsabteilung der Armee.
Im Jahre 1964 ernannte ihn der damalige Verteidigungsminister Robert McNamara
zu seinem Sonderberater und Verbindungsmann zum Weißen Haus.
Nach der Wahl Präsident Johnsons im Jahre 1964 siedelte Califano ins
Weiße Haus über, wo er als Nachfolger des zum Sprecher des Weißen Hauses berufenen Bill Moyers Referent für Gesetzgebungsfragen und Hauptberater Johnsons
für diesen Aufgabenbereich wurde. Für die enge Zusammenarbeit zwischen dem
Präsidenten und ihm steht der Satz Johnsons: "Wenn Joe spricht, dann ist es
meine Stimme, die Sie hören."
Als Johnson sich 1968 nicht mehr um die Wiederwahl bewarb, schied
Califano aus dem Regierungsdienst aus und eröffnete ein eigenes Anwaltsbüro
in Washington.
Califano ist mit Gertrude Zawacki verheiratet; das Ehepaar hat drei
Kinder.
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25/1976

PATRICIA HARRIS: DIE NEUE WOHNUNGSBAUMINISTERIN DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter,
hat die bekannte Washingtoner Anwältin und frühere erste schwarze Botschafterin Amerikas, Patricia Harris, zur neuen Ministerin für Wohnungsbau und
Städteplanung ernannt. Sie hat damit Gelegenheit, das in der Praxis zu beweisen, was sie ihre Studenten immer gelehrt hat: daß das Studium der Jurisprudenz viele Türen öffnet.
Mrs. Harris ist der Oberzeugung, daß eine Ausbildung als Jurist zur
Flexibilität und Anpassungsfähigkeit einer Person wesentlich beiträgt- Als
Ministerin für Wohnungsbau und Städteplanung wird sie diese Anpassungsfähigkeit nun auf einem Gebiet zu beweisen haben, von dem Carter während seines
Wahl feidzuges gesagt hat, daß ihm seine Administration besondere Aufmerksamkeit schenken werde. Die Notwendigkeit, Wohnungen für Familien zu schaffen,
sowie die Bedürfnisse der amerikanischen Städte, so sagte Carter, machten
besondere Anstrengungen des Bundes erforderlich.
Patricia Harris wurde am 3. Mai 1924 in Mattoon, Illinois, als Tochter
eines Speisewagenkellners geboren. Sie wuchs in Chicago auf und besuchte
dort eine höhere Schule. Beim Schulabgang wurden ihr fünf Universitätsstipendien angeboten; sie entschied sich für die Howard-Universität in
Washington, die vorwiegend von Schwarzen besucht wird. Nach Beendigung ihres
- 1 -

�ihres Studiums, das sie als Bachelor of Arts mit summa cum laude abschloß,
kehrte sie für zwei Jahre nach Illinois zurück, wo sie an der Universität von
Chicago tätig war.

Washington lockte jedoch wieder; 1949 ging sie an die

dortige American University.

Gleichzeitig hatte sie den Posten eines stell-

vertretenden Direktors des Amerikanischen Rates für die Menschenrechte inne.
Von 1953 - 1959 war Mrs. Harris als Exekutivsekretär einer NegerstudentinnenVerbindung tätig.

Im Jahre 1955 heiratete sie einen Washingtoner Juristen,

William Beasley Harris, der damals zum Lehrkörper der Howard-Universität gehörte.
Zum Teil auf Drängen ihres Ehemannes und zum Teil aufgrund ihres wachsenden Interesses an der Jurisprudenz schrieb sie sich an der juristischen
Fakultät der George Washington-Universität ein. Im Jahre 1960 schloß sie
ihr Jurastudium als Beste in einer Klasse von 94 ab.
Nach einjähriger Tätigkeit als Staatsanwältin im amerikanischen Justizministerium schloß sie sich dem Lehrkörper der Howard-Universität an und erhielt eine Professur für Rechtswissenschaften.
Unter den Administrationen Kennedy und Johnson gehörte Mrs. Harris
verschiedenen Kommissionen an, die für die Förderung der Frauenrechte eintraten. Im Jahre 1965 ernannte sie Präsident Johnson dann zur amerikanischen
Botschafterin im Großherzogtum Luxemburg; damit wurde Mrs. Harris die erste
schwarze Botschafterin der USA. Nach zwei erfolgreichen Jahren in Luxemburg,
wo auch ihr Ehemann als Rechtsberater des State Department tätig war, kehrte
das Paar nach Washington zurück. Mrs. Harris nahm ihre Lehrtätigkeit an der
Howard-Universität wieder auf, die allerdings nach kurzer Zeit schon wieder
unterbrochen wurde, als Präsident Johnson sie zum Mitglied der amerikanischen
Delegation bei den Vereinten Nationen ernannte.
An die Howard-Universität zurückgekehrt, wurde sie 1969 Dekan der
juristischen Fakultät, trat von diesem Posten jedoch schon nach einem Monat

- 2 -

�Monat wieder zurück, weil sie sich den Forderungen schwarzer Studenten
nach einer größeren Mitspracherolle nicht beugen wollte.
Mrs. Harris war Mitglied der Washingtoner Anwaltsfirma Fried, Frank,
Harris, Shriver und Kampelmann.

Sie ist Inhaberin von 30 Auszeichnungen.

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25/1976

CHARLES SCHULTZE: VORSITZENDER DES WIRTSCHAFTSBEIRATES DES PRÄSIDENTEN

WASHINGTON - (AD) - Charles Schultze, der Mann, den sich Carter als Vorsitzender seines Wirtschaftsbeirates ausgesucht hat,nannte als erste Priorität, "die Wirtschaft wieder auf den Kurs eines soliden anhaltenden Aufschwungs
zu bringen." Schultze gilt als Liberaler, aber auch als Verfechter einer vorsichtigen Ausgabenpolitik. Sein Hauptkampf hat immer der Inflation gegolten,
die er als Hauptiibel der Wirtschaft bezeichnet, das alle anderen Übel - vor
allem die Arbeitslosigkeit - nach sich zieht.
Der 52jährige liberale Demokrat hatte Posten bei demokratischen und republikanischen Administrationen inne. So gehörte er dem Wirtschaftsbeirat
von Präsident Eisenhower an und war später bei Präsident Johnson Direktor
des Budget-Amtes. Als führendes Mitglied der renommierten BrooKings Insitution
war er auch als Berater führender demokratischer Politiker tätig.
Seine Hauptsorge gilt der Erhöhung des ülpreises durch die OPEC, wobei
er bei der vorigen großen Preiserhöhung dafür eintrat, die Profite der ülgesellschaften durch eine sogenannte Windfall Tax - eine Steuer gegen Spekulationsgewinne - abzuschöpfen. Er gilt als hervorragender Fachmann für Wirtschaftsfragen.
Charles Schultze wurde am 12. Dezember 1924 in Alexandria im Staate
Virginia, nicht weit von der amerikanischen Bundeshauptstadt, geboren. Im
- 1 -

�Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er in der amerikanischen Armee in Europa und
erhielt hohe Tapferkeitsauszeichnungen.
Mit dem Amtsantritt Nixons schied Schultze aus dem Regierungsdienst aus,
und seine wirtschaftspolitischen Auffassungen standen meist im Gegensatz zu
denen Nixons und Fords und deren Berater.

Er warf den Republikanern vor, daß

sie nach Beendigung des Vietnam-Krieges ihre Verteidigungsausgaben nicht senkten, und er warnte vor der Einführung neuer Programme ohne eine gründliche
Analyse ihrer Wirtschaftlichkeit.
Politiker.

Er kritisierte jedoch auch demokratische

So widersetzte er sich dem von Senator Hubert Humphrey einge-

brachten Vollbeschä'ftigungsgesetz im Juli 1976. Wenn die Arbeitslosigkeit
zu rasch und zu stark gesenkt würde, dann führe das zu einer Beschleunigung
der Inflation, solange keine wesentlichen neuen Instrumente zu ihrer Kontrolle
vorhanden seien.
Schultze hat sich wiederholt für gezielte Maßnahmen zum Abbau der
Jugendarbeitslosigkeit und der strukturell bedingten Arbeitslosigkeit eingesetzt. In erster Linie muß nach seiner Auffassung jedoch der Kampf gegen
die Inflation geführt werden, und zwar gerade solange die Arbeitslosigkeit
hoch sei. Er warnte vor allgemeinen Versprechungen von Kürzungen und Regierungsausgaben und tritt für eine Belebung der Konjunktur durch Steuererleichterungen ein.

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25/1976

THEODORE C. SORENSEN: DER NEUE LEITER DES ZENTRALAMTES FÜR
NACHRICHTEN UND ABWEHR (CIA)

WASHINGTON - (AD) - Die Benennung Theodore C. Sorensens als künftiger
Leiter des Zentralamtes für Nächrichten und Abwehr (Central Intelligence Agency
- CIA) durch den designierten Präsidenten Jimmy Carter bringt einen der
engsten Berater des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy in den Staatsdienst zurück.

Sorensen, 48 Jahre alt, war ein persönlicher Freund Kennedys und hat
viele seiner Reden verfaßt.

Schon zu der Zeit, als Kennedy noch dem Senat

angehörte und an dem Buch "Profile in Courage" (deutsche Ausgabe: Zivilcourage) arbeitete, war ihm Sorensen bei der Material Sammlung behilflich.
In dem Präsidentschaftswahlfeldzug 1960 half er Kennedy bei der Abfassung
zahlreicher Wahlreden und Stellungnahmen zu Einzelthemen.

Nach dem Wahlsieg

holte dieser ihn als persönlichen Berater in das Weiße Haus.

Anläßlich der Bekanntgabe seiner Nominierung zum Chef des CIA durch
Carter erklärte Sorensen, er sei sich der "schweren Verantwortung" bewußt,
die die Stellung eines Leiters des Nachrichten- und Abwehrdienstes der USA
mit sich bringe,und habe sich nicht um die Übernahme dieser Verantwortung
bemüht.

"Da dieses Amt aber von zentraler Bedeutung für die Aufrechterhal-

tung des Weltfriedens ist, konnte ich es meiner Auffassung nach nicht ab- 1 -

�ablehnen," fügte er hinzu.
Theodore Chaikin Sorensen wurde am 8. Mai 1928 in Lincoln, Nebraska,
geboren. Sein Vater war ein Liberal-Republikaner dänischer Herkunft und
zeitweilig Chef der Justizverwaltung des Staates Nebraska. Seine Mutter,
eine fanatische Frauenrechtlerin und Pazifistin, war russisch-jüdischer Abkunft. Die Mittelinitiale "C" aller fünf Sorensen-Geschwister erinnert an
ihren Mädchennamen.
Vater Sorensen nahm seinen Sohn Ted wiederholt auf politische Versammlungen mit und veranlaßte ihn nicht selten, vom Rednerpult herab selbst "ein
paar Worte" an das jeweilige Publikum zu richten.

Das Haus der Sorensen, in

dem liberale Zeitschriften und Bücher jederzeit zur freien Benutzung herumlagen, war ein Treffpunkt liberaler Kreise, die hier oft lebhafte Debatten
über aktuelle politische Probleme führten.

Das alles blieb - ebenso wie das

Bekenntnis der Familie zu den Lehren der unitarischen Kirche - nicht ohne
Einfluß auf den Heranwachsenden.
Nach Abschluß der Oberschule in Lincoln im Jahre 1945 konnte Sorensen
auf Grund eines Stipendiums die Universität von Nebraska beziehen, an der er
1949 das erste Abschlußexamen ablegte, um anschließend an der juristischen
Fakultät der gleichen Universität, wiederum mit einem Stipendium ausgezeichnet, sein Fachstudium zu betreiben. Im Jahre 1951 promovierte er dort als
Jahrgangsbester zum Bachelor of Laws. Die erste Stat; . seines Berufslebens war die Stellung des Rechtsberaters einer damals kleinen Bundesbehörde,
die später im Zuge einer Umorganisierung zum Ministerium für Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialfragen erweitert werden sollte. Diese Stelle gab er
jedoch bald wieder auf, um sich einem Forschungsstab eines Kongreßausschusses
als wissenschaftlicher Mitarbeiter anzuschließen. Als der Forschungsstab
seine Tätigkeit 1953 einstellte, zeigte sich der inzwischen verstorbene Senator Paul Douglas aus Illinois von den Leistungen Sorensens so sehr beeindruckt, daß er ihn dem neugewählten Senator John F. Kennedy aus Massachusetts
als Referenten empfahl.
Von

�Von der gemeinsamen Liebe zu Büchern und zur Politik beflügelt, arbeiteten die beiden Männer äußerct harmonisch und auch erfolgreich zusammen.
Dank seiner bemerkenswerten analytischen Fähigkeiten entwickelte Sorensen
eine besondere Vorliebe für die Bearbeitung von Gesetzesvorlagen, die Abfassung von kritischen Studienberichten und die Beschaffung von Material für
die Ausarbeitung von Reden und Zeitschriftenartikeln.
Nach der Ermordung Präsident Kennedys im November 1963 blieb Sorensen
nur noch kurze Zeit auf seinem Posten als Präsidentenberater im Weißen Haus.
Er trat im Januar 1964 zurück, um fortan als Rechtsanwalt zu fungieren - ohne
sich allerdings auf diesen Beruf allein zu beschränken. Im Jahre 1965 veröffentlichte er eine Biographie des ermordeten Präsidenten unter dem Titel
"Kennedy" (deutsch 1966: Kennedy), auf die er 1969 "The Kennedy Lenacy"
(deutsch 1969: Das Vermächtnis der Kennedys) folgen ließ. Im Wahljahr 1968
beteiligte er sich an dem infolge seiner Ermordung nur kurzen Wahlkampf von
Senator Robert F. Kennedy, einem Bruder des Präsidenten John F. Kennedy und
ehemals Justizminister unter diesem.
Im Jahre 1970 bewarb sich Sorensen vergeblich um den einstigen Senatssitz von Robert F. Kennedy im Staat New York. Er kehrte deshalb an seinen
Schreibtisch - als Rechtsanwalt wie als politischer Schriftsteller - zurück.
Sein jüngstes Buch "Watchmen in the Night" Presidential Accountability after
Watergate" (Wachleute in der Nacht: Die Pflicht des Präsidenten zur Rechenschaftslegung in der Zeit nach Watergate).
Sorensen ist mit Gillian Martin verheiratet; das Ehepaar hat vier Kinder.

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ANDREW YOUNG: DER NEUE UN-BOTSCHAFTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Zum neuen Chefdelegierten der Vereinigten Staaten
bei den Vereinten Nationen hat der designierte Präsident Jimmy Carter den
44jährigen Schwarzen Andrew Young berufen. Young hat sich als Mitarbeiter
von Martin Luther King in den sechziger Jahren einen Namen in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gemacht. Er war der erste und einzige Schwarze
aus dem Staate Georgia seit 1871, der einen Sitz im Repräsentantenhaus errungen hat. Seinen Posten bei der Weltorganisation bezeichnete er als "glänzende Chance und Selbstmordjob".
Auf der Pressekonferenz am 16. Dezember, als Carter die Nominierung von
Young bekanntgab, erklärte dieser, sein Entschluß, als Botschafter zu den Vereinten Nationen zu gehen, sei vor allem auf seine Oberzeugung zurückzuführen,
daß die Vereinigten Staaten eine wichtige Rolle in Afrika zu spielen hätten.
Young, der als attraktiv und freimütig angesehen wird, hat durch seinen
Einsatz für den Präsidentschaftskandidaten Carter diesem sicherlich Stimmen
der schwarzen Bevölkerung gebracht. Auf den Posten bei den Vereinten Nationen
angesprochen, zeigte er zunächst eine Neigung, auf seinem gewählten Posten
im Kongreß zu bleiben. Eine Reise durch mehrere Länder Afrikas mit einer
Kongreß-Delegation überzeugte ihn jedoch, daß er bei den Vereinten Nationen
eine nützliche Rolle spielen könne - nicht zuletzt, um auf eine Mehrheitsregierung in Südafrika hinzuwirken.
Andrew
- 1-

�1
Andrew Jackson Young wurde am 12. März 1932 in New Orleans im Staate
Louisiana als Sohn eines Zahnarztes und einer Lehrerin geboren und wuchs
in einer vorwiegend weißen Nachbarschaft auf.

Als "reicher Leute Kind" be-

trachtet, zog es ihn zu dem Beruf des Geistlichen, da er in diesem Beruf die
größte unabhängige Wirkungsmöglichkeit bei seinen schwarzen Mitbürgern sah.
Er studierte an der hauptsächlich von Schwarzen besuchten Howard-Universität
in Washington und am Theologischen Seminar in Hartford, Connecticut.
Als junger Geistlicher wirkte er in kleinen Gemeinden in Südgeorgia
und kam mit der Arbeit von Dr. Martin Luther King in Berührung.

Der 29-

jährige Geistliche der Vereinten Kirche Christi trat 1961 dem BürgerrechtsAusbildungsprogramm bei, wo er mit seiner damaligen Verlobten und heutigen
Frau Jean schwarze Mitbürger auf die Prüfungen zur Erlangung des Wahlrechtes
vorbereitete.
King.

Bald wurde er zu einem der wichtigsten Mitarbeiter von Dr.

Er erlebte die Ermordung des bekannten amerikanischen Bürgerrechtlers

und Geistlichen am 4. April 1968 persönlich mit und führte die Arbeit Dr.
Kings zwei Jahre weiter.
Im Jahre 1970 kam er zu der Überzeugung, daß er das Vermächtnis seines
großen Vorbildes am besten erfüllen könnte, wenn er sich der Politik zuwandte.
Bei den Wahlen 1970 kandidierte er in Georgia für einen Sitz im Repräsentantenhaus in Washington in einem Wahlbezirk, in dem 60 Prozent Weiße leben. Ironischerweise verlor er wegen der schwachen Wahlbeteiligung der Schwarzen. Bei
den gleichen Wahlen gewann Jimmy Carter im zweiten Anlauf den Posten des Gouverneurs von Georgia. Young ließ sich nicht entmutigen und arbeitete bis zur
nächsten Wahl intensiv in Bürgerrechtsfragen und gewann die Wahl 1972 mit
52,9 Prozent. Seine Wiederwahl 1974 und 1976 brachte ihm überwältigende
Mehrheiten.
Seine Oberzeugungen schöpft Young nicht zuletzt aus den Schriften
Ghandis.

Das alte Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn", so erklärt Young, läßt

uns am Ende blind und ohne Zähne.

Er tritt vielmehr für eine Politik der

Versöhnung auf der Basis der Menschenrechte für alle ein.
Mit

�*

Mit seiner Frau Jean, die ebenfalls in der Bürgerrechtsbewegung außerordentlich aktiv ist, hat er vier Kinder.

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25/1976

ZBIGNIEW BRZEZINSKI: DER NEUE SICHERHEITSBERATER CARTERS

WASHINGTON - (AD) - Als sich Jimmy Carter im Oktober auf die wichtige
Fernsehdebatte mit Präsident Ford über die Außenpolitik und die nationale Verteidigung vorbereitete, rief er einen bekannten amerikanischen Sowjetologen,
Professor Zbiqniew Brzezinski von der New Yorker Columbia-Universität, zu
sich nach San Francisco, um sich umfassend über weltpolitische Fragen unterrichten zu lassen. Jetzt hat der designierte Präsident diesen Mann mit dem
schwer aussprechbaren Namen, Sohn eines früheren polnischen Diplomaten und
schon während des Wahlfeldzuges einer der einflußreichsten Berater Carters,
mit dem überaus wichtigen Posten des Beraters für Fragen der Nationalen Sicherheit betraut. Dieses Amt hatte während der Nixon-Administration Außenminister
Kissinger inne.
Bei der Ankündigung dieser Berufung anläßlich einer Pressekonferenz
Carters am 16. Dezember meinte Brzezinski, er sei zutiefst überzeugt, daß
sich die USA als Nation zwei fundamentalen Alternativen gegenübersähen: dem
Gebot verstärkter internationaler Zusammenarbeit oder der Gefahr verstärkter
weltweiter Unruhe.

Er sähe seine Hauptverantwortung darin, den Entscheidungs-

prozeß in der Außenpolitik zu fördern.

Dieser Prozeß, so fügte Brzezinski

hinzu, betreffe natürlich in erster Linie den Präsidenten aber auch vor allem
dessen außenpolitischen Hauptberater, den Außenminister der USA, sowie den
Verteidigungs- und Finanzminister und andere Kabinettsmitglieder.
Diese
- 1 -

�J
Diese Bereitschaft, seinen eigenen Beitrag herunterzuspielen, ist
charakteristisch für die Bescheidenheit des neuen Sicherheitsberaters. Einem
Reporter, der ihn nach seiner Vertrautheit mit Carter während dessen Wahlfeldzug befragte, sagte er, seiner Meinung nach sei seine Rolle durch die Medien erheblich übertrieben dargestellt worden.

Tatsache sei vielmehr, daß

andere einen weitaus größeren Einfluß gehabt hätten als er.
Das Interesse Brzezinskis am Kommunismus und an osteuropäischen Fragen
ist nicht zuletzt mit seiner Herkunft zu erklären.

Er wurde am 28. März 1928

als Sohn eines polnischen Diplomaten in Warschau geboren.

Den größten Teil

seiner frühen Kindheit verlebte er mit seinem Eltern in Frankreich und Deutschland, wo er Privatschulen besuchte.

Brzezinski begleitete seine Eltern 1938

nach Kanada, wo sein Vater am polnischen Konsulat in Montreal tätig war.

Als

in Polen die Kommunisten die Macht übernahmen, blieb die Familie in Kanada.
Weitere schulische Stationen Brzezinskis waren katholische Ausbildungsinstitute in Kanada, die McGill-Universität in Montreal sowie die Harvard-Universität in den USA an der er 1953 promovierte und einen Lehr- und Forschungsauftrag erhielt.

Er gehörte dem Lehrkörper dieser renommierten Hochschule bis

1960 an und ging dann an die New Yorker Columbia-Universität. Im Jahre 1961
übernahm er die Leitung des neugegründeten Instituts für Fragen des Kommunismus an dieser Universität und erwarb sich in den darauffolgenden Jahren den
Ruf eines Experten für osteuropäische Angelegenheiten.

Im Jahre 1961 war er

einer der wichtigsten außenpolitischen Berater des neugewählten Präsidenten
John F. Kennedy, und von 1966 bis 1968 gehörte er dem politischen Planungsstab des State Department an.

In dieser Eigenschaft unterstützte er nach-

drücklich die Präsenz der USA in Vietnam.
Im Jahre 1973 vertrat Brzezinski in einem Artikel, der in der bekannten
Zeitschrift "Foreign Affairs" erschien, die Ansicht, daß die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Welt ein Hauptproblem der USA bleibe, führte
jedoch gleichzeitig die Fragen der Entwicklungsländer sowie die Aufrechterhaltung der Beziehungen zu den Industrienationen als zwei weitere wichtige
Gebiete an.

Um sich mit diesen Problemen effektiver auseinandersetzen zu_
- 2 -

�zu können, schlug Brzezinski eine engere Zusammenarbeit zwischen Nordamerika,
Westeuropa und Japan vor.

Er war Mitbegründer der "Trilateralen Kommission",

einer privaten Gruppe zur Förderung dieses Zieles, der auch Jimmy Carter als
Mitglied angehörte, und hier begann bereits die enge Zusammenarbeit beider
Männer.
Brzezinski hat sich häufig über die Bemühungen der USA ausgesprochen,
die Beziehungen zur Sowjetunion zu verbessern; in einem Interview mit der
"New York Times" kurz vor den Wahlen unterstrich er jedoch, daß er die Entspannung nicht ablehne. Man müsse allerdings zu einer umfassenderen Entspannung gelangen, so meinte er, und man dürfe nicht eine Detente akzeptieren,
in der die Sowjets die Spielregeln festlegten und die Prioritäten setzten.
In einer Rede vor dem Nationalen Demokratischen Frauenclub, ebenfalls
kurz vor der Wahl »forderte Brzezinski Vorverhandlungen über ein Abkommen zur
Begrenzung strategischer Waffen zwischen den USA und der Sowjetunion, das die
Anzahl der strategischen Bomber, der nuklearen Sprengköpfe sowie der Raketen
auf beiden Seiten reduziere.
Seit Jjni 1955 ist Brzezinski mit Emilie Benes, einer Großnichte des
ehemaligen tschechoslowakischen Präsidenten Eduard Benes, verheiratet. Sie
haben drei Kinder.

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JAMES SCHLESINGER: DER NEUE BERATER CARTERS FÜR ENERGIEFRAGEN

WASHINGTON - (AD) - James R. Schlesinger, der Mann, den der designierte Präsident der USA zu seinem Hauptberater für Energiepolitik ernannt
hat, verfügt über einen größeren Bereich an Erfahrungen im Regierungsdienst
als jeder andere, der in die neue Administration berufen worden ist. Die
Ernennung Schlesingers gilt als sicheres Anzeichen dafür, daß Carter einen
größeren Nachdruck auf den Energiebedarf der Nation und die damit zusammenhängenden Probleme legen wird, als dies bisher der Fall war.
Nahezu sieben Jahre,von 1969 - 1975,war Schlesinger - übrigens die
einzige Persönlichkeit aus der Nixon- und Fordära, die Carter in seine Administration berufen hat - in einer Reihe von hohen Regierungspositionen
tätig, und auf jedem dieser Posten wurde seine Arbeit als brillant und effektiv gelobt. Zunächst war er Stellvertretender Direktor der alten BudgetAbteilung, dann siedelte er in die US-Atomenergie-Kommission über, wurde
dann Leiter des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA), um schließlich das Verteidigungsministerium zu übernehmen.
Im Jahre 1975 wurde Schlesinger von Präsident Ford aus dem Amt des
Verteidigungsministers im Zuge einer umfassenden Regierungs-Reorganisation
entlassen.

Ford hat niemals im einzelnen seine Gründe dafür dargelegt,

außer daß er seinen eigenen Mann, Donald Rumsfeld, auf diesem Posten haben
- 1 -

�haben wollte. Allerdings hatte Ford, als er noch Vizepräsident war, einmal erklärt, er würde Schlesinger wegen dessen schlechten Beziehungen zum
Kongreß entlassen.
James Rodney Schlesinger wurde am 15. Februar 1929 in New York City geboren.

Er schrieb sich 1946 an der Harvard-Universität ein, studierte Wirt-

schaftswissenschaften und schloß sein erstes Examen 1950 summa cum laude ab.
Sechs Jahre später erwarb er den Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften an
der Harvard Universität.
Bis 1963 lehrte er dieses Fach an der Universität von Virginia und
übernahm dann eine Tätigkeit bei der Rand Corporation, der renommierten "DenkFabrik" für nationale Sicherheit, wobei er sich vor allem mit der nuklearen
Waffentechnik und mit strategischen Analysen befaßte.

Auf diesem Gebiet hatte

er sich bereits vorher durch Vorträge sowie durch sein 1960 veröffentlichtes
Buch "The Political Economy of National Security" (Die politische Ökonomie
der Nationalen Sicherheit) einen Namen gemacht.
:

Sein umfassendes Wissen auf den Gebieten der Wirtschaft, der Kernenergie,
der nationalen Sicherheit und der Verteidigung gab ihm das erforderliche Rüstzeug für seine erfolgreiche Arbeit auf den hohen Regierungsposten in der
Budget-Abteilung, der Atomenergie-Kommission,dem CIA und dem Verteidigungsministerium, auf die er von Präsident Nixon während dessen Administration berufen wurde.
Nach seiner Entlassung als Verteidigungsminister unter Präsident Ford
arbeitete Schlesinger am "Center for International Studies" der Johns HopkinsUniversität und trat während der Präsidentschaftswahlen 1976 als Berater
Carters in Erscheinung.
In seiner Ernennung zum Berater für Energiefragen des neuen Präsidenten
sieht Schlesinger eine "herausfordernde Aufgabe".

Er werde sich bemühen, den

"Enthusiasmus und die Energie des amerikanischen Volkes" für die Lösung der
2 -

�der auf diesem Gebiet sich stellenden Probleme zu mobilisieren.

Es gelte,

den Anstieg des Gesamtenergieverbrauchs und vor allem das Anwachsen der Rohölimporte zu begrenzen, um die Gefahr allzugroßer Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von ausländischen Energiequellen zu verringern.

In diesem Sinne

werde er daher auch bestrebt sein, die Entwicklung von Automobilen mit geringerem Benzinverbrauch in den Vereinigten Staaten zu fördern.
In der amerikanischen Öffentlichkeit gilt Schlesinger als pfeifenrauchender Intellektueller, der eigentlich mehr im Hörsaal der Universität
als im bürokratischen Gewirr der Verwaltungsorganisationen zu Hause ist und
auf politischem Parkett leicht die Geduld verliert. Dieses Bild geht auf
Vorfälle im Jahre 1975 zurück, als Schlesinger weitere Kürzungen seines bereits vom Weißen Haus gestutzten Verteidigungshaushalts durch das Repräsentantenhaus mit scharfen öffentlichen Attacken gegen diese Maßnahmen der Legislative beantwortete. Die sich daraus entwickelnde Kontroverse zog ihm
den Zorn vieler Kongreßmitglieder zu, sicherte ihm aber auch auf vielen Seiten den Respekt wegen seiner unerschrockenen und klaren Haltung, die die
"Dinge in die richtige Perspektive" setze.
Wie der designierte amerikanischen Präsident Carter ist auch Schlesinger
ein starker und intensiver Bücherleser. Er ist mit Rachel Mellinger verheiratet. Das Ehepaar hat acht Kinder.

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AKTIONSPROGRAMM ENERGIE
Appell an den US-Kongreß und die neue Regierung der
Vereinigten Staaten

- (AD) - Zum Schutz der amerikanischen Wirtschaft gegen die Auswirkungen weiterer Ülpreis-Erhöhungen und möglicher künftiger Störungen in der
Versorgung mit Import-Energierohstoffen sei ein "Aktionsprogramm Energie"
eine der vordringlichen Aufgaben der Regierung Carter. Diese Ansicht vertraten der US-Handelsminister Elliot Richardson und der Leiter der US-Energiebehörde Dr. Frank Zarb bei Anhörungen vor dem Unterausschuß für Energie
und Strom des US-Kongresses in ihrer Funktion als Vorsitzender bzw. Leitender
Direktor des Präsidialrates für Energierohstoffe (ERC). In einem inzwischen
auch der Öffentlichkeit übergebenen Situationsbericht ("Perspektiven der
Energiepolitik") sind die wichtigsten Aufgaben zusammengefaßt, die nach Ansicht von Richardson und Zarb sofort in Angriff genommen werden sollten:
1) Steigerung der amerikanischen Kohleproduktion von ihrem gegenwärtigen Stand von ca. 608 Millionen Tonnen pro Jahr auf mehr als 900 Millionen
Tonnen bis Mitte der achtziger Jahre.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen

bereits bewilligte Programme zur Kohlenutzung voll durchgeführt werden. Außerdem sei eine engere Zusammenarbeit von Bundesregierung, den Regierungen der
einzelnen Bundesstaaten, kommunaler Verwaltungen und den Vertretern von
Bürgerinitiativen erforderlich.

Aueinandersetzungen über Umweltfragen müßten
- 1-

�müßten beigelegt werden.

Auch seien größere Anstrengungen zu unternehmen»

um synthetische Brennstoffe aus Kohle zu gewinnen.
2) Ausweitung der einheimischen ölförderung in den neuen Feldern
Alaskas und der äußeren Schelfgebiete sowie intensivere Nutzung erschlossener Vorkommen.

Dies erfordere allerdings beschleunigte Verfahren zur Auf-

hebung der öl Preiskontrollen unabhängig von der Frage, ob ein "Mischpreis"
auf nationaler Ebene einzuführen sei.

Unnötiges Reglement seitens des Staa-

tes müsse abgeschafft werden, bessere Beziehungen zwischen lokalen Verwaltungen und der Erdölindustrie seien zu fördern.
3) Steigerung der amerikanischen Erdgasproduktion.

Diese sei nur in

Verbindung mit Maßnahmen des US-Kongresses zur Aufhebung der Preiskontrolle
bei neuen Erdgasquellen und rascher Lösung des Problems des Gastransports
von Alaska nach den übrigen 48 kontinentalen Bundesstaaten möglich.
4) Steigerung der Anwendung regenerationsfähiger Energiequellen wie
Sonnen- und Windenergie sowie Erdwärme.

Auf diesen Gebieten sollten For-

schung und Entwicklung Teil des Gesamtenergieplanes sein.
5) Aufbau einer strategischen ölreserve im Umfang von mindestens 500
Millionen Faß. Zu den bisher erzielten Fortschritten zählt u.a. die Bewilligung von Mitteln durch den US-Kongreß zur Anlage eines Grundstocks an ölreserven von 40 Millionen Faß. Nach Meinung von hohen Beamten der Regierung
Ford müsse jedoch zum Schutz gegen mögliche Unterbrechungen der Belieferung
mit öl das Programm rasch zu Ende geführt werden.
6) Verringerung der Wachstumsrate für den Energiebedarf von bisher
3,5 Prozent im Jahr auf 2,5 Prozent.

Da die technischen Möglichke*ten zur

Einsparung von Energie zum großen Teil bereits ausgeschöpft werden, dürfte
es jedoch schwierig sein, dies ohne Preiserhöhungen oder restriktive Maßnahmen wie verordnete Verbrauchseinschränkungen zu erreichen.

Die

�/

i
Die Frage der Energiepolitik erfordert dem ERC-Bericht zufolge 1977
und 1978 Maßnahmen seitens der Regierung.
der Energiefinanzierung sei zu klären.

Auch die Rolle der Regierung in

Zum Abbau der Abhängigkeit von Im-

portöl sei außerdem internationale Zusammenarbeit unerläßlich.

Handelsminister Richardson schlägt vor, daß alle Regierungsressorts
gemeinsam Management-Pläne für den Fall eines neuen ölembargos ausarbeiten.
Dabei müsse auch die optimale Nutzung der strategischen ölreserven im Hinblick auf das Programm der Internationalen Energiebehörde und auf mögliche
Maßnahmen zur Verbrauchseinschränkung analysiert werden.

Präsident Carter

sollte vom Kongreß ermächtigt werden, im Fall einer Unterbrechung der Versorgung mit Energierohstoffen oder bei starken Preiserhöhungen Notstandssteuern oder Gebühren auf Erdölprodukte zu erheben und diese Produkte für
bestimmte Verbrauchergruppen zu rationieren.

Der Rat für Energierohstoffe habe, wie Richardson erklärte, zahlreiche
Wege zur Organisation des Energiesektors sondiert.

Jedoch sei die Organi-

sation allein kein Ersatz für die Prozesse, die eine verantwortungsbewußte
und substantielle Entwicklung der Energiepolitik gewährleisten.

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MEHR GELD FÜR GRUNDLAGENFORSCHUNG
Schwerpunkte: Landwirtschaft, Erdbebenvorhersage, Weltraumforschung

- (AD) - Eine Anhebung der Etats für Grundlagenforschung auf Schwerpunktgebieten um drei Prozent zusätzlich zum Inflationsausgleich schlägt Präsident Ford für den Haushalt 1978 vor.

Besonders berücksichtigt werden sol-

len neben der Energieforschung bestimmte Projekte der Weltraumforschung samt
Erderkundung aus dem Weltraum,

Erdbebenvorhersage und Agrarforschung.

Auf dem letztgenannten Gebiet sind Projekte interessant, die neue Wege
zur Stickstofffassimilierung eröffnen könnten und das Ziel haben, Eigenschaften von Hülsenfruchtpflanzen eines Tages auch auf wichtige Getreidesorten
wie Mais und Weizen zu übertragen.

Wenn es gelänge, deren Erbstruktur so zu

verändern, daß auch sie, beispielsweise in Verbindung mit Bodenbakterien,
Luftstickstoff in Ammoniak umwandeln, würde der Weltbedarf an Kunstdünger
rapide sinken.

Dr. Guyford Stever, Vorsitzender des Präsidialbeirats für

Wissenschaft und Technologie und Direktor der Nationalen Wissenschaftsstiftung der USA, hält angesichts der überragenden Leistungen der amerikanischen
Agrarforschung in der Vergangenheit Erfolge in dieser Richtung für durchaus
denkbar.

Ein Sonderfonds von 20 - 25 Millionen Dollar soll künftig eine Mög-

lichkeit schaffen, daß sich Wissenschaftler nicht nur im Rahmen des konventionellen Bewilligungssystems, sondern auch direkt an höchster Stelle um
- 1-

�um Forschungsgelder bemühen können. Dadurch würden mit höherer Wahrscheinlichkeit die besten Ideen unbürokratisch gefördert.
Die Forschungsmittel für die Erdbebenvorhersage (bisher ca. 20 Millionen Dollar) sollen mindestens verdoppelt werden, wobei der Steigerungsbetrag in erster Linie für die Entwicklung neuer Instrumente, Verfahren und
Ideen zur Erkennung und Auswertung bestimmter Phänomene, die Erdbeben ankündigen, verwendet würde.

Einschlägige Studien in Japan, China, der UdSSR und

den USA haben bereits gezeigt, daß es vor einem Erdbeben zu mancherlei Veränderungen kommt. Jetzt gilt es, sie rechtzeitig zu erfassen und richtig zu
interpretieren, um, ähnlich wie in der Wettervorhersage, eine Erdbeben-"Vorwarnung" geben zu können.
Beispielsweise wurde in einem 7200 qkm großen Gebiet im Räume Los
Angeles in Kalifornien seit den sechziger Jahren ein "Anschwellen" der Oberfläche um ca. 25 cm beobachtet. Geologen sind der Auffassung, daß eine solche Bodenhebung Spannungen im Erdinnern anzeigt, die sich vor einem Erdbeben
aufbauen. In Japan gingen 1964, in Kalifornien 1972 derartige Erscheinungen
einem Erdbeben voraus.
Zu den neuen Programmen, die für die Raumfahrt empfohlen werden, gehört
ein 2,4 m-Hochleistungsteleskop, das mit dem Raumtransporter auf eine Erdumlaufbahn gebracht werden soll. Es würde Anstronomen in allen Ländern zum
Studium von Himmelsobjekten,die von der Erdoberfläche aus überhaupt nicht zu
beobachten sind, zur Verfügung stehen.
Nunmehr soll auch für die Erforschung des Planeten Jupiter, wie zuvor
schon bei Mond und Mars, ein Orbiter eingesetzt werden.

Der Start zu dem

zwei Jahre dauernden Anflug zum größten Planeten unseres Sonnensystems ist
Ende 1981 geplant.

Nach dem Einschwenken des Roboters in eine Jupiter-Um-

laufbahn würde sein Orbit von Zeit zu Zeit geändert, damit die Sonde nach
und nach die 13 Jupitermonde möglichst nahe passiert.

Vor allem interessieren

die vier großen, von Galilei entdeckten Monde, die ungefähr so groß sind wie

�•

wie der Planet Merkur.

Der Orbiter soll außerdem eine Sonde absetzen, mit

der die dichte und turbulente Atmosphäre untersucht und die ersten direkten
Messungen von Temperaturen und Zusammensetzung der unterschiedlich gefärbten
Wolkenbänder vorgenommen werden sollen.
Mit einem verbesserten Satelliten zur Erdfernerkundung wird das Projekt
LANDSAT ausgeweitet, an dem schon heute mehr als 50 Länder teilnehmen. In
den USA haben die LANDSAT-Meßdaten zur Vorhersagen der Getreideernte, insbesondere der Weizenernte, eine mehr als 90prozentige Übereinstimmung mit dem
tatsächlichen Ernteertrag gezeigt. Die Meßdaten aus der Beobachtung der
sowjetischen Weizenernte, die amerikanische LANDSAT-Wissenschaftler auf Ersuchen der UdSSR sammelten, stimmten mit den in der UdSSR angestellten Vorausberechnungen ebenfalls gut überein. Solche Studien erleichtern gerade angesichts der Bedeutung der beiden Länder für den Weltgetreidemarkt eine ausgewogene Disposition. Der Einsatz von Fernerkundungssatelliter für Aufgaben
der Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, des Umweltschutzes und der
Rohstoffsuche entwickelt sich gegenwärtig zu einem der wichtigsten Anwendungsgebiete der Raumfahrttechnologie.

+ + + + +

Ä

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Harold Brown: Der neue Verteidigungsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Griffin Bell: Der neue Justizminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Cecil Andrus: Der neue Innenminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Robert Bergland: Der neue Landwirtschaftsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Juanita M. Kreps: Die neue Handelsministerin der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F. Ray Marshall: Der neue Arbeitsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Joseph A. Califano: Der neue Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Patricia Harris: Die neue Wohnungsbauministerin der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Charles Schultze: Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Theodore C. Sorensen: Der neue Leiter &amp;nbsp;des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andrew Young: Der neue UN-Botschafter der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zbigniew Brzezinski: Der neue Sicherheitsberater Carters&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;James Schlesinger: Der neue Berater Carters für Energiefragen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aktionsprogramm Energie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Appell an den US-Kongress und die neue Regierung der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr Geld für Grundlagenforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schwerpunkte: Landwirtschaft Erdbebenvorhersage, Weltraumforschung&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

1

I
3

United States Information Service

12. Januar 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Warren B. Christopher: Der neue Stellvertretende Außenminister der USA
Das neue Team im US-Außenministen'um
John E. Reinhardt: Neuer Direktor des US-Informationsamtes (USIA)

HINTERGRUNDMATERIAL
Schädlingsbekämpfung in Entwicklungsländern
AID legt Bericht über amerikanische Hilfsaktionen vor

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Solarheizung kann mit Elektroheizung konkurrieren

Um Übef/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�1

Dokumentation

^r

ST a

y]

United States Information Service
1/1977

WARREN M. CHRISTOPHER: DER NEUE STELLVERTRETENDE AUSSENMINISTER DER USA

Washington - (AD) - Der designierte Außenminister der USA, Cyrus Vance,
hat den 51jährigen Anwalt aus Los Angeles, Warren M. Christopher, zu seinem
Stellvertreter ausersehen. Vance folgt damit der von Jimmy Carter verkündeten "Generallinie", die es den neuen Kabinettsmitgliedern freistellt,
ihre engsten Mitarbeiter selbst zu benennen. Christopher hat zwar auf
internationaler Ebene relativ geringe Erfahrungen,erwies sich jedoch als
stellvertretender amerikanischer Justizminister während der letzten beiden
Jahren der Amtszeit Präsident Johnsons als geschickter Verhandlungsführer.
Außerdem war er Anfang der sechziger Jahre Berater des amerikanischen
Außenministeriums und nahm in dieser Eigenschaft an verschiedenen internationalen Verhandlungen über Fragen des Textilhandels teil.
Warren M. Christopher wurde am 27. Oktober 1925 in Scranton, North
Dakota, geboren. Er absolvierte ein Jurastudium an der Stanford-Universität
in Kalifornien und war dann zunächst als Mitarbeiter des Richters am Obersten
Bundesgerichtshof der USA, William 0. Douglas, tätig, bevor er sich einem
Anwaltsbüro in Los Angeles anschloß und für die Demokratische Partei aktiv
wurde. Während der Rassenunruhen der sechziger Jahre wurde er weithin in
den USA bekannt, zunächst als Mitglied der Unte»suchungskommission von
Kalifornien, die sich mit den Unruhen in Watts bei Los Angeles befaßte, und
dann durch seine Tätigkeit in Detroit nach den dortigen Vorfällen im Jahre
1967. Damals arbeitete er eng mit Cyrus Vance zusammen, den Präsident
Johnson als Krisenbewältiger in die Automobilmetropole entsandt hatte. Der
dama'ige amerikanische Justizminister Ramsey Clark holte Christopher dann
nach Washington, wo sich dieser als Vertreter deL US-Justizministeriums mit

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�mit der Beilegung der Unruhen nach der Ermordung von Martin Luther King
befaßte.
Christopher ist mit Marie Josephine Wyllis verheiratet; das Ehepaar
hat vier Kinder.

+ + +

2 -

�Dokumentation
United States Information Service

1/1977

DAS NEUE TEAM IM US-AUSSENMINISTERIUM

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter,
und der künftige amerikanischen Außenminister, Cyrus R. Vance, haben nun das
Team zusammengestellt, das die wichtigsten Posten im State Department besetzen soll.

Nach Warren M. Christopher, der als Stellvertreter von Vance vor-

gesehen ist, wurden folgende Persönlichkeiten für die höchsten Ämter im amerikanischen Außenministerium nominiert:

Philip C. Habib: Staatssekretär für Politische Angelegenheiten
Philip C. Habib wird seinen Posten - das dritthöchste Amt im State
Department - beibehalten.

Er hatte diese Position vor einem Jahr übernommen.

Habib, 56 Jahre alt, ist Berufsdiplomat.

Er vertrat sein Land in der

Republik Korea, nachdem er zuvor von 1968-1971 Hauptberater der amerikanischen
Delegation bei den Pariser Vietnamverhandlungen war.

Während seiner 28jährigen Tätigkeit als Berufsdiplomat hat Habib sich
weitgehend mit asiatischen Fragen befaßt.

Nach dreijährigem Aufenthalt als

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�&gt;

als Botschafter der USA in Seoul wurde er 1974 auf den Posten des Unterstaatssekretärs für ostasiatische und pazifische Angelegenheiten im State Department
berufen.

Von 1965-1967 war er als Berater für politische Fragen im Rang eines

Gesandten in Saigon tätig.
Richard N. Cooper: Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten
Der Wirtschaftsprofessor an der Yale-Universität, Richard N. Cooper,
ist zum Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium ernannt worden.

Dieses ist der vierthöchste Posten im State Department.

Cooper ist 42 Jahre alt und hat als Wirtschaftsfachmann in den USA einen hervorragenden Ruf.

Unter Präsident Johnson war er bereits stellvertretender

Unterstaatssekretär für Internationale Währungsfragen.
Lucy Wilson Benson: Staatssekretärin für Militärhilfe
Zur Staatssekretärin für Militärhilfe (Security Assistance) ist die 49jährige Lucy Wilson Benson ernannt worden. Dies ist der höchste Posten, den
je eine Frau im amerikanischen Außenministerium innegehabt hat. Bisher wurde
von diesem Amt aus die Unterstützung geleitet, die die USA anderen Ländern für
die Erhaltung ihrer Sicherheit gewähren. In der neuen Mannschaft soll ihr
jedoch besondere Verantwortung für die Bemühungen übertragen werden, die Ausbreitung von Kernwaffen einzudämmen und sicherzustellen, daß die Kernenergie
ausschließlich für friedliche Zwecke verwendet wird.
Mrs. Benson war früher Präsidentin der Liga der weiblichen Wähler und
hat sich im Staate Massachusetts lange Zeit mit Gesundheits- und Wohlfahrtsprogrammen sowie mit Fragen der Jugendkriminalität befaßt.

Anthony
- 2 -

�Anthony Lake: Leiter der Abteilung Politik und Planung
An die Spitze der Politischen Planungsabteilung des amerikanischen Außenministeriums tritt Anthony Lake, der dem Überleitungsteam Carters
Ministerium vorstand.

in diesem

Lake ist 37 Jahre alt und hat Carter während des Wahl-

feldzuges in außenpolitischen Fragen beraten.
Lake hat sich vom Direktorposten einer privaten Hilfsorganisation beurlauben lassen - einen Posten, den er 1970 übernommen hatte, nachdem er sich
aus Protest gegen die amerikanische Invasion in Kambodscha vom Stab Kissingers
getrennt hatte.
Richard Moose: Stellvertretender Staatssekretär für Verwaltungsfragen
Zum Stellvertretenden Staatssekretär für Verwaltungsfragen im State
Department ist Richard Moose ernannt worden.

Moose war bisher Leiter des

Arbeitsstabes des Senatsunterausschusses für die Auslandshilfe, der dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats unterstellt ist. Außerdem gehörte er dem Arbeitsstab des Nationalen Sicherheitsrates unter Kissinger an.
Auf seinem neuen Posten wird sich Moose vor allem mit Personal fragen befassen.

+ + + + +

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Dokumentation
United States Information Service

1/1977

JOHN E. REINHARDT: NEUER DIREKTOR DES US-INFORMATIONSAMTES (USIA)

Washington - (AD) - Dr. John E. Reinhardt, der von dem neugewählten
Präsidenten Carter nominierte Direktor des US-Informationsamtes - U.S. Information Agency oder abgekürzt USIA - ist der erste Direktor seit Gründung
dieser Einrichtung im Jahre 1953, der aus den eigenen Reihen kam, und der
zweite Schwarze an der Spitze dieses Amtes.
Dr. Reinhardt, dessen Nominierung Carter am 7. Januar 1977 bekanntgab,
trat im Jahre 1956 in den Informationsdienst (United States Information
Service - USIS, wie die Funktionskomponente des Amtes im Ausland genannt
wird) ein. Er war zunächst Sachbearbeiter für Kulturelle Angelegenheiten
in Manila, dann Sachbearbeiter für Öffentliche Angelegenheiten in Kyoto,
um dann einen leitenden Posten in Tokio zu übernehmen. Im Jahre 1963 wurde
er Leiter der Abteilung für Kulturelle Angelegenheiten an der amerikanischen
Botschaft in Teheran und kehrte als Stellvertretender Regionadirektor für
Ostasien und den Pazifik in die Zentrale in Washington zurück. Zwei Jahre
später wurde er Regionaldirektor für Afrika und nach weiteren zwei Jahren
Regionaldirektor für Ostasien und den Pazifik.

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�Im Jahre 1971 wurde er an das Außenministerium überstellt und zum
Botschafter der Vereinigten Staaten in Nigeria ernannt - einen Posten, den
er vier Jahre innehatte.

Im April 1975 wurde er als Unterstaatssektretär

für Öffentliche Angelegenheiten ins State Department zurückberufen.
Botschafter Reinhardt hat als Berufsdiplomat den Rang eines Gesandten bei USIA relativ selten - und ist Träger zahlreicher hoher Auszeichnungen.
Nach dem Journalisten Carl Rowan (Februar 1964 bis August 1965) ist Reinhardt
der zweite Schwarze, der dieses wichtige Amt innehat.
Er wurde am 8. März 1920 in Glade Springc im Staate Virginia geboren und
wuchs in Knoxville, Tennessee auf. Am dortigen College erwarb er 1939 den
akademischen Grad eines Bachelor of Arts und bekam eine Stelle als Englischlehrer am College.

Er lehrte dann an der Pädagogischen Hochschule von North

Carolina, bis er 1942 zur Armee ging.
1946 als Leutnant ab.

Er war im Ausland eingesetzt und ging

Reinhardt setzte seine Studien an der Universität

von Wisconsin fort, wo er 1947 den Grad eines Master of Arts erwarb und 1950
zum Dr. phil. promovierte.

Anschließend erhielt er eine Professur für

Englisch am State College von Virginia, die er bis zu seinem Eintritt in den
Informationsdienst innehatte.
Dr. Reinhardt ist mit Carlyne Davis verheiratet; das Ehepaar hat drei
Töchter.

+ + +

�1/1977

SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG IN ENTWICKLUNGSLÄNDERN
AID legt Bericht über amerikanische Hilfsaktionen vor

- (AD) - Für Entwicklungsländer ist eine gezielte und sachgerechte
Schädlingsbekämpfung lebensnotwendig. Man schätzt, daß heute noch jährlich
- je nach Land, Jahreszeit und Art der Nutzpflanzen - 20 bis 80 Prozent der
verfügbaren Lebensmittel durch Schädlinge vernichtet werden. Das US-Amt für
Internationale Entwicklung (AID) hat deshalb, wie aus einem jetzt veröffentlichten Bericht hervorgeht, bereits 1973 ein Programm geschaffen, um Fachleute aus Entwicklungsländern in Seminaren mit den jeweils günstigsten Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung vertraut zu machen. Für 1977 sind wiederum
drei Seminare geplant: im März in Alexandria (Ägypten), im April in Bangkok
(Thailand) und im Oktober in Bogota (Kolumbien).
In Studien der Universität Kalifornien war schon vor Jahren nachgewiesen worden, daß eine wirksame Schädlingsbekämpfung nur dann möglich ist,
wenn die jeweiligen lokalen und regionalen Gegebenheiten sehr genau berücksichtigt und die Aktionen mit Pestiziden und Chemikalien an diesen Verhältnissen orientiert werden.

Die Entwicklungsländer, in denen gegenwärtig etwa

2,5 Milliarden Menschen leben, müssen damit rechnen, daß sie im Jahr 2000

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�2000 fast fünf Milliarden Menschen zu ernähren haben.

Demgegenüber dürfte

die Bevölkerungszahl der Industrieländer, die heute ca. eine Milliarde Menschen umfaßt, im gleichen Zeitraum auf 1,4 bis 1,7 Milliarden ansteigen.
Die kommenden 24 Jahre bis zum neuen Jahrtausend werden als besonders kritisch
erachtet, weil sich erst danach die Wachstumsrate für die Zahl der Weltbevölkerung stabilisieren dürfte und auch die Nahrungsmittel Produktion erst nach
diesem Zeitpunkt dem Bedarf entsprechend zu steigern wäre.
Die Untersuchungen der Universität Kalifornien im Auftrag der AID,die in
enger Zusammenarbeit mit anderen amerikanischen Staatsuniversitäten durchgeführt wurden, ließen erkennen, daß Schädlingsbekämpfung in Entwicklungsländern häufig völlig isoliert von anderen Problemen und ohne jede Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf Mensch und Umwelt betrieben wird.

Die Studien-

gruppen, denen jeweils ein Entomologe, ein Pflanzenpathologe, ein Nematologe
und ein Spezialist für Unkrautbekämpfung angehörten, besuchten in Ostasien
sieben, in Mittelost und Vorderasien vier, im Nahen Osten und Mittelmeerraum
fünf, in Afrika acht, in Zentralamerika sechs und in Südamerika fünf Länder.
Die bisher vorliegenden 20 Berichte besagen u.a., daß Pestizide häufig wahllos, bei den falschen Pflanzen und in falscher Dosierung gebraucht werden.
In vielen Ländern erleiden jährlich Hunderte von Menschen Vergiftungen - z.B.
Landarbeiter bei der Anwendung, Familienangehörige durch die Weiterverwendung
von Chemikalienbehältern im Haushalt

oder Verbraucher infolge zu hoher

toxischer Rückstände in den Nahrungsprodukten.
Die AID-Seminare sind darauf abgestellt, nicht nur technische, für Landwirte und Agrarfachleute wichtige Informationen zu geben, sondern auch Verwaltungsbeamte aus Entwicklungsländern einzubeziehen, um ihnen sowohl die Gefahren als auch die wirtschaftlichen Verluste infolge falscher Anwendung von
Schädlingsbekämpfungsmitteln klarzumachen. Daß diese Praxis bei den Betroffenen Anklang findet, zeigt nicht zuletzt das zunehmende Interesse von Regierungen und Laboratorien vieler Entwicklungsländer an kurzfristig angesetzten
Beratungsaktionen der AID an Ort und Stelle (etwa in Ägypten, Bangladesch,
Kolumbien und auf den Philippinen) sowie an Sonderkursen wie jenen der Uni-

�Universität Miami, in denen Fragen der Wirkungs- und Qualitätskontrolle bei
Pestiziden und der bestmögliche Einsatz einzelner Präparate und Chemikalien
behandelt werden.
In allen Ländern, in denen amerikanische Hilfsprogramme im Gange sind,
läuft zumindest auch ein landwirtschaftliches AID-Programm. Es wird dafür gesorgt, daß diese Entwicklungsländer die notwendigen Geräte, verbessertes Saatgut, Düngemittel und Pflanzenschutzpräparate erhalten. Außerdem stellt die
AID nach Konsultation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Pestizide im
Zusammenhang mit Programmen zur Bekämpfung von Krankheiten (u.a. Malaria,
Schlafkrankheit und Flußblindheit in Afrika) zur Verfügung.
Die Einführung neuer Praktiken in der Landwirtschaft führte schon in
vielen Ländern oft überraschend schnell zu Produktionssteigerungen. Aber
auch die Verlagerung von Schwerpunkten im landwirtschaftlichen Bereich und
- wenn auch nur in einzelnen Gebieten - eine Verstärkung von Problemen durch
Schädlingsbefall und Krankheiten sind zu beobachten. Dies alles erfordert
die Ausbildung und gegebenenfalls die ständige Weiterbildung der Spezialisten,
die sich in Entwicklungsländern mit dem Pflanzenschutz und der Schädlingsbekämpfung befassen. Im Hinblick auf zu erwartende Anforderungen aus den
wichtigsten Entwicklungsregionen begann AID ein auf Weiterbildung zugeschnittenes Seminarprogramm, das über 38 Monate (bis Dezember 1979) laufen soll
und ca. 1,3 Millionen Dollar kosten wird. Neben einer Reihe amerikanischer
Universitätsinstitute sind auch Forschungslaboratorien des US-Landwirtschaftsministeriums an der Durchführung des Programms beteiligt.
Durch Regierungsverordnungen wurde die rechtliche Grundlage dafür geschaffen, daß in der von der AID gewährten und finanzierten Entwicklungshilfe
auch die Konsequenzen für die Umwelt im Empfängerland ermittelt und berücksichtigt werden.
amt für

Von der Bestimmung, daß die innerhalb der USA vom Bundes-

Umweltschutz (EPA) nicht zugelassenen Pestizide auch von der AID nicht

bereitgestellt werden dürfen, sind Ausnahmen möglich, sofern deren begrenzte
Anwendung in bestimmten anderen Regionen als sicher erachtet werden kann und
- 3 -

�und in den betreffenden Gebieten angemessene Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.
Die Teilnehmer an den Arbeitsgruppen und Seminaren der AID befassen
sich vor allem mit Fragen der Bekämpfung von Insekten aller Art, ferner von
Nematoden (FadenwLirmern), Unkraut, Vögeln und anderen Wirbeltieren.

Weitere

Themen sind Infektionskrankheiten und deren Erreger wie Viren, Mykoplasmen,
Bakterien und Pilze sowie die Ursachen nichtinfektiöser Krankheiten unter
der Einwirkung toxischer Minerale oder Mangel an Mineral Stoffen, Umweltbelastungen durch Chemikalien, unzuträgliche Umweltbedingungen und falsche
Landnutzung.

Dies sind die Hauptquellen für Produktivitätsverluste in der

Landwirtschaft.

+ + + + +

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UUi//cn/choft
und Technik
United States Information Service

1/1977

SOLARHEIZUNG KANN MIT ELEKTROHEIZUNG KONKURRIEREN

- (AD) - In gut isolierten Neubauten kann nunmehr in den meisten Gebieten der Vereinigten Staaten ein Heizsystem auf der Basis von Sonnenenergie
mit herkömmlicher elektrischer Widerstandsheizung konkurrieren. Dies ergab
eine Studie, die eine amerikanische Privatfirma im Auftrag der Bundesbehörde
für Energieforschung und Entwicklung (ERDA) in den Bundesstaaten Georgia,
North Dakota, Massachusetts, South Carolina, Missouri, Texas, Colorado,
California, Wisconsin und Washington sowie in den Städten New York und
Washington durchgeführt hat.
Ein solares Heizsystem gilt der Studie zufolge dann als wirtschaftlich,
wenn die jährlichen Einsparungen an Brennstoff höher sind als die jährlichen
Kosten für Kapital und Zinsen über einen Zeitraum von fünf Jahren oder wenn
es sich innerhalb von 15 Jahren durch niedrigere Brennstoffkosten selbst trägt.
"Unser Ziel", so Dr. Henry Marvin, Direktor der Abteilung Sonnenenergie der
ERDA, "ist eine Verringerung der Kosten für solare Installationen um 50 Prozent bis zum Jahr 1980 durch den Wettbewerb auf dem Markt, verbesserte Leistung, Kostensenkung bei Ausrüstungen und Einbau und möglicherweise mit Hilfe
wirtschaftlicher Anreize. Dann könnten solare Heizsysteme in den meisten Re-

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�Regionen unseres Landes mit allen Brennstoffen, auch mit Erdgas, konkurrieren."
In der Studie wurden Brennstoffkosten und Witterungsverhältnisse sowie
die Kosten für Hausbesitz in den verschiedenen Regionen berücksichtigt. Es
wurde davon ausgegangen, daß die Häuser neu sind und nicht für eine Installsation mit einem Solarsystem umgebaut wurden.

Sie haben Ziegelverkleidung,

ein Asphaltdach, Doppelfenster und eine 30 cm dicke Isolierung im Dachgeschoß.
Die Solarheizung ist das primäre Heizsystem, jedoch ist das Haus noch mit einer
konventionellen Heizung für Notfälle ausgerüstet.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warren B. Christopher: Der neue Stellvertretende Außenminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das neue Team im US-Außenministerium&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;John E. Reinhardt: Neuer Direktor des US-Informationsamtes (USIA)&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schädlingsbekämpfung in Entwicklungsländern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;AID legt Bericht über amerikanische Hilfsaktion vor&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Solarheizung kann mit Elektroheizung konkurrieren&lt;/p&gt;</text>
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4. Februar 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter richtet Ansprache an die amerikanische Nation
- Auszüge aus seinem ersten "Kamingespräch" am 2. Februar HINTERGRUNDMATERIAL
Der Amtsantritt Carters: Zeremoniell und tiefere Bedeutung
von Hugh Sidey - Chef des Washingtoner Büros des Nachrichtenmagazins
"Time"
Erfolgreiche amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit auf dem Gebiet
des Umweltschutzes
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
VIKING-Geräte sondieren weiter
Zweite Beobachtungsphase mit neuen Projekten - Programme bis Oktober 1977
Neues Bordkontroll System schafft Raum im Cockpit

Um Uber/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation

I 3

United States Information Service

2/1977

PRÄSIDENT CARTER RICHTET ANSPRACHE AN DIE AMERIKANISCHE NATION
Auszüge aus seinem ersten"Kamingespräch" am 2. Februar

Washington - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat sich am 2. Februar in
einer Fernsehansprache an das amerikanische Volk gewandt und darin eine Reihe
vor allem innenpolitischer - Probleme behandelt. Fs war die erste Ansprache
in einer Serie von ihm geplanter zwangloser "Kamingespräche" aus dem Weißen
Haus. Der Präsident befaßte sich mit dem aufgrund der gegenwärtigen Kältewelle in den USA besonders dringlichen Energieproblem,mit seinem Wirtschaftsprogramm, der Straffung und Reorganisation der Bundesregierung sowie mit
sozialpolitischen Fragen. Kurz ging er auch auf die amerikanische Außenpolitik ein.
Energiepolitik
Zum Energieproblem führte der Präsident unter anderem folgendes aus:
"Eines unserer dringendsten Projekte ist die Entwicklung einer nationalen
Energiepolitik. Wie ich schon im Wahlkampf erklärte, sind die Vereinigten
Staaten die einzige wichtige Industrienation ohne eine langfristige Energiepolitik.

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�T

t

Das außerordentlich kalte Wetter in diesem Winter hat unsere Vorräte an
Erdgas und Heizöl in gefährlicher Weise schwinden lassen und Hunderttausende
von Arbeitern gezwungen, ihren Arbeitsplatz zu verlassen.

Ich beglückwünsche

den Kongreß zu seiner raschen Maßnahme hinsichtlich des Erdgas-Notstandgesetzes, das heute verabschiedet und am Abend unterzeichnet wurde.
Aber das wahre Problem - die Tatsache, daß wir nicht für die Zukunft
planten oder die Energieeinsparung nicht ernst nahmen - begann schon lange
vor diesem Winter, und um es zu lösen, wird eine längere Zeit notwendig
sein.

Ich bin mir darüber im klaren, daß viele von Ihnen nicht geglaubt

haben, daß wir wirklich ein Energieproblem haben.

Aber dieser Winter hat

uns allen klargemacht, daß wir handeln müssen.
Der Kongreß hat bereits zahlreiche Vorbereitungen für eine Energie-Gesetzgebung getroffen.

Der Energieberater des Präsidenten, Dr. James

Schlesinger, ist dabei, die Bemühungen um die Entwicklung einer nationalen
Energiepolitik zu leiten.

Das geht zahlreiche Gruppen von Amerikanern an.

Bis zum 20. April werden wir die Planung?" für unser Energieprogramm abgeschlossen haben und den Kongreß dann um seine Mithilfe bei der Verabschiedung
einer verantwortungsbewußten Gesetzgebung ersuchen.
Unser Programm wird den Nachdruck auf Einsparungen legen. Was jetzt an
Energie verschwendet wird und eingespart werden könnte, ist mehr als die
Gesamtenergiemenge, die wir jetzt aus dem Ausland einführen. Wir werden
ferner Nachdruck auf die Erschließung unserer reichhaltigen Kohlereserven legen - und zwar in umweltfreundlicher Weise -, die Forschung in bezug auf
die Sonnenenergie und andere sich nicht erschöpfende Energiequellen vorantreiben und strikte Sicherheitsbestimmungen für die notwendige Erzeugung von
Atomenergie aufrechterhalten.
Die Verantwortung für die Gestaltung der Energiepolitik ist derzeit unter
über 50 verschiedenen Behörden, Ministerien und Regierungsdienststellen aufgeteilt.

Ich werde noch in diesem Monat den Kongreß um seine Unterstützung

�Unterstützung ersuchen, um diese Dienststellen in einem neuen Energieministerium zusammenzufassen, um Ordnung in dieses Chaos zu bringen.
Führende Vertreter des Kongresses arbeiten schon eine ganze Zeit daran

"

Wirtschaftspolitik
über seine wirtschaftspolitischen Pläne sagte Präsident Carter wörtlich:
"Ich habe im Wahlkampf auch erklärt, daß unsere Administration alles in
ihren Kräften stehende tun würde, um wieder eine gesunde amerikanische
Wirtschaft herzustellen.
Unsere Nation ist auf dem Grundsatz der Arbeit, nicht der Wohlfahrt, der
Produktivität, nicht der Stagnation aufgebaut. Ich übernahm mein Amt jedoch
in der Mitte der schlimmsten Rezession in den letzten 40 Jahren, über 7,5
Millionen Menschen suchen Arbeit und können keine finden. Wegen der hohen
Arbeitslosigkeit und stilliegender Fabriken hat die amerikanische Durchschnittsfamilie im Jahr 1800 Dollar an Einkommen verloren, und das Steueraufkommen des Bundes liegt um 40 Milliarden Dollar niedriger als in einer
blühenden Wirtschaft.
Auch die Inflation trifft uns alle, überall im Lande müssen wir, ob wir
einen Arbeitsplatz haben oder einen suchen, uns beeilen, um mit dem
ständigen Preisanstieg Schritt zu halten.
Die Inflation trifft uns nicht bei den Luxusgütern am härtesten, sondern
beim Grundbedarf: Lebensmittel, Energie, Gesundheit, Wohnung. Sie merken es
jedesmal, wenn Sie einkaufen gehen. Ich bin mir darüber im klaren, daß
Arbeitslosigkeit und Inflation etwas ganz Reales sind und vielen amerikanischen Familien wehtun.
Nichts macht es schwerer, unserer Bevölkerung eine vernünftige Gesundheitsfürsorge, vernünftige Wohnungen und eine vernünftige Ausbildung zu
garantieren, unsere Umwelt zu schützen oder unser 7iel eines ausgewogenen
- 3 -

�r
i

ausgewogenen Haushalts zu erreichen, als eine stagnierende Wirtschaft.
Sofort nach meiner Wahl begannen die führenden Vertreter des Kongresses
und meine eigenen Berater mit mir zusammen einen Vorschlag für einen
wirtschaftlichen Wiederaufschwung auszuarbeiten.

Wir waren von dem Grundsatz

geleitet, daß jeder, der arbeiten kann, auch arbeiten soll; daß unsere
wirtschaftliche Stärke in einem gesunden, produktiven privatwirtschaftlichen
Sektor liegt; daß wir denjenigen die größte Hilfe zukommen lassen müssen,
die ihrer am meisten bedürfen; und daß es ein vorhersehbares und stetiges
Wachstum unserer Wirtschaft geben muß.
Vor zwei Tagen habe ich diesen Plan dem Kongreß unterbreitet.

Es ist ein

ausgewogener Plan mit vielen Elementen, um den vielen Ursachen unserer
wirtschaftlichen Probleme zu Leibe zu rücken.
Ein Element ist die Senkung der Steuern, r : einmalige Steuersenkung,
die für eine vierköpfige Durchschnittsfamilie mit einem Einkommen von
10 OOOüollar jährlich 200 Dollar beträgt, stellt eine 30prozentige Senkung
der diesjährigen Steuern dar.
Mein oberstes Anliegen sind Arbeitsplätze, und diese Steuererleichterungen
sind der einzige rasche und effektive Weg, Geld in die Wirtschaft zu pumpen
und diese Arbeitsplätze zu schaffen.
Gleichzeitig senken wir die Steuern auf lange Sicht, indem wir die
normale Abschreibung erhöhen, die die meisten Steuerzahler in Anspruch nehmen
können. Eine vierköpfige Familie mit einem Einkommen von 10 000 Dollar wird
bei den Steuern in den nächsten Jahren 133 Dollar - rund 20 Prozent - sparen.
Das wird ein weiterer Schritt zur Vereinfachung der Steuer sein und es
75 Prozent aller Steuerzahler ermöglichen, den normalen Frei betrag in
Anspruch zu nehmen und eine ganz einfache Steuererklärung abzugeben.

Wir

�Wir werden auch den Unternehmen Steueranreize gewähren, um sie zur
Bekämpfung der Inflation durch Ausweitung der Produktion und die Einstellung
von Arbeitssuchenden zu ermutigen.

Ich meine, es ist sinnvoller, wenn die

Regierung dazu beiträgt, daß Arbeiter ihren Arbeitsplatz behalten, als sie
zu Empfängern von Arbeitslosenunterstützung zu machen.

Ein großes

öffentliches Arbeitsprogramm wird den Bau ausgewühlter Projekte ermöglichen, d
am dringendsten nötig sind.
Dabei wird es sich nicht um Arbeitsbeschaffungsprogramme handeln.

Sie

werden von besonderem Wert für Gemeinden sein, in d°nen Haushaitskürzunqen
zu einem Abbau der öffentlichen Dienstleistungen geführt haben, und sie
werden eine Erhöhung der Gemeindesteuern abwehren helfen.
Da die Arbeitslosigkeit bei bestimmten Gruppen unseres Volkes am
schlimmsten ist - bei Jugendlichen, Behinderten und Minderheiten - werden
wir unser Ausbildungsprogramm auf diese konzentrieren.
Die höchste Dringlichkeitsstufe in unseren Berufsbildungsprogrammen
werden die jungen Teilnehmer des Vietnamkrieges erhalten. Die Arbeitslosigkeit ist unter Kriegsteilnehmern wesentlich höher als unter den anderen
Angehörigen dieser Altersgruppe, die nicht in Vietnam gedient haben. Ich
hoffe, daß die Rückführung Tausender von Veteranen in den Arbeitsprozess
ein weiterer Schritt sein wird, um die Wunden der Kriegsjahre zu heilen
und jenen zu helfen, die in den vergangenen Jahren unserem Lande geholfen
haben.
Ich bin mir darüber im klaren, daß nur ganz wenige Menschen diesen
Gesamtwirtschaftsplan für perfekt halten. Viele Gruppen würden lieber mehr
Hilfe der einen und weniger der anderen Art sehen. Ich bin jedoch überzeugt, daß es der ausgewogenste Plan ist, den wir für die wirtschaftliche
Gesundung unseres Landes insgesamt aufstellen können.

Er
- 5 -.

�Er wird ein stetiges, ausgewogenes und anhaltendes Wachstum hervorrufen.
Er läßt bei der Lösung des Arbeitslosenproblems die Inflation nicht außer
acht- und umgekehrt.

Er verlangt nicht von einer Gruppe, daß sie allein

für die anderen Opfer bringt.

Er fordert uns alle auf, mitzumachen und

unseren Anteil zu leisten, um unser Land wieder auf den Weg zur Vollbeschäftigung zu bringen.
Er ist eine ausgezeichnete Investition in die Zukunft."
Außenpolitik
In dem außenpolitischen Teil seiner Ansprache erklärte Carter:
"Ich habe außerdem Versprechungen hinsichtlich der Außenpolitik gemacht.
Als Oberbefehlshaber bin ich entschlossen, eine starke, gestraffte und
wirksame Streitmacht zu erhalten.

Unsere Politik sollte auf einer engen

Zusammenarbeit mi:. unseren Verbündeten sowie auf der weltweiten
Respektierung der Menschenrechte beruhen, und sie muß immer unsere eigenen
moralischen Werte widerspiegeln.

Ich möchte, daß Sie auf die Maßnahmen

unserer Nation stolz sein können.
Gestern ist Vizepräsident Mondale von seinem zehntägigen Besuch bei
führenden Staatsmännern Westeuropas und Japans zurückgekehrt. Ich hatte ihn
gebeten, diese Reise zu unternehmen, um unsere Absicht zu dokumentieren,
unsere traditionellen Verbündeten in allen wichtigen Fragen zu konsultieren,
Ich war über seinen Bericht erfreut. Der Vizepräsident wird mein ständiger
und enger Berater sein.
In einem Geiste der internationalen Freundschaft werden wir hier in
Kürze die führenden Staatsmänner verschiedener Länder begrüßen; den Anfang
werden unsere Nachbarn, Kanada und Mexiko, machen.
In diesem Monat wird Außenminister Cyrus Vance nach dem Nahen Osten
reisen, um nach Mitteln und Wegen für die Schaffung eines echten Friedens

�Friedens zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn zu suchen.
Unser Botschafter bei den Vereinten Nationen, Andrew Young, ist gestern
zu einem Besuch Afrikas abgereist, um den afrikanischen Völkern unsere
Freundschaft zu demonstrieren sowie unser Eintreten für friedliche Veränderungen auf dem Wege zur Mehrheitsregierung im südlichen Afrika.
Ich werde mich ebenfalls darum bemühen, unsere Beziehungen zur Sowjetunion und zur Volksrepublik China zu verbessern; dabei spll unsere Sicherheit gewahr"-, bleiben, während gleichzeitig versucht wird, die Risiken eines
Konflikte:, zu vermindern.
Wir werden auch weiterhin unsere Besorgnisse über die Verletzung von
Menschenrechten zum Ausdruck bringen,- wie wir dies in der vergangenen Woche
getan haben -, ohne dadurch unsere Bemühungen um freundliche Beziehungen
zu anderen Ländern zu stören.

Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich Ihnen

einen umfassenden Bericht über außenpolitische Fragen geben."

+ + + + +

- 7

T

�2/1977

ERFOLGREICHE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE

ZUSAMMENARBEIT

AUF DEM GEBIET DES UMWELTSCHUTZES

Washington - (AD) - Das Abkommen über die Zusammenarbeit beim Umweltschutz, das zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion im Mai 1972
geschlossen wurde, hat sich als wirksames Instrument für die Inangriffnahme
und Durchführung von Projekten erwiesen, die nicht nur für die beiden Länder,
sondern für die ganze Welt von Bedeutung sind.

Bisher wurden 40 Projekte

auf 11 verschiedenen Gebieten in Angriff genommen; Hauptpunkte in dem Ende
vorigen Jahres von den obersten Gremien beider Länder verabschiedeten fünften
Jahresbericht sind u. a.
- Eine gemeinsame Analyse amerikanischer und sowjetischer Wissenschaftler
der seismischen Aktivität, die durch die Füllung des Nurek-Stausees hinter dem
größten Erddamm der Welt und den dazugehörigen Wasserkraftwerken in der
tadschikischen Sowjetrepublik verursacht wird. Die Untersuchung zeigte, daß
in drei Gebieten Bebenherde existieren, einer davon direkt unter dem Stausee,
das bereits bis zur 200 m-Marke gefüllt ist: Die Analyse ist für die Standortwahl und den Bau von Stauanlagen in seismisch aktiven Gebieten rund um
die Erde von Bedeutung.

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�t

- Amerikanische und sowjetische Forscher analysierten die Anomalien
der Radon-Emission als Verboten von Erdbeben. (Radon ist das schwerste
Edelgas; es rntsteht als Zwischenprodukt beim Zerfall von Uran,Thorium
und Actinium.) Die Anomalien wurden im Mai 1976 beobachtet, als sich
ein Erdbeben im Raum Gazli in der Sowjetunion ereignete.
- Gemeinsame Experimente in Menlo Park (Kalifornien) zur Frage der
Bedeutung von Hohlräumen bzw. Rissen im Bereich einer geologischen Verwerfung für Gleitvorgänge zeigte, daß erste Rißbildungen vor dem eigentlichen Beben in bestimmten "Mustern" auftreten. Diese Erkenntnis macht
es eher möglich, geringfügige Bodenveränderungen als Vorboten von größeren
Erdbeben zu deuten.
- Im Juli 1976 unternahmen amerikanische und sowjetische Experten den
zweiten gemeinsamen Ballonversuch in Laramie (US-Bundesstaat Wyoming) zur
Messung von Aerosolen in der Stratosphäre. Zweck der Versuche ist die
Untersuchung von Veränderungen der Strahlungseigenschaft der Stratosphäre,
die durch Schmutz- und Schadstoffe in der Atmosphäre hervorgerufen werden.
Außerdem will man die Auswirkung solcher Veränderungen auf das Klima
ermitteln.
- Amerikanische und sowjetische Ingenieure erprobten gemeinsam ein
elektrostatisches System amerikanischer Bauart zur Entstaubung und Rauchnasreinigung bei Heizkraftwerken sowie eine sowjetische Anlage, die im
Naßverfahren arbeitet.
- Die Sowjetunion schickte insgesamt 26,5 Tonnen von gelöschtem Koks und
von der als Ausgangsmaterial benutzten Kohle als Proben in die Vereinigten
Staaten, wo von Mitgliedfirmen des Industrieverbandes für Eisen und Stahl
Tests mit dem Ziel durchgeführt werden, für die Koks- und Stahlproduktion
umweltfreundlichere Verfahren zu entwickeln.

- 2-

�\ -

•

•»

- Beide Länder tauschten Mikrobenkulturen und Kulturen bestimmter
anderer Organismen aus, die unschädlich sind und in der Landwirtschaft zur
biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden könnten.
- Ein amerikanischer Wissenschaftler nahm an einer Fahrt des sowjetischen
Forschungsschiffes MUSSON im MitteUtlantik teil, auf der u. a. Verfahren
zur internationalen Standardisierung chemischer Analysenmethoden 'ür die
Bestimmung von öl und Mineral öl Produkten in Meerwasser getestet wurden.
- Die beiden Länder tauschten zum ersten Mal Expertendelegationen aus,
die Planung und Bau von Rohrleitungen in Dauerfrostgebieten wie Alaska und
Sibirien unter dem Gesichtspunkt untersuchen, Umweltschäden im Ökosystem
des hohen Nordens so gering wie möglich zu halten.

+ + + +

- 3 -

+

�I

Wi//en/chaft
imö Technik
United States Information Service

2/1977

VIKING-GERÄTE SOI-iJIEREN WEITER

Zweite Beobachtungsphase mit neuen Projekten
Programme bis Oktober 1977

- (AD) - Ein "höchst ungewöhnliches Ereignis" registrierte das Seismometer von VIKIH 2 am 7. November H
gegen 1900 Uhr. Unter normalen
Umständen könnten die über ca. 30 Minuten aufgezeichneten Meßdaten als
Marsbeben der Stärke 6 nach der Richterskala interpretiert werden, dessen
Epizentrum in etwa 7000 km Entfernung vom Standort der Sonde lag. Das
Kurvenbild ähnelt auffallend den Meßdaten von seismischer Aktivität auf dem
Mond. Dr. Don L. Anderson, Chef des seismologisehen Instituts der
Technischen Universität Kalifornien in Pasadena und Leiter des SeismologieProjekts im VIKING-Programm, warnt jodoch vor voreiligen Schlüssen. Die
Aufzeichnung war die erste dieser Aru, die auf dem Mars gemacht wurde. Im
Januar 1977 wurde erneut eine schwache Erschütterung registriert. Die
Bestätigung durch eine zweite Station gibt es noch nicht, weil nur das VIKING 2
Seismometer arbeitet. Man hofft allerdings, das seit der Landung im Juli
1976 festgeklemmte Gerät von VIKING 1 in den nächsten Wochen doch noch
lösen und betriebsbereit machen zu kennen.

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�Das "Ereignis", über das Dr. Anderson im Januar 1977 berichtete,
fiel bereits in die insgesamt fünfwöchige Nachrichtenpause von November/
Dezember 1976, während der die Sonne die Sicht von der Erde zum Mars verdeckte.

Deshalb erfuhren die Wissenschaftler im Jet Propulsion

Laboratory (JPL), der VIKING-Flugleitzentrale, erst nach der Wiederaufnahme der Funkverbindungen zu den beiden Orbiter- und VIKING-Landegeräten
in der zweiten Dezemberhälfte davon, als sie die in der Zwischenzeit von
den VIKING-Sonden gespeicherten Meßdaten und Fotos abriefen.
Angesichts der riesigen Vulkane und der oft Hunderte von Kilometern
weiten Felder erstarrter Lava auf dem Mars, die durch die Fotos der
VIKING-Orbiter immer besser bekannt werden, wäre die Erfassung tektonischer
Vorgänge für die Wissenschaft von größtem Interesse. Seismische Aktivität
gibt Anhaltspunkte für den Aufbau eines Planetenkörpers und die Temperaturbereiche im Innern. Sie könnte die Frage beantworten helfen, ob der Mars
im geologischen Sinne noch aktiv oder ein bereits "ausgebrannter",
sterbender Planet ist. Wie "lebendig" z.B. unsere Erde noch immer ist,
zeigen die Erdbeben und Vulkanausbrüche an der Oberfläche, auf festem
Land und unter den Meeren. Druckkräfte auf Grund der Vorgänge im heißen
Erdinnern waren und sind noch immer die Ursache für das Aufbrechen und Auseinanderdriften der Kontinente, für das Werden und Vergehen großer Meere.
Der Wind bläst nach der Uhr
Meßdaten des VIKING 2-Seismometers verraten außerdem, wie stark die
täglichen Luftbewegungen den Roboter in der Utopia-Ebene vibrieren lassen.
Der Wind setzt um die Mittagszeit ein, verstärkt sich gegen 14 Uhr und
flaut gegen 17 Uhr ab, um eine Stunde später fast ganz zu erlöschen. Man
könnte, so Dr. Anderson, "die Uhr danach stellen". In Abständen von ca.
45 Minuten wird der Wind für etwa eine Viertelstunde stark böig. Die
größte Windstärke, die VIKING 2 bisher gemessen hat, sind 46 km pro Stunde.
Weder Wind noch mögliche Erschütterungen durch den Betrieb anderer Bordinstrumente vermögen nach den bisherigen Erfahrungen die Meßgenauigkeit des
Seismometers zu beeinträchtigen.
Die
- 2 -

�Die Bewährungsprobe im Staubsturm steht allerdings noch aus. Von
früheren Fernbeobachtungen weiß man, daß Staubstürme mit enormer Energie
über die Marsoberfläche dahingegen. Die ersten werden Anfang April erwartet; wie die Kameras und der Greifarm mit seinem empfindlichen
Mechanismus auf Staubbombardements reagieren werden, bleibt abzuwarten.
Änderungen im Wettergeschehen kündigten sich schon Ende Oktober an. Am
Standort von VIKING 1 in der Chryse-Region ging der Luftdruck von 7,7
Millibar (z.Zt. der Landung am 20. Juli 1976) auf 6,5 Millibar zurück, an
dem ca. 7000 km entfernten und 1400 km näher zum Nordpol gelegenen Standort
von VIKING 2 (auf der anderen Seite der Nordhalbkugel) sank er von 7,74 auf
7,4 Millibar. Eine durchziehende "Wetterfront" verursachte in der UtopiaRegion fünf Tage lang einen weiteren Luftdruckabfall. Der bis dahin mit der
Tageszeit umlaufende leichte Wind verstärkte sich um 18 - 35 km/st und blies
nun stetig aus Nordost. Nach Ansicht von Prof. Seymour Hess (Universität
Florida), der das VIKING-Meteorologieprogramm leitet, sind auf dem Mars bis
April noch "dramatische Veränderungen" im Wettergeschehen zu erwarten.
Kohlendioxideis am "Winterpol"
Als Ursache für die in der Zwischenzeit eingetretene Stabilisierung des
Luftdrucks vermuten die Wissenschaftler das Ende einer Periode der
Kondensation von atmosphärischem Wasserdampf, vor allem aber von Kohledioxid in dem in tiefem Winter liegenden Südpolgebiet. Daß demgegenüber
die noch vorhandenen Reste der Eisdecke am Nordpol, w,o der Sommer allmächlich
zur Neige geht, hauptsächlich aus Wassereis bestehen, wurde mit Hilfe der
Meßgeräte des VIKING 2-0rbiters bereits nachgewiesen. Um die Polregionen
künftig noch besser unter die Lupe nehmen zu können, hat man die Umlaufbahn
von Orbiter 2 so geändert, daß sich die Sonde im unteren Bahnbereich dem
Mars auf 800 km anstatt, wie bisher, nur auf 1500 km nähert.
"Das Radiometer", erklärter. Gerald Soffen (VIKING-Projektleiter
während der ersten Beobachtungsphase. Ende Dezember 1976 für die "erweiterte" Phase durch Dr. Calvin Broome abgelöst.),"hat uns die Augen für
Kondensationsprozesse an den Polen geöffnet, an die zuvor überhaupt niemand

�niemand dachte."

Offenbar wird Kohlendioxid (CO2) nur am jeweiligen

"Winterpol" als Eis deponiert.

Dieses Reservoir löst sich wieder auf,

sobald die Eiskappe im Sommer abzuschmelzen
Teil des Wassereises zurückbleibt.

beginnt, während der größte

Durch besondere sorgfältige Messungen

der Druck- und Temperaturwerte im Verlauf des Jahres 1977 hofft man,
Anhaltspunkte für die Menge des am Winterpol abgelagerten KohlendioxidEises zu bekommen.
Die beiden Orbiter sollen außerdem den Veränderungen der Wasserdampfkonzentration in der gesamten Marsatmosphäre auf der Spur bleiben.

Denn

es zeigte sich, daß diese je nach Breitengrad, Tages- oder Jahreszeit stark
variiert: Während der Sommermonate lag auf der Nordhalbkugel die Konzentration in der Nordpolregion um etwa das Tausendfache höher als in Südpolnähe.
"Wir haben Dunst, wolkenähnliche Schwaden und Nebel gesehen, wo später
Sanddünen zum Vorschein kamen", sagt Dr. Soffen.

Messungen zur vertikalen

Verteilung von Wasser haben gezeigt, daß die stärkste Konzentration am
Boden zu finden ist.

Jetzt geht es u. a. darum, genauer festzustellen, wo

sich die Dauerfrostgebiete auf dem Planeten befinden und wieweit sie
reichen.

Vielleicht ergeben sich sogar Hinweise darauf, wie es - bei

höheren Temperaturen und wesentlich dichterer Atmosphäre, die im übrigen
Bestandteile wie die Erdatmosphäre aufweist - zu den Stromsystemen und zu
den massiven Überschwemmungen kam, die den Mars einst heimgesucht haben
müssen.
Auf einem Nordpolfoto des Orbiter 2 von En^e Oktober 1976 sind am
Rande von Gletschern mit verhältnismäßig dünnem Eis steile, ca. 500 m
tiefe Abhänge zu erkennen. Sie sind terrassenförmig gegliedert, einzelne
"Stufen" könnten bis zu 50 m hoch sein. Die Regelmäßigkeit der Schichten
läßt Zusammenhänge mit periodischen Veränderungen der Rotationsachse und der
Marsumlaufbahn um die Sonne vermuten, etwa von einer Kreis- zu einer
Ellipsenbahn und umgekehrt. Sie dürften auch die Frequenz und Intensität
von Staubstürmen und somit die Mengen von Material beeinflussen, aus denen

- 4 -

�denen Sedimentschichten im Terrain entstehen.

Auch dieErde ist solchen

periodischen Veränderungen ausgesetzt, die möglicherweise auch den Rhythmus
von Eiszeiten und Warmperioden mitbestimmen.

Nach den neuesten

Erkenntnissen der Forschung scheint dabei die Massenanziehung des Jupiter,
des "Königs der Planeten" in unserem Sonnensystem, eine wichtige Rolle zu
spielen.

Es sieht ganz so aus, als verdankten wir auf der Nordhalbkugel

der Erde die wärmeren Perioden nach einer Eiszeit der Einwirkung des
Jupiter.
Die Foto-Aufklärung der Nordpolregion des Mars ist gegenwärtig stark
beeinträchtigt, weil über dem Gebiet eine "Haube" aus Wasserdunst liegt.
"Das haben wir jetzt am Nordpo' erwartet", meint Dr. Michael Carr vom
Geologischen Bundesamt der USA. "Völlia überrascht wurden wir jedoch von
der Ausbildung einer ähnlichen Nebelhaube über dem Südpo"." Die Beobachtung
des Wassertransports innerhalb der Marsatmosphäre schält sich immer mehr als
eine Aufgabe von größter Bedeutung heraus, wenn sie auch nie soviel öffentliche Beachtung finden wird wie etwa die Frage nach der Existenz von Leben
auf dem Mars.
Mikroben im Kälteschlaf?
Für die Apparaturen der biologischen Labors an Bord der beiden VIKINGLander wurden angesichts der verblüffenden und teilweise unerklärlichen
Ergebnisse der ersten dreieinhalb Forschungsmonate einige Arbeitsprogramme
geändert. Die Frage, ob es Leben auf dem Mars gibt oder jemals gegeben
haben könnte, läßt sich vorläufig weder mit "Ja" noch mit "Nein" beantworten.
Die Wissenschaftler haben bei einem der Experimente die Inkubationszeit für
Bodenproben, in der vielleicht doch vorhandene Organismen aus einem Kälteschlaf geweckt werden könnten, von 90 auf 200 Tage verlängert. Das Modell
dazu lieferten Reaktionen, die man in Bodenproben aus der Antarktis und
Arktis beobachten konnte: Die darin enthaltenen Mikroben machten sich erst
nach mehr als sechs Monaten bemerkbar.
Dr. Harold Klein,
—

- 5 -

.11-

—

I.

—

—

—

•

•

,

-

-

,,,,,

�Dr. Harold Klein, Chefbiologe des VIKING-Programms, berichtet, daß
bei einem der recht komplizierten Inkubationsexperimente unter Zusatz
einer Nährlösung und mit anschließendem chemischen Aufbrechen des Produkts
durch Erhitzen eine "zwar sehr geringe, aber doch bemerkenswerte Menge von
organischem Material" gefunden worden sei.

Das Ergebnis habe gezeigt, daß

"bei diesem Experiment etwas vor sich gegangen ist".

Aber die Synthese der

winzigen Menge von organischem Material im Licht und von einer noch kleineren
Menge in Dunkelheit wurde durch eine geringe Menge Wasser sofort zum Stillstand gebracht.

"Sollte es sich um biologische Vorgänge gehandelt haben", so

Dr. Klein, "wäre es eine höchst eigenartige Biologie, wenn Wasser sie
auslöschen kann."
Die Entdeckung durch die VIKING-Landegeräte, daß die kohlendioxidreiche
Marsatmosphäre auch molekularen Stickstoff (dazu Stickstoffoxid) und Sauerstoff enthält, nährt erneut den Verdacht auf die Entwicklung von Leben auf
dem Mars. Eine weitere Überraschung war der ungewöhnlich hohe Anteil von
Sauerstoff im Bodenmaterial. Am Standort von VIKING 1 wie von VIKING 2 ist
die Konzentration 20 Mal größer als erwartet. Die Bodenproben wirken wie
Oxydantien, wenn sie mit den Nährlösungen im Biolabor zusammengebracht
werden - es kommt zu Reaktionen, die sowohl chemischer als auch biologischer
Natur sein könnten. Die Auffindung des eisenreichen Tonminerals Montmorillorit, das häufigste aller Mineralien überhaupt, führte außerdem die
Forscher auf eine neue Spur: Montmorillorit wäre z. B. ein ausgezeichneter
Katalysator, um Aminosäuren zu Proteinen zu verbinden. Dies hatte der
Chemiker Aram Katchalski vom Weizmann-Institut in Israel mit seinen
Forschungen bereits nachgewiesen. Sie zeigen einen der Wege auf, den
die biologische Evolution unter Verwendung toter Materie gegangen sein
könnte.

+ + + + +

- 6 -

�I

Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service

2/1977

NEUES BORDKONTROLLSYSTEM SCHAFFT RAUM IM COCKPIT

- (AD) - Nach zweijähriger Erprobung in einem Flugsimulator wird im
Laufe dieses Jahres zum ersten Mal an Bord einer Boeing 737 ein neuartiges
elektronisches Sicherungssystem für Passagier- und Frachtflugzeuge getestet,
das den Piloten und den Fluginqenieur ohne jede Verzögerung mit Informationen über den jeweiligen Zustand der Bordsysteme versorgt. Wie H.W.
Withington, Technischer Direktor der Boeing-Flugzeugwerke, auf einer
Tagung des "American Institute for Astronautics and Aeronautics" (AIAA) in
Washington berichtete, genügt für die Cockpitbesatzung der Blick auf einen
Bildschirm, um sofort die Störquelle zu erkennen und Korrekturmaßnahmen zu
treffen.
Das Herz des Systems ist ein Digitalcomputer, der Informationen von
zahlreichen Sensoren im Flugzeug in eine Form umsetzt, die das Ablesen der
Ergebnisse vom Signal schirm zweier Kathodenröhren ermöglicht. Ober eine
Tastatur unterhalb der Schirme kann der Pilot auch einzelne Informationsgruppen, etwa die Checklisten vor Start und Landung, die Druckwerte in den
hydraulichen Systemen, die Treibstoff-Förderung, Abgastemperaturen und
andere wichtige Daten abrufen.

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�%

Das neue System würde zahlreiche Meßuhren, Anzeigegeräte und Bedienungsknöpfe überflüssig machen, mit denen ^as Cockpit eines modernen Flugzeuges
vollgestopft ist.

Die Folge: Viel bessere Übersicht für Piloten und Flug-

ingenieur bei geringerer Beanspruchung, mehr Raum im Cockpit, Einsparung von
Gewicht und, alles in allem, mehr Sicherheit.

Bei Störungen in einem der

Bordsysteme leuchtet sofort das Alarmsignal auf; gleichzeitig wird die
Fehlerquelle angegeben.

Daraufhin wählt der Pilot die entsprechende Prüf-

liste an, die ihm auch Instruktionen zur bestmöglichen Beseitigung der
Störung erteilt.

Auch Störungen innerhalb des Überwachungssystems werden

sofort signalisiert.
Militärflugzeuge wie die F-14 sind bereits mit solchen Anzeigesystemen
ausgerüstet.

Die kommerzielle Luftfahrt sieht sich allerdings erst jetzt

in der Lage, sie zu übernehmen, da nunmehr Größe und Preis der Dicjitalcomputer soweit reduziert sind, daß der Einbau der für ein Großflugzeug
erforderlichen Systeme auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus tragbar
erscheint.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter richtet Ansprache an die amerikanische Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus seinem ersten "Kamingespräch" am 2. Februar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amtsantritt Carters: Zeremoniell und tiefere Bedeutung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Hugh Sidey - Chef des Washingtoner Büros des Nachrichtenmagazins "Time"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreiche amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;VIKING-Geräte sondieren weiter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zweite Beobachtungsphase mit neuen Projekten - Programme bis Oktober 1977&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Bordkontrollsystem schafft Raum in Cockpit</text>
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und
Dokumentation

3
I

United States Information Service

16.Februar 1977

INHALT

DOKUMENTATION

Carter fordert amerikanisch-sowjetische Maßnahmen zur nuklearen
Rüstungskontrolle
- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 8. Februar 1977 Admiral Stansfield Turner als Leiter des Zentralamtes für Nachrichten
und Abwehr (CIA) nominiert

WIRTSCHAFT
Carter-Administration formuliert internationale Wirtschaftspolitik

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Schnell-Information über den langen Draht
Weltweiter US-Computerdienst für wissenschaftlich-technische Daten

Um Übcr/cncJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation

fü

Öl

United States Information Service

3/1977

CARTER FORDERT AMERIKANISCH-SOWJETISCHE MASSNAHMEN
ZUR NUKLEAREN ROSTUNGSKONTROLLE
Auszüge aus der Pressekonferenz vom 8. Februar 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat sich am 8. Februar 1977
auf seiner ersten Pressekonferenz seit seinem Amtsantritt vor allem mit Fragen der nuklearen Rüstungskontrolle befaßt. Außerdem nahm er zum Problem
der Menschenrechte sowie zu einigen innenpolitischen Themen Stellung.
Die Fragen und Antworten zur Rüstungskontrolle und zu den Menschenrechten haben folgenden Wortlaut:

Nukleare Rüstungskontrolle
FRAGE: Herr Präsident, Sie bezeichneten die Verminderung der Rüstungen
als Hauptgrundsatz, oder einen der Hauptgrundsätze, Ihrer Politik. Werden
Sie unter den gegebenen Umständen als ersten Schritt hierzu den Verkauf von
Concussion Bombs (Aerosol-Sprengbomben) an ein fremdes Land blockieren?
ANTWORT:

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�ANTWORT:

Der Verkauf von Concussion Bombs an ein fremdes Land ist eine

Frage, die mich sehr beschäftigt. In der kommenden Woche werde ich nach Abschluß der Überprüfung der Angelegenheit, die gegenwärtig im Gange ist, hierzu eine Erklärung abgeben. Die vorausgegangene Ankündigung, daß AerosolSprengbomben verkauft werden würden, war weder mit dem Außenministerium noch
mit dem Verteidigungsministerium abgesprochen.

Ich habe diese gebeten, die

politischen und militärischen Konsequenzen des Verkaufs zu analysieren. Ich
bin besorgt dieserhalb, aber ich habe noch keine Entscheidung über eine Verweigerung des Verkaufs getroffen.

FRAGE: Bedeutet dies, Herr Präsident, daß Sie eine Blockierung des Verkaufs in Erwägung ziehen?
ANTWORT: Das ist eine der Optionen, die ich habe. Die Entscheidung werde
ich nächste Woche treffen.

FRAGE: Herr Präsident, der von Ihnen als Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung nominierte Paul Warnke schrieb vor etwa eineinhalb
Jahren, die Vereinigten Staaten "sollten versuchen, eine Politik der Mäßigung
zu betreiben, und gleichzeitig ebenso große Mäßigung seitens der Sowjetunion
fordern"; Mr. Warnke schien aber nicht zu meinen, daß dies im voraus in einer
Vereinbarung garantiert werden müsse. Ist das eine Auffassung, der Sie beipflichten, und können Sie darlegen, warum oder warum nicht?
ANTWORT: Ich kenne Mr. Warnke sehr gut. Ich bin mehrfach mit ihm zusammengetroffen, um seine Einstellung zur Frage der Abrüstung mit ihm zu erörtern. Ich setze volles Vertrauen in ihn. Die ersten beiden Male, als ich ihn
bat, diese Aufgabe zu übernehmen, hat er diese Bitte abgeschlagen. Wir versuchten .einen anderen Mann für diese Aufgabe zu finden, der ebenso qualifiziert wäre wie er, meine Auffassungen und jene Auffassungen zum Ausdruck zu
bringen, die meinem Land akzeptabel erscheinen. Es ist mir nicht gelungen,

�gelungen, einen Mann seines Kalibers zu finden. Schließlich erklärte er
sich auf mein ausdrückliches Beharren hierauf bereit, dieses Amt zu übernehmen - als einen Dienst an der Öffentlichkeit.
Ich glaube, ich habe seine Ansichten wohl bedacht. Ich akzeptiere sie.
Meiner Meinung nach wird Mr. Warnke, sofern der Senat in Erwägung zieht, für
was er eintritt, mit überwältigender Mehrheit bestätigt werden. Ich bin erklärtermaßen der Überzeugung, daß beide Seiten Initiativen ergreifen müssen
- sowohl die Sowjetunion als auch die Vereinigten Staaten. Die meisten unserer Erörterungen werden ihrem Wesen nach bilateral sein. Im Laufe der
Zeit hoffe ich dann, andere Länder mit einbeziehen zu können, um beispielsweise Fragen eines umfassenden Atomtestverbots und anderweitige Fragen zu
diskutieren: die europäischen Länder, die Nuklearmächte sind, und auch die
Chinesen. Das würde aber erst später der Fall sein.
Ich halte Mr. Warnkes Vorschläge für vernünftig. Bezüglich seiner Auffassungen habe ich keinerlei Bedenken.

Es wird im Zusammenhang mit den Kern»-

waffen immer wieder der Fall eintreten, daß das eine oder andere Land irgendwelche Initiativen ergreifen muß. Die Gesamtbilanz der gegenseitigen Zurückhaltung, die die Gesamtabhängigkeit von Kernwaffen vermindert, ist das, was
zählt.
Ich darf vielleicht noch einen weiteren Punkt hinzufügen. Mr. Warnkes
Stellung wird sorgfältig mit der meinen koordiniert werden - in enger Zusammenarbeit mit dem Außenministerium und mit Vertretern des Verteidigungsministeriums.
Unsere in Zusammenarbeit mit der Sowjetunion getroffenen Entscheidungen werden
der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Wir werden Konsultationen mit unseren
Verbündeten pflegen, wann immer dies möglich ist.
Die Ratifizierung einer Vereinbarung mit der Sowjetunion bedarf ganz
offensichtlich der Zustimmung der Senatoren.

Selbst wenn ich, Mr. Warnke oder

irgend eine andere Person bei den Verhandlungen einen Fehler machen sollte,
würde dieser Fehler zwangsläufig von der Öffentlichkeit eingehend geprüft wer- 3 -

�werden; doch ich habe volles Vertrauen in ihn.

FRAGE:

Herr Präsident, nur um diese Frage ... noch etwas weiter zu

verfolgen: Können Sie uns sagen, ob Ihrer Meinung nach eine ungefähre Parität

zwischen den Nuklearstreitkräften der Sowjetunion und der Vereinigten

Staaten bestehen sollte?

Glauben Sie, daß wir in den R'üstungsverhandlungen

eine überlegene Streitmacht anstreben sollten, oder meinen Sie, daß es, solange wir die Fähigkeit besitzen, der Gegenseite schreckliche Schäden zuzufügen, in Wirklichkeit nicht darauf ankommt, wer die meisten Bomben besitzt?
ANTWORT:

Im gegenwärtigen Augenblick geht mein Urteil dahin, daß wir

überlegene nukleare Kapazitäten besitzen.

Die Sowjetunion hat die größere

Nutzlastkapazität, die größeren Raketen, die größeren Sprengköpfe.

Wir ha-

ben mehr Raketen, eine weit höhere Zielgenauigkeit und drei verschiedene
Mechanismen, wovon jeder für sich allein ausreicht, Atomwaffen zum Einsatz
zu bringen:

Flugzeuge, Unterseeboote und interkontinentale Raketen. Wir sind

im großen und ganzen meines Erachtens gleichwertig - auch wenn wir meiner
Meinung nach überlegen sind - insofern gleichwertig, als die Sowjetunion oder
wir einen großen Teil des anderen Landes vernichten könnten, sollte es zu
einem Großangriff kommen, der Verluste in der Größenordnung von 50 bis 100
Millionen Menschen fordern würde, wenn ein großer Schlagabtausch stattfände.
Wir haben ebenso wie die Sowjets die Fähigkeit, den Start von Raketen
auf der Gegenseite festzustellen, und dann stünden ich, als Präsident, uhd
die Führer Rußlands vor der Frage, ein wie großer Vergeltungsschlag zu führen sei. Aber in einem Schlagabtausch würden Millionen und Abermillionen
Menschen getötet werden, und es ist die Bedrohung mit dieser Art von Katastrophe, die es wichtig macht, daß wir eine ausreichende Abschreckungskapazität beibehalten; und es ist auch von entscheidender Wichtigkeit für
uns alle, dessen eingedenk zu bleiben, wie notwendig es ist, eine einschneidende Verminderung in der Abhängigkeit von Atomwaffen zu erreichen.

- 4 -

�In fast jeder wichtigen Rede, die ich seit meinem Eintritt in die Bundespolitik hielt, habe ich mich ausdrücklich verpflichtet, erstens die Lage
zu stabilisieren, zweitens eine nachweisbare Verminderung der Abhängigkeit
von Atomwaffen zu erlangen und als verbindliches langfristiges Ziel auf die
vollkommene Beseitigung der Kernwaffen auf der ganzen Erde hinzuarbeiten.
Ich hatte erst heute morgen ein Zusammentreffen mit einem Vertreter der
Volksrepublik Chinas, der mir sehr freimütig erklärte, daß es das Ziel der
chinesischen Regierung sei, die Abhängigkeit von Kernwaffen bis auf Null zu
verringern.
Wenn wir und die Sowjetunion die Fähigkeit beweisen können, das derzeitige Rüstungswachstum zu stoppen und anschließend beträchtliche Verminderungen zu erreichen, dann können wir uns, meine ich, an die Franzosen,
die Engländer, die Chinesen und andere Länder wenden und ihnen sagen: "Sind
Sie bereit, es uns gleich zu tun und alle Tests einzustellen und die Abhängigkeit von Atomwaffen in eindeutig registrierbarer Weise zu vermindern?"

FRAGE: Um an diese Frage anzuschließen, Herr Präsident: Sie sagten,
wenn ich Sie richtig verstanden habe, kurz vorher, Sie wären der Auffassung,
die beiden Länder, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, könnten gezwungen sein, irgendwelche Initiativen zu ergreifen. Ich möchte versuchen,
dies auf einige andere Probleme auszudehnen, mit denen wir uns konfrontiert
sehen. Sind die Vereinigten Staaten heute bereit, die Initiative insofern
zu ergreifen und die Entwicklung von Cruise Missiles (Flugkörper mit Luftstrahlantrieb) einzustellen, um die SALT-Gespräche wieder in Gang zu bringen?
ANTWORT:

Ich möchte keine Waffe im Entwicklungsstadium herausgreifen,

möchte Ihnen aber eine Reihe von Beispielen geben, die ihrem Wesen nach symbolisch sind - ohne dabei allzusehr in die Tiefe zu gehen.

Das eine ist,

daß ich der Sowjetunion vorschlug, sie sollten uns, und wir sie, wissen lassen, wenn wir irgend eine Art von interkontinentaler Rakete im Teststadium zu
- 5 -

�zu starten gedenken.
Force Base.

Wir starten unsere Raketen von der Vandenberg Air

Wir starten sie nicht aus Standard-Raketensilos.

Die Sowjet-

union jedoch startet Raketen auch zu diesen Zwecken aus Standard-Abschußsilos.

Nach meinem Dafürhalten würde eine vorherige Ankündigung, daß ein

solcher Abschuß innerhalb von 24 oder 48 Stunden stattfinden werde, sehr
hilfreich sein.
Ich habe die Sowjetunion aufgefordert, mit uns ein

umfassendes Test-

verbot zu vereinbaren, um alle Nukleartests zumindestens über einen längeren
Zeitraum hinweg - zwei, drei oder vier Jahre - einzustellen.

Die Sowjets ,

sind daran interessiert, nukleare Sprengkörper zur Ableitung eines Flusses
in Nordrußland zu verwenden.
mehr nötig sind.

Ich glaube, daß weitere Versuche hierzu nicht

Wenn sie eine Bestimmung in ein Abkommen einzubauen wünschen,

daß sie die Vorbereitungen weiterführen und jenen Fluß umleiten dürfen, so
handelt es sich hierbei meines Erachtens um eine Angelegenheit, über die wir
verhandeln könnten, sofern man uns die Entsendung von Beobachtern zugesteht,
damit diese an Ort und Stelle von den Sowjets hören können und umgekehrt.
Nach meinem Dafürhalten ist jedenfalls die Ausarbeitung von Vorschlägen, die
für beide Seiten akzeptabel sind, sehr, sehr wichtig.
Wir haben zwei ungelöste Fragen, die sich aus der SALT II genannten Vereinbarung von Wladiwostok ergeben haben; ich meine die Frage der Cruise Missiles
und die des Backfire Bombers. Ich wäre bereit, mit der Sowjetunion voranzukommen, umgehend eine Vereinbarung zu schließen und dabei, sofern sie dies
für ratsam hält, die Frage des Backfire Bombers und der Cruise Missiles im
gegenwärtigen Stadium aus den Verhandlungen auszuklammern und diese beiden
Punkte anschließend .gegebenenfalls in den Verhandlungen von SALT III, zur
weiteren Diskussion wieder auf die Tagesordnung zu setzen.
Ich halte es jedoch, ohne irgendwelchen gegen mich gerichteten Druck, für
uns wichtig, nicht allzu rasch voranzuschreiten, sondern ehe. auf eine sehr
sorgfältige und methodische Art und Weise vor der Welt darzutun, daß wir es
ernst meinen.
FRAGE:

�FRAGE: Es tut mir leid, daß ich weiter auf diesem Thema beharre, möchte
es aber dennoch tun. Als Mr. Warnke jenen Satz schrieb, meinte er offensichtlich sowohl Waffensysteme als auch nukleare Sprengköpfe.

Er sprach damals

wohl von der Einschränkung der Entwicklung spezifischer Waffensysteme und
hoffte dabei auf Reziprozität seitens der Sowjets.
Meine Frage lautet: Wären Sie bereit, gegenüber den Sowjets zu erklären,
daß wir beispielsweise den Bomber des Typs B-l oder ein anderes Waffensystem
ein halbes Jahr lang nicht weiterentwickeln würden, dafür aber im Sinne der
Reziprozität etwas auch von ihrer Seite zu sehen wünschten?
ANTWORT: Lassen Sie mich auch hier die Bezugnahme auf irgend ein spezifisches Waffensystem auf unserer Seite vermeiden. Ich möchte vielmehr auf
ein Waffensystem auf ihrer Seite hinweisen. Die Sowjets haben eine Rakete
mit begrenzter Reichweite, die ihrem Wesen nach nicht interkontinental ist,
die sogenannte SS-20. Sie haben damit begonnen, diese Raketen auf mobilen
Abschußrampen zu dislozieren, mit deren Hilfe sie diese heimlich von einem
Teil des Landes in einen anderen Teil transportieren können. Das macht es
sehr schwer, ihren genauen Standort zu bestimmen.
Ich sähe
bilen Raketen
ten handelt.
Typs SS-16 zu

es qerne, wenn die Sowjets zu einem Entwicklungsstop der mobereit wären, auch wenn es sich nicht um InterkontinentalrakeEs ist sehr schwierig, sie von der Interkontinentalrakete des
unterscheiden.

Wenn sie der Einstellung des Einsatzes oder der Dislozierung jener Art
mobiler Raketen zustimmen könnten, die vor dem Start von einem Ort nach einem
anderen verbracht werden können, wäre dies für uns ein sehr wichtiges Argument,
was den Abschluß eines gegenseitigen Abkommens angeht.

Das würde bedeuten, daß

wir für diesen Fall wahrscheinlich jene großen Geldbeträge nicht aufwenden
müßten, die die Entwicklung einer mobilen Rakete erforderlich macht.

Wenn

sich die Sowjets jedoch zur Entwicklung von Raketen entschließen sollten, die
unentdeckt von einem Ort zu einem anderen transportiert werden können, würde
- 7 -

�würde uns dies stark unter Druck setzen, eine eigene mobile Rakete zu entwickeln.
Ich glaube, hier bedarf es einleitender Maßnahmen auf beiden Seiten.
Wenn man aber einzelne Waffensysteme einschränkt und diesbezügliche Initiativen nutzt, dann muß man auch die Gewähr schaffen, daß die Balance der Abschreckung insgesamt nicht gestört wird.

Menschenrechte
FRAGE: Herr Präsident, es hat eine Reihe von Maßnahmen gegeben, die
die Sowjetunion kürzlich ergriffen hat, darunter die Ausweisung amerikanischer
Journalisten sowie die Verhaftung von Alexander Ginsburg - Maßnahmen, mit
denen wir uns in der einen oder anderen Form auseinandergesetzt haben. Wie
besorgt sind Sie, daß wir durch unsere Offenheit und Freimütigkeit in Fragen
der Menschenrechte möglicherweise unsere Beziehungen zur Sowjetunion in anderen Fragen gefährden könnten?
ANTWORT: Dies bringt jene Frage auf, die gemeinhin Verkettung (linkage)
genannt wird. Ich glaube, wir verfahren besser gegenüber der Sowjetunion,
wenn ich beständig und nachdrücklich für die Förderung der Menschenrechte eintrete - nicht nur im Hinblick auf die Sowjetunion, sondern auch im Hinblick
auf alle anderen Länder. Ich denke, dies kann durchaus getrennt werden von
unserer Neigung, mit der Sowjetunion zusammenzuarbeiten, beispielsweise bei
der Reduzierung der Abhängigkeit von atomaren Waffen und auch bei dem Bemühen
um eine beiderseitige, ausgewogene Truppenreduzierung in Europa.
Ich möchte nicht, daß zwischen beiden Dingen ein Zusammenhang hergestellt wird. Ich glaube, die vorhergehende Regierung - unter Außenminister
Kissinger - war der Meinung, daß es eine solche Verkettung gäbe. Falls man
von Menschenrechten spräche oder Mr. Solschenizyn ins Weiße Haus einlade, dann

�dann könnte der Fortschritt der SALT-Gespräche gefährdet werden.
Ich bin nicht dieser Meinung. Ich glaube vielmehr, es sollte klar
sein - und ich habe dies in den Kommunikationen mit Mr. Breschnew und in
meiner Unterredung mit Botschafter Dobrynin direkt klargestellt - daß ich
mir das Recht vorbehalte, mit großem Nachdruck immer dann zu sprechen, wenn
die Menschenrechte in Gefahr sind - vielleicht nicht in jedem Falle, aber
dann, wenn ich dies für angebracht halte. Dies ist nicht als ein öffentlicher Angriff auf die Sowjetunion gedacht, und ich hoffe doch, daß die
sowjetischen Führer sich darüber im klaren sind, daß die Menschenrechte ein
echtes Anliegen des amerikanischen Volkes sind.
Ich glaube, daß in zahlreichen Ländern der Welt Fortschritte erzielt
worden sind. So hat sich beispielsweise die Zahl der Juden, denen die Auswanderung aus der Sowjetunion gestattet worde ist, in den letzten Monaten
erhöht.
Sollte diese Tendenz anhalten, so würde mich das ermutigen. Aber
ich muß mir vorbehalten, eine unabhängige Position in meinen öffentlichen
Erklärungen einzunehmen. Ich habe noch eine Menge zu lernen ... Aber wir
müssen fest bleiben und mit Nachdruck auftreten. Allerdings möchte ich
nicht alles in einem Paket zusammenschnüren, sodaß man dann zaghaft beim
Eintreten für die Menschenrechte ist.

FRAGE: Legen Sie dies in irgendeiner Weise als Test für Sie seitens
der Sowjetunion aus?
ANTWORT: Nein, das ist nicht der Fall. Ich interpretiere dies nicht
als einen Test. Ich bedauere die Tatsache, daß die Sowjetunion es für angebracht hielt, einen Reporter auszuweisen. Ich bedauere zutiefst die Tatsache, daß die Sowjetunion jetzt Mr. Ginsburg eingekerkert hat, der in der
Darstellung des Falles der Dissidenten in der Sowjetunion einer der führenden
Männer gewesen ist. Aber ich kann ja nicht mit Truppen einmarschieren, um
den inneren Mechanismus der sowjetischen Regierung zu ändern zu suchen.
Aber

�Aber ich glaube nicht, daß dies darauf abzielt, meine Lage zu erschweren
oder mich oder den Willen unseres Landes auf die Probe zu stellen. Mein Eintreten für die Menschenrechte ist klar. Ich werde diese Klarheit bis zum
größtmöglichen Ausmaß aufrechterhalten.
Ich möchte das amerikanische Volk im Hinblick auf
über der Sowjetunion und den anderen nicht irreführen,
keinen Erfolg erwarten. Es ist ein langwieriger, hart
fältig bedachter Fortschritt erforderlich. Ich rechne
ten, aber meine Entschlossenheit ist sehr tiefgehend.

- 10 -

unser Verhalten gegenüber Nacht können wir
erarbeiteter und sorgnicht mit Wunderantwor-

�ELm

1 W»
\ \

•^

Dokumcnlcilion
United States Information Service

3/1977

ADMIRAL STANSFIELD TURNER ALS LEITER DES ZENTRALAMTES FÜR NACHRICHTEN
UND ABWEHR (CIA) NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat Admiral Stansfield Turner als
neuen Leiter des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA) nominiert,
nachdem der ursprünglich für diesen Posten vorgesehene Theodore C. Sorensen
verzichtet hatte.
Turner ist nach Ansicht Präsident Carters auf Grund seiner langjährigen
militärischen Erfahrungen und seines Wirkens als Militärwissenschaftler in
hervorragender Weise für den Posten des Leiters des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA) geeignet. Er war seit August 1975 Oberbefehlshaber der
Alliierten Streitkräfte Südeuropa in Neapel, befehligte zuvor die zweite Amerikanische Flotte und die NATO-Einsatzflotte im Atlantik, studierte aber auch
als Rhodes-Stipendiat in Oxford und leitete mehrere Jahre das Naval War
College in Newport, Rhode Island.
Als Carter den Admiral am 7. Februar in einer Kabinettssitzung für diesen wichtigen Posten berief, würdigte er ihn als eine Persönlichkeit, die sehr
wohl einmal zum "George Marshall der Zukunft" werden könne. Marshall war

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D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�war während des Zweiten Weltkrieges Stabschef der US-Armee und später unter
Präsident Truman Außenminister der USA.

Turner, sei ein Mann, so sagte

Carter, der seine Mitarbeiter mitreiße
und organisatorisches Können verfüge.

und über großes verwaltungstechnisches
Der Präsident wies in diesem Zusammen-

hang insbesondere auf die Reorganisation des Naval War College hin, die Turner
als dessen Leiter in den Jahren 1972 - 1974 vornahm.

Damals wurden an dieses

College auch Gegner des Vietnam-Krieges zu Vorträgen eingeladen, um kontroverse
Fragen von allen Seiten zu behandeln.

Auch Jimmy Carter, zu jener Zeit Gou-

verneur des Staates Georgia, sprach zu den Lehrgangsteilnehmern,

übrigens be-

suchten Carter und Turner gleichzeitig (im Jahre 1947) die amerikanische Marineakademie in Annapolis, doch kannten sie einander nur flüchtig.
Turner wurde am 1. Dezember 1923 in Highland Park im Staate Illinois geboren.

Nach einem zweijährigen Studium am Amherst College trat er in die Ma-

rineakademie ein, die er absolvierte, um dann als Rhodes-Stipendiat nach
Oxford (England) zu gehen.

Seinem Einsatz als Kommandant eines Minensuchers

und einer Lenkwarfenfregatte, die er in den Gewässern um Vietnam befehligte,
folgte Mehrjähriger Dienst auf verschiedenen Posten im Pentagon.

Im Jahre

1970 wurde Turner zum Konteradmiral befördert und übernahm an Bord des Flugzeugträgers "USS Independence" das Kommando einer Einsatzgruppe der Sechsten
Amerikanischen Flotte im Mittelmeer.

Leiter des Naval War College (1972-1974),

Kommandant der Zweiten Amerikanischen Flotte (1974/1975) und Oberbefehlshaber
der Alliierten Streitkräfte Südeuropa mit Sitz in Neapel (ab August 1975),
waren die nächsten Stationen in der Karriere Turners.
Der Admiral ist ein starker Befürworter eines neuen amerikanischen Schiffbauprogramms, um die Seekontrolle gegenüber der neuen verstärkten sowjetischen
Marine zu wahren.
Admiral Turner ist mit Patricia Busby Whitney verheiratetl das Ehepaar
hat zwei Kinder.

+ + + + +

- 2 -

�ilRILjg I

Uift/choft

SlumiSj i

United States Information Service

3/1977

CARTER-ADMINISTRATION FORMULIERT INTERNATIONALE WIRTSCHAFTSPOLITIK

WASHINGTON - (AD) - Bei der Gestaltung der künftigen Weltwirtschaftspolitik unter der neuen Carter-Administration wird - wie sich jetzt schon deutlich abzeichnet - eine engere Zusammenarbeit zwischen den wichtigsten Industriestaaten eines der Hauptanliegen sein.
Diese enge Zusammenarbeit ist, wie ein Vertreter der neuen Administration betonte, nicht nur von entscheidender Bedeutung für die wirtschaftliche
Gesundheit der Industriestaaten selbst, sondern genau so lebenswichtig für
die Entwicklungsländer, die durch Fehlentwicklungen der Volkswirtschaften der
großen Industriestaaten empfindlich getroffen werden können.
Die Carter-Administration hebt vier Problembereiche in der Weltwirtschaft heraus, auf denen eine engere Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten
Staaten und anderen großen Wirtschaftsmächten unbedingt erforderlich ist: den
Bereich, den man in etwa als "internationales Wirtschaftsmanagement" bezeichnen kann; den Nord-Süd-Dialog zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern; die laufenden multilateralen Handelsverhandlungen und den Energie-

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D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Energiebereich. Die amerikanische Einstellung zu diesen Sachgebieten wurde
von Vizepräsident Walter Mondale während seiner jüngsten Europa- und Japanreise in den Grundzügen umrissen.

Sie dürften Diskussionsgegenstand auf dem

geplanten Gipfeltreffen der führenden Vertreter der großen Industrienationen
sein, das für Mitte dieses Jahres vorgesehen ist.
Ein enges Ineinandergreifen und die Koordination der Wirtschaftsstrategien
der wirtschaftlich stärksten Staaten gewinnt nach Auffassung eines Vertreters
der Carter-Administration deshalb eine immer größere Bedeutung, weil die Frage, ob es diesen Staaten gelingt, ihre eigenen Volkswirtschaften in Ordnung
zu halten und gut zu führen, in immer stärkerem Maße davon abhängt, inwieweit
sie das gesamte Weltwirtschaftssystem in eine befriedigende Form zu bringen
vermögen.
Eine solche Gestaltung der Weltwirtschaft heißt keinesfalls Auferlegung
von Handelsrestriktionen oder die Einführung anderer Maßnahmen mit dem Ziel,
den Industriestaaten auf Kosten der übrigen Welt wirtschaftliche Vorteile zu
sichern, so wird in Washington betont. Spezifisch heißt das vielmehr in der
gegenwärtigen Situation, daß die Vereinigten Staaten, die Bundesrepublik Deutschland und Japan - als die Industriestaaten, die gegenwärtig die wirtschaftlich
stärkste Position einnehmen - die besondere Pflicht haben, einen ausreichenden
wirtschaftlichen Anreiz zu schaffen, um den schwächeren Industriestaaten und
den Entwicklungsländern dabei zu helfen, die Nachwehen der Weltrezession zu
überwinden und ihre Bilanzdefizite auszugleichen.
Nach Ansicht der Carter-Administration ist es für die Weltwirtschaft von
größter Bedeutung, daß die wirtschaftlich Stärkeren nicht hinter ihre angekündigten Wachstumsziele zurückfallen und daß sie bei einem solchen Zurückfallen unverzüglich stärkere Anreize und Impulse setzen.
Ein vom Export getragenes Wachstum für jedes Land ist eine Unmöglichkeit,
irgendjemand muß die gesteigerten Importe aufnehmen. Die Vereinigten Staaten
glauben, daß sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben und Verantwortlichkeiten beige- 2 -

�beigetragen haben, indem sie mit relativer Ruhe ein Defizit in ihre1" e"'§enen
derzeitigen Bilanz hinnehmen, das sich im Jahre 1976 auf 6 Milliarde
belief.

Dollar

Wie man in Washington erklärt, wäre die Weltwirtschaft onne das ge-

genwärtige Defizit der Vereinigten Staaten im Augenblick einer sehr $w$thaf*
ten Belastung ausgesetzt.

Deutschland aber und Japan - die beiden änderen

wirtschaftlich starken Mächte - scheinen weniger bereit zu sein, zur Zeit e m
Defizit in ihrer Handelsbilanz als Beitrag zu einer weltweiten wirtschaftlichen
Gesundung hinzunehmen.
Man ist in Kreisen der neuen amerikanischen Administration davon überzeugt, daß die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit auch nicht nach eine»*
völligen Überwindung der Rezession enden wird. Vielmehr glaubt man, Ca2 die
Industriestaaten auf kontinuierlicher Basis werden zusammenarbeiten müssen,
um die Wachstums- und Inflationsraten zu bestimmen, die Zahlungsauswirkungen
zu überprüfen und die Wirtschaftstätigkeit der einzelnen Länder zu beobachten.
Eine Erörterung des Verhaltens der einzelnen Länder auf internationaler Ebene,
so wird erklärt, könne dazu beitragen, denen zu helfen, die innerhalb der jeweiligen Länder für gesunde Wirtschaftsprogramme eintreten. Dies gelte sowohl für die USA als auch für andere Länder.
Die Entwicklungsländer könnten nach Washingtoner Ansicht wohl mehr als
irgend jemand sonst gewinnen, wenn eine bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit
zwischen den Industriestaaten es ihnen gestattet, Phasen der Inflation, die
sich mit Phasen der Rezession abwechseln, zu vermeiden. Schließlich seien es
häufig die Entwicklungsländer, die am meisten unter den weltweiten Auswirkungen
einer Wirtschaftspolitik von "Gasgeben und Bremsen" seitens der Industrienationen litten.
Im Hinblick auf einen anderen bedeutsamen Bereich der Weltwirtschaft
- den Bereich des Handels - ist die Carter-Administration der Ansicht, daß
von den gegenwärtig in Genf stattfindenden multilateralen Handelsverhandlungen
nicht die erforderlichen lebenswichtigen Impulse ausgehen; sie möchte diese
Verhandlungen daher mit neuem Leben erfüllen. Im ersten Quartal 1977 wird so- 3 -

�I
sowohl die neue Administration in Washington als auch die neue Führung im
EG-Hauptquartier in Brüssel damit beschäftigt sein, die jeweiligen Positionen
neu zu bewerten.

Die Vereinigten Staaten würden es jedoch begrüßen, wenn

die Handelsverhandlungen noch in diesem Jahr ein schnelleres Tempo annähmen,
als dies bisher der Fall war.

Die Teilnehmer, so wird in der amerikanischen

• Hauptstadt betont, müßten im Jahre 1977 bemüht sein, so umfassende Fortschritte
wie nur möglich zu machen.
Die Landwirtschaft bleibt weiterhin der schwierigste Bereich der Handelsverhandlungen, aber nach Ansicht eines Vertreters der Carter-Administration
ist die Möglichkeit gegeben, daß sowohl die Vereinigten Staaten als auch die
Europäische Gemeinschaft in Zukunft eine größere Flexibilität auf diesem wie
auch auf anderen Gebieten des Handels an den Tag legen.
'-

• Was den Bereich des Nord-Süd-Dialoges angeht, so haben Vizepräsident
Mondale und seine Begleitung auf ihrer Reise die Frage erörtert, welche Position die Industriestaaten auf den bevorstehenden Sitzungen der Konferenz
über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) einnehmen sollten,
auf der sowohl erdölexportierende als auch nicht -erdölexportierende Entwicklungsländer vertreten sind. Die Regierung Carter ist der Ansicht, daß eine
große Menge an Vorbereitungsarbeit seitens der Industrieländer zu leisten
ist - und zwar in enger Zusammenarbeit miteinander - wenn die abschließende
Ministerratssitzung dieser Konferenz von Erfolg gekrönt sein soll. Diese Sitzung dürfte aller Voraussicht nach im Frühjahr stattfinden.
Wenn auch noch nicht feststeht, welche neuen Ideen seitens der USA am
Konferenztisch vorgebracht werden, so warnt man in Washington doch davor,
dramatische Änderungen in der amerikanischen Haltung zu erwarten. Die amerikanische Opposition in der Vergangenheit gegenüber einigen Vorschlägen, die
die Entwicklungsländer vorbrachten, ging auf die Frage zurück, wie diese wirtschaftlich verwirklicht werden könnten, und dies, so wird betont, bleibe auch
unter der neuen Administration in Washington ein ernstes Anliegen - genauso
wie in den Hauptstädten anderer Industrieländer. Es könne durchaus einige Mo- 4 -

�Modifizierungen in der amerikanischen Haltung geben, doch werde sich die
Carter-Administration jedem Druck widersetzen, wirtschaftlich ungesunde und
unvernünftige Vorschläge nur aus der Hoffnung heraus anzunehmen, dadurch vorübergehende politische Gewinne zu erzielen.
Vor allem aber darf man erwarten, daß die neue Administration mit einer
durchaus undoktrinären Einstellung an diese Aufgabe herangehen wird. Diese
Einstellung dürfte sich auch auf die Prüfung aller Möglichkeiten für neue
Abkommen über Handelsgüter erstrecken, obwohl es hier keine Garantie geben
kann, daß durch diese unvoreingenommene neue Einstellung sich weitere wirtschaftlich gesunde Möglichkeiten für Abkommen über Handelsgüter auffinden
lassen werden, die nicht auch schon von der vorigen Administration ins Auge
gefaßt wurden.
Was als ein "Erfolg" der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche
Zusammenarbeit anzusehen ist, dürfte von Land zu Land verschieden bewertet
werden. Nach amerikanischer Auffassung ist jedoch der springende Punkt, daß
diese Konferenz nicht als das Ende, sondern lediglich als ein weiterer Schritt
des Dialogs zwischen den Entwicklungsländern und den Industriestaaten angesehen werden sollte.
Was den vierten Bereich, den der Energie, anbetrifft, so haben die amerikanischen Partner bei Vizepräsident Mondale und seiner Delegation während der
jüngsten Besuchsreise darauf gedrängt, daß die Vereinigten Staaten die Energiesparmaßnahmen verstärken und ihre Entwicklungsprogramme intensivieren sollten.
Von Seiten der Delegation wurde dazu erklärt, daß die Carter-Administration
zur Zeit ein neues nationales Energieprogramm aufstellt - das im April bekanntgegeben werden soll - und daß in ihm die Fragen der Einsparung und der
Neuproduktion einen besonderen Nachdruck erhalten würden.
Die Notwendigkeit einer engen internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit besteht nach Ansicht der Carter-Administration nicht nur für die Industriestaaten.
Es
- 5 -

�Es bleiben weiterhin schwerwiegende Probleme als Folge der großen Zahlungsbilanzdefizite der öl importierenden Länder und des entsprechenden Geldüberschusses bei einigen öl exportierenden Ländern bestehen.

In Washington

ist man der Auffassung, die ölexportierenden Länder könnten dadurch, daß sie
Anleihen an die wirtschaftlich schwachen Länder direkt vergeben oder einen
größeren Teil «ihrer finanziellen Überschüsse den offiziellen internationalen
Finanzierungsinstituten zufließen lassen einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung und Verbesserung des Weltwirtschaftsgefüges leisten.

+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service

3/1977

SCHNELL-INFORMATION ÜBER DEN LANGEN DRAHT
Weltweiter US-Computerdienst für wissenschaftlich-technische Daten

- (AD) - "Project Info/Speed" heißt ein Demonstrationsprojekt, das
Interessenten in anderen Ländern Gelegenheit gibt, wissenschaftliche und
technische Informationen über gewöhnliche Telefonleitungen aus einer der
größten amerikanischen Datenbanken zu beziehen.

Das Programm steht unter

der Schirmherrschaft des US-Informationsamtes (United States Information
Agency - USIA) in Washington und wird mit Unterstützung von Experten des
Nationalen Technischen Informationsdienstes

National Technical Information

Service - NTIS) des US-Handelsministeriums sowie der USIA-Vertretungen
im Ausland (US-Informationsdienst - USIS) durchgeführt.
Ende Februar beginnen die jeweils ein- bis dreitägigen Demonstrationen
in Ländern des Nahen Ostens; in Südostasien, Afrika und Lateinamerika werden
sie anschließend bis Ende August 1977 fortgesetzt.

Sie sind vor allem für

hohe Regierungsbeamte, Vertreter von Universitäten, Wirtschaft und Industrie,
ferner für Wissenschaftler, Ingenieure und andere Personen in Schlüsselpositionen gedacht.

Die Themenbereiche, über die innerhalb von Minuten In-

formationen zu den neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen

Postfach 300,
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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�9

fr
Erkenntnissen eingeholt werden können, umfassen ein weites Spektrum - von
der Landwirtschaft über die Medizin und Biologie bis zu den Ingenieur-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, vom industriellen Management
über Umweltschutz, Naturschutz und Bodenmelioration bis zum Patentwesen und
zu einer Vielzahl anderer Sachgebiete.
Für Entwicklungsländer ist dieses Projekt besonders interessant, denn
es vermittelt in gewisser Weise den direkten Zugang zu einer riesigen Fachbibliothek, die täglich ergänzt und auf den neuesten Stand gebracht wird.
Im Routinebetrieb würden gegen relativ niedrige Gebühr die bestmöglichen Informationen vermittelt - z.B. an Ingenieure, die Straßen und Brücken bauen,
an Ärzte, die über Reaktionen auf spezielle Behandlungsverfahren

bei Krank-

heiten Bescheid wissen müssen, an Verwaltungsbeamte, die zur Überwindung der
verschiedensten Probleme nach geeigneten Maßnahmen suchen.

Das Info/Speed-

System gibt ihnen umgehend Auskunft darüber, welche Untersuchungen in bezug
auf die einzelnen Fragen bereits durchgeführt wurden und wie andere, die
sich ähnlichen Situationen gegenübersahen, in der Praxis dann vorgegangen
sind.

«

Der "National Technical Information Service" hat von Amts wegen die
Aufgabe, Forschungsergebnisse aus regierungseigenen Laboratorien und vielen
privaten wissenschaftlichen Instituten zu sammeln und an Personen und Organisationen in den USA und in anderen Ländern zu vermitteln, die sie für
eigene Arbeiten benötigen. Zu den "Lieferanten" zählen beispielsweise die
US-Weltraumbehörde NASA, die Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA,
die Umweltschutzbehörde EPA und das US-Handelsministerium mit den ihm angeschlossenen Laboratorien.
Darüber hinaus sichten Arbeitsstäbe von Spezialisten ständig Tausende
von wissenschaftlichen und technischen Publikationen aus aller Welt. Von
allen wichtigen Artikeln und Referaten werden Zusammenfassungen oder Kurzberichte angefertigt und auf Magnetband in Computern gespeichert. Die NTISDatenbanken sind auf Computer von drei großen amerikanischen Privatunternehmen
- 2 -

�Privatunternehmen verteilt - bei der

System Development Corporation (SDC)

in Santa Monica (Kalifornien), der "Lockheed Information Systems Corporation"
in Palo Alto (Kalifornien) und den "Bibliographie Retrieval Services"(BRS)
in Schenectady (New York). Jedoch wird bei dem bevorstehenden "Info/Speed"Demonstrationsprogramm nur der SDC-Computer-Suchdienst in Anspruch genommen.
Dies geschieht folgendermaßen: Ein in einem Koffer verstautes TerminalGerät, nach Größe und Gewicht etwa einer Kofferschreibmaschine vergleichbar,
wird durch Auflegen des Hörers auf die dafür vorgesehene Gabel an der Terminal-Tastatur an das Telefon angeschlossen. Der Benutzer wählt die Nummer
des Computers in Santa Monica, der so programmiert ist, daß er automatisch
das für ihn bestimmte "Gespräch" annimmt.
Ist der Kontakt hergestellt, gibt der Benutzer seine Anfrage mit Hilfe
der Terminal-Tastatur ein. Sie wird am Gerät auf Papier ausgedruckt, kann
aber auch auf einem Bildschirm erscheinen, wenn zusätzlich der FernsehMonitor angeschlossen ist. Gleichzeitig wird die "Botschaft" in eine Serie
akustischer Signale umgesetzt, wobei jeder Ton einem Buchstaben des Alphabets
oder einer Zahl entspricht. Diese Signale sind es, die per Telefon über Kabel- oder Satelliten-Leitungen zum Computer übertragen werden.
Am anderen Ende der Leitung erfolgt die Rückumsetzung der Töne in die
ihnen zugeordneten Drucklettern bzw. Zahlen, und der Computer beginnt nun,
die Datenbank nach der gewünschten Information abzufragen. Als Antwort kommt
normalerweise eine Liste von Buchtiteln, Zeitschriftenartikeln, wissenschaftlichen Abhandlungen, Broschüren und anderen Unterlagen zu dem betreffenden
Thema. Zu jedem Titel gehören meist zusätzliche Informationen in der Form
kurzer Zusammenfassungen, die manchmal zur Beantwortung der Anfrage schon
genügen. Ist dies nicht der Fall, kann der Benutzer von jedem auf der Liste
aufgeführten Dokument eine vollständige Textkopie anfordern. Auch diese Order wird über das Terminal-Gerät an den Computer durchgegeben, der sie sofort an das Bibliothekspersonal weiterleitet. Dieses sorgt dafür, daß dem
Anfragenden - in der Regel innerhalb von 24 Stunden - die Kopie des Dokuments

�Dokuments per Luftpost zugeschickt wird.
Die Kosten für die Inanspruchnahme des Info/Speed-Dienstes auf kommerzieller Basis hängen davon ab, welches Terminal-Gerät angeschafft oder gemietet wird, wielange das Telefongespräch und die Suche durch den Computer
dauern und welche Gebührensätze mit den Besitzern der Computer in der Datenbank vereinbart wurden. Eine kurze Fragenliste des Benutzers ist meist schon
in wenigen Minuten beantwortet, da die Computer innerhalb von Sekunden Millionen von eingegebenen Daten prüfen können.
Die ersten Info/Speed-Demonstrationen führen J. Frank Post (NTIS-Koordinator für internationale Programme) und Donald V, Black (Projektdirektor
für den SDC-Suchdienst) persönlich durch.

Bei den Vorführungen werden Geräte

vom Typ Miniterm 1023 (Terminal-Gerät mit Tastatur und Printer, 30 Zeichen
pro Sekunde) und Digilog 33/11 (Terminal-Gerät mit Tastatur und Bildmonitor
zum Ablesen aller ausgehenden und ankommenden Meldungen) benutzt. Im Gegensatz ,
zu Digilog 33/11 druckt Miniterm 1203 alle Meldungen (ähnlich wie eine Schreibmaschine) auf Papier; gleichzeitig können diese auch von einem Bildschirm abge - '
lesen werden, wenn ein TV-Monitor angeschlossen ist.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß für das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes Informationen vielfach noch wichtiger sind als Maschinen.
Ideen und Lehren aus der Praxis können den sozialen Gegebenheiten in anderen
Ländern oft besser Rechnung tragen und entsprechend modifiziert angewandt werden, was zu mehr Erfolg führt als ein schematischer Transfer von Technologie.
(Stationen im Projekt Info/Speed: Jidda/ Saudi-Arabien, Madras/Indien,
Kairo/Ägypten, Lagos/Nigeria, Nairobi/Kenia, Djakarta/Indonesien, Hongkong;
später Panama, Lima/Peru, Buenos Aires/Argentinien und Brasilia/Brasilien.)

+ + + + +

. 4.

�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

3

United States Information Service

2 . März 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Carter-Pressekonferenz vom 23. Februar 1977
- Auszüge -

WIRTSCHAFT
Präsident Carter legt revidierten Haushalt vor
- Botschaft des Präsidenten vom 22. Februar 1977

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Versuchszentrum für Geothermal-Anlagen
- USA intensivieren Erschließung der Erdwärme

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebecen

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 3 2 4 0 Telex:08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

4/1977

CARTER-PRESSEKONFERENZ VOM 23. FEBRUAR 1977
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf seiner Pressekonferenz
am 23. Februar 1977 neben innen- und energiepolitischen Fragen auch zu einer
ganzen Reihe außen- und verteidigungspolitischen Themen Stellung genommen, so
zum Verteidigungshaushalt, dem CIA, den Menschenrechten, Kuba und zur allgemeinen Außenpolitik.
In seiner Einleitung gab Präsident Carter bekannt, daß er dem Kongreß
eine Gesetzesvorlage übermittelt habe, in der er um die Vollmacht einer umfassenden Reorganisation der Exekutive ersucht. Er rechne mit einer raschen
Behandlung dieser Vorlage. Carter teilte ferner mit, daß er den Kabinettsmitgliedern und den Leitern von Bundesbehörden ein neues Programm vorgelegt habe,
um den übertriebenen Papierkrieg einzudämmen. Die neuen Verordnungen sehen
eine wesentliche Vereinfachung des Schriftverkehrs vor.
Der Präsident kündigte an, daß noch in dieser Woche eine Vorlage über
die Schaffung eines neuen Energieministeriums fertiggestellt und daß er voraussichtlich am 20. April in einer Ansprache vor beiden Häusern des Kongresses
dem amerikanischen Volk seine energiepolitischen Vorstellungen darlegen werde.
Schließlich

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�*

Schließlich brachte Carter seine Besorgnis über die Entwicklung der Inflation zum Ausdruck und erklärte, seine Wirtschaftsberater nähmen gegenwärtig eine eingehende Analyse des Problems vor und erarbeiteten entsprechende
Gegenmaßnahmen.

Schließlich habe er dem Kongreß ein Gesetz über die Aufhe-

bung der Preisvorschriften für

Fluggesellschaften vorgelegt.

Verteidic;ungshaushalt
Die Fragen und Antworten zum Verteidigungshaushalt haben folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben dem Wahlprogrammausschuß der Demo-

kratischen Partei erklärt, daß nach Ihrer Auffassung die gegenwärtigen Verteidiguncjsausgat' n um fünf bis sieben Milliarden Dollar gesenkt werden könnten.
Ich glaube, Sie haben Ihren Standpunkt seither etwas geändert.

Offensichtlich

hatten Sie in der kurzen Zeit, seit Sie im Amt sind, noch nicht die Gelegenheit, derartige Kürzungen im Budget Ihres Vorgängers vorzunehmen.
Aber wird es nicht so sein, daß auch der Verteidigungshaushalt im nächsten
J?.hr höher sein wird als der in diesem Jahr?
ANTWORT:

Wegen des inflationären Drucks und wegen der Unmöglichkeit, die

potentielle Bedrohung unseres Landes durch andere Länder vorauszuberechnen, ist
es schwer, genau vorauszusagen, wie hoch sich die Verteidigungsausgaben belaufen werden.
Trotz der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung stand, um das vorgegebene
Budget zu überarbeiten - es waren drei Wochen harter Arbeit - ist es uns gelungen, die vorgeschlagenen Ausgaben um fast drei Milliarden Dollar zu senken
- etwa 2,75 Milliarden Dollar.

Dies wurde getan - und ich glaube Senator Stennis
- 2 -

�Stennis hat das kürzli.;:i ii; öffei.i.riehen Erklärungen bestätigt - ohne unsere
eigene Vemeidicungskapazität zu schwächen.
Die wesentlichen Einsparungen in den Verteidigungsausgaben, die unsere
Muskeln keineswegs schwächen, werden auf solchen Gebieten vorgenommen wie
vernünftige Überlegungen bei Waffen, langfristige Planung, Überprüfung bereits ausstehender Verteidigungskontrakte für Bau und Reparaturen, Neuordnung
der Prioritäten für die Entwicklung neuer Haffen, die sich in Zukunft als
außerordentlich kostspielig erweisen können, längere Dienstzeit von Personal
an Standorten vor einer Versetzung und vordringliche Korrektur von Ungerechtigkeiten und unfairen Maßnahmen bei dem System der Pensionierung.
All diese
aber ich werde
daß das Budget
besserungen in

Dinge können natürlich nicht in drei Wochen erreicht werden,
in meinen Bemühungen darum nicht nachlassen, und ich glaube,
für 197S, der erste Haushalt meiner Administration, diese Verbeträchtlichem Ausmaße zeigen wird.

FRAGE: Wird der Verteidigungshaushalt im nächsten Jahr tatsächlich niedriger liegen als der jetzt unterbreitete?
ANTWORT:

FRAGE:

Das kann ich noch nicht sagen.

In Beantwortung einer früheren Frage haben Sie, Herr Präsident,

erklärt, Sie könnten nicht sagen, ob der Verteidigungshaushalt im nächsten
Jahr höher oder niedriger liegen wird als in diesem Jahr.

Wenn ich es rich-

tig sehe, dann haben Sie früher erklärt, daß Sie ohne Rücksicht auf die Höhe
der Gesamtausgaben eine Senkung von fünf bis sieben Milliarden Dollar erreichen
wollten.

Halten Sie noch immer an dieser Zahl fest?

Fühlen Sie sich diesem

Ziel noch immer verpflichtet?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ja, die von mir bis jetzt vorgenommene Analyse des Verteidi-

gungshaushalts, die sich, wie Sie wissen, auf eine einmonatige Studie - neben
anderen - beschränkt hat, läßt erkennen, daß dies ein erreichbares Ziel ist.

FRAGE:

Herr Präsident, Sie sagten während des Wahlkampfes, die B-l

sei eine Verschwendung, und Sie haben auch versprochen, die Verschwendung aus
dem Verteidigungshaushalt herauszuschneiden.

Wann würden Sie damit rechnen,

die Produktion der B-l - im Gegensatz zur Forschung und Entwicklung der B-l einzustellen?
ANTWORT:

Ich meine, ich habe über 200 Millionen Dollar aus dem B-l-Pro-

gramm aus dem Budget herausgestrichen, das ich jetzt dem Kongreß vorgelegt
habe.
Ich habe ernsthafte Zweifel, ob die B-l in Zukunft im Mittelpunkt unserer
Verteidigungskapazität in der Luft stehen sollte. Aber ich habe noch einige
Monate Zeit, um eine Entscheidung in dieser Angelegenheit zu treffen.
Der Nationale Sicherheitsrat, dem, wie Sie wissen, der Außenminister,
der Finanzminister, der Verteidigungsminister und eine Reihe weiterer Regierungsmitglieder angehören und der eng mit mir zusammenarbeitet, nimmt gegenwärtig eine vollständige Oberprüfung vor, ob der B-1-Bomber benötigt wird.
Ich weiß noch nicht, ob wir uns entscheiden werden, die Arbeiten daran
fortzusetzen oder nicht, und ich weiß nicht, ob wir die Produktion dann vorantreiben werden oder nicht. Was dabei zum Teil eine Rolle spielt, ist die
Haltung der Sowjetunion. Wenn wir zu einem allgemeinen Nachlassen der Spannungen kommen, zu einer erkennbaren Verpflichtung der sowjetischen Seite zur
Abrüstung, dann würde es sicherlich weniger wahrscheinlich, daß wir mit der
B-l weitermachen würden.
Aber ich kann diese Frage nicht beantworten, ehe ich meine eigene Studie
völlig abgeschlossen habe, und ich glaube, daß diese bis Ende Mai abgeschlossen
sein dürfte.
CIA
- 4 -

�CIA
FRAGE:

Herr Präsident, glauben Sie, es war korrekt, daß das Zentralamt

für Nachrichten und Abwehr (CIA) König Hussein und anderen ausländischen Persönlichkeiten Zahlungen zukommen ließ, und welche Schritte planen Sie, um
sich sachkundiger und verantwortlicher für das zu machen, was das CIA unternimmt?
ANTWORT:

Ich verfolge die Politik - und davon werde ich auch nicht ab-

gehen - nicht direkt zu irgendeiner spezifischen Aktivität des CIA Stellung
zu nehmen, aber ich kann Ihnen mitteilen, daß ich damit begonnen habe, eine
genaue Analyse aller CIA-Tätigkeiten vorzunehmen, die innerhalb der nächsten
Woche abgeschlossen sein wird.
Ich habe bereits sehr wesentliche Berichte erhalten. Ich habe die mehr
kontroversen Enthüllungen überprüft, die in den letzten Tagen veröffentlicht
worden sind - einige davon sind ganz falsch, einige enthalten einen gewissen
Grad an Genauigkeit. Diese Operationen sind auch von dem Geheimdienstkontrollgremium, einem unabhängigen Gremium, und ebenfalls vcn meinem Vorgänger im Amt,
Präsident Ford, überprüft worden.
Ich habe nichts Ungesetzliches oder Inkorrektes festgestellt.

Sollte ich

bei künftigen Überprüfungen, die in Kürze stattfinden werden, eine solche Inkorrektheit oder Ungesetzlichkeit feststellen, dann werde ich nicht nur unverzüglich korrigierende Maßnahmen treffen, sondern auch das amerikanische Volk
darüber unterrichten.
Ich kann vielleicht folgendes sagen: Es handelt sich hierbei um das sehr
schwierige Problem, wie in einer Demokratie angemessenes Geheimdienstmaterial
gesammelt, ausgewertet und benutzt werden kann, um die Sicherheit unseres Landes zu garantieren. Es liegt nicht in der amerikanischen Eigenart, Dinge im
geheinen zu tun. Historisch bedingt und auch noch in der heutigen Zeit, besteht
natürlich die Notwendigkeit, die Informationsquellen aus anderen Ländern zu
schützen.
In

�In einigen Fällen arbeiten andere Regierungen voll und ganz mit uns zusammen.

In anderen Fällen tun sie es nicht.

Aber ich will versuchen sicher-

zugehen, und das wird auch Stan Turner tun, der der nächste Direktor unseres
Geheimdienstes sein wird.

Er wird versuchen sicherzustellen, daß alles, was

wir unternehmen, nicht nur korrekt und gesetzlich, sondern auch voll vereinbar mit der Einstellung und Haltung des amerikanischen Volkes ist.
Ein weiterer Punkt, den ich noch anführen möchte, ist folgender:

Es

kann überaus schädlich für unsere Beziehungen zu anderen Ländern, für die
potentielle Sicherheit unseres Landes sogar in Friedenszeiten sein, wenn derartige Operationen, die legitim und korrekt sind, enthüllt werden.

Es ist

schwer für uns, eine Grundlage zu schaffen, von der aus wir in Kriegszeiten
einer Bedrohung erfolgreich begegnen könnten, wenn wir uns nicht an ein gewisses Maß von Geheimhaltung halten.
Ich bin ziemlich besorgt über die Anzahl von Leuten, die gegenwärtig Zugang zu dieser Art von Information haben, und ich habe gestern und heute mit
den führenden Politikern des Kongresses sehr eng zusammengearbeitet, um die
Gesamtzahl derjenigen, die einen solchen Zugang zu den Informationsquellen haben, zu reduzieren. Dies wird jedoch in den Grenzen erfolgen, die ich beschrieben habe: Korrektheit, Gesetzmäßigkeit und Auffassung des amerikanischen
Volkes zur Frage der Geheimhaltung. Ich werde alles in meinen Kräften stehende
tun, um keinen Fehler zu machen. Ich werde ferner auf einer kontinuierlichen
Basis die direkte persönliche Verantwortung für die Operationen aller Geheimdienste unserer Regierung übernehmen, um sicherzustellen, daß sie diesen Maßstäben entsprechen.

FRAGE:

Herr Präsident, wenn es falsche Informationen gegeben hat, wäre

es dann nicht angebracht, daß Sie die Dinge richtigstellen?
ANTWORT:

In mancher Hinsicht stellen wir die Dinge richtig, doch wenn

ich jetzt anfangen würde, jeden einzelnen Artikel, der in bezug auf das CIA
- cD -

�CIA geschrieben wurde, entweder in Zweifel zu ziehen oder zu bestätigen
- ob er nun korrekt oder falsch ist - dann würden diese Dinge, die notwendigerweise geheim sind, nicht mehr geheim sein.

FRAGE: Herr Präsident, um noch einmal auf (König) Hussein zurückzukommen: Als diese Meldung neulich veröffentlicht wurde, hat Ihr Pressesekretär
eine Stellungnahme abgegeben, die praktisch auf "kein Kommentar" hinauslief.
Er wurde dann weiter gefragt, ob Sie eine ähnliche Antwort gegeben hätten,
wenn diese Meldung während Ihres Wahl feidzuges veröffentlicht worden wäre,
und er antwortete darauf: "Nein, das weiß ich nicht."
Darf ich Sie also fragen, was Ihre Antwort gewesen wäre?

Wäre sie die

gleiche gewesen?
ANTUORT:

Das weiß ich nicht. (Gelächter)

FRAGE: Herr Präsident, zum gleichen Thema: Sie sagten vorhin, daß Ihre
Überprüfung der CIA-Aktivitäten nichts Ungesetzliches oder Inkorrektes erbracht habe, und fügten später hinzu, diese Aktivitäten seiner, legitiir. und
korrekt. Ist das nicht ein Werturteil, das die amerikanische Öffentlichkeit
vielleicht teilen möchte; wie kann sie dies jedoch, wenn Sie sich weigern,
der Öffentlichkeit irgendeinen Hinweis darauf zu geben, was Sie im Zuge dieser
Überprüfung in bezug auf Geldzahlungen festgestellt haben, einschließlich der
im geheinen gemachten?
ANTWORT: Das ist ein Werturteil. Es wurde von dem unabhängigen Geheimdienstkontrollgremium getroffen, das von Präsident Ford geschaffen und berufen wurde. Dieses Gremium hat sich dem Generalinspekteur, jedem Mitarbeiter
des CIA oder der Geheimdienste innerhalb des Verteidigungsninisteriums zur
Verfügung gestellt cder jedem anderen, dem auch nur Gerüchte über Inkorrektes
zu Gehör gekommen sine.
Das
- 7 -

�•

Das Gremium hat diese Operationen überprüft.

Es hat entsprechende Un-

tersuchungen angestellt, was in Übereinstimmung steht mit dem Präsidialerlaß
Präsident Fords an den Justizminister der Vereinigten Staaten und auch an den
Präsidenten.
Ich habe diese Korrespondenz gelesen.

Sie ist sehr umfangreich.

Ich

denke, ich kann sagen, daß auch der Ausschuß von Senator Inouye sowie die entsprechenden Ausschüsse des Repräsentantenhauses diese Informationen in der
Vergangenheit erhalten haben.

Ich habe mit Senator Inouye gesprochen, und

er hat mir bestätigt, was ich Ihnen gerade gesagt habe.

Ich denke, er würde

ebenfalls bestätigen, daß es im Zusammenhang mit jeder gegenwärtigen CIA-Operation nichts Inkorrektes oder Ungesetzliches gibt.

Menschenrechte
FRAGE: In Ihrem Schreiben an Herrn Sacharow erklärten Sie, daß die Vereinigten Staaten ihre guten Dienste anbieten würden, um die Freilassung der
aus Gewissensgründen Eingesperrten zu erreichen. Und Sie erklärten, Sie wollten weiterhin an einer Welt arbeiten, die den menschlichen Aspirationen entspricht. Wie Sie wissen, gibt es in vielen Ländern Menschenrechtsprobleme.
Und einige der Länder, wie den Iran und die Philippinen, unterstützen wir mit
Waffen und mit amerikanischer Hilfe. Das sind Länder, in denen viele Leute
glauben, daß wir einen stärkeren Hebel ansetzen könnten als in der Sowjetunion.
Was planen Sie, wenn überhaupt, um den Opfern der politischen Unterdrückung
in diesen Ländern zu helfen?
ANTWORT:

Ohne daß ich versuchen will., das mir zuzuschreiben, so kann ich

doch sagen, daß in der ganzen Welt eine wesentliche Bewegung in Gang gekommen
ist im Sinne dieser Sorge um die Menschenrechte.
einem Dutzend oder mehr Länder stattgefunden.
8 -

Ich meine, das hat wohl in

Es herrscht ein

zunehmendes

�zunehmendes Interesse an dem Standpunkt, den unsere eigene Regierung und unser
freies Land hier bezieht.

Ganz offensichtlich gibt es einen Entzug 6er Men-

schenrechte - selbst noch brutaler, als wir bisher darüber gesprochen haben.
Die Handlungen in Uganda haben die ganze zivilisierte Welt entsetzt, und,
wie Sie wissen, haben wir keine diplomatischen Beziehungen zu Uganda.
Aber hier handelt es sich um ein Ereignis, bei dem sowohl Botschafter
Young als auch ich unserer großen Besorgnis Ausdruck verliehen haben. Die
Briten überlegen gegenwärtig, ob sie die Vereinten Nationen ersuchen sollen,
die grauenhaften Morde zu untersuchen, die offensichtlich in Uganda stattfinden - nämlich die Verfolgung jener, die den Zorn von Herrn Amin hervorgerufen haben.
Ich habe meiner Besorgnis Ausdruck verliehen über politische
in Südkorea, in Kuba und in vielen - oder besser gesagt einigen amerikas, und ich werde das auch weiterhin tun. Ich habe niemals
gehabt, die Sowjetunion als einziges Land herauszustellen, in dem
rechte eingeschränkt werden.

Gefangene
Ländern Süddie Absicht
die Menschen-

Wir haben, wie ich meine, eine Verantwortung und eine rechtliche Pflicht,
unsere Mißbilligung über Verletzungen der Menschenrechte zum Ausdruck zu bringen. Die Schlußakte von Helsinki garantiert im sogenannten Korb 3, daß einige
dieser Menschenrechte unbedingt eingehalten werden müssen. Wir haben die
Schlußakte von Helsinki unterzeichnet.
Wir sind in gewisser Weise selbst schuldig, indem wir nicht jedem das
Recht geben, in unserem Lande überall hinzureisen, oder nach meiner Meinung
in unnötiger Weise den Besuch unseres Landes durch Leute einschränken, die
politisch anderer Meinung sind als wir.
So meine ich, daß wir alle, in unserem Lande und bei unseren Freunden
und Verbündeten und unter unseren potentiellen Gegnern, den Standpunkt einnehmen sollten, daß die Menschenrechte etwas sind, für das wir an erster Stelle
eine große Verantwortung tragen sollten. Und ich habe gegenüber der Sowjetunion
- 9 -

�A
Sowjetunion und anderen in Osteuropa klargemacht, daß ich nicht versuche,
eine einseitige Kritik gegen sie in Gang zu bringen, sondern daß ich viel
mehr versuche, in unserem eigenen Lande eine Norm zu setzen und meinen Be
sorgnissen in der ganzen Welt Gehör zu verschaffen, und daß ich nicht ein
bestimmtes Land herausgreifen will.

Kuba
FRAGE:

Herr Präsident, sind Sie bereit, das Handelsembargo gegen Kuba

als einen Schritt zur Normalisierung der Beziehungen aufzuheben?
ANTWORT:

Ich glaube, jeder wesentliche Schritt in unseren Beziehungen

zu Kuba muß von weiteren indirekten Besprechungen mit ihnen (den Kubanern) abhängen und auch von greifbaren Beweisen für uns, daß sie zur Wiederherstellung der „
grundlegenden Menschenrechte in Kuba bereit sind; das betrifft die Anzahl der
Gefangenen, die inhaftiert sind, die Haltung Kubas gegenüber überseeischen
Abenteuern wie in Angola sowie andere Angelegenheiten.
Ich kann deshalb nicht sagen, wie die Zukunft aussehen wird, Ich bin
jedoch bereit, diese Fragen mit den führenden Staatsmännern Kubas zu erörtern.
Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt unterhalten wir politisch keine direkten Beziehungen zu ihnen, allerdings werden durch Vermittler Stellungnahmen in der
einen wie der anderen Richtung ausgetauscht - wie beispielsweise durch meine
öffentlichen Erklärungen wie jetzt im Augenblick. Es erreichen uns jedoch
Botschaften von Leuten, die Kuba besuchen.

Allgemeine Außenpolitik
FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben uns in Ihrer einführenden Erklärung

eine Art Terminkalender für Ihr innenpolitisches Programm unterbreitet.
- 10 -

Ich

�Ich hätte gerne gewußt, ob es einen ähnlichen Terminkalender auch hinsichtlich dessen gibt, was Sie in der Außenpolitik zwischen dem heutigen Tag und
dem Jahresende bezüglich des Nahen Ostens, Zyperns und des Panama-Vertrags
erhoffen?
ANTWORT:

Natürlich kann ich diese Frage nicht im einzelnen beantworten,

weil ich nicht weiß, welche Zusammenarbeit wir von anderen Nationen erhalten
werden.

Und ich weiß auch nicht, was diese Länder in den umstrittenen Gebie-

ten einander gegenüber zu tun gedenken.
Außenminister Vance ist gerade von einer Nahost-Reise zurückgekehrt, die
ich für sehr erfolgreich halte.

Er hat nicht nur mit den Regierungschefs und

deren Kabinettsmitgliedern deren eigene öffentlichen und privaten Positionen
hinsichtlich kontroverser Fragen, die bisher einen Frieden im Nahen Osten verhindert haben, sondiert, sondern er hatte auch die Gelegenheit, deren Haltung
zu den einzelnen Fragenkomplexen zu vergleichen - über welche Probleme Einvernehmen besteht und über welche man immer noch nicht einig ist.
Wir haben auch alle führenden Staatsmänner dieser Länder zu einem Treffen mit mir eingeladen. Alle haben diese Einladung angenommen, und ich werde
mit allen Staats- und Regierungschefs der miteinander im Streit liegenden
Länder des Nahen Ostens noch vor Ende Mai zusammenkommen.
Der erste Besuch

eines dieser Staatsmänner, der von Herrn Rabin, wird

- so glaube ich - am 12. Mai erfolgen.

Ihm werden dann die Regierungschefs

Ägyptens, Jordaniens, Syriens und Saudi-Arabiens folgen; und ich freue mich
auf die Zusammenkünfte mit ihnen.

Zu jenem Zeitpunkt hoffe ich, ein sehr kla-

res Bild der Rolle zu haben, die die amerikanische Regierung spielen sollte.
Das gleiche gilt für die Situation zwischen uns und der Türkei, zwischen uns
und Griechenland, sowie zwischen uns und Zypern.
Wir kennen unseren Willen anderen Völkern nicht aufzwingen; aber wenn sie
ehrlich nach einer Lösung streben, dann sind wir absolut bereit, unsere guten
Dienste als ein Land anzubieten, das Einfluß hat und daran interessiert ist,
- 11 -

�'

ist, ihnen bei der Lösung ihrer eigenen Schwierigkeiten zu helfen.

Aber in

erster Linie muß diese Initiative von den betroffenen Ländern selbst ausgehen.
Wir haben in der letzten Woche erneut mit den Erörterungen über einen
Panamakanal-Vertrag begonnen.

Wir verfügen dabei über zwei überaus gute Ver-

handlungsführer, und ich hoffe, daß sie Erfolg haben werden.

Zum gegenwärti-

gen Zeitpunkt vermag ich nicht zu sagen, in welchem Ausmaß ein Erfolg erzielt
worden ist. Wir stehen gerade erst am Anfang.
Wir sind also dabei, hinsichtlich aller umstrittenen Gebiete, einschließlich Südafrikas und anderer, auf die ich jetzt nicht näher eingehen kann, Sondierungen zu führen - und zwar um nach besten Kräften eine Möglichkeit für Lösungen in diesen Spannungsgebieten zu finden.
Wir treffen heute - ja praktisch war es schon die ganze Woche so - mit
britischen Vertretern zusammen, um erneut einen Vorschlag hinsichtlich der
Rhodesien betreffenden Fragen zu unterbreiten, und dann bleibt natürlich
immer noch Namibia und schließlich die Frage der Mehrheitsregierung in Südafrika.
Aber ich bin jetzt erst einen Monat im Amt. Ich behaupte nicht, daß
ich auf alles eine Antwort bereithabe; schließlich sind diese Fragen, die
nun schon seit 25 oder 30 Jahren bestehen, nicht leicht zu lösen. Aber wir
werden alles in unseren Kräften stehende tun - und zwar in aller Öffentlichkeit und mit allem Nachdruck. Wir werden unsere guten Dienste anbieten und
nicht versuchen, unseren Willen anderen Völkern aufzuzwingen.

Nach Veröffentlichung der Niederschrift der Pressekonferenz Präsident
Carters gab das Weiße Haus folgende "Mitteilung an die Presse" heraus:
Auf seiner Pressekonferenz am heutigen Nachmittag sprach der Präsident
von dem zukünftigen Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin
in den USA, wobei er erklärte, daß dieser Besuch wahrscheinlich am 12. März
- 12 -

�März stattfinden werde.
Eine Nachprüfung hat jedoch ergeben, daß dieser Besuch voraussichtlich
für den 7. und 8. März geplant ist.
Der Präsident hat ferner erklärt, daß die Vereinigten Staaten keine
diplomatischen Beziehungen zu Uganda unterhielten.
nicht ganz den Tatsachen.

Diese Erklärung entspricht

Zwar haben die Vereinigten Staaten ihre Mission aus

Uganda abgezogen und unterhalten damit keine direkte diplomatische Vertretung
in diesem Lande, doch werden die amerikanischen Angelegenheiten durch die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Republik Uganda wahrcenommen; die
Republik Uganda unterhält eine amtierende Botschaft in Washington und hat hier
einen Geschäftsträger.

+ + + + +

- 13 -

�1

Wift/choft

I

United States Information Service

4/1977

PRÄSIDENT CARTER LEGT REVIDIERTEN HAUSHALT VOR
- Botschaft des Präsidenten vom 22. Februar -

Washington - (AD) - Präsident Carter hat am 22. Februar 1977 dem amerikanischen Kongreß seinen revidierten Haushalt vorgelegt, der sich in einigen
Punkten wesentlich von dem Voranschlag seines Vorgängers Gerald Ford unterscheidet.

Für das Hauhaltsjahr 1978 (vom 1. Oktober 1977 bis 30. September

1978) sind Ausgaben von 459,4 Milliarden Dollar und Einnahmen von 401,6
Milliarden Dollar vorgesehen, was zu einem Defizit von ca. 57,8 Milliarden
Dollar führt.

Der revidierte Voranschlag für das laufende Haushaltsjahr

1977 (vom 1. Oktober 1976 bis 30. September 1977) sieht Ausgaben von 417,4
Milliarden Dollar und Einnahmen von 349,4 Milliarden Dollar vor, was ein
Defizit von 68 Milliarden Dollar ergibt.
Im Vergleich zu den Voranschlägen der vorigen Administration liegen
die Ansätze Carters netto für 1977 um 6,2 Milliarden Dollar und für 1978
um 19,4 Milliarden höher.

Vor allem für die sozialen Aufgaben werden höhere

Beträge angesetzt, so z. B. für 1977 zusätzlich 1,2 Milliarden Dollar und
für 1978 zusätzlich 8,3 Milliarden Dollar für Ausbildungs- und Arbeitsbeschaffungsprogramme.

Dagegen hat Carter beim Verteidigungshaushalt gegen-

über den Voranschlägen Fords eine Kürzung um 2,755 Milliarden Dollar vorgenommen - jedoch die Mittel für die amerikanischen Streitkräfte in Europa erhöht.

Die

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�Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage deckt sich bei dem Haushaltsvoranschlag Carters im wesentlichen mit der im Ford-Voranschlag.

Für das

vierte Quartal 1977 wird mit einem Wachstum des Bruttosozialprodukts um etwa
6 Prozent gerechnet.

Die wesentlichen Daten werden wie folgt geschätzt:
(Kalenderjahr)
in Milliarden Dollar
1976

1977

1978

(laufende Dollar)

1 692

1 884

2 105

(feste Dollar 1972)

1 265

1 334

1 406

1 375

1 528

1 698

Löhne und Gehälter

890

992

1 108

Körperschaftsgewi nne

149

173

197

Bruttosozialprodukt

Einkommen (laufende Dollar)
Personal einkommen

BS0 Deflator (Prozent)

5,1

5,6

6,0

7,7

7,1

6,3

für Preisindex
Arbeitslosenrate (Prozent)

Präsident Carter hat angekündigt, daß sein Haushaltsvoranschlag im
nächsten Jahr eine radikale Abkehr von der bisherigen Praxis bringen werde,
während der jetzt vorgelegte Haushalt im wesentlichen noch der Haushalt
Präsident Fords sei. Die vorgeschlagenen Änderungen lassen jedoch schon jetzt
eine sorgfältige Überlegung erkennen. Präsident Carter hat es sich zum Ziel
gesetzt, bis 1981 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen.
Ein wesentlicher Bestandteil des neuen Haushalts ist das Konjunkturprogramm,
das für 1977 Steuererleichterungen und erhöhte Ausgaben von 15,7 Milliarden
Dollar und für 1978 von 15,9 Milliarden Dollar versieht.

DAZU

gehört ein

Einkommensteuernachlaß von 50 Dollar pro Kopf.

Die

�Die Kürzung des verteidigungshaushaltes stellt, wie von Präsident Carter
und von Verteidigungsminister Harold Brown betont wird, keine Schwächung der
Kampfkraft der amerikanischen Streitkräfte dar.

Die Ausgaben liegen für

das Haushaltsjah&gt;* 1978 trotzdem um 10,2 Milliarden Dollar höher als im
laufenden Haushaltsjahr.
Im einzelnen ergeben sich die von Carter vorgenommenen Einsparungen wie
folgt:
Von dem neuen überschalIbomber B-l sollen nur 5 statt 8 Maschinen

be-

schafft werden, was eine Einsparung von 280 Millionen Dollar bedeutet.
Die Kurzstrecken-Angriffsrakete (SRAM) die zur Bewaffnung der B-l gehört, wird ebenfalls in geringerer Stückzahl beschafft; Einsparung 24 Millionen Dollar.
Die volle Entwicklung der neuen Interkontinentalrakete M-X wird auf
1979 hinausgeschoben; Einsparung 160 Millionen Dollar.
Die Jahresproduktion des taktischen Kampfflugzeuges F-15 wird von 108
auf 78 Stück gesenkt; Einsparung 334 Millionen Dollar.
Die Modifizierung eines kommerziellen Großflugzeuges als Tanker/Lastflugzeug wird um ein Jahr verschoben;

Einsparung 227 Millionen Dollar.

Der Bau eines nuklear angetriebenen Kreuzers, zweier Lenkwaffenfregatten
und eines Angriffs-Unterseebootes wurde verschoben, was Einsparungen von fast
700 Millionen Dollar erbringt.
Dagegen werden unter anderem für die Verbesserung der Oberlebensfähigkeit der in Europa stationierten amerikanischen Flugzeuge 60 Millionen Dollar
mehr angesetzt, und ebenso 50 Millionen Dollar mehr für zusätzliche Wartungseinrichtungen für Waffen und Geräte in Europa.
Wortlaut

�Wortlaut der Botschaft des Präsidenten
Der Präsident hat seinen revidierten Haushaltsvoranschlag mit folgender
Botschaft an den Kongreß übermittelt:
"Ich lege heute Vorschläge für Änderungen im Haushalt 1978 vor.

Obwohl

ich noch nicht in der Lage war, dieses Budget (von Präsident Ford im Januar
1977 unterbreitet) in allen Einzelheiten zu analysieren, weichen diese Vorschläge wesentlich von denen der vorigen Administrator ab.
Es wurden Ansätze abgelehnt, die die Bürden für die älteren Menschen und
für jene unnötig erhöht hätten, die von MEDICARE, MEDICAID und dem Lebensmittelbon-Programm abhängen.
Ich habe Ansätze gestrichen, die den einzelstaatlichen und kommunalen
Behörden weitere finanzielle Belastungen auferlegt hätten.
Es wurden Änderungen vorgenommen, die es uns ermöglichen werden, unseren
Verpflichtungen auf so lebenswichtigen Gebieten wie Umweltschutz, Bildung
und Wohnungsbau rascher nachzukommen; und ich habe Maßnahmen vorgeschlagen,
um eine unannehmbare Inflation der Kosten im Gesundheitswesen unter Kontrolle
zu bringen.
Die geplante Erhöhung der Verteidigungsausgaben ist verringert, während
unsere reale militärische Stärke erhöht wird.
Es sind Revisionen vorgenommen worden, die neue Prioritäten auf dem Gebiet
der Wasserversorgung und der Energie setzen, wobei größerer Nachdruck auf die
Energieeinsparung, die Entwicklung nicht-nuklearer Energiequellen und die
Ausweitung unseres Erdölvorratsprogramms gelegt werden. Später in diesem
Frühjahr wird zusammen mit dem Kongreß die Arbeit an einer umfassenden, langfristigen nationalen Energiepolitik abgeschlossen werden.
Dieser
- 4 -

�Dieser Haushaltsvoranschlag enthält ein wirtschaftliches Konjunkturprogramm, das die Arbeitslosigkeit senken und ein stetiges, ausgewogenes
wirtschaftliches Wachstum fördern wird.

Das Paket, das seit seiner ersten

Vorlage im Kongreß im vorigen Monat geringfügig verändert wurde, sieht für
1977 Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen von 15,7 Milliarden Dollar vor
und für 1978 von 15,9 Milliarden Dollar. Dies schließt ein einen Einkommensteuernachlaß von 50 Dollar pro Kopf; eine Erhöhung des allgemeinen Freibetrags; eine Senkung der Körperschaftssteuer, um die Schaffung von Arbeitsplätzen zu fördern und die Investitionstätigkeit anzuregen; eine Ausweitung
der Ausbildungs- und Arbeitsbeschaffungsprogramme; eine Erhöhung der Ausgaben der öffentlichen Hand sowie zusätzliche Mittel für Zuwendungen an
einzelstaatliche und kommunale Behörden im Rahmen des anti-zyklischen
Finanzausgleichs.
Ich ersuche den Kongreß ferner um eine Verlängerung des Zusatzleistungsprogramms, das jetzt ausläuft, damit jeder Arbeitslose bis zum Ende dieses
Jahres bis zu 52 Wochen Arbeitslosenunterstützung beziehen kann.
*

Es gibt noch weitere wichtige Ziele, die in diesen Änderungen nicht
angesprochen werden, da meine Administration noch nicht die Zeit gehabt hat,
alle derzeitigen Steuer- und Ausgabenprogramme genau zu überprüfen und eigene
Vorschläge im Detail auszuarbeiten. Der Haushalt 1978 ist im wesentlichen
noch Präsident Fords Haushalt - mit den begrenzten Revisionen, für die
meine Administration die notwendige Zeit hatte. Diese Änderungen spiegeln
jedoch unsere sorgfältige Auswahl unter den vielen möglichen Optionen wider.
Sie sind wichtige erste Schritte auf dem Wege zu einer Bundesregierung, die
wirksamer funktioniert und besser auf die Erfordernisse unserer Bevölkerung
eingeht.
Im vorigen Jahr waren die Ausgabenansätze zu hoch, und die Gestaltung
der Wirtschaftspolitik wurde negativ beeinflußt.

Da die Zeit keine

detaillierte Oberprüfung der gegenwärtigen Vorausschätzungen erlaubte, habe
ich das Amt für Planung und Haushalt angewiesen, eine sorgfältige Untersuchung
- 5 -

�Untersuchung dieser Vorausschätzungen vorzunehmen.

Der Kongreß wird über

etwaige Revisionen unterrichtet werden.
Der in dem beiliegenden Dr'ument umrissene Haushaltsvoranschlag läßt
noch immer die gegenwärtiger! Überschneidungen und die schwerfällige Struktur
der Bundesregierung erkennen - eine Struktur, die ich mit Hilfe des Kongresses zu vereinfachen und zu verbessern gedenke.
Es war in diesen Revisionen des Haushalts 1978 noch nicht möglich, aber
künftige Budgets werden detaillierte, von der Null-Basis ausgehende Neufassungen der Ausgabenprogramme des Bundes, eine umfassende Reform des
Stueersystems und eine fundamentale Neuorganisation der Regierung enthalten."
+ + +

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I
I

Uli//en/choft
und'
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United States Information Service

4/1977

VERSUCHSZENTRUM FÜR GEOTHERMAL-ANLAGEN
USA intensivieren Erschließung der Erdwärme -

- (AD) - Das "Imperial Valley" in Kalifornien, auch "amerikanische
Sahara" genannt, zählt zu den trockensten Regionen in den Vereinigten
Staaten. Aber im Untergrund gibt es riesige Vorkommen naturheißen Wassers,
das für die Energiegewinnung zunehmend mehr an Interesse gewinnt.
Nach fünfjährigen Vorbereitungen konnte im Juni 1976 in Niland in der
Nähe des Salton-Sees eine Versuchsanlage der Gas- und Elektrizitätswerke
von San Diego (SDG &amp; E) in Betrieb genommen werden, die mit Heißdampf von
mehr als 300°C aus der Erde arbeitet und eine elektrische Leistung von 10
Megawatt erreicht.

An den Gesamtkosten von acht Millionen Dollar beteiligte

sich die Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA mit 50 %.
Im Verlauf der nächsten zwei Jahre wird sich in der Praxis zeigen, inwieweit die Ausrüstungen dem aggressiven Medium standhalten.

Denn die Sole

enthält gelöste Salze und Minerale in der Konzentration von 175 000 bis
250 000 ppm (parts per million - Teilchen pro 1 Million Teile Wasser).
Manche Probebohrungen im Gebiet des Imperial Valley förderten sogar Sole
mit 30 % Salzgehalt zutage.

Die hohe Salinität wurde in den letzten zwei

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�*

A
zwei Jahrzehnten, als Geothermal-Projekte in Nordkalifornien und| andernorts in den USA wachsende Unterstützung erfuhren, als zu hohes technisches
Risiko angesehen, um das 75 m unter dem Meeresspiegel liegende Imperial
Valley in die Programme einzubeziehen.
Inzwischen ist das "Pionierunternehmen" SDG &amp; E auch im Raum Heber
(Imperial Valley) fündig geworden.

Hier enthält die Sole nur 12 000 gelöste

Teilchen auf 1 Million Teile Wasser, hat allerdings eine niedrigere Temperatur.
Gegenwärtig wird unter ökologischen, wirtschaftlichen, tectinologisehen und
arbeitspolitischen Gesichtspunkten in einer Studie des Forschungsinstituts
der amerikanischen Energiewirtschaft (EPRI) geprüft, ob in diesem Gebiet
ein Erdwärme-Kraftwerk errichtet werden kann.

Vorläufig ist eine Pilot-

Anlage von 50 Megawatt elektrischer Leistung geplant.
Acht Städte und ein Landkreis in Nordkalifornien haben kürzlich ein
*
gemeinsames Programm zum Bau von Erdwärme-Kraftwerken in Angriff genommen,
die zusammen 165 Megawatt el. Leistung erbringen sollen. Für dieses Projekt
wird ein 580 großes Areal .im "Land der Geysire" erschlossen. Der Dampf
aus der Tiefe soll um 50 % unter dem heute üblichen Gestehungspreis für
Heißdampf im Heizkraftwerk liegen. Die neuen Geothermal-Kraftwerke können
die Stromversorgung für 165 000 Menschen sicherstellen - ein Heizkraftwerk
entsprechender Leistung würde 3 Millionen Faß (1 Faß - ca. 159 Liter) öl
pro Jahr verfeuern. Schon heute werden im Geysir-Distrikt von Nordkalifornien
(Sonoma-County) 608 Megawatt Strom aus Geothermal-Anlagen erzeugt. Man nimmt
an, daß sich allein in diesem Gebiet der Stromverbrauch bis zum Ende des
Jahrhunderts verdoppeln wird.
Wenn in den USA alle natürlichen Erdwärmequellen angezapft und nutzbar
gemacht werden könnten, würden sie eine Energiemenge zur Stromversorgung beitragen, die dem Verbrauch von ca. 60 Milliarden Faß öl entsprächen. (Zum
Vergleich: Die Jahresförderung an öl liegt gegenwärtig bei ca. 2,8 Milliarden
Faß, der Jahresverbrauch bei ca. 4,9 Milliarden Faß.) Aber die technologischen Schwierigkeiten waren bisher einfach zu groß, um Geothermalquellen
- 2 -

�Geothermalquellen in großem Maßstab zu erschließen.

Um diesen Schwierig-

keiten künftig begegnen sowie ökologische, wirtschaftliche und soziale Fragen
im Zusammenhang mit der Verwirklichung solcher Projekte besser lösen zu
können, wurde in East Mesa im Süden des Imperial Valley im Auftrag der ERDA
und der Bundesbehörde für Bodennutzung ein Versuchszentrum errichtet und im
Dezember 1976 eröffnet, wo von Wärmeaustauschverfahren über Korrosionsforschung bis zur Generatortechnik und Entsalzung der heißen Sole alle nur erdenklichen Probleme untersucht und optimal gelöst werden sollen.

Die

Versuchsanlage, mit einem Kostenaufwand von ca. 1 Million Dollar erbaut,
wird von Wissenschaftlern und Ingenieuren des Lawrence Berkeley Laboratory
der Universität Kalifornien betrieben.

Sie steht auch der Privatwirtschaft

und Wissenschaftlern anderer Universitäten zur Verfügung.

+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1.&amp;nbsp; Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter-Pressekonferenz vom 23. Februar 1977 &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt revidierten Haushalt vor &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft des Präsidenten vom 22. Februar. 1977 - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Versuchszentrum für Geothermal-Anlagen&lt;br /&gt; &lt;em&gt;- USA intensivieren Erschließung der Erdwärme -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

3

United States Information Service

16. März 1977
INHALT
DOKUMENTATION
Presseerklärung des Weißen Hauses zum Besuch Genschers
Carter-Pressekonferenz vom 9. März 1977
- Auszüge Robert S. Strauss: Der neue Sonderbeauftragte des Präsidenten für
HandelsVerhandlungen
John J. Gilligan: Der neue Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung (AID)

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Möglichkeiten der amerikanischen Außenpolitik in den kommenden Jahren
Von Senator John Sparkman
Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats
Präsident Carter schlägt Energieministerium vor

WIRTSCHAFT
Rascherer Wirtschaftsaufschwung in USA wirkt sich weltweit aus
- Auszüge aus einem Interview mit John W. Kendrick -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Genmanipulation und biologische Fixierung von Stickstoff
- Konferenz im Brookhaven National Laboratory/USA -

Um Übei/endung von
Belegexemplaren uilrd
gebeten

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

5/1977

PRESSEERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZUM BESUCH GENSCHERS

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 14. März 1977 anläßlich des
Besuches des Außenministers der Bundesrepublik Deutschland, Hans-Dietrich
Genscher, bei Präsident Carter folgende Presseerklärung veröffentlicht:
"Der Präsident traf heute mit dem Außenminister der Bundesrepublik
Deutschland zusammen.
Beide unterstrichen die tiefe Bedeutung anhaltender enger und freundschaftlicher Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern, die sich in den
letzten drei Jahrzehnten entwickelten. Es gibt starke grundsätzliche Interessen und gemeinsame Zielsetzungen, die beide Länder vereinen und die für
unser Verhältnis fundamental sind. Außenminister Genscher brachte die Dankbarkeit seiner Regierung und des deutschen Volkes für die starke Unterstützung zum Ausdruck, die die Regierung der Vereinigten Staaten für Berlin an
den Tag gelegt hat, und besonders für die Erklärung von Vizepräsident Mondale
anläßlich seines kürzlichen Besuches in der Stadt.
Der Präsident und der Außenminister unterstrichen den Wunsch der amerikanischen Regierung und der Bundesrepublik, ihre Bindungen zu stärken und auf
allen Gebieten gemeinsamen Interesses zusammenzuarbeiten.

Sie waren sich

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�sich über die Wichtigkeit der anhaltenden Lebenskraft des Atlantischen
Bündnisses für die Sicherheit Nordamerikas und Europas einig.

Sie brachten

ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, für eine enge Zusammenarbeit zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft zu arbeiten.
Sie sehen den Gipfeltreffen entgegen, bei denen der Präsident und
Bundeskanzler Schmidt zusammen mit anderen Führern die Gelegenheit haben
werden, über zahlreiche wichtige Fragen zu sprechen.
Der Präsident brachte dem Außenminister seine Dankbarkeit für die Hilfe
zum Ausdruck, die der deutsche Botschafter in Kampala während der kürzlichen
Schwierigkeiten für Amerikaner in Uganda geleistet hat.
Der Präsident wurde vom Vizepräsidenten, Außenminister Vance, dem Berater für Fragen der nationalen Sicherheit, Zbigniew Brzezinski, und dem
Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates, Gregory Treverton, begleitet.
Der Außenminister wurde von Botschafter Berndt von Staden, dem Leiter
der Politischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Ministerialdirektor Guenther
van Well, und dem Dolmetscher Heinz Weber begleitet."

+ + + + +

�1

Dokumentation

I

United States Information Service

5/1977

CARTER-PRESSEKONFERENZ VOM 9. MÄRZ 1977
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf seiner Pressekonferenz am 9. März 1977 neben innenpolitischen Themen zu den Menschenrechten,
Israel, Korea und SALT Stellung genommen.

In einer Einleitung kündigte er zunächst ein Programm zur Bekämpfung der
Jugendarbeitslosigkeit mit einem Aufwand von 1,5 Milliarden Dollar an, das
er dem Kongreß zugeleitet hat und auf dessen baldige Verabschiedung er hofft.

Weiter teilte er mit, daß er Außenminister Vance angewiesen habe, die
Reisebeschränkungen für amerikanische Staatsbürger nach Vietnam, Nordkorea,
Kuba und Kambodscha aufzuheben.

Carter wies jedoch warnend darauf hin, daß

die Vereinigten Staaten in diesen Ländern keine diplomatische Vertretungen
hätten und die Reisenden nicht schützen könnten.

Die Maßnahme erfolge, um

jede Einschränkung der Menschenrechte in den USA zu beseitigen.

Menschenrechte:

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�Menschenrechte:
Zum Thema der Menschenrechte gab es folgende Fragen und Antworten:
FRAGE: Der amerikanische Delegierte bei der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen hat erklärt, daß er glaubt und hofft, daß seine Beschuldigungen hinsichtlich des Terrors in Chine heute mit Ihrer Menschenrechtspolitik übereinstimmen.

Ist das der Fall?

ANTWORT: Ich weiß nicht, welchen Delegierten Sie meinen oder welches
sein Anliegen war.

Aber wir sind weiterhin besorgt über die Unterdrückung

der Menschenrechte in vielen Ländern der Welt.

Chile ist, wie ich meine,

eines dieser Länder, bezüglich deren Besorgnis geäußert wurde.

Und mir liegt

daran, daß das amerikanische Volk weiß, daß dies ein sehr heikles Thema ist.
Wir haben versucht, in unseren Äußerungen der Besorgnis breit angelegt
und verantwortungsbewußt zu sein.

Zunächst hat man fälschlicherweise ange-

nommen, unsere Politik befasse sich ausschließlich mit der Sowjetunion.
Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß unser eigenes Land in einigen
Dingen nicht ganz in Ordnung war. Aus einigen Ländern der Welt wird über
Folterungen berichtet. Wir tragen, wie es im Gesetz verlangt wird, diese
Dinge dem Kongreß vor. Aber wir sind uns der Besorgnis um die Menschenrechte in der ganzen Welt bewußt - in Lateinamerika, in unserem eigenen Lande,
in den kommunistischen Staaten Osteuropas und in der Sowjetunion.
Ich meine, es ist unbedingt angebracht, daß unser Land die Führungsrolle übernimmt, damit die Welt sagen kann, daß der zentrale Punkt für die
Erhaltung und den Schutz der Menschenrechte die Vereinigten Staaten von
Amerika sind. Darauf bin ich stolz.
Ich bin entschlossen, mit aller nur möglichen persönlichen Verpflichtung daran festzuhalten, und ich glaube, daß ich zu diesem Thema in ausreichendem Maße für das amerikanische Volk spreche.
FRAGE:

�FRAGE: Herr Präsident, heißt das, daß Sie keine Einwände gegen die Bemerkungen unseres Delegierten haben?
ANTWORT: Ich meine, die Bemerkungen unseres Delegierten bezüglich unserer Verwicklung in die politischen Angelegenheiten Chiles in der Vergangenheit waren unangebracht.

Ich wußte davon vorher nichts.

Es war der Aus-

druck der persönlichen Auffassung dieses Delegierten.
Ich meine, der Church-Ausschuß des Senats konnte keinerlei Beweise finden, daß die Vereinigten Staaten am Sturz der Allende-Regierung in Chile beteiligt waren. Es wurden einige Beschuldigungen erhoben - vielleicht zurecht, wie ich meine - daß wir finanzielle Unterstützung und andere - ich
will sagen, finanzielle Unterstützung, um genau zu sein - an politische Elemente in Chile geleistet hätten, die zum Regierungswechsel beigetragen haben. Aber ich glaube, es gibt keine Beweise für ungesetzliche Handlungen
dort, und die von dem Delegierten abgegebenen Erklärungen waren seine persönlichen Erklärungen, nicht die der (amerikanischen) Regierung.

Israel:
FRAGE: Herr Präsident, es ist in letzter Zeit viel über verteidigungsfähige Grenzen und was dies in bezug auf den Nahen Osten bedeutet, geredet
worden.

Sind Sie der Meinung, daß es bei einer Nahost-Friedensregelung den

Israelis zustände, einen Teil des von ihnen während des Krieges im Jahre 1967
besetzten Gebietes zu behalten, um damit sichere Grenzen zu haben?
ANTWORT: Wenn von verteidigungsfähigen Grenzen geredet wird und von
sicheren Grenzen geredet wird, handelt es sich offensichtlich nur um eine
Frage der Semantik.

Ich glaube, es ist eine relativ bemerkenswerte Entwick-

lung in der Darstellung einer möglichen Regelung im Nahen Osten»über diese
Dinge in ihrer eigentlichen Bedeutung zu sprechen.
Die
- 3 -

�1

&lt;

Die anerkannten Grenzen müssen beiderseits anerkannt sein.

Die ara-

bischen Staaten, der Staat Israel müssen zu einer Einigung über dauerhafte
und sichere Grenzen gelangen, mit legaler Souveränität in beiderseitigem
Übereinkommen.

Die Verteidigungslinien mögen in absehbarer Zukunft diesen

legalen Grenzen entsprechen oder auch nicht.

Es mag Ausweitungen der is-

raelischen Verteidigungskapazität über diese dauerhaften und anerkannten Gren&lt;

zen hinaus geben.
Ich glaube, dieser Unterschied wird heute von den Führern Israels anerkannt,

über die Festlegung der Grenzen auf geographischer Basis bleibt

jedoch noch

zu entscheiden.

Aber ich glaube,es ist von Bedeutung für die

Welt und für die betroffenen Parteien, da3 sie zu verstehen beginnen, da3
zwischen dem einen und dem anderen ein deutlicher Unterschied bestehen kann,
nämlich der Fähigkeit Israels sich selbst durch ein internationales Abkommen
zu verteidigen oder durch die gelegentliche Verlegung israelischer Streitkräfte oder durch Warn- und Meldestationen, wie es in Sinai der Fall gewesen
ist, und zwar über die tatsächlichen Souveränitätsgrenzen hinaus, wie sie
von Israel und seinen Nachbarn beiderseits vereinbart wurden.

FRAGE: Bedeutet das internationale Zonen zwischen den Ländern?
ANTWORT: Internationale Zonen könnten sehr wohl Bestandteil eines Abkommens sein. Ich glaube, in zunehmendem Maße einen schrittweisen Prozeß
sehen zu können, bei dem es zu beiderseitiger Übereinstimmung kommen könnte,
daß die endgültige Regelung, die auch die Grenzziehungen einschließen würde,
an einem bestimmten festgelegten Punkt zustandekommt. In dem Interimsstadium - mag es zwei Jahre, vier Jahre, acht Jahre oder länger dauern - wird
eine beiderseitige Bezeugung von Freundschaft und eine Erklärung der Beendigung des Kriegszustandes erfolgen.
Ich denke, das, was Israel gerne haben möchte, ist genau das, was auch
wir gerne haben würden: Eine Beendigung des Kriegszustandes mit Israel durch
seine Nachbarn, die Anerkennung des Existenzrechtes Israels, das Recht, jji
- 4 -

�in Frieden zu existieren, die Öffnung der Grenzen mit freiem Handel, Reiseverkehr, kultureller Austausch zwischen Israel und seinen Nachbarn; mit anderen Worten: eine Stabilisierung der Situation im Nahen Osten ohne ständige Bedrohung der Existenz Israels durch seine Nachbarn.
Das würde einen weitgehenden Rückzug Israels von den derzeit unter
Kontrolle gehaltenen Gebieten mit sich bringen. Wo dieser Rückzug sein Ende finden mag, das weiß ich nicht. Ich möchte annehmen, es gäbe einige
kleinere Anpassungen der Grenzen von 1967. Aber das bliebe noch Gegenstand
von Verhandlungen.
Ich glaube auch, daß es ein langer und mühsamer Prozeß sein wird. Wir
werden von Seiten unserer Regierung große Anstrengungen unternehmen, um die
Parteien 1977 nach Genf zu bringen. Ganz sicherlich muß jedes Abkommen zwischen den unmittelbar Beteiligten erfolgen. Wir werden als Vermittler auftreten, wenn unsere guten Dienste von Nutzen sein werden.
Aber ich versuche nicht, die Haltung unserer Nation gegenüber den vielleicht endgültigen Details eines Abkommens vorher festzulegen, das für den
Frieden der Welt so viel bedeuten kann.

FRAGE: Herr Präsident, ich möchte, wenn es gestattet ist, versuchen,
die Situation Israels

zu klären.

Vorhin sprachen Sie bei der Beantwortung

einer Frage von der Möglichkeit, eines weitgehenden Rückzugs der israelischen Kontrolle über Gebiete, und dann - nur wenige Sekunden später - sprachen Sie von der Möglichkeit kleinerer territorialer Konzessionen von Seiten Israels.
Was meinen Sie hier nun genau? Sprechen Sie wirklich über größere Rückzüge oder nur über kleinere Rückzüge?
ANTWORT:
habe.

Ich glaube nicht, daß ich das Worf'kleinerer Rückzug"gebraucht

Ich glaube, daß es kleinere Anpassungen an die Grenzen von 1967 und

vor 1967 geben könnte.

Aber das ist eine Angelegenheit, über die Israel und

seine Nachbarn selbst zu entscheiden haben.
Ich
- 5 -

�Ich meine, daß wir - ich würde sagen bis Mitte Mai 4 die Positionen
der Beteiligten weitaus klarer erkennen werden.

Ich bin bislang mit den

Führern im Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten und Saudi-Arabien - das weniger direkt beteiligt ist - noch nicht zusammengekommen und habe noch nicht
mit ihnen gesprochen.
Ich werde mit alloidiesen führenden Männern bis Mitte Mai zusammengetroffen sein.

Ich möchte keinesfalls versuchen, die exakte Festlegung der

Grenzen in spezifischer Form zu definieren, aber ich meine, daß es ganz
offensichtlich eines der schwerwiegendsten Probleme ist, daß es hier drei
grundlegende Elemente gibt: einmal

die äußerste Verpflichtung zu einem völ-

ligen Frieden im Nahen Osten; zum anderen

Festlegung der Grenzen, die aus-

serordentlich umstritten sind und bisher noch von keiner Seite definiert
wurden,und drittens die Behandlung der Palästinenserfrage.

FRAGE: Herr Präsident, ich möchte gern noch etwas weiter auf Ihre Erörterung der Frage der verteidigungsfähigen Grenzen eingehen.
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann sprechen Sie von der Möglichkeit einer Art israelischer Verteidigungslinie entlang des Jordanflusses und
vielleicht auch an einigen Punkten in der Sinai-Wüste und vielleicht an einigen Punkten auf den Golan-Höhen, dort würden sich Verteidigungsstreitkräfte
befinden, aber keine legalen Grenzen.
Habe ich Sie richtig verstanden, daß nach Ihrer Auffassung, die Israelis
eine Art Verteidigungsstreitkräfte entlang des Jordanflusses und an diesen
anderen Punkte haben werden?
ANTWORT:

Sie haben eine Menge zu dem hinzugefügt, was ich gesagt habe.

Zunächst einmal habe ich keinen besonderen Teil aus der Geographie um Israel
herum erwähnt.

Ich habe die Verteidigungskapazität nicht auf israelische

Streitkräfte begrenzt.
sein.

Es könnten sehr wohl auch internationale Streitkräfte

Es könnte sich sehr gut auch um eine Linie handeln, die - sagen wir -

20 oder mehr Kilometer breit ist, wo eine Entmilitarisierung auf beiden Seiten
garantiert ist.

r

�Es könnte sich sehr wohl auch um Außenposten, elektronische oder vielleicht auch bemannte Vorposten handeln, wie sie in dem Sinai-Gebiet auf Grund
des Abkommens zwischen Ägypten und Israel geschaffen wurde.
Ich werde nicht versuchen, spezifischer zu werden, indem ich sage, was
und was nicht der Fall sein wird.

Aber das ist eine Möglichkeit, um die

Spannungen dort zu verringern,und zugleich eine, über die ich mit den Vertretern der arabischen Staaten sprechen werde, wenn sie hierherkommen.

Korea
FRAGE: Selbst auf die Gefahr hin, Herr Präsident, die Dinge allzu sehr
zu vereinfachen, meine ich doch, daß Sie während des Wahlfeldzuges einen
allmählichen Abzug amerikanischer Landstreitkräfte aus Korea vorgeschlagen
haben.
ANTWORT: Ja.

FRAGE: Unddoch hat sich die Armee, nachdem Sie Ihren revidierten Haushalt unterbreitet haben, an den Kongreß gewandt und für das Finanzjahr 1978
um die Verdoppelung der Mittel für Militärbauten in Korea ersucht und um
mehr als 110 Millionen Dollar für ähnliche Zwecke während der folgenden drei
Jahre.

Wie verträgt sich das mit Ihren Abzugsplänen?

ANTWORT: Meine Verpflichtung, amerikanische Landstreitkräfte aus Korea
abzuziehen, hat sich nicht geändert.
Außenminister Südkoreas zusammen.

Ich treffe heute nachmittag mit dem

Dies wird eine der Fragen sein, die ich

mit ihm erörtere.
Ich habe ferner mit General Vessey gesprochen, der unsere Streitkräfte
in Korea befehligt.

Ich bin der Meinung, daß der Zeitrahmen, von dem ich

während des Wahlkampfes sprach - nämlich ein Zeitraum von vier bis fünf Jah- 7 -

�Jahren - angemessen ist.

Der Zeitplan für einen Abzug amerikanischer Land-

streitkräfte müßte sehr sorgfältig mit der südkoreanischen Regierung ausgearbeitet werden.

Dies müßte auch mit vollem Einvernehmen und vielleicht der

Beteiligung Japans geschehen.
Ich möchte, daß in Südkorea angemessene Landstreitkräfte verbleiben,
über die die südkoreanische Regierung zum Schutz gegen jedes Eindringen seitens Nordkoreas verfügt und die sie kontrolliert.

Ich könnte mir die Fort-

dauer eines amerikanischen Schutzes aus der Luft für Südkorea für einen langen Zeitraum vorstellen.
Aber dies sind die Grundelemente; und ich bin entschlossen, in einem bestimmten Zeitraum - wie beschrieben - unsere Landstreitkräfte abzuziehen.

SALT
FRAGE: Welche Auswirkungen - wenn überhaupt - wird die Debatte im Senat
über die Qualifikationen Mr. Warnkes für das Amt des Hauptverhandlungsführers
bei den SALT-Gesprächen letztlich auf unsere Verhandlungsposition haben?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß das genaue Abstimmungsergebnis im Senat
über die Bestätigung Mr. Warnkes eine größere Auswirkung auf künftige SALTVerhandlungen mit der Sowjetunion haben wird.
Sorgen macht mir der offenkundige Eindruck eines Mangels an Vertrauen
in meine eigene Fähigkeit und meine Haltung als Chefverhandler seitens des
Senats. Es ist doch ganz klar, daß jede Entscheidung, die mit den Russen über
eine Reduzierung der Atomwaffen getroffen wird, von mir gebilligt werden muß.
Ich habe dem Gemeinsamen Stab der Streitkräfte, der in der Vergangenheit
vielleicht im Zuge dieses Prozesses übergangen worden ist, zugesagt, daß wir
im voraus wissen werden, welche Haltung wir am Verhandlungstisch einnehmen
werden.

Ich habe dem Gemeinsamen Stab nicht zugesagt, daß er das Recht haben

werde, jeden einzelnen Verhandlungspunkt zu billigen oder zu mißbilligen. Ich
- 8 -

�Ich hoffe jedoch, daß sich der Senat mit großem Nachdruck für Mr. Warnke aussprechen wird.
Ich glaube, daß viele derjenigen, die gegen Mr. Warnke sind, keine wesentlichen Reduzierungen bei den Atomwaffen sehen möchten, obwohl diese von
uns und der Sowjetunion vereinbart wurden und obwohl sie die Gefahr einer
nuklearen Vernichtung der Welt vermindern sollen.
Ich bin zutiefst der Meinung, daß wir mit allen nur möglichen Mitteln ein
Abkommen mit der Sowjetunion über eine wesentliche Reduzierung der Atomwaffen
anstreben sollten.

Ich glaube, Mr. Warnke ist auch dieser Meinung, die meisten

der Senatoren sind es.
Wenn es auch Gründe gibt, nicht für Mr. Warnke zu stimmen, so habe ich
doch volles Vertrauen zu ihm. Ich darf hinzufügen, daß es einen weiteren sehr
wichtigen Schutz vor jedem Fehler gibt, den ich und Mr. Warnke und der Außenminister sowie andere vielleicht machen könnten. Der Senat muß nämlich mit
Zweidrittel-Mehrheit - nach umfasender und offener Debatte - jedes mit der
Sowjetunion unterzeichnete Abkommen billigen. Und deshalb meine ich, daß die
Angriffe auf Mr. Warnke in erster Linie von denen ausgehen, die keine wesentliche Reduzierung der nuklearen Waffen in der Welt sehen möchten.

FRAGE: Herr Präsident, Sie haben bei verschiedenen Anlässen davon gesprochen, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, ein baldiges SALT-Abkommen anzustreben, wobei - falls notwendig - die Marschflugkörper (Cruise
Missiles) sowie die Backfire-Bomber weggelassen werden sollten. Ich möchte
gerne wissen, ob Sie schon irgendwelche Hinweise bezüglich der sowjetischen
Absichten zu diesem Thema bekommen haben?
ANTWORT: Soweit mir bekannt ist, möchte die Sowjetunion immer noch die
Frage der Marschflugkörper in die gegenwärtigen Verhandlungen einbeziehen.
Die Frage der Backfire-Bomber möchte sie jedoch überhaupt nicht erörtern.
Meine Hoffnung war und ist, daß wir durch die Ausklammerung dieser beiden
kontroversen Fragen, die langwierige und umfassende Verhandlungen erfordern, zu
- 9 -

�».

I
zu einem schnelleren SALT II-Abkommen gelangen und dann unverzüglich in nachfolgenden Verhandlungen beispielsweise mit der Erörterung der Frage der Backfire-Bomber und der Marschflugkörper beginnen könnten.

Aber mir liegen noch

keinerlei Hinweise dafür vor, daß die Sowjets ihre Haltung zu diesem Thema geändert haben.

FRAGE: Herr Präsident, wie steht es mit dem Abbau der nuklearen Rüstungen?
ANTWORT: Hier wiederum, so meine ich, kann man auf zweifache Weise an diese Frage herangehen.
Ich habe der Sowjetunion sowohl direkt als auch indirekt, öffentlich und
privat, vorgeschlagen, daß wir versuchen sollten, jene Punkte abzugrenzen,
über die relativ weitgehende Einigung besteht * noch keine völlige, weil sich
die Details gelegentlich als sehr schwierig erweisen.

So habe ich beispiels-

weise vorgeschlagen, daß wir auf die Möglichkeit, Satelliten zu bewaffnen, sowie auf die Möglichkeit, Beobachtungssatelliten zu zerstören, verzichten sollten.
Wir haben ferner vorgeschlagen, daß der Indische Ozean völlig entmilitarisiert und ein umfassendes Versuchsverbot verwirklicht wird und daß eine
vorherige Unterrichtung über Raketenstarts erfolgt. Ich möchte, daß diese
Fragen, über die man mit den Sowjets einig werden könnte, schnell abgeschlossen werden, und daß man sich dann den schwierigeren Verhandlungen über tiefgreifendere, weltweite Verpflichtungen hinsichtlich der Atomwaffen zuwendet
- mit dem Ziel, letztlich die Atomwaffen in aller Welt völlig zu beseitigen.
Das ist ein schwieriger, langsamer und langwieriger Prozeß.

Aber ich

denke, wenn die Sowjets und wir uns hinsichtlich der leichteren Fragen verständigen könnten, und zwar bald - allerdings ist keine von ihnen sehr leicht -,
dann würden wir guten Willen zeigen.

Ich meine, wir sollten die Welt wissen

lassen, daß wir ernsthaft darum bemüht sind, ein für alle Mal das zu stoppen,
was sich als eine kontinuierliche und rasche Eskalation der Atomwaffen-Kapazität erwiesen hat, seit diese entwickelt wurde.
+ + + + +

- 10 -

�irifim

Dokumentation

JLJ

United States Information Service

5/1977

ROBERT S. STRAUSS: DER NEUE SONDERBEAUFTRAGTE DES PRÄSIDENTEN
FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Robert Schwartz Strauss, der Mann den Präsident
Carter am 11. März 1977 für den Posten des Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen nominierte, ist für seine Tatkraft ebenso bekannt wie für
seine Begabung und seine Leistungen. Strauss, der die Nachfolge von Botschafter Frederick B. Dent antritt, war zuletzt Vorsitzender des Nationalkomitees der Demokratischen Partei und hat unter anderem die Finanzen dieser Partei saniert. Seine enge Beziehung zu Präsident Carter und sein Zugang zum Präsidenten werden ihm bei den kommenden schwierigen Verhandlungen
über einen Abbau der Handelsschranken - der sogenannten Tokio-Runde - im
Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) sicherlich zugute
kommen.
Der Rechtsanwalt und Millionär aus Texas hat eine bewegte Karriere
hinter sich.
Robert S. Strauss wurde am 8. Oktober 1918 in Lockhart im Staate Texas
geboren.

Sein Studium an der Universität von Texas finanzierte er durch

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�durch eine Tätigkeit als Bürogehilfe im Staatsparlament in Austin.

Sein

Klassenkamerad und späterer Gouverneur des Staates Texas, John B. Connally,
mit dem ihn heute noch eine enge Freundschaft verbindet, bewog ihn dazu,
in die Politik zu gehen.

Schon 1937 nahm er aktiv an dem ersten Wahl kämpf

von Lyndon B. Johnson teil, der dem späteren Präsidenten einen Sitz im
Kongreß in Washington brachte.

Im Jahre 1941 schloß Strauss seine juristi-

schen Studien mit dem Bakkalaureat ab.

Zunächst arbeitete er für das Bun-

deskriminalamt (FBI) in Iowa, Ohio, und in Dallas, Texas.
Im Jahre 1945 gründete Strauss zusammen mit anderen eine Anwaltsfirma,
die sich in ganz Texas einen guten Ruf erwarb.

Er investierte mit gutem

Gewinn in Grundstücken und (in den USA privaten) Rundfunksendern und gelangte in den Aufsichtsrat von weltbekannten Firmen wie Columbia-Film, Braniff
Airlines und Xerox.
Als sein Freund Connally 1962 zum erstenmal als Gouverneur des Staates
Texas kandidierte, brachte Strauss große Spenden für den Wahl kämpf bei. Nach
gewonnener Wahl berief ihn Gouverneur Connally in den Bankenaufsichtsausschuß des Staates und entsandte ihn 1968 in das Nationalkomitee der Demokratischen Partei.

Im gleichen Jahr sorgte Strauss auch für die Finan-

zierung des Präsidentschaftswahlkampfes von Humphrey und Muskie im Staate
Texas.
Im Jahre 1970 zum Schatzmeister des Nationalkomitees der Demokratischen
Partei berufen, bewältigte er die herkulische Aufgabe, nach dem Debakel von
1968 die Finanzen der Partei wieder zu sanieren. Auf Grund der erneuten
Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen im November 1972 wurde Strauss am
9. Dezember 1972 zum Vorsitzenden des Nationalkomitees der Demokratischen Partei gewählt - ein Posten, der nicht unbedingt mit dem Posten eines ParteiVorsitzenden in der Bundesrepublik Deutschland vergleichbar ist.
Auf seinem neuen Posten sorgte Strauss nicht nur für eine Gesundung der
Finanzen der Partei, sondern auch für ihre politische Konsolidierung, indem

�•

indem er die verschiedenen Flügel in Nord und Süd und die Minderheiten an
einen Tisch brachte.

Die große Geschlossenheit und Einigkeit, die auf dem

Parteikonvent im Juli 1976 in New York zutage traten und dann in der praktisch einstimmigen Nominierung von Jimmy Carter gipfelten, sind nicht zuletzt dem Wirken von Strauss zu verdanken.
Robert S. Strauss ist seit 1941 mit der Tochter eines Zeitungsverlegers
in Texas verheiratet; das Ehepaar hat drei erwachsene Kinder und fünf Enkel.

+ + + + +

- 3 -

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Dokumentation
United States Information Service

5/1977

JOHN J. GILLIGAN: DER NEUE LEITER DES AMTES FÜR
INTERNATIONALE ENTWICKLUNG (AID)

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 10. März 1977 den ehemaligen Gouverneur des Bundesstaates Ohio, John Joyce Gilligan, zum neuen
Leiter des US-Amtes für internationale Entwicklung (AID) nominiert. Die Ernennung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden. Damit soll ein
Mann diese für die Auslandshilfe der USA verantwortliche Position übernehmen,
von dem Freunde und Gegner sagen, daß er in seiner über 20jährigen Laufbahn
als Politiker immer im Mittelpunkt schwieriger EntScheidungsprozesse gestanden hat. So traf er während seiner Amtszeit als Gouverneur von Ohio die
schwierige und sicherlich nicht populäre Entscheidung, zum ersten Male in
diesem Staat eine Einkommenssteuer einzuführen.
Sollte der Senat seine Nominierung bestätigen, so gilt als sicher, daß
sich Gilligan in seiner Eigenschaft als Leiter des AID mit allem Nachdruck
für weltweite Programme einsetzen wird, mit deren Hilfe das Erziehungs- und
Gesundheitswesen für die ärmere Bevölkerung auf der Erde verbessert werden
soll.
John

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�John Joyce Gilligan, der irischer Abstammung ist, wurde am 22. März 1921
in Cincinnati im Staate Ohio geboren.

Er besuchte die Universität von Notre

Dame sowie die Xavier-Universität in Cincinnati, schloß sein Studium mit dem
Grad eines Master of Arts ab und war anschließend bis 1953 Dozent für englische Literatur an der Xavier-Universität.

Sein Interesse an der Politik

wurde während des Präsidentschaftswahlkampfes von 1952 wach, und im darauffolgenden Jahr wurde er zum Stadtrat von Cincinnati gewählt - einen Posten,
den er bis Anfang und dann noch einmal bis gegen Ende der sechziger Jahre innehatte.

Dazwischen, von 1964 - 1966 vertrat er seinen Heimatstaat als Abgeord-

neter im Repräsentantenhaus in Washington und machte sich hier als Verfechter
der Idee der "Großen Gesellschaft" Präsident Johnsons einen Namen.

Als er

sich 1966 zur Wiederwahl für das Repräsentantenhaus stellte, unterlag er seinem Gegner Robert Taft, Jr. der einer der bekanntesten Familien in der politischen

Geschichte des Staates Ohio angehörte.

Auch seine Niederlage im

Rennen um einen Sitz im amerikanischen Senat im Jahre 1968 konnte Gilligan
nicht entmutigen.

Er bewarb sich im November 1970 um den Posten des Gouver-

neurs von Ohio und gewann die Wahl.

Damit wurde Gilligan einer der wenigen

Gouverneure, die die Demokraten für diesen großen Industriestaat bisher stellten.

Gleichzeitig gewann er einen großen Einfluß innerhalb der Demokratischen

Partei.

Nach seinem Ausscheiden als Gouverneur im Jahre 1975 war Gilligan am
Internationalen Woodrow Wilson Center der Smithsonian Institution in Washington
tätig, wo er Botschafter Elliot Richardson als Leiter der Studiengruppe für
einzelstaatliche und kommunale Regierungsfragen ablöste. Bereits Ende der
sechziger Jahre war er an das Stevenson-Institut der Universität Chicago
(1967) und an das John F. Kennedy-Institut der Harvard-Universität (1969) berufen worden.
Gilligan hat sich bereits sehr früh für eine Präsidentschaftskandidatur
Jimmy Carters eingesetzt; bei der Ausarbeitung des Wahl Programms der Demokraten im Jahre 1976 spielte er eine aktive Rolle.
Während
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Während des Zweiten Weltkrieges wurde Gilligan zur amerikanischen Marine
einberufen und war im Atlantik,

im Mittelmeer und im Pazifik eingesetzt.

Gilligan ist seit 1945 mit Mary Kathryn Dixon verheiratet; das Ehepaar
hat vier Kinder.

+ + + + +

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Während des Zweiten Weltkrieges wurde Gilligan zur amerikanischen Marine
einberufen und war im Atlantik,

im Mittelmeer und im Pazifik eingesetzt.

Gilligan ist seit 1945 mit Mary Kathryn Dixon verheiratet; das Ehepaar
hat vier Kinder.

+ + + + +

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Während des Zweiten Weltkrieges wurde Giiiigan zur amerikanischen Marine
einberufen und war im Atlantik,

im Mittelmeer und im Pazifik eingesetzt.

Giiiigan ist seit 1945 mit Mary Kathryn Dixon verheiratet; das Ehepaar
hat vier Kinder.

+ + + + +

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United States Information Service

5/1977

DIE MÖGLICHKEITEN DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
IN DEN KOMMENDEN JAHREN
Von Senator John Sparkman
Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats

Der demokratische Senator John Sparkman
aus Alabama ist seit Januar 1975 Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses
des amerikanischen Senats. Der folgende
Artikel ist eine Zusammenfassung seines
Dritten Jahresberichts über die amerikanische Außenpolitik an den Senat, der am
24. Februar 1977 vorgelegt wurde.

Aus allerhand Gründen - z.T. aus Glück und z.T. auf Grund solider
Leistungen

der Ford-Administration - steht die neue Administration zwar vor

vielen Problemen in unseren außenpolitischen Beziehungen, aber kaum vor irgendwelchen akuten Krisen.

Die meisten dieser Probleme - angefangen vom Wett-

rüsten, dem Nahen Osten, Afrika bis zum unkontrollierten Bevölkerungswachstum
in der Dritten Welt - tragen den Keim der Krise in sich, ja sogar der "rise
erster Ordnung, wenn wir nicht innerhalb relativ kurzer Zeit klug handeln. Da
sie aber keine unmittelbare Reaktion eines Krieges oder einer Konfrontation

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i-

Konfrontation erfordern, lassen sie uns genug Zeit, eine gesunde und vernünftige Politik zu entwickeln - aber auch wenig Ausflüchte, das nicht zu
tun.
Ich glaube, man kann ohne Übertreibung sagen, daß der Abschluß eines
neuen Abkommens über die Begrenzung strategischer Waffen zu den ein, zwei
oder drei vordringlichsten Aufgaben unserer Außenpolitik gehört.
Fachleute für sowjetische Angelegenheiten führen eine hitzige Debatte
über das Ausmaß und die Absichten des gegenwärtigen militärischen Aufbaus
der Sowjets.

Manche von ihnen erklären, die Sowjets strebten nach einer

strategischen und konventionellen Überlegenheit auf militärischem Gebiet,
andere behaupten, die Sowjets versuchten lediglich, mit den Vereinigten Staaten
gleichzuziehen.

Der Weg, dieses Problem zu lösen, liegt sicherlich nicht dar-

in, davon auszugehen, daß das Schlimmste eintreten wird, sondern darin, die
Sowjets hinsichtlich ihrer eigenen versöhnlichen Worte auf die Probe zu stellen, wie dies Präsident Carter versuchen will.

Wenn sich herausstellen sollte,

daß es die Sowjets nicht ernst meinen mit einem neuen SALT-Abkommen oder nur
ein so loses und begrenztes Abkommen anstreben, daß es ihnen für eine politisch
untragbare strategische Überlegenheit freie Hand läßt, dann werden wir selbstverständlich entsprechend reagieren müssen.
Das kann jedoch nur ein letzter Ausweg sein, z.T. wegen der gewaltigen
Kosten eines beschleunigten nuklearen strategischen Wettrüstens, aber vor
allem, weil es eine schreckliche Bedrohung des Weltfriedens bedeuten würde.
Konventionelle militärische Stärke und taktische Nuklearwaffen in Europa
sind wieder ein anderes Problem. Der gegenwärtige militärische Aufbau der
Sowjets auf konventionellem Gebiet könnte nicht mehr sein als der Höhepunkt
eines langfristigen Programms, oder er könnte mehr mit der wachsenden Unruhe
in Osteuropa zu tun haben als mit einer ausdrücklichen Bedrohung der NATO.
Eine weitere Möglichkeit wäre die Absicht der politischen Einschüchterung
Westeuropas oder noch genauer der Stärkung und Unterstützung der kommu- 2 -

�kommunistischen Parteien in Ländern wie Frankreich und Italien.

Die Motive

des sowjetischen Aufbaus sind ungewiß, die Tatsache dieses Aufbaus keineswegs. Unter diesen Umständen und angesichts der bisher ergebnislosen Marathonverhandlungen in Wien über "beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen" wäre es für die Vereinigten Staaten höchst unklug, irgendwelche einseitigen Verringerungen unserer gegenwärtigen Streitkräfte von rund
300 000 Mann in Europa zu erwägen. Vizepräsident Mondale traf meiner Ansicht
nach den Nagel auf den Kopf, als er dem Nordatlantikrat mitteilte, daß die
Vereinigten Staaten an ihrer Verpflichtung gegenüber der NATO festhalten, ja
diese erhöhen und nur dann Truppen abziehen oder sonstwie einer Verringerung
der Verteidigungskraft der NATO zustimmen werden, wenn mit dem Warschauer Pakt
ein Abkommen über beiderseitige Truppenreduzierungen zustande kommt.
Ich möchte hier zwei Einschränkungen machen: Erstens, niemand wird von
den Vereinigten Staaten erwarten können - und man wird vom amerikanischen
Kongreß nicht erwarten können, daß er das unterstützt - einen hohen Stand
oder einen noch höheren Stand der Unterstützung für die NATO aufrechtzuerhalten, wenn die europäischen Verbündeten nicht entsprechende Anstrengungen
unternehmen.
Zweitens, selbst wenn wir es als notwendig betrachten sollten, unsere
Unterstützung für die NATO derzeit zu erhöhen, dann dürfen wir unser weitergefaßtes Ziel nicht aus den Augen verlieren, nämlich die Verhältnisse zu
schaffen, die uns unter sicheren Bedingungen eine Senkung - keine Erhöhung! unserer militärischen Anstrengungen erlauben. Wenn in absehbarer Zeit ein
neues SALT-Abkommen geschlossen werden kann, wie Präsident Carter das hofft,
dann dürfte sich die Atmosphäre für einen neuen Anlauf zu beiderseitigen
Truppenreduzierungen in Europa wesentlich verbessert haben. Hierauf muß
unser Hauptnachdruck liegen.
Die neue Administration hat auch sehr rasch die Initiative hinsichtlich
der Verhinderung der Ausbreitung von Kernwaffenpotentialen übernommen. Präsident Carter hat internationale Kontrollen gefordert, um alle Exporte von
- 3 -

�von Brennstoffanreicherungs- und Wiederaufbereitungstechnologie zu stoppen,
mit deren Hilfe Plutonium für Waffenzwecke hergestellt werden kann.
Aber es ist wahrscheinlich zu spät, der weiteren Ausbreitung von Kernwaffen in der Welt Einhalt zu gebieten.

Der Geist ist aus der Flasche, und

selbst wenn sie nicht gekauft werden kann, so kann diese Technologie heute
entwickelt werden. Wir müssen trotzdem versuchen, zu einem internationalen
Abkommen zu gelangen, das die Weitergabe von Anreicherungs- und Wiederaufbereitungstechnologie an Länder verbietet, die heute keine Nuklearwaffen besitzen.

Wenn wir auch realistischerweise nicht hoffen dürfen, die weitere

Ausbreitung von Kernwaffen gänzlich zu verhindern, so müssen wir doch alles
in unserer Macht stehende tun, um sie einzudämmen und aufzuhalten.

Eine

nukleare Welt - das dürfen wir nie vergessen - ist eine instabile Welt. Und
wenn es außerhalb unserer Macht steht, dem rechtzeitig Einhalt zu gebieten,
dann müssen wir wenigsten versuchen, Zeit zu gewinnen,und in der gewonnenen
Zeit an Durchbrüchen arbeiten und auf solche hoffen, die diese schreckliche
gemeinsame Gefahr für die ganze Menschheit stärker ins Bewußtsein rücken.
Ein weiteres Problem, vor dem die neue Administration steht, - ein moralisch ebenso komplexes Problem wie in seinen politischen Auswirkungen ist das Problem der wirtschaftlichen und militärischen Hilfe und der Waffenverkäufe. Das Grunddilemma ist zwiefältig: Einmal stehen einige der Staaten,
denen wir Waffen verkaufen oder schenken oder denen wir Wirtschaftshilfe
leisten, zwar den Vereinigten Staaten freundlich aber sich gegenseitig feindlich gegenüber. Das zweite Dilemma ist, daß einige dieser Staaten, obwohl
sie eine Außenpolitik führen, die mit der unsrigen durchaus vereinbar ist,
sich auf internationale Praktiken einlassen, die unsere Normen der Menschenrechte verletzen.
Der neue Präsident hat erklärt, daß er in Zukunft die Waffenverkäufe
einschränken will und daß er jeden Fall persönlich prüfen will. Aber darüber
hinaus müssen der Präsident und der Kongreß zusammenarbeiten, um die Mittel
und Wege zur Lösung des von mir aufgezeigten zwiefältigen Dilemmas zu finden.
Beispielsweise
- 4 -

�Beispielsweise gründeten sich Vorschläge für die Einstellung bestimmter
Waffenlieferungen an arabische Länder auf der durchaus berechtigten Besorgnis
um die Sicherheit Israels.

Aber sie zeigten unzureichende Besorgnis um die

Sicherheit der betreffenden arabischen Staaten - Länder, deren Freundschaft
für die Vereinigten Staaten wichtig ist.

In ähnlicher Weise sind Einwände

gegen unsere militärischen Lieferungen an den Iran erhoben worden, weil über
Verletzungen der Menschenrechte in jenem Land berichtet wurde

wie auch über

Extravaganz und ein übertriebenes amerikanisches Engagement.

All diese Ein-

wände mögen mehr oder weniger begründet sein, aber sie lassen die echten
Sicherheitserfordernisse des Iran als Nachbarn der Sowjetunion und auch den
Wert dieses Landes als Verbündeten der Vereinigten Staaten außer acht.
Ich hoffe - und vertraue - daß die neue Administration bei der Bewertung
dieser schwierigen Fragen das Extrem der Indifferenz gegenüber den Menschenrechten auf der einen und der scheinheiligen Zudringlichkeit auf der anderen
Seite vermeiden wird.
Es ist bemerkenswert, daß die ersten Initiativen der neuen Administration auf diesem Gebiet Erklärungen gewesen sind, in denen die Verweigerung
fundamentaler Freiheiten durch die Sowjetunion und die Tschechoslowakei in
Verletzung der Schlußakte von Helsinki verurteilt wurden. Nach meiner eigenen
Auffassung sollten Verurteilungen der internen Praktiken anderer Länder mit
Zurückhaltung und nur bei ungewöhnlichen Umständen ausgesprochen werden.
Wenn jedoch Proteste geäußert werden, dann sollten sie in gleicher Weise an
Verbündete und Gegner gerichtet werden.
Wir können unsere Hilfe nicht verstärken oder unsere Waffen verkaufen
und dabei die Art und Weise, wie die Regierungen ihr eigenes Volk behandeln,
gänzlich außer acht lassen; dennoch muß die Sicherheit der Vereinigten Staaten,
ihrer Verbündeten und Freunde und die Aufrechterhaltung

des Weltfriedens un-

ser Hauptanliegen bleiben.

Ich
- 5 -

�Ich möchte der neuen Administration außerdem dringend anraten, eine
Strategie für unsere Hilfsmaßnahmen und Waffenverkäufe zu entwickeln, die
jede einzelne Transaktion im Zusammenhang weiter gefaßter politischer Fragen und in bezug zu anderen Hilfs- und Verkaufsprogrammen in der gleichen
Region bewertet.
Wenn wir uns jetzt einigen regionalen Problemen zuwenden, denen sich
die neue Administration gegenübersieht, dann können wir Gefahren - und Chancen - erkennen: im Nahen Osten, Afrika, Asien und Lateinamerika - wobei der
Nahe Osten vom Standpunkt unseres nationalen Interesses als eine mögliche
Krisenzone wiederum an erster Stelle steht.

Während der letzten Sitzung

des Kongresses legte ich dar, daß wir meiner Ansicht nach zwei entscheidend
wichtige Interesse im Nahen Osten haben - das überleben und die Sicherheit
Israels und das öl und die Freundschaft der Araber. Diese Interessen, so
sagte ich damals und wiederhole es jetzt, "lassen sich nicht trennen, aber
sie ließen sich - dessen bin ich sicher - miteinander versöhnen - durch eine
allgemeine Lösung, die auf Garantien

für Israel, dem Rückzug aus den be-

setzten Gebieten und der Selbstbestimmung für das palästinensische Volk beruht."
Es wäre wahrscheinlich unklug, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten
einen ins einzelne gehenden Plan für eine Nahost-Lösung vorlegen würde. Ich
hielte es jedoch für sehr angebracht, wenn der Präsident so bald wie möglich
die Gelegenheit wahrnimmt, um in einer öffentlichen Erklärung unsere grundlegenden Interessen in bezug auf den Nahen Osten zum Ausdruck zu bringen und
vielleicht auch einige Grundprinzipien für eine gerechte und faire Lösung
vorzuschlagen. Diese grundlegenden Prinzipien - über die heute unter den informierten und gemäßigten Beobachtern des Nahost-Problems ein Konsens zu bestehen scheint - lassen sich etwa folgendermaßen zusammenfassen:
Erstens, die arabischen Staaten und auch die PLO müssen ohne Einschränkung die Legitimität und den dauerhaften Bestand Israels als eines souveränen
Staates anerkennen, der das Recht hat, in Frieden und Sicherheit in anerkann- 6 -

�anerkannten Grenzen zu leben.
Zweitens, Israel muß sich - innerhalb eines bestimmten Zeitabschnitts,
auf seine Grenzen vom Jahre 1967 zurückziehen, wobei es Modifikationen nur
so weit geben kann, als man sich auf sie einigt.
Drittens, den Palästinensern muß das Recht der Selbstbestimmung zuerkannt werden, sei es in der Form einer Konföderation mit Jordanien oder als
ein selbständiger Westufer-Gaza-Staat, entsprechend ihrer eigenen freien Wahl.
Viertens, die arabischen Staaten - einschließlich des neuen Staates oder
politischen Gebildes der Palästinenser - müssen der Einstellung aller feindseligen Aktionen oder Propaganda gegen Israel zustimmen und sich bereitfinden,
ein festgesetztes zeitliches Schema für die Errichtung normaler politischer
und wirtschaftlicher Beziehungen zu Israel einzuhalten.
Fünftens, die Gesamtlösung sollte durch solide internationale Garantien
getragen werden - darunter Abkommen über entmilitarisierte Zonen, Rüstungsbegrenzungen, Verpflichtungen des Weltsicherheitsrates, auf die Einhaltung der
Bedingungen des Abkommens zu achten und sie, wenn notwendig, zu verteidigen,
sowie - falls dies erwünscht - eine ausdrückliche amerikanische Garantie für
die Existenz und Sicherheit Israels.
Obwohl das Nahost-Problem vom Standpunkt unserer nationalen Sicherheit
aus gesehen an erster Stelle steht, ist Südafrika das Gebiet der im Augenblick unmittelbarsten Gefahr. Im Anschluß an den Angola-Konflikt und die dortige sowjetisch-kubanische Intervention, begannen die Vereinigten Staaten
eine festere und bestimmtere - wenn auch theoretisch nicht neue Politik des
Eintretens für die Herrschaft der Mehrheit und die Rechte der Minderheit in
Rhodesien und Namibia einzuschlagen.
Namibia - oder wie es bis vor kurzem hieß: Südwestafrika - hat als unter dem Schutz der internationalen Gemeinschaft stehend einen Sonderstatus.

�Sonderstatus.

Es kam nach dem ersten Weltkrieg als Mandatsgebiet des Völker-

bundes unter die Herrschaft Südafrikas, aber Südafrika gestattete nicht, daß
es nach dem Zweiten Weltkrieg in ein Treuhandgebiet der Vereinten Nationen
umgewandelt wurde, und die Südafrikaner brachten dann ihr System der rassischen Apartheid in dieses Territorium.

Es ist die offizielle Position dtr

Vereinigten Staaten - wie sie von Außenminister Kissinger in seiner Rede vor
der UN-Vcllversammlung vom 30. September 1976 umrissen wurde .-,. daß eine von
den Vereinten Nationen getragene Konferenz zusammentreten sollte, um für
Namibia die Unabhängigkeit

"innerhalb eines festgelegten, kurzen Zeitab-

schnitts" zu erlangen.
Ich fordere die Carter-Administration auf, diese Politik fortzusetzen,
wobei man sich jedoch vor Augen halten sollte, daß es unser Ziel ist, sowohl
die iiehrheitsregierung als auch die Minderheitenrechte zu fördern - und zwar
durch friedliche und gesetzliche Mittel.
Die gefährlichere Situation für die unmittelbare Zukunft liegt in
Rhodesien. Die Genfer Gespräche zwischen der weißen rhodesischen Regierung
und den schwarzen Führern sina zusammengebrochen, vielleicht für immer, was
zum Teil auf die Unnachgiebigkeit der Regierung lan Smith, zum Teil auf die
Kivalität zwischen den schwarzen Gruppen und zum Teil auf den Mangel an Vermittlungskraft Großbritanniens zurückzuführen ist. Wenn nicht bald diplomatische Initiativen ergriffen werden, ist ein ständiger, vielleicht sich beschleunigender Guerillakrieg vorauszusehen, wobei die Sowjetunion und möglicherweise Kuba die militanten Guerillas unterstützen und ermutigen werden.
Die diplomatische Last wird jedoch - unwi11 kommenerweise - wieder auf
die Schultern der Vereinigten Staaten verlagert, Der grundsätzliche Plan,
für den Außenminister Kissinger im vorigen Jahr die Zustimmung der rhodesischen
Steller erhielt und der eine multi-rassische Interimsregierung, gefolgt von
einer Mehrheitsregierung innerhalb von zwei Jahren vorsah, ist weiterhin eine
vernünftige Zielsetzung. Es ist jetzt an Präsident Carter, neue Initiativen
zur Förderung dieser Politik zu ergreifen, und - wie bereits gesagt - er hat.

�hat nicht mehr viel Zeit.

Ich würde vorschlagen, daß er die amerikanische

Verpflichtung für eine Mehrheitsregierung zu einem festgelegten Zeitpunkt
und für die Minderheitenrechte bekräftigt - wobei die letzteren durch etwas
Greifbareres als vage oder allgemeine Zusicherungen garantiert werden sollten.
Vielleicht könnte eine neu zusammentretende Konferenz über Rhodesien
einen Plan für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Schwarzen und
Weißen und für den Schutz der Eigentumsrechte sowie für gleiche Rechte für
alle Bürger ohne Rücksicht auf die Rasse entwerfen - oder ihn doch empfehlen.
Vielleicht wäre es für die unmittelbare Zukunft ratsam, wenn die Vereinigten
Staaten eine temporäre Sondermission nach Rhodesien entsenden würden - nicht
als ein Zeichen der Anerkennung des gegenwärtigen Regimes, und schon gar
nicht als ein Zeichen der Zustimmung, sondern einzig und allein zu dem Zweck,
Verbindung mit den rhodesischen Stellen und auch mit den schwarzen Nationalistenführern zu halten, wobei jede sich bietende Möglichkeit genutzt werden sollte, die Mäßigung auf beiden Seiten zu fördern.
Vor einem Jahr habe ich tiefe Sorge hinsichtlich des sowjetisch-kubanischen Engagements in Angola zum Ausdruck gebracht. Es befinden sich
immer noch etwa 12 000 - 16 000 kubanische Soldaten in Angola, die von der
Sowjetunion bezahlt werden und - wie berichtet - der Neto-Regierung, der
sie zur Macht verhalfen, die entscheidende Unterstützung bei dem Versuch gewähren, den anhaltenden Guerilla-Widerstand zu brechen. Obwohl einige kubanische Truppen aus Angola abgezogen wurden, muß doch gesagt werden, daß - solange kubanische Streitkräfte auf dem afrikanischen Kontinent verbleiben diese einen potentiellen Störfaktor im Hinblick auf die Rhodesien- und
Namibiafrage darstellen.
Es gibt Zeiten und Schauplätze, wo das Nützlichste, was man tun kann,
ist, nur wenig oder gar nichts zu tun.

Das scheint im Augenblick auf un-

sere Fernost-Politik zuzutreffen, wo im Hinblick auf China und Taiwan,
Vietnam ind Korea ungelöste Probleme verbleiben.
Ich
- 9 -

�*

Ich bin nicht der Meinung, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt irgendetwas getan werden sollte, um unsere Beziehungen zu Taiwan zu ändern.

Die

Volksrepublik China behauptet, keine normalen Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten unterhalten zu können, wenn wir nicht unseren Sicherheitsvertrag
mit Taiwan auflösen.

Dies, so scheint mir, wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt

unklug und auch unnötig.
Früher oder später - vermutlich noch in diesem Jahr - wird Vietnam in
die Vereinten Nationen aufgenommen werden, und wir werden schließlich den
Wunsch haben, normale Beziehungen zum neuen Vietnam aufzunehmen.

Das letzte-

re, so darf ich wohl sagen, wird umfassende Verhandlungen erforderlich machen.
Diese dürften jedoch erleichtert werden, wenn im Laufe der Zeit die aufgrund
des langen Krieges verbliebenen Animositäten zu schwinden beginnen.
In den letzten Jahren ist die Forderung nach einem Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Korea, wo wir immer noch 40 000 Soldaten stationiert haben, immer größer geworden. Es sind nun fast 24 Jahre ins Land gezogen, seit der Koreakrieg beendet wurde, und es scheint für die Vereinigten
Staaten angemessen zu sein, erneut über das geeigneteste Mittel nachzudenken,
wie wir auch weiterhin unseren Sicherheitsvertrag mit der Republik Korea erfüllen können. Diese Verpflichtung ist meines Erachtens immer noch gerechtfertigt und wichtig, nicht nur um die Republik Korea vor Angriffen aus dem
Norden zu schützen, sondern auch in dem größeren strategischen Zusammenhang
unserer Beziehungen zu Japan und der Volksrepublik China. Es mag durchaus
ratsam sein, unsere Landstreitkräfte in Korea eine gewisse Entfernung von
der entmilitarisierten Zone zurückzunehmen, um damit die Gefahr einer unmittelbaren, automatischen amerikanischen Verwicklung bei irgendwelchen
Grenzzwischenfällen auszuschließen. Wir könnten vielleicht auch die Auswirkungen eines allmählichen, phasenweisen Rückzuges unserer Truppen prüfen,
wobei in jedem Stadium jede mögliche Gefährdung der Sicherheit Südkoreas und
auch die Haltung Japans in Rechnung gestellt werden müßte.
Wenn
- 10 -

�Wenn ich mich jetzt kurz unserer eigenen Hemisphäre zuwende, dann möchte
ich sagen, daß wir uns in diesem Jahr mit Problemen konfrontiert sehen, die
den Panama-Kanal und auch Kuba betreffen.
Es gibt allen Grund zu der Annahme - und auch Hoffnung - daß nach zwölf
Jahren vergeblicher Bemühungen wir in diesem Jahr ein Abkommen über einen
Panamakanal-Vertrag erzielen werden. Der Vertrag von 1903, der die Kanalzone
den Vereinigten Staaten überließ, und zwar "auf alle Zeiten" mit der Vollmacht, "als wenn sie souverän wären", wird seit langem von der panamesisehen
Bevölkerung als unerträglich angesehen, und im Jahre 1965 hat Präsident Johnson
die Vereinigten Staaten grundsätzlich auf die Aufhebung des alten Vertrages
und die Aushandlung eines neuen festgelegt. Wenn jetzt die Verhandlungen
wieder aufgenommen werden, dann muß an verschiedene zentrale Ziele gedacht
werden: An die Notwendigkeit eines Arrangements, das die Republik Panama
juristisch gesehen als gleichberechtigten Partner behandelt und solide Garantien dafür gewährt, daß die Neutralität des Kanals aufrechterhalten wird.
Welche spezifischen Vorkehrungen auch immer getroffen werden mögen hinsichtlich der Disposition der Kanalzone sowie der amerikanischen Stützpunkte und
der Einrichtungen, so müssen doch unsere Verhandlungsführer der Verhandlungsgrundlage eingedenk sein, die der 94. Kongreß verabschiedet hat, daß nämlich
"jeder neue Panamakanal-Vertrag oder jedes Abkommen ... die lebenswichtigen
Interessen der Vereinigten Staaten in der Kanalzone und den Betrieb, die Aufrechterhaltung, das Eigentum sowie die Verteidigung des Panamakanals schützen
muß."
Auf der Tagesordnung unserer Hemisphäre für das Jahr 1977 steht auch die
Frage unserer Beziehungen zu Kuba.

Im Zuge unserer Entspannungspolitik ge-

genüber der Sowjetunion und unserer Öffnung gegenüber China im Jahre 1972 war
es angemessen, unseren politischen und wirtschaftlichen Boykott Kubas zu
überprüfen.
Wenn Kubas militärische Intervention in Afrika nicht gewesen wäre, hätte
ich es für richtig gehalten, weitere Maßnahmen zur Wiederherstellung der Be- 11 -

�t

Beziehungen zu Kuba zu ergreifen.

Aus Gründen sowohl einer vernünftigen

Politik gegenüber den Vereinten Nationen als auch der Respektierung der Weltorganisation können die Vereinigten Staaten eine kubanische Intervention in
Afrika weder akzeptieren noch billigen.

Wir sollten in der Tat ganz deut-

lich machen, daß wir uns mit allem Nachdruck gegen jede weitere Verletzung
des Völkerrechts wenden werden.

Dennoch hat die neue Administration zu er-

kennen gegeben, daß sie bereit ist, auf dem Wege der Normalisierung der Beziehungen voranzuschreiten, und im Hinblick auf unsere Politik gegenüber der
westlichen Hemisphäre scheint mir das unbedingt der richtige Kurs zu sein
- und wenn auch keinem anderen Grunde als dem, daß die Politik der Isolierung
Kubas fehlgeschlagen ist.

Eine Normalisierung der Beziehungen zur Castro-

Regierung wird vielleicht "künftige Angolas" nicht verhindern, aber es erscheint uns dadurch zumindest möglich, daß wir einen Verhandlungsspielraum
erhalten, den die Politik der Isolierung Kubas ganz offensichtlich nicht geboten hat.
Und schließlich möchte ich noch einige Worte zu den Vereinten Nationen
sagen, die wie bei einem verlorenen Sohn Anlaß zur Verzweiflung, aber auch
zur besten Hoffnung hinsichtlich unserer Außenpolitik bieten.
Unsere Verzweiflung hat ihre Wurzel in der nicht abzustreitenden Tatsache, daß die Weltorganisation nicht in der Lage ist, mit zahlreichen Fragen fertig zu werden.
Darüber hinaus wendet die Mehrheit der Dritten Welt in der Vollversammlung - wie schon vorher aufgezeigt - in ihrer Kritik gegenüber den verschiedenen moralischen Übeln eine doppelte Moral an.
Auf der anderen Seite haben sich die Vereinten Nationen als fähig erwiesen, begrenzte, jedoch nützliche Funktionen der Friedenswahrung auszuüben.
Friedenstruppen der Vereinten Nationen haben eine wichtige Rolle bei der Überwachung des Waffenstillstandes auf Zypern, im Kongo im Jahre 1964 sowie bei
verschiedenen Anlässen im Nahen Osten gespielt.
Die
- 12 -

�Die Vereinten Nationen haben ferner eine konstruktive Rolle hinsichtlich gewisser sozialer und wirtschaftlicher Fragen gespielt, vorzugsweise
im Hinblick auf den sogenannten Nord-Süd-Dialog über Wirtschaftsfragen sowie die Verteilung des Wohlstandes auf der Welt.

Die Konferenz über die

Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit, CIEC, hat zwar in Paris mit
unterschiedlichem Erfolg getagt, ist aber insgesamt gesehen doch konstruktiv verlaufen.

Sie hat sich mit der beunruhigenden Zunahme der internatio-

nalen Verschuldung insbesondere der ärmeren Länder befaßt, die in hohem Maße
auf den vielfachen Anstieg der Preise der ölimporte zurückzuführen ist.
Wenn die CIEC-Konferenz im April wieder zusammentritt, dann würde ich
es begrüßen, wenn die Vereinigten Staaten sich in einem generösen, aber verantwortungsbewußten Geist den Erfordernissen der Entwicklungsländer für eine
Entschuldung, eine Finanzierung der Energieeinfuhren und eine Stabilisierung
der Rohstoffpreise zuwenden werden.
Ich würde es ferner gern sehen, wenn die Vereinigten Staaten - innerhalb des Rahmens der Vereinten Nationen - in diesem Jahr eine energische
Initiative ergreifen, um die Programme zur Geburtenkontrolle zu unterstützen.
Wenn die Überbeanspruchung des internationalen Finanzsystems die auf kurze
Sicht größte Bedrohung für die Weltwirtschaft darstellt, so ist kaum zu bezweifeln, daß ein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum die größte Gefahr auf
lange Sicht ist.
Dementsprechend würde ich darauf drängen, daß die Carter-Administration
- über bilaterale Maßnahmen und durch internationale Organisationen - einen d
rekten Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Unterstützung und wirksamen
Bevölkerungskontroll-Programmen herstellt. Dies mag hart erscheinen, aber
unsere Ressourcen sind begrenzt, und es müssen Prioritäten gesetzt werden.
Warum, so mag man fragen - ist es für die Vereinigten Staaten wichtig,
mit einer so mangelhaften Organisation wie den Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten und zu versuchen, sie zu stärken? Die Antwort liegt weniger in
- 13 -

�'

in den Leistungen der Weltorganisation als vielmehr darin, daß sie immer
noch eine große Verheißung für die Zukunft bietet.

Die Charta von 1945

bleibt die einzige reale Hoffnung, die wir in bezug auf ein System des Weltfriedens unter internationalem Gesetz im Nuklearzeitalter haben, und das
sich entwickelnde System der Vereinten Nationen verkörpert wahrscheinlich
unsere beste Hoffnung auf eine Welt, in der soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit allen Menschen greifbar nahe gebracht werden kann.

- 1.4 -

�5/1977

PRÄSIDENT CARTER SCHLÄGT ENERGIEMINISTERIUM VOR

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat Anfang März den amerikanischen
Kongreß ersucht, die Schaffung eines neuen Bundesministeriums für Energiefragen (Department of Energy - DOE) zu genehmigen.

In ihm sollen die Funktionen

der Bundesenergiebehörde (Federal Energy Administration - FEA), der Bundeskommission für Energie (Federal Power Commission - FPC), der Bundesbehörde
für Energieforschung und Entwicklung (Energy Research and Development Administration - ERDA) sowie einer Reihe anderer staatlicher Organisationen mit Befugnissen auf dem Energiesektor zusammengefaßt werden.

Gegenwärtig ist ein

umfassender Energieplan in Vorbereitung, den Carter am 20. April 1977 dem
amerikanischen Kongreß unterbreiten will.
Die Reorganisation soll helfen, dem gegenwärtig aufgesplitterten und
mit zahlreichen Überschneidungen von Aktivitäten behafteten System einen
Rahmen zu geben, in dem eine umfassende nationale Energiepolitik sowohl entwickelt als auch verwirklicht werden kann. "Sie wird uns zum ersten Mal erlauben", so Präsident Carter, "unser Forschungs- und Entwicklungsprogramm auf
unsere Energiepolitik und die entsprechenden Erfordernisse abzustimmen. Dies
ist besonders wichtig, wenn wir von regenerationsfähigen Energiequellen wie

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�wie der Sonnenenergie Gebrauch machen sollen ... Die Reorganisation wird uns
in die Lage versetzen, durch die Kombination von Energie-Einsparungsprogrammen der FEA und ERDA schneller und wirksamer voranzukommen.

Und um sicher-

zustellen, daß wir auch Erfolg sehen, wird die Legislative das Amt eines
Unterstaatssekretärs für Energieeinsparung schaffen, der für die Durchführung
des Sparprogramms persönlich verantwortlich ist ... Die Befugnisse für die
Lenkung von Brennstoffen und Brennstoffverteilungssystemen werden in einer
einzigen Behörde zusammengefaßt - Befugnisse, in die sich bisher FEA und FPC
gemeinsam mit der Effekten- und Börsenkommission (SEC - Securities and ExcangeCommission) und der Kommission für den Handel zwischen den US-Bundesstaaten
teilten."
Die bisherige FEA ist für die Preisgestaltung bei Erdöl und Erdölprodukten zuständig.

Sie war 1974 mit temporärem Charakter ins Leben gerufen

worden, um den Auswirkungen des arabischen ölembargos und dem daraus resultierenden rapiden Preisanstieg zu begegnen.

Die ERDA, die nach der Auflösung

der US-Atomenergie-Kommission (AEC) gegründet wurde, befaßt sich vor allem
in bezug auf Atomenergie, aber auch auf den Sektoren Kohlenutzung, Erdwärme,
Sonnen- und Windenergie,mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben.

Der FPC,

die ursprünglich die Errichtung neuer Wasserkraftwerke zu genehmigen und das
Stromverbundnetz bundesweit zu überwachen hatte, wurde 1938 auch die Aufsicht
über Erdgasproduktion und Pipeline-Erdgastransport von Bundesstaat zu Bundesstaat übertragen.
Das neue Energieministerium würde neben den Funktionen dieser drei Behörden folgende Aufgabenbereiche übernehmen:
- Gewisse Programme und Funktionen des Innenministeriums, einschließlich einiger Kompetenzen für die Verpachtung bundeseigenen Landes im Küstenund Schelfgebiet sowie einen Teil der Kohleforschungsprogramme;
- Zuständigkeit für Standardisierungsprogramme hinsichtlich der Wärmedämmung bei Wohnungs- und Gewerbebauten, die bis Ende 1979 vorliegen müssen
- 2 -

�müssen und gegenwärtig vom Bundesministerium für Wohnungsbau und Städteplanung wahrgenommen werden;
- Zuständigkeit für bisher vom Handelsministerium durchgeführte Maßnahmen, um die von der Industrie auf freiwilliger Basis vorgenommenen Energie-Sparprogramme zu fördern;
- Rechtliche und verwaltungsmäßige Zuständigkeit für die drei der USMarine vorbehaltenen ölfelder in den Bundesstaaten Kalifornien und Wyoming
sowie die ebenfalls für die Marine reservierten ölschiefervorkommen in
Colorado und Utah, die jetzt noch dem US-Verteidigungsministerium unterstehen;
- Bestimmte Kompetenzen der Effekten- und Börsenkommission (SEC), um
Fusionen in der Elektrizitätswirtschaft zu regeln;
- Zuständigkeit für die Kontrolle von ölpipelines, einschließlich der
jeweiligen Wertermittlung und Gebührenfestsetzung, was gegenwärtig von der
Kommission für den Handel zwischen den US-Bundesstaaten wahrgenommen wird.
Darüber hinaus wird das neue Energieministerium das Verkehrsministerium bei
der Empfehlung von Leistungsnormen und Kraftstoffverbrauch bei Kraftfahrzeugen beraten.
Mit allen diesen Funktionen wird das DOE auch etwa 20 000 Mitarbeiter
aus den bisher zuständigen Behörden übernehmen; der Etat für 1978 liegt bei
ca. 10 Milliarden Dollar. Es w,ird erwartet, daß Präsident Carter James R.
Schlesinger, z. Zt. Energieberater im Weißen Haus, zum Chef des neuen Ministeriums ernennen wird.
Zur Frage der Reorganisation erklärte Schlesinger , das neue Energieministerium sei "ein längst notwendiges Instrument". Aber nicht seine Existenz,
sondern erst die von dieser Stelle aus betriebene Politik können die EnergieProbleme der Lösung näher bringen. Dabei seien auch unpopuläre Maßnahmen
nicht auszuschließen.
+ + + + +

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I

3

M

s.

Uliil/chofl
United States Information Service

5/1977

RASCHERER WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG IN USA WIRKT SICH WELTWEIT AUS
- Auszüge aus einem Interview mit John W. Kendrick -

Genf - (AD) - Die Tatsache, daß die amerikanische Wirtschaft in diesem
Jahr eine Wachstumsrate von sechs Prozent statt der ursprünglich angenommenen 4,5 Prozent aufweisen wird, dürfte sich positiv auf die Volkswirtschaften der Industrieländer auswirken und auch den Entwicklungsländern
helfen. Diese Auffassung vertrat der Wirtschaftsberater der amerikanischen
Handelsministerin Juanita Kreps, John W. Kendrick, am 7. März in einem
Interview in Genf. Kendrick, der an einer Konferenz führender Wirtschaftsfachleute im Rahmen der Wirtschaftskommission für Europa (ECE) der Vereinten
Nationen teilnahm, betonte, daß dieses erhöhte Wachstum ohne eine Beschleunigung der Inflationsrate erreicht werden könne.
Nachfolgend die wesentlichen Auszüge aus dem Interview mit John W.
Kendrick:
Frage: Wie würden Sie den Tenor der Konferenz hier in dieser Woche
charakterisieren?
Antwort: Es geht definitiv aufwärts.

Wie Sie wissen, gehören der ECE

alle Länder Europas in Ost und West an. Ich spüre einen beträchtlichen
Wunsch, die Zusammenarbeit zu verbessern, den Handel zu fördern und eine

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�eine stärkere Zusammenarbeit für die Zukunft voranzutreiben.
Ferner möchte ich sagen, daß der Ton hinsichtlich der kurzfristigen und
längerfristigen wirtschaftlichen Aussichten im allgemeinen etwas optimistischer
ist.
Frage: Könnten Sie etwas über die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen
in den Vereinigten Staaten und den Ausblick für 1977 unter der neuen Administration sagen?
Antwort: Darf ich Sie zunächst einmal daran erinnern, daß sich die
amerikanische Regierung jetzt schon seit zwei Jahren von der Rezession 1973/75
erholt. Während dieser zwei Jahre ist das reale Bruttosozialprodukt um etwa
11 Prozent angestiegen, die Inflationsrate wurde von über 10 Prozent auf etwa
5 Prozent gesenkt, und die Arbeitslogikeit ist von einem Höchststand von etwa
9 Prozent im Frühjahr 1975 im Januar dieses Jahres auf 7,3 Prozent zurückgegangen.
Man hat erwartet, daß das reale Bruttosozialprodukt in diesem Jahr selbst
ohne einen besonderen fiskalischen Anreiz um etwa 4,5 Prozent zunehmen würde.
Präsident Carter hat jedoch schon vor seinem Amtsantritt erklärt, daß dies
nicht genug sei und daß das Ziel der neuen Administration ein Wachstum von
6 Prozent vom vierten Quartal 1976 bis zum vierten Quartal 1977 sei.
Um dieses Ziel zu erreichen, schlug er ein Paket fiskalischer Anreize
vor, das für das Haushaltsjahr 1977/78 etwa 31 Milliarden Dollar kosten wird.
Wirtsrhaftler, die diese Zahlen an ihren ökonometrisehen Modellen erprobten, kamen zu dem Ergebnis, daß dies gerade der richtige Betrag sei, um
uns in diesem Jahr ein Wachstum von etwa 6 Prozent zu bringen - und wir gehen
davon aus, daß dies ohne irgendwelche wesentliche Beschleunigung der Inflation
vonstatten gehen wird, die etwa in dem Bereich von 5 bis 6 Prozent bleiben
dürfte.
Frage: Was wird dies für andere Länder bedeuten?
Antwort: Eine
für andere Länder
unseres Wachstums
tiv bedeuten, daß

Expansion in den Vereinigten Staaten ist offensichtlich auch
von Nutzen, denn der Umfang unserer Importe, d.h. der Anstieg
in diesem Jahr von 4,5 Prozent auf 6 Prozent dürfte definiandere Industrieländer mit freier Marktwirtschaft ein

�ein Wachstum von etwa 4,5 Prozent erleben werden, statt der etwas weniger
als 4 Prozent, die sie früher vorausgesagt haben. Es wird auch den weniger
entwickelten Ländern helfen, indem die amerikanische Wirtschaft einen größeren
Importbedarf an Rohstoffen, Lebensmitteln usw. haben wird, so daß im allgemeinen die Tatsache, daß für die amerikanische Wirtschaft jetzt ein etwas
rascheres Wachstum erwartet wird als für die übrige freie Welt, den anderen
Volkswirtschaften helfen wird, etwas höhere Wachstumsraten zu erreichen„
Cv

^ge: Bedeutet das Vorhandensein von Überschußkapazität n der Wirtschaft,

da[„ in diesem Jahr kein Ansteigen des Investitionsbedarfs in den Vereinigten
Staaten und anderen Ländern zu erwarten ist?
Antwort: Nein, weil nicht alle Investitionen dazu dienen, die Produktionskapazität auszudehnen, über die Hälfte der Investitionen wird
jr die
Modernisierung oder Kostensenkungen oder eine Steigerung der Produktivität
aufgewandt
Diese Investitionen gehen ohne Rücksicht auf die betriebliche
Kapazitätsauslastung weiter, vorausgesetzt daß die Gewinne ausreichen, um
die Investitionen finanzieren zu helfen und einen Anreiz für Investitionen
zi bieten. Die Gewinne in den USA sind tatsächlich im vorigen Jahr um über
ein Viertel gestiegen und steigen weiter und bieten damit Anreize zu neuen
Investitionen, Dazu kommt eine zehnprozentige Investitionssteuerabschreibung
Untersuchungen amerikanischer Firmen lassen erkennen, daß in diesem Jahr
mindestens 13 Prozent mehr für Fertigungsstätten und Ausrüstungen aufgewandt
werden
Ich bin der Auffassung, daß auch die anderen Länder bei der gegenwärtig stattfindenden Erholung eine Expansion der Investitionen erleben werden
Es ist jedoch richtig, daß wir, bis wir zu einer etwa 85 prozentigen Auslastung der Betriebe gelangen werden, keine Investitionen für längerfristige
Kapazitätsausweitungen erleben werden. Ich glaube diese werden erst Ende
1977 und 1978 beginnen - und das ist einer der Faktoren, auf d-e wir uns
verlassen, um das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr und darüber hinaus
aufrechterhalten zu können,
Frage: Sie sprechen von der übrigen Welt ebenso wie von den Vereinigten
Staaten?
Antwort:

�Antwort: Ja, von beiden, da auch andere Länder, die ebenfalls durch
Rezession und Anpassunnen gegangen sind, wieder an dem Auslösungspunkt
ier Nutzungsraten angekommen sind, der eine grundlegende Ausweitung der
industriellen Kapazität erfordert.

Ich bin daher der Auffassung, daß die

Faktoren, die das in den Vereinigten Staaten herbeiführen werden, auch,in
anderen Ländern, wahrscheinlich spätestens 1978, zum Tragen kommen werden.
Frage: Ihre Analyse ist so weit optimistisch.

Das stimmt nicht ganz

mit einigen der Presseberichte über^in, die wir in letzter Zeit in Europa
gesehen haben und die einen etwas pessimistischeren Ausblick erkennen lassen.
Könnten Sie dazu etwas sagen?
Antwort: Wenn ich mit anderen führenden Wirtschaftsberatern aus Europa
spreche, dann stelle ich fest, daß ihre Auffassungen heute etwas optimistischer zu sein scheinen, als, sagen wir, noch vor ?°chs Monaten.
Die vielleicht niedrigste vorgesehene Wachstumsrate liegt bei etwa zwei
Prozent in Großbritannien. Aber Vertreter der Bundesrepublik Deutschland
rechnen mit 4 bis 6 Prozent, und eine ähnliche Wachstumsrate wird auch in
Frankreich erwartet. Im allgemeinen rechnet die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) heute mit etwa 4,5 Prozent, verglichen mit einer Voraussage von etwas weniger als 4 Prozent noch vor einigen
Monaten. Ich möchte sagen, daß die fiskalischen Maßnahmen der CarterAdministration, um die Wachstumsrate in den Vereinigten Staaten zu steigern,
die Aussicht für die Expansion in Westeuropa etwas günstiger gestaltet haben.
Alle Voraussagen unterliegen natürlich einem gewissen Maß an Irrtum. Die
von mir angeführten Zahlen könnten natürlich etwas zu hoch liegen, aber ich
bin der Oberzeugung, daß sie, wenn überhaupt, im Endeffekt etwas zu niedrig
liegen -^rden, weil die Laaerbestände im Verhältnis zum Absatz ziemlich
niedrig sind, zumindest in den Vereinigten Staaten, und ich glaube, daß eine
ganz beträchtliche Erhöhung der Lagerbestände eintreten könnte, was den Ausblick noch zusätzlich günstig beeinflussen dürfte.
Ich möchte daher sagen, daß die von mir genannten Zahlen, wenn nicht ganz
zutreffend, eher etwas zu niedrig angesetzt sein dürften, denn es gibt eine
kumulative Qualität der Expansion, und wenn sich herausstellen sollte, daß
- 4 -

�f

daß, das Wachstum etwas größer ist als erwartet, dann stehen Firmen oft ohne
ausreichende Lagerbestände da,und die Zunahme der Aufträge, um die Bestände
aufzufüllen, regt die Wirtschaft als Ganzes weiter an.
Frage: Wie steht es nun mit dem Rückschlag, den die amerikanische
Wirtschaft durch das außerordentlich kalte Wetter im Januar und Februar erlebt hat, und wie hat sich das auf die Volkswirtschaften anderer Länder ausgewirkt?
Antwort: Es ist richtig, daß wir, als wir gerade auf Expansion eingestellt waren, sechs Wochen erlebten, die unsere Produktion verlangsamt haben,
aber dies wirkte sich für uns und andere nur sehr temporär aus. Der Einfluß
des Wetters auf die amerikanische Produktion dauerte nicht lange, wenn er
auch vielleicht unmittelbar eine gewisse Verlangsamung einiger unserer
Importv. gebracht hat. Aber ich glaube nicht, daß dies eine wesentliche
Auswirkung auf andere hatte, denn die meisten Aufträge an ausländische Lieferfirmen waren schon vorher herausgegangen, und wir können damit rechnen, den
Produktionsverlust auszugleichen. Die Auswirkungen auf die Exporte anderer
Länder dürften nach meiner Auffassung minimal sein.

+ + +

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�II
I

1

Uli//cn/chofl
\md Technik
United States Information Service

5/1977

GENMANIPULATION UND BIOLOGISCHE FIXIERUNG VON STICKSTOFF
Konferenz im Brookhaven National Laboratory/USA

- (AD) - Eine Konferenz über Fragen und Probleme der Genmanipulation
zur Ausweitung der Möglichkeiten für die biologische Fixierung von Stickstoff hat vom 13. - 17. März 1977 im Kernforschungszentrum Brookhaven
National Laboratory (Upton, Long Island) in der Nähe von New York stattgefunden. Veranstalter war die gemeinnützige Organisation "Associated Universities, Inc." (AUI), in der eine Anzahl führender Universitäten in den
nordöstlichen Bundesstaaten der USA zusammengeschlossen sind. Die Schirmherrschaft übernahm die Nationale Wissenschaftsstiftung (NSF) im Rahmen
ihrer Forschungsprogramme zur Förderung wirtschaftswichtiger Vorhaben (RANN),
Unter biologischer Stickstoff-Fixierung versteht man die Umwandlung von
molekularem Luftstickstoff durch bestimmte Algen und Bodenbakterien in Ammoniak und andere stickstoffhaltige Verbindungen, die Pflanzen für ihren
Zellaufbau und z.B. die Bildung von Eiweiß verwerten können. Die Mikroorganismen werden durch Gene gesteuert, deren Funktion man beeinflussen möchte, um die Menge des so gebundenen Stickstoffs zu erhöhen. Dies könnte
letztlich zur Steigerung der Produktion von Eiweiß als einer der wichtigsten

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�wichtigsten Nahrungsquellen führen.

'

Auf der Konferenz wurde der gegenwärtige Stand der Genmanipulation
hinsichtlich der Fixierung von Stickstoff erörtert.

Dabei kamen auch die

Möglichkeiten und Grenzen des Verfahrens hinsichtlich einer Steigerung
der pflanzlichen Produktion sowie die Probleme und Streitfragen auf umweltund gesundheitspolitischem, rechtlichem und sozialem Gebiet im Zusammenhang mit der Genmanipulation zur Sprache. Alle Stellungnahmen - von Experten und Laien - werden später veröffentlicht.

Forschung mit Rekombinations-DNS
Die Konferenz schloß an ein dreitägiges öffentliches Forum (7. - 9.
März 1977 in Washington) an, auf dem in Anwesenheit von Vertretern aus 15
Nationen, von verschiedenen Interessengruppen aus der amerikanischen Öffentlichkeit, der Regierung, des US Kongresses, Juristen, der pharmazeutischen
Industrie und Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen das Thema "Forschung mit Rekombinations-DNS" behandelt wurde.

Rekombinations-DNS ist der

Kurzbegriff für eine in den letzten Jahren entwickelte Methode, mit der man
im Laboratorium versucht, Fragmente von DNS-Molekülen (DNS = Desoxyribonukleinsäure, Substanz der Gene und Träger der Erbfaktoren) aus einem Organismus mit
DNS-Fragmenten eines anderen Organismus zu verbinden und so eine neue "Lebensform" zu schaffen.
Diese neue Technik der "Manipulation" von Genen wird u.a. als wichtiges
Instrument zur Erforschung der Mechanismen und Funktionen betrachtet, die
alles Leben und alle biologischen Abläufe steuern. Bei den Diskussionen in
Washington, einer Veranstaltung der Nationalen Akademie der Wissenschaften
(NAS), wurden die potentiellen, aber doch ungewissen Vorteile dieser neuen
Methode und die befürchteten, aber ebenso ungewissen Risiken der DNS-Rekombination erörtert. Kernpunkt war die Frage, ob in den USA diese speziellen
Forschungen abgebrochen oder fortgesetzt werden sollen, und wenn ja, unter
- 2 -

�I
unter welchen Sicherheitsvorkehrungen, Richtlinien, Genehmigungsverfahren,
Einschränkungen und Laborbedingungen.
Die Meinungen gingen weit auseinander.

Während sich die einen neue

Möglichkeiten erhoffen, die Einblick in die Natur und den Ursprung des Lebens geben und für Biologie und Medizin im weiten Sinne wichtige Fortschritte
bringen könnten, fürchten andere, daß damit nur eine "Büchse der Pandora"
geöffnet werde, die soviel übles berge, daß das überleben der Menschheit gefährdet sei. Die Bedeutung der neuen Technik und ihr Kraftpotential wird mit
der Spaltung des Atoms verglichen: Die Biologen unserer Zeit sehen sich ähnlichen Fragen gegenüber wie die Physiker in den vierziger Jahren, als sie
mit der Nutzung der Atomtechnik konfrontiert wurden.
"Behauptungen über unkontrollierbare Epidemien oder Umweltkatastrophen
sind ebenso irreführend und unnütz wie Behauptungen, daß von den Experimenten keine Gefahren drohen könnten", erklärte Dr. Maxine Singer, Leiterin der
Abteilung Nukleinsäure-Enzymforschung im Nationalen Krebsforschungsinstitut
(Bethesda, Maryland).

Prof. George Wald vor, der Harvard-Universität dagegen

bezeichnete die Frage als "die größte Streitfrage in der Geschichte der Wissenschaft, den größten Bruch mit der Natur in der Geschichte der Menschheit".
Nobelpreisträger Prof. Wald, Gegner der DNS-Rekombinationsforschung, will
sie - unter größten Vorbehalten - nur einigen wenigen Instituten zugestehen,
sofern strengste Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden.

Er stand kürzlich

im Mittelpunkt der Kontroverse, die sich im Stadtrat von Cambridge (Massachusetts)
über die Genehmigung neuer DNS-Forschungseir.richtungen für die Harvard-Universität und das "Massachusetts Institute of Technology" entwickelte.

Man einig-

te sich schließlich auf neue Vorschriften und Richtlinien, die weit über jene
hinausgehen, welche von den Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA
(National Institutes of Health) im Juni 1976 festgelegt wurden.

Die strenge-

ren neuen Regeln für Cambridge dürften als Richtschnur für ein neues Bundesgesetz dienen, an dem gegenwärtig ein noch unter Präsident Ford eingesetzter
interministerieller Ausschuß arbeitet.

Darüber hinaus wurden und werden im

Repräsentantenhaus und Senat eine Anzahl weiterer Gesetzesvorlagen eingebracht.
Mitte März 1977 beginnen Anhörungen zur Frage der DNS-Rekombination im US-Kongreß.
+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Presseerklärung des Weißen Hauses zum Besuch Genschers&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter-Pressekonferenz vom 9. März 1977&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Robert S. Strauss: Der neue Sonderbeauftragte des Präsidenten für Handelsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;John J. Gilligan: Der neue Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung (AID)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Möglichkeiten der amerikanischen Außenpolitik in den kommenden Jahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Senator John Sparkman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses des US-Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter schlägt Energieministerium vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rascherer Wirtschaftsaufschwung in USA wirkt sich weltweit aus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einem Interview mit John W. Kendrick -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Genmanipulation und biologische Fixierung von Stickstoff&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Konferenz im Brookhaven National Laboratory/USA -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>pfifft Uli

ÄG

Information
und
Dokumentation
United States Information Service

23. März 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Rede Präsident Carters vor den Vereinten Nationen am 17. März 1977
- Wortlaut Carter umreißt amerikanische Auslandshilfepolitik
- Botschaft an den Kongreß vom 18. März 1977 Präsident Carter fordert Maßnahmen gegen Ölverschmutzung
- Botschaft an den Kongreß vom 18. März 1977 Dr. Frank Press: Neuer Wissenschaftsberater Präsident Carters

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�»

a
a

Dokumentation
United States Information Service

6/1977

REDE PRÄSIDENT CARTERS VOR DEN VEREINTEN NATIONEN AM 17. ÜÄRZ 1977
- Hortlaut

New York - (AD) - Präsident Carter haJ am 17. März 1977 in einer Rede
vor Ständigen Vertretern bei den Vereintet, Nationen zu zahlreichen außenpolitischen Problemen Stellung genommen.

Am Sitz der Weltorganisation

u

forderte er eine Einstellung des nu learen Wettrüstens und dann einen Abbau der Kernwaffen.

Der Präsident behandelte ferner internationale Wirt-

schaftsfragen, den Nahen Osten, Afrika, die Entwicklungsländer und Menschenrechtsfragen.
Die Rede von Präsident Jimmy Carter hat folgenden Wortlaut:
Ich bin stolz, heute abend hier in diesem Hause, in dem die gemeinsamen
Hoffnungen der Menschheit ihren Ausdruck finden können, vor Ihnen sprechen
zu dürfen.
Ich bin hierhergekommen, um meine Unterstützung, die anhaltende Unterstützung meines Landes, für die Ideale der Vereinten Nationen zum Ausdruck
zu bringen.
Wir

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�•

Wir sind stolz darauf, daß die Vereinten Nationen in den 32 Jahren seit
ihrer Gründung auf amerikanischem Boden zusammengekommen sind.

Und wir

teilen mit Ihnen die Verpflichtung für Freiheit, Selbstregierung, Menschenwürde, gegenseitige Toleranz und friedliche Lösung von Streitigkeiten wie sie in den Gründungstatuten der Vereinten Nationen so klar zum Ausdruck
kommt und von Generalsekretär Kurt Waldheim so gut vertreten wird.
Keine Nation könnte für sich allein eine Welt bauen, die diese Werte
reflektierte.

Aber die Vereinigten Staaten verfügen über ein Reservoir

der Stärke - wirtschaftlicher Stärke, an der wir andere teilhaben lassen
wollen;
brauchen;

militärischer Stärke, die wir hoffentlich nie mehr einzusetzen
geistiger Stärke, die wir als Rückgrat unserer Außenpolitik

voll aufrechtzuerhalten gedenken.
Es ist jetzt acht Wochen her, seit ich mein Amt als Präsident übernahm.
Ich habe in dieses Amt ein festes Versprechen auf eine offenere Außenpolitik
mitgebracht. Ich glaube, das amerikanische Volk erwartet von mir, daß ich
offen über die Politik spreche, die wir einzuschlagen gedenken, und in
diesem Geiste möchte ich heute abend über unsere Hoffnungen für die Zukunft
sprechen.
Ich sehe eine hoffnungsvolle Welt, - eine Welt, die beherrscht wird von
wachsenden Forderungen nach den Grundfreiheiten, nach den Grundrechten,
nach einem höheren Standard der menschlichen Existenz.
uns an der Gestaltung dieser Welt zu beteiligen.

Wir sind begierig,

Aber in diesem Streben nach einer besseren Welt sind wir nicht blind
gegenüber der Realität des Streites noch der herrschenden Gefahren, vor
denen wir stehen.

Jede Schlagzeile, die wir lesen, erinnert uns an bittere

Spaltungen, an nationale Feindseligkeiten, an territoriale Konflikte, an
ideologischen Wettstreit.
jahrhundert überfällig.
liche Afrika.

Im Nahen Osten ist der frieden seit einem ViertelEin zunehmender Rassenkonflikt bedroht das süd-

An der Südspitze Afrikas bauen sich neue Spannungen auf.
- 2 -

Im

�Im östlichen Mittelmeer bleiben Streitfragen ungelöst.
Aber vielleicht noch unheildrohender ist das beunruhigende Wettrüsten.
Die Sowjetunion und dl« Vereinigten Staaten haben Tausende von Kernwaffen
angehäuft.

Unsere beiden Länder verfügen heute über fast fünfmal so viele

Raketengefechtsköpfe wie vor acht Jahren.

Trotzdem sind wir nicht etwa

fünfmal sicherer. Im Geoenteil, das Wettrüsten hat das Risiko eines Konflikts nur erhöht.
Wir können diese !!elt nur verbessern, wenn wir ihre Komplexität realistisch
sehen. Die Streitigkeiten, die heute existieren, haben tiefe Wurzeln und
stellen oft schwierige geistige wie auch praktische Fragen an uns. Sie
lassen sich weder rasch noch leicht beilegen. Das Wettrüsten ist heute in
das Gewebe der Weltpolitik eingebettet und kann nur unter größten Schwierigkeiten eingedämmt werden. Armut und Ungleichheit haben so gewaltige Dimensionen angenommen, daß es Jahrzehnte gezielter und entschlossener Anstrengungen bedürfen wird, um die Situation auch nur zu verbessern.
Ich hebe diese Gefahren und diese Schwierigkeiten hervor, weil ich möchte,
daß wir uns alle einer andauernden und anhaltenden Anstrengung verschreiben,
um
- den Frieden zu erhalten und das Wettrüsten zu verringern;
- ein besseres und kooperativeres internationales Wirtschaftssystem
aufzuholen; und
- mit potentiellen Gegnern ebenso wie mit unseren Freunden zur
Förderung der Sache der Menschenrechte zusammenzuarbeiten.
Weltweite Aufgaben
Ich bin mir darüber Im klaren, daß die Vereinigten Staaten bei dem
Streben nach diesen Zielen die Probleme der Welt nicht allein lösen können.
Wir können gelegentlich anderen helfen, ihre Differenzen beizulegen, aber
wir können das nicht auf die Weise tun, daß wir anderen unsere individuellen
- 3 -

�individuellen Lösungen aufzwingen.
In den kommenden Monaten wird es für uns alle wichtige Arbeit geben, um
die internationale Zusammenarbeit und den wirtschaftlichen Fortschritt
im Dienste des Friedens zu fördern:
- Noch in diesem Frühjahr werden die Führer mehrerer Industrieländer
Europas, Nordamerikas und Japans auf einer Gipfelkonferenz in London Mber
einen weiten Bereich von Themen sprechen.

Wir müssen die Gesundheit unserer

industriellen Volkswirtschaften fördern, wir müssen die Inflation eindämmen
und Mittel und Wege finden, um unsere Volkswirtschaften zum Wohle der Weltwirtschaft zu leiten.
- Wir müssen mit den multilateralen Handelsverhandlun^en in Genf weiterkommen .
- Die Vereinigten Staaten werdti die 3emühungen unser -r Freunde unterstützen, um die derriokratisehen Institutionen in Europa, insbesondere in
Portugal und Spanien, zu stärken.
- Wir werden auf der anstehenden Folgekonferenz der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) mit unseren Freunden in Europa eng
zusammenarbeiten.

Wir wollen sicherstellen, daß alle Bescii.imungen der Schluß-

akte von Helsinki voll verwirklicht werden und ein Fortschritt bei der
Förderung der Zusammenarbeit zwischen Ost und West erzielt wird.
- Im Nahen Osten tun wir unser Bestes, um Gebiete der Übereinstimmung
abzuklären, unterschwellige Gemeinsamkeiten an den Tag zu bringen und dazu
beizutragen, beiderseits akzeptable Grundsätze zu entwickeln, die einen
flexiblen Rahmen für eine gerechte und dauerhafte Lösung abqeben kennen.
- Im

�- Im südlichen Afrika werden wir daran arbeiten, um zur Herstellung einer
Mehrheitsregierung durch friedliche Mittel beizutragen.

Wir sind der Über-

zeugung, daß eine solche grundsätzliche Umwandlung zum Wohle der Schwarzen
und der Weißen erreicht werden kann.

Alles andere könnte nur zu einem

hinausgezogenen Rassenkrieg mit verheerenden Folgen für alle führen. In
dieser Woche haben die Vereinigten Staaten Maßnahmen ergriffen, um unser
Land in volle Übereinstimmung mit den Sanktionen der Vereinten Nationen
gegen das unrechtmäßige Regime in Rhodesien zu bringen.
- Wir werden unsere Beziehungen zu Lateinamerika auf eine konstruktivere
Basis stellen - in der Erkenntnis des globalen Charakters der Probleme
dieser Region. Wir arbeiten ferner daran, die Zukunft des Panamakanals
durch freundschaftliche Verhandlungen zu klären.
- Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen, unser Verhältnis zur Volksrepublik China weiter auszubauen. Wir sind uns über unsere parallelen
strategischen Interessen an einer Aufrechterhaltung der Stabilität in
Asien im klaren und werden im Geiste des Kommuniques von Schanghai handeln.
- In Südostasien und im Pazifik werden wir unsere Verbindungen mit unseren
traditioneller. Freunden stärken und die Beziehungen zu unseren früheren
Gegnern zu verbessern suchen.
- Wir sind bereit, in der ganzen Welt unsere Beziehungen zu normalisieren
und eine Versöhnung mit allen Staaten anzustreben, die bereit sind, mit uns
an der Förderung des Fortschritts in der ganzen Welt zu arbeiten.
Einhalt dem Wettrüsten!
Vor allem erfordert die Suche nach Frieden eine sehr viel bewußtere Anstrengung, um das weltweite Wettrüsten einzudämmen.

Lassen Sie mich in

diesem Zusammenhang zunächst von den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
sprechen und dann von der weiterreichenden Notwendigkeit, die Ausbreitung der
- 5 -

�der Rüstung innerhalb der Weltgemeinschaft einzudämmen.
Ich habe die Absicht, die Gespräche über die Begrenzung der strategischen
Rüstungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion mit Entschlossenheit und Energie fortzusetzen.
SALT ist eine außerordentlich komplizierte Materie.

Das grundlegende

Faktum ist jedoch, daß das Wettrüsten weitergeht und die Sicherheit beider
Länder sowie der ganzen Welt gefährdet ist, während sich die Verhandlungen
in der Sackgasse befinden.

Ich würde strikte Kontroll er oder sogar ein

Einfrieren neuer Waffentypen und neuer Generatio en von Waffensystemen zu
sammen mit einer einschneidenden Verringerung der strategischen Rüstung
beider Seiten bevorzugen.

Ein solch wichtiger Schritt nicht nur zur

Rüstungsbegrenzung, sondern zur Rüstungssenkung würde von der ganzen Menschheit als gewaltiger Fortschritt auf dem Wege zum Frieden begrüßt werden.
Stattdessen könnten wir - vielleicht leichter - ein begrenzter^ Afkommen abschließen, das sich auf jene Elemente des Übereinkommens von
Wladiwostok stützt, über die wir uns einigen können, und das die strittigeren
Fragen sowie die tiefergreifenden Reduzierungen, die ich bevorzuge, für eine
Erörterung und Verhandlung zunächst ausklammert.
Wir werden ferner die Möglichkeit für eine völlige Einstellung der
Kernwaffenversuche prüfen. Wenn unser letzliches Ziel auch die Einstellung
der Versuche seitens aller Nuklearmächte ist, so sehen wir dies doch nicht
als eine Vorbedingung für die Aussetzung der Versuche durch die beiden
Hauptatommächte an. Wir sollten jedoch auch über diese Frage ein umfassendes und ständiges multilaterales Abkommen anstreben.
Wir werden uns ferner um die sowjetische Bereitschaft bemühen, mit uns
ein Abkommen über eine beiderseitige Zurückhaltung im Indischen Ozean sowie
über Waffenexporte in Krisengebiete der Welt zu erzielen.
Wenn

�Wenn ich solche Anpassungen vorschlage, dann bin ich mir weiterhin
völlig darüber im klaren, daß

die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen

auch in Zukunft unter einem starken Konkurrenzkampf stehen werden;

aber ich

glaube, daß dieser Wettstreit ausgewogen werden muß durch eine Zusammenarbeit bei der Wahrung des Friedens und damit zugunsten unseres beiderseitigen Überlebens.

Ich werde mich ernsthaft und aufrichtig um eine

solche Zusammenarbeit bemühen.

Die Anstrengung, das Wettrüsten einzudämmen, ist jedoch keine Angelegenheit, die die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion alleine angeht.

Es

müssen breiter angelegte Bemühungen unternommen werden, um den Fluß von
Waffen in alle Krisengebiete unserer Erde einzudämmen.

Dementsprechend

werden wir weiter gefaßte Abkommen zwischen Erzeuger- und Verbraucherländern
zu erreichen suchen, um den Export konventioneller Jaffen zu begrenzen, und wir
werden eigene Initiativen entwickeln, da ja die Vereinigten Staaten einer der
größten Waffenlieferanten dei- Welt geworden sind.

Wir haben uns mit allem Nachdruck verpflichtet, der Weiterverbreitung
von Nuklearwaffen unter den Ländern der Welt Einhalt zu gebieten.

Wir werden

neue Anstrengungen unternehmen, um multilaterale Abkommen zur Sicherstellung
legitimer Vorräte an nuklearem Brennstoff zu erreichen, während gleichzeitig der giftige und gefährliche Atommüll kontrolliert wird.

Durch die Zusammenarbeit mit anderen hier vertretenen Nationen hoffen
wir, auf solche Weise die Sache des Friedens zu fördern.

Wir werden einen

nachhaltigen und positiven Beitrag zu der bevorstehenden Sondersitzung über
die Abrüstung leisten.

Gerechtes Weltwirtschaftssystem

Das Streben nach Frieden aber heißt auch Streben nach

Gerechtigkeit.

Eine der größten Aufgaben, der wir uns als Nation gegenübersehen - und damit
auch eine unserer größten Chancen - besteht darin, an der Gestaltung eines

- 7 -

�eines globalen Wirtschaftssystems mitzuwirken, das den Menschen in allen
Ländern größeren Wohlstand bringen wird.
Ich komme aus einem Teil der Vereinigten Staaten, der weitgehend Landwirtschaftsgebiet ist und dem es lange Zeit an angemessenen Transport- und
Verkehrsmöglichkeiten, erfahrenem Kapitalmanagement und Schulen mangelte wie sie in den Industriestaaten der Union zur Verfügung standen.

Ich kann

daher Verständnis und Mitgefühl für die Führer der Entwicklungsländer
aufbringen und möchte ihnen versichern, daß wir unseren Beitrag leisten
werden.
Zu diesem Zweck werden die Vereinigten Staaten Vorschläge unterbreiten,
die darauf ausgerichtet sind, den grundleoenden menschlichen Ansprüchen der
Entwicklungsländer gerecht zu werden und ihnen bei der Steigerung ihrer
Produktionskapazität zu helfen.

Ich habe den Kongr°ß um die Bereitstellung

von 7,5 Milliarden Dollar an Auslandshilfe für das kommende Jahr ersucht
und werde mich bemühen, eine anhaltende amerikanische Hilfeleistung im Rahmen
des fortschreitenden globalen wirtschaftlichen Entwicklungsprozesses zu
gewährleisten.

Ich werde den Kongreß ferner ersuchen, unsere Beiträge für

das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zu erhöhen und unseren
den multilateralen Kreditinstitutionen gegebenen Zusagen nachzukommen - vor
allem gegenüber der Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA) der
Weltbank.
Wir bekennen uns auch weiterhin zu einem offenen internationalen Handelssystem, einem System, das die innenpolitischen Anliegen und Interessen in
den Vereinigten Staaten nicht außer acht läßt.

Bei den multilateralen

Handelsverhandlungen in Genf haben wir beträchtliche Handelskonzessionen in
Bezug auf Güter angeboten, die für die Entwicklungsländer von primärem
Interesse sind.

In Übereinstimmung mit der Deklaration von Tokio prüfen wir

ferner Mittel und Wege, um den besonderen Erfordernissen der Entwicklungsländer noch weiter entgegenzukommen.

Die

�Die Vereinigten Staaten sind gewillt - in einer positiven und offenen
Einstellung - die Verhandlung über Abkommen zur Stabilisierung von Rohstoffen in Erwägung zu ziehen, darunter auch ein Abkommen über die
Schaffung eines gemeinsamen Fonds zur cinanzierung von Ausgleichsvorratslagern, sofern sie Teil bestimmter, vereinbarter Abkommen sind.
Ich bin ferner der Meinung, daß die Entwicklungsländer zu einer
stärkeren Beteiligung an dem globalen wirtschaftlichen EntScheidungsprozeß
gelangen müssen. Ein gewisser Fortschritt in dieser Hinsicht wurde bereits
durch die größere Beteiligung der Entwicklungsländer am Internationalen
Währungsfonds gemacht.
Wir müssen unsere gesamten natürlichen Ressourcen klug und konstruktiv
nutzen. Heute werden unsere Ozeane ausgeplündert und verschmutzt. In einem
erneuten Geist der Zusammenarbeit und Hoffnung schließen wir uns der Seerechtskonferenz an, um die Fehler der vorigen Generationen gutzumachen und
sicherzustellen, daß alle Nationen an den Reichtümern der Weltmeere teilhaben können.
Wir müssen uns außerdem bewußt werden, daß die Welt vor gefährlichen
Energieverknappungen steht. Hier handelt es sich um ein wahrhaft weltweites Problem. Wir sind unsererseits entschlossen, jede Verschwenduna zu
reduzieren und mit anderen auf eine angemessene Beteiligung an den Segnungen
und auch den Kosten der Energiequellen hinzuarbeiten.
Menschenrechte für alle
Das Streben nach Frieden und Gerechtigkeit bedeutet aber auch die
Achtung vor der Menschenwürde.

Alle Unterzeichner der Charta der Vereinten

Nationen haben sich feierlich verpflichtet, die grundlegenden Menschenrechte
einzuhalten und zu achten.

So kann denn auch kein Mitglied der Vereinten

Nationen behaupten, daß eine Mißhandlung seiner Bürger einzig und allein
seine eigene Angelegenheit sei.

Genauso wenig kann sich ein Mitglied seiner

�seiner Verantwortung entziehen, zu prüfen und seine Stimme zu erheben, wenn
es in irgendeinem Teil der Welt zu Folterungen oder ungerechtfertigten
Freiheitsberaubungen kommt.
Der Grundzug in der menschlichen Entwicklung läuft auf eine universalere
Forderung nach fundamentalen Menschenrechten hinaus. Die Vereinigten Staaten
haben ein historisch angestammtes Recht, sich mit diesem Prozeß zu identifizieren.
Wir in den Vereinigten Staaten übernehmen diese Verantwortung im vollsten
und konstruktivsten Sinne. Für uns ist das eine unbedingte Verpflichtung und
nicht nur eine politische Attitüde.

Ich weiß sehr wohl, daß unsere Ideale

auf dem Gebiet der Menschenrechte in den Vereinin+en Staaten nicht immer
erreicht worden sind, aber das amerikanische Volk fühlt sich der vollen
Verwirklichung dieser Ideale unbedingt verpflichtet.

Wir sind daher entschlos-

sen, die bei uns bestehenden Mängel rasch und in aller Offenheit anzugehen.
Um diese Verpflichtung unter Beweis zu stellen, werde ich, nachdem ich
den Kongreß um seine Billigung ersucht habe, die Konvention der Vereinten
Nationen über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte und die
Konvention über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnen. Ich werde
in enger Zusammenarbeit mit unserem Kongreß seine Unterstützung nicht nur
für die Ratifizierung dieser beiden Vertragsinstrumente sondern auch für die
Konvention der Vereinten Nationen gegen Völkermord und den Vertrag über die
Beseitigung aller Formen rassischer Diskriminierung zu erhalten suchen. Ich
habe soeben die letzten verbliebenen Restriktionen für Auslandsreisen der
Amerikaner aufgehoben und werde darangehen, die Reisemöglichkeiten nach
Amerika zu liberalisieren.
Die Vereinten Nationen sind das dem Frieden und dem Wohlergehen jedes
einzelnen dienende Weltforum - gleichgültig wie schwach oder arm er sein mag.
Aber wir haben es zugelassen, daß ihr Menschenrechtsmechanismus ignoriert
und manchmal sogar für politische Zwecke mißbraucht wurde. Es gibt VieUs ,

�Vieles, was zu seiner Stärkung getan werden könnte.
Die Kommission für Menschenrechte sollte häufiger zusammentreten.
Und alle Nationen sollten bereit sein, dieser Kommission ihre vollste Unterstützung angedeihen zu lassen, ihre Untersuchungsarbeit begrüßen, mit
ihren Vertretern zusammenarbeiten und 'hran Berichten gemäß handeln.
Ich würde es begrüßen, wenn die gesamte Menschenrechtsabteilung der
Vereinten Nationen hierher ins zentrale Hauptquartier zurückkehren würde,
wo ihre Tätigkeit im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stehen würde und
wo wir aufgrund der Aufmerksamkeit der Presse veranlaßt wären, uns ernsthaft
mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Der vor zwölf Jahren von der
Regierung von Costa Rica unterbreitete Vorschlag, einen Hochkommissar der
Vereinten Nationen für die Menschenrechte einzusetzen, verdient ebenfalls
unsere erneute Aufmerksamkeit und Unterstützung.
Ein verstärkter internationaler Mechanismus wird uns allen helfen, die
Kluft zwischen Versprechung und Ausführung beim Schutz der Menschenrechte zu
schließen. Wenn erhebliche und weitverbreitete Verletzungen stattfinden
und zwar im Gegensatz zu internationalen Verpflichtungen, dann geht uns das
alle an. Die feierlichen Verpflichtungen der Charta der Vereinten Nationen,
globale Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen, die Schlußakte von
Helsinki und viele andere internationale Abkommpn müsr°n genauso ernst
genommen werden wie Handels- oder Sicherheit?vertrage.
Diese Angelegenheit hat ihr eigenes Gewicht. Sie sollte nicht den
Fortschritt bei anderen wichtigen Fragen blockieren, die die Sicherheit
und das Wohlergehen unserer Menschen sowie den Weltfrieden berühren. Es
liegt auf der Hand, daß der Abbau der Spannungen, die Kontrolle der
nuklearen Rüstungen, die Herstellung von Harmonie in Krisengebieten der
Welt, die Bereitstellung von Lebensmitteln sowie die Stärkung des Gesundheits- und Erziehungswesens unabhängig voneinander zur Förderung der
menschlichen Verhältnisse beitragen werden.

In
- 11 -

�In unseren Beziehungen zu anHeren Ländern werden sich diese gemeinsamen
Anliegen in unserer politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Haltung
widerspiegeln.
Wenn wir also mit anderen Mitf1iedsstaaten zur Stärkung und Verbesserung
der Vereinten Nationen zusammenarbeiten, so ergeben sich folgende Grundprioritäten:
- Wir werden in den Krisengebieten der Welt nach Frieden streben.
- Wir werden uns energisch um eine Kontrolle der Waffen des Krieges
bemühen.
- Wir werden ein neues System des internationalen wirtschaftlichen
Fortschritts und der Zusammenarbeit fördern.
- Wir werden standhaft bleiben in unserem Eintreten für die Würde und
das Wohlergehen der Menschen in aller Welt.
Ich bin der Überzeugung, daß dies eine Außenpolitik darstellt, die in
Übereinstimmung mit den historischen Werten und Verpflichtungen Amerikas
steht.

Ich bin der überzer^ung, daß dies eine Außenpolitik ist, die in

Übereinstimmung mit den Idealen der Vereinten Nationen steht.
Ich danke Ihnen.
+ + +

- 12 -

�Dokumentation
United States Information Service

6/1977

CARTER UMREISST AMERIKANISCHE AUSLANDSHILFEPOLITIK
- Botschaft an den Kongreß vom 18. März 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 18. März 1977 in einer
Botschaft an den amerikanischen Kongreß die Auslandshilfepolitik der Vereinigten Staaten umrissen und Verbesserungen und Straffungen des Programms
gefordert.
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
In den Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten Staaten
die wirtschaftliche Entwicklung in der ganzen Welt durch eine Vielfalt von
Wirtschaftshilfeprogrammen gefördert.
Die meisten unserer Bemühungen waren von Erfolg gekrönt, manche schlugen fehl.

Heute haben wir die Möglichkeit, wie bei vielen unserer Programme

im eigenen Lande, aus unseren Erfahrungen zu lernen und unsere Politik in
Zukunft zu verbessern.
Mitglieder

Postfach 300,
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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�r

Mitglieder meiner Administration sagen gegenwärtig zugunsten unseres
Gesichtspunktes der Auslandshilfe aus. Ich übermittle Ihnen diese Botschaft, um einige der Grundsätze zu erläutern, die hinter diesem Programm
stehen - vor allem um die Lehren aufzuzeigen, die wir auf dem Gebiet der
Auslandshilfe gewonnen haben, und die Ziele, die wir jetzt zu erreichen
hoffen.
Die Zukunft der Vereinigten Staaten wird von der Fähigkeit der Entwicklungsländer beeinflußt werden, die Armut zu überwinden, ein gesundes Wachstum

zu erreichen und ihrer Bevölkerung ein gesicherteres Leben zu bieten.

Wir wollen uns mit anderen Ländern zusammenschließen, um unsere Anstrengungen, unser Wissen und unsere Mittel gemeinsam einzusetzen, um ärmeren Ländern bei der Überwindung der Probleme des Hungers, der Krankheit und des
Analphabetentums zu helfen. Wir streben wichtige Verbesserungen in unserem
Programm an, die z.T. eine Änderung des Schwerpunkts und der Einstellung
erkennen lassen:
- Wir werden sicherstellen, daß Kreditinstitutionen ausreichende Selbsthilfeklauseln mit ihren Anleihen verknüpfen, damit die Empfängerländer die
ihnen zugehenden Mittel auch wirklich effektiv nutzen.
- Wir werden gewährleisten, daß der Kongreß in der Lage ist, seiner
rechtmäßigen Verantwortung nachzukommen, die Wirksamkeit unserer Hilfsprogramme zu überwachen.
- Wir werden andere wohlhabende Länder ermutigen, einen größeren Anteil
zu der multilateralen Hilfsanstrengung zu leisten, und wir werden unseren
eigenen Anteil senken, wo er zu hoch war.
- Wir haben in enger Zusammenarbeit mit dem Kongreß sichergestellt, daß
unsere Hilfe zu Vorzugsbedingungen jenen zukommt, die sie am meisten benötigen.

Wir werden weiter in diesem Sinne verfahren.
- Wir

�- Wir reformieren gegenwärtig eine Politik, die gelegentlich dazu geführt hat, daß repressive Regime, die die Menschenrechte verletzen, freizügige Zuwendungen und Anleihen erhielten.
- Wir werden Mißwirtschaft und Unfähigkeit ausrotten, wo sie sich in
unseren Auslandshilfeprogrammen finden sollten, um zu gewährleisten, daß die
Leistungen immer an jene gelangen, für die die Programme gedacht sind.
- Wir haben festgestellt, daß Gehälter und Lebensstil einiger Angestellter übertrieben gewesen sind, und wir werden darauf bestehen, daß die von uns
unterstützten internationalen Programme mehr tun, um ihre hohen Verwaltungskosten zu senken.
Ich werde eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um dafür zu sorgen, daß
unsere Hilfsanstrengungen enger auf die internationalen wirtschaftlichen und
politischen Umstände abgestimmt werden, und ich werde zu amerikanischen Bürgern offen über die wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen
Vorteile sprechen, die wir aus unseren Auslandshilfeprogrammen ziehen.
Für die Wirksamkeit unserer Anstrengungen ist die enge Mitarbeit und
die Unterstützung des Kongresses von entscheidender Bedeutung.

In einigen

wenigen Gebieten erfordert das von mir vorgelegte Programm eine wesentliche
Erhöhung der Mittel - aber ich habe nur dort darum ersucht, wo ich sicher
bin, daß die Erhöhung zweckmäßig ist.
Um unsere Ziele zu erreichen, den Völkern der Welt zur wirtschaftlichen
Selbständigkeit zu verhelfen, die Opfer von Katastrophen zu unterstützen,
in eine gesunde Weltwirtschaft zu investieren und die Sicherheit befreundeter Nationen zu untermauern, bitte ich Sie um die wohlwollende Behandlung
folgender Punkte:

Multilaterale

�r

Mu11i1aterale Entwi cklungshi 1 fe
Internationale Finanzierungsinstitute, wie die Weltbankgruppe - vor
allem die Internationale Entwicklungsgesellschaft und die Interamerikanische
und die Asiatische Entwicklungsbank - sind die Hauptquellen für Hilfsanleihen
an die armen Nationen der Welt.
professionell gearbeitet.

Diese Institutionen haben außerordentlich

Sie tragen dazu bei, politische Überlegungen von

Entwicklungsanstrengungen zu beseitigen, und sie ermutigen die Entwicklungsländer, eine vernünftige Innenpolitik zu verfolgen.

Sie versetzen viele Ge-

ber in die Lage, ihre Anstrengungen zusammenzuschließen - einschließlich einiger der öl exportierenden Länder.

Ein erster bescheidener amerikanischer

Beitrag zur Afrikanischen Entwicklungsbank wird unsere Ermutigung dieser vielversprechenden regionalen Anstrengung sein.
Wir ersuchen um 540 Millionen Dollar an zusätzlichen Bewilligungen für
das Haushaltjahr 1977, um Zusagen aus der Vergangenheit an internationale
Finanzierungsinstitute erfüllen zu können, und um 2,7 Milliarden Dollar an
neuen Bewilligungen für das Haushaltjahr 1978. Dies bedeutet eine Steigerung
um rund ein Drittel für eine Anstrengung, die sich als höchst effektiv erwiesen hat. Der größte Einzelposten ist die amerikanische Beteiligung an der
fünften Auffüllung der Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA), die
den ärmsten Ländern der Welt Anleihen zu günstigen Bedingungen gewährt.
Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, das der Entwicklungswelt wichtige technische Hilfe gewährt, hat ebenfalls seine Wirksamkeit und
seinen Wert bewiesen. Wir ersuchen um eine Bewilligung von 130 Millionen
Dollar für das Haushaltjahr 1978, was gegenüber dem Vorjahr eine 30prozentige
Erhöhung darstellt.

Bilaterale Entwicklungshilfe
Der Kongreß hat bei der Ausarbeitung unserer bilateralen Programme, die
- 4 -

-^

�die eine direkte amerikanische Unterstützung für Entwicklungsprogramme in
den ärmeren Ländern darstellen, eine wichtige Rolle gespielt.

Durch diese

Programme haben wir anderen Ländern unser Fachwissen und unsere Mittel zukommen lassen.

Unsere bilateralen Programme zielen auf die ärmsten Menschen

in der Bevölkerung dieser Länder ab.

Ihr Schwerpunkt liegt auf Nahrungsmit-

teln und Ernährung, Bevölkerung und Gesundheit, Erziehung und menschlicher
Entwicklung sowie auf Wissenschaft und Technologie, einschließlich der Energieentwicklung.
Wir stellen bestimmte Erwartungen an die Länder, denen wir helfen. Wir
haben nicht die Absicht, ihre Regierungen oder ihre Volkswirtschaften zu betreiben, sondern wir erwarten von ihnen, daß sie in der Entwicklungsanstrengung ihre eigenen Ressourcen mobilisieren, um sicherzustellen, daß auch die
Armen in den Genuß des Fortschritts kommen und die Grundrechte des Menschen
respektiert werden.
Ich ersuche den Kongreß um 1,3 Milliarden Dollar für das bilaterale Entwicklungshilfeprogramm für das Haushaltjahr 1978. Dies ist eine 20prozentige
Steigerung gegenüber dem für das Haushaltjähr 1977 vorgesehenen Betrag, und
ich bin überzeugt, daß sich diese Steigerung lohnt.
Im vorigen Jahr hat der Kongreß aus eigener Initiative fünf Millionen
Dollar bewilligt, um zur Entwicklung eines umfassenden langfristigen Wiederaufbauplans für die Sahel-Region beizutragen, die unter einer katastrophalen
Dürre gelitten hat. Als ersten wesentlichen amerikanischen Beitrag zu diesem Programm ersuche ich um die Bewilligung von 50 Millionen Dollar für das
Haushaltjahr 1978. Wir werden mit anderen interessierten Nationen zusammenarbeiten, um weitere Beiträge für die künftige Entwicklungsanstrengung im
Sahel zu leisten.

Das

�r

Das PS-480 Programm
Die gewaltige Leistungsfähigkeit der amerikanischen Agrarproduktion erlaubt es uns, einen Teil unseres Überflusses in Form von Lebensmittelhilfe
zu vergeben.

Unsere Programme im Rahmen des öffentlichen Gesetzes Nr. 480

sollen nicht nur den ärmeren Ländern bei der Verbesserung der Quantität und
Qualität ihrer Ernährung helfen, sondern auch Selbsthilfeprogramme fördern,
die ihre Fähigkeit erhöhen werden, in Zukunft ihre Bevölkerung selbst zu ernähren.

Und diese Programme ermöglichen es uns, Hilfe bei Hungersnot und

Entbehrung im Gefolge natürlicher und menschlicher Katastrophen zu gewähren.
Im Haushaltjahr 1978 werden im Rahmen unserer Lebensmittel hilfeprogramme landwirtschaftliche Erzeugnisse im Werte von 1,4 Milliarden Dollar verteilt werden.

Das Sicherheitshilfeprogramm
Nur wenn Frieden und Sicherheit gewährleistet sind, können freie Nationen
ihre volle Energie auf die Entwicklung verwenden. Unsere Sicherheitshilfeprogramme sind auf diese Ziele abgestimmt und dienen der Förderung der Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten in Zusammenarbeit mit unseren Freunden und
Verbündeten. Beinahe zwei Drittel der für die Sicherheitshilfe angeforderten
Mittel werden für Programme der wirtschaftlichen Unterstützung verwandt werden.
Ich habe die von der vorigen Administration vorgeschlagenen Beträge für den
Nahen Osten erhöht. Dies wird die wirtschaftlichen Stützen verstärken, die
für die Erreichung unseres Zieles des Friedens und der Stabilität in dieser
lebenswichtigen Region so entscheidend wichtig sind.
Für das Haushaltjahr 1978 sind die wesentlichen Elemente eines Sicherheitshilfeprogramms die folgenden:
- Militärische Hilfszuwendungen: 284,6 Millionen Dollar an acht Länder;
in den meisten dieser Länder haben wir auch amerikanische Militäreinrichtungen,
die für unsere globalen Interessen von wesentlicher Bedeutung sind. Dazu ge- 6 -

�gehören 224 Millionen Dollar in Programmen plus 60,6 Millionen Dollar in allgemeinen und Verwaltungskosten, von denen die meisten aus anderen Quellen
erstattet werden.
- Zuwendungen für militärische Ausbildung:

35,7 Millionen Dollar für

die Ausbildung künftiger führender Militärs.
- Finanzierung ausländischer Militärkäufe: 708 Millionen Dollar, mit
denen Anleihen in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar finanziert werden, um ausländischen Regierungen zu helfen, mit der Zeit ihren wesentlichen Sicherheitsbedarf selbst decken zu können, statt von amerikanischen Zuwendungen abhängig
zu sein.
- Wirtschaftliche Sicherheitshilfe: 1,9 Milliarden Dollar zur Finanzierung
von Programmen in Ländern, deren wirtschaftliche Verhältnisse ein Faktor in unseren Anstrengungen zur Gewährleistung der internationalen Sicherheit darstellen. Die beiden Gebiete, für die der größte Teil dieser Mittel aufgewandt
wird - der Nahe Osten und, je nach dem Gang der Ereignisse, das südliche Afrika sprechen für die Bedeutung dieser Programme.
- Diese Vorschläge stehen in vollem Einklang mit meinem Wunsch, Haushaltserhöhungen auf das wesentliche zu begrenzen. Mein Hilfsprogramm ist
Teil einer Anstrengung, die Unterstützung der wirtschaftlichen Interessen und
der Sicherheit unseres Landes mit dem Mitgefühl für die verarmten Millionen
von Mitmenschen zu verbinden, die die Welt mit uns teilen.
Ich hoffe, daß das jetzt Ihnen vorliegende Wirtschaftshilfeprogramm Ihre
sorgfältige prompte und positive Aufmerksamkeit erhalten wird. Es stellt
einen lebenswichtigen Schritt zur Partnerschaft in einer friedlichen und gerechten Weltordnung dar.
+ + + + +

�Dokumentation

I

United States Information Service

6/1977

PRÄSIDENT CARTER FORDERT MASSNAHMEN GEGEN ÖLVERSCHMUTZUNG
- Botschaft an den Kongreß vom 18. März 1977 Washington - (AD) - Präsident Carter hat in einer am 18. März veröffentlichten Botschaft an den US-Kongreß eine Reihe von Maßnahmen zur Verhinderung
der Verschmutzung der Weltmeere durch öl gefordert. Sie sollen sowohl ölkatastrophen als Folge von Tankerunfällen als auch das routinemäßige Ablassen
von öl aus dem Betrieb von Schiffsmotoren verhindern.
Die Botschaft hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Eine Serie von Tankerunfällen in amerikanischen Gewässern und deren Nähe
hat uns in jüngster Zeit ernsthaft an die Risiken erinnert, die mit der Verschiffung von öl einhergehen. Wenngleich sich diese Risiken nie vollständig
ausschließen lassen, können wir sie doch verringern. Ich kündige heute eine
Reihe verschiedener, aber dennoch zusammengehöriger Maßnahmen an, die dem Ziel
dienen, letzteres zu bewerkstelligen.
Diese

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�*

Diese Maßnahmen berühren sowohl internationale als auch nationale Bereiche.
Die Verschmutzung der Meere ist ein weltweites Problem, das weltweite Lösungen
erforderlich macht.

Ich beabsichtige mich direkt mit den führenden Politikern

der wichtigsten Schiffahrtsnationen in Verbindung zu setzen, um sie für das
angezeigte internationale Vorgehen zu gewinnen.

Die Ölverschmutzung ist auch

ein ernsthaftes einheimisches Problem, das prompte und wirksame Maßnahmen
seitens der amerikanischen Bundesregierung notwendig macht, um die Gefahr für
das Leben amerikanischer Bürger, für die amerikanische Wirtschaft und für die
amerikanischen Strände und Küsten abzuwenden;

die Schritte die ich einleite

werden dies bewerkstelligen.
Die nachstehend aufgeführten Maßnahmen verfolgen drei Zielsetzungen:
Erstens, die Wasserverschmutzung durch öl als Folge von Tankerunfällen und
des Ablassens von öl im routinemäßigen Schiffsbetrieb zu verringern;

zweitens,

unsere Fähigkeit zu verbessern, in Fällen, in denen es dennoch zum Auslaufen
großer Mengen von öl kommt, rasch und wirksam Abhilfe zu schaffen; und
drittens, den Opfern einer etwaigen Ölverschmutzung vollen und verläßlichen
Schadenersatz zu gewähren.
Folgende Maßnahmen schlage ich vor:
- Ratifizierung der Internationalen Konvention zur Verhinderunq von
schiffsverursachter Ölverschmutzung. Ich leite dieses weitreichende und umfassende Vertragswerk dem Senat zum Zweck der Beratung und Zustimmung zu.
Dieser Vertrag stellt insoweit, wie er getrennte Ballasträume bei GroßtankerNeubauten vorschreibt und jedes Ablassen von Schiffsöl strengen Kontrollen
unterwirft, einen wichtigen multilateralen Schritt in Richtung auf eine Verminderung des Risikos einer Verschmutzung der Meere durch öl dar. Die zur
Verwirklichung dieser Konvention notwendigen Gesetzgebungsmaßnahmen werde ich
dem Kongreß in Kürze vorschlagen.
- Neugestaltung

- 2 -

-»

�- Neugestaltung der Schiffsbau- und Ausrlistungsnormen.

Ich weise den

Verkehrsminister an, innerhalb von 60 Tagen neue Normen für öltanker zu entwickeln.

Die diesbezüglichen Vorschriften sollen für alle amerikanischen

und ausländischen öltanker mit über 20 000 t Wasserverdrängung gelten, die
amerikanische Häfen anlaufen.

Diese Vorschriften verlangen zwingend:

doppelte Böden bei allen Tankern;
Gasabsauganlagen auf allen Tankern;

getrennte Ballasträume bei allen Tankern;
Echo-Ra^ar einschließlich Kollisions-

warnanlage auf allen Tankern; und verbesserte Normen für die Steuerbarkeit
in Notfällen für alle Tanker.
Diese Forderungen werden innerhalb von fünf Jahren volle Wirksamkeit erlangen.

Wo technologische Verbesserungen und Alternativen aufgezeigt werden

können, die dasselbe Maß an Schutz vor Verschmutzung gewährleisten, werden
die zu erlassenden Vorschriften deren Verwendung gestatten.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß Schiffsbau- und Ausrüstungsnormen nur dann
wirksam sind, wenn sie von starken Durchsetzungsvorkehrungen gestützt werden.
Da die Schiffsinspektionen in einigen Ländern hinsichtlich ihrer Strenge nicht
an die amerikanische Praxis heranreichen, habe ich das Außenministerium und
die Küstenwacht angewiesen, diplomatische Schritte einzuleiten, um das derzeitige internationale Inspektions- und Zulassungssystem zu verbessern.
Darüber hinaus habe ich die baldigst mögliche Anberaumung einer besonderen
internationalen Konferenz empfohlen, die sich noch vor Ende 1977 mit
Konstruktions- und Inspektionsmaßnahmen befassen soll.
- Verbesserung der Normen hinsichtlich der Qualifikationen und der Ausbildung von Schiffspersonal. Ich weise den Verkehrsmirn'ster an, umgehend
Schritte zur Erhöhung der Normen für die Lizenzierung und Qualifizierung
amerikanischen Schiffspersonals zu ergreifen.

Die

�•J

Die internationalen Erfordernisse in bezug auf die Qualifikation der
Mannschaften, die alles andere als streng sind, sollen im kommenden Jahr auf
einer größeren internationalen Konferenz erörtert werden, an der wir uns
beteiligen.

Ich weise den Verkehrsminister an, zusätzliche Forderungen aufzu-

stellen, die dort noch zur Diskussion gestellt werden sollen und die, falls
dies nicht geschieht, 1978 seitens der Vereinigten Staaten auf sämtliche
Mannschaften aller Schiffe angewendet werden können, die amerikanische Häfen
anlaufen.
- Aufstellung eines Tankerinspektionsprogramms und eines amerikanischen
Informationssystems zur Gewährleistung der Sicherheit der Seeschiffahrt.

Ab

sofort wird die amerikanische Küstenwacht jeden unter ausländischer Flagge
fahrenden Tanker, der einen amerikanischen Hafen anläuft, mindestens einmal
im Jahr - nötigenfalls aber auch mehrmals - betreten und inspizieren.

Diese

Inspektion wird sicherstellen, daß das Schiff allen Sicherheits- und Umweltschutzbestimmungen genügt.

Schiffen, bei denen dies nicht zutrifft, kann

der Zugang zu amerikanischen Häfen oder gegebenenfalls das Recht zum Verlassen
eines amerikanischen Hafens bis zur Behebung der festgestellten Mängel verweigert werden. Die Informationen, die dieses Inspektionsprogramm abwirft,
werden es der Küstenwacht möglich machen, jene Tanker zu ermitteln, die wegen
schlechter Wartung durch Unfälle und die Verletzung von Bestimmungen zur
Verhinderung von Verschmutzungen mehrfach aifgafallen sind. Wir werden ferner
die Bekanntgabe der Namen der Eigner von Tankern, der Großaktionäre und
eines eventuellen Wechsels des Schiffsnamens verlangen und diese Angaben in
unser Informationssystem zur Gewährleistung der Sicherheit der Seeschiffahrt
einbeziehen.
- Annahme des Prinzips einer umfassenden Verantwortlichkeit für Ölverschmutzungen und einer entsprechenden Schadenersatzgesetzgebung. Ich übermittle dem
Kongreß angemessene Gesetzesvorschläge zur Schaffung einer einheitlichen
nationalen Norm für eine strikte Verantwortlichkeit für Fälle des Auslaufens
von öl. Ein solches Gesetz verfolgt die Absicht, die derzeitigen fragmentarischen und sich teils überlappenden Systeme von Bundes- und einzel- 4 -

�fr

einzelstaatlichen Haftungsgesetzen und Schadensausgleichsfonds zu ersetzen.
Das vorgeschlagene Gesetz sieht ferner die Schaffung eines mit 200 Millionen
Dollar ausgestatteten Fonds zur Beseitigung von ausgelaufenem öl und zur
Entschädigung der Opfer von Schäden infolge von Ölverschmutzung vor.
- Verbesserung der Fähigkeit des Bundes, bei Ölverschmutzung einzugreifen.
Ich habe die zuständigen Bundesbehörden, insbesondere die Küstenwacht und die
Umweltschutzbehörde angewiesen, in Zusammenarbeit mit den Einzelstaaten und
Kommunal Verwaltungen unsere Fähigkeit zu verbessern, die Schäden bei auslaufendem öl zu begrenzen und zu vermindern. Ziel ist die Fähigkeit, bei
Auslaufen von öl in einer Menge bis zu 100 000 Tonnen innerhalb von sechs
Stunden aktiv zu werden.
Die Verschmutzung der Ozeane durch öl ist ein ernstes Problem, das
konzentrierte, energische und prompte Aufmerksamkeit erfordert. Ich bin der
Auffassung, daß diese Maßnahmen ein wirksames Programm darstellen, dieses
Problem in den Griff zu bekommen. Meine Regierung versichert, daß sie in
Zusammenarbeit mit der ganzen Völkergemeinschaft, dem Kongreß und der
'Öffentlichkeit alles in ihren Kräften stehende tun wird, um die Weltmeere
und deren Ressourcen vor Schaden zu hewa^ren.
+ + 4

_ c; _

�Dokumentation
United States Information Service

6/1977

DR. FRANK PRESS: NEUER WISSENSCHAFTSBERATER PRÄSIDENT CARTERS

WASHINGTON - (AD) - Dr. Frank Press, ein namhafter Geophysiker und Erdbebenforscher, wurde von Präsident Carter am 18. März 1977 zu seinem Wissenschaftsberater nominiert.
Dr. Press, der einen Lehrstuhl am Massachusetts Institute of Technology
(MIT) innehat, ist in den Vereinigten Staaten und in internationalen Fachkreisen vor allem wegen seines energischen Eintretens für den Ausbau eines
amerikanischen Programms für die Erdbebenvorhersage bekannt geworden.
Als Leiter des Amtes für Wissenschaft und Technik wird Dr. Press für
die Gestaltung der Grundziele und Richtlinien in diesen beiden entscheidend
wichtigen Bereichen des modernen Daseins verantwortlich sein. Das Amt für
Wissenschaft und Technik wurde als ein Beratergremium unter Präsident Eisenhower
geschaffen, dann im Jahre 1973 von Präsident Nixon aufgelöst und 1976 unter
der Ford-Administration vom Kongreß erneut ins Leben gerufen.
In den letzten zwölf Jahren war Dr. Press Vorsitzender der Abteilung
für terrestrische und planetarische Forschungen am Massachusetts Institute of

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�of Technology.

Er ist außerdem Mitglied des Direktoriums der Nationalen

Stiftung für die Wissenschaften und Präsident der Amerikanischen Geophysikalischen Gesellschaft.

Dr. Press, der heute 52 Jahre als ist, wurde be-

reits als 33jä'hriger in die hochangesehene Amerikanische Akademie der Wissenschaften gewählt und war damals der jüngste amerikanische Wissenschaftler, der jemals in dieses ehrwürdige Gremium aufgenommen wurde.-.-; .
Dr. Press gehört ferner zu dem Stab der sowjetisch-amerikanischen Arbeitsgruppen für Erdbebenvorhersage und Meeres-Geologie/Geophysik und ist
seit 1975 Vorsitzender des mit der Volksrepublik China zusammenarbeitenden
Komitees für wissenschaftliche Mitteilungen.
An den Beratungen der Genfer Konferenzen über die Einstellung der Atomwaffenversuche in den Jahren 1959, 1960 und 1961 und den Verhandlungen in
Moskau 1963 nahm er als Mitglied der amerikanischen Delegation teil.
Weitere wichtige Beraterfunktionen übte Dr. Press im Bundesamt für
Luft- und Raumfahrt (NASA) aus sowie ferner im amerikanischen Außenministerium, dem Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung, dem Amt für Internationale
Entwicklung (AID) und dem Amt für geologische Forschung. Von 1961 bis 1964
arbeitete er im wissenschaftlichen Beratungsausschuß des amerikanischen Präsidenten.
Seine wissenschaftlichen Pionierarbeiten vollbrachte Dr. Press auf dem
Gebiet der Erdbebenforschung durch Entwicklung von Methoden zur Bestimmung
von Struktur und Aufbau der Erdkruste und des äußeren Erdmantels vermittels
seismischer Wellen und durch die Anwendung seismischer Meßinstrumente zur
Entdeckung unterirdischer nuklearer Explosionen.

Er verwandte die von ihm

entwickelten Methoden mit Erfolg zur Bestimmung der Struktur der antarktischen
Eiskappe und des unter ihr liegenden Festlandes.
In der amerikanischen Öffentlichkeit ist Dr. Press aber vor allem wegen
seines Eintretens für die Entwicklung besserer Techniken für die Erdbeben- 2 -

�Erdbebenvorhersage bekannt geworden.

Nach seiner Ansicht müßte es mit der-

art vervollkommneten Techniken möglich sein, starke Erdbeben auf Jahre hinaus vorherzusagen und auch kurzfristig - auf Wochen oder Tage voraus - vor
der Wahrscheinlichkeit eines Bebens zu warnen.
Dr. Press wurde in Brooklyn, N.Y. geboren, wuchs in New York auf und
promovierte 1949 an der Columbia-Universität. Nach kurzer Lehrtätigkeit an
der Columbia-Universität wurde er als Professor für Geophysik an das California
Institute of Technology (CALTECH) berufen. Hier wurde er später Direktor des
Seismologischen Institutes, das heute ein ausgedehntes Netz seismischer Stationen unterhält, die sich vor allem auf den erdbebengefährdeten San AndreasGraben bei San Francisco konzentrieren. Im Jahre 1965 übernahm er seinen
heutigen Posten am Massachusetts Institute of Technology.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede Präsident Carters vor den Vereinten Nationen am 17. März 1977&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter umreißt amerikanische Auslandshilfepolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft an den Kongress vom 18. März 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter fordert Maßnahmen gegen Ölverschmutzung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschaft an den Kongress vom 18. März 1977 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dr. Frank Press: Neuer Wissenschaftsberater Präsident Carters</text>
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                    <text>Information
und

CT

United States Information Service

6. April 1977
INHALT

DOKUMENTATION
Carter: Weitere entschlossene Abrüstungsbemühungen
- Erklärung zur Begrüßung von Außenminister Vance am 2. April 1977
Carter-Pressekonferenz vom 30. März 1977 zu den SALT-Verhandlungen
- Wortlaut Gemeinsames amerikanisch-sowjetisches Kommunique

INFORMATION
Amerikanische Computerkonferenz: Technik - Anwendung - Probleme
- Tagung vom 13. - 16. Juni 1977 in Dallas (Texas) -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Einzelatome mit Laser-Lichtenergie identifiziert
Supermagnet in Hybrid-Konstruktion
- Energiebedarf fast zwei Drittel geringer -

Um Übci/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�3

1

I

I

Dokumentation
United States Information Service

7/1977

CARTER: WEITERE ENTSCHLOSSENE ABRÜSTUNGSBEMÜHUNGEN
Erklärung zur Begrüßung von Außenminister Vance am 2. April 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat bei der Begrüßung von Außenminister Vance nach dessen Rückkehr von den SALT-Verhandlungen in Moskau am
2. April 1977 die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten unterstrichen,
mit den Sowjets zu einem Abkommen über die Begrenzung und Reduzierung der
strategischen Waffen zu gelangen.
Der Präsident gab auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews bei Washington,
wo die Maschine von Vance gelandet war, folgende kurze Erklärung ab:
"Wir haben zum ersten Mal einen umfassenden Vorschlag unterbreitet, um
die Atomwaffen in der Welt zu begrenzen und dann drastisch zu verringern.
Wir betrachten das als einen notwendigen ersten Schritt.

Wir sind absolut

entschlossen, unermüdlich mit den sowjetischen Führern harmonisch zusammenzuarbeiten, um die Abhängigkeit von Atomwaffen zu verringern.

Wir werden

alles in unserer Macht stehende tun, um die Bindungen der Freundschaft und
des gegenseitigen Vertrauens mit den sowjetischen Führern zu stärken.
Ich

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�r

Ich möchte dem Außenminister meinen Dank für die gute Reise und die gute
Verhandlungsposition und den Erfolg der Reise aussprechen.

Und ich möchte

Herrn Breschnew und Herrn Gromyko und anderen in der Sowjetunion meinen Dank
aussprechen für die sehr produktiven Verhandlungen über viele der angeschnittenen Fragen.
Wie der Außenminister gesagt hat, Verhandlungen über einen drastischen
Abbau der Atomwaffen nach all den Jahren - einem Vierteljahrhundert - sind
eine sehr schwierige Angelegenheit.

Aber wir werden sie mit Entschlossenheit,

mit Ausdauer und mit Hoffnung auf Erfolg weiterbetreiben.
Unsere ganze Administration wird sehr viel Mühe auf die Vorbereitung der
Fortsetzung der Gespräche verwenden, die im Mai in Genf stattfindet.

Und ich

bin der Überzeugung, daß die Sowjets letztlich mit uns übereinstimmen werden,
daß es dem sowjetischen Volk und dem amerikanischen Volk und der übrigen Welt
zum Vorteil gereicht, wenn wir unsere Abhängigkeit von diesen zerstörerischen
Waffen verringern."

Vance: Rüstungskontrolle kann nicht über Nacht erreicht werden
Nach der Rückkehr des amerikanischen Außenministers äußerten sich am
3. April 1977 Präsident Carter wie auch Außenminister Vance selbst optimistisch
über die Zukunft der SALT-Gespräche, wobei darauf hingewiesen wurde, daß die
Vorschläge der USA sorgfältiger und längerer Verhandlungen bedürften.
Vor Journalisten sagte der amerikanische Außenminister wörtlich:
"... Ich hoffe, daß die Sowjets - nachdem sie die Einzelheiten unseres
Planes näher prüfen konnten- mit Fragen zu den verschiedenen Aspekten an uns
herantreten werden, und selbstverständlich sind wir bereit, diese mit ihnen
zu erörtern.
Sie
- 2 -

�Sie haben nachdrücklich zu verstehen gegeben, daß sie die Gespräche
weiterführen wollen, und sie haben dementsprechend ein Datum Mitte Mai für
die Wiederaufnahme der Gespräche genannt.
war sachlich und offen.

Die Haltung während der Gespräche

Ich fand, daß die Verhandlungen nützlich waren. Und

Sie wissen sicherlich, daß auch Außenminister Gromyko gesagt hat, er finde,
daß die Gespräche sehr nützlich und notwendig gewesen seien.

Wie ich schon

einmal gesagt habe: Rüstungskontrolle ist eine Angelegenheit, die nicht
über Nacht erreicht werden kann ..."

+ + + + +

3 -

�Dokumentation
United States Information Service

7/1977

CARTER-PRESSEKONFERENZ VOM 30. MÄRZ 1977
ZU DEN SALT-VERHANDLUNGEN
- Wortlaut -

Washington - (AD) - Präsident Carter hat am 30. März auf einer besonderen Pressekonferenz zu den SALT-Verhandlungen von Außenminister Vance
in Moskau Stellung genommen, die vom 28. bis 30. März stattfanden. Die
Einleitung Carters sowie die Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
"Guten Tag!

Wir waren den ganzen Nachmittag mit den aus Moskau einge-

gangenen Berichten und Depeschen beschäftigt, und nun möchte ich dem
amerikanischen Volk über das, was sich ereignet hat, Bericht erstatten.
Wir haben den sowjetischen Führern in den letzten beiden Tagen ein
umfassendes Paket von Abkommen unterbreitet, die - falls sie abgeschlossen
werden - ein dauerhaftes Fundament für eine friedlichere Welt legen würden:
durch eine Verringerung der großen Gefahr der Atomwaffen, die das politische
Gleichgewicht und die Kapazität und das Gleichgewicht der strategischen
Waffen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion erhalten würde.
Einer

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�*

Einer unserer Vorschläge bei diesem Gespräch über Nuklearwaffen war
sehr kurz und war unsere zweite Option.

Das wäre praktisch die Ratifizie-

rung des Übereinkommens von Wladiwostok, das man bereits erreicht hatte.
Der Unterschied zwischen uns und der Sowjetunion in diesem Punkt besteht darin, daß die Sowjets behaupten, Außenminister Kissinger und meine
Vorgänger - Präsident Ford und vor ihm Nixon - hätten zugestimmt, auf eine
Dislozierung der Marschflugkörper (Cruise Missiles) zu verzichten.

Wir

sind dagegen der Auffassung, daß wir uns niemals zu etwas derartigem bereiterklärt haben.

Wir haben die Sowjetunion jedoch ersucht, ein Abkommen

über alle anderen Dinge zu akzeptieren und die Frage der Marschflugkörper
und des neuen russischen Bombers, des Backfire-Bombers, bis auf spätere
fortzuführende Verhandlungen zu vertagen.

Diesen Vorschlag lehnten sie ab.

Der andere Vorschlag ist sehr viel weitreichender und hat tiefgreifende
Auswirkungen, die, wie ich meine, für "nsere eiaenen Nation und für die
übrige Welt segensreich wären.

Dabei geht es um wesentliche Reduzierungen

des Standes der Dislozierung von Raketenrampen und MIRV-Raketen unter den
Höchststand von 2400 und 1320, der in den Übereinkommen von Wladiwostok
festgelegt worden war - also um wesentliche Reduzierungen.
Zweitens geht es darum, die Entwicklung und Dislozierung jeglicher
neuer Waffensysteme zu stoppen. Ein dritter Punkt zielt darauf ab, den
der7Pitigen Stand von etwa 550 Interkontinentalraketen - unsere Minuteman
und die als SS-17, SS-18 und SS-19 bekannten sowjetischen Raketen - einzufrieren.
Ein nächster Punkt ist die Dislozierung aller mobilen Raketen - ihrer
SS-16 sowie anderer und unserer - im Entwicklungsstadium stehenden MX-Rakete.
Bei einem weiteren Punkt handelte es sich darum, zu einer strikten Begrenzung in der Dislozierung des Backfire-Bombers und einer strikten Be- 2 -

JL

�•

..

Begrenzung der Reichweite für Marschflugkörper zu gelangen.
Ein weiterer Teil unseres Vorschlags besteht darin, die Zahl der
Testflüge für Raketen auf sechs Abschüsse pro Jahr für Interkontinentalraketen und sechs für Mittelstreckenraketen zu begrenzen und die Sowjetunion zu ersuchen, uns eine sichere Möglichkeit zu geben, um zwischen ihrer
Interkontinentalrakete mit mobiler Abschußrampe - der SS-16 - und ihrer
mobilen Rakete mit begrenzter Reichweite - der SS-20 - unterscheiden zu
können.
Insgesamt bedeuteten diese Vorschläge eine faire, ausgewogene und
wesentliche Reduzierung im Wettrüsten, was - wie ich glaube - die Gewähr
für eine dauerhafte Verringerung der Spannungen und für gegenseitigen Nutzen
für unsere beiden Länder geboten hätte. Auch diesen Vorschlag haben die
Sowjets zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht akzeptiert.
Beide Partner haben, wie morgen in einem gemeinsamen Kommunique bekanntgegeben werden wird, vereinbart, die Erörterungen in der ersten Hälfte des
Monats Mai in Genf fortzusetzen.
Es wird Sie vielleicht interessieren, zu erfahren, daß einige andere
Punkte, die wir vorschlugen, darin bestanden, eine angemessene Verifizierung
zu erreichen, die Verschleierung zu beenden und eine sogenannte Daten-Bank
zu schaffen, mit deren Hilfe wir die Sowjetunion über den Stand unserer
eigenen Rüstungen zu einem bestimmten Zeitpunkt unterrichten würden und die
Sowjets uns über den ihren, so daß wir einen gesicherten, gegenseitig vereinbarten Stand der Waffenkapazität besitzen würden.
Ich darf vielleicht auf noch einige weitere Dinge eingehen. Außer der
Erörterung der SALT-Abkommen Anfang Mai in Genf haben wir vereinbart, noch
weitere Themen zu besprechen - Südafrika und die anstehenden möglichen
Nahostverhandlungen - und wir sind übereingekommen, acht Arbeitsgruppen einzusetzen: eine, um ein Abkommen auszuarbeiten, aufgrund dessen wir auf eine
- 3 -

�•J

eine Entwicklung von Kapazitäten zur Zerstörung von Beobachtungssatelliten
verzichten würden, damit wir ein sicheres Mittel besitzen, um die Sowjets
zu beobachten;und sie können damit ebenfalls über ein sicheres Mittel verfügen, um uns von Satelliten aus zu beobachten.
Die zweite Gruppe soll die Bedingungen für ein möglichst umfassendes
Verbot von Atomwaffenversuchen erörtern, damit wir in Zukunft keine
Nuklearwaffen mehr testen.

Und wir haben die Sowjets auch ersucht, mit

uns auf ein Verbot der Versuche mit Nuklearsprengsätzen für friedliche
Zwecke hinzuwirken.
Eine weitere Arbeitsgruppe, die nach beiderseitiger Vereinbarung eingesetzt werden soll, wird sich mit den Bedingungen befassen, aufgrund derer
wir den Indischen Ozean entmilitarisieren oder die militärischen Anstrengungen in dieser Region verringern könnten.
Wieder eine andere Arbeitsgruppe wird aus Experten gebildet werden, um
die Bedingungen zu erörtern, die uns die Möglichkeit geben, uns auf eine
Vorausankündigung aller Raketentests zu einigen,so daß wir vielleicht schon
24 Stunden vorher die Sowjets davon in Kenntnis setzen würden, daß wir als
Versuch eine unserer Raketen abfeuern werden. Die Sowjets würden uns in der
gleichen Weise benachrichtigen.
Eine weitere Gruppe wird Wege prüfen, um eine umfassende Rüstungskontrolle in der Lieferung konventioneller Waffen an Drittländer, vor allem
Entwicklungsländer, zu erreichen.
Eine andere Gruppe soll erörtern, wie wir beiderseits zur Verhinderung
der Ausbreitung der Nuklearwaffenkapazität (Nonproliferation) beitragen
könnten. Die Länder brauchen eine Möglichkeit, um Atomkraft für die
Herstellung von Elektrizität zu verwenden, aber wir hoffen, daß sich die
Sowjets uns und unseren Verbündeten und Freunden anschließen werden, um die
Fähigkeit der Nationen zu verringern, Nuklearbrennstoffe für die Herstellung
- 4 -

�*

V

Herstellung von Sprengkörpern zu verwenden.
Ein weiterer Punkt ist, daß wir - auf Ersuchen der Sowjetunion - übereingekommen sind, über die Abschaffung der Kapazität zur Führung eines
Krieges mit Strahlen oder chemischen Waffen zu sprechen.
Die achte Gruppe schließlich, auf deren Einsetzung wir uns geeinigt
haben, soll Mittel und Wege prüfen, wie wir uns gegenseitig darauf einigen
könnten, auf größere Anstrengungen in der Zivilverteidigung zu verzichten.
Wir sind der Ansicht, daß die Sowjets auf dem Gebiet des Bevölkerungsschutzes
sehr viel getan haben. Wir haben weniger getan, aber wir möchten, daß wir
uns beide darauf einigen, keine großen Summen für diese Anstrengungen auszugeben.
Das Gesamtergebnis der Besprechungen bestand also darin, einen festen
Vorschlag über drastische Verringerungen der Nuklearkapazit?t in der
Zukunft zu unterbreiten, auf den die Sowjets noch nicht reagiert haben diese Gespräche werden Anfang Mai fortgesetzt werden - und Studiengruppen einzusetzen, die die Analyse der anderen acht von mir aufgezählten
Punkte weiterführen sollen.
Ich bin jetzt gerne bereit, Ihre Fragen zu beantworten.
Frage: Herr Präsident, entschuldigen Sie, wenn ich nicht aufstehe,
aber ich möchte nicht die Kamera hier blockieren.
Sind Sie noch immer der Auffassung, daß die Sowjets unsere Menschenrechtskampagne in keiner Weise mit den Rüstungskontroll Verhandlungen in
Zusammenhang gebracht haben?
Antwort:

Ich kann Ihnen natürlich nicht garantieren, ob nicht im

Denker der Sowjets ein Zusammenhang zwischen den Menschenrechtsanstrengungen
und diesen jetzigen SALT-Verhandlungen besteht.
- 5 -

Wir haben jedenfalls keinen

�V

keinen Beweis, daß dies der Fall wäre.
Außenminister Vance hat es beispielsweise für recht beachtlich gefunden,
daß, als Generalsekretär Breschnew eine vorbereitete Erklärung zur Frage
der Menschenrechte abgab, er es auf einer völlig getrennten Sitzung von der
Zusammenkunft tat, auf der SALT besprochen wurde.
So wie wir es beurteilen, bestand kein Zusammenhang.

Aber ich kann

nicht garantieren, daß im Denken der Sowjets kein Zusammenhang besteht.
Frage:

Herr Präsident, Sie haben gesagt, daß die Sowjets behaupteten,

Außenminister Kissinger und Ihre Vorgänger hätten versprochen, daß sie
die Marschflugkörper (Cruise Missiles) als Waffensystem nicht installieren
würden.
Antwort: Ja!
Frage: Wo aber und in welcher Weise haben sie behauptet, daß dieses
Versprechen gegeben wurde, und haben Sie nachgeprüft, um herauszufinden, ob
es tatsächlich der Fall war?
Antwort: Ja. Beide, Präsident Ford und Außenminister Kissinger haben
vor der Öffentlichkeit und im privaten Gespräch mir gegenüber darauf bestanden, daß es von Seiten der Vereinigten Staaten niemals irgendeine
Zustimmung gegeben habe, die Dislozierung oder Entwicklung der Marschflugkörper einzuschränken oder zu verbieten.
Die in dem ersten Übereinkommen von Wladiwostok, das wie Sie wissen,
bisher noch nicht ratifiziert worden isc, gebrauchte Formulierungen sprachen
von einem Verbot von aus der Luft gestarteten Raketen.
Außenminister Kissinger vertrat den Standpunkt - und er ist weitaus
besser in der Lage,dies darzulegen, als ich für ihn sprechen könnte - daß
damit ballistische Raketen, die das Thema der Wladiwostok- übereinkommen
- 6 -

K.

�Wladiwostok-Übereinkommen bildeten, gemeint seien.
Vor zweieinhalb Jahren, als diese Verhandlungen geführt wurden, wußte
man noch wenig über die Kapazität dieser Marschflugkörper, und es gab über
sie überhaupt keine ins einzelne gehende Diskussion.

Die Sowjets be-

haupteten, daß sie bei der Diskussion über die aus der Luft gestarteten
Raketen von den Marschflugkörpern (Cruise Missiles) gesprochen hätten.
Außenminister Kissinger sagte, daß er nicht über Cruise Missiles gesprochen habe.
Frage:

Herr Präsident, um bei dem Punkt zu bleiben, die Sowjets

behaupten nicht, daß es irgendeine geheime Vereinbarung oder Erörterung
oder irgendetwas derartiges gegeben habe?
Antwort:
Frage:

Nein!
Sie sprachen also über den Text, die Formulierungen des

Wladiwostok-Übereinkommens?
Antwort:
Frage:

Genau!
Hatten die Russen zu SALT einen Gegenvorschlag, den sie uns ange-

boten haben, oder begnügten sie sich damit, unsere Vorschläge anzuhören?
Antwort: Sie hörten unsere beiden Vorschläge an. Gewiß, ihr Vorschlag
bestand darin, das Wladiwostok-Übereinkommen gemäß ihrem Verständnis zu
ratifizieren, wozu gehörte, daß sie den Backfire-Bomber entwickeln dürfen,
wir dagegen nicht unsere Marschflugkörper. Das ist ein Abkommen, das wir
niemals als Teil des Wladiwostok-Übereinkommens verstanden haben.
Frage:

Mr. Carter, wenn es zur Erzielung eines Fortschrittes notwendig

sein sollte, wären Sie bereit, Ihre Erklärungen zu den Menschenrechten zu_
- 7 -

�zu modifizieren?
Antwort:

Nein!

Ich werde meine Erklärungen zu den Menschenrechten

nicht modifizieren.

Meine Erklärungen zu den Menschenrechten stehen im

Einklang mit dem Gewissen unseres Landes.

Ich meine, daß im internationalen

Recht immer wieder aberkannt wurde, daß verbale Erklärungen oder irgend
welche Äußerungen der Überzeugung einer Nation keine Einmischung in die
Angelegenheiten eines anderen Landes bedeuten.
Im übrigen haben die Sowjets doch die Menschenrechte ratifiziert^als
sie die Charta der Vereinten Nationen angenommen haben.

Das Helsinki-Über-

einkommen, das noch in diesem Jahr in Belgrad auf seine Einhaltung überprüft
wird, schließt ebenfalls die Menschenrechte ein.
Absicht, meinen Standpunkt zu ändern.

Ich habe daher nicht die

Es ist ein Standpunkt, der nach

meiner Auffassung genau die Haltung unseres Landes wiedergibt.
Ich halte es nicht für richtig, die Konzeption der Menschenrechte
mit den SALT-Verhandlungen zu verknüpfen. Ich betrachte das al*- eine
falsche Verbindung. Ich hoffe, daß die SALT-Verhandlungen Erfolg haben
werden, wenn wir diese Gespräche im Laufe des Jahres im mühevollen Detail
fortsetzen. Sie werden nur dann erfolgreich sein, wenn die Sowjets überzeugt sind, daß es in ihrem Vorteil liegt, auf eine weitere Verpflichtung eine sehr kostspielige Verpflichtung und eine sehr bedrohliche Verpflichtung zum Wettrüsten zu verzichten - und nur, wenn unser eigenes Volk glaubt,
daß wir den gleichen Vorteil daraus ziehen. Darauf hoffen wir.
Frage: Herr Präsident, wie würden Sie das charakterisieren, was heute
vorgefallen ist? Wie groß ist der Rückschlag? Haben wir damit gerechnet,
daß die Sowjets unseren Positionen gegenüber aufgeschlossener sein würden?
Antwort:

Es gab weder in direkten noch in indirekten Kontakten mit

Breschnew Hinweise darauf, daß sie bereit wären, unsere Standpunkte zu
akzeptieren.

Wir haben in einem Zeitraum von fünf bis sechs Wochen
- 8 -

�Wochen sorgfältig einen Vorschlag für drastische Reduzierungen ausgearbeitet, den wir als ausgewogen betrachteten.
Ich darf sagen, daß die wichtigen Mitglieder des Kongresses, das
Außenministerium, mein eigener Stab, der Verteidigungsminister, die
Mitglieder des Gemeinsamen Stabes (der US-Streitkräfte) einstimmig der
Meinung waren, daß es sich um einen guten und fairen Vorschlag handelt.
Ich habe gehofft, daß die Substanz unseres Vorschlages in Zukunft von
der Sowjetunion akzeptiert werden wird, denn es liegt in ihrem und unserem
Vorteil, das zu tun.
Aber ich bin überhaupt nicht entmutigt. Außenminister Vance hat mir
telegraphiert, daß er enttäuscht darüber ist, daß wir nicht sofort zu
einem Übereinkommen gelangt sind, aber er war nicht entmutigt. Ich meine,
die Tatsache, daß ein gemeinsames Kommunique verfaßt wurde, das morgen früh
veröffentlicht wird und die Tatsache bekannt gibt, daß unsere beiden
Länder diese Gespräche ohne Unterbrechung fortsetzen, ist ebenfalls sehr
ermutigend.
Frage:

Herr Präsident, wäre es fair zu sagen, daß die Gespräche zusam-

mengebrochen sind, weil die Vereinigten Staaten gegenwärtig nicht bereit
sind, Einschränkungen für die Marschflugkörper (Cruise Missiles) zu
akzeptieren?
Antwort:
Frage:
Antwort:

Nein!
Ist das nicht der Kernpunkt?
Das ist keineswegs der Kernpunkt. Wir sind bereit, Ein-

schränkungen für die Marschflugkörper zu akzeptieren, wenn dies Bestandteil
eines ausgewogenen Gesamtpaketes ist. Wir sind nicht bereit, ein
einseitiges Verbot für die Entwicklung oder die Dislozierung von Marschflugkörpern zu akzeptieren, wenn die Sowjetunion nicht entsprechende Zugeständnisse macht, einschließlich des Backfire-Bombers.
- 9 -

Wir haben eiji

�-K

ein Paket zusammengestellt, das fair und ausgeglichen ist, aber wir sind
nicht bereit, einseitig auf eine Möglichkeit zu verzichten, wenn die Sowjetunion nicht eine entsprechende Gegenleistung bietet.
Frage:

Ich habe nicht gemeint einseitig, aber bei der Reise von

Außenminister Kissinger in die Sowjetunion im Januar 1976 fanden aktive
Verhandlungen über eine ausgewogene Reduzierung statt, bei denen es auch
um gewisse Begrenzungen für Marschflugkörper ging.
Wenn Sie also sagen, daß die Sowjets erklärten, wir hätten einer
Einschränkung der Marschflugkörper zugestimmt, beziehen sie sich dann
nicht auf das Jahr 1976 und nicht auf Wladiwostok, als die Marschflugkörper
tatsächlich nur auf dem Reißbrett existierten und nicht in der Wirklichkeit?
Antwort: Ich glaube nicht - aber ich möchte mich nicht in die Lage
versetzen, für Außenminister Kissinger zu sprechen - daß es jemals die
Unterstellung eines amerikanischen Einverständnisses hätte geben können,
daß die Sowjets ohne Begrenzung den Backfire-Bomber bauen und dislozieren
dürften, während wir die Marschflugkörper einschränkten. Das ist der
Standpunkt, den die Sowjets in dem Obereinkommen von Wladiwostok einnahmen.
Frage: Herr Präsident, haben die Russen erklärt, warum sie den umfassenden Vorschlag ablehnen? War es deswegen, weil sie keine so drastischen
Reduzierungen wollen, wie Sie sie vorgeschlagen haben, oder war es,weil sie
glaubten, die Begrenzungen für Marschflugkörper wären nicht ausreichend?
Haben sie irgendwelche Gründe angeführt?
Antwort: Ich weiß noch nicht. Ich habe noch keine endgültige Analyse
von Außenminister Vance vorliegen. Er war noch vor einigen Minuten in der
amerikanischen Botschaft in Moskau und hat einen ausführlichen Bericht über
den Verlauf der Verhandlungen für mich vorbereitet. So weit ich zu diesem
Zeitpunkt weiß, haben die Sowjets keine spezifischen Gründe dafür genannt,
warum sie unseren Vorschlag ablehnten.
Ich
- 10 -

�Ich vermute, daß dieser Vorschlag so substantiell ist und eine radikale
Abkehr vom bisherigen bedeutet, indem er strikte Begrenzungen und eine
Reduzierung der vorhandenen Raketen und ein Verbot der Entwicklung oder
Dislozierung neuer Raketen für die Zukunft enthält, daß die Sowjets einfach
mehr Zeit brauchen, um ihn zu prüfen.
Ob sie ihn bei den Verhandlungen in Genf im Mai oder später akzeptieren
werden oder nicht, kann ich heute einfach noch nicht sagen.
Frage: Die Gespräche im Mai werden zwischen Herrn Gromyko und Herrn
Vance stattfinden?
Antwort:
Frage:

Das ist richtig.
Herr Präsident, Senator Baker hat gerade vorhin erklärt, daß Sie

bei der Unterrichtung der führenden Vertreter des Kongresses gesagt hätten,
Sie beabsichtigten/hart 1 zu bleiben.

Haben Sie das gesagt, und was meinen

Sie damit?
Antwort: Ja, das habe ich gesagt. Ich glaube, daß es wichtig für uns
ist, in diesem Jahr eine Chance zu nutzen, nicht nur eine oberflächliche
Ratifizierung von Regeln auszuhandeln, wie das Wettrüsten weitergehen kann,
sondern ein Einfrieren der Entwicklung und Dislozierung neuer Raketen und
eine tatsächliche Reduzierung der Träger und der Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) unter den früher vereinbarten Stand.
Was diese Punkte anbetrifft, so beabsichtige ich,in meiner Haltung sehr
fest zu bleiben. Ich halte es nicht für vorteilhaft für unsere Nation,
stückweise zusätzliche Vorschläge zu machen. Unsere Erfahrungen in der
Vergangenheit haben uns gelehrt, daß die Sowjetunion aus umfassenden Vorschlägen jene Punkte herauslöst, die für sie von Vorteil sind, und die
Verhandlungen über jene Punkte des Vorschlags fortsetzen will, die für sie
nicht so günstig wären.
Ich

�Ich habe daher die Absicht, stark weiterzuverhandeln, um die führenden
Männder unseres Landes wissen zu lassen, was wir vorschlagen, und ich bin
nicht in Eile.

Es ist schon wichtig genug, methodisch und sorgfältig

vorzugehen, aber ich möchte hoffen, daß sich die Sowjets mit uns auf
drastische Reduzierungen und strikte Begrenzungen in Zukunft einigen werden,
die niemals Teil eines bisherigen Abkommens gewesen sind.
Frage:

Herr Präsident, darf ich hier nachhaken?

Antwort: Bitte!
Frage:

Wenn Sie sagen, Sie wollen die Verhandlungen fortsetzen,

besteht dann eine Chance, daß Sie im Mai nach Genf gehen könnten, da Sie
sich ohnehin Anfang Mai in Europa aufhalten werden?
Antwort:

Es steht tatsächlich auf meinem Plan, nach Europa zu

reisen - nicht nur, um mit den Verbündeten in London zusammenzukommen,
sondern auch mit Präsident Assad aus Syrien, und wo dieses Treffen stattfinden wird, weiß ich noch nicht.

Aber ich habe gegenwärtig keine Absichten,

auf dieser Reise mit sowjetischen Führern zusammenzutreffen.
Frage:

Herr Präsident, wie wird diese Daten-Bank funktionieren?

Wird

sie auch alle konventionellen Rüstungen einschließen?
Antwort: Das wäre eine Sache, die getrennt erörtert werden müßte. Seit
langem bildet die Daten-Bank eine Streitfrage bei den in Wien stattfindenden
Verhandlungen über eine beiderseitige, ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte, in deren Rahmen wir die Sowjets ersucht haben, uns einen Überblick
über ihr Arsenal innerhalb der Staaten des Warschauer Paktes zu geben.
Hierbei handelt es sich in erster Linie um konventionelle Waffen.
Die

�Die Daten-Bank jedoch, auf die ich mich heute nachmittag bezog, ist
eine Inventur der Kernwaffen, die in die SALT-Gespräche einbezogen wurden der strategischen Kernwaffen.

Bisher haben wir auf beiden Seiten eine

ziemlich gute Methode der Inventur von Waffen entwickelt, die tatsächlich
disloziert worden sind.

Wir streben jedoch einen freien und exakten Aus-

tausch mit der Sowjetunion über die Frage an, über wieviele Waffen sie und
über wieviele wir verfügen, damit wir genauer jede Abweichung von diesen
Zahlen feststellen können.
Frage:

Wenn ich hieran anknüpfen dürfte, würde dies irgendeine Art

der Verifizierung beinhalten?
Antwort: Ja. Wir möchten die Frage der Verifizierung mit allem Nachdruck offenlegen. Bei einem umfassenden Testverbot hätten wir gerne eine
Inspektion an Ort und Stelle. Die Sowjets haben diesem Prinzip niemals
zugestimmt, aber sie haben dies im Rahmen der Erörterungen einige Male
erwähnt. Außenminister Gromyko hat im vorigen Jahr vor den Vereinten
Nationen eine Erklärung abgegeben, in der von der Möglichkeit von
Inspektionen an Ort und Stelle die Rede war. Wir sind in der Tat der
Meinung, daß die Verifizierung bei einem umfassenden Rüstungsbegrenzungsabkommen eine entscheidend wichtige Rolle spielt. Es ist ganz klar, daß
es bei einer Verifizierung eine Verschleierung nicht gibt, und eine Verifizierung in begrenzterem Umfang beinhaltet auch die Daten-Bank, von der ich
gerade sprach. Noch eine Frage.
Frage: Darf ich bitte diese Frage stellen. Hat das Scheitern dieser
Gespräche in irgendeiner Weise Ihre Einstellung hinsichtlich der Entwicklung
künftiger amerikanischer Waffensysteme beeinflußt? Mit anderen Worten,
sind Sie jetzt eher geneigt, sich für eine volle Produktion des B-l-Bombers
oder für irgendein anderes modernes Waffensystem einzusetzen?
Antwort:

Nun, wenn wir zum Abschluß der Erörterungen im nächsten Monat

den Eindruck gewinnen, daß die Sowjets uns gegenüber nicht in Treu und
- 13 -

�und Glauben handeln und daß ein Abkommen unwahrscheinlich ist, dann wäre
ich gezwungen, eine weit tiefergehende Verpflichtung gegenüber der Entwicklung und Dislozierung zusätzlicher Waffen einzugehen.

Aber ich möchte

eine solche Entscheidung so lange nicht treffen, bis ich zu der Überzeugung
gelangt bin, daß die Sowjets nicht in Treu und Glauben handeln.

Ich hoffe,

sie werden in Treu und Glauben handeln.
Ich möchte jetzt noch eine Frage von Wes beantworten.
Frage:

Herr Präsident, noch eine Frage hinsichtlich der einschneidenden

Reduzierungen.

Weil die Sowjets anscheinend heute über mehr Trägersysteme

verfügen als wir, gibt es deshalb Einwände, daß sie im Falle einschneidender
Reduzierungen mehr Waffen vernichten müßten als wir?
Antwort: Einschneidende Reduzierungen würden beide Seiten in etwa
gleichem Maße betreffen. Weniger einschneidende Reduzierungen, sagen wir
einmal von 2 400 auf 2 200 Träger, würden die Sowjets weitaus nachteiliger
treffen als uns. Ein Teil unseres Verhandlungspaketes betrifft die
schweren Raketen, die SS-9 und die SS-18, von denen es gegenwärtig 308 Stück
gibt.
Wir haben in unser Verhandlungspaket eine wesentliche Reduzierung unter
diese Zahl einbezogen.

Aber ich glaube, daß Einzelheiten unseres Vorschlages

zu einem späteren Zeitpunkt enthüllt werden sollten.

Ich möchte mir hin-

sichtlich der Einzelheiten Zurückhaltung auferlegen, weil Außenminister
Vance und Außenminister Gromyko Absprachen in bezug auf die Darlegung der
Verhandlungen getroffen haben, über die ich noch nicht voll informiert bin.
Aber ich glaube, die genauen Zahlen können zu einem späteren Zeitpunkt
verfügbar gemacht werden.
Ich danke Ihnen."

+ + +
- 14 -

�1

Hß

py

b]

Dokumentation
United States Information Service

7/1977

GEMEINSAMES AMERIKANISCH-SOWJETISCHES KOMMUNIQUE

WASHINGTON - (AD) - Die USA und die Sowjetunion naben am 31. März 1977
nach Abschluß der Gespräche, die US-Außenminister Cyrus R. Vance in Moskau
geflihrf hat, ein gme-'nsame" Kommuniq' -&gt; veröffentlich*
Das Kommunique hat
folgenden Wortlaut:
Vom 28. bis 30. März 1977 führten der Generalsekretär des Zentralkomitees
der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, L I . Breschnew und das Mitglied
des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion,
Außenminister der UdSSR, A.A. Gromyko, Gespräche mit dem Außenminister der
Vereinigten Staaten von Amerika, Cyrus R. Vance, der sich zu einem offiziellen
Besuch in Moskau aufhielt.
Im Laufe der Gespräche fand eine allgemeine Erörterung der amerikanischsowjetischen Beziehungen sowie bestimmter internationaler Probleme von gemeinsamem Interesse für die Vereinigten Staaten und die UdSSR statt.
Die Behandlung von Fragen, die für den Abschluß des neuen Abkommens über
die Begrenzung strategischer Offensivwaffen relevant sind, nahmen den zentralen

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesbergl
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�zentralen Platz in den Gespräche ein. Beide Seiten sind übereingekommen»die
Erörterung dieser Fragen fortzusetzen.
Ferner fand ein Meinungsaustausch über eine Reihe anderer Fragen bezüglich der Begrenzung der Rüstungen und der Abrüstung statt.

Es wurde verein-

bart, daß bilaterale Kontakte, einschließlich von Zusammenkünften von Experten,
gepflogen würden, um diese Angelegenheiten zu erörtern.
Die Behandlung internationaler Fragen schloß die Vorbereitende Konferenz
in Belgrad sowie die Lage auf Zypern und im südlichen Afrika ein. Sie bekräftigten die Bedeutung des Viermächte-Abkommens vom September 1971. Besondere
Aufmerksamkeit wurde der Lage im Nahen Osten geschenkt.

Beide Seiten sind

übereingekommen, daß die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und
der UdSSR als Ko-Vorsitzende der Genfer Konferenz wesentlich ist, um einen gerechten und dauerhaften Frieden in diesem Gebiet herbeizuführen.

Es wurde

Übereinkunft erzielt, in der ersten Hälfte des Monats Mai 1977 in Genf ein
Treffen des Außenministers der Vereinigten St&lt; cen un^ des Außenministers der
UdSSR abzuhalten, um einen gründlichen Meinungsaustausch über das Nahost-Problem, einschließlich der Frage der Wiederaufnahme der Genfer Konferenz,zu pflegen.

Einige der anderen in den Gesprächen in Moskau behandelten Fragen werden

dann ebenfalls besprochen werden.
Die Erörterung praktischer Fragen der bilateralen Beziehungen führte zu
mehreren spezifischen Übereinkommen.

+ + + + +

�7/1977

AMERIKANISCHE COMPUTERKONFERENZ: TECHNIK - ANWENDUNG - PROBLEME
Tagung vom 13. - 16. Juni 1977 in Dallas (Texas)

- (AD) - Ein sorgfältig zusammengestelltes Vortragsprogramm, Seminare
und Analysen der jüngsten Entwicklungen bei Kleincomputeranlagen, insbesondere auf dem rapide wachsenden Gebiet der verbraucherorientierten Datenspeicherung und Datenverarbeitung, kennzeichnen die "Nationale Computerkonferenz" vom 13. - 16. Juni 1977 in Dallas (Texas). Mehr als 300 Firmen und
Institute sind außerdem mit Ausstellungen vertreten, die die modernsten technischen Entwicklungen und Anwendungsmöglichkeiten präsentieren. Die ca.
25 000 Besucher, die erwartet werden, erhalten Gelegenheit, sich umfassend
darüber zu informieren, welche Arbeitsmethoden und Ausrüstungen den jeweiligen Anforderungen am besten gerecht werden, kostengünstig sind und zu optimalen Ergebnissen führen. Aber auch der Komplex Datenschutz und sicherer
Prozeßablauf, einschließlich der Gefahr von Datenmißbrauch und Manipulation,
des Zugriffs Unberechtigter oder der Beeinflußbarkeit von Computerprogrammen,
sowie politische Probleme und Aufgaben im Zusammenhang mit der elektronischen
Datenverarbeitung werden eingehend behandelt.
Veranstalter ist die "American Federation of Information Processing

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberq 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�r -»

Processing Societies" (AFIPS - US-Verband der Gesellschaften für Datenverarbeitung).

Angesichts ihrer Bedeutung als Treffpunkt der Fachwelt nicht

nur aus den Vereinigten Staaten, sondern auch aus Europa, Asien, Lateinamerika,
dem Nahen Osten und Afrika erfährt die Konferenz eine besondere Förderung seitens des US-Außenministeriums und des US-Handelsministeriums.

Ähnlich wie

bei der vorangegangenen Tagung im Jahre 1975 in New York erwartet man im Juni
Hunderte von Teilnehmern aus dem Ausland.

Das Ereignis bietet Vertretern von

Wirtschaft und Industrie aus aller Herren Ländern eine einzigartige Gelegenheit zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch.
Die rapide fortschreitenden Veränderungen in der Technik der Informationsverarbeitung und ihrer Anwendung machen, so Konferenzvorsitzender Dr. Portia
Isaacson, kontinuierliche Weiterbildung zu einem dringenden Bedürfnis.

Die

Tagung sei deshalb so geplant und vorbereitet worden, daß sie Computerspezialisten, Organisationschefs für elektronische Datenverarbeitung (EDV), leitenden Persönlichkeiten in Wirtschaft und Industrie, Benutzern, Lehrern und Regierungsvertretern Gelegenheit gibt, zu lernen und neue Erfahrungen zu sammeln.
Der einzelne soll Unterstützung für die Wahrnehmung seiner speziellen beruflichen Aufgaben erhalten und im Hinblick auf sein berufliches Fortkommen gefördert werden.
Wie ein Sprecher der AFIPS erklärte, werden in jedem der 11 vorgesehenen
Seminare über Themen, die für EDV-Management und für technische Spezialisten
von besonderer Bedeutung sind, die jeweiligen Fragenkomplexe ausgelotet. Die
Leitung jedes der ganztägigen Seminare liegt in den Händen von Kapazitäten
ihres Fachs. Die Themenbreite reicht vom flächenabdeckenden Datenübertragungsnetz mit Satellitenstationen und zentraler Verarbeitungseinheit bis zur Langzeitplanung. Von den mehr als 300 Vorträgen der Experten basiert ein Teil auf
gleichzeitig eingereichten wissenschaftlichen Abhandlungen. In Round-TableGesprächen zwischen Vertretern führender Herstellerfirmen und Benutzern, in
Lehrveranstaltungen und Sonderarbeitskreisen für EDV-Organisationschefs nimmt
der Informationsaustausch zwischen Computerspezialisten und den für die Datenverarbeitung verantwortlichen Spitzenvertretern der Unternehmen einen beson- 2 -

-K

�besonderen Platz ein.

Mehr als 1100 Stände sind bereits reserviert, um "die

bisher größte und umfassendste Ausstellung von Computern und Zubehör, Softwaren, Systemen und Dienstleistungen zu präsentieren".

Vorgesehen sind fer-

ner ein nationaler Programmier-Wettbewerb, der einen in seiner Art einzigartigen Test für Logik- und Programmierleistung darstellt, und eine Ausstellung verbraucherorientierter Computer.
Die Themen in den Seminaren umfassen u.a. strukturierte Information,
d.h. "linienbezogener" Informationsumfang entsprechend dem Informationsbedürfnis auf den verschiedenen Stufen der betrieblichen Hierarchie, ferner
die Entwicklung von EDV-Langzeitplänen, on-line-Systeme, Einführung in die
physikalischen Vorgänge bei Anwendung der Software und in Computer-Verbundsysteme, Datenbank-Organisation, Vergleich von Datenbank-Systemen, Berufsbildung für Informatiker, Normierung der Software und Mikroprozessoren samt Ursprung und Trends sowie nach Anwendungsbereichen gegliedertes Konstruktionskonzept. Für Interessenten aus dem Ausland hat AFIPS eine mehrsprachige Broschüre über die Konferenz und ihre Ziele herausgebracht.
Die Betreuung der Besucher ist aufs Beste organisiert. Unter der Telefonnummer 800-556-6882, die von jedem Ort innerhalb der USA gebührenfrei angerufen werden kann, erhält der Interessent die gewünschten Auskünfte über
die günstigsten Anreisewege und Unterbringungsmöglichkeiten. Zum Service gehört außerdem die Reservierung der billigsten Flugbilletts nach Dallas (mit
Einsparungen bis 30 Prozent) für den Konferenzbesucher selbst. Familieangehörige und Kollegen. Am Flughafen Dallas-Fort Worth und im Konferenzzentrum
sind besondere Schalter für die Betreuung der ankommenden und weiterreisenden
Konferenzteilnehmer eingerichtet.

+ + + + +

- 3 -

�UUi//cn/choft
und Technik
United States Information Service

7/1977

EINZELATOME MIT LASER-LICHTENERGIE IDENTIFIZIERT

- (AD) - Über die Entwicklung eines Verfahrens, mit dem erstmals einzelne Atome angeregt, erfaßt und identifiziert werden können, berichten
Wissenschaftler des Oak Ridge National Laboratory (ORNL) in Tennessee, USA.
Es wurde "ein völlig neuartiges Instrument" der analytischen Chemie geschaffen, mit dem das absolute Höchstmaß an Empfindlichkeit zu erreichen und nicht
nur das einzelne Atom, sondern auch dessen Reaktion mit anderer Materie zu beobachten ist.
Das Verfahren beruht auf der Anregung einzelner Atome in Gasen durch
die Photonen eines intensiven Laserstrahls. Im ORNL wurde demonstriert, daß
auf diese Weise Einzelatome des Elementes Caesium in einigen Trillionen anderer Atome und in Molekülen verschiedenster Art erfaßt werden können. Die
Methode ist aus Projekten der Grundlagenforschung hervorgegangen, die von
der Abteilung Biomedizin und Umweltforschung der ERDA (US-Energieforschungsund Entwicklungsbehörde) zur Verbesserung von Meßverfahren für die Kontrolle
der Luftqualität in Angriff genommen wurden.
Die Bewegungen einzelner Atome können mit dem Raster-Elektronenmikroskop
"sichtbar" gemacht werden.

Ebenso läßt sich der radioaktive Zerfall eines

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�-

eines Atoms registrieren.

Aber bei diesen Verfahren ist es nicht möglich,

ein Einzelatom auszuwählen, zu isolieren und zu beobachten.

Das neue ORNL-

Verfahren ist vor allem für solche Gebiete der Forschung von Bedeutung, wo
es zur Lösung von Problemen darauf ankommt, geringe Mengen von Atomen zu
identifizieren und zu zählen.

Dies trifft z.B. für die Identifizierung und

Messung chemischer Schmutz- und Schadstoffe zu. Außerdem könnte die neue
Methode die Identifizierung neuer, nur in äußerst kleinen Mengen synthetisierter Elemente erleichtern.

Sie könnte ferner helfen, seltene nukleare

Reaktionen wie jene zu registrieren, die unter Beteiligung von Neutrinos aus
der Sonne vor sich gehen. Auch bei der Suche nach den "Quarks", die heute
als die eigentlichen Grundbausteine der Materie angesehen werden, erhofft
man sich bessere Meßmethoden mit dieser Art einer "Laser-Sonde".
Das Verfahren wird folgendermaßen beschrieben: Ein intensiver Laserstrahl wird in einen Proportionalzähler gepulst - ein Registrierinstrument,
in dem sich gleichzeitig die Kammer mit der Gasprobe befindet.

Die Intensi-

tät und gleichzeitig sorgfältig gesteuerte Frequenz des uaserlicht-Impulses
sorgen dafür, daß jedes Atom jenes Typs, den man erfassen will, zunächst angeregt und dann ionisiert wird.

Das führt dazu, daß jedes Atom des "ange-

sprochenen" Elements ein Elektron verliert, während die Milliarden von Atomen
oder Molekülen anderen Typs im wesentlichen unbeeinträchtigt bleiben.

Der

Proportionalzähler ist so empfindlich, daß er erlaubt, einzelne Elektronen
zu zählen, die innerhalb der Kammer von Atomen abgestreift werden.

Die im

ORNL demonstrierte Methode läßt sich unter Verwendung verschiedener Instrumente auf etwa die Hälfte aller bekannten Elemente anwenden; unter gewissen
Umständen werden auch mehrere Laser eingesetzt. Auch Moleküle sind zu klassifizieren, indem man sie aufspaltet und dann die atomaren Bestandteile identifiziert.

+ + + + +

�Uli//cn/ch(ift
und Technik
United States Information Service

7/1977

SUPERMAGNET IN HYBRID-KONSTRUKTION
Energiebedarf fast zwei Drittel geringer

- (AD) - Mit einem Hybrid-Magnetsystem, der Kombination aus einem herkömmlichen w^ssergeLiulten Magneten und einer superleitfähigen Spule, wurde
am Nationalen Francir&gt;-Bitter-Magnetforschungsinstitut (NML) in Cambridge
(Massachusetts) eine Feldstärke von 254 000 Gauss erzielt. Dies entspricht
etwa dem 500 OOOfachen der Stärke des erdmagnetischen Feldes. Bei dem Gerät handelt es sich um eine Sonderkonstruktion im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts amerikanischer und niederländischer Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. B. Bruce Montgomery (NML). Das Institut steht unter der Regie
des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und wird von der amerikanischen
Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) gefördert.
Für die Erzielung der Höchstleistung in der jüngsten Versuchsserie waren 4,5 Megawatt (4,5 Millionen Watt) Strom erforderlich. Man hätte jedoch,
wie Dr. Montgomery erklärte, 12 - 13 Megawatt gebraucht, wenn ausschließlich
ein wassergekühlter Kupfermagnet gleicher Größe und Feldstärke benutzt worden
wäre. Bei der Hybrid-Konstruktion wird ein solcher wassergekühlter Magnet nur
als Einsatz für die große Außenspule verwendet, die aus einem Supraleiter be-

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besteht.

Superleitfähiges Material zeichnet sich dadurch aus, daß sein

elektrischer Widerstand bei Abkühlung auf extrem tiefe Temperaturen auf Null
zurückgeht, so daß der einmal zugeführte elektrische Strom ständig fließt.
Für die Erzeugung eines Magnetfeldes wird keinerlei Strom verbraucht - die
Energie ausgenommen, die für die Kühlung der Spule auf Tiefsttemperatur erforderlich ist.

Bestimmte Materialien,

z.B. eine Legierung aus den Metal-

len Niob und Tantal, eignen sich als Supraleiter besonders gut.

In vielen

Laboratorien arbeiten Werkstoffexperten jetzt daran, zum Zweck der Kostenund Energieeinsparung Supraleiter zu entwickeln, dere. "Sprungtemperatur"
- d.h. jene Temperatur, bei der die Superleitfähigkeit einsetzt - nicht so
extrem niedrig liegt wie beispielsweise bei der Niob-Tantal-Legierung.
Im Gegensatz zu wassergekühlten Magneten läßt sicn jedoch bei Supraleiter-Magneten die Feldstärke nichtbeliebig steigen.. Mit zunehmender
magnetischer Feldstärke wächst der elektrische Widerstand. Bei der NiobTantal-Legierung liegt die Feldstärken-Grenze bei ca. 85 000 Gauss. Ein
wassergekühlter Magnet dagegen ist in seiner Leistung nicht begrenzt. Mit
mehr Energie ließen sich theoretisch immer höhere Felci.vcärken erzeugen. In
der Praxis jedoch müssen neben den Anforderungen an die Kühlung zum Abführen
der riesigen Wärmemengen, die den Magneten zerstören würden, auch die enoniien
mechanischen Belastungen der Spule durch die elektromagnetischen Kräfte berücksichtigt werden. Prof. Francis Bitter vom MIT, n-ch dem heute das Nationale Laboratorium für Magnetforschung benannt ist, war einer der Pioniere
für die Konstruktion der modernen wassergekühlten Magnete.
Im Verbund leisten die beiden Magnettypen jedoch das itestmögliche, was
technisch auf dem Gebiet der Magnetkonstruktion gegenwärtig zu erreichen ist.
Bei den künftigen Versuchsserien im NML will man u.a. Feldstärken bis zu
300 000 Gauss erzeugen.

Dafür wären ca. 10 Megawatt Energie erforderlich -

die Grenze dessen, was die Generatoren des Instituts zu produzieren vermögen.
Später wird der Hybridmagnet für die Durchführung weiterer Experimente nach
Nijmwegen (Holland) transportiert, wo vor kurzem ein Magnetlabor (mit einer
Energieproduktion bis 6 Megawatt) eingerichtet wurde.
Nach
- 2 -

�Nach Ansicht der Wissenschaftler des NML bedeutet die Entwicklung des
Hybrid-Magneten einen wichtigen Schritt zur Konstruktion großer SupraleiterMagnetsysteme.

Diese könnten u.a. für die Stromerzeugung im Rahmen neuer

Techniken, einschließlich der Kernfusion, von Bedeutung sein.

Außerdem H e s -

sen sich damit extrem starke Magnetfelder für die Untersuchung und Erprobung
verbesserter Supraleiter erzeugen.

In der Grundlagenforschung werden Magnet-

felder hoher Intensität zum Studium von Materie-Eigenschaften benutzt - z.B.
von Atomen, Halbleitern oder magnetischen Materialien.

Geräte, mit denen

Magnetfelder von mehr als 300 000 Gauss erzeugt werden können, würden der
experimentellen Physik noch bessere Hilfsmittel als bisher verfügbar an die
Hand geben, um vor allem die Geheimnisse der magnetischen und elektrischen
Eigenschaften der Materie zu lüften.

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